Niyama

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Ethisches Leben

Niyama (Sanskrit: नियम niyama m.) Gebote, ethische Regeln, Einschränkungen; Verhaltenskodex im Yoga für das Privatleben. Niyama ist eine der acht Stufen des Raja Yoga nach Patanjali, die zweite der Ashtangas. Niyama ist die persönliche Disziplin, die Ethik im persönlichen Lebensstil. Niyama ist der Gegenpol zu Yama, der Ethik im Umgang mit anderen. Zu Niyama gehört Shaucha - Reinheit, Santosha - Kultivierung von Zufriedenheit, Tapas - Disziplin und Askese, Swadhyaya - Selbststudium und Ishvara Pranidhana - Hingabe an Gott.

Niyama नियम niyama Aussprache

Hier kannst du hören, wie das Sanskritwort Niyama, नियम, niyama ausgesprochen wird:

Niyama - Persönliche Lebensführung - ein Vortrag von Sukadev Bretz 2018

  • Was sind 5 Niyamas?
  • Wie kannst du dein Leben führen?
  • Nach welchen Prinzipien kannst du deine persönliche Lebensgestaltung ausrichten?
  • Wenn du ein glückliches Leben führen willst, wie kannst du das tun?

Dies ist ein Vortrag im Rahmen der Raja Yoga Vortragsreihe. Dies gehört in den ganzheitlichen Schulungsweg zu ein paar 100 Vorträgen, die dazu dienen sollen, Yoga in seiner Ganzheit zu verstehen und in die Praxis umzusetzen und ist ein Begleitvortrag zur 2 jährigen Yogalehrerausbildung von Yoga Vidya.

Dieser Text baut auf den vorangehenden Text über die acht Ashtanga, die acht Stufen im Yoga.

Die acht Angas sind Yama, Niyama, Asana, Pranayama, Pratyahara, Dharana, Dhyana, Samadhi.

Yama und Niyama werden allgemein als die Ethik verstanden.

Praktische Tipps für die Umsetzung der 5 Niyamas

Niyama ist das zweite Glied im Yoga, das zweite Anga. Ich gehe davon aus, dass du sie kennst. Hier geht es um Niyama.

Yama ist ja die Ethik im Umgang mit anderen. Niyama ist eine Art persönlicher Lebensstil.

Saucha

Schwan - Sinnbild der Reinheit

Saucha bedeutet Reinheit und schließt zunächst erst mal Sattva ein. Darüber wird an anderer Stelle schon viel gesagt. Sattvige Nahrung, sattvige Kleidung, sattvige Sprache und so weiter.

Saucha heißt auch eine gewisse Reinheit in deinem Zimmer, in deinem Schreibtisch und überall und dass du dich so verhältst, dass es eine Klarheit des Geistes gibt.

Es gibt ja auch so einige Bücher wie „Simplify your life“ in denen es darum geht, Dinge nicht festzuhalten sondern loszulassen. Dies soll für Klarheit sorgen.

Saucha bedeutet auch, nicht jede Menge Sachen anzusammeln. So gibt es Menschen die einmal im Jahr durch ihren Kleiderschrank hindurchschauen und alles was im letzten Jahr nicht gebraucht wurde zur Altkleidersammlung geben. Manche Menschen haben nicht mehr Dinge, als in einen Koffer geht. Das hilft natürlich zu einer gewissen Klarheit. Es gibt Menschen, die bei einem Umzug 2 Umzugswägen haben müssen, da sie so viele Dinge angesammelt haben, die dann auch den Geist belasten. Aber Menschen sind unterschiedlich.

Manche Menschen brauchen ein gewisses kreatives Chaos um irgendwie gut arbeiten zu können. Bei anderen muss der Schreibtisch jeden Abend pikobello sein. Dann wirken oft die ArbeitskollegInnen ein bisschen als Korrektiv, passen auf, dass es auf dem Schreibtisch des kreativen Chaoten, des Kreativen, sauber bleibt und die Stapel nicht zu hoch werden. Manchmal hilft aufräumen auch. Äußerliches aufräumen hilft auch innerlich.

Saucha bezieht auch Kriya, Reinigungstechniken für den Körper mit ein. Wenn es einem geistig nicht so gut geht, können Fastenkuren eine Hilfe sein. Die Yogakriyas, Asanas, Pranayama, wirken auch für eine innere Reinheit.

Santosha

Santosha gehört auch dazu. Santosha heißt Zufriedenheit. Es heißt, davon auszugehen, dass, was auch immer geschieht, genau das Richtige ist, um daran zu wachsen. Die Menschen mit denen ich zu tun habe sind genau die richtigen um daran zu wachsen.

Man könnte sagen, Santosha gibt es sattvig, rajasig und tamasig.

  • Tamasiges Santosha wäre sich zu sagen: „Es hat alles eh keinen Sinn, was solls.“ Man bemüht sich nicht. Man ist träge.
  • Rajasiges Santosha bedeutet, zufriedener als der andere zu sein. „Die anderen sind zu ehrgeizig und ich bescheide mich.“ Das wäre [[rajasig))e Zufriedenheit. Man zieht ein gutes Selbstbild aus seiner Zufriedenheit.
  • Wenn ich aber über sattvige Zufriedenheit spreche, über sattviges Santosha, welches auch Patanjali meint, heißt dies, die Menschen so zu nehmen wie sie sind aber auch in Entwicklung begriffen.

Santocha mit den eigenen Kindern heißt sich zu sagen: Meine Kinder sind so wie sie sind. Ich muss jetzt nicht schimpfen und frustriert sein. Ich kann versuchen positive Impulse zu setzen. Ich kann dies in einer Beziehung leben, indem ich es nicht so mache: „Warum muss der denn nun so sein?“ Santosha heißt, den anderen so zu nehmen wie er/ sie ist. Dann wirkst du auf dieser Basis mit anderen zusammen. Man kann auch eine gewisse Selbstzufriedenheit haben anstatt sich ständig Vorwürfe zu machen.

Aber Santosha ist auch eine dynamische Zufriedenheit. Das bedeutet auch, dass Beziehungen sich verändern können. Man kann auch dem Partner sagen, was man gerne hätte. Man kann auch seine Umstände verändern. Santosha ist die Aussage, zu sagen, dass das, was jetzt da ist genau das Richtige ist für das eigene Wachstum und der Andere ist wie er ist. Anstelle in eine Opferhaltung zu gehen, zu klagen und sich zu beschimpfen, sich aufzuregen und zu ärgern kann man davon ausgehen, dass diese Situation als Aufgabe zu einem gekommen ist. Diese Aufgabe kann als die „richtige Aufgabe“ angesehen werden, die gerade ansteht und in den eigenen Entwicklungsweg passt.

Tapas

Das Leben umpflügen

Tapas hat viele verschiedene Bedeutungen. Wenn du im Yoga Sutra liest, wirst du darüber noch mehr erfahren. Tapas heißt Glut, Hitze, Intensität. Es heißt mit Freude, Enthusiasmus und Energie das zu tun was du tust. Es ist auch die Lebenseinstellung, dass du Energie da hinein bringst, wo du etwas tust. Es muss nicht vollkommen werden oder sein, aber bring dein Herz und deine Energie hinein. Bring dein Engagement hinein. Tue nicht dein Leben lang Dinge von morgens bis abends, in denen keine Energie ist. Es gibt im amerikanischen Englisch den Ausdruck: „Love it, change it or leave it!“ „Liebe es, verändere es oder lass es sein!“ Tue nicht aus falsch verstandener Sicherheit irgendeinen Job dein ganzes Leben lang, wenn du keine Energie mehr dahinter verspürst.

Tapas heißt aber auch das Gegenteil: Tue nicht alles, was du gern hast. Tapas heißt auch Askese. Es heißt, auch mal bewusst etwas zu tun, was man nicht mag. Auch diese Form von Tapas ist wichtig. Höre nicht einfach auf, nur weil du etwas nicht magst. Stoppe nicht einfach etwas, nur weil dich jemand kritisiert. Tapas ist auch Disziplin, dein Leben an Idealen auszurichten und das, was du tust mit Energie zu machen. Setz dir hohe Ziele und mache weiter, wenn es schwierig ist, auch das ist Tapas.

Swadhyaya

  • Swadhyaya heißt Selbststudium und es ist ein Ausdruck, der verschiedene Bedeutungen hat. Swadhyaya heisst zum einen Introspektion, mehr über dich selbst herausfinden. Warum denkst, fühlst und handelst du so wie du denkst, fühlst und handelst? Das tust du um etwas auch loslassen zu können. Gerade in der Yogapsychologie spielt Swadhyaya eine große Rolle. In der psychologischen Yogatherapie werden sogar die Asanas und Pranayama als psychologische Selbstreflexion verstanden.
  • Swadhyaya hat aber auch eine zweite Bedeutung. Nämlich eigenes Studium der Schriften. Heutzutage erscheint es selbstverständlich, dass jeder Mensch auch die Schriften liest. Das war nicht immer selbstverständlich. Vor Martin Luther hat der christliche Mensch die Bibel nicht gelesen. Und auch die Katholiken haben bis zum 19ten Jahrhundert die Bibel nicht gelesen. In Indien durften die Veden nur von den Brahmanen gelesen werden. Patanjali hat vor über 2000 Jahren gesagt: lies selbst die Schriften. Swadhyaya. Modern ausgedrückt wäre es so zu sagen: „Lies täglich in einer Schrift oder in einem Buch oder Werk eines selbstverwirklichten Meisters.“ Lass dich inspirieren.

Ishvara Pranidhana

Alles Gott darbringen

Und das fünfte von all dem ist Ishvara Pranidhana. Es heißt Hingabe an Gott. Es kann heißen Gottesverehrung, Bitte um Gottes Führung und auch alles, was du tust, Gott darzubringen. Es kann auch heißen, alles, was kommt als Aufgabe anzunehmen als Aufgabe Gottes an dich.

Wenn du nicht anders kannst, lass es los, überlasse es Gott. * Ich weiß nicht, was zu tun ist. * Entscheide dich nach bestem Wissen und Gewissen. Bitte dann Gott und sage:

„Du lieber Gott, ich stehe in dieser Situation - ich weiß nicht, was richtig ist, was zu tun ist, bitte führe mich.“

Oder du sagst:

„Ich weiß nicht, was richtig ist, wenn du mir bis übermorgen keine andere Inspiration gibst, entscheide ich mich für Alternative A.“

und danach sag:

„Oh Gott, du hast mir keine andere Inspiration gegeben, ich bringe es dir dar. Dein Wille geschehe.“

Die fünf Aspekte der persönlichen Lebensführung - kurzgefasst

  • Saucha - Habe ein sattviges Leben, ein klares Leben.
  • Tapas - Nimm an und gestalte. Bring Energie hinein in das, was du tust und tue das was du tust mit Freude. Aber mache auch weiter, wenn dir die Dinge vorübergehend keinen Spaß machen. Mache auch bewusst solche Dinge, die dir nicht gefallen, um nicht abhängig zu sein von Mögen und Nicht Mögen.
  • Swadhyaya – studiere dich selbst und lerne deine Stärken und Schwächen kennen – die Quellen deiner Motivation – lass dich davon nicht zu sehr beeinflussen. Lies selbst die Schriften und richte dich auf das höchste Selbst aus.
  • Ishvara Pranidana – kultiviere eine Beziehung zu Gott. Tue alles, was du tust für Gott. Bitte um Gottes Führung und vertraue darauf, dass Gott dir die Aufgaben gibt, die nötig sind, die dir Kraft geben, das zu tun, was zu tun ist und dass Gott sogar durch deine Fehler wirkt.

Wenn du das alles umsetzt, hilft dir das für eine Klarheit des Geistes. Dies hilft dir, dich spirituell zu entwickeln und ein glückliches und gleichzeitig auch erfolgreiches Leben zu führen.

Das sind also die fünf Niyamas.

Überlege also am besten noch mal, welche dieser Niyamas du weiter kultivieren willst, überlege, ob du sie schon ausreichend umsetzt oder ob du dein Leben noch mehr an diesen fünf Niyamas ausrichten solltest.

Yamas und Niyamas ist die grundsätzliche Lebensführung um glücklich zu sein und auf dem spirituellen Weg gute Fortschritte zu machen.

Niyamas in Gemeinschaft kultivieren

Niyamas kultivieren in geeigneter Umgebung

Angenommen du willst ein intensives spirituelles Leben führen, das auf Yama und Niyama und Sadhana ausgerichtet ist, dann kannst du ja mal überlegen, ob du eine Weile oder dauerhaft in der Yoga Vidya Gemeinschaft leben möchtest. Es ist möglich, Tage, Wochen oder Monate als Teil der Gemeinschaft zu verbringen. Es ist auch möglich dauerhaft dort zu sein. Du kannst es ein paar Tage ausprobieren und dich als würdiger Aspirant erweisen. Du kannst auch mal eine Woche oder einen Monat kommen und wenn du feststellst, das dir diese Art des spirituellen Leben im Ashram liegt und dass du dein Leben darauf ausrichten möchtest, anderen Menschen zu dienen und zu helfen, Sadhana zu praktizieren und ein sattviges, ethisches Leben zu führen. Dann kannst du dich ja auch als dauerhaftes Mitglied der Ashramgemeinschaft bewerben.

Video Niyama - Persönliche Lebensführung

Sukadev über Niyama

Niederschrift eines Vortragsvideos (2014) von Sukadev über Niyama

Niyamas sind also bestimmte Regeln. Es gibt Regeln, die nennen sich Yamas, und es gibt Regeln, die nennen sich "Niyamas". Gerade im Patanjali Yogasutra beschreibt der Autor, Patanjali, fünf Yamas und fünf Niyamas. Und die fünf Niyamas sind: Saucha – Reinigung, Santosha – Zufriedenheit, Tapas – Disziplin, Swadhyaya – Selbststudium, und Ishwara Pranidhana – Hingabe an Gott. Diese Niyamas sind Empfehlungen für das eigene persönliche Leben.

Yamas sind Empfehlungen für das Leben mit anderen, den Umgang mit anderen. Die Yamas sind eben: Ahimsa – nicht verletzen, Satya – wahrhaftig sein, nicht lügen, Asteya – nicht stehlen, Brahmacharya - in diesem Fall – Vermeidung von sexuellem Fehlverhalten, Aparigraha – nicht bestechlich sein und nicht bestechen, es heißt auch, Abwesenheit von Gier. Das sind die fünf Yamas, und du hast gesehen, die fünf Yamas, die hängen alle zusammen mit anderen. Du gehst mit anderen um, du willst sie nicht verletzen, du willst liebevoll mit ihnen sein, du willst ihnen nichts wegnehmen, du willst stattdessen geben und dienen. Du willst auch sie nicht belügen, sondern wahrhaftig sein und mit deinen Worten Gutes bewirken. Du willst nicht Menschen sexuell ausnutzen, sondern du willst Liebe geben. Und du willst auch nicht bestechen und bestochen werden, sondern du willst objektiv sein und ein ethisches Leben führen. Das ist alles im Umgang mit anderen, das ist Yama.

Und Niyama heißen die Regeln für sich selbst. Das praktizierst du, auch ohne andere, ohne dass andere davon wissen. Niyama, also erstmal Saucha. Saucha heißt Reinheit. Zunächst mal heißt es, dass du dich selbst wäschst, dass du deine Wohnung sauber hältst, deinen Schreibtisch sauber hältst, das ist alles Saucha. Wichtiger ist dann noch inneres Saucha, dass du auch deinen Geist rein hältst. Wichtig ist auch, dass du deinen Körper rein hältst, dein Prana rein hältst. Und da spielt wiederum die Ernährung eine wichtige Rolle. Es ist wichtig, dass du Körper und Geist rein hältst, indem du vermeidest, dass dafür andere Lebewesen getötet werden. Das ist zwar auch wieder Ahimsa, aber es spielt auch für eine Reinheit eine Rolle. Und es ist wichtig, dass die Nahrung, die du zu dir nimmst, insgesamt rein ist. Du kannst Fastfood essen, oder du kannst gesunde Nahrung zu dir nehmen. Wobei auch Obst und letztlich Salate ein Fastfood ist. Wenn du einfach eine Karotte nimmst, ein bisschen wäschst, das geht sehr schnell, und das ist Fastfood, aber sehr gesundes, reines Fastfood. Also, das gehört alles zu Saucha.

Nach Saucha kommt Santosha. Santosha heißt, Kultivierung von Zufriedenheit. So viele Wünsche hat der Geist, du kannst lernen, zufrieden zu sein. Das ist eine richtige Praxis, du kannst lernen, zufrieden zu sein. Du kannst auch überlegen: „Was muss ich tun, um zufrieden zu sein? Wie müsste ich etwas ändern, damit ich zufrieden bin?“ Santosha.

Dann, Tapas ist eine persönliche Disziplin, ein spiritueller Aspirant hat eine persönliche Disziplin. Die persönliche Disziplin kann heißen, morgens früh aufstehen, Asanas und Pranayama üben, meditieren. Es kann heißen, abends nochmal vor dem Schlafengehen regelmäßig zu praktizieren. Es kann auch heißen, dass du einmal die Woche fastest, dass du einmal im Jahr mal zwei Tage oder eine Woche lang Mauna übst, also Schweigen übst. Es kann sein, dass du ab und zu mal besonders intensiv übst. Es kann sein, dass du vielleicht an Ekadashi auf Salz und Süßigkeiten verzichtest usw. Also, verschiedene Disziplinen.

Swadhyaya ist die vierte der Niyamas. Swadhyaya heißt dann Selbststudium. Selbststudium hat verschiedene Aspekte. Es heißt zum einen, dass du die Schriften selbst liest. Das ist heute selbstverständlich, aber in früheren Zeiten war das nicht so selbstverständlich. In Indien haben die Brahmanas, die Priester, die Brahmanen haben die Schriften gelesen, und andere haben sie oft nicht gelesen. Patanjali hat gesagt, lies sie selbst, verlasse dich nicht auf die Interpretation der anderen allein. Swadhyaya heißt auch, dich selbst zu studieren, selbstbewusst zu sein, Introspektion zu betreiben. So schnell geht es, dass du auf einem Holzweg landest, so schnell kann es passieren, dass du nicht weißt, was in dir vorgeht, so schnell fängst du wieder an, zu projizieren, so schnell denkst du wieder, dass dein Glück von anderen abhängt.

Auch so schnell kann es sein, dass da wieder sich irgendwo ein Ego in eine Handlung einschleicht. Natürlich, Selbststudium sollte auch mitfühlend sein, mitfühlend mit dir selbst auch, aber sei dir bewusst. Manchmal hilft es auch, dich selbst freundlich zu studieren, zu schauen: „Ja, tief im Inneren bin ich ja gut, tief im Inneren meine ich es ja gut. Ich bringe es jetzt gerade nicht besonders rüber, aber ganz tief im Inneren meine ich es freundlich und liebevoll. Und auch meine scheinbaren Macken und Fehler, eigentlich ist da tief im Inneren die Liebe drin.“ So kann Swadhyaya auch helfen, tiefere Bewusstheit der Tiefe deines Wesens zu bekommen, die letztlich gut ist.

Schließlich, Ishwara PranidhanaHingabe an Gott, ist die fünfte der Niyamas. Letztlich, alles Gott darbringen, Gott zu verehren und letztlich sagen: „Oh Gott, nicht mein Wille geschehe, dein Wille geschehe.“

Anga Niyama

Niyama ist das zweite der acht Glieder (Anga) des Raja Yoga, der auch Ashtanga Yoga heißt, der achtgliedrige Yoga, denn seine Praxis besteht aus acht Teilen: Yama (ethische Regeln), Niyama, Asana (Stellungen), Pranayama (Atembeherrschung), Pratyahara (Zurückziehen der Sinne), Dharana (Konzentration), Dhyana (Absorption) und Samadhi (überbewusster Zustand). Die fünf Niyamas sind:

Niyamas laut Yoga Sutras des Patanjali

शौचसंतोषतपःस्वाध्यायेश्वरप्रणिधानानि नियमाः || 2.32 ||

śauca-saṃtoṣa-tapaḥ-svādhyāyeśvara-praṇidhānāni niyamāḥ || 2.32 ||

Die Niyamas bestehen aus Reinheit (Saucha), Zufriedenheit (Santosha), Selbstzucht (Tapas), Selbststudium (Svadhyaya) und Hingabe an Gott (Ishvarapranidhana).

Während die fünf Yamas Einschränkungen oder Disziplinen im Umgang mit anderen Menschen beschreiben, zeigen die fünf Niyamas einen Verhaltenskodex im Yoga auf, der die individuelle Selbstdisziplin des Menschen in verschiedener Hinsicht anleiten soll. Die Niyamas unterscheiden sich von den Yamas in der größeren Nähe zur individuellen Persönlichkeit, die wiederum einen besonderen Bezug zum Verhalten oder die Beziehung zur äußeren Gesellschaft aufweisen. Hier geht es um tiefer gehende Einzelheiten, die zum einen in Bezug auf die Gegebenheiten und zum anderen bei jedem Menschen unterschiedlich sind. Diese Einzelheiten muss jeder Schüler mit seinem Lehrer oder Guru behandeln.

Die zehn Niyamas in der Hatha Yoga Pradipika

Aufgaben mit Freude und Enthusiasmus angehen, auch wenn man sie nicht mag

Kommentar zum 18. Vers der Hatha Yoga Pradipika

Svatmarama schreibt:

tapah santosha astikyam danam ishvara pujanam |
siddhanta vakya shravanam hri mati cha japo hutam |
niyama dasha samprokta yoga shastra visharadaih

Übersetzung:

Tapas, Frohsinn, Glaube an Gott, Wohltätigkeit, Verehrung der Gottheit, Anhören oder Auslegung der vedantischen Lehrsätze, Scham, ausgewogener Geist, das Wiederholen von Gottes Namen und das Einhalten von passenden Gelübden, das macht Niyama aus.

Patanjali erwähnt im Yoga Sutra fünf Niyamas: Shaucha, Santosha, Tapas, Swadhyaya und Ishwara Pranidhara. Svatmarama kennt zehn.

1. Tapas

Das erste dieser zehn ist auch Tapas, und Tapas heißt ‚Askese‘, es heißt ‚innere Glut‘, es heißt ‚Inbrunst‘. Es heißt auch innerlich etwas tun, was du nicht magst. Tapas ist also wichtig.

2. Santosha

Der Gegenpol zu Tapas ist Santosha. Santosha kann man übersetzen als ‚Zufriedenheit‘. Oder in dem Kommentar von Swami Vishnu ist es auf Deutsch übersetzt worden als ‚Frohsinn‘. Zufriedenheit und Frohsinn ‒ diese beiden Niyamas kennt auch Patanjali.

3. Astikya

Das dritte ist Astikya. Und Astikya heißt ‚Glaube an Gott‘, auch ‚Gläubigkeit‘ und ‚tiefes Vertrauen‘.

4. Dana

Das nächste ist dann Dana, und Dana kann man übersetzen als ‚Mildtätigkeit‘ oder auch als ‚Wohltätigkeit‘. Dana heißt auch anderen Geschenke geben, Gutes für andere tun.

Du siehst also, Svatmarama geht in manchen darüber hinaus, was Patanjali sagt. Svatmarama geht es zum Beispiel bei den Yamas nicht nur um Ahimsa, sondern er will auch das Menschen ‒ positiv ausgedrückt ‒ auch Geduld mit anderen haben, Mitgefühl mit anderen haben, Liebe haben. Aber auch das reicht ihm nicht aus. Man soll anderen etwas Gutes tun: Dana ‒ man kann es auch mit ‚Freigiebigkeit‘ übersetzen.

5. Ishvara Pujana

Dann folgt Ishvara Pujana, das heißt ‚Verehrung Gottes‘. Also ähnlich wie Patanjali von Ishwara Pranidhana spricht, spricht Svatmarama hier von Ishvara Pujana ‒ Verehrung Gottes.

6. Siddhanta Vakya Shravanam

Studiere die Schriften und höre Vorträge über die höchste Wahrheit

Das nächste ist dann Siddhanta Vakya Shravanam. Siddhanta Vakya Shravanam ist das, wie es Svatmarama beschreibt. Patanjali nennt das Swadhyaya ‒ Selbststudium. Wobei der Ausdruck bei Patanjali mehrdeutig ist, er heißt ja unter anderem ‚Introspektion‘. Dann heißt es selbständig Schriften lesen.

Und Svatmaramas Siddhanta Vakya Shravanam heißt ‚das Anhören der Lehrsätze der heiligen Texte‘. Das soll heißen: durchaus spirituelle Vorträge besuchen, vielleicht auch spirituelle Videos ansehen, wie zum Beispiel das Video, aus dem dieses Transkript entstanden ist, spirituelle Audio-Vorträge anhören oder eben auch Inspirierendes lesen.

Im Buch von Swami Vishnu wird dann auch noch gesagt ‚Anhören der Auslegung der vedantischen Lehrsätze‘. Man könnte auch sagen, über Siddhanta Vakya Shravanam kommt dort auch Vedanta, Jnana Yoga ins Spiel.

Das habe ich auch immer wieder gemerkt, wenn ich Sadhana Intensiv Seminare gebe, ist es wichtig, Menschen auch etwas zu erzählen über die höchste abstrakte Wahrheit. Gerade wenn man praktiziert und Prana aktiviert wird, dann sollte man sich nicht nur in die Reinigungserfahrungen hineinbegeben und nicht nur analysieren, wie geht es mir gerade und was fühle ich, sondern den Geist ausrichten auf die höchste Wahrheit.

7. Hri

Dann beschreibt Svatmarama hier Hri, und Hri ist ‚Scham‘, ‚Schamhaftigkeit‘. Schamhaftigkeit soll auch heißen: Manchmal, wenn man intensiv Hatha Yoga übt, oder überhaupt auf den Yoga Weg geht, wird man sehr individualistisch. Und manchmal verlieren Menschen dann so ihre Scham, ziehen sich unangemessen an oder machen unangemessene Laute. Sie achten nicht mehr darauf, ob das, was sie sagen und tun, wirklich angemessen ist. Also könnte man auch sagen, Hri heißt eine gewisse Rücksichtnahme auf andere.

8. Mati

Dann folgt Mati, und Mati kann man übersetzen als ‚Einsicht‘ oder auch ‚ausgewogener Geist‘. Manchmal kann intensive spirituelle Praxis dich auch durcheinander bringen. Dann ist gerade Mati ‒ Einsicht hilfreich, eine gewisse Besonnenheit und Ausgewogenheit.

9. Japa

Swami Sivananda praktiziert Japa mit Mala

Dann sagt Svatmarama, Japa ist gut. Japa ist das Wiederholen eines Mantras. Japa kannst du auch mit der Hatha Yoga Praxis verbinden. Die ganzen Hatha Yoga Übungen werden wirksamer, wenn du dabei auch Mantras wiederholst.

10. Huta

Das letzte dieser zehn Niyamas ist Huta, und Huta kann man übersetzen als ‚Opferzeremonie‘, also ‚Feuerzeremonie‘, Yajna. Man kann es auch übersetzen als gleichbedeutend mit Vrata, und Vrata heißt ‚besondere Gelübde‘; ‚Vorsätze‘. Svatmarama hat in einem vorigen Vers gesagt, unpassende Gelübde sind nicht gut. Aber dir passende Vorsätze zu machen und diese mit Opferbereitschaft zu verbinden, das ist etwas Gutes.

Vergleich zu Patanjalis Niyamas

Patanjalis fünftes Niyama, Shaucha, hat Svatmarama als Yama definiert. Und wir können seine anderen sechs Niyamas auch als Shaucha bezeichnen, als Methoden der Reinigung.

Wie reinigen wir unseren Geist? Durch Astikya ‒ Glaube an Gott, durch Dana ‒ Freigiebigkeit, durch Hri‒ Schamhaftigkeit und Rücksichtnahme, durch Mati ‒ Einsicht, durch Japa ‒ Wiederholen eines Mantras und durch Huta ‒ Opferbereitschaft.

Video - Zehn Niyamas in der Hatha Yoga Pradipika

Svatmarama schreibt in seinem Werk Hatha Yoga Pradipika über 10 Niyamas. Er baut damit die 5 Niymas, die Patanjali im Yoga Sutra beschreibt, aus. Hier ein Vortrag über die Zehn Hatha Yoga Niyamas:

Das Sanskritwort Niyama

Niyama (Sanskrit: नियम niyama m.) Bändigung, Zurückhaltung, Beschränkung; das Niederhalten, Senken (des Tones); Einschränkung, genaue Bestimmung, Voraussetzung; feste Regel, Notwendigkeit, absolute Notwendigkeit in einem gegebenen Fall, jedoch ohne Beschränkung auf diesen einen Fall; Bestimmtheit, Gewissheit; Versprechen, Gelübde; eine Beschränkung, die man sich auflegt, eine übernommene besondere Observanz, eine gelegentliche kleine Pflicht; in der Rhetorik ein feststehender Vergleich, Gemeinplatz; in bestimmter mit Mineralien insbesondere mit Quecksilber vorgenommener Prozess; ein Beiname Vishnus.

Siehe auch

Weblinks

Seminare

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Niyama im Capeller Sanskrit Wörterbuch

Niyama , Sanskrit नियम niyama, feste Regel, Notwendigkeit, Zwang, Versprechen, Gelübde, Gebot; Gemeinplatz, (rh.). Instr. u. Abl. adv. mit Bestimmtheit, gewiss. Niyama ist in der Sanskrit Sprache ein Substantiv männlichen Geschlechts und kann ins Deutsch übersetzt werden mit feste Regel, Notwendigkeit, Zwang, Versprechen, Gelübde, Gebot; Gemeinplatz, (rh.). Instr. u. Abl. adv. mit Bestimmtheit, gewiss.

Krishna mit seiner Geliebten Radha

Verschiedene Schreibweisen für Niyama

Sanskrit Wörter werden in Indien auf Devanagari geschrieben. Damit Europäer das lesen können, wird Devanagari transkribiert in die Römische Schrift. Es gibt verschiedene Konventionen, wie Devanagari in römische Schrift transkribiert werden kann Niyama auf Devanagari wird geschrieben " नियम ", in IAST wissenschaftliche Transkription mit diakritischen Zeichen " niyama ", in der Harvard-Kyoto Umschrift " niyama ", in der Velthuis Transkription " niyama ", in der modernen Internet Itrans Transkription " niyama ".

Video zum Thema Niyama

Niyama ist ein Sanskritwort. Sanskrit ist die Sprache des Yoga . Hier ein Vortrag zum Thema Yoga, Meditation und Spiritualität

Ähnliche Sanskrit Wörter wie Niyama

Siehe auch

Quelle

Deutsch Sanskrit - Sanskrit Deutsch

Deutsch feste Regel, Notwendigkeit, Zwang, Versprechen, Gelübde, Gebot; Gemeinplatz, (rh.). Instr. u. Abl. adv. mit Bestimmtheit, gewiss. Sanskrit Niyama
Sanskrit Niyama Deutsch feste Regel, Notwendigkeit, Zwang, Versprechen, Gelübde, Gebot; Gemeinplatz, (rh.). Instr. u. Abl. adv. mit Bestimmtheit, gewiss.

Zusammenfassung

Yamas und Niyamas ist die grundsätzliche Lebensführung um glücklich zu sein und auf dem spirituellen Weg gute Fortschritte zu machen. Du findest auch Einzelvorträge Texte und Audios und umfangreichere Tipps zur Umsetzung in die Tat auf den Yoga Vidya Internetseiten. Es gibt dort oben ein Suchfeld, in das du die gesuchten Begriffe eingeben kannst und dann Audios und Videos dazu findest.