Prakriti

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Prakriti (Sanskrit: प्रकृति pra-kṛti f.) (Ur-)Natur, Urmaterie, Materie; die sich aus der Urmaterie entfaltende Schöpfung; Konstitution, Zustand; Ursache, Ursprung, Vorraussetzung; Wesen, Temperament; Grundform, Norm, Muster, Schema; Minister; Untertan, Bürger; Sache, Geschichte; auch das Urbild des weiblichen Geschlechts, das mit Maya, der Illusion, identifiziert wird; die Shakti oder weibliche Energie jeder Gottheit.

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Gemäß der Sankhya-Philosophie handelt es sich bei Prakriti um die Urmaterie, deren Struktur aus den drei Eigenschaften (Gunas: Tamas, Rajas, Sattva) entsteht. Die Prakriti ist ein ewiges Prinzip, aus dem durch ihre Nähe zum Purusha das gesamte Universum mit allen Schichten entsteht.

Das Philosphiesystem der Advaita Vedanta geht von einem allumfassenden Urprinzip, dem Brahman, aus. Deshalb hat die Prakriti in diesem System keine eigene, getrennte Wirklichkeit.

Zudem kann unter Prakriti auch ihre eigene Manifestation gemeint sein, wie z.B. die mit den Sinnen erfassbare Welt oder die Natur um uns herum (Namarupa), der Bereich der Namen und Formen, wodurch die Vielfalt der ganzen Schöpfung gemeint ist. In ihr drückt sich das Wunder Gottes aus. Gleichzeitg ist sie jedoch auch das Prinzip dahinter und gehört damit nur dem höchsten Selbst, dem Paramatman.

Prakriti प्रकृति prakṛti Aussprache

Hier kannst du hören, wie das Sanskritwort Prakriti, प्रकृति, prakṛti ausgesprochen wird:

Prakriti und Purusha - Natur und Weltenseele

[1]Bhagavad Gita für Menschen von heute] von Sukadev Bretz

- Ein Vortrag von Sukadev Bretz 2019 -

Prakriti und Purusha – die Natur und das Bewusstsein.

Kommentar zur Bhagavad Gita 13. Kapitel ab Vers 19

  • Was ist Purusha – Bewusstsein, Weltenseele.
  • Was ist Prakriti? Die Natur!
  • Wie kann man zwischen beidem unterscheiden?
  • Und wie hängen Prakriti Purusha mit Brahman, Atman und Jagat – der Welt zusammen?

Das sind die Themen in diesen Versen. Ich will beginnen mit 3 x Om und dann die Verse 19 – 22 rezitieren, dann übersetzen und kommentieren.

Om Om Om
prakṛtiṃ puruṣaṃ caiva viddhyanādi ubhāvapi
vikārāṃśca guṇāṃścaiva viddhi prakṛtisaṃbhavān
kāryakāraṇakartṛtve hetuḥ prakṛtirucyate
puruṣaḥ sukhaduḥkhānāṃ bhoktṛtve heturucyate
puruṣaḥ prakṛtistho hi bhuṅkte prakṛtijānguṇān
kāraṇaṃ guṇasaṅgo ’sya sadasadyonijanmasu
upadraṣṭānumantā ca bhartā bhoktā maheśvaraḥ
paramātmeti cāpyukto dehe ’sminpuruṣaḥ paraḥ

Identifiziere dich nicht und spüre Einheit

19. Vers:

Wisse, dass sowohl diese Natur (Prakriti) als auch das Bewusstsein (Purusha) ohne Anfang sind. Und wisse auch, dass alle Erscheinungsformen und Eigenschaften aus der Natur entstehen.

Krishna verbindet ja im 13. Kapitel der Bhagavad Gita, Sankhya und Vedanta.

Vedanta ist das monistische System, also die Philosophie der absoluten Einheit, Vedanta sagt es gibt nur Brahman.

Das ist jetzt Vedanta.

Krishna wechselt jetzt hier in die Sankhya Überlegungen. Krishna hatte vorher von Vedanta aus gesprochen, er sprach über Brahman und das ist auch etwas, was wir hier im ganzheitlichen Yoga machen. Wir wollen uns nicht zu sehr streiten über Spitzfindigkeiten in der Philosophie. Es gibt Pandits, die dann lange Diskussionen führen. Ist Prakriti und Purusha Eins oder doch separat? Ist Ishvara der Schöpfergott vielleicht doch etwas Separates? Gibt es doch viele ewige Individuen oder gibt es nur ein Individuum? Werden die Seelen zum Ende, wenn sie Moksha erreicht haben vollständig verschmelzen mit dem Absoluten, oder werden sie die reine Befreiung erreichen und existieren in einem reinen Zustand der Wonne ohne wirklich zu verschmelzen? Darüber kann man sich umfangreich streiten. Und, das Interessante ist ja auch, die Bhagavad Gita wird von späteren Meistern (Acharyas) für unterschiedliche Gesichtspunkte zitiert.

Shankaracharya spricht von der vollkommenen Einheit. Ramanuja dagegen hat einen anderen Standpunkt. Und Nimbarka wieder einen anderen. Und so gibt es diese unterschiedlichen Standpunkte. Und ich finde das faszinierend: Krishna nimmt einen ganz pragmatischen Standpunkt ein. Er vermischt letztlich Bhakti Yoga und Jnana Yoga. Und im Jnana Yoga vermischt er ganz bewusst die zwei Grundströmungen Vedanta und Sankhya. Im Wesentlichen geht es ja darum:

Höre auf Dich zu identifizieren als Individuum. Erkenne hinter allem ist das Göttliche und erfahre Dich als Eins mit der Weltenseele. 

Ohne Verhaftung gibt es kein Vergnügen und keinen Schmerz

Prakriti ist wie ein Traum - eine Modifikation von Purusha

Und so sagt Krishna hier: Die Natur – Prakriti – ist letztlich ohne Anfang. Wenn man sich fragt: Wann ist das Universum entstanden? Krishna sagt: Es ist ohne Anfang. Er hatte vorher mal gesagt, es gab vorher das Unmanifeste, Avyakta und dieses Avyakta hat nachher die Welt wieder hervorgebracht. Und die Welt geht wieder zurück in Avyakta. Und dann kommt aus dem Avyakta die nächste Welt und so gibt es eine Welt nach der anderen, die immer geschaffen wird und sich wieder auflöst. Ein ständiges Kommen und Gehen. Daher – die Prakriti ist ohne Anfang. Und natürlich – Purusha, das Bewusstsein, ist auch ohne Anfang. Es gab immer schon Bewusstsein, es wird immer Bewusstsein geben. Ohne Anfang und ohne Ende.

Purusha und Prakriti sind ja zwei verschiedene. Und im Vedanta würde man sagen: Die Prakriti existiert nur scheinbar. Sie ist wie ein Traum, sie ist auch nur eine Modifikation von Purusha, von Brahman. Damit werden beide nochmals zusammengeführt. Sankhya würde sagen: Es gibt eine getrennte Natur und einen davon getrennten Purusha. Aber Sankhya sagt eben auch, zusammen mit Raja Yoga, die Prakriti ist für den Purusha da. Ohne Purusha gibt es auch keine Prakriti. Die Prakriti hat die Funktion, das Purusha, die höchste Natur die Kräfte der Natur erfährt und dann letztlich auch selbst diese Kräfte mitmacht.

Man könnte sagen: Purusha geht in diese Welt hinein, ähnlich wie es ja auch heutzutage Second Life gibt, oder es gibt andere Computerspiele mit künstlichen Welten, wo Du dann wie eine Art Avatar wirst, so nennt es sich ja tatsächlich, dass Du Dich inkarnierst in diese Welt und diese Welt ist letztlich für die da, die sich darin manifestieren. Man könnte sagen: Diese künstlichen Welten, diese virtuellen Welten können sehr gut helfen, zu verstehen, wie es mit dieser Welt ist. In virtuellen Welten gibt es ursprünglich einen Programmierer, der alles ermöglicht. Alles besteht aus Bits und Bytes, ist letztlich reine Illusion und die Einzelnen können auch noch etwas machen. Es gibt nur einen kleinen Unterschied: In den virtuellen Welten gibt es verschiedene Individuen, die sich daran beteiligen, dass das Ganze wird.

In dieser Gesamtwelt gibt es aber nur einen Purusha und einen Brahman. Und dieser eine Purusha und Brahman schafft dann erstmal die virtuelle Welt und in dieser virtuellen Welt identifiziert sich dann Brahman mit Einzelkörpern und einzelnen Psychen und so scheint es so, als ob Brahman in dieser virtuellen Welt alles Mögliche macht. Und so könnte man sagen: Brahman ist zum Einen der Programmierer und der irgendwo dafür sorgt, dass das Ganze so funktioniert, Brahman lässt auch das ganze Universum weiter ablaufen, dann spiegelt er sich in den einzelnen Individuen, die haben auch alle einen Einfluss auf diese Welt und wenn das Ganze irgendwie nicht so geht, wie er es gerne hätte, manifestiert sich Brahman als Avatar, als Inkarnation Gottes und sorgt dafür, dass es doch irgendwie gut weitergeht.

Und so ist Prakriti scheinbar ohne Anfang, wird aber dann aufhören, wenn Du aufwachst. Für Dich hört Prakriti auf, wenn Du aufhörst in dieser Prakriti sein zu wollen und Dich aus ihr rausziehst und Brahman verwirklichst. Und jetzt: Alle Erscheinungsformen und Eigenschaften die es gibt gehören alle zu Prakriti.

Es heißt nicht: Du bist der Körper und nicht Du bist die Psyche. Nicht Du bist derjenige, der introvertiert oder extravertiert ist, der Vata, Pitta oder Kapha ist, sondern Du bist Brahman, Du bist Purusha. Und Du hast einen Körper und Du hast eine Psyche und Körper und Psyche sind Teil der Prakriti. Und das gilt es zu erkennen.

Und so heißt es: Beim Hervorbringen von Ursache und Wirkung gilt die Natur als Ursache. Beim Erfahren zum Beispiel von Vergnügen und Schmerz gilt das Bewusstsein als Ursache. Also: Hervorbringen – da ist die Natur Prakriti. Also in der Prakriti entsteht alles, was dort zu tun ist. Innerhalb von Prakriti gibt es eine Ursache, und eine Wirkung ist wieder die Ursache und daraus entsteht wieder eine neue Wirkung.

Also, innerhalb der Prakriti gibt es zum Beispiel irgendetwas im Rücken oder in der Hüfte oder im Knie. Das sind die Ursachen, die Prakriti. Das Du jetzt aber dann zum Beispiel Schmerz erfährst, dazu braucht es das Bewusstsein. Ohne Bewusstsein gibt es keinen Schmerz. Zum Beispiel: Angenommen, Du bist im Tiefschlaf, dann ist ja weiterhin Deine Knie, Hüfte und Rücken oder wo auch immer, das gleiche da. Aber wenn Bewusstsein nicht da ist, dann erfährst Du auch keinen Schmerz. In diesem Sinne: Um Vergnügen und Schmerz zu erfahren braucht es das Bewusstsein. Was auch heißt: Wenn Du Dein Bewusstsein herausnimmst aus der Prakriti bist Du auch nicht mehr begrenzt durch Vergnügen und Schmerz.

Praktiziere jetzt - verschiebe es nicht

Praktiziere und erreiche Vollkommenheit

21. Vers:

Da sich die Seele – Purusha innerhalb der Natur – Prakriti befindet erfährt sie die aus der Natur stammenden Eigenschaften. Verhaftungen an die Eigenschaften ist die Ursache für die Geburt in für Verwirklichung geeignete und weniger geeignete Mutterschöße.

Purusha ist jetzt da, aber Purusha manifestiert sich dann in der Prakriti. Und wenn sich Purusha identifiziert mit zum Beispiel einem Körper/Psyche Komplex dann entsteht dort Verhaftung. Und so ist es: Es gibt den unendlichen Purusha, die unendliche Weltenseele und die Prakriti schafft jetzt diese ganze Welt.

Innerhalb dieser Prakriti gibt es kleinere Teile und in denen spiegelt sich Purusha und dann identifiziert sich Purusha damit. Also zum Beispiel:

Du würdest vielleicht sagen wenn Du auf Deinen Körper zeigst und sagst: Das bin ich, ich bin 46 Jahre alt und ich bin Franzose.

  • Bist Du hier wo Du hinzeigst? Nein, da ist der Körper.
  • Bist Du 46 Jahre alt? Nein, der Körper.
  • Bist Du Franzose? Nein, der Körper ist in Frankreich geboren und hat deshalb die französische Staatsangehörigkeit.
  • Wenn Du dann sagst: Ich bin Pitta Temperament, feurig und enthusiastisch. Bist Du Pitta Temperament? Nein, Deine Psyche hat dieses Temperament.
  • Oder, Du würdest dann sagen: Ich bin Mathematiker, oder ich bin technisch begabt. Nicht Du bist Mathematiker oder technisch begabt, Du hast eine Psyche die besondere mathematische Fähigkeiten hat.

Wenn Du Dich verhaftest, dann entsteht die Notwendigkeit der Befreiung. Die Verhaftung von Purusha mit einem Teil der Prakriti, mit den Körpern, führt dann eben zur Identifikation und dann entstehen Geburt und Tod. Und dann sagt er: Solange Du verhaftest bist, wirst Du auch wiedergeboren werden, aber dann sei Dir bewusst, es gibt geeignetere und weniger geeignete Mutterschöße.

Also, damit will er auch sagen: Lass Dir nicht zuviel Zeit die Verwirklichung zu erreichen. In diesem Leben hast Du alles, was Du brauchst. Du hast ein Dach über dem Kopf, Du hast etwas zu essen, Du hast sogar Zeit, Vorträge anzuhören über Vedanta und das Ziel des Lebens. Jetzt ist die Zeit spirituelle Praktiken zu üben. Jetzt ist der richtige Moment – verschiebe es nicht.

Du könntest ja sagen: ja, gut, mache ich im nächsten Leben. Oder wenn ich irgendwann pensioniert bin, oder wenn meine Enkel groß genug sind oder vielleicht meine Urenkel groß genug sind. Der Mensch findet 1000 verschiedene Gründe die Spiritualität zu verschieben. Aber es gibt bestimmte Umstände, wo es tatsächlich leichter geht.

Angenommen Du wärst in einem Bürgerkriegsgebiet wo Du jeden Tag damit rechnen musst, dass dort bewaffnete Banden kommen und alles rauben und das vielleicht das auch schon geschehen ist und Du um das blanke Überleben von Dir und den Deinen kämpfen musst, etwas schwieriger nachzudenken über den Sinn des Lebens, Bhagavad Gita zu rezitieren, Asanas und Pranayama zu üben. Übe jetzt – praktiziere jetzt – verschiebe es nicht!

Meditiere darüber: Ich bin das unsterbliche Selbst

22. Vers:

Die höchste Seele in diesem Körper wird auch der Beobachtende genannt, das Gewährende, der Erhaltende, der Erfahrende, der große Herr und das höchste Selbst.

Und so kannst Du beschreiben: Wer bist Du wirklich? Du bist derjenige der beobachtet und Du bist letztlich dann auch Eins mit Ishvara. Ishvara ist ja zum einen Gott in konkreter Gestalt oder Gott auch als Schöpfer, Erhalter und Zerstörer. Aber auf einer gewissen Weise bist auch Du selbst dieser Ishvara. Du bist derjenige der erfährt und das Selbst. Du bist nicht Körper und Psyche. Ja, ich werde gleich nochmal Om sagen, diesen Vers nochmals rezitieren auf Sanskrit und danach Dir eine kleine Aufgabe geben, die Du vielleicht umsetzen kannst im Alltag.

22. Vers Bhagavad Gita auf Sanskrit:

upadraṣṭānumantā ca bhartā bhoktā maheśvaraḥ
paramātmeti cāpyukto dehe ’sminpuruṣaḥ paraḥ

Kleine Aufgabe für den Alltag

Kleine Aufgabe: Meditiere darüber, ich bin das unsterbliche Selbst. Im Alltag werde Dir immer wieder bewusst:

  • Ich bin nicht der Körper,
  • ich bin nicht die Psyche,
  • ich bin nicht Vergnügen oder Schmerz,
  • ich bin nicht Temperament,
  • ich bin nicht meine Wünsche,

ich bin das unsterbliche Selbst, reines Atman, reines Bewusstsein, Satchidananda – Eins mit der Weltenseele, in der Tiefe Eins mit allen Welten und mit allen Wesen.

OM – Shanti - Shanti - Shanti.
Om bolo sat guru Sivananda maharaj jai ki jai
Om Bolo shri Vishnudevananda maharaj jai ki jai

Video Prakriti und Purusha - Natur und Weltenseele

Ayurveda

Im Ayurveda bezeichnet Prakriti die individuelle Konstitution des Menschen, d.h. seinen Konstitutionstyp. Dieser besteht in einer ganz individuellen Zusammensetzung der drei Doshas bzw. "Humore", deren gestörtes Gleichgewicht als eine Ursache von Krankheit angesehen wird. Um ein gesundes und zufriedenes Leben zu führen, empfiehlt Ayurveda, Ernährungs-, Schlaf- und andere Gewohnheiten seinem jeweiligen Konstituionstyp entsprechend zu gestalten.

Sukadev über Prakriti

Niederschrift eines Vortragsvideos (2014) von Sukadev über Prakriti

Prakriti heißt Natur, Prakriti heißt Ursprung, Prakriti heißt Materie. Prakriti hat in verschiedenen Kontexten unterschiedliche Bedeutung. So ähnlich wie im Deutschen das Wort „Natur“ ja auch sehr unterschiedliche Bedeutungen haben kann. Prakriti ist insgesamt die Natur – Schöpfung, Materie, Welt, all das ist Natur. Jetzt gibt es bestimmte Systeme, wo Prakriti von besonderer Bedeutung ist.

Zum einen im Sankhya-System. Sankhya ist eine der großen Philosophiesysteme. Shat Darshanas – eine der sechs großen klassischen Weltanschauungen. Und die Sankhya-Philosophie postuliert zwei Hauptprinzipien, Prakriti und Purusha. Prakriti - die Natur, Purusha – das Bewusstsein. Und die ganzen Erfahrungen sind ein Zusammenspiel von Prakriti - Natur und Purusha – Bewusstsein. Du bist in Wahrheit Purusha, reines Bewusstsein. Du hast einen Körper und eine Psyche, und Körper und Psyche sind Teil der Prakriti. Die ganze Welt ist eine große Prakriti. Du hast Teil an dieser großen Prakriti, und so hast du eine kleine Prakriti. Körper, Psyche, Persönlichkeit, Fähigkeiten, Neigungen, Emotionen, all das ist dein Teil der Prakriti.

Als zweites findest du die Prakriti auch in der Bhagavad Gita. In der Bhagavad Gita verwendet Krishna den Ausdruck „Prakriti“ in zweierlei Kontexten. Zum einen verwendet Krishna Prakriti auch so wie die Sankhya-Philosophie als Gegenpol zu Purusha. Purusha – Bewusstsein, Prakriti – die Natur und die Welt. Zum zweiten verwendet Krishna Prakriti aber auch als Aussage für die Natur des Menschen, die individuelle Natur, insbesondere die tiefe Persönlichkeit, die tiefen Herzensneigungen nennt Krishna Prakriti.

Und er sagt: „Der Mensch muss seiner Prakriti folgen, er muss dem folgen, was er tief im Herzen ist. Er hat nur eine beschränkte Möglichkeit, sich selbst zu beherrschen.“ Man sollte natürlich äußere Wünsche beherrschen, man sollte nicht Sklave von Raga und Dwesha werden, man sollte nicht Emotionen wie Gier, Ärger, Eifersucht usw. einfach folgen. Aber darüber hinaus hat der Mensch eine Wesensnatur, eine Prakriti, und dort gilt es, diese Prakriti zu leben, auf eine sattvige Weise, eine reine Weise, im Dienst an Gott, im Dienst an den Menschen.

Jeder Mensch ist anders, er muss schauen: „Wie kann ich den spirituellen Weg gehen? Wie kann ich meine Fähigkeiten und Talente einbringen? Und wie kann ich lernen, auf meine Natur zu hören, Prakriti?“ So hat also die Bhagavad Gita diesen zweifachen Aspekt von Prakriti, die kosmische Prakriti und die individuelle Prakriti.

Ayurveda richtet ein besonderes Augenmerk auf die individuelle Prakriti. Die individuelle Prakriti ist ein bestimmtes Zusammenspiel der drei Doshas, Vata, Pitta und Kapha. Vata – Luftprinzip, Pitta – das Feuerprinzip, Kapha – das Erd-Wasser-Prinzip. Und manche Menschen haben eine Prakriti, die ist mehr luftig, leicht und voller Energie und Freude und irgendwo voller Ideen und Kreativität – luftig. Dann gibt es solche, die haben mehr eine feurige Prakriti, Enthusiasmus, Begeisterung, Durchsetzungsvermögen, können aber auch zu Ärger und Zorn neigen, können auch dazu neigen, enthusiastisch Menschen zu begeistern, sind leistungsfähig und anspruchsvoll. Das ist die feurige Prakriti, Pitta Dosha.

Dann gibt es Menschen, die sind mehr Kapha Dosha, gemütlichere Menschen, freundlich, gemütlich, etwas behäbig, aber doch langfristig können sie viel bewirken. Andere haben alle drei Doshas oder zwei Doshas und es heißt, dass die Grund-Dosha von Geburt an bestimmt ist, mindestens zu einem gewissen Grad. Im Lauf des Lebens wird dann mal die eine oder andere Dosha etwas stärker, ein anderer Teil der Prakriti wird stärker.

Zusätzlich zur Prakriti im Ayurveda gibt es auch Vikriti. Vikriti ist die gestörte Natur. "Vi" ist das Gegenteil. Vikriti, die gestörte Natur. Wenn also jemand eigentlich von Natur aus Kapha ist, freundlich und mitfühlend und gemütlich, und muss er tausend verschiedene Dinge gleichzeitig machen, dann wird er plötzlich Vata-Störungen bekommen. Er hat dann eine Vata Vikriti. Und wenn Vata Vikriti ist, kann auch ein Kapha Mensch eben Vata-Störung haben.

So gilt es zu lernen, seiner Prakriti zu folgen, seiner Prakriti gemäß zu leben, ohne es zu übertreiben. Denn wenn du viel Vata hast, kannst du auch zu einer Vikriti kommen, übersteigertes Vata. Seiner Prakriti zu folgen, seiner Natur zu folgen, dabei aber nicht verhaftet zu sein, gleichzeitig rein zu sein, das ist dann die Kunst des spirituellen Lebens. So sagt es eben auch Krishna: „Folge deiner Prakriti, deiner Natur. Werde aber nicht Sklave von Mögen und Nicht-Mögen. Und bringe alles Gott dar. Und mache alles auf sattvige, auf reine, Weise.“

Der Entsagende weiß, dass nur die Prakriti wirkt

Ausschnitt aus dem Buch "Der Gesang des Heiligen. Eine philosophische Episode des Mahabharatam". Eine Übersetzung der Bhagavadgita von Paul Deussen. Leipzig. F.a. Brockhaus. 1911. S. 37-42. So lautet in der Bhagavadgita Werkverzicht und Werkhingebung (Karma - Sannyasa - Yoga).

Krishna und Arjuna mit dem Streitwagen

Arjuna sprach:

1. (1036.) Du rühmst, o Krishna, den Verzicht auf die Werke und wiederum Hingebung an dieselben. Was ist von diesen beiden das Bessere? Das sage mir mit Bestimmtheit.

Der Heilige sprach:

2. (1037.) Verzicht auf die Werke und Hingebung an sie, beides führt zum höchsten Heil; aber unter ihnen wird der Verzicht von der Hingebung an die Werke übertroffen.
3. (1038.) Der ist zu wissen als ein beständig Verzichtender, welcher nicht hasst und nicht begehrt; denn frei von den Gegensätzen [des Lebens], o Großarmiger, wird er leicht von der Bindung erlöst.
4. (1039.) Nur die Toren behaupten, dass Sankhyam (Weg der Reflexion) und Yoga (Weg der Verinnerlichung) verschieden seien, nicht aber die Weisen. Wer auch nur eines von ihnen richtig betreibt, der erlangt die Frucht aller beiden.
5. (1040.) Die Stätte, welche von den Reflektierenden (Sankhyaih) errungen wird, eben diese wird auch von den Yoga-Übenden erlangt. Eines sind das Sankhyam und der Yoga. Wer das sieht, der ist sehend.
6. (1041.) Aber das Verzichten, o Großarmiger, ist schwer zu erlangen, wenn es nicht vom Yoga ausgeht; während der dem Yoga sich hingebende Weise in kurzer Zeit das Brahman erreicht.
7. (1042.) Wer dem Yoga sich hingegeben hat, reinen Wesens, besiegten Wesens, mit bezähmten Sinnen, und dessen Selbst zum Selbste aller Wesen geworden ist, der wird, auch wenn er Werke tut, nicht befleckt.
8. (1043.) Wer dem Yoga hingegeben die Wesenheit erkennt, der ist sich bewusst, dass nicht er es ist, welcher irgendein Werk tut, und wenn er sieht und hört und fühlt und riecht, wenn er isst und wandelt, schläft und atmet,
9. (1044.) wenn er redet, ausscheidet und greift, die Augen öffnet und schließt, so ist er sich dabei bewusst, dass es nur seine Sinnesorgane sind, welche sich mit den Sinnendingen befassen.
10. (1045.) Wer so handelt, dass er seine Werke dem Brahman weiht und sich von dem Hang [nach Lohn] freigemacht hat, der bleibt vom Bösen unbefleckt, wie das Lotosblatt vom Wasser.
11. (1046.) Nur mit dem Leibe, mit dem Manas und der Buddhi, nur mit den Sinnesorganen allein vollbringen die Yogis das Werk, indem sie die Anhänglichkeit [an den Lohn] fahren lassen, um ihre Seele (Atman) reinzuhalten.
12. (1047.) Der dem Yoga sich Hingebende verzichtet auf die Frucht der Werke und erlangt den unvergänglichen Frieden; der Nicht-Hingegebene handelt aus Begierde, ist anhänglich an den Lohn und bleibt gebunden.
13. (1048.) Alle Werke mit Bewusstsein von sich werfend sitzt er da, heiter und Herr [seiner Sinne], der Träger des Leibes in der Stadt mit den neun Toren [dem Leibe], indem er weder handelt noch handeln lässt.
14. (1049.) Nicht das Tätersein und nicht die Werke schafft der Herr der Welt [der Purusha], noch auch den Zusammenhang zwischen den Werken und ihrem Lohne, vielmehr ist es die eigene Natur (Svabhava: Prakriti), die sich darin betätigt.
15. (1050.) Nicht das Böse von irgendwem und nicht sein gutes Werk erkennt der Allmächtige an als sein, sondern es ist die Verdunkelung des Wissens durch das Nichtwissen, vermöge dessen die Geschöpfe in der Irre gehen.
16. (1051.) Aber diejenigen, bei denen dieses Nichtwissen vernichtet ist durch die Erkenntnis des Atman, deren Erkenntnis macht ihnen gleichwie eine Sonne jenes Höchste offenbar.
17. (1052.) Dieses erkennend, dieses als ihr Selbst erfassend, in diesem feststehend, dieses als höchstes Ziel habend, gehen sie ein dorthin, von wo es keine Wiederkehr gibt, sie, welche durch die Erkenntnis das Böse abgeschüttelt haben.
18. (1053.) In dem mit Wissenschaft und Zucht begabten Brahmanen, in dem Ochsen, in dem Elefanten, ja sogar in dem Hunde und in dem Hundefleischverzehrer sieht der Weise eines und dasselbe.
19. (1054.) Schon hienieden haben sie sich das All erobert, deren Geist darin fest geworden ist, in allem das Gleiche zu sehen. Denn sündlos ist das in allem gleichmäßig vorhandene Brahman, darum sind sie fest beharrend in dem Brahman.
20. (1055.) Er freut sich nicht, wenn ihm Angenehmes begegnet, er bleibt unerschüttert, wenn ihn Unangenehmes trifft; festen Sinnes und unbeirrt kennt er das Brahman, steht er im Brahman fest.
21. (1056.) An den Berührungen der Außenwelt hängt sein Atman nicht, in sich selbst findet er, was ihn beglückt; der Hingebung an Brahman mit ganzer Seele ergeben erlangt er unvergängliches Glück.
22. (1057.) Alle Freuden, welche aus der Berührung mit der Welt entspringen, die sind eine Quelle der Leiden, sie haben einen Anfang und ein Ende, o Kuntisohn, nicht freut sich ihrer der Weise.
23. (1058.) Wer schon hienieden vor der Erlösung vom Leibe den Sturm zu bewältigen weiß, der aus Lust und Zorn entspringt, der ist ein Hingegebener, ist ein glückseliger Mann.
24. (1059.) Wer in sich die Freude, in sich das Ergötzen findet und in sich das Licht, der ist ein Yogi, und, zu Brahman geworden, gelangt er zum Erlöschen in Brahman (Brahmanirvanam).
25. (1060.) Dieses Erlöschen in Brahman erlangen die Rishis, wenn die Sünde vernichtet, die Zweiheit abgeworfen, das Selbst bezähmt ist, sie, welche sich am Wohle aller Wesen erfreuen.
26. (1061.) Für die von Lust und Zorn befreiten Selbstbezwinger, die ihre Gedanken im Zaume halten und den Atman erkannt haben, tritt ganz und vollständig [[[Abhitas]], nach Cankara: im Leben und Tode] das Erlöschen im Brahman ein.
27. (1062.) Wer die Berührungen der Außenwelt nach außen zurückdrängt und das Augenmerk auf den Punkt zwischen den Brauen richtet [wo nach Brahmasutra 1,2,32 der Sitz des Atman ist], wer Einhauch und Aushauch einander gleich macht und so durch das Innere der Nase streichen lässt,
28. (1063.) wer als ein Muni Sinne, Manas und Buddhi bezähmt, der Erlösung als höchstem Ziel zustrebt und Wünschen, Fürchten und Zürnen von sich abtut, der ist für immer erlöst.
29. (1064.) Und indem er mich erkennt als den Empfänger aller Opfer und Kasteiungen, als den großen Herrn aller Welten und als den Freund aller Wesen, geht er ein zum Frieden.

Siehe auch

Literatur

Weblinks

Seminare

Jnana Yoga, Philosophie Jnana Yoga, Philosophie

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Karma Yoga

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