Svadhyaya

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Svadhyaya (Sanskrit: स्वाध्याय svādhyāya m.) Selbststudium, einer der fünf Niyamas in Patanjalis Yogasutra. Das Wort "Svadhyaya" setzt sich aus Sva (Sanskrit für selbst, zu mir gehörig) und Adhyaya (Sanskrit für Untersuchung, Erforschung) zusammen. Demnach steht Svadhyaya für Selbsterforschung. Um insgesamt bewusster zu werden, soll das eigene Denken und Handeln beobachtet, reflektiert und kritisch hinterfragt werden.

Svadhyaya

Eine zusätzliche Komponente von Svadhyaya ist das Studium der alten Schriften, da es neben der Selbstreflexion weiterer Bezugspunkte bedarf. Das kann beispielsweise die Bibel sein, das Yogasutra von Patanjali, die Bhagavadgita, die Veden, die Upanishaden oder andere Texte mit spirituellem, philosophischem oder religiösem Inhalt.

Patanjali

Yogasutra, Kapitel II.32

शौचसन्तोषतपःस्वाध्यायेश्वरप्रणिधानानि नियमाः || 2.32 ||

śauca-santoṣa-tapaḥ-svādhyāyeśvara-praṇidhānāni niyamāḥ || 2.32 ||

Die Niyamas bestehen aus Reinheit, Zufriedenheit, Selbstzucht, Selbststudium und Selbsthingabe.

Svadhyaya – Selbststudium als Niyama im Patanjali Yoga Sutra

Studiere und verstehe dich selbst

- Ein Vortrag von Sukadev Bretz 2019 -

Kommentar zum 2. Kapitel, Vers 44

Patanjali schreibt: „Svadhyaya, Selbststudium, führt zur Verbindung zum persönlichen Gott.“

Ein interessanter Vers, und die Verse zu den Yamas und Niyamas geben manchmal interessante und überraschende Einsichten. Svadhyaya heißt Selbststudium, und Selbststudium kann man auf viele verschiedene Weisen interpretieren.

Analysiere deine Motive

Svadhyaya gehört ja zu den fünf Niyamas, und man kann es zum einen nehmen als Introspektion: Man schaut in sich hinein, man überlegt: Was sind die Motive meines Handelns? Wodurch werde ich geprägt? Swami Sivananda schreibt immer wieder „Scrutinize your motives!“ – Analysiere deine Motive, sei dir bewusst:

  • Warum und wie handle ich?
  • Welchen Reiz-Reaktionsketten bin ich zum Opfer gefallen?
  • Welche Schwierigkeiten habe ich?
  • Welche Vorurteile habe ich?
  • Wo bin ich zu voreiligen Schlüssen gekommen?
  • Was motiviert mich in der Tiefe?

Dieses Verstehen seiner selbst ist wichtig!

Fasse Vorsätze und reflektiere

Zu Svadhyaya würde man auch sagen: Mache dir bestimmte Vorsätze. Fasse Vorsätze, und schaue dann: Wie hast du sie umgesetzt? Führe ein spirituelles Tagebuch. Schreibe auf, was du erreichen willst, schreibe auf, woran du arbeiten willst. Welche Praktiken, welche geistigen Identifikationen, welche geistigen Reiz-Reaktionsketten willst du durchbrechen? Wo willst du lernen, anders zu reagieren? Dann schreibe auch auf: Was habe ich heute gelernt? Was konnte ich umsetzen? Welche Einsichten habe ich bekommen? Das ist alles eine Form von Svadhyaya, die man interpretieren kann. Und vielleicht magst du auch einen Moment innehalten und überlegen: Wieviel von dieser Introspektion habe ich?

Die Erfahrung zeigt leider, dass Menschen zu Anfang des Weges oft sehr bewusst den spirituellen Weg gehen. Wenn sie einige Jahre den Weg gegangen sind, dann ist dort weniger diese Fähigkeit zur Selbstkritik, Selbstreflexion, Nachdenken, Überlegen, und Menschen haben dann oft auch weniger Vorsätze als vorher. Sie machen aus dem spirituellen Weg eine Art Lebensstil. Man macht halt, was man macht. Aber es verliert etwas die transformierende Wirkung, wenn man sie nicht mit echtem Svadhyaya verbindet. Also, du könntest jetzt einen Moment innehalten, bevor es zum nächsten Aspekt von Svadhyaya geht….

Erfahre dich als Eins mit Gott

Du bist Eins mit Gott: Liebe

Wir kommen nun zum nächsten Aspekt von Svadhyaya, denn manchmal wird auch gesagt, Svadhyaya, wie es eben beschrieben wurde, ist eigentlich Svadhyaya als Kriya Yoga, was Patanjali im 1. Vers des 2. Kapitels sagt. HIER sagt er: „Svadhyaya, Selbststudium, führt zur Verbindung zu „ishta devata samprayoga“. „Yoga“ selbst heißt schon „Verbindung“, „sam“ hat etwas zu tun mit „mit“, und „pra“ mit „hin zu“. „Sam“ heißt also: Mit „ishta devata“, mit der persönlichen Gottheit, entsteht eine Vereinigung, und zwar durch Svadhyaya.

Hier könnte man zum einen interpretieren: Durch intensives Selbststudium erfährst du, dass du letztlich Eins bist mit Gott. Wenn du erkennst:

dann erkennst du: Wenn ich von allem abstrahiere, was ich NICHT bin, dann bleibt letztlich Atman, Purusha übrig. Und dann bist du Eins mit Gott.

Jnana Yoga: Wer bin ich und wer nicht

Eine Interpretation wäre auch: In Svadhyaya ist der gesamte Jnana Yoga enthalten. Du kannst also lernen, herauszufinden, wer du nicht bist, und wer du wirklich bist. Und durch solch intensives Adhyaya, Studium, von Sva, deinem wahren Selbst, erfährst du dich selbst als eins mit Gott.

Studiere die Schriften

Studiere die Schriften

Eine weitere Bedeutung von Svadhyaya ist eigenes Studium der Schriften. Wenn du die Bhagavad Gita liest, wenn du die Upanishad liest, wenn du Bhakti Sutra liest, und dieses mit großer Ehrerbietung tust, dann erfährst du die Einheit mit Gott, die Verbindung mit Gott. In den großen heiligen Schriften der Menschheit ist letztlich die Kraft Gottes enthalten. Wenn du die Bhagavad Gita liest, oder auch die Bibel liest, oder den Koran liest, oder die Upanishaden liest, dann ist das nicht einfach nur ein intellektuelles Studium. In den heiligen Schriften steckt spirituelle Kraft. Und wenn du die Heilige Schrift liest, kannst du dich auch zunächst an Gott wenden. Es ist auch eine Weise, wie du eine spirituelle Schrift liest. Du könntest natürlich die Bhagavad Gita auch ideengeschichtlich lesen.

Schriften im spirituellen Kontext

Sukadev erzählt hierzu aus der Zeit, als er ein Yogazentrum in Los Angeles leitete und zu einer Indologie-Vortragsreihe an einer Universität eingeladen wurde. Er war damals ganz erstaunt: Die Menschen dort hatten das Yoga Sutra behandelt, sie hatten die Bhagavad Gita behandelt, sie hatten die Veden behandelt, und eine ganze Menge mehr. Sie hatten sich also das ganze Semester über intensiv mit diesen Schriften befasst. – Aber nicht als heilige Schriften, sondern als philosophische, ideengeschichtliche Schriften aus grauer Vergangenheit. Ein solches Studium, wo man letztlich nur vergleichende Religionswissenschaft und vergleichende Philosophie praktiziert, führt eben nicht zu tieferen spirituellen Erfahrungen.

Studiere die Schriften mit Ehrerbietung

Spiritualisiere dein Studium mit Om oder Gebet

Darum, wenn du eine Schrift liest, lies sie erst einmal mit Ehrerbietung. Wenn du die Bhagavad Gita öffnest, und vielleicht auch Patanjali öffnest, verneige dich vorher. Sprich vorher ein OM oder ein Gebet. Bitte darum, dass das Lesen dieser Schrift dich in Verbindung führen möge zu Gott . Und dann studiere die Schrift mit der Sehnsucht, spirituell zu wachsen. Und danach lass los, und bringe alles Gott dar. So führt dich dann das Studium der Schrift zur Verbindung zum persönlichen Gott.

Studium der Schriften führt zu Glauben und Gnade

Übrigens, hier gibt es auch noch mehrere andere Aspekte. Zum einen, gibt es Gemeinsamkeiten unter den Religionen.

Christentum

Wir finden zum Beispiel im Christentum, dass das Lesen der Bibel das Lesen von Gottes Wort ist. Und es wird angenommen, dass man durch das Lesen der Bibel Gott nahe kommt. Im Lutheranischen Christentum zum Beispiel ist das nochmal ganz besonders stark. Luther hat ja auch einiges formuliert. Er hat gefragt: Wie wird der Mensch gerechtfertigt vor Gott? Wie erreicht der Mensch die Erlösung? Und hier sagt er:

  • Sola gratia, d.h. allein durch die Gnade Gottes. Und wie erfährt der Mensch die Gnade Gottes?
  • Sola fide, allein durch den Glauben. Und wie kann der Mensch seinen Glauben erhöhen?
  • Sola scriptura, allein durch das Studium der Schriften.

So sagt letztlich Martin Luther: Studiere die Heilige Schrift! Dadurch wird dein Glaube gestärkt. Und wenn dein Glaube gestärkt ist, dann erfährst du Gott.

So ist also das Studium der Schrift eine spirituelle Praxis an sich, die dazu führt, dass du Gott erfährst. So sagt es Martin Luther, und so ist das praktisch eines der besonders wichtigen Prinzipien des Lutheranischen Christentums.

Islam

Spirituelle Praxis in der Moschee

Wir finden das auch im Islam. Dort ist das Studium des Korans auch nicht nur irgendeine Beschäftigung, sondern durch das Studium des Korans verbindet man sich mit Allah, und erfährt letztlich die Gegenwart von Allah. Das Studium des Korans ist etwas Heiliges. Und es ist mehr, als nur die intellektuellen Gebote zu studieren. Vielmehr heißt es, dass der Koran Offenbarung Gottes ist, und wenn man den Koran studiert, zum Teil vielleicht sogar auf Arabisch anhört, zum Teil vielleicht sogar ohne jeden Vers hundertprozentig zu verstehen, erfährt man die Gegenwart Gottes.

Judentum

Ähnlich finden wir es im Judentum mit dem Studium der Tora, also der Heiligen Jüdischen Bibel, oder auch des Tanach, wo ja zu der Tora noch einige andere Schriften gehören.

Ähnlichkeiten: Patanjali und Luther

Hier kann man noch weiter gehen: Wir finden auch Ähnlichkeiten von den Aussagen von Patanjali hier, und auch, was Martin Luther gesagt hat. Im Reformationsjahr 2017 war einiges zu lesen und zu hören über die Lehren von Martin Luther.

Luther

Sukadev hatte sich auch schon längere Zeit mit dem Evangelischen Christentum auseinandergesetzt. Und eines, was Martin Luther gesagt hat, ist: „Jeder Christ sollte die Bibel lesen, und zwar so, dass er sie versteht.“ Vor Martin Luther war es eher üblich, dass nur die Priester die Bibel lasen. Das gemeine Volk war letztlich auf die Interpretation des Priesters angewiesen. Martin Luther wusste, dass nicht jedermann Latein und Griechisch und Hebräisch studieren konnte, um die Bibel im Original zu lesen. Also hat er sie ins Deutsche übersetzt, und hat alle aufgefordert: Lies selbst die Bibel! Und durch das Studium der Bibel erfährst du Gott. Das war erstmal recht revolutionär. Die Katholiken sind mit ein paar Jahrhunderten Verspätung auch dazu gekommen, und haben auch gesagt, jeder katholische Christ soll auch selbst die Bibel auf Deutsch lesen. Und es wäre wohl auch gut, wenn auch der Christ Hebräisch, Griechisch und Latein lesen würde, um so genauer zu wissen, was dort tatsächlich steht. Denn die Übersetzungen sind ja auch immer wieder Interpretationen. Aber damit auch der „normale“ Christ die Bibel lesen kann, ist es gut, dass sie in die jeweilige Muttersprache übersetzt ist.

Patanjali

Patanjali - Autor des Yoga Sutra

So ähnlich war es aber auch vor Patanjali durchaus das Privileg von Brahmanen, die eigentlichen Schriften, also die Veden und die Upanishaden zu lesen. Brahmanen, die männlich waren, und eine bestimmte Zeit (12 Jahre) beim Guru verbracht hatten, und dabei die Einweihung bekommen hatten. Man brauchte, zumindest in bestimmten Teilen des Hinduismus, im sogenannten Brahmanismus, manchmal auch genannt die „brahmanische Orthodoxie“, letztlich die Erlaubnis, die Veden zu lesen.

  • Man musste erstmal irgendwie dazu geboren sein,
  • man musste zweitens eine bestimmte Zeit des Studiums haben,
  • drittens ein bestimmtes Abschlussritual vollzogen haben,

um dann die Erlaubnis zu bekommen, die Schrift überhaupt lesen zu können, insbesondere die Veden.

Andere durften höchstens die Itihasas und die Puranas, Ramayana, Mahabharata und die verschiedenen Shiva Purana, Bhagavatam und so weiter studieren. Und da die wenigsten Menschen Sanskrit kannten – und diese Schriften sind in Sanskrit; schon zu Patanjalis Zeiten war Sanskrit dem gemeinen Volk nicht zugängig – brauchten sie also die Vermittlung durch diejenigen, die Sanskrit kannten. Solche, die wirklich die heiligen Schriften lesen konnten, sogar die Bhagavad Gita, waren nicht viele. Und noch weniger waren es, welche die Veden, insbesondere die wichtigen Teile der Veden, also die Upanishaden studieren konnten.

Patanjali fordert hier auf: Jeder Aspirant sollte die Schriften selbst studieren. Und so gehört ja auch Yoga Sutra jetzt ideengeschichtlich nicht zur „brahmanischen Orthodoxie“, sondern Patanjali Yoga Sutra steht in der Tradition der sogenannten Shramana-Spiritualität. Patanjali und Buddhismus und Jainismus sind in dieser Hinsicht ähnlich. Sie sagen: Wende dich nicht an einen Brahmanen, du brauchst keine Priester, um Gott zu erfahren. Studiere selbst. Interessanterweise spricht Patanjali nicht einmal über die Notwendigkeit eines Gurus. Wir finden das an keiner Stelle. Er sagt nur einmal: Ishvara selbst ist dein Guru. Und damit gibt er dem einzelnen Aspiranten eine sehr große Verantwortung. Natürlich, Patanjali Yoga Sutra ist sehr kryptisch geschrieben. Du brauchst letztlich doch die Vermittlung durch einen Lehrer. Aber Patanjali sagt eben, du brauchst keinen Mittler, du brauchst keinen Priester, studiere die Schriften selbst. Und das ist dann unabhängig von deiner Herkunft und unabhängig von Erlaubnis, studiere die Schriften selbst. Wenn du die Schriften selbst studierst, dann erfährst du die Gegenwart Gottes, oder, wie er hier sagt: Ishta devata samprayoga.

Hier ist aber nochmal interessant: Er sagt jetzt nicht, dass du die Selbstverwirklichung erfährst, sondern du erfährst die Verbindung mit Gott. Und so gibt es einige Verse, wo auch von Ishvara Pranidhana gesprochen wird, Hingabe an Gott, und der nächste Vers ist ja auch ein Vers über Ishvara Pranidhana.

Spüre die Liebe Gottes

Spüre Gott im Herzen

Das Studium der Schriften führt also dazu, dass du Gott wahrnimmst, und zwar in seiner Ishta-Manifestation, die Liebe Gottes. Du kannst Gott abstrakt sehen, und Patanjali spricht mehrheitlich von Purusha, also dem Bewusstsein an sich, ganz abstrakt, oder auch Atman, auch den Ausdruck gebraucht er an einigen Stellen. Manchmal spricht er aber von Ishvara, Ishvara, Herr des Universums, und hier von Ishta devata, etwas, was gerade im Bhakti Yoga sehr wichtig ist, die persönliche Gottesbeziehung. Du wirst also zu deinem persönlichen Aspekt Gottes, zu dem du tiefe Liebe hast, starke Verbindung spüren, wenn du mit der richtigen Einstellung spirituelle Schriften liest.

Hinweise

Weitere Informationen findest du auf www.yoga-vidya.de. Du findest auch all diese Niyamas beschrieben in dem Buch „Die Yoga Weisheit des Patanjali für Menschen von heute“ – das Yoga Sutra mit einem Kommentar von Sukadev Bretz. Dort sind die Kommentare vielleicht etwas kürzer und prägnanter. Es gibt auch das gesamte Yoga Sutra mit verschiedenen Kommentaren, Audios und Videos und Rezitationen, und Originaltext auf Sanskrit und Deutsch, und in Devanagari-Schrift, Umschrift wie auch Wort-für-Wort-Übersetzung auf unserem Schriften Portal. Dort findest du ein Menü, und dort klickst du auf Patanjali Yoga Sutra, und dann kannst du beispielsweise ins Suchfeld eingeben „2 44“, und dann erfährst du mehr über diesen Vers, und du kannst dir jeden anderen Vers aussuchen.

Video - Selbststudium als Niyama im Patanjali Yoga Sutra

Sukadev über Svadhyaya

Niederschrift eines Vortragsvideos (2014) von Sukadev über Svadhyaya

Svadhyaya heißt Selbststudium, eigenes Studium. Svadhyaya ist einer der fünf Niyamas im Raja Yoga. Svadhyaya steht sowohl für eigenes Studium der Schriften als auch für Selbststudium im Sinne von Introspektion und herausfinden, wer du selbst bist. Swadhyaya, als Sanskrit-Wort, besteht aus zwei Teilen: "Swa" und "Adhyaya". Swa heißt eigen. Adhyaya heißt zum einen Kapitel von manchen Schriften, aber Adhyaya, insbesondere Adhyayana, heißt Studium. Adhyayana kann heißen, die Veden und andere Heiligen Schriften zu studieren.

Svadhyaya klingt für uns heute ganz normal, da man selbst lesen kann. Aber in früheren Zeiten gab es in vielen Kulturen so eine Neigung, das Lesen und das Studium der Heiligen Schriften einer bestimmten, man kann sagen, Priesterkaste vorzubehalten. Im Christentum war es bis zu Martin Luther üblich, dass nur die Pfarrer, die Priester die Heilige Schrift lasen. Das gemeine Volk hat die Bibel nicht gelesen. Und bis ins 19. Jahrhundert wurde den Katholiken eher gesagt, sie sollten die Bibel nicht selbst studieren, sondern nur die Interpretation des Priesters dafür nehmen.

Martin Luther hat aber gesagt: "Nein, jeder soll die Bibel selbst lesen. Sola scriptura. Allein durch die Schrift wird man zum Höchsten kommen." So ist es also wichtig, die Schrift zu lesen. Durch die Schrift kommt man zum Glauben, durch den Glauben erfährt man die Liebe Gottes, und durch die Liebe Gottes wird man dann die Erlösung erreichen. Das Selbststudium ist also eine heilige Handlung, letztlich die spirituelle Praxis der Protestanten. Die wichtigste spirituelle Praxis der evangelischen Christen wäre Swadhyaya, das eigene Studium der Heiligen Schrift.

Patanjali lebte 1500 Jahre vor Martin Luther, manche sagen 1200 Jahre, manche sagen 2000 Jahre vor Martin Luther, also jedenfalls eine ganze Weile vor Martin Luther, und er betonte Svadhyaya als spirituelle Praxis. Er sagte: "Lies selbst die Heiligen Schriften." Lies selbst die Heiligen Schriften, um selbst herauszufinden, was sie bedeuten. Verlasse dich nicht auf andere. Es ist zwar gut, die Heiligen Schriften auch von Meistern interpretiert zu bekommen, aber lies sie selbst.

Svadhyaya hat aber auch noch eine zweite Bedeutung. Das heißt, erkenne dich selbst, finde heraus, was du wirklich bist, finde deine eigenen Fähigkeiten, Talente heraus, so dass du sie umsetzen kannst, finde aber auch deine Schwächen heraus, finde deine Identifikationen heraus und folge nicht einfach den Reiz-Reaktionsketten, deinen Emotionen und den impulsiven Gedanken und Vorstellungen. Svadhyaya – werde dir selbst bewusst und werde so ein bewusster Mensch und kein getriebener Mensch, ein Mensch, der frei ist, Entscheidungen zu treffen, ein Mensch, der Gott dienen will. Für all das ist Svadhyaya gut.

Svadhyaya ist bei Patanjali eine der fünf Niyamas. Niyamas ist die eigene persönliche Disziplin. Zu den fünf Niyamas gehört: Saucha – Reinheit, Santosha – Zufriedenheit, Tapas – Disziplin, dann eben Svadhyaya – Selbststudium und Ishvara PranidhanaHingabe an Gott. Patanjali sagt noch etwas Interessantes. Er sagt, dass durch Svadhyaya die Verbindung mit Ishta Devata erreicht wird. Das heißt, wenn du selbst studierst, erfährst du Gott. Das ist eine interessante Aussage. Durchaus ähnlich wie Martin Luther, der auch gesagt hat, dass man durch das Studium der Schrift zu Gott kommt.

So sagt es auch Patanjali: "Durch das Studium der Schrift erfährst du Gott." Aber auch durch das Studium von dir selbst erfährst du Gott, denn die Tiefe deines Wesens ist letztlich Gott, du bist in der Tiefe eins mit dem Göttlichen. So führt Svadhyaya von dir selbst zu Gott, wenn du die Schriften studierst, führt das zu Gott, und letztlich, je mehr du über einen anderen Menschen herausfindest, wirst du letztlich erkennen, in jedem Menschen ist letztlich das Göttliche. Daher führt Swadhyaya, das tiefe Studium, zur Gotteserfahrung.

Auch wenn du diese Vorträge liest, ist das eine Form von Swadhyaya. Du kannst nach dem Lesen dieser Vorträge noch tiefer gehen, du kannst versuchen, darüber tiefer zu reflektieren, das ist auch ein eigenes Studium im Sinne von Manana, du kannst aber auch tiefer in dich hineingehen und so das Göttliche in dir erfahren.

Swami Sivananda über Svadhyaya

Auszug aus dem Buch "Tantra Yoga, Nada Yoga and Kriya Yoga" von Swami Sivananda, Buch I - Tantra Yoga, 5. Auflage, 2000, Shivanandanagar, S. 140 - 141. Divine Life Society

Mit dem Studium der Schriften kommt die Einswerdung mit der Schutzgottheit. Svadhyaya ist das Studium der Schriften, wie das der Gita, der Upanischaden, des Ramayana, der Bhagavata usw. Das Studium sollte mit höchster Konzentration durchgeführt werden. Du solltest klar verstehen, was du studiert hast und versuchen, alles, was du gelernt hast, in dein Alltagsleben zu integrieren. Du wirst keinen Nutzen aus deinen Studien ziehen, wenn du dich nicht bemühst, gemäß der Lehren der Schriften zu leben. Svadhyaya beinhaltet auch Japa, die Wiederholung von Mantras. Ständiges Studium und Praxis der gewonnenen Erkenntnisse im Alltagsleben werden dich dahin führen, dass du mit Gott vereint bist.

Swami Chidananda über Svadhyaya

Hier ein Video von und mit Sukadev, angeregt durch ein Buch von Swami Chidananda, zum Thema "Svadhyaya - tägliches Lesen von spirituellen Schriften":

Siehe auch

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Weblinks

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