Darshanas

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Die „Darshanas“ sind Sichtweisen, Erklärungsmodelle der Wirklichkeit, der Versuch, existenzielle Menschheitsfragen wie: „Was ist der Sinn des Lebens?“, „Gibt es eine höhere Wirklichkeit (Gott)?“, „Gibt es so etwas wie einen höheren, ewigen Wert, oder ist mit dem Tod alles zu Ende?“, „Was ist Wahrheit?“ logisch zu beantworten.

Adi Shankara als Lehrer des Vedanta

Die 6 Darshanas

Artikel aus dem Yoga Vidya Journal von Swami Nirgunananda

Hier ein ganz kurzer Überblick über die Darshanas, der natürlich nicht umfassend sein kann, sondern nur als Einführung dient und versucht, die Essenz der einzelnen Darshanas in wenigen Stichworten zusammen zu fassen – aber natürlich sind die Philosophiesysteme sehr viel tiefer gehend.

  • Purva Mimamsa: „Himmel-und Hölle-Philosophie“: Wenn man sich an bestimmte ethisch-moralische Grundregeln hält oder bestimmte positive Handlungen ausführt, erwirbt man „Punya“, „Pluspunkte“, wenn man das Gegenteil tut, gibt es „Papa“ („Sünden“, „Strafpunkte“). Punyas und Papas bestimmen unser Karma, unser Schicksal in diesem und den nächsten Leben.
  • Nyaya: Logik-Systeme, vernunftorientiert. Alles ist Materie, besteht aus kleinsten Teilen (anu), die durch Energie und Schwingung in bestimmten Formen zusammen gehalten wird und sich manifestieren.
  • Samkhya: Purusha, das reine Bewusstsein, und Prakriti, die Urnatur, sind zwei dualistische Grundpole. Purusha sendet die Strahlen seines Bewusstseins in die Prakriti hinein. Dadurch kommt Prakriti, die aus den drei Grundeigenschaften der Natur besteht (Sattwa – Reinheit, Klarheit, Durchlässigkeit; Rajas: Aktivität, Bewegung; Tamas – Trägheit, Dunkelheit, Schwere) in Bewegung. Durch diese Bewegung entsteht die Urschwingung, Spandana, und die Welt beginnt sich zu manifestieren. Alles im Universum besteht aus einer Mischung dieser drei Eigenschaften Sattwa, Rajas, und Tamas. Purusha vergisst, dass er eigentlich das reine Bewusstsein ist und erlebt die Welt als Chitta, als Einzelseele, gefärbt durch diese Unwissenheit (avidya) und identifiziert sich mit dieser Einzelseele.
  • Yoga: die dem Raja Yoga Sutra des Patanjali zugrunde liegende Philosophie. Sie baut auf der Samkhya-Philosophie auf, mit 3 wesentlichen Unterschieden: a) Sie führt das Konzept von Ishwara, Gott, ein b) Sie sagt, alles, was geeignet ist, uns aus der Identifikation und zu höherem Bewusstsein zu führen, ist abhyasa, spirituelle Übung (während das Samkhya-System die Übung auf viveka kyati, die beständige Unterscheidungskraft und Vairagya, Entsagung, Wunschlosigkeit, beschränkt) und c) Sie sagt, es gibt nur einen Purusha, zu dem alle Einzelseelen durch Erkenntnis zurückkehren. Für diese Einzelseelen, die das verwirklichen, hört die Prakriti, die manifestierte Welt, auf zu existieren. (Während eine Richtung des Samkhya sagt, es gibt so viele Purushas wie es Einzelseelen gibt)
  • Vedanta: monistisch, non-dualistisch. Philosophie der Einheit. Es gibt nur ein Absolutes, Brahman. Aus Brahman entsteht die Welt, Brahman drückt sich in der ganzen Welt aus. Brahman ist die Essenz hinter allem, sowohl immanent in den Dingen der Welt wie auch das transzendente Prinzip hinter allem. Deshalb ist sowohl die Welt, wie wir sie sehen wie auch jedes Wesen in seinem Kern nichts anderes als Brahman. Swami Sivananda, Swami Vishnu-devananda und Yoga Vidya stehen in der Tradition des Advaita Vedanta nach Shankaracharya.

Daneben gibt es natürlich weitere wichtige östliche Philosophiesysteme wie den Buddhismus und die Shiva-Shakti-Philosophie, welche nicht zu den klassischen orthodoxen Darshanas gezählt werden, weil sie sich nicht auf die Veden beziehen. Da oft Verwirrung bezüglich der Begrifflichkeiten herrscht, könnte man grob in etwa sagen (es stimmt aber nicht genau, denn es gibt durchaus Unterschiede): Samkhya-Philosophie: Purusha (Bewusstsein)- Prakriti (Urnatur) entspricht in etwa in der Tantra/Shiva-Shakti-Philosophie: Shiva (reines Bewusstsein)- Shakti (Urenergie) und im Vedanta: Brahman (das Absolute)- Maya (Welt als Illusion)

Die Philosophiesysteme sind, wie eingangs erwähnt, nicht die Wirklichkeit an sich, sondern der Versuch, die Wirklichkeit irgendwie zu beschreiben. Sie sind Modelle, die uns zu eigenem Nachdenken, zur eigenen Auseinandersetzung mit existenziellen Fragen anregen wollen. Diesen Prozess der eigenen Auseinandersetzung, der eigenen Wahrheitsfindung in Gang zu setzen oder zu verstärken ist das Anliegen von Hanspeter Sperzels Beitrag „Subjektives über den Aufbau der Samkhya und Yoga Philosophie“. Es geht dabei weniger um begriffliche und inhaltliche Feinheiten, welche in der Jahrhunderte alten vielfältigen Literatur durchaus unterschiedlich und teilweise mit Widersprüchen zu finden sind, sondern vielmehr ausdrücklich um eine subjektive, persönliche Auseinandersetzung mit dem Thema.

Siehe auch

Literatur

Weblinks

Seminare