Jalandhara Bandha

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Jalandhara Bandha (Sanskrit: जालन्धरबन्ध jālandharabandha m.) Jalandhara Bandha ist der Kinnverschluss, Kehlverschluss, Kontraktion (Bandha) im Kehlbereich und bezeichnet eine wichtige Praxis im fortgeschrittenen Pranayama, im Kundalini Yoga. Jala heißt Wasser, Jala heißt Netz. Dhara heißt Halten, Träger. Jalandhara Bandha heißt also einen Netzverschluss schaffen, sodass das Prana gesammelt werden kann. Siehe auch Hatha Yoga Pradipika, 3.70-76.

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Jalandhara Bandha gehört als Energielenkungsübung bzw. Energieerweckungsübung in die Kategorie der Hals Mudra. Weitere Infos zu den Mudras findest du unter dem Hauptstichwörtern Mudra bzw. Hals Mudra und unter den 2 Arten des Jalandhara Bandha - siehe unten.

Jalandhara Bandha जालन्धरबन्ध jālan-dhara-bandha Aussprache

Hier kannst du hören, wie das Sanskritwort Jalandhara Bandha, जालन्धरबन्ध, jālan-dhara-bandha ausgesprochen wird:

Vorstellung und Arten von Jalandhara Bandha

Jalandhara Bandha verhindert den Weiterfluss der Energien nach oben. Die Sushumna im Kehlbereich wird geöffnet. Das Anhalten der Luft wird erleichtert. Nach vollständiger Einatmung wird der Brustkorb nach vorne gewölbt, die Zungenoberseite an den Gaumen gelegt und zurückgezogen. Die Kehle wird zusammengezogen. Vor dem Ausatmen Kopf heben und Muskeln entspannen.

Es gibt verschiedene Arten des Jalandhara Bandhas:

Übungsvideo 1 - Laghu Jalandhara Bandha

In diesem Videovortrag gibt Sukadev dir eine Übungsanleitung mit weiteren wissenswerten Informationen zum kleinen Kinnverschluss, dem Laghu Jalandhara Bandha.


Begleittext zu Übungsvideo 1 - Laghu Jalandhara Bandha

Jalandhara Bandha ist der Kinnverschluss und wird auch genannt „der Wasserträger“, was eine besondere Bedeutung hat, dass eben der göttliche Nektar oberhalb des Vishuddha Chakras gehalten wird oder nach oben gebracht wird.

Laghu Jalandhara Bandha hilft auch, Vishuddha Chakra zu aktivieren, die Sushumna zu öffnen, Udana Vayu zu harmonisieren. Diese Wirkung haben alle Hals-Mudras. Laghu Jalandhara Bandha nennt man auch `die kleine Schwester vom vollständigen Jalandhara Bandha´. Laghu Jalandhara Bandha bedeutet, dass du kleines Jalandhara Bandha bzw. den kleinen Kinnverschluss übst.

Übungsanleitung:

Atme zuerst sehr tief vollständig aus, dann atme ein, fülle die Lungen zu etwa dreiviertel oder etwas mehr. Dann senke das Kinn ganz leicht, homöopathisch leicht und mache insbesondere dabei du den Nacken lang. Du kannst dir vorstellen, dass dein Hinterkopf nach oben wächst. Gleichzeitig gibst du die Zungenspitze ans Gaumendach und du saugst die Zungenwurzel leicht nach hinten. Du übst gleichzeitig Mula Bandha und Uddiyana Bandha und so bringst du die Energie nach oben. Halte die Luft so lange an, wie angenehm und danach atmest du wieder aus.

Du kannst gleich die nächste Runde üben. Nach dem Einatmen, Lungen zu dreiviertel füllen oder mehr, dann das Kinn ganz leicht senken, Nacken sehr lang machen, stelle dir vor, der Hinterkopf geht ganz weit nach oben, dabei mache auch Jihva Bandha, Zungenoberseite am Gaumen, Kehle leicht zusammengezogen, übe auch Mula Bandha und Uddiyana Bandha und ziehe so die Energie durch die Sushumna zu Ajna und Sahasrara Chakra.

Das war Laghu Jalandhara Bandha, das Kleine Jalandhara Bandha, eine gute Möglichkeit für Übende des Mittelstufen-Niveaus. Du solltest schon regelmäßig Atemübungen bzw. Pranayama geübt haben, wie z.B. Kapalabhati und Wechselatmung, bevor du Laghu Jalandhara Bandha übst. Wenn du eine Weile, vielleicht einige Monate täglich Pranayama geübt hast oder auch systematisch mit einem Pranayama Kurs geübt hast, dann kannst du Laghu Jalandhara Bandha z.B. nach dem Kapalabhati oder während der Anhaltephasen beim Kapalabhati ausprobieren oder auch bei der Wechselatmung beim Luftanhalten oder auch einfach mal zwischendurch im Alltag.

Probiere es einfach aus. Wenn du merkst, es tut dir gut, dann integriere es in deine Übungen bzw. deinen Alltag. Wenn du merkst, es bringt dir zum jetzigen Zeitpunkt nicht so viel, dann lasse Laghu Jalandhara Bandha einfach weg und übe andere Energietechniken und Konzentrationstechniken. Und vielleicht bringt die Übung dir zu einem späteren Zeitpunkt etwas, wenn du es später erneut ausprobierst.

Übungsvideo 2 - Vollständiges Jalandhara Bandha

Sukadev spricht in diesem Übungsvideo über Voraussetzungen und andere Details zum Vollständigen Jalandhara Bandha, einer der Hals Mudras für Fortgeschrittene.

Begleittext zu Übungsvideo 2 - Vollständiges Jalandhara Bandha

Jalandhara Bandha gehört zu den besonders machtvollen Energietechniken. Ich sage deshalb, dass, wenn du Jalandhara Bandha üben willst, solltest du eine Weile Kapalabhati und zwanzig Minuten Wechselatmung jeden Tag geübt haben, du solltest jeden Tag Asanas üben, jeden Tag meditieren und auch eine sattvige Ernährung haben, also insbesondere verzichten auf Fleisch, Fisch, Alkohol, Tabak und bewusstseinsverändernde Drogen. Jalandhara Bandha wirkt nämlich besonders stark und dazu ist es auch wichtig, eine Ernährung zu haben, die mit den Energietechniken gut harmoniert.

Jalandhara Bandha bedeutet eigentlich Wasserträger, Jala ist Wasser und Dhara heißt tragen. Jalandhara Bandha hält den Nektar oben, hält die Gnade oben und hilft auch, alles Prana nach oben zu bringen und dann nach oben auch zu halten. Dieses "oben halten der Energie" hilft, bewusstseinserweiternde Erfahrungen zu machen.

Jalandhara Bandha gehört zu den Verschlüssen, Verschluss im Sinne dessen, dass in Jalandhara Bandha das Prana nicht mehr durch Ida und Pingala strömen kann, sich dafür aber die Halswirbelsäule öffnet. Diese wird nämlich durch den Kinnverschluss lang, und damit eben auch die Sushumna. Somit kann die Energie durch die Sushumna nach oben kann fließen.

Manchmal übersetzt man Bandha auch als Schleuse, Schleuse heißt ja, etwas kann nur in eine bestimmte Richtung gehen und auf eine bestimmte Weise nach oben gehen. Man öffnet also die Schleusen nach oben durch Jalandhara Bandha. Jalandhara Bandha funktioniert mit vollständigem Yoga-Atem und braucht auch das Senken des Kopfes und zusätzlich Jihva Bandha, den Zungenverschluss.

Übungsanleitung:

Für Jalandhara Bandha atme zunächst vollständig aus, dann atme tief, vollständig ein, Bauch hinaus und Brust hinaus, fülle die Lungen vollständig. Dann halte die Luft an, senke das Kinn Richtung Brustkorb, idealerweise berührt das Kinn sogar das Schlüsselbein, je nach Halslänge und Brustlänge, der Nacken ist dabei lang, dabei auch Zungenoberseite am Gaumen, Kehle zusammengezogen. Halte die Luft so lange an, wie du kannst. Wenn du nicht mehr halten kannst, dann Kopf heben und Brustkorb senken und durch die Nase vollständig ausatmen. Dann atme wieder tief, vollständig ein, atme tief, vollständig aus. Dann atme wieder tief, vollständig ein, Bauch und Brust nach vorne wölben, Luft anhalten, beim Anhalten Kinn zum Brustkorb, so weit, wie du kannst, idealerweise berührt das Kinn den Brustkorb, wenn das anatomisch geht, Nacken lang, Zungenoberseite am Gaumen, Kehle leicht zusammengezogen und gleichzeitig Mula Bandha und Uddiyana Bandha. Halte die Luft so lange an, wie du kannst, anschließend Kopf heben, Brustkorb senken und Bauch hinein. Dann atme ein paar Mal normal weiter.

Das war Jalandhara Bandha, eine fortgeschrittene Variation, ausschließlich für fortgeschrittene Übende, die wissen, was sie tun. Diese Übung ist eine stark wirksame Energietechnik, die gewisse Herausforderungen für die Halswirbelsäule hat. So sei hiermit ausdrücklich erwähnt: Dieser Vortrag dient jetzt nicht zum selbst üben, sondern zur Wiederholung für Menschen, die Jalandhara Bandha in einem Kurs oder Seminar kennengelernt haben und nochmal überprüfen wollen, ob sie das richtig verstanden haben.

Für Anfänger oder auch Übende der Mittelstufe gibt es die kleine Schwester von Jalandhara Bandha, nämlich Laghu Jalandhara Bandha, dieses ist leichter zugänglich und dazu gibt es mit dem Übungsvideo 2 einen eigenen Vortrag.

Übungsvideo 3 - Vollständiges Jalandhara Bandha (v. 2014)

In diesem Übungsvideo leitet dich Sukadev zur Übung für Fortgeschrittene, dem vollständigen Jalandhara Bandha an.

Begleittext zu Übungsvideo 3 - Vollständiges Jalandhara Bandha (v. 2014)

Jalandhara Bandha ist ein Ausdruck aus dem Hatha Yoga. Jalandhara Bandha ist eine wichtige Praxis im Hatha Yoga, sie zählt aber zu den fortgeschrittenen Praktiken. Jalandhara ist Kinn und Bandha ist Verschluss. Jalandhara Bandha – Kinnverschluss. Menschen, die fortgeschrittenes Pranayama üben, kennen Jalandhara Bandha. Am Ende der Einatmung setzt du das Kinn auf die Brust, gibst die Zungenspitze an den Gaumen und saugst die Zunge leicht nach hinten zur Kehle, das ist das volle Jalandhara Bandha.

Angenommen, du kennst dich jetzt nicht mit fortgeschrittenem Pranayama aus, dann solltest du es nicht einfach ausprobieren, denn Jalandhara Bandha heißt, bei vollständig gefüllten Lungen, den Kinnverschluss zu üben. Das solltest du lernen und solltest die Vorsichtsmaßnahmen kennen, denn bei vollständig gefüllten Lungen die Luft anhalten mit Jalandhara Bandha kann sehr machtvoll sein, wird große Wirkung auf die Energie haben und da muss man vorsichtig sein. Wenn du es kennst, will ich die Bestandteile von Jalandhara Bandha hier noch einmal wiederholen. Du atmest vollständig ein, nachdem du vollständig eingeatmet hast, wölbst du den Brustkorb ganz stark nach vorne, senkst das Kinn, so dass das Kinn das Brustbein berührt, gibst die Zungenspitze nach oben an den Gaumen und saugst die Zunge nach hinten. Das zusammen ist Jalandhara Bandha.

Jalandhara Bandha hat verschiedene Wirkungen. Zum einen ist es ein Verschluss auch für den Atem. Das heißt, wenn du vollständig eingeatmet hast und Jalandhara Bandha machst, strömt die Luft nicht heraus. Angenommen, du hast vollständig eingeatmet ohne Jalandhara Bandha, dann besteht immer wieder die Gefahr, dass etwas Luft ausströmt. Wenn du längere Zeit die Luft anhalten willst, ohne zu atmen, ist Jalandhara Bandha sehr wichtig und sehr effektiv, gerade bei vollständig gefüllten Lungen. Jalandhara Bandha hilft auch, dass kein Überdruck entsteht im Kopf und Gehirn.

So ermöglicht Jalandhara Bandha das längere Atemanhalten bei gefüllten Lungen, ohne dass es unangenehm wird. Jalandhara Bandha hilft auch, dass das Prana aus Ida und Pingala herauskommt. Es heißt ja Bandha, ein Verschluss. Jalandhara Bandha verschließt Ida und Pingala, links und rechts am Hals, und verschließt auch die Nadis, die sich vorne befinden. Es gibt ja insgesamt 72.000 Nadis, 72.000 Energiekanäle. Viele davon verlaufen von unten bis oben und die meisten werden durch Jalandhara Bandha unterbrochen.

Jalandhara Bandha macht aber die Wirbelsäule im Hals länger. Indem die Halswirbelsäule länger wird, fällt es leichter, dass die Energie, das Prana, durch die Sushumna, die feinstoffliche Wirbelsäule, hochkommt. So ist Jalandhara Bandha ein Verschluss und gleichzeitig eine Öffnung. Daher hilft Jalandhara Bandha, dass das Prana durch die Sushumna in die höheren Chakras geht, Ajna Chakra und Sahasrara Chakra. Und das hilft, dass die anderen Nadis gereinigt werden. Mit Jalandhara Bandha und Mula Bandha sorgst du dafür, dass Ida und Pingala gereinigt werden, dass alle Nadis zwischen Muladhara Chakra und Vishuddha Chakra gereinigt werden.

Du löst aber auch das Ausströmen des Pranas auf und sorgst dafür, dass Ida und Pingala sich in der Sushumna im Muladhara Chakra treffen, die Energie von männlich, weiblich, Sonne und Mond sich transformiert in Feuerenergie, die Kundalini-Energie, und damit das Prana. Dieses Prana geht in der Wirbelsäule nach oben, dann wird die Wirbelsäule durch Jalandhara Bandha verlängert und geöffnet, Prana steigt nach oben, die Konzentrationsfähigkeit wird gesteigert, im Ajna Chakra und Sahasrara Chakra spürst du starke Energie.

So ist Jalandhara Bandha ein machtvoller Bandha, welcher gerade im fortgeschrittenen Pranayama beim Atemanhalten genutzt wird, z.B. bei der Wechselatmung, z.B. beim Anhalten nach Bhastrika, nach Ujjayi, Surya Bheda, auch bei Murcha, Sitali, Sitkari, zum Teil sogar Plavini. Mehr dazu findest du auf www.yoga-vidya.de. Jalandhara Bandha – Kinnverschluss.

Übungsanleitung:

Ziehe die Kehle zusammen. Atme sehr tief ein und halte den Atem an. Drücke das Kinn fest gegen die Brust. Dieser Bandha soll während des Atemanhaltens (Kumbhaka) praktiziert werden. Er bewirkt, dass das Prana in die richtige Bahn gelenkt wird. Es ist vereinigt mit Apana. Ida Nadi und Pingala Nadi sind verschlossen. Das Verdauungsfeuer hat seinen Sitz am Nabel. Im Normalfall verzehrt es den Nektar, der vom Sahasrara Chakra aus durch die Öffnung im Scheitel nach unten strömt.

Durch die Praxis von Mula Bandha können die Yogaschüler verhindern, dass der Nektar auf diese Weise verzehrt wird. Gelingt das, dann trinkt der Yogi den Nektar und erreicht die Unsterblichkeit.


Bedeutung der Bezeichnung Jalandhara Bandha

In der Hatha Yoga Pradipika 3.71 werden gleich zwei Erklärungen für die Bedeutung der Bezeichnung Jalandhara gegeben:


बध्नाति हि सिराजालमधोगामि नभोजलम् |
ततो जालन्धरो बन्धः कण्ठदुःखौघनाशनः || ३.७१ ||
badhnāti hi sirā-jālam adho-gāmi nabho-jalam |
tato jālandharo bandhaḥ kaṇṭha-duḥkhaugha-nāśanaḥ || 3.71 ||


"Weil es das Netzwerk (Jala) der (feinstofflichen) Kanäle (Sira) unterbindet, und das herabfließende Wasser (Jala) des Himmels (Nabhas) auffängt, deshalb (heißt es) Jalandhara Bandha. Es ist (ein Mittel zum) Vertreiben einer Menge von Leiden (Duhkha) der Kehle (Kantha)." (HYP 3.71)

Jalandhara Bandha in der Hatha Yoga Pradipika

Jalandhara Bandha

- Ein Vortrag von Sukadev Bretz 2020 -

Kommentar zum 3. Kapitel, Verse 70 – 75

Om Namah Shivaya und herzlich Willkommen zu einem Vortrag der Hatha Yoga Pradipika zum Thema Jalandhara Bandha Mudra. Wir sind im 3. Kapitel der Hatha Yoga Pradipika Vers 70 im Rahmen der verschiedenen Mudras. Swatmarama hat bereits Mula Bandha und Uddiyana Bandha erläutert und jetzt geht es zu Jalandhara Bandha.

Jalandhara Bandha vertreibt Alter und Tod

Vers 70:

„Ziehe die Kehle zusammen und presse das Kinn fest gegen die Brust. Das ist Jalandhara Bandha und vertreibt Alter und Tod. Man gebe das Kinn auf die Brust.“

Jalandhara Bandha heißt wörtlich „der wassertragende Verschluß“ – Jala (Wasser) Dhara (tragen). Im nächsten Vers wird er erklären, warum Jalandhara Bandha so heißt.

Die Bestandteile von Jalandhara Bandha

Der Ausdruck für Herz (Hridaya) hat auch etwas mit Brust zu tun. Im Wesentlichen heißt Jalandhara, dass du vollständig ausatmest, dann vollständig einatmest den Brustkorb dabei wölbst, Bauch hinaus, Brust hinaus, Schulter nach hinten und dann gibst du das Kinn zum Brustkorb hin. Das ist praktisch die Richtung zum Herzen.

Dann gibt es noch zwei weitere Bestandteile von Jalandhara Bandha. Das eine ist, du gibt die Zunge an den Gaumen und als drittes, du ziehst die Kehle leicht zusammen, so als ob du Schlucken willst. Er erwähnt jetzt nur zwei: das Zusammenziehen der Kehle und das Drücken des Kinnes auf die Brust.

Poorna Jalandhara Bandha und Laghu Jalandhara Bandha

Es gibt übrigens das volle Jalandhara Bandha. Das Kinn berührt dabei tatsächliche das Brustbein, so wie er es hier auch beschreibt: man setze das Kinn fest auf die Brust. Dann gibt es aber auch Laghu Jalandhara Bandha: man senkt das Kinn nur leicht und macht die Halswirbelsäule lang. Nicht allen Menschen gelingt es, das Kinn auf den Brustkorb zu setzen. Männern gelingt es leichter als Frauen, aber den meisten Frauen gelingt es auch mit etwas Übung. Es gibt Menschen, die eine steife Halswirbelsäule haben oder Arthrose oder einen Bandscheibenvorfall oder auch den Brustkorb nicht allzu tief oder das Kinn nicht allzu lang. Dann fällt es schwer das Kinn auch tatsächlich aufs Brustbein zu geben.

Noch ein Hinweis: vielleicht hörst du jetzt gerade Nebengeräusche – draußen ist gerade ein Sturm oder vielleicht sogar ein Orkan und obgleich ich hier ein Mikrofon habe, das solche Geräusche eigentlich ausblenden sollte ist vermutlich ab und zu mal etwas zu hören. Pranayama heißt auch den Wind zu beruhigen, der Wind ist es draußen stark. Prana und Wind hängen miteinander zusammen und so ist es vielleicht auch angemessen, dass im Rahmen der Hatha Yoga Pradipika Vorträgen eine Sitzung auch mit Wind und Sturm verbunden ist. Ich hoffe du hörst mich trotzdem.

Jihva Bandha

Ob man bei Jalandhara Bandha auch Jihva Bandha integriert (also Zungenoberseite an den Gaumen und Zunge leicht nach hinten saugen) hängt vom Kontext ab. Bei Maha Bandha ist Jihva Bandha als Teil von Jalandhara Bandha dabei, aber es gibt auch bestimmte Pranayamas und Mudras, wo du statt Jihva Bandha Khechari Mudra übst und gleichzeitig Jalandhara Bandha.

Hier sagt er auch wieder, dass es Alter (Jara) und Tod (Mritya) überwindet. Ich habe schon oft genug gesagt, was darunter zu verstehen ist. Wir wollen über die Ebene der Vergänglichkeit und des Leidens kommen, was wir über höhere Bewusstseinszustände erreichen und dazu dient auch Jalandhara Bandha.

Jalandhara Bandha zur Heilung körperlicher Leiden

Vers 71:

„Es wird Jalandhara Bandha genannt denn es festigt die Nadis und hält den Strom des Nektars aus der Öffnung im Gaumen. Dieses Bandha vertreibt auch alle Schmerzen im Rachen bzw. alle Erkrankungen der Kehle.“

Jala ist der Nektar des Mondes. Er kann auch als Wasser bezeichnet werden. Manchmal wird es auch als Jaala bezeichnet, was Netzwerk bedeutet, das tragende Netz, das verhindert, das Wasser nach unten geht. Manchmal wird Jalandhara Bandha (im Vers 71) und manchmal Jalandhara Bandha (wie im Vers 70) genannt, das den Wasserhalter bedeutet. Es gibt beide Beschreibungen.

So heißt es also, dass Jalandhara Bandha helfen will, dass der Nektar nicht nach unten strömt und stattdessen oben gehalten wird und dass so dieses Ojas, dieser Soma immer stärker wird, was zu einer Regenerierung führen kann.

Dann heißt es noch, dass es Dukha - alle Arten von Leiden - heilt, die mit Kantha - der Kehle - zu tun haben. Kantha hat auch etwas mit Kantha Chakra - dem Vishudda Chakra - zu tun. Somit ist also Jalandhara Bandha zum einen gut für eine gesunde Kehle, für einen gesunden Hals. Es ist gut die Wirbelsäule öfters lang zu ziehen. Natürlich muss man dann andere Asanas machen, den Kopf in die Gegenseite zu bewegen, wie mit dem Fisch und anderen. Jalandhara Bandha hilft auch Vishudda Chakra zu reinigen und auch das hilft, dass verschiedenste Arten von Leiden überwunden werden.

Zusammenwirken der Energie von Sonne und Mond

Vers 72:

„Wenn man sich Jalandhara Bandha angewöhnt und die Kehle zusammenzieht, fällt kein Tropfen Nektar in das Magenfeuer und das Prana fließt nicht in die falsche Richtung das heißt in den Raum zwischen den Nadis.“

In einer anderen Übersetzung: „Wenn Jalandhara Bandha praktiziert wird, charakterisiert durch die Anspannung in der Kehle, fällt der Nektar nicht in das Feuer und der Lebenshauch Vayu wird nicht aufgewirbelt.“

Jalandhara Bandha soll verhindern, dass Soma der Nektar nach unten strömt und dann in das Feuer des Bauches hineingeht. In der Hatha Yoga Pradipika, gerade im 3. Kapitel spielen Sonne und Mond eine besondere Rolle. Im zweiten Kapitel zwar auch, dann ist damit aber oft Ida und Pingala gemeint. Hier im 3. Kapitel aber ist Sonne das Energiezentrum im Bauch und Mond das Energiezentrum in der Stirn. Im vorigen Vortrag habe ich erklärt, was das alles bedeutet.

Normalerweise strömt die Energie des Mondes nach unten und die Energie der Sonne nach oben. Wenn die Mondenergie, die wässrige Energie ins Feuer geht, zischt es auf und dies führt zu einer Unruhe des ganzen Pranas. Wenn es uns aber nun gelingt, dass das Feuer nicht an der Vorderseite des Körpers nach oben geht, sondern im Gegenteil in die Sushumna und gleichzeitig der Soma, der Nektar oben bleibt, dann führt dies zu einer absoluten Ruhe des Pranas und zur Ruhe des Geistes.

Stilllegung von Ida und Pingala

Vers 73:

„Durch die feste Kontraktion der Kehle werden die beiden Nadis Ida und Pingala stillgelegt. Hier in der Kehle liegt das mittlere Chakra, das Vishudda Chakra und dies schnürt die sechszehn Adharas, die vitalen Zentren.“

Man will Ida und Pingala ruhigstellen. Vorher hat er beschrieben, was man mit Sonne und Mond im Bauchbereich, im Stirnbereich und oberhalb des Gaumens macht. Aber Jalandhara hat noch eine zweite Funktion, Ida und Pingala sollen auch stillgelegt werden. Jalandhara Bandha verhindert, dass die Energie durch Ida und Pingala nach oben strömt sowie Mula Bandha verhindert, dass die Energie durch Ida und Pingala nach unten strömt. Dadurch bleiben Ida und Pingala zunächst einmal in sich fest. Das führt erst mal dazu, dass Prana durch Ida und Pingala hoch und runter strömt.

Dadurch werden beide Nadis gereinigt. Irgendwann werden aber Ida und Pingala ganz ruhig, es strömt kein Prana mehr durch die beiden und dann geht die Energie in Muladhara Chakra und fließt dann durch die Sushumna nach oben. Indem die Sushumna geöffnet wird, Jalandhara Bandha führt ja auch dazu, dass der Nacken langgezogen wird und das Langziehen des Nackens führt zur Öffnung der Sushumna im Vishuddha Chakra Bereich. Auch das hilft, in höhere Bewusstseinsebenen zu kommen.

Harmonisierung des Mittleren Chakras

Jetzt spricht er aber auch davon, dass das Vishudda Chakra harmonisiert wird. Er nennt es hier Madhya Chakra (mittleres Chakra). Manche sagen das mittlere Chakra ist eigentlich Annahata Chakra. Dieses mittlere Chakra, Annahata Chakra, wird aktiviert, wenn du Mula Bandha und Jalandhara Bandha übst. Durch Mula Bandha kann das Prana nicht nach unten gehen, durch Jalandhara Bandha kann es nicht nach oben gehen. Die Sushumna öffnet sich, zunächst öffnet sich das Herzzentrum. Manchmal, wenn du diese beiden Bandhas übst und vielleicht noch Uddiyana Bandha integrierst, hast du das Gefühl grenzenloser Freude im Herzen so als ob dir das Herz vor Freude zerspringt. Dies können durchaus Erfahrungen sein, die entstehen können, wenn du Jalandhara Bandha übst.

Die sechszehn Adharas im Ayurveda

Vishuddha Chakra

Swami Vishnu Devananda bezieht Jalandhara Bandha insbesondere auf das Vishuddha Chakra, weil Jalandhara besonders darauf wirkt. Das Kinn wird gebeugt und du spannst ja auch die Kehle an. Dies hat alles etwas mit dem Vishudda Chakra zu tun. Dieses hat ja auch sechszehn Nadis, sechszehn Blütenblätter, die in Verbindung mit den sechszehn Adharas stehen, die sechszehn Stützen, die man zum einen als Stützen des Geistes nutzen kann. Die Adharas spielen auch im Ayurveda eine Rolle. Werden sie gesund gehalten, können auch alle anderen Teile des Körpers gesund gehalten werden. Im Ayurveda spricht man ja von 108 Marmas und die sechszehn Adharas gehören zu den besonders wichtigen Marmas.

Die sechszehn Adharas in der Meditation

Genauso gibt es auch bestimmte Meditationstechniken. Die sechszehn Adharas sind die Zehen, die Knöchel, die Knie, die Hüften, der Damm, die Fortpflanzungsorgane, der Nabel, das Herz, der Nacken, der Kehlkopf, der Gaumen, die Nase, der Punkt zwischen den Augenbrauen, das Zentrum der Stirn, die Mitte des Kopfes und Brahmarandhra – die obere Öffnung der Sushumna im Schädel. Dies ist zum Beispiel auch eine Möglichkeit, wie du in der Meditation üben kannst. Du kannst dich zuerst auf die Zehen konzentrieren, dann auf die Knöchel, dann auf die Knie.

Meditation: sechszehn Adharas und Laya Yoga Entspannung

Du könntest das auch mit der Laya Yoga Entspannung verbinden. Einatmen in die Zehen, Ausatmen die Energie davon ausstrahlen lassen. Einatmen die Fußgelenke, Ausatmen ausstrahlen lassen. Einatmen die Knie, ausatmen ausstrahlen lassen. Einatmen die Hüften, ausatmen ausstrahlen lassen. Einatmen in den Damm, Perineum als Bereich zwischen den Geschlechtsorganen und Anus, ausatmen ausstrahlen lassen. Einatmen in die Geschlechtsorgane, ausatmen ausstrahlen lassen. Einatmen in die Nabelgegend, ausatmen ausströmen lassen. Einatmen zum Herz, ausatmen ausstrahlen lassen. Einatmen zum Nacken, ausatmen ausströmen lassen. Einatmen in die vordere Kehle, ausatmen ausstrahlen lassen. Einatmen in den Gaumen, ausatmen ausstrahlen lassen. Einatmen in die Nase, ausatmen ausstrahlen lassen. Einatmen Punkt zwischen den Augenbrauen, ausatmen ausströmen lassen. Einatmen Mitte der Stirn, ausatmen ausströmen lassen. Einatmen Mitte des Kopfes, ausatmen ausstrahlen lassen. Einatmen zum Sahasrara Chakra, Scheitelgegend, ausatmen ausstrahlen lassen. Dann anschließend den Atem zu Kevala Kumbhaka führen, den Geist nach oben und Sahasrara Chakra spüren. Den Geist zur Ruhe bringen, Unendlichkeit erfahren.

Du kannst dies als eigenständige Übung üben und du kannst zusätzlich auch einfach Jalandhara Bandha üben, das dir hilft Vishudda Chakra zu aktivieren und die sechszehn Blütenblätter des Vishudda Chakra stehen in Verbindung zu diesen sechszehn Adharas. Indem du Jalandhara Bandha übst, werden auch die sechszehn Adharas harmonisiert und normalisiert.

Die verschiedenen Beckenbodenmuskeln

Vers 74:

„Ziehe die Anusschließmuskeln zusammen und übe Uddiyana Bandha. Bringe fest Ida und Pingala zusammen durch Jalandhara Bandha und veranlasse den Atem in den oberen Pfad zu fließen das heißt die Sushumna.“

Ziehe den Mulasthana (den Ort der Wurzel) zusammen, was heißen soll, übe Mula Bandha. Es sind natürlich nicht nur die Anusschließmuskeln sondern alle Beckenbodenmuskeln. Vereinfacht kann man die Beckenbodenmuskeln in drei Gruppen einteilen.

  • Es gibt die hinteren Beckenbodenmuskeln, das sind die Anusschließmuskeln,
  • es gibt die mittleren Beckenbodenmuskeln, das sind die Muskeln des Perineums und die Scheidenmuskeln
  • und es gibt die vorderen Beckenbodenmuskeln, das sind die Muskeln des Penis bzw. der Harnröhre.

Diese drei Muskelgruppen spielen in einer anderen Mudra noch eine wichtige Rolle, nämlich Vajroli Mudra wie auch Amaroli und Sahajoli Mudra, die später kommen.

Energie strömt durch die Sushumna nach oben

Hier spannt man also alle Beckenbodenmuskeln sanft an, dadurch wird Ida und Pingala im Muladhara Chakra verbunden. Dann zieht man bewusst die Energie durch die Sushumna nach oben. Dann übt man Uddiyana Bandha, das führt dazu, dass das Prana durch die Sushumna noch höher fließt. Dann übt man Jalandhara Bandha, das verhindert auch dass die Energie durch Ida und Pingala strömt, dass der Nektar nach unten träufelt und öffnet die Sushumna. Dann kann die Energie durch die Sushumna nach oben strömen.

Zusammenfassung - Wirkungen von Jalandhara Bandha

Fassen wir jetzt mal zusammen, was Jalandhara Bandha bewirkt.

  • Zum einen ist es gut für die Kehle und den Hals,
  • zum zweiten stellt es Ida und Pingala ab,
  • zum dritten hält es die Mondenergie oben,
  • zum vierten aktiviert es das Vishudda Chakra und harmonisiert dadurch die sechzehn Adharas
  • und schließlich öffnet es die Sushumna und sorgt dafür, dass das Prana ganz nach oben strömt.

Wachse über alles Leiden hinaus

Vers 75:

„Durch diese Technik wird der Lebenshauch zur Ruhe gebracht.“ Oder auch: „Auf diese Weise wird Prana absorbiert. Dann gibt es keine Krankheit, kein Alter, kein Tod und kein Leiden.“

Also letztlich soll Jalandhara Bandha dazu führen, über alles Leiden hinauszuwachsen, deine wahre Natur zu verwirklichen. Also gute Gründe Jalandhara Bandha zu praktizieren.

Hinweise

Soweit für heute. Natürlich gilt Jalandhara Bandha sowie alle Übungen der Hatha Yoga Pradipika solltest du von einem kompetenten Lehrer lernen. Diese Kommentare der Hatha Yoga Pradipika sind sicherlich nicht ausreichend, um diese Übungen zu lernen. Sie sollen dir nur mehr Einsichten geben, wozu das Ganze geübt wird. Du findest auch auf unseren Internetseiten Übungsanleitungen, Videos für Jalandhara Bandha, die allerdings für diejenigen gedacht sind, die Jalandhara Bandha bei Yoga Vidya in einem unserer Kundalini Seminare gelernt haben und es dann nochmal auffrischen wollen. Die ganze Hatha Yoga Pradipika, wie auch Jalandhara Bandha und die anderen Bandhas findest du auch unseren Yoga Vidya Internetseiten. Dort gibt es ein Suchfeld, dort könntest du die Stichworte eingeben und findest so alle Informationen dazu. Bis zum nächsten Mal, alles Gute, Om Shanti.

Video - Jalandhara Bandha in der Hatha Yoga Pradipika

Vortragsvideo zu Jalandhara Bandha, Kommentar zu den Versen 70-75, drittes Kapitel der Hatha Yoga Pradipika:

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Siehe auch

Weblinks

Literatur

Seminare

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