Kundalini Erweckung

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Erweckung der kosmischen Energie im Menschen

Kundalini Erweckung - ist das Entwickeln des schlafenden Potentials im Menschen. Kundalini ist die Manifestation der kosmischen Shakti, der Schöpfungskraft, der evolutionären Energie, die das Leben zur Entfaltung bringt.

Die Kundalini Yoga Meister haben erkannt, dass der Durchschnittsmensch nur einen winzigen Bruchteil seiner Fähigkeiten entwickelt hat. Der Schlüssel zur vollen Entfaltung ist die Erweckung der Kundalini.

Je nach Entwicklung der Kundalini macht der Mensch verschiedene Erfahrungen. Ab einem gewissen Punkt bringt ihn die Kundalini dazu, nach dem Höchsten zu streben. Sie gibt ihm die Kraft, bewusst spirituelle Praktiken zu üben. Wenn der Mensch beginnt, bewusst zu üben, manifestiert sich Kundalini als innere Intelligenz und innere Stimme. Sie sorgt dafür, dass Körper, Prana, Emotionen und Gedanken gereinigt werden, um zu reinen Instrumenten zu werden.

Kundalini Yoga – intensives Üben von Asanas, Pranayama und Meditation, um dein Energieniveau erheblich zu erhöhen, dein Bewusstsein zu erweitern und tiefe innere Erkenntnisse zu erlangen. Du kannst deine Lebenskraft vervielfältigen, deine persönliche Ausstrahlung und deine intuitiven Kräfte verstärken. Im Überbewusstsein erfährst du die Einheit mit dem Unendlichen, Samadhi.

Kundalini-Erweckung und Samadhi

Kundalini muss erweckt werden

- Ein Vortrag von Sukadev Bretz 2019 -

Kommentar zur Hatha Yoga Pradipika, 4. Kapitel, ab Vers 10

  • Wie kommt man zu Samadhi mit Hatha-Yoga?
  • Was muss man machen, um Erleuchtung zu erlangen, laut Hatha-Yoga-Pradipika?

Darauf geht Svatmarama ein, im 4. Kapitel ab Vers 10

Kundalini muss erweckt werden

10. Vers:

Ich will ihn auf Sanskrit rezitieren will, es sind machtvolle Worte, es geht ja letztlich um Samadhi

Wenn die Kundalini sich durch die verschiedenen Asanas, Kumbhakas und Mudras erhoben hat, wird das Prana in Shunya absorbiert.

Die Kundalini muss also erweckt werden. Wenn sie erweckt ist, dann kommt alles Prana und die Kundalini in Shunya, und Shunya heißt „die Leere“. Shunya kann manchmal übersetzt werden als Sushumna, also der Energiekanal der Wirbelsäule, oder auch: Shunya ist der Zustand von Sahasrara Chakra, auch Brahmarandhra bezeichnet.

Wie wird die Kundalini erweckt?

Asanas

Sie wird erweckt durch Asanas, also durch die verschiedenartigen Asanas. Die Asanas dienen also auch zum Erwecken der Kundalini. Wenn du zum Beispiel die Vorwärtsbeuge (Paschimothanasana) oder den Drehsitz (Matsyendrasana) längere Zeit hältst und dabei sehr konzentriert bist, es vielleicht auch mit speziellen Atemtechniken verbindest, dann kannst du spüren wie Muladhara Chakra aktiviert wird. Vielleicht spürst du, wie die Sushumna, die Wirbelsäule heiß wird. Vielleicht spürst du auch, wie Kundalini erwacht.

Also: Asanas, längere Zeit mit besonderer Konzentration gehalten, vielleicht auch mit Mantra oder bestimmten Mudras verbunden, mit bestimmten Visualisierungen und Atemtechniken verbunden, können die Kundalini erwecken.

Kumbhakas

Übe Kumbhaka zur Erweckung der Kundalini

Auch durch die verschiedenen Kumbhakas ist dies möglich. Kumbhakas ist ja der Hatha Yoga Ausdruck für die Pranayamas (Atemübungen). Kumbhaka heißt wörtlich „Atem anhalten“, weil bei den Atemübungen das Anhalten des Atems besonders wichtig ist. Wir können also durch die verschiedenen Atemübungen auch die Kundalini erwecken. Auch hier gilt wiederum: Die Atemübungen geben natürlich auch mehr Sauerstoff, sie verbessern die Lungenkapazität und die Effizienz unseres Atem- und Kreislaufsystems, sie helfen, den Geist zur Ruhe zu bringen - aber vor allen Dingen helfen sie, die Kundalini zu erwecken.

Durch Kapalabhati erhöhst du dein Prana. Durch die Wechselatmung öffnest du die verschiedenen Nadis (Energiekanäle). Durch Übungen wie Ujjayi, Surya Bheda und vor allen Dingen durch Bhastrika erweckst du die Kundalini. So ist es der Sinn auch der Atemübungen, die Kundalini zu erwecken.

Mudras

Dies geschieht auch durch die verschiedenen Mudras, wir nennen sie hier Karanas. Es gibt in den verschiedenen Lehrtechniken unterschiedliche Ausdrücke, was Karanas sind. Zum Einen gibt es die Aussage, dass Karanas Vorübungen sind. Bei Yoga Vidja verwenden wir den Ausdruck manchmal für alle Bewegungsübungen im Hatha-Yoga, die weder Asana noch Pranayama noch Mudra sind, also zum Beispiel Surya Namaskar (Sonnengruß), oder Bauchmuskelübungen, oder die Yoga Vidya Gelenkübungen. All das kann man als Karanas (Vorübungen) bezeichnen. Wenn allerdings hier im 10. Vers des 4. Kapitels Svadmarama von Karanas spricht, dann sind damit die Mudras gemeint.

Wozu machen wir all diese? Diese machen wir für Prabudha, zum Erwachen der Mahashakti, also der großartigen Energie – der Kundalini. Wenn die Kundalini erwacht ist, dann tritt Prana (der Lebenshauch) in Shunya (die Leere) ein. Eine Übersetzung ist also: „Dann tritt Prana in die Leere (also die Sushumna) ein.“ Aber es gibt auch eine andere Bedeutung, die einfach sagt: „Ist die Kundalini erwacht, dann löst sich Prana in der Leere auf, und damit gibt es keine Bewegung mehr von Prana, und damit sind wir in Samadhi“.

Frei von Karma kommt Samadhi ganz natürlich

11. Vers:

Der Yogi, dessen Kundalini-Shakti sich erhoben hat, und der frei wird von allen Affinitäten des Karmas, erlangt den Samadhi-Zustand ganz natürlich.

Hier steht: Wenn die Kundalini erwacht ist, Bodha – erwacht ist, wenn die Shakti, die kosmische Energie, die Kundalini, erwacht ist, also wenn Udpanna stattgefunden hat, Shakti bodhasya, also das Erwachen der Kundalini, dann entsteht Tyakta akarmana, das Aufgeben von allem Karma.

Karma hat hier zwei Bedeutungen: Zum Einen heißt es „Alle Handlungen aufgeben“, d.h. du denkst nicht mehr, dass du irgendetwas tun musst, um etwas zu erreichen. Die zweite Bedeutung, die Swami Vishnu in seiner Übersetzung benutzt ist, dass alles Karma verschwindet.

Es gilt also zum Einen die Kundalini zu erwecken, und dann gilt es, aller Handlungen geistig zu entsagen, und auch vom Karma nichts mehr zu wollen – allem Karma zu entsagen. Dann entsteht Sahaja Avastha, der natürliche Zustand, der Zustand der Erleuchtung (Swaja), ganz von selbst.

Willst du also Samadhi erreichen, dann wecke deine Kundalini und löse dich von allen Wünschen bezüglich Karma, und löse dich auch von der Vorstellung, dass du irgendetwas erreichen willst.

Kundalini in Sushumna verbrennt alles Karma

12. Vers:

Wenn das Prana in die Sushumna steigt und der Geist in Shunya (in die Leere) absorbiert ist, dann vernichtet der Yogi alles Karma.

Prana muss fließen (vahini) in die Sushumna (den mittleren Energiekanal), das Prana muss also in den mittleren Energiekanal eintreten. Da machen wir ja so viel mit den Asanas, mit Pranayama, mit den Bandhas usw – und was passiert dann? Dann wird Manas, der Geist, eintreten in Shunya, in die reine Leere, welche natürlich Brahman ist. Dieses Brahman ist hina, frei von allen Unterscheidungen, es ist reine Unendlichkeit. Wenn das passiert, dann ist niramulayati (allentwurzelt) alle Karmas. Das heißt zum Einen, dass du nicht mehr die Vorstellung hast, dass du noch irgendetwas tun musst, deshalb sind alle Handlungen überwunden.

Aber vor allen Dingen ist auch alles Karma überwunden: Du hast keine Wünsche mehr an Karma, du schaffst auch kein neues Karma mehr, oder wie es Shankaracharya sagt: Wenn man die Befreiung erreicht hat,

Auch hier sagt Svatmarama: „Strebe nach Samadhi, nur das gibt dir vollkommene Zufriedenheit. So trittst du heraus aus dem Kreislauf von Geburt und Tod, aus dem Karma, aus aller Befangenheit von Wünschen und Gier, Hoffnungen und Erwartungen usw. Du kommst in die Unbedingtheit“.

Praktiziere mit Hingabe und Erfurcht

Hingabe als innere Haltung

13. Vers

Gegrüßt seid ihr, o Unsterbliche, o Amaras. Durch euch ist die Zeit, in deren Mund das Universum beweglich und unbeweglich fällt, besiegt worden.

Also: Es gilt auch, dies mit Ehrerbietung zu machen. Auf der einen Seite ist Hatha-Yoga natürlich ein Weg von Praxis, auch von intensiver Praxis. Das 2. und 3. Kapitel sind ja schon voll von intensiver Praxis. Du kannst natürlich täglich eine halbe oder eine Stunde Hatha-Yoga machen, und du machst einen schrittweisen Fortschritt. Aber Svatmarama hat ja auch an einer Stelle gesagt: „Übe vier mal am Tag die Wechselatmung.“ Oder an einer anderen Stelle: „Übe alle 3 Stunden“, also acht mal am Tag. Die intensivste Hatha-Yoga-Praxis heißt, dass du praktisch den ganzen Tag übst. An einer anderen Stelle sagt er: „Übe drei Stunden lang die Umkehrhaltung, Viparita Karani Mudra“. Hatha-Yoga zur Erleuchtung ist also schon intensiv. Aber es ist nicht nur diese intensive Praxis, es ist auch Hingabe, Bhakti, es gilt diese Ehrfurcht zu haben. So sagte er: „Namastubhyam – Ehrerbietung sei dir, o unsterblicher Yogi. Der Tod ist von dir besiegt, ebenso wie die Zeit.“

Du hast letztlich alles überwunden. Normalerweise wird alles im Rachen des Universums vernichtet. Man könnte sagen: Diese Welt ist eine Welt der Dualität, des Kommens und des Vergehens. Alles, was du äußerlich erreichst, wird wieder verschwinden. Alles Schöne, was kommt, wird verschwinden. Alles weniger Schöne wird auch verschwinden. Nichts bleibt beständig, im Rachen der Zeit wird alles überwunden. Aber als Yogi im Samadhi, als Selbstverwirklichter wirst du darüber hinaus gehen. Du wirst über das Kommen und Gehen hinausgehen, du überwindest letztlich die Zeit. Diese Überwindung der Zeit heißt auch die Überwindung von allem Kommen und Gehen und ist das Überwinden aller Abhängigkeit. Überwinde alle Abhängigkeiten, erfahre dich selbst als unendlich und ewig.

Vollkommene Ruhe des Geistes ergibt Samadhi

14. Vers:

Ist der Geist in den Zustand vollkommener Ruhe gelangt, dann fließt das Prana in die Sushumna, und dann erreicht man automatisch Amaroli, Vajroli und Sahajoli.

Also: Chitta, der Geist soll in Samatva gebracht werden. Samatva hat verschiedene Bedeutungen. Krishna sagt in der Bhagavad Gita: Yoga Samatvam uchyate - Yoga heißt Ruhe des Geistes. Auch eine gewisse Gelassenheit ist schon Samatva. Aber wenn er hier von Chitta Samatva spricht, dann ist es die vollkommene Ruhe des Geistes und damit Samadhi.

Wie wird diese Ruhe des Geistes erreicht?

Wenn Vaju, also das Prana, der Lebenshauch, der Wind, vrajati geht in madjama durch den mittleren Kanal, also durch die Sushumna. Wenn also das Prana durch die Sushumna geht ist der Geist ruhig, und dann wird dieser 3-Oli-Mudra - Amaroli, Vajroli und Sahajoli - erreicht.

Im 3. Kapitel hat Svatmarama diese drei Mudras beschrieben, und zwar sowohl im Relativen wie auch im Absoluten. Im Relativen gelten diese drei Mudras auch als sog. linkshändige Mudras. Amaroli und Vajroli sind ja auch Mudras, die man im Rahmen des Roten Tantra, im Maithuna, im Geschlechtsverkehr machen kann, und Sahajoli – so wird manchmal gesagt – ist das Beschmieren des Körpers mit der heiligen Shiva-Asche, verbunden mit einer gewissen Konzentration. Dies sind die relativen Aspekte dieser drei Oli-Mudras.

Aber in einem Höheren heißt Amaroli der Zustand der Unsterblichkeit, Amara heißt unsterblich. Vajra heißt auch Donnerkeil und Diamant, also von großer Stärke und Festigkeit – Vajroli. Sahaja ist der natürliche Zustand – Sahajoli ist also der natürliche Zustand von Samadhi. So dreht er nochmals die Bedeutung dieser Oli-Mudras als letztlich der Zustand der Unsterblichkeit.

Bringe den Geist zur Ruhe, indem du das Prana in die Sushumna führst, dann erreichst du Unsterblichkeit, Festigkeit und Stärke und deinen natürlichen Zustand.

Wer Prana und Geist auflöst ist befreit

Kripa - die Gnade Gottes kommt durch Hingabe

15. Vers

Wie kann im Geist Weisheit und Wissen entstehen, solange die Energie unruhig ist und der Geist noch nicht vergangen ist. Derjenige, der beide - Prana und Geist (Manas) – zur Auflösung gebracht hat, der ist in die Befreiung (Moksha) gegangen. Ein Anderer wird dieses niemals erreichen.

Also: Wie kommen wir zu Jnana, zur höchsten Erkenntnis? Er sagt zunächst einmal, Jnana, die Erkenntnis kommt nicht, solange Manas in dieser Welt ist. Wenn also der Geist an diese Welt denkt, und denkt was er noch alles braucht, kommt keine Erkenntnis. Sie kommt auch nicht, wenn Prana in Jivati ist, lebendig, unruhig ist. Leben heißt ja letztlich Polarität:

  • Einatmung und Ausatmung,
  • Wachen und Schlafen,
  • Vergnügen und Schmerz,
  • Höhen und Tiefen.

Solange wir mit diesen Höhen und Tiefen identifiziert sind, haben wir nicht die wahre Erkenntnis. Es gilt, Prana zur Ruhe zu bringen und aus dieser Dualität hinauszubringen, also in die Sushumna Nadi einzuführen. Manas muss letztlich mriyate, das heißt sogar sterben. Solange der Geist nicht gestorben ist, so lange erreichst du nicht Samadhi und die Erleuchtung.

Wenn du in der Erleuchtung bist, kommst du nachher natürlich wieder in den normalen Gemütszustand zurück, wenn du Samadhi erreicht hast. Im Samadhi ist der Geist so gut wie tot, und sogar der Körper ist wie tot. Er bleibt zwar ruhig sitzen, aber der Herzschlag und der Atem werden ganz ruhig, der ganze Körper ist sehr ruhig, und so ist der Körper wie tot. Nur ganz subtile Instrumente könnten noch Lebenszeichen entdecken. Der Körper ist vollkommen ruhig, weil das Prana vollkommen ruhig ist, der Geist vollkommen ruhig ist. Dann bist du in Samadhi, dann kommst du zu Erkenntnis. Nachher kommst du wieder zurück zum Normalbewusstsein, aber die Erkenntnis bleibt. Jnana ist auch dann weiter da, wenn du aus diesem Samadhi-Zustand herauskommst und wieder atmest, wieder Prana hast, wieder Wünsche erzeugst usw. Aus dieser höchsten Erkenntnis kommt auch die Fähigkeit, nicht mehr von äußeren Dingen beeinflusst zu werden. Also gilt es, dvaja - die beiden, Prana und Manas, vilaja - zur Auflösung zu führen, dann erreichst du Moksha, die Befreiung.

Dann sagt er noch, du kommst zu diesem Jnana auf keine andere Weise. Wir müssen wissen, dass es immer wieder eine kleine Diskussion gibt, wie man zur Befreiung, zu Moksha kommt.

Befreiung durch Hingabe an Gott

Die Bhaktas sagen zum Beispiel: Allein durch Bhakti, durch die Hingabe zu Gott, kommen wir zur Befreiung. Durch Hingabe zu Gott bekommen wir Kripa, die Gnade Gottes, und die Gnade Gottes führt uns zur Befreiung.

Befreiung durch Jnana

Praktiziere Unterscheidung und Selbsterforschung

Dann gibt es die Jnana Yogis, zum Beispiel Shankara. Er sagt: Nur durch Jnana kommen wir zur Befreiung. Wie kommen wir zu Jnana? Durch Viveka, durch dauerhafte Unterscheidungskraft zwischen dem

  • Wirklichen und dem Unwirklichen,
  • zwischen dem Ewigen und dem Vergänglichen,
  • zwischen dem Selbst und dem Nicht-Selbst,
  • und letztlich auch durch die Unterscheidung zwischen wahrem Glück und vergänglichem Glück.

Shankara würde also sagen, dass wir über Erkenntnis dorthin kommen, und diese Erkenntnis, Jnana bekommen wir durch Viveka und Vichara, Unterscheidungskraft und Selbsterforschung.

Die Selbsterforschung folgt dann den Schritten:

Befreiung durch Raja Yoga

Patanjali hat ein Mehrfaches. Zunächst einmal sagt er, wir erreichen Samadhi und die Befreiung, indem wir den Geist zur Ruhe führen. Er sagt aber auch, wir können das auch schaffen durch die Gnade Gottes, durch die Hingabe an Gott, wir können es erreichen durch Viveka Khyati - dauerhafte Unterscheidungskraft, durch intensiven Wunsch nach Befreiung. Manchmal geschieht es auch fast von selbst: Wenn wir in einem früheren Leben schon fast die Befreiung erreicht haben, dann fallen wir in diesem Leben fast in Samadhi hinein, und es gibt ja einige große Yogameister, die ohne bewusste eigene Bemühung zu Samadhi gekommen sind. Und dann sagt er, wir können es erreichen, indem wir die acht Stufen des Yoga machen: Ethisches Verhalten, persönliche Disziplin, das Üben von Asana und Pranayama, Pratyahara und Dharana und wir kommen dann zu Dhyana und Samadhi.

Ruhe des Geistes kommt durch Yoga Praktiken

Svatmarama richtet sich hier so ein bisschen an Shankara und die Vedantis, die eben sagen, dass nur Jnana die Ursache für Befreiung ist. Er fragt hier, wie man zu Jnana kommt – eben nicht einfach nur durch intellektuelles Geschwätz. An manchen Stellen nennt Svatmarama diejenigen, die von Befreiung sprechen, ohne Ruhe des Geistes zu erreichen, einfach nur Schwätzer.

Das sagt er sogar im letzten Vers der Hatha Yoga Pradipika: „Solange der Geist nicht zur Ruhe kommt, solange Prana nicht in der Sushumna ist, solange das Individuum nicht Eins ist mit dem Höchsten, sind all diejenigen, die von Befreiung sprechen, nur eitle Schwätzer und Heuchler.“

Er gebraucht also eine etwas radikale Sprache, vielleicht als Antwort auf andere Radikale, die eben sagen, dass nur Jnana zur Befreiung führt und alles andere nicht. Hier sagt er: Wir kommen zu Jnana nur, wenn wir den Geist zur Ruhe führen, und wir führen den Geist nur zur Ruhe, indem wir Prana zur Ruhe führen. Prana kommt in die Sushumna, indem wir Asanas und Pranayama und Mudras üben und dann auf geschickte Weise meditieren und natürlich den yogischen Lebensstil führen.

Das soll jetzt nicht den Eindruck vermitteln, dass die Yogis nur untereinander gekämpft und diskutiert haben. Ja, im alten Indien gehörte die Diskussion auch dazu, aber zur Ehrenrettung aller indischen Meister muss man sagen, dass sie sich nicht die Köpfe eingeschlagen haben wie es so im christlichen Abendland war. Wenn dort zwei Leute unterschiedlicher Meinung waren, dann haben sie sich manchmal bekriegt. Es gab auch universitäre Diskussionen, aber es gab oft genug Kämpfe, Bekämpfungen von Häretikern, Hexenverbrennungen und vieles andere. Im alten Indien wurde diskutiert, und es gab dann aber auch immer wieder diejenigen, die das Ganze verbunden haben, so wie Patanjali, der in seinem Yoga Sutra letztlich alle Wege erwähnt hat, oder wie Krishna in der Bhagavad Gita, und letztlich auch Svatmarama, der auch sagt, es braucht Hingabe, es braucht Atman Jnana, es braucht die verschiedenen Yamas und Niyamas, und dann kommen wir durch Asana, Pranayama, Mudra und Dhyana zu Samadhi.

Ist das Prana in Sushumna kommen wir zu Samadhi

16. Vers

Hat der Yogi das Geheimnis gelüftet, d.h. den Weg in die Sushumna gefunden, und das Prana in sie hineingebracht, dann sollte er an einem angemessenen Ort sitzend - das Prana in Brahmarandhra halten.

Also hier nyatva, wenn der Yogi gelernt hat – das ist jetzt auch wieder so ein gewisses Wortspiel: vorher hat er gesagt: Janam kuto manasi - Jnana, wie wird es erreicht, wie soll Jnana möglich sein, solange der Geist unruhig ist, wie soll Jnana möglich sein, wenn das Prana unruhig ist. Und dann sagt er: Moksha und Jnana kommen nur, wenn Prana und Manas ruhig sind.

Wirkliches Jnana kommt, wenn wir die Methode zum Öffnen - Bheda - der Sushumna gelernt haben. Es gilt also - Satbheda - die richtige Methode kennen zu lernen, um Sushumna zu öffnen. Wenn wir diese kennengelernt haben, dann können wir Vayu - das Prana, den feinstofflichen Atem - dazu bringen in Madhyaga - den mittleren Kanal - zu fließen. Und dann gilt es, sthitva - sich aufzuhalten - sada - immer, und zwar an einem geeigneten Ort.

Was ist der geeignete Ort, an welchem wir uns immer aufhalten sollen? Brahmarandhra, die Öffnung Brahmans. Randhra heißt auch Öffnung. Hier kommen wir in Nirodha – Nirodha heißt das, was Patanjali als Ziel von Yoga genannt hat. Svatmarama bezieht sich hier auf verschiendene Schriften. Er sagt, wir kommen zu Nirodha und wir kommen zu Jnana, indem wir lernen, die Sushumna zu öffnen und Prana in die Sushumna zu bringen – so kommen wir zu Samadhi.

Zusammenfassung:

Langes Halten der Asanas bringt dich tief nach innen

Über Asana, Pranayama und Mudra, über einen yogischen Lebensstil: sei dir bewusst, das schafft die Bedingungen, um zu Samadhi zu kommen. Aber du brauchst auch die Gnade des Gurus und die Gnade Gottes, das hat er in den ersten Versen gesagt.

Lerne es auch ansonsten, den Geist zur Ruhe zu bringen. Es lohnt sich, und so findest du, was du unterbewusst, unbewusst und vielleicht auch bewusst immer gesucht hast: Wahre Freude, höchstes Wissen, Unsterblichkeit, einen Zustand absoluter Sicherheit.

  • Bringe nicht zu viel Energie rein in die relative Sicherheit – in dieser äußeren Welt gibt es keine Sicherheit.
  • Bringe auch nicht zu viel Energie in das Erreichen vergänglicher Freuden – diese vergänglichen Freuden sind vergänglich.
  • Bringe nicht zu viel Energie rein in die Erwartungen, was du brauchst oder was andere Menschen tun sollen.
  • Bringe deine Energie dahin, zu praktizieren, Hingabe an Gott zu üben, und natürlich das zu tun, was zu tun ist, um dein Dharma zu erfüllen.

So kommst du zu Samadhi, so bekommst du das, was du aus der Tiefe deiner Seele willst.

Zum Abschluss will ich gleich noch den 16. Vers rezitieren.

Hilfreiche Hinweise

Vorher noch dieser Hinweis:

Es ist natürlich besonders leicht, zu praktizieren und in diesen Spirit von Praxis zu kommen, wenn du eine Weile in einem Ashram verbringst, zum Beispiel bei Yoga Vidya. Hier ist alles darauf ausgerichtet, zur Erleuchtung zu kommen. Es gilt, das gut zu nutzen und zu praktizieren und zu dienen, um so dem Ziel des Lebens näher zu kommen. Man könnte auch sagen: Lass dich an einem Ort nieder, wo es möglich ist, Samadhi zu erreichen und wo alles darauf ausgerichtet ist.

Und hier jetzt dieser 16. Vers:

jñātvā suṣumṇā-sad-bhedaṁ kṛtvā vāyuṁ ca madhyagam
sthitvā sadaiva susthāne brahma-randhre nirodhayet
Om Om Om

Video - Kundalini Erweckung und Samadhi

Siehe auch

Literatur

Weblinks

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