Vipassana

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Vipassana (Pali: विपस्सना vipassanā f.; Sanskrit विपश्यना vipaśyanā f.) wörtl.: richtige Erkenntnis, Einsicht. Vipassana ist eine buddhistische Meditationstechnik, die soviel wie "Einsichtsmeditation" bedeutet, häufiger jedoch als "Achtsamkeitsmeditation" bezeichnet wird. Sie wird auf den historischen Buddha zurückgeführt und besteht in der heutigen Praxis im wesentlichen aus zwei Methoden:

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  • 1. Übung der Achtsamkeit auf das Atmen, was in der Regel im Sitzen praktiziert wird
  • 2. Übung der Achtsamkeit beim Gehen

Letztendlich zielt das Üben von Vipassana darauf, alle alltäglichen Verrichtungen bewusst und achtsam auszuführen, sowie sich nach und nach seiner Gedanken und Gefühle bewusst zu werden und diese zu beobachten. Diese Praxis darf nicht mit der "Vipaśyanā" genannten Meditationsmethode des Mahayana Buddhismus verwechselt werden, die eher eine abstrakte Form der Meditation darstellt.

Sukadev über Vipassana

Niederschrift eines Vortragsvideos (2014) von Sukadev über Vipassana

Vipassana ist ein buddhistisches Wort aus dem Pali und heißt "Einsicht, Einsichtsmeditation". Heutzutage wird Vipassana gleichbedeutend verwendet wie Achtsamkeit oder Achtsamkeitsmeditation. Im Buddhistischen gibt es verschiedene Formen der Meditation: Es gibt wie im Yoga auch solche, wo du bewusste Geistesinhalte hervorrufst, und es gibt solche, wo du beobachtest, was von selbst geschieht. Vipassana ist das Beobachten, das achtsame Beobachten. V

Vipassana hat große Ähnlichkeiten mit der Yoga Sakshi Bhav Technik und höchstwahrscheinlich stammt Vipassana von Sakshi Bhav ab, und umgekehrt, Sakshi Bhav in seinen späteren Entwicklungen hat einiges von den buddhistischen Traditionen übernommen. Vipassana ist also die Einsichtsmeditation im Ursprünglichen, heute Achtsamkeitsmeditation, und man beobachtet einfach. Es gibt verschiedene Formen von Vipassana: Atembeobachtung, Körperbeobachtung, Gedankenbeobachtung usw. Indem du beobachtest, urteilsfrei beobachtest, auch ohne zu analysieren, kommt tiefe Achtsamkeit, tiefes Verständnis und letztlich die Fähigkeit, über das Beobachtete hinauszuwachsen.

Wenn du mehr wissen willst über Vipassana, dann gehe auf unsere Internetseiten, www.yoga-vidya.de und gib dort den Begriff "Vipassana" ein. Wir haben umfangreiche Informationen über Vipassana, Vipassana Meditationsanleitungen, oft unter dem Begriff "Achtsamkeitsmeditation" und wir haben auch eine Menge von Seminaren und Ausbildungen mit dem Thema "Achtsamkeitsmeditation" und "Vipassana".

Vipassana Meditation - ein Weg zu Vertrauen und Gelassenheit

Meditiere - vertraue und lass los

- Ein Beitrag aus dem Yoga Vidya Journal Nr. 41, II/2020 von Eva Schlüter und Jochen Kowalski -

Die Vipassana-Meditation wird oft mit Einsichts-Meditation (Pali = Einsicht) übersetzt beziehungsweise beschrieben. Es geht um Einsicht in die Dinge, wie sie wirklich sind, in die Daseinsmerkmale des Lebens: Unbeständigkeit (anicca) – Leidhaftigkeit beziehungsweise Nichtgenügen (dukkha) – Nicht-Selbst (anatta).

Vipassana-Praxis ist der Weg, Leiden (dukkha) zu überwinden und in diesem Leben Befreiung zu erlangen beziehungsweise an Freiheit zu gewinnen. Die Vipassana-Praxis und das Erreichen ihrer Ziele ist grundsätzlich an keine Religionszugehörigkeit gebunden. Wesentlicher Teil ist die Übung von Achtsamkeit (sati). Gelegentlich wird Vipassana-Meditation auch „Achtsamkeits-Meditation“ statt Einsichtsmeditation genannt.

Vipassana-Meditation

Die Vipassana-Meditation ist eine sehr traditionsreiche Meditationsform, die unmittelbar auf die Lehrreden des Buddha zurückzuführen ist. Sie ist eine stille Meditation im aufrechten Sitz mit geschlossenen Augen. Um in die Stille und Ruhe zu gelangen, beobachtest du deine Atmung. Du nimmst keinen Einfluss auf die Atmung, sondern lässt den Körper atmen, wie er möchte: Du tust nichts, nimmst wertungsfrei wahr, was jetzt ist.

  • Ein- und Ausatmend erkennst du während der Atembetrachtung den ganzen Körper.
  • Ein- und Ausatmend erfährst du die Vergegenwärtigung der Gefühle.
  • Ein- und Ausatmend erfährst du den jeweiligen Geisteszustand.
  • Ein- und Ausatmend erfasst du mit jedem Atemzug die Vergänglichkeit aller Dinge.

So lehrte es Buddha.

Zur Einstimmung auf die stille Meditation kannst du gerne die vollständige [Yogaatmung im Sitzen Yogaatmung] (Bauch-Brust-Schlüsselbein-Atmung) dreimal durchführen. Danach lässt du den Körper atmen, wie er möchte und nimmst wahr, was geschieht. Wenn deine Achtsamkeit ganz bei der Atmung ist, bist du in der Gegenwart: bei gerade dieser Einatmung, bei gerade dieser Ausatmung. Dies bringt den unruhigen Verstand/ Geist zur Ruhe und hilft dir, dich zu zentrieren. Aus Zentrierung wird im Laufe des Prozesses Meditation.

Wenn du möchtest, nimm nun einige Momente dein Ein- und Ausatmen wahr.

Vipassana – Gegenwart

Im Alltag kannst du jederzeit kurz innehalten und bewusst die Atmung beobachten. Dies bringt dich immer in die Gegenwart: Das heißt in die Wahrnehmung der Gegenwart – nicht zu verwechseln mit dem Denken über die Gegenwart. Diese Schulung von Achtsamkeit, bezogen auf die Atmung, kannst du im Alltag als Achtsamkeitspraxis auch auf andere Bereiche übertragen.

Bitte halte jetzt einen Moment inne und nimm dich für einen Moment achtsam wahr, mit deiner Atmung, deinen Befindlichkeiten, deiner aktuellen Körperhaltung. Nun lies folgende Begriffe – lasse jeden einzeln wirken und nimm deine entsprechenden Reaktionen darauf wahr:

Kinderlachen – Krieg – Sommerwiese

Kannst du beobachten, wie unterschiedlich diese Worte auf dich wirken?

Es sind nur Worte – keiner dieser Begriffe hat vermutlich eine reale Entsprechung in deiner aktuellen Realität beim Lesen dieses Artikels. Gleichwohl verändern diese Worte deine Realität. Hast du dies wahrnehmen können? Es ist so, als würdest du zum Beispiel einen Kieselstein in einen See werfen: Ausgehend von der Eintrittsstelle bewegt sich das Wasser, es bilden sich Kreise. Ist es ein kleiner Stein, entstehen milde kreisförmige Wellen, die bald sanft verebben. Ist es ein schwerer Brocken wird deutlich mehr Verwirbelung entstehen. In uns entstehen unentwegt Impulse; allein bis zu 50.000 Gedanken am Tag haben wir, sagt die Neurobiologie. Bleiben wir beim Bild des Sees, dann ist gut vorstellbar, dass diese Gedanken, verbunden mit entsprechenden emotionalen Reaktionen, viel Aufwirbelungen auslösen, das Wasser trübt ein.

Im Alltag, aber auch in der Meditation finden solche Prozesse statt. Wer bereits Meditationserfahrungen gesammelt hat, weiß, dass wir auch in völliger Stille noch jede Menge Gedanken und Gefühle produzieren – Vergangenes und Zukünftiges beeinträchtigen unser klares Erkennen des Jetzt. Hier hilft die oben beschriebene achtsame Verbindung mit dem Atem. Im Bild des Sees bleibend hilft diese Praxis, das Wasser des Sees ruhig und klar werden zu lassen, so dass wir mit etwas Glück die Freude erfahren, in klares Wasser zu blicken … vielleicht für kurze Momente Ausschnitte dessen sehen, was da ist. Das ist der Prozess der Vipassana-Meditation: Ein befreites und befreiendes Sehen der Dinge wird möglich, begleitet von Freude.

Vipassana – Vertrauen

Das Leben ist unkontrollierbar, unsicher und wechselhaft. Wir lernen in der Meditation zu diesem Geschehen „Ja“ zu sagen, indem wir es geschehen lassen. Wir erleben zwar immer noch das Leben mit seinen Aufs und Abs und auch mit seinen schmerzvollen Aspekten; wir verstärken das Leid jedoch nicht durch zusätzliche Bewertung, durch zusätzliche emotionale Dynamik. Der Wind weht, wo er will. So ist das. Er weht nicht dort, wo ich es für sinnvoll und erstrebenswert halte. Meine Anstrengungen, ihn diesbezüglich beeinflussen zu wollen, sind vergebens. Was ich aber tun kann, ist den Wind in all seinen Facetten zu nehmen, wie er ist, und das jeweils Beste daraus zu machen.

Dazu brauchen wir Vertrauen. Vertrauen in das unglaubliche Geschehen des Lebens als solches, Vertrauen in uns selbst und in andere, vielleicht auch Vertrauen in große, auch individuell als hilfreich oder sinngebend erkannte Prinzipien des Lebens wie zum Beispiel „Alles, was entsteht, vergeht.“ Oder: „Nichts Wirkliches kann zerstört werden, nichts Unwirkliches existiert.“

Dieses Vertrauen ermutigt uns, die Unbeständigkeit, die Unsicherheit des Lebens zu erkennen und anzuerkennen; es ermutigt uns auch, leidvolle Lebensphasen anzunehmen. Es ist begleitet von Freude über all unser So-sein, über unsere Beziehungen zu Mensch und Tier, über die wunderbaren Lebensformen in der Natur, über das Licht der Sonne, das Brummen des Insekts …

Es braucht dazu keine komplizierte, schwarze oder weiße oder bunte Theorie, es braucht kein Konzept. Es braucht das Vertrauen sich hinzusetzen, still zu werden, geschehen zu lassen – und zu erkennen. Es ist es einfach. Mögest du in der Gegenwart Ruhe, Gelassenheit, Gleichmut, Frieden, Gewaltlosigkeit und Entspannung finden.

Siehe auch

Weblinks

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