Adhara

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1. Adhara (Sanskrit: आधार ādhāra m.) Stütze, Halt, Unterlage, Grundlage; Konzentrationspunkt im Körper, Meditationsobjekt; Behälter, Behältnis; Wasserbehälter, Teich; eine Vertiefung um die Wurzel eines Baumes, in die das für den Baum bestimmte Wasser gegossen wird; Deich, Damm; Boden oder Gebiet einer Wirksamkeit oder Tätigkeit; (am Ende eines Kompositums:) sich beziehend auf, betreffend; Subjekt, Träger einer Eigenschaft; Name eines Teiches und eines Autors; das Wurzelchakra (Muladhara, in diesem Sinne auch Neutrum).


Adhara heißt Gefäß, Adhara heißt Stütze. Adhara sind verschiedene Punkte im Körper. Verschiedene Punkte, die stützend sind für das Prana, die stützend für göttliche Energie sind. Am bekanntesten ist Muladhara, die Wurzelstütze.


2. Adhara (Sanskrit: अधर adhara adj. u. m.) der untere, niedriger, tiefer stehend, geringer; Unterlippe.

Über Adhara

Das Muladhara Chakra ist das unterste Chakra, im unteren Teil der Wirbelsäule. Muladhara ist also die unterste Stütze, ist die Urstütze. Auf eine gewisse Weise steht Muladhara auch dafür, dass du eine Wurzel finden kannst in der Erde. Es ist z.B. eine gute Idee, wenn du dich gerade hinsetzt oder auch gerade stehst und dir vorstellst, dass von unten Wurzeln in dich hineinkommen. Dies hilft dir in all dem, was das Leben dir so anzubieten hat, in allen Schwierigkeiten, in allem Schönen, was im Leben kommt.

Für viele Menschen ist ein Urvertrauen die Wurzelstütze. Sie hatten vielleicht das große Glück, eine gute Kindheit zu haben, wo sie ein Urvertrauen bekommen konnten, aber viele Menschen haben das nicht. Aber jeder hat Muladhara, also eine innere Wurzelstütze. Innere Wurzelstütze heißt, da ist eine Festigkeit. Und du kannst dich jederzeit verwurzeln, Mula, in der Erde, du kannst daraus eine Festigkeit bekommen. Daher empfehle ich auch, wenn du meditierst, zuerst dich mit der Erde zu verbinden, das ist Mula Adhara, Wurzelstütze.

Dann stelle dir vor, dass du von hinten beschützt bist und von oben inspiriert. Dann kannst du gut meditieren. Adhara zu haben, eine gute Stütze zu haben, ist auch eine Hilfe für Menschen, die etwas zu Ängstlichkeit neigen. Ein Möglichkeit ist tatsächlich, sich immer wieder zu vergegenwärtigen: Die Erde stützt dich, ist Adhara. Der Himmel inspiriert dich, ist Adhara. Und hinten sind so viele gute Kräfte, sie sind Adhara für dich. Und so fühle dich stark, fühle dich beschützt, fühle eine starke Stütze. Wer ein bisschen ängstlich ist, ist auch gut, sich immer so hinzusetzen, dass hinter einem, sei es, eine Wand ist, sei es etwas, wo man sich beschützt fühlt. Der Mensch braucht Adhara, eine Stütze.

Adhara heißt natürlich auch ein Konzentrationspunkt, das heißt Gefäß. Adhara ist auch die Konzentrationstechnik. Wenn du z.B. mit einem Mantra meditierst, ist Adhara das Mantra. Wenn du auf ein Chakra dich konzentrierst, dann ist Adhara die Konzentration. Du kannst sagen, es gibt zwei Arten von Meditation: Es gibt die Sakshi Bhav Technik, die im Buddhismus auch Vipassana-, Achtsamkeitsmeditation genannt wird, dort hast du kein Adhara. Du konzentrierst dich auf nichts Besonderes, du beobachtest, was von selbst geschieht. Die zweite Art von Konzentration ist Adhara-Konzentration, das heißt, du konzentrierst dich auf ein Konzentrationsobjekt. Du konzentrierst dich also auf ein Mantra, du konzentrierst dich auf ein Chakra, du konzentrierst dich auf etwas, was du visualisierst. Das ist eine Adhara Meditation. Beide Meditationen sind gut und es gibt auch viele Meditationen, die beides miteinander verbinden. Also nochmals, Adhara heißt Stütze, Adhara heißt Konzentrationspunkt, Adhara heißt Gefäß. (Niederschrift eines Vortragsvideos (2014) von Sukadev über Adhara)

Die 16 Adharas

In den klassischen Hatha Yoga-Texten werden zwei Gruppen von jeweils 16 Adharas erwähnt. Die erste Gruppe steht im Zusammenhang mit dem Vishuddha Chakra, die zweite Gruppe wird in der Siddha Siddhanta Paddhati (2.10-25) gelehrt.

Die 16 Adharas des Vishuddha Chakra

In der Hatha Yoga Pradipika (3.73) werden im Zusammenhang mit dem Vishuddha Chakra, das auch Madhya Chakra genannt wird, sechzehn "Stützen" (Adhara) bzw. Konzentrationspunkte erwähnt. Diese stehen in Verbindung mit den sechzehn Blütenblättern und den dazugehörigen sechzehn Bija Mantras.

kaṇṭha-saṃkocanenaiva dve nāḍyau stambhayed dṛḍham |
madhya-cakram idaṃ jñeyaṃ ṣoḍaśādhāra-bandhanam || 3.73 ||

"Allein durch das Kontrahieren (Sankochana) der Kehle (Kantha, d.h. Jalandhara Bandha) unterbreche man fest die beiden feinstofflichen Energiekanäle (Nadi, d.h. Ida und Pingala). Dieses mittlere Zentrum (Madhya Chakra) soll man (als ein Mittel zum) Kontrollieren (Bandhana) der sechzehn Stützen (Adhara) kennen." (HYP 3.73)

Brahmananda, der Kommentator der HYP, zitiert hierzu die folgenden beiden Verse aus einem Goraksha zugeschriebenen Werk ("gorakṣa-siddhāntāt"), in denen die 16 Adharas genannt werden:

aṅguṣṭha-gulpha-jānūru-sīvanī-liṅga-nābhayaḥ |
hṛd grīvā kaṇṭha-deśaś ca lambika nāsikā tathā ||
bhrū-madhyaṃ ca lalāṭaṃ ca mūrdhā ca brahma-randhrakam |
ete hi ṣoḍaśādhārāḥ kathitā yogi-puṃgavaiḥ ||

"Großer Zeh (Angushtha), Fußknöchel/Ferse (Gulpha), Knie (Janu), Oberschenkel (Uru), Damm/Perineum (Sivani) männliches Glied (Linga), Nabel (Nabhi), Herz (Hrid), Nacken (Griva), Kehle (Kantha), Zunge (oder Gaumenzäpfchen bzw. weicher Gaumen, Lambika), Nase (Nasika), Mitte der Augenbrauen/drittes Auge (Bhrumadhya), Stirn (Lalata ), Kopf/Scheitel (Murdhan), Fontanelle (Brahmarandhra) - diese 16 Stützen werden von den Vorzüglichsten unter den Yogis gelehrt."

Die 16 Adharas in der Siddha Siddhanta Paddhati

In einem Vers der dem Goraksha zugeschriebenen Siddha Siddhanta Paddhati (2.31) werden unter den Dingen, die ein Yogi gründlich kennen muss, auch sechzehn Adharas erwähnt:

nava-cakraṃ kalādhāraṃ tri-lakṣyaṃ vyoma-pañcakam |
samyag etan na jānāti sa yogī nāma-dhārakaḥ ||

"Einer, der die neun Energiezentren (Chakra), die sechzehn (Kala) Stützen (Adhara), die drei Arten von Meditationsobjekten (Trilakshya, und die fünf Räume (Vyoma Panchaka) nicht vollständig kennt, der ist nur dem Namen nach (Namadharaka) ein Yogi."

Dieser Vers wird in etwas abgewandelter Form auch im Goraksha Shataka (Version 2 Vers 13, ebenso mit ein paar Lesarten in der Yogachudamani Upanishad Vers 3-4) überliefert:

ṣaṭ-cakraṃ ṣoḍaśādhāraṃ tri-lakṣ(y)aṃ vyoma-pañcakam |
sva-dehe ye na jānanti kathaṃ sidhyanti yoginaḥ ||

"Wie können diejenigen Yogis, die die sechs Energiezentren, die sechzehn Stützen, die drei Arten von Meditationsobjekten, und die fünf Räume in ihrem Körper nicht kennen, ans Ziel gelangen?"

Diese sechzehn Adharas, die sich vor allem darin, dass sie alle sieben Hauptchakren beinhalten, von den obengenannten sechzehn Adharas des Vishuddha Chakra unterscheiden, werden in der Siddha Siddhanta Paddhati in der folgenden Reihenfolge genannt (2.10-25):

  1. Padangushthadhara "Großzeh-Zentrum" (Padangushtha-Adhara)
  2. Muladhara "Wurzel-, Basis-Zentrum" (Mula-Adhara); entspricht Muladhara Chakra
  3. Gudadhara "After-Zentrum" (Guda-Adhara)
  4. Medhradhara "Penis-Zentrum" (Medhra-Adhara), entspricht Svadhishthana Chakra
  5. Odyanadhara (Odyana-Adhara), steht mit Uddiyana Bandha in Verbindung
  6. Nabhyadhara "Nabel-Zentrum" (Nabhi-Adhara), entspricht Manipura Chakra
  7. Hridayadhara "Herz-Zentrum" (Hridaya-Adhara), entspricht Anahata Chakra
  8. Kanthadhara "Kehl-Zentrum" (Kantha-Adhara), entspricht Vishuddha Chakra
  9. Ghantikadhara "Gaumenzäpfchen-Zentrum" (Ghantika-Adhara)
  10. Talvadhara "Gaumen-Zentrum" (Talu-Adhara)
  11. Jihvadhara "Zungen-Zentrum" (Jihva-Adhara)
  12. Bhrumadhyadhara "Augenbrauenmitte-Zentrum" (Bhrumadhya-Adhara), entspricht Ajna Chakra
  13. Nasadhara "Nasen(spitzen)-Zentrum" (Nasa-Adhara)
  14. Kavatadhara wörtl.: "Türflügel-Zentrum" (Kavata-Adhara), d.h. "Nasenwurzel-Zentrum" (Nasamula)
  15. Lalatadhara "Stirn-Zentrum" (Lalata-Adhara)
  16. Akashachakra "Raum-Zentrum" (Akasha-Chakra), entspricht Brahmarandhra (Fontanelle) bzw. Sahasrara Chakra

Adhara आधार ādhāra Aussprache

Hier kannst du hören, wie das Sanskritwort Adhara, आधार, ādhāra ausgesprochen wird:

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