Kundalini

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Kundalini auch Kundali Shakti (Sanskrit: कुण्डलिनी kuṇḍalinī f.; कुण्डली शक्ति kuṇḍalī śakti f.); wörtlich: die Aufgerollte; die schlafende Schlangenkraft; die durch Ringe (Kundala) Charakterisierte, die (im Ausgangsstadium) in 3½ Windungen am unteren Ende der Wirbelsäule aufgerollte Energie; Bezeichnung für die schöpferische Kraft im Menschen, die durch Kundalini Yoga erweckt werden kann.

Die Kundalini wird oft als Schlange dargestellt.

Kundalini – die kosmische Energie im Menschen

Niederschrift eines Vortragsvideos (2014) von Sukadev über Kundalini

Vorträge über Kundalini, Kundalini Yoga gibt es auf den Yoga Vidya Seiten, und wir haben ja auch ein ganzes Kundalini Yoga Portal. Heute aber, was heißt Kundalini? Kundalini kommt von Kundala. Kundala heißt Ring, Kundala ist der Armring und auch der Ohrring, Kundala heißt aber auch das, was ringförmig ist, das Aufgerollte. Oder man kann auch sagen, Kundala ist eigentlich Ring und Kundalini. Sie ist die Aufgerollte, sie ist die Ringförmige. Kundalini ist also die aufgerollte Energie, sie ist die kosmische Energie im Menschen. Kundalini wird auch symbolisch dargestellt wie eine Schlange, die dreieinhalb Mal um den Lingam herum im Muladhara Chakra gewunden ist.

Es gibt dort schöne Darstellungen von der Kundalini. Und auf den Yoga Vidya Seiten findest du ja auch verschiedene Darstellungen des Muladhara Chakras, wo auch die Kundalini dabei ist. Die Kundalini scheint zu ruhen, und wenn die Kundalini aktiv wird, dann geht sie nach oben. Sie so ähnlich aufgerollt wie eine Feder, ringförmig, deshalb kann sie Kraft haben.

Die Kundalini ist aufgerollt und ähnlich wie eine Schlange harmlos aussieht, wenn sie aufgerollt ist, aber sie plötzlich zischen kann und sich aufrichten kann. So scheint die Kundalini auch zu ruhen, aber in ihr ist alle Kraft drin. Sie kann aktiviert werden und durch die Sushumna nach oben steigen und dann im Sahasrara Chakra mit Shiva verschmelzen.

Die Schlangenkraft Kundalini

Die Chakras des Menschen - Energiezentren

Kundalini, Shakti, eine Form der Devi, Kundalini-Schlange, Schlangenkraft, ist eine ätherische Kraft im Menschen. Nach der tantrischen Lehre ruht sie in jedem[1] am unteren Ende der Wirbelsäule; symbolisch als im untersten Chakra schlafend zusammengerollte Schlange (Sanskrit: kundala "gerollt, gewunden'").

Sie ist die der Materie nächst-stehende Kraft im Menschen. Yogische Praktiken können sie erwecken. Sie steigt dann auf, wobei die transformierenden Hauptenergiezentren oder Chakren durchstoßen werden (Satchakrabedha "Sechschakrendurchstechen"). Erreicht sie das oberste Chakra, vereinigt sie sich mit der kosmischen Seele und der Mensch erlangt höchstes Glück [2]. Erst hier vereinigt sie sich in ihrer transformierten Form mit den kosmisch-spirituellen Kräften. Da das Aufsteigen der Energie nach den klassischen Lehren auch Gefahren in sich birgt, sind eine gute Vorbereitung und ein innerer Reinigungsprozess entscheidend, weshalb viele Schulen zuerst das Herzzentrum entwickeln.

In Begleitung eines Menschen, der die Kundalini-Kraft bewusst lenken kann, werden mögliche Begleiterscheinungen des Prozesses, wie Visionen oder Erfahrungen in der Astralwelt, verständlich. Es gibt immer wieder Fälle, die Tantriker als "spontanes Erwachen" der Kundalini interpretieren [3]. Das einfachste Beispiel für spontanes Erwachen sind Fieberschübe, bei denen im Innern, entlang der Wirbelsäule große Wärme spürbar wird. Das wird mit Hören von Stimmen oder intensiven Visionen in Verbindung gebracht.

Aus Sicht von Menschen, die an die Kundalini glauben, wäre es wünschenswert, Menschen mit diesen Symptomen, die sich in psychiatrische Behandlung begeben, auf eine Kundalini-Erfahrung hin zu prüfen und gegebenenfalls den richtigen Umgang mit dem Energiefluss zu lehren.

Außerdem gibt es auch Vertreter der westlichen Psychologie, die sich mit dem Kundalini-Phänomen beschäftigen, allen voran der Schweizer Psychologe Carl Gustav Jung [4].

Verschiedene Quellen vergleichen die Kundalini-Schlange versuchsweise mit dem griechischen Schlangenstab des Äskulap oder der mexikanischen Federschlange Quetzalcoatl.

Seit etwa 1970 wird Kundalini und Bioenergie verschiedentlich gleichgesetzt und darauf hingewiesen, dass Konzepte, die Kundalini ähneln, in fast allen Kulturen der Erde (besonders in schamanischen, religiösen oder spirituellen Kreisen) verbreitet sind, wenn auch unter verschiedenen Namen und mit unterschiedlicher Interpretation. Danach seien Kundalini, Bioenergie, Quamaneq (bei den Eskimos), N/um (bei den Einwohnern der Kalahari Wüste), Chi (im Osten) alles nur andere Worte für dieselbe bioenergetische Realität.

Das Wesen der Kundalini

Auszug aus Swami Sivanandas Buch "Kundalini Yoga"

Shakti, die göttliche Energie, hat zwei Aspekte, den statischen und dynamischen. Einer ist ohne den anderen nicht möglich. Diese Polarität ist, ähnlich den Polen eines Magnets, notwendig, um das Gleichgewicht des Uni-versums aufrechtzuerhalten. Die kosmische Shakti manifestiert sich im menschlichen Körper als Kundalini und Lebensstrom. Kundalini ist die statische Grundlage für die dynamischen Lebenskräfte.

Der Mensch ist der Mikrokosmos, der kleine Kosmos. Alles, was im äußeren Universum existiert, ist auch in im Menschen. Alle Dinge, die man im Universum sieht, Berge, Flüsse, usw. existieren auch im Körper. Alle echten Bestandteile und Bereiche existieren innerhalb des Körpers, und so auch die höchste Shiva Shakti. Im menschlichen Körper wohnt Shiva im Sahasrara Chakra im Scheitel. Die Kundalini befindet sich im Muladhara Chakra, also an der Basis der Wirbelsäule. Muladhara bedeutet ‘Wurzel’, ‘Basis’. Kundalini ist die Kraft, die die statische Grundlage des ganzen Körpers und seiner beweglichen Teile ist.

Kundalini ist die Urenergie, die sich im Muladhara Chakra in einem schlafenden potentiellen Zustand befindet. Sie ist die kosmische Kraft im Individuum. Aber sie ist potentiell eine starke, spirituelle Shakti (Kraft). Sie ist eine elektrische, feurige, geheimnisvolle Kraft, die mächtige Urkraft, die aller organischen und anorganischen Materie zugrunde liegt. Sie wird wegen ihrer spiralförmigen Bewegung im Körper des Yogi Schlangenkraft genannt. Wenn sie erwacht, erzeugt sie die zischenden Laute der Schlange und steigt aufwärts durch den Zentralkanal in der Sushumna. Das Steigen der Kundalini Shakti und ihrer Vereinigung mit Gott Shiva im Sahasrara bewirken den Zustand höchsten Bewusstseins und spiritueller Erfahrung.

Wie erwacht die Kundalini? - ein Vortrag von Sukadev Bretz 2018

Verbindung mit dem Göttlichen

Wie erwacht die Kundalini? Die Kundalini ist die kosmische Energie im Menschen. Kundalini bedeutet wörtlich „die Aufgerollte“. Die Kundalini schläft im Menschen und ist trotzdem aktiv. Die Kundalini ist die Sehnsucht des Menschen nach dem Göttlichen. Die Kundalini ist die Unzufriedenheit mit einem weltlichen, äußeren Leben. Kundalini ist die Energie, die dich nicht mit Oberflächlichem zufrieden sein lässt.

Drei Arten, wie die Kundalini erwacht

Man könnte sagen, es gibt drei Weisen, wie die Kundalini erwacht.

Was heißt Erwachen der Kundalini

Bevor ich näher auf diese drei Möglichkeiten eingehe, stellt sich auch die Frage, was heißt das Erwachen der Kundalini? Wie macht es sich bemerkbar? Wenn die Kundalini erwacht, heißt das zunächst, dass eine Sehnsucht nach einer höheren Wirklichkeit besteht. Es heißt Intensität und Motivation für spirituelle Praktiken. Es heißt weiter, Liebe zu anderen Menschen, Liebe zu einer höheren göttlichen Wirklichkeit. Die Verbindung zum Göttlichen, das Gefühl, Gott existiert. Die Fähigkeit, sich nicht mehr mit dem physischen Körper und der Psyche zu identifizieren. Das alles sind Zeichen für die Erweckung der Kundalini.

Wie erwacht die Kundalini? Das Erwachen der Kundalini kann auch verbunden sein mit Energie-Phänomenen. Mit dem Gefühl von Pulsieren, von Wärme und manchmal durch Energieströme, die sich im ganzen Körper ausbreiten. Manchmal kann es sein, dass der Körper beginnt zu pulsieren. Manches Mal kann es bedeuten, dass der Körper durchgeschüttelt wird. Es kann Kriyavati auftreten, das heißt, dass Yogaübungen von selbst entstehen. Wie zum Beispiel Pranayama, wie Schnellatmung, wie Lola Mudra, der Kopf geht vor und zurück oder nach rechts und links. Oder Asanas wie die Vorwärtsbeuge, die Kobra, der Sonnengruß, all das kann von selbst geschehen.

Wie erwacht die Kundalini? Manchmal mit außergewöhnlichen Wahrnehmungen. Du hörst etwas Besonderes, du hast Visionen, du siehst Lichtphänomene. Wie erwacht die Kundalini? Durch Verlassen des Körperbewusstsein. Ist die Kundalini in den höheren Chakras, kann es sein, dass du deinen Körper nicht mehr spürst, dass du dich von oben siehst. Die Welt von oben siehst, Lichtwesen siehst, die ganze Welt als deinen Körper wahrnimmst. Wie erwacht die Kundalini? Du bekommst mehr Energie, mehr Charisma, mehr Ausstrahlung, du kannst andere Menschen mehr spüren, stärkere Liebe empfinden und mehr Freude spüren. Wie erwacht die Kundalini? Neue Fähigkeiten erwachen in dir. zum Beispiel künstlerische Fähigkeiten, bewusstseinsverändernde Fähigkeiten, außergewöhnliche Fähigkeiten. Wie erwacht die Kundalini? Durch große Energie und Motivation für den uneigennützigen Dienst im Einsatz für andere. Klarheit des Geistes, auch für Dinge des Wissens. Wie erwacht die Kundalini? Schließlich mit der Erfahrung Gottes. Schließlich, die Erleuchtung.

Verschiedene Kundaliniphänomene habe ich sehr systematisch in meinem Buch die „Die Kundalini Energie erwecken“ beschrieben. Wenn du dieses Buch liest, findest du noch sehr viel mehr. Auch die Unterscheidung von Kundalinierweckungsphänomenen, von Trancephänomenen. Es gibt psychologische und psychiatrische krankhafte Bewusstseinsphänomene, so wie es reine Energieerweckungsphänomene gibt.

Kundalini kann ganz von selbst erwachen

Wie erwacht also die Kundalini? Auf verschiedenste Weise. Aber wie erwacht sie praktisch? Ich habe gesagt, dass es drei Weisen gibt. Die eine ist, Kundalini kann ganz von selbst erwachen. Und es gibt gar nicht mal wenige Menschen, die mir berichtet haben, dass die Kundalini aus heiterem Himmel erwacht ist. Sie waren in der Natur und plötzlich ist es wie ein Blitz in sie hineingefahren, das Herz hat sich plötzlich in unglaublicher Liebe geöffnet. Also das Herz zerspringt und ein Einheitsgefühl war da. Danach war eine Wärme in der Wirbelsäule, ein Schütteln, ein Sausen und ein Brausen. Wie erwacht die Kundalini? Manchmal bei einem Unfall, manches Mal durch ein intensives Erleben. Wie erwacht die Kundalini? Letztlich durch die Gnade Gottes oder die Gnade des Meisters. Ich kenne auch Menschen, die bei einem Meister in die Lehre gegangen sind und bei dem Meister Kundalinierweckungsphänomene hatten. Meine ersten Kundalinierweckungserfahrungen sind bei Swami Vishnu Devananda entstanden. Als er mich angeleitet hat, habe ich diese Energie gespürt.

Kundalini kann durch intensive spirituelle Praktiken erwachen

Wie erwacht die Kundalini? Durch intensive spirituelle Praktiken. Wann immer du intensive, spirituelle Praktiken übst, wird irgendwann auch die Kundalini erwachen. Selbst wenn du noch nichts von Kundalini gehört hast. Das kann mit Energiephänomenen verbunden sein, es kann mit körperlichen Reinigungserfahrungen verbunden sein, es kann mit emotionalen Reinigungserfahrungen verbunden sein, aber vor allen Dingen kann es mit Bewusstseinsveränderungen und Bewusstseinserweiterungen verbunden sein. Jede Form der spirituellen Praxis kann irgendwann die Kundalini erwecken.

Kundalini kann durch systematische Kundalini Yoga Praxis erwachen

Systematische Kundalini Yoga Praxis

Wie erwacht die Kundalini? Durch systematische Kundalini Yoga Praxis. Die systematische Kundalini Yoga Praxis hat die besondere Wirkung, dass sie dir hilft, schrittweise zu praktizieren, damit der Prozess harmonisch ist.

Wie erwacht die Kundalini? Durch bewusste Kundalinipraxis:

  • Der vierte Schritt: Praktiziere intensiver, um durch Asana, Pranayama, Meditation und Mantras Nadis zu reinigen, Prana zu erhöhen und Chakras zu öffnen.
  • Danach folgt der nächste Schritt. Intensiviere deine Praktiken und schließe fortgeschrittene Pranayamas, Mudras und fortgeschrittene Bandhas mit ein. Übe fortgeschrittenen Kriya Yoga, im Sinne von kombinierten Energieerweckungserfahrungen. Richte deinen Geist ganz auf Gott aus. Verbringe eine längere Zeit in einem Yoga-Ashram, zum Beispiel bei Yoga Vidya. Mache alles um dort hinzukommen. Wenn du bereit bist und wenn du intensiv praktizierst, wird durch die Gnade Gottes und des Meisters und die Kraft deiner Praktiken und deiner Hingabe die Kundalini erwachen und dich in höhere Bewusstseinszustände bringen.

Mehr Informationen über all das und darüber, was es zu beachten gilt und wie du Kundalini Yoga-Seminare bei Yoga Vidya mitmachen kannst, findest du auf unseren Internetseiten.

Video - Wie erwacht die Kundalini?

Der Kundalini-Prozess

Das Chakra-Kundalini-System

Methoden wie Kundalini Yoga oder Reiki aktivieren die "physopsychische" ätherische Energie. In einer ersten Stufe versucht der Adept Lebensweise, Ernährung, Verhalten und Charakter mittels Meditation und ähnlicher Praktiken zu schulen und zu reinigen, die je nach Tradition sehr unterschiedlich sein können. Manchmal kündet das Höhere Selbst mittels Träumen das Erwachen der Kundalini an [5]. Das Sich-Regen der zuvor schlafenden Kundalini führt zu erhöhter Körpertemperatur, nicht mit hohem Fieber zu vergleichen. Einmal aktiviert, entwickelt der Kundalini-Prozess eine gewisse Eigendynamik, die zu Steuern durch weiteres sorgfältiges Training gelernt werden muss. In der Regel hat der Prozess starke Auswirkungen auf die Befindlichkeit der betreffenden Person und kann selbst zu unangenehmen und unerwünschten Nebeneffekten führen.

Das Aufsteigen der Kundalini folgt in der Regel stufenweise und sie kann sich sogar wieder zurückziehen, wird das dritte Energiezentrum in der Nabelgegend nicht erreicht. Nur selten steigt sie bis zum Kronenchakra, wo sich nach tantrischer Auffassung das "reine Bewusstsein" (bzw. Shiva) befindet. Dann beginnt nach Auffassung einiger Richtungen der eigentliche Kundaliniprozess, der als ein Wechsel von aufsteigendem, warmen und absteigendem, kühlen Energiefluss beschrieben wird.

Die verschiedensten Yoga-Richtungen befassen sich mit dem Thema Kundalini. Die meisten Yoga-Asanas dienen allerdings nicht direkt der Erweckung der Kundalini. Manche Yoga-Schulen beschäftigen sich ausdrücklich mit der Kundalini und wollen mit ihren Übungen den Körper auf den heiklen Prozess der emporsteigenden Kundalini vorbereiten. Dabei wird darauf geachtet, dass die Chakren gereinigt und "durchlässig" werden, damit die Kundalini ungehindert aufsteigen kann.

Beispiele verschiedener Yoga-Richtungen

Beim Kundalini-Yoga ist schon am Namen der starke Bezug auf die Kundalini-Kraft erkennbar. Wie beim Yoga insgesamt gibt es auch innerhalb des Kundalini-Yoga wiederum unterschiedliche Schulen oder Richtungen.
Typisch für die Yoga-Praxis der von Yogi Bhajan im Westen bekannt gemachten Richtung sind körperlich fordernde Übungen mit schnellen Bewegungsabläufen, kombiniert mit Ruhephasen und Meditation.
Auch im Kriya Yoga werden bestimmte Übungen zur Erweckung und Chakras und die sogenannten Kriyas (Reinigungsübungen) gelehrt. Sie sollen der Vorbereitung des Körpers und der systematischen Erweckung der Kundalini dienen.
Im Sahaja Yoga soll die Kundalini spontan und sanft erweckt werden.

Auch diverse Reiki-Schulen und Wege beschäftigen sich direkt oder indirekt mit der Erweckung der Kundalini-Kraft und wie sich ein Mensch hierauf vorbereiten kann bzw. wie er mit dieser Kraft umgeht, beispielsweise das Kundalini-Reiki. Im Gegensatz zum Yoga haben diese Praktiken jedoch einen stärkeren mentalen und meditativen Anteil, Reiki ist weniger stark als Yoga auf Bewegungsabläufe und Atemtechniken hin orientiert.

Swami Sivananda über die Kundalini

Die Kundalini ist die schlafende Göttliche Shakti, die in jedem Wesen schlummert. Das Muladhara Chakra befindet sich auf halbem Weg zwischen Anus und Geschlechtsorgan. Hier hat die erhabene Göttin Kundalini ihren Sitz. Sie liegt dort wie eine zu dreieinhalb Windungen zusammengerollte Schlange. Daher wird sie auch "Schlangenkraft" genannt.

Die Kundalini liegt dort, am Eingang der Sushumna Nadi, mit dem Gesicht nach unten. Sie repräsentiert die schöpferische Urkraft, die durch ihr Wirken die Welt stets aufs Neue erschafft. Die drei ersten Windungen repräsentieren die drei Gunas der Prakriti: Sattva, Rajas und Tamas. Die halbe Windung repräsentiert die Vikritis, die Modifikationen der Prakriti. Wenn die Kundalini Shakti aus ihrem Schlaf erwacht und die Wirbelsäule entlang nach oben steigt, führt das zur Erleuchtung und Befreiung. Der Yogi, der das erreicht hat, ist im Besitz der 8 Haupt- und der 32 Neben-Siddhis. Er kann nach eigenem Gutdünken bestimmen, wie lange er auf der Erde leben will.

Copyright Divine Life Society

Das Kundalini-Syndrom

Kundalini Yogastunde bei Yoga Vidya

Als Begleiterscheinung der aufsteigenden Kundalini werden körperliche Auswirkungen beschrieben, die durch den heftigen Energiefluss verursacht werden sollen. Zu ihnen gehören Hitzewallungen, d.h. ein Gefühl anflutender Wärme, Kälteschübe, Zuckungen (unwillkürliches Schütteln, Zittern, plötzliche Nickbewegungen des Kopfes), chronische und zeitweilige Schmerzen im ganzen Körper, die sich diagnostisch schwer erfassen lassen, Stechen (wie ein Biss) im großen Zeh und am ganzen Leib, Taubheitsgefühl der Hände und Füße, Schwankungen des Sexualtriebs, plötzliche Lautäußerungen (Lachen, Weinen), ekstatische Glückseligkeit, innere Bilder und Visionen [6].

Normalerweise sei ein Kundalini-Aufstieg ein sich selbst regulierender Prozess, jedoch wird für Krisen und ungewöhnlich heftige Entwicklungen eine Begleitung oder Beratung durch erfahrene Lehrer/ Kundalini-Therapeuten empfohlen. Langzeitmeditierende, insbesondere Zen-Schüler, berichten häufig von einem plötzlich einsetzenden, subjektiv als "Überhitzung" empfundenen Syndrom. Wenn das Syndrom länger anhält, kann es ohne Konsultation qualifizierter Hilfe zu länger andauernden körperlichen Beeinträchtigungen führen. Obwohl sich Zen-Buddhisten von anderen Traditionen abgrenzen, suchen sie beim Überhitzungs-Syndrom häufig fachlichen Rat z. B. bei Daoisten (taoistischen Priestern), um die spontan aktivierte Kundalini-Energie wieder in geregelte Bahnen zu lenken. Die Kundalini selbst bereite keine Schmerzen – es seien die Blockaden, die Schmerzen verursachen. Negativ empfundene Auswirkungen der Kundalini-Kraft seien in diesem Zusammenhang als Beitrag zur Reinigung des Körpers und der Seele zu sehen.

Das körperliche Symptom der "Erhitzung" wird von einigen Schulen des tibetischen Buddhismus durch bestimmte Techniken gezielt hervorgerufen. Eine klassische Methode, das Tummo, besteht darin, im Winter in Eiswasser getränkte Wolldecken auf dem nackten Körper zu trocknen. Auf diese Weise soll die Beherrschung der Körpertemperatur unter extremen Bedingungen geübt werden. Die bei traditionellen fernöstlichen Lehrer/innen sehr beliebten extremen Praktiken zur Kontrolle von Körperfunktionen werden heute nur noch fortgeschrittenen Schülern empfohlen – sie sind jedoch keine Voraussetzung für das Erwecken der Kundalini.

Mantras

Kundalini-Yoga und Mantrameditation werden oft miteinander kombiniert. Die Rezitation eines Mantras soll das Bewusstsein von Ablenkungen durch die Umgebung frei halten. Manchmal wird es als Ziel der Meditation verstanden, den "inneren Dialog" – die ständige Beschäftigung mit der Frage, was wir tun sollten oder nicht – zu beenden, um innerlich zur Ruhe zu kommen.

Hinsichtlich der Bedeutung einzelner Mantras – und der Meditation selbst – gibt es mehrere Interpretationen, die sich auf unterschiedliche Ebenen beziehen (die spirituelle Ebene, die körperlich-weltliche, die "feinstofflich-weltliche" usw.). Viele Zen-Praktizierende verwenden Mantras als technisches Hilfsmittel, lehnen Bedeutungszuweisungen aber grundsätzlich ab.

Außerdem wird die Auffassung vertreten, dass Mantras durch ihren Klang, d.h. durch ihre Schwingungen, bestimmte förderliche Wirkungen auf Kundalini und somit auch den Gehirnaktivitäten (Gehirnwellen) haben. Die Keimsilben und ihre harmonisch melodische wechselnden Schwingungen, geben demnach einen Hinweis auf die intendierte energetische Wirkung.

Ein bekanntes Mantra im Kundalini-Yoga ist "Sat nam". Die Silben stammen aus dem Sanskrit und drücken aus: Sat = Das Sein und Nam = der Name, der Prozess des Erkennens. "Sat nam" bedeutet außerdem in der Sprache Hindi "Sieben Namen". Das ist eine Anspielung auf die Lehre von den 7 Hauptchakras. "Sat nam" lässt sich insofern als Aufforderung verstehen, sich auf die eigene, innere Energie zu besinnen. Dem Gayatri-Mantra wird eine ähnliche Wirkung nachgeschrieben.

Andere Namen der Kundalini

In der Hatha Yoga Pradipika wird die Kundalini auch mit den folgenden Bezeichnungen benannt: Kutilangi, Bhujangi, Phanavati, Shakti, Ishvari, Parameshvari, Kundali und Arundhati.

Sukadev über die Kundalini-Energie

Kundalini-Energie ist die Bezeichnung der schlafenden Energie im Menschen. Im Yoga und insbesondere im Kundalini-Yoga gehen wir davon aus, dass das ganze Universum ein Zusammenspiel aus Shiva und Shakti ist. Shiva ist das höchste Bewusstsein, Shakti ist die Energie. Die ganze Welt ist eine Manifestation von Shakti, die ganze Welt ist eine Manifestation von göttlicher Energie. Auch physische Materie ist nichts anderes als Shakti, als Energie. Diese Shakti im Menschen wird als Kundalini-Energie bezeichnet.

Kundala heißt aufgerollt, Kundalini ist die Aufgerollte. Kundalini ist also die kosmische Energie im Menschen in potentieller Form. Der Mensch hat zwei Arten von Energie, nämlich Kundalini und Prana. Prana ist die Lebensenergie in ihrer Manifestation, Kundalini ist Energie in ihrer potentiellen Form. So wie ein Atom Atomkern und Elektronen, die um den Atomkern herum schwirren, hat, so hat auch der Mensch Kundalini-Energie und Prana. Im Alltag sind die Elektronen in einem Atom wirksamer. Die Elektronen beschreiben Hitze oder Kälte von Materie, sie sind für chemische und physikalische Reaktionen verantwortlich. Elektronen sind der elektrische Strom und vieles mehr.

Man kann sehr viele der chemischen und physikalischen Prozesse als Manifestation von Elektronen deuten. Der Atomkern ist normalerweise stabil. So ähnlich ist es auch im Menschen. Der Mensch hat Prana und das Prana ist das, was für den Alltag zuständig ist. Das Prana ist zuständig für körperliche Funktionen, für die Energieausstrahlung, für die Energie der Emotionen, für die Energie der Gedanken, für Charisma, für Ausstrahlung usw. Was man im Umgang mit anderen Menschen erfährt, ist Prana-Austausch, Energieverbindung. Das Prana fällt von Menschen, kann sich abstoßen von anderen Prana-Feldern, kann angezogen sein von anderen usw. Man kann sehr viele der menschlichen Erfahrungen als Prana erklären.

Was aber ist die Kundalini-Energie? Kundalini-Energie ist wie im Atom die schlafende Energie. Aber die Kundalini-Energie beschreibt den Grundenergiezustand des Menschen so wie der Atomkern den Grundmateriezustand des Atoms beschreibt. Diese Kundalini-Energie hat die ganze Zeit die Menge an Prana, die sich maximal in einem Menschen halten kann und wie viel Prana dort mindestens sein wird. Die Kundalini-Energie erneuert ständig den Pranakörper und die Kundalini-Energie kann sich auch manifestieren. Die Kundalini-Energie kann erweckt werden. Wenn die Kundalini-Energie kann langsam erweckt werden. Sie kann Auswirkungen auf die Psyche haben, höhere Bewußtseinsenergien aktivieren, den Menschen dazu bringen, tiefere spirituelle Erfahrungen zu machen oder dass die Kraft von Liebe, Verständnis und die Sehnsucht nach Gott stärker wird.

Die Kundalini-Energie kann sich auch mehr auf der physischen Ebene in automatischen Bewegungen, in dem Gefühl von Hitze manifestieren. Die Kundalini-Energie kann sich als emotionale Energie manifestieren, welche zu emotionaler Reinigung führen kann. Am wichtigsten ist aber das innere Streben des Menschen zurück zu seinem Ursprung, zu Gott. Die Kundalini-Energie strebt danach, zu Shiva zurück zu kehren, zum reinen Bewusstsein. Es ist die Kundalini-Energie, die sich im Menschen schrittweise als Sehnsucht nach Einheit, Verbundenheit, nach dem Göttlichen manifestieren will. Ich habe darüber das Buch "Die Kundalini-Energie erwecken" geschrieben. Auf den Yoga-Vidya-Seiten kann man dieses Buch vollständig finden, leicht suchbar nach verschiedenen Begriffen. Gehe einfach auf www.yoga-vidya.de/Kundalini-Yoga.

Fußnoten

  1. B. K. S. Iyengar: Licht auf Yoga; Barth Verlag (2005). ISBN 3-502-61166-1
  2. Arthur Avalon/Sir John Woodroffe: The Serpent Power (1918)
  3. Sivananda Radha (Swami): Kundalini-Yoga im Alltag, Darmstadt (2006); ISBN 3-89767-501-3
  4. Carl Gustav Jung: Die Psychologie des Kundalini-Yoga, Übersetzung aus dem Englischen. Zürich 1998. ISBN 3-530-40684-8
  5. Swami Sivananda Radha: Kundalini-Yoga im Alltag, Darmstadt (2006); ISBN 3-89767-501-3
  6. Bonnie Greenwell: Kundalini; Lübbe Verlag (1998); ISBN 3-7857-0915-3

Siehe auch

Literatur

  • Paramhans Swami Maheshwarananda: Die verborgenen Kräfte im Menschen. Chakras und Kundalini, Ibera-Verlag 2001 ISBN 3-85052-130-3
  • Gopi Krishna: Kundalini - Erweckung der geistigen Kraft im Menschen, 1983, ISBN 3-502-62364-3
  • Laue, Thorsten: Kundalini Yoga, Yogi Tee und das Wassermannzeitalter. Religionswissenschaftliche Einblicke in die Healthy, Happy, Holy Organization (3HO) des Yogi Bhajan, Münster: LIT, 2007. ISBN 3825801403
  • Lee Sanella M.D.: Kundalini Experience, Integral Publishing 1987, ISBN 0-941255-28-X (hardcover), ISBN 0-941255-29-8 (paperback)
  • Swami Muktananda: Kundalini: Das Geheimnis des Lebens, 2003, ISBN 3-930711-28-1
  • Satya Singh: Das Kundalini Yoga Handbuch, 2004, ISBN 3-548-74126-6
  • Swami Satyananda Saraswati: Kundalini Tantra ISBN 81-85787-15-8 (englisch). Deutsche Übersetzung: Swami Prakashananda, ISBN 3-928831-08-9
  • OWK: Kundalini. Das Erbe der Nath-Yogis, 2004, ISBN 3-89094-396-9
  • Bonnie Greenwell: Kundalini - Erfahrungen mit der geheimnisvollen Urkraft der Erleuchtung, 1998, ISBN 3-7857-0915-3
  • Reinelt, Dr. Joachim: Das große Kundalini Buch, 2006, ISBN 3-89427-315-1
  • Birgit Hassenkamp Kundalini - Erwachen, 2006, ISBN 3-937568-61-1
  • Sukadev Volker Bretz Die Kundalini-Energie erwecken. Von der göttlichen Urkraft in uns, 2007, ISBN 978-3-7205-6002-3
  • J. Ankerberg und J. Weldon: Fakten über ganzheitliche Medizin und alternative Heilmethoden, 2001, ISBN 3-85810-228-8
  • Sir John Woodroffe: The Serpent Power, Madras: Ganesh & Co., 1978
  • Swami Vishnu Tirth: Devatma Shakti (Kundalini) - Divine Power, op.
  • B.S. GOEL Dr. B. S. Goel: Das Dritte Auge und die Kundalini (Ein Erfahrungsbericht über eine Reise vom Staub zum Göttlichen), trikuti edition im Verlag Alf Lüchow, ISBN 3-9521125-1-8
  • Vortrags CD "Kundalini, die urschöpferische Kraft im Menschen" Shin Gwydion Fontalba; Ganga Verlag 2006

Weblinks

Seminare

Energiearbeit

03. Okt 2018 - 07. Okt 2018 - Yoga Asanas und Meridianstimulation
Du entwickelst ein grundlegendes Gespür dafür, wie du in jeder Asana bewusst die Meridiane aktivieren kannst. Du lernst, wie du dich auf das Spüren der Meridiane einstellen kannst und die wichti…
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Marmas sind die Meridian-Punkte im Ayurveda, die Organen, Nerven und anderen Systemen des Körpers entsprechen. Unter der erfahrenen kompetenten Anleitung eines indischen Ayurveda Arztes lernst du…
Dr. Devendra Prasad Mishra,

Kundalini Yoga

12. Okt 2018 - 14. Okt 2018 - Kundalini Yoga Mittelstufe
Intensives Kundalini Yoga Seminar zur Erweckung der inneren Kundalini Energie, Erweiterung des Bewusstseins und Entfaltung des vollen Potentials. Yoga Asanas: längeres Halten, spezielle Atem- und…
Nilakantha Christian Enz,
14. Okt 2018 - 21. Okt 2018 - Kundalini Yoga Intensiv Praxis
Intensives Praktizieren der im Mittelstufen-Seminar gelernten Übungen für noch tiefere Erfahrung und Erweiterung des Bewusstseins ohne viel Theorie. Lade dich so richtig auf mit Energie und fühl…
Savitri Retat,