Ajna Chakra

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Ajna Chakra (Sanskrit: आज्ञाचक्र ājñācakra n.), "Ajna" bedeutet Kommando, Befehl, unbegrenzte Macht; das Ajna Chakra ist das sechste der sieben Hauptchakras. Es wird auch Stirnchakra, Augenbrauenzentrum, oder Drittes Auge genannt. Das Kshetra des Ajna Chakra entspricht am Vorderkopf dem Raum zwischen den Augenbrauen, Trikuti, und am Hinterkopf Bindu.

Künstlerische Darstellung des Ajna Chakras von Sharada Steffens

Im Ajna Chakra laufen die drei wichtigsten Nadis zusammen - Ida, Pingala, Sushumna, und vereinen sich zu einem Bewusstseinsstrom, der weiter zum Sahasrara Chakra fließt. Es ist als "Befehlschakra" dem Gehirn zugeordnet und ist auch der Sitz des Geistes. Intuitives Wissen und höchste Erkenntnis werden durch dieses Chakra, dem Sitz ursprünglicher Macht und der Seele, erlangt. Ajna ist eines der wichtigsten Chakras für die spirituelle Entwicklung: Die meisten Yogis, besonders Jnanis, konzentrieren sich auf das Ajna Chakra und auf dessen Bija Mantra OM, und halten dort auch zur Zeit des Todes bewusst ihr Prana fest. In der Theosophie wird das Stirnchakra mit der Zirbeldrüse gleichgesetzt, welche beim Geburts- und Sterbevorgang eine wesentliche Rolle spielt.

Sukadev über das Ajna Chakra

Shiva mit Drittem Auge
Swamini Vandana Shiva - das Dritte Auge wird traditionell durch einen roten Punkt auf der Stirn symbolisiert

Niederschrift eines Vortragsvideos (2014) von Sukadev über Ajna Chakra

Chakra heißt wörtlich Rad. Rad bezieht sich auf Energiezentrum. Es ist ein rundes Zentrum und daher "Rad". Rad steht auch für Antrieb. Rad steht auch für etwas, was in Bewegung ist. Und so sind die Chakras Steuerungszentren, Chakras sind wie Räder, Chakras setzen etwas in Gang, Chakras sind auch wie die Fahrzeuge der Seele. Es gibt sieben Haupt-Chakras und eine ganze Menge weiterer Chakras. Ajna Chakra ist das Steuerungs-Chakra, es heißt, es ist das wichtigste der Chakras. Gut, man kann jedes Chakra als das wichtigste nennen. Muladhara Chakra ist das Wurzelchakra, das Chakra, das die Wurzel ist, so wie dieses Chakra jetzt eben zur Wurzel hinuntergegangen ist. Dann gibt es als besonders wichtiges Chakra auch das Manipura Chakra, das Feuer Chakra, mit dem du einiges bewirkst.

Dann gibt es das Anahata Chakra, das Chakra des Herzens. Dann gibt es Ajna Chakra, das Steuerungs-Chakra. Ajna Chakra ist eben auch Sitz der Buddhi. Und Buddhi ist die Vernunft, das Urteilsvermögen, Viveka, Unterscheidungsvermögen. Und vom Ajna Chakra aus kannst du selbst entscheiden, was du machen willst, daher eben auch Steuerungs-Chakra. Tiere haben nicht den freien Willen, so wie der Mensch ihn hat, vielleicht andere mögen und nicht mögen. Der Mensch kann etwas mögen und kann sagen: "Ich mag das mögen, ich tue es trotzdem nicht." Der Mensch mag eine Emotion haben und er sagt: "Ok, da ist eine Emotion, ich handle aber anders." Da kann ein Impuls kommen und der Mensch sagt: "Ok, nett, dass da ein Impuls ist, schön, dass dort mein Unterbewusstsein mir etwas sagt, schön, dass dort Energie dort hinter ist, und ich entscheide jetzt, was ich wirklich will."

Ajna Chakra ist das Steuerungs-Chakra, das Befehls-Chakra. Fähigkeiten des Ajna Chakra helfen, die anderen Chakras gut einzusetzen. Ajna Chakra ist der Sitz des freien Willens. Daher auch, wenn du dich auf das Ajna Chakra konzentrierst, dann wirst du auch zur Ruhe kommen und die anderen Chakras werden mitgesteuert. Manchmal ist ja die Frage: Wenn man in der Meditation immer auf das Ajna Chakra meditiert, ist das überhaupt so gut? Sollte man sich nicht auf die verschiedenen Chakras konzentrieren? Die Antwort ist: Im Hatha Yoga konzentrieren wir uns auf die anderen Chakras und im Pranayama auch, aber in der Meditation ist es gut, entweder auf das Anahata Chakra, Herz Chakra, sich zu konzentrieren oder auf das Ajna Chakra. Ajna Chakra, da bekommt man langsam Kontrolle über den Geist, langsam Kontrolle über das Denken und Fühlen.

Wenn du diese Kontrolle hast, dann ist natürlich auch die ganze Psyche mit kontrolliert. Ajna Chakra – Steuerungs-Chakra, das Chakra zwischen den Augenbrauen. Es gibt manchmal auch die Frage: Wo ist überhaupt das Ajna Chakra? Letztlich ist das Ajna Chakra so in der Mitte des Kopfes, also Mitte der Stirn bis Mitte des Kopfes, da ist so der Bereich des Ajna Chakras. Ajna Chakra strahlt aus nach vorne zum dritten Auge, Trikuti, welches hier so nach unten geht, Punkt zwischen den Augenbrauen bis nach oben. Ajna Chakra strahlt aber auch aus nach hinten zum Hinterkopf, welcher Punkt als Bindu bezeichnet wird. So steuert das Ajna Chakra auch Chandra Chakra, das Mond Chakra, oberhalb des Gaumens, welches auch sitzt oberhalb der rechten Augenbraue und der Nasenspitze. Ajna Chakra steuert auch Bindu, auch das Energiezentrum am Hinterkopf, welches den Nektar steuert. So hat Ajna Chakra eine Menge Funktionen.

Swami Saradananda über das Ajna Chakra

Niederschrift eines Vortrages (2015) im Rahmen einer Weiterbildung zur Shiva Samhita

Das Ajna Chakra entwickelt sich im Teenager Alter. Es ist der Sitz von Shiva und gleichzeitig der Sitz deines disziplinierten Geistes und deiner Visualisierungskraft. Es hilft dir, intuitiv zu sehen, und das große Ganze zu sehen. Wenn Balance im Chakra ist, dann kannst du gut abstrakt denken. Denken, Entscheidungskraft werden gefördert, und auch die Fähigkeit, Symbole zu verstehen. Es ist auch der Sitz von Ahamkara, dem "Ich" oder "Ego".

Bei manchen Menschen ist das Chakra sehr stark entwickelt. Sie sind dann oft hellsichtig. Manchmal sagt man, dass Ajna der sechste Sinn ist. Das heißt, ich sehe etwas, das über die fünf Sinne hinausgeht. Wenn du mit Ajna Chakra arbeiten möchtest, solltest du deine Träume aufschreiben. Bevor du einschläfst, nehme dir vor, dich nach dem Aufwachen an deine Träume zu erinnern.

Im physischen Körper kontrolliert das Ajna Chakra die Hirnanhangdrüse. Wenn dort eine Disbalance herrscht, wachsen die Menschen nicht richtig. Ajna kontrolliert auch die physischen Augen, Nase, Schädelbasis und Gehirn. Im Ungleichgewicht treten Kopfschmerzen, Migräne, oder Augenprobleme auf, eventuell auch Alzheimer, Demenz, Schlaganfall, Epilepsie. Menschen können sich nicht konzentrieren, haben Albträume, sind vergesslich, manisch-depressiv und haben ein zwanghaftes Verhalten.

Übersicht zum Ajna Chakra und seinen Entsprechungen

Eigenschaften und Funktionen

Yantra des Ajna Chakras

Das Ajna Chakra entspricht dem Geistelement Manas bzw. Buddhi - im Tantra Avyakta, das Unmanifestierte, genannt. Die meisten Symbole des Ajna Chakras stehen für den reinen Geist:

Das Bija Mantra des Ajna Chakras ist OM, die Essenz aller Mantras. Die Farbe ist strahlendes Weiß. Weiß ist die Farbe des reinen Geistelementes. So wie Weiß alle Farben in sich enthält, ist auch im Ajna Chakra alles enthalten. Yantra ist der weiße Kreis, manchmal mit einem kleinen weißen Dreieck in der Mitte. Der Kreis steht für Einheit, das Dreieck für den Beginn der Schöpfung. Das Ajna Chakra hat zwei Blütenblätter. Diese stehen für Ida und Pingala, die beiden Haupt Nadis oder Energie-Kanäle, die sich im Ajna Chakra kreuzen. Die beiden Blütenblätter sind ebenfalls weiß, manchmal werden sie aber auch als indigofarben dargestellt. Ihre Bija Mantras sind Ham und Ksham. Sie stehen für die Sonnen- und die Mondenergie, das Manifeste und das Unmanifeste. Häufig werden auch Hypophyse und Zirbeldrüse den beiden Blütenblättern zugeordnet. Herschende Gottheit ist Sadashiva, der Gütige bzw. Shambhu Nada, der freundliche Klang. Göttin des Stirnchakras ist Shakti Hakini, die so weiß ist wie der Mond und sechs Gesichter und sechs Arme hat. Ihre Hände formen die Mudras von Abhayam (Vertrauen) und Dana (Geben) und halten ein Buch, einen Schädel, eine Trommel und einen Rosenkranz.

Unter den Sinnen wird dem Ajna Chakra das "Denken" zugeordnet. Denken ist zwar eigentlich kein Sinn, aber es steuert, kombiniert und wertet alle Sinnesinformationen aus. Chid, reines Wissen, ist der Aspekt der Wahrheit (Satchidananda), welcher sich hier besonders manifestiert. Wenn du deine Konzentration auf die Verbindungsstelle der drei Hauptnadis richtest, kannst du irgendwann das individuelle Bewusstsein überschreiten und Buddhi, eine höhere Form der Intelligenz, manifestieren. Du verhaftest nicht mehr an Dingen, Personen oder Ideen. Im Gegensatz zu allen anderen Chakras ist es nur in Ajna möglich, individuelles und kosmisches Selbst zusammenfließen zu lassen. Ajna ist auch als das Auge Shivas bekannt, weil er der Inbegriff der Meditation ist. Ist Ajna vollständig aktiv, hast du uneingeschränkte Kontrolle über deinen eigenen Geist. Ist es noch nicht aktiv, tust du viele Dinge unbewusst, wie etwa Essen, Reden oder Gehen. Motivationen von Ajna sind also Wissendurst, Wunsch nach Erkenntnis und Selbstverwirklichung (Mumukshutva).

Das Ajna Chakra kontrolliert außerdem die Augen und ergänzt die physische Sehkraft vom Manipura Chakra mit dem Blick für das große Ganze. Als "Kommandozentrum" steuert es die Funktionen aller sensorischen und motorischen Organe, das gesamte Hormon- und Nevensystem, sowie alle anderen Chakras. Es wird Tapoloka sowie Karana Sharira, dem Kausalkörper zugeordnet und ist der Sitz der feinen Essenz (Tanmatra) vom Ätherelement.

Ist das Chakra im Ungleichgewicht, wird es dir vielleicht schwer fallen, dich zu konzentrieren oder zu lernen. Dein Geist ist unruhig. Vielleicht treten sogar Schizophrenie und Wahnvorstellungen auf. Auf physischer Ebene kannst du neurologische Störungen, Migräne bzw. Kopfschmerzen, oder Probleme mit Augen, Ohren und Nebenhöhlen bekommen.

Im bzw. oberhalb des Ajna Chakras befindet sich Rudra Granthi, der oberste der Energieknoten, Granthis, welche die Kundalinienergie daran hindern, weiter aufzusteigen und das Bewusstsein an die äußere Welt fesseln. Rudra Granthi steht für die Schwierigkeit, aus einer transzendenten Form der Wonne in die Formlosigkeit aufzusteigen. Damit das funktioniert, gilt es, über viele Jahre sein Ego zu transzendieren, um sich nicht in die neu gewonnenen Siddhis (besondere Fähigkeiten) zu verstricken.

Aktivierung und Harmonisierung

"Wer erfolgreich über dieses Zentrum meditiert, zerstört das Karma aller vergangener Leben und wird eine befreite Seele", schreibt Swami Vishnu-devananda in seinem Buch "Meditation und Mantras".

Die Arbeit mit Ajna verspricht transzendentale Erfahrungen und andere verlockende Fähigkeiten. Um es zu erreichen und vollständig zu aktivieren, muss allerdings ein strenges Sadhana eingehalten werden. Fester Glaube und Disziplin sind notwendig. Im Yoga gibt es zahllose Techniken zur Erweckung des Dritten Auges. Dazu gehören unter anderem:

Das Ajna Chakra steht in Verbindung mit dem Manipura Chakra, daher sollten beide Chakras zusammenarbeiten und gemeinsam harmonisiert werden.

Siehe auch

Literatur

Weblinks

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