Sanskrit Kurs Lektion 53

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Dieser Sanskrit Kurs führt anhand einfacher Beispielsätze und -verse in die Grammatik des Sanskrit ein. Einen ausführlichen Überblick über das Sanskrit findest Du im Artikel Sanskrit. Hinweise zur indischen Schrift, der wissenschaftlichen Umschrift (Transliteration) sowie der korrekten Aussprache gibt der Artikel Devanagari. Stichwörter, nach denen Du in der Yoga Vidya Wiki suchen kannst, sind in vereinfachter Schreibweise (Transkription) wiedergegeben.

Das Denominativum (2)

In Lektion 52 haben wir die Bildung und Verwendung des Denominativums betrachtet. Der folgende Beispielvers enthält zwei Denominativa.


Beispielvers aus der Hatha Yoga Pradipika

Die gesamte Hatha Yoga Pradipika besteht aus Versen, deren häufigstes Versmaß (Chhandas) der Shloka (Anushtubh) ist. Hier folgt ein Vers aus dem vierten Kapitel (Upadesha), das der Praxis der Meditation und Versenkung (Samadhi) gewidmet ist. Der 94. Vers preist in poetischer Sprache den Nutzen der Meditation auf den inneren Ton (Nada).


नादोऽन्तरङ्गसारङ्गबन्धने वागुरायते |
अन्तरङ्गकुरङ्गस्य वधे व्याधायतेऽपि च || ४.९४ ||


  • wissenschaftliche Transliteration:
nādo 'ntaraṅgasāraṅgabandhane vāgurāyate |
antaraṅgakuraṅgasya vadhe vyādhāyate 'pi ca || 4.94 ||


  • vereinfachte Transkription:
nado 'ntarangasarangabandhane vagurayate |
antarangakurangasya vadhe vyadhayate 'pi ca || 4.94 ||


  • Wort-für-Wort-Übersetzung:
nādaḥ : der (unangeschlagene) Klang, Ton (Nada, Nom. Sg. m.)
antar-aṅga-sāraṅga-bandhane : hinsichtlich des Einfangens ("Bindens", Bandhana, Lok. Sg. n.) der Antilope (Saranga, m.) in Form des Geistes (Antaranga, n.)
vāgurāyate : ist wie ein Netz (Vaguray, Verb)
antar-aṅga-kuraṅgasya : der Antilope (Kuranga, m.) in Form des Geistes (Antaranga, Gen. Sg. n.)
vadhe : hinsichtlich des Erlegens (Vadha, Lok. Sg. m.)
vyādhāyate : ist wie ein Jäger (Vyadhay, Verb)
api : auch (Api, Verbindungspartikel)
ca : und (Cha, Verbindungspartikel)


  • Übersetzung:
Der (innere, "unangeschlagene") Ton (Nada) ist wie ein Netz zum Einfangen der Antilope (in Form) des Geistes.
Und er ist auch wie ein Jäger zum Erlegen der "Geist-Antilope".


Erläuterungen

  • Der Nominativ (Prathama) nādaḥ ist das logische Subjekt (Agens, Kartri) der beiden Verbalhandlungen vāgurāyate und vyādhāyate.
  • Der Lokativ (Saptami) antar-aṅga-sāraṅga-bandhane ist ein Kompositum (Samasa) des Typs Tatpurusha, das die näheren Umstände der Verbalhandlung vāgurāyate bezeichnet. Es setzt sich aus dem Kompositum antar-aṅga "Geist", sāraṅga "Antilope" und bandhana "Binden, Einfangen" zusammen.
  • Die Verbform vāgurāyate ("er ist wie ein Netz") ist die 3. Person Singular Indikativ (Präsens Medium bzw. Atmanepada) eines Denominativums, das von dem Substantiv vāgurā "Netz, Fangstrick" abgeleitet ist.
  • Der Genitiv (Shashthi) antar-aṅga-kuraṅgasya ist ein aus dem Kompositum antar-aṅga "Geist", wörtl.: "inneres Glied") und kuraṅga "Antilope" gebildeter Tatpurusha, der sich syntaktisch auf den Lokativ vadhe bezieht.
  • Der Lokativ vadhe bezeichnet die näheren Umstände der Verbalhandlung vyādhāyate näher.
  • Die Verbform vyādhāyate ("er ist wie ein Jäger") ist die 3. Person Singular Indikativ (Präsens Medium bzw. Atmanepada) eines Denominativums, das von dem Substantiv vyādha "Jäger" abgeleitet ist.
  • Die Verbindungspartikel api "auch, obgleich" wird im Sanskrit dem Wort, auf das sie sich bezieht, nachgestellt.
  • Die Verbindungspartikel ca "und" wird dem Wort, auf das sie sich bezieht, ebenfalls nachgestellt.
  • Sandhi: Die Form nādo 'ntaraṅga° steht für nādaḥ antaraṅga°, da auslautendes -aḥ vor kurzem a zu -o wird. Das kurze anlautende a von antaraṅga° wiederum fällt nach -o aus und wird graphisch durch Apostroph ( ' ) bzw. Avagraha () dargestellt. Nach dem auslautenden e von vyādhāyate wird das kurze anlautende a von api ebenfalls elidiert, d.h. durch Apostroph bzw. Avagraha ersetzt: vyādhāyate 'pi.


Metrische Analyse des 3. und 4. Pada

Betrachten wir das dritte (Tritiya) und vierte (Chaturtha) Versviertel (Pada) dieses Shloka noch einmal hinsichtlich der Längen (Dirgha) und Kürzen (Hrasva) der einzelnen Silben (Akshara). Lange Silben enden auf langen Vokal, oder auf einen kurzen Vokal (Svara), der von zwei Konsonanten (Vyanjana) gefolgt wird (inklusive Anusvara und Visarga). Dies nennt man Positionslänge*. Kurze Silben enden auf kurzen Vokal:


Silbe 1 2 3 4 5 6 7 8 1 2 3 4 5 6 7 8
Devanagari न्त ङ्ग कु ङ्ग स्य धे व्या धा ते ऽपि
Transliteration a nta ra ṅga ku ra ṅga sya va dhe vyā dhā ya te 'pi ca
Silbenlänge lang* kurz lang* kurz kurz lang* lang* lang** kurz lang lang lang kurz lang kurz lang**
Symbol υ υ υ υ υ υ


Hinweise zur Aussprache: Alle acht Silben jedes Pada werden in einem Zuge, also ohne Pause, ausgesprochen. Zwischen den Versvierteln wird eine kurze Pause (Yati) eingehalten. Die Positionslänge der 1., 3., 6. u. 7. Silbe (Pada 3) ergibt sich durch die Aufteilung in an-ta raṅ-ga ku raṅ-gas-ya.

**Unabhängig von ihrer eigentlichen Kürze oder Länge gilt die 8. bzw. letzte Silbe eines Versviertels stets als lang, da ihr eine Pause folgt.


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