Tantrismus

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Tantrismus von Tantra (Sanskrit: तन्त्र tantra n.) Webstuhl; Gewebe, Kontinuum, Zusammenhang; Lehrwerk, Lehre abgeleitet; religiöse Strömung in Indien, die das Ziel der Befreiung (Moksha) durch Vergeistigung des Alltäglichen zu verwirklichen sucht.

Tantrismus ist eine verheißungsvolle Strömung innerhalb der hinduistischen Religion. Der Terminus ‚Tantrismus‘ ist in enger Verbindung mit der Verehrung von Shakti zu sehen. Shakti ist gleichbedeutend mit Devi oder der göttlichen Kraft.

Devi - eine Manifestation von Shakti in Form der Göttin Durga

Tantrismus ist seit Mitte des ersten Millenniums ein florierender und fester Bestandteil der asiatischen Geschichte. Er behandelt spirituelle Praktiken und rituelle Formen der Verehrung, indem er auf die Loslösung von Ignoranz und Wiedergeburt abzielt. Das Universum wird als göttliches Spiel von Shakti und Shiva angesehen.

Mitte des 6. Jahrhunderts n.Chr. wurde der Tantrismus nach Beendigung der Gupta-Dynastie eine feste Glaubenstradition. Er hat größere Religionen, wie den Hinduismus, den Shikhismus, den Buddhismus und den Jainismus beeinflusst. Für den Tantrismus ist die Praxis von Ritualen charakteristisch, wobei makrokosmische und mikrokosmische Aspekte angesprochen werden. Im Tantrismus wird die himmlische Kraft, welche durch unser Universum strömt, für die Erreichung bestimmter Ziele eingesetzt.

Über den Ursprung und die Verbindung zu den Veden

Der Ursprung des Tantrismus ist umstritten. Es gibt verschiedene Sichtweisen, wobei einige davon ausgehen, dass Vorfahren der arischen Inder den Tantrismus entdeckt haben. Andere verorten den Tantrismus als eine Tradition des Altertums. Historisch gesehen lässt sich der Tantrismus auf die Zeit des Aufblühens des buddhistischen Religion datieren, da damalige Buddhisten bereits einige tantrische Symbole übernommen hatten.

Der Tantrismus wird als eng mit der vedischen Tradition verflochten angesehen. Der Ursprung der schriftlich fixierten tantrischen Tradition liegt in den ‚Agamas‘, welche die wohl umfangreichste Sammlung heiliger indischer Schriften darstellt.

Die Agamas bestehen aus vier Teilen: Jnana oder Wissen, Yoga oder Konzentration, Kriya oder esoterische Rituale und Charya oder exoterische Rituale. Elemente des Tantrismus existieren im Shivaismus, Vishnuismus und Shaktismus, aber auch in Glaubensformen, die Ganesha und Shaurya verehren.

Die Grundgedanken des Tantra als Philosophie sind in der Rigveda, dem ältesten Teil der Veden, zu finden. Tantrismus ist eine Textzusammenfassung aus verschiedenen Quellen und verfolgt das Ziel, Weltliches in Überweltliches zu transformieren. Es gibt einige Hymnen und mystische Worte, die bereits zu Zeiten der rigvedischen Periode verwendet wurden. Sie weisen auf den Ursprung des Tantra hin.

Über die Verbindung zu Yoga und den Puranas

Yoga und Tantrismus stehen einander zwar konträr gegenüber, weisen jedoch auch Gemeinsamkeiten auf, da einige philosophische Ansätze und Ziele gleich sind. Osho hat in seinem Diskurs über das Vijnana Bhairava-Tantra zwischen Yoga und Tantrismus auf folgende Weise unterschieden: „Yoga ist Unterdrückung mit Bewusstheit. Tantra ist Genuss und Hingabe mit Bewusstheit.“

In frühen Zeiten gab es einige ‚Puranas‘, welche Tantra als Praxis ablehnten, da sie als nicht vedisch angesehen wurden. In den indischen Puranas, wie z.B. Agni, Garuda und Padma, sind tantrische Elemente von Anbeginn an enthalten.

Die Narada-Purana beschreibt Tantrismus sogar detailliert, und zwar im Abschnitt über das Bhagavata-Tantra. Darin ist eine Beschreibung von tantrischen Gottheiten und Praktiken zur Wunscherfüllung enthalten sowie eine Reihe von Mantren, die zu diesen Gottheiten gehören. Die Narada-Purana schließt eine direkte Verbindung zu den tantrischen Gottheiten und ihren Energien als lebhafte Kräfte mit ein. Diese Kräfte befinden sich sowohl im Inneren eines jeden Menschen als auch im Wirkkreis um unsere physischen Körper herum.

Tantrische Praktiken verlangen, dass mit den Naturgewalten als Bewusstseinskräften gearbeitet wird. Und zwar indem entdeckt wird, dass im Leben die Shakti oder eine spirituelle Energie hinter all dem steht, was wir wahrnehmen und erfahren.

Die Lehren des Tantrismus

Das Ziel des Tantrismus liegt in der Inspiration und weniger im Auslöschen der relativen Realität. Der Prozess der Sublimierung besteht aus der Veredelung, der Höherhebung und „der erneuten Bestärkung der Identität auf Ebene des reinen Bewusstseins. Die Methoden von Dakshinachara unterscheiden sich von den Methoden des Vamachara.

Außerdem schließt das durch Shakti geprägte Sadhana bei den tantrischen Praktiken die vollherzige Verehrung der Tapferkeit von Shakti im Alltag mit ein. Im Tantra wird das Sadhana von Shakti auf drei Ebenen - Dakshinachara, Vamachara and Samayachara – ausgeführt. Shakti ist ihrerseits die Manifestation der göttlichen Kraft im physischen Körper, im subtilen astralen und im kausalen Körper des Menschen. Daher verlangt das Sadhana von Shakti einen absoluten und festen Glauben sowie Ausdauer.

Über das Ziel und den Zweck von Tantrismus

Tantrismus ist ein passendes Streben für all jene, die spirituelle Vollendung und Beherrschung erlangen möchten. Man kann vollständige Kontrolle über sich erreichen und alle Naturkräfte können sich mit dem Kosmos und dem Göttlichen vereinigen.

Man muss ein rigoroses Training durchlaufen, um diese Methoden zu beherrschen: Yoga, Mudras, Mantras, Worte und Phrasen. Mandalas und Yantras, die symbolische Schaubilder der Kräfte sind, die im Universum arbeiten, sind dabei Methoden für die Meditation.

Die Prinzipien des Tantra haben eine neue Form der Verwendung eingeleitet, die auf den Veden, den Upanishaden und der Bhakti Marga der hinduistischen Texte basiert. Tantra ist eine synthetische, d.h. aus verschiedenen Quellen zusammengesetzte, Lehre. Sie wird von allen hinduistischen Glaubensrichtungen anerkannt.

Tantrismus ist das Bestreben nach spiritueller Vollendung und das Streben nach spiritueller Kraft. Prakriti and Purusha bilden das Fundament des Tantra. Buddhismus, Hinduismus und Jainismus gelten als die drei Schulen des Tantra. Diese Klassifikation erfolgte auf Basis der verehrten Gottheiten und den daraus abgeleiteten Ritualen. In der Narada-Purana werden sieben Tantras erwähnt.

Im Tantra geht es um Energieerweckung auf einer höheren Ebene und mit einer höheren Frequenz und Schnelligkeit. Es geht um Gleichgewicht und nicht um die Schwächung von Kräften. Ziel ist eine tiefe Einheit zu erlangen, die ein höheres Leben, eine größere Bedeutung und einer höhere Ausdrucksform herbeiführt.

In diesem tantrischen Prozess spielen verschiedene Gottheiten maßgebende Rollen. Kali entfaltet z.B. spirituelle Kräfte, die Zeit und Raum transformieren; und zwar Zeit als kreativen Fluss von Veränderungen und Raum als Keim oder Matrix für neue Energien.

Die Göttin Kali setzt somit unser Sadhana in Bewegung und hält es bei sich und ihrer unbarmherzigen Kraft, die zeitweise fast überwältigend ist. Tantra entdeckt die Göttlichkeit im Leben, im ‚Rasa‘ – ein nicht in Worte zu fassender Zustand der Freude und Erfüllung – bzw. im Wesen der Schönheit. Dabei wird das Gefühl spürbar, dass alle Erfahrungen nach etwas (Höherem) streben.

Das Mantra Devi Devi Devi, gesungen im Ashram von Yoga Vidya in Bad Meinberg. Tantrismus ist eng verbunden mit der Verehrung von Shakti, gleichbedeutend mit Devi - der göttlichen Kraft.

Assamesischer Tantrismus: Über seine Bedeutung - Erläuterungen von Sri Anwarul Hasan

Auszug aus dem Buch „Tantra Yoga, Nada Yoga and Kriya Yoga“ von Swami Sivananda, Buch I - Tantra Yoga, 5. Auflage, 2000, Shivanandanagar, S. 83 - 89. Divine Life Society

Wie Malabar ist Assam die Wiege der hinduistischen tantristischen Philosophie und Religion. In den Tantra-Sastras wurde Kamarupa in Assam als Juwel unter allen Orten bezeichnet. Der berühmte Tempel der Göttin Kamakhya hat Millionen von Gläubigen aus ganz Indien angezogen. In den Texten des Tibetischen Buddhismus, übersetzt von Dr. Evan-Wentz, gibt es Belege, dass viele Lamas und Yogis von Tibet für ihre Einweihung nach Kamarupa kamen.

Assam hatte auch den Ruf, ein Land des Okkultismus und der Erforschung der Psyche zu sein. Unter den einfachen Leuten in Indien war "die Magie von Kamarupa" berühmt. Die Historie erzählt, dass im Mittelalter ein Moslem, von göttlicher und mystischer Gesinnung, mit Namen Hazrat Muhammad Gahuth, dessen Grabstätte in Gwalior ist, nach Assam ging, um die hinduistische Philosophie der Tantriker zu studieren. Das Ergebnis seiner Forschungen brachte er in dem persischen Buch "Abi-Hyat" oder "Wasser des Lebens" zum Ausdruck.

Obwohl oftmals missverstanden, so ist die Philosophie des Tantrikers ein wundervolles Produkt der spirituellen Genialität der Hindus. Sie bietet viel Aufschlussreiches für subtile und philosophisch orientierte Menschen. Da diese Philosophie nicht für die gemeine Masse gemeint war, drückten die Eingeweihten des Tantrismus ihre Lehrsätze vielfach in einer obskuren und symbolischen Sprache aus. Die Kenntnis der folgenden grundlegenden Begriffe wird eine Hilfe sein, viele Missverständnisse zu klären:

  1. Mutter-Verehrung,
  2. Symbol des Unterbewusstseins,
  3. Symbole der Sexualität,
  4. Verehrung von Idolen und
  5. Kundalini Shakti.

Wir werden uns nun mit jedem Begriff einzeln befassen:

Mutter-Verehrung

Andrea Solario: Madonna mit dem grünen Kissen, um 1507, Tempera und Öl auf Holz

In der tantrischen Philosophie wird Gott in Gestalt der Göttlichen Mutter oder Devi verehrt. Sie wird mit verschiedenen Namen angerufen, als da sind: Lakshmi, Sarasvati, Maha Kali, Durga oder Tripurasundari.

In den semitischen Religionen wie im Islam, im Judentum oder im Christentum wird Gott als Vater verehrt. Die Mutter-Verehrung erscheint den Anhängern dieser Religionen als ein Novum und als etwas Befremdliches.

Tatsächlich aber ist die Verehrung der Göttlichen Mutter älter als die Verehrung Gottes als Vater. Im Kern ist Gott weder männlich noch weiblich. Er ist die absolute Realität. Aber die menschliche Sprache kommt nicht umhin, ihre Ideen über Gott in relativen Begrifflichkeiten auszudrücken. In einer Gesellschaft, in der der Vater der Kopf der Familie ist und das Kind daran gewöhnt, seinen Vater als Autorität anzusehen, ist es natürlich leicht, sich Gott in Gestalt eines Vaters vorzustellen.

Diese Art der Vorstellung ist aber erst viel später entstanden. Anthropologische Forschungen zeigen, dass der primitive Mensch überall in einer matriarchalischen Gesellschaft lebte. In dieser Art von Gesellschaftsform war die (Ehe-)Frau oder Mutter der Kopf der Familie. Nach der Heirat wurde die Ehefrau nicht Teil der Familie des Ehemannes, sondern der Ehemann ging und lebte mit der Familie der Ehefrau. Solche Gesellschaftsformen existieren heute noch in Malabar und sind auch in Tibet sehr verbreitet. Der renommierte Sanskrit-Gelehrte und frühere Sanskrit-Professor der Universität Leningrad, Rahul Sankrityayan, hat belegt, dass diese matriarchalischen Muster unter den Ariern des Altertums tatsächlich existierten.

Und in eben solchen Gesellschaften entwickelte sich die Verehrung der Göttlichen Mutter. Die Art und Weise der Ehrerbietung wurde sehr populär und war sehr beruhigend, da es nichts gab, was die zärtliche Zuneigung einer Mutter für ihr Kind übertraf. Diese Vorstellung war eine große Hilfe für den Gläubigen. Genau so, wie ein Kind sich mehr bei seiner Mutter als bei seinem Vater wohlfühlt, so wurde der Gläubige auch mehr als von irgendetwas anderem von der Göttlichen Mutter angezogen. Die absolute Hingabe der Seele wurde ein Hauptmerkmal. Somit ist signifikant, dass auch in anderen Formen der Hindu-Religion die Mutter-Verehrung und die Vater-Verehrung Gottes als Synthese aufgebaut wurden. Sita und Rama, Radha und Krishna werden zusammen verehrt.

Devi-Verehrung ist ein mächtiges Instrument, sexuelles Verlangen abzubauen. Der Aspirant sieht in jeder weiblichen Gestalt die Göttliche Mutter und versucht, seine Einstellung zu Ihr demensprechend beizubehalten. Fleischliche Gelüste können in diesem Falle nicht zur Entfaltung kommen, denn jeder mag sich vorstellen können, wie heilig einem die Person seiner eigenen Mutter ist.

Das heilige Wort "Om" ist auch ein Überbleibsel der arischen Mutter-Verehrung des Altertums. In allen Sprachen der Welt drücken die Silbe und der Klang "Ma" das Bild von Mutter aus, z. B.: Mother im Englischen, Mater im Lateinischen, Matri im Sanskrit, Mammon im Französischen, Matri im Persischen usw. Dieser Klang kommt tatsächlich auf natürliche Weise zum Kind, während es an der Brust seiner Mutter trinkt. Wenn es versucht, einen Laut von sich zu geben, dann wird dieser Laut "Ma" erzeugt, weil die Nase des Kindes von dem Busen seiner Mutter versperrt und sein Mund mit Saugen beschäftigt ist.

Das heilige Mantra "Om" taucht in jeder Religion dieser Welt auf. Im Christentum kommt es als Amen und im Islam als Amin vor; die Buddhisten singen "Om Mani Padme Hum". Om ist wirklich ein universeller Name für Gott.

Symbole des Unterbewusstseins

Die Forschungen der modernen Psychoanalyse enthüllen und unterstreichen die große Wichtigkeit von Symbolen in der Emotionswelt des Menschen. Der Mensch der Vorzeit dachte in Symbolen, da er kein Vokabular besaß, um abstrakte Ideen und Eigenschaften auszudrücken. Bevor das Alphabet erfunden wurde, gab es nur reines Bilder-Lesen oder Bilder-Schreiben. Das "Ägyptische Totenbuch" aus dem Altertum ist mit Bilder-Symbolen geschrieben.

Die moderne Psychologie hat gezeigt, dass ein Mensch zwei Arten von wahrnehmendem Geist besitzt, Bewusstsein und Unterbewusstsein. Im Unterbewusstsein werden alle Kindheitserinnerungen und auch alle Erfahrungen, welche die Menschheit seit dem Anbeginn der Geschichte erlebt hat, in Erinnerung gehalten und aufbewahrt. Es ist der Ort all unserer Gefühle und Emotionen, deutlich zu unterscheiden von unserem intellektuellen Gedankentum und logischen Denken. Es ist auch der Sitz von Telepathie, Hellsehertum, Hypnose und anderen okkulten Kräften. Beim normalen Menschen zeigt sich die Aktivität des Unterbewusstseins in seinen Träumen.

Das Unterbewusstsein denkt vollständig in Symbolen. Wenn in uns während des Schlafens ein Gefühl von Streben und Ehrgeiz erweckt wird, so träumen wir, durch die Luft zu fliegen; wenn es Angst in unserem Innersten gibt, dann träumen wir von Dämonen und furchterregenden Tieren, etc. Auch wird das Unterbewusstsein von Suggestionen und Wiederholungen von immer wieder derselben Idee beeinflusst. Laute Klänge wie das Klingen von Glocken oder Musik können es auch beeinträchtigen.

Das Unterbewusstsein kann schwerlich von intellektuellen Vorstellungen beeinflusst werden.

Durch sorgfältiges Studium der Unterbewusstseinssymbole, wie sie auf Grund der früheren Erfahrungen der Patienten in Träumen, Halluzinationen und Verhaltensweisen erschaffen wurden, haben moderne Psychiater wie Dr. Carl Gustav Jung verschiedene Heilmethoden für Geistes- und Nervenkrankheiten entwickelt. Sie fanden heraus, dass Symbole die einzige Weg sind, das Unterbewusstsein der Patienten zu erreichen und ihre Emotionen in Richtung Gesundheit und Heilung zu lenken.

Die großen Symbole wie das Kreuz, das X, die Svastika, der Kreis, etc. tauchen wieder und wieder in der Geschichte auf.

Symbole der Sexualität

Skulptur im Tempel in Khajuraho, 11. Jh.

Die Gegenwart und das Zur-Schau-Stellen von sexuellen Symbolen in Hindu-Tempeln hat viel Kritik von verschiedenen ausländischen Schriftstellern geerntet, die sich nicht dafür interessiert haben, tiefer in die Bedeutung dieser Objekte einzutauchen. Der Phallus war das Symbol der erschaffenden Kraft beim Menschen der Vorzeit, und ist es auch heute noch im Unterbewusstsein des Menschen der Moderne. Auf unterschiedliche Art ausgedrückt finden wir diese Symbole in allen Religionen der Welt. Sie repräsentieren Gott, den Schöpfer. Da gibt es keine Lasterhaftigkeit in ihrer Symbolik. Es war eine natürliche, geradlinige und gesunde Vorstellung des Naturmenschen und seiner Nachfolger. Da gab es keine unanständige, unmoralische oder verruchte Ausrichtung oder Neigung im Geist dieser einfachen, frühzeitlichen Menschen, die diese Symbole erschaffen haben.

Der normale sexuelle Trieb kann nie gänzlich verurteilt oder ignoriert werden. Er kann nur veredelt und vergeistigt werden. Indem wir unsere Aufmerksamkeit auf den kosmischen, erschaffenden Aspekt des Sexualtriebs richten und durch Unterscheidungsvermögen, Reflektion und yogische Disziplin über die Gefilde physischer Begierden hinaus aufsteigen, können wir den sexuellen Trieb in spirituelle Energie umwandeln. Die hinduistischen Tantra-Symbole sind daher so beabsichtigt, dass das sexuelle Begehren nach und nach in Ojas (geistige Energie) für die Erlangung von Spiritualität umgewandelt wird. Sie befürworten in keinster Weise die Unterdrückung, sondern die Vergeistigung.

Verehrung von Abbildern

Es gibt zwei Arten von Idolen oder Vorbildern: Diejenigen, von welchen der Gläubige fest überzeugt ist, dass sie Inkarnationen Gottes waren, wie Jesus Christus, Buddha, Krishna oder Rama. Und es gab jene, welche symbolische Abbilder eines Aspektes Gottes darstellen, wie z. B. Sarasvati ( Wissen oder Lernen), Lakshmi (Wohlstand oder Schönheit) usw.

Bei der ersteren Gruppe der Abbilder kann es eigentlich keine philosophischen Schwierigkeiten geben. Wenn ein Gläubiger überzeugt ist, dass sie göttliche Inkarnationen waren, dann hat er jedes Recht dazu, sie genauso zu verehren, wie er es getan hätte, wenn sie noch leben würden. Idolisierung ist bei den materialistischen Nationen nichts Unbekanntes, so wie z. B. bei Stalin und Lenin. Die Nützlichkeit der letzteren Symbolklasse ist ja schon erklärt worden. Es ist in der Tat so, dass Symbole viel stärker und effektiver Gefühle des Unterbewusstseins hervorrufen als bloß abstrakte, intellektuelle Vorstellungen; dies hat sich heutzutage in der modernen Psychologie als wahre These etabliert.

Einige semitische Religionen wie der Islam und das Judentum verbieten die Anbetung von Abbildern, weil ihre Propheten empfanden, dass die Verehrung der Gottesidee als abstrakte Wesenheit genügen würde. In Wirklichkeit ist aber der Gebrauch von Symbolen in allen Religionen üblich. Im Islam und Judentum z. B. sind bei gewissen Anlässen Tieropfer erlaubt. Der Zweck sei, so heißt es, dass wir uns erinnern, dass wir Gott uns, unsere niedere Natur, zum Opfer darbringen sollen. Sogar metaphysische Vorstellungen von Gott sind eigentlich Symbole, und ohne die eine oder andere Art von Assoziation ist eine Auffassung der Gott-Idee für den menschlichen Geist gar nicht möglich.

Es gibt noch einen anderen mystischen Grund für die Verehrung von Abbildern. Gedanken sind mächtige Gebilde. Sie kreisen und bleiben unaufhörlich in unserem Unterbewusstsein und beeinflussen unsere bewussten Gedanken und Verhaltensweisen. Ein Anhänger von Krishna oder Rama erfährt durch die Gedankenkraft von Millionen von Gläubigen, welche schon seit Jahrhunderten auf diese göttlichen Symbole meditiert und ihnen ihre Ehrerbietung entgegengebracht haben, große Hilfe. Hier wird ein von der Rasse althergebrachter Geist berührt.

Auch der Name Gottes ist ein Symbol. Es muss eine Art von Assoziation geben, damit unsere Aufmerksamkeit eingefangen wird. Wenn ich einen neuen Namen für Gott erfinden würde, wie z. B. AQB oder P. 239, würde ich in mir bei der Rezitation dieser Namen keine großartigen religiösen Gefühle wachrufen. Wenn ich aber Symbole wie Allah oder Krishna oder andere angenehme und heilige Persönlichkeiten wähle, die schon seit langer Zeit von der Menschheit benutzt werden, werde ich leicht inspiriert werden. Der Grund dafür ist schon erklärt worden.

Sankirtan, Namaz, Singen im Kirchenchor oder die simple Repetition des Namen Gottes rufen auch Emotionen des Unterbewusstseins hervor. Religiöse Musik, das Klingen von Glocken in Tempeln, die sonoren Chants von Kalmas oder Psalmen sind definitiv für denselben Zweck nützlich und fast universell notwendig.

Kundalini Shakti

Die Chakras - Energiezentren. Chakren spielen eine entscheidende Rolle im Kundalini Yoga.

Kundalini Yoga ist ein okkulter Prozess und Vorgang, um physische Energie in Ojas Shakti umzuwandeln. Das Bewusstsein des Menschen wird über sechs unterschiedliche Stufen der Wahrnehmung geführt, bis es ins Absolute eingeht. Dazu gibt es direkte Belege aus der tibetischen Yoga-Methode. Dr. Evans-Wentz hat in seinem Buch "Der Yoga Tibets und seine geheimen Lehrsätze" einige tibetische Schriften übersetzt, in welchen Hatha-Yoga-Übungen beschrieben wurden, mit welchen Lamas ohne irgendwelche warme Bekleidung oder Decken die härteste Winterkälte ertragen konnten. Die sechs Chakras oder Nervengeflechte des Kundalini Yoga und andere tantrische Yantras sind sehr alte Symbole des Unterbewusstseins. Einige dieser Symbole wurden selbstständig von Anthropologen und Psychoanalytikern wie Dr. Jung (siehe: Die Integration der Persönlichkeit, C. G. Jung) entschlüsselt. Von Swami Sivananda wurden in seinem Buch "Kundalini Yoga" die yogischen Kriyas und die Vorgänge der aufsteigenden Kundalini Shakti im Detail beschrieben.

Siehe auch

Literatur

Weblinks

Seminare

Kundalini Yoga

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Dharana - Konzentrationsübungen – dienen der Meditation, werden aber auch praktiziert, um die Nadis (Energiebahnen) und Chakras (Energiezentren) des Astralkörpers durch Achtsamkeitsfokussierung…
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