Hathapradipika

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Die Hathapradipika (Sanskrit: हठप्रदिपिका haṭhapradīpikā f.) oder häufig auch Hatha Yoga Pradipika (Sanskrit: हठयोगप्रदिपिका haṭhayogapradīpikā f.) wörtl.: "die Leuchte (Pradipika) des Hatha Yoga" ist nach dem Yogasutra des Patanjali die wohl bekannteste klassische Yogaschrift. Sie wurde in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts von Svatmarama geschrieben. Du findest alle Verse der Hathapradipika bzw. der Hatha Yoga Pradipika mit Wort-für-Wort-Übersetzung und Kommentaren im Hatha Yoga Pradipika Portal.

Die Heldin

Hatha Yoga Pradipika हठयोगप्रदीपिका Haṭha-yoga-pradīpikā Aussprache

Hier kannst du hören, wie das Sanskritwort Hatha Yoga Pradipika, हठयोगप्रदीपिका, Haṭha-yoga-pradīpikā ausgesprochen wird:

Hatha Yoga Pradipika – Zusammenfassung

Der Drehsitz fördert auch geistige Flexibilität

- Ein Vortrag von Sukadev Bretz 2019 -

Ich habe jetzt einige Dutzend Vorträge über die Verse der Hatha Yoga Pradipika gehalten. Hier noch einmal ein paar zusammenfassende Worte zur gesamten Hatha Yoga Pradipika und dann zu den einzelnen Kapiteln.

Hatha Yoga Pradipika ist die bekannteste klassische Schrift des Yoga. Sie ist vermutlich im 14. Jahrhundert nach Christus entstanden und auf einen Yogi namens Swatmarama zurückzuführen. Dieser gilt als ein selbstverwirklichter Meister. Er heißt nicht nur Swatmarama, sondern er ist derjenige, der sein Selbst erfahren hat: Swa - (das Eigene), Atma - (Selbst), Rama - (sich daran erfreut), also ein Selbstverwirklichter. Swatmarama hat die Hatha Yoga Pradipika geschrieben. Pradipika heißt „Licht, Leuchte“ - das Licht zum Hatha Yoga.

Zum Anfang des 1. Kapitels sagt er, dass er die Hatha Yoga Pradipika geschrieben hat, um Menschen zum Raja Yoga zu führen. Das Wort Raja Yoga hat mehrere Bedeutungen. Heute kennen wir es hauptsächlich als den Yogaweg des Patanjali, als den psychologischen Yogaweg der Selbstbeherrschung. So gilt die Hatha Yoga Pradipika als Hilfsmittel, um die Selbstbeherrschung zu erlangen. Hatha Yoga Pradipika ist aber auch eine Schrift, die Raja Yoga im Sinne von „Königlicher Vereinigung“ erreichen will – Raja heißt auch „königlich“, und YogaVereinigung“. An manchen Stellen der Hatha Yoga Pradipika wird Raja Yoga gleichbedeutend mit Samadhi gebraucht. Hatha Yoga ist also ein Übungssystem, um zur Befreiung, zur Einheit zu kommen.

Hatha Yoga hat verschiedene Wurzeln

Man kann Hatha Yoga üben

Swatmarama geht auch auf all diese Wirkungen ein. Aber besonders wichtig – so sagt er – ist die Übung von Hatha Yoga, um zur Selbstverwirklichung zu kommen, zu Moksha, zur Befreiung.

Wie kommen wir zu Moksha

Wie kommen wir dorthin? „Durch üben“, sagt Swatmarama. Es gilt zu üben, nicht so viel zu reden oder zu überlegen, nicht so sehr auf Kleidung zu achten – es gilt zu praktizieren. Was gilt es zu praktizieren? Zunächst gibt es vorbereitende Praktiken. Dies sind Yamas und Niyamas, also eine bestimmte Ethik und eine bestimmte persönliche Disziplin. Swatmarama erwähnt die fünf Yamas von Patanjali:

  • Ahimsa – nicht verletzen
  • Satya – Wahrhaftigkeit - ist ein besonders wichtiger Vers. Es gilt auch, ehrlich und offen zu sein.
  • Aparigraha – die Abwesenheit von Gier, Unbestechlichkeit
  • Brahmacharya – Vermeidung von sexuellem Fehlverhalten
  • Asteya – nicht stehlen

Swatmarama erzählt dann auch noch etwas über die persönliche Disziplin, er schließt aber auch uneigennützige Nächstenliebe, Mitgefühl, Erfüllen seiner Pflichten und das Beschäftigen mit spirituellen Schriften in die Yamas und Nyamas mit ein. Von besonderer Wichtigkeit ist ihm, dass man nicht so viel schwätzt und Klatschgeschichten erzählt, dass man keine schlechte Gesellschaft pflegt, dass man also darauf achtet, wie man mit anderen umgeht. Auch die Ernährung ist ihm besonders wichtig:

Richtige Ernährung eine der Säulen im Hatha Yoga

Weiterhin sagt Swatmarama, dass Hatha Yoga Weltanschauungs-übergreifend ist. Du musst keiner besonderen Glaubensrichtung angehören.

Praktiziere Asanas, Pranayama, Kriyas und Mudras

Prana in Balance ergibt einen ruhigen Geist

Dann gilt es zu praktizieren.

Im 1. Kapitel erwähnt Swatmarama das Üben von Asanas.

Im 2. Kapitel erwähnt er, dass Prana und Geist eng zusammenhängen. Daher gilt es, Prana - die Lebensenergien - zu steuern. Wie können wir die Lebensenergien steuern? Indem wir Pranayama - Atemübungen - üben. Er erwähnt hier zunächst Nadi Shodana, die Reinigungsübungen für die Nadis. Die Nadis müssen gereinigt werden, weil nur dann die eigentlichen Pranayamas gut wirken.

Danach spricht er über die Kriyas, die körperlichen Reinigungstechniken – in der Sprache der Naturheilkunde also die ausleitenden Verfahren. Er erwähnt die sechs Hauptkriyas und dann noch eine zusätzliche Kriya.

Danach sagt er, wer mit seinen Doshas - Bioenergien - in Harmonie ist, diese also in Prakriti sind, dann braucht man die Kriyas nicht. Wer jedoch Unruhe in den Doshas hat oder krank ist, oder auch träge oder verschleimt ist, der solle die Kriyas machen. Er hat aber auch einen Trost für diejenigen, die Kriyas nicht mögen: Man kann auch alle Unreinheiten allein durch Pranayama beseitigen!

So empfiehlt er Pranayama, er erwähnt die acht sog. Maha Kumbhakas - große Weisen, die Luft anzuhalten -, also die acht Übungen des Pranayama. Er erklärt ihre Wirkungen und sagt: „Übe Pranayama. So wird dein Prana ruhig. Ist dein Prana ruhig, dann ist auch dein Geist ruhig, dann kannst du meditieren.“

Hauptthema des 3. Kapitels der Hatha Yoga Pradibika sind Kundalini und Mudra. Durch die Erweckung der Kundalini ist Meditation und Samadhi möglich. Es gilt, die Kundalini zu erwecken. Aber um die Kundalini zu erwecken, muss man zuerst einen starken Körper haben (durch Asanas). Es gilt die Nadis zu reinigen (durch Asanas, richtige Ernährung, Ethik und Pranayama). Wenn man das geübt hat, ist man für die Mudras bereit. Er erwähnt dann die 10 Hauptmudras und sagt, wie wir mit ihnen üben können. Am Ende des Kapitels sagt er dann: „Wenn du durch die Übung der Mudras die Kundalini erweckt hast, dann kommt Samadhi fast von selbst.“

Hier sind wir schon im 4. Kapitel. Dieses hat als Thema „Dhyana und Samadhi“. Svatmarama sagt: „Letztlich geht es im Hatha Yoga darum, den Geist zur Ruhe zu bringen, ins Überbewusstsein zu kommen und dann Mukhti (Befreiung) zu erreichen.“

Wenn Kundalini erwacht führt sie dich zu Samadhi

Kundalini führt dich in Meditation und zu Samadhi

Wie geht das?

Zum einen: Ist die Kundalini erwacht, dann führt sie einen von selbst zu Samadhi. Er stellt aber auch spezielle Meditationstechniken vor, insbesondere Shambhavi Mudra, auch Khechari Mudra kann in die Meditation und Samadhi führen. Von besonderer Wichtigkeit für ihn ist Laya Yoga - der Yoga der Auflösung - und Nada Yoga - der Yoga des Klanges -. Er empfiehlt insbesondere Anahata Nada Dhyana, die Meditation über den inneren Klang. Er verbringt viele Verse damit, uns verschiedene Formen von Anahata Nada Dhyana nahezulegen.

Zum Abschluss dieses Kapitels beschreibt er die Wirkungen: Was geschieht, wenn du über eine der Meditationstechniken den Geist in Laya - vollkommene Ruhe - gebracht hast? - Du erreichst Samadhi, du erreichst Mukti - die Befreiung -, und du wirst zum Jivanmukta, zum lebendig Befreiten. Dann hast du alle Ziele deiner Bestrebungen erlangt – alle Sehnsüchte des Menschen gehen letztlich in Richtung Samadhi. So ermutigt er uns, zum höchsten Samadhi zu kommen.

An ein paar Stellen hat Swatmarama ein paar kleine Seitenhiebe gegenüber Menschen, die es sich zu einfach machen. Er sagt: Einfach nur ein paar Worte über Vedanta zu sagen – das reicht nicht aus. Nur ein bisschen überlegen, um zur Erkenntnis zu kommen – das reicht nicht aus. Es muss lebendige Erfahrung sein. Nur jemand, der Samadhi erfahren hat, nur der kann auch Dhyana haben. Und nur wer Samadhi erfahren hat, hat vollkommenes Bhakti, letzlich: Hingabe, Wissen, Samadhi und vollkommene Freiheit - alle bedingen einander. Es gilt zu praktizieren.

Dazu will uns Svatmarama immer wieder ermutigen: praktiziere, praktiziere, praktiziere!

Er weiß, dass es nicht nur Menschen gibt, die Erleuchtung erlangen wollen. Deshalb lockt er mit Versprechen: Mit Hatha Yoga Übungen kann man auch Krankheiten heilen. Man kann seine Doshas wieder in ihr natürliches Gleichgewicht bringen. Man kann Agni, das Verdauungsfeuer, erhöhen. Man kann alle Amas - Blockaden, Verspannungen und Stoffwechselprodukte und Schlacken - beseitigen. Wir können einen gesunden und schlanken Körper haben und jugendlich sein. Es gilt, Asanas, Pranayama, Mudras und die Kriyas zu praktizieren. Er macht uns den Mund wässrig und will uns letztlich motivieren, indem er auch an einigen Stellen sagt, dass durch die Hatha Yoga Übungen die sexuelle Anziehungskraft steigt. Er sagt aber natürlich auch, dass Brahmacharya wichtig ist – er spielt damit ein bisschen.

An manchen Stellen will er uns auch etwas vor den Kopf schlagen. Manchmal gebraucht er eine anzügliche Sprache, oder er sagt Dinge, die offensichtlich nicht so schön sind, löst dies aber dann ein paar Verse später auf. Dies ist ein Zeichen dafür, dass ein Lehrer seine Schüler auch auf die Probe stellen muss.

Er sagt an einigen Stellen auch, dass wir Siddhis - außergewöhnliche Fähigkeiten - erreichen können, zum Beispiel ganz klein oder ganz groß zu werden, auf Astralreise zu gehen und vieles andere. Indem er darüber spricht will er uns etwas ködern.

Er verspricht uns auch Ruhe des Geistes. „Menschen versuchen ihren Geist zu beruhigen – aber durch Hatha Yoga erreichst du es wirklich.“ Er spricht davon, dass wir große Kräfte und geistige Stärke bekommen. „Indem wir auf diese Weise unseren Geist und unser Prana beruhigen, brauchen wir uns über nichts mehr aufzuregen. Ein Yogi, der einen gewissen Grad erreicht hat, wird unabhängig davon, was andere Menschen über ihn denken und sagen und mit ihm tun. Er wird unabhängig von allem Karma und nicht mehr beeinflusst von den Höhen und Tiefen des Lebens.“ Die Bhagavad Gita würde sagen: Ein Yogi kennt nachher sein Karma.

„Er tut, was zu tun ist, aber er ist nicht mehr gezwungen, ist nicht mehr besessen von etwas – sondern er ist frei - Moksha, Mukti -. Darum geht es, und das kannst du erreichen – praktiziere, praktiziere, praktiziere. Das ist das Geheimnis des Erfolges. Egal ob du jung, alt oder sehr alt bist, ob du gesund, kränklich oder krank bist, ob du flexibel bist oder steif: Egal, was dein geistiger, körperlicher oder energetischer Zustand ist – mit regelmäßiger Praxis von Hatha Yoga kannst du Erfolg haben.“

Das sagt uns Swatmarama immer wieder: „Darüber besteht kein Zweifel, also übe und praktiziere.“

Hari Om Tat Sat

Om Shanti Shanti Shanti

Video - Hatha Yoga Pradipika – Zusammenfassung

Inhalt

Die Hathapradipika - so der ursprüngliche Name - beschreibt die Techniken des Hatha Yoga, die Reinigungen des physischen und subtilen Körpers, sowie deren Auswirkungen. Sie ist je nach Ausgabe in vier oder zehn Kapitel gegliedert und besteht aus 643 Versen. Obwohl der Hatha Yoga und der Kundalini Yoga beschrieben werden, betont der Autor wiederholt, dass der Raja Yoga sehr wichtig sei:

Kein Erfolg in Raja Yoga ohne Hatha Yoga und kein Erfolg in Hatha Yoga ohne Raja Yoga! Deshalb soll beides gut bis zum Ende geübt werden. Hpr. II,76

Die Hathapradipika ist stark vom Gorakshashataka beeinflußt.

Hatha Yoga Pradipika Grundlagen:

I. Über Asanas

Die Hathapradipika beginnt damit, dass Shiva der Verkünder des Hatha Yogas ist, wobei ausdrücklich betont wird: der Hatha Yoga ist lediglich eine Vorstufe des Raja Yoga. Der Autor Svatmarama stellt sich in die Reihe seiner Vorgänger Matsyendra und Goraksha, die etwa 500 Jahre vor ihm gewirkt hatten.

Nach der Einleitung werden die Voraussetzungen für den Hatha Yogin beschrieben, wie die ethischen Vorlagen oder die Essvorschriften. Das Hauptmerk des ersten Kapitels gilt den Asanas, wobei 15 ausführlich beschrieben werden.

II. Über Pranayama

Das zweite Kapitel befasst sich mit den Shatkriyas und mit Pranayama.

III. Über Mudras

Im dritten Kapitel wird die Kundalini behandelt, dann mehrere Bandhas und Mudras, darunter auch sexuelle Praktiken, die aber in einigen Ausgaben weggelassen werden.

IV. Über Samadhi

Das letzte Kapitel befasst sich schließlich mit Samadhi.

Hathapradipika 3. Kapitel - Mudras und Bandhas

Im folgenden werden die Verse aus der dem 3. Kapitel der Hatha Yoga Pradipika erläutert:

In Vers 2 wird die Wichtigkeit eines Gurus betont. Es ist wichtig seinen Instruktionen mit Hingabe zu folgen, wenn man den Weg allein (nur aus Büchern) gehen möchte, kann man sich in Aberglauben und Verwirrung verlieren.

Vers 3: Wenn Prana in der Sushumna fließt, wird der Geist frei von Bewegungen und man identifiziert sich mit dem wahren Selbst. Man erlangt Unsterblichkeit, deswegen wird der Tod abgewehrt. Ab hier werden Mudras erklärt. Ein Mudra (Siegel) ist eine spezielle Körperhaltung, welche verschiedene Öffnungen verschließen und die durch Asanas und Pranayama produzierte Energie in die verschiedenen Zentren lenkt und bestimmte Geisteszustände oder –haltungen hervorruft; sie dienen zur Erweckung der Chakras und Anregung der Kundalini-Energie. Mudras können separat oder zusammen mit Asanas und Pranayama praktiziert werden.

Bandhas sind spezielle Mudras (siehe Vers 6) – Verschlüsse. Sie blockieren den Energiefluss in eine bestimmte Richtung oder in bestimmten Nadis. Hier beinhalten sie aber noch bestimmte Konzentrationen oder Kombinationen (von Bandhas), die sie zum Mudra machen.

In Vers 6 und 7 werden die 10 Mudras aufgezählt:

Balkenwaage
  1. Maha Mudra
  2. Maha Bandha
  3. Maha Vedha
  4. Khechari Mudra
  5. Uddiyana Bandha
  6. Mula Bandha
  7. Jalandhara Bandha
  8. Viparita Karani Mudra
  9. Vajroli
  10. Shakti Chalini

Sie sind Vernichter von Alter und Tod – oder besser die Furcht vor diesen, den physischen Körper betreffenden Effekten – aber auch Hinweis auf Siddhas, die jenseits der physischen Ebene existieren, sich aber manifestieren können (z.B. Babaji oder Narada).

Vers 8: Mudras verleihen die acht Siddhis – diese werden auch hier als Hindernis oder Gefahr gesehen – gibt man der Versuchung nach, sie zu nutzen, wird das Prana ausgegeben und sie verschwinden wieder, man fällt zurück in den Abgrund und muss von neuem beginnen.

Die Mudras sind eigentlich recht einfach, man sollte aber nicht sofort anfangen, sie zu praktizieren – wenn die Nadis und besonders die Sushumna gereinigt sind, spürt man sofort die Wirkung des Mudras; sonst kann man den ganzen Tag üben, ohne Effekt (und man denkt, die Techniken sind wirkungslos). Vorbereitung und Reinigung mit Asanas und Pranayama ist also notwendig.

Verse 10-18 erklären das Maha Mudra:

  • Atem durch die Sushumna ziehen = Prana in die Sushumna bringen durch Kumbhaka
  • es beinhaltet Asana, Kumbhaka, Mudra und Bandha, dass macht es energetisch sehr wirkungsvoll und es kann direkt in Meditation führen
  • wird wegen seiner großartigen Wirkungen das größte Mudra (Maha Mudra) genannt

Verse 19-24: Maha Bandha – in Siddhasana/Siddha Yoni Asana – auf beiden Seiten

  • stoppt die Aufwärtsbewegung des Pranas in Ida/Pingala, nicht aber in der Sushumna
  • wird hier nach der Einatmung (mit Jalandhara und Mula Bandha + Shambhavi Mudra) beschrieben, es kann aber auch mit leeren Lungen (mit Jalandhara, Uddiyana und Mula Bandha) ausgeführt werden (siehe Verse 74-76)

Vers 25: Maha Mudra und Maha Bandha bleiben wertlos ohne Maha Vedha.

Verse 26-31: Maha Vedha

  • in Maha Bandha Gesäß heben und senken (wird bei uns manchmal als Shakti Chalini bezeichnet, siehe weiter unten)
  • Prana verläßt Ida/Pingala und fließt durch die Sushumna

Verse 32-54: Khechari Mudra

  • Khechari – Geist und Zunge verweilen in dieser Zeit im Akasha
  • Swami Vishnu warnt vor der klassischen Form (Zungenbändchen durchtrennen) – kein sattwiges Sadhana und nicht notwendig
  • jedoch widmet die HYP Khechari den meisten Raum und sagt, es ist das wichtigste der Mudras (Vers 54)
  • das Schneiden des Zungenbändchen ruft bei vielen Unverständnis oder Abscheu hervor – aber es gibt auch Menschen, die sich die Zunge piercen
  • wir nutzen eine abgewandelte Form: Kopf nach hinten legen, Zungenspitze am Gaumen weit nach hinten geben, mit geschlossenen oder leicht geöffneten Augen durch den Punkt zwischen den Augenbrauen senkrecht nach oben schauen (Geist wandert/verweilt im Himmel/Akasha)
  • Bandhas sind Verschlüsse die durch die Kontraktion bestimmter Muskeln gesetzt werden, dadurch wird die Energie in bestimmten Zentren angesammelt und gehalten

Verse 55-60: Uddiyana Bandha

  • Uddiyana = Fliegen – Prana fliegt unausgesetzt durch die Sushumna (Vers 56)
  • Bauchorgane werden nach innen und oben gezogen, dadurch entsteht ein Aufwärtsfließen der Energie
  • Kann stehend oder sitzend ausgeführt werden
  • Kann den natürlichen Degenerations- und Alterungsprozeß verlangsamen (Verse 58-59)
  • Das wichtigste Bandha (Vers 60)

Verse 61-69: Mula Bandha

  • Bevorzugte Sitzhaltung: Siddhasana (Mann) bzw. Siddha Yoni Asana (Frau)
  • Anspannen der Muskeln im Perineum (Mann) bzw. Muttermund/Gebärmutterhals (Frau), nicht die Muskeln im Geschlechts- bzw. Anusbereich
  • Verhindert, daß Apana (eine der fünf Prana-Vayus - Energieströme) nach unten entweicht – Apana ist sehr wertvoll, es kann nur mühsam erzeugt werden

Verse 70-73: Jalandhara Bandha

  • Bevorzugte Sitzhaltung: Siddhasana (Mann) bzw. Siddha Yoni Asana (Frau)
  • Kinn wird zur Brust (besser zu den Schlüsselbeinen gebracht) – berührt die Brust
  • Verhindert, daß Prana (als eine der fünf Vayus des Pranas) über Vishudda aufsteigt
  • Energie kann nicht mehr in Ida/Pingala zwischen Körper und Kopf fließen und wird angeregt, in der Sushumna zu fließen
  • Kombination von Mula und Jalandhara Bandha zwingen Prana und Apana zur Vereinigung im Manipura Chakra _ dient zur Erweckung dieses Chakras (sehr wichtig, ist Kundalini über Manipura aufgestiegen, kann sie nicht mehr zu Muladhara zurück)
  • Am Besten Kombination aller drei Bandhas (Mahabandha) – Aktivierung der Sushumna

Verse 79-82 Viparita Karani Mudra

Kamel Skorpion Frau Meer.jpg
  • kein voller Schulterstand!! Prana fließt weiter durch den Hals, anstrengungslos!!
  • Sonne und Mond wechseln ihre Plätze --> Sonne (Feuer) vom Bauch steigt zu Muladhara und weckt Kundalini; Mond (Nektar) bleibt im Kopf
  • normalerweise tropft der Nektar ins Feuer und verbrennt

Verse 83-103: beschreiben Praktiken des roten Tantra: Vajroli, Sahajoli und Amaroli – laut HYP-Übersetzung werden diese Übungen bei sattwigem Sadhana nicht berücksichtigt (Swami Atma meinte, daß Swami Vishnu diese Verse eher aus Zeitgründen ausgelassen hat)

  • es ist letztlich nicht wichtig, alle Mudras zu praktizieren, die den Nektar bewahren – eine reicht asu (z.B. Viparita Karani Mudra)

Verse 104-111: Beschreibung der Kundalini

Vers 107: Kundalini kann sowohl als Mittel zur Befreiung (Yogi) als auch zur Ausbeutung anderer (stärkere Bindung) genutzt werden

Verse 108-110: Ganga – Ida, Yamuna – Pingala, Saraswati (unterirdischer Fluss) – Sushumna; Kundalini als Witwe – von Gatten Siva getrennt

Verse 112-118: Shakti Chalini – Kundalini am Schwanz packen und schütteln

  • eher mentaler Prozess – Visualisierung der Bewegung der Kundalini Shakti
  • bei Yoga Vidya (wahrscheinlich nicht korrekt): als eigenes Mudra (eher Variante von Maha Vedha) oder auch während Bhastrika (bei Antar Kumbhaka mit Uddiyana Bandha) möglich

Verse 119-120: tägliche Praxis erforderlich (nicht nur darüber sprechen)

Vers 127: Übungen sollen mit konzentriertem, nicht wanderndem Geist ausgeführt werden

  • Vers 128: jedes der Mudras kann Vollkommenheit schenken – es ist nicht notwendig, alle zu praktizieren  um ein Haus zu betreten, brauch man nur durch eine Tür gehen (ein Mudra auswählen und perfektionieren)

Wirkungen, Übersetzungen

Swami Yogaswarupananda immer voller Freude

Da die Hathapradipika sehr früh ins Englische übersetzt wurde und bald danach auch ins Deutsche, ist sie nach dem Yogasutra das bekannteste klassische Yogabuch, wird deswegen aber auch in seiner Bedeutung überschätzt und oft - nicht ganz korrekt - als "Hauptwerk" des Hatha Yoga bezeichnet.

Die Hathapradipika war auch in Indien gut bekannt und übte starken Einfluss auf spätere Yogawerke aus, so auf die Gherandasamhita oder die Shiva Samhita. Der bekannteste Kommentar zur Hathapradipika ist die Jyotsna von Brahmananda, die in der zweiten Hälfte des 19. Jh. verfasst wurde.

Weiterführende Informationen zur Hathapradipika

Hier einige Links mit weiteren Infos zur Hatha Yoga Pradipika, auch Hathapradipika genannt:

Audio und Videovorträge von Sukadev Bretz zur Hatha Yoga Pradipika

Hier findest du Links zu Videos und Audios zu allen Versen der Hatha Yoga Pradipika:

Hatha Yoga Pradipika 1. Kapitel

Hatha Yoga Pradipika 2. Kapitel

Hatha Yoga Pradipika 3. Kapitel

Hatha Yoga Pradipika 4. Kapitel

Hatha Yoga Pradipika Zusammenfassungen

Hatha Yoga Pradipika - Quintessenz

Weblinks

Siehe auch

Literatur

  • Swami Svâtmârâma: Hatha-Yoga Pradipikâ. Neuenkirchen: Phänomen-Verlag (2007). ISBN 978-3-933321-61-9. (Aus dem Sanskrit übersetzt von Hermann Walter, 1893).
  • Swatmarama: Hatha Yoga Pradipika. München: Sivananda Yoga Vedanta Zentrum (1987). (Kommentare von Brahmananda und Swami Vishnu-devananda).

Videos zu Hathayogapradipika

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