Sanskrit Kurs Lektion 109

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Dieser Sanskrit Kurs führt anhand einfacher Beispielsätze und -verse in die Grammatik des Sanskrit ein. Einen ausführlichen Überblick über das Sanskrit findest Du im Artikel Sanskrit. Hinweise zur indischen Schrift, der wissenschaftlichen Umschrift (Transliteration) sowie der korrekten Aussprache gibt der Artikel Devanagari. Stichwörter, nach denen Du in der Yoga Vidya Wiki suchen kannst, sind in vereinfachter Schreibweise (Transkription) wiedergegeben.

Die Verben der 5. Klasse bzw. Su Klasse (1)

In den Lektionen 90-92 haben wir die Beugung (Konjugation) der Verben der 3. Klasse (Hu Klasse, athematische Konjugation) in der Gegenwart betrachtet. Nun schauen wir uns die 5. bzw. Su Klasse an, die ebenfalls der athematischen Konjugation folgt. Dann folgt ein Beispielvers aus der Hatha Yoga Pradipika, die Auflösung des Formen-Rätsels aus Lektion 108 sowie ein neues Formen-Rätsel.

Wiederholung: Verbalwurzel, Verbalstamm und gebeugte Verbform

Um ein Sanskritverb im Wörterbuch zu finden, muss man die Verbalwurzel (Dhatu) kennen, von der die gebeugte Form abgeleitet ist. Es steht also nicht wie im Deutschen der Infinitiv eines Verbs im Wörterbuch, sondern die Verbalwurzel (z. B. su "auspressen").

Von dieser Verbalwurzel werden verschiedene Verbalstämme abgleitet, wobei der wichtigste der Präsensstamm ist, von dem die Formen der Gegenwart gebildet werden. Dies geschieht durch Anfügen der jeweiligen Personalendungen (-mi, -si, -ti usw.).

Starker und schwacher Stamm

Von der Verbalwurzel wird ein starker und ein schwacher Stamm abgeleitet, der in der Su Klasse auf no bzw. nu auslautet. Vom starken Präsensstamm werden nur die Formen der 1., 2. und 3. Person Singular (Aktiv bzw. Parasmaipada) abgeleitet, die Formen des Duals und Plurals (sowie die des Mediums) folgen dem schwachen Stamm:

Beispielsweise bildet die Wurzel su "auspressen" den starken Stamm suno- und den schwachen Stamm sunu-:

  • su (Wurzel) > suno- (starker Präsensstamm) + -ti (Personalendung 3. Person Singular) ergibt sunoti "er (sie, es) presst aus"
  • su (Wurzel) > sunu (schwacher Präsensstamm) + -maḥ (Personalendung 1. Person Plural) ergibt sunumaḥ "wir pressen aus"

Übersicht 1: Beugung der Verben der Su Klasse in der Gegenwart

In der folgenden Übersicht wurde das Verb "auspressen" (Wurzel: su, starker Stamm: suno-, schwacher Stamm: sunu-) in der Gegenwart für alle drei Personen und Numeri im Indikativ Aktiv (Parasmaipada) konjugiert. Diesem Bildungstyp folgen alle Verben der 5. Klasse. Mit Hilfe dieser Übersicht können (unter Berücksichtigung der Regeln des Sandhi) durch Einsetzen der jeweiligen Präsensstämme aus Übersicht 2 in Kombination mit den entsprechenden Personalendungen alle übrigen Formen gebildet werden.

Person Zahl Personalendung Devanagari Transliteration Transkription Übersetzung
1. Person Singular -mi सुनोमि sunomi sunomi "ich presse aus"
2. Person Singular -si सुनोषि sunoṣi sunoshi "du presst aus"
3. Person Singular -ti सुनोति sunoti sunoti "er (sie, es) presst aus"
1. Person Dual -vaḥ सुनुवः sunuvaḥ sunuvah "wir beide(n) pressen aus"
2. Person Dual -thaḥ सुनुथः sunuthaḥ sunuthah "ihr beide(n) presst aus"
3. Person Dual -taḥ सुनुतः sunutaḥ sunutah "diese beiden pressen aus"
1. Person Plural -maḥ सुनुमः sunumaḥ sunumah "wir pressen aus"
2. Person Plural -tha सुनुथ sunutha sunutha "ihr presst aus"
3. Person Plural -anti सुन्वन्ति sunvanti sunvanti "sie pressen aus"

Praxistipp

Man sollte sich nicht von der Komplexität und Vielfalt der Bildung der Sanskritverben abschrecken lassen, auch wenn für ein ernsthaftes Erlernen des Sanskrit ein gewisses analytisches Verständnis von Wortbildung und Grammatik unerlässlich ist.

Am Anfang mag es genügen, den Verbalstamm und die Endung zu erkennen und die dem Verbalstamm zugrunde liegende Verbalwurzel zu identifizieren, um sie im Wörterbuch nachschlagen zu können. Kennt man die am häufigsten vorkommenden Endungen der 1., 2. und 3. Person Singular Indikativ Aktiv (-mi, -si und -ti) sowie der 1. und 3. Person Plural (-maḥ und -anti), so ist bereits eine gute Basis für ein tieferes Eindringen in die Welt der Sanskritverben gelegt. Diese fünf wichtigsten Formen sind in der obigen Übersicht fett hervorgehoben.

Übersicht 2: Einige wichtige Verben der Su Klasse

In der folgenden Übersicht erscheinen einige wichtige Verben der Su Klasse unter folgenden Aspekten: Verbalwurzel (Dhatu) und ihre Hauptbedeutung(en), der davon abgeleitete starke Präsensstamm, die gebeugte (konjugierte) Form der 3. Person Singular im Indikativ Aktiv der Gegenwart (Präsens, Vartamana) gefolgt vom schwachen Präsenstamm und der 1. Person Plural Indikativ:

Verbalwurzel Bedeutung starker Stamm 3. Pers. Sg. Übersetzung schwacher Stamm 1. Pers. Pl. Übersetzung
su auspressen suno- sunoti er (sie, es) presst aus sunu- sunumaḥ wir pressen aus
śru hören śṛṇo- śṛṇoti er (...) hört śṛṇu- śṛṇumaḥ wir hören
vṛ bedecken* vṛṇo- vṛṇoti er bedeckt vṛṇu- vṛṇumaḥ wir bedecken
dhu/dhū schütteln dhūno- dhūnoti er schüttelt dhūnu- dhūnumaḥ wir schütteln
śak können, fähig sein śakno- śaknoti er kann śaknu- śaknumaḥ wir können
āp erreichen, erlangen āpno- āpnoti er erreicht āpnu- āpnumaḥ wir erreichen
erreichen** aśno- aśnoti er erreicht aśnu- aśnumaḥ wir erreichen
rādh Erfolg haben, geraten rādhno- rādhnoti er hat Erfolg rādhnu- rādhnumaḥ wir haben Erfolg

*Anmerkungen: Die Bedeutung mancher (ursprünglich verschiedener) Verbalwurzeln ändert sich, je nach dem, in welcher Verbklasse sie gebeugt (konjugiert) werden. Die Wurzel vṛ bedeutet "bedecken", wenn sie der 5. bzw. Su Klasse folgt. Folgt Wurzel vṛ jedoch der 9. bzw. Kri Klasse, bedeutet sie "wählen".

** Die Wurzel bedeutet in der 5. Klasse "erreichen", in der 9. bzw. Kri Klasse bedeutet sie jedoch "essen".

Beispielvers aus der Hatha Yoga Pradipika

Die gesamte Hatha Yoga Pradipika besteht aus Versen, deren häufigstes Versmaß (Chhandas) der Shloka (Anushtubh) ist. Hier folgt ein Vers aus dem vierten Kapitel (Upadesha), das der Praxis der Meditation und Versenkung (Samadhi) gewidmet ist. Der 82. Vers steht im Kontext der Meditation auf den inneren Ton (Nada bzw. Dhvani).


कर्णौ पिधाय हस्ताभ्यां यं शृणोति ध्वनिं मुनिः |
तत्र चित्तं स्थिरीकुर्याद्यावत्स्थिरपदं व्रजेत् || ४.८२ ||


  • wissenschaftliche Transliteration:
karṇau pidhāya hastābhyāṃ yaṃ śṛṇoti dhvaniṃ muniḥ |
tatra cittaṃ sthirī-kuryād yāvat sthira-padaṃ vrajet || 4.82 ||


  • vereinfachte Transkription:
karnau pidhaya hastabhyam yam shrinoti dhvanim munih |
tatra chittam sthiri-kuryad yavat sthira-padam vrajet || 4.82 ||


  • Wort-für-Wort-Übersetzung:
karṇau : beide Ohren (Karna, Akk. Dual m.)
pidhāya : (wenn er) verschließt ("verschlossen habend", pi + dhā, Absolutivum)
hastābhyām : mit beiden Händen (Hasta, Instr. Dual m.)
yam : welchen (Yad, Akk. Sg. m.)
śṛṇoti : hört (śru, Verb)
dhvanim : den Klang, Ton (Dhvani, Akk. Sg. m.)
muniḥ : der Weise (Muni, Nom. Sg. m.)
tatra : auf diesen (Tatra, adv.)
cittam : (seinen) Geist (Chitta, Nom. Sg. n.)
sthirī-kuryāt : er richte aus ("mache fest", Sthiri + kṛ)
yāvat : bis ("so lange wie" Yavat, adv.)
sthira-padam : den unbeweglichen, reglosen ("festen", Sthira) Zustand (Pada, Akk. Sg. n.)
vrajet : er erlangt ("gehe, gelange", vraj, Verb)


  • Übersetzung:
Auf den Ton, den der Weise hört, wenn er mit beiden Händen seine Ohren verschließt,
soll er seinen Geist ausrichten, bis er den unbeweglichen Zustand (des Geistes) erlangt.


Erläuterungen

  • Syntax (Anvaya): Dieser Vers besteht aus einem einzigen Satz (Vakya), der in einen Hauptsatz und zwei Relativsätze zerfällt. Der erste Relativ- bzw. Yad-Satz (im ersten Halbvers bzw. Pada a-b) wird durch das Relativpronomen yam ("welchen" Yad) eingeleitet. Der Haupt- bzw. Tad-Satz (in Pada c) ist durch das Adverb tatra "dort" gekennzeichnet, welches hier im Sinne von tasmin "in, auf diesem", dem Lokativ des Demonstrativpronomens Tad ("dieser, der") fungiert. Die Korrelativpronomen yam (Yad) und tatra (Tad) beziehen sich auf ein und dasselbe logische Objekt, den Ton (Dhvani), auf den der Yogi meditiert: yaṃ ... dhvaniṃ ..., tatra .... Der vierte Pada bildet einen weiteren Relativ- bzw. Yad-Satz, der durch das Adverb yāvat "wie lange (dauernd)" eingeleitet wird, welches zu einem nicht explizit ausgedrücktem tāvat "wie lange (dauernd)" im dritten Pada in Beziehung steht.
  • Der Akkusativ (Dvitiya) Dual karṇau ist das logische Objekt (Karman) der durch das Absolutivum pidhāya ausgedrückten Verbalhandlung. Der Dual (Dvivachana) bezeichnet stets zwei Dinge bzw. ein Paar (vgl. "Duo" oder "Duett"), hier beide Ohren.
  • Das Absolutivum pidhāya bezeichnet eine Nebenhandlung (Guna Kriya), die vor (in diesem Falle auch gleichzeitig mit) der Haupthandlung des Relativsatzes (śṛṇoti, Mukhya Kriya) erfolgt bzw. dieser untergeordnet ist, und mit dieser dasselbe logische Subjekt (hier: den praktizierenden muniḥ) hat. Die Form pidhāya ist von der Wurzel dhā "setzen, stellen, legen" (3. bzw. Hu Klasse) abgeleitet und bedeutet in Verbindung mit dem Verbalpräfix (Upasarga) pi (einer Kurzform von api) "verschließen, verdecken, verbergen".
  • Der Instrumental (Tritiya) Dual hastābhyām bezeichnet das Instrument (Karana) der Handlung.
  • Die Korrelativpronomen yam (Yad) und tatra (Tatra) beziehen sich auf ein und dasselbe logische Objekt, den Ton (dhvanim), auf den der Muni meditiert: yaṃ ... dhvaniṃ ..., tatra .... Die Grundstruktur dieses komplexen, aus Haupt- und Relativsatz bestehenden Satzes ist somit (in leicht veränderter Wortfolge): yaṃ dhvaniṃ ... muniḥ śṛṇoti, tatra cittaṃ sthirī-kuryāt "Welchen Ton der Weise hört, auf diesen soll er seinen Geist ausrichten." (Yad-Satz bzw. Relativsatz in Pada a-b und Tad-Satz bzw. Hauptsatz in Pada c).
  • Der Akkusativ dhvanim ist das logische Objekt (Karman) der Verbalhandlung śṛṇoti.
  • Der Nominativ (Prathama) muniḥ ist das logische Subjekt (Agens, Kartri) der Verbalhandlung śṛṇoti (Pada b) sowie des Absolutivums pidhāya (Pada a) und der Optative sthirī-kuryāt (Pada c) und vrajet (Pada d).
  • Das Adverb tatra "dort, auf diesen" bezieht sich im Sinne von tasmin "in, auf diesem", dem Lokativ des Demonstrativpronomens Tad ("dieser, der"), auf dhvanim.
  • Der Akkusativ cittam ist das logische Objekt (Karman) der Verbalhandlung sthirī-kuryāt.
  • Die Verbform sthirī-kuryāt ("er richte aus, konzentriere") ist die 3. Person Singular Optativ (Präsens Aktiv bzw. Parasmaipada) der Verbalwurzel kṛ "machen" (8. bzw. Tan Klasse). Diese ist hier mit dem vom Adjektiv Sthira "fest, unbeweglich" abgeleiteten Adverb sthirī- zu einer komplexen Verbform mit der Bedeutung "fest machen, unbeweglich machen" verbunden, was dem Kontext gemäß mit "er möge konzentrieren" übersetzt werden kann. Der Optativ drückt hier eine neutrale Anweisung aus.
  • Das Adverb yāvat "wie lange (dauernd)" steht zu einem nicht explizit ausgedrücktem tāvat "so lange (dauernd)" im dritten Pada in Beziehung. Diese beziehen sich wie die Korrelativpronomen Yad und Tad aufeinander, wobei tāvat den Hauptsatz und yāvat den Relativsatz einleitet. Der (um tāvat ergänzte) Hauptsatz lautet tatra cittaṃ [tāvat] sthirī-kuryād, der Relativsatz yāvat sthira-padaṃ vrajet.
  • Der Akkusativ sthira-padam ist ein Kompositum (Samasa) des Typs Tatpurusha und das logische Objekt der Verbalhandlung vrajet.
  • Die Verbform vrajet ("er gehe, gelange, erlange") ist die 3. Person Singular Optativ (Präsens Aktiv bzw. Parasmaipada) der Verbalwurzel vraj "gehen, gelangen, erlangen" (1. bzw. Bhu Klasse). Der Optativ drückt hier eine Möglichkeit aus, die mit hoher Wahrscheinlichkeit in der Zukunft eintritt.
  • Sandhi: Die Endung m von hastābhyām, yam, dhvanim, cittam und °padam geht vor folgendem Konsonanten (Vyanjana) in Anusvara () über, der in all diesen Fällen wie m ausgesprochen wird. Die Form sthirī-kuryād steht für sthirī-kuryāt, da ein stimmloses dentales t vor stimmhaftem Konsonant (hier: y) zu stimmhaftem d wird.

Metrische Analyse des 3. und 4. Pada

Betrachten wir das dritte (Tritiya) und vierte (Chaturtha) Versviertel (Pada) dieses Shloka noch einmal hinsichtlich der Längen (Dirgha) und Kürzen (Hrasva) der einzelnen Silben (Akshara). Lange Silben enden auf langen Vokal, oder auf einen kurzen Vokal (Svara), der von zwei Konsonanten (Vyanjana) gefolgt wird (inklusive Anusvara und Visarga). Dies nennt man Positionslänge*. Kurze Silben enden auf kurzen Vokal:


Silbe 1 2 3 4 5 6 7 8 1 2 3 4 5 6 7 8
Devanagari त्र चि त्तं स्थि री कु र्या द्या त्स्थि दं व्र जेत्
Transliteration ta tra ci ttaṃ sthi ku ryā dyā va tsthi ra pa daṃ vra jet
Silbenlänge lang* kurz lang* lang* kurz lang lang* lang* lang lang* kurz kurz kurz lang* kurz lang
Symbol υ υ υ υ υ υ


Hinweise zur Aussprache: Alle acht Silben jedes Pada werden in einem Zuge, also ohne Pause, ausgesprochen. Zwischen den Versvierteln wird eine kurze Pause (Yati) eingehalten. Die Positionslänge der 1., 3. und 7. Silbe (Pada 3) bzw. der 2. Silbe (Pada 4) ergibt sich durch die Aufteilung in tat-ra cit-taṃ, kur-yā und vat sthi.

Formen-Rätsel

Auflösung aus Lektion 108

Unter Berücksichtigung der sich aus der Anhäufung von Konsonanten (inklusive Anusvara und Visarga) ergebenden Positionslängen* sowie der Yati genannten Pause zwischen den Versvierteln (Pada) ergeben sich im ersten (Prathama) und zweiten (Dvitiya) Versviertel von Hatha Yoga Pradipika 4.3 folgende lange (–) und kurze (υ) Silben (Akshara):

Silbe 1 2 3 4 5 6 7 8 1 2 3 4 5 6 7 8
Devanagari रा यो गः मा धि श्च न्म नी नो न्म नी
Transliteration ja yo gaḥ sa dhi śca u nma ca ma no nma
Silbenlänge lang kurz lang lang* kurz lang lang* lang! lang* kurz lang kurz kurz lang kurz lang
Symbol υ υ × υ υ υ υ


Erläuterungen: Alle acht Silben jedes Pada werden in einem Zuge, also ohne Pause, ausgesprochen. Zwischen den Versvierteln wird eine kurze Pause (Yati) eingehalten, so dass die letzte Silbe eines Pada stets als lang gilt, unabhängig von ihrer tatsächlichen Kürze oder Länge (× "Anceps"). Dies betrifft hier insbesondere śca - die 8. Silbe des ersten Pada - die für sich genommen kurz wäre. Die Positionslänge der 7. Silbe (Pada 1) bzw. der 1. und 6. Silbe (Pada 2) ergibt sich durch die Aufteilung in dhiś ca bzw. un-ma und non-ma. Visarga (sowie Anusvara) führt stets zur Längung einer Silbe, hier bei gaḥ, der 4. Silbe im ersten Pada.

An der Grenze vom 1. zum 2. Pada ergibt sich zwischen ca und unmanī ein sogenannter Hiatus (Vivritti), d.h. das unverbundene Aussprechen zweier Vokale an der Grenze zweier Silben. Das abgesetzte Artikulieren des auslautenden -a und anlautenden u- wird hier zur Erhaltung des Versmaßes gefordert und ist in yogischen und tantrischen Texten nicht ungewöhnlich. Nach den allgemein üblichen Gesetzen des Sandhi würden sonst -a und u- an der Wortgrenze zu einem o verschmelzen, was die Lesung conmanī und eine fehlende Silbe im 2. Pada zur Folge hätte.


Neues Rätsel

Anhand der in Übersicht 2 gegebenen Präsensstämme der Su Klasse sowie der Personalendungen in Übersicht 1 ist es möglich, die folgenden beiden Verbformen abzuleiten. Viel Spaß beim Rätseln!


1. Sanskrit - Deutsch 2. Deutsch - Sanskrit
अनाहतं शब्दं शृणोमि anāhataṃ śabdaṃ śṛṇomi a) sie hören den unangeschlagenen (Anahata) Ton (Shabda) ihr presst den Zuckerrohrsaft (Ikshu) aus a) इक्षुं सुनुथ ikṣuṃ sunutha
b) wir hören den unangeschlagenen Ton b) इक्षुं सुनुमः ikṣuṃ sunumaḥ
c) ich höre den unangeschlagenen Ton c) इक्षुं सुनुथः ikṣuṃ sunuthaḥ


Die Auflösung findest Du in Lektion 110.

Fragen und Feedback

Für Fragen und Feedback zum Sanskrit Kurs wendet Euch gerne an Dr. phil. Oliver Hahn. Er ist Indologe und Autor für Yoga Wiki, Seminarleiter, Yogalehrer, Übersetzer und Lektor.

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