Ishvara Samhita Übersetzung/Teil 1
Ishvara Samhita Übersetzung – Kapitel 1–18: Die Kapitel 1–18 beginnen mit der Sehnsucht der Weisen nach Befreiung. Von dort führt die Unterweisung zur inneren Puja, zum täglichen Gottesdienst, zu Festen und zur Weihe des Heiligtums. Für deine Lektüre bietet die Verbindung von äußerer Sorgfalt und innerer Hingabe eine hilfreiche Orientierung: Achte neben den einzelnen Handlungen auch darauf, wie sich der Verehrende auf Narayana ausrichtet.
Die Übersetzung bewahrt den historischen Zusammenhang; heutige Praxisanregungen stehen gesondert. Unsichere oder beschädigte Stellen sind kenntlich gemacht.
Zur Ausgabe: Einführung · Deutsche Übersetzung · Sanskrit IAST · Devanagari · 108 Verse und Mantras · Nächster Teil · Devanagari zu diesen Kapiteln
Kapitel 1 – Ursprung und Überlieferung der Lehre
Die Weisen fragen Narada nach dem Weg zur Befreiung. Das Kapitel erzählt von der göttlichen Überlieferung des Ekayana und erklärt die besondere Stellung der Sattvata Samhita. Seine Aussagen über den Vorrang einzelner Schriften geben das traditionelle Selbstverständnis dieses Werkes wieder.
Verehrung und Begegnung
1.1 Verehrung dem Träger des Diskus, der alles Heilsame schenkt und die Menschen emporhebt, die im Meer der Sinnesgegenstände versunken sind.
1.2 Große Rishis, kundig in den Veden und ihren Hilfswissenschaften und fest in Tapas, sehnten sich danach, die Lotosfüße Narayanas hingebungsvoll zu verehren.
1.3 Sie kannten die heiligen Erzählungen und Puranas, waren mit den Lehren des Dharma vertraut und ganz der Hingabe an Bhagavan zugewandt. Sie waren wie ein Meer von Tugenden, von innerer Ruhe und weiteren guten Eigenschaften.
1.4 Stets dienten sie voller Bhakti Narayana, der im Ashram von Nara und Narayana Tapas übte. Ihr Wunsch war, den Weg zu Moksha, der Befreiung, kennenzulernen.
1.5 So lebten dort die Weisen, alle ganz auf Narayana ausgerichtet. Eines Tages kam aus der Himmelswelt, von dem Wunsch bewegt, Narayana zu schauen,
1.6 der göttliche Rishi Narada voll freudiger Erwartung herab. Als er Gott Narayana erblickte, verneigte er sich und legte die Hände zur Verehrung zusammen.
1.7 Sein ganzer Körper war von freudiger Ergriffenheit durchdrungen, sein Gesicht strahlte. Mit vielerlei Lobgesängen pries er den Herrn und verneigte sich immer wieder.
1.8 Er verehrte Gott Narayana, den von allem Leiden Freien. Da sprach Narayana zu diesem hervorragenden Weisen:
1.9 „Hier leben Weise, die nach Haris höchstem Ziel verlangen. Unterweise sie in der Sattvata-Lehre.“
1.10 Nach diesen Worten verschwand der ehrwürdige Narayana Muni. Als Narada die Worte des Herrn hörte, richteten sich seine Körperhaare vor Freude auf.
1.11 Um den Auftrag auszuführen, machte sich der große Weise auf den Weg. Er sah den herrlichen Ashram jener Rishis, die ihre Lebenskraft durch Enthaltsamkeit bewahrten.
1.12 Dort lebten vielerlei Vögel und Tiere. Bäume, Blüten und Kletterpflanzen erfüllten den Ort; Teiche, Brunnen und tiefe Wasserbecken gehörten dazu.
1.13 Als er dort ankam, ehrten ihn die vorzüglichen Zweimalgeborenen mit Arghya, dem Begrüßungswasser, mit Padya, dem Wasser für die Füße, und weiteren Gaben. Sie baten ihn, auf einem Sitz Platz zu nehmen.
1.14 Er sprach Worte, die die Weisen erfreuten: „Weil ihr hier Narayana unablässig dient,
1.15 ist sein Mitgefühl für euch vollkommen. Auch ich fühle mich heute durch die Begegnung mit euch reich beschenkt.
1.16 Für euch, große Weise, hat Bhagavan mir diesen Auftrag gegeben. Lernt nun alle die erhabene verborgene Überlieferung kennen,
Die Frage nach dem einen Weg
Sprecherwechsel in der zweiten Vershälfte: die Weisen.
1.17 und verehrt von heute an den Herrn der Götter, ihr Yogis!“ Die Weisen antworteten: „O Weiser, für uns, die wir seit Langem Zuflucht suchen, bist du die höchste Hilfe.
Sprecherwechsel in der zweiten Vershälfte: Narada.
1.18 Zeige uns den Weg, auf dem Narayanas höchstes Ziel erlangt wird.“ Narada sprach: „Hört alle, ihr Weisen, den Veda, der Ekayana genannt wird.
1.19 Für den Weg zur Befreiung gibt es keinen anderen Pfad als diesen. Deshalb nennen ihn die Einsichtigen Ekayana, den einen Weg.
1.20 Dieser große Veda ist die Wurzel des mächtigen Vedenbaumes. Er hat allein die höchste Wirklichkeit zum Gegenstand, die Sat, Brahman und Vasudeva genannt wird.
1.21 Er ist mit göttlichen Mantras geschmückt, mit Bala und weiteren, die diese Wirklichkeit unmittelbar verkünden. Er ist frei von Ungewissheit und vertreibt die Finsternis der Avidya, der Unwissenheit.“
1.22 Nachdem Narada so gesprochen und die großen Yogis unterwiesen hatte, erläuterte er die Größe dieses Veda: „Er heißt Prakriti-Dharma, die ursprüngliche heilige Ordnung, und richtet sich allein auf Vasudeva.
1.23 Im Krita Yuga wird er ausgeübt. Danach, im Treta Yuga und den folgenden Zeitaltern, verbreiten sich abgewandelte Veden, die sich auf weitere Gottheiten beziehen.
1.24 Dieser große Veda ist die Wurzel des mächtigen Vedenbaumes. Rigveda und die weiteren Veden bilden seine Stämme und Zweige, ihr Yogis.
1.25 Weil dieser Veda, die Wurzel der Welt, vor allem Vasudeva verkündet, ist seine Bezeichnung als Mula-Veda, als Wurzel-Veda, begründet, ihr Zweimalgeborenen.

Die Weitergabe durch die Weisen
1.26 Im ursprünglichen Krita Yuga üben die dazu befähigten Menschen beständig den ursprünglichen Bhagavata-Dharma, den Weg der Verehrung Bhagavans.
1.27 Im Treta Yuga werden sie dann von vielerlei Wünschen erfüllt. Sie wenden sich einer vermischten Opferpraxis zu und verlassen den ursprünglichen ewigen Weg.
1.28 Dieser ganze Dharma verschwindet, von Vasudeva in sich zurückgenommen. Doch einem dafür bereiten Menschen offenbart Bhagavan ihn wieder selbst.
1.29 So habe auch ich ihn einst auf Shvetadvipa erlernt, ihr großen Weisen. Sana, Sanatsujata, Sanaka und Sanandana,
1.30 Sanatkumara, Kapila und als Siebter Sanatana sind Lehrer und Verbreiter des Ekanti-Dharma, des Weges ausschließlicher Gotteshingabe.
1.31 Marichi, Atri, Angiras, Pulastya, Pulaha, Kratu und der strahlende Vasishtha sind die Chitrashikhandins, die Weisen mit den leuchtenden Haarkronen.
1.32 Auch Svayambhuva Manu verehrte den Herrn der Welt, Gott Narayana, mit großer Askese.
1.33 Nach tausend göttlichen Jahren hatte er die ursprüngliche Shruti, die heilige Offenbarung, gründlich erlernt. Darin wurden auch jene Rishis ordnungsgemäß unterwiesen.
1.34 Diese acht Rishis betrachteten daraufhin, vom Wunsch nach dem Wohl der Welten bewegt, den Mula-Veda mit seinen Hunderttausenden von Versen.
1.35 Ebenso studierten sie ehrfürchtig die göttlichen Schriften, die Sattvata und die weiteren. Dann verfassten sie eine andere Lehrschrift, die Tantra genannt wird, ihr Zweimalgeborenen.
1.36 So werden auch Manu und andere die Inhalte der ursprünglichen Shruti erkennen und entsprechend viele Dharmashastras verfassen.
1.37 Auch für weitere Lehrschriften wird sie der Ursprung sein. Ausführlich werden darin Dharma, Kama und Artha behandelt: rechte Lebensführung, Erfüllung der Wünsche und materielles Wohlergehen.
1.38 Schließlich wird auch Moksha aufgezeigt. Daher enthält dieser Veda das Wesentlichste. Einst übte auch der große Weise Shandilya auf dem Gipfel des Todadri,
1.39 mit vollkommen gesammeltem Geist, außerordentliches Tapas. Nach vielen Tausenden von Jahren dieser Askese,
1.40 am Ende des Dvapara Yuga und zu Beginn des Kali Yuga, empfing er unmittelbar von Sankarshana den Veda namens Ekayana.
1.41 Diesen Veda lehrte er damals gründlich Sumantu, Jaimini, Bhrigu, Aupagayana und Maunjyayana.
1.42 Auch Nara und Narayana üben hier diesen ursprünglichen Dharma zum Wohl der Welt, ihr hervorragenden Weisen.
1.43 Dieser Ekayana-Veda ist auf der ganzen Erde bekannt. Er ist schwer zu verstehen und schwer zu verwirklichen; die zur Erkenntnis Erwachten folgen ihm.“
Ein Weg für Menschen, die noch nicht erwacht sind
Die Weisen sprechen:
1.44 Die Weisen sprachen: „Ehrwürdiger, du kennst alle Schriften und bist denen liebevoll zugewandt, die bei dir Zuflucht suchen. Durch deine Gnade haben wir diesen großen Mula-Veda empfangen.
1.45 Wir haben seine Macht kennengelernt, die in allen Welten verehrt wird. Dieser ewige Mula-Veda ist ein Weg für die zur Erkenntnis Erwachten.
1.46 Wie aber können jene, die noch nicht erwacht und im weiten Meer des Daseins versunken sind, zu diesem Dharma gelangen, den die ganz auf Gott Ausgerichteten ausüben?“
Narada spricht:
1.47 Narada sprach: „Hört, ihr, die ihr das Wohl aller Welten wünscht. Ich werde es euch erklären. Schon früher hat Bhagavan Hari selbst dies bedacht.
1.48 Es ging um diejenigen, die den höchsten Dharma verlassen und sich einem vermischten Weg zugewandt hatten, nun aber wieder nach seinem höchsten Ziel verlangten und von Shraddha, Vertrauen, und Bhakti erfüllt waren.
1.49 Um den Menschen der verschiedenen Varnas Gnade zu erweisen und ihnen die nötige Befähigung zu geben, und damit alle Menschen die ersehnten Früchte erlangen könnten,
1.50 verkündete er in Übereinstimmung mit dem Mula-Veda und im Anushtubh-Versmaß die Sattvata, die Paushkara, die Jayakhya und weitere Schriften.
1.51 Diese göttliche Sammlung heiliger Lehren ließ er durch Sankarshana und andere, die das Wohl aller Welten erstrebten, auf der Erde verbreiten.
1.52 Auch der große Weise Shandilya hörte diese göttlichen Schriften von Bhagavan Sankarshana und unterwies die Weisen darin.
1.53 Die Weisen, die auf dem Malaya-Gebirge lebten, habe ich selbst einst auf Ramas Geheiß zunächst gründlich in der Sattvata-Lehre unterwiesen.
Göttliche und von Weisen verfasste Schriften
1.54 Eine Lehrschrift, die Bhagavan Vasudeva selbst im Anushtubh-Versmaß verkündet hat, in knapper oder ausführlicher Gestalt,
1.55 und die von Brahma, Rudra, Indra und anderen ebenso weitergegeben wird, gilt auch in den himmlischen Welten als göttlich, ihr vorzüglichen Weisen.
1.56 Eine Schrift dagegen, die Götter wie Brahma und Rudra oder Rishis, deren Reichtum Tapas ist, selbst verfasst haben, gilt als von Weisen verkündet.
1.57 Wisse, dass diese Schriften nach Sattva und den weiteren Gunas in drei Arten eingeteilt werden. Wird ihr gesamter Inhalt von Pundarikaksha, dem Lotosäugigen, so erkannt, wie er ist,
1.58 und wird eine Schrift verfasst, die eben diesen Inhalt vermittelt, so gilt sie als sattvig. Wird hingegen der Inhalt jener Lehre nur zum Teil als Grundlage genommen,
1.59 und eine Schrift verfasst, die vor allem die durch die eigene Buddhi entwickelten Inhalte vermittelt, ihr vorzüglichen Zweimalgeborenen; ebenso, wenn die Lehre ihrem wahren Gehalt nach erkannt wurde,
1.60 als umfangreiches Werk vom Herrn aller Herren empfangen und durch seine gnädige Gewährung einer Kurzfassung, verbunden mit der Entfaltung eigener Überlegungen,
1.61 von Brahma und anderen oder von Rishis niedergeschrieben wird; ferner, wenn man sie von Brahma und anderen gehört hat und sie erneut in gekürzter Gestalt
1.62 nach eigenen Überlegungen darlegt: All dies gilt als rajasig. Es wird weiter in die beiden Bereiche Pancharatra und Vaikhanasa unterschieden.
1.63 Was ausschließlich auf eigenen Vorstellungen beruht, gilt als tamasig. Was allein von Menschen verfasst wurde, gilt als menschliches Werk.
1.64 Darum gibt es keine höhere Schrift als die göttliche, ihr großen Weisen. Die Sattvata, die Paushkara und ebenso die Jayakhya
1.65 und weitere solche göttlichen Schriften wurden von Hari selbst in Übereinstimmung mit dem Mula-Veda zum Wohl der Menschen verkündet.
1.66 Diese Dreiheit, beginnend mit der Sattvata, ist umfassend, ihr vorzüglichen Weisen, so wie die Dreiheit der Mantras, beginnend mit dem acht-silbigen Mantra, ihr Einsichtigen.
Die besondere Stellung der Ishvara Samhita
1.67 Nach den in diesen drei Tantras gelehrten Verfahren wird Hari jeweils auf dem Yadavachala, in Shriranga und auf dem Hastishaila verehrt.
1.68 Unter diesen göttlichen Schriften ist die Sattvata die vorzüglichste. Ihr Sprecher ist unmittelbar Ishvara, der Herr; ihr Hörer ist der erhabene Sankarshana.
1.69 Wie ließe sich die ganze Größe dieser Sattvata beschreiben, ihr großen Weisen? Deshalb werde ich euch aus den unmittelbar von Ishvara verkündeten Schriften, ihr hervorragenden Zweimalgeborenen,
1.70 jenes Tantra namens Ishvara darlegen, das deren Wesentliches enthält und besonders den Sinn der Sattvata erläutert. Ich habe es unmittelbar von Sankarshana gehört.
1.71 Ich werde es euch ausführlich verkünden. Hört aufmerksam zu, ihr Weisen!“ Nach diesen Worten verneigte sich der Yogi Narada vor dem Herrn Narayana.
1.71z – Unnummerierter Schlusshalbvers Er verneigte sich auch vor Sankarshana und begann zu sprechen.
Kolophon: So endet in der Ishvara Samhita des heiligen Pancharatra das erste Kapitel, genannt ‚Ursprung der Lehre‘.
Hinweise zu einzelnen Stellen
- 1.13: ‚Zweimalgeborene‘ bezeichnet im historischen Zusammenhang Menschen mit dem entsprechenden vedischen Initiationsstatus.
- 1.19: Der ausschließliche Wahrheitsanspruch wird quellengetreu wiedergegeben. Er ist keine redaktionelle Abwertung anderer Wege.
- 1.21: Der Text nennt Bala und weitere Mantras, schreibt an dieser Stelle jedoch keine vollständigen Rezitationsformeln aus.
- 1.53: Der Grundtext nennt Rama, ohne ihn hier näher zu bestimmen. Die Übersetzung belässt diese Offenheit.
- 1.59–62: Die lange Satzverbindung zur rajasigen Schriftklasse ist auch in der Kontrollübersetzung schwer eindeutig aufzulösen. Insbesondere die Beziehung von Kurzfassung, Gnade und eigener Ausarbeitung in 1.60 bleibt auslegungsbedürftig. Die Fassung gibt den erkennbaren Zusammenhang wieder, ohne eine abschließend gesicherte syntaktische Klärung zu beanspruchen.
- Nach 1.71: Der Druck bietet noch einen unnummerierten Halbvers. Er wird erhalten und nicht nachträglich als ganzer Vers 72 ausgegeben.
Die spirituelle Bedeutung des ersten Kapitels
Die Weisen fragen ausdrücklich nach Menschen, die noch nicht zur Erkenntnis erwacht sind. Naradas Antwort erinnert daran, dass Unterweisung dem Menschen entgegenkommen soll. Für die heutige Praxis kann dies ermutigen, weder das eigene Fragen geringzuschätzen noch Wissen als Besitz zu betrachten. Svadhyaya, ehrliches Fragen und aufmerksames Hören können miteinander wachsen. Diese Anwendung ist eine heutige Erläuterung und gehört nicht zum übersetzten Versbestand.

Kapitel 2 – Manasa Yaga: Verehrung im Herzen
Die äußere Vorbereitung führt in diesem Kapitel zur inneren Puja. Der Verehrende reinigt den Tempel, erinnert sich an seine Lehrer, richtet Hände und Körper durch Mantra und Nyasa auf die Gottheit aus und meditiert über ihre Gegenwart im Herzen. Die innere Darbringung umfasst schließlich das ganze Leben.
Narada spricht:
Der Beginn des Tages
2.1 Narada sprach: „Ich werde die Ordnung der Gottesverehrung darlegen. Hört zu, ihr hervorragenden Weisen. Wenn Brahma Muhurta, die frühe Morgenzeit, gekommen ist, soll der mantrakundige, gesammelte und reine Übende
2.2 sich vom Schlaf erheben und, noch auf seinem Lager sitzend, die Namen Gottes preisen. Er soll sich reinigen, baden und saubere Kleidung anlegen, die Sinne unter Kontrolle.
2.3 Er legt das Urdhvapundra, das senkrechte Vishnu-Zeichen, an und vollzieht die für den Morgen vorgeschriebenen Handlungen. Mit Duftstoffen, Blumengirlanden und Schmuck wie Armreifen geschmückt,
2.4 mit dem Pavitra-Ring an der Hand, nähert er sich schweigend dem Gotteshaus. Außerhalb des Eingangs soll er entsprechend der Vorschrift mit reinem Wasser
2.5 die Füße und Beine bis zu den Knien und die Hände bis zu den Handgelenken waschen. Nach dem rituellen Schluck Wasser, Achamana, tritt er ein und verneigt sich, während er das Mantra spricht.
2.6 Nachdem er das Heiligtum ehrfürchtig umrundet hat, weckt er Purushottama, den höchsten Herrn, mit dem Klang von Muschelhörnern, großen Trommeln und Kesseltrommeln,
2.7 mit den vielfältigen lauten Lobesworten der Sänger, o Einsichtiger, und mit mächtigen, immer wieder erklingenden Rufen: ‚Sieg! Sieg!‘
2.8 Mit Lobgesängen zur Erweckung lässt er den Herrn vom Lager aufstehen. Dann nähert er sich der Tür und vollzieht zunächst den rituellen Schutz der zehn Richtungen.
2.9 Mit dem Zeigefinger zeichnet er die schützende Umhüllung und spricht dabei das Kavacha-Mantra. Auf dem vorhandenen oder eigens eingerichteten Bali-Mandala soll er
2.10 das ganze Gefolge, beginnend mit Garuda, dem Herrn der Vögel, zusammen mit Achyuta verehren. Er spricht die Verehrungsformel, mit dem Pranava beginnend und auf Vishnu bezogen:
2.11 ‚Dem Achyuta mit seinem gesamten Gefolge: Verehrung, Verehrung!‘ Dann verehrt er der Reihe nach den Vastu-Purusha und die anderen.
2.12 Der Acharya vollzieht Nyasa mit dem Mula-Mantra, mit seinen zugehörigen Anga-Mantras oder ohne sie. Danach klatscht er dreimal in die Hände und gebraucht dabei das Herz-Mantra.
2.13 Er öffnet die Tür mit dem Mula-Mantra und entzündet die dauernden Lichter mit dem Netra-Mantra. Dann wäscht er seine Hände mit Wasser.
Eintreten und den heiligen Raum reinigen
2.14 Um das Innere des Tempels zu betreten, teilt er in seiner Vorstellung die Türöffnung in drei Bereiche und den mittleren Bereich nochmals in zwei.
2.15 Durch die linke Hälfte dieses mittleren Bereichs tritt er langsam ein, mit dem rechten Fuß voran und unter Gebrauch des Astra-Mantras.
2.16 Er vollzieht das Auftreten auf die Erde und verneigt sich vor Bhagavan. Im Geist verneigt er sich auch vor der Reihe der Gurus und empfängt ihre innerlich erteilte Erlaubnis
2.17 mit ehrfürchtig geneigtem Haupt. Er fasst im Geist einen Sankalpa für das erstrebte Ziel und bringt ihn Gott dar. Inmitten des Verehrungsraumes
2.18 betrachtet er den Tempel als Körper, das Kavacha-Mantra als dessen verkörperte Gestalt und Bhagavan als das ihn belebende Prinzip. Nachdem er so meditiert hat, soll er den Verehrungsraum
2.19 mit Darbha-Gras samt seinen Halmen, vermischt mit der Pflanze Sahadevi, ausfegen, mit reichlich Wasser waschen und mit Kuhdung bestreichen.
2.20 Die bestrichene Fläche berührt er mit dem Astra-Mantra und entfernt ein Teilchen davon. Er besprengt sie mit Panchagavya und mit Wasser unter Gebrauch des Astra-Mantras; mit Sandel,
2.21 Kumkuma, Agaru und Kampfer bestreicht er sie ringsum. Zur Reinigung des Ortes verstreut er Kusha, Durva und Akshata, ungebrochene Reiskörner.
2.22 So soll der Lehrer selbst das Heiligtum reinigen. Danach soll der gesamte Tempelbereich ausgefegt und besprengt werden.
2.23 Den Bereich bis zum Bali-Pitha sollen die Helfer reinigen. Während die Gegenstände für die Verehrung bereitgestellt werden, bleibt der Lehrer in der Erinnerung an Bhagavan.
2.24 Dann weist er die disziplinierten Schüler, Söhne und weiteren Helfer an, nachdem sie gebadet haben. Durch sie lässt der vorzügliche Zweimalgeborene auch die Gefäße reinigen.
Die Reinigung der Gefäße
2.25 Gold und Kupfer soll man mit Mangopaste und Wasser reinigen, Silber mit Ruß aus dem Haus oder mit erloschener Holzkohle.
2.26 Eiserne Gegenstände werden mit aschehaltigem Wasser gereinigt; Gegenstände aus Muschelhorn oder Muschelschale mit Salz.
2.27 Gefäße aus Fruchtschalen und Blättern werden mit Erde und Wasser gereinigt. Die Reinigung soll so erfolgen, dass anhaftende Reste und Gerüche entfernt werden.
2.28 So geschieht die vorgeschriebene Reinigung der Materialien ordnungsgemäß. Nachdem die Gefäße gereinigt sind, soll der Zweimalgeborene, ganz dem Schweigen zugewandt,
Sitz, Klang und Sammlung
2.29 vor dem Herrn der Götter oder zu dessen rechter Seite Platz nehmen. Wenn Ishvara nach Osten gerichtet ist, sitzt der Zweimalgeborene nach Norden gewandt.
2.30 Er setzt sich auf einen Sitz aus Darbha-Gras, aus Holz oder aus Fell. Damit die Götter kommen und die störenden Wesen weichen,
2.31 lässt er die Glocke erklingen, das Kennzeichen des Ortes der Gottheit, begleitet von Muschelhörnern und weiteren Klängen, von Gesang und Instrumentalmusik.
2.32 Daraufhin reinigt er rituell seine Hände, ihr hervorragenden Weisen: beide Handflächen, beide Handrücken und sämtliche Finger.
2.33 Dazu verwendet er das Astra-Mantra zusammen mit Meditation und Mudra. Nach der Reinigung der Hände vollzieht er die Reinigung des Ortes.
Die meditative Reinigung
2.34 Er meditiert über die Gottheit in flammender Gestalt, strahlend wie tausend Sonnen, von zahllosen Flammen umgeben und Feuer aus dem Mund ausströmend.
2.35 Mit diesem Feuer erfüllt er in der Vorstellung alles bis hinauf zur Welt Brahmas. Alle Richtungen stellt er sich durch die Leuchtkraft des Mantras entflammt vor.
2.36 Er betrachtet den ganzen Erdkreis als von dem aus dem Mantra entstandenen Feuer durchgeglüht, ihr vorzüglichen Zweimalgeborenen, wie ein Gefäß aus Ton gebrannt wird.
2.37 Durch anschließendes Übergießen mit Wogen von Nektar kommt die Reinigung des Ortes zustande. Nachdem er sich dies vergegenwärtigt hat, schützt er die Richtungen mit dem Herz-Mantra und den weiteren Mantras.
2.38 Die Zwischenrichtungen schützt er mit dem Astra-Mantra, den Raum oberhalb mit dem Netra-Mantra. Mit dem Kavacha-Mantra, das wie zehntausend Sonnen leuchtet und die Gestalt einer flammenden Hülle hat,
2.39 zeichnet er mit dem Zeigefinger die schützende Umhüllung. Die Reinigung der Elemente vollzieht er, verbunden mit Atemregelung, durch die beiden Dharanas.
2.40 Dies geschieht mit dem Mantra allein, verbunden mit innerer Vergegenwärtigung. Er meditiert über die Gottheit in der Nabelgegend und sammelt in seiner Vorstellung die Unreinheit,
2.41 die mit dem Atem nach außen tritt, und entlässt sie bis zum Dvadashanta. Dann zieht er den von Unreinheit freien, mit dem Atemkreis verbundenen
2.42 Herrn des Mantras durch die Nase ein, um den Körper zu erfüllen. Bei angehaltenem Atem meditiert er über ihn als im Herzen gegenwärtig.
2.43 Zur Beruhigung des Chitta und zur Beherrschung des Atems lässt er dann langsam allein die Luft wieder nach außen strömen.
2.44 Mit Ausnahme des letzten Ausatmens soll er die Dauer der übrigen Phasen schrittweise nach seinem Vermögen einüben. So verfährt er regelmäßig.
2.45 Am Dvadashanta vergegenwärtigt er sich den Herrn des Mantras wie glühendes Gold, inmitten einer kreisförmigen Scheibe, strahlend wie tausend Sonnen.
2.46 Er betrachtet den eigenen Körper als von den Tanmatras, den feinen Sinneselementen, befreit und lässt ihn in der inneren Schau verbrennen. An der Spitze der großen Zehe des rechten Fußes vergegenwärtigt er die Shikha-Silbe,
2.47 umgeben von Flammen wie das Feuer am Ende eines Weltzeitalters. Dadurch sieht er den eigenen Körper ringsum in Flammen stehen.
2.48 Die aus dem Körper hervorgehende Flamme lässt er in seiner Vorstellung im Herrn des Mantras aufgehen. Geistig nimmt er in diesem göttlichen, vollkommen friedvollen Raum seinen Ort ein.
2.49 Mit dem Strom von Amrita, der aus seinem Mantra hervorgeht, übergießt er den eigenen Körper. Dann zieht er sein Mantra, jene göttliche Gestalt, herbei und setzt es im Herzen ein.

Mantra-Nyasa an Händen und Körper
2.50 Mit dem so gereinigten Körper vollzieht er Mantra-Nyasa. Schon durch dieses Einsetzen der Mantras wird er dem Herrn der Götter gleich.
2.51 Dadurch entsteht die Befähigung zu allen Handlungen der Puja und der weiteren Verehrung. Auf beiden Händen setzt er das strahlende höchste acht-silbige Mantra ein,
2.52 vom Handgelenk bis zu den Nagelspitzen, leuchtend wie Sonnenlicht. Dann vollzieht er vorschriftsgemäß die Nyasas der Schöpfung, Erhaltung und Auflösung.
2.53 Der Schöpfungs-Nyasa beginnt am Gelenk des rechten Zeigefingers und führt über die Fingergelenke bis zum Gelenk des linken Zeigefingers.
2.54 In umgekehrter Reihenfolge geschieht der Auflösungs-Nyasa. Beim Erhaltungs-Nyasa beider Hände beginnt man am Zeigefingergelenk und endet am Gelenk des kleinen Fingers.
2.55 Mit den Daumen setzt man die Mantra-Silben auf den mittleren Fingergelenken ein; auf den unteren und oberen Gelenken setzt man den Pranava ein.
2.56 Von den beiden Daumen bis zu den beiden kleinen Fingern werden die fünf Angas eingesetzt, beginnend mit Jnana und endend mit Virya.
2.57 Das Netra-Mantra setzt man, wie das Mula-Mantra allgegenwärtig, an den Fingerspitzen ein. Die Krone vergegenwärtigt man in der rechten Hand, das Shrivatsa-Zeichen in der Mitte der linken.
2.58 Den Kaustubha-Edelstein setzt man in der rechten Handfläche ein, die Vanamala-Girlande in der anderen. In der Mitte der rechten Hand vergegenwärtigt man den Lotos, leuchtend von funkelnden Strahlen.
2.59 In der linken Handfläche setzt man die Keule ein, die aus eigener Leuchtkraft strahlt; rechts den hell leuchtenden Diskus und links das Muschelhorn.
2.60 In der rechten Hand setzt man Sri ein, in der linken Pushti. Dann beginnt man an der Wurzel des rechten Daumens und geht bis zum linken weiter.
2.61 Der Reihe nach wird das Garuda-Mantra auf den zehn Fingern eingesetzt. In dieser Weise vollzieht man zuerst den Nyasa der Hände.
2.62 Im Körper setzt man das Mula-Mantra vom Brahmarandhra bis zu den Füßen allumfassend ein, und anschließend von den Füßen aufwärts bis zum Kopf.
2.63 Am Körper vollzieht man einen der Nyasas von Schöpfung, Erhaltung und Auflösung. Vom Kopf bis zu den Füßen verläuft der Schöpfungs-Nyasa.
2.64 Von den Füßen bis zum Kopf verläuft der Auflösungs-Nyasa; vom Nabel bis zum Herzen der Erhaltungs-Nyasa.
2.65 Am Kopf verwendet man den Mittelfinger, an den Augen den Zeigefinger, in der Gesichtsmitte Ringfinger und Daumen gemeinsam.
2.66 Danach setzt man am Herzen mit den Spitzen von Zeigefinger und Daumen ein; am Nabel vollzieht man den Nyasa mit Daumen und kleinem Finger.
2.67 Am Geschlechtsorgan und an den Knien verwendet man die vier Finger ohne den Daumen; an den Füßen alle Finger.
2.68 Überall setzt man die Mantra-Silbe von Tara, dem Pranava, umschlossen ein. Nach dem Nyasa des acht-silbigen Mantras vollzieht man den Anga-Nyasa.
Die göttlichen Kräfte und Kennzeichen
2.69 Jnana, Erkenntnis, setzt man im Herzen ein, denn dort wird sie offenbar. Aishvarya, göttliche Herrschaft, setzt man am Kopf ein, denn es hat seinen Ort oben.
2.70 Den Lotosäugigen vergegenwärtigt man überall, im Bereich der Prakriti wie der Tattvas. Den höchsten Shakti-Mantra setzt man in die aufwärts gerichtete Flamme des Herzfeuers ein.
2.71 Bala, die Kraft aller Glieder, vergegenwärtigt man zusammen mit dem Atem in der Haut. Virya, die Wirkmacht, die sich in allen Gliedern entfaltet, setzt man in den Händen ein.
2.72 Tejas ist seinem Wesen nach inneres Erkennen und vertreibt die Finsternis der materiellen Natur. Beim Nyasa wird diese Leuchtkraft an dem ihr entsprechenden Taijasa-Ort eingesetzt.
2.73 Auf dem Kopf setzt man die Krone ein, mit dem Glanz von Feuer und zehntausend Sonnen. Links auf der Brust vergegenwärtigt man das Shrivatsa-Zeichen, strahlend wie der Vollmond.
2.74 Den Kaustubha setzt man im Herzen ein, leuchtend wie die Sonne, und am Hals die Vanamala-Girlande aus verschiedenen Lotos- und Waldblüten.
2.75 Dann setzt man wie zuvor Lotos, Keule, Diskus und Muschelhorn ein. Auf der rechten Seite bis zur Schulter vergegenwärtigt man Sri; auf der anderen Seite ebenso
2.76 Pushti, bis zum Knöchel hinab, und Garuda zwischen den Oberschenkeln. Nach diesem Mantra-Nyasa bildet man mit beiden Händen
Der Übergang zur inneren Verehrung
2.77 die Mudra und ruft sich das Meditationsbild ins Bewusstsein. Man vergegenwärtigt sich: „Ich bin die Gottheit.“ Danach beginnt man die innere Verehrung.
2.78 Man nimmt Padmasana oder einen anderen Sitz ein und hält die Brahmanjali-Geste fest am Nabel. Die nach außen gerichteten Sinne lässt man im Geist zur Ruhe kommen.
2.79 Man lässt Chitta in Buddhi eingehen und Buddhi in den Bereich der Erkenntnis. Durch die meditative Vergegenwärtigung der Erkenntnis vollzieht man die auf das Höchste bezogene Handlung.
2.80 Dann stellt man sich den Sitz vor, dessen Aufbau mit Shesha beginnt und mit Feuer endet. Dabei verbindet man den jeweiligen Namen mit dem vorangestellten Pranava und dem Ausdruck der Verneigung.
2.81 Ebenso soll man ihn im eigenen Herzen vorstellen, damit der Herr dort seinen Platz einnimmt. Zunächst vergegenwärtigt man sich im Körper, dem Gotteshaus mit vier Kreisen und neun Toren,
2.82 befindet sich unterhalb der Halsgrube der nach unten gerichtete Herzlotos. Inmitten seiner Samenkapsel liegt ein nach oben gerichteter Lotos.
2.83 Darüber liegt die Offenbarung des Klanges, gekennzeichnet durch Sonne, Mond und Feuer. Die Nadi strahlt in herrlichem Licht; ihre Gestalt ist unmanifestierter Klang.
2.84 Sie verläuft oberhalb der beiden manifesten Kreise, o Einsichtiger. Durch das Brahmarandhra tritt sie hinaus und reicht über den Sonnenweg hinaus.
2.85 Durch das Tor des Atems durchdringt sie Patala und gelangt in ihren eigenen Bereich. Alles, was Gegenstand einer Vorstellung sein kann, besteht in der Verbindung mit ihr.
2.86 Wie eine Reihe von Edelsteinen an einer Schnur, so ist alles an ihr aufgereiht. Deshalb heißt sie die mittlere Nadi. An dem zuvor genannten Ort der Sammlung, in dessen Innerem,
Klang, Shakti und göttliche Gegenwart
2.87 im Behältnis von Mond und Sonne, das durch Schließen und Öffnen gekennzeichnet ist, weilt Para-Vak, die höchste Sprache, wie eine Biene, auf den Lotos und die Sonne gestützt.
2.88 Diese Shakti des allgegenwärtigen Herrn, des Selbst aller Wesen, ist die Mutter sämtlicher Mantras. Sie lässt den aus den Lauten hervorgehenden Nada erklingen und wird Shabda Brahman genannt.
2.89 Dieser Lautstrom beginnt mit A und endet mit Ha und fließt ununterbrochen. Im Raum am Ende des Nada ist Gott gegenwärtig, verbunden mit Ananta.
2.90 Mit seinem Händepaar schenkt er Segen und Furchtlosigkeit. Es ist mit Muschelhorn und Diskus gekennzeichnet und vermag die drei Welten emporzuheben.
2.91 Er ist friedvoll und seinem Wesen nach Samvit, reines Bewusstsein. Aus dem Wunsch, seinen Verehrern Gnade zu schenken, hat der Formlose eine unvergleichliche Gestalt angenommen.
2.92 Mit einer Leuchtkraft wie zehntausend Vollmonde erfüllt und belebt er das All, wie die Sonne mit ihren Strahlen und das Meer mit seinen Wellen.
2.93 Er ist mit seinen körperlosen Erscheinungen, Achyuta und den weiteren, verbunden. Seine lichtvolle Gestalt ist von Wogen des Nektars erfüllt.
2.94 Vollkommen geschmückt ist seine Gestalt in allen Gliedern frei von Veränderung. Von dort ruft man ihn auf den im Herzen vorgestellten Sitz herbei.
2.95 Dann vollzieht man den Mantra-Nyasa für den Herrn, jedoch ohne den Nyasa der Hände. Aus der Mitte des höher gelegenen Himmelslotos stellt man sich die herabströmende
2.96 Ganga auf dem Haupt Bhagavans vor. Mit diesem Nektarwasser werden Arghya und sämtliche weiteren Gaben innerlich auf heilsame Weise bereitet.
2.97 Welche Gabe man auch innerlich bereitet, jede soll man sich als aus Nektar bestehend vorstellen: kraftvoll vom Himmel herabkommend und vom Mondlicht durchflutet.
2.98 Man vergegenwärtigt sich den Herrn des Mantras erneut: Durch jene Gaben, die selbst Nektar sind, und ihre Nektarfluten ist er gestärkt, erfreut und ganz in sie eingetaucht.
Die Formen der inneren Verehrung
2.99 Dann bringt man dem Herrn der Götter vorschriftsgemäß Arghya dar, vergegenwärtigt seine Nähe, sein Bleiben und seine dem Verehrer zugewandte Gegenwart.
2.100 Herz und weitere Angas samt ihren Teilen, Krone und anderer Schmuck, Keule und die weiteren Kennzeichen, ebenso Lakshmi und die anderen Shaktis,
2.101 Garuda und die weiteren Gestalten, die im Körper Gottes weilen: Sie bestehen an ihrem jeweiligen Ort als Lichtgegenwarten, entsprechend dem Wesen des alldurchdringenden Herrn.
2.102 Alle diese im Körper gegenwärtigen Formen sollen der Reihe nach mit ihren eigenen Mantras sowie mit Arghya und den weiteren Gaben verehrt werden, ohne ein gesondertes Gefolge, ihr Zweimalgeborenen.
2.103 Dies ist der Laya-Yaga, ihr Brahmanen, wie er für das Herz und die weiteren Angas beschrieben wurde. Beim folgenden Verfahren weilt der Herr des Mantras in der Mitte der Lotossamenkapsel; die Herz-Gegenwart und die übrigen weilen auf den Blättern, beginnend im Osten.
2.104 Alle werden in ihrer Gestalt und für sich verehrt. Dies heißt Bhoga-Yaga. Durch jeweils eigenständige, gesonderte Verehrung, ihr Zweimalgeborenen,
2.105 geschieht das Verfahren, das Adhikara-Yaga heißt. Nachdem man so den Laya-Yaga und den Bhoga-Yaga vollzogen hat,
Willkommen im Herzen
2.106 Nach der Meditation verehrt man Gott im eigenen Herzen mit vollkommen reinen Gaben, die aus der inneren Vorstellung entstehen. Man richtet diese Bitte an ihn:
2.107 ‚Willkommen, Herr der Götter! Achyuta, sei mir gegenwärtig. Empfange diese innere Puja, die ich ihrem Sinn entsprechend vergegenwärtigt habe.‘
2.108 Hat der vorzügliche Zweimalgeborene den Herrn als wohlgesinnt und gnädig erkannt, vollzieht er die innere Verehrung ausführlich.
Die innerlich dargebrachten Gaben
2.109 Mit göttlichen, reinen, unerschöpflichen und heilsamen Gaben, die aus dem Sankalpa entstehen, verehrt man Gott, den Erfüller aller Wünsche, der die Gestalt des Mantras trägt.
2.110 Zuerst stellt man die Ölsalbung und das Abreiben des Körpers vor, danach das Bad und die duftende Salbung. Man bringt Gewänder und wohlriechende Blumengirlanden dar.
2.111 Man betrachtet den Herrn als geschmückt mit Halsketten, Oberarmreifen, Armreifen und Kronen, mit einem kunstvollen Hüftband aus Gold und Edelsteinen.
2.112 Man schmückt ihn mit Rubinschmuck und reinen Perlenketten. Einen Schirm, dem Vollmond gleichend und mit goldenem Stab versehen,
2.113 bringt man Vishnu dar, ebenso einen schönen Pfauenfederfächer. Reichlich wohlriechenden, lieblichen, mit Kampferpulver vermischten
2.114 Weihrauch bietet er Bhagavan an und eine Reihe von mit Ghee gespeisten Lichtern. Auch Madhuparka, mit Honig und Ghee versehen, bringt er ihm dar.
2.115 Verschiedene Tiere in anschaulich vorgestellter Gestalt, ebenso einen heiligenden Vogel, Pflanzen wie Reis und Durva sowie einen Baum voll guter Früchte
2.116 bringt man zunächst in vorgestellter Gestalt dar. Man bietet Nahrung der vier Arten an, vielfältig und rein, zahlreiche Speisen zum Kauen und Essen,
2.117 wohlschmeckende Früchte und Wurzeln mit den sechs Geschmacksrichtungen sowie unterschiedliche Getränke aller sechs Geschmacksrichtungen.
2.118 Alles, was man selbst genießen kann und was auch in den jeweiligen Gegenden nicht unzulässig ist, bringt man Gott dar, ihr Zweimalgeborenen, bewegt von Hingabe und Vertrauen.
2.119 Zahlreiche Saiteninstrumente, verbunden mit Tanz und Gesang, den Schall großer Trommeln und Kesseltrommeln, begleitet von Lobgesängen und Rezitationen,
2.120 vergegenwärtigt man für den Herrn der Götter, aus allen drei Welten. Mit einem Wedel, der mit einem Netz kleiner Glöckchen versehen ist, fächelt man ihm zu.
2.121 Baldachine, Wimpel und verschiedene Fahnen bringt man dem Herrn mit Hingabe und heiterem innerem Sinn dar.
2.122 Elefanten, Pferde, Kühe und Fahrzeuge, mit schönen Gewändern geschmückt, bietet man innerlich an. Dann vergegenwärtigt man sich, wie er diese Gaben entgegennimmt.
Die Hingabe des eigenen Lebens
2.123 Man bringt sich selbst mit den Kindern, den Ehefrauen und dem gesamten Besitz dar, neigt das Haupt und ist von Tränen der Freude erfüllt.
2.124 Im Geist vergegenwärtigt man die gebildete Kamadhenu-Mudra, verbunden mit dem Mantra, als Erfüllerin aller Wünsche Vishnus.
2.125 Daraufhin stellt man eine besondere Verehrung Achyutas vor. Man streckt die zum Anjali verbundenen Hände aus, gefüllt mit goldenen Blüten.
2.126 Man spricht das Mula-Mantra mit den Atemübungen des Einatmens und der weiteren Phasen, einem lang anhaltenden Glockenklang gleich, solange es möglich ist.
2.127 Man meditiert über Gott Narayana, umgeben von zwei funkelnden Strahlen, leuchtend wie Feuer, Sonne und Mond, und hält seine Gegenwart in den zum Anjali verbundenen Händen fest.
2.128 Den Inhalt der zusammengelegten Hände bringt man auf dem Haupt jener Mantra-Gestalt dar. Erneut bietet man Arghya und einen heilsamen Pushpanjali, eine Darbringung von Blüten, an.
Geistiges Japa und Abschluss
2.129 Man zeigt die Mula-Mudra und beginnt geistiges Japa, ohne festgelegte Zahl, nach dem eigenen Vermögen und begleitet vom Glockenklang.
2.130 Für die Herz-Gegenwart und die übrigen, die an den Orten des Bhoga weilen, zeigt man der Reihe nach im Geist die Mudra und wiederholt jeweils einmal das Mantra.
2.131 Mit heiligen Lobpreis-Mantras preist man den Herrn und stimmt ihn ganz gnädig. Nachdem man ihn auf diese Weise bis einschließlich Japa verehrt hat, führt man seine Gegenwart nach außen und vollzieht die äußere Verehrung.“
Kolophon: So endet in der Ishvara Samhita des heiligen Pancharatra das zweite Kapitel, genannt ‚Die Ordnung der inneren Verehrung‘.
Innere Bedeutung und Hinweise zu Kapitel 2
Die folgenden Erläuterungen sind heutige Lesehilfen; sie gehören nicht zum Wortlaut der Verse.
Der Körper als Tempel
Der Tempel wird als Körper der göttlichen Gegenwart betrachtet (2.18); später erscheint der menschliche Körper selbst als Gotteshaus mit neun Toren (2.81). Diese Entsprechung verbindet äußere und innere Verehrung. Wer heute vor einer Puja den Raum ordnet, kann darin zugleich eine Einladung sehen, die eigenen Gedanken zu sammeln und die Aufmerksamkeit auszurichten. Der Text selbst beschreibt jedoch eine bestimmte Tempelordnung mit rituellen Voraussetzungen.
Reinigung, Atem und Nyasa
Die Reinigung der Gefäße ist eine konkrete handwerkliche Aufgabe (2.25–28). Davon unterscheidet der Text die meditative Reinigung durch Feuer und Nektar (2.34–49). Das Verbrennen des Körpers gehört hier zur inneren Vorstellung. Beim Nyasa werden Mantras und göttliche Kräfte an Händen und Körperstellen vergegenwärtigt. Die Aussage „Ich bin die Gottheit“ (2.77) steht im Zusammenhang dieser rituellen Angleichung des Verehrenden an die verehrte Gegenwart.
Pranayama, Dharana und Dhyana wirken im beschriebenen Gottesdienst zusammen. Der Text nennt wiederholt das eigene Vermögen als Maß des Übens (2.44; 2.129). Die knappen Ritualverse setzen Unterweisung voraus; sie sind keine vollständige Anleitung zu den Atemtechniken. Für den heutigen Einstieg führen die Artikel Meditation, Atembeobachtung und Mantra Meditation zu ausführlicher erläuterten Übungen.
Die Mutter der Mantras
Die höchste Sprache, Para Vak, erscheint wie eine Biene im inneren Lotos. Als Shakti des Herrn wird sie „Mutter sämtlicher Mantras“ genannt (2.87–88). Das Meditationsbild verbindet Klang mit Bewusstsein: Der Mantra ist Teil einer umfassenden göttlichen Gegenwart. Besonders schön ist 2.91: Der Formlose nimmt aus Gnade zu seinen Verehrern eine Gestalt an.

Hingabe des ganzen Lebens
Die inneren Gaben reichen von Wasser, Blüten und Nahrung bis zu Musik, Tieren, Fahrzeugen und dem eigenen Leben (2.109–123). Es handelt sich in diesem Abschnitt um geistig vorgestellte Darbringungen. Die Nennung von Ehefrauen, Kindern und Besitz in 2.123 bewahrt die historische Perspektive des Textes. Eine heutige Anwendung kann sein, die Beziehungen und Aufgaben des Lebens in die eigene Hingabe einzubeziehen und ihnen mit Verantwortung zu begegnen.
Den Abschluss bildet keine Abkehr vom äußeren Handeln. Nach Meditation, Japa und Lobpreis folgt die äußere Verehrung (2.131). So kann innere Sammlung zur Quelle aufmerksamen Handelns werden.
Text- und Übersetzungshinweise
- 2.10–11: Der Grundtext nennt den voranzustellenden Pranava und gibt danach die Verehrungsformel. Die Übersetzung ergänzt daraus keine vermeintlich durchgehend ausgeschriebene Sanskritformel.
- 2.19: Sahadevi ist ein Pflanzenname; die OCR-Trennung „saha devi“ wurde berichtigt.
- 2.29: Die schwer lesbare Sitzanweisung wird nach dem Sanskritdruck der modernen Ausgabe wiedergegeben: Nordausrichtung des Verehrenden bei Ostausrichtung der Gottheit. Eine abweichende OCR-Lesung zur örtlichen Gewohnheit wurde nicht übernommen.
- 2.38–39: Die flammende Hülle wird dem Kavacha-Mantra zugeordnet; das Netra-Mantra schützt den oberen Raum. Die Satzverbindung reicht über die Versgrenze.
- 2.46: Der Sanskritdruck liest „tanmātraiḥ“, feine Sinneselemente. Die deutsche Übersetzung folgt diesem Wort und seiner im Sanskritkommentar erläuterten Verbindung mit „muktam“. Die englische Kontrollübersetzung versteht hier stattdessen eine Befreiung und ein Verbrennen „durch jene Mantras“.
- 2.54: Schöpfung, Erhaltung und Auflösung werden knapp und nicht durchgehend eindeutig voneinander abgegrenzt. Die Übersetzung unterscheidet das ausdrücklich genannte Umkehren der Reihenfolge vom folgenden Weg zwischen Zeigefinger und kleinem Finger.
- 2.66: Der Sanskrittext nennt beim Herzen den Zeigefinger zusammen mit dem Daumen. Die englische Übersetzung nennt dort den kleinen Finger; diese Abweichung wurde nicht in den Grundtext übernommen.
- 2.75–76: Die verdichtete Körperzuordnung von Sri und Pushti ist syntaktisch schwierig. Die Übersetzung folgt dem Zusammenhang von rechter und anderer Seite, Schulter und Knöchel, ohne daraus eine zusätzliche praktische Nyasa-Anleitung zu rekonstruieren.
- 2.81–89: Die Kreise, Lotosbilder, Nadi und Klangstufen bilden die besondere meditative Topographie dieses Rituals. Sie werden nicht ohne Textbeleg mit einem heutigen Schema der sieben Chakras gleichgesetzt.
- 2.93–94: Die Beschreibung der lichtvollen, vom Nektar erfüllten Gestalt ist sprachlich gedrängt. Die genaue syntaktische Verbindung bleibt auslegungsbedürftig.
- 2.115–116: Tier, Vogel, Nutzpflanze und Fruchtbaum werden innerlich dargebracht. Der Sanskritkommentar erläutert unter anderem die Kuh mit ihren für die Verehrung nutzbaren Gaben. Der Grundtext verlangt hier keine Tötung.
- 2.126: Der Kommentar bezieht das Fortdauern des Mantraklangs auf die Darbringung der Blüten. Die Übersetzung bewahrt die offenere Formulierung des Verses zur möglichen Dauer.
- 2.127: Der Haupttext der modernen Ausgabe liest „zwei Strahlen“; ihr Variantenapparat verzeichnet auch „hundert“. Eine OCR-Lesung „tausend“ wurde verworfen.
Kapitel 3 – Die Verehrung der Gottheiten des Tempels
Die innere Puja wird zur hingebungsvollen äußeren Handlung. Mantra, Klang, Bild und Tempel stehen in einer lebendigen Beziehung zueinander. Das Kapitel lehrt die Reinigung der Gaben, die Verehrung von Räuchergefäß und Glocke sowie die meditative Gegenwart der Welten und göttlichen Kräfte im Heiligtum.
Von der inneren zur äußeren Verehrung
3.1 Nachdem man zuerst in dieser Weise die innere Verehrung vollzogen hat, verehrt man den Herrn äußerlich im Götterbild – durch Handlungen, die von Hingabe erfüllt sind.
3.2 Hört aufmerksam die Ordnung der äußeren Verehrung, ihr hervorragenden Weisen. Gott, der im Raum des Herzlotos als Licht gegenwärtig ist,
3.3 führt man von diesem Ort herbei und vergegenwärtigt ihn zwischen den Augen. Dabei nimmt man Zuflucht zu der zuvor beschriebenen Gegenwart namens Vasudeva.
3.4 Dann betrachtet man mit unbewegtem Augenpaar, ihr hervorragenden Weisen, unter Wiederholung des Lochana-Mantras alle für die Verehrung bestimmten
3.5 Materialien. Dadurch wird die Gesamtheit der Gegenstände gereinigt. Die zuvor bereitgestellte umfangreiche Ausstattung für die Verehrung
3.6 ordnet man vollständig zur Rechten an; links stellt man den mit gefiltertem Wasser gefüllten Krug auf. Dazwischen stellt man den Bhadrasana, den würdigen Sitz für die Gottheit.
Den Sitz und das Götterbild vorbereiten
3.7 Was sich an bräunlich gewordenen Blättern, Blüten und anderen Gaben findet, nimmt man mit der Hand auf und legt es an einen reinen Ort.
3.8 Dann säubert man das Bhadra-Pitha mit einem Wedel aus Kuh- oder Chamara-Haaren, mit Pfauenfedern, mit Kusha-Gras oder mit einem ganz weißen Tuch.
3.9 Anschließend wäscht man es mit reichlich durch ein Tuch gefiltertem Wasser und gebraucht das zwölf-silbige Mantra, vom Pranava am Anfang und Ende umschlossen.
3.10 Nachdem man so die Unterlage der Verehrung mit Wasser gewaschen hat, befreit man sie mit einer durch das Astra-Mantra geweihten Blüte von allen Hindernissen.
3.11 Dort auf der Verehrungsunterlage stellt man die glückverheißende, vom Mantra erfüllte Gestalt auf, versehen mit sämtlicher Ausstattung und allen vorgeschriebenen Merkmalen:
3.12 das aus Metall oder Stein gefertigte Götterbild, zur eigenen spirituellen Vollendung. Dann verehrt man Gott mit göttlichem Arghya, Wasser für die Füße und Wasser zum rituellen Mundspülen.
3.13 Die bereits dargebrachten Gaben, Arghya und die weiteren, nimmt man vom Bild ab, verneigt sich und übergibt sie Vishvaksena. Dann säubert man das Bild mit einem weichen
3.14 Büschel aus Ushira und Bambus und wäscht es anschließend mit Wasser. Unter Rezitation des Mula Mantra vollzieht man für den Herrn die dreifache Reinigung.
3.15 Dem Herrn der Götter legt man zwei gut gewaschene Gewänder an. Von einem gemalten oder feststehenden Götterbild nimmt man die bereits dargebrachten Blüten und weiteren Gaben
3.16 ab und wischt den Staub mit einem Tuch fort. Oder man kann, ihr Zweimalgeborenen, bereits unmittelbar nach dem Betreten des Verehrungsraums
3.17 die Einrichtung bis zum Bhadrasana vornehmen und danach die übrigen Handlungen jeweils ausführen. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, zu diesem Zeitpunkt den Bhadrasana und die weiteren Dinge aufzustellen,
3.18 zunächst die dreifache Reinigung nach der beschriebenen Ordnung zu vollziehen und dann beim Beginn der Yoga-Pitha-Verehrung alle für das Bild genannten Handlungen aufzunehmen.
Die Gefäße und ihre Gaben
3.19 Nun wäscht man die Gefäße für Arghya und die weiteren Gaben mit Wasser unter Gebrauch des Astra-Mantras und füllt sie mit gefiltertem Wasser, ihr vorzüglichen Weisen.
3.20 Der Reihe nach gibt man die Zutaten in das Haupt-Arghya-Gefäß, das weitere Arghya-Gefäß und die übrigen Gefäße. In das erste kommen Sandel und die weiteren Duftstoffe, Durva und weißer Senf,
3.21 Kusha-Spitzen zusammen mit Akshata, Reiskörner, Sesam, edle Metalle samt Edelsteinen und Früchte.
3.22 In das zweite Gefäß kommen vier Tropfen – je einer von Dickmilch, Honig, Ghee und Milch – zusammen mit einer Kusha-Spitze, Safran, Blüten, Sesam und Reiskörnern.
3.23 In das Gefäß für das Fußwasser gibt man Durva, Vishnukranta, Shyamaka, Shankhapushpaka, Padmaka und Kundarenu.
3.24 Zimtrinde, Kardamom und die weiteren zugehörigen Zutaten, zusammen mit Kampfer und Sandel, gibt man in das Achamaniya-Gefäß, ihr vorzüglichen Weisen.
3.25 In das Badewasser gibt man Kushtha, Mamsi, die beiden Haridra-Arten, Mura, Shaileya, Champaka, Vacha, Kachchora und Musta.
3.26 Überall verbindet man das Einlegen der Zutaten mit dem Herz-Mantra. Die Gefäße stellt man nach der überlieferten eigenen Ordnung auf ihre Unterlagen,
3.27 beginnend im Nordwesten, mit der jeweiligen Bereitstellungsformel. Man spricht: „Om, ich bereite Arghya“, und stellt das Gefäß am Ort Vayus auf.
3.28 Ebenso stellt man das Gefäß für das Mundspülwasser im Nordosten auf, das für das Bad im Südosten und das für das Fußwasser im Südwesten.
3.29 Das zweite Arghya stellt man vorn oder in ihre Mitte. Oder man stellt, ihr Zweimalgeborenen, die Gefäße schon vorher auf ihre Unterlagen
Reinigung und Verwandlung der Gaben
3.30 und berührt sie mit der Hand unter Gebrauch der jeweiligen Bereitstellungsformeln. In der rechten und linken Hand vergegenwärtigt man mit dem Herz-Bija
3.31 Sonne und Mond und bewirkt dadurch das Verbrennen und Neuentstehen der Materialien in der Meditation. Dann bildet man die Kamadugha-Mudra, verbunden mit dem Mantra, und stellt sie sich als ausströmend vor,
3.32 in Gestalt einer Kuh, hell wie ein Schneeberg, im Bereich ohne äußere Stütze. Durch sie verwandelt man die bereitstehenden Materialien in Nektar.
3.33 Der dritte Laut der achten Lautgruppe, über Va gesetzt, verbunden mit langem I und Anusvara, wird zwischen Pranava und Namah gestellt.
3.34 Dies ist das zu Surabhi gehörende Mantra, verbunden mit seiner eigenen Lautgestalt, ihr Zweimalgeborenen. So führt man durch die beiden Lautkräfte, deren Wesen Feuer und Soma ist,
3.35 die genannten Gegenstände zur rituellen Eignung und besprengt sie. Man nimmt Wasser in ein Gefäß und gibt hinein, mit dem Herz-Mantra geweiht,
3.36 sehr weißen Reis, zusammen mit Blüten und Duftstoffen. Man weiht dies wiederholt mit dem Herz-Mantra, dem der Pranava vorausgeht.
3.37 Mit dem daraus entnommenen Wasser besprengt man unter Rezitation des Astra-Mantras den eigenen Sitz, den Ort und die Gegenstände für die Verehrung.
3.38 Arghya und die weiteren Gaben weiht man mit dem Mula-Mantra samt Astra-Mantra. Mit demselben Mula-Mantra und seinen sechs Angas verehrt man sie durch Blüten und die übrigen Gaben.

Räuchergefäß und Glocke
3.39 Nachdem man Räuchergefäß und Glocke nach der Vorschrift verehrt hat, lässt man die Glocke erklingen und verehrt Arghya und die weiteren Gaben mit Weihrauch.
3.40 Nun wird die Verehrung des Räuchergefäßes und der Glocke erklärt. Die göttliche Gestalt, mit Lotos und Diskus gekennzeichnet und in der Form des tragenden Lotos,
3.41 soll mit einem einzigen Stiel gestaltet werden: der mächtige Shesha mit sieben Schlangenhauben, die Hände zum Anjali verbunden, stets über die höchste Ursache meditierend,
3.42 mit Diskus und Pflug in den Händen, im Lotossitz ruhend. Diesen Herrn gestaltet man als Träger des Räuchergefäßes, geschmückt mit einem Netz kleiner Glöckchen.
3.43 Den Diskus versteht man als das Herz jenes Kreises, den Lotos als den Herzraum. Die Speichen des Diskus werden als die zwölf Nadis betrachtet.
3.44 Die daran befindlichen Glöckchen, ihr Brahmanen, soll man als die feinen Nadis verstehen. In ihrer Mitte wirkt die Shakti, gebogen wie eine Schlange,
3.45 rauchgrau leuchtend. Sie durchbricht das Weltei und tritt hinaus. Aus dem Herzen des Kalagni entstanden, geht sie am äußersten Bereich von Satya in Auflösung ein.
3.46 Durch sie angeregt wird der Herr, der die Mantragestalt trägt, rasch gegenwärtig. Dabei lässt man das Räucherwerk ohne Unterbrechung verbrennen.
Die Mantra-Anweisungen
3.47 Dies geschieht durch das folgende Mantra, o Brahmanenweiser; vernimm seine Bildung. Zuerst wird Om gesetzt, danach der als Paramatma bezeichnete Laut,
3.48 verbunden mit Vyomananda; darauf das Wort „anantāya“, dann „kālāgnirūpāya“ und das Wort „jagaddhūma“.
3.49 Man fügt „sugandhine“ und „sarvagandhavahāya“ hinzu, verbunden mit „namaḥ svāhā“. Die Formel hat einunddreißig Silben.
3.50 Damit ist, o Narada, das höchste Mantra für das Räuchergefäß erklärt, verbunden mit Mudra und Meditation, das alle Vollendungen bewirkt.
3.51 Nach der Verehrung des Räuchergefäßes mit diesem Mantra vollzieht man die Verehrung der Glocke. Ihre Ordnung wird nun beschrieben.
3.52 Zuerst nimmt man den Pranava, danach den als Anantesha bezeichneten Laut, oben und unten mit Anala verbunden, o vorzüglicher Weiser.
3.53 Man versieht ihn mit dem Laut, der Herrschaft über die drei Welten verleiht, sowie mit Bindu. An sein Ende setzt man das Wort „jagaddhvani“.
3.54 Dazu kommt das Wort „mantramātre“, verbunden mit „svāhā“. An dessen Ende setzt man Paramatma, auf Prajnadhara ruhend,
3.55 am Haupt mit Bhudhara verbunden und auf Bhudhara gesetzt, zusammen mit dem Dreiweltenherrschaft verleihenden Laut innerhalb des weltbelebenden Lautes, o Weiser.
3.56 Das dreizehn-silbige Mantra heißt Ghanta und bewirkt alle Vollendungen. Bei seiner Einsetzung soll man es mit gedehntem Laut sprechen,
Die Göttin der heiligen Laute
3.57 verbunden mit Meditation, o vorzüglicher Zweimalgeborener. Vernimm dieses Meditationsbild: Man betrachtet das nach unten gerichtete Weltei, erfüllt vom Stimmengewirr der Wesen.
3.58 Darüber vergegenwärtigt man einen achtblättrigen Lotos mit Stiel, weit geöffneten Blättern, ganz weiß, mit einer schönen Samenkapsel und einem Kranz von Staubfäden.
3.59 In seiner Mitte meditiert man über die Göttin, deren Arme den acht Lautgruppen entsprechen. In ihren vier Haupthänden trägt sie die Kennzeichen, beginnend mit dem Lotos,
3.60 eine Gebetskette aus Bergkristall und das Buch der Erkenntnis. Mit den weiteren Händepaaren zeigt sie Furchtlosigkeit und Segensgewährung.
3.61 Sie sitzt im Lotossitz; ihre langgestreckten Augen gleichen Lotosblättern. Sie strahlt wie das Innere eines Lotos und ist mit dem Lotoszeichen geschmückt.
3.62 Sie trägt hellen Schmuck und gelbe Gewänder. Aus ihr strömen Scharen von Mantras hervor; sie leuchtet im Glanz der Mantraflammen.
3.63 Die Götter, beginnend mit Brahma, die Brahman-Kundigen, Rishis, Munis und Siddhas, die der Welt Gutes erweisen, preisen sie.
3.64 So soll man sie bei jeder Puja vergegenwärtigen, während ihr Verehrung erwiesen wird. Für den Mantrakundigen, der mit ihr verehrt, ist die Vollendung nicht fern.
Das Licht des Mantras im Herzen
3.65 Nach dieser Meditation verehrt man sie sorgfältig mit Arghya und den weiteren Gaben. Dann vergegenwärtigt man das Leuchten des Shabda Brahman, das im Raum des Herzlotos gegenwärtig ist.
3.66 Es ist immer offenbar, unvergleichlich und ohne Übung nicht zugänglich. Deshalb soll man es anderen, denen Hingabe fehlt, nicht unterweisen.
3.67 So ist das höchste Wesen der Mantras beschaffen, o Lotosgeborener. Im zehnfachen Klang, vom Anfang der Laute bis zum Visarga, ist es in den Lautgestalten als die vielfältigen Mantras gegenwärtig.
3.68 Das Mantra, das aus dem Mund des Sadguru kommt und Erfüllung sowie Befreiung schenkt, sollen die der göttlichen Verehrung hingegebenen Bhaktas an fünf Orten erkennen:
3.69 im äußeren Götterbild und den entsprechenden Trägern, auf der Zungenspitze, im Herzlotos, in der aufsteigenden Weihrauchwolke und im wohlgeformten Glockenklang.
3.70 Im Inneren vergegenwärtigt man es als das Licht seines eigenen Wesens, im Herzen ruhend. In seiner mittleren Form, ununterbrochen, o Einsichtiger,
3.71 erkenne es als im Weihrauchrauch gegenwärtig. Seine Vaikhari-Gestalt hingegen wird beim Läuten der Glocke als ununterbrochen erfahren.
Glockenklang, Shakti und Sprache
3.72 Nachdem man sich dies vergegenwärtigt hat, soll man die Glocke, deren Gestalt durch ihr eigenes Mantra geweiht und die mit Meditation, Arghya und den weiteren Gaben samt Weihrauch verehrt wurde,
3.73 auf rechte Weise zum Klingen bringen: die wohlklingende, die Mantras erweckende Glocke, die die drei Welten erschüttert und alles Störende vertreibt.
3.74 Sie lässt die Mantras wirksam werden, weckt die schlummernden, vertreibt alle Hindernisse und stimmt sämtliche Mantras gnädig.
3.75 Dieser Klang am Ende des Pranava geht in der Klang-Shakti auf. Die Mantras haben Laute als ihren Körper; die Gottheiten haben Mantras als ihren Körper.
3.76 Im Glockenklang verwurzelt und erweckt, schenken sie den rituellen Handlungen Erfüllung. Die aus dem höchsten Klang hervorgegangene Shakti besitzt die Gestalt des Glockenklangs.
3.77 Sie hat die Gestalt der Laute angenommen, o vorzüglicher Weiser. Aus diesen Lauten werden die Körper der Mantras gebildet, tausendfach und in vielfältiger Form,
3.78 von dieser Shakti selbst, aus freiem Willen und eigener Kraft, um den Bhaktas Gnade zu erweisen, die ihr Inneres geläutert haben.
3.79 Weil sie durch inneres Vergegenwärtigen Schutz gewähren, o hervorragender Weiser, und ihren eigenen Zustand schenken, werden sie Mantras genannt.
3.80 Mit noch unmanifestiertem Klang und ohne Gestalt treten sie beim Läuten der Glocke zu Tausenden hervor.
3.81 Deshalb wird diese Shakti namens Ghanta, o vorzüglicher Weiser, als Mutter der Mantras bezeichnet: Sie ist Vagisha, Herrin der Sprache, und Saraswati.
3.82 In der Sprache ruhen die Mantras; alles, was Sprache bezeichnet, ist im Mantra gegründet. Deshalb besitzt das Weltall, äußerlich wie innerlich, das Wesen der Mantragestalt.
Video zur ergänzenden Beschäftigung mit Bhakti und Mantra; kein Bestandteil des Sanskrittextes.
Die Zeiten des Glockenläutens
3.83 Alles ist im Glockenklang gegenwärtig. Deshalb lässt man sie zu Beginn erklingen: bei der Anrufung, beim Arghya, bei Weihrauch und Licht sowie beim Genießen der Speisegabe durch die Gottheit,
3.84 beim Abschluss von Japa und Lobpreis, beim Beginn der Sättigung des Feuers, bei der abschließenden vollständigen Opfergabe und bei der Verabschiedung der Mantras,
3.85 bei der Verehrung Vishvaksenas und der Darbringung seines Gottesdienstes, besonders auch bei den Bali-Gaben an die Gottheiten.
3.86 Man soll sie regelmäßig verwenden, damit sich der Sinn und die Wirksamkeit des Mantras erfüllen. Außerhalb der Puja-Zeit gilt ihr Läuten hier nicht als förderlich.
3.87 Wer Vollendung erstrebt, soll die Verehrung nicht ohne sie ausführen. Nachdem man die Gefäße mit Weihrauch verehrt hat, begleitet vom Glockenklang,
3.88 bringt man Weihrauch jeweils zur vorgesehenen Zeit dar oder einmal bei Arghya und den weiteren Gaben. Als Ersatz wiederholt der Kundige das Herz-Mantra.
Die Verwendung der geweihten Wasser
3.89 Bei Anrufung, Herstellung der Gegenwart, Festhalten der Gegenwart, Verehrung und Verabschiedung entnimmt man das Arghya stets dem zuerst genannten Gefäß.
3.90 Dessen Wasser verwendet man zur ehrenden Darbringung und zum Umgießen, zum Herbeibringen und Entnehmen sowie zum Erfreuen bei Handlungen, die Wohlgefallen bewirken sollen.
3.91 Zum Besprengen sämtlicher Gegenstände verwendet man Wasser aus dem anderen Gefäß. Am Anfang jeder Handlung und stets bei ihrem Abschluss
3.92 bringt man dem Herrn, dessen Wesen Mantra ist, Arghya dar, um ein Zuwenig oder Zuviel und Irrtümer im Verständnis auszugleichen.
3.93 Bei der Verehrung der Haupt- und Nebengefäße, der Feuergruben, der Mantras und des Astra-Kalasha sowie bei der Verehrung der Wesen und der Gurus, o Einsichtiger,
3.94 bei der Verehrung des eigenen Selbst durch befähigte Schüler, bei der Verehrung der Torhüter, der Gottheiten des Tempels und des Sitzes und ebenso der Reihe der Gurus,
3.95 bei den Gottheiten in Gestalt von Kennzeichen, Angas, Gefolge, Shaktis und Schmuck sowie bei den Gottheiten in den Umkreisen des Mandalas,
3.96 beim Bilden der Mudras, beim Benetzen der Hände und beim Waschen des Verehrungsbildes verwendet man das entsprechende Wasser. Das Fußwasser entnimmt man stets dem dritten Gefäß.
3.97 Aus dem vierten gibt man zur vorgesehenen Zeit Wasser für Achamana, zum Händewaschen, zum Ausspülen und zum Waschen des Mundes.
3.98 Aus dem Badegefäß vollzieht man das Bad. Dies ist die Ordnung ihrer Verwendung. Man nimmt nun etwas Wasser aus dem zweiten Arghya-Gefäß
3.99 und verehrt damit der Reihe nach die im eigenen Körper eingesetzten Mantras, außerdem mit eigens bereitgestellten Duftstoffen, Blüten und Weihrauch.
Die Gottheiten am Eingang
3.100 Dann nimmt man Arghya und die weiteren Gaben, tritt vor die Tür und verehrt die dort befindlichen Gottheiten, stehend oder sitzend.
3.101 Man verehrt Vastu, Kshetresha, Garuda, die Sri des Tores, Chanda und Prachanda mit Arghya und den weiteren Gaben. Danach verehrt man auch die Gottheiten des Tempels.
Die sieben Welten im Tempel
3.102 Für alle vielfältigen Tempelformen, beginnend mit den runden und länglichen, o Einsichtiger, werde ich ausführlich
3.103 die Anordnung der Welten, der Adhvans, der Tattvas und der Gottheiten erklären. Die ganze Bhurloka wird in der Bodenfläche am Fuß des Tempels vergegenwärtigt.
3.104 Ebenso vergegenwärtigt man Bhuvarloka im Tempelsockel, entsprechend ihrer Lage, und darüber Svarloka bis zur Höhe der Jangha, des aufsteigenden Wandbereichs.
3.105 Von der Gebälkzone bis zum Shikhara-Bereich liegt Maharloka; auf dessen Plattform Janaloka und bis zum Halsbereich die Welt namens Tapas.
3.106 Die Welt namens Satyaloka vergegenwärtigt man an der Spitze. So meditiert man zunächst über die Durchdringung des Tempels mit den sieben Welten.
Die sechs Adhvans
3.107 Dann meditiert man der Reihe nach über die Durchdringung mit den Adhvans. Die sechs Adhvans setzt man in der Vorstellung in das Innere des Steins ein, der die Krüge trägt.
3.108 Dort im Inneren vergegenwärtigt man ihre Durchdringung als Samen. Aus diesem Samen keimt sie auf und gelangt anschließend zur Entfaltung.
3.109 Vom krugtragenden Stein bis zum Tempelsockel meditiert man ringsum über den Bhuvana-Adhvan, den Bereich der Welten, entsprechend seiner Anordnung.
3.110 Bis zur Höhe des inneren Heiligtums betrachtet man den Pada-Adhvan, bis zur Shukanasa den Mantra-Adhvan und bis zur Plattform den Tattva-Adhvan.
3.111 Der Kala-Adhvan reicht bis zum Halsbereich, der Varna-Adhvan liegt darüber. Nach dieser meditativen Durchdringung mit den Adhvans setzt man die Tattvas ein.
Die Tattvas und der göttliche Leib
3.112 Das Erdprinzip ordnet man der Bodenfläche am Fuß zu, ihr Zweimalgeborenen, das Wasserprinzip dem Sockel; im Wandbereich vergegenwärtigt man das Feuerprinzip.
3.113 Darüber reicht das Luftprinzip bis zum Halsbereich. Akasha, der Raum, ruht im Shikhara. Von dort aus setzt man der Reihe nach
3.114 die Tanmatras, beginnend mit dem Klang, bis hinab zur untersten Fußfläche ein. Die beiden seitlichen Nasika-Bauteile entsprechen den Ohren; der Verputz wird als Haut bezeichnet.
3.115 Die beiden Fenster sind die Augen, die Bhadra-Plattform ist die Zunge, die Shukanasa ist die Nase, und der Eingang wird als Mund bezeichnet.
3.116 Die Säulen soll man als Hände erkennen, die steinernen Fußgebilde als Füße. Der Wasserabfluss entspricht dem Ausscheidungsorgan; das Geschlechtsorgan liegt in dessen innerem Bereich.
3.117 Der Innenraum ist als Manas zu verstehen; das Ichbewusstsein hat seinen Ort im Brahma-Stein. Die Pindika, der Bildsockel, entspricht der Buddhi; in ihrem Inneren ist Prakriti.
3.118 Als fünfundzwanzigstes Prinzip soll man den höchsten Purusha im Götterbild erkennen. Nachdem die Tattvas so eingesetzt sind, setzt man der Reihe nach die Gottheiten ein.

Die Kräfte im Fundament
3.119 Unter dem krugtragenden Stein befindet sich der Schlangenkönig namens Ananta, prachtvoll geschmückt mit einem Kreis von tausend Schlangenhauben.
3.120 Darüber ruht ein Diskus, herrlich mit tausend Speichen. Den Stein, der Kalashadhara heißt, erkenne als die Alldurchdringende.
3.121 Sie ist die mittlere, gemeinsame, ungeteilte Shakti des höchsten Herrn. Darüber befinden sich neun Krüge, ihr Zweimalgeborenen.
3.122 In deren mittlerem verehrt der Lehrer mit dem Mula-Mantra den Herrn der Mantras, zusammen mit seinen Angas und seinem Gefolge.
3.123 Dann verehrt er in den Hauptrichtungen, beginnend im Osten, Vasudeva und die weiteren Formen; in den Zwischenrichtungen Aniruddha und die übrigen in der Reihenfolge der Rücknahme.
3.124 Auf ihren neun Deckeln, von der Mitte bis zum nordöstlichen Bereich, soll man der Reihe nach die überall gegenwärtigen Shaktis vergegenwärtigen, ihr hervorragenden Zweimalgeborenen:
3.125 Jnanabhasa, Nivasati, Anandabala, Prabha, Sarvaga, Brahmavadana, Dyotaki, Satyavikrama
3.126 und Sampurna. So heißen die Shaktis, welche die Welt tragen. Auf den acht außen in den Haupt- und Zwischenrichtungen aufgestellten Steinen setzt man
3.127 die mit Dharma beginnende Reihe ein, vom Südosten bis zum Nordosten; die mit Adharma beginnende Vierheit vom Osten bis zum Norden.
3.128 In die Bodenflächen zwischen den Steinen setzt man der Reihe nach jeweils sechs Laute ein, beginnend mit dem ersten und bis zum letzten Laut.
3.129 Dann setzt man auf den acht für die Hofmauer angeordneten Steinen in den Haupt- und Zwischenrichtungen wie zuvor die Herren der Richtungen mit ihrer zugehörigen Begleitung ein.
3.130 Im Inneren der Bodenflächen vergegenwärtigt man den Diskus wie wirbelnde Feuerfunken. Mit der Silbe Ksha meditiert man über die Durchdringung auch des Hofbodens.
3.131 Außerhalb der Hofmauern setzt man, vom Osten bis zum Nordosten, die Acht mit Indra an der Spitze ein, mit Waffen und Gefolge.
3.132 Auf den entsprechenden Steinen im Inneren vergegenwärtigt man den alles tragenden Diskus an der Wurzel der Türpfosten.
Die Gottheiten der Tür und des Bauwerks
3.133 In den beiden Türpfosten ruhen die Prinzipien von Erkenntnis und Handeln. Der höchste Herr befindet sich oben am Türsturz,
3.134 gegenwärtig und alles durchdringend. Dahinter in der Mitte steht der vollständige, vierfüßige Dharma, der Beste unter den von Sattva Erfüllten.
3.135 Wenn zwei Türflügel vorgesehen sind, ihr vorzüglichen Zweimalgeborenen, sind die beiden Gottheiten Kala-Vaishvanara und der Herr der Wasser
3.136 auf ihnen zur Rechten und zur Linken gegenwärtig. An den Seiten dieser Tür oder an den Seiten der Tür des Shri-Mandapa
3.137 verehrt man der Reihe nach die Schatzherren namens Shankha und Padma. Dann geschieht im gesamten Wandbereich und in den inneren Bodenflächen
3.138 die Verehrung jener Gottheiten, die das Weltgeschehen ermöglichen, der Reihe nach: die Zeit und ihr Lenker, die heilige Lehre mit ihren vielfältigen Gliedern,
3.139 die Herren des Wissens, Shiva mit Rudra und den Ganas, die Schar der Prajapatis, Indra mit seinem Gefolge,
3.140 die sieben ursprünglichen Weisen und weitere, die Planeten, umgeben von Sternen und den übrigen Himmelslichtern, die Wolke, sämtliche Nagas, die erhabene Schar der Apsaras,
3.141 die Pflanzen, die Tiere, alle Yajnas mit ihren Gliedern, Vidya und Apara Vidya, Feuer und Wind,
3.142 Mond und Sonne, Wasser und Erde. Diese Gottheiten bilden die Vierundzwanzig, die das Weltgeschehen ermöglichen.
Vishnus Gestalten an den Tempelgliedern
3.143 Die Gestalten mit Keshava an der Spitze stehen oberhalb des Wandbereichs. Dann sollen in der Gebälkzone der Reihe nach die folgenden eingesetzt werden:
3.144 Diskus und Muschelhorn, Keule und Lotos, Pflug, Stößel und Pfeile, der Sharnga-Bogen, Schwert und Schild, Stab und die Unheil abwehrende Axt,
3.145 Schlinge und Elefantenhaken, Hammer sowie Vajra zusammen mit dem Speer. Bei einem quadratischen oder rechteckigen Tempel
3.146 setzt man Garuda oberhalb des Gebälks an den vier Ecken ein. Auf der darüberliegenden Plattform soll man die folgenden Gestalten vergegenwärtigen, ihr großen Weisen,
3.147 in der vom Osten ausgehenden Anordnung: Naikashringa, der Vielgehörnte, die Gottheit in Vamanas Gestalt, der alldurchdringende Trivikrama,
3.148 Nara und Narayana, Hari und Krishna, Rama mit der flammenden Axt und der andere Rama, der Bogenträger,
3.149 der Vedenkundige, Bhagavan Kalki und der in Patala ruhende Herr. Im Halsbereich meditiert man dann über Kurma, den Träger Patalas,
3.150 Varaha, Narasimha, den Herbeibringer des Amrita, Shripati, den göttlich Gestalteten, den Liebreizenden und den Träger des Amrita,
3.151 den Bezwinger Rahus, den Vernichter Kalanemis, den großen Herbeibringer des Parijata-Baumes, den Weltenherrn, den Friedvollen und den großen Herrn Dattatreya,
3.152 sowie Bhagavan, der auf dem Banyanblatt ruht – diese, ihr vorzüglichen Zweimalgeborenen. Dann teilt man den Shikhara-Bereich in drei gleiche Abschnitte,
3.153 bis zur Plattform, die den Kalasha trägt. Im unteren Abschnitt meditiert man der Reihe nach über die übrigen Vibhava-Gestalten, ihr vorzüglichen Zweimalgeborenen:
3.154 Bhagavan Ananta, die Gottheit Shaktyatma, Madhusudana, den Herrn des Wissens, Kapila, Vishvarupa und Vihangama,
3.155 Krodatma, Badaba-Vaktra, Dharma, Vagishvara und die Gottheit, die auf dem einen Weltenmeer ruht. Diese werden als die Zwölf genannt.
3.156 Darüber befindet sich der alles durchdringende Dhruva. Wieder darüber ruht Padmanabha, allumfassend.
3.157 An der Vorderseite der Shukanasa wird der ewige Vasudeva verehrt. Wo am Tempel keine Shukanasa vorgesehen ist,
3.158 vergegenwärtigt man Vasudeva vorn an der Nasika. An den übrigen drei Nasikas verehrt man der Reihe nach Sankarshana und die weiteren Formen.
3.159 Oder man verehrt in den vier Richtungen der Reihe nach Purusha, Satya, Achyuta und Ananta; oder, ebenfalls der Reihe nach,
3.160 Varaha, Narasimha, Shridhara und Hayanana; oder die vier mit Nara an der Spitze, oder Dharmamurti und die weiteren.
3.161 Oder man vergegenwärtigt der Reihe nach Parashurama und die übrigen. Alle diese Gestalten können mit ihren Shaktis verbunden oder für sich allein verehrt werden.
3.162 Auf der mit Bäumen, Blättern und Ranken geschmückten Plattform setzt man den sechsspeichigen Diskus ein. Sodann vergegenwärtigt man am Samalasaraka, einem oberen Tempelglied,
3.163 Bhagavan Vasudeva, den Träger des Weltalls, den höchsten Purusha. Die Welten, die Gesamtheit der Adhvans, die Tattvas und die Gottheiten,
3.164 die im Tempel eingesetzt sind, hat er ganz durchdrungen und ist in ihnen gegenwärtig. Vor ihm verehrt man den Herrn der Waffen, die Gottheit Sudarshana.
Besondere Tempelformen
3.165 Bei den der Reihe nach genannten Tempelgliedern, welche die Gottheiten tragen, kann ein bestimmtes Bauteil fehlen, ihr hervorragenden Brahmanen,
3.166 oder es können zusätzliche Bauteile vorhanden sein. Auch dann vollzieht man die Einsetzung der Gottheiten geistig an den entsprechenden Orten, nach verständiger Zuordnung.
3.167 Oder man lässt die Verehrung der Gottheit an einem nicht ausgeführten Bauteil aus. Die sieben Welten, die Adhvans, die Gesamtheit der Tattvas und die Gottheiten
3.168 sollen die Übenden ohne körperliche Gestalt meditieren, ihr vorzüglichen Zweimalgeborenen. Ebenso verfährt man bei einem von Siddhas oder Göttern eingesetzten Vimana.
Die überlieferten Gestalten erkennen und bewahren
3.169 Dabei untersucht man die Kennzeichen der Gestalten an den Tempelgliedern und ihre nach der Vorschrift eingerichteten Standorte, ihr hervorragenden Brahmanen,
3.170 ebenso die Bauteile des Vimana, mit großer Sorgfalt. Dann verehrt man mit aufmerksamem Geist, nachdem man meditiert hat.
3.171 Wenn die Kennzeichen der Gestalten oder die Merkmale der Tempelglieder nicht deutlich hervortreten und deshalb nicht sicher erkannt werden,
3.172 prüft man sie sorgfältig und sachgerecht anhand von Träumen und weiteren Hinweisen sowie durch Unterweisung hervorragender Brahmanen und Lehrer, ihr vorzüglichen Zweimalgeborenen.
3.173 Selbst wenn Merkmale fehlen oder anders angeordnet sind, soll man sie nicht eigenmächtig verändern, ihr Zweimalgeborenen, ihr hervorragenden Weisen.
3.174 Man soll die Merkmale nicht mit dem Wunsch untersuchen, sie abzuändern. Werden sie aber eigens zur Veränderung geprüft
3.175 und entsprechend verändert, schwindet die Lebensdauer, und man gelangt durch diese Veränderung in eine Höllenwelt. Deshalb soll man mit aller Sorgfalt auch bei einem selbstoffenbarten Heiligtum
3.176 die Kennzeichen der darin befindlichen Gestalten, ihre Standorte und die Glieder des Vimana
3.177 in ihrem vorhandenen Zustand untersuchen und die jeweilige Gestalt anhand ihrer eigenen besonderen Kennzeichen klar bestimmen.
Selbstoffenbarte Heiligtümer
3.178 Dann vollzieht man die Verehrung mit ihrem jeweiligen Mantra. Unter allen Tempeln gilt der selbstoffenbarte als der höchste, ihr Zweimalgeborenen.
3.179 Dort weilt Bhagavan selbst in jener Gestalt. Unmittelbar gegenwärtig ist dort der Herr, der seine Bhaktas liebevoll umsorgt.
3.180 Auch wenn Alterung und andere Schäden eintreten, verlassen diese höchsten Kräfte der Mantras ihren jeweiligen Ort niemals.
3.181 Die im Tempel gegenwärtigen Gestalten des Herrn, beginnend mit den selbstoffenbarten, soll man entsprechend der zuvor beschriebenen Ordnung richtig erkennen.
3.182 Jene, deren Erscheinung durch Waffen, Mantras und Fahnen in den drei Welten deutlich erkennbar wird, tragen ihre Gruppen von Kennzeichen auch im Bereich der Füße,
3.183 auf der Stirn, an den Schulterflächen, auf dem Rücken, in beiden Handflächen, im Haar und auf dem Haupt, damit die Ausführenden des Gottesdienstes sie erkennen können.
3.184 Nachdem man die jeweiligen Kennzeichen so im Einzelnen geprüft hat, verehrt man jede Gestalt mit den ihr bestimmten Bezeichnungen.
3.185 Sind ihre Kennzeichen an den Füßen und den übrigen Stellen nicht deutlich erkennbar, verehrt man sie, ihr großen Weisen, mit einem der allumfassenden Mantras, beginnend mit dem zwölf-silbigen,
3.186 das man unter diesen Mantras als geeignet auswählt. Wer als Mantrakundiger dies richtig versteht und entsprechend verehrt,
Regelmäßige Verehrung und das höchste Ziel
3.187 erlangt die Frucht der Puja; andernfalls erhält er das entgegengesetzte Ergebnis. Alle hier genannten Welten und weiteren Gegenwarten soll man der Reihe nach
3.188 zu den Zeiten der Verehrung des unbegrenzt strahlenden Herrn verehren, nachdem die Verehrung der Torgottheiten vollzogen wurde.
3.189 Man gebraucht jeweils ihren eigenen Namen, dem der Pranava vorausgeht und der mit dem Wort der Verneigung endet, und bringt Arghya, Salbung, Girlanden und Weihrauch dar, ihr vorzüglichen Zweimalgeborenen.
3.190 Vor dem Herrn der Götter, außerhalb des Türbereichs, oder nachdem man in den inneren Mandala-Bereich getreten ist, vollzieht man diese Verehrung der Reihe nach.
3.191 In welchem Tempel die vorzüglichen Übenden auf diese Weise ein-, zwei- oder dreimal am Tag die Verehrung vollziehen,
3.192 und dies regelmäßig geschieht, dort ist der Herr stets gegenwärtig. Deshalb, ihr vorzüglichen Zweimalgeborenen, soll der Übende, nachdem er diese Gegenwarten verehrt hat,
3.193 die Verehrung Vishnus vollziehen, wenn er nach Vollendung strebt. Wer dies stets mit ungeteilter Hingabe tut,
3.194 erlangt bald die ersehnte Erfüllung in dieser und in der anderen Welt. Wer es aber im Streben nach Befreiung tut, gelangt zum höchsten Ziel.
Kolophon: So endet in der Ishvara Samhita des heiligen Pancharatra das dritte Kapitel, genannt ‚Die Ordnung der Verehrung der Gottheiten des Tempels‘.
Spirituelle Erläuterung zu Kapitel 3
Die folgenden Absätze erläutern den Text für heutige Yoga-Aspiranten; sie gehören nicht zum Sanskritgrundtext.
Vom Herzen zur Handlung. Der erste Vers stellt die äußere Verehrung ausdrücklich auf die Grundlage des inneren Gottesdienstes und der Bhakti. Was im Herzen gesammelt wurde, nimmt in der Fürsorge für Ort, Bild und Gaben eine sichtbare Gestalt an. Für die eigene Praxis kann dies bedeuten: Bereite deinen Meditationsplatz aufmerksam vor und lass die Sorgfalt Ausdruck deiner Hingabe sein.
Mantra hören und verinnerlichen. Die Verse 3.65–82 verbinden das Licht im Herzen, die Unterweisung durch den Guru, die gesprochene Silbe und den Glockenklang. Der Text beschreibt damit eine sakrale Klangtheologie. Seine Aussagen über die Wirksamkeit der Mantras sind Aussagen dieser spirituellen Überlieferung. Japa und Mantra Meditation können uns helfen, das Hören zu vertiefen und die Aufmerksamkeit immer wieder zu sammeln. Die besonderen kodierten Ritualmantras werden hier nicht zu frei rekonstruierten Übungsformeln umgearbeitet.
Saraswati als Mutter der Mantras. In 3.81 wird die Glocken-Shakti als Saraswati und Herrin der Sprache verehrt. Die zentrale Ausrichtung auf Vishnu lässt Raum für die Verehrung weiterer göttlicher Kräfte. Sprache, Wissen und Klang werden in den Dienst der Hinwendung zum Göttlichen gestellt.
Der Tempel als göttlicher Leib. In 3.102–164 stehen Welten, Tattvas, Sinne und göttliche Gestalten mit den Teilen des Heiligtums in Beziehung. Die Entsprechungen werden vom Text selbst gelehrt; die innere Deutung ist daher nicht bloß eine moderne Zugabe. Der äußere Raum wird zur Stütze einer umfassenden Meditation. Wer heute einen Tempel besucht, kann sich von dieser Haltung anregen lassen: aufmerksam sehen, sich sammeln, Ehrfurcht und Dankbarkeit entwickeln.
Achtsamkeit gegenüber der Überlieferung. Die Vorschriften in 3.169–178 betreffen insbesondere überkommene, als selbstoffenbart verehrte Heiligtümer. Die harten Folgen unerlaubter Veränderungen in 3.174–175 gehören zur religiösen Sanktionssprache des Textes. Sie werden in der Übersetzung erhalten. Für heutige Leser lässt sich daraus die Achtung vor einer lebendigen Tradition erschließen, ohne daraus eine allgemeine Drohung für alltägliche Veränderungen am eigenen Meditationsplatz abzuleiten.
Das Ziel ist Befreiung. Das Kapitel endet nicht bei den Einzelheiten des Rituals. Wer mit ungeteilter Hingabe und dem Wunsch nach Moksha verehrt, richtet sich nach 3.193–194 auf das höchste Ziel aus. Die Liebe gibt der Handlung ihre Richtung.
Text- und Übersetzungshinweise zu Kapitel 3
Der Grundtext wurde aus der vorhandenen Devanagari-Vorlage erfasst und mit dem vollständigen Kriyasagaram-Druck, Band 25, Druckseiten 12–21, verglichen. Schwierige Stellen wurden zusätzlich an den Sanskritseiten der kritischen Ausgabe, Band II, überprüft; deren englische Übersetzung diente als Verständnishilfe. Die IAST-Fassung ist unmittelbar aus dem hier wiedergegebenen Devanagari abgeleitet. Dies ist eine redaktionelle Leseausgabe, kein vollständiger kritischer Variantenapparat.
- 3.14 und 3.18: Die überlieferte Lesung mārgatrayam wird im Zusammenhang als dreifache Reinigung verstanden. Die genaue Bezeichnung der Einzelhandlung ist auslegungsbedürftig.
- 3.23–25: Pflanzennamen bleiben überwiegend in Sanskrit stehen. Unsichere botanische Gleichsetzungen werden vermieden; die Zutatenliste ist Teil der historischen Ritualvorschrift.
- 3.33–34 und 3.47–56: Die Lautnamen verschlüsseln die Bildung von Mantras. Die Übersetzung erhält diese Anweisungen. Bei 3.53 folgt sie der deutlich lesbaren kritischen Lesung jagaddhvani, „Weltenklang“. Aus unklaren OCR-Zeichen wird keine Rezitationsformel rekonstruiert.
- 3.40–46: Die Beschreibung des Räuchergefäßes verbindet die Gestalt Sheshas mit Lotos, Diskus und feinstofflichen Entsprechungen. Die Zuordnung einzelner Attribute bleibt syntaktisch schwierig. In 3.46 wird nach dem kritischen Grundtext avyucchinnam, „ohne Unterbrechung“, gelesen; die Erläuterung bezieht dies auf das Verbrennen des Räucherwerks.
- 3.47–50 und 3.67: Die wechselnden Anreden – insbesondere „Narada“ und „Lotosgeborener“ – sind aus dem Grundtext übernommen. Die kritische Erläuterung weist bei 3.47–50 auf die Übernahme aus der Jayakhya Samhita hin. Vers 3.67 umfasst in der Vorlage drei statt der gewöhnlichen zwei Langzeilen; diese werden vollständig bewahrt.
- 3.68: Der Sinn ist der Empfang des Mantras aus dem Mund des Sadguru. Die gedruckte Verbindung ya ātassadguror ist sprachlich ungewöhnlich und wird in der Sanskritwiedergabe nicht stillschweigend geglättet.
- 3.93–96: Die kritische Lesung nennt die Gurus und das Besprengen der Hände (karābhyukṣam). In 3.94 wird die gedrängte Verbindung so verstanden, dass befähigte Schüler dem Lehrer Verehrung erweisen; die Zuordnung ist nicht völlig eindeutig.
- 3.106–107: Die Sanskritlesungen sāptalaukikīm und adhvamayīm bezeichnen die Durchdringung mit den sieben Welten beziehungsweise den Adhvans. Eine bloß räumlich „nach oben“ fortschreitende Bewegung ist hier nicht gemeint.
- 3.114–118 und 3.129: Einzelne Baubezeichnungen und gedrängte syntaktische Verbindungen bleiben erklärungsbedürftig. Die körperlichen Entsprechungen werden sinngemäß wiedergegeben, ohne einen nicht belegten Bauplan zu ergänzen.
- 3.156: Die Lesung Dhruva folgt dem Kriyasagaram-Druck und dem kritischen Grundtext.
- 3.162–164: Samalasāraka ist ein oberes Tempelglied; die genaue bautechnische Entsprechung ist nicht abschließend gesichert. Vasudeva wird an diesem Ort vergegenwärtigt. Die Verbindung seiner Gegenwart mit den folgenden Welten und Gottheiten ist syntaktisch knapp formuliert.
- 3.172: Der kritische Druck nennt Träume beziehungsweise entsprechende Hinweise und die Unterweisung durch Lehrer; „eigene Unachtsamkeit“ wäre hier eine irreführende OCR-Lesung.
- 3.182 und 3.185: Der kritische Grundtext nennt Waffen, Mantras und Fahnen als Kennzeichen sowie das zwölf-silbige Mantra (dviṣaṭkārṇa). Eine in der OCR scheinbar auftretende Mantrabezeichnung „Vishvakpani“ wird daher nicht übernommen.
Kapitel 4 – Die Verehrung bis zur Lichterzeremonie
Dieses Kapitel begleitet die Puja von der Anrufung und der Verehrung der Lehrer über die Meditation über Vishnu bis zu Bad, Schmuck, Musik und Lichterzeremonie. Die umfassende äußere Zuwendung steht in Verbindung mit der inneren Bhakti.
Narada spricht:
Die Gottheiten des Gefolges
4.1 Nachdem man auf diese Weise die im Tempel gegenwärtigen Gottheiten verehrt hat, ihr Zweimalgeborenen, lässt man der Reihe nach die Verehrung der Gottheiten am Tor und in den Umkreisen
4.2 vollziehen, bis hin zu Vishvaksena, ihr hervorragenden Weisen. Die Schar der Gottheiten, beginnend mit denen am Tor,
4.3 und mit Vishvaksena endend, gehört zum Gefolge des Herrn. Wenn ein ausschließlich dem Herrn hingegebener Mensch sie verehrt, kann dies bei Menschen von geringer Einsicht innere Bedrängnis auslösen.
4.4 Doch wenn auch durch die Schüler ihre Verehrung unterbleibt, entstehen Hindernisse für die begonnene Handlung. Deshalb ist ihre Verehrung um ihres Wohlwollens willen vorgeschrieben, im Bewusstsein, dass sie Diener Gottes sind,
4.5 selbst wenn diese Handlung ohne besondere Hingabe und Glaubenszuversicht geschieht. Demütig nehmen sie an, was aus der Hand des Verehrenden kommt, auch wenn es ihnen achtlos gegeben wird,
4.6 und betrachten es im Herzen als höchstes Glück. Denn sie alle sind von Achyuta erfüllt und haben ihren Geist seinem Willen hingegeben.
4.7 Durch diese Verehrung werden die Hindernisse für den Guru, der allein dem Herrn hingegeben ist, beseitigt; denn jene sind Diener Haris.
Eintritt und Reinigung
4.8 Nach diesem Gottesdienst am Tor nimmt man eine Blüte vor sich mit drei Fingern, beginnend mit dem Daumen,
4.9 weiht sie mit dem Astra-Mantra und vergegenwärtigt darauf den Diskus mit scharfen Speichen, flammend und Feuerblitze ausstrahlend,
4.10 der die Scharen der Hindernisse vernichtet. Die Blüte wirft man in das Innere des Verehrungsraums. Dann richtet der Brahmane den rechten Zeigefinger nach oben,
4.11 vergegenwärtigt ihn mit dem Shikha-Mantra verbunden und wie ein Blitz leuchtend, bewegt ihn kreisend und betritt den Verehrungsraum.
4.12 Dann besprengt man den eigenen Sitz mit Arghya- und Padya-Wasser, setzt sich und beginnt die Verehrung mit gesammeltem Geist.
4.13 Zu dieser Zeit kann man alle Gaben mit dem reinigenden Blick betrachten. Man stellt den Bhadrasana auf und reinigt ihn von seinem Grund her mit der vom Besprengungs-Arghya benetzten
4.14 Hand oder mit dem Kurcha-Büschel reinigt man ihn durch dieses Wasser. Dann befreit man ihn mit der Astra-Blüte von den Scharen der Hindernisse.
4.15 Dort meditiert man über den im Inneren verborgenen König der Disken: Er umfasst alle Welten, bietet allen Gottheiten Zuflucht und trägt alles.
4.16 Man verehrt ihn mit seinem eigenen Namen, dem Pranava vorangestellt und Namah am Ende, durch Arghya, Salbung, Weihrauch und Girlanden aus vielerlei Blüten.
Yoga-Pitha und Mantrasana
4.17 Dann vollzieht man die Verehrung des Yoga-Pitha mit innerer Vergegenwärtigung, der Reihe nach mit dem jeweiligen Namen, Pranava am Anfang und Namah am Ende.
4.18 Anschließend setzt man dort sämtliche Mantras im Geist an ihren jeweiligen Orten ein und verbindet dies mit der Darbringung von Blüten.
4.19 Der Sitz zusammen mit dem Götterbild wird Yoga-Pitha genannt. Durch gesammelte innere Vergegenwärtigung richtet man diesen Yoga-Pitha ein.
4.20 Er wird auch Mantrasana, Sitz der Mantras, genannt. Ringsum vollzieht man den Mantra-Nyasa. Unter dem Sitz der dort gegenwärtigen Gottheit vergegenwärtigt man, ihr großen Weisen,
4.21 die Adhara-Shakti, darüber Kurma, der Kalagni genannt wird, und in der Mitte Ananta, den Herrn, der alles trägt.
4.22 Die Vierheit mit Dharma an der Spitze setzt man vom Südosten bis zum Nordosten ein; die weitere Vierheit, beginnend mit Adharma, vom Osten bis zum Norden.
4.23 Darüber meditiert man unter seinem eigenen Namen über den Lotos. Auf seinen Blättern vergegenwärtigt man die Sonne, im Bereich der Staubfäden den Mond
4.24 und in der Samenkapsel das Opferfeuer. Dann verehrt man sie mit Duftstoffen und weiteren Gaben. Bei einem feststehenden Sitz ist die beständige Bewahrung der Mantragegenwart vorgeschrieben.
4.25 Den jeweiligen Nyasa vollzieht man am jeweils entsprechenden Ort. Auch am Sitz eines beweglichen Götterbildes verehrt man auf diese Weise der Reihe nach;
4.26 dort jedoch wird die Mantragegenwart nur für die Dauer der Handlung bewahrt. Wo sich der angerufene Herr der Mantras dem Verehrenden zugewandt niedersetzt,
4.27 richtet man die Einsetzung von Dharma und den weiteren Kräften nach seiner östlichen Seite aus. Denn der höchste Herr wendet sich dem Übenden zu.
4.28 Sein Sitz ist von Bewusstsein erfüllt, weil er ihn trägt. Bei dem auf einem festen Sitz ruhenden Herrn verehrt man unter ihm ebenso
4.29 die Reihe bis zum Feuer und danach Ananta. Ist der Herr auf einem Fahrzeug gegenwärtig, verehrt man an Anantas Stelle Tarkshya, Garuda.
4.30 Unter dem Sitz der Göttinnen, beginnend mit Lakshmi, vergegenwärtigt man den Schlangenherrn, an seinen Ecken Dharma und die weiteren Kräfte und darüber den entfalteten Lotos.
Die Lehrer und Vollendeten
4.31 In diesen setzt man auf die zuvor beschriebene Weise die drei Lichtbereiche ein. Dann verehrt man nahe dem Sitz Ganesha und die weiteren.
4.32 Beginnend im Nordwesten, entsprechend der eigenen Ausrichtung nach Osten, vollzieht man die Verehrung. Dazu legt man Darbha-Gras als Sitze aus, wie Blütenbüschel.
4.33 Man verehrt Vishvaksena, den Herrn der Scharen, und danach die Gurus, die als Parama-Gurus bezeichneten Lehrer der Lehrer und ebenso sämtliche Gurus,
4.34 die Schar der ursprünglichen Vollendeten, ganz der Meditation über Bhagavan hingegeben, und die zuverlässig Kundigen, denen beständig die Befugnis zukommt und die Bhagavans wahres Wesen kennen,
4.35 die vier Manus, die sieben ursprünglichen Rishis und weitere. Alle verehrt man der Reihe nach mit ihrem jeweiligen Namen durch Arghya und die weiteren Gaben.
Die Meditation über die tragenden Kräfte
4.36 Hört nun der Reihe nach die Meditation über sie alle, ihr hervorragenden Weisen. Man vergegenwärtigt Ananta, leuchtend wie unzählige Monde,
4.37 reich geschmückt mit einer Reihe von tausend Schlangenhauben und mit tausend Armen; seine zusammengelegten Hände verleihen seiner Gestalt Schönheit.
4.38 In seinen Händen trägt er weißen Lotos, Muschelhorn, Gebetskette und Diskus. Dem, der einen Fall befürchtet und dessen Geist erschrocken ist,
4.39 schenkt er mit den Worten „Fürchte dich nicht“ Furchtlosigkeit – bis hinauf zur Welt Brahmas. Sein Glanz gleicht Schnee, Bergkristall, reinen Perlen und dem Mond.
4.40 Dharma, Jnana und die beiden weiteren Kräfte haben Schultern und Gesichter wie Löwen. Sie leuchten wie Rubin, Koralle, Feuer und eine schöne Granatapfelfrucht.
4.41 Ihr Inneres ist voller Mitgefühl, und sie gleichen dem Herrn der Könige. Die vier mit Adharma an der Spitze erkenne als Sechzehnjährige,
4.42 alle mit schönen Gewändern, Blüten und Schmuck versehen, Muschelhorn und Lotos tragend, mit Händen, die Segen und Furchtlosigkeit gewähren.
4.43 Sie haben ihre Häupter an den Füßen dessen niedergelegt, den sie tragen, und für ihre eigene Vollendung ihr Inneres der höchsten Ursache der Mantras hingegeben.
4.44 Den noch unentfalteten Lotos meditiert man als friedvolle, freundliche Gestalt, leuchtend wie Schnee, Gold und Feuer, achtarmig und in Svastika-Haltung ruhend.
4.45 Darüber vergegenwärtigt man die drei von Strahlen leuchtenden Lichtbereiche. Den Herrn der Scharen meditiert man in der Weise, die noch beschrieben wird.
4.46 Die übrigen, außer dem Herrn der Scharen, ruhen fest in friedvoller Gestalt. Ihre Hände halten die Gebetskette und zeigen Furchtlosigkeit; sie erweisen allen Gnade.
4.47 Sie alle sitzen im Lotossitz und sind mit einem Kranz verfilzter Haarlocken geschmückt. Nachdem man so meditiert, sie verehrt und der Reihe nach die Mudras gebildet hat,
4.48 bittet man sie der Reihe nach um Erlaubnis. Mit geneigtem Haupt nimmt man diese an und ruft dann den Herrn herbei.
Die Anrufung des Allgegenwärtigen
4.49 Man ruft den alldurchdringenden Gott, der Mantragestalt angenommen hat, mit dem heiligen Mantra an, an dessen Ende das Wort „Komm!“ steht.
4.50 Wie die überall gegenwärtige Luft durch einen Fächer in Bewegung tritt, o Einsichtiger, so wird Bhagavan durch die Anrufung wirksam gegenwärtig.

4.51 Aus dem Herzlotos lässt man ihn in den Spiegel der inneren Vergegenwärtigung eintreten und bewahrt seine Gegenwart auf der äußeren Verehrungsstätte bis zum Abschluss der Mantrarezitation.
4.52 Den in Mantragestalt Herankommenden, der seinen eigenen Ort verlassen hat, stellt man sich bis zum Ende der Darbringung von Fußwasser und Arghya stehend vor.
4.53 Dann vergegenwärtigt man ihn, während ihm die zur jeweiligen Zeit passenden Gaben dargebracht werden: verschiedene Salbungen, Gewänder, Blütengirlanden und Schmuck.
4.54 Außerhalb dieser Darbringung der Gaben meditiert man ihn wieder auf einem Lotossitz oder einem entsprechenden Sitz, mitfühlend und dem Verehrenden zugewandt.
4.55 So verhält es sich bei einem anderen Träger als dem Götterbild, o Einsichtiger. In einem Götterbild kommt er in der Gestalt des Bildes herbei und bleibt darin gegenwärtig.
Hauptbild und Ritualbilder
4.56 Er nimmt die gesamte körperlose Kraft der Gaben in sich auf. Oder man verehrt den höchsten Herrn, der im Heiligtum bereits in sichtbarer Gestalt gegenwärtig ist,
4.57 Vishnu, den Träger von Muschelhorn und Diskus, durch Götter und Siddhas herabgeführt oder durch Rishis und hingebungsvolle Menschen eingesetzt:
4.58 In dieser Gestalt verehrt man ihn mit seinem eigenen Mantra ohne erneute Anrufung. Man erweckt ihn, indem man beide Hände wohlriechend macht,
4.59 sie mit Duftstoffen, Arghya und Blüten füllt und das Mula-Mantra rezitiert. Die Handvoll Blüten bringt man dem auf dem Sitz gegenwärtigen Hari über seinem Haupt dar.
4.60 Man vergegenwärtigt ihn als dem Verehrenden zugewandt, friedvoll und ganz erwacht. Dann vollzieht man dort, ohne Karanyasa, die drei Nyasas, beginnend mit Srishti-Nyasa,
4.61 und die Einsetzung der Mantras vom Mula-Mantra bis zum Tarkshya-Mantra. Anschließend zeigt man die jeweiligen Mudras zusammen mit ihren Mantras.
4.62 Vom Götterbild aus lässt man Haris Gegenwart aus dem Herzlotos in der Handvoll Blüten aufleuchten, für die Übertragung an einen anderen Ort, mit dem Wortmantra „Komm!“ und dem Mula-Mantra.
4.63 Täglich überträgt man einen kleinen Teil der Gegenwart aus dem Herzlotos des Hauptbildes auf die Ritualbilder. Dabei gilt folgende Ordnung, ihr Zweimalgeborenen:
4.64 Ein Sechstel der Lichtkraft des Hauptbildes geht in das Festbild über; ein Sechsunddreißigstel in die Bilder für Bali, Ritualhandlungen, Verehrung und weitere Zwecke.
4.65 So führt man die lichtvolle Gottheit auf dem rechten Nadi-Weg und durch die Nasenspitze herbei und überträgt sie auf den Sitz, den Krug oder einen anderen Träger.
4.66 In dieser Mantrakugel, leuchtend wie eine Kadamba-Blüte, setzt man die Angas ohne räumliche Unterscheidung ein und verehrt sie; dann führt man sie zur verkörperten Gestalt zusammen
4.67 und meditiert den Herrn der Götter als offenbar geworden. Dort setzt man die Mantras vom Mula-Mantra bis zum Tarkshya-Mantra ein.
Nähe, Gegenwart und Verneigung
4.68 Nachdem man den Herrn der Götter so angerufen und ihm Arghya dargebracht hat, gibt man ihm erneut Arghya, um seine Gegenwart zu erbitten. Mit dem Herz-Mantra und der entsprechenden Mudra
4.69 vergegenwärtigt man seine Nähe. Mit weiterer Arghya-Gabe, Mudra und Kavacha-Mantra bewahrt man seine Gegenwart. Dann wendet man ihn mit dem Mula-Mantra und dessen Mudra
4.70 dem Verehrenden zu, rezitiert die mit dem Mula-Mantra beginnende Mantrareihe und zeigt die Mudras. Mit acht Gliedern des Körpers verneigt man sich vor ihm.
Die Mantras und ihre Orte
4.71 Zuerst verehrt man ihn nach der im Laya-Yaga beschriebenen Ordnung. Dann vollzieht man die Verehrung aller Mantras vom Mula-Mantra an, die an ihren Offenbarungsorten gegenwärtig sind,
4.72 mit Arghya, Blüten und weiteren Gaben, jeweils mit dem eigenen Mantra am eigenen Ort. Anschließend meditiert man über die durch Bhagavan Vishnus Licht strahlenden Gestalten,
4.73 die mit dem Herz-Mantra beginnen und wie eine Schar von Feuerfunken aus ihm hervortreten. Jede setzt man an den ihr entsprechenden Ort der Verehrung ein.
4.74 Nachdem man ihnen Gestalt gegeben hat, verehrt man sie durch Arghya und die weiteren Gaben. Dabei ist die Ordnung folgende: Auf dem achtblättrigen Lotossitz setzt man die Vierheit, beginnend mit dem Herz-Mantra,
4.75 auf die Lotosblätter vom Osten bis zum Norden; das Astra-Mantra der Reihe nach auf die Blätter im Südosten, Nordosten, Südwesten und Nordwesten.
4.76 Danach setzt man das Augen-Mantra in den Kranz der Staubfäden ein. Oberhalb des Sitzes, außerhalb der Blätter, an der nordöstlichen Ecke der Gottheit,
4.77 setzt man Krone und Shrivatsa ein. In der südöstlichen Ecke setzt man Kaustubha und die Waldblütengirlande ein, dort auch den Lotos.
4.78 Die Keule setzt man im Nordosten ein, im Südwesten den strahlenden Diskus und im Nordwesten Panchajanya, das Muschelhorn, der Reihe nach.
4.79 Auf der Samenkapsel der Gottheit vergegenwärtigt man Shri und danach Pushti auf der anderen Seite. Vorn, außerhalb und nahe beim Sitz, setzt man Garuda ein.
Meditation über Narayana
4.80 Nach dieser Verneigung meditiert man über die Mantra-Anordnung, wie sie besteht. Im Inneren des Tempels, in der Mitte des Heiligtums,
4.81 meditiert man Purushottama, auf einem Lotos ruhend, dessen göttliche Gestalt wie eine Schar von Regenzeitwolken erstrahlt,
4.82 den Gott, der alle Gottheiten umfasst, den Schatz allen Lichtes, erfüllt mit sämtlichen glückverheißenden Merkmalen und mit Eigenschaften wie Allwissenheit,
4.83 der aus seiner schönen, göttlichen, sichtbar gewordenen Gestalt unablässig das Licht der Erkenntnis ausströmen lässt,
4.84 das ohne weitere Anstrengung die Unwissenheit der Meditierenden vertreibt. Seine Haarlocken gleichen dunklen Wolken, dunklen Bienen und tiefschwarzem Augenschminkstein,
4.85 sind von Kampfer bestäubt, göttlich und von Blüten durchzogen; unter Krone und Diadem schmücken sie sein Haupt.
4.86 Auf seiner Stirn, die dem jungen Mond gleicht, leuchtet der Tilaka. Er hat schöne Brauen und eine schöne Nase; friedvoll ist er, und auf seinen Lippen liegt ein anmutiges Lächeln.
4.87 Seine Augen gleichen blauen Lotosblüten, mit milchreinem Weiß und leicht rötlichem Schimmer. Mit seinen kühlenden Blicken erquickt er die Welt.
4.88 Seine Wangen leuchten, an seinen Ohren strahlen die Ohrringe. Die Schönheit seines Gesichts scheint über das Kinn herabzufließen und es zu schmücken.
4.89 Sein Antlitz strahlt wie der fleckenlose Herbstmond. Sein Hals gleicht einer Muschel; kräftig sind seine Schultern, lang seine Arme und weit seine Brust.
4.90 Vierarmig ist er, von edler Gestalt, mit strahlenden Lotushänden. Er trägt ein gelbes Seidengewand, hat einen tiefen Nabel und einen schlanken Leib,
4.91 ein schönes Paar Oberschenkel und schöne Unterschenkel. Seine Lotosfüße strahlen, reich geschmückt mit leuchtenden juwelenbesetzten Fußringen.
4.92 Seine Glieder sind mit göttlichen Duftstoffen gesalbt. Er trägt göttliche Gewänder und Umhüllungen und ist mit göttlichem Schmuck geziert.
4.93 Krone und Diadem strahlen, mit vielen Edelsteinen besetzt. Kaustubha auf seiner Brust und das Shrivatsa-Zeichen schmücken ihn.
4.94 Eine Waldblütengirlande, verbunden mit Edelsteinen, Gold und kostbaren Perlen, sowie die heilige Schnur verleihen dem höchsten Herrn Schönheit.
4.95 Mit seiner vorderen rechten Hand schenkt er den Ängstlichen Furchtlosigkeit. Die linke Hand ruht an seiner Hüfte und hält mit spielender Leichtigkeit
4.96 die schwere Keule, die auf der Erde aufliegt. Mit der hinteren rechten Hand hält er den Diskus, leuchtend wie das Feuer am Ende der Zeit,
4.97 und mit der linken das unvergleichlich strahlende Muschelhorn: In seinem Inneren wohnt der Klang des Pranava, und es leuchtet wie hundert Schneeberge.
4.98 Er weilt in einem Flammenkreis, der aus dem Licht seines eigenen Leibes hervorgeht. Sein Herz ist voller Mitgefühl, und er ist bereit, die Welt emporzuheben.
4.99 Ungeteilt und vollkommen ist er mit der Fülle der sechs göttlichen Eigenschaften ausgestattet: Gegenstand der Meditation der Yogis, ungeboren, ewig, Ursache des Entstehens der Welt und ihres weiteren Werdens.
4.100 So meditiert man den Herrn Narayana, den Gott, der unmittelbar Lakshmis Gemahl ist. In gleicher Weise meditiert man ihn liegend, sitzend oder auf einem Fahrzeug,

4.101 als Para-, Vyuha- oder Vibhava-Gestalt, mit zwei, vier, acht oder weiteren Armen und mit vielfältigem Schmuck,
4.102 die Gestalt Bhagavans mit ihren verschiedenen Waffen. Mit Bhakti meditiert man auch die Schar der Shaktis, beginnend mit Lakshmi.
Die Gestalten der Anga-Mantras
4.103 Ebenso meditiert man das Herz-Mantra als weiß wie eine Kumuda-Blüte. Das Kopf-Mantra vergegenwärtigt man als rötlich, einem Rubinberg gleich.
4.104 Das Shikha-Mantra meditiert man in entsprechender Gestalt, dunkel wie ein Berg aus Augenschminkstein. Wie einen goldenen Berg, ringsum von der Sonne erglüht,
4.105 betrachtet man zur Meditationszeit das Kavacha-Mantra. Von tausend Flammen umgeben, mit dem Glanz von Magneteisen,
4.106 wird das Astra-Mantra beschrieben, erfüllt mit der Kraft aller Waffen. Das königliche Augen-Mantra vergegenwärtigt man wie rauchlose Glut.
4.107 Man meditiert sie als zweiarmige erhabene Gestalten, jede in ihrem eigenen Glanz. Ihr Blick ist auf das Antlitz des Herrn gerichtet, ihr großen Weisen.
4.108 Bei stehenden Hauptgestalten meditiert man sie stets stehend, bei sitzenden sitzend; ist der Herr auf einem Fahrzeug, sind auch sie mit Fahrzeugen versehen.
4.109 Bei liegenden Hauptgestalten vergegenwärtigt man sie sitzend oder stehend. Nun wird der Reihe nach die Meditation über Schmuck, Waffen und Shaktis beschrieben.
Schmuck und Waffen als göttliche Kräfte
4.110 Die Krone erscheint als große Gestalt mit freundlichem Antlitz und goldenem Glanz, umgeben von Strahlen, die vielfältige Formen angenommen haben,
4.111 im Luftraum in der Haltung eines Vidyadhara schwebend. Dann vergegenwärtigt man Shrivatsa, einem Bergkristallberg gleich,
4.112 im gebundenen Lotossitz ruhend, Hände an den Seiten, und mit dem vorderen Händepaar die Kurma-Mudra bildend.
4.113 Kaustubha, den Herrn der Edelsteine, meditiert man wie einen Rubinberg, die zehn Richtungen erleuchtend, mit geschlossenen Füßen stehend.
4.114 Ein Händepaar hält er schalenförmig vor der Brust zusammen, ein weiteres über dem Haupt.
4.115 Die göttliche Girlande meditiert man als farbenreiche, bezaubernde, jugendliche Gestalt, von allen Düften erfüllt, freundlich und sanft lächelnd.
4.116 Den Lotos meditiert man als weiß wie Jasmin, freundlich, mit leicht lächelndem Antlitz; er lässt einen süßen Klang ertönen, der dem Gehör Freude schenkt.
4.117 Die Keule meditiert man als schlanke Göttin, leuchtend wie ein Goldberg, mit Augen wie blaue Lotosblüten, eine schöne Sechzehnjährige in frischer Jugend,
4.118 die mit ihrem eigenen Strahlengeflecht den Himmelsraum erhellt. Den Herrn der Waffen vergegenwärtigt man kraftvoll bewegt innerhalb seines eigenen Strahlenkreises,
4.119 auf den Auftrag des Herrn wartend, von kleiner Gestalt und mit roten Augen. Das Muschelhorn meditiert man einem Schneeberg gleich, mit dem Lotos als Kennzeichen,
4.120 aus seinen Mündern die heiligen Überlieferungen bis zu den Saman-Gesängen hervorbringend. Man meditiert die Gestalten zweiarmig, menschenähnlich und mit ihrem jeweils eigenen Glanz.
4.121 Die mit der Krone beginnenden Gestalten sind mit Waffen versehen; Keule und Girlande haben weibliche Gestalt. Alle diese Herren der Waffen warten auf den Auftrag des Herrn.
4.122 Sie stehen aufrecht, bewegen sich oder ruhen in ausgewogenen Stellungen, mit einer Hand an der Hüfte oder bereit, Chamara und Fächer zu führen.
4.123 Ausgenommen die Vierheit von der Krone bis einschließlich des Lotos, vergegenwärtigt man bei den übrigen die rechte Hand als die Schar der Störenden abwehrend.
4.124 So geschieht die Vergegenwärtigung zur Meditationszeit. Über dem Haupt jeder Gestalt meditiert man ihr eigenes Kennzeichen, ganz erwacht und ohne weitere körperliche Gestalt.
Lakshmi, Pushti und Garuda
4.125 Lakshmi hält einen Nalini-Tala, einen mit dem Lotos verbundenen Fächer, und leuchtet wie ein roter Lotos. Pushti wird als goldhell beschrieben, einen Krug mit Amrita tragend.
4.126 Lakshmi gilt als Kraft des Erfahrens und Genießens, Pushti als Kraft des Handelns. Wenn der Herr herabsteigt, um der Welt Gnade zu erweisen und Erfahrung zu ermöglichen,
4.127 erscheint dieses unvergängliche Shakti-Paar mit ihm. Dann meditiert man den rotschnäbligen, von mächtiger Lebenskraft erfüllten Garuda mit furchterregend zusammengezogenen Brauen,
4.128 mit leuchtend goldener Gestalt, geschmückt mit einem Lotoskreis, mit Geierantlitz und weitem Leib, ihr Brahmanen.
Die kosmischen Entsprechungen
4.129 Man meditiert sie der Reihe nach in den beschriebenen Gestalten. Die Krone ist die Feuergottheit, Kaustubha die Sonne,
4.130 Shrivatsa der Mond selbst; die Girlande entspricht den sechs mit Madhava beginnenden Zeitabschnitten. Der Lotos ist der Herr der Wasser, die Keule die Göttin Saraswati.
4.131 Den Herrn des Diskus soll man als Zeit erkennen, das Muschelhorn als Raum, ihr Zweimalgeborenen. Den König der Vögel erkenne als Prana. So sind diese Gegenwarten in den Prinzipien gegründet.
4.132 Diese über den Prinzipien waltenden Gottheiten verehrt man der Reihe nach mit Arghya und Blüten. Danach verehrt man den Herrn der Götter mit den Gaben, beginnend mit Arghya.
Die Bewirtung der göttlichen Gegenwart
4.133 Dem angerufenen Herrn bietet man einen vorzüglichen Sitz und eine gewöhnliche Fußbank mit weicher Auflage dar.
4.134 Unter Glockenklang bringt man Arghya über dem Haupt der Mantragestalt dar. Dem Herrn bietet man ein goldenes, mit schönen Edelsteinen besetztes Auffanggefäß für das Fußwasser,
4.135 Fußwasser, ein Tuch zum Abtrocknen der Füße und Salbung; ferner Wasser zum Mundspülen mit Auffanggefäß und eine Girlande samt Duftsalbe.
4.136 Man verehrt Hari mit großen, stetig brennenden Lichtern aus Ghee und anderen geeigneten Stoffen, und den Herrn mit reichlichem, wohlriechendem, angenehmem Weihrauch.
4.137 Danach folgen die ehrende Gabe, Madhuparka und Tarpana, Nispumsana zur Reinigung mit zugehörigem Gefäß, Mundspülwasser und Duftstoff.
4.138 Dann bringt man vorzügliches Tambula mit Betelnuss dar, versehen mit pulverisiertem Kampfer und geriebenem Sandelduft.
4.139 Anschließend bringt man sich selbst samt Kindern und Ehepartner mit hingebungsvollem Geist dar und verneigt sich mit acht Körpergliedern.
Die Einladung zum Bad
4.140 Mit beiden Händen an seinen Füßen richtet man die Bitte an Bhagavan: „O Gott, ich habe dieses vorzügliche Bad für dich bereitet.
4.141 Bitte begib dich bald zum Baden auf den anderen, großen und schönen Badesitz samt Fußbank, um mir deine Gnade zu schenken.“
4.142 Nachdem man so um das Bad gebeten hat, vollzieht man die dreifache Reinigung und bietet der Gottheit den zweiten Sitz, den Badesitz, an.
4.143 Sobald sie zum Baden herabgekommen ist, folgt die Fußbank. Mit in Hingabe geneigtem Haupt bringt man Arghya über ihrem Haupt dar.
4.144 Dann bietet man ein goldenes Auffanggefäß mit schönen Edelsteinen an und gibt aus dem Padya-Krug Fußwasser über die beiden Lotosfüße.
4.145 Es folgen schöne Sandalen und ein Badetuch, ein vorzügliches Gefäß mit duftendem Reis für die Matra-Gabe,
4.146 ein Spiegel, der dem Vollmond gleicht, und duftendes Wasser zum Waschen der Hände; danach eine schöne Fußbank,
4.147 ein Zahnreinigungshölzchen, ein Auffanggefäß für die Mundreinigung, ein Zungenschaber und Wasser zum Ausspülen des Mundes.
4.148 Erneut folgt Achamana. Für die Salbung bietet man stark duftendes Öl an; zum Einreiben Pulver aus Weizen und Reis,
4.149 vermischt mit Kurkumapulver und leicht mit Padmaka beduftet. Danach reicht man Chamashi, einen hier nicht sicher bestimmten Duft- oder Pflegestoff,
4.150 anschließend warmes Badewasser mit dem im Text unklar bezeichneten Zusatz „svavasa“ und geriebenen, mit Kampfer bedufteten Sandel zur Salbung des Gesichts.
Das Bad aus den geweihten Krügen
4.151 Dann badet man den Herrn aus fünfundzwanzig Krügen. Für das Bad dienen reichliche Kuhprodukte: Milch, Dickmilch und Ghee; ferner Honig,
4.152 angenehmer Zuckerrohrsaft oder ersatzweise Zuckerwasser, Wasser mit Dhatri-Früchten und danach Lodhra-Wasser,
4.153 Wasser mit rotem Sandel, vorzügliches Kurkuma-Wasser, Wasser mit Granthipallava und danach Tagara-Wasser,
4.154 Priyangu-Wasser, danach Mamsi-Wasser, Wasser mit weißem Senf und Wasser mit allen Heilkräutern,
4.155 Blätter- und Blütenwasser, Früchte- und Samenwasser, Duftwasser und danach Wasser mit Gold und Edelsteinen,
4.156 Wasser aus heiligen Tirthas und Flüssen, danach reines Wasser, jeweils mit dem für das Bad bereiteten Wasser vermischt.
4.157 Dies alles verwendet man der Reihe nach, begleitet von Arghya und Blüten. Zwischen den einzelnen Bädern, o Einsichtiger,
4.158 spült man ab und bringt Arghya aus dem Arghya-Krug dar. Alternativ kann man die Übergießung mit zwölf oder neun Krügen vollziehen.
Reinigung, Kleidung und Bildformen
4.159 Einen aus Gold oder einem anderen geeigneten Stoff gefertigten Krug füllt man mit dem restlichen Badewasser; außen bestreicht man ihn mit Kurkuma und Reiskörnern,
4.160 die fein zermahlen sind, und schmückt ihn mit Girlanden und weiteren Zierden. Man nimmt ihn in die eine Hand, in die andere eine Schale,
4.161 in der weißer Senf raucht, schwenkt sie über dem Haupt und bringt sie hinaus. Dann bietet man ein gut gewaschenes, unbenutztes Tuch dar,
4.162 um das Wasser aus dem Haar aufzunehmen, ein weiteres zum Trocknen des Körpers sowie Unter- und Obergewand, mit Duftstoffen und Weihrauch beduftet.
4.163 Dann bietet man ein sehr feines, unbenutztes weißes Schultertuch an. Man trocknet das Haupt unter Verwendung von Kampfer und Weihrauch
4.164 und versieht das Haar der Gottheit mit Kampferpulver. Bei gemalten Bildern und weiteren Bildformen, o Lotosgeborener,
4.165 die nicht aus den hier genannten beständigen Materialien, Edelstein und Brahma-Stein, bestehen, verfährt man entsprechend am Ritualbild oder an einem Spiegel in dessen Nähe:
4.166 Nachdem man das Bad angekündigt hat, stellt man das Ritualbild in der Nähe auf den Badesitz und vollzieht an ihm die gesamte Handlung.
4.167 Ist kein solches Bild vorhanden, bietet man die Badegaben an einem Spiegel dar. Die übrigen Gaben bringt man der Gottheit im gemalten Bild der Reihe nach dar.
4.168 Fehlt auch dieser, nimmt man die Gaben in die Hand und bringt sie geistig dar. Ebenso erfolgt die Darbringung an Mandalas und weiteren Trägern.
Den Platz erneut vorbereiten
4.169 Mit den verbliebenen Arghya- und weiteren Wassern vollzieht man die erforderliche Besprengung. Man reinigt einen Ort abseits des Abflussbereichs des Bhadrasana
4.170 mit reichlichem Wasser aus Krügen und setzt dort das Götterbild samt Sockel ab; wurde ohne das Bild verehrt, betrifft die Reinigung den Sitz allein.
4.171 Man vergegenwärtigt die Gottheit im Raum und spült vollständig ab. Dann füllt man die vier Krüge erneut mit Duftwasser.
4.172 Außer dem Badekrug werden die übrigen wie zuvor vorbereitet. In die vier gibt man die Zutaten mit dem Herz-Mantra.
4.173 Man weiht alles mit dem Mula-Mantra samt Astra-Mantra, vollzieht der Reihe nach die dreifache Reinigung und bietet den Sitz an,
4.174 den dritten, mit Edelsteinen besetzten. Den dort gegenwärtigen höchsten Herrn stellt man sich geschmückt vor und verehrt ihn hingebungsvoll mit Girlanden, Sandel und weiteren Gaben.
4.175 Nach Arghya, Fußwasser und Sandalen bietet man erneut Wasser für Achamana und ebenso die Fußbank an.
Schmuck, Düfte und Darbringungen
4.176 Hingebungsvoll salbt man ihn mit wohlriechendem Sandel und weiteren Duftstoffen und fächelt ihm mit einem Sandelfächer und einem ausgebreiteten Pfauenfederfächer Luft zu.
4.177 Dem Herrn der Götter bietet man eine Bürste zum Ordnen des Haars, ein Schneidegerät für Blüten und Tambula sowie zwei weiße Dukula-Gewänder dar,
4.178 die heilige Schnur samt Obergewand und danach den vorzüglichen Schmuck von der Krone bis zu den Fußringen,
4.179 einen vielfältigen Blütenkranz für das Haupt mit Kopfbinde und zusammengebundene Girlanden, die von den Ohren bis zu den Füßen reichen.
4.180 Dann gibt man einen schönen Armreif und eine Schutzschnur aus weißem Faden, bunt gestaltet mit Mineralfarben, Kumkuma oder entsprechenden Stoffen,
4.181 mit weicher Baumwolle gefüllt und in Abständen geknotet; ferner Augenschminke mit Stäbchen und duftendes Tambula,
4.182 ein goldenes Stirnzeichen, Mundduft mit Rochana, zwei Blüten als Ohrschmuck, weiteren Schmuck und einen großen Spiegel.
4.183 Man bietet eine Blütenfülle dar, deren Farben wie leuchtende Edelsteine strahlen, und verehrt ihn mit zahlreichen großen Lampenflammen aus Sesamöl und Ghee,
4.184 deren gewundene Dochte aus unbenutztem, frischem, ganz weißem Material gefertigt sind; anschließend mit zusammengebundener Zimtrinde, Kardamom und weiteren Duftstoffen.
4.185 Man räuchert mit reichlichem, wohlriechendem, angenehmem Guggulu, vermischt mit Kampferpulver und geriebenen Räucherstoffen,
4.186 begleitet von schönem Glockenklang, der durch die Bewegung des Arms entsteht. Dann bietet man Schuhe, einen weißen Schirm, eine Sänfte und Fahrzeuge, beginnend mit dem Wagen,
4.187 bis hin zum Elefanten dar, versehen mit Fahnen und dem Vogelbanner; außerdem einen weißen und einen dunklen Chamara und danach die Matra-Gabe.
4.188 Auf beiden Knien, mit geneigtem Haupt, nimmt man die Gabe in die nach oben geöffneten Hände und bringt sie dem Herrn der Welt dar.
Musik, Verneigung und Umrundung
4.189 Zur Vollendung dieser ehrenden Darbringungen verehrt man ihn mit Bheri-Trommeln, Mridangas, Muschelhörnern und weiteren Instrumenten, begleitet von Jubelrufen,
4.190 mit Liedern, vielfältigen Tänzen, Saiteninstrumenten, Flöten, Hörnern, heiteren Darbietungen und weiteren erfreulichen Klängen,
4.191 mit Stotras und Mantras, Verneigungen, Niederwerfungen und Umrundungen. Ist der Raum vor Bhagavan zu eng,
4.192 vollzieht man die Verneigung im Geist, legt die Hände vor dem Herzen zusammen und neigt das Haupt, während man Hari, den Herrn aller, vergegenwärtigt.
Spirituelle Erläuterung: Hier erlaubt der Text ausdrücklich die geistige Verneigung bei räumlicher Enge. Innere Verehrung kann die äußere Handlung tragen.
4.193 Im inneren Heiligtum Vishnus und in der Halbhalle am Eingang vollzieht man die verschiedenen Niederwerfungen, jedoch keine Umrundungen.
Wenn im Heiligtum wenig Platz ist
4.194 Ist dort zu wenig Platz, stellt man die beweglichen Bilder draußen in der Vorhalle auf. Ist es auch dort zu eng,
4.195 richtet man im ersten oder zweiten Umkreis einen ausreichend weiten Platz ein, wobei die Richtung unmittelbar vor dem Tempel ausgenommen wird.
4.196 Man wählt einen geeigneten Ort in einer der drei Richtungen, in passenden Zwischenrichtungen oder im Khalurika-Bereich, einen guten, sorgfältig geprüften Platz.
4.197 Dort stellt man nach der Vorschrift das Prozessionsbild zusammen mit der Göttin auf. Die übrigen Bilder stellt man keinesfalls außerhalb auf.
4.198 Zuerst verehrt man das Hauptbild bis zum abschließenden Nirajana. Danach verehrt man vorschriftsgemäß die draußen befindlichen Bilder.
Die drei Formen von Nirajana
4.199 Nachdem die Verehrung der Gottheit auf diese Weise bis zur Umrundung vollzogen ist, führt man vor dem Herrn der Götter die Lichterzeremonie aus. Ihre Ordnung wird nun beschrieben.
4.200 Nirajana ist dreifach, unterschieden als sattvig, rajasig und tamasig. Die beiden Lichterzeremonien am Ende des Bades und der Darbringung der Gaben gelten als sattvig.
4.201 Die täglich am Abend vollzogene Form heißt rajasig. Als tamasig gilt die Form vor der Lichtdarbringung innerhalb der Puja sowie nach Naivedya.
4.202 In einem Tempel soll man eine dieser Formen, nicht alle drei, ausführen. In einem selbstoffenbarten Tempel sowie in einem durch Götter oder andere entsprechende Wesen gegründeten
4.203 und in einem durch hervorragende Weise gegründeten Tempel führt man die sattvige Form aus. Bei einer Gründung durch Brahmanen, Kshatriyas oder Vaishyas gilt die rajasige Form.
4.204 Bei einer Gründung durch Shudras oder Frauen führt man die als tamasig bezeichnete Form aus. Hört nun die Ordnung der sattvigen Form, ihr hervorragenden Weisen.
Historischer Hinweis: Diese Einteilung gibt die soziale Ritualordnung des Textes wieder. Sie ist keine Bewertung des spirituellen Wertes von Frauen oder gesellschaftlichen Gruppen; siehe die Erläuterung am Kapitelende.
4.205 Was am Ende der Badegaben zu tun ist, wurde bereits erklärt. Nun wird beschrieben, was am Ende des Schmückens auf dem dafür vorgesehenen Sitz geschieht.
Vorbereitung von Krug und Licht
4.206 Einen aus Gold oder einem anderen geeigneten Material gefertigten Krug füllt man mit Wasser aus dem Arghya-Gefäß oder mit reinem, gefiltertem Wasser.
4.207 Man gibt weißen Senf hinein und schmückt den Hals des Krugs mit Ashvattha-Zweigen, Girlanden, Sandel und ungebrochenen Reiskörnern.
4.208 Die übrige Oberfläche bestreicht man ringsum mit Kurkumapaste, ihr Zweimalgeborenen. Auf seine Öffnung setzt man eine mit Blüten gefüllte Schale.
4.209 Zuvor entzündet man am geweihten Feuer entsprechend den Möglichkeiten und dem Wunsch bis zu vierundzwanzig Lampen, ihr Zweimalgeborenen.
4.210 Vom Licht am Zubereitungsort entzündet, sollen die Lampendochte vier Fingerbreiten hoch sein. Man setzt eine Lampe in die Schale und stellt sie zusammen mit dem Krug
4.211 auf eine geeignete Unterlage vor dem Herrn der Götter. Mit dem Herz-Mantra verehrt man ihn durch Arghya, Duftstoff, Girlande und Weihrauch.
4.212 Der Übende kann auch nur Blüten zusammen mit Arghya darbringen. Danach bietet er dem Herrn der Mantras nach Achamana Arghya an, ihr Zweimalgeborenen,
4.213 sowie Arghya, Salbung, Girlanden, Weihrauch und nochmals Arghya. Den von einem Helfer mit beiden Händen erhobenen Lampenkrug
4.214 führt man, am rechten Fuß der Gottheit beginnend und am anderen endend, um sämtliche Glieder, einmal, zweimal oder dreimal.
4.215 Dabei wiederholt man nach eigener Wahl das Augen- oder das Herz-Mantra. Nach diesem kreisenden Darbringen lässt man den Krug durch einen zweimalgeborenen Helfer
4.216 oder durch eine rituell reine Frau außerhalb des Tores fortbringen. Danach bringt man dem Herrn der Götter Arghya über seinem Haupt dar.
4.217 Hört nun die Ordnung für den Fall, dass das Licht dafür vom Zubereitungsort herbeigebracht wird, ihr hervorragenden Weisen.
Die Prozession der Lichter
4.218 Eingeweihte, wohlerzogene und gut gebadete Helfer bedecken Mund und Nasenöffnungen mit einem Tuch.
4.219 Alle tragen weiße Kopfbinden und weißen Sandelschmuck. Nach Wunsch beschafft man breite goldene Gefäße,
4.220 oder silberne, kupferne, solche aus Messing oder Bronze, entsprechend den verfügbaren Mitteln.
4.221 Ihre Anzahl beträgt eins, drei, fünf oder sieben, jedoch nicht elf; ferner werden zwölf, sechzehn oder vierundzwanzig genannt.
4.222 Am Zubereitungsort entzündet man am zuvor geweihten Feuer die Dochtlampen in der Mitte dieser Gefäße, o Einsichtiger,
4.223 mit vier Fingerbreiten hohen Dochten und Ghee. Die Helfer heben die Gefäße mit den Händen auf
4.224 und tragen sie in einer Reihe. Vor ihnen gehen die Bhagavan hingegebenen Tänzerinnen, singend und tanzend.
4.225 Davor gehen die Musizierenden, Muschelhörner, Trommeln und weitere Instrumente erklingen lassend; vor ihnen Stabträger, die Menschen fernhalten, welche nach der damaligen Ordnung als „unberührbar“ gelten.
4.226 Rings um sie gehen Lampenträger. In dieser Reihenfolge gelangen sie zur Gottheit und stellen sich vor ihr auf.
4.227 Dann bereitet ein anderer eingeweihter Brahmane den Krug wie zuvor, mit einer Schale darüber, und entzündet an einer der herbeigebrachten Lampen
4.228 das darin aufgestellte Licht. Der vorzügliche Übende stellt die Anordnung auf eine geeignete Unterlage.
4.229 Nachdem er den Krug wie zuvor verehrt hat und danach den Herrn der Götter, schwenkt er den Krug in der beschriebenen Weise. Zu dieser Zeit, ihr vorzüglichen Zweimalgeborenen,
Gesang und gemeinsamer Dienst
4.230 rezitieren die in den Richtungen vom Osten an aufgestellten Brahmanen die Veden, beginnend mit dem Rigveda. Die Tänzerinnen tanzen vor dem Herrn der Götter.
4.231 Alle Sänger sollen glückverheißende Lieder singen, die Stotra-Rezitierenden sollen ihn mit kräftig erhobener Stimme preisen.
Ergänzendes Video zur spirituellen Praxis; kein Bestandteil der Samhita.
4.232 Ringsum lässt man Bheri, Mridanga, Muschelhörner und weitere Instrumente ertönen. In dieser Weise vollzieht man bei den entsprechenden Gelegenheiten die Rezitation der Veden und die weiteren Darbietungen.
4.233 Nachdem man den Krug so kreisend dargebracht hat, übergibt man ihn dem Helfer. Dann zeigt man der Gottheit die übrigen Lampengefäße.
4.234 Nach der aufmerksamen Betrachtung bringt man Arghya über dem Haupt der Gottheit dar. Die Helfer tragen die Gefäße, den Krug voran,
4.235 in der Richtung der ehrenden Umrundung, wie zuvor zusammen mit den Tänzerinnen und weiteren Beteiligten, hinaus vor die Tür oder vor das äußere Tor.
4.236 Oder die damit betrauten Frauen aus den zweimalgeborenen Gruppen nehmen diese Gefäße auf, gut gebadet, in gewaschenen Gewändern und innerlich gesammelt,
4.237 mit Stirnzeichen und reich geschmückt, und tragen sie auf dem beschriebenen Weg hinaus, ihr vorzüglichen Zweimalgeborenen.
4.238 Oder die Frauen können nach entsprechender Beauftragung die Lampengefäße bereits zuvor vom Zubereitungsort aufnehmen und auf dem beschriebenen Weg
4.239 vor den Herrn bringen, wie es der Ausführende wünscht. So vollzieht man Nirajana im Zusammenhang mit dem Schmücksitz.
Weitere Formen und Abschluss
4.240 Oder man schwenkt den Krug mit acht Lampen. Eine weitere Möglichkeit ist der Krug mit einer feuerhaltigen Schale,
4.241 in der weißer Senf raucht: Diese schwenkt man ohne Lampen. So ist Nirajana für ein einzelnes Götterbild beschrieben, ihr vorzüglichen Zweimalgeborenen.
4.242 Bei der Verehrung mehrerer Gestalten bringt man jeder einzeln Arghya dar, der Reihe nach, beginnend mit der Hauptgestalt.
4.243 Dann vollzieht man Nirajana wie zuvor, entweder mit je einem eigenen Krug für jede Gestalt oder mit einem Krug für alle, ihr Zweimalgeborenen.
4.244 So ist die für Bhagavan, den Herrn, vollzogene Lichterzeremonie beschrieben. Die Menschen, die bei dieser Handlung mithelfen,
4.245 werden von Rajas und Tamas frei, daran besteht nach dieser Unterweisung kein Zweifel. So ist Nirajana beschrieben, das dem Namen nach sattvig heißt.
Kolophon: So endet in der Ishvara Samhita des heiligen Pancharatra das vierte Kapitel, genannt ‚Die Ordnung bis zum Abschluss der Lichterzeremonie‘.
Spirituelle Erläuterung zu Kapitel 4
Die folgenden Erläuterungen und Praxisanregungen sind redaktionelle Ergänzungen, keine weiteren Verse der Samhita.
Den Allgegenwärtigen einladen. Wie kann man Gott herbeirufen, wenn er überall gegenwärtig ist? Vers 4.50 antwortet mit einem einfachen Bild: Die Luft ist überall, doch durch einen Fächer wird ihre Bewegung spürbar. So richtet Avahana, die Anrufung, die Wahrnehmung auf die besondere Gegenwart des Göttlichen. Für unsere Meditation kann daraus eine Einladung werden: nicht rastlos nach etwas Fernem suchen, sondern still werden und sich für das Gegenwärtige öffnen.
Guru und innere Zustimmung. Vor der Anrufung stehen die Erinnerung an die Lehrer und Vollendeten und die Bitte um ihre Erlaubnis (4.33–48). Die Praxis erscheint als Teil einer Überlieferung, die empfangen, geachtet und weitergegeben wird. Guru Bhakti verbindet Dankbarkeit mit der Bereitschaft, aufmerksam zu lernen.
Meditation über Mitgefühl. Die Beschreibung Narayanas in 4.81–100 ist mehr als eine Aufzählung von Schmuckstücken. Seine Blicke erquicken die Welt (4.87), sein Herz ist voller Mitgefühl (4.98), und sein Licht wird als Erkenntnis verstanden (4.83–84). Wer mit dieser Form der Dhyana vertraut ist, kann sich besonders der Furchtlosigkeit, Freundlichkeit und Gnade zuwenden. Der Text lässt verschiedene Gestalten und Haltungen der Gottheit zu (4.100–102).
Gastfreundschaft als Gottesdienst. Sitz, Fußwasser, Bad, Kleidung, Schmuck, Licht und Musik gehören zur umfassenden Bewirtung der göttlichen Gegenwart. Der Ablauf macht Zuwendung konkret. Eine heutige Anwendung besteht darin, alltägliche Fürsorge mit Achtsamkeit und Bhakti zu erfüllen. Die historische Tempelordnung und ihre besonderen Substanzen bleiben dabei eine eigenständige Tradition; sie werden nicht zu einer allgemeinen Anleitung für häusliche Körperpflege umgedeutet.
Auch die geistige Verneigung zählt. Wo räumliche Enge die körperliche Niederwerfung verhindert, nennt 4.192 ausdrücklich die Verneigung im Geist, mit gefalteten Händen und geneigtem Haupt. Ähnlich ermöglicht 4.168 eine geistige Darbringung. Äußere Formen helfen der Sammlung; die innere Hinwendung bleibt durch konkrete Umstände hindurch möglich.
Das gemeinsame Licht. Am Ende erklingen Gesang, Mantra und Instrumente. Viele Menschen tragen zur Lichterzeremonie bei. Der abschließende Vers würdigt auch diejenigen, die helfend mitwirken. Für heutige Yoga-Aspiranten kann dieses Bild Seva veranschaulichen: Ein Dienst, der mit Liebe getan wird, kann zur spirituellen Übung werden.
Historischer Kontext und Texthinweise zu Kapitel 4
Soziale Ordnung der Ritualvorschriften. Die Einteilung der Tempel und Lichterzeremonien in 4.202–204 sowie die Ausschlussregel in 4.225 spiegeln eine hierarchische Gesellschaftsordnung mit Unterscheidungen nach Varna, Herkunft und Geschlecht. Die Übersetzung erhält diese Aussagen, einschließlich der problematischen Bezeichnung „unberührbar“. Sie sind keine redaktionelle Bewertung des spirituellen Wertes von Menschen. Insbesondere darf aus der im Text verwendeten Ritualkategorie „tamasig“ keine allgemeine Minderwertigkeit von Frauen oder sozialen Gruppen abgeleitet werden. Zugleich beschreibt das Kapitel Frauen als aktiv an der Zeremonie Beteiligte (4.216 und 4.236–239). Beide Seiten gehören zum historischen Befund.
Grundlage. Die Devanagari-Erfassung wurde mit Kriyasagaram, Band 25, Druckseiten 21–33, verglichen. An schwierigen Stellen wurde der deutlich lesbare Sanskritgrundtext der kritischen Ausgabe, Band II, herangezogen; die englische Übersetzung diente ergänzend dem Verständnis. IAST folgt unmittelbar dem redigierten Devanagari. Die folgenden Hinweise benennen wesentliche Auslegungsfragen; sie ersetzen keinen vollständigen Variantenapparat.
- 4.2–7: Die Syntax und der Bezug der „geringen Einsicht“ sind schwierig. Nach der Sanskritkommentierung können Außenstehende an der Verehrung des göttlichen Gefolges durch einen ausschließlich Vishnu hingegebenen Lehrer Anstoß nehmen. Die Übersetzung folgt dieser Zuordnung; die Passage behauptet nicht, jeder Ekantin sei wenig einsichtig. Die Kommentartradition diskutiert die Stelle selbst kritisch.
- 4.13: Mūlāt kann hier auf den Grund des Sitzes bezogen werden. Die Übersetzung führt deshalb kein im Halbvers nicht ausdrücklich genanntes Mula-Mantra ein.
- 4.21–24 und 4.41–44: Die personifizierten Kräfte sind Teil einer vielschichtigen Ritualsymbolik. In 4.41 folgt die Übersetzung der kritischen Lesung adharmapūrvakāḥ, „mit Adharma an der Spitze“. Die Unterwerfung dieser Kräfte unter die höchste Ursache der Mantras wird in 4.43 beschrieben. Das bedeutet keine Aufforderung zu Adharma.
- 4.49–65: Die Anrufung bei beweglichen Ritualbildern wird von der bereits vorausgesetzten Gegenwart im Hauptbild unterschieden. Die Zahlen in 4.64 beschreiben eine rituelle Abstufung der vergegenwärtigten Lichtkraft, keine physikalische Messung. Einzelheiten der Übertragung in 4.62 bleiben syntaktisch gedrängt.
- 4.75–79 und 4.119–124: Die Richtungsangaben und die Zuordnung einzelner Attribute sind teilweise knapp formuliert. Die Übersetzung erhält die angegebenen Orte; sie ergänzt keinen frei konstruierten Aufstellungsplan. Bei 4.119 bleibt die Verteilung der Attribute zwischen Diskusgestalt und Muschelhorn auslegungsbedürftig; kamalalāñchanam, „mit Lotoskennzeichen“, folgt dem Kriyasagaram-Druck, während die kritische Hauptlesung Lotosaugen nennt.
- 4.125: Nalinītāla wird im Anschluss an die kritische Erläuterung als ein mit dem Lotos verbundener Fächer verstanden. Die genaue Gestalt des Attributs bleibt offen.
- 4.130: Die sechs mit Madhava beginnenden Einheiten werden als Jahreszeiten verstanden. Die Verbindung von Schmuck, Waffen und kosmischen Prinzipien gehört ausdrücklich zum Grundtext.
- 4.137 und 4.145: Nispumsana bezeichnet hier ein Reinigungsmittel beziehungsweise die zugehörige Reinigung; Matra ist eine besondere Gabe. Diese Fachbegriffe werden nicht durch eine ungesicherte Rezeptur ersetzt.
- 4.142 und 4.173: Wie in Kapitel 3 wird die überlieferte Bezeichnung mārgatrayam kontextbezogen als dreifache Reinigung wiedergegeben.
- 4.149–150: Die genaue Bedeutung von camaṣī und des Zusatzes svavasa im Badewasser ist unsicher. Auch die kritische Erläuterung behandelt die zweite Lesung als problematisch und verweist auf abweichende Paralleltexte. Hier wird keine dieser Parallellesungen stillschweigend in den Grundtext eingesetzt.
- 4.151–158: Die Stoffliste wird vollständig beibehalten; botanische Namen werden bei unsicherer Identifikation nicht mit modernen Pflanzenarten gleichgesetzt.
- 4.165: Die Ausnahme für sadratna-brahmapāṣāṇa wird nahe am Wortlaut als Edelstein und Brahma-Stein wiedergegeben. Die genaue Materialabgrenzung ist erklärungsbedürftig. Die folgenden Verse sehen für geeignete andere Bildformen eine stellvertretende Badehandlung vor.
- 4.169–171: Der kritische Grundtext liest sthānam, „Ort“, sowie khasthitam, „im Raum gegenwärtig“. Gemeint ist die Reinigung des Bhadrasana nach dem Absetzen des Bildes, nicht ein zusätzliches Bad in einem großen Wassergefäß. Die Übersetzung berücksichtigt diesen Zusammenhang.
- 4.183–184: Prakara meint eine Blütenfülle oder Blütenanordnung. Die Dochte werden nach der kritischen Lesung als aus frischem, unbenutztem, weißem Material gefertigt beschrieben.
- 4.195–196: Die Vorderseite des Tempels wird bei der Wahl des zusätzlichen Aufstellungsortes ausgenommen. Khalūrikā bezeichnet einen angeschlossenen Bereich; eine genauere architektonische Gleichsetzung wird offengelassen.
- 4.218: Die Lesung susnātāḥ, „gut gebadet“, folgt dem kritischen Druck. Sie vermeidet die aus einer anderen Fassung beziehungsweise OCR entstehende Aussage über „gute Geburt“ an dieser Stelle.
- 4.221: Der kritische Druck liest na caikādaśa, „nicht elf“. Die Übersetzung bewahrt diese Auffälligkeit. Dviṣaṭ wird als zwölf verstanden, nicht als getrennte Zahlen zwei und sechs. Eine geglättete Zahlenreihe wäre ohne Beleg nicht gerechtfertigt.
- 4.224 und 4.230: Gaṇikā wird im Ritualzusammenhang als Tänzerin wiedergegeben; der historische Begriff hat darüber hinaus die Bedeutung Kurtisane. Die beschriebene Rolle umfasst Tanz und Gesang vor der Gottheit.
Kapitel 5 – Speisegaben, Japa und Feuerverehrung
Nach Bad, Schmuck und Licht entfaltet dieses Kapitel die Bewirtung des Herrn, die Mantrawiederholung und die Feuerverehrung. Die äußeren Handlungen werden immer wieder mit Dhyana, Atem und der Gegenwart Narayanas im Herzen verbunden.
Narada spricht:
Der Herr als geliebter Gast
5.1 Danach wird der Herr auf dem Speisesitz mit essbaren Gaben verehrt. Man bereite dem Allgegenwärtigen diesen Sitz zusammen mit einem Fußschemel.
5.2 Er sei mit einem vorzüglichen Polster aus feinem Gewebe und Baumwolle bedeckt. Auf diesem Speisesitz lasse man ihn nach Osten blicken.
5.3 Man reiche Arghya, Wasser für die Füße und Wasser zum rituellen Mundspülen, mit Gefäßen zum Auffangen. Das erquickende Getränk werde bereitgestellt und mit Arghya-Wasser beduftet.
5.4 Dann reiche man klares, wohlriechendes Wasser zur Bewirtung aus einem Gefäß und anschließend Madhuparka aus Dickmilch, Honig und Ghee.
5.5 Diese Stoffe können zusammen, ein einzelner Bestandteil oder auch nur Dickmilch dargebracht werden. Danach folgen kühles Trinkwasser und das zuvor beschriebene Reinigungspulver.
5.6 Das Pulver dient zum Abreiben; danach reiche man dem Herrn erneut Wasser zum Mundspülen. Man bringe eine wohlgeschmückte, schöne, mit einer Girlande versehene Kuh dar,
5.7 ferner Heilpflanzen mit Reis und einen mit Blüten und Früchten versehenen Baum beziehungsweise Zweig. Zuerst bringe man die festen Gaben dar und stelle danach das Getränk bereit.
Die Fülle der Speisegaben
5.8 Man reiche ein Tuch zum Bedecken und Wasser zur Bewirtung. Mit vorzüglichen Speisegaben der sechs Geschmacksrichtungen und reinen Früchten verehre man ihn,
5.9 mit vielerlei in Ghee zubereiteten Süßspeisen mit Rohrzuckerstücken, mit Zubereitungen aus Rohrzucker, Mungbohnen und Milch sowie mit Mischungen aus Kurkuma, Ghee und Sesam,
5.10 mit Dickmilch- und Ghee-Zubereitungen, mit honigsüßen Früchten und acht Arten von Speisen. Der Reihe nach bringe man auch Kuchen dar,
5.11 mit saftigen Mangofrüchten, gut aufgekochter Milch und reinen, kühlen Getränken von lieblichem Geschmack und Duft.
5.12 Mit vielerlei festen Speisen, Mahlzeiten, Leckereien und Getränken verehre man den Ungeborenen, Unvergänglichen – mit einem Geist, der durch vertrauensvolle Hingabe geläutert ist.
Die Weihe der Gaben
5.13 Jede einzelne Gabe besprenge man mit Arghya-Wasser. Dabei vollziehe man mit beiden Händen die Fingerschnipp-Geste, verbunden mit dem Mantra.
5.14 Mit den beiden Händen, deren Wesen Feuer und Soma ist, mache man die Gaben zur Darbringung geeignet. Danach bilde man die Kamadugha-Mudra,
5.15 und verwandle die bereitgestellten Gaben in der inneren Schau in Amrita. Nach der Darbringung von Arghya und einer Blüte berühre man sie von oben mit der als Vishnus Hand vergegenwärtigten Hand.
5.16 Mit der linken Hand berühre man das rechte Handgelenk. Mit der rechten Hand, deren Fingerspitzen zusammengeführt sind,
5.17 bringe man die Gabe mit geneigtem Haupt dar, o Brahmanen. Fehlt eine Gabe, die zu dieser Verehrung gehört, so erinnere man sich ihrer,
5.18 vergegenwärtige sie im Geist und bringe sie Vishnu mit Bhakti dar. Mit reinen, klaren, kühlen, süßen und anderen Getränken,
Spirituelle Erläuterung: Der Text selbst nennt hier die geistige Darbringung als Möglichkeit bei fehlenden Gaben. Die innere Bhakti trägt die äußere Handlung.
5.19 mit Zimt, Kardamom und weiteren Zutaten, beduftet mit feinem Räucherstoff und Kampfer und zusammen mit Kokoswasser, erquicke man ihn anschließend.
Reinigung und abschließende Bewirtung
5.20 Mit Pulver aus Linsen und schwarzen Bohnen sowie aus Kurkuma und Reis reibe man die Hände ab und wasche sie mit reichlich kühlem Wasser.
5.21 Zum Mundspülen nach der Speisegabe reiche man vorzügliches Duftwasser. Mit einem Tuch reinige beziehungsweise trockne man und trage weißen Sandel auf,
5.22 fein verrieben und mit Kampfer vermischt. Dann lege man Sesam und schöne Edelsteine in ein goldenes oder silbernes
5.23 Gefäß und bringe sie dem Herrn als Matra-Gabe dar. Mit Gewürznelken, Takkola, Kardamom, Zimt und Kampfer versehen,
5.24 mit Muskat und Arekanuss, reichlich wohlriechenden Blättern, mit Kampferpulver und Mukta-Pulver vermischt,
5.25 mit Zitronatzitrone und Kokosnuss, reiche man schließlich in Verneigung Tambula, die Betelgabe, dem Herrn der Welt.
5.26 Die beiden Hände wasche man mit Duftwasser aus dem Arghya-Gefäß, bis sie klar und vollkommen sauber sind.
5.27 Nach ihrer Verunreinigung durch die Speise-, Räucher- und anderen Gefäße mache man sie rein, bestreiche sie mit gutem Duftstoff und verehre mit Arghya jeweils die eine durch die andere Hand.
5.28 Man zeige der Reihe nach die Mudras des Mula Mantra und der weiteren Mantras. Erneut verehre man den Herrn mit Arghya, Duft, Blumen und abschließend Räucherwerk.
Japa als Opfer
5.29 Darauf erfreue man den Herrn durch das Opfer der Mantrawiederholung. Man zähle mit einer Kristall-Mala oder an den eigenen Fingergliedern.
5.30 Man stelle ein Gefäß bereit; die Gebetskette behandle man mit Wasser aus dem Arghya-Gefäß, bestreiche sie mit Sandel und weiteren Duftstoffen und lege sie in ein geeignetes Gefäß.
5.31 Nach ihrer Verehrung mit Blumen, Räucherwerk und weiteren Gaben vollziehe man dort den Nyasa des Mantra. Man vergegenwärtige einen Sitz mit seiner Grundlage, umgeben von den Kräften, beginnend mit Shakti,
5.32 und die reine vierarmige Gestalt gleich einem weiteren Narayana: Zwei Hände schenken Segen und Furchtlosigkeit, die beiden anderen sind zum Gruß zusammengelegt.
5.33 Man meditiere über die Schnur am Brahma-Ort als einer Flamme gleich und spreche: „Sei gegenwärtig, Herr der Götter; bleibe hier, Achyuta, Unwandelbarer,
5.34 in dieser aufgereihten Schar von Perlen, solange Mond, Sonne und Sterne bestehen.“ So verankere man, o Weiser, die Gegenwart im Aksha genannten Mantra der Gebetskette.
5.35 Nach dieser Einsetzung zeige man die zugehörige Mudra. Man übe Japa nach dem eigenen Vermögen oder wiederhole das Mantra einhundertachtmal.

5.36 Danach bringe man dies dem Herrn dar und spreche mit gesammeltem Geist: „Lotusäugiger, Selbst der Welt, du, dessen Gestalt Mantra ist, Janardana,
5.37 nimm, o Herr, die Mantrawiederholung deines demütigen Dieners als bleibende Gabe an.“ Nach diesen Worten nehme man eine Blüte mit Wasser in die rechte Hand,
Die Mantras zum Ursprung zurückführen
5.38 und lege sie unter Rezitation des Mula Mantra vor Vishnu nieder, o Narada. Danach vergegenwärtige man deutlich die leuchtende Reihe der erlösenden Mantras:
5.39 Sie tritt in den Mund des Herrn ein und gelangt von seinem Mund in sein Herz. Von dort führe man sie, o Bester der Zweimalgeborenen, in der Reihenfolge der Rücknahme
5.40 wie zuvor durch das Brahmarandhra und verbinde sie mit dem Höchsten. Für jeden der Mantras, beginnend mit dem Herz-Mantra, ist jeweils eine Wiederholung vorgesehen.
5.41 Da diese Mantras Glieder der rituellen Handlung sind, ist dies kein Fehler; ohne ihre Japa verhält es sich anders. Man bringe Räucherwerk dar, verneige sich und preise den Herrn der Mantras.
Die Bitte um Vergebung
5.42 „Was ich unwissentlich oder wissentlich zu wenig oder zu viel getan habe: Vergib es mir, deinem demütigen Diener, o Auge der Welt!“
5.43 So wende sich der treffliche Sadhaka voller Hingabe an den Herrn der Götter und verehre ihn mit Duft und Räucherwerk. Dann verehre er die vom Herrn erfüllten Dienenden,
5.44 der Reihe nach und bringe ihnen Speisen dar. Zum Abschluss ihrer jeweiligen Mantras reiche er die Gabe zur Bewirtung.
5.45 Oder er bringe ihnen am Ende der Gottesverehrung die Gaben bis zur Matra dar; jetzt überreiche er die Bewirtungsgaben bis einschließlich Tambula.
Der Weg zur Feuerstätte
5.46 Dann biete er einen Ruhesitz an. Anschließend verehre er den Herrn im Feuer. Nachdem er den Astra-Mantra schützend auf dem Sitz angebracht hat, begebe er sich in den Feuerraum.
5.47 Er vollziehe wie zuvor die Verehrung am Eingang und trete ein. Dort führe er gesammelt die bereits beschriebene rituelle Reinigung aus.
5.48 Er bereite eine wohlgestaltete Feuergrube von richtigem Maß, seinen Mitteln entsprechend, mit vier Einfassungen und einem Rand.
5.49 Für die Aushöhlung ist das angegebene Verhältnis von einem Drittel oder der Hälfte vorgesehen. Die Grube kann die Gestalt eines Rades, einer Muschel oder eines Lotus haben, rund oder viereckig sein.
5.50 Oder sie sei mit den Zeichen von der Keule bis zum Rad versehen. Auch alle für den Feuerdienst verwendeten Geräte, o Einsichtsvoller,
5.51 die großen und kleinen Opferlöffel und die weiteren Gefäße, sollen diese Zeichen tragen. Die Feuerstätte kann auch Krone, Shrivatsa, Girlande und Kaustubha als Zeichen tragen,
5.52 zusammen mit Muschel, Rad, Keule und Lotus. Der Kundige kann die Grube auch in der Form eines Bhringara- oder Karaka-Gefäßes anlegen.
5.53 Die Feuergrube kann vier, drei, zwei oder einen umlaufenden Absatz besitzen.
5.54 Eine feste Feuerstätte versehe man mit solchen Absätzen, eine bewegliche ohne sie. Wenn aber die Umstände von Ort und Zeit keine Feuergrube zulassen,
5.55 soll jemand, der Vollendung erstrebt, das Feueropfer deswegen nicht abbrechen. Auf einem gereinigten, bestrichenen Platz aus festem, unversehrtem Erdreich
5.56 ist die ordnungsgemäße Homa vorgesehen, mit oder ohne besondere Mantraweihe. Eine viereckige, erhöhte Grundlage wird ringsum empfohlen.
5.57 In der Mitte zeichne man einen Lotus und in dessen Mitte das Zeichen der Shri. In der so hergerichteten reinen Feuerstätte vollziehe man den Feuerdienst.
Die Feuergrube weihen
5.58 Auch auf einer Feuerstelle oder in einer Schale darf man die Homa vorschriftsgemäß ausführen. Man wähle eine dieser geeigneten Feuerstätten nach den vorhandenen Möglichkeiten.
5.59 Man schmücke und bestreiche sie mit reinen Farben aus Kalk und weiteren Stoffen sowie mit wohlriechendem Sandel und anderen Duftstoffen, wobei Panchagavya vorausgeht.
5.60 Sind die Weihehandlungen bei der Anlage der Feuergrube noch nicht vollzogen worden, so hole man sie nach ihrer Fertigstellung sämtlich in der vorgeschriebenen Reihenfolge nach.
5.61 Mit Blumen in der rechten Hand berühre beziehungsweise schlage man die Stätte unter dem Astra-Mantra. Der Lehrer vollziehe das Ausheben mit einem scharfen Werkzeug und dem Astra-Mantra.
5.62 Aus einem Teil der Grubenmitte nehme er etwas Erde; mit Daumen und Ringfinger hebe er sie unter dem Herz-Mantra heraus.
5.63 Unter dem Astra-Mantra ebne er den Grund, sodass keine Vertiefungen oder Erhebungen bleiben. Unter dem Kavacha-Mantra besprenge er ihn und stampfe ihn anschließend fest.
5.64 Er bestreiche ihn mit Duftwasser und reinige ihn unter dem Astra-Mantra mit Kusha-Halmen, deren scharfe Enden entfernt sind und die mit diesem Mantra besprochen wurden.
Die heiligen Linien
5.65 Mit zwei unter dem Astra-Mantra geweihten Darbha-Halmen und einer Kusha-Spitze in ihrer Mitte, an der Ostseite ansetzend,
5.66 ziehe er von Süden her eine nach Norden führende Linie. Darüber zeichne er deutlich drei weitere Linien,
5.67 mit den Spitzen nach Osten, von Süden nach Norden in Abständen angeordnet. Von den ostwärts gerichteten Linien heißt die mittlere Pingala.
5.68 Die südliche und die nördliche stehen unter Sushumna und Ida. Unter dem Pranava besprenge man alle vier mit Arghya-Wasser.
5.69 Man verehre dies mit Arghya, Blumen und weiteren Gaben und vergegenwärtige es als heiligen Sitz. Mit dem Pranava vollziehe man wie zuvor seine Einsetzung.
5.70 Außen um die viereckige Feuerstätte stelle man in den vier Haupt- und vier Zwischenrichtungen acht vollständig gefüllte Krüge auf.
5.71 An den vier Himmelsrichtungen der vier übereinanderliegenden Absätze verehre man Vasudeva und die weiteren göttlichen Entfaltungen, auf Sitzen aus Seide ruhend.
5.72 Auch in den Zwischenrichtungen sind sie, der Ordnung der Rücknahme folgend, vom untersten bis zum obersten Absatz nacheinander mit Arghya, Blumen und weiteren Gaben zu verehren.
Vorbereitung und Schutz
5.73 Man nehme ein Bündel weicher, trockener Darbha-Halme und zerkleinertes Steinmaterial, vermischt mit Pulver aus getrocknetem Kuhdung und Gandhashman, dem Schwefelstoff.
5.74 Davon breite man einen Teil des Maßes Drona in der Feuergrube aus. Mit Darbha-Halmen, deren Spitzen unversehrt und die durch den Astra-Mantra geweiht sind,
5.75 schmücke man aufrechtstehend sämtliche Wände der Grube. Danach vergegenwärtige man mit dem Kavacha-Mantra eine schützende Umfriedung.
5.76 Mit dem Pranava verehre man die Mitte durch Blumen und weitere Gaben. Auf dieselbe Weise verehre man den mondgleichen Nabel der Feuerstätte.
5.77 Dann lege man ein zuvor bestrichenes Pavitra aus Darbha, durch den Shikha-Mantra geweiht, an den Kreuzungspunkt der Linien.
Die göttliche Shakti im Herzlotus
5.78 Mit dem Herz-Mantra bereite man dort den Yoga-Pitha. Man vergegenwärtige die Narayana genannte Shakti, deren Kennzeichen das Aufleuchten ist,
5.79 die die Gestalt Lakshmis angenommen hat, unsterblich und von der Natur des Amrita, deren Wesen alles überragt und die mit allen Kräften erfüllt ist.
5.80 In zarter Gestalt wohnt sie im Inneren aller Dinge. Diese ewige Kraft lasse man nach der Ordnung der Entfaltung im eigenen Herzlotus gegenwärtig werden.
5.81 Nach der schon beschriebenen Meditationsfolge führe man sie aus dem Herzlotus hinaus, mit dem Herz-Mantra, verbunden mit ihrem Namen, mit Namah und dem vorangestellten Pranava,
5.82 und setze sie mit der Ausatmung in die Mitte des Herzlotus der Feuergrube ein. Man verehre sie mit Duft, Blumen und weiteren Gaben und zeige die Lotus-Mudra.
Die Weihe und Einsetzung des Feuers
5.83 In einem kupfernen oder anderen Gefäß nehme man Feuer auf: aus Reibhölzern gewonnenes, gewöhnliches Herdfeuer, durch einen Kristall oder einen Spiegel erzeugtes Feuer.
5.84 Zur Weihe stelle man es nordöstlich der Feuergrube auf, berühre es rituell unter dem Astra-Mantra und besprenge es unter dem Shikha-Mantra.
5.85 Man verehre es mit dem Herz-Mantra, betrachte es in der Meditation als Amrita und umhülle es mit dem Kavacha-Mantra. Den Mula Mantra vergegenwärtigend, nehme man es mit der Einatmung in das eigene Herz auf.
5.86 Dann lasse man es, gleichsam durch die Hand des Mantra-Atems hervorgezogen, daraus hervortreten. Es ist die sechste der göttlichen Eigenschaften, Tejas, aus ihrer Gesamtheit hervorgehoben:
5.87 die Strahlkraft des höchsten Brahman, die allem Leuchten gemeinsam ist. Mit der Ausatmung setze man sie in das zuvor verehrte Feuergefäß ein.
5.88 Dann nehme man, o Zweimalgeborene, das Gefäß mit dem rauchlosen, hell leuchtenden Feuer in die rechte Hand oder in beide Hände.
5.89 Man führe es viermal im Kreis und setze das Feuer in die Grube. In der Meditation sehe man es nun eins mit der Flamme des Mantra werden.
5.90 Mit trockenen, zum Opfer geeigneten und durch den Astra-Mantra geweihten Hölzern entfache man es. Mit der rechten Hand vollziehe man unter dem Herz-Mantra das ordnende Umstreichen.
5.91 Dabei folge man dem Uhrzeigersinn; die feuchte Handfläche sei seitlich oder nach unten gerichtet, ohne die Rückseiten der Fingernägel zu zeigen.
Grasstreu und Opfergeräte
5.92 Man besprenge die Stätte mit Arghya-Wasser, das durch den Astra-Mantra geweiht wurde. Dann lege man gleichmäßige Kusha-Halme mit unversehrten Wurzeln und Spitzen als Streu aus.
5.93 In jeder Richtung, im Süden beginnend und bis nach Norden fortschreitend, lege man sie mit Zwischenräumen aus, vierfach und in vier Anordnungen, ohne dass sie einander verdecken.
5.94 Ihre Spitzen seien ostwärts gerichtet, vom östlichen bis zum nördlichen Bereich. Sämtliche Geräte der Homa, zuerst die Opfergefäße,
5.95 lege man darauf, rechts von sich, und ordne die Gegenstände jeweils paarweise an.
5.96 Die Begrenzungshölzer, das Bündel Opferholz, das kleine Schöpfgerät mit losen Darbha-Halmen sowie die beiden Opferlöffel Sruk und Sruva ordne man als zusammengehörige Gruppe an.
5.97 Zusammen lege man Girlanden, Räucherwerk, Madhuparka und Saatkörner; ferner ein von losen Fasern gereinigtes Seidentuch, den Sitz, Ghee und die gekochte Opfergabe Charu.
5.98 Dann stelle man vier Ghee-Gefäße bereit. Zwei Pranita-Wassergefäße, ein Karaka-Gefäß und das Arghya-Gefäß
5.99 bilde man als weitere Vierergruppe vor sich. Opferhölzer von einer Handspanne Länge, reichlich trockenes Brennholz,
5.100 einen Fächer und ein Tuch zum Abtrocknen lege man links bereit. Alles reinige man mit Arghya-Wasser und dem Astra-Mantra.
Begrenzungshölzer und Wassergefäße
5.101 Die vier Begrenzungshölzer sollen aus dem unteren Teil heiliger Bäume stammen, Blätter und Rinde tragen und unterhalb des Randes entsprechend hervorragen.
5.102 Das östliche und westliche haben ihre Spitzen nach Norden, das südliche und nördliche nach Osten gerichtet. Diese vier Begrenzungshölzer verehre man mit dem Shikha-Mantra.
5.103 Dann lege man mit dem Herz-Mantra Darbha-Unterlagen in die acht Krüge und verehre darin der Reihe nach die Hüter der Weltrichtungen, jeden an seinem Ort.
5.104 Man nehme das mit Wasser gefüllte Pranita-Gefäß und lege ein aus vier Darbha-Halmen gefertigtes Pavitra hinein.
5.105 Mit der Hand schöpfe man wiederholt Wasser und gieße es in dasselbe Gefäß zurück. Dann rezitiere der Sadhaka das achtsilbige Mantra,
5.106 und besprenge mit dem Darbha-Bündel und diesem Wasser erneut alles. Das übrige Wasser lasse er in alle Richtungen über die Grasstreu fließen.
5.107 Er fülle das Gefäß wieder mit Wasser, meditiere in seiner Mitte über den höchsten Herrn, verehre ihn und stelle es vor sich auf.
5.108 Nachdem ein zweites Pranita-Gefäß davor aufgestellt ist, gebe er Arghya und ein Pavitra hinein und setze darin das göttliche Rad ein.
5.109 Über ihm meditiere er über den Herrn der Mantras und verehre ihn in der vorgeschriebenen Ordnung. Das Gefäß stelle er nach Norden und verehre es erneut.
Die zehn Weihen des Ghee
5.110 Nun weihe der treffliche Sadhaka das Ghee durch zehn Weihehandlungen: zuerst Adhishrayana, dann Upadhishrayana,
5.111 und Prasadikarana, jeweils mit dem Herz-Mantra. Samplava und Utplava vollziehe er mit dem Pranava,
5.112 die Reinigung Pavitrikarana mit dem Herz-Mantra, das kreisende Licht Nirajana mit dem Augen-Mantra, danach die schützende Umhüllung mit dem Kavacha-Mantra,
5.113 das Betrachten und die Verwandlung in Amrita der Reihe nach mit dem Augen- und dem Kavacha-Mantra. Das Ghee im Gefäß mit zuvor entzündeten Darbha-Halmen
5.114 zu berühren, heißt Adhishrayana. Sein Schmelzen wird Upadhishrayana genannt.
5.115 Man nehme ein Ghee-Gefäß und gieße das zuvor geschmolzene Ghee aus dem bisherigen Gefäß hinein, um dessen Unreinheiten zu entfernen.
5.116 Dieses Umgießen mit erhobener Hand ist Prasadikarana, das Klären. Dann nehme man das Gefäß wieder und stelle es vorn auf seine Unterlage.
5.117 Vier Darbha-Halme von zwölf Fingerbreiten Länge halte man quer mit nach oben geöffneten Händen und mit einem Zwischenraum,
5.118 jeweils zwischen Ringfinger und Daumen, sodass die Mitte sich senkt. Damit führe man im Ghee viermal eine Bewegung zu sich und viermal von sich fort aus,
5.119 abwechselnd zwischen sich und dem gegenüberliegenden Feuer. Unter dem Pranava in der genannten Anzahl gebe man anschließend Ghee in die Mitte der Feuergrube.
5.120 So vollziehe man Samplava und Utplava. Ein Pavitra aus Darbha lege man in die Mitte des Ghee: Das ist Pavitrikarana, die Reinigung.
5.121 Man nehme einen brennenden, rauchlosen Holzspan aus der Feuergrube und führe ihn einmal im Kreis, o Brahmane. Dies gilt als Nirajana.
5.122 Danach vergegenwärtige man das Ghee im Schutz des Kavacha. Das Umkreisen mit dem Zeigefinger im Uhrzeigersinn heißt Avakunthana, schützende Umhüllung.
5.123 Das Betrachten mit der im Herzen ruhenden Strahlkraft, die in den Blick übergeht, ist das heilige Anschauen, o Brahmane. Darüber vergegenwärtige man nun
5.124 den Mantra der Surabhi inmitten der Mondscheibe, verbunden mit der Dhenu-Mudra und strahlend wie hundert leuchtende Monde.
5.125 In seinem Inneren vergegenwärtige man den Herrn der Mantras, dem Schneegebirge gleich. Die daraus fließenden Ströme des Amrita, aus dem Mond und der göttlichen Kuh,
5.126 durchdringen in der Meditation das Ghee und erfüllen es mit sämtlichen Weihen. Dies ist die Verwandlung in Amrita, die dir hier erklärt wurde.
Ergänzendes Video zur spirituellen Praxis; kein Bestandteil der Samhita.
Die Opferlöffel und ihre innere Bedeutung
5.127 Dann nehme man die Opferlöffel Sruk und Sruva, entferne ihren Staub mit einem kleinen Darbha-Bündel und wasche sie mit warmem Wasser.
5.128 Man reinige sie mit dem Grasbüschel, erwärme sie über den Flammen, besprenge sie mit Arghya-Wasser und berühre sie rituell mit duftenden Blumen.
5.129 Zur Vollendung der Handlung erkenne man nun die unermessliche heilige Bedeutung der Sruk: Im Griff wohnt Ananta, mit unzähligen Antlitzen, in Lotusgestalt.
5.130 Inwendig als Keim gegenwärtig, ist er nach oben gerichtet. Der große, in sieben Schichten gegliederte Wind, der innerlich als Lebensatem der Wesen wirkt,
5.131 wird durch das Brahmarandhra seinen jeweiligen Regungen entsprechend geführt und gelangt zum Naga der sieben Unterwelten. Die Erde erscheint in Lotusgestalt.
5.132 In dem tragenden Verlauf wohnt das Wasser, dessen Wesen Amrita ist; in der mit Rädern gestalteten Anordnung wohnt das Feuerlicht in dreifacher Gestalt.
5.133 Der Wind trägt Muschelgestalt, und im Hohlraum für das Ghee wohnt der Raum. Dessen herrschende Gottheit ist das Ursprüngliche, ohne Keim, ungeboren und unerschütterlich.
5.134 Höre nun, wie der andere Opferlöffel, Sruva, zu verstehen ist. Varuna selbst ist die Verkörperung des Amrita in Gestalt des Gefäßes.
5.135 Seine Waffe steht als Schaft da und nimmt die Furcht vor Hindernissen. Der Mond, der die Welt erquickt, befindet sich vorn in Lotusgestalt.
5.136 Die Kraft, die Glückseligkeit heißt, erkenne man als dem höchsten Herrn zugehörig. Sie ist wirklich und unermesslich; so wird der Gegenstand dieser inneren Erkenntnis beschrieben.
5.137 Bei der Weihe und bei der regelmäßigen Darbringung an die heiligen Mantras setze man diese Gottheiten ein, mit ihren Namen, verbunden mit dem Pranava und dem Wort der Verehrung.
5.138 Oder man verehre sie alle mit dem Herz-Mantra, o Brahmanen. Die eingesetzte Schar der Mantras ehre man mit Arghya, Duft und weiteren Gaben.
Reinigung vor dem Opfer
5.139 Mit der linken Hand nehme man ein Pavitra aus vier gleichmäßigen Kusha-Halmen mit vielen Verzweigungen, Wurzeln und unversehrten Spitzen.
5.140 Am rechten Ringfinger lege man ein weiteres, aus vier Halmen gefertigtes Pavitra in Ringform an.
5.141 Mit Tropfen des geweihten Ghee berühre man Brennholz und die übrigen Gegenstände. Um sämtliche Mängel des herbeigebrachten Feuers zu beseitigen,
5.142 bringe man nach dem eigenen Vermögen hundert, fünfzig oder fünfundzwanzig Opfergaben aus mit Ghee benetztem Sesam zusammen mit reiner Opferspeise dar.
5.143 So ist zur Vollendung der Handlung zu opfern; verstehe dies genau. Wenn die Opfergabe erhoben wird, spreche man im Anschluss an den Mula Mantra,
5.144 verbunden mit dem Pranava, die Worte: „Reinige, reinige das Feuer!“ Dann vollziehe der Kundige mit eben dieser vollständig ausgesprochenen Formel
Die Lebensweihen des heiligen Feuers
5.145 die volle Opfergabe und anschließend eine Ghee-Darbringung vom vierfachen Maß. Danach ist die Homa für das Feuer auszuführen, damit alle Weihen vollendet werden.
5.146 Man umschließe die Feuersilbe mit dem Herz-Mantra und nenne die jeweilige Handlung: „Ich vollziehe …“, mit Svaha am Ende. Diese Ordnung gilt für alle entsprechenden Handlungen.
5.147 Mit Blüten, die mit Ghee benetzt sind, mit Ghee allein oder auch im Geist vollziehe man, o Brahmane, die Samskaras von der Empfängnis bis zur Eheschließung.
5.148 Wenn das außen befindliche Feuer in den Schoß der Shri eintritt, so verstehe dies als Garbhadhana, die Empfängnisweihe, die erste dieser Weihen, o Weiser.
5.149 Die feine, zunächst reglose Kraft im Schoß der dem Feuer zugehörigen Shri empfängt durch die Verbindung mit Prana das Erwachen des Bewusstseins,
5.150 allmählich, durch die Kraft und Bewusstseinsmacht des Herrn. So meditiere man und opfere Ghee mit dem dafür angegebenen Mantra.
5.151 Durch dieses Herbeiführen der Bewusstseinskraft geschieht die Pumsavana-Weihe des Feuers. Danach vollziehe man seine Simanta genannte Weihe.
5.152 Kopf, Hände und alle weiteren Glieder, die darin noch unentfaltet sind, erwachen und nehmen jeweils ihren eigenen Wirkungsbereich ein.
5.153 Weil dadurch ihre Gliederung hervortritt, heißt diese Weihe Simanta. Für das Geburtsritual des Feuers opfere man einmal wie zuvor.
5.154 Dies ist das Geburtsritual dessen, was aus dem Mutterleib hervorgetreten ist. Mit Gold, Honig und Ghee vollziehe man, o Brahmane, das rituelle Nähren an der Brust.
5.155 Danach gebe man dem geborenen Feuer sorgfältig seinen Namen; man bezeichne es mit einem bekannten göttlichen Namen, beginnend mit Vasudeva.
5.156 Für dieses durch die Weihen geläuterte Vaishnava-Feuer ist die erste, mit Mantra verbundene Speisegabe das Ritual der ersten festen Nahrung.
5.157 Das Ordnen seiner Flammenspitze gilt als Chaula, das Haarschurritual. Eine Ghee-Opfergabe für das Feuer gilt als Upanayana, die Aufnahme in das heilige Lernen.
Die sieben Flammenzungen
5.158 Nach den Weihen des Veda-Gelübdes, Godana, des Abschlusses der Schülerzeit und der Heirat vergegenwärtige man die sieben Zungen des Feuers.
5.159 In der in neun Felder gegliederten, von Feuerflammen erfüllten Feuerstätte erscheinen die Flammenzungen Prabha, Dipti, Prakasha, Marichi und Tapini,
5.160 sowie Karala und Leliha; sie erfüllen die Feuergrube. Die ersten drei, beginnend mit Prabha, ordne man dem Nordosten, Osten und Südosten zu.
5.161 Marichi und die beiden folgenden ordne man Südwesten, Westen und Nordwesten zu. Leliha befindet sich mittig im Süden, nach Norden ausgerichtet.
5.162 Man meditiere über die sieben Flammenzungen der Reihe nach als rot, weiß, blau, schwarz, gelb, morgenrot und blitzartig leuchtend.
5.163 Mit den jeweils zugehörigen Keimsilben und Namen, oder mit den Keimsilben allein oder den Namen allein, vergegenwärtige man sie der Reihe nach, o Bester der Zweimalgeborenen.
Vasudeva als inneres Selbst des Feuers
5.164 Glut, Flamme und die Kraft des Verbrennens: Diese drei bilden die Grundlage. Der erhabene Herr des Feuers ist die darin gegenwärtige Gottheit.
5.165 Das innere Selbst dieses Feuers aber ist der ewige Vasudeva, Herr des Alls. Dies und seine Verbindung mit der höchsten Vaishvanari-Kraft erkenne man zuvor klar.
5.166 Man meditiere über das Feuer in der Grube, dessen Gestalt von der darin wohnenden Gottheit geprägt ist. Dann vergegenwärtige man seine Mutterkraft, die auf dem Weg der Flamme aus der Grube hervortritt,
5.167 leuchtend wie höchste Glückseligkeit, bis zum Bereich zwölf Fingerbreiten vor der Nase. Von dort lasse man sie in der inneren Sammlung wieder in das eigene Herz eintreten.
Erweckung und Verehrung
5.168 Für das so geläuterte Feuer vollziehe man erneut eine erweckende Homa, durch die sein regloser Zustand überwunden wird.
5.169 Man spreche den Mula Mantra, mit zwei Pranavas verbunden, und bringe tausend oder hundert Opfergaben dar.
5.170 Man erfreue das Feuer mit Ghee und bringe die volle Opfergabe dar. Dann verehre man seine geweihte Gestalt voller Bhakti.
5.171 Der Reihe nach mit Blumen, Räucherwerk, Dickmilch, Sesam mit ungebrochenen Reiskörnern, mit Speisen, Süßigkeiten und Früchten sowie mit Ghee, o Brahmane.
5.172 Nachdem man das Feuer so vorschriftsgemäß mit seinem eigenen Mantra verehrt hat, erfreue man es nach dem eigenen Vermögen der Reihe nach mit Sesam, Ghee und weiteren Gaben,
5.173 oder allein mit Ghee, tausend- oder hundertmal. Die volle Opfergabe für das Feuer bringe man mit Ghee und der abschließenden Formel Vaushat dar.
Der Herr inmitten der Flammen
5.174 Dann ist der Herr inmitten des Feuers zu verehren. Zuvor vergegenwärtige man wie beschrieben das Feuer mit Gestalt und mit ungeteilter Strahlkraft,
5.175 durch die Kraft und Wirksamkeit seiner eigenen Verbindung alles durchdringend, in alle Richtungen reichend, einer Kadamba-Blüte gleich und im eigenen Licht erstrahlend.
5.176 Es erfüllt die ganze Feuergrube von allen Seiten. So breitet es sich aus, alles durchdringend, ohne begrenzte Gestalt und von hellem Glanz.
5.177 In der Mitte der Feuergrube, getragen von den wie Haarsträhnen aufsteigenden Flammen, vergegenwärtige man mit dem Geist den bereits beschriebenen Sitz.
5.178 Dessen Verehrung vollziehe man unten mit Blumen, Räucherwerk und Sandel. Dann bilde man die Mudras der auf dem heiligen Sitz anwesenden Gottheiten.
5.179 Dann lasse man den höchsten Herrn aus dem eigenen Herzen in seiner Mitte gegenwärtig werden. Mit seinem Mantra bringe man dem Allgegenwärtigen eine Handvoll Blumen dar.
5.180 Man meditiere über den höchsten Herrn mit seinen Gliedern und Kennzeichen, in seiner entfalteten Gestalt. Man bitte um seine Zuwendung, seine Gegenwart und sein beständiges Verweilen.
5.181 Mit der Arghya-Gabe beginnend vollziehe man alles wie zuvor. So wie beim Hauptbild meditiere man auch über seine Gegenwart im Feuer.
5.182 Auf dem Fahrzeug meditiere man ihn als auf dem Fahrzeug befindlich, im Feuer an dem entsprechenden Ort. Ist er sitzend dargestellt, betrachte man ihn sitzend; ist er liegend dargestellt, ebenso liegend.
5.183 In der Feuerstätte vergegenwärtige man seinen rubinroten Glanz. Man zeige die jeweiligen Mudras aller Mantras, beginnend mit dem Mula Mantra,
5.184 und verehre die entfaltete Gestalt des Herrn mit Arghya, Duft und weiteren Gaben – in Rücknahme und Darbringung, entsprechend der zuvor beschriebenen Ordnung.
Die ersten Feueropfer
5.185 Die Opferhölzer lege man in ein Gefäß, verehre sie mit dem Herz-Mantra und bringe sie dem Herrn mit geneigtem Haupt dar.
5.186 Der treffliche Brahmane nehme acht beidseitig mit Ghee benetzte Hölzer von heiligen, milchsaftführenden Bäumen und teile sie in zwei Gruppen.
5.187 Eine Gruppe lege er im Süden ein, zwischen Südosten und Südwesten; die andere entsprechend im Norden,
5.188 zwischen Nordwesten und Nordosten. Zur grundlegenden Darbringung gieße er Ghee darüber. Am Ansatz der aufeinandergelegten Opferhölzer setze er den Opferlöffel an,
5.189 fülle den Sruva mit Ghee und meditiere mit der Sonnen-Keimsilbe darin über die tausendstrahlige Sonne. Die Gabe bringe er im südlichen Teil der Feuergrube dar.
5.190 Im anderen Opferlöffel meditiere er mit der Soma genannten Silbe über die volle Mondscheibe und bringe diese Gabe im nördlichen Teil dar.
5.191 Der Zahl der Hölzer entsprechend opfere er Ghee. Verstehe Sonne und Mond als die beiden Augen des Feuers.
Die sieben Arten von Gaben
5.192 Was zwischen ihnen liegt, gilt als sein Mund. Dort bringe er zunächst der Reihe nach die sieben Arten von Opfergaben dar.
5.193 Zuerst opfere er vier wohlausgebildete Hölzer einzeln, mit Ghee benetzt und zuvor mit Kumkuma und weiteren Stoffen bestrichen.
5.194 Dann folgen Girlande, Räucherwerk, Madhuparka, Saatkörner und Ghee. Bei der Darbringung gekochter Speise als siebter Gabe gilt folgende Besonderheit:
5.195 Die zuvor im geweihten Feuer zubereitete Charu-Speise stelle man vor sich, öffne das Gefäß, betrachte sie und besprenge sie mit Arghya-Wasser.
5.196 Dann berühre man sie mit vier entzündeten Darbha-Halmen und gebe unter Mantra-Rezitation vier Sruk-Maße Ghee hinein.
5.197 Mit dem Sruva entnehme man daraus entsprechend vier Gaben unter dem Herz-Mantra. Von der Speise bilde man einen Bissen von vier Fingerbreiten Maß.
5.198 Diesen lege man in die Höhlung des Sruva, gebe wie zuvor vier Maße Ghee darauf und bringe dann die Speisegabe ins Feuer.
5.199 Wieder bringe man sorgfältig vier Sruk-Maße Ghee ins Feuer; anschließend forme und opfere man erneut wie zuvor eine mit Ghee benetzte Speisegabe.
5.200 So bringe man nach dieser Ordnung vier Speisegaben dar. Nach dem Opfer der Speise folgen wiederum eine Ghee-Gabe.
Anzahl und Stoffe der Darbringung
5.201 Mit Sesam und Ghee vollziehe man nach dem eigenen Vermögen eintausendacht, hundert, fünfzig oder fünfundzwanzig Darbringungen.
5.202 Ebenso opfere man mit Ghee benetzte ungebrochene Reiskörner und danach Sesam. Man verwende die Hälfte, eine um einen halben Anteil erhöhte oder eine größere Anzahl der zuvor genannten Darbringungen.
5.203 Wer Vollendung erstrebt, beachte dies bei Japa und Homa. Einmal vollziehe man die Svishtakrit-Darbringung, welche das Opfer vervollständigt, mit einem Bissen Speise.
5.204 Für wunscherfüllende Riten mit den jeweils passenden, an Ort und Zeit gewachsenen Gaben verwende man Sesam, Ghee, Milch, Dickmilch oder Milchreis,
5.205 zubereitete Speisen und Süßigkeiten, Saatkörner, geröstetes Getreide und Reis, Wurzeln, Früchte und geeignete zarte Triebe,
5.206 wohlriechende Blüten wie Sthalapadma, weiße und andersfarbige Blumen, Guggulu mit Ghee oder den Räucherstoff Shriveshtaka,
5.207 Amalaki-Früchte, frische schöne Wasserlilien, weiße, dunkle und rote Lotusblüten sowie schöne Bilva-Früchte,
5.208 reine Durva-Halme mit unversehrten, elfenbeinähnlichen Spitzen, Hölzer von heiligen und milchsaftführenden Bäumen,
5.209 Amrita-Pflanze mit Milch und in Honig getränkte Udumbara-Hölzer: Ihre Spitzen sollen unversehrt, sie selbst ungebrochen und frei von Dornen sein.
5.210 Alles werde mit den drei süßen Stoffen oder mit Ghee verbunden und jeweils zusammen mit den Opferhölzern in das Feuer gegeben.
5.211 Die verschiedenen Speisen sowie Sandel und weitere Gaben, auch Zahnholz und Tambula ohne scharfe alkalische Zusätze,
5.212 sind beim Laksha-Homa, dem Opfer mit hunderttausend Darbringungen, darzubringen, ebenso Sitze und weitere Gaben. Ausgenommen werden Madhu, Salz, Getränke, Anshu sowie scharfe Stoffe und Öl; die genaue Abgrenzung dieser Liste wird unten erläutert.
Historischer Hinweis: Die folgenden Wirkungsangaben geben die rituellen Überzeugungen der Samhita wieder. Die Einordnung am Kapitelende unterscheidet diese Aussagen von heutigen Wirksamkeitsnachweisen.
Traditionelle Wirkungsangaben
5.213 Mit Ghee benetzter Sesam schenkt Frieden und alle Vollendungen. Eine Homa mit Ghee, Milch und Dickmilch gewährt Zufriedenheit.
5.214 Milchreis, gekochte Speisen und weitere essbare Gaben bewirken Gedeihen. Wird der König der Mantras mit Saatkörnern, Getreide und Reis erfreut, o Brahmane,
5.215 so schenkt der gnädige höchste Herr beständig Wohlergehen. Eine Homa mit Trieben, Früchten und Wurzeln gewährt Zufriedenheit,
5.216 wendet vorzeitigen Tod ab und bringt Krankheiten zum Stillstand. Wird der Herr im Feuer mit Sthalapadma und weiteren weißen oder andersfarbigen Blumen erfreut,
5.217 so schenkt er bald unvergleichliches Glück, o Brahmanen; durch Guggulu und Ghee Gesundheit, ebenso durch gute Amalaki-Früchte.
5.218 Zucker, mit Panchagavya besprengte Bilva-Früchte, Speisen mit Ghee und Lotussamen gewähren rasch Wohlstand und Glück.
5.219 Wer Einfluss auf andere begehrt, opfere Wasserlilien; auch wer Genüsse begehrt, vollziehe Homa. Durch ein Opfer mit jungen Durva-Trieben erlange man Lebenskraft und Einsicht.
Maße der Opfergaben
5.220 Eine Homa mit guten Brennhölzern und schwarzen Bohnen vermittelt den friedenspendenden Segen des Herrn. Sesam soll mit der „Hirschgesicht“-Mudra dargebracht werden.
5.221 Für Ghee, ebenso besonders für Milch, beträgt eine Opfergabe ein Karsha; für Dickmilch ein Shukti-Maß, für Milchreis ein Prasriti-Maß.
5.222 Gekochte Speisen opfere man in der Größe eines halben Bissens, andere essbare Gaben ihrer eigenen Größe entsprechend. Für Saatkörner verwende man jeweils eine Handvoll.
5.223 Geröstetes Getreide nehme man mit den Fingerspitzen, Reis mit den fünf Fingern. Früchte und ebenso junge Triebe bringe man in ihrer eigenen Größe dar.
5.224 Guggulu opfere man als Kügelchen von der Größe einer Jujube-Frucht oder, wenn möglich, von der Größe einer Amalaki-Frucht.
5.225 Durva-Stängel sollen vier oder acht Fingerbreiten lang sein, o Bester der Brahmanen; die Opferhölzer eine Handspanne, gleichmäßig geschnitten und mit Rinde versehen.
Die Zeichen des Feuers
5.226 Zur Vollendung der Handlung beachte man die Farben, Gerüche, Klänge und Gestalten des Feuers, seine Veränderungen und seine Flammenspitzen.
5.227 Vorzüglich ist ein rubingleicher Glanz, dem roten Lack und roter Farbe ähnlich. Ein Feuer von der Farbe der aufgehenden Sonne gilt als günstig für Erfolg, o Brahmane.
5.228 Auch ein scharlachrotes Feuer, dem Indrakopa-Insekt ähnlich, ist vorzüglich; ebenso ein Glanz wie der Himmelsbogen oder wie Kumkuma.
5.229 Als günstig wird hier die Farbe roter Blüten genannt. Angenehmer Duft, der Duft der Opferstoffe und der Geruch von Ghee sind gute Zeichen des Feuers.
5.230 Lotusduft gilt als lebensverlängernd, Bilva-Duft als günstig, o Gelübdetreuer. Scharf riechendes Feuer dagegen wird den Abhichara-Riten zugeordnet.
5.231 Ein Klang des Feuers wie Donner, Laute, Muschelhorn oder Mridanga gilt als Zeichen des Gelingens. Ein anderer Klang gilt als ungünstig.
5.232 Erscheint das Feuer rötlich, mit zurückgehender Flamme, rubin- oder kristallgleich, so gilt dies als günstig.
5.233 Gehen die zuvor beschriebenen Erscheinungsformen des Feuers in einer Bewegung nach rechts ineinander über, so ist dies ein Zeichen der Vollendung.
5.234 Verändert sich das Feuer hingegen zu einer ungünstigen Farbe, etwa Taubengrau, so bedeutet dies das Gegenteil, o Brahmane.
5.235 Deshalb vollziehe man am Ende der Homa mehr als hundert zusätzliche Darbringungen. Flammenspitzen in ungerader Anzahl und ihr Aufsteigen gelten als glückverheißend.
5.236 Kurze, längere, hoch aufsteigende und langgestreckte Flammen gelten als erfolgbringend. Ein sanft glänzendes Feuer mit Rechtsdrehung und einem das Hören erfüllenden Klang
5.237 ist beständig günstig, wenn es frei von den anderen, ungünstigen Eigenschaften ist. In ein helles, züngelndes, rauchloses Feuer mit guten Kennzeichen,
5.238 das erfreut und Zufriedenheit schenkt, soll opfern, wer Gedeihen wünscht. Ein Feuer mit wenig Leuchtkraft, geringer Ausdehnung und Funkenflug,
5.239 ohne lebendige Bewegung seiner Flammen, führt nicht zur Vollendung. Wer in ein noch nicht entfachtes, rauchendes Feuer opfert,
5.240 erleidet ein Misslingen seiner Handlung. Bei einem übelriechenden, gelblichen und ungünstig flackernden Feuer tritt eine Wirkung ein, wie sie den schädigenden Riten zugeschrieben wird.
Flammenzungen und Mantraformeln
5.241 Wird der Mantra in der Gestalt Prabha erfreut, so schenkt er bald Wissen, o Trefflicher. In Dipti gegenwärtig, schenkt der Herr Land.
5.242 In Prakasha gegenwärtig, bedrängt er rasch die Feinde. In der Gestalt Marichi gewährt der Allgegenwärtige rasch die Vernichtung der Gegner.
5.243 Der in Tapini gegenwärtige Mantra bringt alle Leiden zur Ruhe. In Karala angerufen, bewirkt er die Vertreibung der Widersacher.
5.244 Wird der in Leliha gegenwärtige Mantra erfreut, o Weiser, so gewährt er das Ersehnte und am Ende des leiblichen Lebens die höchste Stätte.
5.245 Bei der Homa verwende man Svaha, bei der vollen Opfergabe Vaushat und ebenso bei befriedenden Riten. Bei Riten zur Stärkung verwende man Vashat.
5.246 Bei Ahnenriten verwende man Svadha, bei vernichtenden Handlungen Phat, bei Feindschaft und der Unterwerfung von Frauen Hum; Namah aber dient dem Erlangen der Befreiung.
Historischer Hinweis: Die schädigenden und unterwerfenden Riten werden als Teil des überlieferten Textes genannt. Die heutige spirituelle Einordnung orientiert sich an Ahimsa und dem Respekt vor der Selbstbestimmung anderer Menschen.
Die volle Darbringung
5.247 Am Ende der rituellen Homa fülle man die Sruk mit Ghee; fehlt dieses, so fülle man sie reichlich mit einem anderen Opferstoff.
5.248 Darüber gebe man Ghee. Dann verehre man die Sruk zusammen mit dem Sruva, vom unteren Ende ausgehend, mit Arghya, Blumen und weiteren Gaben.
5.249 Man meditiere über den mit Ghee verbundenen Opferstoff in der lotosförmigen Höhlung der Sruk als einem schmelzenden Mond gleich. Dann hebe man die volle Gabe empor.
5.250 Man halte den Stiel der Sruk an der Nabelgegend beziehungsweise seiner Basis fest und vergegenwärtige den ungeteilten Herrn der Mantras in der Gestalt des vollen, kühl strahlenden Mondes.
5.251 Durch die Kraft des Atems erhebe man ihn aus dem eigenen Körper, von der Wurzel an, und setze ihn in den göttlichen Stützpunkt ein. Von dort strömt reichlich Amrita.
5.252 Man stelle sich vor, wie es auf dem Weg des Nasenübergangs in den Lotus der Sruk fällt. Den mit Amrita erfüllten Ghee-Strom gieße man wie einen Strom des Reichtums aus,
5.253 in den Mund der Mantragestalt oder in ihre Brahma-Öffnung. Man erlebe innerlich, wie dieser Strom ganz in den Herzlotus eintritt.
5.254 Mit diesem Strom des Brahman durchdringe man die dadurch genährte Mantragestalt: erfüllt, gestärkt, freudig und dem Sadhaka wohlgesinnt.
5.255 Verbunden mit der Rezitation des Mantra, mit Körper und Wahrnehmungsvermögen sowie mit Meditation – dies, o Bester der Zweimalgeborenen, wird die volle Darbringung genannt.
5.256 Sie führt zu allen Vollendungen und lässt den Segen der Befreiung wachsen. Zur Vollendung der Handlung opfere man in ein Feuer mit reichlich trockenem Brennholz,
5.257 als Abschluss eines oder mehrerer zusammengehöriger Riten, nicht nach jeder einzelnen Teilhandlung. Danach verehre man den Herrn der Mantras mit Arghya, Duft, Blumen und weiteren Gaben.
Die Anga-Mantras und das Gefolge
5.258 Man zeige alle Mudras der Reihe nach, beginnend mit dem Mula Mantra. Für die Anga-Mantras verwende man ein Viertel der Anzahl, mit der der Mula Mantra erfreut wurde.
5.259 Für die göttlichen Kennzeichen, den Schmuck und Lakshmi samt den weiteren Kräften verwende man wiederum die Hälfte. Oder man nehme für die Mantras vom Herz-Mantra an die Hälfte und davon nochmals die Hälfte für alle
5.260 Gefährtinnen des höchsten Herrn, o trefflicher Brahmane. Für sämtliche Kennzeichen, Schmuckstücke und weiteren Kräfte bringe man entsprechend der Reihe nach die Opfergaben dar.
5.261 Oder man bringe für jeden Mantra, beginnend mit dem Herz-Mantra, jeweils eine Gabe dar. Anschließend vollziehe man die Verabschiedung, nachdem Arghya und Räucherwerk dargebracht wurden.
Wie Flüsse im Ozean
5.262 Die an den Orten der Darbringung nacheinander verehrten Mantras stelle man sich nun als in den Leib des Hauptmantra eingegangen vor,
5.263 wie eine Flamme in einer anderen Flamme aufgeht und Flüsse in den Ozean münden. Diese entfaltete Mantragestalt, die Stätte aller Mantras, o Brahmane,
5.264 vergegenwärtige man als in den feinen, herrschenden, im Herzen gegenwärtigen Zustand eingegangen; diesen feinen Zustand mit seinen beiden Aspekten wiederum im zuvor beschriebenen Höchsten.
5.265 Das Höchste, lebendig leuchtend und keiner äußeren Stütze bedürftig, sehe man über den verbindenden inneren Weg in den eigenen Herzlotus eintreten.
5.266 Mit der Einatmung, begleitet von Mantra und Mudra, vergegenwärtige man, wie der Körper von den Füßen bis zum Scheitel davon durchlichtet wird.
5.267 Wessen Körper beim Eintreten des Mantra ohne willentliches Bemühen erbebt, o Brahmane, dem zeigt sich der Mantra gnädig.
5.268 Nachdem man den Herrn der Mantras so mit den zugehörigen Mudras verabschiedet hat, verehre man die Mantras des Sitzes mitsamt seiner Grundlage und Ganesha, o treffliche Brahmanen,
5.269 sowie den Guru und die weiteren Lehrer mit der Hälfte der für die Kennzeichen vorgesehenen Opferzahl. Ihre Rücknahme vollziehe man der Ordnung ihrer Entfaltung entsprechend.
5.270 Für sämtliche Hüter an den Toren und für die Diener Haris an den Umfassungen verfahre man in der mit dem Guru beginnenden Reihenfolge, jeweils mit der entsprechenden Hälfte.
Vishvaksena und der Abschluss des Feuerdienstes
5.271 Oder man bringe nach dem eigenen Vermögen jedem einmal die volle Gabe dar. Danach erfreue man Vishvaksena voller Hingabe mit Sesam und ungebrochenen Reiskörnern.
5.272 Mit dem auf Vaushat endenden Mantra bringe man die volle Opfergabe dar, o Brahmane. Nach der ordnungsgemäßen Verehrung verabschiede man ihn.
5.273 Man verehre das Feuer und erfreue es nach dem eigenen Vermögen. Mit dem Mantra der vollen Darbringung gieße man die abschließende Gabe aus, die alle Lücken schließt.
5.274 Dann zeige man die Feuer-Mudra zusammen mit dem Mantra und gebe eine Handvoll Blumen in die Grube, während man den Feuer-Mantra vergegenwärtigt.
5.275 Man bitte um Verzeihung, verneige sich und vollziehe die vorgeschriebene Verabschiedung. Durch das Einatmen nehme man die Gegenwart auf und setze sie entsprechend ihrer Herabkunft wieder in den inneren Raum ein.
5.276 Man reinige Sruk und Sruva am Feuer und fülle die Sruk mit Wasser aus dem Arghya-Gefäß. Außerhalb der Feuergrube gieße man im Uhrzeigersinn
5.277 von der Nordostecke aus einen ununterbrochenen Wasserstrom. Mit dem Pavitra oder der Hand besprenge man unten und oben,
5.278 und gebe das übrige Wasser auf den eigenen Kopf. Die Sruk lege man mit der Öffnung nach unten ab. Links von sich gieße man, zusammen mit dem von der Grasunterlage ablaufenden Wasser,
5.279 das geweihte Wasser aus den beiden Gefäßen aus. Nach diesem Abschluss nehme man Asche
5.280 und vermische sie mit Wasser. Damit zeichne man vier aufrechte Urdhvapundra-Zeichen in Flammenform: auf die Brust, auf beide Schultern und auf die Stirn.
Die Gabe dem inneren Selbst überlassen
5.281 Dann nehme man das Arghya-Gefäß, gehe zum Heiligtum des Herrn und verneige sich vor Jagannatha, dem Herrn der Welt, mit der achtgliedrigen Niederwerfung.
5.282 Man fülle beide Hände mit Blumen und vergegenwärtige darüber den ungeteilten Mantra, von Amrita erfüllt,
5.283 mit mächtigem Licht durchstrahlt. Die Blumen lege man auf das Haupt der Mantragestalt und spreche: „Allgegenwärtiger, als du im Feuer weiltest, habe ich dich mit dieser Homa voller Hingabe erfreut.
5.284 Nimm die Wirkkraft der Opfergaben ganz in dich auf.“ So bringe man die Homa dem Herrn dar und vollziehe die Verehrung nach der vorgeschriebenen Ordnung.
5.285 Man vergegenwärtige, dass die Gabe von ihm als dem gnädigen inneren Selbst angenommen wurde. Nachdem so die Verehrung bis zum Ende der Homa vollzogen ist, ehre man den Herrn mit Arghya, Duft und weiteren Gaben,
5.285z und vollziehe anschließend die Zuteilung der Gaben an die Ahnen.
Kolophon: So endet in der Ishvara Samhita des heiligen Pancharatra das fünfte Kapitel, genannt ‚Die Ordnung des Speisesitzes und des Feuerdienstes‘.
Die innere Bedeutung: Alles wird zur Gabe
Spirituelle Erläuterung, nicht Bestandteil des Sanskrittextes: Die Fülle der Speisen in diesem Kapitel drückt liebevolle Gastfreundschaft gegenüber Narayana aus. Für den heutigen Alltag kann daraus ein einfacher Impuls entstehen: Bereite Nahrung achtsam zu, halte einen Augenblick inne und widme sie dem Göttlichen. Diese Übertragung auf den Alltag ersetzt nicht die genaue Tempelliturgie, die hier beschrieben wird.
Der Text selbst öffnet einen Weg, wenn äußere Mittel fehlen: Eine nicht verfügbare Gabe darf im Geist vergegenwärtigt und mit Bhakti dargebracht werden (5.17–18). Auch beim Japa nennt er ausdrücklich das eigene Vermögen neben der Zahl 108 (5.35). Die Bitte um Vergebung in 5.42 verbindet Sorgfalt mit Demut: Der Übende darf seine Grenzen anerkennen und dennoch mit ganzem Herzen dienen.

Feuerverehrung und Meditation im Herzen
Die äußere Feuerstätte wird mit dem inneren Yoga verbunden. Linien tragen die Namen Pingala, Sushumna und Ida (5.67–68). Die göttliche Shakti wird zunächst im Herzlotus vergegenwärtigt und von dort in die Feuerstätte eingesetzt (5.78–82). Das Feuer wird als Ausdruck von Tejas, der göttlichen Strahlkraft, verstanden (5.85–87). Selbst die Opferlöffel tragen kosmische Entsprechungen (5.129–138).
Anregung für heutige Aspiranten: Äußere Ordnung und innere Sammlung können einander unterstützen. Ein sauberer Meditationsplatz, ein bewusst gesprochenes Mantra und ein Moment der Dankbarkeit geben der täglichen Sadhana eine klare Form. Die konkrete Ritualhandlung bleibt dabei von ihrer heutigen Anwendung unterscheidbar. Die Samhita beschreibt keine frei austauschbare Symbolik, sondern eine bestimmte überlieferte Weise der Verehrung.
Besonders eindrücklich ist die Schlussbewegung: Wie Flüsse in den Ozean und Flammen ineinander eingehen, kehren die einzelnen Mantragestalten in ihren Ursprung zurück (5.262–265). Das Licht wird schließlich im eigenen Herzen vergegenwärtigt. Puja, Dhyana und Hingabe an das innere Selbst bilden so einen zusammenhängenden Weg.
Historische Einordnung der Wirkungsangaben
Die Verse 5.213–244 gehören zur traditionellen Lehre von Ritualwirkungen und Vorzeichen. Aussagen über Gesundheit, Lebensdauer, Wohlstand, die Abwehr von Leiden oder den Sieg über Gegner werden als Aussagen dieser Überlieferung übersetzt. Sie sind weder medizinische Wirksamkeitsnachweise noch eine Garantie bestimmter äußerer Ergebnisse.
Auch die Zuordnung bestimmter Silben zu schädigenden Riten oder zur Unterwerfung von Frauen in 5.246 gehört zum historischen Text. Sie wird nicht als heutige Praxisempfehlung übernommen und nicht durch eine rein symbolische Umdeutung aus der Übersetzung entfernt. Für eine heutige, von Ahimsa und gegenseitigem Respekt getragene Yogapraxis bieten vor allem die Verbindung von Namah, Hingabe und Moksha sowie das Gebet um Vergebung einen tragfähigen Bezugspunkt.
Das spontane Erbeben in 5.267 wird als ein traditionelles Zeichen genannt. Der Vers macht daraus keine allgemeine Voraussetzung für gelungene Meditation. Die Fülle des Kapitels mündet vielmehr in das Vertrauen, dass die Gabe vom gnädigen inneren Selbst angenommen wird (5.285).
Texthinweise zu Kapitel 5
Grundlage: Die vorhandene Devanagari-Texterkennung wurde mit Kriyasagaram, Band 25, Druckseiten 33–47, verglichen. Schwierige Stellen wurden zusätzlich im Sanskritdruck der kritischen Ausgabe, Band II, geprüft; dessen englische Übersetzung diente als Verständnishilfe. Die IAST-Fassung wurde aus der hier erfassten Devanagari-Fassung erzeugt. Eine vollständige handschriftenkritische Neuedition wird damit nicht beansprucht.
- Zählung: Auf 285 nummerierte Verse folgt ein unnummerierter Halbvers. Dieser wird hier als 5.285z geführt; in der englischen Abschnittseinteilung erscheint dafür auch die Angabe bis Vers 286. Die fehlerhafte Druckzahl „74“ nach dem siebten Vers im Kriyasagaram-Druck wird als 7 gelesen. Die versetzte OCR-Seitenfolge im späten Kapitel wurde anhand des vollständigen Drucks geordnet.
- 5.2 und 5.9: Masūraka wird als Polster verstanden, nicht wie in der englischen Kontrollübersetzung als Vorhang. In 5.9 steht nach dem kritischen Sanskritdruck niśā, Kurkuma; die fehlerhafte Lesung nidrā wurde nicht übernommen.
- 5.20–25: Die Wasch- und Bewirtungsfolge wird auf die verehrte Gestalt bezogen. Mukta in 5.24 bleibt als Stoffname stehen: Die englische Anmerkung erwägt eine Pflanze, während das Wort auch Perle bedeuten kann. Eine bestimmte Zutatenidentifikation wird hier nicht als gesichert ausgegeben. Mātuluṅga in 5.25 ist die Zitronatzitrone; die englische Wiedergabe als Granatapfel wurde nicht übernommen.
- 5.40–45: Die knappe Aussage über die Japa der Anga-Mantras in 5.40–41 bleibt nah am Sanskrit; eine allgemeine Befreiung von Mantrawiederholung wird daraus nicht abgeleitet. Die „vom Herrn erfüllten Dienenden“ in 5.43–45 werden im traditionellen Kommentar als menschliche Ritualdiener, kārin, erklärt.
- 5.49, 5.68 und 5.73: Das Bezugsmaß der Bruchteile in 5.49 ist knapp formuliert; die Übersetzung ergänzt keine moderne Bauzeichnung. In 5.68 wird caturdhā, „vierfach“, aus dem kritischen Druck übernommen statt caturthī, „die vierte“, im neueren Druck. In 5.73 folgt gandhāśman dem kritischen Sanskritdruck; die Stoffbeschreibung ist keine moderne Rezeptur.
- 5.89 und 5.117: Das viermalige Kreisen wird nicht als Aufteilen des Feuers in vier Stücke übersetzt. Die Darbha-Länge beträgt nach dem Sanskrit zwölf Fingerbreiten, nicht zehn wie in der englischen Kontrollübersetzung.
- 5.129–133: Die kosmischen Entsprechungen der Sruk sind syntaktisch gedrängt. Die Zuordnung von Ananta, Wind, Erde, Wasser, Feuer und Raum wird wiedergegeben; der genaue räumliche Verlauf in 5.130–132 bleibt auslegungsbedürftig.
- 5.155 und 5.165: Die Namengebung folgt der kritischen Lesung vāsudevādināmnā, „mit einem Namen wie Vasudeva“, statt der abweichenden Form des neueren Drucks. In 5.165 wird agneḥ, „des Feuers“, nach dem kritischen Druck gelesen.
- 5.179 und 5.202: Niraudakāt in 5.179 bleibt im Sanskrit erhalten, lässt sich aber nicht sicher in den Satz einordnen; es wird nicht durch ein erfundenes Ritualdetail übersetzt. Auch die knappe Staffelung der Opferzahlen in 5.202 ist auslegungsbedürftig. Der kritische Druck liest agravartinām, mit Bezug auf das Vorangehende, nicht apravartinām.
- 5.211–212 und 5.219: Die Abgrenzung der ausgeschlossenen Stoffe im zusammengesetzten Ausdruck madhulavaṇapānāṃśukaṭutaila ist nicht eindeutig. Der Kommentar erläutert madhu hier als Blütensaft. In 5.219 nennt die englische Fassung zusätzlich Lotusblüten für Genuss; diese Ergänzung steht nicht ausdrücklich im zugrunde gelegten Sanskritvers und wurde nicht eingefügt. Die kritische Lesung buddhi unterscheidet sich von vṛddhi, „Zunahme“, der älteren Texterkennung.
- 5.241–243: In 5.241 steht vidyā, Wissen; in 5.242 śatrukṣaya, Vernichtung der Gegner. Die abweichenden englischen Formulierungen wurden nicht übernommen. In 5.243 folgt die Übersetzung sarvatāpopaśāntida, Linderung aller Leiden, aus dem kritischen Druck statt sarvaśāpa…, Aufhebung aller Flüche, des neueren Drucks.
- 5.250–254 und 5.266: Die volle Darbringung verbindet Körper, Atem, Opferlöffel und Mantragestalt; Einzelheiten der räumlichen Zuordnung bleiben auslegungsbedürftig. Das Wort saptamam, „das Siebente“, in 5.266 ist auch in der kritischen Ausgabe überliefert, sein Bezug aber unklar. Es bleibt im Sanskrit erhalten und wird nicht zu einer bestimmten Chakra- oder Mantralehre ergänzt.
- 5.275: Die Rücknahme wird mit dem Sanskritkommentar auf die zuvor eingesetzte Feuerkraft bezogen. Die englische Fassung bezieht das Riechen beziehungsweise Einatmen stattdessen auf die Opferlöffel. Die hier gewählte Deutung fügt sich in die anschließende Rückkehr ins Herz.
Kapitel 6 – Ahnenverehrung, tägliches Fest und Rückkehr ins Herz
Die tägliche Puja öffnet sich zur Dankbarkeit gegenüber den Ahnen, zur festlichen Gemeinschaft und zum bewussten Empfangen der Nahrung. Danach führen Svadhyaya, Yoga und die Hingabe der Handlungsergebnisse zurück zur Gegenwart des Herrn im Herzen.
Die Weisen sprechen:
Die Frage nach den Ahnen
6.1 Wie ist die Zuteilung der Gaben an die Ahnen zu vollziehen, und welche Frucht bringt sie? Beschreibe uns dies nun vollständig, o Bester der Weisen.
Narada spricht:
6.2 O Brahmanen, die Zuteilung, die täglich vor dem verehrten Herrn vollzogen wird, sollt ihr als eine unter allen Handlungen besonders vorzügliche Darbringung erkennen.
6.3 Durch die Zuteilung an die Ahnen wird der Mensch von seiner Schuld ihnen gegenüber frei. Die Ahnen erlangen dadurch unvergleichliche Erfüllung, auch wenn sie noch unter dem Einfluss des Karma stehen.
Die Gabe an die Vorfahren
6.4 Nun wird erläutert, wie diese Ahnengabe auszuführen ist. Nahe dem Ausguss der Feuergrube breite man Kusha-Gras mit den Spitzen nach Süden aus,
6.5 nahe dem heiligen Sitz, auf dem Boden oder auf einer erhöhten Fläche. Über die Grasstreu verteile man Sesam und Wasser mit Silber.
6.6 Dort vergegenwärtige man der Reihe nach die Väter und Großväter. Um sie alle zu erfreuen, bringe man die Speise zuerst dem Herrn dar.
6.7 Vier besprengte Speisegefäße oder vier Bissen lege man auf die Grasstreu und verehre sie mit Arghya und weiteren Gaben,
6.8 der Reihe nach mit den Mantras der vier göttlichen Entfaltungen in der Ordnung der Rücknahme. Danach reiche man unter Nennung von Namen und Gotra das durch Mantra geläuterte Sesamwasser,
6.9 allen der Reihe nach aus dem Arghya-Krug. Zu diesem Zweck lasse man außerdem vier Brahmanen auf Sitzen Platz nehmen,
6.10 die dem Pancharatra folgen und auf die höchste Wirklichkeit ausgerichtet sind: zwei nach Osten und zwei nach Norden blickend.
6.11 Fehlen die Mittel, so lasse man auch nur einen nach Norden blickend Platz nehmen. Man verehre sie der Reihe nach wie die vier göttlichen Entfaltungen,
6.12 mit Arghya, duftender Salbung und den weiteren Gaben bis zur Matra, mit allem zur jeweiligen Zeit Angemessenen, unter Ausschluss des Ungeeigneten.
Was rechtes Schweigen bedeutet
6.13 Sie selbst sollen gesammelt, beherrscht und im Schweigen gefestigt sein. Mit gezügelter Rede richte sich ihre Aufmerksamkeit auf Janardana, der als Nahrung gegenwärtig ist.
6.14 Wenn sie so essen, gelangen die Ahnen zu bleibender Erfüllung. Wer dem Ritual hingegeben ist, soll deshalb ein nur scheinbares, durchbrochenes Schweigen meiden.
6.15 Das gute, ungeteilte Schweigen halte man bei allen Verrichtungen ein. Ein Schweigen, das aus Körperzeichen und undeutlichen, durch die Nase hervorgebrachten Lauten besteht,
6.16 bei geschlossenen Lippen, beeinträchtigt die Vollendung. Wenn dagegen jeder von sich aus mit eigenem Verständnis in allen Dingen handelt,
6.17 ohne durch Worte angewiesen werden zu müssen, erkenne dies als rechtes Schweigen. Darum soll man den Empfängern des Ahnenmahls, bei göttlichen oder bei Ahnenriten,
6.18 alles wie bei einer Speisedarbringung im vorgesehenen Bereich vor ihnen bereitstellen, damit sie bis zum abschließenden Mundspülen schweigen können.
Auch die kleine Gabe zählt
6.19 Nach dieser Ordnung sollen Menschen mit den entsprechenden Mitteln die Ahnengabe täglich und auch beim Opfer für Vishnu vollziehen.
6.20 Wer dazu nicht imstande ist, vollziehe die Gabe bis zum Sesamwasser mit Früchten und Wurzeln. Wenigstens einen Bissen gebe man zu diesem Zweck einem Bettelmönch am Kuhpfad.
6.21 Denn was nach der Verehrung Achyutas mit den göttlichen großen Mantras für die Ahnen dargebracht wird, sei es wenig oder viel, wird für sie unvergänglich.
Spirituelle Erläuterung: Der Wert der Gabe wird hier nicht allein an ihrer Größe gemessen. Der Vers verbindet auch das Wenige mit der bewussten Hinwendung zum Göttlichen.
Die Verehrung der weiteren Gottesgestalten
6.22 Nachdem man den Herrn im Hauptbild mit Arghya, Duft und weiteren Gaben verehrt hat, verehre man auch in allen Höfen, Tempeln und Ashrams
6.23 die dort zur heiligen Ausschmückung eingesetzten Vibhava- und Vyuha-Gestalten, ebenso die Gestalten an Turmtoren und in den Himmelsrichtungen sowie in den Hallen.
6.24 Wo ihre Gegenwart eingesetzt ist, vollziehe man täglich nach dem eigenen Vermögen die Verehrung mit sechzehn, zweiunddreißig oder noch mehr Diensten.
6.25 Dazu verwende man die Mantras der jeweiligen Gestalt, auch bei besonderen Anlässen. Der Sadhaka vollziehe die Dienste vom Bad bis zur Japa oder bis zum Feueropfer.
6.26 Die Homa führe man in der Feuergrube vor der jeweiligen Gestalt aus. Bei den abhängigen Gestalten sind dagegen keine gesonderten Karmarcha-Bilder, feierlichen Bäder oder Feste einzurichten,
6.27 auch keine eigenständigen Bali-Darbringungen und gesonderten Verehrungen bei Pavitrarohana und ähnlichen Festen.
6.28 An ihnen vollziehe man das tägliche Abhisheka; bei bemalten Gestalten, weiß oder andersfarbig, genügen Besprengung oder Speisedarbringung.
6.29 Die Lehrer sollen die abhängigen Gestalten gemeinsam mit dem Hauptheiligtum in Pavitrarohana einbeziehen, mit den als Bestandteile des Hauptritus geweihten Fäden.
Der regelmäßige Festdienst
6.30 Entsprechend verfahre man bei allen ergänzenden Riten und bei Agrayana, der Erstlingsgabe. Auch die Begleitgottheiten, Garuda, Vishvaksena und die weiteren,
6.31 sind, wenn sie in eigenen Heiligtümern eingesetzt sind, wie die zentrale Gottheit zu verehren. Sind Garuda, Vishvaksena und die anderen ohne eigenes Bild gegenwärtig,
6.32 so auch Kumuda und die übrigen Anführer der Scharen an Toren und Umfassungen sowie die weiteren Begleitgottheiten am großen Sockel,
6.33 bringe man ihnen dreimal täglich vor dem Bild für das tägliche Fest Bali dar. Vishvaksena mit seinen Scharen, ob mit Bild oder ohne Bild,
6.34 kann auch am Ende der Bali-Darbringung mit den verbliebenen Gaben verehrt werden. Danach vollziehe man das tägliche Fest mit allem Schmuck.
6.35 Die Gaben an die Gottheiten der Umfassungsmauern und Tore gehen ihm voraus. Ich werde seine Ordnung erklären; hört, ihr trefflichen Weisen.
6.36 Durch seinen Vollzug erlangen die Verehrer die ersehnte Frucht. Das Bild für das tägliche Fest sei aus Gold oder Silber,
6.37 aus Kupfer oder Messing, nicht zu hoch und vierarmig, dem Hauptbild entsprechend. Man verwende das zuvor dafür eingesetzte Bild.
6.38 Man schmücke es schön mit Gewändern, Schmuck und Girlanden und übertrage mit Mantras die im Hauptbild gegenwärtige Shakti auf dieses Bild.
6.39 Dann verehre man es mit Arghya, Blumen und weiteren Gaben bis zum Räucherwerk. In Heiligtümern mit selbstmanifestierter Gottheit und ähnlichen Tempeln, wenn die Verehrung durch befugte Diener vollzogen ist,
6.40 bestimme man einen weiteren Sadhaka für Bali und die damit verbundenen Aufgaben. Zuerst am Eingang zum innersten Heiligtum und dann in der vorderen Halle
6.41 verehre man die Tor-Gottheiten unter Glockenklang und mit brennendem Licht, mit Arghya und den weiteren Gaben bis zum Räucherwerk.
6.42 Mit Arghya-Wasser reiche man die Bewirtung, danach Speise, erquickendes Wasser und Tambula, der Reihe nach mit den jeweils zugehörigen Mantras.
Die Prozession
6.43 Im ersten Hof stelle man eine Tragvorrichtung aus Gold oder einem anderen geeigneten Stoff bereit und schmücke sie mit duftenden Blumen, feinen Gewändern und weißen oder andersfarbigen Girlanden.
6.44 Auf diese schön geschmückte Vorrichtung setze man das Bali-Bild mit dem Gesicht nach Osten und führe es im Uhrzeigersinn durch die Höfe,
6.45 begleitet von weißen und andersfarbigen Schirmen, Pfauenfederzeichen, Fahnenstangen, Bannern, Wedeln und schönen Palmblattfächern,
6.46 von Ganika-Frauen und Devadasis, Sängern und vielerlei Instrumenten, vom Klang der großen Trommeln und Pauken sowie von der Rezitation der Veden.
6.47 Mit diesem und weiterem Festschmuck vollziehe man zuerst Bali auf einer mit Kuhdung bestrichenen Kreisfläche von einer Elle Maß.
6.48 Die Gaben gelten den Tor- und Umfassungsgottheiten beziehungsweise den dort vergegenwärtigten Wesen in ihren jeweiligen Richtungen. Nach der noch zu erklärenden Ordnung vollziehe man das regelmäßige Fest.
6.49 Auf dem Sockel verehre man die zu Vishnu gehörigen Wesen mit ihren Scharen. Die restliche Bali-Gabe verteile man mit Wasser zu ihrer Erquickung.
6.50 Nachdem man das Bild viermal oder zweimal um den Sockel geführt und den Herrn mit Tanz, Gesang und weiteren Darbietungen erfreut hat, bringe man ihn wieder hinein.

Die Rückkehr vom Fest
6.51 In den weiten äußeren Höfen lasse man den Herrn ehrerbietig auf einen geschmückten Wagen steigen und führe ihn umher.
6.52 Dann nehme man ihn von der Tragvorrichtung oder dem Wagen herab, reiche ihm die Sandalen und setze ihn auf den festlichen Sitz im vorderen Pavillon.
6.53 Man verehre ihn mit Wasser für die Füße, mit Arghya und Wasser zum Mundspülen, mit Sandelpaste, vielerlei Girlanden und Räucherwerk; den Abschluss bildet Tambula.
6.54 Nach dieser Verehrung bringe man ihn an seinen eigenen Platz, damit die Anstrengung zur Ruhe kommt. Die anfangs übertragene Shakti führe man wieder dem Hauptbild zu.
6.55 Man verehre ihn mit Arghya, Duft und weiteren Gaben, preise ihn und verneige sich. Wo dieses regelmäßige Fest dreimal täglich nach der Ordnung vollzogen wird,
6.56 soll dem König und dem Land stets umfassendes Wohlergehen zuteilwerden. Fehlt das Bali-Bild oder kann es aus einem Grund nicht bereitgestellt werden,
6.57 vollziehe man das tägliche Fest mit einem Kurcha-Grasbündel oder einer Gestalt aus Speise. Danach nehme man Arghya und die übrigen rituellen Einrichtungen vollständig zurück.
Geweihte Gaben empfangen
6.58 Nachdem man sich vor dem Herrn der Götter verneigt und ihn gepriesen hat, nehme man aus dem Auffanggefäß das Wasser der Fußwaschung und besprenge damit den eigenen Körper.
6.59 Die dem Herrn dargebotenen Blätter und Blumen lege man auf den eigenen Kopf. Wenn die Gottesverehrung vollzogen ist,
6.60 so schwindet, heißt es, das Unglück der ehrerbietig herbeigerufenen Bhaktas und Mantradiener, wenn sie die Blumen, das Arghya-Wasser, die Duftgaben und das Übrige auf ihrem Haupt empfangen.
6.61 Ruhm, Ausstrahlung, Wohlergehen und Gesundheit sollen ihnen zuteilwerden. Danach bitte man den höchsten Herrn um Erlaubnis für den Unterhalt des Körpers.
Anuyaga: das Essen als Opfer
6.62 Mit dieser Erlaubnis vollziehe man Anuyaga, das anschließende Opfer des Essens, nach der Ordnung. Man nehme die im Gefäß befindliche Speise, die zuvor als Naivedya dargebracht worden ist,
6.63 weihe sie dem Herrn und reinige sie mit Wasser. Die folgende innere Betrachtung hat die Wahrheit zum Wesen, ist den äußeren Sinnen nicht zugänglich und beseitigt nach der Lehre des Textes die Unreinheit der Speise:
6.64 Im Geist vergegenwärtige man die vierfache göttliche Gegenwart. Der als Adhyaksha, als innerer Lenker, bezeichnete Herr ist als Geschmackswesen im Wohlgeschmack der Nahrung gegenwärtig.
6.65 Pradyumna ist in ihrer Gestalt gegenwärtig, der Pflugträger Sankarshana in ihrer Kraft. Der Empfangende und Genießende ist der große, ungeborene Herr Vasudeva selbst.
Spirituelle Erläuterung: Geschmack, Gestalt, nährende Kraft und der Empfangende werden auf die vier göttlichen Entfaltungen bezogen. Für heutige Aspiranten liegt darin eine Einladung, Nahrung mit Dankbarkeit und Achtsamkeit zu empfangen.
6.66 Dann trinke man eine Handvoll Wasser, über der viermal der Pranava gesprochen wurde. Mit demselben Mantra bringe man vier Speisegaben in die Opfergrube des Mundes dar.
6.67 Nachdem man mit passenden Bissen geopfert hat, esse man nach Bedarf und Geschmack. Anschließend vollziehe man Achamana und gehe gesammelt wieder zum Haus des Herrn.
Die Verneigung des ganzen Menschen
6.68 Wie eine Schildkröte lege man die vier Gliedmaßen und als fünftes das Haupt auf die Erde – und mit ihnen den Geist, die unterscheidende Vernunft und das Ichbewusstsein.
6.69 So vollziehe man stets die Verneigung mit acht Gliedern, verbunden mit der ehrerbietigen Umwandlung und begleitet vom achtsilbigen Mantra.
Die acht Glieder der Verehrung
6.70 Damit ist die achtgliedrige Verehrung bis zum abschließenden Anuyaga beschrieben. Der Abschnitt von der Verehrung im inneren Bewusstsein bis zur Hingabe des eigenen Selbst
6.71 bildet ihr erstes, großes Glied, das Abhigamana heißt. Die gesamte Verehrung mit Arghya, Blumen und anderen erfreuenden Gaben, o Weiser,
6.72 mit äußeren Diensten, erkenne als Bhoga, o Narada. Die Verehrung mit honig- und gheegetränktem Dickmilchopfer sowie mit einem Opfertier
6.73 ist das dritte Glied des Yaga. Das vierte ist die Verehrung mit Speise. Die Weitergabe des bereits Dargebrachten nach der zuvor beschriebenen Ordnung, o Weiser,
6.74 heißt Sampradana und gilt als fünftes Glied. Das sechste ist die Sättigung des Feuers, das siebte die Verehrung der Ahnen.
6.75 Das achte ist Anuyaga, das Opfer im Feuer des Prana. So vollziehe man die Puja mit ihren acht Gliedern nach der Ordnung.
Die Ordnung der Tageszeiten
6.76 Wo die verfügbaren Mittel eine Verehrung zu zwölf Tageszeiten erlauben, richte man die morgendliche Puja nach der achtgliedrigen Ordnung ein.
6.77 Die beiden letzten Glieder bleiben dabei ausgespart. Nach Abschluss des Lobgesangs vollziehe man die den Ahnen zugedachte Gabe und das beschriebene Anuyaga
6.78 vollziehe der Deshika nach eigenem Ermessen regelmäßig bei der Mittagsverehrung. Bei drei täglichen Gottesdiensten sei einer achtgliedrig, die beiden anderen sechsgliedrig.
Svadhyaya: die Schrift verstehen
6.79 Zu den dafür vorgesehenen Zeiten pflege man Svadhyaya und die als innerlich bezeichnete Übung der nach Yoga Strebenden. Nun wird Svadhyaya, das eigene Schriftstudium, erklärt.
6.80 Nachdem man sich mit acht Gliedern verneigt hat, setze man sich vor den allgegenwärtigen Herrn, studiere die Agama-Schrift und erforsche den Sinn ihrer Worte.
Abend und Nachtruhe
6.81 Wenn die Abenddämmerung kommt, bade man oder wasche den Körper von der Hüfte abwärts und wechsle danach die Gewänder.
6.82 Man vollziehe die sechsgliedrige Abendverehrung, die mit Bali endet, und erfülle zu den jeweiligen Zeiten die in der Schrift vorgesehenen Handlungen.
6.83 Nach Japa entsprechend dem eigenen Vermögen begebe man sich zur Lagerstätte. Man richte den Geist auf den außerhalb vergegenwärtigten Herrn, der im Zustand ohne Stütze ruht,
6.84 und bleibe mühelos, mit ungezwungenem Geist, bei ihm, bis der Schlaf kommt.
Yoga und Samadhi
6.85 Um Mitternacht erhebe man sich, nachdem Schläfrigkeit und Erschöpfung überwunden sind, und vollziehe Achamana mit Wasser aus dem Kamandalu-Gefäß.
6.86 Man verneige sich vor dem Guru und vor Gott, nehme auf einem Fellsitz Platz und übe dann Yoga nach der überlieferten Ordnung, ihr großen Weisen.
6.87 So sammle man das Selbst durch das Selbst und lasse nun die Japa-Handlung ruhen. Ausgehend von der Unterscheidung zwischen dem Meditierenden und dem Gegenstand der Meditation übe man, bis man ganz von ihm erfüllt ist.
6.88 Man gelangt zum Verweilen in einem Samadhi, der von wahrgenommenen Gegenständen frei ist. Durch beharrliche Übung erreicht der auf Bhagavan ausgerichtete Yogi dann Brahman.

Ergänzendes Video zur spirituellen Praxis; kein Bestandteil der Samhita.
Den Herrn zur Ruhe betten
6.89 Danach löse man sich allmählich aus Meditation und Sitzhaltung und lasse die Ermüdung zur Ruhe kommen. Nun bringe man dem Herrn des Hauptbildes eine Lagerstätte dar.
6.90 Den mit Lakshmi und den weiteren Shaktis verbundenen Herrn, der im Ritualbild gegenwärtig ist, bette man auf diese in jeder Hinsicht schön ausgestattete Lagerstätte.
6.91 Man reiche Arghya, Wasser für die Füße und zum Mundspülen samt den zugehörigen Auffanggefäßen. Dann salbe man ihn mit Sandelpaste.
6.92 Man bringe duftende Blumen und Girlanden, Licht und Räucherwerk dar, dazu Speisen wie Kuchen, Milch und Früchte,
6.93 erfrischendes Wasser und wohlriechendes Tambula mit seinen Zutaten – alles für den Gott der Götter und entsprechend den eigenen Mitteln.
Alle Handlungen dem Göttlichen überlassen
6.94 Danach lege man alle vollbrachten Handlungen in ihn hinein. Man stelle sich vor, dass sie freudig angenommen sind, und vergegenwärtige die rechte Hand als davon erfüllt.
6.95 In ihrer Mitte vergegenwärtige man den ungeteilten Mantra und seine Strahlenfülle. Die Fülle der aus der Yoga-Praxis hervorgehenden Frucht betrachte man in der Gestalt Lakshmis.
6.96 Man spreche den Mula-Mantra und halte diese Gegenwart in der Handfläche bewusst. Darüber vergegenwärtige man wiederum den ungeteilten Mantra.
6.97 Man lege beide Knie und das Haupt auf die Erde und bringe alles Vishnu dar. Dann stelle man sich vor, dass er sich gnädig zuwendet und die Gabe zu sich nimmt,
6.98 ihr besten Zweimalgeborenen: dass er sie zufrieden und liebevoll annimmt. Ob man auf die Frucht vollständig verzichtet oder sie bewahrt,
6.99 man besiegle dies mit der Mudra, welche die Gestalt des Mantra nachbildet. So soll für die Verzichtenden keine neue Fruchtbindung aus der Handlung entstehen;
6.100 Wenn die Frucht zur Reife kommt, verbindet sich der in den Agamas bezeichnete Wunsch nicht mit dem Herrn; für die nach Frucht Strebenden geht es um die Erfüllung ihres Anliegens. (Die Satzverbindung dieses Verses bleibt unsicher; siehe Texthinweis.)
Die Gegenwart ins Herz zurückführen
6.101 Mit Ausnahme des dauerhaft geweihten Bildes entlasse man nun die auf einem Bodenplatz, im Wasser oder in anderen Trägern angerufenen Gegenwarten, nachdem man Arghya und Räucherwerk dargebracht hat.
6.102 Man vergegenwärtige sich, wie die an den Orten der Darbringung der Reihe nach verehrten Mantras in den Leib des Hauptmantra eingehen,
6.103 wie eine Flamme in eine andere Flamme und wie Flüsse in den Ozean. Den grobstofflichen Mantraleib, der allen Mantras als Stätte dient, ihr Zweimalgeborenen,
6.104 sehe man in die subtile, beide Aspekte umfassende Gestalt des inneren Lenkers eingehen. Diese subtile, zweifache Gestalt lasse man in die zuvor beschriebene höchste Form eingehen.
6.105 Dann vergegenwärtige man die höchste, strahlende Form, die keiner Stütze bedarf. Nachdem man vor ihr einen makellosen Spiegel gezeigt hat,
6.106 sehe man sie auf dem verbindenden inneren Weg in den Herzlotus eingehen. Man erkenne sie als höchstes Selbst im Herzen, im weiten Raum des eigenen Bewusstseins,
Die Kraft in den Ritualbildern
6.107 und betrachte den Herrn als dort ruhend, in seinem eigenen Wesen. Bei den sechs für den täglichen und weiteren Dienst bestimmten Bildern, beginnend mit dem Handlungsbild,
6.108 die ordnungsgemäß geweiht sind, übertrage man zur morgendlichen und weiteren Verehrung die mit seiner Kraft verbundene Shakti nach der Ordnung aus dem Hauptbild.
6.109 Nachdem man sie mit den zuvor genannten Gaben – Arghya, Blumen, Tambula und weiteren – verehrt hat, führe man die jeweils übertragene Shakti wieder in das Hauptbild zurück.
6.110 Wenn eine tägliche, anlassbezogene oder andere Verehrung am Handlungsbild oder an einem weiteren Bild ansteht, rufe der Mantrakundige zu Beginn die Gegenwart aus dem Hauptbild herbei.
6.111 Nachdem er die begonnenen Handlungen an diesen Bildern vollständig und ihrem Zweck gemäß vollzogen hat, verehre er den Herrn im Hauptbild und entlasse die Gegenwart aus den anderen Bildern dorthin.
Abschluss und Schutz
6.112 Die Mantras in den Arghya-Gefäßen und den übrigen Gefäßen entlasse man wie zuvor durch innere Sammlung. Alle verbliebenen Arghya-Gaben und das Übrige, zusammen mit dem schon Dargebotenen,
6.113 übergebe man mit einer durch Wasser gereinigten Hand Vishvaksena und verehre ihn. Dann nehme man im Geist die beiden Nyasas aus dem eigenen Körper zurück.
6.114 Man räume Arghya und die übrigen Einrichtungen vollständig fort; ebenso entferne man vom Opferplatz und aus der Feuergrube die Grasstreu und alles Weitere.
6.115 Alles, auch den aufgetragenen Belag, gebe man ins Wasser. Während man den Kavacha-Mantra spricht, schließe man die Tür.
6.116 Man bestelle den Diskus und den Herrn der Vögel, Garuda, zum Schutz. Dann ziehe sich der Mantrakundige zum Schlafen zurück; am Morgen stehe er auf und vollziehe wie zuvor
Hingabe und Beständigkeit
6.117 die ganze beschriebene Ordnung, beginnend mit der Erweckung und Verehrung des Herrn. Wer diese Verehrung einmal, drei Tage, eine Woche, eine Monatshälfte oder einen Monat lang
6.118 nach dieser Ordnung mit Bhakti und Shraddha vollzieht, gelangt nach der Verheißung des Textes zur höchsten Stätte. Wie viel mehr gilt dies für den, der darin beständig bleibt,
6.118z der sein ganzes Leben lang mit festem Entschluss und weitem Geist diesem Weg gewidmet ist.
Kolophon: So endet in der Ishvara Samhita des heiligen Pancharatra das sechste Kapitel, genannt ‚Die Ordnung von der Ahnengabe bis zum Fest der Nachtruhe‘.
Spirituelle Einordnung von Kapitel 6
Dieses Kapitel verbindet Dankbarkeit gegenüber den Ahnen, gemeinschaftliches Feiern und die stille Rückkehr ins Herz. Es lässt sich auch als Weg vom Empfangen zum Loslassen lesen: Nahrung wird zuerst dargebracht, dann als göttliche Gabe empfangen; die vollbrachte Handlung wird schließlich Vishnu anvertraut.
Schweigen mit Verständnis: In 6.13–18 genügt es nicht, die Lippen zu schließen und sich zugleich durch Zeichen verständigen zu müssen. Die Beteiligten sollen den Ablauf so aufmerksam verstehen, dass unnötige Anweisungen entfallen. Eine heutige Anregung daraus ist, Mauna mit Rücksicht, guter Vorbereitung und wacher Gegenwart zu verbinden.
Essen als Verehrung: Die vier göttlichen Entfaltungen werden in Geschmack, Gestalt, Kraft und dem Empfangenden der Nahrung vergegenwärtigt (6.63–65). Damit wird die Mahlzeit zu einem Ort der Bhakti. Die Aussagen über die Beseitigung von Speisemängeln gehören zur rituellen Deutung; sie ersetzen keine sachgemäße Lebensmittelhygiene.
Studium und Versenkung: Svadhyaya umfasst hier ausdrücklich das Studium der Agama-Schrift und das Nachdenken über ihren Sinn (6.80). Die anschließende Yogapassage führt vom Japa zur Sammlung und zu Samadhi (6.83–88). Der traditionelle Kommentar deutet diese Aussagen im vishnuitischen Rahmen; die Worte vom Erreichen Brahmans sollten nicht ohne Weiteres als Bekenntnis zu einer bestimmten modernen Nichtdualitätslehre ausgegeben werden.
Hingabe der Handlung: In 6.94–99 werden die Früchte der Praxis in der Gestalt Lakshmis vergegenwärtigt und dem Herrn dargebracht. Für moderne Aspiranten kann dies bedeuten: sorgfältig handeln, das Gute würdigen und den Anspruch lösen, alles besitzen oder kontrollieren zu müssen. Diese Anregung ist eine heutige Anwendung, keine zusätzliche Textaussage.
Historischer Rahmen: Die Auswahl brahmanischer Empfänger, die Tempelfunktionen der Ganika-Frauen und Devadasis sowie die nächtlichen Dienstzeiten gehören zur überlieferten Sozial- und Ritualordnung. Ganika bezeichnet hier eine historische Gruppe von Kurtisanen beziehungsweise Unterhaltungskünstlerinnen, Devadasi eine dem Tempeldienst gewidmete Frau. Der heutige spirituelle Wert einer Person wird dadurch nicht bestimmt. Der Fellsitz in 6.86 wird textgetreu genannt; für die heutige Meditation kann eine gewaltfrei hergestellte Unterlage dienen. Die Reinigung und Entsorgung in 6.114–115 beschreiben historische Abläufe, keine Empfehlung, Ritualabfälle in heutige Gewässer einzutragen.
Die Bewegung dieses Kapitels endet in einer stillen, tragenden Vorstellung: Der Herr ruht im Herzlotus, im Raum des eigenen Bewusstseins (6.106–107). So kann die äußere Verehrung in einer inneren Gegenwart weiterleben.
Texthinweise zu Kapitel 6
Grundlage sind die Devanagari-Fassungen, abgeglichen mit Kriyasagaram, Band 25, Druckseiten 47–53. Schwierige Stellen wurden zusätzlich im kritischen Sanskritdruck, Band II, kontrolliert. Die englische Übersetzung dient als Verständnishilfe. Die folgenden Hinweise machen verbleibende Unsicherheiten sichtbar.
- Zählung: Das Kapitel hat 118 nummerierte Verse und einen unnummerierten Schlusshalbvers. Die Druckzahl „128“ am Kapitelende im Kriyasagaram-Band ist ein Zählfehler; der kritische Druck bestätigt 118. Die Kennung 118z ist redaktionell.
- 6.13 und 6.20: Die Lesung baddhalakṣa, „mit fest gerichteter Aufmerksamkeit“, in 6.13 entspricht einer im kritischen Apparat bezeugten Variante. In 6.20 folgt tadartham, „zu diesem Zweck“, der ebenfalls bezeugten Variante; die kritische Hauptlesung lautet tadardham, „dessen Hälfte“. Der genaue Bezug der Verbindung goṣpathabhaikṣuka bleibt ungewöhnlich; „Bettelmönch am Kuhpfad“ ist eine vorläufige wörtliche Deutung.
- 6.48: Dhyātṝṇām bedeutet seiner Form nach „der Meditierenden“. Im Zusammenhang der Richtungs- und Umfassungsgottheiten bleibt die genaue Zuordnung unklar. Die deutsche Kontextwiedergabe „der dort vergegenwärtigten Wesen“ ist deshalb vorläufig, keine gesicherte Korrektur des Sanskrit.
- 6.56 und 6.61: Der kritische Sanskritdruck bestätigt in 6.56 asannidhīkṛte, „nicht bereitgestellt“, und in 6.61 abhyarthya, „nachdem man gebeten hat“. Diese Lesungen werden übernommen.
- 6.64: Die kritische Lesung rasātmā … svādubhāve verbindet den inneren Lenker mit dem Geschmack der Nahrung. Sie wird gegenüber tathātmā … sādhubhāve des neueren Drucks bevorzugt. Der Zusammenhang der vier Vyuhas legt die Identifikation des Adhyaksha mit Aniruddha nahe; dessen Name steht hier nicht ausdrücklich im Vers.
- 6.68–75: Die achtgliedrige Verneigung umfasst vier Gliedmaßen, Haupt, Geist, Buddhi und Ichbewusstsein. Sie ist von der anschließend aufgezählten achtgliedrigen Ritualordnung zu unterscheiden. In 6.72 steht die Anrede „Narada“, obwohl Narada seit Vers 2 als Sprecher geführt wird. Diese Unebenheit des Dialogs bleibt erhalten. Auch paśunārcayā, die knappe Wendung zum Opfertier beziehungsweise zu dessen kultischer Darstellung, ist auslegungsbedürftig. Eine bestimmte tierfreie Ersatzgabe wird aus diesem Vers allein nicht rekonstruiert.
- 6.76–78: Die morgendliche achtgliedrige Ordnung wird unmittelbar um die beiden letzten Glieder eingeschränkt; Ahnenmahl und Anuyaga werden dem Mittagsdienst zugeordnet. In 6.77 wird gāthām, „Lobgesang“, aus dem kritischen Druck übernommen; der neuere Druck liest prātām. Bei drei Tagesdiensten sind einer achtgliedrig und zwei sechsgliedrig.
- 6.83–88: Bahir devam in 6.83 wird mit dem kritischen Sanskritkommentar als außerhalb vergegenwärtigter Herr gelesen. In 6.87 steht in beiden verglichenen Drucken dhyātṛdhyeyavibhāgena, also die Unterscheidung von Meditierendem und Meditationsgegenstand; eine stillschweigende Änderung zu „ohne Unterscheidung“ wird nicht vorgenommen. Tanmayatā bezeichnet hier das Ganz-von-ihm-Erfülltsein. Die theologische Deutung der folgenden Brahman-Aussage ist damit noch nicht abschließend festgelegt.
- 6.94–100: Die Darstellung der rechten Hand und der Mantragestalt ist syntaktisch gedrängt. In 6.100 bleibt besonders die Verbindung bhartur no yujyate mit dem übrigen Satz schwierig; auch die englische Kontrollübersetzung löst sie nicht überzeugend. Die deutsche Wiedergabe ist vorläufig und darf nicht als eigenständige dogmatische Aussage zitiert werden. Sicher ist der übergreifende Gegensatz zwischen Hingabe ohne Fruchtanspruch und Praxis mit erstrebtem Ergebnis in 6.98–99.
- 6.104 und 6.111: Die „beiden Aspekte“ der subtilen Gestalt in 6.104 sind im Vers nicht näher aufgeschlüsselt; die Übersetzung ergänzt keine feste Systematik. In 6.111 wird samarcya, „nachdem man verehrt hat“, aus dem kritischen Druck übernommen statt des zweiten samāpya im neueren Druck.
Kapitel 7 – Lakshmi und Sudarshana – Mitgefühl und göttliche Kraft
Lakshmi schenkt Furchtlosigkeit und nährt die Welt mit ihrem mitfühlenden Blick. Sudarshana offenbart die wirksame Kraft Narayanas. Dieses Kapitel beschreibt ihre Verehrung, ihre Meditationsgestalten und die zugehörige Mantraordnung; äußere Puja und innere Sammlung bleiben eng verbunden.
Die Weisen sprechen:
Die Frage nach der Göttin
7.1 Erhabener, Bester der Weisen, du bist in allen heiligen Lehrschriften bewandert. Zuvor hast du erklärt, dass unmittelbar nach der Verehrung des Hauptbildes
7.2 auch die in allen Höfen, Heiligtümern und weiteren Stätten eingesetzten Gottesbilder verehrt werden sollen.
7.3 Dabei möchten wir besonders von der Verehrung Shris, Bhus und der weiteren Göttinnen hören. Göttlicher Weiser, lege sie ausführlich dar.
Narada spricht:
Die göttliche Shakti
7.4 Hört alle, ihr Weisen, von der erhabenen Verehrung der Göttinnen Shri und Bhu. Schon ihre Kenntnis, so wird verheißen, lässt den Menschen das Ersehnte erlangen.
7.5 Lakshmi gilt als die Kraft des göttlichen Genießenden; Pushti wird als die wirkende Kraft bezeichnet. Als der Herr aus Mitgefühl mit der Welt zur Erfahrung und Freude herabstieg,
7.6 trat mit ihm dieses unvergängliche Paar von Shaktis hervor, dessen Entfaltung in vielfältigen Formen offenbar wird.
Drei Gegenwartsformen Lakshmis
7.7 Für Shri und die weiteren Göttinnen werden dabei drei Gestalten genannt: Yogalakshmi wohnt im Shrivatsa-Zeichen; Bhogalakshmi steht an der Seite des Herrn.
7.8 Viralakshmi ist eigenständig an einem gesonderten Ort eingesetzt. Entsprechend werden auch bei den anderen Göttinnen diese drei Gestalten unterschieden.
7.9 Yogalakshmi und Bhogalakshmi werden zusammen mit dem Herrn verehrt. Viralakshmi verehre man nach der Ordnung in einem eigenen Heiligtum.
7.10 Wo diese Göttin verehrt wird, soll Shri, das segensreiche Wohlergehen, beständig sein. Ihre Verehrungsordnung werde ich nun darlegen. Hört, ihr hervorragendsten Weisen.
Das Heiligtum der Göttin
7.11 Im ersten, zweiten, dritten oder einem weiteren Umfassungsbereich des Tempels richte man die Stätte Shris ein.
7.12 In den vier Himmelsrichtungen ihres Heiligtums sehe man Tushti, Pushti, Savitri und die Göttin der Rede als Richtungsgestalten vor, ihr großen Weisen.
7.13 An den Ecken bringe man nach Wahl Garuda, den Sohn Vinatas, oder Löwen an. Im Inneren, im Brahma-Bereich oder im Divya-Bereich, setze man Shri ein.
7.14 Sie sei vierarmig, von edler Gestalt und mit allen glückverheißenden Merkmalen versehen; sie sitze im Lotossitz, mit langen Augen wie Lotusblätter.
7.15 Mit den beiden vorderen Händen schenkt sie Furchtlosigkeit und Segen; in den beiden hinteren Händen trägt sie göttliche Lotusblumen.
Spirituelle Erläuterung: Die beiden vorderen Hände verbinden Furchtlosigkeit und Segen. In dieser Bildsprache erscheint die Göttin als Zuflucht und nährende Gegenwart.
Der Shri-Mantra
7.16 Dreimal täglich verehre man die Göttin mit ihrem Mantra, ihr besten Zweimalgeborenen. Zuerst steht der Pranava, danach das Shri-Bija,
7.17 dann „śriyai namaḥ“. Dieser sechssilbige Mantra gilt als Vollender aller Anliegen. Die Silben „śrā, śrī, śrū, śrai, śrau, śra“ (so die hier verglichenen Drucke) verbinde man mit Herz und den weiteren Anga-Mantras.
Reinigung und innere Vorbereitung
7.18 Der kundige Deshika bade zunächst mit diesem Mantra, wasche Hände und Füße und vollziehe Achamana nach der Ordnung.
7.19 Dann betrete er das Heiligtum und richte alles angemessen ein. Bequem auf seinem Sitz, mit dem Gesicht nach Osten oder Norden,
7.20 vollziehe er die Reinigung der Hände, den Schutz der Himmelsrichtungen und Pranayama. Durch die beiden Dharanas reinige er den eigenen Körper.
7.21 Danach setze er den Shri-Mantra samt seinen Angas durch Nyasa in Hände und Körper ein, ebenso die Krone, die Waldblumengirlande und die beiden Lotusblumen.
7.22 Nach dieser Einsetzung wie zuvor bilde er die Lotus-Mudra. Er vergegenwärtige die Wesenseinheit und im Inneren seines Herzlotus
7.23 rufe er die Göttin Shri mit all ihren glückverheißenden Merkmalen aus dem Shrivatsa-Zeichen des höchsten Herrn herab, der in der Stätte seiner eigenen Seligkeit ruht.
7.24 Mit nektargleichen Gaben verehre er sie wie zuvor bis zum Japa. Danach verehre er die Göttin äußerlich mit der bereits beschriebenen Fülle der Gaben.
Die äußere Verehrung
7.25 Dazu bereite er wie zuvor die fünf Gefäße für Arghya und die übrigen Gaben. Der Mantrakundige verehre die in den eigenen Körper eingesetzten Mantras,
7.26 mit Arghya und den weiteren Gaben bis zum Räucherwerk. Dann vollziehe er die Torverehrung: für den Herrn des Vastu, den Hüter des heiligen Bezirks und Dvaralakshmi,
7.27 sowie für Chandi und Prachandi an beiden Seiten des Eingangs zum innersten Heiligtum. Danach verehre er das Vimana, den heiligen Tempelbau.
7.28 Die Einsetzung der Welten, der kosmischen Wege und der Tattvas geschehe wie zuvor. Hört nun, was bei der Einsetzung der Gottheiten besonders zu beachten ist.
Die Kräfte der göttlichen Gestalten
7.29 An der Grundlage des Polsters verehre man die Vierergruppe, die mit Dharma beginnt. Wo die Gestalten von Vasudeva an, die Gestalten von Keshava an
7.30 und die mit Padmanabha beginnenden Gestalten verehrt werden sollen, ihr großen Weisen, verehre man jeweils ihre Shaktis oder diese göttlichen Gestalten selbst in der entsprechenden Reihenfolge.
7.31 Oder man verehre sie der Reihe nach gemeinsam mit ihren Shaktis. Lakshmi, Kirti, Jaya und Maya werden als die Shaktis der vier Vyuhas genannt.
7.32 Shri, Vagishvari, Kanti, Kriya, Shakti, Vibhuti, Ichchha, Priti, Rati, Maya, Dhi und Mahima –
7.33 dies sind der Reihe nach die Shaktis von Keshava und den weiteren Gestalten. Nun: Dhi, Tara, Varuni, Shakti, Padma und Vidya,
7.34 Sankhya, Vishva, Khaga, Bhu, Go, Lakshmi und Vagishvari, Amrita, Harini, Chhaya, Narasimhi und Sudha,
7.35 Shri, Kanti, Vira, Kama, Satya, Shanti, Saroruha, Maya, Padmasana, Kharva, Vikranti und Narasambhava,
7.36 Narayani, Haripriti, Gandhari und Kashyapi, Vaidehi, Vedavidya, Padmini und Nagashayini:
7.37 Diese achtunddreißig Göttinnen sind die Shaktis von Padmanabha und den weiteren Gestalten. Wo eine andere Gestalt des Herrn zu verehren ist, verehre man dort Shri.
Torhüterinnen und Yogapitha
7.38 Die übrigen Gottheiten des Tempelbaus verehre man wie zuvor beschrieben, insbesondere die in seinen vier Himmelsrichtungen eingesetzten:
7.39 Tushti, Pushti, Savitri und die Göttin der Rede. Am Tor des vorderen Pavillons werde auf der Südseite Balakini
7.40 und auf der Nordseite Vanamalini verehrt. Nachdem man die Torverehrung so vollzogen hat, richte man den Sitz ein.
7.41 Unterhalb des Sitzes vergegenwärtige man den göttlichen Schlangenherrn als Träger von allem; an den Ecken Dharma und die übrigen Stützen, darüber den unmanifesten Lotus.
7.42 Auf ihm verehre man der Reihe nach die drei Lichtbereiche mit Arghya und weiteren Gaben. Nachdem auch Gananatha und die übrigen nach der Ordnung verehrt sind,
Anrufung und Mantraeinsetzung
7.43 rufe man Shri herbei und vollziehe Mantra-Nyasa und die weiteren Handlungen. Man festige ihre Gegenwart und zeige die Lotus-Mudra.
7.44 Die in die Gestalt eingesetzten Mantras verehre man nach der für die Rücknahme beschriebenen Ordnung. Die Verehrung mit erfreuenden Gaben geschehe auf der Fläche des Lotossitzes.
7.45 Auf den Lotusblättern der Hauptrichtungen, beginnend im Osten, setze man Herz und die weiteren Angas ein wie zuvor; auf den Blättern der Zwischenrichtungen Astra, das Auge im Geflecht der Staubfäden.
7.46 Auf dem Sitz außerhalb der Blätter vergegenwärtige man im Südosten die Krone, im Nordosten die Waldblumengirlande; im Südwesten und Nordwesten
7.47 setze man danach die beiden Lotusblumen ein. Nun werde ich das Dhyana, die meditative Betrachtung, beschreiben. Hört, ihr besten Zweimalgeborenen.
Meditation über Lakshmi
7.48 Im Inneren des Heiligtums sitzt sie auf einem göttlichen Lotus, im Lotossitz, leuchtend wie das Innere einer aufgeblühten Lotusblüte.
7.49 Sie besitzt alle glückverheißenden Merkmale und ist mit allem Schmuck geschmückt. Ihre Locken erscheinen von einem Schwarm bewegter Bienen erfüllt.
7.50 Eine mit funkelnden Edelsteinen besetzte Krone schmückt sie; auf ihrer halbmondgleichen Stirn erstrahlt das Stirnjuwel.
7.51 Ihre weiten Augen gleichen aufgeblühten Lotussen; ein sanftes Lächeln erhellt ihr Gesicht. Mit ihren von Mitgefühl erfüllten Blicken stärkt und erfreut sie die Welt.
7.52 Ihre Wangen glänzen wie die Fläche eines Spiegels. An ihrer Nase schimmert eine Perle; ihre schön geschwungenen Brauen strahlen.
7.53 Ihre Zähne gleichen Perlen, ihre leuchtenden Lippen Korallen. Edelsteingeschmückte Ohrgehänge lassen beide Ohren anmutig erstrahlen.
7.54 Ihr Gesicht gleicht dem Vollmond, ihr Hals einer Muschel. Sie trägt einen edelsteinbesetzten Halsschmuck und das glückverheißende Ehejuwel.
7.55 Sie hat vier Arme und volle Schultern; Perlenketten schmücken sie. Ihre Brüste werden als fest, hoch, voll und rund beschrieben.
7.56 Sie trägt ein kunstvoll gestaltetes Obergewand und vielerlei Schmuck. Mit der vorderen rechten Hand schenkt sie den Furchtsamen Furchtlosigkeit.
7.57 Mit ihrer lotusgleichen linken Hand segnet sie jene, die bei ihr Zuflucht suchen. In der hinteren rechten Hand hält sie eine Lotusknospe,
7.58 in der hinteren linken eine aufgeblühte Lotusblume. Edelsteinbesetzte Armreifen, Oberarmbänder und Ringe mit vielerlei Juwelen
7.59 schmücken sie; sie trägt göttliche Gewänder, einen Gürtel und weitere Zierden. Ihr Nabel ist tief, ihre schlanke Leibesmitte von drei Falten geschmückt.
7.60 An ihren zarten, sprossengleichen Füßen leuchten Fußringe mit bunten Edelsteinen. Ihr Körper ist mit göttlichem Duft gesalbt und mit himmlischen Girlanden geschmückt.
7.61 So meditiere man über diese Viralakshmi, die alles Ersehnte schenkt: strahlend wie zehntausend Vollmonde, ein Ozean des Nektars der Schönheit.

Verehrung und Festordnung
7.62 Nachdem man die Göttin Shri so betrachtet hat, vergegenwärtige man wie zuvor Herz und die übrigen Angas, die Krone, die Waldblumengirlande und die beiden Lotusblumen.
7.63 Dann vollziehe man die Verehrung mit Sitz und den weiteren beschriebenen Gaben, mit vierundsechzig oder zweiunddreißig Upacharas, ihr Zweimalgeborenen.
7.64 Der Göttin bringe man eine eigene Speisegabe dar oder eine bereits dem Herrn geweihte. Ihre Verehrung führe man nach der Ordnung bis zum Japa oder bis zur Homa.
7.65 In dieser dem Hauptheiligtum zugeordneten Form vollziehe man für sie keine gesonderte Bali-Gabe. Gemeinsam mit der Verehrung im Haupttempel sollen kundige Deshikas für sie
7.66 das Anlegen der Pavitra-Fäden vollziehen, die als Teil des Hauptritus mitgeweiht wurden. An ihrem Geburtsstern und ähnlichen Festtagen vollziehe man die rituelle Waschung, das Fest und die weiteren Handlungen.
7.67 Auch bei dieser Zuordnung Lakshmis zum Hauptheiligtum feiere man für sie Navaratri, beginnend mit der Aussaat der Keime und dem Anlegen des Schutzfadens,
7.68 verbunden mit der Verehrung an den vier Stätten, zum Wohlergehen des Landes. Bali, das Hissen der Festfahne und das abschließende rituelle Bad lasse man dabei aus.
Das eigenständige Heiligtum
7.69 Dies ist die Ordnung der zugeordneten Verehrung. Nun wird die eigenständige Verehrung erklärt. In einem Dorf, einer Stadt, auf einem Berg oder am Ufer eines Flusses
7.70 errichte man für Shri eine Stätte mit Umfassungsmauer und Heiligtum. Dort weihe man ihr Bild mit ihrem Mantra nach der Ordnung.
7.71 Aus dem Shrivatsa-Zeichen des Gottes der Götter rufe man Shri in den Herzlotus des Bildes herbei. Mit dem Mantra und seinen Angas vollziehe man ihre vollständige rituelle Ausgestaltung,
7.72 und verehre die Göttin mit den erfreuenden Gaben bis zur Speisedarbringung. Danach erfreue man Shri inmitten des Feuers mit Opferhölzern und weiteren Gaben.
Feuerverehrung und Abschluss
7.73 Man weihe die Feuergrube und das entzündete Feuer nach der Ordnung und benetze das Brennmaterial und das Übrige mit Tropfen des geweihten Ghee.
7.74 Man sättige das Feuer und richte darin den Mantrasitz und die weiteren Einrichtungen ein. In dessen Mitte rufe man die Göttin aus dem Herzen nach der Ordnung herbei.
7.75 Man opfere die für den täglichen Ritus und für besondere Anliegen vorgesehenen Hölzer. Dann vollziehe man das Svishtakrit-Opfer zur Vervollständigung sowie die Sühnegabe.
7.76 Nach der vollen Darbringung und den weiteren Handlungen führe man Lakshmi in den Herzlotus zurück und vollziehe die Feueropfer für ihr Gefolge nach der Ordnung.
7.77 Dann betrete man den Tempel der Göttin, die Stätte ihrer Verehrung, und bringe ihr das vollzogene Feueropfer dar. Es folgen die Sättigung der Ahnen,
7.78 die Bali-Gabe für die Wesen und die Weitergabe an geschätzte, rechtschaffene Menschen, an jene, die den Opferdienst pflegen, und an die innerlich gesammelten Mitwirkenden.
7.79 Anuyaga, das ehrerbietige Essen des Naivedya, und alles Weitere vollziehe man wie zuvor nach der Ordnung, zur Verwirklichung von Lebensfülle und Befreiung.
Das Gefolge der Göttin
7.80 Bei Bali und den weiteren Gaben ist die Reihenfolge der Gefolgsverehrung folgende: Im ersten Umfassungsbereich verehre man, im Osten beginnend, Kumuda und die weiteren Gottheiten.
7.81 An den beiden Seiten seines Tores verehre man Vibhishika und Shankari. Im zweiten Umfassungsbereich verehre man danach Upendra und die weiteren Gottheiten.
7.82 An dessen Torseiten verehre man die beiden Schatzgestalten Shankha und Padma. Im dritten Umfassungsbereich verehre man danach Indra und die weiteren Hüter der Richtungen.
7.83 An seinen Torseiten werden Nalakubara und Jumbhala verehrt. Im vierten Umfassungsbereich verehre man den Vajra und die übrigen göttlichen Waffen.
7.84 An der südlichen Torseite verehre man Shibikundala, an der nördlichen Manibhadra. Im fünften Umfassungsbereich
7.85 verehre man Lohitaksha und die weiteren Gottheiten; anschließend an den Torseiten der Reihe nach Jaya und Vijaya.
7.86 Am großen Sockel verehre man Kumuda und die übrigen nach der Ordnung. An der Stelle Vishvaksenas verehre man die vierarmige Sumukhi.
7.87 Sie trägt einen Stab in der rechten Hand und zeigt auch die erhobene Zeigefingergeste; in den hinteren Händen hält sie zwei Lotusblumen.
Eigenständige Feste
7.88 So verehre man das gesamte Gefolge mit Bali und den weiteren Gaben. Das Anlegen der Pavitra-Fäden und die übrigen Feste vollziehe man hier eigenständig nach der Ordnung.
7.89 Man hisse die Garuda-Fahne und feiere das große Fest. Die Verehrung an den vier Stätten und die weiteren Handlungen vollziehe man mit dem Shri-Mantra.
7.90 Damit ist, ihr besten Weisen, die Reihenfolge der Verehrung Shris und der weiteren Göttinnen beschrieben. Auf diese Weise verehre man auch Pushti und die anderen Göttinnen, jede mit ihrem eigenen Mantra.
Die Weisen sprechen:
Die Frage nach Sudarshana
7.91 Erhabener, Kenner aller Lehrschriften, der du die Zufluchtsuchenden liebst: Von dir haben wir die Verehrung Shris und der weiteren Göttinnen gehört, o großer Weiser.
7.92 Nun erkläre uns bitte die Verehrung Sudarshanas, o Herr. – Narada spricht: Hört alle mit aufmerksamem Geist, ihr Weisen,
7.93 die Ordnung der Sudarshana-Verehrung, die Gutes für diese und die jenseitige Welt schenkt. Die Mantras Sudarshanas und seine Gestalten sind vielfältig.
Das Sudarshana-Heiligtum
7.94 Mit einem erwählten Mantra verehre man die entsprechende erwählte Gestalt. In einem göttlichen oder anderen Heiligtum, an einem schönen Ort im Hof oder anderswo,
7.95 in einem Dorf oder an einem ähnlichen Ort, am Flussufer, im Wald oder auf einem Berg errichte man einen Tempel oder Pavillon mit bildlichem Schmuck und Öffnungen nach allen Richtungen
7.96 oder mit der Hauptausrichtung nach Osten, mit Fenstern und Türen, mit einem oder mehreren Geschossen und mit dem Zeichen des Diskus geschmückt.
7.97 Er sei mit einem stattlichen Eingangsvorbau, einem Aufgang und einer Umfassungsmauer versehen. Im Inneren dieses Tempels
7.98 weihe man das Bild Sudarshanas nach der Ordnung. Der Deshika verehre es dreimal täglich in Reinheit mit dem zugehörigen Mantra.
7.99 Dort sollen, so verheißt der Text, seelische und körperliche Leiden, Hungersnot, schädigende Wesen, Vetalas und unheilvolle Mächte die Menschen nicht bedrängen; beständig soll Segen herrschen.
Das Rad der Schriftlaute
7.100 Hört nun die Verehrungsordnung, beginnend mit den Mantras. Auf einer gut geschützten, reinen Bodenfläche lege man das Rad der Schriftlaute aus,
7.101 das von A bis Ksha reicht und alle Laute in seiner Gestalt umfasst, ausgestattet mit Achse, Nabe, Speichen, Radkranz und äußerer Einfassung.
7.102 In dieses Feld schreibe man den Pranava, den Ursprung aller Mantras. Die Vokale von A bis zum Visarga erhalten ihren Platz im Bereich der Nabe.
7.103 Die Laute von Ka bis Bha stehen auf den vierundzwanzig Speichen; von Ma bis Ha auf dem Radkranz; Ksha steht im äußeren Einfassungsbereich.
7.104 Das Rad besteht ursprünglich aus Shabda Brahman, der höchsten Wirklichkeit als Klang, und tritt dann in den Lauten hervor. Mit den jeweiligen Namen, denen Pranava vorangeht und Namaḥ folgt, der Reihe nach
7.105 verehre der Guru und Deshika nach der Ordnung das in ihm eingesetzte Matr-Yantra, die Gestalt des Matrika-Mantra, mit Arghya, Blumen und weiteren Gaben.
Sudarshana und Kriya Shakti
7.106 Dann entnehme er daraus die Mantras, die alle erstrebten Vollendungen schenken. Jene Kraft, die durch ihr Machtwesen wirkt und auf Schöpfung, Erhaltung und Auflösung ausgerichtet ist,
7.107 wird Kriya Shakti, die Kraft des Handelns, genannt, die seit Anbeginn gute Weltperioden hervorbringt. Indem sie die Gestalt der Zeit annimmt, lässt sie diese Welt wachsen.
7.108 Darum ist Sudarshanas Leib das Rad der Zeit und das Rad der Welt. In ihm wirkt diese Shakti als belebende Kraft.
7.109 Ohne sie wäre all dies gleichsam nicht existent. Darum entnehme man dem Lautrad die Shakti-Formel, deren Glanz Feuer und Mond entspricht.
Texthinweis: Die folgenden Verse beschreiben vielfach verschlüsselt die Bildung von Mantras aus einem Lautrad. Die Übersetzung erhält diese Anweisungen; unsichere Gesamtformeln werden nicht ergänzt.
Die verschlüsselte Bildung der Mantras
7.110 Diese Kraft Vishnus ist ewig, ohne Anfang und Ende, und hat ihren Halt in der Achse. Zuerst nehme man das letzte Lautpaar des Radkranzes und verbinde dessen ersten Laut mit dem zweifachen Feuerlaut.
7.111 Mit dem vierten und dem letzten Laut der Nabe wird dieser Pinda-Mantra ausgestattet. Er ist die große Kraft Sudarshanas, die alle Siddhis schenkt.
7.112 Sie belebt den sechsgliedrigen Mantra und hat Licht und Seligkeit zum Wesen. Um Herz und die weiteren Anga-Mantras zu bilden, nehme man diese Pinda-Lautverbindung ohne ihre bisherigen Vokale
7.113 und verbinde sie mit den ersten drei und den letzten langen Vokalen für die Angas vom Herzen bis zum Auge. Diesen Formeln gehe Pranava voran; Herz und die weiteren Bezeichnungen stehen im Dativ.
7.114 Der Reihe nach verbinde man sie mit den rituellen Endungen Namaḥ, Svāhā, Vaṣaṭ, Huṃ, Phaṭ und Vauṣaṭ sowie mit den göttlichen Eigenschaften, beginnend mit Vijnana, der Erkenntnis.
7.115 Nun folgt die Entnahme des sechsgliedrigen Mantra, der die Grundgestalt dieser Shakti bildet. Wie zuvor entnehme man das abschließende Lautpaar am Ende des Radkranzes.
7.116 Dessen ersten Laut verbinde man mit dem dritten; darauf folgt der letzte Laut. Diesen versehe man mit dem fünften Vokal und mit dem ersten Laut des Radkranzes. (Die genaue Verknüpfung des ersten Halbverses ist textlich unsicher.)
7.117 Danach verbinde man den Laut der elften Speiche mit dem der Speiche doppelter Zahl. Beim fünften und sechsten Glied lasse man den jeweils abschließenden Laut nicht weg. (Die Anweisung setzt die überlieferte Zuordnung des Lautrades voraus.)
7.118 Dieser Sudarshana-Mantra wird als sechsgliedrig bezeichnet. Das dritte, fünfte und sechste Glied gelten dabei jeweils als aus drei Lautbestandteilen bestehend.
7.119 Die drei anderen Glieder bestehen jeweils aus zwei verbundenen Lautbestandteilen. Dieser Mantra bezeichnet Vishnu, dessen Wesen Zeit ist und dessen Gestalt das ganze Universum umfasst.
7.120 Mit Tara, dem Pranava, und der Shakti-Formel wird er als achtgliedrig bezeichnet. Wie der Purusha durch die Verbindung von Feld und Feldkenner in Prakriti gegenwärtig ist,
Die Schau, die Zweifel löst
7.121 so meditiere man über Hari als Sudarshana mit seinem groben und subtilen Aspekt. Darshana ist die Schau der höchsten Wirklichkeit; dazu gehört auch das Verstehen ihrer Darlegung.
7.122 Für die darin Gefestigten vertreibt dies beständig das Dunkel der Unwissenheit. Es zerschneidet ihre Zweifel, damit sie sich den heilsamen Mitteln zuwenden.
Moderne spirituelle Anregung: Eine Frage geduldig prüfen, Unklarheit eingestehen und sich einem heilsamen nächsten Schritt zuwenden – so kann die Verbindung von Klarheit und Handeln auch im Alltag geübt werden.
7.123 Diese weitere Gestalt von ihm bewirkt die Auflösung des Zweifels. Im Mund derer, die in den überlieferten Pflichten von Varna und Ashrama gefestigt sind,
7.124 zerschneidet er durch die Kraft seiner heiligen Formel die schädigenden Wesen. Den Bhaktas, die durch ihn gekennzeichnet und innerlich geläutert sind,
7.125 soll Sieg in dieser und in der jenseitigen Welt gleichsam in der Hand liegen. Wie viel mehr gilt dies für einen Bezirk, in dem er eingesetzt und verehrt wird.
Die Anga-Mantras
7.126 Nun werden die besonderen Merkmale der Mantras für Herz und die weiteren Angas erklärt. Zuerst setze man der Reihe nach ihre Mantralaute,
7.127 die als Bija dienen, nach Tara ein und versehe sie mit Bindu. Dann folgen der Reihe nach A, Vi, Su und die beiden Silben des Wortes Sūrya,
7.128 sowie die Wörter Mahāsudarśana und Jvālā. In diesen sechs Verbindungen füge man jeweils „cakrāya“ an und verbinde sie der Reihe nach mit der Endung des Shiras-Mantra.
7.129 Man schreibe sie nach der zuvor erklärten Ordnung mit den Eigenschaften von Vijnana an, mit Herz und den weiteren Anga-Bezeichnungen im Dativ und mit den Endungen Namaḥ, Svāhā und den übrigen bis zum Augen-Mantra.
7.130 An den Orten der Verehrung vergegenwärtige man sie wie die Hauptgestalt in sichtbarer Form: mit ihrer Farbe, ihrem Schmuck, Gewand und Waffen, mit Armen, Haltung und Gebärden.
7.131 Wer die Größe des Mantra so versteht und nach der Ordnung verehrt, mit dem Schutz der Richtungen, der Feuerumwallung, der Gayatri, der Anrufung und den weiteren Mantras,
7.132 mit den Mantras für die Ritualgeräte sowie für Darbringung und Entlassung, dem werden der Reihe nach alle Früchte und Mantra-Siddhi zuteil. (Die Verknüpfung folgt dem traditionellen Kommentar; siehe Texthinweis.)
Schutz der Richtungen und Feuerumwallung
7.133 Zuerst werden die Merkmale der Mantras für den Schutz der zehn Richtungen erklärt: „puruṣāya“, mit Oṃ am Anfang und Svāhā am Ende; anschließend
7.134 „astreṇa bandhayāmi“, als sechssilbige Wendung mit Svāhā am Ende. So wird dieser Mantra zum Binden der Richtungen angegeben, der nach der Überlieferung schädigende Einflüsse abwehrt.
7.135 Man nehme zuerst Pranava und die Formel der beiden Gemahlinnen des Feuers; dann setze man die auf „āya“ endende Verbindung des Chakra ein. Dies wird Agniprakara, die Feuerumwallung, genannt. (Die genaue Wortverknüpfung bleibt auslegungsbedürftig.)
Die Chakra-Gayatri
7.136 Hört, ihr besten Weisen, die erklärte Chakra-Gayatri. Mit der rituellen Einleitung voran entnehme man die Wendung „cakrāya“.
7.137 Man nehme das zweite Wort der Vishnu-Gayatri, die ersten drei Silben des Purusha-Sukta und das durch die Augen bezeichnete Wort, verbunden mit dem vor dem Ende des Radkranzes bezeichneten Laut.
7.138 Daran füge man „dhīmahi“ und das nicht auszulassende „no“ an. Dann entnehme man den viersilbigen Schluss der Gayatri und setze ihn ans Ende.
7.139 Damit ist die Sudarshana-Gayatri angegeben, deren Silbenzahl der Zahl der Mondstationen entspricht. Steht Tara, der Pranava, am Anfang, hat sie eine Silbe mehr.
Anrufung, Darbringung und Entlassung
7.140 Nun werde ich drei Mantras erklären, die allgemein bei jeder Verehrung verwendet werden. Man nehme zunächst zweimal Tara und füge das Wort „parama“ an.
7.141 Darauf folgt „dhāma“; danach der erste Laut des Radkranzes und der Laut der achtzehnten Speiche; dann der Laut der zwanzigsten Speiche mit dem fünften Nabenlaut darüber.
7.142 Danach entnehme man die fünf Silben „grahakāmyayo“; es folgt der Laut der achtzehnten Speiche, verbunden mit dem zweiten Laut des Radkranzes.
7.143 Dann folgen der Laut der sechzehnten Speiche mit dem zweiten Vokal, der fünfte Laut des Radkranzes und wiederum der Laut der sechzehnten Speiche.
7.144 Man verbinde den dritten Laut des Radkranzes mit dem dritten Vokal, den letzten Laut des Radkranzes mit dem A-Laut und den letzten Speichenlaut mit einem weiteren Vokal.
7.145 Es folgen der erste Laut des Radkranzes, der Laut der sechzehnten Speiche und der achte Radkranzlaut mit I; dann der Laut der neunzehnten Speiche über dem der achtzehnten.
7.146 Man füge den dritten Vokal hinzu, danach den Laut der achtzehnten Speiche. Dann folgt „mantraśarīra“, abschließend Pranava und Namaḥ.
7.147 Nochmals mit Namaḥ verbunden, dient dieser Mantra zur Anrufung. Nun wird der Mantra für die Darbringung aller erfreuenden Gaben erklärt.
7.148 Zuerst spreche man Pranava, den einen Ursprung aller Gaben. Dann folgt dreimal der letzte Laut des Radkranzes mit Bindu; anschließend das Wort „idam“
7.149 und „gṛhāṇa“, „nimm entgegen“, mit der Endung des Shiras-Mantra. Diese Formel bezeichnet die Darbringung. Für Anrufung, Verehrung und die Ordnung der Entlassung
7.150 nehme man zuerst Pranava und die Anrede „bhagavan“, füge die Bezeichnung der Mantragestalt und „svapada“, die eigene Stätte, im Akkusativ hinzu,
7.151 danach „āsādaya“, „suche auf“, und „kṣamasva“, „vergib“, mit Pranava am Ende. So habe ich die Mantras zur Verehrung Sudarshanas dargelegt.
Vorbereitung der Sudarshana-Puja
7.152 Nun werde ich die Verehrungsordnung selbst erklären, ihr großen Weisen. Nachdem man wie zuvor gebadet und die weiteren Vorbereitungen vollzogen hat, betrete man die Stätte der Verehrung.
7.153 Man wasche die Füße und vollziehe Achamana, trage ein Obergewand, sei angemessen geschmückt und mit dem aufrechten Stirnzeichen versehen. Die Torhüter verehre man wie zuvor mit Blumen.
7.154 Man öffne die Tür, trete ins Innere und verneige sich vor dem Herrn. Mit der Gayatri vollziehe man die Waschung seiner Hände und die weiteren Dienste.
7.155 Man führe die Gegenwart zum Sitz beziehungsweise Yantra herab und vollziehe die drei Wege. Nach der Reinigung des Tempels nehme man vor dem Herrn auf einem Brett oder einer ähnlichen Unterlage Platz. (Der erste Halbvers ist sprachlich schwierig; siehe Texthinweis.)
7.156 Der schöne Sitz sei mit dem Astra-Mantra besprengt und dem Herrn zugewandt. Dort sitzend bereite man auch die an der eigenen Seite liegenden Ritualgegenstände durch Adhivasana vor.
7.157 Mit Astra reinige man wie zuvor Hände und Ort. Man verbinde beide Hände mit dem Astra-Mantra und der Astra-Mudra,
7.158 entferne die Hindernisse am Verehrungsort und die unsichtbaren Hindernisse außerhalb und lege den Schutz in den Haupt- und Zwischenrichtungen an.
7.159 Mit Kavacha umhülle man sich schützend, reguliere wie zuvor den Atem, vollziehe Bhuta Shuddhi und danach Mantra-Nyasa.
Matrika-Nyasa
7.160 Zuerst setze man die Matrika, die Mutter der Mantras von A bis Ksha, in beide Hände ein und lasse das Lautrad den Körper durchdringen.
7.161 Nach diesem alles durchdringenden Nyasa, leuchtend wie Sonnenlicht, beginne man rechts und gehe dann nach links zu den Fingern und Handflächen.
7.162 Vom Daumen bis zum kleinen Finger setze man jeweils vier Laute ein. So werden zweiundzwanzig gesetzt; danach zehn auf den Handflächen,
7.163 in der Mitte und in den beiden Vierergruppen jeweils fünf, eingeschlossen zwischen zwei Pranavas. Nachdem man sie so in beide Hände eingesetzt hat,
7.164 setze man sie auch in den eigenen Körper ein, beginnend mit dem durchdringenden Nyasa. Mit beiden Händen lasse man sie wie Sonnenstrahlen vom Scheitel bis zu den Fußsohlen reichen.
7.165 Nach diesem Durchdringen vollziehe man den Nyasa an den einzelnen Stellen: am Haaransatz, rings um den Mund, an beiden Augen und beiden Ohren,
7.166 an beiden Nasenöffnungen und beiden Wangen, jeweils rechts vor links, an der oberen und unteren Zahnreihe und an den beiden Lippen,
7.167 und am Scheitel: Dort setze man die Vokale einschließlich Visarga ein. Die Ka-Gruppe setze man der Reihe nach an die fünf Gelenkstellen des rechten Arms,
7.168 die Cha-Gruppe entsprechend links, die beiden Gruppen von Ṭa und Ta an die Gelenkstellen der Beine, rechts beginnend. Wie zuvor an Bauch und Seiten,
7.169 an Rücken, Nabel und Herz setze man die Pa-Gruppe ein; in die sieben Körpergewebe die Laute von Ya bis Sa; Ha ins Innere des Herzens,
7.170 Ksha in den Raum des Herzens. Nach dieser Einsetzung der Matrika setze man den sechsgliedrigen Mantra mit seiner Shakti in Hände und Körper ein.
Hand- und Körper-Nyasa
7.171 Zuerst vollziehe man den Hand-Nyasa. Hört, ihr großen Weisen: Mit dem Mantra samt seiner Shakti, zwischen zwei Tara-Silben eingeschlossen,
7.172 streiche man wie zuvor über beide Hände vom Handgelenk bis zu den Nägeln. Mit den Shakti-Lauten samt Bindu, mit Tara und Shakti an Anfang und Ende,
7.173 vollziehe man die Einsetzung an den mittleren Fingergliedern vom Daumen bis zum kleinen Finger. Den letzten Laut setze man an die Nagelspitzen.
7.174 Nach den Lauten setze man Herz und die übrigen Angas an den unteren und oberen Fingergliedern ein, in derselben Reihenfolge wie beim Laut-Nyasa.
7.175 Mit beiden Händen berühre man den Körper vom Scheitel bis zu den Füßen. Nach diesem durchdringenden Nyasa vollziehe man den Anga Nyasa.
7.176 Die Stellen sind Scheitel, Mund, Herz, Nabel, Geschlechtsbereich und Füße. Die umgekehrte Folge, von den Füßen bis zum Kopf, heißt Samhriti-Nyasa, Einsetzung in der Ordnung der Rücknahme.
7.177 Mit den jeweils zugehörigen, der Reihe nach gesprochenen Mantras setze man die Angas in Herz, Scheitel, Shikha, Schultern, Handmitte und Augen ein.
7.178 Nach Herz und den übrigen Angas setze man wie zuvor in beide Handflächen die Krone, das Kaustubha-Juwel, die Girlande und das Shrivatsa-Zeichen ein.
7.179 Die acht Attribute, beginnend mit dem Lotus, setze man der Reihe nach an rechter und linker Schulter ein; die Willenskraft an den eigenen Seiten,
7.180 das Geistprinzip am Ansatz der Oberschenkel. Den eigenen Körper betrachte man als aus Mantra bestehend und vergegenwärtige innerlich: „Ich bin Hari in der Gestalt Sudarshanas.“
7.181 Mit der Gayatri und der Chakra-Mudra vergegenwärtige der Mantrakundige rings um sich einen Kranz von Diskusflammen, o Brahmanen.
Die Verehrung im Herzen
7.182 Er vollziehe die anfangs vorgeschriebene, durch innere Vergegenwärtigung entstehende Verehrung. Wie zuvor sammle er die Sinnes- und Handlungsorgane im Bereich des Erkennens.
7.183 Im Herzen erschaffe er wie zuvor den Sitz, beginnend mit Ananta. Aus der höchsten göttlichen Wirklichkeit rufe er die Gestalt reinen Bewusstseins, das höchste Selbst,
7.184 mit innerlich gesprochenem Mantra auf diesen Sitz herab. Er vollziehe Mantra-Nyasa und die weiteren Handlungen, ebenso Laya- und Bhoga-Verehrung.
7.185 Über dem Haupt des Gottes der Götter vergegenwärtige er die Mondscheibe. Aus den aus ihr fließenden Nektarströmen bilde er innerlich Arghya und die übrigen Gaben.
7.186 Mit sechzehn oder zweiunddreißig Upacharas verehre er ihn. Nachdem diese geistige Verehrung nach der Ordnung bis zum Japa vollzogen ist,

Ergänzendes Video zur spirituellen Praxis; kein Bestandteil der Samhita.
Die äußere Verehrung
7.187 verehre der kundige Deshika den göttlichen Herrn der Waffen äußerlich am Bild, mit Arghya und den übrigen ordnungsgemäß bereitgestellten Gaben.
7.188 Wie zuvor stelle man die Arghya-Gefäße und die übrigen Gefäße auf, verehre die im Körper eingesetzten Mantras und die am Eingang des innersten Heiligtums gegenwärtigen Gottheiten.
7.189 Am Eingang des innersten Heiligtums verehre man Chanda und Prachanda, am Tor des vorderen Pavillons Dhatri und Vidhatri.
7.190 Nach dieser Torverehrung trete man ins Innere und errichte den Yogapitha, beginnend mit dem Schlangenherrn als Grundlage.
7.191 Man verehre Gananatha und die weiteren Gottheiten nach der Ordnung und rufe dann wie zuvor den göttlichen Sudarshana herbei.
7.192 Danach vollziehe man Mantra-Nyasa, in den drei Ordnungen, beginnend mit der Schöpfung, und setze Herz und die übrigen Angas sowie die Schmuckstücke an ihren Stellen ein.
7.193 Dann setze man die acht vorzüglichen Waffen ein, ebenso Willenskraft und Geistprinzip, wie zuvor im eigenen Körper.
Meditation über Sudarshana
7.194 Nach Laya- und Bhoga-Verehrung meditiere man über den göttlichen Sudarshana: das große Rad mit tausend Speichen, gewaltig wie eine Ansammlung von zehntausend Feuern,
7.195 die sechs kosmischen Wege umfassend, kreisend und von der Kraft Bhagavans entfaltet. In seiner Achse ist das höchste Selbst gegenwärtig, Narayana, frei von allem Leid,
7.196 der Herr in Diskusgestalt, leuchtend wie göttlicher Safran, mit goldbraunen Augen und goldbraunem Haar, in rotes Gewand gekleidet, alles durchdringend.
7.197 Seine Kraft und sein Leib sind gewaltig; er hat acht Arme. Aus seinen Fangzähnen strömen furchterregende Feuerflammen in brausender Fülle.
7.198 Seine Brauen sind kraftvoll zusammengezogen, seine bewegten Locken gleichen Bienen. Die Flammen aus seinem Stirnauge lassen alle Himmelsrichtungen aufleuchten.
7.199 Aufwärtsstrebende Flammen umspielen den Rand seiner strahlenden Krone. Seine Brust trägt Shrivatsa und Kaustubha; göttliche Girlanden schmücken ihn.
7.200 Er steht überaus herrlich da, mit erhobenem Knie und vielerlei Waffen. Er hält Lotus, Elefantenhaken, Stampfkeule und den überaus feurig strahlenden Diskus,
7.201 Muschelhorn, Bogen samt Pfeilen, Schlinge und die Kaumodaki-Keule – der Reihe nach von der vorderen rechten bis zur vorderen linken Hand.
7.202 So trägt er sie, der unvergleichliche Held, geschmückt mit göttlichen Zierden. Sein machtvolles Lachen versetzt die Scharen der Daityas und Danavas in Schrecken.
7.203 Im Rad der sechs kosmischen Wege, der Stätte unzähliger leuchtender Feuer, vergegenwärtige man den Diskusträger und den höchsten Diskus.
7.204 So meditiere man über den Herrn, der die Frucht des Ersehnten schenkt. Herz und die übrigen Angas, Krone und die weiteren Zierden betrachte man wie zuvor.
Die personifizierten Attribute
7.205 Hört nun die Meditation über die Waffen, ihr besten Zweimalgeborenen. Der kundige Guru betrachte Diskus, Muschelhorn, Keule und Lotus wie zuvor.
7.206 Den Elefantenhaken vergegenwärtige man in Menschengestalt: schlank, mit langen Armen und goldbraunen Augen, mit furchterregendem Gesicht, grimmig und dunkel wie ein aufgebrochener Berg von Antimon.
7.207 Die Stampfkeule erscheine mit schmalem Bauch, von Feuerflammen umgeben, wie ein Haufen glühender Kohlen, lang herabhängend und überaus hart.
7.208 Die Pfeilwaffe sei dunkel wie die Blätter des blauen Lotus, mit einem aus Pfeilen bestehenden Leib, vielgestaltig und scharf, mit der Kraft, die weiten Richtungen zu bannen.
7.209 Der Bogen sei goldfarben und mit einem Netz kleiner Glocken geschmückt. Seine menschliche Gestalt schlägt die Hände zusammen und tönt wie eine große Gewitterwolke.
7.210 Die Schlinge sei von Schlangen umgeben, mit einer blitzenden Zunge, furchterregend, hellgolden leuchtend, mit schrecklichem Gesicht und roten Augen.
7.211 Als vorzügliche zweiarmige Männer mit ihrem jeweiligen Glanz sollen sie betrachtet werden. Alle diese Herren der Waffen warten auf den Auftrag des allgegenwärtigen Herrn.
7.212 Sie erscheinen aufgerichtet, bewegt oder in ausgewogenen Stellungen ruhend, mit einer Hand an der Hüfte oder bereit, Wedel und Fächer zu führen.
7.213 Mit Ausnahme des Lotus und der Vierergruppe von der Krone an stelle man sich bei den anderen die rechte Hand drohend gegen die Scharen des Unheils erhoben vor.
7.214 So sei es während der Meditation bewusst. Auf ihrem Haupt vergegenwärtige man jeweils ihr wohlbekanntes eigenes Zeichen in seiner nichtmenschlichen Gestalt.
Die inneren Entsprechungen
7.215 Nun werden ihre herrschenden Prinzipien der Reihe nach genannt, ihr besten Weisen. Den Elefantenhaken erkenne als Kama, das Begehren; die Stampfkeule als den Schlangenherrn.
7.216 Die Pfeilwaffe entspricht Klang und den weiteren Sinnesqualitäten; den Bogen erkenne als Wind. Die Schlinge gilt als Maya. Nachdem man sie so betrachtet hat, verehre man sie.
7.217 Mit Sitz und weiteren Gaben, mit sinnlich erfahrbaren Diensten bis zu dem, was das Herz erfreut, erfreue man sie nach der Ordnung, abschließend mit Homa oder Japa.
Beständige Verehrung
7.218 Ebenso verehre man eine selbst offenbarte, göttliche, durch Siddhas eingesetzte oder von Menschen geweihte Gestalt, geschaffen aus Stein, Ton oder Metall,
7.219 mit acht, vier oder sechzehn Armen, nach der jeweiligen Wahl als bewegliches oder feststehendes Bild eingesetzt.
7.220 Dreimal täglich verehre man diesen Herrn, der alles Unheil abwehrt. Anlassbezogene, auf bestimmte Wünsche ausgerichtete und tägliche Verehrungen
7.221 sind mit besonderer Sorgfalt auszuführen, ausgenommen die Nachtruhe und das große Fest. Bei Riten zur Befriedung, zur Stärkung und zu den Sonnenwenden und weiteren Anlässen
7.222 werden, so verheißt die Schrift, durch Meditation, Verehrung, Feueropfer und Mantrawiederholung die Anliegen der innerlich geläuterten Bhaktas erfüllt.
7.222z Damit ist die erhabene Verehrung Sudarshanas ausführlich dargelegt.
Kolophon: So endet in der Ishvara Samhita des heiligen Pancharatra das siebte Kapitel, genannt ‚Die Ordnung der Verehrung Lakshmis und Sudarshanas‘.
Spirituelle Einordnung von Kapitel 7
Lakshmi und Sudarshana eröffnen zwei unterschiedliche Zugänge zur Gegenwart Narayanas. Die Göttin schenkt Furchtlosigkeit und Segen; ihr mitfühlender Blick nährt die Welt (7.15; 7.51). Sudarshana verkörpert die wirksame göttliche Kraft, die Schöpfung, Erhaltung und Rücknahme trägt (7.106–109). Seine Schau wird ausdrücklich mit der Überwindung von Unwissenheit und Zweifel verbunden (7.121–122).
Schönheit als Dhyana: Die ausführliche Gestaltbeschreibung Lakshmis gehört zur traditionellen Meditationsbetrachtung. Ihre körperlichen Merkmale, Gewänder und Juwelen werden textgetreu wiedergegeben. Sie sind keine Bewertung heutiger Körper, sondern Teil der überlieferten sakralen Bildsprache. In der Betrachtung können besonders ihr mitfühlender Blick und ihre furchtlos machende Handgeste die Bhakti vertiefen.
Zusammengehörigkeit und Eigenständigkeit: Yogalakshmi, Bhogalakshmi und Viralakshmi bezeichnen verschiedene kultische Gegenwartsformen. Die Unterscheidung von zugeordnetem und eigenständigem Heiligtum erklärt unterschiedliche Festordnungen. Daraus wird hier keine allgemeine Vorschrift über die gesellschaftliche Stellung von Frauen abgeleitet.
Die innere Verehrung geht voraus: Vor der äußeren Sudarshana-Puja wird der Herzraum zum Heiligtum. Die Gaben werden aus innerlich geschauten Nektarströmen gebildet (7.182–186). Für moderne Aspiranten lässt sich daraus die Anregung gewinnen, zuerst Sammlung und eine klare Absicht zu entwickeln und dann zu handeln. Diese Anwendung ersetzt nicht die besondere Tempelliturgie.
Kraft ohne Feindseligkeit: Die furchterregenden Waffen- und Feindbilder gehören zur traditionellen Schutztheologie. Eine heutige, an Ahimsa orientierte Betrachtung kann sie auf die Überwindung von Verwirrung, Trägheit und zerstörerischen Impulsen beziehen. Der ursprüngliche Text spricht stellenweise ausdrücklich auch von äußeren Gegnern; diese Aussagen werden nicht nachträglich als ausschließlich symbolisch ausgegeben.
Mantra und Übertragung: Das Lautrad veranschaulicht die Beziehung von Sprache, Bewusstsein und göttlicher Kraft. Viele Formeln werden jedoch verschlüsselt durch die Plätze einzelner Buchstaben angegeben. Die Übersetzung dieser Anweisungen ist keine selbst rekonstruierte Sammlung gebrauchsfertiger Mantras. Wo der Wortlaut offenbleibt, bleibt auch die Formel offen.
So können die beiden großen Betrachtungen dieses Kapitels einander ergänzen: Mitgefühl nährt das Herz, Klarheit löst Zweifel. Beide werden in Bhakti, Aufmerksamkeit und verantwortliches Handeln eingebettet.
Texthinweise zu Kapitel 7
Grundlage sind die Devanagari-Fassungen und der vollständige Kriyasagaram-Druck, Band 25, Druckseiten 53–64. Zahlreiche schwierige Stellen wurden mit dem kritischen Sanskritdruck, Band II, Druckseiten 296–344, verglichen. Die englische Kontrollübersetzung enthält mehrfach abweichende Deutungen; sie ersetzt nicht den Sanskrittext.
- Zählung und Sprecher: 222 nummerierte Verse und ein unnummerierter Schlusshalbvers, hier 222z. In 7.92 wechselt der Sprecher nach dem ersten Halbvers von den Weisen zu Narada. Der Wechsel bleibt in den drei Sprachfassungen sichtbar.
- 7.3–4 und 7.17: In 7.3–4 folgt die Nennung von Shri und Bhu dem kritischen Druck. Die Bija-Reihe in 7.17 erscheint in beiden verglichenen Druckbildern als śrā śrī śrū śrai śrau śra. Anusvara oder Visarga werden nicht stillschweigend ergänzt. Der Hauptmantra wird in 7.16–17 durch seine Bestandteile angegeben; die Übersetzung macht daraus kein angeblich zusammenhängendes wörtliches Quellzitat.
- 7.33–41: Bei den achtunddreißig Shaktis bleibt Śakti in 7.33 als eigener Name erhalten; die englische Namensliste lässt ihn aus. Balakini steht nach 7.39 im Süden, nicht im Norden. In 7.41 wird die kritische Lesung avyaktapaṅkaja, der unmanifeste Lotus, übernommen; der neuere Druck liest vyaktapaṅkaja.
- 7.44 und 7.87: Layoktavidhi in 7.44 wird mit Bezug auf die zuvor erklärte Laya-Verehrung verstanden. In 7.87 ist die Wendung paścāddakṣiṇahastābhyām ungewöhnlich; die Übersetzung folgt dem ikonographischen Zusammenhang zweier hinterer Hände, ohne den Wortlaut zu einer neuen Lesung zu ändern.
- 7.110–120: Die Anweisungen beziehen sich auf Nabe, Speichen und Radkranz des in 7.100–105 beschriebenen Lautrades. „Sechsgliedrig“ beziehungsweise „achtgliedrig“ gibt hier die traditionelle Zählung wieder; die zusammengesetzten Lautbestandteile werden in 7.118–119 eigens gezählt. Besonders der erste Halbvers von 7.116 bleibt unsicher. Eine vollständige Formel wird daraus nicht eigenständig rekonstruiert.
- 7.121–125: Die Deutung von Sudarshana als Schau verbindet metaphysische Erkenntnis mit der erklärenden Unterweisung. Die Aussagen über Varna und Ashrama sowie schädigende Wesen werden als historische Textaussagen wiedergegeben. Die genaue syntaktische Verbindung von 7.123–124 ist knapp und nicht in allen Einzelheiten eindeutig.
- 7.127–139: Die Wortbestandteile der Anga-Mantras werden wiedergegeben; ihre endgültige Verbindung wird nicht ergänzt. In 7.132 folgt bhogadānanivarjitaiḥ dem kritischen Druck. Dessen Kommentar deutet die Stelle auf die Mantras für Darbringung und Entlassung und diskutiert eine abweichende Erklärung als Auslassung der Gabendarbringung. In 7.135 bleibt die Wortverbindung unsicher. Die aus der verschlüsselten Anleitung hervorgehende Gayatri wird hier nicht anhand einer geläufigen modernen Formel ersetzt; die englische Fußnote bietet eine Formel, deren Wortfolge sich nicht ohne Weiteres mit der Sanskritanweisung deckt.
- 7.140–151: Die deutsche Übersetzung erhält die Positionsangaben des Lautrades. Sie ist bei diesen gedrängten Anweisungen eine vorläufige wörtliche Verständnishilfe. In 7.140 steht paramam, nicht das in der englischen Kontrolle genannte mamam. Die genaue Verbindung der Bestandteile in 7.142–146 bleibt überprüfungsbedürftig. Für eine Mantrasammlung werden diese Verse deshalb nicht als sicher ausgeschriebene Gesamtformel verwendet.
- 7.155–163: In 7.155 sind die erste Verbform und der Bezug der „drei Wege“ schwierig. Auch adhivāsana in 7.156 ist zeitlich und syntaktisch nicht eindeutig eingeordnet. Die Zahlen und Gruppen des Hand-Nyasa in 7.162–163 bleiben textnah erhalten; daraus wird keine eigenständige neue Handlungsanleitung abgeleitet.
- Zusatz im kritischen Druck zu 7.176: Zwischen den beiden Halbversen stehen dort in eckigen Klammern die zusätzlichen Zeilen: „सृष्टिन्यासो भवेदेष स्यादङ्गोपाङ्गवत्स्थितिः । पादयोर्गुह्यके नाभौ हृदि वक्त्रे च मूर्धनि ।“ IAST: sṛṣṭinyāso bhavedeṣa syādaṅgopāṅgavatsthitiḥ | pādayorguhyake nābhau hṛdi vaktre ca mūrdhani | Deutsch: „Dies ist der Schöpfungs-Nyasa; die Erhaltungsordnung entspreche den Haupt- und Nebengliedern. [Für die Rücknahme:] an den Füßen, im Geschlechtsbereich, am Nabel, am Herzen, am Mund und am Scheitel.“ Die im Grundtext der vorliegenden Ausgabe verwendete kürzere Fassung folgt dem Kriyasagaram-Druck. Der Zusatz wird hier mitgeteilt, nicht verdeckt ausgelassen.
- 7.185, 7.192 und 7.200: In 7.185 wird tatsrutaiḥ, „aus ihm fließend“, nach dem kritischen Druck gelesen. In 7.192 bestätigt dieser die drei Nyasa-Ordnungen. In 7.200 wird padma, Lotus, aus dem kritischen Haupttext übernommen; gadā, Keule, steht im neueren Druck und ist im kritischen Apparat als Variante bezeugt. Die Kaumodaki-Keule folgt bereits in 7.201.
- 7.206–214 und 7.221: Die Attribute erscheinen als personifizierte Gestalten. Das letzte Wort von 7.214, nirākṛti, wird auf ihr nichtmenschliches Zeichen bezogen; die Konstruktion bleibt knapp. Die Verbindung vinā svāpaṃ mahotsavam in 7.221 lässt sowohl eine Ausnahme für Nachtruhe und großes Fest als auch eine Deutung mit Einbeziehung des großen Festes erwägen. Die Übersetzung folgt vorläufig der ersten Möglichkeit; die englische Fassung deutet „ohne Trägheit“ und bezieht das Fest ein.
Kapitel 8 – Garuda, Vishvaksena und die großen Bhaktas
Die Gegenwart Vishnus wird in diesem Kapitel zusammen mit seinen Begleitern und den großen Bhaktas betrachtet. Garuda verbindet die göttliche Kraft mit den fünf Lebensenergien; Vishvaksena schützt die Verehrung vor Hindernissen. Die Ehrung der Heiligen und Lehrer führt zu Guru Bhakti, gemeinsamer Erinnerung und hingebungsvollem Gesang.
Die Weisen sprechen:
Die Frage nach Garuda
8.1 Erhabener, Hervorragender unter den Weisen, Kenner der heiligen Lehre! Zuvor wurde die Verehrung Garudas und der anderen [Begleiter des Herrn] erwähnt.
8.2 Erkläre uns ihre besondere Ordnung, du Schatz des Mitgefühls! – Narada spricht: Ihr Weisen alle, hört zunächst von der Verehrung Garudas.
Erkenntnis und Kraft
8.3 Schon durch die Kenntnis dieser Ordnung erlangt der Übende das Erstrebte. Vishnu trägt in seiner Gestalt als Sankarshana die Fülle von Erkenntnis und Kraft.
8.4 Die Gestalt dieser Erkenntnis und Kraft trägt alles. Als die Hoheit des Welterhalters ist der Herr der Vögel zu verstehen.
8.5 Er gilt als Bezwinger aller Krankheit und Furcht und als Vertreiber aller Feinde. Deshalb soll der Mantrakundige ihn in einem Heiligtum aufstellen und täglich verehren.
Garudas Heiligtum
8.6 Im ersten oder zweiten Hof vor dem Haupttempel errichte man ihm ein Heiligtum in Gestalt einer Säulenhalle.
8.7 Es soll vier Tore und drei oder sechs architektonische Glieder besitzen und mit allem Schmuck versehen sein.
8.8 Seine Höhe betrage ein Drittel oder die Hälfte des Hauptheiligtums; seine Breite sei entsprechend bemessen. In seinem Brahma-Bereich, seinem Divya-Bereich oder dem mit dem Divya-Bereich verbundenen Manusha-Bereich …
8.9 … stelle man nach der beschriebenen Ordnung ein Kultbild aus Metall oder Stein auf. Dreimal täglich verehre man es, jeweils nach Abschluss der Verehrung der Hauptgottheit.
Die Garuda-Mantras
8.10 Diese besondere Ordnung wird nun, beginnend mit dem Mantra, erläutert. Zuerst setze man den Pranava, danach das Wort »pakṣi«.
8.11 Der mit »svāhā« endende große Mantra wird als fünfsilbig bezeichnet. Die Laute des Mantras versehe man mit Bindu und stelle ihnen jeweils Om voran.
8.12 Man spreche sie zusammen mit den im vierten Fall stehenden Bezeichnungen, beginnend mit Erkenntnis, und mit den Gliedern vom Herzen bis zur Waffe; das Augenglied bleibt ausgenommen. Dies, ihr Zweimalgeborenen, sind seine Anga-Mantras.
8.13 Durch die Umstellung des mittleren und des anfänglichen [Lautes] des zuvor genannten Grundmantras entsteht [der Mantra], der als »Giftbezwinger« gilt. Damit ist dieser selbst für die Götter schwer zu erlangende Mantra genannt.
8.14 Ihr hervorragenden Weisen, dieser Garuda-Mantra ist als der Fünfsilbige bekannt. Seine fünf Glieder werden wie zuvor aus den mit Bindu versehenen Lauten gebildet.
Gestalt und Aufstellung
8.15 Mit diesem Mantra und seinen Gliedern soll Garuda nach der Ordnung eingesetzt werden. Steht das Bild im Hauptheiligtum aufrecht oder befindet es sich auf einem Fahrzeug, …
8.16 … so steht auch Garudas Gestalt aufrecht oder ist auf dem Fahrzeug zum Aufbruch bereit. Bei einer liegenden oder sitzenden [Hauptgottheit] kann Garuda sitzen oder aufrecht stehen.
8.17 Seine Merkmale werden im Kapitel über die Meditation der Tor- und Umkreisgottheiten und auch beim Hissen der Fahne noch ausführlich beschrieben.
Reinigung und Verehrung im Herzen
8.18 Mit diesem Wissen, ihr Zweimalgeborenen, wende sich der Übende zur rechten Zeit ganz seinem Mantra zu. Er bade und wasche unter dessen Rezitation die Füße.
8.19 Nach dem vorgeschriebenen rituellen Wasserschlürfen betrete er das Heiligtum und setze sich bequem auf seinen Sitz, nach Osten oder Norden gewandt.
8.20 Er vollziehe die Reinigung der Hände, den Schutz der Himmelsrichtungen und Pranayama, sodann die vorgeschriebene Reinigung der Elemente und die Einsetzung der Mantras in den eigenen Körper.
8.21 Dann forme er die Mudra des Vogelherrn. Im Innern seines Herzlotus [vergegenwärtige er] den viergestaltigen Gott, der in der Stätte seiner eigenen Glückseligkeit ruht.
8.22 Aus dessen Sankarshana-Anteil, erfüllt von vollkommener Erkenntnis und Kraft, lasse er [Garuda in die Meditation] herabkommen. Wie zuvor verehre er ihn mit nektargleichen Gaben bis hin zum Japa.
Die äußeren Gaben
8.23 Darauf verehre er ihn äußerlich mit den zuvor genannten wirklichen Gaben und mit Götterspeise, die im [Opfer-]Gefäß verblieben oder eigens zubereitet ist.
8.24 Hierfür bereite er wie zuvor fünf Gefäße für Arghya und die weiteren Wassergaben vor; auch zwei sind möglich: in einem das Wasser zum Waschen der Füße und zum Baden, …
8.25 … im anderen Arghya und das Wasser zum rituellen Schlürfen. Oder alles befinde sich in einem Gefäß. Der Mantrakundige verehre wie zuvor die in den eigenen Körper eingesetzten Mantras …
8.26 … mit den Gaben von Arghya bis zum Räucherwerk. Dann verehre er an den vier Toren Vastvisha, Kshetranatha und Dvaralakshmi mit ihren jeweiligen Mantras …
8.27 … sowie die mit Chanda beginnende Schar. Danach bereite er wie zuvor den Sitz vor: zuerst Shesha, sodann der Reihe nach die mit Dharma beginnende Gruppe von acht [Kräften].
8.28 Darüber [setze er] den Lotus des Unmanifesten mit den drei Lichtbereichen ein. Er verehre [diese] mit Duftstoffen und den übrigen Gaben, ebenso die Scharenherren und die weiteren [Gottheiten].
Anrufung und Attribute
8.29 Den zuvor in der Mitte des eigenen Herzlotus mit geistigen Gaben Verehrten rufe er mit dessen Vidya-Mantra von seiner Stätte in den Herzlotus des Kultbildes herbei.
8.30 Nach der vorgeschriebenen Ordnung vergegenwärtige er ihn vollständig mit Gliedern, Schmuck und Kennzeichen. Danach setze er die Krone und die Waldblumengirlande ein.
8.31 Die Schlangenfürsten, beginnend mit Ananta, setze er an der linken Hand und den weiteren Stellen ein. Zu seiner Rechten [vergegenwärtige er] die Satya genannte Shakti, die Verkörperung seiner Kraft.
8.32 Von rechts beginnend [ordne er seine Attribute an]: die Zählkette, einen Strauß Mandara-Blüten, das Gefäß mit Unsterblichkeitsnektar und den Schlangenkönig.
8.33 Seine zuvor genannte Shakti verkörpert die Wesensart seiner Kraft. Nach dem Zeigen der Mudra des Vogelherrn vollziehe er die Laya-Verehrung, die Verehrung in der inneren Auflösung.
8.34 Auch die Verehrung mit Gaben soll auf dem Lotussitz vollzogen werden. Auf den Blütenblättern der Hauptrichtungen, beginnend im Osten, [setze er] wie zuvor die mit dem Herzen beginnenden [Anga-Mantras ein].
8.35 Auf den Blütenblättern der Zwischenrichtungen [setze er] den Waffen-Mantra ein. Ihre Farben sind wie zuvor beschrieben; in Gestalt, Schönheit, Schmuck und weiteren Merkmalen gleichen sie dem Körper des Grundmantras.
8.36 Der hervorragende Lehrer setze die Krone und die Waldblumengirlande ein. Vor ihm, hinter ihm, zu seiner Rechten und zu seiner Linken [ordne er] der Reihe nach …
8.37 … die vier Schlangenfürsten, beginnend mit Shesha, an. In den Ecken des Feuers, Ishas, der Rakshasas und des Windes [also Südosten, Nordosten, Südwesten und Nordwesten] des Vogelherrn …
8.38 … setze er der Reihe nach die vier mit der Zählkette beginnenden Attribute ein. Rechts vom Vogelherrn [weilt] die Satya genannte [Shakti] auf dem Mittelpunkt des Lotus.
Garuda und die fünf Lebensenergien
8.39 Außerhalb des in der Mitte weilenden Vogelherrn, vom Osten aus der Reihe nach, [befinden sich die Gestalten], die Prana, Apana, Samana, Udana und Vyana verkörpern.
8.40 Satya, Suparna, Garuda, Tarkshya und Vihageshvara: Dies ist die fünffache Entfaltung der fünfgestaltigen Lebenskraft.
Spirituelle Erläuterung: Die fünf Lebensenergien werden hier in die Garuda-Meditation einbezogen. Für heutige Yoga-Aspiranten kann diese Bildsprache die dankbare Aufmerksamkeit für Atem und Lebenskraft vertiefen.
8.41 Die vier mit Satya beginnenden [Gestalten stehen] in den Hauptrichtungen, Vihageshvara in den Ecken. Ihre besonderen Meditationsgestalten werden nun zusammenfassend beschrieben.
8.42 Satya, die Gottheit des Prana, hat einen bis zu den Füßen menschlichen Körper. Er besitzt zwei Arme und leuchtet weiß wie Schnee.
8.43 Suparna strahlt rein wie ein Rubin und hat goldene Augen. Garuda glänzt wie Gold; seine Brauen sind geschwungen und seine Augen rötlich.
8.44 Tarkshya hat schräg gerichtete Augen und gleicht einer Regenwolke. Der fünfte schimmert vielfarbig; seine Augen glänzen wie flüssiges Gold.
8.45 Suparna und die folgenden Gestalten besitzen vier Arme. Ihre Erscheinung ist freundlich und ungetrübt; alle haben Vogelfüße und sind mit ausgebreiteten Flügeln geschmückt.
8.46 Sie haben gewölbte Bäuche und kräftige Glieder und tragen Ohrgehänge und weiteren Schmuck. Ihre Brauen sind gekrümmt, ihre Augen rund, ihre Schnäbel hart wie ein Vajra und ihre Gesichter weiß.
8.47 Sie walten über die mit Apana beginnenden Lebenswinde und sind von großer Kraft und mächtigem Körper. Der fünfte hat einen roten Schnabel.
8.48 Mit ihren beiden vorderen Händen tragen alle diese hervorragenden Vogelgestalten eine Blütengabe in Anjali; die Zählkette ist dabei über beide Daumen gelegt.
8.49 Suparna hält in der hinteren rechten Hand einen Strauß Mandara-Blüten und zeigt mit der hinteren linken die Mudra des Staunens.
8.50 Garuda trägt dieselben Zeichen in seinen hinteren Händen in umgekehrter Anordnung. Tarkshya hält in der hinteren rechten und linken Hand stets …
8.51 … Kadru und das Nektargefäß. Der fünfte, Vihageshvara, trägt rechts das Gefäß mit Unsterblichkeitsnektar und links den Schlangenkönig.
Begleiter der göttlichen Entfaltungen
8.52 Bei der immer offenbar gegenwärtigen und bei der in Ruhe offenbar werdenden göttlichen Entfaltung trägt Garuda die Benennungen aller fünf Lebenswinde, Prana, Apana und der weiteren.
8.53 So ist Garuda als Begleiter und insbesondere als Fahnenzeichen zuzuordnen, ebenso in den weiteren Zuständen, beginnend mit dem Tiefschlaf.
8.54 Den vier mit Vasudeva beginnenden Gestalten entsprechen der Reihe nach die vier von Satya bis Tarkshya; ebenso [gilt dies] für die jeweiligen weiteren Entfaltungen dieser Gestalten.
8.55 Von den mit Keshava beginnenden Gestalten sind jeweils drei einer der mit Satya beginnenden Formen zuzuordnen. Den mit Padmanabha beginnenden Gestalten entspricht der fünfte, Vihageshvara.
8.56 Oder [als Begleiter] des allgegenwärtigen Herrn, der zum Schutz der Welt die Gestalten des Höchsten über allem Höchsten, des Höchsten, der Vyuhas, der weiteren Vyuha-Entfaltungen und der Erscheinungsformen annimmt, …
8.57 … [dient] der zuvor genannte Vogelherr selbst, da er der Ursprung der Vögel ist. Damit ist dir die Wirkmacht der Entfaltungen Garudas erläutert.
Gefolge und tägliche Verehrung
8.58 Weiter außen [befinden sich] Kumuda und die anderen, wiederum außerhalb ihrer der Reihe nach Shakra und die übrigen. Noch weiter außen stehen Utkata und die anderen Geisterherren, die Kumuda und seinem Gefolge zugeordnet sind.
8.59 Oder der Scharenherr ist davor in der Halle für die Bali-Gaben zu verehren. Auch können Garudas Begleiter auf dem großen Opferpodest verehrt werden.
8.60 Man vergegenwärtige sie als Beschützer seiner Bhaktas und der göttlichen Heiligtümer. So meditiere man und vollziehe die Verehrung mit dem Sitz und den weiteren beschriebenen Gaben.
8.61 Dazu dienen vierundsechzig, zweiunddreißig oder sechzehn Upacharas: entsprechend der ausführlichen, mittleren oder einfachen Form der Verehrung.
8.62 Die ihm dargebrachten Speisen und weiteren Gaben verteile man regelmäßig unter kranken Menschen, Frauen, die keine Kinder empfangen, und Herrschern, die den Sieg erstreben, …
8.63 … sowie Menschen, deren Körper durch Gift geschädigt ist. In jedem Monat verehre man ihn auf diese Weise besonders unter dem Nakshatra Ardra.
8.64 Bei Festen führe man insbesondere sein Prozessionsbild umher. Damit ist die erhabene Verehrung Garudas vollständig dargelegt.

Vishvaksena nach der Paushkara Samhita
8.65 Nun wird die Verehrung Vishvaksenas nach der Lehre der Paushkara Samhita beschrieben. Ihr Weisen alle, hört mit aufmerksamem Geist!
Paushkara spricht:
8.66 Erhabener, weshalb ist der Herr, der die Hindernisse beseitigt und der höchste Ursprung aller Herren der Hindernisse ist, …
8.67 … weshalb ist Vishvaksena zu verehren, wenn Achyuta sich in den Bereich des Genusses zurückgezogen hat? Mit welchen Gaben und nach welcher Ordnung? Was bewirkt er, wenn er verehrt wird?
Der erhabene Bhagavan spricht:
8.68 Den Strebenden drohen Hindernisse, die sie vom guten Dharma abhalten. [So] sehe ich für die im Samsara Gebundenen kein Heil durch Verehrung, Opfer, religiöse Pflichterfüllung und Ähnliches [allein].
8.69 Doch alle Hindernisse, die bei solchem Tun die Begeisterung hemmen, weichen zurück, bedrängt von der Furcht vor den Flammen des göttlichen Diskus.
Die Frucht der Verehrung bewahren
8.70 Jetzt erfährt man die Frucht einer früher vollbrachten Handlung. Vielfältige Frucht aus der Verehrung liegt noch vor einem.
8.71 Um diese Frucht zu bewahren, soll Vishvaksena eben dann, zum Abschluss der Verehrung oder am folgenden Tag, …
8.72 … mit einem von Unruhe freien Geist verehrt werden, damit die Frucht reift: mit den nach dem vollzogenen Ritual verbliebenen, noch frischen Gaben, beginnend mit Arghya, …
8.73 … mit allen ehrenden Diensten, Schmuck und weiteren Gaben, mit Speiseopfern, Madhuparka und Ähnlichem, die der Hauptgottheit dargebracht wurden, …
8.74 … die nach der Gabe an die Zweimalgeborenen verblieben und vom Priester noch nicht gegessen sind; ebenso mit in anderen Gefäßen bereitgehaltenen [Speisen], die noch keinen anderen dargebracht wurden, …
8.75 … zubereitet, warm und mit süßem Ghee übergossen. – Paushkara spricht: Wer ist dieser von unvergleichlicher Macht, vor dem in einem Augenblick selbst die Hindernisse weit davonfliehen, …
Das göttliche Feuer und die Weitergabe der Gabe
8.76 … die imstande wären, die drei Welten zu entwurzeln? – Bhagavan spricht: Die Kala-Vaishvanara genannte Gestalt der vierten Entfaltung des allgegenwärtigen Herrn …
8.77 … ist eben jener Dvijadeva, der Gott der Zweimalgeborenen, der Vishvaksena genannt wird. Für die Opfernden besteht er in den verschiedenen Opferfeuern, Ahavaniya und den übrigen.
8.78 Indem er die durch die vedischen Verse geheiligte Opfergabe empfängt, sättigt er die ganze Welt. Ebenso [empfängt er] aus der von Mantras erfüllten, sattvigen und von der Vergegenwärtigung Brahmans durchdrungenen Verehrung …
8.79 … von der Gestalt des Guru die durch Mantras geheiligte Speise. Unter den nicht eigens angerufenen Göttern, die in allen Welten wohnen, …
8.80 … verteilt er sie selbst sogleich, aus dem Wunsch, den Guten Gnade zu erweisen. Erkennt man so seine in diesem Wirken offenbarte Größe, [verehre man ihn] zur Vollendung der Frucht …
Tägliche und festliche Verehrung
8.81 … bei der täglichen Puja zu den drei Tagesübergängen, jeweils nach den Bali-Gaben. Bei den Jahresfesten und den besonderen Feiern …
8.82 … vollziehe man der Reihe nach zuerst seine Verehrung auf den dafür dienenden rituellen Trägern. Nach eigener Kraft und den verfügbaren Mitteln kann man sich auf die Verehrung beschränken oder bis zum Homa gehen, …
8.83 … oder sie ausführlich vollziehen, du Lotusgeborener. Sodann gebe man Wasser in eine Blattschale, ein Gefäß oder einen unbeschädigten Krug.
8.84 Man verehre ihn auf der nördlichen Seite des eigenen Sitzes und bringe ihm [das Wasser] dar. Dann [gebe man] in ein anderes, mit seinem Waffen-Mantra geweihtes Gefäß …
8.85 … einen Anteil der Opferspeise und eine Portion gekochten Reises aus einem weiteren Speisegefäß, zusammen mit Sauermilch, Ghee und Beilagen.
8.86 Man versehe [die Gabe] mit Salbstoffen, Blüten, Arghya und Kusha-Wasser und heilige sie wiederholt mit seinem Herz-Mantra, du Lotusgeborener.
8.87 Seinen Grundmantra aussprechend und in meditativer Vergegenwärtigung versunken, fülle man [die Gabe] in das zuvor aufgestellte Gefäß und bedecke es.
8.88 Oder, Paushkara, [man weihe die Gabe] mit achtmaligem Pranava und seinem Namen: ein einziges Gefäß mit Wasser und der von Wasser bedeckten Speisegabe.
8.89 Diese [vereinfachte Darbringung] kann man bei jeder Verehrung jederzeit ohne das zuvor beschriebene ausführliche Verfahren vollziehen. Danach gebe man die Gabe auf den Erdboden, in einen Brunnen, einen Teich oder an einen ähnlichen Ort.
Mantra und Einsetzung
8.90 Mit diesem Verständnis verehre ihn der Mantrakundige sorgfältig mit seinem Mantra. Nun werde ich den Mantra mit seinen Gliedern nennen. Vernimm ihn genau!
8.91 Den »Prana« genannten Führer der Keimsilben versehe man mit »Feuer«, mit dem »Spender der Herrschaft über die drei Welten« und mit »Urj« darüber.
8.92 Dann nehme man »Varaha«, geschmückt mit »Bhudhara« und »Vyoma«. Danach setze man die Worte »viṣvaksenāya namaḥ«.
8.93 Dieser mit Pranava beginnende Mantra wird als der Mantra Vishvaksenas bezeichnet. Die erste seiner Keimsilben, ohne den Vokal u, …
8.94 … bilde, durch die sechs langen Vokale von ā an unterschieden, die Gruppe seiner Anga-Mantras; [jeder] wird mit Pranava, seinem eigenen Namen und einer der sechs Schlussformeln verbunden.
8.95 Mit »namaḥ«, »svāhā« und den weiteren [Formeln] bezeichnet dieser [Mantra] Vishvaksena. Mit diesem Mantra und seinen Gliedern soll er nach der Ordnung eingesetzt werden.
8.96 Im ersten oder zweiten Tempelumkreis, zwischen Nordosten und Norden, [errichte man] ein nach Süden gerichtetes Heiligtum.
8.97 Seine innere Kammer werde niedriger als das Hauptheiligtum angelegt. Im Brahma- oder Divya-Bereich [stehe das Bild], dessen Maße einen Anteil der Maße des Hauptbildes ausmachen.
8.98 Die Verehrung eines aus Stein, Holz, Metall oder ähnlichem Material gefertigten Bildes ist die vorrangige Form. Als Ersatz kann man in der vorderen Halle, …
8.99 … in dem zuvor genannten Winkel auf einem mit drei Einfassungen versehenen Podest, [Vishvaksena] aus dem Raum herabrufen, ohne ausgeformte Gestalt oder mit Gestalt.
Die vier rituellen Stätten
8.100 Dann sättige man ihn allein durch Bali-Gaben und Wasser. Wenn der Gott an den vier rituellen Stätten, dem Mandala und den weiteren Trägern, gegenwärtig geworden ist, …
8.101 … in der höchsten Gestalt, als Vyuha oder in einer weiteren Form, soll man zum Abschluss seiner Verehrung auch [Vishvaksena], der an seinem eigenen Platz im Heiligtum oder in der Halle weilt, …
8.102 … von Beginn der Feier an nach der vorgeschriebenen Ordnung verehren. Wenn alle Handlungen abgeschlossen sind und der im Mandala und den weiteren Stätten gegenwärtige Herr …
8.103 … in seine jeweiligen eigenen Stätten entlassen wurde, vergegenwärtige der Mantrakundige [Vishvaksena] in der Mitte des Mandalas und verehre ihn vorschriftsmäßig, gegebenenfalls auch am folgenden Tag.
8.104 Insbesondere verehre man den im Heiligtum Weilenden im Rahmen der Verehrung Bhagavans mit den Speisen, die diesem dargebracht worden sind, …
8.105 … und täglich mit sämtlichen weiteren Gaben von Arghya bis Tambula. Sodann sättige man die ihm zugehörigen Wesen, die im Wasser, auf dem Land und andernorts wohnen.
Das Prozessionsbild
8.106 Nach den Körpermaßen seines im Heiligtum stehenden Bildes fertige man vorschriftsmäßig aus Gold oder einem anderen Material ein besonderes Kultbild an.
8.107 Seine Gestalt kann furchterregend oder friedvoll sein, fähig, Hindernisse zu zerstören; vierarmig oder zweiarmig, sitzend oder aufrecht stehend.
8.108 Auch zu einem zweiarmigen Hauptbild kann ein vierarmiges Festbild geschaffen werden oder umgekehrt. Bei besonderen Anlässen vollziehe man die Verehrung mit diesem Prozessionsbild.
8.109 Bei Festen wie der rituellen Jagdausfahrt führe man dieses Bild überallhin mit, wohin der Herr zieht, damit sich die Frucht ohne Hindernis erfüllt.
Meditation über Vishvaksena
8.110 Nun werde ich seine Meditationsgestalt beschreiben. Höre aufmerksam, du Edler! Er gleicht frischen Durva-Grassprossen und besitzt einen leicht gelblichen Glanz.
8.111 Er hat vier Fangzähne und vier Arme, misst vier Kishku und besitzt vier Arten des Ganges. Sein Körper ist vollkommen, mit Löwenschultern und einer prächtigen breiten Brust.
8.112 Seine vertiefte Nabelöffnung ist rechtsläufig geformt. Seine Arme reichen bis zu den Knien; er ist herrlich anzusehen und trägt verfilzte Haarsträhnen, die wie goldbraune Flammen leuchten.
8.113 Seine goldbraunen Augen gleichen flüssigem Gold; seine Nase ist flach und breit. Lange weiße Nägel schmücken ihn, und seine Brauen sind geschwungen.
8.114 Wangen und Gesicht sind breit. Sein Körper ist mit Härchen bedeckt, gekrümmt wie die junge Mondsichel und von der Farbe frischer Kimshuka-Blüten.
8.115 Seine beiden schönen Ohren sind lang, breit und hervortretend und mit kostbaren Rubin-Ohrgehängen geschmückt.
8.116 Eine hohe Krone, Halsketten und weiterer Schmuck zieren ihn. Er trägt buntes Seidengewand und verschiedenartige Blumengirlanden.
8.117 Sein Strahlen übertrifft die zwölf Sonnen beim Weltuntergang tausendfach. Sein Blick richtet sich etwas nach oben und zur Seite.
8.118 Seine Zähne glänzen wie Jasmin und Mondlicht; auf seinem Gesicht liegt ein leises Lächeln. Von Natur aus freundlich und makellos, nimmt er durch seine göttliche Gestaltungskraft den Ausdruck des Zornes an.
8.119 Er steht in anmutiger Haltung mit bewegt gesetzten Füßen und vergegenwärtigt in seinem eigenen Innern die höchste Stätte.
Spirituelle Erläuterung: Hinter der schützenden Kraft steht nach 8.118 ein von Natur aus freundliches und reines Wesen. Entschlossenheit und innere Ruhe können einander stärken.
8.120 An der linken Hand werden drei der vom Daumen bis zum kleinen Finger reichenden Finger eingebogen; einer bleibt erhoben und wird vor die Nasenspitze gehalten.
8.121 Diese Mudra flößt den Hindernissen der Guten Furcht ein. In seinen Händen hält er Diskus und Muschelhorn, dazu eine herabhängende Keule, …
8.122 … mit der lässig an die Hüfte gelegten Hand. So erscheint der Gott, dessen Gestalt auf vielfache Weise wunderbar ist.
Die friedvolle Gestalt
8.123 In dieser furchterregenden Form meditiere man ihn als feurige, flammengleiche Gestalt. Ohne Fangzähne und Drohgebärde, mit der Geste der Furchtlosigkeit, erscheint er in seiner friedvollen Form.
8.124 Mit seiner vorderen rechten Hand schenkt er den Bhaktas Furchtlosigkeit; in der vorderen linken hält er die herabhängende Keule.
8.125 Die hintere rechte Hand trägt den Diskus, die hintere linke das Muschelhorn. So ist die vierarmige Gestalt beschrieben. Vernimm nun die zweiarmige.
8.126 [Sie entspricht] den beiden genannten Formen, der furchterregenden und der friedvollen, jedoch ohne die Diskus und Muschelhorn tragenden [Hände]. Man vergegenwärtige die zuvor genannte Zweiheit oder die zweite [friedvolle Form].
8.127 Oder die [linke Hand] bleibt ohne Keule: bei der stehenden Gestalt ruht sie an der linken Hüfte, bei der sitzenden auf dem linken Oberschenkel.
8.128 Oder [man vergegenwärtige ihn] mit Gopani-Mudra oder einer ringförmig geschlossenen Handhaltung, mit beiden Händen ruhend hinter dem Sitz …
8.129 … und auf die aufgerichtete Keule gestützt, die einem Elefantenstößel gleicht. Er sitzt im Mittelpunkt des Lotus und setzt beide Füße auf dessen vorderes Blatt.
8.130 Oder er steht aufrecht im Lotuszentrum und ist mit den weiteren, zuvor beschriebenen Merkmalen geschmückt. Man setze nach der Ordnung eine dieser besonderen Meditationsgestalten ein …
Ort und innere Vorbereitung
8.131 … und verehre sie zu den zuvor genannten Zeiten mit ihrem eigenen Mantra. Bei der Verehrung an den vier rituellen Stätten, inmitten der Mandalas, …
8.132 … nachdem die Mantras verehrt und an ihre eigenen Stätten zurückgeführt worden sind, [verehre man Vishvaksena] zwischen Nordosten und Norden oder in einer viereckigen Einfassung …
8.133 … ohne vorspringenden Torschmuck, mit drei Linien versehen. In ihrem Innern [weilt er] auf einem achtblättrigen Lotus über einem Halbmond.
8.134 Achyuta hat ihn zum obersten Herrscher über die Hindernisse bestellt. Wird er beständig nach der Ordnung verehrt, erlangt der Übende das Erstrebte.
8.135 Deshalb bade man zunächst vorschriftsmäßig mit seinen Mantras oder wasche Hände und Füße; nach dem rituellen Wasserschlürfen vollziehe man Nyasa.
8.136 Unter seiner göttlichen Führung reinige man den eigenen Körper durch konzentrierte Vergegenwärtigungen. Dann setze man erneut die sechs Anga-Mantras und die weiteren [Mantras] ein, beginnend an den Händen.
8.137 Wie zuvor lasse man den Herrn aus der Stätte der Glückseligkeit herabkommen und verehre ihn im Herzlotus nach eigenem Vermögen in seinem ungeteilten Wesen.
8.138 Sodann meditiere man denselben als in eine gegliederte Gestalt eingegangen und verehre ihn äußerlich. Nachdem die Gefäße für Arghya und die weiteren Gaben wie zuvor aufgestellt sind, …
8.139 … verehre man die im eigenen Körper eingesetzten Mantras; dann auf der südlichen und nördlichen Seite des Tores Bala und Prabala, die Chanda und Prachanda gleichen.
8.140 Vor dem Tor verehre man Vayuvega, den von mächtiger Lebenskraft Erfüllten, der Garuda gleicht. Wie zuvor bereite man zuerst den Lotussitz …
8.141 … mit der Fünfer- oder Neunergruppe, beginnend mit Dharma und endend mit Ananta. Dann vergegenwärtige man den Lotus, bedeckt von reinem Sattva.
8.142 Dorthin rufe man den im Herzen meditierten Gott herbei und vollziehe, begleitet von den Mudras, das Gegenwärtigwerden und die weiteren [Ritualschritte].
8.143 Der Kenner des Grundmantras verehre ihn in der Mitte des Lotus mit Arghya, Blüten und den weiteren Gaben nach der Ordnung der Laya-Verehrung. Seine mit dem Herzen beginnenden [Anga-Gestalten] …
8.144 … befinden sich auf den Lotusblättern. [Sie gleichen ihm] in ihrer Gestalt, jedoch nicht im Glanz ihrer Farbe: Für die Anga-Gestalten sind überall die beschriebenen Meditationsfarben, beginnend mit Weiß, maßgeblich.
Kriya Shakti
8.145 [Man vergegenwärtige] die strahlende Shakti namens Kriya, die auch als Svaha erscheint. Sie trägt Lakshmis Gestalt, ist freudig und mit allem Schmuck geschmückt.
8.146 Stets entspricht sie ihrem geliebten Herrn. Sie sitzt oder steht aufrecht und trägt rechts und links je einen Yakschweifwedel.
8.147 Als ihr Mantra wird »oṃ hīṃ kriyāyai«, endend mit »svāhā«, genannt. Mit diesem [Mantra rufe man sie] aus dem strahlenden Körper ihres Herrn, des Hindernisbezwingers, …
Texthinweis: Die Keimsilbe dieses Mantras wird in der englischen Kontrolle abweichend wiedergegeben. Siehe die Texthinweise; die Formel wird nicht stillschweigend an eine geläufige Fassung angeglichen.
Die vier Scharenherren
8.148 … zum Abschluss der Verehrung mit Gaben an seine linke Seite herab. Gajanana, Jayatsena, der mächtige Harivaktra …
8.149 … und als vierter Kalaprakriti, du Lotusgeborener: Diese vier sind Herren der Scharenfürsten und besitzen furchterregende Gestalten.
8.150 Sie warten auf seinen Auftrag und halten reinweiße Yakschweifwedel empor. Auch Vinayaka und die übrigen hervorragenden Herren der Hindernisse …
8.151 … folgen stets den Weisungen dieser Scharenherren. Man setze [die Scharenherren] außerhalb des Lotus in die Ecken ein, beginnend im Nordosten.
8.152 Sie blicken zum Antlitz des Herrn und stehen in einer der seinen entsprechenden Haltung. Alle tragen wie er die Handattribute, jedoch ohne seine besondere Mudra.
8.153 Vernimm die besonderen körperlichen Meditationsmerkmale eines jeden. [Gajanana hat] das Gesicht eines furchtgebietenden Elefantenfürsten, vier Stoßzähne und drei Augen, …
8.154 … einen muschelförmig gerundeten Hals und vier Arme. Er strahlt wie zehntausend Vollmonde und ist mit Halsketten, Fußringen, Oberarmreifen und einem Gürtelband geschmückt.
8.155 Mit mannigfaltigen Girlanden, Duftstoffen und Gewändern versehen, ist seine Macht unvergleichlich. So meditiere man Gajanana. Danach vergegenwärtige man Jayatsena.
8.156 Sein Gesicht gleicht dem eines großen Pferdes; er strahlt wie ein Berg aus Rubinen. Seine Augen leuchten wie flüssiges Gold, und seine Gestalt ist auf vielfache Weise wunderbar.
8.157 Dann meditiere man Harivaktra, dessen Haupt von einer Mähne umgeben ist. Er glänzt wie glühendes Gold und hat eine tiefe, furchterregend grollende Stimme.
8.158 Ihr Brahmanen, [Harivaktra] hat das Antlitz des Löwen und die Gewalt des Feuers am Weltende. Den Kalaprakriti Genannten vergegenwärtige man sich wie einen Berg von schwarzer Augensalbe.
8.159 Sein Gesicht ist durch Fangzähne furchterregend; Bart und Augen sind goldbraun. Er trägt fischförmige Ohrgehänge, ist grimmig und hat eine eingesunkene Nase wie ein Fisch.
8.160 Diese Herren der Scharenfürsten, ihr Brahmanen, besitzen vom Fuß bis zum Hals sämtliche Merkmale einer großen Persönlichkeit.
Gaben und Empfänger
8.161 Allen Schmuck, der für den ersten genannt wurde, vergegenwärtige man auch an den drei anderen. Man verehre sie mit ihrem eigenen Namen, dem Pranava vorangestellt wird, …
8.162 … und mit »namaḥ« am Ende, du Lotusgeborener, um die vielfältigen Früchte der Vollendung zu erlangen. Nach Neigung verwende man vierundsechzig, halb so viele oder wiederum halb so viele [Dienste], …
8.163 … oder verehre ihn mit acht, damit die Handlung rasch zur Vollendung kommt. Die ihm dargebrachte Speise sowie Arghya, Girlanden, Sandel und die weiteren Gaben …
8.164 … sollen Verständige niemandem [zum gewöhnlichen Gebrauch] geben, wenn sie Wohlergehen hier und jenseits erstreben. Er hat diese Gaben seinen eigenen Schutzbefohlenen und den ihm zugehörigen Wesen zugewiesen.
8.165 Stets richtet sich ihre Erwartung auf diese [Gabe; die genaue Wendung bleibt unklar]. Deshalb bringt sie denen, die sie [unbefugt] genießen, Verlust an Gütern.
8.166 Gewiss vernichten [diese Wesen] dann alle Hoffnungen. Wer daher die Gabe anderen gibt oder sie selbst verzehrt, …
8.167 … oder dies aus Verblendung missachtet, der Niedrige gelangt in die Hölle. Deshalb soll, wer das Heil sucht, dies stets vermeiden.
8.168 Die Gabe lege man auf den Erdboden oder gebe sie in einen Brunnen, Teich oder an einen ähnlichen Ort, so dass Krähen und andere Tiere sie nicht verzehren, du Lotusgeborener.
8.169 Denn durch den heiligen Mantra gereinigt, wächst ihre besondere Wirkkraft. Deshalb ist [ihr gewöhnlicher Genuss] den sündhaft Handelnden und erst recht den Schuldlosen untersagt.
Zur Einordnung: Dieser Abschnitt überliefert besondere historische Vorschriften für Vishvaksenas Opfergaben. Die angedrohten Folgen sind Aussagen der Quelle, keine redaktionellen Aussagen über heutige Leser.
Kumuda und die Begleiterschar
8.170 Damit ist die erhabene Verehrung Vishvaksenas vollständig dargelegt. Ihr Yogis, hört nun von der Verehrung Kumudas und der anderen.
8.171 Die Tor- und Umkreisgottheiten, die fest in ihren eigenen Heiligtümern stehen, oder ihre beweglichen, vorschriftsmäßig aus Gold und anderen Materialien gefertigten Bilder …
8.172 … verehre man dreimal oder zweimal täglich, bei schwierigen Umständen einmal, jeweils mit ihrem eigenen Mantra und acht Upacharas.
8.173 So ist die gesamte Verehrung der mit Garuda, dem Sohn Vinatas, beginnenden Begleiterschar beschrieben, die als Frucht alle Vollendungen schenkt.
Die großen Bhaktas
8.174 Wenn ihr noch etwas anderes hören möchtet, sagt es, ihr hervorragenden Weisen! – Die Weisen sprechen: Erhabener, die in der Welt verehrten [Bhaktas], deren Bilder im Tempel Vishnus aufgestellt sind, …
8.175 … wie sollen diese Vishnu-Bhaktas verehrt werden? Erkläre uns die Ordnung! – Narada spricht: Die großen, einzig dem Herrn hingegebenen Seelen, an ihrer Spitze Shathakopa, …
8.176 … die auf Erden erschienen sind, um die Welt zu beleben und aufzurichten; Shandilya und die anderen, die das Pancharatra verbreiten; …
8.177 … Prahlada, Sugriva, der Sohn des Windes, Hanuman, und Vibhishana; Sanaka und die weiteren, die ganz der fünfteiligen täglichen Gottesverehrung gewidmet sind, …
Bilder der Heiligen und Lehrer
8.178 … sie sind als hervorragende Bhaktas zu erkennen. In göttlichen Heiligtümern und an anderen [geeigneten Orten stelle man] bewegliche oder unbewegliche Bilder von ihnen aus Metall oder Stein [auf], …
8.179 … deren Aussehen und Haltung der Lebensführung ihres jeweiligen Standes und Lebensstadiums entsprechen. Ihre Arme tragen die Zeichen von Diskus und Muschelhorn, rechts beginnend.
8.180 Sie sitzen oder stehen aufrecht in der Mitte eines Lotussitzes: gerade und harmonisch aufgerichtet oder in der als Paishacha bezeichneten Standhaltung.
8.181 Man fertige sie nach der Ordnung und [stelle sie] im Hof, in einer Halle oder in angemessenen, vor dem Herrn angelegten Heiligtümern [auf], …
8.182 … je nach verfügbarem Raum links, rechts oder westlich. Nach der Einsetzung mit ihren jeweiligen Mantras verehre man sie rein und nach der Ordnung.
Die Bhakta-Mantras
8.183 Hört nun ihre Mantras für die Einsetzung und die weiteren Handlungen: [Sie werden] mit dem rettenden Brahman-Laut verbunden, dessen Bestandteile durch »Pradhana« und »Purushesha« bezeichnet sind, oder …
8.184 … mit dem rettenden Ausdruck »ahaṃ sa«, an dessen Ende Visarga steht. Man verwende den ersten, den zweiten oder eine entsprechende Verbindung der drei [Bestandteile] …
8.185 … und verbinde sie mit dem jeweiligen Namen. Nun wird die Verehrung mit den Anga-Mantras beschrieben: Man bilde von einem der beiden mit Tara beginnenden [Mantras] sechs Formen und füge jeweils am Ende …
8.186 … die mit Erkenntnis und Herz beginnenden Bezeichnungen im vierten Fall hinzu. Pranava wird ihnen vorangestellt; so entstehen diese Anga-Mantras.
Vorbereitung und Nyasa
8.187 Mit diesem Mantra verehre man die Bhaktas nach der Ordnung. Wie zuvor bade man und vollziehe die weiteren Vorbereitungen; man trage das senkrechte Stirnzeichen und sei angemessen geschmückt.
8.188 Nach dem Waschen der Füße und dem rituellen Wasserschlürfen begebe man sich zur Kultstätte. Vor dem Öffnen der Tür verehre man die Torhüter.
8.189 Mit dem jeweiligen Mantra verneige man sich, reinige das Kultbild und das Heiligtum und vollziehe die weiteren [Vorbereitungen]. Dann [setze man sich] zu seiner Rechten …
8.190 … nieder und reinige die Hände. Man vollziehe den Schutz der Himmelsrichtungen und die Reinigung der Elemente zusammen mit der Atemregelung.
8.191 Mit dem Mantra des Bhakta, von zwei Tara-Lauten umschlossen, reinige der Mantrakundige wie zuvor beide Hände vom Handgelenk bis zu den Nägeln.
8.192 Nach der zuvor beschriebenen Ordnung setze er die Anga-Mantras ein; ebenso die beiden Ketten aus Tulsi und Lotossamen …
8.193 … sowie Diskus und Muschelhorn, der Reihe nach in die beiden Handflächen. Nachdem er so den Hand-Nyasa vollzogen hat, spreche er den betreffenden Mantra …
8.194 … und berühre mit beiden Händen seinen Körper vom Scheitel bis zu den Füßen. Nach diesem den ganzen Körper umfassenden Nyasa setze er die mit dem Herzen beginnenden [Anga-Mantras] ein.
8.195 Dann setze er die beiden Ketten am Hals und Diskus und Muschelhorn an den beiden Armen ein. Er forme die Herz-Mudra und versenke sich in die Wesensverbundenheit [mit dem verehrten Bhakta].
Die Verehrung des Bhakta im Herzen
8.196 Im Lotus des eigenen Herzens vergegenwärtige er das bewusste Wesen [des Bhakta] unter den Füßen des Gottes, des höchsten Selbst.
8.197 Von dort rufe er dessen Bewusstseinsgegenwart herbei und verehre sie mit geistigen Gaben. Danach verehre er den Bhakta äußerlich mit den zuvor genannten Gaben.

Ergänzendes Video zur spirituellen Praxis; kein Bestandteil der Samhita.
8.198 Hierfür bereite er fünf, vier, drei, zwei oder auch nur ein Gefäß vor. Dann verehre er die in den eigenen Körper eingesetzten Mantras.
Torhüter und Schülergruppen
8.199 Der hervorragende Lehrer vollziehe darauf die Torverehrung mit Arghya und den weiteren Gaben: Savitra und Savitar auf beiden Seiten des Eingangs zum inneren Heiligtum …
8.200 … und dann, ihr hervorragenden Weisen, der Reihe nach die Bhakta-Gestalten an den vier Seiten des Heiligtums, mit Arghya und den weiteren Gaben.
8.201 Am Eingang der Vorhalle verehre er Durga und Ganapati, im ersten und den weiteren Umkreisen die mit Indra beginnenden Weltenhüter.
8.202 Nach deren Verehrung verehre er am Tor des Umkreises Indra und Indrajaya. Oder an sämtlichen Toren und in den Umkreisen …
8.203 … setze man die jeweiligen Schülergruppen als Gefolge ein. Auf dem großen Opferpodest verehre man mit den Worten »sarvabhūtebhyo namaḥ« – »Verehrung allen Wesen«.
Lotussitz und Gaben
8.204 Der Guru betrete das innere Heiligtum und bereite den Sitz vor. An den Ecken des Podestes verehre er wie zuvor die vier mit Dharma beginnenden [Kräfte].
8.205 Dann verehre er den von reinem Sattva bedeckten Lotus. Dorthin lasse er den Bhakta herabkommen und vollziehe die Einsetzung der Mantras …
8.206 … am Kultbild wie am eigenen Körper. Nach der Verehrung gemäß der Laya-Ordnung vollziehe er vorschriftsmäßig die Verehrung mit Gaben.
8.207 Auf den Lotusblättern, beginnend im Osten, [setze er] wie zuvor die mit dem Herzen beginnenden [Anga-Mantras] ein; auf den Blättern der Zwischenrichtungen den Waffen-Mantra und im Kranz der Staubfäden den Augen-Mantra.
8.208 Auf dem Podest außerhalb der Blütenblätter, in der südöstlichen und nordöstlichen Ecke, verehre man die beiden zuvor genannten Ketten sowie Diskus und Muschelhorn.
Meditation über den Bhakta
8.209 Dann meditiere man den Vishnu-Bhakta mit all seinen Merkmalen. Aussehen und Haltung entsprechen der Lebensführung seines jeweiligen Standes und Lebensstadiums.
8.210 Seine Hände sind in Anjali zusammengelegt oder zeigen die Geste der Unterweisung. Er sitzt oder steht aufrecht in der Mitte des Lotussitzes.
8.211 Stirn und weitere Körperstellen sind mit senkrechten Pundra-Zeichen geschmückt. Die Arme tragen, rechts beginnend, die Zeichen von Diskus und Muschelhorn.
8.212 Zwei Ketten aus Tulsi und Lotossamen schmücken ihn. Nachdem man so den Vishnu-Bhakta und wie zuvor die mit dem Herzen beginnenden [Anga-Gestalten] …
8.213 … meditiert hat, vollziehe man die Verehrung mit dem Sitz und den weiteren beschriebenen Gaben: mit zweiunddreißig, acht oder sechzehn Upacharas.
Japa und Festordnung
8.214 Mit dem jeweiligen Mantra führe man sie wie zuvor bis zum Japa oder bis zum Homa. Da [der Bhakta] hier keine eigenständige Stellung besitzt, vollziehe man dabei niemals eine eigene Bali-Darbringung.
8.215 An ihrem jeweiligen Geburtstag vollziehe man eine besondere Verehrung. Zusammen mit dem Gott der Götter [ehre man sie] bei Sankranti, den Sonnenwenden und den weiteren Festzeiten.
8.216 Zu diesen Zeiten veranstalte man Festprozessionen und Ähnliches. Auch ein eigenes Fest ist möglich, jedoch ohne Fahnenhissung.
Eigenständige Bhakta-Heiligtümer
8.217 Dabei gibt es weder Homa noch Bali noch das festliche rituelle Bad. Dies ist die Ordnung bei der untergeordneten Stellung [im Vishnu-Tempel]. Für ein eigenständiges Heiligtum in einer Brahmanensiedlung, einem Wald oder an einem Flussufer …
8.218 … errichte man sorgfältig einen Tempel mit Umfassungsmauer, mit der gewünschten Anzahl von Geschossen und von Straßen umgeben.
8.219 [Man schaffe ein Bild] derer, die in ein anderes Land gegangen sind oder in der Welt Bhagavans wohnen: in ihrer sichtbaren Gestalt oder in einer unsichtbaren [geistig vergegenwärtigten], die der göttlichen Gestalt gleich geworden ist.
8.220 Nach der Ordnung setze man [das Bild] im Manusha-Bereich des Tempels ein, zwischen Divya- und Manusha-Bereich oder im an den Manusha-Bereich angrenzenden Divya-Bereich.
8.221 Aus der bewussten Gegenwart in der Mitte des unmanifesten Lotus auf Vishnus Mantrasitz lasse man die Bewusstseinsgegenwart in den Herzlotus des Bhakta-Bildes herabkommen.
8.222 Man vergegenwärtige sie als vollständig ausgeformte Gestalt und verehre sie stets mit dem Mantra samt seinen Gliedern. Dies ist die besondere Form der Anrufung, ob der Betreffende noch lebt oder nicht mehr lebt.
8.223 Überall verehre man [den Bhakta] mit dem unmanifesten Lotus und den weiteren [Bestandteilen], mit acht oder sechzehn der zuvor genannten reichlichen Gaben, bis hin zu Tambula.
8.224 Man hisse eine Lotusfahne oder nach der Vorschrift eine Fahne mit dem Hamsa-Zeichen und veranstalte dort ein großes Fest.
Gesang und Weitergabe
8.225 Dabei vollziehe man alle Handlungen: Bali-Darbringung, das festliche rituelle Bad und die weiteren [Riten]. Die von Bhaktas geschaffenen Gesänge, die den Sinn der Upanishaden entfalten, …
8.226 … lasse man den Gott vorschriftsmäßig und mit Hingabe als Gesang hören. Die ihm dargebrachte Speise und die weiteren Gaben lasse man an die Sänger austeilen.
8.227 Damit ist die erhabene Verehrung der Vishnu-Bhaktas vollständig erläutert. Diese Lehre soll sorgfältig bewahrt werden, insbesondere gegenüber denen, die ihre religiöse Grundlage verwerfen.
8.227z Den Bhaktas jedoch, die sich mit ganzem Herzen der täglichen spirituellen Praxis widmen, soll sie erschlossen werden.
Kolophon: So endet in der Ishvara Samhita des heiligen Pancharatra das achte Kapitel, genannt ‚Die Ordnung der Verehrung Garudas und der weiteren Begleiter‘.
Spirituelle Einordnung von Kapitel 8
Garuda verkörpert die Erkenntnis und Kraft Sankarshanas. Seine fünf Entfaltungen werden mit den fünf Lebensenergien verbunden (8.39–40). Die Meditation sieht dadurch den menschlichen Lebensvollzug in einer größeren göttlichen Ordnung. Die äußere Verehrung beginnt mit Pranayama, Reinigung und der Schau im Herzlotus (8.18–23).
Die Frucht bewahren: Vishvaksena schützt die Verehrung vor Hindernissen. Sein Dienst besteht auch darin, geheiligte Gaben an Wesen weiterzugeben, die nicht eigens angerufen wurden (8.78–80). Darin lässt sich als heutige Anregung eine Haltung erkennen, die über den eigenen Kreis hinausdenkt. Diese Deutung ergänzt die historische Ritualordnung, ohne deren genaue Empfängerregeln aufzuheben.
Furchtlosigkeit und innere Ruhe: Selbst die furchterregende Gestalt Vishvaksenas wird als von Natur aus freundlich und rein beschrieben (8.118). Seine friedvolle Form schenkt den Bhaktas Furchtlosigkeit (8.124). Die Bildsprache verbindet Schutzkraft mit einem ruhigen inneren Wesen; sie kann dazu anregen, entschlossen und zugleich ohne Feindseligkeit zu handeln.
Die Verehrung der Bhaktas: Das Kapitel ehrt die dem Herrn ganz hingegebenen Heiligen und die Vermittler der Lehre. Shathakopa, Shandilya, Prahlada, Hanuman und andere werden ausdrücklich genannt (8.175–178). Im Herzen werden sie unter den Füßen des höchsten Selbst vergegenwärtigt (8.196). Guru Bhakti und Dankbarkeit für die Überlieferung erhalten dadurch einen eigenen Platz innerhalb der Gottesverehrung.
Gemeinsamer Gesang: Der Schluss führt zu Liedern, die von Bhaktas geschaffen wurden und den Sinn der Upanishaden entfalten. Die Sänger erhalten von der dargebrachten Speise (8.225–226). Für heutige Aspiranten verbindet sich hier Kirtan mit Studium, Hingabe und Wertschätzung derer, die eine spirituelle Gemeinschaft tragen.
Historische Vorschriften: Die Aussagen zu Erkrankung und Gift in 8.5, 8.13 und 8.62–63 gehören zur religiösen Wirkungssprache der Quelle; sie sind keine medizinischen Behandlungsempfehlungen. Auch die Regeln über Opferreste, ihre Entsorgung und die angedrohten Folgen ihrer Missachtung (8.163–169) werden als historische Tempelvorschriften überliefert. Die Rede von gesellschaftlichem Stand und Lebensstadium beschreibt die damalige Bild- und Ritualordnung; daraus wird keine heutige Rangordnung des spirituellen Wertes von Menschen abgeleitet.
So lädt dieses Kapitel dazu ein, die eigene Praxis nicht isoliert zu sehen: Lebenskraft, aufmerksame Vorbereitung, Schutz des Begonnenen, Dankbarkeit gegenüber Lehrern und gemeinsamer Gesang gehören zusammen.
Texthinweise zu Kapitel 8
Grundlage sind die Devanagari-Fassungen, der Kriyasagaram-Druck, Band 25, Druckseiten 64–75, und der kritische Sanskritdruck, Band II, Druckseiten 346–394. Die englische Ausgabe dient als Verständniskontrolle. Wo ihre Deutung vom Sanskrit abweicht, wird sie nicht automatisch übernommen.
- Zählung und Sprecher: 227 nummerierte Verse und ein unnummerierter Schlusshalbvers, hier 227z. Sprecherwechsel innerhalb eines Verses stehen in 8.2, 8.75, 8.76, 8.174 und 8.175. Der Vishvaksena-Abschnitt wird als Lehre der Paushkara Samhita eingeführt. Die Anreden „ihr Brahmanen“ innerhalb dieses Dialogs bleiben erhalten.
- 8.7–8: Die Sanskritangabe bezeichnet sechs architektonische Glieder, nicht acht wie in der englischen Kontrolle. Brahma-, Divya- und Manusha-Bereich bezeichnen räumliche Zonen; ihre genaue Abgrenzung wird an dieser Stelle nicht ausgeführt.
- 8.10–14: Die Garuda-Mantras werden durch Bestandteile und deren Umstellung beschrieben. Die genaue Lautzählung der Umstellung in 8.13 bleibt offen; eine vollständige Schutzformel wird nicht eigenständig ergänzt.
- 8.28, 8.42 und 8.44: In 8.28 werden avyaktapadma und dhāmatraya aus dem kritischen Druck übernommen. Der erste Halbvers von 8.42 ist syntaktisch sperrig; übersetzt wird seine erkennbare Aussage über den bis zu den Füßen menschlichen Körper. In 8.44 steht hier śabalābha, vielfarbig, entsprechend der vorliegenden Devanagari-Fassung und den im kritischen Apparat genannten Varianten; der kritische Haupttext liest śaivalābha, algenfarbig.
- 8.46–57: Lambodara, mit gewölbtem Bauch, folgt den verglichenen Druckbildern. Nach 8.47 hat der fünfte einen roten Schnabel, nicht alle fünf. Die Verse 8.56–57 werden als alternative Zuordnung desselben Garuda zu sämtlichen göttlichen Entfaltungen verstanden; auch der kritische Kommentar bezeichnet dies als alternative Auffassung.
- 8.66–69: Die Frage in 8.66 und die verneinte Aussage in 8.68 sind sprachlich gedrängt. Die Ergänzungen „so“ und „allein“ in 8.68 sind deutende, deshalb eingeklammerte Verständnishilfen: Die anschließende Aussage betont die Beseitigung der Hindernisse. Der Vers wird nicht als pauschale Verwerfung aller Puja ausgegeben. In 8.69 folgt vyapayānti, sie weichen zurück, dem kritischen Haupttext.
- 8.91–94: Im kritischen Druck fehlt sichtbar der zweite Halbvers von 8.91; er ist in der Devanagari-Grundlage vorhanden und wird hier erhalten. Die chiffrierten Lautbezeichnungen werden übersetzt, ohne die Gesamtformel eigenständig zusammenzubauen. Der kritische Kommentar bietet dazu eine ausgeschriebene Formel; diese bleibt Kommentar und wird nicht als wörtlicher Samhita-Vers ausgegeben.
- 8.104, 8.110–111 und 8.120–130: Bhagavadyajanārtham wird mit Bezug auf die Verehrung Bhagavans wiedergegeben. Catuṣkiṣku in 8.111 bezeichnet ein traditionelles Längenmaß; der Kommentar erklärt vier Ellen beziehungsweise 96 Fingerbreiten. Die „vier Gangarten“ erläutert er mit Löwe, Tiger, Elefant und Stier. Die Fingerstellung in 8.120 und einzelne Bezüge in 8.126–129 sind nicht eindeutig genug, um daraus eine eigenständige praktische Mudra-Anleitung zu machen.
- 8.134–144: 8.134 spricht von der durch Achyuta verliehenen Herrschaft über Hindernisse. Die englische Übersetzung trifft diese Satzkonstruktion nicht. In 8.137 ist svāpekṣām unklar; „nach eigenem Vermögen“ ist eine vorläufige Deutung. Auch die genaue syntaktische Verbindung von 8.143–144 ist gedrängt; die unterschiedlichen Farben der Anga-Gestalten sind ausdrücklich genannt.
- 8.147: Die verglichenen Sanskritdrucke erscheinen als oṃ hīṃ kriyāyai, mit svāhā als Schluss. Die englische Kontrollübersetzung schreibt dagegen hrīṃ. Die sichtbare Sanskritlesung wird hier nicht stillschweigend normalisiert. Wegen dieser Abweichung wird die Formel vorerst nicht als zweifelsfrei gesicherter Praxismantra in die gesonderte Mantrasammlung aufgenommen.
- 8.157–158 und 8.165: Die Beschreibung des Löwengesichts in 8.158 gehört hier noch zu Harivaktra; erst danach beginnt Kalaprakriti. Die englische Kontrolle zieht das Löwengesicht zu Kalaprakriti. Der erste Halbvers von 8.165 bleibt in seiner genauen Konstruktion offen; die Übersetzung kennzeichnet dies ausdrücklich.
- Zusatz zu 8.179: Der kritische Druck enthält zwischen den beiden Halbversen die zusätzliche Zeile: „बद्धाञ्जलिपुटान् वाथ प्रमाणेनोपलक्षितान् ।“ IAST: baddhāñjalipuṭān vātha pramāṇenopalakṣitān | Deutsch: „Oder mit in Anjali zusammengelegten Händen und durch das entsprechende Maß gekennzeichnet.“ Sie fehlt in der hier zugrunde gelegten kürzeren Fassung und wird deshalb an dieser Stelle gesondert mitgeteilt.
- 8.183–186: Die Mantrabildung arbeitet erneut mit chiffrierten Lautnamen. In 8.183 folgt pradhānapuruṣeśātma dem kritischen Druck. Die Beziehung der zwei beziehungsweise drei Bestandteile bleibt ohne den Kommentar schwer verständlich. Die Übersetzung bietet daher keine ergänzte Gesamtformel. Tara bezeichnet hier einen rettenden Mantralaut, nicht die gleichnamige Göttin.
- 8.196–197 und 8.202: Die Bewusstseinsgegenwart des Bhakta wird im Herzlotus unter den Füßen des höchsten Selbst vergegenwärtigt. Daraus wird keine Aussage abgeleitet, die den Unterschied zwischen Bhakta und Gottheit aufhebt. In 8.202 folgt tv indraṃ cendrajayam dem kritischen Sanskritdruck; eine abweichende Lesung der Grundfassung ist nicht zu einem neuen Eigennamen ausgebaut worden.
- 8.217–223: Die verschiedenen Festregeln folgen der Unterscheidung zwischen einem dem Vishnu-Tempel zugeordneten und einem eigenständigen Bhakta-Heiligtum. In 8.218 wird vimāna, Tempelbau, nach dem kritischen Druck gelesen. 8.219 unterscheidet sichtbare und unsichtbare Gestalt; Einzelheiten der Zuordnung bleiben knapp. In 8.223 wird avyaktapadmādyaiḥ erhalten; die englische Kontrolle ist kein Anlass, daraus eine zusätzliche Zahl von Darbringungsarten zu machen.
Kapitel 9 – Torhüter, Tempelumfassungen und göttliche Gegenwart
Der Tempel erscheint als geordneter Raum göttlicher Gegenwart. Torhüter, göttliche Kräfte, Flüsse und Welthüter werden in Meditation und Puja einbezogen. Die Fülle der Gestalten mündet in eine innere Deutung: Der Tempel ist sichtbarer Leib Vasudevas, sein Bild verweist auf den Jiva, in dessen Innerem der höchste Purusha gegenwärtig ist (9.233–238).
Die Weisen sprechen:
Die Frage nach den Tor- und Umkreisgottheiten
9.1 Zuvor wurde bei der Ordnung des täglichen Festes die Verehrung der Gottheiten an den Toren und in den Tempelumkreisen beschrieben. Ihre Meditationsgestalten und die weiteren Einzelheiten …
9.2 … erkläre uns nun der Reihe nach, du hervorragender Weiser, Kenner aller heiligen Lehren! – Narada spricht: Ihr Weisen alle, hört mit aufmerksamem Geist …
9.3 … die vorgeschriebenen Merkmale der Tor- und Umkreisgottheiten, der Reihe nach, beginnend mit den Gottheiten am Eingang des Heiligtums.
Vastu, Kshetresha und Lakshmi
9.4 Außerhalb des Heiligtumseingangs, an den beiden Enden der unteren Schwelle, stehen Vastvisha und Kshetranatha, rechts beziehungsweise links.
9.5 [Vastvisha] hat ein weißes Gesicht, einen dunklen Körper und zwei Arme. Mit seiner rechten Hand hält er eine kostbare Schale; er ist die gemeinsame Stätte aller Götter.
9.6 Sein Gewand, seine Girlande und seine Salbung leuchten wie der weiße Lotus. Die [andere] Hand hält die Keule empor. So, ihr Brahmanen, ist Vastu Purusha zu meditieren.
9.7 Kshetresha, den Herrn des heiligen Bezirks, meditiere man zweiarmig, mit goldglänzendem Gewand und einer ebensolchen Girlande. Sein mächtiger Körper gleicht einer dunkelblauen Regenwolke; er hält einen Stab.
9.8 Seine linke Hand ist zur Faust geschlossen. Er schützt den Ort der Verehrung. Beide Gestalten sind mit Ohrgehängen und weiterem Schmuck geziert.
9.9 Beide blicken zum Antlitz des Herrn und sind ganz von strahlender Kraft erfüllt. [Nun vergegenwärtige man Lakshmi:] Ihre Farbe gleicht glühendem Gold, ihr Gewand der Koralle.
9.10 Halsketten, Fußringe, Oberarmreifen, eine Karanda-Krone und weiterer Schmuck zieren sie. Ihre Augen gleichen Lotusblüten.
9.11 Ihr Gesicht gleicht dem makellosen vollen Herbstmond. Man vergegenwärtige Lakshmi auf dem Lotus, mit Lotusblüte und Krug in den Händen, …
Die Hüter des Heiligtums
9.12 … im Lotussitz auf dem oberen Türbalken. [Chanda] gleicht der jungen Sonne, hat eine breite Brust und vier Arme.
9.13 Er ist hochgewachsen, mit hohen Schultern und wohlgestalteten, nicht übermäßig fleischigen Gliedern. Sein Bauch ist schlank, sein Nabel vertieft; eine Haarlinie fehlt.
9.14 Seine Fangzähne verleihen dem Gesicht einen furchterregenden Ausdruck. Bart und verfilzte Haarsträhnen sind goldbraun, die Augen honigfarben; seine Brauen sind gekrümmt.
9.15 Seine Ohren sind lang und beweglich, seine Nase breit, sein Gesicht lächelt. Er ist mit Ohrgehängen, Halsketten und Oberarmreifen geschmückt.
9.16 Ein Turban umschließt seine Stirn, die auch ein Tilaka ziert. Er trägt ein weißes Gewand und eine Girlande. In seinen beiden rechten Händen …
9.17 … vergegenwärtige man den erhobenen Diskus und in der anderen die flammende Keule, die an der Hüfte anliegt und auf dem Erdboden ruht.
9.18 In der vorderen linken Hand trägt er das Muschelhorn, in der anderen die Gebetskette. So erscheint der Scharenherr Chanda, dessen Macht unbezwingbar ist.
9.19 Im Zorn vermag er zehntausend Hindernisse in einem Augenblick zu vernichten. Man meditiere ihn am Fuß des rechten Türpfostens des inneren Heiligtums.
9.20 Auf der gegenüberliegenden Seite verehre man Prachanda in derselben Gestalt; lediglich die Attribute der rechten und linken Arme sind vertauscht.
9.21 Was für Chandas beide linke Hände beschrieben wurde, ist bei Prachanda rechts zu meditieren oder im Bild darzustellen.
9.22 Vor dem Eingang meditiere man Garuda, golden strahlend, mit gekrümmten Brauen und wohlgerundeten Augen, geschmückt mit seinem ausgebreiteten Flügelpaar.
9.23 Sein Bauch ist gewölbt, seine Glieder sind kräftig; aller Schmuck ziert ihn. Krone, Fußringe und weitere Zierstücke lassen ihn erstrahlen.
Garudas Erscheinungsformen
9.24 Er trägt ein blaues Gewand und mannigfaltige Girlanden. Auf dem Boden stehend, ist er dem Gott der Götter zugewandt und hält die Hände in Anjali zusammen.
9.25 Den Satya genannten Vogelherrn vergegenwärtige man zweiarmig und schneeweiß, als Gottheit des Prana, im Rad in der Mitte des Bali-Mandalas.
9.26 Er steht dort mit vollständig menschlicher Körpergestalt, einem herabhängenden Bauch und einer prächtigen Reihe von Flügeln.
9.27 In der rechten Hand hält er eine Gebetskette; die andere Hand ist nach oben geöffnet. Ohrgehänge und weiterer Schmuck zieren ihn.
9.28 Sein Seidengewand, seine Girlanden und seine Salbung sind blau. Mit ungetrübten Augen blickt er stets auf den Herrn.
9.29 An den beiden Türpfosten der Vorhalle stehen [Dhatri und Vidhatri]. Sie gleichen dem Innern einer Lotusblüte und besitzen gewaltige Kraft.
9.30 In Armen, Kennzeichen und Schmuck gleichen sie Chanda und Prachanda. Ihre Gewänder, Girlanden und Salbungen sind rot.
9.31 Ganz gesammelt meditiere und verehre man die beiden Scharenführer Dhatri und Vidhatri. Dann verehre man im ersten Tempelumkreis die mit Kumuda beginnenden Scharenherren.
9.32 Im Osten und im Südosten sind die beiden Scharenführer Kumuda und Kumudaksha zu verehren. Gesicht und Augen sind freundlich und klar.

Die inneren Begleiter
9.33 Sie gleichen einem Schneeberg und stehen in jugendlichem Alter. Mannigfaltiger Schmuck bedeckt ihre Glieder; verschiedenartige Ohrgehänge zieren sie.
9.34 Ihr Zweimalgeborenen, sie tragen verschiedenartige Girlanden und Kronen. Ihre Körper sind mit vielerlei Duftstoffen gesalbt und mit mannigfaltigen Gewändern geschmückt.
9.35 Die rechte Hand des Kumuda genannten Scharenherrn meditiere man mit einem Yakschweifwedel, der wie Mondlicht glänzt.
9.36 Seine zweite rechte Hand vergegenwärtige man als einladende Geste der Furchtlosigkeit für jene, die angesichts der Hinfälligkeit des Daseins Zuflucht suchen, und als Weisung zum Guten für die anderen.
9.37 Seine erste linke Hand hält einen aufgeblühten Lotus empor. Die andere vergegenwärtige man als schweigende, Furcht gebietende Geste gegenüber den draußen Stehenden.
9.38 Bei Kumudaksha vergegenwärtige man diese Anordnung spiegelbildlich. Ebenso verhält es sich bei den übrigen jeweils mit zwei Händen.
9.39 Pundarika und Vamana strahlen beide wie Feuer und halten Garuda-Fahnen. Alles Weitere entspricht der zuvor gegebenen Beschreibung.
9.40 Ihre Bilder stelle man im Süden und Südwesten auf oder vergegenwärtige sie dort meditativ. [Es folgen] die Shankhakarna und Sarvanetra Genannten.
9.41 Beide sind von der Farbe der Champaka-Blüte und halten Pfauenfederfächer empor. Sie stehen westlich und nordwestlich vom Gott unermesslicher Herrlichkeit.
9.42 Sumukha und Supratishtha stehen im Norden und Nordosten des Herrn. Man vergegenwärtige sie dunkel wie Mungbohnen, mit erhobenen Sonnenschirmen in den Händen.
9.43 Für die noch nicht beschriebenen Hände gilt, was bei Kumuda gesagt wurde. Ihr Brahmanen, diese habe ich als die nächsten Vertrauten Bhagavans beschrieben.
9.44 Mit Handeln, Geist und Sprache sind sie ganz auf ihn ausgerichtet. Sie sind von zahllosen anderen umgeben, die die sechs mit Erkenntnis beginnenden göttlichen Eigenschaften besitzen, …
Schatzherren und göttliche Kräfte
9.45 … von unermesslich vielen Wesen und Vollendeten, die die höchste Stätte erstreben. In Gewand, Schmuck, Körpersalbung und weiteren Merkmalen gleichen sie alle Kumuda.
9.46 Alle Scharenherren, Kumuda und die anderen, tragen auf der Stirn das aus weißer Erde geformte senkrechte Pundra-Zeichen.
9.47 Ebenso, ihr Zweimalgeborenen, die anderen Wesen und alle Begleiter, die Umkreisgottheiten und die Torhüter.
9.48 Ebenso sollen seine Anhänger, Brahmanen und Angehörige der Kshatriya-, Vaishya- und Shudra-Stände, senkrechte Pundra-Zeichen aus Erde oder Sandel tragen, …
9.49 … zwölf oder vier solcher Zeichen, ihr Zweimalgeborenen. [Jaya und Vijaya] sind dunkel wie die Leinblüte und tragen gelbe Girlanden und Gewänder.
9.50 Sie tragen gelbe Turbane, sind furchterregend und an den Armen wie zuvor geschmückt. Die beiden Scharenführer gleichen Chanda; ihrem Anblick und ihrer Macht ist schwer zu widerstehen.
9.51 Die Jaya und Vijaya Genannten verehre man an den beiden Seiten dieses Tores. Von dort bis zum äußeren Tor …
9.52 … teile man den Bereich des zweiten Umkreises in sechs Teile. Im fünften Teil stelle man Garuda auf, ihr Brahmanen, oder vergegenwärtige ihn dort durch Meditation.
9.53 Er gleicht leuchtendem Gold, mit furchterregend zusammengezogenen Brauen und Augen, großen Fangzähnen, breiter Nase, mächtigen Gliedern und großem Bauch.
9.54 Federansätze zieren seine Brust, das Flügelpaar umgibt ihn. Halsketten, Oberarmreifen, Ohrgehänge, Krone und weitere Schmuckstücke …
9.55 … schmücken ihn. Er trägt ein blaues Gewand und vielerlei Girlanden; sein Körper ist mit mannigfaltigen Duftstoffen gesalbt. Elf Schlangen dienen ihm als Schmuck.
9.56 Ihr Zweimalgeborenen, seine in Anjali zusammengelegten Hände sind mit Blütenbüscheln gefüllt. Das rechte Knie ist erhoben; das andere dient ihm als Sitz.
Wissen, Handlung und höchste Wirklichkeit
9.57 So sitzt er bequem und wartet auf den Auftrag des Herrn. Danach [vergegenwärtige man die Gruppe], die das Wesen von Handlung und Selbst offenbart und zur Vollendung gelangt ist.
9.58 Sie besitzt gottgleiche Wirkmacht, Allwissenheit und weitere Eigenschaften, ist vom naturbedingten Leiden frei und wurde vom Herrn eingesetzt, …
9.59 … um über das weltliche Dasein hinwegzuhelfen. In diesem Umkreis steht der Reihe nach Upendra im Osten, ihr hervorragenden Zweimalgeborenen.
9.60 Im Südosten [steht] Tejodhara, im Süden Duratikrama, im Südwesten Mahakarma und im Westen Mahahrada.
9.61 Agrahya [steht] im Nordwesten, Vasuretas im Norden und Vardhamana im Nordosten. Sakshin, der Zeuge, weilt im Himmelsraum.
9.62 Den Adharanilaya Genannten vergegenwärtige man unterhalb von allem. Diese Gestalten glänzen kristallfarben und tragen weiße Girlanden und Gewänder.
9.63 Sie tragen Gebetskette, Diskus, Muschelhorn und Keule, von der vorderen rechten bis zur vorderen linken Hand angeordnet.
9.64 Mit vier Händen sind sie wohlgestaltet, mit Kronen und weiterem Schmuck versehen. Von großer Kraft, vertreiben sie durch ihren Glanz die Scharen der Hindernisse.
9.65 Alle stehen aufrecht, mit in Meditation geöffneten Augen. Oder sie sind zweiarmig und tragen der Reihe nach die zehn [Attribute], beginnend mit dem Vajra, …
9.66 … die zu den Weltenhütern gehören, in der rechten Hand und in der linken eine Gebetskette. Oder sie zeigen die Gesten des Segens und der Furchtlosigkeit.
9.67 Auch können sie in Farbe, Körpersalbung und weiteren Merkmalen Indra und den übrigen [Weltenhütern] gleichen. An den inneren Seiten des zweiten Torturmeingangs …
Die Gottheiten der Umfassungen
9.68 … setze man, links beginnend, die beiden Torhüter ein: Shankha und Padma, die Herren der Schätze, auf Schatzgefäßen stehend.
9.69 Sie haben große Zähne, sind selbstbeherrscht, zweiarmig und ganz von Bhagavan erfüllt. Ihre Brauen sind geschwungen, ihre Brust ist leicht erhoben.
9.70 Ihr Zweimalgeborenen, ihre Bäuche sind gewölbt, ihre Glieder kräftig, Hände und Füße kurz. Sie gleichen farblich Muschelhorn und Lotus; Gewänder und Girlanden sind blau beziehungsweise weiß.
9.71 Kronen und mannigfaltiger weiterer Schmuck zieren sie. Beide tragen in der rechten Hand einen Lotus, …
9.72 … in der anderen, nach oben geöffneten Hand ihren jeweiligen Schatz. Oder ihre linke und rechte Hand gewähren Eintritt und Furchtlosigkeit.
9.73 Ihr Zweimalgeborenen, die beiden Schatzherren können mit beiden Händen Muschelhorn oder Lotus tragen; oder sie halten links den Lotus und rechts das Muschelhorn.
9.74 Oder Muschelhorn und Lotus befinden sich auf ihren Köpfen über der Krone. Nach dem Wunsch des Übenden können sie auch Muschelhorn und Diskus tragen.
9.75 An den Türpfosten vergegenwärtige man sie, rechts beginnend. [Bhadra und Subhadra] sind weiß wie Milch und Jasmin und tragen blaue Seidengewänder.
9.76 Blüten von der Farbe blauer Lotusblumen schmücken ihre Körper. Sie gleichen den zuvor beschriebenen Scharenführern und heißen Bhadra und Subhadra.
9.77 Außen an beiden Seiten dieses Tores, am Torturm, setze man die beiden Scharenherren ein, als Meditationsgestalten oder als angefertigte Bilder.
9.78 Oder sie haben zwei Arme. Dann zeigt Bhadras rechte Hand den drohenden Zeigefinger; die linke ist leicht eingebogen …
9.79 … und ruht auf dem oberen Ende der Keule. Sein rechter Fuß ist überkreuz auf den Fuß der Keule gesetzt, der linke steht auf dem Boden.
9.80 Was bei Bhadra für linke Hand und linken Fuß gesagt wurde, gilt bei Subhadra rechts, und was rechts beschrieben wurde, gilt links, du Brahmane.
9.81 Allerdings zeigt [Subhadras] linke Hand die Mudra des Staunens. Oder Bhadra zeigt mit der rechten Hand die Geste der Furchtlosigkeit, …
9.82 … während die linke auf der Keule ruht, ihr hervorragenden Zweimalgeborenen. Die beiden hinteren Hände tragen der Reihe nach Diskus und Muschelhorn.
9.83 Subhadras rechte Hand ruht auf der Keule; die andere zeigt die Geste der Furchtlosigkeit. Auch er trägt Diskus und Muschelhorn.
9.84 Ebenso können Chanda und die anderen zweiarmig und in den weiteren beschriebenen Formen dargestellt werden. Chanda, Prachanda, Dhatri, Vidhatri, Jaya, …
Die Welthüter
9.85 … Vijaya, Bhadra und der Scharenherr Subhadra: Diese acht Scharenherren gleichen einander, abgesehen von Glanz, Blüten und Gewändern, …
9.86 … in Körper- und Gesichtsform, Schmuck und Waffen. Sie sind bereit, das Netz der Hindernisse der Bhaktas, das in allen Richtungen besteht …
9.87 … und die Früchte des Samsara hervorbringt, zu zerschneiden. Alle stehen in ebenmäßiger Haltung, einander zugewandt.
9.88 Zehntausende und Hunderttausende von Scharenherren umgeben sie, mit Körpern in mannigfaltigen Farben, ganz der Verehrung Achyutas hingegeben.
9.89 Danach setze man im dritten Umkreis, vom Osten beginnend, die zehn mit Indra beginnenden Weltenhüter ein, ihr Zweimalgeborenen.
9.90 Purandara meditiere man vierarmig, glänzend wie die Sonne, auf einem mächtigen Elefanten sitzend und den scharfen Donnerkeil erhoben haltend.
9.91 Agni, den Empfänger der Feueropfer, vergegenwärtige man rot, auf einem Ziegenbock reitend, mit dem Speer in der Hand, von tausend Flammen umgeben und strahlend wie tausend Sonnen.
9.92 Yama, den göttlichen Herrn der Ahnen, vergegenwärtige man auf einem großen Büffel. Er gleicht einem Berg schwarzer Augensalbe und hält den furchtgebietenden Stab.
9.93 Den Herrn der Rakshasas meditiere man schrecklich, mit fangzahnbewehrtem Gesicht, dunkel wie eine schwarze Wolke, auf einem Leichnam sitzend und ein Schwert tragend.
9.94 Varuna, den Herrn der Wasser, [meditiere man] glänzend wie eine Perle, machtvoll, mit erhobener Schlinge in der Hand, von tausend Naga-Jungfrauen begleitet und auf einem Makara sitzend.
9.95 Vayu, den Windgott, meditiere man dunkelblau wie eine Regenwolke, mit einer großen Fahne versehen, auf einer Antilope sitzend.
9.96 Soma vergegenwärtige man von Sternenscharen umgeben, weiß wie Muschelhorn und Kuhmilch, auf dem Rücken eines großen Hasen sitzend, mit der kühlenden Waffe in der Hand.
9.97 Ishana vergegenwärtige man als Wissenden, dessen Körper mit weißer Asche bestrichen ist. Er hat drei Augen, reitet auf einem Stier und hält den Dreizack.
9.98 In der Richtung der Unterwelt meditiere man den Schlangenkönig Ananta, weiß und mit tausend Hauben, auf einer Schildkröte reitend und mit dem Pflug bewaffnet.
9.99 Prajapati meditiere man als Lenker des Sternenrades, mit einem Stab in der Hand, auf einem Hamsa reitend: in sich ruhend, beständig, ungeboren und allgegenwärtig.
9.100 Alle sind vierarmig und mit einer Gebetskette versehen. Sie betrachten das höchste Prinzip und erheben die Hände in den Gesten des Segens und der Furchtlosigkeit.
9.101 Göttlicher Schmuck bedeckt ihre Glieder; sie tragen göttliche Girlanden und Gewänder. Ihre Gestalten sind göttlich, und göttlicher Duft geht von ihnen aus, ihr Zweimalgeborenen.
9.102 [Die folgenden Farben sind genannt:] Rot, Weiß, Nisha-Farbe [möglicherweise Kurkumagelb], Gelb, Blau und Champaka-Farbe, ferner der Glanz von Himmel, Kristall, Sonne und königlichem Edelstein.
9.103 Mit kostbaren Girlanden, Körpersalbungen und Gewändern [dieser Farben] sind sie geschmückt, ebenso mit mannigfaltigem Schmuck, Karanda-Kronen und weiteren Zierstücken.
Ihre Waffen und schützenden Kräfte
9.104 Unter ihnen ist der Stierbannerträger [Ishana] hier als vierarmig darzustellen. Die anderen können auch zweiarmig sein oder die Gesten des Segens und der Furchtlosigkeit zeigen.
9.105 So sind die Weltenhüter beschrieben, ihr hervorragenden Zweimalgeborenen. Am Eingang des dritten Umkreises, am Fuß des rechten Türpfostens, …
9.106 … [meditiere man] Sudarshana, vierarmig, von kleinem Körper und flammendem Glanz. Seine Augen sind rot vor Zorn; das Blut der Daityas und Danavas bedeckt ihn.
9.107 Er tanzt in machtvoller Erregung im Innern des tausendspeichigen Rades. Sein Gesicht ist durch Fangzähne furchterregend, seine Brauen sind gekrümmt.
9.108 Er gleicht dem Feuer am Ende eines Weltzeitalters und ist von seinen eigenen Strahlen umgeben. Von den beiden rechten Händen hält die vordere den Sudarshana-Diskus, …
9.109 … die andere eine auf dem Boden ruhende Keule. Die vordere linke Hand trägt das Muschelhorn, die andere die Gebetskette.
9.110 Halsketten, Oberarmreifen, Ohrgehänge, Krone und weiterer mannigfaltiger Schmuck zieren ihn, ebenso weiße Girlanden, Gewänder und die übrigen [Zierstücke].
9.111 Man vergegenwärtige ihn, wie er mit seiner eigenen leuchtenden Kraft die Hindernisse entwurzelt. Am Fuß des anderen Türpfostens, ihr Zweimalgeborenen, …
9.112 … [vergegenwärtige man] Garuda aufrecht stehend, wie glühendes Gold, mit freundlichem Gesicht und weit geöffneten Augen, rotem Schnabel und einer sehr furchtgebietenden Erscheinung.
Zur Bildsprache: Furchterregende Gestalten und Waffen gehören zur historischen Schutzikonographie. Ihre Darstellung darf nicht mit einer Aufforderung zu Gewalt im heutigen spirituellen Leben verwechselt werden.
9.113 Er hat einen großen Bauch und einen langen Schweif, umgeben vom Flügelpaar. Sein Gewand, seine Girlande und seine Salbung sind rot.
9.114 Fangzähne machen sein Gesicht furchterregend; unter gerunzelten Brauen ist sein Blick gekrümmt. Er trägt ein buntes Obergewand und ist mit Schlangenfürsten geschmückt.
9.115 Krone und mannigfaltiger weiterer Schmuck zieren ihn. Was für die beiden linken Hände des Diskusgottes beschrieben wurde, …
9.116 … befindet sich bei Garuda rechts, und was rechts genannt wurde, links. [Es folgen die personifizierten Attribute:] Vajra, Speer, Stab, Schwert, Schlinge und Fahne, …
9.117 … die Shishira genannte Waffe, Dreizack, Pflug und Stößel. Sie stehen der Reihe nach, im Osten beginnend, im vierten Umkreis.
Weitere Torhüter
9.118 Ihre Meditationsgestalten werden nun der Reihe nach beschrieben, ihr Zweimalgeborenen. Den Vajra [meditiere man] von diamantgleichem Glanz, mit langen weißen Nägeln, …
9.119 … fangzahnbewehrtem Gesicht und Augen wie flammendes Gold. Den Speer Shakti [meditiere man als weibliche Gestalt], leuchtend wie ein Blitz, mit ruhigem Gesicht und Blick, …
9.120 … die wieder und wieder ein tiefes Donnern ausstößt. Den Stab Danda vergegenwärtige man mit geballter Faust, rotem Körper und roten Augen, …
9.121 … als Verkörperung des Zornes, die mit den eigenen Zähnen auf die Unterlippe beißt. Das Schwert Nandaka meditiere man tanzend, von seinen eigenen Strahlen durchsetzt, …
9.122 … dem Herbsthimmel gleich, die Zahnreihen aufeinanderpressend. Die Schlinge Pasha [meditiere man] von Strängen umgeben, furchterregend und mit einer Zunge wie ein Blitz, …
9.123 … von bleichgoldenem Glanz, mit schrecklichem Gesicht und roten Augen. Die Fahne Dhvaja [meditiere man] wie eine Herbstwolke, mit schrägem Blick, …
9.124 … von gewaltiger Kraft, die durch ihren eigenen Glanz die ganze Welt erhellt. Shishira [erscheint] wie der kühlende Mond, mit kräftigen Gliedern und mächtiger Gestalt, …
9.125 … mit einem Bündel verfilzter Haare, freundlich und mit Lotusaugen. Den Dreizack Trishula [meditiere man] strahlend wie tausend aufgehende Sonnen und von furchtgebietender Gestalt, …
9.126 … wie das Feuer am Ende eines Weltzeitalters, von seinen eigenen Strahlen umgeben. Den Pflug Langala [meditiere man] einer Abendwolke gleich, mit furchtgebietenden Augen, …
9.127 … schlankgliedrig, hochschultrig, mit diamantfestem Körper und großer Kraft. Den Stößel Musala [meditiere man] jasminweiß, freundlich und mit leicht lächelndem Gesicht, …
9.128 … einen süßen, dem Gehör wohltuenden Klang hervorbringend. [Ihre Girlanden, Salbungen und Gewänder sind] der Reihe nach blau, rot, dunkel, gelb, feuerfarben, schwarz wie Augensalbe, …
9.129 … gold-, mond-, schnee- und himmelfarben. Passende Girlanden, Körpersalbungen und Gewänder dieser Farben schmücken sie.
9.130 Sie tragen göttlichen Schmuck; ihr jeweiliges Kennzeichen befindet sich auf dem Haupt. Mit der rechten Hand bedrohen sie die Scharen des Bösen; …
Ganga und Yamuna
9.131 … die linke ruht an der Hüfte, während sie in ebenmäßiger Haltung stehen. Am südlichen und nördlichen Türpfosten des vierten Umkreises …
9.132 … meditiere und verehre man der Reihe nach Ganga und Yamuna. Ganga, die aus den Füßen Bhagavans hervorgegangen ist, gleicht einer weißen Wasserlilie.
9.133 Jugendliche Schönheit und Zartheit umgeben sie. Ihre Körpersalbung und ihr Gewand sind blau; blaue Girlanden schmücken sie.
9.134 Sie hat zwei Arme, ein freundliches Gesicht und Lotusaugen. Halsketten, Fußringe, Oberarmreifen, Ohrgehänge und weiterer Schmuck zieren sie.
9.135 Bei denen, die von der Glut des Samsara bedrängt sind und zur höchsten Stätte aufsteigen möchten, wäscht sie mit ihrer eigenen göttlichen Kraft den Schlamm der Vasanas und des Karma ab.
Spirituelle Erläuterung: Der Text selbst verbindet das reine Wasser mit der Reinigung von Vasanas und Karma. Für heutige Übende kann dies eine Einladung sein, Wahrnehmung, Gewohnheiten und Handeln bewusst zu läutern.
9.136 Rechts trägt sie einen mit Wasser gefüllten Krug. Mit der linken Hand weist sie die gewöhnlichen, weltlich gebundenen Menschen drohend zurecht.
9.137 Yamuna [meditiere man] von saphirgleichem Glanz, mit dunklen, gelockten Haaren. Ihre Körpersalbung und ihr Gewand sind weiß; weiße Girlanden schmücken sie.
9.138 Rechts zeigt sie die Drohgebärde des Zeigefingers, links trägt sie den Krug. Alles Weitere gilt wie bei Ganga, ihr Herren unter den Weisen.
9.139 Lohitaksha, Mahavirya, Aprameya, Sushobhana, Viraha, Vikrama, Bhima und als achter Shatavarta …
Die fünfte Umfassung
9.140 … stehen im fünften Umkreis, vom Nordosten aus der Reihe nach. Lohitaksha meditiere man dem Mond gleich und von gewaltiger Kraft.
9.141 Sein Gewand, seine Girlande und seine Salbung sind blau. Mahavirya [meditiere man] großleibig, gelb und mit mächtigen Armen, …
9.142 … mit korallenfarbenem Gewand, roter Girlande und roter Salbung. Den Aprameya Genannten vergegenwärtige man mit unermesslicher Kraft, …
9.143 … von grüner Gestalt, mit gelbem Gewand, gelber Girlande und gelber Salbung. Sushobhana vergegenwärtige man wohlgestaltet, glänzend wie eine Perle, …
9.144 … mit Gewand, Girlande und Salbung von der Farbe der Leinblüte. Den Heldenbezwinger namens Viraha meditiere man champakafarben, …
9.145 … geschmückt mit safrangefärbtem rötlichem Gewand und Girlande. Vikrama, die Stätte der Macht, vergegenwärtige man wie [das Innere] eines Regenbogens, …
9.146 … mit einem Gewand vom Glanz des Jasmins und des Mondes, mit weißer Girlande und weißer Salbung. Bhima meditiere man von furchterregender Gestalt und wie glühendes Gold, …
9.147 … in blassrötlicher Seide, mit ebenso gefärbten Duftstoffen und Girlanden. Shatavarta vergegenwärtige man dunkel wie die Leinblüte, …
9.148 … mit gelbem Gewand, gelben Girlanden und Duftstoffen geschmückt. Alle diese Gestalten sind zweiarmig; in ihrem Innern ist ihr Geist voller Freude.
9.149 Alle halten in der rechten Hand eine flammende Axt und in der linken ein strahlendes, herrliches Muschelhorn. Sie tragen schöne Ohrgehänge.
9.150 Sie sind ebenmäßig, mit wohlproportionierten Gliedern und friedvoller Erscheinung. Alle stehen aufrecht und erstrahlen in ihrem Glanz.
9.151 Ihre Gesichter sind heiter, ihr Wesen freundlich. Sie vermögen die drei Welten emporzuheben und sind mit Halsketten, Fußringen, Oberarmreifen und weiterem Schmuck geziert.
9.152 Sie warten auf seinen Auftrag und bringen schädliche Verfehlungen zur Ruhe. Mit großer Kraft weisen sie Götter, Asuras und mächtige Schlangen zurück.
9.153 Jeder ist ein Held für sich und bedarf keiner Hilfe. Mühelos, wie im Spiel, vermögen sie alles bis hin zur Welt Brahmas umzuwenden.
Die weiteren Schutzgestalten
9.154 An den vier Toren dieses Umkreises setze man die Torgottheiten paarweise ein, der Reihe nach am Osttor beginnend.
9.155 Am Osttor stehen Vajranabha und Harisha auf der südlichen und nördlichen Seite. Vajranabha meditiere man sonnenhell.
9.156 Seine vordere rechte Hand zeigt die abwehrende Geste; die zweite hält einen Rohrstab, die dritte den König der Disken.
9.157 Seine vordere linke Hand ruht an der Hüfte; die zweite hält das herrliche Muschelhorn, die dritte den Vajra.
9.158 Mannigfaltiger Goldschmuck ziert ihn. Seine Girlanden, sein Gewand und seine Salbung sind rot.
9.159 Ebenso [meditiere man] Harisha auf der linken Seite; anstelle der abwehrenden Geste zeigt seine Hand jedoch die Geste, die den Eintritt gewährt.
9.160 Der eine verwehrt denen den Eintritt, die keine Bhaktas sind; der andere gewährt den Bhaktas Zugang.
9.161 Dies ist an jedem Tor die Aufgabe des Torhüterpaares. Was bei Vajranabha rechts beschrieben wurde, befindet sich bei Harisha links, …
9.162 … und alles an den linken Händen des ersten gehört zu den rechten des anderen. Am Südtor stehen Dharmadhyaksha und Niyantrisha auf der südlichen beziehungsweise nördlichen Seite.
9.163 Man gestalte sie ähnlich wie Antaka, mit den Armen wie zuvor beschrieben. Sie tragen gelbe Seidengewänder, gelbe Girlanden und gelbe Salbungen.
9.164 Jedoch tragen sie Stab und Keule statt Vajra und Diskus. Im Westen [stelle man] Shuddhaksha und Amritananda, von der südlichen Seite beginnend, [auf].
9.165 Eine Hand hält Pfeil und Bogen, die andere die Schlinge. Für die zuvor genannte Vierergruppe von Händen [heißt es:] „Diese drei seien wie zuvor.“ [Die Zuordnung bleibt im Wortlaut unklar.]
9.166 In ihrer Gestalt gleichen sie stets dem Herrn der Wasser. Sie tragen blaue Seidengewänder, blaue Girlanden und blaue Salbungen.
9.167 Am Nordtor [stehen] Vasunatha und Sudhananda auf der südlichen und nördlichen Seite. Sie halten Schwert und Hammer; die übrigen vier Hände …
9.168 … sind wie zuvor zu gestalten. In ihrer Erscheinung gleichen beide dem Mond. Ihre Seide, Girlanden und Salbungen sind dunkel wie die Leinblüte.
9.169 Alle diese [Torhüter] tragen wie Vajranabha vielfältigen Schmuck. Nun [hört] insbesondere von den Gottheiten des sechsten Umkreises und seinen Torhütern …
9.170 … ihre genaue Meditationsbeschreibung, ihr hervorragenden Weisen. Vom Osten bis zum Nordosten stehen im sechsten Umkreis …

Zeit, Raum und die Ordnung des Werdens
9.171 … diese Gottheiten in Lichtgestalt, ihr Brahmanen: Kala, die Zeit; der Himmelsraum; der Lenker; die heilige Lehre mit ihren vielfältigen Gliedern; …
9.172 … die Herren des Wissens; Shiva mit Rudra und seinem Gefolge; die Gemeinschaft der Prajapatis; Indra mit seinen Begleitern.
9.173 An den vier Haupttoren stehen wie zuvor der Reihe nach Diskus und Muschelhorn, Lotus und Keule, Pflug, Stößel und die Pfeile …
9.174 … sowie der Bogen Sharnga. Man meditiere sie der Reihe nach mit dem Glanz von Blitz, Schnee, Jasmin, Gelb und Blau, Weiß, Rot und weißer Kuhmilch.
9.175 Ihre Gewänder, Girlanden und Salbungen leuchten orpimentgelb und rötlich; mit Schmuck aus mannigfaltigen Edelsteinen sind sie geziert.
9.176 Alle diese Anführer sind von großer Kraft und Macht, mit einem Gesicht und zwei Armen. Ihr jeweiliges Kennzeichen befindet sich auf dem Haupt.
9.177 Mit der rechten Hand bedrohen sie die Scharen des Bösen; die linke ruht an der Hüfte. Sie stehen in wohlgefügter, ebenmäßiger Haltung.
9.178 Dridhavrata, Bahushiras, Mahakaya, Mahabala, Jitakrodha, Duradharsha, Mahotsaha und Trivikrama, …
9.179 … Atula, Dushtaha, Archishmat, Sarvadrish, Duratikrama, Vishama, Gahana und Amogha sind die sechzehn Hüter der Nebeneingänge.
9.180 Sie stehen vom Zwischenraum zwischen Osten und Südosten bis zum Zwischenraum zwischen Osten und Nordosten. Ihre Farben sind Weiß, Scharlach, Gold, Bienenschwarz, Goldbraun, Rot, Hell und Dunkel, …
9.181 … Rot, Gelb, Leinblütenfarbe, Gold, Scharlach, Reinweiß, Hell und Dunkel. Gewänder, Girlanden, Salbungen und Schmuck entsprechen ihrer jeweiligen Farbe.
9.182 Ihr Wirken entspricht ihren Namen. Sie tragen Muschelhorn und Hammer. Links beziehungsweise rechts gewähren sie Eintritt oder verwehren ihn.
9.183 In einem Augenblick vermögen sie die Welt zurückzunehmen, hervorzubringen und zu erhalten. Man verehre diese genannten [Gestalten] der Reihe nach wie zuvor.
9.184 Die sieben ursprünglichen Weisen und die weiteren, die von Sternen und anderen [Himmelskörpern] umgebenen Planeten, die Wolken, sämtliche Nagas und die erhabene Schar der Apsaras, …
Die Hüter der äußeren Bereiche
9.185 … Heilpflanzen, Tiere und sämtliche Opfer samt ihren Gliedern weilen wie zuvor in subtiler Gestalt im siebten Umkreis.
9.186 Sambhava, Prabhava, Purna, Pushkara, Ananda, Nanda, Virasena und Sushenaka …
9.187 … stehen paarweise an den Pfosten seiner Haupttore, rechts und links. Sambhava ist weiß, Prabhava gleicht dem Jasmin.
9.188 Purna ist rot, Pushkara tiefrot. Ananda ist gelb; Nanda wird als goldglänzend beschrieben.
9.189 Virasena ist dunkel, Sushena gleicht schwarzer Augensalbe. Kronen und Armreifen schmücken ihre Körper; sie haben zwei Arme und halten Keulen.
9.190 Oder sie sind vierarmig, ihr hervorragenden Brahmanen, und tragen Muschelhorn, Diskus und Keule. Mit der übrigen Hand gewähren oder verwehren sie wie zuvor den Eintritt.
9.191 Ihre Fangzähne verleihen dem Gesicht einen furchterregenden Ausdruck; sie vermögen zurückzuweisen und Gnade zu schenken. [Die folgenden Nebentorhüter heißen:] Kshemakrit, Shivakrit, Prajna, Homakrit und Bhutabhavana, …
9.192 … Yugantagnyashana, Samvarta, Bhishana, Sankrandana, Animisha, Shataparvan und Shatanana, …
9.193 … Audumbara, Prakritika, Virama und Amshumalin. Dies ist der Reihe nach die Gruppe von sechzehn Nebentorhütern.
9.194 Farblich gleichen sie Dridhavrata und den übrigen [zuvor genannten Torhütern]. Sie besitzen sechs Arme; [die Attribute werden] links und rechts, hinten, vorn und rückwärts [angeordnet]: …
9.195 … Muschelhorn, Hammer, Lotus, Gebetskette sowie die Gesten des Segens und der Furchtlosigkeit. Ihre Girlanden, Turbane, Gewänder, Salbungen und Schmuckstücke sind verschiedenfarbig.
9.196 Sie besitzen die zuvor genannten Eigenschaften und Heldentugenden und vermögen alle Aufgaben auszuführen. Zum Schutz der acht Schmuckbereiche [der Tore dienen] Shatamanyu und Virochana, …
9.197 … Apratarkya, Anullanghya, Aprameya, Amarshin, Mahabhuta und als achter Chakoraksha.
9.198 Beginnend am Nebentor zwischen Osten und Südosten stehen diese Helden der Reihe nach einzeln an den seitlichen Schmuckbereichen. Sie gewähren und verwehren den Eintritt.
9.199 Ihre Farben sind Blau, Gelb, Hibiskusrot, Dunkel, Weiß, Zinnoberrot sowie Wasser- und Mondglanz. Sie besitzen große Kraft und Macht; ihre Stärke ist kaum zu überwinden.
9.200 Mannigfaltige Gewänder, Girlanden, Schmuckstücke und Salbungen zieren sie; auch andere, hier nicht genannte Zierstücke dürfen ihrer Schönheit entsprechend verwendet werden.
9.201 Sie sind mit der Hoheit der sechs göttlichen Eigenschaften erfüllt und vierarmig. Die hintere rechte und linke Hand tragen Diskus und Muschelhorn.
9.202 Die beiden vorderen Hände ruhen auf dem oberen Ende der Keule. Diese Herren der Haupttore, Nebentore und Schmuckbereiche verehre man der Reihe nach.
Die Kräfte des Weltzusammenhangs
9.203 Wissen und das andere, Unwissenheit, Feuer und Wind, Mond und Sonne, Wasser und Erde: Dies sind die Gottheiten des weltlichen Daseins.
9.204 Sie weilen in subtiler Gestalt im äußeren Umkreis. [Seine Torhüter heißen:] Amaresha, Virupaksha, Sudharmishtha, Niyamaka, …
9.205 … Sarvasattvashraya, danach Gahana, Maharajeshvara und Dhanadhyaksheshvara.
9.206 Diese acht Scharenherren sind die Hüter seiner Haupttore. Alle sind vierarmig zu meditieren. Mit ihren beiden vorderen Händen …
9.207 … tragen Amaresha und Virupaksha Vajra und Rohrstab; ihre hinteren Hände erstrahlen mit Diskus und Muschelhorn.
9.208 Sie gleichen Safran beziehungsweise schwarzer Augensalbe. Fangzähne verändern den Ausdruck ihrer Gesichter; rechts und links sind ihre Kennzeichen vertauscht.
9.209 Rechts und links am Tor stehend, gewähren oder verwehren sie den Eintritt. Sudharmishtha und Niyantri leuchten hellweiß beziehungsweise dunkel.
9.210 Sie tragen furchtgebietende Stäbe statt des Vajra und halten die übrigen Attribute nach der bereits beschriebenen Reihenfolge.
9.211 Sarvasattvashraya und Atigahana sind dunkel beziehungsweise weiß. Sie halten jedoch eine Schlinge in der Hand; ihre Arme sind sonst wie zuvor ausgestattet.
9.212 Maharajeshvara ist rot, Dhanadhyaksheshvara dunkel. Beide tragen die Shishira-Waffe; die übrigen drei [Attribute] entsprechen der früheren Beschreibung.
9.213 Sie sind von großer Kraft und Macht, beseitigen schädliche Verfehlungen, sind schwer anzublicken und unüberwindlich und bekämpfen Daityas und Danavas.
Hüter der Nebentore
9.214 Kostbare Gewänder, Schmuckstücke und Salbungen zieren sie. [An den Nebentoren stehen:] Maharshabha, Prabhuta, Gambhira und Pranagochara, …
9.215 … Yoganga, Yoganilaya, Sanatana, Ashrinkhala, Tarakantarita, Tara, Virama und Vishama, …
9.216 … Duratikrama, Durgraha, Sudhumra und Anilashana. An den Nebentoren dieser Umfassungsmauer soll man sie nach der zuvor beschriebenen Ordnung einsetzen.
9.217 Diese Gruppe von sechzehn Gestalten leuchtet in denselben Farben wie die genannten Nebentorhüter; jede Gestalt hat vier Hände.
9.218 Von der hinteren linken bis zur vorderen linken Hand tragen sie Muschelhorn und Patta [eine waffenartige Platte oder Klinge] und zeigen die Gebärde des Abweisens, …
9.219 … ebenso die Gebärde des Einlassens. Sie tragen verschiedenfarbige Gewänder und Kränze, nehmen unterschiedliche Standhaltungen ein und sind mit mannigfaltigem Schmuck geziert.
9.220 Oder man stelle sie mit einer Gebetsschnur dar. Denen, die Zuflucht genommen haben, gewähren sie Einlass; andere weisen sie ab. So sind sie einzusetzen, ihr vortrefflichen Weisen.
Die sechzehn weiteren Begleiter
9.221 [Die nächste Gruppe umfasst:] Devavrata, Niratanka, Bhishma, Purusha, Ugra, Vireshvara, Ramya und Arishta, ihr vortrefflichen Weisen, …
9.222 … Nirvishanna, Yugantamsha, Shatananda, Shatanana, Tejodhara, Vishalaksha, Yugamsha und Devanandana.
9.223 Diese Gruppe soll man einzeln auf die sechzehn Shobhas [die so bezeichneten Zier- oder Nebenbauten] verteilen. Ihre Farben entsprechen denen der Nebentorhüter; ihre Kennzeichen unterscheiden sich jedoch.
9.224 Sie haben vier Hände. Beginnend mit der hinteren rechten Hand [tragen sie] Muschelhorn, Diskus und Keule; die Anordnung reicht bis zur vorderen rechten Hand.
9.225 Schädlich Handelnde weisen sie ab; Schuldlosen gewähren sie Einlass. Verschiedene Kränze, Gewänder, Kopfbünde, Schmuckstücke und Salbungen zieren sie.
9.226 Ihre Macht ist grenzenlos und undenkbar; sie sind Zuflucht aller Wesen, kundig im Umgang mit vielerlei Waffen und mit vielfältigem Wissen ausgestattet.
9.227 Sie haben zahlreiche Herrscher der Daityas überwunden und sind bestrebt, die Guten zu schützen. Hat eine Umfassungsmauer zwei Tore, so sind die beiden am Haupttor befindlichen [Hüter] …
Eckgottheiten und Sudarshana
9.228 … in feinstofflicher Gestalt auch zu beiden Seiten des anderen Tores gegenwärtig. In allen Ecken der Umfassungsmauern soll man, im Südosten beginnend, [die folgenden Gottheiten] einsetzen.
9.229 [Einzusetzen sind] der Reihe nach die vier göttlichen Gestalten in der Ordnung des Hervorgehens und der Rückkehr, ferner ihre weiteren Erscheinungsformen und ihre Gefährtinnen, …
9.230 … sowie die zu ihren Mantras gehörenden Waffen und weiteren [Gestalten], wobei man sich ihre Erscheinung vergegenwärtigt. Außerhalb des Gebäudes soll man an allen vier Ecken das Unentfaltete [Avyakta] …
9.231 … unter dem Namen Bhava verehren; denn Bhava gilt als nichts davon Verschiedenes. Außerhalb davon [wird] in der Reihenfolge der Himmelsrichtungen mit seinem eigenen Mantra der König der Waffen [Sudarshana eingesetzt], …
9.232 … der durch die Schar seiner eigenen Strahlen Licht verbreitet. Nachdem man ihn so eingesetzt hat, vollziehe man die Verehrung mit Mantra und Mudra, …
Der Tempel als sichtbarer Leib Vasudevas
9.233 … mit Arghya-Wasser, Kränzen, Sandel und anderen Gaben, die durch den [rituell reinigenden] Blick und weitere Handlungen geläutert wurden. Der Gott namens Vasudeva, dessen Gestalt die sechs göttlichen Vollkommenheiten verkörpert, …
9.234 … [nimmt] zum Nutzen der rituell Handelnden den Tempel als sichtbaren Leib [an]: erfüllt von allem Wissen und Wirken und als Grundlage aller Tattvas, …
9.235 … erweist der Herr ihnen seine Gnade, indem er stets im verehrten Bild gegenwärtig ist. Darum soll man in den acht Umfassungsmauern, die seine Glieder bilden, der Reihe nach …
9.236 … die acht äußeren Prinzipien von Erde bis Buddhi einsetzen. Der Tempel mit seinen Gliedern ist Prakriti, die aus den drei Gunas besteht.
9.237 Das in ihm befindliche Bild ist der Jiva; in dessen Innerem ist der höchste Purusha. Daher soll man hier die Gottheiten und diese Prinzipien der Reihe nach …
9.238 … als überall gegenwärtig meditieren und dann verehren. Mit [dem Lotus], der alle Grundlagen in sich trägt und die Stütze aller Wesen ist, …
Spirituelle Erläuterung: Die Verbindung von Tempel, Prakriti, Jiva und höchstem Purusha stammt ausdrücklich aus dem Text. Als heutige Anregung lässt sich daraus lernen, den sichtbaren Formen mit Achtung zu begegnen und zugleich nach der inneren göttlichen Gegenwart zu fragen.
9.239 … mit dem Lotus des Zeitrades, der das Gift aller Mängel aufhebt, umschließe man von oben das Gebäude samt seinen Umfassungsmauern [in der Meditation].
9.240 Nach der Verehrung zeige man die Herz-Mudra zusammen mit der Chakra-Mudra und umhülle [den Tempel] in allen Himmelsrichtungen mit dem Kavacha, dem rituellen Schutzpanzer.
Die Ordnung bei vier Toren
9.241 Diese Ordnung gilt für ein Gebäude mit einer einzigen göttlichen Gestalt und einem einzigen Tor. Ist [der Tempel dagegen] auf die göttlichen Vyuhas ausgerichtet, …
9.242 … mit vier Toren im Heiligtum und einer Halle vor den Toren der Himmelsrichtungen, mit den Umfassungen namens Sarvatobhadra und Aghanirmochana …
9.243 … sowie [denen] namens Sadadhvadesha und Dharma, die jeweils vier Tore haben, so wird für das Einsetzen der Gruppen von Torhütern folgende besondere Ordnung erklärt.
9.244 Die [Hüter] von Chanda bis Subhadra sind an den vier Toren des Tempels der Reihe nach einzusetzen, wie zuvor jeweils paarweise.
9.245 Auf den vier oberen Türschwellen befinden sich der Reihe nach die Göttinnen Lakshmi, Kirti, Jaya und Maya mit den zuvor beschriebenen Merkmalen.
9.246 Davor stehen Satya, Suparna, Garuda und Tarkshya. [Weitere Hüter sind:] Anivartin, Mahavritti, Darpaha, Sarvajit, Sthira, …
9.247 … Jayanta, Bhayakrit und als achter Manin, ihr vortrefflichen Zweimalgeborenen. Sie stehen neben den Türpfosten der Hallen, die den Himmelsrichtungen vorgelagert sind.
9.248 Anivartin ist schwarz, Mahavritti papageiengrün. Darpaha schimmert hell, Sarvajit rotgolden.
9.249 Sthira und Jayanta leuchten dunkel beziehungsweise wie schwarzes Augensalbmittel; Bhayakrit ist gelbbraun, Manin von hellem Glanz.
9.250 Sie alle haben zwei Arme: Rechts tragen sie das Schwert Nandaka, in der anderen Hand das Muschelhorn. Ihr Vorgehen ist furchterregend.
9.251 Werden diese Anführer der Scharen vierarmig meditiert, so tragen sie in der vorderen rechten Hand Schwert beziehungsweise Rohrstab …
9.252 … und links das Muschelhorn; in den hinteren Händen, rechts beginnend, Diskus und Lotus. Sie strahlen wie Feuer.
9.253 Sie tragen unterschiedliche Gewänder, Waffen, Kränze, Kopfbünde, Schmuckstücke und Salbungen. Hände und Füße sind gegensinnig angeordnet, ebenso ihre Kennzeichen.
Die Sarvatobhadra-Umfassung
9.254 Urjita, Amritanga, Sarvanga, Sarvatomukha, Shubhanga, Varada, Vagisha und Shabdavikrama …
9.255 … sind besondere Erscheinungsformen von Panchajanya [dem göttlichen Muschelhorn]. Wie zuvor stehen sie der Reihe nach zu zweit an den vier Toren der Sarvatobhadra-Umfassung.
9.256 Man vergegenwärtige sie sich zweiarmig: Alle halten rechts eine Keule [Musala] und in der anderen Hand das Muschelhorn.
9.257 Die ersten vier leuchten wie rote Bandhuka-Blüten, die anderen wie der [dunkle] Kuckuck. Sie sind mit allem Schmuck geziert.
9.258 Mit gewaltiger Kraft schleudern sie Götter, Asuras und große Schlangen fort. Als einzelne Helden, ohne Helfer, vermögen sie mühelos und spielend …
Die zweite Umfassung und die Schatzherren
9.259 … alles bis hinauf zur Welt Brahmas immer wieder umzuwälzen. [Die nächste Gruppe umfasst:] Vishvesha, Vishvakrit, Vishva, Vishvatman, Vishvalochana, …
9.260 … Vishvapada, Vishvabhuja und Vishvakarmakrit. Diese sind die Hüter an den Richtungstoren der zweiten Umfassung.
9.261 Man stelle sie sich zweiarmig vor, links mit der Keule, rechts mit dem Schwert, und mit einer Karanda-Krone geschmückt.
9.262 Ihre Farben sind Scharlachrot, Gelbbraun, Weiß, Dunkel, Rot, Gelb, Weiß und Schwarz. Gewänder, Salbungen, Kränze und Schmuck in allen Farben lassen sie erstrahlen.
9.263 Sie sind einzelne Helden, ohne Helfer, und wehren alle Mängel ab. Im Inneren jener Tore soll man links und rechts …
9.264 … die Herren der Schätze der Reihe nach mit dem Gesicht zum Tempel einsetzen: Shankha und Padma, sodann Mahapadma und Shatadhama, …
9.265 … Akhandita, Santata, Anantadhara und Sarvadvara. Die ersten beiden wurden bereits beschrieben.
9.266 Nun werden Farbe und Gestalt der übrigen sechs der Reihe nach erklärt: rot, schwarz, goldglänzend, weiß, morgenrot und wie der Tamala-Baum [dunkel].
9.267 Sie tragen alle Merkmale, die für die Schatzherren Shankha und Padma genannt wurden. Sie gebieten über Güter, Edelsteine, Gold, die acht Metalle, Getreide und Vermögen.
9.268 Sie sind Herren der Schätze aller Heilpflanzen und sitzen bequem auf ihren [Schätzen]. Mit allem Schmuck geziert, gewähren sie denen, die bei ihnen Zuflucht suchen, das Ersehnte.
Die dritte Umfassung und ihre Sinnbilder
9.269 Dann setze man an den Toren der dritten Umfassung paarweise, an den jeweils rechten und linken Türpfosten, der Reihe nach [folgende Gestalten] ein:
9.270 Im Osten Diskus und Garuda, im Süden Pflug und Tala [Palmenbanner], im Westen Sharnga [Bogen] und Makara, im Norden Nandaka [Schwert] und Rishya [Antilope].
9.271 Farbe, Gestalt und weitere Merkmale des Diskus, des Vogelkönigs, des Pfluges, des Sharnga-Bogens und des Nandaka-Schwertes wurden für ihre jeweiligen Plätze bereits erklärt, ihr Zweimalgeborenen.
9.272 Nun werden die übrigen drei, beginnend mit Tala, beschrieben. Tala ist das Banner, das die Gestalt der Zeit mit Vergangenheit und weiteren [Zeitformen] verkörpert.
9.273 Der Fisch [Makara], in dem alle Glieder verborgen sind, wird als Keim der Welt bezeichnet. Die Antilope verkörpert den ruhelosen Samsara mit all seinen Bedrängnissen.
Die Flussgöttinnen
9.274 Diese soll man in ihrer feinstofflichen Gestalt meditieren und der Reihe nach verehren. [Nun folgen die Flussgöttinnen:] Ganga, Yamuna, Goda und die große Nadi, …
9.275 … Vitasta, Narmada, die Jambu genannte [Flussgöttin] und Saraswati. Sie stehen der Reihe nach an den Richtungstoren der vierten Umfassung.
9.276 Farbe und Gestalt von Ganga und Yamuna wurden schon beschrieben. Die anderen gleichen ihnen; nur ihr Farbenglanz unterscheidet sich.
9.277 Sie schimmern [der Reihe nach] weiß, morgenrot, weiß, golden, weiß und wie Jasminblüten. Sie erscheinen in der Fülle reifer Schönheit und tragen vielfältigen Schmuck.
9.278 Ihre Körper sind mit verschiedenfarbigen Mineralfarben geschmückt und strahlen von allerlei Edelsteinen. Wie zuvor halten sie mit beiden Händen einen Krug voll Nektar.

Ergänzendes Video zur spirituellen Praxis; kein Bestandteil der Samhita.
Meditierte Gestalten und aufgestellte Bildnisse
9.279 So wurde die Anordnung der Hüter an den Richtungstoren und Tempeltoren erklärt. Bei [Tempeln] einer einzigen göttlichen Gestalt, bei den Gestalten der Himmelsrichtungen und bei [den Gottheiten] oben auf den Umfassungsmauern …
9.280 … gelten die zugehörigen Tore und weiteren [Anordnungen] als gemeinsam. Die beiden Hüter neben den Türpfosten sämtlicher Umfassungen …
9.281 … kann man entweder meditieren oder als Bildnisse aufstellen. Befinden sie sich in äußeren Gebäuden, so sind sie der Reihe nach mit den beschriebenen Merkmalen aufzustellen.
9.282 So verehre man die Herren der Umfassungen, indem man sie meditiert oder aufstellt. Die durch Meditation vergegenwärtigten [Gestalten sind] an den Sockelplätzen, ihre sichtbaren Bildnisse dagegen in den [zugehörigen] Gebäuden.
9.283 Hierzu teile man die Hoffläche in drei oder fünf Teile. Unter Freilassung von drei Teilen beziehungsweise einem Teil in der Mitte soll man außerhalb davon …
9.284 … in allen Himmelsrichtungen oder den Zwischenrichtungen einen Sockel oder ein Heiligtum errichten. Die zuvor genannten unteren und oberen Anordnungen bleiben dabei wie beschrieben bestehen.
9.285 Die Sockel werden aus Stein, Ziegeln und dergleichen gefertigt; sie sind eine Elle breit und halb so hoch, alle mit vollständigem Schmuck versehen.
Opferplätze und örtliche Anordnung
9.286 Sie sind quadratisch oder schön gerundet und werden verehrt; gegebenenfalls [verwendet man] lediglich [die markierten Plätze]. Für die Vastu-Gottheiten von Dörfern und anderen [Siedlungen] bringe man in deren jeweiligen Richtungsbereichen …
9.287 … auf mit Kuhdung und dergleichen bestrichenen Mandalas die Bali-Gabe dar. Die Sockel besitzen die zuvor genannten Merkmale und Maße für Breite und Höhe …
9.288 … oder sind halb so groß auszuführen, damit sie der Wagenprozession nicht im Wege stehen. So befinden sich die Herren der Umfassungen auf ihren Sockeln in den jeweiligen Himmelsrichtungen …
Die Tore des Opferhauses
9.289 … mit dem Gesicht zum Tempel, um schädliche Mängel abzuwehren. [Nun zur Ordnung] an den Toren des Opferhauses für den in vier Stätten gegenwärtigen [Gott]: …
9.290 Hört, ihr vortrefflichen Weisen, wie dort die Anführer der Scharen eingesetzt werden. Die beiden namens Vastu und Kshetresha stehen wie zuvor am östlichen Tor.
9.291 Lakshmi, Kirti, Jaya und Maya befinden sich der Reihe nach über den Toren; die Götter von Vajranabha an stehen paarweise an den Pfosten der Richtungstore.
9.292 Auf den Torkrügen, vom Osten ausgehend, [stehen] Sambhava, Prabhava und die weiteren [Gestalten]. Die vertraute Schar von Kumuda an, die vorzügliche Gruppe von acht Wesen, …
9.293 … befindet sich entsprechend der inneren Torfläche im Bereich des Umgangs. Suparna, der Shakra Genannte, Satya und Kaumodaki, ihr Zweimalgeborenen, …
9.294 … sind der Reihe nach auf dem Boden vor den Toren anzuordnen. Satya jedoch, an einem goldenen Stab angebracht, befindet sich im Westen.
9.295 Die [Hüter] von Chanda bis Subhadra stehen paarweise, vom Osten ausgehend, rechts und links am Fuß der Torbogenpfeiler, ihr Zweimalgeborenen.
9.296 Über dem Torbogen befindet sich der Vogelkönig zwischen zwei Disken. Zu seinen beiden Seiten ist der Diskus auf verschiedenfarbigen Bannern [angebracht].
9.297 Die Vierergruppe von Satya an ist beim mittleren Altar an den acht Bannern zu verehren: vom Osten ausgehend, in der Ordnung des Hervorgehens und der Rückkehr.
9.298 Die Welthüter von Indra an, denen Scharen von Siddhas vorangehen, und ihre Waffen vom Vajra an befinden sich außen in den jeweiligen Himmelsrichtungen.
Ausführliche und vereinfachte Ordnung
9.299 So verfahre man bei der Hauptordnung und bei anderen [entsprechenden] Anlässen. Bei der vereinfachten Ordnung [setze man] die Gestalten von Chanda an, beginnend mit Vastunatha und den weiteren [Eingangsgottheiten], …
9.300 … allein an den Toren ein und verehre [die Reihe] bis zu Garuda. Oder man verehre an allen Toren den Vogelkönig zusammen mit dem Herrn der Waffen.
9.301 Bei den verschiedenen Weihungen, bei der Erneuerung verfallener [Heiligtümer], bei allen großen Festen und beim Hissen des Banners, …
9.302 … beim auspiziösen Aussäen der Keime, beim Anlegen der Pavitra-Fäden und bei Begießungsriten mit zahllosen Kalashas und dergleichen, …
9.303 … bei nicht regelmäßig anfallenden Sühnehandlungen und bei auf bestimmte Wünsche gerichteten Riten verfahre man stets nach der Hauptordnung; bei anderen Gelegenheiten entsprechend der anderen [vereinfachten] Ordnung.
Die Welthüter als Verehrende
9.304 Die Scharen der Siddhas, die Gottheiten von Indra an und ihre Waffen in der jeweiligen Ordnung: Diese Hüter der Weltrichtungen sind von ihren eigenen Heeren umgeben.
9.305 Sie nehmen stets ihre Plätze nach dem allgemein geltenden Osten und den übrigen Himmelsrichtungen ein. Ihre Stellung ist fest, weil sie seit der Schöpfung Hüter der Richtungen sind.
9.306 An ihren eigenen Orten verneigen sie sich vor den unendlichen Mantra-Gestalten des erhabenen Herrn, verehren sie und vollziehen Japa, ihr Herren der Weisen.
9.307 Mit Bannern und weiteren ehrenden Gaben dienen sie ihnen sorgsam, beständig und gemeinsam mit vielen Gefolgsleuten, um Kaivalya, die höchste Freiheit, zu erlangen.
9.308 Sie bewahren die Kraft der Bhaktas und schenken ihnen Lebensstärke. Unablässig beseitigen sie die Fülle der Hindernisse für jene, die mit Mantras verehren.
Für die eigene Praxis: Auch die göttlichen Hüter werden als Lernende und Verehrende geschildert. Die Verbindung von Japa, Seva und dem Streben nach Kaivalya kann dazu anregen, spirituelle Kraft als Dienst zu verstehen.
9.309 Sie schützen die wachsende, zweifache Frucht der Mantras. [Ihr] anfangs- und endloses Amt [gründet im] Kraftkeim des Herrn der Welt, …
9.310 … [der die Ordnung] der zehn Richtungen und ihre Entfaltung in acht Richtungen [trägt; der Sanskritwortlaut ist hier schwierig]. Die Gottheiten des Werdens von Kala an befinden sich auf dem Gelände der drei äußeren Umfassungen.
9.311 Weil sie jenem Zweck dienen, sind sie stets den zuvor genannten Richtungsbereichen zugeordnet. Die Gottheiten von Vajranabha an, die Hüter der Tore der Weltrichtungen, …
9.312 … ebenso die [Gruppe] von Amaresha an und Sambhava, Prabhava und die weiteren [Gestalten] stehen der Reihe nach an den Richtungstoren, ausgehend vom allgemein geltenden Osten.
Die Ausrichtung der göttlichen Gestalten
9.313 Die Achtergruppe von Kala an [wird] stets mit Indra beginnend und mit Rudra endend [geordnet]. Niyanta folgt auf das Zeitprinzip; nach ihm hat Viyat [der Raum] seinen Platz.
9.314 Vidya und Avidya setze man der Reihe nach in die nordöstliche und südwestliche Ecke. Feuer und Wind bleiben an ihren eigenen Plätzen.
9.315 Mond und Sonne setze man in den nördlichen und südlichen Bereich, das Wasser in den Westen und die Erde in den Osten.
9.316 Die Herren der Umfassungen von Kumuda an, ebenso Lohitaksha und die weiteren [Gestalten], ferner die dreimal acht Torhüter, ausgenommen die Gruppe von Vajranabha an, …
9.317 … diese Scharen der Torhüter und jene in den Ecken der Umfassungen stehen in der genannten Ordnung, wobei die Vorderseite des Herrn als Osten gilt.
9.318 Auf dem Gelände von Städten, Dörfern und dergleichen sowie im Haus der Keimgefäße stehen die Scharenführer von Kumuda an dagegen gemäß der für die Richtungshüter beschriebenen Ordnung.
Die Bali-Gabe und das große Opferpodest
9.319 Zu den drei Sandhya-Zeiten bringe man den Gottheiten der Tore und Umfassungen Bali-Gaben dar, und zwar in den Umfassungen, die [tatsächlich] vorgesehen und eingerichtet sind.
9.320 Den für nicht eingerichtete Umfassungen genannten Gottheiten bringe man keine Bali-Gaben dar. Wenn die jeweilige Umfassung errichtet wird, weihe man sie dort ordnungsgemäß ein …
9.321 … und verbinde die Darbringung der Bali-Gaben mit der Prozession der Gottheit. Nachdem alles so vollzogen ist, betrete man die obere Fläche des großen Opferpodestes, …
9.322 … nachdem sie gereinigt wurde, mit dem Gesicht nach Osten oder Norden. Auf den in die Himmelsrichtungen weisenden Lotusblättern darauf [rufe man] Kumuda und die weiteren [Hüter], im Inneren aber …
9.323 … alle Bhutas, die göttlichen Gefolgsleute und die Grahas [anrufend], verehre man sie und streue dort den Rest der Bali-Gabe zusammen mit Wasser aus.
Mantra und Mudra
9.324 Danach vollziehe man ordnungsgemäß Achamana oder bade und betrete das Haus. Bei der Verehrung sämtlicher Herren der Tore und Umfassungen sowie der in den Ecken befindlichen [Gottheiten] …
9.325 … gilt der jeweilige eigene Name, verbunden mit der Huldigungsformel und dem Pranava, als Mantra. Bei den Bhutas, Gefolgsleuten und Grahas auf dem großen Opferpodest …
9.326 … füge man nach Tara [Om] das Wort Vishnu ein, in der beschriebenen Ordnung. Die Mantras für alle Eckgottheiten werden mit dem Abschluss phaṭ angegeben.
9.327 Beim Homa enden alle gemeinsam verwendeten Mantras auf svāhā. Nachdem man so meditiert und mit den jeweiligen Mantras sowie Arghya und den weiteren ehrenden Gaben verehrt hat, …
9.328 … zeige man für die Herren der Umfassungen die Tarjani genannte Mudra; für die Scharen der Torhüter unmittelbar danach die für Chanda und die weiteren [Hüter] angegebene [Mudra].
Anpassungen bei begrenzten Möglichkeiten
9.329 Ist es aus irgendeinem Grund unmöglich, jenseits der Dharma-Umfassung und der weiteren [äußeren Umfassungen] den dortigen Gottheiten der Reihe nach Bali-Gaben darzubringen, …
9.330 … so vollziehe man [die Darbringung] in den mit Sarvatobhadra beginnenden [inneren Umfassungen] in verdoppelter Form; dies gilt für die Hauptordnung. Andernfalls [verfahre man] nach seinen Möglichkeiten auf dem Gelände einer Umfassung, …
9.331 … und befriedige die Gottheiten der weiter außen liegenden Umfassungen durch wiederholtes Umgehen [und Darbringen]. Die Gaben für die Haupt- und Nebentorhüter bringe man an diesem Tor dar, …
9.332 … die für das große Opferpodest genannten [Wesen] auf dem Mandala vor diesem Tor. Bei den durch Meditation vergegenwärtigten Gestalten entsteht kein Fehler, wenn aus irgendeinem Grund der Rundgang ausbleibt.
9.333 Bei der Verehrung der jeweiligen Tor- und Umfassungsgottheiten jedoch wäre ein Ortswechsel der in materiellen Bildnissen gegenwärtigen [Gottheiten] unerwünscht.
Göttliche Gegenwart und täglicher Rhythmus
9.334 So bringe man den Gottheiten der Umfassungen zu den drei Sandhya-Zeiten Bali dar, in Gegenwart des für das tägliche Fest verehrten Bildes.
9.335 Dies geschehe begleitet von Tanz, Gesang und weiteren [festlichen Darbietungen] sowie vom Erklingen der Vedas. Damit wurden Meditation und Verehrung der Tor- und Umfassungsgottheiten erklärt.
9.336 Wo die Puja auf diese Weise bis zur abschließenden Bali-Gabe vollzogen wird, dort verwirklicht sich die ununterbrochene Gegenwart der Gottheit.
9.337 So vollziehe der vortreffliche Lehrer und Ritualkundige die Verehrung dreimal täglich. Eine geringere Zahl als diese drei täglichen Verehrungszeiten ist nicht vorgeschrieben.
9.338 In den Tempeln, beginnend mit jenen der selbst offenbarten [Gottesbilder], sind die drei Zeiten grundlegend, ihr vortrefflichen Zweimalgeborenen; weitere liegen im Ermessen des Ausführenden.
9.339 Je nach verfügbaren Mitteln kann er die Zahl schrittweise erhöhen, bis zu zwölf Verehrungszeiten, ihr vortrefflichen Weisen.
Zur Einordnung: Die vorgeschriebenen drei bis zwölf Verehrungszeiten betreffen die hier beschriebene Tempelliturgie. Für die persönliche Sadhana lässt sich daraus die Bedeutung eines verlässlichen Rhythmus aufnehmen; die konkreten Tempelpflichten werden dadurch nicht zu einer allgemeinen Pflicht aller Yoga-Übenden.
Morgendliche Praxis und zusätzliche Verehrungszeiten
9.340 Unter den drei Zeiten ist die Morgenzeit die vorzüglichste. Das ordnungsgemäße Einsetzen der Mantras an den eigenen Händen und am Körper, …
9.341 … die Verehrung im Herzen, die Reinigung des Ortes und die mit Atemlenkung verbundene Reinigung der Elemente vollziehe man täglich am Morgen; zu anderen Zeiten nach Ermessen.
9.342 Die rituelle Begießung und die Bali-Darbringung sind stets zu den drei Zeiten auszuführen. Die Verehrung des Sitzes der göttlichen Gestalt ist bei vier [täglichen] Verehrungszeiten [hinzuzunehmen].
9.343 Bei fünf Verehrungszeiten gehört Nyasa dazu, bei sechs das Feueropfer. Bei darüber hinausgehenden Zeiten reicht die Verehrung bis zum abschließenden Japa.
9.344 Das Schmücken, [Darbringen des] Sitzes und die weiteren Handlungen geschehen wie zuvor in ihrer Reihenfolge. Man verfahre nicht anders als auf die beschriebene Weise.
Der Abschluss der Verehrungsordnung
9.345 In der Hauptordnung vollziehe man die regelmäßig verpflichtende und die anlassgebundene Puja in der vorgesehenen Folge jeweils bis zum zugehörigen abschließenden Homa.
9.346 In der vereinfachten Ordnung reicht sie bis zum Japa. Folgen jedoch regelmäßig verpflichtende, anlassgebundene oder andere, mit Homa abschließende Verehrungen unmittelbar aufeinander, …
9.347 … so vollziehe man zunächst die jeweilige Verehrung der Reihe nach bis zum Japa und danach die zugehörigen Homas der Reihe nach und nach Vorschrift, ihr vortrefflichen Weisen.
9.348 Bei den vereinfachten Verehrungen und den für zusätzliche Zeiten genannten [Riten bringe man] Sitz und Arghya dar, danach Wasser für die Füße und für das Mundspülen, zusammen mit dem Auffanggefäß, …
9.349 … sodann Duftstoff, Kranz, Licht, Räucherwerk und die vorgeschriebene Gabe [Matra]. Nach diesen Darbringungen reiche man die weiteren Gaben in der vorgeschriebenen Folge bis zur Speise.
9.350 So wurde die Ordnung der Verehrung mit ihren Haupt- und Nebengliedern dargelegt. Wenn ihr darüber hinaus noch etwas hören möchtet, so sprecht es aus, ihr vortrefflichen Weisen.
Kolophon: So endet in der Ishvara Samhita des heiligen Pancharatra das neunte Kapitel, genannt „Merkmale und Ordnung der Tor- und Umfassungsgottheiten“.
Texthinweise zu Kapitel 9
Die 350 Verse sind vollständig erfasst. Die Sprecherangabe Naradas steht innerhalb von 9.2. Die Übersetzung folgt dem Sanskrit; die englische Ausgabe dient als Verständnishilfe. Wo die Quellen einen schwierigen oder mehrdeutigen Wortlaut bieten, wird dies kenntlich gemacht. Ergänzungen in eckigen Klammern erläutern den Satzanschluss und gehören nicht zum Sanskritwortlaut.
- 9.13 und 9.15: Der kritische Druck liest romarājivivarjitaḥ (ohne Haarlinie) und smitānanaḥ (mit lächelndem Gesicht); die bereitgestellte Devanagari-Erfassung bietet abweichend virājitaḥ beziehungsweise sitānanaḥ. Die Übersetzung folgt hier dem kontrollierten kritischen Druck.
- 9.25–26: Satya wird einerseits als ganz menschlich beschrieben, andererseits mit Flügeln. Diese Spannung bleibt erhalten.
- 9.36: Die knappen Ausdrücke für die Einladung, Furchtlosigkeit und Zuflucht vor dem Zerbrechen weltlichen Daseins lassen mehrere Satzverbindungen zu. „Weisung zum Guten“ für guṇaśāsana ist eine sinngemäße, nicht abschließend gesicherte Wiedergabe.
- 9.42, 9.44 und 9.57: Mudgaphala bezeichnet die Mungbohne. In 9.44 folgt die Ausgabe tadbhāvagata, nicht der Variante tadbhāgavata. In 9.57 steht im kritischen Haupttext tataḥ und darśakam; die Variante daśakam bezeichnet ausdrücklich eine Zehnergruppe. Die anschließende Liste enthält zehn Namen.
- 9.65: Dhyānonmīlitalocanāḥ bedeutet in der Meditation geöffnete Augen. Die englische Wiedergabe als geschlossene Augen wird nicht übernommen.
- 9.68 und 9.75: Die wechselnden Angaben „links beginnend“ und „rechts beginnend“ werden nicht vereinheitlicht.
- 9.96–102: Soma wird tatsächlich auf einem Hasen dargestellt. In 9.99 steht bhacakra, Sternenrad; bhavacakra ist eine Variante. Niśā in der Farbliste von 9.102 kann ein Name der Kurkuma sein; eine sichere einzelne Farbzuweisung wird nicht behauptet.
- 9.106 und 9.112: Blut und furchterregende Waffen gehören zur Schutzikonographie. In 9.112 stehen freundliches Antlitz und furchterregende Erscheinung nebeneinander; die Übersetzung glättet den Gegensatz nicht.
- 9.123 und 9.145: Die Farbkomposita hemālipāṇḍura und cāpodaranibha sind nicht in allen Bestandteilen eindeutig. „Blassgoldener Glanz“ beziehungsweise die ergänzte Beziehung zum Regenbogen bleiben vorsichtige Deutungen.
- 9.165: Der Text nennt eine Vierergruppe von Händen und unmittelbar darauf „diese drei“. Der Bezug ist unklar. Aus dieser Stelle wird keine eigenständig ausführbare ikonographische Anweisung abgeleitet.
- 9.171, 9.186 und 9.191–199: Zeit, Raum und der Lenker sind in 9.171 getrennte Glieder der Achterliste. 9.186 folgt Nanda, während die andere Fassung Nandana bietet. Yugāntāgnyashana wird als ein Name in der Sechzehnerliste gelesen. Die räumliche Beschreibung in 9.194 bleibt knapp und mehrdeutig. Ausfälle der OCR-Erfassung in 9.196, 9.197 und 9.202 wurden anhand des Drucks ergänzt. Ka in 9.199 wird mit dem Kommentar als Wasser verstanden; die Deutung als Sonne ist ebenfalls überliefert.
- 9.208–209: Der Scan bestätigt kuṅkumāñjana (Safran und schwarze Augensalbe) sowie susitaśyāmala (hellweiß und dunkel). Fehlerhafte Erstlesungen wurden korrigiert. Atigahana in 9.211 bleibt gegenüber Gahana in 9.205 bestehen.
- 9.218 und 9.224: Paṭṭa wird vorsichtig als waffenartige Platte oder Klinge erläutert. Drei Attribute werden im Zusammenhang mit vier Händen genannt; ein viertes wird nicht erfunden.
- 9.230–238: Avyakta und Bhava stehen im Zusammenhang der kosmischen Prinzipien. Bhava wird hier nicht ohne weitere Begründung mit Shiva gleichgesetzt. Die ausdrückliche Verbindung von Tempel, Prakriti, Jiva und höchstem Purusha wird ohne zusätzliche philosophische Gleichsetzungen wiedergegeben.
- 9.241–243: Der Wortlaut um vyūha und sein Satzanschluss sind schwierig; bereits die kritische Ausgabe merkt eine metrische Unregelmäßigkeit an. Die vier Umfassungsnamen werden als Sarvatobhadra, Aghanirmochana, Sadadhvadesha und Dharma wiedergegeben; die englische Erläuterung bietet daneben die kürzere Namensform Sadadhva.
- 9.247–253: Einzelne Druckformen sind unregelmäßig, darunter diggramaṇḍapa und vastrāstrag. Sie werden nicht unbemerkt durch eine frei rekonstruierte Gesamtfassung ersetzt. 9.248 verbindet für Sarvajit Rot und Gold.
- 9.271: Für Sharnga wird die im kritischen Apparat belegte Lesart śārṅga übernommen; der Hauptdruck bietet an dieser Stelle śaṅkha, obwohl 9.270 den Bogen nennt.
- 9.274–275: Die Formulierung nadī ca mahatī wird zurückhaltend wiedergegeben; sie wird nicht stillschweigend in einen bestimmten modernen Flussnamen geändert.
- 9.279–284: Die Anordnung der Richtungsgestalten, Bildnisse und Sockel ist sprachlich knapp. Die Übersetzung gibt die erkennbare Unterscheidung zwischen meditativer Gegenwart und materieller Aufstellung wieder; sie ist kein vollständiger Bauplan.
- Zu 9.293: Der kritische Apparat überliefert zusätzlich eine abweichende Bannerbeschreibung: Satya auf weißen, Suparna auf roten, Garuda auf gelbbraunen und Tarkshya auf lapislazulifarbenen Bannern; der Vogelkönig wird auch auf einem verschiedenfarbigen Banner verehrt. Dieser Zusatz gehört nicht zur fortlaufenden 350-Verse-Zählung und wird deshalb hier gesondert dokumentiert.
- 9.303: Prāyaścitteṣvanityeṣu wird als „bei nicht regelmäßig anfallenden Sühnehandlungen“ gelesen. Die Worttrennung ist für den Sinn entscheidend.
- 9.309–310: Die Verbindung zwischen Amt, Kraftkeim und Richtungsordnung bleibt syntaktisch unsicher. Für 9.310 wird die bereitgestellte Devanagari-Lesart diksiddhaye daśatvaṃ tadvyaktaye ’ṣṭadiśātmatā verwendet; der kritische Druck bietet abweichende und sprachlich schwierige Formen. Die deutsche Wiedergabe ist ausdrücklich als Annäherung markiert.
- 9.313–318: Der Text unterscheidet den geographischen Osten von einem kultischen Osten, der durch die Vorderseite des Gottesbildes bestimmt wird. Diese Angaben sind nicht austauschbar.
- 9.325–327: Der Text gibt Regeln zur Bildung der Namenmantras und die Abschlüsse phaṭ beziehungsweise svāhā. Daraus werden hier keine vollständigen, im Wortlaut nicht ausgeschriebenen Mantraformeln rekonstruiert.
- 9.329–333: Vereinfachung, Rundgang und ortsfeste Bildnisse sind zu unterscheiden. Die verseigene Erleichterung für meditierte Gestalten bedeutet nicht, dass materielle Bildnisse beliebig bewegt werden sollen. In 9.333 wird die unregelmäßige Druckform gatāṃnāṃ entsprechend dem grammatischen Zusammenhang und der Parallelfassung zu gatānāṃ normalisiert.
- 9.337–349: Die Zeitvorschriften beziehen sich auf institutionelle Tempelverehrung. Die Zahlen vier, fünf und sechs bezeichnen zusätzliche tägliche Verehrungszeiten, nicht Tage. Mātrā in 9.349 bleibt als ritueller Gabenbegriff erläutert, ohne eine unbelegte Substanz festzulegen.
Besinnung zum Kapitelabschluss: Ein heiliger Raum entsteht auch durch Aufmerksamkeit, verlässliche Hingabe und ehrfürchtiges Handeln. Die heutige Anregung dieses Kapitels kann darin liegen, äußere Sorgfalt mit innerer Sammlung zu verbinden und in der eigenen Sadhana einen tragfähigen Rhythmus zu finden.
Kapitel 10 – Das große Fest – Aussaat, Schutzband und Garuda-Banner
Ein Tempelfest verbindet sorgfältige Vorbereitung mit lebendiger Bhakti. Dieses Kapitel führt von Reinigung und Keimaussaat über die Herstellung des Garuda-Banners bis zu seinem feierlichen Hissen. Zwischen ausführlichen Ritualvorschriften stehen Gebete um Läuterung, göttliche Zuwendung und Vergebung. Sie zeigen, wie Disziplin und das Eingeständnis der eigenen Grenzen zusammengehören.
Die Weisen sprechen:
Das Fest und seine Anlässe
10.1 Erhabener, hervorragender Weiser, Allwissender und Bester der Redner! Alles über die tägliche Verehrung und die weiteren Handlungen haben wir ausführlich von dir gehört.
10.2 Nun mögest du uns die großen und die weiteren Feste erklären. – Narada spricht: Jetzt werde ich die Ordnung des großen Festes darlegen.
10.3 Die Wissenden nennen das Leiden „Sava“, ihr vortrefflichen Weisen. Weil dieses Leiden hinweggehoben wird, heißt [das Fest] „Utsava“.
10.4 Das große Fest ist dreifach: regelmäßig verpflichtend, anlassgebunden oder auf einen Wunsch gerichtet. Was Jahr für Jahr gefeiert wird, ist das regelmäßige Fest.
10.5 Bei Erdbeben, feurigem Erscheinen der Himmelsrichtungen und großen Unheilszeichen, bei Hungersnot, Krankheit im Land und Bedrohung durch Feinde, …
10.6 … bei ausbleibendem Regen, beim Herabfallen von Sternen vom Himmel, wenn das Gottesbild lacht oder seine Glieder sich bewegen, …
10.7 … wenn es weint oder sich von seinem Sitz wegbewegt, ihr Guten, bei einer Umkehrung [der gewohnten Ordnung] von Mond und Sonne und bei weiteren solchen Erscheinungen, …
10.8 … heißt das zur Befriedung begangene Fest „anlassgebunden“. Wird eines der vier Purusharthas, der Lebensziele, als Frucht angestrebt, …
10.9 … so ist das gefeierte Fest wunschgerichtet und gewährt die beabsichtigte Frucht. Gemeinsam mit Brahmanen, die in Jyotisha kundig sind, soll der Ritualkundige …
Zur Einordnung: Die Zeichen und Wirkungsangaben dieses Kapitels gehören zum historischen religiösen Weltbild. Die Übersetzung gibt sie als Aussagen des Textes wieder.
Die Wahl des Festtermins
10.10 … zunächst nach der Lehre den Sternentermin für das heilige Bad bestimmen und entsprechend der Badeprozession das Hissen des Banners ansetzen.
10.11 Wo bereits bei der Weihe der Mantra-Gestalt, ihr Herren der Weisen, auf der Spitze des Tempels das Banner des Vogelkönigs aufgestellt wurde, …
10.12 … beständig verbunden mit dem König der Waffen, dort kann man das Fest ohne Hissen eines weiteren Banners begehen, ihr Zweimalgeborenen.
10.13 Sind die Mittel vorhanden, darf man auch dort ein weiteres Banner hissen. An anderen Orten beginne das Fest mit dem Hissen des Banners.
10.14 Ein neuntägiges Fest gilt als göttlich, ein siebentägiges als mittlere und ein fünftägiges als geringere Form. So werden drei Formen des Festes überliefert.
10.15 Zunächst werde ich die Ordnung des neuntägigen Festes erklären. Am Tag vor der rituellen Vorbereitung des Banners soll der Lehrer, ein vorzüglicher Mantrakenner, …
10.16 … nach der Rasur baden, damit die Verehrung des Herrn gelinge. Bei Einbruch der Nacht soll der Acharya gemeinsam mit den Hütern der göttlichen Gestalten, …
10.17 … nachdem er Baden und die übrigen täglichen Pflichten vorschriftsgemäß vollzogen hat, mit verschiedenem Schmuck und neuen Gewändern geziert, …
Die Vorbereitung der Reinigung
10.18 … mit weißem Kopfbund und Obergewand sowie bunten Kränzen geschmückt, zusammen mit dem Auftraggeber das Gotteshaus betreten.
10.19 Nach der täglichen Verehrung [ehre er] die vortrefflichen zweimalgeborenen Vaishnavas, die den sechs Pflichten und den fünf täglichen Verehrungszeiten ergeben sind, …
10.20 … und empfange ihre Zustimmung. Sodann verehre er Vishvaksena, damit Hindernisse der heiligen Handlung zur Ruhe kommen.
10.21 Danach lasse der Guru zu seiner eigenen Reinigung die Punyaha-Segnung sprechen. Auf gereinigtem Boden bereite er nach der Vorschrift einen Sockel aus Getreide, …
10.22 … stelle darauf einen glückverheißenden, mit Duftwasser gefüllten Krug, versehen mit Edelsteinen, Gold, einem Grasbüschel, Kranz, Gewand und Zweigen, …
10.23 … mit Sandel und weiteren Duftstoffen gesalbt und ringsum mit Arghya geehrt. An den vier Seiten des Kruges lasse er die vier Hüter der göttlichen Gestalten Platz nehmen.
10.24 Er erfreue sie alle mit Arghya, Duftstoffen, Blumen, ungebrochenen Reiskörnern, Ehrengaben und Weiterem. Danach [rufe er] Sudarshana in den Krug …
10.25 … und verehre ihn, während er Achyuta im Herzen meditiert. Den Kalasha mit Darbha-Gräsern berührend, lasse der Lehrer gemeinsam mit den Brahmanen …
10.26 … die erste Vierergruppe der Mantras sprechen, beginnend mit Om und endend mit „pavitra“, zusammen mit der Punyaha-Segnung und den drei Gayatri-[Formeln].
10.27 Danach [rezitiere er] Atmanuvada und Atmavyuha. Sodann spreche er gesammelt die folgenden Reinigungsmantras:
Das große Gebet um Läuterung
10.28 Möge der höchste Gott Reinigung schenken; möge Vasudeva Reinigung schenken! Mögen Sankarshana und Pradyumna Reinigung schenken!
10.29 Mögen Aniruddha und Keshava Reinigung schenken! Möge Narayana, der Herr des Alls, alle Handlungen reinigen!
10.30 Möge Madhava, dem Wohl aller Welten zugewandt, Reinigung schenken! Möge Govinda, das ewige höchste Selbst, Reinigung schenken!
10.31 Mögen Vishnu, der Ursprüngliche, und Madhusudana Reinigung schenken! Möge Trivikrama, der Gott zum Wohl aller Welten, Reinigung schenken!
10.32 Möge Vamana Reinigung schenken, und möge Shridhara uns heute reinigen! Mögen Hrishikesha und Padmanabha Reinigung schenken!
10.33 Möge Damodara, der göttliche Herr der Welt, stets Reinigung schenken! Mögen Padmanabha und der beständige Dhruva stets Reinigung schenken!
10.34 Möge Ananta Reinigung schenken, ebenso Shaktyatman, dessen Wesen göttliche Kraft ist! Möge Madhusudana in allen Handlungen Reinigung schenken!
10.35 Mögen der göttliche Herr des Wissens und Kapila stets Reinigung schenken! Mögen Vishvarupa, die Allgestalt, und Vihangama Reinigung schenken!
10.36 Mögen Krodatman, die Ebergestalt, und Badabanana Reinigung schenken! Mögen Dharma und Vagishvara, der Herr der Rede, stets Reinigung schenken!
10.37 Möge der Gott, der auf dem einzigen Weltozean ruht, unablässig Reinigung schenken! Möge der göttliche Kurma, der Träger der Unterwelt, stets Reinigung schenken!
10.38 Mögen Varaha und Narasimha Reinigung schenken! Möge Amritaharana, der Bringer des Unsterblichkeitstranks, alle Handlungen reinigen!
10.39 Mögen Shripati und Kantatman Reinigung schenken! Mögen Rahujit, der Bezwinger Rahus, und der Vernichter Kalanemis Reinigung schenken!
10.40 Mögen der Bringer des Parijata-Baumes und Lokanatha, der Herr der Welt, Reinigung schenken! Möge Dattatreya, der große Herr, überall Reinigung schenken!
10.41 Möge der erhabene Herr, der auf dem Banyanbaum ruht, jederzeit Reinigung schenken! Mögen die einhörnige Gestalt und Vamana Reinigung schenken!
10.42 Möge Trivikrama Reinigung schenken, und Nara stets Reinigung schenken! Mögen Narayana, Hari und Krishna Reinigung schenken!
10.43 Möge Rama mit dem flammenden Beil Reinigung schenken, ebenso der bogentragende Rama! Möge auch der erhabene Kenner der Veden Reinigung schenken!
10.44 Möge Kalki, der alle Mängel beseitigt, stets Reinigung schenken! Möge der göttliche Herr, der in der Unterwelt ruht, stets Reinigung schenken!
10.45 Mögen sie alle überall und jederzeit allen Reinigung schenken! Mögen all diese verehrten Gottheiten stets dem Frieden dienen!
10.46 Mögen sie Gedeihen, Stärkung, Gelingen und Bhakti schenken! Mögen sie Heil und Befreiung schenken und alle guten Unternehmungen wachsen lassen!
10.47 [Dieser Segen gelte] stets den Mantras, den Lehrern und den heiligen Stätten, den Kindern, Freunden und Ehefrauen, den Dienerinnen, Dienern und Rindern, …
10.48 … den Veden, Shastras und Agamas, den Gelübden und erwünschten Gütern. Mögen [die Gottheiten] stets alle heilsamen Herzenswünsche fördern, …
10.49 … langes Leben, Gesundheit und Einsicht, Wohlstand an Geld und Getreide, Verdienst, Anima und die weiteren [Siddhis], gute Eigenschaften und das höchste Wohl.
10.50 [Der Segen gelte] dem König und dem Land, dem Auftraggeber und seinen Beratern, besonders den Vaishnavas, die das jenseitige Wohl suchen, …
10.51 … die durch die fünf täglichen Verehrungszeiten geläutert sind, in Sattva gegründet und reinen Herzens. Mögen Wohlergehen, Heil und Segen immer wieder gegenwärtig sein!
10.52 Mögen Hindernisse stets fernbleiben und langes Leben gegeben sein! Möge der Geist gesammelt sein, und mögen die guten Gaben immer weiter wachsen!
10.53 Möge dieser geheiligte Tag Reinigung schenken! Die Gestalten von Vasudeva an [mögen huldvoll sein]; der Herr aller Herren, versehen mit Muschelhorn, Diskus, Keule und Lotus, …
10.54 … möge erfreut sein, der erhabene Gott! Möge der Pflugträger stets erfreut sein, ebenso Pradyumna und Aniruddha, der Herr der Götter!
10.55 Möge auch Narayana, der Herr der Götter, erfreut sein, damit die Handlungen zur Vollendung gelangen und zu wenig oder zu viel Getanes ausgeglichen wird. Möge der Allgegenwärtige erfreut sein, erfreut sein!

Spirituelle Erläuterung: Das Gebet bittet nicht nur um äußere Reinheit. Es richtet den Menschen auf eine Wirklichkeit aus, die Denken, Fühlen und Handeln durchdringen soll. Eine heutige Anregung ist, vor einer wichtigen Aufgabe innezuhalten und die eigene Absicht zu klären.
Besprengung und innere Sammlung
10.56 Nachdem er mit den Hütern der Gestalten die Segensworte Punyaha, Svasti und Riddhi hat sprechen lassen, [verwende er] das Wasser zusammen mit dem [Mantra] „shatadhara“ und dem mit „sthanani“ beginnenden [Spruch], …
10.57 … und besprenge sich anschließend zur eigenen Reinigung. So vollziehe der Lehrer die Punyaha-Segnung bei allen Verehrungshandlungen.
10.58 Nachdem der Lehrer durch Gaben von Kühen, Gold und dergleichen Reinheit erlangt hat, begebe er sich in die Gegenwart der Gottheit und nehme auf seinem Sitz Platz.
10.59 Er vollziehe die Reinigung der Elemente mit Atemlenkung und den beiden Dharanas. Nachdem die Mantras im Körper eingesetzt sind, vollziehe er die geistige Verehrung.
10.60 Dann verehre er die Gottheit ordnungsgemäß auf dem Mantra-Sitz, geleite sie zum Badesitz und begieße sie aus neun Krügen.
10.61 Vor der Gottheit teile er den Boden für die Begießung nach der Vorschrift dreifach [in jeder Richtung], sodass neun Felder entstehen, ihr vortrefflichen Zweimalgeborenen.
10.62 Er bereite die Getreidesockel und die übrigen [Unterlagen], weihe die Kalashas vorbereitend und [fülle sie mit] Fußwasser, Arghya, Mundspülwasser und Wasser mit allen [vorgeschriebenen] Heilpflanzen.
10.63 Diese setze er in die vier Felder vom Osten bis zum Norden. Sauermilch, Milch, Honig und Ghee setze er in die Zwischenrichtungen, beginnend im Südosten.
10.64 In die Mitte stelle er einen Kalasha mit reinem Wasser; vor diese [Gefäße] stelle er anschließend einen Krug mit Kurkumapulver.
10.65 Nach der Punyaha-Segnung besprenge er die Gefäße mit deren Wasser. In den Krügen der Hauptrichtungen, vom Osten ausgehend, [verehre er] nach der Ordnung des Hervorgehens …
10.66 … die vier Gestalten von Vasudeva an. In den Kalashas der Zwischenrichtungen verehre er dieselben in der Ordnung der Rückkehr, vom Nordosten bis zum Südosten.
10.67 Im mittleren Kalasha mit reinem Wasser verehre er Narayana, den Allgegenwärtigen, mit Arghya, Salbung, Blumen und Räucherwerk, ihr vortrefflichen Weisen.
10.68 Im Kurkumakrug verehre er die Göttin Shri. Mit den für den Badesitz beschriebenen Gaben, der Reihe nach bis zur Gesichtssalbung, …
Vedische Anrufungen und Darbringungen
10.69 … verehre er den Herrn der Götter und begieße ihn dann aus den Krügen: zunächst mit der Vishnu-Gayatri, dann mit dem Vers, der „idaṃ viṣṇuḥ“ beginnt, …
10.70 … anschließend mit „trīṇi padā“ und dem Mantra „viṣṇoḥ karmāṇi“. Der Reihe nach begieße er [das Bild] mit Fußwasser und den weiteren Flüssigkeiten, die in den Hauptrichtungen vom Osten an stehen.
10.71 Mit dem Mantra „dadhikrāviṇṇa“, mit „āpyāyasva“, mit „madhu vāta“ und anschließend mit dem Vers „śukram asi“ …
10.72 … begieße er den Herrn mit Sauermilch und den weiteren [Gaben] aus den Kalashas der Zwischenrichtungen. Dann salbe er ihn unter Rezitation des Shri Sukta mit Kurkuma.
10.73 Danach rezitiere er mit den Brahmanen das Purusha Sukta und begieße die Gottheit durch den Tausendstrahl-[Aufsatz] mit reinem Wasser.
10.74 Bei jeder einzelnen Substanz verehre er [die Gottheit] mit Gewand, Salbung, Kränzen und Räucherwerk, bevor er sie mit jener Substanz begießt.
10.75 Oder er bringe vollständig Arghya, Fuß- und Mundspülwasser, Duftstoff, Kranz, Räucherwerk, Licht und Speise dar; [als weitere Möglichkeit] auch allein Arghya.
10.76 Danach vollziehe er wie zuvor das Schwenken des Lichtes und die übrigen Handlungen, geleite die Gottheit zum Schmücksitz und vollziehe die mit dem Sitz beginnende [Verehrung].
10.77 Wie zuvor verehre er sie ordnungsgemäß mit berührenden Gaben, vielfältigen ehrenden Diensten und den als „zu Herzen gehend“ bezeichneten Darbringungen.
10.78 Nach Lobpreisungen mit den Hymnen von Jitanta an verneige sich der Lehrer vor dem Allgegenwärtigen. Dann vollziehe er, ein vorzüglicher Mantrakenner, die Aussaat der Keime.
10.79 Hört ausführlich ihre Ordnung, ihr vortrefflichen Weisen. Beim glückverheißenden Aussäen der Keime verwendet man drei Arten von Gefäßen: …
Die Gefäße für die heilige Aussaat
10.80 … Palika, Ghatika und Sharava. Die Palika-Gefäße sollen eine Höhe von fünfundzwanzig Angulas [Fingerbreiten] haben.
10.81 Ihre Öffnung ist sechzehn Angulas breit, der obere Gefäßteil acht Angulas hoch; anschließend folgt ein Rand von einem Angula.
10.82 Die Halsöffnung ist acht Angulas breit, ihr Brahmanen. Vom Rand der Mündung bis zur Halsöffnung …
10.83 … soll man [die Breite] gleichmäßig verringern. Der Schaft ist zwölf Angulas hoch und in seiner Mitte sechs Angulas breit.
10.84 Unten beträgt seine Breite vier Angulas. Von der Halsöffnung abwärts soll er sich proportional verjüngen.
10.85 Der Fußsockel ist vier Angulas hoch und zehn Angulas breit. Das verbindende Stück misst ein Angula.
10.86 Der Schaft am Verbindungsstück misst eineinhalb Angulas, ihr Zweimalgeborenen. Die Mündung hat die Form einer Dhatura-Blüte und [zugleich] Lotusgestalt.
10.87 Die Ghatika-Gefäße sind ebenso hoch wie die Palikas oder drei Angulas niedriger. Ihr oberer Teil hat die Form eines Kalasha.
10.88 Die Ghatikas haben fünf Mündungen: Die mittlere ist sechs Angulas breit; die vier weiteren liegen in den vier Himmelsrichtungen, …
10.89 … jede vier Angulas breit. Der Bauch des Gefäßes ist sechzehn Angulas breit. Das Übrige ist wie zuvor auszuführen.
10.90 Sind sie drei Angulas niedriger, so ist ihr oberer Gefäßteil sieben Angulas hoch, ihr Schaft zehneinhalb Angulas.
10.91 Der Sockel misst dreieinhalb Angulas; die Breiten bleiben überall wie zuvor. Die Sharava-Gefäße sind ebenso hoch wie die Palikas oder fünf Angulas …
10.92 … niedriger. Von der Breite der Mündung bis zur Breite des Fußsockels, ihr Herren der Weisen, [gelten] der Reihe nach …
10.93 … überall um ein Viertel verminderte Breiten. Die Breite des Fußsockels soll dagegen um drei Viertel vermindert sein.
10.94 Sind die Sharavas fünf Angulas niedriger, so ist der obere Gefäßteil sechs Angulas hoch und der Schaft zehn Angulas.
10.95 Der Fußsockel ist drei Angulas hoch; die Breiten bleiben wie zuvor. Damit wurden die größten Maße der Gefäße beschrieben, ihr Zweimalgeborenen.
10.96 Dieselben Maße, um ein Viertel vermindert, ergeben die mittlere Größe, ihr vortrefflichen Weisen; um die Hälfte vermindert, ergeben sie die geringste Größe.
10.97 Wer das Gelingen wünscht, soll sie niemals kleiner anfertigen. Alle können entsprechend den vorhandenen Mitteln aus Gold und anderen Metallen oder aus Ton bestehen.
Zahl und Aufstellung der Gefäße
10.98 Die höchste Anordnung umfasst zwölf Gefäße jeder Art, Palikas und die übrigen; bei entsprechenden Mitteln kann man auch sechzehn oder sechsunddreißig bereitstellen.
10.99 Je acht gelten als mittlere, je vier als geringere Anordnung. Für alle Zwecke [kann man auch ausschließlich] Palikas wie zuvor verwenden, je nach Vermögen sechzehn, acht …
10.100 … oder vier, und darin die glückverheißenden Keime aussäen. Bei menschlichen Anlässen ist die Zahl der Palikas ungerade, bei göttlichen Riten gerade.
10.101 Bei großen Festen, bei Weihungen, beim Anlegen der Pavitra-Fäden, bei der Wiederherstellung verfallener [Heiligtümer] und beim Tausend-Kalasha-Ritus …
10.102 … [verwende man] die drei Arten [von Gefäßen] oder Palikas in der höchsten oder mittleren Anzahl, nicht anders, ihr vortrefflichen Zweimalgeborenen.
10.103 Bei allen anderen Handlungen [richte man sich] nach Mitteln und Wunsch. Für die Aussaat der Keime bereite man eine Halle vor.
10.104 Sie kann in der ersten, zweiten, dritten oder vierten Umfassung liegen.
10.105 An einem günstigen, ruhigen und geeigneten Ort bereite der vortreffliche Lehrer [die Halle] mit vier Toren in den vier Himmelsrichtungen und vier Torgirlanden, …
10.106 … mit Darbha-Girlanden umgeben, von Perlenschnüren geschmückt, mit ausgebreitetem Leinen überdacht und mit einem Boden, der mit Kuhdung bestrichen ist.
10.107 Lichterreihen erstrecken sich ringsum; das Innere ist mit ungebrochenen Reiskörnern und weißem Kalkpulver kunstvoll verziert.
10.108 Nachdem die Halle so vorbereitet ist, vollziehe man die Keimaussaat. Alternativ kann dies in der Badehalle oder in der Opferhalle geschehen.
Zu den Maßen: Angula, Hasta und Tala sind traditionelle, im Ritual unterschiedlich bestimmte Maße. Sie werden hier beibehalten; eine pauschale Umrechnung in Zentimeter wäre irreführend.
Die Nacht und das Keimen
10.109 Wer das Gedeihen des Landes wünscht, säe die Keime nachts aus. Denn Soma, dessen Wesen Nektar ist, ist Herr der Samen und der Pflanzen.
10.110 [Geschieht] die Keimaussaat am Tag, so wird er dabei nicht erfreut. Darum soll man sich sorgsam bemühen, die Aussaat gerade nachts …
10.111 … nach der rechten Ordnung und mit Bhakti zum Herrn zu vollziehen. Ist der kühlstrahlende [Mond], der Freund der Welt und Lebensspender der Wesen, erfreut, …
10.112 … so entsteht in jenem Land großer Reichtum an Feldfrüchten, ebenso Gedeihen für die Kühe, die Mütter der Welt, und für die Menschen in jeder Hinsicht.
10.113 Vollzieht man die Keimaussaat aus Unwissenheit am Tag, so wird dem Land im Text Unheil und seiner Bevölkerung mangelndes Gedeihen vorausgesagt.
10.114 Bei einer Handlung, die unmittelbar ausgeführt werden muss, darf es jedoch auch tagsüber geschehen, ihr Brahmanen. Man beschaffe alles, was dafür benötigt wird.
Die zwölf Samen und ihre Verehrung
10.115 Nachdem alle Materialien gesammelt sind, bringe der Acharya zusammen mit den Hütern der Gestalten und dem Auftraggeber das zugehörige Arghya dar …
10.116 … und verehre ordnungsgemäß den erhabenen Herrn, den Ursprung der Welt. Dann [lege er] in ein neues goldenes oder silbernes Gefäß …
10.117 … Sesam, Senf, Wildreis, Kulturreis, Urdbohnen, Priyangu-Hirse, Pferdebohnen, Mungbohnen, Nishpava-Bohnen, Gerste, Weizen und Bambussamen.
10.118 Diese zwölf Samenarten kann man auch in getrennten Gefäßen sammeln, ihr Zweimalgeborenen. Nachdem sie bereitgestellt sind, ihr vortrefflichen Weisen, setze man [das Gefäß] auf den Kopf …
10.119 … eines eingeweihten Brahmanen. Der Acharya trete mit Blumen und Reiskörnern in den gefalteten Händen, begleitet von ganz dem Herrn zugewandten Sadhakas, …
10.120 … in das Innere des Tempels, ihr Brahmanen, und stelle das Samengefäß auf eine Unterlage. Dann [verehre er] mit Arghya, Duftstoffen, Blumen und Räucherwerk …
10.121 … den im Hauptbild und im Festbild gegenwärtigen [Herrn]. Anschließend ehre er das Samengefäß und bringe es der Gottheit dar.
10.122 Unter dem Klang von Muschelhörnern, glückverheißenden Gesängen, verschiedenen Instrumenten und ringsum erklingender vedischer Rezitation …
10.123 … setze er das Gefäß wieder auf den Kopf des Eingeweihten. Mit den Sadhakas verlasse der Lehrer den Tempel, ihr Brahmanen, …
10.124 … umschreite ihn im Uhrzeigersinn und stelle [das Gefäß] in der Keimhalle ab. [Nun für das Holen der Erde:] Vishvaksena, Tarkshya oder [eine Gestalt] aus der Gruppe um Hanuman, …
Das Herbeibringen der Erde
10.125 … oder den Herrn der Waffen schmücke man besonders mit Gewändern und Weiterem und setze ihn auf einen Wagen oder ein anderes Tragegestell. Das Grabgerät wasche man mit Wasser, …
10.126 … bedecke es mit einem neuen Tuch und schmücke es mit Kränzen. Der Lehrer lasse es von eingeweihten Brahmanen oder Shudras tragen, ihr Zweimalgeborenen.
10.127 Mit bunten Bannern und Fahnen, den Keimgefäßen der drei Arten von Palika an, Muschelhörnern, Instrumenten und Weiterem, …
10.128 … mit Bhaktas des allgegenwärtigen Herrn, die der Rezitation der heiligen Überlieferung hingegeben sind, mit Sängern, Ganika-Tänzerinnen und weiteren glückverheißenden Begleitungen …
10.129 … umschreite man der Reihe nach alle Umfassungen und begebe sich nach Osten, Norden oder Nordosten.
10.130 Nicht weit entfernt sammle man in einem schönen Garten oder an einem unberührten, reinen Ort saubere Erde.
10.131 Zuerst besprenge der Guru die Erde mit dem Astra-Mantra, berühre sie unter Rezitation des Mahi-Sukta und meditiere mit gesammeltem Geist …
10.132 … über die Ebergestalt des Gottes. Er verehre die Erde mit Blumen und [verwende das Grabgerät], das mit Astra-Wasser besprengt und mit Blumen geehrt wurde, …
10.133 … und grabe, nach Osten gewandt, unter Rezitation des Kroda-Mantras die Erde aus. In einem Gefäß aus Metall oder Flechtwerk, nach Belieben, [sammle er] die Erde, …
10.134 … nehme sie mit dem Mula-Mantra auf und umhülle [das Gefäß] mit einem frischen Tuch. Ebenso [sammle er] Sand vom Fluss und Kuhdung …
10.135 … aus einem Kuhstall in einem Gefäß wie zuvor, bedecke es mit einem Tuch und setze es auf einen Wagen oder auf den Kopf eines Eingeweihten.
10.136 Nachdem man das Dorf im Uhrzeigersinn umschritten hat, betrete man die Halle. Man reinige sie nach der beschriebenen Vorschrift, ihr Zweimalgeborenen.
Die geometrische Ordnung des Aussaatplatzes
10.137 Dann schlage man in der Mitte der Halle der Reihe nach die Messschnüre an: zunächst siebzehn, die nach Osten verlaufen.
10.138 Vierzehn Schnüre lege man in Nordrichtung. Der Abstand zwischen je zwei Schnüren beträgt sechzehn Angulas.
10.139 So entstehen dreizehn Reihen in Ost-West-Richtung und sechzehn Reihen in Süd-Nord-Richtung.
10.140 Für die Aufstellung der Samengefäße lasse man in der Mitte der Ost-West-Reihen drei Reihen bestehen und räume zwei Reihen für einen Gang frei.
10.141 An beiden Seiten lasse man wiederum je drei Reihen stehen. In der Mitte der Süd-Nord-Reihen lasse man vier Reihen bestehen, …
10.142 … räume beiderseits je zwei Reihen für Gänge frei und lasse anschließend der Reihe nach je vier Reihen bestehen.
10.143 In den acht Richtungsbereichen und in der Mitte stelle man jeweils zwölf Sharavas, Ghatas beziehungsweise Palikas auf. Insgesamt sind es einhundertacht.
10.144 Palikas stehen im Südosten, Süden und Südwesten; Ghatikas im Westen, in der Mitte [dem Brahma-Bereich] und im Osten.
10.145 Sharavas stehen nach der Vorschrift im Nordwesten, Norden und Nordosten. Bei einer Anordnung von sechzehn Gefäßen jeder Art, Palikas und den übrigen, …
10.146 … lege man fünf Schnüre in Süd-Nord-Richtung aus; die nach Osten verlaufenden Schnüre ordne man wie zuvor an.
10.147 Die Ost-West-Reihen richte man wie zuvor ein, ihr Brahmanen. Im Süden setze man in die vier Reihen der Reihe nach …
10.148 … zunächst sechzehn Palikas, in die vier mittleren Reihen sechzehn Ghatikas und im Norden …
10.149 … dieselbe Anzahl von Sharavas. Bei einer Anordnung von je zwölf lege man vier Süd-Nord-Schnüre aus.
10.150 Die Ost-West-Schnüre lege man wie zuvor aus. So entstehen achtundvierzig Felder.
10.151 Im Süden lasse man zwölf Felder bestehen; dann räume man sechs Felder für einen Gang frei. In der Mitte lasse man anschließend …
10.152 … zwölf Felder bestehen und nehme danach sechs Felder weg. Weiter im Norden [belasse man] wiederum zwölf Felder.
10.153 In die drei Gruppen von jeweils zwölf Feldern setze man Palikas und die weiteren [Gefäße] ein, vom südlichen Bereich ausgehend, der Reihe nach vom Südosten bis zum Nordosten.
10.154 Bei einer Anordnung von acht Gefäßen jeder Art lege man entsprechend drei Süd-Nord-Schnüre aus.
10.155 Alles Übrige bleibt wie zuvor. Bei je vier Gefäßen lege man ebenfalls drei Süd-Nord-Schnüre aus …
10.156 … und elf Ost-West-Schnüre. Werden für sämtliche Zwecke sechzehn Palikas verwendet, …
10.157 … lege man fünf nach Süden und ebenso viele nach Osten verlaufende Schnüre aus. [Für die folgende kleinere Anordnung] lege man fünf Ost-Schnüre und drei Süd-Schnüre aus.
10.158 Werden vierundzwanzig Palikas verwendet, so lege man sieben nach Osten und fünf nach Süden verlaufende Schnüre aus.
10.159 Bei vier Gefäßen lege man je drei Schnüre aus. Für die fünf genannten Anzahlen geschieht das Auslegen der Schnüre jeweils wie beschrieben.

Erde, Gefäße und göttliche Gegenwart
10.160 Nachdem man die Schnüre entsprechend den Mitteln und der Absicht angeschlagen hat, bereite man an den Plätzen für die Palikas und übrigen Gefäße mit Shali- und Vrihi-Reis …
10.161 … runde oder quadratische Sockel, der Reihe nach. Die Getreidemengen werden wie zuvor in Adhaka und weiteren Maßen bemessen, entsprechend der höchsten und den geringeren Ausführungen.
10.162 Die Palikas und übrigen Gefäße wasche man mit dem Mula Mantra. Sahadevi und Durva-Gras zusammen mit Ashvattha-Zweigen, …
10.163 … ferner Shirisha-Zweige und Nisha-Blätter [Kurkuma] binde man anschließend um die Hälse der Gefäße.
10.164 Den Grund ihrer Hohlräume fülle man mit Kusha- und Kasha-Gras; darüber gebe man Erde und Sand, …
10.165 … obenauf pulverisierten Kuhdung, und fülle den Hohlraum gleichmäßig mit Erde. Oder man mische Erde und die übrigen Stoffe vollständig und fülle damit, ihr Brahmanen.
10.166 Die Palikas und weiteren Gefäße stelle man der Reihe nach in die Felder, innerhalb jeder Gruppe vom Südosten bis zum Nordosten, ihr vortrefflichen Zweimalgeborenen.
10.167 Neun Zwölfergruppen, insgesamt einhundertacht, stelle man in der beschriebenen Ordnung vom Brahma-Bereich bis zum Nordosten auf.
10.168 Westlich davon setze man auf einen Getreidehaufen den vorschriftsgemäß bereiteten Soma-Krug, in ein neues Tuch gehüllt, …
10.169 … mit Duftstoffen, allen vorgeschriebenen Pflanzen, Edelsteinen, Grasbüschel und Zweigen versehen. Nachdem man so mit eingeweihten Helfern alles vorbereitet hat, …
10.170 … beschaffe man auch alles, was zuvor noch fehlte. Dann beginne der Lehrer, nach Osten gewandt, das Ritual an einem Platz …
10.171 … westlich vom Standort der Ghatikas. Auf einem reinen Sitz Platz nehmend, belebe er den Nyasa nach der Vorschrift und bereite das Arghya zum Besprengen.
Die Mantragestalten der Keimaussaat
10.172 Er verehre die im Körper eingesetzten Mantras mit Arghya und weiteren Gaben. Nach der Verehrung der Torhüter ehre er entsprechend seinen Mitteln und seiner Absicht …
10.173 … die Torbögen, Banner und Torkrüge. Der Guru lasse nach der zuvor genannten Ordnung die Punyaha-Segnung sprechen.
10.174 Danach verehre er mit Arghya und weiteren Gaben die leitenden Gottheiten der Gefäße: den höchsten Abjanabha, Padmanabha und Dhruva …
10.175 … der Reihe nach in den drei Gefäßgruppen, ihr Brahmanen. In den zwölf Palikas [verehre man], vom Südosten bis zum Nordosten, …
10.176 … die Zwölfergruppe von Ananta an, in den zwölf Ghatikas danach die Zwölfergruppe von Kurma an und in den zwölf Sharavas …
10.177 … die zwölf Gestalten von Ekashringa an, jeweils der Reihe nach. Werden sechzehn Gefäße jeder Art aufgestellt, …
10.178 … verehre man die sechsunddreißig Gestalten von Ananta bis Patalashayana sowie die zwölf Shaktis von Lakshmi bis Mati.
10.179 Werden sechsunddreißig Gefäße jeder Art aufgestellt, so [verehre man] die Vierergruppe der Gestalten, die auf der „Traum“ genannten Stufe ruht, …
10.180 … in der Ordnung des Hervorgehens und der Rückkehr, ebenso die Achtergruppe der Wachgestalt, die zwölf weiteren Erscheinungsformen und die Vierergruppe ihrer Shaktis, …
10.181 … die sechsunddreißig Gestalten von Ananta bis Patalashayana, danach die vierunddreißig Shaktis von Svadha an …
10.182 … sowie Diskus und Muschelhorn. Alle verehre man der Reihe nach mit Arghya, Duftstoffen und den weiteren Gaben. Bei je acht [Gefäßen] verehre man die Gestalten von Keshava an und ihre Shaktis.
10.183 Bei je vier [Gefäßen] verehre man allein die zwölf Gestalten von Keshava an. Bei sechzehn ausschließlich verwendeten Palikas verehre man der Reihe nach …
10.184 … die vier Gestalten von Vasudeva an und die zwölf von Keshava an. Bei acht [Palikas verehre man] die Gestalten von Vasudeva an in der Ordnung des Hervorgehens und der Rückkehr, …
10.185 … bei vier in der Ordnung des Hervorgehens. Nach dieser Verehrung vollziehe man die Puja des Soma-Kruges.
10.186 Im Krug verehre man den Gott in Gestalt Somas, im Karaka-Gefäß Sudarshana und in den Krügen der acht Richtungen Indra und die weiteren [Richtungshüter].
10.187 Nach dieser Krugverehrung wasche man die Samen gründlich mit Kuhmilch unter Rezitation des Mula Mantra, ihr Zweimalgeborenen.
Verehrung, Feuer und Aussaat
10.188 Mit den Namen der Samen im Dativ verehre man jede Art einzeln mit Arghya und weiteren Gaben und hülle sie in ein Tuch.
10.189 In einer Feuergrube oder auf einer Opferfläche errichte man vorschriftsgemäß das Feuer, befriedige Agni mit Gaben und bereite darin den Mantra-Sitz und die weiteren [Stufen der Verehrung].
10.190 In dessen Mitte rufe man die Gottheit wie zuvor an und vollziehe alle Handlungen zur Vergegenwärtigung und die weiteren [Riten] in der früher beschriebenen Weise.
10.191 Dann opfere man die regelmäßig vorgeschriebenen sowie die wunschbezogenen Brennhölzer und [rezitiere] der Reihe nach die Mantras der leitenden Gottheiten der Palikas und übrigen Gefäße.
10.192 Mit Ghee opfere man achtmal, viermal oder einmal, ihr Zweimalgeborenen. Nach Opferungen mit den Mantras Somas und der weiteren [Gottheiten] sammle man das Sampata-Ghee [die beim Opfer aufgefangene Restmenge].
10.193 Das vom Opfer übrig gebliebene oder anderes geweihtes Ghee nehme man nach Belieben in einem Metall- oder Tongefäß auf.
10.194 Mit beiden Händen fasse man Durva-Gras am unteren Ende, tauche die Spitzen in das Ghee und besprenge damit die Palikas und übrigen Gefäße.
10.195 Dabei überkreuze man die Hände und gehe innerhalb jeder Gruppe vom Südosten bis zum Nordosten vor. Für jede Gruppe wird bei der Ghee-Darbringung ein frisches Durva-Büschel vorgeschrieben.
10.196 Nach dieser Ghee-Darbringung verehre man erneut die leitenden Gottheiten der Gruppen und besegne alle Samen mit dem Mula Mantra.
10.197 Nachdem er die Zustimmung des Acharyas und der weiteren [Beteiligten] eingeholt hat, wende sich der leitende Lehrer nach Norden oder Osten und [säe] zu einer günstigen Stunde in die Gefäße …
10.198 … sämtliche Samen mit dem achtsilbigen Mantra aus, oder mit dem Jitanta-Mantra oder mit beiden, ihr Zweimalgeborenen.
10.199 Innerhalb jeder Gruppe gehe er der Reihe nach vom Südosten bis zum Nordosten vor, begleitet vom Klang der Muschelhörner und Trommeln und von Jubelrufen.
10.200 Die zwölf genannten Samenarten säe man der Reihe nach in die zwölf Gefäße. Oder man mische alle Samen und säe sie nach Wunsch aus.
10.201 Sind die [anderen] Samen nicht erhältlich, kann man auch allein Mungbohnen aussäen. Mit Zustimmung des Acharyas dürfen andere Lehrer und Sadhakas …
10.202 … in Meditation gesammelt aussäen; oder der Guru allein tut dies. Mit blumenduftendem Wasser, dem Kurkumapulver beigemischt ist, …
10.203 … begieße der leitende Lehrer [die Gefäße] reichlich und der Reihe nach, ihr Brahmanen. Über jeder Gruppe [meditiere er] den Gott inmitten der Mondscheibe, …
10.204 … von gleichem Glanz wie diese, wie er die ausgesäten Samen von allen Seiten mit unablässigen Nektarströmen begießt, die seinem eigenen Leib entströmen.
10.205 Nach dieser Meditation und Verehrung bedecke er die Gefäße gruppenweise und der Reihe nach mit neuen, reinen Tüchern mit vollständigen Säumen.
10.206 Über ihnen allen verehre er Vasudeva, den Ursprung der Welt. In den acht Himmelsrichtungen bringe er die Bhutakrura-Bali-Gabe dar, ihr vortrefflichen Zweimalgeborenen, …
10.207 … für die Wesen von Kumuda an, in der Reihenfolge vom Osten ausgehend. Von diesem Augenblick an beschützen Kumuda und die übrigen [Hüter alles].
10.208 Die Acharyas, den Guru an erster Stelle, die Sadhakas und die Vaishnavas [ehre man] mit reichlichen vorgeschriebenen Gaben, Betel, Blumen und Früchten.
10.209 Der Auftraggeber erfreue den Guru sorgsam mit materiellen Gaben. Dann hebe man [die Gefäße] der Reihe nach auf und stelle sie an einen gut geschützten Ort, …
10.210 … in die Nordostecke der Halle oder nach Wunsch an einen anderen Ort. Auch dort, rings um die Gefäße in den acht Richtungen, …
Pflege der Keime und rituelle Deutungen
10.211 … bringe man in der Halle den Wesen von Kumuda an Bali dar, vom Osten ausgehend, nach der Bhutakrura-Vorschrift.
10.212 Ringsum lasse man viele Lichter brennen, ohne dass sie verlöschen. Um Mängel und Überschüsse auszugleichen, bringe man einhundertacht Feueropfer dar.
10.213 Nach der vorschriftsgemäßen Purnahuti und den weiteren [Abschlusshandlungen] entlasse der leitende Lehrer die im Feuer gegenwärtige Gottheit ins Innere seines Herzens.
10.214 Mit den Mantras der leitenden Gottheiten der vier Tore opfere er der Reihe nach Ghee und entlasse danach das Feuer ordnungsgemäß.
10.215 Rings um die Gefäße bringe man einzeln und regelmäßig Bali dar, jede Nacht, tagsüber oder nachts oder zu beiden Zeiten [nach der gewählten Ordnung].
10.216 Am Morgen des Ritualtages bringe der vortreffliche Lehrer Bali dar. Sobald die Samen ausgesät sind, gelte fortan ständig: …
10.217 … Niemand betrete [diesen Bereich] oder berühre [die Gefäße]. Nur der Acharya oder sein gesammelter Schüler darf eintreten.
10.218 Speisereste und andere [Verunreinigungen] halte man weit entfernt. Ohne zuvor Bali darzubringen, verrichte man keine Handlung an den Palikas.
10.219 Zum Wachstum der Keime begieße man sie mit Kurkumawasser. Dunkle, rote, schwarze oder seitwärts gewachsene Keime …
10.220 … sowie ungekeimte [Samen] sondere man sorgfältig aus, ihr vortrefflichen Weisen. Dunkle Keime gelten als Zeichen für Verlust von Gütern, rote als Zeichen für Streit.
10.221 Schwarze [Keime gelten als Zeichen für] seelische Bedrängnis, seitwärts gewachsene für Krankheit und ungekeimte für Tod. Daran besteht [nach dieser überlieferten Omendeutung] kein Zweifel.
10.222 Gelbe, weiße und gerade aufwärts gewachsene Keime sind glückverheißend. Sie kündigen dem Ausführenden und dem Auftraggeber die Fülle aller guten Gaben an.
Zur historischen Deutung: Wachstum und Verfärbung der Keime werden als Vorzeichen gelesen. Diese Aussagen werden hier dokumentiert; sie sind keine zuverlässigen Vorhersagen über Krankheit, Tod oder das Wohlergehen eines Landes.
Möglichkeiten und angemessene Ausführung
10.223 Der Guru, der zu Beginn die Keime für den Ritus aussät, soll auch die ganze Handlung vollziehen; kein anderer, selbst wenn er kundig ist.
10.224 Mit seiner Zustimmung kann jedoch sein Sohn oder Schüler sie vollziehen. So geschieht die Keimaussaat bei allen Verehrungsriten.
10.225 Man berücksichtige Ort, Zeit, Mittel und die eigenen Handlungsmöglichkeiten, bedenke alles Gesagte und vollziehe dann die Haupthandlung.
Für die eigene Praxis: Der ausdrückliche Blick auf Ort, Zeit, Mittel und eigenes Vermögen kann auch heutige Sadhana leiten. Aufmerksamkeit und Verlässlichkeit lassen sich unter verschiedenen Lebensbedingungen üben.
10.226 Nach der so vollzogenen Keimaussaat begebe man sich in die Gegenwart der Gottheit und verehre sie vorschriftsgemäß mit Arghya und den weiteren Gaben bis zur Speisedarbringung.
10.227 Während des verbleibenden Teils der Nacht sorge man dafür, dass die Lampe nicht verlischt. Am folgenden Morgen beschaffe man den Stoff für das Banner.
10.228 Entsprechend den Mitteln [verwende man] gekauften oder neuen, reinen Stoff: Dukula, Seidenstoff, Devanga-Gewebe oder buntes Leinen, …
Das Banner und seine Maße
10.229 … oder Baumwolle, frei von blauen [beziehungsweise dunklen] Fasern und ähnlichen Fehlern, von guter Beschaffenheit, fest und glatt. Nun werden die Maße des Tuches erklärt.
10.230 Es ist neun, sieben oder fünf Ellen lang; alternativ entspricht seine Länge der Höhe des Hauptbildes oder des Tores.
10.231 Seine Breite beträgt die Hälfte der Länge, sein oberer Abschluss ein Viertel. Der untere Fortsatz ist so lang wie der obere Abschluss; die seitlichen Fortsätze halb so lang.
10.232 Das „Bala“ genannte Bannertuch hat die angegebenen Tuchmaße; seine Breite entspricht dem Tuch, sein oberer Abschluss ist wie zuvor [zu bemessen].
10.233 Das gewaschene, mit einer Grundierung versehene, getrocknete und vorschriftsgemäße Tuch lasse der Kundige von einem geschickten Künstler bemalen.
10.234 Oben stelle man einen Schirm dar, an beiden Seiten weiße Wedel; darunter einen vielblättrigen Lotus und unter diesem einen gefüllten Krug.
10.235 Neben dem Krug zeichne man eine Gruppe von Palikas mit Keimen. Zu beiden Seiten der Palikas stelle man zwei schöne Lampen dar.
Garudas Gestalt auf dem Banner
10.236 Für die einzelne göttliche Gestalt zeigt das Banner Garuda, ihr Guten. Für die vierfache Gestalt [zeigt es] Satya, Suparna, Garuda und Tarkshya.
10.237 Für die fünffache Gestalt [zeigt es] diese vier zusammen mit dem Vogelkönig. Für die vierfache Gestalt können auch Suparna, Tala [Palmenbanner], Makara und Rishya [Antilope] [dargestellt werden].
10.238 Für alle darüber hinausgehenden Vyuhas ist Garuda das Bannerzeichen. In die Mitte des Tuches [male man] Garuda mit zwei Armen und gefalteten Händen, …
10.239 … oder mit einer hohlen Handgeste voller Blumen, einem goldenen Berg gleichend, mit ausgebreiteten Flügeln, als beginne er den Flug in den Himmel.
10.240 Der linke Fuß ist angewinkelt, der rechte nach hinten gestellt. Die Augen sind etwas länglich und rund, die Nase [der Schnabel] blau mit langer Spitze.
10.241 Seine Erscheinung ist überaus friedvoll, sein Gesicht lächelnd; zwei Fangzähne in der Form der jungen Mondsichel zieren ihn.
10.242 Seine gebogenen Brauen und lockigen Haarsträhnen sind schön geformt. Er hat einen muschelförmigen Hals, mächtige Arme, volle Schultern und eine kräftige Brust.
10.243 Sein Leib ist breit, sein Nabel tief und eine Haarlinie schmückt ihn. Seine beiden kräftigen Oberschenkel gleichen wohlgerundeten goldenen Säulen.
10.244 Seine Unterschenkel gleichen goldenen Bananenstämmen und gehen in die beiden Füße über. Eine Karanda-Krone und ein Blumenkranz zieren sein Haupt.
10.245 In Rundung und Weite gleichen seine Augen Lotusblättern, seine beiden Brauen denen Narasimhas, seine Nasenspitze einem Papageienschnabel.
10.246 Seine Taille gleicht der eines Löwen, die Schulterpartie dem Rücken eines Elefanten; die Ausdehnung wird mit einem Hamsa-Flügel verglichen. Die genaue Maßangabe »devadīrgheṇa« bleibt hier unsicher.
10.247 Sein hundertfach verzweigter Schweif ist doppelt so lang wie sein Flügelmaß. Dies gilt allgemein für alle [Gestalten]; nun werden die besonderen Merkmale genannt.
Schmuck, Schlangen und Waffen
10.248 Von der Krone bis zu den Füßen schmücken ihn vielerlei Edelsteine, Halskette, Oberarmreifen, Armringe und heilige Schnur.
10.249 Schöne Ohrgehänge ruhen an den langen Ohrläppchen. Ein Tilaka schmückt die Stirn, Blumen zieren die Ohren.
10.250 Er trägt Edelsteinringe; klingende Fußringe schmücken seine Füße. Weitere himmlische Zierstücke vervollständigen seinen Schmuck.
10.251 Er trägt ein blaues Gewand und einen blauen Harnisch. Girlanden aus voll erblühten weißen Lotusblättern schmücken seinen Hals.
10.252 Auch Girlanden bunter Blumen lassen ihn besonders erstrahlen. Ananta bildet seinen linken Armring, Vasuki seine heilige Schnur.
10.253 Takshaka bildet den Hüftgürtel, Karkotaka die Halskette. Padma befindet sich am rechten Ohr, Mahapadma am linken.
10.254 Shankha befindet sich am Kopf, Gulika zwischen den Armen [auf der Brust]. Diese acht ursprünglichen, vortrefflichen Schlangen schmücken ihn.
10.255 Ananta ist weiß, Vasuki rot, Takshaka gelb und Karkotaka rauchfarben.
10.256 Shankha hat die Farbe des Schnees, Gulika gleicht einer [dunklen] Biene. Padma leuchtet wie ein Lotus, Mahapadma ist gelbbraun.
10.257 So male man den Gott mit fünf Farben sowie die fünf Waffen: Diskus, Muschelhorn, Pfeil, [erneut] Muschelhorn, Sharnga-Bogen und Keule. [Die Aufzählung des überlieferten Wortlauts stimmt nicht mit der Zahl fünf überein.]
10.258 Man zeichne sie vorschriftsgemäß oben auf das Tuch, an beiden Seiten. Darunter male man auf der rechten Seite das Feuer-Mandala …
10.259 … und auf der linken ein Swastika-Zeichen nach den vorgeschriebenen Merkmalen. Den verbleibenden Tuchgrund färbe man dunkel oder schwarz.
10.260 Er sei mit Blattranken und verschiedenartigen Blumen versehen. So lasse der vortreffliche Lehrer das Banner von einem ausgezeichneten Künstler anfertigen …
Vorbereitung und Reinigung des Banners
10.261 … oder von einem vorschriftsgemäß eingeweihten Shudra, ihr vortrefflichen Zweimalgeborenen, oder von einem geschickten Töpfer.
10.262 Nachdem alles so vorbereitet ist, gehe der Lehrer mit gesammeltem Geist bei Anbruch des Abends zusammen mit den Trägern der göttlichen Gestalten …
10.263 … in die Werkstatt, erfreue den Künstler [durch seine Gabe], nehme das Tuch entgegen und setze es auf den Kopf eines Schülers.
10.264 Mit dem Schall von Muschelhörnern und Trommeln, den Klängen der Kahala-Instrumente, verschiedenen Gesängen und mannigfaltiger vedischer Rezitation …
10.265 … bringe man das Bannertuch von dort in die Vorhalle. Dann trete man hinein und [verehre] den höchsten Herrn im Hauptbild, …
10.266 … indem man sich verneigt und Arghya, Duftstoffe, Blumen und Räucherwerk darbringt. Danach entlasse man den Künstler und besprenge das Tuch mit Arghya-Wasser.
10.267 Mit Blumen, denen weiße Senfsamen beigegeben sind, berühre man es [durch rituelles Anschlagen] unter Rezitation des Astra-Mantras. Der vortreffliche Sadhaka zeige es dem Herrn der Götter von vorn.
10.268 Man vollziehe das rituelle Verbrennen und Wiederbeleben auf die vorgeschriebene Weise. Erneut verehre man den höchsten Herrn mit Arghya, Duftstoffen, Blumen und weiteren Gaben.
Ein Gebet aus dem Bewusstsein der eigenen Grenzen
10.269 Mit gefalteten Händen spreche man laut diesen Mantra: „Erhabener, Lotusäugiger, Herr über alles, du, der die Welt durchdringt!
10.270 Was du gelehrt hast, vermögen wir nicht vollständig so auszuführen: aus mangelnder Selbstständigkeit, unzureichender Kraft und fehlendem Vertrauen und weiteren [Unvollkommenheiten].
10.271 Darum blicke, damit jeder Mangel und jeder Überschuss bei den Maßen und allem Übrigen ausgeglichen werde, mit deinen beiden kühlenden Augen auf den im Tuch dargestellten …
10.272 … Vainateya [Garuda], mit deinen Augen, die alle Fehler hinwegnehmen. Sei uns gnädig. Om.“ Danach übergebe man das Tuch den Eingeweihten, ihr Brahmanen.

Spirituelle Erläuterung: Hier spricht der Text selbst von begrenztem Vermögen und fehlender innerer Reife. Hingabe besteht auch darin, diese Grenzen ehrlich wahrzunehmen und dennoch mit Sorgfalt zu handeln.
Die rituelle Belebung des Bannerbildes
10.273 Nachdem er zusammen mit ihm vier Umkreisungen vollzogen hat, begebe sich der Lehrer in die erste oder zweite Umfassung …
10.274 … und betrete mit dem Auftraggeber die vor dem Tempel stehende Halle. Dort setze er einen Bhadra-Sockel ein und errichte darauf mit geschältem Shali-Reis …
10.275 … einen Altar. Auf dessen Oberfläche zeichne er das Bhadra-Mandala; wenn die Mittel vorhanden sind, breite er darüber ein Tuch aus.
10.276 Darauf schütte er einen Sesamhaufen und zeichne in dessen Mitte ein Swastika-Zeichen. Darüber stelle er das Tuch mit dem Gesicht zum Tempel auf.
10.277 Danach nehme der Acharya gesammelt auf seinem Sitz Platz. Die zuvor beschriebenen Handlungen von der Reinigung der Hände bis zur Verehrung des eigenen Körpers …
10.278 … vollziehe er vollständig mit dem Mantra des Vogelkönigs und seinen Gliedern. Torhüter, Torbögen, Krüge und weitere [Gottheiten] verehre er wie zuvor.
10.279 Danach lasse er wie zuvor die Punyaha-Segnung erklingen, ihr Zweimalgeborenen. Vor Garuda [stelle er] einen Kumbha zusammen mit einem Karaka …
10.280 … auf einen Getreidesockel, der mit einem Bhara [Getreidemaß] bereitet ist. Ein Wasserbecken oder ein anderes Gefäß, mit Duftwasser gut gefüllt, …
10.281 … stelle er südlich vom Karaka auf und vollziehe darin Garudas unmittelbaren Chayadhivasa, die rituelle Vorbereitung über sein Spiegelbild.
10.282 Die Begießung vollziehe er nach der einfachsten der einfachen Formen. Vor Vainateya, an dem auf dem Altar aufgestellten …
10.283 … Spiegel, vollziehe der Guru danach zu einer günstigen Stunde das rituelle Öffnen der Augen nach der noch zu beschreibenden Ordnung.
10.284 Auch bei allen Schlangen vollziehe man die Augenöffnung. Der Künstler, dessen Körper wie zuvor gereinigt ist, bringe [die Augen] sichtbar zur Ausführung.
10.285 Das Ausfüllen der Augen und alle weiteren Handlungen vollziehe man nach der Vorschrift. Im Kumbha und im Karaka bereite man jeweils einen Sitz.
10.286 Im Kumbha rufe man Garuda an, im Karaka den Astra-Mantra [als personifizierte Schutzkraft]. Nach der Verehrung mit Arghya, Duftstoffen und Weiterem verehre man in den acht Richtungskrügen …
10.287 … im Uhrzeigersinn die Welthüter von Indra an. Nach der Besprengung der Wand [beziehungsweise Bildfläche] stelle man [alles] dort wieder auf.
10.288 Dann bereite man wie zuvor auf dem Bannertuch den Sitz und [vergegenwärtige] den Garuda-Mantra, strahlend wie tausend Sonnen, …
10.289 … [dem der Text zuschreibt,] alle Krankheiten zu befrieden, alle Bedrängnisse zu beseitigen, den Menschen alle Siddhis zu schenken und alle Armut zu vernichten.
10.290 Aus dem Herzen hervortreten lassend, setze man ihn in den auf dem Tuch dargestellten Garuda ein, ihr vortrefflichen Brahmanen. Man vollziehe die vollständige Ausstattung mit den Mantragliedern und die Vergegenwärtigung.
10.291 Festigung der Gegenwart, Zuwendung, Mudra-Bindung, Laya-Yaga und Bhoga-Yaga [vollziehe man] jeweils ordnungsgemäß, ihr vortrefflichen Zweimalgeborenen.
10.292 Alles vollziehe man mit dem Garuda-Mantra und seinen Gliedern, der Reihe nach im Kumbha, im Karaka und auf dem Tuch.
Verehrung und Verteilung der Gaben
10.293 Mit großzügigem Aufwand vollziehe man die Verehrung in der beschriebenen Reihenfolge bis zum Sitz für die Ausschmückung.
10.294 Nachdem Garuda so vollständig verehrt worden ist, soll anschließend im Tempelinneren mit Zustimmung des leitenden Lehrers …
10.295 … ein anderer Lehrer oder ein entsprechend befähigter Sadhaka die ordnungsgemäße Verehrung des Herrn in der feststehenden Murti ausführen lassen …
10.296 … ebenso die Verehrung des allgegenwärtigen Herrn im Prozessionsbild, bis zur Darbringung der Gaben. Danach verehre man Vainateya, Garuda, beginnend mit dem Sitz für die Mahlzeit, …
10.297 … mit verschiedenen erfreulichen Gaben bis hin zum Madhuparka, mit Früchten und Wurzeln, mit weiteren reichlichen und verschiedenartigen …
10.298 … Opfergaben, und führe die Verehrung in der früher beschriebenen Reihenfolge bis zum Japa fort. Anschließend teile man den am Ritual Mitwirkenden ihre Gaben gesondert nach der Vorschrift zu.
10.299 Die dem Mantra-Astra und dem Kumbha dargebrachten Gaben gebe man den Acharyas. Von der Speise, die dem auf dem Banner dargestellten Garuda dargebracht wurde, nehme man einen kleinen Teil in ein Gefäß.
10.300 Davon nehme der leitende Lehrer selbst und gebe auch den anderen Lehrern. Ebenso soll die dem Gott im feststehenden Bild und im Prozessionsbild …
10.301 … mit Madhuparka und den weiteren Gaben dargebrachte Speise an den leitenden Lehrer und die übrigen verteilt werden. Danach vollziehe man die Feuerverehrung.
10.302 Östlich von Garuda richte man eine vorschriftsmäßige Feuergrube ein. Darin bereite man das Feuer rituell vor und rufe den Herrn der Vögel herbei.
10.303 Man opfere sieben Brennhölzer und bringe zum Frieden 108 Opfergaben aus Sesam und Ghee dar. Danach folge die vollständige abschließende Opfergabe, die Purnahuti.
10.304 Der Lehrer kann die Feuerverehrung auch in der für besondere Anlässe vorgesehenen Feuergrube vollziehen. Nachdem das Banner auf diese Weise rituell vorbereitet und geheiligt worden ist, begebe er sich in das innerste Heiligtum.
Das Anlegen des Schutzbandes
10.305 Nun vollziehe man nach der Vorschrift das Anlegen des Schutzbandes, ihr großen Weisen. Zuvor verehre man den Gott in der feststehenden Murti mit Arghya und den weiteren Gaben.
10.306 Mit beiden Händen vor seinen Füßen richte man diese Bitte an den Gott: »Erhabener, Lotusäugiger! Ich möchte das Ritual des Kautuka, des heiligen Fest- und Schutzbandes, vollziehen.
10.307 Es soll dem großen Fest dienen, o Herr der Götter. Sei mir dafür gnädig!« Nach dieser Bitte rufe man den Herrn der Götter in das Festbild herbei …
10.308 … und verehre ihn mit Arghya, Duftstoffen und den weiteren Gaben. Man schmücke ihn besonders sorgfältig mit verschiedenen schönen Gewändern, mit Schmuck und kostbaren Düften.
10.309 Man setze ihn auf ein goldenes Traggestell und bringe ihn unter Muschelhorn- und Trommelklängen, begleitet von Ehrenschirmen und weiteren Ehrenzeichen, im rechtsläufigen Umzug …
10.310 … zur Versammlungshalle. Dort erhebe man ihn auf einen goldenen Ehrensitz, über dem Perlenschirme und weitere Schmuckwerke angebracht sind …
10.311 … und bei dem alle erforderlichen Geräte bereitstehen. Man verehre Jagannatha, den Herrn der Welt, und bringe ihm reichlich Speise dar.
10.312 Nach Abschluss der sättigenden Darbringungen führe man ihn wieder in den Tempel hinein. Dann beschaffe man ein goldenes oder silbernes Gefäß.
10.313 Es werde gut mit ungeschältem und geschältem Reis gefüllt: mit einem Bhara-Maß oder mit dessen Hälfte, Viertel, Sechstel oder Achtel.
10.314 Darauf lege man ein Band aus Gold, Leinen, Baumwolle oder Seide, das aus fünf, vier oder sieben Fäden …
10.315 … hergestellt wurde, zusammen mit einer Betelgabe. Dieses Gefäß stelle man in der Halle vor dem innersten Heiligtum auf einen aus Reis bereiteten Sockel.
10.316 Für diesen Reissockel nehme man ein Bhara oder ein halbes Bhara. Auf einen ebenso aus Reis bereiteten Sockel stelle man ein weiteres Gefäß mit kleinen Opferkuchen.
10.317 Der Lehrer verehre beide Gefäße mit Arghya und den weiteren Gaben, bedecke sie sorgfältig mit einem Tuch und setze sie zwei Eingeweihten auf den Kopf.
Der Umzug mit den heiligen Gefäßen
10.318 Oder man stelle sie, den verfügbaren Mitteln entsprechend, auf ein Traggestell. Mit diesen beiden Gefäßen ziehe man, begleitet von Tanz und Gesang, …
10.319 … rechtsläufig durch alle Tempelumfriedungen; oder man umkreise eine einzige viermal. Man kann auch das Dorf oder den entsprechenden Ort …
10.320 … einmal rechtsläufig umziehen und danach in den Haupttempel eintreten. Der Umzug kann auch von Sudarshana oder von Vishvaksena begleitet sein …
10.321 … oder man setzt Garuda, den Herrn der Vögel, oder Hanuman zusammen mit Vibhishana auf ein Traggestell und führt sie nach der gewählten Ordnung im Umzug mit.
10.322 Nach dem Eintritt ins innerste Heiligtum stelle man beide Gefäße auf eine Unterlage vor den Gott der Götter und verehre sie …
10.323 … mit dem achtsilbigen Mantra, Arghya, Duftstoffen und den weiteren Gaben. Man lasse den segensvollen Tag ausrufen und verehre den Gott mit Arghya und den übrigen Darbringungen.
Schutzbänder für die Bilder und Mitwirkenden
10.324 Danach verehre man das mit Duftstoffen und Räucherwerk geheiligte Schutzband. Zuerst werde dem Gott der Götter in seiner feststehenden Murti …
10.325 … das Kautuka aus Gold- oder Seidenfäden angelegt. Man nehme dann einen goldenen Faden, bestreiche ihn mit duftender Paste und binde ihn …
10.326 … um die rechte Hand des Gottes im Prozessionsbild. Dabei spreche man das als Jitanta bekannte Mantra; Muschelhornklänge, Gesang und weitere Festklänge begleiten die Handlung.
10.327 Man berühre das Band mit der rechten Hand und wiederhole das Astra-Mantra hundertmal. An Shris linker Hand bringe man ein Kautuka aus Seidenfaden an …
10.328 … während man das Shri Sukta oder ihr eigenes Mantra spricht, ihr trefflichen Zweimalgeborenen. An Pushtis linker Hand befestige man ein Band aus Leinenfaden.
10.329 Für das zum rituellen Baden bestimmte Gottesbild fertige man das Kautuka aus Seidenfaden. Ebenso lege man den für die Bali-Gaben und die weiteren Handlungen bestimmten Bildern das Kautuka an.
10.330 Danach lege der leitende Lehrer sich selbst unter dem Wurzelmantra ein Kautuka aus Baumwolle um die rechte Hand.
10.331 Ebenso lege man nacheinander allen am Ritual Mitwirkenden ein Kautuka an. Sind die Mittel vorhanden, können sämtliche Bänder aus Gold sein.
10.332 Man verehre den Gott mit Arghya und den weiteren Gaben und bringe ihm Opferkuchen und andere Speisen dar. Nach der Darbringung von Betel und weiteren Gaben erfreue man auch die Zweimalgeborenen mit Betel …
10.333 … sowie die eingeweihten Vaishnavas, an deren Spitze der leitende Lehrer steht. Der Acharya selbst nehme den hierfür verwendeten Reis und die übrigen dazugehörigen Gaben entgegen.
10.334 So soll bei allen Opferfeiern das Kautuka angelegt werden. Nach diesem Anlegen des Schutzbandes lasse man den übrigen Teil der Nacht verstreichen.
Moderne Anregung: Das Schutzband kann als Anlass dienen, über eine bewusst eingegangene spirituelle Verpflichtung nachzudenken: Welche kleine Übung möchte ich verlässlich pflegen? Diese Übertragung ist eine heutige Anregung; die historische Vorschrift betrifft die Festliturgie.
Die Aufstellung des Fahnenmastes
10.335 Am Morgen bade der vortreffliche Lehrer gründlich und vollziehe Achamana, die rituelle Reinigung mit Wasser. Dann verrichte er die tägliche Archana des Herrn und die besondere Festverehrung.
10.336 Anschließend verehre er Vainateya nach der Vorschrift, beginnend mit dem Kumbha. Er bringe die große Speisegabe dar und vollziehe die Feuerverehrung wie zuvor.
10.337 Nun lasse der vortreffliche Lehrer den Fahnenmast aufstellen: in der ersten, zweiten oder einer weiteren Tempelumfriedung.
10.338 Man stelle den geeigneten Mast innerhalb oder außerhalb des Gopura, des Tempeltors, auf; oder vor dem Altar der Bali-Gaben, ihr großen Weisen.
10.339 Auch hinter diesem Altar darf der Sockel des Fahnenmastes angelegt werden. Zwischen beiden lasse man einen Abstand von einem Hasta oder einem Tala.
10.340 Nördlich oder östlich des Fahnensockels lege man den Fahnenmast zusammen mit der Fahnenstange nieder …
10.341 … mit der Spitze nach Osten oder Norden. Er soll schön und von geeigneter Beschaffenheit sein. Bäume werden hier in drei Arten unterschieden: solche mit festem Kern, solche mit fester Außenschicht und solche ohne festes Kernholz.
10.342 Bäume mit festem Kernholz, etwa Sandelholz, gelten als geeignet für den Mast. Auch Bäume mit fester Außenschicht, etwa die Arekapalme, werden dafür empfohlen, ihr großen Weisen.
10.343 Kernholzlose Arten wie Kimshuka soll man für den Mast meiden. Das Holz soll frisch, neu, gerade und glatt sein, frei von Krümmungen und Rissen …
10.344 … mit einer ungeraden Zahl von Knoten, glatt, mit Rinde und fest. Nach Prüfung anhand der Schrift soll man ein solches Holz für den Fahnenmast auswählen.
10.345 Als vorzüglich gilt eine Höhe von hundert Tala; auch zwanzig Tala weniger oder sechzig Tala sind vorgesehen. Dabei wird nach dem Mana-Angula gemessen.
10.346 Auch nach dem Matra-Angula darf das Maß bestimmt werden. Die Höhe kann bis zur Spitze des Tempelturms reichen oder der Höhe des Tempelgebäudes entsprechen …
10.347 … oder der Höhe des Karna-Bauteils beziehungsweise des Gopura; man richte sich nach den Möglichkeiten. Den Mast teile man in vier Abschnitte; ein Abschnitt bildet den Kopf.
10.348 Am oberen Ende des Mastes werden drei durchbohrte Auflagen als Halterungen angebracht. Ihre nähere Anordnung wird hier mit dem schwer verständlichen Ausdruck »trimūlataḥ« bezeichnet.
10.349 Oben füge man die Fahnenstange in die Öffnungen der beiden Auflagen ein. Darüber befestige man ein Bündel Darbha-Gras zusammen mit einer Glocke.
10.350 Man umwinde den Fahnenmast rechtsläufig mit Darbha-Girlanden. Danach besprenge man ihn mit dem durch das Astra-Mantra geheiligten Wasser.
10.351 In die Grube im Fahnensockel lege man Edelsteine und Getreidekörner. Unter dem Tarkshya-Mantra lasse der Lehrer dann durch vorzügliche Brahmanen …
10.352 … oder durch eingeweihte Shudras beziehungsweise Tempeldiener, begleitet von Muschelhörnern, großen Trommeln, Gesang und Instrumentalmusik, …
10.353 … den Fahnenmast gerade in die Grube stellen. Er werde zum Tempel hin ausgerichtet; die Grube fülle man mit Sand.
10.354 Mit Händen und Füßen verdichte man den Sand, sodass der Mast fest steht. Um seinen Fuß errichte man eine Plattform von fünf Hasta Höhe …
10.355 … oder von drei Hasta beziehungsweise einem Hasta Höhe. Man gestalte sie quadratisch und ebenso breit.
10.356 Auf ihrer Mitte zeichne der Kundige einen achtblättrigen Lotus so, dass der Mast in dessen Samenkapsel steht.
Der festliche Umzug
10.357 Nun gehe man in den Tempel hinein und verehre den Herrn in der feststehenden Murti mit Arghya, Duftstoffen und den weiteren Gaben. Von dort rufe man in das Festbild …
10.358 … einen Anteil seiner Gegenwart herbei, zusammen mit den beiden Göttinnen. Man verehre den Herrn der Welt und bringe ihm die Padukas, die heiligen Sandalen, dar.
10.359 Anschließend setze man ihn auf ein Traggestell mit goldenem Strahlenbogen. Ebenso verehre man das für die Bali-Gaben bestimmte Bild und setze es auf ein Traggestell.
10.360 Der Acharya begebe sich mit den Hütern der Gottesbilder zu Garuda. Sorgfältig bringe man das Banner auf einem Wagen, einem Elefanten oder einem Traggestell unter.
10.361 Das Banner schmücke man mit einem aus bunten Blumen gefertigten Strahlenbogen, mit Gewändern, Schmuckstücken und mannigfaltigen Girlanden.
10.362 Ehrenschirme und Wedel sollen es begleiten, ferner Pfauenfederfächer, bunt gestaltete Palmblattfächer und schöne Sonnenschirme …
10.363 … sowie vielfältige Bannerstangen, geschmückt mit feinen Tüchern. Die Rezitation der vier Veden erklinge zusammen mit Stotras, den Lobgesängen.
10.364 Gesänge und verschiedene Instrumente, Muschelhörner und Trompeten, große Trommeln und Mridangas sowie andere segensvolle Klänge begleiten den Zug.
10.365 Brahmanen tragen die Palika-Gefäße mit ihren Keimlingen. Festlich gekleidete Ganika-Tänzerinnen und die Gemeinschaft der Bhaktas ziehen mit.
10.366 Freudenrufe, Händeklatschen und »Jaya!«-Rufe erklingen. Das Bali-Bild geht voraus; in der Mitte folgt das Banner …
10.367 … und danach das Prozessionsbild. In dieser Reihenfolge führe man den Umzug von der ersten Tempelumfriedung aus bis zum abschließenden Straßenbereich.
Ergänzendes Video zur spirituellen Praxis; kein Bestandteil der Samhita.
Die Vorbereitung des Hissens
10.368 Nach dem rechtsläufigen Umzug durch das Dorf, dem die Darbringung der Bali-Gaben vorausgeht, führe man das Prozessionsbild zur Versammlungshalle.
10.369 Dort setze man es auf einen goldenen Sitz gegenüber dem Fahnensockel. Der Acharya nehme zusammen mit den Hütern der Gottesbilder das Garuda-Banner …
10.370 … und bringe es unter Muschelhornklängen und weiteren Festklängen im rechtsläufigen Gang zum Fahnensockel. Man wasche den Mast mit Wasser ab.
10.371 Wenn die Mittel es erlauben, umhülle man den Fahnenmast mit einem Tuch. Eine aus sehr festen, dreifach gedrehten Baumwollfäden hergestellte …
10.372 … widerstandsfähige Leine nehme der vortreffliche Lehrer und lege sie in die Vorrichtung an der Spitze der Stange ein. Mit dieser Leine …
10.373 … befestige er das obere Ende des Banners sicher. Danach begebe er sich mit allen Mitwirkenden zum Kumbha.
10.374 Er hebe den Kumbha hoch und setze ihn einem Schüler auf den Kopf. Auch die acht Nebengefäße lasse er von Brahmanen mittragen.
10.375 Der Acharya selbst nehme die Vardhani-Kanne in die Hand. Unter Instrumentalklängen und während ein ununterbrochener Wasserstrahl ausgegossen wird, …
10.376 … umkreise er das Gotteshaus und gehe zum Fuß des Mastes. Er lasse den segensvollen Tag ausrufen und besprenge das Banner unter dem Astra-Mantra.
10.377 Mit dem Garuda-Mantra verehre er Garuda auf dem Banner. Er bringe Arghya, Wasser für die Füße und zum rituellen Mundspülen, Duftstoffe, Girlanden und Räucherwerk dar …
10.378 … ferner Opferkuchen, Reisflocken, ein süßes Getränk und anschließend eine sättigende Trankgabe mit Kokoswasser. Danach folge wieder Wasser zum rituellen Mundspülen.
Die Übertragung der göttlichen Gegenwart
10.379 Man reiche vorzüglichen Betel mit Kampfer und weiteren Zutaten und zeige Garudas Mudra. Dann besprenge man unter dem Purusha Sukta …
10.380 … Garuda mit dem Wasser aus dem großen Kumbha. Die im großen Kumbha gegenwärtige Garuda-Kraft übertrage man auf Garuda im Bannerbild.
10.381 Entsprechend besprenge man die acht Nagas nacheinander mit dem Wasser aus den acht Nebengefäßen. Für die Waffen ist die entsprechende Besprengung mit dem Astra-Wasser aus der Karaka-Kanne vorgesehen.
10.382 Nach dieser geordneten Besprengung vollziehe der vortreffliche Lehrer den Mantra Nyasa und die weiteren Handlungen. Mit einer vorangehenden Darbringung von Blumen aus den zusammengelegten Händen …
10.383 … vollziehe er das Gegenwärtigwerden, das Verweilenlassen und die Zuwendung der göttlichen Gegenwart. Danach verehre er Garuda mit Arghya und den weiteren Gaben und bringe vielerlei Opfergaben dar …
10.384 … darunter Reis mit Mungbohnen. Anschließend reiche er Betel und weitere Gaben. Mit zusammengelegten Händen preise der Guru Garuda in Lobgesängen:
Lobpreis Garudas
10.385 »Verehrung dir, Garuda, dem Träger Mahavishnus, dir, Tarkshya von unermesslichem Glanz, der du allen Schlangenfürsten den Tod bringst!
10.386 Immer wieder Verehrung dir, König der Vögel! Verehrung dir, dessen Gestalt die heilige Rezitation ist! Verehrung dir, Herr der Vögel, der du den Kalpaka-Baum entwurzelt hast!
10.387 Dir, der du den Krug mit Amrita herbeigebracht und deine Mutter aus der Knechtschaft befreit hast; dir, der du die Herren der Götter und Asuras besiegt hast und Schlangenfürsten als Schmuck trägst!
10.388 Verehrung dir, der du den trägst, auf dem dieses ganze All ruht! Brihat-Saman und Rathantara sind deine beiden Flügel …
10.389 … Gayatri deine Augen; als dein Haupt gilt das Trivrit-Saman, und der Stoma-Gesang ist dein Selbst. Verehrung dir, dessen Gliederfülle das Vamadevya-Saman bildet!
10.390 Verehrung Garutman, dem Herrn der Lebenswinde, angefangen mit Prana! Nimm die Fehler hinweg und bringe von allen Seiten ungeschmälerte gute Eigenschaften herbei.
10.391 Beseitige alle Hindernisse und nimm auch mich ganz zu dir!« Nach diesem Lob lasse man für ihn das Brihat-Saman und das Rathantara erklingen.
Zur inneren Bildsprache: Garudas Leib wird aus vedischen Gesängen gedacht, und er wird mit den Lebenswinden verbunden. Klang, Atem und Verehrung bilden in diesem Lobpreis einen Zusammenhang. Für heutige Übende kann bewusster Japa eine Verbindung von Sammlung und Bhakti sein.
Speisegabe und günstiger Zeitpunkt
10.392 Währenddessen meditiere der leitende, mantrakundige Lehrer über den Herrn der Vögel. Er forme die dargebrachte Speise zu Bissen und weihe sie durch Mantras …
10.393 … die sich auf den Purusha und auf Garuda beziehen. Über Garuda und Acyuta Hari meditierend, lege er die Bissen auch Frauen, die bisher keine Kinder bekommen haben, in die zusammengelegten Hände.
10.394 Der Text verheißt, dass die Frauen nach dem Verzehr dieser Bissen viele Söhne gebären würden. Danach verehre man vor Garuda mit Betel, Duftstoffen und Girlanden …
Zur Einordnung: Die Fruchtbarkeitsverheißung ist eine historische religiöse Aussage, keine medizinisch belegte Wirkung der Speisegabe.
10.395 … den Astrologen und lasse einen günstigen Aszendenten bestimmen. Zu einer als günstig geltenden Stunde und unter günstigem Aszendenten, nach vorangehenden Segensworten, …
Das Hissen des Banners
10.396 … ziehe der besonnene Lehrer das Banner mit der Leine hoch, begleitet von Glocken, Mridangas und allen Instrumenten. Dabei spreche er das Mantra mit dem Anfang »suparṇo ’si« – »Du bist Suparna«.
10.397 Die Leine befestige man rechtsläufig um den Mast. Das Garuda-Banner werde am Mast zum Tempel hin ausgerichtet.
10.398 Das feierliche Hissen des Banners findet am Vormittag oder zu Mittag statt. Anschließend setze der Lehrer das Prozessionsbild auf sein Traggestell …
10.399 … bringe es in die Nähe des Fahnenmastes und zeige ihm das Banner. Den Herrn der Vögel beauftrage man damit, sämtliche Verehrenden einzuladen …
10.400 … danach kehre der Gott in die Halle zurück. Man bitte um Garudas Gegenwart im Banner:
Die Bitte um bleibende Gegenwart
10.401 »Von diesem Tag an bis zum Abschluss des Festbades bleibe gegenwärtig, o König der Vögel! Für den König und das Land …
10.402 … für das Dorf, den Stifter der Feier und besonders für die Vaishnavas: zu ihrer Freude, zu ihrem Gedeihen und zur Überwindung aller Feinde …
10.403 … und zur Abwehr eines vorzeitigen Todes sei uns gnädig, Vainateya! Om!« Nach dieser Bitte an den König der Vögel streue man die in den Händen gehaltenen Blumen aus.
Das abschließende Gebet um Vergebung
10.404 Man trete vor den Gott der Götter, bringe eine Handvoll Blumen dar und bete: »Was ich wissentlich oder unwissentlich nicht so ausgeführt habe, wie es gelehrt wurde, …
10.405 … möge dennoch ganz und vollständig werden. Mögest du stets vollkommen erfreut sein! Om, Acyuta, Herr der Welt, Verkörperung des Mantras, Janardana!
10.406 Beschütze mich, Lotusäugiger! Vergib mir jetzt und sei mir gnädig! Om!« Nach dieser Bitte an den Herrn der Götter bringe man den Herrn im Prozessionsbild …
Spirituelle Erläuterung: Das Schlussgebet verbindet Verantwortungsbewusstsein mit Vergebung. Es darf dazu ermutigen, ehrlich zu üben, Fehler anzuerkennen und sich dem Göttlichen auch mit dem Unvollkommenen anzuvertrauen.
10.407 … in eine andere Halle. Dort vollziehe man eine besondere Archana, bringe reichlich Speise dar und führe alle Handlungen bis zur abschließenden Feuerverehrung aus.
Die weitere Verehrung während des Festes
10.408 Nach Abschluss dieser vorgeschriebenen Reihenfolge führe man ihn wieder in den Tempel. Über dem Fahnensockel errichte man einen überdachten Pavillon mit vier Säulen …
10.409 … oder mit acht beziehungsweise sechzehn Säulen. Er soll vier Torbögen haben und mit Darbha-Girlanden geschmückt sein.
10.410 Man schmücke ihn mit Wimpeln und weiteren Zierden und versehe ihn außen mit Vorhängen. Rundherum entzünde man Lampen, die beständig weiterbrennen.
10.411 Von diesem Tag an bis zum Abschluss des Tages der Blumenopferfeier vollziehe man zu den drei Tagesübergängen die besondere Verehrung, verbunden mit Japa.
10.412 Zur Zeit der Bali-Gaben bringe man täglich auch ihm eine Bali-Gabe dar. Damit sind die Tageshandlungen bis zum Hissen des Banners dargelegt.
Kolophon: So endet in der Ishvara Samhita des heiligen Pancharatra das zehnte Kapitel, genannt „Die Ordnung des großen Festes bis zum Hissen des Banners“.
Texthinweise zu Kapitel 10
Die 412 nummerierten Verse wurden mit dem Sanskritdruck der kritischen Ausgabe, Band II, Druckseiten 472–550, abgeglichen. Die vorhandenen Devanagari-Fassungen dienen als weitere Textzeugen; die englische Übersetzung wurde zur Kontrolle herangezogen. Die Sanskritfassung ist eine redigierte Lesefassung, keine diplomatische Abschrift. Bei fortlaufenden Sätzen geht die deutsche Übersetzung über die Versgrenze hinweg. Die folgenden Hinweise benennen sachlich relevante Abweichungen und verbleibende Unsicherheiten.
- 10.2–3: Naradas Antwort beginnt innerhalb von Vers 2. Die Erklärung von utsava als Aufhebung des Leides ist eine traditionelle spirituelle Wortdeutung.
- 10.23, 33, 36, 39: Die Lesefassung folgt paritaś cārghyacarcitam, dhruva, baḍabānana und kāntātmā des kritischen Haupttextes. Die anderen Vorlagen bieten teilweise abweichende oder beschädigte Lesarten. Bei 10.43 wird der nur allgemein genannte Veda-Kenner nicht ohne Textbeleg mit einer weiteren Inkarnation gleichgesetzt.
- 10.26–27, 59, 69–73, 133, 188: Mantranamen, Verweise auf Dharanas und vedische Textanfänge werden als solche wiedergegeben. Aus Erläuterungen des Kommentars oder aus Regeln zur Mantrabildung werden keine vermeintlich vollständigen Grundtext-Mantras hergestellt.
- 10.56–57: Nach dem kritischen Druck wird die eigene Person besprengt (ātmānam); eine andere Vorlage liest die Halle (śālām). 10.76 wurde nach dem Druck und der Devanagari-Vorlage mit āsanādikramād yajet berichtigt.
- 10.80–102: Technische Gefäßmaße bleiben in den ursprünglichen Einheiten. In 10.86 stehen Bezüge auf die Dhattura-Blüte und auf den Lotus nebeneinander. 10.93 verlangt eine Verringerung um drei Viertel. Trivarṇa in 10.102 wird im Zusammenhang auf die drei Gefäßarten bezogen.
- 10.110, 113–114: Ahni bedeutet »am Tag«. Die erneute Sichtprüfung und die zweite Devanagari-Vorlage bestätigen in 10.113 asamṛddhajanānvitam: eine Bevölkerung ohne Gedeihen, nicht eine ausdrückliche Aufzählung von Krankheit und Strafe. Bei unmittelbar erforderlichen Handlungen lässt 10.114 eine Aussaat am Tag zu.
- 10.117, 126, 128: Die botanische Identifikation einiger Samen bleibt unsicher; deshalb werden traditionelle Namen teilweise beibehalten. 10.126 nennt ausdrücklich auch eingeweihte Shudras als Träger. Gaṇikā bezeichnet historisch eine gesellschaftliche Gruppe von Kurtisanen beziehungsweise professionellen Künstlerinnen; »Ganika-Tänzerinnen« in diesem Kapitel bezieht sich auf ihre Rolle im Festzug und ist keine vollständige soziale Definition.
- 10.137–165: Die Linien- und Feldanweisungen werden ohne ein hypothetisch ergänztes Schema wiedergegeben. Insbesondere cādhūnāṃ in 10.157 ist sprachlich unsicher. 10.165 folgt dem gedruckten samamṛdam, während eine weitere Vorlage samṛddham nahelegt. Die Deutung auf Erde bleibt an dieser Stelle vorläufig.
- 10.174, 179–182: In 10.174 folgt die Lesefassung Abjanābha; die kritische Ausgabe verzeichnet auch Ajanābha. Der Text nennt anschließend Padmanabha und Dhruva. Die Zahl der in 10.179–182 aufgezählten Gestalten ist nicht ohne Weiteres mit der Gefäßzahl in Einklang zu bringen: Eine naheliegende Zählung ergibt 104. Die Übersetzung fügt keine fehlenden vier Gestalten hinzu.
- 10.206, 208, 215, 217: Bhūtakrūra wird als Bezeichnung einer Bali-Gabe beibehalten; daraus wird keine unbelegte Zutat abgeleitet. Die in einer OCR-Vorlage ausgefallenen Gaben von 10.208 wurden nach dem Druck ergänzt. 10.215 nennt nächtliche Pflege und eine Tagesalternative. Die Zugangsregel von 10.217 betrifft den beschriebenen rituellen Aussaatbereich.
- 10.219–222: Die Keimdeutungen werden als historische Omenvorstellungen dokumentiert. In 10.221 wird das fehlerhafte niryag- nach dem Zusammenhang und der weiteren Vorlage als tiryag- (seitwärts) gelesen.
- 10.232, 239, 246, 251: Die genaue Maßanweisung für das kleinere Banner in 10.232 bleibt sprachlich unsicher. 10.239 folgt dem verständlichen suvarṇācalasannibham der Devanagari-Vorlage: »einem goldenen Berg gleich«. Der kritische Haupttext trennt hier problematisch; im Apparat steht auch suparṇa. Die genaue Bedeutung von devadīrgheṇa in 10.246 ist offen. In 10.251 folgt die Lesefassung dem weißen Lotus des kritischen Drucks; eine andere Vorlage nennt roten Lotus. Auch vārakāṇa/vāravāṇa variiert; die Übersetzung versteht eine Rüstung.
- 10.257: Auf die Angabe »fünf Waffen« folgt eine Liste mit sechs Benennungen, darunter zweimal das Muschelhorn. Dieser Widerspruch bleibt sichtbar; eine vermeintlich richtige Waffenliste wird nicht rekonstruiert.
- 10.281–290: Chāyādhivāsa wird im Zusammenhang mit dem Spiegel verstanden, nicht als Eintauchen des bemalten Tuches. Die Wirkungsverheißungen von 10.289 sind Aussagen der Ritualüberlieferung. 10.290 wurde nach dem Druck zu hṛdayād recya berichtigt: Hervortretenlassen aus dem Herzen.
- 10.343, 348–349: Bei der Holzauswahl steht im kritischen Haupttext vakra; die weitere Vorlage hat vaktra. Die Konstruktion mit drei Auflagen in 10.348 und zwei Öffnungen in 10.349 sowie trimūlataḥ bleibt im technischen Detail unsicher. Die deutsche Fassung kennzeichnet dies und erfindet keine Bauzeichnung.
- 10.352: Śūdraiḥ … dīkṣitaiḥ wird im Anschluss an die entsprechende Regel 10.126 als »eingeweihte Shudras« verbunden. Die englische Ausgabe trennt Shudras und Eingeweihte als Alternativen.
- 10.385–391: Der Garuda-Lobpreis steht vollständig im Grundtext. Die vedischen Gesangsbezeichnungen werden nicht durch allgemeinere Yoga-Begriffe ersetzt. In 10.389 bewahrt der Sanskrittext gāyatrī; die englische Herausgeberanmerkung hält hier gāyatra für sachlich angemessener. Die Anrede in 10.386 erinnert an das Entwurzeln des Kalpaka-Baumes; die Übersetzung macht daraus keine frei erfundene psychologische Allegorie.
- 10.392–396: Die Fruchtbarkeitsverheißung wird ausdrücklich dem Text zugeschrieben. Suparṇo ’si in 10.396 ist nur der angegebene Mantra-Anfang. 10.401–403 und 10.404–406 enthalten dagegen ausformulierte Gebete einschließlich des überlieferten Om.
Die ausführliche Vorbereitung kann dazu anregen, Sorgfalt und Hingabe zusammen zu üben. Das Kapitel schließt seine zentrale Feier mit der Bitte um Vergebung: Auch ein gewissenhaft ausgeführter Dienst darf seine Grenzen vor dem Göttlichen eingestehen.
Kapitel 11 – Das große Fest – Klang, Mandala, Prozession und Blumenopfer
Das Fest entfaltet sich als gemeinschaftliche Vishnu-Verehrung: Trommelklang, Gesang, Mandala, feierliche Umzüge und das abschließende Bad führen durch die Tage. Mitten in den genauen Vorschriften deutet der Text das Mandala als Leib der Wirklichkeit und als Ort des gestaltlosen, glückseligen Ishvara. Den Abschluss bilden ein Blumenopfer, Dank an die Mitwirkenden und die Rückkehr zur täglichen Puja.
Narada spricht:
Die Eröffnung des Festes
11.1 Bei Einbruch der Nacht vollziehe der leitende Lehrer zusammen mit den Hütern der Gottesbilder das Baden und die übrigen täglichen Pflichten nach der Vorschrift.
11.2 Er trete vor den Gott und verrichte die tägliche Puja. Den im Prozessionsbild gegenwärtigen Gott, begleitet von Shri und Pushti, …
11.3 … bringe man zur Versammlungshalle und setze ihn auf den Badesitz. Mit der später beschriebenen rituellen Badeform namens Adhamottama, der höchsten innerhalb der einfachen Gruppe, …
11.4 … bade man den Gott, wobei sich der Umfang nach den verfügbaren Mitteln richtet. Auf dem Sitz für die Ausschmückung verehre man ihn mit besonders reinen Gaben.
11.5 Dann bringe man reichlich Speise dar und führe die Handlungen in ihrer Reihenfolge bis zum Japa aus. Danach folge das rituelle Schlagen der großen Trommel, der Bheri.
Die Weihe der großen Trommel
11.6 Der Guru nehme rechts vom Gott auf einem Sitz Platz. Um die große Trommel vor dem Herrn der Götter aufzustellen, …
11.7 … spreche der Lehrer den mit »caraṇapavitram« bezeichneten Text und wasche den Boden mit Wasser. Unter dem als »viṣṇor arāṭa« angeführten Mantra reinige er ihn mit Darbha-Gras.
11.8 Unter dem Mantra-Anfang »gandhadvārā« bestreiche man den Boden mit Kuhdung. Unter dem Mantra »āpa undantu« folge die Verzierung mit weißem Kalkpulver.
11.9 Unter »devasya tvā« streue man ungebrochene Reiskörner auf den Boden. Unter dem als »grīṣmo hemanta« angeführten Mantra richte man einen Getreidesockel her.
11.10 Unter »śaṃ no devī« zeichne man in den vier Richtungen je einen hundertblättrigen Lotus; unter »trātāram« zeichne man einen Lotus in die Mitte.
11.11 Unter dem als »dhanvanāga« angeführten Mantra breite man darüber Darbha-Gras aus. Danach verneige man sich unter »mūrdhānam« vor Dhruva.
11.12 In die vier Ecken stelle man vier Lampen. Der vortreffliche Lehrer lasse darauf die Segensworte »Svasti« und die Ausrufung des segensvollen Tages erklingen.
11.13 Mit dem dabei geheiligten Wasser besprenge man die große Trommel unter »āpa undantu«. Unter dem als »agnir āyuṣma« angeführten Mantra besprenge man alle Instrumente.
11.14 Unter »aryamāya« stelle man die Bheri auf den Getreidesitz. Östlich davon ordne man die Muschelhörner an, im Südosten die Trompeten.
11.15 Im Süden stehen die Mardala-Trommeln, im Südwesten die Saiteninstrumente zusammen mit den Flöten; im Westen die Mridangas, Duddukas und kleinen Mardalas.
11.16 Im Nordwesten stelle man die Jhallari mit den bronzenen Becken auf. Im Norden stehen Pataha und kleine Pataha zusammen mit der Huduka.
11.17 Im Nordosten stehen Dudduka und Jhalli zusammen mit kleinen Glocken. Außerhalb dieses Kreises, ihr vortrefflichen Brahmanen, ordne man im Süden die Ganika-Künstlerinnen an.
11.18 Sie dienen dem segensvollen Gesang; neben ihnen stehen die Mantrasänger. Die Tänzer stelle man nach vorn, die Gruppen der Lobredner und Barden in den Norden.
11.19 Auch die übrigen kundigen Musiker stelle man an ihre jeweiligen Plätze. So richte man alles in der vorgesehenen Ordnung ein, den Möglichkeiten entsprechend.
11.20 Man begebe sich zu Garudas Platz und verehre ihn zuerst mit den Gaben von Arghya bis zur Speisedarbringung. Danach trete man an die große Trommel heran.
Klang und rituelle Sammlung
11.21 Den verfügbaren Mitteln entsprechend umhülle man die Trommel mit einem Tuch. In ihr vergegenwärtige und verehre man Akasha, den Raum, dessen Gestalt hier der Klang ist.
11.22 In der Mitte der Trommel verehre man Vishnu mit seinem Mantra, auf ihrer rechten Seite Brahma und auf ihrer linken Rudra.
11.23 Den Trommelschlägel lege man rechts daneben und verehre darin Vayu. In den Muschelhörnern verehre man Vishnu, in den Trompeten Saraswati.
11.24 In den Mardala-Trommeln verehre man Indu, den Mond, im Saiteninstrument einen Gandharva, in der Mridanga Rudra und in den Duddukas den Fünfgesichtigen.
11.25 In den kleinen Mardalas verehre man Medini, die Erde; in der Jhallari Vishnu und in den bronzenen Becken Brahma.
11.26 In den Patahas verehre man die Göttin Shri, in der Glocke Saraswati. In allen übrigen Instrumenten verehre man Vishnu selbst.
11.27 So verehre der Guru persönlich die Bheri und sämtliche anderen Instrumente. Währenddessen nehmen die Varavanita-Künstlerinnen freudig Blumen in die zusammengelegten Hände …
11.28 … und streuen sie voller Freude über die Trommel. Danach stelle man einen ruhigen, geschmückten Parashava mit Darbha-Gras in der Hand …
11.29 … mit heiliger Schnur und den weiteren Kennzeichen, der die fünf Samskaras empfangen hat und von Bhakti zum Herrn erfüllt ist, vor sich hin und weihe ihn ein.
Historische Einordnung: Die Bezeichnungen für Kasten, Künstlerinnen und Tempeldienende spiegeln die Gesellschaft der Überlieferung. Parashava ist eine historische Kastenbezeichnung; Ganika und Devadasi benennen besondere soziale und religiöse Rollen. Ihre Wiedergabe begründet keine heutige Rangordnung zwischen Menschen.
Der Aufruf an die göttlichen Welten
11.30 Zunächst besprenge man ihn unter dem Astra-Mantra mit Arghya-Wasser. Wenn der günstige Zeitpunkt gekommen ist, schlage der Guru die auf diese Weise verehrte Trommel …
11.31 … persönlich mit dem Schlägel, während er über die drei göttlichen Gestalten meditiert. Der erste Schlag geschehe unter dem Mantra-Anfang »tad viṣṇoḥ«.
11.32 Der zweite Schlag geschehe unter dem mit »brahma jajñāna« angeführten Mantra, der dritte unter dem Mantra-Anfang »kad rudrāya«.
11.33 An den drei Plätzen der Gottheiten und den weiteren vorgesehenen Stellen schlage man damit dreifach. Danach trage der Parashava die geschmückte Trommel …
11.34 … und schlage sie zuerst dreimal mit der linken Hand, danach ebenso ordnungsgemäß dreimal mit der rechten.
11.35 Zuerst soll das Muschelhorn erklingen, dann die Trompete, als Drittes der Trommelschlag. Diese Reihenfolge lasse man einhalten.
11.36 Bei der Anrufung der Gottheiten lasse man alle Instrumente erklingen. Ein Lied, das die Gottheiten herbeiruft, in Sanskrit, Prakrit …
11.37 … oder in dravidischer Sprache, nach der gewählten Form, lasse man vor dem Herrn ertönen. Zugleich führe man den jeweiligen Gottheiten gewidmete Tänze mit den dazugehörigen Liedern und weiteren Begleitungen …
11.38 … vor dem Gott der Götter auf, zur Freude der Gottheiten. Danach bringe der Lehrer das Festbild zusammen mit den beiden Göttinnen …
11.39 … sicher auf das Traggestell und schmücke es besonders sorgfältig. Das Bali-Bild gehe voraus, das Prozessionsbild folge unmittelbar danach.
11.40 So führe man den Umzug in geordneter Reihenfolge unter Instrumentalklängen, begleitet von allen Mitwirkenden und von vorangehenden Bali-Gaben.
11.41 Man nehme ein Drona-Maß Milchreis in einem Gefäß mit, außerdem Arghya, Duftstoffe, Girlanden, Räucherwerk und Betel.
11.42 Vom Tor des Heiligtums bis zum äußeren Tor, in allen Tempelumfriedungen und schließlich im umgebenden Straßenbereich …
11.43 … bringe man die Bali-Gaben nach der Vorschrift dar, begleitet von Gesang, Tanz und weiteren Darbietungen. Dann trete man in das Dorf und nehme im östlichen Bereich Aufstellung.
11.44 Nach Osten gewandt vollziehe der Lehrer selbst, sein Sohn oder sein Schüler mit erhobener Stimme die Anrufung der Gottheiten:
11.45 »Kommt herbei, Scharen der Unsterblichen, die ihr im Osten weilt, ihr von ungewöhnlicher und von schöner Gestalt! Diese bereitgestellte Verehrung …
11.46 … nehmt entgegen und schützt uns, erfreut und gesättigt, ihr Gefolgsleute Kumudas! Kommt freudig zu diesem Fest. Euch sei Verehrung!«
11.47 Mit diesem Mantra rufe man Kumuda mit seiner Schar herbei. Nacheinander bringe man Arghya, duftende Salbe, Girlanden, Räucherwerk und Wasser dar …
11.48 … ferner Milchreis, erneut Wasser und Betel. Anschließend erfreue man sie mit schönen, mächtigen Muschelhornklängen …
11.49 … sowie mit den ihnen zugeordneten Rhythmen, Gesängen und Tänzen. Dann [rufe man im Südosten]: »Kommt herbei, Scharen der Unsterblichen, die ihr in der Richtung des Feuers weilt …
11.50 … ihr Furchterregenden mit schrecklichen Gesichtern, ihr Gewaltigen! Nehmt diese bereitgestellte Verehrung entgegen und schützt uns, erfreut und gesättigt, ihr Gefolgsleute Kumudakshas!
11.51 Kommt freudig zu diesem Fest. Euch sei Verehrung!« Mit dieser Anrufung rufe man Kumudaksha, den Führer der Schar, herbei …
11.52 … und erfreue ihn wie zuvor. Dann begebe man sich nach Süden: »Kommt herbei, Scharen der Ahnen, die ihr in der südlichen Richtung weilt …
11.53 … ihr Strengen von strengem Wesen! Nehmt diese bereitgestellte Verehrung entgegen und schützt uns, erfreut und gesättigt, ihr Gefolgsleute Pundarikas!
11.54 Kommt freudig zu diesem Fest. Euch sei Verehrung!« Mit dieser Anrufung rufe man Pundarika, den Herrn der Schar, herbei.
11.55 Nach der geordneten Verehrung begebe man sich in die südwestliche Richtung der Yatudhanas: »Kommt herbei, Yatu-Scharen, die ihr in dieser Richtung weilt …
11.56 … ihr Fleischfressenden von grausamem Sinn! Nehmt diese bereitgestellte Verehrung entgegen und schützt uns, erfreut und gesättigt, ihr Gefolgsleute Vamanas!
11.57 Kommt freudig zu diesem Fest. Euch sei Verehrung!« Nach dieser Anrufung verehre man Vamana, den Herrn der Schar, in der vorgesehenen Reihenfolge.
11.58 Dann begebe man sich nach Westen, der Richtung Varunas, und [rufe] Shankukarna, den Herrn der Schar: »Kommt herbei, ihr vornehmsten Schlangenwesen, die ihr im Westen weilt …
11.59 … ihr Beißenden von mächtigem Gift! Nehmt diese bereitgestellte Verehrung entgegen und schützt uns, erfreut und gesättigt, ihr Gefolgsleute Shankukarnas!
11.60 Kommt freudig zu diesem Fest. Euch sei Verehrung!« Nach dieser Anrufung verehre man sie wie zuvor. Anschließend begebe man sich nach Nordwesten, der Richtung Vayus:
11.61 »Es mögen die Gandharva-Scharen kommen, die in der Richtung des Windes weilen, schön anzusehen und von gewaltiger Schnelligkeit! Diese bereitgestellte Verehrung …
11.62 … nehmt entgegen und schützt uns, erfreut und gesättigt, ihr Gefolgsleute Sarvanetras! Kommt freudig zu diesem Fest. Euch sei Verehrung!«
11.63 Mit dieser Anrufung rufe man Sarvanetra samt seiner Schar herbei und erfreue ihn. Dann gehe man nach Norden, der Richtung Somas, und [rufe] Sumukha, den Führer der Schar:
11.64 »Kommt herbei, Yaksha-Scharen, die ihr im Norden weilt, ihr von ungewöhnlicher Gestalt mit Stäben in den Händen! Diese bereitgestellte Verehrung …
11.65 … nehmt entgegen und schützt uns, erfreut und gesättigt, ihr Gefolgsleute Sumukhas! Kommt freudig zu diesem Fest. Euch sei Verehrung!«
11.66 Mit diesem Mantra rufe man sie herbei und erfreue sie wie zuvor. Dann gehe man nach Nordosten, der Richtung Ishas, und [rufe] Supratishthita, den Herrn der Schar:
11.67 »Es mögen die Pishacha-Scharen kommen, die in Ishas Richtung weilen und Speerwaffen in den Händen tragen! Diese bereitgestellte Verehrung …
11.68 … nehmt entgegen und schützt uns, erfreut und gesättigt, ihr Gefolgsleute Supratishthas! Kommt freudig zu diesem Fest. Euch sei Verehrung!«
11.69 Nachdem man sie mit dem Mantra herbeigerufen und verehrt hat, begebe man sich in die Dorfmitte. Dort rufe man nach oben hin Prishnigarbha, den Herrn der Schar, herbei:
11.70 »Kommt herbei, Scharen der Siddhas, die ihr im Himmel weilt, rein und von reiner Gesinnung! Diese bereitgestellte Verehrung …
11.71 … nehmt entgegen und schützt uns, erfreut und gesättigt, ihr Gefolgsleute Prishnigarbhas! Kommt freudig zu diesem Fest. Euch sei Verehrung!«
11.72 Nach der Anrufung und erfreuenden Verehrung [rufe man] nach unten hin Manava: »Kommt herbei, Scharen der unteren Region, die ihr auf der Erde weilt …
11.73 … ihr Vielgestaltigen und Vielwissenden! Nehmt diese bereitgestellte Verehrung entgegen und schützt uns, erfreut und gesättigt, ihr Gefolgsleute Manavas!
11.74 Kommt freudig zu diesem Fest. Euch sei Verehrung!« Nach dieser Anrufung erfreue man sie wie zuvor und bringe die Handlungen der Reihe nach zum Abschluss.
Zur Bildwelt: Die Einladung umfasst auch furchterregende Wesen. Der Text beschreibt seine religiöse Kosmologie; eine psychologische Auslegung wäre eine zusätzliche Deutung.
Rhythmen, Gesänge und Tanz
11.75 Den Rest der Bali-Gabe streue man zur Sättigung aller Wesen aus. Bei den Bali-Gaben vom Osten bis zur Richtung Vaivasvatas, dem Süden, …
11.76 … stehe der Acharya nach Osten gewandt und vollziehe die Anrufung und die weiteren Handlungen. Bei den drei Richtungen von Südwesten an führe er die zuvor beschriebenen Handlungen nach Norden gewandt aus.
11.77 In den beiden Richtungen Somas und Ishas, also Norden und Nordosten, sowie in der Dorfmitte sei er nach Osten gewandt. Die Rhythmen heißen Sama-Tala, Baddha-Tala und Shringini …
11.78 … Malla-Tala, Mangala, Jaya-Tala, Bhadraka, der als Dhakkari bezeichnete Tala und Brahma-Tala …
11.79 … sowie Ananta-Tala. Diese zehn Rhythmen werden den zehn Scharenführern, angefangen mit Kumuda, in dieser Reihenfolge zugeordnet.
11.80 Die zugeordneten Töne sind Shadja, Rishabha, Gandhara, Madhyama, Panchama, Dhaivata, Nishada, nochmals Dhaivata, Madhyama …
11.81 … und Panchama: Diese zehn Tonzuordnungen gelten in derselben Reihenfolge. Als Ragas werden Gandhara, Kaula, Kaushika und Natabhashika genannt …
11.82 … Shri, Kamada, Tatkeshi, Daksha, der Chalapani genannte Raga, Megha und Panchama.
11.83 Diese werden als die »zehn Ragas« für Kumuda und die weiteren Scharenführer bezeichnet. Die Tänze heißen Vilasa, Sarvatobhadra, Khetaka, Chakramandala …
11.84 … Kantarakuttima, Prishthakuttima, Katibandhana und der Tanz mit erhobenem linken Knie; danach folgen erneut die ersten beiden.
11.85 Diese besonderen Tänze werden Kumuda und den übrigen in ihrer Reihenfolge zugeordnet. So sind für die Gottheiten der Umfassungen die Rhythmen und die weiteren musikalischen Formen überliefert.
11.86 Für alle anderen Gottheiten wird der Bhadra-Tala empfohlen. Für den Herrn der Vögel ist der Garuda-Tala vorgesehen, als Ton Madhyama …
11.87 … als Raga Gauda und als Tanz Vishnukrantaka. Für den Feind der Hindernisse [Vishvaksena] gilt der Jaya-Tala; sein Tanz heißt Svastika.
11.88 Sein Ton wird als Rishabha und sein Raga als Varati bezeichnet. Die Anrufung der Gottheiten vollziehe man nach dem vorangehenden Trommelschlag.
11.89 Beim Übergang zwischen den Himmelsrichtungen lasse man den Garuda-Rhythmus erklingen. Zu dieser Zeit soll der leitende Lehrer selbst mit einem Sanskritlied …
11.90 … auch die weiteren Götterscharen, angeführt vom viergesichtigen Brahma, einladen, ebenso die übrigen Scharen des Herrn, damit sie am Fest dem Gott dienen.
11.91 Auch die anderen Bhaktas, die seinen Füßen dienen, sollen eingeladen werden. Oder, mit Erlaubnis des Gurus, können von Hingabe zum Herrn erfüllte …
11.92 … Brahmanen diese Einladung mit einem heiligen Lied aussprechen. Nachdem man so das Dorf umzogen hat, trete man wieder in den Tempel ein …
11.93 … begebe sich zu Garudas Platz und erfreue den Herrn des Vogelbanners. Dann erfreue man Vishvaksena mit den ihm zugeordneten Rhythmen und weiteren Darbietungen.

Das heilige Feuer und die Opferhalle
11.94 Danach bringe man das Festbild in die Yagashala, die Ritualhalle. Diese soll nach der nun beschriebenen Weise mit allen erforderlichen Merkmalen ausgestattet sein.
11.95 Sie kann in der ersten, zweiten, dritten oder einer weiteren Tempelumfriedung liegen, in der dafür gewählten Himmelsrichtung …
11.96 … nach Osten oder in eine andere gewählte Richtung ausgerichtet, mit einem, vier oder zwei Eingängen.
11.97 Sie kann Wände haben, offen sein oder nur an den Ecken Wände besitzen. Muss die Handlung rasch durchgeführt werden, genügt auch die Gestalt eines einfachen überdachten Pavillons.
11.98 Sie soll einen Rauchabzug und in der Mitte eine erhöhte Opferplattform haben. Darauf befinde sich eine Feuergrube mit vier umlaufenden Stufen …
11.99 … oder mit drei, zwei beziehungsweise einer Stufe. Sie soll quadratisch sein und die vorgeschriebenen Merkmale besitzen.
11.100 Östlich davon liege das Mandala, im Südosten stehen Lampengefäße, im Westen das Gottesbild und im Norden die Keimgefäße.
11.101 Im Nordosten stehe der Kumbha. Die Halle sei mit allen erforderlichen Geräten ausgestattet, mit Baldachinen und weiteren Zierden geschmückt und durch Torbögen und Banner verschönert.
11.102 Der vortreffliche Guru betrete diese Ritualhalle. Im Osten ordne man die Rezitatoren des Rigveda auf ihren Sitzen mit Blick nach Westen an.
11.103 Im Süden sitzen die Rezitatoren des Yajurveda mit Blick nach Norden; im Westen lasse man die Sänger des Samaveda nach Osten gewandt Platz nehmen …
11.104 … zusammen mit den Ekayana-Brahmanen, die durch die Bezeichnungen der göttlichen Gestalten gekennzeichnet sind. Im Norden ordne man sodann die ihren täglichen Pflichten ergebenen …
11.105 … Kenner des Atharvaveda an, alle jeweils zu zweit. Wenn die Vedenrezitation begonnen hat und draußen die Instrumente erklingen, …
11.106 … trete der Lehrer zum Platz der Kalashas. Auf einem geeigneten Sitz daneben, nach Osten gewandt, vergegenwärtige er das Mantra, das wie zuvor als alldurchdringend betrachtet wird.
11.107 Nachdem er ordnungsgemäß Platz genommen hat, vollziehe er die Handlungen bis zur inneren Verehrung, beginnend mit der Reinigung der Hände und der weiteren Körperbereiche. Danach bereite er Arghya und die übrigen Gaben …
11.108 … wie zuvor zu und verehre die Schar der Mantragestalten im eigenen Körper. Er lasse den segensvollen Tag ausrufen und besprenge sämtliche Ritualgeräte.
11.109 Zunächst stelle man jeweils zwei Kalashas aus Gold, Silber, Kupfer oder Ton bereit, mit Deckeln und jungen Zweigen versehen …
11.110 … mit Früchten, Edelsteinen und weiteren Zutaten ausgestattet und mit Faden umwunden. An jedem Eingang stelle man sie zu beiden Seiten auf Reissockel.
11.111 Dann vollziehe man die Verehrung der Eingänge, beginnend im Osten und endend im Norden, mit Arghya, duftenden Salben, Girlanden und Räucherwerk, dem Guggulu-Harz beigemischt ist.
Die Bereitung des großen Kalasha
11.112 Man nehme einen festen, schönen, gleichmäßig geformten und unbeschädigten Kumbha aus Ton, Gold oder Silber …
11.113 … mit Edelsteinen, Gold, Kränzen, Duftstoffen, Früchten und den vorgesehenen Heilkräutern versehen, reich an Zweigen segensvoller Bäume und geschmückt mit Seidenbändern, Girlanden und Düften …
11.114 … neu, mit gefiltertem Wasser gefüllt und zum Ausgießen des Wassers eingerichtet, mit Sandelpaste und weiteren Duftstoffen bestrichen und ringsum mit ungebrochenen Reiskörnern verehrt.
11.115 Mit Fäden umwunden, werde er auf die ausgestreute Unterlage gestellt. Man betrachte ihn als den Leib der Gottheit, von makellosem Glanz.
11.116 Dann weihe man die Vardhani-Kanne mit dem Chakra-Mantra samt Astra. Sie ist mit den zuvor genannten Stoffen versehen und ringsum mit Faden umwunden.
11.117 Nach der Anrufung stelle man sie rechts vom Herrn der Mantras beim vorzüglichen Kalasha auf. Ringsherum ordne man acht weitere Kalashas an …
11.118 … mit jungen Zweigen, Deckeln und Fadenumwicklung versehen. Danach bereite man in der Mitte des Kumbha dem Herrn einen Sitz …
11.119 … und rufe darin den Lotusäugigen nach der Vorschrift herbei. Man vollziehe das Gegenwärtigwerden, das Verweilenlassen und die übrigen Handlungen bis zum Abschluss der Verehrung mit Gaben …
11.120 … alles wie zuvor. Auf seiner rechten Seite meditiere man die Gestalt des Astra und verehre sie nach der Vorschrift …
11.121 … als die Kraft, die bis zum Abschluss der heiligen Handlung das Geflecht der Hindernisse auflöst. In den acht ringsum aufgestellten Kumbhas …
11.122 … verehre man Vasudeva und die weiteren Gestalten in der Reihenfolge des Hervorgehens und Zurückkehrens. Mit zusammengelegten Händen richte man an den Gott samt Astra diese Bitte:
11.123 »Herr des Alls, nimm diese von mir bereitete Stätte der Verehrung an! Allgegenwärtiger, sei auch in diesen Bestandteilen der heiligen Handlung gegenwärtig!«
11.124 Dann führe man einen ununterbrochenen Strom des Astra-Wassers rechtsläufig an der Wand entlang, vom östlichen Bereich bis zurück zu dessen Ausgangsende, und vergegenwärtige dabei das Astra.
11.125 Oder man beginne im Nordosten und gehe bis dorthin zurück, ihr trefflichen Zweimalgeborenen. Den Kalasha führe man hinterher, gleichzeitig oder in einem eigenen Umgang.
11.126 Man stelle den Kalasha mit der Vardhani wieder auf die ausgestreute Unterlage, bringe beiden Arghya dar und ergänze erneut Blumen und die weiteren Gaben.
11.127 Zwei neue, unbenutzte Tücher weihe man unter dem Astra-Mantra, durchdufte sie mit Räucherwerk und hülle beide Gefäße darin ein.
11.128 Oder man stelle einen Bhadra-Sockel auf die ausgestreute Unterlage und setze darauf den Mantra-Kalasha samt Astra auf eine Halterung.
11.129 Ist der Sockel aus vier, drei, zwei oder einem Bhara ungeschältem Reis gefertigt, lege man darauf dieselbe oder die halbe Menge geschälten Reis.
11.130 Darüber verteile man Sesam in einem Viertel dieser Menge oder in gleicher Menge. Darauf breite man zwei schöne, neue Tücher aus.
11.131 Darauf kann man den Kalasha mit der Vardhani stellen. Wie zuvor verehre man den Herrn der Götter samt Astra in der Reihenfolge, die mit dem Sitz beginnt.
11.132 Während man den Herrn im Kumbha vergegenwärtigt, vollziehe man den heiligen Dienst. Weil eine ununterbrochene Ausführung nicht möglich ist, ist diese Vorkehrung vorgesehen.
11.133 Die im Kumbha bestehende Gegenwart soll von den Mantrakundigen vergegenwärtigt werden; das Astra dient ihrem Schutz. Danach begebe sich der Lehrer zur Plattform des Mandalas.
Spirituelle Anregung: Die sorgsame Vorbereitung kann die Achtsamkeit schulen. Die im Ritual gegenwärtig gedachte Gottheit ist dabei mehr als ein Gegenstand: Sie wird als lebendiges Gegenüber verehrt.
Die Gestalt des Mandalas
11.134 Man bestreiche den betreffenden Bodenbereich mit wasservermischtem Kuhdung. Nachdem die Linien mit Messschnüren nach der Vorschrift abgesteckt sind, zeichne man dort das Mandala.
11.135 Hört nun seine genauere Anordnung, ihr vortrefflichen Weisen. Zunächst bestimme man mit einem Stab die Ost-West-Richtung und lege eine Messschnur an.
11.136 Zwischen diesen beiden [Endpunkten] lege man seitlich vier Schnüre an. Man teile gleichmäßig in zwei Hälften und bestimme die Mitte und das Ende deutlich; der genaue geometrische Anschluss ist in dieser Formulierung unsicher.
11.137 Mit der in Ost-West-Richtung liegenden Schnur und dem so gewonnenen halben Maß erzeuge man auf der Süd- und Nordseite die beiden Kreuzungspunkte.
11.138 Eine der Ost-West-Schnur gleich lange Schnur lege man darüber. Indem man in den Richtungen wiederum das halbe Maß abträgt, bestimme man die vier Ecken.
11.139 Durch die vier Kreuzungspunkte mache man die Anordnung deutlich und spanne vier gleich lange Schnüre, um die Ecken des Quadrates festzulegen.
11.140 Man teile das Quadrat an allen vier Seiten in achtzehn gleiche Felder und ziehe darüber das Netz der mit feinem hellem Pulver gefärbten Schnüre.
11.141 In der Mitte bereite man den Lotusbereich aus drei aufeinanderfolgenden Feldreihen. Außen darum bilde eine weitere Feldreihe den Sockel, auf die acht Richtungen bezogen.
11.142 In den vier Hauptrichtungen teile man jeweils vier Felder zu, in den vier Zwischenrichtungen jeweils drei. Eine Feldreihe bilde den Umgang um den Sockel.
11.143 Außerhalb des Umgangs nehme man in den vier Hauptrichtungen die Vierergruppen von Feldern und davon jeweils zwei weiter außen liegende Felder …
11.144 … und bereinige die Linien, ebenso die äußere Vierergruppe, um die Tore zu bilden. Dann bereinige man erneut in den Richtungen nacheinander jeweils ein Feld …
11.145 … samt dem zugehörigen äußeren und inneren Bereich, mit großer Sorgfalt. Auch zwischen den betreffenden Feldern bereinige man jeweils ein Feld; die genaue räumliche Zuordnung bleibt im überlieferten Wortlaut schwierig.
11.146 Nach dieser Bereinigung bilde man zur vollständigen Ausschmückung acht rote Lotusblüten, den Richtungen entsprechend angeordnet, zur Verehrung der Himmelsbewohner.
11.147 Von den außen liegenden Lotusfeldern lasse man jeweils drei [Trennungen] entfallen. Das zwischen den drei liegende Feld fasse man zu einer Einheit zusammen.
11.148 Dies ist als Upashobha, als Nebenverzierung, zu verstehen; man schmücke sie mit einem blauen Lotus. Von den Ecken her lasse man zunächst jeweils fünf Felder in den beiden Wegen zusammengehen.
11.149 Mit den verbleibenden Feldern gestalte man die Ecke. Mit einem Zwischenraum lege man außen drei weitere Schnurlinien an. In die Mitte zeichne man einen Lotus …
11.150 … mit acht Blättern und einem Rad. Seine Merkmale werden nun beschrieben: In der Mitte der sechsunddreißig Felder setze man sorgfältig einen Pflock ein …
11.151 … und ziehe durch Kreisen der Schnur fünf ganz gleichmäßige Kreise. Der innerste Kreis bildet den Platz der Samenkapsel des Lotus.
11.152 Den zweiten Kreisbereich unterteile man mit weiteren Schnurkreisen dreifach. Der erste Teil ist der Bereich der Staubfäden, der zweite der Blätterkranz.
11.153 Den dritten Teil unterteile man nochmals dreifach und bilde die drei Nabenbereiche. In den beiden Kreisbereichen außerhalb der Nabe gestalte man zwölf Speichen.
11.154 Ein äußerer Kreisbereich bilde den Platz der Radfelge. Nach dieser Anlage fülle man das Bild mit reinen, leuchtenden Farben aus.
11.155 Die Samenkapsel soll erhöht beziehungsweise nach oben ausgedehnt, gelb und mit Samen versehen dargestellt sein. Alle Blätter sind von Linien durchzogen und ganz weiß.
11.156 Zu jedem Blatt gestalte man drei rötlich leuchtende Staubfäden. Die Zwischenräume der Blätter seien schwarz, weiß, gelb und rosafarben.
11.157 Die drei Nabenbereiche folgen in ihrer Ordnung; die Speichen sind rot. Der erste Bereich der Felge sei schwarz, ihr äußerster weiß.
11.158 Die Ecken des Sockels seien weiß, seine vier Richtungsbereiche rot. Der Umgang leuchte wie ein blauer Edelstein und werde mit Blattgirlanden und weiteren Verzierungen geschmückt.
11.159 Mit Ausnahme des westlichen Bereichs seien alle Tore wie Lotusblätter gestaltet. Die Shobha-Zierfelder in den Torbereichen sind schwarz.
11.160 Die Upashobha-Nebenfelder entsprechen ihrer halben Gestalt und gleichen im Farbton dem inneren Bereich. Die Ecken sind saffranfarben und mit weißen Muschelhörnern versehen.
Das Mandala als Leib der Wirklichkeit
11.161 Außen gestalte man die Linien der Reihe nach in Rot, Gold und den weiteren Farben. Nach dieser Ausführung betrachte man das Mandala wie einen Leib, als das Selbst von allem.
11.162 Die weißen, gelben und weiteren Farbpulver erkenne als die Bhutas, die Elemente; die Nebenverzierungen als die Tanmatras, die feinen Sinnesqualitäten, und die Hauptverzierungen als die Wahrnehmungs- und Handlungsvermögen.
11.163 Die Ecken samt den Toren entsprechen den Indriyas. Die äußere Umfassung stellt die Dreiheit dar, die mit Sattva beginnt [Sattva, Rajas und Tamas].
11.164 Der weite Umgang ist Manas, der Geist; der Sockel wird als Ichbewusstsein bezeichnet. Der Lotus ist die Erkenntniskraft, Buddhi. Der in ihm wohnende, als Same gegenwärtige Purusha besteht aus reinem Bewusstsein.
11.165 Hier weilt der gestaltlose Ishvara, dessen Wesen Glückseligkeit ist. Schon durch seinen Anblick wird das innere Wesen immer wieder klar und friedvoll.
11.166 [Dies betrifft] die noch Verhafteten und die Nichtverhafteten, jene, die beim Ablegen des Körpers zumeist der Befreiung teilhaftig werden, und jene, denen hier nur noch eine Geburt bleibt …
11.167 … der Gott ist außen und innen bei den Handelnden gegenwärtig, während die Unwissenheit aufgegeben wird. Wie sonst könnte allein sein Anblick solche Freude schenken? Die genaue Verbindung von »Aufgeben der Unwissenheit« und den zuvor genannten Gruppen bleibt sprachlich unsicher.
11.168 Wie die innere unmittelbare Wahrnehmung bezeugt [diese Freude] sein Dasein. Jene Wirklichkeit schenkt überall Vollendung. Die nähere Bestimmung »yathātvalakṣaṇam« ist sprachlich nicht sicher aufzulösen.
11.169 So erfasse man das zuvor geschaffene Mandala als wirkliche Gegenwart. Es heißt »Wohnstatt Abjanabhas«, des Lotusnabeligen, und wird als das bezeichnet, was alles Leiden zum Erlöschen bringt.

Innere Bedeutung im Text: Hier legt die Samhita selbst das äußere Bild aus. Elemente, Sinneskräfte, Geist und Erkenntnis bilden eine Ordnung, in deren Mitte der gestaltlose Herr als Ananda gegenwärtig ist. Für heutige Übende kann dies eine Anregung sein, äußere Konzentrationshilfen mit der Sammlung im Herzen zu verbinden.
Verehrung und Festdisziplin
11.170 Darin bereite man dem Herrn wie zuvor einen Sitz und rufe nach der Vorschrift den Herrn der Götter in dessen Mitte herbei.
11.171 Das Gegenwärtigwerden, das Verweilenlassen und alle weiteren Handlungen bis zur Verehrung mit Gaben vollziehe man wie zuvor, mit den schon beschriebenen Darbringungen, beginnend beim Sitz.
11.172 Der Guru verehre den Herrn der Götter im Mandala bis zum abschließenden Japa-Opfer. Bei der Mandala- und Kumbha-Verehrung vollziehe man das rituelle Bad in Form der Besprengung.
11.173 Dann begebe man sich mit den Hütern der Gottesbilder vor die Murti und verehre dort den Gott mit großem Aufwand.
11.174 Der vortreffliche Lehrer gehe zur Feuergrube und bereite diese und das darin befindliche Feuer rituell nach der Vorschrift vor.
11.175 Im Feuer bringe er dem Herrn die sättigenden Opfergaben nach der beschriebenen Ordnung dar: mit Brennhölzern und den regelmäßig vorgeschriebenen sowie den wunschbezogenen Gaben, in ihrer Reihenfolge.
11.176 Die Purnahuti und die übrigen Handlungen vollziehe man wie zuvor. Die Begrenzungshölzer und das Darbha-Gras entferne man nicht; die Gottheiten verabschiede man anschließend.
11.177 Das Feuer halte man täglich bis zum Abschluss des Festbadetages aufrecht. An jedem Tag und in jeder Nacht opfere man nach der beschriebenen Weise.
11.178 Danach gehe man vor das Gottesbild, bringe die Feuerverehrung dar und vollziehe alle weiteren Handlungen in ihrer Reihenfolge bis zur Verteilung der Gaben.
11.179 Wenn die Mittel vorhanden sind, verehre man den Herrn nochmals ausführlich. Anschließend bringe man die Bali-Gaben an den Toren der vier Richtungen nach der Vorschrift dar.
11.180 Dann führe man den Gott aus der Ritualhalle wieder ins Innere. Nach seiner Verehrung lasse man den verbleibenden Teil der Nacht verstreichen.
11.181 Vom Tag der Keimaussaat bis zum Abschluss der Blumenopferfeier halte der leitende Lehrer während der zwölf Tage ein Vrata, eine besondere rituelle Selbstverpflichtung, ein.
11.182 Nach dem Baden, der Verehrung und den weiteren Handlungen trinke er das Wasser von den Füßen des Gottes, mit Kusha-Wasser vermischt, und wiederhole das achtsilbige Mantra.
11.183 Er nehme zuvor von der dargebrachten Speise und halte die Vorschrift ein, nur nachts zu essen. Die zwölf Namen wiederhole er der Reihe nach und vergegenwärtige dabei das jeweils Bezeichnete.
Die tägliche Fortführung
11.184 Am zweiten Tag vollziehe der Lehrer, der die Mantras vorzüglich kennt, zusammen mit den Hütern der Gottesbilder das Baden und die übrigen täglichen Pflichten.
11.185 Nach der täglichen Archana verehre er den Herrn in besonderer Weise. Der Guru betrete die Ritualhalle nach der zuvor beschriebenen Vorschrift …
11.186 … und vollziehe die Handlungen bis zur Verehrung der Eingänge. Dann trete er zum Kumbha und verehre den Gott darin und im Mandala nach der Vorschrift.
11.187 In demselben Kumbha und Mandala, in denen zuvor die Archana vollzogen wurde, führe man auch am folgenden Tag die Verehrung aus.
11.188 Denn bei diesen beiden entsteht kein ritueller Mangel durch das Stehenbleiben über Nacht, ihr großen Weisen. An einem früher benutzten, ascheartigen Bodenplatz wäre die Verehrung dagegen ohne Frucht; die genaue Bedeutung dieses zweiten Halbsatzes ist unsicher.
11.189 Nachdem man [die Gegenwart] mit der im Kumbha verbunden hat, stelle man das Mandala mit reinen weißen und weiteren Farben wieder her. Danach verehre man [den Herrn] im Kumbha.
11.190 Dann verehre man den Herrn der Götter ordnungsgemäß im Mandala. Ebenso verfahre man, wenn am Kumbha ein Mangel aufgetreten ist, ihr vortrefflichen Weisen:
11.191 Man reinige den Kumbha und fülle ihn erneut mit reinem Wasser. Der Guru verbinde die darin gegenwärtige Gottheit mit dem Mandala.
11.192 Nach der Ausschmückung wie zuvor verehre man den Herrn dort. Dann gehe man ins Gotteshaus und [verehre] den lotusäugigen Acyuta …
Speisegaben und festliche Vorbereitung
11.193 … den höchsten Purusha, nachdem man sich mit acht Körpergliedern verneigt hat, mit Arghya, Salben, Girlanden, Räucherwerk, Farbschmuck und den weiteren Gaben.
11.194 Alles von den während der Puja dargebrachten Gaben, was dafür geeignet ist, nehme man entgegen, beginnend mit den Blumen, und ehre es durch Berührung mit dem Kopf.
11.195 Man bringe es Vishvaksena dar. Mit Wasser, das durch das Herz-Mantra geweiht wurde, reinige man das Gottesbild samt seinem Sockel.
11.196 Nach der Reinigung des Tempels verehre man den Gott der Götter mit rituellen Bädern, beginnend mit Milch oder mit der Dhatri-Frucht [Amalaki], …
11.197 … in der gelehrten Reihenfolge und mit weiteren natürlichen Gaben. Diese besondere Festverehrung vollziehe man bis zum abschließenden rechtsläufigen Umkreisen und Verneigen.
11.198 Danach gehe man in die Ritualhalle und erfreue den Herrn durch Opfergaben im Feuer nach der zuvor beschriebenen Ordnung. Auf dem rituell vorbereiteten Feuer …
11.199 … koche man auf einer Feuerstelle unter dem Herz-Mantra den Charu aus Milch, Ghee und Reis. Man nehme ihn vom Feuer, reinige ihn mit Ghee und bringe ihn ordnungsgemäß dar.
11.200 [Man verteile ihn] auf Kalasha, Bodenplatz und Gottesbild; einen Teil opfere man im Feuer. Oder man bereite den Charu bereits vor Beginn der Verehrung zu …
11.201 … verehre nacheinander [den Herrn in] Kalasha, Bodenplatz und Gottesbild und führe die Handlungen bis zur Gabe an die Zweimalgeborenen aus. Danach vollziehe man die sättigende Feuerdarbringung.
11.202 Nach der Purnahuti bringe man auch die Bali-Gaben an den Eingängen dar. Man gehe vor das Gottesbild und bringe ihm die vollzogene Feuerverehrung dar.
11.203 Dann nehme man das Bali-Bild, setze es auf ein Traggestell und schmücke es besonders sorgfältig mit Gewändern, Schmuckstücken und Girlanden.
11.204 Brahmanen sollen das Traggestell tragen und dabei über Garuda, den Herrn der Vögel, meditieren. Von der ersten Tempelumfriedung bis zum abschließenden Straßenbereich …
11.205 … führe man den Herrn der Götter rechtsläufig umher, begleitet von vorangehenden Bali-Gaben. Danach verfahre man ebenso im Dorf.
11.206 In den Haupt- und Zwischenrichtungen des Dorfes, beginnend mit Indras Richtung, dem Osten, sowie in seiner Mitte bringe man Kumuda und den weiteren Führern mitsamt ihren Scharen der Reihe nach …
11.207 … Bali-Gaben auf den bereits hergerichteten Sockeln dar; oder auf einem Bodenplatz, der mit Kuhdung und den weiteren vorgesehenen Stoffen bestrichen wurde, entsprechend der gewählten Form.
11.208 Für die zehn Scharenführer, angefangen mit Kumuda, ihr trefflichen Zweimalgeborenen, verwende man jeweils ihre eigenen Namen, denen der Pranava vorausgeht und auf die »namas« folgt.
11.209 Man reiche der Reihe nach Arghya, Duftstoffe, Girlanden, Räucherwerk und das als Gandambu bezeichnete Wasser, dann die Bali-Gabe, erneut Wasser und Betel.
11.210 Tänze, Gesänge und alle weiteren Darbietungen ordne man wie zuvor an. Nach dieser Bali-Verehrung im Dorf trete der Guru vor das Bali-Bild …
Die Gaben für die Begleiter
11.211 … und streue in der Dorfmitte den Rest der Bali-Gabe für alle nicht eigens genannten Wesen aus, ihr großen Weisen, mit den Worten: »namaḥ pāriṣadebhyaḥ« – »Verehrung den Angehörigen des Gefolges!«
11.212 Dann bringe man das Bali-Bild wieder hinein, verehre es zur Linderung der Ermüdung und stelle es an seinen eigenen Platz.
11.213 So bringe man bis zum Abschluss des Festbadetages zweimal täglich Bali dar. Am Eröffnungstag nachts und am Abschlusstag tagsüber …
11.214 … werde jeweils nur eine Bali-Gabe dargebracht, an den dazwischenliegenden Tagen zweimal. Auf diese Weise soll der täglichen Puja tagsüber und nachts …
11.215 … die besondere Verehrung bis zum Abschluss mit Bali folgen. Das Besteigen des Vahana, des Trägers, kann nachts oder tagsüber stattfinden, nach der gewählten Festordnung.
11.216 Der Lehrer vollziehe es nach den Bali-Gaben. Die Vorschrift wird nun dargelegt: Den Gott im Prozessionsbild, mit den beiden Göttinnen oder ohne sie, …
11.217 … schmücke man besonders sorgfältig mit bunten Gewändern, mannigfaltigem Schmuck und vielerlei Girlanden.
11.218 Ein besonders geschmücktes Traggestell aus Gold oder einem anderen geeigneten Material bringe man herbei, besprenge es und meditiere es als Gestalt Garudas.
11.219 Mit seinem Mantra verehre man das Traggestell durch Arghya und die weiteren Gaben. Dann lasse man den segensvollen Tag ausrufen, begleitet von der Rezitation der Shruti.
11.220 Unter Muschelhorn- und Trompetenklängen setze man den Herrn im Prozessionsbild in rechtsläufiger Bewegung auf das Traggestell.
11.221 Man sichere ihn besonders sorgfältig und schmücke den Herrn der Welt. Nach der Verehrung mit Arghya und den weiteren Gaben reiche man Betel und die übrigen Darbringungen.
Der gemeinsame Festzug
11.222 Brahmanen sollen das Traggestell tragen und dabei über den Herrn der Vögel meditieren. Oder Vaishnavas aus der Gruppe der Shudras, erfüllt von Bhakti, mögen es tragen.
11.223 Im Dorf, in der Stadt oder in einer Handelsstadt, ihr großen Weisen, führe man den Umzug rechtsläufig durch.
11.224 Brahmanen mit Jacken und Turbanen tragen Perlenschirme und schöne Pfauenfederschirme …
11.225 … Palmblattfächer mit goldenen Griffen, entsprechende Fächer aus verschiedener Seide sowie weiße und dunkle Chamaras, die Ehrenwedel.
11.226 Verschiedene mit Siegesbannern geschmückte Stangen, reine Schmuckstäbe mit Edelsteinen und weitere segensvolle Ehrenzeichen begleiten den Zug.
11.227 Verschiedene Gruppen von Barden ziehen mit; Vina und Flöten, goldene Muschelhörner und weitere segensvolle Klänge ertönen.
11.228 Ganika-Künstlerinnen, Devadasis und die Stadtbewohner begleiten den Zug, ebenso Brahmanen mit Rohrstäben in den Händen, geschmückt mit Jacken und Turbanen.
11.229 An den Seiten werden sorgfältig gereinigte Räuchergefäße getragen; viele Hunderte heller Lampen erleuchten den Zug.
11.230 Die mit Edelsteinen besetzten Padukas lege man in eine Schale aus Gold oder einem anderen geeigneten Material. Diener tragen sie vor dem Gott her.
11.231 Hinter ihm gehen Brahmanen, die Rig-, Yajur- und Samaveda rezitieren. Auf der rechten Seite [erklingen] die Ekayani-Shruti …
11.232 … und die Samhitas, angefangen mit der Sattvata Samhita, vorgetragen von Menschen voller Hingabe, die beständig die Herrlichkeit Vasudevas verkünden …
11.233 … von sattvigen Anhängern des Pancharatra, die ganz der Verehrung Vasudevas ergeben sind. Auf der linken Seite [werden] Puranas mitsamt den Itihasas sowie Lobgesänge …
11.234 … in verschiedenen Sprachen vorgetragen, welche Vishnus höchste Stellung verkünden. Es rezitieren hingebungsvolle Brahmanen, die über den Sinn des Vedanta nachdenken.
11.235 Auch Sprachgelehrte, Logiker, Kenner günstiger Zeitpunkte und weitere Gelehrte gehen mit; bescheiden erläutern sie die Gegenstände ihrer jeweiligen Lehrgebiete.
11.236 Vor dem Gott werden die vorzügliche dravidische Shruti sowie Dichtungen in der Volkssprache, in Prosa und Versen, gesungen.
11.237 Treffliche Vaishnavas tragen voller Hingabe auch die Vishnu gewidmete Überlieferung vor: Brahmanen, Kshatriyas, Vaishyas und Shudras, die ganz auf den Herrn ausgerichtet sind …
Beziehung zur Sattvata Samhita: Der Text nennt hier ausdrücklich die Sattvata Samhita und verbindet das Fest mit Rezitation, Gesang und der Teilnahme verschiedener gesellschaftlicher Gruppen. Seine sonstigen historischen Zugangsregeln werden dadurch nicht aufgehoben.
Die festlichen Träger und Fahrten
11.238 … deren Herzen nach dem Darshan des Herrn verlangen und die sich ehrfürchtig verneigen. Ringsum begleitet ein Heer mit seinen vier Truppengattungen den Zug …
11.239 … zusammen mit königlichen Ehrenzeichen und mancherlei weiterem Gefolge. So führe man den Gott rechtsläufig durch die Straßen des Dorfes oder des jeweiligen Ortes.
11.240 Während der Prozession reiche man dem Gott der Götter immer wieder voller Hingabe wohlriechende Mundgaben und Betel.
11.241 Zur Linderung der Ermüdung bringe man ihm Sandelpaste dar, mit Kampfer und weiteren Düften verfeinert, sowie verschiedene Girlanden.
11.242 Man reiche kühles erfrischendes Wasser mit Kokoswasser und weitere Gaben zur Linderung der Ermüdung.
11.243 In den acht Richtungen des Dorfes oder Ortes und besonders in seiner Mitte erfreue man [den Herrn] mit verschiedenen Liedern und Tänzen, begleitet von Saiteninstrumenten …
11.244 … Muschelhörnern, Bheri- und Mridanga-Trommeln und den weiteren Instrumenten. Nach diesem Umzug bringe man den Gott in eine äußere Halle.
11.245 Den Herrn der Welten setze man auf einen goldenen Sitz. Man reiche Arghya, Wasser für die Füße und zum rituellen Mundspülen, Duftstoffe, Girlanden und eine Lampe …
11.246 … ferner Räucherwerk und das Lichtschwenken, Nirajana, nach der Vorschrift. Danach bringe man klares Ehrenwasser, Opferkuchen und Reisflocken dar …
11.247 … eine erfrischende Trankgabe aus Kokoswasser, Wasser zum Mundspülen und Betel mit wohlriechenden Mundgaben, in der vorgesehenen Reihenfolge.
11.248 Nach ihrer Darbringung zeige man dem Gott der Götter die weiteren ehrenden Darbietungen. Bei jeder Puja sollen das Anlegen von Schmuck, Girlanden und Gewändern …
11.249 … und ihr Ablegen, ebenso die Verehrung durch Speisen, den Blicken anderer entzogen geschehen.
11.250 Dazu spanne man einen Vorhang um den Gott. Danach führe man ihn aus dieser Halle wieder in das Tempelinnere.
11.251 Vor dem großen Opfersockel verehre man den Gott mit Arghya und den weiteren Gaben. Man bringe Opferkuchen, andere Gaben und Betel dar.
11.252 Danach lasse man vor dem Gott die vier Veden rezitieren und durch treffliche Vaishnavas auch einen dravidischen Lobgesang vortragen.
11.253 Unter Muschelhorn- und Trommelklängen, begleitet von Tanz und Gesang, führe man den Herrn der Götter rechtsläufig um den Tempel.
11.254 Dann bringe man ihn langsam, Schritt für Schritt, über die Treppe hinein. Dabei reiche man dem Gott der Götter Betel und die weiteren Gaben.
11.255 Zur Linderung der Ermüdung fächle man ihm mit Ehrenwedeln, Palmblattfächern und den weiteren Geräten Luft zu. Man preise ihn mit Sanskrit- oder dravidischen Lobgesängen.
11.256 Treffliche Vaishnavas singen dravidische Lobgesänge, begleitet von Vina, Flöten, Mridangas und segensvollen rhythmischen Klängen.
11.257 Bei jedem Schritt erklingen die Segenslieder der Ganika-Künstlerinnen und die laut vorgetragenen Lobpreisungen der Barden.
11.258 Mit mannigfaltigen Ehrungen führe man den Gott ins Innere. Am Eingang des Heiligtums bringe man dem Gott der Götter voller Hingabe …
11.259 … Arghya, Wasser für die Füße und zum Mundspülen, Duftstoffe, Girlanden und Räucherwerk dar. Danach stelle man den Herrn der Götter an seinen eigenen Platz.
11.260 So vollziehe man an jedem Tag das Besteigen des jeweiligen Vahana: am ersten Tag eine Sänfte, am zweiten den Sitz auf Shesha.
11.261 Am dritten Tag dient die Mondscheibe als Trägerbild; findet der Umzug tagsüber statt, die Sonnenscheibe. Am vierten Tag folgt ein Träger in Gestalt eines Blumenpavillons.
11.262 Am fünften Tag besteigt der Gott Garuda. Am sechsten Tag, nachts oder tagsüber, …
11.263 … vollziehe man die Verehrung bis zu den Bali-Gaben und setze den Gott in der Versammlungshalle auf einen Ehrensitz. Vor ihm, auf gereinigtem …
11.264 … Boden, stelle man das Gefäß mit dem heiligen Pulver auf einen Getreidesockel. Man besprenge es mit Segenswasser und verehre darin Shri.
11.265 Man bedecke es mit einer Darbha-Umhüllung und setze zu seinem Schutz das Chakra ein. Dann verehre man den Gott mit den Gaben von Arghya bis zur Speisedarbringung …
11.266 … und nehme Kurkumapulver. Während der Lehrer das Shri Sukta spricht, übergieße beziehungsweise bestreue er den Gott rituell mit dem Pulver.
11.267 In einem Bereich der Halle bereite man einen Sockel aus ungeschältem und geschältem Reis und stelle darauf eine goldene oder silberne Badewanne …
Der Festwagen
11.268 … oder, je nach Verfügbarkeit, eine aus Kupfer. Sie sei vier, drei oder zwei Kara lang, oben halb so breit und am Boden ein Viertel dieser Länge breit.
11.269 Ihre Gestalt sei länglich-rund, im unteren Bereich mit einem Abfluss versehen; oder sie gleiche einer Unmatta-Blüte [Dhattura].
11.270 Sie soll zu den Maßen des Gottesbildes passen und alle erforderlichen Merkmale besitzen. Nach ihrer Aufstellung fülle man sie mit gefiltertem Wasser …
11.271 … mit zerriebenem Kumkuma, Sandel und Kampferpulver versetzt und durch Blumen wohlriechend gemacht.
11.272 Man bringe den Gott daneben und verehre ihn mit Arghya und den weiteren Gaben. Unter den Klängen von Bheri, Pataha, weiteren Instrumenten und Muschelhörnern …
11.273 … sowie Lobgesängen, Segensrufen und Vedenrezitation tauche man den Herrn unter dem Purusha Sukta rituell ins Wasser.
11.274 Danach setze man den Gott mit dem vom Bad noch feuchten Gewand auf sein Traggestell und bestreiche ihn von den Füßen bis zum Kopf mit Kumkuma.
11.275 Man führe ihn durch den Vorhof und die Straße, zur Freude des Mitfühlenden und zur Heiligung aller Menschen.
11.276 Allen, die zu dieser Zeit den Herrn der Götter voller Hingabe schauen, ihr Zweimalgeborenen, verheißt der Text: Ihre Verfehlungen werden abgewaschen, und sie bleiben von Bedrängnis frei.
11.277 Dann setze man den Gott in der Halle auf seinen Sitz. Der Acharya selbst nehme das Badegewand und die übrigen hierfür verwendeten Dinge entgegen.
11.278 Man schmücke den Gott und vollziehe das Elefantenfest nach der rechten Ordnung. Am siebten Tag, nach der Verehrung bis zu den Bali-Gaben, …
11.279 … [bereite man] einen bereits geweihten Festwagen mit allen erforderlichen Merkmalen vor: mit perlenbesetzten Überdachungen und goldenen Blütenbüscheln …
11.280 … mit vielfältigen Blumengirlanden, verbunden mit Perlenschnüren, einem goldenen Baldachin und besonders einem Strahlenbogen.
11.281 In seiner Mitte befinde sich ein goldener Ehrensitz. Ringsum schmücke man ihn mit verschiedenen schönen Bannern und Wimpeln …
11.282 … außerdem mit dem Garuda-Banner und goldenen Kumbha-Aufsätzen an den Spitzen. Diesen so geschmückten Festwagen …
11.283 … besprenge man mit Panchagavya und Segenswasser. Die vom Fuß bis zur Spitze im Wagen gegenwärtigen Gottheiten verehre man.
11.284 Zuerst verehre man an den unteren Rädern, beginnend im Südosten und endend im Nordosten, der Reihe nach Satya, Suparna, Garuda und Tarkshya …
11.285 … mit ihren jeweiligen Mantras; an den weiteren Stellen den Herrn der Vögel. An den beiden Radachsen verehre man Maya, an den Rädern Mond und Sonne.
Die Gottheiten des Wagens
11.286 An der Grundlage verehre man Ananta; an den beiden als Bhara bezeichneten Tragstangen Vishnu in seiner Vishvarupa-Gestalt und Shaktisha, die beiden mächtigen Gestalten.
11.287 Am umlaufenden Gefüge der Leisten verehre man Keshava und die folgenden Gestalten in ihrer Reihenfolge; an den tragenden Gliedern und ihren Aufnahmen die mit Dharma beginnende Achtzahl.
11.288 Zwischen den tragenden Gliedern ordne man die Waffen, angefangen mit dem Chakra, an. Auf der Spitze des wagenförmigen Heiligtums, am Stupika-Aufsatz, [verehre man] stets Hari.
11.289 In den turm- und hallenartigen Aufbauten verehre man die zuvor genannten Gestalten, angefangen mit Vasudeva. Ekabhanga und die weiteren [Begleiter] ordne man ringsum auf der Plattform an.
11.290 Die zehn Scharenführer, angefangen mit Kumuda, verehre man ringsum am Halsbereich des Aufbaus. Auf der Spitze verehre man danach Ananta und die folgenden Gestalten in ihrer Reihenfolge.
11.291 Über ihnen allen verehre man den unwandelbaren Padmanabha, ihr Brahmanen. Diese Gestalten verehre man nacheinander mit Arghya, Girlanden, Duftstoffen und Räucherwerk.
11.292 In den Richtungen verehre man je zwei der Begleiter von Chanda bis Subhadra, ferner die mit Kumuda beginnenden Scharenführer und die Lokapalas, in ihrer Reihenfolge.
11.293 Nach ihrer Verehrung an den jeweiligen Plätzen meditiere man den Wagen als Garudas Gestalt und verehre ihn mit den Gaben von Arghya bis zur Speisedarbringung.
11.294 Der Guru bringe rings um den Wagen Chanda und den weiteren Begleitern Bali-Gaben dar. Danach begebe sich der Lehrer mit den Hütern der Gottesbilder ins Gotteshaus.
11.295 Man setze den Herrn der Götter, begleitet von Shri und Pushti, auf ein Traggestell, bringe ihn in die Versammlungshalle und lasse ihn dort auf einem Sitz Platz nehmen.
11.296 Man verehre den Gott mit Arghya und vielfältigen weiteren Ehrungen. Damit die Prozession ohne Hindernisse gelinge, [gebe man] verschiedene Samen …
11.297 … Früchte, Gold und Reis mit Dickmilch in Gegenwart des Gottes an die Brahmanen. Diese Gaben reiche der vortreffliche Lehrer.
11.298 Zu einer günstigen Stunde und unter einem günstigen Aszendenten, wie vom Astrologen bestimmt, verehre man den Gott sorgfältig für das Besteigen des Wagens.
11.299 Nach der Darbringung der Padukas setze man ihn wie zuvor auf das Traggestell. Vedenrezitation, Glocken und segensvolle Klänge begleiten ihn …
Ergänzendes Video zur Vishnu-Verehrung; kein Bestandteil des Sanskrittextes.
Der Verlauf der Festtage
11.300 … ebenso »Jaya, Jaya!«-Rufe, Trompeten, Muschelhörner, Bheri- und Pataha-Trommeln, weitere Instrumente, Tanz und Gesang.
11.301 Mit Ehrenschirmen, Wedeln und den weiteren Prozessionsgeräten [ziehe man] von der ersten Tempelumfriedung bis zum abschließenden Straßenbereich …
11.302 … rechtsläufig umher wie zuvor. Nachdem man den Festwagen rechtsläufig umkreist hat, lasse man zur günstigen Stunde und unter günstigem Aszendenten …
11.303 … den Gott durch Brahmanen mit größter Sorgfalt auf den Wagen heben. Auf dessen oberer Plattform setze man ihn auf den dafür bestimmten Sitz.
11.304 Für die Fahrt reiche man dem Gott der Götter Arghya, Fußwasser, Wasser zum Mundspülen, Duftstoffe, Girlanden, eine Lampe und Räucherwerk …
11.305 … ferner Ehrenwasser, Madhuparka, verschiedene Speisen wie Reisflocken, ein süßes Getränk, eine sättigende Trankgabe und Wasser zum Mundspülen.
11.306 Danach bringe man Betel mit wohlriechenden Mundgaben dar. Den Frauen, die sich einen Sohn wünschen, und jenen, die Gesundheit ersehnen, …
11.307 … reiche man in Gegenwart des Gottes die dargebrachte Speise, zu Bissen geformt. Der Acharya und der Sadhaka stehen auf der oberen Wagenplattform.
11.308 Auf der darunterliegenden Ebene, im Westen, stelle man die Schirmträger auf; zu beiden Seiten stehen die zwei Träger der Pfauenfederschirme.
11.309 An der Süd- und Nordseite stehen die beiden Träger der Ehrenwedel. Der Wagenlenker wird auf seiner Ebene vorn in der Mitte aufgestellt.
11.310 Dann führe man den Festwagen rechtsläufig durch alle Straßen des Dorfes, der Stadt oder der Handelsstadt.
11.311 Danach hebe man den Herrn der Götter äußerst sorgfältig vom Wagen, setze ihn auf ein anderes Traggestell und bringe ihn an seinen eigenen Platz zurück.
11.312 Am achten Tag, in der zugehörigen Nacht, vollziehe man zuerst das Schaukelfest, danach das Besteigen des Pferdes und lasse die Jagdszene darstellen.
11.313 Auch das göttliche Spiel der Rettung eines Bhakta und die Reinigung der Stadt zur Brahma-Zeit werden vollzogen. Zwischen dem Gott und den Göttinnen finde ein liebevoller Streit statt.
11.314 Man besänftige beide Seiten mit den Worten: »Es möge verziehen sein!« Am neunten Tag vollziehe man das abschließende Festbad, Avabhrita, und in der folgenden Nacht das Sänftenfest.
11.315 Damit ist die Reihenfolge des Besteigens der verschiedenen Träger dargelegt. Mit jeweils neuen Schmuckstücken, Girlanden und Gewändern …
11.316 … mit neuen Garten- und Prozessionsgestaltungen und weiteren Besonderheiten soll man bis zum Festbadetag immer wieder freudiges Staunen wecken.
Spirituelle Anregung: Die wechselnden Gewänder, Blumen und Festgestaltungen sollen Freude und Staunen wecken. Schönheit wird hier zu einer Ausdrucksform der Hingabe.
Das abschließende Festbad
11.317 Nun wird die Ordnung des abschließenden Festbades erklärt, ihr Zweimalgeborenen. Der Acharya betrete mit den Hütern der Gottesbilder das Haus des Herrn …
11.318 … verehre den Gott nach der Vorschrift und vollziehe alle Handlungen bis zu den Bali-Gaben. Zusammen mit dem Stifter der Feier und den Sadhakas …
11.319 … trete der Acharya ins Heiligtum und verneige sich ausgestreckt vor den Füßen der feststehenden Murti. Dann bringe man das für das Festbad bestimmte Bild herbei.
11.320 Ist dieses nicht vorhanden, nehme man das Bild für die tägliche rituelle Waschung. Fehlt auch dieses, kann das Bali-Bild verwendet werden, ihr vortrefflichen Weisen.
11.321 Man stelle es vor die feststehende Murti, rufe [den Herrn] hinein und verehre ihn. Unter Instrumental- und Glockenklängen hebe man das Festbadebild hoch …
11.322 … bringe es nach der Vorschrift in die Nähe des Fahnensockels und setze es dort in der gereinigten und geschmückten Halle auf den Badesitz …
11.323 … der feststehenden Murti zugewandt. Vor dem Badebild richte man die als Adhamadhama bezeichnete einfachste Form der rituellen Waschung ein.
11.324 Davor bereite man einen erhöhten Bodenplatz und stelle darauf einen Mörser. Auf dem Mörser ordne man in den vier Richtungen die Stößel an.
11.325 Mörser und Stößel binde man mit Durva-Halmen zusammen und umhülle sie mit neuem Stoff. In den Mörser gebe man das Pulver …
11.326 … goldfarben beziehungsweise aus Gold, mit Kurkumapulver und Duftstoffen vermischt. Vier Vaishnava-Brahmanen oder Vaishnava-Frauen …
11.327 … lasse man es zerstampfen, während Segenslieder erklingen. Östlich oder nördlich des bereitgestellten Badeaufbaus …
11.328 … bilde man einen Reissockel, stelle darauf einen mit Faden umwundenen Kumbha, fülle das Pulver hinein und umhülle ihn mit einem Tuch.
11.329 Oder man nehme fünf oder neun mit dem Pulver gefüllte Kalashas. Man verehre sie mit dem Wurzelmantra und vollziehe dann die rituelle Waschung des Herrn.
11.330 Man salbe den Herrn der Götter mit Öl, hebe ihn wie zuvor hoch und bade ihn nach der Vorschrift der Reihe nach mit den Kalashas, angefangen mit dem für das Fußwasser bestimmten.
11.331 Nach der Verehrung mit Arghya und den weiteren Gaben nehme man den mit Goldpulver und den anderen Stoffen gefüllten Kumbha und vollziehe mit diesem Pulver unter dem Shri Sukta die rituelle Übergießung.
11.332 Dann vollziehe man das Bad mit der tausendfachen Brause, reinige [das Bild] mit Wasser und kleide es in ein neues Unter- und Obergewand.
11.333 Man schmücke es besonders sorgfältig, verehre es nach der Vorschrift und bringe Reis mit Mungbohnen, Milchreis und die weiteren Speisen dar.
11.334 Das geschmückte Festbadebild setze man in eine Sänfte oder auf einen anderen Träger. Ebenso [bereite man] das Festbild, begleitet von Shri und Pushti, …
11.335 … schmücke es besonders und setze es in eine Sänfte. Das Festbadebild gehe voraus; der Herr im Prozessionsbild …
11.336 … folge mit Ehrenschirmen, Wedeln, Muschelhörnern und allen weiteren Festgeräten im rechtsläufigen Umzug durch sämtliche Tempelumfriedungen.
Am heiligen Wasser
11.337 Am heiligen Badeplatz angekommen, setze man den Herrn der Götter am Ufer, in einer Halle oder in einem überdachten Rastplatz auf seinen Sitz.
11.338 Vor dem Prozessionsbild stelle man einen Badesockel auf und setze das Festbadebild darauf. Mit fünfundzwanzig Gefäßen …
11.339 … oder mit zwölf oder neun Kalashas vollziehe man die Übergießung. Der Lehrer führe nach der Vorschrift das Pulverbad des Gottes aus …
11.340 … verehre ihn mit dem Gastwasser und den weiteren Gaben und reinige das Bild. Das nach der Darbringung verbliebene Pulver lasse er auf die Häupter der Bhaktas geben.
11.341 [Dem Text zufolge] verleiht dieses Pulver die Frucht eines Bades in der Ganga und tilgt alles Vergehen. Wer es auf dem Haupt trägt, selbst wenn dies spielerisch geschieht, …
11.342 … dessen leibhaft anhaftendes Vergehen schwindet sogleich. Der Lehrer lasse den Segensruf für den heiligen Tag erklingen und besprenge den Badeplatz.
11.343 An diesem Ufer rufe er alle heiligen Badeorte herbei und verehre sie. Dann trete der Lehrer vor den Herrn im Prozessionsbild …
11.344 … und verneige sich zu seinen Füßen. Mit seiner Erlaubnis, wenn der günstige Zeitpunkt gekommen ist und die Sonne im Mittag steht, …
11.345 … nehme er unter Glocken- und Muschelhornklang das Festbadebild auf seine linke Handfläche, während er selbst auf der Erde steht.
11.346 Mit der rechten Hand halte er es in der Mitte fest. Gesammelt trete der Lehrer an das Ufer des heiligen Wassers.
11.347 Zunächst spreche er den Segen für König, Land und die weiteren [Beteiligten]. Dann gehe er ins Wasser hinein und stehe darin bis zum Nabel.
11.348 Der Lehrer rezitiere den Wurzelmantra und tauche mit dem Bild unter: erfüllt von Bhakti, im Herzen über Achyuta, den Unwandelbaren, meditierend.
11.349 Dann mögen auch alle Bhaktas und Bhagavatas untertauchen. Die Menschen, die zu dieser Zeit gemeinsam mit dem Gott untertauchen, …
11.350 … gelangen, von den Fesseln des Karma befreit, zum höchsten Ziel. An einem Ort eines selbst offenbar gewordenen [Gottesbildes] und an entsprechenden Heiligtümern darf man mittags, nachmittags …
11.351 … oder im ersten Teil der Nacht das abschließende Festbad des Herrn vollziehen. Dort entsteht durch das Überschreiten des festgelegten Zeitpunktes kein ritueller Fehler.
11.352 Danach setze man das Festbadebild am Ufer auf seinen Sitz, gebe ihm zwei Tücher und nehme die beiden beim Baden getragenen Gewänder ab.
11.353 Der Lehrer nehme diese Gewänder selbst entgegen und trage sie auf seinem Haupt. Er verehre [das Bild] mit Gastwasser und den weiteren Gaben und schmücke es besonders …
11.354 … und bringe die große Speisegabe dar. Danach bewirte man die Brahmanen. Täglich soll man tausend Brahmanen oder hundert speisen.
Zur Wirkungssprache: Die Reinigung von Vergehen und die Befreiung von Karma in 11.341–350 sind religiöse Verheißungen der Samhita. Ihr innerer Schwerpunkt liegt in 11.348 ausdrücklich bei Bhakti und der Meditation über Achyuta im Herzen.
Die Rückkehr zum Tempel
11.355 Man setze den Gott auf sein Fahrzeug und bringe ihn in den Tempel zurück. Die im Festbadebild gegenwärtige Shakti führe man in das Hauptbild zurück.
11.356 Wenn der Abend gekommen ist, schmücke man den Gott der Götter, den Herrn der Welt, besonders mit Gewändern, Schmuck und Kränzen …
11.357 … und der Lehrer setze ihn mit den beiden Göttinnen in eine Sänfte. Unter glückverheißendem Muschelhornklang und weiteren Klängen, begleitet von Ehrenschirmen, Wedeln und Bannern …
11.358 … von königlichen Ehrenzeichen, dem Gefolge, Ganika-Künstlerinnen und Devadasis, umschreite man gemeinsam mit allen Dienenden den Ort rechtsläufig.
11.359 Dann bringe man [den Gott] in den Tempel hinein und reiche nahe beim Bali-Sockel Madhuparka, die ehrenvolle Honiggabe, sowie Kuchen und weitere Speisen.
11.360 Man biete kühles erfrischendes Wasser, Betel und die weiteren Gaben an. Nach dem Umschreiten des Heiligtums begebe man sich in die große Halle.
11.361 Dort setze man den Gott auf seinen Sitz und verehre ihn mit Gastwasser und den weiteren Gaben. Der Lehrer vollziehe gesammelt die Verehrung bis zum Schwenken des Lichtes.
11.362 Für den heiligen Ort, den König, das Land, den Auftraggeber, die Minister, die Bevölkerung, das Gefolge und besonders die Vaishnavas …
11.363 … spreche er dann den Segen, während er das Antlitz des Herrn betrachtet. Alle sollen in der Gegenwart des Gottes mit „Om“ antworten.
11.364 Danach führe man den Herrn der Götter in die Opferhalle. Dort stelle man ihn wie zuvor auf die westliche Plattform.
11.365 Der Reihe nach, beginnend mit dem Kalasha, verehre man den an vier Stätten gegenwärtigen Herrn nach der Vorschrift und bringe reichliche Speisen dar.
11.366 Dann lasse man den Gottheiten der Tore vorschriftsmäßig Bali-Gaben reichen. Den Gott im Feuerbecken und im Mandala führe man in das Herz zurück.
11.367 Auch die Gottheiten der Tore entlasse man auf die vorgeschriebene Weise. Das Festbild lasse man forttragen, wobei der große Kalasha vorausgeht.
11.368 Der Acharya nehme das Karaka-Gefäß des Waffenmantras selbst in die Hand und umschreite den Tempel rechtsläufig, während daraus ein ununterbrochener Wasserstrom fließt.
11.369 Am Heiligtum angekommen, stelle er das Festbild dem Hauptbild gegenüber und verehre es mit Gastwasser und den weiteren Gaben.
11.370 Mit dem Wasser des Kalasha besprenge er den im Hauptbild gegenwärtigen Herrn. Danach begieße er auch das Prozessionsbild und rezitiere dabei das Purusha Sukta.
11.371 Die im großen Kalasha gegenwärtige Shakti übertrage er auf das Hauptbild; die im Karaka des Waffenmantras gegenwärtige Shakti übertrage er auf die Waffen.
Die Ehrung des Lehrers und das Gebet um Vergebung
11.372 Ebenso verbinde er Vasudeva und die weiteren [Gottheiten] der Reihe nach wieder mit ihrem Platz auf dem Sockel. Zu diesem Zeitpunkt soll man den Guru besonders ehren …
11.373 … mit Seidengewändern und anderen Tüchern, die zuvor dem Gott dargebracht wurden, mit erlesenen Kränzen verschiedener Art sowie duftendem Sandel und weiteren Wohlgerüchen.
11.374 Auch der Acharya nehme die beiden vortrefflichen Seidentücher und binde sie sich wie seinen Turban um das Haupt, ihr besten Zweimalgeborenen.
11.375 Er trage Kränze und die weiteren Gaben in angemessener Weise, werfe sich nieder, bringe Blumen mit gefalteten Händen dar und verneige sich immer wieder:
11.376 „Alles, was ich zuvor unvollständig oder über das rechte Maß hinaus getan habe – all das mögest du uns vergeben, Herr der Götter, o Herr!“

Für die eigene Praxis: Das Gebet darf dazu ermutigen, Fehler wahrzunehmen, Verantwortung zu übernehmen und die eigene Unvollkommenheit dem Göttlichen anzuvertrauen.
11.377 Nachdem er diese Bitte an den Herrn gerichtet hat, löse er mit dem Herzmantra das Schutzband an seiner Hand. Den Herrn im Prozessionsbild …
11.378 … setze er wieder an seinen eigenen Platz, verehre ihn mit Gastwasser und den weiteren Gaben und bringe ihm Kuchen und andere Speisen dar.
Die Vorbereitung des Blumenopfers
11.379 Man bereite ihm das Ruhelager und lasse den Rest der Nacht vorübergehen. Am folgenden Morgen bade [der Lehrer] und verrichte seine täglichen Pflichten.
11.380 Der Acharya betrete mit den Hütern der Gottesbilder das Heiligtum und vollziehe die tägliche Verehrung des Gottes der Götter.
11.381 Danach bade er den Herrn mit der später beschriebenen Badezeremonie der Stufe „höchste der unteren“ und verehre ihn bis einschließlich der Speisedarbringung.
11.382 Wenn der Abend gekommen und die tägliche Puja beendet ist, trete er vor den Herrn und richte diese Bitte an ihn:
11.383 „O Bhagavan, Lotusäugiger, du liebst jene, die bei dir Zuflucht suchen! Von der Darbringung der Keime bis zum abschließenden Festbad …
11.384 … habe ich die Handlungen zu deiner Freude vollzogen, o Herr. Ebenso haben andere Lehrer, die ich dazu bevollmächtigt habe, ihren Dienst ausgeführt …
11.385 … und auch Sadhakas sowie die verschiedenen weiteren Dienenden. Um all dies zu vervollständigen und jedes Zuwenig und Zuviel auszugleichen, …
11.386 … möchte ich dich heute mit der Blumenopferzeremonie verehren. Erteile mir die Erlaubnis dazu, aus deinem Willen, mir Gnade zu erweisen.“
11.387 Nachdem der Lehrer diese Bitte vorgebracht und die Erlaubnis des Gottes empfangen hat, nehme er den im Festbild gegenwärtigen Gott zusammen mit den beiden Göttinnen …
11.388 … in die Versammlungshalle. Dort setze er ihn auf einen goldenen Ehrensitz und schmücke ihn besonders sorgfältig.
Das Blumenmandala
11.389 Dann lege man vor ihm ein Blumenmandala an: mit weißen, gelben, roten, rosafarbenen und weißdunkel gemischten …
11.390 … Blumen in diesen fünf Farben sowie mit dunkelgrünen Tulsi-Blättern fülle man das Mandala so aus, dass sein Anblick erfreut.
11.391 Im Nordosten des Mandalas stelle man den großen Kalasha auf. An den vier Seiten der Halle ordne man die acht Kalashas der Tore an.
11.392 Der Guru schmücke die Halle mit Baldachinen, Bannern und Torbögen. Dann vollziehe er nach der beschriebenen Ordnung die Blumenaussaat.
11.393 Nördlich des Mandalas spanne man wie zuvor die Messschnüre und stelle die Palika-Schalen und die weiteren Gefäße auf eine Unterlage aus unenthülstem Reis.
11.394 Je nach Vermögen und Wunsch dürfen es auch ausschließlich Palika-Schalen sein. Man wasche die Schalen und die weiteren Gefäße und schmücke sie nach der Vorschrift.
11.395 Ihre unteren Öffnungen fülle man mit Kusha- und Kasha-Gras; die Innenräume fülle man vorschriftsmäßig mit enthülstem Reis.
11.396 Man besprenge [die Gefäße] mit dem Segenswasser und verehre ihre zugeordneten Gottheiten. In der zuvor beschriebenen Reihenfolge säe man Blumen in sie hinein.
11.397 Hier lasse der Lehrer die Verehrung des Soma-Kalasha und das Feueropfer aus. Danach lege er dem Hauptbild und den weiteren Bildern der Reihe nach das Schutzband an.
11.398 Er nehme das Festbild und setze es mit dem Gesicht nach Osten in die Mitte des Blumenmandalas, die mit einer Unterlage aus Mungbohnen geschmückt ist.
11.399 Zu seinen beiden Seiten stelle man Shri und Pushti, ihr Brahmanen. Der treffliche Lehrer begebe sich wie zuvor an die Seite des Kalasha …
Verehrung und Blumenweihe
11.400 … vollziehe [die vorbereitenden Handlungen] bis zur inneren Verehrung und danach die Verehrung der Tore. Einen Anteil [der göttlichen Gegenwart] rufe er aus dem Hauptbild in den großen Kalasha und verehre ihn dort.
11.401 Die gesamte Verehrung des Waffenmantras im Karaka-Gefäß vollziehe er wie zuvor. Danach verehre er das Bild, wiederum bis zum Schwenken des Lichtes.
11.402 Nach der Darbringung der Speisegaben vollziehe er erneut die Puja: Gastwasser, Fußwaschwasser, Wasser zum rituellen Trinken, Duftstoffe, Kränze und Licht …
11.403 … Räucherwerk, dann ehrendes Wasser, Kuchen und Reisflocken, erfrischenden Kokossaft und wiederum Wasser zum rituellen Trinken …
11.404 … sowie Betel mit wohlriechenden Mundgewürzen bringe er dar. Nachdem er auf diese Weise zwölfmal die Verehrung des Weltenherrn vollzogen hat, …
11.405 … bringe er die große Speisegabe dar und weihe die Blumen. Dazu fülle er ein goldenes oder silbernes Gefäß mit Blumen.
11.406 Dieses Gefäß stelle er vor dem Gott auf eine Unterlage aus unenthülstem Reis, besprenge es mit Segenswasser und verehre es mit dem Wurzelmantra.
11.407 Er bedecke das Gefäß mit einem Tuch und gehe in die Opferhalle. Nach der rituellen Bereitung des Feuerbeckens und des Feuers verehre er den Gott darin.
11.408 Mit den für die regelmäßigen und für die auf besondere Wünsche gerichteten Riten bestimmten Opferhölzern vollziehe er nach der Vorschrift die Vollopfergabe und die weiteren [Darbringungen]. Danach entlasse er die angerufenen göttlichen Gegenwarten.
11.409 Der Lehrer, ein trefflicher Kenner der Mantras, nehme das Sampata-Ghee, begebe sich vor den Gott und widme ihm das vollzogene Feueropfer.
11.410 Dann benetze er die Blumen mit diesem rituell gesammelten Ghee und bringe unter Rezitation des Purusha Sukta Blumen zu den Füßen des Gottes dar.
Innere und äußere Verehrung: Die Blumen werden tatsächlich dargebracht; zugleich geht die innere Verehrung voraus (11.400). Eine heutige Übertragung besteht darin, eine Gabe mit einer bewussten liebevollen Absicht zu verbinden.
Die Darbringung der Blumen
11.411 Danach richte er [die Darbringung] der Reihe nach an die Keimsilben des achtsilbigen Mantras, an die Herz- und weiteren [Gliedmantras] sowie an die göttlichen Schmuckstücke, beginnend mit der Krone, …
11.412 … an die göttlichen Waffen, an Shri, Pushti, den Vogelkönig Garuda und ebenso an die Begleitgestalten, jeweils in der gehörigen Reihenfolge.
11.413 Dabei lege der treffliche Lehrer jeweils Blumen zu den Füßen des Gottes. Danach setze man den Herrn der Götter sorgsam auf sein Fahrzeug …
Der letzte Umzug und das Einholen des Banners
11.414 … schmücke ihn besonders mit Gewändern, Schmuck und Kränzen und führe ihn unter allen glückverheißenden Begleitungen durch die erste und die weiteren Tempelumfriedungen …
11.415 … und ebenso durch die Straßen des Ortes. Dann bringe man den Herrn wieder in den Tempel und verehre ihn nahe beim Sockel des Banners …
11.416 … mit Gastwasser und den weiteren Gaben und bringe ihm Speise dar. Darauf trete man zum Bannerplatz und verehre den Herrn der Vögel.
11.417 Nach der großen Speisegabe führe man den auf dem Banner gegenwärtigen Vogelkönig in das eigene Herz zurück und hole das Banner ein.
11.418 Der Acharya nehme selbst den Fahnenmast, das Bannertuch, dessen Stange, die zugehörige Überdachung und auch die Opfergeräte entgegen.
11.419 Dann setze man den Herrn der Götter in einer Halle der ersten oder zweiten Tempelumfriedung auf einen Ehrensitz …
11.420 … mit dem Gesicht nach Osten oder nach Norden. Die Gottheiten, die zuvor zum Festdienst für den Herrn gekommen waren, …
11.421 … die Bewohner Vaikunthas, die Scharenführer Kumuda und die weiteren, Brahma, Rudra und die übrigen sowie die erhabenen göttlichen Seher, …
11.422 … und ebenso die Bhaktas des Herrn aus anderen Ländern, die gekommen sind, um an der festlichen Feier des Gottes der Götter teilzunehmen, …
11.423 … entlasse man mit der vorausgehenden Erlaubnis des Gottes zur Rückkehr in ihre Heimat. Danach bringe man den Gott ins Innere.
Die Rückführung und Entlassung
11.424 Man stelle den Gott mit den beiden Göttinnen dem Hauptbild gegenüber und setze den großen Kalasha zwischen die beiden [Gottesbilder].
11.425 Von der Besprengung mit dem Kalasha-Wasser bis zur Abnahme des Schutzbandes vollziehe man alles wie zuvor nach der Lehre. Dann bringe man den Gott ins Innere.
11.426 Man verehre ihn mit Gastwasser, Duftstoffen und den weiteren Gaben und führe [die angerufene Gegenwart] in das Hauptbild zurück. Nach der Bereitung des Ruhelagers verbringe man die Nacht wachend.
11.427 Wenn die Brahmamuhurta, die heilige Zeit vor Sonnenaufgang, gekommen ist, bringe der mantrakundige Lehrer gemeinsam mit schweigenden Dienenden die abschließende Bali-Gabe zur Entlassung dar.
11.428 Kumuda und die anderen, die zuvor mit ihren Scharen im Ort angerufen wurden, erfreue man durch die Bali-Gabe und entlasse sie mit besonderer Sorgfalt.
11.429 Der treffliche mantrakundige Lehrer begebe sich mit den Opferpriestern, den Helfern und dem gesamten Gefolge zu einem großen Teich, einem Fluss oder einem entsprechenden Gewässer …
11.430 … bade dort nach der Vorschrift und gehe danach in den Tempel zurück. Dort vollziehe er die tägliche Puja und alle weiteren Handlungen in der gehörigen Weise.
Dank und Ehrengaben
11.431 Der Auftraggeber schmücke und ehre den Guru mit goldenen Schmuckstücken wie Armreifen, mit Gewändern, Duftstoffen, Blumen und weiteren Gaben.
11.432 Als höchste Ehrengabe gebe er hundert goldene Nishkas oder, entsprechend seinem Vermögen, noch mehr.
11.433 Als mittlere Gabe gebe er die Hälfte davon, als kleinere wiederum die Hälfte. Er möge entsprechend seinen Mitteln oder entsprechend seinem Vertrauen geben.
11.434 Den Opferpriestern gebe er die Hälfte [der Gabe des Lehrers], den Dienenden wiederum die Hälfte. Die Veda-Rezitatoren, die trefflichen Sänger …
11.435 … und auch die übrigen erfreue er nach Kräften mit Ehrengaben. Ein Opfer ohne Dakshina bleibt ohne Frucht, daran besteht [dem Text zufolge] kein Zweifel.
11.436 Darum soll entsprechend den eigenen Mitteln eine Ehrengabe entrichtet werden, selbst wenn sie klein ist. Zu diesem Zeitpunkt schmücke der Auftraggeber den Lehrer …
11.437 … mit Gewändern, Kränzen, Sandel und den weiteren Gaben und setze ihn auf ein Fahrzeug. Unter Begleitung von Muschelhörnern, Trompeten und den Trommeln Bheri und Pataha …
11.438 … mit Ehrenschirmen, Leuchten, Sängern und den weiteren Mitwirkenden führe er den Lehrer in sein Haus und betrachte ihn dabei wie den Gott selbst.
Dank an die Mitwirkenden: Der Text berücksichtigt bei der Ehrengabe ausdrücklich die verfügbaren Mittel. Als heutige Anregung lässt sich daraus die Wertschätzung für alle ableiten, die eine gemeinsame spirituelle Praxis ermöglichen.
11.439 Wer das Fest des Gottes der Götter auf diese Weise veranstalten lässt, erlangt Glück in dieser Welt und wird in der jenseitigen Welt geehrt.
11.439z So wurde die Ordnung des großen Festes vollständig dargelegt, ihr Zweimalgeborenen.
Kolophon: So endet in der Ishvara Samhita des heiligen Pancharatra das elfte Kapitel, genannt „Die Ordnung des großen Festes“.
Texthinweise zu Kapitel 11
Die 439 nummerierten Verse und der unnummerierte abschließende Halbvers sind vollständig erfasst. Grundlage sind die vorhandenen Devanagari-Vorlagen und die Sanskritdrucke von 1923 und 2017. Der Kapitelanfang fehlt im beschädigten monochromen Scan von 1923; die zweite, farbige Digitalisierung erhält ihn. Die englische kritische Übersetzung von Kapitel 11 stand für diesen Arbeitsstand nicht lokal zur Verfügung. Schwierige Stellen bleiben deshalb ausdrücklich gekennzeichnet.
- 11.7–13: Die vedischen Mantras werden überwiegend nur durch Anfangsworte bezeichnet. Diese werden nicht zu vermeintlich vollständigen Mantras ergänzt. In 11.9 bestätigt der jüngere Druck grīṣmo hemanta; eine anders gelesene OCR-Fassung ist fehlerhaft. Auch die verkürzte Angabe agnir āyuṣma in 11.13 bleibt ein Textverweis.
- 11.17, 49: In der jüngeren Ausgabe beziehungsweise in der Texterkennung ausgefallene Halbverse werden nach dem älteren Druck wiedergegeben. Koṇa in 11.23 bezeichnet hier den Trommelschlägel.
- 11.27–29: Die historischen sozialen Bezeichnungen werden beibehalten und erläutert. Die fünf Samskaras werden genannt; eine andernorts bekannte Liste wird hier nicht in den Vers eingefügt.
- 11.66–83: Supratishthita und Supratishtha stehen als unterschiedliche überlieferte Formen im Text. Bei den Musikbezeichnungen variieren Schreibweisen; die ältere Fassung bietet unter anderem Kaushika, Tatkeshi und Chalapanya, die jüngere Kaishika, Takkeshi und Chaulapanya. Obwohl von zehn Ragas die Rede ist, lässt die überlieferte Aufzählung elf Benennungen erkennen. Es wird kein Name zur Angleichung gestrichen.
- 11.100, 104, 117, 124, 132–133: In 11.100 folgt die Lesefassung bimba, das auch als Variante im älteren Druck erscheint; dessen Haupttext hat dīpa. Die genaue Bestimmung mūrtisaṃjñopalakṣita in 11.104 bleibt offen. Kalaśottare in 11.117 kann räumlich „nördlich des Kalasha“ verstanden werden; die Satzverbindung mit „rechts vom Gott“ ist nicht eindeutig. Die räumliche Schlussbestimmung in 11.124 und die elliptische Aussage über die Gegenwart im Kumbha in 11.132–133 sind vorsichtig nach dem Zusammenhang übersetzt.
- 11.134–160: Die geometrischen Einzelanweisungen sind teilweise mehrdeutig, besonders 11.136 und 143–145. Die Übersetzung ergänzt keine hypothetische Bauzeichnung. Ghaṭikāreṇu in 11.140 bleibt als Pulverbezeichnung erkennbar; rājopala in 11.158 wird als blauer Edelstein verstanden, ohne eine mineralogische Identifikation zu beanspruchen. In 11.159 ist die westliche Ausnahme nur knapp bezeichnet.
- 11.161–169: Hier folgt die Lesefassung mehrfach dem älteren Druck: sarvātmatvena (als Selbst von allem) statt sarvatattvena; garvaḥ (Ichbewusstsein) statt garbhaḥ; sasaṅgānām asaṅgānām (Verhaftete und Nichtverhaftete) statt der abweichenden jüngeren Lesart. In 11.167 steht ajñatāṃ hitvā, „die Unwissenheit aufgegeben habend“; die syntaktische Zuordnung zu den genannten Gruppen bleibt unsicher. Die nähere Bestimmung yathātvalakṣaṇam in 11.168 wird nicht als sicher aufgelöst ausgegeben. 11.169 folgt nāmnābjanābhabhuvanam: der Name lautet „Wohnstatt Abjanabhas“.
- 11.176, 188–189: Die Vorlagen unterscheiden sich inhaltlich erheblich. 11.176 folgt dem älteren devāṃś codvāsayet (die Gottheiten entlassen); der jüngere Druck liest devān nodvāsayet (nicht entlassen). In 11.188 bewahrt die ältere Vorlage pūjanaṃ niṣphalaṃ bhavet (die Verehrung wäre ohne Frucht), die jüngere hat pūjanaṃ tu samācaret (man vollziehe die Verehrung). Die Bedeutung des betreffenden Bodenplatzes bleibt unsicher. In 11.189 wird die fehlerhafte Buchstabenfolge vor maṇḍalam zu vartayen maṇḍalam normalisiert.
- 11.193, 200, 211: Die Verbindung von Räucherwerk und farbigem Schmuck in 11.193 ist knapp formuliert. In 11.200 wird die aus dem Zusammenhang ergänzte Speiseverteilung in Klammern kenntlich gemacht. Die Formel in 11.211 lautet namaḥ pāriṣadebhyaḥ; ein nicht überliefertes Om wird nicht hinzugefügt.
- 11.222–237: Eingeweihte beziehungsweise vishnuitische Shudras werden als Träger genannt; der Abschnitt bezieht auch verschiedene soziale Gruppen in den Festzug ein. Die ausdrückliche Erwähnung der Sattvata Samhita ist ein textinterner Bezug. „Dravidische Shruti“ wird ohne zusätzliche Quellen nicht mit einer bestimmten Textsammlung gleichgesetzt.
- 11.268–291: Die traditionellen Maße werden nicht pauschal in Zentimeter umgerechnet. Die jüngere falsche Versnummer 179 ist als 279 berichtigt. In 11.288 wird sadā harim grammatisch als „stets Hari“ gelesen; in 11.291 dhruvam als Beiwort „unwandelbar“ zu Padmanabha. Eine Lesung als zusätzlicher Eigenname Dhruva bleibt möglich.
- 11.306–326: Die Wünsche nach Nachkommenschaft und Wohlergehen werden als Wünsche und religiöse Vorstellungen wiedergegeben. 11.313 normalisiert das fehlerhafte devyauḥ zu devyoḥ, 11.315 ergänzt den ausgefallenen Anlaut in ābharaṇaiḥ (Schmuckstücke). Die Goldbezeichnung in 11.326 und 331 gehört zur Ritualausstattung; daraus wird keine heutige Anwendungsempfehlung abgeleitet.
- 11.345–350: Der ältere Druck bestätigt in 11.346 vidhṛyān madhyabhāge: das Bild mit der rechten Hand in der Mitte halten. Die jüngere entstellte Schreibung wird nicht zu einer besonderen Mantrabezeichnung umgedeutet. Die genaue körperliche Anweisung mit kṣmāmaṇḍala in 11.345 bleibt knapp; die Übersetzung versteht das Stehen auf der Erde. Die Befreiungsverheißung wird als Aussage des Textes wiedergegeben.
- 11.365, 374, 381: In 11.365 wird nach der älteren Vorlage die reichliche Speisegabe gelesen. Die im jüngeren Druck fehlende Nummer 374 wird nach der fortlaufenden Zählung ergänzt. Adhamottama in 11.381 ist eine technische Stufenbezeichnung der Badezeremonie, keine abwertende Beschreibung der Verehrung.
- 11.389–410: Die fünfte Blumenfarbe ist als weißdunkle Mischung überliefert. Die Blumen werden anstelle der Keime rituell „gesät“. 11.397 lässt das Feueropfer an dieser vorbereitenden Stelle aus; 11.407–410 beschreibt ein späteres Feueropfer. Sampātājya wird als rituell gesammeltes Ghee beibehalten und im Zusammenhang erläutert.
- 11.431–439: Nishka ist eine historische Gold- beziehungsweise Werteinheit. Die gestuften Ehrengaben werden nicht in heutige Geldwerte umgerechnet. Der abschließende Halbvers trägt im Druck keine eigene Versnummer; „439z“ dient ausschließlich der redaktionellen Zuordnung.
Die Feier endet mit Dank, Rückführung der angerufenen Gegenwart und neuer Hinwendung zur täglichen Sadhana. Ihre innere Deutung lädt dazu ein, Schönheit, Disziplin und Hingabe im eigenen Leben miteinander zu verbinden.
Kapitel 12 – Feste im Jahreslauf – Frühling, Ernte, Schaukel und heilige Ruhe
Die wiederkehrenden Feste geben dem Jahr einen Rhythmus der Bhakti. Dieses Kapitel beschreibt monatliche Feiern, das fröhliche Wasserspiel des Frühlings, Blumen- und Fruchtgaben, die Fahrt auf dem Floß, die erste Erntegabe und das Schaukelfest. Mit dem Ruhen und Erwachen Vishnus verbindet es schließlich vier Monate bewusst gewählter Disziplin und täglicher Verehrung.
Narada spricht:
Die wiederkehrenden Festtage
12.1 Nun werde ich die Feste der Monatshälften und Monate sowie das Frühlingsfest und die weiteren Feiern beschreiben. Hört zu, ihr vortrefflichen Weisen!
12.2 An der Dvadashi jeder Monatshälfte, ebenso Monat für Monat an Neumond und Vollmond, unter dem Mondstern Shravana und am folgenden Tag, …
12.3 … ferner an den Tagen der Avataras des Gottes der Götter, unter dem Geburtsstern des Auftraggebers und weiterer [Stifter] sowie an den beiden Tagundnachtgleichen, beginnend mit der in Chaitra, ihr Zweimalgeborenen, …
12.4 … an den beiden Sonnenwenden und den Sonnenübergängen soll der Guru eine besondere Verehrung des Gottes der Götter vollziehen.
12.5 Wenn sich ein maßgeblicher Mondstern über zwei Tage verteilt, gilt der frühere als fruchtbringend. Dauert er am Folgetag jedoch zehn Nadis an, gilt dieser spätere als günstig.
12.6 Verteilt sich ein Mondtag über zwei Tage, gilt dagegen der spätere als fruchtbringend: bei Ekadashi, Neumond, Dvadashi und den entsprechenden [Mondtagen], ihr Zweimalgeborenen.
12.7 Selbst wenn [der Mondtag] am Folgetag nur noch eine Kala andauert, gilt dieser als segensreich. Bei den sechs Sonnenübergängen, beginnend mit Uttarayana, …
12.8 … verehre man den Gott innerhalb der sechzehn Nadis danach. Bei den sechs Sonnenübergängen, beginnend mit Dakshinayana, …
12.9 … verehre man ihn innerhalb der sechzehn Nadis davor. Als zugelassene Ersatzmöglichkeit darf dies innerhalb der sechzehn Nadis danach geschehen.
12.10 Nach dieser Kenntnis der Mondsterne und der weiteren Zeitbestimmungen vollziehe man die Verehrung am jeweiligen Tag. Nun wird das Fest beschrieben, das an Dvadashi und den entsprechenden Tagen zu feiern ist.
Zum Festkalender: Tithi, Nakshatra, Nadi und Kala sind Begriffe des traditionellen Ritualkalenders. Die Regeln werden als Angaben dieser Überlieferung wiedergegeben; sie sind keine Berechnung heutiger Festdaten.
Die besondere Verehrung und der Umzug
12.11 Zuerst vollziehe man die tägliche Archana des Gottes der Götter, ihr Trefflichen. Dann bade man nach der Vorschrift den Herrn im Hauptbild …
12.12 … oder im Prozessionsbild oder das eigens zum Baden bestimmte Bild. Man bringe ihn zum Schmücksitz und verehre ihn nach der Vorschrift.
12.13 Nach der großen Speisegabe führe man alles bis zum Feueropfer oder bis zum Japa besonders sorgfältig aus. Aus dem Hauptbild rufe man in das Festbild …
12.14 … einen Anteil [der göttlichen Gegenwart]. Danach setze man den Herrn im Prozessionsbild auf ein goldenes Fahrzeug mit blumengeschmückter Überdachung.
12.15 Man schmücke ihn besonders und vollziehe mit der zuvor beschriebenen Festpracht den Umzug, bei dem der Ort rechtsläufig umschritten wird.
12.16 Vor dem Tempel des Herrn oder vor dem Bali-Sockel vollziehe der Guru eine Verehrung, um die Ermüdung des Gottes zu lindern.
12.17 Er bringe Gastwasser, Fußwaschwasser, Wasser zum rituellen Trinken, Duftstoffe, Kränze und Licht dar, Räucherwerk, ehrendes Wasser, Kuchen und Reisflocken …
12.18 … erfrischenden Kokossaft, wiederum Wasser zum rituellen Trinken sowie Betel mit wohlriechenden Mundgewürzen.
12.19 Mit vielfältigem Tanz, Gesang und weiteren Darbietungen erfreue man den Herrn immer wieder. Die Ganika-Künstlerinnen, die Devadasis und die kundigen Instrumentalisten …
12.20 … die Lobpreissänger und alle weiteren [Mitwirkenden] mögen voller Bhakti den Gott zusammen mit dem Bali-Sockel rechtsläufig umschreiten …
12.21 … und sich zwei- oder viermal hingebungsvoll verneigen. Danach bringe man den Herrn der Götter in das Innere des Tempels.
12.22 Man hebe ihn vom Fahrzeug herab, reiche ihm die Sandalen und setze ihn auf einen Ehrensockel im Bereich der vorderen Halle.
12.23 Nach der Verehrung mit Gastwasser und den weiteren Gaben stelle man ihn an seinen eigenen Platz. Die zu Beginn übertragene Shakti führe man in das Hauptbild zurück.

Spirituelle Anregung: Ein bewusst gestalteter Tages- oder Wochenrhythmus kann helfen, Sadhana verlässlich zu pflegen. Die aufwendige Tempelliturgie ist dabei von einer einfachen persönlichen Übung zu unterscheiden.
Das Frühlingsfest und seine Wasserspiele
12.24 So ist das an Dvadashi und den entsprechenden Tagen zu feiernde Fest beschrieben. In den Frühlingsmonaten Madhu und Madhava, besonders während der hellen Monatshälfte, …
12.25 … am Vollmondtermin, der nicht einmal um eine Kala vom vierzehnten Mondtag berührt wird, vollziehe der treffliche Lehrer das Wasserspiel des Gottes, ihr Zweimalgeborenen.
12.26 Mit Rücksicht auf dieses Wasserspiel feiere man ein Fest von sieben oder neun, fünf, drei oder einem Tag.
12.27 In der Nacht vor dem Beginn des Festes vollziehe der Lehrer die Keimaussaat und lege nach der Vorschrift das Schutzband an.
12.28 Vom ersten Festtag an vollziehe er täglich morgens und abends die Verehrung an den vier Stätten nach der Vorschrift.
12.29 Zu beiden Tageszeiten bringe man die Bali-Gabe nach der für die tägliche Verehrung beschriebenen Ordnung dar. Mittags, nach der Bali-Gabe, nehme man den Herrn im Prozessionsbild …
12.30 … zusammen mit Shri und Pushti in eine Sänfte, ihr Zweimalgeborenen, bringe ihn in die große Halle und setze ihn dort auf einen Ehrensitz.
12.31 Vor dem Gott vollziehe der treffliche Lehrer auf einer Getreideunterlage wie zuvor die Weihe des Pulvers.
12.32 Er verehre den Gott mit Gastwasser und den weiteren Gaben bis zur Speisedarbringung. Dann [bade] der Lehrer unter dem Shri Sukta den Gott, Shri und Pushti …
12.33 … vorschriftsmäßig mit Kurkumapulver. Den Herrn führe er zusammen mit den beiden Göttinnen durch die Straßen des Ortes …
12.34 … rechtsläufig und mit den zuvor beschriebenen Prozessionsgeräten. Dabei lasse man ein spielerisches Gefecht zwischen dem Gott und der Göttin darstellen.
12.35 Am ersten Tag findet das Spiel mit Duftstoffen statt, am zweiten mit Blumen, am dritten mit Pulver und am vierten mit Öl.
12.36 Am fünften Tag spiele man mit Milch, am sechsten mit Kampfer und Kumkuma; am siebten vollziehe man das Spiel mit Kokoswasser.
12.37 Am achten Tag spiele man mit duftendem Wasser, am neunten mit Wasser. Vom Tempel bis zur Mitte des Ortes [feiere man] gemeinsam mit Bhaktas und Bhagavatas.
12.38 Das spielerische Gefecht soll zur Freude mit Ganika-Künstlerinnen und Devadasis ausgeführt werden. Nach diesem Spiel bringe man den Gott ins Innere.
12.39 Bei einem siebentägigen Fest vollziehe man die sieben Spiele, beginnend mit dem Pulverspiel; bei einem fünftägigen die fünf Spiele, beginnend mit dem Milchspiel.
12.40 Bei einem dreitägigen Fest beginne man mit dem Kokoswasserspiel; bei einem eintägigen Fest vollziehe man allein das Wasserspiel.
Die Vorbereitung des Wasserbeckens
12.41 Hört nun die Ordnung des Wasserspiels, ihr vortrefflichen Weisen! Im Bereich der dritten Tempelumfriedung oder außerhalb des Torturms …
12.42 … grabe man eine Vertiefung von Menschenmaß in die Erde und befestige sie ringsum mit Steinen oder Ziegeln, ihr vortrefflichen Weisen.
12.43 Man gestalte ein Wasserbecken mit Treppenreihen. Darüber errichte man eine Halle oder eine Überdachung mit vier Säulen …
12.44 … und fülle das Becken mit reinem Wasser. Oder man fülle wie zuvor einen großen Kessel; mit Moschus, Kumkuma und weiteren Stoffen …
12.45 … verleihe man dem Wasser Duft und streue schöne Blumen hinein. Der Guru vollziehe in der Opferhalle gesondert die Weihe des Pulvers.
12.46 Der Mantrakundige rufe Shri im Feuer an, im Feuerbecken oder auf dem vorbereiteten Bodenplatz. Er erfreue sie dort durch die vorgeschriebenen Darbringungen und benetze [das Pulver] mit dem rituell gesammelten Ghee.
12.47 Unter Instrumentalklang trage man das Gefäß mit dem Pulver zum Wasserbecken. Nach dem vorausgehenden Segensruf für den heiligen Tag …
12.48 … streue man das Pulver hinein und verehre dort den Frühling, Vasanta. Ringsum verehre man besonders die Lokapalas …
12.49 … und bringe unter Gesang und Instrumentalmusik in den acht Richtungen Bali-Gaben dar. So ist die Weihe des Wasserbeckens beschrieben, ihr großen Weisen.
Das gemeinsame Wasserspiel
12.50 Man verehre den Herrn mit den beiden Göttinnen in der Halle wie zuvor bis einschließlich der Übergießung mit Pulver. Danach bringe man ihn zum Wasserbecken …
12.51 … gemeinsam mit den beiden Göttinnen und verehre ihn mit Gastwasser und den weiteren Gaben. Begleitet von den Trommeln Bheri und Pataha, anderen Instrumenten und Muschelhörnern …
12.52 … von Lobpreis, Segensrufen und Veda-Rezitation vollziehe man dort unter dem Purusha Sukta das Eintauchen.
12.53 Oder der mantrakundige Lehrer rufe den Gott in einem Grasbündel oder einer Sandale an und tauche diesen Träger dort ein, ihr Brahmanen.
12.54 Der Auftraggeber, die Hüter der Gottesbilder, die Brahmanen, die trefflichen Vaishnavas, die Asketen und die in Brahman Gefestigten mögen mit dem gesegneten Wasser besprengen.
12.55 Alle Angehörigen der vier Varnas, Männer und Frauen, Ganika-Künstlerinnen, Devadasis und die übrigen Instrumentalisten …
12.56 … mögen einander mit dem gesegneten Wasser besprengen. [Der Text verheißt:] Sie erlangen die Frucht eines Bades in der Ganga und die Vereinigung mit Vishnu.
12.57 Man setze den Gott mit seinem vom Bad noch feuchten Gewand auf das Fahrzeug. Begleitet vom Wasserspiel und den Prozessionsgeräten …
12.58 … führe man ihn durch die Straßen des Ortes, zur Freude Varunas und zur Läuterung der gesamten Bevölkerung.
12.59 Dann bringe man den Herrn der Götter ins Tempelinnere. Dort bade man ihn nach der Lehre mit fünfundzwanzig Gefäßen …
12.60 … und verehre ihn besonders bis zur Speisedarbringung. Ein solches Bad vollziehe man täglich nach dem jeweiligen spielerischen Gefecht.
12.61 In jener Nacht vollziehe man wie zuvor die Handlungen bis zur Besprengung mit dem Kalasha-Wasser. Danach ehre man den Acharya mit Gewändern und goldenen Ringen.
12.62 Die Hüter der Gottesbilder und die übrigen Mitwirkenden erfreue man ebenfalls angemessen mit Gaben. So ist das vortreffliche Frühlingsfest in Kürze beschrieben.
Gemeinsame Freude: Das Wasserspiel bezieht im Text Männer und Frauen verschiedener sozialer Gruppen ein. Die Verheißung der Vereinigung mit Vishnu bleibt eine religiöse Aussage. Die historischen Rollen von Ganika und Devadasi sowie die Kastenbezeichnungen werden dokumentiert, ohne sie als heutige soziale Ordnung vorauszusetzen.
Das Damanika-Fest
12.63 Am zwölften Mondtag der hellen Hälfte des Monats Chaitra feiere man das Damanika-Fest. Die Verehrung an den vier Stätten und die weiteren Handlungen vollziehe man wie beim Anlegen der heiligen Pavitra-Schnüre.
12.64 Aus Damanika-Pflanzen fertige man Schmuck der höchsten und der weiteren Stufen, in der entsprechenden Anzahl und so, dass er schön wirkt.
Die Mantra-Verweise für die Übergießungen
12.65 Man stelle fünfundzwanzig Kalashas auf und vollziehe die Übergießung. Mit dem östlichen Kalasha beginne man unter dem Textanfang „eka eva nārāyaṇa“.
12.66 Beim zweiten Kalasha [rezitiere man den Text mit dem Anfang] „tasya dhyānāntaḥsthasya“, beim dritten „atha punar eva nārāyaṇa“.
12.67 Beim vierten [steht wiederum] „atha punar eva nārāyaṇa“, beim fünften Kalasha „sahasraśīrṣā puruṣa“.
12.68 Beim sechsten Kalasha [beginne der Text] mit „patiṃ viśvasyātmeśvaram“, beim siebten mit „nārāyaṇaparaṃ brahma“.
12.69 Beim achten Kalasha [beginne er] mit „yac ca kiñcij jagaty asmin“. Mit dem neunten vollziehe man die Übergießung unter „anantam avyayaṃ kavim“.
12.70 Beim zehnten [beginne der Text] mit „atho niṣṭhyā vitastyāṃ tu“, beim elften mit „santataṃ sirābhis tu“.
12.71 Beim zwölften [beginne er] mit „tasya madhye mahān agniḥ“, beim dreizehnten mit „santāpayati svaṃ deham“.
12.72 Beim vierzehnten [beginne er] mit „nīlatoyadamadhyasthā“, beim fünfzehnten mit „tasyāḥ śikhāyā madhya“.
12.73 Beim sechzehnten [beginne er] mit „sarvasya vaśinam“. Mit diesen Kalashas der äußeren Umfassung vollziehe man die Übergießung.
12.74 Mit dem östlichen [Kalasha der folgenden Gruppe rezitiere man den Textanfang] „bahirāvaraṇe nāsti“, mit dem südöstlichen „yannābhipadmād abhavat“.
12.75 Mit dem südlichen [beginne der Text] „dhṛtordhvapuṇḍraḥ param“, mit dem südwestlichen „dakṣiṇe tu bhuje vipra“.
12.76 Mit dem westlichen [stehen die überlieferten Anfangsworte] „viṣṇunāttam aśnanti“, mit dem nordwestlichen „pumpradhāneśvaro viṣṇuḥ“.
12.77 Mit dem nördlichen [beginne der Text] „imāṃ mahopaniṣadam“, mit dem nordöstlichen „om iti prathamaṃ nāma“.
12.78 Mit dem mittleren [beginne er] „puruṣo ha vai vāsudeva“. Als Alternative verwende man nacheinander die sechzehn Mantras des Purusha Sukta …
12.79 … zur Übergießung mit den Kalashas der äußeren Umfassung. Mit den zuvor genannten Mantras des Brahma-Sukta, jeweils in Zweiergruppen, …
12.80 … bade man [den Gott] der Reihe nach mit den Kalashas der inneren Umfassung. Mit den verbleibenden drei [Mantras] vollziehe man zuletzt die Übergießung aus dem mittleren Kalasha.
Mantra-Hinweis: Die folgenden und vorangehenden Angaben sind überwiegend Anfangsworte beziehungsweise Textverweise. Einige sind beschädigt oder sprachlich unregelmäßig überliefert. Sie werden nicht als vollständige Rezitationsvorlage ausgegeben und nicht aus dem Gedächtnis ergänzt.
Die Weihe mit Kurkumawasser
12.81 Man stelle neun Kalashas mit beigemischtem Kurkumapulver auf und verehre sie mit Gastwasser und den weiteren Gaben. Die dem Leuchten der Chakra-Strahlen gleichenden …
12.82 … Mengen des Kurkumapulvers vergegenwärtige man sich in der Meditation und vollziehe damit die Übergießung: zur Beseitigung aller Hindernisse und zur Vervollständigung aller [Riten].
12.83 Mit dem östlichen [Kalasha beginne der Text] „dakṣiṇe tu bhuje vipra“, mit dem südöstlichen „nicikṣepa suparṇam“.
12.84 Mit dem südlichen [beginne er] „pra te viṣṇo abjacakre“, mit dem südwestlichen „ebhir vayam urukramasya“.
12.85 Mit dem westlichen [stehen die Anfangsworte] „dhṛtordhvapuṇḍraḥ kṛtacakra“, mit dem nordwestlichen „pavitram ity agniḥ“ [Lesung unsicher].
12.86 Mit dem nördlichen [beginne der Text] „caraṇaṃ pavitraṃ vitatam“, mit dem nordöstlichen „lokasya dvāram arcimat“.
12.87 Man bade [den Gott] mit diesen acht Mantras und mit weiteren zu Sudarshana gehörenden [Mantras], dann aus dem mittleren Kalasha und mit reinem Wasser.
12.88 Unter den vier zuvor genannten Mantras der in der Mahopanishad enthaltenen Brahma-Suktas, ferner unter den sechzehn Mantras des Purusha Sukta …
12.89 … unter den beiden Brahmana-Texten zu Vasudeva und dem zwölfsilbigen [Mantra] sowie unter den vier umfassenden [Mantras], beginnend mit Omkara und endend mit Pavitra, …
12.90 … bade man den Gott vorschriftsmäßig mit der tausendfachen Brause. Oder man vollziehe das gesamte Bad mit dem achtsilbigen Mantra.
12.91 Danach verehre man ihn der Reihe nach mit allen weiteren Gaben wie zuvor. Mit sämtlichen zuvor genannten Mantras oder mit dem Wurzelmantra, ihr Zweimalgeborenen, …
12.92 … vollziehe man sorgfältig das Feueropfer mit in den drei süßen Stoffen getränkten Opferhölzern. Danach lege man den Damanika-Schmuck nach der Vorschrift an.
12.93 Alles hier nicht eigens Erwähnte geschehe wie beim Anlegen der Pavitra-Schnüre. Nun werde ich das vortreffliche Vishakha-Fest beschreiben.
Das Vishakha-Fest mit Fruchtgaben
12.94 Wenn die Sonne im Stier steht, feiere man am Vollmond – ob dieser mit dem Mondstern Vishakha verbunden ist oder nicht, ihr besten Zweimalgeborenen – …
12.95 … sofern er nicht vom vierzehnten Mondtag berührt wird, dieses Fest. Mangofrüchte, Kokosnüsse …
12.96 … Trauben, Datteln, Matulunga-Zitrusfrüchte und andere geeignete oder verfügbare Früchte, ihr Zweimalgeborenen, …
12.97 … trage man zusammen und lege sie in Gefäße. Diese Gefäße lasse man die Dienenden auf ihren Häuptern tragen.
12.98 Mit Vishvaksena an der Spitze und begleitet von Instrumentalklang umschreite man den Ort rechtsläufig und bringe [die Gaben] ins Tempelinnere.
12.99 Danach stelle man die Fruchtgefäße in der Küche oder am entsprechenden Ort ab. Reine vishnuitische Brahmanen, von großer Freude erfüllt, …
12.100 … mit einem Tuch vor dem Mund und frei von unbeherrschter Zungenlust, sollen diejenigen Früchte schälen, die dafür geeignet sind.
12.101 Was entsprechend seiner Beschaffenheit zu säubern ist, säubere man. Was gewaschen werden soll, wasche man mit reinem Wasser.
12.102 Man koche die Mangofrüchte mit Milch und Rohzucker, mit Kokosstücken und Pfeffer.
12.103 Man mische Kardamom- und Kampferpulver hinzu. Ferner bereite man die große Speisegabe, Milchreis und weitere Speisen sowie Kuchen zu.
Die Darbringung und das Teilen
12.104 Am Tag oder in der Nacht, nach Abschluss der täglichen Puja, vollziehe man zuerst den Mantra-Sitz und führe den Gott dann zum Badesitz.
12.105 Man bade Purushottama, den höchsten Purusha, mit fünfundzwanzig Kalashas, verehre ihn auf dem Schmücksitz und führe ihn dann zum Speisesitz.
12.106 Dem Gott der Götter bringe man die große Speisegabe, Milchreis und die weiteren Speisen sowie Mangofrüchte dar; danach reiche man Betel und die übrigen Gaben.
12.107 Den Mitwirkenden und den Vaishnavas lasse man diesen Prasad austeilen. Dann nehme man das Festbild, begleitet von Shri und Pushti, …
12.108 … setze es auf sein Fahrzeug, schmücke es besonders mit Gewändern und den weiteren Gaben und führe es unter allen glückverheißenden Begleitungen rechtsläufig um den Ort.
12.109 Danach bringe man es ins Tempelinnere und stelle es an seinen eigenen Platz. Der Auftraggeber erfreue den Guru und die weiteren Mitwirkenden mit Dakshina und anderen Gaben.
Spirituelle Anregung: Früchte werden sorgsam vorbereitet, dargebracht und anschließend als Prasad geteilt. Eine heutige Anregung ist, Nahrung mit Dankbarkeit zu empfangen und andere am eigenen Überfluss teilhaben zu lassen.
12.110 So wurde die Ordnung des Vishakha-Festes dargelegt. Hört nun die Ordnung des Floßfestes, ihr vortrefflichen Weisen!
Das Floßfest
12.111 In einer der drei mit Shishira beginnenden Jahreszeiten feiere man das Floßfest des Herrn, in der hellen oder in der dunklen Monatshälfte.
12.112 Unter dem Geburtsstern des Auftraggebers oder dem Geburtsstern des Gottes vollziehe man das Besteigen des Floßes, das [dem Text zufolge] König und Land Gedeihen bringt.
12.113 Auf diesen Mondstern abgestimmt dauere das Fest sieben oder neun, fünf, drei oder einen Tag.
12.114 Am Vortag des Festbeginns vollziehe der treffliche Lehrer die Keimaussaat und lege nach der Vorschrift das Schutzband an.
12.115 Vom ersten Tag an vollziehe er täglich zu beiden Tageszeiten die Verehrung an den vier Stätten einschließlich der Bali-Gabe.
12.116 Zu Beginn und am Ende bade man den Herrn nach dem Adhamottama-Verfahren. Täglich finde das Besteigen des Festträgers statt.
12.117 Am letzten Tag ist das Besteigen des Floßes zu vollziehen. Täglich zur Mittagszeit nehme man den Gott mit der Göttin …
12.118 … auf sein Fahrzeug, schmücke ihn besonders mit Gewändern und den weiteren Gaben und bringe ihn nach dem rechtsläufigen Umzug um den Ort zum Ufer des Teiches.
12.119 In der dort errichteten herrlichen, lieblichen Halle setze man den Gott der Götter auf einen Ehrensitz …
12.120 … und verehre ihn mit Gastwasser und den weiteren Gaben sowie mit einer großen Speisegabe. Danach bringe man den Herrn der Götter ins Tempelinnere zurück.
12.121 Auch am Tag des Besteigens des Floßes verehre man den Weltenherrn auf diese Weise am Ufer des Teiches besonders bis zur Speisedarbringung.
Das Floß und seine Weihe
12.122 In einem Teich in Svastika-Form, von quadratischer oder runder Gestalt, mit ringsum angelegten Treppen und vier geschmückten Zugängen, …
12.123 … mit hohen Tortürmen in den vier Richtungen, mit einer herrlichen Halle in der Mitte und gefüllt mit klarem Wasser, …
12.124 … errichte man ein herrliches Floß, durch Planken verstärkt, mit vielen Säulen versehen und durch eiserne Nägel fest zusammengefügt.
12.125 Es habe die Gestalt eines Tempelturms oder einer Halle, mit zwei, drei, vier oder fünf Geschossen.
12.126 Man schmücke es mit verschiedenartigen Baldachinen und Blumengirlanden, mit Spiegeln, Wedeln und unterschiedlichen Bannern …
12.127 … mit Kokosnüssen, Büscheln von Arekafrüchten, Bananen, duftendem Hivera und ringsum mit Glocken.
12.128 Der Lehrer besprenge [das Floß] und das Teichwasser mit Segenswasser. Er reinige es durch die [inneren Riten des] Verbrennens und Erquickens und rufe im reinen Wasser …
12.129 … den Milchozean herbei und verehre ihn mit Gastwasser und den weiteren Gaben, ihr Zweimalgeborenen. Auf dem Floß rufe er den Schlangenkönig, ringsum Kumuda und die anderen [Begleiter] an.
12.130 Er verehre sie mit Gastwasser, Duftstoffen und den weiteren Gaben und rufe [Ananta] auch im Kalasha an. Nach der vorgeschriebenen Feuerdarbringung mit dem Ananta-Mantra …
12.131 … besprenge der treffliche Lehrer das Floß mit dem Wasser dieses Kalasha. Nachdem er das Floß so geweiht hat, setze er zu einem besonders günstigen Zeitpunkt …
Die Fahrt auf dem Wasser
12.132 … den Herrn mit den beiden Göttinnen darauf. Der Acharya, der Sadhaka, die eingeweihten Dienenden …
12.133 … und die weiteren dem Dienst hingegebenen Vaishnavas und Veda-Rezitatoren sollen rings um den Gott stehen. Für die übrigen ist ein gesondertes Floß vorgesehen.
12.134 Andere sollen das als Shesha gegenwärtige Floß nicht berühren. Die Lobpreissänger, die Varavanita-Künstlerinnen und die weiteren Instrumentalisten …
12.135 … mögen auf ihren jeweiligen gesonderten Flößen Tanz und weitere Darbietungen ausführen. Mit ringsum erklingenden Muschelhörnern, Trommeln und Veda-Rezitationen …
12.136 … mit Blumenregen und festlichen Darbietungen erfreue man den Gott. Man vollziehe drei, fünf oder sieben rechtsläufige Umrundungen.
12.137 Dann bringe man den Gott in die Halle in der Mitte des Teiches. Dort verehre ihn der treffliche Lehrer mit Gastwasser und den weiteren Gaben.
12.138 Ehrendes Wasser, Reisflocken, Kuchen, Kokossaft und Erfrischung sowie Betel mit wohlriechenden Mundgewürzen …
12.139 … bringe man dem Gott der Götter dar. Danach erfreue man auch die Dienenden mit Betel und weiteren Gaben. Bis zum Sonnenuntergang …
12.140 … erfreue man den Gott mit vielfältigen Darbietungen, bringe ihn dann wieder auf das Floß, fahre zum Ufer und hebe den Herrn vom Floß herab.
12.141 Nach dem rechtsläufigen Umzug um den Ort bringe man den Gott ins Tempelinnere. Man vollziehe zuerst die tägliche Archana und dann die besondere Verehrung …
12.142 … sowie alle Handlungen wie zuvor bis zur Besprengung mit dem Kalasha-Wasser. Der Auftraggeber erfreue den Guru mit Dakshina und weiteren Gaben.
12.143 So wurde die Ordnung des Floßfestes in Kürze beschrieben, ihr Zweimalgeborenen. Nun wird einiges über die Ordnung des Agrayana genannten Festes [der ersten Erntegabe] dargelegt.

Zur inneren Bildwelt: Das Floß wird als Shesha und das Wasser als Milchozean verehrt. Diese Zuordnungen stehen ausdrücklich im Text. Für die Meditation können sie die tragende göttliche Gegenwart veranschaulichen; die genauen Zugangsregeln des historischen Festes bleiben gesondert erkennbar.
Die erste Erntegabe
12.144 Im Monat Ashadha unter Purvaphalguni oder besonders unter Pushya, oder im Monat Magha am fünften oder siebten Mondtag, ihr Zweimalgeborenen, …
12.145 … sammle man zu einem günstigen Zeitpunkt das Getreide ein. Dafür nehme man den göttlichen Heerführer [Vishvaksena], Tarkshya oder Maruti …
12.146 … auf eine Sänfte. Gemeinsam mit dem gesamten Gefolge, unter vorausgehendem Instrumentalklang, mögen Acharya und Auftraggeber …
12.147 … das Feld aufsuchen. Der Guru lasse den Segensruf erklingen; als Mantrakundiger verehre er das Feld mit Gastwasser und den weiteren Gaben unter dem Erdmantra.
12.148 Auch die Sichel besprenge er und verehre sie mit dem Wurzelmantra. Dann bringe er ringsum den Feldhütern Bali-Gaben dar …
12.149 … Reis mit Dickmilch oder Milchreis, zum Gedeihen des Feldes. Zu einem günstigen Zeitpunkt vollziehe der Lehrer schweigend, mit dem Wurzelmantra, …
12.150 … den ersten Schnitt des Getreides. Danach lasse er die Bauern [weiter ernten], richte Getreidelasten her und sammle verschiedene Früchte.
12.151 Man lasse die zusammengetragenen Gaben unter Veda-Rezitation und Instrumentalklang tragen und umschreite mit Vishvaksena an der Spitze den Ort rechtsläufig.
12.152 Am Tempel angekommen, trete man ins Heiligtum und zeige etwas Getreide an der rechten Hand des Gottes vor.
Die Bereitung und Darbringung des Getreides
12.153 Danach trockne man es in der Sonne und führe das Stampfen aus. Den Ort bestreiche man ringsum mit Kuhdungwasser …
12.154 … und verziere ihn mit weißem Kalkpulver. Stößel und Mörser wasche man mit reinem Wasser und verehre sie mit Gastwasser, Duftstoffen und den weiteren Gaben.
12.155 Man lege das Getreide in den Mörser und lasse es zu einem günstigen Zeitpunkt stampfen, begleitet von Segensgesängen und dem Klang aller Instrumente …
12.156 … durch Brahmanenfrauen, deren Ehemänner leben, oder durch Gruppen von Devadasis. Mit der Worfelschwinge entferne man die Hülsen und wasche [die Körner] mit reinem Wasser.
12.157 Man reinige alles nochmals und bereite [die Körner] mit eingekochtem Rohzucker, Pfeffer, Kreuzkümmel und Kokosfrucht zu.
12.158 Nachdem man das Hauptbild und die weiteren Bilder besonders verehrt hat, bringe man diese Speisen dar. Danach erfreue man den Herrn im Feuer durch Darbringungen.
12.159 Am Ende des Feueropfers bringe man Reis dar [im Zusammenhang mit der Angabe „saptasamidhām“, deren genaue Funktion hier unsicher bleibt]. Danach lasse man alle dargebrachten Speisen an den Guru und die weiteren Mitwirkenden verteilen.
12.160 Dieses Agrayana genannte Fest des Gottes der Götter, das [dem Text zufolge] tausend Pferdeopfer übertrifft, soll man alljährlich veranstalten lassen.
Dank für die Lebensgrundlagen: Die erste Erntegabe schließt Feld, Werkzeug, landwirtschaftliche Arbeit und gemeinsame Speise ein. Eine heutige Übertragung liegt in der dankbaren und sorgsamen Beziehung zur Nahrung. Der Vergleich mit tausend Pferdeopfern ist eine religiöse Wertung der Quelle.
Das Schaukelfest
12.161 Hört nun die Ordnung des Schaukelfestes, ihr vortrefflichen Weisen! Zur Zeit des nördlichen oder des südlichen Sonnenlaufs …
12.162 … beginne man besonders in der hellen Monatshälfte am fünften, siebten, elften, zehnten oder zwölften Mondtag oder am Vollmond …
12.163 … und feiere das Fest sieben oder neun, fünf oder drei Tage lang, entsprechend den verfügbaren Mitteln und dem eigenen Wunsch.
12.164 In der Nacht vor dem Festbeginn vollziehe der treffliche Lehrer die Keimaussaat und das Anlegen des Schutzbandes nach der Vorschrift.
12.165 In der ersten oder zweiten Tempelumfriedung oder außerhalb des Torturms, an einem geschmückten, lieblichen Ort, …
12.166 … errichte man für das Schaukelfest eine Halle mit zweiunddreißig oder vierundzwanzig Säulen …
12.167 … oder mit sechzehn Säulen und vier Zugängen. Die Halle schmücke man mit Baldachinen in verschiedenen Farben …
12.168 … mit bunten feinen Gewändern und Perlenschnüren, mit Girlanden aus verschiedenen Blumen, mit Spiegeln, Wedeln und weiteren [Festgeräten], …
12.169 … mit verschiedenartigen schönen Bannern, Blumenbüscheln, Glocken, Fruchtgehängen und Reihen von Leuchten.
12.170 Den Boden im Inneren der Halle bestreiche man mit Moschus, Kumkuma, Kampfer und weiteren Duftstoffen; mit weißem Kalkpulver und weiteren [Stoffen] …
12.171 … schmücke man ihn besonders, streue schöne Blumen und ungebrochene Reiskörner darauf und durchdufte ringsum alles mit erlesenem Räucherwerk.
Die Schaukel als Gestalt heiliger Rede
12.172 Die Schaukel gestalte man nach Wunsch aus Gold, Silber, Kupfer oder Holz, gemäß den beschriebenen Merkmalen, rund oder viereckig …
12.173 … oder einem Tempelturm gleich, mit der gewünschten Anzahl von Ebenen, von vier oder zwei Säulen getragen.
12.174 Man schmücke sie besonders mit Baldachinen, verschiedenen Girlanden, Spiegeln und Bannern und hänge sie im Inneren der Halle auf …
12.175 … mit Seilen, eisernen Ketten oder passenden aus Flachs- beziehungsweise Baumwollfasern gefertigten [Aufhängungen]. Dann lasse der treffliche Lehrer …
12.176 … den Segensruf erklingen und besprenge als Mantrakundiger die Schaukel. In der Mitte ihres Sitzbrettes verehre er Ananta.
12.177 An den Füßen verehre er die mit Dharma beginnende Acht- oder Vierzahl, an den Säulen die Entfaltung Garudas, jeweils in der entsprechenden Ordnung.
12.178 Ebenso verehre er an den Seilen der Reihe nach die vier Vedas. Die Itihasas, Puranas und Vedangas …
12.179 … verehre man in den acht Richtungen des Sitzbrettes, ihr vortrefflichen Weisen. An den Füßen verehre man die vier umfassenden Mantras.
12.180 An den Bannern verehre man Savitri, an den Ehrenschirmen die Vyahritis, an den Wimpeln den Pranava und an den Torbögen die Vokale.
12.181 Auch die Fächer verehre man. Nachdem man die Schaukel so zu einer Gestalt heiliger Rede gemacht hat, verehre man rings um sie in den Richtungen Indra und die weiteren [Richtungshüter].
Innere Bedeutung im Text: Die Schaukel wird ausdrücklich als vāṅmayī, als aus heiliger Rede bestehend, bezeichnet. Vedas, Mantras und Laute werden ihren Teilen zugeordnet. So verbindet die Samhita sinnliche Festgestaltung mit Mantra und geistiger Sammlung.
Die Weihe der Schaukel
12.182 Vor der Schaukel oder an einem anderen dafür geeigneten Ort stelle man nach der Vorschrift auf einem Getreidesockel einen großen Kalasha mit acht Nebenkalashas auf.
12.183 Darin rufe man die für die Schaukel genannten Gottheiten an und verehre sie. In den acht Nebenkalashas verehre man Indra und die weiteren [Richtungshüter].
12.184 Man bereite das Feuer im Feuerbecken oder auf dem geweihten Bodenplatz wie zuvor, rufe jene Gottheiten darin an und vollziehe mit ihren jeweiligen Mantras der Reihe nach …
12.185 … jeweils acht Darbringungen mit Ghee und den weiteren Gaben. Nach der Vollopfergabe und den anschließenden Handlungen entlasse der Guru das Feuer.
12.186 Zu einem günstigen Zeitpunkt benetze er die Schaukel mit dem rituell gesammelten Ghee, besprenge sie mit Kalasha-Wasser und verehre sie besonders.
12.187 Rings um die Schaukel bringe man in den Richtungen Indra und den anderen Bali-Gaben dar. Nachdem man die Schaukel so geweiht hat, vollziehe man das Schaukelfest des Herrn …
Das sanfte Schaukeln des Herrn
12.188 … mit der Verehrung an den vier Stätten und den Bali-Gaben, zu Beginn und am Ende mit dem zuvor beschriebenen Bad.
12.189 Am Abend vollziehe man die tägliche und die besondere Verehrung und setze den Gott mit Shri und Pushti auf sein Fahrzeug.
12.190 Nach dem rechtsläufigen Umschreiten des Heiligtums bringe man ihn zur Schaukel, begleitet von Muschelhörnern, Trommeln und den segensvollen Klängen der Instrumente.
12.191 Zu einem günstigen Zeitpunkt und Aszendenten setze man den Herrn auf die Schaukel. Dort verehre man Jagannatha, den Herrn der Welt, mit den für den Schmücksitz beschriebenen …
12.192 … Gaben bis zum Schwenken des Lichtes. Dann führe man den Herrn zum Speisesitz und bringe die erlesene große Speisegabe, Kuchen und die weiteren Speisen dar …
12.193 … sowie Erfrischungen und die übrigen Gaben bis zum Betel. Man ergreife die Schaukelseile an den vier Seiten, ihr besten Zweimalgeborenen, …
12.194 … und bewege sie ganz sanft. Dabei preise der treffliche Lehrer den Gott der Götter mit dem Purusha Sukta und weiteren, vielfältigen [Lobgesängen].
12.195 Man bringe dem Gott besonders erlesenen Duft dar, mit Moschus, Kumkuma, Kampfer und den weiteren Stoffen bereitet.
12.196 Mit Palmblattfächern und Wedeln fächle man ihm besonders zu. Mit bunten Blumengirlanden, Gold- und Edelsteinketten und weiterem Schmuck …
12.197 … schmücke man zu dieser Zeit den Himmelsgott, ihr besten Zweimalgeborenen. Verschiedene Speisegaben, nochmals Wasser zum rituellen Trinken …
12.198 … sowie Betel mit wohlriechenden Mundgewürzen bringe man dar. Die Varangana-Künstlerinnen mögen zu dieser Zeit verschiedene Tänze ausführen.
12.199 Mit den Klängen von Vina und Flöte, mit verschiedenen Liedern und vielfältigen Lobgesängen erfreue man den Herrn der Götter.
12.200 Alle Lobpreissänger sollen ihn preisen, von Hingabe an Bhagavan erfüllt. Ebenso erfreue man ihn mit weiteren vielfältigen Diensten.
12.201 Wer den Gemahl der Shri sieht, während die Schaukel bewegt wird, erlangt hier das Ersehnte und gelangt zum höchsten Ziel [so die Verheißung des Textes].
Ergänzendes Video zur spirituellen Praxis; kein Bestandteil des Sanskrittextes.
12.202 Dann setze der Lehrer den Gott mit den beiden Göttinnen auf das Fahrzeug, umschreite das Heiligtum rechtsläufig und bringe ihn ins Tempelinnere.
12.203 Man feiere auf diese Weise das Fest einmalig oder drei, fünf, sieben oder neun Tage lang, jeweils abends nach der Vorschrift.
12.204 Am Festende vollziehe man wie zuvor die Handlungen bis zur Besprengung mit dem Kalasha-Wasser. Der Auftraggeber ehre den Acharya wie zuvor bei der Opferfeier.
Vishnus Ruhen und die viermonatige Disziplin
12.205 So ist die Ordnung des Schaukelfestes in Kürze dargelegt. Am zwölften Mondtag der hellen Hälfte des Monats Ashadha feiere man nun das Fest des Zur-Ruhe-Gehens [Vishnus].
12.206 Von diesem Tag bis zum entsprechenden Tag des Kaumuda genannten Monats [Karttika] ist der Herr der Welt durch die Askese der Yoga Nidra erfreut …
12.207 … und begibt sich zum Schutz der Welt in den yogischen Schlaf. Die an besondere Anlässe gebundenen, die monatlichen und die jährlichen Feste …
12.208 … mit ihren besonderen Opferfeiern sowie die Vervollständigung aller [Riten] ausgenommen, soll man in diesen vier Monaten keine weiteren anlass- oder wunschbezogenen [Sonderriten] durchführen.
12.209 Diese vier Monate verbringe man mit einem selbst gewählten Gelübde. Was die in der Hingabe an Bhagavan Gefestigten dabei tun sollen, wird nun beschrieben.
Die Vorbereitung des Ruhelagers
12.210 Vor dem Heiligtum oder an einem anderen Ort, ihr großen Weisen, richte man einen Schlafraum mit vollständigem Schmuck her …
12.211 … mit allen erforderlichen Gegenständen und einem geschmückten Ruhelager. Oder man bereite im Allerheiligsten rechts vom Hauptbild Vishnus …
12.212 … das Ruhelager mit allen notwendigen Gegenständen, ihr Brahmanen. Am zehnten Mondtag trage man sämtliche Materialien zusammen, ihr besten Zweimalgeborenen.
12.213 In der Nacht der Ekadashi verehre man den Herrn an den vier Stätten. In der Opferhalle verbringe man die Nacht wachend.
12.214 Wenn Brahmamuhurta gekommen ist, habe [der Lehrer] gebadet und seine täglichen Pflichten verrichtet. Zuerst vollziehe er die tägliche Verehrung, dann die Verehrung an den vier Stätten.
12.215 Dann entlasse er die Gegenwart des Herrn im Kalasha, Mandala und Feuerbecken. Mit Gastwasser, Duftstoffen, Blumen und gutem Räucherwerk …
12.216 … verehre er das Hauptbild. Von dort rufe er den Gott, begleitet von Shri und Bhumi, in das Ruhebild oder in ein Grasbündel.
12.217 Er bade und schmücke [das Bild] und verehre es bis zur Speisedarbringung. Bei Einbruch der Nacht vollziehe er die tägliche Verehrung des Herrn …
12.218 … und bringe das Ruhebild in den Schlafraum. Dort, westlich des Ruhelagers, setze er es auf einen goldenen Sitz …
12.219 … mit dem Gesicht nach Osten und verehre den Gott bis zur Speisedarbringung. Er vollziehe vorschriftsmäßig das Feueropfer und widme es [dem Herrn].
12.220 Auf dem Ruhelager rufe er Ananta an und lege den Gott nach der Vorschrift darauf. Die dort genannten, von der Lehre gebotenen Disziplinen …
12.221 … nehme er sich für die vier Monate bis zum Erwachen des Gottes fest vor. Dem Einhalten seines Gelübdes hingegeben, verehre er den Gott an jedem Tag.
12.222 Auch alle Vaishnavas mögen von diesem Tag an das vortreffliche Gelübde einhalten. Täglich erfreue man den Herrn mit den zu seinem Ruhen gehörenden Diensten.

Für die heutige Praxis: Das selbst gewählte Vrata kann dazu anregen, eine überschaubare Übung über einen festgelegten Zeitraum zuverlässig zu pflegen. Vishnus kosmischer yogischer Schlaf ist dabei von der heute als Yoga Nidra bekannten angeleiteten Entspannungspraxis zu unterscheiden.
Das Umdrehen und Erwachen des Herrn
12.223 Wenn so zwei Monate vergangen sind, im Monat Bhadrapada, vollziehe der leitende Lehrer am zwölften Mondtag der hellen Monatshälfte bei Einbruch der Nacht, ihr Zweimalgeborenen, …
12.224 … nach einer besonderen Opferfeier das Umdrehen [des ruhenden Gottes]. Das Erwachen des auf seinem Lager ruhenden Herrn feiere man dann …
12.225 … am zwölften Mondtag der hellen Hälfte des Monats Karttika, ihr Zweimalgeborenen. Am zehnten Mondtag beschaffe man wie zuvor alle Materialien.
12.226 In der Nacht der Ekadashi verehre man den an den vier Stätten gegenwärtigen Herrn besonders und verbringe die Nacht wachend.
12.227 Zur Brahmamuhurta der Dvadashi erwecke man die Mantragestalt. Zuerst vollziehe man die tägliche Verehrung, dann die Verehrung an den vier Stätten.
12.228 Danach verehre man das Ruhebild besonders, vom Baden bis zur Speisedarbringung, und bringe es ins Allerheiligste.
12.229 Die im Ruhebild gegenwärtige Mantra[-Gestalt] führe man in das Hauptbild zurück. Dann nehme man das geschmückte Festbild zusammen mit den beiden Göttinnen …
12.230 … auf einen Wagen oder anderen Träger, vollziehe mit den Prozessionsgeräten den rechtsläufigen Umzug um den Ort und stelle es wieder an seinen Platz.
12.231 Danach entlasse man die Gegenwart des Gottes im Kalasha, Mandala und Feuerbecken. Zu diesem Zeitpunkt beenden alle den Ashramas zugehörigen [Übenden] ihre Gelübde.
12.232 Der Auftraggeber erfreue dann den Guru und die weiteren Mitwirkenden, die Sadhakas und die Brahmanen, alle nach Kräften mit Goldgaben, ihr besten Zweimalgeborenen.
12.233 So wurden das Zur-Ruhe-Gehen und das Erwachen des Gottes beschrieben. Während Jagannatha ruht, soll man innerhalb der viermonatigen Zeit …
12.233z … das Anlegen der heiligen Pavitra-Schnüre vollziehen, das Ananta besonders erfreut.
Kolophon: So endet in der Ishvara Samhita des heiligen Pancharatra das zwölfte Kapitel, genannt „Die Ordnung der Feste der Monatshälften“.
Texthinweise zu Kapitel 12
Die 233 nummerierten Verse und der unnummerierte Schlusshalbvers sind vollständig erfasst. Grundlage sind die vorhandenen Devanagari-Vorlagen, die Sanskritausgabe von 2017 (Druckseiten 134–145) und gezielte Vergleiche mit den Scans des Drucks von 1923. Eine Kontrolle an der englischen kritischen Übersetzung von Kapitel 12 war mangels lokal vorhandenen Bandes III nicht möglich.
- 12.2–9: Die Verbindung śravaṇe cottare dine wird als Shravana und der folgende Tag verstanden; eine Zuordnung von uttara zu einem Mondstern bleibt erwägenswert. In 12.5 folgt die Lesefassung dem älteren paredyur daśanāḍī, in 12.7 kalāmātram statt des jüngeren kālamātram. Die Zeitbestimmungen werden nicht durch aktuelle Kalenderdaten ersetzt.
- 12.14, 25–40: In 12.14 wird nach der älteren Vorlage eine blumengeschmückte Überdachung verstanden. Parvan in 12.25 ist im Zusammenhang der hellen Monatshälfte als Vollmondtermin übersetzt. Die ausdrücklich als Spiel bezeichneten Gefechte sind Teil des historischen Festes; die Zutatenlisten sind keine Anleitung für heutige Körperanwendungen.
- 12.42, 53: Puruṣamātra ist ein traditionelles Menschenmaß, hier ohne feste Umrechnung. 12.53 folgt dem älteren yadvā (oder), während der jüngere Druck baddhvā (nachdem man gebunden hat) liest.
- 12.63–90: Die botanische Identifikation von Damanika bleibt offen. Die zahlreichen Mantra-Anfangsworte werden als Zitate der Samhita wiedergegeben, auch wo ihre Form von geläufigen Fassungen abweicht. Die Doppelung von atha punar eva nārāyaṇa in 12.66–67 steht in den Vorlagen; der ältere Druck nennt als Variante auch atha puruṣo nārāyaṇaḥ. Die farbige Digitalisierung des älteren Drucks bestätigt für 12.74 yannābhipadmād abhavat, für 12.76 pumpradhāneśvaro viṣṇuḥ und für 12.77 imāṃ mahopaniṣadam gegenüber entstellten jüngeren Lesarten. Viṣṇunāttam aśnanti in 12.76 und die Lesung pavitram ity agniḥ in 12.85 bleiben unsicher. Sie werden nicht durch rekonstruierte Vollmantras ersetzt.
- 12.81, 89: 12.81 folgt dem jüngeren cakraraśmi (Chakra-Strahlen); die ältere Vorlage bietet candraraśmi (Mondstrahlen). Die genaue Beziehung der beiden Brahmana-Bezeichnungen in 12.89 ist knapp formuliert. Dviṣaḍvarṇa bezeichnet zwölf Silben; die Übersetzung bewahrt die Unterscheidung zum achtsilbigen Mantra in 12.90.
- 12.99–103: Das Tuch vor dem Mund und die Beherrschung der Zunge gehören zur historischen Zubereitungsordnung. Die Zutaten werden quellentreu genannt, einschließlich Kampfer; der Abschnitt ist keine moderne Kochanleitung.
- 12.111–134: Die drei mit Shishira beginnenden Jahreszeiten gehören zur traditionellen Sechsteilung des Jahres. Die Zugangsbeschränkung zum geweihten Floß wird als historische Ritualregel wiedergegeben. Ananta und Shesha bezeichnen hier den göttlichen Schlangenträger; der Text selbst stellt die Verbindung zwischen Floß, Schlangenträger und Milchozean her.
- 12.144–159: Die kalendarische Verbindung in 12.144 bleibt knapp; aus ihr werden keine festen gregorianischen Erntetermine abgeleitet. Sadhava in 12.156 bezeichnet Frauen mit lebendem Ehemann und ist Teil historischer Vorstellungen von ritueller Auspiziosität. Die schwierige Angabe saptasamidhām in 12.159 könnte einen Rezitationsverweis enthalten; ihre genaue Funktion ist nicht gesichert. Es werden keine fehlenden Handlungsdetails ergänzt.
- 12.165, 175–181: In 12.165 folgt die Lesefassung der jüngeren Ortsbeschreibung als geschmückt und lieblich; die ältere Vorlage hat kutracit, „irgendwo“. Die Schreibweise der Eisenketten in 12.175 ist normalisiert. Die geistige Deutung der Schaukel in 12.181 steht ausdrücklich im Grundtext.
- 12.194–200: Die Singular- und Pluralformen in 12.194 wechseln zwischen den Bewegenden und dem rezitierenden Lehrer. Der vollständige Schmuckausdruck hemaratnasarādibhiḥ in 12.196 wurde am farbigen Scan des älteren Drucks kontrolliert. Divadevam in 12.197 wird als Himmelsgott wiedergegeben und nicht stillschweigend zu devadevam geändert.
- 12.205–209: Die Quelle nennt Dvadashi als Festtag. Kaumuda wird durch den Zusammenhang mit 12.225 als Karttika bestimmt. Tapasā yoganidrāyāḥ in 12.206 ist wörtlich als Askese der Yoga Nidra übersetzt und legt eine Personifikation nahe; der knappe Ausdruck wird nicht mit einer erfundenen Erzählung ausgefüllt. In 12.208 folgt die Lesefassung dem älteren kāmyam (wunschbezogen), nicht dem jüngeren kāryam.
- 12.215, 222, 227–233: Die gedruckte Form susubhena in 12.215 ist unregelmäßig; die Übersetzung versteht sie im Zusammenhang als eine günstige Eigenschaft des Räucherwerks. Die zusätzliche Wiederholung von sarve in der jüngeren Fassung von 12.222 entfällt nach dem älteren Druck. Die Mantragestalt in 12.227 und 229 bezeichnet die angerufene göttliche Gegenwart. Der abschließende Halbvers leitet zum Pavitra-Ritus über und trägt nur redaktionell die Kennung 233z.
Freude an Schönheit, Dank für Nahrung und eine verlässlich gepflegte Übung durchziehen dieses Kapitel. Seine Feste können heutige Übende daran erinnern, dass Bhakti sowohl im gemeinsamen Feiern als auch in der stillen Regelmäßigkeit des Alltags wachsen kann.
Kapitel 13 – Krishnas Geburt, Lakshmis Fest und das Licht der Hingabe
Krishnas Geburt wird mit Gebet, Musik, Tanz und dem Teilen von Speisen gefeiert. Das Kapitel führt weiter zur Verehrung Lakshmis, zum Lichterfest und zu den Feiern im Monat Margashirsha. Inmitten der Ritualfülle steht eine klare Lehre: Geistige Meditation, körperliche Handlung und sprachlicher Lobpreis sollen zusammenwirken. Auch historisch königliche Jagdriten gehören zum überlieferten Text und werden als solche eingeordnet.
Narada spricht:
Janmashtami und Jayanti
13.1 Hört nun vom Geburtsfest Krishnas, ihr vortrefflichen Weisen! Der Tag seiner Geburt wird auf zweifache Weise bestimmt.
13.2 Man nennt ihn Janmashtami oder Jayanti; ihr Unterschied wird nun erklärt. Wenn bei Mondaufgang der achte Mondtag vorliegt, ohne einen Anteil des siebten, …
13.3 … gilt dies als Janmashtami, auch ohne Verbindung mit Rohini. Besonders maßgeblich ist sie, wenn die Sonne im Löwen steht oder wenn sie in den Monat Shravana fällt.
13.4 Die Verehrung Vishnus an diesem Tag schenkt die Erfüllung von Dharma, Kama und Artha. Ist der Verehrende frei von eigennützigem Verlangen, trägt sie gewiss die Frucht des Kaivalya, der Befreiung.
13.5 Wenn Rohini bei Sonnenaufgang nicht einmal um eine Kala vom siebten Mondtag oder vom Mondstern Krittika berührt wird, ihr vortrefflichen Zweimalgeborenen, …
13.6 … ob mit dem achten Mondtag verbunden oder nicht, ob auf einen Mittwoch fallend oder nicht, …
13.7 … heißt dies Jayanti, weil sie das Unheil überwindet. Wenn Rohini am achten, neunten oder zehnten Mondtag …
13.8 … unberührt [von den ausgeschlossenen Überschneidungen] vorkommt, selbst nur für eine Kala, sollen Vaishnavas diesen Termin wählen. Eine solche Überschneidung sollen treffliche Vaishnavas keinesfalls wählen.
13.9 Fehlt ein reiner [Rohini-]Termin, kann Mrigashirsha gewählt werden. Die vorzügliche Jayanti liegt [nach der überlieferten Formulierung] im hellen Bhadrapada oder bei der Sonne im Löwen; die Monatsbestimmung ist textlich unsicher.
13.10 Wenn in diesem Monat der betreffende Mondstern zweimal vorkommt, ihr besten Weisen, feiere man das Fest beim späteren Auftreten; es tilgt [dem Text zufolge] schwere Vergehen.
13.11 Ist die spätere Rohini jedoch durch eine ausgeschlossene Überschneidung betroffen, feiere man beim früheren Auftreten. Ebenso wird empfohlen, eine Überschneidung mit einem Sonnenübergang zu vermeiden.
13.12 Fällt der Sonnenübergang in den Tag, lasse man die davorliegende Jayanti aus. Liegt die Verbindung danach in der Nacht, lasse man auch die damit verbundene [Jayanti] aus; die genaue zeitliche Zuordnung bleibt knapp formuliert.
13.13 Sind beide Jayanti-Termine vom Sonnenübergang betroffen, ihr vortrefflichen Weisen, feiere man unter Mrigashirsha oder bereits beim früheren Termin.
13.14 Ebenso ist bei der Jayanti Ramas, Narasimhas, Varahas, Vamanas und der weiteren Erscheinungsformen zu entscheiden.
Zum Kalender: Die Quelle unterscheidet Janmashtami und Jayanti anhand ihrer eigenen Tithi- und Nakshatra-Regeln. Diese historische Ordnung wird dokumentiert; die Angaben sind keine Berechnung gegenwärtiger Festtermine.
Die Vorbereitung des Geburtsfestes
13.15 An Krishnas Jayanti faste man besonders während des Tages und vollziehe die Verehrung in der Nacht. Ihre Ordnung wird nun beschrieben.
13.16 Nachdem er die täglichen Pflichten erfüllt hat, begebe sich der treffliche Lehrer abends in den Tempel des Herrn und vollziehe zuerst die tägliche Archana.
13.17 Vor dem Heiligtum errichte man eine Halle oder schmücke eine bereits vorhandene Halle besonders sorgfältig.
13.18 Sie habe vier Zugänge, sei mit Bannern und Torbögen geschmückt und ringsum durch verschiedene bunte Baldachine verschönert.
13.19 Ringsum bringe man große seidene Vorhänge an; Perlenschnüre und vielfältige Blumengirlanden sollen sie erstrahlen lassen.
13.20 Man schmücke sie mit Bananen, Jambu- und Jambira-Früchten, Kokosnüssen und weiteren Früchten, mit Bananenstämmen und Büscheln von Arekafrüchten.
13.21 Spiegel und Lichterketten schmücken sie; Räucherwerk durchduftet sie. Der Boden sei mit Kumkuma, Agaru und Moschus bestrichen …
13.22 … und ringsum mit farbigen Mustern aus weißem Kalkpulver und weiteren Stoffen verziert. In der Mitte erstrahle ein herrlicher edelsteinbesetzter Sitz.
13.23 Nachdem man die Halle so vorbereitet und geschmückt hat, bringe man das Krishna-Bild herbei und stelle es auf den Ehrensitz.
13.24 Man verehre es mit Gastwasser und den weiteren Gaben. Mit seiner Erlaubnis lege man danach die Blumenaussaat an und vollziehe das Anlegen des Schutzbandes.
13.25 Nordöstlich des Gottes stelle man den großen Kalasha auf. Vor ihm zeichne man nach der Vorschrift das Mandala …
13.26 … und vor der Halle richte man das Feuerbecken her. Nachdem der Guru alles so vorbereitet hat, [verweile er] bis zum Mondaufgang …
Gesang, Mantra und nächtliche Verehrung
13.27 … rechts vom Gott und rezitiere den achtsilbigen Mantra. Er lasse von Krishnas Herrlichkeit und weiteren vishnuitischen Geschichten singen.
13.28 Mit Gesängen, Tänzen und festlichen Darbietungen erfreue man den Herrn der Welten. Wenn der Mond aufgegangen und die Geburtszeit des Weltenherrn gekommen ist, …
13.29 … verehre man Krishna im Kalasha und im Mandala nach der beschriebenen Ordnung. Danach verehre man den Gott im Bild bis einschließlich des Mantra-Sitzes.
13.30 Nach vorausgehendem Feueropfer bade man den Gott mit einundachtzig Gefäßen oder vollziehe die Übergießung nach der Vorschrift mit fünfundzwanzig Kalashas.
13.31 Man führe ihn zum Schmücksitz und verehre ihn besonders bis zum Schwenken des Lichtes. Danach führe man ihn zum Speisesitz.

Die Speisen für Krishna
13.32 Man verehre ihn mit Gastwasser und den weiteren Gaben und reiche das ehrende Wasser. Dann bringe man Madhuparka, frische Butter und Zucker dar.
13.33 Kuhmilch mit Ghee, verschiedene Früchte, Reisflocken und weitere Speisen sowie Stücke von Rohzucker [bringe man dar], …
13.34 … besonders zubereitet mit Urd- und Mungbohnen, Sesam, Gerste, Dickmilch, Honig, Ghee und Milch sowie Kurkuma, Kreuzkümmel, Kardamom und weiteren Zutaten.
13.35 Verschiedene in Kuhghee gegarte Speisen [reiche man] in ihrer Reihenfolge, ebenso vortreffliche, gut gekochte Milch; die Formulierung der Speisenfolge ist im Sanskrit unregelmäßig.
13.36 Kühles erfrischendes Wasser und besonders süßen Trank, vielerlei feste Speisen, Mahlzeiten, Leckbares und Getränke …
13.37 … bringe der treffliche Lehrer dem Gott der Götter dar, bis zur abschließenden Matra-Gabe. Danach reiche er Betel mit wohlriechenden Mundgewürzen.
Feueropfer und Arghya
13.38 Nach der Vollendung des Japa-Opfers begebe er sich zum Feuerbecken. Im dort errichteten Feuer bereite er den Yoga-Sitz.
13.39 In dessen Mitte rufe der Mantrakundige Krishna an und versehe ihn mit seinen vollständigen Gliedern. Nach dem Feueropfer mit Opferhölzern bringe er die Vollopfergabe dar.
13.40 Danach entlasse der Guru den Gott und das Feuer und widme das vollzogene Feueropfer dem Gott der Götter.
13.41 Besonders vollziehe er die Darbringung des Arghya, die alle Früchte schenkt [so der Text]. Ihre Ordnung werde ich nun erklären. Auf dem Boden vor dem Gott …
13.42 … bestreiche man einen schönen kreisförmigen Bereich mit Kuhdung und verziere ihn mit weißem Kalkpulver. Mit Duftstoffen, Blumen, ungebrochenen Reiskörnern und Früchten …
Gebete an den Mond
13.43 … verehre man in diesem Mandala den Mond zusammen mit Rohini. Dann verneige man sich mit diesem Mantra vor ihm, ihr Zweimalgeborenen:
13.44 „Herr des Mondscheins, Verehrung dir! Verehrung dir, Herr der Gestirne! Verehrung dir, Geliebter Rohinis! Gefäß des Nektars, Verehrung sei dir!“
13.45 Nachdem man so den Mond gegrüßt und ihm Arghya dargebracht hat, fülle man ein Muschelhorn mit Wasser, das mit Kuhmilch vermischt ist.
13.46 An der Spitze des Muschelhorns verehre man den Mond, an seiner Basis Krishna. Mit beiden Händen nehme man das Muschelhorn samt Blumen, Früchten und Sandel …
13.47 … berühre mit beiden Knien die Erde und bringe dem Mond Arghya dar: „Aus dem Milchozean Hervorgegangener, aus Atris Auge Entstandener, …
13.48 … o Mond mit dem Hasenzeichen, nimm zusammen mit Rohini meine Arghya-Gabe an!“ Diese Darbringung des Arghya an den Mond erfreut Krishna …
Die Arghya-Gabe an Krishna
13.49 … erfreut alle Götter und lässt alle Saaten gedeihen [so der Text]. Danach bringe man Krishna mit diesem Mantra Arghya dar, ihr Zweimalgeborenen:
13.50 „Du bist geboren, um Kamsa zu bezwingen, die Erde zu erretten, den Pandavas Gutes zu tun und Dharma wieder aufzurichten, …
13.51 … um die Kauravas zu vernichten und die Daityas zu besiegen. O Hari, nimm gemeinsam mit Devaki die Arghya-Gabe an, die ich dir darbringe!“
13.52 Diese Darbringung des Arghya an Krishna lässt [dem Text zufolge] König und Land gedeihen, bringt alles Wohlergehen hervor und dient dem Wohl aller Welten.
Zu den Gebeten: Die Mond- und Krishna-Gebete stehen im Sanskrittext selbst. Krishnas Kampf gegen Kamsa, Kauravas und Daityas gehört zu ihrer erzählerischen Welt. Eine heutige Meditation über innere Hindernisse wäre eine zusätzliche Deutung und wird nicht in die Übersetzung hineingeschrieben.
Gaben, Teilen und das Ruhelager
13.53 Auch der Auftraggeber darf dem Weltenherrn auf diese Weise Arghya darbringen: zur Erfüllung des Ersehnten in dieser Welt und zum Erlangen von Glück in der jenseitigen.
13.54 Zu dieser Zeit gebe der Auftraggeber den Lehrern und weiteren [Beteiligten] Kühe, Land und Gold in reichem Maß, besonders zur Freude des Gottes.
13.55 Der Lehrer erfreue dann den Gemahl der Shri mit vielfältigen Gaben, Betel und den weiteren Darbringungen sowie mit Japa, Stotras und weiteren [Formen der Verehrung].
13.56 Die dargebrachten Mahlzeiten und Speisen teile man in vier Teile. Einen Teil nehme der Acharya selbst; mit den übrigen drei …
13.57 … erfreue man die Hüter der Gottesbilder, die anderen Vaishnavas, die Bhaktas und die trefflichen Bhagavatas. Anschließend erfreue man alle mit Betel und den weiteren Gaben.
13.58 Die Gegenwart des Gottes im Kalasha und im Mandala entlasse man wie zuvor. Danach lasse der Guru das Ruhelager für den Gott der Götter bereiten.
13.59 In einer schönen Halle errichte man eine herrliche edelsteinbesetzte Schaukel, mit weichem Kissen und Polster versehen und an goldenen Seilen aufgehängt, …
13.60 … mit goldenen Glöckchen und herabhängenden Perlenschnüren geschmückt, mit Moschus, Kumkuma und weiteren Duftstoffen parfümiert und mit Räucherwerk durchduftet.
13.61 Dort verehre der Guru Ananta und lege den Gott darauf. Er verehre ihn mit den zum Ruhesitz gehörenden Gaben.
Fastenbrechen und fröhliche Nachtwache
13.62 Nachdem er so das eintägige Fest bis zum Zur-Ruhe-Legen vollzogen hat, nehme der Acharya gemeinsam mit den Vaishnavas die anschließende heilige Mahlzeit, den Anuyaga, ein.
13.63 Für die Vaishnavas ist das Fastenbrechen am Ende des Festes vorgesehen, ihr Zweimalgeborenen. Oder es kann im Wunsch nach der [entsprechenden] Frucht am folgenden Tag stattfinden.
13.64 Im verbleibenden Teil der Nacht verweile der Acharya gemeinsam mit Bhaktas und Bhagavatas in der Gegenwart des Gottes und lasse vishnuitische Geschichten singen.
13.65 Mit Gesängen, Tänzen und heiterem Lachen verbringe man die Nacht wachend. Am Morgen bade der Acharya und verrichte seine täglichen Pflichten.
Freude als Ausdruck der Hingabe: Der Text nennt ausdrücklich Gesang, Tanz und Lachen. Die gemeinsame Nachtwache ist auch eine Feier der Gegenwart Krishnas. Für heutige Übende können Kirtan und gemeinsames Hören heiliger Geschichten eine verwandte Form der Bhakti sein.
13.66 Er erwecke den Gott nach der Vorschrift und vollziehe die tägliche Puja. Besonders verehre er ihn durch das Baden und die weiteren Handlungen bis zur Speisedarbringung.
Krishnas festlicher Umzug
13.67 Dann schmücke man Krishna mit verschiedenen Gewändern und Schmuckstücken und setze ihn auf einen herrlichen Elefanten, ein Pferd, in eine Sänfte oder auf einen Wagen …
13.68 … befestige ihn sicher, schmücke ihn besonders und vollziehe den festlichen rechtsläufigen Umzug des Gottes der Götter um den Ort.
13.69 Mit schönen, kunstvoll aus Holz errichteten Torbögen auf vier Säulen, mit bunten Tüchern und Baldachinen, Früchten und jungen Zweigen, …
13.70 … an denen in der Mitte Milchkrüge, Buttergefäße und Töpfe mit Dickmilch herabhängen, [schmücke man den Festweg], …
13.71 … mit bunten Bannern und Wimpeln, Baldachinen mit Hunderten von Blumengirlanden, Fruchtgehängen und Bananenstämmen.
13.72 Durch die so geschmückten, mit erlesenem Kumkuma-Wasser besprengten, mit weißem Kalkpulver verzierten und mit Blumen und ungebrochenen Reiskörnern bestreuten …
13.73 … und mit erlesenem Räucherwerk durchdufteten Straßen führe man den Gott der Götter ganz langsam und in festlicher Anmut, ihr besten Zweimalgeborenen.
13.74 Ehrenschirme, Banner und Wimpel, Lobpreissänger, Ganika-Künstlerinnen, Instrumentalklang, Veda-Rezitation sowie Bhaktas und treffliche Bhagavatas begleiten ihn.
Das Spiel der Hirtenknaben
13.75 Sie verteilen untereinander Öl und Kurkumapulver, frische Butter, Dickmilch, Milch, Blumen und weitere [Festgaben], …
13.76 … werfen sie einander zu, lachen, kosten davon und erfreuen die Bittenden mit Butter, Ghee und weiteren Gaben.
13.77 Sie geben den Frauen des Ortes Betel und Kurkumapulver und bestreuen den unvergänglichen Krishna mit Blumen, Duftstoffen und Kumkuma.
13.78 Die Hirtenknaben heben die Hände, rufen laut und zerschlagen vor Krishna die Gefäße mit Dickmilch und weiteren [Milchspeisen] auf dem Boden.
13.79 Sie trinken Milch und Dickmilch, bespritzen einander, kosten die frische Butter und werfen sie einander auf vielfältige Weise zu.
13.80 Menschen aus den Abhira-Familien beteiligen sich in der Haltung von Krishnas Gefährten; sie klettern an den Torbogensäulen hinauf, tanzen und rufen immer wieder laut.
13.81 Immer wieder schlagen sie mit Stöcken gegen die an der Vorrichtung befestigten Gefäße und trinken an den jeweiligen Stellen den daraus fließenden Strom.
13.82 Mit den so in das Spiel vertieften Bhaktas und solchen festlichen Darbietungen vollziehe man den rechtsläufigen Umzug um den Ort und bringe [Krishna] ins Tempelinnere.
13.83 Man führe den Gott in die Versammlungshalle, setze ihn auf einen goldenen Sitz und verehre ihn mit vielfältigen Speisegaben …
13.84 … sowie mit Betel und den weiteren Diensten; danach bringe man ihn ins Innere. Einmalig oder drei, fünf, sieben oder neun Tage lang, …
Die Geburtstage der göttlichen Erscheinungsformen
13.85 … eine Monatshälfte oder einen Monat lang erfreue man den Herrn auf diese Weise durch Feste. So verehre man Krishna, ob in eigenständiger oder in untergeordneter [Tempelstellung].
13.86 Ist kein Krishna-Bild vorhanden, verehre man an Jayanti mit besonderer Hingabe die im jeweiligen Tempel gegenwärtige Gottheit.
13.87 Ebenso verehre man Narasimha, Rama, Varaha, Vamana und die weiteren [Erscheinungsformen] an ihren jeweiligen Geburtstagen mit einem sorgfältig ausgeführten besonderen Bad …
13.88 … und einer großen Speisegabe an den vier Stätten. Die Verehrung des Herrn im Kalasha, Mandala, Bild und Feuer …
13.89 … vollziehe man in der vollständigen Form. In einer zugelassenen Ersatzform verehre man ohne Mandala im Kalasha und den weiteren Stätten oder nur im Bild und im Feuer.
13.90 Wer so voller Bhakti das vortreffliche Jayanti-Fest veranstalten lässt, erlangt hier das Ersehnte und erreicht den Zustand des Sayujya, der Vereinigung [mit dem Göttlichen].
Ergänzendes Video zur spirituellen Praxis; kein Bestandteil der Samhita.
Das Fest der Vira-Lakshmi
13.91 Nun werde ich die Ordnung des Festes der Vira-Lakshmi beschreiben, das im Monat Ashvayuja zu feiern ist und alle Vollendung schenkt, ihr vortrefflichen Weisen.
13.92 In der hellen Hälfte dieses Monats feiere man das Fest der Göttin Shri am neunten Mondtag, der nicht einmal um eine Kala vom achten berührt wird.
13.93 Auf diesen Tag abgestimmt feiere man ein neuntägiges Fest. Fällt ein Mondtag aus, beginne man das Fest bereits am Neumond.
13.94 Bei einer Verlängerung [eines Mondtages] beginne man das neuntägige Fest am zweiten Mondtag. Oder man feiere sieben, fünf, drei oder nur einen Tag.
13.95 Man vollziehe Lakshmis Fest im Wunsch nach seiner Frucht, ihr Zweimalgeborenen. Das neuntägige wird Vaishnava genannt, das siebentägige Apaka [dem Wasser zugeordnet; die Lesarten unterscheiden sich].
13.96 Das fünftägige heißt Aindra, Indra zugeordnet; das dreitägige Shaiva, Shiva zugeordnet; das eintägige Brahma zugeordnet. So werden fünf Formen genannt.
13.97 Die Brahma-Form dient der Brahman-Vollendung, die Shiva-Form der Beseitigung von Krankheit, die Indra-Form der Abwendung von Hungersnot; die dem Wasser zugeordnete Form lässt das Land gedeihen [so die religiösen Wirkungsangaben].
13.98 Vom Vaishnava-Fest heißt es, es schenke die Früchte von Bhakti und Mukti. In der Nacht vor dem Festbeginn [vollziehe man] die Keimaussaat …
13.99 … und der treffliche Lehrer lege nach der Vorschrift das Schutzband an. Zu Beginn und am Ende bade er nach dem Adhamottama-Verfahren …
13.100 … die Göttin Shri mit dem Shri-Mantra. Täglich vollziehe er nach der täglichen Puja eine besondere Verehrung …
13.101 … im Kalasha, Mandala, Bild und Feuer nach der Vorschrift. Die jeweiligen Besonderheiten werden nun beschrieben, ihr Zweimalgeborenen.
Die göttlichen Begleiterinnen und die Tore
13.102 Bei der Kalasha-Verehrung verehre man die Göttin Shri im mittleren Kalasha und Sudarshana wie zuvor im Vardhani-Gefäß.
13.103 In den acht Nebenkalashas sind Lakshmi, Kirti, Jaya und Maya zu verehren, ihr Zweimalgeborenen: der Reihe nach von Osten aus, in der Ordnung des Hervortretens und des Zurückkehrens.
13.104 Hört nun die Ordnung der Torverehrung, ihr vortrefflichen Weisen! An allen Toren verehre man die beiden, Vastvisha und Kshetrapala.
13.105 Lakshmi, Kirti, Jaya und Maya befinden sich der Reihe nach oberhalb der Tore. Srishti, Lajja, Jaya, Maya, Savitri und Kshama …
13.106 … sowie Shuddha und Ashuddha [stehen] je zu zweit an den Torpfosten, beginnend im Osten. Ebenso [verehre man] in den acht Torkalashas Jyeshtha und Vidya …
13.107 … Shraddha und Kanti, Kriya und Srishti sowie die als Kshamamurti und Jaya Benannten; man vollziehe die Verehrung der Reihe nach paarweise. Die Abgrenzung der letzten beiden Namen ist nicht ganz sicher.
13.108 Am östlichen Tor verehre man Chandi und Prachandi, südlich beziehungsweise nördlich, an den Füßen der Torbogensäulen.
13.109 Im Süden verehre man Balakini und Vanamalini, im Westen Vibhishika und Shankari.
13.110 Ebenso verehre man am nördlichen Tor die Schätze Shankha und Padma, an den Wimpeln Satya und die weiteren sowie Indra und die übrigen [Richtungshüter] in ihrer Reihenfolge.
13.111 Man verehre sie wie zuvor, ihr Brahmanen. Dies ist die Reihenfolge der Torverehrung. Morgens nach der besonderen Opferfeier vollziehe man den Festumzug.
Lakshmis Umzug und Speisedarbringung
13.112 Man setze die Göttin Shri in eine goldene Sänfte oder in einen Blumenpavillon, schmücke sie besonders …
13.113 … und führe sie mit sämtlichen Prozessionsgeräten rechtsläufig um den Ort. Nach dieser Feier bringe man die Göttin in die Versammlungshalle …
13.114 … setze sie auf einen goldenen Sockel und verehre sie der Reihe nach mit den für den Schmücksitz vorgesehenen Gaben. Danach führe man sie zum Speisesitz.
13.115 Man bringe Gastwasser und die weiteren Wassergaben, das ehrende Wasser und Madhuparka dar, ferner Reis mit Mungbohnen, Milchreis und verschiedene Speisen …
13.116 … sowie Reisflocken und weitere Gaben an die Göttin Shri. Kühle Erfrischung und Kokossaft …
13.117 … reiche man ihr und danach Betel mit wohlriechenden Mundgewürzen. Dann vollziehe der Mantrakundige das Japa-Opfer mit dem Lakshmi-Mantra.
13.118 Die dargebrachten Gaben teile man danach in vier Teile. Einen davon lasse man dem Acharya geben.
13.119 Alle verbleibenden Teile lasse man an die Bhaktas verteilen. Mit Stotras, verschiedenen Tänzen, Liedern und Instrumentalklängen …
13.120 … erfreue man Lakshmi, die alle ersehnten Früchte schenkt. Danach bringe man Lakshmi ins Tempelinnere.
13.121 So vollziehe man das große Fest täglich bis zum neunten Mondtag, morgens und abends begleitet von der Verehrung an den vier Stätten.
Der Abschluss an Mahanavami
13.122 Am neunten Mondtag feiere man wie zuvor. In der Nacht, nach der besonderen Opferfeier, führe man die im Feuerbecken und im Mandala gegenwärtige …
13.123 … Shri in das Herz zurück. Den Kalasha bringe man vor die Göttin und verehre Shri unter Rezitation des Shri Sukta.
13.124 Man besprenge [sie] mit Kalasha-Wasser, löse das Schutzband, verehre sie bis zur Speisedarbringung, werfe sich nieder und bitte um Vergebung.
13.125 Der Auftraggeber erfreue den Acharya und die übrigen Mitwirkenden mit Ehrengaben. Wer so voller Bhakti das Mahanavami-Fest veranstalten lässt, …
13.126 … erlangt [dem Text zufolge] langes Leben, Gesundheit, Wohlergehen, Ausstrahlung, Ruhm, Nachkommenschaft und alles Ersehnte und erreicht die Vereinigung mit Brahman.
Spirituelle Anregung: Bei Lakshmis Fest folgen auf die Gaben das Teilen und die Bitte um Vergebung. Das kann an Dankbarkeit, Großzügigkeit und die Bereitschaft erinnern, eigene Grenzen anzuerkennen. Die genannten Wirkungsverheißungen werden als religiöse Aussagen wiedergegeben.
Das Jagdfest am zehnten Mondtag
13.127 Am folgenden zehnten Mondtag feiere man nach der nun beschriebenen Ordnung das Jagdfest des Gottes, das dem Land Gedeihen bringt [so der Text].
13.128 Bereits am neunten Mondtag bringe man das besonders geschmückte Pferd des Gottes sowie seine Waffen, den Bogen und die weiteren [Geräte], …
13.129 … an das Ufer eines Flusses oder Teiches. Dort bade man das Pferd und die Waffen.
13.130 Man schmücke sie besonders mit Girlanden, Gewändern und weiteren Gaben. Mit Ehrenschirmen, Bannern und Wimpeln, mit Tanz und Instrumentalklang …
13.131 … führe man sie rechtsläufig um den Ort und in den Tempel. Dort verehre der Mantrakundige das Pferd des Gottes mit dem Tarkshya-Mantra …
13.132 … mit Gastwasser, Duftstoffen und den weiteren Gaben bis zur Speisedarbringung. Ebenso verehre der Lehrer die Waffen mit ihren jeweiligen Mantras.
13.133 Am zehnten Mondtag vollziehe man zuerst die tägliche Verehrung des Gottes der Götter und bringe den Gott im Prozessionsbild in die Versammlungshalle.
13.134 Dort bade man den Gott mit fünfundzwanzig Gefäßen, verehre ihn auf dem Schmücksitz und bringe die große Speisegabe dar.
13.135 Man setze den Gott auf das Pferd, statte ihn mit dem für die Jagd geeigneten Schmuck aus und führe ihn mit den Prozessionsgeräten …
13.136 … gemeinsam mit Bhaktas, Bhagavatas und gerüsteten, bewaffneten Kriegern in einen großen Wald. An den jeweiligen Orten …
13.137 … bringe man die Knollen, Wurzeln, Früchte und verschiedenen Blumengirlanden dar, die Waldeinsiedler, Asketen und andere voller Hingabe gegeben haben.
13.138 Man bringe diese Gaben dem Gott der Götter dar und führe ihn zum Feuerbaum [Shami]. Nach der rechtsläufigen Umrundung setze man ihn dort in einer Überdachung …
13.139 … auf einen Ehrensitz am Fuß des Baumes. Nach vorausgehendem Segensruf verehre man die Waffen.
13.140 Der Lehrer nehme ein Shami-Blatt, lege es unter dem Wurzelmantra auf das Haupt des Gottes und verehre ihn mit Gastwasser und den weiteren Gaben.
13.141 Nach der Darbringung von Betel nehme der Lehrer mit der Erlaubnis des Gottes Bogen und Pfeile auf: zum Sieg in allen Richtungen, …
13.142 … zur Vernichtung aller Feinde und zum Gedeihen von König und Land [nach dem rituellen Zweck]. Vier Pfeile in die vier Richtungen und zwei weitere nach oben und unten …
13.143 … schieße er mit dem Waffenmantra oder mit dem vedischen Vers, dessen Anfang als „dhanvanāga“ angeführt wird. Danach verehre man den Gott der Götter mit verschiedenen Gaben.
13.144 Wenn der Abend gekommen ist, setze man den Weltenherrn auf das Pferd. Begleitet von Hunderten von Leuchten und verschiedenen Instrumenten …
13.145 … führe man ihn rechtsläufig um den Ort und ins Tempelinnere. Der Lehrer bade den Herrn mit neun Kalashas und schmücke ihn.
13.146 Er verehre den Herrn mit Shri und Pushti bis zur Speisedarbringung. So wurde das am zehnten Mondtag zu feiernde Fest beschrieben.
Historischer Kontext: Das Jagdfest verbindet Tempelliturgie und königliche Herrschaft. Waffen, Feindvernichtung und Siegeswünsche gehören ausdrücklich zu dieser historischen Ritualwelt. Sie werden weder zu einer modernen Yoga-Übung noch zu einer bloß inneren Allegorie umgedeutet.
Der Zeitpunkt des Lichterfestes
13.147 Nun werde ich das unvergleichliche Lichterfest beschreiben. An dem Vollmond, bei dem die Sonne im Skorpion steht, ihr Zweimalgeborenen, …
13.148 … der bei Tagesanbruch nicht einmal um eine Kala vom vierzehnten Mondtag oder vom Mondstern Bharani berührt wird, ob mit Krittika verbunden oder nicht, ihr großen Weisen, …
13.149 … vollziehe man das Aufstellen der Lichter zur Stier-Zeit. Erstreckt sich der Vollmondtermin über zwei Tage, wähle man den späteren.
13.150 Für das Lichterfest und entsprechende Feiern genügt dabei selbst ein Anteil von einer Kala des Vollmondtermins. Ist kein reiner Vollmondtermin verfügbar, vollziehe man die Lichterfeier am ersten Mondtag danach.
13.151 Treten in jenem Monat zwei Vollmondtermine auf, ihr besten Zweimalgeborenen, feiere man das Lichterfest am Vollmond gegen Ende des Monats.
13.152 Ist dieser durch einen Sonnenübergang beeinträchtigt, feiere man am früheren. Liegt bei beiden ein Sonnenübergang vor, wähle man den mit Krittika verbundenen …
13.153 … Vollmond für das Aufstellen der Lichter, ihr besten Weisen. Sind beide Vollmondtermine nicht mit Krittika verbunden, ihr Zweimalgeborenen, …
13.154 … feiere man an einem mit Rohini verbundenen Vollmond. Fehlt auch die Verbindung mit Rohini, dann [feiere man] am Vollmond gegen Monatsende, …
13.155 … selbst wenn dieser vom Sonnenübergang betroffen ist. Ist der Vollmond dagegen durch eine Mondfinsternis beeinträchtigt, ihr Zweimalgeborenen, …
13.156 … spare man die sieben Nadikas davor und danach aus und vollziehe die Lichterfeier innerhalb der übrigen Nacht; sie bringt [dem Text zufolge] König und Land Wohlergehen.
13.157 Nach sorgfältiger Berücksichtigung dieser Regeln vollziehe der Kundige das Lichterfest. Seine Ordnung werde ich ausführlich beschreiben, ihr vortrefflichen Weisen.
Die Vorbereitung der Lichterfeier
13.158 An diesem Tag reinige man den Tempel des Gottes der Götter ringsum, ihr Zweimalgeborenen, vom Heiligtum bis zur äußersten Umfriedung.
13.159 Brahmanische Dienende sollen ihn mit reinem Wasser waschen. Mit Darbha-Gras an Stäben, vermischt mit Sahadevi-Pflanzen, …
13.160 … reinige man ringsum und bestreiche den Ort mit Kuhdungwasser. Danach besprenge man ihn unter dem Waffenmantra mit Panchagavya und Kusha-Wasser.
13.161 Man verziere den Boden mit weißem Kalkpulver und bestreue ihn mit ungebrochenen Reiskörnern. Ringsum schmücke man alles mit Baldachinen und Blumengirlanden.
13.162 Mit Räucherwerk aus Sandel, Agaru und Kampfer durchdufte man alle Bereiche. Am Nachmittag begebe sich der Lehrer mit den Hütern der Gottesbilder …
13.163 … ins Heiligtum und verehre den Herrn im Hauptbild mit Gastwasser, Duftstoffen und den weiteren Gaben. Von dort rufe er ihn in das Festbild …
13.164 … zusammen mit Shri und Pushti und verehre ihn. Das Prozessionsbild setze man in der Versammlungshalle auf einen Ehrensockel.
13.165 Nach der Blumenaussaat lege der treffliche Lehrer dem Hauptbild und den weiteren Bildern nach der Vorschrift das Schutzband an, ihr Zweimalgeborenen.
13.166 Danach vollziehe er die Verehrung an den vier Stätten nach der beschriebenen Ordnung und bade den Gott mit fünfundzwanzig Gefäßen.
13.167 Nach der Verehrung des Herrn der Götter mit der großen Speisegabe, Kuchen und weiteren Speisen vollziehe er die Weihe der Leuchten.
Die Weihe und das Entzünden der Lampen
13.168 Vor dem Hauptbild bereite man einen Getreidesockel. Man nehme ein goldenes, silbernes, kupfernes oder tönernes …
13.169 … Lampengefäß, fülle ein Adhaka Kuhghee hinein und setze einen Docht in seine Mitte …
13.170 … aus neuen Stoffstreifen oder Baumwollfasern. Dieses Gefäß stelle man auf den Getreidesockel, ihr vortrefflichen Weisen.
13.171 Rings um dieses Gefäß stelle man acht mit Ghee gefüllte Schalen samt Dochten auf, der Reihe nach von Osten aus.
13.172 Nach dem Segensruf besprenge man sie mit Wasser des Waffenmantras. In der Abenddämmerung lasse man die Lampengefäße von eingeweihten Zweimalgeborenen tragen …
13.173 … und begebe sich zum Feuerbecken. Mit dessen Feuer entzünde man die Leuchten unter dem Augenmantra und lasse sie von den Brahmanen weitertragen.
13.174 Unter Veda-Rezitation und Instrumentalklang umschreite man das Heiligtum rechtsläufig und stelle die Leuchten vor dem Gott wie zuvor auf den Sockel.
13.175 Mit dem Augen- oder Feuermantra verehre man die Leuchte durch Gastwasser und die weiteren Gaben. Dann, zu einem günstigen Zeitpunkt mit dem Stier als Aszendenten, möge der treffliche Guru …
13.176 … nach der Verehrung des Gottes die hell leuchtende Lampe aufnehmen, unter dem Augenmantra oder unter dem vedischen Vers mit dem Anfang „uddīpyasva“ …
13.177 … sie dem Gott der Götter unter allen segensvollen Begleitungen zeigen und sie einem Dienenden in die Hand geben.
13.178 Mit dieser Flamme entzünde man sämtliche Leuchten, die an allen Toren, in den Hallen und Umfriedungen aufgestellt sind, ihr vortrefflichen Zweimalgeborenen.
13.179 Dann setze man das Festbild zusammen mit Shri und Pushti auf sein Fahrzeug und schmücke es besonders mit Gewändern und den weiteren Gaben.

Spirituelle Anregung: Eine Flamme entzündet viele weitere Leuchten. Als heutiges Meditationsbild kann dies daran erinnern, dass geteilte Freude und hilfreiches Handeln andere ermutigen können.
Der Umzug mit den Leuchten
13.180 Mit den Prozessionsgeräten, mit Tausenden von Leuchten und mit Zweimalgeborenen, die die dem Feuer zugeordneten Mantras rezitieren, …
13.181 … führe man den Herrn der Götter rechtsläufig durch die erste und sämtliche weiteren Tempelumfriedungen, ihr Zweimalgeborenen.
13.182 Während der Festprozession des Gottes sind ringsum in allen Umfriedungen und weiteren Bereichen Leuchten in vielerlei Gestalt aufzustellen.
13.183 Ebenso an den Seiten des Heiligtums, in der Halle, an den Tortürmen, in den Schreinen der Shri und der anderen sowie in den Heiligtümern der Begleitgottheiten, …
13.184 … in den Vorratsräumen für Schätze und Getreide und in der Blumenhalle stelle man Leuchten auf, während das Prozessionsbild gegenwärtig ist.
Die Vishnu-Lichtsäule
13.185 Dann bringe man den Herrn der Götter zum Tor des Gopura. Dort errichte man die nun beschriebene Vishnu-Leuchte, ihr Zweimalgeborenen.
13.186 Nach Wunsch fertige man [die Lichtsäule] aus Stein, Metall oder Holz, so hoch wie das Heiligtum oder einhundert Tala hoch, …
13.187 … halb so hoch oder wiederum halb so hoch. Die Lichtsäule teile man in vier Abschnitte: Einer sei viereckig …
13.188 … und die oberen drei sechzehneckig, achteckig oder rund. Ihre Stärke betrage ein, zwei oder drei Hasta.
13.189 Oben auf der Säule gestalte man einen viereckigen Sockel mit Lotus. Man schmücke die Säule mit Blättern, Blumen, Ranken und weiteren [Zierformen].
13.190 Eine so gestaltete Säule bringe man herbei und stelle sie außerhalb des äußeren Tores auf. Zwischen Säule und Torturm soll ein Abstand liegen …
13.191 … von zweiunddreißig oder vierundzwanzig Hasta oder auch mehr, sodass die Wagenprozession nicht behindert wird.
13.192 Oder man stelle die Säule innerhalb des Torturms auf, ihr vortrefflichen Weisen, oder zwischen [Bali-]Sockel und Gopura.
13.193 Am Fuß der Säule errichte man einen Sockel von vier oder drei Hasta Länge und ebenso großer Breite, zwei oder drei Hasta hoch, ihr Zweimalgeborenen, …
13.194 … oder eineinhalb Hasta hoch. Diesen viereckigen Sockel errichte man aus Steinen oder Ziegeln, ihr vortrefflichen Weisen.
13.195 Unten an der Säule stelle man im Osten einen Löwen dar, im Süden Maruti, im Westen Vainateya und im Norden einen Schwan.
13.196 Wenn die Lichtsäule so nach der Lehre schön gestaltet und zuvor zu einem günstigen Zeitpunkt mit dem Tarkshya-Mantra geweiht worden ist, …
13.197 … lasse man das zuvor beschriebene Lampengefäß durch Zweimalgeborene daraufsetzen. So wurde die Ordnung der Vishnu-Leuchte dargelegt.
Licht in Straßen, Gärten und Häusern
13.198 Danach führe man den Gott rechtsläufig um den Ort. Überall in den Straßen stelle man Leuchten auf.
13.199 An den heiligen Badeplätzen, im Garten, an den Brunnen, auf den Plätzen und überall [entlang des Weges] stelle man Leuchten auf, ihr Zweimalgeborenen.
13.200 Ebenso geschehe es an jedem Haus, während man [den Gott] durch alle Straßen führt. Danach bringe man den Herrn der Götter ins Tempelinnere.
13.201 Man setze ihn in der Versammlungshalle auf einen Ehrensitz, verehre ihn mit Gastwasser und den weiteren Gaben und bringe Kuchen und andere Speisen dar …
13.202 … Milchreis, gepufftes Getreide, Betel und die übrigen Gaben. Im Feuer erfreue man den Gott durch Darbringungen und vollziehe auch Sühneopfergaben.
13.203 Der treffliche Lehrer bringe einhundertacht Gaben von Ghee dar. Danach entlasse er die Gegenwart des Gottes im Feuerbecken und im Mandala.
13.204 Die Besprengung mit Kalasha-Wasser und die weiteren Handlungen vollziehe man wie zuvor. Danach bringe man das Festbild ins Heiligtum.
13.205 Die darin angerufene Shakti führe man wieder in das Hauptbild zurück. Der Auftraggeber erfreue den Acharya und die übrigen Mitwirkenden mit Ehrengaben.
13.206 Wer so voller Bhakti das unvergleichliche Lichterfest veranstalten lässt, erlangt Glück in dieser Welt und wird in der jenseitigen Welt geehrt.
13.207 Dieses am Karttika-Vollmond zu feiernde Fest, das den Gott der Götter erfreut, wurde ausführlich beschrieben.
Zu den Maßen: Adhaka, Tala und Hasta sind traditionelle Einheiten. Die Bau- und Mengenangaben bleiben ohne pauschale Umrechnung erhalten.
Die Nachtwache mit Gesang
13.208 An der Ekadashi der hellen Hälfte des Monats Karttika faste man, ihr besten Brahmanen, und erfreue den Weltenherrn durch eine Nachtwache …
13.209 … mit Liedern in den der jeweiligen Zeit angemessenen Ragas. Wenn Brahmamuhurta gekommen ist, verehre man den Herrn besonders.
13.210 Man lasse Lieder, Stotras und vielfältige Geschichten erklingen und vollziehe alle Handlungen bis zum Feueropfer mit besonderer Sorgfalt.
13.211 Wer vermag die Frucht des spirituellen Verdienstes jener zu beschreiben, die zu dieser Zeit singen, und jener Menschen, die zuhören?
Das Margashirsha-Fest
13.212 Nun werde ich das erhabene Margashirsha-Fest beschreiben. Beim Übergang der Sonne in den Schützen, ihr Zweimalgeborenen, …
13.213 … bade man den Herrn der Götter nach dem Adhamottama-Verfahren, führe ihn zum Schmücksitz und verehre ihn mit Gastwasser und den weiteren Gaben.
13.214 Man schmücke den Herrn mit Gewändern, Schmuckstücken, Kränzen und Duftstoffen wie Moschus. Ebenso [bereite man] Vishvaksena und die weiteren [Begleiter] …
13.215 … sowie die Bilder der Bhaktas, bade sie mit neun Gefäßen, schmücke sie besonders und verehre sie der Reihe nach mit Gastwasser und den weiteren Gaben.
13.216 Dann führe man den Herrn der Götter zum schönen Speisesitz und bringe Reis mit Mungbohnen sowie Milchreis mit Zucker und Ghee dar …
13.217 … verschiedenartige Speisen und Früchte, Betel und wohlriechende Mundgewürze, alles nach der Vorschrift.
13.218 Die dargebrachten Mahlzeiten und Speisen reiche man danach auch Vishvaksena und den weiteren [Begleitern] sowie den Bhaktas. Den Gott der Götter, den Gemahl der Shri, …
13.219 … umschreite man rechtsläufig, verneige sich vorschriftsmäßig vor ihm und erfreue ihn mit verschiedenartigen vishnuitischen Stotras …
Verehrung mit Geist, Körper und Sprache
13.220 … in Sanskrit oder in dravidischer Sprache, welche die Erhabenheit des Gottes verkünden. Die geistige [Verehrung] heißt Meditation, die körperliche heißt Handlung …
13.221 … und die sprachliche heißt Lobpreis. Mit allen drei Formen erfreue man den Herrn. Den vorzüglichen Vaishnavas, die vishnuitische Lobgesänge singen, …
Die innere Lehre des Textes: Hier benennt die Samhita selbst drei Formen der Verehrung: Meditation im Geist, bewusstes körperliches Handeln und Lobpreis mit der Stimme. Eine heutige Sadhana kann daraus die Anregung gewinnen, Denken, Sprechen und Tun aufeinander abzustimmen.
13.222 … gebe man in der Gegenwart des Gottes heiliges Wasser und die dargebrachten Speisen. Die Vaishnavas, die Bhaktas des Herrn, nehmen dies voller Bescheidenheit an …
13.223 … trinken das heilige Wasser und essen den Prasad vor dem Gott. Vom Sonnenübergang an bis zum Monatsende, ihr vortrefflichen Weisen, …
13.224 … vollziehe man vor der Morgendämmerung die Verehrung nach der Vorschrift und bringe Reis mit Mungbohnen, Milchreis und verschiedene Speisen …
13.225 … täglich dem Gott und den Bhaktas dar. Mit Liedern, die Bhaktas geschaffen haben, preise man Purushottama.
13.226 In diesem Monat stelle man besonders in der Gegenwart des Gottes der Götter Leuchten mit Ghee oder Sesamöl auf.
13.227 Wer dreißig Tage lang mit besonderer Hingabe eine Leuchte aufstellt, genießt [dem Text zufolge] hier alle Freuden und gelangt dann in die Welt Vishnus.
Die abschließenden zehn Festtage
13.228 So vollziehe man dreißig Tage lang die Verehrung bei Morgendämmerung. Während der letzten zehn Tage feiere man ein besonderes Fest.
13.229 In der Nacht vor dessen Beginn vollziehe der treffliche Lehrer die Keimaussaat und das Anlegen des Schutzbandes nach der Vorschrift.
13.230 Vom ersten bis zum letzten Festtag vollziehe man morgens und abends die Verehrung an den vier Stätten nach der Vorschrift.
13.231 Zu Beginn und am Ende vollziehe man das Bad wie zuvor. In der zweiten Tempelumfriedung oder außerhalb des Torturms …
13.232 … errichte man für den Gott der Götter eine vortreffliche große Halle. Mit Baldachinen, Früchten, Blumen, Spiegeln, Wedeln und weiteren [Festgeräten] …
13.233 … schmücke man sie besonders, sodass ihr Anblick erfreut. Mittags nehme man den Herrn der Götter, begleitet von Shri und Pushti, …
13.234 … auf eine Sänfte und schmücke ihn besonders. Gemeinsam mit Vishvaksena und den weiteren [Begleitern], mit den Bildern der Bhaktas und den anderen [Festbildern], …
13.235 … mit sämtlichen Prozessionsgeräten, vollziehe man den rechtsläufigen Umzug um den Ort. Man bringe [den Gott] in die große Halle und setze ihn dort auf den Löwenthron.
13.236 Nachdem man den Gott mit den beiden Göttinnen aufgesetzt hat, stelle man auch Vishvaksena und die weiteren [Bilder] dem Gott gegenüber. Mit den für den Schmücksitz vorgesehenen …
Heilige Schriften und die Lieder der Bhaktas
13.237 … Gaben verehre der Lehrer den Gott und die Bilder der Bhaktas. Die authentischen Agamas, die Vedas sowie die göttlichen Samhitas, …
13.238 … Itihasas und Puranas, göttliche und menschliche Lobgesänge und weitere Erläuterungen des Veda, in Sanskrit oder Prakrit …
13.239 … oder in einer anderen Sprache, lasse man den Herrn hören. Danach [reiche man] acht Arten von zubereitetem Reis und verschiedene Speisen …
13.240 … Reisflocken, Kokosnüsse, Zuckerrohr, Bananen, Kichererbsen und Weiteres, Kokoswasser und andere Getränke, Betel und weitere Gaben.
13.241 Man bringe sie dem Gott der Götter und den Bhaktas in der entsprechenden Reihenfolge dar und lasse die dargebrachten Mahlzeiten und Speisen an die Vaishnavas verteilen.
13.242 Dann setze man den Herrn der Götter mit Shri und Pushti in eine Sänfte und führe ihn gemeinsam mit den Bildern der Bhaktas und den weiteren [Bildern] …
13.243 … in festlicher Anmut durch die Halle, ihr besten Zweimalgeborenen. Dabei vollziehe man auch die Ehrung der Bhakta-Bilder.
13.244 Unter Veda- und Stotra-Rezitation, Lobpreis in Prosa und Versen, Vina- und Flötenklängen, Tanz, Gesang und weiteren Darbietungen …
13.245 … umschreite man die Halle zweimal. Danach setze man den Herrn wieder auf den Löwenthron und verehre ihn besonders am Abend.
13.246 Täglich nach der Speisedarbringung lasse man dort Vaishnavas den erhabenen dravidischen Lobpreis von viertausend [Versen] singen.
Schriften und lebendige Lieder: Der Text lässt Sanskrit, Prakrit und andere Sprachen zu und würdigt ausdrücklich die von Bhaktas geschaffenen Gesänge. Der dravidische Lobpreis von viertausend Versen wird genannt, ohne dass die Übersetzung seinen nicht genannten Titel ergänzt.
Dank und Abschluss
13.247 Dann führe man den Herrn der Götter nach der zuvor beschriebenen Ordnung rechtsläufig um das Heiligtum und bringe ihn ins Tempelinnere, ihr Zweimalgeborenen.
13.248 In der Versammlungshalle vollziehe man die tägliche Verehrung des Herrn sowie die Verehrung an den vier Stätten und bringe ihn dann an seinen eigenen Platz.
13.249 So feiere man das Fest zehn Tage lang, ihr vortrefflichen Weisen. Am Festende entlasse man nach der Vorschrift den im Kalasha und den weiteren Stätten gegenwärtigen Gott …
13.250 … verneige sich vor ihm und bitte um Vergebung. Der Auftraggeber erfreue den Acharya und die übrigen Mitwirkenden mit Ehrengaben.
Der Sonnenübergang in den Steinbock
13.251 So wurde die Ordnung des Margashirsha-Festes beschrieben. Beim Übergang der Sonne in den Steinbock, ihr Zweimalgeborenen, …
13.252 … bade man den Herrn der Götter mit fünfundzwanzig Gefäßen, schmücke ihn besonders und bringe Speise und die weiteren Gaben dar.
13.253 Zu dieser Zeit gebe der Auftraggeber zur Freude des Gottes Kühe, Land, Gold und Weiteres sowie Kushmanda-Kürbisse und Reis.
Die Jagd und das Freilassen der Tiere
13.254 Am folgenden Tag verehre man den Gott der Götter besonders und setze den im Festbild gegenwärtigen Gott auf ein vortreffliches Pferd.
13.255 Nach der zuvor beschriebenen Ordnung feiere man das vortreffliche Jagdfest und führe den Weltenherrn in festlicher Anmut von Wald zu Wald.
13.256 Man verehre ihn an den jeweiligen Orten besonders nach der Vorschrift und lasse danach die Jagd als festliche Darbietung ausführen, ihr großen Weisen.
13.257 Wildschweine, Elefanten, Tiger, Schwarzbockantilopen, Hasen und weitere Tiere treibe man in die Mitte und stelle ringsum das bewaffnete Heer auf.
13.258 Besonders tapfere Krieger sollen sorgsam in die Mitte eindringen, die Tiere lebend fangen und gebunden vor den Gott bringen.
13.259 Danach lasse man alle Tiere einzeln der Reihe nach wieder frei. Für etwa getötete Tiere gibt es gewiss eine verdienstvolle jenseitige Bestimmung [so die religiöse Aussage des Textes].
Historische Einordnung: Dieser Abschnitt beschreibt das Fangen wirklicher Tiere, ihre anschließende Freilassung und mögliche Tötungen. Die Verheißung für getötete Tiere ist eine religiöse Aussage der Quelle. Der Abschnitt wird als historische Festpraxis dokumentiert; für heutige Yoga-Praxis bietet Ahimsa, das Nichtverletzen, einen anderen Maßstab des Umgangs mit Tieren.
Die Rückkehr und die Frucht des Festes
13.260 Dann setze man den Herrn der Götter in einer Halle oder einer Überdachung auf einen Ehrensitz und verehre ihn besonders.
13.261 Am Abend führe man ihn mit der zuvor beschriebenen Festpracht rechtsläufig um den Ort und bringe ihn ins Tempelinnere.
13.262 Man bade und schmücke den Gott der Götter nach der Vorschrift und verehre den Herrn zusammen mit Shri und Pushti bis zur Speisedarbringung.
13.263 So wurde das Jagdfest des Gottes der Götter beschrieben. Wer alljährlich auf diese Weise sämtliche Feste des Gottes …
13.264 … veranstalten lässt, ihr besten Brahmanen, genießt mit souveräner Herrschaft in dieser Welt lange Zeit Glück und die ersehnten Freuden …
13.265 … und gelangt beim Ablegen des Körpers zur Stätte des Herrn. So wurden sämtliche Feste des Gottes ausführlich dargelegt.
13.265z Wenn ihr darüber hinaus noch etwas hören möchtet, so sprecht es aus, ihr vortrefflichen Weisen!
Kolophon: So endet in der Ishvara Samhita des heiligen Pancharatra das dreizehnte Kapitel, genannt „Die Ordnung der Feste der Monatshälften und weiterer Feiern“.
Texthinweise zu Kapitel 13
Die 265 nummerierten Verse und der unnummerierte Schlusshalbvers sind vollständig erfasst. Grundlage sind die vorhandenen Devanagari-Vorlagen und der Sanskritdruck von 2017, Druckseiten 145–158. Gebete und schwierige Lesarten wurden zusätzlich am farbigen Scan des Drucks von 1923 geprüft. Die englische kritische Übersetzung dieses Kapitels lag nicht lokal vor.
- 13.1–14: Die Kalenderregeln sind überlieferungsspezifisch. Die Form sitabhādrapade in 13.9 steht in beiden verglichenen Drucken; ihre genaue kalendarische Bedeutung bleibt unsicher. Auch die zeitliche Abgrenzung in 13.12 wird nicht durch eine hypothetische Kalenderberechnung vereindeutigt.
- 13.35–40: Die unregelmäßige Formulierung der Speisenfolge in 13.35 bleibt kenntlich. Der ältere Druck stützt suśṛtam (gut gekocht), sasamiddhomam (Feueropfer mit Opferhölzern) und visṛjed guruḥ gegenüber fehlerhaften jüngeren Buchstabenfolgen. Der erste Halbvers von 13.40 ist metrisch auffällig; es werden keine unbelegten Wörter hinzugefügt.
- 13.44–51: Die Gebete wurden am älteren Druck, Seiten 247–248, kontrolliert. In 13.44 folgt die Lesefassung jyotsnāpate namas tubhyam; der jüngere Druck bietet eine abweichende Form mit namas te ’stu. 13.46 liest im älteren Druck candram abhyarcya, 13.48 śaśāṅkendo gegenüber dem jüngeren śaśīnātha. Die unregelmäßige Vokalform bhūmerottāraṇāya in 13.50 bleibt erhalten. Aus Mantra-Anfangsworten an anderen Stellen werden keine Vollmantras rekonstruiert.
- 13.62–85: Anuyaga wird im Zusammenhang als anschließende heilige Mahlzeit verstanden. Das Spiel mit Milch- und Buttergefäßen ist eine Beschreibung der historischen Feier. Die Bezeichnungen svatantra und paratantra in 13.85 werden auf Krishnas eigenständige beziehungsweise untergeordnete Stellung im Tempelkult bezogen.
- 13.95–98: Die Bezeichnung des siebentägigen Festes variiert: Die ältere Vorlage bietet eine auf Wasser bezogene Form āpaka/āpa, der jüngere Druck ārka beziehungsweise ārṣa. Die Lesefassung folgt der älteren Zuordnung und kennzeichnet die Differenz. In 13.98 steht im älteren Haupttext bhakti; als Variante ist bhukti (Genuss) verzeichnet. Die Übersetzung folgt „Hingabe und Befreiung“.
- 13.103–110: Die Namen der weiblichen Begleitgestalten sind teilweise unsicher überliefert. Besonders die Abgrenzung von kṣamāmūrti und jayā in 13.107 bleibt vorläufig. Die paarweise Anordnung wird wiedergegeben, ohne fehlende Namen zu erfinden.
- 13.127–146, 254–259: Die Jagdriten werden nicht zu reinen Bildhandlungen abgeschwächt. 13.257–259 spricht von lebend gefangenen, freigelassenen und möglicherweise getöteten Tieren. Puṇyagati in 13.259 bedeutet eine verdienstvolle jenseitige Bestimmung; eine bestimmte Himmelswelt wird nicht ergänzt. Der Baum von 13.138–140 wird durch das ausdrücklich genannte Shami-Blatt bestimmt.
- 13.143, 149–156, 175–180: Dhanvanāga und uddīpyasva sind Mantra-Anfänge. Die Stier-Zeit von 13.149 wird durch den Stier-Aszendenten in 13.175 näher bestimmt. In 13.175 folgt die Lesefassung dem älteren Feuer-Mantra agnimantra gegenüber einer entstellten jüngeren Form. 13.180 nennt dem Feuer zugeordnete Mantras, keine ausdrücklich shivaitische Rezitation.
- 13.160, 186–197: Die jüngere falsche Nummer 260 wird als 160 berichtigt. Die Maße der Lichtsäule und die Alternativen ihres Standortes werden quellentreu beibehalten. Die Wagenprozession soll durch ihre Aufstellung nicht behindert werden (13.191).
- 13.220–246: Meditation, körperliches Handeln und Lobpreis werden im Text selbst unterschieden und verbunden. Bhaktabimba bezeichnet Bilder verehrter Bhaktas; konkrete Personennamen werden hier nicht genannt. 13.246 nennt ausdrücklich einen dravidischen Lobpreis von viertausend Versen. Die Übersetzung ergänzt keinen im Vers fehlenden Werktitel. Die Zeitangaben „vor der Morgendämmerung“ (13.224) und „bei der Morgendämmerung“ (13.228) bleiben nebeneinander erhalten.
- Kolophon: Die ältere Ausgabe nennt das Kapitel pakṣotsavādividhi, die jüngere kṛṣṇotsavamṛgayāntavidhi („Ordnung vom Krishna-Fest bis zur Jagd“). Die Lesefassung übernimmt den älteren Kolophon und dokumentiert die jüngere Benennung. Der unnummerierte Schlusshalbvers erhält die redaktionelle Kennung 265z.
Die Fülle der Feiern findet einen einfachen inneren Bezug: Dhyana, bewusstes Tun und Lobpreis sollen zusammenwirken. So kann die überlieferte Festfreude heutige Übende dazu anregen, Hingabe mit einem achtsamen und hilfreichen Alltag zu verbinden.
Kapitel 14 – Pavitra – die heiligen Fäden und die Vervollständigung der Verehrung
Was geschieht, wenn Krankheit, fehlende Mittel oder äußere Hindernisse die tägliche Sadhana unterbrechen? Das Kapitel beschreibt das Pavitra-Fest als rituelle Vervollständigung versäumter Handlungen. Zugleich deutet es den heiligen Faden als Sinnbild des Zusammenhangs der Welt und der Eigenschaften des göttlichen Herrn. Neben ausführlichen Tempelvorschriften nennt es vereinfachte Formen und die Verehrung im eigenen Haus.
Die Weisen fragen:
Versäumnisse, Krankheit und fehlende Mittel
14.1 Die Weisen sprachen: Du hast zuvor gelehrt, dass während der viermonatigen Zeit, in der der Herr der Welt ruht, das Auflegen der heiligen Fäden, das Pavitrāropaṇa, vollzogen werden soll.
14.2 Erkläre uns seine Ordnung ausführlich, du Meister der Rede. Nārada sprach: Zum Wohl der Welt werde ich den Ablauf des Pavitrāropaṇa darlegen.
14.3 Hört mit aufmerksamen Herzen zu, ihr hervorragenden Weisen. Es kann jemandem unmöglich sein, die vorgeschriebenen Gaben darzubringen, obwohl er keineswegs beabsichtigt, seine Pflichten zu vernachlässigen.
14.4 Aus mangelnder Kraft oder fehlenden Mitteln kann jemand die strengen Gelübde und Bußübungen nicht erfüllen; durch Fieber oder andere Krankheiten kann seine tägliche Verehrung ausfallen.
14.5 Oder jemand kann die viermonatige Observanz nicht einhalten, weil er nicht frei über seine Lebensumstände verfügt. Höre, du Einsichtsvoller, welche heilsame Ergänzung jeweils vorgesehen ist.
14.6 Für die unmittelbar am Bild vollzogenen Darbringungen gilt eine entsprechende materielle Gabe, mātrāvitta, als Ergänzung; für die als „zu Herzen gehend“ bezeichneten Gaben dient mit Ghee durchtränkte Speise.
14.7 Für die weiteren ehrenden Darbringungen sind Samen vorgesehen. Zur Ergänzung der Gelübde wie Kṛcchra und Cāndrāyaṇa dient …
14.8 … die Disziplin der viermonatigen Observanz, verbunden mit besonderer Verehrung. Ein schöner, verheißungsvoller Schutzfaden, vielfältig gearbeitet und einer Perlenkette gleich, …
14.9 … bringt die Mängel in der täglichen Verehrung der Gott hingegebenen Menschen zur Ruhe. Diesen Ritus soll man innerhalb der vier Monate an einem günstigen Tag vollziehen.
Die Rücksicht auf menschliche Grenzen gehört zum Text selbst: Die Samhita unterscheidet eine absichtliche Vernachlässigung von Ausfällen durch Krankheit, fehlende Kraft oder eingeschränkte Selbstbestimmung. Als heutige Anregung kann dies helfen, Disziplin mit einem verständnisvollen Umgang mit den eigenen Grenzen zu verbinden.
Die Zeit des Festes
14.10 Die Zeit vom Vollmond des Āṣāḍha bis zum Vollmond des Kārttika heißt die nach dem Mond bestimmte Zeit; unter den hier genannten Möglichkeiten steht sie an letzter Stelle.
14.11 Die acht Monatshälften vom Eintritt der Sonne in den Krebs bis zum Ende ihres Durchgangs durch die Waage heißen die Sonnenzeit; sie gelten als mittlere Möglichkeit.
14.12 Die durch Ekādaśī bestimmte viermonatige Zeit wird als Vaiṣṇava-Zeit bezeichnet. Erkenne sie als die höchste, die alle Vollendung gewährt.
14.13 Wenn dieser Zeitpunkt durch ein Hindernis nicht eingehalten werden kann, ist der Ritus zu einer anderen Zeit nachzuholen, verbunden mit Cāndrāyaṇa oder einer entsprechenden Observanz.
Ort und Maße der Festhalle
14.14 Innerhalb der gewählten Zeit soll er ordnungsgemäß, mit einer vorausgehenden Opferverehrung, ausgeführt werden. Dafür errichte man, ihr Zweimalgeborenen, vor dem Heiligtum einen Maṇḍapa.
14.15 Er kann im ersten, zweiten, dritten, vierten oder fünften Umfassungsbereich stehen.
14.16 Ist an der bevorzugten Stelle kein Platz, wähle man eine andere in der gewünschten Richtung. Die Halle kann gleichmäßig quadratisch oder in Ost-West-Richtung länglich sein.
14.17 Nach dem Wunsch des Auftraggebers kann sie auch in Nord-Süd-Richtung länglich sein. Ihre Front weise nach Osten oder in eine andere gewünschte Richtung.
14.18 Eine Halle von zweiundzwanzig Dhanus, Bogenmaßen, gilt als die größte; eine von achtzehn Dhanus als die mittlere.
14.19 Die kleinere messe zwölf Dhanus. Eine andere Maßreihe, ihr Zweimalgeborenen, beginnt bei fünf Hasta, Ellen, und wächst jeweils um zwei Ellen …
14.20 … bis zu einundzwanzig Ellen; so ergeben sich neun Größen. Nach einer weiteren Einteilung misst die größte zehn, die mittlere acht Ellen.
14.21 Die kleinere misst sechs Ellen, eine ganz kleine drei. Oder man unterscheidet fünfundzwanzig Größen von sechs bis dreißig Ellen.
14.22 Man wähle aus diesen Maßen eines entsprechend den verfügbaren Mitteln. Als Unterbau dient ein Sockel mit zusätzlichem Fußsockel oder ein einfacher Grundsockel.
14.23 Über dem Unterbau stehen die Säulen und ein dreigliedriger oberer Abschluss mit kapota- und prati-Gesimsen; auch eine schlichtere Gestalt ohne die genannten Formen ist möglich.
14.24 Die Halle kann Wandgliederungen in ein, drei, fünf, sieben oder mehr Teilen besitzen, mit den für ihre Bauteile vorgeschriebenen Zierformen oder ohne sie.
14.25 Man baue sie aus Stein, gebrannten oder ungebrannten Ziegeln, mit einem, vier oder zwei Eingängen.
14.26 Sie kann Wände haben, offen sein oder nur Eckwände besitzen. Auch ein einfacher überdachter Pavillon ohne die genannten Einzelmerkmale ist möglich.
14.27 Damit die Arbeit rasch vollendet werden kann, errichte man einen schönen Bau aus Schilf und Holz, mit Fensteröffnungen und geschmückten Eingängen.
14.28 Oben überspanne man den Bau mit einem Baldachin. Die räumliche Ausdehnung oder Verkleinerung richtet sich nach dem Wunsch des Auftraggebers.

Die erhöhte Opferfläche
14.29 Hat man die Halle so nach den Regeln des Śilpaśāstra errichtet, bereite man in ihrer Mitte einen besonders schönen Platz für die Opferverehrung.
14.30 Auf der Grundlage des Bauwerks lege man eine feste, gleichmäßige Bodenfläche in entsprechender Gestalt an, die sich leicht nach Nordosten neigt.
14.31 Diese Fläche sei deutlich erhöht und spiegelglatt, sodass sie vom gewöhnlichen Boden der Halle unterschieden ist.
14.32 Bei kleinen Opferanlagen kann die Höhe der Plattform von zwei bis acht Aṅgula, Fingerbreiten, bemessen werden; der Text nennt hierfür auch eine Zunahme um jeweils eine Fingerbreite.
14.33 Bei mittelgroßen Anlagen beträgt die Höhe der Plattform neun bis fünfzehn Fingerbreiten.
14.34 Bei großen Anlagen soll man die Plattform von sechzehn bis vierundzwanzig Fingerbreiten erhöhen, mit den zuvor genannten Abstufungen.
14.35 Damit ist das Höhenmaß der Plattformen erklärt. In der Breite soll der Rand auf allen Seiten eine Viertel-, eine halbe oder eine ganze Elle betragen.
14.36 Zunächst mauere man diesen Rand mit Ziegeln oder ähnlichem Material auf. Dann fülle man die Mitte mit Erde, der etwas Sand beigemischt ist.
14.37 Man untersuche die Erde auf Haare, Insekten und andere Verunreinigungen und stampfe sie anschließend fest, bis die zuvor beschriebene Beschaffenheit erreicht ist.
14.38 Die schöne, in der Mitte erhöhte Plattform prüfe man eine Woche lang. Wenn sie keine Risse zeigt, ist sie für die Opferverehrung geeignet.
Torbögen und Banner
14.39 Darauf errichte man eine Vedikā, eine Altarplattform, mit mehreren Stützen und Torbögen, entsprechend den Mitteln und Wünschen des Auftraggebers.
14.40 Aus reinem, für Opferhandlungen geeignetem Holz, fest, gerade und gleichmäßig, errichte man in den vier Richtungen Torbögen nach den vorgeschriebenen Merkmalen.
14.41 Man stelle sie außen oder innen an den Eingängen auf; gegebenenfalls errichte man in jeder Richtung jeweils drei.
14.42 Je nach Ausdehnung der Halle können es auch fünf oder sieben sein. Sind die Mittel vorhanden, schmücke man sie mit Gold, Edelsteinen und weiteren Zierden.
14.43 Oder man verwende für die vier Torbögen, von Osten über Süden und Westen bis Norden, Holz des Śrīvṛkṣa, Udumbara, Vaṭa und Plakṣa.
14.44 Man kann vier in den vier Richtungen anordnen oder an den übrigen Stellen jeweils einen. Ihre Höhe soll der Höhe der Säulen entsprechen.
14.45 Ihre Breite richte sich nach dem Abstand zwischen zwei Säulen. Unter Berücksichtigung der Säulenhöhe und eines zusätzlichen Maßes …
14.46 … verankere man ihre Pfosten im Boden. Niedrige Torbögen sollen stets innerhalb der Säulen stehen, ihr hervorragenden Kenner des Veda.
14.47 Stehen die Torbögen dagegen außerhalb der Eingänge, wird ihre Höhe vom Boden bis zur Spitze bemessen.
14.48 Bei ihren im Boden befestigten Pfosten nennt der Text als Maß das Eineinhalbfache, Gleiche oder Doppelte. Zwischen zwei Cakra-Zeichen, mit ausgebreiteten Schwingen geschmückt, …
14.49 … bringe man oben auf jedem Torbogen Garuḍa an. Zu seinen beiden Seiten stelle man verschiedenfarbige Banner mit dem Cakra-Zeichen auf.
14.50 Acht Banner, weiß, rot und in weiteren Farben, ordne man um die mittlere Altarplattform an, beginnend im Osten, nach der Ordnung des Hervorgehens und der Rücknahme.
Bilder, Düfte und festlicher Schmuck
14.51 In den vier Richtungen male man nach den Regeln der Malerei die Avatāras, beginnend mit Matsya, und die vielfältigen göttlichen Erscheinungen.
14.52 Man stelle Scharen von Weisen, Siddhas und Göttern dar, die viele Wunder schauen, dazu Inseln, Berge, Wälder und Gärten mit zahlreichen Tierherden und ihren Leittieren.
14.53 Hinzu kommen Seen mit Wasservögeln und Wasserblumen sowie Wesen, die sich am Spiel im Wasser erfreuen; ferner Himmelswesen, Könige und Herrscher der Vidyādharas mit ihren Gefährtinnen.
14.54 Man zeige auch Brahmanen mit friedvollem Geist, ganz der Meditation über den Ātman hingegeben. Mit solchen und unzähligen weiteren gemalten Szenen …
Meditation im Bildprogramm: Unter den vielen Darstellungen nennt die Samhita ausdrücklich Menschen mit friedvollem Geist, die über den Ātman meditieren. So erhält auch die innere Sammlung einen sichtbaren Platz im Fest.
14.55 … verschönere man sorgfältig die gesamte Opferhalle. Oder man versehe sie mit einem Kalkputz und schmücke sie anschließend.
14.56 Dazu dienen Spiegel, Wedel, Stoffe und vielfältig leuchtende feine Gewänder, Glocken, Halbmondzierden und anmutige Schirme.
14.57 Man schmücke sie mit hohen Bananen- und Arekapflanzen, reinen, kräftigen Zweigen sowie Bronzegefäßen, gefüllt mit Honig, Ghee, Joghurt und guter Milch.
14.58 Dazu kommen Schalen mit geschältem Reis und Gold, schöne Früchte, Puffreis, weißer Senf, Gefäße mit Samen und Speisen der sechs Geschmacksrichtungen.
14.59 Auch wohlriechende Stoffe wie Zimtrinde und Kardamom, Blätter und Arekanüsse sowie Madhūka, Jujuben und Trauben werden genannt. Die anschließende Aufzählung von Pflanzen und Früchten ist im überlieferten Wortlaut unsicher.
14.60 Man verwende zahlreiche der Jahreszeit entsprechende Blüten und Streublumen sowie vielfältige weitere reine Darbringungen dieser Art.
14.61 Oben schmücke man den Raum mit einem reinen, strahlend weißen oder leuchtenden Baldachin, der Cakra- und Lotuszeichen trägt.
14.62 Danach umwinde man die Säulen einzeln mit verschiedenartigen feinen Stoffen. Von Nordosten bis zur nordwestlichen Ecke …
14.63 … bringe man Wimpel in den vorgeschriebenen Farben, beginnend mit Weiß, an. In entsprechender Farbfolge ordne man wiederum vom Westen …
14.64 … bis zum Süden eine zweite Vierergruppe an. In der Mitte des Baldachins bringe man einen einzelnen goldfarbenen Wimpel an.
14.65 Außerhalb der Altarplattform ordne man in den acht Richtungen der Halle, von der südöstlichen Feuerecke bis zur nordöstlichen Ecke Śaṅkaras, …
14.66 … eine Vierergruppe in Weiß, Rot, Gelb und Schwarz an. Wiederum vom Norden bis zum Westen, ihr Zweimalgeborenen, …
14.67 … ist eine entsprechende Vierergruppe von Bannern vorgesehen. In der Farbe des Rājapāṣāṇa, eines blauen Schmucksteins, mit Cakra und dem Herrn der Vögel, Garuḍa, versehen, …
14.68 … fertige man drei Siegesbanner am östlichen Torbogen an. Am südlichen sollen sie kristallhell sein, am westlichen zinnoberrot.
14.69 Am nördlichen Torbogen seien die drei Banner goldfarben. Dazu gehört jeweils eine Vierergruppe von Wimpeln, beginnend mit Weiß.
14.70 Es können je Richtung ein, drei oder fünf Torbögen sein. Die Länge der Wimpel betrage die Hälfte der Höhe des Torbogens.
Vorhandene Hallen und die Feuerstätte
14.71 So errichte man für die Opferverehrung eine neue Halle; oder für die besonderen Riten, von der zeremoniellen Waschung bis zum Fest, …
14.72 … schmücke man eine bereits früher errichtete Halle. Ist dies geschehen, bestreiche man anschließend die Altarplattform samt den Torbögen …
14.73 … der Reihe nach mit Sandel und anderen Mitteln, deren Duft und Farbe erfreuen. Die Altarplattform bestreiche man mit reinem Sandel.
14.74 Den ersten, östlichen Torbogen bestreiche man mit Sandel, der mit Safran vermischt ist, den südlichen mit Moschus.
14.75 Den westlichen mache man mit Kampferpulver weiß; den nördlichen bestreiche man mit reinem Kuṅkuma.
14.76 Die vorbereitete Plattform behandle man mit Milch, Sandel und Kuṅkuma, ferner mit Wasser aus der duftenden Hrībera-Pflanze, dem Kurkumapulver beigemischt ist.
14.77 Den Boden bei den Eingängen und in der Halle reinige man mit heiligen Duftkräutern. Danach lasse man vielerlei Räucherwerk duften.
14.78 Man umgebe die Halle außen ringsum mit einem Vorhang. Im nördlichen Bereich errichte man eine Feuergrube wie zuvor beschrieben.
14.79 Oder man wähle einen anderen Ort; die Richtung vor der Opferstätte ist dabei ausgenommen. In einer der drei übrigen, nach Wunsch gewählten Richtungen errichte man die Feuerhalle.
14.80 Sie besitze einen Rauchabzug und verschiedene Feuergruben. Ihre Torbögen und weiteren Zierden seien mit dichtem, schönem Laub versehen.
14.81 Oder man lege eine den Regeln entsprechende Feuergrube im Küchengebäude an. Auch eine bereits für einen anderen besonderen Anlass errichtete Grube kann dienen.
14.82 Die Opferhalle soll grundsätzlich auf diese Weise eingerichtet werden. Danach trage man die erforderlichen Materialien zusammen.
Die innere Bedeutung des heiligen Fadens
14.83 Nun wird zunächst die Herstellung der Pavitra-Fäden erklärt. Sie haben zwei Gestalten: eine feine, innere und eine grobe, äußere.
14.84 Das Pavitra bewahrt in jeder Hinsicht das gesamte heilsame Wirken der Gott hingegebenen Menschen, das aus Geist, Sprache und Bewusstsein hervorgeht.
14.85 Daher soll man sein Wesen erkennen: Durch seine Vollendung gelangt das Wirken der Hingegebenen zur Frucht.
14.86 Was vom Ursprung der Welt ununterbrochen ausströmt, grenzenlos und licht, erscheint den noch nicht Erkennenden selbst in vielfältiger, getrennter Gestalt. Die zweite Vershälfte ist sprachlich schwierig; diese Deutung bleibt vorläufig.
14.87 Erkenne darin den Faden, der die Welt zusammenhält. In Gestalt eines Schutzbandes aus Goldfaden oder anderem Material trägt er die Herrlichkeit der sechs göttlichen Eigenschaften.
14.88 Es ist von der Farbe der Erkenntnis durchdrungen, mit Werken göttlicher Wirksamkeit verbunden, von strahlenden Mantras umhüllt und ringsum von Kraft erfüllt.
14.89 In der Verehrung offenbart es göttliche Herrschaft; in seiner Fülle ist es durch die göttliche Macht unerschöpflich. So soll man das Pavitra des Herrn der Welt verstehen.
14.90 Wird es Viṣṇu, dem das heilige Wissen schützenden Herrn, der in dieser Gestalt gegenwärtig ist, mit Hingabe und nach der rechten Ordnung dargebracht, so gewährt es die Stätte des göttlichen Herrn.
Eine Deutung aus der Samhita selbst: Der Faden verkörpert hier Wissen, göttliche Wirksamkeit, Glanz, Kraft, Herrschaft und Macht. Die äußere Gabe verweist auf den Herrn, der die Welt zusammenhält. Eine heutige Meditation kann daran anknüpfen, indem sie eine Handlung mit bewusster Erinnerung an das Göttliche verbindet.
Fäden, Herstellung und Reinigung
14.91 Seine davon unterschiedene äußere Gestalt gehört zum Bereich des sichtbaren Handelns und wird aus stofflichen Materialien hergestellt. Deren Ordnung wird nun erläutert.
14.92 Man verwende feinen, festen, weißen und glatten Faden, den ein Mädchen oder eine ältere, besonnene Frau aus brahmanischer Familie hergestellt hat.
14.93 Auch eine reine Witwe kann ihn hergestellt haben. Er kann aus Leinen oder Seide bestehen und soll frei von Haaren und ähnlichen Verunreinigungen sein.
14.94 Man nehme das verfügbare Material, wasche es sorgfältig mit Wasser und vollziehe zuvor seine rituelle Reinigung durch inneres Verbrennen und erneutes Erfüllen.
14.95 Unter Erinnerung an den Grundmantra schaue man den Faden an und lege ihn vierfach im Hinblick auf die vier göttlichen Entfaltungen; oder man lege ihn achtfach.
14.96 Dabei bedenke man Hervorgehen und Rücknahme sowie die entsprechenden Unterscheidungen. Unter der Vorstellung von Keśava und den weiteren göttlichen Namen als innewohnenden Mächten bilde man dreimal vier Fäden.
14.97 Ungleichmäßige Fäden vermeide man für Viṣṇu, den in sich Gleichmäßigen. Denn die reinigende Handlung soll für niemanden ungleich oder mangelhaft sein.
14.98 Aus solchen hellen und dunklen Fäden fertige man die Pavitras für sämtliche Mantras an, beginnend mit dem Grundmantra, ihr hervorragenden Weisen.
Historischer Kontext: Die Vorschriften für die Herstellerinnen und die verwendeten Materialien gehören zur damaligen Ritualordnung. Sie werden in der Übersetzung bewahrt; aus ihnen wird keine heutige Voraussetzung für Bhakti oder Yoga abgeleitet.
Die Schmuckbänder für den Herrn
14.99 Zuerst fertige man einen Schmuck für die im heiligen Gefäß gegenwärtige Mantra-Gestalt an: kettenförmig, aus einhundertfünfzig Fäden. Das Verhältnis dieser Zahl zur folgenden Maßreihe bleibt im Text unklar.
14.100 Das erste Schmuckband besteht aus einhundertacht Fäden, das zweite aus der doppelten, das dritte aus der dreifachen Zahl. So bemesse man seine Stärke.
14.101 Das erste habe sechsunddreißig Knoten, das zweite doppelt so viele und das dritte dreimal so viele. So verfahre der Einsichtige.
14.102 Hört nun auch die Besonderheiten der Pavitras für den Herrn im Maṇḍala, im Feuer und im heiligen Bild.
14.103 Das erste sei ein Kranz auf dem Haupt mit einer nach Wunsch gewählten Knotenzahl. Das zweite liege über den Schultern und reiche bis zu den Knien.
14.104 Das dritte reicht vom Haupt bis zu den Füßen. Das Vanamālā-Pavitra, die einem langen Blütenkranz entsprechende Fadengirlande, reicht vom Haupt bis zum Sockel.
14.105 Für den Sockel fertige man gesondert einen schönen Schmuck nach seinen eigenen Maßen. Die Stärke der Schutzfäden für das Bild ist nicht festgelegt.
14.106 Wenn es möglich ist, verdoppele oder verdreifache man die zuvor genannte Fadenzahl. Der als Vanamālā bezeichnete Schmuck …
14.107 … soll aus eintausendacht Fäden bestehen; entsprechend den Mitteln kann man auch die Hälfte oder ein Viertel davon verwenden.
14.108 Besteht das Hauptbild aus modelliertem Material oder befindet es sich auf einer Wand oder einem Tuch, fertige man die fünf Schmuckstücke für das Festbild an.
14.109 Auch dann soll man für das Hauptbild die zuvor beschriebenen Schmuckstücke herstellen, beginnend mit dem ersten. Bei den Schutzfäden für das Bild …
14.110 … verwende man, wenn die Mittel vorhanden sind, fünf Ketten für den Herrn der Götter, mit verschieden gestalteten Fäden und Perlenketten verbunden.
14.111 Alle Knoten seien gleichmäßig und drei Fingerbreiten voneinander entfernt. Ohne festgelegte Zahl sollen sie schön und einer Zitronatzitrone ähnlich geformt sein.
14.112 Die Vanamālā besitze einhundertacht Knoten. Zur Einladung des Herrn, der an den vier heiligen Stätten gegenwärtig wird, …
14.113 … bereite man jeweils ein oder zwei Pavitras nach Art des ersten vor. Für sämtliche bei den Riten verwendeten Bilder und für die in den Torbauten und an anderen Orten …
14.114 … aufgestellten Mantra-Bilder, in denen die göttliche Gegenwart beständig verehrt wird, führe man bei der vollständigen Ausführungsform die Handlungen in ihren höheren und weiteren Abstufungen aus.
14.115 Man fertige den entsprechenden Schmuck nach der mittleren oder höchsten Ausführung an. Bei einer vereinfachten Form sind jeweils zwei oder auch nur ein Schmuckstück möglich.
14.116 Ebenso fertige man Pavitras für die göttlichen Glieder, die Schmuckstücke, die Wahrzeichen, die Śaktis und den Herrn der Vögel, Garuḍa, an.
14.117 Wie zuvor können es drei, jeweils zwei oder je eines sein. Maß und Zahl der dafür verwendeten Fäden dürfen nach Wunsch gewählt werden.
Pavitras für den heiligen Raum und die Gemeinschaft
14.118 Man versehe die Schmuckstücke mit gefüllten Kernen, die von Fadenbündeln umgeben sind. Auch für die übrigen Gottheiten, die zum Maṇḍala gehören, fertige man, soweit die Mittel reichen, …
14.119 … eine Gruppe von Pavitras mit frei gewählter Zahl von Knoten und Fäden an. Ebenso verfahre man für Viṣvaksena und die weiteren Gottheiten des göttlichen Gefolges.
14.120 Für das Mantra-Gefäß und das Astra-Gefäß sind zwei Pavitras vorgesehen, eines für das Maṇḍala, zwei für Feuergrube und Feuer sowie zwei für den Sitz der heiligen Schrift.
14.121 Sie gelten dem Herrn als Prinzip des heiligen Klanges, der in den Schriftzeichen Gestalt annimmt, und den bedeutenden Hilfsmitteln des Ritus, etwa Glocke und Gebetskette.
14.122 Weitere Pavitras bereite man für die Gottheiten der Opfergabensitze, für die an anderen Orten weilenden Gottheiten und für die vier mit dem Guru beginnenden Gruppen vor, die ihr Verlangen nach Hari aussprechen.
14.123 Sie sind auch für Menschen der verschiedenen Stände, beginnend mit den Brahmanen, bestimmt, die stets an Acyuta denken: für Haushälter, Brahmacārins, Entsagende und Waldeinsiedler.
14.124 Man bereite sie für die Älteren, den Vater und andere Angehörige vor, die das Wesen des göttlichen Herrn kennen, sowie für Verwandte, Brüder und Söhne, deren Herzen sich Nārāyaṇa zugewandt haben.
14.125 Auch die in Hingabe demütige Ehefrau, die sich an Haris Verehrung erfreut, soll eines erhalten, ebenso Verwandte und Freunde, die am heiligen Wohnort des Herrn leben.
14.126 Hinzu kommen weitere Helfer, die nach dem vierfach entfalteten göttlichen Wesen verlangen, sowie zugewandte Bedienstete, die Puruṣottama verehren.
14.127 Für ihr Gedeihen, ihre Befähigung und ihre Reinigung fertige man aus Fäden und Knoten in geeignetem Maß …
14.128 … eine Anzahl heiliger Fadenbänder an. Oder man verfahre bei den vier mit dem Guru beginnenden Gruppen, bei Entsagenden und Haushältern nach der folgenden Einteilung.
14.129 Der Reihe nach werden vierundzwanzig, sechzehn, zwölf, acht und sechs Fäden genannt.
14.130 So fertige man die Pavitras an; die Zahl ihrer Knoten entspreche der Fadenzahl. Für den Verehrenden und für den Guru bereite man je zwei Schmuckstücke vor.
Weitere Herstellungsformen
14.131 Damit ist die ausführliche äußere Ordnung erklärt; nun folgt die feinere Ausführungsform. Das erste Schmuckstück richte sich nach dem Kopfumfang des heiligen Bildes.
14.132 Man fertige es schön und mit ganz gleichmäßigen Fadenwindungen aus vierhundertzweiunddreißig Fäden an.
14.133 Es erhalte siebenundzwanzig Knoten. Ein weiteres Pavitra führe man oberhalb der Ohren entlang und bemesse es bis zum Nabel.
14.134 Dieses zweite fertige man, ihr hervorragenden Weisen, aus dreihundertvierundzwanzig Fäden an.
14.135 Es habe die doppelte Knotenzahl und entsprechende Füllungen. Ein weiteres reiche von den Schultern bis zu beiden Füßen.
14.136 Man fertige es aus Fadenbündeln an, deren Zahl um ein Drittel vermindert wird; es besitze die dreifache Knotenzahl. Die technische Fadenbezeichnung am Versanfang ist nicht eindeutig.
14.137 Ein weiteres Band, aus einhundertacht Fäden und ebenso vielen Knoten, reiche vom Haupt bis zum heiligen Sockel Viṣṇus.
14.138 Danach fertige man aus Fäden, Knotengruppen und verschiedenen Füllungen vier weitere Schmuckstücke nach den Maßen des Maṇḍalas an.
14.139 Das erste entspreche dem Lotus, das zweite der Nabe, das dritte den Speichen und das vierte dem äußeren Radkranz.
14.140 Für das Feuer verwende man einundachtzig Fadenwindungen mit ebenso vielen Knoten, nach den Maßen der Feuergrube.
14.141 Der Einsichtige fertige drei passende Schmuckstücke an. Aus der Hälfte von einhundertacht Fäden und ebenso vielen Knoten …
14.142 … bereite man für die führenden Zweimalgeborenen einen gleichmäßigen und schönen Schmuck; für die übrigen Brahmanen verwende man die Hälfte davon.
14.143 Dies gilt als die vollständige Ausführung. Nun wird die vereinfachte Form erklärt: Das erste Schmuckstück besteht aus einhundertacht Fäden.
14.144 Beim nächsten vermindere man diese Zahl um ein Viertel; das dritte fertige man aus der Hälfte an, das vierte aus einem Viertel der ersten Zahl.
14.145 Für den Feuerschmuck vermindere man die vierte Zahl um ein Drittel. Für die führenden Zweimalgeborenen fertige man ein Band aus siebenundzwanzig Fäden.
14.146 Für die Brahmanen verwende man neun Fäden. Das Band soll weder oberhalb der Brust noch unterhalb des Nabels liegen.
14.147 Für die übrigen Verehrer des Weltenlehrers genügen drei Fäden. Damit ist diese feinere Ordnung erklärt; nun folgt eine weitere Ausführungsweise.
Die Vervollständigung der Mantrapraxis
14.148 Für den Herrn als Hauptmantra, der an den vier heiligen Stätten gegenwärtig wird, verwende man einhundertacht Fäden oder die Hälfte beziehungsweise einen Teil davon.
14.149 Man fertige daraus jeweils ein oder drei Schmuckstücke an. Ob die von den Verehrenden vollzogene Anzahl an Japa, Homa und weiteren Handlungen vollständig oder lückenhaft ist …
14.150 … das Pavitra gleicht sie für die Gott hingegebenen Mantra-Praktizierenden aus. Daher soll seine Knotenzahl der Zahl seiner Fäden entsprechen.
Zur Vollständigkeit der Praxis: Der Text versteht den Ritus als Ausgleich für versäumtes Japa und andere Handlungen. Eine heutige Anregung daraus ist, nach Unterbrechungen wieder bewusst zur eigenen Praxis zurückzukehren. Die besondere rituelle Wirksamkeit bleibt eine Glaubensaussage der Quelle.
14.151 Für die übrigen zu verehrenden Wesen fertige man nach Wunsch weitere Schmuckstücke an, mit gefüllten Kernen, die von Fadenbündeln umgeben sind.
Die Füllungen und Verzierungen
14.152 Für die zuvor beschriebene Gruppe der Pavitras des Gottes der Götter, der an den vier heiligen Stätten gegenwärtig ist, …
14.153 … bereite man nun sämtliche Füllungen vor, ihr Trefflichen: mit goldähnlichem Material, Kampfer, zerriebenem Duftstoff und Kuṅkuma. Die Aufzählung der Duftstoffe ist im Sanskrit nicht durchgehend eindeutig.
14.154 Man füge die Sarvauṣadhi-Kräutermischung, Zimtrinde, Kardamom und weitere reine Stoffe hinzu und verwende ein umhüllendes Bändchen sowie Baumwollwatte.
14.155 Die Füllkörper können wie Zitronatzitronen, Mangos, Āmalaka-Früchte oder Kegel geformt sein. Die Zwischenräume binde man mit einem ununterbrochenen Faden …
14.156 … in geringen Abständen ab, damit die einzelnen Abschnitte erkennbar werden. Für alle übrigen Bilder verfahre man entsprechend den verfügbaren Mitteln.
14.157 Die Füllungen stelle man aus den zuvor genannten Materialien zusammen. Auch die je zwei Schmuckstücke für den Verehrenden und für den Guru erhalten solche Füllungen.
14.158 Dies ist wegen des Auflegens der Mantras des Herrn und der dabei vollzogenen inneren Vergegenwärtigung der Einheit vorgeschrieben. Für die übrigen fertige man die Schmuckstücke der jeweiligen Ordnung entsprechend ohne Füllung an.
14.159 Man färbe die Füllkörper und die zwischenliegenden Fäden mit Safran und schmücke sie an der Oberfläche mit goldenen und silbernen Zierstücken.
14.160 An den Ansätzen der einzelnen Pavitra-Abschnitte bringe man goldene Zeichen an: Muschelhorn, Lotus, Keule, Cakra, Girlande, Śrīvatsa und weitere.
Die Aufbewahrung und der Festbeginn
14.161 Je nach den verfügbaren Mitteln schmücke man so eines oder mehrere. Sind die Pavitras der Reihe nach angefertigt, …
14.162 … lege man sie in ein weites, mit Stoff ausgelegtes Metallgefäß, in einen geflochtenen Behälter oder in ein schönes Tongefäß.
14.163 Auch ein Gefäß aus Palāśa kommt infrage. Die für die Mantra-Gestalten bestimmten Schmuckstücke bewahre man in einem Behälter auf, die für Menschen bestimmten in einem anderen.
14.164 Man bedecke sie mit einem ganz weißen, ungebrauchten Tuch und binde dieses mit einem festen weißen Faden zu.
14.165 Die beiden Gefäße stelle man zu den übrigen Opfermaterialien. Hat man auf diese Weise alles Erforderliche vorbereitet, …
14.166 … vollziehe man das Auflegen der Pavitras für den Gott der Götter an der Dvādaśī, dem zwölften Mondtag der hellen Monatshälfte, in einem der vier Monate.
14.167 Zuvor vollziehe man am zehnten und elften Mondtag die vorbereitende Weihe, das Adhivāsana. Bei einer vereinfachten Durchführung genügt dafür der elfte Mondtag.
14.168 Fehlen die Möglichkeiten, kann die Weihe unmittelbar am zwölften Mondtag erfolgen. Am Tag vor der vorbereitenden Weihe lasse man die rituelle Aussaat vornehmen.
14.169 Am Weihetag lege der Lehrer das Schutzband an. Hört nun, ihr hervorragenden Weisen, den gesamten Ablauf dieser vorbereitenden Handlungen.
Die vorbereitende Verehrung
14.170 Zu Beginn der Nacht des zehnten Mondtages begebe sich der Ācārya zusammen mit den Bildhütern in die Gegenwart des Herrn der Mantras und verehre ihn der Reihe nach mit Arghya und den weiteren Gaben.
14.171 Nachdem er dessen Zustimmung erbeten hat, gehe er in die schöne Opferhalle vor dem Heiligtum und beginne mit der Verehrung an den Eingängen.
14.172 Er vollziehe die Verehrung im heiligen Gefäß und im Boden-Maṇḍala wie zuvor beschrieben. Danach trete er ein und verehre das Hauptbild.
14.173 Diese besondere Verehrung schließe mit der ehrenden Umwandlung und der Verneigung. Besteht das Hauptbild aus modelliertem Material oder befindet es sich auf einer Wand oder einem Tuch, …
14.174 … vollziehe man die besonderen Handlungen am Bild für gelegentliche Riten. In Gegenwart des Hauptbildes führe man die zeremonielle Waschung …
14.175 … an einem dafür vorgesehenen Bild oder an einem Bild für tägliche beziehungsweise besondere Riten aus. Alles Übrige bis zum Auflegen der Pavitras geschehe am Hauptbild.
14.176 Die Festhandlung führe man am Bild für das tägliche Fest aus. Sind solche Bilder nicht vorhanden, kann für die Waschung ein nahe dem Hauptbild aufgestellter Spiegel dienen.
14.177 Nur die Waschung vollziehe man daran. Die Festhandlung kann dann an einem Büschel aus Darbha-Ähren, an einem Cakra oder an einem heiligen Gefäß erfolgen.
14.178 Alles Übrige vollziehe man wie zuvor am Hauptbild. Danach begebe man sich in die Feuerhalle und weihe die Feuergrube nach der beschriebenen Ordnung.
14.179 Man weihe dort auch das Feuer und vollziehe die nährenden Darbringungen für die Mantras. Dann betrete man das Heiligtum und widme die Feueropferhandlung dem Herrn.
Darbringung und Gebet
14.180 Nach der Verneigung vor dem Herrn der Götter nehme man ein Pavitra, das durch inneres Verbrennen und Erfüllen gereinigt und mit Arghya-Wasser besprengt wurde.
14.181 Man durchdufte es mit Duftstoffen und Räucherwerk und bringe es dem an den vier heiligen Stätten gegenwärtigen Herrn der Reihe nach dar, mit Arghya und anschließendem Räucherwerk.
14.182 „Du Unvergänglicher bist durch die Gaben deiner eigenen Glückseligkeit ewig erfüllt. Dennoch verehre ich dich, von Hingabe erfreut, um selbst zur Vollendung zu gelangen.“

Wozu verehren? Das Gebet sagt ausdrücklich: Der göttliche Herr bedarf keiner Ergänzung. Die Darbringung dient der Vollendung des Verehrenden. Diese Perspektive verbindet Puja mit innerer Entwicklung.
14.183 So richte man seine Bitte an den Herrn. Dann besprenge man unter dem Astra-Mantra mit Arghya-Wasser sämtliche Materialien, beginnend mit dem Schmuck.
14.184 Mit beiden Händen, die als Agni und Soma vergegenwärtigt werden, führe man die gesamte Schmuckgruppe in den Zustand ritueller Eignung.
14.185 Unter dem Grundmantra besprenge, berühre und betrachte man sie. Die für das heilige Gefäß bestimmten Schmuckstücke lege man in einen Behälter, die für das Maṇḍala in einen anderen.
14.186 Die für das Bild bestimmten lege man wiederum gesondert ab, ebenso die für das Feuer und die übrigen für die Mantras bestimmten.
14.187 Je nach den verfügbaren Gefäßen ordne man sie getrennt an und bedecke sie anschließend mit einem ganz weißen, ungebrauchten Tuch.
14.188 Die Schmuckgefäße binde man der Reihe nach einzeln mit einem festen weißen Faden zu.
14.189 Aus ungeschältem Reis, geschältem Reis, Sesam oder allen dreien bereite man eine Unterlage von vier, drei, zwei oder einer Bhāra genannten Maßeinheit vor; auch eine Plattform oder ebene Fläche kann dienen.
14.190 Darauf stelle man die Schmuckgefäße vor dem Herrn auf, verehre sie mit dem Praṇava und umhülle sie wiederum mit dem schützenden Varma-Mantra.
14.191 Das Heiligtum und die Opferhalle umwinde man innen und außen vierfach mit weißem Faden.
Die Einladung der Gemeinschaft
14.192 Dann richte man eine Einladung an die Gemeinschaft, die den fünf täglichen Verehrungszeiten folgt, an die den sechs Pflichten Verpflichteten und an die Gruppe der vaiṣṇavischen Entsagenden.
14.193 „Morgen werde ich in eurer Gegenwart den Herrn mit Hingabe verehren. Bitte seid anwesend und schenkt mir dadurch eure Gunst.“
14.194 Nachdem man sie so gebeten und ihre Zustimmung empfangen hat, verbringe man die Nacht wachend in der Gegenwart des Gottes der Götter.
Die Nachtwache und der Festtag
14.195 Am Morgen der Ekādaśī bade der Ācārya und erfülle seine täglichen Pflichten. Zusammen mit Brahmanen und hervorragenden vaiṣṇavischen Entsagenden …
14.196 … sowie mit Viṣṇu-Verehrern, die ihren Aufgaben und festen Gelübden treu sind, betrete er das Haus des Herrn und vollziehe dessen tägliche Verehrung.
14.197 Er verehre ihn mit besonderer Sorgfalt an den vier heiligen Stätten. Ebenso verfahre er in der Nacht.
14.198 Nach den rituellen Handlungen bis einschließlich des Feueropfers bleibe er vor dem verehrten Herrn und verbringe die Nacht wachend mit Japa und Lobpreis.
14.199 In der Brahma-Muhūrta bade der Lehrer, betrete mit den Vaiṣṇavas das Heiligtum und vollziehe die tägliche Verehrung des Herrn.
14.200 Nachdem er den an den vier Stätten gegenwärtigen Gott ordnungsgemäß verehrt hat, nehme er das Festbild zusammen mit Śrī und Puṣṭi …
14.201 … schmücke es besonders mit Gewändern und weiteren Zierden, setze es auf ein Tragegestell, bringe es in die Halle und lasse es dort auf einem Sitz Platz nehmen.
Meditation und die drei Schutzbänder
14.202 In den vier Richtungen lasse man die vier Veden nach der rechten Ordnung rezitieren. Dann trete man an das Gefäß mit den Schmuckstücken heran.
14.203 Man verehre und öffne den Behälter der Schutzfäden, schaue hinein und nehme das erste Band auf. Dabei vergegenwärtige man sich vollständig …
14.204 … alles während des Jahres, vom Morgen bis zum Ende der Nacht, aus Meditation hervorgegangene Wirken: die auf das ungeteilte göttliche Wesen gerichtete Praxis, die zur Befreiung führt.
14.205 Man erinnere sich an den Mantra in seiner ungeteilten Gestalt und spreche ihn rein aus. Dabei verbinde man den Faden mit dem Mantra und ebenso den Mantra mit dem Faden.
14.206 Man vergegenwärtige ihre Einheit mit sich selbst und lege das Band auf das Haupt der Mantra-Gestalt. Dann nehme man einen weiteren Faden und betrachte darin das zugleich gegliederte und ungeteilte göttliche Wesen.
14.207 Man vergegenwärtige sich das während des Jahres vollzogene Wirken aus Meditation und ritueller Handlung und erinnere sich an den im Gefäß verehrten Mantra in seiner doppelten Gestalt.
14.208 Nach der gleichen inneren Verbindung wie zuvor bringe man das Pavitra dar. Dann bereite man das dritte Schutzband vor.
14.209 Man erinnere sich an sämtliche äußeren, gegliederten Riten des Jahres und vergegenwärtige sich selbst als Verehrenden, von der Grundlage bis zur höchsten Stufe.
14.210 Dabei folge man der Ordnung von Auflösung, Erfahrung und wirksamem Walten und erinnere sich an den Herrn der Mantras in seiner gegliederten Gestalt, die diese Zustände umfasst.
Drei Ebenen der Verehrung: Das Kapitel verbindet die drei Bänder mit innerer Meditation, dem Zusammenwirken von Meditation und Handlung sowie den äußeren Riten. Niṣkala und sakala bezeichnen hier die ungeteilte und die gegliederte göttliche Gegenwart; sie sind keine Abwertung der jeweils anderen Verehrungsform.
14.211 Nach dieser Vergegenwärtigung und inneren Verbindung bringe man das Schutzband dar. Mit Arghya, Blumen, Duftstoffen, Girlanden und Räucherwerk …
Blütenregen und feierliche Darbringung
14.212 … umrahme man jedes einzelne Schmuckstück mit Verehrung. Dazwischen lasse man unter Glockenklang einen Regen von Gaben niedergehen, …
14.213 … der Edelsteine und edle Metallstücke, Blüten, unversehrte Reiskörner und Früchte umfasst, dazu gute Duftstoffe, Arghya, Darbha, Puffreis und weißen Senf.
14.214 Freudig streue man diese Gaben mehrfach aus den Händen. Auch ein reiner Blütenregen ist möglich. Muschelhörner und weitere Instrumente sollen erklingen.
14.215 Nachdem man auf diese Weise zuerst dem Herrn im heiligen Gefäß das Pavitra dargebracht hat, verfahre man entsprechend beim Herrn im Maṇḍala.
14.216 Am Ort der Darbringung gebe man drei schöne Pavitras, o Nārada. Für sämtliche Mantra-Gestalten bringe man nach Wunsch jeweils drei oder eines dar.
14.217 Dann verehre man den Herrn im Bild und lege ihm die Schmuckstücke nach der beim Gefäß beschriebenen Ordnung an. Bei der als Vanamālā bezeichneten Girlande …
14.218 … vollziehe man die gesamte innere Vergegenwärtigung wie zuvor und bringe sie dar. Ist ein gesondertes Nyāsa vorgesehen, rufe man die vier göttlichen Schmuckgestalten, beginnend mit der Krone, …
Die vier Anrufungen der göttlichen Schmuckgestalten
14.219 … der Reihe nach in den vier Schmuckstücken an: „Du Krone des Herrn der Götter, mit sonnengleichem Glanz erfüllt, …
14.220 … verweile mit deinem Gefolge in diesem Kopfschmuck. Śrīvatsa, komm herbei, du dem Vollmond Gleichender, dem göttlichen Herrn lieb!“
14.221 „Für die Brust dessen, aus dem die Welt hervorgeht, habe ich diesen Schmuck bereitet. Kaustubha, komm herbei, du Herr der Edelsteine, dem göttlichen Herrn lieb!“
14.222 „Für die Brust dessen, aus dem die Welt hervorgeht, habe ich diesen Schmuck bereitet. Du mit metallenen Blüten übersäte, mit Korallen und Edelsteinen geschmückte …
14.223 … Vanamālā, komm herbei, du Schöne, dem Gott der Götter lieb!“ Mit diesen vier Mantras vollziehe man die Anrufung der Reihe nach.
Zu den Anrufungen: Die vier Gebete sind im Sanskrit belegt. Sie werden aus der älteren Ausgabe in ihrer geordneten Folge wiedergegeben. Die Einzelheiten der Textabweichung stehen in den Texthinweisen.
Die Pavitras für Bild, Geräte und Lehrer
14.224 Auch für die göttlichen Glieder, die Schmuckstücke, die Wahrzeichen, die Śaktis und Garuḍa, ihr hervorragenden Weisen, …
14.225 … sowie für den Sockel bringe man die Pavitras nacheinander dar. Ebenso gebe man sie dem Herrn im Hauptbild.
14.226 Dies gilt für sämtliche Hauptbilder, auch für Lakṣmī und die anderen Gottheiten, sowie für die ergänzenden Bilder und das gesamte göttliche Gefolge.
14.227 Es gilt für den Schriftensitz, die Schriftzeichen und den Herrn als Wesen des Klanges; ferner für Glocke, Gebetskette, Arghya-Gefäß und weitere Ritualgeräte.
14.228 Auch sämtliche anderen Hilfsmittel, etwa Schirm und Wedel, sowie alle Gottheiten der Eingänge und Umfassungsbereiche erhalten ihren Schmuck.
14.229 Nachdem man diese Schmuckgaben der Reihe nach dargebracht hat, begebe man sich in die Feuerhalle und bringe dem Herrn im Feuer die Schmuckstücke wie zuvor dar.
14.230 Man widme den Schmuck dem Feuer, verbrenne ihn jedoch nicht darin. Denn für den Schmuck ist später noch eine besondere Niederlegung vorgeschrieben.
14.231 Was verbrannt ist, kann nicht wieder aufgenommen werden; ohne den Schmuck entstünde ein Mangel. Ebenso lege man nun den Opferlöffeln, Sruk und Sruva, sowie den weiteren Geräten Schutzbänder an.
14.232 Dem Lehrer, der wie die Gottheit geehrt wurde, lege man unter dem Hṛd-Mantra sein Band an; ebenso erhalte jeder der übrigen Lehrer das für ihn bestimmte.
14.233 Dann gebe man die Bänder den Sādhakas und den weiteren am Opfer Beteiligten der Reihe nach. Soll das Auflegen der Pavitras unmittelbar am Hauptbild erfolgen, …
Die Reihenfolge beim Hauptbild
14.234 … bringe man zuerst diesem das Schutzband dar und vollziehe die Verehrung bis einschließlich der Speisegabe. Danach nehme man das Festbild …
14.235 … in die Opferhalle oder in die Versammlungshalle, setze es auf den glückverheißenden Thron und verfahre nach der zuvor beschriebenen Ordnung.
14.236 Auch dem an den vier Stätten gegenwärtigen Herrn bringe man das Schutzband dar. So lege man dem Gott der Götter in seinen vier Gegenwartsorten …
14.237 … auf dem Schmuck-Sitz die Zierstücke ordnungsgemäß vom Haupt an abwärts an, unter dem Grundmantra oder dem Praṇava.
Die Bitte um Vervollständigung
14.238 Dann führe man ihn zum Speisesitz und verehre den Herrn der Götter mit vielerlei essbaren Gaben. Mit zusammengelegten Händen spreche man:
14.239 „Nicht aus Hochmut und nicht aus Verblendung habe ich meine Handlungen unterlassen. Du selbst weißt alles, Herr aller Wesen, der du im Herzen wohnst.
14.240 Soweit meine Kraft reichte, habe ich gehandelt; das Versäumnis geschah ungewollt, höchster Herr. Um es auszugleichen, habe ich diese Handlung zu deiner Freude vollzogen.“
Ehrlichkeit vor dem Göttlichen: Das Gebet benennt Versäumnisse und richtet sich an den Herrn im Herzen. Als heutige Praxis kann eine solche Rückschau Selbstprüfung, Demut und einen erneuerten Entschluss verbinden.
14.241 Nach diesen Worten ehre man vier Kenner des Pāñcarātra, in denen man den göttlichen Herrn vergegenwärtigt, nach den eigenen Möglichkeiten mit Gewändern und Geldgaben.
14.242 Ebenso ehre man Brahmacārins, Entsagende und Gurus mit den Gaben bis hin zu den Schutzbändern und bewirte sie mit vielfältiger reiner Speise.
14.243 Anschließend setze der Lehrer das Festbild auf das Tragegestell und vollziehe den Umzug, begleitet von allen glückverheißenden Formen, die für das große Fest beschrieben wurden.
Die Festtage und das Ablegen der Bänder
14.244 Nach der ehrenden Umwandlung führe man das Bild wieder in das Heiligtum. Der Lehrer nehme seine Mahlzeit ein, nachdem die Speise zuvor dem Herrn dargebracht wurde.
14.245 Dies geschehe in besonderer Weise gemeinsam mit Verwandten und Brüdern. Jeden Morgen und Abend bis zum Ablegen des Schmucks …
14.246 … verehre man den an den vier Stätten gegenwärtigen Gott ordnungsgemäß und widme dem Festbild in der Halle eine besondere Verehrung.
14.247 Zu beiden Tageszeiten feiere man das Fest des Gottes der Götter. Den Umzug auf seinem Träger kann man nachts oder tagsüber vollziehen.
14.248 Am Morgen des Abschlusstages vollziehe man eine besondere Verehrung des an den vier Stätten gegenwärtigen Herrn, mit weiteren Verehrungshandlungen dazwischen.
14.249 Nachts nehme man die Pavitras ab, verabschiede die göttliche Gegenwart aus Maṇḍala und Feuer und vollziehe ordnungsgemäß die Besprengung mit dem Wasser des heiligen Gefäßes und die weiteren Abschlussriten.
14.250 Die Pavitras können eine, drei, fünf oder sieben Nächte aufgelegt bleiben; danach vollziehe man ihre rituelle Niederlegung.
14.251 Oder man belasse den Schmuck am heiligen Bild bis zur Ekādaśī der hellen Monatshälfte des Kārttika.
14.252 Blumengirlanden und ähnliche Gaben nehme man ab und erneuere sie täglich, damit bis zum festgesetzten Abschlusstag nichts welk wird.
Gaben an Lehrer und Gemeinschaft
14.253 Nach dem Abnehmen übergebe man das Pavitra mit Hingabe dem Guru oder einem Brahmanen, der den fünf täglichen Verehrungszeiten folgt; ist ein solcher nicht verfügbar, o Nārada, …
14.254 … einem wahrhaft Viṣṇu ergebenen Menschen, der die sechs Pflichten erfüllt. Nach der besonderen Opferverehrung und dem Feueropfer ehre man den Ācārya.
14.255 Auch die Vaiṣṇavas sind wie zuvor zu ehren. Man gebe ihnen nach den eigenen Möglichkeiten Gewänder; fehlen die Mittel, o Nārada, …
14.256 … gebe man wenigstens einem ein Gewänderpaar oder ein einzelnes Tuch. Für die übrigen sehe man aus Fäden gefertigte heilige Schnüre vor.
14.257 Dann richte man an die selbstbeherrschten Entsagenden die Bitte: „Durch die Kraft eurer Gunst möge mein Tun vollständig werden.
14.258 Bei allen Teilen des Ritus möge ich die bindende Ordnung nicht verletzen.“ Alle sollen darauf zur passenden Zeit antworten: „So sei es.“
Ergänzendes Video zur spirituellen Praxis; kein Bestandteil der Samhita.
Die religiöse Bedeutung des Pavitra-Ritus
14.259 Der im Verlauf des Jahres durch Getanes oder Unterlassenes entstandene rituelle Mangel, der die verpflichtende Ordnung betrifft, wird durch das Auflegen der Pavitras rasch aufgehoben.
14.260 Weil es den mit Mängeln Behafteten bewahrt, vor dem Fall schützt, insbesondere die Zweimalgeborenen behütet und das rituelle Handeln vervollständigt, …
14.261 … auch wenn ein Sādhaka in seiner Praxis etwas versäumt hat, habe ich diesen großen Pavitra-Ritus mit seinen beschriebenen Merkmalen gelehrt.
Vereinfachte Formen bei begrenzten Mitteln
14.262 Nun wird eine andere, vereinfachte Ausführungsform erklärt. Auch an einem einzelnen Bild in der Opferhalle …
14.263 … oder im Heiligtum kann man, nachdem es am zehnten Mondtag vorbereitend geweiht wurde, den Schmuck auflegen, ohne Gefäß und Maṇḍala einzurichten.
14.264 Oder man vollziehe dies für den Herrn im Feuer, nach dessen vorbereitender Weihe wie zuvor. Dem Herrn bringe man dann ein, zwei oder drei Pavitras dar.
14.265 Man beschaffe sie selbst oder lasse sie nach der vorgesehenen Ausführung herstellen. Fehlen Materialien oder die erforderlichen Möglichkeiten, ihr trefflichen Zweimalgeborenen, …
14.266 … vollziehe man die vorbereitende Weihe unmittelbar an Dvādaśī und führe den Ritus nach Kräften aus. Unter Fasten lege man dem Herrn in seinem Bild den Schmuck an.
14.267 Fäden und Knoten dürfen nach Wunsch gestaltet werden; auch Pavitras ohne gefüllte Kerne sind möglich. Mit einem Farbstoff …
14.268 … färbe man sie ordnungsgemäß ein. Oder man fertige lediglich mit Blüten gefüllte Kerne an.
Die Bitte bei der einfachen Darbringung
14.269 Man verehre den im Bild gegenwärtigen Herrn wie zuvor, bringe den Schmuck dar, lege ihn an und spreche:
14.270 „Den heiligen Faden, den ich bereitet habe, mögest du annehmen, damit meine Handlungen vervollständigt werden und mir kein Mangel verbleibt.“ Die Formulierung der ersten Vershälfte ist im Sanskrit unregelmäßig.
14.271 Nach diesen Worten lege man das Pavitra auf das Haupt und preise den Herrn der Götter. Am folgenden Tag …
Der Pavitra-Ritus im eigenen Haus
14.272 … verehre man den Herrn sorgfältig und nehme das Pavitra rituell wieder ab. Nun wird die Besonderheit des Pavitra-Ritus im eigenen Haus erklärt.
14.273 Dem Herrn im Bild, im Maṇḍala oder an allen vier heiligen Stätten bringe man nach Wunsch drei Pavitras oder jeweils eines dar.
14.274 So ist das erhabene Auflegen der Pavitras gelehrt, ihr besten Yogis. Wird es auf diese Weise vollzogen, erwächst daraus dauerhafte Vollendung.
Praxis im eigenen Lebensrahmen: Der Text nennt ausdrücklich vereinfachte Ausführungen und die Verehrung im Haus. Für heutige Yoga-Aspiranten kann dies ermutigend sein: Eine regelmäßige, tragfähige Form von Japa, Puja oder Meditation darf an die tatsächlichen Möglichkeiten angepasst werden.
14.275 Die Anliegen der Sādhakas und die Wünsche ihrer Herzen werden erfüllt. Die Übungen der Askese, das Geben, die Gelübde und die vorgeschriebene tägliche Praxis …
14.276 … sowie sämtliche Opfer und Darbringungen werden dadurch vervollständigt. Am folgenden, vierten oder siebten Tag vollziehe man …
Das abschließende heilige Bad
14.277 … die zeremonielle Waschung der verehrten Mantra-Gestalt an einem heiligen Gewässer mit gutem Wasser, in einem zum Meer fließenden Fluss, in einem heiligen Teich oder See.
14.278 Dies geschehe zur Freude des höchsten Herrn, zur Aufhebung des eigenen Leidens, zur Freude der Götter und zur Sättigung der Vorfahren.
14.279 Es diene der Stärkung aller Wesen, dem Wohlergehen der Welten, der Befriedung von Störungen im Land und dem Wohl der Kühe und Brahmanen.
14.280 Man vollziehe diese Waschung ordnungsgemäß vorzugsweise am Bild für das heilige Bad; ist ein Bild für die tägliche Waschung vorhanden, kann sie daran geschehen.
14.281 Fehlt dieses, verwende man das Bild für das tägliche Fest. Ist auch ein solches nicht vorhanden, diene ein reines, schönes Bündel aus Darbha-Ähren.
Das Darbha-Bündel und die Wirklichkeitsprinzipien
14.282 Hört nun aufmerksam die zugehörige Vorschrift. Man nehme unbeschädigtes Darbha-Gras mit vielen Halmen, vollständigen Spitzen und Wurzeln.
14.283 Nach Osten gewandt nehme man das Gras unter dem Praṇava auf. Mit demselben Mantra vergegenwärtige man wie zuvor die göttliche Gegenwart an seinem Wurzelansatz.
14.284 In seinem mittleren Halm, an der hervorgehobenen Stelle, verehre man die Gegenwart des erhabenen Herrn der Mantras und vergegenwärtige ihn dort.
14.285 Erkenne diesen Halm als eine Entfaltung des höchsten Selbst, die auf das innere Selbst verweist: Unter den Halmen ist er der hervorragende, der die vielfältigen karmischen Erfahrungen trägt.
14.286 An ihm vergegenwärtige man das Prinzip des bewussten Wesens, versehen mit Aṇimā und den weiteren Fähigkeiten. Dafür ist die es bezeichnende, mit Haṃsa verbundene zweifache Lautgestalt einzusetzen.
14.287 An vier äußeren Halmen binde man die mit dem Bewusstsein beginnende Vierergruppe ein. Danach ordne man die zuvor genannte Folge bis zum Unentfalteten jeweils an ihrem eigenen Platz an.
14.288 Die umfassende, feine Gegenwart rufe man mit Formeln an, die mit dem Praṇava beginnen und mit namaḥ enden. So binde man auch die fünf Wahrnehmungsvermögen, beginnend mit dem Hören, unter ihren jeweiligen Namen ein.
14.289 Danach folgen die Handlungsvermögen, die fünf feinen Sinnesqualitäten und schließlich die fünf Elemente bis hin zur Erde.
14.290 Mit den übrigen Grashalmen bilde man eine längliche, einem Körbchen ähnliche Hülle, ohne den Büschel der Spitzen einzubinden, bis zu deren Ansatz.
14.291 Die Bindung reiche ein wenig darüber, sodass das Bündel sich nicht wieder löst. Die vielfach gegliederten Halme sind nach der Zahl der Wirklichkeitsprinzipien angeordnet.
14.292 Wenn die Halme auseinanderfallen oder einer von ihnen bricht, wird diese Anordnung verändert. Daher soll man das Bündel fest zusammenbinden.
14.293 Hat man auf diese Weise das Pavitra aus Darbha-Ähren vorbereitet, verbinde man damit die entsprechende Meditation über seine einzelnen Bestandteile.
Zum Darbha-Ritus: Das Bündel wird als Darstellung von Bewusstsein, Sinnesvermögen und Elementen geweiht. Seine genaue Herstellung gehört zur überlieferten Ritualpraxis. Die Verse sind keine Anleitung zu einer eigenständig rekonstruierten Einweihung.
Du selbst bist der heilige Ort
14.294 Man verehre es mit Arghya, Blumen und weiteren Gaben, schmücke es und spreche: „Du selbst bist der heilige Ort, o Herr; du selbst bist die höchste Zuflucht.
14.295 Ich erkenne in Wahrheit, dass du selbst in all diesem gegenwärtig bist. Dennoch hast du die heilbringende Ordnung der rituellen Handlungen gelehrt.
14.296 Diese vollziehe ich heute im Verlangen nach deiner Gnade.“ So wende man sich an den Herrn in seiner Mantra-Gestalt, der höher ist als das Höchste.

14.297 Man trage das Pavitra in seinem Gefäß in den Händen oder setze es auf einen heiligen Träger. Voraus gehen glückverheißende Klänge von Veda-Rezitation, Gesang und Muschelhörnern.
14.298 Man bringe es zum heiligen Gewässer und stelle es am Wasser auf. Nach Osten gewandt nehme man dann das Pavitra auf.
14.299 Man lege es auf die linke Handfläche, als ruhe es auf dem Kreis der Erde, und halte es in der Mitte mit der rechten Hand.
14.300 Dann steige man in das Wasser und tauche zusammen mit ihm unter. Dabei vergegenwärtige man unmittelbar die göttliche Anwesenheit an diesem Ort.
Das Bad und die Gnade für alle
14.301 Alle heiligen Badeorte der drei Welten sind dort gegenwärtig, wo der Herr als Mantra auch nur einen Augenblick zum Schutz im Wasser verweilt.
14.302 Dort kommen sämtliche Heiligtümer und heiligen Gewässer zusammen. Um wie viel mehr gilt dies, wenn der göttliche Herr Adhokṣaja in seiner Mantra-Gestalt …
14.303 … auf die Bitte des Sādhaka hin badet, mit der Absicht, allen seine Gnade zuzuwenden. Wenn ein kundiger Kenner der Wahrheit nach dieser Ordnung an einem heiligen Gewässer …
14.304 … das Bad stellvertretend für Verwandte und andere vollzieht, erlangen diese bald und ohne eigene Mühe die Frucht des heiligen Bades durch die Gnade der Mantra-Gestalt.
14.305 Dieser besondere Ritus soll jedoch ohne Gesang und Instrumentalmusik stattfinden. Der Einsichtige erkenne darin den Unterschied dieser Handlung.
Das stellvertretende Bad für Abwesende
14.306 Man vergegenwärtige den Jīva als Haṃsa: seinem allgemeinen Wesen nach unvergänglich, von Bewusstsein erfüllt und ohne äußere Gestalt, zugleich mit der jeweils besonderen Erkenntnisweise verbunden.
14.307 Man betrachte das Pavitra als dessen Darstellung und bade es im Wasser. So kann dasselbe Pavitra für viele andere Menschen dienen, oder man verwendet mehrere.
14.308 Auf diese Weise vollziehe man das Bad auch für weit entfernt lebende Menschen. Ist die Waschung so abgeschlossen, soll der Einsichtige am folgenden Tag …
Verbundenheit mit Abwesenden: Die Quelle beschreibt ausdrücklich ein stellvertretendes Bad für Menschen, die weit entfernt sind. Die zugesagte Wirkung ist religiös zu verstehen. Eine heutige Anregung kann das liebevolle Einschließen anderer Menschen in Gebet und Meditation sein.
Prozession, Teilen und Abschluss
14.309 … die göttliche Darstellung auf einen geweihten Wagen setzen, sie ordnungsgemäß verehren und das als Yātrā bezeichnete Prozessionsfest feiern, begleitet vom Teilen von Speisen.
14.310 Mit Hingabe feiere man eine, zwei oder drei Nächte lang, mit Tanz, Gesang, Instrumentalmusik und Nachtwache.
14.311 Wer am Ende des Jahres einmal dieses Fest mit der Waschung und den weiteren Riten für den Herrn der Mantras vollzieht, erlangt höchste Vollendung.
14.312 Oder man wasche die Gottheit im Tempel nach der höchsten Ausführungsform, schmücke den Herrn der Welten und setze ihn auf einen Wagen oder einen anderen Träger.
14.313 Dann vollziehe man das Prozessionsfest mit besonderer Sorgfalt. So ist die rechte Ordnung des Pavitra-Ritus dargelegt.
14.313z Wenn ihr darüber hinaus noch etwas hören möchtet, so sprecht, ihr Zweimalgeborenen.
Spiritueller Ausklang: Der heilige Faden verbindet in diesem Kapitel äußere Sorgfalt mit der Rückkehr zur inneren Ausrichtung. Auch nach Versäumnissen bleibt der Weg offen: sich sammeln, ehrlich werden, nach Kräften handeln und die eigene Praxis mit Hingabe erneuern.
Kolophon: So endet in der Ishvara Samhita des heiligen Pancharatra das vierzehnte Kapitel, genannt „Die Ordnung des Pavitra-Festes und weiterer Riten“.
Texthinweise zu Kapitel 14
Textumfang und Grundlage: 313 nummerierte Verse sowie ein unnummerierter Schlusshalbvers, hier als 14.313z bezeichnet. Grundlage sind die vorliegenden Devanagari-Fassungen; kontrolliert wurden die Druckseiten 158–173 der Ausgabe von 2017 sowie insbesondere die Druckseiten 266–290 der älteren Ausgabe. Für dieses Kapitel lag die kritische englische Übersetzung nicht lokal vor. Die IAST-Fassung wird aus dem redigierten Devanagari erzeugt.
Wichtige Lesarten: In 14.4 steht in beiden Druckbildern kṛcchrādīnām, nicht das fehlerhafte OCR-Wort icchādīnām. 14.46 liest nach dem älteren Druck hrasvarūpāṇām, „der niedrigen Formen“. In 14.86 wurde dessen akṛtajñānām gegenüber dem jüngeren akṛtajñānam bevorzugt; die Deutung des Halbverses bleibt vorläufig. 14.159 folgt dem älteren bāhīkarañjitam, „mit Safran gefärbt“, und upariṣṭāc ca, statt den abweichenden Formen des jüngeren Drucks. In 14.182 ist tuṣṭo ’ham, „ich bin erfreut“, durch das Druckbild gesichert. 14.196 liest dṛḍhavrataiḥ, „mit festen Gelübden“.
Die vier Anrufungen: In der Ausgabe von 2017 sind Halbverse zwischen 14.220 und 14.222 verschoben. Die hier wiedergegebene Folge entspricht der älteren Ausgabe. Die vier vollständigen Anrufungen verlaufen über 14.219b–220a, 220b–221a, 221b–222a und 222b–223a. Sie richten sich an Krone, Shrivatsa, Kaustubha und Vanamala. Bei einer gesonderten Mantrasammlung müssen diese Versgrenzen berücksichtigt werden.
Weitere berichtigte Stellen: 14.241–242 folgt dem älteren bhagavatpratipattyā, der Vergegenwärtigung des Herrn in den Geehrten, und cānnena pūtena vividhena, vielfältiger reiner Speise; die jüngere Fassung weicht ab. In 14.245 steht nach der älteren Ausgabe pratidinam, täglich, statt tridinam. 14.277 wurde als tīrthaughe ’sya sajjale gelesen. In 14.287 wird das ältere citpūrvam, „mit dem Bewusstsein beginnend“, dem jüngeren cintāpūrvam vorgezogen.
Offene sprachliche Einzelheiten: Die technische Ersatzgabe mātrāvitta in 14.6 wird hier nicht genauer definiert. In 14.12 bleibt die genaue kalendarische Abgrenzung knapp. Die Maßangaben in 14.32 nennen sowohl eine Zweier- als auch eine Einerabstufung. In 14.48 ist der Bezug des einfachen, anderthalbfachen und doppelten Maßes nicht eindeutig. Die Pflanzenfolge in 14.59 und die Duftstofffolge in 14.153 bleiben teilweise unklar. 14.64 überliefert neben svarṇavarṇā, goldfarben, die Variante sarvavarṇā, von allen Farben.
Fäden, Knoten und Maße: Viṣama und sama in 14.97 können ungleich/gleich, im zahlenbezogenen Verständnis aber auch ungerade/gerade bedeuten. Die Übersetzung gibt den allgemeineren Sinn wieder; die nachfolgenden Zahlen bleiben unverändert. In 14.99 steht 150, während 14.100 mit 108 beginnt. Die unterschiedliche Zahl wurde nicht ausgeglichen. 14.128–129 nennt mehr Personengruppen als zugeordnete Zahlen; eine fehlende Zahl wird nicht erfunden. Die technischen Formulierungen in 14.96, 136 und 265 sowie einzelne Bezüge der Teilungsregeln sind nicht abschließend geklärt. Traditionelle Einheiten werden nicht pauschal in moderne Maße umgerechnet.
Weitere Grenzen der Lesbarkeit: Die Bittformel 14.270 ist grammatisch unregelmäßig. Die verkürzte zweite Hälfte von 14.280 findet sich auch im älteren Druck. Einzelne Wendungen in 14.284, 293 und 298–299 erlauben eine sinngemäße Übertragung, aber keine sichere Rekonstruktion aller praktischen Handgriffe. Der Text nennt in 14.286 einen Haṃsa-Bezug, schreibt dort jedoch keinen vollständigen Mantra aus.
Sprecher und Überlieferung: Obwohl Narada seit 14.2 spricht, enthält der Text in 14.216, 253 und 255 die Anrede „Narada“. Beide Vorlagen bewahren diese Unebenheit. Die Übersetzung erfindet dafür keinen zusätzlichen Sprecherwechsel.
Historischer und spiritueller Zusammenhang: Die Vorgaben zu Herkunft, Geschlecht und Lebensstand der Beteiligten dokumentieren die historische Tempelordnung. Ebenso werden Moschus, Metallzierden und besondere Wirkungsverheißungen als Bestandteile der Quelle wiedergegeben. Die ausdrücklich vom Text erklärte innere Bedeutung der Fäden in 14.83–90 und der Meditation in 14.204–210 wird von den zusätzlich eingefügten heutigen Praxis-Anregungen unterschieden. Sthūlakalpa und sūkṣmakalpa bezeichnen in den Herstellungsvorschriften außerdem unterschiedliche Ausführungsformen materieller Bänder; sie sind dort nicht einfach mit äußerer Handlung und innerer Meditation gleichzusetzen.
Kapitel 15 – Snāpana – die zeremonielle Waschung und die Gegenwart des Göttlichen
Wasser, duftende Pflanzen, sorgfältig aufgestellte Gefäße und gesammelte Aufmerksamkeit prägen die feierliche Waschung des göttlichen Bildes. Dieses Kapitel entfaltet ihre unterschiedlichen Formen. Es verbindet handwerkliche Genauigkeit mit Mantra, Meditation und Hingabe und nennt auch vereinfachte Ausführungen.
Die Weisen fragen:
Die Frage und die Vorbereitung
15.1 Die Weisen sprachen: Erkläre uns die Ordnung der zeremoniellen Waschungen vollständig, o Herr der Weisen. Durch ihre Kenntnis werden sämtliche täglichen und zu besonderen Anlässen vollzogenen Riten vollständig.
Nārada antwortet:
15.2 Nārada sprach: Hört alle mit aufmerksamen Herzen zu, ihr Weisen. Die Ordnung der Waschungen umfasst viele unterschiedliche Formen.
15.3 Dafür errichte man vor dem Heiligtum eine Halle, im ersten oder zweiten Umfassungsbereich …
15.4 … oder im dritten, vierten oder fünften. Sie kann im Südosten, Süden, Südwesten oder Westen stehen, …
15.5 … ebenso im Nordwesten, Norden oder Nordosten, nach Wunsch. Alle Maße und weiteren Merkmale richte man nach der Opferhalle aus.
15.6 Die mittlere Opferfläche und der darüberliegende Altar entfallen. Die vorbereitende Weihe, die Aufstellung der Gefäße und die Waschung …
15.7 … sollen in derselben Halle möglich sein; dies bedenke man bei der Einrichtung. Vier, sechs, acht oder zwölf Ācāryas …
15.8 … wähle der Auftraggeber zusammen mit dem Guru aus: erfahrene Kenner der heiligen Lehrschriften. Werden mehrere eingesetzt, gelten die festgelegten Zahlen.
15.9 Stehen nicht genügend entsprechend kundige Brahmanen zur Verfügung, kann er vier, drei, zwei oder auch nur einen solchen auswählen.
15.10 Als Sādhakas wähle er vier, sechs, acht, zwölf oder sechzehn in den Schriften bewanderte Personen, die mit den genannten Handlungen vertraut sind.
15.11 Damit ist die Zahlenordnung für Ācāryas und Sādhakas bei sämtlichen täglichen und gelegentlichen Opferverehrungen erklärt.
15.12 Man soll selbst in einer Notlage keine unter der Vorschrift liegende Zahl wählen. Geschieht dies aus Verblendung, droht nach der Aussage des Textes Gefahr für König und Land.
15.13 In einer nach Osten geöffneten Halle richte man den Waschungssitz im westlichen Drittel auf der Mittellinie ein.
Zeit, Raum und innere Sammlung
15.14 Bei einer nach Westen geöffneten Halle liege er im Osten, bei einer nach Norden geöffneten im Süden und bei einer nach Süden geöffneten im Norden, jeweils mit den vorgeschriebenen Merkmalen.
15.15 So richte man die Halle ein, wenn die Waschung an einem dafür vorgesehenen Waschungsbild oder an einem anderen geeigneten Bild vollzogen wird.
15.16 Wird sie am Hauptbild ausgeführt, errichte man die Halle davor. Ein gesonderter Waschungssitz wird dann nicht angelegt.
15.17 Am siebten, fünften oder dritten Tag vor der Waschung oder am selben Tag, ihr hervorragenden Weisen, …
15.18 … vollziehe man die rituelle Aussaat und beginne danach mit der Waschungsfeier. Werden die Gefäße am Vortag vorbereitend geweiht, …
15.19 … lege man das Schutzband in der vorausgehenden Nacht an; bei der am Vortag vorgenommenen Vorbereitung kann die entsprechende Handlung auch am betreffenden Tag erfolgen. Die zeitliche Zuordnung der zweiten Vershälfte bleibt knapp und nicht ganz eindeutig.
15.20 Werden die Gefäße erst am Tag des Ritus geweiht, lege man das Schutzband an eben diesem Tag an.
15.21 Am Morgen bade der Ācārya und betrete mit klarem, heiterem Geist die Halle, begleitet von den Menschen, die bei der Verehrung helfen.
Aufmerksamkeit als innere Voraussetzung: Die äußere Ordnung erhält ihren Sinn durch die Sammlung des Handelnden. Für heutige Yoga-Aspiranten kann dies bedeuten, vor Puja, Japa oder Meditation innezuhalten und die eigene Absicht bewusst auszurichten.
15.22 Nach Osten oder Norden gewandt reinige er alles mit einem Besen aus Darbha-Gras und Stäbchen, dem Sahadevī-Pflanzen beigefügt sind.
15.23 Er bestreiche die Fläche mit Kuhdung, in der angegebenen Richtungsfolge von Osten über Nordosten nach Westen. Mit Wasser, das durch ein neues Tuch gefiltert wurde, …
15.24 … sowie mit Pañcagavya und Kuśa-Wasser besprenge er alle Richtungen. Bei der Waschung können ein, zwei oder mehrere Lehrer tätig sein.
15.25 Sie alle tragen neue Gewänder, den vorgesehenen Schmuck, neue Obergewänder und Kopfbedeckungen und sind vom Guru anerkannt.
15.26 Auch zahlreiche Helfer, die die vorgeschriebene Disziplin einhalten, wirken mit. Alles, was an den jeweiligen Stellen für die Waschung benötigt wird, …
15.27 … trage man zusammen und bringe es in die Halle. Dann beginne der in den Lehrschriften bewanderte Lehrer die zeremonielle Waschung.
15.28 Erkenne zwei Grundformen der Waschung: die höhere und die andere, einfachere. Die höhere wird in zehn Arten unterteilt, beginnend mit Pradhāna, der vorzüglichsten.
Die unterschiedlichen Formen der Waschung
15.29 Die erste heißt Pradhāna, die zweite Para, die dritte Para-sūkṣma und die vierte Para-sthūla.
15.30 Die fünfte heißt Sūkṣma-para, die sechste Sūkṣma-sūkṣma, die siebte Sūkṣma-sthūla und die achte Sthūla-para.
15.31 Die neunte ist Sthūla-sūkṣma, danach folgt Sthūla-sthūla. Die andere Grundform besitzt neun Abstufungen, beginnend mit der höchsten.
15.32 Beiden Grundformen gemeinsam ist die „Ananta-kalaśa“, Waschung mit unbegrenzt vielen Gefäßen, genannte Form, die alles vervollständigt.
15.33 Hört nun der Reihe nach den gesamten Ablauf dieser Formen, beginnend mit Pradhāna: vom Auslegen der Maßschnüre bis zum abschließenden Aufheben der Anordnung.
15.34 Im nordöstlichen Teil der Halle stelle man ein schönes Wassergefäß aus Metall, Holz oder Ton auf.
15.35 Man wasche die Altarplattform mit Wasser, umgebe sie mit neuen Tüchern und lege dann die Maßschnüre entsprechend der Gefäßzahl aus.
15.36 Man wähle eine Fläche der vorgeschriebenen Ausdehnung in der Mitte der Halle oder in deren östlichem Bereich.
Die Herstellung der Gefäße
15.37 Dort spanne man vier Schnüre in Ost-West-Richtung und fünf Schnüre in Süd-Nord-Richtung.
15.38 So entstehen zwölf Felder. Jedes Feld kann in der Breite ein Tāla oder eine Prādeśa genannte Spanne messen, …
15.39 … ebenso eine Hasta oder Aratni genannte Elle, je nach Größe der Halle und der Gefäße. Dieses Verhältnis gilt auch für die folgenden Anordnungen.
15.40 Man schmücke die Fläche ringsum mit Mehlpulver und bereite in den Feldern kleine Unterlagen aus geschältem oder ungeschältem Reis.
15.41 Je Feld verwende man dafür ein Āḍhaka, dreieinhalb Prastha oder drei Prastha.
15.42 Auch zweieinhalb Prastha, zwei Prastha oder eineinhalb Prastha kommen infrage; die Zwei-Prastha-Alternative wird im Vers wiederholt.
15.43 Man kann auch ein Prastha, die Hälfte oder ein Viertel davon verwenden. So bereite man die Unterlage viereckig oder rund.
15.44 Die Gefäße seien aus Gold, Silber oder Kupfer, ohne Risse, glatt und ohne Löcher. Ihre Höhe betrage vierundzwanzig Fingerbreiten.
15.45 Ihre Breite in der Mitte entspreche diesem Maß. Der Hals sei drei Fingerbreiten hoch und sechs breit; die Öffnung messe drei Fingerbreiten.
15.46 Der umlaufende Ziergürtel messe drei Fingerbreiten. Alternativ können sämtliche Maße, beginnend mit der Höhe, halbiert werden.
15.47 Oder die Gefäße der höchsten Stufe fassen eine Droṇa genannte Wassermenge. In Abstufungen von jeweils einem Achtel dieses Maßes reichen die Größen bis zu zwei Prastha hinab.
15.48 Die Gefäße der kleinsten Stufe fassen nur ein Prastha. Mit diesen Merkmalen fertige man sie entsprechend den verfügbaren Mitteln an.
15.49 Sie stehen auf radförmigen Sockeln, sind weitbauchig wie eine Schildkröte, haben einen Hals mit Windungen wie das Muschelhorn Pāñcajanya und eine Öffnung wie ein hundertblättriger Lotus.
15.50 Oben und unten sind sie mit umlaufenden Blütengirlanden geschmückt. Aus Ausgüssen in Gestalt von Makara-Gesichtern und Śeṣa-Schlangen lassen sie das dem Amṛta gleichende Wasser fließen.
15.51 Sie tragen Darstellungen von Flüssen, Meer, heiligen Bäumen und verschiedenen Girlanden. Wenn diese Ausführung nicht möglich ist, dürfen der Radsockel und die weiteren Zierformen entfallen.
15.52 Bei einer einfacheren Ausführung verwende man Tongefäße ohne Risse und Löcher: nicht zweimal, aber gut gebrannt, von gleichmäßiger Farbe und mit reinem Klang.
Reinigung und vorbereitende Weihe
15.53 Man nehme die Gefäße und wasche sie ringsum sorgfältig mit reinem Wasser. Danach umwinde man sie mit Faden, jeweils im Abstand einer Fingerbreite.
15.54 Westlich ihres späteren Aufstellungsortes vollziehe man die vorbereitende Weihe der Gefäße, auf einer Unterlage aus ungeschältem Reis oder auf einer einfachen geweihten Bodenfläche.
15.55 Dort breite man Kuśa-Gras mit den Spitzen nach Osten und Norden aus. Unter dem Tāra, dem Oṃ, stelle man die Gefäße darauf und verehre sie mit einer Blüte.
15.56 Man ordne sie mit der Öffnung nach unten in Reihen an und breite darüber unter dem Parameṣṭhin-Mantra Kuśa-Gras mit den Spitzen nach Osten aus.
15.57 Nach dem Zeigen der Darbha-Mudrā besprenge man sie ringsum mit Duftwasser unter dem Puṃs-Mantra und streue unter dem Viśva-Mantra unversehrte Reiskörner darüber.
15.58 Unter dem Nivṛtti-Mantra wende man sie mit der Öffnung nach oben. Unter dem Sarva-Mantra hebe man sie einzeln auf und stelle sie nacheinander an ihre vorgesehenen Plätze.
15.59 Oder man vollziehe die gesamte Aufstellung und die weiteren Handlungen mit dem Grundmantra. Durch das rituelle Anschauen und die weiteren Reinigungen, verbunden mit dem Hṛdaya-Mantra, reinige man sie.
15.60 Man spreche über jedem einmal den achtsilbigen Mantra. Mit demselben verehre man sie anschließend durch Arghya, Girlanden, Sandel und weitere Gaben.
15.61 Nach den eigenen Möglichkeiten vollziehe man das zur Bereitstellung gehörige Feueropfer bis zur vollständigen Schlussdarbringung. Dann fülle man die Gefäße der Reihe nach mit den vorgesehenen Stoffen.
15.62 In drei Reihen stehen jeweils vier Gefäße von Westen nach Osten. In der südlichen Reihe beginne man beim westlichen Gefäß.
15.63 Es erhält Wasser mit Dhātrī- beziehungsweise Āmalaka-Frucht; danach folgen Lodhra-Wasser, Wasser mit rotem Sandelholz und gutes Kurkuma-Wasser.
15.64 In der mittleren Reihe ordne man auf gleiche Weise Wasser mit Granthi-Pflanzenteilen und danach Tagara-Wasser an.
15.65 Dann folgen Priyaṅgu-Wasser und Māṃsī-Wasser. In der nördlichen Reihe stehe entsprechend die folgende Vierergruppe:
15.66 Wasser mit weißem Senf, Wasser mit der Sarvauṣadhi-Kräutermischung, Wasser mit sämtlichen vorgesehenen Edelsteinen und schließlich reines Wasser.

Das Darbha-Bündel
15.67 Man lege ein aufrechtes Kuśa- beziehungsweise Darbha-Bündel von sechzehn Fingerbreiten Länge hinein. Sein Knoten messe eine Fingerbreite, der untere Teil zwölf.
15.68 Der übrige Teil bildet die Spitze. So sind die Merkmale des Bündels. Alternativ sei der Knoten eine halbe Fingerbreite und die Spitze drei Fingerbreiten lang.
15.69 Der untere Teil messe zwölf Fingerbreiten. Für einen Brahmanen verwende man vier Darbha-Halme, für einen Kṣatriya drei.
15.70 Für Vaiśyas sowie für Frauen und Śūdras besteht das Bündel aus zwei Halmen. Oder man verwende für alle ein Bündel aus viermal sieben Halmen.
Historischer Kontext: Die Zuordnungen zu gesellschaftlichen Gruppen gehören zur überlieferten Ritualordnung. Sie werden als solche übersetzt und sind keine heutige Voraussetzung für spirituelle Praxis.
15.71 Danach verehre man die Gefäße der Reihe nach unter dem Grundmantra mit Arghya, duftender Salbung, Blumen und Räucherwerk.
15.72 Man verschließe sie nacheinander mit fadenumwundenen Deckeln. Sind die Mittel vorhanden, umhülle man jedes Gefäß mit zwei Tüchern.
15.73 Nach Osten oder Norden gewandt bedecke man alles mit einem neuen Tuch, verehre es wie zuvor und beginne dann das Feueropfer.
15.74 Man bringe Brennholz und die weiteren Opferstoffe jeweils einhundertachtmal dar. Nach der vollständigen Schlussgabe weihe man die Gefäße durch Mantra-Rezitation.
15.75 Für sämtliche Waschungen ist der Grundmantra vorgesehen. Dazwischen verwende man Gefäße, die mit reinem Wasser gefüllt sind.
15.76 So vollziehe man die Waschung und die Arghya-Darbringung mit den verschiedenen Stoffen. Die Gefäße werden in derselben Reihenfolge aufgenommen, in der ihre Inhalte angeordnet wurden.
Die ersten Gefäßanordnungen
15.77 Damit ist die Pradhāna-Form mit zwölf Gefäßen erklärt. Sie ist die Grundlage aller übrigen Formen; diese sind ihre Ableitungen.
15.78 Nun werden die Gefäße der Reihe nach gefüllt mit Wasser, Pañcagavya, Milch, Joghurt, Ghee, Honig und Kräuterwasser, …
15.79 … ferner mit Wasser, das Samen, Sprossen und Früchte enthält, mit Duft- und Blütenwasser sowie mit Gold- und Edelsteinwasser.
15.80 Diese Gruppe von zwölf Gefäßen heißt Para. Eine weitere Anordnung wird mit Pañcagavya, Joghurt, Milch, Ghee, Honig und Zuckerrohrsaft gefüllt, …
15.81 … außerdem der Reihe nach mit Kräuter-, Duft-, Edelstein-, Frucht- und Blütenwasser sowie mit reinem Wasser.
15.82 Diese zwölf Gefäße bilden die Para-sūkṣma genannte Form. Das Auslegen der Maßschnüre und die weiteren Vorbereitungen erfolgen hier wie auch bei der zweiten Form nach der Pradhāna-Ordnung.
15.83 Fußwaschwasser, Arghya, Wasser zum Mundspülen, Kräuterwasser, Joghurt, Milch, Honig, Ghee und reines Wasser …
15.84 … bilden die neun Gefäße der Para-sthūla genannten Form. Das Auslegen der Maßschnüre und die weiteren Schritte wurden bereits beschrieben.
Die feineren Anordnungen
15.85 Teilt man die Fläche in jeder Richtung fünffach, entstehen fünfundzwanzig Felder. In den sechzehn äußeren Gefäßen, beginnend im Osten, …
15.86 … ordne man Milch, Joghurt, Ghee und Honig an, dazu die verschiedenen Säfte und die zehn Flüssigkeiten von Dhātrī-Fruchtwasser bis zum Kräuterwasser.
15.87 Danach folgt Blätterwasser. In den acht inneren Gefäßen beginne man im Osten mit Blütenwasser, dann Frucht- und Samenwasser.
15.88 Es folgen Duftwasser, Gold- und Edelsteinwasser sowie Wasser heiliger Badeorte und Flüsse. In die Mitte stelle man reines Wasser.
15.89 Die Gefäße werden in derselben Reihenfolge aufgenommen, in der die Stoffe angeordnet wurden. Diese Waschung mit den entsprechend gefüllten Gefäßen …
15.90 … und ihrer Zahl von fünfundzwanzig heißt Sūkṣma-para. Für die nächste Form richte man wieder fünfundzwanzig Felder ein.
15.91 In die Mitte stelle man reines Wasser. Außen beginne man in Indras Richtung, im Osten: Das erste Gefäß fülle man mit Milch, das nächste mit reinem Wasser.
15.92 Das dritte enthält Edelsteinwasser, das nächste Goldwasser. Weitere Gefäße enthalten Duftwasser, Fruchtwasser und Blütenwasser.
15.93 Das achte ist mit Wasser und Reissamen gefüllt. Außerhalb dieser Gruppe stehen weitere acht Gefäße in den acht Richtungen.
15.94 Das östliche enthält Dhātrī-Fruchtwasser, das nächste Pathyā-Wasser; ein weiteres enthält zerkleinerte Guḍūcī, das folgende Wasser mit Vibhītaka.
15.95 Es folgen Wasser mit Kumārī, Wasser mit Vyāghrī, Ingwerwasser und Honigwasser.
15.96 Die Gefäße werden in der Reihenfolge ihrer Inhalte aufgenommen. Reines Wasser, das durch die Nṛsiṃha-Mantras geweiht wurde, dient dabei ebenfalls zur Waschung.
15.97 Mit den fünf Mantras, beginnend mit Satya, und den drei Mantras, beginnend mit Siṃha, weihe man der Reihe nach die Gefäße des inneren Kreises.
15.98 Über jedem spreche man den entsprechenden Mantra siebenmal. Die außerhalb davon stehenden Gefäße, beginnend im Osten, weihe man mit dem Cakra-Mantra und den mit Hṛd beginnenden Formeln.
15.99 Dabei wird auch die Gāyatrī einbezogen. Mit den Gefäßen vollziehe man die Waschung der Reihe nach; bei denen des zweiten Kreises erfolgen die ehrenden Handlungen unter dem Hṛd-Mantra.
15.100 Dann übergieße man das Bild mit reinem Wasser, das unter dem Astra-Mantra geweiht wurde. Oder man führe alles nach der bereits beschriebenen Ordnung aus.
15.101 Diese Form mit siebzehn Gefäßen heißt Sūkṣma-sūkṣma. Für die nächste Form wähle man eine Fläche von vier, drei oder zweieinhalb Ellen …
Weitere Füllungen und Waschungen
15.102 … oder von zwei Ellen. Man teile ihre halbe Ausdehnung wiederum in zwei Teile: Einer dient dem mittleren Lotus-Fruchtboden, der andere den sechzehn …
15.103 … Blütenblättern. Auf dem Fruchtboden stelle man vier Gefäße in den vier Hauptrichtungen auf.
15.104 Das östliche enthält Pañcagavya; es folgen mit Erde vermischtes Wasser, Kräuterwasser und reines Wasser.
15.105 Auf den Blütenblättern stelle man sechzehn weitere Gefäße auf, der Reihe nach vom Osten bis zum Nordosten.
15.106 Das erste fülle man mit Pañcagavya allein, das zweite mit Kuhurin, das dritte mit Kuhdungwasser.
15.107 Das vierte enthält Asche der drei heiligen Feuer mit Wasser. Das nächste enthält Erde aus dem Zusammenhang von Elefant, Kuh- und Stierhorn sowie vom Eingang eines Ameisenhügels.
15.108 Das sechste fülle man mit Erde aus einem Reisfeld, aus der Flussmitte, aus einem Lotusbestand und von einem Berg.
15.109 Das siebte enthält Senfwasser, das achte die Sarvauṣadhi-Kräuter, das neunte Milch und das zehnte Joghurt.
15.110 Das elfte fülle man mit Ghee, das zwölfte mit Honig, das dreizehnte mit den verschiedenen Samen und das vierzehnte mit den verschiedenen Früchten.
15.111 Das nächste enthält sämtliche vorgesehenen Getreidearten, das sechzehnte die Duftstoffe. Auch hier gilt für das Aufnehmen der Gefäße die Reihenfolge ihrer Inhalte.
15.112 Zuerst weihe man jedes Gefäß unter dem Hṛd-Mantra. Dann vollziehe man die Waschung mit jedem einzelnen der Reihe nach unter dem Grundmantra.
Die Anordnung mit zwanzig Gefäßen
15.113 Diese Form mit zwanzig Gefäßen heißt Sūkṣma-sthūla. Nun wird eine weitere erklärt.
15.114 Man lege fünf Maßschnüre in Ost-West-Richtung und elf Schnüre in Süd-Nord-Richtung aus.
15.115 So entstehen vierzig Felder. Beginnend mit der westlichen Reihe ordne man …
15.116 … jeweils vier Gefäße von Süden nach Norden an und fülle sie der Reihe nach mit den folgenden Stoffen.
15.117 Die ersten drei enthalten die zuvor genannten Mittel für Fußwaschung, Arghya und Mundspülung. Danach wird Erde genannt, gewonnen aus den unteren, oberen und mittleren Bereichen eines Berges sowie aus Fluss und Ufer, …
15.118 … aus einem See, von der Spitze eines Ameisenhügels, von einer durch einen Elefantenstoßzahn aufgerissenen Stelle, aus einer Pflugfurche, von Kuh- und Stierhorn und aus Reisfeldern.
15.119 Auch Erde aus einem Lotusbestand gehört in dieses Gefäß. Das nächste enthält Kuhdung. Asche von einem Waldbrand und aus einer Küche …
15.120 … sowie Asche der drei heiligen Feuer fülle man in ein weiteres Gefäß. Ein anderes erhält Pañcagavya mit Kuśa-Wasser.
15.121 Es folgt ein Ölgefäß mit Ghee; der Text nennt dazu camasī-Wasser, dessen genaue Bedeutung hier unklar bleibt. Palāśa, Khadira, Aśvattha, Śamī und rotes Sandelholz …
15.122 … bilden einen Absud in einem weiteren Gefäß; das folgende enthält Triphalā-Wasser. Danach werden Vacā, Śatāvarī, Kanyā, Vyāghrī, Siṃhī und Kṛtāñjali genannt, …
15.123 … außerdem Golomī, Siṃhalomī, Kuṣṭha, Bhūmyañjana und Mahāgaruḍavegā; diese kommen in ein weiteres Gefäß.
15.124 Das nächste enthält Mahānīlā, Guḍūcī, Sahadevī, Śatāvarī, Viṣṇukrāntā, Kārkoṭā, Śyāmā und Vahniśikhā.
15.125 In ein anderes kommen Yaṣṭī, Varāhakarṇī und Gajapippalī. Ein weiteres enthält Śrīphala und andere als rein geltende Früchte.
15.126 Es folgen Gefäße mit Joghurt, Milch und Ghee sowie zwei mit Honig und Zuckerrohrsaft. Wurzeln von Wasserpflanzen lege man in zwei weitere Gefäße.
15.127 Ein Gefäß enthält Büschel heiliger Bäume, insbesondere solcher mit Milchsaft, versehen mit Blättern, Blüten und Früchten.
15.128 In ein weiteres kommen blühende Ranken, beginnend mit Jātī. Rocanā, die beiden Rājanī-Arten, Balā und Moṭā bilden eine Fünfergruppe …
15.129 … für ein weiteres Gefäß. Ein anderes enthält Darbha- und Dūrvā-Sprossen sowie Reiskeimlinge mit ihren Körnern.
15.130 In ein weiteres lege man die verschiedenen Senfsamen, beginnend mit den weißen, Priyaṅgu als Duftmittel und Nāgakesara.
15.131 Zwei Gefäße enthalten sieben kultivierte und sieben wild wachsende Pflanzen. Safran, Sandel, Rasa und Kampfer …
15.132 … bilden eine Vierergruppe für ein weiteres Gefäß. In ein anderes kommen edle Metalle, beginnend mit Kupfer und Gold, in das nächste eine große Auswahl von Edelsteinen.
15.133 Zwei weitere Gefäße erhalten Korallen beziehungsweise Perlen. Eines enthält Arghya-Wasser, zwei weitere Flusswasser beziehungsweise Wasser eines heiligen Badeortes.
Die Anordnungen mit vierzig Gefäßen
15.134 Dazu kommen ein Gefäß mit der Sarvauṣadhi-Kräutermischung, eines mit kühlem Wasser und eines mit duftenden Blüten. Diese ergeben die genannte Zahl von vierzig.
15.135 Das Aufnehmen geschieht in der Reihenfolge der Stoffanordnung. Diese Form heißt Sthūla-para. Bestehen die Gefäße dagegen ausschließlich aus solchen, die mit kühlem Wasser gefüllt sind, …
15.136 … heißt die Form mit vierzig Gefäßen Sthūla-sūkṣma. Eine Anordnung von vierzig Gefäßen, die mit Duftwasser gefüllt sind, …
15.137 … wird Sthūla-sthūla genannt. Das Auslegen der Schnüre, die Reihenfolge der Gefäßaufstellung …
15.138 … und das Aufnehmen der Gefäße erfolgen bei beiden wie bei der ersten Sthūla-Form. Entsprechend der Hingabe, dem Vertrauen und den verfügbaren Mitteln …
Anpassung an die verfügbaren Mittel
15.139 … kann man die drei Sthūla-Formen mit doppelter Gefäßzahl durchführen. Bei einer vereinfachten Form verwende man die Hälfte, ein Viertel oder ein Achtel.
15.140 Auch vier Gefäße, jeweils zwei oder nur eines sind möglich; das einzelne Gefäß enthalte dann sämtliche vorgesehenen Stoffe.
Eine im Text vorgesehene Vereinfachung: Die Samhita nennt kleinere Ausführungen bis hin zu wenigen Gefäßen. Für die heutige persönliche Sadhana kann dies ermutigen, eine tragfähige Form zu wählen und sie mit aufrichtiger Hingabe auszuführen.
Die großen Anordnungen
15.141 Was für die vollständige Ausführung dieser neun Formen über das ausdrücklich Genannte hinaus erforderlich ist, erschließe man aus der bei Pradhāna gelehrten Ordnung.
15.142 Damit sind die zehn Arten der höheren Grundform erklärt. Hört nun der Reihe nach die Unterteilungen der anderen Grundform.
15.143 Man teile eine quadratische Fläche in jeder Richtung in einunddreißig Abschnitte. So entstehen neunhunderteinundsechzig Felder.
15.144 In der Mitte belasse man drei Reihen; die beiden anschließenden räume man als Durchgang frei. Außerhalb davon belasse man wiederum drei Reihen.
15.145 Weitere zwei Reihen räume man als Weg frei; danach belasse man sieben Reihen. Alternativ wird eine Unterteilung in dreimal neun Abschnitte mit dem jeweiligen Freiräumen einzelner Bereiche angegeben.
15.146 Bei beengtem Raum berücksichtige man dabei die Wege zwischen den Gefäßen. In die verbleibenden Felder stelle man die Gefäße der Reihe nach wie zuvor.
15.147 Die zentrale Anordnung enthält Ghee, warmes Wasser, Edelsteinwasser, Fruchtwasser, Metallwasser, Reinigungswasser, Duftwasser und Wasser mit unversehrten Reiskörnern …
15.148 … sowie Gerstenwasser, von der Mitte ausgehend bis zur nordöstlichen Richtung. Fußwaschwasser, Arghya, Mundspülwasser und Pañcagavya …
15.149 … stehen in den Mittelpunkten der umgebenden Neunergruppen in den Hauptrichtungen, von Osten bis Norden. In die Mitte der diagonal angeordneten Gruppen …
15.150 … stelle man, beginnend im Südosten, Joghurt, Milch, Honig und Absud. So ergeben sich siebzehn Gefäße mit den Hauptstoffen.
15.151 Die übrigen vierundsechzig enthalten reines Wasser. Damit stehen einundachtzig Gefäße im mittleren Bereich.
15.152 In den acht umliegenden Richtungen stehen jeweils neunundvierzig Gefäße. In die mittleren Gefäße der Gruppen in den Hauptrichtungen fülle man …
15.153 … von Osten aus der Reihe nach Jaggery-Wasser, Zuckerrohrsaft, Kokoswasser und Śānti-Wasser, das zur Befriedung geweihte Wasser.
15.154 In die zentralen Gefäße der Diagonalgruppen, von Südosten bis Nordosten, fülle man glückverheißendes Wasser. Die übrigen dreihundert …
15.155 … vierundachtzig Gefäße fülle man mit duftendem, kühlem Wasser.
Die Reihenfolge der Gefäße und Mantras
15.156 Dann verehre man in der zentralen Neunergruppe die neun göttlichen Gestalten von Vāsudeva bis Varāha, beginnend in der Mitte und mit dem Nordosten als letzter Position.
15.157 Man verehre sie der Reihe nach mit Arghya, duftender Salbung, Girlanden und Räucherwerk. In den mittleren Gefäßen der umgebenden Neunergruppen verehre man …
15.158 … die acht Gestalten von Keśava bis Vāmana, vom Osten ausgehend. Danach wende man sich den Gruppen aus jeweils neunundvierzig Gefäßen zu.
15.159 In deren zentralen Gefäßen der Hauptrichtungen verehre man von Osten bis Norden die mit Śrīdhara beginnende Vierergruppe. In den Diagonalrichtungen, von Südosten bis Nordosten, …
15.160 … verehre man die Vierergruppe von Nara bis Kṛṣṇa. Man lege die Grasbündel wie zuvor ein und verschließe die Gefäße mit ihren runden Deckeln.
15.161 Dann bedecke man sie einzeln mit neuen Tüchern. Anschließend verehre man Vāsudeva, den göttlichen Herrn der Welt.
15.162 Mit den Gefäßen vom Fußwaschwasser bis zum glückverheißenden Wasser vollziehe man die Waschung des Herrn unter dem achtsilbigen oder dem zwölfsilbigen Mantra.
15.163 Auch die Viṣṇu-Gāyatrī oder der Mantra seiner jeweiligen Gestalt kann verwendet werden. So ist die Waschung mit sämtlichen Gefäßen vorgesehen. Oder man verfahre folgendermaßen:
15.164 Mit Fußwaschwasser wasche man die Gottheit unter der vaiṣṇavischen Gāyatrī; mit Arghya-Wasser unter dem Mantra, der mit tad viṣṇoḥ beginnt.
15.165 Für die Waschung mit Mundspülwasser verwende man den Versanfang pra te viṣṇo; für Pañcagavya den mit viṣṇoḥ karma beginnenden Mantra.
15.166 Mit Joghurt wasche man den Herrn unter dem als dadhikrāviṇṇa bezeichneten Mantra; mit Kuhmilch übergieße man ihn unter āpyāyasva.
15.167 Die Waschung des Herrn mit Honig geschieht unter madhu vāta; die Waschung mit Pflanzenabsuden unter dem mit oṣadhyaḥ bezeichneten Mantra.
15.168 Mit warmem Wasser wasche man ihn unter tvaṃ viṣṇuḥ, mit Fruchtwasser unter dem durch phalinī angezeigten Mantra.
15.169 Reinigungswasser verwende man unter śaṃ no devī, Wasser mit unversehrten Reiskörnern unter der Sāvitrī. Der Mantra agna āyāhi …
15.170 … gehört zum Edelsteinwasser; unter iṣe tvā übergieße man das Bild mit Metallwasser. Für Gerstenwasser ist der Mantra gandhadvāra genannt.
15.171 Für Duftwasser verwende man śatadhāra. Mit Ghee wasche man die Gottheit unter dem Vers śukram asi.
15.172 Oder man begleite die Waschungen vom Fußwaschwasser bis zum letzten Wasser mit den Versen des Puruṣasūkta. Danach verwende man śukram asi …
15.173 … für das Ghee. Die Vierergruppe vom Jaggery-Wasser bis zum Śānti-Wasser bringe man unter tvaṃ viṣṇuḥ dar; der Mantra viṣṇor nu kam …
15.174 … begleitet die Waschung mit dem Maṅgala genannten glückverheißenden Wasser. Mit welchem Mantra man den Herrn aus einem Hauptgefäß übergießt, …
15.175 … mit demselben verwende man auch die zugehörigen Gefäße mit reinem Wasser. Bei jedem Stoff verehre man den Herrn unter dem entsprechenden Mantra mit Arghya, Salbung und Girlanden …
Verringerte Anordnungen
15.176 … sowie Räucherwerk und vollziehe dann die Übergießung. Oder man bringe Arghya, Fußwasch- und Mundspülwasser, Duft, Girlande, Räucherwerk und Licht …
15.177 … der Reihe nach dar; auch Arghya allein ist möglich. Die Waschung mit vierhundertdreiundsiebzig …
15.178 … Gefäßen heißt Uttamottama, die höchste der höchsten Formen. Vermindert man sie um die vierundsechzig inneren Gefäße mit reinem Wasser, …
15.179 … erhält man Uttama-madhyama. Gegenüber der zuvor bestimmten Anordnung kann außerdem eine Gruppe von vier Reihen entfallen.
15.180 Eine weitere Waschungsform besitzt einundachtzig Gefäße in der Mitte und vier Gruppen zu neunundvierzig in den Hauptrichtungen. In den Diagonalrichtungen …
15.181 … bleiben die Gefäße der Brahma- und Daiva-Bereiche. Die übrigen einhundertsechzig Gefäße mit reinem Wasser …
15.182 … entfallen: Diese Form heißt Uttamādhama. Die nächste besitzt in den vier Richtungen zweihundert Gefäße, …
15.183 … vermindert um vier, sowie einundachtzig in der Mitte. Diese Waschung heißt Madhyamottama.
15.184 Entfallen dabei die vierundsechzig inneren Gefäße mit reinem Wasser, heißt die Form Madhyama-madhyama.
15.185 Eine weitere Form besitzt einundachtzig Gefäße in der Mitte und in jeder Hauptrichtung nur die mittlere Neunergruppe der jeweiligen Neunundvierziger-Anordnung.
15.186 Die übrigen Gefäße mit reinem Wasser entfallen. Diese Form heißt Madhyamādhama; ihre Fläche kann gegenüber der vorherigen um acht Reihen vermindert werden.
15.187 Die Waschung mit nur einundachtzig Gefäßen nach der beschriebenen Ordnung heißt Adhamottama.
15.188 Entfallen davon zweiunddreißig in den Ecken stehende Gefäße mit reinem Wasser, heißt die Waschung Adhama-madhyama.
15.189 Werden die in allen Richtungen stehenden Gefäße mit reinem Wasser in vier Reihen weggelassen, ergibt sich Adhamādhama, die kleinste Abstufung.
15.190 Hierfür teile man die Fläche neunfach oder siebenfach und verdichte die verbleibenden Bereiche unter Berücksichtigung von zwei beziehungsweise vier Reihen zur Aufstellung der Gefäße. Die räumliche Anweisung ist knapp und nicht in allen Einzelheiten eindeutig.
15.191 So ist die andere Grundform in ihren neun Arten erklärt. Sämtliche Handlungen, beginnend mit der vorbereitenden Gefäßweihe, vollziehe man wie zuvor.
Zu den Zahlen: Rasterfelder, besetzte Felder und tatsächlich verwendete Gefäße sind zu unterscheiden. Die Übersetzung bewahrt diese Unterschiede; Einzelheiten und unsichere räumliche Angaben stehen in den Texthinweisen.
Die Gottheiten in den Gefäßfüllungen
15.192 Die göttliche Gegenwart im Ghee ist der höchste Vāsudeva, im warmen Wasser Saṅkarṣaṇa, im Edelsteinwasser Pradyumna.
15.193 Im Fruchtwasser ist der göttliche Aniruddha gegenwärtig; im Metallwasser Nārāyaṇa, dessen Wesen Mantra ist.
15.194 Im Reinigungswasser ist Hayagrīva gegenwärtig, im Duftwasser Viṣṇu, im Wasser mit unversehrten Reiskörnern Nṛsiṃha und im Gerstenwasser Varāha.
15.195 Die Gottheit des Fußwaschwassers ist Keśava, die des Arghya Nārāyaṇa; über dem Mundspülwasser waltet Mādhava.
15.196 Govinda ist die Gottheit des Pañcagavya, Viṣṇu die des Joghurts und Madhusūdana die der Milch.
15.197 Trivikrama waltet über dem Honig, Vāmana über dem Pflanzenabsud. Der göttliche Śrīdhara ist die Gottheit des Jaggery-Wassers.
15.198 Hṛṣīkeśa, der Gott der Götter, waltet über dem Zuckerrohrsaft; Dāmodara über dem Kokoswasser.
15.199 Der göttliche Padmanābha ist die Gottheit des Śānti-Wassers. Nara, Nārāyaṇa, Hari und Kṛṣṇa …
15.200 … walten von Südosten bis Nordosten über dem glückverheißenden Wasser. Über den Gefäßen mit reinem Wasser innerhalb der Einundachtziger-Anordnung …
15.201 … waltet die Achtergruppe von Kānti bis Unnati, nach der Reihenfolge der Richtungen. In den äußeren Neunundvierziger-Gruppen mit reinem Wasser …
15.202 … sind die Śaktis von Svadhā bis Gāyatrī die leitenden Gottheiten, jeweils acht in den Hauptrichtungen von Osten an und in den Diagonalrichtungen von Südosten an.
15.203 Garuḍa ist die Gottheit der Gefäße, Śeṣa die der Fäden, das höchste Brahman die der Grasbündel und der Herr des Cakra die der runden Deckel.
Vāsudeva als gemeinsame göttliche Gegenwart
15.204 Vāsudeva waltet über den Tüchern; oder man vergegenwärtige ihn allein als Gottheit aller Gegenstände. Das Reinigen, Besprengen und Bestreichen mit Kuhdung …
15.205 … sowie das Auslegen der Schnüre und das ringsum erfolgende Schmücken mit Mehlpulver – diese fünf Handlungen lasse der Mantrakenner unter dem achtsilbigen oder einem entsprechenden Mantra ausführen.
15.206 Die vorbereitende Gefäßweihe vollziehe er mit den fünf Upaniṣad-Mantras. Unter der Viṣṇu-Gāyatrī stelle er die Gefäße in die Felder.
15.207 Beim Füllen spreche er der Reihe nach die Mantras der über den Stoffen waltenden Gottheiten. Die Grasbündel lege er unter der zwölfsilbigen Brahmavidyā-Formel hinein.
15.208 Er verehre die jeweiligen Gottheiten in ihren Stoffen. Danach setze der Sādhaka die runden Deckel unter dem Cakra-Mantra auf.
15.209 Unter dem zwölfsilbigen Mantra bedecke er die Gefäße mit Tüchern. Das spätere Abnehmen der Tücher geschehe unter dem Grundmantra.
15.210 Unter dem Praṇava löse er die Fäden durch Abschneiden und erweise die ehrende Begrüßung. Unter der Viṣṇu-Gāyatrī hebe er das Gefäß auf und gebe es dem Guru in die Hand.
15.211 Bei jeder Handlung, für die kein eigener Mantra vorgeschrieben wurde, verwende der Kundige den achtsilbigen Mantra.
Göttliche Gegenwart im Ritual: Die Füllungen werden bestimmten göttlichen Gestalten zugeordnet; alternativ werden sie gemeinsam auf Vāsudeva bezogen. Die Materialien sind damit in einen Akt der Vergegenwärtigung eingebunden. Dies ist eine Deutung der Quelle selbst, keine nachträglich erfundene Symbolik.
Die Zusammenstellung der Materialien
15.212 Oder er vollziehe sämtliche Handlungen allein mit dem Grundmantra. Für die Arten der höheren Waschungsform wurden die Stoffe bereits genannt.
15.213 Nun wird die Zusammenstellung von Arghya und den weiteren Stoffen für die anderen Formen erklärt. Viṣṇuparṇī, Dūrvā, Lotus und Śyāmāka …
15.214 … sind die vier Bestandteile des Fußwaschwassers. Duftstoff, Blüten, unversehrte Reiskörner, Früchte, Gerste, weißer Senf, Sesam …
15.215 … und Kuśa-Spitzen bilden die acht Bestandteile des Arghya. Das Mundspülwasser enthält Gewürznelken, Jāti und Takkola.
15.216 Kuhdungsaft, Kuhurin, Milch, Joghurt und Ghee sind die fünf Bestandteile des Pañcagavya.
15.217 Von Śamī, Udumbara, Bilva, Palāśa, Vaṭa, Khadira, Aśvattha und Vikaṅkata …
15.218 … gewonnene Rinden bilden den Absud, dem der Text die Aufhebung aller Verfehlungen zuspricht. Banane, Bimba-Frucht, Mango, Jackfrucht und Zitronatzitrone …
15.219 … sowie Kokosnuss, Āmalaka und Bījapūra werden als die acht Früchte des Fruchtwassers genannt.
15.220 Sahadevī, Śirīṣa, Rājanī, Sūryavartinī, Sadābhadrā und Kuśa-Spitzen sind die sechs Bestandteile des Reinigungswassers.
15.221 Sūryakānta, Padmarāga, Indukānta, Vaiḍūrya, Ayaskānta, Indranīla und Koralle …
15.222 … sowie Gāruḍa, Puṣyarāga, Bergkristall, Brahmarāga, Diamant und Perle bilden die Bestandteile des Edelsteinwassers. Oder man verwende …
15.223 … einen Edelstein, eine Perle, Diamant, Koralle und Puṣyaka: Diese fünf werden ebenfalls als Bestandteile des Edelsteinwassers genannt.
15.224 Safran, Sandel, Kampfer und Agaru sind die vier Duftstoffe. Oder man verwende …
15.225 … Sandel, Kuṅkuma, Māṃsī, Hrīvera, Mura, Uśīra, Kuṣṭha und Agaru; diese acht bilden die Bestandteile des Duftwassers.
15.226 Gold, Silber, Kupfer, Eisen und Zinn sind die fünf Bestandteile des Metallwassers.
15.227 Sesam, weißer Senf, Wildreis, Gerste und Bambuskörner, verbunden mit Tulasī-Blättern, bilden die sechs Bestandteile des Śānti-Wassers.
15.228 Indravallī-Sprossen, Lotus, Aśvattha-Sprossen und Ekaparṇa sind die vier Bestandteile des glückverheißenden Wassers.
15.229 Die Gefäße mit reinem Wasser erhalten Sandel als einzigen Zusatz. Damit ist für die Arten der anderen Waschungsform der Reihe nach …
15.230 … die Zusammenstellung der Stoffe erklärt. Nun folgen die Sarvauṣadhi-Kräuter und weitere Mischungen: Kuṣṭha, Māṃsī, die beiden Harā-Arten, Mura, Śaileya und Campaka …
15.231 … sowie Vacā, Kacora und Mustā werden als Sarvauṣadhi bezeichnet. Von Palāśa, Bilva, Bakula, Kadamba, Agni und Śirīṣa …
15.232 … sowie von Nyagrodha und Aśvattha stammen die jungen Blätter für das Blätterwasser. Die Blüten von Ketakī, Mallikā, Jātī, Nandyāvarta und Utpala …
15.233 … sowie von Lotus, Campaka und Kunda dienen dem Blütenwasser. Gerste, Weizen, Vrīhi- und Śāli-Reis, Mungbohnen und Priyaṅgu …
15.234 … sowie Māṣa-Bohnen und Wildreis sind die Bestandteile des Samenwassers. Nun wird die „Ananta-kalaśa“ genannte Form erklärt, die alles vervollständigt.
15.235 Hört ihre Ordnung, ihr hervorragenden Weisen. Man errichte wie zuvor eine Halle von vierzig Ellen Länge …
15.236 … und zweiunddreißig Ellen Breite, mit vier Eingängen und den weiteren Merkmalen, schön geschmückt mit Bannern und den zuvor genannten Zierden.
15.237 Oder man errichte einen einfachen überdachten Pavillon an einem geeigneten Ort. Daneben bereite man eine Opferhalle nach der bereits beschriebenen Ordnung vor.
Zu den Stofflisten: Hier werden historische Ritualmaterialien beschrieben, darunter tierische Produkte und mineralische Stoffe. Die Listen sind keine heutigen Rezepte für Ernährung, Heilmittel oder Körperpflege. Wo die Pflanzen- oder Stoffbestimmung unsicher ist, bleibt der Sanskritname stehen.
Die besondere Ananta-Waschung
15.238 Am festgesetzten Tag vor dem Ritus vollziehe man die Aussaat und trage mit gesammeltem Geist sämtliche benötigten Materialien zusammen.
15.239 Am Vortag bade der leitende Lehrer gründlich, erfülle seine täglichen Pflichten und lege verschiedenartigen neuen Schmuck an.
15.240 Er trage eine weiße Kopfbedeckung und ein weißes Obergewand sowie bunte Blumengirlanden. Vier oder acht würdige Sādhakas in entsprechender Kleidung …
15.241 … und ebenso viele schriftkundige Helfer mit den vorgesehenen Obergewändern begleiten ihn. Weitere Helfer bedecken Mund und Nase mit ganz weißen Tüchern.
15.242 Mit zahlreichen in den jeweiligen Handlungen erfahrenen Helfern betrete er am Nachmittag nach der Verehrung der Eingangsgottheiten …
15.243 … die Opferhalle. Dort verehre er die Gottheit im heiligen Gefäß und den weiteren Trägern oder im Bild und vollziehe die Darbringungen im Feuer wie zuvor.
15.244 Danach erbitte er die göttliche Zustimmung. Bei einer vereinfachten Ausführung betrete er das Heiligtum …
15.245 … und verehre das Hauptbild mit Arghya, Salbung, Girlanden und Räucherwerk. Nachdem er die Zustimmung erbeten hat, beginne er den Ritus.
15.246 Nach der Verehrung an den Eingängen betrete er die Waschungshalle und besprenge sie ringsum unter dem Grundmantra mit Pañcagavya.
15.247 In allen Richtungen streue er vielerlei Blüten, weiße Senfsamen und weitere Samen aus. In der Mitte der Halle …
Das große Feld und seine Gliederung
15.248 … teile er eine Fläche von zweiundzwanzigeinhalb Ellen in jeder Richtung zunächst fünffach und jeden Abschnitt nochmals neunfach. So entstehen fünfundvierzig …
15.249 … Reihen und insgesamt zweitausendfünfundzwanzig Felder. In der Mitte bestimme man für die Aufstellung der Gefäße …
15.250 … einundachtzig Felder. Ringsum räume man zwei Reihen als Wege frei. Außerhalb davon …
15.251 … richte man in den vier Hauptrichtungen von Osten an jeweils einundachtzig Felder ein. Seitlich bleiben wiederum zwei Reihen für Wege.
15.252 In den vier Ecken ordne man jeweils neunundvierzig Felder an. Dabei folge man der zentralen Gliederung der Einundachtziger-Anordnung.
15.253 In der Mitte belasse man eine Neunergruppe und lasse ringsum eine Reihe frei. In den beiden äußeren Reihen verbleiben in den Hauptrichtungen jeweils sechs Felder und in den Diagonalrichtungen …
15.254 … jeweils vier. Die übrigen räume man frei. Außerhalb davon lasse man wiederum ringsum zwei Reihen als Weg offen.
15.255 Die Eckbereiche lege man sorgfältig mit jeweils sechzehn Feldern an. Daneben lasse man in den vier Richtungen jeweils eine Reihe frei.
15.256 Bei den Eingängen sieht die Gliederung in zwei Reihen drei innere und fünf äußere Abschnitte vor; seitlich dienen vier und weiter außen zwei Abschnitte der Zierde. Die genaue räumliche Anordnung ist ohne erläuternden Plan nicht eindeutig.
15.257 Innerhalb davon verbinde man dreiunddreißig Felder in drei Reihen mit dem Weg und ordne außen die einzelnen Bereiche an. Auch diese knappe Bauanweisung bleibt in ihren Einzelheiten erklärungsbedürftig.
15.258 Zwischen Eingängen und Ecken ordne man sechzehn Gruppen von jeweils fünfundzwanzig Feldern an.
15.259 Zwischen ihnen lasse man seitlich jeweils eine Reihe frei. So bereite man die Plätze zum Aufstellen der Gefäße vor.
15.260 Mit weißem, duftendem Pulver ziehe man gerade, gleichmäßige Linien von Daumenbreite und entsprechender Höhe.
15.261 Man streue Pulver in die Felder und fülle die Eingangsbereiche aus. Gelbes Pulver und vielfältige Blüten dienen ihrer Verschönerung.
15.262 Die Wege schmücke man überall mit Ranken. Dann nehme man Gefäße, die sämtliche vorgeschriebenen Merkmale besitzen.
Die Füllungen der Gefäßgruppen
15.263 Unter dem Grundmantra oder der Gāyatrī bringe man einhundertacht Ghee-Gaben ins Feuer dar. Anschließend stelle man an den vier Eingängen, vom Osten ausgehend, …
15.264 … jeweils zwei Gefäße auf und verehre Kumuda und die weiteren Eingangsgottheiten. Die Felder verehre man mit verschiedenen, durch Mantras geweihten Blüten.
15.265 Mit den vorgesehenen Getreidearten bereite man sorgfältig die Anordnung und lege darin unter dem Grundmantra jeweils zwei Kuśa-Spitzen nieder.
15.266 Die Gefäße umwinde man wie zuvor mit Faden, wasche sie unter der Gāyatrī und stelle sie unter dem Tāra-Mantra in die Felder.
15.267 Man stelle sie mit der Öffnung nach unten und lege auf ihre Rückseite unter dem Parameṣṭhin-Mantra Kuśa-Gras. Dann besprenge man sie mit diesem Gras und Pañcagavya unter dem Puṃs-Mantra.
15.268 Unter dem Viśva-Mantra streue man angefeuchtete unversehrte Reiskörner darüber. Unter dem Nivṛtti-Mantra wende man die Gefäße der Reihe nach mit der Öffnung nach oben.
15.269 Man fülle alle nacheinander mit gefiltertem Wasser, das mit Sandel und weiteren guten Duftstoffen durchduftet ist.
15.270 In das mittlere Gefäß der zentralen Neunergruppe innerhalb der Einundachtziger-Anordnung lege man Sūryakānta, Padmarāga, Vaiḍūrya und Candrakānta, …
15.271 … Ayaskānta, Indranīla, Koralle, Gāruḍa, Puṣyarāga, Bergkristall, Brahmarāga und Mecaka, …
15.272 … Diamant, Silber, Perle und Kupfer. Hat man diese sämtlich hineingelegt, ordne man in den acht umgebenden Neunergruppen …
15.273 … von Osten bis Nordosten die sechzehn Stoffe paarweise in den jeweiligen mittleren Gefäßen an.
15.274 In die übrigen zweiundsiebzig Gefäße lege man jeweils eine Perle. Im Mittelpunkt der zentralen Neunergruppe der östlichen Einundachtziger-Anordnung …
15.275 … werden die Früchte von Banane, Jackfrucht, Mango, Kṣīrikā, Jujube, Mātuluṅga, Kesara, Bhavya und Jambīra …
15.276 … eingelegt. Danach folgen in den acht umgebenden Neunergruppen, von Osten bis Nordosten, Mātuluṅga und Granatapfel, …
15.277 … Orange, Jambīra, Takola, Jujube, Kṣīrikā, Āmalaka, Trauben und Datteln, …
15.278 … Āmra und Sahakāra, Jackfrucht und die kleine Jackfrucht sowie Kadalī und Moca.
15.279 Diese ordne man der Reihe nach paarweise in den mittleren Gefäßen an. Die übrigen Gefäße der acht Neunergruppen erhalten Jujuben.
15.280 Uśīra, Kuṅkuma, Māṃsī, Sandel aus Malaya, Mura, Hrīvera, Kuṣṭha und Agaru …

15.281 … lege man sämtlich in das zentrale Gefäß der südlichen Einundachtziger-Anordnung. Von Osten ausgehend …
Düfte, Erde und weitere Materialien
15.282 … lege man jeweils einen dieser Duftstoffe in die übrigen mittleren Gefäße. Die sie umgebenden Achtergruppen erhalten Sandel.
15.283 Wasser aus Meer, Stufenteich, Brunnen, Wasserbecken, See, Regen, Fluss und Schnee …
15.284 … fülle man in das zentrale Gefäß der westlichen Anordnung. Je eine Wasserart kommt in die übrigen mittleren Gefäße; die verbleibenden Achtergruppen erhalten reines Wasser.
15.285 Gerste, Weizen, Vrīhi- und Śāli-Reis, Mungbohnen, Priyaṅgu, Māṣa-Bohnen und Wildreis lege man in das hier als neuntes bezeichnete mittlere Gefäß. Die Ortsbezeichnung des überlieferten Textes ist an dieser Stelle nicht eindeutig.
15.286 In die übrigen mittleren Gefäße kommt der Reihe nach je eine Getreide- oder Samenart. Die Achtergruppen fülle man mit reinem Wasser.
15.287 In der südöstlichen Neunundvierziger-Anordnung fülle man die mittlere Neunergruppe mit Ghee. Die Sechsergruppen erhalten, von Osten ausgehend, Kuhurin, Kuhdung …
15.288 … Milch und Joghurt; in die Eckgruppen kommt warmes Wasser. In der südwestlichen Anordnung fülle man die mittlere Neunergruppe mit Öl und die außerhalb davon …
15.289 … verbleibenden vierzig Gefäße mit Jaggery-Wasser. In der nordwestlichen Anordnung enthält die mittlere Neunergruppe Senföl.
15.290 Die übrigen Gefäße erhalten Zuckerrohrsaft. In der nordöstlichen Neunundvierziger-Anordnung fülle man die mittlere Neunergruppe mit Honig.
15.291 In die übrigen komme Kokoswasser oder Kokosmilch. In den von Osten beginnenden Fünfundzwanziger-Gruppen enthält das mittlere Gefäß der ersten Gruppe …
15.292 … Erde aus einem Feld, einem heiligen Badeort, dem Meerbereich, einem Berg, einem Wildschweinbau, von einem Elefanten, einem Ameisenhügel und einem Stierhorn.
15.293 In die acht umgebenden Gefäße kommt jeweils eine dieser Erdarten, in die sechzehn äußeren Duftwasser. Sahadevī, Vacā, Śatamūlī und Śatāvarī …
15.294 … sowie Kumārī, Guḍūcī, Siṃhī und Vyāghrī fülle man in das mittlere Gefäß der zweiten Gruppe. Die äußere Achtergruppe erhält …
15.295 … von Osten aus je einen Stoff; bei den sechzehn äußeren Gefäßen bleibt es wie zuvor. Aus Nyagrodha, Udumbara, Aśvattha, Jambū, Bilva und Palāśa …
15.296 … sowie Śirīṣa und Madhūka gewonnene Rindenauszüge füllen das mittlere Gefäß der dritten Gruppe. Die acht umliegenden enthalten sie einzeln; die sechzehn äußeren bleiben wie zuvor.
15.297 Junge Blätter von Palāśa, Bilva, Bakula, Kadamba, Mango, Śirīṣa, Nyagrodha und Aśvattha lege man in das mittlere Gefäß der vierten Gruppe.
15.298 Die acht umliegenden erhalten je eine Blattart; die sechzehn äußeren werden wie zuvor gefüllt. Mit Blüten von Mallikā, Jātī, Bakula, Nandyāvarta und Priyaṅgu …
15.299 … sowie Lotus, Campaka und Kunda fülle man das mittlere Gefäß der fünften Gruppe. Die acht umliegenden erhalten sie einzeln, die übrigen werden wie zuvor behandelt.
15.300 Weißer Senf, Senf, Māṣa, die von der Kuh stammende Rocanā, Indrayava, Bambuskörner sowie Śamī- und Śyāmāka-Samen …
15.301 … kommen in das mittlere Gefäß der sechsten Gruppe. Die acht umliegenden erhalten sie der Reihe nach einzeln; die übrigen sechzehn werden wie zuvor gefüllt.
15.302 Sesam, Waldsesam, Jīraka, Kṛṣṇajīraka, Lein, Śatapuṣpā und Kuṭhāracchinna …
15.303 … sowie Ṛṣibīja lege man in das mittlere Gefäß der siebten Gruppe. Die acht äußeren erhalten je einen Stoff; mit den sechzehn übrigen verfahre man wie zuvor.
15.304 Geschälte Körner von Ṣaṣṭī-Reis, Śyāmāka, Śāli-Reis und Wildreis sowie Sprossen von Dūrvā, Kuśa, Indravallī und Pippala …
15.305 … kommen in die Mitte der achten Gruppe, einzeln in die acht umliegenden Gefäße; die übrigen bleiben wie zuvor. Von Kuśa, Udīcya, Zuckerrohr, Kāśa, Uśīra und Śarapuṅkha …
15.306 … sowie Agaru und Apāmārga lege man die Wurzeln in das mittlere Gefäß der neunten Gruppe, einzeln in die acht umliegenden; die übrigen werden wie zuvor gefüllt.
15.307 Blätter von Tulasī, Kṛṣṇatulasī, Granthiveṇu, Bhṛṅgarāja, Bilva, Śamī, Ketakī und Jātī …
Die inneren Gefäßgruppen
15.308 … kommen in die Mitte der zehnten Gruppe und einzeln in ihre acht umliegenden Gefäße; die übrigen bleiben wie zuvor. Knollen von Mustā, Nāgaramustā und Kuvalaya …
15.309 … sowie von Kumuda, Utpala, Śītalīyaka, Kalhāra und Kaśeru lege man in das elfte …
15.310 … mittlere Gefäß und verteile sie wie zuvor auf die übrigen. Sprossen von Mungbohnen, Māṣa, Niṣpāva, Śimbi, Reis und Gerste …
15.311 … sowie von Āḍhaka und Kuluttha kommen in das mittlere Gefäß der zwölften Gruppe, einzeln in die Achtergruppe; mit den sechzehn äußeren verfahre man wie zuvor.
15.312 Sprossen von Śaṅkhapuṣpī, Sadābhadrā, Viṣṇukrāntā, Ekapadrā, Balā, Kharamañjarī und Sahā …
15.313 … sowie Sahadevī lege man in das mittlere Gefäß der dreizehnten Gruppe, einzeln in die acht umliegenden; mit den übrigen verfahre man wie zuvor.
15.314 Śvetārka, Brahmadaṇḍī, Brahmasuvarcalā, Saraktā, Viraktā, Pṛśniparṇī und Sthirā …
15.315 … sowie Eraṇḍa kommen in das mittlere Gefäß der vierzehnten Gruppe und einzeln in die acht umliegenden. Die übrigen werden wie zuvor gefüllt.
15.316 Surabhi, Lotus-Staubfäden, Nāgakesara, Patra, Kardamomrinde, Latā und Moschus …
15.317 … sowie Muskatnuss lege man in das mittlere Gefäß der fünfzehnten Gruppe und einzeln in die Achtergruppe. Die übrigen werden wie zuvor behandelt.
15.318 Gold, Silber, Kupfer, Eisen, Zinn, Blei, Āra-Metall und Bronze lege man in das mittlere Gefäß der sechzehnten Gruppe.
15.319 Die acht umliegenden Gefäße erhalten sie einzeln; mit den sechzehn äußeren verfahre man wie zuvor. Nachdem man die Stoffe so der Reihe nach mit gesammeltem Geist angeordnet hat, …
15.320 … stelle man in der südöstlichen Ecke Arghya und die weiteren Verehrungsmittel sowie Madhuparka für die Gottheit bereit.
15.321 In der südwestlichen Ecke lege man Kurkuma, Reismehl, Dūrvā, Aśvattha-Blätter, weißen Senf und unversehrte Reiskörner …
15.322 … sowie Girlanden und ein gefülltes Gefäß für das Nīrājana bereit. Für das Einreiben bereite man Pulver aus Weizen und Reis …
15.323 … vermischt mit Kurkumapulver und leicht mit Padmaka durchduftet. Auch Camasī und Khalī werden genannt; die beiden technischen Stoffbezeichnungen bleiben hier unbestimmt.
15.324 Für die Gesichtssalbung bereite man Sandel mit zerriebenem Kampfer, Campaka, Mura, Māṃsī und Hrīvera vor.
15.325 Für die Waschung des Hauptes stelle man zerriebenes Āmalaka bereit, alles jeweils in eigenen Gefäßen. In der nordwestlichen Ecke …
15.326 … lege man gewaschene Tücher, einen Korb und Behälter für Blüten, Girlanden und weitere Gaben nieder. In die nordöstliche Ecke gehören eiserne Stäbchen, …
15.327 … Eisenkugeln und eine Zange. Andere benötigte Gegenstände stelle man nach Bedarf bereit.
Weihe und vorbereitende Verehrung
15.328 Oder man ordne alle genannten Dinge in den jeweils gewünschten Ecken an. Im zentralen Gefäß der mittleren Neunergruppe innerhalb der zentralen Einundachtziger-Anordnung …
15.329 … verehre man Vāsudeva. Danach verehre man, vom Osten ausgehend, in den Mittelpunkten der Neunergruppen der Hauptrichtungen nach der Ordnung des Hervorgehens …
15.330 … die vier mit Vāsudeva beginnenden göttlichen Entfaltungen. In den Mittelpunkten der Diagonalgruppen, von Nordosten bis Südosten, verehre man dieselben nach der Ordnung der Rücknahme.
15.331 In sämtlichen reinen Wassergefäßen der mittleren Gruppe verehre man Satya. In den reinen Wassergefäßen der äußeren Neunergruppen der Hauptrichtungen verehre man nacheinander …
15.332 … Suparṇa, Garuḍa, Tārkṣya und Vihageśvara. In den vier Neunergruppen der Diagonalrichtungen, von Südosten bis Nordosten, …
15.333 … verehre man dieselben der Reihe nach in den reinen Wassergefäßen. In den Einundachtziger-Gruppen der Hauptrichtungen, von Osten ausgehend, …
15.334 … verehre man in den insgesamt sechsunddreißig mittleren Gefäßen die Gottheiten von Padmanābha bis Vedavid …
15.335 … in Neunergruppen, jeweils in der Mitte beginnend und im Nordosten endend. In den reinen Wassergefäßen der jeweiligen Mitte verehre man die Kalki-Gestalt.
15.336 In den reinen Wassergefäßen der äußeren Neunergruppen verehre man den Herrn namens Pātālaśayana, „den in der Unterwelt Ruhenden“. Danach beginne man im Südosten …
15.337 … mit den vier Neunundvierziger-Anordnungen in den Ecken. Die mit Keśava beginnenden göttlichen Namen werden in vier Dreiergruppen verteilt.
15.338 Die ersten jeder Dreiergruppe gehören in die jeweiligen mittleren Bereiche, die zweiten in die vier Hauptrichtungen und die dritten in die Diagonalbereiche; der Text nennt dazu die Sechser- und Sechzehnergliederung. Die knappe Zuordnung ist nicht in allen Einzelheiten eindeutig.
15.339 Man verehre die sechzehn göttlichen Waffen von Cakra bis Vajra. In den Vierergruppen der Ecken vergegenwärtige man die Śakti.
15.340 In der ersten Fünfundzwanziger-Gruppe südlich des Ostens verehre man im mittleren Gefäß Lakṣmī, die alle Fülle schenkt. Außerhalb davon …
Die Anrufungen zu den Gefäßen
15.341 … verehre man Puṣṭi in den acht und Kānti in den sechzehn Gefäßen. Ebenso verfahre man der Reihe nach in den übrigen Fünfundzwanziger-Gruppen.
15.342 Jeweils drei Śaktis, beginnend mit Prabhā, werden darin verehrt. Im äußeren Sechzehnerkreis der fünfzehnten Gruppe vergegenwärtige man …
15.343 … die göttliche Krone. In der letzten Fünfundzwanziger-Gruppe verehre man die Dreiheit von Śrīvatsa, Kaustubha und Vanamālā.
15.344 Mit den Mantras von Vāsudeva bis Vanamālā bringe man der Reihe nach Ghee ins Feuer dar, jeweils achtundzwanzigmal oder nach dem gewählten Umfang.
15.345 Nach der vollständigen Schlussdarbringung berühre man die Gefäße nach der Sampāta-Weise der Übertragung der Opferkraft und verschließe sie sämtlich mit den runden Deckeln in der beschriebenen Reihenfolge.
15.346 Man bedecke sie einzeln mit neuen Tüchern. Nach einer weiteren vollständigen Schlussgabe bringe man in den Richtungen die Bali-Gaben für die Wesen dar.
15.347 Nun folgt die Reihenfolge, in der die Gefäße für die Waschungen mit Erde und den weiteren Stoffen aufgenommen werden. Zunächst verwende man den Mantra-Anfang viṣṇor nu kam.
15.348 Von Osten bis Nordosten übergieße man das Bild aus den Gefäßen mit den einzelnen Erdarten, danach aus dem mittleren Gefäß mit sämtlichen Erdarten und schließlich aus den äußeren …
15.349 … sechzehn Gefäßen, vom Osten ausgehend. Dieselbe Reihenfolge gilt für sämtliche Fünfundzwanziger-Gruppen.
15.350 Mit Wurzelwasser vollziehe man die Übergießung unter pra tad viṣṇuḥ; mit Wasser aus Pflanzenabsuden unter dem hier als pra ta te viṣṇuvāsa überlieferten Mantra-Anfang.
15.351 Für die Gefäße mit jungen Blättern nennt der Text yasya tripūrṇa, für die mit Blüten gefüllten Gefäße tad asya.
15.352 Tā vām begleitet die Gruppe mit weißem Senf und den weiteren Stoffen; pra vaḥ pāntam das Wasser mit Sesam und den weiteren Samen.
15.353 Für das Wasser mit Ṣaṣṭī-Reis und den zugehörigen Stoffen dient paro mātrā; für das Wasser mit Kuśa-Wurzeln und den weiteren Wurzeln na te viṣṇoḥ.
15.354 Das Wasser mit Tulasī und den weiteren Blättern wird unter irāvatī verwendet; das Wasser mit Mustā-Knollen und den anderen Knollen unter ato deva.
15.355 Für die Gefäße mit Mungbohnensprossen und den weiteren Sprossen dient idaṃ viṣṇuḥ; für das Śaṅkhapuṣpī-Wasser und die zugehörigen Pflanzen trīṇi padā.
15.356 Das Wasser mit Śvetārka und den weiteren Pflanzen bringe man unter viṣṇoḥ karmāṇi dar; das Wasser mit Surabhi und den übrigen Duftstoffen unter tad viṣṇoḥ.
15.357 Unter tad viprāsaḥ vollziehe man die Waschung mit Metallwasser. Dann folgen der Reihe nach die einundachtzig Gefäße der östlichen Anordnung.
15.358 Die Reihenfolge der Waschung mit den Neunergruppen beginnt im Osten und endet in der Mitte. Für die östliche Neunergruppe wird der Versanfang puruṣyajñāya genannt.
15.359 Bei der südöstlichen Gruppe verwende man den hier als indrāviṣṇū dṛṃhita bezeichneten Anfang; bei der südlichen Neunergruppe yaṃ manīṣā.
15.360 Für die südwestliche Gruppe folgt vaṣaṭ te viṣṇuvāsa, für die westliche tisro vācaḥ.
15.361 Für die nordwestliche und die nördliche Neunergruppe nennt der Text die sprachlich unsicher überlieferten Anfänge yo vadroṣadhī und starīrutkaṃ bhavati.
15.362 Bei der nordöstlichen Gruppe wird yasmin vidhena ca genannt; bei der mittleren vollziehe man die Waschung unter idaṃ vacaḥ parjanyāya.
15.363 Danach wasche man den Herrn mit den einundachtzig Gefäßen der südlichen Anordnung. Die zugehörige Mantra-Folge beginnt mit sahasraśīrṣaṃ devam …
15.364 … und endet mit santataṃ sirābhiḥ. Die acht Mantras begleiten der Reihe nach die acht Neunergruppen, vom Osten ausgehend.
Zu den Mantras: Viele Formeln werden nur durch ihre Anfangswörter bezeichnet. Diese Anfänge werden als solche wiedergegeben. Eine aus dem Gedächtnis ergänzte Vollform würde über den hier belegten Text hinausgehen.
Der Beginn der Waschung
15.365 Die mittlere Neunergruppe verwende man unter sämtlichen diesen Mantras gemeinsam. Danach vollziehe man die Übergießung mit den einundachtzig Gefäßen der westlichen Anordnung.
15.366 Die östliche Neunergruppe begleite samudrajyeṣṭhāḥ. Für Wasser aus Stufenteich, Brunnen, Wasserbecken, See und Regen …
15.367 … verwende man yā āpo divyāḥ. Mit Flusswasser wasche man das Bild unter dem Versanfang yāsāṃ rājā.
15.368 Für Schneewasser wird yāsu rājā genannt. Die mittlere Gruppe begleite man mit den vier Versen, beginnend mit samudrajyeṣṭhāḥ.
15.369 Danach verwende man der Reihe nach die einundachtzig Gefäße der nördlichen Anordnung. Für ihre östliche Neunergruppe dient yad imāḥ.
15.370 Die südöstliche Gruppe begleitet yasyauṣadhīḥ, die südliche sākaṃ yakṣma, die südwestliche anyā vo.
15.371 Für die westliche Neunergruppe dient yāḥ phalinīḥ, für die nordwestliche muñcantu mā śapathyāt.
15.372 Die nördliche Gruppe begleitet avapatantīḥ, die nordöstliche yā oṣadhīḥ somarājñīḥ.
15.373 Für die Mitte nennt der Text den Anfang yā oṣadhīḥ somarājñīr viṣṭhitāḥ. Danach vollziehe man die Übergießung mit den neunundvierzig Gefäßen im Südosten.
15.374 Die östliche Sechsergruppe begleitet die Gāyatrī, die südliche gandhadvāra, die westliche payasvatīr oṣadhayaḥ.
15.375 Die nördliche Sechsergruppe begleitet der hier als dadhikrāvṇṇa angeführte Versanfang; die Waschung mit Ghee der Hymnus samyak sravanti saritaḥ.
15.376 Dann folgen die neunundvierzig Gefäße der südwestlichen Anordnung. Die Ölwaschung begleite man mit der Yajus-Formel, die mit tejo ’si beginnt.
15.377 Das Jaggery-Wasser verwende man von Osten aus unter dem zwölfsilbigen Mantra. Das Senföl im Nordwesten begleite wiederum tejo ’si.
15.378 Den gesamten Zuckerrohrsaft bringe man unter dem zwölfsilbigen Mantra dar; die mit Honig gefüllten Gefäße unter den mit madhu vāta beginnenden Mantras.
15.379 Das Kokoswasser verwende man der Reihe nach unter dem zuvor genannten Mantra. Mit demselben folgen die warmen Wasser, von Südosten bis Nordosten.
15.380 Das Wasser wird durch das Einlegen erhitzter Eisenkugeln erwärmt. Danach vollziehe man das Einreiben der Gottheit unter dem mit drupadāt bezeichneten Mantra.
15.381 Unter mā nas toke lege man Āmalaka auf ihr Haupt. Nach dem Abspülen mit reichlich reinem, duftendem Wasser …
15.382 … verwende man der Reihe nach die einundachtzig mittleren Gefäße. Die acht äußeren Gefäße der östlichen Neunergruppe begleiten den Vers sahasraśīrṣā …
Die heiligen Gesänge und weiteren Übergießungen
15.383 … und ihr mittleres Gefäß den zweiten Vers. Für die sieben weiteren Neunergruppen verfahre man der Reihe nach mit jeweils zwei Versen.
15.384 Mit der mittleren Neunergruppe wasche man den Herrn der Götter langsam und achtsam unter dem gesamten Puruṣasūkta.
15.385 Oder man verwende der Reihe nach die in der Mahopaniṣad enthaltenen Mantras, beginnend mit dem hier als sarvasya vahnim überlieferten Anfang, für die acht Richtungsgefäße.
15.386 Für das mittlere Gefäß dient eka eva nārāyaṇaḥ. Oder man verwende sämtliche Gefäße der Reihe nach unter dem Akṣara-Mantra.
15.387 So vollziehe man die Waschungen von der Erde bis zum Abschluss aller Bäder. Die Reihenfolge des Aufnehmens der Gefäße ist damit erklärt; nun folgt der eigentliche Handlungsablauf.
15.388 Am Morgen habe der leitende Lehrer gebadet und das glückverheißende Schutzband angelegt. Zusammen mit den anderen Lehrern …
15.389 … betrete er das Heiligtum, erfülle die tägliche Verehrung wie zuvor, gehe in die Opferhalle und fülle das Maṇḍala mit farbigen Pulvern aus.
15.390 Nach der Verehrung im Gefäß und im Maṇḍala betrete er wieder das Heiligtum und verehre das Hauptbild mit Arghya und den weiteren Gaben.
15.391 Aus dem Hauptbild rufe er die göttliche Gegenwart in das Waschungsbild, verehre es und schmücke es mit verschiedenen Gewändern, Girlanden und Zierstücken.
15.392 Das vollständig geschmückte Bild setze er auf eine Sänfte oder einen anderen Träger und bringe es nach der beschriebenen Ordnung in die Waschungshalle.
15.393 Dort setze er es auf den Waschungssitz und verehre es der Reihe nach bis einschließlich der Speisedarbringung.
15.394 Dann lege er dem Gott der Götter das Schutzband an. Falls die vorgeschriebenen Handlungen an den Gefäßen zuvor …
15.395 … wegen irgendeines Hindernisses nicht ausgeführt werden konnten, hole man sie jetzt nach. Mit den Gaben vom Waschungssitz bis zur Gesichtssalbung …
15.396 … verehre man die Gottheit und wasche sie dann mit den Gefäßen nach der beschriebenen Ordnung. Nach Verwendung sämtlicher Gefäße für die Waschung fülle man …
Trocknung, Kurkuma und abschließende Verehrung
15.397 … zwischendurch ein weiteres Gefäß für die erforderlichen Spülungen zwischen den Stoffen. Nach dem Bad mit Wasser aus dem Muschelhorn trockne man das Bild mit einem Tuch. Die letzte Wendung des Sanskrit ist nicht ganz eindeutig.
15.398 Nach dieser Waschung verwende man die mit verschiedenen Kurkumapulver-Zubereitungen gefüllten Gefäße, die zuvor auf einem geschmückten Getreidesitz geweiht wurden.
15.399 Man verwende fünfundzwanzig, neun, fünf oder auch nur ein Gefäß und begleite die Darbringung des Pulvers mit dem Śrīsūkta.
15.400 Dann gebe man dieses Pulver auf das Haupt des Herrn, verehre ihn erneut mit Arghya und den weiteren Gaben und streiche es über seinen ganzen Körper. Anschließend lasse man es auf die Häupter der Verehrenden geben.
15.401 Nachdem man es auch Viṣvaksena unter dessen Mantra dargebracht hat, vollziehe man das „Bad mit tausend Strömen“ mit reinem Wasser.
15.402 Nach der Darbringung von Sandel und weiteren Stoffen führe man den Herrn vom Waschungssitz zum Schmuck-Sitz und verehre ihn in der mit dem Sitz beginnenden Reihenfolge.
15.403 Dazu dienen wie zuvor die unmittelbar am Bild vollzogenen Darbringungen, die verschiedenen ehrenden Gaben und die als „zu Herzen gehend“ bezeichneten, vielfältigen und erfreuenden Gaben.
15.404 Nachdem man die Verehrung bis zur Gabe an die Brahmanen oder bis zum Feueropfer vollzogen hat, setze man das Bild wieder auf die Sänfte und führe es wie zuvor zurück.
15.405 Nach ehrender Umwandlung bringe man es in das Heiligtum, nehme es vom Träger und stelle es an seinen Platz.
15.406 Man verehre es und ebenso das Hauptbild mit Arghya und den weiteren Gaben, widme die vollzogene Handlung dem Herrn und vollziehe die rituelle Verabschiedung.
Ergänzendes Video zur spirituellen Praxis; kein Bestandteil der Samhita.
Das Waschbild und die Ausführung
15.407 Diese Ordnung gilt bei einem Hauptbild aus Ton oder anderem entsprechendem Material. Besteht das Hauptbild aus Stein oder einem anderen für die Waschung geeigneten Stoff, …
15.408 … wasche man dieses selbst nach der beschriebenen Ordnung, beginnend mit dem Schutzband, verehre es bis zur Speisegabe und vollziehe alles bis einschließlich des Feueropfers.
15.409 Danach schmücke man das Festbild mit vielfältigen Gewändern, vielen schönen Zierstücken und wohlriechenden Girlanden. Die Sanskritform der ersten Schmuckangabe ist unregelmäßig.
15.410 Man setze es auf eine Sänfte und führe es nach der für das Fest beschriebenen Ordnung in die Versammlungshalle.
15.411 Dort nehme man es vom Träger und setze es auf einen weiten, schönen goldenen Sitz oder auf einen glückverheißenden Thron mit bunten Auflagen.
15.412 Nach der beschriebenen Reihenfolge verehre man es besonders mit den unmittelbar am Bild vollzogenen Darbringungen und den verschiedenen weiteren Gaben.
15.413 Man bringe die große Speisegabe, das Mahāhavis, dar, vollziehe die Handlungen bis zur Gabe an die Brahmanen und nähre die göttliche Gegenwart im Feuer durch die vorgesehenen Darbringungen.
15.414 Nach der Widmung und allen weiteren Handlungen setze man den Herrn der Welt wieder auf den Träger, begleitet von sämtlichen glückverheißenden Formen.
15.415 Man bringe ihn in das Heiligtum, nehme ihn vom Träger, stelle ihn an seinen Platz und verehre ihn mit Arghya, Duftstoffen und den weiteren Gaben.
15.416 Ebenso verehre man das Hauptbild und widme ihm die vollzogene Handlung. Mit dem in den Gefäßen verbliebenen Waschwasser …
Prozession und gemeinsames Teilen
15.417 … besprenge und verehre man sämtliche Gottheiten der Eingänge und Umfassungsbereiche in der Reihenfolge der Bali-Darbringung.
15.418 Nach den Bali-Gaben übergieße man mit dem restlichen Wasser den Herrn des Gefolges und verehre ihn mit Arghya, Duftstoffen und weiteren Gaben. Bei einer vereinfachten Ausführung …
15.419 … können die Besprengung der Gottheiten und die Waschung des Gefolgeherrn am Ende der Verehrung des Herrn in seinem Waschungsbild stattfinden.
15.420 So vollziehe man alles in der rechten Reihenfolge. Danach erfreue der Auftraggeber die Ācāryas und Sādhakas mit verschiedenen Gaben.
15.421 Auch alle anderen Vaiṣṇavas erfreue er nach seinen Möglichkeiten. Er lasse Speisen und weitere Gaben für alle Menschen frei und ohne Ausschluss austeilen.
Die Feier wird zum Teilen: Der Text verlangt an dieser Stelle, allen Menschen ohne Einschränkung Essen zu geben. Die Hinwendung zu Nārāyaṇa verbindet sich damit mit einer konkreten Gabe an die Gemeinschaft. Als heutige Anregung führt dies zu Seva, Gastfreundschaft und Großzügigkeit.
15.422 Dieselbe Handlungsfolge gilt grundsätzlich für alle Waschungsformen; bei den übrigen lasse man die Besprengung des Gefolges und die Bali-Darbringung weg.
Die Anwendung der verschiedenen Formen
15.423 Die große Speisegabe richte man aus, wenn die Mittel vorhanden sind. Die ersten fünf Waschungsarten, beginnend mit Pradhāna, …
15.424 … verwende man bei täglichen und bei besonderen Riten. Die folgenden fünf Arten von Sūkṣma-sūkṣma bis Sthūla-sthūla …
15.425 … sind für die Waschung der vier göttlichen Entfaltungen und der weiteren Gottheiten vorgesehen. An Sonnenwenden, Tagundnachtgleichen sowie bei Mond- und Sonnenfinsternissen …
15.426 … vollziehe man bei vollständiger Ausführung die Uttamottama-Waschung. Bei einer vereinfachten Form verwende man die mittlere Abstufung dieser höchsten Gruppe oder die vier danach folgenden niedrigeren Formen.
15.427 Für die acht dazwischenliegenden Sonnenübergänge sehe man die Formen in wiederkehrender Reihenfolge vor.
15.428 Am Anfangs- und am Abschlusstag eines Festes vollziehe man die Adhamottama genannte Waschung; bei vereinfachter Ausführung die mittlere Form dieser Gruppe.
15.429 Bei der großen Speisedarbringung verwende man die nächstkleinere Form. Für erforderliche Sühnehandlungen können sämtliche hier genannten Formen vorgesehen werden.
15.430 Ihre besonderen Waschungsformen werde ich später ausführlich erklären. Die Ordnung der Waschungen nach dem Weg der göttlichen Lehrschrift …
15.430z … ist damit vollständig und sachgemäß dargelegt. Was möchtet ihr darüber hinaus hören?
Spiritueller Ausklang: Die Vielzahl der Gefäße und Handlungen mündet in Verehrung und gemeinsames Teilen. Für die persönliche Praxis kann daraus eine einfache Frage erwachsen: Wie kann die Aufmerksamkeit, die ich dem Göttlichen schenke, auch meinen Umgang mit Menschen und Dingen prägen?
Kolophon: So endet in der Ishvara Samhita des heiligen Pancharatra das fünfzehnte Kapitel, genannt „Die Ordnung der zeremoniellen Waschung“.
Texthinweise zu Kapitel 15
Grundlage und Umfang. Das Kapitel umfasst 430 nummerierte Verse und den unnummerierten Schlusshalbvers 430z. Die vorhandenen Devanagari-Fassungen wurden mit dem Druck von 2017 (Seiten 173–194) und bei ausgewählten schwierigen Stellen mit dem älteren Druck verglichen. Eine vollständige Kontrolle anhand des kritischen englischen Bandes III war mangels lokal verfügbarer Vollfassung nicht möglich. Die Übersetzung geht vom Sanskrit aus. Die IAST-Fassung ist eine Transliteration des hier redigierten Devanagari, kein unabhängiger Textzeuge.
Gefäßzahlen und Raster. Die Bezeichnungen Para, Sūkṣma, Sthūla und ihre Zusammensetzungen benennen die im Kapitel unterschiedenen Ritualformen. Ein Rasterfeld entspricht nicht automatisch einem Gefäß. In 90–101 ergeben sich innerhalb eines Feldes von 25 Plätzen 17 Gefäße. Die Anordnung in 143 hat 961 Rasterfelder, aber 473 Gefäße: 81 im Zentrum und acht Gruppen von jeweils 49. In 154–155 werden die 392 äußeren Gefäße als acht besondere und 384 Wassergefäße gegliedert. 248 beschreibt 2025 Rasterfelder; dies ist keine Angabe von 2025 Gefäßen. Nicht überall lassen die überlieferten Raumangaben eine zweifelsfreie zeichnerische Rekonstruktion zu, insbesondere in 144–146, 190 und 253–259. Es wurde kein ergänzender Bauplan erfunden.
Maße und Herstellung. Die traditionellen Maße werden ohne scheinexakte Umrechnung in moderne Einheiten wiedergegeben. Die wiederholte Volumenangabe in 42 bleibt erhalten. Die Form in 43 ist sprachlich unregelmäßig; der Zusammenhang weist auf eine quadratische Gestalt. Die Gefäßöffnung beträgt in 45 nach beiden kontrollierten Drucken drei Aṅgula. Die Alternative in 67–69 ergibt aus den Einzelmaßen 15½ statt 16 Aṅgula; diese Abweichung wird nicht stillschweigend ausgeglichen. In 70 folgt die Fassung dem älteren catuḥsaptakṛtam mit 28 Halmen; der neuere Druck bietet eine abweichende Form.
Lesarten im ersten Teil. In 104 wird nach dem älteren Druck mṛdambhunā, „mit Erdwasser“, gelesen. In 108 wurde die Bezeichnung des Lotusbestandes gegenüber entstellten Überlieferungsformen redigiert; auch die Kasusform mṛdbhiḥ ist grammatisch berichtigt. 117 enthält eine geringfügig normalisierte, im Druck fehlerhafte Form zu den äußeren, inneren beziehungsweise mittleren Bereichen. Die genaue Bedeutung von camasī in 121 bleibt offen. In 124 weichen die Pflanzenbezeichnungen der Fassungen voneinander ab. 126 folgt mit dvaye, „in zwei“, dem älteren Druck. Rasa in 131 wird nicht ohne eindeutigen Beleg als Quecksilber bestimmt. Für die Verringerung der Gefäßzahl in 181 wurde die klar lesbare Zahl 160 des neueren Druckes übernommen; die ältere Lesart ist abweichend beziehungsweise undeutlich.
Göttliche Zuordnung. Die fünf Upaniṣad-Mantras in 206 sind eine rituelle Mantragruppe; gemeint sind hier nicht fünf vollständige Upanishad-Schriften. In 211 bewahrt der ältere Druck die Negation: Wo kein besonderer Mantra genannt ist, wird der acht-silbige verwendet. Diese Negation ist für den Sinn entscheidend.
Stoff- und Pflanzennamen. Die Listen bewahren Sanskritnamen, wo eine zuverlässige botanische oder mineralogische Bestimmung fehlt. Manche Bezeichnungen können synonym sein, werden aber im Text gesondert gezählt. Das betrifft etwa mātuluṅga und bījapūra in 219 sowie mehrere Fruchtnamen in 276–278. Śakṛdrasa in 216 bezeichnet eine Zubereitung aus Kuhdung, nicht Zucker. Die beiden Harā in 230 und Agni in 231 werden nicht mit einer unbelegten botanischen Festlegung versehen. Die acht Erdherkünfte in 292 wurden nach dem älteren Druck wiederhergestellt: Feld, heiliger Badeort, Meer, Berg, Wildschweinloch, Elefant, Ameisenhügel und Stierhorn. Die Formen in 312 zu Ekapadrā/Ekapadī bleiben unsicher. Auch āra in 318 sowie camasī und khalī in 323 sind hier nicht eindeutig stoffkundlich bestimmt. Die Eisenkugeln in 327 dienen dem später beschriebenen Erwärmen des Wassers.
Weitere örtliche Unsicherheiten. 282 folgt dem älteren param statt der im neueren Druck stehenden, im Zusammenhang unpassenden Fruchtbezeichnung. Das „neunte“ mittlere Gefäß in 285 ist in beiden Fassungen belegt; sein räumlicher Bezug bleibt unklar. In 338 ist die verkürzte Zuordnung der göttlichen Gestalten nicht in jedem Detail eindeutig. Die sprachlich schwierigen Stellen in 397 und 409 wurden im Zusammenhang vorsichtig übersetzt, ohne ihren Wortlaut als sicher auszugeben. 398–400 beschreibt Kurkumazubereitungen und nennt das Śrīsūkta; ein zusätzliches, ausdrücklich benanntes Śrī-Bild wurde daraus nicht abgeleitet.
Mantra-Anfänge. Zahlreiche Verse nennen nur Anfangswörter vedischer oder anderer Mantras. Solche Angaben sind Verweise und keine vollständigen Rezitationstexte. Unregelmäßige oder beschädigte Formen, unter anderem in 166, 350–351, 361–362 und 375, werden nicht aus einer vermuteten Parallelstelle stillschweigend vervollständigt. 359 folgt dem älteren Anfang indrāviṣṇū dṛṃhitā; 361 bleibt textlich unsicher. Die Bezeichnung akṣaramantra in 386 wird nicht ohne weiteren Beleg mit dem acht-silbigen Mantra gleichgesetzt. Für eine gesonderte Mantrasammlung kommen nur eindeutig belegte Formeln beziehungsweise ausdrücklich als solche gekennzeichnete Anfänge infrage.
Ritueller Zusammenhang. Gaṇeśa in 418 wird als „Gefolgeherr“ verstanden; der Ausdruck allein rechtfertigt hier keine sichere Gleichsetzung mit dem elefantenköpfigen Ganesha. 422 unterscheidet die übrigen Waschungsformen von der zuvor beschriebenen Ananta-Form. Die offene Speisung in 421 ist eine ausdrückliche Anweisung dieses Abschnittes. Spirituelle Anregungen für heutige Übende sind redaktionelle Erläuterungen und werden vom übersetzten Wortlaut getrennt.
Kapitel 16 – Tempelbau und Weihe – dem Göttlichen einen Ort bereiten
Dieses Kapitel beschreibt die Auswahl des Bauplatzes, die Vorbereitung des Bodens, Tempelformen und die Weihe des Heiligtums. Seine äußere Sorgfalt ist mit Bhakti, Mantra und der Vergegenwärtigung Nārāyaṇas verbunden. Textgrundlage: Alle 351 Verse und der Schlusshalbvers sind erfasst. Mehrere beschädigte Stellen, insbesondere in Maßangaben und Gottheitenlisten, lassen sich noch nicht vollständig übersetzen. Sie sind ausdrücklich gekennzeichnet; dieses Kapitel ist eine Fassung mit dokumentierten Unsicherheiten.
Die Weisen fragen:
Die Frage und die überlieferte Grundlage
16.1 Ehrwürdiger, du Bester der Weisen, Allwissender und Hervorragender unter den Redenden! Wie sollen Menschen die Weihe des Mantra-Bildes vollziehen?
16.2 Welche Merkmale sollen Heiligtum, Bild, Sockel und die weiteren Bestandteile haben? Erkläre uns dies jetzt bitte ausführlich.
Nārada antwortet:
16.3 Hört alle mit aufmerksamen Herzen zu, ihr Weisen: die Ordnung der Weihe des Mantra-Bildes, seine Merkmale und die weiteren Einzelheiten.
16.4 Dies alles hat der Gott der Götter in der Sāttvata und den weiteren Schriften dargelegt. Ich werde ihren wesentlichen Gehalt zusammenfassen und euch in Kürze erklären.
Auftraggeber, Lehrer und Bauplatz
16.5 Ein Brahmane, Kshatriya, Vaishya oder Shudra, ganz auf den göttlichen Herrn ausgerichtet, mit Vertrauen und Hingabe erfüllt, mit den nötigen Mitteln versehen und friedvollen Geistes, …
16.6 … gläubig, wahrhaftig und von gutem Lebenswandel, wähle zunächst einen Ācārya aus, der die Lehrschriften des göttlichen Herrn kennt, …
16.7 … die Wirklichkeit versteht, dem Herrn ergeben ist und aus einer entsprechenden Überlieferungslinie stammt. Der Ācārya und der Auftraggeber sollen sich gemeinsam mit den Handwerkern beraten …
Die innere Eignung: Vertrauen, Hingabe, Wahrhaftigkeit und ein friedvoller Geist gehören nach dem Text zu den Voraussetzungen des Auftraggebers. Vers 5 nennt ausdrücklich alle vier traditionellen gesellschaftlichen Gruppen. Die historische Ordnung wird wiedergegeben; sie ist keine heutige Zugangsvoraussetzung zu Yoga oder Bhakti.
16.8 … über einen heiligen, geeigneten und ansprechenden Ort, den rechtschaffene Menschen aufsuchen, der reich an geeigneter Erde, Wasser, Früchten und Blüten ist und Kuśa-Gras sowie Brennholz bietet, …
16.9 … gesegnet mit Kühen, Feldfrüchten und Reis und frei von schädlichem Kleingetier. In Betracht kommen ein Berggipfel, ein mittlerer Bergbereich oder ein für die Zweimalgeborenen geeigneter Hang, …
16.10 … ebenso ein schöner Wald im ebenen Gelände, reich an Bäumen und Pflanzen, oder ein glückverheißender, erfreulicher und geeigneter Garten mit Lotusblüten, …
16.11 … die Ufer von Flüssen oder ihre Zusammenflüsse, die Nähe heiliger Badeorte und ein tragfähiger, substanzreicher Boden.
16.12 Der Ort soll frei von gefährlichen Tieren, von der Bedrohung durch Diebe und von sonstigen Mängeln sein: ein heiliger, erfreulicher Platz.
Die Übernahme des Grundstücks
16.13 Zunächst prüfe man dort den Boden nach dem in den Lehrschriften beschriebenen Verfahren. Anschließend vollziehe man die rituelle Übernahme des Grundstücks, ihr Besten der Zweimalgeborenen.
16.14 Beim Beginn aller Arbeiten, angefangen mit der Übernahme des Grundstücks, soll zuerst der Herr über alles in seiner Mantragestalt, mit dem zwölf-silbigen Mantra an erster Stelle, …
16.15 … voller Hingabe auf einem Altar, in einem Gefäß oder auf dem vorbereiteten Platz verehrt werden. Bei der Opferhandlung und den weiteren Riten bringe man ihm mit Hingabe und vedischen Mantras die Gaben dar. Danach …
16.16 … verehre man den Herrn in seiner Gestalt als Viśvakarman, zusammen mit dem Gefolgeherrn, durch die verschiedenen Ehrengaben: Blüten, Räucherwerk und duftende Salbungen.
16.17 Nachdem die rituelle Verabschiedung Vishnus samt der Feuerhandlung vollzogen ist, o Lotusgeborener, ehre man die jeweils sachkundigen Handwerker, …
16.18 … damit sie ihre Arbeit beständig mit freudigem Geist ausführen. Auch sie sollen sich sammeln, baden und ihrem eigenen göttlichen Schutzherrn Gaben darbringen.
Achtung vor der Arbeit anderer: Die Handwerker sollen geehrt werden, damit sie ihre Aufgaben mit freudigem Geist ausführen. Eine heutige Anregung liegt darin, spirituelle Vorhaben mit Anerkennung für die Menschen zu verbinden, die sie praktisch ermöglichen.
16.19 Dann nehme man das gewünschte Grundstück rituell in Besitz, ihr Zweimalgeborenen: ein bisher ungenutztes oder bereits genutztes Gelände, das die guten Eigenschaften eines Baugrundes aufweist, …
16.20 … frei von störenden Einschlüssen, geeignet und von den Baumeistern gebilligt. Für die Errichtung wähle man es in der gewünschten Ausdehnung aus.
16.21 Man bestimme einen Bauplatz unter Berücksichtigung der genannten Himmelsrichtungen und in Beziehung zu einem göttlichen oder anderweitig überlieferten Heiligtum. [Die Richtungsaufzählung ist textlich unsicher.]
16.22 An einem günstigen Platz errichte man ein großes Gotteshaus mit der vorgesehenen Pañcāyatana-Anordnung. Die Ausführung nach dem eigenen überlieferten Weg führt zum Gelingen; ein davon abweichender Weg verfehlt dieses Ziel. [Der genaue bauliche Bezug von pañcāyatana bleibt hier offen.]
16.23 [Die erste Vershälfte über die Zugehörigkeit zu einer Lehrtradition ist sprachlich unsicher.] Ob im eigenen oder in einem anderen Weg: Wem der allgegenwärtige Hari …
16.24 … unablässig im Bewusstsein aufleuchtet, den erkenne man nach der Lehre als Guru an. Unter einem günstigen, geeigneten Mondgestirn verneige man sich vor dem allgegenwärtigen Acyuta, …
Der gemeinsame Beginn
16.25 … vollziehe die täglichen Pflichten und beginne die Verehrung mit dem Herrn über die Hindernisse, ihr Zweimalgeborenen. Gemeinsam mit den Ekāyana-Kundigen und den Rezitierenden von Ṛg-, Yajur- und Sāmaveda, …
16.26 … die Schmuck und Turbane sowie weiße Gewänder tragen und mit duftenden Salbungen, Kränzen und Fingerringen geschmückt sind, …
16.27 … unter dem Klang von Muschelhörnern und Instrumenten und mit glückverheißenden Gesängen, nehme der Handelnde Früchte, Blüten, unversehrte Reiskörner, Puffreis, weißen Senf und weitere Gaben in die Hand.
16.28 So gereinigt, begebe er sich mit dem Lehrer an den vorgesehenen Ort und erinnere sich im Herzen an Vāsudeva, den Herrn aller.
16.29 Nach der bereits beschriebenen Ordnung lasse man den glückverheißenden Tag ausrufen. Der Handelnde und der Lehrer bleiben dort und rezitieren den acht-silbigen Mantra.
16.30 Außerhalb des Grundstücks, im Nordosten oder Osten, errichte man eine geräumige, glückverheißende Blätterhütte, die Wind und Regen standhält, ihr Besten der Weisen.
16.31 Dort bringe man auf dem Bhadrāpīṭha Blüten, Arghya-Wasser, Räucherwerk und die weiteren Gaben dar und bereite Pañcagavya mit den dafür bestimmten Mantras zu.
16.32 In einem glückverheißenden Gefäß mit einem goldenen Bild, gefüllt mit Wasser aus Flüssen und heiligen Badeorten, vergegenwärtige und verehre man Nārāyaṇa als die Gestalt der Wasser, …
Die Gefäße und die innere Vergegenwärtigung
16.33 … ausgestattet mit Gold, den vorgesehenen Heilpflanzen, Edelsteinen und Darbha-Gräsern. Dann vollende man die Anordnung mit dem Mantra-Gefäß und dem Astra-Gefäß.
16.34 Man meditiere für beide über den Sitz samt seiner Grundlage und vollziehe die Verehrung. Nachdem man den Herrn der Mantras mitsamt seinen Gliedern im Herzen vorschriftsgemäß verehrt hat, …
16.35 … bringe man ihn durch den Weg der Mond-Nāḍī auf den im Gefäß vorgestellten Sitz, mit dem Praṇava und namas. Danach bringe man die Astra-Gestalt mitsamt dem Mantra-König …
16.36 … durch den rechten Weg in das links stehende Gefäß herab: die flammende Gestalt des Herrn, welche die Ansammlungen von Hindernissen verbrennt.
16.37 Drei Mantras sind allgemein für diese Handlungen vorgesehen, ihr Zweimalgeborenen: der sechs-silbige, der acht-silbige und der zwölf-silbige.
16.38 Als Waffe ist der tausendspeichige Herr der Waffen zu verstehen. Der Eingeweihte verwende das, was er von seinem wohlwollenden Guru empfangen hat.
16.39 Dieses Astra ordne man als zugehöriges Glied zu; es ist die besondere, glückverheißende Form. Den Herrn samt seinen Gliedern verehre man mit den Gaben bis hin zur Mātrā-Darbringung, …
16.40 … mit geeigneten Hymnen, Yajus-Formeln und Sāman-Gesängen, die dem jeweiligen Anlass entsprechen und den Herrn über alles zum Ausdruck bringen. Danach vollziehe man das Feueropfer.
16.41 Mit Sesam und unversehrten Reiskörnern bringe der Lehrer tausend oder hundert Opfergaben dar, abgeschlossen durch die volle Schlussgabe. Dies geschehe in einer Feuergrube, die durch Mantra, Astra und die Weihe der Richtungen gereinigt ist.

Das Feueropfer und die Handwerker
16.42 Auf sandbedeckten Plätzen, beginnend im Osten, setze man vier geschmückte Mantrakenner ein, die der vierfachen göttlichen Gestalt zugeordnet sind.
16.43 Die vier vedischen Überlieferungen, beginnend mit dem Ṛgveda, ordne man vom Nordosten bis zum Nordwesten zu. Bei der rituellen Übernahme des Grundstücks sind sie mit höchster Hingabe für das Feueropfer einzusetzen.
16.44 Mit den Mantras, die sich auf die Erde beziehen, opfere man reichlich geklärte Butter und weitere Gaben, ebenso mit den vier zur vierfachen göttlichen Gestalt gehörenden Mantras, denen die vorgeschriebene Formel vorangeht. [Die Bezeichnung dieser vorangestellten Formel ist textlich unklar.]
16.45 Weitere Brahmanen sollen opfern und dabei an Hari, den Herrn über alles, denken. An jeder der vier Ecken bestelle man einen Aufseher.
16.46 Für das Opfer in allen Feuergruben sollen die Beteiligten ihren Leib durch Mantra-Nyāsa weihen. Man rufe reine, beherrschte und geschickte Fachleute herbei, die sich gründlich mit der Baulehre befasst haben, …
16.47 … Angehörige der Viśvakarman-Tradition, lasse sie vorne Platz nehmen und besprenge sie mit Pañcagavya und den weiteren vorgesehenen Mitteln. Sie sollen weiße Gewänder tragen, …
16.48 … mit Kränzen, Sandel, schönen Turbanen und Fingerringen geschmückt sein. Man schaue sie weihend an und reinige sie rituell. Dann nehme man die mit dem zugehörigen kleinen Gefäß versehene …
16.49 … feste Baumwollschnur, weihe sie mit dem Sahasrāra-Mantra und übergebe sie den Baumeistern zusammen mit einem Messstab.
16.50 Man streue Saatkörner aus, die mit Pañcagavya besprengt und mit dem Sahasrāra-Mantra geweiht wurden, gemischt mit Puffreis und weißem Senf.
16.51 Während man den Astra-Mantra samt dem Cakra-Mantra rezitiert, umrunde man das Gelände dreimal im Uhrzeigersinn, vom östlichen Ausgangspunkt bis zurück zu diesem, begleitet von glückverheißendem Glockenklang.
16.52 Dann bestimme man die Maße des Grundstücks mit dem gewählten Ellenmaß: nach dem Schüler, dem Lehrer, dem Auftraggeber oder einem Angehörigen der Viśvakarman-Tradition.
16.53 Von der Nordostecke aus spanne man die Schnur in die vier Richtungen. Mit Pflöcken aus Opferholz befestige man die acht Richtungen unter Verwendung des Herz-Mantras.
Die Gabe an die Wesen
16.54 Dann bringe der Kundige im Uhrzeigersinn die Bali-Gabe für die Wesen dar: Sesammehl, Kurkumapulver, geklärte Butter, Dickmilch und Getreidemehl.
16.55 Diese Mischung heißt Bhūtakūra; mit ihr bringe man den Wesen die Gabe dar. Dabei spreche man: „Welche Wesen oder Rākṣasas sich auch immer hier aufhalten, …
16.56 … sie alle mögen heute fortgehen. Diesen Platz möchte ich dem Hari bereiten.“ Dann widme man sich den aus Holz gefertigten und mit Schilf, Rohr, Ranken, Lederstreifen und ähnlichem gebundenen Geräten, …
16.57 … die zum Aufnehmen heller Erde geeignet sind, und den scharfen Grabwerkzeugen, den Hacken. [Die Formangabe am Versanfang und die anschließende Wendung sind nicht sicher verständlich.]
16.58 Auch die festen, aus Opferholz gefertigten „Elefantenfüße“ genannten Stampfer verehre man. Im mittleren Brahma-Feld des Grundstücks stehend und in die gewählte Richtung blickend, …
Die Erde in der Meditation
16.59 … erinnere man sich mit dem zwölf-silbigen Mantra an den göttlichen Herrn, den Hervorbringer der Wesen. Man vergegenwärtige sich die körperlich-stoffliche, die göttliche und die innere geistige Ebene.
16.60 Dabei stelle man sich die Erde mit ihren sieben Kontinenten, den Meeren und den weiteren Bereichen vor, mit den sieben Unterwelten und den Menschen sowie den anderen Wesen, …
16.61 … umgeben von den allgegenwärtigen Kräften, die im heiligen Klang gründen. Mit dem Laut la samt Bindu, verbunden mit dem Brahma-Bīja, …
16.62 … vergegenwärtige man sich dies selbst in gesammelter Erkenntnis. Nachdem man die stoffliche Ebene meditiert hat, erinnere man sich an die göttliche Ebene: …
16.63 … an die Wirkmacht des göttlichen Vishnu, des Herrn über alles, und an seine höchste innere Gestalt, die erhabene Varāha-Form Viṣṇus.
16.64 Damit ist die allgemeine Meditation bei der Übernahme des Grundstücks erklärt. Darüber hinaus vergegenwärtige man sich die besondere Form, die zum jeweiligen Heiligtum gehört.
Drei Ebenen aus der Quelle selbst: Der Boden wird als stoffliche Erde, in seiner göttlichen Bedeutung und in seiner inneren geistigen Dimension betrachtet. Die Meditation über Varāha stellt ihn unter die tragende Kraft Vishnus. Eine Gleichsetzung mit einem beliebigen modernen Energiemodell wird daraus nicht abgeleitet.
16.65 Im quadratischen Heiligtum meditiere man über die offenbarte Entfaltung der vier göttlichen Gestalten. Im länglich-rechteckigen meditiere man über die göttliche, Vidyāgama genannte Form.
16.66 Im runden Heiligtum vergegenwärtige man sich das Cakra in seiner ruhenden und hervortretenden Gestalt, mit eingezogenen Gliedern. Im länglich-runden meditiere man über den Gott, der auf Ananta ruht.
16.67 [Die erste Vershälfte ist textlich schwierig.] Man vergegenwärtige sich die makellose Lagerstätte und den aus Viṣṇus Nabel hervorgegangenen Lotus in seinem Bezug zu den acht Richtungen …
16.68 … im achteckigen Heiligtum als die Behausung der Erde. Nachdem man so immer wieder mit dem zwölf-silbigen Mantra meditiert hat, …
16.69 … sichere man die Gegenwart durch den sechs-silbigen Mantra und forme die Mudrā. Durch gesammelte Meditation vergegenwärtige man Acyuta, bis seine Gegenwart im Gefäß gefestigt ist.
16.70 Dann verehre man ihn mit dem acht-silbigen Mantra und den bereits beschriebenen besonderen Gaben. Gemeinsam mit den Brahmanen bringe man selbst nochmals die volle Schlussgabe ins Feuer.
Der Boden und seine Vorbereitung
16.71 Wenn das Gelände so zum geweihten Bauplatz geworden ist, vollziehe man zur Vollendung aller vorbereitenden Handlungen an einem weiteren sehr günstigen Tag die Errichtung der Fundamente beziehungsweise Stützen.
16.72 Dann setze man die geschickten Arbeiter der Reihe nach für ihre Aufgaben ein. Man versorge sie mit Essen, Trinken und den weiteren Bedürfnissen, damit sie zufrieden sind.
Versorgung ist Teil der Vorbereitung: Der Text fordert ausdrücklich Essen, Trinken und das Wohlergehen der Arbeiter. Die Heiligkeit des Vorhabens und die Fürsorge für die Beteiligten gehören hier zusammen.
16.73 Ist das Grundstück so übernommen, von störenden Einschlüssen befreit und geglättet, so bedarf die junge, noch steinige Erde, die Wohlstand und Land schenkt, …
16.74 … einer gewissen, eigens vorgenommenen Reinigung. [Die anschließende Wortverbindung und die Abgrenzung gegenüber einem Gelände mit seit Langem gewachsenen großen Bäumen sind textlich nicht sicher verständlich.]
16.75 … und von deren dicht gewachsenen Wurzeln durchzogenen Boden. Auch bei ihm ist zu prüfen, in welchem Sinn er als unberührt gilt; entsprechend ist die noch vorzunehmende Reinigung zu verstehen. [Der Wortlaut bleibt teilweise unsicher.]
16.76 Von einem Flusslauf verlassenes Gelände sowie ein ehemaliger Stadt- oder Dorfplatz bedürfen einer umfassenden Reinigung, weil dieser Boden vielfach genutzt wurde.
16.77 Man grabe und entferne das vorhandene Material, bis man auf gute, helle, steinfreie und geschmeidige Erde trifft; oder man grabe bis zum Wasser.
16.78 Wenn Wasser sichtbar wird, verehre man es und bringe dem Herrn der Wasserwesen Gaben dar, zusammen mit den Nāga-Herren und der dort vergegenwärtigten Gemeinschaft der Götter.
16.79 Zur Befestigung fülle man die Grube mit Steinen und Erde. Die Zwischenräume beziehungsweise einzelnen Schichten fülle man mit der geeigneten geschmeidigen Erde aus. [Die genaue bautechnische Gliederung ist nicht eindeutig.]
16.80 Man stampfe den Boden wiederholt fest und befeuchte ihn mit Wasser. Nachdem man ihn eingeebnet und bestrichen hat, lasse man dort eine Herde von Rindern verweilen, …
16.81 … mit jungen Kälbern und kräftigen Stieren. Man stelle Wasser, Reis und reichlich Gras bereit.
16.82 Man verteile dort Wasser; nachdem die Tiere Kuhdung und die weiteren Ausscheidungen hinterlassen haben, führe man sie nach drei Tagen fort. Den Boden reinige man erneut …
16.83 … am vierten Tag und wende ihn mit Pflügen um. Danach berühre man die gesamte Fläche mit einem brennenden Holz. [Die Gegenstandsbezeichnung ist im Druck verkürzt beziehungsweise beschädigt.]
16.84 Danach nehme man Gold-, Kupfer- und Silberstaub sowie Pulver von Edelsteinen, verbunden mit Duftstoffen, Kränzen, Feldfrüchten, Reis und Früchten, …
16.85 … mit schönen Blüten, unversehrten Reiskörnern, Puffreis, weißem Senf und Sesam. Diese glückverheißende Mischung verteile man mit Pañcagavya über den ganzen Boden.
16.86 Ob zuvor ausgegraben wurde oder nicht: Durch diese Handlung erlangt der Boden nach der Lehre unmittelbar rituelle Reinheit. Daher soll man sie an jedem vorgesehenen Ort sorgfältig vollziehen.
16.87 Dann ebne man die Erde ein, bestreiche sie mit Kuhdung und verehre sie nach der Vorschrift. Anschließend bestimme man die Himmelsrichtungen.
16.88 Man führe das Aufstellen des Messpflocks und die weiteren Vermessungsschritte nach der Lehre aus und beginne dann, das Heiligtum nach der angegebenen Ordnung zu errichten.
Rituelle Reinheit im historischen Zusammenhang: Die Verfahren mit Kuhprodukten, Feuer und Bodeneinlagen gehören zur überlieferten Tempelliturgie. Ihre Wirkungsangaben sind religiöse Aussagen. Dieser Abschnitt ist keine heutige Bau- oder Hygieneanleitung.
Das vorläufige Heiligtum
16.89 Um beim Beginn des Tempelbaus jene Wesen zu besänftigen, die Hindernisse verursachen könnten – Bhūtas, Dānavas, Yakṣas und Rākṣasas –, …
16.90 … weihe man den Gott der Götter zunächst in einem vorläufigen Heiligtum und verehre ihn dort mit vielfältigen Gaben, bis im eigentlichen Tempel …
16.91 … die Einsetzung des Gottes der Götter erfolgt. Dann rufe man die im vorläufigen Bild gegenwärtige Kraft in ein Gefäß und übertrage sie auf das Hauptbild.
16.92 Wenn Vishnu so im vorläufigen Heiligtum verehrt wird, verschwinden nach der Lehre alle Hindernisverursacher, ihr Besten der Weisen. Dann soll der Guru …
16.93 … an einem glückverheißenden Tag unter einem günstigen Mondgestirn und nach der Verehrung der Planetengottheiten, bei einem festen Aszendenten und einem festen Teilzeichen sowie im nördlichen Sonnenlauf … [Eine zusätzliche Zeitangabe ist textlich unsicher.]
16.94 … in der hellen Monatshälfte und bei klarem Himmel, nach der im Text auf den Fall göttlicher Waffen bezogenen Reinigung [die genaue Bedeutung ist unklar], und nachdem die Grube bis zum Wasser ausgehoben und wie zuvor beschrieben wieder aufgefüllt wurde, …
16.95 … auf einem fehlerfreien Gelände, das alle erforderlichen Merkmale aufweist, bei einem noch verbleibenden Teil der Auffüllung und auf gut bestrichener Oberfläche die nächste Handlung vornehmen.
Das erste Raster und die Weiheformeln
16.96 Wenn das Gelände wie zuvor durch Schnüre nach allen Richtungen in 64 Felder eingeteilt ist, soll der Lehrer gebadet haben, weiße Gewänder und einen Kranz tragen, Nyāsa vollzogen haben und ganz friedvollen Geistes sein.
16.97 Mit allen benötigten Hilfsmitteln ausgestattet und von Schülern und Helfern begleitet, nehme er das glückverheißende Gefäß auf und meditiere im Herzen über Acyuta.
16.98 Zusammen mit Ekāyana-Brahmanen, die der wahren Āgama-Überlieferung ergeben sind, sowie den in Ṛg- und Yajurveda kundigen Brahmanen …
16.99 … betrete er den Bauplatz des Heiligtums und stelle das Gefäß in seine Mitte. Er vollziehe die weihende Betrachtung des Bodens, das rituelle Anschlagen und das Besprengen.
16.100 Er benetze den Boden mit Pañcagavya und mit Astra-Wasser. Die ersten vier Mantras, vom Oṃkāra bis zur Pāvitra-Formel, …
16.101 … sowie die glückverheißende Puṇyāha-Rezitation lasse er von den entsprechend vorbereiteten Brahmanen sprechen; die Ṛgveda-Rezitierenden tragen das Śākuna-Sūkta vor, die Yajurveda-Kundigen das mit bhadra bezeichnete Stück.
16.102 Die Sāmaveda-Kundigen singen das mit iḍāmaya bezeichnete Sāman, die Atharvaveda-Kundigen die passenden Friedensformeln. Beginnend an der Nordostecke, in den Reihen nach Osten und den weiteren Richtungen, …
16.103 … verehre man in jedem Feld die betreffende Gottheit mit ihrem eigenen Namen, verbunden mit dem zwölf-silbigen Mantra, der Grußformel und dem Praṇava. [Einzelne Formen des überlieferten Satzes sind beschädigt.]
16.104 Der Vāstupuruṣa ist mit den vorgesehenen Formeln zu verehren. Danach bringe man im Feuer eine sattvige Gabe dar. [Die genaue Bezeichnung der Formeln ist nicht sicher lesbar.]
Zu den offenen Lesarten: Mehrere technische Ausdrücke und Namen sind in den vorhandenen Drucken beschädigt. Eckige Klammern kennzeichnen solche Stellen in der Übersetzung. Aus ihnen werden keine vermeintlich sicheren Mantraformeln oder Baupläne abgeleitet.
Das Raster mit 81 Feldern
16.105 Oder hört eine weitere Verfahrensweise, ihr Besten der Weisen: Man teile die Fläche in jeder Richtung in neun gleiche Abschnitte …
16.106 … und zeichne den Boden der Opferhalle mit weiß gekalkten Schnüren so ab, dass ein Feld aus 81 Teilflächen entsteht.
16.107 In jeder Teilfläche zeichne man innerhalb ihres Viertelmaßes einen Lotus mit acht Blütenblättern, einer Mitte und Staubfäden.
16.108 An den äußeren Eckfeldern im Südosten, Südwesten und Nordwesten betreffen die weiteren Angaben eine Gruppe von vier Lotusdarstellungen. [Die letzte Bestimmung ist textlich unklar; eine Ergänzung wird nicht vorgenommen.]
16.109 Beginnend mit dem Lotus im Nordostfeld, verehre man auf den Lotusdarstellungen der äußeren Reihen nacheinander die Götter, Asuras und Seher.
16.110 In der Mitte des Lotus im Feld des Stierträgers verehre man Brahma. Īśvara, Tapana, Diti und Aditi …
16.111 … ordne man, beginnend mit dem östlichen Blütenblatt, ringsherum an. Nachdem man so auf diesem Feldlotus die fünf Gestalten verehrt hat, …
16.112 … verehre man anschließend die Gruppe von sieben Göttern, der Reihe nach in den Mitten der Lotusdarstellungen auf den sieben folgenden Feldern.
16.113 Die überlieferte Namensreihe nennt Vālyākhya, Āpavatsa, Jayendra, Samarīyaka, Ravi sowie Satya und Ātma. Danach verehre man auf dem Lotus des südlichen Feldes … [Mehrere Namensformen dieser Reihe sind unsicher.]
16.114 … wiederum Pitāmaha in der Mitte, auf dem östlichen Blütenblatt die dort genannte Gestalt und in den übrigen Richtungen Gagana, Vibhu und Pūṣan. [Der Name für das östliche Blatt und die Kasusformen sind beschädigt.]
16.115 So verehre man auf den Eckfeldern die vier auf den Blütenblättern befindlichen Gestalten und auf den Lotusdarstellungen bis zur Südwestecke die folgende Siebenergruppe:
16.116 Savitrākhya, Sāvitra, Sasainya, Gṛhakṣama, Vivasvān, Dharmadeva und der Herr der Gandharvas.
Weitere Gottheiten der äußeren Felder
16.117 Im Feld der Südwestecke verehre man wiederum Brahmā in der Mitte. Auf den Blütenblättern folgen Bhujākhya, Bhujarāj, der Herr der Ahnen …
16.118 … und der göttliche Torhüter: diese vier, beginnend mit dem östlichen Blatt. Danach ordne man auf den achtblättrigen Lotusdarstellungen nacheinander eine weitere Siebenergruppe von Gottheiten an:
16.119 Man setze sie in die jeweiligen Mitten bis hin zum Feld des Windgottes: Indraśreṣṭhapada, Sugrīva, Kusumadvija, …
16.120 … Mitra, Varuṇa und der Herr der Asuras. Im mittleren Bereich des Lotus im Nordwestfeld vergegenwärtige man Prajāpati. [Die als Siebenergruppe angekündigte Liste ist in dieser Überlieferungsform nicht eindeutig in sieben Namen aufzulösen.]
16.121 Auf den Blütenblättern, beginnend im Osten, folgen Śoṣa, Dharma, der mit Yanmayādhipati bezeichnete Herr und danach der Nāga-König. [Eine Namensform ist unsicher.]
16.122 Dann verehre man wie zuvor die folgende Siebenergruppe: Pūvākhya, Rudradāsa, Mukha, Mallaka, Somaka …
16.123 … Dharādhara und die als Mat bezeichnete Gestalt. Nachdem man diese Gottheitengruppe verehrt hat, verehre man anschließend auf jedem einzelnen Lotus … [Auch diese Namensreihe ist teilweise beschädigt.]
16.124 … den Herrn des Baugrundes mit seinem eigenen Namen, inmitten der Blütenblätter. Bei den Lotusdarstellungen in den Ecken verehre man ihn an den Spitzen der Staubfäden.
16.125 Die Anrufung besteht aus dem Praṇava, vāstunāthāya und dem abschließenden namaḥ. So verehre man ihn nach der Ordnung mit Blüten, Räucherwerk und den weiteren Gaben.
16.126 In der Mitte bringe man Dickmilch, Milch und Wasser sowie Früchte und Wurzeln dar. So erfolge zunächst die Verehrung im äußeren Umfassungsring. [Die abschließende Bezeichnung in der zweiten Vershälfte ist unklar.]
Die inneren Ringe und die Laute
16.127 Dann gehe man, wiederum von der Nordostecke aus, zu den weiter innen liegenden Feldlotussen über, bis zum mittleren Feldlotus, und ordne zunächst nach der Folge der Laute an, …
16.128 … nach den einzelnen Mātṛkā-Lauten, beginnend mit a und bis zum Laut ba. Danach verehre man auf den Lotusblättern …
16.129 … die Gottheitengruppe in derselben Reihenfolge. Hört nun die Namen für den zweiten, weiter innen liegenden Umfassungsring:
16.130 Dhātṛ, Yātṛ, Dhruva, Kāla, Kāma, Kartṛ, Jayantaka, Jīva, Prāṇa, Tara, Yakṣa, Ravi, Mṛga und Yāmyaka, …
16.131 … Lokanātha, Vidhātṛ, Bhṛgu, Sraṣṭṛ, Niyāmaka, Manojava, Kalyāṇa, Parjanya und Draviṇa, …
16.132 … Sraṣṭāra und Viśvakarman: Diese 24 Gottheiten sind im inneren Ring zu verehren, ihr Besten der Weisen. [Die überlieferten Namensformen bleiben gewahrt.]
16.133 Innerhalb dieses Rings, im dritten Umfassungsring, verehre man anschließend die folgende Gruppe von 16 Gottheiten der Reihe nach:
16.134 die Meere, die Mütter, die Kontinente, die Monate, die Mondgestirne und Sterne, die Viśvedeva-Götter, die Apsaras, die Manus und die Ṛṣis, …
16.135 … die Vasus, die Maruts, die Siddhas, die Nāgas, die Sādhyas und die Planetengottheiten. Im vierten Umfassungsring setze man die Weltenhüter ein, beginnend mit Indra.
16.136 Auf den jeweiligen Lotusfeldern ordne man sie inmitten der Blütenblätter bis hin zur Nordostrichtung an. Auf dem mittleren Lotus verehre man den auf einem Lotus befindlichen Herrn als Viśvarūpa, die Allgestalt.
16.137 Diese ganze Gemeinschaft der Gottheiten, mitsamt ihren Reittieren, Waffen und Begleitern, hat ihren Platz im Leib des großen göttlichen Selbstes in seiner gegliederten Gestalt.
Der Tempel als gegliederte Gegenwart: Das Kapitel erklärt ausdrücklich, dass Gottheiten, Reittiere, Waffen und Begleiter ihren Platz im Leib der göttlichen Allgestalt haben. Die räumliche Ordnung dient der Vergegenwärtigung dieser Zusammengehörigkeit.
Die Vorbereitung der Bekrönungsgefäße
16.138 Jede Gottheit verehre man einzeln mit dem Praṇava, ihrem eigenen Namen und der Grußformel; ebenso jeden der hier zugeordneten Laute.
16.139 Nachdem man die Gottheiten so verehrt hat, bringe man ihnen wie zuvor die Gaben im Feuer dar. Hört nun aufmerksam, wie die Weihe der Kumbhas, der Bekrönungsgefäße, vorzunehmen ist.
16.140 Wie zuvor schmücke man das Gelände mit Torbögen und den weiteren Zierformen. Vor dem gereinigten Eingang des Heiligtums, außerhalb seiner Grundfläche, …
16.141 … bereite man ein vorzügliches Maṇḍala mit den bereits genannten Geräten vor. Die Fläche inmitten der acht Feuergruben soll acht Hasta messen.
16.142 Die Feuergruben mitsamt ihren Rändern sollen zwei Hasta messen und die zuvor beschriebenen Merkmale haben. Der umlaufende Weg sei drei Hasta breit; so ergibt sich ein Gesamtmaß von 18 Hasta. [Die abschließende Bezeichnung ist im Druck unregelmäßig.]
16.143 Wie zuvor lege man an jeder Feuergrube die Geräte bereit. Nördlich vom eigenen Platz richte man auf ebenem Boden eine weitere Feuergrube ein.
16.144 Im Süden vergegenwärtige man den göttlichen Herrn wie zuvor auf der erhöhten Fläche über dem Sthaṇḍila und verehre ihn in der vorgesehenen Reihenfolge.
16.145 Nachdem man die Gaben nach den eigenen Möglichkeiten dargebracht hat, entnehme man Feuer und übertrage es in die wie zuvor geweihten Feuergruben der Hauptrichtungen.
16.146 Ebenso verfahre man mit den Feuergruben der Zwischenrichtungen und verehre sie der Reihe nach. Dann setze man nach der Ordnung des Hervorgehens in den vier Hauptrichtungen …
16.147 … vier Ekāyana-Brahmanen ein, die mit den Namen Vāsudeva und der weiteren Vyūhas bezeichnet werden. Man unterweise sie über ihre Aufgaben; mit ihren jeweils zugehörigen Formeln vollziehen sie zahlreiche …
16.148 … Feueropfer mit geklärter Butter, Sesam und Reis bis zum Abschluss der Handlung. In der Ordnung der Rücknahme, beginnend im Nordwesten und bis zum Nordosten, …
16.149 … setze man nach ihrer vorbereitenden Weihe vier weitere Brahmanen ein, die dem Ṛgveda und den übrigen Veden zugeordnet sind. Auch sie sollen mit den auf Acyuta bezogenen und den reinigenden Formeln ihrer jeweiligen Überlieferung …
16.150 … das Feueropfer vorschriftsgemäß und mit einem von Hingabe erfüllten Geist vollziehen. Dann begebe man sich mit weiteren Brahmanen in die Nordostecke.
Die Materialien und die Steinplatten
16.151 Dort stelle man die zuvor beschriebenen Mittel für die Waschung bereit, beginnend mit den fünf Kuhprodukten, jedes in einem eigenen Gefäß.
16.152 Nachdem man sie mit Arghya und den weiteren Gaben verehrt und mit dem zwölf-silbigen Mantra geweiht hat, bringe man die bereits vorbereiteten Kumbhas samt ihren Steinplatten herbei.
16.153 Es sollen neun sein, aus hochwertigem Metall oder aus Stein. Sind solche nicht verfügbar, verwende man gleichmäßige, gut gebrannte und feste Tongefäße.
16.154 Sie sollen zwölf Aṅgula breit und ebenso hoch sein; bei entsprechenden Mitteln dürfen sie das doppelte Maß haben. Für Könige werden goldene empfohlen.
16.155 Man beschaffe ebenso viele quadratische Steinplatten, jeweils zwölf Aṅgula breit und ein Viertel davon dick.
16.156 Die Kumbhas stelle man nach der beschriebenen Ordnung auf. Als weitere Form wird ein muschelförmiger Kumbha genannt; sein Hals soll drei Aṅgula hoch sein.
16.157 Die Breite betrage das Doppelte davon, die Höhlung acht Aṅgula. Alternativ wird eine große, ganz weiße Muschel ohne seitliche Vorsprünge genannt.
16.158 Ihre Spitze sei nach Vorschrift entfernt, das Innere gereinigt und mit unversehrten Reiskörnern versehen. So salbe und weihe man die Gefäße innen und außen vorbereitend, …
16.159 … mit Früchten, Gold und den weiteren kostbaren Stoffen, Edelsteinen, den vorgesehenen Heilpflanzen, Düften, Samen, Getreide, Korallen und Perlen.
16.160 Man schmücke sie mit den vorgesehenen Stoffbändern, Gewändern, Schmuckstücken und schönen, glückverheißenden Kränzen. Bei jedem einzelnen vollziehe man mit dem zwölf-silbigen Mantra …
16.161 … den Nyāsa zur Vollendung der göttlichen Gestalt, mit den Praṇavas der Gestalten, deren Wesen Sein und Bewusstsein ist. Danach verehre man sie mit den vielfältigen Gaben, angefangen bei Arghya bis hin zur Bali-Gabe.
16.162 Nachdem dies auch an den Steinplatten vollzogen ist, bringe man die Gefäße in die Nähe der Feuergruben und stelle die Kumbhas mitsamt ihren Platten auf die vorbereiteten Unterlagen.
Das Licht und die göttlichen Kräfte
16.163 Anschließend weihe man die tragende Grundplatte dort oder außerhalb der Halle auf dieselbe Weise. Mit dem Praṇava meditiere man über sie …
16.164 … als leuchtend wie die Sonnenscheibe, von tausend Strahlen erfüllt. Dann verehre man die Mantragestalt und bringe hundert Opfergaben dar.
16.165 Der Kenner der Brahman-Wirklichkeit stelle den Kumbha in die Mitte und vergegenwärtige darin den alldurchdringenden Herrn samt seinen Gliedern und seinem Gefolge, der sämtliche Kräfte in sich birgt.
16.166 Darüber und zu den Seiten ordne man die Kräfte an, beginnend mit Vāc, der Sprache, verbunden mit den vorgesehenen rituellen Gestalten. Ihrem wahren Wesen nach sind sie von ihm nicht getrennt. [Ein Teil der Zuordnungsangabe ist textlich schwierig.]
16.167 Dort lasse man die Brahmanen den Ātmavyūha, den Mantra-König, sowie den Ātmānuvāda rezitieren, mit dem Praṇava am Anfang und am Ende.
16.168 Nachdem man ihn nach der Ordnung verehrt und ihm die Gaben dargebracht hat, setze man in die Kumbhas der Hauptrichtungen Vāsudeva und die weiteren Vyūhas ein.
16.169 In die Kumbhas der Zwischenrichtungen setze man wie zuvor Aniruddha und die weiteren Gestalten ein. Man lasse die vier Benennungsmantras der vierfachen göttlichen Gestalt rezitieren, …
16.170 … in der Ordnung des Hervorgehens und der Rücknahme. Dann lasse man die Ṛgveda-Kundigen voller Hingabe das Puruṣasūkta vortragen, die anderen die mit yuñjate bezeichnete Yajus-Formel.
16.171 Die ganz auf den göttlichen Herrn ausgerichteten Sāman-Kundigen singen das Rathantara-Sāman; danach werde die Atharvaveda-Formel mit dem Anfang sahasraśirasam rezitiert.
Die vereinfachte Ausführung
16.172 Oder alle genannten Zuordnungen werden in einem einzigen Kumbha vorgenommen, ihr Besten der Weisen. Entsprechend wird das Feueropfer in der mittleren Feuergrube vollzogen.
16.173 Dabei lasse man jedoch die Mantras in der festgelegten Reihenfolge rezitieren. Nachdem man so das Sampāta-Feueropfer bis zur vollen Schlussgabe ausgeführt hat, …
16.174 … verehre man die höchste Gemeinschaft der großen Kräfte, deren Wesen göttliche Wirkmacht ist und die ungeteilt in den Mantragestalten und den weiteren Erscheinungsformen gegenwärtig ist.
16.175 Auf den Steinplatten verehre man sie mit ihren eigenen Namen und dem Praṇava. Die Namensreihe nennt Jñānabhāsā, Nivasati, Nandabalā und Prabhā, …
16.176 … Sarvagā, Brahmavadanā, Dyotakī, Satyavikramā und Sampūrṇā: So werden die Kräfte bezeichnet, welche die Welt tragen. [Die Trennung und Lesung einzelner Namen ist unsicher.]
16.177 Die Steinplatte, welche den Kumbha trägt, erkenne als die allgegenwärtige, ungeteilte Kraft des höchsten Herrn, als gemeinsame Grundlage der göttlichen Wirkmächte.

16.178 Man bringe mit dem Mūlamantra und dem Śikhā-Mantra Puffreis und Sesam dar. Auch die Ekāyana-Kundigen opfern mit der durch „ajasya nābhāv adhyekam“ bezeichneten Formel.
16.179 In demselben Sinn ist bei den tönernen Kumbhas zu opfern. Die weiteren Beteiligten verwenden die mit vāgmīya bezeichnete Rezitation und Gāyatrī-Formeln. [Die genaue Zuordnung bleibt unsicher.]
16.180 Die Brahmanen sollen das Feueropfer sorgfältig mit Formeln vollziehen, welche seine allumfassende Gegenwart bezeichnen. Nachdem der Lehrer selbst die volle Schlussgabe dargebracht hat, verehre er erneut den auf dem vorbereiteten Platz gegenwärtigen Herrn.
Die Verankerung im Tempelgrund
16.181 Er bringe den Wesen die Bali-Gabe dar, vollziehe Ācamana und begebe sich zum mittleren Brahma-Feld des Heiligtums. Dort lege er die große Steinplatte nieder.
16.182 Er vergegenwärtige den Cakra-Mantra mit dem Praṇava und der vorgesehenen Schlussformel. Dabei verehre er die sechs darin keimhaft enthaltenen Entfaltungswege, das Adhvaṣaṭka.
16.183 Nach Arghya und den weiteren Gaben verehre er die Platte mit der vollständigen Mantragruppe. In ihre Mitte stelle er das Mantra-Gefäß, zum Eingang hin ausgerichtet.
16.184 Die übrigen Gefäße setze er mit ihren jeweiligen Mantras an die vorgesehenen Plätze in den Richtungen. Dann verschließe er jedes Gefäß mit dem Stein, der seiner göttlichen Kraft zugeordnet ist.
16.185 Mit dem Astra-Mantra fülle er anschließend die Zwischenräume der Gefäße mit weicher Erde, Sand und Mörtel, damit sie fest und unbeweglich stehen.
16.186 Nachdem er sie mit den vorgesehenen Stoffbändern umhüllt hat, lasse er die Ṛgveda-Kundigen die mit ā tvā hārṣa bezeichnete Hymne und die Sāman-Kundigen das Pratiṣṭhā-Sāman rezitieren.
16.187 Die im Brahman gefestigten und innerlich gesammelten Rezitierenden sollen immer wieder den Bala-Mantra sprechen, verbunden mit dem zwölf-silbigen Mantra und abgeschlossen durch den Praṇava.
16.188 Mit dem Praṇava vergegenwärtige man, dass das Ganze zu einem einzigen Leib geworden ist: die in den Gestalten und Kräften ruhende Einheit von Name, Form und Wirken.
Name, Form und Wirken: Die verschiedenen Bestandteile werden in der Meditation als ein Leib zusammengefasst. Eine heutige Anregung kann darin liegen, die einzelnen Handlungen der eigenen Sadhana mit einer gemeinsamen inneren Ausrichtung zu verbinden.
16.189 Mit dem zwölf-silbigen Mantra und den zugehörigen, mit dem Herz-Mantra beginnenden Formeln vergegenwärtige man erneut die eigene verehrte göttliche Gestalt als Schatz allen Lichtes.
16.190 Dann lasse man die Pāñcarātra-Kundigen die mit oṃ bhagavan bezeichnete Rezitation vortragen, die Ṛgveda-Kundigen die mit arcāmi bezeichnete und die Sāman-Kenner das Arci-Sāman. [Die erste Angabe ist im Wortlaut unregelmäßig.]
Die Richtungen und das Netz der Laute
16.191 Danach setze man auf dem übernommenen Tempelgrundstück acht Steine von jeweils zwölf Aṅgula in die Haupt- und Zwischenrichtungen.
16.192 Diese Steine sollen günstige Merkmale aufweisen, gewaschen und sorgfältig verehrt sein. In ihnen verankere man der Reihe nach die Eigenschaften des Erkenntnisvermögens, beginnend mit Dharma. [Die Übersetzung setzt hier śilānām, „der Steine“, als Konjektur für das gedruckte śiṣyāṇām, „der Schüler“, voraus.]
16.193 Die mit Dharma beginnende Gruppe setze man in die Zwischenrichtungen, vom Südosten bis zum Nordosten; die mit Adharma beginnende Vierergruppe in die Hauptrichtungen, vom Osten bis zum Norden.
16.194 In die Erde zwischen den Steinen setze man der Reihe nach jeweils sechs Laute ein, beginnend mit dem ersten und bis zum letzten der vorgesehenen Lautfolge.
16.195 So gestalte man ein vom Klang-Brahman durchdrungenes Netz des Erkenntnisvermögens und verankere es als verbindenden Faden im Grund des Heiligtums.
16.196 Ebenso setze man acht Steine für die Umfassungsmauer des Vorhofs ein und verankere darin die zuvor genannten Herren der Richtungen.
16.197 Im Inneren vergegenwärtige man das Cakra wie einen wirbelnden Feuerfunken. Mit dem Laut kṣa stelle man sich den gesamten Vorhof davon durchdrungen vor. [„Feuerfunke“ setzt die ergänzende Lesung vahni anstelle des gedruckten vahi voraus.]
16.198 Darunter vergegenwärtige man die ausgedehnte Gestalt Śeṣas, darüber den Herrn des Himmelsraums. Außerhalb der Vorhofmauern setze man samt ihren Gliedern und ihrem Gefolge …
16.199 … die acht Weltenhüter ein, beginnend mit Indra im Osten bis zur Nordostecke, in entsprechend beschaffene, in den Boden eingelassene Steine.
16.200 Nachdem man sie mit ihren jeweiligen Namen verehrt hat, lasse man die Ṛgveda-Kundigen die mit krībo na vidvān bezeichnete Stelle und die Yajurveda-Kundigen die mit ye devāḥ bezeichnete Formel sprechen. [Die erste Anfangsform ist textlich unsicher.]
Die Entfaltungswege im Tempel
16.201 Die Sāman-Kundigen lasse man das Devavrata-Sāman singen. Dann betrete man das Innere, stelle sich vor die Mantragestalt und vergegenwärtige ihre Durchdringung der Entfaltungswege.
16.202 Wie aus einem Samen ein Keim hervorgeht, gelangt diese Gegenwart zur Entfaltung: vom Tragstein des Kumbha bis hin zum Sockel des Heiligtums.
16.203 Der Entfaltungsweg der Welten ist jeweils seiner Anordnung gemäß zu vergegenwärtigen. Im Zusammenhang mit der Höhe des inneren Heiligtums betrachte man den entsprechenden weiteren Entfaltungsweg. [Die genaue Zusammensetzung der zweiten Vershälfte ist beschädigt.]
16.204 Der Mantra-Adhvan reicht bis zur Śukanāsā, der Tattva-Adhvan bis zur Vedikā, der Kalā-Adhvan bis zum Halsbereich des Baus; darüber liegt der Varṇa-Adhvan, der Weg der Laute.
16.205 Nachdem man zuvor alles eingeebnet beziehungsweise vorbereitet hat, beginne man den Tempelbau. Damit das Heiligtum Festigkeit erlangt und die göttliche Gegenwart darin begründet wird, …
Garbha-Nyāsa – die Weihegabe im Baugrund
16.206 … zur Besänftigung aller Mängel und zum Gedeihen vollziehe man zuvor die vorgeschriebene Garbha-Nyāsa, die Niederlegung der Weihegabe im Baugrund, in einem gesonderten vorbereiteten Raum.
16.207 Je nach den eigenen Mitteln bereite man ein goldenes, silbernes oder kupfernes Behältnis vor, gefüllt mit Edelsteinen, Metallen, Samen, Knollen und den vorgesehenen Zeichen beziehungsweise Siegeln, …
16.208 … eine Truhe mit neun Vertiefungen und einem Deckel. Man besprenge sie mit Astra-Wasser und umwinde sie mit einer neunfachen Schnur.
16.209 Der Lehrer stelle sie auf einen Getreidehaufen und verehre sie mit dem Mūlamantra, Arghya, Düften und den weiteren Gaben. In einer Feuergrube oder auf einem Sthaṇḍila …
16.210 … verehre er den Herrn nach der Vorschrift und opfere der Reihe nach mit den sieben vorgesehenen Opferhölzern. Nach der vollen Schlussgabe soll der Ācārya, der gefastet hat, …
16.211 … weiße Gewänder und ein weißes Obergewand sowie Schmuck tragen; sein Leib sei mit Duftstoffen und Kränzen geschmückt. Nachts, bei einem sehr günstigen Aszendenten, …
16.212 … nehme er das Behältnis auf und umrunde das Gebäude im Uhrzeigersinn, begleitet von glückverheißender Vedenrezitation und Instrumentenklang.
16.213 Dann betrete er die Grundfläche des inneren Heiligtums. Rechts vom Eingang besprenge er die vorbereitete Grube ringsum mit Pañcagavya.
16.214 Dort verehre er die Erde mit dem Astra-Mantra und den weiteren Formeln. Er stelle sie sich als eine Frau nach dem Bad am Ende ihrer Monatszeit vor und vergegenwärtige sich selbst als Hari.
16.215 „Du Trägerin aller Wesen, du Geliebte, mit Bergen als deinen Brüsten geschmückt, du Göttin, deren Gewand das Meer ist: Nimm diesen Keim in dich auf.“
16.216 So spreche er und lege das Behältnis in die Grube. Er befestige es mit Mörtel und fülle die Grube ringsum mit Erde.
16.217 Drei, vier oder fünf Nächte lang soll man den Ort schützen, ihr Herren der Weisen. Diese Niederlegung der Weihegabe fördert nach der Lehre das Gedeihen des göttlichen Heiligtums.
16.218 Wird die Niederlegung der Weihegabe unterlassen, gilt dies nach der überlieferten Ritualordnung als schweres Versäumnis. Daher soll man Garbha-Nyāsa mit aller Sorgfalt vollziehen.
Zur Weihegabe im Baugrund: Das Bild der Erde als Mutter und Empfängerin eines Keims ist Teil des Rituals selbst. Die Warnung vor einer Unterlassung gehört zur damaligen Ritualordnung. Für heutige Leser kann die Passage vor allem die Haltung der Achtung vor dem Ort und die bewusste Grundlegung eines Vorhabens erschließen.
Grundmaße und günstige Zahlen
16.219 Nun werde ich die Merkmale des Heiligtums erklären, ihr Besten der Weisen. Die Maße sollen mit den passenden Hasta und Aṅgula bestimmt werden; sie können nach der vorgesehenen Geschosszahl angepasst werden. [Die genaue Anfangsbestimmung ist textlich unklar.]
16.220 Bis zu 24 Hasta wird ein Maß genannt, je nach Ausführung um eine Einheit vermindert oder vermehrt, zum guten Gelingen und zur Abwehr von Hindernissen am Gotteshaus. [Der Wortlaut ist teilweise beschädigt.]
16.221 Zunächst berechne man aus den Aṅgula beziehungsweise Hasta der Grundfläche die erforderliche Maßzahl. Man teile sie durch acht und betrachte den verbleibenden Rest.
16.222 Die Reste von eins bis acht tragen die Namen Banner, Rauch, Löwe, Hund, Rind, Esel, Elefant und Krähe. Als günstig gelten dabei …
16.223 … überall die mit eins, drei, fünf und sieben bezeichneten Werte. Bei der Bemessung einschließlich des inneren Umgangs und der zugehörigen Mauern …
16.224 … soll die Grundfläche des Gotteshauses die doppelte Breite des inneren Heiligtums haben. Für einen Tempel mit nur einer Umfassungswand wird das Maß der Grundfläche …
16.225 … aus dem angegebenen Maß des Innenraums zuzüglich eines Drittels bestimmt, nach dem geeigneten Verfahren. Auch hier prüfe man durch Verminderung oder Vermehrung, ob das günstige Āya-Maß erreicht wird.
16.226 Damit ist das Maß des Tempelgrundrisses ohne Jagatī-Plattform und die zugehörige Sockelerweiterung beschrieben. Hört nun die Bemessung mit diesen Bestandteilen.
16.227 In den vier Richtungen wird eine Erweiterung um ein Sechstel, ein Viertel oder ein Drittel angegeben. Danach ist mit drei Fünfteln des betreffenden Maßes weiterzurechnen. [Die Zuordnung der einzelnen Maße ist im überlieferten Satz nicht eindeutig.]
16.228 In der Mitte wird ein Vorsprung von einem Drittel vorgesehen. Von den Ecken aus lasse man die verbleibenden Abschnitte jeweils zurücktreten.
16.229 Die Höhe des Sockels wird nach dem Maß des inneren Heiligtums oder nach dessen Hälfte bestimmt. Die weitere Gliederung des Tempelsockels richte sich nach den dafür genannten Merkmalen. [Der Satzbau ist teilweise unregelmäßig.]
Die Höhe und der Turmaufsatz
16.230 Diese Gliederung ist in den vier Richtungen in ihren verschiedenen Formen auszuführen. Für die Höhe des Tempels wird dann, bezogen auf das Grundmaß, eine dreifache … [Die Übersetzung „dreifach“ setzt im Zusammenhang der Höhenverhältnisse die vermutete Lesart triguṇa anstelle des gedruckten trikoṇa voraus.]
16.231 … zweieinhalbfache oder doppelte Höhe zugelassen, nach Wahl. Zunächst teile man die Gesamthöhe in 22 gleiche Abschnitte.
16.232 Danach gestalte man den Masūraka genannten unteren Bauabschnitt sockelartig mit einem Teilmaß. Darüber liegt die Wandzone, deren Höhe nach dem Maß des inneren Heiligtums bestimmt wird.
16.233 Sie wird mit den dem Weltenwirken zugehörigen göttlichen Gestalten geschmückt. Oberhalb der Wandzone, mit zwei ihrer Teilmaße oder etwas weniger beziehungsweise mehr, …
16.234 … fertige man den Sockel des Turmaufsatzes mit den zuvor genannten Merkmalen. Rücksprung und Vorsprung sollen dort jeweils ein halbes Teilmaß betragen.
16.235 Der Turmaufsatz soll neun Ebenen aufweisen und sich verjüngen. Dafür nehme man zunächst eine Schnur, deren Länge seiner Höhe entspricht.
16.236 Man führe die Schnur vom angegebenen oberen Bereich der Wandzone zum Sockel des Turmaufsatzes und befestige sie dort. [Die genaue Ausgangsangabe ist textlich beschädigt.]
16.237 Außerhalb des Heiligtums führe man die Schnur vom Eckpunkt aus nach oben und markiere der Reihe nach die vorgesehenen Punkte, o Klarblickender, …
16.238 … bis zur Höhe des Turmaufsatzes, und zwar ebenso in allen vier Richtungen. Man schreite markierend von Ecke zu Ecke, ihr Herren der Weisen, …
16.239 … bis das Turmprofil einem Kumuda-Blütenblatt gleicht. So arbeite man es nach der angezeichneten Form und dem Verlauf der Schnur aus.
16.240 Zur Bestimmung der Geschosse teile man die Höhe nochmals in zehn Abschnitte. Den obersten Abschnitt nimmt die Āmalasāraka-Bekrönung ein.
16.241 Die einzelnen Geschosse entsprechen den Teilmaßen. Ihre Verkleinerung oder Vergrößerung soll nach dem hier angegebenen weiteren Teilmaß erfolgen. [Der Bruchwert und die genaue Bezugsgröße sind nicht sicher lesbar.]
16.242 Die Sockelgliederungen der Geschosse gestalte man jeweils verschieden, wie für ihren Platz vorgesehen, mit Cakra-Motiven, unterschiedlichen Lotusformen und den göttlichen Erscheinungsgestalten, …
Bekrönung und Hallen
16.243 … mit allen verkörperten göttlichen Kennzeichen und mit Darstellungen von Tanz und Gesang. Für den oberen Abschluss werden ein Neuntel und ein vorspringendes Viertelmaß genannt. [Der genaue Maßbezug ist nicht eindeutig.]
16.244 Die Bekrönung des obersten Geschosses sei kunstvoll gestaltet. Den verbleibenden Abschnitt teile man in drei; aus dem ersten gestalte man den Sockel wie zuvor in runder Form, …
16.245 … aus dem zweiten den Hals und aus dem dritten, obersten Teil den wohlproportionierten, schönen gerundeten Körper, ähnlich einer Āmalaka-Frucht.
16.246 Oder man teile die Bekrönung in neun Abschnitte und verwende vier für die Vedikā-Gliederung. Mit dem breiten Maß von drei Teilen wird die weitere Form beschrieben, mit Stütze oder freistehend, …
16.247 … halb so hoch wie der Turmaufsatz und einem Utpala-Blütenblatt ähnlich. Man errichte sie über dem Turmsockel, geschmückt mit Darstellungen göttlicher Taten.
16.248 Dann errichte man eine besonders schöne Halle mit Säulen, geschmückt mit dem König der Vögel, Garuḍa, der beim Bali-Maṇḍala seinen Platz hat.
16.249 Bei vier Eingängen sollen in den Richtungen die drei weiteren Hallen angeordnet werden. Eine Halle innerhalb der Halle kann mit drei Zugängen versehen sein. [Der genaue Bezug der beiden Anordnungen ist nicht eindeutig.]
16.250 Oder man errichte einen Bau ohne solche Halle, mit dem gewünschten Ausgang. Die Haupt- und Nebenvorsprünge werden nach dem Maß des inneren Raumes bestimmt.
16.251 Der Vorsprung werde mit einem Zehntel, einem Zwölftel oder einem Sechzehntel bemessen. Diese Glieder sind wiederum nach Art eines umlaufenden Randes auszuführen, …
16.252 … an die Seiten in den vier Richtungen angeschlossen und mit Sockelgliedern geschmückt. Auf allen vier Seiten des Turmaufsatzes führe man sie oberhalb des Sockels zum Abschluss.
16.253 Die Gruppen der Nāsikā-Ziergiebel gliedere man entsprechend den Vorsprüngen. In den mittleren Bereichen der vier Richtungen gestalte man die Eingänge gleichmäßig.
Die Tür und ihre Weihe
16.254 Die Türbreite wird aus einem Drittel, Viertel, Fünftel oder Sechstel des Innenraummaßes bestimmt. Die Höhe betrage das Doppelte; die Türrahmung kann drei, fünf oder neun Glieder haben.
16.255 Sie sei mit zwei Torwächtern oder mit Gefäß- und Elefantenstoßzahn-Motiven versehen. Ihre Einsetzung vollziehe man nach der Ordnung unter Voranstellung der Mantras.
16.256 Nachdem man den Rahmen mit dem Mūlamantra gewaschen und mit dem Herz-Mantra sowie Arghya und den weiteren Gaben verehrt hat, lege man an seinem Fuß eine Einlage aus Metallen und Edelsteinen an.
16.257 Dort verankere man den Mantra als Grundlage von allem. Mit dem Śikhā-Mantra meditiere man über die ewige Gegenwart als Erkenntnis und Wirken …
16.258 … und setze die beiden Türpfosten im Süden und Norden ein. Darüber verankere man mit dem Herz-Mantra den ursprünglichen höchsten Herrn …
16.259 … im oben liegenden Türsturz, rufe seine Gegenwart an und verehre ihn. Zwei Arten von Metall, Edelsteine, weißen Senf, Sesam, …
16.260 … Sandel und die übrigen Duftstoffe, Milch, Dickmilch, geklärte Butter, Honig, Reis, die vorgesehenen Samen und Heilpflanzen sowie Korallen …
16.261 … setze man mit dem Augen-Mantra an den entsprechenden Augenstellen oberhalb der Tür ein. [Die Ausführung] sei kurz für weltliches Wohlergehen und nicht kurz für die Erlangung von Befreiung. [Auf welche Ausdehnung sich diese Angabe genau bezieht, bleibt offen.]
16.262 Darüber verankere man Dharma in seiner vollständigen, vierfüßigen Gestalt. Dann lasse man die Ṛgveda-Kundigen die mit catvāri śṛṅgā bezeichnete Hymne rezitieren.
16.263 Nach der Folge der zugehörigen Feueropfer bringe man die volle Schlussgabe mit dem Mūlamantra dar. Dieser Ritus kann vor oder nach der Einsetzung des Bildes vollzogen werden.
Ergänzendes Video zur spirituellen Praxis; kein Bestandteil der Samhita.
Die Tempelanlagen
16.264 Diese Anordnung richtet sich nach den Erfordernissen des Heiligtums des alldurchdringenden Herrn. Der Tempel namens Anantabhuvana, „Welt des Unendlichen“, gilt als Spender aller erwünschten Güter und der Befreiung.
16.265 So erkenne vier Grundformen des Tempels, entsprechend den Sockelformen. Durch Unterschiede in Gestaltung und Anordnung ergeben sich zahlreiche weitere Ausführungen.
16.266 Der Bau sei mit dem König der Vögel, mit Löwen und mit Gefäßen geschmückt, welche die Schatzfülle verkörpern, sowie mit Stufenreihen, die Muschel- und Lotuszeichen tragen.
16.267 Diese Gestaltung richtet sich nach den Eingängen und dem Sockel. Entsprechend wird auch die Breite der Vorsprünge in den einzelnen Richtungen bestimmt.
16.268 Für den Innenraum und die Jagatī-Plattform wird ein halbes Grundmaß genannt. Bei einem Bau mit Plattform ist dessen Maß in allen Richtungen zu berücksichtigen. [Die genaue Maßverknüpfung ist textlich schwierig.]
16.269 Die einzelnen Bauglieder sind unter Berücksichtigung ihrer Teilmaße zu gestalten. Zuvor muss die Anordnung der Heiligtümer im Vorhof feststehen. [Die erste Vershälfte ist nicht sicher verständlich.]
16.270 Eine Anlage mit dem Hauptheiligtum und drei in den Richtungen angeordneten weiteren Heiligtümern heißt Caturāyatana, Anlage aus vier Heiligtümern. Mit dem Hauptheiligtum und den in den vier Ecken gelegenen Bauten heißt sie Pañcāyatana.
16.271 Durch drei weitere in den Richtungen gelegene Heiligtümer entsteht eine Achteranlage. Werden ohne einen mittleren Bau jeweils zwei in den Richtungen angeordnet, …
16.272 … ergibt sich ebenfalls eine Achteranlage; mit dem mittleren Heiligtum werden es neun. Durch zwei zusätzliche Heiligtümer an der Westseite …
16.273 … wird die Zwölferanlage beschrieben; mit einem in der Mitte gelegenen Heiligtum erhält sie eine entsprechend erhöhte Zahl. Darüber hinausgehende Formen heißen Ananta, „unbegrenzt“. [Die überlieferte Zählfolge ist nicht lückenlos nachvollziehbar.]
16.274 Zwei Heiligtümer im Bereich der Eingangstore richte man einander gegenüber aus. Die in den drei übrigen Richtungen befindlichen Bauten sollen dem Hauptheiligtum zugewandt sein.
16.275 Die in den Ecken stehenden Heiligtümer werden jeweils paarweise aufeinander ausgerichtet. Zwei nach Wahl können mit abgewandter Front gestaltet werden. [Die letzte Form des Verses ist unregelmäßig.]
16.276 Zwei Eckheiligtümer können schräg zueinander stehen. In einer Ananta-Anlage dürfen die Eingänge der Heiligtümer, ihr Herren der Weisen, …
16.277 … ohne Bedenken in den gewünschten Richtungen liegen. Dabei gilt zwischen ihnen nicht der sonst zu beachtende gegenseitige Vedha-Mangel, eine ungünstige Überschneidung ihrer Ausrichtungen.
16.278 Denn sie sind als Glieder dem Hauptheiligtum zugeordnet. Für die Anlage im Vorhof werden halbe, drittel- und viertelgroße Maße genannt.
16.279 Höhe und Breite des Paraṇḍaka genannten Bauteils sollen aufeinander abgestimmt sein. Man gestalte es sockelartig oder mit einer Bekrönung. [Einzelne Maß- und Formangaben sind unsicher.]
16.280 Es sei mit den zugehörigen Ziergliedern und den Begleitern verschiedener Gottheiten versehen. Dies sind die Merkmale einer Anlage mit einem einzelnen Heiligtum, ihr Herren der Weisen.
16.281 Sie kann mit einem kleinen Paraṇḍaka oder mit einem für sich stehenden Paraṇḍaka verbunden sein. Ebenso sind Anlagen von zwei bis zwölf Heiligtümern möglich, …
16.282 … deren Bauten in eine gemeinsame Richtung blicken, bei quadratischen, länglichen, achteckigen oder länglich-runden Tempelformen mit den beschriebenen Merkmalen.
16.283 Denn bei Heiligtümern und besonders bei ihren Vorhöfen sowie bei den quadratischen und sonstigen Sockelformen, ihr Herren der Weisen, …
16.284 … ist eine gegenseitige Abstimmung sinnvoll. Eine Erweiterung richtet sich nach dem verfügbaren Grundstück und nach der zu verehrenden Bildgestalt.
Die religiösen Früchte
16.285 Auch die jeweils erstrebten Früchte und die Schönheit bestimmen die Gestaltung. Dem quadratischen Grundriss wird der Gewinn von Land, dem länglich-rechteckigen der Gewinn von Wohlstand zugeschrieben.
16.286 Dem runden Grundriss wird die Erfüllung aller Wünsche, dem länglich-runden inneres Erfülltsein zugeschrieben. Wer sichtbare und unsichtbare Früchte erstrebt, erlangt nach der Lehre die Welten, beginnend mit Maharloka.
16.287 Diese Formen gewähren nach der Überlieferung die Wohnstätte Viṣṇus, Gesundheit und hohes Wohlergehen. Den wunschlosen Verehrern Vishnus aber eröffnen sie am Ende des irdischen Lebens die höchste Stätte.
Wünsche und Befreiung: Die Quelle unterscheidet zwischen Verehrung mit bestimmten Wünschen und der wunschlosen Hingabe an Vishnu. Die höchste Stätte wird hier gerade den nicht auf persönliche Früchte gerichteten Verehrern zugesprochen. Die Aussagen über Gesundheit, Besitz und jenseitige Welten bleiben religiöse Verheißungen.
Die Weisen fragen:
Die Frage nach der Tempelweihe
16.288 Die Weisen sprachen: Die Merkmale des Heiligtums haben wir von dir gehört, o Herr der Weisen. Erkläre nun ausführlich die Ordnung seiner Weihe.
Nārada antwortet:
16.289 Nārada sprach: Hört die vorzügliche Ordnung für die Weihe des Heiligtums und der weiteren Bestandteile. Vor dem Heiligtum errichte man wie zuvor eine Opferhalle, …
16.290 … versehen mit allen benötigten Geräten und allen vorgeschriebenen Merkmalen. Der Guru lege rings um das Heiligtum acht Feuergruben an.
Vereinfachung und Vorbereitung
16.291 Fehlen die nötigen Mittel und Materialien, richte man auf dem Gelände der vor dem Heiligtum erbauten Opferhalle nur eine Feuergrube ein.
16.292 In ihr vollziehe man das Feueropfer für sämtliche göttlichen Gestalten. Drei oder fünf Tage vor dem Beginn der Tempelweihe …
Wenn die Mittel begrenzt sind: Eine einzige Feuergrube darf die umfangreiche Anordnung ersetzen. Die Samhita hält am Sinn der Verehrung fest und kennt zugleich eine kleinere Ausführung.
16.293 … vollziehe man nach der Vorschrift das Aussäen der Keime. Wie zuvor fertige man einen Kumbha aus Stein oder Metall …
16.294 … und dazu ein Mantra-Bild in dem dafür angegebenen Rundmaß. An einem weiteren günstigen Tag bringe man beides in die Opferhalle mit den beschriebenen Merkmalen.
16.295 Man vollziehe mit allen benötigten Geräten die vorbereitende Weihe sowie sämtliche Waschungen und weiteren Handlungen an beiden nach der Ordnung.
16.296 In den mit Edelsteinen und den weiteren Einlagen versehenen Kumbha setze man das Bild ein, schmücke beziehungsweise bedecke es mit Gewändern, Schmuck und Blüten und halte Arghya und Blüten bereit.
16.297 Gemeinsam mit den Hütern der göttlichen Gestalten steige man langsam zur oberen Plattform des Heiligtums hinauf. Dort vollziehe man zunächst das rituelle Anschlagen, die Reinigung durch Wasser und die weiteren vorbereitenden Handlungen.
16.298 Man führe den Nyāsa der Keimsilben beziehungsweise alle für die Anrufung genannten Handlungen aus. Dann setze man das Bild mitsamt dem Kumbha ein, …
16.299 … mit dem Mūlamantra, der von den mit dem Herz-Mantra beginnenden Formeln umschlossen ist, o Lāñchin. Dabei fasse man die Entfaltungswege in einer auf das Höchste bezogenen Vergegenwärtigung zusammen, …
16.300 … in ihrer gemeinsamen und anschließend in der zuvor beschriebenen, in Kalās gegliederten Form. Nach der Verehrung bedecke man die Anordnung mit einem Tuch und arbeite sie mit Mörtel körperlich aus.
Waschung und Spiegelgestalt
16.301 Darüber gestalte man den Körper samt dem gerundeten Aufsatz nach der Beschreibung. Anschließend vollziehe man die Waschung des Heiligtums mit den vorgesehenen Mitteln, beginnend mit weißem Senf.
16.302 Bei einem mit Mörtel beziehungsweise Stuck gestalteten Heiligtum vollziehe man die Waschung stellvertretend an einem Spiegel. Dann salbe und verehre man den Bau und schmücke ihn mit Kränzen und den weiteren Ziergaben.
16.303 Am umlaufenden Gesimsband des Heiligtums befestige man ein Schutzband aus 25 Fäden. Danach vollziehe man die vorbereitende Weihe seiner Spiegelgestalt.
16.304 Der vorzügliche Lehrer führe die Waschung am Spiegel wie zuvor aus. Sind an den vier Seiten des Heiligtums göttliche Gestalten angebracht, …
Sorgfalt für das Kultobjekt: Der Text sieht bei bestimmten Materialien eine stellvertretende Waschung am Spiegel vor. Die Verehrung berücksichtigt damit die Beschaffenheit des zu weihenden Baus.
16.305 … vollziehe man an ihnen die rituelle Öffnung der Augen nach der Vorschrift, ihr Herren der Weisen. Alles Weitere geschehe sinngemäß nach dem noch zu beschreibenden Verfahren.
16.306 Auch die vorbereitende Weihe des Heiligtums vollziehe man mithilfe des Kūrca-Bündels. Vom Tragstein des Kumbha bis hinauf zur Spitze des Tempels …
16.307 … vollziehe man wie zuvor den Nyāsa der Weltenwege, Wirklichkeitsprinzipien und Gottheiten. In die Glieder der göttlichen Gestalten der Richtungen setze man den Mūlamantra und die weiteren Mantras ein.
Das Feueropfer zur Weihe
16.308 Die im Heiligtum gegenwärtigen Gottheiten verehre man im Gefäß und im Maṇḍala. In den rings um den Tempel angelegten Feuergruben weihe man das Feuer nach der Vorschrift …
16.309 … und bringe Vāsudeva und den weiteren Gestalten die Opfergaben in der Ordnung des Hervorgehens und der Rücknahme dar. Oder in einer vor dem Heiligtum gelegenen …
16.310 … Feuergrube vollziehe der Ācārya selbst das gesamte Feueropfer. Er lasse die Brahmanen die Mantras rezitieren und führe die Weihe zur Vollendung.
16.311 Durch seine gesammelte Meditation verankere er dort den Varma-Mantra, den Schutzpanzer-Mantra. Nachdem alles nach dieser Ordnung bis zur vollen Schlussgabe vollzogen ist, …
Das Cakra auf dem Tempel
16.312 … lasse er die Sāman-Kundigen das mit kṣuro harate bezeichnete Sāman singen. In die Mitte der Āmalasāraka-Bekrönung setze er das Cakra ein.
16.313 Es habe die gewünschte Gestalt, mit zwei oder zwölf Gesichtern, stehe auf dem seiner Kraft zugeordneten Stab und leuchte wie die glühende Sonne. [Die erste Gesichtsangabe und die nähere Stabbezeichnung sind textlich nicht ganz sicher.]
16.314 In dieses Cakra setze man den Cakra-Mantra und den zuvor beschriebenen Weg der Laute ein, in vorwärts- und rückwärtsgerichteter Folge nach der angegebenen Opferordnung.
16.315 Zuerst erkenne man den alldurchdringenden Herrn als in der materiellen Bildgestalt gegenwärtig. Darauf gründe man die Vergegenwärtigung der Entfaltungswege, ihr Herren der Weisen.
Die drei Zustände des Cakra
16.316 Wer das makellose Cakra in seinen Zuständen śānta, śāntodita und udita – ruhend, ruhend-hervortretend und hervorgetreten – seinem Wesen nach als eine einzige Gestalt erkennt, …
16.317 … erlangt nach der Lehre im Rad des Saṃsāra die Stellung eines Cakravartin, eines umfassenden Herrschers, unter den Menschen aller Lebensstände und allen, die dem Dharma ergeben sind.
16.318 Die hier beschriebene Kraft ist unmittelbar in der Brahman-Gestalt gegründet und von keiner äußeren Stütze abhängig. Das makellose Cakra ist innen und außen bei allen gegenwärtig und gilt als Geber der Befreiung.
16.319 Jene Form, die dem Milchozean gleicht und wie tausend Sonnen leuchtet, ohne gegliederte Glieder und mit scharfer Schneide, wird in der Yoga-Betrachtung śānta, die ruhende, genannt.
16.320 Was sich aus eigener Freiheit in vielfältigen Gliedern entfaltet, seine eigene Wirksamkeit in alle Richtungen ausbreitet und darin gegenwärtig ist, …
16.321 … das erkenne als śāntodita, das ruhend-hervortretende Cakra, das die Frucht des Wünschens gewährt. [Das Bild der ersten Vershälfte ist stark beschädigt und wird hier nicht rekonstruiert.]
16.322 Wenn die Verbindung mit der ruhenden Gestalt gewahrt ist und das Wirken, beginnend mit der Nabe, hervortritt, heißt der König der Cakras udita, hervorgetreten. [Die syntaktische Zuordnung der ersten Vershälfte ist unsicher.]
16.323 Der in diesem Cakra verehrte Mantra wird als in seinem Leib verehrt verstanden. Mit Hingabe rezitiert und durch Opfergaben geehrt, gewährt er nach der Lehre allen das Ersehnte.
Ruhe und Entfaltung: Die drei Zustände des Cakra werden als Zustände einer göttlichen Gestalt verstanden. Die Begriffe bezeichnen hier eine besondere Pāñcarātra-Lehre; sie sind keine austauschbaren Namen für allgemeine psychologische Zustände. Bhakti und Mantra verbinden die Verehrung mit dieser Vergegenwärtigung.
Cakra und Banner
16.324 Nachdem man das gewünschte Cakra, den Vernichter aller Hindernisse, so eingesetzt und verehrt hat, vollziehe man unmittelbar danach …
16.325 … die Weihe des Bannerstabs, der um das angegebene Drittelmaß über den Turm hinausragt und mit dem König der Vögel geschmückt ist. Man setze ihn mit dem Śikhā-Mantra ein.
16.326 Dann bereite man ein vielfarbiges, mit kleinen Glöckchen geschmücktes Banner vor. Seine Länge richte sich nach dem Abstand zwischen der Spitze des Bannerstabs und der Turmspitze.
16.327 Seine Breite betrage ein Zehntel oder ein Achtzehntel seiner Länge. Zunächst vergegenwärtige man die Astra-Kraft in diesem als Kennzeichen dienenden Tuch.
16.328 Man befestige es an der Spitze des Bannerstabs und verehre es mit Düften und den weiteren Gaben. Bei der Einsetzung von Bildgestalten aus Stuck und ähnlichen Materialien, ihr Besten der Weisen, …
16.329 … soll die Weihe des Bildes und des Heiligtums zugleich stattfinden. Damit habe ich die Weihe des Tempels in Kürze erklärt.
Die Weihe der Nebengebäude
16.330 Hört nun auch die Weihe der Hallen und der weiteren Gebäude, ihr Besten der Weisen. Zunächst reinige man die vordere Halle, die Versammlungshalle, …
16.331 … die Umfassung, die Küche, die Schatzkammer und die Gewandkammer, die Räume für Blüten und Wasser sowie die Opferhalle …
16.332 … und die Getreidespeicher und alles Weitere mit reichlich Wasser. Man vollziehe die rituelle Umführung mit Feuer, das Reinigen, Abschaben und die weiteren vorbereitenden Handlungen.
16.333 Dies lasse man von kundigen Brahmanen ausführen. Man besprenge die Gebäude mit den fünf Kuhprodukten und schmücke insbesondere die Hallen mit Baldachinen und den weiteren Zierformen.
16.334 Man räuchere mit Agaru, stelle überall Lichter auf, verziere den Boden mit weißem Kalkpulver und streue unversehrte Reiskörner aus.
16.335 Nach der Puṇyāha-Rezitation verehre man den Vāstupuruṣa. Dann bereite man einen Sitz aus Getreide vor und stelle darauf einen Kumbha mit den vorgeschriebenen Merkmalen, …
16.336 … mitsamt den Nebengefäßen und dem Karaka, wie zuvor beschrieben. Darin verehre man den göttlichen Herrn mit seinen Gliedern und seinem Gefolge.
16.337 Dann setze der vorzügliche Lehrer das Feuer in einer Feuergrube oder auf einem Sthaṇḍila ein und bringe darin dem Herrn die Opfergaben bis zur vollen Schlussgabe dar.
16.338 Wenn der günstige Zeitpunkt gekommen ist, besprenge der Lehrer, der die Mantras gründlich kennt, mit dem Wasser aus dem Kumbha alle Bereiche und rezitiere dabei den Mūlamantra.
Die Besonderheiten des Torturms
16.339 So ist die Ordnung für die Weihe der Hallen und der weiteren Gebäude beschrieben. Bei ihrer Weihe und ebenso bei der Einsetzung eines Gopura-Torturms …
16.340 … vollziehe man die Garbha-Nyāsa mit der vorausgehenden Übernahme des Baugrundes. Bei Hallen und den weiteren Gebäuden lege man die Weihegabe im Südosten nieder.
16.341 Beim Torturm erfolgt die Niederlegung im Süden, ihr Herren der Weisen. Der Kundige vollziehe die Weihe des Gopura wie die Weihe des Tempels.
16.342 Nun wird die Besonderheit des Gottheiten-Nyāsa dabei erklärt: An den Füßen der Türpfosten und den weiteren entsprechenden Stellen verehre man die Gestalten von Cakra bis Dharma.
16.343 Auf den beiden Türflügeln verehre man Kālāgni und Varuṇa. In den Wandzonen ordne man die große Gemeinschaft der am Weltenwirken beteiligten Gottheiten an.
16.344 Die Gestalten, beginnend mit Keśava, stehen oberhalb der Wandzone. Im Bereich des Gebälks setze man die göttlichen Waffen ein, beginnend mit dem Cakra.
16.345 Wie zuvor ordne man in den Bereichen von Vedikā, Hals und Turmaufsatz die Vibhava-Gestalten an, bis hin zu Padmanābha, ihr Zweimalgeborenen.
16.346 In jedem Geschoss des Torturms stelle man die göttlichen Gestalten der Richtungen auf, wie zuvor nach der für den Tempel genannten Ordnung, ihr Besten der Weisen.
Bekrönungsgefäße und Abschluss
16.347 An der Grundfläche der Vedikā, welche die Bekrönungsgefäße trägt, verehre man das sechs-speichige Sudarśana-Cakra, wenn vier Kumbhas vorgesehen sind, ihr Zweimalgeborenen.
16.348 Bei sechs Kumbhas verehre man Vāsudeva und die weiteren Gestalten; bei acht Kumbhas die Sechsergruppe, beginnend mit Keśava.
16.349 Ferner ist die Achtergruppe, beginnend mit Keśava, zu verehren; bei zwölf Kumbhas verehre man zwölf Gestalten. Wer Befreiung erstrebt, lasse eine gerade Anzahl von Kumbhas einsetzen. [Die Gefäßzahl zur genannten Achtergruppe wird hier nicht ausdrücklich angegeben.]
16.350 Für andere Zielsetzungen setze man eine ungerade Anzahl von Kumbhas ein. Bei einem einzigen Kumbha verehre man Vāsudeva.
16.351 Bei drei und den weiteren ungeraden Zahlen verehre man Keśava und die anschließenden Gestalten, ihr Besten der Zweimalgeborenen. So setze man die Gemeinschaft der Gottheiten in den Torturm ein und verehre sie.
16.351z So ist die Ordnung für die Weihe des Heiligtums und der weiteren Bauten, ihr Herren der Weisen.
Spiritueller Ausklang: Einen heiligen Ort zu bereiten bedeutet in diesem Kapitel mehr als zu bauen: Menschen werden versorgt, Handlungen gesammelt ausgeführt und die Teile in einer göttlichen Gegenwart verbunden. Auch der eigene Übungsplatz kann dazu einladen, mit Aufmerksamkeit einzutreten und die tägliche Praxis mit Hingabe zu erneuern.
Kolophon: So endet in der Ishvara Samhita des heiligen Pancharatra das sechzehnte Kapitel, genannt „Die Ordnung der Weihe des Heiligtums und der weiteren Bauten“.
Texthinweise zu Kapitel 16
Fassung mit dokumentierten Unsicherheiten mit offenen Stellen. Alle 351 nummerierten Verse und der unnummerierte Schlusshalbvers sind erfasst. Das bedeutet hier ausdrücklich nicht, dass jede Vershälfte bereits sicher übersetzt ist. Mehrere Stellen sind in den verfügbaren Drucken beschädigt oder bleiben sprachlich beziehungsweise sachlich unklar. Eckige Klammern kennzeichnen diese Grenzen unmittelbar in der Übersetzung. Die unten genannten Stellen bleiben als nicht sicher übersetzbar beziehungsweise als unsichere Deutungen ausgewiesen.
Quellen. Verwendet wurden die vorhandenen Devanagari-Fassungen, der Druck von 2017, Seiten 194–211, und gezielte Vergleiche mit dem älteren Druck. Der kritische englische Band III stand nicht als lokale Vollfassung zur Verfügung. Eine vollständige Kontrolle an ihm wird nicht behauptet. Die IAST-Fassung wird aus dem redigierten Devanagari erstellt und ist kein unabhängiger Textzeuge. Sie übernimmt auch dessen ausdrücklich genannte Unsicherheiten.
Sprecher und Überlieferung. Die Weisen sprechen in 1–2 und 288; Nārada antwortet ab 3 beziehungsweise 289. Einzelne Anreden wie „Lotusgeborener“ in 17 sowie „Lāñchin“ in späteren Versen passen nicht ohne Weiteres zum Rahmengespräch. Sie werden als Merkmale der überlieferten Komposition bewahrt. Vers 4 nennt die Sāttvata und weitere Schriften als Grundlage der zusammenfassenden Darstellung.
Bauplatz und Handwerker. In 5 umfasst die Reihe der Auftraggeber alle vier traditionellen gesellschaftlichen Gruppen. Daraus folgt keine Aufhebung sämtlicher anderer sozialer Ritualvorschriften des Textes. 7 verbindet den Lehrer mit einer Überlieferungslinie des göttlichen Herrn. 9 nennt einen für Zweimalgeborene geeigneten Ort. 17–18 und 72 verlangen ausdrücklich die Ehrung beziehungsweise Versorgung der Handwerker und Arbeiter. Die Verbindung von innerer Haltung und praktischer Fürsorge steht im Text selbst.
Frühe offene Lesarten. Die Richtungsaufzählung in 21, der Satz in 23 und sein Übergang zu 24 sind nicht vollständig gesichert. Die allgemeine Aussage über den im Bewusstsein gegenwärtigen Hari ist lesbar; eine vollständige Übersetzung der beschädigten ersten Hälfte von 23 wird nicht vorgetäuscht. Auch einzelne Formen in 29, 32–33, 44, 53 und 57 bedürfen weiterer Klärung. In 35 bestätigt der ältere Druck die Astra-Gestalt gegenüber der entstellten neueren Lesart. In 61 ist Brahma-Bīja im älteren Druck bestätigt; die abweichende OCR-Ausgabe ist kein Textzeuge für einen anderen Mantra.
Die Meditation über Erde und Tempel. Adhibhūta, adhidaiva und adhyātma in 59–64 unterscheiden stoffliche, göttliche und innere geistige Betrachtung. Die besondere Form Vidyāgama in 65 bleibt als Name stehen. 67 ist teilweise beschädigt; das Lotusbild wird nicht über den lesbaren Wortlaut hinaus zu einer vollständigen Kosmologie erweitert. Die grammatisch schwierigen Bodenbeschreibungen in 73–75 sowie die technischen Angaben in 79–83 werden vorsichtig wiedergegeben. In 83 ist ein brennender Gegenstand gemeint, seine genaue Bezeichnung aber unsicher. Die Himmelszeichen in 93–94 werden nicht eigenmächtig mit einer bestimmten astronomischen Regel gleichgesetzt. 95 folgt der älteren Lesart pūraṇādaṃśaśeṣe, die auf einen noch verbleibenden Teil der Auffüllung verweist.
Gottheitenlisten und Felder. 96 beschreibt ein Raster aus 64 Feldern; ab 105 folgt eine alternative Anordnung mit 81 Feldern. Die Listen in 103–136 enthalten zahlreiche beschädigte Namensformen. Besonders offen sind 108, 113–114, 119–123 und einzelne Formen der 24er-Reihe in 130–132. Wo die angekündigte Zahl und die lesbaren Namen nicht zweifelsfrei zusammenpassen, wird kein fehlender Name ergänzt. In 113 bestätigt der ältere Druck das südliche Feld statt des allgemeinen „äußeren“ Feldes. Die Namensform auf dem östlichen Blütenblatt in 114 bleibt unsicher. Die 16 Gruppen in 134–135 ergeben sich, wenn Mondgestirne und Sterne getrennt gezählt werden. Eine zeichnerische Rekonstruktion wird aus den beschädigten Angaben nicht abgeleitet.
Kumbhas und Kräfte. Kumbha kann hier sowohl ein Ritualgefäß als auch ein Bekrönungselement bezeichnen; der jeweilige bauliche Zusammenhang ist zu beachten. 142 ergibt aus der Mittelzone, den Feuergruben und dem Weg ein Gesamtmaß von 18 Hasta. 151 nennt fünf Kuhprodukte, nicht zehn. Einzelne Formen in 152 und 155–158 sind redaktionell geglättet beziehungsweise bedürfen weiterer Kontrolle. Die Strahlen in 164 werden nach dem Sonnenvergleich verstanden. Die Aufteilung der Namen in 175–176 ist redaktionell: Jñānabhāsā und Nandabalā werden als Zusammensetzungen gelesen; so ergeben sich neun Namen zu den neun Platten. Die Abgrenzung bleibt nicht völlig sicher. Der ältere Druck bestätigt Dyotakī in 176 und den Śikhā-Mantra in 178. Der dort folgende Mantra-Anfang lautet ajasya nābhāv adhyekam; er wird nicht als vollständige Formel ausgegeben. In 179 ist vāgmīya im älteren Druck lesbar, seine genaue liturgische Zuordnung bleibt offen.
Ausdrückliche Konjekturen. In 192 bieten die kontrollierten Drucke śiṣyāṇām, „der Schüler“. Die deutsche Übersetzung nimmt im Zusammenhang der acht Steine vorläufig śilānām, „der Steine“, an; das Devanagari bewahrt die gedruckte Form. In 197 setzt die Übersetzung „Feuerfunke“ vahni für das beschädigte vahi voraus; auch hier bleibt die Druckform im Sanskrit stehen. In 230 wird die vermutete Bedeutung „dreifache Höhe“ aus dem Zusammenhang mit 231 erschlossen; der Druck hat trikoṇa statt des erwarteten triguṇa. Diese Vorschläge sind keine als sicher ausgegebenen Quellenaussagen.
Weihegabe im Baugrund. In 203 ist die Zuordnung des betreffenden Entfaltungswegs nicht sicher lesbar. Einzelne Materialangaben in 207 sind ebenfalls offen. Die Erde als Frau und Empfängerin eines Keims in 214–215 ist ein Bild des Rituals selbst. Der ältere Druck bestätigt in 217 devadhāmnaḥ, das göttliche Heiligtum; die abweichende neuere Form wurde dadurch berichtigt. Die Verse sind keine Anleitung zu einer körperlichen oder sexuellen Praxis.
Baumaße und Profile. Die glückverheißenden Reste bei Division durch acht sind in 222–223 eins, drei, fünf und sieben. Die Bezeichnungen folgen dem älteren Druck. Die weiteren Maßverknüpfungen in 219–221, 227–229, 233–243 sowie einzelne Profilangaben bleiben teilweise unklar. Besonders 236–241 erlauben ohne zusätzliche Absicherung keine verlässliche zeichnerische Rekonstruktion. Die Übersetzung behauptet hier keine präzise heutige Bauanleitung. Die abweichenden Formen zur Gestaltung der Bekrönung in 244 sind noch zu prüfen. 254 nennt als Türbreite ein Drittel, Viertel, Fünftel oder Sechstel des betreffenden Innenraummaßes und die doppelte Höhe. In 256 ist die ältere Form sthitim übernommen. Udumbara in 259 bezeichnet im Zusammenhang den Türsturz. In 261 ist die zweite Angabe als ahrasva, nicht kurz, lesbar: Der ältere Druck (S. 346) hat tv ahrasvam, der Druck von 2017 (S. 206) tad ahrasvam. Damit ist der Gegensatz zu hrasva, kurz, gesichert. Der genaue Bezugsgegenstand bleibt offen; eine bestimmte lange Mantraform wird daraus nicht abgeleitet.
Tempelgruppen. Die Achter-, Neuner- und Zwölferanlagen in 271–273 sind in ihrer überlieferten Zählfolge nicht vollständig nachvollziehbar. Eine vermeintlich fehlende Anlage wird nicht eingefügt. Vedha in 277 bezeichnet einen architektonischen Mangel durch ungünstige Ausrichtungen; die Druckform ist unregelmäßig. Die Begriffe und Formen in 279–284 bleiben zum Teil offen. Die religiösen Früchte in 285–287 werden als Verheißungen des Textes wiedergegeben, nicht als überprüfte Wirkungsbehauptungen.
Tempelweihe und Cakra. In 298 ist Bīja durch eine ausdrücklich verzeichnete ältere Lesart gestützt. In 303 wird paṭṭikā, das Gesimsband, gelesen; eine Umrundung wurde daraus nicht abgeleitet. 305 beschreibt die Öffnung der Augen. Einzelne Formen in 301–303, 313–315 und 321–322 bleiben unsicher. 318 folgt dem älteren yacchaktir brahmamūrtyaiva; die störende Silbe der neueren Fassung entfällt. Die drei Cakra-Zustände in 316–323 sind śānta, śāntodita und udita. Der stark beschädigte erste Halbvers von 321 wird nicht aus einer vermuteten Lehre rekonstruiert.
Abschluss und Mantras. In 333 bestätigt der ältere Druck die fünf Kuhprodukte. In 349 fehlt die ausdrückliche Gefäßzahl zur Achtergruppe der Keśava-Gestalten; die aus einem möglichen Schema erschließbare Zahl wird nicht ergänzt. Viele Mantras sind im gesamten Kapitel nur durch Anfänge bezeichnet. Solche Verweise, besonders beschädigte Formen wie 200, eignen sich nicht als unkommentierte Vollmantras. Redaktionelle Praxisanregungen und die übersetzte Quelle bleiben getrennt.
Bodenbeschreibung 16.73–74. Die Erde ist das Subjekt des über die Versgrenze reichenden Satzes; sie bedarf einer Reinigung. Der ältere Druck (S. 331) hat sopalā, mit Steinen, gegenüber dem entstellten sāpalā der Erfassung. Bālā wird wörtlich als jung übersetzt; seine genaue bodenkundliche Bedeutung bleibt offen. Die anschließende Abgrenzung eines mit großen Bäumen bewachsenen Geländes in 74 ist noch nicht zuverlässig erschlossen.
Kapitel 17 – Kultbild und Sockel – Maß, Anmut und hingebungsvolle Gestaltung
Aus welchem Material soll ein Kultbild bestehen, wie wird es gestaltet, und welchen Aufgaben dient es? Das Kapitel führt von der Beschaffung des Materials über die Proportionen göttlicher Gestalten bis zu Funktionsbildern und Sockeln. Hingabe, sorgfältiges Handwerk und die Freude an einer anmutigen Gestalt gehören dabei zusammen. Fassung mit dokumentierten Unsicherheiten: Alle 307 Verse sind erfasst; beschädigte technische Stellen und noch nicht sicher verständliche Passagen sind unmittelbar gekennzeichnet.
Nārada spricht:
Material und Ziel der Verehrung
17.1 Nun werden die Merkmale des göttlichen Bildes, seines Sockels und der weiteren Bestandteile erklärt, ihr Zweimalgeborenen. Ein Bild kann gemalt oder aus Ton, Holz, Stein oder geeignetem Metall gefertigt sein.
17.2 Für Zweimalgeborene, die bestimmte Früchte erstreben, sind die unterschiedlichen Bildformen entsprechend unterschieden und geeignet. Für Wunschlose besteht diese Unterscheidung nicht in gleicher Weise; die jeweils verfügbare Form steht ihrer Verehrung nicht entgegen.
17.3 Das gemalte Bild kann auf einer Wand, auf Holz oder auf einem Tuch angebracht sein. Die Ausführung auf Tuch wird wiederum entsprechend der traditionellen Viererordnung unterschieden.
17.4 Genannt werden Baumwolle, Seide, Kṣauma-Gewebe und Śāṇa-Gewebe. Hinzu kommen Muñja und weitere helle Faserstoffe sowie die verschiedenen Holzarten. [Ein Teil der weiteren Faserbezeichnungen ist unklar.]
17.5 Hölzer von Aśvattha, Brahmavṛkṣa, Śrīparṇī und Suradāru werden genannt, ferner von Sāla und Tāla sowie die mit Śāravantī und Indusāra bezeichneten Arten. [Die letzten Namen sind nicht sicher bestimmt.]
17.6 So verstehe jeweils zwei als den traditionellen Gruppen der Reihe nach zugeordnet. Andere für heilige Handlungen geeignete Bäume mit festen Wurzeln und dichtem Kernholz …
17.7 … sind für alle vier Gruppen bei der Herstellung von Bildgestalten und den weiteren Arbeiten gemeinsam verwendbar. Ebenso gelten Stein- und Tonbilder allgemein als geeignet sowohl für Wohlergehen als auch für Befreiung.
17.8 Auch Silber, Gold, Kupfer und Ārakūṭa-Metall werden verwendet. Auf diese Weise sind Erde, Gewebe, Steine, Metalle und Hölzer …
17.9 … sowie die Edelsteine, beginnend mit dem Diamanten, nach Merkmalen wie weißer oder roter Farbe unterschieden. Für Menschen, die bestimmte Früchte erstreben, gelten besondere Zuordnungen; dabei ist auch die Verfügbarkeit zu berücksichtigen.
Die rituelle Eignung der Materialien
17.10 Durch die zugehörigen Mantras der jeweils verehrten Gestalt, durch Japa, Feueropfer und Verehrung sowie durch die Verehrung ihrer ursächlichen Mächte kann man die Materialien zur allgemeinen rituellen Eignung führen.
17.11 Bei der Beschaffung von Stein und Erde verehre man die Erde zusammen mit Indra. Für Gewebe und Holz verehre man Varuṇa zusammen mit Vanaspati, dem Herrn der Pflanzen.
17.12 Bei Metallen und Edelsteinen verehre man Sonne, Mond und Feuer. Eine weitere Anweisung zur Verwendung beziehungsweise Ersetzung von Edelsteinen und Metallen folgt. [Die zweite Vershälfte ist beschädigt und nicht sicher übersetzbar.]
17.13 Auch ein Verehrungssitz in Form eines Cakra, Lotus oder ähnlicher Gestalt kommt in Betracht. Eine ellenhohe Bildgestalt wird den Meditierenden für die Vollendung ihrer Meditation nicht empfohlen.
17.14 Sie soll für sich stehen, klein sein und nicht an sämtliche Einzelmaße der großen Bildgestaltung gebunden sein. Weil der König als Hüter der gesellschaftlichen Gruppen und Lebensstände und als Herr des Ganzen gilt, …
17.15 … und als Verkörperung göttlicher Mächte verstanden wird, ist er nach dieser Ordnung stets zur Verwendung der vorzüglichsten und der weiteren Materialien berechtigt, entsprechend seiner besonderen Stellung.
17.16 Wie viel mehr gilt dies für denjenigen, der keine persönliche Frucht begehrt und stets Hingabe und Vertrauen an die erste Stelle setzt! Wer ein gemaltes Bild herstellen möchte, soll dies verstehen und dann sorgfältig die folgenden Schritte ausführen.
Wunschlose Hingabe: Der Text unterscheidet zwischen einer Verehrung, die bestimmte Früchte anstrebt, und einer Praxis, die von Bhakti und Shraddha ohne persönliches Gewinnstreben getragen ist. Die historischen Zuordnungen zu gesellschaftlichen Gruppen werden bewahrt, aber nicht zu heutigen Voraussetzungen für Yoga erklärt.
Wand, Tuch, Ton und Metall
17.17 Zunächst verehre man mit dem Herz-Mantra und den Gaben, beginnend mit Arghya, die Guhyakas und die Hausgottheiten. Schmutz, Asche, Hülsen, Kohlenreste, Haare, Insekten, Nägel und Gras …
17.18 … sowie Wurzeln, Dornen, Leder und Knochen sollen nicht in der Wand enthalten sein; eine damit verunreinigte Wand gilt als ungünstig. Deshalb entferne man zunächst eine vier Aṅgula tiefe Schicht …
17.19 … des Wandverputzes, auf einer Fläche, die etwas größer ist als das vorgesehene Bild. Mit Erde, die frei von den genannten Mängeln und mit wasserverdünntem Pañcagavya …
17.20 … gründlich durchgeknetet ist, fülle man diesen Wandbereich wieder aus. Eine Holztafel glätte man zuvor mit einem Werkzeug, bis sie glatt wie ein Hirschfell ist.
17.21 Zur Reinigung entferne man zuvor die äußere Schicht [der Holztafel]. Einen frisch vom Webstuhl genommenen Stoff wasche man siebenmal mit Wasser, über dem der Astra-Mantra rezitiert wurde.
17.22 Mit dem Herz-Mantra samt seinen Gliedern und dem Mantra der göttlichen Gestalt nehme man Erde von einem heiligen Badeort, einem Flussufer, einem heiligen Bezirk oder einem Berg.
17.23 Man entferne die mit Verunreinigungen vermischte Erde, entnehme die geeignete Erde aus der oberen Schicht, zerreibe sie und lasse sie auf einem gut gereinigten und bestrichenen Boden trocknen.
17.24 Śāṇa-Fasern, Wolle, Baumwolle, Fäden und Schafwolle werden zunächst mit Steinen zerkleinert und dann zusammen mit Sand beigemischt. [Die voneinander teilweise überlappenden Faserbezeichnungen bleiben als solche erhalten.]
17.25 Man durchtränke die Mischung mit Pañcagavya, das nur wenig Kuhdung, aber reichlich Milch, geklärte Butter und die weiteren Bestandteile enthält, sowie mit einem Khadira-Sud.
17.26 Zusammen mit Öl aus weißem Senf, Leinsamen und Sesam halte man sie drei Wochen lang in einem eisernen oder anderen geeigneten Gefäß feucht, …
17.27 … geschützt vor Wind, Feuer, Sonne und Mond. Mit dieser Masse vollende man das Bild um ein Gerüst aus geeignetem Holz.
17.28 Metalle reinige man durch Waschen wie das Gewebe und anschließend durch Abreiben mit Asche und den entsprechend geweihten Mitteln.
Hingabe bei der Beschaffung
17.29 Wer sich voller Hingabe mit der Herstellung des Bildes befasst, soll bei allen Schritten den Astra-Mantra zur Besänftigung von Hindernissen verwenden.
17.30 Verehrung, Feueropfer, Bali-Gaben an die Wesen und eine angemessene Ehrengabe gehören allgemein zur ordnungsgemäßen Beschaffung der Materialien.

Vorzeichen auf dem Weg
17.31 Nun werden die besonderen Vorschriften für die Beschaffung geeigneten Steins und Holzes erklärt. Zu Beginn jeder solchen Unternehmung achte man auf die Vorzeichen.
17.32 Bei einer Reise für eine besondere Verehrung kündigt nach der Lehre ein günstiges Zeichen gutes Gelingen an; ein ungünstiges Zeichen weist auf Hindernisse hin.
17.33 Durch eine Unterbrechung, Japa, Friedens- und Segensriten sowie gegebenenfalls durch die Rückkehr soll man das ungünstige Zeichen ausgleichen. [Die Schlusswendung ist sprachlich beschädigt.]
17.34 Man verehre die Mantragestalt, bitte um ihre Erlaubnis zur Reise und verneige sich. Man esse von der zuvor dargebrachten Speise und halte die Sinne unter Kontrolle. [Die dazwischenstehende Verhaltensbezeichnung ist textlich unsicher.]
17.35 Zur glückverheißenden frühen Zeit stehe man auf, wende sich nach Osten und erinnere sich an den Mantra. Nachdem man die höchste Gestalt beziehungsweise die besondere Erscheinungsform erkannt hat, …
17.36 … begebe man sich in die ihr zugeordnete Richtung; wenn dies nicht möglich ist, in eine andere. Man reise in Begleitung aufmerksamer Helfer und Handwerker.
17.37 Glückverheißende Gefäße mit Puffreis, Dickmilch und unversehrten Reiskörnern sollen vorausgetragen werden. Als günstige Zeichen gelten Heiterkeit, große Zuversicht und ein Zucken an der rechten Körperseite, …
17.38 … freundliche Worte und angenehme Klänge, Muschelhorn- und Saitenmusik, Früchte, Kühe, Elefanten, Pferde, Brahmanen, ein junges Mädchen, neue Gefäße, Erde und Dickmilch, …
17.39 … frisches Fleisch, Schmuck, alkoholisches Getränk, Feuer, geklärte Butter, Milch, gekochte Speise, Reissaat, Darbha-Gras und die Blütenstände geeigneter Bäume, …
17.40 … ein Schirm, ein Gewand, eine Fahne, ein Fahrzeug, Rocanā, Safran, Honig, ein Spiegel, ein Wedel, eine Halskette und Metalle, sofern sie keine Waffen sind, …
17.41 … Edelsteine, ein göttliches Bild, auch ein berauschter, aber furchtloser Mensch, lebende Fische und jedes Zeichen, das den Geist nicht bedrückt. [Die Personenbezeichnung ist in der Überlieferung nicht ganz sicher.]
17.42 All dies gilt als günstig anzusehen; was hingegen Bekümmernis hervorruft, als ungünstig. Vom eigenen Hauseingang an bis zu den ersten sieben Schritten des Weges …
17.43 … wird dem wahrgenommenen Vorzeichen besondere Wirkung zugeschrieben. Hat man die Stadt oder das Dorf um einen halben oder ganzen Krośa hinter sich gelassen, …
17.44 … achte man auf Tierzeichen wie das Erscheinen eines Mungos. Nach dem angegebenen weiteren Wegmaß gilt der Anblick von Wildtieren als günstig. [Die genaue Distanzangabe ist nicht sicher.]
17.45 Eine klare Sicht in die Richtung des Vorhabens wird als Zeichen des Gelingens betrachtet; ebenso ein klarer Himmel und hell leuchtende Sonne und andere Himmelskörper. [Eine Wendung der ersten Vershälfte ist beschädigt.]
17.46 Ein angenehmer, milder, gleichmäßiger Wind, der sich in glückverheißender Rechtsrichtung bewegt, und eine Zeit ohne unheilvolle Himmelserscheinungen werden als Zeichen des Gelingens angesehen.
17.47 Als günstige geflügelte Wesen nennt der Text Haṃsa-Vogel, Papagei, Bharadvāja-Vogel, Kuckuck, Bachstelze, Pfau, Biene und Cakravāka.
17.48 Unter den am Boden lebenden Wesen gelten der Anblick von friedlichen Mungos, einer weißen Schlange, Hausechsen, einer Moschusratte und eines Schakals als günstig.
17.49 Unter den Wildtieren werden Hirsch beziehungsweise Antilope, Löwe, Tiger, Hase und das als Citraka bezeichnete gefleckte Raubtier als Zeichen des Gelingens genannt.
17.50 Besonders günstig gilt ihr Erscheinen beziehungsweise ihre Bewegung zur rechten Seite; beim Schakal gilt die umgekehrte Richtung. Auch die kräftigen Rufe der genannten Vögel werden als glückverheißend verstanden.
17.51 Tritt bei der Beschaffung der Materialien ein ungünstiges Vorzeichen auf und ist ein Aufschub nicht möglich, dann vollziehe man den Friedensritus, …
Historische Vorzeichenlehre: Die Tierzeichen, Körperempfindungen und Gegenstände dieser Verse werden als religiöse Vorstellungen der Quelle wiedergegeben. Sie sind keine verlässlichen Vorhersagen für heutige Entscheidungen. Die damit verbundenen Unterbrechungen und Friedensriten gehören zur damaligen Ritualpraxis.
Die Prüfung des Steins
17.52 … der bereits zur Reinigung des Geistes beschrieben wurde, mit besonderer Sorgfalt und einer Ehrengabe. Dann betrete man den Ort nach der Ordnung und untersuche ihn mit wacher eigener Urteilskraft.
17.53 Man suche einen Stein mit guten Eigenschaften oder einen für die Arbeit geeigneten Baum. Zu meiden sind überaltertes Material und eine stark abgenutzte beziehungsweise verwitterte Oberfläche, …
17.54 … Bruchstellen, Beschädigung durch Waldbrand, ein dumpfer Klang, eine raue Beschaffenheit, sandige oder löchrige Struktur, Flecken und schalenartige Ablösungen.
17.55 Auch Material mit Formen, die an Maus, Frosch, Fisch, Schlange, Katze oder Hase erinnern, oder mit einem dichten Netz von Adern gleicher oder abweichender Farbe ist zu meiden.
17.56 Fehlen die zuvor genannten ungünstigen Merkmale, gelten die folgenden Erscheinungsformen als geeignet: Farbtöne wie bei einer Taube oder einem Lotus sowie honigfarbene, Mañjiṣṭhā-rote oder Māṣa-dunkle Tönungen. [Eine weitere Farbbezeichnung ist beschädigt.]
17.57 Der Stein soll schwer, fest, günstig beschaffen und glatt sein. Weitere geeignete Fundlagen werden genannt: im guten Erdreich eingebettet oder am Grund eines Wasserbeckens gelegen, …
17.58 … von einem schönen Baum beschattet, in einem Waldstreifen befindlich, von Ranken umgeben und von Pflanzen bewachsen.
17.59 Der Stein soll als zusammenhängender Block vorliegen und sich gut bearbeiten lassen. Bestimmten nach oben gerichteten beziehungsweise gewölbten Formen wird Befreiung, einer ebenmäßigen Vorderseite Wohlergehen zugeschrieben. [Der Wortlaut der Form- und Lageangaben ist teilweise beschädigt.]
17.60 Einer in die entsprechende Richtung weisenden Form werden beide Früchte zugeschrieben. Weist ihr Kopfende nach Osten, gilt sie als förderlich für Gedeihen und langes Leben; eine andere Ausrichtung wird mit wachsendem Ansehen und Ruhm verbunden. [Die zweite Richtung ist nicht eindeutig genannt.]
17.61 Die zum Wasserhüter, also nach Westen, gerichtete Form gilt als förderlich für Nachkommenschaft, Gesundheit und Frieden. Eine nach Norden weisende Kopfseite soll Kraft, Aufstieg und gute Einsicht gewähren.
Die Herausnahme und vorbereitende Verehrung
17.62 So bestimme man zunächst Rücken, Schenkel, Fuß und Kopf des Steins. Dann hebe man ihn mit Kraft und Sorgfalt gemeinsam mit den Handwerkern heraus.
17.63 Man lege ihn im Norden mit dem Gesicht nach Osten oder im Osten mit dem Gesicht nach Norden auf einer geeigneten Fläche ab. Den Herrn der Mantras verehre man mit Kränzen, Sandel und den weiteren Gaben.
17.64 Man meditiere über seine im Stein verankerte Gegenwart, verehre ihn und opfere dann in einer Feuergrube oder auf einer vorbereiteten Fläche in einer der beiden genannten Richtungen.
17.65 Nach der vollen Schlussgabe verbringe man den Tag mit Meditation und Japa. Bei Einbruch der Nacht vollziehe man die Verehrung und bringe den Wesen Bali-Gaben dar.
Ein Tag mit Meditation und Japa: Die Beschaffung des Steins wird von Verehrung begleitet. Der Text nennt ausdrücklich einen Tag, der mit Meditation und Japa verbracht wird. Handwerkliche Vorbereitung und innere Sammlung greifen ineinander.
17.66 Man esse von der dargebrachten Speise und weihe den eigenen Leib durch Mantra-Nyāsa. Südlich davon lege man sich auf Darbha-Gras zur Ruhe, mit dem Kopf nach Osten.
17.67 Dies dient wie zuvor dem Empfang eines Traums. Am Ende der Nacht stehe man auf, erledige die eigenen Pflichten und vollziehe bei einem schlechten Traum ein Opfer zu seiner Besänftigung.
17.68 Einen klaren, erfreulichen und herzbewegenden Traum begrüße man. Den Berg, sich selbst, den Ort und die Fundstätte des Steins …
17.69 … sehe man im Traum rein wie Kristall, wie glühendes Gold oder wie rauchlose Glut. Ein solcher Traum gilt als Anzeichen baldigen guten Gelingens.
17.70 Dann nehme man das Werkzeug und einen mit dem Astra-Mantra geweihten Hammer. Nach Osten gewandt, schlage man viermal am vorgesehenen Kopfende.
17.71 Oder man beginne am Fußende oder in der Mitte, nachdem man zuvor das jeweilige Ergebnis bedacht hat. Man arbeite einen rechteckigen Bildträger mit Sockel aus und bringe ihn auf eine Hebe- beziehungsweise Transportvorrichtung.
17.72 Oder man bringe die Bildplatte mit gesondertem Sockel zur geeigneten Werkstätte. Zuvor ordne man alles nach demselben Verfahren an und hebe den Stein heraus. [Einzelne Bezeichnungen des Bildträgers und des Transports sind unsicher.]
Die Zuordnung der Steine
17.73 Für den Sockel wähle man nach Wunsch einen andersfarbigen oder gleichfarbigen Stein. Hauptgestalt und zugehöriges Glied sollen in ihren Eigenschaften zueinander passen und dem Gedeihen dienen, ihr Herren der Weisen.
17.74 Bei fehlender Verfügbarkeit von Holz, Metall oder Edelstein ist eine entsprechende Ersatzlösung zulässig. Sind die vorgesehenen Materialien vorhanden, soll man keine unpassende Abweichung oder Vertauschung vornehmen.
17.75 Gleichzeitig beschaffe man einen geeigneten Stein für die Edelsteineinlage. Für die drei Bestandteile werden Steine der als männlich, weiblich und neutral bezeichneten Arten empfohlen.
17.76 Bei fehlendem entsprechendem Material können alle Bestandteile aus dem für das Hauptbild geeigneten Stein hergestellt werden. Das Bild des göttlichen Herrn soll jedoch nicht aus dem Stein gefertigt werden, der nur für Edelsteinunterlage oder Sockel bestimmt ist.
17.77 Für Bildgestalten wie Lakṣmī gelten die „weiblichen“ Steine als geeignet. Ein Stein, der beim Anschlagen Funken und einen deutlichen Klang von sich gibt, …
17.78 … wird „männlich“ genannt. Einer ohne Funken, aber mit Klang, heißt „weiblich“. Fehlen am Anfang, in der Mitte und am Ende die entsprechenden Merkmale und der Klang, …
17.79 … wird der Stein als „neutral“ bezeichnet; an seinem passenden Platz soll auch er die gewünschte Frucht gewähren. Nachdem man so die Steine für den Gott der Götter, für Lakṣmī und die weiteren Gestalten, …
Zur Sprache der Steinarten: „Männlich“, „weiblich“ und „neutral“ sind hier Kategorien für Ritualmaterialien, die unter anderem nach Klang und Funkenbildung unterschieden werden. Die Passage beschreibt keine Eigenschaften oder Wertigkeit heutiger Menschen.
17.80 … für sämtliche Begleiter, Sockel und weiteren Bestandteile sowie für Tempel und andere Bauten bestimmt hat, verehre man sie mit ihren jeweiligen Mantras in der vorgesehenen Reihenfolge.
17.81 Nach der Verehrung sammle man die Steine, lade sie auf Wagen oder andere Transportmittel und bringe sie zur Werkstätte. Der Guru lasse dann die Bilder und die weiteren Teile herstellen.
Die Auswahl des Baums
17.82 Damit ist die Beschaffung des Steins erklärt; nun folgt die Beschaffung des Holzes. Der Baum soll ohne Verletzungen, gerade gewachsen und groß sein. [Die vorausgehende Ortsangabe ist nicht sicher verständlich.]
17.83 Er soll frei von Krankheit und nicht durch die Krallen von Löwen oder anderen Tieren beschädigt sein. Seine Kraft darf nicht durch Sturm, Blitz oder Waldbrand zerstört sein; auch eine ungeeignete Randlage ist zu meiden. [Die letzte Standortbezeichnung bleibt offen.]
17.84 Er soll die guten Merkmale aufweisen, gesund und kräftig sein und auf erhöhtem Boden stehen. Man vollziehe zunächst die vorbereitende Weihe wie beim Stein und verehre ihn am folgenden Tag.
Die Bitte an die Gegenwart im Baum
17.85 Dabei wende man sich an die in ihm wohnende Gottheit, deren genaue Gestalt unbekannt ist: „Dir, dessen Selbst hier Wohnung genommen hat, sei Verehrung, und dem Herrn über alles.
17.86 Verzeihe; begib dich an einen anderen Ort und bleibe hier als reines Bewusstsein.“ Dann verwende man ein Werkzeug, das mit Astra-Wasser gereinigt und mit geklärter Butter und den weiteren vorgesehenen Mitteln bestrichen ist.
Achtung vor der lebendigen Umgebung: Die Bitte an die unbekannte göttliche Gegenwart im Baum gehört zur Quelle selbst. Als heutige Anregung kann sie daran erinnern, Materialien und Natur nicht achtlos zu behandeln. Die genaue rituelle Formel wird nicht durch ein frei erfundenes Naturmantra ersetzt.
17.87 Während man den vorzüglichen Mantra mit vauṣaṭ rezitiert, fälle man den Baum mit einer Säge oder dem geeigneten Werkzeug. Fällt er in Richtung Osten, Norden oder Nordosten, …
17.88 … gilt dies als günstig. Bei einer anderen Fallrichtung vollziehe man Verehrung und die weiteren Ausgleichsriten. Den für die göttliche Bildgestalt bestimmten Teil bringe man anschließend herbei. [Die nähere Anweisung am Versende ist unklar.]
Zusammengesetzte Bilder und allgemeine Maße
17.89 Möchte man ein sehr großes Holzbild mit vielen Armen, Gesichtern und Waffen herstellen, dürfen dafür aus dem betreffenden Baum gefertigte …
17.90 … gesonderte Glieder verwendet werden, wenn ihre Maße stimmen; dies gilt nicht als Mangel. Hingabe und Vertrauen sind dabei maßgeblich, denn alles wird als von heiligen Lauten durchdrungen verstanden. [Die Lesung der letzten Aussage ist noch nicht völlig gesichert.]
17.91 Nachdem man so das jeweils verfügbare Material mit Hingabe beschafft hat, fertige man daraus die gewünschte Gestalt.
17.92 Dafür wird zunächst das allgemeine Maß einer friedvollen Gestalt beschrieben: die gerade, unverzerrte, umfassende Darstellung einer einzigen göttlichen Form.
17.93 Auf einer ganz ebenen Fläche zeichne man das Maßschema vor und bestimme danach die Merkmale der Glieder, beginnend mit ihren Breiten.
Die relativen Maße der Bildgestalt
17.94 Ein Aṅgula ist hier der 108. Teil der Gesamthöhe des Bildes. Zwei Aṅgula bilden eine Kalā; auch Netra, Golaka und Bhāva werden als Bezeichnungen dieses Maßes genannt.
17.95 Ein Achtel eines Aṅgula heißt Yava. Sechs Kalā bilden einen Tāla bei der Herstellung von Bildern und den zugehörigen Arbeiten.
Zum Maßsystem: In diesem Abschnitt ist ein Aṅgula der 108. Teil der Bildhöhe. Eine Kalā umfasst zwei Aṅgula, ein Tāla sechs Kalā. Es handelt sich um relative Proportionen des Kultbildes, nicht um ein allgemein festes Zentimetermaß oder eine Vorgabe für menschliche Körper.
17.96 Die genannten Abschnitte von Gesicht, Oberkörper, Nabel- und Genitalbereich werden mit jeweils einem Tāla bemessen. Die Oberschenkel und ebenso die Unterschenkel sind nach der gedruckten Angabe jeweils zwei Kalā lang [dieses Maß erscheint im Verhältnis zur Gesamthöhe problematisch; zwei Tāla wäre eine mögliche, hier nicht gesicherte Berichtigung]. Knöchel, Knie, Hals und der Kopfabschluss …
17.97 … erhalten jeweils drei Aṅgula. So ist das Höhenmaß beschrieben. Bei Bildgestalten mit aufgetürmten Haarflechten füge man entsprechend ihrer längeren oder kürzeren Form …
17.98 … vier oder drei Kalā außerhalb des Grundmaßes hinzu. Eine Krone mit drei, fünf oder sieben Spitzen kann sechs Kalā hoch sein.
17.99 Bei Gestalten ohne Haarflechten bringe man über der Stirn eine schöne Krone an. Verkleinerung und Vergrößerung sind hier unter Berücksichtigung des Tāla-Maßes auszuführen.
Gesicht, Augen und Ohren
17.100 In den genannten Abschnitten erfolgt die Anpassung jeweils um ein Aṅgula. Den Gesichtsabschnitt teile man in drei Bereiche: Mundpartie, Nase und Stirn.
17.101 Die Nase soll vorn eine Kalā vorspringen und der Blüte des Sesams gleichen. Für die Breite beziehungsweise Erhebung der beiden Nasenflügel wird eine halbe Kalā genannt.
17.102 Für die Gojī genannte Vertiefung unterhalb der Nase werden vier Yava angegeben; ihr Abstand zur Nasenspitze wird mit einem Viertel dieses Maßes bestimmt. [Die Wortformen und der genaue Bezug der Maße sind nicht vollständig gesichert.]
17.103 Die Oberlippe messe ein halbes Aṅgula, die Unterlippe ein Aṅgula. Das Kinn messe ein Golaka; für die Mundwinkel werden vier Aṅgula angegeben.
17.104 Augen- und Ohröffnungen ordne man auf der Höhe des mittleren Bereichs des genannten Nasenabschnitts an. Für den Abstand der beiden Augen wird eine Kalā angegeben. [Die genaue Ausgangslinie ist im Wortlaut nicht eindeutig.]
17.105 Das Auge sei eine Kalā lang und eine halbe Kalā breit. Bei der Form eines Utpala-Blütenblattes komme zum entsprechenden Maß ein Zuschlag von zwei Yava hinzu.
17.106 Bei der lotusblattförmigen Ausführung gestalte man die Iris rund, im Verhältnis zur halben Augenfläche. Für ihre Größe wird ein Drittel des betreffenden Längenmaßes genannt; bei der anderen Form ist sie entsprechend größer. [Die Vergleichsbezüge sind nicht ganz eindeutig.]
17.107 Der zusätzliche Betrag wird mit anderthalb Yava angegeben. Die Pupille beziehungsweise der Lichtpunkt messe ein Fünftel oder nach einer anderen Ausführung ein Drittel des Bezugsmaßes, o Lotusäugiger.
17.108 Für die Augenfassung werden zwölf Yava und ein weiterer Yava als Breitenzuschlag angegeben. Die geschwungenen Brauen werden mit zweieinhalb Aṅgula Länge und außerdem einem Maß von zwei Kalā beschrieben. [Das Verhältnis dieser Angaben bleibt offen.]
17.109 Die Brauen seien in der Mitte voller und verjüngen sich zu den Enden wie die junge Mondsichel. Ihr Zwischenraum messe eine halbe Kalā; ihre Spitzen sollen auf einer gemeinsamen Bezugslinie liegen.
17.110 Die Ohren seien drei Aṅgula breit und zwei Golaka lang. Der Ohrrand messe zwei Yava; die beiden gegliederten Partien jeweils vier Yava.
17.111 Zwischen ihnen liege die Ohrmuschelvertiefung mit anderthalb Aṅgula. Ihre Öffnung messe eine halbe Kalā; das Maß der Ohrschlinge beziehungsweise des Ohrgehänges kann nach Wunsch gewählt werden, …
17.112 … zwischen einem Aṅgula und zwei Kalā. Der feste Teil ohne die innere Öffnung soll vier Yava messen.
17.113 So werden die beiden Ohren mit ihrem passenden Schmuck beschrieben. Die Stirn sei vier Kalā breit; die beiden oberen Erhebungen werden mit jeweils zwei Golaka bemessen, …
17.114 … mit drei Aṅgula Höhe und einer Breite von einem Aṅgula an der Vorderseite. Oberhalb der Stirn, aus dem Haaransatz hervortretend, …
Haar, Kopf, Hals und Arme
17.115 … gestalte man geschwungene Haarlocken mit einer halben Kalā als Maß. Die Wangenkontur führe man gleichmäßig vom Ohr zum Hals.
17.116 Dazwischen gestalte man die beiden Wangen rund, innerhalb der zuvor angegebenen Grenzen. Der Kopfumfang soll 36 Aṅgula betragen.
17.117 Das über den Kopf gemessene Maß zwischen den beiden Ohrspitzen beträgt 16 Aṅgula; entsprechend sind auch die hinteren Konturen zu berücksichtigen.
17.118 Von der Stirn bis zum oberen Schulter- beziehungsweise Nackenbereich wird ein Maß von anderthalb Tāla angegeben. Der Hals soll muschelförmig sein; an Ansatz, Mitte und oberem Ende …
17.119 … werden Umfänge von zwölf Kalā, 21 Aṅgula und 18 Aṅgula genannt. Die jeweilige Breite entspricht einem Drittel des Umfangs.
17.120 Am Halsansatz sind die Schultern breit, erhöht, rundlich-länglich und gleichmäßig. Ihre Dicke beträgt sechs Aṅgula. Nun folgen die Maße der Arme.
17.121 Für den obersten Schulterabschnitt werden drei Kalā, bis zum Gelenk sechs Kalā genannt. Vom Gelenk bis zum Handgelenk beträgt das Maß neun Kalā.
Hände und Finger
17.122 Vom Handgelenk bis zum angegebenen Ende der mittleren Handpartie werden sieben Aṅgula genannt. Der Mittelfinger ist eine Kalā kürzer als dieses Maß. [Die genaue Grenzbestimmung des ersten Maßes ist nicht eindeutig.]
17.123 Ringfinger und Zeigefinger sind um vier Yava kürzer. Der kleine Finger wird mit zwei Kalā samt einem zusätzlichen Aṅgula beschrieben. [Die überlieferte Größenfolge ist nicht widerspruchsfrei.]
17.124 Der Daumen hat zwei Glieder. Alle Finger verjüngen sich von ihrem Ansatz an, wobei die Breite jeweils um einen Yava abnimmt.
17.125 Die Nägel werden mit der Hälfte des Endgliedmaßes gestaltet, in länglich-gerundeter Form. Der Umfang des Daumenansatzes beträgt vier Aṅgula.
17.126 Bei den drei mittleren Fingern ist der Umfang um vier Yava geringer. Für den kleinsten Finger werden anderthalb Kalā genannt; die Verjüngung des Umfangs erfolgt wie zuvor.
17.127 Die Daumenspitze wird mit einem Aṅgula bemessen, die Spitzen der drei weiteren Finger mit jeweils sechs Yava. Die verbleibende Spitze ist kleiner als ein halbes Aṅgula; die mittleren Abschnitte verjüngen sich entsprechend.
17.128 Die Hand ist mit ihren eigenen Merkmalen zu gestalten; als Maß werden zwei Kalā und ein Aṅgula genannt. Die Handfläche sei leicht vertieft und mit den glückverheißenden Linien versehen.
17.129 Unterhalb der Fingeransätze betrage die Dicke der Hand ein Aṅgula und zwei Yava. Bis zum Handgelenk wird ein Zuschlag von vier Yava angegeben.
17.130 In der Mitte ist die genannte Dicke um eine halbe Kalā geringer. Für den Umfang am Handgelenk werden sechs Kalā angegeben.
17.131 Am Gelenk werden sieben Kalā mit einem zusätzlichen Aṅgula und drei Yava genannt; für den Ansatz neun Golaka, vermindert um ein halbes Aṅgula. [Die Zuordnung der Teilmaße ist nicht völlig eindeutig.]
17.132 Auch oberhalb des Gelenks bestimme man die Breite wie zuvor. Die weitere Formgebung richte sich nach derselben zuvor beschriebenen Betrachtungsweise. [Die zweite Vershälfte ist beschädigt.]
Rumpf und Körperproportionen
17.133 Unterhalb des Halsansatzes lasse man einen Tāla frei und gestalte dort die beiden Brustpartien gleichmäßig, mit einem entsprechenden Abstand. Die Brust sei gut ausgeformt und fleischig. [Eine Einzelbezeichnung ist unsicher.]
17.134 Die Vertiefung am Herzen messe einen halben Golaka; darüber befinde sich das königliche Juwel. Von den Brustpartien bis zu den Seiten werden drei Kalā genannt, für den Brustwarzenkreis drei Yava.
17.135 Die Brustwarze erhebe sich um einen Yava und sei an ihrer Spitze entsprechend breit. Für die Achselpartie wird ein Locana, vermehrt um dreieinhalb Yava, angegeben. [Die letzte Maßverbindung ist nicht ganz sicher.]
Zu den technischen Angaben: Die Maße werden am überlieferten Wortlaut orientiert wiedergegeben. Wo Grenzpunkte, Bruchwerte oder Namensformen beschädigt sind, bleibt dies sichtbar. Die Fassung mit dokumentierten Unsicherheiten bietet dort keine scheinbar vollständige Rekonstruktion.
17.136 Unterhalb der Schultermaße gestalte man den Rücken bis zum angegebenen Ansatz gleichmäßig, in der Mitte leicht muldenförmig und mit gut ausgeformten seitlichen Muskelpartien.
17.137 Der Umfang im Bereich zwischen den Achseln wird mit fünf Tāla und einem Locana angegeben. Für den Bauch nehme man vier Tāla, vermindert um zwei Aṅgula …
17.138 … und vermehrt um drei Yava; dies ist der Bauchumfang. Der Nabelkreis messe eine Kalā, vermindert um drei Yava.
17.139 Für die weitere Nabelvertiefung wird dieses Maß nochmals um drei Yava vermindert. Der Umfang auf Nabelhöhe beträgt drei Tāla und drei Locana. [Die Bezeichnung der Vertiefung ist im Druck unklar.]
17.140 Für die Hüftpartie wird ein Maß von sechs Golaka im Zusammenhang mit ihrem Umfang genannt. Die beiden Gesäßhälften sollen voll und rund sein wie die Stirnwölbungen eines Elefanten; für sie werden jeweils fünf Golaka angegeben.
17.141 Die Linie im Bereich des Schamtuchs wird am Ansatz mit zwei Aṅgula und im weiteren Verlauf mit einem Aṅgula bemessen. Das männliche Geschlechtsteil messe drei Kalā.
17.142 Für die umhüllende Partie werden vier Yava, für den Umfang sechs Aṅgula genannt. Die beiden Hoden seien jeweils zwei Aṅgula lang und vom Ansatz bis zum Ende gleichmäßig breit.
Beine, Füße und Zehen
17.143 Die Afteröffnung sei gut gerundet und messe zwei Aṅgula im Umfang. Die Breite des Oberschenkels in seiner Mitte beträgt neun Aṅgula.
17.144 Am Ansatz wird der Oberschenkel mit sechs Kalā, am unteren Ende mit drei Kalā bemessen. Der Kniekreis wird mit zwei Kalā, vermindert um ein Aṅgula, angegeben.
17.145 Für Breite und Erhebung wird außerdem ein Maß von vier Yava genannt. Der Umfang am Ansatz des Unterschenkels beträgt neun Golaka. [Der Bezug der Vier-Yava-Angabe ist nicht eindeutig.]
17.146 In der Mitte sind es 14 Aṅgula, weiter unten fünfeinhalb Kalā. Auch hier bestimmt man die Breite als ein Drittel des Umfangs.
17.147 An Mitte, Ansatz und Ende sind die Breiten jeweils passend abzustimmen: bei den Armen, dem mittleren Körperbereich und den Fingern …
17.148 … sowie bei beiden Oberschenkeln und Unterschenkeln. Die Fußlänge wird als ein Tāla mit dem zugehörigen zusätzlichen Teilmaß angegeben. [Eine Anweisung zu den Körperproportionen und die Größe des Zuschlags sind nicht eindeutig.]
17.149 Die Ferse wird auf der Sohle mit zwei Golaka bemessen; in der Mitte gilt eine Kalā mit einem Aṅgula, vorne drei Kalā. Die Dicke beträgt eine Kalā.
17.150 Im Bereich unter dem großen Zeh wird eine Verminderung um drei Yava genannt. Die Dicke beträgt eine Kalā, am Knöchel eine Kalā mit einem zusätzlichen Aṅgula. [Die erste Bezugsgröße ist nicht ganz sicher.]
17.151 Vom Ansatz des kleinen Zehs bis zum Knöchel wird die entsprechende Fußwölbung mit einem Aṅgula angegeben. Am unteren Ende des Unterschenkels beträgt der Umfang sieben Locana.
17.152 Weiter vorne wird der Umfang um eine Kalā vermindert. So vollende man den Fuß mit einem gewölbten Rücken wie der Panzer einer Schildkröte.
17.153 Der große Zeh sei drei Aṅgula lang. Sein Umfang beträgt fünf Aṅgula, o Lāñchin.
17.154 Der zweite Zeh soll einen halben Yava länger sein; der mittlere Zeh entspricht in seiner Länge dem großen Zeh.
17.155 Der darauf folgende Zeh ist um die genannten zwei Achtelanteile kürzer als der mittlere; der nächste verkürzt sich entsprechend weiter. Wie zuvor haben diese Zehen drei Glieder. [Die Bezugsgröße der Achtelanteile bleibt offen.]
17.156 Sie sind mit Nägeln versehen, die schildkrötenrückenartig gewölbt sind. Der Umfang des zweiten Zehs beträgt zwei Kalā, vermindert um einen halben Yava.
17.157 Bei den übrigen Zehen vermindert sich der Umfang jeweils um vier Yava. Bei allen bestimme man die Breite als ein Drittel des Umfangs.
Gleichmäßigkeit und Anmut
17.158 Alle Glieder sollen wohlgeformt, friedvoll, ausgewogen und schön sein. Die beiden Eckzähne an den äußeren Seiten der Zahnreihe seien sieben Yava hoch.
17.159 Für die vier mittleren Zähne wird eine Höhe von zwei Yava genannt; für die seitlich anschließenden Zähne jeweils vier Yava.
17.160 Die Breite der Zähne betrage drei Yava. Für den Ansatz werden zwei Yava und für den mittleren Abschnitt das Anderthalbfache angegeben. Alle Zähne sollen ohne Zwischenräume nebeneinanderstehen.
17.161 Die Körperhaare sollen sich nach rechts drehen und einzeln beziehungsweise in ungerader Zahl hervortreten; dies gilt als günstig. Ein klar bestimmtes, in sich beständiges Maß wird als angemessen angesehen.
Maß und Schönheit erfreuen das Herz
17.162 Dazu gehört die Anmut, die durch schöne Gestalt und lebendige Ausstrahlung das Herz erfreut. Erkennt, dass Maß und Schönheit stets in gegenseitiger Beziehung stehen.
17.163 Manchmal tritt die Schönheit über die genaue Maßordnung hinaus hervor; an anderer Stelle überwiegt die Maßordnung die Anmut. [Die Satzformen sind unregelmäßig; die Gegenüberstellung beider Gesichtspunkte ist deutlich.]
17.164 Wie in der Welt auch ein armer Mensch wegen seiner Schönheit Ansehen gewinnen kann und ein wenig ansehnlicher wegen großen Reichtums, so erläutert der Text die unterschiedliche Wirkung zweier Vorzüge. [Die abschließende Verneinung der zweiten Vershälfte ist sprachlich nicht eindeutig.]
17.165 Ein Bild, dem beide Vorzüge fehlen, gilt entsprechend als ungeeignet; eines, das wenigstens einen von ihnen besitzt, kann angenommen werden, ihr Herren der Weisen.
17.166 Wo rechtes Maß und Schönheit zusammenkommen, wird die Kraft der Mantragegenwart wirksam gegenwärtig, um den Verehrenden Gnade zu erweisen.
17.167 Wer das sichtbare Bild recht erfasst, dessen Herz wird durch diese Gegenwart in der Gestalt rasch erfreut. In diesem Verständnis soll man sich bei der Gestaltung sorgfältig bemühen.

Maß und lebendige Anmut: Die Samhita stellt die genaue Maßordnung neben die herzberührende Schönheit. Die Bildgestalt wird nicht allein nach Zahlen beurteilt. Die Freude des Verehrenden an der göttlichen Gegenwart gehört ausdrücklich zum Sinn ihrer Gestaltung.
Die Ausrichtung mit der Messschnur
17.168 Nun folgen weitere Maße zur Verwirklichung der Schönheit. Bei einer geraden Gestalt mit gleichmäßig stehenden Füßen betrage der Abstand zwischen den Füßen drei Aṅgula.
17.169 Bei einer Gestalt mit versetzt stehenden Füßen wird vorne ein Tāla Abstand genannt; zwischen den Fersen zwei Golaka.
17.170 Zur Festlegung der mittleren Brahma-Nāḍī und der beiden seitlichen Linien bringe man mit einer Schnur die rechte und linke Körperseite in eine ausgewogene Anordnung.
17.171 Bei einem Bild mit gleichmäßig stehenden Füßen führe man die gespannte Schnur vom Bereich des Kopfes und der Stirn über die Mitte von Herz und Nabel. [Die genaue Ausgangsführung ist im Wortlaut nicht sicher.]
17.172 Danach richte man Nasenspitze, Haarlocken und den Bereich über dem Tilaka aus. Bei versetzt stehenden Füßen führe man die entsprechende Linie bis zur Spitze des rechten großen Zehs.
17.173 Mit einer von Bereich zu Bereich geführten Messschnur stelle man bei allen Bildgestalten die ausgewogene Ordnung der Körperteile her und gleiche unbeabsichtigte Unregelmäßigkeiten aus.
17.174 Die Anordnung der Glieder gilt als günstig, wenn sie in den vier beziehungsweise drei Ansichten sorgfältig ausgeführt ist. Eine unausgearbeitete, unklare Anordnung gilt als ungünstig. [Die Bezeichnung der Ansichten ist nicht ganz gesichert.]
17.175 Für den Stirn- beziehungsweise Gesichtsbereich werden zwölf Aṅgula Breite, acht Locana Länge und vier Aṅgula an der Vorderseite genannt. [Die genaue Abgrenzung der drei Maße ist beschädigt.]
17.176 Die beiden Nasenöffnungen messen jeweils eine halbe Kalā und sind durch den vorgesehenen Zwischenraum getrennt. Für den Kiefer werden acht Aṅgula und für die zugehörigen Mundwinkel entsprechende Bezugspunkte angegeben.
17.177 Die beiden Ohrmuscheln werden von der Mitte aus mit zwei Aṅgula und einer Höhe von zwei Kalā bemessen. Für den Nasenrücken gelten zwei Aṅgula, für den darüberliegenden Bereich zwei Kalā.
17.178 Die Öffnung beziehungsweise Ausweitung des Mundes wird vorne mit zwei Yava bemessen. Von dort lasse man sie zum Ende des Kiefers hin jeweils um einen Yava schmaler werden.
17.179 Die beiden Seiten des Nasenrückens liegen gegenüber seiner Mitte tiefer und schließen an sie an. Zwischen Augen und Nase werden zweieinhalb Yava vorgesehen.
17.180 Die Augenhöhlung und die angrenzende Partie werden entsprechend diesem Maß gestaltet. Für den Bereich zwischen den seitlichen Augenpartien und der Stirn samt Haarlocken wird eine Kalā mit einem Aṅgula genannt. [Der Wortlaut ist teilweise beschädigt.]
Die Gestalt Nṛsiṃhas
17.181 Für das Gesicht Nṛsiṃhas wird ein Umfang von acht Locana angegeben. Aus dem genannten seitlichen Bereich lasse man die beiden Ohren hervortreten. [Die genaue Ausgangsbezeichnung ist unklar.]
17.182 Nach dem Maß der beiden Ohren bestimme man anschließend den Stirnabschluss. Gegenüber den zuvor angegebenen Maßen gestalte man die Nase so, dass sie die kraftvolle Erregung der Löwengestalt ausdrückt, …
17.183 … mit weit geöffneten Nasenlöchern und einem entsprechenden Nasenrücken. Die Nasenöffnungen seien drei Yava größer als nach dem früheren Maß.
17.184 Für die Augenpartie wird das Maß eines Golaka mit dem zugehörigen Kalā-Anteil genannt. Die Unterlippe messe ein Aṅgula und vier Yava. [Die erste Maßverbindung ist nicht eindeutig.]
17.185 Die Mundpartie sei viereinhalb Kalā lang; die übrige Länge entfalle auf den Kiefer. Ihre Öffnung wird mit einem Netra und einem zusätzlichen Yava bemessen.
17.186 Nach vorne hin vermindert sich das Maß bis zu den Mundwinkeln auf ein Aṅgula. Die beiden Augen seien rund und weit geöffnet, von staunendem beziehungsweise überwältigendem Ausdruck.
17.187 Die Ohren haben die zuvor beschriebene Breite, ihre Höhe wird mit einem halben Kalā-Zuschlag bestimmt. Es folgt ein Vergleich mit zwei vereinigten Mondsicheln. [Die anschließende Rundformbezeichnung ist beschädigt.]
17.188 Der mittlere Bereich soll eine Kalā messen, deutlich ausgeprägt und einer Muschelwindung ähnlich sein. Den entsprechenden runden Abschnitt arbeite man am Kopf klar heraus.
Varāha und weitere göttliche Gesichter
17.189 Das Gesicht des Trägers der Erde, der Varāha-Gestalt, sei anderthalb Tāla lang. Seine Breite an der Stirn ist um zwei Aṅgula geringer als dieses Maß.
17.190 Bei der friedvollen Gestalt des Herrn wird das hervortretende Maß um eine Kalā vermindert. Die Breite des Rüssels beträgt ein Viertel des entsprechenden Bezugsmaßes.
17.191 Die obere Dicke entspricht diesem Maß, die untere wird mit einem Aṅgula angegeben. Für die beiden Kiefer werden siebeneinhalb Aṅgula genannt.
17.192 Das verbleibende Maß bestimmt den Abstand zwischen den Mundwinkeln. Für die Öffnung vorne wird das Anderthalbfache einer halben Kalā angegeben. [Der genaue Maßbezug bleibt offen.]
17.193 Bei den Mundwinkeln wird derselbe Abstand mit einem Aṅgula bestimmt. Die Nasenöffnungen richte man nach den Gesichtsvorschriften aus; die beiden Hauer seien eine halbe Kalā hoch.
17.194 Der Nasenrücken wird wie zuvor gestaltet und mit dem Stängel einer Bananenpflanze verglichen. Die Ohren entsprechen der für die pferdeköpfige Gestalt genannten Form; zwischen den Spitzen werden sieben Kalā angegeben.
17.195 Die Augen entsprechen ebenfalls jener Form, sind jedoch an den Enden spitz und um einen Yava kleiner. Für den Hals dieser Gestalten ist gegenüber der friedvollen Grundform ein Zuschlag von zwei Aṅgula …
17.196 … in den jeweiligen Bereichen vorgesehen. Bei Nṛhari gilt, mit Ausnahme der Körperhöhe, für das jeweilige Grundmaß eines Gliedes …
17.197 … bei Umfang und verwandten Maßen ein Zuschlag von einer halben Kalā. Brust, Hüfte, Bauch, Schultern und Gesäß sind um eine Kalā größer zu gestalten.
17.198 Entsprechend werden auch die Nägel größer ausgeführt. Sein Körper sei kräftig und voll ausgebildet, mit stark gekräuselten, nach rechts gedrehten Haaren.
Göttliche Formen und ihre Aussage: Friedvolle, löwenartige, eberartige und weitere Erscheinungsformen werden unterschiedlich gestaltet. Die Maße gehören zur religiösen Bildsprache dieser Tradition. Sie sind nicht als anatomische Idealnormen für Yoga-Praktizierende zu lesen.
Mehrgesichtige Gestalten
17.199 Bei einer Gestalt mit drei, vier oder fünf Gesichtern, abgesehen vom nach oben gerichteten Gesicht, vermindere man das Maß des südlichen und nördlichen Gesichts um zwei Golaka.
17.200 Die Öffnung des nördlichen Gesichts folgt den für das Löwengesicht genannten Maßen. Für das Ziel der Befreiung sollen die Blickrichtungen der vier Gesichter ausgewogen angeordnet sein.
17.201 Für Gesundheit, Wohlergehen oder Befreiung werden entsprechende Ausrichtungen des Blicks nach links und rechts mit einem halben Aṅgula Abweichung vorgesehen. [Die Zuordnung zu den einzelnen Zielen ist nicht vollständig erklärt.]
17.202 Beim nach Westen gerichteten Gesicht stimme man Vorsprung, Länge, Breite, Nase, Augen, Brauen und Ohren mit dem vorderen Gesicht ab.
17.203 Das südliche Gesicht gilt als günstig, wenn sein Blick leicht schräg zum Boden gerichtet ist; das nördliche, wenn sein Blick entsprechend etwas erhoben ist.
Die rituell verstandene Gegenwart
17.204 Die Gegenwart des Mantras zeigt sich nach der Lehre dadurch, dass seine besondere Wirkung erkennbar wird. Andernfalls verbleibt der Mantra-König in einem ruhenden Zustand.
17.205 Durch seine beständige Gegenwart weichen Bhūtas, Vetālas und Rākṣasas beim Anblick zurück oder treten in die Schau ein. [Der Wechsel zwischen Zurückweichen und Erscheinen sowie der genaue Sinn von „Schau“ bleiben im Wortlaut offen.]
17.206 Sie nehmen den Auftrag des Mantrakundigen ehrerbietig an und gehen fort. Daher soll man die Handlungen sorgfältig vollziehen, damit die göttliche Gegenwart im Bild begründet wird.
17.207 „Denn durch seine Gegenwart beginnt niemand etwas Gutes.“ [So lautet der überlieferte erste Halbvers; die Verneinung widerspricht dem günstigen Zusammenhang. Eine beabsichtigte Aussage über das Verhindern von Unheil ist möglich, aber nicht sicher belegt.] Mit den Hauern eines Ebers, den Augen eines Löwen und einer flachen Nase …
17.208 … gestalte man das westliche Gesicht des fünfgesichtigen Herrn. Ober- und Unterlippe sollen dabei gleichmäßig sein.
17.209 Die Lippen seien um ein halbes Aṅgula getrennt. Dazwischen gestalte man eine deutlich sichtbare Zahnreihe, gleichmäßig an Ansatz, Mitte und Vorderseite.
17.210 Die beiden Wangen seien rund und um eine halbe Kalā hervorgewölbt. Der Bart messe vorne zwei Kalā und an den anschließenden Stellen der Reihe nach eine Kalā und eine halbe Kalā.
17.211 Das zugehörige Haargeflecht wird nach den bereits genannten Maßen glückverheißend gestaltet. Auch die hervorgehobenen Gesichter mit Löwen- oder Eberzügen führe man zu einem harmonischen Ausdruck.
17.212 Die Maße berücksichtigen die sichtbare Wirkung des Blicks. Bei der friedvollen Gestalt des Erdträgers folgt die Öffnung den für das Pferdegesicht genannten Angaben. [Die erste Vershälfte ist sprachlich unklar.]
17.213 Bei Nṛhari verfahre man nach den bereits genannten besonderen Regeln; ebenso bei den als Glieder der göttlichen Gestalt verstandenen Gesichtern des Herrn der Kräfte.
Zu den Wirkungsangaben: Die Aussagen über Mantragegenwart, Schutz und unsichtbare Wesen sind Glaubensaussagen der Quelle. Beschädigte Sätze bleiben auch hier gekennzeichnet; ihr Sinn wird nicht durch eine moderne Deutung ersetzt.
Schmuck und Vollendung
17.214 Mit Halsketten, Fußringen, Gewändern, Kränzen, Armreifen und Armschmuck versehen, durch Girlanden, die heilige Schnur, Oberarmbänder, Krone und weitere Zierstücke verschönert, …
Das geflügelte göttliche Reittier
17.215 … wird die Bildgestalt der Mantra-Erscheinungen nach der Lehre zur Vermittlerin spirituellen Gelingens. Nun folgt das göttliche Reittier, das zuvor in fünf Formen beschrieben wurde und mit der Lebenskraft verbunden ist.
17.216 Sein Gesicht wird nach einem aus dem Hauptbild abgeleiteten Tāla bemessen. Für die Stirn werden zwei Aṅgula, für den Haarknoten zwei Locana genannt.
17.217 Das Ohr sei zwei Aṅgula hoch, die Brust messe fünf Kalā, der Bauch acht Aṅgula und die Hüftpartie fünf Aṅgula in der Höhe.
17.218 Die Oberschenkel seien neun Aṅgula hoch, die Knie jeweils zwei Aṅgula, die Unterschenkel acht Aṅgula und die Fußkörper zwei Aṅgula.
17.219 Für den Halsumfang wird ein um eine Kalā vermindertes Bezugsmaß genannt. Die Breiten der zugehörigen Glieder sind stets auf die Proportionen des Hauptbildes abzustimmen. [Die genaue Ausgangsgröße des Halsmaßes ist unklar.]
17.220 Der Bauchumfang wird gegenüber dem genannten Maß um zwei Teilmaße vergrößert, der Umfang der Hüftpartie um vier Netra.
17.221 Der Umfang an den Oberschenkelansätzen entspricht den für das Hauptbild genannten Verhältnissen; entsprechend gilt dies für Mitte und Ende der Unterschenkel.
17.222 Der Fuß sei fünf Kalā lang und vier Aṅgula breit, an der Ferse drei Aṅgula. Für den großen Zeh wird eine halbe Kalā angegeben.
17.223 Die weiteren Zehen werden von vorne her der Reihe nach um einen Yava vermindert. Die Nabelvertiefung sei weit und mit zweieinhalb Locana bemessen.
17.224 Vom Handgelenk bis zur Spitze des Mittelfingers sind neun Aṅgula vorgesehen. Die Handbreite beträgt drei Kalā; die Nägel sind spitz und hervortretend.
17.225 Der obere Schulter- beziehungsweise Armansatz sei zwei Locana hoch. Ober- und Unterarm werden zusammen mit zwei Tāla bemessen.
17.226 Für den Armumfang wird gegenüber dem Hauptbild ein Unterschied von einer halben Kalā genannt; die Brustpartie ist um ein Locana erhöht. [Die genaue Vergleichsform in der zweiten Vershälfte ist beschädigt.]
17.227 Die Augen seien in Rundung und Breite lotusblattförmig. Die Brauen entsprechen der Narasiṃha-Gestalt, die Nasen- beziehungsweise Schnabelspitze dem Schnabel eines Papageis.
17.228 Für die Länge der betreffenden Spitze wird eine halbe Kalā genannt; der Schnabelrücken sei wie ein Elefantenrücken gewölbt. Die beiden am Rumpf ansetzenden Flügel seien so lang wie die Gestalt selbst.
17.229 Ihre Breite betrage die Hälfte ihrer Länge; sie gleichen den Flügeln eines Haṃsa-Vogels. Der Schweif sei doppelt so lang wie das Flügelmaß und in zahlreiche, als hundert bezeichnete Federteile gegliedert.
17.230 Damit ist die allgemeine Gestalt mit ihren Flügeln, Maßen und Gliedern beschrieben. Diese Grundordnung gilt für die betreffenden Formen gemeinsam. Nun werden die Besonderheiten erklärt. [Eine Bezeichnung der ersten Vershälfte ist beschädigt.]
Weitere Formen des Reittiers
17.231 Bei der besonderen Form vermindere man die Höhe der beiden Oberschenkel und der Unterschenkel um jeweils drei Aṅgula. Der Umfang der Unterschenkel …
17.232 … entspricht am Ansatz dem für das Handgelenk des Hauptbildes genannten Maß. Im Bereich der Zehenverbindung wird dessen Hälfte zuzüglich eines halben Aṅgula angegeben, o Weiser.
17.233 Die verbundene Fläche des Vogelfußes sei sechs Aṅgula breit. Alle übrigen Merkmale gelten wie bei der zuvor beschriebenen Grundform.
17.234 Bei der fliegenden Darstellung lösen sich die Flügel von den Füßen; ihre Breite entspricht der Hälfte ihrer Länge. Die Spannweite wird nach dem eigenen Körpermaß bestimmt.
17.235 Dies gilt für die fünf Formen; bei den stehenden Gestalten wird das entsprechende Maß halbiert. Übernimmt man dieses Grundmaß ohne Schweif und Flügel, …
Die Vāmana-Gestalt
17.236 … ergeben sich die Merkmale der Vāmana-Gestalt, o Lāñchin. Für Stirn, Nase und Mundpartie nehme man jeweils drei Aṅgula.
17.237 Über dem Kopf gestalte man einen Haarknoten, sodass die Gesamthöhe bis zu dessen Ende fünf Tāla beträgt.
Die sechs Kultbilder für besondere Aufgaben
17.238 Nun werden die besonderen Kultbilder für einzelne Aufgaben erklärt: das Bild für die regelmäßige Ritualhandlung, das Festbild, das Bild für die Bali-Gaben, das Bild für die heilige Badefeier, …
17.239 … das Bild für Waschungen aus besonderen Anlässen und das Ruhebild. Diese sechs Kultbilder sind bei einer Anlage mit mehreren Bildern herzustellen, ihr Brahmanen.
17.240 Bei der Einbild-Anordnung sehe man die fünf übrigen Bilder ohne ein gesondertes Bild für die regelmäßige Ritualhandlung vor. Ist das Hauptbild mit allen diesen zugehörigen Nebenbildern verbunden, …
Verschiedene Aufgaben, eine Verehrung: Tägliche Rituale, Festzüge, Waschungen und Ruhe können unterschiedliche Kultbilder verwenden. Diese Unterscheidung erklärt viele Verweise der Samhita auf Hauptbild, Festbild und Funktionsbild.
Größen und Haltungen der Funktionsbilder
17.241 … gilt die Anlage als vorzüglich. Mit drei Nebenbildern gilt sie als mittlere, mit einem als einfachste Ausführung. Nun werden ihre jeweiligen Maße genannt.
17.242 Die Höhe des Hauptbildes teile man in zwei, drei oder vier Abschnitte und nehme einen solchen Abschnitt als Maß …
17.243 … für das Festbild. Dessen Höhe teile man wiederum in zwei, drei oder vier Abschnitte und nehme einen Teil davon …
17.244 … für die fünf übrigen Kultbilder, beginnend mit dem Bild für die regelmäßige Ritualhandlung. Die sechs Bilder sollen mit den beiden Göttinnen versehen sein, ihr Besten der Zweimalgeborenen.
17.245 Oder nur das Festbild und das Ruhebild werden zusammen mit Śrī und Puṣṭi hergestellt. Wenn das Hauptbild, ihr Besten der Zweimalgeborenen, …
17.246 … steht, auf einem Reittier sitzt oder allgemein sitzend dargestellt ist, können die sechs Funktionsbilder dieselbe Haltung einnehmen oder stehend gestaltet sein.
17.247 Ist das Hauptbild liegend dargestellt, sollen die Funktionsbilder stehend oder sitzend ausgeführt werden, ihr Herren der Weisen.
Einbild- und Mehrbild-Anordnung
17.248 Das Bild für die tägliche Festverehrung soll in allen Fällen stehen. Die Weisen sprachen: Du kundiger Bester der Weisen, erkläre uns die Einbild- und Mehrbild-Anordnung …
17.249 … vollständig, du Hervorragender unter den Redenden. Nārada sprach: Eine aus Stein, Edelstein oder Metall gefertigte Gestalt, …
17.250 … an der die täglichen und alle weiteren Waschungen vollzogen werden können, die ohne ein gesondertes Bild für die regelmäßige Ritualhandlung und ohne Göttinnen steht oder sitzt, …
17.251 … wird für sich allein eingesetzt: Dies versteht als Ekabera, die Einbild-Anordnung. Eine aus Ton oder Holz gefertigte Hauptgestalt dagegen, die mit den Funktionsbildern verbunden ist …
17.252 … für die täglichen und weiteren Waschungen, mit oder ohne begleitende Göttinnen, bildet eine andere Anordnung. Ebenso eine aus Edelstein oder anderem geeigneten Stein gefertigte Gestalt, die Waschungen aus besonderen Anlässen verträgt, …
17.253 … aber für die tägliche Waschung mit einem Funktionsbild verbunden ist; dies gilt auch bei einer großen Hauptgestalt, mit oder ohne Lakṣmī und die weiteren Göttinnen. Hinzu kommt die Gestalt, …
17.254 … welche alle täglichen und anlassbezogenen Waschungen erlaubt und stets von Lakṣmī und den weiteren göttlichen Kräften begleitet ist.
17.255 Diese drei Anordnungen versteht als Bahubera, die Mehrbild-Anordnung, ihr Herren der Weisen. Eine gemalte Hauptgestalt auf Wand, Holz oder Tuch …
17.256 … wird für die täglichen und weiteren Waschungsriten mit einem Funktionsbild verbunden. Auch eine Tongestalt und die drei Arten gemalter Bilder können …
17.257 … bei täglichen und anlassbezogenen Waschungen mit einem Spiegel oder anderen entsprechenden Hilfsmitteln verbunden werden. Die Zuordnung eines Funktionsbildes richtet sich nach den verfügbaren Mitteln und der gewünschten Ausführung.
17.258 So versteht die besondere Mehrbild-Anordnung als vierfach. Bei einer solchen Anlage kann die Hauptgestalt nach Eignung stehen oder sitzen, …
17.259 … liegen oder auf einem Reittier dargestellt sein, entsprechend der gewählten Form. So sind die Einbild- und Mehrbildformen insgesamt in fünf Grundarten erklärt.
Warum mehrere Bilder? Die Beschaffenheit des Hauptbildes entscheidet mit darüber, welche Waschungen daran vorgenommen werden können. Ein Funktionsbild oder ein Spiegel ermöglicht die rituelle Handlung, wenn das Hauptbild selbst dafür ungeeignet ist. „Einbild-Anordnung“ ist deshalb ein Fachbegriff für die liturgische Grundordnung und bedeutet nicht zwingend, dass keinerlei weitere Gegenstände oder Festbilder vorhanden sind.
17.260 Weitere Funktionsbilder, beginnend mit dem Prozessionsbild, können für ihre jeweiligen besonderen Aufgaben sowohl in einer Einbild- als auch in einer Mehrbild-Anlage …
Grundformen und Maße des Sockels
17.261 … entsprechend den verfügbaren Mitteln hergestellt werden. Damit sind die Merkmale des Bildes in Kürze erklärt. Nun folgt der Sockel.
17.262 Für sitzende Bilder soll er quadratisch sein, für stehende länglich-rechteckig.
17.263 Andere Formen können rund oder länglich-rund gestaltet werden. Die Maße werden mit den fein unterteilten Aṅgula oder nach einem auf den Verehrenden bezogenen Aṅgula-Maß bestimmt.
17.264 Das Maß der Bildgestalt wird zum Eingang und zum Heiligtum in Beziehung gesetzt. Nach dem betreffenden Bezugsmaß bestimmt man die Länge des Sockels, seine Breite nach dessen Hälfte. [Die genaue Ausgangsformulierung ist beschädigt.]
17.265 Von der Türhöhe werden nach der Einteilung in zwölf Teile ein, zwei oder drei Teile abgezogen. Für die Sockelhöhe sind drei Teile vorgesehen. [Die Zuordnung der vorausgehenden Abzüge ist nicht eindeutig.]
17.266 Aus der verbleibenden Anzahl von Teilen ergibt sich die Höhe der stehenden Bildgestalt oder einer auf einem Reittier befindlichen Gestalt, in kleinerer, mittlerer oder größerer Ausführung.
17.267 Für eine sitzende Gestalt werden vier der zwölf Teilmaße als Höhe genannt. Die Breite des Sockels beträgt grundsätzlich die Hälfte des Bildmaßes.
17.268 Sie kann, je nach Anordnung des Gefolges, um ein Drittel oder ein Viertel vermindert werden. Bei der vierfachen göttlichen Gestalt hingegen …
17.269 … ist das unverminderte Sockelmaß in allen Richtungen vorgesehen, sowohl wenn die Gestalten in die vier Richtungen als auch wenn sie in eine gemeinsame Richtung blicken.
17.270 Bei einer von Kennzeichen beziehungsweise Begleitdarstellungen umgebenen Form wird die entsprechende Länge verdoppelt, bei einer nicht umgebenen um die Hälfte vergrößert. Die Dicke ist bereits angegeben.
Kennzeichen und Sockelvarianten
17.271 Es werden vier einfache Sockelformen ohne besondere Kennzeichen genannt. Durch die unterschiedlichen Kennzeichen ergeben sich entsprechende weitere Varianten.
17.272 Die erste wird mit Ananta als Sitz verbunden, die zweite mit der geflügelten Trägergestalt; die dritte trägt das Lotuszeichen, die vierte ist mit dem Cakra geschmückt.
17.273 So werden insgesamt 16 Grundvarianten der Sockel beschrieben. Hört ihre weiteren Unterschiede noch einmal in zusammengefasster Form.
17.274 Die Kennzeichen befinden sich an den Richtungsseiten und im Halsbereich der Sockel. Durch ihre wechselnde Anordnung zueinander entstehen wiederum zahlreiche Formen.
17.275 Cakra und Lotus können an den jeweiligen Stellen vorhanden sein oder fehlen, miteinander verbunden und in den Richtungen mit Ananta oder dem Vogelträger kombiniert werden.
17.276 Durch paarweise Anordnungen ergeben sich die verschiedenen Möglichkeiten. Zwei Formen entstehen mit einem obenliegenden Lotus und dem Cakra außerhalb davon …
17.277 … und ebenso jeweils zwei mit einer untenliegenden Anordnung. Weitere Paare ergeben sich, wenn oben die Lotusformen und unten das Cakra stehen.
17.278 Durch Vertauschung der beiden entstehen weitere Varianten, ihr Herren der Weisen, ebenso durch die innere oder äußere Lage von Cakra und Lotus.
17.279 Durch den Wechsel dieser beiden Anordnungen ergeben sich vier Formen im oberen Bereich und entsprechend vier weitere im unteren.
17.280 Diese acht Sockelformen können oben oder unten jeweils mit einem einzelnen Cakra oder Lotus verbunden sein.
17.281 Cakraförmige Glieder werden in einer geordneten Folge angelegt. Entsprechend können auch mehrere Ebenen mit leicht hervortretender Mitte gestaltet werden.
Ergänzendes Video zur spirituellen Praxis; kein Bestandteil der Samhita.
Die Gliederung des Sockels
17.282 So habe ich die vielfältige Verteilung der Kennzeichen erklärt. Nun wird der grundlegende Sockel beschrieben, an dem diese Gestaltungen ausgeführt werden.
17.283 Zunächst teile man die Sockelhöhe in 20 gleiche Abschnitte. Einer entfällt auf den Fuß, jeweils drei auf die Wandzone und das gefäßförmige Glied.
17.284 Ein Teil bildet den umlaufenden Ansatz des Halses, sechs den darüberliegenden Halsbereich. Ein Teil entfällt auf das Halsband, drei auf das Śuktikā-Glied.
17.285 Die Bekrönung darüber gestalte man mit zwei Teilen. Der Vorsprung des Sockelfußes beträgt die Hälfte seines eigenen Maßes.
17.286 Er ragt in den vier Richtungen über die Grundfläche hinaus, ihr Weisen. Das gefäßförmige Glied gestalte man gleichmäßig gerundet und mit den vorgesehenen Ziergliedern versehen. [Die letzte Ornamentbezeichnung ist beschädigt.]
17.287 Den umlaufenden oberen Sockel lasse man um zwei Teile zurücktreten. Im Halsbereich ist ein weiterer innerer Rücksprung um das Maß des umlaufenden Absatzes vorgesehen. [Die Kasusformen und genaue Gliederzuordnung sind unregelmäßig.]
17.288 Bei Vorsprung und Rücksprung achte man auf einen gleichmäßigen Verlauf der Bezugslinie. Oberhalb des Śuktikā-Glieds wird ein Viertel des Halsbandmaßes als weiterer Abschnitt angegeben. [Die genaue Ausführung ist textlich unsicher.]
17.289 Bis zum oberen Abschluss vollziehe man die entsprechende Verjüngung. Die Kanten beziehungsweise Achsen von Bekrönung, Gefäßglied und Wandzone sollen gemäß ihrer Anordnung übereinstimmen. [Eine Bezugnahme am Versanfang ist beschädigt.]
17.290 Die Śuktikā-Partie werde mit den genannten gefäßartigen und lotusartigen Zierformen versehen. Der umlaufende Bereich darüber wird mit vier Teilen bemessen. [Die Ornamentnamen sind teilweise unleserlich.]
17.291 Unter Freilassung des umlaufenden Randes vertiefe man eine Rinne. Für Rand und Vertiefung werden die genannten Drittelmaße herangezogen; in der breiten Mitte wird die Fläche entsprechend abgesenkt. [Die Maßzuordnung ist beschädigt.]
Der Ablauf für Waschungswasser
17.292 Der Ablauf soll mit entsprechendem quadratischem Querschnitt aus der Sockelfläche hervortreten. Teile man seinen vorderen Bereich in drei, lasse man die beiden Seitenabschnitte schmaler werden.
17.293 Vom Ansatz her werde er schrittweise verjüngt, etwa in der Form einer Pflugschar. Sowohl am vorderen Ende als auch am Ansatz nehme man zunächst eine Dreiteilung vor.
17.294 Dann vertiefe man die Mitte so, dass das Wasser rasch abfließen kann. So entsteht eine einem Ebergesicht ähnliche Form, ihr Herren der Weisen.
17.295 Oder man gestalte den Ablauf muschelförmig oder wie das Maul eines Makara. So sind die Merkmale des Wasserablaufs an den Sockeln beschrieben.
Wann ein Ablauf gebraucht wird
17.296 Bei Funktionsbildern aus anderen Materialien als Stein und dergleichen – besonders bei beweglichen gemalten, tönernen oder hölzernen Bildern – soll man einen solchen Ablauf nicht vorsehen.
17.297 Ebenso soll bei einer quadratischen Anordnung mit vier göttlichen Gestalten der Ablauf nicht vor das Gesicht einer Gestalt geführt werden, weil dies nach der Rituallehre dem Gelingen abträglich ist.
17.298 Wo er keinen Zweck erfüllt, entsteht durch sein Fehlen kein Nachteil. Entscheidend ist die tatsächliche Verwendung der jeweiligen gemeinsamen Unterlage.
17.299 Wo der Ausführende Waschungen mit reichlich Wasser und anderen Flüssigkeiten vornimmt, sollen Sockel und Sitz hingegen mit einem Ablauf versehen sein.
17.300 Wenn solche Waschungen täglich stattfinden, gilt das Fehlen des Ablaufs als klarer Mangel. Entsprechend wird auch für große, geschmückte Bildgestalten verfahren. [Die Anschlussformulierung ist grammatisch unregelmäßig.]
17.301 Bei metallenen oder steinernen Bildern und den Waschungen aus besonderen Anlässen kann man die Handlung am zugehörigen Funktionsbild ausführen, das auf einen Bhadrāsana-Sitz gestellt wird.
17.302 Man verwende je nach Verfügbarkeit Dickmilch, Milch, geklärte Butter und weitere Gaben. Mit Wasser leite man die Flüssigkeiten sorgfältig zu einer dafür vorgesehenen Bodenstelle oder in ein Auffanggefäß, …
17.303 … dass Menschen und andere Wesen nicht auf die als segensreich geltenden Waschungsgaben treten. Aus diesem Grund ist ein Ablauf je nach Situation vorgeschrieben oder ausgeschlossen.
Der Zweck bestimmt die Ausführung: Die Samhita fragt hier ausdrücklich, ob ein Ablauf tatsächlich benötigt wird. Bei reichlichen täglichen Waschungen ist er erforderlich; ohne entsprechenden Zweck muss er nicht vorhanden sein. Die Sorgfalt gilt auch dem achtsamen Umgang mit den dargebrachten Flüssigkeiten.
Höhenlage und Richtung des Ablaufs
17.304 Für seine Höhenlage werden in den Heiligtümern fünf Möglichkeiten genannt: am unteren Abschluss, an der Jagatī-Plattform, am Kairava-Glied, am Halsbereich oder auf der mittleren Ebene des umlaufenden Bandes.
17.305 Bei der Einsetzung der göttlichen Bilder kommen zwei Richtungen für den Ablauf in Betracht. Bei nach Osten oder Westen blickenden Gestalten gilt ein nach Norden gerichteter Ablauf als günstig.
17.306 Bei nach Norden oder Süden blickenden Gestalten ist er stets im Osten vorgesehen. Bei einer Gottheit auf einem Bhadrāpīṭha-Sockel gilt die linke Seite als förderlich für das Gelingen.
17.307 Für die Verehrenden gilt nach der Rituallehre die entgegengesetzte Anordnung als dem gewünschten Ergebnis entgegenwirkend. Damit habe ich auch die Merkmale des Sockels in Kürze erklärt.
Spiritueller Ausklang: Ein Bild wird durch sorgfältige Gestaltung und hingebungsvolle Wahrnehmung zu einem Ort der Sammlung. Für die eigene Sadhana kann daraus eine schlichte Haltung erwachsen: den Übungsplatz bewusst gestalten, die gewählte Form achten und mit offenem Herzen beim Göttlichen verweilen.
Kolophon: So endet in der Ishvara Samhita des heiligen Pancharatra das siebzehnte Kapitel, genannt „Die Merkmale der Bildgestalt und der weiteren Bestandteile“.
Texthinweise zu Kapitel 17
Stand und Grundlage. Die Fassung mit dokumentierten Unsicherheiten erfasst alle 307 nummerierten Verse; ein zusätzlicher Schlusshalbvers ist nicht überliefert. Grundlage sind die vorhandenen Devanagari-Fassungen und der Druck von 2017, Seiten 211–226. Ausgewählte schwierige Stellen wurden mit dem älteren Druck verglichen. Der kritische englische Band III war nicht als lokale Vollfassung verfügbar; eine vollständige Kontrolle daran wird nicht behauptet. Beschädigte oder noch nicht sicher übersetzbare Stellen sind unmittelbar markiert. Die IAST-Fassung ist aus dem redigierten Devanagari erstellt und hat dessen Grenzen.
Sprecher und Titel. Nārada spricht vom Beginn des Kapitels an. Innerhalb von 248 wechseln die Worte zu den Weisen, innerhalb von 249 wieder zu Nārada. Diese Wechsel werden auch im Sanskrit innerhalb des Verses angezeigt. Der neuere Kolophon nennt die „Merkmale der Bildgestalt“, der ältere die „Merkmale der Bildgestalt und weiterer Bestandteile“; die zweite Bezeichnung wurde als Kapiteltitel verwendet.
Material und spirituelles Ziel. Die Verse 2–9 verbinden Materialarten und ihre Eigenschaften mit bestimmten religiösen Zielen und den traditionellen gesellschaftlichen Gruppen. Sie unterscheiden ausdrücklich zwischen Verehrern mit besonderen Wünschen und Wunschlosen. Die Zuordnungen werden nicht als heutige Zugangsvoraussetzungen zu spiritueller Praxis verstanden. Einige Faser-, Baum- und Metallnamen in 4–8 bleiben ohne botanisch oder metallurgisch sichere Gleichsetzung. Die Wortbildung in 10 ist unregelmäßig; im Zusammenhang geht es darum, die Materialien durch Mantras und Verehrung allgemein rituell verwendbar zu machen.
Frühe offene Stellen. Die zweite Hälfte von 12 ist nicht sicher verstanden. In 13 folgt die Ausgabe dem älteren Druck (S. 355): na ratnī, eine Verneinung mit der Maßbezeichnung Ratni, einem Ellenmaß. Die ellenhohe Gestalt wird hier für die Meditation nicht empfohlen; 14 schließt mit dem kleinen, vereinfachten Meditationsbild an. Die neuere Zusammenschreibung nāratnī wurde nicht als Materialname übernommen. Die königliche Sonderstellung in 14–15 ist eine historische Aussage des Textes. Einzelne Wendungen zur Wandherstellung in 18–20 bleiben sprachlich schwierig. In 21 steht im älteren Druck (S. 356) deutlich turīmuktaṃ tu vai paṭam: ein vom Webgerät gelöster Stoff. Diese Lesung ersetzt das entstellte ghaṭam des neueren Drucks. Die vorausgehende Entfernung der äußeren Schicht bezieht sich auf die Holztafel aus 20. In 24 werden sich teilweise überschneidende Faserbegriffe bewahrt. 26 nennt drei Wochen der feuchten Lagerung.
Vorzeichen. Die Verse 31–51 beschreiben eine historische Vorzeichenlehre. In 34 ist die zusätzliche Verhaltensbezeichnung des Reisenden unsicher; eine Zuordnung zu einer bestimmten tantrischen Schule wird daraus nicht abgeleitet. Die Frühzeit in 35 wird nicht ohne Beleg auf eine genaue Uhrzeit festgelegt. Fleisch und alkoholisches Getränk in 39 stehen unter den aufgezählten Vorzeichen, nicht als allgemeine Empfehlungen an heutige Übende. In 41 wird die Personenbezeichnung vorläufig als berauschter, aber furchtloser Mensch verstanden; die Sanskritform ist redaktionell geglättet und noch nicht sicher. Die Distanz in 44 und eine Wendung in 45 bleiben offen. In 50 bezeichnet dvija im Zusammenhang die Vögel.
Steine und Holz. Die Materialprüfung in 53–61 umfasst Beschaffenheit, Klang, Fundlage und rituell gedeutete Merkmale. Einzelne Farbnamen und Lagebezeichnungen sind beschädigt. Die als Körperteile bezeichneten Bereiche des Steins dienen seiner Orientierung für die spätere Bildgestalt. Die Erwähnung von Träumen in 67–69 bleibt als religiöse Vorstellung kenntlich. Die technischen Formen in 71–72 sind nicht vollständig geklärt. „Männlich“, „weiblich“ und „neutral“ in 75–79 sind traditionelle Materialkategorien; einzelne zusammengesetzte Sanskritformen bleiben unregelmäßig.
Die Bitte an die Baumgottheit. 85–86 ist im älteren Druck gut belegt. Die Gottheit wird ausdrücklich als in ihrer genauen Form unbekannt angesprochen. Die Bitte, anderswohin zu gehen und zugleich als Bewusstsein hier zu verbleiben, bewahrt beide Aussagen des Wortlauts. Sie wird nicht zu einer frei erfundenen Naturmeditation umgeschrieben. In 84 wurde die ältere Anweisung zur vorbereitenden Weihe gegenüber der entstellten neueren Form bevorzugt. In 90 bleibt die Schlussaussage über das aus Lauten Bestehende textlich unsicher. Sie eignet sich noch nicht als selbstständig herausgelöster, gesicherter Lehrvers.
Das Maßsystem. Nach 94 ist ein Aṅgula der 108. Teil der Bildhöhe. Zwei Aṅgula bilden eine Kalā; sechs Kalā einen Tāla. Weitere Maßnamen werden im Text entsprechend verwendet. Später nennt 263 zusätzlich ein auf den Verehrenden bezogenes Maß. Es gibt daher keinen Grund, sämtliche Aṅgula-Angaben der Schrift in einen einzigen festen Zentimeterwert zu verwandeln.
Wichtige Maßunsicherheit in 96. Die kontrollierte Druckfassung hat für Oberschenkel und Unterschenkel dvikale, „zwei Kalā“. Im Verhältnis zur Gesamtgestalt erscheint dies problematisch; „zwei Tāla“ wäre ein naheliegender Berichtigungsvorschlag. Er wurde nicht als gesicherte Lesart eingesetzt. Eine ältere Fußnote mit dem Wort tāla lässt sich hier nicht sicher diesem Ausdruck zuordnen. Der Sanskrittext bewahrt deshalb dvikale, und die deutsche Übersetzung weist auf die Schwierigkeit hin.
Gesichts- und Körpermaße. Mehrere technische Grenzbestimmungen in 102–114 sowie 122–155 sind nicht zweifelsfrei lesbar. Die Übersetzung bewahrt die Zahlen, soweit sie erkennbar sind, und kennzeichnet unklare Bezüge. Das betrifft insbesondere die Augenfassung und Brauen in 108, die Hand- und Fingerfolge in 122–123, den Armabschnitt in 130–132, die Rumpfmaße in 133–145 sowie die Fußmaße in 148–152. In 110 ist „Ohrrand“ eine kontextbezogene Berichtigung der gedruckten, auf den Hals deutenden Form. In 155 bestätigt der ältere Druck dvir-aṣṭāṃśa, zwei Achtelanteile; die Angabe wurde nicht als zwei Yava wiedergegeben. Die beschriebenen Proportionen sind Regeln für Kultbilder, keine Normen für menschliche Körper.
Maß und Anmut. 162–167 stellt die Maßordnung und die herzberührende Schönheit nebeneinander. Die Satzformen in 163–164 bleiben zum Teil beschädigt; die allgemeine Gegenüberstellung und die Möglichkeit eines Bildes mit wenigstens einem dieser Vorzüge in 165 sind verständlich. 166 wird nach der auf das rechte Maß bezogenen älteren Lesung verstanden; der neuere Druck bietet eine auf Erkenntnis deutende Form. Die Freude des recht wahrnehmenden Verehrenden in 167 ist der positive Abschluss dieser Überlegung.
Mehrgesichtige und tiergestaltige Formen. Die Angaben in 181–213 betreffen unter anderem Nṛsiṃha, Varāha und mehrgesichtige Erscheinungen. Einzelne Maße und Formbezeichnungen sind unsicher, insbesondere in 180–188 und 191–194. Kṣmādhara, der Erdträger, wird im Zusammenhang mit Rüssel und Hauern als Varāha verstanden. In 205 ist die Verbindung von Zurückweichen unsichtbarer Wesen und ihrem Eintritt in die Schau nicht eindeutig. In 207 bestätigen beide Drucke die verneinte Aussage über śubha, das Gute. Sie wird wörtlich übersetzt, obwohl sie dem günstigen Zusammenhang widerspricht. Eine Änderung zu aśubha, dem Ungünstigen, wäre eine Konjektur und wird nicht in den Sanskrittext eingesetzt.
Das Reittier und Vāmana. Die geflügelte Trägergestalt in 215–235 steht im Zusammenhang der fünf zuvor genannten Reittierformen. Die Maße von Schnabel, Flügeln, Schweif und Vogelfüßen werden ohne zoologische Überdeutung wiedergegeben. Unklare Verknüpfungen etwa in 219, 226 und 230 bleiben markiert. In 236 ist die neuere Verszahl 136 ein Druckfehler und wurde zu 236 berichtigt. Die Vāmana-Gestalt in 236–237 hat bis zum Haarknoten eine Gesamthöhe von fünf Tāla.
Einbild- und Mehrbild-Anordnung. Die sechs Funktionsbilder in 238–240 dienen verschiedenen liturgischen Aufgaben. Ekabera und Bahubera sind Fachbegriffe für die Grundordnung der Verehrung. Für 249–251 ist die Satzverbindung wichtig: snāna-viṣayā bedeutet, dass die Gestalt Gegenstand der täglichen und weiteren Waschungen ist; rahitā bezieht sich auf das fehlende gesonderte Funktionsbild und die fehlenden Göttinnen. Der Text besagt nicht, dass die Einbild-Gestalt niemals gewaschen wird. Die drei Mehrbildarten in 251–255 und die vierte mit gemalten beziehungsweise besonders behandelten Bildern in 255–258 ergeben zusammen mit Ekabera die fünf Grundarten aus 259. Die genaue Abgrenzung einzelner Einschübe zu Größe und Material bleibt nicht überall eindeutig.
Sockel und Ablauf. Die Maßbezüge in 264–270 sowie einige Kombinationsangaben in 271–281 sind nicht vollständig geklärt. Die Übersetzung übernimmt die ausdrücklich genannte Gesamtzahl 16, ohne daraus eine ungesicherte Variantentabelle zu konstruieren. In 283 wird der Sockel in 20 Teile gegliedert. Die ältere Lesung von 285 gibt zwei Teile für die Bekrönung; zusammen mit den vorausgehenden Angaben ergibt sich damit die Zahl 20. Der neuere Druck bietet dort drei. Die ältere Zwei wurde übernommen und am Druck kontrolliert.
Offene technische Details des Schlusses. Die Ornament- und Maßangaben in 286–291 bleiben teilweise beschädigt. Der Grundgedanke eines vertieften Wasserablaufs ist ab 292 klar erkennbar. 296–303 unterscheidet ausdrücklich zwischen Fällen, in denen ein Ablauf gebraucht wird, und solchen ohne entsprechenden Zweck. In 302 wird die beschädigte Anweisung anhand des älteren Druckes als sorgfältiges Ableiten der Flüssigkeiten zu einer Bodenstelle oder einem Auffanggefäß verstanden; die Wortform ist dabei geringfügig geglättet. Ziel ist nach 303, dass die als heilig geltenden Waschungsgaben nicht betreten werden.
Redaktionelle Trennung. Heutige Praxisanregungen, Erläuterungen zu historischen Vorstellungen und Bilder beziehungsweise Videos sind redaktionelle Ergänzungen. Sie werden nicht als Verse der Samhita ausgegeben. Die Unsicherheiten dieses Kapitels bleiben ausdrücklich gekennzeichnet.
Kapitel 18 – Pratishtha – Gottesgegenwart, Mantra und die Weihe des Kultbildes
Die Weihe des Gottesbildes verbindet sorgfältige äußere Vorbereitung mit Meditation, Mantra und Bhakti. Der Text beschreibt Räume, Bäder, Augenöffnung, Prozession, Aufstellung und die anschließende tägliche Verehrung. Inmitten dieser ausführlichen Ritualordnung stehen Gebete von großer innerer Nähe: Der allgegenwärtige Herr wird angerufen, sich im Kultbild erfahrbar zu machen. Fassung mit dokumentierten Unsicherheiten: Alle 560 Verse und der unnummerierte Schlusshalbvers sind erfasst. Nicht sicher deutbare technische und sprachliche Stellen bleiben gekennzeichnet.
Nārada spricht:
Ziel und Vorbereitung der Weihe
18.1 Nun werde ich die Einsetzung des Mantra-Gottesbildes erklären. Den Angehörigen der gesellschaftlichen Stände, die nach Lebensgenuss streben, gewährt sie das Ersehnte.
18.2 Denen, die den vier Lebensständen folgen, bringt sie durch innere Beruhigung auch Kaivalya, die Befreiung. Denen, die sich Opferhandlungen widmen, hilft sie, deren Früchte zu erlangen.
Ritualhalle, Plattformen und Feuergruben
18.3 Vor dem Heiligtum, im Osten, soll man, wenn dort Raum ist, einen quadratischen Mandapa mit vier Eingängen errichten und ihn mit Girlanden aus Darbha-Gras gliedern.
18.4 Fehlt dort der Platz, kann er anderswo in eine gewählte Himmelsrichtung weisen. Sein Maß reicht von vierzehn bis dreißig Hasta.
18.5 Darunter sind, entsprechend den verfügbaren Abmessungen, Größen bis hinab zu sechs Hasta vorgesehen. In ihrer Mitte soll eine erhöhte Fläche angelegt werden. [Die anschließende Angabe ihrer Teilmaße ist noch nicht zuverlässig aufgelöst.]
18.6 Sie soll von allen Seiten gut gestaltet, sehr glatt und aus gebrannten Ziegeln oder ähnlichem aufgeschichtet sein. Bei dieser allgemeinen Ritualausführung beginnt ihre Höhe bei einem Tala.
18.7 Ihre Höhe wird stufenweise um Angula vermehrt und auf das zugehörige Hasta-Maß gebracht. In der Mitte jeder solchen Fläche soll das Mandala liegen. [Die Bruchteilangabe für das Mandala ist in der vorliegenden Textgestalt ungeklärt.]
18.8 Es soll quadratisch sein, vier Zugänge haben und mit Rad und Lotus geschmückt werden. Südlich davon befindet sich die Ruhestätte, nördlich die Feuergrube, wie zuvor beschrieben.
18.9 Die verheißungsvolle Feuergrube hat samt ihrer Einfassung zwei Hasta und trägt Rad- und Lotuszeichen. Im Osten ist eine halb so große quadratische Grube mit einer girlandenartigen Einfassung vorgesehen.
18.10 Im Süden soll man eine mit dem Rad gekennzeichnete Grube anlegen, im Westen eine runde und im Norden eine schöne mit einem Lotuszeichen.
18.11 In sämtlichen Ecken sollen sie das Muschelzeichen tragen; ihre Maße entsprechen der oben beschriebenen Grube. Bei den vier Größenklassen der Hallen bis hinab zu zehn Hasta besitzen diese Gruben jeweils eine Einfassung.
18.12 Die zuvor genannte Hauptgrube besitzt dabei sämtliche Einfassungen. Alle Hallen unterhalb dieser Größenklasse haben nur eine Feuergrube.
18.13 Bei ihnen beträgt das erste Maß der Grube einschließlich ihrer Einfassung zweiundzwanzig Angula. Es wird jeweils um zwei Angula vermindert, bis sechzehn Angula erreicht sind.
18.14 Dies ist die Grube einer Halle von sechs Hasta; gegebenenfalls wird eine zusätzliche Einfassung angelegt. Die zuerst genannte Halle ist acht Hasta hoch; nach oben hin werden die Höhen um je einen Hasta vermehrt.
18.15 Bei den kleineren Hallen bis zu sechs Hasta soll die Höhe nicht in derselben Weise vermindert werden. Für die vier Größenklassen ab dreizehn Hasta wird die Verminderung anschließend angegeben:
18.16 acht, sieben, fünf und vier Angula der Reihe nach. Entsprechend werden auch die Breite und die Höhe der Badehallen bestimmt. [Die genaue Zuordnung der Höhenregel in 18.14–16 bleibt überprüfungsbedürftig.]
18.17 In ihrer Mitte werden sie jedoch mit Sandplattformen versehen. Genannt werden Maße von zwei beziehungsweise vier Hasta sowie eine Breite von zwei Hasta; die Höhe entspricht der vorigen Angabe. [Die syntaktische Zuordnung der beiden ersten Maße ist nicht eindeutig.]
Badeplatz und Raum für die Augenöffnung
18.18 In einer als günstig gewählten Richtung bei Bade- und Ritualhalle soll ein weiterer Raum entstehen, halb so groß wie der Hauptraum und mit einer guten Plattform und einer Ruhestätte versehen. [Der überlieferte erste Halbvers ist sprachlich beschädigt.]
18.19 Dies soll das Haus für die Öffnung der Augen des Gottesbildes sein, versehen mit glückverheißenden Kalashas. Die Grundflächen aller Räume werden mit Eckpfeilern ausgestattet.
18.20 Man umgibt sie mit schönen Geweben und versieht sie wie zuvor mit Radzeichen und anderem. Die Vorrichtung für das Bad soll sicher stehen, feste Füße haben und das Badewasser aufnehmen können.
18.21 Es folgt eine Maßregel für die Länge der Sandplattform: genannt werden ein halbes Maß, eine Vergrößerung um einen halben Hasta und eine Verringerung um vier Angula. [Ohne sichere Zuordnung der Bezugsmaße lässt sich daraus noch keine eindeutige Bauanweisung übersetzen.]
18.22 Die Breite der Badevorrichtung soll die Hälfte ihrer Länge betragen; man versieht sie mit einem Abfluss und stellt sie in die Mitte der Sandplattform.
18.23 An den Seiten des Ritualhauses werden Öffnungen für die Türen vorgesehen. [Die folgende Regel über Vergrößerung und Verkleinerung ihrer Maße ist in der vorliegenden Lesart nicht zuverlässig übersetzbar.]
Torbögen und räumliche Anordnung
18.24 Außen errichtet man Torbögen aus festem Holz, das zuvor gebührend verehrt wurde. Ihr Maß beginnt bei fünf Hasta und wird um halbe beziehungsweise ganze Hasta vergrößert.
18.25 Bei anderer Ausführung soll man sie nicht kleiner anlegen. [Die anschließende Vorschrift zum Einlassen der Pfosten in die Erde ist sprachlich ungeklärt; ein sicheres Tiefenmaß lässt sich daraus noch nicht angeben.]
18.26 Bei der Vergrößerung wird das zugehörige Maß jeweils um zwei Kala erweitert. Der Abstand zwischen den Pfosten beträgt ein Drittel der Länge, die nach Abzug des in die Erde eingelassenen Stücks verbleibt. [Die erste Maßbezeichnung bleibt unsicher.]
18.27 Alle Torbögen sollen Radbanner tragen und mit Stoffen, Girlanden und Blütenbüscheln versehen sein. Man bestreicht sie mit Kalkfarbe und anderen Farben sowie mit gelbem Sandel und ähnlichen Stoffen.
18.28 Nun wird beschrieben, wie die gesamte, auf verschiedene Bereiche verteilte Handlung in einer einzigen Ritualhalle Platz finden kann. [Der letzte Ausdruck, der eine Ausnahme oder Einschränkung nennt, ist ungeklärt.]
18.29 Man sieht eine Fläche von fünfunddreißig Hasta vor und legt in ihrer Mitte sieben Plattformen von je vier Hasta an. [Die genaue Bedeutung des zusätzlichen Viertelmaßes für die Gesamtfläche bleibt offen.]
18.30 Zwischen den Plattformen soll jeweils ein Tala Abstand liegen. Durch stufenweise Verminderung um je einen Hasta kann die Plattformfläche bis auf zwei Hasta verkleinert werden.
18.31 Dabei vermindert man das Maß, bei acht Angula beginnend, jeweils um zwei Angula. Für eng beieinanderliegende Plattformen wird ein Abstand von zwei Golaka genannt. [Wie diese beiden Regeln auf die Größenklassen zu verteilen sind, bleibt zu klären.]
18.32 Entsprechend wird die Höhe sämtlicher Plattformen angegeben. Das Maß des ringsum vorgesehenen Ganges richtet sich hier nach der jeweiligen Plattform.
Vereinfachung bei begrenzten Möglichkeiten
18.33 Bei Platzmangel kann man auf diese Weise vorgehen und die zuerst genannten beiden Hallen zusammenfassen. Die Plattform des mittleren Mandalas liegt dann südlich davon. [Der genaue räumliche Bezug dieser Angabe ist noch offen.]
18.34 In der Nähe liegen die Ruhestätte und der Platz für die Krüge. Links daneben wird die Darbringung der Gaben mit Mantras vollzogen.
18.35 An einem weiteren Platz findet das Feueropfer mit den vedischen Texten des Rig-, Yajur- und Samaveda statt. Für die Augenöffnung und das Ruhen sind weitere entsprechende Plätze vorgesehen. [Die genaue Abgrenzung der letzten beiden Plätze bleibt sprachlich unsicher.]
18.36 Die den acht Richtungen des Tempels zugeordneten Murtipas, die betreuenden Ritualpriester, vollziehen ihre Aufgaben wie beschrieben an den Opferflächen oder Feuergruben. Der Lehrer kann diese Aufgaben auch selbst übernehmen.
18.37 Er vollzieht das Feueropfer in seiner eigenen Grube und im anderen, den vier Veden zugehörigen Opferbereich. Er kann auch sämtliche Handlungen der Murtipas selbst ausführen,
18.38 wenn die erforderlichen Mittel oder geeignete Ritualpriester fehlen. Ihr Zweimalgeborenen, so errichtet man eine neue Halle für das Opfer.
Sorgfalt und angemessene Möglichkeiten: Der Text berücksichtigt fehlende Mittel und fehlende Ritualpriester. Diese Anpassungsregeln gehören zur Quelle selbst. Für heutige Yoga-Aspiranten kann daraus die Anregung entstehen, die eigene Sadhana gewissenhaft und den tatsächlichen Möglichkeiten entsprechend zu gestalten.
18.39 Man schmückt sie mit den zuvor genannten vielfältigen Verzierungen und stellt, im Osten beginnend, acht Banner auf, unterschieden durch Weiß, Rot und die weiteren Farben.
18.40 Auch an der mittleren Vedi wird die vorgeschriebene Aufstellung vorgenommen. Mit gesammeltem Geist trägt man alle dafür benötigten Gegenstände zusammen.
Keimlinge und die Sammlung des Lehrers
18.41 Am siebten oder fünften Tag vor dem Haupttag setzt man die Keimlinge an; danach beginnt man die weiteren Ritualhandlungen.
18.42 Am Tag vor dem Haupttag hat der vortreffliche Lehrer gebadet. Er trägt weiße Kleidung und eine Girlande, hat den Nyasa vollzogen und ist tief im Geist beruhigt.
18.43 Er hat seine täglichen Pflichten erfüllt und tritt, festlich geschmückt, zur vorbereitenden Weihe hinzu. Alle nötigen Mittel und das Gefäß für das Arghya stehen ihm zur Verfügung.
18.44 Er nimmt den glückverheißenden Krug und meditiert im Herzen über Achyuta, den Unvergänglichen. Ihn begleiten Ekayana-Brahmanen, die der heiligen Agama-Überlieferung hingegeben sind,

18.45 ebenso die mit den vedischen Rezitationen betrauten Priester, die bis in ihren Grund vom Herrn erfüllt sind. Dazu erklingen große Trommeln, weitere Schlaginstrumente und Muschelhörner.
18.46 Während die gepriesenen vedischen Texte aus Rig-, Yajur- und Samaveda rezitiert werden, verehrt er die Torhüter und betritt die Ritualhalle.
18.47 Er vergegenwärtigt sich die göttliche Durchdringung seines Sitzes, verehrt sie und setzt sich westlich der mittleren Plattform mit dem Gesicht nach Osten nieder.
18.48 Vor sich stellt er den glückverheißenden Kalasha auf seine Unterlage. Die mit den vedischen Texten betrauten Brahmanen lässt er wie zuvor ihre Plätze einnehmen.
18.49 Die zuvor genannten verheißungsvollen Ritualgegenstände, um die zusätzlich benötigten ergänzt, bringt man jeweils dorthin, wo sie gebraucht werden.
18.50 Ein kundiger Mantra-Unterweiser, verständnisvoll, einsichtig und geschickt im Ritual, soll bei allen erforderlichen Gelegenheiten mitwirken.
18.51 Er erhält seinen Platz zur Rechten des Lehrers, ihr Brahmanen. Dieser verweilt einspitzig und gesammelt und vergegenwärtigt sich selbst den geistigen Gehalt der Handlungen von Feueropfer und Verehrung,
18.52 von den einleitenden inneren Vorgängen bis zum Nyasa, ohne seine Aufmerksamkeit auf anderes zu richten. Er vollzieht sämtliche Schritte von der Reinigung der Hände bis zur Einsetzung des Chakra und der weiteren göttlichen Zeichen. [Der genaue Wortlaut der ersten inneren Handlung, hṛtpatti, bleibt erklärungsbedürftig.]
18.53 Nachdem er alles der Reihe nach getan hat, lässt er die Segensverkündigung Punyaha sprechen. Nach der zuvor beschriebenen Vorschrift verehrt er die Kalashas und verbindet dies mit dem Homa.
Tore und Banner
18.54 Danach stellt er die Torbögen und Banner auf und verehrt die Vierergruppe, die mit Satya beginnt, an der mittleren Vedi und im Zusammenhang mit den acht Bannern,
18.55 im Osten beginnend, gemäß der Ordnung von Hervortreten und Rücknahme. Anschließend lässt er die Rigveda-Rezitatoren den Text mit dem Anfang „uta devā avahitā“ vortragen.
18.56 An den vier Torbögen der vier Hauptrichtungen verehrt er, im Osten beginnend, der Reihe nach Sushobhana, Subhadra und Sugandha
18.57 und als vierten Sunetra. Über jedem Torbogen verehrt er sodann das Chakra zusammen mit dem Herrn der Vögel, Garuda, ihr vortrefflichen Weisen.
18.58 Oder diese Verehrung findet bereits vorher zusammen mit der Verehrung der Torhüter statt. Danach lässt er die Kenner des Samaveda den den Torhütern zugehörigen Saman singen.
Das Abholen des Gottesbildes
18.59 Dann geht er, Arghya und Blumen tragend und von den Murtidharas begleitet, dorthin, wo der Herr des Alls mit seinem Sockel und der Brahmashila bereitsteht.
18.60 Dort vollzieht er an ihnen die rituelle Betrachtung, das Berühren beziehungsweise Anschlagen und die weiteren vorbereitenden Handlungen. Danach badet er sie mit Wasser aus Badegefäßen, das mit dem Chakra-Astra-Mantra geweiht wurde.
18.61 Dabei verwendet er weißen Senf, die fünf Kuhprodukte sowie die genannten Erd-, Aschen- und Heilpflanzenwässer, darunter Wasser mit Erde aus einem Ameisenhügel und mit der als Chakranka bezeichneten Pflanze.
18.62 Nach dem Abwaschen und Verehren hebt man das Gottesbild an und spült es mit Astra-geweihtem Wasser. Man verehrt es mit Arghya und nimmt dann die mit jenem Mantra geweihten Senfkörner,
18.63 um sie an seiner rechten Hand zu befestigen. Dabei lässt man die als Prarohana bezeichnete Rik rezitieren und bringt die vorgesehenen Perlen beziehungsweise Schmucksteine am Schutzband an.
18.64 Man umhüllt das Gottesbild ringsum, hebt es auf einen vorzüglichen Wagen und stellt rechts von ihm die Rezitatoren des rituellen Beginns auf.
18.65 Links stellt man die Brahmanen der vedischen Rezitation, jeweils zu viert, auf. Der Lehrer geht selbst voraus, vergegenwärtigt sich das Astra und beseitigt so die Hindernisse.
18.66 Ihn begleiten Tanz, Gesang, Instrumentalmusik, Lobpreis und Segensrezitationen sowie die Rigveda-Kundigen, die „idaṃ viṣṇur vicakrama“ rezitieren.
18.67 Danach lässt er die Ekayana-Kundigen den mit „oṃ namo brahmaṇe“ beginnenden Text vortragen, ebenso das Shakuna-Sukta zusammen mit dem Shri Sukta.
Zu den Mantra-Anfängen: Die Samhita nennt häufig nur den Beginn eines bereits bekannten Rezitationstextes. Solche Anfänge werden hier nicht zu vermeintlich vollständigen Mantras ergänzt. Die Weihe setzt eine lebendige Lehr- und Ritualüberlieferung voraus.
18.68 Bittsteller stellt man nach den eigenen Möglichkeiten durch Gold und andere Gaben zufrieden. Dann bringt man das Gottesbild zum Ritualplatz und hebt es vom Wagen oder der anderen Tragevorrichtung herab.
18.69 Man stellt es unter einem Torbogen aus festem Holz auf. Am Badeplatz bringt man darauf mit dem Astra-Mantra Ghee und Sesam als Feueropfer dar.
18.70 Oder man bringt zuerst den Sockel samt Brahmashila herbei und setzt ihn auf der Vedi auf die am Boden stehende Bhadrapitha-Unterlage.
Große und ortsfeste Gottesbilder
18.71 Dann bringt man das Gottesbild und stellt es auf die Pindika. Für die Aufstellung eines großen Gottesbildes wird nun eine besondere Regel erklärt, ihr Brahmanen.
18.72 Man belässt es zunächst wie zuvor in der Werkhalle, badet es vorschriftsgemäß zur Reinigung seiner Gestalt und vollzieht danach die Öffnung der Augen.
18.73 Man führt ein großes rituelles Bad aus oder badet das Bild mit reichlich Wasser. Die Steine und die übrigen Bestandteile erhalten ein kleineres Bad samt Verehrung.
18.74 Viele Murtipas und weitere Helfer heben es an und bringen es auf dem Wagen mit großer Sorgfalt in das Innere des Tempels.
18.75 Nachdem man die Edelsteine vorschriftsgemäß eingelegt hat, setzt man das große Gottesbild auf seinen Sockel. Die weiteren Ritualhandlungen vollzieht man dann vollständig am Karmabimba, dem für den täglichen Kult bestimmten Bild.
18.76 Das befestigende Einschließen der Mantras ist dort für den Eintritt des bestimmten astrologischen Aszendenten vorgesehen. Alles, was vor dem großen rituellen Bad liegt,
18.77 soll zuvor bis zum Abschluss ausgeführt sein, ihr großen Weisen. Man richtet die Handlungen so ein, dass der günstige Muhurta, der festgelegte Ritualzeitpunkt, nicht verpasst wird.
18.78 Entsprechend verfährt man bei gemalten und anderen Gottesbildern, ihr vortrefflichen Weisen. [Die Ausnahmeformulierung mit Edelsteinen, brahma und Stein ist in der vorliegenden Lesart noch ungeklärt.]
18.79 Das Bad und die entsprechenden Handlungen führt man am Karmabimba oder an einem daneben aufgestellten Spiegel aus. Fehlt ein solches Kultbild, werden das Niederlegen zur Ruhe und die weiteren Handlungen auf einer rituellen Unterlage vollzogen.
18.80 Man vollzieht alles vom Einbringen bis zum abschließenden Fest. Wenn die Weihe zusammen mit den Shaktis, den für die Kulthandlungen bestimmten Bildern sowie Garuda und den weiteren Begleitgestalten
18.81 gemeinsam mit dem Hauptbild ausgeführt wird, bringt man auch diese Bilder auf den Ritualplatz.
18.82 Nachdem das Gottesbild auf diese Weise hereingebracht worden ist, stellt man die Gefäße für sein Bad auf. Oder man beginnt bereits am dritten Tag vor dem Haupttag:
18.83 Der Acharya verehrt nach der zuvor beschriebenen Ordnung die Kalashas samt Feueropfer und betritt zusammen mit den Murtipas die Werkhalle.
18.84 Am Nachmittag badet er das Bild vorschriftsgemäß zur Reinigung seiner Gestalt und lässt es anschließend vorbereitend im Wasser verweilen.
18.85 Am folgenden Morgen erfüllt der Lehrer seine täglichen Pflichten, hebt das Bild aus dem Wasser und bringt es auf den Ritualplatz.
Die Weisen fragen:
Die Frage nach dem Wasseraufenthalt
18.86 Wie soll dieses vorbereitende Verweilen im Wasser ausgeführt werden, großer Weiser? Erkläre uns seine Ordnung ausführlich, du bester Redner.
Nārada antwortet:
18.87 Hört die Ordnung des Jaladhivasana, ihr vortrefflichen Weisen. Sie dient der Reinigung des Tempels und ebenso der Reinigung des Gottesbildes,
18.88 dem Ausgleich von zu kleinen oder zu großen Maßen, dem Wohlergehen der Welt und dem vollständigen Gelingen aller vorgesehenen Handlungen.
18.89 Schon vor Beginn der eigentlichen Weihehandlungen vollzieht man an einem günstigen Tag das Bad mit den fünf Kuhprodukten und den weiteren vorgeschriebenen Stoffen, dazu Puja, Homa und Japa
18.90 mit dem jeweils eigenen Mantra. Wo dies zuvor aus irgendeinem Grund nicht geschehen ist, führt man nun das rituelle Verweilen im Wasser aus.
Das geeignete Wasser
18.91 Wenn die Möglichkeit besteht, vollzieht man den Wasseraufenthalt vorschriftsgemäß in einem Fluss, einem länglichen Wasserbecken, einem Teich, einem Quellbach oder einem See.
18.92 Ist das nicht möglich, verwendet man eine Wasserwanne, einen Metallkessel oder ein anderes verfügbares Gefäß, etwa aus Ton.
18.93 Nicht geeignet sind Stellen mit wenig Wasser, bei Verbrennungsplätzen oder mit Salzwasser; ebenso Wasser, das scharf, zusammenziehend oder bitter schmeckt oder durch Schaum verunreinigt ist.
18.94 Der Text schließt außerdem Stellen bei Chaitya-Bäumen, bei Wohnstätten gesellschaftlich als niedrig Eingestufter sowie verfärbtes, spärliches, salzhaltiges oder mit Algen bewachsenes Wasser aus. [Die soziale Abgrenzung gehört zur historischen Ritualordnung; sie ist keine hier übernommene Bewertung von Menschen.]
Historisch gebundene Reinheitsregeln: Die sozialen Ausschlüsse der Quelle werden als historische Aussagen wiedergegeben. Für die heutige Yoga-Praxis lässt sich die Aufmerksamkeit für einen sauberen, ruhigen Übungsort aufnehmen, ohne die damaligen Rangordnungen zwischen Menschen zu übernehmen.
18.95 An solchen als ungeeignet geltenden Stellen soll man den Wasseraufenthalt nicht durchführen. An einem geeigneten Ort lässt man das Bild eine, drei oder fünf Nächte im Wasser verweilen.
18.96 Je nach Ort und Zeit kann der Wasseraufenthalt auch unmittelbar vollzogen werden. Am dritten, fünften oder siebten Tag vor dem Weihetag
Vorbereitung und Prozession zum Wasser
18.97 betritt man am Nachmittag die Werkhalle, besprengt das Gottesbild mit dem Astra-Mantra und führt die rituelle Berührung beziehungsweise das Anschlagen aus
18.98 mit weißem Senf, Sesam und Darbha-Gras, die mit dem Astra-Mantra geweiht wurden. Zur Reinigung seiner Gestalt badet man es mit den sechs vorgeschriebenen Stoffen, beginnend mit weißem Senf.
18.99 Man schmückt es mit Gewändern, Schmuckstücken und Blumen, bindet wie zuvor das Schutzband an und hebt es auf einen Wagen oder eine andere geeignete Trage.
18.100 Wie zuvor erklingen vedische Rezitationen, Muschelhörner und Trommeln; vielfältiger Tanz und Gesang sowie weitere glückverheißende Darbietungen begleiten den Zug.
18.101 Man führt das Bild in einer Rechtsumwandlung durch Dorf oder Stadt und um den Tempel und bringt es zusammen mit den Murtipas zum vorgesehenen Gewässer.
18.102 In einem Unterstand nahe am Wasser hebt man es vom Wagen oder der anderen Trage und setzt es auf eine Unterlage, mit dem Gesicht nach Osten oder Norden.
Die Halle im Wasser
18.103 Im Wasser errichtet man eine verheißungsvolle Halle, die Wind und Regen standhält. Sie hat vier Pfeiler und vier geschmückte Torbögen.
18.104 Sie wird mit einem Baldachin und Bannern versehen, mit einer Darbha-Girlande umgeben und mit verschiedenen Früchten und als reinigend geltenden Baumzweigen ausgestattet.
18.105 Perlenketten und Blumengirlanden schmücken sie. In den Ecken stehen Leuchten; auch Chamara-Wedel gehören zu ihrem Schmuck.
18.106 Nachdem dies vorbereitet ist, lässt man die Punyaha-Segensverkündigung ertönen. Man reinigt das Wasser rituell wie zuvor und stellt in seiner Mitte
18.107 eine dem Gottesbild angemessene Bhadrapitha-Unterlage mit Decke und Kissen auf. Darauf bildet man den durch Mantra geweihten Sitz.
18.108 Man vergegenwärtigt darauf Ananta und verehrt ihn mit Arghya, Duftstoffen und den weiteren Gaben. Mit dem Grundmantra des Gottesbildes bringt man dann Arghya und Wasser für die Füße dar,
18.109 ebenso duftendes Wasser zum rituellen Mundspülen, Duftsalbe, heilige Schnur und Obergewand, Schmuck und Girlanden sowie Licht und Räucherwerk in der vorgeschriebenen Reihenfolge.
Die Rückführung der Elemente in der Meditation
18.110 Nach diesen Gaben bestreicht man das Bild mit Ghee und vergegenwärtigt sich die Folge der Rücknahme. Diese Ordnung der Auflösung werde ich nun erklären; hört aufmerksam zu, ihr Brahmanen.
18.111 Der Mantra-Kundige meditiert über sich selbst als den alles durchdringenden, allwissenden, unvergänglichen Vishnu. Von dieser inneren Haltung erfüllt, vollzieht er das Adhivasana Vishnus.
18.112 Mit dem Pranava hebt er das mit dem Kultbild verbundene Lebensprinzip empor, lässt es aus ihm heraustreten und vereinigt es mit sich selbst als Hari, dem Herrn des Alls.
18.113 Er reinigt in der Meditation das unreine Erdelement: Er verbrennt es mit dem durch die Keimsilbe verbundenen Feuer, durchflutet es mit Wasser, trocknet es durch Wind und lässt es im Feuer aufgehen.
18.114 Das Feuer nimmt er in den Wind zurück und führt den Wind in den Raum über, zusammen mit den inneren und göttlichen Entsprechungen, den Erkenntnis- und Handlungskräften und ihren Gegenständen.
18.115 Der Lehrer nimmt sie der Reihe nach in ihre feinstofflichen Grundlagen zurück. Er löst den Raum im Geist auf, den Geist im Ich-Prinzip
18.116 und dieses im großen kosmischen Prinzip, Mahat. Auch dieses führt er in die Einheit mit dem Unentfalteten zurück, im höchsten Raum: friedvoll, unendlich, ungeteilt und von der Natur des Erkennens.
18.117 Er meditiert über den Friedvollen, der in höchster Glückseligkeit ruht, in dem das Unentfaltete mit seinen Zuständen aufgegangen ist und dessen Wesen es trägt.
18.118 Diesen erkenne man als Vasudeva, das Selbst aller, den Herrn, der alles hervorbringt. In ihn nimmt der Lehrer die Erde und die übrigen Elemente zurück.
Innere Rückführung: Die äußere Waschung wird durch eine Meditation vorbereitet, in der die Vielfalt in ihren Ursprung zurückgenommen wird. Vasudeva erscheint als das Selbst aller. Diese Passage beschreibt eine spezifische tantrische Ritualmeditation; sie ist keine bloße Anleitung zum gedanklichen Wegdrücken von Empfindungen.
Das Niederlegen im Wasser
18.119 Nachdem er so in der rechten Weise meditiert hat, umhüllt er das Gottesbild mit einem Gewand und bedeckt es mit schönen Stoffen, Darbha-Gras, Girlanden und den weiteren vorgesehenen Dingen.
18.120 Der Acharya wird von den Murtipas begleitet, die die vier umfassenden Mantras oder das Shakuna-Sukta rezitieren, sowie von den weiteren, den drei Veden verbundenen Priestern,
18.121 die ganz der Rezitation der heiligen Überlieferung gewidmet sind. Gemeinsam tragen sie das Bild vom Ufer ins Wasser; der Lehrer legt es dort selbst auf die Plattform nieder.
18.122 Mit dem Mantra, das mit „ambhasy“ beginnt, legt er es mit dem Kopf nach Osten und dem Gesicht nach Norden. Verschiedene Trommeln lässt man in alle zehn Richtungen erschallen,
18.123 begleitet von Siegesrufen, Gesang und der Punyaha-Segensverkündigung. Nach dem geordneten Atmanyasa schützt er die Himmelsrichtungen mit dem Astra-Mantra.
18.124 Mit dem Netra-Mantra betrachtet er das Bild rituell; mit dem Kavacha-Mantra umgibt er es wie mit einer schützenden Hülle. Rings außerhalb dieses Ortes vergegenwärtigt er die Lokapalas, die Hüter der Weltrichtungen.
18.125 Am Ufer stellt er einen mit einer Schnur und zwei neuen Gewändern umwundenen Krug auf, versehen mit einem Deckel und frischen Zweigen.
18.126 Zu seiner Rechten stellt er ebenso ein Karaka-Gefäß auf. Ringsum setzt er die Kalashas der Richtungshüter, von Indra bis Ishana,
18.127 versehen mit Gewändern, Deckeln, Gold und Grasbüscheln. In den Hauptkrug ruft er Vishakhayupa herab, in das Karaka-Gefäß Sudarshana.
18.128 Er ruft Indra und die übrigen Richtungshüter in die acht Kalashas herab und verehrt sie mit Arghya und den weiteren Gaben. Hauptkrug und Karaka stellt er an die Kopfseite des Gottesbildes.
18.129 Die acht Kalashas ordnet er der Reihe nach rings um das verehrte Bild an. In den Ecken stellt er die Palika-Gefäße auf und sorgt dafür, dass die Lampen nicht verlöschen.
18.130 Er zeigt die Chakra-Mudra und die Raksha-Mudra. Von diesem Zeitpunkt an soll in jenem Wasser keine gewöhnliche weltliche Verrichtung stattfinden.
Stellvertretendes Adhivasana
18.131 Bilder aus Holz, Metall und Stein werden unmittelbar in das Wasser gelegt. Bei den übrigen wird ein Chayadhivasana vollzogen, ein stellvertretender Wasseraufenthalt.
18.132 Dessen Ordnung werde ich euch genau erklären, ihr vortrefflichen Weisen. Das Bad zur Reinigung der Bildgestalt vollzieht man dabei an einem Spiegel.
18.133 Alle übrigen Handlungen führt man, ihr Brahmanen, wie zuvor am Gottesbild aus. Vor ihm stellt man für dieses stellvertretende Adhivasana
18.134 eine Wasserwanne, einen Metallkessel oder ein Gefäß aus Ton oder Holz auf eine Getreideaufschüttung.
18.135 Man füllt es mit duftendem Wasser, klar wie reiner Bergkristall, und bereitet wie zuvor eine verheißungsvolle Unterlage aus Darbha-Grasbüscheln.
18.136 Aus achtundzwanzig Darbha-Halmen fertigt man einen Kurcha-Büschel, ihr vortrefflichen Brahmanen. Der Lehrer ruft darin vorschriftsgemäß den Jagadguru, den Lehrer der Welt, herab.
18.137 Er verehrt ihn mit Arghya, Duftstoffen und den weiteren Gaben und vergegenwärtigt sich die Ordnung der inneren Rücknahme. Dann legt er die rituelle Unterlage im Wasser nieder, mit dem Kopfende nach Osten.
Das Material wird berücksichtigt: Ein empfindliches Bild muss nicht selbst im Wasser liegen. Spiegel, Grasbüschel und rituelle Unterlage können stellvertretend verwendet werden. Die Aufmerksamkeit richtet sich auf die angerufene Gegenwart und bleibt zugleich sorgfältig gegenüber dem Gegenstand.
18.138 Nach der Chakra-Mudra stellt man Hauptkrug und weitere Gefäße wie zuvor auf. Auch für die Shaktis wird eine entsprechende rituelle Unterlage bereitet, ihr Brahmanen.
18.139 Oder man fertigt vorschriftsgemäß einen Büschel aus drei Darbha-Halmen und vollzieht auch für jede von ihnen gesondert das stellvertretende Adhivasana.
18.140 Man bedeckt die gesamte Gestalt des Gottesbildes ringsum mit einem neuen Gewand und streut weißen Senf auf die Erde.
18.141 Mit dem Mantra-Anfang „rakṣohaṇa“ vollzieht man den Schutz ringsum. Alles, was hier nicht ausdrücklich genannt ist, führt man wie zuvor beschrieben aus.
18.142 Bei einem Bild aus Ton oder einem Wandbild betritt der Lehrer den Tempel und vollzieht das stellvertretende Adhivasana dort im Inneren.
18.143 Für andere Bilder errichtet der Guru bei der Ritualhalle wie zuvor einen Mandapa oder eine Hütte und führt das stellvertretende Adhivasana dort aus.
18.144 Für Bilder aus Holz, Metall und Stein vollzieht man, wenn die Mittel vorhanden sind, den Wasseraufenthalt in einem Gefäß wie einer Wasserwanne.
18.145 Auch dann findet er innerhalb einer Halle statt; man kann dafür auch die eigens für das Bad errichtete Halle benutzen.
18.146 Oder man verwendet den Badeplatz in der Ritualhalle. Nachdem der vortreffliche Lehrer den Wasseraufenthalt so vollzogen hat,
Reinigung und Ausstattung des Tempels
18.147 trägt er alle für die Weihe beschafften Gegenstände zusammen und reinigt den Tempel und die übrigen Räume.
18.148 Er lässt durch einen Brahmanen das umkreisende Feuerritual ausführen. Das Heiligtum wird ausgefegt und mit dem rituellen Kuhdungauftrag gereinigt.
18.149 Man schmückt es ringsum mit Kalkpulver, ungebrochenen Reiskörnern und weiteren Gaben, besprengt es mit den fünf Kuhprodukten und entzündet überall Leuchten.
18.150 Man schmückt es mit Baldachinen und anderem und räuchert es mit duftenden Stoffen aus. Danach nennt der Text Personen, die vom Ritual ausgeschlossen werden sollen: Nastikas, die die anerkannte religiöse Autorität bestreiten, Übertreter der geltenden Ordnung und solche, die Götter oder Brahmanen schmähen,
18.151 ferner Menschen, denen verwerfliche Handlungen zugeschrieben werden, öffentlich Getadelte, Verleumder, religiöse Abweichler, Menschen mit als niedrig geltendem Lebenswandel, Angehörige der als Pratiloma bezeichneten Abstammungsgruppen und Neidische,
18.152 auch Habgierige, Toren und Unkundige; sie sollen draußen bleiben. [18.150–152 gibt historische religiöse und soziale Ausschlussregeln wieder. Diese Wertungen sind keine allgemeine spirituelle Anweisung dieser Ausgabe.] Am Nachmittag des einleitenden Ritualtages begibt sich der Guru selbst
Die Rückkehr aus dem Wasser
18.153 zusammen mit den Murtipas zum Ort des Wasseraufenthalts und hebt das Gottesbild, den Hauptkrug und die weiteren Kalashas aus dem Wasser.
18.154 Er entlässt die in den Gefäßen angerufenen Gottheiten aus ihrem vorübergehenden Sitz, stellt das Bild auf eine Unterlage am Ufer mit dem Gesicht nach Osten und spült es mit Wasser ab.
18.155 Metallbilder werden dabei mit Tamarindenfruchtwasser gereinigt. Dann vollzieht er wie zuvor vorschriftsgemäß die geistige Folge der erneuten Hervorbringung, ihr großen Weisen.
18.156 Er schmückt das Bild mit schönen Gewändern, Schmuck und Blumen und hebt es auf die Trage beziehungsweise den Wagen, begleitet von Muschelhörnern, Trommeln und den weiteren Instrumenten.
18.157 Nach einer Rechtsumwandlung durch das Dorf oder um den Tempel bringt man das Bild herbei, hebt es vom Wagen und setzt es in der Ritualhalle ab.
18.158 Am zuvor bestimmten Platz beginnt der Guru anschließend das rituelle Bad. Bei gemalten und entsprechenden anderen Bildern betritt er zusammen mit den Murtipas den Tempel,
18.159 hebt den zuvor stellvertretend ins Wasser gelegten Grasbüschel heraus und nimmt vom Gottesbild Gewänder, Schmuck und Girlanden ab.
Die drei Badeordnungen
18.160 Auf der für die Badegefäße vorgesehenen Plattform richtet er die zuvor beschriebene Badeordnung namens Sthulapara ein, ihr Brahmanen.
18.161 Wenn eine gesonderte Badehalle von Osten nach Westen vorgesehen ist, ordnet man die Badebereiche entsprechend an, zunächst links vom Gott der Götter.
18.162 Die Sthulapara-Anordnung erstreckt sich von der Feuerecke im Südosten bis zum südwestlichen Bereich. Die Sthulasukshma-Anordnung liegt hinter dem Gottesbild,
18.163 von der Ishana-Ecke im Nordosten bis zum südöstlichen Bereich. Rechts vom Gottesbild folgt die weitere Anordnung von Ishana bis Vayu im Nordwesten,
18.164 die als Sthulasthula bezeichnet wird. Am Tag des vorbereitenden Adhivasana vollzieht man das Sthulapara-Bad.
18.165 Am Weihetag vollzieht man das Sthulasukshma-Bad; am vierten Tag findet das Sthulasthula-Bad statt.
18.166 Der Guru richtet an jedem dieser Tage die entsprechende Badeordnung ein. Nachdem er die Badegefäße so wie zuvor der Reihe nach aufgestellt hat,
Die beiden Ruhestätten
18.167 bereitet er nach Abschluss ihrer Darbringung zwei Ruhestätten. Zuerst richtet er die für die Öffnung der Augen bestimmte Ruhestätte her.
18.168 Er besprengt die Plattform mit dem zwölfgliedrigen Mantra und breitet reichlich Darbha-Gras mit den Spitzen nach Osten oder Norden aus.
18.169 Darauf häuft er fünf Bhara unenthülsten Reis oder die Hälfte dieser Menge, rund oder quadratisch, und legt Decken darüber.
18.170 Er ergänzt verschiedene Kissen und die übrige Bettausstattung und stellt glückverheißende Krüge in den acht Richtungen auf.
18.171 Dann bereitet er die Ruhestätte für das Adhivasana des Gottesbildes. Dazu gestaltet er auf der Vedi ein Swastika-Mandala,
18.172 mit Pulver oder Blüten in vier leuchtenden Farben. Darüber breitet er Darbha-Gras aus, dessen Spitzen nach Osten und Norden weisen.
18.173 Er schüttet fünf Bhara unenthülsten Reis darauf, halb so viel reinen enthülsten Reis und wiederum halb so viel Sesam.
18.174 Diese Schichten werden übereinander angelegt, ganz oben gerösteter beziehungsweise gepuffter Reis. Darüber kommt ein festes, glatt gearbeitetes hölzernes Bettgestell mit vier Rahmenteilen
18.175 und vier Füßen, rechteckig und geräumig: das als Khatva bezeichnete Lager.
18.176 Darauf legt man feines Gewebe und eine weiche Matratze mit ihrer Ausstattung. Man kann auch nur eine Matratze verwenden, ihr Brahmanen.
18.177 Lässt man Bettgestell und Polster weg, legt man auf den gepufften Reis eine neue rote Decke und darauf ein neues Baumwolltuch.
18.178 Dazwischen legt man ein Leinentuch, darüber ein gemustertes Tuch, ergänzt durch ein Kopfkissen und eine Fußpolsterrolle.
18.179 Alle Stoffe sollen neu und sauber sein, auch die seitlichen Kopfkissen. Sie werden mit Wohlgeruch beräuchert und sollen nach Blumen duften.
Kalashas und glückverheißende Zeichen
18.180 In den Richtungen von Indra bis Ishana stellt man gleichartige, glatte Kalashas auf, mit Wasser gefüllt, mit Schnüren umwunden und mit Deckeln und Gewändern versehen,
18.181 ausgestattet mit Edelsteinen und Zweigen, jeweils auf Getreidehäufchen. In der Reihenfolge der Richtungen, bei Indra beginnend, werden die Zeichen Muschel, Rad, Keule, Lotus und Banner
18.182 sowie Shrivatsa, Garuda und Schildkröte aus Gold in die Gefäße gelegt. Zwischen den Krügen ordnet man auf Getreide die glückverheißenden Zeichen an:
18.183 Muschel, Rad, Lakshmi, Krug, Shrivatsa, Spiegel, Swastika und ein Fischpaar – diese bilden die acht glückverheißenden Zeichen.
18.184 In den Ecken stellt man ebenso die mit Stoff bedeckten Palika-Gefäße auf. Nachdem man so beide Ruhestätten bereitet hat, verehrt man unter ihnen
18.185 Ananta, den Träger von allem, und darüber den alles durchdringenden Herrn. Man verehrt ihn, im Osten beginnend, nach der Ordnung von Hervortreten und Rücknahme.
Ergänzendes Video zur spirituellen Praxis; kein Bestandteil der Samhita.
18.186 Man lässt das Sarpa-Saman und die weiteren vorgesehenen Texte rezitieren und bringt mit dem Grundmantra hundertacht Opfergaben dar. [Der Ausdruck über die von Wissen und Kraft geprägte Benennung ist noch nicht eindeutig erklärt.] Danach bereitet man
18.187 ein reinigendes Mandala aus den glückverheißenden Farben, beginnend mit Weiß. Nach einem Feueropfer zum Ausgleich von Mangel und Übermaß bereitet man die Feuergruben rituell vor.
18.188 Neben jeder Feuergrube verehrt man in einem Krug die vierfache göttliche Gestalt nach der Ordnung von Hervortreten und Rücknahme.
18.189 Oder man verehrt in den Hauptrichtungen die mit dem Herzen beginnenden Mantragestalten und in den Zwischenrichtungen die zugehörige Astra-Gestalt. Man bringt dafür die volle Opfergabe dar und lässt „pūrṇāt pūrṇam“ rezitieren.
18.190 Daran wirken die Ekayana- und Yajurveda-Kundigen mit ihrer Rezitation mit. Nachdem alles so vollzogen worden ist, begibt man sich zum Gottesbild.
Das vorbereitende Bad
18.191 Der Guru verehrt das Bild mit Arghya und den weiteren Gaben und beginnt das Bad. Zuerst besprengt er es mit dem Astra-Mantra und dem Wasser des glückverheißenden Kalasha.
18.192 Danach badet er es mit dem vorgesehenen Erdwasser. Im Anschluss an das Bala-Mantra lässt er die Kushmanda-Texte rezitieren.
18.193 Es folgt das Bad aus dem Gefäß mit Kuhdungwasser, begleitet vom Textanfang „iha gāvaḥ“. Mit heiliger Asche wird das Bild behandelt, während das mit „bhūtis tvam“ beginnende Mantra rezitiert wird.
18.194 Anschließend folgt das Bad mit den fünf Kuhprodukten unter Rezitation des Shakara-Textes. Man verehrt das Bild wie zuvor und spült es vorschriftsgemäß mit Wasser aus dem Chamasa-Gefäß ab.
18.195 Danach übergießt man es mit reinem Wasser und verehrt es. Dieses Bad wird zur Beseitigung der beim Herstellen des Bildes entstandenen Mängel beschrieben.
18.196 Dann legt man ihm, ihr Brahmanen, Unter- und Obergewand an. Auf der für die Öffnung der Augen vorbereiteten Ruhestätte
18.197 legt man das Gottesbild mit dem Kopf nach Osten nieder und bedeckt es ringsum mit Decken und den weiteren vorgesehenen Stoffen.
Honig, Ghee und die Öffnung der Augen
18.198 Vorn stellt man auf eine Getreideaufschüttung ein goldenes und ein silbernes Gefäß, jeweils mit einem Adhaka Fassungsvermögen, und füllt sie der Reihe nach
18.199 mit Honig und Ghee. Im Honiggefäß meditiert man über den Herrn des Mantras inmitten des Sonnenkreises, strahlend wie zehntausend Sonnen,
18.200 und verehrt ihn. Im anderen Gefäß vergegenwärtigt man ihn im Mondkreis, ihr großen Weisen, und verbindet dies mit der Dhenu Mudra.
18.201 Man vergegenwärtigt sich das zu Surabhi gehörende Mantra, leuchtend wie hundert strahlende Monde, und in seinem Inneren den Herrn des Mantras, hell wie das Schneegebirge.
18.202 Er stellt sich vor, wie Ströme von Amrita aus Mond und göttlicher Kuh hervorgehen und das Bild ganz durchdringen. Dazu gehört das Mantra mit dem Anfang „madhu vāta“.
18.203 Ghee und die weiteren Stoffe weiht er mit Mantra und bedeckt sie mit einem Tuch. Vorgesehen sind ein goldener und ein silberner Stift von jeweils acht Angula Länge.
18.204 Oder man verwendet nur einen goldenen Stift, ihr vortrefflichen Brahmanen. Ringsum stellt man in Gefäßen die acht Getreidearten auf.
18.205 Man führt Kühe und festlich geschmückte junge Mädchen herbei und lässt sie seitlich Aufstellung nehmen. Vedische Rezitation soll erklingen.
18.206 Der Lehrer weiht selbst den goldenen Stift mit dem Netra-Mantra, bestreicht ihn mit Honig und zeichnet damit vorsichtig das rechte Auge nach.
18.207 Dabei vergegenwärtigt er sich mit dem Netra-Mantra das höchste Licht. Das linke Auge zeichnet er mit demselben, nun mit Ghee bestrichenen Stift oder mit dem silbernen nach.
18.208 Der Handwerker, der gebadet hat und rituell betrachtet wurde, arbeitet die Augen mit dem durch dieses Mantra geweihten Werkzeug nach den Regeln seiner Kunst deutlich heraus.
18.209 Die Samaveda-Sänger lässt man das Varuna- und das Mond-Saman vortragen. Die beiden Augen werden der Reihe nach mit Honig und Ghee gefüllt.
18.210 Dann bringt man mit dem auf „vauṣaṭ“ endenden Grundmantra ein Feueropfer dar. Beim Besprengen mit dem durch den Herz-Mantra-Abschluss verbundenen Mantra vergegenwärtigt man einen Strom von Amrita.
18.211 Über dem Haupt des Gottesbildes meditiert man zur Beruhigung von Hitze und anderen Beeinträchtigungen über die Mondscheibe. Man nimmt das verhüllende Tuch weg und zeigt dem Bild Honig und Ghee,
18.212 die acht Getreidearten, die Kühe und die vor ihm stehenden Mädchen. Honig, Ghee und die beiden Stifte schenkt man dem Handwerker, ihr Brahmanen.
18.213 Die acht Getreidearten, die Kühe und die Ausstattung der Ruhestätte soll der nach Vollendung strebende Auftraggeber dem Lehrer übergeben.
18.214 Oder er übergibt Honig und alle übrigen Gaben dem Acharya. Den anderen Murtipas gibt er ebenfalls nach seinen Möglichkeiten eine Dakshina.
18.215 Bei einem Hauptbild aus Ton oder einem Wandbild betritt man den Tempel und führt die Augenöffnung dort aus.
18.216 Entsprechend wird die Augenöffnung bei Shri und den übrigen Shaktis vollzogen. Nachdem die Augen des Bildes so geöffnet worden sind,
Die Augenöffnung: Das Gottesbild wird nach der rituellen Vorstellung zu einem Gegenüber, dessen Blick die Verehrenden erreicht. Der Lehrer vergegenwärtigt ausdrücklich das höchste Licht (18.207). Eine heutige Betrachtung kann darin die Einladung sehen, die eigene Wahrnehmung durch Achtsamkeit und Hingabe zu klären; diese Deutung ist von der beschriebenen Weihehandlung zu unterscheiden.
Mantra und das große Bad
18.217 vollzieht man die geistige Verbrennung und erneute Erfüllung mit dem Astra- und dem Herz-Mantra. Wie zuvor setzt man den Grundmantra für die göttliche Gestalt bis zum Haupt ein.
18.218 Dann bringt man das Gottesbild auf die zuvor für das Bad bereitete Plattform, die durch Besprengen und die weiteren Handlungen geweiht und mit der Gegenwart der göttlichen Durchdringung verbunden wurde.
18.219 Die Plattform ist nach der Folge der tragenden Grundlagen bereitet, gesalbt und gebührend verehrt. Man setzt das Bild darauf und umhüllt es mit Unter- und Obergewand.
18.220 Dann badet man es mit den Krügen in der genannten Reihenfolge, die durch zweiunddreißig Wiederholungen des Herz-Mantras geweiht wurden. Die Brahmanen lässt man den vedischen Text mit dem Anfang „oṣadhīnām“ rezitieren.
18.221 Danach rezitieren die Rigveda-Kundigen „yā oṣadhaya“ und die entsprechenden weiteren Texte. So wird das Bild aus den Kalashas begossen, bis noch zehn übrig sind.
18.222 Dann baden die vier Murtidharas mit vier Krügen. Die den vedischen Überlieferungen zugeordneten Priester rezitieren vorschriftsgemäß die Texte für das Bad.
18.223 Die Rigveda-Kundigen lässt man „ud uttamam“ vortragen, den Yajurveda-Kundigen den hier als „draviṇam“ bezeichneten Text; der Samaveda-Kundige singt das Varuna-Saman. Danach rezitiert der Atharvaveda-Kundige
18.224 „ayaṃ te varuṇa“. Es folgen die Rik „pavitraṃ te“ und der Yajurveda-Text „vasoḥ pavitram“.
18.225 Das Saman „pavitraṃ te“ schließt sich an. Unter Einbeziehung der Ekayana-Kundigen lässt man die Murtipas gemeinsam die vier Pavamani-Texte rezitieren.
18.226 Danach folgen das höchste, auf die Vyuhas bezogene Mantra mit „bhagavān“ sowie das reinigende Mantra „idaṃ viṣṇur vicakrame“.
18.227 Man übergießt das Bild mit dem Wasser eines Kruges, das durch sämtliche Vibhava-Mantras geweiht wurde, und dann mit dem Wasser eines weiteren, das durch die Vyuha-Mantras geweiht wurde.
18.228 Nach Bad und Verehrung bringt man etwas mehr als hundert Opfergaben dar. Mit dem Pranava vollzieht man vorschriftsgemäß die geistige Durchdringung und lässt dann die vorgesehenen Texte vortragen:
18.229 die Rigveda-Kundigen „mā pragāma“, die Yajurveda-Kundigen den mit „agne vāyu“ angegebenen Text, danach das Saman „prāṇāpānam“ und „prāṇāya vai namaḥ“.
18.230 Die Ekayana-Brahmanen lässt man darauf das höchste Mantra vortragen, dessen Anfang hier als „yātavya“ überliefert ist. Der Verehrende spricht anschließend mit gesammeltem, meditativ ausgerichtetem Geist:
Die Anrufung des allgegenwärtigen Herrn
18.231 „Ich rufe den Gemahl Lakshmis herbei, vor dessen beiden Füßen sich die Scharen der Götter neigen: den unermesslichen Ursprung der Welt, den Ersten von ewiger Gestalt, der auf dem Pranava ruht und wie tausend Vollmonde, Sonnen und Feuer strahlt.
18.232 Er ist das höchste Ziel der Meditation und die Wirklichkeit, die von den Kennern aller Grundprinzipien erkannt wird. Er zeigt die Gestalten Varahas, Kapilas, des Löwen und friedvolle Formen. Sein Leib ist mit Shrivatsa und dem großen Kaustubha-Juwel geschmückt; in seinen Händen hält er die Kaumodaki-Keule, Lotus, Muschel und Rad. [Die Verbindung der Gestaltnamen im ersten Halbvers ist textlich nicht ganz eindeutig.]
18.233 Obwohl du, o Bhagavan, überall gegenwärtig bist, rufe ich dich herbei – so wie man mit einem Fächer den Wind herbeiruft. Wie verborgenes Feuer durch Reiben hervortritt, so trittst du auf die Anrufung hin im Kultbild hervor.
18.234 Du Girlandenträger, Achyuta, Allgegenwärtiger, Verkörperung der höchsten Wirklichkeit! Allwissender Herr, höchster Gebieter, du mit aller Kraft! Komm, erbarme dich meiner, nimm in diesem Bild Wohnung und empfange heute meine Verehrung, um mir deine Gnade zu schenken.“

Wie Gegenwart erfahrbar wird: Das Bild vom Fächer und Wind sowie vom verborgenen Feuer stammt aus der Samhita selbst. Gott muss nach dieser Sicht nicht erst von einem entfernten Ort herbeigeschafft werden. Die Anrufung eröffnet die Begegnung mit dem bereits Allgegenwärtigen. Puja, Japa und Dhyana können so als Formen aufmerksamer Hinwendung verstanden werden.
Verehrung und Feueropfer
18.235 Danach trocknet man das Bild mit einem Tuch und verehrt es mit den zuvor genannten Gaben, von Arghya bis Dakshina. Man lässt die Rigveda-Kundigen
18.236 das mit „arcāmi te“ beginnende Mantra und die Samaveda-Sänger den als „arcitas tv“ angegebenen Text rezitieren. Mit „oṃ bhagavān“ bringt man danach den zugehörigen göttlichen Gliedern Gaben im Feuer dar.
18.237 In seiner eigenen Feuergrube opfert der Lehrer sieben Brennhölzer und danach hundertacht Gaben aus Sesam und Reis mit Ghee.
18.238 Nach den Darbringungen bis zur abschließenden vollen Opfergabe entnimmt er dem Feuer eine Glut und überträgt sie in die zuvor geweihten Feuergruben der Hauptrichtungen.
18.239 Entsprechend verfährt er der Reihe nach bei den Gruben der Zwischenrichtungen und verehrt sie. Dann lässt er in den vier Hauptrichtungen, nach der Ordnung des Hervortretens,
18.240 vier Ekayana-Brahmanen unter den Namen Vasudeva und der weiteren göttlichen Gestalten Platz nehmen. Jeder von ihnen soll mit den ihm zugehörigen Anrufungen eine große, nicht gezählte Zahl von Opfergaben darbringen.
18.241 Zuerst werden sieben Brennhölzer geopfert, dann Sesam und Reis mit Ghee. Entsprechend folgt die Ordnung der Rücknahme, von der Vayu-Richtung bis zur Ishana-Richtung. [Der Schlussausdruck der Richtungsangabe ist überlieferungssprachlich unklar.]
18.242 Ebenso setzt man nach der rituellen Vorbereitung vier Priester der vedischen Überlieferungen, beginnend mit dem Rigveda, am Feuer ein. Auch sie sollen mit den auf Achyuta bezogenen und den reinigenden Texten ihrer jeweiligen Veda-Schule
18.243 das Feueropfer vorschriftsgemäß und mit einem von Bhakti erfüllten Geist ausführen. Nachdem auf diese Weise der Reihe nach in allen Gruben geopfert worden ist, vollzieht der Guru
18.244 das vorgeschriebene Feueropfer für die zuvor genannten Torhüter und Richtungsherren, in einer Feuergrube oder auf einer Opferfläche, ihr großen Weisen,
Die Bitte um Gnade für die Menschen
18.245 an dem dafür zuvor hergerichteten Platz im nordöstlichen Tempelbereich. Nach dem Lobpreis mit dem Jitante-Mantra lässt er die Samaveda-Kundigen erneut singen,
18.246 und zwar das Rathantara-Saman zusammen mit dem Gayatra-Saman. Er wiederholt das zwölfgliedrige Mantra, zeigt die Mudra und verneigt sich.
18.247 Mit einer Niederwerfung unter Einsatz der acht Körperglieder richtet er dann seine Bitte an Bhagavan, den Erhalter der Wesen: „Durch eben diese besondere Bildgestalt
18.248 erfreue nun die Menschen der Stadt, die die höchste Wirklichkeit noch nicht erkannt haben. Indem du in ihr Inneres eintrittst, mögen sie selbst durch eine kurze Begegnung mit dir
18.249 von der Verfehlung frei werden, die aus tausend früheren Geburten stammt.“ So soll man Bhagavan bitten, den Herrn, der der Welt seine Gnade zuwendet.
Licht und Prozession
18.250 Man bringt Arghya, Duftstoffe, Girlanden, Räucherwerk, Licht und Speise dar, reicht Wasser zum rituellen Mundspülen und weiteres Arghya und vollzieht dann das Nirajana, das Schwenken des Lichtes.
18.251 Dabei erklingen Punyaha-Segensrufe und Siegesrufe, vedische Rezitation, Muschelhörner, Instrumente, Trommeln und Gesang.
18.252 Der Lehrer legt seine Hände an den Gott der Götter und lässt den Rigveda-Text mit dem Anfang „uttiṣṭha“ – „Erhebe dich“ – vortragen.
18.253 Das Mantra-Gottesbild wird mit der Prozessionsausstattung auf einen festen, gut gesicherten Brahma-Wagen gesetzt. Dazu gehören Milch, Ghee, Dickmilch und gekochter Reis
18.254 sowie Milchreis und Früchte, dargebracht für ausreichende Nahrung, Wohlergehen und Frieden. Dann lässt man den Rigveda-Hymnus Asyavamiya rezitieren.
18.255 Die entsprechenden Rezitatoren tragen das Bala-Mantra vor, dessen Anfang hier als „daśārtha“ angegeben ist, ihr großen Weisen. Der Lehrer selbst wiederholt das Kavacha-Mantra, am Anfang und Ende vom Herz-Mantra umschlossen.
18.256 Man führt das Bild umher und bringt in allen Richtungen Bali-Gaben dar. Edelsteine, Gold und Gewänder werden wie zuvor als Gaben ausgestreut beziehungsweise verteilt.
18.257 Die heiligen Stätten werden in angemessener Weise verehrt. Ebenso ehrt man die Kenner des Pancharatra, die Entsagenden und die Brahmacharins,
18.258 die den sechs traditionellen Pflichten Verpflichteten; auch Bedürftige erhalten Gaben. So viele Hunderte von Schritten das Mantra-Gottesbild auf dem Wagen zurücklegt,
18.259 so viele Hunderte von Opferfrüchten verheißt der Text dem Verehrenden, der mit einem bestimmten Anliegen und beständigem Gelübde den von Instrumentenklang begleiteten Wagenzug ausrichtet.
Verehrung und Freigebigkeit: Die Prozession schließt die Ehrung der Übenden und Gaben an Bedürftige ein (18.257–258). Die Aussagen über vervielfachte Opferfrüchte gehören zur religiösen Verheißungssprache des Textes.
18.260 Dann hält man den Wagen am Torbogen an und verehrt den Herrn mit Fußwasser, Arghya, Blumen und Räucherwerk. Nach der Verneigung lässt man
18.261 „uttiṣṭha“, das zwölfgliedrige Mantra und den vollständigen Jitante-Text vortragen. Unter Rezitation des Purusha Sukta bringt man das Bild in die Ritualhalle.
Die Rückkehr zur Ruhestätte
18.262 Mit dem Herz-Mantra legt man das Bild auf die Ruhestätte, den Kopf nach Osten. Der Lehrer vollendet zusammen mit den Murtipas das zur Prozession gehörende Feueropfer.
18.263 An seiner Kopfseite steht auf einer Chakra-Unterlage der Krug mit den zuvor beschriebenen Merkmalen. Darin vollzieht man die Verehrung, wobei das verwendete Mantra vom Netra-Mantra umschlossen wird.
18.264 Man verehrt, im Osten beginnend, die acht glückverheißenden Zeichen mit ihren eigenen Namen. In den acht wie zuvor aufgestellten Krügen
18.265 werden Vasudeva und die weiteren Gestalten nach der Ordnung von Hervortreten und Rücknahme verehrt. Oder man setzt in die Hauptrichtungen die mit dem Herzen beginnenden Mantragestalten, in die Zwischenrichtungen die zugehörige Astra-Gestalt.
18.266 Eine andere Anordnung sieht Varaha im Osten, Narasimha im Süden, den Gott Shridhara im Westen und Hayavaktra, den Pferdegesichtigen, im Norden vor.
18.267 Im Südosten steht Bhargava Rama, also Parashurama, im Südwesten Rama, im Nordwesten Vamana und im Nordosten Vishnu.
18.268 Man verehrt sie mit ihren eigenen Namen sowie mit Arghya, Duftstoffen und den weiteren Gaben. Dann verehrt man ebenso den auf der Ruhestätte liegenden Herrn.
18.269 Mit dem Kavacha-Mantra legt man ein durch Räucherduft geweihtes Tuch über ihn. Anschließend vollzieht man mit dem Grundmantra seine erneute geistige Erfüllung.
18.270 Der mantra-kundige Lehrer setzt sich in der Nähe der Füße des Gottesbildes nieder und vollzieht an ihm den Mantra Nyasa.
18.271 Bei einem gemalten oder entsprechenden anderen, im Tempel verbleibenden Mantra-Gottesbild führt man das Fest am Karmabimba oder auf einer rituellen Unterlage aus, ihr vortrefflichen Brahmanen.
18.272 Nachdem man dieses wie zuvor zur Ruhe gelegt hat, betritt man den Tempel und vollzieht dort den Mantra-Nyasa und die weiteren Handlungen nach der nun folgenden Ordnung.
Mantras, Schmuck und göttliche Attribute
18.273 Hört diese Ordnung ausführlich, ihr vortrefflichen Weisen. Auf der Plattform bringt man eine Handvoll Blumen dar, verbunden mit Duftstoffen und ungebrochenen Reiskörnern.
18.274 Wie zuvor setzt man das achtgliedrige Mantra vom Haupt bis zu den Füßen ein. Die sechs mit dem Herz-Mantra beginnenden Mantras setzt man an den zugehörigen Stellen, Herz und den weiteren Körperbereichen, ein.
18.275 Die Krone setzt man am Haupt ein, danach das Shrivatsa-Zeichen unterhalb des Halses auf der linken Seite der Brust.
18.276 Den Kaustubha-Juwel setzt man am Herzen ein, die Waldblumengirlande am Hals; in der rechten Hand des Gottes das Chakra, in der linken die Muschel.
18.277 Keule und Schwert werden in der linken Hand beziehungsweise verteilt auf rechte und linke Hand eingesetzt. Mit den zugehörigen Zeichen-Mantras setzt man so der Reihe nach Chakra und die weiteren göttlichen Attribute ein.
18.278 Shri setzt man rechts ein, Pushti nördlich davon, Vainateya, Garuda, am Ansatz der Oberschenkel. Hört nun die folgende besondere Anordnung:
18.279 Beim vierarmigen Gott setzt man die Attribute so ein: den Lotus in der vorderen rechten Hand und die Keule in der vorderen linken.
18.280 In der hinteren rechten Hand setzt man das Rad ein, in der hinteren linken die Muschel. Die übrigen Zeichen-Mantras setzt man jeweils an der passenden Stelle ein.
18.281 Bei anderen Gestalten mit sechs oder mehr Armen setzt man sämtliche Zeichen-Mantras an ihren jeweiligen Stellen ein, der Reihe nach bei der vorderen rechten Hand beginnend.
18.282 In genau der Reihenfolge, in der die aufzustellende Gestalt Bhagavans Rad und die übrigen Attribute in ihren Händen hält, setzt man die entsprechenden Zeichen ein.
Die Rücknahme und das Hervortreten der Mantragestalt
18.283 Die Mantras der Krone und der weiteren Attribute setzt man überall wie zuvor ein. Dann setzt man Damodara und die übrigen göttlichen Namen an den zwölf Körperstellen ein, bei den Füßen beginnend,
18.284 ebenso die zugehörigen Shakti-Mantras und die umfassenden Mantras. Mit der göttlichen Keimsilbe in ihrer jeweiligen Form vergegenwärtigt man
18.285 die Füße und die weiteren Glieder als ganz von ihr erfüllt. Ebenso vollzieht man mit dem höchsten Mantra wie zuvor die geistige Rücknahme in das friedvolle Licht von unermesslichem Wesen,
18.286 das alles durchdringt und das Wesen der heiligen Sprache ist. Man erkennt darin die höchste Stätte: vollkommen friedvoll, allgegenwärtig, wie einen Ozean ohne Wellen.
Ein Ozean ohne Wellen: Dieses Bild verbindet die höchste Wirklichkeit mit vollkommener Ruhe. Für die eigene Meditation kann es als Erinnerung dienen, unter wechselnden Gedanken und Empfindungen die Stille wahrzunehmen. Es ersetzt nicht die besondere Mantra-Einsetzung, die der Quellentext hier beschreibt.
18.287 Die Pancharatra-Kundigen lässt man den mit „vidyāṃ gadām“ bezeichneten Text rezitieren, danach das auf die Einsetzung im Leib bezogene Mantra namens Dharana. [Die Fachbezeichnung des letzteren ist in der Druckvorlage nicht völlig eindeutig.]
18.288 Die Rigveda-Kundigen lässt man „jīmūtasya“ und „nāsad āsīt“ vortragen. In dieser Reihenfolge bringt man mit den vorgesehenen Stoffen jeweils hundert Opfergaben dar,
18.289 mit Sesam und Ghee unter den Mantras, ihr vortrefflichen Weisen. Danach bringt man die Purnahuti dar, die als leuchtender Abschluss der Rücknahme gilt.
18.290 Dann vergegenwärtigt man sich wie zuvor das höchste Brahman, das im Herzen aufleuchtet, aus seinem eigenen, alle Kräfte umfassenden Wesen heraus.
18.291 Es ist wie innere Energie, die als Kraft hervortritt, wie Duft in einem Stoff, wie der Same in Baumgestalt und wie das Meer in Gestalt seiner Blasen.
18.292 So nimmt die nicht eigens benennbare Shakti den Herrn des Alls, der in ihrem eigenen Kraftspiegel gegenwärtig ist, aus ihrer Freiheit heraus auf, ihr großen Weisen,
18.293 und nimmt zur rechten Verehrung einen Leib in Mantragestalt an. [Der Übergang zur folgenden Erklärung seiner Entfaltung in die Vielheit ist sprachlich noch nicht zuverlässig aufgelöst.]
18.294 [Offene Übersetzungsstelle: Der Vers verbindet das Nachlassen des Leuchtens, den Bewusstseinskeim und das Hervortreten von Unterschieden. Die genaue Beziehung dieser Ausdrücke zu 18.293 und 18.295 ist noch ungeklärt.]
18.295 [Der erste Halbvers setzt die noch ungeklärte metaphysische Erklärung fort.] Nachdem man so meditiert hat, vergegenwärtigt man den Grundmantra im Herzlotus des Gottesbildes.
18.296 Man vergegenwärtigt den mit den sechs Shaktis als seinen Wirkkräften ausgestatteten Mantra, wie er durch sie den stofflichen Leib auf die zuvor beschriebene Weise zurücknimmt.
18.297 Dann vergegenwärtigt man erneut das makellose eigene Wesen, das nach der zuvor beschriebenen Ordnung die göttliche Gestalt annimmt. So wird der höchste Herr
18.298 in Mantragestalt in seiner freien Eigenständigkeit gegenwärtig. Dann lässt man alle den Text mit dem Anfang „sahasraśirasaṃ devam“ rezitieren.
18.299 Die Brahmanen lässt man außerdem die hier mit „dhātar yaddhakṣa“, „yo viśvataścakṣur“ und „dhyātavyo bhavati“ angegebenen Mantras vortragen. [Der erste Textanfang ist noch nicht sicher gelesen.]
18.300 Danach folgen „dvā suparṇa“, „ato deva“, das rigvedische Purusha-Sukta und der als „parastamān“ bezeichnete Text. [Die Anfänge werden hier nur in der überlieferten Kurzform wiedergegeben.]
18.301 Anschließend rezitiert man die mit „śāśvatāc“, „kālakāla“ und „eṣā buddhiḥ saptadhā“ bezeichneten Texte.
Gaben und Feuerverehrung
18.302 Dann verehrt man auf der Ruhestätte den Herrn des Mantras, der im Gottesbild gegenwärtig ist, mit den vielfältigen körpernahen Diensten, beginnend mit dem Sitz,
18.303 und den als herzerfreuend bezeichneten Gaben wie Madhuparka, ihr Brahmanen, dazu mit Milchreis und anderen reinen, heiligenden Speisen.
18.304 Auch die weiteren vielfältigen Gaben bringt man in ihrer Reihenfolge dar. Nach Abschluss aller Darbringungen vergegenwärtigt man ihn im Mandala,
18.305 verehrt ihn dort mit reicher Ausstattung und bringt ihm mit seinen göttlichen Gliedern im Feuer Gaben dar, beginnend mit sieben Brennhölzern.
18.306 Auch die Murtipas opfern der Reihe nach in ihren jeweiligen Feuergruben. Für die Gruben der Hauptrichtungen, im Osten beginnend, werden folgende Brennhölzer genannt:
18.307 Palasha, Khadira, Bilva und Udumbara. Für die Zwischenrichtungen, im Südosten beginnend, Pippala und Plaksha,
18.308 ferner Nyagrodha und Karamarda. Werden darüber hinaus weitere Feuerstellen eingerichtet, verwendet man Palasha-Brennholz.
18.309 Fehlen die genannten Hölzer, ist überall Palasha vorgesehen. Im Süden stellt man vier Kühe mit dem Kopf nach Norden auf,
18.310 die als Verkörperungen von Ganga, Sarasvati, Goda und Yamuna gelten. Mit ihrer Milch werden die Opferbreie gekocht und die entsprechenden Darbringungen ausgeführt.
18.311 Im östlichen Feuer kocht man ein Adhaka enthülsten Reis mit Milch. Für das südliche Feuer ist Krisara, ein gemischter Getreidebrei, vorgesehen, für das westliche mit Rohzucker vermischter Reis.
18.312 Im nördlichen Feuer verwendet man Kurkuma-Reis, in den übrigen reinen gekochten Reis. Mit Brennhölzern und den weiteren Opferstoffen bringt man jeweils hundertacht Gaben dar,
18.313 oder, je nach Ort und Zeit, die Hälfte oder ein Viertel davon. Genannt werden Sesam, Reis, Gerste, Bambussamen und Weizen in der vorgesehenen Reihenfolge.
Belebung und Verbindung von Bild und Sockel
18.314 In den übrigen Feuergruben opfert man Sesam; man kann ihn auch überall verwenden. Mit dem Mantra entnimmt jeder Priester dem Krug seiner zugeordneten göttlichen Gestalt Wasser in ein Gefäß.
18.315 Dieses wird von allen, beginnend mit den Ekayana-Kundigen, der Reihe nach auf das Haupt des Gottesbildes gegeben, mit einem Büschel aus vier Darbha-Halmen.
18.316 Die Murtipas besprengen es mit Zweigen von Palasha, Khadira, Ashvattha und Bilva und dem Wasser aus den auf der Vedi stehenden Kalashas. [Das Wort nach „Zweigen“ ist textlich unsicher.]
18.317 Der Acharya verwendet dazu einen Vetasa-Zweig und die Mantragestalten der Eckbereiche. Danach erfreut er die Mantragottheit samt ihrem Gefolge durch die Darbringungen
18.318 von reichlichem Ghee und den weiteren Opferstoffen und bringt die Purnahuti dar. Für die Erde und die übrigen Elemente, die in Lautgestalt in den Leib des Gottesbildes eingegangen sind,
18.319 für die Belebung und leibliche Verdichtung sowie zum Ausgleich der seit Beginn entstandenen Lücken
18.320 und zur Stärkung der Mantras führt man ein Feueropfer mit den vorgesehenen Stoffen aus: jeweils zwölf Opfergaben unter den vier Herz-Mantras.
18.321 Zuerst berührt man den Bereich von den Füßen bis zu den Knien und opfert Ghee. Nach Berührung des Bereichs von den Knien bis zum Nabel opfert man Dickmilch.
18.322 Für den Bereich vom Nabel bis zum Hals opfert man Milch, für den Bereich vom Hals bis zum Haupt Honig. Nach Berührung des ganzen Leibes opfert man eine Mischung aus allen diesen Stoffen.
18.323 Anschließend bringt man mit Ghee und dem Grundmantra die volle Opfergabe dar. Danach weiht man den gesonderten Bildsockel und die Brahmashila,
18.324 ebenso die jeweils dafür vorgesehene Gottheit des Lebensprinzips. Man umhüllt die Bestandteile mit bunten Stoffen und führt dann mit dem Chakra-Mantra
18.325 das Brahmashila-Feueropfer mit mehr als hundert Gaben aus. Die Rigveda-Kundigen und die weiteren vedischen Priester verwenden dafür jeweils ihre Gayatri-Mantras.
18.326 Dann folgen die Ekayana-Mantras, beginnend mit „ajasya nābhau“. [Die anschließende Angabe über eine gesondert befindliche Gestalt beziehungsweise einen Kultgegenstand ist im Wortlaut noch ungeklärt.]
18.327 Man vergegenwärtigt die Plattform als Sitz der Gottheiten im Geist und opfert selbst mit dem Pranava, danach mit den Vyahritis, den heiligen Weltenrufen.
18.328 Es folgt die Opferung mit dem hier genannten Netra-Mantra des Feuers, abgeschlossen durch den Pranava; anschließend wird derselbe mit dem Opfermantra erfreut. [Die genaue Zuordnung von Feuer und Netra-Mantra ist textlich noch ungeklärt.]
18.329 Mit dem eigenen Namen, dem Pranava und „svāhā“ werden die entsprechenden Gaben dargebracht. Danach befestigt man die Gegenwart der durch die Gaben verehrten Gottheiten; die Handlung reicht bis zur vollen Schlussopfergabe.
18.330 Dies geschieht mit Wasser und ritueller Unterlage, mit innerer Vergegenwärtigung und Japa, sodass der Gott, der Herr von allem, in seinen eigenen Gestalten
18.331 – den aus heiligem Laut bestehenden und den sichtbar geformten – gegenwärtig ist; ebenso wird seine vedische Gestalt verehrt. Danach lässt man die Murtipas in den Richtungen Platz nehmen,
18.332 seitlich bei den Feuergruben, bewirtet sie mit Milchreis und gibt ihnen nach den eigenen Möglichkeiten eine Dakshina aus Gold und weiteren Gaben.
Die Nachtwache
18.333 Nachdem sie die Dakshina empfangen haben, sollen sie die Mantragottheit erfreuen. Dann preist man den zur Ruhe gelegten Gott und umgibt ihn mit der rituellen Schutzhülle.
18.334 Nach Verehrung und Verneigung lässt man alle dazugehörigen Brahmanen eintreten, die Ekayana-Kundigen ebenso wie die Rigveda-Kundigen und die weiteren vedischen Priester.
18.335 Man lässt sie der Reihe nach die Mantras ihrer jeweiligen Überlieferungsschule rezitieren. Auch Lobpreis-Rezitatoren, Tänzer und Sänger
18.336 sowie Spieler von Vina, Flöte, Mridanga und weiteren Instrumenten lässt man eintreten. Die Murtipas der Zwischenrichtungen werden mit dem Japa des Pranava betraut,
18.337 die Murtipas der Hauptrichtungen mit dem zwölfgliedrigen Mantra. Danach zeigt man die Raksha-Mudra in alle Richtungen.
Gemeinsame Praxis: Die Nacht vor der Weihe verbindet Rezitation, Gesang, Instrumente, Tanz und Japa. Der Tempeldienst erscheint als gemeinschaftliche Form der Hinwendung, in der unterschiedliche Fähigkeiten ihren Platz haben.
18.338 Den fastenden Yajamana, den Ritualauftraggeber, legt man auf eine Darbha-Ruhestätte auf dem vorbereiteten Boden, den Kopf nach Osten, damit ihm ein bedeutsamer Traum zuteilwerde.
18.339 Nachdem das Adhivasana so ausgeführt ist, verbringt man die Nacht wachend. Wenn der Morgen anbricht, vollzieht man das Bad und die weiteren täglichen Handlungen.
Traum und vorbereitende Friedenshandlung
18.340 Dann beginnt der in den Schriften erfahrene Lehrer die eigentliche Weihe. Den erwachten Auftraggeber befragt er, ob sein Traum als günstig oder ungünstig gilt.
18.341 Zur Befriedung eines ungünstigen Traumes bringt der Guru hundertacht oder tausendacht Opfergaben dar, oder so viele, wie es die Möglichkeiten erlauben, ihr Brahmanen.
18.342 Er opfert Sesam und Früchte, mit Honig, Ghee und Milch vermischt, unter dem von Astra-Mantras umschlossenen göttlichen Namen, abgeschlossen durch „svāhā“.
18.343 An den Namen schließt er die Worte „doṣaṃ jahi jahi“ – „Beseitige, beseitige den Fehler“ – an. Oder er opfert mit dieser Formel allein beziehungsweise mit dem Simha-Mantra.
Traumdeutung im historischen Ritual: Der Text behandelt Träume als Vorzeichen und nennt rituelle Friedenshandlungen. Diese Aussagen werden als Bestandteil der Überlieferung wiedergegeben, nicht als sichere Vorhersagen oder als allgemeine Deutung heutiger Träume.
18.344 Nach dieser rituellen Befriedung des ungünstigen Traumes vollzieht man die Aufstellung. Der Tempel wird außen und innen mit Darbha-Büscheln ausgefegt.
18.345 Man streut Blumen und ungebrochene Reiskörner aus und räuchert erneut mit Guggulu. Dann begibt sich der Lehrer zusammen mit den Murtidharas und den Handwerkern,
18.346 Arghya, Blumen und Reiskörner in den Händen, in das Tempelinnere. Mit weißem Senf, der durch das Astra-Mantra geweiht wurde, vertreibt er die dort gedachten Hindernisse.
Die Einteilung des inneren Heiligtums
18.347 An der vorgesehenen Stelle hebt man nun nach dieser Ordnung eine Vertiefung aus. Dafür unterteilt man das innere Heiligtum durch das Spannen von Messschnüren.
18.348 Bei einem Tempel mit einem Eingang bestimmt man die Maße des inneren Heiligtums: vom Eingang bis zur westlichen Rückwand sowie in der Ausdehnung von Süden nach Norden.
18.349 Man teilt die Fläche geordnet in sieben Abschnitte. Der erste heißt Paishacha, der zweite Manusha, der dritte Deva.
18.350 Der vierte ist der Brahma-Bereich. Die drei folgenden heißen in umgekehrter Folge Deva, Manusha und Paishacha, ihr vortrefflichen Brahmanen.
18.351 Bei einem Tempel mit vier Eingängen erfolgt die Siebenteilung in allen vier Richtungen mit gleich großen Feldern. Der mittlere Bereich heißt Brahma.
18.352 Es schließen sich reihenweise die göttlichen, menschlichen und Paishacha-Bereiche an. Im vierzugängigen Gebäude wird im mittleren Brahma-Feld
18.353 die in alle vier Richtungen blickende vierfache Gestalt aufgestellt. In einem Tempel mit einem Eingang stellt man den Gott, ihr Brahmanen,
18.354 in den zusammengehörigen Brahma- und Deva-Bereichen oder in Deva und Manusha auf; auch eine Aufstellung im Brahma- oder Deva-Bereich beziehungsweise mit einem Anteil im angrenzenden göttlichen Bereich wird genannt.
18.355 Auch der göttliche Bereich mit einem Anteil im menschlichen wird entsprechend der erstrebten Frucht gewählt. Dem Brahma-Bereich wird Moksha zugeordnet; der göttliche Bereich fördert das Gedeihen des heiligen Ortes.
18.356 Der Brahma-Bereich mit einem Anteil im göttlichen verheißt sowohl Lebensgenuss als auch Befreiung. Der göttliche Bereich mit einem Anteil im menschlichen gewährt die Frucht des göttlichen Bereichs.
18.357 Die Verbindung des göttlichen und des menschlichen Bereichs verheißt Früchte in dieser und in der jenseitigen Welt. Der Verbindung von Deva und Brahma wird zudem eine achtfache Gruppe von Vorzügen zugeordnet. [Deren nähere Bestimmung ist hier nicht erläutert.]
18.358 Die vordere Lage des Gottesbildes wird auf die beiden genannten Vedi-Bereiche bezogen; für die Verehrung ist die Aufstellung mit dem zugehörigen Stein vorgesehen. [Der genaue technische Satzbezug bleibt ungeklärt.]
18.359 Wo man den Gott beständig auf einer Plattform verehrt, legt man in deren Mitte den Edelstein-Grundstein ein und stellt das Gottesbild darüber auf.
Die Aufstellung der Göttinnen
18.360 Wo die Aufstellung zusammen mit Göttinnen erfolgt, ihr Brahmanen, lässt man neben dem Hauptbild den erforderlichen Sockelraum frei
18.361 und stellt die Göttinnen mit ihren eigenen Sockeln auf. Eine Göttin kann links oder rechts stehen; zwei werden rechts und links angeordnet.
18.362 Vier Göttinnen werden entsprechend der Reihe nach rechts und links aufgestellt. Die ihnen zugeordneten Plätze soll man weder aus Unachtsamkeit noch absichtlich vertauschen.
18.363 Der vortreffliche Lehrer, dem das Wohl von Herrscher und Land am Herzen liegt, soll dies beachten. Kommt es dazwischen durch den Blick eines Außenstehenden [zu einer Störung], wiederhole man [die folgende Reinigung]. [So wird hier bhinnaprekṣāvaśāt im Anschluss an 364 verstanden; die genaue Reichweite der Wiederholung ist nicht eindeutig.]
18.364 Nachdem [das Bild] mit Wasser gewaschen und unter Rezitation des Herz-Mantras mit Sandel und weiteren Salbstoffen bestrichen worden ist, setzt man die in den Krügen bewahrten Mantragestalten vollständig darin ein,
18.365 nach der zuvor beschriebenen Ordnung und mit geistiger Sammlung, jeweils am eigenen Ort. Man vollzieht ihre vorgeschriebene Verehrung bis zur vollen Schlussopfergabe.
Grundstein und Einlagen
18.366 Der feste Grundstein soll in der Dicke sechs, fünf oder vier Golaka messen und für das Gedeihen etwas über den Sockel hinausragen.
18.367 Für die auf Befreiung gerichtete Ausführung wird der Stein mit neun zuvor angelegten Öffnungen und dem Sockel verbunden. Dabei lässt man mit dem zugehörigen Mantra den Textanfang „pratiṣṭhāsi“ rezitieren. [Die syntaktische Verbindung der ersten Vershälfte ist unsicher.]
18.368 In die Vertiefungen des Steins legt man, im Osten beginnend nach der Ordnung des Hervortretens, jeweils eine Gruppe von fünf Stoffen. Im Osten sind dies Diamant und Gold,
18.369 Haritala, Ushira und unenthülster Reis. Im Süden folgen Indranila, Eisen, Kasisa, Sandelholz und Sesam.
Historische Materialkunde: Edelsteine, Metalle, Mineralien, Pflanzen und Samen werden als rituelle Einlagen genannt. Einige Stoffnamen sind unsicher. Die Aufzählung dient der Textwiedergabe und ist keine Materialanleitung für einen heutigen Hausaltar.
18.370 Im Westen werden Perle, Silber, Quecksilber, die genannte Ushira-Pflanze und Mungbohnen eingelegt. Im Norden folgt Padmaraga,
18.371 dazu Bronze, Rājapāṣāṇa, Rājendra und Kichererbsen. Man lege [die genannten Stoffe] ohne Bedenken zuerst in der Mitte, dann außen ein. [Die genaue Bestimmung der Stoffnamen Rājapāṣāṇa und Rājendra bleibt unsicher.]
18.372 In den Zwischenrichtungen ordnet man die weiteren Gruppen gesondert nach der Folge der Rücknahme an. Genannt werden, beginnend mit Vaidurya, Chakranka und Abhraka,
18.373 und der als Pashtika gelesene Stoff für die Ishana-Richtung. Im Nordwesten folgen Pushyaraga, Haritika, Gairika, Sharika und Linsen; im Südwesten
18.374 Mahanila, Zinn, Pashanamakshika, Gerste und Aguru. Im Südosten werden Bergkristall,
18.375 Kupfer, Manahshila, Weizen und Shankhapushpi eingelegt. In die Mitte kommen alle vorgesehenen Stoffe. Dann wird die Vertiefung
18.376 mit einer Masse verschlossen. An jedem Feld verehrt man die Mantragottheit samt ihren Gliedern und lässt die hier bezeichneten Yajurveda-Texte rezitieren. [Der Titel der Textgruppe am Versende ist noch ungeklärt.]
Sockel und tragende Gestalten
18.377 Darüber setzt man den Sockel und legt in dessen Vertiefung ein Rad aus acht Metallen ein, du Einsichtiger.
18.378 [Die genaue Bestimmung der jeweils zugehörigen Träger im ersten Halbvers ist noch ungeklärt.] Darüber kommt ein Lotus aus Gold, aus dem genannten Metallgemisch oder aus Kupfer.
18.379 Diese Fünfergruppe wird entsprechend der vierfachen göttlichen Gestalt in der jeweiligen Reihenfolge angeordnet. Zum Rad wird Ananta eingesetzt, zu ihm Fisch und Schildkröte.
18.380 Zum Fisch gehören Schildkröte und Ananta, zur Schildkröte Fisch und Ananta. Für alle ist der Lotus vorgesehen. [Die abschließende Zuordnung Anantas und die Schichtung der Träger sind noch nicht in allen Einzelheiten eindeutig.]
18.381 Bei der Aufstellung des Chakra und der Shaktis, beginnend mit Lakshmi, setzt man die entsprechenden Grundlagen ein und vollzieht die Darbringungen bis zur vollen Schlussopfergabe.
18.382 In der Halle Garudas verfährt man ebenso. Zusammen mit den Murtidharas führt man wie zuvor die Handlung mit Darbha-Gras und Wasser aus.
18.383 Man umgibt den Tempel mit einer vierfach gelegten Schnur und verhüllt beziehungsweise schmückt ihn mit neuem Stoff und einer Darbha-Girlande.
Das Wecken des Herrn
18.384 Dann betritt der Lehrer mit den Murtipas die Ritualhalle und wartet auf den festgelegten astrologischen Zeitpunkt.
18.385 Bis dahin verbringt man die Zeit mit unterhaltenden Darbietungen, Feueropfern, heiteren Vorführungen und Rezitationen. Wenn der bestimmte Aszendent aufgeht, weckt man den ruhenden Gott, ihr Brahmanen.
18.386 Nach der Verehrung mit Arghya, Salbung, Girlanden und weiteren Gaben spricht man: „Du, dessen Wesen Mantra ist, nimm deine machtvoll hervorgetretene Gestalt zurück.
18.387 Nimm für dein bleibendes Wohnen eine friedvolle Gestalt an, höchster Herr. Verehrung sei dir, Hrishikesha, Herr der Sinne! Erhebe dich, höchster Herr.
18.388 Nimm auf dem Sockel Wohnung, um mir deine Gnade zu schenken.“ Mit dem Herz-Mantra hebt man dann die erwachte Mantragestalt empor.
18.389 Mit dem Murti-Mantra und der gemeinsamen Kraft der Murtidharas hebt man sie an, ebenso den auf der Chakra-Unterlage an ihrer Kopfseite stehenden Krug
18.390 und die Krüge der acht Richtungen samt den glückverheißenden Zeichen. Der Lehrer lässt sie durch die Murtipas und die weiteren Helfer tragen.
Der Einzug in das Heiligtum
18.391 Er geht voran und streut verschiedene kostbare Gaben sowie reichlich mit Blumen vermischten gepufften Reis und Getreide aus.
18.392 Unmittelbar hinter ihm folgen die Murtidharas, die das Gottesbild tragen. Niemand sonst soll zwischen Acharya und Gottesbild gehen.
18.393 Die Träger der acht Krüge und die Segensrezitatoren gehen ringsum und tragen auch das Shakuna-Sukta vor.
18.394 Der Auftraggeber wahrt Schweigen, hält Kusha-Gras in der Hand und bleibt in ehrfürchtiger Haltung. Die weiteren Begleiter gehen dahinter.
18.395 Man geht durch den Torbogen hinaus, umrundet die Tempelplattform viermal nach rechts und hält vor dem Eingang an.
18.396 Nach Darbringung von Fußwasser, Arghya und Wasser zum Mundspülen trägt man das Bild mit dem Herz-Mantra hinein, ohne den Türrahmen und die angrenzenden Teile zu berühren. Die Kundigen lässt man dabei
18.397 die mit „catuścakra“ und „puram ekādaśa“ bezeichneten Texte rezitieren. Mit einem weißen feinen Tuch, das durch das Kavacha-Mantra geweiht wurde,
18.398 umwindet man zuvor unter dem Shikha-Mantra den Stängel des Fußlotus. Nachdem man Agni und Soma geistig ins Gleichgewicht gebracht hat, verwendet man das vom Pranava eingerahmte
18.399 Grundmantra und stellt das Gottesbild fest auf den Sockel. Bei dieser Aufstellung darf die Ausrichtung auf die Mitte des Eingangs nicht aufgegeben werden.
18.400 Es darf nicht vor, neben oder hinter der dafür bestimmten Stelle stehen. Danach gibt der Lehrer die zurückgehaltene Luft nach links ab.
18.401 Man lässt der Reihe nach die beiden durch ihren Bezug zur Aufstellung bezeichneten Mantras rezitieren und verweilt dabei in der eigenen friedvollen, von Brahman erfüllten Gestalt. [Die genaue Bezeichnung der beiden Mantras ist noch zu klären.]
Die feste Verbindung von Bild, Sockel und Grundstein
18.402 Auch wo die Aufstellung allein im Brahma-Bereich vorgeschrieben ist, soll sie sich ein wenig nach links in den göttlichen Bereich erstrecken.
18.403 Denn zum Wohl aller ist der Herr in der Gestalt seiner sechs göttlichen Eigenschaften hervorgetreten. Deshalb führt man ihn ein wenig vom Brahma-Feld in den göttlichen Bereich hinüber.
18.404 Dies dient dem Erlangen der Früchte, beginnend mit Befreiung. Mit dem Herz-Mantra löst man dann das Schutzband von der Hand des Bildes.
18.405 Man bringt mit dem Arghya-Mantra die Gabe für die ganze Gestalt dar und vergegenwärtigt den Grundmantra. Dann verwendet man den mit dem Herz-Mantra besprochenen festen Vajralepa-Kitt,
18.406 um Gottesbild, Sockel und Grundstein zu einer fest verbundenen Einheit zu machen. Danach nimmt man das Wasser des Netra-Kruges und der acht weiteren Krüge,
18.407 besprengt mit den Spitzen des Grasbüschels unter Mantras das Bild und vereinigt die in den jeweiligen Krügen anwesenden Mantragestalten mit ihm.
18.408 Auch die im vorläufigen Balabimba gegenwärtige Shakti setzt man dann in das Hauptbild ein. Ist das Hauptbild aus Ton oder einem entsprechenden Material hergestellt, ihr vortrefflichen Weisen,
18.409 vollzieht man das Wecken und die Umwandlung am Karmabimba oder an einer rituellen Unterlage aus Darbha-Grasbüscheln.
18.410 Nach dem Einzug in den Tempel führt der Lehrer alle übrigen Handlungen mit gesammeltem Geist der Reihe nach am Hauptbild aus.
Der ganze Tempel als Mantragegenwart
18.411 Dann meditiert er über den Grundmantra als Ausdruck des vollkommen friedvollen Brahman. Er vergegenwärtigt sich, dass durch ihn alles durchdrungen ist, von den tragenden Grundlagen bis zur Spitze des Banners.
Vom Fundament bis zum Banner: Die göttliche Gegenwart wird nicht auf einen isolierten Gegenstand beschränkt. Der ganze Tempel wird als vom Mantra durchdrungen meditiert. Für heutige Übende kann dies anregen, auch das Umfeld der Praxis mit Reinheit, Aufmerksamkeit und Respekt zu gestalten.
18.412 Nach dieser allgemeinen Verbindung folgt die besondere Gliederung in grobstoffliche, feinstoffliche und höchste Ebene. Die grobstoffliche Ebene wird sechsfach bis in den Grundstein hinein vergegenwärtigt,
18.413 die feinstoffliche im Sockel und die höchste in der Gestalt des Gottesbildes. Am Fuß der Plattform setzt man die zugehörigen Gottheiten ein.
18.414 Diese als Hilfskräfte des Hervortretens dienenden Gottheiten, ihr vortrefflichen Weisen, soll man jedoch nicht im Mantra-Gottesbild selbst einsetzen.
18.415 Oberhalb des Sockels setzt man vielmehr wie zuvor die Vibhava-Gottheiten übereinander ein, ihr großen Weisen. [Die eingeschobene Einschränkung der ersten Vershälfte ist textlich unklar.]
18.416 Vom Bereich des Kruges ausgehend reicht diese Einsetzung bis zum höchsten Raum. Durch das entsprechende Einsetzen aller Gottheiten
Die drei Nyasas
18.417 wird der Nyasa einem Chintamani, einem wunscherfüllenden Juwel, gleich und gewährt Vollendung. Danach führt man den Mantra-Nyasa an den Gliedern des Gottesbildes vorschriftsgemäß aus.
18.418 Am Herrn vollzieht man die drei Nyasas des Hervorbringens, Erhaltens und Zurücknehmens – ob die Gestalt steht, sitzt, liegt oder auf einer Trage beziehungsweise einem Wagen ruht.
18.419 Bei allen kann man diese drei Nyasas ausführen, ihr Brahmanen. Oder man verwendet bei der stehenden Gestalt den Erhaltungs-Nyasa, bei der sitzenden den Schöpfungs-Nyasa
18.420 und bei der liegenden den Rücknahme-Nyasa. Die Anga-Mantras setzt man an den zugehörigen Körperstellen, beginnend mit dem Herzen, ein.
18.421 Man setzt die weiteren Schmuckstücke und Attribute ein, bis hin zu Garuda. Danach verehrt man das Ganze im Laya-Yaga, dem Ritual der geistigen Rückführung.
18.422 Das auf dem Sockel ruhende Mantra-Chakra verehrt man wiederum durch die Darbringung von Gaben. An den jeweiligen Gottesnamen fügt man die Bezeichnung „Svamin“, Herr, oder eine entsprechende höchste Anrede an,
Die gemeinsame Bekräftigung der Weihe
18.423 verbunden mit Hari, Keshava und den weiteren Namen sowie dem Pranava. Die Murtipas und die anderen Beteiligten sprechen: „supratiṣṭhitam astu“ – „Möge es wohl gegründet sein.“
18.424 Alle Anwesenden streuen volle Hände von Blumen und ungebrochenem Reis in alle Richtungen und sprechen gemeinsam: „Möge es wohl gegründet sein.“
18.425 Man lässt die mit „ā tvāhārṣa“ und „pratiṣṭhāsi“ bezeichneten Texte rezitieren. Die Ekayana-Brahmanen tragen „viśvasya mitram“ und die weiteren zugehörigen Mantras vor.
18.426 Gemeinsam mit den Rigveda-Kundigen und den übrigen Priestern werden die mit „oṃ namo ’stu“ und „namaḥ“ bezeichneten Anrufungen gesprochen; wiederholt erklingen „oṃ namo brahmaṇe“ und der Jitante-Lobpreis.
18.427 Mit allen Lehrern erhebt man den Lobgesang mit lauter Stimme, begleitet von Siegesrufen, sodass er die Herzen der Hörenden erfreut.
18.428 Erkennt, ihr Brahmanen: Wenn dieser alles durchdringende Herr in Mantragestalt, der das Leben von allem ist, fest eingesetzt wurde, ist mit ihm alles fest gegründet.

Eine gemeinsame Bekräftigung: „Möge es wohl gegründet sein“ wird von allen Anwesenden gesprochen. Die abschließende Aussage bezeichnet den Herrn in Mantragestalt als das Leben aller. Einzelnes Kultbild und umfassende göttliche Wirklichkeit werden damit ausdrücklich aufeinander bezogen.
Begleitbilder, Garuda und Vishvaksena
18.429 Nachdem Adhivasana und die weiteren Handlungen zusammen mit dem Hauptbild vollzogen wurden, stellt man die Karmabimbas und die übrigen Funktionsbilder vor dem Hauptbild auf.
18.430 Auch Lakshmi und die weiteren Gestalten stellt man nach den eigenen Möglichkeiten vorschriftsgemäß auf. Dann wird in der Mitte der Halle, dem Gott der Götter zugewandt,
18.431 innerhalb desselben günstigen Zeitabschnitts der König der Vögel, Garuda, aufgestellt, der bereits gebadet, gesalbt und mit seinem eigenen Mantra geweiht worden ist.
18.432 Denn bei den verschiedenen Kultgegenständen, die sich zusammen mit dem Gottesbild und seiner Shakti in seiner Nähe oder an einem anderen Ort befinden, ihr Trefflichen,
18.433 und die während des Rituals als seine Glieder gelten, gehören Meditation, Verehrung und die gesamte Handlungsfolge bis zum Feueropfer
18.434 in jeweils angemessener Form zur gemeinsamen Ausführung. Deshalb hebt man auch Garuda wie das Hauptbild aus der Ritualhalle heraus und trägt ihn fort.
18.435 Nach einer Rechtsumwandlung um den Gott legt man am vorgesehenen Aufstellungsplatz wie zuvor in eine mittlere Vertiefung die Fünfergruppe der Stoffe, beginnend mit dem Diamanten, ein.
18.436 Darüber wird die dafür genannte einzelne tragende Grundlage wie zuvor eingesetzt. Auf ihrem Sockel vollzieht man dann die geistige Vergegenwärtigung
18.437 auch in der Gestalt sowie die übrigen Gebetshandlungen. Der Mantra-Kundige lässt die Brahmanen den Text „suparṇo ’si“ rezitieren.
18.438 Nach der Verehrung mit dem Astra-Mantra wird als Nächstes eine Aufstellung im Ishana-Bereich oder zwischen Soma und Ishana beschrieben. [Die vollständige Ortsbestimmung und der Übergang zum folgenden Vishvaksena-Ritual sind im Wortlaut nicht eindeutig.]
18.439 Oder man stellt Vishvaksena im Inneren des Gebäudes auf einem Bildsockel auf, nach der für ihn genannten Ordnung.
18.440 Der Lehrer setzt ebenso alle zuvor genannten Gottheiten der Eingänge und der Umfassungsbereiche der Reihe nach ein.
Küche, Feuer und abschließendes Bad
18.441 Nach dem Besprengen mit Krugwasser geht er in die Küche, setzt das Feuer in die Herde ein und lässt „agnim īḷe“ rezitieren.
18.442 Dort lässt er Milchreis und verschiedene andere Opferspeisen kochen. Dann kehrt er in das Heiligtum zurück, ihr Brahmanen.
18.443 Der Herr wird nun mit den im hinteren Bereich aufgestellten Kalashas gebadet, gemeinsam mit allen Murtidharas und in der vorgeschriebenen Reihenfolge.
18.444 Zuerst handelt der Rigveda-Kundige mit Aghamarshana und wiederholter Gayatri. Danach folgen die weiteren vierfach wiederholten Mantra-Weihungen.
18.445 Der Yajurveda-Kundige begießt das Bild mit Wasser aus sechs Krügen, das durch die Wiederholung der mit dem Herzen beginnenden Mantras geweiht wurde. Danach badet es der Samaveda-Kundige ebenfalls aus den vorgesehenen Krügen,
18.446 und anschließend der Atharvaveda-Kundige mit sechs weiteren. Dazwischen werden Kalashas verwendet, deren Wasser durch die Wiederholung der reinigenden Texte geweiht ist.
18.447 Danach erfolgt das Bad gemeinsam mit den Ekayana-Kundigen, unter den Mantras der vier göttlichen Gestalten, die wiederholt vergegenwärtigt wurden.
18.448 Schließlich nimmt man den verbleibenden Krug und weiht ihn durch hundert Wiederholungen des Mantras der ersten Gestalt zusammen mit dem Grundmantra.
18.449 Sein Wasser gießt man zusammen mit Arghya auf das Haupt des Gottes der Götter und lässt alle den Jitante-Lobpreis sprechen. Mit Astra-geweihtem Wasser
18.450 reinigt man den Tempel, tritt dann zum Hauptkrug und verehrt dort den Herrn der Götter in der zuvor beschriebenen Folge.
18.451 Nach der Verehrung im Mandala geht man zum Gottesbild. Dort verehrt man den Gott nochmals ausführlich, diesmal ohne ein weiteres Bad,
Verehrung und Bitte um Verzeihung
18.452 mit den körpernahen Diensten, beginnend mit dem Sitz, mit den vielfältigen weiteren Darbringungen und den als herzerfreuend bezeichneten vier Arten von Speisen, beginnend mit Milchreis,
18.453 sowie reichlich weiteren Speisen verschiedener Art. Man führt die Handlung der Reihe nach bis zum Abschluss der Verteilung aus, ihr vortrefflichen Brahmanen,
18.454 und ehrt besonders den Guru und die Murtidharas mit Dakshina. Im Feuer werden die entsprechenden Gaben der Reihe nach dargebracht, beginnend mit sieben Brennhölzern.
18.455 Auch in der Küche setzt man das beständige Feuer vorschriftsgemäß ein, opfert nach der für den täglichen Dienst genannten Ordnung und widmet das Homa dem Herrn.
18.456 Man verneigt sich vor dem Gott und richtet mit Handlung, Geist und Sprache die Bitte an ihn: „Du bist im Kultbild gegenwärtig, o Gott. Dass ich dich dennoch im Feuer und an anderen Orten
18.457 zur Zuwendung gerufen habe, mögest du mir verzeihen, Achyuta.“ Nach Verneigung und dieser Bitte um Verzeihung geht man rückwärts hinaus, das Gesicht weiterhin dem Gott zugewandt.
Demut auch nach sorgfältiger Handlung: Selbst die ausführlich vollzogene Weihe endet mit einer Bitte um Verzeihung. Die Haltung bleibt lernbereit und hingegeben. Für die eigene Praxis kann dies bedeuten, nach bestem Vermögen zu handeln und den Anspruch auf persönliche Vollkommenheit loszulassen.
18.458 Man vollzieht die Rechtsumwandlung um den Gott im zuvor errichteten Tempel, der von seiner Grundlage bis zum Banner als geheiligter Raum gilt, und verneigt sich mit den acht Körpergliedern.
18.459 Mit dem Arghya-Gefäß tritt man aus dem Heiligtum und verehrt das von Bhagavan erfüllte Reittier durch Bad und die weiteren Dienste.
Gaben an die Wesen
18.460 Den zuvor genannten Torhütern und Richtungsherren bringt man wie zuvor der Reihe nach Bali-Gaben dar.
18.461 Auch den zahlreichen Bhutas werden Gaben gereicht: „Mögen die Bhagavan ergebenen Wesen außerhalb des Tempels diese Gabe empfangen,
18.462 sie, die durch Wasser und Mantra gereinigt sind, und alle ihre Begleiter.“ Nachdem allen der Reihe nach Bali gegeben wurde, lässt man
18.463 die Rigveda-Kundigen „hiraṇyagarbha“ und „yā devās“ vortragen, die Samaveda-Kundigen die Anna-Samans zusammen mit den auf die Kuh bezogenen Gesängen.
18.464 So umrundet der Lehrer für die Bali-Darbringung alle Umfassungsbereiche. Anschließend vollzieht er Achamana und betritt wieder das Heiligtum.
Die vier Tage der abschließenden Verehrung
18.465 Zum Ausgleich von Auslassungen und Übermaß bringt er hundert Opfergaben bis zum Abschluss dar. Dann folgt mit dem Herz-Mantra samt seinen Gliedern die volle Schlussopfergabe.
18.466 Von diesem Tag an führt man vier Tage lang die Verehrung des Gottes der Götter an den vier Kultorten der Reihe nach aus.
18.467 Am vierten Tag entfernt man Girlanden und die weiteren Schmuckgaben von den Kalashas, vom Mandala und vom Gottesbild. Dann vollzieht man in der Ritualhalle die Verehrung
18.468 der Mantragottheit bis zum Feueropfer, wie zuvor beschrieben. Nach Achamana und Bali-Darbringung geht man in das Heiligtum.
18.469 Dort verehrt man den Herrn wie zuvor mit den Diensten vom Sitz bis zum Bad. Die Krüge stehen, von ihren äußeren Stoffhüllen befreit, auf der Getreideplattform,
18.470 sind mit dem Herz-Mantra verehrt und wieder mit Wasser gefüllt worden. Mit den Murtidharas vollzieht man wie zuvor abwechselnd
18.471 das vorgeschriebene Bad. Nachdem das Wasser aus dem Tempel entfernt ist, verehrt man den Herrn erneut wie zuvor,
18.472 vom Darbringen des Sitzes bis zur abschließenden Verteilung der Gaben. Man zeigt die Mudra, wiederholt das Mantra, preist Achyuta, bittet um Verzeihung und geht hinaus.
18.473 Der leitende Mantra-Kundige bringt selbst hundertacht oder tausendacht Opfergaben dar und verbindet die Rezitation mit der Mantragottheit, ihren Gliedern und ihrem Gefolge.
18.474 Die Murtipas opfern jeweils hundertmal mit ihren durch den Pranava eingeleiteten Gayatri-Mantras; die drei Ekayana-Kundigen tun ebenso mit ihren eigenen Mantras.
18.475 Danach lässt man die volle Opfergabe darbringen und die Murtipas der vedischen Überlieferungen, beginnend mit dem Rigveda, sowie anschließend die Ekayana-Kundigen der Reihe nach rezitieren.
18.476 Genannt werden die Textanfänge „pūrṇāt pūrṇa“ und „pūrṇam asi“. Der Lehrer bringt selbst die Opfergabe mit dem durch „namaḥ“ verbundenen Mantra samt seinen Gliedern dar.
18.477 Danach erfreut man alle, beginnend mit den Bhutas, durch Bali-Gaben. Man tritt wieder hinein, vollzieht Achamana und bittet den im Krug gegenwärtigen Gott um Verzeihung.
Ehrung der Lehrer und Früchte der Weihe
18.478 Wie zuvor verehrt man den im Mandala Gegenwärtigen, danach den im Feuer Anwesenden und sodann Vishvaksena mit den jeweils vorgesehenen besonderen Gaben.
18.479 Man ehrt den Guru und die Murtipas mit Armreifen und weiteren Schmuckgaben. Die Ritualgegenstände übergibt man dem Guru oder seinem Sohn.
18.480 Dann nimmt man das abschließende Avabhritha-Bad für das angestrebte Gelingen. Damit ist die Ordnung für den Sadhaka beschrieben, der die Mantragottheit verehren möchte. [Die genaue Doppelbezeichnung siddhimūrtyoḥ im ersten Halbvers bleibt unklar.]
18.481 Es ist die Weihe der Mantragestalt, in deren Gegenwart er Vollendung erlangen kann. Nun werde ich zusammenfassend die dem Auftraggeber verheißene Frucht der Aufstellung erklären.
18.482 Von der Grundfläche des Tempels bis zur Spitze seines Banners, ebenso in der vollständig ausgestatteten Halle und in allen Umfassungsbereichen:
18.483 So groß die Zahl sämtlicher kleinster Teilchen darin ist, ihr vortrefflichen Brahmanen, so lange soll derjenige, der das Werk veranlasst hat, verweilen,
18.484 die Freuden in Vishnuloka genießend; am Ende erreicht er die höchste Stätte. Ein brahmanischer Auftraggeber wird, so die Verheißung, ein Meister aller Wissensgebiete.
18.485 Einem Kshatriya als Auftraggeber wird Herrschaft über die Länder verheißen; einem Vaishya Reichtum an Vermögen und Getreide.
18.486 Ein Shudra als Auftraggeber erfreut sich mit seinen Angehörigen; ihm werden ebenso eine günstige Geburt und Erkenntnis zugesprochen. [Diese nach gesellschaftlichen Ständen geordneten Früchte spiegeln die historische Ordnung des Textes.]
Wunschlose Bhakti und bleibende Erkenntnis
18.487 Wer sich einen Sohn wünscht, erlangt nach dieser Verheißung einen Sohn; wer Herrschaft erstrebt, Herrschaft. Den wunschlosen Bhaktas aber wird unerschütterliche Hingabe zuteil.
18.488 Auch bleibende Erkenntnis zusammen mit Dharma wird ihnen zuteil. Damit ist die Aufstellung der eigens hergestellten Gottesbilder beschrieben.
Wunschlose Hingabe: Neben den zahlreichen Verheißungen von Wohlstand und Ansehen stellt die Samhita eine andere Frucht: unerschütterliche Bhakti und bleibende Erkenntnis für diejenigen, die ohne persönliches Gewinnstreben verehren. Diese beiden Verse sind ein Schlüssel zum spirituellen Lesen des ganzen Kapitels.
18.489 Hat man das Gottesbild auf diese Weise im Tempel oder im eigenen Haus geweiht, verehrt man es von diesem Zeitpunkt an täglich.
18.490 Bis eine Erneuerung nach der dafür vorgesehenen Ordnung erforderlich wird, führt man die Verehrung vorschriftsgemäß fort. Man soll sie weder aus Nachlässigkeit noch absichtlich ausfallen lassen.
Lakshmi, Sudarshana und die Vishnu-Bhaktas
18.491 Entsprechend weiht man Shri und die übrigen Göttinnen, das Chakra und die weiteren göttlichen Attribute sowie die Gestalten der Vishnu-Bhaktas.
18.492 Sie werden im ersten Umfassungsbereich, in einer Halle, im Hof oder an einem entsprechenden Ort aufgestellt. Die Weihe Lakshmis verheißt den Menschen umfassendes Gedeihen.
18.493 Der Aufstellung des Chakra wird der Schutz des Ortes zugeschrieben; der Weihe der Vishnu-Bhaktas Früchte in dieser und in der jenseitigen Welt.
18.494 Deshalb stellt man Shri und die weiteren Gestalten im Tempel auf, entweder zugleich mit der Weihe des Hauptgottes oder gesondert zu einem anderen Zeitpunkt.
18.495 Bei einer gemeinsamen Aufstellung braucht man für sie weder ein eigenes Keimlingsritual noch eine gesonderte Ritualhalle. Es gilt die für das Gefolge genannte gemeinsame Ordnung.
18.496 Welche Handlungen dennoch auszuführen sind, hört nun, ihr vortrefflichen Weisen: das Bad mit den sechs Stoffen, beginnend mit weißem Senf, das Anbinden des Schutzbandes,
18.497 das Verweilen im Wasser, eines der fünf Bäder, beginnend mit Sukshmasukshma, sowie die Öffnung der Augen,
18.498 das Adhivasana auf der Ruhestätte und das vorschriftsgemäße Einsetzen der jeweils zugehörigen Mantras und göttlichen Attribute.
18.499 Mit den zugehörigen Mantras vollzieht man das Feueropfer in einer gesondert bereiteten Grube. Die jeweiligen Sockel und Grundlagen werden geweiht und aufgestellt.
18.500 Am Aufstellungsplatz setzt man wie zuvor die Fünfergruppe, beginnend mit dem Diamanten, sowie die für jede Gestalt vorgeschriebene tragende Grundlage ein.
18.501 Das Gottesbild wird vorschriftsgemäß auf den Sockel gestellt. Während seiner Aufstellung werden die ihm zugehörigen Mantras rezitiert.
18.502 Der vortreffliche Lehrer bedenkt dies alles und handelt entsprechend. Bei einer gesonderten Aufstellung führt er die gesamte Ritualfolge vorschriftsgemäß aus,
18.503 mit den jeweiligen Mantras und der Verehrung des zugehörigen Gefolges. Hört nun eine besondere Regel für die Aufstellung des Chakra, ihr Brahmanen.
18.504 Ein Chakra ohne Menschengestalt mit zwölf, acht oder sechs Speichen wird auf der Tempelspitze aufgestellt.
18.505 Die personifizierte Gestalt mit sechzehn oder acht Armen stellt man im Hof auf. Bei ihrer Aufstellung wiederholt man das sie bezeichnende Mantra.
18.506 Die Kundigen lässt man „vidyāṃ gadām“ und die folgenden Texte vortragen; die Rigveda-Kundigen rezitieren die beiden mit „camūṣac chyena“ und „pra te viṣṇo“ angegebenen Riks.
18.507 Danach tragen die Rigveda-Kundigen das Shakuna-Sukta vor; es folgt das mit „dhṛtordhvapuṇḍraḥ kṛtacakra“ beginnende Mantra.
18.508 Die Yajurveda-Kundigen lässt man „pavitraṃ te vitatam“ und die entsprechenden Mantras rezitieren, die Samaveda-Kundigen die hier als „āroha“ und „pavitraṃ tebhir“ angegebenen Gesänge.
18.509 Die Atharvaveda-Brahmanen tragen „ebhir vayam urukramasya“ vor. Nach der vorschriftsgemäßen Aufstellung badet man die Gestalt mit neun Kalashas,
18.510 unter den acht Mantras aus dem Brahma-Sukta. Mit dem im Osten aufgestellten Krug verwendet man „viśvasya vaśinaṃ devam“,
18.511 mit dem südöstlichen „bahir āvaraṇenāsti“, mit dem südlichen „yan nābhipadmād abhavat“,
18.512 mit dem südwestlichen „dhṛtordhvapuṇḍra“, mit dem westlichen „dakṣiṇe tu bhuje vipra“,
18.513 mit dem nordwestlichen den als „viṣṇunātam aśnanti“ überlieferten Text, mit dem nördlichen „puṃpradhāneśvaro viṣṇuḥ“. [Der erste Textanfang ist nicht sicher gelesen.]
18.514 Mit dem nordöstlichen Krug folgt „imāṃ mahopaniṣadam“. Mit dem mittleren Krug übergießt man die Gestalt unter allen diesen Mantras zusammen.
18.515 Das auf der Tempelspitze befindliche Chakra wird besprengt. Dabei verwendet man die zuvor genannten acht Mantras aus der Mahopanishad.
18.516 Oder man rezitiert das Purusha-Sukta; zum Abschluss geschieht dies gemeinsam. Alles hier nicht nochmals Genannte vollzieht man nach den zuvor gegebenen Regeln.
Keine rekonstruierten Mantras: Auch dieser Abschnitt nennt überwiegend Textanfänge. Unsichere Anfänge werden nicht als zuverlässige vollständige Rezitationsformeln in die Mantra-Sammlung übernommen.
Die Weihe der Kultgeräte
18.517 So ist die Weihe von Vira-Lakshmi und den weiteren Gestalten beschrieben. Nun wird die Weihe der Schmuckstücke und Kultgeräte erklärt.
18.518 Hört dafür die Zuordnung ihrer Gottheiten. Bei der Krone, beim Kaustubha-Juwel, beim Shrivatsa-Zeichen und bei der Waldblumengirlande
18.519 sind es die bereits genannten Gottheiten, deren Formen zuvor beschrieben wurden. Zum Strahlenkranz gehört die Göttin Prabha, zum Sockel Ananta und die weiteren tragenden Gestalten.
18.520 Zu den Sandalen gehört Vainateya, zur Glocke Sarasvati. Bei Sänften und den als Schwan oder Löwe gestalteten Fahrzeugen
18.521 sowie bei Elefant, Pferd und Wagen ist Garutman die zugeordnete Gottheit. Auch bei Shesha- und Vogelgestalten sowie bei den Bildscheiben von Mond und Sonne
18.522 werden die jeweils zugehörigen Gottheiten genannt, darunter der Sohn des Windes und Shesha. [Die Zuordnung der Banner und der einzelnen Gestalten in 18.521–522 ist im Wortlaut nicht vollständig klar.] Nachdem man ihre Gottheiten so bestimmt hat,
18.523 führt der Lehrer jede Aufstellung mit dem jeweiligen Mantra aus. Er vollzieht zuvor das Keimlingsritual oder seine unmittelbar ausgeführte Kurzform.
18.524 Nach dem Bad mit den sechs Stoffen, beginnend mit weißem Senf, bindet man das Schutzband an und vollzieht das stellvertretende Adhivasana oder den unmittelbaren Wasseraufenthalt.
18.525 Bei einer figürlichen Gestalt werden die Augen vorschriftsgemäß geöffnet. Man badet sie mit den Kalashas und vollzieht das Adhivasana auf der Ruhestätte.
18.526 Man stellt einen Hauptkrug auf und verehrt darin die jeweiligen Gottheiten. In ihre Gestalt setzt man die zugehörigen Mantras ein und verehrt sie mit diesen.
18.527 Man opfert in Feuergruben, auf Opferflächen oder an einer gemeinsamen Feuerstelle, ihr Brahmanen. Zum günstigen Muhurta besprengt man die Gegenstände mit dem Krugwasser.
Gaben und die Unterstützung der Verehrung
18.528 Dem Acharya gibt man nach den eigenen Möglichkeiten Dakshina und die weiteren Gaben. Damit ist die allgemeine Ordnung der Aufstellung für alle diese Gegenstände beschrieben.
18.529 Bei der Weihe des Wagens gelten besondere Regeln entsprechend denen für ein Heiligtum. Die übrigen Kultgeräte, beginnend mit Schirm und Chamara-Wedel,
18.530 ebenso der göttliche Schmuck, Räuchergefäße und alle Gefäße für Arghya und die weiteren Gaben sowie die verschiedenen Instrumente,
18.531 werden, soweit sie dafür geeignet sind, abgewaschen. Nach der Punyaha-Segensverkündigung besprengt man sie mit den fünf Kuhprodukten und weiht sie durch geistige Verbrennung, erneute Erfüllung und die weiteren Handlungen.
18.532 Danach setzt man sie bei der Verehrung des Gottes der Götter ein. Wer dem Herrn Attribute und Armreifen darbringt, die im Glanz verschiedener Edelsteine leuchten,
18.533 aus Gold und anderen wertvollen Stoffen gefertigt, dem verheißt der Text Befreiung von Verfehlung und das Erlangen einer ungeteilten, reinen Daseinsgestalt.
18.534 Sie werden mit rechter Erkenntnis verbunden und kehren nicht mehr ins bedingte Werden zurück. Zum eigenen Heil und zur Aufhebung allen Leidens
18.535 kann man eine Schutzhülle aus Gold oder einem anderen geeigneten Stoff darbringen, besetzt mit Edelsteinen, Perlen und Korallen, die von den Zehenspitzen bis zu den Knöcheln, den Knien oder den Schultern reicht.
18.536 Wer sie nach seinen Möglichkeiten mit großer Hingabe dem verehrten Achyuta anlegt, dem wird der Zugang zur höchsten Stätte zusammen mit seinen Angehörigen und den ihm verbundenen Wesen verheißen. [Die Aufzählung der Begleiter im letzten Wortgefüge ist beschädigt.]
18.537 Wer dagegen aus Verblendung Armreifen, Fußringe oder anderen an der Gottesgestalt angebrachten Schmuck entwendet, dem droht der Text einen Aufenthalt in Avichi an. [Dies ist eine traditionelle religiöse Strafandrohung zum Schutz der Heiligtumsgaben.]
Schutz anvertrauter Gaben: Der Abschnitt verbindet kostbare Stiftungen mit religiösen Heilsverheißungen und die Entwendung mit einer Strafandrohung. Als heutige ethische Anregung lässt sich der sorgfältige Umgang mit gemeinschaftlich anvertrauten Dingen aufnehmen.
Räume und Versorgung für spirituelles Leben
18.538 Wer für die dazu berechtigten Brahmanen, die sich den fünf täglichen Kultzeiten widmen, und für Bhaktas, die diese Ordnung kennen und Vollendung erstreben,
18.539 auch für Menschen, deren Überlieferungszweig abgebrochen ist und deren Herz Narayana hingegeben ist, für Asketen, Gelübdehaltende, Snatakas und Brahmacharins
18.540 oder andere Bhaktas, die sich ganz der Verehrung widmen, zur Freude des höchsten Herrn eine geeignete Einrichtung erbaut und übergibt,
18.541 mit Hallen und Aufenthaltsräumen aus gebrannten Ziegeln, reichlich versorgt mit Feld- und Waldfrüchten und belebt von Menschen guter Gelübde,
18.542 mit Händlern, Haushalten, Bediensteten und Wächtern ausgestattet, dem wird eine unermessliche Frucht verheißen, solange Mond und Sterne bestehen.
18.543 Er erlangt nach dieser Verheißung einen Aufenthalt in der ewigen Welt und unvergänglichen Ruhm. Wer eine gute, schöne, den zuvor genannten Merkmalen entsprechende Einrichtung für die Kultgaben
18.544 zur Durchführung des Opfers vor beziehungsweise nahe dem Sockel oder im äußeren Umfassungsbereich für die mit Brahman verbundenen Ritualkundigen errichtet,
Plattformen, Gärten und Felder
18.545 wird von der dreifachen Schuld gegenüber den Rishis, Göttern und Ahnen frei. Wer eine Bali-Plattform stiftet, deren Mitte Garuda einnimmt und die mit Rad und Lotus gekennzeichnet ist,
18.546 quadratisch oder rund, mit Abstufungen wie eine Opfergrube, und sie außerhalb des Achyuta-Heiligtums errichtet,
18.547 der gelangt nach der Verheißung auf sonnenhellen Himmelswagen zur Stätte Achyutas. Wer dem Herrn einen Hof und Garten stiftet,
18.548 mit vielfältigen Blumen und Früchten, Wasserbecken und Bäumen, wasserreichen Teichen und gegliederten Wegen,
18.549 genießt nach der Verheißung die Freuden des Nandana-Gartens und gelangt dann zur Stätte Achyutas. Wer ertragreiches Land mit wohlriechendem Reis stiftet,
18.550 ein rings durch Bewässerungsgräben gegliedertes Feld, gelangt nach Ablauf seiner Zeit zum ewigen Ursprung der Welt.
18.551 Er gelangt zur strahlend weißen Insel und weilt dort wie Bhagavan. Wer eine Rinderherde samt einem vorzüglichen Zuchtstier für die rituellen Bäder und die weiteren Bedürfnisse des Kultes
18.552 nach gebührender Verehrung einem Vishnu-Heiligtum übereignet, gelangt, von Verfehlung befreit, zusammen mit seinen Ahnen nach Vishnuloka.
Weitere Stiftungen und die Gabe des Vertrauens
18.553 Wer Elefanten, Wagen, vorzügliche Pferde, geeignete Lampenschalen, Fächer, Chamara-Wedel, Schirme, Instrumente und eine Gruppe von Ganikas für den Tempeldienst zur Verfügung stellt,
Zur historischen Tempelorganisation: Ganikas waren im damaligen sozialen und kulturellen Umfeld unter anderem als professionelle Unterhalterinnen beziehungsweise Kurtisanen tätig; im Tempelzusammenhang gehören Tanz und Musik dazu. Der Vers zählt ihre Bereitstellung innerhalb seiner historischen Stiftungsordnung auf. Die Ausgabe übernimmt diese Verfügung über Personen nicht als heutige Praxisanweisung.
18.554 auch schöne Gewänder, feine Gewebe, kostbaren Schmuck, Baldachine, Siegesbanner und vielfarbige Blatt- und Rankenverzierungen,
18.555 eine wohlklingende Handglocke, eine geeignete Räucherschale, ein Ausgussgefäß, einen Spiegel, einen Wasserkrug und einen großen Reibstein für Duftstoffe,
18.556 sowie die anderen zuvor genannten Dinge und verschiedene Getreidearten – wer dies Hari aus Hingabe darbringt, dem wird das Erlangen seiner Welt verheißen.
18.557 Wer eine Lampenträgergestalt stiftet, deren Gesicht dem Herrn zugewandt ist, oder eine große Lampe mit einer Vorrichtung in Schildkrötenform oder einer ähnlichen Gestalt,
18.558 oder mit Vertrauen einen aufwendig gestalteten Sitz beziehungsweise Leseständer für heilige Schriften mit einem geschmückten Behältnis darbringt, ihr großen Weisen, [wobei die genaue Ausstattung in der ersten Vershälfte noch ungeklärt ist,]
18.559 der gelangt nach der Verheißung zur höchsten Stätte des Gottes der Götter. Was immer man im Angesicht des Ursprungs der Welt mit Vertrauen darbringt
18.560 und denen zugutekommen lässt, die seiner Verehrung hingegeben sind, dessen Frucht wird unvergänglich. Damit ist die Ordnung der Weihe von Gottesbildern und den zugehörigen Kultgegenständen erklärt.
18.560z Wenn ihr darüber hinaus noch etwas hören möchtet, dann sprecht, ihr vortrefflichen Weisen.
Spiritueller Ausklang: Die lange Weiheordnung führt immer wieder zu einer schlichten Haltung zurück: Vertrauen, Hingabe, sorgfältige Handlung und das Wohl anderer. Auch eine einfache, regelmäßig gepflegte Praxis kann diese Haltung tragen. Wer mit offenem Herzen verehrt, verbindet die äußere Gabe mit innerer Sammlung und lässt daraus Freigebigkeit im Alltag wachsen.
Kolophon: So endet in der Ishvara Samhita des heiligen Pancharatra das achtzehnte Kapitel, genannt „Die Ordnung der Weihe“.
Texthinweise zu Kapitel 18
Umfang und Grundlage: Das Kapitel umfasst 560 nummerierte Verse sowie einen unnummerierten Schlusshalbvers, der hier die redaktionelle Kennung 560z trägt. Grundlage ist der vorhandene Sanskrittext mit Sichtkontrolle am Druck von 2017, Seiten 226–251, und Ergänzungen beziehungsweise gezielten Vergleichen am älteren Druck, Seiten 379–423. Die englische kritische Ausgabe für Kapitel 18 liegt im aktuellen Arbeitsbestand nicht vollständig vor. Die vorliegende Fassung beansprucht daher keinen vollständigen Abgleich mit deren Apparat.
Arbeitsstand: Sämtliche Verse sind erfasst. Mehrere technische und metaphysische Stellen bleiben jedoch ganz oder teilweise unübersetzt. Ihre Kennzeichnung gehört zum Textstand. Diese Kapitelarbeitsfassung ist noch nicht veröffentlichungsfertig.
Lücken des neueren Drucks: In 18.99 und 18.238 fehlt jeweils ein Halbvers; 18.287 und 18.348 fehlen vollständig. Nach 18.452a springt der neuere Druck zu 18.477b und 18.478; der dazwischenliegende Abschnitt wurde aus dem älteren Druck ergänzt. Dies sind Lücken dieses Drucks, keine hier behaupteten Lücken der Sanskritüberlieferung insgesamt. Die ältere Vorlage wurde an diesen Stellen unmittelbar eingesehen. Verschobene oder fehlende Nummern, darunter 18.48, 18.77, 18.150, 18.180, 18.286–287, 18.348–349, 18.381 und 18.418, sind nach der fortlaufenden älteren Zählung berichtigt. Die doppelte Wiedergabe eines Halbverses von 18.550 im neueren Druck wurde nicht übernommen.
Sanskrit und IAST: IAST wird aus dem redigierten Devanagari-Text erzeugt. Beide Fassungen teilen deshalb dieselben ausgewiesenen Lesarten und Unsicherheiten. Orthographische Angleichungen sind von inhaltlichen Konjekturen zu unterscheiden. Die sprachlichen Erklärungen und heutigen Praxisanregungen sind ausdrücklich redaktionelle Zusätze.
Räume und Maße, 18.3–40: Die ältere Lesart von 18.4 nennt vierzehn bis dreißig Hasta. In 18.5, 18.7, 18.14–18, 18.21, 18.23 und 18.25–31 sind einzelne Teilmaße, Bezugsgrößen oder Wortformen unklar. Eine scheinbar vollständige Bauanleitung wird daraus nicht hergestellt. Aṅgula, Kalā, Tāla und Hasta werden hier als überlieferte Maßeinheiten beibehalten, nicht pauschal in Zentimeter umgerechnet. Die Redaktion von 18.40 ist eine sprachliche Glättung des beschädigten Ausdrucks nach punar api.
Namen und Materialien: In 18.57 steht im neueren Druck Sunetra, im älteren Sugotra; hier bleibt die neuere Namensform. Die Verbindung der Stoffnamen in 18.61 ist nicht in allen Einzelheiten sicher: Die deutsche Zuordnung zu Erd- und Aschenwasser ist eine vorläufige Deutung. Die beschädigten Ausdrücke in 18.78, 18.326, 18.371–373, 18.376 und 18.378 sind nicht frei ergänzt. In 18.370–375 werden unsichere Mineral- und Pflanzennamen möglichst unverändert wiedergegeben. Mārgakhaṇḍa in 18.548 ist eine redaktionelle Lesung für die beschädigte Wegeangabe. In 18.558 bleibt die genaue Bauform des Schriftständers beziehungsweise seiner Unterlage offen.
Wasseraufenthalt und innere Rücknahme: 18.110–118 beschreibt eine besondere Ritualmeditation. Die Abfolge der Elemente wird nach dem vorliegenden Text wiedergegeben und nicht durch eine aus anderen Werken vertraute Standardfolge ersetzt. In 18.131–143 bezeichnet Chāyādhivāsana eine stellvertretende Durchführung, unter anderem mit Spiegel und Darbha-Unterlage. Es wird nicht auf einen buchstäblichen Schatten reduziert.
Historische Reinheit und soziale Ordnung: Die Regeln in 18.93–94 und 18.150–152 schließen nach damaligen religiösen und gesellschaftlichen Maßstäben bestimmte Orte und Personen aus. Auch die nach Ständen gegliederten Heilsverheißungen in 18.484–486 gehören zum historischen Text. Sie werden weder verschwiegen noch als heutige Wertung übernommen. Zu 18.486 bietet die ältere Ausgabe die Variante striyo ’pi ca als Fußnotenlesart; die neuere setzt sie in Klammern hinzu. Sie wird hier nicht als zusätzlicher selbstständiger Vers behandelt. Die Darstellung von Ganikas in 18.553 bleibt ebenfalls historisch einzuordnen.
Augenöffnung: Die Augenöffnung wird an einer Bildgestalt vollzogen. Die Erwähnung des Handwerkers und seines Werkzeugs in 18.208 darf nicht als Handlung an menschlichen Augen verstanden werden. In 18.212 werden Honig, Ghee und die Stifte dem Handwerker übergeben; die zuvor genannten Mädchen gehören zur Anschauung der verheißungsvollen Gegenstände und Personen und werden dort nicht als übergebene Gabe übersetzt.
Anrufung, 18.231–234: Diese Verse wurden am älteren Druck unmittelbar geprüft. Die Folge der Gestaltnamen in 18.232, vārāhakāpilatukesarisaumya, bleibt teilweise unklar; eine Pferdegestalt wird nicht ohne gesicherten Wortlaut ergänzt. 18.233 enthält ausdrücklich die Vergleiche mit Fächer und Wind sowie mit dem durch Reiben hervortretenden Feuer. Ihre spirituelle Erklärung ist daher unmittelbar im Quellentext verankert. 18.234 bittet um die gnädige Annahme der Verehrung.
Attribute und Mantraleib: In 18.276 und 18.280 wird die ältere Lesart śaṅkha, Muschel, verwendet; der neuere Druck bietet śārṅga, den Bogen. In 18.291 bestätigt die ältere Ausgabe das Gleichnis vom Samen und Baum. 18.296 wird nach dem älteren Druck mit ṣaṭśaktikaraṇopetam, „mit den sechs Shaktis als Wirkkräften ausgestattet“, gelesen. Die Erklärung in 18.293–295 bleibt dennoch teilweise unverständlich und ist nicht durch eine frei formulierte Lehrdarstellung ersetzt. Der Ausdruck anyapadeśyā in 18.292 wird vorläufig als Verneinung einer gesonderten Benennbarkeit verstanden.
Aufstellung und Befestigung: In 18.324 wurde die klarere ältere Lesart veṣṭayitvāmbaraiś citraiḥ, „mit bunten Stoffen umhüllt“, übernommen. 18.325 nennt im älteren Druck śatāṣṭādhika, während der neuere die kürzere Angabe „mehr als hundert“ bietet; die Übersetzung folgt hier dem neueren Wortlaut. Die Ortsbestimmungen in 18.354–358 und die Wiederherstellungsregel in 18.363–365 sind teilweise offen. 18.401 bezeichnet zwei Mantras durch ihre Verbindung zur Aufstellung; ob liṅga hier einen eigenen Titel oder lediglich ihr Erkennungsmerkmal bezeichnet, ist noch zu klären. 18.405–407 beschreibt auch die tatsächliche feste Verbindung von Bild, Sockel und Grundstein.
Mantra-Anfänge: Das Kapitel nennt vielfach nur Anfänge bereits bekannter Texte. Die Wiedergabe etwa von oṃ namo brahmaṇe, idaṃ viṣṇur vicakrama, pūrṇāt pūrṇam, pratiṣṭhāsi oder agnim īḷe ist keine Behauptung, dass dies jeweils der vollständige zu rezitierende Text sei. Besonders die Anfänge in 18.223–230, 18.299–301, 18.506–514 sind teilweise beschädigt oder erklärungsbedürftig. Für die gesonderte Mantra-Sammlung werden solche unsicheren Stücke nicht zu vollständigen Formeln rekonstruiert. In 18.508 bestehen unterschiedliche Angaben zum Saman-Anfang. Die Quelle nennt sowohl ein Brahma-Sukta als auch eine Mahopanishad; diese Benennungen werden nicht stillschweigend vereinheitlicht.
Verehrung nach der Weihe: Der aus dem älteren Druck ergänzte Abschnitt 18.452–477 enthält ausführliche Schlussverehrungen, eine Bitte um Verzeihung, Gaben an die Wesen und die weitere Durchführung über vier Tage. Die zunächst schwierigen Verse 18.476–477 wurden nach vergrößerter Sichtkontrolle berichtigt: Sie nennen das mit namaḥ verbundene Mantra und die anschließende Bali-Darbringung samt Bitte um Verzeihung. Eine abweichende frühere Arbeitsdeutung wurde verworfen.
Verheißungen und Strafandrohungen: Die Aussagen über himmlische Aufenthalte, Wohlstand oder Strafe gehören zur religiösen Sprache der Quelle. Sie sind keine unabhängig nachgewiesenen Wirkungsversprechen. 18.487–488 nennt für wunschlose Bhaktas beständige Hingabe und bleibende Erkenntnis. In 18.537 bestätigt der ältere Druck viyojayati, das Entfernen des Schmucks; die fehlerhafte neuere Lesart niyojayati wird nicht übernommen.
Waschen und Salben in 18.364: Der ältere Druck (S. 408) liest kṣālite ’mbunā lipte: Das Bild ist mit Wasser gewaschen und mit Sandel beziehungsweise weiteren Salbstoffen bestrichen. Hṛdā bezeichnet hier den Herz-Mantra. Der neuere Druck (2017, S. 243) hat kṣālite hyāmbunā lipte. Die ältere Lesung wird bewahrt, ohne ihre metrische Kürze durch eine freie Ergänzung auszugleichen. Die Handlungsfolge ist dadurch verständlich; es handelt sich nicht um einen fehlenden Ritualabschnitt.
Wiederholung in 18.363. Bhinnaprekṣāvaśāt wird vorläufig als eine durch den Blick Außenstehender ausgelöste Störung verstanden. Bhūyaḥ samācaret verlangt eine Wiederholung; im unmittelbaren Anschluss folgt in 364 das Waschen und Salben. Ob darüber hinaus weitere Handlungen wiederholt werden sollen, bleibt im Wortlaut offen. Die Deutung setzt keine bestimmte soziale Gruppe als ausgeschlossen fest.
Einlagen in 18.371. Viśaṅkam wird adverbial als „ohne Bedenken“ verstanden; die Wörterbücher von Apte und Benfey belegen viśaṅka als „furchtlos“, Benfey auch den adverbialen Akkusativ. Der zweite Halbvers ordnet das Einlegen zuerst in der Mitte, dann außen an. Die genaue Bestimmung der beiden Stoffnamen Rājapāṣāṇa und Rājendra bleibt unsicher. Grundlage sind der ältere Sanskritdruck (S. 409) und der Druck von 2017 (S. 244).
Vom inneren Tempel zur gelebten Hingabe
Die Kapitel 1–18 führen von der Frage nach Moksha über die innere Puja bis zur Weihe des Gottesbildes. Bei aller Genauigkeit der Vorschriften lohnt es sich, die darin angesprochene Beziehung im Blick zu behalten: Ein Mensch wendet sich Narayana zu, bereitet eine Gabe vor und schenkt der Verehrung seine Aufmerksamkeit.
Für deine heutige Sadhana kann daraus eine einfache Anregung wachsen: Bereite deinen Meditationsplatz mit Ruhe vor und nimm dir Zeit, innerlich anzukommen. Lies danach wenige Verse über die innere Verehrung und lasse ihre Bedeutung nachklingen. Im zweiten Teil setzt sich die Lektüre mit Erneuerung, Einweihung, Lebensführung und Meditation fort.
Siehe auch
- Pancharatra
- Sattvata Samhita
- Paushkara Samhita
- Jayakhya Samhita
- Ahirbudhnya Samhita
- Vishnu Samhita
- Parameshvara Samhita
- Padma Samhita
- Lakshmi Tantra
- Sanatkumara Samhita
- Bhagavad Gita
- Narada Bhakti Sutra
Seminare
Bhakti Yoga
- 27.10.2026 - 27.10.2026 Mantra-Konzert mit Shamana OM
Konzert mit Shamana OM- Shamana OM
- 31.10.2026 - 31.10.2026 Mantra-Konzert mit Gruppe Mudita
Konzert mit der Gruppe Mudita- Gruppe Mudita
Mantras und Musik
- 27.10.2026 - 27.10.2026 Mantra-Konzert mit Shamana OM
Konzert mit Shamana OM- Shamana OM
- 30.10.2026 - 01.11.2026 Freude im Herzen - Mantra Singen und Yoga
Lerne neue wunderschöne Mantras mit den Muditas kennen. Und geniesse auch die bekanntesten und beliebtesten Mantras. Gemeinsam widmen wir uns dem Mantr…- Gruppe Mudita
Hinduistische Rituale
- 30.10.2026 - 01.11.2026 Rituale für die Verstorbenen
Mit Ritualen unseren Ahnen Kraft schenken, damit sie in die nächsthöheren lichtvollen Welten aufsteigen können. Wir selbst erfahren dadurch Trost und…- Maharani Fritsch de Navarrete
- 08.11.2026 - 08.11.2026 Diwali - das Fest des Lichts
Diwali ist eines der wichtigsten Feste in Indien. Diwali ist das Lichterfest zur Öffnung des Herzens und der Entfaltung allumfassender Liebe. 20:00 Uhr…- Sukadev Bretz
Sanskrit und Devanagari
- 06.01.2027 - 15.12.2027 Jahresgruppe Sanskrit - Lektüre der AMRITA SIDDHI 2 - online
Termine: 16x mittwochs: 06.01., 27.01., 17.02., 10.03., 31.03., 21.04., 12.05., 02.06., 23.06., 14.07., 08.09., 29.09., 20.10., 10.11., 01.12., 15.12.20…- Dr phil Oliver Hahn
- 09.04.2027 - 11.04.2027 Sanskrit Intensivwochenende
Du bist fasziniert vom Klang des Sanskrit und der tiefgehenden Wirkung der Wörter dieser uralten Sprache? Hast bereits Übersetzungen von Mantras oder …- Dr phil Oliver Hahn
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