Liebe zu Gott

Aus Yogawiki

Liebe zu Gott ist das Thema von Bhakti Yoga, dem Yoga der Hingabe, der Gottesliebe und der Gottesverehrung. Liebe zu Gott ist einerseits eine Gnade, sie kann also ohne eigenes Zutun kommen. Andererseits kann man die Liebe zu Gott auch entwickeln. Im Bhakti Yoga gibt es Sadhana, also spirituelle Praxis, um Liebe zu Gott zu kultivieren.

Krishna - Symbol der Gottesverehrung

Liebe zu Gott als Mittel zur Gottverwirklichung, Erlösung und Befreiung

Bhakti, die Liebe zu Gott, ist ein Mittel zur Gottverwirklichung. Liebe zu Gott ist auch ein Zeichen des spirituellen Fortschritts. Was führt zur Befreiung des Menschen? Das ist eine Frage, die Philosophen und Theologen, immer wieder stellen. Letztlich stimmen sie darin überein:

Es sind nicht die Praktiken an sich, welche die Erlösung bewirken. Vielmehr ist es die Transformation des Bewusstseins, welche gleichbedeutend ist mit Erlösung, Befreiung, Gottverwirklichung. Praktiken können helfen, diese Transformation zu bewirken. Im Jnana Yoga wird gesagt, dass Jnana, Erkenntnis zur Erleuchtung führt. Im Raja Yoga sind es Bewusstseinserweiterungserfahrungen (Samadhi), die zur Erleuchtung führen. Und im Bhakti Yoga ist es die Liebe zu Gott. Alle Arten der Gottesverehrung sind kein Wert in sich, sondern sind Wert in dem Maße, in dem sie helfen, die Liebe zu Gott zu stärken.

Liebe zu Gott entwickeln - die 9 Übungen

Im Bhakti Yoga gibt es 9 Übungen, um die Liebe zu Gott zu entwickeln, zu kultivieren. Diese 9 Bhakti Yoga Sadhanas werden besonders in der Bhagavatam, der Bhagavata Purana, beschrieben. Diese sechs Praktiken sind Shravana (Geschichten über Gott hören), Kirtan (spirituelle Lieder singen), Smarana (Gottes Gegenwart spüren), Padasevana (Altardienst), Archana (rituelle Gottesverehrung), Vandana (Verneigung), Dasya (Gott dienen), Sakhya (Freundesliebe zu Gott), Atmanivedana (Selbsthingabe).

Shravana

Shravana heißt Geschichten über Gott und seine Heiligen zu hören, zu erzählen, anzuschauen. Der Mensch ist ein emotionales Wesen, welches gerne Anteil nimmt am Schicksal anderer und Einfühlungsvermögen für andere hat. Indem du über Geschichten über Gott und seine Heiligen hörst, erzählst, liest oder auf Video siehst, versetzt du dich in die Emotion der Heiligen hinein - und diese ist Liebe zu Gott. Eine einfache Weise, Liebe zu Gott zu entwickeln, ist also von denjenigen zu hören, die Liebe zu Gott hatten und haben.

Kirtana - spirituelle Gesänge

Beim Kirtan-Singen

Kirtana ist das Singen von Mantras, von Liedern für Gott. Gesang und Musik spricht die Emotionen an. Und spirituelle Gesänge, Kirtans, und spirituelle Musik, Nada Yoga, erweckt das Herz für spirituelle Liebe, die Liebe zu Gott wird angefacht.

Smarana - Gottes Gegenwart spüren

Smarana, wörtlich Erinnern, heißt sich Gott vergegenwärtigen. Smarana, Vergegenwärtigung Gottes, kann geschehen durch Gebet, durch Mantra Rezitation (Japa), oder einfach durch Spüren Gottes im Hier und Jetzt. Schaue dir eine Blume an, schaue dir einen Baum an, schaue einen geliebten Menschen an. Wenn du ganz in der Gegenwart bist und mit dem Herzen spürst, dann fühlst du die Liebe zu Gott.

Padasevana - Altardienst

Einen Altar zu haben, hilft Liebe zu Gott zu spüren. So wie du auf Reisen ein Bild deines Partners und Kindes dabei hast, so bist du auf Erden auf einer Reise und kannst ein Bild Gottes aufstellen. Gestalte dir einen kleinen oder größeren Altar so, wie es dir hilft Liebe zu Gott zu spüren. Ob der Altar größer oder kleiner, üppiger oder schlichter sein soll, das hängt von dir ab. Deine Stimmung und Emotion hängt auch davon ab, was du siehst, hörst und riechst. Auf einen Altar zu schauen, spirituelle Musik zu hören, Räucherstäbchen oder erhebende Duftöle zu riechen erweckt in dir die Liebe zu Gott.

Archana - ritueller Gottesdienst

Archana ist rituelle Gottesverehrung, Gottesdienst. In einem Ritual werden die Tiefen deiner Seele angesprochen. In der Tiefe deiner Seele ist die Liebe zu Gott. Gerade die klassischen Rituale wie Puja, Homa, Havan, Yajna, Agnihotra und Arati können dich tief in der Seele bewegen. Wichtig ist, bei den Ritualen ganz gegenwärtig zu sein, die Rituale in deinem Herzen und deiner Seele zu spüren.

Vandana - Verneigung und Ehrerbietung

Arunachalesvara Tempel in Tiruvannamalai

Vandana ist tiefe Verneigung und Ehererbietung, um Liebe zu Gott zu spüren und auszudrücken. In Indien gibt es den Namaste bzw. Namaskar Gruß. Hier verneigst du dich vor Gott im Inneren von jedem Menschen. In Indien ist auch das Verneigen vor einem Altar, vor einem Tempel und in einem Tempel, vor einem Gottesbild, üblich. Du kannst dich mindestens innerlich vor Gott und seinen Manifestationen verneigen und Ehererbietung spüren. Ehrerbietung, Verehrung ist auch ein Gefühl der Liebe zu Gott.

Dasya - Diener Gottes sein

Dasa heißt Diener. Dasya ist das Gefühl, Diener Gottes zu sein. Das Gefühl, Gottes Diener zu sein, ist eine Form der Liebe zu Gott. Du kannst diese Gefühl kultivieren, indem du dir morgens vornimmst, alles für Gott zu machen. Abends sprich ein Gebet und bringe alles, was du am Tag gemacht hast, Gott dar. Dazwischen fühle dich immer wieder als Diener Gottes.

Des weiteren ist es gut, bewusst etwas zu tun, was du nur für Gott machst. Du kannst zum Beispiel in einem Yoga Center, in einem Ashram, in einer Kirche, Tempel, Moschee oder Synagoge Dienste übernehmen, für die du nicht bezahlt wirst, und die du nur als Dienst für Gott, mit Liebe zu Gott, ausführst. Auch Dienst an der spirituellen Gemeinschaft, in einer spirituellen Lebensgemeinschaft, ist eine Form von Dasya, auch Seva genannt.

Sakhya - freundschaftliche Liebe zu Gott

Sakhya heißt, freundschaftliche Liebe zu Gott zu entwickeln. Gott ist dein Freund - niemand ist dir näher als Gott. Du kannst das spüren, du kannst zu Gott sprechen, du kannst dich mit Gott unterhalten, du kannst die Liebe Gottes spüren. Fühle die Gegenwart Gottes. Fühle, dass Gott dein bester Freund ist.

Atmanivedana - Selbsthingabe

Atmanivedana ist die Erfüllung der Gottesliebe: Du gibst dich selbst vollständig Gott hin. Aus der Liebe zu Gott wird die Einheit mit Gott. Du erfährst: Letztlich bist du selbst und Gott eins. Nicht du bist, sondern Gott ist in dir. Du bist eine Manifestation Gottes.

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Siehe auch

Literatur

  • Stephan Hachtmann, Berührt vom Klang der Liebe: Wege zum Herzensgebet (2012)
  • Thich Nhat Hanh, Jesus und Buddha - Ein Dialog der Liebe (2010)
  • Johannes XXIII., Das Herz muss voll Liebe sein (2013)
  • Albert Schweitzer, Aus meinem Leben und Denken (2011)
  • Albert Schweitzer, Glauben, lieben, handeln (1980)
  • Hansjürgen Verweyen, Ist Gott die Liebe? Spurensuche in Bibel und Tradition (2014)
  • Kordula Witjes u.a., Die Liebe wählen: Frère Roger, Taizé 1915-2005 (2013)
  • Petra und Erwin Würth, Zur Liebe befreit: Szenen aus dem Leben des Franziskus von Assisi (2011)

Weblinks

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