Parameshvara Samhita

Aus Yogawiki

Parameshvara Samhita (Sanskrit: Parameśvara Saṃhitā, परमेश्वरसंहिता) ist eine umfangreiche Schrift des Pancharatra, der tantrischen Überlieferung der Vishnu-Verehrung. Sie verbindet die Schulung von Körper und Geist mit Mantra, innerer und äußerer Puja und dem gemeinschaftlichen Leben im Tempel. Ihr geistiger Mittelpunkt ist Narayana beziehungsweise Vasudeva: die höchste göttliche Wirklichkeit, die sich dem Menschen im Herzen, im heiligen Klang und in verehrbarer Gestalt erschließt.

Wer dieses Werk aufschlägt, begegnet einer Welt voller Blumen, Wasser, Licht, Mantras und sorgfältig geregelter Handlungen. Ihre Tiefe öffnet sich dort, wo der Text die äußere Form mit innerer Sammlung verbindet. Der Körper wird zum Haus Gottes, der Herzlotos zum Ort der Begegnung, die Darbringung zur Hingabe des eigenen Lebens. Die Parameshvara Samhita lädt dazu ein, Bhakti, Meditation und spirituelle Erkenntnis gemeinsam zu vertiefen.

Umfang dieser Ausgabe: Die deutsche Übersetzung und die verlinkten Sanskritfassungen erfassen sämtliche 8.284 nummerierten Texteinheiten der zugänglichen 26 Kapitel. Überlieferte Nummernlücken, Doppelungen und beschädigte Lesungen bleiben kenntlich. Der Umfang ist nicht mit der im Werk erwähnten größeren Fassung von 16.000 Versen gleichzusetzen. Die Devanagari-Fassung ist eine regelbasierte Umschrift der IAST-Grundlage. Der Auswahlartikel erschließt 108 unterschiedliche, belegte Stellen.

Hauptartikel · Sanskrit IAST · Devanagari, Teil 1 · Devanagari, Teil 2 · 108 inspirierende Verse und Mantras

Vishnu: Die Parameshvara Samhita verbindet die Verehrung des Göttlichen mit einer Schulung von Aufmerksamkeit, Hingabe und Erkenntnis.

Was Yoga-Aspiranten aus der Parameshvara Samhita lernen können

Schon ihre Eingangserzählung spricht eine vertraute Erfahrung an: Sanaka bemüht sich intensiv, meditiert und übt Askese; dennoch bleibt die ersehnte Erfüllung aus. Die Antwort des Göttlichen ist ermutigend: Er soll nicht verzweifeln, sondern einen erfahrenen Lehrer aufsuchen (1.6–22). Sein Weg führt in einen Ashram mit friedvollen, neidlosen Menschen und zu einem Lehrer, der im Selbst ruht und voller Mitgefühl ist (1.26–29).

Sanakas Geschichte ermutigt dazu, neben der eigenen Anstrengung auch das Empfangen zu lernen. Wer aufrichtig sucht, darf Rat annehmen und sich von einer lebendigen Überlieferung tragen lassen. Guru und spirituelle Gemeinschaft werden zu Hilfen auf dem Weg.

Ebenso wichtig ist die innere Haltung beim Üben. Kapitel 3.125 unterscheidet Atemlenkung ohne innere Begleitung von Atemlenkung mit Japa und Meditation. Kapitel 5.139 verbindet die Darbringung mit wahrer Hingabe und einem freudigen Inneren. Entscheidend ist also auch, wie wir eine Handlung vollziehen: aufmerksam, gesammelt und mit offenem Herzen.

Besonders alltagsnah sind die späteren Yoga-Verse. Der Übende soll Hochmut überwinden, das Wohl aller Wesen suchen, niemanden schädigen und nicht stehlen (7.441–443). Vor dem Einschlafen erinnert er sich an den Herrn im Herzen (9.166). So reichen die Lehren von der stillen Sitzpraxis bis in das Verhalten gegenüber anderen und in die letzten Gedanken des Tages.

Die folgenden Erläuterungen und Anregungen sind heutige Zugänge zum Werk. Die Übersetzung selbst bewahrt auch dessen historische Ritualordnungen, gesellschaftliche Unterscheidungen und ausschließliche Ausrichtung auf Vishnu. Diese werden nicht stillschweigend in eine moderne, unterschiedslose Spiritualität umgedeutet.

Einordnung in die Pancharatra-Tradition

Saṃhitā bedeutet Sammlung; Parameśvara bezeichnet den höchsten Herrn. Gemeint ist hier eine vishnuitische Schrift, kein gleichnamiges Werk einer Shiva-Tradition. Die Bezeichnung „tantrisch“ betrifft vor allem das Zusammenwirken von Mantra, Nyasa, Mudra, meditativer Vergegenwärtigung, Einweihung und geregelter Verehrung.

Die Einleitung stellt das Werk in die Tradition des Ekayana-Veda. Dieser wird als Wurzel des Veda-Baumes und als Weg ausschließlicher Ausrichtung auf Vasudeva beschrieben (1.32–44; 1.73–81). Das ist die religiöse Selbstauslegung der Schrift. Die Erzählungen von Weltzeitaltern und Offenbarungen dienen ihrer spirituellen Autorisierung; sie erlauben keine unmittelbare historische Datierung.

Die vorangestellten Verehrungsformeln nennen Ramanuja und Ranganatha. Sie sind Hinweise auf das Milieu der übermittelten Textfassung, aber kein Beleg dafür, dass Ramanuja das Werk verfasst habe. Wisdomlib ordnet die Schrift dem Pancharatra zu und bringt ihre Ritualordnung mit dem Tempel von Shrirangam in Verbindung. Eine genaue Entstehungszeit oder eine persönlich bestimmbare Verfasserschaft wird hier nicht behauptet.

Die ursprüngliche Anlage ist größer als der heute auf dieser Grundlage greifbare Umfang: 1.93 nennt sechzehntausend Verse, 1.95–113 unterscheidet einen Erkenntnis- und einen Handlungsteil. Die zugängliche Fassung besitzt 26 Kapitel; Kapitel 2 beginnt ausdrücklich mit der Bezeichnung des Handlungsteils. Diese beiden Umfangsangaben müssen auseinandergehalten werden.

Werkstruktur und Leserführung

Der folgende Überblick benennt die vorherrschenden Themen der Kapitel. Es handelt sich um redaktionelle Orientierungstitel, nicht um nachträglich erfundene Sanskrit-Kolophone.

Kapitel Schwerpunkt Zugang für die Lektüre
1 Offenbarung, Lehrerfolge, Ekayana und Aufbau der Lehre Warum Suche, Überlieferung und Gnade zusammengehören
2 Reinigung, Bad, Namen Gottes und Meditationsbad Äußere Vorbereitung und innere Läuterung
3 Verehrungsraum, Atemlenkung und Reinigung der Elemente Der Körper als bewusst gestalteter Ort der Praxis
4 Einsetzen der Mantras in Hände und Körper Handlung und innere Vergegenwärtigung verbinden
5 Innere Verehrung und inneres Feueropfer Der Herzlotos, das Bewusstseinslicht und Selbsthingabe
6 Äußere Verehrung Wie die innere Sammlung in sichtbaren Dienst übergeht
7 Feueropfer, tägliche Ordnung, Schriftstudium und Yoga Meditation innerhalb eines umfassenden spirituellen Tages
8–11 Begleitgottheiten, Zeiten, Tempel und seine heiligen Bereiche Die gemeinschaftliche und räumliche Gestalt der Verehrung
12–14 Pavitra-Feier, Ruhen und Erwachen des Herrn, rituelle Bäder Der Festkalender als wiederkehrende Vertiefung
15 Einsetzung und Weihe Göttliche Gegenwart und Pratishtha
16–17 Große Tempelfeste Gottesdienst als gemeinschaftliche Freude
18 Speisegaben Darbringung und die Haltung des Verehrers
19 Ausgleich von Fehlern und Störungen Sorgfalt, Wiederherstellung und Verantwortung
20–21 Große Schenkungen Großzügigkeit in ihrem historischen Ritualzusammenhang
22 Rituelle Besprengung Erneuerung und Wiederherstellung heiliger Ordnung
23–26 Sudarshana-Narasimha-Yantra, Mantras und Verehrung Spezialisierte, überlieferungsgebundene Mantrapraxis

Für den ersten Zugang eignen sich die Erzählung in Kapitel 1, das Meditationsbad in 2.127–129 und die innere Verehrung in Kapitel 5. Der Auswahlartikel mit 108 Stellen erschließt außerdem die Yoga-Unterweisung aus Kapitel 7. Die umfangreichen technischen Kapitel lassen sich danach mit größerem Verständnis lesen.

Narayana und die höchste Wirklichkeit

In der Eingangserzählung ist Vasudeva das höchste Licht und der höchste Purusha (1.10). In der inneren Verehrung erscheint der Herr zugleich als formloses Bewusstseinslicht und als Gestalt, die aus Gnade zugänglich wird (5.74; 5.90–92). Der Text hält diese beiden Zugänge zusammen: Das Göttliche übersteigt jede begrenzte Form und lässt sich dennoch in einer Form verehren.

Kapitel 18.368 spricht Narayana als den an, dessen Wesen Sein, Bewusstsein und Glückseligkeit ist. Die anschließende Bitte ist bemerkenswert: Gott ist bereits vollkommen erfüllt; die Gabe dient der Vollendung des Verehrers (18.369–370). Die Gabe verändert damit vor allem den Gebenden: Er übt, sich zu öffnen, Dankbarkeit auszudrücken und den eigenen Anspruch loszulassen.

Vasudeva und die Vyuhas

Die Vyuhas sind die geordneten göttlichen Entfaltungen. Das morgendliche Namensgebet nennt Vasudeva, Sankarshana, Pradyumna und Aniruddha gemeinsam (2.6). Die Einleitung verbindet die Entfaltungen mit den sechs göttlichen Eigenschaften und dem Wirken des Herrn in der Welt (1.95–100).

Kapitel 4.32–35 beschreibt Erkenntnis, Herrschaft, Shakti, Kraft, Wirkmacht und Lichtglanz im Zusammenhang mit der Mantra-Einsetzung. Solche Eigenschaften bezeichnen hier göttliche Vollkommenheit; sie sind keine psychologische Typenlehre.

Auch Wachen, Traum, Tiefschlaf und der vierte Zustand werden auf die göttlichen Entfaltungen beziehungsweise die meditativen Sitze bezogen (1.99–100; 3.55–59). Für die Betrachtung eröffnet dies eine Frage: Was trägt mein Bewusstsein durch seine wechselnden Zustände? Die Antwort des Werkes ist in der Gegenwart Vasudevas verankert.

Lakshmi und die göttliche Shakti

Lakshmi und Pushti werden in der Einleitung als ewige, mit dem Herrn verbundene Gestalten genannt (1.101). Kapitel 5 macht die Bedeutung der Shakti besonders anschaulich. Die tragende Kraft Vishnus liegt jeder meditativen Anordnung zugrunde (5.23); weitere Kräfte erscheinen als Reinheit, Erkenntnis, Herrschaft, Wahrhaftigkeit, Ewigkeit, Licht, Unendlichkeit und Gnade (5.49–51).

Lakshmi: Im Werk erscheint sie auch als Gestalt der Fruchtfülle, die der Verehrer wieder dem Göttlichen darbringt.

Bei der abschließenden Darbringung stellt der Verehrer die Frucht seines Gottesdienstes als Lakshmi vor und übergibt sie Vishnu (5.162–164). So bleibt die Frucht nicht im Anspruch „mein Verdienst“ stehen. Sie wird erneut zum Geschenk. Als heutige Betrachtung kann dies helfen, Dankbarkeit zu vertiefen und auch das Gelungene loszulassen.

Guru und Diksha

Die Unterweisung beginnt mit einer Begegnung. Sanaka begegnet einem friedvollen, mitfühlenden und in Erkenntnis gegründeten Lehrer (1.28–29). Guru-Verbundenheit zeigt sich außerdem in der geistigen Verehrung der Lehrerfolge vor dem Gottesdienst (3.46–47).

Diksha und rituelle Befähigung gehören zum Rahmen dieser Mantratradition. Die Schrift setzt für ihre Fachrituale unterwiesene und geweihte Ausführende voraus; Mantras werden vom Sadguru empfangen (6.89). Die Schlussverse von Kapitel 5 verlangen sorgfältige Prüfung der Haltung des Schülers vor Weitergabe der inneren Lehre. Das Lesen einer Ritualbeschreibung ersetzt daher nicht die traditionelle Unterweisung.

Für heutige Aspiranten ist besonders die Verbindung von Erkenntnis, Mitgefühl und Praxis wertvoll. Respekt vor einem Lehrer und eigenes verantwortliches Unterscheiden können zusammenwirken. Die hier angebotenen einfachen Anregungen beanspruchen keine Einweihung in die technischen Rituale des Werkes.

Swami Sivananda: Bild zur heutigen Bedeutung geistlicher Unterweisung; keine Darstellung einer historischen Lehrerlinie der Parameshvara Samhita.

Mantra und Japa

Ein Mantra ist im Verständnis dieses Textes ein Träger göttlicher Gegenwart. Kapitel 5.105–114 erläutert, wie seine Wirksamkeit durch meditative Erfahrung erschlossen wird. Kapitel 7.451 unterscheidet den bezeichnenden Mantra von der Wirklichkeit, auf die er verweist. Japa soll zu deren Erkenntnis führen.

Der Tag beginnt mit göttlichen Namen (2.5–15). Die innere Verehrung schließt Mantrawiederholung mit einem freudigen Geist ein (5.139); vor dem Schlafen wird der Herr im Herzen erinnert (9.166). Wiederholung wird so zu einer Weise, den ganzen Tag zu sammeln.

Japa verbindet wiederholten Klang mit Aufmerksamkeit und Hingabe.

Die Mantraübersicht trennt ausgeschriebene Gebetsformeln von lediglich genannten oder verschlüsselt aufgebauten Mantras. Beschädigte Silbenfolgen werden nicht als gesicherte Rezitationsanweisungen ausgegeben.

Puja und Arcana

Puja bei Yoga Vidya: heutiges Beispiel verehrender Praxis, keine Rekonstruktion des hier beschriebenen Pāñcarātra-Rituals.

Puja und Arcana umfassen Begrüßung, Pflege, Schmuck, Speise, Licht und ehrfürchtige Verabschiedung. In Kapitel 5 werden diese Handlungen im Geist vollzogen. Kapitel 6.1 führt ausdrücklich von der inneren Verehrung zur äußeren, von Bhakti erfüllten Handlung.

Die innere Bedeutung lässt sich besonders an 5.134–141 erkennen: Der Verehrer bringt schließlich sich selbst dar. Die Gaben werden zur Sprache einer Beziehung. Als heutige Praxisanregung kann schon eine bewusst dargebrachte Blume helfen, Aufmerksamkeit und Dankbarkeit zu sammeln; sie ist jedoch nicht mit dem vollständigen historischen Ritual gleichzusetzen.

Die Schrift betont ebenso die Sorgfalt des äußeren Tuns. Gefäße werden gereinigt, Gegenstände passend vorbereitet und Handlungen bewusst ausgeführt. Hingabe zeigt sich auch darin, Kleinigkeiten achtsam zu behandeln.

Tempel und Pratishtha

Tempelinnenraum in Singapur: ein heutiges Beispiel für den gestalteten Raum hinduistischer Verehrung.

Der Tempel ist im Werk ein geordneter Raum göttlicher Gegenwart. Seine Architektur, sein Gefolge, seine Zeiten und Feste sind Teil der Verehrung. Kapitel 15 behandelt die Einsetzung und Weihe; die folgenden Kapitel entfalten den Festbetrieb.

Eine besonders hilfreiche Brücke zur persönlichen Praxis liegt bereits in 3.38–43: Wo kein Tempel vorhanden ist, wird ein Mantrahaus geistig errichtet. Kapitel 5.3 nennt den Körper selbst eine Stadt und ein Haus Gottes. Diese Bilder geben der inneren Sammlung einen Raum, ohne den realen Tempel und seine gemeinschaftliche Bedeutung aufzuheben.

Vishnu mit Lakshmi auf Shesha, Skulptur in Rishikesh. Das Bild veranschaulicht die Gestaltverehrung; es zeigt nicht den Shrirangam-Tempel.

Dhyana und Yoga

Yoga ist in dieser Schrift in die Gottesverehrung eingebettet. Die äußeren Sinne werden im Geist gesammelt, der Geist in der Einsicht und die Einsicht in der Erkenntnis (5.2). Das Herz wird als Ort eines unvergänglichen Bewusstseinslichts betrachtet (5.102–104).

Kapitel 7 ergänzt eine deutliche ethische Grundlage: Wohlwollen gegenüber allen Wesen, Verzicht auf Schädigung und Diebstahl, Selbstbeherrschung und Studium der Lehre. Danach folgen Pratyahara, Dhyana, Dharana und Samadhi. Übung und Nichtanhaften werden gemeinsam genannt; zugleich soll der Übende äußere und innere Störungen verringern (7.464–468).

Der Weg führt vom groben zum subtilen und schließlich zum höchsten Meditationsgegenstand (7.475). In Samadhi kommt nach 7.454 auch das absichtliche Wiederholen des Mantras zur Ruhe. Das gibt der Übung eine offene Tiefe: Sammlung darf in stilles Gewahrsein übergehen.

Die komplexen Atemmaße, Elementauflösungen und Nyasa-Folgen in den Übersetzungskapiteln sind Beschreibungen traditioneller Fachpraxis. Sie werden hier nicht als Übungsplan für selbstständige Anfänger vermittelt.

Bhakti und Gotteshingabe

Bhakti ist die lebendige Zuwendung zum Göttlichen. Die Parameshvara Samhita zeigt sie in der Sehnsucht Sanakas, in der Freude der Begegnung mit dem Guru, in der geistigen Gabe und im Vertrauen auf Gnade.

Ein einfacher Höhepunkt ist die Begrüßung in 5.135: Der Verehrer bittet den Herrn, gegenwärtig zu sein und die innere Verehrung anzunehmen. Am Ende übergibt er auch die Frucht der Praxis (5.162–164). Hingabe umfasst damit Anfang, Vollzug und Ergebnis.

Kapitel 15.910–911 unterscheidet erwünschte äußere Früchte von dem, was wunschfreien Verehrern zukommt: beständige Hingabe und Erkenntnis. Das ist ein hilfreicher Maßstab für Sadhana: Vertieft meine Praxis die Liebe, die Klarheit und das rechte Handeln?

Jnana und spirituelle Erkenntnis

Jnana ist hier mit Verehrung und meditativer Verwirklichung verbunden. Bereits der Auftakt sucht nach Erkenntnis Gottes. Kapitel 5 unterscheidet die in der Vorstellung geschaffenen räumlichen Ordnungen von der Wirklichkeit, für die kein Oben, Unten oder Gegenüber besteht (5.19–23).

Zugleich bewahrt die Schrift ihre Beziehungssprache: Der Herr schenkt Gnade, der Verehrer empfängt und antwortet. Solche Aussagen sollten nicht vorschnell auf ein einziges philosophisches System reduziert werden. Die Leser können beide Bewegungen betrachten: die Stille jenseits begrenzender Vorstellungen und die vertrauensvolle Beziehung zu Narayana.

Schriftstudium bedeutet entsprechend mehr als Lesen. Kapitel 7.435–436 fordert, die Überlieferung zu studieren und den Sinn ihrer Aussagen zu bedenken. Svadhyaya wird zur Verbindung von Textverständnis, Nachdenken und gelebter Erfahrung.

Moksha und das höchste Ziel

Moksha ist das große Ziel, das die Vielzahl der Handlungen zusammenhält. Die Schrift kennt auch erwünschte Lebensfrüchte; doch in 5.180–181 richtet sich der Blick auf den beständig verbundenen, von Vertrauen und Hingabe erfüllten Menschen. Ihm wird das Erreichen der höchsten Stätte und das Ende der Rückkehr in Gebundenheit zugesprochen.

Solche Verse formulieren die Verheißung der Tradition. Sie sind keine Zusage eines automatisch eintretenden Ergebnisses durch mechanisches Wiederholen. In ihrem Zusammenhang stehen regelmäßige Praxis, Erkenntnis, Hingabe und Gnade nebeneinander.

Fünf zentrale Lehren der Parameshvara Samhita

  1. Die Suche darf sich für Führung und Gnade öffnen. Sanakas Askese mündet in die Begegnung mit einem mitfühlenden Guru (1.6–32).
  2. Innere Sammlung und äußeres Handeln gehören zusammen. Die innere Verehrung bereitet den von Hingabe erfüllten äußeren Dienst vor (5.1–3; 6.1).
  3. Mantra wird durch Aufmerksamkeit und Erkenntnis vertieft. Der heilige Klang weist auf eine Wirklichkeit, die im Herzen vergegenwärtigt werden soll (5.102–114; 7.451).
  4. Yoga braucht eine ethische Grundlage. Das Wohl aller Wesen, Nichtverletzen und Nichtstehlen gehören ausdrücklich zur Vorbereitung (7.441–443).
  5. Die höchste Frucht ist mehr als Wunscherfüllung. Wunschfreie Hingabe und Erkenntnis öffnen den Weg zur höchsten Stätte (15.910–911; 5.180–181).

Fünf Anregungen für Yoga-Aspiranten

Die folgenden einfachen Anregungen sind heutige Anwendungen der genannten Lehren, keine verkürzten Einweihungsrituale.

  1. Narayana im Herzen vergegenwärtigen. Sitze einige Minuten ruhig. Stelle dir, wenn es dir entspricht, eine freundliche lichtvolle Gegenwart im Herzen vor. Lass den Atem dabei natürlich fließen.
  2. Mantra-Japa aufmerksam vertiefen. Wiederhole einen dir vertrauten, gegebenenfalls durch deinen Lehrer vermittelten Mantra. Höre innerlich hin und kehre ohne Selbstvorwurf zurück, wenn Gedanken abschweifen.
  3. Eine äußere Gabe mit innerer Hingabe verbinden. Stelle eine Blume oder ein Licht an deinen Verehrungsplatz. Verbinde die Handlung mit Dankbarkeit und widme auch eine hilfreiche Alltagstat dem Göttlichen.
  4. Guru und Überlieferung durch lebendiges Studium wertschätzen. Lies eine belegte Stelle, bedenke ihren Sinn und sprich offene Fragen mit einer erfahrenen Lehrperson durch. Prüfe, wie sich das Verstandene in deinem Verhalten zeigt.
  5. Bhakti, Meditation und Erkenntnis im Tagesabschluss verbinden. Erinnere dich vor dem Schlafen an das Göttliche im Herzen. Frage dich freundlich, wo du heute Wohlwollen gelebt hast, und lass anschließend auch diese Betrachtung still werden.

Parameshvara Samhita und andere Tantra Schriften

Die Parameshvara Samhita nennt selbst andere Schriften. Diese ausdrücklichen Bezugnahmen sind von thematischen Leseverbindungen zu unterscheiden. Ähnliche Themen allein belegen keine unmittelbare historische Abhängigkeit. In 10.376–379 bezeichnet das Werk Sattvata, Paushkara und Jayakhya als göttliche Schriften, sich selbst zusammen mit der Ishvara Samhita und weiteren Texten dagegen als sattvische Weisenschrift. Diese Rangordnung ist eine theologische Selbsteinordnung, keine historische Datierung.

Schrift Beleg oder Art der Verbindung Gewinn für die vergleichende Lektüre
Sattvata Samhita In 1.19 und 1.89 ausdrücklich genannt Die Ausrichtung auf Vasudeva, die Entfaltungen und das Verhältnis von Erkenntnis und Praxis vergleichen.
Ahirbudhnya Samhita 26.43 verweist auf eine Unterweisung Ahirbudhnyas an Narada Den Zusammenhang von Sudarshana, Mantra und schützender Verehrung untersuchen; der Vers ist kein Beweis für eine einfache Abhängigkeit des gesamten Werks.
Jayakhya Samhita In 1.19 ausdrücklich genannt Innere Verehrung, Mantragestalt, Meditation und rituelle Befähigung nebeneinander lesen.
Lakshmi Tantra Thematischer Vergleich mit einer auf Lakshmi konzentrierten Pancharatra-Schrift Die Rolle von Shakti, Erkenntnis und Gnade mit Lakshmi und den Kräften in Kapitel 5 vergleichen.
Vishnu Samhita Thematische Leseverbindung Die Verbindung von Vishnu-Verehrung, Mantra und geregelter Praxis untersuchen.
Parama Samhita Eigenständiger Titel, nicht mit Parameshvara Samhita gleichzusetzen Nach dem Verhältnis von Theologie, spiritueller Disziplin und Gottesdienst fragen.
Paushara Samhita Die Paushkara wird in 1.19 genannt; 1.90 hebt die Darlegung ihres Sinnes hervor Besonders auf die im Werk selbst ausgesprochene Beziehung achten. Der Wiki-Link folgt dem gewählten Seitentitel; im Sanskrit lautet der Name Pauṣkara.
Ishvara Samhita In 10.377–379 ausdrücklich unter den sattvischen Weisenschriften genannt Tempelverehrung, Einweihung, Festordnung und ihre geistige Grundlage vergleichen.
Padma Samhita Thematische Leseverbindung Die Verbindung von Tempel, Bildweihe, täglicher Verehrung und Meditation betrachten.
Narada Samhita Thematische Leseverbindung; Narada wird auch innerhalb der Parameshvara angeredet Die Rolle des göttlichen Lehrdialogs und die Beziehungen von Bhakti, Mantra und Befreiung untersuchen; gleiche Sprechernamen beweisen keine Textidentität.

Die vergleichende Lektüre vertieft zentrale Fragen des spirituellen Weges: Die Vyuhas erschließen göttliche Entfaltung, Lakshmi und Shakti die wirksame Kraft und Gnade, Diksha den überlieferten Zugang, Arcana den gelebten Dienst und Moksha die letzte Ausrichtung. Beim Vergleich bleibt jeweils zu prüfen, was der konkrete Text tatsächlich lehrt.

Deutsche Übersetzung der Parameshvara Samhita

Die folgende Übersetzung umfasst den gesamten vorhandenen Text der Kapitel 1–26 bis 26.50, einschließlich der Eingangsverehrungen und Sprecherangaben. Versnummern folgen der Grundlage, auch bei Sprüngen. Zusammengehörige Sätze können über mehrere Versnummern laufen. Kurze eckige Anmerkungen kennzeichnen unsichere Lesungen oder notwendige Kontextangaben. Die historischen Reinheits- und Standesvorschriften werden als Aussagen des Quellentextes wiedergegeben.

Kapitel 1

Eingangsverehrungen. Glück und Segen! Verehrung dem ehrwürdigen Ramanuja. Verehrung Shri Ranganatha, dem höchsten Brahman. Erstes Kapitel.

1.1 Om. Verehrung dem Träger des Diskus, der alles Heil schenkt und die im Meer der Sinnesgegenstände Versunkenen emporhebt.

1.2 An der heiligen Stätte auf dem Gipfel des Totadri, die von Göttern und Gandharvas besucht wird, mit heiligen Badeplätzen und Blumen aller Jahreszeiten,

1.3 mit ausgezeichneten Einsiedeleien und herrlichen heiligen Orten, lebten große Weise, die in Veda und Vedanta fest gegründet waren und sich der Askese widmeten.

1.4 Sie waren mit der Lehre des Samkhya vertraut, kannten die Grundsätze des Yoga, die alten Erzählungen und Puranas und verstanden die Bedeutung der Dharma-Schriften.

1.5 Dort lebten Kenner der vedischen Hilfswissenschaften, göttliche Weise, königliche Weise und große Seelen, die durch Mantras Vollendung erlangt hatten.

1.6 Der große Asket und Yoga-Weise Sanaka, ein Sohn Brahmas, übte dort schwer zu vollbringende Askese, um die Erkenntnis Gottes zu erlangen.

1.7 Hundert Jahre meditierte er in sich selbst über das höchste Selbst. Doch selbst nach äußerst strenger Askese erreichte er das ersehnte Ziel nicht.

1.8 Da wurde der Weise von großer Trauer ergriffen. Er hatte Zorn und Sinne überwunden und war dennoch in einem Meer des Kummers versunken.

1.9 Zu diesem beherrschten Verehrer, der sich den Gliedern des Yoga widmete, sprach der Schöpfer der Welt, der seine Verehrer liebt, zum Wohl der Welt folgende Worte.

1.10 Es war Vasudeva, das höchste Licht, der unsichtbare höchste Purusha. Der ehrwürdige Herr sprach: „Du, Herr unter den Yogis, hast hier eine ausgezeichnete Askese vollbracht.

1.11 Bald wirst du, o Brahmane, die Frucht deiner großen Askese erlangen. Fasse Zuversicht! Heil sei dir! Verzweifle nicht, du Verständiger.

1.12 In dieser Welt wird der große Shandilya als einer gerühmt, der sein Ziel erreicht hat. Suche bei ihm Zuflucht, damit du den Weg der Gottesverehrung verwirklichst. Heil sei dir!

1.13 Auf diesem herrlichen Berg hat jener große Weise einst unmittelbar vom offenbarten Herrn Achyuta, der auch Achyuta genannt wird,

1.14 die mit Trisuparna beginnenden Texte gelernt, die unmittelbar das wahre Brahman bezeichnen, ebenso die Überlieferungszweige, sämtliche Upanishaden, die Samhitas und die Brahmanas. [Die Lesung „niṣadaḥ“ ist beschädigt; „Upanishaden“ ist eine kontextbezogene Deutung.]

1.15 Danach lernte er die Worterklärungen und der Reihe nach die sieben Kategorien kennen, ferner die zweifache Erkenntnis und die verschiedenen Lehrschriften.

1.16 Er hörte von den dreizehn Arten des Handelns, verbunden mit zwölf das Selbst betreffenden Gesichtspunkten. So vernahm er zunächst die Lehre, die ‚geheime Überlieferung‘ genannt wird.

1.17 Sie enthält die Abfolge göttlicher Mantras und ist dadurch gekennzeichnet, dass allein Befreiung ihre Frucht ist. Danach bat er, dem Wohl der Welt zugewandt, den Herrn erneut um Unterweisung.

1.18 Darauf hörte er ausführlich jene Lehre, die Lebensfülle und Befreiung gewährt und die der Herr selbst in Anushtubh-Versen ausgesprochen hatte:

1.19 die Sattvata, die Paushkara, die Jayakhya und weitere Schriften. All dies ist dem großen Shandilya gründlich bekannt.

1.20 Dieser Shandilya, der alle Lehrschriften kennt, ist ein hervorragender Guru. Von Schülern umgeben weilt er in seiner Einsiedelei, die Erschöpfung aufhebt.

1.21 Stets beherrscht vollzieht er den hohen Gottesdienst zu den fünf Tageszeiten. Er kennt den Dharma und wird dir, o Weiser, den Weg der Gottesverehrung lehren.

1.22 Suche bei ihm Zuflucht, um die Erkenntnis Gottes zu erlangen. Heil sei dir!“ Nach diesen Worten verstummte die von Vasudeva ausgegangene Stimme.

1.23 Als der große Weise diese überaus wunderbaren Worte hörte, sträubten sich ihm vor Freude die Körperhaare. Schon jetzt meinte er, sein Ziel erreicht zu haben.

1.24 Voll Sehnsucht, Shandilya zu sehen, durchwanderte er den großen Berg. Da erblickte er die vortreffliche Einsiedelei dieses großen Weisen.

1.25 Sie war voller verschiedener Blumen und Früchte; viele Arten von Vögeln und Wildtieren lebten dort.

1.26 Teiche mit roten und blauen Lotosblumen schmückten sie. Friedvolle, neidlose Menschen, die den Weg der Gottesverehrung erkennen wollten,

1.27 hervorragende Weise und Befreiungssuchende belebten den ganzen Ort. Sanaka trat ein und sah Shandilya, dem die Besten unter den Weisen ihre Verehrung erwiesen.

1.28 Friedvolle Schüler umgaben ihn. Er ruhte im Selbst, war voller Mitgefühl, besaß göttliche Erkenntnis und widmete sich heiligen Handlungen.

1.29 Er trug höchste Hingabe an Vasudeva, den Höchsten über allem, in sich. Als Sanaka ihn so sah, verneigte er sich demütig zu seinen Füßen.

1.30 Shandilya, der Hervorragende unter den Weisen, erkannte mit göttlichem Blick Sanaka, den Sohn Brahmas, als einen im Gottesdharma gefestigten Menschen.

1.31 Er sprach freundlich: „Du hast dein Ziel erreicht, großer Weiser. Der Herr ist dir sehr gewogen. Deine ausgezeichnete Askese ist wohl vollbracht.

1.32 Der Herr hat mich um deinetwillen angewiesen, du Schatz der Askese.“ Nach diesen Worten lehrte er ihn den Veda namens Ekayana,

1.33 jene große Wurzel des mächtigen Veda-Baumes, der allein in der höchsten Wirklichkeit gründet, im wahren Brahman, das Vasudeva heißt.

1.34 Er ist geschmückt mit göttlichen Mantras wie Bala und den weiteren, die diese Wirklichkeit unmittelbar ausdrücken. Er ist frei von Zweifeln und vertreibt das Dunkel des Nichtwissens.

1.35 Nachdem er ihn darin unterwiesen hatte, erklärte er ihm dessen Wesen und Überlieferung. Shandilya sprach: „Dies ist der Dharma des Krita-Zeitalters; er heißt Handeln ohne Verlangen nach Lohn.

1.36 Er wird Yoga, Yoga-Dharma und Lehrüberlieferung genannt. Der Herr setzt ihn jeweils im ersten Zeitalter in Bewegung.

1.37 In den übrigen Zeitaltern verbreitet er sich nur schwach. Vom ewigen Aniruddha, dem Lenker unendlicher Wirksamkeit, ging Brahma hervor.

1.38 Als erste Geburt Brahmas gilt die geistige, als zweite die aus dem Auge, als weitere die aus der Rede und als vierte die aus dem Ohr.

1.39 Dazu kommen die Geburt aus der Nase, aus dem Ei und aus dem Lotos. In allen diesen Schöpfungen wurde diese Lehre unmittelbar vom allgegenwärtigen Herrn empfangen:

1.40 von Brahma, von hervorragenden Weisen, von Suparna und anderen großen Sehern, von den Valakhilyas und weiteren sowie der Reihe nach von königlichen Weisen.

1.41 Diese ursprüngliche Lehre wird Prakriti-Dharma genannt, o Brahmane. Auch in der siebten, aus dem Lotos hervorgegangenen Schöpfung wurde sie vom Herrn empfangen.

1.42 Danach empfing sie Vivasvat, dann Manu und dann Ikshvaku. Von Ikshvaku verkündet, verbreitete sie sich und blieb in den Welten bestehen.

1.43 Dies ist der große, ursprüngliche und ewige Dharma, o Brahmane. Schwer zu verstehen und schwer zu verwirklichen, wird er von den Sattvatas beständig bewahrt:

1.44 von jenen, die stets der vierfachen göttlichen Gestalt zugewandt sind, sich den fünf Gottesdienstzeiten widmen, in den Bala- und weiteren Mantras aufgehen und keine anderen Gottheiten verehren.

1.45 Höre nun meine Erzählung, wie ich diesen Dharma erlangte. Einst hatte ich die Veden mit ihren Hilfswissenschaften und Upanishaden vollständig studiert:

1.46 Rig-, Yajur- und Sama-Veda. Sie behandeln verschiedene Gottheiten, verbinden unterschiedliche Opferformen und gewähren Früchte weltzugewandten Handelns.

1.47 Ich hatte auch ihre Bedeutungen dem rechten Verfahren entsprechend verstanden. An manchen Stellen sprechen sie unmittelbar vom Herrn, dem Gebieter der Welt,

1.48 sowie von dem auf ihn bezogenen Handeln und Wissen, ohne den Umweg über andere Gottheiten. Doch diese Aussagen sind sehr knapp und in ihren Merkmalen nicht deutlich entfaltet.

1.49 An vielen anderen Stellen sprechen sie vom Weltenherrn vermittelt durch Agni, Indra und andere. Ebenso schildern sie die verschiedenen Handlungen,

1.50 die täglichen und weiteren Pflichten, ausführlich über andere Gottheiten; diese Handlungen sind mit Früchten weltzugewandten Strebens verbunden, bester Weiser.

1.51 An manchen Stellen, o Brahmane, sprechen sie auch von ihm allein, ohne Indra und andere Gottheiten, und behandeln ausführlich das ihm gewidmete Handeln.

1.52 Die Mantras sind dort jedoch überwiegend mit dem Verlangen nach Ergebnissen verbunden. Wegen dieser Vermischung fand ich in ihnen keine feste Verankerung.

1.53 Es gibt aber einen höchsten Dharma, über den hinaus nichts Größeres besteht: Er ist allein auf Vasudeva gerichtet und schließt die Verehrung anderer Gottheiten aus.

1.54 Ihn zu erkennen wurde mein mächtiges Verlangen. Deshalb übte ich hier auf dem vortrefflichen Berg höchste Askese.

1.55 Nach vielen Tausenden von Jahren der Askese, am Ende des Dvapara- und am Beginn des Kali-Zeitalters,

1.56 empfing ich unmittelbar vom offenbarten Sankarshana diesen erhabenen Ekayana-Veda, der als Sattvata-Ordnung bekannt ist.

1.57 Er ist schwer zu erkennen und schwer zu vollbringen; die Erwachten widmen sich ihm. Zum Gang in die Befreiung gibt es keinen anderen Weg als diesen.

1.58 Deshalb nennen ihn die Weisen Ekayana, den einen Weg. Einst lernte ihn der göttliche Weise Narada auf der Weißen Insel.

1.59 Sana, Sanatsujata, auch du selbst, Sanandana, Sanatkumara, Kapila und als siebter Sanatana:

1.60 Sie sind Lehrer und Verbreiter des Dharma ausschließlicher Gotteshingabe. Marichi, Atri, Angiras, Pulastya, Pulaha und Kratu,

1.61 dazu der mächtige Vasishtha – diese heißen Chitrashikhandins –, und auch Svayambhuva Manu verehrten den Herrn der Welt,

1.62 den Gott und Herrn Narayana, mit großer Askese, tausend göttliche Jahre lang. Danach erlernten sie

1.63 die ursprüngliche Shruti auf rechte Weise und unterwiesen darin weitere Seher. Diese acht Seher schufen daraufhin zum Wohl der Welten,

1.64 unter Heranziehung des ursprünglichen Veda, göttliche Tantras wie die Sattvata, in Hunderttausenden von Versen.

1.65 Aus dieser Grundlage werden Manu und andere auch weitere als Tantra bezeichnete Lehrwerke sowie zahlreiche Dharma-Schriften sachgerecht verfassen.

1.66 Sie wird ebenso zum Ursprung anderer Lehrschriften werden. In ihr werden Dharma und Lebensgüter ausführlich behandelt.

1.67 Auch Befreiung wird angedeutet und sodann ihrem Wesen entsprechend erklärt. Opfer wie das Pferdeopfer werden auf Achyuta Hari ausgerichtet.

1.68 Es wird gelehrt, wie sie durchzuführen sind, mit den ihm eigentümlichen Mantras, an deren Spitze der zwölfsilbige steht und die zur Abkehr von Bindung führen.

1.69 Alle Mantras des Rig-Veda und der übrigen Veden werden dabei verehrt und in den jeweiligen Handlungen eingesetzt; auch sie werden in dieser Lehre erläutert.

1.70 König Uparichara Vasu, durch den ursprünglichen Veda geweiht, vollzog nach dem hier gelehrten Verfahren, um den Himmelsbereich zu erlangen,

1.71 vorschriftsmäßig Pferdeopfer und weitere Opfer sowie andere Gottesdienste entsprechend seiner Befähigung. [Der Ausdruck „khinnavṛttyadhikārataḥ“ ist in dieser Lesung unklar.]

1.72 So habe ich es früher gehört, und so erscheint mir sein Sinn. Sumantu, Jaimini, Bhrigu, Aupagayana,

1.73 und Maunjyayana habe ich all dies gründlich gelehrt. Nara und Narayana vollziehen zum Wohl der Welt

1.74 eben diesen ursprünglichen Dharma im Ashram von Badari. Dieser Prakriti-Dharma hat allein Vasudeva zum Gegenstand.

1.75 Er wird im Krita-Zeitalter ausgeübt. Vom Treta-Zeitalter an sind dagegen überall die abgeleiteten Veden verbreitet, die auch andere Gottheiten behandeln.

1.76 Dieser große Veda ist die Wurzel des mächtigen Veda-Baumes. Rig-Veda und die übrigen bilden dessen Stamm und Äste, o Weiser.

1.77 Er heißt zu Recht ursprünglicher Veda, weil er vor allem den Gott Vasudeva verkündet, die Wurzel der Welt.

1.78 Im ersten Zeitalter, dem Krita-Yuga, verwirklichen die dafür befähigten Menschen beständig diesen ursprünglichen Dharma der Gottesverehrung.

1.79 Im Treta-Zeitalter aber werden sie von vielfältigen Wünschen erfüllt. Sie wenden sich gemischten Opferformen zu und verlassen das Ursprüngliche, Ewige.

1.80 Dann verschwindet diese gesamte Lehre, von Vasudeva zurückgenommen. Einem dazu befähigten Menschen offenbart der Herr sie später selbst erneut.

1.81 So wie ich sie einst vom Gott empfing, dessen Wesen Erkenntnis und Kraft ist, habe ich dir den Veda mitsamt seinem Geheimnis erschlossen, großer Weiser.“

1.82 Als der große Shandilya dies vollständig dargelegt hatte, fühlte Sanaka sich am Ziel und legte die Hände ehrerbietig zusammen.

1.83 Demütig sprach er zu Shandilya. Sanaka sagte: „Ehrwürdiger, du kennst alle Formen des Dharma und hast den Sinn sämtlicher Lehrschriften durchdrungen.

1.84 Durch deine Gnade habe ich diesen großen, vorzüglichen Dharma erlangt, der durch Abkehr von Bindung gekennzeichnet ist und von Erwachten geübt wird.

1.85 Wie aber können die noch nicht Erwachten, die im großen Meer des Werdens versunken sind, den Gottesdharma erlangen, den Menschen ausschließlicher Hingabe verwirklichen?“

1.86 Shandilya sprach: „Höre, ich werde dir beantworten, wonach du mich fragst. Eben dies fragte ich einst den Herrn Sankarshana.

1.87 Für jene, die den höchsten Dharma verlassen und einen gemischten Weg eingeschlagen hatten, nun aber wieder nach seiner höchsten Stätte verlangten und Vertrauen und Hingabe entwickelten,

1.88 zur Begnadung und Befähigung der Menschen der verschiedenen Stände und damit alle Menschen ihre ersehnten Ziele erreichen können,

1.89 lehrte er die göttlichen Schriften wie die Sattvata, die Lebensfülle und Befreiung schenken. Danach

1.90 lehrte er die Essenz aller vom höchsten Herrn stammenden Schriften, bester Weiser, insbesondere eine Darlegung des Sinnes der Paushkara,

1.91 in Übereinstimmung mit dem ursprünglichen Veda, im Anushtubh-Versmaß, im Umfang von hunderttausend Texteinheiten, damit alle Gegenstände, Handlungen und Erkenntnisse erschlossen werden.

1.92 Dieses große Lehrwerk nannte er mir Parameshvara. Daraus werde ich die Essenz herausheben, die für alle Lehrschriften nützlich ist,

1.93 und dir nun die Parameshvara genannte Lehre in sechzehntausend Versen verkünden. Höre aufmerksam zu.

1.94 Auch Narada hat sie einst unmittelbar von dem im Milchozean ruhenden Gott in zusammengefasster Form gehört, o Brahmane.

1.95 Sie ist zweigeteilt: in einen Erkenntnisteil und einen Handlungsteil. Wo das Wesen des allgegenwärtigen Vasudeva angemessen beschrieben wird,

1.96 seine göttliche Eigenwirklichkeit und seine ewigen Eigenschaften wie Erkenntnis – vor allem die sechs, gemeinsam und auf drei Paare verteilt –,

1.97 ferner Eigenschaften wie Herrlichkeit und seine höchste Gestalt, die eine, ewige, Vasudeva genannte, und aus ihr zum Zweck der Schöpfung und weiterer Tätigkeiten

1.98 die Entfaltungen Sankarshana und die übrigen sowie die Entstehung der Welt: Das alles dient der Verehrung durch gläubige, hingebungsvolle große Seelen.

1.99 Zum Nutzen der Welten wird von Vasudeva, dessen Wesen das Höchste über allem ist, die vierfache Entfaltung mit ihrem vierten, transzendenten Zustand beschrieben,

1.100 ebenso die Entfaltungen, die Tiefschlaf, Traum und Wachen heißen, und weitere Entfaltungen und andere Gestalten.

1.101 Dazu kommen die Vibhava genannten Erscheinungen und weitere Offenbarungen sowie die ewigen, mit dem Herrn verbundenen Wesensformen von Lakshmi und Pushti.

1.102 Ebenso werden die Erscheinungen Kanti und die übrigen erklärt, ferner die ewigen und die verschiedenartigen zeitweiligen Gestalten der Schmuckstücke, angefangen mit der Krone.

1.103 Erklärt wird auch das Wesen des Diskus und der übrigen Attribute in ihren ewigen und zeitweiligen Formen, ebenso Garuda und die anderen Wesen,

1.104 die dem Herrn als Werkzeuge dienen und jeweils ihre eigene ewige Gestalt besitzen; ihre ewigen und ihre vielfältigen zeitweiligen Erscheinungsformen werden erläutert.

1.105 Beschrieben werden die ewige, allerhöchste Stätte des allgegenwärtigen Vasudeva sowie die Wohnstätten seiner anderen Entfaltungen und Erscheinungen:

1.106 ihre vielen verschiedenen makellosen Bereiche, deren Ausdehnung und Maß und ihre jeweils bestimmte Anordnung,

1.107 die Zahl, Maße und Merkmale ihrer Mauern und Tore sowie das Wesen der individuellen Seelen, sowohl der befreiten als auch der unbefreiten,

1.108 und ausführlich ihre verschiedenen Wege und Zustände. Ferner werden der Reihe nach die Mantragestalten des Herrn und der anderen Wesen behandelt.

1.109 Wo Mantrameditation, Mudras und das Wesen des Yoga beschrieben werden, wird dieser Abschnitt als Erkenntnisteil bezeichnet.

1.110 Wo sämtliche täglichen Handlungen, angefangen mit dem Bad, die anlassbedingten und wunschbezogenen Riten und die Sühnehandlungen ausführlich beschrieben werden,

1.111 dazu vielfältige Handlungen wie das Spenden des eigenen Gewichts an Gaben und sämtliche Verrichtungen vom Pflügen des Tempelgrundes bis zur Einsetzung der Gottheit,

1.112 ferner die Merkmale von Tempelbauten, Götterbildern, Sockeln und weiteren Gegenständen, die der Verehrung des Gottes der Götter dienen,

1.113 dort erkenne den Handlungsteil. In dieser zweifachen Gestalt werde ich die Lehre verkünden. Höre aufmerksam zu.“

Kapitel 2

Eingang. Glück und Segen! Zweites Kapitel des Handlungsteils. Shandilya spricht.

2.1 Zuerst werde ich das Bad erklären, durch das die Befähigung zur Verehrung erlangt wird. Dadurch gereinigt und geweiht, wird der Verehrer für Gottesdienst und Feueropfer geeignet.

2.2 Zur Reinigung von Schmutz und Verunreinigungen soll man auf zweifache Weise baden: zunächst nach der allgemeinen, danach nach der besonderen Vorschrift.

2.3 Das allgemeine Bad ist die gewöhnliche Körperreinigung; das besondere wird durch Mantras geheiligt. Auch ihm muss die Reinigung vorausgehen. Diese erkläre ich dir zuerst.

2.4 In der Brahma-Muhurta, noch vor Sonnenaufgang, soll der Mantrakundige gesammelt die vorgeschriebenen Handlungen ausführen.

2.5 Wenn er am Morgen erwacht, soll er sich aufrichten und noch auf seinem Lager aufmerksam die sechzehn Namen preisen.

2.6 „Om, Verehrung Vasudeva! Verehrung dir, Sankarshana! Verehrung sei Pradyumna! Verehrung dir, Aniruddha!“

2.7 Dann folgen der Reihe nach die Namen von Keshava bis Damodara, o Brahmane: „Wieder und wieder Verehrung Keshava! Verehrung Narayana!

2.8 Verehrung Madhava! Verehrung Govinda!“ Danach verehre man Vishnu: „Verehrung dir, Madhusudana!

2.9 Verehrung Trivikrama! Verehrung Vamana! Verehrung Shridhara! Om, Verehrung Hrishikesha!

2.10 Verehrung dir, Padmanabha! Verehrung Damodara!“ Danach folgt der Lobpreis der zehn göttlichen Herabkünfte.

2.11 Die Erscheinungen des Herrn, angefangen mit dem Einhornigen, werden der Reihe nach angerufen: „Verehrung dir in Fischgestalt! Wieder und wieder Verehrung der Schildkröte!

2.12 Verehrung dem ursprünglichen Eber! Verehrung dir, Narasimha! Verehrung der Zwerggestalt! Verehrung den drei Ramas!

2.13 Verehrung dem mit Axt, Bogensehne und Pflug Bewaffneten! Verehrung Krishna, dem Schöpfer! Kalkin, Vishnu, Verehrung sei dir!“ Dabei setzt man jeweils Om voran, o Brahmane.

2.14 In der überlieferten Reihenfolge soll man diese verschiedenen Gestalten des allgegenwärtigen Hari am Morgen, am Ende der Verehrung und beim Tagesausklang grüßen.

2.15 Mit lauter, Freude weckender Stimme soll man danach weitere Lobgesänge und Mantras sprechen.

2.16 Nachdem man den Gemahl Shris mit solchen Lobgesängen gepriesen hat, richtet man seine Bitte an Hari, den Spender von Gaben. [Die Erzählform wechselt hier in der Vorlage.]

2.17 „Hari, Hari“ sprechend erhebt man sich vom Lager. Mit den Worten „Verehrung dem Träger der Erde“ setzt man den linken Fuß auf den Boden, du Verständiger.

2.18 Auch beim Hinausgehen bewegt man zuerst diesen Fuß. Ein mit Wasser gefülltes Gefäß wird unter Verwendung des Waffenmantras bereitgenommen, o Weiser. [Der Satzanschluss ist in der Vorlage unvollständig.]

2.19 Erde zur Reinigung soll man nicht bei heiligen Stätten, Feuerstellen, Bergen oder Kuhgehegen nehmen, nicht im Fluss, auf dem Verbrennungsplatz, an einem Ameisenhügel, einem Mäuseloch, einer Baumwurzel oder einem Götterhaus,

2.20 auch nicht im Wasser oder auf einem Weg. An einer geeigneten Stelle soll man die oberste Schicht von vier Fingerbreiten entfernen und die Erde darunter entnehmen.

2.21 Menschen, die Heil erstreben, sollen Erde ohne tierische Überreste, Spelzen, Asche, Knochen, Holz und Klumpen nehmen; sie darf nicht von der Reinigung eines anderen übrig geblieben sein.

2.22 Die Erde soll frei von Kohle, Salz und Sand sein, dunkel und von einer geeigneten Stelle stammen. Mit einem durch das Waffenmantra geweihten Werkzeug grabe man sie aus.

2.23 Mit demselben Mantra nehme man die einwandfreie Erde und weitere Badeutensilien, etwa belaubte Shami-Zweige.

2.24 Dazu gehören Zweige von Arka, Nyagrodha, Khadira, Karanja und Kakubha sowie Shara, Udumbara, Ashvattha, Plaksha, Darbha und Bambus.

2.25 Man nehme Mango-Triebe, Apamarga, Arjuna, Dhataki, Shami und andere reinigende Pflanzen, je nachdem, was verfügbar ist.

2.26 Diese verwende man passend zum Anlass, mit der Sorgfalt königlicher Pflege. Wenn Teiche und andere Gewässer vorhanden sind, soll man nicht mit Brunnenwasser baden.

2.27 Unter ihnen meide man Gewässer mit wenig Wasser und bevorzuge wasserreiche heilige Badeplätze. Ist ein Fluss vorhanden, soll der Übende auch diese anderen Gewässer zurückstellen.

2.28 Unter den Flüssen gelten die ins Meer mündenden als besonders vorzüglich; unter diesen wiederum die ostwärts fließenden.

2.29 Bei Flüssen gilt das südliche Ufer als besonders geeignet. Wo ein ostwärts fließender Strom sich nach Norden wendet,

2.30 gilt das östliche Ufer als ein alle Verfehlungen tilgender Badeplatz. Ein Teich wird gegenüber dem Brunnen als zehnfach verdienstvoll bezeichnet, ein Fluss gegenüber dem Teich wiederum als zehnfach.

2.31 Die Frucht des Bades in einem ins Meer mündenden Fluss gilt als entsprechend größer; ein ostwärts fließender Fluss bringt wiederum die zehnfache Frucht.

2.32 Am östlichen Ufer, wo ein ostwärts fließender Fluss sich nordwärts wendet, gilt die Frucht als unbegrenzt. Zuerst reinige und besprenge man das Ufer und stelle die Gegenstände getrennt bereit.

2.33 Man stelle das mit Wasser gefüllte, durch das Waffenmantra geheiligte Gefäß und die zur Reinigung herbeigebrachte Erde am Ufer ab.

2.34 An einem angenehmen, sauberen Ort lege man Gras auf die Erde. Bei Tag und in den Dämmerungszeiten wende man sich nach Norden und lege die heilige Schnur über das Ohr.

2.35 So verrichte man Harn- und Stuhlgang; bei Nacht wende man sich nach Süden. Man soll seine Notdurft nicht dort verrichten, wo längliche Kriechtiere leben,

2.36 nicht im Wasser, auf einem Berg, auf Plätzen oder an Kreuzungen, nicht auf einer Königsstraße oder Gasse und niemals in einem Tempel,

2.37 nicht auf einem Verbrennungsplatz, an einem Heiligtum, in Asche, im Kuhgehege oder mitten im Dorf, hervorragender Brahmane.

2.38 Niemals uriniere man auf den eigenen Schatten oder den Schatten eines Baumes. Man bedecke den Kopf und vermeide es, umherzublicken oder die Ausscheidungen anzusehen.

2.39 Ebenso soll man dabei nicht zu den Gestirnen oder Götterhäusern blicken. Am After haftenden Kot entferne man mit Holz, Blättern oder Gras,

2.40 indem man die linke Hand verwendet. Dann erhebe man sich, halte das Glied mit derselben Hand und begebe sich an den Wasserrand.

2.41 Die linke Hand, die Erde aufträgt, befinde sich zwischen den Schenkeln am After; mit der anderen führe man das Wasser von außerhalb des rechten Knies zu.

2.42 In hockender Haltung verwende man die linke und die rechte Hand zur Reinigung mit Erde und geschöpftem Wasser, ohne den Badeplatz zu verunreinigen.

2.43 Sorgfältig reinige man sich, bis Geruch und anhaftender Schmutz verschwunden sind. Am Glied soll dreimal Erde verwendet werden, mit einer Zwischenreinigung nach jedem Mal.

2.44 Fünfmal verwende man Erde für die linke Hand, dreimal zur Reinigung beider Hände. So wird die Reinigung nach dem Wasserlassen beschrieben; nun folgt diejenige nach dem Stuhlgang.

2.45 Die erste Erdportion wird auf einen halben Prasriti bemessen; die zweite und dritte jeweils auf die Hälfte davon.

2.46 Die folgenden Portionen haben ungefähr die Größe eines Katzenpfotenabdrucks. Am After verwende man fünf Erdportionen, ebenso die Zwischenportionen.

2.47 Zehnmal reinige man die linke Hand, siebenmal beide Hände; die Füße dreimal, die Unterschenkel fünfmal.

2.48 Für den Hüftbereich verwende man sieben Portionen Erde, o Brahmane. Sie dienen dazu, Schweißverunreinigungen und äußerlich anhaftenden Schmutz zu entfernen.

2.49 Für Verehrer und vedisch Gelehrte gilt diese Anweisung während der Regenzeit. Gegenüber der für diese Jahreszeit angegebenen Zahl lasse man eine Portion weg,

2.50 wenn man die Reinigung im Herbst, Sommer und Frühling vollzieht. Von dieser Zahl soll wiederum je eine Erdportion abgezogen werden

2.51 im frühen und späten Winter, o Brahmane, von den in Selbstbeherrschung lebenden Veda-Kennern. Auf Reisen richte sich die Reinigung nach Ort und Zeit.

2.52 Hat man Geruch und Schmutz entfernt, wird die Reinigung durch die Reinheit des Geistes vollendet. Für die Fußreinigung sind Erdportionen von der Größe eines Katzenpfotenabdrucks vorgesehen.

2.53 Für Brahmanen werden vier Portionen angegeben; für die nachfolgenden Stände bis zu den Shudras entsprechend drei, zwei und eine. Gleiches gilt für die Hüftreinigung.

2.54 Für beide Schenkel sind je sieben, für beide Hände wiederum drei vorgesehen. Die Reinigung der Hände wird als für alle gemeinsam bezeichnet.

2.55 Man halte beide Arme zwischen den Knien, bester Brahmane, und nehme vollkommen reines Wasser an der Handwurzel vierfach bemessen auf. [Die genaue Maßanweisung ist in der Vorlage unklar.]

2.56 Der Brahmane trinke das von Blasen und ähnlichen Beimengungen freie Wasser unter Verwendung des Herzmantras; bei den drei weiteren Ständen verringere man das Maß stufenweise.

2.57 Mit gewaschener Hand vollziehe der Verständige erneut das rituelle Wasserschlürfen. So wasche man sich vorschriftsmäßig, vollziehe Achamana und werde gesammelt und rein.

2.58 Danach setze man sich mit dem Gesicht nach Osten oder Norden und reinige die Zähne mit Zweigen von Arka, Apamarga oder ähnlichen Pflanzen.

2.59 Morgens und nach dem Essen verwende man ein Zahnreinigungshölzchen mit weicher Spitze, zusammenziehendem, scharfem oder bitterem Geschmack, ohne das Zahnfleisch zu verletzen.

2.60 Es soll zwölf Fingerbreiten lang, gerade und ohne Knoten sein. Wasser und Zeigefinger werden als zwölfmal anzuwendender Ersatz genannt, o Brahmane;

2.61 wenn kein Hölzchen vorhanden ist oder bei Krankheit, soll man auf diese Weise die Zähne reinigen. Zur anschließenden Reinigung verwende man sechzehn Fingerbreiten lange, gerade und knotenfreie Gegenstände,

2.62 oder aus Gold und ähnlichen Stoffen gefertigte Geräte, beziehungsweise Kusha- oder Darbha-Gras, zum Abschaben der Zunge; danach folgen Mundspülung und Gesichtswäsche.

2.63 Mit reinem Wasser vollziehe man Achamana. Wenn keine besondere Verunreinigung vorliegt, genügt das Waschen der fünf Körperteile:

2.64 des Gesichts, beider Hände und beider Füße, mit Reinigung bis zum Hüftbereich. Nach Geschlechtsverkehr und ähnlichen Anlässen vollziehe man das vorgeschriebene vollständige Bad.

2.65 Vom Kopf bis zu den Füßen soll man sich einreiben und unter Erinnerung an das Waffenmantra die Glieder der Reihe nach bis zu den Füßen reinigen. [Der Beginn des Verses ist sprachlich beschädigt.]

2.66 Mit Kuhdung und Erde reinige man den Körper. Für das Bad beschaffe man zuvor die traditionell verwendete Reinigungsmasse.

2.67 Mit Pulver aus Masha-Bohnen und ähnlichen Mitteln reinige man den Körper, während man an den Schutzpanzer-Mantra denkt. Nach dem ersten Bad zur Körperreinigung vollziehe man das Mantrabad.

2.68 Mit den zuvor beschafften wohlriechenden Stoffen bade man in königlicher Weise. Dann gebe man unter Verwendung des Herzmantras auf die linke Handfläche

2.69 Erde in der Größe einer Amalaki-Frucht, der Reihe nach an das Ende der Fingerglieder, in die Mitte und in die Nähe des Handgelenks.

2.70 Man heilige diese mit dem Waffenmantra, dem Grundmantra und den fünf Gliedermantras, verwende sie in den Richtungen und im Wasser und bestreiche damit nacheinander den ganzen Körper.

2.71 Mit dem Mantra und den zugehörigen Mudras sichere man unten und oben den Raum. Dadurch werden die in Haupt- und Zwischenrichtungen befindlichen Hindernisse, welche die Wirkung des Bades rauben,

2.72 erschüttert und vertrieben, solange die rituelle Sicherung nicht zurückgenommen wird. Den zuvor mit dem Grundmantra geweihten Erdanteil

2.73 nehme man unter dessen Rezitation auf und gebe ihn ins Wasser. Dadurch wird dieses, hervorragender Brahmane, augenblicklich

2.74 mit dem Wasser der Ganga und der heiligen Yamuna erfüllt; Prayaga, Chakratirtha, Prabhasa und die Pushkara-Heiligtümer

2.75 werden durch die Kraft dieses Mantras gegenwärtig. Danach spreche man am Ende des Mantras die Worte „dem Vishnu-Badeplatz“

2.76 zusammen mit der Verehrungsformel; so geschieht es am Vishnu-Tirtha. Badet man an einem anderen heiligen Badeplatz, verwende man dort

2.77 nur den Grundmantra ohne die Bezeichnung Vishnu-Tirtha. An anderen heiligen Badeplätzen soll der Verständige diese Bezeichnung nicht aussprechen.

2.79 Wer an einem Ort bleibender heiliger Gegenwart den Namen eines anderen Badeplatzes anruft, zieht nach Aussage des Textes den Unwillen dieses Ortes auf sich. Bei einem gewöhnlichen Bad in Quellwasser, einem Teich oder ähnlichem werden dagegen Ganga und weitere Flüsse und heilige Badeplätze angerufen. [Die Vorlage hat hier vier Zeilen unter Nummer 79; Nummer 78 fehlt.]

2.80 Beim Mantrabad soll man in der richtigen Folge den Vishnu-Tirtha anrufen. Dann nehme man den mit den Gliedermantras geweihten Erdanteil auf der Handfläche,

2.81 vermische ihn mit Wasser zu einer glatten Masse und erwärme ihn mit Sonnenstrahlen. Ist der Himmel bewölkt, stelle man sich den eigenen Mantra wie die Sonne im Raum vor.

2.82 Man zeige ihm beide Hände und berühre mit ihnen den gesamten Körper. Dann wasche man die anhaftende Erde ab und spreche dabei den Schutzpanzer-Mantra.

2.83 Mit der rechten Hand nehme man ein Bündel Darbha-Gras und bewege es einmal oder mehrfach im Wasser, während man den Mantra wiederholt. [„Auf zweifache Weise“ bleibt im Vers ohne eindeutigen Bezug.]

2.84 Darauf vollziehe man eine Übergießung des Kopfes aus einem Krug oder mit Wasser aus den wie ein Gefäß geformten Händen, begleitet von der Mantrarezitation. [Der Ausdruck „sa hitā vartitenaiva“ ist beschädigt.]

2.85 Man verschließe Ohren, Augen, Mund und Nase mit den Fingern, tauche unter und rezitiere den Mantra mitsamt seinen Gliedern.

2.86 Einmal oder mehrmals, den eigenen Kräften entsprechend, meditiere man über den lichtvollen Hari: über den Gott im Lotos des Herzens und im Raum zwischen den Augen.

2.87 So vollziehe man die Tilgung der Verfehlungen, um sich von ihnen zu lösen, mit drei, zwei oder einem geregelten Pranayama.

2.88 Dann richte man sich auf und wende sich der Sonnenscheibe zu. Als leuchtende Mantragestalt steige man aus dem Wasser.

2.89 Man lege das Badegewand ab, ziehe ein anderes an, binde unter Verwendung des Schikha-Mantras den Haarknoten und vollziehe das vorgeschriebene Achamana.

2.90 An der rechten Hand heißt die Daumenwurzel Brahma-Tirtha, die Fingerspitzen Deva-Tirtha und die Handmitte Pitri-Tirtha.

2.91 Mit dem Brahma-Tirtha schlürfe man Wasser, mit dem Pitri-Tirtha wische man sich ab, mit dem Deva-Tirtha berühre man die Glieder, deren zugeordnete Gottheiten man erfreuen möchte.

2.92 Nachdem man drei- oder viermal Wasser geschlürft hat, wische man zweimal über den Mund, besprenge die linke Handfläche und die beiden Fußsohlen.

2.93 Mit der Handfläche berühre man das Herz, mit den Fingern den Mund. Dann führe man Daumen und Ringfinger zusammen und berühre mit Wasser die Augen.

2.94 Mit Daumen und Zeigefinger berühre man beide Nasenöffnungen; mit Daumen und kleinem Finger entsprechend die Ohren.

2.95 Mit Daumen und Mittelfinger berühre man beide Oberarme sowie den Nabelbereich; mit allen Fingern zusammen den Kopf.

2.96 Dieses Achamana ist für alle Handlungen vorgesehen. Dann führe man die rechte Hand mit Wasser an die Nasenspitze, o Weiser.

2.97 Mit Erinnerung an den Herzmantra atme man ein, mit dem Schutzpanzer-Mantra halte man den Atem an; unter Rezitation des Waffenmantras atme man aus und sprenge zugleich das Wasser fort.

2.98 Danach vollziehe man gemäß der Überlieferung Nyasa an Händen und Körper. Mit dem Herzmantra nehme man Wasser in die linke Hand und lasse es herausfließen.

2.99 Indem man es mit dem Schikha-Mantra nach oben sprengt, erfreue man die oberhalb des Körpers befindlichen göttlichen Wesen. Unter Erinnerung an den Waffenmantra sprenge man Wasser auf den Boden, um schädliche Einflüsse zu befrieden.

2.100 Man führe die inneren Verbindungen zunächst nach unten, danach bis nach oben. Dann nehme man Wasser in die zusammengelegten Hände und vergegenwärtige sich mit dem Mantra Hari. [Die genaue Bewegungsfolge des ersten Halbverses bleibt unsicher.]

2.101 Ihn, der inmitten der Sonnenscheibe weilt, erfreue man mit diesem Wasser. Mit erhobenen, Kusha-Gras haltenden Händen und halb geschlossenen Augen rezitiere man.

2.102 Man richte die Aufmerksamkeit auf die Sonne als die zuvor mit der Willkommensgabe verehrte Mantragestalt. Dann setze man sich und bringe, beginnend mit dem tragenden Sitz, Wasserspenden dar:

2.103 zunächst der Mantragottheit mit ihren Gliedern und Begleitwesen; danach Vishnu und den mit Indra beginnenden Gottheiten sowie Vasudeva und den weiteren Entfaltungen,

2.104 den Gestalten und den zwölf Shaktis, dem höchsten Selbst, den Elementen von Erde an, den Sehern und den Ahnen.

2.105 Zuerst spreche man den jeweiligen Namen im Akkusativ, danach „ich sättige“. So ist die Formel für die Wasserspenden in der entsprechenden Reihenfolge bestimmt.

2.106 Mit Sesamwasser erfreue man die eigenen Väter, Großväter und Urgroßväter, jeweils mit ihren Gemahlinnen.

2.107 Den Ahnen bringe man die Spende nach Süden gewandt dar; den Göttern und den anderen Wesen nach Osten oder Norden.

2.108 Danach lege der Mantrakundige den Reinigungsring ab und vollziehe erneut Achamana. Morgens und abends verehre er die Himmelsrichtungen, nachdem er über den Herrn Narayana meditiert hat.

2.109 Mit Reinigung der Hände, Sicherung der Richtungen und ritueller Verhüllung vollziehe man Pranayama und die Reinigung der Elemente.

2.110 Nach Mantranyasa und dem Formen der Mudra vergegenwärtige man sich Hari. Auch im Wasser bringe man ihm die Gaben des Gottesdienstes dar, angefangen mit dem Sitz.

2.111 Dann verehre der Mantraübende den Herrn mit Blättern, Blüten und Früchten. Sind Blumen vorhanden, ist ihre Darbringung vorgesehen.

2.112 Mit Wassergaben und in der Vorstellung vollzogenen Darbringungen erfreue man ihn. Wie zuvor bringe man alles mit Wasser dar und stelle sich dabei das Feueropfer vor.

2.113 Nachdem man so den Herrn der Welt verehrt hat, bringe man gedanklich Brennholz dar und opfere nach den eigenen Möglichkeiten Sesam, geklärte Butter und weitere Gaben.

2.114 Um Mängel und Überschüsse auszugleichen und sämtliche Handlungen zu vollenden, führe man die Wasserdarbringung bis zur abschließenden Vollopfergabe aus.

2.115 Nach dem Lobpreis verneige man sich mit acht Körperteilen oder lang ausgestreckt. Mit dem Schikha-Mantra geweihte Durva-Halme zusammen mit weißen Senfkörnern

2.116 lege man auf den Kopf. Dann führe man die durch den Mantra bezeichnete Gottheit mitsamt ihrem Sitz aus dem Wasser geistig in den Raum des eigenen Herzens zurück, in ihre ungeteilte Wirklichkeit.

2.117 Nach Vollendung des Abhigamana, des ehrfürchtigen Herantretens, lege der Verständige die Handlung nieder. Danach beschaffe er die Verehrungsgaben auf rechtmäßige Weise.

2.118 Mit dem Grund- oder Waffenmantra nehme man Blumen, Wurzeln, Früchte und ähnliche Gaben. Verdorbene, ungeeignete, unzuverlässig beschaffte oder durch eine unrechte Haltung verunreinigte Gegenstände

2.119 lasse man beiseite, ebenso vermischte, verunreinigte, sauer gewordene oder bereits abgeleckte Gaben. Man verbinde sich mit einer angemessenen Einatmung und spreche den bezeichnenden Mantra im Geist. [Mehrere Attribute der Gaben sind in der Vorlage unsicher.]

2.120 Ein Paar Zweige von Apamarga und Shami schwinge man nach rechts und links über dem Kopf und werfe sie unter Rezitation des Waffenmantras nach hinten.

2.121 Man wringe das Badegewand aus und vollziehe schweigend Achamana. Damit ist das Wasserbad erklärt; höre nun vom Mantrabad.

2.122 Es wird angewendet, wenn Wasser fehlt, in schwierigen Umständen, bei Kälte, unterwegs, wenn rasches Handeln nötig ist oder wenn der Dienst am Guru keine freie Verfügung über die Zeit lässt,

2.123 sei es bei Nacht oder bei Tag, hervorragender Brahmane. Man wasche die Füße und vollziehe Achamana mit geschöpftem Wasser.

2.124 Nachdem man den Ort und die zehn Richtungen wie zuvor gereinigt hat, setze man sich, vollziehe die Pranayama-Folge und dann die Reinigung der Elemente im Körper.

2.125 Man beginne mit dem Grundmantra und verwende die gesamte Mantrafolge. Verglichen mit einem bloßen, nicht durch rituelle Heiligung begleiteten Wasserbad

2.126 an heiligen Orten wie Prayaga wird dem Mantrabad die hundertfache Frucht zugeschrieben, o Trefflicher.

2.127 Nun erkläre ich das Meditationsbad, das beide übertrifft. Man vergegenwärtige sich den lotosäugigen Herrn, dessen Gestalt Mantra ist, im Raum über sich.

2.128 Man stelle sich einen Strom des Wassers von seinen Füßen vor, der auf den eigenen Kopf fällt und durch die Öffnung am Scheitel in den Körper eintritt.

2.129 Mit diesem Strom wasche man sämtliche inneren Verunreinigungen fort. Augenblicklich wird der Mantraübende makellos wie ein Kristall.

2.130 Dieses höchste Meditationsbad gilt als hundertfach wirksamer als das Mantrabad. Damit ist es erklärt; höre nun von dem göttlichen Bad und den weiteren Formen.

2.131 Das Bad im Regen bei gleichzeitigem Sonnenschein heißt göttliches Bad. Danach folgt die Verwendung weißer Asche von verbranntem Opferholz oder geopfertem Kuhdung:

2.132 Unter Rezitation der Mantras bringt man mit ihr auf Stirn und weiteren Körperstellen die senkrechten heiligen Zeichen an.

2.133 Dies gilt als Feuerbad und wird als höchste Reinigung bezeichnet. Wenn Kühe vorbeiziehen und vom Wind aufgewirbelter Erdenstaub

2.134 den Körper berührt, heißt dies Luftbad. Mit weißer Erde von einem heiligen Berggipfel oder einem anderen geeigneten Ort

2.135 bringt man unter Rezitation der Namen Keshava und der weiteren der Reihe nach auf Stirn und anderen Körperstellen die senkrechten Zeichen an.

2.136 Dies heißt Erdbad, eine heilsame Reinigung, die alle Verfehlungen tilgt. Wer voller Vertrauen ist, soll eine dieser Badeformen vollziehen.

2.137 Durch Bad, Achamana, Reinigung und Pranayama wird der Lehrer beziehungsweise Übende innerlich und äußerlich rein.

2.138 Allen Handlungen, die ihre Früchte vollständig hervorbringen sollen, geht das Bad voraus. Deshalb vollziehe man das Bad und die Wasserspenden für Götter, Seher und Ahnen.

Kapitel 3

Eingang. Glück und Segen! Drittes Kapitel.

3.1 Man lege mit dem Waffenmantra einen Durva-Trieb, ein Blatt, eine Blüte oder Sesam, jeweils mit Wasser, auf den Kopf an die Stelle des Haarknotens.

3.2 Danach nehme man einen mit Wasser gefüllten Krug oder ein anderes, mit einem Tuch bedecktes Gefäß in die Hand und gehe zum Haus Gottes,

3.3 an einen abgeschiedenen, menschenleeren, angenehmen und fehlerfreien Ort. Als Träger des Willkommenswassers wähle man einen zugewandten, reinen, geschickten und beherrschten, in der religiösen Ordnung gefestigten

3.4 Brahmanen der Ekayana- oder der vedischen Tradition. Dabei vergegenwärtige man sich den Mantra in der Mitte des Herzens als Gestalt erwachter Glückseligkeit.

3.5 Ohne seitwärts zu blicken, schweigend und den Atem beherrschend, erreiche man den Ort. Dort lasse man den eigenen Mantra mit dem Ausatem durch die Nase hervortreten.

3.6 Unter Rezitation des zwölfsilbigen Mantras trete man ein, gehe rechtsherum und reinige und besprenge den gesamten Tempelbereich.

3.7 Die Helfer reinigen auch den Bereich außerhalb der Tür bis zum Opfergabensockel nach der Vorschrift mit reinem Wasser.

3.8 Man wasche Füße und Beine bis zu den Knien sowie die Hände bis zu den Handgelenken und vollziehe das zuvor erklärte Achamana. Dann bringe man die senkrechten heiligen Zeichen an,

3.9 mit Sandel und anderen duftenden Stoffen oder mit Erde von einer heiligen Stätte, einem Berggipfel, Fluss- oder Meeresufer.

3.10 Auch Erde von einem Ameisenhügel oder von der Wurzel einer Tulasi-Pflanze gilt als geeignet. Wer Einfluss erstrebt, verwendet rote, wer Wohlergehen sucht, gelbe Erde; wer Befriedung wünscht,

3.11 dunkle, und wer Befreiung wünscht, weiße Erde. Das senkrechte Zeichen kann die Gestalt einer Dochtflamme oder eines Bambusblattes haben,

3.12 einer Lotosknospe, einer blauen Seerosenknospe, eines Fisches, einer Schildkröte oder eines Muschelhorns.

3.13 Man trage es mit dem Daumen auf, dem Gedeihen zugeschrieben wird, mit dem Zeigefinger zur Erlangung der Befreiung oder mit dem Ringfinger, der das Ersehnte gewährt,

3.14 und für langes Leben mit dem Mittelfinger. Mit diesen Fingern soll man das Zeichen anbringen, ohne es mit den Nägeln zu berühren. [Ein kurzer Einschub über die Gottheit ist in der Vorlage syntaktisch unklar.]

3.15 Auf der Stirn setze man Vasudeva ein, im Herzen Sankarshana, auf der rechten Schulter Pradyumna und auf der linken Aniruddha.

3.16 So entstehen mit der in Wasser angerührten Masse vier senkrechte Zeichen. Bei der zwölfteiligen Form vergegenwärtige man Keshava auf der Stirn und Narayana am Bauch,

3.17 Madhava am Herzen, Govinda in der Halsgrube und Vishnu an der rechten Bauchseite.

3.18 Madhusudana wird der Mitte des rechten Oberarms zugeordnet, Trivikrama dem Halsbereich und Vamana der linken Bauchseite.

3.19 Shridhara gehört zum linken Oberarm, Hrishikesha zum Hals, Padmanabha zum Rücken und Damodara zur oberen Rückenpartie.

3.20 So werden die zwölf Namen angebracht, Vasudeva dagegen am Scheitel. Opfer, Spende, Askese, Feueropfer, Mahlzeit und Ahnendienst:

3.21 All dies erklärt der Text für fruchtlos, wenn es ohne das senkrechte Zeichen vollzogen wird. Deshalb soll man dieses, das alle Vollendung gewährt, sorgfältig tragen.

3.22 Beim heiligen Grasring ist die Spitze vier Fingerbreiten lang und Sadavishnu zugeordnet; der Knoten misst eine Fingerbreite und gehört Mahavishnu.

3.23 Der Ring selbst misst zwei Fingerbreiten und ist Vishnu zugeordnet. Man lege ihn an die Ringfinger beider Hände.

3.24 Ein Bad ohne Darbha-Gras, eine Verehrung ohne Speisegabe und eine Schenkung ohne Wasser gelten hier als fruchtlos.

3.25 Verehrung, Japa, Feueropfer, Schenkung und Ahnenspende verlieren demnach ihre Frucht, wenn die Hand keinen heiligen Ring trägt.

3.26 Deshalb soll man ihn stets sorgfältig tragen. Mit Düften, Girlanden, Schmuck und einem Obergewand versehen,

3.27 mit Ohrschmuck, Halsketten, Armreifen und Ringen geschmückt – oder, wenn diese fehlen, wenigstens mit einem Ring – bereite sich der Übende vor.

3.28 Mund und Nasenöffnungen bedecke er mit einem Tuch, damit die Gegenstände der Verehrung nicht durch seinen Atem berührt werden.

3.29 Er trage weiße Kleidung, sei ordentlich gekleidet, habe saubere Zähne, halte reine Gelübde, reinige den Mund mit Betel und trage ungebrochene Reiskörner auf der Stirn.

3.30 Mit diesen Eigenschaften ausgestattet, wecke er den höchsten Purusha zum Klang von Muschelhörnern, großen Trommeln und Kesseltrommeln,

3.31 begleitet von den verschiedenen lauten Rufen der Lobredner und dem immer wieder erschallenden großen Ruf „Sieg! Sieg!“

3.32 Mit Weckhymnen richte man ihn vom Lager auf. Dann trete man an die Tür und sichere zunächst die zehn Richtungen.

3.33 Unter Rezitation des Schutzpanzer-Mantras vollziehe man mit dem Zeigefinger die schützende Umhüllung. Auf dem vorhandenen oder vorgestellten Opfergabenmandala verehre man

3.34 Achyuta mit seinem ganzen Gefolge, angefangen mit dem Herrn der Vögel. Man nehme eine Blüte und spreche eine mit Om beginnende Verehrungsformel:

3.35 „Dem gesamten Gefolge und Achyuta sei wieder und wieder Verehrung!“ Danach verehre man der Reihe nach den Vastu-Purusha und die weiteren Gottheiten.

3.36 Mit dem Grundmantra, mit oder ohne seine Gliedermantras, vollziehe der Lehrer Nyasa und klatsche dann dreimal mit dem Herzmantra in die Hände.

3.37 Mit dem Grundmantra öffne er die Tür, mit dem Augenmantra entzünde er die dauernden Lampen; danach wasche er die Hände.

3.38 Ist kein Tempel vorhanden, wähle man einen angenehmen Ort und errichte dort geistig ein Mantrahaus. Dies wird nun erklärt.

3.39 Zuerst meditiere man über den Grundmantra als alldurchdringend wie Brahman, in den Haupt- und Zwischenrichtungen und in der Mitte leuchtend wie Millionen Sonnen.

3.40 In ihm vergegenwärtige man den Herzmantra, der alles mit seinem Wesen durchdringt; in dessen Mitte den Kopfmantra in Gestalt der Brahma-Nadi,

3.41 als tragende Säule des Universums und leuchtenden Weg des Auf- und Abstiegs. Der Schikha-Mantra stehe außen um alles herum wie eine Umfassungsmauer.

3.42 Den Schutzpanzer-Mantra durchdringe man mit dem höchsten Selbst; den Augenmantra stelle man sich als Fenster und Tür vor. [Der erste Halbvers ist in seiner Konstruktion unsicher.]

3.43 Außen vergegenwärtige man den Waffenmantra, umgeben von Tausenden Wogen sprühender Funken, der sämtliche Hindernisse befriedet.

3.44 Nachdem man so das Mantrahaus betrachtet hat, teile man seine Tür gedanklich in drei Abschnitte und den mittleren nochmals in zwei.

3.45 Durch die linke Hälfte trete man langsam, mit dem rechten Fuß zuerst, unter Verwendung des Waffenmantras ein.

3.46 Man stampfe auf den Boden, verneige sich vor dem Herrn und im Geist vor der Folge der Gurus. Deren geistig empfangene Weisung

3.47 nehme man ehrfürchtig an, fasse den Entschluss für das ersehnte Ziel und bringe es dem Gott dar. In der Mitte des Verehrungsraumes

3.48 stelle man den Tempel als Körper des verkörperten Schutzpanzer-Mantras vor und den Herrn als seine lebendige Seele. Dann reinige man den Raum.

3.49 Man kehre ihn mit Darbha-Gras samt Halmen, vermischt mit Sahadevi, wasche ihn mit reichlich Wasser und bestreiche ihn mit Kuhdung.

3.50 Dieser soll frisch von einer Kuh stammen. Nassen, zerfallenen, trockenen oder von Insekten befallenen Dung meide man. [Die Ortsangabe „bhūmiṣṭham“ ist auffällig.]

3.51 Nach dem Bestreichen sichere man den Ort mit dem Waffenmantra und entferne Reste. Man besprenge ihn mit den fünf Kuhprodukten oder mit Wasser unter demselben Mantra,

3.52 bestreiche ihn überall mit Sandel, Safran, Aloeholz und Kampfer und streue zur Reinigung des Ortes Kusha, Durva und ungebrochene Reiskörner aus.

3.53 Nach der Reinigung des Tempels nehme der schweigende Brahmane seinen Platz vor dem Gott oder an dessen rechter Seite ein.

3.54 Auf Darbha-Gras, Fell, Stoff oder einer Platte aus Opferholz lege er seinen Sitz und besprenge ihn mit Wasser, das mit dem Grundmantra geweiht wurde.

3.55 Mit Fingerschnippen und dem Waffenmantra reinige er ihn nochmals. Dann vergegenwärtige er eine der Sitzformen, angefangen mit Turiya.

3.56 Der erste Sitz heißt Turiya und ist mit dem ursächlichen Om verbunden. Der Tiefschlaf-Sitz ist die von diesem durchdrungene Stellung im unmanifesten Lotos.

3.57 Der Traum-Sitz reicht von der Schlange Shesha bis zum Feuer; der Wach-Sitz vom Milchozean bis zum Bhava-Sitz.

3.58 Vor der Reinigung der Hände vergegenwärtige man Tiefschlaf- oder Turiya-Sitz; vor der inneren Verehrung den Traum-Sitz, beginnend zu dem für Turiya bezeichneten Zeitpunkt. [Der zeitliche Bezug bleibt unklar.]

3.59 Für den Wach-Sitz beachte man folgende Besonderheit: Vor dem Mantranyasa am eigenen Körper setze man die Dreiheit ein, die mit dem Ozean beginnt.

3.60 Man besprenge sie mit Waffenmantra-Wasser und berühre sie mit der entsprechenden Blüte. Vor der Verehrung des Yoga-Sitzes des Herrn

3.61 setze man dort den Sitz von der tragenden Shakti bis zum Bhava-Pitha ein. Man vergegenwärtige seine Durchdringung mit Om und verehre ihn mit seiner eigenen Silbe.

3.62 Darauf nehme man im Lotossitz oder einer anderen geeigneten Haltung Platz. Den Herrn vergegenwärtigend, veranlasse man die Bereitstellung der Verehrungsgegenstände.

3.63 Man beauftrage damit gehorsame, gebadete Schüler, Söhne und weitere Helfer. Dann reinige man die Gefäße. Höre, wie dies geschieht.

3.64 Gold und Kupfer reinige man mit einer sauren Paste und Wasser, Silber mit Ruß oder abgekühlter Holzkohle.

3.65 Eisenhaltige Gegenstände reinige man mit aschehaltigem Wasser, Gefäße aus Muschel und Perlmutt mit Salz.

3.66 Gegenstände aus Fruchtschalen oder Blättern reinige man mit Erde und Wasser. Reinheit entsteht durch Entfernung von anhaftendem Schmutz und Geruch.

3.67 So ist die vorgeschriebene Reinigung der Gegenstände erklärt. Die Handlung beginne man vor Sonnenaufgang.

3.68 Während der Verehrung verwende man einen verhüllenden Vorhang. Menschen, die schweres Unrecht tun, ihre Lebensordnung verlassen haben oder die Überlieferung ablehnen, soll die Zeremonie nicht gezeigt werden.

3.69 Zur Ankunft der Götter und zum Fortgang störender Wesen lasse man die Glocke erklingen: Sie ist das Zeichen der göttlichen Einladung.

3.70 Muschelhorn, Gesang und Instrumente begleiten die Anrufung, das Einölen sowie Beginn und Ende des Bades,

3.71 das Auftragen des Stirnzeichens, die Darbringung des Lichtes und der Opferportionen, das Schwenken des Lichtes sowie das Herbeibringen der Speise aus der Küche,

3.72 die Speisedarbringung, die abschließende Vollopfergabe, das Herbeiholen des Wassers und das Besteigen und Verlassen des Festfahrzeugs.

3.73 Auch beim Öffnen und Schließen der Türen blase man das Muschelhorn jeweils dreimal, o bester Brahmane; dies sind die regelmäßig vorgesehenen Gelegenheiten.

3.74 Wer Vishnus Verehrung begonnen hat und wirklich schweigt, dessen Aufmerksamkeit soll unzerstreut bleiben. Zu sprechen widerspricht diesem Zustand.

3.75 Deshalb sollen die Ausführenden ein durchbrochenes Schweigen vermeiden und sich in allen Verrichtungen an ein ununterbrochenes, heilsames Schweigen halten.

3.76 Schweigen, das durch Körperzeichen, undeutliche Nasenlaute oder Mitteilungen hinter geschlossenen Lippen ersetzt wird, beeinträchtigt die Vollendung.

3.77 Wenn man alle Angelegenheiten aus eigener Einsicht erledigt, ohne sie durch Worte anzuweisen, ist dies ein Schweigen, das alle Vollendung gewährt.

3.78 Dann reinige man die Hände. Höre aufmerksam zu: beide Handflächen, beide Handrücken und sämtliche Finger

3.79 reinige man mit dem Waffenmantra, begleitet von Meditation und Mudra. Danach vollziehe man die Reinigung des Ortes.

3.80 Man vergegenwärtige den Gott als flammende Gestalt, leuchtend wie tausend Sonnen, von zahllosen Flammen umgeben und Feuer aus dem Mund ausströmend.

3.81 Mit diesem Feuer erfülle man alles bis zur Welt Brahmas und stelle sich alle Richtungen vom Mantralicht entflammt vor.

3.82 Man denke sich die gesamte Erde durch das Mantrafeuer gehärtet wie ein tönernes Gefäß durch den Brand.

3.83 Durch anschließendes Besprengen mit Nektarwogen wird der Ort gereinigt. Danach stelle man sich die Sicherung der Richtungen vor und Feuer im Mund.

3.84 Mit beiden Armen oder dem rechten allein entsende man den Feuer sprühenden Waffenmantra in sämtliche Haupt- und Zwischenrichtungen außerhalb des eigenen Sitzes.

3.85 So errichte der Verständige einen Schutzwall wie ein dichtes Pfeilnetz. Oder er sichere die Richtungen wie zuvor mit Herzmantra und den weiteren.

3.86 Mit dem Waffenmantra sichere er die Zwischenrichtungen, mit dem Augenmantra den oberen Raum. Mit dem wie zehntausend Sonnen leuchtenden Schutzpanzer-Mantra,

3.87 den er als flammende Rüstung vorstellt, vollziehe er mit dem Zeigefinger die schützende Umhüllung. Nach dieser Sicherung beginne er Pranayama.

3.88 Damit der stürmische, hartnäckige und bewegliche Geist für Samadhi geeignet wird und die Lebenskräfte beherrscht werden,

3.89 und um Dunkelheit zu entfernen, übe man Atemlenkung. Zuvor erkenne man die Anordnung der Nadis im Körper, die Stellung der Lebenskräfte

3.90 und das Wesen des Pranayama; dann vollziehe man die Übungen. Ich werde dir das Nadi-System richtig erklären, hervorragender Weiser.

3.91 Die Kanda-Nabe ist der hauptsächliche Ursprungsort der Nadis. Zweiundsiebzigtausend Nadis befinden sich im Inneren.

3.92 Sie durchziehen den Körper quer, aufwärts und abwärts. Sie sind feurig, mondhaft oder verbinden beide Eigenschaften.

3.93 Die feurigen richten sich nach oben, die mondhaften nach unten; die quer verlaufenden heißen mondhaft-feurig.

3.94 Unter allen Nadis sind zehn besonders wichtig: Ida, Pingala und die aufwärtsführende Sushumna,

3.95 Gandhari, Hastijihva, Pusha, Yashasvini, Alambusa, Kuhu und als zehnte Koshini.

3.96 Sushumna ist die mittlere Nadi, die vom Kanda nach oben strömt. Links und rechts von ihr befinden sich

3.97 Ida und Pingala, die bis zu den Nasenöffnungen führen. Vor und hinter ihr liegen Gandhari und Hastijihva,

3.98 die vom Kanda zum linken beziehungsweise rechten Auge aufsteigen. Pusha und Yashasvini enden am linken beziehungsweise anderen Ohr.

3.99 Alambusa reicht vom Kanda bis zum Fußansatz, Kuhu bis zum Ende des Geschlechtsorgans und Koshini bis zur großen Zehe.

3.100 Ida ist weiß, Pingala rot, Gandhari gelb, Hastijihva schwarz und Pusha schwarzgelb.

3.101 Yashasvini ist dunkel, Alambusa braun, Kuhu rötlich und Koshini glänzend wie Augenschminke.

3.102 Damit sind die zehn Hauptnadis beschrieben. Zehn Lebenswinde werden genannt, die in den Nadis des Körpers wohnen:

3.103 Prana, Apana, Samana, Udana und Vyana sowie Naga, Kurma, Krikara, Devadatta und Dhananjaya.

3.104 Ida trägt Prana, Gandhari Apana, Alambusa Samana und Kuhu Vyana, bester Brahmane.

3.105 Sushumna trägt Udana, Pingala Naga, Pusha den Kurma genannten Wind und Yashasvini Krikara.

3.106 Hastijihva trägt Devadatta und Koshini Dhananjaya. Prana und Naga gleichen Korallen beziehungsweise roten Indragopa-Insekten.

3.107 Kurma und Apana gleichen dem Raum, Samana und Krikara Lotosstaubfäden. Devadatta, Udana, Dhananjaya

3.108 und Vyana haben die Farbe von Schaum: So lautet die Festlegung der Lehrschriften. Pranayama ist das Anhalten der Bewegung von Ein- und Ausatmung.

3.109 Dabei wird das Hereinführen äußerer Luft durch die Nase als eine Atembewegung beschrieben, die im Körper befindliche Luft dagegen

3.110 bewusst durch die Nase nach außen geführt. Die innere und die stillstehende Atemweise betreffen das Füllen und Verweilen der Luft im Inneren. [Die Atembezeichnungen in 3.109–113 sind nicht durchgehend konsistent.]

3.111 Als erste Form der Atemregelung kennt man die äußere, als zweite die innere, als dritte die stillstehende.

3.112 Die äußere gilt als untere, die innere als mittlere und die stillstehende als höchste Form des Haltens.

3.113 Die äußere Form wird Rechaka, Ausatmung, genannt, die innere Puraka, Einfüllung.

3.114 Das Anhalten von Ein- und Ausatmung heißt Kumbhaka. Mit einem, zwei oder drei Udghatas werden diese Übungen als sanft, mittel oder intensiv bezeichnet.

3.115 Der erste Udghata ist der Anstoß der aus dem Nabelbereich aufsteigenden Lebensluft;

3.116 der zweite ihre Umkehr oberhalb des Bauches, der dritte ihre Hemmung an einem anderen Ort. Die erste Weise ist sanft, die zweite mittel,

3.117 die dritte intensiv und führt zu Schweiß und weiteren Erscheinungen. Man beginne die Pranayama-Folge mit Ausatmung unter dem Waffenmantra.

3.118 Dabei werden zwölf Zeiteinheiten für Rechaka, vierundzwanzig für Puraka und sechsunddreißig

3.119 für Kumbhaka angegeben. Das anschließende bloße Ausströmen der Luft wird wiederum als Rechaka bezeichnet.

3.120 Bei Unterschreitung der Zeitmaße ist die Übung unvollständig, bei Vertauschung ungleichmäßig. Wer den Atem beherrschen will, soll deshalb die jeweiligen Maße kennen.

3.121 Man umrunde das Knie mit der Hand, weder hastig noch langsam, und schnippe dann mit den Fingern: Diese Dauer heißt eine Matra.

3.122 In der Pranayama-Folge vollziehe man zuerst Rechaka mit dem Waffenmantra, dann Puraka mit dem Herzmantra und Kumbhaka mit dem Augenmantra.

3.123 Danach atme man wie zuvor aus, bester Brahmane, und verschließe mit den Fingern der rechten Hand die linke Nasenöffnung.

3.124 Mit dem Grundmantra meditiere man über Hari im Nabelbereich und über die zehn Lebenswinde, die mit den Verunreinigungen der Gewohnheitsprägungen verbunden sind, nun aber durch Mantra begleitet werden.

3.125 Pranayama gilt als zweifach: ohne inneren Gehalt oder mit innerem Gehalt. Ohne Japa und Meditation heißt es Agarbha; mit ihnen heißt es Sagarbha.

3.126 Dem mit innerem Gehalt verbundenen Pranayama wird gegenüber dem anderen die hundertfache Wirkung zugeschrieben. Unter Rezitation des Waffenmantras führe man den Atem durch die rechte Nasenöffnung nach außen.

3.127 So entleere man den Kreis der Lebenswinde in den zehn Nadis, die einzelnen nacheinander je um eine Zeiteinheit, einschließlich Pusha. [Die Einteilung ist textlich unsicher.]

3.128 Für Pingala sind zwei, für das Herausführen aus dem Nabel ebenfalls zwei Einheiten genannt. Nach dieser Ausatmung stelle man Hari auf und nehme das Feuer auf.

3.129 Man meditiere über ihn im Kreis der Lebenswinde und führe ihn wieder nach innen. Mit dem rechten Daumen verschließe man den rechten Atemweg und verwende die linke Nasenöffnung.

3.130 Mit dem Herzmantra führe man Hari samt dem Windkreis in zwei Zeiteinheiten durch Ida hinein und vergegenwärtige ihn im Herzen.

3.131 Dann fülle man mit dieser Luft Pingala während vier Einheiten, Sushumna während zwei, Gandhari und Pusha jeweils während zwei,

3.132 ebenso Hastijihva, Alambusa, Yashasvini, Koshini und Kuhu der Reihe nach während jeweils zwei Einheiten.

3.133 Mit dem Augenmantra halte man die Luft oberhalb der Nasenöffnungen wie in einem gefüllten Krug sechsunddreißig Einheiten lang. Die mit dem Nabelfeuer verbundenen Winde

3.134 kreisen überall. Man vergegenwärtige sich, wie sie die Ansammlungen von Verunreinigungen vertreiben und die Nadis allmählich reinigen.

3.135 Danach atme man den Windkreis wie zuvor aus. Als andere Bemessung werden sechzehn Einheiten für die Ausatmung genannt,

3.136 doppelt so viele für die Einatmung und vierundsechzig für das Anhalten. Die Nadis werden wie zuvor entleert, Pingala dabei während sechs Einheiten.

3.137 Die zehn Nadis werden anschließend mit einer Fünferbemessung verbunden. [Dieser Halbvers ist beschädigt; eine eindeutige technische Anweisung lässt sich nicht gewinnen.] So ist Pranayama in seinen verschiedenen Stufen erklärt.

3.138 Von den drei beschriebenen Formen übe man die jeweils mögliche. Man vollziehe drei, fünf oder sieben Pranayamas.

3.139 Dadurch erlangt der Mensch die Beherrschung des Atems; dies heißt Pranayama. Zur Reinigung des Körpers setze man dann die Silben der Erde und der weiteren Elemente ein.

3.140 Höre die Reinigung der Elemente der Reihe nach. Der Körper besteht aus den fünf Elementen Erde, Wasser, Feuer, Luft und Raum.

3.141 Er gleicht einem Zauberspiel, besitzt für sich keine Eigenschaften wie Erkenntnis, ist verunreinigt, abhängig, aus Samen und Blut entstanden und vergänglich.

3.142 Solange er nicht durch fortgesetzte Dharanas gründlich gereinigt ist, eignet er sich nicht für Mantranyasa und die weiteren Handlungen.

3.143 Durch fünf Dharanas oder durch zwei reinige man den Körper. Man führe Hari durch die rechte Öffnung der Sushumna nach außen

3.144 und vergegenwärtige ihn in einem runden Mandala, strahlend wie tausend Sonnen, von der Farbe glühenden Goldes, auf der höchsten Stätte sitzend.

3.145 Zwölf Fingerbreiten darüber meditiere man über ihn als Mantragestalt, darunter über den Strahlenkreis mit den Herrschern der Wirklichkeitsprinzipien.

3.146 Nach der ungeteilten Mantragestalt stelle man darunter der Reihe nach die viereckige gelbe Erde mit dem Vajra-Zeichen vor,

3.147 mit ihren fünf Eigenschaften von Klang an, voller Berge und Bäume, mit Städten, Mauern, schönen Flüssen, Inseln und Meeren.

3.148 Unter Rezitation ihres Mantras stelle man sich vor, wie sie mit der Einatmung von außen in den eigenen Körper eintritt und dort zur Ruhe kommt.

3.149 Von den Knien bis zu den Fußsohlen werde der Körper von ihr durchdrungen. Während der Atemruhe vergegenwärtige man, wie sie in der eigenen Mantragestalt

3.150 allmählich aufgeht und der Mantra in der Geruchskraft. Diese Geruchskraft führe man mit der Ausatmung nach außen

3.151 in den großen Wassergrund. Dann vergegenwärtige man die Wasserentfaltung mit Meeren, Flüssen, Strömen, den sechs Geschmacksrichtungen und Heilpflanzen,

3.152 mit allem, was in den Welten aus Wasser besteht, in der Form eines Halbmondes, geschmückt mit einem Lotoszeichen.

3.153 Nachdem man diese Wasserentfaltung außerhalb betrachtet hat, erfülle man mit ihr durch langsame Einatmung den Körper.

3.154 Man stelle sich während der Atemruhe vor, wie sie den ganzen Körperbereich vom Schenkelansatz bis zu den Knien durchdringt.

3.155 In dessen Mitte vergegenwärtige man den Dharana-Mantra des Wassers und lasse die gesamte Wasserentfaltung in diesem Mantra aufgehen,

3.156 den Mantra in der Geschmackskraft und diese Kraft durch Ausatmung im Feuermandala. Dann betrachte man die Feuerentfaltung:

3.157 eine dreieckige Weltgestalt, geschmückt mit Leuchterscheinungen, Blitzen, Mond, Sonne, Sternen, Edelsteinen und Metallen,

3.158 mit selbstleuchtenden Körpern und körperlosen Wesen des Luftraums, gekennzeichnet durch flammende Swastikas. Diese mächtige

3.159 Lichtentfaltung betrachte man, bester Weiser, und erinnere sich an ihren Mantra inmitten des Mandalas. Während seiner Rezitation

3.160 stelle man sich den Eintritt wie zuvor vor und lasse die Entfaltung den Bereich vom Nabel bis zum After ausfüllen.

3.161 Man betrachte diese ganze Feuerentfaltung als in der Gestalt ihres Mantras beruhigt; den feurigen Mantra wiederum

3.162 als in der Gestaltkraft aufgegangen. Diese Kraft ist Bewusstsein; durch sie wird die eigene Mantragestalt in ihre eigene Kraft zurückgeführt.

3.163 Mit der Ausatmung gebe man diese Kraft nach außen in den Luftgrund. Danach vergegenwärtige man draußen die Luftentfaltung:

3.164 rund, von der Farbe eines blauen Edelsteins, mit leuchtenden Scheiben, voller vielfältiger Düfte und ihrer zahlreichen Eigenschaften.

3.165 Man betrachte sie als von ihrem Dharana-Mantra durchdrungen und führe sie, nach Meditation und Rezitation ihrer Mantragestalt, nach innen.

3.166 Langsam geschehe dies durch die Nase auf die zuvor beschriebene Weise. Man stelle sich vor, wie der Bereich vom Nabel bis zum Hals davon durchdrungen wird.

3.167 Mit dem zuvor gelehrten Verfahren lasse man die Luftentfaltung in ihrem göttlichen Lenker aufgehen und diesen wiederum,

3.168 du Verständiger, in der großen Berührungskraft. Diese unvergängliche Kraft mit ihren ewigen und zeitweiligen Ausbreitungen und Entfaltungen

3.169 führe man in den großen Klanggrund, das Raummandala. Dann vergegenwärtige man die gesamte Raumentfaltung außerhalb des Körpers:

3.170 erfüllt von unterschiedlichen Klängen, ohne feste Form, dunkel glänzend wie Augenschminke, voller zahlloser körperloser, klanghafter vollendeter Wesen.

3.171 In ihrer Mitte betrachte man den Dharana-Mantra des Raumes, der sich beständig durch seine eigene Kraft trägt.

3.172 Er besteht aus Klang allein, ist formlos und durchdringt auch die Entfaltungen. Man fasse ihn geistig und setze ihn in den Körper ein.

3.173 Mit dem zuvor beschriebenen Verfahren lasse man die Raumentfaltung den Bereich vom Hals bis zur Scheitelöffnung durchdringen.

3.174 Der Yogi halte sie für die entsprechende Zeit in der Atemruhe und betrachte sie danach als in ihren eigenen Mantra verwandelt.

3.176 Man vergegenwärtige den Dharana-Mantra des Raumes als in Shakti übergegangen. [Nummer 175 fehlt; unter 176 steht in der Vorlage nur dieser Halbvers.]

3.177 Man stelle sich vor, wie diese unvergängliche Shakti durch die Scheitelöffnung hinauszieht, vereint mit den vier Kräften, angefangen mit der Geruchskraft.

3.178 Sie ruhe im ungeteilten Mantra, der mit den Lenkern der Wirklichkeitsprinzipien verbunden ist. So führe man die Elemententfaltung samt ihren Mantras der Reihe nach zur Ruhe.

3.179 Das Bewusstsein, das als individuelle Seele lebt und wie ein Stern aufleuchtet, stelle man sich aus dem Käfig der Elemente befreit und ruhend vor

3.180 im höchsten Mantra jenseits der Vielheit, dessen Gestalt die fünf Kräfte bilden. Durch diese stufenweise Verbindung soll die Seele mit sich selbst ihr eigenes Wesen

3.181 im Raum des Herzens schauen: unbewegt, sonnenhell, von funkelnden Strahlen umgeben, den höchsten alldurchdringenden Herrn.

3.182 In der Mantragestalt verweilend, übe man höchste Versenkung. Weil diese Gestalt noch mit den fünf Kräften von Geruch an verbunden ist,

3.183 erkenne man auch sie als etwas, das zu überschreiten ist. Wenn man, durch diesen Zustand gestärkt, noch nicht erfüllt und noch nicht am Ziel ist,

3.184 stelle man sich das eigene Selbst wie eine Biene vor, die den Herzlotos des Mantras besucht, sich am Seil der Erkenntnis hält und aus der Herzhöhle nach oben steigt.

3.185 Ihr Weg ist die lichtförmige Nadi, die Flamme des Mantrafeuers: die aufwärtsführende Sushumna, fein wie ein Lotosfaden.

3.186 Man vergegenwärtige sie als bis zur Scheitelöffnung reichend und führe das Selbst auf diesem guten Weg allmählich mit dem Atem der Erkenntnis hinaus.

3.187 So lasse man auch die sechs Mantra-Werkzeuge hinter sich, die nicht alldurchdringend sind, und gelange darüber hinaus zu dem,

3.188 was aus der höchsten Gestalt des Herrn hervorgeht: einer unvergleichlichen Lichtfülle. In der Nabe dieses Strahlenkreises erfreue man sich an der Glückseligkeit des eigenen Selbst.

3.189 Für das so von Stufe zu Stufe gehende Selbst, das den von den Prinzipien gebildeten Körper abgelegt hat und als reines Bewusstsein besteht,

3.190 geht große Glückseligkeit auf: die höchste Kraft Vishnus. Sie nimmt die individuelle Seele, deren Fähigkeit zu handeln nicht aufgehoben ist, in sich auf

3.191 und kehrt dahin zurück, woher sie hervorgetreten ist. Erkenne dies als frei von begrifflichen Vorstellungen und unaussprechlich, o Trefflicher.

3.192 So erreiche man die eigene Stätte und lasse den stofflichen Körper zurück. Dort verweilend verbrenne man gedanklich den Körper, aus dem die Kräfte und subtilen Elemente zurückgenommen wurden.

3.193 Er besteht aus sechs Hüllen, ist ohne bleibenden Kern und gleicht einem haltlosen Grashalm. Man verbrenne ihn mit dem Mantrafeuer, das durch die Reibung des Willens entstanden ist.

3.194 Man stelle sich vor, wie der Körper von den Füßen an entflammt. An der Spitze der rechten großen Zehe vergegenwärtige man die Schikha-Silbe,

3.195 umgeben von hunderten Flammen wie vom Feuer am Ende eines Weltzeitalters, und betrachte den eigenen Körper als ringsum brennend.

3.196 Im Nabel-Kanda-Bereich visualisiere man mit dem Augenmantra ein von Flammen umgebenes Feuer und lasse dadurch den Körper zu Asche werden.

3.197 Nachdem man den eigenen Körper so im Feuer verzehrt hat, vergegenwärtige man den Herzmantra und lasse die Körperflammen im Herrn der Mantras aufgehen.

3.199 Man betrachte das erloschene Feuer als Aschenhaufen und stelle sich mit dem entsprechenden Mantra vor, wie die Asche nach allen Seiten verweht. [Nummer 198 fehlt; der vorhandene Wortlaut bleibt erhalten.]

3.200 Dann betrachte man die Mantragestalt als zehntausend Vollmonden gleich. Mit dem Nektarstrom, der aus ihr aus dem Raum herabfließt,

3.201 überflute man die Asche des Körpers und stelle alles als aus Nektar bestehend vor. In der Mitte setze man die tragende Kraft Vishnus ein,

3.202 den Samen von allem, und betrachte den daraus hervorgehenden Lotos: aus den sechs Entfaltungswegen und den Wirklichkeitsprinzipien bestehend, weiß, lichtvoll und heilsam.

3.203 Er ist mit drei Mandalas versehen und strahlt von funkelnden Lichtstrahlen. In seiner Mitte meditiere man über den Herrn Narayana als Mantraselbst:

3.204 ungeteilt, einzig und rein, mit einer Gestalt aus fünf wahrhaftigen Mantras. Durch deren Kräfte vergegenwärtige man wiederum die Verdichtung

3.205 zu den fünf Mantra-Herrschern der Elemente, angefangen mit Raum, und aus ihnen das Hervortreten der Entfaltungen von Raum an.

3.206 Man betrachte den aus der Verbindung der fünf Entfaltungen entstandenen Körper: leuchtend wie tausend Sonnen, strahlend wie hundert Monde,

3.207 klar wie makelloser Kristall, frei von Alter und Tod. So bringe man den eigenen Körper als vorzügliches Mittel für Lebensfülle und Befreiung hervor,

3.208 bester Weiser, als das allen Verkörperten zugehörige Werkzeug. Man nähere sich ihm stufenweise mit dem Willen zur Entfaltung.

3.209 Aus der eigenen wellenlosen Stätte trete man zusammen mit Shakti hervor; aus der großen Glückseligkeit entfalte sich die eigene Glückseligkeit und aus deren Grundlage

3.210 der Strahlenkreis im Raum. Daraus gehe die eigene Gestalt hervor, leuchtend wie Millionen Sonnenstrahlen und aus eigener Helligkeit funkelnd,

3.211 rund wie eine Kadamba-Blüte, rein wie ein nächtlicher Tautropfen. So führe man sich selbst aus der eigenen Stätte herbei,

3.212 trete wie zuvor durch die Scheitelöffnung in den Mantrakörper ein und gelange auf dem mondlichtartigen Nadi-Weg in den inneren Lotos des achtgliedrigen subtilen Körpers.

3.213 Man vergegenwärtige den eigenen bezeichnenden Mantra als ungeteilten Klang. Dann durchschreite man vom ungeteilten Mantra bis zum stofflichen Körper

3.214 die fünffache Selbstzuordnung und erreiche die Lichtgestalt. Aus dem eigenen Mantra besprenge man den Körper mit einem Nektarstrom.

3.215 Dann ziehe man jene Mantragestalt herbei und setze sie in das Herz ein. Die höchste Shakti ist wellenlos und besteht aus großer Glückseligkeit.

3.216 Aus der eigenen Glückseligkeit entsteht der Strahlenkreis, die eigene leuchtende Form, der entsprechende Weg der Sushumna und der ungeteilte Körpermantra,

3.217 ferner die Schar der Mantrakräfte, angefangen mit Satya, die fünf Dharana-Herrscher, ihre Entfaltungen und der aus ihrem Zusammenwirken gebildete Körper.

3.218 All dies betrachte man als ineinander bewegt, zugleich ungetrennt und unterschieden. Mit dem dreifachen Verfahren – grob, subtil und höchst –

3.219 ist diese Reinigung der Elemente vollständig beschrieben. Wenn die fünf Elemente von Erde bis Raum gereinigt sind,

3.220 werden auch die Erkenntnisorgane Geruch, Geschmack, Sehen, Tastsinn und Hören sowie die Handlungsorgane Fortpflanzung, Ausscheidung, Fortbewegung,

3.221 Greifen und Sprechen gereinigt. Dabei entsprechen die Zeitmaße von Einatmung und den weiteren Phasen denen des Pranayama.

3.222 So ist das Hauptverfahren mit fünf Dharanas erklärt. Nun lehre ich dir das Ersatzverfahren; höre aufmerksam zu.

3.223 Die fünf Dharanas von Erde, Wasser, Feuer, Luft und Raum werden dabei zu zwei Vorgängen zusammengefasst:

3.224 Verbrennen und Erfüllen mit Nektar. Zur eigenen Reinigung vergegenwärtige man mit dem Schutzpanzer-Mantra die Luft im Nabelbereich

3.225 und lasse dadurch die Flüssigkeit im Körper austrocknen. Im Nabel-Kanda-Bereich visualisiere man mit dem Augenmantra Feuer,

3.226 von vielen Flammen umgeben, und lasse den eigenen Körper darin zu Asche werden. Dann vergegenwärtige man den Herzmantra

3.227 und verweile im Raum. Mit dem Kopfmantra betrachte man Wasser, klar wie eine Perle, und vergegenwärtige das daraus Hervorgehende.

3.228 Mit dem Schikha-Mantra stelle man sich einen Lotos vor, der die Eigenschaften der Erde besitzt, und nehme ihn unter seiner göttlichen Lenkung in sich auf.

3.229 Man betrachte die daraus entstandene Hülle, den aus den Elementprinzipien gebildeten Körper, und vergegenwärtige Herzmantra und die weiteren als Ursachen der fünf Prinzipien.

3.230 In diesem durch Meditation entstandenen Körperhaus vollziehe man anschließend Nyasa. Damit ist die Reinigung der Elemente in Haupt- und Ersatzverfahren erklärt.

Kapitel 4

Eingang. Glück und Segen! Viertes Kapitel.

4.1 Nachdem der Mantraübende seinen Körper gereinigt hat, vollziehe er Mantranyasa. Schon durch dieses Einsetzen der Mantras wird er dem Gott der Götter gleich.

4.2 Dadurch erlangt er die Befähigung zu sämtlichen Verrichtungen, angefangen mit der Puja; dadurch können alle Vollendungen offenbar werden.

4.3 Wer es vollzogen hat, weilt furchtlos auch an einem von schädlichen Wesen erfüllten Ort; durch seine Ausführung werden vorzeitige Todesgefahren überwunden.

4.4 Zwar gilt Nyasa als ein geistiger Vorgang, doch ohne die zugehörige Handlung gewinnt er keine feste Verankerung.

4.5 Diese Handlung wiederum hängt von den Händen ab; deshalb beginnt Nyasa bei ihnen. Man setze zuerst den leuchtenden zwölfsilbigen Mantra in beide Hände ein,

4.6 vom Handgelenk bis zu den Nagelspitzen, wie Sonnenlicht. Danach vollziehe man vorschriftsmäßig Schöpfungs-, Erhaltungs- und Auflösungsnyasa.

4.7 Der Schöpfungsnyasa beginnt an der rechten Handfläche und endet an der linken. Der Erhaltungsnyasa beginnt am rechten Daumen und endet an der linken Handfläche.

4.8 Der andere, der Auflösungsnyasa, beginnt an der linken Handfläche und endet rechts. Beim Schöpfungsnyasa setze man Om in die rechte Handfläche und dann, beginnend am rechten Daumen,

4.9 die zehn folgenden Silben der Reihe nach in die zehn Finger bis zum linken kleinen Finger; die letzte Silbe setze man in die linke Handfläche.

4.10 Beim Erhaltungsnyasa setze man die ersten sechs Silben von Om an, beginnend mit dem rechten Daumen, in die fünf Finger und dann in die rechte Handfläche.

4.11 Die nächsten sechs setze man vom linken Daumen bis zur linken Handfläche ein. Beim Auflösungsnyasa beginne man mit der letzten Silbe in der linken Handfläche

4.12 und setze die übrigen Silben in umgekehrter Reihenfolge bis zur rechten Handfläche ein, wobei Om den Abschluss bildet.

4.13 Mit dem Zeigefinger berühre man den jeweiligen Daumen, mit dem Daumen die Finger von Zeige- bis kleinem Finger und mit dem Mittelfinger die jeweilige Handfläche.

4.14 So vollziehe man Nyasa in angemessener Weise. Danach folge der Gliedernyasa, beginnend am rechten Daumen über die zehn Finger,

4.15 der Reihe nach bis zum linken kleinen Finger und auf beide Handflächen, rechts zuerst. Man setze die zwölf mit dem Herzen beginnenden Mantraglieder in leuchtender Gestalt ein.

4.16 In die Mitte der rechten Hand setze man den Lotos, hell von funkelnden Strahlen, in die linke Hand die Keule, aus eigener Kraft flammend.

4.17 Rechts setze man den mächtig strahlenden Diskus, links das Muschelhorn ein; die Krone in die rechte Hand und das Shrivatsa-Zeichen in die linke Mitte.

4.18 Den Kaustubha-Edelstein setze man rechts ein, die Waldblumengirlande links; Shri in die rechte Hand und Pushti in die linke.

4.19 Vom rechten Daumen bis zum linken kleinen Finger setze man an den Fingerwurzeln der Reihe nach den Garuda-Mantra ein.

4.20 Auf diese Weise vollziehe man zuerst den Handnyasa. Die höchste Kraft des allgegenwärtigen Herrn, die im Inneren des Herzlotos wohnt,

4.21 nimmt die Gestalt des Lebenswindes an und gliedert sich zehnfach. Ihrem Willen gemäß strömt sie auf ihrem eigenen Weg durch die Hände nach außen.

4.22 Sie stützt sich auf zehn Nadis; als deren Ausdruck gelten die Finger. Deshalb setze man zuerst in die Shakti genannte Gestalt des Herrn,

4.23 also in diese Kraftgestalt, die Mantrafolge ein und danach in den aus Elementen bestehenden Körper. Höre nun, wie man dies tut.

4.24 Man setze den zwölfsilbigen Mantra vom Scheitel bis zu den Füßen in den Körper ein, lasse ihn alles durchdringen und führe ihn dann von den Füßen bis zum Kopf.

4.25 Danach vollziehe man Schöpfungs-, Erhaltungs- und Auflösungsnyasa. Die Einsetzung vom Scheitel bis zu den Füßen heißt Schöpfungsnyasa.

4.26 Diejenige von den Füßen bis zum Kopf heißt Auflösungsnyasa. Man führe sie entsprechend dem beabsichtigten Zweck und dem Entschluss des Ausführenden aus.

4.27 Auf Scheitel, Gesicht, beide Schultern, der Reihe nach die beiden Herzseiten, Rücken, Nabel, Hüfte, Knie und Füße

4.28 setze man nacheinander die zwölf Silben von Om bis ya ein. Dies ist die genaue Beschreibung des Schöpfungsnyasa.

4.29 Setzt man die Silben von Om an in die mit dem Herzen beginnenden Stellen nach dem Verfahren der Haupt- und Nebenglieder ein, heißt dies Erhaltungsnyasa.

4.30 Auf Füße, Knie, Hüfte, Nabel, Rücken, Herz, beide Schultern, Gesicht und Scheitel

4.31 setze man die Silben von ya zurück bis Om ein. Dies heißt Auflösungsnyasa. Danach setze man Haupt- und Nebenglieder an ihren mit dem Herzen beginnenden Stellen ein.

4.32 Erkenntnis setze man ins Herz, weil sie dort offenbar wird; Herrschaft in den Kopfbereich, weil dieser oben steht

4.33 über allem Stofflichen und Prinzipiellen, bester Weiser. In die aufwärtssteigende Flamme des Herzfeuers setze der Herr der Mantras die Shakti ein.

4.34 Kraft setze man mit der Luft in die Haut aller Glieder ein; Wirkmacht, welche den ganzen Körper erfüllt, in die Hände.

4.35 Lichtglanz, dessen Wesen inneres Erwachen ist und der die Dunkelheit der Natur vertreibt, wird beim Nyasa dem zugehörigen Lichtort zugeordnet.

4.36 Dieses Verfahren wird nach der angegebenen Ordnung später genauer erklärt. Danach setze man wie zuvor Lotos, Keule, Diskus und Muschelhorn ein.

4.37 Auf den Scheitel setze man die Krone, leuchtend wie zehntausend Feuer und Sonnen, auf die rechte Brust das Shrivatsa-Zeichen, glänzend wie der Vollmond.

4.38 Ins Herz setze man den Kaustubha-Edelstein mit seinem Sonnenglanz, um den Hals die Girlande aus verschiedenen Lotos- und Waldblumen.

4.39 Rechts von der Schulter abwärts setze man Shri ein, links Pushti; Garuda ordne man dem Bereich vom Schenkelansatz bis zu den Knöcheln zu.

4.40 Die Mantraglieder sind lichtvoll und reine Entfaltungen des Bewusstseins. Ebenso die Krone und sämtliche weiteren Schmuckstücke:

4.41 Man betrachte sie in ihren bekannten Gestalten, jedes mit seinem eigenen Glanz. Nachdem man Mantranyasa in der angegebenen Reihenfolge vollzogen hat,

4.42 forme man sämtliche Mudras, beginnend mit derjenigen des Grundmantras, und rezitiere dabei jeweils den entsprechenden Mantra. Danach betrachte man sich als dem höchsten Herrn entsprechend.

4.43 Man vergegenwärtige die eigene Gestalt in dieser bewussten Zuordnung, du Verständiger. Eine mit dem Grundmantra geweihte und mit Duftwasser getränkte Blüte lege man ehrfürchtig auf den eigenen Kopf an die Stelle des Haarknotens.

Kapitel 5

Eingang. Glück und Segen! Fünftes Kapitel.

5.1 Nachdem man dies vollzogen hat, beginne man die innere Verehrung. Man nehme den Lotossitz oder eine andere geeignete Haltung ein und halte die Hände fest im Brahmanjali vor dem Nabel.

5.2 Die nach außen gerichteten Sinne bringe man im Geist zur Ruhe, den Geist lasse man in der unterscheidenden Einsicht ruhen und diese Einsicht im Bereich der Erkenntnis.

5.3 Mit der Vergegenwärtigung der Erkenntnis vollziehe man die auf die höchste Wirklichkeit gerichtete Handlung im Körper, der neuntorigen Stadt mit vier Rädern, dem Haus Gottes.

5.4 Man vergegenwärtige den abwärts gerichteten Herzlotos, dessen Stütze bis zur Halsgrube reicht, und nehme geistig in der Mitte seines Fruchtbodens Platz.

5.5 Zwischen Nabel und Geschlechtsorgan meditiere man über die tragende Shakti, darüber über das Zeitfeuer und über diesem über Ananta.

5.6 Darüber vergegenwärtige man die Erdgöttin und die vierfach geteilten Stützen, welche den Bereich vom Kanda bis zum Nabel ausfüllen. [Die Konstruktion des Verses ist nicht eindeutig.]

5.7 Im Nabel meditiere man über den Milchozean und über den daraus emporgewachsenen Lotos mit tausend Blättern, umgeben von tausend Strahlen.

5.8 Auf diesem Lotos, der wie die tausendstrahlige Sonne leuchtet, errichte man den Sitz mit seinen vier Grundlagen: Dharma, Erkenntnis, Nichtanhaften und göttliche Herrschaft.

5.9 Mit ihren jeweiligen Mantras setze man diese vier in die Zwischenrichtungen ein, beginnend im Südosten bis zum Nordosten.

5.10 In die Hauptrichtungen von Osten bis Norden setze man Unrecht, Nichtwissen, Anhaften und Ohnmacht ein.

5.11 Sie alle erscheinen in menschlicher Gestalt und leuchten wie Bandhuka-Blüten. Zwischen Osten und Nordosten sowie zwischen Osten und Südosten,

5.12 zwischen Südwesten und Westen und zwischen Nordwesten und Westen ordne man die vier Veden von Rig-Veda an an; die vier Zeitalter von Krita an

5.13 zwischen Nordosten und Norden, zwischen Süden und Südosten, zwischen Süden und Südwesten sowie zwischen Norden und Nordwesten.

5.14 Darüber stelle man das Rad der Zeit vor, in seiner Mitte den unmanifesten Lotos, dessen Stängel aus der Luft hervorgeht und auf dem Grund der Entfaltungen ruht.

5.15 Die Elemente befinden sich in der tragenden Shakti, die subtilen Sinnesqualitäten im Zeitfeuer; die Handlungsorgane von der Rede an durchdringen Ananta.

5.16 Die Erkenntnisorgane von Gehör an befinden sich in der Erde, der Geist im Milchozean und das Ichbewusstsein im unendlich vielblättrigen Lotos.

5.17 Die unterscheidende Einsicht steht über den zweimal acht Gestalten von Dharma an. Im Lotos darüber befindet sich die Urnatur im Gleichgewicht ihrer Eigenschaften.

5.18 Die Zeit ist mit den drei Lichtbereichen verbunden; im Bhava-Sitz befindet sich der Purusha. Das dort ruhende Prinzip erscheint in seiner eigenen Entfaltung, Lotosgeborener.

5.19 Es umschließt aus sich selbst Anfang und Ende, wie eine Schnur ihre Perlen. Zunächst erscheint es als tragender Grund, danach als Gestalt der Welt,

5.20 darüber als die vielfältigen Mantras; in Wahrheit bleibt es wellenlos. Diese Anordnung dient dazu, das Handeln jener zur Ruhe zu bringen, die von eingeübten Prägungen bestimmt sind,

5.21 und den durch seinen Willen offenbar gewordenen Wesen Lebensfülle und Befreiung zu ermöglichen. Solche Begrenzung besteht nur für die von anfangslosem Nichtwissen Getroffenen, nicht in der Wirklichkeit selbst.

5.22 Für die, welche die Wirklichkeit erkennen, gibt es in Wahrheit kein Oben, kein Seitwärts, Hinten oder Vorn und keine begriffliche Einteilung in das, was abzulegen wäre, und anderes, o Paushkara.

5.23 Die Kraft des Herrn Vishnu, deren Wesen sich den unterscheidenden Vorstellungen entzieht, wird die tragende Shakti genannt.

5.24 Sie nimmt nach ihrem Willen den Samen der tragenden Sitzkraft auf und erscheint unmanifest und manifest, gleich einer Fülle von Sonnen. [Der Vergleich und die Satzverbindung sind unsicher.]

5.25 Weil die Sammlung der Weltsamen sich künftig entfalten kann, gegenwärtig aber ihre Glieder eingezogen hat, erhält sie den Namen Schildkröte.

5.26 Was am Ende die Welt als Zeitfeuer verbrennt, hat den weltweit verehrten Herrn in Schildkrötengestalt zur Gottheit.

5.27 Dieselbe unvergängliche Keimkraft des Universums gibt die Wirksamkeit der göttlichen Shakti nicht auf. Für die im Unterscheiden Befangenen bringt sie das Grenzenlose

5.28 nach oben hervor, wie eine Schildkröte ihren eingezogenen Hals ausstreckt. Da ihr die Schlange Shesha als Gottheit zugeordnet ist, wird sie Ananta genannt.

5.29 Der Grund der vier weiteren Elemente in Samenform ist die Erde; aus ihr entfaltet sich wie zuvor der Zweig des Geruchs.

5.30 In ihr ist der Herr als Erde die zugeordnete Gottheit. Daraus offenbart sich die geschmackhafte Frucht mit dem Wesen des Nektars,

5.31 deren zugeordnete Gestalt der unvergängliche Milchozean ist. Daraus erscheint, Lotosgeborener, der Lotos mit dem Glanz unendlicher Edelsteine.

5.32 Seine ewige Kraft ist feuriger Natur. Erkenne ihn als göttlichen, weißen, entfalteten Lotos mit unendlich vielen Blättern.

5.33 Die unterscheidende Einsicht besteht, nach höchster und weiteren Stufen unterschieden, aus einer, zwei oder drei Eigenschaften und ist mit acht Entfaltungen verbunden, Lotosgeborener.

5.34 Dazu gehören als zugeordnete Gottheiten die Entfaltungen der Sprache, die Veden, sowie die vier Entfaltungen der Zeit, die Zeitalter von Krita an.

5.35 Ihre höchste Gestalt gilt als reines Sein. Eine weitere ist mit den Kräften verbunden, die ihr Offenbarwerden verursachen,

5.36 und eine dritte besteht in den Körpern der jeweils zugeordneten Gottheiten. Daraus entsteht das subtile Berührungsprinzip, dem die Luft als Gottheit zugehört.

5.37 Seine sichtbare Entfaltung besteht in den verschiedenen Gliedern des Rades. Daraus entsteht der Klang, dem der Raum zugeordnet ist, Lotosgeborener.

5.38 Das in ihm mit allen Gliedern zusammengefasste Rad bildet seine reine Gestalt. Dieser Raumkreis heißt Wohnstatt des Lotos der Urnatur.

5.39 In ihm sind die Elemente enthalten, auf ihm ruht alles. Von der ersten Entfaltung bis zur großen Auflösung

5.40 verläuft die Zeitfolge, welche alle Dinge unterscheidet. Das nur durch Benennungen unterschiedene, in Wahrheit ungeteilte

5.41 viergestaltige Brahman mit seiner Fülle von Eigenschaften wie Erkenntnis ist dagegen immer offenbar, ewig und alldurchdringend: die höchste Stätte.

5.42 Weil es vollkommen und mit den sechs göttlichen Eigenschaften ausgestattet ist, hat die Zeit keinen Zugriff darauf. Aus dem Klang geht das Ichbewusstsein hervor, dem die Sonne zugeordnet wird,

5.43 und aus diesem der Geist, dem der Mond entspricht. Die Einsicht hat Licht zur Gottheit und gehört dem Herrn an, dessen Wesen offenbarte Glückseligkeit ist.

5.44 Von den Blütenblättern bis zum Fruchtboden wird der Lotos mit Sonne und weiteren Prinzipien verbunden. Dies gilt als seine aus Eigenschaften bestehende Gestalt.

5.45 Die unvergängliche Ursache der Prinzipien von Einsicht an heißt das Unmanifeste. Ihre Eigenschaften sind noch nicht voneinander geschieden.

5.46 Sie ordnet ihre Eigenschaften unter und besteht in sich selbst, nachdem sie alle inneren Vorgänge im Herzen zusammengezogen hat.

5.47 Aus ihr entstehen alle Erscheinungen, bester Brahmane; in ihr gehen sie wieder unter. Deshalb gilt dieser Lotos als ein höchster Grund.

5.48 In ihm ist die Fülle der Strahlen der Bewusstseinssonne gegenwärtig, welche Erkennbares und Erkennenden umfasst: ihr eigenes Licht und ihre eigene Kraft.

5.49 Die Vimalā genannte Kraft ist Reinheit, die Erkenntniskraft ist Erkennen, Prabhvī ist Herrschaft und Satyā ist Wahrhaftigkeit.

5.50 Nityā ist Ewigkeit, Prakāśā ist Leuchten, Anantā ist Unendlichkeit, Lotosgeborener.

5.51 Hinzu kommt die Anugraha-Shakti, die höchste Gnade. Diese acht Kräfte bestehen in sich selbst.

5.52 Sie entfalten sich und ziehen sich wieder zurück. Als höhere und niedere werden diese Kräfte des Bewusstseins

5.53 beschrieben, Lotosgeborener; ihre Unendlichkeit ist unübertrefflich. Höre nun der Reihe nach ihre reine Meditation.

5.54 Den Herrn als tragenden Grund vergegenwärtige man friedvoll, ohne äußere Bewegung, weiß und nach innen gewandt, seine Gestalt von dem getragenen Prinzip umfasst. [Einzelne Wörter sind beschädigt.]

5.55 Kurma stelle man sich mit der Schildkrötenmudra und Schildkrötengesicht vor, glänzend wie erhitztes Gold, Muschelhorn und Lotos tragend, im Svastika-Sitz ruhend.

5.56 Der tragende Herr strömt beständig furchtbares, gewaltiges Licht aus seinem Körper aus, seitwärts und aufwärts wie ein helles Flammennetz.

5.57 Danach vergegenwärtige man Ananta, leuchtend wie unzählige Monde, geschmückt mit tausend Schlangenhauben und tausend Armen.

5.58 Mit seinen zusammengelegten Händen schmückt er den inneren Bereich; andere Hände tragen weißen Lotos, Muschelhorn, Gebetskette und Diskus.

5.59 Denen, deren Geist vor dem Fallen zurückschreckt und erschüttert ist, schenkt er Furchtlosigkeit: „Fürchte dich nicht!“ – bis hinauf zur Welt Brahmas.

5.60 Die Erde meditiere man mit einem Körper aus Edelsteinen und Gold, strahlend wie die Pracht der Regenzeit, im Lotossitz, die Hände zum Lotosanjali geformt.

5.61 Den Milchozean stelle man sich weiß wie blühenden Jasmin vor, mit hellen, glänzenden Haarflechten, ein weißes Muschelhorn blasend und mit Perlenketten geschmückt,

5.62 mit weitausgedehnten Gliedern, gespreizten Schenkeln, Knien und Füßen.

5.63 Der Lotos hat leuchtende Hand- und Fußflächen von der dunklen Farbe reifer Mangofrüchte, rote Augen, frei fallendes Haar und ein lächelndes Gesicht.

5.64 Er sitzt im Lotossitz, von Hunderten Bienenschwärmen umgeben, zeigt die Lotosmudra und besitzt lange Beine. [Die wiederholte Lesung „pajha“ wird hier kontextbezogen als Lotos verstanden.]

5.65 Die vier, Dharma, Erkenntnis und die übrigen, glänzen wie Schnee, klarer Kristall, Perlen und Mondlicht; Schultern und Gesichter gleichen denen von Löwen.

5.66 Die vier anderen, angefangen mit Adharma, strahlen wie Rubin, Koralle, Feuer und reifer Granatapfel; innerlich von Mitgefühl berührt, gleichen sie großen Königen.

5.67 Man stelle sie sich sechzehnjährig vor. Die folgenden Gestalten leuchten wie Gold, Champaka-Blüten, Leuchtkäfer und Auripigment.

5.68 Die Veden werden mit Pferdegesichtern und sonst vollkommen menschlichen Körpern vorgestellt; die Zeitalter von Krita an entsprechend mit Stiergesichtern.

5.69 Sie gleichen in ihrer Farbe reifer Mango, Flachsblüte, blauem Lotos und Papagei. Alle tragen edle Gewänder, schöne Blumen und Schmuck.

5.70 Alle halten Muschelhorn und Lotos und zeigen die Gesten des Gewährens und der Furchtlosigkeit. Ihre Häupter ordnen sie dem getragenen Rad unter, um ihre Bestimmung zu erfüllen,

5.71 und ihr Inneres geben sie dem höchsten Ursprung der Mantras hin. Den Herrn der Waffen vergegenwärtige man inmitten seines Strahlenkreises, der wie Sonne und Feuer am Ende eines Weltzeitalters leuchtet,

5.72 sich bewegend und mit seiner Mudra in der Hand. Den unmanifesten Lotos stelle man sich leuchtend wie Schnee, Gold und Feuer vor:

5.73 friedvoll, achtarmig, freundlich, im Svastika-Sitz, klar wie Kristall, reine Bewusstseinsfülle, beständig und unvergänglich.

5.74 Man meditiere über das formlose Bewusstseinslicht als Schatz aller Kräfte. Alle Gestalten des Herrn, angefangen mit dem tragenden Grund, ruhen in ihren jeweiligen Entfaltungen.

5.75 Das durch sein eigenes Sein offenbarte Sein unterscheidet sich vom Sattva der drei Eigenschaften. Erkenne als Entfaltung der Schildkrötengestalt eine Flammenfülle,

5.76 als die des Schlangenherrn seine Windungen, als die der Erde den goldenen Boden, als die des Milchozeans einen göttlichen Nektarstrom mit Wogen,

5.77 als die des Lotos dessen Fruchtboden mit Staubfäden und Blättern.

5.78 Die Entfaltung der vier von Dharma an ist ganz reine Unterscheidung; die der vier von Adharma an ist die große Entfaltung des Nichtwissens.

5.79 Die Entfaltung der Veden von Rig-Veda an ist die unverwerfliche Fülle der Sprache; die der Zeitalter reicht vom kleinsten Augenblick bis zum Ende eines großen Kalpa.

5.80 Als Entfaltung des Rades erkenne die auf Maya beruhende Drehung. Die unermessliche Wirksamkeit der Eigenschaften ist die Entfaltung der Urnatur.

5.81 Die Fülle der Kräfte von Vimala an heißt Entfaltung des Purusha. All dies gehört dem allgegenwärtigen Mantraselbst und wird von den Unsterblichen verehrt.

5.82 Die Scharen der verschiedenen Mantras bis hin zu den großen Herren der Mantras, ausgestattet mit ihren eigenen Kräften, sind

5.83 Entfaltungen Vishnus, des höchsten Selbst. Mit diesem Verständnis verehre man ihn beständig, Lotosgeborener. Darüber befindet sich die Klangentfaltung in Gestalt von Sonne, Mond und Feuer.

5.84 Die Nadi leuchtet mit diesen drei Lichtern; ihr Wesen ist unmanifester Klang. Sie verläuft über den drei offenbar gewordenen Rädern.

5.85 Durch die Scheitelöffnung hinausreichend, geht sie über den Sonnenweg hinaus; durch das Tor des Lebenswindes dringt sie durch die Unterwelt in ihren eigenen Bereich.

5.86 Alles, was Gegenstand einer Vorstellung sein kann, ist an sie gebunden, wie Perlen an eine Schnur. Deshalb heißt sie die mittlere Nadi.

5.87 An dem zuvor bezeichneten Zielort in ihrem Inneren, in der Sonne und Mond genannten Verbindung von Schließen und Öffnen,

5.88 verweilt die höchste Sprache wie eine Biene, gestützt auf Lotos und Sonne. Sie ist die Mutter aller Mantras, die Shakti des friedvollen Herrn.

5.89 Sie lässt den aus Lauten bestehenden Klang ertönen, der Klang-Brahman genannt wird: einen fortlaufenden Strom von a bis ha.

5.90 Im Raum am Ende dieses Klanges weilt der unendliche, ewige Gott, mit den Gesten des Gewährens und der Furchtlosigkeit sowie den Zeichen von Muschelhorn und Diskus,

5.91 mit Händen, die fähig sind, die drei Welten zu tragen: friedvoll und seinem Wesen nach Bewusstsein. Aus dem Wunsch, seinen Verehrern Gnade zu erweisen,

5.92 hat er, der Formlose, eine unvergleichliche Gestalt angenommen. Darum vollziehe man seine Anrufung. Höre, wie dies geschieht.

5.93 Man erfülle den unmanifesten Lotos mit der eigenen Kraft, deren Wesen dem eigenen Wesen entspricht und als Erkennbares und Erkennender erscheint.

5.94 Für einen kurzen Augenblick verweile man allein und rein als umfassendes Bewusstsein. Die Kräfte und ihre Entfaltungen

5.95 lassen ihre besondere Form des Ichbewusstseins ganz los. Wenn diese aufgehoben ist, tritt unvergleichliche Glückseligkeit hervor. [Die Verbform der Vorlage ist beschädigt.]

5.96 Diesen unvergänglichen, selbstleuchtenden, unvergleichlichen Mantra erstrebe man. Seine im Lichtraum befindliche Erscheinung mache man in Richtungen und weiteren Bestimmungen fassbar,

5.97 nehme eine aus Kräften gebildete Gestalt an und trete aus der dichten Lichtfülle in den mittleren Raum hervor, Lotosgeborener.

5.98 Auf dem eigenen Sitz aus tragender Kraft ruhe man bequem, mit einem subtilen Erkenntniskörper, der dem stofflichen Körper entspricht.

5.99 Jene Glückseligkeitsfülle, deren Wesen für sich besteht, versehe man mit der in der Lehre beschriebenen und für die Verehrung geeigneten Bestimmung,

5.100 mit dem eigenen Meditationsgegenstand und der Gestalt der Gottheit. Wie ein Edelstein durch Blau, Gelb und weitere Farben unterschiedlich erscheint,

5.101 so nimmt auch der Allgegenwärtige je nach Meditation unterschiedliche Formen an. Auf diese Weise entfaltet sich seine höchste Mantragestalt.

5.102 Inmitten des Herzlotos befindet sich das unvergängliche Bewusstseinslicht, rund wie eine Kadamba-Blüte, allgestaltig und glänzend wie ein Edelstein.

5.103 Es gleicht einer Edelsteinlampe, groß und ununterbrochen ausstrahlend. Durch die Körperöffnungen, angefangen mit den Ohren, treten seine Strahlen hervor.

5.104 Wie aus einem mit Öffnungen versehenen Krug, in dem eine große Lampe brennt, Licht nach außen dringt, so geschieht es auch aus dem Körper.

5.105 Die Strahlenfülle des Mantras strömt durch die Nadis nach außen. Obwohl das Mantraselbst den Sinnen nicht unmittelbar sichtbar ist,

5.106 kann es auf diese Weise doch erfahrbar werden. Die fünf Eigenschaften der äußeren Elemente von Erde an

5.107 lassen das Verborgene durch das Wahrnehmbare erkennen. Seine Erdeneigenschaft ist Festigkeit; durch diese Eigenschaft ist die Erde fest.

5.108 Durch ihre wechselseitige Wirksamkeit gehe man zu ihrer bewussten Erkenntnis über. Die ihm eigene erquickende Freude lässt sich auch im Wasser erfahren.

5.109 Diese Wassereigenschaft ist auch in ihm vorhanden. Wie sonst, o Weiser, könnte schon die bloße Erinnerung an den Mantra dem Geist große Freude schenken?

5.110 In Feuer ist der höchste Herr als sichtbare Gestalt entfaltet. Die Eigenschaft des Feuers, Gestalt sichtbar zu machen, besteht im Mantraselbst.

5.111 Denn ohne Lichtglanz ist keine Meditation möglich. Ebenso gehört ihm die Berührungseigenschaft der Luft, großer Weiser.

5.112 Die subtile Lufteigenschaft besteht im Mantrakörper. Bei geistiger Sammlung wird sie durch das innere Wahrnehmungsvermögen erfahrbar.

5.113 Die Weite des Raumes geht aus ihm hervor; auch diese Eigenschaft ist mit dem Mantraselbst verbunden.

5.114 Ohne meditative Vergegenwärtigung ist es den natürlichen Sinnesorganen nicht zugänglich. So erkenne man zuvor die Wirksamkeit des Mantras ihrem Wesen nach,

5.115 durch welche zur Zeit der Verehrung göttliche Gegenwart entsteht. Dann setze man in ihm die mit ihren Eigenschaften vollkommenen Gliedermantras ein.

5.116 Man verehre sie mit ihren eigenen Mantras, ohne ihren Ort zu trennen. In jener Mantrakugel, die einer Kadamba-Blüte gleicht,

5.117 wird durch den mit ihr ungeteilten zwölfsilbigen Mantra die Gestalt offenbar, über die man in der Mitte des Herzlotos meditieren soll:

5.118 die höchste Natur als Sprache, ihrem Wesen nach Bewusstsein, rein und durch den ungeteilten höchsten Geist als ihren Lenker erfüllt,

5.119 wie ein Körper durch die lebendige Seele. Sie hat eine grobe und eine subtile Erscheinungsweise. Beginnend mit dem Grundmantra vergegenwärtige man wie zuvor die gesamte Mantrafolge

5.120 durch Nyasa am göttlichen Körper, jedoch ohne den Handnyasa. Ebenso vollziehe man den Schöpfungs-, Erhaltungs- und Auflösungsnyasa.

5.121 Dann stelle man sich die Ganga vor, die aus dem hochgelegenen Raumlotos auf das Haupt des Herrn herabströmt. Mit diesem Nektarwasser

5.122 bereite man geistig sämtliche heiligen Gaben, angefangen mit dem Willkommenswasser. Welche Gabe man auch vorstellt, man betrachte sie als aus Nektar bestehend,

5.123 rasch aus dem Raum herabfallend und vom Nektarmond durchflutet. Durch diese unterschiedlichen, aus Nektar entstandenen Gaben

5.124 stelle man den Herrn der Mantras sich gestärkt, erfreut und ganz erfüllt vor. Dann bringe man dem Gott der Götter vorschriftsmäßig die Willkommensgabe dar.

5.125 Man vollziehe das Vergegenwärtigen, das Bewahren seiner Gegenwart und seine Zuwendung. Herz und weitere Glieder, Zeichen wie Lotos,

5.126 Schmuck wie Krone, die Shaktis von Lakshmi an, Garuda und die weiteren Gestalten, die im Körper des Gottes wohnen,

5.127 befinden sich an ihren jeweiligen Orten als Lichtgestalten des Allgegenwärtigen. Alle, die so in seinem Körper bestehen, verehre man der Reihe nach.

5.128 Ohne ein getrenntes Gefolge verehre man sie mit ihren eigenen Mantras und Willkommensgaben. Diese Verehrung in Herz und weiteren Gliedern heißt Laya-Yaga, Verehrung in der Einfaltung.

5.129 Deshalb verehre man, ob auf dem Fruchtboden des Herzlotos oder in irgendeinem Götterbild, das Gefolge stets als im Körper des Grundmantras gegenwärtig.

5.130 Diese kurze, Laya genannte Verehrung gewährt alle Vollendung. Wenn dagegen der Herr der Mantras in der Lotosmitte und Lakshmi und die anderen auf Staubfäden und weiteren Teilen

5.131 jeweils als eigene Gestalten erscheinen, heißt die Verehrung Bhoga. Werden sie, o Narada, durch eine gesonderte Handlung

5.132 getrennt verehrt, heißt dies Adhikara. Nachdem man Laya- und Bhoga-Verehrung auf diese Weise vollzogen hat,

5.133 verehre man den Gott der Reihe nach mit den aus Nektar entstandenen Gaben, in den vorgeschriebenen vollständigen Darbringungen bis hin zum Betel. [Der Ausdruck „susamastādibhiḥ“ bleibt unsicher.]

5.134 Nachdem man alles angemessen bis zur Darbringung seiner selbst vollzogen und im Geist Siegesrufe gesprochen hat, trage man folgende Bitte vor:

5.135 „Willkommen, Herr der Götter! Achyuta, sei mir gegenwärtig. Nimm diese innere Verehrung an, die ich mit aufrichtiger Vergegenwärtigung darbringe.“

5.136 Man erkenne den Herrn als freundlich gestimmt und bereit, Gnade zu schenken, und entfalte dann ausführlich die innere Verehrung, bester Brahmane.

5.137 Die durch die Vorstellung hervorgebrachten Gaben seien rein, unerschöpflich und heilsam: solche zur Berührung, solche zum zeremoniellen Dienst und solche zum Genuss,

5.138 großartig und reichlich, aus allen sieben Welten, wie beschrieben ordnungsgemäß und von höchster Güte.

5.139 Solche Gaben bringe man mit wahrer Hingabe dar und wiederhole im Geist den Mantra, mit einem freudigen inneren Wesen.

5.140 Man bringe geistig Elefanten, Pferde, Kühe und Fahrzeuge dar, mit schönen Gewändern und Schmuck ausgestattet, und stelle sich vor, wie der Herr sie annimmt. [Ein Ausdruck des zweiten Halbverses ist beschädigt.]

5.141 Sich selbst, die eigenen Kinder, die Gefährtin und den gesamten Besitz bringe man dar, verneige den Kopf und lasse Tränen der Freude fließen.

5.142 Im Geist forme man mit dem Mantra die Kamadhenu-Mudra und vergegenwärtige sie als Vishnus alle Wünsche erfüllende Kraft.

5.143 Danach bereite man eine besondere Verehrung Achyutas. Man öffne die zusammengelegten Hände, erfüllt mit goldenen Blumen,

5.144 und rezitiere den Grundmantra mit Einatmung und den weiteren Vorgängen, lang anhaltend wie Glockenklang, solange es möglich ist.

5.145 Man meditiere über Narayana, bedeckt mit funkelnden Strahlen und leuchtend wie Hunderte Feuer, Sonnen und Monde, und vergegenwärtige ihn in den zusammengelegten Händen.

5.146 Diese Blumengabe lege man auf das Haupt seiner Mantragestalt. Erneut bringe man Willkommenswasser und eine schöne Handvoll Blumen dar.

5.147 Man zeige im Geist die Grundmudra und beginne Japa, ohne feste Zählung, den eigenen Kräften entsprechend, mit dem Glockenklang genannten Verfahren.

5.148 Auch für Lakshmi und die übrigen an ihren Verehrungsorten zeige man der Reihe nach geistig die Mudra und vollziehe jeweils Japa.

5.149 Mit heiligen Hymnen und Mantras preise man den Herrn und suche seine Gunst. Nachdem man so die innere Verehrung in ihrer Reihenfolge vollzogen hat,

5.150 vollziehe man das entsprechende innere Feueropfer, das die Herrlichkeit der Befreiung schenkt. Im Nabelzentrum vergegenwärtige man den Feuerraum,

5.151 dreieckig, rings von der unmanifesten Natur mit ihren drei Eigenschaften umgeben. Durch Reiben der Meditationshölzer entzünde man das Bewusstseinsfeuer,

5.152 ganz rein, geheiligt, leuchtend und stets aufwärtsflammend. Es besteht aus Vasudeva, weil dieser im Inneren der Wesen wohnt.

5.153 Man spreche den Grundmantra bis zur Grenze des hörbaren Klanges und bringe dort den höchsten göttlichen Nektar geklärter Butter dar, dessen Wesen Freude ist.

5.154 Diese Gabe stammt aus dem wellenlosen Ozean des Brahman. Man nehme sie auf dem Nektarweg entgegen und lasse sie durch die Scheitelöffnung eintreten.

5.155 Vom Herzen aus stelle man sich den Mantra auf dem mittleren Weg vor, aus Bewusstsein und Licht bestehend, aufleuchtend und durch Brahmans Kraft gestärkt,

5.156 im eigenen ursächlichen Feuer am Nabel, wie aufgerichtetes Brennholz, im aus sich selbst leuchtenden Brahmanfeuer, das den Bauchraum rings erhellt.

5.157 Man vergegenwärtige das Yantra darüber, das aus dem Raum herabkommt, und stelle sich den zuvor aufgenommenen Nektar als Opferbutter vor.

5.158 Nachdem man dieses Bewusstseinsfeuer am Nabel, dessen Wesen Mantra ist, erfreut hat, vergegenwärtige man die an seiner Flammenspitze befindliche Gestalt erneut im Herzlotos.

5.159 Man rezitiere den Herrn der Mantras gedehnt und mit Meditation verbunden. So stelle man die Einheit der an beiden Orten befindlichen Gestalt her:

5.160 Vishnus, dessen Wesen Mantra ist und der aus vielen Mantras besteht. Danach lege man alles durch die Handlung Vollbrachte in ihn hinein.

5.161 Man stelle sich die rechte Hand mit Wasser, Blumen und ungebrochenem Reis gefüllt vor. In ihrer Mitte vergegenwärtige man den ungeteilten, von Strahlen erfüllten Mantra.

5.162 Die aus der Verehrung hervorgegangene Fruchtfülle betrachte man als Gestalt Lakshmis, rezitiere den Grundmantra und vergegenwärtige sie in der Handmitte.

5.163 Darüber stelle man wiederum den ungeteilten Mantra vor. Kopf und Knie zur Erde geneigt, bringe man alles Vishnu dar.

5.164 Man stelle sich vor, wie er es freundlich, zufrieden und voller Zuwendung annimmt, bester Brahmane.

5.165 Wenn das Ziel im Herzen oder auch äußerlich erreicht ist, vergegenwärtige man der Reihe nach, wie die Schar der Mantras im Herrn der Mantras aufgeht.

5.166 Die offenbarte Mantragestalt bringe man in der eigenen Vorstellungskraft zur Ruhe; mit dieser Kraft zusammen führe man dann die eigene Erkenntnisgestalt

5.167 in die eigenen Kräfte zurück und diese wiederum in das Selbst. So wird man wie zuvor ganz von einer Fülle der Glückseligkeit erfüllt.

5.168 Fasst man hingegen den Entschluss „Ich werde äußerlich verehren“, ziehe man die Gestalt zusammen und lasse sie wie die Mittagssonne gegenwärtig bleiben.

5.169 Man verabschiede sie nicht, solange die äußeren Handlungen nicht vollzogen sind; denn sie soll noch in Mandala und weiteren Trägern eingesetzt werden.

5.170 Den zuvor beschriebenen tragenden Grund nehme man in der Schöpfungsordnung zurück. Bei den Erkennenden, welche die Wirklichkeit durchschaut haben, löst er sich von selbst auf:

5.171 bei jenen, die durch ihre Handlungen Vollendung erlangt haben und nun von ritueller Tätigkeit frei sind. Bei anderen, deren Geist der beständigen Formverehrung zugewandt ist, entfaltet er sich weiter,

5.172 ebenso bei den in Mantrahandlungen Aufgehenden, deren Selbstverständnis noch von Vielheit geprägt ist. Er wird von Achyutas Kraft getragen, deren Sein niemals schwindet.

5.173 Dieser Weltsitz hat die Gestalt wahrhafter Vorstellung. Obwohl er vom allgegenwärtigen Herrn durch dessen eigene Kraft getragen und durchdrungen wird,

5.174 nimmt der Herr für die in ihm wohnenden Seelen, die seine Körper bilden und durch seine Kraft begnadet werden, darin seinen Platz ein

5.175 und weilt in diesem vielfältigen Grund als die vielen Mantras. So ist das Wesen des tragenden Grundes seinem wirklichen Zusammenhang entsprechend erklärt.

5.176 Wer ihn vollständig erkennt, dessen Bindung durch Handlungen wird vermindert. Diese innere Verehrung vertreibt nach Aussage des Textes Fieber, Krankheit und geistiges Versinken.

5.177 Sie befriedet Verfehlungen und Bedrängnisse und beendet das gebundene Werden. Durch beständige Übung befreit sie beim Ablegen des Körpers.

5.178 Wer sie auch nur einmal mit höchster Hingabe in der beschriebenen Reihenfolge ausführt, mit dem bin ich zufrieden, o Weiser.

5.179 Er nimmt unter allen Verehrern eine hervorragende Stellung ein und führt seine Ahnen hinüber: die vergangenen, die künftigen und die gegenwärtigen.

5.180 Wie viel mehr gilt dies von einem Menschen, der beständig verbunden ist, dessen Geist ganz darin aufgeht und der, von Vertrauen und Hingabe erfüllt, auf dem Weg der Mantraverehrung bleibt!

5.181 Für ihn gibt es keine Rückkehr in die Gebundenheit; er erreicht die höchste Stätte. Wer dies erkannt hat, vollziehe deshalb täglich mit Sorgfalt die innere Verehrung.

5.182 Dieses höchste Geheimnis habe ich dir heute mitgeteilt, Narada. Es soll weder denen, die keine Schüler sind, noch Menschen ohne Hingabe weitergegeben werden.

5.183 Den Verehrern aber, die sich tief vor dem gebundenen Werden fürchten und ihr Inneres geläutert haben, soll dieses Geheimnis mitgeteilt werden, nachdem ihre Haltung sorgfältig geprüft wurde.

Kapitel 6

Eingang. Glück und Segen! Sechstes Kapitel.

6.1 Nachdem man die innere Verehrung nach diesem Verfahren vollzogen hat, verehre man den Herrn anschließend äußerlich durch eine von Hingabe erfüllte Handlung.

6.2 Sanaka sprach: Ehrwürdiger, durch deine Gnade habe ich die Verehrung im Herzen verstanden, die Nichtwissen zerstört, Erkenntnis und verwirklichtes Wissen verbindet und alle Vollendung schenkt.

6.3 Warum soll dann noch äußere Verehrung an Götterbildern und anderen Trägern stattfinden? Erkläre mir dies, Ehrwürdiger; hier habe ich einen großen Zweifel.

6.4 Shandilya sprach: Die nach außen gerichtete Gewohnheitsprägung, o Brahmane, ist durch viele Geburten erworben und fest geworden. Sie versetzt das Selbst in Unruhe und nimmt reine wie unreine Formen an.

6.5 Die reine, auf Mantra gerichtete Handlung, die zur Ruhe führt, wird gelehrt, um das erneute Aufsteigen dieser Prägung aufzulösen.

6.6 Durch äußere und innere Handlungen wird der Übende ganz von dieser göttlichen Wirklichkeit erfüllt. Dabei nehmen die fest verwurzelten Prägungen allmählich ab.

6.7 Wovon der Übende jetzt, während er im Körper lebt, erfüllt ist, davon wird er auch beim Ablegen des Körpers erfüllt sein. Dies habe ich erklärt.

6.8 Höre nun die Ordnung der äußeren Verehrung. Der Gott befindet sich als Lichtgestalt im Raum des Herzlotos.

6.9 Man führe ihn von diesem Ort herbei und vergegenwärtige ihn zwischen den Augen. Dabei greife man auf die zuvor beschriebene Gestalt namens Vasudeva zurück.

6.10 Mit ruhig gehaltenen Augen, bester Brahmane, rezitiere man den Augenmantra und überblicke sämtliche bereitgestellten Gegenstände.

6.11 Zu diesen gehören Wasser und die übrigen beschafften Gaben. In der rechten Hand vergegenwärtige man den Waffenmantra, strahlend wie die Sonne.

6.12 Unter seiner Rezitation verbrenne man damit gedanklich alle Fehler der Gegenstände und stelle sich vor, wie sie vollständig zu Asche werden.

6.13 Nachdem die Fehler verbrannt sind, erquicke man die Gaben mit dem Herzmantra in der linken Hand, der dem Vollmond gleicht und Nektarströme regnen lässt.

6.14 Während man diesen Mantra rezitiert, stelle man sich das zuvor Verbrannte und nun Erquickte als strahlend vor. Oder man verfahre folgendermaßen:

6.15 Zuerst verbrenne man alles mit den heftigen Strahlen der Sonne und betrachte es als zu Asche geworden. Dann lasse man die Strahlen des Vollmondes

6.16 einen Strom von Nektarwogen darüber ergießen, o Trefflicher, und betrachte das von der Sonne Verbrannte erneut als leuchtend.

6.17 Man forme die mit dem Mantra verbundene, Nektar ausströmende Kamadhenu-Mudra und vergegenwärtige sie als Kuh, weiß wie ein Schneeberg, in der stützenlosen höchsten Stätte.

6.18 Durch sie verwandle man die gesamte bereitliegende Fülle der Gaben in Nektar. Dann sind die Gegenstände rein und zur Verehrung geeignet.

6.19 Nördlich von sich stelle man unter dem Schutzpanzer-Mantra einen Krug mit gefiltertem und selbst herbeigebrachtem Wasser bereit, das für alle Verrichtungen bestimmt ist.

6.20 Die zuvor beschafften übrigen Verehrungsgeräte ordne man rechts an; in die Mitte setze man den Bhadra-Sitz.

6.21 Seine Merkmale werden im Kapitel über die Götterbilder erläutert. Was an Blättern, Blüten und anderem auf dem Sockel liegt,

6.22 nehme man mit der Hand ab und lege es an einen sauberen Ort. Dann verwende man Kuhhaar, einen Yakschweifwedel, Pfauenfedern oder Kusha-Gras,

6.23 um den Sockel zu reinigen, oder ein ganz weißes Tuch. Danach wasche man ihn mit reichlich durch ein Tuch gefiltertem Wasser,

6.24 während man den zwölfsilbigen Mantra spricht, dem Om vorangeht und folgt. Nachdem man den Träger der Verehrung so mit Wasser gereinigt hat,

6.25 befreie man ihn mit einer durch den Waffenmantra geweihten Blüte von Hindernissen. Darauf setze man die heilige, aus Mantra bestehende Gestalt, die verehrt werden soll:

6.26 ein aus Metall oder Stein gefertigtes Götterbild, mit allen erforderlichen Attributen und Merkmalen versehen, zur eigenen Vollendung.

6.27 Man verneige sich mit acht Körperteilen, bringe Willkommenswasser am Haupt dar, dazu duftende Salbe und eine schöne Handvoll Blumen.

6.28 Mit Hingabe verehre man den höchsten Purusha mit seinen Gliedern und Umkreisgottheiten. Oder man verehre den Gott zunächst mit Willkommenswasser, Fußwasser und Wasser zum Mundreinigen.

6.29 Die dargebrauchten Gaben nehme man ehrfürchtig wieder ab, übergebe sie Vishvaksena und reinige das Bild behutsam,

6.30 mit einem weichen Wedel aus Ushira oder Bambus und duftendem Wasser, während man den Grundmantra spricht. Oder man vollziehe die drei zuvor beschriebenen Reinigungswege.

6.31 Man kleide den Gott der Götter in zwei gut gewaschene Gewänder. Bei einem gemalten Götterbild entferne man die bereits dargebrachten Blumen und weiteren Gaben

6.32 und wische den Staub mit einem Tuch ab. Oder man stelle unmittelbar nach dem Betreten des Verehrungsraumes

6.33 den Bhadra-Sitz und das weitere Gerät auf und vollziehe danach die übrigen Verrichtungen. Man kann sie auch erst zum jeweils vorgesehenen Zeitpunkt aufstellen.

6.34 Nach der zuerst beschriebenen dreifachen Reinigung gemäß der angegebenen Vorschrift vollziehe man zu Beginn der Verehrung des Yoga-Sitzes alle für das Bild genannten Handlungen.

6.35 Die Gefäße für Willkommenswasser und die übrigen Gaben wasche man mit Wasser unter dem Waffenmantra und fülle sie unter dem Herzmantra mit duftendem Wasser.

6.36 Die vorgesehenen Stoffe gebe man in der festgelegten Reihenfolge hinein. An den Ecken des Bhadra-Sitzes oder davor auf einem mit Stoff bedeckten

6.37 Boden stelle man die Gefäße auf ihre Untersätze. Nach der zuvor geltenden Anordnung setze man in die nordwestliche Ecke

6.38 den Krug für das Willkommenswasser, in den Nordosten das Gefäß zum Mundreinigen und in den Südosten das Badegefäß.

6.39 Das Fußwasser stelle man in den Südwesten; ein zweites Gefäß mit Willkommenswasser setze man davor oder in die Mitte.

6.40 Eine weitere Anordnung setzt das Willkommenswasser in den Südosten, das Fußwasser in den Nordosten, das Wasser zum Mundreinigen in den Südwesten und das Badewasser in den Nordwesten.

6.41 Die Richtungen werden nach der Ausrichtung des Herrn bestimmt. In Haupt- und Nebengefäß des Willkommenswassers und die weiteren Gefäße gebe man die folgenden Stoffe der Reihe nach. [Die Richtungsanweisung des ersten Halbverses ist nicht eindeutig.]

6.42 Sandel, Kampfer, Safran, Durva, weiße Senfkörner, ungebrochene Reiskörner, Kusha-Spitzen, geschälten Reis und Sesam,

6.43 Gold, Silber, Kupfer, Edelsteine und Früchte von der Banane an gebe man in das Hauptgefäß des Willkommenswassers.

6.44 In das zweite gebe man mit einer Kusha-Spitze je einen Tropfen Dickmilch, Honig, geklärter Butter und Milch, dazu Safran, Blüten, Sesam und Reis.

6.45 In das Fußwasser gebe man Durva, Vishnukanta, Shyamaka, Shankhapushpa, Padmaka und Jasminblütenstaub.

6.46 In das Wasser zum Mundreinigen gebe man Kardamom, Gewürznelken, Takkola und Muskat, dazu Sandel und Kampfer.

6.47 In das Badewasser gebe man Kushtha, Mamsi, die beiden Haridra-Arten, Mura, Shaileya, Champaka, Vacha, Kachchora und Musta.

6.48 Die Gefäße bereite man in der Reihenfolge ihrer Aufstellung mit den jeweiligen Bereitstellungsmantras vor. Oder man fülle sie schon zuvor

6.49 mit Wasser und den vorgesehenen Stoffen und stelle sie danach unter ihren jeweiligen Mantras auf die Untersätze.

6.50 Am zugehörigen Ort vollziehe man das Verbrennen und Erquicken und die weiteren Reinigungen. Man kann die dreifache Reinigung der Gefäße und Gaben auch erst dann ausführen.

6.51 Mit der rechten Hand nehme man eine Blüte und vergegenwärtige in ihr mit ungeteilter Aufmerksamkeit die ungeteilte Gestalt des Grundmantras.

6.52 Man lege sie in das zum Besprengen bestimmte Willkommenswasser, bewege sie viermal darin unter Mantrarezitation, nehme sie wieder heraus und lege sie außerhalb des Bereichs ab.

6.53 Mit diesem Wasser und dem Waffenmantra besprenge man den Altar, die bereitgestellten Gaben und sich selbst; danach heilige man die verschiedenen Wassergaben mit Mantras.

6.54 Mit dem Grundmantra samt Waffenmantra verehre man sie durch Blumen, anschließend vorschriftsmäßig mit dem Grundmantra und seinen Gliedern.

6.55 Man verehre auch Räuchergefäß und Glocke und bringe den Gefäßen Räucherwerk dar. Höre nun die Verehrung von Räuchergefäß und Glocke.

6.56 Am Fuß des Räuchergefäßes vergegenwärtige man das Erdprinzip, im Lotos Wasser, im Rad Feuer, im Glöckchenkranz Luft und über dem Fruchtboden Raum.

6.57 Nach dieser Vergegenwärtigung verehre man sie mit ihren jeweiligen Mantras oder mit dem Mantra des Gefäßes. Das Rad wird als Herz, der Lotos als Herzhöhle verstanden.

6.58 Die Speichen des Rades gelten als die zwölf Nadis; die kleinen Glöckchen als die feinen Nadis.

6.59 Ihre mittlere Kraft gleicht einer gewundenen Schlange, hat eine rauchgraue Farbe und tritt hervor, indem sie das Weltei durchbricht.

6.60 Sie steigt aus dem Herzen des Zeitfeuers auf und geht am Ende des Satya-Bereichs zur Ruhe. Durch sie wird der Herr geweckt, dessen Gestalt Mantra ist.

6.61 Er wird rasch gegenwärtig. Deshalb lasse man das Räucherwerk ununterbrochen brennen. Höre nun die genaue Bedeutung der Glocke.

6.62 In ihr wohnt beständig die offenbarte Matrika, deren Gestalt die Laute bilden. Die Speichen des Rades entsprechen den zwölf Vokalen.

6.63 Beim sechzehnspeichigen Rad kommen die neutralen Laute hinzu. Alle Laute haben eine dreifache Gestalt, bester Brahmane:

6.64 von Pashyanti an bis hin zur ausgesprochenen Sprache, Vaikhari. Die höchste Sprachgestalt ist auf den zwölf Speichen gegenwärtig,

6.65 dieselbe besteht im sechzehnspeichigen Rad und seinen sonnenhaften Bereichen beständig als Madhyama. [Die Zuordnung des zweiten Ausdrucks ist textlich unsicher.]

6.66 Die darüberliegende Gruppe von vierundzwanzig Lauten erkenne als den Blätterkranz des Lotos, du Verständiger.

6.67 Der Laut ma entspricht dem Fruchtboden; ya entspricht dem Muschelhorn. [Die anschließende Ortsangabe der Vorlage ist beschädigt.]

6.68 Die sieben Laute von ra bis ha entsprechen den Gliederungen und der Keule; ksha dem König der Vögel und weiteren Gestalten. Nachdem man dies so betrachtet hat,

6.69 erkenne man die Glocke als Gestalt des Klang-Brahman und der Kraft des Herrn; diese Kraft ist in den sechs göttlichen Eigenschaften enthalten.

6.70 Mit der Eigenschaft des Lichtglanzes verbunden, nimmt sie die Form eines metallenen Gegenstandes an. Als Glocke erkenne diese zweifache leitende Qualität. [Die genaue Deutung des zweiten Halbverses bleibt unsicher.]

6.71 Die in ihr wohnenden Laute sollen die nach Vollendung strebenden Übenden stets zur Zeit der Verehrung erkennen.

6.72 Im klangerzeugenden Teil vergegenwärtige man Ananta zusammen mit dem Zeitfeuer, am Mund der Glocke das Muschelhorn, verbunden mit einer Perlenkette.

6.73 Darüber, im Raum, befindet sich das Rad; auf seinen Speichen steht die zwölfgestaltige Sonne.

6.74 Als Monate weilt sie wiederum in ihren Bereichen. Im sechzehnspeichigen Rad befindet sich der Mond, dessen Gestalt die sechzehn Nektarteile bilden.

6.75 In sämtlichen kreisförmigen Bereichen ist die Luft gegenwärtig; die Gesamtheit der Prinzipien und das Unmanifeste ruhen auf den Lotosblättern.

6.76 Die individuelle Seele befindet sich in den Staubfäden, der Herr auf dem Fruchtboden. Om ruht im Muschelhorn, Vidya, die heilige Erkenntniskraft, in der Keule.

6.77 Garuda ist die leitende Gottheit der Lebensluft. Nach dieser Betrachtung der Gottheitenschar verehre man sie mit Willkommenswasser und den übrigen Gaben bis zum Räucherwerk.

6.78 Man stelle sich das Weltei abwärts gerichtet vor, erfüllt von den Stimmen der Wesen. Darüber vergegenwärtige man einen achtblättrigen Lotos mit Stängel,

6.79 weiß, mit ausgebreiteten Blättern, Staubfäden und schönem Fruchtboden. In seiner Mitte betrachte man die Göttin mit acht Armen, welche den acht Lautgruppen entsprechen.

6.80 In den vier Haupthänden trägt sie die Zeichen, angefangen mit dem Lotos, eine kristallene Gebetskette und ein Buch der verwirklichten Erkenntnis. [Die Aufzählung der vier Attribute ist verkürzt.]

6.81 Mit den anderen beiden Handpaaren zeigt sie Furchtlosigkeit und Gewährung. Sie sitzt im Lotossitz; ihre Augen sind lang wie Lotosblätter.

6.82 Sie gleicht dem Inneren eines Lotos, ist mit einer Lotosgirlande und hellem Schmuck versehen und in gelbe Gewänder gehüllt.

6.83 Sie strömt Mantrascharen aus, leuchtet von Mantraflammen und wird von Brahma und den anderen Göttern gepriesen, die das Brahman verkünden.

6.84 Seher, Weise und Vollendete, die den Welten Gnade erweisen, verneigen sich vor ihr. So soll man sie zur Zeit der Verehrung stets vergegenwärtigen.

6.85 Wer mit ihrer Hilfe den Mantra verehrt, für den ist die Vollendung nicht fern. Nach dieser Meditation verehre man sie angemessen mit Willkommenswasser und weiteren Gaben. Dann erinnere man sich

6.86 an den Glanz des Klang-Brahman inmitten des Raumes des Herzlotos: immer offenbar, unvergleichlich und ohne Übung nicht zugänglich.

6.87 Deshalb soll dies anderen, die keine Hingabe besitzen, nicht gelehrt werden. So ist das höchste Wesen der Mantras gekennzeichnet, Lotosgeborener.

6.88 Im zehnfachen Klangbereich, in der Lautgestalt vom Anfangslaut bis zum Visarga, besteht es als die verschiedenen Mantras. [Die genaue Einteilung wird hier nicht erläutert.]

6.89 Der Mantra, den man aus dem Mund eines wahren Gurus empfangen hat und der Lebensfülle und Befreiung schenkt, soll von den Verehrern heiliger Handlungen an fünf Orten erkannt werden:

6.90 im äußeren Götterbild und ähnlichen Trägern, an der Zungenspitze, im Herzlotos, in der aufsteigenden Räucherfahne und im wohlklingenden Glockenton.

6.91 Sein eigenes Licht vergegenwärtige man im Inneren, im Herzen, in der ununterbrochenen Gestalt der mittleren Sprache.

6.92 Die auf der Räucherfahne ruhende Gestalt erkenne als Vaikhari. Beim Schwingen der Glocke wird sie wiederum ohne Unterbrechung erfahren.

6.93 Nachdem man die Glocke so vergegenwärtigt, ihre Gestalt mit Mantras versehen und sie mit Meditation, Willkommenswasser und Räucherwerk verehrt hat,

6.94 lasse man sie richtig erklingen: wohlklingend, die Mantras erweckend, die drei Welten bewegend und alles Schädliche vertreibend.

6.95 Ihr Ertönen erweckt die schlafenden Mantras, hält alle Hindernisse fern und stimmt sämtliche Mantras günstig.

6.96 Sie ist der Nachklang am Ende des Om, der in der Kraft des Klanges aufgeht. Die Mantras haben Laute zu ihrem Körper, die Gottheiten wiederum Mantras.

6.97 Sie gründen im Glockenklang und gewähren, erweckt, die Vollendung der Handlung. Die aus dem höchsten Klang hervorgegangene Kraft nimmt die Gestalt des Glockentons an.

6.98 Sie wird zu Lauten; aus diesen Lauten werden die Körper der Mantras gebildet, bester Weiser, in Tausenden verschiedener Formen.

6.99 Diese Shakti tut dies aus freiem Willen, durch ihre eigene Macht, um den im Werden lebenden, hingebungsvollen und innerlich geläuterten Menschen Gnade zu erweisen.

6.100 Weil sie durch inneres Vergegenwärtigen Schutz gewähren und die eigene göttliche Stätte schenken, werden sie Mantras genannt, bester Weiser.

6.101 Ihr Klang ist noch nicht in einzelne Laute gegliedert, ihre Gestalt noch formlos; beim Schwingen der Glocke treten sie zu Tausenden hervor.

6.102 Deshalb heißt diese Glocke genannte Shakti Mutter der Mantras, Herrin der Sprache und Sarasvati.

6.103 Alle Mantras ruhen in der Sprache, das durch sie Bezeichnete ruht im Mantra. Deshalb hat die ganze Welt, innen wie außen, das Wesen von Mantra.

6.104 All dies ist im Glockenklang gegenwärtig. Daher lasse man die Glocke zuerst und zu den vorgeschriebenen Zeiten erklingen. Höre, welche dies sind.

6.105 Bei der Verehrung der Götter an den Orten der Scharenherrscher, des Sitzes und der Tore; bei der Anrufung der Mantras und besonders beim Darbringen von Räucherwerk,

6.106 bei Licht- und Wasserdarbringung, beim Annehmenlassen der Speise, am Ende von Japa und Lobpreis sowie zu Beginn der Speisung des Opferfeuers,

6.107 bei der Vollopfergabe, bei der Verabschiedung der Mantras, bei der Verehrung Vishvaksenas und der Übergabe seines Verehrungsanteils,

6.108 besonders bei der Darbringung der Opfergaben an die Gottheiten. Zu anderen Zeiten ist das Läuten für nach Vollendung Strebende nicht vorgeschrieben.

6.109 Nachdem man den Gefäßen Räucherwerk dargebracht hat, gebe man Räucherwerk mit Glockenklang zu den vorgesehenen Zeiten oder jeweils bei Willkommenswasser und weiteren Darbringungen.

6.110 Als Ersatz soll der Verständige den Herzmantra wiederholen. Bei Anrufung, Vergegenwärtigung, Bewahrung der Gegenwart und Verehrung

6.111 sowie bei Verabschiedung bringe man Willkommenswasser stets aus dem ersten Gefäß dar. Dieses Wasser dient auch der Ehrung und dem rituellen Umgießen.

6.112 Man verwende es für das Herbeiführen, Darreichen und Erfreuen bei Handlungen der Verehrung; zum Besprengen sämtlicher Gegenstände nehme man dagegen Wasser aus dem anderen Gefäß.

6.113 Am Anfang und Ende aller Handlungen, zum Ausgleich von Mängeln und Überschüssen und zur Berichtigung von Irrtümern,

6.114 ist dem allgegenwärtigen Mantraselbst stets diese Wassergabe darzubringen. Bei der Verehrung der Haupt- und Nebenkrüge, der Feuergruben sowie der Mantra- und Waffenkrüge,

6.115 bei der Verehrung der Gaben, der Gurus und weiterer Empfänger, zur Verehrung des fähigen Schülers und seiner selbst sowie der Torgottheiten,

6.116 der Tempel- und Sitzgottheiten, der Lehrerfolge, der göttlichen Attribute, Glieder, Gefolgegestalten, Shaktis und Schmuckstücke,

6.117 der Gottheiten im Umkreis des Mandalas, beim Besprengen der Hände vor den Mudras und beim Waschen der Verehrungsgegenstände

6.118 sowie bei der Verehrung der Gebetskette während Japa verwende man es. Fußwasser bringe man stets aus dem dritten Gefäß dar.

6.119 Aus dem vierten gebe man zur vorgesehenen Zeit Wasser zum Achamana, zum Händewaschen, zum Mundspülen und zur Gesichtswäsche.

6.120 Aus dem Badegefäß vollziehe man das Bad. Dies ist die Ordnung der Verwendung. Aus dem zweiten Willkommensgefäß entnehme man etwas Wasser

6.121 und verehre damit der Reihe nach die im eigenen Körper eingesetzten Mantras, anschließend mit Salbe, Blumen und Räucherwerk, o Weiser.

6.122 Duftstoffe und Blumen, die für meine Verehrung bestimmt wurden, darf der Lehrer niemals selbst tragen.

6.123 Trägt er aus Verblendung oder Gier die zur Gottesverehrung bestimmten Duftstoffe und anderen Gaben selbst, wird jene Verehrung fruchtlos.

6.124 Deshalb halte man sie sorgfältig nach der Vorschrift getrennt. Mit Willkommenswasser und weiteren Gaben verehre man die Torgottheiten.

6.125 Dazu gehe man vor die Tür und verehre stehend oder sitzend Vastu, den Herrn des heiligen Bereichs, Garuda, die Shri am Tor sowie Chanda und Prachanda.

6.126 Man ehre diese Gottheiten mit Willkommenswasser und den übrigen Gaben, dann die Gottheiten des Tempels. Bei einem Tempel oder einer Halle mit vier Toren verehre man an den übrigen

6.127 drei Toren Dhatri und Vidhatri, Jaya und Vijaya, Bhadra und Subhadra sowie den Herrn der Scharen.

6.128 Für Menschen mit begrenztem Verständnis bilden die Gottheiten von den Torwächtern bis zu Vishvaksena die Glieder der Verehrung.

6.129 Für einen ausschließlich auf den einen Herrn gerichteten Menschen kann die gesonderte Verehrung dieser Gottheiten den Geist belasten; ihre Nichtverehrung kann jedoch den Schülern bei der begonnenen Handlung Hindernisse bereiten.

6.130 Aus Mitgefühl mit ihnen ist deshalb eine solche Verehrung vorgeschrieben: Man betrachtet die Gottheiten als Diener Gottes, ohne sich durch eine besondere Bindung der Hingabe an sie zu binden. [Der Ausdruck für diese Bindung ist beschädigt.]

6.131 Sie aber nehmen demütig auch das an, was ihnen ohne besondere Aufmerksamkeit gegeben wird, und richten dabei im Herzen ihren Geist auf das höchste Heil. [Der erste Ausdruck des Verses ist unklar.]

6.132 Denn sie alle sind von Achyuta erfüllt und haben ihm ihr Denken und Sinnen dargebracht. Schon durch diese begrenzte Verehrung wird für den ausschließlich auf den Einen ausgerichteten Lehrer

6.133 der Widerstreit beseitigt, denn sie sind Haris Diener. Nachdem er so die Verehrung an den Toren vollzogen hat, nehme er vor sich eine Blume

6.134 mit drei Fingern, beginnend mit dem Daumen. Er spreche den Waffenmantra über sie und vergegenwärtige sich über ihr das Rad,

6.135 dessen Speichen scharf sind, das in Flammen steht und Feuerblitze regnen lässt, das die Scharen der Hindernisse vernichtet. Dann werfe er die Blume in den Verehrungsraum.

6.136 Durch dessen Glanz vertreibe er die große Schar der Hindernisse aus dem Inneren des Gebäudes. Aus Mitgefühl mit ihnen

6.137 stelle er sich anschließend einen nektargleichen, dem Mond vergleichbaren Bereich seines eigenen Körpers vor. Durch die zuvor erfolgte Einsetzung der Mantras erscheint dieser ihnen nämlich zunächst wie Feuer.

6.138 Wenn sie die Zuflucht der mit dem Mantra verbundenen Blume aufsuchen, gehen sie hinaus und begeben sich auf seine linke Seite. [Der syntaktische Zusammenhang mit dem vorangehenden Vers ist unsicher.]

6.139 Dann richte er, o Brahmane, den rechten Zeigefinger aufwärts und verbinde ihn mit dem Scheitelmantra; er stelle ihn sich blitzend wie einen Lichtstrahl vor.

6.140 Um die Hindernisse zu besänftigen, kreise er damit und trete ein. Danach besprenge er seinen Sitz mit dem Wasser aus dem Arghya-Gefäß.

6.141 Er berühre ihn mit einer dem Waffenmantra geweihten Blume und verehre auf seiner Fläche der Reihe nach die Schar der Mantras, beginnend mit der tragenden Shakti.

6.142 Auf dem Sitz niedergelassen, beginne er gesammelt die Verehrung. Zu diesem Zeitpunkt kann er auch alle vorgesehenen Opfergaben prüfen.

6.143 Er stelle unter dem Grundmantra den Ehrensitz auf und reinige ihn mit der vom Sprengwasser benetzten Hand oder mit einem Grasbüschel und diesem Wasser.

6.144 Mit der Waffenmantra-Blume befreie er ihn von allen Hindernissen. In ihm vergegenwärtige er sich den König der Räder, der sämtliche Welten umfasst, allen Gottheiten als Stätte dient

6.145 und alle tragenden Grundlagen in sich enthält, im Inneren verborgen. Er verehre ihn mit dem Pranava und seinem eigenen Namen, gefolgt von „Verehrung“.

6.146 Danach vollziehe er dort im Geist die jeweils angemessene Einsetzung aller Mantras und bringe dabei Blumen dar.

6.147 Mit Willkommenswasser, duftender Salbung, Räucherwerk und Kränzen aus verschiedenen Blumen verehre er den Yoga-Thron. Höre genau, wie dies geschieht.

6.148 Als Yoga-Thron wird der Sockel mitsamt dem Bild bezeichnet. Bei der Verehrung durch innere Vergegenwärtigung stelle man diesen Yoga-Thron im Geist her.

6.149 Er heißt dann Mantra-Sitz. Man vollziehe überall die Mantra-Einsetzung für den dort gegenwärtigen Gott. Unter seinem Sockel setze man

6.150 die tragende Shakti ein, darüber die Schildkröte mit der Bezeichnung Kalagni und auf deren Haupt den Shesha genannten Schlangenherrn; auf dem Fußbereich des Yoga-Throns

6.151 die Erde, darüber am Schaft das Milchmeer, am Wulst den tragenden Lotus und darüber, vom Ansatz des Halsstücks ausgehend,

6.152 in den Ecken von Südosten bis Nordosten die Vierheit von Dharma bis Herrschermacht. In den Hauptrichtungen von Osten bis Norden setze man die mit Adharma beginnende gegensätzliche Vierheit ein.

6.153 Zwischen Osten und Nordosten ordne man den Rigveda an, zwischen Osten und Südosten den Yajurveda, zwischen Südwesten und Westen den Samaveda.

6.154 Zwischen Westen und Nordwesten folge der Atharvaveda. Zwischen Nordosten und Norden setze man das Krita-Zeitalter ein, zwischen Süden und Südosten

6.155 das Treta-Zeitalter, zwischen Südwesten und Süden das Dvapara-Zeitalter, zwischen Norden und Nordwesten das Kali genannte Zeitalter, in dieser Reihenfolge.

6.156 Nachdem man, mit der tragenden Shakti beginnend und bei den Zeitaltern endend, alles in innerer Sammlung eingesetzt und damit den grobstofflichen Sitz des Mantra-Throns hergestellt hat,

6.157 setze man jene Sechzehnergruppe wiederholt in den acht Richtungen ein: in feiner Gestalt, o Brahmane, vom östlichen Fußbereich bis zum Bereich Ishas. [Die genaue räumliche Zuordnung ist im Wortlaut nicht eindeutig.]

6.158 Darüber, in der Mitte, setze man auf die zuvor beschriebene Weise die sechzehn mit Dharma beginnenden Mächte ein, leuchtend und in ihrer höchsten Gestalt.

6.159 Auf ihnen ruht das Rad der Zeit, raumgleich auf der oberen Platte. In seiner Mitte befindet sich der unentfaltete Lotus, verbunden mit den drei Gunas.

6.160 Auf seinen Blütenblättern ist der Sonnenkreis, in seinen Staubfäden die Mondsphäre, im Fruchtboden das Feuerrad und in seinem Samen die Sonne des Bewusstseins.

6.161 Man vergegenwärtige sich die reine Shakti Vimala und nahe bei ihr, in den acht Richtungen, die Erkenntniskraft Jnana, die Kraft des allgegenwärtigen Herrn und die unvergängliche Wahrheitskraft Satya,

6.162 die Lichtkraft Prakasha, Ananta, Isha und Anugraha. Man meditiere diese Mächte in den beschriebenen Gestalten und jeweils auch ihre Entfaltung. [Die Aufzählung der acht Kräfte ist in dieser Textgestalt nicht ganz eindeutig.]

6.163 Nach Einsetzung ihrer jeweiligen Wirklichkeitsprinzipien verehre man sie mit Arghya und den übrigen Gaben und zeige ihre Mudras. Auf einem dauerhaft befestigten Sockel

6.164 ist, o Lotusgeborener, für die ganze Mantra-Schar von der tragenden Shakti an immer eine dauernde Bindung der Gegenwart vorgeschrieben.

6.165 Man vollziehe die jeweilige Einsetzung an dem ihr entsprechenden Ort. Von der Erde bis zu Isha- und Anugraha-Shakti, o Lotusgeborener,

6.166 muss man auf einem lediglich beweglichen Sockel die Gegenwart der Mantras eigens herstellen; dort ist ihre Bindung mitsamt der Verehrung nur für die jeweilige Zeit vorgeschrieben.

6.167 Wo der angerufene Herr der Mantras dem Verehrer zugewandt seinen Sitz nimmt, bestimme man von dieser Vorderseite aus die Plätze von Dharma und den übrigen Mächten.

6.168 Denn der höchste Herr wendet sich dem Übenden zu. Dass sein Sitz aus Bewusstsein besteht, ist dadurch erwiesen, dass er ihn trägt.

6.169 Bei einem feststehenden Sockel, der mit einem beweglichen Bild eine Einheit bildet, ist die Mantra-Einsetzung wie bei einem beweglichen Sockel vorgeschrieben.

6.170 Bei einem feststehenden Sockel mit einheitlichem Ursprung sowie bei einem feststehenden Sockel mit getrenntem Ursprung gilt hingegen die für den festen Sockel angegebene Mantra-Einsetzung. [Die baulichen Begriffe „einheitlicher“ und „getrennter Ursprung“ sind ohne weiteren Kontext mehrdeutig.]

6.171 Für Bildwerke mit Haupt- und Untersockel, mit zugehörigen Gliedern oder für sich stehend, mit einem oder mehreren Körpern und Füßen,

6.172 verfahre man entsprechend der für das Mandala angegebenen Ordnung, nachdem man die Zuordnung erwogen hat. Ebenso verehre man bei der liegenden Gestalt des Herrn auf einem unbeweglichen Sockel

6.173 oberhalb der mit ihren Kräften verehrten Bewusstseinssonne Ananta; bei einer auf einem Reittier befindlichen Gestalt verehre man anstelle Anantas Garuda.

6.174 Unter dem Sockel der Göttinnen Lakshmi und der anderen vergegenwärtige man den Schlangenherrn, an den Ecken Dharma und die übrigen Mächte, darüber den unentfalteten Lotus.

6.175 Darin setze man sodann auf die zuvor erklärte Weise die drei Lichtbereiche ein. Bei Gestalten ohne Sockel setze man, außen im Raum und mit der südöstlichen Ecke beginnend,

6.176 die mit Dharma beginnende Vierheit ein, deren Wesen Erkenntnis ist und die Gestalt angenommen hat, und ebenso die dort eingefügte Gruppe ihrer Gegensätze,

6.177 verbunden mit den Veden vom Rigveda an und mit den Gliederungen der Zeit. Dies gilt für den Bodenbereich ihres Sitzes bei Mandalas und entsprechenden Anordnungen. [Der Ausdruck über die Reihenfolge der Veden ist beschädigt.]

6.178 Auf die eigene Blickrichtung bezogen beginne man im Nordwesten mit der Verehrung des Herrn der Hindernisse und der folgenden Gestalten. Der weitere Ortsausdruck am Versende ist beschädigt und lässt sich nicht sicher übersetzen.

6.179 Vom eigenen Norden aus, vom westlichen Torbereich bis zum nordwestlichen Platz, vollziehe man dies im Umgang bei den Verehrungsanlagen, die einen solchen Umgang besitzen.

6.180 Bei Anlagen mit Umgrenzungslinien geschieht es außerhalb derselben; ebenso bei solchen ohne diese Linien, o Einsichtsvoller. Bei seitlicher Verehrung entsteht für die entsprechend eingerichteten Anlagen kein Fehler durch den äußeren Standort. [Die Abgrenzung der beiden Anlagetypen bleibt unsicher.]

6.181 Man lege Sitze aus Darbha-Gras und Blumenbüschel aus oder setze nacheinander farbige Punkte und ordne darüber die Gestalten an. [„Farbige“ setzt hier die naheliegende, aber nicht gesicherte Lesung raṅga statt roga voraus.]

6.182 Zuerst den Herrn der Scharen, die Göttin der Rede und dann den Guru; darauf verehre man hingebungsvoll den als höchsten bezeichneten Guru,

6.183 die Schar der ursprünglichen Vollendeten, die ganz der Meditation über Bhagavan hingegeben sind, sowie die bewährten, dauernd mit ihrer Aufgabe betrauten Kenner der göttlichen Wirklichkeit,

6.184 die vier Manus und die übrigen Rishis, beginnend mit den Sieben. Höre nun die meditative Beschreibung dieser Gestalten der Reihe nach.

6.185 Man meditiere den Elefantengesichtigen, dessen Farbe der Champaka-Blüte gleicht, im fest geschlossenen Lotussitz, mit kräftigem Körper, einem Stoßzahn und hängendem Bauch.

6.186 Seine Hände zeigen die Gesten des Schenkens und der Furchtlosigkeit; in einer rechten Hand trägt er die Gebetskette. Die vierte, linke Hand stelle man sich auf dem Beil ruhend vor.

6.187 An den Händen des Schenkens und der Furchtlosigkeit vergegenwärtige man sich zwei Mudras, die durch das mühelose Zusammenfügen von Zeigefinger und Daumen entstehen.

6.188 Die Göttin meditiere man weiß wie Jasmin und Mond, mit erhobenen Händen, die Muschel und Lotus halten, oder mit den Gesten des Schenkens und der Furchtlosigkeit, oder in ein Buch schreibend,

6.189 mit zwei Augen und einem Gesicht, mit goldenen Ohrringen geschmückt. Diese erhabene Göttin ist die Shakti des Herrn, dessen Wesen der Klang ist.

6.190 Wenn sie beharrlich vergegenwärtigt wird, gewährt sie den Übenden rasch das Ersehnte. Die übrigen Gestalten, abgesehen vom Herrn der Scharen, ruhen fest in friedvoller Erscheinung,

6.191 mit Gebetskette und furchtlosigkeitsspendender Hand, allen Gnade erweisend. Alle sitzen im Lotussitz und sind mit einer Krone aus verfilztem Haar geschmückt.

6.192 Nachdem man sie so meditiert, verehrt und ihre Mudras der Reihe nach gezeigt hat, erbitte man von ihnen in derselben Reihenfolge die Erlaubnis.

6.193 Man nehme diese ehrerbietig auf dem Haupt entgegen und rufe dann den Herrn an, im Inneren des Tempelbaus, in der Mitte des Heiligtums.

Textlücke: Die Vorlage enthält keine Verse mit den Nummern 6.194 und 6.195. Der folgende Vers setzt mit einer unvollständigen Satzverbindung ein.

6.196 Seine Erscheinung kann an eine Ansammlung von Abendwolken denken lassen; er ruht auf einem Lotus mit tausend dicht angeordneten Blütenblättern.

6.197 Er liegt, steht, sitzt oder befindet sich auf einem Reittier. Er ist von vollkommen reinem Sattva erfüllt und von lieblichem Glanz.

6.198 Sein Leib ist schön, göttlich und unveränderlich. Unablässig lässt er aus seinem Körper das Licht hervorgehen, dessen Wesen Erkenntnis ist

6.199 und das ohne Anstrengung das große Nichtwissen der Meditierenden vernichtet. Göttliche Kränze, Gewänder und Schmuckstücke, ihm angemessen und unvergleichlich,

6.200 bestehen aus Bewusstsein, leuchten aus sich selbst und verschönern einander durch ihren Glanz. Der ausgebreitete Mondschein seiner Zähne erhellt die Himmelsrichtungen.

6.201 Auf den Sohlen seiner Lotusfüße zeichnen sich Wasserlilien ab. Sein Antlitz ist ganz darauf gerichtet, das Leid der in Bedrängnis versunkenen Menschen zu stillen.

6.202 Sein Herz ist von Mitgefühl erfüllt; er ist bereit, die Welt zu erheben. Er befindet sich inmitten eines Flammenkreises, der aus dem Glanz seines eigenen Körpers hervorgeht.

6.203 Seine Haare sind dicht und gelockt, dunkel wie Bienenschwärme und zerflossenes Augenschwarz, von göttlichem Kampfer leicht bestäubt und mit Blumen durchflochten.

6.204 Von einer hohen Krone umfasst, schmücken sie sein Haupt. Seine Augen gleichen reinen blauen Lotusblüten, mit einem leichten Rot und dem Weiß der Kuhmilch.

6.205 Mit seinen kühlenden Blicken belebt er die Welt. Schön sind seine Brauen, seine Stirn und seine Nase; seine korallenroten Lippen tragen ein liebliches Lächeln.

6.206 Seine Wangen strahlen wie ein Mond der Schönheit. Um die Erschöpfung jener Meditierenden zu lindern, die vom Feuer ihrer früheren Taten gequält werden,

6.207 erfreut er sie mit den Strahlen, die aus dem Mondglanz seiner Zähne hervorgehen. Sein Kinn ist wie ein Sammelpunkt der überströmenden Schönheit seines Gesichts.

6.208 Er trägt ein Lotusantlitz, auf dem ein anmutiges Lächeln ruht. Sein Hals gleicht einer Muschel; mächtig sind seine Arme, und seine Brust trägt das Shrivatsa-Zeichen.

6.209 Seine Schultern gleichen denen eines Löwen; weit sind seine Augen, lang seine Arme, groß seine Brust. Zwei rötliche Hände, mit Muschel und Rad gekennzeichnet, schmücken ihn.

6.210 Seinen mächtigen rechten Arm, der einer Schlangenwindung gleicht, hat er untergelegt; die andere Hand hält er ausgestreckt seitlich an der Hüfte.

6.211 Seine Brust trägt den Kaustubha-Edelstein und ist mit Lakshmi und dem Shrivatsa geschmückt. In seinem schlanken Leib wohnt die Welt, von Brahma bis zum Grashalm.

6.212 Der Lotusäugige hat seinen linken Lotusfuß leicht angewinkelt, den rechten Fuß ausgestreckt und liegt ein wenig auf den Rücken gewandt.

6.213 Seine hohe Krone strahlt, aus vielen Edelsteinen gefertigt. Mannigfaltige Juwelen, der aufgehenden Sonne gleich,

6.214 verleihen ihrem hell funkelnden Aufsatz Glanz. Das Licht der Edelsteinohrringe lässt den oberen Bereich seiner Ohren erstrahlen.

6.215 Schmuck hängt vom Haaransatz bis zur Stirn herab. Ein schönes Stirnzeichen lässt ihn erglänzen.

6.216 Seine Makara-Ohrringe leuchten wie viele Sonnen. Ein Halsband mit zahlreichen Edelsteinen und Perlen schmückt ihn.

6.217 Viele unterschiedliche Ketten, geziert mit Diamanten, Katzenaugensteinen, Rubinen und anderen kostbaren Steinen, schmücken seine Brust.

6.218 Der Kaustubha, der der aufgehenden Sonne gleicht, lässt ihn strahlen. Eine Girlande, die mit ihrem eigenen Licht unablässig die ganze Welt erhellt,

6.219 die Vaijayanti, lässt seine breite Brust erglänzen. Mit mannigfaltigen Strängen geschmückt und mit herabhängenden Perlenschnüren

6.220 ist seine leuchtende goldene heilige Schnur besonders schön. Ein strahlender, mit großen kostbaren Edelsteinen besetzter

6.221 goldener Gurt umschließt seinen Leib. Am Nabel befindet sich der Lotus, verbunden mit seiner eigenen Kette der Welten. [Der Satz über Nabel und Lotus ist in der Vorlage unvollständig.]

6.222 Sein Hüftgurt leuchtet von vielerlei Rubinen; eine Kette aus zahlreichen gefassten Edelsteinen bildet seinen Gürtel.

6.223 Sein gelbes Gewand strahlt wie viele Millionen Sonnen. Fußringe und weiterer Schmuck, mit zahlreichen Edelsteinen besetzt, zieren ihn.

6.224 Ebenso ist er mit anderen vielfältigen, angemessenen, schönen und strahlenden Schmuckstücken wie Oberarmreifen und Armringen geschmückt.

6.225 Er gleicht einer Regenwolke und dem Glanz eines frisch gespaltenen Berges aus Augenschwarz. Er ist erfüllt von der ungeteilten, vollkommenen Fülle der sechs göttlichen Eigenschaften.

6.226 Er ist der Gegenstand der Meditation der Yogis, ungeboren, ewig, die Ursache von Entstehung und weiterem Geschick der Welt: der Gott ohne Anfang und Ende, der allgegenwärtige Gemahl Lakshmis selbst.

6.227 Man meditiere den friedvollen Vasudeva, höher als das Höchste, dessen Leib nicht aus der stofflichen Natur besteht: vierarmig und klar wie reiner Bergkristall,

6.228 gekennzeichnet durch die vier Attribute Muschel, Rad, Keule und Lotus. Nachdem man die Hände duftend gemacht hat, vollziehe man in ihn hinein die Anrufung.

6.229 Die zusammengelegten Hände mit Duftstoff, Arghya und Blumen gefüllt, spreche man den Grundmantra und lege die Blumengabe vor Hari, oben auf den Thron beziehungsweise auf das Haupt.

6.230 Man vergegenwärtige sich ihn einem selbst zugewandt, friedvoll und vollkommen erwacht. Ohne die Einsetzung in die Hände vollziehe man dort die drei Einsetzungen, beginnend mit der Schöpfungseinsetzung,

6.231 sowie die Einsetzung der Mantras vom Grundmantra bis zu Garuda. Wo kein Bild verwendet wird, lasse man Hari in jener Blumengabe aufleuchten.

6.232 Mit dem Grundmantra, ergänzt um das Wort „Komm“, rufe man den aus Licht bestehenden Gott aus dem Herzlotus durch den rechten Kanal

6.233 und die entsprechende Nasenspitze hervor und setze ihn in den Thron, das Gefäß oder den jeweiligen Träger ein. In diese Mantra-Kugel, die einer Kadamba-Blüte gleicht,

6.234 setze man die Glieder ohne räumliche Trennung ein, verehre ihn und gebe dem Herrn der Götter seine vollständige Gestalt; dann meditiere man ihn als offenbar geworden.

6.235 Wie zuvor setze man dort die Glieder und das Weitere mit den jeweiligen Mantras ein. Nachdem man den Herrn der Götter auf diese Weise angerufen hat, gebe man Arghya, um seine Gegenwart zu erbitten.

6.236 Wieder gebe man ihm Arghya und mache ihn mit dem Herzmantra und der vorangehenden Mudra gegenwärtig. Durch weitere Arghya-Gabe, die entsprechende Mudra und den Schutzpanzer-Mantra

6.237 binde man seine Gegenwart. Mit dem Grundmantra und dessen Mudra wende man ihn sich zu; dabei spreche man den Grundmantra und die weiteren Mantras,

6.238 zeige ihre Mudras und verneige sich mit acht Körpergliedern. Bei einer Verehrung mehrerer Gestalten vollziehe man zunächst die Anrufung und die weiteren Handlungen für die Hauptgestalt.

6.239 Duftgaben und Ähnliches dienen dazu, dem angerufenen Gott Ruhe zu gewähren. Bei Vyuhas und Vibhavas gehe die Verehrung der Gliedermantras vom jeweiligen Grundmantra aus voraus.

6.240 Danach vollziehe man bei den übrigen Gestalten der Reihe nach die Anrufung und die weiteren Handlungen. Oder man verehre den bereits im Heiligtum gegenwärtigen höchsten Herrn in seiner sichtbaren Gestalt,

6.241 Vishnu als Träger von Muschel und Rad, den Götter oder Vollendete herabgerufen oder hingebungsvolle Rishis oder Menschen eingesetzt haben.

6.242 In diesem Bild verehre man ihn mit seinem eigenen Mantra ohne erneute Anrufung. Für die bei den täglichen Handlungen verwendeten Bilder vollziehe man jedoch täglich die Anrufung aus dem Herzlotus des Hauptbildes.

6.243 Bei Bildern, die von Menschen aufgesucht und verehrt werden, welche zu heiligen Badeplätzen und Pilgerstätten reisen, vollziehe man täglich aus dem eigenen Herzlotus

6.244 die Anrufung wie zuvor. Dann verehre man die in seiner Gestalt gegenwärtigen Mantras durch Einsetzung und die weiteren Handlungen und vergegenwärtige sie sich wie Funken seines Körpers.

6.245 Man lasse sie der Reihe nach zu ihren eigenen Plätzen auf der Fläche für die Opfergaben herabtreten, gebe ihnen ihre vollständigen Gestalten und verehre sie mit Arghya und den übrigen Gaben. Die Reihenfolge lautet:

6.246 Auf den zwölf Lotusblättern setze man, beginnend mit dem Blatt vor dem Herrn der Mantras bis zum ihm benachbarten letzten Blatt, die Glieder vom Herzen an ein.

6.247 Auf dem Thron, außerhalb der Blütenblätter, befindet sich der Lotus in der südöstlichen Ecke des Gottes, die Keule im Nordosten, das strahlende Rad im Südwesten

6.248 und die Muschel Panchajanya im Nordwesten. Nahe bei der Keule befindet sich rechts die Krone, links das Shrivatsa-Zeichen.

6.249 Den Kaustubha ordne man nahe beim Lotus an, die Waldblumengirlande rechts; auf dem Fruchtboden des Gottes Shri und auf der anderen Seite Pushti.

6.250 Vorne, außerhalb des Throns und etwas entfernt, setze man den Vogelträger Garuda ein. Nun wird die Meditation über alle Haupt- und Nebenglieder beschrieben.

6.251 Wie man den angerufenen Herrn der Mantras mit sichtbarer Gestalt meditiert, so meditiere man auch den Herzmantra, weiß wie eine Wasserlilie.

6.252 Den Hauptmantra vergegenwärtige man sich rot wie einen Berg aus Rubinen, den Scheitelmantra entsprechend dunkel wie einen Berg aus Augenschwarz.

6.253 Wie ein Goldberg, den die Sonne ringsum erhitzt, so stelle man sich während der Meditation den Schutzpanzer-Mantra vor.

6.254 Von tausend Flammen umgeben, mit dem Glanz von Magneteisen und erfüllt von der Kraft sämtlicher Waffen: So wird der Waffenmantra beschrieben.

6.255 Den königlichen Augenmantra vergegenwärtige man sich wie rauchlose Glut. Diese Gestalten sind jeweils mit ihrem eigenen Glanz, zweiarmig und menschenähnlich zu meditieren.

6.256 Ebenso stelle man sich die passende Meditation der Nebenglieder vor. Man meditiere sie, wie sie das Gesicht des Herrn anschauen, o Bester unter den großen Weisen.

6.257 Stehen die Hauptgestalten, meditiere man auch sie stehend; sitzen jene, dann sitzend; befindet sich die Hauptgestalt auf einem Reittier, so ebenfalls mit einem Reittier.

6.258 Bei liegenden Hauptgestalten stelle man sie sich sitzend oder aufgerichtet vor. Höre nun der Reihe nach die Meditation über die Attribute und Schmuckstücke.

6.259 Der Lotus ist weiß wie Jasmin, freundlich und mit leicht lächelndem Gesicht. Er lässt einen süßen Klang ertönen, der dem Gehör Freude schenkt.

6.260 Die Keule gleicht einem Goldberg: eine schlanke Jungfrau mit Wasserlilienaugen, anmutig wie eine Sechzehnjährige, in frischer Jugend.

6.261 Mit den aus ihr hervorgehenden Strahlen erhellt sie den Himmelsraum. Den König der Waffen, das Rad, vergegenwärtige man sich lebhaft bewegt inmitten seines eigenen Strahlenkreises,

6.262 den Befehl des Herrn erwartend, mit kleinem Körper und roten Augen. Die Muschel gleicht dem Schneegebirge und hat Lotusaugen.

6.263 Aus ihren Mündern lässt sie die heiligen Überlieferungen bis hin zu den Saman-Gesängen hervorgehen. Die Krone hat ein freundliches Gesicht, goldenen Glanz und einen großen Körper.

6.264 Sie ist von Strahlen umgeben, die vielerlei Formen angenommen haben, und befindet sich im Luftraum in der Haltung der Vidyadharas.

6.265 Dann meditiere man das Shrivatsa-Zeichen wie einen Berg aus Kristall, im fest geschlossenen Lotussitz, die Hände an beiden Seiten ruhend,

6.266 während es mit dem hauptsächlichen Händepaar die Schildkröten-Mudra zeigt. Den Kaustubha, den König der Edelsteine, stelle man sich wie einen Rubinberg vor,

6.267 die zehn Richtungen erhellend, mit geschlossenen Füßen stehend und vor der Mitte seiner Brust die Hände zu einer Schale zusammengefügt.

6.268 Ein weiteres solches Zeichen hält er deutlich über dem Haupt. Die erhabene Girlande meditiere man vielfarbig und bezaubernd,

6.269 von allen Wohlgerüchen erfüllt, freundlich und mit leicht lächelndem Gesicht. Die Gestalten sind jeweils mit eigenem Glanz, zweiarmig und menschenähnlich zu meditieren.

6.270 Die mit der Krone beginnenden Gestalten tragen Waffen; Keule und Girlande besitzen Frauengestalt. Alle diese Waffenführer erwarten den Befehl des Herrn.

6.271 Sie sind aufgerichtet oder in Bewegung, stehen in ausgewogenen Haltungen, legen die Hände an die Hüften oder halten Yakschweifwedel und Fächer empor.

6.272 Außer dem Lotus und der Vierheit von der Krone an stelle man sich bei den übrigen die rechte Hand so vor, dass sie die Scharen der Bösen bedroht.

6.273 Dies vergegenwärtige man sich während der Meditation. Auf dem Haupt jeder Gestalt meditiere man ihr jeweils wohlbekanntes Zeichen in seiner nichtpersonifizierten Form.

6.274 Lakshmi leuchtet wie ein roter Lotus und hat Augen wie blaue Wasserlilien. Pushti ist weiß wie ein Strom von Milch; ihr Gesicht ist von Freude erfüllt.

6.275 Lakshmi gilt als die Kraft des Genießenden, Pushti als die Kraft des Handelnden. Als der Herr aus Mitgefühl mit den Welten zur Annahme der Gaben herabstieg,

6.276 trat mit ihm dieses unvergängliche Kräftepaar hervor. Mit rotem Schnabel, gewaltiger Lebenskraft, furchterregend zusammengezogenen Brauen und Augen,

6.277 wie flüssiges Gold leuchtend und von einem Kranz aus Flügeln geschmückt, meditiere man Garuda, o Brahmane: mit Geiergesicht und breitem Bauch.

Textlücke: Die Nummer 6.278 fehlt in der Vorlage.

6.279 Dann meditiere man sie der Reihe nach in den angegebenen Gestalten. Der Lotus ist der Herr der Wasser, die Göttin Keule ist Sarasvati.

6.280 Das Shrivatsa ist der Mond selbst; die Girlande sind die sechs mit Madhava beginnenden [jahreszeitlichen Mächte]. Den Vogelträger erkenne man als Prana. So stehen sie in den Wirklichkeitsprinzipien.

6.281 Als deren herrschende Kräfte verehre man sie der Reihe nach mit Arghya und Blumen. Bei einem achtblättrigen Lotus befinden sich auf dem östlichen Blatt der Herzmantra und der Hauptmantra,

6.282 auf dem südöstlichen Blatt der Scheitelmantra, auf dem südlichen Blatt der Schutzpanzer-Mantra und auf dem südwestlichen der Waffenmantra,

6.283 auf dem westlichen Blatt der Augen-, Bauch- und Rückenmantra, im Nordwesten der Armmantra, im Norden die Mantras der Oberschenkel und Knie.

6.284 In die Mitte des nordöstlichen Blattes setze man den Fußmantra ein. Dieselbe Reihenfolge gilt auch bei einem Lotus mit Haupt- und Zwischenblättern.

6.285 Oder man ordne hier die Vierheit vom Herzen an den Blättern der Hauptrichtungen zu, den Waffenmantra den Zwischenrichtungen und den Augenmantra den Staubfäden.

6.286 Die Nebenglieder befinden sich auf den Zwischenblättern. Höre ihre Anordnung: Auf die beiden Blätter neben dem östlichen Blatt setze man den Bauchmantra ein.

6.287 Ebenso setze man den Rückenmantra auf die beiden westlichen Blätter, den Arm- und den Oberschenkelmantra auf die beiden südlichen.

6.288 Knie- und Fußmantra setze man entsprechend auf die beiden nördlichen Blätter. Bei der aus Mantras bestehenden Sechsgliederform auf einem achtblättrigen Lotus

6.289 setze man das Herz im Osten, den Schutzpanzer links, den Kopf rechts und den Scheitel im Westen ein; auf den übrigen vier Blättern

6.290 beziehungsweise vorne auf dem Fruchtboden den Waffenmantra, und auf den Staubfäden des vorderen Blattes den Augenmantra. Man verehre sie wie zuvor und vollziehe die Einsetzung des Lotus und der übrigen Attribute. [Die Verteilung des Waffenmantras ist syntaktisch nicht eindeutig.]

6.291 Bei Lotussen mit drei oder mehr Blättern teile man den Raum an den Blattansätzen im Geist wie angegeben auf und setze dort fünf, sechs oder zwölf

6.292 Glieder ein. Ist die Rückseite des Herrn nicht zugänglich und ist er von seinem Gefolge umgeben, setze man die Glieder rechts von ihm ein.

6.293 Man teile den Bereich auf und bestimme von der natürlichen Vorderseite aus die mit Osten beginnenden Richtungen. Auf der linken Seite beginne man, wie erklärt, mit der Richtung Ishas

6.294 und bestimme Norden, Nordwesten und Westen. Für beide Seiten bilde man je sechs, insgesamt zwölf Plätze.

6.295 So setze man die Gottheiten von Dharma an ein, die den Haupt- und Zwischenrichtungen zugehören. Wenn bei der Verehrung Shri und Pushti auf gesonderten Lotussen stehen,

6.296 erhalten sie auch bei der dazugehörigen regulären Verehrung eigene Sitze und weitere Gaben. Fehlen die Reittiere, Attribute und dergleichen, stelle man sie seitlich

6.297 im Geist her. Dann verehre man den Herrn mit vollständig zusammengestellten Gaben. Zuerst biete man dem angerufenen Herrn einen vorzüglichen Sitz an,

6.298 dazu einen passenden Fußschemel mit weicher Auflage. Unter Glockenklang bringe man Arghya über dem Haupt der Mantra-Gestalt dar.

6.299 Man stelle dem Herrn ein goldenes, mit Edelsteinen besetztes Auffanggefäß für das Fußwasser hin, gebe Wasser zum Waschen der Füße, ein Tuch zum Aufnehmen des Wassers und Salbung.

6.300 Man reiche Wasser zum Mundspülen mit einem Auffanggefäß, Salbung und einen Blumenkranz. Mit großen, ununterbrochen brennenden Lampen, die mit geklärter Butter oder anderen Brennstoffen gespeist werden, verehre man Hari.

6.301 Mit reichlichem, wohlriechendem, angenehmem Räucherwerk verehre man den Herrn; danach mit Ehrengabe, Madhuparka und einem Spiegel.

6.302 Anschließend stelle man die Gaben vom Badesitz an bereit und verehre sie. Dann ergreife man den rechten Fuß des Gottes mit der rechten Hand

6.303 und den linken mit der linken Hand, begleitet von Mantras; man kündige ihm das Bad an und bereite darauf den dreifachen Weg.

6.304 Man biete dem Gott den Badesitz und darauf den Fußschemel an, nachdem er zum Baden herabgestiegen ist. [Der Wortlaut nennt eine Zweizahl, deren Bezug unsicher bleibt.]

6.305 Mit einem aus Hingabe geneigten Haupt bringe man ihm Arghya über dem Kopf dar und stelle dann das goldene, mit Edelsteinen besetzte Auffanggefäß bereit.

6.306 Aus dem Fußwassergefäß gebe man Wasser auf seine beiden Lotusfüße, reiche schöne Sandalen und danach das Badetuch.

6.307 Ferner ein vorzügliches Gefäß für die Maßgabe, gefüllt mit duftendem Reis, einen Spiegel wie den vollen Mond und anschließend duftendes Wasser

6.308 zum Händewaschen sowie einen schönen Fußschemel. Mit Öl, das das Haupt berührt hat, berühre man kein anderes Glied. Danach reiche man ein geeignetes Zahnhölzchen von einem milchsaftführenden Baum,

6.309 ein Gefäß zum Mundwaschen, einen Zungenschaber, Wasser zum Ausspülen und zum rituellen Mundspülen sowie mit Duftstoffen bereitetes Betel.

6.310 Nachdem man die zum Beginn des Bades gehörigen Öle und weiteren Mittel bereitgestellt und ihre Gefäße verehrt hat, verehre man das Öl.

6.311 Man bedecke die Schultern mit einem Tuch, löse das schöne Haar des Herrn und gieße vorzügliches Öl auf die Mitte seines Hauptes.

6.312 Man massiere wiederholt, drücke das Haar aus und kratze sanft mit den Nägeln; unter vielfältigen Aufwartungen wische man die Ölreste ab.

6.313 Man gebe Kränze aus Ketaka-Blüten und Wasserlilien und binde das Haar. Dann wasche man die Hände mit Wasser und nehme das Schultertuch ab.

6.314 Mit Öl an den Händen massiere man die Haupt- und Nebenglieder. Danach gebe man ein sehr wohlriechendes Pulver aus Weizen und Reis,

6.315 vermischt mit Kurkumapulver und leicht mit Padmaka aromatisiert, zum Einreiben; anschließend eine Zubereitung aus schwarzen Bohnen.

6.316 Danach warmes, mit Ölkuchen vermischtes Badewasser; zum Bestreichen des Gesichts fein geriebenes, mit Kampfer versetztes Sandelholz.

6.317 Dann folgt ein Bad mit Amalaki, ferner mit Lodhra, Kaleyaka, Varnaka, Keyuraka, Tagara und Priyangu,

6.318 mit duftendem weißem Senf sowie mit allen Heilkräutern und Edelsteinen. Vishnu gebe man auch reines Wasser durch eine Vorrichtung mit tausend Strahlen.

6.319 Danach Kaleyaka, ein Lodhra-Bad und Varnaka sowie weitere Mittel für den Körper und für das Haupt, o Trefflicher.

6.320 Oder man bade den Herrn aus Gefäßen, die mit Milch und den weiteren Stoffen gefüllt sind. Zum Bad dienen reichlich Kuhprodukte: Milch, Dickmilch, geklärte Butter, ferner Honig,

6.321 angenehmer Zuckerrohrsaft oder, wenn dieser fehlt, Zuckerwasser; außerdem Wasser mit Amalaki-Früchten und anschließend Lodhra-Wasser,

6.322 Wasser mit rotem Sandelholz, vorzügliches Kurkumawasser, Wasser mit Granthipallava und danach Tagara-Wasser,

6.323 darauf Priyangu-Wasser, dann Nardenwasser, Wasser mit weißem Senf und Wasser mit sämtlichen Heilkräutern,

6.324 Wasser mit Blättern, mit Blüten, mit Früchten und mit Samen, danach Duftwasser sowie Wasser mit Gold und Edelsteinen,

6.325 Wasser von heiligen Badeplätzen und Flüssen, schließlich reines Wasser. Mit dem eigens zum Bad bereiteten Wasser vermischt,

6.326 verwende man all dies der Reihe nach, begleitet von Arghya und Blumen. Zwischen den einzelnen Bädern, o Einsichtsvoller,

6.327 spüle man mit Wasser aus dem Arghya-Gefäß und bringe Arghya dar. Anschließend nehme man von dem übrig gebliebenen Badewasser ein Gefäß aus Gold oder anderem geeigneten Material,

6.328 vollständig mit Wasser gefüllt, außen mit fein zermahlener Kurkuma und Reis bestrichen und mit Kränzen und anderem versehen.

6.329 Dieses halte man in einer Hand, in der anderen eine Schale, in der weiße Senfkörner rauchen. Man kreise damit über dem Haupt und bringe es hinaus.

6.330 Man reiche ein gut gewaschenes, ungebrauchtes Tuch zum Trocknen des Haares und ein weiteres zum Abnehmen des Wassers vom Körper,

6.331 dazu zwei mit Duft und Weihrauch durchzogene Gewänder für Unter- und Oberkörper und ein sehr feines, neues, weißes Schultertuch.

6.332 Dann trockne man das Haupt unter Verwendung von Kampferräucherung und versehe das Haar des Gottes mit Kampferpulver.

6.333 Hingebungsvoll stelle man ihn sich mit Gaben wie Kränzen und Sandelholz geschmückt vor. Bei gemalten Bildern und den übrigen Bildtypen, o Lotusgeborener,

6.334 außer solchen aus Edelstein oder Brahma-Stein, vollziehe man Bad und weitere Handlungen an einem daneben befindlichen Ritualbild oder an einem Spiegel.

6.335 Nachdem man das Bad angekündigt hat, setze man das Ritualbild in seiner Nähe auf den Badesitz und vollziehe an ihm sämtliche Handlungen.

6.336 Fehlt ein solches, bringe man die Badegaben an einem Spiegel dar; die übrigen Gaben reiche man der Reihe nach dem Gott im gemalten Bild selbst.

6.337 Fehlt auch dies, nehme man die Gaben jeweils in die Hand und bringe sie im Geist dar. Ebenso geschieht die Darbringung bei Mandalas und entsprechenden Trägern.

6.338 Oder man besprenge sie mit dem verbliebenen Arghya und den weiteren Flüssigkeiten. Dann reinige man vom Ehrensitz aus einen anderen Platz beim Wasserablauf

6.339 mit zahlreichen Wasserkrügen und setze dorthin das verehrte Gottesbild mitsamt seinem Sockel oder, falls es ohne Sockel verehrt wurde, für sich allein.

6.340 Man vergegenwärtige sich den Gott im Raum schwebend und spüle alles gründlich ab. Danach fülle man wiederum vier Gefäße mit Duftwasser.

6.341 Die Bereitung der übrigen Gefäße, abgesehen vom eigentlichen Badegefäß, geschieht wie zuvor. Bei den vier Gefäßen füge man die Stoffe unter dem Herzmantra hinzu.

6.342 Man spreche über alles den Waffen- und den Grundmantra, bereite der Reihe nach den dreifachen Weg und biete anschließend den Sitz an,

6.343 den dritten, mit Edelsteinen besetzten. Den dort gegenwärtigen höchsten Herrn verehre man mit Arghya und Fußwasser, danach mit Sandalen.

6.344 Wieder gebe man Mundspülwasser und einen Fußschemel. Hingebungsvoll salbe man ihn mit wohlriechendem Sandelholz und anderen Duftstoffen

6.345 und fächle ihm mit einem Fächer aus Pfauenfedern oder einem anderen Fächer Luft zu. Danach reiche man ein goldenes, silbernes oder hölzernes Gerät zur Haarpflege,

6.346 eine Bürste zum Ordnen des Haares und eine Schere für Blumen und Betel. Dem Gott der Götter biete man zwei weiße Gewänder aus feinem Stoff an,

6.347 Salbung aus geriebenem Safran, Moschus und tierischem Duftstoff, die heilige Schnur mit dem Obergewand und anschließend den Schmuck von der Krone

6.348 bis zu den Fußringen: vorzügliche Zier, einen bunten Kopfschmuck aus Blumen mitsamt einer Umwindung,

6.349 an Schnüren befestigte Blumengirlanden von den Ohren bis zu den Füßen und danach lose Blumen der jeweiligen Jahreszeit.

6.350 Man gebe einen schönen Armreif, dann ein Schutzband aus weißem Faden, mit Mineralfarben oder Safran und anderen Stoffen bunt gefärbt,

6.351 mit weicher Baumwolle gefüllt und in Abständen verknotet, ferner Augenschwarz samt Stäbchen und wohlriechend bereitetes Betel,

6.352 ein goldenes Stirnzeichen, Mittel für duftenden Atem mit Rochana, zwei Blumen als Ohrschmuck, weiteren Schmuck und einen großen Spiegel.

6.353 Man streue bunte Blumen, strahlend wie das Licht leuchtender Edelsteine, und verehre ihn mit Lampen, deren große Flammen hell brennen und die mit Sesamöl oder geklärter Butter gefüllt sind,

6.354 mit Dochten aus ungebrauchtem, neuem, reinweißem oder gefärbtem Stoff, in deren Inneres Zimtrinde, Kardamom und Ähnliches eingelegt wurden.

6.355 Man verbrenne reichlich gutes Guggulu-Harz, wohlriechend und angenehm, gemischt mit Kampferpulver und feinem Räucherwerk,

6.356 unter lieblichen Glockenklängen, den Arm dabei bewegend. Dann biete man Schuhe, einen weißen Schirm, eine Sänfte und Fahrzeuge wie Wagen an,

6.357 bis hin zum Elefanten, eine mit Wimpeln versehene Garuda-Standarte, einen weißen und einen schwarzen Yakschweifwedel und danach die Maßgabe an Wertgegenständen.

6.358 Mit beiden Knien auf dem Boden und geneigtem Haupt nehme man diese mit den nach oben geöffneten Händen auf und bringe sie dem Herrn der Welt dar,

6.359 um sämtliche Gaben zu vervollständigen, o Bester der Brahmanen. Unter dem Klang von großen Trommeln, Mridangas und anderen Instrumenten, begleitet von Siegesrufen,

6.360 verehre man ihn mit vielerlei Gesängen, Tänzen und Saiteninstrumenten, mit Flöten, Hörnern und anderen wohltönenden Instrumenten.

6.361 Man rezitiere die Hymnenmantras, beginnend mit dem Jitante-Stotra, o Einsichtsvoller: einzeln oder zusammen, besonders als zusammenhängenden Wortlaut.

6.362 Danach vollziehe man vier Umkreisungen, o Bester der Brahmanen, und werfe dabei gleichmäßig in die vier Richtungen Blumen.

6.363 Mit seinem ganzen inneren Wesen und einem von Hingabe erfüllten Geist neige man Rücken, Haupt, Knie, Stirn, Brust und Hände.

6.364 Ein Haushälter vollziehe täglich eine solche Verneigung samt Umkreisung; ein Entsagender werfe sich in allen Richtungen lang ausgestreckt wie ein Stab nieder.

6.365 Dasselbe ist für Menschen nach Abschluss ihrer vedischen Studien und die übrigen vorgeschrieben. Auf freiem Boden geschehe es einmal, während man im Geist des Herrn aller gedenkt.

6.366 Ist der Platz eng, stehe man vor Bhagavan und vollziehe es hingebungsvoll im Geist; dabei falte man die Hände

6.367 vor dem Herzen und neige das Haupt, des allbeherrschenden Hari gedenkend. Im inneren Heiligtum Vishnus und in der Vorhalle am Heiligtumstor

6.368 vollziehe man die Verneigungen ohne die Umkreisungen. Man drehe den Körper nicht wie ein Rad und zeige dem Gott nicht den Rücken.

6.369 In Gegenwart des Gottes, des Feuers und des Gurus gehe man rückwärts hinaus; denn beim im Feuer gegenwärtigen Herrn ist das Zeigen des Handrückens … [Der Satz bricht in der Vorlage ab.]

6.370 Unter den vielen Gaben ist die Darbringung der Speise besonders wichtig. Danach verehre man in derselben Reihenfolge das Festbild.

6.371 Im inneren Bereich, nahe beim Herrn, vollziehe man die Verneigung mit Knien und Händen oder nur mit den Händen; das Umkreisen auf den Knien lasse man dort aus.

6.372 Auch ein anderes Herumgehen der Verehrer mit den Füßen ist dort unangebracht. Nachdem man die zulässige Umkreisung vollzogen hat, bringe man eine Handvoll Blumen dar.

6.373 Dann frage man Bhagavan nach den drei Dingen, beginnend damit, ob das Bad angenehm gewesen sei. Man verehre ihn mit Arghya und Mundspülwasser oder mit Arghya, Duft, Blumen und Räucherwerk.

6.374 Man schwenke vor dem Gott das Licht und bringe ihm Arghya dar. Nach Bereitung des dreifachen Weges biete man den Speisesitz an,

6.375 bedeckt mit einem vorzüglichen Polster aus feinem Stoff und Baumwolle. Man gebe Arghya, Fußwasser und Mundspülwasser mit den zugehörigen Auffanggefäßen.

6.376 Man stelle das mit Arghya-Wasser wohlriechend gemachte Erfrischungsgetränk bereit; dann das klare, duftende Ehrenwasser im Gefäß,

6.377 darauf Madhuparka aus Dickmilch und geklärter Butter, mit Honig vermischt. Man bringe die ganze Mischung, einen einzelnen Bestandteil oder auch nur Dickmilch dar.

6.378 Man reiche kühles Erfrischungswasser, dann das zuvor erwähnte Pulver zum Reinigen und wiederum Mundspülwasser für den Herrn.

6.379 Man biete eine schön geschmückte, wohlgestaltete, mit Kränzen versehene Kuh an, Pflanzen mit reifen Reiskörnern sowie einen Baum, reich an Blütenkränzen und Früchten.

6.380 Zuerst bringe man deren Gestalt dar, stelle danach das Erfrischungsgetränk bereit und gebe ein verhüllendes Tuch sowie Ehrenwasser.

6.381 Mit göttlichen Speisegaben, die alle sechs Geschmacksrichtungen enthalten, mit reinen Früchten, mit zahlreichen in geklärter Butter gebackenen und mit Zuckerbrocken versehenen Speisen,

6.382 mit Reisgerichten, die mit Rohrzucker, Mungbohnen, Milch, Kurkuma, geklärter Butter, Sesam, Dickmilch oder allen diesen Zutaten gemischt sind, sowie mit honigsüßen Früchten

6.383 bringe man der Reihe nach die acht Arten von Reisgerichten und Kuchen dar, dazu saftige Rasala-Zubereitungen und gut aufgekochte Milch,

6.384 reine, kühle Getränke von süßem Geschmack und angenehmem Duft sowie vielerlei andere Speisen zum Kauen, Essen, Lecken und Trinken.

6.385 Mit einem durch Vertrauen gereinigten Geist soll man den Ungeborenen und Unvergänglichen verehren. Jede einzelne Gabe besprenge man mit Arghya-Wasser.

6.386 Man schnippe mit beiden Händen die Finger, begleitet vom Mantra, und bereite alles durch die beiden Konzentrationen, die Sonne und Mond entsprechen.

6.387 Höre genau, wie man alles auf diese Weise vollständig weiht: Zuerst verbrenne man es im Geist durch die gewaltigen Strahlenscharen der Sonne.

6.388 Man stelle es sich zu Asche geworden vor; dann lasse man es durch die Strahlen des Vollmonds und durch niederströmende Wogen des Unsterblichkeitstranks wieder aufquellen, o Narada.

6.389 Was von der Sonne verbrannt wurde, stelle man sich nun erneut strahlend vor. Man bilde die wunscherfüllende, ausströmende Kuh-Mudra, verbunden mit dem Mantra,

6.390 und vergegenwärtige sie sich in Kuhgestalt, weiß wie das Schneegebirge, im freien Raum ohne Stütze stehend. Man gebe Blumen und Arghya darüber und berühre die Gabe mit der Vishnu-Hand.

6.391 Mit der linken Hand berühre man den rechten Unterarm; mit der rechten Hand, deren Fingerspitzen zusammengezogen sind,

6.392 bringe man die Gabe dar, o Brahmane, mit geneigtem Haupt. Danach erfrische man den Herrn mit reinen, klaren, kühlen Getränken von süßem und anderem Geschmack,

6.393 mit Zimtrinde, Kardamom und weiteren Zutaten, duftend nach feinem Räucherwerk und Kampfer und mit Kokoswasser versehen.

6.394 Mit Pulver aus Linsen und schwarzen Bohnen sowie aus Kurkuma und Reis reinige man seine Hände durch Einreiben und spüle sie mit reichlich kühlem Wasser ab.

6.395 Zum Mundspülen nach der Speise reiche man vorzügliches Duftwasser. Man trockne ihn mit einem Tuch und salbe ihn mit weißem,

6.396 fein geriebenem Sandelholz, das mit Kampfer versetzt ist. Danach lege man Sesam und Edelsteine in ein goldenes oder silbernes

6.397 Gefäß und bringe sie dem Gott als Maßgabe dar. Betel, bereitet mit Nelken, Takkola, Kardamom, Zimtrinde und Kampfer,

6.398 mit Muskat und Arekanuss, reichlich duftenden Blättern, vermischt mit Kampferpulver und Perlenpulver,

6.399 versehen mit Zitronatzitrone und Kokosnuss, reiche man schließlich dem Herrn der Welt, sich dabei verneigend.

6.400 Mit Duftwasser aus dem Arghya-Gefäß wasche man beide Hände, sodass sie klar und vollkommen rein werden,

6.401 nachdem der Umgang mit Speise-, Räucher- und anderen Gefäßen sie verunreinigt hat. Man bestreiche sie mit Duft und ehre sie wechselseitig mit Arghya.

6.402 Nachdem man der Reihe nach die Mudras des Grundmantras und der weiteren Mantras gezeigt hat, verehre man ihn nochmals mit Arghya, Duft, Blumen und abschließend Räucherwerk.

6.403 Danach erfreue man den Gott durch die Opferhandlung des Japa, mit einer Gebetskette aus Bergkristall oder mithilfe der eigenen Fingerglieder.

6.404 Dann stelle man ein Gefäß bereit, [reinige die Gebetskette] mit Wasser aus dem Arghya-Gefäß, bestreiche sie mit Sandelholz und weiteren Duftstoffen und lege sie in eine reine Schale. [Das Bezugswort ist im Sanskrit nicht ausdrücklich erhalten.]

6.405 Man verehre sie mit Blumen, Räucherwerk und weiteren Gaben und setze den Mantra in sie ein, dazu den Sitz mit seiner tragenden Grundlage, umgeben von den mit der Shakti beginnenden Mächten.

6.406 Man vergegenwärtige sich die makellose vierarmige Gestalt wie einen weiteren Narayana: mit den Gesten des Schenkens und der Furchtlosigkeit und einem zur Verehrung zusammengelegten Händepaar.

6.407 Man meditiere ihn am Brahma-Platz und den Faden wie eine Flamme: „Sei gegenwärtig, Herr der Götter; bleibe hier gebunden, Achyuta,

6.408 in diesem als Gebetskette bezeichneten Gefüge von Perlen, solange Mond, Sonne und Sterne bestehen.“ So setze man, o Weiser, den Mantra in die als Aksha-Sutra bezeichnete Kette ein.

6.409 Nach seiner Einsetzung zeige man ihm seine eigene Mudra. Man vollziehe Japa nach Vermögen oder einhundertachtmal.

6.410 Danach bringe man es dem Herrn dar, verbunden mit Rede, Handlung und Geist: „Lotusäugiger, Seele des Alls, dessen Gestalt der Mantra ist, Janardana,

6.411 nimm dieses Japa von mir Bedürftigem an, o Herr, o Ewiger!“ Nach diesen Worten nehme man Arghya-Wasser und eine Blume in die rechte Hand

6.412 und lege sie vor Vishnu nieder, begleitet vom Grundmantra, o Narada. Dann vergegenwärtige man sich deutlich eine funkelnde Sternenreihe,

6.413 die in Bhagavans Mund eintritt und von seinem Mund weiter in sein Herz gelangt. Vom Herzen aus, o Hervorragender unter den Brahmanen, führe man sie nach der Einziehungsfolge

6.414 wie zuvor durch die Brahma-Öffnung und vereinige sie mit dem Höchsten. Für jeden einzelnen der Herz- und der übrigen Mantras ist dies ebenfalls vorgesehen.

6.415 Da sie Bestandteile der Handlung sind, entsteht dadurch kein Fehler; andernfalls geschieht es ohne ihr Japa. Man bringe Räucherwerk dar, verneige sich und preise den Herrn der Mantras.

6.416 Dann vollziehe man die Umkreisung zweimal und ebenso die Verneigung. Man verwende keine ungerade Zahl wie eins, drei, fünf oder sieben,

6.417 denn Bhagavan, der Gott Hari, ist allen gegenüber gleich. Danach verehre man mit Duft und Räucherwerk diejenigen, die ganz von Bhagavan erfüllt sind,

6.418 der Reihe nach, bringe ihnen Speise dar und biete ihnen die Gaben vom Sitz bis zur Maßgabe an.

6.419 Oder man gebe ihnen diese Gaben bis zur Maßgabe am Ende der Gottesverehrung und bringe ihnen jetzt die Gaben vom Ehrenwasser bis zum Betel dar. Danach biete man den Ruhesitz an und erfreue den Herrn im Feuer.

Spirituelle Erläuterung zu Kapitel 6: Die große Fülle äußerer Gaben steht im Dienst einer inneren Beziehung. Die Gottesgestalt wird als mitfühlend, erkenntnisvoll und dem Verehrer zugewandt geschaut. Besonders deutlich wird diese Ausrichtung beim Japa: Nicht die gezählte Leistung steht am Ende, sondern ihre demütige Darbringung. Die ausführlichen Tempelvorschriften beschreiben eine überlieferte rituelle Ordnung; ihr verbindendes Motiv ist die liebevolle Aufmerksamkeit für die göttliche Gegenwart.

Kapitel 7

Eingang. Glück und Segen! Siebtes Kapitel.

7.1 Nachdem man den Waffenmantra auf dem Sitz eingesetzt hat, gehe man mit dem Arghya-Gefäß zum Feuerraum. Man vollziehe die Torverehrung wie zuvor und trete ein.

7.2 Dort lasse man sich nach der zuvor beschriebenen Vorschrift gesammelt nieder. Denn ein Feueropfer ohne Feuergrube bringt den mit Mantras Verehrenden keine Vollendung.

7.3 Deshalb soll stets eine Feuergrube hergerichtet werden, sei sie durch Schnüre bestimmt, beweglich oder fest. Die höchste Natur der göttlichen Feuerkraft ist die Flamme und das, was mit ihr beginnt.

7.4 Ihre niedere Natur ist die Feuerstätte; sie besitzt ebenso wie die Feuer vielfältige Gestalten. Daher sind bei der Opferhandlung die Feuergruben selbst Formen des Feuers.

7.5 Für Handlungen mit besonderen Wünschen, o Brahmane, gibt es quadratische und andere Formen, gekennzeichnet durch kostbaren Edelstein, Girlande, Shrivatsa, Krone und Armreif,

7.6 ferner Formen wie Muschel, Rad, Keule, Lotus, Sharnga-Bogen und verschiedene Pfeile, wie Axt und Pflug; sie verleihen alle Arten von Vollendung.

7.7 Es gibt Formen verschiedener Waffen, beginnend mit dem Vajra, sowie Formen von Schnabelkrug und Wassergefäß. Alle sind mit einer Grundfläche und vier, drei, zwei oder einer Umrandung vorgeschrieben.

7.8 Sie tragen gemeinsam oder einzeln die Zeichen von Rad, Lotus, Keule und Muschel und sind mit ihren jeweiligen schönen Teilen versehen: Randlippe, Schoßöffnung und Auslauf.

7.9 Die dreizehn Größen von zwölf Fingerbreiten bis zu einer Elle gibt es in allen diesen Formen; als bewegliche Feuerbehälter besitzen sie keine Umrandungen.

7.10 Als Ersatz sind sie für das Darbringen von Gaben an die Mantras durch die Gläubigen zugelassen. Feuerstätten von einer bis zu zwei Ellen, mit den entsprechenden Merkmalen,

7.11 kann man auf dem Boden anzeichnen und mit Getreide, Samen oder Erde aufschütten, wenn die vollständigen Mittel fehlen und die regelmäßige Handlung dennoch vollendet werden soll.

7.12 Auch dieser Ersatz für einen Ersatz verstößt bei der täglichen Handlung nicht gegen die Ordnung. Bei den als Prajapatya, Daishika und Shaishya bezeichneten Maßfeldern, die mit einer halben Elle beginnen,

7.13 vergrößere man das Feld schrittweise um jeweils eine Fingerbreite, bis eine Fläche von acht Ellen für die Feuerstätte erreicht ist.

7.14 So ergeben sich nach den unterschiedlichen Maßen einhundertundeinundachtzig Möglichkeiten. In einer auf diese Weise hergerichteten reinen Feuergrube vollziehe man die Feuerhandlung.

7.15 Oder man vollziehe das vorgeschriebene Opfer in einer Feuerstelle oder einer Schale. Bei fünfzig Opfergaben soll die Grube zwölf Fingerbreiten messen.

7.16 Bei einhundertacht Opfergaben messe sie eine Unterarmlänge bis zur geschlossenen Faust, bei einhundertfünfzig eine Unterarmlänge unter Einschluss des kleinen Fingers.

7.17 Bei tausend Opfergaben messe sie eine Elle, bei zehntausend zwei Ellen, bei hunderttausend vier Ellen und bei zehn Millionen acht Ellen.

7.18 Eine solche wohlgestaltete, reine und den eigenen Mitteln entsprechende Feuergrube schmücke und bestreiche man mit Kalk und anderen reinen Farbstoffen,

7.19 ferner mit duftendem Sandelholz und anderen Mitteln, wobei die fünf Kuhprodukte vorausgehen. Wurden beim Beginn der Anlage die Weihehandlungen nicht vollzogen,

7.20 so sind sie alle nach der Fertigstellung der Reihe nach vorzunehmen. Man berühre die Grube unter dem Waffenmantra mit Blumen in der rechten Hand.

7.21 Der Lehrer vollziehe mit einem scharfen Werkzeug unter dem Waffenmantra das Ausheben. Dann nehme er an einer Stelle in der Mitte der Grube ein wenig Erde

7.22 mit Daumen und Ringfinger und hebe sie unter dem Herzmantra heraus. Unter dem Waffenmantra ebne er den Grund, sodass keine Vertiefungen oder Erhöhungen bleiben.

7.23 Unter dem Schutzpanzer-Mantra besprenge er ihn und stampfe ihn danach fest. Er bestreiche ihn mit Duftwasser und reinige ihn unter dem Waffenmantra.

7.24 Dazu verwende er mit dem Waffenmantra besprochene Kusha-Stängel ohne scharfe Spitzen sowie zwei Darbha-Stängel, die ebenfalls mit dem Waffenmantra geweiht sind.

7.25 Mit einer Kusha-Spitze ziehe er in der Mitte, zum östlichen Bereich hin, von Süden ausgehend eine nach Norden verlaufende Linie.

7.26 Zuerst zeichne er die Riegellinie; sie bezeichnet die Äquinoktialrichtung. Darüber zeichne er deutlich drei Linien,

7.27 deren Spitzen nach Osten weisen, von Süden beginnend und mit Zwischenräumen bis nach Norden. Oder er zeichne drei Linien, deren Ausdehnung bis zur Nordseite reicht,

7.28 vom Westen ausgehend nach Osten, und in ihrer Mitte drei weitere, nach Norden gerichtete Linien.

7.29 Von Westen beginnend heißt die mittlere Pingala; die beiden südliche und nördliche haben Sushumna und Ida als ihre bestimmenden Gottheiten. [Die Richtungszuordnung der beiden beschriebenen Varianten ist im Wortlaut nicht eindeutig.]

7.30 Nachdem er sie unter dem Waffenmantra gereinigt hat, wasche er sie unter dem Hauptmantra mit Wasser, trockne sie unter dem Schutzpanzer-Mantra und schaue sie unter dem Augenmantra an.

7.31 Er bestreiche und glätte sie unter dem Waffenmantra und verehre sie unter dem Herzmantra. Dann verwende er zwei Darbha-Stängel, die jeweils in der Mitte voneinander getrennt sind,

7.32 und vergegenwärtige nach dem Waschen und den weiteren Handlungen unter dem Schutzpanzer-Mantra eine Wegkreuzung; unter dem Herzmantra mache er sie deutlich sichtbar, o Einsichtsvoller.

7.33 Eine Menge weichen, trockenen, mit einem Stein zerstoßenen Darbha-Grases, vermischt mit getrocknetem Kuhdungpulver und Duftstoff,

7.34 lege er in die Grube und breite sie aus, in der Menge eines Anteils vom Drona-Maß. Dann schmücke er mit aufrechten Darbha-Halmen, deren Spitzen ungebrochen und die mit dem Waffenmantra besprochen sind,

7.35 sämtliche Wände der Grube. Danach stelle er sich unter dem Schutzpanzer-Mantra die Umfriedung vor.

7.36 In der Mitte verehre er mit dem Pranava, Arghya, Blumen und weiteren Gaben; ebenso verehre er die Nabe, die dem Mond gleicht.

7.37 Dann lege er einen zuvor mit Duft bestrichenen Reinigungsring aus Darbha, mit dem Scheitelmantra geweiht, auf den Kreuzungspunkt.

7.38 Unter dem Herzmantra setze er darüber den Vishnu-Sitz ein und verehre ihn, beginnend mit der tragenden Shakti.

7.39 Oder er verehre allein die als Grundlage bezeichnete Shakti. Dort vergegenwärtige er die Narayana genannte Kraft, deren Kennzeichen das Aufleuchten ist,

7.40 die Lakshmis Gestalt angenommen hat, unsterblich und von der Natur des Unsterblichkeitstranks, von alles übertreffender Schönheit und mit allen Kräften ausgestattet,

7.41 die in zarter Gestalt im Inneren aller Dinge gegenwärtig und ewig ist. Nach der Schöpfungsfolge lasse er sie in seinen Herzlotus herabsteigen.

7.42 Dann führe er sie entsprechend der Meditationsfolge mit dem Herzmantra aus dem Herzlotus hervor, wobei der Mantra ihren Namen enthält, mit Om beginnt und „Verehrung“ einschließt.

7.43 Mit dem Ausatmen setze er sie aus der Mitte des Herzlotus in die Grube ein, verehre sie mit Duft, Blumen und weiteren Gaben und zeige die Lotus-Mudra.

7.44 In einem Kupfergefäß oder einem anderen Gefäß bringe er Feuer herbei: durch Reibhölzer erzeugtes, gewöhnliches oder durch einen Brennstein beziehungsweise Spiegel entzündetes Feuer.

7.45 Er stelle es nordöstlich der Grube auf, um es nun zu weihen, berühre es unter dem Waffenmantra und besprenge es unter dem Scheitelmantra.

7.46 Er verehre es unter dem Herzmantra, vergegenwärtige den Unsterblichkeitstrank und umhülle es unter dem Schutzpanzer-Mantra. Des Grundmantras gedenkend, ziehe er es mit dem Einatmen in sein Herz.

7.47 Er stelle sich vor, dass es von der Hand des Mantra-Atems herangezogen wurde, und lasse daraus die sechste Eigenschaft hervorgehen, die, aus der Gruppe der Eigenschaften hervortretend, Tejas, Leuchtkraft, heißt.

7.48 Diese Eigenschaft des höchsten Brahman ist die gemeinsame Grundlage allen Leuchtens. Mit dem Ausatmen setze er sie in das zuvor verehrte Feuergefäß ein.

7.49 Dann nehme er das rauchlose, hell leuchtende Feuergefäß mit der rechten Hand oder mit beiden Händen, o Brahmane,

7.50 bewege es viermal kreisend und setze das Feuer in die Grube. Er meditiere es nun als mit der Mantra-Flamme eins geworden.

7.51 Er entfache es mit trockenem, opfergeeignetem Brennholz, das mit dem Waffenmantra besprochen ist. Unter dem Herzmantra reinige er mit der rechten Hand die Umgebung,

7.52 im Uhrzeigersinn, mit feuchter Handfläche, seitlich und nach unten gewandt, ohne die Rückseite der Nägel zu zeigen.

7.53 Er besprenge den Ort mit Arghya-Wasser, das mit dem Waffenmantra geweiht ist, und lege dann eine Streu aus gleichmäßigen Kusha-Halmen aus, deren Wurzeln und Spitzen unbeschädigt sind.

7.54 Er lege sie in den Richtungen, von Süden bis Norden, jeweils mit Zwischenräumen aus, vierfach oder in vier Gruppen, sodass ihre Spitzen einander bedecken.

7.55 Die Spitzen weisen nach Osten; die Anordnung reicht vom östlichen Bereich bis nach Norden. Oder er lege vier mit dem Waffenmantra geweihte Gruppen, jeweils dreifach, in die vier Richtungen.

7.56 Oder je vier Halme im Osten und Westen mit den Spitzen nach Norden, und ebenso viele im Süden und Norden mit den Spitzen nach Osten, o Brahmane.

7.57 Danach lege er darüber und zu seiner Rechten die Materialien in einer Anordnung von jeweils zwei Paaren bereit.

7.58 Die Umfassungshölzer, die Menge des Brennholzes, die Unterlage aus einzelnen Darbha-Halmen und das Paar der Opferlöffel Sruc und Sruva lege er als Vierergruppe an einem Ort nieder.

7.59 An einen weiteren Ort lege er Kränze, Räucherwerk, Madhuparka und Samen; darauf Seidenstoff, gereinigtes Haarmaterial, einen Grassitz, geklärte Butter und Opferspeise.

7.60 Dann stelle er vier Butterschalen bereit, ferner zwei Gefäße für das geweihte Wasser, einen Wasserkrug und das Arghya-Gefäß.

7.61 Diese weitere Vierergruppe stelle er vor sich. Opferhölzer von einer Handspanne Länge und reichlich trockenes Brennholz,

7.62 einen Fächer und ein Tuch zum Abwischen des Schweißes lege er links bereit. Alles reinige er mit Arghya-Wasser unter dem Waffenmantra.

7.63 Außerhalb der Grube, im Osten an der Umrandung, fertige er gleichmäßig acht Reinigungsringe an und setze auf ihnen die acht Formen

7.64 der göttlichen Prakriti ein, von der Erde bis zum Ich-Prinzip, unterschieden nach Hervorgehen und Rückkehr und vom viergestaltigen Herrn

7.65 gelenkt, o Einsichtsvoller. Er verehre sie mit dem jeweiligen Namen, dem Ausdruck der Verneigung und dem Pranava, unter der Herrschaft des großen Selbst.

7.66 Auf den vier Umrandungen, oben und unten, verehre er in den vier Hauptrichtungen Vasudeva und die weiteren Gestalten, auf Sitzen aus Seide.

7.67 Ebenso sind sie in den Zwischenrichtungen, entsprechend der Rückkehrfolge von unten bis oben, der Reihe nach mit Arghya, Blumen und weiteren Gaben zu verehren.

7.68 Am Fuß der Umrandung liegen dann die Umfassungshölzer vom Brahma-Baum und anderen geeigneten Bäumen, mit Blättern und Rinde, deutlich hervortretend und länger als der untere Rand.

7.69 Die Hölzer im Osten und Westen weisen nach Norden, die im Süden und Norden nach Osten. Diese vier Umfassungshölzer verehre er unter dem Scheitelmantra.

7.70 Danach lege er unter dem Herzmantra Grassitze auf sie, o Weiser. Auf diesen verehre er stets die Weltenhüter, jeden in seiner eigenen Richtung.

7.71 Er winde Darbha-Halme von der Wurzel aus gegen den Uhrzeigersinn auf einer Länge von einer Handspanne zusammen, forme darüber eine Schlinge von zwei Fingerbreiten und umwinde den vorderen Teil dreimal.

7.72 Er führe das Ende zwei- oder dreifach durch die Schlinge, ziehe die Stränge von der Wurzel aus fest, gleiche sie aus und schneide überstehende Spitzen ab, ohne die Nägel zu verwenden.

7.73 Diese als Veda-Upayama bezeichnete Grashalterung stecke er zwischen den linken Daumen und die Hand. Mit den Kusha-Spitzen der Halterung vollziehe er die Weihe der beiden Opferlöffel.

7.74 Den großen Opferlöffel Sruc reinige er zwölfmal mit heißem Wasser unter dem Waffenmantra, den kleinen Sruva ebenso zweimal, o Hervorragender unter den Brahmanen.

7.75 Dann erhitze er beide unter dem Scheitelmantra, berühre sie unter dem Waffenmantra und versehe sie mit Arghya, Blumen und Sitzen.

7.76 Für das Gelingen der Handlung muss man die Bedeutung des großen Opferlöffels kennen: Ananta, der unendlich viele Häupter trägt, befindet sich in seinem Griff in Gestalt eines hundertblättrigen Lotus.

7.77 Im Inneren ist er als Same gegenwärtig und wendet sich nach oben. Der große, siebenfach verzweigte Lebenswind im inneren Selbst

7.78 wird durch die Brahma-Öffnung nach seinem Willen ausgesandt; er erreicht die Schlange der sieben Unterwelten in Gestalt des Erdlotos. [Die kosmologische Zuordnung ist im beschädigten Satzbau nur teilweise sicher.]

7.79 Auf seine eigene tragende Gestalt gestützt, befindet sich der Unsterblichkeitstrank im Wasser; das Feuer steht in einem Gefüge von Rädern und trägt eine dreifache Gestalt.

7.80 Der Wind besitzt die Gestalt der Muschel, der Raum bildet die Vertiefung für die Butter. Als herrschende Gottheit gilt das Ursprüngliche, Samenlose, Ungeborene und Unerschütterliche.

7.81 Höre nun, was man beim anderen, dem kleinen Opferlöffel, erkennen soll: Varuna selbst, die verkörperte Unsterblichkeit, ist in der Gefäßform gegenwärtig.

7.82 Sein Waffenattribut, das die Hindernisse erschreckt, steht als Stiel da; der Mond, der die Welt erquickt, befindet sich als Lotus an dessen Vorderseite.

7.83 Darin erkenne man die als Wonne bezeichnete Macht des höchsten Herrn. Diese Wirklichkeit Achyutas ist wahrhaft seiend und unermesslich.

7.84 Bei der Weihe vergegenwärtige man dies stets für die Darbringung an die heiligen Mantras. Der jeweilige Name, mit dem Pranava und dem Wort der Verneigung verbunden,

7.85 dient, o Brahmane, zur Verehrung aller dieser Mächte; oder man verehre sie mit dem Herzmantra. Danach ehre man die eingesetzte Mantra-Schar mit Arghya, Duft und weiteren Gaben.

7.86 Zwei mit Wasser gereinigte Gefäße aus Gold oder anderen geeigneten Materialien fülle man mit Wasser und ordne ihnen zwei Grassitze zu.

7.87 In einem verehre man den Grundmantra mit seinem Sitz, im anderen dessen Waffenmantra. Mit diesem Wasser besprenge man die Streu, im Osten beginnend,

7.88 im Uhrzeigersinn mithilfe des großen Opferlöffels und stelle das Gefäß ab. Man fülle es erneut mit Wasser und stelle es zusammen mit dem zweiten

7.89 in den nördlichen Bereich, verehre beide und verneige sich. Danach besprenge und berühre man die Menge der geklärten Butter unter dem Waffenmantra, o Brahmane.

7.90 Die Berührung der im Gefäß befindlichen Butter mit brennenden Darbha-Halmen heißt die Weihehandlung Adhishrayana, das Aufsetzen.

7.91 Ihr Schmelzen heißt Upadhishrayana. Das Umgießen in ein anderes Gefäß, um Verunreinigungen zu entfernen,

7.92 nennt man Klären; dabei halte man die Hand hoch. Dann nehme man die Butter wieder auf und stelle sie sorgfältig vor sich auf eine Unterlage.

7.93 Mit dem kleinen Opferlöffel bewege man sie zunächst vier-, drei-, zwei- und einmal um. Vier Darbha-Stängel von zwölf Fingerbreiten Länge

7.94 halte man quer mit den nach oben geöffneten Händen und mit Abstand, jeweils zwischen Ringfinger und Daumen, sodass sie sich in der Mitte nach unten biegen.

7.95 Mit ihnen ziehe man die Butter viermal zu sich hin und bewege sie viermal von sich fort, abwechselnd auf sich selbst und das Feuer zu.

7.96 Unter der angegebenen Anzahl von Pranava-Rezitationen lege man sie in die Mitte der Grube. Oder man bewege mit zwei Darbha-Halmen die Butter unter dem Herzmantra dreimal hin und her.

7.97 Nachdem man das Untertauchen und Herausheben vollzogen hat, lege man den Darbha-Reinigungsring in ihre Mitte. Dies heißt Reinigung.

7.98 Unter dem Augenmantra schwenke man brennende Kusha-Spitzen darüber; unter dem Herzmantra verbinde man damit die Grashalterung.

7.99 Das Anschauen mit dem Licht, das im Herzen ruht und durch den Blick hervortritt, heißt prüfender Blick, o Brahmane; es geschieht unter dem Augen- oder dem Herzmantra.

7.100 Nach dieser Betrachtung vergegenwärtige man sich die Butter im Inneren des Schutzpanzers. Dies ist die Umhüllung. Darüber stelle man sich

7.101 in der Mitte einer Mondscheibe den Mantra der göttlichen Kuh vor, verbunden mit der Kuh-Mudra und funkelnd wie hundert Monde.

7.102 Darin vergegenwärtige man sich den Herrn der Mantras, dem Schneegebirge gleich. Mit den Strömen des Unsterblichkeitstranks, die aus ihm, dem Mond und der Kuh hervorgehen,

7.103 verwandle man die Butter unter dem Schutzpanzer-Mantra in Nektar und stelle sie nördlich ab. Damit ist dir die als Amritikarana bezeichnete Verwandlung in Unsterblichkeitstrank erklärt.

7.104 Nachdem man die fünfzehn Weihehandlungen an der gewöhnlichen Opferbutter vollzogen hat, o Brahmane, besprenge man alles, was sich dafür eignet, mit ihr.

7.105 Beginnend mit Opferhölzern und Blumen, verwende man dazu den Grasbund oder den kleinen Opferlöffel. Mit unter dem Herzmantra mit Butter benetzten Blumen, mit Butter selbst oder im Geist, o Brahmane,

7.106 vollziehe man am Feuer die Lebensweihen von der Empfängnis bis zur Vermählung. Das Eintreten des zuvor äußeren Feuers in die Bauchhöhle Shris

7.107 erkenne als die erste Weihe, die Empfängnis, o Weiser. Durch die Verbindung mit dem Lebensatem befindet sich die Feuerkraft in Shris Leib,

7.108 zunächst in einer unbelebten, unvergänglichen und feinen Gestalt. Die allmähliche Entfaltung ihres Bewusstseins geschieht durch die Macht des Bewusstseins der göttlichen Shakti.

7.109 Dies vergegenwärtigend, opfere man Butter unter dem genannten Herzmantra. Durch das Hineinführen der Bewusstseinskraft geschieht am Feuer die Pumsavana-Weihe.

7.110 Danach vollziehe man die als Simanta bezeichnete Weihe am Feuer. Alle in ihm noch unentfalteten Teile, Haupt, Hände und die übrigen,

7.111 erwachen und treten jeweils in ihren eigenen Tätigkeitsbereich ein. Die gedankliche Gliederung dieser Bereiche heißt Simanta.

7.112 Für die Geburtszeremonie des Feuers opfere man einmal wie zuvor. Nachdem es aus dem Mutterleib hervorgetreten und gebadet ist, erfolgt seine Speisung, o Brahmane,

7.113 mit Gold, Honig und geklärter Butter: Dies ist die Geburtszeremonie. Für die Namensgebung opfere man mit einem kleinen Opferlöffel voller Butter.

7.114 Dem geborenen Feuer gebe man sorgfältig einen wohlbekannten Namen, etwa Vasudeva, o Brahmane. Dies ist die Namensgebung.

7.115 Für die erste Speisung mit fester Nahrung vollziehe man das Opfer wie zuvor. Das auf diese Weise durch die Weihen gereinigte Vishnu-Feuer

7.116 erhält unter Mantras Nahrung: Dies ist seine erste Speisung. Das Binden des Flammenschopfes des Feuers wird als Haarschur bezeichnet.

7.117 Dass das Feuer zum Opfer geeignet wird, gilt als seine Einführung in die heilige Unterweisung. Ferner vollziehe man das Veda-Gelübde, die Godana-Zeremonie, den Studienabschluss und die Vermählung.

7.118 Danach stelle man sich die sieben Zungen des Feuers vor. In der in neun Felder geteilten Grube mit gut entfachtem, hochflammendem Feuer

7.119 vergegenwärtige man sich drei Felder im Nordosten, Osten und Südosten, sodann drei im Südwesten, Westen und Nordwesten.

7.120 Dort sind jeweils drei Zungen zu erkennen; eine weitere erstreckt sich über Mitte, Süden und Norden. Vernimm sie der Reihe nach.

7.121 Havya, Kavya und Dhumra sind die drei im östlichen Bereich; Kali, Manojava und Karali befinden sich im westlichen.

7.122 Die eine als Leliha bezeichnete erkenne in den drei übrigen Feldern. Rot, weiß, blau, schwarz, gelb, rötlich

7.123 und blitzgleich meditiere man die sieben Zungen in dieser Reihenfolge. Mit ihren jeweiligen Keimsilben, mit ihren Namen oder mit Namen und Keimsilben zusammen,

7.124 mit diesen Mantras, o Bester der Brahmanen, vergegenwärtige man sie der Reihe nach. Prabha, Dipti, Prakasha, Marichi, Tapani,

7.125 Karala und Leliha erfüllen die Grube. Die mit Prabha beginnende Dreiergruppe ist im Nordosten, Osten und Südosten angeordnet,

7.126 die mit Marichi beginnende im Südwesten, Westen und Nordwesten. Die eine Leliha genannte befindet sich im Norden, in der Mitte und im Süden.

7.127 Nachdem man für die Feuerhandlung diese Verteilung der Zungen erkannt hat, meditiere man das Feuer in der Grube in der Gestalt, die durch seinen göttlichen Inhalt bestimmt wird.

7.128 Dann vergegenwärtige man sich seine Mutter, wie sie auf dem Flammenweg aus der Grube emporsteigt, leuchtend als Offenbarung höchster Wonne, bis zum Zwölf-Fingerbreiten-Punkt vor der Nase.

7.129 Von dort lasse man sie wieder herabsteigen und ins Herz eintreten. Man verehre das Feuer unter dem Herzmantra mit Arghya und reinen Blumen,

7.130 mit Räucherwerk, einer Lampe, Dickmilch, mit ungebrochenen Reiskörnern vermischtem Sesam, mit Speise samt Gebäck und Früchten sowie mit geklärter Butter, der Reihe nach, o Brahmane.

7.131 Nach dieser Verehrung gemäß der Vorschrift oder unter seinem eigenen Mantra sättige man es nach Vermögen nacheinander mit Sesam, Butter und weiteren Gaben,

7.132 oder allein mit Butter, tausend- oder hundertmal. Danach bringe man die vollständige Abschlussgabe dar, die mit Blumen und anderen Gaben verehrt wurde.

7.133 Mit großem und kleinem Opferlöffel und der Grashalterung, oben und unten angeordnet, forme man mit den Löffeln eine umschließende Haltung zur Mitte des Feuermundes hin.

7.134 Man lasse den Strom im Uhrzeigersinn bis zur Mitte fließen und führe den Butterstrom dann wiederum im mittleren Feld zum Abschluss.

7.135 Man zeige die Herz-Mudra oder die Feuer-Mudra, o Brahmane, und verehre darauf das Feuer, dessen Wesen Narayana ist, wie zuvor.

7.136 Wie zuvor vergegenwärtige man sich das Feuer mit Gestalt und zugleich mit ungeteiltem Glanz, durch die Kraft und Macht des eigenen Yoga alles durchdringend und in alle Richtungen reichend,

7.137 einer Kadamba-Blüte gleich, von seinen eigenen Strahlen erhellt, die ganze Grube in jeder Hinsicht und in allen Formen erfüllend.

7.138 So ist es ausgebreitet, allgegenwärtig, formlos und hell leuchtend. In diesem Feuer mit seinem Flammenschopf, in der Mitte der Grube,

7.139 vergegenwärtige man im Geist den Sitz wie angegeben und verehre ihn mit Blumen, Räucherwerk und Sandelholz.

7.140 Dann bilde man die Mudras für die Schar der Throngottheiten und lasse den höchsten Herrn aus dem Herzen in dessen Mitte herabsteigen.

7.141 Aus dem Wassergefäß bringe man dem Herrn unter seinem eigenen Mantra eine Blumengabe dar. Man meditiere den höchsten Herrn in vollständiger Gestalt, mit seinen Gliedern und Attributen. [Die Gefäßbezeichnung ist im Text undeutlich.]

7.142 Man vollziehe die Zuwendung, die Herstellung seiner Gegenwart und deren Bindung. Beginnend mit der Arghya-Gabe geschehe alles wie zuvor.

7.143 Die Meditation im Feuer entspreche derjenigen am Hauptbild. Befindet sich dieses auf einem Reittier, meditiere man ihn auch dort so; steht es, dann in derselben stehenden Haltung.

7.144 Sitzt es, meditiere man ihn sitzend; liegt es, entsprechend liegend. An der Feuerstätte vergegenwärtige man ihn mit dem roten Glanz eines Rubins.

7.145 Man zeige die jeweiligen Mudras sämtlicher Mantras vom Grundmantra an und verehre danach den Herrn in vollständiger Gestalt mit Arghya, Duft und weiteren Gaben,

7.146 entweder in der Form von Auflösung und Genuss oder entsprechend der zuvor beschriebenen Vorschrift. Man lege die Opferhölzer in ein Gefäß und verehre sie unter dem Herzmantra, o Weiser.

7.147 Mit geneigtem Haupt bringe man sie dem Herrn dar: acht, vier oder zwei Brennhölzer,

7.148 ringsum mit Butter benetzt, vom Brahma-Baum oder von milchsaftführenden Bäumen. Man nehme sie unter dem Grundmantra auf und teile sie in zwei Gruppen, o Bester der Brahmanen.

7.149 Eine lege man auf der Südseite so hin, dass sie vom südöstlichen Bereich bis zum südwestlichen Feld reicht; die andere entsprechend im Norden,

7.150 zwischen Nordwesten und Nordosten. Dann gieße man die erste Butterspende von der Wurzel bis zur Spitze über die jeweiligen Hölzer.

7.151 Man fülle den kleinen Opferlöffel mit Butter, vergegenwärtige darin unter der Sonnen-Keimsilbe die tausendstrahlige Sonne und bringe die Gabe auf der Südseite der Grube dar.

7.152 Im anderen, dem großen Opferlöffel, meditiere man unter der Mond-Silbe die volle Mondscheibe und bringe die Gabe nördlich davon dar.

7.153 Man opfere Butter entsprechend der Anzahl der Brennhölzer. Diese beiden, Sonne und Mond, erkenne als die beiden Augen des Feuers.

7.154 Der Raum zwischen ihnen gilt als der Mund des Feuers. Dort opfere man zunächst der Reihe nach die sieben Arten von Opferholz.

7.155 Die als Holz bezeichnete Gabe bringe man jeweils reichlich, mit Butter getränkt und zuvor mit Safran oder Ähnlichem bestrichen, viermal dar.

7.156 Dann folgen Kränze, Räucherwerk, Madhuparka, Samen, Speise und Butter. Für das Einlegen von Speise und Opferholz gilt folgende besondere Vorschrift:

7.157 Man stelle die zuvor auf geweihtem Feuer gekochte Opferspeise vor sich, decke sie auf, betrachte sie und besprenge sie dann mit Arghya-Wasser.

7.158 Anschließend berühre man sie mit vier brennenden Darbha-Stängeln. Unter dem Mantra gebe man vier große Löffel Butter in ihre Mitte.

7.159 Dann nehme man den großen Opferlöffel und gebe auch dort vier entsprechende Portionen hinein. Man nehme einen Speisebissen im Maß von vier Fingerbreiten auf,

7.160 lege ihn in die Höhlung des Löffels und gebe wie zuvor Butter darüber. Man bringe vier Buttergaben ins Feuer und danach die Speisegabe.

7.161 Erneut bringe man sorgfältig vier Löffel Butter ins Feuer. Dann bereite man einen weiteren, mit Butter benetzten Bissen wie zuvor und opfere ihn.

7.162 Auf dieselbe Weise gebe man vier solche Speisegaben; nach ihnen opfere man wiederum Butter.

7.163 Was dem Bild dargebracht wird, soll in gleicher Beschaffenheit auch ins Feuer geopfert werden. Oder man gebe mit dem kleinen Löffel jeweils eine Portion Butter in die Höhlung des großen.

7.164 Vor und nach jeder einzelnen Speise- und Holzgabe bringe man sie dar. Mit Sesam, der mit Butter vermischt ist, vollziehe man eintausendacht

7.165 oder hundert, fünfzig oder fünfundzwanzig Opfergaben, je nach Vermögen. Ebenso opfere man mit Butter benetzte ungebrochene Reiskörner und Sesam.

7.166 Für die vorausgehenden beziehungsweise höheren Glieder erhöhe man die Anzahl jeweils um die Hälfte und einen weiteren halben Anteil. Wer Vollendung erstrebt, beachte dies sowohl beim Japa als auch beim Feueropfer. [Die Berechnungsregel ist nicht eindeutig überliefert.]

7.167 Das Svishtakrit-Opfer zur Vollendung des Geopferten vollziehe man einmal mit einem Speisebissen. Für wunscherfüllende Handlungen verwende man geeignete, nach Ort und Jahreszeit verfügbare Stoffe,

7.168 Sesam, Butter, Milch, Dickmilch oder Milchreis, gekochte Speisen, zubereitetes Gebäck, Samen, geröstete Reiskörner und Reis,

7.169 Wurzeln, Früchte und junge Triebe, gut geeignet und zart, ferner duftende Blüten wie Landlotus und andere weiße Blumen, o Brahmane,

7.170 Guggulu-Harz mit Butter oder Harze wie Sarja und Shriveshtaka, saftige Amalaki-Früchte und schöne Wasserlilien,

7.171 reinweiße oder weißrote Lotusblüten, schöne Bilva-Früchte und Durva-Halme mit ungebrochenen Spitzen, rein wie gute Elefantenstoßzähne,

7.172 Brennholz vom Brahma-Baum und von milchsaftführenden Bäumen, ferner mit Amrita-Saft und Milch verbundene sowie mit Honig benetzte Udumbara-Zweige.

7.173 Ihre Spitzen sollen ungeschnitten und ungebrochen sein; sie sollen keine Dornen tragen. Alle versehe man mit der dreifach süßen Mischung oder mit Butter.

7.174 Sämtliche besonderen Speisen und auch Stoffe wie Sandelholz sind im Feuer stets zusammen mit Opferhölzern zu verwenden.

7.175 Bei einem Opfer mit hunderttausend Gaben bringe man auch geeignetes Zahnholz und Betel ohne scharfen alkalischen Zusatz sowie die Gaben vom Sitz an dar,

7.176 ausgenommen Honig, Salz, Trinkwasser und scharfes Öl. Mit Butter vermischter Sesam bewirkt nach der Überlieferung Frieden und alle Arten von Vollendung.

7.177 Opfer mit Butter, Milch und Dickmilch verleihen Sättigung; Milchreis, gekochte Speisen und Gebäck führen zu Gedeihen.

7.178 Wenn der König der Mantras mit Samen, Getreide und Reis gesättigt wird, o Brahmane, schenkt der höchste Herr in seiner Gnade stets Heil.

7.179 Ein Opfer mit jungen Trieben, Früchten und Wurzeln gewährt Zufriedenheit, wendet vorzeitigen Tod ab und bringt Krankheiten zur Ruhe. [Hier und im Folgenden werden die traditionellen Wirkungszuschreibungen des Textes wiedergegeben.]

7.180 Mit Landlotus und anderen weißen Blüten erfreut, verleiht er in kurzer Zeit unvergleichliches Glück, o Brahmane.

7.181 Guggulu und Butter sowie gute Amalaki-Früchte werden mit Gesundheit verbunden. Zucker, Bilva-Früchte, mit den fünf Kuhprodukten besprengt,

7.182 und mit Butter benetzte Lotussamen gewähren rasch Wohlstand. Wer Einfluss oder Genuss wünscht, opfere Wasserlilien.

7.183 Durch ein Opfer mit Durva-Sprossen erlangt man längeres Leben. Bei einem Opfer mit gutem Brennholz und schwarzen Bohnen gewährt der Herr Frieden.

7.184 Beim Sesamopfer wird die Hirschgesicht-Mudra empfohlen. Die Buttergabe und besonders die Milchgabe haben das Maß eines Karsha.

7.185 Die Dickmilchgabe hat das Maß einer Muschelschale, die Milchreisgabe eine Prasriti-Menge; gekochte Speise einen halben Bissen, Gebäck seine jeweilige eigene Größe.

7.186 Von Wurzeln und Knollen opfere man ein Drittel, Blumen in ihrer natürlichen Größe; von allen Samen opfere man eine Handvoll.

7.187 Geröstete Körner nehme man mit den Fingerspitzen; von Reiskörnern opfere man fünf. Früchte und junge Triebe bringe man in ihrer jeweiligen natürlichen Größe dar.

7.188 Guggulu opfere man stets als Kügelchen von der Größe einer Karkandhu-Frucht oder, wenn möglich, in der Größe einer Amalaki-Frucht.

7.189 Durva-Stängel messen vier oder acht Fingerbreiten, o Bester der Brahmanen; Opferhölzer eine Handspanne. Sie sollen glatt geschnitten sein und ihre Rinde tragen.

7.190 Zum Gelingen der Handlung muss man Farben, Gerüche, Klänge und Gestalten des Feuers sowie seine Veränderungen und Flammenspitzen verstehen.

7.191 Ein Opferfeuer vom vorzüglichen Glanz eines Rubins, von der Farbe roten Lacks oder der jungen Sonne gilt als günstig für Sieg, o Brahmane.

7.192 Ebenso eines, das dem roten Indragopa-Insekt gleicht oder blutrot ist. Ein Feuer wie der Regenbogen oder wie Safran gilt als vorzüglich.

7.193 Erwünscht ist ein Feuer mit der Farbe roter Blumen. Ein Feuer, das nach duftenden Stoffen oder nach Butter riecht, ist glückverheißend.

7.194 Lotusduft oder Bilva-Duft verleiht langes Leben, o Gelübdetreuer. Für schädigende Riten gilt hingegen ein scharf riechendes Feuer als geeignet.

7.195 Ein Klang wie der von Gewitterwolken, Laute, Muschel oder Mridanga-Trommel ist beim Feuer ein Zeichen des Gelingens; andere Klänge gelten als ungünstig.

7.196 Vorzüglich sind Gestalten wie Schirm, Banner und Yakschweifwedel, wie Himmelswagen, Baldachine, Palastbauten und Stier.

7.197 Auch Formen von Schwänen und Pfauen verheißen Gelingen. Wenn das Feuer rötlich mit kleineren Flammen erscheint,

7.198 oder wie ein gespaltener königlicher Edelstein beziehungsweise wie Bergkristall, gilt es als günstig. Wenn die zuvor beschriebenen Gestalten sich rechtsläufig

7.199 ineinander verwandeln, bringt das Feuer ebenfalls Gelingen. Verändert sich das Feuer jedoch zu einer missbilligten Farbe, etwa Taubengrau,

7.200 so ist das Ergebnis verkehrt, o Brahmane. Deshalb vollziehe man am Ende des Opfers zusätzlich mehr als hundert Opfergaben.

7.201 Eine ungerade Anzahl von Flammenspitzen, etwa drei, gilt als glückverheißend. Kurze, teils kurze und teils aufsteigende sowie lange Flammen werden als Zeichen des Gelingens betrachtet.

7.202 Ein sanft glänzendes, rechtsläufig kreisendes Feuer, dessen Geräusch von der Rezitation überdeckt wird, ist stets günstig, selbst wenn ihm andere gute Merkmale fehlen.

7.203 Wer günstige Erhörung wünscht, opfere in ein hell brennendes, züngelndes, rauchloses Feuer mit guten Eigenschaften, das angenehm anzusehen ist und Zufriedenheit weckt.

7.204 Ein Feuer mit wenig Leuchtkraft und geringer Gestalt, voller Funken und ohne Bewegung der Flammen, bringt keine Vollendung.

7.205 Wer in ein noch nicht entfachtes, rauchendes Feuer opfert, beeinträchtigt seine Handlung; eine Ausnahme betrifft den schädigenden Ritus. [Der letzte Ausdruck ist beschädigt.]

7.206 Übel riechendes, gelbes und niedergedrücktes Feuer ist ungünstig. Wird der Mantra in der Gestalt Prabhas gesättigt, o Trefflicher,

7.207 gewährt er rasch Wissen; in Dipti gegenwärtig, schenkt der Herr Land. Auf Prakasha ruhend, bedrängt er die Feinde rasch.

7.208 Über Marichi gegenwärtig, bewirkt der Herr rasch die Vernichtung der Feinde. Über Tapani gegenwärtig, stillt der Mantra alles Leiden.

7.209 In Karala angerufen, vertreibt er die Gegner. Wird der in Leliha gegenwärtige Mantra durch Gaben erfreut, o Weiser,

7.210 so schenkt er das Ersehnte und am Ende des Leibes die höchste Stätte. Beim Feueropfer verwende man stets Svaha, bei der vollständigen Abschlussgabe Vaushat.

7.211 Dasselbe gilt bei friedenschaffenden Handlungen; Vashat dient dem Kräftigen, Svadha den Ahnenriten und Phat vernichtenden Handlungen.

7.212 Hum steht bei Entzweiung, Hrim bei Beeinflussung und Namah bei der Erlangung der Befreiung. Am Ende des auf eine Handlung gerichteten Opfers fülle man den großen Opferlöffel mit Butter.

7.213 Fehlt genügend Butter, fülle man ihn reichlich mit einem anderen Opferstoff und gebe Butter darüber. Dann verehre man ihn mit Arghya, Blumen und weiteren Gaben,

7.214 von seinem unteren Ende ausgehend, zusammen mit dem kleinen Opferlöffel. Den mit Butter verbundenen Stoff in der lotosförmigen Höhlung des großen Löffels

7.215 meditiere man wie den flüssig gewordenen Mond. Dann hebe man die vollständige Gabe empor. Den unteren Teil des Löffelstiels am eigenen Nabel festhaltend, vergegenwärtige man sich

7.216 den ungeteilten Herrn der Mantras in der Gestalt des Vollmonds. Mit der Kraft des Atems hebe man ihn von der Wurzel her aus dem eigenen Leib empor,

7.217 setze ihn in die Stätte Ishvaras und stelle sich vor, dass von dort ein großer Nektarstrom durch den Verbindungsweg an der Nase in den Lotus des Opferlöffels fällt.

7.218 Den mit Nektar verbundenen Butterstrom gieße man wie einen ununterbrochenen Opferstrom in die Mitte des Mundes der Mantra-Gestalt oder in ihre Brahma-Öffnung.

7.219 Man erfahre innerlich, wie er ganz in ihren Herzlotus eingeht. Durch diesen Brahman-Strom vergegenwärtige man den Mantra als gestärkt,

7.220 gesättigt, erfreut, genährt und dem Übenden wohlgesinnt. Diese vollständige Gabe wird unter Mantra-Rezitation, unter Mitwirkung des Körpers und seiner Kräfte

7.221 und mit Meditation dargebracht, o Bester der Brahmanen. Sie verleiht alle Vollendungen und lässt den Reichtum der Befreiung wachsen.

7.222 Für das Gelingen der Handlung ist sie in ein Feuer mit reichlich trockenem Brennholz zu gießen. Bei mehreren zusammengehörigen Vollzügen genügt eine; sie erfolgt nicht nach jeder einzelnen Handlung.

7.223 Danach verehre man den Herrn der Mantras mit Arghya, Duft, Blumen und den weiteren Gaben und zeige alle Mudras, vom Grundmantra an der Reihe nach.

7.224 Für die Glieder vollziehe man ein Viertel der dem Grundmantra dargebrachten Sättigung; für Attribute, Schmuck und Lakshmi samt den übrigen die Hälfte davon.

7.225 Oder man verwende für die Herz- und übrigen Gliedermantras die Hälfte und für sämtliche Gefährtinnen des höchsten Herrn wiederum die Hälfte davon, o bester Brahmane.

7.226 Attribute, Schmuck und alles Weitere beopfere man der Reihe nach; oder man opfere für jeden einzelnen der Mantras vom Herzen an je einmal.

7.227 Danach vollziehe man die Entlassung, nachdem man Arghya samt Räucherwerk gegeben hat. Die Mantras, die an den Plätzen der Darbringung der Reihe nach verehrt wurden,

7.228 stelle man sich in den Körper des Hauptmantras eingegangen vor, wie eine Flamme in eine andere Flamme oder Flüsse in das Meer.

7.229 Diese grobe Mantra-Gestalt, die Stätte aller Mantras, o Brahmane, vergegenwärtige man als in die feine, lenkende Gestalt des Herzens eingegangen.

7.230 Die feine Gestalt mit ihrer zweifachen Natur gehe in die höchste, zuvor beschriebene Form ein; diese höchste, funkelnde Gestalt ruhe in der Stätte ohne Stütze.

7.231 Unter Einatmen, begleitet von Mantra und Mudra, vergegenwärtige man sie durch den Verbindungsweg in den Herzlotus eintretend, o Trefflicher.

7.232 Man stelle sich vor, dass der eingetretene Mantra den Leib ohne Anstrengung von den Füßen bis zum Haupt durchdringt, o Brahmane.

7.233 Wessen Leib dabei erbebt, dem ist der Mantra gnädig. So entlasse man den Herrn der Mantras unter Bildung der entsprechenden Mudra.

7.234 Für die Mantras des Sitzes samt Grundlage, für Ganesha, die Göttin der Rede und die Gurus ist jeweils die Hälfte der den Attributen zugeteilten Sättigung vorgeschrieben.

7.235 Ihre Auflösung vollziehe man, o Brahmane, nach der Schöpfungsfolge. Für die Torwächter, die Hüter der drei Welten und die auf der Umfassung befindlichen Diener Haris

7.236 verwende man, von der für die Gurus geltenden Ordnung ausgehend, jeweils die Hälfte; oder opfere nach Vermögen je einmal und bringe für alle zusammen die vollständige Abschlussgabe dar. [Das letzte Ortswort ist nicht sicher zuzuordnen.]

7.237 Danach sättige man Vishvaksena hingebungsvoll mit Sesam und ungebrochenen Reiskörnern und bringe die vollständige Gabe mit einem auf Vaushat endenden Mantra dar, o Brahmane.

Textlücke: Die Nummer 7.238 fehlt in der Vorlage.

7.239 Nach seiner ordnungsgemäßen Verehrung vollziehe man seine Entlassung. Dann verehre man das Feuer und sättige es nach Vermögen.

7.240 Man werfe eine Handvoll Blumen in die Grube, des Feuermantras gedenkend, und forme mit wasserangerührter Asche vier aufwärts gerichtete Stirnzeichen,

7.241 flammenförmig, aus der Asche der Grube, unter den Mantras für Haupt, Schutzpanzer und Herz auf Stirn, beiden Schultern und Brust.

7.242 Zuerst berühre man unter dem Waffenmantra mit der Flamme Herz und Augen, erbitte Verzeihung, verneige sich und vollziehe ordnungsgemäß die Entlassung.

7.243 Man nehme sie mit dem Atem auf und setze sie nach der Herabstiegsfolge ins Körperinnere ein. Bei einem dauerhaft eingesetzten Feuer vollziehe man die Weihehandlungen vom Umschreiten mit Feuer an.

7.244 Die Entlassung erfolgt beim Abreißen des Rauches; bei einem solchen dauerhaft eingesetzten Feuer jedoch nicht. Man reinige beide Opferlöffel, halte den großen ins Feuer und fülle ihn mit Wasser

7.245 aus dem Arghya-Gefäß. Außerhalb der Grube gieße man, von der nordöstlichen Ecke ausgehend, im Uhrzeigersinn einen ununterbrochenen Wasserstrom.

7.246 Mithilfe des Reinigungsrings sprenge man Wasser mit der Hand nach oben und gebe den Rest auf das eigene Haupt. Den großen Löffel lege man mit der Öffnung nach unten ab,

7.247 auf die eigene linke Seite, zusammen mit Grassitz und kleinem Löffel. Aus den beiden Gefäßen gieße man das Wasser aus und ziehe die darin verehrte Gegenwart zurück.

7.248 Dann gehe man mit dem Arghya-Gefäß zum Verehrungsraum und verneige sich vor dem Herrn der Welt mit acht Körpergliedern.

7.249 Man fülle beide Hände mit Blumen und vergegenwärtige über ihnen den ungeteilten Mantra, vom Unsterblichkeitstrank gestärkt,

7.250 von reichem Glanz überstrahlt; die Blumen lege man auf das Haupt der Mantra-Gestalt: „Herr, du bist im Feuer durch das Opfer hingebungsvoll gesättigt worden.

7.251 Nimm nun auch die Kraft der Opferstoffe ganz in dich auf.“ So bringe man dem Herrn das Feueropfer dar und vollziehe die vorgeschriebene Verehrung.

7.252 Man vergegenwärtige sich, dass er es mit gnädigem innerem Wesen angenommen hat. Damit ist die Sättigung der Mantras in Kürze erklärt, o Brahmane.

7.253 Sie soll niemals Nichtinitiierten, Menschen ohne Hingabe, Anhängern anderer Lehrsysteme oder solchen, die sich am Spott erfreuen, mitgeteilt werden.

7.254 Mitgeteilt werden soll sie einem Kenner ihres wahren Sinns und der Verpflichtungen der Tradition, einem entsprechenden Schüler, einem Übenden oder Lehrer, der hingebungsvoll, zugewandt und frei von Neid ist,

7.255 der Wahrheit, Dharma und Gelübden ergeben ist, einen guten Lebenswandel führt und in der Lehre steht. Nach Vollendung dieses Feueropfers verehre man den Herrn mit Arghya, Duft und weiteren Gaben

7.256 und vollziehe dann die Zuteilung an die Ahnen. Diese Vorschrift hat der Gott der Götter besonders ausführlich im Paushkara genannten Werk

7.257 dem Lotusgeborenen erklärt, o Bester der Brahmanen. Ich erläutere dir diese Ordnung entsprechend der in der Sattvata gelehrten Vorschrift.

7.258 Was täglich vor dem zu verehrenden Gott vollzogen wird, o Brahmane, erkenne als diese Zuteilung, die vorzüglichste aller Handlungen.

7.259 Durch die Zuteilung an die Ahnen wird der Mensch von seiner Schuld ihnen gegenüber frei. Dadurch gelangen sie zu unvergleichlicher Sättigung, auch wenn sie ihrem Karma unterliegen.

7.260 Ein vorzüglicher Brahmane, der die fünf täglichen Zeiten kennt oder den sechs überlieferten Pflichten nachgeht, sei eingeladen, von selbst gekommen oder dauerhaft als Empfänger angenommen.

7.261 Nach Bad und den vorausgehenden Handlungen trete man gesammelt wieder ein. Mit eigener Hand und Arghya-Wasser reinige man den Brahmanen,

7.262 berühre ihn mit der Blume des Waffenmantras, über der dieser Mantra eingesetzt ist, und schaue alles an, während man den Augenmantra rezitiert.

7.263 Man lasse ihn vor Bhagavan auf einem vom Pranava getragenen, verehrten, ausgebreiteten und gereinigten Sitz Platz nehmen, dem Gott zugewandt oder nach Norden blickend.

7.264 Auch wenn er nach Norden schaut, setze man ihn so hin, dass ihn die ausströmenden Blickstrahlen des Herrn der Mantras erreichen.

7.265 Man meditiere und verehre ihn mit dem Mantra und sage: „Halte deine Rede im Zaum.“ Auch die Empfänger sollen im Schweigen ruhen und sich gut beherrschen,

7.266 während sie den Herrn der Welt wie eine Sonne im Raum des Herzlotus sammeln. Ob ein würdiger Empfänger, zwei oder mehrere, o Lotusgeborener:

7.267 Nachdem man sie für diese Handlung sorgfältig so eingesetzt hat, gebe man im Gedenken an die Ahnen die Gabe im inneren Opferbereich.

7.268 Als innerer Opferbereich gilt der Raum zwischen dem niedergesetzten vorzüglichen Brahmanen und dem sichtbar gegenwärtigen Herrn der Mantras.

7.269 Die für die Ahnen bestimmte Gabe bringe man dem Leib des würdigen Empfängers dar; denn sie stützen sich auf das göttliche, makellose Bewusstsein

7.270 und sind in diesem Augenblick gemäß der Absicht des Gebenden als Empfänger der Zuteilung gegenwärtig, o Lotusgeborener.

7.271 Deshalb gebe man einem oder mehreren Empfängern auf dem vorhandenen Sitz nochmals einen knotlosen Darbha-Sitz aus vielen Kusha-Halmen.

7.272 Kusha-Halme gelten als die Körperhaare des Herrn, dessen Leib aus den Gliedern des Opfers besteht. Sie sind zugleich sämtliche Kanäle in seinem aus Elementen bestehenden Körper.

7.273 Im Elementenkörper sind sie Strahlen; in der Bewusstseinsgestalt sind sie seine sämtlichen Kräfte. Deshalb ist, o Bester der Brahmanen, für die Ahnen ein Kusha-Sitz

7.274 während des Shraddha vorgeschrieben. Was man den darauf angerufenen Ahnen hingebungsvoll darbringt, wird zu Brahman.

7.275 Aus diesem Grund wurde früher für Menschen, die das Selbst noch nicht erkannt haben, bei dieser Handlung die Kusha-Unterlage vorgeschrieben, o Lotusgeborener.

7.276 Wer aber das allgegenwärtige Brahman, den Herrn Achyuta in Mantra-Gestalt, wahrhaft in seinem Inneren trägt, bedarf ihrer nicht.

7.277 Deshalb lege der Brahmane Kusha-Halme mit ungebrochenen Spitzen und nach Norden weisenden Wurzeln aus; denn der nördliche Bereich gehört den Göttern, der südliche den Ahnen.

7.278 Die Unsterblichen nähren die Ahnen fortwährend mit ihrer eigenen Unsterblichkeitskraft, wobei der Darbha-Weg als sichtbarer Träger dient, o Brahmane.

7.279 Daher wohnt die Schar der Ahnen, als Anteile der Bewusstseinskraft, im südlichen Bereich; entsprechend ist im nördlichen Bereich des Menschen

7.280 die reine, ewige, unvergängliche Kraft angesiedelt, die Unsterblichkeit heißt. Deshalb wird alles, was Menschen bis hin zu den Brahman-Kennern den Ahnen darbringen,

7.281 mit der linken Hand gegeben, o Brahmane. Wer hingegen den ungeborenen Hari, den Ursprung der Welt und das Wesen des Mantras, zum Mittelpunkt macht

7.282 und den Ahnen Gaben samt vorausgehender Wasserspende darbringt, ist auf ihn gegründet; für solche Menschen ist die genannte Regel nicht ausschlaggebend.

7.283 Wem im Inneren die höchste Bedeutung der zu vollziehenden Handlung aufleuchtet, o Einsichtsvoller, nachdem er die Mantra-Verehrung vorangestellt hat,

7.284 dessen Handlung wird unvergänglich, wenn sie mit ungeteiltem Geist geschieht, sei es nach dem eigenen Norden oder nach der Richtung, in die die Mantra-Gestalt blickt.

7.285 Doch selten sind solche Menschen auf Erden, o Lotusgeborener, in deren Geist diese Gewissheit fest verankert ist.

7.286 Auf der Seite der Schoßöffnung der Feuergrube, auf dem Ehrensitz oder auf einem Bodenplatz nahe vor ihm, der mit Arghya-Wasser

7.287 unter dem Waffenmantra besprengt wurde, breite man Kusha-Halme mit den Spitzen nach Süden aus. Darüber verstreue man durch die Ahnenöffnung der Hand Sesam, ungebrochene Reiskörner und Wasser,

7.288 unter dem Waffenmantra geweiht, und mithilfe der Darbha-Spitzen unter dem Pranava bis zum Ende der Kusha-Streu. Denn diese beiden, o Brahmane,

7.289 sind in den drei Welten der Ursprung der ganzen Fülle des Genusses, besonders der durch Vertrauen geheiligten Gabe für die Ahnen.

7.290 Bhagavan selbst, in Ebergestalt, hat sich als Feuer und Soma offenbart, indem er für die Verwirklichung des Selbst die Prinzipien von Handlung und Selbst verkörpert.

7.291 Seine Leuchtkraft besteht in Gestalt des Sesams, seine erquickende Kraft in Gestalt des Wassers. Deshalb werden, o Brahmane, bei Unerwachten wie bei Erwachten

7.292 Sesam und Wasser zu Bestandteilen des Ahnenritus. Für diejenigen, die beständig Mantras üben, sind diese beiden der höchste Schutz des Shraddha,

7.293 ebenso für die Kenner ihres Wesens und besonders für die Mantra-Kenner. So erkenne man Sesam und Wasser als Offenbarung von Licht und Erquickung.

7.294 Über der Streu vergegenwärtige man sich dann der Reihe nach, mit ihren jeweiligen Namen bis zu ihrem Ende, die Ahnen, die Gleichgestaltigkeit mit Purusha und den weiteren göttlichen Formen erlangt haben:

7.295 die Väter, Großväter, Urgroßväter und deren Väter; dabei benenne man die Abstammungsfolge nach den jeweiligen Linien. [Der Ausdruck für die letzte Ahnengruppe ist beschädigt.]

7.296 Den ersten Anteil der gekochten Speise, in einem Gefäß gesammelt und mit einem Rest der Gottesspeise verbunden, versehe man mit honigvermischter Opfergabe, Darbha-Stängeln und Sesam.

7.297 Unter dem Herzmantra reinige man ihn durch Feuer an den Darbha-Spitzen und vergegenwärtige ihn als makellos, seinem Wesen nach Erkenntnis und so leuchtend wie die drei Lichtbereiche.

7.298 Man meditiere dieses Licht, wie es alle Fehler der Gabe ringsum verbrennt. Die Speise zur Sättigung von Göttern und Ahnen, o Einsichtsvoller,

7.299 ist auf dem zuvor geweihten Feuer zu kochen. Auf gewaschenen Blättern, etwa von Tamala oder Banane,

7.300 teile man sie in vier Portionen und lege sie unter dem Pranava nieder: vier besprengte Speisegefäße oder vier Bissen.

7.301 Nachdem man sie dem Gott zur Sättigung aller dargebracht hat, erfreue man die Ahnen ehrerbietig mit dieser Speise in Gestalt von Reisbällen und den weiteren Gaben.

7.302 Für die zunächst unsichtbaren Ahnen verwende man der Reihe nach den Herzmantra mit ihrem Namen; nachdem man ihre Gestalt so geschaut hat, erkenne man zuvor ihren gegenwärtigen Ort.

7.303 Wie zuvor verwende man Mantras, die mit Om beginnen, mit Svadha und den entsprechenden Schlussformeln enden, vom Herzmantra umfasst sind und die jeweiligen Namen enthalten, o Brahmane.

7.304 Man spreche: „Ich bereite den Reisball“ und verfahre dann wie zuvor. Unter Pranava-Rezitation lege man nach Süden gerichtete, mit Sesamwasser besprengte

7.305 Darbha-Halme als Gestalten der inneren Kanäle über die Reisbälle. Man vergegenwärtige sich, wie die Ahnen auf den Wegen dieser Kanäle der Reihe nach in sie eintreten.

7.306 Mit den Worten „Ich rufe die Ahnen herbei“ rufe man die zuvor auf der Streu Gegenwärtigen an; dann verwende man der Reihe nach die Mantras der vier göttlichen Gestalten entsprechend der Rückkehrfolge.

7.307 Man verehre sie ordnungsgemäß mit Arghya, Duft und weiteren Gaben. Danach gebe man unter Nennung von Name und Abstammungslinie, jeweils mit vorangehendem Mantra, Sesamwasser

7.308 aus dem Arghya-Gefäß für sie alle der Reihe nach. Mit geneigtem Haupt, beiden Knien auf dem Boden

7.309 und den Händen an der Stirn rezitiere man gesammelt: „Om, Verehrung euch, ihr Ahnen! Verehrung euch, ihr höchsten Wesen!

7.310 Verehrung denen, die in Vishnus Stätte weilen! Svadha euch, ihr Ahnen, Verehrung! Verehrung Hari, dem Herrn der Ahnen, dessen Wesen Feuer und Soma ist!

7.311 Vishnu, Verehrung dir als den heiligen Soma trinkenden Ahnen und als den auf Opferstreu Sitzenden! Die Erzeuger durch den ganzen Weltlauf sind die Agnishvatta-Ahnen, o Achyuta.

7.312 Du bist die Großväter, die Soma-Trinker, und die übrigen Urgroßväter. Verehrung dir, Bhagavan, der du die Gestalt der Ahnen trägst, dem Unerschütterlichen,

7.313 Narayana, dem Schwan, Vishnu, dessen Wesen die drei Ahnengenerationen sind! Außer dir, Bhagavan, verneige ich mich vor keinem und verehre keinen.

7.314 Ich sättige keinen anderen, Herr aller, und rufe keinen anderen an.“ Nachdem man so die Entfaltung in den Ahnen mit höchster Hingabe gepriesen hat,

7.315 erweise man, soweit möglich, der in den Reisbällen gegenwärtigen Gestalt und der davor sitzenden Schar der Brahmanen der Reihe nach Ehre.

7.316 Man vergegenwärtige die zuvor genannte Ahnenschar entsprechend in zwei oder in einem Brahmanen, o Bester der Brahmanen, und meditiere sie als in göttlichem Sein ruhend.

7.317 Unter dem Pranava stelle man sie sich raumgleich vor. Dann erhebe man sich selbst und stehe seitlich in der Mitte, nicht weit entfernt, sodass man einander sehen kann,

7.318 nach Norden oder Süden gewandt, o Brahmane. Entsprechend der nördlichen Blickrichtung des Empfängers setze man den Herzmantra aus dem eigenen Herzen ein,

7.319 mit Om beginnend und mit Namah endend, in einer Gestalt aus Wind und Raum. Die Lebenskraft des vor den Reisbällen sitzenden Brahmanen

7.320 oder der mehreren Brahmanen stelle man sich sorgfältig aus eigenem Vermögen nach außen tretend vor, und den Mantra als rasch mit ihr eins geworden.

7.321 In der eigenen Selbstkraft aufgelöst, nimmt sie das als Wärme bezeichnete Merkmal an. Nachdem man so den Lebensstrom der Ahnen in den Brahmanenkörper übertragen hat,

7.322 lasse man die von Wonne erfüllten Empfänger, die nun die Ahnen verkörpern, essen. Zu diesem Zweck lasse man vier Brahmanen auf Sitzen Platz nehmen,

7.323 Angehörige der Pancharatra-Tradition, die in der höchsten Wirklichkeit ihr Ziel gefunden haben: zwei nach Osten und zwei nach Norden gewandt.

7.324 Fehlen die Mittel, lasse man einen allein nach Norden gewandt Platz nehmen. Man gieße Fußwasser über beide Füße, beginnend mit dem rechten.

7.325 Danach verehre man sie der Reihe nach wie die vier göttlichen Gestalten, mit Gaben von Arghya und Salbung bis zur Maßgabe,

7.326 mit allem, was zur jeweiligen Zeit passt, unter Ausschluss ungeeigneter Dinge. Auch sie sollen im Schweigen ruhen und sich gut beherrschen.

7.327 Dann ziehe man mit unter dem Waffenmantra geweihter Asche, mit einem Pflock oder mit feinem Steinmehl eine Grenze, oder unter der Formel Svadha.

7.328 Außerhalb ihres Sitzes, davor, lege man sie in größerer Länge und angemessener Breite an und reinige sie wie zuvor. [Die Maßangaben sind beschädigt.]

7.329 Dort lege man wiederum Kusha-Halme mit ungebrochenen Spitzen und nach Norden weisenden Wurzeln aus und verstreue besonders Sesam und Wasser darüber.

7.330 Darauf stelle man die Gefäße, in die der Waffenmantra eingesetzt und über die er gesprochen wurde; alle sollen rund und, wenn möglich, aus Gold oder anderen geeigneten Materialien sein.

7.331 Oder man verwende Blätter von Banane, Lotus und Tamala, Darbha-Unterlagen mit dem geweihten Wasser oder Gefäße aus geeigneten Blättern.

7.332 Darin lege man Reisgerichte, Speisen und Süßigkeiten, Gebäck, Früchte und Wurzeln, Dickmilch, Milch und weitere Gaben nieder,

7.333 Getränke und Rasala-Zubereitungen samt Trinkwasser, o Trefflicher, sowie andere geeignete, der Jahreszeit entsprechende Speisen.

7.334 Als vorausgehende Unterlage der Mahlzeit lasse man einen Nektarstrom aus dem geschöpften Wasser in die rechten Hände der Empfänger fließen.

7.335 Wenn sie schweigend essen und ihr Bewusstsein auf Janardana in Gestalt der Nahrung richten, erlangen die Ahnen dadurch bleibende Sättigung.

7.336 Deshalb sollen die Vollziehenden ein nur scheinbares, durch Ausweichhandlungen gebrochenes Schweigen meiden. Bei allen Dingen ist das heilsame, ungebrochene Schweigen zu wahren.

7.337 Schweigen, das bei geschlossenen Lippen durch Körperzeichen oder undeutliche Nasallaute ersetzt wird, beeinträchtigt das Gelingen.

7.338 Wer aus eigener Einsicht in allen Dingen angemessen handelt, ohne durch Worte angeleitet zu werden, übt das Schweigen, das alle Vollendungen fördert.

7.339 Deshalb stelle man den Teilnehmern eines Shraddha, sei es eines göttlichen oder eines Ahnenritus, alles wie eine Speisegabe vor sich innerhalb der abgegrenzten Fläche bereit,

7.340 sodass sie bis zum abschließenden Mundspülen schweigen können. Ob alle oder ein einzelner bewährter Empfänger zur Sättigung eingesetzt sind,

7.341 beginne man mit Om, füge „unseren Ahnen“ an, dann „dieses Arghya, dieses Fußwasser“ und schließe mit Svadha.

7.342 Ebenso kann man am Ende jeder Aufwartung Namah vergegenwärtigen oder „Namah, Svadha“ sprechen beziehungsweise Svadha mit abschließendem Namah.

7.343 Wer dies als seine Pflicht vollzieht, o Trefflicher, verwendet für Gleichgestellte und Angehörige der eigenen Familie allein Namah.

7.344 Im genannten umgekehrten Fall ist stets Svadha vorgeschrieben, o Brahmane. Wenn ein Entsagender selbst Menschen beschenkt, die eine Frucht erstreben,

7.345 soll seine Verneigungsformel stets mit Svadha enden. Wer hingegen eine Frucht erstrebt und regelmäßig solchen gibt, die keine Frucht suchen,

7.346 fügt nach Svadha stets Namah an. Nachdem man den Ahnen auf diese Weise entsprechend der jeweiligen Absicht ihre Anteile gegeben hat, o Brahmane,

7.347 erkundige man sich durch den Mund des Empfängers wiederholt nach ihrer Sättigung. Dann gebe man unter dem Herzmantra eine Handvoll Wasser, dem Unsterblichkeitstrank gleich,

7.348 in seine Hand. Er meditiere es wie den Vollmond, während er dessen Kräfte rezitiert, unterschieden durch die sechzehn mit a beginnenden Vokale, jeweils mit Anusvara,

7.349 verbunden mit sa, mit vorangestelltem Om und abschließender Verneigung. So ist der Mantra erklärt, der den vollständigen Mond bezeichnet, o Lotusgeborener.

7.350 Vor dem Händewaschen trinke der Empfänger dieses Wasser wie zuvor. Dadurch befindet sich die unvergängliche Kraft der Nahrung in einer Hülle aus Nektar

7.351 und nährt die Scharen der Ahnen und Götter, o Brahmane. Mit Bohnenpulver und anderen Mitteln wasche man die Hände bis zu den Handgelenken.

7.352 Nach dem Mundspülen entferne man die Speisereste ordnungsgemäß, reinige den Boden und nehme Sesamwasser in die Hand.

7.353 Dann erhebe man sich und vollziehe vor Bhagavan die erfreuende Darbringung: „Möge zuerst Bhagavan mir gewogen sein und ebenso die Schar der Ahnen!

7.354 Die im Körper von den Füßen an gegenwärtige Schar der Gottheiten möge unter Vishnus Führung diese Nahrung zur Unsterblichkeit führen.

7.355 Die Götter, die Flüsse und die Kühe, Sonne, Mond und Brihaspati, der große Bhagavan Madhava, dessen Gestalt der Mantra und dessen Wesen Süße ist,

7.356 mögen als Süße in dieser Nahrung gegenwärtig sein und Sättigung bewirken.“ Man bestreiche den Sitz und vollziehe die erfreuende Darbringung an die Ahnen, o Brahmane,

7.357 auf eben jener Bodenfläche, die den Reisbällen als Bewusstseinsstätte dient und an der jetzt alle Ahnen gegenwärtig sind, o Lotusgeborener.

7.358 Solange die für die verstorbenen, namentlich gemeinten Ahnen bestimmten Reisbälle nicht ordnungsgemäß zurückgenommen wurden, bleiben sie; danach gehen sie

7.359 zu ihrem eigenen Ort, nachdem sie dem Vollziehenden des Shraddha im Geist Segen geschenkt haben, o Weiser. „Mit Nektar, Wasser, Speise und Sesam wurde euch durch die Leuchtkraft des Mantras

7.360 ein freier Weg bereitet, auch für eure Wiederkehr. Besteigt euren eigenen Sinneswagen, der durch das Wirken des heiligen Narayana-Mantras und Brahman beschleunigt wird,

7.361 und zieht gesättigt zu Achyutas Stätte.“ So vollziehe man die Handlung in einem geräumigen Verehrungsraum.

7.362 Ist es dort eng, erbitte man die Zustimmung des Herrn der Mantras und gehe an einen anderen Ort. Diesen reinige man zuvor durch die Weihehandlungen vom Berühren an.

7.363 Dann vergegenwärtige man den Mantra, auf seine alles durchdringende Kraft gestützt, in einem Wasserträger, verehre ihn zuerst und vollziehe vor ihm die gesamte Handlung.

7.364 Für vorzügliche Brahmanen ist das Essen im Haus Bhagavans zulässig, wenn es den Göttern und Ahnen gewidmet ist; andernfalls widerspricht es der Ordnung.

7.365 Nach dieser Vorschrift sollen Menschen mit ausreichenden Mitteln täglich beim Vishnu-Opfer auch die Zuteilung an die Ahnen vollziehen.

7.366 Oder man vollziehe nach Vermögen die Handlungen bis zur Sesamwassergabe mit Früchten und Wurzeln und gebe die Hälfte davon, wenigstens einen Bissen, einer Kuh oder einem Bettler.

7.367 Denn was nach der Verehrung Achyutas unter göttlichen großen Mantras für die Ahnen gegeben wird, wenig oder viel, wird ihnen unvergänglich.

7.368 Nachdem man den Herrn im Hauptbild angemessen mit Arghya, Duft und weiteren Gaben verehrt hat, verehre man auch in allen Höfen, Tempelbauten und Nebenstätten

7.369 die zur Ausschmückung eingesetzten Vibhava- und Vyuha-Gestalten sowie die Richtungsbilder an Tortürmen, Eingängen und Hallen,

7.370 in denen seine Gegenwart hergestellt wurde, täglich nach Vermögen mit sechzehn, zweiunddreißig oder mehr Aufwartungen.

7.371 Dies geschehe unter den Mantras der jeweiligen Gestalten, auch bei anlassbezogenen Handlungen. Der Übende vollziehe die Handlungen vom Bad bis zum Japa oder bis zum Feueropfer.

7.372 Das Feueropfer vollziehe er in einer Grube vor der jeweiligen Gestalt. Ein eigenes Ritualbild für Badehandlungen und besondere Feste ist dort nicht vorgesehen.

7.373 Auch gesonderte Bali-Gaben, das Auflegen der heiligen Fäden und entsprechende Handlungen sollen insbesondere bei abhängigen Nebenbildern nicht eigens vollzogen werden.

7.374 An ihnen vollziehe man dort lediglich die tägliche Übergießung; bei weiß oder anders bemalten Gestalten eine Besprengung oder eine gedankliche Darbringung.

7.375 Die Lehrer sollen das Auflegen der heiligen Fäden bei den abhängigen Bildern gemeinsam mit der Haupttempelgestalt vollziehen, nachdem sie als deren Glieder vorbereitet wurden.

7.376 Ebenso bei sämtlichen ergänzenden Riten und bei den Erstlingsgaben. Auch die in eigenen Häusern eingesetzten Gefolgschaften von Garuda, Vishvaksena und den übrigen

7.377 sind wie die zugehörige Hauptgestalt zu verehren. Für Garuda, Vishvaksena und andere, die ohne sichtbares Bild gegenwärtig sind,

7.378 für die Scharenführer von Kumuda an, die an Toren und Umfassungen wohnen, und für die übrigen Gefolgschaften am großen Opferpodest

7.379 bringe man dreimal täglich vor dem täglichen Festbild Bali dar. Vishvaksena mit seinen Scharen, ob mit sichtbarer Gestalt oder ohne,

7.380 kann auch am Ende der Bali-Darbringung mit den verbliebenen Gaben verehrt werden. Danach vollziehe man das tägliche Fest mit vollständigem Schmuck,

7.381 eingeleitet durch Bali-Gaben an die Gottheiten der Höfe und Tore. Sanaka sprach: Erhabener, du hast mir die Darbringung vor dem täglichen Festbild

7.382 an die Gottheiten der Tore und Umfassungen erklärt. Beschreibe mir ihre genaue Einteilung, die alle Vollendungen verleiht.

7.383 Shandilya sprach: Ich werde dir das tägliche Fest und die zugehörigen Handlungen ausführlich erklären. Höre, wie durch ihren Vollzug den Gläubigen die ersehnte Frucht zuteilwird.

7.384 Das Bild für das tägliche Fest sei aus Gold, Silber, Kupfer oder Messing, nicht allzu hoch und vierarmig,

7.385 dem Hauptbild entsprechend, zuvor eingesetzt und verehrt und mit Gewändern, Schmuck und Kränzen schön geschmückt.

7.386 Man übertrage unter Mantras die im Hauptbild gegenwärtige Kraft auf dieses Bild und verehre es mit Arghya, Blumen und den weiteren Gaben bis zum Räucherwerk.

7.387 Nachdem bewährte Diener den Gott in einem Heiligtum mit selbstoffenbarter Gestalt oder einem anderen Tempel verehrt haben, bestimme man einen weiteren Übenden für die Bali-Darbringung und die übrigen Aufgaben.

7.388 Zuerst verehre man am Eingang des inneren Heiligtums und in der vorderen Halle unter Glockenklang und mit einer brennenden Lampe

7.389 die Torwächter mit den Gaben von Arghya bis Räucherwerk. Man gebe Ehrenwasser, danach Speise und anschließend Erfrischungswasser.

7.390 Dann reiche man der Reihe nach Betel unter den jeweiligen Mantras. Ein aus Gold oder anderem Material gefertigtes Fahrzeug im ersten Hof vor dem Heiligtum

7.391 schmücke man schön mit duftenden Blumen, einem Strahlenbogen, Leinenstoffen und weißen oder anderen Kränzen; darauf setze man das für die Bali-Gaben bestimmte Bild,

7.392 nach Osten gewandt, und führe es im Uhrzeigersinn durch die Höfe. Weiße und andere Schirme, Pfauenfederfächer, Bannerstangen,

7.393 Wimpel, Yakschweifwedel und schöne Palmfächer begleiten es, ebenso Tänzerinnen, Tempeldienerinnen, Sänger und Instrumentengruppen,

7.394 große Trommeln und Pauken, deren Klang sich mit der vedischen Rezitation verbindet. Mit diesem und weiterem Schmuck vollziehe man auf einer mit Kuhdung bestrichenen,

7.395 eine Elle großen Kreisfläche zuerst die Bali-Gaben an die Tor- und Umfassungsgottheiten oder an die in ihren jeweiligen Richtungen meditierten Gestalten.

7.396 Das regelmäßige Fest vollziehe man nach der noch zu beschreibenden Vorschrift. Nachdem man auf dem Opferpodest die Vishnu zugehörigen Wesen samt ihren Scharen verehrt hat,

7.397 verstreue man den Rest der Bali-Gabe mit Wasser zu ihrer Sättigung. Man führe das Bild viermal oder zweimal im Uhrzeigersinn um das Podest.

7.398 Nachdem man den Gott durch Tanz, Gesang und weitere Darbietungen erfreut hat, bringe man ihn hinein. In weiträumigen und äußeren Höfen

7.399 setze man ihn ehrerbietig auf einen geschmückten Wagen und führe die Umfahrt aus. Dann hebe man ihn vom Fahrzeug, biete ihm Sandalen an

7.400 und setze ihn auf den Ehrensitz am Boden der Vorhalle. Mit Fußwasser, Arghya, Mundspülwasser, Salbungen aus Sandelholz und anderen Stoffen,

7.401 mannigfaltigen Kränzen, Räucherwerk und abschließend Betel verehre man ihn zur Linderung seiner Mühe und bringe ihn an seinen eigenen Platz zurück.

7.402 Die anfangs übertragene Kraft führe man wieder in das Hauptbild zurück, verehre es mit Arghya, Duft und den weiteren Gaben, preise es und verneige sich.

7.403 Wo dieses regelmäßige Fest dreimal täglich vorschriftsgemäß vollzogen wird, besteht nach der Verheißung des Textes fortwährend umfassendes Wohlergehen für König und Land.

7.404 Fehlt das Bali-Bild oder ist es aus irgendeinem Grund nicht verfügbar, vollziehe man das tägliche Fest mit einem Grasbüschel oder mit der Speise als Verkörperung.

7.405 Nachdem man Arghya und sämtliche übrigen Gaben vollständig zurückgenommen, sich verneigt und den Herrn der Götter gepriesen hat, nehme man aus dem Auffanggefäß für das Fußwasser

7.406 etwas von diesem Wasser und besprenge damit den eigenen Körper. Die vom Gott angenommenen Blätter und Blumen lege man auf das eigene Haupt.

7.407 Wenn nach Vollzug der Gottesverehrung die Mantra dienenden Gläubigen Blumen, Arghya, Duftstoffe und andere Gaben ehrerbietig aufnehmen

7.408 und auf dem Haupt tragen, schwindet nach der Überlieferung ihr Unglück; sie erlangen Ansehen, Ausstrahlung, Wohlstand, Gesundheit und Vollendung.

7.409 Danach bitte man den höchsten Herrn um Erlaubnis, den eigenen Körper zu erhalten. Hat man sie empfangen, vollziehe man vorschriftsgemäß das nachfolgende Speiseopfer, den Anuyaga.

7.410 Man betrete einen abgeschiedenen, von Fehlern freien Speiseort und entzünde dort eine Lampe in einem mit Butter gefüllten Gefäß.

7.411 Man bestreiche den Boden mit Kuhdung, lege unter dem Pranava eine viereckige Fläche an und stelle in ihre Mitte ein Sitzbrett oder einen anderen geeigneten Sitz.

7.412 Mit gewaschenen Füßen und nach dem Mundspülen lasse man sich dort nieder. Man nehme alle Speisen in einem Gefäß auf, beginnend mit der bereits dargebrachten Gottesspeise,

7.413 bringe sie dem Gott dar und reinige sie mit Wasser. Dann vollziehe man im Geist die auf die vier göttlichen Gestalten gerichtete Vergegenwärtigung, die wahrhaftig und unsichtbar ist und die Fehler der Nahrung beseitigt.

7.414 In der Nahrung ruht die als innerer Lenker bezeichnete Gestalt als Geschmack, in ihrem Wohlgeschmack.

7.415 Bhagavan Pradyumna ist ihre Form, der Pflugträger ihre Kraft. „Ich, der Essende und das Selbst, bin Bhagavan Vasudeva selbst, der Ungeborene.

7.416 Dies ist das unsterbliche Brahman, dies das unvergängliche Leben; dies ist Erkenntnis, dies Kraft, dies die Leuchtkraft Vishnus.

7.417 Dies ist der ungeteilte Mond selbst, in Gestalt der Nahrung gegenwärtig. Bhagavan als Regenkraft bewirkt das Bestehen der Beigaben.

7.418 Als Feuer im Herzen isst der höchste Herr, der innere Lenker. Durch seine Kraft begnadet bin ich dieser in der Natur verkörperte Mensch.“

7.419 So erkenne man die vorliegende Nahrung als Nahrungsspender und Nahrungesser. Wie das äußere Feuer durch Buttergaben geweckt wird,

7.420 so wird der im Körper gegenwärtige Herr als Feuer durch Wasser angeregt. Er ist die Ursache des Geschmacks der Nahrung, der sechs Eigenschaften und der sechs Geschmacksrichtungen.

7.421 Das Selbst ist Brahman als das essende Selbst; durch seine Werkzeuge bringe man es sich zugewandt zur Gegenwart. Dann opfere man langsam die Nahrung. [Der erste Halbvers ist sprachlich beschädigt.]

7.422 Man trinke eine Handvoll Wasser, über die viermal der Pranava gesprochen wurde. Dann bringe man mit demselben Mantra vier Speisegaben in die Feuergrube des Mundes dar.

7.423 Mit den vorderen Fingergliedern geschehe dies zuerst viermal im Hinblick auf die vier göttlichen Gestalten; im Hinblick auf eine Dreiergruppe bringe man drei Opfergaben dar.

7.424 Danach esse man Bissen für Bissen unter dem Grundmantra in Verbindung mit dem Herzmantra. Am Ende, mit gereinigtem Mund und reinen Händen, trinke man mit dem Mantra geweihtes

7.425 Wasser: solches, das im Geist von den Lotusfüßen des Gottes herabströmt, oder Wasser von der zuvor eingesetzten sichtbaren Gestalt.

7.426 Denn es gilt als alle Verfehlungen tilgend, alle Fehler beseitigend, alles Leiden stillend und stets alles Wohlergehen schenkend,

7.427 als reinigender als sämtliche heiligen Badeplätze und Mantras, o Bester der Weisen. Deshalb trinke man am Ende der Mahlzeit zur Sättigung des Herzfeuers

7.428 stets mit innerer Hingabe dieses Wasser und werde so zum Darbringer von Butter. Durch die Brahma-Öffnung der Hand vollziehe man langsam zwei-, drei- oder viermal das Mundspülen.

7.429 Dann gehe man gesammelt wieder zum Haus Bhagavans. Zusammen mit Denken, Urteilskraft und Ichbewusstsein lege man auf dem Boden

7.430 wie eine Schildkröte die vier Glieder und als fünftes das Haupt nieder. Auf diese Weise, stets mit der Umkreisung verbunden,

7.431 verneige man sich mit acht Gliedern und rezitiere den zwölfsilbigen Mantra. Wo aufgrund reichlicher Mittel eine Verehrung zu zwölf Zeiten vorgesehen ist,

7.432 vollziehe man am Morgen die Verehrung mit acht Gliedern oder ohne die beiden letzten. Nachdem man sie abgeschlossen hat,

7.433 kann der Lehrer die Zuteilung an die Ahnen und das beschriebene nachfolgende Speiseopfer täglich nach eigenem Ermessen mit der Mittagsverehrung verbinden.

7.434 Bei drei täglichen Verehrungszeiten vollziehe man eine achtgliedrige und zwei sechsgliedrige Verehrungen. Wer Yoga erstrebt, übe Schriftstudium und den als innerlich bezeichneten Yoga

7.435 zu den jeweils passenden Zeiten. Nun wird das Schriftstudium erklärt: Nach einer Verneigung mit acht Gliedern lasse man sich vor dem Herrn nieder,

7.436 studiere die Agamas und bedenke den Sinn ihrer Aussagen. Wenn die Abenddämmerung kommt, bade man oder wasche wenigstens den Körper bis zu den Hüften.

7.437 Danach wechsle man die Gewänder und vollziehe die sechsgliedrige Abendverehrung, die mit der Bali-Gabe endet.

7.438 Nach Japa im Rahmen der eigenen Kräfte begebe man sich zur Schlafstätte und sammle den Geist auf den Gott, der außerhalb in der stützenlosen Stätte gegenwärtig ist,

7.439 ohne Anstrengung und ohne den Geist gewaltsam festzuhalten, bis der Schlaf eintritt, während man mit ihm verbunden bleibt.

7.440 Man erhebe sich um Mitternacht, nachdem man Schlaf und Ermüdung überwunden hat, und vollziehe das Mundspülen mit Wasser aus dem Wasserkrug.

7.441 Um die Entfaltung des Yoga zu erlangen, übe man den Vishnu-Yoga an einem gut geschützten, einsamen Ort, frei von störenden Gegensätzen und mit günstigen Merkmalen.

7.442 Man mache den Geist frei von Hochmut und bleibe auf das Wohl aller Wesen ausgerichtet, hingebungsvoll gegenüber Gott, heiligem Feuer und Guru und stets den guten Schriften zugewandt,

7.443 ohne Wesen zu verletzen, ohne zu stehlen und mit beherrschten Sinnen. Man lasse sich auf einem sehr reinen, geeignet beschaffenen Sitz nieder,

7.444 gefertigt aus gutem Holz, vierundzwanzig Fingerbreiten lang und zwölf Fingerbreiten hoch, bedeckt mit gut gewaschenem Stoff,

7.445 mit weichen Kusha-Halmen und einem reinen Fell. Dort sitzend übe man beständig die Glieder des Yoga.

7.446 Pranayama wird als gering, mittel und vorzüglich bezeichnet, je nach der unterschiedlichen Anzahl der Zeiteinheiten bei seinen vier Formen, beginnend mit dem Ausatmen.

7.447 Man übe Pratyahara, das Zurückziehen, welches die Zügelung des inneren Bewusstseins ist. Dieses wird aus drei Faktoren beschrieben: Urteilskraft, Denkvermögen und Ichbewusstsein.

7.448 Dabei ziehe man besonders das Denkvermögen mit Sorgfalt zurück. Der Geist wird als vierfach bezeichnet; durch Pratyahara beherrscht,

7.449 bleibt er auf dem Weg zum Meditationsgegenstand, andernfalls niemals. Dhyana heißt dessen inneres Gegenwärtigwerden und anhaltende Betrachtung.

7.450 Danach ist Dharana festzuhalten, um Verfehlungen zu beseitigen. Sie ist wie zuvor fünffach und jeweils einem bestimmten Mantra zugeordnet.

7.451 Mit geschlossenen Augen vollziehe man Japa der lautlichen Mantra-Gestalt, um das durch sie Bezeichnete zu erkennen: in Form von Keimsilben, Silbenverbänden und Wörtern.

7.452 Diese drei Formen sind angegeben und nach der zuvor erklärten Vorschrift zu vergegenwärtigen. Auch Yoga wird dreifach gelehrt; höre ihn vollständig von mir.

7.453 Er betrifft die Natur, den Purusha und als dritte Form den höchsten Herrn. Das erwägende Erschließen heißt Tarka; erkenne es als unterscheidende Betrachtung.

7.454 Samadhi ist das Erlangen des Selbst und wird als Wonne bezeichnet. Dabei lässt man den Meditationsgegenstand los und verzichtet auf die Rezitation des Mantras.

7.455 Wenn der Anteil der Brahman-Kraft frei von vorgeschriebenen Vollzügen hervortritt, erreicht man im vollendeten Samadhi den höchsten Purusha. [Die Formulierung über den Anteil der Kraft ist nicht eindeutig.]

7.456 Die Stufen vom Pranayama bis zum Samadhi sind so beschrieben; nach den unterschiedlichen Zeiteinheiten stehen sie in einem doppelten oder dreifachen Verhältnis zueinander.

7.457 Auf dem Yoga-Sitz führe man die Vorschrift wie angegeben aus. Die vier Yoga-Sitzhaltungen kann man mit einem Yoga-Band befestigen:

7.458 Paryanka, Kamala, Bhadra oder das feste Svastika. In einer von ihnen sitzend, richte man den Körper nach oben auf,

7.459 entspanne die Gelenke, halte die Oberschenkel breit und den Nacken gut ausgerichtet. Man bringe die Arme oben auf gleiche Höhe und neige den Kopf ein wenig.

7.460 Die Hände liegen schildkrötenartig am Nabel beziehungsweise in der Mitte des Schoßes, die linke über der rechten oder die rechte über der linken.

7.461 Beide Handflächen seien nach oben gewandt und in der Schildkrötenhaltung zusammengefügt. Der Hals, vom Herzen aufwärts, sei weder übermäßig steif noch eingezogen.

7.462 Man schließe die Augen ein wenig und blicke auf die Nasenspitze. Der Mund sei geschlossen, doch die Zähne berühren einander nicht. [Ein Ausdruck zur Mundhaltung ist beschädigt.]

7.463 Gut gesammelt übe man Yoga mit innerem Mantra-Inhalt oder ohne ihn. Dann bearbeite man den Prana genannten Atemstrom in Verbindung mit dem Geist.

7.464 Pranayama wird in vier Formen gelehrt, beginnend mit dem Ausatmen. Stets bemühe man sich, den Geist zu meistern, den selbst Götter und Dämonen schwer bezwingen.

7.465 Auch wenn sich der Geist durch Übung und Loslösung kraftvoll sammeln lässt, soll man sich dennoch darum bemühen, störende Bedingungen zu vermeiden.

7.466 Diese sind zweifach: unmittelbar äußere und im Geist befindliche. Die äußeren entstehen durch den Aufenthaltsort, die inneren durch eingeprägte Neigungen.

7.467 Man sitze an einem Ort ohne Bremsen und Mücken, ohne störenden Lärm und Geruch, mit geschlossenen Augen und zurückgenommenen Sinnestätigkeiten.

7.468 So lasse man alle durch die äußere Nähe entstehenden Störungen los und ebenso die vielfältigen, aus Gewohnheitsspuren entstandenen, indem man sich ganz auf den Meditationsgegenstand ausrichtet.

7.469 Den auf alle möglichen Dinge zerstreuten Geist ziehe man stets zurück. Einen solchen überall umherschweifenden Geist erkenne man als von Tamas geprägt.

7.470 Den durch Begehren und Ähnliches bewegten Geist erkenne man als rajasisch; durch Übung wird jener Geist gut genannt, der fest mit dem Bereich des Meditationsgegenstands verbunden ist.

7.471 Ist er danach ganz darin aufgegangen, gilt er als jenseits der Gunas, o Reich an Askese. Eine solche Meditation mit innerem Inhalt übe man bei der Atemzügelung.

7.472 Ferner wird ein dreifacher Weg der Yogis gelehrt: Vishnu mit gegliederter Gestalt, ohne Gliederung und in seiner höchsten Form.

7.473 Eine weitere Dreiteilung betrifft Klang, Raum und sichtbare Gestalt. Man betrachte die Gestalt des Gottes der Götter als Meditationsgegenstand.

7.474 So wird die Meditation gelehrt, bis sie den Raum erreicht. Man vergegenwärtige den Gegenstand so lange, bis kein Gegenstand mehr eigens vergegenwärtigt wird.

7.475 Wenn die gegenständliche Vorstellung in Gegenstandslosigkeit übergeht, gilt das Höchste als in seinem eigenen Wesen offenbar. Zuerst übe man das Grobe, danach das Feine, danach das Höchste.

7.476 Auf diese Weise lösen sich Geist und Meditationsgegenstand mitsamt ihren begrenzenden Bedingungen auf. Man meditiere die Gestalt des Gottes der Götter im Herzlotus

7.477 und betrachte dann den weiteren Gegenstand: zuerst grob, dann fein, dann höchst. Wer so übt, dessen innere Eigenschaften veredeln sich.

7.478 Dieser Yoga ist als allgemeiner Weg erklärt, o Hervorragender unter den Weisen. Aus Vasudeva, der höher als das Höchste und durch Licht und Wonne gekennzeichnet ist,

7.479 der über den Sinnen steht, unvergleichlich ist, Sein und Bewusstsein als Wesen besitzt, stets offenbar ist, zwei Arme und eine einzige Gestalt hat und mit seinen Händen Gaben und Furchtlosigkeit schenkt,

7.480 der durch seine eigene Seinsfülle in den sechs Eigenschaften vollkommen ist, seinem Wesen nach die vier göttlichen Gestalten umfasst und als wahres Brahman von stiller höchster Wonne ist,

7.481 der aus freiem Willen zur Begnadung der Gläubigen herabgestiegen ist und als höchste Form, als Vyuha und in weiteren Formen leuchtet wie eine Lampe, die eine andere entzündet,

7.482 ist diese eine und zugleich vielfältige Gestalt offenbar geworden. Darauf sammle der Yogi seinen Geist und übe die Vergegenwärtigung der Erkenntnis,

7.483 indem er mit dem jeweiligen Mantra Yoga praktiziert. Wer so handelt, gelangt mit der Zeit zu dem, das höher als das Höchste ist.

7.484 Für den, der es rasch erreichen möchte, wird nun ein weiterer Yoga erklärt. Das stets offenbarte höchste Brahman, das ich dir zuvor beschrieben habe,

7.485 ist das vom zwölfsilbigen Mantra Bezeichnete. Der Einsichtige meditiere es und übe die Sammlung. An der Nasenspitze, im Erdprinzip, meditiere er das wahre Brahman und vollziehe zweimal Japa,

7.486 an der Zungenspitze im Wasser viermal, am Gaumen im Feuer sechsmal und in der Zungenmitte im Wind achtmal.

7.487 An der Zungenwurzel im Raum wiederhole er den zwölfsilbigen Mantra zehnmal; in der Halsgrube im Denkprinzip meditiere und rezitiere er sechzehnmal.

7.488 Im Brustbereich im Prinzip der Urteilskraft rezitiere er vierundzwanzigmal, am Ende der Brust im Ich-Prinzip achtzigmal.

7.489 Im Handlungsprinzip hundertmal, im Zeitprinzip hundertfünfzigmal, o Lotusgeborener; danach ungestört im Lotuskanal zweihundertmal.

7.490 Im Raum des Herzens, vom inneren Lenker bis zu Vasudeva, vierhundertmal. Oder er verbinde im Herzen, oberhalb des Endes des inneren Klangs, mit dem Raum.

7.491 Ebenso kann er mit dem Pranava im Kanal oder mit der Silbe des Pranava üben. So ist Yoga je nach dem besonderen Mantra auf vielfache Weise gelehrt.

7.492 Wer diesen Yoga beständig verbunden und gesammelt übt, erreicht die höchste, stets offenbarte, leidfreie Stätte.

7.493 Nachdem er so das Selbst durch das Selbst gesammelt und Japa vollzogen hat, übe er, bis er durch die Ungeteiltheit von Erkennendem und Erkanntem ganz darin aufgeht.

7.494 Wenn der Gott hingegebene Yogi durch Übung im Samadhi jenseits aller erkennbaren Gegenstände festen Stand gewinnt, wird er zu Brahman.

7.495 Danach beende er die Abfolge von Meditation und Sitzhaltung und überwinde die Ermüdung. Anschließend biete er der im Hauptbild gegenwärtigen Gestalt den Ruhesitz an,

7.496 ebenso der im Verehrungsbild gegenwärtigen, mit Lakshmi und den weiteren Kräften verbundenen Gottheit. Er setze den Gott auf diesen in allen Teilen schön geschmückten Sitz.

7.497 Er gebe Arghya, Fußwasser und Mundspülwasser mit den zugehörigen Auffanggefäßen und salbe ihn danach mit Sandelholz und weiteren Duftstoffen.

7.498 Er bringe duftende Blumenkränze und andere Gaben, Lampe und Räucherwerk dar, ferner Speisen wie Kuchen, Früchte und Milch,

7.499 Erfrischungswasser und vollständig zubereitetes, wohlriechendes Betel, alles dem Gott der Götter und den eigenen Mitteln entsprechend.

7.500 Dann bringe man alles dar, was durch die Handlung vollzogen wurde, und vergegenwärtige es sich als erfreut angenommen. Die rechte Hand stelle man sich davon erfüllt vor.

7.501 In ihrer Mitte meditiere man den ungeteilten Mantra, ganz von Strahlen umgeben, und die Fülle der aus dem Yoga entstandenen Frucht in Gestalt Lakshmis.

7.502 Den Grundmantra rezitierend, vergegenwärtige man sie so in der Handmitte; darüber meditiere man erneut den ungeteilten Mantra.

7.503 Mit Knien und Haupt auf dem Boden bringe man dies Vishnu dar und stelle sich vor, dass er es gnädig zugewandt ganz in sich aufgenommen hat,

7.504 hocherfreut und voller Wertschätzung, o Bester der Brahmanen. Ob man das recht Vollzogene vollständig hingibt oder seine Frucht bewahrt,

7.505 versiegle man es mit der Mudra, die der Mantra-Gestalt entspricht. Dadurch entsteht für den Hingebenden keine neue Hervorbringung um einer Frucht willen.

7.506 Bei denjenigen, die eine Frucht erstreben, betrifft dies die in der Überlieferung vorgeschriebene Zeit bis zu deren Vollendung. [Der Vers ist syntaktisch beschädigt; eine sichere vollständige Deutung ist nicht möglich.]

7.507 Danach vollziehe man, ausgenommen beim dauerhaft eingesetzten Bild, an Boden-, Wasser- und anderen Trägern die Entlassung, nachdem man Arghya samt Räucherwerk gegeben hat.

7.508 Die an den Darbringungsplätzen der Reihe nach verehrten Mantras vergegenwärtige man als in den Körper des Hauptmantras eingegangen,

7.509 wie eine Flamme in eine andere oder Flüsse in die Meere. Diese grobe Mantra-Gestalt, die Stätte aller Mantras, o Brahmane,

7.510 lasse man in die feine, lenkende, zweifache Gestalt eingehen und diese feine Gestalt in die höchste, zuvor beschriebene Form.

7.511 Diese höchste, funkelnde Gestalt ruhe in der stützenlosen Stätte. Nachdem man vor ihr einen reinen Spiegel gezeigt hat,

7.512 vergegenwärtige man sie auf dem Verbindungsweg in den Herzlotus eintretend. Dort im Bewusstseinsraum des eigenen Herzens erinnere man sie als höchstes Selbst.

7.513 Man meditiere den Gott als in seinem eigenen Wesen ruhend. In den sechs Bildtypen vom Ritualbild an, die zur Durchführung der täglichen und übrigen Handlungen

7.514 ordnungsgemäß eingesetzt wurden, verehre man täglich bei der Morgenverehrung die wie zuvor aus dem Hauptbild übertragene Kraft, die mit dessen Kraft verbunden bleibt,

7.515 mit den beschriebenen Gaben von Arghya und Blumen bis zum Betel. Die jeweils dorthin übertragene Kraft führe man danach wieder ins Hauptbild zurück.

7.516 Wenn tägliche, anlassbezogene oder andere Verehrungen am Ritualbild und den übrigen Bildern anstehen, rufe der Mantra-Kenner zu Beginn der jeweiligen Handlung die Gegenwart aus dem Hauptbild herbei.

7.517 Nachdem er die begonnenen Handlungen an ihnen ordnungsgemäß abgeschlossen hat, bringe er deren Ergebnis dem Hauptbild dar und entlasse die Gegenwart aus ihnen dorthin zurück.

7.518 Zuerst entlasse er die Mantras aus den Gefäßen für Arghya und die weiteren Gaben. Sämtliche Reste dieser Gaben zusammen mit dem zuvor vom Gott Angenommenen

7.519 bringe er mit einer durch Wasser gereinigten Hand Vishvaksena dar. Dann ziehe er im Geist die beiden Einsetzungen aus seinem eigenen Leib zurück.

7.520 Er räume sämtliche Reste von Arghya und den übrigen Gaben sowie Streu und alles Weitere vollständig vom Verehrungsplatz und aus der Feuergrube weg.

7.521 Alles, einschließlich des Bodenauftrags, gebe er ins Wasser. Was der Mantra-Gestalt bereits als Speise dargebracht wurde, darf nicht lange vor ihr liegen bleiben,

7.522 ausgenommen Blumen und Früchte. Man schließe die Türen unter Rezitation des Schutzpanzer-Mantras.

7.523 Zum Schutz setze man dort das Rad und den Herrn der Vögel ein. Dann begebe sich der Mantra-Übende zur Ruhe; morgens erhebe er sich wie zuvor

7.524 und vollziehe alles Beschriebene, beginnend mit dem Wecken und der Verehrung. Wer nach dieser Vorschrift auch nur einmal, drei Tage, eine Woche, vierzehn Tage oder einen Monat

7.525 voller Hingabe und Vertrauen verehrt, gelangt nach der Verheißung des Textes zur höchsten Stätte; um wie viel mehr derjenige, der beständig darin lebt.

Spirituelle Erläuterung zu Kapitel 7: Äußeres Opfer, Mahlzeit, Schriftstudium und Meditation bilden hier einen zusammenhängenden Tagesweg. Die Nahrung wird als göttliche Gabe erkannt, das Wissen durch Nachdenken vertieft, der Geist durch Übung und Loslösung gesammelt. Der Yoga führt von der sichtbaren Gottesgestalt über feinere Vergegenwärtigungen zur Aufhebung der Trennung von Erkennendem und Erkanntem. Seine Frucht wird wiederum Gott dargebracht. Die besonderen Atem- und Mantraverfahren stehen dabei innerhalb der im Kapitel ausdrücklich vorausgesetzten Einweihungsüberlieferung.

Kapitel 8

Eingang. Glück und Segen! Achtes Kapitel.

8.1 Sanaka sprach: Erhabener, Hervorragender unter den Weisen, Allwissender, Bester der Lehrenden! Die Verehrung Garudas und der weiteren Gestalten, die zuvor erwähnt wurde,

8.2 erläutere jetzt im Einzelnen und ausführlich. Shandilya sprach: Höre, ich werde dir zuerst die Verehrung Garudas vollständig erklären.

8.3 Schon durch ihr Verständnis erlangt der Übende das Ersehnte. Von Vishnu, der als Sankarshana Erkenntnis und Stärke besitzt,

8.4 ist die als Erkenntnis und Stärke bezeichnete Gestalt, deren Wesen die Grundlage aller Dinge bildet, als der Vogelherr zu erkennen: als die Herrlichkeit des Trägers der Welt.

8.5 Er beseitigt alle Krankheiten und Ängste und vertreibt sämtliche Feinde. Deshalb soll der Mantra-Kenner ihn in einem Tempel einsetzen und täglich verehren.

8.6 Im ersten oder zweiten Hof vor dem Haupttempel errichte man für ihn ein Heiligtum in der Form einer Halle,

8.7 mit vier Toren, drei oder sechs baulichen Gliederungen und allem schönen Schmuck.

8.8 Es sei ein Drittel oder die Hälfte des Haupttempels hoch und angemessen breit. Dort, im Brahma-Bereich, im göttlichen Bereich oder im mit dem göttlichen verbundenen menschlichen Bereich,

8.9 setze man das vorgeschriebene Bild aus Metall oder Stein ein und verehre es täglich dreimal, jeweils am Ende der Verehrung der Hauptgestalt.

8.10 Höre die Vorschrift im Einzelnen und der Reihe nach, beginnend mit dem Mantra. Zuerst setze man den Pranava, danach das Wort Pakshi.

8.11 Mit abschließendem Svaha wird dies als großer fünfsilbiger Mantra bezeichnet. Die Silben des Mantras versehe man mit Bindu und stelle jeweils Om voran.

8.12 Danach spreche man die mit Erkenntnis beginnenden Begriffe im Dativ und die Gliedernamen vom Herzen bis zur Waffe, ohne die Augen. Erkenne darin die Gliedermantras.

8.13 Durch Vertauschung der mittleren und ersten Silbe des Grundmantras entsteht die giftabwehrende Form. So ist dieser selbst für die Götter schwer zu erlangende Mantra erklärt.

8.14 Er ist als Garudas fünfsilbiger Mantra bekannt, o Bester der Weisen. Die fünf Gliedermantras entstehen wie zuvor aus den mit Bindu versehenen Silben.

8.15 Mit diesem Mantra samt seinen Gliedern ist Garuda vorschriftsgemäß einzusetzen. Wenn das Bild im Hauptheiligtum steht oder auf einem Fahrzeug erscheint,

8.16 steht auch Garudas Gestalt oder ist auf dem Fahrzeug zum Aufbruch bereit. Bei einem liegenden oder sitzenden Hauptbild sitzt Garuda oder steht fest.

8.17 Seine Merkmale werden besonders im Kapitel über die Meditation der Tor- und Umfassungsgottheiten sowie beim Hissen der Fahne deutlich beschrieben werden.

8.18 Nachdem man dies erkannt hat, richte man sich zur passenden Zeit ganz auf seinen Mantra, o Brahmane, bade und wasche unter diesem Mantra die Füße.

8.19 Nach dem vorgeschriebenen Mundspülen trete man ins Heiligtum und lasse sich bequem auf dem eigenen Sitz nieder, nach Osten oder Norden gewandt.

8.20 Man vollziehe die Reinigung der Hände, den Schutz der Richtungen, Pranayama und die Reinigung der Elemente nach der Vorschrift und setze die Mantras in den eigenen Leib ein.

8.21 Dann bilde man die Mudra des Vogelherrn. Im Inneren des Herzlotus lasse man ihn aus dem viergestaltigen Gott, der in der Stätte seiner eigenen Wonne ruht,

8.22 aus dessen Sankarshana-Anteil, der mit vollkommener Erkenntnis und Stärke erfüllt ist, herabsteigen und verehre ihn wie zuvor mit Nektargaben bis zum Japa.

8.23 Danach verehre man ihn äußerlich mit den bereits beschriebenen sichtbaren Gaben, mit im Gefäß verbliebener Gottesspeise oder mit eigens zubereiteter Nahrung.

8.24 Dazu bereite man wie zuvor fünf Gefäße für Arghya und die weiteren Wasserarten oder zwei: in einem Fußwasser und Badewasser,

8.25 im anderen Arghya und Mundspülwasser; oder alles in einem Gefäß. Der Mantra-Kenner verehre wie zuvor die in den eigenen Leib eingesetzten Mantras

8.26 mit den Gaben von Arghya bis Räucherwerk. Dann verehre er an den vier Toren den Herrn des Baugrunds, den Feldhüter und die Tor-Lakshmi mit ihren jeweiligen Mantras,

8.27 ebenso die mit Chanda beginnende Schar wie zuvor. Danach stelle er den Sitz her: beginnend mit Shesha, die mit Dharma beginnende Acht- oder Sechzehnergruppe,

8.28 darüber das Rad der Zeit und die Vierheit vom Lotus an. Er verehre dies mit Duft und weiteren Gaben sowie den Herrn der Scharen und die übrigen Gestalten.

8.29 Den zuvor mit geistigen Gaben in der Mitte des Herzlotus verehrten Garuda rufe er mit dessen eigenem Mantra von dort in den Herzlotus des Bildes.

8.30 Vorschriftsgemäß vervollständige er ihn mit Gliedern, Attributen und Schmuck sowie zu seiner Rechten mit Satya, seiner eigenen Gestalt als Kraft der Stärke.

8.31 Von rechts beginnend ordne er als Attribute die Gebetskette, einen Büschel Mandara-Blüten, ein Gefäß voll Unsterblichkeitstrank und den Schlangenherrn an,

8.32 danach Krone und Waldblumengirlande sowie die Schlangen von Ananta an.

8.33 Seine bereits genannte Shakti verkörpert die Eigenschaft der Stärke. Man zeige die Mudra des Vogelherrn und vollziehe die Verehrung in der Einziehungsform.

8.34 Die Verehrung mit Gaben geschehe auf der Fläche des Lotusthrons. Auf die Blätter von Osten an setze man wie zuvor die Glieder vom Herzen an,

8.35 auf die Blätter der Zwischenrichtungen den Waffenmantra. Ihre Farben sind wie zuvor, Gestalt, Anmut und Schmuck entsprechen dem Leib des Grundmantras.

8.36 In den südöstlichen, nordöstlichen, südwestlichen und nordwestlichen Ecken des Vogelherrn befinde sich die Vierheit von der Gebetskette an; Krone und Waldgirlande

8.37 setze man vor und hinter ihn. Auf der Süd- und Nordseite befinden sich jeweils vier Schlangenherren von Shesha an, der Reihe nach.

8.38 Zu Garudas Rechten, auf dem Fruchtboden, steht Satya. Die Gestalten von Prana, Apana, Samana, Udana und Vyana

8.39 befinden sich außerhalb des in der Mitte gegenwärtigen Vogelherrn, von Osten an der Reihe nach: Satya, Suparna, Garuda, Tarkshya und Vihageshvara.

8.40 Diese fünffache Entfaltung gehört zum fünffachen Lebensatem. Die ersten vier von Satya an stehen in den Hauptrichtungen, Vihageshvara in den Ecken.

8.41 Höre nun im Einzelnen ihre Meditation. Die Gestalt, deren ganzer Körper bis zu den Füßen menschlich ist,

8.42 die zwei Arme hat und wie Schnee leuchtet, ist Satya, die Gottheit des Prana. Suparna leuchtet wie ein Rubin, ist rein und hat goldene Augen.

8.43 Garuda glänzt wie Gold, mit gekrümmten Brauen und rötlichen Augen. Tarkshya hat seitwärts blickende Augen und gleicht einer Regenwolke.

8.44 Die fünfte Gestalt ist vielfarbig und hat Augen wie flüssiges Gold. Die Gestalten von Suparna an sind vierarmig, freundlich und unaufgeregt.

8.45 Alle besitzen Vogelfüße, sind mit mächtigen Flügeln ausgestattet, haben einen herabhängenden Bauch und kräftige Glieder und tragen Ohrringe und weiteren Schmuck.

8.46 Ihre Brauen sind gebogen, ihre Augen schön gerundet, ihre Schnäbel gekrümmt und ihre Gesichter hell. Sie stehen als Herrscher über die Lebenswinde von Apana an.

8.47 Sie sind von großer Kraft und mächtigem Leib; die fünfte Gestalt hat einen roten Schnabel. Eine Gebetskette liegt jeweils über ihren beiden Daumen,

8.48 während alle diese vorzüglichen Vögel mit dem hauptsächlichen Händepaar eine Blumengabe halten. Suparna trägt mit den hinteren Händen, von rechts beginnend,

8.49 einen Büschel Mandara-Blüten und die Geste des Staunens. Garuda zeigt beides mit den entsprechenden Händen in umgekehrter Anordnung.

8.50 Tarkshya hält in der hinteren rechten und linken Hand Kadru und den Nektartopf. Die fünfte Gestalt, Vihageshvara,

8.51 hält rechts das Nektargefäß und links den Schlangenherrn. Bei den stets offenbarten und den aus der Ruhe hervortretenden Vyuhas

8.52 ist Garuda, der die Namen sämtlicher fünf Lebenswinde von Prana an trägt, als Gefolgsfigur und besonders als Bannerzeichen einzusetzen.

8.53 Bei den übrigen Stufen, beginnend mit dem Tiefschlaf, ordne man den vier Gestalten von Vasudeva an der Reihe nach

8.54 die vier von Satya bis Tarkshya zu. Bei den jeweils drei Unterformen, von Keshava an, verwende man entsprechend diese mit Satya beginnenden Gestalten.

8.55 Den Formen von Padmanabha an gehört die fünfte Gestalt, Vihageshvara, zu. Dem Herrn als Höchstem über dem Höchsten, als höchstem Vyuha und als weiteren Vyuha-Formen,

8.56 ebenso seinen zur Bewahrung der Welt hervortretenden Gestalten, kann auch der zuvor beschriebene Vogelherr zugeordnet werden, weil er der Ursprung der Vogelgestalten ist.

8.57 Damit ist dir die Macht der Garuda-Entfaltung erklärt. Außen folgen die Scharen von Kumuda an und außerhalb dieser die Gottheiten von Indra an.

8.58 Noch weiter außen befinden sich die Wesenherren von Utkata an, die den Kumuda-Scharen zugehören. Oder man verehre sie gruppenweise auf der davor liegenden Bali-Fläche.

8.59 Auch auf dem großen Opferpodest können Garudas Begleiter verehrt werden, die seine Gläubigen und die göttlichen Heiligtümer beschützen.

8.60 Nach dieser Meditation vollziehe man die Verehrung mit den beschriebenen Gaben vom Sitz an: mit vierundsechzig oder zweiunddreißig Aufwartungen

8.61 oder mit sechzehn, entsprechend dem höchsten, mittleren und geringeren Umfang. Ihm dargebrachte Speise teile man zur Weitergabe auf,

8.62 für Kranke, für Frauen ohne Kinder, für Könige, die Sieg wünschen, und für von Gift betroffene Menschen. [Dies gibt die rituelle Heilszuschreibung des Textes wieder.]

8.63 Jeden Monat unter dem Mondhaus Ardra verehre man ihn auf diese Weise besonders. Bei Festen führe man ihn mit dem Festbild auf einer Umfahrt mit.

8.64 So ist die erhabene Verehrung Garudas vollständig erklärt. Sage nun, o Weiser, was du als Nächstes hören möchtest.

8.65 Sanaka sprach: Weiser, Kenner aller Pflichten, Erhabener, den Gläubigen liebevoll Zugewandter! Zuvor wurde die Verehrung Vishvaksenas, des Feindes der Hindernisse, vorgeschrieben.

8.66 Erkläre mir ihre besondere Ordnung, wenn du mir gnädig sein willst. Shandilya sprach: Im großen, Paushkara genannten Lehrwerk wurde früher dem Lotusgeborenen

8.67 die Verehrung Vishvaksenas erklärt. Höre sie genau, o Weiser. Der Lotusgeborene sprach: Warum, Erhabener, heißt es, dass der Herr, der die Hindernisse beseitigt

8.68 und die höchste Ursache aller Herren der Hindernisse ist, Vishvaksena, verehrt werden soll, wenn Achyuta am Ort der Darbringung gegenwärtig ist?

8.69 Mit welchen Gaben, nach welcher Vorschrift, und was bewirkt er, wenn er verehrt wird? Bhagavan sprach: Für die im Werden lebenden Wesen entstehen Hindernisse, die den guten Dharma hemmen.

8.70 Ohne Verehrung, Opfer, Dharma und entsprechende Handlungen sehe ich für die im Weltlauf Lebenden kein Heil. Die Hindernisse, die ihren Einsatz dabei lähmen,

8.71 schwinden alle, geängstigt von den Flammen des Rades. Aufgrund irgendeiner früher angesammelten Tat, o Brahmane,

8.72 erfährt man jetzt durch die Verehrung eine zweifache Frucht, die vor einem liegt. Zu deren Schutz ist Vishvaksena stets

8.73 am Ende der Verehrung oder bei einer zweiten Gelegenheit mit ungestörtem Geist zu verehren, damit die Frucht zur Vollendung kommt.

8.74 Man verehre ihn mit den nach Abschluss der Gottesverehrung verbliebenen, noch frischen Gaben von Arghya an, mit sämtlichen Aufwartungen und Schmuckstücken,

8.75 mit den der Hauptgestalt dargebrachten Speisen von Madhuparka an, mit dem nach der Gabe an Brahmanen Verbliebenen, von dem man selbst noch nichts gegessen hat,

8.76 ebenso mit eigens in einem anderen Speisegefäß befindlichen, noch niemandem dargebrachten, geweihten und warmen Speisen, die mit Honig und Butter reichlich versehen sind.

8.77 Der Lotusgeborene sprach: Wer ist dieser von unvergleichlicher Kraft, vor dem die Hindernisse, die die drei Welten entwurzeln könnten, augenblicklich schon aus der Ferne fliehen?

8.78 Bhagavan sprach: Die als Kala-Vaishvanara bezeichnete Gestalt des viergestaltigen Herrn wird selbst als Vishvaksena bezeichnet, mit dem Antlitz des Gottes der Brahmanen. [Die letzte Charakterisierung ist mehrdeutig.]

8.79 Für die Opfernden ist er als Ahavaniya und die übrigen Feuer gegenwärtig; er nimmt die durch Rigverse geheiligten Opfergaben auf und sättigt die ganze Welt.

8.80 Ebenso empfängt er aus der mantraerfüllten, sattvischen, von Brahman durchdrungenen Verehrung durch die Gestalt des Gurus die mit Mantras geweihte Speise

8.81 und verteilt sie selbst rasch unter den nicht eigens angerufenen Göttern und den Bewohnern aller Welten, um ihnen Gnade zu erweisen.

8.82 Nachdem man seine Größe so erkannt hat, verehre man ihn in sichtbarer Gestalt zur Vollendung der Frucht täglich zu den drei Übergangszeiten, am Ende der Bali-Gabe.

8.83 Ebenso bei Jahresfesten und anderen besonderen Feiern: Zuerst vollziehe man die Verehrung an den sichtbaren und sonstigen Trägern

8.84 allein oder bis zum Feueropfer, nach Kräften und Mitteln oder ausführlich. Danach, o Lotusgeborener,

8.85 fülle man Wasser in eine Blattschale, ein Gefäß oder einen unbeschädigten Krug, verehre ihn darin auf der eigenen Nordseite und bringe die Gabe dar.

8.86 In ein weiteres Gefäß, das mit seinem Waffenmantra geweiht wurde, nehme man einen Anteil der Gottesspeise und ebenso aus einer anderen zubereiteten Opferspeise

8.87 eine Portion Reis, zusammen mit Dickmilch, Butter und Beigaben, versehen mit Salbung, Blumen, Arghya, Kusha und Wasser.

8.88 Man spreche seinen Herzmantra vielfach darüber, o Lotusgeborener, und rezitiere den Grundmantra in Verbindung mit der meditativen Vergegenwärtigung.

8.89 Dann gebe man die Speise in das zuvor aufgestellte Gefäß und decke es zu; oder man bespreche sie achtmal mit dem Pranava samt seinem Namen, o Lotusgeborener.

8.90 Bei jeder Verehrung kann man auch ein einziges Gefäß mit Wasser und Speise, von Wasser bedeckt, bereiten, ohne die vorangehende ausführliche Vorschrift.

8.91 Seinen Inhalt gebe man auf den Erdboden, in einen Brunnen, Teich oder einen anderen geeigneten Ort, sodass er nicht von Krähen und ähnlichen Tieren verzehrt wird, o Lotusgeborener.

8.92 Denn durch den heiligen Mantra gereinigt, gewinnt er besondere Kraft; deshalb ist sein Genuss für Unreine und besonders auch für Reine untersagt.

8.93 Dies wissend, verehre der Mantra-Übende ihn sorgfältig mit seinem Mantra. Nun werde ich den Mantra samt seinen Gliedern erklären; höre genau.

8.94 Man nehme den als Prana bezeichneten König der Keimsilben, vom Feuer überlagert, mit dem Spender der Herrschaft über die drei Welten verbunden und über Urj stehend.

8.95 Dann nehme man die Varaha-Silbe, mit Erdträger und Raum geschmückt, und füge „Vishvaksena“ im Dativ sowie die Verneigung an.

8.96 Dies ist der Mantra Vishvaksenas, mit dem Pranava beginnend. Seine erste Keimsilbe, ohne den Vokal u,

8.97 bilde, mit den sechs langen Vokalen von a an variiert, die Gruppe der Gliedermantras, jeweils mit Pranava, eigenem Namen und den sechs Schlussklassen

8.98 von Namah und Svaha an. So entstehen Vishvaksenas Gliedermantras. Mit diesem Mantra samt seinen Gliedern ist er vorschriftsgemäß einzusetzen. [Die verschlüsselte Silbenbeschreibung wird hier nicht zu einer ungesicherten Vollform ergänzt.]

8.99 Im ersten oder zweiten Umfassungsbereich errichte man zwischen Nordosten und Norden ein nach Süden gerichtetes Heiligtum,

8.100 niedriger als der Haupttempel, mit entsprechend angelegtem innerem Raum. Im Brahma-Bereich oder im göttlichen Bereich stelle man ein Bild auf, dessen Maße als Anteil der Maße des Hauptbildes bestimmt sind,

8.101 gefertigt aus Stein, Holz, Metall oder einem anderen geeigneten Material. Seine Verehrung ist die Hauptform. Als Ersatz diene in der Vorhalle,

8.102 im zuvor bezeichneten Eckbereich, ein Podest mit drei Umrandungen; darauf lasse man ihn aus dem Raum herabsteigen, ohne sichtbare Gestalt oder mit Gestalt.

8.103 Man sättige ihn allein durch Bali und Wasser. Wenn der Gott an den vier Verehrungsstätten, in Mandalas und entsprechenden Anordnungen,

8.104 als höchste Form, als Vyuha oder in weiteren Gestalten herabgestiegen ist, ist Vishvaksena während dieser Verehrung an seinem Platz in der Halle zu verehren, auch wenn er im Tempel wohnt.

8.105 Die vorgeschriebene Verehrung beginnt am ersten Tag. Wenn nach Abschluss sämtlicher Handlungen der im Mandala oder einem anderen Träger gegenwärtige Herr

8.106 in seine eigene Stätte entlassen wurde, meditiere der Mantra-Übende Vishvaksena in der Mandala-Mitte und verehre ihn vorschriftsgemäß auch am zweiten Tag.

8.107 Im Dienst der Verehrung Bhagavans verehre man besonders den im Tempel gegenwärtigen Vishvaksena nach der Vorschrift mit den Bhagavan dargebrachten Speisen,

8.108 mit sämtlichen weiteren Gaben von Arghya bis Betel und sättige täglich auch seine im Wasser, auf dem Land und andernorts wohnenden Wesen.

8.109 Entsprechend den Körpermaßen seiner im Tempel befindlichen Gestalt fertige man nach der Vorschrift ein besonderes Bild aus Gold oder anderen Materialien,

8.110 in furchtgebietender oder friedvoller Form, fähig, Hindernisse zu vernichten, vierarmig oder zweiarmig, sitzend oder aufgerichtet.

8.111 Für eine zweiarmige Hauptgestalt kann es vierarmig sein oder umgekehrt. Bei besonderen Anlässen verehre man es als Festbild.

8.112 Wenn ein Jagdfest oder ein anderes Fest stattfindet, führe man es überall dorthin mit, wohin der Herr geht, damit die Frucht ohne Hindernisse zur Vollendung gelangt.

8.113 Ich werde seine Meditation erklären; höre genau, o Trefflicher. Er gleicht jungen Durva-Sprossen, mit einem leichten Glanz von Messing,

8.114 hat vier Fangzähne, vier Arme, eine Größe von vier Kishku und einen vierfachen Gang; sein Körper ist voll entwickelt, mit Löwenschultern und einer breiten, herrlichen Brust.

8.115 Eine rechtsläufig vertiefte Nabelöffnung schmückt ihn. Seine Arme reichen bis zu den Knien; er ist herrlich und trägt gelbbraune, flammenartige Haarflechten.

8.116 Seine Augen sind goldbraun wie flüssiges Gold, seine Nase breit und flach. Lange weiße Nägel und gebogene Brauen schmücken ihn.

8.117 Weit sind Wangen und Gesicht. Sein Körper ist mit Härchen bedeckt, die sich wie die junge Mondsichel krümmen und rot wie frische Kimshuka-Blüten sind.

8.118 Seine beiden Ohren sind schön, lang herabhängend, breit und hervortretend, reich geschmückt mit Rubinohrringen.

8.119 Eine hohe Krone und Halsketten schmücken ihn. Er trägt bunte Seidengewänder und vielfältige Blumengirlanden.

8.120 Sein Glanz ist tausendmal so stark wie der der zwölf Sonnen beim Weltuntergang. Sein Blick fällt leicht nach oben und zur Seite.

8.121 Seine Zähne leuchten wie Jasmin und Mond; sein Gesicht lächelt ein wenig. Von Natur aus freundlich und makellos, zeigt er einen nur erscheinungshaften Zorn.

8.122 Er steht in einer anmutigen Haltung mit bewegten Füßen, während er im eigenen inneren Bewusstsein die höchste Stätte vergegenwärtigt.

8.123 Von den Fingern der linken Hand, vom Daumen bis zum kleinen Finger, beugt er drei wie Ranken; ein erhobener Finger weist zur Nasenspitze. [Die Zählung der Finger ist in dieser Beschreibung unvollständig.]

8.124 Diese Mudra versetzt die wirklichen Hindernisse in Furcht. Er trägt Rad und Muschel in den Händen und hält eine herabhängende Keule

8.125 mit einer lässig an der Hüfte liegenden Hand. Diese Gestalt des Gottes mit ihren vielen wunderbaren Krafttaten

8.126 meditiere man als die furchtgebietende, feurige und flammengleiche Form. Ohne Fangzähne und Drohgeste, mit Furchtlosigkeitsgeste, besitzt er dagegen die Merkmale der friedvollen Form.

8.127 Mit der vorderen rechten Hand schenkt er den Gläubigen Furchtlosigkeit, mit der entsprechenden linken hält er die herabhängende Keule.

8.128 Die hintere rechte und linke Hand tragen der Reihe nach Rad und Muschel. So ist die vierarmige Form beschrieben; höre nun die zweiarmige.

8.129 Sie entspricht den genannten furchtgebietenden oder friedvollen Formen, jedoch ohne Muschel und Rad; man vergegenwärtige die zuerst beschriebene Handstellung oder die zweite.

8.130 Oder die linke Hand ist ohne Keule und liegt beim stehenden Bild an der linken Hüfte, beim sitzenden am Oberschenkel,

8.131 in der verhüllenden Gopani-Mudra oder in der ringförmigen Kataka-Mudra. Auch können beide Hände hinten auf dem Sitz ruhen

8.132 oder oben auf der Keule liegen, die einem mächtigen Stößel gleicht. Mit den Füßen auf dem vorderen Lotusblatt sitzt er auf dem Fruchtboden

8.133 oder steht fest darauf, mit den übrigen zuvor beschriebenen Schmuckstücken versehen. Eine dieser besonderen Meditationsformen setze man vorschriftsgemäß ein

8.134 und verehre sie zu den zuvor genannten Zeiten mit ihrem eigenen Mantra. Bei der Verehrung an den vier Stätten meditiere man ihn in der Mitte der Mandalas,

8.135 nachdem die Mantras verehrt und in ihre eigenen Stätten zurückgeführt wurden, oder zwischen Nordosten und Norden in einer quadratischen Umfriedung,

8.136 ohne Tore, Schmuckausbuchtungen und Eckenaufbauten, mit drei Linien geschmückt; darin befinde sich in einer Halbmondfläche ein achtblättriger Lotus.

8.137 Wird er, den Achyuta als Oberherrn über die Hindernisse eingesetzt hat, fortwährend vorschriftsgemäß verehrt, erlangt der Übende das Ersehnte.

8.138 Deshalb bade man unter seinen Mantras nach der früheren Vorschrift oder wasche Hände und Füße, vollziehe das Mundspülen und die Mantra-Einsetzung.

8.139 Man reinige den eigenen Leib durch Konzentrationen, in denen er die herrschende Gottheit ist, und setze danach erneut die sechs Glieder ein, beginnend mit den Händen.

8.140 Wie zuvor lasse man den Herrn aus der Stätte der Wonne herabsteigen und verehre ihn im Herzlotus, in der auf einen selbst bezogenen ungeteilten Gestalt.

8.141 Dann meditiere man denselben als gegliederte Gestalt und verehre ihn äußerlich. Wie zuvor stelle man die Gefäße für Arghya und die übrigen Gaben bereit und verehre die im eigenen Leib

8.142 eingesetzten Mantras. Auf der südlichen und nördlichen Seite des Tores befinden sich Bala und Prabala, Chanda und Prachanda entsprechend.

8.143 Vor dem Tor verehre man Vayuvega und Mahaprana, Garuda ähnlich. Danach bereite man wie zuvor den Lotussitz,

8.144 mit der Fünfer- oder Neunergruppe von Dharma bis Ananta. Den Lotus stelle man sich anschließend von reinem Sattva bedeckt vor.

8.145 In ihn rufe man den Gott herbei, den die Meditation im Herzen vergegenwärtigt hat. Unter vorangehenden Mudras vollziehe man die Herstellung seiner Gegenwart und die weiteren Handlungen.

8.146 Man verehre ihn nach der Vorschrift der Einziehungsverehrung mit Arghya, Blumen und weiteren Gaben. Seine Herz- und übrigen Gliedergestalten entsprechen dem Hauptmantra in der Mitte des Fruchtbodens,

8.147 befinden sich jedoch zwischen den Lotusblättern und unterscheiden sich in ihrem Farbglanz; denn für die Glieder sind überall die Meditationen in Weiß und den weiteren Farben angegeben.

8.148 Die leuchtende Shakti namens Kriya, eine andere Gestalt von Svaha, trägt Lakshmis Form, ist gelb und mit allem Schmuck versehen,

8.149 ihrem Geliebten stets entsprechend, bequem sitzend oder fest stehend, mit Yakschweifwedeln in der rechten und linken Hand.

8.150 Ihr Mantra wird als „Hrim, der Kriya“, mit abschließendem Svaha, gelehrt. Unter ihm lasse man sie aus dem leuchtenden Leib ihres Herrn, des Vernichters der Hindernisse,

8.151 am Ende der Verehrung mit Gaben auf seine linke Seite herabsteigen. Gajanana, Jayatsena, der mächtige Harivaktra

8.152 und als vierter Kalaprakriti, o Lotusgeborener, sind die vier Herren der Scharenkönige, von gewaltiger Gestalt.

8.153 Sie erwarten seinen Befehl und halten reinweiße Yakschweifwedel empor. Die vorzüglichen Hindernisherren von Vinayaka an

8.154 gehorchen ständig diesen Scharenführern. Man setze sie in den Ecken von Nordosten an außerhalb des Lotus ein.

8.155 Sie blicken auf das Antlitz des Herrn und stehen in entsprechenden Haltungen; ihre Hände tragen dieselben Attribute, doch ohne seine besondere Mudra.

8.156 Höre ihre unterschiedlichen körperlichen Meditationsformen: Gajanana hat das Gesicht eines furchtbaren großen Elefanten, vier Fangzähne und drei Augen,

8.157 einen muschelgleichen Hals, vier Arme und den Glanz von zehntausend Vollmonden. Halsketten, Fußringe, Oberarmreifen und Gürtelketten schmücken ihn.

8.158 Er trägt vielfältige Kränze, Duftstoffe und Gewänder und besitzt unvergleichliche Kraft. So meditiere man Gajanana; danach vergegenwärtige man sich Jayatsena,

8.159 mit dem Gesicht eines großen Pferdes, dem Glanz eines Rubinbergs, Augen wie flüssiges Gold und vielerlei wunderbaren Erscheinungsformen.

8.160 Dann meditiere man Harivaktra, dessen Haupt von einer Mähne bedeckt ist, der wie geläutertes Gold leuchtet und ein himmlisch gewaltiges Brüllen hören lässt,

8.161 mit dem Gesicht des Tierkönigs und der Schnelligkeit des Windes beim Weltende, o Brahmane. Kalaprakriti vergegenwärtige man sich wie einen Berg aus Augenschwarz,

8.162 mit einem von Fangzähnen schrecklichen Gesicht, gelbbraunem Bart und ebensolchen Augen, furchterregend, mit fischförmigen Ohrringen und einer wie bei einem Fisch eingesenkten Nase.

8.163 Diese Herren der Scharenkönige besitzen vom Fuß bis zum Hals sämtliche Kennzeichen eines großen Wesens, o Brahmane.

8.164 Allen für den ersten genannten Schmuck vergegenwärtige man auch bei den drei übrigen. Man verehre sie mit ihrem jeweiligen Namen, mit vorangestelltem Pranava

8.165 und abschließendem Namah, o Lotusgeborener, zur Erlangung verschiedener Vollendungen. Je nach Wunsch verwende man vierundsechzig, die Hälfte davon oder nochmals die Hälfte an Gaben.

8.166 Für rasches Gelingen der Handlung kann man auch mit acht Gaben verehren. Die ihnen dargebrachte Speise, Arghya, Kränze, Sandelholz und anderes

8.167 dürfen Einsichtige, die diesseitiges oder jenseitiges Heil suchen, niemand anderem geben; denn diese Gaben hat er den ihm zugehörigen Wesen zugestanden.

8.168 Deren Erwartung richtet sich stets darauf. Deshalb verursachen sie denen, die davon essen, Verlust ihrer Güter

8.169 und zerstören gewiss ihre ganze Fülle an Hoffnungen. Wer es anderen gibt oder als Unwürdiger selbst davon isst,

8.170 oder wer dies aus Verblendung vernachlässigt, gelangt nach der Drohung des Textes in die Hölle. Deshalb soll, wer Heil sucht, dies stets vermeiden.

8.171 Man gebe die Gabe auf den Boden, in einen Brunnen, Teich oder einen anderen geeigneten Ort, sodass Krähen und ähnliche Tiere sie nicht verzehren, o Lotusgeborener.

8.172 Denn durch den heiligen Mantra gereinigt, gewinnt sie besondere Kraft; deshalb ist ihr Genuss für Unreine und besonders auch für Reine untersagt.

8.173 Damit ist dir die Verehrung Vishvaksenas vollständig erklärt. Wenn noch etwas zu erläutern ist, sage es mir.

8.174 Sanaka sprach: Für die Herren der Umfassungen von Kumuda an, die an Toren und Umfassungen wohnen, wurden Bilder aus Stein, Metall und anderen Materialien eingesetzt.

8.175 Was ist jeweils bei ihrer Verehrung zu tun? Erkläre es mir. Shandilya sprach: Die Tor- und Umfassungsgottheiten, die fest in ihren eigenen Stätten stehen,

8.176 oder bewegliche, ordnungsgemäß aus Gold und anderen Materialien gefertigte Gestalten verehre man dreimal oder zweimal täglich, bei begrenzten Möglichkeiten einmal.

8.177 Mit dem jeweiligen Mantra vollziehe man die Verehrung durch acht Aufwartungen. In den göttlichen und anderen Heiligtümern Vishnus in seiner höchsten, seiner Vyuha- und den weiteren Formen

8.178 gibt es Menschen, die Tempel, Bilder, Umfassungsmauern, Tortürme, Eingänge und Hallen, Küchen, Trinkwasserhäuser und Blumenhallen,

8.179 Vorratshäuser für Geld, Getreide und Gewänder, Säulengänge und Bali-Plattformen, Gebäude für die zugehörigen Nebengestalten, Kuhställe und Unterkünfte für die Fahrzeuge

8.180 neu errichten oder verfallene und zerstörte Anlagen wiederherstellen, ebenso Straßen und Umfriedungen in Dörfern und andernorts für die Festumzüge;

8.181 die Gärten mit Frucht- und Blütenbäumen, Teichen und Brunnen, mit Ruhehallen und Tränken

8.182 aus Hingabe zum Herrn der Welt anlegen; die Felder, Läden und weitere Mittel zu ihrer Unterhaltung schenken;

8.183 die den Gottesverehrern und anderen Bediensteten sowie den im Tempel lebenden Familien von Dienerinnen und Dienern

8.184 durch regelmäßigen Unterhalt Nahrung gewähren, um den Herrn zu erfreuen; die den Leib des Gottes, seiner Glieder und seiner Gefolgschaften

8.185 mit Schmuck von den Fußringen bis zur Krone zieren; die Tempel und Tortürme mit Gold versehen,

8.186 Ruhelager, Sitze, Fahrzeuge und verschiedene große Wagen stiften, ringsum aus Gold und kostbaren Edelsteinen gefertigt,

8.187 Elefanten und vorzügliche Pferde sowie Verehrungsgeräte, Gefäße für Fußwasser und Arghya und Auffanggefäße für Fußwasser und die weiteren Flüssigkeiten,

8.188 einen Ehrensitz, zwei vorschriftsgemäße Gefäße für Lampe und Räucherwerk, eine Glocke, Gebetsketten und andere Gegenstände,

8.189 weiße und verschiedenartige Schirme, Yakschweifwedel, Schuhe, Sandalen und zahlreiche Fußschemel,

8.190 verschiedene vorschriftsgemäße Speiseschalen mit Unterlagen aus Gold, Silber und Kupfer, dazu Betelbehälter,

8.191 große und kleine Opferlöffel und alle weiteren Gefäße und Geräte, die der Verehrung dienen, dem Herrn der Welt darbringen;

8.192 die göttlichen Güter schützen und das Eigentum des Gottes ehrfürchtig bewahren; die den festgestellten Sinn der Lehren der guten Agamas und weiterer Schriften erläutern und würdigen;

8.193 die gute Gläubige initiieren, den Sinn des Vedanta erschließen oder dessen Bedeutung in ihren jeweiligen eigenen Sprachen darlegen:

8.194 Sie sind als vorzügliche Gottesverehrer zu erkennen. Für sie fertige man in den göttlichen und anderen Heiligtümern bewegliche oder unbewegliche Bilder aus Metall oder Stein,

8.195 deren Gestalt und Haltung ihrem jeweiligen gesellschaftlichen und religiösen Lebensstand entsprechen, mit zum Gebet gefalteten Händen oder nach den vorgeschriebenen Maßen gestaltet,

8.196 an den Armen von rechts an mit Rad und Muschel gekennzeichnet, bequem in der Mitte eines Lotussitzes sitzend oder fest stehend,

8.197 schön aufrecht oder in der Vaishakha-Stellung. Man fertige sie vorschriftsgemäß und stelle sie im Hof oder in einer Halle auf,

8.198 in passenden, vor dem Herrn errichteten Heiligtümern oder nach dem verfügbaren Raum links, rechts oder hinter ihm.

8.199 Man setze sie mit ihren jeweiligen Mantras ein und verehre sie vorschriftsgemäß und vertrauensvoll. Höre ihre Mantras für Einsetzung und weitere Handlungen.

8.200 Sie werden mit dem befreienden Brahman-Laut verbunden, der Pradhana, Purusha und Ishvara umfasst, oder mit der Folge Aham und Sa samt dem befreienden Laut und abschließendem Visarga.

8.201 Mit der ersten oder zweiten Form oder mit allen drei verbinde man ihren Namen. Höre nun die Verehrung samt den Gliedern. [Die verschlüsselte Mantrabildung ist nicht zweifelsfrei aufzulösen.]

8.202 Eine der beiden mit dem befreienden Laut beginnenden Formen bilde man sechsfach und füge jeweils die mit Erkenntnis und Herz beginnenden Bezeichnungen im Dativ an.

8.203 Diese Glieder, zuvor mit dem Pranava als Grundlage verbunden, setze man ein und verehre täglich die Gläubigen, die im höchsten Dharma leben.

8.204 Diese Vorschrift betrifft ihre Verehrung als dem Hauptheiligtum zugeordnete Gestalten. Für eine selbstständige Anlage errichte man in einer Brahmanensiedlung, im Wald oder an einem Flussufer

8.205 sorgfältig einen Tempel mit Umfassungsmauer, mit der gewünschten Anzahl von Geschossen und ringsum angelegten Straßen.

8.206 Ob die Verehrer in ein anderes Land gezogen sind oder in Bhagavans Welt wohnen: Man setze ihre sichtbare oder nicht mehr sichtbare, dem Gott gleichgestaltig gewordene Form

8.207 vorschriftsgemäß im menschlichen Bereich des Tempels, zwischen göttlichem und menschlichem Bereich oder im dem menschlichen zugeordneten göttlichen Bereich ein.

8.208 Aus dem Bewusstsein in der Mitte des unentfalteten Lotus von Vishnus Mantra-Thron lasse man Bewusstsein in den Herzlotus des Verehrerbildes herabsteigen.

8.209 Man vervollständige seine Gestalt und verehre sie stets mit dem Mantra samt seinen Gliedern. Dies ist die besondere Anrufung, ob für Lebende oder für Verstorbene.

8.210 Überall geschehe die Verehrung, beginnend mit dem unentfalteten Lotus, der Reihe nach mit acht oder sechzehn der zuvor beschriebenen reichlichen Gaben bis zum Betel.

8.211 An ihrem jeweiligen Geburtstag ist eine besondere Verehrung zu vollziehen. Nach dem Hissen einer Lotusfahne veranstalte man dort ein großes Fest.

8.212 Bei einem dem Hauptheiligtum zugeordneten Fest geschehe das Hissen der Fahne gemeinsam mit dem Gott. Die von Gläubigen verfassten Gesänge, vertieft durch den Sinn der Upanishaden,

8.213 lasse man den Gott vorschriftsgemäß und hingebungsvoll in gesungener Form hören. Die ihm dargebrachten Speisen lasse man den Sängern geben.

8.214 Damit ist dir die gesamte Verehrung der Gefolgschaft von Garuda an erklärt, die die Früchte vielfältiger Vollendung schenkt.

8.215 Man bewahre sie sorgfältig, besonders vor Menschen, die ihre Grundlage verneinen; den Gläubigen, die sich den täglichen Pflichten widmen, sollst du sie offenbaren.

Spirituelle Erläuterung zu Kapitel 8: Der Tempeldienst umfasst hier mehr als den unmittelbaren Ritus. Auch der Schutz gemeinschaftlicher Güter, der Unterhalt der Dienenden, das Anlegen von Gärten und Wasserstellen sowie die Erklärung der Lehre in den eigenen Sprachen werden als Ausdruck vorzüglicher Hingabe gewürdigt. So verbindet der Text Verehrung mit Fürsorge, Bildung und verlässlichem Dienst. Seine besonderen Vorschriften über Opferreste gehören zur jeweiligen Gottheit und dürfen nicht unterschiedslos verallgemeinert werden.

Kapitel 9

Eingang. Glück und Segen! Neuntes Kapitel.

9.1 Shandilya sprach: So vollziehe der vorzügliche Mantra-Kenner die Verehrung zu drei Zeiten. Im regulären täglichen Vollzug ist keine geringere Zahl vorgeschrieben.

9.2 In Heiligtümern mit selbstoffenbarter Gestalt und den übrigen entsprechenden Tempeln, o Bester der Brahmanen, bilden drei Zeiten die Grundlage; eine größere Zahl liegt im Ermessen des Verantwortlichen.

9.3 Entsprechend den verfügbaren Mitteln steigere man sie schrittweise bis zu zwölf Zeiten, o Hervorragender unter den Weisen.

9.4 Unter den drei Zeiten ist der Morgen die vorzüglichste. Die ordnungsgemäße Mantra-Einsetzung in die eigenen Hände und den Leib,

9.5 die Herzensverehrung, die Reinigung des Ortes und die mit Atemzügelung verbundene Reinigung der Elemente vollziehe man stets am Morgen; zu den anderen Zeiten nach eigenem Ermessen.

9.6 Bad und Bali-Darbringung vollziehe man stets zu den drei Zeiten. Die Verehrung des Sitzes der Gottheit erfolgt bei einer Ordnung mit vier Zeiten,

9.7 die Mantra-Einsetzung bei fünf, die Feuerhandlung bei sechs. Bei darüber hinausgehenden Zeiten reicht die Verehrung bis zum Japa.

9.8 Die Handlungen vom Schmucksitz an geschehen wie zuvor in ihrer Reihenfolge. Man verfahre nicht anders als in der beschriebenen Weise.

9.9 In der Hauptform vollziehe man die täglichen und anlassbezogenen Verehrungen jeweils der Reihe nach bis zu ihrem eigenen abschließenden Feueropfer.

9.10 In einer Ersatzform reichen sie zunächst bis zum Japa. Wenn tägliche, anlassbezogene oder andere, jeweils bis zum Feueropfer reichende Verehrungen unmittelbar aufeinanderfolgen,

9.11 vollziehe man erst jede der Reihe nach bis zum Japa und danach die jeweiligen Feueropfer in ihrer vorgeschriebenen Reihenfolge, o bester Weiser.

9.12 Bei den vereinfachten Verehrungen zu den zusätzlichen Zeiten gebe man Sitz und Arghya, danach Fußwasser und Mundspülwasser mit Auffanggefäß,

9.13 Duft, Kranz, Lampe, Räucherwerk und Maßgabe; anschließend bringe man die weiteren Gaben bis zur Speise der Reihe nach vorschriftsgemäß dar.

9.14 Höre nun, o Brahmane, die Verteilung der Nadikas für die Ordnungen von zwölf bis zu drei Verehrungszeiten.

9.15 Vom Brahma-Muhurta an verwende man zweieinviertel Ghatikas, um zuerst die täglichen eigenen Pflichten, beginnend mit dem Bad, ordnungsgemäß zu vollziehen.

9.16 Für die Morgenverehrung gelten elf und ein Viertel Nadikas; danach vier Nadikas für zwei weitere Verehrungen.

9.17 Dann dreieinhalb Nadikas für die eigenen Tagespflichten und anschließend siebeneinhalb für die Mittagsverehrung.

9.18 Es folgen zwei Ghatikas für eine weitere Verehrung, o Bester der Brahmanen, dann drei für die Nachmittagsverehrung.

9.19 Danach beträgt die Zeit für das Schriftstudium zwei Ghatikas; eineinhalb Nadikas sind für die eigenen Abendpflichten bestimmt.

9.20 Dann sieben und eine halbe Nadika für die Verehrung zur Abenddämmerung; anschließend vollziehe man zwei Verehrungen innerhalb von vier Ghatikas.

9.21 Danach gelten drei Nadikas für die Mitternachtsverehrung. Eine weitere Verehrung vollziehe man innerhalb von zwei Ghatikas, o Brahmane.

9.22 Dann folgt die Verehrung vor Tagesanbruch mit zweieinhalb Nadikas; danach vier Nadikas für Yoga und anschließende Ruhe.

9.23 Dies ist die Zeiteinteilung bei zwölf täglichen Verehrungen. Für elf Zeiten wird nun die Reihenfolge erklärt.

9.24 Nach der Mitternachtsverehrung folge unmittelbar die Verehrung vor Tagesanbruch; oder man lasse nach der Abendverehrung eine zusätzliche Zeit aus.

9.25 Die Ruhezeit beträgt dann sechs Nadikas. Sind zehn Verehrungszeiten vorgesehen,

9.26 so folgt auf die Mittagsverehrung die Nachmittagsverehrung; die Mittagsverehrung umfasst dann neuneinhalb Nadikas.

9.27 Bei neun vorgeschriebenen Verehrungszeiten lasse man vor der Mitternachtsverehrung eine Verehrung weg.

9.28 Dann gelten neuneinhalb Nadikas für die Abendverehrung. Bei einer Ordnung mit acht Zeiten, o Bester der Brahmanen,

9.29 lasse man nach der Morgenverehrung eine weitere aus; die Morgenverehrung umfasst dann dreizehn Nadikas mit einem zusätzlichen Bruchteil.

9.30 Bei sieben Verehrungszeiten, o Bester der Brahmanen, gibt es nachts Abenddämmerung, Mitternacht und die Zeit vor Tagesanbruch.

9.31 Die Mitternachtsverehrung umfasst dann vier Nadikas, die letzte dreieinhalb Ghatikas.

9.32 Bei sechs vorgeschriebenen Zeiten gelten Vormittag, Mittag und Nachmittag als die drei Tageszeiten.

9.33 Für die eigenen Morgenpflichten stehen dann drei Nadikas mit einem zusätzlichen Anteil zur Verfügung, für die eigenen Mittagspflichten viereinhalb.

9.34 Die fünf Zeiten reichen vom Morgen bis zur Mitternacht. Die verbleibenden Ghatikas sind dann für Yoga und Ruhe bestimmt.

9.35 Ohne den Nachmittag werden sie als vier Zeiten bezeichnet. Dann sind fünf Ghatikas für das Schriftstudium vorgesehen.

9.36 Morgen, Mittag und Abend sind der Reihe nach die drei Zeiten. Die verbleibenden Ghatikas dienen den eigenen Pflichten.

9.37 Als Ersatz kann nach Vermögen auch eine einzige Zeit, die Mittagszeit, dienen oder zwei, Mittag und Nacht, o Brahmane.

9.38 Wo zahlreiche Umfassungsbereiche und umfangreiche Bali-Gaben bestehen, wo die Verehrung Bhagavans mit großen Mitteln weit ausgestaltet ist

9.39 und viele Gestalten ausführlich verehrt werden, verfahre man nach sorgfältiger eigener Erwägung:

9.40 Man verlängere die Anzahl der Nadikas zur Hauptzeit, o Einsichtsvoller, und verkürze die zusätzlichen Zeiten entsprechend den jeweiligen Handlungen.

9.41 Wer beständig zu den so beschriebenen Zeiten verehrt, erlangt die Frucht der Verehrung vollständig, o Einsichtsvoller.

9.42 Man bemühe sich, die Zeit nicht zu überschreiten. Wird die hier angegebene Zeit überschritten, entsteht nach der Vorschrift ein schwerer Fehler.

9.43 So ist die Verteilung der Nadikas für ein von Menschen gegründetes Heiligtum erklärt. Ebenso gilt die Zeitbestimmung bei den vier Arten von Stätten,

9.44 von selbstoffenbarten bis zu den von Rishis gegründeten, o Brahmane. Höre nun eine Besonderheit, auch bei den festgelegten Handlungen.

9.45 Bei Jahresfesten und vielfältigen anlassbezogenen Handlungen bis zum Auflegen der heiligen Fäden, bei unterschiedlichen wunscherfüllenden Riten,

9.46 ebenso bei Sühnehandlungen wegen Erschütterungen des Landes und anderen Fehlern oder wegen des großen Umfangs der Verehrung, mangelnder Kräfte und ähnlicher Umstände,

9.47 entsteht bei einem geringfügigen Überschreiten der für die jeweilige Handlung angegebenen Zeit kein Fehler, o Brahmane, kraft der besonderen Heiligkeit dieser Stätten.

9.48 Wo Brahmanen, die der guten Überlieferung und den fünf täglichen Zeiten hingegeben sind, ausschließlich auf die vier göttlichen Gestalten ausgerichtet und zu dieser Aufgabe befugt,

9.49 mit den zuvor beschriebenen allumfassenden Mantras, beginnend mit dem zwölfsilbigen, samt ihren Haupt- und Nebengliedern nach dem in der göttlichen Schrift gelehrten Weg

9.50 verehren, entsteht insbesondere dort niemals ein Fehler durch Überschreitung der Zeit.

9.51 Dennoch höre eine besondere Regel zur Zeitüberschreitung: Bei Heiligtümern, die von Angehörigen der Stände mit gemischten Verehrungsweisen errichtet wurden,

9.52 sei es bei täglichen, wunscherfüllenden, anlassbezogenen oder vielfältigen als Sühne bezeichneten Handlungen, o Brahmane,

9.53 entsteht schon beim Überschreiten der jeweils angegebenen Zeit um einen Muhurta ein schwerer Fehler für den Auftraggeber, den Guru und die betreffende Stätte.

9.54 In einem Heiligtum, das von Menschen gegründet wurde, die bei keinem anderen Zuflucht suchen, darf der Beginn der Morgenverehrung ein Achtel einer Nacht- beziehungsweise Tageswache

9.55 nicht überschreiten, die Mittagsverehrung nicht zwei Wachen mit einem zusätzlichen Achtel und der Beginn der Abendverehrung nicht ein Achtel einer Wache nach Beginn der Nacht.

9.56 Der Beginn der Mitternachtsverehrung darf dreizehn Nadikas nicht überschreiten, der Beginn der Verehrung vor Tagesanbruch nicht neunzehn.

9.57 Bei Überschreitung entsteht der Fehler für die genannte Dreiergruppe vom Auftraggeber an. Bei anlassbezogenen und weiteren Handlungen bestimmt sich der Fehler wie zuvor.

9.58 Höre nun von mir die Regel für eine von guten Shudras gegründete Stätte, o Brahmane: Tagsüber überschreite der Morgenbeginn keinen Anteil einer Wache.

9.59 Der Mittagsbeginn überschreite nicht zweieinviertel Wachen, der Abendbeginn nicht einen Anteil einer Wache nach Beginn der Nacht. [Der Bruchteil der Wache ist hier nicht ausdrücklich beziffert.]

9.60 Der Beginn der Mitternachtsverehrung überschreite nicht vierzehn Nadikas, der vor Tagesanbruch nicht zwanzig. Wird dies überschritten,

9.61 droht nach der Überlieferung Gefahr für den Auftraggeber samt seinen Angehörigen, die Stätte und den Guru. Bei anlassbezogenen Handlungen gilt für die Überschreitung das zuvor Gesagte.

9.62 Höre die Einteilung für ein von guten Vaishyas gegründetes Heiligtum: Der Beginn der Morgenverehrung darf zwei Nadikas nach Sonnenaufgang

9.63 nicht überschreiten, der Mittagsbeginn nicht achtundzwanzig Nadikas und der Abendbeginn nicht drei nach Beginn der Nacht. [Die Angabe „achtundzwanzig“ wird aus der Vorlage beibehalten; ihre Einordnung in die Reihe ist auffällig.]

9.64 Die Mitternachtsverehrung beginne spätestens nach zwei Wachen, die Verehrung vor Tagesanbruch spätestens nach einundzwanzig Nadikas.

9.65 Auch die drei Arten von Handlungen von den anlassbezogenen an sollen ihre zuvor angegebene Zeit nicht überschreiten. Geschieht es doch, werden Auftraggeber und Lehrer

9.66 mitsamt ihren Angehörigen von schwerer Krankheit und anderen Leiden betroffen; für die Stätte drohen Getreideverlust und Bedrängnis durch mächtige Wesen.

9.67 Nun erkläre ich die Ordnung für eine von Kshatriyas gegründete Stätte, die die gute Überlieferung kennen. Die Morgenverehrung beginne spätestens nach einer halben Wache,

9.68 die Mittagsverehrung spätestens nach zweieinhalb Wachen, o Brahmane, die Abendverehrung spätestens nach einer halben Wache.

9.69 Die Mitternachtsverehrung überschreite nicht sechzehn Nadikas, die weitere nicht drei Wachen; auch anlassbezogene und andere Handlungen

9.70 sollen die angegebene Zeit nicht überschreiten. Wird sie durch Nachlässigkeit oder Ähnliches überschritten, drohen Unruhen im Land und weitere Fehler für die zuvor genannte Dreiergruppe.

9.71 Höre nun von einer durch Brahmanen gegründeten Stätte, die den fünf täglichen Zeiten folgen: Der Beginn der Morgenverehrung überschreite nicht fünf Nadikas,

9.72 der Mittagsbeginn nicht zwanzig und der Abendbeginn nicht sechs Nadikas.

9.73 Die Mitternachtsverehrung überschreite nicht siebzehn Nadikas, die letzte Verehrung nicht vierundzwanzig.

9.74 Auch bei anlassbezogenen und anderen Handlungen soll die eintretende Zeit nicht überschritten werden. Wer diese vorgeschriebene Regel auf irgendeine Weise übertritt,

9.75 verursacht nach der Überlieferung den Verlust der Stellung und weitere Fehler für die Dreiergruppe vom Lehrer an. Höre nun die Besonderheit einer von Rishis gegründeten Stätte.

9.76 Der Beginn der Morgenverehrung überschreite nicht sechs Nadikas, der Mittagsbeginn nicht einundzwanzig.

9.77 Die Abendverehrung beginne spätestens nach sieben Nadikas, die Mitternachtsverehrung spätestens nach achtzehn, o Brahmane.

9.78 Die letzte Verehrung überschreite nicht fünfundzwanzig Nadikas. Bei Überschreitung droht dem Auftraggeber eine auszehrende Krankheit,

9.79 dem Land ausbleibender Regen und der Stätte große Gefahr. Höre nun die Regel für eine von Mantra-Vollendeten gegründete Stätte.

9.80 Der Morgenbeginn überschreite nicht eine Wache, die Mittagsverehrung nicht einundzwanzigeinhalb Nadikas.

9.81 Der Beginn der Abendverehrung überschreite nicht eine Wache, die Mitternachtsverehrung nicht neunzehn Nadikas,

9.82 die letzte Verehrung nicht sechsundzwanzig. Bei Überschreitung wird dem Auftraggeber der Verlust eines Sohnes angekündigt,

9.83 der Stätte der Verlust von Gütern und dem Land die Bedrängnis durch Krankheit. Nun beschreibe ich eine göttlich gegründete Stätte: Der Morgenbeginn

9.84 überschreite nicht acht Nadikas, o Bester der Brahmanen, die Mittagsverehrung nicht zweiundzwanzig, die Abendverehrung nicht acht.

9.85 Die Mitternachtsverehrung überschreite nicht zwanzig, die letzte nicht siebenundzwanzig Nadikas, o Bester der Weisen. Wird die Zeit durch Nachlässigkeit oder Ähnliches überschritten,

9.86 drohen dem Landesherrn fortwährend Fieber und andere Krankheiten, der Stätte und den Bewohnern des betreffenden Landes der Verlust von Getreide und weiteren Gütern.

9.87 Höre nun die Zeitvorschrift für eine selbstoffenbarte Stätte, o Brahmane: Der Beginn der ersten Verehrung darf zehn Ghatikas

9.88 nicht überschreiten, die Mittagsverehrung nicht fünfundzwanzig Nadikas und der Beginn der Abendverehrung nicht zehn.

9.89 Die Mitternachtsverehrung überschreite nicht zweiundzwanzig Nadikas; die letzte überschreite niemals den Zeitpunkt des Sonnenaufgangs.

9.90 Wird dies aus Nachlässigkeit oder vorsätzlich übertreten, o Brahmane, drohen dem Landesherrn Unterwerfung durch Feinde und schwere Krankheiten,

9.91 den Untertanen Krankheit, der Stätte ausbleibender Wohlstand und dem Land ausbleibender Regen.

9.92 Tägliche und anlassbezogene Handlungen, die von Mondhäusern und anderen Zeitmerkmalen abhängen, dürfen in einer menschlich gegründeten Stätte die für sie angegebene Zeit nicht überschreiten.

9.93 Bei den drei Arten von Stätten von den rishigegründeten an kann eine für den früheren Abschnitt vorgeschriebene Handlung nach dessen Verstreichen im unmittelbar folgenden Abschnitt vollzogen werden.

9.94 Wird auch diese Zeit überschritten, entsteht ein Fehler wie bei der Überschreitung der täglichen Verehrung. Eine für den späteren Abschnitt bestimmte Handlung vollziehe man in eben diesem.

9.95 Eine für den Vormittag vorgeschriebene Handlung kann man mittags vollziehen, eine für mittags vorgeschriebene am Nachmittag.

9.96 Eine für den frühen Teil der Nacht vorgesehene Handlung kann man um Mitternacht vollziehen, eine für Mitternacht vorgesehene im späteren Nachtteil.

9.97 An einer selbstoffenbarten Stätte kann eine für den ersten Abschnitt vorgeschriebene Handlung im mittleren oder letzten geschehen, eine für den letzten auch im ersten oder mittleren.

9.98 Als Ersatz vollziehe man also eine für den Vormittag bestimmte Handlung mittags oder nachmittags, o Brahmane.

9.99 Eine für den frühen Nachtteil bestimmte Handlung kann in der Mitte oder am Ende der Nacht geschehen. Eine mondhausbezogene Handlung vollziehe man im früheren Teil des betreffenden Mondhauses,

9.100 eine auf einen Mondtag bezogene Handlung im späteren Teil dieses Mondtags. Bei Überschneidung oder Verlängerung eines Mondhauses und bei Teilung eines Mondtags gilt dessen letzter Abschnitt. [Die kalendarische Fallunterscheidung ist im Wortlaut knapp und mehrdeutig.]

9.101 Besteht der Neumondtag noch nach der Sangava-Zeit des Vormittags, vollziehe man die zugehörige Handlung an diesem Tag; andernfalls am Vortag.

9.102 Beim Eintritt in den nördlichen Sonnenlauf vollziehe man die Verehrung Bhagavans nach dem Übergang, innerhalb der folgenden sechzehn Nadikas, bis zum Feueropfer,

9.103 beginnend mit dem Bad, o Bester der Weisen; ebenso zur Tagundnachtgleiche im Monat Chaitra. Beim Eintritt in den südlichen Sonnenlauf vollziehe man die Verehrung vorher,

9.104 vom Bad bis zum Feueropfer, innerhalb der vorausgehenden sechzehn Nadikas. Als Ersatz kann sie innerhalb der folgenden sechzehn geschehen.

9.105 Ebenso verfahre man zur Tagundnachtgleiche im Monat Ashvayuja. Bei den vier betreffenden Sonnenübergängen verfahre man wie beim nördlichen Sonnenlauf.

9.106 Eine Handlung, die von einem Aszendenten oder einem bestimmten Muhurta abhängt, bereite man, soweit es die Mittel erlauben, weitgehend vor und lasse nur einen Rest offen.

9.107 Sobald die günstige Zeit eingetreten ist, vollende man diesen Rest. Man verehre den Gott mit Arghya und den weiteren Gaben und bringe im Feuer die vollständige Abschlussgabe dar.

9.108 Eine für den Tag bestimmte anlassbezogene Handlung vollende man bei Tage, eine für die Nacht bestimmte in der Nacht.

9.109 An welchem Tag und in welcher Nacht eine Handlung vorgeschrieben ist, o Brahmane, genau darin soll man sie mit Sorgfalt abschließen.

9.110 Ein großes Fest soll die ihm vorgeschriebene Zeit niemals überschreiten. Die Zeit eines nächtlichen Festes reicht bis zum Sonnenaufgang.

9.111 Für den Gang zum heiligen Badeplatz gilt in der Hauptform an einer von Menschen gegründeten Stätte eine Zeit innerhalb der ersten zwanzig Nadikas des Tages, o bester Brahmane.

9.112 In der Ersatzform reicht sie bis zum Sonnenuntergang. An selbstoffenbarten und vergleichbaren Stätten findet die Handlung in der Hauptform tagsüber statt,

9.113 in der Ersatzform bis zum Ende der ersten Nachthälfte; bei einem Sonnenwendenübergang oder einem entsprechenden Anlass kann sie auch in der Hauptform nachts stattfinden.

9.114 In einer von Menschen eingesetzten Stätte ist die Zeit für das Auflegen der heiligen Fäden innerhalb der ersten zwanzig Nadikas des Tages, o Bester der Brahmanen,

9.115 an selbstoffenbarten und entsprechenden Stätten bis zum Sonnenuntergang. Nachts soll man diesen Schmuck niemals auflegen.

9.116 Bei Mond- oder Sonnenfinsternis vollziehe man bereits vor ihrem Eintritt für den an vier oder zwei Stätten gegenwärtigen Gott

9.117 die Verehrung vom Bad bis zum Feueropfer, mit reichlichen, ansprechenden Gaben der Aufwartung und körperlichen Berührung,

9.118 mit Milch, Butter und weiteren geeigneten Stoffen besonders sorgfältig, o Einsichtsvoller. Danach nehme der Verständige die Gebetskette und übe so lange Japa,

9.119 bis Mond oder Sonne wieder von Rahu befreit sichtbar werden. Dadurch erlangt man nach der Verheißung unendliche Frucht aus Verehrung, Feueropfer und Japa.

9.120 Andernfalls bleibt die Handlung ohne Frucht, und dem Auftraggeber drohen Krankheit und weitere Leiden. Auch bei anderen unregelmäßigen anlassbezogenen Handlungen,

9.121 die sich nach einer heiligen Zeit richten, verfahre man entsprechend. Sämtliche wunscherfüllenden Handlungen vollziehe man zu ihrer jeweiligen Zeit.

9.122 Andernfalls gelingen diese Handlungen nicht rasch. An selbstoffenbarten und entsprechenden Stätten kann man sie zu jeder Zeit vollziehen.

9.123 Eine Sühnehandlung vollziehe man, sobald ihr Anlass eingetreten ist: unmittelbar, am Ende der laufenden Handlung oder innerhalb von drei Tagen.

9.124 Je nach dessen Gewicht können Beginn oder Abschluss auch innerhalb von fünf oder sieben Tagen erfolgen; andernfalls vollziehe man das Doppelte.

9.125 Auch an selbstoffenbarten und entsprechenden Stätten vollziehe man die Sühne. Bei allen vier Arten dieser Stätten, o Einsichtsvoller,

9.126 sollen der Baubeginn und die Einsetzung von Umfassungsmauern, Tortürmen und weiteren Anlagen, besonders auch die Einsetzung von Ritualbildern,

9.127 die Wiederherstellung verfallener Anlagen, ihre erneute Einsetzung, die Aussaatzeremonie sowie das Hissen und Einholen der Fahne

9.128 unter günstigem Muhurta, Mondhaus und Aszendenten geschehen. Bei Überschreitung entsteht ein Fehler, für den man eine Befriedung vollziehe.

9.129 Besteht der zwölfte Mondtag nur für einen kurzen Zeitanteil, vollziehe man am dreizehnten Mondtag am Ende der Handlung das Niederlegen zum Schlaf und das Wiedererwecken.

9.130 Bei den verschiedenen Handlungen wie dem Auflegen der heiligen Fäden entsteht jedoch niemals ein Fehler allein durch Überschreiten des Muhurta. [Die Reichweite dieser Ausnahme ist im vorliegenden Zusammenhang nicht eindeutig.]

9.131 Wo der Herr mit allumfassenden Mantras, von ausschließlich ihm zugewandten Befugten und nach dem in der göttlichen Schrift gelehrten Weg verehrt wird,

9.132 gilt die Zeitregel wie für eine göttlich gegründete Stätte. Wo zwei dieser Merkmale vorliegen, gilt die Zeit wie bei einer von Vollendeten gegründeten Stätte.

9.133 Wo nur eines der drei vorliegt, gilt die Regel wie bei einer Rishi-Stätte. Für sämtliche zuvor beschriebenen Heiligtümer

9.134 ist die Zeitregel der regelmäßigen und übrigen Handlungen jeweils zweifach: Hauptform und Ersatzform. Wird sie überschritten,

9.135 vollziehe man zuerst die Befriedung des Fehlers und danach die Handlung zur nächstmöglichen Zeit, sodass die Handlung niemals ganz ausfällt.

9.136 So vollziehe man diese Handlungen stets in geordneter Folge. Treffen tägliche und anlassbezogene Handlungen zur selben Zeit zusammen,

9.137 vollziehe man zuerst die anlassbezogene, danach die tägliche. Treffen eine regelmäßige anlassbezogene, eine unregelmäßige und eine tägliche Handlung zusammen,

9.138 geschehe zuerst die unregelmäßige, danach die regelmäßige anlassbezogene und die tägliche. Treffen anlassbezogene und wunscherfüllende Handlungen zusammen, geschehe die wunscherfüllende zuerst.

9.139 Trifft eine Sühnehandlung mit irgendeiner dieser Handlungen zusammen, vollende man zuerst die Sühne

9.140 und vollziehe danach die übrigen Handlungen. Ist eine anlassbezogene oder andere Handlung aufgrund der Mittel und weiteren Umstände sehr umfangreich,

9.141 vollziehe man die zu dieser Zeit fällige tägliche Handlung bereits vorher. Dadurch entsteht niemals ein Fehler der Zeitüberschreitung.

9.142 Wo viele Lehrer, viele Dienende und zahlreiche für die verschiedenen Handlungen bestimmte Bilder vorhanden sind,

9.143 kann man sämtliche Handlungen gleichzeitig vollziehen. Dort besteht der Fehler der Zeitüberschreitung wie zuvor beschrieben.

9.144 Die Lehrer für selbstoffenbarte und weitere Stätten werden später beschrieben, o Brahmane. Höre jetzt ihre Bestimmung nach den unterschiedlichen Gottesgestalten.

9.145 Für den Herrn in der überhöchsten und in der höchsten Form bestimme man stets vier nach der Schrift geeignete Acharyas.

9.146 Für Vyuha- und Zwischenformen können acht oder zwölf eingesetzt werden; ebenso vorzügliche Lehrer bei den Vibhava-Gestalten.

9.147 Ebenso viele Übende sollen tätig sein oder stets sechzehn, o Brahmane; bei selbstständigen Vibhava-Heiligtümern auch zwölf.

9.148 Für die zehn Avataras, die selbstständig in einem Tempel eingesetzt sind, o Einsichtsvoller, können zehn Verehrer bestimmt werden,

9.149 ausgestattet mit dem vorgeschriebenen Lebenswandel, oder eine größere Anzahl. Dort ist diese Ordnung vorzüglich; andernorts ist sie nicht zweckmäßig.

9.150 Man bestimme diese Zehn niemals als eine beliebig isolierte Gruppe. Bei den Gestalten vom Überhöchsten an soll man die Zahl zehn nicht ansetzen.

9.151 Auch bei einem nicht selbstständigen Avatara setze man nicht zehn an. Die Anzahl der Dienenden werde ich später ausführlich beschreiben.

9.152 So wurden die Zeiten der Reihe nach für den gelehrten Ekayana-Angehörigen erklärt, der zur Verehrung für andere befugt ist, ohne dass seine eigenen Pflichten beeinträchtigt werden,

9.153 ebenso für den Initiierten, dessen Geist dem Lehrsystem hingegeben ist. Höre nun für beide, sofern sie sich den eigenen religiösen Handlungen widmen,

9.154 die zeitliche Einteilung der täglichen Pflichten. Es werden fünf Zeiten gelehrt, beginnend mit Abhigamana.

9.155 Die erste heißt Abhigamana, die zweite Upadana. „Nach der Einteilung der Zeiten vom Lotusgeborenen gefragt …“ [Die zweite Vershälfte wiederholt den folgenden Vers; die erwartete ausdrückliche Nennung der dritten Zeit fehlt hier. Sie wird in 9.176 als Ijya erläutert.]

9.156 Die vierte heißt Svadhyaya, die fünfte Yoga. Nach der Einteilung der Zeiten vom Lotusgeborenen gefragt

9.157 und auch von Narada in anderer Form, sprach Bhagavan selbst. Diese Ordnung wird nun hier jeweils gesondert erklärt, o Brahmane.

9.158 Der Lotusgeborene sprach: Erhabener, ich möchte das tatsächliche Wesen der Agamas vom Mantra-Siddhanta an mitsamt ihrer zeitlichen Einteilung erkennen.

9.159 Bhagavan sprach: Die Zeit ist eine einzige, o Bester der Brahmanen; entsprechend den Tätigkeiten erscheint sie jedoch für die auf Bhagavan ausgerichteten Handelnden gegliedert.

9.160 Was als Tag und Nacht, in Nadikas gemessen, bezeichnet wird, teile man vom Morgen an in fünf ungleiche Abschnitte.

9.161 Zum Brahma-Muhurta reinige der Mantra-Kenner gesammelt und rein den eigenen Leib durch die beschriebenen Atemübungen und weiteren Verfahren.

9.162 Nachdem er die Mantras in seinen Leib eingesetzt hat, vollziehe er die Mantra-Verehrung bis zum Japa und Lobpreis, bis die Sonne sichtbar wird.

9.163 Danach beschaffe beziehungsweise verehre er die Gaben wie Blumen, Wurzeln und Früchte. Wenn ein Achtel des Tages vergangen ist, vollziehe er, beginnend mit dem Bad,

9.164 die Mantra-Verehrung wie zuvor bis zur dritten Tageswache. In der vierten Wache betreibe er Schriftstudium,

9.165 Nachdenken verbunden mit Zuhören und, nach eigener Einsicht und Neigung, Auslegung. Nach Sonnenuntergang begebe er sich zum Verehrungsraum

9.166 und vollziehe die Mantra-Verehrung mit Japa und Meditation. Danach begebe er sich zur Schlafstätte und gedenke des Herrn der Mantras im Herzen.

9.167 Nachdem ein Teil der Nacht vergangen ist, erhebe er sich vom Lager und übe wie zuvor den mantraerfüllten Yoga im Inneren des Herzlotus.

9.168 Dann suche er erneut das Lager auf. Erwacht, o Lotusgeborener, erhebe er sich, verlasse die Schlafstätte und vollziehe das zuvor Beschriebene.

9.169 Erkenne dies als die bereits ausführlich erklärte Einteilung der Zeit. Narada sprach: Gott, man hört doch in der Welt von einer einzigen Zeit und keiner zweiten.

9.170 Du aber hast fünf Zeiten gelehrt. Was bedeutet dies? Hier liegt mein Zweifel. Bhagavan sprach: Narada, die eine, an sich ungeteilte Zeit

9.171 wird vom Morgen bis zum Ende der Nacht nach den verschiedenen Handlungen fünffach eingeteilt; es sind keine mehreren Zeiten gemeint.

9.172 Narada sprach: Erkläre die Merkmale der Handlungen, die jeweils einer Zeit zugeordnet sind, damit ich durch ihre rechte Erkenntnis mein Tun zur Erfüllung bringe.

9.173 Bhagavan sprach: Vom Brahma-Muhurta bis in den frühen Teil des Tages nähere man sich, o Brahmane, mit Japa, Meditation, Verehrung und Lobpreis, verbunden mit Tat, Rede und Geist,

9.174 dem Ursprung der Welt. Dies heißt Abhigamana, das Hinzutreten. Danach erhebe man sich und beschaffe Blumen, Früchte und weitere Gaben

9.175 zur Durchführung der Gottesverehrung während der nächsten Wache. Diese nach Tätigkeit und Zeit bestimmte Handlung heißt Upadana, das Bereitstellen.

9.176 Danach verehre der Übende den höchsten Herrn während einer Wache mit der achtgliedrigen Verbindung der Verehrung, o Brahmane. Dies heißt die Zeit der Ijya.

9.177 Danach folgen Zuhören, Nachdenken und Auslegung, verbunden mit Rezitation. Diesen Zeitabschnitt erkenne als Svadhyaya, o Bester der Weisen.

9.178 Am Tagesende vollziehe man die Verehrung und übe Yoga, ebenso am Ende der Nacht, mit Ruhezeiten dazwischen.

9.179 Dieser fünfte, Yoga genannte Zeitabschnitt verleiht die Verwirklichung Brahmans. Narada sprach: Zuvor habe ich die gesamte erhabene Gottesverehrung gehört.

9.180 Nun möchte ich ihre Glieder noch einmal gesondert erkennen. Bhagavan sprach: Von der Verehrung im inneren Bewusstsein bis zur Hingabe des Selbst

9.181 reicht das erste große Glied der Verehrung, Abhigamana genannt. Die gesamte Verehrung mit Gaben von Arghya und Blumen an, o Weiser,

9.182 mit äußeren Aufwartungen, erkenne als das Bhoga genannte Glied, Narada. Die Verehrung mit Dickmilch, die mit Honig und Butter vermischt ist, und mit der Kuh

9.183 ist das dritte Glied; das vierte ist die Verehrung mit Nahrung. Das Weitergeben des bereits Dargebrachten nach der zuvor beschriebenen Vorschrift, o Weiser,

9.184 heißt Sampradana und gilt als fünftes Glied. Das sechste ist die Sättigung des Feuers, das siebte die Ahnenverehrung.

9.185 Das achte ist der Anuyaga, das nachfolgende Opfer, genannt Opfer in das Feuer des Lebensatems. Damit ist alles erklärt, wonach du gefragt hast.

9.186 Wer darin feststeht, dem gewährt er rasch seine eigene Stätte. So ist die Ordnung mitsamt den Unterschieden der Handlungen erklärt,

9.187 die Einteilung der fünf Zeiten für beide Arten von Befugten. Eine Besonderheit gilt für den, der den Herrn des wahrhaftigen Willens verehrt,

9.188 ausschließlich auf die vier göttlichen Gestalten ausgerichtet und im Geist allein dem ursprünglichen Dharma zugewandt: Die hier gelehrten Verfahren von Atemzügelung und Einsetzung

9.189 bis zur Verehrung des Hindernisbesiegers soll er sorgfältig auslassen und zur Erfüllung seines eigenen Ziels dem in Sattvata und entsprechenden Schriften gelehrten Weg folgen.

9.190 Für einen initiierten Schüler hingegen, der zur Verehrung befugt wurde, sind alle zuvor beschriebenen Verfahren von der Atemzügelung an vorgeschrieben. [Die Abgrenzung der beiden Berechtigungsformen bleibt an dieser Stelle knapp.]

9.191 So habe ich dir die Einteilung der Zeiten vollständig erklärt. Wer sie kennt, o Trefflicher, vermag sämtliche Handlungen angemessen zu vollziehen.

Spirituelle Erläuterung zu Kapitel 9: Die vielen Zeitbestimmungen dienen der Verlässlichkeit des gemeinschaftlichen Tempeldienstes. Der Text berücksichtigt zugleich Mittel, Umfang und besondere Umstände. Für den persönlichen Weg tritt die einfache Fünfgliederung hervor: sich Gott zuwenden, Gaben vorbereiten, verehren, studieren und meditieren. Dabei bleibt die Zeit selbst ungeteilt; ihre Gliederung entsteht durch bewusst gestaltetes Handeln. Die im Kapitel angedrohten Folgen von Versäumnissen gehören zu seiner traditionellen rituellen Begründungssprache.

Kapitel 10

Eingang. Glück und Segen! Zehntes Kapitel.

10.1 Sanaka sprach: Zuvor wurde bei der Gottesverehrung die Verehrung der Welten und weiteren Wirklichkeiten, die in den Teilen des Tempels gegenwärtig sind, kurz beschrieben.

10.2 Ihre Gestalten, Namen und besonderen Orte möchte ich ausführlich hören. Erkläre sie, Bester der Lehrenden.

10.3 Shandilya sprach: Für die vielfältig unterschiedlichen Tempel, o Einsichtsvoller, für alle Formen, beginnend mit runden und länglichen,

10.4 werde ich die Anordnung der Welten, Wirklichkeitswege, Prinzipien und Gottheiten ausführlich erklären. Zuerst binde man die gesamte Erdenwelt in den Bodenbereich des Tempelfußes ein.

10.5 Ebenso vergegenwärtige man sich die Zwischenwelt an den Sockeln des Tempels entsprechend ihrer Lage und die Himmelswelt darüber bis zur Höhe des Schaftes.

10.6 Vom Gebälkbereich bis zum Boden des großen Turmaufsatzes reicht die Mahas-Welt; die Jana-Welt liegt auf dessen Plattform, die Tapas-Welt in seinem eiförmigen Aufbau.

10.7 Die Satya genannte Welt vergegenwärtige man sich an seiner Spitze. So meditiere man zuerst die Durchdringung des Tempels mit den sieben Welten.

10.8 Danach vergegenwärtige man sich der Reihe nach die Durchdringung mit den Wirklichkeitswegen. Die sechs Wege meditiere und verehre man im Inneren des Steins, der die Gefäße trägt.

10.9 Dort sind sie samenhaft enthalten. Aus diesem Samen keimt ihre Durchdringung auf und tritt darüber in die Offenbarung.

10.10 Vom gefäßtragenden Stein bis zum Tempelsockel vergegenwärtige man sich überall den Weltenweg, entsprechend seiner eigenen Ordnung.

10.11 Bis zur Höhe des inneren Heiligtums schaue man den Wortweg; der Mantra-Weg reicht bis zum Shukanasa-Vorbau, der Prinzipienweg bis zur Plattform.

10.12 Der Weg der Kräfte reicht bis zum Halsstück, darüber liegt der Lautweg. Nach dieser Durchdringung mit den Wegen setze man die Wirklichkeitsprinzipien ein.

10.13 Das Erdprinzip verbinde man mit dem Bodenbereich des Fußes, o Brahmane; das Wasserprinzip setze man in den Sockel, das Feuerprinzip in den Schaft.

10.14 Darüber reicht das Windprinzip bis zum Halsbereich. Der Raum befindet sich im Turmaufsatz. Von dort aus setze man der Reihe nach

10.15 die feinen Sinnesqualitäten vom Klang an bis hinunter zum Fußbereich ein. Die seitlichen Nasenaufsätze sind die Ohren, der Verputz gilt als Haut.

10.16 Die Fenster sind die Augen, die Bhadra genannte Plattform ist die Zunge, der Shukanasa-Vorbau die Nase, das Tor der Mund.

10.17 Die Säulen sind als Hände zu erkennen, die Fußsteine und Sockelgefäße als Füße. Der Wasserablauf ist der After, der Bereich dazwischen das Geschlechtsorgan.

10.18 Der Innenraum ist als Denkvermögen zu erkennen, das Ichbewusstsein ruht im Brahma-Stein; die Bildbasis ist die Urteilskraft, ihr Inneres die Prakriti.

10.19 Das Bild ist als der fünfundzwanzigste, der höchste Purusha, zu erkennen. Sind die Prinzipien so eingesetzt, folgen der Reihe nach die Gottheiten.

10.20 Unter dem gefäßtragenden Stein befindet sich der Schlangenkönig Ananta, geschmückt mit einem Kranz von tausend Hauben.

10.21 Darüber ruht das Rad mit tausend Speichen. Den als Gefäßträger bezeichneten Stein erkenne als die allgegenwärtige,

10.22 gemeinsame, ungeteilte Fähigkeitskraft des höchsten Herrn. Darüber stehen neun Gefäße, o Brahmane.

10.23 In die vier Gefäße der Zwischenrichtungen setze man Lakshmi ein, auf einem Lotus sitzend und von den Schatzmächten umgeben.

10.24 In die vier übrigen den König der Edelsteine namens Kaustubha, unter seinem eigenen Mantra und Namen, zusammen mit den Herren der Schätze.

10.25 In dem einen mittleren vergegenwärtige man Bhagavan, dessen Wesen alle Kräfte sind, unter dem sechssilbigen Mantra, ungeteilt und mit einem aus Klang bestehenden Leib.

10.26 In die Mitte des Deckels dieses mittleren Gefäßes setze man die höchste göttliche Shakti ein, die das All zu tragen vermag.

10.27 In den Hauptrichtungen gilt sie als Prabha, die Herrin aller, als Erkenntniskraft; in der Gruppe ihrer Offenbarungen in den Zwischenrichtungen vergegenwärtige man sie als Wonne,

10.28 als Achyutas Kriya genannte Kraft, die die reine Daseinsordnung hervorbringt. Auf den neun Deckeln, von der Mitte bis zum Bereich Ishas,

10.29 meditiere man sie der Reihe nach als alles durchdringend, o Einsichtsvoller: Jnanabhasa, Nivasati, Anantabala, Prabha,

10.30 Sarvaga, Brahmavadana, Dyotaki, Satyavikrama und Sampurna werden als die das All tragenden Kräfte genannt.

10.31 Außerhalb davon setze man eine Achtergruppe von Kräften in den Haupt- und Zwischenrichtungen ein, von Osten bis Nordosten, auf acht Steinen.

10.32 Balaviryavati, Nitya, Ananta, Sthira, Dhruva, Satya, Dhriti und als achte Sthiti heißen sie, o Brahmane.

10.33 Zwischen den Steinen setze man der Reihe nach die Sechsergruppe der Laute ein, vom ersten Laut bis zum abschließenden sa. [Die genaue Gruppierung der Laute ist im überlieferten Satz unklar.]

10.34 Mit dem Laut ksha vergegenwärtige man die Durchdringung und außen darum einen Ring. Auf der Polstergrundlage befindet sich dann die Sechzehnergruppe von Dharma an.

10.35 Sind darüber an den Ecken vier Lotusse angelegt, o Brahmane, so befinden sich auf ihnen

10.36 die Gestalten von Vasudeva an, vom Südosten bis zum Nordosten. Im Bereich der unteren Sockelstufe liegt das Rad, leuchtend wie das Feuer der Zeit.

10.37 Im Sockelbereich befindet sich der auf den drei Lichtbereichen ruhende Lotus; in seiner Mitte der aus Bewusstsein bestehende Purusha, verbunden mit allen Kräften.

10.38 In den vier Hauptrichtungen des Sockels, von Osten bis Norden, stehen der Reihe nach Ananta, der Vogelherr, der Lotus und das Rad.

10.39 Auf dem Fußlotus setze man in den vier Richtungen von Osten an Vasudeva und die weiteren Gestalten oder Purusha und die weiteren der Reihe nach ein.

10.40 Das Rad, das sämtliche Grundlagen umfasst, ruht am Fuß der Türpfosten. Die beiden Pfosten tragen die Prinzipien Erkenntnis und Tätigkeit.

10.41 Der ursprüngliche höchste Herr befindet sich am oberen Türsturz, alles durchdringend. Auf dessen Rückseite in der Mitte

10.42 steht der vollständige vierfüßige Dharma, der Vorzüglichste unter den sattvischen Wesen. Sind zwei Türflügel vorgesehen, o Bester der Brahmanen,

10.43 befinden sich auf dem südlichen und nördlichen der Gott Kala-Vaishvanara und der Herr der Wasser.

10.44 Sind zwei vollständige Shukanasa-Vorbauten angelegt, o Einsichtsvoller, setze man in sie Wille und Lebensatem ein, in die Fenster Feuer und Soma.

10.45 In die zwölf Schaftbereiche und ebenso in die Zwischenflächen setze man Zeit, Raum, den Lenker, die Schrift mit ihren vielfältigen Gliedern,

10.46 die Herren des Wissens, Shiva mit Rudra und seinen Scharen, die Gruppe der Prajapatis, Indra mit seinem Gefolge,

10.47 die Rishis von den Sieben an, die Planeten mit Sternen und weiteren Himmelskörpern, die Wolken, sämtliche Schlangen und die vorzüglichen Apsaras,

10.48 die Heilpflanzen, die Tiere, alle Opfer mit ihren Gliedern, die Wissensformen und das niedere Wissen, Feuer und Wind,

10.49 Mond und Sonne, Wasser und Erde ein. Diese vierundzwanzig Gruppen von Gottheiten sind der Reihe nach zu meditieren. [Die Zählung hängt von der Zusammenfassung einzelner Gruppen ab.]

10.50 Die Gestalten von Keshava an befinden sich oben am Schaft. An beiden Seiten des Shukanasa, am Ansatz der Wand,

10.51 setze man von Süden an Ganesha und Yoganidra ein. Darüber, im Gebälkbereich auf der Fläche des Kapota-Gesimses,

10.52 befinden sich neun Nasenaufsätze und ihre Zwischenflächen. Auf all diesen ordne man der Reihe nach an:

10.53 Rad, Muschel, Keule, Lotus, Pflug, Stößel, Pfeile, Sharnga-Bogen, Schwert, Schild, Stab, Axt und Speer,

10.54 Schlinge, Elefantenhaken, Hammer, Vajra und Shakti-Wurfspieß. Bei quadratischen und rechteckigen Tempeln

10.55 setze man Garuda über dem Gebälk in die vier Ecken. Auf der darüber befindlichen Plattform sind, o Einsichtsvoller,

10.56 von Osten an folgende Gestalten zu meditieren: der Einhörnige, der Gott in Zwerggestalt, der alles durchmessende Trivikrama,

10.57 Nara und Narayana, Hari und Krishna, Rama mit der flammenden Axt und der andere Rama als Bogenträger,

10.58 der vedakundige Bhagavan Kalki und der in der Unterwelt ruhende Herr. Dann meditiere man am Halsstück die Schildkröte, die die Unterwelten trägt,

10.59 Varaha, Narasimha, den Bringer des Unsterblichkeitstranks, den Gemahl Shris mit göttlichem Leib, die liebliche Gestalt als Träger des Nektars,

10.60 den Besieger Rahus, den Vernichter Kalanemis, den großen Entführer des Parijata-Baums, den friedvollen Herrn der Welt, den großen Herrn Dattatreya

10.61 und Bhagavan, der auf dem Banyanbaum ruht, o Bester der Brahmanen. Danach teile man den Turmbereich in drei gleiche Abschnitte,

10.62 bis zur Plattform, die das Abschlussgefäß trägt, o Bester der Brahmanen. Im unteren Abschnitt meditiere man der Reihe nach die übrigen Vibhava-Götter:

10.63 Bhagavan Ananta, den Gott Shaktyatman, Madhusudana, den Herrn des Wissens, Kapila, Vishvarupa, Vihangama,

10.64 Krodatman, Badabavaktra, Dharma, Vagishvara und den auf dem einen Weltozean ruhenden Gott: Diese zwölf werden genannt.

10.65 Darüber steht Dhruva, alles durchdringend; noch darüber Padmanabha, ebenfalls allgegenwärtig.

10.66 An der Stirnseite des Shukanasa ist der höchste Purusha zu verehren: Bhagavan, die Grundlage der Welt, ihr ewiger Herr,

10.67 Vasudeva, das höchste Brahman, Achyuta als Ursache der Welt. Die Welten, die Schar der Wege, die Prinzipien und die Gottheiten

10.68 sind auf dem Tempel angeordnet und von ihm durchdrungen. Wo am Tempelkörper kein Shukanasa vorgesehen ist,

10.69 vergegenwärtige man Vasudeva am vorderen Nasenaufsatz. An den drei übrigen befinden sich die drei Gestalten von Achyuta an,

10.70 oder die von Purusha an, die von Nara an, o bester Brahmane, die von Varaha an oder die von der Dharma-Gestalt an,

10.71 oder die von Parashurama an, jeweils in ihrer Reihenfolge. Alle diese können mit ihren Kräften verbunden oder allein dargestellt werden.

10.72 Auf der mit Bäumen, Blättern und Ranken geschmückten Plattform setze man das sechsspeichige Rad ein, das tausend Lichtflammen trägt.

10.73 Dann vergegenwärtige man Vasudeva und die weiteren Gestalten an den Amalasaraka-Aufsätzen; an ihren oberen Bereichen meditiere man die Räder der Reihe nach:

10.74 das reine, das ruhende und das als aus der Ruhe hervorgetreten bezeichnete. Am Abschlussgefäß des Shukanasa stehen die Gestalten von Nara bis Krishna.

10.75 In den Ecken des inneren Bereichs, vom Südosten bis zum Nordosten, befinden sich Bhagavan in Ebergestalt, der Herr als Shesha,

10.76 der Purusha als Narasimha und der allgegenwärtige Narayana. Bei den der Reihe nach genannten Tempelgliedern, o Bester der Brahmanen,

10.77 die als Träger der Gottheiten dienen, kann ein Glied fehlen oder zusätzlich vorhanden sein. Dann verfahre man

10.78 bei der Einsetzung der Gottheiten am jeweiligen Ort nach eigener verständiger Zuordnung; oder man lasse die Verehrung einer Gottheit aus, deren tragendes Bauteil nicht angelegt wurde.

10.79 Die sieben Welten, die Wege, die Gruppen der Prinzipien und die Gottheiten sind von den Übenden ohne körperliche Gestalt zu meditieren, o Bester der Brahmanen.

10.80 Ebenso bei einem Tempel, der von Vollendeten oder Göttern eingesetzt wurde. Doch dort sind die Attribute der zugehörigen göttlichen Gestalten … [Der Satz setzt sich im folgenden Vers fort; ein Wort ist beschädigt.]

10.81 und ihre Plätze, o Bester der Brahmanen, vorschriftsgemäß angelegt. Man prüfe die Teile des Tempels sorgfältig

10.82 und verehre sie mit aufmerksamem Geist und vorangehender Meditation. Sind die Attribute der Gestalten oder die Tempelglieder

10.83 in ihrer Form nicht deutlich erkennbar, prüfe man sie anhand ihrer Merkmale, auch anhand von Traumhinweisen und der Unterweisung eines vorzüglichen Lehrers, o Bester der Brahmanen.

10.84 So untersuche man sie sorgfältig und sachgemäß, o bester Brahmane. Sind Merkmale unvollständig oder vertauscht,

10.85 soll man sie dennoch nicht eigenmächtig anders gestalten, o Bester der Brahmanen. Man prüfe sie nicht mit der Absicht, sie zu verändern.

10.86 Wer die Merkmale mit Änderungsabsicht untersucht, verkürzt nach der Warnung des Textes sein Leben; wer sie tatsächlich umgestaltet, gelangt in die Hölle.

10.87 Deshalb soll man mit aller Sorgfalt bei selbstoffenbarten und entsprechenden Tempeln die Merkmale der darin gegenwärtigen Gestalten,

10.88 ihre Plätze und die Teile des Tempels so prüfen, wie sie vorhanden sind, und daraus die jeweilige Gestalt bestimmen.

10.89 Wenn sie anhand ihrer besonderen Attribute klar erkannt ist, vollziehe man die Verehrung mit ihrem jeweiligen eigenen Mantra.

10.90 Unter allen Tempeln ist der selbstoffenbarte der vorzüglichste, o Trefflicher; der göttliche Bhagavan bleibt darin in seiner eigenen ursprünglichen Gestalt gegenwärtig.

10.91 Dort ist Bhagavan selbst, der den Gläubigen liebevoll Zugewandte, unmittelbar anwesend. Auch wenn Verfall oder andere Schäden eintreten, verlassen

10.92 die höchsten Kräfte der Mantras niemals ihre jeweiligen Plätze. Auch die im Inneren des Tempels gegenwärtigen Formen des Herrn, von den selbstoffenbarten an,

10.93 sind nach der zuvor beschriebenen Weise genau zu erkennen. Gestalten, deren Identität in den drei Welten nicht durch Waffen, Mantras oder Banner deutlich wird,

10.94 tragen dennoch Gruppen von Kennzeichen an den Füßen, an Stirn, Schulterflächen, Rücken und beiden Handflächen,

10.95 an Körperhaar und Haupt, damit die rituell Handelnden sie erkennen. Diese jeweiligen Kennzeichen prüfe man besonders sorgfältig

10.96 und verehre mit den lautlichen Mantras, die der jeweiligen Gestalt bestimmt zugeordnet sind. Wo die Kennzeichen an Füßen und anderen Stellen nicht erkennbar sind,

10.97 verehre man mit einem der gewählten allumfassenden Mantras, beginnend mit dem zwölfsilbigen, o Einsichtsvoller.

10.98 Der Mantra-Kenner, der dies versteht und entsprechend verehrt, empfängt die Frucht der Verehrung; andernfalls erfährt er das Gegenteil.

10.99 Alle diese Welten und weiteren Wirklichkeiten wurden der Reihe nach beschrieben. Zu den Zeiten der Verehrung des Gottes von unermesslicher Leuchtkraft

10.100 verehre man sie nach der Verehrung der Torgottheiten, jeweils mit ihrem eigenen Namen, mit Om beginnend und mit der Verneigungsformel endend,

10.101 mit Arghya, Salbung, Kränzen und Räucherwerk, o Bester der Brahmanen, vor dem Gott der Götter, außerhalb des Torbereichs,

10.102 oder nachdem man den inneren Umfriedungsbereich betreten hat, der Reihe nach. In welchem Tempel auch immer vorzügliche Übende

10.103 täglich ein-, zwei- oder dreimal diese Verehrung vollziehen, o Brahmane, dort ist der Herr stets gegenwärtig.

10.104 Deshalb, o Bester der Brahmanen, soll der nach Vollendung strebende Übende der Verehrung Vishnus diese Verehrung vorausgehen lassen.

10.105 Wer dies stets mit ausschließlicher Hingabe vollzieht, erlangt rasch das Ersehnte in dieser und in der jenseitigen Welt.

10.106 Wer es um der Befreiung willen tut, gelangt zur höchsten Stätte. Sanaka sprach: Unter den Tempeln, von den selbstoffenbarten an,

10.107 lobst du den selbstoffenbarten besonders stark. Wie ist seine Beschaffenheit und wie die der anderen?

10.108 Welche Größe besitzt er? Das möchte ich jetzt wissen. Shandilya sprach: Diese sichtbare Welt ist durch Vishnus Maya gestaltet,

10.109 in viele Unterschiede von Zeit und anderen Bestimmungen gegliedert und von vielerlei Formen. An seinem Tag entsteht sie, beim Eintreten seiner Nacht löst sie sich auf.

10.110 Tausend göttliche Weltalter bilden, so erkenne, seinen Tag; ebenso lang ist die Nacht. Wenn die Nacht so zu Ende geht

10.111 und der Tag in der als Übergang bezeichneten Zeit beginnt, bringt er, ohne seinen eigenen Ursprung zu verlassen, um des Wirkens willen, o Hervorragender unter den Weisen,

10.112 durch die Macht des Erkenntnis-Yoga den Herzlotus hervor, von unermesslicher Herrlichkeit umgeben, durch die Öffnung seines Nabels.

10.113 Dieser ruht in seinem inneren Bewusstsein und besteht aus reiner Erkenntnis: wie tausend Sonnen leuchtend, mit Staubfäden wie tausend Monde,

10.114 mit dem Feuer von tausend Flammen im Inneren, einem goldenen Stängel und großem Glanz. In seiner Mitte erschuf er den viergesichtigen Brahma aus dem Geist,

10.115 den Entfalter der Welt, o Brahmane, mit einem Leib aus Wissen, ewig, mit sämtlichen Weihen vollkommen ausgestattet und in Veden und Vedangas bewandert,

10.116 versehen mit den acht Kräften von Anima an und mit den Kräften des Schöpfungswillens. Doch als er hochmütig wurde, erkannte er jenen Herrn nicht mehr.

10.117 Er gewann die Vorstellung „Ich bin“ und wurde durch Rajas getrübt. Als der Herr sich ihm entzog, wurde der Verstand des Lotusgeborenen

10.118 verwirrt; er vermochte sich der Schöpfung nicht mehr zuzuwenden, o Brahmane. Mit beunruhigtem Geist wusste er nicht, was zu tun und was zu lassen war.

10.119 Dann klärte er seinen Geist und übte schwer zu vollbringende Askese. Prajapati wünschte, den Lotusäugigen bald zu schauen.

10.120 Während Brahma so Askese übte, o Bester der Brahmanen, entstand in ihm der Gedanke, Hari zu preisen, o Bester der Einsichtigen.

10.121 Mit gefalteten Händen sang der Herr die höchste Rezitation. Brahma sprach: Verehrung dir, Herz Brahmans! Verehrung dir, der du Brahma vorausgehst!

10.122 Vorzüglichster Führer auf dem Weg des Yoga, Schatz von Samkhya und Yoga, Allgegenwärtiger! Schöpfer des Offenbaren und Unoffenbaren, Unbegreiflicher, der du auf dem Weg des Heils stehst! [Der erste zusammengesetzte Ausdruck ist beschädigt.]

10.123 Genießer des Alls, inneres Selbst aller Wesen, nicht aus einem Mutterschoß Geborener! Ich bin aus deiner Gnade entstanden; dir, der Stätte der Welten, dem aus sich selbst Seienden,

10.124 verdanke ich meine erste, geistige Geburt, die von Brahmanen verehrt wird. Meine zweite, uralte Geburt hier ging aus deinem Auge hervor.

10.125 Durch deine Gnade entstand meine dritte, große Geburt aus der Rede; meine vierte war wahrhaftig die aus dem Hören, o Herr.

10.126 Meine fünfte Geburt aus dir wird als die aus der Nase bezeichnet; auch meine sechste, die aus dem Ei, wurde von dir hervorgebracht.

10.127 Dies ist nun meine siebte Geburt, die aus dem Lotus, o unermesslich Leuchtender. In jeder Schöpfung bin ich dein Sohn, frei von der dritten Eigenschaft,

10.128 der Erstgeborene, o Lotusäugiger, von der vorherrschenden Eigenschaft gestaltet. Du bist der Herr und die wirksame Macht, der die Wesen ins Dasein bringt.

10.129 Du bist das Ziel derer, die die fünf Zeiten erfüllen, du bist der Herr des Pancharatra. Du hast mich erschaffen, o der du die Veden als Auge hast und die Rede übersteigst,

10.130 damit ich diese ganze Welt aus Bewusstem und Unbewusstem hervorbringe. Doch welche Kraft besitze ich, Herr der Götter, um die Welt zu erschaffen, Herr der Welt?

10.131 So gepriesen, zeigte ihm Bhagavan, der nach allen Seiten gewandte Purusha, seine unvergleichliche göttliche Eigengestalt.

10.132 Als der Lotusgeborene sie sah, erfüllte ihn große Freude. Von Freudentränen überströmt verneigte er sich und blieb mit gefalteten Händen stehen.

10.133 Darauf sprach der lotusäugige Herr der Welt zu ihm: „Sohn, erschaffe alle Geschöpfe aus deinem Mund und ebenso aus deinen Füßen.

10.134 Ich werde dir Heil, Stärke und Leuchtkraft verleihen, o Gelübdetreuer. Empfange von mir den Veda, der Sattvata genannt wird.

10.135 Durch ihn richte das ganze Krita-Zeitalter ordnungsgemäß ein. Wenn die Erschaffung aller Geschöpfe vollendet ist,

10.136 wird sich im Inneren einer großen göttlichen, unmittelbar offenbarten Stätte in einer selbstoffenbarten, göttlichen, makellosen Gestalt

10.137 der lotusäugige Vasudeva, höher als das Höchste, auf dem Schlangenlager Anantas ruhend, vor dir zeigen.

10.138 Verehre diesen im Tempel gegenwärtigen Gott der Götter, die Ursache von Entstehung, Erhaltung und Ende sämtlicher Welten,

10.139 den höchsten Purusha Vasudeva, der den Gläubigen liebevoll zugewandt ist, mit dem zwölfsilbigen Mantra und mit Gaben der Berührung

10.140 sowie mit den das Herz erfreuenden und den vielfältigen ehrenden Aufwartungen, damit du deine Aufgabe erfüllen kannst und zum Wohl der Welten.

10.141 Verfahre nach dem Lehrwerk namens Mahopanishad, das in der Welt unter der Bezeichnung Paushkara berühmt werden wird.

10.142 Weil es dir, dem Lotusgeborenen, verkündet wird, erhält es diesen Namen. Auch als Mahavibhuti wird es bekannt sein; ich werde es in einem späteren Weltalter erklären,

10.143 nachdem dieses erste menschliche Krita-Zeitalter vergangen ist.“ Dann verneigte sich Brahma vor dem Gott Hari von heiligem Geist

10.144 und empfing den ursprünglichen Veda samt Unterweisung und Samhita, mit göttlichen Mantras für den Beginn und die weiteren Teile der Handlungen, verbunden mit dem zwölfsilbigen Mantra,

10.145 mit zwölf inneren Lehren, o Brahmane, der den Befugten ohne anderes Begehren allein die Frucht der Erlangung Gottes gewährt,

10.146 ausschließlich auf die vier göttlichen Gestalten ausgerichtet und aus Vasudevas Mund hervorgegangen. Nachdem Bhagavan so den ursprünglichen ewigen Veda

10.147 Brahma von unermesslicher Leuchtkraft gelehrt und ihm Heil, Stärke und Glanz verliehen hatte, die das Schöpfungswerk in Gang setzen,

10.148 ging er jenseits der Finsternis dorthin, wo das Unoffenbare ruht. Danach erschuf der gütige Gott Brahma, der Großvater der Welt,

10.149 sämtliche Welten mit ihren unbeweglichen und beweglichen Wesen. Nachdem er die ganze Welt so erschaffen hatte, dachte der Lotusgeborene wieder:

10.150 „Wann werde ich den Gott sehen, der das Wohl der Welten bewirkt, Vasudeva im gelben Gewand, im Tempel ruhend?“

10.151 Von diesem Gedanken erfüllt, übte er schwer zu vollbringende Askese. Da erschien ein göttlicher, überaus wunderbarer Tempel,

10.152 der mit seinem makellosen Licht alle Himmelsrichtungen erhellte, versehen mit Sockelstufen, Terrasse, Sockel, Stützen und Gebälk,

10.153 mit Halsstück, Turmaufsatz, darauf befindlicher Plattform, Abschlussgefäß und Spitze, mit göttlichen Bauteilen und göttlichem Schmuck.

10.154 Er war rundlich länglich und ringsum mit Shukanasa-Vorbauten geschmückt. Als Brahma dieses große Wunder sah, wurde er von Freudentränen überströmt.

10.155 Sein ganzer Körper zeigte freudiges Erschauern, seine Augen weiteten sich vor Liebe. Er erhob sich bewegt, verneigte sich und stand mit gefalteten Händen da.

10.156 In den Teilen des Tempels vom Sockel bis zur Spitze sah er der Reihe nach die sieben Welten von Bhur bis Satya,

10.157 die sechs Wege vom Weltenweg bis zum Lautweg und die Gruppe der Prinzipien von der Erde bis zum Purusha, o bester Brahmane,

10.158 jeweils in ihrer wirklichen Seinsform gegenwärtig. Danach erblickte er der Reihe nach die Schar der Gottheiten:

10.159 im tragenden Bereich des Sockels den Schlangenkönig Ananta, das Rad und die Gruppe der Kräfte von der Fähigkeitskraft an,

10.160 die Kräfte von Jnanabhasa an und die Achtergruppe von Balaviryavati bis Sthiti. [Die Vorlage nennt auch die erste Gruppe hier achtfach, während 10.29–30 neun Namen bietet.]

10.161 Den Lautkreis von a bis ksha, o bester Brahmane, danach im Sockelbereich die Sechzehnergruppe von Dharma an,

10.162 das Rad vom Glanz des Zeitfeuers, den auf den drei Lichtbereichen ruhenden Lotus und in dessen Mitte den aus Bewusstsein bestehenden Purusha, mit allen Kräften verbunden.

10.163 In den vier Richtungen sah er Ananta und die übrigen, dann im Fußbereich Vasudeva und die weiteren Gestalten in den Richtungen, am Fuß der Türpfosten Sudarshana,

10.164 an den beiden Pfosten die Prinzipien Erkenntnis und Tätigkeit, am oberen Türsturz den ursprünglichen höchsten Herrn und auf dessen Rückseite Dharma.

10.165 An den beiden Türflügeln das Zeitfeuer und Varuna, o Brahmane; an den beiden Stützen des Shukanasa Wille und Lebensatem, an den Fenstern

10.166 Feuer und Soma; in den zwölf Schaftbereichen und ihren Zwischenflächen die Gruppen von der Zeit bis zur Erde, oben am Schaft die Gestalten von Keshava an.

10.167 An den neun Nasenaufsätzen auf dem Kapota-Gesims und in ihren Zwischenräumen sah er die Gruppe der Waffen vom Rad an in wirklicher Seinsform gegenwärtig.

10.168 An der Stirnseite des Shukanasa den Gott Vasudeva, den Herrn der Welt; an den drei übrigen Aufsätzen die Gestalten von Achyuta an der Reihe nach,

10.169 verbunden mit ihren Kräften. Auf der mit Blättern und weiteren Ornamenten geschmückten Plattform sah er das sechsspeichige Sudarshana, auf den vier Abschlussgefäßen

10.170 Vasudeva und die weiteren Gestalten, o Brahmane, davor die vier Räder von Amala bis Udita in ihrer Reihenfolge,

10.171 an den Shukanasa-Gefäßen die Gestalten vom inneren Lenker bis zur ursprünglichen Form. So sah er den Tempel als sämtliche Welten und sämtliche Wege umfassend,

10.172 aus allen Wirklichkeitsprinzipien und allen Gottheiten bestehend, o Brahmane. Nachdem er dies der Reihe nach geschaut hatte, war sein Geist von Freude erfüllt.

10.173 Er umkreiste den Tempel viermal und warf sich mit allen Gliedern lang ausgestreckt wie ein Stab auf die Erde, voller Hingabe vor dem höchsten Purusha.

10.174 Dann betrachtete er sein Dasein als erfüllt und trat in das Innere des Tempels, in die Mitte des Heiligtums.

10.175 Dort, auf einem seiner Größe entsprechenden, weich anzufassenden, bezaubernden Lager, rein wie Bergkristall und überaus hell leuchtend,

10.176 erhellt von den Edelsteinen inmitten der Schlangenhauben, auf dem Lager aus Anantas Windungen, sah er den Herrn im gelben Gewand ruhen,

10.177 von vollkommen reinem Sattva erfüllt, lieblich strahlend, mit einem schönen, göttlichen und unveränderlichen Leib,

10.178 aus dem unablässig das Licht der Erkenntnis hervorströmt, das ohne Anstrengung das große Nichtwissen der Meditierenden vernichtet.

10.179 Er trug ihm angemessene, unvergleichliche Kränze, Gewänder und Schmuckstücke, aus Bewusstsein bestehend, aus sich selbst leuchtend und einander durch ihren Glanz verschönernd.

10.180 Der ausgebreitete Mondschein seiner Zähne erhellte die Himmelsrichtungen; auf den Sohlen seiner Lotusfüße zeichneten sich Wasserlilien ab.

10.181 Sein Antlitz war darauf gerichtet, das Leid der in Bedrängnis versunkenen Menschen zu stillen. Sein Herz war voller Mitgefühl, bereit, die Welt zu erheben.

10.182 Er befand sich inmitten eines Flammenkreises, der aus der Leuchtkraft seines eigenen Leibes hervorging. Seine dichten, gelockten Haare glichen dunklen Bienenschwärmen und zerflossenem Augenschwarz,

10.183 waren von göttlichem Kampfer leicht bestäubt, mit Blumen durchflochten und von einer hohen Krone umfasst; so schmückten sie sein Haupt.

10.184 Seine Augen glichen reinen blauen Lotusblüten, mit einem leichten Rot und dem Weiß von Kuhmilch. Seine kühlenden Blicke belebten die Welt.

10.185 Schön waren Brauen, Stirn und Nase, lieblich lächelten seine korallenroten Lippen; seine Wangen strahlten wie ein Mond der Schönheit.

10.186 Mit den Strahlen des Mondglanzes seiner Zähne erfreute er die Meditierenden und linderte die Erschöpfung jener, die vom Feuer ihrer früheren Taten gequält wurden.

10.187 Sein Kinn war vom Überströmen der Schönheit seines Gesichts geziert. Er trug ein Lotusantlitz, auf dem ein anmutiges Lächeln ruhte.

10.188 Sein Hals glich einer Muschel, mächtig waren seine Arme; seine Brust trug das Shrivatsa-Zeichen. Er hatte Löwenschultern, weite Augen, lange Arme und eine große Brust.

10.189 Zwei rötliche, mit Muschel und Rad gekennzeichnete Hände schmückten ihn. Den mächtigen rechten Arm, einer Schlangenwindung gleich, hatte er untergelegt.

10.190 Die andere Hand hielt er seitlich an der Hüfte ausgestreckt. Seine Brust trug den Kaustubha-Edelstein und war mit Lakshmi geschmückt.

10.191 In seinem schlanken Leib wohnte die Welt von Brahma bis zum Grashalm. Der Lotusäugige hatte seinen linken Lotusfuß leicht angewinkelt,

10.192 den rechten ausgestreckt und lag ein wenig auf den Rücken gewandt. Seine hohe, mit vielen Edelsteinen besetzte Krone strahlte.

10.193 Ihr funkelnder Aufsatz leuchtete herrlich durch mannigfaltige Juwelen, die der aufgehenden Sonne glichen.

10.194 Der Glanz seiner Edelsteinohrringe erhellte den oberen Bereich der Ohren. Schmuck hing vom Haaransatz bis zur Stirn herab.

10.195 Ein schönes Stirnzeichen ließ ihn erglänzen. Seine Makara-Ohrringe strahlten wie viele Sonnen.

10.196 Ein Halsband mit zahlreichen Edelsteinen und Perlen schmückte ihn. Mit Diamanten, Katzenaugensteinen, Rubinen und weiteren kostbaren Steinen gezierte

10.197 vielfältige Ketten schmückten seine Brust. Der Kaustubha, der der aufgehenden Sonne glich, ließ ihn strahlen.

10.198 Die Vaijayanti-Girlande, die mit ihrem eigenen Licht unablässig die ganze Welt erhellte, ließ seine breite Brust leuchten.

10.199 Seine funkelnde goldene heilige Schnur war mit vielerlei Edelsteinen verziert und mit herabhängenden Perlenschnüren versehen.

10.200 Ein glänzender goldener Gurt, mit großen leuchtenden Edelsteinen besetzt, umschloss seinen Leib.

10.201 Ein von vielerlei Rubinen strahlender Hüftgurt und eine Gürtelkette aus zahlreichen gefassten Edelsteinen schmückten ihn.

10.202 Sein gelbes Gewand leuchtete wie viele Millionen Sonnen. Fußringe und weiterer, mit zahlreichen Edelsteinen besetzter Schmuck zierten ihn.

10.203 Ebenso war er mit anderen vielfältigen, angemessenen, schönen und strahlenden Schmuckstücken wie Oberarmreifen und Armringen geschmückt.

10.204 Er glich einer Regenwolke und dem Glanz frisch gespaltenen Augenschwarzes. Er war erfüllt von der ungeteilten, vollkommenen Fülle der sechs göttlichen Eigenschaften,

10.205 der Gegenstand der Meditation der Yogis, ungeboren, ewig, Ursache von Entstehung und weiterem Geschick der Welt: der Gott ohne Anfang und Ende, der Gemahl Lakshmis selbst,

10.206 mit einem Leib jenseits der stofflichen Natur, friedvoll, Vasudeva, höher als das Höchste, gepriesen von den Vollendeten der Jana-Welt, von Sanaka und den übrigen.

10.207 Mit unbewegten, durstigen Augen blickte Brahma ihn an, als trinke er seinen Anblick. Freudig verneigte er sich wieder und wieder,

10.208 pries ihn mit vielfältigen Hymnen und einer vor Freude stockenden Stimme. Dann nahm er den großen göttlichen Tempel auf sein Haupt

10.209 und kehrte, o Brahmane, in seine eigene Wohnstätte zurück. Dort verehrte der Lotusgeborene den Herrn mit der zwölfsilbigen Brahman-Vidya,

10.210 mit großer Pracht, Brahma, der Großvater der Welt. Als in dieser Zeit, o Bester der Brahmanen, in dem hochherzigen Lotusgeborenen

10.211 der Wunsch entstand, das Paushkara genannte Lehrwerk zu kennen, offenbarte sich Vasudeva, der Herr der Welt.

10.212 Er lehrte den Lotusgeborenen die Mahopanishad-Schrift. Sie ist aus dem hervorgegangen, was als ursprünglicher Veda bekannt ist, und ihm entsprechend beschaffen,

10.213 Vollendung und Befreiung verleihend, o Brahmane, den Sinn aller Schriften in sich tragend, mit vielfältigen Vyuhas und ihren weiteren Gestalten,

10.214 mit verschiedenen Vibhavas und weiteren Offenbarungsformen, mit Lakshmi und den übrigen Kräften, mit Muschel, Rad, Garuda und den Herren der Richtungen,

10.215 mit deren Scharen und den in Waffen gegenwärtigen Mächten vollständig ausgestattet, o Bester der Brahmanen; mit Keimsilben, Silbenverbänden und namensartigen Wörtern,

10.216 mit vielfältigen Mantra-Anordnungen und Meditationen, mit Mandalas wie Bhadraka, deren Anzahl der Zahl der Wirklichkeitsprinzipien entspricht,

10.217 ferner mit vierzehn Anordnungen, die vielfache Lotusse enthalten, und mit neun Rad-Lotussen mit sechsundzwanzig Speichen,

10.218 mit Rädern von zwei bis zu tausend Speichen samt ihren Begründungen sowie mit achtzehn als gemischte Räder bezeichneten Formen, o Brahmane,

10.219 angeordnet als Umfasstes und Umfassendes, mit der großen Neunnabenform und mit den verschiedenen Bildtypen.

10.220 Sie ist ausgestattet mit vielfältigen Handlungsgliedern wie Glocke und den beiden Opferlöffeln und mit Feuergruben unterschiedlicher Merkmale,

10.221 vollständig mit Handlungen von der Einsetzung bis zum Jahresfest, mit täglichen, anlassbezogenen und wunscherfüllenden Riten, o bester Brahmane,

10.222 sowie mit den verschiedenen Tempelarten von den selbstoffenbarten an: zur Ausübung seiner Aufgabe und zum Wohl der Welten.

10.223 Danach vollzog der Großvater der Welt nach dem in dieser Schrift gelehrten Weg täglich die Verehrung mit vielfältigen Gaben, täglichen, anlassbezogenen und wunscherfüllenden Handlungen und großen Festen.

10.224 Während er dort jeden Tag verehrte, führte er, von den Welten geehrt, die vielfältigen Aufgaben für die Welten aus.

10.225 Als dann das Vaivasvata genannte Manvantara eingetreten war, o Brahmane, lebte ein König namens Ikshvaku aus dem Sonnengeschlecht,

10.226 hochherzig, beständig ein Yogi und dem Wohl aller Wesen zugewandt. Mit klarem Geist wünschte er, Vasudeva, den Herrn der Welt, zu schauen.

10.227 Er nahm die Kleidung eines Asketen an und ging zur Askese in den Wald. Dort übte er, von Kräutern, Wurzeln und Früchten lebend.

10.228 Im Sommer verbrachte der große Asket die Zeit inmitten der fünf Feuer, in der Regenzeit ohne Schutz und im Winter im Wasser eines Teichs.

10.229 Alle Sinne zügelte er im Herzen, versenkte seinen Geist in Vishnu und rezitierte den zwölfsilbigen Mantra.

10.230 Während der hochherzige König nur von Luft lebend so rezitierte, erschien ihm Bhagavan Brahma, der Großvater der Welt.

10.231 Als er den herangekommenen viergesichtigen Lotusgeborenen sah, verneigte er sich hingebungsvoll und erfreute ihn mit einem Lobpreis:

10.232 „Verehrung Hiranyagarbha, dem hochherzigen Schöpfer der Welt! Verehrung dir, dem Viergesichtigen, der den Sinn von Veden und Lehrschriften kennt!“

10.233 So gepriesen, sprach Brahma, der Weltschöpfer, zu dem vorzüglichen König, der friedvoll der Askese ergeben war und die großen Freuden des Königtums aufgegeben hatte:

10.234 „König, dein Großvater ist die Sonne, die die Welt erhellt; dein Vater ist Manu, den selbst alle Vasus stets ehren.

10.235 Vater und Großvater haben früher strenge Askese geübt; doch deine jetzige, begehrensfreie Askese übertrifft die ihre.

10.236 Warum hast du alle Freuden des Königtums verlassen und übst diese furchtbare Askese, vorzüglicher König? Sage es, o Einsichtsvoller.“

10.237 So von Brahma angesprochen, verneigte sich der König und sagte: „Ich wünsche, durch die Kraft der Askese Madhusudana zu schauen.

10.238 Deshalb übe ich hier, o Brahma, um den Träger von Muschel, Rad und Keule zu sehen.“ Darauf sprach der Lotusgeborene beinahe lächelnd zum König:

10.239 „Durch Askese allein lässt sich der allgegenwärtige Narayana nicht schauen, König. Selbst von Wesen wie mir wird der ungeborene Keshava, der Vernichter des Leidens, nicht aus eigener Macht gesehen.

10.240 Um wie viel weniger von Wesen wie dir! Bedenke dies hinsichtlich des Herrn Madhava. Ich erzähle dir eine alte heilige Geschichte; höre mich an.

10.241 Früher, großer König, wollte ich bei der Erschaffung der Geschöpfe den ewigen Vasudeva sehen und übte überaus strenge Askese.

10.242 Am Ende dieser Askese erschien mir der lotusäugige Bhagavan, den Gläubigen liebevoll zugewandt, aus Gnade vor meinen Augen.

10.243 Ich verneigte mich vor dem Lotusäugigen und pries ihn mit vielfältigen Hymnen. Der Herr der Welt verlieh mir Heil, Stärke und Glanz, um die Welt zu erschaffen,

10.244 und lehrte mich den ursprünglichen ewigen Veda, die als gute Überlieferung bezeichnete Grundlage, die das höchste Brahman offenbart,

10.245 göttlich, Vollendung verleihend und Frieden schaffend für die in der Welt Handelnden. Er sagte: Nach der Schöpfung wird in einem Tempel mit göttlichen Merkmalen

10.246 der Lotusäugige auf dem Lager aus Anantas Windungen vor dir erscheinen. Verehre ihn besonders

10.247 mit dem zwölfsilbigen Mantra, nach dem im Paushkara gelehrten Weg und der noch zu erklärenden Vorschrift, o Lotusgeborener.

10.248 Nach diesen Worten verschwand der Gott, das höchste Selbst, der Herr der Welt. Danach erschien der göttliche, überaus wunderbare Tempel.

10.249 Auch erhielt ich das Mahopanishad genannte Lehrwerk. Den darin gegenwärtigen Herrn der Götter, Vasudeva, den Herrn der Welt,

10.250 verehre ich nach der dort gelehrten Vorschrift, vorzüglicher König. Dieses Freudengehäuse Keshavas werde ich dir geben.

10.251 Lass diese furchtbare Askese und kehre in deine Stadt zurück, König. Die Geschöpfe zu schützen ist Dharma und Askese eines Herrschers.

10.252 Ich werde dir den im Himmel vollendeten Tempel senden, vorzüglicher König, zusammen mit Brahmanen, die die fünf Zeiten kennen und dem wahren Brahman hingegeben sind.

10.253 Dort verehre mit allen guten äußeren und inneren Gaben den Gott der Götter, Vasudeva, den höchsten Purusha, der auf der Schlange Ananta ruht,

10.254 mit dem zwölfsilbigen Mantra nach der Vorschrift des Paushkara. Verehre den Gott durch vielfältige Opfer, vorzüglicher König,

10.255 und schütze ohne Eigennutz die Untertanen nach dem Dharma, o Hervorragender unter den Königen. Durch Vasudevas Gnade wird dir Befreiung zuteilwerden.“

10.256 Nachdem der Schöpfer so gesprochen und den König der Reihe nach das Paushkara-Lehrwerk unterwiesen hatte, verschwand er wieder.

10.257 Ikshvaku blieb nachdenklich über die Worte des Lotusgeborenen sitzen, o Brahmane. Da erschien vor dem König jener Tempel,

10.258 von Brahma gegeben, mit Brahmanen versehen, die reine Stätte Madhavas und Anantas. Als er ihn sah, verneigte er sich mit höchster Hingabe vor dem höchsten Purusha,

10.259 grüßte die Rishis und Ältesten ehrerbietig, nahm ihn auf und zog zur Stadt. Männer und schön geschmückte Frauen der Stadt sahen ihn kommen

10.260 und streuten geröstete Reiskörner aus. Dann gelangte der König in sein Haus und stellte in seinem geräumigen Palast den reinen Vishnu-Tempel auf.

10.261 Mit geläutertem Inneren verehrte der vorzügliche König Hari, den jene Brahmanen nach der im Paushkara gelehrten Vorschrift verehrten.

10.262 Frauen von schöner Gestalt rieben Harichandana-Sandelholz und fertigten wohlriechende Kränze; so bereiteten sie ihm Freude.

10.263 Die Stadtbewohner gaben Kampfer, Sandelholz, Safran und weitere Stoffe; sie brachten dem König auch für Vishnu geeignete Blumen.

10.264 Die für die jeweiligen Handlungen bestimmten Bilder setzte er vorschriftsgemäß ein und stellte sie an ihre jeweils angegebenen, geräumigen Plätze.

10.265 Dann verehrte er mit vierundsechzig echten Gaben, mit den wichtigsten samt ihren Bestandteilen und mit vielfältigen ehrenden Aufwartungen,

10.266 mit Gaben der Berührung und solchen, die das Herz erfreuen, o Brahmane, den Herrn der Welt, Vasudeva, höher als das Höchste,

10.267 dreimal täglich mit höchster Hingabe, mit Vishnu-Japa und Hymnen. Er ließ für den Gott lange Zeit hindurch das Jahresfest vollziehen,

10.268 ebenso die jährlichen und vielfältigen anlassbezogenen Feiern. Die Einsetzung, ihre Verfahren und die Unterschiede der Stätten

10.269 sowie die verschiedenen Feste werde ich später ausführlich erklären. Nachdem er Hari, der alle Götter umfasst, mit Gaben erfreut hatte,

10.270 erlangte er ohne eigennütziges Begehren durch Freigebigkeit und Dharma die höchste Erkenntnis. Er brachte Opfer dar, schützte die Erde und verehrte Keshava,

10.271 zeugte Söhne zur Erfüllung seiner Ahnenschuld und legte nach langer Zeit den Leib ab. Den makellosen Gott meditierend, erreichte er Vishnus Stätte.

10.272 Später empfing diesen Tempel in der Überlieferungsfolge der Gott, der Herr aller selbst: der lotusäugige Rama, zusammen mit seinen drei brüderlichen Erscheinungsformen,

10.273 der Vernichter der Rakshasas, der sich als Mensch betrachtete; er befriedet den schrecklichen Nachtwanderer des Geistes, dessen zehn Gesichter die zehn Sinneskräfte sind,

10.274 mit dem Pfeilregen der Unterscheidung für die verkörperten Wesen. Wer sein höchstes göttliches Wesen erkennt, hat sein Dasein erfüllt.

10.275 Er schenkte dem geliebten Vibhishana, der ihm liebevoll gedient hatte, den Tempel mit seinen göttlichen Merkmalen, nachdem er ihn in der Schrift unterwiesen hatte.

10.276 Auch dieser nahm ihn auf sein Haupt und zog in Richtung seines eigenen Landes. Als die Sonne den Mittag erreicht hatte, ließ er ihn am Ufer der Tochter Kaveras,

10.277 inmitten der Chandra-Pushkarini auf dem Ananta-Sockel nieder. Dort hatte der Mond, der bei Dakshas Opfer von Rudra gedemütigt worden war,

10.278 große Askese geübt und danach seinen Wohnsitz auf dessen Haupt erhalten. Dort hatte auch der lotusäugige Gott in der Gestalt Vamanas

10.279 seine Einführungsweihe empfangen. Der Herr der Welt hatte selbst beschlossen: „Der vorzügliche göttliche Tempel namens Shrirangam

10.280 wird hier seinen festen Platz finden“, und Ganesha und Yoganidra mit seinem Schutz beauftragt.

10.281 Vibhishana ließ den Tempel dort nieder und verehrte in seiner Mitte Hari, den jene Brahmanen verehrten,

10.282 mit vielfältigen schönen Gaben der Berührung und weiteren Aufwartungen. Dann versuchte er, ihn wieder anzuheben; doch obwohl er stark war,

10.283 konnte er ihn nicht im Geringsten von seinem Platz bewegen. Da sank er auf die Erde und klagte voller Schmerz.

10.284 Als Bhagavan, der Herr von Rangam, Vibhishana so leidend und wie verlassen klagen sah, sprach er mit mächtiger Stimme:

10.285 Bhagavan sprach: „Edler Kenner des Dharma, dieser Ort ist mir lieblich. Hier will ich ruhen und mich erfreuen, dir zugewandt,

10.286 zusammen mit diesen ausschließlich mir ergebenen Menschen, die ganz meiner Verehrung dienen. Stimme dem zu, Vibhishana, und erfülle meinen Wunsch.

10.287 Statte diese mich verehrenden Brahmanen, die den fünf täglichen Zeiten folgen, reichlich mit Feldern, Gärten, Häusern und weiterem Unterhalt aus.

10.288 Sei nicht betrübt, Nachtwanderer; ziehe rasch nach Lanka. Dort genieße in reicher Fülle einen Wohlstand, der dich nicht verlässt.“

10.289 So angesprochen, versah er jene Ekayana-Angehörigen, die den fünf Zeiten folgten, reichlich mit Feldern, Gärten, Häusern und den übrigen Mitteln.

10.290 Danach zog Vibhishana, noch schmerzlich bewegt, nach Lanka. Entsprechend dem unterschiedlichen Glück der Menschen und zum Wohl der Brahmanen

10.291 sowie zur Festigung der göttlichen Ordnung erfreute sich der Herr von Rangam, in der Rangam-Stätte am Flussufer ruhend, o bester Brahmane.

10.292 Der vorzügliche Fluss umfloss die Stätte auf beiden Seiten und umarmte sie wie eine Frau den geliebten Gatten mit beiden Armen, den sie nach langer Zeit wiedergefunden hat.

10.293 Göttlich ist diese große Stätte, göttlich sind ihre Bewohner; ebenso göttlich sind dieser Fluss und der Teich mit seinem heiligen Badeplatz.

10.294 Dieser aus sich selbst hervorgegangene Tempel ist mit unendlicher Kraft verbunden. Mächtige Diener, die Herren der Vishnu-Wesen, können nach Wunsch jede Gestalt annehmen.

10.295 Sie alle bewachen diesen Ort mit unablässig offenen Augen. Dort wohnen auch unbewegte, keiner Nahrung bedürftige, sattvische Wesen,

10.296 die mit süßer, das Ohr erfreuender Stimme sprechen. Für die dort Wohnenden besteht keine Bedrängnis durch Hunger, Durst und Ähnliches,

10.297 kein inneres oder anderes Leiden, kein Altern und keine Unterscheidungslosigkeit. Sie kennen die drei Zeiten und sind frei von allen Begierden,

10.298 vollkommen in der Erkenntnis der sieben Gegenstandsbereiche, keinem anderen Gott zugewandt, den zwölf inneren Lehren und den fünf täglichen Zeiten hingegeben.

10.299 Tag für Tag verehren sie ihn und wohnen dort. Auch Menschen, die den sechs Pflichten folgen und ihren Geist auf Brahman richten,

10.300 wandeln dort rein und mit gefestigten Gelübden. Führer der Götter, Asuras und Weisen, die stets nach dem Gott verlangen,

10.301 wohnen dort in mannigfaltigen unbeweglichen Gestalten. Selbst ein verwirrter Mensch kann dort friedvoll werden, selbst ein Tauber zu tiefer Einsicht gelangen.

10.302 Die Größe dieses Ortes kann selbst Brahma nicht vollständig erkennen, o Bester der Weisen; um wie viel weniger Menschen wie wir!

10.303 Diese höchste Stätte heißt Shrirangam. Sie besitzt göttliche Merkmale und gilt in der Überlieferung als selbstoffenbart.

10.304 Dort ist für die Gläubigen Bhagavan selbst unmittelbar gegenwärtig: der höchste Purusha, der Lotusäugige, das höchste Selbst, Achyuta, Hari.

10.305 Zwar ist Vasudeva auch an vielen anderen Stätten stets selbst gegenwärtig, als Wesen des Mantras und seiner Erkenntnis,

10.306 doch hier zeigt seine Gegenwart besondere Kraft, so wie die Sonne beim Eintritt des Sommers an Stärke gewinnt,

10.307 ohne ihre eigene Natur aufzugeben. Ebenso bleibt der Herr der Welt hier; Fehler der Richtungsanordnung und anderer Merkmale verändern ihn nicht.

10.308 Durch die Größe seiner beständigen Gegenwart besteht diese Stätte bis zum Ende des Weltalters, und ihre Wirksamkeit nimmt in dieser Welt immer weiter zu:

10.309 an Fülle, Ausstrahlung, Ruhm und unermesslichem Wirken, verbunden mit der Kraft, Übles zu besänftigen und Vollendung zu schenken.

10.310 Sowohl Menschen, die Befreiung suchen, als auch solche, die bestimmte Früchte wünschen, o Trefflicher, erlangen hier die ersehnte unvergängliche Erfüllung.

10.311 Alle, die hier ihren religiösen Aufgaben folgen, vollziehen morgens, mittags und abends sämtliche Handlungen stets dem Tempel zugewandt.

10.312 Ebenso im heiligen Pushkara, auf dem Gipfel Totadris, an dem Purana genannten Erdenort und an der Madhubhanda genannten Stätte

10.313 ist Bhagavan, der lotusäugige Herr der Welt, selbstoffenbart gegenwärtig, um den Welten Wohl zu erweisen.

10.314 An einigen anderen heiligen Orten ist der Gott der Götter, der Herr der Welt, durch Götter und weitere Wesen eingesetzt und gegenwärtig, o bester Brahmane.

10.315 An anderen ist er von hervorragenden Menschen mit hingebungsvoll erfülltem Geist ordnungsgemäß eingesetzt; auch dort ist der Herr der Welt gegenwärtig.

10.316 So ist durch Bhagavans Gestalten mit ihren unterschiedlichen Anordnungen, besonderen Formen und vielfältigen Aufgaben

10.317 das ganze All erfüllt, aus dem Wunsch, allen Gnade zu erweisen. Selbstoffenbarte Mantra-Gestalten und solche, die von Vollendeten und Göttern eingesetzt wurden,

10.318 von großen Weisen, Gandharvas, Yakshas, Vidyadharas, Rakshasas oder mächtigen Asuras,

10.319 verehre der Schriftkundige nach der Vorschrift der göttlichen Schrift. Eine von Menschen eingesetzte Gottheit verehre man nach dem von den Weisen gelehrten Weg.

10.320 Doch auch unter diesen gibt es Gestalten, die von Erkennenden und Wahrheitsschauenden eingesetzt wurden, die ausschließlich Vasudeva hingegeben sind und andere Gottheiten als eigene Zuflucht ausschließen,

10.321 frei von gemischter Verehrung und von tiefer Hingabe erfüllt, von vorzüglichen Menschen, die sich auf die Durchdringungsweihe und die weiteren Verfahren verstehen.

10.322 Solche Gestalten des Herrn der Götter verehre man nach dem Weg der göttlichen Schrift. Wo die Verehrung bisher nach dem Wort der Weisen geschieht,

10.323 man aber nach dem göttlichen Weg verehren möchte, kann man den Weisenweg verlassen und den göttlichen Weg verwenden.

10.324 Dadurch besteht die Größe der göttlichen Gegenwart bis zum Ende des Weltalters. Wo aber Verehrung und weitere Handlungen beständig nach dem göttlichen Weg geschehen,

10.325 darf man diesen niemals aufgeben, o Einsichtsvoller, und zur Verehrung nach dem Wort der Weisen übergehen.

10.326 Tut ein Brahmane dies aus Verblendung und mit verwirrtem Geist, so schwindet ihm nach der Warnung des Textes rasch die Hingabe mitsamt ihrem Keim.

10.327 Das Handlungssystem samt seinen Mantras und die Vollendungen wenden sich noch in diesem Leben schnell von ihm ab, o Bester der Brahmanen; am Ende des Leibes, ohne fortbestehende Nachkommenschaft,

10.328 gelangt er in eine schreckliche Hölle, und König und Land gehen zugrunde. Deshalb verlasse man den göttlichen Weg unter keinen Umständen.

10.329 Wo die Verehrung auf einem tamasischen Weg stattfindet, kann eine Verehrung auf einem rajasischen Weg Vollendung bringen.

10.330 Wo die Verehrung beständig rajasisch geschieht, ist die Verehrung auf einem sattvischen Weg stets heilsam.

10.331 Wo aber täglich sattvisch verehrt wird, soll man nicht zu einem rajasischen Verehrungsweg übergehen.

10.332 Wo die Verehrung auf einem rajasischen Weg begonnen wurde, soll man sie nicht auf tamasische Weise vollziehen.

10.333 Auch zwischen unterschiedlichen rajasischen Systemen soll keine Vermischung entstehen. Aus menschlichen Lehräußerungen darf überall das übernommen werden, was nicht widerspricht.

10.334 Allein nach deren Vorschrift soll man jedoch keine Einsetzung und entsprechende Handlung ausführen. Sanaka sprach: Die Schriften, die du für die Verehrung der göttlichen und übrigen Heiligtümer genannt hast,

10.335 möchte ich nach den Unterschieden „göttlich“ und den weiteren Arten wahrhaft verstehen, damit ich den Fehler einer Vermischung der Schriften vermeiden kann.

10.336 Shandilya sprach: Was Bhagavan Vasudeva selbst als Schrift gelehrt hat, im Anushtubh-Versmaß, in kürzerer oder ausführlicherer Form,

10.337 und was Brahma, Rudra, Indra und die übrigen in derselben Weise auch in den göttlichen Welten verbreitet haben, erkenne als göttlich, o Trefflicher.

10.338 Was die Götter von Brahma und Rudra an und die an Askese reichen Rishis selbst verfasst haben, erkenne als von Weisen gesprochen.

10.339 Dieses ist dreifach, unterschieden nach Sattva und den übrigen Gunas. Eine Schrift, die den gesamten Sinn so erläutert, wie er vom Lotusäugigen erkannt wurde,

10.340 gilt als sattvisch. Wenn man hingegen einen Teil des von ihm erkannten Sinns aufnimmt

10.341 und eine Schrift verfasst, die auch das aus der eigenen Urteilskraft hervorgegangene Bedeutungsgefüge darlegt, o Bester der Brahmanen; oder wenn man die Wahrheit vom Herrn aller Herren erkannt hat,

10.342 eine ausführliche Schrift empfängt und sie dann durch Verkürzung und durch Entfaltungen der eigenen Vorstellungen gestaltet,

10.343 sei es durch Brahma und die übrigen oder durch Rishis, o Brahmane, die von Brahma und anderen gehört haben und wiederum in verkürzter Form

10.344 nach eigener Vorstellung verfassen: Dies alles erkenne als rajasisch. Es ist zweifach, nach Pancharatra und Vaikhanasa unterschieden. [Der zweite Name ist in der Vorlage beschädigt.]

10.345 Was allein aus eigenen Vorstellungen verfasst wurde, ist tamasisch. Was ausschließlich von Menschen geschaffen wurde, heißt menschlich.

10.346 Sanaka sprach: Erkläre ausführlich, Bester der Lehrenden, an welchen Merkmalen ich die Unterschiede, beginnend mit Bhagavans Wort, wahrhaft erkennen kann.

10.347 Shandilya sprach: Was reich an Sinn, eindeutig, klar, knapp und beständig ist; worin für den stets in der vierfachen Gestalt gegenwärtigen Herrn

10.348 die Höchstrangigkeit als wesenseigen gelehrt wird, während sie bei den anderen Mantra-Gestalten durch besondere Bedingungen begründet ist;

10.349 worin die Stufen vom Vierten bis zum Wachzustand zur Begnadung der Gläubigen als Entfaltung des viergestaltigen Herrn offenbart werden;

10.350 worin die Entfaltung des allgegenwärtigen Herrn der Kräfte erläutert wird und das Wesen seiner Glieder, Attribute, Schmuckstücke, Kräfte und des Vogelherrn

10.351 nach den Unterschieden von Einziehung und weiteren Zuständen beschrieben wird; worin die Mantras in vier Arten, beginnend mit Keimsilben, Silbenverbänden und Wörtern,

10.352 gelehrt werden, bei der Einsetzung die Durchdringungshandlung beschrieben wird und die tägliche Verehrung

10.353 hauptsächlich und vollständig am Hauptbild vorgeschrieben ist, o Brahmane, während nur das dort nicht Durchführbare, etwa das Bad,

10.354 an einem dafür bestimmten anderen Bild, beginnend mit dem Ritualbild, oder bei dessen Fehlen an einem Spiegel vollzogen wird, o Einsichtsvoller;

10.355 worin die Reinigung der Elemente durch die fünf Konzentrationen auf Erde, Wasser, Feuer, Wind und Raum

10.356 sowie durch die beiden als Verbrennen und Erquicken bezeichneten Konzentrationen gelehrt wird und die eigene Grundlage in Agama und Shruti begründet ist:

10.357 Dies ist das Wort des höchsten Herrn, durch seine Weisung verbindlich und Befreiung schenkend. Ein Agama, der aus solchen anzunehmenden Aussagen hervorgeht, o Einsichtsvoller,

10.358 ist als vollständige Darlegung des rechten Weges und als verbindliche Vorschrift zu erkennen. Aufgrund seiner Autorität ist das jeweils Erforderliche sachgemäß zu erschließen

10.359 und ohne Widerspruch zwischen früheren und späteren Aussagen entschlossen auszuführen. Was alle anspricht, verborgen bleibt und nicht selbst eine endgültige Festlegung hervorbringt,

10.360 aber den im Wort des höchsten Herrn enthaltenen Sinn so, wie er ist, wiedererkennbar macht, das ist sattvisches Wort der Weisen. [Die Charakterisierung im vorangehenden Halbvers ist mehrdeutig.]

10.361 Was besondere Vollendungen preist und zu ihrer Erlangung anleitet; worin unter Vernachlässigung des Hauptbildes die tägliche Verehrung hauptsächlich und ausführlich

10.362 am Ritualbild gelehrt wird; worin Maße und Kennzeichen der Bilder von Brahma, Rudra und weiteren Göttern

10.363 sowie ihre Einsetzung beschrieben werden; worin die Verehrung des Herrn der Welt durch Bezeichnungen der stofflichen, unbewussten

10.364 Wirklichkeitsprinzipien, der Richtungen und der Zeit gelehrt wird, o Bester der Brahmanen; worin unter den fünf Mantras von Parameshthin an der Reihe nach

10.365 die Fünferfolge von Sthapana bis Pratishtha beschrieben wird; worin sieben Opfer von Yaga bis Haristoma

10.366 und entsprechend sieben Befugte genannt werden und bei der Einsetzung eine Ordnung von sechzehn Nyasas gelehrt wird:

10.367 Erkenne all dies als rajasisches Wort der Weisen. Wo zwar Bhagavan genannt wird, aber Brahma, Rudra und andere Götter

10.368 sowie die Muttergottheiten und Durga unabhängig und ohne ihre Einordnung als seine Glieder behandelt werden,

10.369 mit eigenen Mantras, Meditationen, Maßen, Merkmalen und Einsetzungen, erkenne diese Weisenaussage als tamasisch.

10.370 Eine Aussage ohne Sinnzusammenhang, unverbunden, mit geringem Gehalt und großem Wortaufwand, die das ursprüngliche Wort nicht zur Ausführung bringt, gilt als bloß menschlich.

10.371 Sie ist zu meiden, eine Quelle schädlicher Ergebnisse und nach dem Text zur Hölle führend. Was den Bedeutungen des Wortes des höchsten Herrn widerspricht, o Brahmane,

10.372 darf man auch aus den sattvischen und weiteren Aussagen der Weisen nicht übernehmen. Was die göttliche Lehre ergänzt und ihr nicht widerspricht, darf sorgfältig aufgenommen werden,

10.373 nach verständiger Prüfung und in der Rangfolge von sattvisch an, o Einsichtsvoller. Auch eine menschliche Aussage, die bekannte Bedeutungen aufnimmt, einen stimmigen Sinn besitzt und sich dadurch auszeichnet,

10.374 kann wie ein Weisenwort angenommen werden. Sanaka sprach: Die göttlichen und weiteren Schriften, die durch diese von dir genannten Merkmale gekennzeichnet sind,

10.375 möchte ich mit ihren ausdrücklichen Namen hören, o Bester der Brahmanen. Meine Neugier ist groß; nenne sie gruppenweise,

10.376 sodass auch Menschen mit geringerem Verständnis sie ohne Vermischung erkennen können. Shandilya sprach: Sattvata, Paushkara und Jayakhya

10.377 und entsprechende Schriften erkenne als göttlich. Die Ishvara Samhita, die Bharadvaja Samhita,

10.378 die Saumantavi, diese hier mit dem Namen Parameshvara, die Vaihayasi Samhita, die von Chitrashikhandin stammende Schrift

10.379 sowie Jayottara und entsprechende Werke erkenne wahrhaft als sattvische Worte der Weisen, o Trefflicher.

10.380 Das Sanatkumara genannte Tantra, das Padmodbhava genannte, ferner Satya, Tejodravina und Mayavaibhavika

10.381 und entsprechende Schriften erkenne als rajasisch. Panchaprashna, Shukaprashna und Tattvasagara Samhita

10.382 und entsprechende Werke erkenne besonders als tamasisch. Das bloß Menschliche ist anhand der zuvor beschriebenen Merkmale zu bestimmen.

10.383 So sind die göttlichen und weiteren Unterschiede der Tempel und Schriften sachgemäß erläutert. Nachdem man sie richtig erkannt hat, vollziehe man alles entsprechend.

10.384 Wer ohne dieses Wissen Verehrung und weitere Handlungen in vermischter Weise ausführt, bringt nach der Auffassung des Textes die Ordnung der ganzen Welt durcheinander,

10.385 besonders die der eigenen Überlieferungslinie. Deshalb soll ein wohlmeinender Schriftkundiger selbst in Bedrängnis keine unvereinbaren Schriftordnungen vermischen, o Brahmane.

Spirituelle Erläuterung zu Kapitel 10: Der Tempel wird als ein von Bewusstsein durchdrungener Zusammenhang geschaut. Die Erzählungen von Brahma, Ikshvaku und Vibhishana verbinden göttliche Gnade mit dem Loslassen eigener Verfügung. Besonders die Weisung an Ikshvaku verbindet Verehrung mit dem Schutz der Menschen. Die abschließende Rangordnung der Schriften gibt die eigene theologische Position dieses Werkes wieder; sie ist keine religionswissenschaftlich neutrale Bewertung anderer Traditionen. Bemerkenswert ist die Selbsteinordnung der Parameshvara Samhita unter die sattvischen Weisenschriften in 10.378–379, während Sattvata, Paushkara und Jayakhya als göttliche Offenbarungen bezeichnet werden.

Kapitel 11

Eingang. Glück und Segen! Elftes Kapitel.

11.1 Sanaka sprach: Brahmane, bei der Vorschrift für das tägliche Fest wurde die Verehrung der Tor- und Umfassungsgottheiten beschrieben. Ihre Meditation und die weiteren Einzelheiten

11.2 möchte ich der Reihe nach erfahren, o Bester der Brahmanen. Erkläre sie ausführlich. Shandilya sprach: Höre; ich werde erläutern, wonach du gefragt hast,

11.3 beginnend mit den Gottheiten des Tempeltores. Außerhalb des Tempeltores, an den beiden Enden der unteren Schwelle,

11.4 stehen rechts und links der Herr des Baugrunds und der Feldhüter. Der erste hat ein weißes Gesicht, einen dunklen Leib, zwei Arme und trägt ein Edelsteingefäß

11.5 in der rechten Hand. Er ist die Stätte aller Götter; Gewand, Kranz und Salbung leuchten wie ein weißer Lotus.

11.6 Mit erhobener Keule meditiere man diesen Vastu-Purusha, o Brahmane. Den Feldhüter meditiere man zweiarmig, mit goldglänzendem Gewand und Kranz,

11.7 einer dunklen Regenwolke gleich, mit mächtigem Körper und einem Stab in der Hand. Die linke Hand bildet eine Faust; er schützt den Verehrungsplatz.

11.8 Beide sind mit Ohrringen und weiteren Schmuckstücken geziert, blicken auf das Gesicht des Herrn und sind überreich an Leuchtkraft.

11.9 Lakshmi vergegenwärtige man sich von der Farbe geläuterten Goldes, mit korallenrotem Gewand, mit Halsketten, Fußringen, Oberarmreifen, einer hohen Korbkrone

11.10 und weiterem Schmuck, mit lotusgleichen Augen und einem Antlitz wie der fleckenlose, vollkommen volle Herbstmond.

11.11 Sie hält Lotus und Gefäß, ruht auf einem Lotus und sitzt im Lotussitz am oberen Türsturz.

11.12 Chanda gleicht der jungen Sonne, hat eine breite Brust und vier Arme, ist hochgewachsen, mit hohen Schultern, voll entwickeltem, doch nicht übermäßig fleischigem Körper,

11.13 schlankem Bauch und vertieftem Nabel, von einer Haarlinie geziert. Sein Gesicht ist von Fangzähnen furchtgebietend; er trägt einen gelbbraunen Bart und Haarflechten.

11.14 Seine Augen sind honigbraun, die Brauen wie gebogene Ranken. Er hat lange, bewegliche Ohren, eine breite Nase und ein lächelndes Gesicht.

11.15 Ohrringe, Halskette und Oberarmreifen schmücken ihn. Seine Stirn trägt einen gebundenen Turban und ein Stirnzeichen.

11.16 Er trägt ein weißes Gewand und einen Kranz. In seinem rechten Händepaar vergegenwärtige man sich das erhobene Rad und in der anderen Hand eine flammende Keule,

11.17 an der Hüfte angelehnt und auf dem Boden ruhend. In der vorderen linken Hand trägt er die Muschel, in der anderen eine Gebetskette.

11.18 So ist der Scharenführer Chanda, unüberwindlich an Kraft, im Zorn fähig, zehntausende Hindernisse in einem Augenblick zu vernichten.

11.19 Man meditiere ihn am Fuß des südlichen Türpfostens des inneren Heiligtums. Auf der gegenüberliegenden Seite verehre man Prachanda in entsprechender Gestalt,

11.20 jedoch mit vertauschter rechter und linker Armstellung. Was für Chandas linkes Händepaar beschrieben wurde,

11.21 meditiere oder gestalte man rechts bei Prachanda. Vor dem Tor meditiere man Garuda, von goldenem Glanz,

11.22 mit gebogenen Brauen, schön gerundeten Augen und mächtigen Flügeln, mit herabhängendem Bauch, kräftigen Gliedern und allem Schmuck versehen,

11.23 geziert mit Krone, Fußringen und weiteren Schmuckstücken, in blauem Gewand und mit vielfältigen Blumengirlanden,

11.24 dem Gott der Götter zugewandt, auf dem Boden mit gefalteten Händen. Den Satya genannten Vogelherrn meditiere man zweiarmig und weiß wie Schnee,

11.25 als herrschende Gottheit des Prana, auf einem Rad in der Mitte der Bali-Fläche stehend, in allen Gliedern von menschlicher Gestalt,

11.26 mit herabhängendem Bauch und einem Kranz von Flügeln, in der rechten Hand eine Gebetskette tragend,

11.27 die andere Handfläche nach oben geöffnet, mit Ohrringen und weiterem Schmuck, in blauer Seide, mit blauem Kranz und blauer Salbung,

11.28 den Herrn stets mit ruhigen Augen anschauend. Dann meditiere man die beiden an den Türpfosten der Vorhalle stehenden Gestalten,

11.29 wie das Innere eines Lotus leuchtend, von gewaltiger Kraft, in Armen, Attributen und Schmuck Chanda und Prachanda ähnlich,

11.30 mit roten Gewändern, roten Kränzen und roter Salbung: die Scharenführer Dhatri und Vidhatri. Man verehre sie gesammelt.

11.31 Danach verehre man in der ersten Umfassung die Scharenherren von Kumuda an. Im Osten und Südosten sind die beiden Führer

11.32 Kumuda und Kumudaksha zu verehren, mit freundlichen Gesichtern und Blicken, dem Schneegebirge gleich und in früher Jugend stehend,

11.33 mit mannigfaltigem Schmuck, verschiedenen Ohrringen, vielfältigen Kränzen und verschiedenen Kronen ausgestattet, o Brahmane,

11.34 mit vielerlei Duftstoffen gesalbt und mit verschiedenen Gewändern geschmückt. Die rechte Hand des Scharenherrn Kumuda

11.35 meditiere man mit einem Yakschweifwedel, der wie ein Mondstrahl leuchtet. Die zweite rechte Hand zeige die einladende Furchtlosigkeitsgeste,

11.36 die den Zufluchtsuchenden den Weltlauf zerbricht und den anderen die Ordnung der Eigenschaften weist. Seine vordere linke Hand hält einen geöffneten Lotus empor.

11.37 Die andere meditiere man als schweigend Furcht anzeigend für die Außenstehenden. Bei Kumudaksha vergegenwärtige man diese Zuordnung umgekehrt.

11.38 Ebenso sind bei den weiteren Gestalten jeweils zwei Händepaare zu berücksichtigen. Pundarika und Vamana leuchten wie Feuer

11.39 und tragen eine Garuda-Standarte; das Übrige entspricht dem zuvor Gesagten. Man gestalte, meditiere oder setze sie im Süden und Südwesten ein.

11.40 Die beiden namens Shankukarna und Sarvanetra gleichen der Champaka-Blüte und halten Pfauenfederfächer empor.

11.41 Sie stehen westlich und nordwestlich des Gottes von großer Herrlichkeit. Sumukha und Supratishtha befinden sich nördlich und nordöstlich des Herrn,

11.42 dunkel wie Mungfrüchte, mit erhobenen Schirmen. Für die nicht eigens beschriebenen übrigen Hände gilt das bei Kumuda Gesagte.

11.43 Manava und Prishnigarbha stehen auf der Erde und im Luftraum, leuchten wie geläutertes Gold und tragen strahlende Korbkronen.

11.44 Ihre Gesichter sind durch Fangzähne furchtgebietend; sie tragen mannigfaltige Kränze, o Brahmane. Die Manava genannte Gestalt ist mit Flügeln und Schlangen geschmückt.

11.45 Ihre rechte Hand trägt die vorzügliche Muschel; in der dahinter befindlichen, zur Kataka-Haltung geformten Hand hängt zwischen dem Daumen

11.46 eine Gebetskette, die stets alle Vollendungen verleiht. In der vorderen linken Hand trägt sie das Rad, dahinter eine aufgerichtete Keule.

11.47 Bei Prishnigarbha vergegenwärtige man dies umgekehrt, mit der Hand an der Hüfte, jedoch ohne Flügel und Schlangen, o Brahmane. [Die genaue Handzuordnung ist hier undeutlich.]

11.48 Diese habe ich als die engsten Begleiter Bhagavans beschrieben, o Brahmane. In Tat, Geist und Rede ist ihr ganzes Denken auf sein Wesen gerichtet.

11.49 Sie sind von unzähligen Millionen anderer vollendeter Wesen umgeben, die Erkenntnis und die übrigen sechs Eigenschaften besitzen und die höchste Stätte erstreben.

11.50 In Gewand, Schmuck, Salbung und weiteren Merkmalen gleichen diese Kumuda. Alle Scharenführer von Kumuda an tragen ein mit weißer Erde geformtes aufrechtes Stirnzeichen

11.51 auf der Stirn; ebenso alle anderen Wesen und Angehörigen des göttlichen Gefolges, o Brahmane.

11.52 Ebenso die Gottheiten der Umfassungen und der Tore sowie die ihm zugehörigen Brahmanen, Kshatriyas, Vaishyas und Shudras.

11.53 Sie sollen stets mit zwölf oder vier aufrechten Zeichen aus Erde oder Sandelholz geschmückt sein, o Brahmane.

11.54 Dunkel wie Atasi-Blüten, mit gelben Kränzen, Gewändern und Turbanen, furchtgebietend und mit den zuvor beschriebenen Armen geschmückt,

11.55 Chandas Gestalt tragend, schwer anzublicken und unüberwindlich, verehre man die beiden Scharenführer Jaya und Vijaya an den Seiten des betreffenden Tores.

11.56 Von dort bis zum äußeren Tor teile man den zweiten Umfassungsbereich in sechs Abschnitte. Im fünften

11.57 gestalte, meditiere oder setze man Garuda ein, o Brahmane: wie flüssiges Gold leuchtend, mit furchtbar zusammengezogenen Brauen und Augen,

11.58 mit breiten Fangzähnen, breiter Nase, mächtigen Gliedern und großem Bauch, einer von jungen Federn bedeckten Brust und mächtigen Flügeln,

11.59 geschmückt mit Halskette, Oberarmreifen, großen Ohrringen, Krone und weiteren Schmuckstücken, mit blauem Gewand und vielfältigen Kränzen,

11.60 mit vielerlei Duftstoffen gesalbt und mit elf Schlangen geschmückt, in den gefalteten Händen einen vollen Blumenbüschel haltend, o Brahmane.

11.61 Das rechte Knie hat er angehoben, das andere zum Sitz gemacht; bequem sitzend erwartet er den Befehl des Herrn.

11.62 Danach folgt die Zehnergruppe der Handlungs- und Selbstprinzipien, zur Vollendung gelangt und mit Eigenschaften wie Fähigkeit und Allwissenheit ausgestattet, die Bhagavan entsprechen,

11.63 frei vom Leiden der stofflichen Natur und vom Herrn dazu eingesetzt, über den Weltlauf hinüberzuführen. Diese Umfassungsgestalten folgen der Reihe nach:

11.64 Upendra steht im Osten, o Bester der Brahmanen, Tejodhara im Südosten, Duratikrama im Süden,

11.65 Mahakarma im Südwesten, Mahahrada im Westen, Agrahya im Nordwesten und Vasuretas im Norden,

11.66 Vardhamana im Nordosten, Sakshin im Luftraum; Adharanilaya vergegenwärtige man sich unterhalb von allem.

11.67 Sie leuchten wie Bergkristall, tragen weiße Kränze und Gewänder und halten Gebetskette, Rad, Muschel und Keule,

11.68 von der vorderen rechten bis zur vorderen linken Hand, mit ihren vier gleichmäßig gestalteten Armen; Krone und weiterer Schmuck zieren sie.

11.69 Mit ihrem Glanz treiben sie die Scharen der Hindernisse fort. Alle stehen kraftvoll in festen Haltungen, mit aus der Meditation geöffneten Augen.

11.70 Oder sie sind zweiarmig und tragen rechts der Reihe nach die zehn Waffen der Weltenhüter, beginnend mit dem Vajra,

11.71 links eine Gebetskette, oder sie schenken Gaben und Furchtlosigkeit. Dann können sie auch in Farbe, Salbung und weiteren Merkmalen Indra und den übrigen Hütern gleichen.

11.72 An den inneren Seiten des zweiten Torturms setze man von links beginnend die beiden als Torhüter bezeichneten Scharenführer ein,

11.73 die Schatzherren Shankha und Padma, auf Schatzgefäßen stehend, mit kräftigen Zähnen, beherrscht, zweiarmig und ganz von Bhagavan erfüllt,

11.74 mit gebogenen Brauen, leicht hervortretender Brust, herabhängendem Bauch, kräftigen Gliedern sowie kurzen Händen und Füßen, o Brahmane.

11.75 Ihr Glanz entspricht Muschel und Lotus; sie tragen blaue beziehungsweise weiße Gewänder und Kränze, geschmückt mit Krone und vielfältigen weiteren Zierstücken.

11.76 In der rechten Hand halten sie einen Lotus, in der anderen, nach oben geöffneten Hand ihren jeweiligen Schatz.

11.77 Oder sie gewähren mit den linken Händen Furchtlosigkeit beim Eintritt; oder sie halten mit beiden Händen Muschel beziehungsweise Lotus, o Brahmane.

11.78 Der jeweilige Schatzherr kann auch links den Lotus oder die Muschel tragen oder diese Zeichen auf dem Haupt über der Krone.

11.79 Auch Muschel und Rad können sie nach Wahl des Übenden tragen. Dabei ist das rechte Knie angehoben, das andere als Sitz untergelegt.

11.80 So gilt es für Shankha-Nidhi; bei Padma-Nidhi ist die Stellung umgekehrt. An den Türpfosten vergegenwärtige man sich von Süden an

11.81 zwei Gestalten, weiß wie Milch und Jasmin, in blauer Seide, mit Blumen vom Farbglanz blauer Wasserlilien geschmückt,

11.82 den zuvor beschriebenen Scharenführern ähnlich, namens Bhadra und Subhadra. Außen an den beiden Seiten dieses Torturms

11.83 setze man diese beiden Herren ein, meditiere oder gestalte sie. Oder sie seien zweiarmig; dann zeigt Bhadras rechte

11.84 Hand den erhobenen Zeigefinger, während die linke leicht gebeugt auf dem oberen Ende der Keule ruht. Am unteren Ende der Keule steht

11.85 sein überkreuzter rechter Fuß, während der linke auf dem Boden ruht. Was für Bhadras linke Hand und linken Fuß gesagt wurde, o Brahmane,

11.86 gilt für Subhadras rechte Seite und umgekehrt. Seine linke Hand zeigt jedoch die Geste des Staunens.

11.87 Chanda, Prachanda, Dhatri, Vidhatri, Jaya, Vijaya, Bhadra und Subhadra sind die acht Scharenherren.

11.88 Abgesehen von Farbglanz, Blumen und Gewändern gleichen sie einander in Körper- und Gesichtsform sowie in Schmuck und Waffen.

11.89 Sie sind bereit, die ringsum befindlichen Hindernisse der Gläubigen zu zerschneiden, die Früchte des gebundenen Weltlaufs hervorbringen.

11.90 Alle sind einander zugewandt und stehen in ausgeglichenen Haltungen. Jeder ist von vielen zehntausend und hunderttausend Scharenführern umgeben,

11.91 die verschiedenfarbige Leiber besitzen und Achyutas Verehrung hingegeben sind. Danach setze man in der dritten Umfassung von Osten an der Reihe nach

11.92 die zehn Weltenhüter von Indra an ein, o Brahmane. Purandara meditiere man vierarmig, wie hundert Lichtstätten leuchtend,

11.93 auf einem reinweißen Elefanten, den sehr scharfen Vajra erhoben. Den Feuergott vergegenwärtige man sich rot, auf einem Ziegenbock reitend, mit dem Wurfspieß in der Hand,

11.94 von tausend Flammen umgeben und wie tausend Sonnen strahlend. Auf einem großen Büffel befindet sich der Gott, der wie ein Berg aus Augenschwarz leuchtet,

11.95 mit mächtigem Stab in der Hand: der Herr der Ahnen. Den Herrn der Rakshasas meditiere man mit einem durch Fangzähne schrecklichen Gesicht, wie eine schwarze Wolke leuchtend,

11.96 furchtgebietend, auf einem Leichnam sitzend und ein Schwert tragend. Den Herrn der Wasser meditiere man wie eine Perle glänzend, mächtig, mit erhobener Schlinge,

11.97 von tausend Schlangenmädchen umgeben und auf einem Makara. Den Windgott meditiere man wie eine dunkle Regenwolke, mit einem großen Banner gekennzeichnet,

11.98 auf einer Antilope stehend. Soma vergegenwärtige man sich von Sternenscharen umgeben, weiß wie Muschel und Kuhmilch,

11.99 auf dem Rücken eines großen Hasen, mit einer kühlenden Waffe in der Hand. Ishana meditiere man mit weißer Asche bestrichen, dreiäugig und auf einem Stier,

11.100 den Dreizack in der Hand, voller Erkenntnis. In der Richtung der Unterwelt meditiere man den Pflugträger auf einer Schildkröte.

11.101 Dies ist der weiße Schlangenkönig Ananta mit tausend Hauben. Prajapati meditiere man mit einem Stab, den kreisenden Sternenhimmel umfassend,

11.102 auf einem Schwan, im Raum gegenwärtig, beständig, ungeboren und allgegenwärtig. Alle diese Gestalten sind vierarmig und mit einer Gebetskette versehen,

11.103 betrachten die höchste Wirklichkeit und halten die Hände zu den Gesten des Schenkens und der Furchtlosigkeit erhoben; göttlicher Schmuck, göttliche Kränze und Gewänder zieren sie.

11.104 Sie besitzen göttliche Formen und göttlichen Duft, o Brahmane. Ihre kostbaren Kränze, Salbungen und Gewänder leuchten der Reihe nach rot, weiß, kurkumagelb, blau, champakafarben,

11.105 raumfarben, kristallgleich, sonnengleich und wie ein königlicher Edelstein. [Die Farbfolge ist gegenüber der Zahl der Gestalten verkürzt überliefert.]

11.106 Vielfältiger Schmuck, etwa Korbkronen, ziert sie. Unter ihnen ist der Träger des Stierbanners als vierarmig zu erkennen, o Brahmane;

11.107 die anderen Götter können auch zweiarmig sein oder die Gesten des Schenkens und der Furchtlosigkeit zeigen. So viel über die Weltenhüter. Danach, o Bester der Brahmanen,

11.108 meditiere man am südlichen Türpfosten des dritten Umfassungsbereichs Sudarshana, vierarmig, klein von Körper und flammend leuchtend,

11.109 mit vor Zorn roten Augen, mit dem Blut von Daityas und Danavas bestrichen, tanzend und von ekstatischer Kraft erfüllt, inmitten der tausend Speichen stehend,

11.110 mit einem von Fangzähnen furchtbaren Gesicht und gebogenen Brauen, wie das Feuer am Weltende, von seinen eigenen Strahlen umgeben.

11.111 Mit der vorderen rechten Hand trägt er das Sudarshana-Rad, mit der anderen rechten eine auf der Erde ruhende Keule,

11.112 mit der vorderen linken die Muschel, mit der anderen eine Gebetskette. Halskette, Oberarmreifen, große Ohrringe, Krone und andere Schmuckstücke

11.113 zieren ihn, ebenso weiße Kränze, Gewänder und weitere Gaben. Mit seiner eigenen flammenden Leuchtkraft reißt er die Hindernisse aus.

11.114 Am Fuß des anderen Türpfostens vergegenwärtige man sich danach, o Einsichtsvoller, den feststehenden Garuda, geläutertem Gold gleich,

11.115 mit freundlichem Gesicht, weit geöffneten Augen, rotem Schnabel und sehr furchtgebietender Erscheinung, mit breitem Bauch, langem Schwanz und mächtigen Flügeln,

11.116 in rotem Gewand, mit roten Kränzen und roter Salbung, mit einem durch Fangzähne schrecklichen Gesicht und unter zusammengezogenen Brauen blickenden Augen,

11.117 mit einem bunten Obergewand, mit Schlangenkönigen geschmückt sowie mit Krone und mannigfaltigen weiteren Zierstücken.

11.118 Was für das linke Händepaar der Radgestalt beschrieben wurde, befindet sich bei ihm rechts; das für rechts Gesagte befindet sich links.

11.119 Vajra, Wurfspieß, Stab, Schwert, Schlinge, Banner, die als kühlend bezeichnete Waffe, Dreizack, Pflug und Stößel

11.120 stehen der Reihe nach von Osten an im vierten Umfassungsbereich. Höre jetzt ihre Meditation in derselben Reihenfolge.

11.121 Den Vajra meditiere man wie einen Diamanten glänzend, mit langen weißen Nägeln, einem von Fangzähnen furchtbaren Gesicht und Augen wie flammendes Gold.

11.122 Den Wurfspieß Shakti meditiere man blitzgleich, mit Gesicht und Augen wie besänftigtes Feuer, immer wieder einen tiefen Donnerklang ausstoßend.

11.123 Den Stab vergegenwärtige man sich mit geballten Fäusten, rotem Leib und roten Augen, als Verkörperung des Zorns, mit den Zähnen auf die eigene Unterlippe beißend.

11.124 Das Schwert Nandaka meditiere man tanzend, von seinen eigenen Strahlen umgeben, dem Herbsthimmel gleich, die Zahnreihen aufeinanderpressend.

11.125 Die Schlinge ist von vielen Strängen umgeben, mit blitzender Zunge, furchterregend, von goldgelblichem Glanz, schrecklichem Mund und roten Augen.

11.126 Das Banner gleicht einer Herbstwolke, hat seitwärts gerichtete Augen und erhellt mit seiner Leuchtkraft die ganze Welt; seine Stärke ist gewaltig.

11.127 Die kühlende Waffe gleicht dem Mond, mit kräftigen Gliedern und breitem Körper, einem Bündel Haarflechten, freundlich und mit lotusgleichen Augen.

11.128 Der Dreizack leuchtet wie tausend aufgehende Sonnen, von furchterregender Gestalt und von eigenen Strahlen umgeben, die dem Feuer am Weltende gleichen.

11.129 Der Pflug gleicht einer Abendwolke, hat schreckliche Augen, schlanke Glieder, hohe Schultern, einen vajrafesten Körper und gewaltige Stärke.

11.130 Der Stößel ist weiß wie Jasmin, freundlich, mit leicht lächelndem Gesicht, einen süßen Klang hervorbringend, der das Gehör erfreut.

11.131 Der Reihe nach sind ihre schönen Kränze, Salbungen und Gewänder blau, rot, weiß, gelb, feuerfarben, augenschwarz, goldfarben, mondgleich, schneeweiß und himmelfarben.

11.132 Mit diesen und mit göttlichem Schmuck sind sie geziert; auf ihrem Haupt tragen sie ihr jeweils eigenes Zeichen.

11.133 Mit der rechten Hand bedrohen sie die Scharen der Bösen, während die linke an der Hüfte ruht; sie stehen in ausgewogenen Haltungen.

11.134 Am südlichen und nördlichen Türpfosten der vierten Umfassung meditiere und verehre man der Reihe nach Ganga und Yamuna.

11.135 Ganga ist aus Bhagavans Fuß hervorgegangen, gleicht einer weißen Wasserlilie und besitzt die Anmut und Zartheit frischer Jugend.

11.136 Sie trägt blaue Salbung, blaue Gewänder und blaue Kränze, hat zwei Arme, ein freundliches Gesicht und Augen wie weiße Lotusse.

11.137 Halskette, Fußringe, Oberarmreifen, Ohrringe und weiterer Schmuck zieren sie. Bei jenen, die von der Hitze des Weltlaufs gequält sind und zur höchsten Stätte aufsteigen möchten,

11.138 wäscht sie mit ihrer Leuchtkraft den Schlamm der Gewohnheitsspuren und des Karmas ab. In der rechten Hand trägt sie ein mit Wasser gefülltes Gefäß,

11.139 mit der linken weist sie die der bloßen Natur verhafteten Menschen drohend zurecht. Yamuna gleicht einem blauen Edelstein und hat dunkles gelocktes Haar,

11.140 weiße Salbung, weiße Gewänder und weiße Kränze. Rechts zeigt sie die Drohgeste des Zeigefingers, links trägt sie das Gefäß.

11.141 Alles Weitere gilt wie bei Ganga, o Einsichtsvoller. Lohitaksha, Mahavirya, Aprameya, Sushobhana,

11.142 Viraha, Vikrama, Bhima und als achter Shatavarta stehen in der fünften Umfassung, der Reihe nach von der Richtung Ishvaras an.

11.143 Lohitaksha meditiere man mondgleich und von gewaltiger Stärke, mit blauem Gewand, blauem Kranz und blauer Salbung.

11.144 Mahavirya ist groß von Körper, gelb und mit mächtigen Armen; er trägt ein korallenrotes Gewand, rote Kränze und rote Salbung.

11.145 Aprameya vergegenwärtige man sich mit unermesslicher Stärke, grün von Gestalt, mit gelbem Gewand, gelbem Kranz und gelber Salbung.

11.146 Sushobhana ist von schönen Gliedern und glänzt wie eine Perle; Gewand, Kranz und Salbung gleichen Atasi-Blüten.

11.147 Den Heldenvernichter Viraha meditiere man champakafarben, mit Safran gesalbt und mit rotem Gewand und roten Kränzen geschmückt.

11.148 Vikrama, die Stätte der Tapferkeit, gleicht dem Bauch eines Chasha-Vogels; sein Gewand leuchtet wie Jasmin und Mond, Kränze und Salbung sind weiß.

11.149 Bhima meditiere man furchtgebietend und wie geläutertes Gold; er trägt weißrötliche Seide und entsprechende Duftstoffe und Kränze.

11.150 Shatavarta vergegenwärtige man sich dunkel wie Atasi-Blüten, mit gelbem Gewand, gelben Kränzen und gelben Duftstoffen geschmückt.

11.151 Diese Gestalten sind zweiarmig und innerlich voller Freude. Alle halten in der rechten Hand eine flammende Axt

11.152 und in der linken eine leuchtende vorzügliche Muschel; schöne Ohrringe zieren sie. Sie sind gleichmäßig, mit ausgewogenen Gliedern und friedvoller Erscheinung.

11.153 Alle stehen in festen Haltungen, von ihrem eigenen Licht erhellt, mit freundlichen Gesichtern, gütig und fähig, die drei Welten zu erheben.

11.154 Halsketten, Fußringe, Oberarmreifen und weiterer Schmuck zieren sie. Sie erwarten seinen Befehl und besänftigen Übeltäter und ihre Verfehlungen.

11.155 Mit großer Kraft können sie Götter, Asuras und mächtige Schlangen fortschleudern. Jeder allein, ohne Hilfe, vermag mühelos und spielerisch

11.156 alles bis zur Brahma-Welt zu verwandeln. An den vier Toren dieser Umfassung setze man die Torgottheiten

11.157 paarweise ein, von Osten an: Vajranabha und Harisha an der südlichen und nördlichen Seite des Osttors.

11.158 Vajranabha meditiere man wie hundert Lichtstätten leuchtend; seine vordere rechte Hand zeigt eine abwehrende Geste.

11.159 Die zweite trägt eine Rohrgerte, die dritte den König der Räder. Die vordere linke Hand liegt an der Hüfte,

11.160 die zweite trägt die vorzügliche Muschel und die dritte den Vajra. Vielfältiger goldener Schmuck ziert ihn.

11.161 Er trägt rote Kränze, rote Gewänder und rote Salbung. Harisha entspricht ihm, doch ohne die abwehrende Geste;

11.162 seine Hand zeigt vielmehr die Geste, die den Eintritt gewährt. Denn der eine verwehrt den Eintritt denjenigen ohne Hingabe,

11.163 der andere gewährt ihn den Gläubigen. Dies ist an jedem Tor die Aufgabe des jeweiligen Wächterpaars.

11.164 Was bei Vajranabha rechts beschrieben wurde, ist bei Harisha links; alles links Beschriebene befindet sich bei ihm rechts.

11.165 Am Südtor stehen Dharmadhyaksha und Niyantrisha an der südlichen und nördlichen Seite, Yama ähnlich und mit den zuvor beschriebenen Armen.

11.166 Sie tragen gelbe Seide, gelbe Kränze und gelbe Salbung; statt Vajra und Rad halten sie jedoch Stab und Keule.

11.167 Im Westen stehen von Süden an Shuddhaksha und Amritananda, mit Pfeil und Bogen in der einen Hand und einer Schlinge in der anderen.

11.168 Die ersten vier Hände erfüllen die zuvor beschriebenen Aufgaben. In ihrer Gestalt gleichen sie stets dem Herrn der Wasser.

11.169 Sie tragen blaue Seide, blaue Kränze und blaue Salbung. Am Nordtor stehen südlich und nördlich Vasunatha und Sudhananda,

11.170 mit Schwert und Hammer; ihre übrigen vier Hände sind wie zuvor zu gestalten. Ihre Erscheinung gleicht dem Herrn der Sterne.

11.171 Seide, Kränze und Salbung sind dunkel wie Atasi-Blüten. Alle diese Gestalten tragen vielfältigen Schmuck wie Vajranabha.

11.172 Höre nun der Reihe nach die genaue Meditation der Gottheiten der sechsten Umfassung und besonders ihrer Torhüter, o Hervorragender unter den Weisen.

11.173 Von Osten bis Nordosten stehen in der sechsten Umfassung diese Gottheiten in Lichtgestalt, o Brahmane:

11.174 Zeit, Raum, der Lenker, die Schrift mit ihren vielfältigen Gliedern, die Herren des Wissens, Shiva mit Rudra und seinen Scharen,

11.175 die Gruppe der Prajapatis und Indra mit seinem Gefolge. An den vier Haupttoren befinden sich wie zuvor der Reihe nach

11.176 Rad und Muschel, Lotus und Keule, Pflug und Stößel, Pfeile und Sharnga-Bogen. Sie sind leuchtend wie Blitz, Schnee und Jasmin zu meditieren.

11.177 Ihre Gewänder, Kränze und Salbungen sind der Reihe nach gelb, blau, weiß, rot, weiß, milchweiß, auripigmentgelb und rötlich.

11.178 Schmuck aus sämtlichen Edelsteinen ziert sie. Sie besitzen große Stärke und Macht, ein Gesicht und zwei Arme.

11.179 Alle diese Führer tragen ihr eigenes Zeichen auf dem Haupt. Mit der rechten Hand bedrohen sie die Scharen der Bösen,

11.180 mit der linken greifen sie an die Hüfte und stehen in ausgewogenen Haltungen. Dridhavrata, Bahushiras, Mahakaya, Mahabala,

11.181 Jitakrodha, Duradharsha, Mahotsaha, Trivikrama, Atula, Dushtaha, Arcishman, Sarvadrish, Duratikrama,

11.182 Vishama, Gahana und Amogha sind die sechzehn Hüter der Nebeneingänge, vom Zwischenraum zwischen Osten und Südosten bis zu dem zwischen Osten und Nordosten.

11.183 Ihre Farben sind der Reihe nach weiß, rot, goldfarben, bienendunkel, gelbbraun, rot, weiß, schwarz, rot, gelb, atasifarben, goldfarben, rot, hellweiß, weiß und schwarz.

11.184 Ihren Farben entsprechen schöne Gewänder, Kränze, Salbungen und Schmuck; ihre Eigenschaften entsprechen ihren Namen. Sie tragen Muschel und Hammer.

11.185 Links und rechts lassen sie der Reihe nach eintreten oder verwehren den Eintritt. Sie sind fähig, in einem Augenblick Welten aufzulösen, zu erschaffen und zu erhalten.

11.186 Die genannten verehre man der Reihe nach wie zuvor. Die Rishis von den Sieben an, die Planeten mit Sternen und weiteren Himmelskörpern,

11.187 die Wolken, sämtliche Schlangen, die vorzügliche Schar der Apsaras, die Heilpflanzen, Tiere und alle Opfer samt ihren Gliedern

11.188 befinden sich in feiner Gestalt entsprechend in der siebten Umfassung. Sambhava und Prabhava, Purna und Pushkara,

11.189 Ananda und Nandana, Virasena und Sushena stehen paarweise rechts und links an den Pfosten ihrer Haupttore.

11.190 Sambhava ist weiß, Prabhava gleicht Jasmin; Purna ist rot, Pushkara besonders tiefrot.

11.191 Ananda ist gelb, Nanda wird als goldglänzend bezeichnet; Virasena ist dunkel, Sushena gleicht Augenschwarz.

11.192 Kronen und Armreifen schmücken ihre Gestalten. Sie sind zweiarmig und tragen eine Keule oder vierarmig, o Bester der Brahmanen, mit Muschel, Rad und Keule.

11.193 Mit der weiteren Hand lassen sie wie zuvor eintreten oder verwehren den Eintritt. Ihre Gesichter sind durch Fangzähne furchtgebietend; sie vermögen zu zügeln und Gnade zu erweisen.

11.194 Kshemakrit, Shivakrit, Prajna, Homakrit, Bhutabhavana, Yugantagnyashana, Samvarta und Bhishana,

11.195 Samkrandana, Animisha, Shataparvan, Shatanana, Audumbara, Prakritika, Dvirama und Amshumalin

11.196 bilden der Reihe nach die sechzehn Nebentorhüter. In ihren Farben entsprechen sie Dridhavrata und den übrigen; sie besitzen sechs Arme.

11.197 Links und rechts, von hinten bis vorne, tragen sie Muschel, Hammer, Lotus und Gebetskette und zeigen die Gesten des Schenkens und der Furchtlosigkeit.

11.198 Kränze, Turbane, Gewänder, Salbungen und Schmuck in mannigfaltigen Farben zieren sie. Sie besitzen die Tapferkeit der zuvor beschriebenen Scharen und sind zu allen Aufgaben fähig.

11.199 Zum Schutz der acht Schmuckausbuchtungen dienen Shatamanyu, Virochana, Apratarkya, Anullanghya, Aprameya,

11.200 Amarshin, Mahadbhuta und als achter Keraksha. [Der letzte Name ist beschädigt.] Sie stehen der Reihe nach an den seitlichen Schmuckbereichen der Nebentore, beginnend zwischen Osten und Südosten.

11.201 Einzeln stehen diese tapferen Gestalten da und gewähren oder verwehren den Eintritt. Ihre Farben sind blau, gelb, hibiskusrot, dunkel, weiß, zinnoberfarben und mondgleich. [Für acht Gestalten sind hier nur sieben Farbangaben eindeutig erhalten.]

11.202 Sie besitzen große Stärke und Macht und schwer überwindbare Tapferkeit. Mannigfaltige Gewänder, Kränze, Schmuckstücke und Salbungen

11.203 sowie weitere, nicht eigens genannte Zierden schmücken sie angemessen. Sie besitzen die Herrlichkeit der sechs göttlichen Eigenschaften und vier Hände.

11.204 Die hintere rechte und linke Hand tragen Rad und Muschel; das vordere Händepaar ruht auf dem oberen Ende der Keule.

11.205 Diese Herren der Tore, Nebentore und Schmuckausbuchtungen verehre man der Reihe nach. Höheres und niederes Wissen, Feuer und Wind,

11.206 Mond und Sonne, Wasser und Erde: Diese Gottheiten des Weltlaufs stehen in feiner Gestalt auf dem Boden der äußeren Umfassung.

11.207 Amaresha, Virupaksha, Sudharmishtha, Niyamaka, Sarvasattvashraya und danach Atigahana,

11.208 ferner Maharajeshvara und Dhanadhyaksheshvara: Diese acht Scharenherren sind die Wächter ihrer Haupttore.

11.209 Alle sind vierarmig zu meditieren. Amaresha und Virupaksha halten im vorderen Händepaar Vajra und Rohrgerte,

11.210 im hinteren Rad und Muschel. Sie leuchten wie Safran beziehungsweise Augenschwarz; ihre Gesichter sind durch Fangzähne verzerrt.

11.211 Nach ihrer südlichen und nördlichen Stellung sind die Attribute jeweils vertauscht. Rechts und links am Tor stehen sie und lassen eintreten oder verwehren den Eintritt.

11.212 Sudharmishtha und Niyantri leuchten reinweiß beziehungsweise dunkel; sie tragen einen mächtigen Stab anstelle des Vajra.

11.213 Die übrigen genannten Attribute tragen sie in der vorgeschriebenen Reihenfolge. Sarvasattvashraya und Atigahana sind dunkel beziehungsweise weiß,

11.214 tragen jedoch eine Schlinge; die übrigen Arme sind wie zuvor ausgestattet. Maharajeshvara ist rot, Dhanadhyaksheshvara schwarz.

11.215 Sie besitzen die kühlende Waffe, die übrigen drei Attribute wie zuvor. Von großer Stärke und Macht, versetzen sie Übeltäter und deren Verfehlungen in Schrecken,

11.216 sind schwer anzublicken und unüberwindlich, vernichten Daityas und Danavas und tragen mannigfaltige kostbare Gewänder, Schmuckstücke und Salbungen.

11.217 Maharshabha, Prabhuta, Gambhira, Pranagochara, Yoganga, Yoganilaya, Sanatana und Ashrinkhala,

11.218 Tarakantarita, Tara, Virama, Vishama, Duratikrama, Durgraha, Sudhumra und Anilashana

11.219 setze man nach der zuvor beschriebenen Weise an den Nebentoren dieser Umfassung ein. In ihren Farben leuchten sie entsprechend den zuvor genannten Nebentorhütern.

11.220 Diese Sechzehnergruppe besitzt vier Hände. Von der hinteren linken bis zur vorderen linken Hand

11.221 tragen sie Muschel und Pattisha-Waffe und zeigen die Gesten des Verwehrens und des Einlassens. Ihre Gewänder und Kränze sind vielfarbig.

11.222 Sie stehen in verschiedenen Haltungen und tragen mannigfaltigen Schmuck; oder sie halten eine Gebetskette. Den Zufluchtsuchenden gewähren sie Eintritt,

11.223 den anderen verwehren sie ihn. So sind sie einzusetzen, o bester Weiser. Devavrata, Niratanka, Bhima, Purusha,

11.224 Ugra, Vireshvara, Ramya, Arishta, o Bester der Weisen, Anirvinna, Yugantamsha, Shatananda, Shatanana,

11.225 Tejodhara, Vishalaksha, Yugamsha und Devanandana setze man einzeln an den sechzehn Schmuckausbuchtungen ein.

11.226 In ihren Farben gleichen sie den Nebentorhütern, jedoch nicht in den Attributen. Ihre vier Hände, von der hinteren rechten

11.227 bis zur vorderen rechten, tragen Muschel, Rad und Keule; die weitere Hand verwehrt den Unreinen den Eintritt und gewährt ihn den Reinen.

11.228 Mannigfaltige Kränze, Gewänder, Turbane, Schmuckstücke und Salbungen zieren sie. Ihre Macht ist unendlich und unbegreiflich; sie sind eine Zuflucht für alle Wesen.

11.229 Sie verstehen sich auf vielerlei Hand- und Wurfwaffen und besitzen vielfältige Erkenntnis. Viele Dämonenherrscher haben sie zurückgewiesen; sie sind zum Schutz der Guten bereit.

11.230 Bei einer Umfassung mit zwei Toren befinden sich die beiden Haupttorhüter in feiner Gestalt auch an den Seiten des anderen Tores.

11.231 In sämtlichen Ecken der Umfassungsmauer setze man, im Südosten beginnend, die vier göttlichen Gestalten in ihren Formen des Hervorgehens und der Rückkehr ein,

11.232 ebenso die weiteren Gestalten und ihre Gefährtinnen der Reihe nach, mit der Gruppe ihrer Waffenmantras und den übrigen zugehörigen Mächten, jeweils ihre Form vergegenwärtigend.

11.233 Außerhalb des Tempels verehre man an allen vier Ecken das Unoffenbare unter dem Namen Bhava, denn kein anderes Werden wird hier angenommen.

11.234 Außerhalb davon setze man der Reihenfolge der Richtungen entsprechend den König der Waffen unter seinem eigenen Mantra ein, die Umgebung mit seinen Strahlenscharen erhellend.

11.235 Nach dieser Einsetzung vollziehe man die Verehrung mit Mantra und Mudra, mit Arghya, Kränzen, Sandelholz und weiteren Gaben, die durch Betrachtung und die übrigen Reinigungen geweiht wurden.

11.236 Der Gott namens Vasudeva, dessen Leib die sechs Eigenschaften sind, nimmt zum Nutzen der rituell Handelnden den Tempel als grobe Gestalt an,

11.237 erfüllt von aller Erkenntnis und Tätigkeit und als Stätte sämtlicher Wirklichkeitsprinzipien. So erweist der im Bild gegenwärtige Herr beständig Gnade.

11.238 Deshalb setze man in die acht Umfassungen, die seine Glieder bilden, der Reihe nach die äußere Achtergruppe der Prinzipien von der Erde bis zur Urteilskraft ein.

11.239 Der Tempel mit seinen Gliedern ist die aus drei Gunas bestehende Prakriti; das darin befindliche Bild ist die individuelle Seele, und in ihr wohnt der höchste Purusha.

11.240 Deshalb meditiere man diese Prinzipien und ihre herrschenden Gottheiten der Reihe nach als überall gegenwärtig und verehre sie dann.

11.241 Mit dem Zeitrad-Lotus, der alle Grundlagen umfasst, allen Prinzipien als Stätte dient und das Gift sämtlicher Fehler vernichtet,

11.242 umschließe man den Tempel samt seinen Umfassungen von unten und oben, verehre ihn und zeige die Herz-Mudra zusammen mit der Rad-Mudra.

11.243 Dann umhülle man ihn in allen Richtungen mit dem Schutzpanzer-Mantra. Diese Ordnung gilt für eine einzelne Hauptgestalt und einen Tempel mit einem Tor.

11.244 Bei einem Tempel mit den Vyuhas in den Richtungen und vier Toren, bei Hallen vor den Richtungstoren,

11.245 bei einer Sarvatobhadra-, Aghanirmochana-, Sadadhva- oder Dharma-Anlage mit vier Toren

11.246 wird folgende Besonderheit der Einsetzung der Torhüter erklärt: Chanda bis Subhadra sind an den vier Tempeltoren

11.247 der Reihe nach paarweise wie zuvor einzusetzen. Auf den vier oberen Türstürzen befinden sich der Reihe nach

11.248 die Göttinnen Lakshmi, Kirti, Jaya und Maya mit den zuvor beschriebenen Merkmalen. Vor den Toren stehen Satya, Suparna, Garuda und Tarkshya.

11.249 Anirvartin, Mahavartin, Darpaha, Sarvajit, Sthira, Jayanta, Bhayakrit und als achter Manin, o Bester der Brahmanen,

11.250 stehen an den Türpfosten der Vorhallen in den Richtungen. Anirvartin und Mahavartin sind schwarz beziehungsweise papageiengrün,

11.251 Darpaha und Sarvajit weißrötlich beziehungsweise goldfarben, Sthira und Jayanta dunkel beziehungsweise augenschwarz,

11.252 Bhayakrit und Manin gelbbraun beziehungsweise hellweiß. Sie alle sind zweiarmig und halten rechts

11.253 Nandaka, in der anderen Hand die Muschel; ihre Kraft ist furchtgebietend. Wenn diese Scharenherren vierarmig meditiert werden,

11.254 trägt die vordere rechte Hand Schwert und Rohrgerte, die entsprechende linke die Muschel; das hintere Händepaar von rechts an

11.255 trägt Rad und Lotus, flammend leuchtend. Mannigfaltige Gewänder, Kränze, Turbane, Schmuckstücke und Salbungen zieren sie.

11.256 Hände und Füße sowie die Attribute sind beim jeweiligen Gegenüber vertauscht. Urjita, Amritanga, Sarvanga, Sarvatomukha,

11.257 Shubhranga, Varada, Vagisha und Shabdavikrama sind besondere Formen Panchajanyas und stehen der Reihe nach paarweise

11.258 an den vier Toren der Sarvatobhadra-Umfassung wie zuvor. Man vergegenwärtige sie sich zweiarmig, in der rechten Hand

11.259 einen Stößel und in der anderen eine Muschel tragend. Die ersten vier gleichen roten Bandhuka-Blüten,

11.260 die übrigen sind dunkel wie Kuckucke. Sie tragen allen Schmuck und können durch große Stärke Götter, Asuras und mächtige Schlangen fortschleudern.

11.261 Jeder allein, ohne Hilfe, vermag mühelos und spielerisch alles bis zur Brahma-Welt zu verwandeln.

11.262 Vishvesha, Vishvabhuj, Vishva, Vishvatman, Vishvalochana, Vishvapada, Vishvabhuja und Vishvakarmakrit

11.263 sind die Wächter an den Richtungstoren der zweiten Umfassung. Sie sind zweiarmig und tragen links und rechts

11.264 Keule und Schwert, dazu Korbkronen. Ihre Farben sind rot, gelbbraun, weiß, dunkel, rot, gelb, weiß und schwarz.

11.265 Ihre Gewänder, Salbungen, Kränze und Schmuckstücke entsprechen ihrer Farbe. Jeder ist allein ein Held, ohne Hilfe, und wehrt sämtliche Fehler ab.

11.266 An der Innenseite der Tore setze man links und rechts die Schatzherren ein, dem Tempel zugewandt, der Reihe nach:

11.267 Shankha und Padma, Mahapadma und Shatadhama, Akhandita und Santata, Anantadhara

11.268 und den als Sarvadvara bekannten. Die ersten beiden wurden bereits beschrieben; nun folgen Farben und Formen der übrigen sechs.

11.269 Sie sind rot, schwarz, goldfarben, weiß, rötlich und tamalabaumdunkel. Alle übrigen Merkmale entsprechen den Beschreibungen der Schatzherren Shankha und Padma.

11.270 Sie herrschen über Güter, Edelsteine, Gold, die acht Metalle, Getreide, Reichtümer und sämtliche Heilpflanzenschätze und sitzen bequem über diesen,

11.271 mit allem Schmuck versehen, ihren Schutzsuchenden das Ersehnte schenkend. Danach setze man an den Toren der dritten Umfassung paarweise

11.272 an den südlichen und nördlichen Pfosten der Reihe nach ein: vorne Rad und Garuda, im Süden Pflug und Palmbaum-Banner,

11.273 im Westen Sharnga-Bogen und Makara, im Norden Nandaka-Schwert und Antilope. Für Rad, Vogelherrn, Pflug, Sharnga und Nandaka

11.274 wurden Farben und Formen an ihren jeweiligen Stellen bereits genannt, o Brahmane. Für die drei anderen, beginnend mit dem Palmbaum-Banner, wird nun die Bedeutung erklärt.

11.275 Das Palmbaum-Banner verkörpert die Zeit mit ihren Formen von Vergangenheit und weiteren Zuständen; der Fisch beziehungsweise Makara umfasst alle Glieder und wird als Same der Welt bezeichnet.

11.276 Die Antilope ist der bewegliche Weltlauf mit all seinen Bedrängnissen. Diese meditiere man in feiner Gestalt und verehre sie der Reihe nach.

11.277 Ganga, Yamuna, Goda, der große Fluss Mahati, Vitasta, Narmada, der Jambu genannte Fluss und Sarasvati

11.278 stehen der Reihe nach an den Richtungstoren der vierten Umfassung. Farben und Formen von Ganga und Yamuna wurden bereits erklärt.

11.279 Die übrigen gleichen ihnen, außer im Farbglanz: weiß, rötlich, schwarz, goldfarben, hell und jasminweiß.

11.280 Sie zeigen eine kraftvolle, reife Erscheinung, tragen vielfältigen Schmuck, ihre Körper sind mit verschiedenen Mineralfarben geziert und strahlen von allen Edelsteinen.

11.281 Wie zuvor tragen sie mit beiden Händen ein Gefäß voll Unsterblichkeitstrank. So ist die Stellung der Torhüter bei einem Tempel mit Toren in den Richtungen erklärt.

11.282 Bei Tempeln mit einer einzigen Hauptgestalt und bei solchen mit Richtungsgestalten gilt für die höheren Umfassungen die gleiche allgemeine Ordnung der Tore und ihrer Gottheiten.

11.283 Die beiden an den Seiten der Torpfosten sämtlicher Umfassungen befindlichen Hüter können meditiert oder als Bilder eingesetzt werden. Befinden sie sich am äußeren Eingang,

11.284 sind sie der Reihe nach mit den beschriebenen Merkmalen einzusetzen. So verehre man die Herren der Umfassungen, nachdem man sie meditiert oder aufgestellt hat.

11.285 Die meditierten Gestalten befinden sich an den Opferpodesten, die sichtbaren Bilder in ihren eigenen Häusern. Dafür teile man den Hofbereich in drei oder fünf Abschnitte.

11.286 Man lasse drei Abschnitte oder einen frei und errichte außerhalb der Mitte ein Podest oder Heiligtum in allen Richtungen oder in den Zwischenrichtungen. [Die Zuordnung der freien Abschnitte zu den beiden Teilungsarten ist nicht ausdrücklich aufgelöst.]

11.287 Für die zuvor beschriebenen oberen und unteren Gestalten gilt die frühere Anordnung. Die Podeste aus Stein, Ziegeln oder anderen Materialien seien eine Elle breit,

11.288 halb so hoch, mit allem Schmuck versehen, quadratisch oder gut gerundet; auch schlichte Podeste können verehrt werden.

11.289 Für die Ortsgottheiten von Dörfern und anderen Siedlungen bringe man Bali in ihren jeweiligen Richtungen auf mit Kuhdung und weiteren Mitteln bestrichenen Kreisflächen dar.

11.290 Die Podeste können die zuvor angegebenen Maße von Breite und Höhe oder deren Hälfte besitzen; sie dürfen die Wagenprozession nicht behindern.

11.291 So stehen die Herren der Umfassungen auf ihren Podesten in den eigenen Richtungen, dem Tempel zugewandt, um Übles und Fehler zu beseitigen.

11.292 Höre nun die Einsetzung der Scharenherren an den Toren des Verehrungsraums für den an den vier Stätten herabgestiegenen Herrn, o Hervorragender unter den Weisen.

11.293 Vastu und Kshetra stehen am Osttor wie zuvor. Lakshmi, Kirti, Jaya und Maya befinden sich der Reihe nach über den Toren.

11.294 Die Gottheiten von Vajranabha an stehen paarweise an den Pfosten der Richtungstore; auf den Torgefäßen von Osten an Sambhava, Prabhava und die weiteren.

11.295 Die innere Achtergruppe der Wesen von Kumuda an befindet sich paarweise zwischen den Toren im Umgangsbereich.

11.296 Suparna, das Rad, Satya und Kaumodaki sind der Reihe nach auf dem Boden vor den Toren anzuordnen, o Brahmane.

11.297 Satya im Westen steht jedoch auf einer goldenen Stange. Die Gestalten von Chanda bis Subhadra befinden sich paarweise von Osten an,

11.298 rechts und links am Fuß der Torbogensäulen. Über dem Torbogen steht der Vogelherr zwischen zwei Rädern.

11.299 Auf reinweißen Wimpeln befindet sich der Satya genannte Vogelherr, auf roten Suparna und auf gelbbraunen Garuda.

11.300 Auf Wimpeln von der Farbe eines königlichen Edelsteins steht Tarkshya; auf vielfarbigen ist Vihageshvara zu verehren.

11.301 Die Weltenhüter von Indra an, denen die Gruppen der Vollendeten vorausgehen, und ihre Waffen von Vajra an stehen außerhalb in ihren jeweiligen Richtungen.

11.302 So verfahre man in der Hauptform oder bei entsprechenden besonderen Anlässen. In der Ersatzform setze man, beginnend mit dem Herrn des Baugrunds, nur die Gestalten von Chanda an

11.303 an den Toren ein und verehre sie bis zu Garuda. Oder man verehre an allen Toren den Vogelträger zusammen mit dem König der Waffen.

11.304 Bei verschiedenen Einsetzungen, bei der Wiederherstellung verfallener Anlagen, bei allen großen Festen und beim Hissen der Fahne,

11.305 bei der glückverheißenden Aussaat, beim Auflegen der heiligen Fäden sowie bei Übergießungen mit unzähligen Gefäßen und entsprechenden Verfahren,

11.306 bei außerordentlichen Sühnehandlungen, beim rituellen Wiegen und bei den wichtigsten befriedenden oder anderen wunscherfüllenden Riten, o Brahmane,

11.307 verfahre man nach der Hauptvorschrift; bei anderen Anlässen kann die andere Form gelten. Die Gruppen der Vollendeten, Indra und die weiteren Gottheiten sowie ihre Waffen,

11.308 diese Hüter der Welten und Richtungen, sind von ihren eigenen Heeren umgeben und verbleiben stets an ihrem Ort, bezogen auf den tatsächlichen Osten.

11.309 Denn als Hüter der Richtungen ist ihre Stellung seit der Schöpfung fest. Die unendlichen Mantra-Gestalten Bhagavans, o Einsichtsvoller,

11.310 ehren und verehren sie von ihren eigenen Plätzen aus, rezitieren ihre Mantras und dienen ihnen mit Bannern und weiteren Aufwartungen,

11.311 stets zur Erlangung der Befreiung, zusammen mit ihren zahlreichen Begleitern. Sie beschützen die Gläubigen und verleihen ihnen Stärke und Lebenskraft.

11.312 Unablässig vernichten sie die Hindernisse der Mantra-Verehrenden und schützen die wachsende zweifache Frucht der Mantra-Praxis.

11.313 Ihre anfangslose Aufgabe ist ein Kraftkeim des Weltenherrn; zur Festigung der Richtungen besitzt sie eine zehnfache Natur, während ihre unentfaltete Gestalt die acht Richtungen umfasst. [Die genaue Zuordnung im zweiten Halbvers bleibt unsicher.]

11.314 Die Gottheiten des Weltlaufs von der Zeit an befinden sich auf dem Boden der drei äußeren Umfassungen; weil sie diese Aufgabe erfüllen, sind sie stets den zuvor angegebenen Richtungen zugeordnet.

11.315 Die Gottheiten von Vajranabha an, die Hüter der Weltrichtungstore, ebenso Amaresha und die weiteren sowie Sambhava, Prabhava und die übrigen

11.316 stehen an den Richtungstoren, bezogen auf den tatsächlichen Osten. Die mit der Zeit beginnende Achtergruppe und die mit Indra beginnende, mit Rudra endende Gruppe bleiben entsprechend fest angeordnet.

11.317 Der Lenker steht nach dem Zeitprinzip, danach der Raum. Man setze sie der Reihe nach in die nordöstliche und die südwestliche Ecke ein. [Die verkürzte Ortsfolge ist nicht eindeutig.]

11.318 Wissen und Nichtwissen bilden ein Paar; Feuer und Wind befinden sich an ihren eigenen Plätzen. Mond und Sonne setze man im Norden und Süden ein,

11.319 Wasser im Westen, Erde im Osten. Die Umfassungsherren von Kumuda an, ebenso Lohitaksha und die weiteren,

11.320 die übrigen Torhüterscharen und die Gruppen an den Mauerecken, ausgenommen die vierundzwanzig Torhüter von Vajranabha an,

11.321 stehen dagegen in der beschriebenen Reihenfolge, bezogen auf Bhagavans Vorderseite. In der Anlage von Städten und Dörfern sowie im Haus der Aussaatgefäße

11.322 stehen die Scharenherren von Kumuda an nach der für die Richtungshüter angegebenen Ordnung. So vollziehe man dreimal täglich die Bali-Darbringung an die Gottheiten

11.323 der Tore und Umfassungen, soweit diese Umfassungen tatsächlich angelegt sind. Für Gottheiten nicht errichteter Umfassungen bringe man kein Bali dar.

11.324 Wenn die jeweiligen Anlagen errichtet werden, setze man sie vorschriftsgemäß ein und vollziehe die Bali-Darbringung zusammen mit der Gottesprozession.

11.325 Nachdem alles so vollzogen ist, betrete man die gereinigte obere Fläche des großen Opferpodests, nach Osten oder Norden gewandt.

11.326 Auf die Richtungsblätter des darauf befindlichen Lotus rufe man Kumuda und die übrigen, in die Zwischenräume alle Wesen, Gefolgschaften und die als Grahas bezeichneten Mächte.

11.327 Man verehre sie und verstreue dort den Rest der Bali-Gabe mit Wasser. Danach vollziehe man ordnungsgemäß das Mundspülen oder bade und betrete wieder das Haus.

11.328 Zur Verehrung aller Tor-, Umfassungs- und Eckgottheiten dient ihr jeweiliger Name, verbunden mit Pranava und Verneigung, als Mantra.

11.329 Für die Wesen, Gefolgschaften und Graha-Mächte auf dem großen Opferpodest füge man nach dem befreienden Laut das Wort Vishnu an, entsprechend der angegebenen Folge.

11.330 Die Mantras an sämtlichen Ecken enden auf Phat. Beim Feueropfer enden alle gemeinsam genannten Mantras auf Svaha.

11.331 Nachdem man sie so meditiert und mit ihren Mantras und den Aufwartungen von Arghya an verehrt hat, zeige man für die Umfassungsherren die Tarjani genannte Zeigefinger-Mudra.

11.332 Für die Torhüterscharen folge die für Chanda und die übrigen beschriebene Mudra. Ist oberhalb der Dharma genannten Umfassung aus irgendeinem Grund

11.333 die Bali-Darbringung unmöglich, vollziehe man die für die dortigen Gottheiten bestimmten Gaben der Reihe nach doppelt in den Bereichen von Sarvatobhadra an.

11.334 Dies gilt für die Hauptform. Andernorts sättige man nach Vermögen auf der verfügbaren Umfassungsfläche die Gottheiten der weiter außen liegenden Bereiche, jeweils unter erneutem Umkreisen.

11.335 Die Gaben für Tor- und Nebentorhüter bringe man an dem betreffenden Tor dar, die für das große Opferpodest auf der Kreisfläche vor diesem Tor.

11.336 Bei meditierten Gestalten entsteht durch eine solche Ortsverlagerung aus gegebenem Anlass kein Fehler, sofern die Reihenfolge an den jeweiligen Umfassungen und Toren gewahrt bleibt.

11.337 Bei in materiellen Bildern gegenwärtigen Gestalten führt eine Verlagerung hingegen zu unerwünschten Folgen. So bringe man den Umfassungsgottheiten dreimal täglich Bali dar.

11.338 Dies geschehe in Gegenwart des täglichen Festbildes, begleitet von Tanz, Gesang und vedischer Rezitation.

11.339 Fällt das tägliche Festbild vom Fahrzeug auf den Boden, vollziehe man ein vorzügliches rituelles Bad und ein befriedendes Feueropfer.

11.340 Man setze das Bild wieder auf das Fahrzeug und vollziehe das tägliche Fest erneut. Der verantwortliche Übende soll mit reumütigem Geist ein zwölftägiges Gelübde erfüllen

11.341 und seinen Mantra zehntausendmal rezitieren. Ist das Bild durch Bruch oder Ähnliches beschädigt, stelle man es vorschriftsgemäß wieder her und vollziehe danach die erneute Besprengungsweihe.

11.342 Man führe den verbleibenden Teil des Festes zu Ende. Der Übende soll von diesem Zeitpunkt an reumütig, fastend und im Gelübde der Enthaltsamkeit leben

11.343 und seinen Mantra vierzigtausendmal rezitieren. Er vollziehe das Gelübde für drei Nächte, sechs Tage, zwölf Tage oder zwei Halbmonate,

11.344 sorgfältig, und gebe würdigen Empfängern nach Vermögen Kühe, Land, Gold und weitere Gaben, o bester Brahmane.

11.345 Tritt durch ein unvorhergesehenes Ereignis ein großer Bruch ein, vollende man mit einem anderen, für Bad und entsprechende Handlungen bestimmten Bild, unter bloßer Bali-Darbringung,

11.346 den Rest der Handlung und entlasse die Mantra-Gegenwart. Dann beginne man das Gelübde entsprechend der Ordnung zur Wiederherstellung beschädigter Bilder.

11.347 Man vollziehe vierzigtausend Rezitationen und die vier Zeitmöglichkeiten von drei Nächten an; bis das Bild wiederhergestellt ist, übe man weitere Krichchhra- und entsprechende Bußgelübde.

11.348 Vor dem Tag, an dem die Herstellung des Bildes beginnt, vollziehe man ein elftägiges Gelübde. Am Beginn der Bildherstellung, o Brahmane,

11.349 verehre man zwölf Acharyas und gebe jedem gesondert die zwölf Gaben von gleichem Wert oder Kühe, Land und Sesam.

11.350 In ihrer Gegenwart beginne man erneut die Anfertigung des Bildes oder seine Wiederherstellung und vollziehe die Einsetzung samt den weiteren Handlungen der Reihe nach.

11.351 Auch Gaben von Kühen, Land, Gold und weiteren Gütern bringe man dar. Ist öffentliche Missbilligung entstanden, vollziehe man erneut ein Gelübde,

11.352 bis diese Missbilligung zur Ruhe gekommen ist; das Gelübde währe auch so lange, bis der eigene Geist wieder klar und friedvoll ist.

11.353 Entstehen an anderen Bildern Brüche oder entsprechende Schäden, gilt dieselbe Reihenfolge der Sühnehandlungen, o Brahmane.

11.354 So ist die Sühne für einen Verehrer aus dem Shudra-Stand erklärt; für einen Vaishya beträgt sie das Doppelte, für einen Kshatriya das Dreifache,

11.355 für einen Brahmanen das Vierfache. Dies betrifft Brüche und ähnliche Schäden an Bildern, die von Menschen eingesetzt wurden.

11.356 Für den verantwortlichen Übenden ist so die Sühne bestimmt. Bei einem von Rishis eingesetzten Gottesbild beträgt sie das Doppelte,

11.357 bei einem von Göttern eingesetzten das Dreifache, bei einem von Vollendeten eingesetzten das Vierfache.

11.358 Entstehen Brüche oder ähnliche Schäden an selbstoffenbarten Bildern, beträgt die beschriebene Sühne das Fünffache, o Brahmane.

11.359 Selbstoffenbarte Bilder Bhagavans sind zweifach: solche in Gestalt von Shalagrama-Steinen und solche aus anderen Steinen oder Materialien.

11.360 Für beide gilt dieselbe beschriebene Sühne. Eine Besonderheit besteht jedoch bei selbstoffenbarten und entsprechenden Bildern, o Brahmane:

11.361 Während die Verehrung weitergeht, vollziehe man Wiederherstellung und weitere Maßnahmen; sämtliche Sühnehandlungen sind mit besonderer Sorgfalt auszuführen.

11.362 Erhält man eines der Bilder von den selbstoffenbarten an, ausgenommen ein von Menschen eingesetztes,

11.363 und fehlen ihm bereits bei der Übernahme bestimmte Merkmale, ist es schon zerbrochen oder gesprungen, so nehme man es dennoch in seinem vorhandenen Zustand an,

11.364 verehre es täglich und begehe dadurch keinen Fehler. Bei einem Shalagrama-Bild bestimme man die jeweilige göttliche Gestalt

11.365 anhand der vorhandenen Zeichen und verehre sie richtig. Tritt erst später ein Bruch oder anderer Schaden auf, vollziehe man die zuvor beschriebene Sühne.

11.366 Der Übende tue dies sorgfältig und reumütig. Auch wenn der Schaden durch Diebe, Erdbeben, Wasser, Feuer oder andere Ursachen entstand,

11.367 wenn das Bild entwendet wurde oder durch Katzen und andere Tiere zerbrochen oder sonst beschädigt wurde, soll der Übende die genannte Sühne vollziehen,

11.368 von diesem Tag an und mit Sorgfalt; denn auch darin sieht der Text eine Wirkung früher angesammelter verfehlter Handlungen.

11.369 Um diese zu befrieden und auch die öffentliche Missbilligung zu stillen, ist die zuvor vorgeschriebene Sühne sorgfältig auszuführen.

11.370 Andernfalls wird man durch dieses Vergehen schuldig, o Brahmane. Auch bei einer aus Nachlässigkeit verursachten Beschädigung vollziehe man diese Sühne.

11.371 Bei vorsätzlicher Zerstörung ist durch Sühne allein keine Entlastung gegeben; der schwer schuldige und übelgesinnte Täter soll nach der Vorschrift unbedingt bestraft werden.

11.372 Ist der Bruch durch eigene Nachlässigkeit oder durch ein anderes Lebewesen entstanden und vollzieht der Übende trotz reuigen Schmerzes die angegebene Sühne nicht,

11.373 so soll auch er zunächst bestraft werden und danach die Sühne erfüllen; andernfalls gilt er als für den Dienst ungeeignet.

11.374 Auch wer den Fehler, etwa den Bruch, verbirgt, unterliegt beidem: Strafe und Sühne.

11.375 Bei solchen Schäden droht nach der Überlieferung Gefahr für König und Land. Zur Befriedung verehre man sieben Tage lang in Gefäß, Bodenfläche und den weiteren Stätten,

11.376 oder an einer einzigen Stätte einundzwanzig Tage lang, den im Bild gegenwärtigen Herrn der Mantras. Diese Sühne ist für einen öffentlich bekannten Bruch und ähnliche Fehler angegeben.

11.377 Ist der Schaden nicht öffentlich bekannt, vollziehe man ein Viertel der beschriebenen Sühne. Wird ein zuvor entwendetes Bild wiedererlangt, o Brahmane,

11.378 vollziehe man sorgfältig die Hälfte der vorgeschriebenen Sühne. Höre nun die besonderen als ungünstig betrachteten Folgen von Beschädigungen an Bildern.

11.379 Eine Beschädigung im Bereich der Sinnesorgane bringt dem Auftraggeber Unheil; eine an der Mantra-Gestalt zwischen Hals und Nabel wird mit dem Tod eines Sohnes verbunden.

11.380 An den beiden Seiten betrifft sie die Ehefrau, am Rücken den Verlust eines Bruders. Befindet sich die Verletzung im Bereich zwischen Nabel und Geschlechtsorgan,

11.381 gilt sie als Ursache des Verlusts von Kindern, o Brahmane; zwischen Hüfte und After als verderblich für die Schwestern.

11.382 Wo eine Beschädigung zwischen Oberschenkelansatz und Knie liegt, wird sie stets mit dem Verlust von Geld, Getreide und Vieh verbunden.

11.383 Zwischen Knie und Fußsohle gilt sie als schädlich für die Dienerschaft. Aus Mitgefühl mit allen und zur eigenen Beruhigung

11.384 soll der Verantwortliche, o Lotusgeborener, den beschädigten Zustand in Unversehrtheit überführen. Höre die vorgeschriebene Wiederherstellung bei geringem Schaden.

11.385 An einem gemalten Bild ergänze man abgeblätterte Stellen mit reinen weißen, roten und weiteren Farben, mit Duftstoffen versehen und unter dem Waffenmantra geweiht.

11.386 Bei Tonbildern verwende man Erde, vermischt mit Honig, Butter und Milch, mit Seidenfasern verbunden und mit Goldwasser benetzt,

11.387 und lasse damit die Verbindung herstellen, o Brahmane. Höre nun über Holz: Bei Riss oder Bruch füge man es unter Anwendung von Waffenmantra und Werkzeug wieder zusammen.

11.388 Bei Beschädigungen an Steinbildern ist Bearbeitung mit einem edelsteinbesetzten Stift, mit Gold und durch Schleifen mit geglättetem Schleifstein vorgesehen. [Der technische Wortlaut ist nicht ganz eindeutig.]

11.389 Ein von Menschen geschaffenes Steinbild mit großem Schaden ist stets aus dem Gebrauch zu nehmen. Bei selbstoffenbarten und entsprechenden Steinbildern hingegen

11.390 verbinde man die gesprungenen oder gebrochenen Teile mit goldenen Bändern so, dass sie besonders fest zusammenhalten.

11.391 Oder man fertige die betreffenden Glieder aus Gold und füge sie passend an. Ebenso verfahre man bei selbstoffenbarten und entsprechenden Bildern aus Holz oder Metall.

11.392 Bei Riss und Bruch ist ihre Wiederherstellung wie bei selbstoffenbarten Steinbildern vorgesehen. Auch bei einem Edelsteinbild vollziehe man die Reparatur entsprechend.

11.393 Ein Shalagrama-Bild mit Riss, Bruch, großem oder geringem Schaden binde man mit goldenen Bändern so zusammen, dass es sehr fest hält.

11.394 Höre nun über ein von Menschen eingesetztes Metallbild: Bei einem aus reinem Gold füge man je nach Verfügbarkeit in die beschädigte Stelle

11.395 Pulver aus Gold und Edelsteinen ein, das mit dem zwölfsilbigen Mantra besprochen wurde. Bei einem Bild aus einem anderen Metall, o Einsichtsvoller,

11.396 fülle man den Schaden sorgfältig mit dessen eigenem Metall, dem ein wenig Gold beigemischt ist. Auch bei selbstoffenbarten und entsprechenden Bildern verfahre man in der Hauptform so.

11.397 Bei Bildern der höchsten Gestalt, die zur Zierde im Tempel, in einer Halle, an Tortürmen oder anderen Stellen stehen, o Brahmane,

11.398 ebenso bei Vyuha- und Vibhava-Bildern Bhagavans, vollziehe man bei Bruch und weiteren Schäden dieselbe Wiederherstellung.

11.399 Entsprechend der jeweiligen Form seiner Gegenwart vollziehe man Einsetzung und weitere Weihen; der Übende bestimme die angemessene Sühne nach sorgfältiger Erwägung und führe sie aus.

Spirituelle Erläuterung zu Kapitel 11: Die Wächtergestalten veranschaulichen Schutz, Unterscheidung und geordneten Zugang zur Verehrung. Der Schluss des Kapitels behandelt die Verantwortung für heilige Bildwerke und unterscheidet vorhandene Unvollkommenheiten von späteren Schäden. Seine Straf- und Unglücksandrohungen werden als historische Aussagen des Textes wiedergegeben. Für eine heutige spirituelle Lektüre bleibt die Sorgfalt im Umgang mit anvertrauten Kulturgütern bedeutsam, ebenso das offene Eingestehen und sachgerechte Beheben von Schäden.

Kapitel 12

Eingang. Glück und Segen! Zwölftes Kapitel.

12.1 Sanaka sprach: Wenn die gute tägliche Tätigkeit, die mit Bad und weiteren Übungen verbunden ist, unerwartet ausfällt, ebenso eine anlassbezogene Handlung

12.2 wie das Jahresfest oder eine andere Feier, o Einsichtsvoller, oder ein gutes Gelübde wie Krichchhra oder Chandrayana,

12.3 bei Menschen der vier Lebensstadien und der gesellschaftlichen Stände, ebenso bei Frauen, bei solchen mit großen, mittleren oder geringen Mitteln,

12.4 die dem Lotusäugigen ergeben sind, Vertrauen und Selbstbeherrschung pflegen und ihren Geist für die ganze Lebenszeit seiner Verehrung gewidmet haben,

12.5 die unmittelbar in seinem Mantra ruhen: Dann möchte ich jetzt, o Hervorragender unter den Weisen, den rechten Weg hören, der sie vor dem Fallen schützt.

12.6 Durch welchen Vollzug gelangen die Gläubigen zur Erfüllung ihrer Pflichten? Shandilya sprach: Ich werde es richtig erklären, o Einsichtsvoller, indem ich aus allem das Wesentliche herausnehme,

12.7 zum Wohl aller Welten; höre aufmerksam. Wenn jemand ohne die Absicht der Vernachlässigung die Gaben nicht beschaffen kann,

12.8 wenn ihm aus mangelnder Kraft die Erfüllung von Krichchhra und entsprechenden Gelübden entgleitet, wenn Fieber oder andere Krankheiten seine täglichen Pflichten beeinträchtigen,

12.9 wenn er das Viermonatsgelübde aus Gründen, die nicht in seiner freien Verfügung stehen, nicht erfüllen kann: Höre, was jeweils zu seinem Heil vorgeschrieben ist, o Einsichtsvoller.

12.10 Die Maßgabe an Wertmitteln ersetzt die Gaben der körperlichen Aufwartung; mit Butter benetzte Speise ersetzt die als herzerfreuend bezeichneten Gaben.

12.11 Verschiedene Samen ersetzen die ehrenden Aufwartungen. Die Enthaltung während der vier Monate, verbunden mit besonderer Verehrung,

12.12 vervollständigt Gelübde wie Krichchhra und Chandrayana. Ein schöner, bunter Schutzfaden, einer Perlenkette ähnlich,

12.13 gleicht den Gläubigen stets Versäumnisse der täglichen Pflichten aus. Wie das Pferdeopfer für Brahmanen sämtliche Wünsche erfüllt

12.14 und die Königsweihe für Könige, so dient dieser Schmuck den Gläubigen. Wie unter den Schmuckstücken der Kaustubha der vorzüglichste ist,

12.15 so erkenne den Pavitra-Faden unter der Fülle der Gaben: Er vervollständigt den Dienst der Gläubigen am höchsten Herrn.

12.16 Welche Gabe wäre ihm daher überlegen, wenn es um das Erlangen von Lebensfülle und Befreiung geht? Durch Hingabe gewährt er den Gläubigen beständig das Wohnen in Gottes Welt,

12.17 den Übenden Gottesnähe mit vielfältigen Vollendungen und den vorzüglichen Übenden die Vereinigung mit dem Wesen ihres eigenen Mantras.

12.18 Nach dem Ende des nördlichen Sonnenlaufs vollziehe man dies während der Viermonatszeit an einem günstigen, von Fehlern freien Tag, o Brahmane.

12.19 Auch die durch die Viermonatszeit bestimmte Zeitspanne wird dreifach beschrieben. Vom Vollmond des Ashadha bis

12.20 zum Vollmondtag des Kartika reicht die nach dem Mond bemessene, als letzte eingestufte Zeit. Vom Eintritt der Sonne in den Krebs bis zum Ende ihres Durchgangs durch die Waage

12.21 reicht die acht Halbmonate umfassende Sonnenzeit, die mittlere genannt wird. Die durch die vier Monate gekennzeichnete Zeit, die mit Ekadashi beginnt und endet,

12.22 erkenne als die Vishnu-Zeit, die vorzüglichste, die alle Vollendungen verleiht. Wird diese Zeit durch irgendein Hindernis verpasst,

12.23 so ist eine andere Zeit durch Chandrayana und entsprechende Gelübde vorzubereiten; darin vollziehe man ordnungsgemäß die Ergänzung der Verehrung.

12.24 Wenn die Regenzeit begonnen hat, soll dies von den Menschen, Göttern, Vollendeten und den vorzüglichen Wesen innerhalb der drei Welten vollzogen werden,

12.25 damit sie jedes Jahr voller Vertrauen diesen großen Dienst am höchsten Herrn aufnehmen, o Einsichtsvoller.

12.26 Wenn der Herr auf seinem Lager ruht, wenn die Zeit reich an Blumen und Früchten ist und der Himmel von Wolken mit Reiherzügen tief herabhängt,

12.27 wenn die Erde mit weißen und blauen Wasserlilien und anderen Lotusblüten geschmückt ist, Wälder, Haine und Gärten von Grasflächen grünen,

12.28 Reis und andere Feldfrüchte wachsen und Teichwasser die Landschaft verschönert, dann bereitet das für den unendlichen Vishnu gefertigte Pavitra besondere Freude.

12.29 Deshalb vollziehe man es sorgfältig während der Viermonatszeit, am zwölften Tag der hellen Hälfte des Shravana, o Bester der Brahmanen,

12.30 zu ihrem Anfang oder Ende, an allen zwölften Mondtagen, an sämtlichen Sonnenübergängen oder an Vollmondtagen, o Brahmane,

12.31 an allen Neumondtagen und an dritten Mondtagen, im Monat Nabhasya auch unter Rohini und am achten Mondtag, o Einsichtsvoller.

12.32 Auch der erste, zweite, fünfte, dreizehnte, zehnte und elfte Mondtag können nach Wahl dienen.

12.33 In der dunklen Hälfte gelten diese als weniger empfehlenswert, besonders günstig dagegen in der hellen. Montag, Donnerstag, Freitag und Mittwoch gelten als heilbringend.

12.34 Höre die Mondhäuser für das Auflegen des Pavitra-Fadens: die drei Uttara-Mondhäuser, Revati, Ashvini und Bharani,

12.35 Punarvasu, Hasta, Rohini und Shravana, ferner die Vishnu zugehörigen Mondhäuser und alle mit ihnen verbundenen günstigen Zeitpunkte.

12.36 Wer während der Viermonatszeit an der Utthana-Dvadashi, jener göttlichen Zeitöffnung der sechsundachtzig [Tage beziehungsweise Abschnitte; der Fachausdruck bleibt ohne weitere Erklärung],

12.37 dem Ursprung der Welt den Pavitra-Faden auflegt, reinigt die vergangene, gegenwärtige und künftige Folge seiner eigenen Familie.

12.38 Dort ist für die Gläubigen der Lotusäugige selbst unmittelbar gegenwärtig, das höchste Selbst, Achyuta, Hari, mit seinen vielfältig hervorgebrachten Gestalten.

12.39 Zwar ist Narayana als Wesen des Mantras für die Gläubigen stets selbst gegenwärtig, o Einsichtsvoller,

12.40 doch durch die besondere Kraft dieses Mondtags wird seine Gegenwart in dieser Handlung für die Mantra-Übenden stärker offenbar, als Herr und König der Mantras.

12.41 Wie die Sonne im Sommer an Stärke gewinnt, ohne ihre eigene Natur aufzugeben, so wird die Gegenwart des Herrn intensiver.

12.42 Dies dient der seit der Schöpfung bestehenden Ordnung würdiger Empfänger, Orte und Zeiten. Deshalb lege man den Pavitra an diesem Tag auf, oder, wenn dies unmöglich ist, an einem anderen geeigneten.

12.43 Die rituell Handelnden sollen dies hingebungsvoll vollziehen, damit ihre Verehrung ungebrochen bleibt; an den übrigen ungeeigneten Zeiten unterlasse man das Auflegen für Vishnu.

12.44 Dafür errichte man vor dem Tempel eine Halle, o Brahmane, in der ersten oder zweiten Umfassung,

12.45 in der dritten, vierten oder fünften. Ist vorne kein Platz, kann sie anderswo in der gewünschten Richtung liegen.

12.46 Sie sei gleichmäßig quadratisch oder von Osten nach Westen beziehungsweise von Norden nach Süden länglich, entsprechend der Absicht des Auftraggebers.

12.47 Sie sei nach Osten oder in eine andere gewünschte Richtung geöffnet. Eine Halle mit dem Maß von zweiundzwanzig Bogenlängen gilt als vorzüglich,

12.48 eine von achtzehn als mittel, eine von zwölf als geringer. Oder, o Brahmane,

12.49 beginne man bei fünf Ellen und steigere jeweils um zwei bis zu einundzwanzig Ellen; daraus ergeben sich neun Größen.

12.50 Oder die vorzügliche messe zehn Ellen, die mittlere acht, die geringere sechs und eine kleine drei Ellen.

12.51 Auch gibt es fünfundzwanzig Maße von sechs bis dreißig Ellen. Aus diesen wähle man eines entsprechend den eigenen Mitteln.

12.52 Man errichte einen Sockel mit Untersockel oder nur eine polsterartige Grundform, darüber Säulen und ein dreifach gegliedertes Gebälk,

12.53 mit Kapota-Gesims und Umfriedung oder ohne die genannte Form, umgeben von Wänden mit einer, drei, fünf, sieben oder weiteren Gliederungen.

12.54 Sie kann mit dem für die jeweiligen Bauteile genannten Schmuck versehen sein oder ohne ihn, aus Stein oder aus gebrannten beziehungsweise ungebrannten Ziegeln.

12.55 Sie besitzt ein, vier oder zwei Tore, mit Wänden, ohne Wände oder nur mit Eckwänden.

12.56 Für eine rasche Durchführung kann auch lediglich ein reiner Schutzbau aus Rohr und Holz ohne die genannten besonderen Merkmale dienen.

12.57 Man versehe ihn mit Fenstern und Toren, bedecke ihn oben mit einem Baldachin und lege eine Umfriedung an.

12.58 Enge oder Weite der Fläche richten sich nach dem Wunsch des Auftraggebers. Nachdem man so nach der Baulehre die Halle errichtet hat, o Brahmane,

12.59 lege man in ihrer Mitte eine sehr reine Opferfläche an, fest, eben, der Hallenform entsprechend und leicht nach Osten und Norden abfallend,

12.60 deutlich erhöht und glatt wie ein Spiegel, sodass sie vom gewöhnlichen Boden der Halle unterschieden ist.

12.61 Für kleinere Verehrungsanlagen beträgt die Erhöhung von zwei Fingerbreiten an, mit entsprechender Steigerung, bis zu acht Fingerbreiten. [Die Vorlage nennt sowohl Zweier- als auch Einerschritte.]

12.62 Für mittlere Größen beträgt die Höhe neun bis fünfzehn Fingerbreiten,

12.63 für die größten sechzehn bis vierundzwanzig Fingerbreiten, mit der zuvor angegebenen Steigerung.

12.64 Damit ist das Höhenmaß der Flächen erklärt. Ringsum mauere man zuerst einen Rand aus Ziegeln oder anderen Materialien, eine Viertel-, eine halbe oder eine ganze Elle breit.

12.65 Danach fülle man die Mitte mit Erde, der ein wenig Sand beigemischt ist.

12.66 Man prüfe sie auf Haare, Insekten und weitere Verunreinigungen und stampfe sie fest, bis sie die zuvor beschriebenen Merkmale besitzt.

12.67 Die schöne, in der Mitte leicht erhöhte Fläche prüfe man sieben Tage lang. Zeigt sie keine Risse, ist sie für die Verehrung geeignet.

12.68 Darüber errichte man eine Plattform mit mehreren Füßen und mit Torbögen, entsprechend Mitteln und Wunsch.

12.69 Aus reinen, opfergeeigneten, festen, geraden und gleichmäßigen Hölzern fertige man in den vier Richtungen Torbögen mit den vorgeschriebenen Merkmalen.

12.70 Man stelle sie außerhalb oder innerhalb der Tore auf, o Brahmane; oder jeweils drei in jeder Richtung,

12.71 nach Berücksichtigung der Hallenbreite auch fünf oder sieben. Sind Mittel vorhanden, schmücke man sie mit Gold und Edelsteinen.

12.72 Oder man fertige die vier Torbögen von Osten bis Norden aus Bilva-, Udumbara-, Banyan- und Plaksha-Holz, o Brahmane,

12.73 in den vier Richtungen entsprechend verteilt oder sämtlich aus einer dieser Holzarten. Ihre Höhe entspreche der Länge der Säulen.

12.74 Ihre Breite entspreche dem Abstand zwischen zwei Säulen. Nach dem Maß des Säulenkopfes, stets mit einem Zusatz,

12.75 verankere man ihre Pfosten im Boden. Die jeweils als Richtungsformen geltenden Bögen sollen innerhalb der Säulen stehen, o Bester der Vedakenner. [Der technische Satzbau ist unklar.]

12.76 Stehen die Torbögen außerhalb der Eingänge, o Brahmane, bestimme man die Höhe vom Boden bis zur Spitze.

12.77 Der im Boden befindliche Teil der Pfosten steht dazu im angegebenen gleichen, anderthalbfachen oder doppelten Verhältnis. [Der genaue Maßbezug ist nicht eindeutig.] Zwischen zwei Rädern und mit mächtigen Flügeln versehen

12.78 stelle man Garuda oben auf jedem Torbogen dar. Die Avataras von Matsya an und die vielen weiteren Offenbarungsformen

12.79 male man nach den Regeln der Bildkunst in die vier Richtungen, zusammen mit Scharen von Weisen, Vollendeten und Göttern in vielen wunderbaren Erscheinungen,

12.80 mit Inseln, Bergen, Wäldern und Gärten, zahlreichen Tierherden, Teichen, Kranichen und Wasserlilien sowie mit Wesen, die sich an Wasserspielen erfreuen,

12.81 mit Himmelswanderern, Königen und Vidyadharas samt ihren Gefährtinnen, mit friedvollen Brahmanen, die ganz der Meditation über das Selbst hingegeben sind.

12.82 Mit solchen und zahllosen weiteren bildlich dargestellten Tätigkeiten schmücke man sorgfältig den gesamten Verehrungsraum.

12.83 Oder man bestreiche ihn mit Kalk und schmücke ihn dann mit Spiegeln, Yakschweifwedeln, Stoffen und vielfältig leuchtenden feinen Gewändern,

12.84 mit Glocken, Halbmondformen und schönen Schirmen, mit aufgerichteten Bananen- und Arekapalmen sowie reinen, festen Baumzweigen,

12.85 mit Bronzegefäßen voller Honig, Butter, Dickmilch und guter Milch, mit Schalen voll Reis, Gold und schönen Früchten,

12.86 mit gerösteten Reiskörnern, weißem Senf, Samengefäßen und Dingen der sechs Geschmacksrichtungen, mit guten Duftstoffen wie Zimtrinde und Kardamom, mit Blättern und Arekanüssen,

12.87 mit Madhuka-Früchten, Jujuben, Trauben, Zuckerrohr, den drei Myrobalanen und anderen Früchten sowie mit vielen jahreszeitlichen Blumen zum Ausstreuen.

12.88 Mit solchen mannigfaltigen reinen Gaben schmücke man ihn. Oben bringe man einen reinen, sehr weißen oder hell leuchtenden Baldachin an,

12.89 gekennzeichnet mit Rad und Lotus. Danach umwickle man die Säulen einzeln mit verschiedenen feinen Stoffen.

12.90 Von Osten und Norden aus bis zur nordwestlichen Ecke bringe man Wimpel in den Farben von Weiß an an.

12.91 In derselben Farbfolge ordne man eine zweite Vierergruppe vom Westen bis zum Süden an.

12.92 Einen einzigen vielfarbigen Wimpel bringe man in der Mitte des Baldachins an. Außerhalb der Plattform, in den acht Richtungen der Halle,

12.93 ordne man von der südöstlichen bis zur nordöstlichen Ecke eine Vierergruppe in Weiß, Rötlich, Gelb und Schwarz an.

12.94 Von Norden bis Westen folgt eine weitere entsprechende Vierergruppe von Bannern, o Brahmane.

12.95 Am östlichen Torbogen bringe man drei Siegesbanner von der Farbe eines königlichen Edelsteins an, versehen mit Rad und Vogelherrn.

12.96 Am südlichen seien die drei Banner kristallfarben, am westlichen zinnoberrot und am nördlichen goldfarben.

12.97 Jeder Torbogen sei zudem mit vier Wimpeln in den Farben von Weiß an versehen; oder mit drei beziehungsweise fünf.

12.98 Die Länge der Wimpel betrage die Hälfte der Länge des Torbogens. So errichte man eine neue Halle für die Verehrung, o Brahmane,

12.99 oder schmücke eine bereits für besondere Handlungen vom Bad bis zum Fest angelegte Halle entsprechend.

12.100 Danach bestreiche man die Plattform mitsamt den Torbögen der Reihe nach mit Sandelholz und weiteren Stoffen, deren Duft und Farbe leuchten.

12.101 Die Plattform bestreiche man mit reinem Sandelholz, den ersten Torbogen mit demselben, mit Safran versetzten Stoff.

12.102 Den südlichen bestreiche man mit Moschus, den westlichen mache man weiß wie Schnee mit Kampferpulver.

12.103 Den nördlichen bestreiche man mit reinem Safran; die vorbereitete Bodenfläche mit Milch, Sandelholz und Safran,

12.104 den Boden an den Toren und in der Halle mit Wasser, Haribera, Kurkumapulver und reinen duftenden Kräutern.

12.105 Danach räuchere man reichlich mit verschiedenen Räucherstoffen, o Brahmane, und umgebe die Anlage außen ringsum mit einem Vorhang.

12.106 Die Feuergrube lege man zuvor im nördlichen Teil der Halle an oder andernorts, o Brahmane; die Richtung unmittelbar vor dem Verehrungsplatz ist dabei auszunehmen.

12.107 In einer der drei übrigen gewünschten Richtungen errichte man eine Feuerhalle mit Rauchabzug und verschiedenen Feuergruben,

12.108 versehen mit frischen, gut belaubten Torbögen und weiteren Einrichtungen. Oder man lege eine vorschriftsgemäße Grube im Küchengebäude an.

12.109 Auch eine zuvor für eine andere anlassbezogene Handlung angelegte Grube kann dienen. Danach beginne man, die benötigten Materialien zusammenzutragen, o Brahmane.

12.110 Sieben oder fünf Tage vor dem eigentlichen Handlungstag vollziehe man die Aussaatzeremonie und beginne anschließend den Ritus.

12.111 Am zehnten Mondtag bringe man sämtliche Materialien, die benötigt werden, in die Verehrungshalle, o Hervorragender unter den Brahmanen.

12.112 Dann fertige man den Schmuck und die weiteren Gegenstände; höre genau, wie. Ihre Beschaffenheit ist zweifach, fein und grob.

12.113 Was stets in jeder Hinsicht das gesamte heilsame Tun der Gläubigen schützt, das aus Denken, Rede und innerem Bewusstsein hervorgeht,

12.114 muss deshalb seinem Wesen nach erkannt werden; ebenso, wodurch seine Vollendung den Gläubigen die Frucht gewährt.

12.115 Das ununterbrochene, unbegrenzt sich entfaltende, reine Band des Weltursprungs erscheint den noch nicht Erkennenden von selbst in mannigfacher, getrennter Form.

12.116 Erkenne es als den Faden der Welt. Durch Goldfäden und weitere sichtbare Träger nimmt es als Schutzband die Herrlichkeit der sechs göttlichen Eigenschaften an,

12.117 gefärbt von Erkenntnis, verbunden mit Werken aus göttlicher Tatkraft, umgeben von leuchtenden Mantras und ringsum durch Stärke befestigt,

12.118 mit Herrschermacht in der Aufwartung und unvergänglicher Kraft in der Vollendung. So ist zunächst das Pavitra des Weltenherrn zu erkennen.

12.119 Wird es Vishnu, dem Herrn Brahmans, der in dieser Gestalt eingesetzt ist, hingebungsvoll und vorschriftsgemäß dargebracht, gewährt es Bhagavans Stätte.

12.120 Höre nun, wie die davon unterschiedene grobe Form aus Gegenständen des gewöhnlichen Gebrauchs herzustellen ist.

12.121 Der Faden sei fein, fest, weiß und glatt, hergestellt von einer Brahmanentochter, sei sie ein Mädchen oder eine alte, wohlerzogene Frau,

12.122 oder von einer reinen Witwe bereitet; er kann auch aus Leinen oder Seide sein, frei von Haaren und ähnlichen Fremdstoffen.

12.123 Man nehme ihn nach Verfügbarkeit, wasche ihn gründlich mit Wasser und reinige ihn zuvor durch die Vergegenwärtigungen des Verbrennens und Erquickens.

12.124 Unter Gedenken des Grundmantras betrachte man ihn und mache ihn vierfach im Hinblick auf die vier göttlichen Gestalten; oder achtfach, o Brahmane,

12.125 im Bewusstsein ihrer Unterschiede als Hervorgehen und Rückkehr; oder zwölfsträngig, wenn Keshava und die weiteren als herrschende Gottheiten vergegenwärtigt werden.

12.126 Bei Vishnu, dem Ausgeglichenen, vermeide man eine ungerade Anzahl von Strängen; denn die reinigende Handlung soll für niemanden ungleich sein.

12.127 Aus diesen gut gespannten Fäden fertige man Pavitra-Schmuck für sämtliche Mantras vom Grundmantra an, o bester Weiser.

12.128 Zuerst bereite man den Schmuck für die im Gefäß gegenwärtige Mantra-Gestalt, o Brahmane, aus stromartig angeordneten Fäden mit dem angegebenen anderthalbfachen Breitenmaß. [Der Bezugsmaßstab ist beschädigt.]

12.129 Für den ersten verwende man einhundertacht Fäden, für den zweiten das Doppelte und für den dritten das Dreifache; so vergrößere man den Umfang.

12.130 Der erste besitzt sechsunddreißig Knoten, der zweite doppelt so viele, der dritte dreimal so viele, o Einsichtsvoller.

12.131 Entsprechend verfahre man für den im Mandala und im Feuer gegenwärtigen Herrn. Höre die Besonderheit der Pavitra-Fäden für das Bild.

12.132 Der erste sei kranzförmig auf dem Haupt, mit einer nach Wunsch bestimmten Knotenzahl. Der zweite hänge von den Schultern bis zu den Knien.

12.133 Der dritte reiche vom Haupt bis zu den Füßen; der als Waldgirlande bezeichnete Pavitra vom Haupt bis zum Sockel.

12.134 Für den Sockel fertige man gesondert einen schönen, seinem eigenen Maß entsprechenden Faden. Der Umfang der Schutzbänder am Bild ist nicht allgemein festgelegt.

12.135 Die zuvor angegebene Fadenzahl kann, wenn möglich, verdoppelt oder verdreifacht werden, o bester Weiser. Der als Waldgirlande bezeichnete Schmuck

12.136 besitzt eintausendacht Fäden; oder man verwende entsprechend den Mitteln die Hälfte oder ein Viertel.

12.137 Ist das Hauptbild aus Modelliermasse oder auf einer Wand beziehungsweise einem Tuch dargestellt, o Brahmane, fertige man die fünf Schmuckstücke für das Festbild.

12.138 Doch auch für das Hauptbild bereite man die Schmuckstücke vom ersten an wie zuvor. Bei den Schutzbändern der Bilder

12.139 kann man bei ausreichenden Mitteln den Gott der Götter mit fünf Ketten, mit verschieden gestalteten Fäden und mit Perlenketten schmücken. [Der Satz ist in der Vorlage verkürzt.]

12.140 Die Knoten aller Fäden setze man gleichmäßig mit drei Fingerbreiten Abstand, ohne feste Anzahl, schön und von der Form einer Zitronatzitrone.

12.141 Die Waldgirlande besitzt einhundertacht Knoten. Zur Einladung des an den vier Stätten herabgestiegenen Herrn

12.142 fertige man jeweils einen oder zwei Pavitra-Fäden wie den ersten. Für sämtliche Ritualbilder und für die an Tortürmen und weiteren Stellen

12.143 befindlichen Mantra-Bilder, in denen seine Gegenwart beständig ruht, fertige man in der Hauptform alle beschriebenen Schmuckarten vom vorzüglichsten an.

12.144 In der Ersatzform fertige man entsprechende Stücke nach mittlerem oder vorzüglichem Maß, jeweils zwei oder eines.

12.145 Für die Haupt- und Nebenglieder, die Attribute, Schmuckstücke, Kräfte und ebenso für den Vogelherrn, o Brahmane,

12.146 fertige man wie zuvor drei, zwei oder je eines, mit Fäden von gewünschtem Maß und gewünschter Anzahl.

12.147 Die Schmuckstücke seien mit gewundenen Fäden und gefüllten Knoten versehen. Sind Mittel vorhanden, fertige man auch für die übrigen Gottheiten, die Glieder des Mandalas sind,

12.148 Pavitra-Schmuck mit Fäden und Knoten nach Wunsch, ebenso für die Gefolgschaft von Vishvaksena an.

12.149 Zwei Stücke sind für Mantra- und Waffenmantra-Gefäß vorgesehen, eines für das Mandala, zwei für Grube und Feuer und zwei für den Schriftensitz,

12.150 für die Schriftzeichen als Prinzip der Rede und für den Herrn als Klangprinzip. Für die bedeutungsvollen Handlungsgeräte von Glocke und Gebetskette an,

12.151 für die Gottheiten des Bali-Podests und weiterer Orte, für die vier Gruppen vom Guru an, die Hari wiederholt anrufen,

12.152 für Angehörige der Stände von den Brahmanen an, die stets Achyuta vergegenwärtigen, für Haushälter, Brahmacharis, Entsagende und Waldbewohner,

12.153 für Ältere wie die Eltern, die Bhagavans Wirklichkeit kennen, für Verwandte von den Brüdern an, deren Geist Narayana ergeben ist,

12.154 für die in Hingabe demütige Ehefrau, die Haris Verehrung liebt, für Verschwägerte und Freunde, die Bhagavans Stätte dienen,

12.155 für weitere Helfer, die nach den vier göttlichen Gestalten streben, und für wohlgesinnte Dienende, die den höchsten Purusha verehren,

12.156 fertige man zum Gedeihen, zur Befähigung und zur Reinigung aus Fäden und Knoten von gewünschtem Maß

12.157 eine entsprechende Menge Pavitra-Schmuck. Oder, o bester Weiser, man fertige für die vier Gruppen vom Guru an, für Entsagende und Haushälter

12.158 der Reihe nach mit vierundzwanzig, sechzehn, zwölf, acht, sechs und drei Fäden

12.159 die Pavitra-Stücke; die Knotenzahl entspreche der Fadenzahl. Für den Verehrer und den Guru fertige man jeweils zwei Schmuckstücke.

12.160 Dies ist die grobe Ausführungsform. Höre nun die feine: Das erste Schmuckstück richtet sich nach dem Maß des Hauptes des Bildes.

12.161 Man fertige es schön aus vierhundertzweiunddreißig Fäden mit gleichmäßigen Windungen

12.162 und siebenundzwanzig Knoten. Das zweite Pavitra reiche vom oberen Bereich bis zum Nabel. [Das Wort für den oberen Ausgangspunkt ist beschädigt.]

12.163 Dieses zweite fertige man, o bester Weiser, aus dreihundertvierundzwanzig Fäden

12.164 und der doppelten Knotenzahl, mit gefülltem Inneren. Das nächste reiche von den Schultern bis zu beiden Füßen.

12.165 Seine Fadenzahl sei um ein Drittel vermindert, mit der dreifachen Knotenzahl. [Ein zusätzlicher Ausdruck zur Fadenzahl ist unklar.] Ein weiteres, o bester Brahmane,

12.166 fertige man mit einhundertacht Fäden und ebenso vielen Knoten, vom Haupt bis zum Vishnu-Sockel reichend.

12.167 Mit Fäden, Knoten und verschiedenartigen Füllungen fertige man danach vier weitere Stücke entsprechend dem Maß des Mandalas.

12.168 Das erste entspreche dem Lotus, das zweite der Nabe, das dritte den Speichen, das vierte dem Radkranz.

12.169 Für das Feuer fertige man nach dem Maß der Grube aus einundachtzig Fadenwindungen und ebenso vielen Knoten,

12.170 je nach Eignung, drei Schmuckstücke, o Einsichtsvoller. Mit der Hälfte von einhundertacht Fäden und ebenso vielen Knoten

12.171 fertige man einen gleichmäßigen, sehr schönen Schmuck für die vorzüglichsten Brahmanen, für die übrigen Brahmanen mit der Hälfte davon, o Bester der Brahmanen.

12.172 Dies gilt als Hauptform. Höre die Ersatzform: Das erste Stück besteht aus einhundertacht Fäden,

12.173 das zweite aus einem Viertel weniger, das dritte aus der Hälfte; das vierte fertige man mit einem Viertel der ersten Fadenzahl. [Der Bezug der Hälfte beim dritten Stück ist nicht ausdrücklich geklärt.]

12.174 Den Schmuck für das Feuer fertige man mit einem Drittel weniger als beim vierten; für die vorzüglichen Brahmanen mit siebenundzwanzig Fäden,

12.175 für die übrigen Brahmanen mit neun, o Brahmane. Er darf niemals oberhalb der Brust oder unterhalb des Nabels enden.

12.176 Für die übrigen Gläubigen des Weltlehrers verwende man drei Fäden. Dies ist die feine Ausführungsform; höre nun die höchste.

12.177 Für den Hauptmantra des an den vier Stätten herabgestiegenen Herrn verwende man einhundertacht Fäden, die Hälfte oder einen entsprechenden Anteil, o Weiser,

12.178 und fertige je ein oder drei Schmuckstücke. Die nicht vollständige Zahl von Japa, Feueropfer und weiteren Handlungen der hochherzigen Gläubigen

12.179 wird dadurch ausgeglichen. Deshalb sollen die Mantra-Übenden eine der Fadenzahl entsprechende Knotenzahl anbringen.

12.180 Für die übrigen zu verehrenden Gestalten fertige man nach Wunsch Schmuckstücke mit gewundenen Fäden und gefüllten Knoten.

12.181 Die gesamte Pavitra-Gruppe für den an den vier Stätten gegenwärtigen Gott der Götter, die vom ersten Stück an beschrieben wurde, o Brahmane,

12.182 versehe man mit inneren Füllungen, o Trefflicher: Gold, kostbare Edelsteine, Kampfer, Sandelholzpulver und Safran,

12.183 zusammen mit sämtlichen Heilkräutern, vermischt mit Zimtrinde, Kardamom und weiteren reinen Stoffen, mit Fadenbindung und Baumwolle.

12.184 Die Füllungen seien wie Zitronatzitronen, frische Amalaki-Früchte oder Muscheln geformt. Die Zwischenräume binde man mit einem ununterbrochenen Faden

12.185 in nicht zu großen Abständen zusammen, damit die Unterteilungen deutlich werden. Für alle übrigen Bilder richte man sich nach den verfügbaren Mitteln

12.186 und fertige die Füllungen aus den zuvor genannten Stoffen. Für den Verehrer und den Guru sind zwei gefüllte Schmuckstücke

12.187 vorgeschrieben, weil Bhagavans Mantras in sie eingesetzt werden und sie die Einheit mit ihm vergegenwärtigen. Für die übrigen fertige man der Reihe nach ungefüllte Stücke.

12.188 Die Zwischenräume der Füllungen färbe man mit Safran; oben schmücke man sie mit Gold- oder Silberstücken

12.189 oder mit goldenen Zeichen wie Muschel, Lotus, Keule, Rad, Girlande und Shrivatsa am Ansatz der einzelnen Pavitra-Abschnitte,

12.190 an einem oder an mehreren, entsprechend den Mitteln. Nachdem man die Pavitra-Stücke so der Reihe nach gefertigt hat, o bester Brahmane,

12.191 lege man sie in ein weites, mit Stoff ausgelegtes Metallgefäß, in ein schönes Messing- oder Tongefäß

12.192 oder in eines aus Palasha-Holz. Den für die Mantra-Gestalten bestimmten Schmuck lege man in ein Gefäß, den für Menschen bestimmten in ein anderes, o bester Brahmane.

12.193 Danach bedecke man sie mit reinweißem, ungebrauchtem Stoff und binde ihn mit einem festen weißen Faden zu.

12.194 Die beiden Gefäße stelle man zwischen die Verehrungsmaterialien. Der Lehrer bade und vollziehe seine Tagespflichten nach der früheren Vorschrift.

12.195 Zusammen mit dem leitenden Lehrer begebe man sich vor den Herrn der Mantras und verehre den Gott der Götter der Reihe nach mit Arghya, Duft und weiteren Gaben.

12.196 Man bitte den Gott: „Möge mir kein Hindernis entstehen“, und nehme mit geneigtem Haupt seine Erlaubnis entgegen.

12.197 Wenn der Abend beginnt, trete der Handelnde mit Arghya und Blumen heran, begleitet von heiliger Rezitation, Lobgesängen und glückverheißenden Lesungen,

12.198 unter dem Klang von Muscheln und Instrumenten. Mit Blumen und Arghya verehre er die Torhüter und betrete die Verehrungshalle, o Brahmane.

12.199 Mit lauter Stimme spreche er diesen Mantra: „Verehrung dem Gott, der Brahman zugewandt ist, Achyuta, dem Unvergänglichen,

12.200 Vishnu, dessen Gestalt Rig-, Yajur- und Samaveda sind, dessen Leib der Klang ist.“ Dann trete er zum Gefäßplatz und lasse sich nahebei auf einem vorzüglichen Sitz nieder.

12.201 Nach Osten gewandt soll er sich auf dem zuvor durch die Vorstellung göttlicher Allgegenwart geheiligten Sitz niederlassen, des Mantras gedenken und die vorgeschriebenen Handlungen bis einschließlich des inneren Opfers ausführen.

12.202 Zuerst reinigt er Hände und die übrigen Körperteile. Danach bereitet er wie zuvor das Arghya-Wasser und die weiteren Gaben und verehrt die aus dem göttlichen Leib hervorgehende Schar der Mantras.

12.203 Je zwei gefüllte Gefäße aus Gold, Silber, Kupfer oder Ton, mit Deckeln und frischen Zweigen versehen,

12.204 ausgestattet mit Früchten, Edelsteinen und weiteren Gaben und mit Fäden umwunden, soll er an jedem Eingang auf beiden Seiten auf einer Unterlage aus ungeschältem Reis aufstellen.

12.205 Je drei Pflanzschalen und flache Schalen soll er anordnen; in jeder Ecke stellt er außerdem je drei kleine Gefäße auf.

12.206 Dann vollzieht er die Verehrung der Eingänge, beginnend im Osten und weiter an den übrigen Seiten, mit Arghya, Salbung, Kränzen und Räucherwerk, das mit Guggulu vermischt ist. [Die überlieferte Richtungsfolge ist sprachlich unklar.]

12.207 O Zweimalgeborener, am östlichen Eingang stehen Vāstvīśa, Kṣetranātha, Dvāralakṣmī, Caṇḍa und Pracaṇḍa sowie Garuḍa.

12.208 Im Süden stehen Dhātṛ und Vidhātṛ, im Westen Jaya und sein Gefährte [Vijaya], im Norden Bhadra und Subhadra; die jeweilige Aufstellung beginnt an der südlichen Seite.

12.209 Wird das Anlegen der Pavitra-Fäden am Hauptbild vollzogen, richtet sich die Anordnung der Eingangsgottheiten nach der östlichen und den weiteren Seiten des im Maṇḍala gegenwärtigen Gottes.

12.210 Wird es hingegen am Prozessionsbild vollzogen, ist für ihre bereits beschriebene Aufstellung dessen östliche Seite maßgebend.

12.211 O Brahmane, nachdem er die zuvor in einem besonderen Gefäß bereitgestellten Zutaten mit dem vorzüglichen Arghya-Wasser besprengt hat, soll er mit dem Herzmantra und den weiteren Mantras das Pañcagavya bereiten.

12.212 Mit dem Waffenmantra gibt er Kuśa-Wasser hinzu und bespricht es mit dem ersten Mantra. Oder er bereitet das Pañcagavya mit den fünf Upaniṣad-Mantras.

12.213 Dann führt er es mit beiden Händen, die ihrem Wesen nach Feuer und Soma sind, zur rituellen Eignung und reinigt damit den Boden.

12.214 Mit dem Grundmantra besprengt er unter Verwendung dieses Wassers und eines seidenen Pavitra die zuvor herbeigebrachten Dinge, während er über eben diesen Herrn meditiert.

12.215 Alle Samen und Getreidekörner, vermischt mit weißen Senfkörnern, bespricht er mit dem Waffenmantra und stellt sie sich als der göttlichen Waffe gleich vor.

12.216 Zur Befriedung aller Hindernisse streut er sie rasch in die zehn Richtungen. Dann sammelt er sie mit einem dichten Büschel wieder ein und legt sie im Osten nieder,

12.217 oder, wie es für das Opfer gewünscht wird, im Nordosten. Er schließt sie in eine mit Sandelholz und ähnlichen Stoffen gezeichnete Darstellung des Königs der Waffen ein.

12.218 Er meditiert über das Rad oberhalb des Pavillons, über den Lotus auf dem Erdboden, über die göttliche Keule am Ausgang und über das Muschelhorn in den acht Himmelsrichtungen. [Die Ortsangabe für die Keule ist beschädigt.]

12.219 Oder er setzt allein die Keule mittels des Mantras ein: als göttliche Kraft, deren Leib die Gestalt einer Umfassungsmauer hat und von vielfältigen Flammen erfüllt ist.

12.220 Ist dies vollzogen, werden die Hindernisse gründlich vernichtet. Dann nimmt er einen festen, reinen, gleichmäßig geformten und unbeschädigten

12.221 schönen Krug aus Ton, Gold oder Silber, versehen mit Edelsteinen, Gold, Kränzen, Duftstoffen, Früchten und sämtlichen Heilkräutern,

12.222 einen neuen Krug mit Zweigen glückverheißender Bäume, geschmückt mit Seidenband, Kranz und Duftstoffen, gefüllt mit gefiltertem Wasser und für den Wasserausguss eingerichtet.

12.223 Er bestreicht ihn mit Sandelholz und ähnlichen Stoffen, umgibt ihn mit unversehrten Reiskörnern, umwindet ihn ringsum mit Fäden und stellt ihn auf die ausgestreuten Körner.

12.224 Dieser Krug ist der Leib der Gottheit, verleiht Macht sowie Kraft und Glanz. Dann bespricht er die Vardhanī-Kanne mit dem Cakra-Mantra samt Waffenmantra.

12.225 Sie ist mit den zuvor genannten Stoffen versehen und ringsum mit Fäden umwunden. Nach der Anrufung stellt er sie zur Rechten des Herrn der Mantras, nördlich vom Krug, auf. [Die räumlichen Angaben lassen sich ohne den zugehörigen Aufbau nicht eindeutig zuordnen.]

12.226 Ringsum stellt er acht weitere Gefäße auf, jeweils mit Zweigen, Deckel und einer Umwicklung aus Fäden.

12.227 Im Innern des Kruges stellt er sich wie zuvor den Sitz des Allgegenwärtigen vor und ruft darin vorschriftsgemäß den Lotusäugigen an.

12.228 Er vollzieht alles wie zuvor: das Herbeiführen der Gegenwart, ihr Festhalten und die weiteren Handlungen bis zur Darbringung der Genussgaben. Dann wendet er sich der Gestalt zu seiner Rechten zu.

12.229 Er meditiert über sie als Verkörperung der göttlichen Waffe und verehrt sie vorschriftsgemäß: Sie vernichtet bis zum Abschluss der Handlung das ganze Geflecht der Hindernisse.

12.230 Aufrecht stehend und mit gefalteten Händen bittet er den Gott samt seiner Waffe: »O Herr des Alls, nimm dieses Opferhaus an, das ich eingerichtet habe.

12.231 O Allgegenwärtiger, bleibe bis zum Abschluss bei allen Gliedern der heiligen Handlung gegenwärtig.« Dann führt er einen ununterbrochenen Strom des Waffenwassers an der Wand entlang,

12.232 im Rechtsumlauf, vom östlichen Bereich aus bis zur Rückkehr an denselben Ort, und gedenkt dabei seiner. Oder er beginnt, o bester Zweimalgeborener, im Nordosten und kehrt dorthin zurück.

12.233 Er lässt die beiden Gefäße hintereinander umhertragen, gleichzeitig oder gesondert. Danach stellt er den Krug zusammen mit der Vardhanī auf die ausgestreuten Körner.

12.234 Beiden bringt er Arghya dar und verehrt sie erneut mit Blumen und weiteren Gaben. Dann bespricht er zwei ungetragene Tücher mit dem Waffenmantra,

12.235 durchduftet sie mit Räucherwerk und hüllt die beiden Gefäße darin ein. Oder er stellt einen Bhadra-Sockel auf die ausgestreuten Körner

12.236 und setzt darauf den Mantra-Krug samt der Waffe auf seine Unterlage. Er bereitet eine Schicht aus vier, drei, zwei oder einem Bhāra ungeschältem Reis,

12.237 legt darauf geschälten Reis in derselben oder der halben Menge und darüber Sesam in einem Viertel dieser Menge oder in derselben Menge.

12.238 Darüber breitet er zwei schöne, ungetragene Tücher aus. Auf diese kann er den Krug samt Vardhanī stellen.

12.239 Wie zuvor verehrt er den Herrn der Götter samt seiner Waffe, beginnend mit der Darbringung des Sitzes. Während er des Allgegenwärtigen im Krug gedenkt, vollzieht er den göttlichen Dienst.

12.240 Deshalb soll der Mantrakundige diese Handlung im Krug und die Gegenwart der Waffe gerade zum Schutz vergegenwärtigen. [Die begründende erste Vershälfte ist beschädigt und nicht zuverlässig übersetzbar.]

12.241 Dann führt er den Erhabenen auf den Opferplatz herab und verehrt ihn samt seinem Sitz. Alles bis zur Umwandlung und Verneigung vollzieht er wie zuvor.

12.242 Bei der Verehrung im Maṇḍala und im Krug führt er das Bad durch Besprengen aus. Darauf begibt er sich unter dem Klang heiliger Rezitation zum Tempel.

12.243 Im Gotteshaus angekommen, verneigt er sich mit acht Körpergliedern vor dem lotusäugigen Acyuta und verehrt Puruṣottama,

12.244 zusammen mit seinen Gliedergottheiten, mit Arghya, Salbung, Kränzen und Räucherwerk. Alles, was bei einer früheren Verehrung dargebracht wurde und nun entfernt werden darf,

12.245 nimmt er, beginnend mit den Blumen, ehrfürchtig entgegen, berührt damit sein Haupt und übergibt es Viṣvaksena. Dann verwendet er Wasser, das mit dem Waffenmantra besprochen wurde,

12.246 um das Bild des Erhabenen samt seinem Sockel zu reinigen. Nachdem er auch den Tempel gereinigt hat, verehrt er den Gott der Götter

12.247 mit den vorgeschriebenen Bädern, beginnend mit Milch oder mit Āmalaka-Früchten, und mit den weiteren unverfälschten Genussgaben in der gelehrten Reihenfolge.

12.248 Alles bis zur Umwandlung und Verneigung soll er besonders sorgfältig ausführen. Besteht das Hauptbild jedoch aus aufgetragenem Material oder befindet es sich auf einer Wand oder einem Tuch, o Zweimalgeborener,

12.249 so vollzieht er die besonderen Handlungen an einem für solche Anlässe bestimmten Bild. In Gegenwart des Hauptbildes führt er lediglich das Gussbad

12.250 an dem dafür vorgesehenen Badebild oder an einem für regelmäßige und besondere Anlässe verwendeten Bild aus. Alles Übrige bis zum Anlegen der Pavitra-Fäden vollzieht er am Hauptbild.

12.251 Die Festhandlung führt er dann an dem für die täglichen Feste bestimmten Bild aus. Sind diese Bilder nicht vorhanden, o Brahmane, verwendet er einen nahe beim Hauptbild aufgestellten Spiegel

12.252 lediglich für das Gussbad; entsprechend vollzieht er die Festhandlung. Auch ein Büschel aus Darbha-Blütenständen, ein Rad oder ein kleiner Krug kann dafür dienen.

12.253 Alles Übrige führt er wie zuvor am Hauptbild aus. Dann geht er zum Feuerhaus und bereitet die Feuergrube wie zuvor rituell zu.

12.254 Dort weiht er auch das Feuer und vollzieht die Sättigung der Mantragottheiten. Anschließend verwendet er das nach der zuvor beschriebenen Vorschrift geweihte Feuer,

12.255 um unter dem Herzmantra auf dem Herd einen Caru aus Milch, geklärter Butter und Reis zu kochen. Er nimmt ihn heraus, reinigt ihn mit geklärter Butter und bringt ihn in der vorgeschriebenen Reihenfolge

12.256 dem Herrn im Krug, auf dem Opferplatz und im Bild dar; einen Teil opfert er ins Feuer. Oder er bereitet den Caru bereits vor Beginn der Opferfeier,

12.257 verehrt der Reihe nach den Herrn im Krug, auf dem Opferplatz und im Bild und vollzieht alles bis zur Gabe an die Zweimalgeborenen. Danach sättigt er ihn im Feuer.

12.258 Nach der vollen Opfergabe begibt er sich zum Bild. O Brahmane, er erinnert sich an den Tag im vergangenen Jahr,

12.259 an dem die Pavitra-Feier abgeschlossen wurde, und beginnt von diesem Tag an: Mit Arghya, Blumen und Bali-Gaben verehrt er den gesamten Opferdienst [des vergangenen Zeitraums].

12.260 Entsprechend bringt er der Reihe nach geklärte Butter bis zur vollen Opfergabe dar. Dann tritt er vor das Maṇḍala und führt das Formen der Mudrās und die weiteren Handlungen

12.261 bis zur Verneigung aus. Darauf nimmt er jeweils einen Pavitra-Faden, der mit Räucherwerk und Duftstoffen durchduftet wurde, und bringt ihn dem an den vier Stätten gegenwärtigen Herrn

12.262 der Reihe nach dar. Nach Arghya und Räucherwerk spricht er: »Du Unvergänglicher bist durch die Genussgaben deiner eigenen Glückseligkeit immerdar erfüllt.

12.263 Dennoch bin ich in meiner Hingabe noch nicht gesättigt und verehre dich, um die Vollendung meines Selbst zu erlangen.« Nachdem er dies dem Gott vorgetragen hat, besprengt er mit dem Waffenmantra und Arghya-Wasser

12.264 sämtliche bereitgestellten Dinge, beginnend mit dem Schmuck. Aus ungeschältem Reis, geschältem Reis, Sesam oder aus allen drei zusammen

12.265 bereitet er mit vier, drei, zwei oder einem Bhāra eine Unterlage, sei es auf einem Sockel oder auf dem Boden. Er richtet sie im Nordwesten ein, bezogen auf die Ostseite des auf dem Opferplatz gegenwärtigen Herrn,

12.266 oder im Westen, wie es der Lehrer wünscht. Er versieht sie mit einem weißen Tuch und mit unversehrten Körnern unter dem Schutzmantra.

12.267 Er bereitet die Dinge mit dem Waffenmantra und bedeckt sie mit dem Kavaca-Mantra. So kann er überall die vorbereitende Weihe der Gegenstände vollziehen. [Die genaue Handlung des ersten Verbs ist unsicher.]

12.268 Dann stellt er acht vollständig ausgestattete, mit Pfauenfedern versehene Pfeile, die mit dem Waffenmantra besprochen wurden, in den Haupt- und Zwischenrichtungen des Opferhauses auf.

12.269 Mit einem festen fünffarbigen oder rein weißen Faden, vierfach genommen, umwindet er den Opferpavillon von innen her,

12.270 indem er vier Rechtsumläufe vollzieht und dabei des Schutzmantras gedenkt. Ebenso umwindet er den Tempel von außen; das Feuerhaus

12.271 umwindet er wie zuvor von innen. Danach wendet sich der vorzügliche Lehrer persönlich an die Gemeinschaft, die sich den fünf täglichen Zeiten des Gottesdienstes widmet,

12.272 an die den sechs Pflichten ergebenen [Brahmanen] und an die Schar der vaiṣṇavischen Asketen: »Morgen werde ich in eurer Gegenwart den Herrn mit Hingabe verehren.

12.273 Seid deshalb zugegen, um mir eure Gunst zu erweisen.« Nachdem er von den so Gebetenen die Zustimmung erhalten hat,

12.274 setzt er sich nach Osten gewandt nieder und trinkt das aus der Hand des Gurus gereichte Brahmakūrca-Reinigungsmittel. Danach isst er den Rest des Caru.

12.275 Er trinkt mit dem Herzmantra besprochenes Wasser, das mit Gold, Edelsteinen und Kuśa in Berührung war, sowie das segensreiche, alle Sünden tilgende Wasser von den Füßen des Erhabenen.

12.276 Anschließend nimmt er Betel als Ersatz für das Zahnreinigungshölzchen. Nach der Mundspülung führt er, beginnend mit Nyāsa, die vollständige rituelle Ausstattung seines Leibes aus.

12.277 Er nimmt die auf dem Opferplatz gegenwärtige Mantragestalt zurück und setzt sie im Krug, im Feuer oder in sich selbst ein. Dann nimmt er auf einer mit Decke und Kuśa versehenen Unterlage Platz.

12.278 Er wiederholt den vorzüglichen Mantra samt seinen Gliedern, rezitiert heilsame Hymnen und die heilige Erzählung vom Herrn aller Wesen. Er bereitet den Krug und das Maṇḍala:

12.279 ein Maṇḍala mit einem Lotus, mit vielen Lotussen oder mit Rad und Lotus und weitere Formen. Ihre Merkmale hat der Erhabene selbst

12.280 als Gott der Götter im Pauṣkara dem Lotusgeborenen genau gelehrt. Oder, o Zweimalgeborener, er bereitet Maṇḍala und Krug erst am folgenden Tag.

12.281 Dann begibt er sich zu den Schmuckstücken, o bester Zweimalgeborener, und vollzieht ihre vorbereitende Weihe durch die meditative Verbindung von Verbrennen und erneuter Belebung.

12.282 In seiner rechten Hand meditiert er über ein zwölfspeichiges, flammend leuchtendes Rad und darin über die Sonne mit ihren zwölf Teilen.

12.283 Er stellt sich vor, dass die ganze Schar der mit Mantras verbundenen Pavitra-Fäden von ihren Strahlen verbrannt und zu einem Aschenhaufen geworden ist. Dann lässt er sie vollständig neu entstehen.

12.284 In seiner linken Hand stellt er sich einen weißen Lotus mit sechzehn Blütenblättern vor; in dessen Mitte meditiert er über den Mond in der Fülle seiner Teile.

12.285 Er betrachtet ihn als einen, der einen Regen von Nektar ergießt. Mit diesem Unsterblichkeitstrank durchtränkt er in seiner Vorstellung die angehäufte Asche, o Zweimalgeborener.

12.286 Dann sieht er alles wieder aus der Asche hervorgehen. Er meditiert darüber als aus den fünf Elementen bestehend und wiederum als von der göttlichen Gegenwart durchdrungen.

12.287 Mit dem Grundmantra besprengt, berührt und betrachtet er die Fäden. Die für den Krug bestimmten legt er in ein Gefäß, die für das Maṇḍala in ein anderes,

12.288 die für das Bild bestimmten in ein weiteres, die für das Feuer in ein anderes, o Zweimalgeborener; die übrigen, den Mantragottheiten zugedachten, in ein weiteres, o bester Zweimalgeborener.

12.289 Je nach Verfügbarkeit legt er sie gesondert in einzelne Gefäße. Danach bedeckt er sie mit einem rein weißen, ungetragenen Tuch.

12.290 Diese Gefäße mit den Schmuckgaben sollen der Reihe nach einzeln mit einem festen, rein weißen Faden umwunden werden.

12.291 Nachdem er sie wie zuvor bedeckt hat, verbringt er die Nacht wachend. Am Morgen der Ekādaśī badet er und verehrt Janārdana.

12.292 Er nimmt ehrfürchtig Abschied, geht nach Hause und lädt gesammelt und mit Verneigung die Brahmanen ein, voran den Guru: die Viṣṇu-Verehrer mit festen Gelübden,

12.293 die ihren eigenen Pflichten ergeben sind und sich dem Dienst am Gott der Götter widmen, die auch dann, wenn Not über sie kommt, den Herrn Acyuta verehren,

12.294 dazu weitere Vaiṣṇavas, Freunde, Verwandte und Angehörige. Wenn dann bei Anbruch der Nacht der Ruf des glückverheißenden Tages erklingt,

12.295 betritt er den Tempel unter segensreichen Muschelhornklängen und den Stimmen der Brahmanen, die den Śākuna-Sūkta rezitieren.

12.296 Darauf schmückt der Lehrer zusammen mit den Bildhütern das für besondere Anlässe bestimmte Bild mit Gewändern, Kränzen, Schmuck und duftenden Salbungen.

12.297 Er setzt es auf ein Tragegestell und zieht hinaus, begleitet von Muschelhörnern, Kāhala-Blasinstrumenten und weiterer Musik, von Palmblattfächern, Schirmen und verschiedenartigen weißen Fliegenwedeln.

12.298 Wie einen König unter Menschen bringt er den Gott in den Pavillon. Dort setzt er den Gott auf einen glückverheißenden vierfüßigen Sitz,

12.299 verehrt ihn vorschriftsgemäß mit besonderer Sorgfalt, bringt die große Speisegabe dar und sättigt ihn inmitten des Feuers.

12.300 Dann, zur Nachmittagszeit oder bei einsetzender Nacht, unter dem Ruf des glückverheißenden Tages und allen zuvor genannten Segenszeichen,

12.301 lässt er den Herrn der Welt, den Herrn der Götter, in den Opferpavillon einziehen. Im westlichen Bereich des Opferraums steht ein goldener Ehrensitz,

12.302 den er oben mit einem Baldachin aus Perlen schmückt. Darauf setzt er den Gott, dem im Opferraum gegenwärtigen Allgegenwärtigen zugewandt, o Zweimalgeborener.

12.303 Oder er bringt den im Bild gegenwärtigen Herrn bereits an der Daśamī in das Opferhaus. Im Osten sollen die Kenner des Ṛgveda auf ihren Sitzen nach Westen gewandt Platz nehmen.

12.304 Im Süden setzt er die Kenner des Yajurveda mit dem Gesicht nach Norden ein. Im Westen nehmen die Kenner des Sāmaveda nach Osten gewandt Platz,

12.305 zusammen mit den Ekāyana-Brahmanen, die durch die Bezeichnungen der göttlichen Gestalten gekennzeichnet sind. In der nördlichen Richtung lässt er sodann die ihren täglichen Pflichten ergebenen

12.306 Kenner des Atharvaveda Platz nehmen, alle jeweils zu zweit. Höre nun ausführlich eine weitere Ausführungsweise, o bester Zweimalgeborener.

12.307 Im Osten lässt er einen vorzüglichen Zweimalgeborenen nach Westen gewandt auf einem Sitz Platz nehmen, geschmückt mit Blumen, Gewändern, Turban und Fingerringen.

12.308 Der Mantrakundige lässt ihn die heiligen, vom Erhabenen erfüllten Ṛg-Mantras rezitieren. Den im Süden Aufgestellten, der nach Norden blickt,

12.309 lässt der Lehrer die Viṣṇu gewidmete Sammlung der Yajur-Mantras rezitieren. Der im Westen sitzende Sāman-Kenner singt die reinen Sāman-Gesänge.

12.310 Der hingebungsvolle Atharvaveda-Kenner im Norden, nach Süden gewandt, spricht sämtliche in seinem Überlieferungszweig gelehrten Mantras, die die Erkenntnis kennzeichnen.

12.311 Jeder soll dafür geeignet und von einer Schar seiner Schüler umgeben sein. Die Asketen des Pāñcarātra, die sich innerlich dem Erhabenen widmen,

12.312 soll er im Nordosten einsetzen, zusammen mit vier Āptas, beginnend mit einem Brahmanen. Die allein dem Herrn ergebenen Ekāntins, verbunden mit Anāptas, setzt er im Südosten ein. [Āpta und Anāpta bezeichnen hier nicht näher erklärte Gruppen.]

12.313 Im Südwesten lässt er die hingebungsvollen Vaikhānasa-Brahmanen Platz nehmen; im Nordwesten dann, zusammen mit vier Añjalikas,

12.314 die Sārambhins und Sātvatas, die zu dieser Zeit ganz vom Erhabenen erfüllt sind. O Weiser, vier Śiśins sollen in den vier Himmelsrichtungen eingesetzt werden, [Gruppenbezeichnungen teilweise unsicher überliefert.]

12.315 und vier Pravartins sollen ihnen folgen: Brahmanen, Kṣatriyas, Vaiśyas und Śūdras, o bester Weiser.

12.316 Die Pāñcarātra-Asketen, voran die Āptas, lässt er die höchst läuternden Mantras rezitieren, die aus dem Ekāyana-Überlieferungszweig stammen.

12.317 Bei ihrer jeweiligen Ausübung wiederholen und sprechen sie ihre eigenen Mantras: vier Gruppen, jeweils mit einem Guru an der Spitze, vom Osten bis zum Norden.

12.318 Viele, die die verbindliche Ordnung und die Sātvata-Lehre kennen, wirken nach ihren Kräften mit. Sie haben den Nyāsa vollzogen; ihre Hände sind durch die Dhyāna-Mudrā ausgezeichnet.

12.319 Ihre jeweilige Mudrā sollen sie voreinander mit dem eigenen Gewand verhüllen. Andere widmen sich Gesang und Tanz; vor dem Herrn stehen die Hymnenrezitatoren.

12.320 Draußen stehen die Paukenspieler zusammen mit den Scharen der Lobredner. Alle weiteren Vaiṣṇavas nehmen dahinter und an den Seiten Platz.

12.321 Nachdem er auf diese Weise alle in der vorgeschriebenen Ordnung aufgestellt hat, soll er den an den vier Stätten gegenwärtigen Gott der Götter

12.322 der Reihe nach wie zuvor verehren, o bester Zweimalgeborener. Er tritt zum Krug und vollzieht die Darbringung

12.323 verschiedener besonderer Genussgaben, um den Allgegenwärtigen einzuladen: ein Zahnreinigungshölzchen mit Betel, Mundduftmittel und einen Spiegel,

12.324 Duftstoffe wie Sandelholz, Muskat und Arekanüsse. Nachdem er sie dargebracht hat, legt er sie vor dem Herrn der Welt nieder. Dann legt er auf dessen südlicher Seite

12.325 Guggulu, feines Räucherwerk und ein Licht in einem Kupfergefäß bereit, dazu schönen, den Blick erfreuenden Schmuck, eine goldene Schnur mit Armreif,

12.326 gelbes Rocanā-Pigment und Augensalbe in einem mit Honig und geklärter Butter gefüllten Metallgefäß sowie ein weißes und ein rötliches Augentuch für die große Gestalt. Er ordnet diese sechs [Gruppen] an. [Die Zählung und Zuordnung der Gegenstände sind nicht völlig eindeutig.]

12.327 Im Westen bringt er dem Allgegenwärtigen Wasser aus heiligen Flüssen, Wasser von Wallfahrtsorten und aus den Bergen, ferner Bergerde, Bilva-Früchte und Ähnliches dar.

12.328 Frischen Rasen und grüne Darbha-Halme legt er in ein Gefäß aus Kupfer oder Eisen. Nördlich des Allgegenwärtigen, des Gottes der Götter, legt er sodann, o Trefflicher,

12.329 Kränze, die sieben Heilpflanzen, Samen und Früchte, Gefäße mit Sesam und Reis, Milch, Dickmilch, geklärte Butter und Zucker bereit,

12.330 eine Sammlung von Duftstoffen, beginnend mit Zimtrinde und Kardamom, Mineralien wie roter Ocker, eine Kokosnuss samt Fruchtinhalt und alle Erzeugnisse aus Zuckerrohr.

12.331 O Zweimalgeborener, je nach Verfügbarkeit bringt er dies in silbernen oder bronzenen Gefäßen dar; wenn solche fehlen, in Schalen aus Blättern heiliger Opferbäume.

12.332 Dem auf dem Opferplatz gegenwärtigen Herrn bringt er Kuśa-Wasser, Betel, Zahnreinigungsmittel, weiße Gewänder samt Obergewändern, heilige Schnüre und Sandelholz dar.

12.333 Er verteilt die Gaben auf die vier Himmelsrichtungen; ebenso verfährt er beim Bild und beim Feuer. Die Gefäße mit den Schmuckgaben bringt er einzeln dar

12.334 und stellt sie vor dem an den vier Stätten gegenwärtigen Herrn auf. Vollzieht er die Handlung am Hauptbild, so stellt er alles vor diesem auf,

12.335 bringt der Reihe nach sämtliche Gaben bis zum Schmuck dar und reicht einen mit Safran, Aloeholz, Kampfer und Sandelholz durchdufteten

12.336 Gandha-Pavitra-Faden dem an den vier Stätten erschienenen Herrn. Dann bringt er Arghya, Blumen und Räucherwerk dar und bildet die Mudrās.

12.337 Um Mängel am Anfang, in der Mitte und am Ende gründlich auszugleichen, wiederholt er den vorzüglichen Mantra samt seinen Gliedern. Danach rezitiert er mit gefalteten Händen

12.338 den Hymnen-Mantra, eingeleitet durch den Praṇava und die beiden Zweiergruppen [unklare Mantraangabe], als Einladung: »O Unendlicher, der du alle Mantras in dir trägst, immer Gegenwärtiger, Unvergänglicher,

12.339 Herr der Verbindung von Guṇas und Urnatur, dessen Gestalt sich in meditativer Vergegenwärtigung darbietet! Nārāyaṇa, höchstes Brahman, Herr des Lebenshauchs, du mit den vier Gestalten!

12.340 Alldurchdringender Acyuta, wahrhaft Seiende Gestalt, Allwissender, Puruṣottama! Von diesem Augenblick an bis zum Tag der rituellen Entlassung

12.341 sei mir mit den vielfältigen Scharen der Mantras gegenwärtig, o Herr: im göttlichen Bild, in der heiligen Gestalt, im Krug und auf dem Boden des Maṇḍala,

12.342 in der Zählschnur und im Rosenkranz, im Feuer, in der Gestalt des Gurus, in der Glocke, im Sockel samt der Waffe und in den Opfergeräten,

12.343 in sämtlichen Geräten wie den großen und kleinen Opferlöffeln, in den Gestalten der ausschließlich dir ergebenen Zweimalgeborenen, in den verschiedenen Gefährten Viṣṇus und in denen, die ihren angestammten Pflichten nachgehen,

12.344 in den durch Vertrauen Geläuterten, den Tüchtigen und jenen, deren einzige Zuflucht du bist! Um die Mängel der im vergangenen Jahr vollzogenen Handlungen, der Bäder und der übrigen Dienste,

12.345 der anlassbezogenen wie der täglichen, soweit sie unvollständig geblieben sind, auszugleichen, vollziehe ich heute zu deinem Wohlgefallen und nach der Schrift

12.346 die Pavitra-Handlung, die alle Handlungen zur Vollständigkeit führt. Nimm deshalb heute die Ehrerweisungen, beginnend mit dem Mundduftmittel, und die Verehrung

12.347 bis zum Feueropfer, die zur vorbereitenden Weihe gehören, ganz als dein Eigen an. Ich verehre dich mit Hingabe und nach meinen Kräften; nach der Nachtwache [Wortlaut an dieser Stelle beschädigt]

12.348 bringe ich dir vorschriftsgemäß die Genussgaben bis hin zur heiligen Schnur dar, die Lebensfülle und Befreiung gewähren. O Erhabener, meine Bitte ist dir vorgetragen; du kennst alles, was im Herzen liegt.

12.349 Aus liebevoller Zuneigung zu mir, deinem Verehrer, gewähre mir am Morgen deine Gnade.« Nachdem er den Ungeborenen so eingeladen hat, verneigt er sich mit acht Körpergliedern auf dem Boden.

12.350 Viermal umwandelt er ihn nach rechts und gedenkt im Herzen des Mantras. Mit Gesang, Tanz und weiteren Darbietungen, mit Hymnen und Veda-Rezitation,

12.351 begleitet von Siegesrufen, verbringt er die Nacht wachend. Dann badet er in der Brahma-Stunde und vollzieht die glückverheißende Anlegung des Schutzbandes.

12.352 Mit großer Festlichkeit vollzieht er zunächst die Verehrung der Eingänge. Zuvor führt er den täglichen Dienst an einem dafür geeigneten Träger der Gottesgegenwart aus.

12.353 Wie zuvor verehrt er den im Krug gegenwärtigen Herrn, danach der Reihe nach den im Maṇḍala und mit besonderer Sorgfalt den im Bild gegenwärtigen Herrn der Götter,

12.354 mit den fünfundzwanzig vorschriftsgemäß vorbereiteten Bädern, beginnend mit Milch, sowie mit vielfältigen weiteren Genussgaben aus essbaren Speisen und anderen Stoffen,

12.355 mit den durch Berührung dargebrachten Diensten, beginnend mit dem Sitz, mit verschiedenen Ehrerweisungen und mit den vielfältig gestalteten Gaben, die als »das Herz erfreuend« bezeichnet werden.

12.356 Nachdem er dies der Reihe nach bis zum Abschluss von Japa und Mudrās vollzogen hat, sättigt er danach vorschriftsgemäß und in der gehörigen Reihenfolge den im Feuer gegenwärtigen Herrn.

12.357 Dann tritt er an das Gefäß mit den Schmuckgaben heran, o Zweimalgeborener, verehrt es und öffnet das Gefäß mit den heiligen Fäden.

12.358 Er betrachtet sie, nimmt sie heraus und begibt sich zum Krug. Die Gesamtheit der Glieder der Verehrung ist in einer unmanifesten und einer wesensmäßigen Form zu betrachten;

12.359 die dritte Form umfasst beide. Ebenso betrachtet er die drei Ebenen, beginnend mit der auf das innere Selbst bezogenen. Dies verbindet er in dem Faden, während er im Geist des Herzmantras gedenkt.

12.360 Dabei heißt die Gesamtheit der achtmal acht Genussgaben »unmanifest«; die Gesamtheit der Mantras und Mudrās wird als »wesensmäßig« bezeichnet.

12.361 Schriftstudium, Gesang, Instrumentalmusik und Ähnliches, Gelübde und Regeln, Gaben, Feste und die verschiedenen anlassbezogenen Handlungen

12.362 besitzen beide Formen. Sie gewähren die Lebensziele und erfreuen Janārdana, den Ursprung der Welt, dessen Gestalt Mantra ist.

12.363 Ihre leuchtende, aus Bewusstsein bestehende, reine und unvergängliche Gestalt soll man im Innern der Fäden vergegenwärtigen. Ihre feine, ebenfalls leuchtende Gestalt,

12.364 die Sonne, Mond und Feuer gleicht und in bestimmter Ausdehnung vorgestellt wird, soll man, o Einsichtiger, an den Stellen der Knotengruppen meditieren.

12.365 Die dritte, ganz grobe, dem äußeren Handeln zugängliche und allgemein weltliche Gestalt soll man stets in der Gesamtheit der Fadenstränge vergegenwärtigen.

12.366 Nachdem er diese auf das innere Selbst bezogene Durchdringung erkannt hat, betrachtet er sodann die unvergängliche, durch Mantra wirkende Durchdringung, die der göttlichen Ebene zugeordnet wird.

12.367 Es ist die mit den vier [Schmuckzeichen] untrennbar verbundene Gestalt, dem Unsterblichkeitstrank gleich, von vielfältigen Lichtgestalten erfüllt, gestaltet und ungestaltet, unvergänglich:

12.368 die Gestalt von Krone, Kranz, Śrīvatsa und Kaustubha, o Einsichtiger. Er soll die Gegenwart ihrer drei göttlichen Erscheinungsweisen beständig vergegenwärtigen. [Der Wechsel zwischen vier Schmuckzeichen und drei Formen bleibt im Wortlaut unaufgelöst.]

12.369 Die schöne, segensreiche Gestalt, die aus der Verbindung der fünf Elemente Erde, Wasser, Feuer, Luft und Raum hervorgeht und die Verehrer erfreut,

12.370 ist beim Anlegen als ihre stoffliche Ebene zu verstehen. Nachdem er so darüber meditiert hat, spricht er das Grundmantra und sodann

12.371 mit erhobenen Händen den vom Praṇava gezierten Mantra: »O Gott, das reine, höchste Wissen ist das Mittel, dich zu erlangen; [das überlieferte tānam wird hier als beschädigtes jñānam verstanden]

12.372 ebenso die von dir offenbarte heilige Handlung, verbunden mit Hingabe und Vertrauen. Als Mittel zu ihrer unverkürzten Vollendung hast du

12.373 für deine Verehrer, die sich Erkenntnis und Handlung widmen und ihr Inneres geläutert haben, das Pavitra gelehrt. Durch deine Gnade habe ich es nach meinen Kräften bereitet.

12.374 Nun vergegenwärtige den höchsten Herrn in angemessener Weise. Daher sind die besonders segensreiche Handlung und die reine Erkenntnis [der Übergang zwischen Gebet und Anweisung ist im überlieferten Satzbau unklar],

12.375 die verschiedenen Vorschriften, die Scharen der Mantras und die Gesamtheit der Stoffe du selbst. Du bist das Erlangen, der Vollender und die Fülle der unvollendeten Handlungen.

12.376 Kraft dieser Wahrheit, o Erhabener, möge der ganze Bereich des rituellen Dienstes, den dieser aufrichtige, von den Erschütterungen des Daseins bedrängte Verehrer dir darbringt, unverkürzt sein.

12.377 O Erhabener, die Bitte ist dir vorgetragen; mein höchstes Verlangen richtet sich auf dich. Ohne dein Wohlgefallen, das rechte Erkenntnis gewährt, [der Satzanschluss ist beschädigt]

12.378 darf ich auch in eintretender Not, o Acyuta, Handlung und Erkenntnis nicht vorsätzlich aufgeben. Du kennst alles der Wahrheit nach.

12.379 O Gott, weil ich dich nicht zur rechten Zeit, in rechter Weise und mit den angemessenen Gaben so verehrt habe, wie es geboten ist, empfinde ich Kummer im Herzen.

12.380 Die Verehrung mit Genussgaben, die Feueropfer mit geklärter Butter und die Sättigungsopfer nützen dir selbst nichts: Du hast bereits alles vollbracht.

12.381 Für mich aber ist all dies wie Saat, die auf guten Boden gebracht wurde; sie wird die Frucht der Unsterblichkeit tragen und mein ganzes Streben erfüllen. In diesem Verständnis habe ich es einst

12.382 aus dem Mund des Gurus angenommen. Doch, o Herr aller Wesen, mir tritt deutlich ins Bewusstsein, dass ich es nicht so ausgeführt habe, wie es festgelegt ist:

12.383 durch die Handlungen von Geist, Rede und Körper, vom Morgen bis zur Nacht. Wegen mangelnder Freiheit, mangelnder Fähigkeit und der Unbeständigkeit des Geistes,

12.384 wegen Hindernissen wie Kälte, Hitze, Wind, Regen und Krankheiten wie Fieber, wegen des Fehlens der Bestandteile der Handlung, die deiner würdig wären, o Gott,

12.385 und weil die Ausübung nicht zustande kam, gelingt der tägliche Dienst, dessen Ziel die Erlangung höchster Glückseligkeit ist, nicht so, wie er für die Götter vorgeschrieben wurde.

12.386 Um ihn zu vervollständigen, hast du die besonders bedeutsame Verehrung namens Pavitra für jedes Jahr angeordnet.

12.387 Diese habe ich unter deinen Augen ausgeführt. Was bei meiner Verehrung unrein und durch die Ausführung der Handlung unvollständig geblieben ist, führe für mich zur Reinheit.

12.388 Was ich wissentlich oder unwissentlich nicht so getan habe, wie es gelehrt wurde, möge ganz vollständig werden. Sei immerdar vollkommen zufriedengestellt.

12.389 Oṃ! Acyuta, Herr der Welt, Janārdana, dessen Gestalt Mantra ist! Beschütze mich, Lotusäugiger! Vergib, Ungeborener, sei gnädig! Oṃ!«

12.390 Nachdem er so gesprochen hat, spricht er das Grundmantra zusammen mit dem Herzmantra und den übrigen Kennzeichen. Dann legt er auf das Haupt des Allgegenwärtigen, dessen Wesen Mantra ist, den Faden,

12.391 der die Gestalt aller Erkenntnis, Handlung, Genussgabe und heilsamen Entschlüsse trägt. Ebenso verfährt er bei dem im Maṇḍala und bei dem im Tempel gegenwärtigen Herrn.

12.392 Auf diese Weise soll er, o bester Zweimalgeborener, dem Feuer zwei Pavitra-Fäden geben. Oder er setzt in den ersten die Krone ein und in den mittleren Śrīvatsa und Kaustubha,

12.393 in den dritten den Waldblumenkranz. Mit den folgenden Mantras setzt er sie ein: »Dem Lotusfürsten, der Krone [Wortlaut unsicher]! Du selbst, von Rubinen umgeben,

12.394 komm in diesen Pavitra-Faden und sei rasch gegenwärtig! Dem Śrīvatsa Verehrung! Kaustubha, komm! Oṃ, Verehrung!

12.395 Verweile in diesem Pavitra-Faden, mit dem ehrwürdigen Śrīvatsa, von reinem Glanz! Komm, Waldblumenkranz, und sei hier gegenwärtig,

12.396 in diesem Pavitra-Faden, den ich für den Ursprung der Welt bereitet habe!« Höre nun eine weitere Ausführungsweise. O Zweimalgeborener, im ersten Faden meditiert er über die Gesamtheit

12.397 des im Jahr vom Morgen bis zum Ende der Nacht vollzogenen Dienstes, soweit er aus Meditation hervorgeht, ungeteilt ist und die Befreiung gewährt.

12.398 Er gedenkt des ungeteilten Mantras in der Reihenfolge reiner Aussprache, verbindet den Faden mit dem Mantra und ebenso den Mantra mit dem Faden,

12.399 macht sie zusammen mit sich selbst zu einer Einheit und legt den Faden auf das Haupt der Mantragestalt. Dann nimmt er einen weiteren Faden und meditiert darin über den gestalteten und ungestalteten

12.400 Jahresdienst, dessen Wesen Meditation und äußere Handlung ist. Er gedenkt des beide Formen umfassenden Mantras, der im Krug verehrt wurde,

12.401 stellt wie zuvor die innere Verbindung her und legt den Pavitra-Faden an. Dann nimmt er, o Brahmane, den dritten heiligen Faden.

12.402 Er gedenkt des gesamten äußeren Jahresdienstes in seiner gestalteten Form und seiner selbst als Verehrer, der vom tragenden Grund bis zum Höchsten verehrt,

12.403 in der Reihenfolge von Auflösung, Genuss und Wirksamkeit, jeweils in gestalteter Weise. Er gedenkt des gestalteten Herrn der Mantras, dessen Leib diese Formen von Auflösung, Genuss und Wirksamkeit umfasst,

12.404 stellt die Verbindung her und legt dann den heiligen Faden an. Mit Arghya, Blumen, Duftstoffen, Kränzen und Räucherwerk, o Zweimalgeborener,

12.405 soll er jede einzelne Schmuckgabe vor und nach ihrer Darbringung durch Verehrung umschließen, jeweils begleitet vom Klang der Glocke.

12.406 Ein Regen aus allerlei Edelsteinen, edlen Metallen, Blumen, unversehrten Reiskörnern und Früchten, versehen mit guten Duftstoffen, Arghya, Darbha, Puffreis und weißen Senfkörnern,

12.407 soll freudig immer wieder mit vollen Händen ausgestreut werden; oder er lässt allein einen Blumenregen niedergehen. Auch Muschelhörner und andere Instrumente sollen erklingen.

12.408 Dem Mantra-Krug und dem Waffen-Krug gibt er Schmuck, ohne [die zusätzliche] Meditation. Nachdem er so, o Brahmane, zuerst dem im Krug gegenwärtigen Herrn den Pavitra-Faden gegeben hat,

12.409 reicht er nach dieser Vorschrift dem im Maṇḍala gegenwärtigen Herrn drei reine Pavitra-Fäden, ebenso an der Stätte der Genussgaben, o Nārada.

12.410 Allen Mantragottheiten gibt er nach Wunsch drei oder einen. Dann verehrt er den im Bild gegenwärtigen Herrn und bringt ihm die Schmuckgaben dar.

12.411 Beim Schmuckstück, das »Waldblumenkranz« heißt, führt er genau in der für den Krug gelehrten Reihenfolge die meditative Verbindung mit dem Unmanifesten und den weiteren Ebenen aus, oder die in der anderen Vorschrift beschriebene

12.412 Vergegenwärtigung vom Höchsten bis zum Groben. Danach bringt er es dar. Wie die gesonderte Einsetzung der Krone und der anderen Zeichen gelehrt wurde, o Trefflicher,

12.413 gilt hier diese Besonderheit: Die vier Zeichen, beginnend mit der Krone, ruft er, o Brahmane, der Reihe nach in den vier Schmuckgaben an.

12.414 »O Krone des Herrn der Götter, von sonnenähnlichem Glanz, verweile mit deinem Gefolge in diesem Kopfschmuck!

12.415 Für die Brust des Ursprungs der Welt habe ich diesen Schmuck bereitet. Śrīvatsa, komm, du dem Vollmond Gleichender, Liebling des Erhabenen!

12.416 Für die Brust des Ursprungs der Welt habe ich diesen Schmuck bereitet. Kaustubha, komm, du Herr der Edelsteine, Liebling des Erhabenen!

12.417 O segensreicher Waldblumenkranz, Liebling des Gottes der Götter, komm in diesen mit Metallen und Blumen besetzten, mit Korallen und Edelsteinen geschmückten [Faden]!«

12.418 Mit diesen vier Mantras ruft er sie der Reihe nach an, o Zweimalgeborener. Auch den Gliedern, Nebengliedern und Kennzeichen,

12.419 den Schmuckzeichen, den Śaktis, Garuḍa und dem Sockel soll er anschließend der Reihe nach Pavitra-Fäden geben.

12.420 Ebenso gibt er sie dem im Hauptbild gegenwärtigen Allgegenwärtigen, allen für die rituellen Handlungen bestimmten Bildern sowie Lakṣmī und den weiteren Gottheiten.

12.421 Nachdem er auch den übrigen Nebenbildern und der Schar des Gefolges der Reihe nach den Schmuck gegeben hat, begibt er sich zum Feuerhaus.

12.422 Dem im Feuer gegenwärtigen Herrn gibt er die Schmuckgaben wie zuvor. Findet das Anlegen der Pavitra-Fäden am Hauptbild statt, so geschieht dies

12.423 in der täglichen Feuergrube; andernfalls in der für regelmäßige und besondere Anlässe bestimmten. O Brahmane, er bringt den Schmuck dem im Feuer Gegenwärtigen dar, soll ihn aber nicht verbrennen.

12.424 Denn das spätere Abnehmen des Schmuckes ist vorgeschrieben. Verbrannter Schmuck kann nicht abgenommen werden; ohne das Abnehmen entsteht ein ritueller Fehler.

12.425 Er legt dem Lehrer, der wie die Gottheit verehrt wurde, den Faden um die Brust. Dann legt er seinen eigenen an und ebenso die für die anderen Lehrer bestimmten.

12.426 Danach gibt er den Sādhakas ihre Fäden und auch den Bestandteilen des Opfers, o Zweimalgeborener. Er gibt einen der verkörperten Schrift und den übrigen der Reihe nach.

12.427 Anschließend nimmt er, dem Gott zugewandt, den Lotossitz ein und wiederholt einmal den großen Mantra, der alle Handlungen gedeihen lässt,

12.428 der schon durch bloßes Gedenken die Fehler gegen die verbindliche Ordnung vernichtet. Dann trägt er dem an den drei Stätten gegenwärtigen Gott der Reihe nach vor:

12.429 »O höchster Herr, was ich absichtlich oder unabsichtlich wegen irgendeines Hindernisses oder Fehlers an vorgeschriebener Verehrung nicht vollzogen habe,

12.430 das verursacht meinem Geist überaus brennenden Schmerz; denn ich bin durch einen Verstoß gegen die verbindliche Ordnung belastet, o Janārdana.

12.431 Das reine Pavitra, das Fehler vernichtet und das du einst zum Wohl deiner Verehrer gelehrt hast, o Herr, habe ich ausgeführt.

12.432 Sei mir gnädig und gewähre mir Schutz. Lass den durch meine Versäumnisse entstandenen Zorn vergehen: Ich sinke im Meer des Werdens und bin von der verbindlichen Ordnung abgeirrt.

12.433 Verehrung, immer wieder Verehrung dir, dessen Wesen Mantra ist! Sei gnädig, höchster Herr! Schütze mich, schütze mich, Herr der drei Welten, Keśava, Vernichter der Not!

12.434 Durch deine Gnade möge mir kein Verstoß gegen die verbindliche Ordnung anhaften. Heute mögen mein täglicher und mein anlassbezogener Dienst ihre Vollständigkeit erlangen, o Herr!«

12.435 Wenn der König der Mantras die Bitte dieses vom Saṃsāra Bedrängten wohlwollend hört, führt er ihn rasch zur Vollständigkeit und tilgt die Verstöße gegen die verbindliche Ordnung.

12.436 Dann soll er mit Umhängen und Geschenken, die nach den verfügbaren Mitteln beschafft wurden, mit heiligen Schnüren, Obergewändern, Schirmen und Schuhen,

12.437 mit verschiedenen Speisen, o Brahmane, mit Räucherwerk, Arghya, Salbung und weiteren Ehrengaben die Gruppen verehren, die mit den Āptas und den Asketen beginnen:

12.438 die fünf bis zu den Vaikhānasas, die vier, beginnend mit den Brahmanen, die fünf, beginnend mit den Yoga-Ergebenen, und die weiteren Vaiṣṇavas, o Zweimalgeborener. [Die Gruppenlisten werden hier nur verkürzt benannt.]

12.439 Dann sollen zuerst die Mantras aus dem Ekāyana-Überlieferungszweig, danach die Mantras der drei Veden und ebenso die Hymnen

12.440 von den Brahmanen vor dem Allgegenwärtigen laut vorgetragen werden. Mit Muschelhorn- und Trommelklängen, Kāhala-Musik und Gesängen,

12.441 mit Tänzen und weiteren glückverheißenden Klängen erfreut man den Herrn. Danach setzt der Lehrer das Festbild auf ein Tragegestell

12.442 und lässt es, begleitet von allen in der Vorschrift für das große Fest gelehrten Segenszeichen, im Rechtsumlauf in den Tempel einziehen.

12.443 Dann richtet er an die innerlich geläuterten Asketen die Bitte: »Durch die Kraft eurer Gunst möge mein Geist zur Erfüllung gelangen.

12.444 Möge ich bei allen Gliedern der heiligen Handlung nicht von der verbindlichen Ordnung abweichen.« Alle sollen, begleitet von Händeklatschen, antworten: »So sei es!«

12.445 Nachdem er ihren Abschied erbeten hat, nimmt er, o bester Zweimalgeborener, zusammen mit Verwandten und Dienenden ein besonders gutes Mahl ein, beginnend mit der dargebrachten Speise.

12.446 O Brahmane, er lässt den Pavitra-Schmuck eine, drei oder sieben Nächte angelegt und nimmt ihn dann rituell ab.

12.447 Oder er lässt, o Brahmane, den Schmuck am Bild, bis die Ekādaśī der hellen Hälfte des Monats Kārttika eingetreten ist.

12.448 Kränze und andere Gaben kann er täglich entfernen und erneuern, solange sie nicht verwelkt sind. Wenn der festgesetzte Tag gekommen ist,

12.449 vollzieht er zuerst eine große Verehrung bis zur vollen Opfergabe. Danach nimmt er den Schmuck der Reihe nach selbst oder durch den Guru zurück.

12.450 Er legt ihn in ein verehrtes Gefäß und verehrt ihn vorschriftsgemäß. Dann kniet er nieder und verneigt sich vor dem Lehrer.

12.451 Er ehrt ihn mit Arghya, Blumen und weiteren Gaben, verneigt sich zunächst selbst und überreicht ihm das Gefäß mit den Worten: »O Herr, erweise mir deine Gunst!«

12.452 Der Ācārya soll seinen Segen sprechen und ihm das Wohlgefallen des Erhabenen zusichern: »Gemäß Āgama und Śāstra, durch die Gnade des viergestaltigen Herrn,

12.453 möge der von dir vollzogene Jahresdienst ganz und gar vollständig sein. Oṃ!« Dann gießt er über das Haupt des auf seinem Sitz Verweilenden

12.454 den Inhalt der beiden Mantra-Gefäße und vollzieht so die Glück und Befreiung gewährende [Weihe]. Nach vorausgehender Verehrung entlässt er den Allgegenwärtigen in der vorgeschriebenen Reihenfolge.

12.455 Danach verehrt er Viṣvaksena mit seinen Gliedergottheiten und sättigt ihn. Nach dessen Entlassung sammelt er alles ein;

12.456 sämtliche ihm dargebrachten Dinge versenkt er in tiefem Wasser. Die im Lauf des Jahres begangenen Fehler, beginnend mit Verstößen gegen die verbindliche Ordnung,

12.457 werden, o Weiser, durch das Anlegen des Pavitra rasch vernichtet. Denn es bewahrt den mit Fehlern Behafteten und schützt ihn vor dem Fall;

12.458 besonders rettet es den Zweimalgeborenen und vervollständigt die Handlungen des Sādhaka, dessen Ausübung mangelhaft war. Deshalb habe ich dieses große

12.459 Opfer mit den beschriebenen Merkmalen »Pavitra« genannt. Weil es den durch Versäumnisse im Handeln Gefallenen vorschriftsgemäß rettet,

12.460 soll man, o Brahmane, den aus Fäden bestehenden Schmuck als Pavitraka verstehen. Wenn jedoch aus Unwissenheit, Verblendung oder Geringschätzung der Handlung,

12.461 aus Unglauben, Überheblichkeit, wegen Behinderung der Ausführenden, wegen des Hinzutretens eines anderen besonderen Anlasses oder durch Fehler wie Schläfrigkeit,

12.462 aus Angst, den Zeitpunkt zu überschreiten, oder aus irgendeinem ähnlichen Grund die Verehrung mangelhaft ausgeführt und dann dem Herrn der Mantras der Pavitra-Faden gegeben wird,

12.463 ist diese Handlung von Tamas geprägt. Der Herrscher des Landes und der Lehrer erlangen dann eine von Tamas geprägte Frucht.

12.464 Die Bewohner jenes Landes werden dann von Fieber und anderen Krankheiten bedrängt. Wenn hingegen, o Brahmane, jemand voller Hast und durch Rajas getrübt

12.465 die Verehrung des Gottes vollzieht und den Pavitra-Faden anlegt, ist die Handlung von Rajas geprägt und entsprechend auch ihre Frucht.

12.466 Wenn er dagegen frei von den zuvor genannten Fehlern, beginnend mit Unwissenheit, die Verehrung vollständig ausführt und dann mit dem Schmuck verehrt,

12.467 erlangen der Auftraggeber und der Guru die für das Pavitra verheißene Frucht. Dann wird der Jahresdienst vollkommen vervollständigt,

12.468 und der durch Versäumnisse im Handeln Gefallene wird gerettet. Deshalb soll der Allgegenwärtige zunächst richtig und ausführlich verehrt werden;

12.469 an deren Ende, wenn die glückverheißende Zeit gekommen ist, soll der Lehrer den Herrn ohne Hast und mit friedlichem Geist sorgfältig mit den Schmuckgaben schmücken.

12.470 Ist am Ende der Verehrung kein günstiger Zeitpunkt verfügbar, soll er die Pavitra-Fäden vorschriftsgemäß zu einem anderen Zeitpunkt anlegen.

12.471 Zur Befriedung des Fehlers dieser Zeitüberschreitung soll der Guru anschließend das Grundmantra und ebenso das Waffenmantra eintausendachtmal wiederholen.

12.472 Den vorzüglichen Mantra, der Verstöße gegen die verbindliche Ordnung tilgt, wiederholt er achtmal. So verfährt man bei allen Opferfeiern, wenn der vorgesehene Zeitpunkt überschritten wurde.

12.473 Die Vorschrift für das Anlegen der Pavitra-Fäden hinsichtlich Mondtagen, Mondhäusern und Wochentagen ist damit gelehrt, o vorzüglicher Weiser. Wird die Handlung jedoch an einem heiligen Augenblick oder ähnlichen Zeitpunkt

12.474 oder allein zu einem Viṣṇu zugeordneten Zeitpunkt vollzogen, so höre meine Anweisung dazu. Vom Tag aus gerechnet, an dem jener heilige Augenblick eintritt,

12.475 vollzieht man sieben Tage zuvor das Keimlegen wie beschrieben. Zwei Tage zuvor führt man die vorbereitende Weihe wie beschrieben aus.

12.476 Am Tag der Handlung badet man in der Brahma-Stunde und verehrt wie zuvor den an den vier Stätten gegenwärtigen Allgegenwärtigen,

12.477 oder, entsprechend der verfügbaren Zeit, allein den im Bild Gegenwärtigen. Wenn der Viṣṇu zugeordnete Augenblick eintritt, verehrt man den Herrn mit den Pavitra-Fäden.

12.478 Findet das Anlegen der Pavitra-Fäden allein am Bild statt, so gilt auch die für die vorbereitende Weihe gelehrte Verehrung allein dem im Bild Gegenwärtigen

12.479 und ebenso dem im Feuer Gegenwärtigen; Krug und Maṇḍala werden ausgelassen. Ist jener Zeitpunkt wegen der Ausführlichkeit der Verehrung des Erhabenen verstrichen,

12.480 vollzieht man die Handlung zu einem anderen Zeitpunkt und wiederholt das Grundmantra samt dem Waffenmantra zehntausendmal. Den alle Fehler befriedenden Mantra wiederholt man achtundzwanzigmal.

12.481 Der Guru opfert tausendmal Sesam, geklärte Butter oder unversehrte Reiskörner. Wenn, o Einsichtiger, der betreffende Augenblick wegen einer Behinderung verstrichen ist,

12.482 legt er die Pavitra-Fäden zu einem anderen Zeitpunkt vorschriftsgemäß an. Danach vollzieht er das erste der zuvor genannten neun Gussbäder,

12.483 oder, nach dem Wunsch des Gurus, das zweite oder dritte. Oder er wiederholt das Grundmantra samt Waffenmantra zehntausendmal und bringt anschließend mit Sesam und den weiteren Stoffen

12.484 je tausend Opfergaben aus den drei Stoffen dar. Danach wiederholt er den vorzüglichen Mantra vierundfünfzigmal.

12.485 So ist die Vorschrift für eine von Menschen begründete Kultstätte gelehrt. An einer von selbst offenbar gewordenen oder ähnlichen Stätte gelten beim Pavitra-Anlegen

12.486 und bei allen sonstigen anlassbezogenen, besonders auch den täglichen Diensten hinsichtlich der Überschreitung eines günstigen Augenblicks oder der jeweils bestimmten Zeit

12.487 die zuvor genannten Fehler nicht in derselben Weise, o Brahmane. Doch auch dort gilt besonders: Ist nicht die Ausführlichkeit der Verehrung des Erhabenen, sondern irgendein anderer

12.488 aufkommender Hinderungsgrund die Ursache, dass der betreffende Zeitpunkt verstreicht, so soll man die ganze jeweilige Handlung zu einer anderen Zeit vorschriftsgemäß ausführen.

12.489 Um den dadurch entstandenen Fehler zu befrieden, vollzieht der Verständige Japa des großen Mantras: einmal, zweimal, viermal, achtmal oder zehnmal,

12.490 zwölfmal, sechzehnmal oder achtundzwanzigmal, entsprechend dem Gewicht und den weiteren Besonderheiten der jeweiligen Handlung.

12.491 Oder er wiederholt ihn häufiger, bis sein Geist zur Ruhe kommt. Die besonderen Sühnehandlungen werde ich später ausführlich lehren.

12.492 Dort werden die möglichen Fehler und die jeweiligen zeitlichen Grenzen ausführlich behandelt; deshalb wird dies hier nicht weiter ausgeführt.

12.493 Damit ist die Vorschrift für das Anlegen der Pavitra-Fäden vollständig dargelegt. O Brahmane, wenn die Verehrer, die sich Mantra und heiligem Handeln widmen, das Pavitra vollzogen haben,

12.494 sollen sie eine bestimmte zusätzliche Regel sorgfältig einhalten, bis die höchst verdienstvolle Ekādaśī der hellen Hälfte des Kārttika eintritt.

12.495 Nun wird eine weitere, verkürzte Ausführungsweise gelehrt, o vorzüglicher Weiser. Allein an einem Bild, das im Opferhaus

12.496 oder im Tempel steht und an der Daśamī vorbereitet wurde, soll man das Anlegen des Schmuckes ausführen, ohne Krug und Maṇḍala.

12.497 Ebenso vollzieht man es für den im Feuer gegenwärtigen Herrn, nachdem er wie zuvor vorbereitet wurde. Dabei gibt man dem Allgegenwärtigen einen, zwei oder drei Pavitra-Fäden,

12.498 die man herbeibringt und nach der vorzüglichen oder den übrigen Ausführungsstufen angefertigt hat. Fehlen die Stoffe, o bester Zweimalgeborener, oder besteht mangelnde Fähigkeit,

12.499 so vollzieht man an der Dvādaśī eine unmittelbare vorbereitende Weihe und lässt den Schmuck am Bild des Herrn nach Kräften und verbunden mit Fasten anlegen, o bester Zweimalgeborener.

12.500 Man bereitet die Fäden und Knoten nach den vorhandenen Möglichkeiten. Die Knoten der Pavitra-Fäden färbt man mit Kurkuma, Rocanā oder einem mineralischen Farbstoff

12.501 auf vorgeschriebene Weise, o Brahmane. Man kann ihr Inneres mit Blumen füllen oder die Fäden schlicht belassen.

12.502 Nachdem man wie zuvor den im Bild gegenwärtigen Herrn verehrt hat, bringt man ihm den Schmuck dar, legt ihn an und spricht diese Worte:

12.503 »Nimm die heilige Schnur an, die ich bereitet habe, zur Vervollständigung meiner Handlungen, damit mir kein Fehler anhafte.«

12.504 Nach diesen Worten und der Verehrung legt man den Pavitra-Faden oben an. Man preist den Herrn der Götter; am folgenden Tag verehrt man ihn sorgfältig

12.505 und nimmt den Schmuck rituell zurück. Nun wird die Besonderheit des Pavitra-Opfers im eigenen Haus gelehrt.

12.506 Dem im Bild, im Maṇḍala oder an den vier Stätten gegenwärtigen Herrn gibt man nach Wunsch drei Pavitra-Fäden oder jeweils einen.

12.507 So ist, o bester Yogin, das vorzügliche Anlegen der Pavitra-Fäden gelehrt, das die Verehrer auf Erden stets vor Mangel und Übermaß bewahrt.

12.508 Durch seine hingebungsvolle Ausführung wird ein Brahmane zum Vedakundigen; ein Kṣatriya wird wohlhabend, besitzt große Kraft und eine ununterbrochene Nachkommenschaft.

12.509 Ein Vaiśya wird mit Reichtum und Getreide versehen, ein Śūdra erlangt Wohlergehen. Die Frucht unzähliger Gaben von Kühen, Land und Gold,

12.510 die täglich ein ganzes Leben lang, hundert Jahre hindurch, gegeben werden, und eine volle höchste Lebensspanne: Diese Frucht erlangt der Mensch.

12.511 Wenn seine Zeit gekommen ist, erkennt er dies selbst, begibt sich zum Heiligtum Haris, gedenkt gesammelt des Herrn aller Wesen und gibt seinen Leib auf.

12.512 Auf mondhell leuchtenden Fahrzeugen fährt er zum Himmel, von Scharen himmlischer Frauen befächelt und von den Unsterblichen geehrt.

12.513 Er genießt alle Freuden, die in den verschiedenen Welten entstehen. Wer aber den Schmuck ohne eigennützigen Wunsch allein zum Wohlgefallen des Allgegenwärtigen anlegt,

12.514 gelangt in Viṣṇus Welt und verweilt dort viele Hunderte von Kalpas. Nach langer Zeit erlangt er wiederum das Menschsein.

12.515 Er wird zu einer glückverheißenden Zeit, an einem glückverheißenden Ort und in einer sehr guten Familie geboren. Wenn die Kindheit vorüber ist und die Gesamtheit seiner Fähigkeiten sich entfaltet hat,

12.516 wenn seine Urteilskraft erwacht ist, wird er durch die Übung der Ṛg-Rezitation mit Handeln, Denken und Sprechen ganz auf Nārāyaṇa ausgerichtet. [Die Lesart ṛg an dieser Stelle ist unsicher.]

12.517 Er ist verständig, stets dem heiligen Handeln ergeben, den Brahmanen wohlgesinnt, in seiner Tatkraft wahrhaftig, verehrt keinen anderen, ist innerlich rein und frei von schlechter Gesellschaft.

12.518 Frei von Krankheit und Kummer, mit Kindern, Ehefrau und weiteren Angehörigen versehen und vor vorzeitigem Tod bewahrt, erlangt er reine Erkenntnis.

12.519 Er gelangt nach Śvetadvīpa, das selbst für Götter und andere Erkennende schwer erreichbar ist. Dort schaut er den Herrn der Welt.

12.520 Der Mensch, der sich diesem Dienst ganz widmet, gelangt zum Sein des höchsten Brahman. Auch diejenigen, die sehen, wie dem Herrn der Welt die heilige Schnur angelegt wird,

12.521 und sich gemeinsam darüber freuen, gelangen zum höchsten Ziel. Wer die heilige, Sünden tilgende Vorschrift hört,

12.522 erlangt das Verdienst, das Opferhandlungen und gemeinnützigen Stiftungen zugeschrieben wird. Eine Frau, die keine andere Zuflucht hat und von ihrem Gatten dazu angeregt wurde,

12.523 ihm ergeben, tugendhaft und rechtschaffen ist, ihm in Tat, Gedanke und Wort stets ohne Feindseligkeit begegnet und zusammen mit ihm kommt,

12.524 um dem Ursprung der Welt den Pavitra-Schmuck anzulegen, o Brahmane, erlangt bald unvergleichliches Glück.

12.525 Nach dem Ende ihres Leibes wird sie von himmlischen Frauen und Göttern geehrt. Sie wird sogar als vorzüglicher als Arundhatī und die übrigen angesehen.

12.526 Schließlich erlangt sie die Erkenntnis, durch die sie zu Acyutas Stätte gelangt, und rettet ihre Angehörigen aus den Folgen übler Taten, o Lotusgeborener.

12.527 Wenn ein Mantrakundiger aus Liebe im Namen seiner Ahnen, beginnend mit dem Vater, dem Allgegenwärtigen, dessen Wesen Mantra ist, den Schmuck darbringt, o Brahmane,

12.528 gelangen diese aus einem leidvollen in einen glücklichen Daseinszustand, wie durch die Übergabe ihrer Gebeine an den himmlischen Fluss. Wie der Unsterblichkeitstrank für die Götter, wie Gaṅgā-Wasser für die Menschen,

12.529 wie die Svadhā-Gabe für die Ahnen, so ist das Pavitra für diejenigen, die heilige Handlungen ausführen: läuternd und Wohlergehen mehrend.

12.530 Es tilgt die Furcht vor allen Fehlern, vernichtet alle Bedrängnisse, verleiht jedes Glück und offenbart alle Geheimnisse.

12.531 Nachdem die Handlung zur Vervollständigung von Askese, Gaben, Gelübden, vorgeschriebenem täglichem Dienst und sämtlichen Opferhandlungen und Genussgaben vollzogen ist,

12.532 soll man am nächsten, am vierten oder am siebten Tag das Bad der verehrten Mantragestalt an einem heiligen Badeort oder an einem Zusammenfluss ausführen,

12.533 in einem zum Meer fließenden Fluss, in einem von göttlicher Macht geschaffenen Gewässer oder in einem See: zum Wohlgefallen des höchsten Herrn und zur Beseitigung des eigenen Leidens,

12.534 zur Freude der Unsterblichen, zur Sättigung der Ahnen, zur Stärkung der Wesen und zum Gedeihen der Welten,

12.535 zur Befriedung von Störungen im Land und zum Wohl von Kühen und Brahmanen. Dieses Bad soll man vorschriftsgemäß besonders am Tīrtha-Bild ausführen.

12.536 Fehlt dieses, verwendet man das Bild für das tägliche Gussbad; fehlt auch dieses, das für das tägliche Fest bestimmte Bild.

12.537 Ist auch dieses nicht vorhanden, verwendet man ein reines, glückverheißendes Pavitra aus Darbha-Blütenständen. Höre nun aufmerksam meine genaue Vorschrift dazu, o Brahmane.

12.538 Nach Osten gewandt nimmt man zunächst mit dem Praṇava Darbha aus der Erde: mit vielen Halmen, ungebrochenen Spitzen, samt Wurzel und noch nicht aufgeblüht.

12.539 Mit demselben Mantra lässt man wie zuvor die göttliche Gegenwart in der Wurzel Platz nehmen. Den mittleren, unten liegenden Teil des Stängels

12.540 verehrt man mit dem Herrn der Mantras und stellt ihn sich vom großen Selbst durchdrungen vor. Erkenne ihn als Entfaltung des höchsten Selbst, »Adhyakṣa«, den inneren Aufseher, genannt.

12.541 Der hohe, unter den Halmen hervorragende Halm, der viele innere Anlagen trägt, wird als das mit Fähigkeiten wie Aṇimā versehene Puruṣa-Prinzip vorgestellt.

12.542 Seine zweifach gekennzeichnete, mit Haṃsa verbundene Lautbezeichnung ist einzusetzen. Mit den vier äußeren Halmen verbindet man die Vierheit, beginnend mit Citta.

12.543 Dann fügt man die feine, durchdringende Ebene bis zum Unmanifesten mit ihren jeweiligen Bezeichnungen ein, jeweils beginnend mit Praṇava und endend mit Namaḥ. [Der erste Ausdruck dieser Verszeile ist unklar.]

12.544 Ebenso verbindet man die fünf Wahrnehmungsvermögen, beginnend mit dem Gehör, unter ihren eigenen Namen; danach die Handlungsvermögen und dann die fünf feinen Sinnesqualitäten.

12.545 Anschließend bindet man die fünf Elemente bis hin zur Erde ein. Mit den verbleibenden Halmen soll man das Ganze wie ein Körbchen zusammenbinden,

12.546 jedoch ohne die Gesamtheit der Spitzen, vom Ansatz an und ein wenig darüber hinaus, damit es nicht wieder auseinandergeht.

12.547 Die Schar der Halme ist entsprechend der Zahl der Wirklichkeitsprinzipien vielfach angeordnet. Werden die Halme getrennt oder bricht einer,

12.548 verändert sich die festgelegte Gestalt; deshalb bindet man sie fest zusammen. Hat man so zunächst das Pavitra aus Darbha-Blütenständen hergestellt,

12.549 verbindet man damit die zugehörige Mantra-Meditation. Nach der Verehrung mit Arghya, Blumen und weiteren Gaben und nach dem Schmücken rezitiert man:

12.550 »Du selbst bist der heilige Badeort, o Erhabener; du selbst bist das höchste Heiligtum. Ich erkenne wahrhaft, dass dieses ganze All von dir bewohnt und getragen ist.

12.551 Dennoch hast du den segenspendenden rituellen Dienst gelehrt. Diesen führe ich heute aus, im Verlangen nach deiner Gnade.«

12.552 Nachdem er dies dem über alles Erhabenen in seiner Mantragestalt vorgetragen hat, legt er [das Pavitra] in eine Blattschale oder auf das heilige Tragegestell.

12.553 Unter Veda-Gesängen, Musik, Muschelhornklängen und glückverheißenden Zeichen bringt er es zum heiligen Badeort und stellt es am Ufer ab.

12.554 Er richtet das Tragegestell nach Osten, nimmt das Pavitra und legt es auf seine linke Handfläche, als ruhe es auf dem Kreis der Erde.

12.555 Mit der rechten Hand hält er es in der Mitte fest. Er steigt ins Wasser und taucht zusammen mit ihm unter.

12.556 Alle heiligen Badeorte in den drei Welten werden unverzüglich dort gegenwärtig.

12.557 In dem Gewässer, in dem der Herr in Mantragestalt auch nur einen Augenblick zum Schutz verweilt, kommen sämtliche Heiligtümer und heiligen Badeorte zusammen.

12.558 Wie viel mehr gilt dies dort, wo der Erhabene Adhokṣaja in Mantragestalt auf die Bitte des Sādhaka hin badet, in der Absicht, allen Gnade zu erweisen!

12.559 Wenn ein gelehrter Kenner der Wahrheit nach dieser Vorschrift an einem heiligen Badeort ein Bad zugunsten seiner Angehörigen und anderer vollzieht, erlangen diese bald

12.560 ohne eigene Mühe die Frucht des heiligen Bades durch die Gnade des Herrn in Mantragestalt. Diese Ausführung erfolgt jedoch ohne Tragegestell und Instrumentalmusik.

12.561 Erkenne, o Einsichtiger, diese Besonderheit der Handlung: Man vergegenwärtigt das allen gemeinsame, unvergängliche, aus Bewusstsein bestehende und gestaltlose

12.562 Jīva-Haṃsa, die individuelle Seele, verbunden mit ihrer besonderen Erkenntnis. Das Pavitra stellt man sich als deren Gestalt vor und taucht es dann ins Wasser.

12.563 So soll mit demselben Pavitra oder mit mehreren für viele andere, auch weit entfernt lebende Menschen, das Bad in der ausführlichen Form vollzogen werden.

12.564 Nachdem das Gussbad so abgeschlossen ist, setzt man ihn am folgenden Tag, o Einsichtiger, auf einen verehrten Wagen und verehrt ihn vorschriftsgemäß.

12.565 Man vollzieht das Yātrā genannte Fest, verbunden mit Speiseverteilung, mit Tanz, Gesang, Instrumentalmusik und Nachtwache,

12.566 hingebungsvoll eine, zwei oder drei Nächte lang. Wer einmal am Ende des Jahres für den Herrn der Mantras dieses Fest mit Gussbad und weiteren Handlungen

12.567 ausführt, erlangt höchste Vollendung. Beim rituellen Einschlafen und Erwachen des Gottes, beim jährlichen Fest,

12.568 ebenso bei der Weihe mit tausend Krügen, beim Keimlegen und beim Schmücken der Glieder der Mantragestalt, o Zweimalgeborener,

12.569 bei verschiedenen Einsetzungen, bei der Erneuerung verfallener Heiligtümer, bei bedeutenden Sühnehandlungen und bei Gaben wie dem Aufwiegen des eigenen Körpers,

12.570 bei solchen und ähnlichen Anlässen, auch bei Handlungen zur Erfüllung bestimmter Wünsche, soll man zu Zeiten wie der Dvādaśī nach vorausgehender Opferhandlung

12.571 den Opferpavillon einrichten und die Verehrung an den vier Stätten vornehmen. Dabei gilt diese Besonderheit: Am Tag vor dem eigentlichen Handlungstag

12.572 findet nachts die vorbereitende Weihe statt; die Handlung folgt am Morgen. Bei Festen vollzieht man die vorbereitende Weihe am Anfangstag

12.573 und die eigentliche Handlung in dessen Nacht, nach der Verehrung im Krug und den weiteren Stätten. Bei Blumenopfern, o vorzüglicher Brahmane, führt man die vorbereitende Weihe unmittelbar aus,

12.574 ebenso beim Besprengen, zuvor in Form des meditativen Verbrennens und Wiederbelebens. Je nach Ort und Zeit kann diese unmittelbare Weihe auch bei allen anderen Handlungen verwendet werden.

12.575 Beim Einschlafen des Gottes soll man, o Brahmane, die vorzügliche Opferanordnung namens Svastika ausführen; beim Erwachen die namens Viveka oder eine der Vyūha-Anordnungen.

12.576 Beim Fest verwendet man einen einzelnen Lotus, viele Lotusse oder ein Rad-Lotus-Maṇḍala, o Brahmane, ringsum geschmückt mit einfachen axtförmigen [Elementen],

12.577 gegebenenfalls abwechselnd mit scherenförmigen, oder mit solchen, die Lotusblättern, Blättern des blauen Lotus, Gerstenkörnern oder Ameisenhügeln gleichen.

12.578 Oder man verwendet die Navanābha genannte Anordnung, die als vorzüglichste der Opferanordnungen gilt. Oder man verwendet der Reihe nach die neun Gestalten, beginnend mit der runden

12.579 und endend mit Kumbhodara, jeweils eine pro Tag, vom ersten bis zum neunten Tag.

12.580 Oder man verwendet die Vyūha genannte Opferanordnung mit neun Lotussen; ferner die Vyūha-Formen mit vier bis acht Lotussen.

12.581 Von den neun Vyūha-Opferanordnungen wird der Reihe nach je eine ausgeführt. Diese Festlegung auf neun gilt für ein großes Fest mit derselben Tageszahl. [Die hier verkürzt genannten Unterformen ergeben ohne weitere Angaben keine eindeutige Neunerzählung.]

12.582 Bei einem Fest mit weniger oder mehr Tagen und ebenso bei einem neuntägigen Fest kann grundsätzlich die Vorschrift mit einem einzelnen Lotus und den weiteren Formen angewandt werden.

12.583 Beim Blumenopfer soll man stets ein Rad-Lotus-Maṇḍala mit zitronenförmigen Speichen verwenden. Bei der Weihe mit unzähligen Krügen, o Brahmane,

12.584 ist ebenfalls das Rad-Lotus-Maṇḍala vorgesehen, ebenso beim Keimlegen. Bei verschiedenen Einsetzungen soll man den Allgegenwärtigen in einem Rad-Lotus-Maṇḍala verehren,

12.585 oder, o Brahmane, in einer gewünschten Gestalt, in einer gewählten Vyūha-Anordnung, in der Bhūtāvāsa genannten, in der Dhruva- oder in der Nitya-Anordnung.

12.586 Ebenso verfährt man, o Einsichtiger, bei der Erneuerung verfallener Heiligtümer und bei allen Handlungen, beginnend mit der Inbesitznahme des Baugrunds.

12.587 Wenn durch Vermischung und ähnliche Fehler ein Anlass zur Sühne entstanden ist, soll man stets ein Rad-Lotus-Maṇḍala mit den gewünschten Speichen anfertigen.

12.588 Ebenso bei Gaben wie dem Aufwiegen des eigenen Körpers, oder entsprechend dem besonderen Wunsch. Bei den acht Sonnenübergängen, beginnend mit dem Eintritt in den Widder,

12.589 verwendet man der Reihe nach die Anordnungen Sadadhvada [Bezeichnung unsicher], Dharma, Vasugarbha, Sarvakāmya, Amitraghna, Āyuṣya und Balabhadraka

12.590 sowie Ārogya und verehrt darin den unvergänglichen Lotusäugigen. Bei den beiden Sonnenwenden verehrt man ihn in der Wortmächtigkeit verleihenden Anordnung und in der Mānasa genannten.

12.591 Bei Mond- und Sonnenfinsternis geschieht dies in Jaya beziehungsweise Ananta. An den beiden zuvor genannten Dvādaśīs verwendet man Supratiṣṭha und Buddhyādhāra.

12.592 An anderen günstigen Mondtagen verehrt man ihn in der Amogha genannten Anordnung; unter günstigen Mondhäusern in der Guṇākara genannten.

12.593 Bei einer Befriedungshandlung verehrt man den Gott der Götter in der Śaṅkhodara genannten Opferanordnung oder in der Śāntika genannten.

12.594 Bei einer Handlung zur Mehrung des Gedeihens soll der Erhabene in der entsprechenden Anordnung verehrt werden, oder in Kaustubhodara beziehungsweise Vanamālodara.

12.595 Bei einer Schutzhandlung verehrt man den Herrn in Amitraghna oder Ārogya; zur Stärkung in der Halbmond-Anordnung oder im Vollmondkreis,

12.596 oder in der Kaja genannten [möglicherweise beschädigte Bezeichnung] oder in Kumbhodara. Wer nach Dharma strebt, soll den Gott der Götter, Janārdana, beständig

12.597 in Sadadhvada, Dharma oder Aghanirmocana verehren. Wer nach Wohlstand strebt, verehrt ihn beständig im Lotus, in der Kaumodakī-Keulen-Anordnung,

12.598 in Vasugarbha oder Sarvatobhadra. Wer bestimmte Wünsche erfüllen möchte, verwendet die Sarvakāmaprada genannte Anordnung.

12.599 Für Sieg und den Gewinn der Herrschaft verwendet man das hundertspeichige Rad, das zusammengesetzte Königsrad, das zusammengesetzte tausendspeichige Rad oder das zusammengesetzte Lotus-Königsrad,

12.600 versehen mit der gewünschten Speichenzahl bis zu tausend. Wer nach Befreiung strebt, verehrt im Paramānanda genannten Opfermaṇḍala oder im Rad-Lotus,

12.601 das mit tausend Speichen geschmückt ist, oder in einem zusammengesetzten Rad mit derselben Speichenzahl.

12.602 Oder man kann bei sämtlichen Handlungen in all diesen Opferanordnungen den Herrn der Welt, den ewigen Vāsudeva, verehren.

12.603 Ausgenommen sind das Einschlafen und Erwachen des Gottes, das jährliche Fest, das Anlegen der Pavitra-Fäden, die verschiedenen Einsetzungen,

12.604 die Erneuerung verfallener Heiligtümer, Handlungen wie das Aufwiegen des eigenen Körpers und die bedeutenden Sühnehandlungen. Bei allen übrigen

12.605 anlassbezogenen Handlungen, o bester Zweimalgeborener, kann man als vereinfachte Alternative den Gott ohne Krug und Maṇḍala verehren.

12.606 Die Ausführungsweisen der Sühne sind dreifach, jeweils wiederum dreifach unterteilt, nach vorzüglicher und den weiteren Stufen. Im Krug, auf dem Maṇḍala-Boden,

12.607 im Bild und im Feuer verehrt man den Gott bei der vorzüglichsten Form der höchsten Stufe. Bei deren mittlerer Form verehrt man den Allgegenwärtigen im Krug, im Maṇḍala und im Feuer.

12.608 Bei deren geringster Form verehrt man ihn im Krug und im Feuer, o Brahmane; oder, nach dem Wunsch des Gurus, im Bild und im Feuer.

12.609 Bei der höchsten Form der mittleren Stufe badet man ihn mit den zur höheren Gruppe gehörenden Gussbädern. Mit den vier als niedrigere Gruppe gelehrten Formen badet man den Allgegenwärtigen

12.610 der Reihe nach in den vier Stufen von der mittleren Form der mittleren Stufe bis zur mittleren Form der niedrigsten Stufe. In der verbleibenden Form sättigt man den Herrn im Feuer.

12.611 Oder man vollzieht bei allen Sühnehandlungen Japa, entsprechend Ort, Zeit, eigener Fähigkeit, verfügbaren Stoffen und weiteren Umständen.

12.612 O vorzüglicher Brahmane, vernimm nun die Zahl der Tage für alle Sühnehandlungen in den zehn Ausführungsweisen, beginnend mit der Verehrung an vier Stätten.

12.613 Es sind vierzig, dreißig, zwanzig und fünfzehn Tage, danach der Reihe nach absteigend bis zu einem Tag.

12.614 So wird die Tageszahl in achtzehn Formen angegeben; oder in neun Stufen, beginnend mit der vorzüglichsten Form der höchsten Stufe,

12.615 jeweils zu zweit zusammengefasst, bis hin zu zwei und einem Tag. Die Ausführungsweise der Sühne wurde hier im Zusammenhang beiläufig erwähnt.

12.616 Später werde ich sie ausführlich lehren, o Einsichtiger. Damit habe ich die Pavitra-Vorschrift vollständig dargelegt. Was möchtest du nun noch hören, o bester Weiser?

Spirituelle Erläuterung zu Kapitel 12: Der Pavitra-Ritus verknüpft die vielen einzelnen Handlungen eines Jahres mit der Bitte um innere Ganzheit. Seine Gebete bekennen menschliche Grenzen und richten sich auf göttliche Gnade. Besonders deutlich ist die Einsicht, dass Gott keiner Versorgung bedarf: Die Verehrung verwandelt den Verehrer (12.380–382). Zugleich bleibt die Darstellung ein historischer Ritualtext mit zeitgebundenen sozialen Ordnungen, Verdienstverheißungen und Vorstellungen ritueller Fehler. Die angedrohten Krankheiten sind Aussagen dieser Ritualtheologie, keine medizinischen Erklärungen. Für die persönliche Sādhana tragen vor allem aufrichtige Selbstprüfung, ein ruhiger Geist, Dankbarkeit und die Bereitschaft, Versäumtes nach Kräften zu ergänzen. Das Bekenntnis »Du selbst bist der heilige Badeort« (12.550) führt die äußere Handlung auf Gottes allumfassende Gegenwart zurück.

Kapitel 13

Eingang. Glück und Segen! Dreizehntes Kapitel.

13.1 Sanaka sprach: O Bester der Einsichtigen, du hast das Anlegen der Pavitra-Fäden während der vier Regenzeitmonate gelehrt, wenn der Herr der Welt auf seinem Lager ruht.

13.2 Was bedeutet dieses »Schlafen des Gottes«? Schläft dieser Gott wirklich? Weshalb schläft er, und nach welcher Vorschrift wird dies vollzogen? Erkläre es.

13.3 Welche Mantras, Regeln und Gelübde gehören dazu? Welche Handlung ist auszuführen? Was ist anzunehmen und was aufzugeben, wenn der Gott Janārdana schläft?

13.4 Śāṇḍilya sprach: Höre, ich werde dir ein Geheimnis offenbaren, das verborgener als das Verborgene ist. Einst wurde der Herr der Welten durch die Kraft der Askese der Yoganidrā erfreut.

13.5 Sie bat ihn: »Ehre meine Gestalt!« Da betrachtete er seinen eigenen Leib: Seine Brust war von Lakṣmī eingenommen,

13.6 seine Arme waren mit Muschelhorn, Rad, Schwert, Śārṅga-Bogen und weiteren Zeichen geschmückt; der Bereich unterhalb des Nabels war von Vainateya, dem Vogel Garuḍa, besetzt,

13.7 sein Haupt von der Krone und seine beiden Ohren von den Ohrringen. Hocherfreut gab er ihr deshalb ehrerbietig einen Platz in seinen Augen:

13.8 »Die vier Monate der Regenzeit wirst du freudig dort wohnen.« Als Yoganidrā diese Worte hörte, sträubten sich ihr vor Freude die Körperhaare.

13.9 Sie nahm ganz und gar Wohnung in den Augen des Śārṅga-Bogenträgers, an der Dvādaśī der hellen Hälfte des Āṣāḍha, o vorzüglicher Zweimalgeborener.

13.10 Von diesem Tag bis zum entsprechenden Tag des Kaumuda genannten Monats [Kārttika] ehrt der Herr aller Wesen die in seinen Augen weilende

13.11 Yoganidrā, den großen Yogaschlaf, indem er gesammelt auf der Schlange Śeṣa ruht. Die Wellenkämme des Milchozeans waschen seine Füße,

13.12 und Lakṣmīs Lotushände massieren sanft sein Fußpaar. Wenn die frostige Jahreszeit beginnt, erwacht Janārdana.

13.13 O Brahmane, Vāsudeva, der Herr der Welt, nimmt diesen Schlaf aus eigenem Willen um der heiligen Handlung willen an; dennoch verfällt er nicht in Bewusstlosigkeit.

13.14 Ein gewöhnlicher Mensch mit getrübtem Geist, vom Schlaf überwältigt, vermag im Schlaf keine seiner Handlungen auszuführen.

13.15 So ist es jedoch nicht bei dem unermesslichen, ewigen Träger der Welt. Denn der höchste Herr ist erwacht, allwissend, ewig und ungeboren.

13.16 Schlaf und andere Einschränkungen stehen immer unter seiner Herrschaft. Wenn der reine Acyuta, der von solchen Einschränkungen frei ist, ruht,

13.17 werden für die vier sozialen Stände die [folgenden besonderen] Handlungen ausgesetzt: Eheschließung, Gelübdebindung, Haarschur-Sakrament, Einweihung,

13.18 Opfer, Hauseinzug, Kuhgaben und die Einsetzung von Kultbildern. Diese verdienstvollen Handlungen soll man während des südlichen Sonnenlaufs unterlassen.

13.19 Einen Monat ohne Sonnenübergang in ein neues Tierkreiszeichen soll man für göttliche und Ahnenriten meiden: Er gilt als eingeschobener, rituell unreiner Monat ohne Sonnenübergang.

13.20 Ausgenommen sind die monatlichen anlassbezogenen Feiern und die jährlichen Feste mit ihren besonderen Opferhandlungen sowie der Ritus zur Vervollständigung aller Handlungen.

13.21 Andere anlassbezogene oder der Erfüllung bestimmter Wünsche dienende Riten soll man während dieser vier Monate nicht ausführen. Man verbringt sie unter Einhaltung eines gewählten Gelübdes.

13.22 Höre nun, was außerdem von denen zu tun ist, die tief in der Hingabe an den Erhabenen verwurzelt sind. Vor Viṣṇus Heiligtum soll man ein Schlafhaus errichten,

13.23 sechs bis vierzehn Ellen groß, mit Säulen, mit Kalk verputzt und in verschiedenen Farben schön bemalt.

13.24 Den oberen Bereich und die Wände soll man mit gemalten Darstellungen von Brahmā, Rudra, Indra, Mond und Sonne sowie weiteren himmlischen Wesen füllen,

13.25 o Brahmane, mit Angehörigen der acht Klassen [übermenschlicher Wesen], alle ehrerbietig herangetreten, mit Brahma-Weisen, Siddhas, Menschen, weiteren Verehrern und auch Asuras,

13.26 mit Apsarās in vielfältiger Gestalt: Sie alle stehen mit gefalteten Händen dem Gott der Götter zugewandt, geschmückt mit sämtlichen Schmuckstücken.

13.27 Nachdem das Schlafhaus so errichtet und mit Stoffen und weiteren Zierden geschmückt ist, richtet man darin, o Brahmane, im zentralen Brahma-Bereich

13.28 eine Fläche von einer, zwei, vier oder acht eigenen Ellen ein. An den Ecken errichtet man mit vier gleich hohen, schönen Pfosten aus Opferbaumholz,

13.29 die sorgfältig geglättet sind, eine Plattform mit Torbögen. Darüber spannt man einen Baldachin, dessen Mitte mit einem Lotus geschmückt ist.

13.30 Man schmückt ihn mit herabhängenden Blumenketten, Glocken, Fliegenwedeln, Spiegeln und kugelförmigen Zierstücken aus Gold und Silber,

13.31 verziert mit Perlen, Saphiren, Vaiḍūrya-Steinen und Rubinen, dazu mit weißen und andersfarbigen Stoffen, Wimpeln und Fahnen.

13.32 In den Himmelsrichtungen, beginnend im Osten, stehen hohe Zeichen mit Vogelkönig, Palme, Makara und Ṛśya-Antilope; an den Ecken befinden sich gefüllte Krüge.

13.33 Ringsum stehen verschiedene glänzende Gefäße, gefüllt mit Samen, Duftstoffen wie Zimtrinde und Kardamom sowie guten Früchten.

13.34 Die Plattform für den Lehrer der Welt soll mit vielerlei Blumen bestreut, mit Sandelholz und anderen Stoffen gesalbt und mit bunten Tüchern bedeckt werden.

13.35 Nachdem man so das anmutige Schlafhaus vorbereitet hat, fertigt man ein den vorgeschriebenen Merkmalen entsprechendes Lager, dessen Teile mit Gold und Edelsteinen verziert sind,

13.36 geschmückt mit den in den Himmelsrichtungen stehenden Zeichen Suparṇa, Palme, Makara und Ṛśya, mit Makara-Mäulern und Füßen in der Gestalt von Tigerpranken.

13.37 Oder man richtet, o Brahmane, das Lager im Allerheiligsten Viṣṇus rechts vom Hauptbild ein; als vereinfachte Alternative auch im eigenen Haus.

13.38 Nachdem man all dies entsprechend seinen Mitteln vorbereitet und sämtliche nötigen Dinge zusammengebracht hat, fasst man an der Daśamī, o bester Zweimalgeborener,

13.39 nach der zuvor beschriebenen Vorschrift den rituellen Entschluss. Der leitende Lehrer betritt an der Ekādaśī bei Einbruch der Nacht den zuvor beschriebenen Opferpavillon.

13.40 Wie zuvor verehrt er den Herrn im Krug und im Maṇḍala auf dem Boden. Danach tritt er in den Tempel und verehrt das Hauptbild wie zuvor,

13.41 sofern es sich für ein Gussbad eignet; andernfalls verehrt er das Prozessionsbild. Im Feuer sättigt er die Mantragestalt der Reihe nach mit sieben Arten von Opferholz.

13.42 Er begibt sich in den Opferpavillon und verbringt die Nacht wachend. Wenn die Brahma-Stunde gekommen ist, erhebt er sich von seinem Lager.

13.43 Er badet, vollzieht den morgendlichen Abhigamana und beendet den täglichen Dienst. Danach füllt er, o Brahmane, das zuvor beschriebene Maṇḍala mit verschiedenfarbigen Pulvern.

13.44 Zunächst verehrt er der Reihe nach im Krug und im Maṇḍala. Dann stellt er das für den besonderen Anlass bestimmte Bild im Westen des Pavillons auf

13.45 und verehrt es sorgfältig mit den in ihrer Reihenfolge gelehrten achtmal acht sichtbaren Genussgaben und den verschiedenen Ehrendiensten,

13.46 mit den durch Berührung dargebrachten und mit den »das Herz erfreuend« genannten Gaben, o Brahmane. Nachdem er so die besondere Verehrung vorschriftsgemäß bis zum Feueropfer vollzogen hat,

13.47 bringt er den Welthütern, beginnend mit Indra, Bali dar, o bester Zweimalgeborener. Dann entlässt er den Herrn der Mantras aus Krug, Maṇḍala und Feuergrube.

13.48 Er verehrt Viṣvaksena mit seinen Gliedergottheiten und Genussgaben inmitten des Maṇḍala. Danach lässt er die Erscheinung des Erhabenen in den Tempel einziehen,

13.49 nach der für Feste gelehrten Vorschrift und mit allem Schmuck versehen. Nach dem Einzug verneigt er sich vor dem Hauptbild, o Einsichtiger,

13.50 verehrt es mit Arghya, Duftstoffen, Blumen und schönem Räucherwerk und ruft die Gegenwart aus dem Hauptbild in das für das Schlaflager bestimmte Bild herab.

13.51 Dieses bringt er zum Opferpavillon und badet es der Reihe nach. Es wird mit leuchtendem Schmuck bis hin zu den Fußringen geschmückt,

13.52 mit Sandelholz, Kampfer und Safran gesalbt, von Blumen umgeben, mit einem feinen Gewebe verhüllt und mit angenehmem Räucherwerk durchduftet.

13.53 Mit festlicher Fülle und zahlreichen reinen Genussgaben soll er es verehren. Oder der vom Guru dazu ermächtigte Lehrer, o Brahmane, o Weiser,

13.54 verehrt dieses Bild bereits zuvor, beginnend mit dem Gussbad. Dann, bei Anbruch der Nacht, umwandelt der Lehrer zusammen mit den Sādhakas

13.55 den Tempel oder sämtliche Umfriedungen viermal nach rechts, während das Bild auf einem geeigneten Tragegestell mitgeführt wird,

13.56 zusammen mit Ekāyana-Brahmanen, vorzüglichen Zweimalgeborenen, die den fünf täglichen Gottesdienstzeiten folgen, in der Lehre gefestigt sind, sich diesem Dienst widmen und vom Erhabenen erfüllt sind.

13.57 O Brahmane, sie vollziehen die Segenshandlungen und tragen Blumen und unversehrte Reiskörner in den Händen. Nach der Verehrung der Eingangsgottheiten mit Arghya, Blumen, Duftstoffen und Salbungen spricht er:

13.58 »O Herr, Wohnstatt Lakṣmīs, Allgegenwärtiger, auf dem Schlangenlager Ruhender, vernichte rasch die Ansammlung meiner Verfehlungen und das Geflecht der Hindernisse!«

13.59 Während er diesen Mantra richtig und verbunden mit dem Praṇava-Brahman rezitiert, betritt er das Schlafhaus und gedenkt des Mantras im Herzen.

13.60 Im westlichen Bereich des Schlafraums stellt er das Bild auf einen goldenen Sitz, nach Osten gewandt. Befindet sich das Lager im Allerheiligsten,

13.61 richtet er das Bild zum Eingang aus und setzt sich selbst nieder. Dann besprengt er den Platz des Lagers mit Pañcagavya, o Brahmane,

13.62 bestreicht ihn mit Safran, Aloeholz, Kampfer und Sandelholz und zeichnet in seiner Mitte ein glückverheißendes Svastika mit feinen Merkmalen,

13.63 o Weiser, mit weißen, roten, gelben und schwarzen mineralischen Farben oder mit vier Arten von Edelsteinpulver.

13.64 Das Lager versieht er mit einem Kopfkissen, einer vorzüglichen Matratze, seitlichen Kissen für die Wangen und einer Fußstütze,

13.65 dazu mit einer Decke, die einem ausgebreiteten Mondschein gleicht. Er durchduftet das Lager gut und stellt es darauf auf,

13.66 rein, mit dem Kopfende nach Nordosten oder nach Osten, o Brahmane. Ist das Hauptbild eine liegende Gestalt, richtet man das Lager entsprechend aus.

13.67 Es wird auf dessen rechter Seite aufgestellt, wo der Platz es gestattet. Auf diesem sehr schönen, mit Kampfer durchdufteten Lager, o Brahmane,

13.68 meditiert man über den Schlangenkönig inmitten des Milchozeans, mit tausend Hauben, weiß wie Schnee, Jasmin und Mond, o Einsichtiger.

13.69 Mit dem Praṇava und seiner eigenen Namensform, verbunden mit dem Endlaut und Bindu [Mantrabildung hier nicht ausgeschrieben], verehrt und preist man ihn, verneigt sich und erbittet seine Gunst.

13.70 Dann legt man das Bild auf ihn, allein oder zusammen mit Śrī. Der Ācārya spricht sein durch Mantra geheiligtes Bīja und: »Oṃ, Verehrung dem Gemahl Lakṣmīs!«

13.71 Gesammelt vollzieht er die Folge der Glieder und Nebenglieder mit den Lauten des zwölfsilbigen Mantras, verbunden mit den jeweiligen Namensworten.

13.72 Er bringt Duftstoffe, Kranz und Räucherwerk dar und verehrt den auf dem Lager ruhenden Herrn nach der zuvor beschriebenen Vorschrift mit allen genannten Genussgaben.

13.73 Dann bereitet er im Innern eine neue Feuergrube rituell zu, o Brahmane, ruft die Feuermacht herbei und setzt sie mit diesem Mantra ein:

13.74 »O Feuer, Allgegenwärtiger, Träger der Opfergaben, komm in diese Feuergrube! Sei auch in diesem Gefäß vier Monate lang gegenwärtig!«

13.75 Dann ruft er den Herrn der Götter herbei und sättigt ihn der Reihe nach wie zuvor. Nach Abschluss des Feueropfers verehrt er ihn mit Arghya und weiteren Gaben und rezitiert:

13.76 »Wenn du schläfst, Herr der Welt, schläft diese Welt; wenn du erwachst, erwacht die ganze Welt mit allem Beweglichen und Unbeweglichen.«

13.77 Nachdem er ihn zur Ruhe gebettet hat, legt er ein weißes, mit Räucherwerk durchduftetes Seidentuch über ihn und verehrt ihn mit Blumen, Räucherwerk und Salbung.

13.78 Er setzt die Cintā-Śakti ein, die alle Wesen in sich zurücknimmt, und rechts die Abhimāna genannte Gestalt, die einen Fliegenwedel erhoben hält.

13.79 Ebenso setzt er links die Jñānaniśā mit erhobenem Palmblattfächer ein; beim Haupt Nidrā, die sich dem Massieren seiner Hände widmet.

13.80 Bei seinen Lotusfüßen vergegenwärtigt er Śrī selbst, mit den Schätzen verbunden: Sie nimmt die göttlichen Füße in ihre Lotushände und liebkost sie.

13.81 Glückseligkeit ist die Gestalt des Brahman; dieser Gott ist ihre höchste Gottheit. Ihre Augen sind staunend weit vor Freude, die aus dem inneren Gedenken an ihn entsteht.

13.82 Diese Gestalten verehrt man mit Mantras, die mit Praṇava beginnen und ihre eigenen Namen enthalten. Das [für das Schlafritual bestimmte] Bild kann aus Silber, Gold, Kupfer oder Messing sein.

13.83 Beim Einschlaf- und Erwachensritual gilt jeweils die früher genannte Form als vorzüglicher. Kehrt man die Ordnung um, gehen, so die Warnung des Textes, König und Reich zugrunde.

13.84 Sind alle diese Formen nicht verfügbar, vollzieht man die Handlung an einem Büschel aus Darbha-Blütenständen. Nachdem man so das Schlaflager des Gottes eingerichtet hat, o bester Zweimalgeborener,

13.85 nimmt man vor ihm mit eigenen Worten Regeln für die vier Regenzeitmonate bis zum Aufrichten des Gottes auf sich.

13.86 Ob Frau oder Mann: Wer ihm ergeben ist, nach Dharma strebt und fest im Gelübde steht, nimmt nach der Zahnreinigung diese Regeln auf sich.

13.87 Ich werde ihre Früchte für die Ausführenden einzeln nennen. O Brahmane, durch Verzicht auf Rohzucker erlangt ein Mensch eine süße Stimme.

13.88 Durch Verzicht auf den Genuss von Öl erlangt er eine lange Nachkommenschaft. Durch Verzicht auf Ölsalbung, o Brahmane, wird er mit schönen Gliedern geboren.

13.89 Durch Verzicht auf scharfes Öl erlangt er Śakras Wohnstatt. Durch Verzicht auf Madhūka-Öl gewinnt er unvergleichliches Glück. [Die Bezeichnung der zweiten Ölsorte ist beschädigt.]

13.90 Durch Verzicht auf den Genuss von Blumen und Ähnlichem wird er ein Vidyādhara im Himmel. Wer sich hingegen der Yoga-Übung widmet, erlangt die Stätte des Brahman.

13.91 Wer auf Salbungen mit Moschus, Safranpulver, Sandelholz und ähnlichen Stoffen verzichtet, wird weder missgestaltet noch von üblem Körpergeruch betroffen.

13.92 Durch Verzicht auf Betel wird er mit Genussfähigkeit und wohltönender Stimme versehen. Durch Verzicht auf geklärte Butter erlangt er Anmut und einen ganz geschmeidigen Leib.

13.93 Durch Verzicht auf Früchte wird er verständig und erhält viele Söhne. Durch Verzicht auf das Einölen von Füßen und Kopf

13.94 wird er strahlend, erhält leuchtende Sinneskräfte und wird geradezu zum Herrn des Reichtums. Durch Einschränkung von Dickmilch, Milch und Buttermilch erlangt ein Mensch Goloka.

13.95 Durch Verzicht auf im Topf gekochte Speise wird er Indras Gast. Auch durch Verzicht auf gekochte Nahrung erlangt er eine lange Nachkommenschaft. [Die zweite Speisebezeichnung ist beschädigt.]

13.96 Wer auf einer Streu am Boden schläft, wird Viṣṇus Gefährte. Durch Verzicht auf Honig und Fleisch wird er stets ein Weiser, stets ein Yogin.

13.97 Durch solche Formen des Verzichts wird er rechtschaffen und erfreut sich am Dharma. Wer jeden zweiten Tag fastet, wird in Brahmās Welt geehrt.

13.98 Wer Nägel und Haare wachsen lässt, erlangt [das Verdienst] eines täglichen Gaṅgā-Bades. Wer ein Schweigegelübde hält, dessen Weisung wird gewichtig. [Die überlieferte Form tulitā ist unsicher.]

13.99 Wer ganz in den zwölfsilbigen Mantra eingetaucht ist, erlangt das höchste Ziel. Wer »Verehrung Nārāyaṇa« wiederholt, erlangt die Frucht von hundert Namen.

13.100 Durch Verneigung vor Viṣṇus Füßen erlangt er die Frucht einer Kuhgabe. Durch Berührung mit dem Wasser von Viṣṇus Füßen gelangt der Mensch zur Erfüllung dessen, was zu tun ist.

13.101 Wer Viṣṇus Heiligtum mit reinigendem Lehm bestreicht und fegt, o Brahmane, erlangt einen einen Kalpa währenden Aufenthalt [in seiner Welt]; daran besteht kein Zweifel.

13.102 Wer ihn hundertmal nach rechts umwandelt und dabei Lobpreisungen rezitiert, gelangt auf einem von Haṃsas gezogenen Himmelswagen in Viṣṇus Stadt.

13.103 Wer für Viṣṇu singt und musiziert, erlangt die Welt der Gandharvas. Durch ehrfürchtige Umwandlung gelangt er zur himmlischen Stätte der Apsarās.

13.104 Wer die Menschen täglich durch erfreuliche Darlegung der Schriften unterweist, vertritt vor Viṣṇu die Gestalt Vyāsas und gelangt schließlich in Viṣṇus Stadt.

13.105 Wer eine Verehrung mit einer Fülle von Blumenkränzen vollzieht, gelangt in Viṣṇus Stadt. Ein Mensch, der am Morgen badet, gelangt nicht in die Hölle.

13.106 Wer auf eine Mahlzeit verzichtet, erlangt [das Verdienst] eines Bades in Puṣkara. Wer Hari mit Wasser eines heiligen Badeortes badet, erlangt einen reinen Leib.

13.107 O Brahmane, durch das Einnehmen von Pañcagavya erlangt man die Frucht des Cāndrāyaṇa-Gelübdes. Wer von Blättern isst, erlangt das Verdienst von Kurukṣetra.

13.108 Wer regelmäßig auf einem Stein isst, erlangt [das Verdienst] eines Bades in Prayāga. Wer zwei Yāmas lang auf Nahrung verzichtet, wird nicht von Krankheiten überwältigt.

13.109 Durch solche und ähnliche Gelübde wird der Gott erfreut und zufrieden. An welchem Ort auch immer ein ihm ergebener Mensch die vier Monate verbringt,

13.110 mit edlem Geist und vielfältigen großen Gelübden und Regeln, wird er einen Kalpa lang in Viṣṇus Welt wohnen; daran besteht kein Zweifel.

13.111 Er teilt den vorzüglichen Zweimalgeborenen, die er gespeist hat, mit, welche Regel er während der vier Regenzeitmonate zu welchem Zweck eingehalten hat, gibt ihnen den Opferlohn

13.112 und verabschiedet sie. Danach isst er selbst. Was er vier Monate lang aufgegeben hatte, darf er dann wieder aufnehmen. [Das überlieferte Wort vor »vier Monate« ist beschädigt.]

13.113 Der Wissende, der so handelt, erlangt unermessliches Verdienst. O Brahmane, wer sein Viṣṇu gewidmetes Viermonatsgelübde vollendet,

13.114 hat erfüllt, was zu tun ist, und wird nicht erneut Mensch. [Der folgende Satz nennt dennoch eine spätere menschliche Geburt.] Am Ende jenes Zustands wird er im Haus reiner, wohlhabender Menschen geboren,

13.115 erkennt die Ekāyana-Lehre, vollzieht die daraus hervorgehenden dreizehn Arten heiliger Handlung richtig und erlangt den Erhabenen.

13.116 Nachdem er so die Regeln und weitere in den Schriften vorgeschriebene Regeln angenommen hat, soll er hier täglich die Verehrung, das Fegen und das Bestreichen ausführen,

13.117 mit Erde, mineralischen Stoffen und wohlriechenden Substanzen wie Sandelholz; er bringt Räucherwerk und Lichter dar und erzeugt mit einem Fächer kühlenden Luftzug.

13.118 Er bietet kühlendes Wasser mit Kampfer und Sandelholz an, dazu Bananenfrüchte und Kahlāra-Blüten, vermischt mit roten und blauen Lotussen.

13.119 Nachdem er so für Linderung der Hitze gesorgt hat, verehrt er ihn immer wieder und lässt wohlklingenden Gesang mit Flöte und Vīṇā erklingen.

13.120 Wenn so zwei Monate vergangen sind und der Donner der Wolken am Himmel verstummt ist, o Brahmane, an der Dvādaśī des Bhādrapada bei Einbruch der Nacht,

13.121 erwacht Adhokṣaja, der Gott der Götter, ein wenig und wendet sich zur Erhaltung der Unsterblichen auf die andere Seite.

13.122 Er verlässt die Rückenlage und ruht auf seiner rechten Seite. Dem Yogaschlaf hingegeben, bewirkt er Entstehen und Vergehen

13.123 der Gesamtheit der Weltenkeime im Innern des Windkreises. Dann nimmt er das verhüllende Tuch von der Mondscheibe seines Antlitzes,

13.124 und so verweilt der höchste Herr an der Dvādaśī des Āśvayuja. In der Nacht des Kārttika verlässt der Herr der Unsterblichen das göttliche Lager,

13.125 erhebt sich und besteigt den König der Vögel, um die Störungen in sämtlichen Welten, Dörfern und Straßen zu befrieden.

13.126 Der Unermessliche zieht umher und erfreut die Götter und die übrigen Wesen; in dieser Welt belebt er den Dharma-Weg der rechtschaffen Handelnden.

13.127 Dieses große Wirken des Herrn sollen seine Verehrer rituell nachvollziehen: mit verschiedenen Festen, Gaben, Japa, Nachtwachen und Lobpreisungen,

13.128 mit Tanz und Gesang, mit heiteren Darbietungen und Lachen, freudig spielend, gesammelt und dem Allgegenwärtigen in Ehrfurcht geneigt.

13.129 O Brahmane, sie bleiben an einem Ort und stets ungeteilten Geistes. Nach einer besonderen Verehrung soll man die Wendung auf die andere Seite vollziehen.

13.130 Ebenso wird das Aufsetzen [des Gottes] am Morgen vorgeschrieben. Dann soll man den auf seinem Lager ruhenden Allgegenwärtigen erwecken,

13.131 an der Dvādaśī der hellen Hälfte des Monats Kārttika, o Brahmane. Der Verständige fasst an der Daśamī vorschriftsgemäß den Entschluss wie zuvor,

13.132 lädt an der Ekādaśī die Zweimalgeborenen ein und verehrt wie zuvor den an den vier Stätten gegenwärtigen Herrn.

13.133 In der Nacht hält der Lehrer mit seinen Helfern Wache: mit heiligen Erzählungen, mit Gesängen, denen Lobpreisungen vorausgehen,

13.134 mit Instrumentalmusik, anmutigen Tänzen, erheiternden Späßen, Siegesrufen und Verneigungen, begleitet von Händeklatschen.

13.135 Er fastet, hält sich rein, badet und verehrt den höchsten Herrn mit reichlichen Genussgaben, die alle sechs Geschmacksrichtungen umfassen, sowie mit vollständigen Ehrendiensten,

13.136 mit Arghya, Salbungen, Kränzen und angenehmem Räucherwerk. In der Brahma-Stunde der Dvādaśī erweckt er die Mantragestalt:

13.137 »Erwache, Herr der Welt! Erwache, höchster Herr! Erwache, Lotusäugiger, aus Mitgefühl mit deinen Verehrern!

13.138 Wenn du erwacht bist, Herr der Götter, höchster Herr, vollziehe ich vor dir die in dieser Welt üblichen Opferhandlungen.

13.139 Du bist stets der Herr an der Spitze aller Opfer. Wenn andere Götter verehrt werden, o Herr der Welt,

13.140 ist mein Opfer dadurch noch nicht vollendet; es wird vollendet, wenn du im Feuer gesättigt bist. Denn alle Götter haben das Feuer zum Mund, und dieses Feuer ist in deinem Mund geborgen.

13.141 Brahmā selbst in Brahmās Welt, die Himmelsbewohner im Himmel, die von Sattva erfüllten Menschen in der Menschenwelt und die Nāgas und anderen Wesen in der Unterwelt:

13.142 Sie alle erwecken dich stets, damit ihr jeweiliges Ziel erfüllt werde. Verlasse den Yogaschlaf und erweise Mitgefühl, Ewiger!«

13.143 Dabei spricht er die Mantraanfänge: »Erkenntnis … erwecke mich …« [beschädigtes Zitat], »Erhebe dich, Brahmaṇaspati«, »Jenen empor … den Jātavedas …«

13.144 »Dieses [All] hat Viṣṇu durchschritten; dreifach setzte er seinen Fuß. In seinem Staub ist es geborgen. Svāhā!«

13.145 Dazu rezitiert er laut den Jitaṃte-Hymnus, als Ganzes und in einzelnen Abschnitten, begleitet von Muschelhornklängen, Pauken und Trommeln,

13.146 von den vielfältigen lauten Rufen der Lobredner, o Einsichtiger, und von mächtigen, immer wieder erklingenden Rufen »Sieg! Sieg!«

13.147 Mit Hymnen des Erwachens lässt er ihn vom Lager aufstehen, verehrt ihn mit Arghya, Duftstoffen und weiteren Gaben und betritt den Opferpavillon.

13.148 Er füllt das vorbereitete Maṇḍala in der gewünschten Form mit Farben und vollzieht zunächst vorschriftsgemäß die Verehrung im Krug und im Maṇḍala.

13.149 Danach verehrt er das Festbild westlich des Maṇḍala, beginnend mit einem großen Gussbad, mit vollständigen, angemessenen Genussgaben.

13.150 Er vollzieht das Feueropfer vorschriftsgemäß und erfreut ihn ringsum, o Brahmane, mit Mantras aus dem Ekāyana-Überlieferungszweig, die ihn unmittelbar verkünden,

13.151 mit den göttlichen, allumfassenden Mantras, beginnend mit Bala, verbunden mit Praṇava, mit Mantras aus Ṛg-, Yajur- und Sāmaveda und mit verschiedenartigen Hymnen,

13.152 mit Gesängen, vielfältigen Tänzen und Instrumentalmusik, beginnend mit Saiteninstrumenten. Während Gesang und die übrigen Darbietungen erklingen, begibt er sich zum Schlafhaus.

13.153 Den vorschriftsgemäß erweckten Herrn badet er wie zuvor und verehrt ihn hingebungsvoll in der vorgeschriebenen Reihenfolge, o großer Weiser,

13.154 mit Gaben großer Festlichkeit, Blumen, Räucherwerk, Salbungen und verschiedenen Speisegaben, o Brahmane, begleitet von Lobgesängen und Musik.

13.155 Danach sättigt er ihn vorschriftsgemäß und mit besonderer Sorgfalt im Feuer. Anschließend bringt er das verehrte Festbild aus dem Opferpavillon herbei,

13.156 setzt es auf einen verehrten Wagen oder ein anderes gewünschtes Fahrzeug und führt es um den Tempel oder durch das Dorf und weitere Bereiche.

13.157 Oder er stellt es auf eine entsprechende Unterlage [die als vakra überlieferte Bezeichnung ist unklar] und führt es umher, o Brahmane, zusammen mit Tänzerinnen, Verehrern des Erhabenen und den Bewohnern der Stadt,

13.158 mit Wanderasketen und Brahmacārins, die Japa und Lobpreis ergeben sind, mit vorzüglichen Zweimalgeborenen an der Spitze, die einen rechtschaffenen Lebenswandel führen und ihm zugewandt sind.

13.159 Alle tragen weiße Gewänder; die glückverheißenden Begleiter halten hoch aufgerichtete Fahnen, Fliegenwedel aus Haaren und erhobene Wimpel.

13.160 Andere Zweimalgeborene tragen rote und blaue Lotusse, Rohrstäbe, Puffreis und weiße Senfkörner, wieder andere unversehrte Reiskörner,

13.161 andere Räuchergefäße, die ununterbrochen angenehmen Duft verbreiten, Früchte und Blumen oder erhobene volle Krüge.

13.162 Wieder andere tragen Gefäße, Keule und Rad, Muschelhorn und Sonnenschirm, Stab und Pflug.

13.163 Die einen widmen sich dem lauten Vortrag von Ṛg-Mantras, andere Japa und Lobpreis. Mit Sorgfalt lässt man Tempeltänzerinnen Tanz, Gesang und weitere Festdarbietungen

13.164 auf allen Straßen ausführen, begleitet von verschiedenen anderen Instrumenten. Man verbrennt wohlriechendes Räucherwerk, daneben Guggulu mit geklärter Butter.

13.165 Bedürftige sollen nach Kräften mit materiellen Gaben versorgt werden. O Brahmane, während das heilige Fahrzeug des Gottes umherzieht,

13.166 entfaltet selbst eine kleine Gabe an einen Menschen, der die fünf täglichen Gottesdienstzeiten einhält, eine tausendfache Wirkung.

13.167 Wer den Gott auf dem heiligen Fahrzeug hingebungsvoll mit Blumen und weiteren Opfergaben, Früchten, Wurzeln und Geld verehrt,

13.168 dessen Gabe entfaltet hunderttausendfache Wirkung; daran besteht kein Zweifel. Vor und hinter dem Allgegenwärtigen sollen Senfkörner, unversehrte Reiskörner und Blumen

13.169 ausgestreut werden, o bester Zweimalgeborener, auch nach oben und in die acht Himmelsrichtungen. Wo immer ein solcher Viṣṇu gewidmeter, Hindernisse tilgender heiliger Wagen

13.170 im Dorf, in einer befestigten Siedlung oder in einer Stadt umhergeführt wird, wird das Land frei von Verfehlung; die Furcht vor Hungersnot besteht dort nicht.

13.171 Niemand wird dort von vorzeitigem Tod getroffen; Plagen, Bedrängnisse und ähnliche Übel kommen stets zur Ruhe.

13.172 Diebe verschwinden dort, Unrecht breitet sich nicht aus; der König folgt dem Dharma und die Menschen sind dem Dharma ergeben.

13.173 Alle werden glücklich und frei von Leid und Kummer. Nach dieser Umwandlung bringt man eine Handvoll Blumen dar

13.174 und lässt die Mantragestalt vom Wagen herabsteigen, zunächst auf die Cakra-Unterlage. Man verehrt sie mit Arghya, Duftstoffen und weiteren Gaben, bildet die Mudrā und vollzieht Japa.

13.175 Dann sättigt man sie mit geklärter Butter und weiteren Gaben und bringt die glückverheißende volle Opfergabe dar. Mit Arghya, Räucherwerk und weiteren Ehrerweisungen bittet man Puruṣottama um Vergebung.

13.176 Man bringt sie ins Opferhaus und verneigt sich immer wieder. Danach begibt sich der Guru zum Schlafbild,

13.177 umwandelt es viermal nach rechts und verneigt sich mit acht Körpergliedern auf dem Boden. Nachdem er den Herrn der Welt erfreut hat, o Brahmane,

13.178 setzt er ihn auf ein heiliges Tragegestell oder dergleichen und führt ihn hingebungsvoll um den Tempel. Dann begibt er sich zum Allerheiligsten und verehrt den Herrn, am Eingang stehend,

13.179 mit Arghya, Fußwasser und weiteren Gaben. Danach bringt er ihn hinein, verneigt sich vor dem Hauptbild und verehrt es mit Arghya, Duftstoffen und weiteren Gaben.

13.180 Die im Schlafbild gegenwärtige Mantragestalt führt er in das Hauptbild zurück. Danach lässt er das verehrte Festbild aus dem Opferpavillon

13.181 im Rechtsumlauf in das Allerheiligste einziehen. Er verehrt den im Hauptbild gegenwärtigen Gott mit Arghya und weiteren Gaben,

13.182 preist Adhokṣaja, der jenseits der Guṇas ist, und trägt ihm erneut vor: »Durch dieses Fest, durch die Opferhandlung, die Verehrung und die weiteren Dienste,

13.183 die vollzogen wurden, mögest du, o Erhabener, mir wohlgesinnt sein.« Dann entlässt er ihn aus Krug und Maṇḍala,

13.184 vollzieht die Verehrung des Herrn der Scharen und entlässt auch ihn. Bei einer vereinfachten Ausführung entlässt man bereits vor dem Umherführen des Gottes

13.185 den Herrn der Götter aus Krug, Maṇḍala und Feuergrube und führt erst danach die Umwandlung aus.

13.186 Oder man vollzieht ebenso zuvor die Verehrung des Herrn der Hindernisse. Zur maßgeblichen Zeit bringt man den Allgegenwärtigen auf das Lager [Bezug der Zeitangabe unklar]

13.187 und entlässt anschließend den Gott aus Krug, Maṇḍala und Feuergrube. Fahrzeug, Gefäß, Schirm und

13.188 Lager übergibt man mit einer Ehrengabe dem eigenen Guru, o Brahmane, bei dessen Abwesenheit den Zweimalgeborenen. Vor dem im Hauptbild gegenwärtigen Gott der Götter

13.189 kniet man mit beiden Knien auf dem Boden und rezitiert mit gefalteten Händen: »O Gott, Herr aller Wesen, Anfangloser! Durch diese Handlung mögen die Menschen

13.190 zu einem ganz und gar glückverheißenden Ziel gelangen. Empfinde höchstes Wohlgefallen!« Nachdem man dies dem Gott vorgetragen hat, erfreut man die Brahmanen

13.191 nach Kräften mit verschiedenen Speisen und Getränken, o bester Zweimalgeborener. Danach vollzieht man das abschließende Mahl mit Verwandten und Dienenden.

13.192 Nach dieser Vorschrift soll man den auf dem Lager Ruhenden erwecken. Wird die Verehrung an vier Stätten unter Einbeziehung des Hauptbildes durchgeführt,

13.193 so findet das Fest dennoch mit dem verehrten Festbild statt. Das Schlafritual führt der Schriftkundige am Schlafbild aus.

13.194 Fehlt das Prozessionsbild, findet die Verehrung am Hauptbild statt. Das zugehörige Gussbad wird dann am Badebild vollzogen.

13.195 Das Fest vollzieht man in diesem Fall mit dem Schlafbild, o bester Zweimalgeborener. Fehlt auch dieses, ist dafür ein Gebilde aus Darbha-Blütenständen vorgesehen.

13.196 Auf einer Unterlage bereitet man eine etwas kleinere weitere Unterlage zum Schutz. Das Fest findet dann mit dem Krug des Herrn der Mantras oder dem Waffen-Krug statt. [Die Verbindung der beiden Angaben ist im Text knapp und nicht eindeutig.]

13.197 Oder man führt es mit dem König der Räder auf seiner Unterlage aus. Fehlt ein Badebild, wird das Gussbad an einem Spiegel vollzogen.

13.198 Fehlt auch dieser, bringt man [das Bad] innerlich dar und gießt die Krüge der Reihe nach aus. So sind das Einschlafen und das Erwachen des Gottes gelehrt.

13.199 Kann das Gesagte nicht vollständig zur bestimmten Zeit ausgeführt werden, wegen mangelnder Freiheit, mangelnder Fähigkeit oder fehlender Mittel, o Brahmane,

13.200 so vollzieht man es entsprechend an den Dvādaśī-Tagen innerhalb des Jahres. Für das Ruhen während der vier Monate unter Einhaltung der Regeln [die zweite Vershälfte ist beschädigt]

13.201 sollen die Verehrer die Ausführung bis zum Ende des Aufenthalts [der Sonne] in der Waage bewahren. Wer nach der zuvor beschriebenen Vorschrift ein Lager für Viṣṇu bereitet,

13.202 erlangt bald Wohlstand und unvergleichliches Glück. Von seinen Kindern, seiner Ehefrau und seinen Angehörigen wird er niemals

13.203 durch irgendeinen Anlass getrennt, sei es eine Frau oder ein Mann. Er erlangt unvergleichliches Verdienst und ein langes Leben.

13.204 Ein Kranker wird von Krankheit befreit, ein Ängstlicher von Furcht. Er wird für alle Feinde unbesiegbar und von allen Menschen geehrt.

13.205 Nachdem er vielfältige Freuden genossen hat, wird er in Viṣṇus Welt geehrt. Wer Viṣṇu auf dem Śeṣa-Lager hingebungsvoll verehrt,

13.206 mit reichen Mitteln oder allein mit Hingabe, erfreut Keśava. Auch die Menschen, die zu dieser Zeit dort anwesend sind,

13.207 werden von ihren Verfehlungen befreit und gelangen schließlich in den Himmel. Ein Vaiṣṇava, der diese Vorschrift für das Lager hört,

13.208 erfährt augenblicklich die Tilgung der dreifachen Verfehlung. Wer nach dieser Vorschrift Viṣṇus Erwachen vollzieht,

13.209 erlangt sämtliche Wünsche und ein langes Leben. Wer, o Brahmane, nach dieser Vorschrift jedes Jahr

13.210 das Erwachen des Gottes vollzieht, erwacht in jeder Geburt glücklich und frei von allen Fehlern.

13.211 Dieser Mensch wird von allen Angehörigen und den anderen Menschen geehrt. Ganz Viṣṇus Hingabe ergeben, o Brahmane, gelangt er zu Viṣṇus Stätte.

13.212 An dem Tag, an dem der Erhabene, der Unendliche, auf dem Schlangenlager im Milchozean einschläft oder erwacht, gewährt er, auf Garuḍas Schulter ruhend, jenen Menschen ein glückverheißendes Ziel, die ungeteilten Geistes sind und fasten.

Spirituelle Erläuterung zu Kapitel 13: Der Yogaschlaf bedeutet nach ausdrücklicher Erklärung des Textes keinen Verlust göttlichen Bewusstseins. Der stets wache Herr nimmt Ruhe und Erwachen als heilige Ausdrucksformen an. Für die Verehrer entsteht daraus ein gemeinsamer Jahresrhythmus von Sammlung, Selbstbegrenzung, Fürsorge und freudiger Feier. Die zahlreichen Verdienst- und Heilungsversprechen gehören zur traditionellen Lobpreisung des Ritus; sie sind keine überprüften gesundheitlichen Wirkungsangaben. Als heutige Anregung eignet sich eine tragfähige, freiwillige Regel für regelmäßiges Gebet, Meditation oder selbstlosen Dienst. Die genaue Durchführung der überlieferten Fastenformen ist dafür nicht erforderlich. Besonders schlicht fasst 13.206 die innere Ausrichtung zusammen: Sowohl reich ausgestattete Verehrung als auch Hingabe erfreuen den Herrn.

Kapitel 14

Eingang. Glück und Segen! Vierzehntes Kapitel.

14.1 Sanaka sprach: O Brahmane, erkläre ausführlich die Vorschrift für die Gussbäder. Durch ihre Kenntnis werden alle täglichen und anlassbezogenen Handlungen vollständig.

14.2 Śāṇḍilya sprach: Höre, mein einsichtiger Sohn, mit aufmerksamem Geist die in viele Formen gegliederte Vorschrift für die Gussbäder.

14.3 Vor dem Tempel soll man eigens dafür einen Pavillon errichten, im ersten oder zweiten umfriedeten Bereich,

14.4 oder im dritten, vierten oder fünften, im Südosten, Süden, Südwesten oder Westen,

14.5 im Nordwesten, Norden oder Nordosten, nach Wunsch. Alle Maße und weiteren Einzelheiten führt man wie beim Opferpavillon aus, o Brahmane.

14.6 Man lässt jedoch den Opferplatz in der Mitte und die darauf befindliche Plattform weg. Die vorbereitende Weihe, das Aufstellen der Krüge und das Gussbad

14.7 sollen sich auf einer einzigen Fläche ausführen lassen; man plant entsprechend. O Brahmane, vier, sechs, acht oder zwölf Ācāryas

14.8 soll der Auftraggeber zusammen mit dem Guru auswählen: Schriftkundige und Erfahrene. Für eine größere Gruppe ist diese Zahl festgelegt.

14.9 Sind nicht so viele Kundige verfügbar, wählt er vier, drei, zwei oder einen entsprechend befähigten Brahmanen.

14.10 Vier, sechs, acht, zwölf oder sechzehn Sādhakas soll er auswählen, die die Schrift kennen und in den genannten Handlungen erfahren sind.

14.11 So ist die zahlenmäßige Ordnung der Ācāryas und Sādhakas für alle täglichen und anlassbezogenen Opferhandlungen angegeben.

14.12 Eine geringere als die vorgeschriebene Zahl soll man selbst in einer Notlage nicht wählen. Wählt man sie aus Verblendung dennoch, entsteht, so der Text, Gefahr für König und Reich.

14.13 In einem nach Osten geöffneten Pavillon richtet man den Badesockel im westlichen Drittel entlang der Mittellinie ein.

14.14 Bei westlicher Öffnung steht er im Osten, bei nördlicher im Süden und bei südlicher im Norden, jeweils mit den vorgeschriebenen Merkmalen.

14.15 Wird das Gussbad an einem Badebild oder einem anderen dafür geeigneten Bild vollzogen, so soll man den Pavillon auf diese Weise errichten, o bester Zweimalgeborener.

14.16 Wird es am Hauptbild vollzogen, steht der Pavillon vor diesem. Einen besonderen Badesockel soll man dann nicht anfertigen, o bester Zweimalgeborener.

14.17 Sieben, fünf oder drei Tage vor dem Gussbad, o bester Weiser, oder am betreffenden Tag selbst, o Brahmane,

14.18 bringt man die Keime dar und beginnt dann das Gussbad. Vollzieht man die vorbereitende Weihe der Krüge am Vortag,

14.19 so bindet man das Schutzband in der vorausgehenden Nacht. Wird dies am Vortag verhindert, kann man es später am Handlungstag selbst ausführen.

14.20 Wird die vorbereitende Weihe der Krüge am Handlungstag vorgenommen, o Brahmane, so bindet man auch das Schutzband an diesem Tag.

14.21 Am Morgen hat der Ācārya gebadet und betritt mit heiterem Geist und den dem Dienst ergebenen Helfern den Pavillon.

14.22 Nach Osten oder Norden gewandt fegt er ihn ringsum mit Darbha, verbunden mit Stäbchen und vermischt mit Sahadevī-Pflanzen, o Brahmane.

14.23 Er bestreicht ihn mit Kuhdung, beginnend im Osten und weiter bis zum Nordosten [Richtungsfolge im Wortlaut nicht eindeutig]. Mit Wasser, das durch ein neues Tuch gefiltert wurde,

14.24 mit Pañcagavya und Kuśa-Wasser besprengt er alle Richtungen, o Brahmane. Für das Gussbad sind ein, zwei oder mehrere Lehrer vorgesehen.

14.25 Alle tragen neue heilige Schnüre, sämtlichen Schmuck, neue Unter- und Obergewänder und Turbane und sind vom Guru anerkannt.

14.26 Ebenso wirken viele Helfer mit, die die Regeln einhalten. Was jeweils für das betreffende Gussbad geeignet ist, o Brahmane,

14.27 soll vollständig herbeigeschafft und in den Pavillon gebracht werden. Dann beginnt der in der Schrift bewanderte Lehrer das Gussbad.

14.28 Erkenne zwei Hauptarten des Gussbades: die höhere und die andere. Die höhere wird in zehn Formen gelehrt, beginnend mit Pradhāna.

14.29 Die erste heißt Pradhāna, die zweite Para, die dritte Parasūkṣma und die vierte Parasthūla.

14.30 Die fünfte heißt Sūkṣmapara, die sechste Sūkṣmasūkṣma, die siebte Sūkṣmasthūla und die achte Sthūlapara.

14.31 Die neunte ist Sthūlasūkṣma, die folgende Sthūlasthūla. Die andere Hauptart ist vierfach; jede dieser Formen ist wiederum neunfach gegliedert,

14.32 beginnend mit der vorzüglichsten Form der höchsten Stufe, o bester Zweimalgeborener. Beiden Hauptarten gemeinsam ist

14.33 das »Anantakalaśa« genannte, alles vervollständigende Gussbad mit unzähligen Krügen. Höre nun zu diesen Formen, beginnend mit Pradhāna, vom Auslegen der Messschnüre an

14.34 alles der Reihe nach bis zum Aufnehmen der Krüge, o Trefflicher. Ein schönes Wassergefäß aus Metall, Holz oder Ton

14.35 stellt man im Nordosten des Pavillons auf. Man wäscht die Plattform mit Wasser und umhüllt sie mit neuen Tüchern.

14.36 Dann spannt man die Messschnüre entsprechend der Zahl der Krüge. Man wählt eine Fläche der vorgeschriebenen Größe in der Mitte des Pavillons

14.37 oder in dessen östlichem Bereich, o vorzüglicher Brahmane. Anschließend spannt man vier Schnüre von Osten nach Westen

14.38 und fünf von Süden nach Norden. So entstehen zwölf Felder, o Brahmane.

14.39 Die Breite jedes Feldes beträgt einen Tāla, eine Spanne, eine Elle oder eine Aratni, entsprechend der Größe des Pavillons

14.40 und der Größe der Krüge. Dies gilt ebenso bei den folgenden Formen. Man schmückt die Fläche mit Mehlpulver ringsum in den vier Richtungen.

14.41 In den Feldern bereitet man kleine Unterlagen aus geschältem oder ungeschältem Reis, jeweils aus einem Āḍhaka pro Feld,

14.42 oder aus dreieinhalb beziehungsweise drei Prastha, oder aus zweieinhalb Prastha, o Brahmane, oder aus zwei,

14.43 oder aus anderthalb Prastha, einem Prastha, einem halben oder einem Viertel Prastha, o Brahmane. [Zwei Prastha werden im Übergang der Verse nochmals genannt.]

14.44 Die Unterlage gestaltet man viereckig oder rund. Dann nimmt man unbeschädigte Krüge aus Gold, Silber oder Kupfer,

14.45 glatt und ohne poröse Stellen, vierundzwanzig Fingerbreiten hoch und in der Mitte ebenso breit. Ihr Hals ist drei Fingerbreiten hoch

14.46 und sechs breit; die Öffnung wird mit drei Fingerbreiten angegeben. Die umlaufende Leiste ist drei Fingerbreiten breit, o bester Zweimalgeborener.

14.47 Oder alle Maße, beginnend mit der Höhe, betragen die Hälfte. Oder, o Brahmane, die vorzüglichsten Krüge der höchsten Stufe fassen einen Droṇa Wasser;

14.48 die weiteren fassen der Reihe nach jeweils ein Achtel weniger, bis zu zwei Prastha. Die geringsten Krüge der niedrigsten Stufe fassen lediglich einen Prastha Wasser.

14.49 Nach diesen Merkmalen fertigt man sie entsprechend den verfügbaren Mitteln an. Sie stehen auf radförmigen Füßen, sind weit und haben einen schildkrötenförmigen Bauch,

14.50 einen Hals mit Windungen wie das Pāñcajanya-Muschelhorn und eine Öffnung wie ein hundertblättriger Lotus. Oben und unten sind sie mit umlaufenden Kumuda-Blütenkränzen geschmückt, o Brahmane,

14.51 mit Makara-Mäulern als Ausgüssen für das nektargleiche Wasser und mit Darstellungen von Flüssen, Meeren, glückverheißenden Bäumen und verschiedenen Kränzen verziert.

14.52 Sind solche nicht verfügbar, können sie ohne Radfuß und die übrigen Verzierungen sein. Als einfachere Alternative verwendet man tönerne Krüge ohne Risse und Löcher,

14.53 von der Farbe reifer Bimba-Früchte, ohne schwarze Flecken, nicht zweimal gebrannt, gut durchgebrannt, gleichmäßig gefärbt und von klarem Klang.

14.54 Man sammelt sie, wäscht sie ringsum gründlich mit reinem Wasser und umwindet sie sorgfältig mit Fäden in Abständen von jeweils einer Fingerbreite.

14.55 Westlich des vorgesehenen Krugplatzes vollzieht man ihre vorbereitende Weihe, auf einem mit ungeschältem Reis bereiteten Opferplatz oder auf einem schlichten Opferplatz.

14.56 Man breitet dort Kuśa mit den Spitzen nach Osten und Norden aus, setzt die Krüge unter dem Praṇava darauf und verehrt sie mit einer Blume.

14.57 Dann stellt man sie in Reihen mit der Öffnung nach unten auf und breitet unter dem Parameṣṭhin-Mantra Kuśa mit den Spitzen nach Osten darüber.

14.58 Man zeigt die Darbha-Mudrā, besprengt sie ringsum unter dem Puruṣa-Mantra mit Duftwasser und streut unter dem Viśva-Mantra unversehrte Reiskörner aus.

14.59 Unter dem Nivṛtti-Mantra dreht man ihre Öffnungen nach oben. Unter dem Sarva-Mantra, o vorzüglicher Weiser, hebt man die Krüge einzeln an und stellt sie der Reihe nach an ihre Plätze.

14.60 Oder man vollzieht sämtliche Handlungen, beginnend mit dem Aufstellen der Krüge, mit dem zwölfsilbigen Mantra. Man reinigt sie durch Anschauen und die weiteren Handlungen, verbunden mit dem Herzmantra,

14.61 und bespricht jeden einzelnen einmal mit dem zwölfsilbigen Mantra. Danach verehrt man sie mit demselben Mantra durch Arghya, Kränze, Sandelholz und weitere Gaben.

14.62 Man vollzieht nach Kräften das zu ihrem Herbeibringen gehörende Feueropfer bis zur vollen Opfergabe. Dann füllt man sie der Reihe nach mit den Stoffen. Vernimm diese.

14.63 In drei Reihen stehen von Westen nach Osten jeweils vier Krüge. In der südlichen Reihe füllt man den westlichsten Krug

14.64 mit Wasser von Āmalaka-Früchten, den folgenden mit Lodhra-Wasser, dann mit Rotsandelwasser und schließlich mit vorzüglichem Kurkuma-Wasser.

14.65 In der mittleren Reihe stellt man in derselben Weise Wasser von Granthipallava bereit, danach Tagara-Wasser,

14.66 dann Priyaṅgu-Wasser und anschließend Māṃsī-Wasser. In der nördlichen Reihe stehen entsprechend die folgenden vier:

14.67 Wasser mit weißen Senfkörnern, Wasser mit sämtlichen Heilkräutern, Wasser mit sämtlichen Edelsteinen und schließlich reines Wasser.

14.68 Man setzt ein nach oben gerichtetes Kuśa- beziehungsweise Darbha-Büschel ein, sechzehn Fingerbreiten lang. Sein Knoten misst eine Fingerbreite, sein unterer Teil zwölf.

14.69 Der Rest bildet die Spitze. Das sind die Merkmale des Büschels. Oder der Knoten misst eine halbe Fingerbreite und die Spitze zwei Fingerbreiten;

14.70 den unteren Teil macht man zwölf Fingerbreiten lang, o vorzüglicher Brahmane. Für einen Brahmanen besteht das Büschel aus vier Darbha-Halmen, für einen Kṣatriya aus drei,

14.71 für Vaiśyas aus zwei, ebenso für Frauen und Śūdras. Oder man verwendet für alle ein Büschel aus viermal sieben Halmen.

14.72 Danach verehrt man mit dem zwölfsilbigen Grundmantra durch Arghya, Salbung, Blumen und Räucherwerk, o vorzüglicher Weiser.

14.73 Man verschließt die Krüge der Reihe nach mit fadenumwundenen Deckeln. Sind die Mittel vorhanden, umhüllt man jeden einzelnen Krug mit Tüchern.

14.74 Nach Osten oder Norden gewandt bedeckt man sie ringsum mit einem neuen Tuch, verehrt sie wie zuvor und beginnt anschließend das Feueropfer.

14.75 Nachdem man Opferholz und die weiteren Stoffe jeweils einhundertachtmal geopfert und die volle Opfergabe dargebracht hat, bespricht man die Krüge mit Mantras.

14.76 Das Gussbad mit allen diesen Krügen ist unter dem Grundmantra vorgeschrieben, o Brahmane. Dazwischen verwendet man Krüge mit reinem Wasser

14.77 für Zwischenspülungen und bringt jeweils Arghya dar. Die Krüge werden in derselben Reihenfolge aufgenommen, in der die Stoffe eingesetzt wurden.

14.78 Diese aus zwölf Krügen bestehende Form heißt Pradhāna. Sie ist die Ursache aller übrigen; die anderen sind ihre Wirkungen, o Trefflicher.

14.79 Mit Wasser, Pañcagavya, Milch, Dickmilch, geklärter Butter, Honig und Wasser mit sämtlichen Heilkräutern,

14.80 mit Samenwasser, Fruchtwasser, Duft- und Blütenwasser sowie Gold- und Edelsteinwasser werden sie der Reihe nach gefüllt.

14.81 Diese Gruppe von zwölf Krügen wird Para genannt. Mit Pañcagavya, Dickmilch, Milch, geklärter Butter, Honig und Zuckerrohrsaft,

14.82 ferner mit Heilkräuter-, Duftstoff-, Edelstein-, Frucht- und Blütenwasser sowie reinem Wasser werden sie der Reihe nach gefüllt:

14.83 Diese zwölf Krüge werden Parasūkṣma genannt. Mit Milch, Dickmilch, geklärter Butter, Honig, Wasser mit sämtlichen Duftstoffen,

14.84 mit Heilkräuterwasser, Blatt-, Blüten- und Fruchtwasser, Samenwasser, vereinigtem Gold- und Edelsteinwasser

14.85 sowie gemischtem Wasser heiliger Flüsse werden die zwölf Krüge der Reihe nach gefüllt. Diese Form erkenne als Parasthūla.

14.86 Bei diesen drei Formen erfolgen das Auslegen der Messschnüre und alle weiteren Handlungen wie bei Pradhāna. Wird die Fläche nach beiden Seiten fünffach geteilt, entstehen fünfundzwanzig Felder.

14.87 In die sechzehn äußeren Krüge gibt man, beginnend im Osten, Milch, Dickmilch, geklärte Butter, Honig, Zuckerrohrsaft,

14.88 die zehn Stoffe von Āmalaka-Fruchtwasser bis Heilkräuterwasser und danach Blattwasser. In die acht inneren Krüge gibt man,

14.89 beginnend im Osten, Blütenwasser, Fruchtwasser, Samenwasser, Duftwasser, Goldwasser und Edelsteinwasser,

14.90 dazu Wasser von heiligen Badeorten und Flüssen; in die Mitte stellt man reines Wasser. Das Aufnehmen erfolgt in der Reihenfolge des Einfüllens der Stoffe.

14.91 Dieses Gussbad mit fünfundzwanzig entsprechend mit Stoffen gefüllten Krügen heißt Sūkṣmapara, o bester Zweimalgeborener.

14.92 Nachdem man wie zuvor fünfundzwanzig Felder angelegt hat, stellt man reines Wasser in die Mitte. Außen, beginnend in Indras Richtung [Osten],

14.93 steht zuerst ein mit Milch gefüllter Krug, danach einer mit reinem Wasser, als dritter einer mit Edelsteinwasser und als weiterer einer mit Goldwasser,

14.94 dann einer mit Duftwasser, darauf solche mit Frucht- und Blütenwasser. Als achter wird der mit Wasser von Reissamen gefüllte Krug genannt.

14.95 Weitere acht Krüge stehen außerhalb davon in den acht Richtungen: im Osten Āmalaka-Fruchtwasser, im nächsten Pathyā-Wasser,

14.96 in einem weiteren Wasser mit zerkleinerter Guḍūcī, im folgenden Vibhītaka-Wasser, dann Kumārī-Abkochung und Vyāghrī-Wasser,

14.97 im nächsten Nāgara-Wasser und im letzten Honigwasser. Auch hier ist das Aufnehmen in der Reihenfolge des Einfüllens vorgeschrieben.

14.98 O Einsichtiger, mit den fünf Mantras, beginnend mit Satya, und den drei, beginnend mit Siṃha, bespricht man der Reihe nach die Krüge des inneren Kreises,

14.99 jeden siebenmal. Die außerhalb davon stehenden Krüge bespricht man, beginnend im Osten, mit dem Cakra-Mantra und dem Herzmantra samt den weiteren Gliedmantras.

14.100 Mit den inneren Krügen vollzieht man der Reihe nach das Bad unter der Gāyatrī, o Brahmane. Mit den im zweiten Kreis stehenden vollzieht man die Ehrendienste unter dem Herzmantra, o Weiser.

14.101 Anschließend übergießt man ihn mit reinem Wasser, das mit dem Waffenmantra besprochen wurde. Oder man führt alles nach der zuvor beschriebenen Weise aus.

14.102 Diese aus siebzehn Krügen bestehende Form heißt Sūkṣmasūkṣma. Man bereitet eine Fläche von vier, drei, zweieinhalb

14.103 oder zwei Ellen. Ihre Hälfte wird zweifach geteilt; mit einem Teil bildet man das Lotuszentrum, mit dem anderen die sechzehn

14.104 Blütenblätter. O Brahmane, auf dem Lotuszentrum stellt man vier Krüge in den vier Himmelsrichtungen auf:

14.105 den ersten mit Blütenwasser, den nächsten mit Duftwasser, einen weiteren mit Goldwasser und den letzten mit Wasser sämtlicher Edelsteine.

14.106 Vom östlichen Blütenblatt bis zum nordöstlichen Bereich stellt man sechzehn weitere Krüge auf, o Weiser.

14.107 Den ersten füllt man allein mit Pañcagavya, den zweiten mit Kuhurin und den dritten mit Kuhdungwasser.

14.108 Den vierten füllt man mit Wasser und Asche der drei heiligen Feuer, o Brahmane; den nächsten mit Erde von Elefanten, Kühen, Stierhörnern und einem Ameisenhügel,

14.109 den sechsten mit Erde aus einem Reisfeld, aus der Flussmitte, aus einem Lotusbestand und von einem Berg, o Brahmane.

14.110 Der siebte enthält Senfwasser, der achte sämtliche Heilkräuter, der neunte Milch und der zehnte Dickmilch.

14.111 Der elfte enthält geklärte Butter, der zwölfte Honig, o Brahmane, der dreizehnte sämtliche Samen und der vierzehnte sämtliche Früchte.

14.112 Der nächste enthält sämtliche Getreidearten und der sechzehnte sämtliche Duftstoffe. Zuerst nimmt man die Krüge auf den Blütenblättern in der Reihenfolge des Einfüllens auf,

14.113 danach ebenso die auf dem Lotuszentrum stehenden. Jeden einzelnen Krug bespricht man zuvor mit dem Herzmantra

14.114 und vollzieht danach der Reihe nach mit jedem einzelnen unter dem Grundmantra das Bad. Diese aus zwanzig Krügen bestehende Form, o bester Zweimalgeborener,

14.115 heißt Sūkṣmasthūla. Höre nun ausführlich die nächste. Man spannt fünf Messschnüre von Osten nach Westen

14.116 und elf von Süden nach Norden. So entstehen vierzig Felder.

14.117 Beginnend mit der westlichen Reihe stellt man der Reihe nach jeweils vier Krüge von Süden nach Norden auf.

14.118 Diese füllt man der Reihe nach mit den Stoffen; vernimm sie. Die ersten drei mit den zuvor genannten Zutaten für Fußwasser, Arghya und Mundspülwasser.

14.119 Dann verwendet man Erde vom Berg, vom Anfang, der Mitte und dem Ende eines Flusses sowie von seinem Ufer, aus einem See, von der Spitze eines Ameisenhügels und von einer durch einen Elefantenstoßzahn aufgewühlten Stelle,

14.120 vom Pflügen, von Kuh- und Stierhörnern, aus Reisbeständen und aus einem Lotusbestand: dies in einem Krug, Kuhdung in einem anderen.

14.121 Asche von einem Waldbrand, von einer Küche und von den drei heiligen Feuern setzt man in einen weiteren Krug ein.

14.122 In einen anderen gibt man Pañcagavya mit Kuśa-Wasser; dann folgen ein Krug mit Öl und geklärter Butter sowie einer mit Wasser von Camasī [Pflanzenbezeichnung unsicher].

14.123 In einem weiteren befindet sich eine Abkochung von Palāśa, Khadira, Aśvattha, Śamī und rotem Sandelholz; im nächsten Triphalā-Wasser.

14.124 Vacā, Śatāvarī, Kanyā, Vyāghrī, Siṃhī, Kṛtāñjali, Golomī, Siṃhalomī, Kuṣṭha, Bhūmyañjana

14.125 und Mahāgaruḍavegā kommen in einen weiteren Krug, o Trefflicher. Mahānīlā, Guḍūcī, Sahadevī und Śatāvarī,

14.126 Viṣṇukrāntā, Kārkoṭā, Sāṃhā und Vahniśikhā in einen anderen; Yaṣṭī, Varāhakarṇī und Gajapippalī in einen weiteren. [Einige Pflanzennamen sind unsicher überliefert; eine botanische Gleichsetzung wird hier nicht vorausgesetzt.]

14.127 In einen anderen kommen reinigende Früchte, beginnend mit Śrīphala. Dann folgen Krüge mit Dickmilch, Milch und geklärter Butter sowie zwei mit Honig und Zuckerrohrsaft.

14.128 In einen weiteren Krug legt man Lotuswurzeln. Von reinigenden Bäumen, besonders solchen mit Milchsaft,

14.129 legt man Blütenstände zusammen mit Blättern, Blüten und Früchten in einen Krug; in einen anderen blühende Rankengewächse, beginnend mit Jāti.

14.130 Rocanā, die beiden Kurkuma-Arten, Bālamoṭā und Padmaka: diese fünf in einen weiteren. Darbha- und Dūrvā-Sprossen

14.131 sowie Reiskeimlinge mit ihrem Grün kommen in einen anderen Krug. Senfsamen, beginnend mit weißen, dazu das duftende Priyaṅgu

14.132 und Nāgakesara legt man in einen weiteren Krug. Die sieben kultivierten und die sieben wildwachsenden Nutzpflanzen kommen in zwei Krüge.

14.133 Safran, Sandelholz, Rasa [hier nicht eindeutig bestimmter Duftstoff] und Kampfer, diese vier in einen anderen; in einen weiteren reine Metalle,

14.134 beginnend mit Kupfer und Gold; in einen weiteren eine große Sammlung von Edelsteinen. Korallen und Perlen legt man in zwei gesonderte Krüge.

14.135 In einen kommt Arghya-Wasser, in zwei Flusswasser und Wasser von heiligen Badeorten. Dann folgen ein Krug mit sämtlichen Heilkräutern, einer mit sehr kühlem Wasser

14.136 und einer mit duftenden Blumen. Diese werden als vierzig gezählt. Das Aufnehmen erfolgt nach der Reihenfolge der Stoffe. Diese Form heißt Sthūlapara. [Die gedrängte Zutatenliste lässt die Zuordnung aller vierzig Gefäße nicht überall eindeutig erkennen.]

14.137 O Brahmane, die ausschließlich mit vierzig Krügen kühlen Wassers ausgestattete Form wird Sthūlasūkṣma genannt.

14.138 Die aus vierzig mit Duftwasser gefüllten Krügen bestehende Form wird Sthūlasthūla genannt.

14.139 Das Auslegen der Messschnüre, das Aufstellen der Krüge und ihr Aufnehmen erfolgen bei diesen beiden wie bei der ersten Sthūla-Form, o Brahmane.

14.140 Aus Hingabe und Vertrauen oder entsprechend den verfügbaren Mitteln kann man diese drei Sthūla-Formen auch mit der doppelten Zahl ausführen.

14.141 Als vereinfachte Alternative verwendet man die Hälfte, ein Viertel oder ein Achtel, oder jeweils vier Krüge, oder jeweils zwei,

14.142 oder, o vorzüglicher Brahmane, jeweils einen Krug mit sämtlichen Stoffen. Was für die vollständige Ausführung der neun Formen über das Gesagte hinaus erforderlich ist,

14.143 führt man nach sorgfältiger Erwägung gemäß der bei Pradhāna beschriebenen Weise aus. So sind, o Brahmane, die zehn Formen der höheren Hauptart dargelegt.

14.144 Höre nun der Reihe nach die Formen der anderen Hauptart, o Trefflicher. Eine quadratische Fläche wird nach beiden Seiten in einunddreißig Abschnitte geteilt.

14.145 Es entstehen neunhunderteinundsechzig Felder. In der Mitte lässt man drei Reihen bestehen und wischt außerhalb davon zwei Reihen frei

14.146 für einen Umgang. Außerhalb davon lässt man wiederum drei Reihen bestehen, wischt erneut zwei für einen Umgang frei und lässt anschließend sieben bestehen.

14.147 Oder man teilt die Fläche bei beschränktem Platz siebenundzwanzigfach und wischt, o Brahmane, jeweils nur eine Reihe für den Umgang frei. Die Krüge stehen wie zuvor.

14.148 In diesen Feldern stellt man die Krüge der Reihe nach wie zuvor auf. Geklärte Butter, warmes Wasser, Edelsteinwasser, Fruchtwasser,

14.149 Metallwasser, Reinigungswasser, Duftwasser, Wasser mit unversehrten Reiskörnern und Gerstenwasser stellt man im mittleren Bereich auf, beginnend in der Mitte und endend im Nordosten.

14.150 Fußwasser, Arghya, Mundspülwasser und Pañcagavya stehen jeweils in der Mitte der von acht Krügen umgebenen Neunergruppen,

14.151 von Osten bis Norden. In den Mittelpunkten der Zwischenrichtungen stehen, beginnend im Südosten, Dickmilch, Milch, Honig und Kräuterabkochung.

14.152 So sind siebzehn Krüge mit den Hauptstoffen genannt. Die übrigen vierundsechzig enthalten reines Wasser.

14.153 Damit stehen einundachtzig Krüge in der Mitte, o Brahmane. In den acht Richtungen darum stehen jeweils neunundvierzig Krüge.

14.154 In die mittleren Krüge der vier Hauptrichtungen gießt man der Reihe nach Rohzuckerwasser, Zuckerrohrsaft, Kokoswasser

14.155 und Befriedungswasser, o bester Weiser, beginnend im Osten. In die zentralen Brahma-Krüge der Zwischenrichtungen gießt man Segenswasser,

14.156 vom Südosten bis zum Nordosten. Die verbleibenden dreihundertvierundachtzig Krüge

14.157 sind mit wohlriechendem, kühlem Wasser gefüllt, o bester Zweimalgeborener. Danach verehrt man in der mittleren Neunergruppe, von der Mitte bis zum Nordosten,

14.158 die neun Gestalten von Vāsudeva bis Varāha, der Reihe nach mit Arghya, Salbung, Kränzen und Räucherwerk.

14.159 In den zentralen Brahma-Krügen der umliegenden Neunergruppen verehrt man die acht Gestalten von Keśava bis Vāmana, beginnend im Osten.

14.160 Dann verehrt man, o Einsichtiger, in den zentralen Brahma-Krügen der Gruppen von neunundvierzig die Vierheit, beginnend mit Śrīdhara,

14.161 vom Osten bis zum Norden; in den Zwischenrichtungen vom Südosten bis zum Nordosten verehrt man die Vierheit von Nara bis Kṛṣṇa, o Brahmane.

14.162 Man setzt wie zuvor die Darbha-Büschel ein, verschließt die Krüge mit runden Deckeln und bedeckt sie einzeln mit neuen Tüchern.

14.163 Danach verehrt man den Gott Vāsudeva, den Herrn der Welt. Fußwasser, Arghya, Mundspülwasser, Pañcagavya, geklärte Butter und Dickmilch,

14.164 Milch, Honig, Kräuterabkochung, warmes Wasser, Fruchtwasser, Reinigungswasser, Wasser mit unversehrten Reiskörnern, Edelsteinwasser und Metallwasser,

14.165 Duftwasser, Gerstenwasser, Rohzuckerwasser, Zuckerrohrsaft, Kokoswasser, Befriedungswasser und Segenswasser:

14.166 In dieser Reihenfolge vollzieht man das Gussbad des Allgegenwärtigen, o vorzüglicher Brahmane. Für alle Krüge ist das Grundmantra vorgeschrieben.

14.167 Oder man verwendet vom Fußwasser bis zum Duftwasser die Verse des Puruṣasūkta, danach für das Gerstenwasser den Vers »Dieses [All] hat Viṣṇu …«.

14.168 Für die vier Stoffe vom Rohzuckerwasser bis zum Befriedungswasser verwendet man den Mantra »Du bist Viṣṇu …«, o Brahmane; mit »Viṣṇus [Taten] will ich nun …«

14.169 vollzieht man das Bad mit dem Segenswasser, o vorzüglicher Weiser. Mit welchem Mantra man den Herrn der Götter aus einem Hauptkrug übergießt,

14.170 mit demselben übergießt man ihn auch aus den dazugehörigen Krügen reinen Wassers. Bei jedem Stoff verehrt man ihn mit Tuch, Arghya, Salbung, Kränzen

14.171 und Räucherwerk; dann übergießt man ihn mit diesem Stoff. Oder man bringt Arghya, Fußwasser, Mundspülwasser, Duftstoff, Kranz, Räucherwerk und Licht

14.172 jeweils in der Reihenfolge dar; oder allein Arghya. Dieses Gussbad mit vierhundertdreiundsiebzig

14.173 Krügen wird als vorzüglichste Form der höchsten Stufe bezeichnet. Lässt man die vierundsechzig inneren Krüge mit reinem Wasser fort,

14.174 heißt das Gussbad mittlere Form der höchsten Stufe. Ebenso lässt man gegenüber der zuvor bestimmten Anlage vier Reihen fort.

14.175 Das folgende Gussbad umfasst einundachtzig Krüge in der Mitte, vier Gruppen zu neunundvierzig in den Hauptrichtungen und in den Zwischenrichtungen

14.176 die Krüge der Brahma- und Daiva-Bereiche, o Brahmane. Die übrigen einhundertsechzig Krüge mit reinem Wasser

14.177 werden weggelassen: Dies ist die geringste Form der höchsten Stufe. Mit zweihundert Krügen in den vier Hauptrichtungen,

14.178 vermindert um vier, o Brahmane, und mit einundachtzig in der Mitte ist das Gussbad wie zuvor ausgestattet: Dies ist die höchste Form der mittleren Stufe.

14.179 Werden die vierundsechzig inneren Krüge mit reinem Wasser weggelassen, handelt es sich um die mittlere Form der mittleren Stufe.

14.180 Einundachtzig Krüge stehen in der Mitte; in den Hauptrichtungen bleiben von den Gruppen zu neunundvierzig jeweils die mittleren neun bestehen.

14.181 Lässt man die übrigen Krüge mit reinem Wasser fort, ist dies die geringste Form der mittleren Stufe. Die Fläche legt man dabei um acht Reihen vermindert an.

14.182 Die allein mit einundachtzig Krügen wie zuvor ausgeführte Form, o Brahmane, heißt höchste Form der niedrigsten Stufe.

14.183 Werden die zweiunddreißig Krüge mit reinem Wasser an den Ecken weggelassen, ist dies die mittlere Form der niedrigsten Stufe.

14.184 Werden sämtliche vierundsechzig Krüge mit reinem Wasser in allen Richtungen weggelassen, o bester Zweimalgeborener, ist dies die geringste Form der niedrigsten Stufe.

14.185 Hier teilt man die Fläche neunfach oder siebenfach und verdichtet sie; zwei beziehungsweise vier [Randbereiche] bleiben für das Aufstellen der Krüge. [Die geometrische Anweisung ist im Wortlaut unklar.]

14.186 Damit ist die erste Art in ihren neun Formen gelehrt. Höre nun die zweite, o Trefflicher. Eine quadratische Fläche teilt man achtzehnfach

14.187 oder sechzehnfach, o Brahmane. In der Mitte lässt man sechs Reihen stehen; außerhalb davon wischt man zwei Reihen für den Umgang frei,

14.188 oder jeweils eine. Außerhalb davon lässt man vier Reihen stehen. In ihnen stellt man wie zuvor Krüge auf und füllt die Stoffe ein.

14.189 In die vier mittleren Krüge kommt Wasser mit sämtlichen Edelsteinen. Dann in die beiden östlichen Perlenwasser und in den einzelnen südöstlichen

14.190 Diamantwasser; in die beiden südlichen, o Brahmane, Gomedaka-Wasser; in den folgenden einzelnen Indranīla-Wasser; dann in die beiden

14.191 westlichen Puṣyarāga-Wasser, in den einzelnen nordwestlichen Brahmarāgaka-Wasser, in die beiden nördlichen Mondsteinwasser und in den letzten einzelnen Korallenwasser.

14.192 Im zweiten Kreis steht im Osten geklärte Butter in zwei Krügen, o Brahmane; im einzelnen südöstlichen Krug Aupamānika-Wasser [Bezeichnung nicht näher erklärt],

14.193 Milch in den beiden südlichen, Reinigungswasser im Südwesten, Dickmilch in den beiden westlichen und Duftwasser im nordwestlichen Krug.

14.194 In den beiden nördlichen steht Honig, im nordöstlichen Kräuterabkochung. Die verbleibenden acht Krüge sind mit Duftwasser gefüllt.

14.195 So befinden sich sechsunddreißig Krüge in der Mitte, o Brahmane. Außerhalb davon stehen vierundzwanzig Krüge in jeder Hauptrichtung;

14.196 in den Zwischenrichtungen stehen jeweils sechzehn, o Brahmane. In der mittleren Vierergruppe der östlichen Krüge

14.197 befindet sich Arghya, in der südlichen Fußwasser, in der westlichen Mundspülwasser und in der mittleren nördlichen Vierergruppe Pañcagavya.

14.198 In der mittleren Vierergruppe der südöstlichen Krüge befindet sich Öl, im Südwesten Rohzuckerwasser, im Nordwesten Sesamwasser

14.199 und im Nordosten Wasser mit unversehrten Reiskörnern. Die übrigen einhundertachtundzwanzig Krüge sind mit Duftwasser gefüllt.

14.200 Die Reihenfolge des Aufnehmens reicht von Arghya bis zum Wasser sämtlicher Edelsteine: Arghya, Fußwasser, Mundspülwasser und danach Pañcagavya,

14.201 Öl, Rohzuckerwasser, Sesamwasser, Wasser mit unversehrten Reiskörnern, geklärte Butter, Aupamānya-Wasser, Milch und Reinigungswasser,

14.202 Dickmilch, Duftwasser, Honig, Kräuterabkochung und Perlenwasser; dann der Reihe nach die acht Formen vom Diamantwasser bis zum Wasser sämtlicher Edelsteine, o Brahmane.

14.203 Dieses Gussbad mit zweihundert weniger vier Krügen heißt vorzüglichste Form der höchsten Stufe.

14.204 Teilt man eine quadratische Fläche vierzehnfach, entstehen einhundertsechsundneunzig Felder.

14.205 In der Mitte lässt man vier Reihen stehen und wischt ringsum jeweils eine Reihe für den Umgang frei; außen lässt man vier Reihen stehen.

14.206 Auch dort lässt man einhundertacht Felder zum Aufstellen der Krüge bestehen und wischt die übrigen frei.

14.207 In diese stellt man die Krüge wie zuvor und füllt die Stoffe ein. In die vier mittleren Krüge gibt man eine Sammlung von Edelsteinen.

14.208 Südlich der östlichen Mittellinie steht ein Krug mit Perlen, o Brahmane; südlich davon stehen der Reihe nach Diamant und Gomedaka.

14.209 In den beiden westlichen Krügen befinden sich Indranīla und Puṣyarāga; in den beiden nördlichen Brahmarāga und Mondstein, o Brahmane.

14.210 Nördlich der östlichen Mittellinie steht ein Krug mit Korallen, o Brahmane. So stehen zwölf Krüge in der Mitte. In den acht Richtungen darum

14.211 stehen jeweils zwölf Krüge, o bester Zweimalgeborener. In ihren mittleren Vierergruppen befinden sich, beginnend im Osten,

14.212 Arghya, Öl, Fußwasser, Rohzuckerwasser, Mundspülwasser, Sesamwasser, Pañcagavya und Wasser mit unversehrten Reiskörnern, zuletzt im Nordosten.

14.213 Die übrigen vierundsechzig Krüge sind mit Duftwasser gefüllt. Das Aufnehmen erfolgt von Arghya bis zum Wasser sämtlicher Edelsteine.

14.214 So entsteht mit einhundertacht Krügen die mittlere Form der höchsten Stufe. Wird eine quadratische Fläche dreizehnfach geteilt,

14.215 lässt man in der Mitte fünf Reihen stehen, wischt jeweils eine Reihe für den Umgang frei und lässt außen wiederum drei Reihen bestehen.

14.216 In der Mitte steht der Edelsteinkrug. Vom Osten bis zum Nordosten stehen Perlen, Diamant, Gomedaka, Indranīla,

14.217 Puṣyarāga, Brahmarāga, Mondstein und Koralle. Außen darum stehen, wiederum im Osten beginnend, geklärte Butter und Aupamānika-Wasser,

14.218 Milch, Reinigungswasser, Dickmilch, Duftwasser, Honig und Kräuterabkochung. Die übrigen acht Krüge sind mit Duftwasser gefüllt.

14.219 So stehen fünfundzwanzig Krüge in der Mitte, o Brahmane. Außerhalb davon befinden sich acht Neunergruppen in den acht Richtungen.

14.220 In deren Mitte stehen der Reihe nach Arghya, Öl, Fußwasser, Rohzuckerwasser, Mundspülwasser, Sesamwasser, Pañcagavya und Wasser mit unversehrten Reiskörnern,

14.221 vom Osten bis zum Nordosten. Die übrigen vierundsechzig Krüge sind mit Duftwasser gefüllt, o Brahmane. Diese Anordnung

14.222 mit siebenundneunzig Krügen bildet die geringste Form der höchsten Stufe. Wird die Fläche fünfzehnfach geteilt, entstehen

14.223 zweihundertfünfundzwanzig Felder, o vorzüglicher Weiser. In der Mitte lässt man fünf Reihen stehen und wischt außerhalb davon zwei Reihen frei

14.224 für den Umgang; außen lässt man wieder drei Reihen stehen, o Brahmane. In die Mitte kommt ein Edelsteinkrug; in die vier Krüge der Hauptrichtungen

14.225 kommen die acht Edelsteine, beginnend mit Perlen, jeweils paarweise, vom Osten an. In die acht äußeren Krüge, vom Osten bis zum Nordosten,

14.226 kommen die acht Stoffe von geklärter Butter bis Kräuterabkochung, o Brahmane. In der Mitte der acht Neunergruppen, beginnend im Osten,

14.227 stehen der Reihe nach Arghya bis zum Wasser mit unversehrten Reiskörnern, zuletzt im Nordosten. Die übrigen vierundsechzig Krüge enthalten Duftwasser.

14.228 Diese mit fünfundachtzig Krügen ausgestattete Form ist die höchste der mittleren Stufe. Steht in der Mitte Edelsteinwasser und darum eine Gruppe von acht Krügen

14.229 mit Perlen und den weiteren Stoffen, und wird außerhalb dieser Neunergruppe wie zuvor verfahren, entsteht mit einundachtzig Krügen die mittlere Form der mittleren Stufe.

14.230 Wird eine Fläche siebenfach geteilt, entstehen neunundvierzig Felder. Darauf stellt man die Krüge auf.

14.231 Fünfundzwanzig Krüge werden wie zuvor mit den Stoffen versehen; die übrigen vierundzwanzig enthalten reines Wasser.

14.232 So entsteht mit neunundvierzig Krügen die geringste Form der mittleren Stufe. Siebzehn Krüge enthalten die Stoffe von Edelsteinwasser bis Kräuterabkochung,

14.233 acht weitere Duftwasser: Dies ist die höchste Form der niedrigsten Stufe. Fehlt die Achtergruppe reinen Wassers, ist es die mittlere Form der niedrigsten Stufe. [Hier wechselt der Wortlaut von Duftwasser zu reinem Wasser.]

14.234 Die Neunergruppe von Krügen mit den Stoffen von den Edelsteinen bis zur Koralle bildet die geringste Form der niedrigsten Stufe.

14.235 Damit sind die Formen der zweiten Art genannt. Höre die dritte. Man teilt die Fläche siebenfach und bereitet sie wie zuvor vor.

14.236 Nach Norden gewandt bildet man die Praṇava-Mudrā. Mit dem Jitaṃte genannten [Hymnus] setzt man diese Mudrā am mittleren Krug ein.

14.237 Im göttlichen Bereich stellt man nach Osten gewandt die Krüge vom Osten an mit dem achtsilbigen Mantra auf; die sechzehn des menschlichen Bereichs mit dem zwölfsilbigen, nach Osten oder Norden gewandt.

14.238 Die Krüge des Ahnenbereichs stellt man mit Phaṭ-Lauten auf, nach Westen oder Norden gewandt, o Brahmane. Dann bildet man die entsprechende Mudrā. Von der Mitte aus, anschließend bis zum Norden,

14.239 füllt man die fünf Krüge der Reihe nach mit Fußwasser, Arghya, Mundspülwasser, Pañcagavya und geklärter Butter, unter den fünf Upaniṣad-Mantras, o Brahmane.

14.240 Die vier Krüge der Zwischenrichtungen füllt man vom Südosten bis zum Nordosten mit Dickmilch, Milch, Honig und warmem Wasser, unter den Lautbezeichnungen der göttlichen Gestalten.

14.241 In die vier äußeren Krüge der Hauptrichtungen kommen Kräuterabkochung, Reinigungswasser, Fruchtwasser und Wasser zur abschließenden Reinigung, o Brahmane.

14.242 In die vier Krüge vom Südosten bis zum Nordosten kommen Edelsteinwasser, Wasser sämtlicher Metalle, Kuśa-Wasser und Wasser mit geröstetem Mehl.

14.243 Man füllt sie der Reihe nach unter den Lauten des achtsilbigen Mantras ein, o vorzüglicher Brahmane. Die acht Krüge in den Zwischenräumen werden mit reinem Wasser gefüllt,

14.244 beginnend zwischen Osten und Südosten und endend zwischen Nordosten und Osten, allein unter dem Praṇava-Mantra. Außerhalb davon stehen

14.245 in den vier Krügen der Hauptrichtungen Duftwasser, Blütenwasser, das Aupamānika genannte Wasser und Āmalaka-Wasser.

14.246 In die vier Krüge der Zwischenrichtungen, beginnend im Südosten, kommen Wasser mit unversehrten Reiskörnern, Sesamwasser, Gerstenwasser und Wasser mit geschältem Reis,

14.247 unter dem zwölfsilbigen Mantra. Die übrigen sechzehn werden der Reihe nach unter der Viṣṇu-Gāyatrī mit reinem Wasser gefüllt, o Brahmane.

14.248 Nachdem man sie so gefüllt hat, verneigt man sich mit der Añjali-Mudrā und führt wie zuvor alles aus, beginnend mit der Verehrung Vāsudevas und der weiteren Gestalten.

14.249 Das Aufnehmen erfolgt in der Reihenfolge des Einfüllens. Man bringt alles mit dem Grundmantra dar, oder, o bester Zweimalgeborener,

14.250 das Fußwasser mit dem Vers »Dieses [All] hat Viṣṇu …«, Arghya mit »Die Wasser mögen tragen …«, Mundspülwasser mit »Die Wasser mögen reinigen …« und Pañcagavya mit der Gāyatrī.

14.251 Geklärte Butter reicht man, o Brahmane, mit »Geklärte Butter, du bist das Leuchtende …«; danach Dickmilch mit dem Mantra »Dadhikrā …«.

14.252 Milch mit »Wachse zur Fülle …«, Honig mit »Honigsüß [wehen] die Winde …« und warmes Wasser mit »Die Sonne, das Leuchtende …«, o vorzüglicher Weiser.

14.253 Dann die Kräuterabkochung mit dem Vers »Den Herrn der Versammlung …«, danach das Reinigungswasser mit »Zum Heil seien uns die göttlichen [Wasser] …«.

14.254 Fruchtwasser gibt man mit »Der Scharen …«, das Wasser zur abschließenden Reinigung mit dem Mantra »Du bist Viṣṇu …«.

14.255 Danach Edelsteinwasser mit »Agni, komm zum Genuss …«, Metallwasser mit »Dich zur Speise …« und Kuśa-Wasser mit »Agni preise ich …«.

14.256 Wasser mit geröstetem Mehl gibt man mit dem Mantra »Was wohl dir …« [Zitatbeginn unsicher]. Die acht Krüge reinen Wassers gibt man der Reihe nach mit »Die Wasser mögen uns …«.

14.257 Die acht Stoffe, beginnend mit Duftwasser, bringt man mit »Nicht unser Kind …« dar. Die übrigen sechzehn Krüge verwendet man der Reihe nach mit je einem Vers des Puruṣasūkta.

14.258 So entsteht mit neunundvierzig Krügen die höchste Form der höchsten Stufe. Ohne die sechzehn äußeren Krüge mit reinem Wasser ist es die mittlere Form der höchsten Stufe.

14.259 Lässt man die dort stehenden Eckkrüge fort, entsteht die geringste Form der höchsten Stufe. Stellt man die acht Duftwasserkrüge an die Stelle der inneren Krüge reinen Wassers

14.260 und lässt sämtliche Krüge des äußeren Kreises fort, entsteht mit den inneren fünfundzwanzig die höchste Form der mittleren Stufe.

14.261 Fehlen im menschlichen Bereich die vier Krüge der Hauptrichtungen, ist es die mittlere Form der mittleren Stufe; fehlen sämtliche dort stehenden Krüge, ist es die geringste Form der mittleren Stufe.

14.262 Die Neunergruppe von Krügen bildet die höchste Form der niedrigsten Stufe. Damit ist die dritte Art gelehrt; höre die vierte, o Trefflicher.

14.263 Mit dem einen mittleren Krug entsteht die geringste Form der niedrigsten Stufe. Damit ist die dritte Art gelehrt; höre die vierte, o Trefflicher. [Die Schlussformel wiederholt 14.262; eine ausdrückliche Beschreibung der mittleren Form der niedrigsten Stufe fehlt hier.]

14.264 Bei siebenfacher Teilung entstehen neunundvierzig Felder. Geklärte Butter, warmes Wasser, Edelsteinwasser, Fruchtwasser,

14.265 Metallwasser, Reinigungswasser, Duftwasser, Wasser mit unversehrten Reiskörnern und Gerstenwasser stehen im mittleren Bereich, von der Mitte bis zum Nordosten.

14.266 Fußwasser, Arghya, Mundspülwasser, Pañcagavya, Dickmilch, Milch, Honig und Kräuterabkochung stehen außen darum in den Haupt- und Zwischenrichtungen.

14.267 Rohzuckerwasser, Zuckerrohrsaft, Kokoswasser und Befriedungswasser stehen in den vier Hauptrichtungen, beginnend im Osten.

14.268 In die vier Krüge der Zwischenrichtungen gibt man Segenswasser. Die übrigen vierundzwanzig Felder bleiben leer, o bester Zweimalgeborener.

14.269 Mantra-Verehrung und Aufnehmen erfolgen wie bei der höchsten Form der ersten Art. Dieses Gussbad gilt als höchste Form der höchsten Stufe.

14.270 Auf einer fünffach geteilten Fläche stehen fünfundzwanzig Krüge. Man stellt sie mit dem Grundmantra auf und besprengt sie.

14.271 Nach Osten gewandt, gesammelt und selbstbeherrscht, füllt man mit demselben Mantra die Stoffe ein. Den mittleren Brahma-Krug füllt man mit Badewasser.

14.272 Im menschlichen Bereich stellt man in den vier Hauptrichtungen, beginnend im Osten, Fußwasser, Arghya, Mundspülwasser und Pañcagavya auf,

14.273 geklärte Butter, Dickmilch, Milch und Honig in den Zwischenrichtungen vom Südosten an. Beginnend zwischen Osten und Südosten und endend zwischen Osten und Nordosten,

14.274 stehen warmes Wasser, Kräuterabkochung, Reinigungswasser, Fruchtwasser, Sesamwasser, Edelsteinwasser, Metallwasser und Kuśa-Wasser.

14.275 Im göttlichen Bereich stehen wie zuvor in den vier Hauptrichtungen Duftwasser, Blütenwasser, Aupamānya-Wasser und Āmalaka-Wasser.

14.276 Vom Südosten bis zum Nordosten stehen Wasser mit unversehrten Reiskörnern, Kokoswasser, Zuckerrohrsaft und Wasser mit geschältem Reis.

14.277 So entsteht mit fünfundzwanzig Krügen die mittlere Form der höchsten Stufe. [Für die folgende Form steht] Fußwasser in der Mitte; vom Osten bis zum Nordosten folgen

14.278 Arghya, Mundspülwasser, Pañcagavya, geklärte Butter, Dickmilch, Milch, Honig und warmes Wasser. In den Zwischenräumen folgen der Reihe nach

14.279 Kräuterabkochung, Reinigungswasser, Fruchtwasser, Wasser zur abschließenden Reinigung, Edelsteinwasser, Metallwasser, Kuśa-Wasser und warmes Wasser. [Warmes Wasser wird hier erneut genannt.]

14.280 Im göttlichen Bereich stehen vom Osten bis zum Nordosten Duftwasser, Blütenwasser, Aupamānya-Wasser und Āmalaka-Wasser,

14.281 Wasser mit unversehrten Reiskörnern, Sesamwasser, Gerstenwasser und Wasser mit geschältem Reis. Das Aufnehmen erfolgt vom Fußwasser bis zum Reiswasser.

14.282 So entsteht mit fünfundzwanzig Krügen die geringste Form der höchsten Stufe. Auf einer siebenfach geteilten Fläche, wie zuvor, mit den Stoffen von geklärter Butter bis Befriedungswasser,

14.283 bildet das Gussbad mit einundzwanzig Krügen die höchste Form der mittleren Stufe. Auf einer dreifach geteilten Fläche entstehen neun Felder, o Trefflicher.

14.284 In der Mitte und den folgenden Bereichen stehen geklärte Butter, Dickmilch, Milch, Honig und Einreibungspulver; in den vier Eckbereichen

14.285 warmes Wasser, Duftwasser, Blütenwasser und Segenswasser. Das Aufnehmen erfolgt in der Reihenfolge des Einfüllens.

14.286 So entsteht mit neun Krügen die mittlere Form der mittleren Stufe. Geklärte Butter, Milch, Dickmilch, Honig, Duftwasser und Goldwasser,

14.287 Edelsteinwasser, Heilkräuterwasser und Reismehl stehen der Reihe nach von der Mitte bis zum Nordosten: Dies ist die geringste Form der mittleren Stufe.

14.288 In der Mitte und den vier Hauptrichtungen stehen die fünf Produkte der Kuh in fünf Krügen. Die vier Krüge vom Südosten bis zum Nordosten

14.289 sind mit reinem Wasser gefüllt: Dies ist die höchste Form der niedrigsten Stufe. In der Mitte steht Edelsteinwasser; die vier Krüge in den Hauptrichtungen

14.290 enthalten die Edelsteine von Perlen an jeweils paarweise, o Trefflicher. So entsteht mit fünf Krügen die mittlere Form der niedrigsten Stufe.

14.291 In der Mitte steht Wasser sämtlicher Edelsteine, im Osten und Westen stehen zwei Krüge: im östlichen die ersten vier Steine, beginnend mit Perlen,

14.292 im anderen die Vierheit, beginnend mit Puṣyarāga, o bester Zweimalgeborener. So entsteht mit drei Krügen die geringste Form der niedrigsten Stufe.

14.293 Damit sind die sechsunddreißig Formen der anderen Hauptart dargelegt. Alles, beginnend mit der vorbereitenden Weihe der Krüge, wird wie zuvor ausgeführt.

14.294 Als Gottheit der geklärten Butter gilt der höchste Gott Vāsudeva, als Gottheit des warmen Wassers Saṅkarṣaṇa, des Edelsteinwassers Pradyumna.

14.295 O Brahmane, der Erhabene Aniruddha ist die Gottheit des Fruchtwassers; Nārāyaṇa in Mantragestalt ist die Gottheit des Metallwassers.

14.296 Hayagrīva ist die Gottheit des Reinigungswassers, Viṣṇu die des Duftwassers, Nṛsiṃha die des Wassers mit unversehrten Reiskörnern, Varāha die des Gerstenwassers.

14.297 Keśava ist die Gottheit des Fußwassers, Nārāyaṇa die des Arghya; Mādhava ist die leitende Gottheit des Mundspülwassers.

14.298 Govinda ist die Gottheit des Pañcagavya, Viṣṇu die der Dickmilch; Madhusūdana gilt als Gottheit der Milch.

14.299 Trivikrama ist die Gottheit des Honigs, Vāmana die der Kräuterabkochung; der Erhabene Śrīdhara ist die Gottheit des Rohzuckerwassers.

14.300 Der Gott der Götter Hṛṣīkeśa ist die Gottheit des Zuckerrohrsaftes; Dāmodara ist die leitende Gottheit des Kokoswassers, o Brahmane.

14.301 Der Erhabene Padmanābha ist die Gottheit des Befriedungswassers. Nara, Nārāyaṇa, Hari und Kṛṣṇa

14.302 sind vom Südosten bis zum Nordosten die Gottheiten des Segenswassers. Beim Wasser zur abschließenden Reinigung ist das Muschelhorn die leitende Gottheit.

14.303 Beim Kuśa-Wasser ist es der Lotus, beim Wasser mit geröstetem Mehl die Keule, o Brahmane; beim Blütenwasser der Waldblumenkranz, beim Aupamānika-Wasser das Rad.

14.304 Die Krone ist die leitende Gottheit des Āmalaka-Wassers, Kaustubha die des Sesamwassers und Śrīvatsa die des Wassers mit geschältem Reis.

14.305 Für die Krüge reinen Wassers in der Einundachtziger-Anordnung sind die acht [Śaktis] von Kānti bis Unnati der Reihe nach in den Richtungen die Gottheiten.

14.306 Bei den äußeren Gruppen von neunundvierzig sind für die Krüge reinen Wassers der Reihe nach die Śaktis von Svadhā bis Gāyatrī die leitenden Gottheiten,

14.307 jeweils acht in den Hauptrichtungen vom Osten an und in den Zwischenrichtungen vom Südosten an. Bei allen anderen Gussbädern, o bester Zweimalgeborener,

14.308 sind Maryādā und Hṛṣṭi die leitenden Gottheiten der Krüge reinen Wassers. Garuḍa ist die Gottheit der Krüge, Śeṣa die der Fäden.

14.309 Das höchste Brahman ist die Gottheit der Darbha-Büschel, der König der Räder die der runden Deckel, Vāsudeva die der Tücher. Oder er allein ist die Gottheit von allem.

14.310 Das Fegen, das Besprengen, das Bestreichen mit Kuhdung, das Auslegen der Messschnüre und das ringsum ausgeführte Schmücken mit Mehlpulver:

14.311 Diese fünf Handlungen lässt der Mantrakundige mit dem zwölfsilbigen Mantra vollziehen. Mit den fünf Upaniṣad-Mantras weiht er die Krüge vorbereitend.

14.312 Mit der Viṣṇu-Gāyatrī stellt er die Krüge in die Felder. Mit den Lautbezeichnungen der leitenden Gottheiten der Stoffe füllt er sie der Reihe nach.

14.313 Mit der zwölfsilbigen Brahmavidyā legt er die Darbha-Büschel hinein und verehrt in den jeweiligen Stoffen ihre leitenden Gottheiten.

14.314 Danach setzt der Sādhaka die runden Deckel unter dem Cakra-Mantra auf. Anschließend bedeckt der Mantrakundige die Krüge mit Tüchern unter dem zwölfsilbigen Mantra.

14.315 Das Abnehmen der Tücher vollzieht er mit dem Grundmantra. Mit dem Praṇava durchtrennt er die Fäden und verneigt sich mit demselben Laut.

14.316 Mit der Viṣṇu-Gāyatrī hebt er den Krug an und gibt ihn dem Guru in die Hand. Wo für eine Handlung kein Mantra vorgeschrieben ist, o Brahmane,

14.317 soll der Kundige diese mit dem zwölfsilbigen Mantra ausführen. Oder er vollzieht sämtliche Handlungen mit dieser zwölfsilbigen Vidyā.

14.318 Die Zutaten für Arghya und die weiteren Gaben der höheren Gussbadformen sind zuvor genannt worden, o Einsichtiger. Nun werden die der anderen Formen gelehrt.

14.319 Viṣṇuparṇī, Dūrvā, Lotus und Śyāmāka sind die vier Bestandteile des Fußwassers, o vorzüglicher Zweimalgeborener.

14.320 Duftstoff, Blume, unversehrte Reiskörner, Frucht, Gerste, weiße Senfkörner, Sesam und Kuśa-Spitzen sind die acht Bestandteile des Arghya.

14.321 Gewürznelke, Muskat und Takkola sind Bestandteile des Mundspülwassers. Kuhdungsaft, Kuhurin, Milch, Dickmilch und geklärte Butter

14.322 sind die fünf Bestandteile des Pañcagavya. Aus Śamī, Udumbara, Bilva, Palāśa und Vaṭa,

14.323 ferner Khadira, Aśvattha und Vikaṅkata wird ein Rindenauszug hergestellt: die alle Verfehlungen tilgende Kräuterabkochung.

14.324 Kuṣṭha, Māṃsī, die beiden Haridrā-Arten, Murā, Śaileya, Campaka, Vacā, Kaccora und Mustā werden als die Sammlung »sämtlicher Heilkräuter« bezeichnet.

14.325 Für das Blattwasser verwendet man frische Triebe von Palāśa, Bilva, Vakula, Kadamba, Mango, Śirīṣa, Nyagrodha und Aśvattha.

14.326 Für das Blütenwasser verwendet man Blüten von Ketakī, Mallikā, Jāti, Nandyāvarta, blauem Lotus, Lotus, Campaka und Kunda.

14.327 Banane, Bilva, Mango, Jackfrucht, Mātuluṅga, Kokosnuss, Āmalaka und Bījapūra gehören zum Fruchtwasser.

14.328 O Brahmane, diese acht Früchte sind als seine Bestandteile genannt. Gerste, Weizen, Vrīhi-Reis, Śāli-Reis, Mungbohnen und Priyaṅgu,

14.329 dazu Māṣa-Bohnen und Nīvāra-Reis sind die Bestandteile des Samenwassers. Safran, Sandelholz, Kampfer und Aloeholz

14.330 sind die vier Duftbestandteile. Oder, o vorzüglicher Weiser, Sandelholz, Safran, Māṃsī, Haribera und Murā,

14.331 Uśīra, Kuṣṭha und Aloeholz: diese acht sind Bestandteile des Duftwassers. Sonnenstein, Padmarāga und Indrakānta,

14.332 Vaiḍūrya, Magnetstein, Indranīla, Koralle, Gāruḍa, Puṣyarāga, Bergkristall und Brahmarāga,

14.333 Diamant und Perle sind Bestandteile des Edelsteinwassers. Oder, o Brahmane, Edelstein und Perle, Diamant, Koralle und Puṣyaka,

14.334 diese fünf werden dir als Bestandteile des Edelsteinwassers genannt. Dies gilt für die anderen Gussbadformen, ausgenommen deren zweite Neunergruppe.

14.335 Dort gehören Perle, Diamant, Gomedaka, Indranīla, Puṣyarāga, Brahmarāga, Mondstein und Koralle dazu.

14.336 Diese acht sind dort die Bestandteile des Edelsteinwassers. Sahadevī, Śirīṣa, Kurkuma, Sūryavartinī,

14.337 Sadābhadrā und Kuśa-Spitzen sind die sechs Bestandteile des Reinigungswassers, o Brahmane. Gold, Silber, Kupfer, Eisen und Zinn

14.338 sind die fünf genannten Bestandteile des Metallwassers. Sesam, weißer Senf, Nīvāra-Reis, Gerste und Bambusreis,

14.339 verbunden mit Tulasī-Blättern, sind die sechs Bestandteile des Befriedungswassers. Indravallī-Spross, Lotus, Aśvattha-Spross

14.340 und Ekapadma sind die vier Bestandteile des Segenswassers. Erde aus einem Fluss, einem Teich, einem Ameisenhügel und von einem Berg

14.341 sind die Stoffe für das Wasser der abschließenden Reinigung, o bester Zweimalgeborener. Man fertigt Nachbildungen von Muschelhorn, Rad, Schildkröte und Garuḍa

14.342 aus Metallen an; [das damit bereitete Wasser] heißt Aupamānika. Sämtliche Krüge reinen Wassers enthalten als einzige Zutat Sandelholz.

14.343 Höre nun der Reihe nach ausführlich die Vorschrift für das »Anantakalaśa« genannte Gussbad, das alles vervollständigt.

14.344 Man errichtet wie zuvor einen Pavillon, vierzig Ellen lang und zweiunddreißig breit, mit vier Eingängen und den weiteren Merkmalen.

14.345 Er wird wie zuvor mit Fahnen und anderen Zierden schön geschmückt. Oder man errichtet an einem geeigneten Ort lediglich eine überdachte Halle.

14.346 In ihrer Nähe richtet man wie zuvor den Opferpavillon ein. Am vorgeschriebenen Tag vor der eigentlichen Handlung vollzieht man das Keimlegen.

14.347 Alle erforderlichen Dinge werden gesammelt bereitgestellt. Am Vortag hat der leitende Lehrer gründlich gebadet und seinen täglichen Dienst vollzogen.

14.348 Er trägt vielfältigen Schmuck, neue Gewänder, einen weißen Turban und ein weißes Obergewand und ist mit bunten Kränzen geschmückt.

14.349 Mit vier oder acht ebenso ausgestatteten Ācāryas und derselben Zahl schriftkundiger Sādhakas, die mit Gewändern wie Kañcukas bekleidet sind,

14.350 sowie zahlreichen weiteren, in den jeweiligen Verrichtungen erfahrenen Helfern, deren Mund und Nase mit rein weißen Tüchern bedeckt sind,

14.351 betritt er am Nachmittag nach der Verehrung der Eingangsgottheiten den Opferpavillon. Dort verehrt er den Gott im Krug und den weiteren Stätten.

14.352 Auch das Bild kann er dort verehren. Nachdem er ihn wie zuvor im Feuer gesättigt hat, erbittet er der Reihe nach die Erlaubnis, o vorzüglicher Weiser.

14.353 Bei einer vereinfachten Ausführung betritt er den Tempel und verehrt das Hauptbild mit Arghya, Salbung, Kränzen

14.354 und Räucherwerk. Dann erbittet er die Erlaubnis und beginnt. Nach vorausgehender Verehrung der Eingangsgottheiten betritt er den Badepavillon.

14.355 Er besprengt ihn ringsum mit Pañcagavya unter dem zwölfsilbigen Mantra und streut verschiedenartige Blumen in alle Richtungen,

14.356 ebenso weiße Senfkörner und Samen. In der Mitte des Pavillons teilt er eine Fläche von zweiundzwanzigeinhalb Ellen fünffach,

14.357 jeden Teil wiederum neunfach. So entstehen fünfundvierzig Reihen und insgesamt zweitausendfünfundzwanzig

14.358 Felder. In der Mitte lässt er einundachtzig Felder für das Aufstellen der Krüge bestehen und wischt

14.359 ringsum zwei Reihen für den Umgang frei. Außerhalb davon legt er in den vier Hauptrichtungen, beginnend im Osten, jeweils einundachtzig Felder an.

14.360 Seitlich davon bleiben wiederum zwei Reihen für den Umgang. In den vier Ecken legt er jeweils neunundvierzig Felder an.

14.361 Auch dort orientiert er sich an der Mitte der Einundachtziger-Gruppen: Er lässt in der Mitte neun Felder stehen und nimmt ringsum eine Reihe weg.

14.362 In den beiden äußeren Reihen lässt er in den Hauptrichtungen je sechs, in den Zwischenrichtungen je vier Felder bestehen; die übrigen wischt er frei.

14.363 Außerhalb davon nimmt er ringsum zwei Reihen für den Umgang weg. Dann legt er sorgfältig Eckbereiche von jeweils sechzehn Feldern an.

14.364 Seitlich davon entfernt er in den vier Hauptrichtungen jeweils eine Reihe. Die Eingänge umfassen im Innern drei [Felder] über zwei Reihen, außen

14.365 fünf; an den Seiten dienen vier innen und zwei außen der Verzierung. In den drei inneren Reihen werden dreiunddreißig Felder

14.366 mit dem Umgang vereinigt. Jeweils außen zwischen Eingängen und Eckbereichen legt er sechzehn

14.367 Gruppen zu fünfundzwanzig Feldern an und entfernt seitlich zwischen ihnen jeweils eine Reihe, o großer Weiser. [Die gedrängten geometrischen Angaben in 14.364–367 lassen sich aus dem Wortlaut allein nicht zweifelsfrei rekonstruieren.]

14.368 Nachdem er so die Felder zum Aufstellen der Krüge angelegt hat, zieht er mit wohlriechendem weißem Pulver gleichmäßige,

14.369 gerade Linien von Daumenbreite und entsprechender Höhe, o Brahmane. Er streut Pulver in die Felder und füllt danach die Eingänge aus,

14.370 mit demselben Pulver und zur Zierde mit gelbem. Alle Umgänge schmückt er mit bunten, blumentragenden Ranken, o bester Weiser.

14.371 Dann sammelt er Krüge mit den zuvor beschriebenen Merkmalen und opfert geklärte Butter einhundertachtmal mit dem Grundmantra

14.372 oder der Gāyatrī. An den vier Eingängen stellt er, beginnend im Osten, jeweils zwei Krüge auf und verehrt Kumuda und die weiteren [Wächter].

14.373 Er verehrt die Felder mit bunten, durch Mantras geheiligten Blumen und bereitet sorgfältig Unterlagen aus sämtlichen Getreidearten.

14.374 Auf diese legt er unter dem Grundmantra jeweils zwei Kuśa-Spitzen. Die Krüge umwindet er wie zuvor mit Fäden, o Brahmane,

14.375 wäscht sie unter der Gāyatrī und setzt sie unter dem Praṇava mit der Öffnung nach unten in die Felder. Unter dem Parameṣṭhin-Mantra legt er Kuśa auf ihre Rückseite.

14.376 Dann besprengt er sie mit Kuśa unter dem Puruṣa-Mantra mit Pañcagavya und streut unter dem Viśva-Mantra unversehrte Reiskörner auf alle.

14.377 Unter dem Nivṛtti-Mantra richtet er sie der Reihe nach sorgfältig mit der Öffnung nach oben. Mit gefiltertem Wasser, das mit wohlriechendem Sandelholz und weiteren Duftstoffen

14.378 durchduftet ist, füllt er sie der Reihe nach unter dem Sarva-Mantra, o Brahmane. In den mittleren Krug der mittleren Neunergruppe des zentralen Einundachtziger-Feldes

14.379 gibt er Sonnenstein, Padmarāga, Vaiḍūrya, Mondstein, Magnetstein, Indranīla, Koralle und Gāruḍa,

14.380 Puṣyarāga, Bergkristall, Brahmarāga, Mecaka, Diamant, Silber, Perle und Kupfer.

14.381 Nachdem er all dies hineingegeben hat, verteilt er in den mittleren Krügen der acht umliegenden Neunergruppen, vom Osten bis zum Nordosten,

14.382 diese sechzehn Stoffe der Reihe nach paarweise. In die übrigen zweiundsiebzig Krüge gibt er jeweils eine Perle.

14.383 In der Mitte der mittleren Neunergruppe des östlichen Einundachtziger-Feldes gibt er Früchte von Banane, Jackfrucht, Mango, Kṣīrikā, Badara,

14.384 Mātuluṅga und Kesara, Havya und Jambīra hinein. Danach in den acht umliegenden Neunergruppen … [Die Vorlage enthält keinen Vers mit der Nummer 385; der Satzanschluss bleibt unvollständig.]

14.386 Vom Osten bis zum Nordosten sind Mātuluṅga, Granatapfel, Orange, Jambīra, Takkola und Badarī,

14.387 kleine Jackfrucht sowie Kadalī- und Mocaka-Bananen der Reihe nach paarweise in die mittleren Krüge einzusetzen. [Die Zahl der genannten Früchte stimmt nicht eindeutig mit der Paaranordnung überein.]

14.388 In die übrigen Krüge der acht Neunergruppen legt er Badara-Früchte. Uśīra, Safran, Māṃsī und Sandelholz,

14.389 Murā, Haribera, Kuṣṭha und Aloeholz gibt er sämtlich in das südliche Einundachtziger-Feld,

14.390 dort in den zentralen Krug. In die übrigen mittleren Krüge legt er, beginnend im Osten, jeweils einen der Stoffe. [Die Vorlage sagt hier »Frucht«, obwohl Duftstoffe aufgezählt wurden.]

14.391 In deren Achtergruppen gibt er Sandelholz. Wasser aus Meer, Stufenbrunnen, Brunnen, Teich und See,

14.392 Regenwasser, Flusswasser und Schneewasser gibt er in den mittleren Krug des westlichen Bereichs, jeweils eine Art in die übrigen mittleren Krüge.

14.393 In die übrigen Achtergruppen gibt er reines Wasser. Gerste, Weizen, Vrīhi-Reis, Śāli-Reis, Mungbohnen und Priyaṅgu,

14.394 dazu Māṣa-Bohnen und Nīvāra-Reis gibt er in den mittleren Krug der [nördlichen] Neunergruppe. In die übrigen mittleren Krüge legt er der Reihe nach je eine Getreideart.

14.395 Die Achtergruppen füllt er mit zubereitetem Wasser. In die mittlere Neunergruppe des südöstlichen Neunundvierziger-Feldes füllt er geklärte Butter.

14.396 In die Sechsergruppen gibt er vom Osten an Kuhurin, Kuhdung, Milch und Dickmilch; in die Eckbereiche warmes Wasser.

14.397 In der mittleren Neunergruppe im Südwesten stellt er Öl auf; in den übrigen vierzig Krügen darum Rohzuckerwasser.

14.398 In der mittleren Neunergruppe im Nordwesten stellt er Senföl auf; in die übrigen Krüge gibt er Zuckerrohrsaft.

14.399 In die mittlere Neunergruppe des nordöstlichen Neunundvierziger-Feldes gibt er Honig, in die übrigen Krüge Kokoswasser oder Kokosmilch.

14.400 In den Fünfundzwanziger-Gruppen vom Osten an füllt er in den mittleren Krug der ersten Gruppe Erde von Feld, heiligem Badeort, Meer und Berg, von einem Eberbau und von einer durch einen Elefanten berührten Stelle,

14.401 ferner von einem Ameisenhügel und einem Stierhorn. In die acht übrigen [inneren] Krüge gibt er jeweils eine Erdart, in die sechzehn äußeren Duftwasser.

14.402 Sahadevī, Vacā, Śatamūlī, Śatāvarī, Kumārī, Guḍūcī, Siṃhī und Vyāghrī

14.403 legt er in den mittleren Krug der zweiten Gruppe, in die äußeren acht vom Osten an jeweils eine Pflanze. Bei den sechzehn weiteren verfährt er wie zuvor.

14.404 Mit Rindenauszügen von Nyagrodha, Udumbara, Aśvattha, Jambū, Bilva, Palāśa, Śirīṣa und Madhuka füllt er den mittleren Krug

14.405 der dritten Gruppe; die acht übrigen mit den einzelnen Auszügen, die sechzehn wie zuvor. Frische Triebe von Palāśa, Bilva, Vakula, Kadamba, Mango und Śirīṣa,

14.406 von Nyagrodha und Aśvattha gibt er in den mittleren Krug der vierten Gruppe, in die acht einzelnen Krüge jeweils gesondert; die sechzehn richtet er wie zuvor ein.

14.407 Mit Blüten von Mallikā, Jāti, Vakula, Nandyāvarta, Priyaṅgu, Lotus, Campaka und Kunda füllt er den mittleren

14.408 Krug der fünften Gruppe, die acht übrigen mit jeweils einer Art, die verbleibenden wie zuvor. Weißen Senf, gewöhnlichen Senf, Māṣa-Bohnen und von der Kuh stammendes Rocanā,

14.409 Indrayava, Bambusreis, Śamī-Samen und Śyāmāka-Samen legt er in den mittleren Krug der sechsten Gruppe und der Reihe nach in die acht Krüge

14.410 jeweils einen dieser Stoffe; die übrigen sechzehn richtet er wie zuvor ein. Sesam, wilden Sesam, Kreuzkümmel, Schwarzkümmel,

14.411 Lein, Śatapuṣpā, Kuṭhāracchinna und Ṛṣibīja legt er in den mittleren Krug der siebten Gruppe,

14.412 jeweils einen Stoff in die acht äußeren Krüge; bei den sechzehn verfährt er wie zuvor, o Brahmane. Geschälte Körner von Ṣaṣṭi-Reis, Śyāmāka, Śāli-Reis und Nīvāra-Reis

14.413 sowie Sprossen von Dūrvā, Kuśa, Indravallī und Pippala legt er in den mittleren Krug der achten Gruppe; gesondert in die acht, in die anderen wie zuvor.

14.414 Wurzeln von Kuśa, Udīcya, Zuckerrohr, Kāśa, Uśīra, Śarapuṅkha, Agaru und Apāmārga legt er in den neunten

14.415 mittleren Krug; gesondert in die acht anderen, im Übrigen verfährt er wie zuvor. Blätter von Tulasī, dunkler Tulasī, Granthiveṇu,

14.416 Bhṛṅgarāja, Bilva, Śamī, Ketakī und Jāti kommen in den zehnten mittleren Krug, gesondert in die acht anderen, im Übrigen wie zuvor.

14.417 Knollen von Mustā und Nāgaramustā, von Kuvalaya, Kumuda und Utpala, die Knolle von Śītalīyaka,

14.418 ferner die von Kahlāra und Kaśeru gibt er in den mittleren Krug der elften Gruppe, der Reihe nach in die weiteren Krüge, im Übrigen wie zuvor.

14.419 Sprossen von Mungbohnen, Māṣa-Bohnen, Niṣpāva, Śimba, Vrīhi-Reis und Gerste sowie von Āḍhaka und Kuluttha gibt er in den zwölften

14.420 mittleren Krug, gesondert in die Achtergruppe und bei den sechzehn wie zuvor, o Brahmane. Sprossen von Śaṅkhapuṣpī, Sadābhadrā, Viṣṇukrāntā und Ekapadma,

14.421 von Balā, Kharamañjarī, Sahā und Sahadevī legt er in den mittleren Krug der dreizehnten Gruppe,

14.422 gesondert in die acht anderen, im Übrigen wie zuvor. Weißen Arka, Brahmadaṇḍī, Brahmasuvarcalā,

14.423 Saraktā, Viraktā, Pṛśniparṇī, Sthirā und Paraṇḍa legt er in den mittleren Krug der vierzehnten Gruppe.

14.424 In die acht anderen gibt er sie gesondert, im Übrigen wie zuvor. Surabhī, Lotusstaubgefäße, Nāgakesara,

14.425 duftendes Blatt, Kardamomrinde, Latā, Moschus und Muskat legt er in den mittleren Krug der fünfzehnten Gruppe,

14.426 gesondert in die Achtergruppe; den Rest führt er wie zuvor aus. Gold, Silber, Kupfer, Eisen, Zinn und Blei,

14.427 Āra-Metall und Bronze legt er in den mittleren Krug der sechzehnten Gruppe, gesondert in die acht anderen; bei den sechzehn verfährt er wie zuvor, o Brahmane.

14.428 Nachdem er so gesammelt die Stoffe der Reihe nach eingesetzt hat, stellt er im Südosten für die Verehrung des Gottes

14.429 die Zutaten für Arghya und die übrigen Gaben sowie Madhuparka bereit. Im Südwesten legt er Kurkuma und Reismehl nieder,

14.430 Dūrvā, ein Aśvattha-Blatt, weiße Senfkörner, unversehrte Reiskörner, Kränze und einen gefüllten Krug für das Nīrājana-Ritual.

14.431 Für die Einreibung bereitet er Weizen- und Reismehl, vermischt mit Kurkumapulver und leicht mit Padmaka durchduftet,

14.432 außerdem Camasī und Ölkuchen, o vorzüglicher Weiser. Für die Gesichtssalbung Sandelholz, das mit zerriebenem Kampfer durchduftet wurde,

14.433 mit Campaka, Murā, Māṃsī und Haribera versehen; für das Waschen des Hauptes legt er zerriebene Āmalaka-Frucht bereit,

14.434 jeweils in gesonderten Gefäßen. Im Nordwesten legt er gewaschenes Tuch, einen Korb und Gefäße mit Blumen, Kränzen und weiteren Gaben bereit.

14.435 Im Nordosten stellt er eiserne Stäbe, Eisenkugeln und eine Zange bereit, o Brahmane.

14.436 Weitere benötigte Dinge stellt er nach Zweckmäßigkeit auf. Oder er ordnet alles Genannte jeweils in einer geeigneten Ecke an.

14.437 Im mittleren Krug der mittleren Neunergruppe des zentralen Einundachtziger-Feldes verehrt er Vāsudeva. Dann, beginnend im Osten,

14.438 in den mittleren Krügen der Neunergruppen der Hauptrichtungen die vier Gestalten von Vāsudeva an in der Reihenfolge ihres Hervorgehens; in den mittleren Krügen der Zwischenrichtungen,

14.439 vom Nordosten bis zum Südosten, dieselben in der Reihenfolge ihrer Rücknahme. In allen Krügen reinen Wassers der mittleren Gruppe verehrt er Satya.

14.440 In den Krügen reinen Wassers der äußeren Neunergruppen der Hauptrichtungen verehrt er der Reihe nach Suparṇa, Garuḍa, Tārkṣya und Vihageśvara.

14.441 In den Krügen reinen Wassers der vier Neunergruppen vom Südosten bis zum Nordosten verehrt er dieselben der Reihe nach.

14.442 In den Einundachtziger-Feldern der Hauptrichtungen, beginnend im Osten, sind in den sechsunddreißig mittleren Krügen der Reihe nach

14.443 die Götter von Padmanābha bis Vedavid zu verehren, o Brahmane, jeweils in einer Neunergruppe von der Mitte bis zum Nordosten.

14.444 In den mittleren Krügen reinen Wassers verehrt er den Herrn in der Gestalt Kalkis. In den Krügen reinen Wassers der äußeren Neunergruppen verehrt er den Herrn

14.445 namens Pātālaśayana, den in der Unterwelt Ruhenden. Danach verehrt er in den mittleren Neunergruppen der Neunundvierziger-Felder in den vier Ecken, vom Südosten an,

14.446 die jeweils ersten der vier Dreiergruppen von Keśava an; in den Krügen der Hauptrichtungen jeweils die zweiten,

14.447 in den Zwischenrichtungen jeweils die dritten, der Reihe nach in den Sechser- und Sechzehnergruppen. Er verehrt die sechzehn Waffen von Cakra bis Vajra

14.448 in den vier Eckgruppen und setzt danach die Śakti ein. In der ersten Fünfundzwanziger-Gruppe südlich des östlichen Bereichs verehrt er

14.449 in den mittleren Krügen Lakṣmī, die alle Güter schenkt, in den acht darum Puṣṭi, in den äußeren sechzehn Kānti, o Brahmane.

14.450 Ebenso verehrt er in den übrigen Fünfundzwanziger-Gruppen der Reihe nach die Śaktis, beginnend mit Prabhā, jeweils zu dritt.

14.451 Dabei setzt er in der fünfzehnten Gruppe die Krone in die äußeren sechzehn Krüge ein. In der letzten Fünfundzwanziger-Gruppe verehrt er die Dreiheit

14.452 von Śrīvatsa, Kaustubha und Waldblumenkranz. Mit den Mantras von Vāsudeva bis zum Waldblumenkranz bringt er der Reihe nach

14.453 jeweils achtundzwanzig Opfergaben geklärter Butter dar, nach Ermessen. Nach den vollen Opfergaben berührt er die Krüge nach dem Saṃpāta-Verfahren.

14.454 Er verschließt alle in der genannten Reihenfolge mit den runden Deckeln und bedeckt sie danach einzeln mit neuen Tüchern.

14.455 Er bringt nochmals die volle Opfergabe dar und trägt Bali für die Wesen in die Richtungen. Das Aufnehmen erfolgt von der Erde bis zu sämtlichen Edelsteinen.

14.456 Zunächst übergießt er ihn, o Einsichtiger, mit dem Mantra »Viṣṇus [Taten] will ich nun …« aus den Erdkrügen vom Osten bis zum Nordosten,

14.457 danach aus dem mittleren Krug mit sämtlichen Erdarten, anschließend aus den sechzehn äußeren Krügen, vom Osten an, o Brahmane.

14.458 Diese Reihenfolge gilt für alle Fünfundzwanziger-Gruppen. Mit »Weit [schreitet] jener Viṣṇu …« vollzieht er das Gussbad mit dem Wurzelwasser. [Die vorausgehende zweite Stoffgruppe enthält überwiegend ganze Pflanzen; die Bezeichnung wechselt hier.]

14.459 Mit »Zu dir, Viṣṇu …« [Mantraanfang beschädigt] verwendet er das Wasser mit Rindenauszügen; mit »Dessen drei volle …« die Krüge mit frischen Trieben.

14.460 Mit dem Mantra »Dieses sein …« verwendet er die mit Blüten gefüllten Krüge; mit »Euch beide …« jene mit weißem Senf und den weiteren Stoffen.

14.461 Mit »Euch den schützenden …« verwendet er das Wasser mit Sesam und den weiteren Stoffen; mit »Jenseits des Maßes …« das Wasser mit Ṣaṣṭi-Reis und den weiteren Zutaten.

14.462 Mit »Nicht deinen, Viṣṇu …« verwendet er das Wasser mit Kuśa-Wurzeln; danach mit »Nahrungsreiche …« das Wasser mit Tulasī und den weiteren Blättern.

14.463 Mit »Von dort mögen die Götter …« verwendet er das Wasser mit Mustā-Knollen und den weiteren Stoffen; mit »Dieses [All] hat Viṣṇu …« die Krüge mit Mungbohnenkeimen und den weiteren Sprossen.

14.464 Mit »Drei Schritte …« verwendet er das Wasser mit Śaṅkhapuṣpī und den weiteren Pflanzen, danach mit »Viṣṇus Taten …« das Wasser mit weißem Arka und den weiteren Stoffen.

14.465 Mit »Jenes Viṣṇus …« verwendet er das Wasser mit Surabhī und den weiteren Duftstoffen, danach mit »Dies die begeisterten Weisen …« das Metallwasser.

14.466 Mit den einundachtzig östlichen Krügen vollzieht er das Bad der Reihe nach. Die Reihenfolge der Neunergruppen beginnt im Osten und endet in der Mitte.

14.467 Mit der östlichen Neunergruppe beginnt er unter dem Vers »Dem weiten Opfer …«; mit der südöstlichen unter »Indra und Viṣṇu, befestigt …«.

14.468 Mit der südlichen Neunergruppe übergießt er unter »Dieses Sinnen …«, danach mit der südwestlichen unter »Vaṣaṭ dir, Viṣṇu …«.

14.469 Mit der westlichen unter »Drei Stimmen …«, o Einsichtiger, mit der nordwestlichen unter »Der die Pflanzen wachsen lässt …«.

14.470 Mit der nördlichen Neunergruppe unter dem als »starīratvadabhavati« überlieferten Mantraanfang [beschädigt, nicht zuverlässig übersetzbar], mit der nordöstlichen unter dem Vers »In dem alle …«.

14.471 Mit der mittleren vollzieht er das Bad unter »Dieses Wort an Parjanya …«. Danach badet er den Allgegenwärtigen mit den einundachtzig südlichen Krügen,

14.472 der Reihe nach mit den Mantras von »Den tausendköpfigen Gott …« bis »Durchgehend mit Adern …«:

14.473 Mit acht Mantras verwendet er die acht Neunergruppen vom Osten an, o bester Weiser; mit allen diesen Mantras zusammen die mittlere Gruppe.

14.474 Dann übergießt er ihn mit den einundachtzig westlichen Krügen. Mit »Die das Meer zum Ältesten haben …« verwendet er die östliche Neunergruppe.

14.475 Mit dem Mantra »Die Wasser, die himmlischen …« verwendet er Wasser aus Stufenbrunnen, Brunnen, Teich, Meer, See und Regen.

14.476 Mit dem Vers »Deren König …« badet er ihn mit Flusswasser, danach mit »In denen der König …« mit Schneewasser.

14.477 Mit den vier Versen, beginnend mit »Die das Meer zum Ältesten haben …«, verwendet er die mittlere Gruppe. Danach übergießt er ihn der Reihe nach mit den einundachtzig nördlichen Krügen.

14.478 Mit dem Mantra »Diese hier …« verwendet er die östliche Neunergruppe, mit »Dessen Pflanze …« die südöstliche.

14.479 Mit »Zusammen, Krankheit …« die südliche, mit »Andere unter euch …« die südwestliche, mit »Die Früchte tragenden …« die westliche Neunergruppe.

14.480 Mit »Es befreie mich von Verfluchung …« die nordwestliche Neunergruppe, mit »Die Wasser mögen reinigen …« die nördliche.

14.481 Mit »Die Pflanzen, deren König Soma ist …« verwendet er die nordöstliche Gruppe, mit »Die Pflanzen, deren König Soma ist, die verteilt sind …« die mittlere.

14.482 Danach übergießt er ihn mit den neunundvierzig südöstlichen Krügen: mit der Gāyatrī verwendet er die östliche Sechsergruppe, mit »Die durch Duft Zugängliche …« die südliche,

14.483 mit »Milchreiche Pflanzen …« die westliche Sechsergruppe, danach mit dem Vers »Von Dadhikrāvan …« die nördliche.

14.484 Mit dem Hymnus »Recht strömen die Flüsse …« übergießt er ihn mit geklärter Butter. Dann verwendet er die neunundvierzig südwestlichen Krüge.

14.485 Mit der Yajus-Formel »Du bist Glanz …« badet er ihn mit Öl, danach unter dem zwölfsilbigen Mantra vom Osten an mit Rohzuckerwasser.

14.486 Im Nordwesten verwendet er mit »Du bist Glanz …« das Senföl; danach unter dem zwölfsilbigen Mantra sämtliche Krüge mit Zuckerrohrsaft.

14.487 Mit den Mantras, beginnend mit »Honigsüß [wehen] die Winde …«, verwendet er die honiggefüllten Krüge, mit dem zuvor genannten Mantra der Reihe nach das Kokoswasser.

14.488 Mit demselben Mantra verwendet er danach vom Südosten bis zum Nordosten warmes Wasser, das unmittelbar zuvor durch das Einlegen stark erhitzter Eisenkugeln erwärmt wurde.

14.489 Dann reibt er den Gott unter dem Mantra »Wie von einem Pfosten …« ein und gibt unter »Nicht unser Kind …« Āmalaka auf sein Haupt.

14.490 Er spült ihn mit reichlich reinem, wohlriechendem Wasser ab und badet ihn dann der Reihe nach mit den einundachtzig mittleren Krügen.

14.491 Mit dem Vers »Tausendköpfig …« verwendet er die acht in den Richtungen stehenden Krüge der östlichen Neunergruppe, mit dem zweiten Vers deren mittleren Krug.

14.492 Mit jeweils zwei Versen verwendet er der Reihe nach die sieben weiteren Neunergruppen. Mit dem gesamten Puruṣasūkta badet er langsam und behutsam

14.493 den Herrn der Götter aus der mittleren Neunergruppe. Oder er verwendet der Reihe nach die Mantras, beginnend mit »Den Herrscher über alles …«,

14.494 die in der Mahopaniṣad enthalten sind, mit den acht Krügen der Richtungen; mit »Nārāyaṇa allein …« den mittleren Krug.

14.495 Oder, o bester Zweimalgeborener, er badet ihn mit sämtlichen Krügen von den Erdstoffen bis zu allen Edelsteinen der Reihe nach unter dem zwölfsilbigen Mantra.

14.496 Damit ist das Aufnehmen erklärt. Höre nun die Reihenfolge der Handlung, o Brahmane. Am Morgen hat der leitende Lehrer gebadet und das glückverheißende Schutzband angelegt.

14.497 Gemeinsam mit den anderen Lehrern betritt er den Tempel und vollzieht wie zuvor den täglichen Dienst.

14.498 Dann begibt er sich zum Opferpavillon, füllt das Maṇḍala mit farbigen Pulvern, verehrt im Krug und im Maṇḍala und betritt wieder den Tempel.

14.499 Dort verehrt er das Hauptbild mit Arghya und den weiteren Genussgaben. Aus diesem ruft er die göttliche Gegenwart in das Badebild herab und verehrt es ebenso.

14.500 Er schmückt es mit verschiedenen Gewändern, Kränzen und Schmuckstücken und setzt es, mit allen Zierden versehen, auf eine Sänfte oder ein anderes Tragegestell.

14.501 Nach der zuvor beschriebenen Weise bringt er es in den Badepavillon, o Brahmane, setzt es auf den Badesockel und verehrt es nach der zuvor gelehrten Vorschrift

14.502 der Reihe nach bis zur Hingabe seiner selbst. Danach vollzieht er das Binden des Schutzbandes für den Gott der Götter.

14.503 Vor dem Gott bereitet er mit Kuhdung eine reine Kreisfläche, schmückt sie mit Mehlpulver und stellt Pflanzschalen an die Ecken.

14.504 Er bereitet eine Unterlage aus ungeschältem Reis und stellt darauf ein goldenes oder silbernes Gefäß, gefüllt mit geschältem Śāli-Reis,

14.505 in der Menge eines Khāri oder der Hälfte, geschmückt mit Betel. Darauf legt er einen vierfachen Seidenfaden. [Die überlieferte Maßbezeichnung ist beschädigt.]

14.506 Er bespricht ihn mit dem Waffenmantra und verehrt ihn mit Blumen. Dann setzt er das Gefäß auf das Haupt eines dem Dienst ergebenen

14.507 Schülers und lässt den Pavillon viermal nach rechts umwandeln, begleitet von allen Segenszeichen. Findet die Handlung im Innern des Tempels statt,

14.508 oder in der ersten oder zweiten Umfriedung, vollzieht man ebenfalls vier Rechtsumläufe, bei beschränktem Platz zwei.

14.509 Vor dem Gott stellt man das Gefäß auf eine Unterlage. Unter dem Ruf des glückverheißenden Tages verehrt man den Gott mit Arghya und weiteren Gaben.

14.510 Dann verehrt man den Schutzfaden, der mit Duftstoffen und Räucherwerk durchduftet wurde, und bindet das Schutzband an die rechte Hand des Gottes der Götter.

14.511 Erneut verehrt man ihn mit Arghya und weiteren Gaben und erfreut mit Betel die Zweimalgeborenen, die Eingeweihten und die Vaiṣṇavas, voran den leitenden Lehrer.

14.512 Der Ācārya selbst nimmt die Hälfte des Reises und der weiteren Gaben an. So soll bei allen Opferfeiern das Schutzband angelegt werden.

14.513 Sind die vorgeschriebenen Handlungen an den Krügen zuvor aus irgendeinem Hinderungsgrund nicht ausgeführt worden, vollzieht man jetzt alles.

14.514 Man verehrt den Herrn der Reihe nach mit den für den Badesitz vorgeschriebenen Diensten bis zur Gesichtssalbung und badet ihn dann mit den Krügen nach der gelehrten Weise.

14.515 Die beim Bad verbleibenden Reste aus sämtlichen Krügen füllt man in ein weiteres Gefäß. Zwischen den einzelnen Stoffen

14.516 badet man ihn mit reinem Wasser und verehrt ihn mit Tuch, Arghya und weiteren Gaben. Nachdem man ihn so vorschriftsgemäß gründlich gebadet hat, nimmt man mit Kurkumapulver gefüllte Krüge,

14.517 die zuvor nach der für das Schutzband beschriebenen Weise vorbereitet wurden: fünfundzwanzig, neun oder fünf Krüge,

14.518 oder auch einen. Unter der zwölfsilbigen Brahmavidyā gibt man dieses Pulver auf das Haupt des Gottes und verehrt ihn erneut mit Arghya und weiteren Gaben.

14.519 Man streicht es über seinen ganzen Leib und lässt es auf die Häupter der Verehrer geben. Nachdem man Viṣvaksena mit seinem Mantra davon gegeben hat, o Brahmane,

14.520 vollzieht man das Gussbad in tausend Strömen mit reinem Wasser. Nach Sandelholz und weiteren Gaben bringt man den Herrn vom Badesockel

14.521 zum Schmucksitz und verehrt ihn, beginnend mit dem Sitz, wie zuvor mit den durch Berührung dargebrachten Diensten, mit vielfältigen Ehrengaben

14.522 und mit den verschiedenen anmutigen, »das Herz erfreuend« genannten Gaben. Nachdem man ihn so bis zur Gabe an die Zweimalgeborenen oder bis zum Feueropfer verehrt hat,

14.523 setzt man ihn auf eine Sänfte oder ein anderes Tragegestell und lässt ihn wie zuvor im Rechtsumlauf in das Innere des Tempels einziehen.

14.524 Dort nimmt man das Bild vom Tragegestell und stellt es an seinen eigenen Platz. Man verehrt es mit Arghya und den weiteren Genussgaben, ebenso das Hauptbild,

14.525 bringt den vollzogenen Dienst dar und führt die rituelle Entlassung aus. Danach [schmückt man] das Festbild mit bunten Gewändern …

14.526 Danach [schmückt man] das Festbild mit bunten Gewändern, vielen schönen Schmuckstücken und wohlriechenden Kränzen. [Die erste Vershälfte wiederholt die zweite Hälfte von 14.525.]

14.527 Man setzt es auf eine Sänfte und lässt es nach der für Feste gelehrten Weise in den Versammlungspavillon einziehen.

14.528 Dort nimmt man es vom Fahrzeug und setzt es auf einen schönen, breiten goldenen Sitz oder einen Bhadra-Sitz mit bunter Auflage, o Brahmane.

14.529 Man verehrt es auf die in ihrer Reihenfolge gelehrte Weise besonders mit vielfältigen Genussgaben, beginnend mit den durch Berührung dargebrachten Diensten.

14.530 Dann bringt man die große Speisegabe dar, vollzieht alles der Reihe nach bis zur Gabe an die Zweimalgeborenen und sättigt ihn anschließend im Feuer.

14.531 Nach der Darbringung der gesamten Handlung und den weiteren Abschlussriten setzt man den Gott, den Herrn der Welt, auf ein Fahrzeug oder Tragegestell und lässt ihn unter allen Segenszeichen

14.532 in den Tempel einziehen. Dort nimmt man ihn vom Fahrzeug, stellt ihn an seinen eigenen Platz und verehrt ihn mit Arghya, Duftstoffen und weiteren Gaben.

14.533 Ebenso verehrt man das Hauptbild und bringt den vollzogenen Dienst dar. Mit dem nach dem Bad im Krug gesammelten Wasser besprengt man der Reihe nach

14.534 sämtliche Gottheiten an den Eingängen und in den Umfriedungen, in der Reihenfolge der Bali-Darbringung, und verehrt sie.

14.535 Man gibt ihnen Bali, übergießt mit dem Rest den Herrn der Scharen und verehrt ihn mit Arghya, Duftstoffen und weiteren Gaben. Bei einer vereinfachten Ausführung

14.536 vollzieht man das Besprengen der Gottheiten und das Übergießen des Herrn der Scharen bereits am Ende der Verehrung des im Badebild gegenwärtigen Gottes,

14.537 jeweils in der gehörigen Reihenfolge. Danach erfreut der Auftraggeber, o Brahmane, die Ācāryas und Sādhakas mit verschiedenen wertvollen Gaben.

14.538 Auch alle anderen Vaiṣṇavas erfreut er nach Kräften. Er soll Speisen und weitere Verpflegung für alle ohne Einschränkung bereitstellen lassen.

14.539 So ist die Reihenfolge der Handlungen bei allen Gussbädern. [Bei den übrigen Formen] lässt man das Besprengen der Gefolgegottheiten und die Bali-Darbringung aus.

14.540 Die große Speisegabe führt man aus, wenn die Mittel vorhanden sind. Die ersten fünf Gussbäder, beginnend mit Pradhāna,

14.541 verwendet man beim täglichen und ebenso beim anlassbezogenen Dienst, o Brahmane. Die fünf folgenden, von Sūkṣmasūkṣma bis Sthūlasthūla,

14.542 werden bei der Einsetzung der viergestaltigen Gottheit und der weiteren Götter ausgeführt. Bei Sonnenwenden, Tagundnachtgleichen sowie Mond- und Sonnenfinsternissen

14.543 vollzieht man in der Hauptausführung das höchste Gussbad der ersten Art; in vereinfachter Ausführung dessen mittlere Form. Die vier Formen von der niedrigeren an

14.544 verwendet man, o vorzüglicher Weiser, in wiederkehrender Reihenfolge bei den acht Sonnenübergängen zwischen den beiden Sonnenwenden.

14.545 Am Anfangstag eines Festes und an dessen Ende vollzieht man die höchste Form der niedrigsten Stufe, als vereinfachte Alternative deren mittlere Form.

14.546 Bei der großen Speisegabe verwendet man deren geringste Form. Entsprechend Ort und Zeit kann man auch die zweite Neunergruppe,

14.547 die dritte oder die vierte der Reihe nach anwenden. Bei auszuführenden Sühnehandlungen können all diese Formen vorgesehen werden.

14.548 Die jeweiligen Arten der Gussbäder werde ich dort später ausführlich lehren. Damit ist die Vorschrift für die Gussbäder nach der Weise der göttlichen Schrift richtig und vollständig erklärt. Was möchtest du noch hören?

Spirituelle Erläuterung zu Kapitel 14: Das Kapitel entfaltet eine detaillierte Tempelliturgie. Wasser, Pflanzen, Nahrung, Edelsteine und Metalle werden als Träger einer auf Viṣṇu bezogenen Gottesgegenwart verstanden. Die vielen Zuordnungen münden in die ausdrückliche Möglichkeit, Vāsudeva als Gottheit aller Bestandteile zu verehren (14.309). Die äußere Vielgestaltigkeit erhält so eine gemeinsame innere Ausrichtung. Für Yoga-Aspiranten ist daran vor allem die Haltung sorgfältiger, gesammelter Darbringung bedeutsam. Auch die Versorgung aller Anwesenden ohne Einschränkung (14.538) gehört zum Abschluss des Dienstes. Die umfangreichen Stofflisten beschreiben eine überlieferte Fachpraxis; unsicher überlieferte Pflanzen- und Steinnamen bleiben als solche erkennbar.

Kapitel 15

Eingang. Glück und Segen! Fünfzehntes Kapitel.

15.1 Sanaka sprach: Im Zusammenhang mit dem Erscheinen des von selbst offenbar gewordenen Heiligtums hast du die Einsetzung angedeutet, o Brahmane. Erkläre sie mir heute ausführlich.

15.2 Śāṇḍilya sprach: Höre; ich werde den Gegenstand erläutern, nach dem du gefragt hast. Im großen Pauṣkara-Śāstra hat der Erhabene selbst,

15.3 der großherzige Vāsudeva, dem Lotusgeborenen die Einsetzung sehr ausführlich gelehrt. Die Anweisungen sind dort an vielen Stellen verteilt.

15.4 Aus all diesen Stellen entnehme ich das Wesentliche und erkläre es dir durch seine Gnade. Mit den göttlichen Mantras aus dem ursprünglichen Veda, die unmittelbar das wahrhaft seiende Brahman bezeichnen,

15.5 den Mantras von Bala an, vollzogen, gewährt die Einsetzung seine Stätte. Eine Einsetzung mit dem in der Lehrtradition angegebenen Mantra samt seinen Gliedern und den Mantras von Bala an

15.6 wird als Lebensfülle und Befreiung gewährend bezeichnet. Mit dem Grundmantra samt seinen Gliedern, verbunden mit Erkenntnis und Meditation,

15.7 vollzogen, o Brahmane, gewährt die Einsetzung die Vollendung im Mantra. Wird sie mit den Mantras des Ekāyana genannten Veda, anderen Mantras der drei Veden

15.8 und dem in der Lehrtradition angegebenen Mantra samt seinen Gliedern vollzogen, gewährt sie neben irdischen Freuden die Fähigkeiten von Aṇimā an.

15.9 Mit den göttlichen Mantras von Bala an und mit weiteren Mantras der drei Veden vollzogen, gewährt sie die sechs göttlichen Vollkommenheiten zusammen mit den Früchten der Opfer.

15.10 Die Einsetzung mit Ṛg-, Sāman- und den weiteren Mantras, verbunden mit der jeweiligen meditativen Durchdringung, und mit dem Grundmantra samt seinen Gliedern, o Einsichtiger,

15.11 gewährt alle Lebensfreuden und schließlich die Frucht des Mantras. Wird sie allein mit den zum jeweiligen Anlass passenden Śruti-Mantras vollzogen,

15.12 zusammen mit Konzentration, Meditation über den Erhabenen und Mantra-Nyāsa, durch den leitenden Lehrer für die Verehrer des höchsten Herrn,

15.13 so ist sie als allgemeine Form zu verstehen, die wie ein Opfer alle Lebensfreuden gewährt. Für die von eigennützigen Wünschen Freien gewähren alle Formen mit der Zeit die höchste Frucht.

15.14 So ist die Einsetzung nach der Verschiedenheit der Mantras siebenfach erklärt. Ein vorzüglicher Zweimalgeborener, der den Erhabenen verehrt, ihm ergeben ist und stets an ihn denkt,

15.15 frei von den Gegensatzpaaren, immer in Sattva gegründet, über die innere Bedeutung des zwölfsilbigen Mantras meditierend, der das offenbarte höchste Selbst in den Vyūhas und weiteren Gestalten kennt,

15.16 dessen höchste Festigkeit in den göttlichen Mantras von Bala an liegt, der die Handlungen der Reihe nach unmittelbar [dem Herrn] übergibt,

15.17 dessen Herz stets an der ewig vollendeten göttlichen Gestalt und an ihrer höchsten Wirklichkeit hängt: Bei ihm wird jener gegenwärtig,

15.18 der Herr der Welt in Mantragestalt, das höchste Selbst, der Herr Acyuta. Daher gilt die von einem solchen vorrangig Befugten vollzogene Einsetzung

15.19 als Hauptausführung, die die für die Einsetzung gelehrte Frucht gewährt. Wer zuvor im Dharma der drei Veden gefestigt war, dann die Einweihung empfangen hat und seine Sinne beherrscht,

15.20 die Mantras kennt, im rituellen Handeln erfahren ist und die Wahrheit der Pāñcarātra-Lehre versteht: Die von ihm vollzogene Einsetzung erkenne als ergänzende Ausführungsform.

15.21 Die Verbindung des über alles erhabenen Wesens mit der höchsten viergestaltigen Wirklichkeit, mit den Vyūhas in ihrem ruhenden und hervortretenden Zustand, mit sämtlichen Gestalten von Keśava an,

15.22 ebenso mit den Vibhava-Erscheinungen, die ihrem Wesen nach eine einzige Gestalt bilden, und mit dem einen Keim aller Welten,

15.23 dem stets offenbar gegenwärtigen, allumfassenden Vāsudeva, mit den drei Gestalten von Acyuta an und mit deren Unterformen,

15.24 mit dem höchsten viergestaltigen Herrn in seinem ruhenden und hervortretenden Zustand: Diese Handlung der Verbindung wird Pratiṣṭhā genannt.

15.25 Die Verbindung mit Sockel, Brahma-Stein und Erkenntnissäule des viergestaltigen Herrn, der in die vier Himmelsrichtungen blickt,

15.26 ist als Supratiṣṭhā zu verstehen, welche die Entfaltung in den Richtungen vervollständigt. Die erhaltende Kraft besitzt ihrem Wesen nach eine ungestaltete, unvergängliche Form.

15.27 Um Bestand und rituelles Wirken zu ermöglichen, nimmt sie die Gestalt des Brahma-Steins an. Der gesamte Brahma-Stein bis hinunter zur Erde, o bester Zweimalgeborener,

15.28 ist von diesem Ungestalteten bis zur Wurzel durchdrungen. Eine stoffliche und eine unstoffliche, als Säule gekennzeichnete Gestalt wird angenommen,

15.29 um den sozialen Ständen Gnade zu erweisen, die Ordnung der Himmelsrichtungen zu erhalten, Oben und Unten zu unterscheiden und die Vollendung zu ermöglichen,

15.30 um die Unbewusstheit des aus Wirklichkeitsprinzipien bestehenden Weltsockels aufzuheben und den verschieden gestalteten Prinzipien volle Bewusstheit zu erschließen.

15.31 Dafür wird eine Verbindung angenommen, deren einziges Kennzeichen die Viergestaltigkeit ist. Der ununterbrochene Bestand des einen Acyuta-Keimes

15.32 in den verschiedenen einzelnen Gegenständen wird am Ende der Pratiṣṭhā hergestellt. Die Einsetzung dieser von der Erkenntnissäule nicht getrennten vier Gestalten,

15.33 die in die vier Richtungen blicken, oder die alle in eine Richtung blicken und in einer Reihe aufgestellt sind,

15.34 ist ebenso wie zuvor als Pratiṣṭhā zu verstehen, o bester Zweimalgeborener. Wenn von den gesonderten Vyūha-Gestalten, von sämtlichen Gestalten von Keśava an

15.35 und von der Schar der Erscheinungen zwei oder mehrere, oder nach Wunsch eine einzige, auf einem gemeinsamen Weltsockel stehen,

15.36 wird diese besondere Form der Einsetzung als Pratiṣṭhā bezeichnet. Der unmanifeste Leib der Wirklichkeitsprinzipien, von der Bewusstseinskraft durchdrungen,

15.37 wird in einer beweglichen göttlichen Gestalt unter der bleibenden Vorstellung ihrer Einheit vergegenwärtigt. Bei der Adhivāsa genannten vorbereitenden Weihe des Bildes, o Brahmane,

15.38 wird er mit den heiligen Mantras als unbeweglich oder als beweglich eingesetzt, samt seinen Gliedern und Kennzeichen, entsprechend der gewünschten Absicht.

15.39 Für die Verehrung setzt man ihn aus dem Herzen ein und nimmt ihn nach Erfüllung des Zwecks wieder ins Herz zurück, täglich oder nach einem bestimmten Zeitraum.

15.40 Durch die Entfaltung rechten Erkennens und durch Sattva [das überlieferte anirmalena bedeutet jedoch »nicht rein«] wird die zeitliche Dauer als begrenztes Maß bestimmt. [Der Satz ist textlich unsicher.]

15.41 So wird diese besondere Form der Aufstellung beschrieben. Wenn die Weihe des Brahma-Steins und des Sockels abgeschlossen ist,

15.42 wenn Einreibung, Salbung und Reinigung mit Erde, Asche, Kuhdung und weiteren Stoffen vollzogen wurden und das Bad zur Befriedung der bei der handwerklichen Herstellung entstandenen Mängel ausgeführt ist,

15.43 wenn das Öffnen der Augen vollzogen und ein weiteres Bad abgeschlossen ist, hebt man das Bild mit den Bildhütern, dem Guru und vielen Helfern kraftvoll an.

15.44 Es wird zunächst vorschriftsgemäß ohne Mantra aufgestellt. Als dritter Schritt wird mit Vajralepa eine dauerhafte feste Verbindung hergestellt, o Brahmane.

15.45 Wenn die bestimmte Aszendentenzeit gekommen ist, wird durch Mantra-Nyāsa, Konzentration und die Verbindung mit der Bewusstseinskraft daraus die »Einsetzung des bereits Aufgestellten«, Sthitasthāpana.

15.46 Ein Bild kann auf Innenwände des Tempels oder auf Stoff und ähnliche Träger gemalt sein; vorzügliche Sādhakas verwenden es bis zur Erlangung der angestrebten Vollendung.

15.47 Ebenso kann an einem beweglichen Bild samt Sitz der Mantra-Nyāsa vollzogen werden, auch an einem Dienstbild für die tägliche Verehrung, o Brahmane.

15.48 Auch dies ist Sthitasthāpana, hier in der beweglichen Form. Ist ein Bild durch Schäden des Bodens, durch Wasser und ähnliche Ursachen schwer beeinträchtigt,

15.49 wird es herausgenommen und an einem anderen, geeigneten Ort eingesetzt. Diese erneute ordnungsgemäße Aufstellung wird Saṃsthāpana genannt.

15.50 Ist ein Bild durch Blitzschlag und ähnliche Ereignisse schwer beschädigt worden, wird es entfernt. Ist sein Sitz dauerhaft unbeschädigt,

15.51 setzt man vorschriftsgemäß ein ihm entsprechendes, mit den nötigen Merkmalen ausgestattetes neues Bild ein, o Einsichtiger; gegebenenfalls auf einem neuen Sockel.

15.52 Diese besondere Form ist als Sthāpanotthāpana zu verstehen. Nach Urgestalt und den weiteren Gestalten sowie nach beweglich und unbeweglich

15.53 werden die Besonderheiten der Einsetzung, beginnend mit Pratiṣṭhā, achtfach beschrieben. Bei der Urgestalt und den weiteren Gestalten, die auf dem Schlangenlager ruhen,

15.54 heißt die vorschriftsgemäße Verbindung mit dem Sockel Saṃsthāpana, o bester Weiser. Āsthāpana bezeichnet entsprechend

15.55 die Einsetzung sitzender Gestalten; die stehender heißt Sthāpana. Für die auf Suparṇa befindlichen Gestalten wird sie Prasthāpana genannt.

15.56 Nach liegender und den weiteren Haltungen ist sie somit vierfach. Erkenne ferner zwei Arten, je nachdem, ob ein einziges oder mehrere Bilder verwendet werden.

15.57 Ein aus Stein, Edelstein oder Metall gefertigtes Bild, das Gegenstand aller täglichen und weiteren Gussbäder sein kann,

15.58 ohne zusätzliches Dienstbild und ohne Göttinnen, stehend oder sitzend und für sich allein eingesetzt: Dies erkenne als Ekabera, die Anordnung mit einem einzigen Bild.

15.59 Ein Bild aus Ton oder Holz mit einem Dienstbild und weiteren Bildern für sämtliche täglichen und anderen Gussbäder, mit oder ohne Śaktis;

15.60 ein Bild aus Edelstein, hartem Stein oder anderem Stein, das besondere Gussbäder verträgt, jedoch für das tägliche Bad stets von einem Dienstbild begleitet wird;

15.61 ein großes Bild, mit oder ohne Lakṣmī und weitere Göttinnen, das sämtliche täglichen, anlassbezogenen und sonstigen Gussbäder verträgt,

15.62 beziehungsweise ein stets von Śaktis wie Lakṣmī begleitetes Bild: Erkenne dies als die dreifache Bahubera-Anordnung mit mehreren Bildern, o Einsichtiger. [Die Abgrenzung der drei Formen ist im Wortlaut nicht durchgehend eindeutig.]

15.63 Ein gemaltes Bild auf Wand, Holz oder Stoff, verbunden mit einem Dienstbild für die täglichen und sonstigen Badehandlungen,

15.64 ebenso ein Tonbild oder eine der drei gemalten Bildformen, bei deren täglichen und anlassbezogenen Bädern Spiegel und ähnliche Träger verwendet werden,

15.65 kann entsprechend den verfügbaren Mitteln und dem Wunsch mit einem Dienstbild verbunden werden. Erkenne diese vier Formen als besondere Bahubera-Anordnungen.

15.66 Eine Bahubera-Anordnung kann nach Eignung und Wunsch eine stehende, sitzende, liegende oder auf einem Fahrzeug befindliche Gestalt zeigen.

15.67 So werden die Unterscheidungen, beginnend mit Bahubera, fünffach beschrieben. Weitere Dienstbilder, beginnend mit dem Prozessionsbild,

15.68 sind für die jeweiligen besonderen Handlungen sowohl bei Bahubera als auch bei Ekabera entsprechend den Mitteln vorzusehen.

15.69 Höre nun die allen Gestalten gemeinsame Reihenfolge der Einsetzung. Zunächst bestimmt man einen mit den vorgeschriebenen Merkmalen ausgestatteten Tempel samt Bild,

15.70 dessen Vorderseite in die gewünschte Richtung weist. Ist Platz vorhanden, errichtet man davor den Opferpavillon.

15.71 Andernfalls wählt man eine der drei anderen Hauptrichtungen, bei deren Unverfügbarkeit eine Zwischenrichtung oder einen geeigneten Ort. Der Pavillon erstreckt sich von Norden nach Süden,

15.72 in passenden, nach der Āya-Berechnung günstigen Maßen, glückverheißend, frei von Behinderung und erhöht: dreiundfünfzig Ellen und sechzehn Fingerbreiten lang,

15.73 vierzehn Ellen breit, entsprechend Mitteln und Wunsch. Oder zwölf Ellen breit und sechsundvierzig Ellen lang,

15.74 zuzüglich acht Fingerbreiten; oder achtunddreißig Ellen lang und zehn Ellen breit, o bester Zweimalgeborener;

15.75 oder vierunddreißigeinhalb Ellen lang und neun breit; oder dreißig Ellen und sechzehn Fingerbreiten lang

15.76 und acht Ellen breit. So ergeben sich fünf Formen. Sieben, sechs, fünf, viereinhalb

15.77 oder vier Ellen misst der Sockel jeweils in diesen fünf Pavillonformen. In jedem Pavillon fertigt man fünf Sockel aus Erde an.

15.78 Zwischen ihnen lässt man jeweils ein Sechstel ihrer eigenen Breite frei, o vorzüglicher Brahmane. Ihre Höhe legt man

15.79 auf ein Vierundzwanzigstel ihres jeweiligen Maßes fest, o Einsichtiger. Der verbleibende Raum ringsum dient als Umgang. So werden diese Sockel angelegt.

15.80 An den Ecken stellt man Säulen auf, deren Höhe der Breite [der Anlage] entspricht. Auf die Köpfe der Säulen legt man entsprechend bemessene

15.81 weitere, unverzierte Querbalken. Die gesamte ebene Hoffläche, o Brahmane, besitzt Torbögen in den vier Richtungen.

15.82 Ein Torbogen ist ein Drittel der Sockelbreite breit; für alle wird die dreifache Breite als Höhe angegeben.

15.83 Alle besitzen Rad- und Garuḍa-Zeichen, in der Zahl drei, vier oder fünf. Sämtliche Torbögen samt ihren Säulen werden entsprechend den Zwischenräumen bemessen

15.84 und durch Eingraben im Boden befestigt, alle mit den richtigen Merkmalen: unten viereckig, in der Mitte achteckig

15.85 und oben rund, in gleich große Abschnitte geteilt. So bereitet man den Pavillon für sämtliche Opferhandlungen des Erhabenen.

15.86 Auf dem nördlichen Sockel errichtet man einen mit Lotus gekennzeichneten Feueraltar, rund oder viereckig, »Prakāśa« genannt und mit guten Merkmalen,

15.87 an seiner Umfassung und Grundfläche mit Muschelhorn, Rad, Keule und Lotus gezeichnet. Der benachbarte Sockel dient der vorbereitenden Weihe der Stoffe.

15.88 Auf dem mittleren Sockel befinden sich das Maṇḍala und die Verehrung des Mantra- und Waffenkruges. Der vierte dient dem Aufstellen der Badekrüge mit ihren Heilkräutern.

15.89 An einer anderen Stelle darauf befindet sich das Lager. Der fünfte ist der Badesitz, ausgestattet mit einem Bhadra-Sockel und den Badestoffen.

15.90 Er kann auch mit Sand gefüllt werden, o Brahmane. Die Anlage soll Eingänge, Fenster, Türen und Riegel besitzen.

15.91 Nachdem man so für die vorbereitende Weihe einen großen umschlossenen Bereich mit Gebäude eingerichtet hat, lässt man ringsum den dem Tempel entsprechenden Raum frei.

15.92 Dann zeichnet man in den Richtungen acht Feuergruben mit Umfassung und Sockel an. Als vereinfachte Alternative errichtet man sie östlich außerhalb des Pavillons

15.93 oder westlich davon, mit Sockeln und gemeinsamen Torbögen und Säulen, oder auf gesonderten Sockeln, voneinander getrennt.

15.94 Höre, o Brahmane, die verschiedenen Anordnungen der Feuergruben in den Haupt- und Zwischenrichtungen bei der Einsetzung der viergestaltigen Gottheit und der weiteren Götter.

15.95 Sie dienen der Mehrung von großer Fülle, Glück, Lebensdauer und Gesundheit, der Vollendung aller Handlungen und der Beseitigung von Hindernissen.

15.96 Bei Vertauschung bleiben sie fruchtlos, erkenne dies. Für die Befreiung gilt Gleichheit, o Makelloser. Im Osten [steht die Grube] mit zwei Keulenpaaren oder eine viereckige.

15.97 Im Süden befindet sich ein Rad, o Brahmane, im Westen ein Muschelhorn, im Norden ein Lotus mit den gewünschten Blättern.

15.98 Im Südosten bereitet man eine Grube in Gestalt eines Aśvattha-Blattes. Dann eine dreieckige wie zuvor, ohne Lotus [Stelle sprachlich unsicher].

15.99 Für das Feueropfer [folgt die entsprechende Richtungsgrube; Wortlaut beschädigt], im Nordwesten eine achteckige. Den Śrīvatsa genannten Altar in der Gestalt eines Halbmonds

15.100 zeichnet man im Nordosten mit seinen vorgeschriebenen Merkmalen. Vernimm nun aufmerksam eine weitere Anordnung.

15.101 Im Osten ist der Feueraltar rund, im Südosten hat er die Gestalt des Kaustubha; im Süden die eines Rades, im Südwesten die des Śārṅga-Bogens.

15.102 Im Westen hat er wie zuvor die Gestalt einer Keule, im Nordwesten die eines Kranzes; im Norden die eines Lotus, im Nordosten die des Śrīvatsa.

15.103 Für alle ist eine Breite von einem Śama vorgesehen [Maßbezeichnung unsicher]. Ein Zwölftel lässt man für den Rand frei; außerhalb davon

15.104 legt man eine ganz gleichmäßige Umfassung von entsprechender Breite an, sodass die gesamte Anlage mit der Umfassung zwei Śama misst.

15.105 In der Mitte oder außerhalb im nordöstlichen Bereich der Tempelfläche errichtet man einen runden oder viereckigen Altar mit guten Merkmalen.

15.106 Dieser wird in angemessenem Maß für die Sättigungsopfer sämtlicher Handlungen vorbereitet: für die Gottheiten der Baugrundglieder und die Welthüter, o Einsichtiger,

15.107 für den Herrn der Hindernisse, die Torwächter, den Feldherrn und die Erde. Nachdem man den Opferpavillon samt Feuergruben so errichtet hat, schmückt man ihn wie zuvor.

15.108 Er ist viereckig, besitzt vier Eingänge und ist mit Darbha-Kränzen durchzogen. Ist die beschriebene Anlage nicht möglich, errichtet man ihn andernorts mit der Vorderseite in eine geeignete Richtung.

15.109 Entsprechend dem Maß des Bildes kann er vierzehn bis dreißig Ellen oder kleiner bis hinunter zu sechs Ellen messen.

15.110 In der Mitte errichtet man eine ringsum wohlgeformte, glatte Plattform aus gebrannten Ziegeln und ähnlichem Material, mit acht von vierzehn Teilen [des Maßes].

15.111 Bei dieser allgemeinen Ausführung beginnt ihre Höhe mit einem Tāla; bei größeren Anlagen wächst sie jeweils um eine Fingerbreite, bei kleineren nimmt sie entsprechend ab.

15.112 In der Mitte aller Anlagen liegt das Maṇḍala in einem durch Zwei-, Drei- und Achtelanteile bestimmten Bereich [Maßangabe unklar], viereckig, mit vier Eingängen und mit Rad und Lotus geschmückt.

15.113 Im Süden befindet sich das Lager, im Norden die Feuergrube wie zuvor, mit Umfassung, zwei Ellen groß, glückverheißend und mit Rad und Lotus gekennzeichnet.

15.114 Darunter beziehungsweise östlich davon liegt eine viereckige Grube mit keulenförmiger Umfassung; im Süden fertigt man eine mit dem Rad gekennzeichnete an,

15.115 im Westen eine runde, im Norden eine schöne mit Lotuszeichen; in allen Ecken solche mit Muschelhornzeichen. Ihre Maße entsprechen denen der oberen [Grube].

15.116 Bei den vier Pavillonformen bis hinunter zu zehn Ellen haben alle [Gruben] eine einzelne Umfassung; die obere besitzt jedoch sämtliche Umfassungen.

15.117 Die kleineren Pavillons haben jeweils nur eine Feuergrube. Bei der ersten dieser Formen misst sie einschließlich Umfassung zweiundzwanzig Fingerbreiten.

15.118 Jeweils um zwei Fingerbreiten vermindert, beträgt die Grube im sechselligen Haus sechzehn Fingerbreiten. Oder die Umfassung wird zusätzlich bemessen.

15.119 Die erste [Pavillonform] ist acht Ellen hoch; bei größeren nimmt die Höhe jeweils um eine halbe Elle zu. Bei den vier Formen von dreizehn Ellen an vermindert man sie

15.120 der Reihe nach um acht, sieben, fünf und vier Fingerbreiten. Bei den kleineren Formen bis hinunter zu sechs Ellen wird die Höhe nicht weiter vermindert.

15.121 Ebenso gelten Breite und Höhe für die Badehäuser; sie werden jedoch in der Mitte mit Sandplattformen ausgestattet.

15.122 Deren Breite wird in Anteilen von zwei und vier Ellen bemessen [Wortlaut unklar], die Höhe wie zuvor. Die Badehäuser befinden sich vor dem Hauptgebäude oder in einer der drei anderen geeigneten Richtungen.

15.123 Das Gebäude für das Öffnen der Augen soll halb so groß wie das Hauptgebäude sein, mit schönem Sockel, Lager und glückverheißenden Krügen ausgestattet.

15.124 Den Handlungsbereich aller Anlagen schmückt man mit Eckpfosten, umhüllt ihn mit schönen Geweben und versieht ihn wie zuvor mit Rad und weiteren Zeichen.

15.125 Man fertigt [den Badesitz] sehr fest, mit stabilen Füßen und zum Auffangen des Badewassers geeignet; seine Länge übertrifft die Sandplattform um die Hälfte, nach der zuerst genannten Folge,

15.126 vermehrt um eine halbe Elle oder vermindert um vier Fingerbreiten. Seine Breite beträgt die Hälfte seiner Länge; er besitzt eine Ablaufrinne.

15.127 Diesen stellt man in die Mitte der Sandplattform und schmückt sie damit. An den Richtungsseiten des Opferhauses sieht man Zwischenräume für die Eingänge vor.

15.128 Bei größeren Anlagen wachsen sie um einen halben Śama, bei kleineren nehmen sie um Kalā-Anteile ab [Maßangaben unsicher]. Außen errichtet man Torbögen aus festem, zuvor verehrtem Holz.

15.129 Sie messen fünf Ellen, bei größeren Anlagen um eine halbe oder eine ganze Elle mehr. Bei einer anderweitigen Ausführung soll man sie nicht kleiner machen.

15.130 Bei den Anlagen von zehn bis fünf Ellen versenkt man sie einen halben Śama im Boden; bei den größeren erhöht man dieses Maß jeweils um zwei Kalās. [Der erste Satzteil ist beschädigt.]

15.131 Die lichte Weite beträgt ein Drittel der nach dem Eingraben verbleibenden Länge. Alles wird mit Radfahnen, Stoffen, Kränzen und Blütenbüscheln versehen,

15.132 mit Kalk und weiteren Farben, gelben Farbstoffen und Sandelholz bestrichen. All diese sonst getrennten Teile können so zusammengefasst werden, dass sämtliche Handlungen

15.133 dauerhaft in einem einzigen Opferhaus stattfinden, wenn Mittel oder Grundstück fehlen. Eine Fläche von fünfunddreißig Ellen Länge und einem Viertel davon als Breite

15.134 wird so eingerichtet, dass in ihrer Mitte sieben Plattformen von je vier Ellen liegen. Zwischen den Plattformen lässt man jeweils einen Tāla Abstand.

15.135 Durch schrittweise Verminderung um jeweils eine [Elle] erhält man Plattformflächen bis hinunter zu zwei Ellen. Die Abstände nehmen von acht Fingerbreiten an jeweils um zwei ab.

15.136 Bei kleinen Plattformen beträgt der Abstand zwei Golakas [Maßbezeichnung unsicher]. Ebenso ist für alle die Höhe angegeben.

15.137 Ringsum wird das Maß des Umgangs nach dem jeweiligen Sockel bestimmt. Bei beengtem Raum kann man statt der beiden zuerst beschriebenen Pavillons so verfahren.

15.138 In der Mitte befindet sich der Maṇḍala-Sockel, unmittelbar südlich davon das Lager, [daneben] der Aufstellungsort der Badekrüge. [Die Vorlage hat sthāna, wohl statt snāna.]

15.139 Entsprechend nahe links befindet sich der Ort für die Genussgaben und die Sättigung der Mantras; auf dem anderen [Sockel] das Feueropfer der Śruti-Mantras aus Ṛgveda, Yajurveda, Sāmaveda und den weiteren Überlieferungen.

15.140 Das Lager für das Öffnen der Augen wird an einem eigenen Platz eingerichtet; ein weiteres Lager an einem anderen. Man berücksichtigt den Entschluss, die verfügbaren Mittel, Ort, Zeit und die Fachkenntnis der Beteiligten

15.141 und führt dementsprechend alles aus, ohne Mangel oder Übermaß. Was sachgerecht, widerspruchsfrei und dem Gesamtzweck förderlich ist,

15.142 soll man jeweils sorgfältig erwägen und ohne Habgier umsetzen. Denn was für die Götter vorgeschrieben ist, lässt sich je nach Umständen verwirklichen oder auch nicht.

15.143 Daher verzagt der Verständige nicht, wenn die genaue Ausführung nicht möglich ist. Als vorzügliche Ergänzung der Mängel bei der vorgeschriebenen Handlung gilt

15.144 das zuvor Gelehrte, verbunden mit innerer Anteilnahme und Hingabe, gereinigt durch Vertrauen. In den acht Richtungsbereichen um den Tempel vollziehen die Bildhüter wie gelehrt

15.145 die zugehörigen Opfer auf Opferplätzen oder in Feuergruben. Oder der Lehrer selbst opfert dafür in seiner eigenen Grube und [rezitiert] die vier Veden in einer anderen [Zuordnung unklar].

15.146 Er kann auch sämtliche Aufgaben der Bildhüter selbst ausführen, wenn die erforderlichen Mittel oder geeignete Bildhüter fehlen.

15.147 Nachdem man so einen neuen Opferpavillon errichtet hat, o Brahmane, schmückt man ihn mit den zuvor genannten verschiedenartigen Zierden.

15.148 Man stellt acht Fahnen in Weiß, Rot und den weiteren Farben auf, beginnend im Osten; in der Mitte auf der Plattform wiederum in der Reihenfolge der Rücknahme.

15.149 Höre nun noch eine andere Vorschrift zum Bau des Opferpavillons. Östlich oder nördlich des Tempels errichtet man einen Pavillon von zweiunddreißig Ellen Länge,

15.150 o Brahmane, und zwölf Ellen Breite, rechteckig. In seiner Mitte befinden sich fünf Plattformen,

15.151 jede fünf Ellen im Geviert, voneinander jeweils eine Elle entfernt, umgeben von Umgangsraum und geschmückt mit Baldachinen und weiteren Zierden.

15.152 Auf der nördlichen Plattform richtet man die Feuergrube mit ihren vorgeschriebenen Merkmalen ein und legt sämtliche Feueropfergeräte darauf bereit.

15.153 Auf der nächsten Plattform öffnet man die Augen [des Bildes], o Brahmane. Auf der mittleren zeichnet man ein Maṇḍala mit einem einzigen Lotus.

15.154 Auf der vierten breitet man ein buntes Lager aus, o bester Weiser. Auf der fünften im Süden vollzieht man das Bad.

15.155 In den vier Richtungen des Pavillons errichtet man vier Feuergruben, ebenso rings um den Tempel vier weitere.

15.156 Man trägt gesammelt alle erforderlichen Dinge zusammen. Sieben oder fünf Tage vor dem eigentlichen Handlungstag

15.157 bringt man die Keime dar und beginnt anschließend die Handlung. Am Tag vor dem Haupttag ist der vorzügliche Lehrer

15.158 gebadet, in Weiß gekleidet, mit Kränzen geschmückt, hat den Nyāsa vollzogen, ist innerlich ganz ruhig, hat den täglichen Dienst abgeschlossen und trägt für die vorbereitende Weihe sämtlichen Schmuck.

15.159 Er nimmt den glückverheißenden Krug, versehen mit allem Erforderlichen sowie mit Arghya und Fußwasser, und meditiert im Herzen über Acyuta.

15.160 Ihn begleiten Ekāyana-Brahmanen, die der wahren Āgama-Lehre ergeben sind, sowie Kenner des Ṛgveda und der weiteren Veden, die von Grund auf vom Erhabenen erfüllt sind.

15.161 Unter Pauken, Trommeln, Instrumentalmusik und Muschelhornklängen rezitiert man die gepriesenen Śruti-Texte aus Ṛgveda, Yajurveda, Sāmaveda und den weiteren Überlieferungen.

15.162 Nach der Verehrung der Torwächter betritt er das Opferhaus. Er vergegenwärtigt auf seinem Sitz die göttliche Durchdringung, verehrt ihn und setzt sich.

15.163 Er sitzt westlich nahe dem mittleren Sockel, nach Osten gewandt. Vor sich stellt er den glückverheißenden Krug auf eine Unterlage.

15.164 Die Brahmanen, beginnend mit den Kennern des Ṛgveda, lässt er wie zuvor Platz nehmen. Die zuvor genannte Sammlung reiner Stoffe, ergänzt um weitere benötigte Dinge,

15.165 lässt er jeweils dorthin bringen, wo sie verwendet werden. Einen wohlgesinnten, einsichtigen Mantra-Unterweiser,

15.166 der in den Handlungen erfahren ist, setzt er bei allen Verrichtungen zu seiner Rechten ein, o Brahmane, einmütig und gesammelt.

15.167 Er selbst bleibt ungeteilten Geistes und vergegenwärtigt den Sinn der Feueropfer- und Verehrungshandlungen vom Hervorgehen bis zum Nyāsa.

15.168 Er vollzieht alles der Reihe nach, von der Reinigung der Hände bis zum Einsetzen von Cakra und den weiteren Zeichen. Dann lässt er den Ruf des glückverheißenden Tages aussprechen.

15.169 Zuerst lässt er die vier Mantras vom Oṃ-Laut bis zum Pavitra-Mantra rezitieren, verbunden mit dem Puṇyāha-Ruf und den drei Gāyatrīs.

15.170 Danach Ātmānuvāda und Ātmavyūha, Viṣṇusūkta, Śākuna-Sūkta und Śivasaṃkalpa,

15.171 ferner Śrīsūkta, Śaṃsūkta und Bhadrasūkta sowie die Texte von »Mit Wassern …« bis zu den Mantras des Wohlgefallens.

15.172 Zusammen mit den Bildhütern lässt er Puṇyāha, Svasti und Ṛddhi ausrufen und besprengt mit dem Śatadhāra-Mantra und dem mit »Stätten …« beginnenden.

15.173 So soll bei allen Opferfeiern die Puṇyāha-Rezitation stattfinden. Danach verehrt er der Reihe nach nach der zuvor beschriebenen Vorschrift den an den drei Stätten gegenwärtigen Herrn

15.174 und den Erhabenen, den Ursprung der Welt, im Bild, o bester Zweimalgeborener. Dann setzt er die Fahnen samt den Torbögen ein.

15.175 In den acht Fahnen in der Mitte der Plattform verehrt er die Vierheit von Satya an, beginnend im Osten, in der Reihenfolge des Hervorgehens und der Rücknahme.

15.176 Dann lässt er die Ṛgveda-Kenner »Auch die Götter, die achtsamen …« rezitieren. In den vier Torbögen der Hauptrichtungen, beginnend im Osten,

15.177 verehrt er der Reihe nach Suśobhana, Subhadra, Sugandha und Suhotra. Darüber verehrt er das Rad zusammen mit dem Herrn der Vögel,

15.178 an jedem Torbogen, o bester Weiser. Oder diese Verehrung findet schon vorher zusammen mit der Verehrung der Eingangsgottheiten statt.

15.179 Dann lässt er die Sāman-Kenner den Torwächter-Sāman singen. Begleitet von den Bildträgern, die Arghya und Blumen tragen, begibt er sich

15.180 dorthin, wo der Herr des Alls samt Sockel und Brahma-Stein steht. Dort führt er an ihnen das rituelle Anschauen, Antippen und die weiteren Handlungen aus.

15.181 Danach badet er sie mit Badekrügen, die mit dem Cakra- und Waffenmantra besprochen wurden: mit weißen Senfkörnern, Pañcagavya sowie Wasser mit Erde und Asche,

15.182 mit Wasser von Ameisenhügelerde und Wasser mit Cakrāṅka-Heilpflanzen. Er bewegt die Stoffe, verehrt und reibt ein und spült mit Wasser des Waffenmantras ab. [Die Pflanzenbezeichnung ist unsicher.]

15.183 Er verehrt ihn mit Arghya, bindet mit dem entsprechenden Mantra besprochene weiße Senfkörner an die rechte Hand und lässt vor ihm den Vers

15.184 »Den Dämonenvernichter …« rezitieren. Sämtliche Schutzamulette verbindet er mit dem Schutzfaden, umhüllt alles und setzt es auf einen vorzüglichen Wagen.

15.185 Zu dessen Rechten stellt er die Rezitatoren der Anfangsformeln der Handlung auf, zur Linken jeweils vier Brahmanen der Ṛg-, Sāman- und weiteren Überlieferungen.

15.186 Er selbst geht voran, gedenkt der göttlichen Waffe und beseitigt die Hindernisse. Es begleiten ihn Tanz, Gesang, Instrumentalmusik, Lobpreis und Segensrezitation,

15.187 dazu die Ṛgveda-Rezitatoren mit »Dieses [All] hat Viṣṇu durchschritten …«. Danach [rezitieren] die Ekāyana-Kundigen »Oṃ, Verehrung dem Brahman …«,

15.188 ebenso den Śākuna-Sūkta zusammen mit dem Śrīsūkta. Er versorgt Bedürftige nach Kräften mit Gold und weiteren Gaben und führt die Bilder

15.189 zum Opferplatz. Dann nimmt er das Bild vom Wagen oder Tragegestell und bringt es sitzend unter einem Torbogen aus festem Holz unter.

15.190 Auf dem Badeplatz bringt er unter dem Waffenmantra Opfergaben von geklärter Butter und Sesam dar. Oder er bringt zunächst den Sockel samt Brahma-Stein herbei,

15.191 setzt ihn auf der Plattform auf einen am Boden stehenden Bhadra-Sockel und bringt danach das Bild herbei, das er auf den Bildsockel stellt.

15.192 Höre die Besonderheit bei der Aufstellung eines großen Bildes. Man stellt es wie zuvor in der Werkhalle auf und badet es vorschriftsgemäß zur Reinigung seiner Gestalt.

15.193 Dann öffnet man seine Augen und richtet ein großes Gussbad aus, oder ein Bad allein mit reichlich Wasser.

15.194 An den Steinen und den übrigen Teilen führt man ein kurzes Bad samt Verehrung aus. Die Bildhüter und viele weitere Helfer heben das Bild an und setzen es auf einen Wagen.

15.195 Sorgfältig bringen sie es ins Tempelinnere. Nach vorausgehender vorschriftsgemäßer Einlage der Edelsteine setzt man

15.196 das große Bild auf den Sockel. Alles Weitere vollzieht man am Dienstbild. Das Festhalten der Mantras [im Hauptbild] geschieht beim Aufgehen des festgesetzten Aszendenten.

15.197 Was dort vor dem großen Gussbad bis zur vollen Opfergabe auszuführen ist, soll vorher vollständig erledigt werden, o Einsichtiger.

15.198 Man richtet die Handlung so ein, dass der günstige Zeitpunkt nicht versäumt wird. Ebenso verfährt man, o bester Weiser, bei gemalten und weiteren Bildern,

15.199 die keinen mit Edelsteinen versehenen Brahma-Stein besitzen: Bad und weitere Handlungen vollzieht man am Dienstbild oder an einem nahebei aufgestellten Spiegel.

15.200 Fehlt bei ihnen ein Dienstbild, führt man auch das Niederlegen zum Schlaf und die weiteren Handlungen auf einer Unterlage aus; alles vom Einzug bis zum abschließenden Fest wird vollzogen.

15.201 Wird die Einsetzung des Hauptbildes zusammen mit den Śaktis, den Dienstbildern und Garuḍa und weiteren Gestalten vollzogen,

15.202 so bringt man auch diese Bilder auf den Opferplatz. Nachdem der Lehrer das Bild so hineingeführt hat, tritt er gesammelt

15.203 vor das Maṇḍala und stellt dort das Bild vor: »O Erhabener, Herr des Vergangenen und Zukünftigen, für deine Verehrung

15.204 werde ich dieses Bild bei Anbruch des Tages weihen.« Nach dieser Darbringung stellt er die Badekrüge gesondert auf.

15.205 Oder er bringt drei Tage vor dem Handlungstag das Bild samt Brahma-Stein und Sockel von der Werkstätte herbei,

15.206 stellt es auf dem Opferplatz auf und verehrt den Herrn der Götter im Krug, auf dem Maṇḍala-Boden und im Feuer nach der zuvor beschriebenen Weise.

15.207 Er vollzieht die jeweils entsprechende vorbereitende Weihe sämtlicher Gegenstände, beginnend mit dem Bild, und stellt das Bild dem Gott vor.

15.208 Am folgenden Tag beginnt der Guru das Gussbad. Oder er verehrt am dritten Tag zuvor der Reihe nach wie beschrieben

15.209 den an den drei Stätten gegenwärtigen Herrn der Welt und betritt die Werkhalle. Am Nachmittag badet er das Bild zur Reinigung seiner Gestalt

15.210 vorschriftsgemäß und lässt es anschließend im Wasser ruhen. Am folgenden Tag, nachdem der Lehrer den täglichen Dienst vollzogen hat,

15.211 hebt er das Bild aus dem Wasser und bringt es auf den Opferplatz. Sanaka sprach: O Bester der Redner, die Handlung des Ruhens im Wasser

15.212 möchte ich kennenlernen. Erkläre sie mir richtig und ausführlich. Śāṇḍilya sprach: Ich werde die Vorschrift für das Ruhen im Wasser lehren; vernimm sie aufmerksam.

15.213 Zur Reinigung des Tempels und des Bildes, zur Befriedung von Mangel und Übermaß an den vorgeschriebenen Maßen,

15.214 zur Stärkung der Welt und zur vollständigen Vollendung führt man bereits vor Beginn der Einsetzungshandlungen an einem günstigen Tag

15.215 ein Bad mit Pañcagavya und weiteren Stoffen, Verehrung, Feueropfer und Japa des eigenen Mantras aus. Ist dies zuvor

15.216 aus irgendeinem Grund nicht geschehen, vollzieht man dort das Ruhen im Wasser: in einem Fluss, einem länglichen Wasserbecken, einem Teich, einer Quelle oder einem See.

15.217 Wenn die Möglichkeit besteht, führt man es dort vorschriftsgemäß aus. Andernfalls in einer Wasserwanne oder einem großen Metallgefäß,

15.218 oder je nach Verfügbarkeit in einem anderen Gefäß aus Ton oder ähnlichem Material. In seichtem Wasser, nahe einem Verbrennungsplatz, in Salzwasser,

15.219 in scharfem, zusammenziehendem oder bitterem Wasser, in durch Schaum verunreinigtem Wasser, nahe einem Caitya-Baum oder einer Wohnstätte als niedrig geltender Menschen,

15.220 in verfärbtem, geringem, auf salzigem Boden befindlichem oder mit Algen bedecktem Wasser und an ähnlich als mangelhaft geltenden Orten soll man das Ruhen im Wasser nicht ausführen. [Die sozialen Ausschlüsse geben die historische Reinheitsordnung des Textes wieder.]

15.221 Eine, drei oder fünf Nächte lässt man das Bild im Wasser ruhen; je nach Ort und Zeit kann die Handlung auch unmittelbar und kurz vollzogen werden.

15.222 Drei, fünf oder sieben Tage vor der Einsetzung betritt man am Nachmittag die Werkhalle.

15.223 Man besprengt das Bild mit dem Waffenmantra und tippt es dann mit langkörnigem Sesam und weißen Senfkörnern an, die mit dem Waffenmantra besprochen wurden.

15.224 Zur Reinigung seiner Gestalt badet man es mit den sechs Stoffen, beginnend mit weißen Senfkörnern, und schmückt es mit Gewändern, Schmuck, Blumen und weiteren Zierden.

15.225 Wie zuvor bindet man das Schutzband an und setzt das Bild auf einen Wagen oder ein Tragegestell. Unter Śruti-Rezitation, Muschelhörnern, Pauken und weiteren Instrumenten,

15.226 mit verschiedenen Tänzen, Gesängen und anderen Segenszeichen führt man es nach rechts um das Dorf, die Stadt oder den Tempel

15.227 und bringt es zusammen mit den Bildhütern zum Wasser. In einer Halle nahe dem Wasser nimmt man es vom Wagen oder Tragegestell

15.228 und setzt es auf eine Unterlage, nach Osten oder Norden gewandt. Im Wasser soll ein schöner, gegen Wind und Regen geschützter Pavillon stehen,

15.229 mit vier Säulen und vier Torbögen, mit Baldachin und Fahnen, umwunden mit einem Darbha-Kranz,

15.230 versehen mit verschiedenen Früchten und Zweigen reinigender Bäume, mit Perlenschnüren und Kränzen geschmückt,

15.231 mit Lampen in den Ecken und mit Fliegenwedeln verziert. Nachdem man ihn im Voraus hat errichten lassen, vollzieht man den Puṇyāha-Ruf.

15.232 Man reinigt das Wasser wie zuvor und stellt in seiner Mitte einen dem Bild angemessenen Bhadra-Sockel mit Auflage auf.

15.233 Darüber bereitet man mit einem Kissen den mantrischen Sitz, vergegenwärtigt darauf Ananta und verehrt ihn mit Arghya, Duftstoffen und weiteren Gaben.

15.234 Unter dem zwölfsilbigen Mantra gibt man dem Bild Arghya, Fußwasser, Mundspülwasser, duftende Salbung, heilige Schnur und Obergewand,

15.235 Schmuck, Kränze, Licht und Räucherwerk der Reihe nach. Nach dem Auftragen geklärter Butter vergegenwärtigt man die Reihenfolge der Rücknahme.

15.236 Ich werde diese Rücknahme erklären; höre nun genau zu. Man meditiert über sich selbst als den alldurchdringenden, allwissenden, unvergänglichen Viṣṇu

15.237 und vollzieht mit innerer Anteilnahme Viṣṇus vorzügliche vorbereitende Weihe. Unter dem Praṇava hebt man die dem Kultbild zugeordnete Lebensgegenwart empor,

15.238 führt sie heraus und vereint sie mit dem eigenen Selbst als Hari, dem Herrn aller Wesen. Man trocknet die Erde durch Wind und verbrennt sie mit dem durch sein Bīja vergegenwärtigten Feuer.

15.239 Man überflutet sie mit Wasser, trocknet sie durch Wind und löst sie im Feuer auf. Das Feuer nimmt man im Wind zurück und führt den Wind in den Raum über.

15.240 So nimmt der Lehrer die in den feinen Sinnesqualitäten bestehenden Elemente der Reihe nach zurück, zusammen mit den auf das innere Selbst und auf die Gottheiten bezogenen Vermögen und ihren Gegenständen.

15.241 Er nimmt den Raum im Geist zurück, den Geist im Ich-Prinzip, dieses im großen Prinzip und führt auch dieses zur Einheit mit dem Unentfalteten.

15.242 Im friedvollen, unendlichen höchsten Raum, ungeteilt und von der Gestalt der Erkenntnis, meditiert er über ihn als in höchster Glückseligkeit und friedvoller Gestalt ruhend.

15.243 Derjenige, in dem das Unentfaltete aufgelöst ist, der in sich selbst und in seinem eigenen Wesen ruht, ist als Vāsudeva zu erkennen, als Selbst aller Wesen, als alles wirkender Herr.

15.244 In ihm nimmt der Lehrer Erde und die übrigen Prinzipien zurück. Nachdem er so vorschriftsgemäß meditiert hat, umhüllt er das Bild mit einem Tuch.

15.245 Er bedeckt es mit kostbaren Geweben, Darbha und Kränzen. Die Bildhüter rezitieren mit dem Ācārya die vier allumfassenden Mantras,

15.246 den Śākuna-Sūkta und weitere Texte der drei Veden. Gemeinsam mit den lauten Überlieferungsrezitatoren nimmt er das Bild vom Ufer auf

15.247 und legt es selbst im Wasser auf den Sockel, mit dem Haupt nach Osten und dem Gesicht nach Norden, unter dem Mantra »Im Wasser …«.

15.248 Verschiedenartige Pauken erfüllen die zehn Richtungen mit Klang, dazu Siegesrufe, Gesang und weitere Darbietungen, eingeleitet durch den Puṇyāha-Ruf.

15.249 Der Reihe nach vollzieht er den Ātma-Nyāsa und sichert mit dem Waffenmantra die Richtungen. Mit dem Augenmantra betrachtet er das Bild, mit dem Kavaca-Mantra umhüllt er es schützend.

15.250 Er meditiert ringsum außerhalb dieses Ortes über die Welthüter. Dann geht er ans Ufer und umwindet einen Krug mit Fäden.

15.251 Er umhüllt ihn mit zwei neuen Tüchern, versieht ihn mit Deckel und Zweigen und stellt ihn auf; ebenso rechts davon eine Karaka-Kanne.

15.252 Vom Osten bis zum Nordosten stellt er ringsum Krüge auf, jeweils mit Tuch, Deckel, Gold und Darbha-Büschel.

15.253 In den Hauptkrug ruft er Viśākhayūpa, in die Kanne Sudarśana herab und verehrt sie mit Arghya und weiteren Gaben; in den acht Krügen verehrt er Indra und die übrigen Welthüter.

15.254 Hauptkrug und Kanne stellt er in den Bereich des Hauptes des Bildes; die acht verehrten Krüge ordnet er ringsum der Reihe nach an.

15.255 In den Ecken stellt er Pflanzschalen und unauslöschlich unterhaltene Lampen auf und zeigt die Cakra-Mudrā und die Schutz-Mudrā.

15.256 Von nun an soll in diesem Wasser kein gewöhnlicher weltlicher Gebrauch stattfinden. Bilder aus Holz, Metall und Stein lässt man unmittelbar im Wasser ruhen;

15.257 bei anderen Bildern vollzieht man stattdessen ein stellvertretendes Ruhen, Chāyādhivāsana. Ich werde die Vorschrift dafür lehren; vernimm sie.

15.258 Das Bad zur Reinigung der Gestalt vollzieht man an einem Spiegel. Alles Übrige führt man wie zuvor am Bild aus, o Brahmane.

15.259 Vor dem Gottesbild stellt man für das stellvertretende Ruhen eine Wasserwanne oder ein großes Metallgefäß auf,

15.260 oder ein Gefäß aus Ton oder Holz auf einer Getreideunterlage, und füllt es mit Duftwasser, das wie reiner Bergkristall leuchtet.

15.261 Wie zuvor bereitet man eine schöne Unterlage aus Darbha-Blütenständen und ein Büschel aus achtundzwanzig Darbha-Halmen, o bester Zweimalgeborener.

15.262 Der leitende Lehrer ruft darin vorschriftsgemäß den Lehrer der Welt herab, verehrt ihn mit Arghya, Duftstoffen und weiteren Gaben und vergegenwärtigt die Rücknahme.

15.263 Dann legt er die Darbha-Unterlage mit dem Haupt nach Osten ins Wasser. Er zeigt die Cakra-Mudrā und stellt die Krüge und die übrigen Dinge wie zuvor auf.

15.264 Auch für die Śaktis wird eine solche Unterlage wie zuvor bereitet, o vorzüglicher Brahmane; oder man fertigt vorschriftsgemäß ein Büschel aus drei Darbha-Halmen.

15.265 Auch für sie vollzieht man jeweils gesondert das stellvertretende Ruhen. Das ganze Bild umhüllt man ringsum mit einem neuen Tuch

15.266 und streut ringsum weiße Senfkörner auf den Boden. Mit dem Mantra »Den Dämonenvernichter …« stellt man überall Schutz her.

15.267 Alles hier nicht ausdrücklich Genannte führt man wie zuvor aus. Bei Tonbildern und Bildern auf Wänden vollzieht man das stellvertretende Ruhen,

15.268 indem der leitende Lehrer den Tempel betritt. Für die anderen richtet der Guru wie zuvor einen Pavillon beim Opferhaus

15.269 oder eine Hütte ein und vollzieht dort das stellvertretende Ruhen. Für Bilder aus Holz, Metall und Stein kann man, wenn die Mittel vorhanden sind,

15.270 das unmittelbare Ruhen im Wasser in einer Wasserwanne oder einem ähnlichen Gefäß ausführen. Auch dann findet es in einem Pavillon statt.

15.271 Oder man führt es im eigens zum Baden eingerichteten Pavillon aus, oder im Badebereich des Opferhauses.

15.272 Nachdem der vorzügliche Lehrer so das Ruhen im Wasser vollzogen hat, bringt er alles zusammen, was für die Einsetzung beschafft wurde

15.273 und gebraucht wird. Dann reinigt er den Tempel durch Fegen, Bestreichen und weitere Handlungen. Im Opferhaus

15.274 lässt er sämtlichen noch fehlenden Schmuck anbringen. Ungläubige, die verbindliche Ordnung Verletzende, Verächter der Götter und Brahmanen,

15.275 Menschen mit als sündbedingt geltenden Krankheiten, andere als tadelnswert Geltende, Verleumder, Anhänger verworfener Lehren, Menschen mit als niedrig geltendem Lebenswandel, als Pratiloma Eingeordnete und Neidische,

15.276 Habgierige, Toren und Unkundige soll er gewaltsam entfernen lassen. [Historische Ausschlussvorschrift des Textes, keine heutige Praxisempfehlung.] Am Nachmittag des dem Handlungstag vorausgehenden Tages, o Brahmane, begibt sich der Guru selbst

15.277 mit den Bildhütern zum Ort des Ruhens im Wasser und hebt das Bild, den Hauptkrug und die übrigen Krüge aus dem Wasser.

15.278 Er entlässt die darin gegenwärtigen Gottheiten, stellt das Bild auf einer Unterlage am Ufer nach Osten gewandt auf und wäscht es mit Wasser.

15.279 Ist es aus Metall, verwendet er zur Reinigung Tamarindenfruchtwasser. Dann vollzieht er vorschriftsgemäß die Reihenfolge der Schöpfung wie zuvor, o Einsichtiger,

15.280 schmückt es mit schönen Gewändern, Schmuck, Blumen und weiteren Zierden und setzt es auf ein Fahrzeug, begleitet von Muschelhörnern, Pauken und weiteren Instrumenten.

15.281 Nach einer Rechtsumwandlung des Dorfes oder Tempels bringt er es ins Opferhaus, nimmt es vom Fahrzeug und stellt es

15.282 an den zuvor genannten Platz. Danach beginnt der Guru das Gussbad. Bei gemalten und ähnlichen Bildern betritt er mit den Bildhütern den Tempel,

15.283 hebt das zuvor eingelegte Darbha-Büschel aus dem Wasser und nimmt vom Bild Gewänder, Schmuck und Kränze ab.

15.284 Auf dem für das Aufstellen der Badekrüge bestimmten Sockel richtet er das zuvor beschriebene Sthūlapara-Gussbad ein, o Brahmane.

15.285 Wo ein besonderer Badepavillon vorgesehen ist, stellt er darin die Krüge auf, vom Osten bis zum Westen, links vom Gott der Götter,

15.286 vom Südosten bis zum Südwesten, für das Sthūlapara genannte Gussbad. Dahinter richtet er Sthūlasūkṣma ein,

15.287 vom Nordosten bis zum Südosten. Rechts vom Gott, vom Nordosten bis zum Nordwesten,

15.288 richtet er der Reihe nach das Sthūlasthūla genannte Bad ein. Am Tag der vorbereitenden Weihe vollzieht man das Sthūlapara genannte Bad.

15.289 Am Tag der Einsetzung vollzieht man Sthūlasūkṣma; am vierten Tag folgt das Sthūlasthūla genannte Gussbad.

15.290 Der Guru badet ihn jeweils am betreffenden Tag mit dem entsprechenden Bad. Nachdem er die Badekrüge so der Reihe nach wie zuvor aufgestellt hat,

15.291 bereitet er nach Abschluss ihrer Darbringung zwei Arten von Lager. Zuerst richtet er das Lager für das Öffnen der Augen her.

15.292 Unter dem zwölfsilbigen Mantra besprengt er den Sockel und breitet reichlich Darbha mit den Spitzen nach Osten oder Norden aus.

15.293 Er legt fünf Bhāra ungeschälten Reis oder die Hälfte davon in runder oder viereckiger Form aus und breitet Decken darüber.

15.294 Er bereitet bunte Kissen und die übrigen Teile des Lagers und stellt glückverheißende Krüge in den acht Richtungen auf.

15.295 Dann bereitet er das Lager für die vorbereitende Weihe des Bildes. Auf der dafür bestimmten Plattform zeichnet er ein Svastika-Maṇḍala

15.296 mit Pulver oder Blumen in vier leuchtenden Farben. Darauf breitet er Darbha mit den Spitzen nach Osten und Norden aus.

15.297 Er legt fünf Bhāra ungeschälten Reis darauf, darüber die Hälfte dieser Menge reinen geschälten Reis und darüber wiederum die Hälfte Sesam.

15.298 Diese Schichten legt er übereinander und darüber Puffreis. Ein sehr festes, glattes hölzernes Bettgestell mit vier Rahmenteilen,

15.299 vier Füßen, breit und rechteckig, das Khaṭvā genannte Lager, stellt er darauf.

15.300 Er breitet Seide, eine weiche Matratze und eine Decke aus. Oder er legt lediglich eine Matratze darauf, o Brahmane.

15.301 Lässt man Bettgestell und Polster weg, legt man auf den Puffreis eine neue kostbare Decke und darüber ein neues Baumwolltuch.

15.302 In die Mitte legt man ein Leinentuch, darüber ein buntes Tuch. Das Lager wird mit Kopfkissen und Fußpolster ausgestattet,

15.303 mit neuen, reinen Seitenkissen und mit Tüchern, die mit angenehmem Räucherwerk durchduftet sind und Blumenduft tragen.

15.304 Vom Osten bis zum Nordosten stellt man fadenumwundene, wassergefüllte, gleichmäßige und glatte Krüge auf, mit Deckeln und Tüchern,

15.305 mit schönen Edelsteinen und Zweigen versehen, auf Getreidehaufen. Von Osten an versieht man sie der Reihe nach mit Muschelhorn, Rad, Keule, Lotus und Fahne,

15.306 ferner mit Śrīvatsa, Garuḍa und Schildkröte, aus Gold gefertigt. Zwischen den Krügen legt man glückverheißende Gegenstände auf Getreide nieder.

15.307 Ebenso stellt man in den Ecken mit Tüchern bedeckte Pflanzschalen auf. Nachdem man so die beiden Lager bereitet hat, verehrt man darunter

15.308 Ananta, den Träger von allem, und darüber den alldurchdringenden Herrn. Vom Osten an verehrt man in der Reihenfolge des Hervorgehens und der Rücknahme.

15.309 Man lässt den Sarpasāman und weitere [Gesänge] rezitieren, die Erkenntnis und Kraft verkörpern. Unter dem Grundmantra bringt man einhundertacht Opfergaben dar und bereitet anschließend

15.310 das Maṇḍala mit reinigenden, glückverheißenden Farben, beginnend mit Weiß. Zur Befriedung von Mangel und Übermaß opfert man ins Feuer und weiht danach die Feuergruben.

15.311 In einem Krug nahe jeder Grube verehrt man den viergestaltigen Herrn in der Reihenfolge des Hervorgehens und der Rücknahme.

15.312 Oder man verehrt das Herzmantra und die weiteren Gliedmantras in den Hauptrichtungen, das Waffenmantra in den Zwischenrichtungen. Nach der zugehörigen vollen Opfergabe lässt man »Aus der Fülle die Fülle …« rezitieren,

15.313 danach die entsprechende Rezitation der Ekāyana- und Yajurveda-Kundigen [Satzanschluss unsicher]. Nachdem alles so vorbereitet ist, begibt man sich zum Bild.

15.314 Der Guru verehrt es mit Arghya und weiteren Gaben und beginnt das Gussbad. Zuerst übergießt er das Bild unter dem Waffenmantra mit Wasser aus den Segenskrügen,

15.315 danach badet er es mit dem Erdwasser. Dabei lässt er die Kūṣmāṇḍa-Mantras und anschließend die Bala-Mantras rezitieren.

15.316 Danach verwendet er den Kuhdungkrug und lässt »Hier die Kühe …« rezitieren. Asche verwendet er unter dem rezitierten Mantra »Bhūtistam …« [Zitat beschädigt].

15.317 Danach verwendet er Pañcagavya und lässt den Śaṅkara-Gesang rezitieren. Er verehrt wie zuvor und wäscht vorschriftsgemäß mit Camasa-Wasser,

15.318 spült mit reinem Wasser und verehrt erneut. Dieses Bad wird zur Beseitigung der bei der handwerklichen Herstellung entstandenen Mängel gelehrt.

15.319 Danach legt er Unter- und Obergewand an, o Brahmane. Auf das zum Öffnen der Augen vorbereitete Lager

15.320 legt er das Bild mit dem Haupt nach Osten. Dann bedeckt er es ringsum mit Decken und weiteren Tüchern.

15.321 Ein goldenes und ein silbernes Gefäß, jeweils ein Āḍhaka fassend, stellt er davor auf einen Getreidehaufen und füllt sie der Reihe nach

15.322 mit Honig und geklärter Butter. Im Honiggefäß meditiert er über den Herrn der Mantras inmitten der Sonnenscheibe, zehntausend Sonnen gleich,

15.323 und verehrt ihn. Im anderen Gefäß, o Einsichtiger, [meditiert er] inmitten der Mondscheibe, verbunden mit der Dhenu-Mudrā,

15.324 mit dem Saurabhī-Mantra, strahlend wie hundert leuchtende Monde. Den darin gegenwärtigen Herrn der Mantras stellt er sich wie den Schneeberg vor.

15.325 Er stellt sich vor, dass das Bild von den Nektarströmen aus Mond und göttlicher Kuh ganz durchdrungen wird. Mit »Honigsüß [wehen] die Winde …«

15.326 bespricht er die geklärte Butter und die weiteren Stoffe und bedeckt sie mit einem Tuch. Es werden ein goldener und ein silberner Stift von je acht Fingerbreiten bereitgestellt,

15.327 oder allein ein goldener Stift, o bester Zweimalgeborener. Ringsum stellt er die acht Getreidearten in Gefäßen auf.

15.328 Er lässt Kühe und junge Mädchen von glückverheißender Erscheinung, mit Schmuck geziert, herbeibringen und seitlich aufstellen. Heilige Rezitation soll erklingen.

15.329 Er selbst bespricht den goldenen Stift mit dem Augenmantra, bestreicht ihn mit Honig und zeichnet damit behutsam das rechte Auge nach.

15.330 Dabei gedenkt der Lehrer des höchsten Lichtes unter dem Augenmantra. Mit demselben Stift, nun mit geklärter Butter bestrichen, oder mit dem silbernen zeichnet er das linke Auge nach.

15.331 Der Handwerker, der gebadet hat und rituell angeschaut wurde, arbeitet mit einem durch denselben Mantra geweihten Werkzeug die Augen nach der vorgeschriebenen Weise deutlich aus.

15.332 Er lässt die Sāman-Sänger den Vāruṇa-Sāman zusammen mit dem Mond-Sāman singen und füllt das Augenpaar der Reihe nach mit Honig und geklärter Butter.

15.333 Unter dem auf Vauṣaṭ endenden Grundmantra bringt er damit eine Feueropfergabe dar. Zur Befriedung von Hitze und weiteren Störungen meditiert er über eine Mondscheibe auf dem Haupt des Bildes,

15.334 die einen Nektarstrom ergießt, und besprengt es mit dem entsprechend abgeschlossenen Herzmantra. Er nimmt das verhüllende Tuch fort und zeigt dem Bild Honig und geklärte Butter,

15.335 die acht Getreidearten, die Kühe und die davor stehenden Mädchen. Honig, geklärte Butter und die beiden Stifte gibt er dem Handwerker, o Brahmane.

15.336 Die acht Getreidearten, die Kühe und die Ausstattung des Lagers gibt der nach Vollendung strebende Sādhaka dem leitenden Lehrer.

15.337 Oder er übergibt alles, beginnend mit Honig, dem Ācārya. Den übrigen Bildhütern gibt er nach Kräften Ehrengaben.

15.338 Bei einem Hauptbild aus Ton oder einem Wandbild betritt er den Tempel und vollzieht dort die Handlung des Augenöffnens.

15.339 Ebenso werden die Augen der Śaktis, beginnend mit Śrī, geöffnet. Nachdem die Augen des Bildes so geöffnet wurden,

15.340 vollzieht er das meditative Verbrennen und Wiederbeleben mit dem Waffen- und dem Herzmantra. Vom Haupt an setzt er wie zuvor den zwölfsilbigen Mantra zur Bildung der göttlichen Gestalt ein.

15.341 Dann bringt er das Bild zu dem zuvor für das Bad bereiteten Sockel, der mit der vergegenwärtigten göttlichen Durchdringung erfüllt und durch Besprengen und weitere Handlungen geweiht ist,

15.342 mit den Ebenen vom tragenden Grund an ausgestattet, gesalbt und gut verehrt. Auf diesen Sockel setzt er es und umhüllt es mit Unter- und Obergewand.

15.343 Danach badet er es mit den der Reihe nach genannten Krügen, die durch wiederholten zwölfsilbigen Mantra und Herzmantra geweiht sind. Die Brahmanen lässt er den Śruti-Text »Der Pflanzen …« rezitieren,

15.344 danach die Ṛgveda-Kundigen die mit »Die Pflanzen …« beginnenden Verse. Wenn es so mit den Krügen übergossen ist und noch zehn verbleiben,

15.345 lässt er bei vier Krügen von vier Bildhütern der Ṛg-, Sāman- und weiteren Überlieferungen vorschriftsgemäß die Baderezitation vortragen.

15.346 Die Ṛgveda-Kundigen lässt er »Den obersten [Strick löse] …« rezitieren, die Yajurveda-Kundigen »Draviṇam …« [Zitatbeginn beschädigt]; danach den Sāman-Kundigen den Vāruṇa-Sāman, den Atharvaveda-Kundigen

15.347 »Dieser dein Varuṇa …«. Danach lässt er den Ṛg-Vers »Dein Läuterungsmittel …«, die Yajus-Formel »Vasus Läuterungsmittel …« und anschließend den großen

15.348 Sāman »Dein Läuterungsmittel …« vortragen. Dann lässt er die Ekāyana-Bildhüter gemeinsam die vier Pāvamānī-Texte rezitieren.

15.349 Danach folgt der höchste Vyūha-Mantra »Der Erhabene …«, dann der Pavitra-Mantra und »Dieses [All] hat Viṣṇu durchschritten …«.

15.350 Dann übergießt er mit einem Krug, der mit sämtlichen Vibhava-Mantras besprochen wurde, und mit einem weiteren unter den Vyūha-Mantras.

15.351 Nach Bad und Verehrung bringt er etwas mehr als hundert Opfergaben dar. Er stellt unter dem Praṇava vorschriftsgemäß die göttliche Durchdringung her und lässt rezitieren:

15.352 Die Ṛgveda-Kundigen »Mögen wir nicht abirren …«, die Yajurveda-Kundigen »Agni, Lebensdauer …«, dann den Sāman »Ein- und Ausatem …« und »Verehrung dem Lebenshauch …«.

15.353 Die Ekāyana-Brahmanen lässt er danach den höchsten Mantra »Yātavya …« [Zitatanfang unsicher] rezitieren. Dann spricht der Verehrer gesammelt und mit Meditation verbunden:

15.354 »Ich rufe ihn herbei, vor dessen Fußpaar sich die Scharen der Unsterblichen verneigen: den Gemahl Lakṣmīs, die Ursache der Welten, den Unermesslichen, den Ursprünglichen von ewiger Gestalt, auf dem Praṇava thronend, leuchtend wie tausend Vollmonde, Sonnen und Feuer.

15.355 Ihn, den Höchsten, über den zu meditieren ist und den die Kenner aller Wirklichkeitsprinzipien erkennen sollen; ihn in den Gestalten von Varāha, Kapila, Narasiṃha und der milden Erscheinung, dessen Leib Śrīvatsa und das große Kaustubha-Juwel schmücken, der Kaumodakī-Keule, Lotus, Muschelhorn und Rad in den Händen hält.

15.356 Obwohl du, o Erhabener, überall gegenwärtig bist, rufe ich dich herbei, wie man mit einem Fächer den Wind herbeiführt. Wie verborgenes Feuer durch Reibung hervortritt, so trittst du, angerufen, im Kultbild hervor.

15.357 Kranzträger, Acyuta, Allgegenwärtiger, Verkörperung der höchsten Wahrheit! Allwissender Herr, höchster Herr, Allmächtiger! Komm, erweise mir Erbarmen, sei in diesem Bild gegenwärtig. Nimm heute die Verehrung an, um mir deine Gnade zu schenken!«

15.358 Dann trocknet er das Bild mit einem Tuch und verehrt es mit den zuvor gelehrten Gaben von Arghya bis zur Ehrengabe. Danach lässt er die Ṛgveda-Kundigen

15.359 den Mantra »Ich preise dir …« rezitieren, die Sāman-Sänger »Preist …« und die entsprechenden Kundigen »Der Erhabene …«. Dann sättigt er ihn im Feuer.

15.360 Der leitende Lehrer opfert in seiner eigenen Feuergrube sieben Arten von Opferholz; danach einhundertachtmal Sesam und Reis mit geklärter Butter.

15.361 Nachdem er die Sättigung bis zur vollen Opfergabe vollzogen hat, entnimmt er eine Feuerglut und setzt sie in die zuvor geweihten Gruben der Hauptrichtungen ein,

15.362 ebenso in die der Zwischenrichtungen, jeweils nach Entnahme und Verehrung. Dann setzt er in den vier Hauptrichtungen in der Reihenfolge des Hervorgehens

15.363 vier Ekāyana-Brahmanen unter den Namen von Vāsudeva an ein. Diese sollen mit ihren jeweiligen Namensmantras und den weiteren Formeln unzählige Opfergaben darbringen,

15.364 beginnend mit sieben Arten von Opferholz, danach Sesam und Reis mit geklärter Butter. Entsprechend setzt er in der Reihenfolge der Rücknahme, vom Nordwesten bis zum Nordosten,

15.365 nach vorheriger Weihe die vier Brahmanen der Ṛgveda- und weiteren Überlieferungen ein. Oder er ordnet sie vom Nordosten bis zum Nordwesten an.

15.366 Auch sie sollen mit reinen, Acyuta kennzeichnenden Mantras ihres jeweiligen Überlieferungszweigs vorschriftsgemäß und mit hingebungsvollem Geist Feueropfer darbringen.

15.367 Nachdem in allen Feuergruben der Reihe nach geopfert wurde, vollzieht der Guru für die zuvor genannten Eingangsgottheiten und Richtungshüter

15.368 vorschriftsgemäß das Feueropfer in der eigens dafür vorbereiteten Grube. Er preist mit dem Jitaṃte-Mantra und lässt die Sāman-Kundigen erneut

15.369 den Gāyatrī-Sāman zusammen mit dem Rathantara genannten Gesang vortragen. Nach Japa des zwölfsilbigen Mantras, nach Mudrā und Verneigung

15.370 mit acht Körpergliedern trägt er dem Erhabenen, dem Förderer der Wesen, vor: »Erfreue nun durch diese besondere Erscheinungsgestalt

15.371 die Menschen und Stadtbewohner, die die Wahrheit noch nicht kennen. Wenn sie in ihr Inneres eintritt, mögen sie schon nach kurzer Zeit

15.372 von Verfehlungen befreit werden, die aus tausend früheren Geburten entstanden sind.« So bittet man den Erhabenen, den Herrn, der den Welten Gnade erweist.

15.373 Man bringt Arghya, Duftstoff, Kranz, Räucherwerk, Licht und Speise dar, danach Mundspülwasser und Arghya, und vollzieht Nīrājana.

15.374 Unter Puṇyāha- und Siegesrufen, begleitet von Veda-Rezitation, Muschelhörnern, Instrumenten, Trommeln und Gesängen,

15.375 legt der Lehrer seine Hände an die Füße des Gottes der Götter und lässt den Ṛg-Mantra »Erhebe dich …« rezitieren. Zusammen mit

15.376 der Prozessionsausstattung setzt er die Mantragestalt auf einen stabilen, gut gesicherten heiligen Wagen, versehen mit Milch, geklärter Butter, Dickmilch und gekochtem Reis,

15.377 mit feinem Milchreis und Früchten, für ausreichende Nahrung, Wohlergehen und Frieden. Danach lässt er die Ṛg-Rezitatoren den Asya-vāmīya-Hymnus vortragen,

15.378 die entsprechenden Kundigen den Bala-Mantra »Fünf …«, o Einsichtiger. Er selbst wiederholt innerlich den Kavaca-Mantra, am Anfang und Ende umschlossen [von den vorgeschriebenen Lauten].

15.379 Er führt das Bild umher, während in allen Richtungen Bali dargebracht wird. Lotusse, Gold und Diamanten lässt er wie zuvor ausstreuen.

15.380 Die göttlichen und weiteren Heiligtümer sollen angemessen verehrt werden. Kennern des Pāñcarātra, Asketen, Brahmacārins,

15.381 den sechs Pflichten ergebenen Brahmanen und auch bedürftigen Menschen gibt man Gaben. Je hundert Schritte, die der Wagen mit dem Mantrabild zurücklegt,

15.382 unter dem Klang der Instrumente, erlangt der nach einer Frucht strebende, in seinem Gelübde gefestigte Verehrer die Frucht von hundert Opfern.

15.383 Dann bringt er den Wagen zum Torbogen, verehrt den Herrn mit Fußwasser, Arghya, Blumen und Räucherwerk, verneigt sich und lässt rezitieren:

15.384 »Erhebe dich …«, den zwölfsilbigen Mantra und den gesamten Jitaṃte-Hymnus. Unter der Rezitation des Puruṣasūkta lässt er ihn in das Opferhaus einziehen.

15.385 Unter dem Herzmantra legt er das Bild mit dem Haupt nach Osten auf das Lager. Der Lehrer vollzieht mit den Bildhütern das Prozessions-Feueropfer.

15.386 Im Bereich seines Hauptes verehrt er in dem radförmig angeordneten Krug mit den zuvor genannten Merkmalen das Augenmantra, eingeschlossen vom Waffenmantra.

15.387 Er verehrt die acht glückverheißenden Zeichen vom Osten an unter ihren eigenen Namen. In den acht dort zuvor aufgestellten Krügen

15.388 verehrt er Vāsudeva und die weiteren Gestalten in der Reihenfolge des Hervorgehens und der Rücknahme; oder das Herzmantra und die weiteren Gliedmantras in den Hauptrichtungen und das Waffenmantra in den Zwischenrichtungen.

15.389 Oder im Osten Varāha, im Süden Narasiṃha, im Westen den Gott Śrīdhara und im Norden Hayagrīva;

15.390 im Südosten Rāma aus dem Geschlecht Bhṛgus, im Südwesten Rāma, im Nordwesten Vāmana und im Nordosten Viṣṇu.

15.391 Nachdem er diese unter ihren eigenen Namen mit Arghya, Duftstoffen und weiteren Gaben verehrt hat, verehrt er den auf dem Lager ruhenden Herrn mit Arghya, Blumen und weiteren Gaben.

15.392 Unter dem Schutzmantra legt er ein mit Räucherwerk durchduftetes Deckentuch über ihn. Mit dem Grundmantra vollzieht er sodann die stärkende Belebung des auf dem Lager Ruhenden.

15.393 Der mantrakundige Lehrer nimmt nahe den Füßen des Gottes Platz und vollzieht den Mantra-Nyāsa am göttlichen Bild.

15.394 Bei einem gemalten oder anderen im Tempel befindlichen Mantrabild, o bester Zweimalgeborener, führt er das Fest an einem Dienstbild oder an einer Darbha-Unterlage aus.

15.395 Er legt diese wie zuvor auf das Lager, betritt den Tempel und führt den Mantra-Nyāsa und die weiteren Handlungen nach der nun zu lehrenden Vorschrift aus.

15.396 Vernimm jetzt diese ausführliche Vorschrift. Er legt auf den Sockel eine Handvoll Blumen mit Duftstoff und unversehrten Reiskörnern

15.397 und setzt den zwölfsilbigen Mantra vom Haupt bis zu den Füßen ein. Die Glieder und Nebenglieder setzt er an den entsprechenden Stellen ein, beginnend mit dem Herzen:

15.398 im Herzen, auf dem Haupt, an der Haarspitze, an den Schultern, in den Händen, an den Augen, am Bauch, am Rücken und an beiden Armen,

15.399 danach an den Oberschenkeln, beiden Knien und den Füßen. In die rechte Hand des Gottes setzt er das Rad, in die linke das Muschelhorn.

15.400 Keule und Schwert setzt er in die linke Hand oder der Reihe nach in die rechte und linke. Mit den Mantras der Kennzeichen setzt er Rad und die weiteren Kennzeichen jeweils ein.

15.401 Die Krone setzt er im Bereich des Hauptes ein, Śrīvatsa unterhalb des Halses auf der rechten Seite der Brust.

15.402 Kaustubha setzt er im Herzen ein, den Waldblumenkranz am Hals; Śrī auf der rechten Seite, Puṣṭi auf der nördlichen.

15.403 An der Wurzel der Oberschenkel setzt er Garuḍa ein. Höre nun von mir die Anordnung des Rades und der weiteren Zeichen beim vierarmigen Gott.

15.404 In die vordere rechte Hand setzt er den Lotus, in die linke die Keule; in die andere rechte das Rad, in die andere linke das Muschelhorn.

15.405 Die übrigen Mantras der Kennzeichen setzt er entsprechend ihrer Eignung ein. Bei sechsarmigen und weiteren Gestalten beginnt er mit der vorderen rechten Hand

15.406 und setzt sämtliche Kennzeichen-Mantras an ihren jeweiligen Stellen ein. In welcher Reihenfolge die einzusetzende göttliche Gestalt Rad und die weiteren Zeichen

15.407 in den Händen trägt, in derselben setzt er die Kennzeichen ein. Die Mantras der Krone und der weiteren Schmuckzeichen setzt er überall wie zuvor ein.

15.408 Danach setzt er an den zwölf Körperstellen von den Füßen an Dāmodara und die weiteren Mantras samt ihren Śaktis ein, wie zuvor als alldurchdringend vergegenwärtigt.

15.409 Mit dem herrscherlichen Bīja meditiert er über jede Gestalt an ihrem jeweiligen Ort, von den Füßen an ganz davon erfüllt; ebenso mit dem vorzüglichen Mantra.

15.410 Wie zuvor vollzieht er die Rücknahme durch den Allgegenwärtigen, der innerlich aus Licht besteht und das Wesen des göttlichen Wortes besitzt. Eben dies erkennt er als die höchste Stätte,

15.411 ganz friedvoll und alldurchdringend, wie ein Meer ohne Wellen. Dann lässt er die Pāñcarātra-Kundigen den mit »Vidyāṅgadām …« beginnenden Mantra rezitieren [Zitatbeginn unklar],

15.412 den Mantra des Niederlegens des Leibes und danach den Dhāraṇā genannten. Die Ṛgveda-Kundigen lässt er »Wie eine Gewitterwolke …« und »Nicht war das Nichtseiende …« rezitieren.

15.413 In dieser Reihenfolge opfert er mit diesen Mantras Sesam und geklärte Butter in der Zahl eines halben Viertelhunderts [Zahlenausdruck im Text nicht eindeutig], o Einsichtiger,

15.414 und bringt wie zuvor die volle Opfergabe dar, die die Rücknahme kennzeichnet. Dann vergegenwärtigt er das höchste Brahman wie zuvor als hervortretend,

15.415 durch sein eigenes Wesen, das alle Kräfte umfasst, als Lebensmacht und Stärke: so wie Duft in seiner stofflichen Gestalt,

15.416 ein Same als Baum und das Meer als Blasen erscheint. Ebenso nimmt jene nicht benennbare Śakti in ihrem eigenen Kraftspiegel

15.417 den darin gegenwärtigen Herrn des Alls auf und trägt aus Freiheit, o Einsichtiger, einen Mantraleib, damit er richtig verehrt werden kann,

15.418 und [ermöglicht] die Entfaltung dessen, der in die Vielheit eingegangen ist, sowie der Ansammlung von Bewusstseinskeimen, deren Leuchtkraft verdeckt wurde,

15.419 die durch eine mächtige ungestaltete, dichte Unwissenheit gesondert hervorgebracht wurden, in einem zugleich bleibenden und veränderlichen, reinen Wesen. [Der Satz in 15.418–419 ist syntaktisch beschädigt; die Zuordnung der letzten Eigenschaften bleibt unsicher.]

15.420 Nachdem er dies vergegenwärtigt hat, meditiert er über das Grundmantra im Herzlotus des Bildes, versehen mit den Strahlen der sechs Kräfte. Er stellt sich vor, wie es durch diese Strahlen den stofflichen Leib

15.421 auf die zuvor gelehrte Weise zurücknimmt und ihn anschließend wieder in seine reine eigene Gestalt als göttliche Erscheinung

15.422 nach der zuvor gelehrten Weise überführt. Wenn der höchste Herr so in Mantragestalt seine Freiheit entfaltet,

15.423 lässt er alle Brahmanen »Den tausendköpfigen Gott …« rezitieren, ebenso den vorzüglichen Mantra »Schöpfer, Aufseher …«,

15.424 »Der überall Augen hat …«, »Yātavyo bhavati …« [Zitat unklar], danach »Zwei schön geflügelte Vögel …« und »Von dort mögen die Götter …«.

15.425 Die Ṛgveda-Kundigen lässt er das Puruṣasūkta rezitieren, danach »Die Allerhöchste …«, »Die Ewige …« und »Die Teile der Zeit …«.

15.426 Auch »Diese Erkenntnis ist siebenfach …« lässt er jetzt rezitieren. Damit ist die Para genannte Verbindung mit dem Mantra gelehrt.

15.427 Nun wird, o bester Weiser, eine andere Weise, Sūkṣma genannt, erklärt. Den Kreis der Vibhava-Gottheiten, danach den der Vyūhas

15.428 und den feinen Kreis verehrt er, o bester Weiser, an den Füßen, im Herzen und auf dem Haupt, mit Blumen, Räucherwerk und weiteren Gaben. Dann verneigt er sich unter den Mudrās.

15.429 Er tritt zur Feuergrube und bringt für sämtliche Verrichtungen nach Kräften Opfergaben aus Sesam und weiteren Stoffen dar, beginnend mit hundert.

15.430 Der Ausführende vergegenwärtigt jede einzelne Handlung unter dem dafür gelehrten Mantra und bringt mit dem Herzmantra samt Grundmantra die volle Opfergabe dar,

15.431 zur Vervollständigung der Handlungen vom Morgen bis zu diesem Zeitpunkt. Nach Abschluss des Feueropfers gibt er Befriedungswasser auf sein eigenes Haupt, o Brahmane,

15.432 danach dasselbe Wasser unter dem Grundmantra auf das Haupt des Bildes. Er vollzieht nach Kräften Japa der Mantras der einzelnen Handlungen.

15.433 Nachdem den Wesen Bali dargebracht wurde, opfern die Bildhüter in ihren Feuergruben mit den jeweiligen Mantras eintausend, einhundert oder acht Gaben.

15.434 Der Guru lässt auch sie Befriedungswasser auf das Haupt des Bildes geben. Danach vollzieht er die vorbereitende Weihe durch die vorgeschriebene Handlung,

15.435 die als reine, ungeteilte Meditation bezeichnet wird. Durch sie bleibt der Mantra im Kultbild oder auch in einem gemalten Bild auf Tuch stets gegenwärtig, o Brahmane, o Weiser,

15.436 solange ihn der wahrheitskundige Guru nicht zurückgenommen hat. Zunächst nimmt der Guru alles in der Reihenfolge der Auflösung zurück

15.437 und ruht in seinem eigenen unveränderten, reinen Wesen, o bester Zweimalgeborener. Zuvor gründet er sich im strahlenden Lotus seines Herzens.

15.438 Ebenso vergegenwärtigt er das Bild als unvergänglich, frei von Teilen, als einen Leib aus Bewusstheit und Erkenntnis.

15.439 Zwei Wege vom Wesen der Suṣumṇā, gleich einer lodernden Sonne, entspringen an einer gemeinsamen Stelle der Sphäre des Herzlotus.

15.440 Wie der Glanz eines Edelsteins breiten sie sich nach oben und unten aus. Wie im eigenen Selbst vergegenwärtigt er sie im Gott und ebenso wieder in sich selbst.

15.441 Dann tritt er auf dem rechten, durch die Nase führenden Weg aus seinem eigenen Leib heraus, o Weiser, und geht auf dem linken Weg in das Herz des Gottes ein.

15.442 Wie er im eigenen Herzen das unvergleichliche Selbst unmittelbar erfahren hat, so vergegenwärtigt er in dessen Herzen die Sphäre der Erkenntnis.

15.443 Er schaut sie, von ihren eigenen Strahlen durchwirkt, weit und von Glückseligkeit erfüllt, und richtet sich ganz auf dieses Hin- und Hergehen aus, gegründet im Brahman, dem eigenen Selbst.

15.444 Mit der im göttlichen Leib gegenwärtigen Erkenntnis stellt er Einheit her, solange sein eigener Leib ohne Regung bleibt.

15.445 Das Höchste wird dabei allein durch das Selbst erfahren, o Brahmane. Wenn die Bewegung und damit die Zeit wieder einsetzen, entfaltet sich das eine Selbst in zweifacher Weise:

15.446 wie im eigenen Leib so im Gott. Dann tritt der Sādhaka aus dem Gott auf dem rechten Weg heraus und auf dem linken Weg in sein eigenes

15.447 strahlendes, vom Nektar der Erkenntnis überflutetes Herz ein. Dieser Yoga, o vorzüglicher Weiser, macht im stofflichen Bild

15.448 die Gesamtheit der feinen Leitbahnen von den Füßen bis zum Haupt offenbar. Dadurch entsteht, o Brahmane, die allumfassende Herrschermacht dieses Bildes.

15.449 Diesen Yoga werde ich nun lehren; vernimm ihn gesammelt. Der Sādhaka ruht inmitten des Herzlotus, frei von geistigen Bewegungen.

15.450 Durch die Ausübung der Mantra-Aussprache gelangt er wie zuvor im aufsteigenden Strom zur unversehrten Stätte. Von dort tritt das zu Erkennende hervor,

15.451 ununterbrochen, unversehrt und unerschüttert, und nimmt aus eigenem Willen Bewegung an: wie eine ganz stille, unbewegte Lampe zu flackern beginnt.

15.452 Wie eine Seidenraupe sich mithilfe ihres Fadens fortbewegt, so stützt sich der Ācārya in diesem Zustand auf die Erkenntniskraft

15.453 und tritt durch seine eigene Gestaltungskraft wie zuvor in seinen Herzlotus ein. Dann betrachtet er den Herzlotus des Gottes zusammen mit dem eigenen,

15.454 vergegenwärtigt die Erkenntnis und geht mit der Bewusstseinskraft zu dessen Dvādaśānta, der »das zu Erkennende« heißt, nicht durch den Nasenweg.

15.455 Von dieser Stätte aus nimmt er nach der zuvor beschriebenen Weise im göttlichen Herzen Wohnung. Dann tritt er aus dem Herzen des Gottes in sein eigenes Herz ein.

15.456 Vom Herzen gelangt er auf dem mittleren Weg zu seiner eigenen Augensphäre. Entsprechend stellt er die Verbindung im Gott her und betrachtet beide wechselseitig.

15.457 Er stellt sich vor, vom Blick des Gottes durchdrungen zu sein, und den Herrn der Götter überall vom eigenen Blick durchdrungen.

15.458 Erkenne diese besondere Verbindung mit dem Herrn, deren Kennzeichen Einheit ist, als jederzeit alle göttliche Macht in den Bildern verleihend.

15.459 Nun werde ich die Verbindung mit dem göttlichen Wort lehren, deren einzelne Stufen wunderbare Einsicht eröffnen und durch die der Mantra mit dem Bild eins wird.

15.460 Zuerst wird er selbst zur unbewegten, allgemeinen Bewusstheit. Alle durch das Wort hervorgebrachten Zustände, die feinen und die noch feineren,

15.461 sieht er mit dem Wort der allgemeinen Bewusstheit eins geworden, frei von allen aus einem vorgängigen Entschluss entstandenen Lauten.

15.462 Dann wendet er sich dem aus dem Entschluss hervorgehenden Gegenstand in Wortgestalt zu, dem Wort von höchster Wirkkraft.

15.463 Auf die Stufe des inneren Entwurfs gelangt, leuchtet es im Innern deutlich auf. Das Wort, das auf den Gegenstand bezogen ist, erkenne als die mittlere Stufe, o Weiser.

15.464 Das Wort ruht im Zentrum des Herzlotus und tritt durch die Stufen der artikulatorischen Anstrengung und die aus den Sprechorganen hervorgehenden Lautformen hervor.

15.465 Als Bezeichnetes und Bezeichnendes wird es das grobe Wort genannt. In noch gröberer Form tritt es im Bereich der hörbaren Rede

15.466 bei sichtbaren und unsichtbaren Gegenständen hervor. Dieses gröbste Wort liegt dem gesamten sprachlichen Umgang zugrunde.

15.467 Deshalb festigt der Sādhaka zuerst in seinem Geist unbewegt die Erkenntnis »Der Leib besteht aus Wort« und vergegenwärtigt auch das Bild als von diesem Wesen.

15.468 Der Guru, der durch den Yoga der Rücknahme des Wortes zusammen mit dem Bild in Brahman eingeht und dessen Selbst in unbewegtem Yoga gesammelt ist,

15.469 schaut nach der zuvor beschriebenen Reihenfolge das noch nicht hervorgetretene Wort-Brahman, wie es sich allmählich zur Gestalt des Alls entfaltet, o Brahmane.

15.470 Das von ihm eingesetzte Bild gewährt Lebensfülle und Befreiung. Nachdem man so die Verbindung des Bildes mit dem Wort hergestellt hat, o Trefflicher,

15.471 beginnt man sorgfältig die Verbindung mit dem Mantra. Ohne hörbaren Lautleib und doch vom Wesen des Wortes vergegenwärtigt man den ewig offenbaren, unversehrten Herrn

15.472 im eigenen Herzlotus, mit der Durchdringung durch sämtliche Mantras, und den Herrn der Welt in Mantragestalt inmitten des Herzlotus des Bildes,

15.473 von der Gestalt des aufleuchtenden Praṇava, mit der Durchdringung durch sämtliche Mantras: den Herrn der Welt in Mantragestalt inmitten des Herzlotus des Bildes. [Ein Teil von 15.472 wird hier wiederholt.]

15.474 Der vorzügliche Sādhaka vergegenwärtigt ihn als den, der Schöpfung und Rücknahme vollzieht. Eben er ist als der Höchste, als überaus fein und ungeteilt zu erkennen,

15.475 ebenso als gegliedert und als beides umfassend. In der Nacht der Erkenntnis ist das zu Erkennende im Zustand des Schlafes verborgen.

15.476 Wenn der Morgen der Gesamtheit der Wirklichkeitsprinzipien anbricht, vergegenwärtigt man den Gott wie zu freudigem Erleben erwacht und aus der höchsten Stätte herabgestiegen.

15.477 Man stellt sich den alle Wirklichkeitsebenen umfassenden Erfahrungssockel als von ihm eingenommen vor und den Gott als beständig auf diesem Erfahrungsgrund verweilend.

15.478 Dieser Bestand ist die tragende Kraft des Allgegenwärtigen in Mantragestalt. Deshalb vergegenwärtigt man Brahma-Stein, Sockel und Bild als eine Einheit.

15.479 Danach verehrt man ihn durch die verschiedenen vorbereitenden Weihehandlungen. Zuvor vollzieht man den dreifachen Mantra-Nyāsa nach der bereits beschriebenen Reihenfolge,

15.480 ohne Hand-Nyāsa, o Brahmane, und danach alles nach der Weise der Rücknahme. Damit ist die feine Verbindung erklärt. Höre nun die andere, grobe Ausführungsweise.

15.481 Man vergegenwärtigt den geweihten, wohlgestalteten Kultleib des Gottes der Götter als vollständig ausgestattet, abgesehen von den aus Edelsteinen bestehenden [Teilen; Satzbezug unklar],

15.482 gleich dem eigenen Leib mit geordneten feinen Leitbahnen samt Lebenswinden, mit Körpergeweben, mit Mond, Sonne und Feuer sowie den Eigenschaften von Erkenntnis an.

15.483 Auch die übrige Gesamtheit der Wirklichkeitsprinzipien von der Ursache der Guṇas bis zur Erde vergegenwärtigt man in dem stofflich gestützten Bild, das an sich unbewusst ist. [Die Schlussworte sind beschädigt.]

15.484 In dessen Herzlotusraum setzt man den wie Edelsteinglanz leuchtenden Mantra durch die Vergegenwärtigung des Brahman ein. Er gewährt die Frucht der Bildverehrung.

15.485 Bei den von Vertrauen erfüllten Ausführenden führt die Frucht zu einer beständigen höchsten Erkenntnis des Brahman in Bezug auf die Gestalt.

15.486 Durch deren Kraft erlangt man schließlich die Erkenntnis, die das Selbst offenbart. All dies ist damit umrissen; höre es nun ausführlich.

15.487 Wie zuvor nimmt man durch die Konzentrationen und die Reihenfolge der Auflösung das Bild in das eigene unveränderte höchste Wesen zurück.

15.488 Dann lässt man es der Reihe nach wieder entstehen und stellt es sich lichtvoll vor. Man meditiert wie zuvor darüber, sodass die Gesamtheit der feinen Leitbahnen hervortritt.

15.489 Danach meditiert man ausführlich über die Entfaltung dieser Leitbahnen. Es werden zweiundsiebzigtausend Nāḍīs genannt.

15.490 Zehn davon sind die wichtigsten; ebenso gibt es zehn Lebenswinde. Die Leitbahnen sind Iḍā, Piṅgalā und die vorzügliche Suṣumṇā,

15.491 Gāndhārī, Hastijihvā, Pūṣā, Yaśasvinī, Alambusā, Kuhū und als zehnte Kauśikī.

15.492 Die Lebenswinde sind Prāṇa, Apāna, Samāna, Vyāna, Udāna, Nāga, Kūrma, Kṛkara, Devadatta und Dhanaṃjaya.

15.493 Man führt die Dreiheit herbei und vollzieht an der göttlichen Gestalt Pūraka und Kumbhaka, Einfüllung und Anhalten des Atems. Durch Pūraka werden alle Leitbahnen gefüllt; daran besteht kein Zweifel.

15.494 Dadurch öffnet sich der Herzlotus. Durch Kumbhaka wird er festgehalten und richtet sich nach oben, o Brahmane.

15.495 Nachdem man den Bestand der Leitbahnen samt Lebenswinden vergegenwärtigt hat, meditiert man der Reihe nach über die innere Anordnung von Nährsaft, Blut, Fleisch,

15.496 Fett, Mark, Knochen und schließlich Samen als den Körpergeweben. Im Herzlotus vergegenwärtigt man die Kreise von Mond, Sonne und Feuer.

15.497 Von den Füßen bis zur Brahman-Öffnung setzt man in sämtlichen Bildern, o Trefflicher, die Urkräfte und Wirklichkeitsprinzipien ordnungsgemäß ein,

15.498 von den Füßen bis zur Brahman-Öffnung der Reihe nach von der Erde bis zum Unmanifesten; oder vom Unmanifesten bis zur Erde hinunter zu den Füßen.

15.499 Vom Scheitel bis zwischen die Augenbrauen vergegenwärtigt man Pradhāna, die Urnatur, o Brahmane. In der Mitte des Gaumens meditiert man über die Urteilskraft, einer Ansammlung von Zinnober gleich,

15.500 leuchtend wie weiße Mondstrahlen, wie ein Leuchtkäfer im Raum. An der Wurzel des Gaumens vergegenwärtigt man das Ich-Prinzip, dem Saft der Färberdistel gleich. [Die Farbangaben zur Urteilskraft sind in der Überlieferung nicht widerspruchsfrei.]

15.501 Zwischen Gaumen und Kehle vergegenwärtigt man das Geistprinzip, o Brahmane, den Glanz eines königlichen Edelsteins übertreffend, einer Kadamba-Blüte gleich.

15.502 Von der Kehle bis zum Herzlotus vergegenwärtigt man auf fünf gleich großen Bereichen die fünf Wahrnehmungsvermögen vom Gehör an, hell wie aufleuchtende Sterne.

15.503 Vom Lotusort bis zum Nabel setzt man wie zuvor in fünf Bereichen der Reihe nach die fünf Handlungsvermögen von der Rede an ein.

15.504 Vom Nabel bis zum oberen Blasenbereich setzt man in fünf gleichen Abschnitten die feinen Sinnesqualitäten vom Klang bis zum Geruch ein,

15.505 jeweils mit ihren Eigenschaften versehen und wie strahlendes Licht leuchtend. An der Wurzel und Mitte der Oberschenkel, im Gelenkbereich und darunter,

15.506 am Unterschenkel bis zum Gelenkende und am gesamten Fuß vergegenwärtigt man der Reihe nach die fünf Elemente: Raum, Wind, Feuer, Wasser und Erde.

15.507 Die Raumsphäre stellt man sich gestaltlos und von der Farbe dunkler Augensalbe vor; die Windsphäre blaugelb, die Feuersphäre honigbraun,

15.508 die Wassersphäre perlengleich und die Erdsphäre rotgelb. Oder man vollzieht die Einsetzung der Wirklichkeitsprinzipien folgendermaßen:

15.509 Man setzt Prakṛti ins Herz, Urteilskraft, Geist und Ich-Zuordnung in Kehle, Herz und Nabel. Die feine Qualität des Klangs

15.510 setzt man mit ihrem Element auf das Haupt; die Qualität der Berührung samt Wind vom Gaumen bis zur Kehle; die Qualität der sichtbaren Form samt Feuer

15.511 von der Kehle bis zum Nabel; Wasser mit der Geschmacksqualität vom Nabel bis zu den Knien. Von den Knien bis zu den Füßen setzt man

15.512 Erde mit Geruch ein. Danach setzt man an den jeweiligen eigenen Orten der Reihe nach die Wahrnehmungs- und Handlungsvermögen ein.

15.513 Oder man setzt Pradhāna vom Haupt bis zur Brust ein, die Urteilskraft am Nabel und das Ich-Prinzip am Ansatz der Hüften.

15.514 Die feine Klangqualität setzt man an den Oberschenkeln ein, die Berührungsqualität im Gelenkbereich, die Formqualität an den Unterschenkeln und die Geschmacksqualität an den Knöcheln.

15.515 Die Geruchsqualität setzt man an den Füßen ein, jeweils mit der Meditation über ihr eigenes Bīja. Oder höre die örtliche Reihenfolge bei einer siebenfachen Anordnung der Prinzipien.

15.516 Von der Erde bis zur Urteilskraft liegen die sieben Bereiche der Reihe nach an Knöcheln, Knien, Hüfte, Brust, Kehle, Augenbrauen und Schädelöffnung.

15.517 Oder man stellt sich den Bereich von den Füßen bis zum Nabel von den vier groben Elementen von Erde bis Wind durchdrungen vor; darüber ist er mit Raum

15.518 bis zum Herzen erfüllt. Vom Herzen bis zur Haarspitze vergegenwärtigt man ihn vom Geist durchdrungen; darüber bis zum Dvādaśānta

15.519 setzt man das Urteilskraftprinzip ein, das hier auch Pradhāna genannt wird. Vernimm nun die Vorschrift für die zweifache Anordnung der Prinzipien.

15.520 Vom Haupt bis zum Nabel vergegenwärtigt man Pradhāna, vom Nabel bis zu den Füßen die Gesamtheit der feinen Sinnesqualitäten.

15.521 Oder Pradhāna durchdringt die ganze göttliche Erscheinung. Den alle Prinzipien umfassenden Mantra setzt man allein in ihr Herz ein,

15.522 als ungetrennte Ursache der Prinzipien, die zur Urnatur gehört. So vollzieht man die Einsetzung der Prinzipien nach der gewählten Weise.

15.523 Die sechs Eigenschaften von Erkenntnis an setzt man ins Herz und an die übrigen Stellen ein. Wie zuvor vollzieht man die Verbindung mit dem Herrn, o vorzüglicher Weiser.

15.524 Danach führt man die zuvor gelehrte Verbindung mit dem Wort aus. Entsprechend den verschiedenen Lauten setzt man sie an verschiedenen Stellen ein.

15.525 Den Laut a, einer Kadamba-Blüte gleich, setzt man an der Haarspitze ein, o Brahmane; ā von Safranglanz im Scheitelbereich. [Die Vorlage schreibt beim ersten Laut makāra; die folgende Vokalreihe legt akāra nahe.]

15.526 Den Laut i, glühendem Gold gleich, setzt man in die Gesichtssphäre ein; ī, leuchtend wie Jasmin und Mond, in die Kehle.

15.527 Den Laut u, von reinem Bergkristallglanz, setzt man im Schlüsselbeinbereich ein; ū, von Zinnobergestalt, in die Brust.

15.528 Den Laut ṛ setzt man weiß und hell leuchtend ins Herz ein; ṝ, von der Leuchtkraft des Lacksaftharzes, in den Bauchbereich. [Die Vorlage unterscheidet hier die beiden ṛ-Längen nicht.]

15.529 Den Laut ḷ, glühendem Gold gleich, setzt man an den Nabel; ḹ, von dunklem Glanz, in den Genitalbereich. [Auch hier ist die Längenunterscheidung in der Vorlage ausgefallen.]

15.530 Den Laut e, geschmolzenem Gold gleich, setzt man an beide Oberschenkel; ai, einer Dämmerungswolke gleich, an beide Knie.

15.531 Den Laut o setzt man weiß an die Unterschenkel, o bester Zweimalgeborener; au rot an beide Knöchel.

15.532 Den Laut aṃ, von Magnetsteinglanz, setzt man an die Füße, o Brahmane; aḥ, von Padmarāga-Glanz, an die großen Zehen.

15.533 Den Laut ka setzt man rot auf die Stirn, kha messingfarben zwischen die Augenbrauen.

15.534 Den Laut ga setzt man schneegleich an die Nase, gha weiß in den Bereich der Zähne.

15.535 Den Laut ṅa setzt man herbsthimmelgleich ans Kinn, ca rot in den Nackenbereich.

15.536 Den Laut cha setzt man einem lodernden Feuer gleich an den Rücken, ja wie einen goldenen Berg leuchtend an die Hüften.

15.537 Den Laut jha setzt man reinem Bergkristall gleich an den Ansatz der Oberschenkel, ña von Padmarāga-Glanz vor die Fußknöchel.

15.538 Den Laut ṭa setzt man schneegleich an beide Augenbrauen, ṭha rot und hell leuchtend an die Augen, o Brahmane.

15.539 Den Laut ḍa setzt man gelb und stark leuchtend an die Wangen, ḍha von Indranīla-Glanz an beide Kieferseiten.

15.540 Den Laut ṇa setzt man von Haritāla-Glanz an beide Brustseiten, ta korallengleich an beide Ohren.

15.541 Den Laut tha setzt man einer Campaka-Blüte gleich an beide Schultern, da einem lodernden Feuer gleich in die Mitte der Arme.

15.542 Den Laut dha setzt man mit dem Leuchten einer Schar von Leuchtkäfern an die Unterarme, na mit dem Glanz eines Lotusblattes an die Hände.

15.543 Den Laut pa setzt man einem Palāśa-Blatt gleich in die Haarporen, pha einer Dämmerungswolke gleich in die Achselbereiche.

15.544 Den Laut ba setzt man mit Vollmondglanz an beide Flanken, bha einer Masse dunkler Augensalbe gleich an die Oberschenkel.

15.545 Den Laut ma setzt man herbsthimmelgleich in die Waden; ya rauchfarben in das Pāñcajanya-Muschelhorn.

15.546 Den Laut ra setzt man einem roten Lotus gleich in das tausendspeichige Rad, la blitzgleich in die Keule.

15.547 Den Laut va setzt man einer Herbstwolke gleich in den Lotus, śa von nektarähnlicher Lichtgestalt in das Blut.

15.548 Den Laut ṣa setzt man von der Farbe des Hasenbluts in die Gesamtheit der Knochen, sa mit dem Glanz von Schnee und Jasmin in das Fleisch.

15.549 Den Laut ha setzt man von reiner Bergkristallgestalt in den Lebenshauch, kṣa mit dem Glanz von Sonne und Feuer überall durchdringend ein.

15.550 Oder man vollzieht den Mātṛkā-Nyāsa folgendermaßen: a wird am Gaumen, ā im Mund eingesetzt.

15.551 i und ī setzt man in die Augen, u und ū in die Ohren, ṛ und ṝ in die Nasenöffnungen, ḷ und ḹ in die beiden Wangen ein. [Die Vokalzeichen sind in der Vorlage teilweise beschädigt.]

15.552 e und ai setzt man in die Zahnreihen, o und au an die Lippen; aṃ an die Stirn, Visarga an die Zunge.

15.553 ya setzt man in die Haut, ra in das Auge, la an die Nase und va an die Spitzen der Zähne.

15.554 śa setzt man ins Gehör, ṣa in den Bauch, sa in den Hüftbereich und ha ins Herz.

15.555 kṣa setzt man in den Nabelbereich, o bester Zweimalgeborener. Die pa-Lautgruppe bildet den einen Arm, die ta-Lautgruppe den anderen.

15.556 Die ṭa- und die ca-Lautgruppe bilden die beiden Beine; die ka-Lautgruppe ist als sämtliche Finger und Zehen zu verstehen, o bester Zweimalgeborener.

15.557 Nachdem man so die Verbindung mit den Lauten hergestellt hat, setzt man den zwölfsilbigen Mantra vom Haupt bis zu den Füßen ein.

15.558 Man setzt seine Glieder und Nebenglieder an den entsprechenden Stellen vom Herzen an ein und danach wie zuvor der Reihe nach Rad bis Garuḍa,

15.559 sämtliche Kennzeichen-Mantras, dann die Mantras von Dāmodara an samt ihren Śaktis, wie zuvor.

15.560 Alles von der Rücknahme an führt man der Reihe nach aus. Dann vergegenwärtigt man wie zuvor das höchste Brahman im Herzen.

15.561 Danach vollzieht man die Verbindung mit dem Mantra nach der zuvor beschriebenen Weise und lässt »Den tausendköpfigen Gott …« und die weiteren Texte der Reihe nach rezitieren.

15.562 Damit habe ich dir diese grobe Form der Verbindung erklärt. Von den genannten Verbindungsweisen, beginnend mit Para, o vorzüglicher Brahmane,

15.563 führt der Guru nach seiner Wahl eine aus. Dann verehrt er den Herrn der Götter, der im Bild auf dem Lager gegenwärtig ist,

15.564 mit den durch Berührung dargebrachten Diensten vom Sitz an, mit verschiedenen Ehrengaben, mit den »das Herz erfreuend« genannten Gaben und mit Madhuparka, o Brahmane,

15.565 mit Speisen wie Milchreis, mit reinen Getränken und verschiedenen weiteren Genussgaben, jeweils in der gehörigen Reihenfolge.

15.566 Er vollzieht alles bis zur Verteilung der Gaben, vergegenwärtigt ihn dann im Maṇḍala und verehrt ihn mit großer Festlichkeit.

15.567 Im Feuer sättigt er ihn samt seinen Gliedern, beginnend mit sieben Arten von Opferholz. Auch die Bildhüter opfern jeweils in ihrer eigenen Feuergrube der Reihe nach.

15.568 In den Feuergruben der Hauptrichtungen vom Osten an werden als Opferhölzer Palāśa, Khadira, Bilva und Udumbara genannt. [Die Baumnamen sind in der Vorlage teilweise beschädigt.]

15.569 In den Zwischenrichtungen vom Südosten an verwendet man Pippala, Plakṣa, Nyagrodha und Kāśmarya.

15.570 Werden weitere Gruben eingerichtet, verwendet man dort Palāśa-Holz. Fehlen die genannten Arten, gilt Palāśa überall als geeignetes Opferholz.

15.571 Im Süden stellt man vier Kühe mit dem Gesicht nach Norden auf, als Verkörperungen von Gaṅgā, Sarasvatī, Godā und Yamunā.

15.572 Mit ihrer Milch kocht man die Caru-Speisen und bereitet die Opfergaben. Im östlichen Feuer kocht man ein Āḍhaka Śāli-Reis mit Milch.

15.573 Im südlichen Feuer bereitet man Kṛsara, im westlichen mit Rohzucker vermischten Reis, im nördlichen Kurkumareis und in den übrigen Feuern schlichten Reis.

15.574 Mit Opferholz und den weiteren Stoffen bringt man jeweils einhundertacht Opfergaben dar, oder die Hälfte oder ein Viertel, entsprechend Ort und Zeit.

15.575 Sesam, Śāli-Reis, Gerste und Bambusreis sind der Reihe nach die Opfersamen. In den übrigen Gruben verwendet man Sesam; oder man verwendet ihn überall.

15.576 Alle, beginnend mit den Ekāyana-Kundigen, entnehmen mit dem jeweiligen Mantra Wasser aus ihrem Gottheitskrug in ein Gefäß und geben es der Reihe nach auf das Haupt des Bildes.

15.577 Mit einem Büschel aus vier Darbha-Halmen, o Brahmane, und mit Zweigen von Palāśa, Khadira, Aśvattha und Bilva

15.578 besprengen die Bildhüter es sorgfältig mit Wasser aus den auf der Plattform stehenden Krügen; der Ācārya mit Wasser aus den Eckkrügen und einem Vetasa-Zweig.

15.579 Danach sättigt er die Mantragestalt samt Gefolge mit reichlich geklärter Butter und weiteren Gaben und bringt die volle Opfergabe dar.

15.580 In der Reihenfolge des Einweihungsritus reinigt der Ācārya die gesamte Folge der Wirklichkeitsprinzipien. In der höchsten Ebene gegründet und ganz gesammelt,

15.581 tritt er nach Vollzug dieser Handlungen vor den im Bild gegenwärtigen Erhabenen und lässt ihn mit sehr reinem Geist diesen Mantra hören:

15.582 »O Adhokṣaja, du sollst hier gegenwärtig sein, damit deine Verehrer, mich eingeschlossen, zur Vollendung gelangen, o Makelloser!«

15.583 Dann meditiert er über den Erhabenen in Mantragestalt, den erwachten Lotusäugigen, wie er das Bild aufrichtet und dem Ācārya zugewandt ist.

15.584 Der Sādhaka fällt ihm zu Füßen und verneigt sich mit acht Körpergliedern. Die Elemente von Erde an haben die Gestalt des Bildes angenommen und bilden seine Glieder.

15.585 Damit ihre Zusammenfügung vollständig und ihre Verdichtung zur Gestalt vollendet werde, zur Befriedung aller seit Beginn entstandenen Mängel

15.586 und zur Stärkung der Mantras vollzieht er ein Feueropfer mit den Stoffen. Er verwendet den zwölfsilbigen Mantra und die vier Herzmantras jeweils für die Opfergaben.

15.587 Nachdem er den Bereich von den Füßen bis zu den Knien berührt hat, opfert er zunächst geklärte Butter; für den Bereich von den Knien bis zum Nabel entsprechend Dickmilch,

15.588 vom Nabel bis zur Kehle Milch, von der Kehle bis zum Haupt Honig. Dann vermischt er alles, berührt den gesamten Leib und opfert damit.

15.589 Danach bringt er mit geklärter Butter unter dem Grundmantra die volle Opfergabe dar. Den gesonderten Sockel und den Brahma-Stein weiht er wie das Bild,

15.590 beziehungsweise mit der jeweils vorgeschriebenen, dem Lebenshauch zugeordneten Gottheit. Er umhüllt sie mit bunten Tüchern; dann ist unter dem Cakra-Mantra

15.591 für den Brahma-Stein ein Feueropfer mit einhundertacht Gaben auszuführen. Die Ṛgveda- und weiteren Kundigen opfern jeweils die Hälfte unter ihren Gāyatrīs,

15.592 die Ekāyana-Kundigen mit Mantras, beginnend mit »Am Nabel des Ungeborenen …«. Den Sockel vergegenwärtigt man als die Gestalt der Wirklichkeitsebenen und Elemente, als nicht getrennten Erfahrungsgrund,

15.593 als Wohnstätte der Gottheiten. Der Lehrer selbst opfert unter dem Praṇava und dann unter den Vyāhṛtis.

15.594 Die anderen opfern unter dem Bala-Mantra, der mit Praṇava endet, o Pflugträger. Danach sättigt man denselben [Sockel] mit dem Opfermantra,

15.595 die anderen mit seinem eigenen Namen, verbunden mit Praṇava und Svāhā. Die Gegenwart der gesättigten Gottheiten wird bis zur vollen Opfergabe festgehalten.

15.596 Alle vollziehen dies für ihre jeweilige Gottheit in deren eigenen Gestalten, mit Wasser, Unterlage, innerer Vergegenwärtigung und Japa,

15.597 in den aus Wort bestehenden und den stofflichen Gestalten, ebenso in der aus Śruti bestehenden. Danach werden in den acht Feuergruben rings um den Tempel der Reihe nach

15.598 sämtliche Handlungen von der Weihe der Feuergruben an mit den Bildhütern ausgeführt; man opfert vorschriftsgemäß mit den zuvor genannten Stoffen.

15.599 Danach lässt man die Bildhüter in den Richtungen neben den Feuergruben Platz nehmen und speist sie mit Milchreis.

15.600 Man gibt ihnen nach Kräften Ehrengaben wie Gold. Nach Empfang der Ehrengabe sollen sie die Mantragestalt erfreuen.

15.601 Nahe beim Bild stehend spricht er diesen Mantra, nachdem er beim Aufgehen des festgesetzten Aszendenten die Gegenwart des Lehrers der Welt festgehalten hat, o Brahmane:

15.602 »Warte einen Augenblick, Erhabener, Allwissender, dessen Wesen Mitgefühl ist, bis ich deinen Brahman-Sockel im Tempel aufgestellt habe.«

15.603 Dann preist er den ruhenden Gott, umhüllt ihn schützend, verehrt ihn und verneigt sich. Er lässt dort alle eintreten,

15.604 die Ekāyana-Brahmanen und die Ṛgveda- und weiteren Kundigen, und lässt sie der Reihe nach die Mantras ihrer jeweiligen Überlieferungszweige rezitieren.

15.605 Er lässt auch die Hymnenrezitatoren, die dem Tanz und Gesang Ergebenen, die Spieler von Vīṇā, Flöte, Mṛdaṅga und weiteren Instrumenten eintreten.

15.606 Die Bildhüter in den Zwischenrichtungen beauftragt er mit Praṇava-Japa, jene in den Hauptrichtungen, o Brahmane, mit Japa des zwölfsilbigen Mantras.

15.607 Er bildet die Schutz-Mudrā und zeigt sie in alle Richtungen. Den fastenden Auftraggeber lässt er auf einem Darbha-Lager schlafen,

15.608 auf dem Opferplatz mit dem Haupt nach Osten, damit ein bedeutsamer Traum eintrete, o Brahmane. Nachdem er so die vorbereitende Weihe vollzogen hat, verbringt der Guru die Nacht wachend.

15.609 Wenn der Morgen anbricht, vollzieht der besonders schriftkundige Lehrer Bad und die übrigen Handlungen und beginnt danach die Einsetzung.

15.610 Er fragt den erwachten Auftraggeber nach seinem günstigen oder ungünstigen Traum. Zur Befriedung eines ungünstigen Traums bringt der Guru dann Feueropfer dar:

15.611 hundert oder tausend jeweils mit acht zusätzlichen Gaben, oder nach Kräften, o Brahmane, Sesam mit Früchten, vermischt mit Honig, geklärter Butter und Milch.

15.612 Er verwendet den Namen, eingeschlossen vom Waffenmantra, verbunden mit Svāhā und dem Zusatz »Vernichte, vernichte den Fehler!« nach dem Namen.

15.613 Oder er opfert allein geklärte Butter unter dem Narasiṃha-Mantra. Nach dieser Befriedung eines schlechten Traums vollzieht er die Einsetzung.

15.614 Er fegt den Tempel innen und außen mit Darbha-Zweigen, streut Blumen mit unversehrten Reiskörnern aus und räuchert erneut mit Guggulu.

15.615 Zusammen mit den Bildträgern und Handwerkern begibt sich der Lehrer ins Tempelinnere, o Brahmane, mit Arghya, Blumen und unversehrten Reiskörnern in den Händen.

15.616 Mit durch das Waffenmantra geweihten weißen Senfkörnern vertreibt er die dort befindlichen Hindernisse. In der vorderen Mitte hebt er nach dieser Vorschrift die Vertiefung aus.

15.617 Dafür teilt er das Allerheiligste mit Messschnüren ein. Vernimm nun genau die entsprechende Vorschrift, o bester Weiser.

15.618 In einem Tempel mit einem Eingang wird das Maß des Innenraums bestimmt, vom Eingang bis zur westlichen Wand, mit von Süden nach Norden verlaufenden Abschnitten.

15.619 Man teilt ihn ordnungsgemäß siebenfach. Der erste Bereich heißt Paiśāca, der zweite Mānuṣa und der dritte Daiva.

15.620 Der vierte ist als Brāhma zu erkennen; die drei weiteren heißen der Reihe nach Daiva, Mānuṣa und Paiśāca, o bester Zweimalgeborener.

15.621 Oder man nimmt eine neunteilige Gliederung mit von Süden nach Norden verlaufenden Abschnitten vor. Der erste Bereich heißt Paiśāca, der zweite Mānuṣa,

15.622 der dritte und vierte Daiva. Der fünfte Bereich ist als Brāhma zu erkennen; anschließend folgen

15.623 die vier anderen der Reihe nach als Daiva, Mānuṣa und Paiśāca. Bei einem Tempel mit vier Eingängen teilt man in allen vier Richtungen in gleiche Felder.

15.624 Bei siebenteiliger Gliederung heißt das mittlere Feld Brāhma; die umlaufenden Reihen heißen der Reihe nach Divya, Mānuṣa und Paiśāca.

15.625 Oder man gliedert achtfach: Die vier mittleren Felder bilden den Brāhma-Bereich; die drei umlaufenden Reihen heißen der Reihe nach Divya und die weiteren, o Brahmane.

15.626 Oder man teilt den Innenraum in jeder Richtung neunfach. Das mittlere Feld ist Brāhma, die beiden folgenden Reihen bilden den Divya-Bereich.

15.627 Dabei kann die innere Reihe Divyabrāhma und die nächste Daiva heißen. Außerhalb davon liegt eine Mānuṣa-Reihe, dann eine Paiśāca-Reihe.

15.628 Oder man gliedert sechzehnfach: Die vier mittleren Felder bilden Brāhma, die folgende Reihe Divyabrāhma, die drei weiteren Divya.

15.629 Zwei Reihen bilden Mānuṣa, eine äußere Reihe Paiśāca. Auch in einem Gebäude mit einem Eingang kann man eine solche umlaufende Einteilung vornehmen.

15.630 Im Gebäude mit vier Eingängen erfolgt die Einsetzung des viergestaltigen, in die vier Richtungen blickenden Herrn im mittleren Brāhma-Feld.

15.631 In einem Tempel mit einem Eingang setzt man bei Ekabera, o bester Zweimalgeborener, das Bild über den Brāhma- und Daiva-Bereich oder über Daiva und Mānuṣa,

15.632 oder allein in Brāhma oder Daiva, oder in den an Brāhma beziehungsweise an Mānuṣa angrenzenden Divya-Bereich, entsprechend der unterschiedlichen angestrebten Frucht.

15.633 Bei einem Gebäude mit vier Eingängen richtet man Bahubera im Divya- und Brāhma-Bereich oder im Divya- und Mānuṣa-Bereich ein,

15.634 oder in allen drei Bereichen von Brāhma bis Mānuṣa, o Brahmane, oder im Divya-Bereich an Brāhma beziehungsweise an Mānuṣa angrenzend,

15.635 entsprechend der Größe des Bildes samt Sockel. In einem Gebäude mit vier Eingängen liegt [der Hauptplatz] jedoch stets im Brāhma-Bereich. [Die Beschränkung steht neben den zuvor genannten weiter ausgreifenden Anordnungen.]

15.636 Ein Lager über alle drei Bereiche von Brāhma bis Mānuṣa gilt als vorzüglich; über Brāhma und Divya als mittel; über Divya und Mānuṣa

15.637 als geringste Form. Erkenne diese dreifache Ordnung. Im Brāhma-Bereich, in Brāhma und Divya oder im an Brāhma angrenzenden Divya-Bereich,

15.638 in Divya und Mānuṣa oder im an Mānuṣa angrenzenden Divya-Bereich ist eine sitzende Gestalt vorgesehen, o Brahmane; ebenso eine stehende.

15.639 Eine auf einem Fahrzeug befindliche Gestalt setzt man in Brāhma oder in Divya und Mānuṣa ein. Bei Ekabera richtet man in den beiden davorliegenden Bereichen

15.640 die Plattform für die Verehrung ein, o vorzüglicher Weiser. Sollen Festbild und weitere Bilder aufgestellt werden,

15.641 teilt man den Bereich des vorderen Sockels oder den dritten Bereich zwischen beiden Seitenwänden in sieben, acht oder neun gleiche Abschnitte,

15.642 oder sechzehn. In der Mitte lässt man entsprechend drei, vier, drei oder sechs Teile frei; von den verbleibenden Teilen verwendet man die südlichen

15.643 zum Aufstellen des Festbildes, das mit den Göttinnen verbunden ist. Links davon stellt man, o Brahmane, der Reihe nach das Tīrtha-Bild,

15.644 das Bild für das tägliche Fest, das Schlafbild, das Bild für besondere Gussbäder und das Taruṇa-Kautuka genannte Bild auf.

15.645 In den beiden mittleren Bereichen findet die Verehrung des Gottes statt. Wird das Hauptbild mit reichlich Wasser gebadet,

15.646 sollen Festbild und weitere Bilder so aufgestellt sein, dass sie nicht von Tropfen des Badewassers berührt werden.

15.647 Ist der Platz dort eng, stellt man die Bilder außerhalb im Vorhallenpavillon auf. Ist auch dort der Raum beschränkt,

15.648 richtet man in der ersten oder zweiten Umfriedung einen geräumigen Platz ein, unter Aussparung der Vorderseite des Tempels.

15.649 In einer der drei anderen Hauptrichtungen oder einer geeigneten Zwischenrichtung, oder auf einer gut geprüften passenden Hoffläche,

15.650 stellt man vorschriftsgemäß das Prozessionsbild samt Göttinnen auf. Die übrigen Bilder soll man jedoch keinesfalls außen aufstellen. [Dies präzisiert die zunächst allgemeine Formulierung von 15.647.]

15.651 Auch bei Bahubera soll der schriftkundige leitende Lehrer, o Trefflicher, wenn ein großes Hauptbild aufgestellt ist, das für besondere Gussbäder

15.652 und ähnliche Handlungen geeignet ist, ebenso verfahren. Ausgenommen sind das Dienstbild und das Bild für das tägliche Fest:

15.653 Beide stellt man stets an einem geeigneten Platz im Tempelinnern auf. Eignet sich das Hauptbild hingegen grundsätzlich nicht für Badehandlungen,

15.654 müssen sämtliche Bilder, beginnend mit dem Prozessionsbild, immer im Allerheiligsten stehen, niemals außerhalb.

15.655 Bei Bahubera teilt man den vorderen Bereich siebenfach, lässt einen Teil frei und stellt im Süden in den folgenden beiden Feldern

15.656 das Festbild auf; im vierten liegt der Badeplatz mit dem Dienstbild. Links davon ordnet man das Tīrtha-Bild und die weiteren Bilder an.

15.657 Die Verehrungsplattform steht im verbleibenden Bereich oder über zwei Bereichen. Oder man lässt vorne den Paiśāca-Bereich frei und stellt in den beiden folgenden

15.658 Bereichen das Bild auf; darüber befindet sich der Platz des Dienstbildes. Rechts davon setzt man das Prozessionsbild ein,

15.659 links davon die übrigen Bilder. Bei acht- oder neunteiliger Gliederung stellt man das Dienstbild im fünften Feld auf,

15.660 bei sechzehnteiliger im neunten. Sämtliche anderen Bilder ordnet man wie zuvor an.

15.661 Höre die Besonderheit bei einem liegenden Hauptbild. Der vordere Bereich zwischen den beiden Seitenwänden wird wie zuvor siebenfach geteilt.

15.662 Man lässt von Süden her vier Teile frei und stellt das Dienstbild im fünften oder im vierten auf.

15.663 Bei acht- oder neunteiliger Gliederung steht es im sechsten oder fünften; bei sechzehnteiliger Gliederung des vorderen Bereichs im zwölften oder elften,

15.664 im zehnten oder neunten. Die übrigen Bilder werden wie zuvor südlich und nördlich davon eingesetzt.

15.665 Die Verehrungsplattform wird wie zuvor eingerichtet. Bei einer umlaufenden sieben-, neun-, acht- oder sechzehnteiligen Gliederung

15.666 stellt man sämtliche Dienstbilder wie zuvor in der ersten oder zweiten Reihe vor dem Hauptbild auf.

15.667 Ebenso richtet man die Verehrungsplattform wie zuvor ein, o vorzüglicher Brahmane. Oder man verehrt den Gott stets auf dem Sockel selbst.

15.668 Nachdem man in die Mitte des Sockels einen Edelstein eingelegt hat, stellt man die Gestalt darauf. Findet die Einsetzung gemeinsam mit Göttinnen statt, o Brahmane,

15.669 lässt man neben dem Hauptbild den Sockelbereich frei und stellt die Göttinnen samt ihren eigenen Sockeln auf.

15.670 Eine Göttin steht links oder rechts, zwei rechts und links; vier werden der Reihe nach rechts und links eingesetzt.

15.671 Wo ein bewegliches Bild im Tempel eingesetzt wird, o Trefflicher, errichtet man in der Mitte eine Plattform und stellt es darauf.

15.672 Oder man setzt im Divya- oder Mānuṣa-Bereich einen Sockel und darauf das Bild. Wenn die Zeit der Verehrung gekommen ist,

15.673 stellt man in der Mitte einen Bhadra-Sitz auf und setzt es darauf. Nach der täglichen Verehrung stellt man es wieder auf den Sockel zurück.

15.674 Höre nun, o Trefflicher, die Besonderheit an einem von selbst offenbar gewordenen Heiligtum oder an einer durch Siddhas oder hervorragende Weise begründeten Stätte.

15.675 Wo das Hauptbild des Erhabenen samt Sockel von alters her aufgestellt ist, nimmt man den Raum zwischen diesem Standort und dem Eingang

15.676 und teilt ihn in drei gleiche Bereiche. Vom Eingang an heißen sie der Reihe nach Paiśāca, Mānuṣa und Divya.

15.677 Den Divya-Bereich teilt man von der rechten bis zur linken Wand in sieben gleiche Abschnitte. Vom Süden her

15.678 stellt man das Dienstbild im fünften oder vierten auf. Rechts davon setzt man das Festbild ein, begleitet von Lakṣmī und Puṣṭi;

15.679 links davon ordnet man sämtliche anderen Bilder vorschriftsgemäß der Reihe nach an.

15.680 Oder man teilt den Raum vom Eingang bis zur westlichen Wand siebenfach, lässt die beiden eingangsnahen Bereiche frei

15.681 und teilt den dritten, göttlichen Bereich zwischen beiden Seitenwänden wiederum siebenfach. Dort richtet man die Plätze des Dienstbildes und der weiteren Bilder wie zuvor ein.

15.682 Vernimm auch hier die Vorschrift bei einer liegenden Gestalt, o Brahmane: Man stellt das Dienstbild im fünften oder sechsten Abschnitt auf.

15.683 Die übrigen Bilder werden wie zuvor angeordnet. Bei einem von selbst offenbarten Heiligtum mit vier Eingängen nimmt man eine umlaufende siebenteilige Gliederung vor.

15.684 Paiśāca und Mānuṣa bleiben frei; im dritten, göttlichen Bereich stellt man das Dienstbild vorn oder nördlich auf, entsprechend der Vorderseite des Herrn,

15.685 oder im nordöstlichen göttlichen Bereich. Werden im Innern eines Tempels auf einem einzigen Sockel

15.686 die vier Gestalten von Vāsudeva an, die von Keśava an oder eine Gruppe göttlicher Erscheinungen in einer Reihe eingesetzt,

15.687 so höre die folgende Besonderheit ihrer göttlichen Anordnung. Der Innenraum wird vom Eingang bis zur Rückwand mit von Süden nach Norden verlaufenden Bereichen

15.688 siebenfach geteilt; in den Bereichen von Brāhma an setzt man die Gestalten nach der zuvor beschriebenen Weise in einer Reihe ein,

15.689 auch dort vom Süden bis zum Norden. Soll die Aufstellung in umlaufenden Kreisen erfolgen, teilt man den Innenraum umlaufend siebenfach

15.690 und setzt die Hauptgestalt in der Mitte im Brāhma-Bereich ein. Im Divya- oder Mānuṣa-Bereich darum oder in beiden

15.691 stellt man alle anderen Gestalten in der Reihenfolge der Umkreise auf. Bei der Einsetzung der vier Vyūhas steht Vāsudeva in der Mitte,

15.692 Saṅkarṣaṇa außen in der göttlichen Reihe im Süden, Pradyumna im Westen und Aniruddha im Norden.

15.693 Ebenso ordnet man die vier Viergestaltigkeiten an, die in weiteren göttlichen Formen erscheinen, jeweils verbunden mit ihrer eigenen Ursache.

15.694 Bei den neun Viergestaltigkeiten und den aus neun Gestalten bestehenden Anordnungen setzt man in der ersten Vāsudeva in die Mitte; in die vier Hauptrichtungen vom Osten an

15.695 werden die vier Gestalten von Vāsudeva an der Reihe nach eingesetzt. Bei den beiden als Fünfgestalten-Einsetzung bezeichneten Anordnungen steht Vāsudeva im mittleren Feld;

15.696 in den vier Hauptrichtungen des göttlichen Bereichs stehen die vier von Saṅkarṣaṇa bis Nārāyaṇa.

15.697 Ebenso vollzieht man der Reihe nach die Einsetzung bei den sieben weiteren [Anordnungen]. Bei der Neungestalten-Einsetzung steht Vāsudeva in der Mitte;

15.698 in den acht äußeren Feldern des göttlichen Bereichs stehen der Reihe nach die acht Gestalten von Saṅkarṣaṇa bis Varāha.

15.699 Bei der Einsetzung der Gestalten von Keśava an steht Vāsudeva in der Mitte. Man gliedert den göttlichen Bereich nach der für zwölf Speichen beschriebenen Weise

15.700 und setzt die zwölf Götter von Keśava an vom Osten aus ein. Oder man lässt in der menschlichen Reihe die vier Eckfelder frei

15.701 und setzt sie in den übrigen Feldern vom Osten an der Reihe nach ein. Bei beengtem Raum verwendet man den göttlichen und den menschlichen Bereich gemeinsam.

15.702 Höre die Früchte der verschiedenen genannten Standorte bei Ekabera. Im Brāhma-Bereich gewährt die Einsetzung Befreiung, im Divya-Bereich das Gedeihen der Stätte.

15.703 Im an Divya angrenzenden Brāhma-Bereich gewährt sie Lebensfülle und Befreiung; im an Mānuṣa angrenzenden Daiva-Bereich die Frucht des Divya-Bereichs.

15.704 Aus der Verbindung von Daiva und Mānuṣa erwachsen diesseitige und jenseitige Früchte; aus Divya und Brāhma die acht Vollkommenheiten zusammen mit irdischem Wohlergehen.

15.705 Höre nun die unterschiedlichen Früchte bei Bahubera, o Brahmane. Im Brāhma-Feld erlangt man die sechs Eigenschaften von Erkenntnis an.

15.706 Im an Brāhma angrenzenden Daiva-Bereich erlangt man die Erfüllung aller Wünsche. Im Divya- und Brāhma-Bereich sowie in Divya und Mānuṣa

15.707 und im an Mānuṣa angrenzenden Divya-Bereich gilt die bereits genannte Frucht. Erfolgt die Einsetzung in allen Bereichen von Brāhma bis Mānuṣa,

15.708 gedeihen die Stätte, der Auftraggeber, König und Reich. Nun werden die verschiedenen Früchte der Einsetzung des Dienstbildes genannt, o Brahmane.

15.709 Bei siebenteiliger Gliederung erfolgt sie im vierten, dem Brāhma-Bereich, und gewährt Befreiung; im fünften Bereich gewährt sie die Nähe des Herrn.

15.710 Bei achtteiliger Gliederung gewährt sie im fünften die acht Vollkommenheiten, im sechsten den Aufenthalt in derselben Welt wie der Herr.

15.711 Bei neunteiliger Gliederung gelten dieselben Früchte. Bei sechzehnteiliger Gliederung gewährt die Einsetzung im neunten Feld die sechs göttlichen Eigenschaften.

15.712 Die Einsetzung im zehnten, elften oder zwölften Feld, o Brahmane, gewährt bald den Aufenthalt in Viṣṇus Welt.

15.713 Wird der göttliche Bereich siebenfach geteilt, gewährt die Einsetzung im vierten Feld rechte Unterscheidung, Dharma und Heiterkeit des Geistes, o Brahmane.

15.714 Im sechsten Feld mehrt sie Gedeihen und Glück, gewährt Sieg über vorzeitigen Tod und steigert Kraft, Tatfreude und Wohlstand.

15.715 Bei neunteiliger Gliederung gelten dieselben Früchte. Bei sechzehnteiliger Gliederung gewährt die Einsetzung im neunten Feld, o Brahmane,

15.716 bald himmlische Freuden. Die Einsetzung im zehnten, elften oder zwölften Feld

15.717 schenkt Reichtum, Getreidefülle und Landgewinn. Bei einer umlaufenden Gliederung gewährt die Einsetzung im Brāhma-Bereich

15.718 beständige Befreiung; im vorderen Divya-Feld schenkt sie Lebensfreuden und mehrt Kraft, Tatfreude und Wohlstand.

15.719 Im nordöstlichen Divya-Bereich gewährt die Einsetzung Lebensdauer, Gesundheit, Herrschermacht und den Königen Sieg,

15.720 dazu großes Gedeihen der Stätte und des Landes. Im nördlichen Divya-Bereich schenkt sie Lebensfülle und Befreiung.

15.721 In der Divyabrāhma genannten Reihe gilt dieselbe Wirkung wie im Divya-Bereich. Jedes Feld, in dem die Aufstellung eines Bildes vorgeschrieben ist,

15.722 teilt man in zwei gleiche Teile. Bei Einsetzung im nektarhaften Teil erfüllen sich die genannten Früchte; im feurigen Teil entsteht die gegenteilige Wirkung.

15.723 Die Aufstellung des Prozessionsbildes im Tempelinnern, o Brahmane, gewährt der Stätte, dem Auftraggeber, dem König und dem Land

15.724 täglich große Fülle und Ausstrahlung. In der Vorhalle ist dieselbe Frucht von mittlerer Stärke, o Brahmane,

15.725 in der ersten Umfriedung und den weiteren Bereichen geringer. Ebenso verhält es sich mit der Frucht der Aufstellung anderer Bilder.

15.726 Wenn bei irgendeinem Bild, beginnend mit dem Hauptbild, o Einsichtiger, aus Nachlässigkeit oder vorsätzlich der jeweils vorgeschriebene Standort

15.727 verlassen und ein anderer Ort gewählt wird, gehen, so die Warnung des Textes, Stätte, Auftraggeber, König und Reich zugrunde.

15.728 Alle Bewohner jenes Landes werden von Krankheiten und weiteren Leiden bedrängt; Regenmangel, Hungersnot und Bedrängnis durch Feinde treten ein.

15.729 Wer das Wohl des Reiches, sein eigenes und das des Königs wünscht, soll deshalb die vorgeschriebenen Plätze nicht vertauschen.

15.730 Ist durch Nachlässigkeit, Trägheit oder einen ähnlichen Fehler eine falsche Aufstellung erfolgt, lässt man das unbewegliche Bild unberührt, stellt aber das bewegliche

15.731 an seinen jeweils vorgeschriebenen Platz und verehrt es. Besonders in einem von selbst offenbarten oder von Siddhas und anderen gegründeten

15.732 Tempel stellt man die beweglichen Bilder an ihre eigenen Plätze. Ist die Mitte aufgrund der Prüfung geöffnet worden, führt man erneut die folgenden Handlungen aus. [Der Übergang zur Sockelgrube ist sprachlich beschädigt.]

15.733 Die Grube wird mit Wasser des Waffenmantras gewaschen und unter dem Herzmantra mit Sandelholz und weiteren Stoffen bestrichen. Die in den darunter befindlichen Gefäßen festgehaltenen Mantras

15.734 werden nach der zuvor beschriebenen Vorschrift im Geist jeweils an ihrem Ort festgehalten. Nach der vorgeschriebenen Verehrung bis zur vollen Opfergabe setzt man dort

15.735 einen festen, im Erdboden ruhenden Stein ein, sechs, fünf oder vier Golakas dick, der etwas über den Sockel hinausragt,

15.736 oder, wenn Befreiung angestrebt wird, ganz vom Sockel umfasst ist. Zuvor hat man neun Vertiefungen darin angelegt. Auch dabei verwendet man den eigenen Mantra und lässt »Du bist der feste Stand …« rezitieren.

15.737 Vom Osten an legt man in der Reihenfolge des Hervorgehens jeweils fünf Stoffe in die Vertiefungen des Steins: Diamant, Gold,

15.738 Haritāla, Uśīra und ungeschälten Reis; im Süden Indranīla, Eisen, Kāsīsa, Sandelholz und Sesam;

15.739 im Westen Perle, Silber, Quecksilber, Uśīra und Mungbohnen; im Norden Padmarāga,

15.740 Bronze, Rājapāṣāṇa, Rājendra [Stoffbezeichnung unsicher] und Kichererbsen. Zuerst legt man alle zwanzig in die Mitte; dann außerhalb davon

15.741 in den Zwischenrichtungen in der Reihenfolge der Rücknahme jeweils weitere Stoffe: Vaiḍūrya, Metall, Cakrāṅka und Glimmer

15.742 sowie Ṣaṣṭika-Reis im Nordosten; im Nordwesten Puṣyarāga, Harītakā, roter Ocker, Śārikā und Linsen; im Südwesten

15.743 Mahānīla, Zinn, Pāṣāṇamākṣika, Gerste und Aloeholz; im Südosten Bergkristall,

15.744 Kupfer, Manaḥśilā, Weizen und Śaṅkhapuṣpī. Danach gibt man alle Stoffe in die Mitte und bedeckt die Gesamtheit der Vertiefungen

15.745 mit Bindemasse. An jedem Ort verehrt man den Mantra samt seinen Gliedern und lässt die Yajurveda-Kundigen die mit »ca me« verbundenen Sechsergruppen rezitieren. [Bezeichnung der Rezitationsabschnitte unsicher.]

15.746 Darauf setzt man den Sockel. In seine Vertiefung legt man ein Rad aus acht Metallen, darüber, o Einsichtiger,

15.747 die jeweilige eigene Unterlage, die bei den Besonderheiten der zwölf [Gestalten] angegeben wurde, aus Gold; darüber einen Lotus aus demselben Metall oder aus Kupfer.

15.748 Bei der viergestaltigen Gottheit setzt man diese fünf in ihrer festgelegten Reihenfolge ein. Für das Rad setzt man Ananta ein, für diesen Fisch und Schildkröte,

15.749 für den Fisch Schildkröte und Ananta, für die Schildkröte Fisch und Ananta. Für alle ist der Lotus vorgeschrieben; für ihn setzt man Ananta ein. [Die wechselnden Bezüge der Trägergestalten sind nicht überall eindeutig.]

15.750 Bei der Einsetzung der Śaktis von Lakṣmī an legt man ein Rad ein und vollzieht die Sättigungsopfer dieser Handlung bis zur vollen Opfergabe.

15.751 Im Pavillon des Vogelfürsten verfährt man ebenso. Mit den Bildträgern wird wie zuvor die Handlung mit Darbha-Wasser vollzogen.

15.752 Ich werde nun eine andere Weise lehren; höre zu. Man setzt den zuvor geweihten Brahma-Stein ein, o Brahmane,

15.753 etwas kleiner als die Grundfläche des Sockels, eben, glatt und fest. Zuvor teilt man ihn in neun Felder und zeichnet in jedes einen Lotus,

15.754 dessen Zentrum man aushöhlt. In der Mitte des Allerheiligsten gräbt man entsprechend dem Maß des Steins in Breite und Ausdehnung.

15.755 Entlang der zuvor gezogenen Messschnur verschiebt man den Platz nach Norden. Dort legt man in der Mitte eine günstige Vertiefung von sechs Fingerbreiten an.

15.756 Darin stellt man einen mit Edelsteinen gefüllten goldenen oder kupfernen Krug auf, vier Fingerbreiten groß und muschelförmig,

15.757 nachdem man ihn mit dem Herzmantra besprochen hat, unter der Gāyatrī. Man versieht ihn mit einem Deckel und legt Kalkmörtel darüber.

15.758 Darauf setzt man den zuvor mit Mantras durchdrungenen Brahma-Stein. Der Guru selbst gründet sich in der allumfassenden Gegenwart

15.759 und meditiert über den Stein als alldurchdringend, als Träger und Getragenes zugleich. Unter dem Grundmantra vergegenwärtigt er darin den Nyāsa sämtlicher Wirklichkeitsebenen.

15.760 Nachdem er so die Gegenwart hergestellt hat, legt er darauf Edelsteine und weitere Stoffe ein, o Brahmane. Vernimm, wie dies geschieht.

15.761 Eine goldene Feuergestalt, einen silbernen Ananta, eine goldene Erde und einen Lotus aus acht Metallen setzt man in die Mitte auf den Brahma-Stein.

15.762 In die Lotusvertiefungen vom Osten bis zum Nordosten legt man der Reihe nach Diamant, Sonnenstein und Indranīla,

15.763 Mahānīla, o bester Weiser, danach Perle, Puṣyarāga und Padmarāga;

15.764 im Nordosten Vaiḍūrya, in der Mitte Bergkristall. Vom Osten an legt man Silber, Kupfer, Trapu, Vaṅka und Rītika,

15.765 Loha, Eisen und Bronze ein; in die Mitte Gold. Danach Haritāla, Manaḥśilā, Chinnapiṣṭaka und Kuṣṭha,

15.766 Srotoñjana, Darada, Saurāṣṭrī und Hemagairika; in die Mitte Rājapāṣāṇa und überall Quecksilber. [Einige mineralische und metallische Stoffnamen sind nicht eindeutig bestimmbar.]

15.767 Weizen, wilde Gerste, Mungbohnen, Māṣa-Bohnen, Kichererbsen, o vorzüglicher Weiser, Kuluttha und Linsen

15.768 legt man der Reihe nach in die acht Richtungsfelder, in die Mitte weiße Senfkörner und Sesam. Hrībera, Kurkuma, Māṃsī, Sahadevī und Vacā,

15.769 Viṣṇukrāntā, Balā, Moṭā, Śyāmāka und Śaṅkhapuṣpī legt man vom Osten bis zur Mitte als Wurzelstoffe ein. [Die überlieferten Listen passen zahlenmäßig nicht überall eindeutig zu den neun Feldern.]

15.770 Sind die Edelsteine nicht verfügbar, gilt eine Perle als geeigneter Ersatz. Fehlen die Metalle, wird Gold besonders empfohlen.

15.771 Fehlen die mineralischen Stoffe, ist Haritāla vorzüglich. Fehlen die verschiedenen Samen, wird Śāli-Reissamen empfohlen.

15.772 Sind sämtliche Stoffe nicht verfügbar, legt man überall Gold ein; fehlt auch dieses, Silber oder Perlen.

15.773 In sämtliche Vertiefungen gibt man eine zuvor mit geklärter Butter und Milch bereitete Bindemasse, o Brahmane.

15.774 Darauf legt man ein rein weißes, ungetragenes Seidentuch, trägt innen glatten Kalkmörtel auf und setzt den Sockel ein.

15.775 Diesen verbindet man wie zuvor mit dem Stein, o bester Brahmane. In die Sockelvertiefung legt man einen großen goldenen Garuḍa,

15.776 Milch, Dickmilch, geklärte Butter, Puffreis, Honig, Blumen, Früchte sowie sämtliche Duftstoffe zusammen mit allen Heilkräutern, o vorzüglicher Brahmane.

15.777 Man vergegenwärtigt den Sockel wie zuvor mit sämtlichen Kräften von Dharma an. Darauf setzt man erneut die Durchdringung ein, die den Sitz aus Bewusstsein bildet.

15.778 Jede einzelne Gabe bespricht man mit dem Herzmantra und der Viṣṇu-Gāyatrī, legt sie ein und führt bei jeder Handlung das entsprechende Feueropfer aus.

15.779 Nach dem Einsetzen des Sockels bringt der Guru die volle Opfergabe dar. Mit einem vierfachen Faden umwindet man das Gotteshaus,

15.780 bedeckt es mit neuem Tuch und umgibt es mit einem Darbha-Kranz. Dann betritt man zusammen mit den Bildhütern den Opferpavillon.

15.781 Man wartet auf den Zeitpunkt des festgesetzten Aszendenten; bis er eintritt, verkürzt man die Zeit mit erfreulichen Darbietungen, Feueropfern, heiteren Beiträgen und Rezitationen.

15.782 Ist der Aszendent aufgegangen, o Brahmane, erweckt man den auf dem Lager Ruhenden, verehrt ihn mit Arghya, Salbung, Kränzen und weiteren Gaben und spricht:

15.783 »O du, dessen Wesen Mantra ist, nimm deine feurige Gestalt zurück. Nimm die milde Gestalt an, um hier zu verweilen, höchster Herr!

15.784 Verehrung dir, Hṛṣīkeśa! Erhebe dich, höchster Herr! Betritt den Sockelplatz, um mir deine Gnade zu erweisen!«

15.785 Unter dem Herzmantra nimmt man den erwachten Herrn der Mantras auf und hebt ihn unter dem Gestaltmantra mit den Bildträgern kraftvoll an.

15.786 Man nimmt den bei der eigenen Feuergrube stehenden Hauptkrug samt Waffengefäß auf. Die Ausführenden der Richtungsopfer heben zusammen mit den Segenszeichen

15.787 die acht Krüge der Vidyeśvaras an. Der Ācārya geht voran, trägt den Krug und gießt daraus einen ununterbrochenen Wasserstrahl von Stäbchendicke,

15.788 oder streut zahlreiche verschiedene Edelsteine und vielerlei Blumen, vermischt mit Puffreis und weiteren Stoffen, aus.

15.789 Unmittelbar danach folgen die Bildträger mit dem Bild. Niemand sonst darf zwischen Ācārya und Bild gehen.

15.790 Die Träger der acht Krüge und der Segenszeichen gehen ringsum und rezitieren den Śākuna-Sūkta.

15.791 Der Auftraggeber schweigt, trägt Kuśa in der Hand und zeigt Ehrfurcht. Hinter ihnen gehen die übrigen Helfer.

15.792 Sie treten durch den Torbogen hinaus und vollziehen vier Rechtsumläufe um den Tempelsockel. Vor dem Eingang halten sie an.

15.793 Man gibt Fußwasser, Arghya und Mundspülwasser und lässt das Bild unter dem Herzmantra eintreten, ohne die Türpfosten und andere Bauteile zu berühren. Dann lässt man die Kundigen

15.794 »Mit vier Rädern …« und danach »Die Stadt mit elf …« rezitieren. Mit einem weißen Seidentuch, das durch das Schutzmantra geweiht ist,

15.795 umhüllt man zunächst unter dem Śikhā-Mantra den Stängel des Fußlotus. Man bringt Feuer und Soma ins Gleichgewicht und setzt unter dem von Praṇava umschlossenen

15.796 Grundmantra das Bild fest auf den Sockel. Bei der Einsetzung des Gottes darf die Mitte des Eingangs nicht unbeachtet bleiben.

15.797 Das Bild soll nicht davor, seitlich oder dahinter eingesetzt werden. Danach lässt der vorzügliche Lehrer den Atem links ausströmen.

15.798 Er lässt der Reihe nach die beiden Mantras rezitieren, die Pratiṣṭhā und ihr Kennzeichen ausdrücken, und gründet sich in seiner friedvollen, vom Brahman erfüllten eigenen Gestalt.

15.799 Selbst wo die Einsetzung allein im Brāhma-Bereich vorgeschrieben ist, soll man sich ein wenig nach links in den Divya-Bereich ausrichten.

15.800 Denn zum Wohl aller ist er mit den sechs göttlichen Eigenschaften hervorgetreten. Deshalb führt man ihn vom Brahma-Feld ein wenig in den Götterbereich,

15.801 damit Befreiung und die übrigen Früchte sicher erlangt werden. Danach löst man unter dem Herzmantra das Schutzband an der Hand.

15.802 Man bringt mit dem Mantra Arghya für den ganzen Leib dar und gedenkt des Grundmantras. Mit Vajralepa, das mit Herz- und Waffenmantra besprochen wurde,

15.803 stellt man die feste Einheit von Bild, Sockel und Stein her. Der Guru spricht zuerst Oṃ und sagt mit geneigtem Haupt:

15.804 »O Erhabener, du bist zum Wohl der Sādhakas verehrt worden. Auch du mögest um der Gnade willen immer hier wohnen.

15.805 Wo du verweilst, o Herr, ist die Vollendung für die vorzüglichen Sādhakas nicht fern. So hast du selbst einst gesprochen.

15.806 Deshalb verweile fest gegründet, stets wohlgestimmt und voller Mitgefühl, du Höchster und Großer, immer zur Gnade bereit, solange Mond und Sterne bestehen!«

15.807 Nach diesen Worten gibt er Arghya auf Haupt und Füße. Besteht das Hauptbild aus Ton oder ähnlichen Stoffen, o bester Weiser,

15.808 so vollzieht er Erweckung und Rechtsumwandlung am Dienstbild oder an einer Unterlage aus Darbha-Blütenständen, o Brahmane,

15.809 ebenso den Einzug in den Tempel. Alles andere führt der leitende Lehrer gesammelt und der Reihe nach am Hauptbild aus.

15.810 Danach bewirkt er die Durchdringung vom tragenden Grund bis zur Spitze durch den herrscherlichen Kraftfaden der Wirksamkeit.

15.811 Durch diese Verbindung verlässt die Schar der Mantras die Stätte auch dann nicht, wenn später das Bild und die übrigen Teile des Heiligtums verloren gehen.

15.812 Wenn ein Mensch, ob wissend oder unwissend, an diesem Heiligtum ein anderes, aus anderem Stoff gefertigtes Bild einsetzt,

15.813 wird es sogleich von jener Erkenntnis durchdrungen. Eine solche Stätte bleibt in diesen drei Welten, o Einsichtiger,

15.814 als Heiligtum anerkannt, solange Mond und Sterne bestehen. Man meditiert über das Grundmantra als das vollkommen friedvolle Brahman

15.815 und vergegenwärtigt alles vom tragenden Grund bis zur Fahnenspitze als von ihm durchdrungen. Nach dieser allgemeinen Verbindung vollzieht man die Durchdringung mit den Wirklichkeitsebenen.

15.816 In den Tempelsockel setzt man die Durchdringung mit der Folge der Welten ein, verbunden mit den übrigen Folgen, beginnend mit der Folge der Wörter, die die Formen des Seins tragen.

15.817 Diese durchdringen einander überall und sind durch das Höchste gekennzeichnet. Ausgenommen ist der Anteil der Erdenwelt, o Brahmane, der von den übrigen gesondert bleibt,

15.818 weil Rajas und Tamas in ihm stark und Sattva nur gering sind. Die übrigen sind ihrem Wesen nach allein durch Sattva bestimmt.

15.819 Deshalb steht die Erdenwelt gesondert von der Gesamtheit der Folgen der Wörter und der weiteren Ebenen. In die Schildkröte und in den Brahma-Stein setzt man die drei Zustände ein,

15.820 beginnend mit Wachen. Nach der Einlage der Edelsteine setzt man die Mantra-Folge zusammen mit Brahman als dem vierten Zustand in den Bildsitz ein.

15.821 Die Folge der Wirklichkeitsprinzipien setzt man von den Füßen bis zum Nabel ein, o bester Zweimalgeborener; die Folge der Kalās vergegenwärtigt man vom Nabel bis zum Haupt.

15.822 Im Lotus der Brahman-Öffnung, auf der Ebene des Laut-Brahman, vergegenwärtigt man im Lotuszentrum das höchste Brahman, das allen gemeinsame, ewige, alldurchdringende.

15.823 Nach dieser Durchdringung mit den Wirklichkeitsebenen meditiert man über das Grundmantra als grob, fein und höchst: die grobe Form sechsfach bis zum Stein reichend,

15.824 die feine im Sockel, die höchste im Leib des Bildes. Am Fuß des Sockels setzt man sodann die Gottheiten ein,

15.825 die den Hilfsmitteln des Daseins zugeordnet sind, o Einsichtiger. Diese soll man niemals im Mantrabild selbst einsetzen.

15.826 Oberhalb des Sockels, o bester Weiser, setzt man die Vibhava-Gottheiten wie zuvor übereinander ein, abgesehen von der hier beschriebenen [Haupteinsetzung; Satzbezug unsicher],

15.827 beginnend beim Gefäßbereich bis zum Höchsten in der Kultgestalt. Durch dieses Einsetzen sämtlicher Gottheiten

15.828 wird ein dem Wunschedelstein gleicher Nyāsa vollzogen, der Vollendung schenkt. Nach dem Einsetzen der Urnatur führt man die Einsetzung der Wirklichkeitsprinzipien aus.

15.829 Mit Wellen der Erkenntnis und Glückseligkeit, mit dem sonnenähnlichen Glanz des Erkennbaren, der vielfältige Freude erzeugt, vom tragenden Grund bis zum Haupt,

15.830 schaut man das aus Mantra bestehende Bild in seinen vielen wunderbaren Gestalten. So ist es die Ursprungsstätte aller Dinge und gewährt die Erfüllung des heilsamen Entschlusses.

15.831 Nachdem man mit reinem Selbst das Mantrabild wie einen Baum eingesetzt hat, vergegenwärtigt man seinen aus Erkenntnis bestehenden, vorzüglichen und hoch emporragenden Zweig,

15.832 der den unendlichen Raum durchdringt, o Brahmane. Mit dem unvergleichlichen Nektar, der daraus hervorströmt,

15.833 stellt der Sādhaka sich den Baum des Mantrabildes stets als safterfüllt vor: wie durch irdisches Wasser und durch Regenwasser, o Nārada,

15.834 der Mandāra-Blütenbaum genährt wird, genau so. Danach vollzieht man vorschriftsgemäß den Mantra-Nyāsa am Bild.

15.835 Man vollzieht die drei Nyāsas von Schöpfung, Bestand und Rücknahme am Allgegenwärtigen, ob er stehend, sitzend, liegend oder auf einem Fahrzeug dargestellt ist.

15.836 An allen diesen Gestalten vollzieht man die drei Nyāsas, o Brahmane. Oder an der stehenden den Bestands-Nyāsa, an der sitzenden den Schöpfungs-Nyāsa,

15.837 an der liegenden den Rücknahme-Nyāsa, o bester Zweimalgeborener. Die Glieder und Nebenglieder setzt man an den zugehörigen Stellen vom Herzen an ein.

15.838 Die übrigen Kennzeichen und weiteren Gestalten bis Garuḍa werden eingesetzt. Dann verehrt man dort das Ganze durch das Opfer der Rücknahme.

15.839 Den auf dem Sockel gegenwärtigen Mantrakreis verehrt man nochmals durch das Opfer der Genussgaben. Die zum Sockel gehörige Mantraschar verehrt man anschließend in umgekehrter Reihenfolge

15.840 bis zur tragenden Kraft, unter dem Schöpfungs-Nyāsa, o Trefflicher. Man verbindet den jeweiligen Eigennamen mit dem Wort »Herr« oder einer anderen vorzüglichen Anrede,

15.841 beginnend mit Hari oder Keśava, und mit Praṇava. Dann sprechen die Bildhüter und die übrigen: »Möge die Einsetzung wohlgelungen sein!«

15.842 Während alle Anwesenden ringsum volle Hände mit Blumen und unversehrten Reiskörnern ausstreuen, sagen sie: »Möge die Einsetzung wohlgelungen sein!«

15.843 Man lässt »Dich habe ich hergebracht …« und »Du bist der feste Stand …« rezitieren; die Ekāyana-Kundigen den mit »Freund des Alls …« beginnenden Mantra, o Brahmane.

15.844 »Oṃ, Verehrung sei dir, Verehrung …«, gemeinsam mit den Ṛgveda- und weiteren Kundigen, immer wieder »Oṃ, Verehrung dem Brahman« und ebenso »Sieg ist dein …«.

15.845 Der Lehrer spricht mit allen zusammen laut einen das Ohr erfreuenden Hymnus, verbunden mit Siegesrufen.

15.846 Erkenne, o vorzüglicher Brahmane: Wenn dieser Allgegenwärtige in Mantragestalt als Lebensgegenwart eingesetzt ist, ist alles eingesetzt.

15.847 Nachdem die vorbereitende Weihe und die weiteren Handlungen zusammen mit dem Hauptbild vollzogen wurden, setzt man die Dienstbilder und die übrigen Bilder jeweils an ihren vorgeschriebenen Orten ein.

15.848 Ebenso setzt man vorschriftsgemäß Lakṣmī und die weiteren Śaktis ein. Auch im Tempel werden die zuvor genannten Welten und weiteren Ebenen der Reihe nach eingesetzt.

15.849 Innerhalb desselben günstigen Zeitabschnitts ist auch der König der Vögel einzusetzen, der zuvor gebadet, gesalbt und mit seinem eigenen Mantra geweiht wurde.

15.850 Denn die Erkenntniskraft, die mit dem Bild verbunden ist, wirkt auch in gesonderten Gegenständen nahe beim Bild oder andernorts, o Trefflicher,

15.851 wenn diese zu jener Zeit zu seinen Gliedern werden. Die gesamte Handlung, beginnend mit Meditation und Verehrung bis zum Feueropfer,

15.852 geht von selbst in entsprechender Weise auf sie über. Deshalb nimmt man [Garuḍa] wie das Bild aus dem Opferhaus auf,

15.853 umwandelt den Gott nach rechts und bringt ihn wie zuvor zum Einsetzungsort. In die eine mittlere Vertiefung legt man die fünf Stoffe von Diamant an.

15.854 Darüber setzt man wie zuvor seine eigene vorgeschriebene Unterlage ein. In seinem Sockel vergegenwärtigt man die Folge der Welten,

15.855 in seinem Leib die besondere Form der Erkenntnis. Man lässt die Brahmanen den vorzüglichen Mantra »Du bist Suparṇa …« rezitieren.

15.856 Nachdem man ihn mit dem Waffenmantra verehrt hat, setzt man im nordöstlichen Bereich, zwischen Norden und Nordosten oder an einer entsprechenden Stelle des Hofes,

15.857 oder im Gebäude auf einem Bildsockel, Viṣvaksena nach der für den Vogelfürsten beschriebenen Vorschrift ein.

15.858 Der vorzügliche Lehrer setzt sämtliche zuvor genannten Gottheiten an den Eingängen und in den Umfriedungen der Reihe nach ein.

15.859 Er besprengt sie mit Krugwasser und begibt sich zum Gotteshaus. Danach badet man den Allgegenwärtigen mit den hinten aufgestellten Krügen,

15.860 zusammen mit allen Bildträgern und in der vorgeschriebenen Reihenfolge, unter Aghamarṣaṇa und wiederholter Gāyatrī.

15.861 Zuerst [badet] der Ṛgveda-Kundige, danach der Lehrer selbst mit vierfach wiederholten [Mantras]. Mit sechs unter Herzmantra und weiteren Gliedmantras besprochenen Krügen übergießt der Yajurveda-Kundige.

15.862 Wiederum badet der Lehrer selbst, danach der Sāman-Kundige mit Krügen; mit sechs weiteren erneut der Lehrer, danach ebenso der Atharvaveda-Kundige.

15.863 Dazwischen wird mit Krügen gebadet, über denen der Pavitra-Mantra wiederholt wurde, anschließend zusammen mit den Ekāyana-Kundigen.

15.864 Mit einem Krug, der durch vielfache Wiederholung der Mantras der vier Gestalten durchdrungen wurde, vollzieht man das Bad. Danach nimmt man den verbleibenden Krug,

15.865 bespricht ihn hundertmal mit dem Grundmantra samt dem Mantra der ersten Gestalt und gießt seinen Inhalt zusammen mit Arghya auf das Haupt des Gottes der Götter. Alle lässt man

15.866 »Sieg ist dein …« rezitieren. Dann reinigt man den Tempel mit Wasser des Waffenmantras und begibt sich zum Hauptkrug.

15.867 Dort verehrt man den Herrn der Götter in der zuvor gelehrten Reihenfolge, danach im Maṇḍala, und begibt sich anschließend zum Bild.

15.868 Dort verehrt man den Gott besonders, unter Auslassung des Bades, mit den durch Berührung dargebrachten Diensten vom Sitz an, mit verschiedenen Ehrengaben,

15.869 mit den »das Herz erfreuend« genannten Gaben, mit reichlichen Speisen der vier Arten, beginnend mit Milchreis, und weiteren essbaren und zu genießenden Speisen.

15.870 Alles vollzieht man der Reihe nach bis zur Verteilung, o bester Zweimalgeborener, besonders mit Ehrengaben an den Guru und die Bildträger.

15.871 Man sättigt den Herrn der Reihe nach im Feuer, beginnend mit sieben Arten von Opferholz, verneigt sich vor ihm und trägt ihm mit Tat, Geist und Rede vor:

15.872 »O Gott, du bist im Kultbild gegenwärtig. Dass ich dich dennoch im Feuer und an den weiteren Stätten eigens herbeigerufen habe, mögest du mir verzeihen, Acyuta.«

15.873 Nach dieser Verneigung und Bitte um Vergebung tritt man ihm zugewandt hinaus. Der zuvor vom Grund bis zur Fahne errichtete Tempel [Satzanschluss unvollständig].

15.874 Man umwandelt den Gott nach rechts und verneigt sich mit acht Körpergliedern. Dann nimmt man das Arghya-Gefäß und geht aus dem Gotteshaus hinaus.

15.875 Das von der göttlichen Gegenwart erfüllte Reittier verehrt man mit Bad und weiteren Diensten. Den zuvor genannten Eingangsgottheiten und Richtungshütern

15.876 bringt man wie zuvor der Reihe nach Bali dar. Danach beginnt die Bali-Darbringung für die zahlreichen Wesen:

15.877 »Die reinen, dem Erhabenen ergebenen Wesen außerhalb des Tempels und ihre Gefährten mögen diese Bali-Gaben annehmen!«

15.878 Nachdem allen der Reihe nach Bali gegeben wurde, lässt man rezitieren: den Ṛgveda-Kundigen »Der goldene Keim …«, danach »Die Götter …«,

15.879 den Sāman-Kundigen die Speise-Sāmans zusammen mit dem Kuh-Sāman. Nach dem Rechtsumlauf zur Bali-Darbringung durch sämtliche Umfriedungen

15.880 vollzieht der Lehrer die Mundspülung und betritt das Gebäude. Zur Befriedung von Mangel und Übermaß opfert er hundertmal bis zur vollen Opfergabe.

15.881 Mit Herz- und Waffenmantra bringt er die volle Opfergabe dar. Danach vollzieht er Japa, am Anfang und Ende vom Cakra-Mantra umschlossen,

15.882 im Maṇḍala und vor dem Kultbild, zur Ergänzung aller Mängel. Dann trägt er dem Gott mit gefalteten Händen vor,

15.883 am Tempeleingang kniend: »Was heute hier durch mich, von deiner Kraft bewegt, ausgeführt wurde …« [Das Gebet bricht in der vorliegenden Fassung hier ab.]

15.884 Der Auftraggeber soll von ihm mit Krugwasser übergossen werden. Vier Tage lang soll er Gaben reichen, verbunden mit Feueropfern.

15.885 Durch Gaben, Feueropfer und Verehrung am Anfangstag werden die drei Welten von der Erde an insgesamt gesättigt.

15.886 Durch vier Tage werden auch die Welten von Mahas an gesättigt. Deshalb soll man vier Tage lang wie zuvor im Krug, im Maṇḍala und im Feuer verehren.

15.887 Durch sieben Tage mit Gaben, Feueropfern, Verehrung und weiteren Diensten werden die sieben Welten von Bhū bis Satya gesättigt.

15.888 Wenn der vierte Tag gekommen ist, entfernt man Kränze und weitere Gaben von Krug, Maṇḍala und Bild. Dann vollzieht man im Opferhaus

15.889 wie zuvor die Verehrung der Mantragestalt bis zum Feueropfer. Nach Mundspülung und Bali-Darbringung begibt man sich zum Gotteshaus.

15.890 Dort verehrt man den Herrn wie zuvor vom Sitz bis zum Bad. Die auf Getreideunterlagen stehenden Krüge werden von ihren Tüchern befreit,

15.891 erneut mit dem Herzmantra verehrt und mit Wasser gefüllt. Zusammen mit den Bildträgern werden wie zuvor im Wechsel

15.892 die Badehandlungen und weiteren vorgeschriebenen Handlungen ausgeführt. Ist das Wasser aus dem Tempel entfernt, verehrt man Acyuta erneut wie zuvor

15.893 mit den Gaben vom Sitz bis zur Verteilung, bildet die Mudrā, wiederholt den Mantra, preist ihn, erbittet Vergebung und geht hinaus.

15.894 Der Lehrer selbst opfert unter dem König der Mantras samt Gliedern und Gefolge, in verbundener Aussprache, hundert oder tausend Gaben jeweils mit acht zusätzlichen.

15.895 Die Bildhüter opfern jeweils hundertmal unter ihren mit Praṇava beginnenden Gāyatrīs; die Ekāyana-Kundigen ebenso oft mit ihren jeweiligen eigenen Kennformeln.

15.896 Danach lässt er die Bildhüter der Ṛgveda- und weiteren Überlieferungen die volle Opfergabe darbringen, anschließend die Ekāyana-Kundigen, und lässt sie der Reihe nach rezitieren:

15.897 »Aus der Fülle die Fülle …« oder den mit »Du bist die Fülle …« beginnenden Mantra. Er selbst bringt unter dem Mantra mit Verneigungsformel und Gliedern die Gabe dar.

15.898 Danach sättigt er alle, beginnend mit den Wesen, durch Bali-Gaben. Er tritt ein, vollzieht die Mundspülung und erbittet vom im Krug gegenwärtigen Gott Vergebung,

15.899 ebenso wie zuvor vom im Maṇḍala und danach vom in der Feuergrube Gegenwärtigen. Viṣvaksena verehrt er wie zuvor der Reihe nach mit den verbliebenen Opfergaben.

15.900 Die Bildhüter, voran den Guru, schmückt er mit Armreifen und weiteren Gaben. Die Opferausstattung übergibt er dem Guru oder dessen Sohn.

15.901 Vollzieht der Ācārya die Einsetzung selbst, o Brahmane, so ist die Ausstattung anschließend der Reihe nach unter den Bildhütern und den weiteren Mitwirkenden aufzuteilen.

15.902 So soll der Lehrer bei allen Opferfeiern verfahren. Zur Erlangung der gewünschten Vollendung nimmt man das abschließende Avabhṛtha-Bad.

15.903 Damit ist für den Sādhaka, der die Verehrung des Mantras anstrebt, die Einsetzung der Mantragestalt gelehrt, an deren Stätte er Vollendung erlangt.

15.904 Die Frucht der Einsetzung für den Auftraggeber werde ich kurz nennen. Vom Grund des Gotteshauses bis zur Fahne, einschließlich des Pavillons,

15.905 mit sämtlicher Ausstattung und allen Umfriedungen: So viele feinste Teilchen sich in all dem ringsum zählen lassen, o bester Zweimalgeborener,

15.906 so lange wohnt der Auftraggeber in Viṣṇus Welt und genießt ihre Freuden. Am Ende gelangt er zur höchsten Stätte.

15.907 Ist der Auftraggeber Brahmane, o Brahmane, wird er zum Meister aller Wissensgebiete; ist er Kṣatriya, zum Herrn aller Länder.

15.908 Ist er Vaiśya, wird er reich an Geld und Getreide; ist er Śūdra, erfreut er sich zusammen mit seinen Angehörigen.

15.909 Dies gilt nach Herkunft und Erkenntnis; ebenso für Frauen. Wer einen Sohn wünscht, erhält einen Sohn; wer ein Königreich wünscht, erlangt ein Königreich.

15.910 Was immer der Auftraggeber wünscht, erlangt er vollständig. Den Verehrern ohne eigennützige Wünsche aber wird unerschütterliche Hingabe zuteil

15.911 sowie bleibende Erkenntnis, verbunden mit Dharma. So ist die Einsetzung selbst angefertigter Bilder gelehrt.

15.912 Nachdem man ein Bild auf diese Weise im Tempel oder im eigenen Haus eingesetzt hat, soll man diese Kultgestalt von da an täglich verehren,

15.913 vorschriftsgemäß bis zu dem Zeitpunkt, an dem eine Erneuerung erforderlich wird. Weder aus Nachlässigkeit noch vorsätzlich soll man die Verehrung ausfallen lassen.

15.914 Ebenso darf man die für das jeweilige Bild vorgeschriebene Handlung nicht versäumen. Was unter den Handlungen wie dem Gussbad für ein bestimmtes Dienstbild vorgesehen ist,

15.915 soll man an eben diesem vollziehen, o Brahmane. Sind die jeweiligen Bilder für die einzelnen Handlungen vorhanden und die Mittel verfügbar,

15.916 darf man ihre besonderen Aufgaben nicht vertauschen. Fehlen sie jedoch wegen einer Zerstörung des Landes oder ähnlicher Ereignisse,

15.917 so vollzieht man alles an dem jeweils verfügbaren Dienstbild, angepasst an Ort und Zeit:

15.918 die beiden Gussbäder, das tägliche und das anlassbezogene, das tägliche Fest und das besondere Fest,

15.919 sowie die Prozession zum heiligen Badeort: diese fünf Handlungen. Das Niederlegen und Aufrichten vollzieht man dann an einem Darbha-Büschel,

15.920 oder an einem eingesetzten, verehrten Schmuckbild. So gilt es, wenn nur ein Bild verfügbar ist.

15.921 Sind zwei Bilder vorhanden, führt man an jedem die ihm eigentümliche Handlung aus und verteilt alles Weitere nach Eignung.

15.922 Entsprechend soll man bei den jeweils verfügbaren Bildern nach sorgfältiger Erwägung handeln. Sind jedoch sämtliche Dienstbilder vorhanden,

15.923 darf man sie nicht miteinander vertauschen. Auch wenn dann ein Schmuckbild aus besonders edlem Metall hinzukommt,

15.924 das von Angehörigen der sozialen Stände zum Heil ihrer Familie gestiftet wurde, darf man daran niemals die für ein Neben- oder Dienstbild vorgeschriebene Handlung ausführen. [Der erste Satzteil ist beschädigt.]

15.925 Tut man dies aus Nachlässigkeit dennoch, gehen, so die Warnung des Textes, König und Reich zugrunde. Besonders an einer von selbst offenbarten, göttlichen, von Siddhas oder Ṛṣis gegründeten

15.926 Stätte darf man die Dienstbilder nicht vertauschen. Wie diese Bilder beschaffen sind, o vorzüglicher Brahmane,

15.927 ob sie die vorgeschriebenen Merkmale und Maße besitzen oder nicht, ob sie aus vorzüglichem oder geringerem Metall bestehen,

15.928 so sollen sie bleiben; der Verständige soll sie nicht anders machen. Er soll weder ihre Merkmale noch ihre Maße verändern,

15.929 weder den Stoff noch die rituelle Handlung; auch keinen anderen Mantra einsetzen. Alles soll er so ausführen wie zuvor.

15.930 Verändert man Merkmale und andere Eigenschaften dennoch, o Einsichtiger, droht dem König und seinem Reich samt Nachkommenschaft der Untergang.

15.931 Auch am Hauptbild soll man Merkmale und die übrigen Eigenschaften nicht verändern. Deshalb soll man an einer althergebrachten Stätte keine solche Veränderung vornehmen.

15.932 Ebenso darf man an einer von Menschen gegründeten Stätte vor dem vorgeschriebenen Erneuerungsritus niemals Merkmale und andere Eigenschaften verändern.

15.933 Ist an einer von selbst offenbarten oder einer von Menschen errichteten Stätte das Heiligtum oder Bild weder verfallen noch an seinen Teilen beschädigt, o Brahmane,

15.934 so soll man das Bestehende nicht verdrängen, um ein anderes Heiligtum oder Bild anzufertigen. Tut man es aus Verblendung,

15.935 wird der Auftraggeber seiner selbst beraubt, ebenso der König samt Nachkommenschaft. Große Gefahr entsteht für ihn und für das Reich samt König.

15.936 Nun wird die Vorschrift für die Erneuerung kurz gelehrt. Höre zunächst die Erneuerung an einer von Menschen errichteten Stätte.

15.937 Welche Gestalt des Erhabenen auch immer aus Metall, Ton, Stein oder Holz geschaffen oder auf Stoff und ähnliche Träger gebracht wurde, o großer Weiser:

15.938 Ist sie verfallen, an Gliedern gebrochen oder an einzelnen Stellen beschädigt, so soll repariert werden, was reparierbar ist. Was nicht reparierbar ist, wird außer Gebrauch genommen.

15.939 Das aufgegebene Bild, sofern es nicht aus Metall besteht, legt man vorschriftsgemäß in ein tiefes Gewässer oder ins Meer,

15.940 oder man vergräbt es je nach Ort und Zeit in der Erde, o Brahmane. Ist es von Anfang bis Ende ordnungsgemäß als Kultgestalt angenommen worden,

15.941 soll man es selbst bei wirklichen Fehlern wie gebrochenen Gliedern niemals aufgeben, solange eine Reparatur möglich ist.

15.942 Sein Aufgeben und Vernichten verursacht immer weitere Beeinträchtigung. Große Bilder und entsprechende Kultgegenstände soll man nicht ohne Weiteres aufgeben.

15.943 Besonders bei vorzüglichen Bildern aus Gold, Silber oder Kupfer ist das Aufgeben nicht angemessen; deshalb soll man sie reparieren.

15.944 Sind sie trotz aller Bemühung nicht reparierbar, nimmt man sie außer Gebrauch und fertigt aus einem gleichartigen Stoff ein anderes Bild an.

15.945 Bei Metallbildern verwendet man die alten Metalle, o bester Zweimalgeborener, nachdem ihre Gestalt durch Einschmelzen aufgehoben wurde, zusammen mit Metall derselben Art,

15.946 oder mit entsprechendem hochwertigerem Metall, o Einsichtiger. Ein Bild aus Silber, Gold oder besonders gutem Kupfer

15.947 soll man hingegen mit aller Sorgfalt reparieren und niemals aufgeben. Ein Bild aus geringwertigem Kupfer oder aus Ārakūṭa-Legierung,

15.948 diese beiden, nimmt man außer Gebrauch, wenn sie nicht repariert werden können, und legt das aufgegebene Bild nach der zuvor beschriebenen Weise nieder.

15.949 Dann fertigt man ein anderes Bild aus Silber oder Gold an, oder aus hochwertigem Material derselben Art, o Einsichtiger.

15.950 Ebenso verfährt man bei allen Dienstbildern. Ist ein Bild aus Ton, Holz, Stein oder Edelstein

15.951 aus irgendeinem Grund zerbrochen, richtet man ein vorläufiges Heiligtum und das Übrige ein, gibt es auf, bereitet ein anderes und vollzieht dessen Einsetzung.

15.952 Vernimm die Besonderheit an göttlichen, von Siddhas begründeten und ähnlichen Stätten. Ist ein Hauptbild aus Ton verfallen oder durch Wasser und andere Einwirkungen

15.953 an Gliedern beschädigt, soll man es sorgfältig reparieren. Ebenso verfährt man, wenn seine Bemalung verloren gegangen ist.

15.954 Erde, innere Stütze, Verschnürung und andere ursprüngliche Teile soll man niemals vollständig aufgeben. Ein verfallenes Metallbild repariert man mit Gold und weiteren geeigneten Stoffen.

15.955 Ein verfallenes Eisenbild repariert man mit Gold. Ebenso führt man bei einem Edelsteinbild eine Reparatur aus.

15.956 Nur die jeweils schadhaften, aufzugebenden Teile entfernt man und fügt sie anschließend wieder zusammen, o Brahmane; anders soll man nicht verfahren.

15.957 Man errichtet dafür weder ein vorläufiges Heiligtum noch ein entsprechendes Ersatzbild und vollzieht auch die zugehörigen Ersatzriten nicht. Während die täglichen und anlassbezogenen Dienste weiterlaufen,

15.958 führt man alles zuvor Genannte entsprechend den Mitteln aus. Merkmale und weitere Eigenschaften soll man dabei nicht verändern.

15.959 Bei Erscheinungsgestalten, deren Kennzeichen nicht deutlich hervortreten, o Trefflicher, sind diese dennoch vorhanden: an der Stirn oder am Schulterband,

15.960 am Rücken oder Körperband, an Handflächen und Fußsohlen oder auf dem Haupt. Deshalb soll man an den jeweiligen Stellen sorgfältig nachsehen.

15.961 Eine Erscheinungsgestalt ohne Kennzeichen gibt es daher niemals. Ebenso sollen die zum Herrn gehörigen Brahmanen, Kṣatriyas und Vaiśyas,

15.962 die Angehörigen des Maudgalya-Geschlechts und andere nicht ohne seine Kennzeichen sein. Deshalb sollen sie mit Rad, Muschelhorn, Keule und Lotus,

15.963 als Metallstempel gefertigt, im Feuer erhitzt, mit den jeweiligen Mantras geweiht und mit Arghya, Duftstoffen und weiteren Gaben verehrt, kurz gekennzeichnet werden. [Der Text beschreibt hier das historische Brandmarkierungsritual.]

15.964 Die Kenner der drei Veden, die Erkenntnis besitzen und im vorgeschriebenen Verhalten gefestigt sind, Angehörige der Stände von Brahmanen an und auch Śūdras: Wenn sie so gekennzeichnet sind,

15.965 gelten sie als befähigt, die verbindliche Ordnung zu hören und an sämtlichen in der Schrift gelehrten rituellen Zusammenhängen mitzuwirken, o Einsichtiger.

15.966 Ebenso werden die Opfergeräte wie das Arghya-Gefäß jeweils passend mit den Kennzeichen von Muschelhorn, Rad und den übrigen Zeichen versehen.

15.967 Ebenso sorgfältig sämtliche Fahrzeuge, Sitze und weiteren Gegenstände des Allgegenwärtigen. Die eigene gesamte Ausstattung, ausgenommen Sitz und ähnliche Dinge,

15.968 Schmuck wie Armreifen bis hin zu Fingerringen sowie alles, was auf dem Haupt getragen wird, beginnend mit dem Turban,

15.969 soll mit Rad und weiteren Zeichen versehen sein. Auch die dem Herrn gehörenden Kühe und anderen Tiere sollen entsprechend den Brahmanen gekennzeichnet werden; seine Bäume und weiteren Besitztümer

15.970 erhalten nach Eignung Rad, Muschelhorn und andere Zeichen. Die Verehrer und weiteren Ausführenden sind, so mit Rad und den übrigen Zeichen versehen, für den Dienst geeignet.

15.971 Mit den Zeichen anderer Gottheiten gekennzeichnet, gelten sie dafür als ungeeignet. Wo jedoch an einer Gestalt des Erhabenen kein Kennzeichen sichtbar ist,

15.972 soll man auch dort nicht eigenmächtig eines hinzufügen, o Brahmane. Die Gestalt wird so, wie sie besteht, mit dem allumfassenden Mantra verehrt.

15.973 Alle übrigen zuvor nicht gekennzeichneten Gegenstände sollen die Zeichen erhalten. Damit ist die Einsetzung des Gottes vollständig dargelegt.

15.974 Zum Schutz der Stätte soll man zu dieser oder einer anderen Zeit vor dem Tempel oder an einem geeigneten Ort im Hof, o Brahmane,

15.975 das Cakra einsetzen: ohne menschliche Gestalt auf der Tempelspitze, als verkörperte Gestalt mit sechzehn oder acht Armen im Hofbereich.

15.976 Das nicht anthropomorphe Rad besitzt zwölf, acht oder sechs Speichen. Ebenso stellt man Muschelhorn und die übrigen Waffen im Hof und weiteren Bereichen auf,

15.977 in der zweiten oder dritten Umfriedung. Die Herstellung der Bilder von Cakra und den weiteren Zeichen wird später gelehrt.

15.978 Bei gemeinsamer Einsetzung besteht gegenüber dem zuvor beschriebenen Ritus kein Unterschied. Bei gesonderter Einsetzung führt man alle Handlungen vorschriftsgemäß aus.

15.979 Zum jeweiligen Einsetzungszeitpunkt wiederholt man den Mantra seiner Bezeichnung und lässt die Kundigen den mit »Die Vidyā, die Keule …« beginnenden Text rezitieren.

15.980 Die Ṛgveda-Kundigen lässt man die Verse »Camūṣacchyena …« und »Pra Viṣṇo …« rezitieren, danach den Śākuna-Sūkta. [Die beiden Versanfänge sind beschädigt.]

15.981 Die Kaṭha-Kundigen lässt man »Der das aufrechte Stirnzeichen trägt, dem das Radzeichen gegeben ist …« rezitieren, die Yajurveda-Kundigen die Mantras, beginnend mit »Dein Läuterungsmittel ist ausgebreitet …«.

15.982 Die Sāman-Kundigen lässt man »Steige auf …«, »Dein Läuterungsmittel …« und »Agni …« singen, die Atharvaveda-Brahmanen »Mit diesen wir, des Weitschreitenden …«.

15.983 Nachdem man damit die Einsetzung vorschriftsgemäß vollzogen hat, badet man mit neun Krügen unter den acht Mantras des Brahmasūkta.

15.984 Mit »Den Gott, den Herrscher über alles …« verwendet man den östlichen Krug, mit »Außerhalb der Umhüllung ist nicht …« den südöstlichen,

15.985 mit »Aus dessen Nabellotus entstand …« den südlichen, mit »Der das aufrechte Stirnzeichen trägt …« den südwestlichen,

15.986 mit »Am rechten Arm, o Brahmane …« den westlichen, mit »Viṣṇunāktamaśranti …« den nordwestlichen. [Der letzte Mantraanfang ist nicht zuverlässig übersetzbar.]

15.987 Mit »Viṣṇu, Herr von Puruṣa und Pradhāna …« verwendet man den nördlichen, mit »Diese große Upaniṣad …« den nordöstlichen.

15.988 Mit allen diesen Mantras zusammen übergießt man aus dem mittleren Krug. Bei einem auf der Tempelspitze befindlichen Rad vollzieht man lediglich das Besprengen.

15.989 Danach wiederholt man zur Befriedung aller Störungen die zuvor genannten acht Mantras aus der Mahopaniṣad oder das Puruṣasūkta.

15.990 Alles hier nicht eigens Gesagte führt man nach der früheren Vorschrift aus. Die Einsetzung ist vollständig erklärt. Was möchtest du noch hören?

15.991 Sanaka sprach: Du hast zuvor bei der täglichen Verehrung und den weiteren Diensten Nīrājana erwähnt. Erkläre mir dessen Vorschrift ausführlich, o bester Weiser.

15.992 Śāṇḍilya sprach: Vernimm nun die Vorschrift für Nīrājana. Bei der täglichen, anlassbezogenen und wunscherfüllenden Verehrung, o Brahmane,

15.993 vollzieht man am Ende der Badegaben Nīrājana für den Allgegenwärtigen, zur Befriedung aller Fehler und zum umfassenden Schutz.

15.994 Oder am Ende der für den Schmucksitz gelehrten Genussgaben; auch an beiden Stellen kann man es ausführen, entsprechend Mitteln und Wunsch.

15.995 Oder man vollzieht es täglich in der Abenddämmerung, noch vor Beginn der Abendverehrung, o bester Zweimalgeborener.

15.996 Oder während der Verehrung unmittelbar vor der Lichtgabe, oder am Ende der Speisedarbringung.

15.997 Auch dieser Ritus wird dreifach gelehrt, nach Sattva und den anderen Guṇas. Die beiden Formen nach dem Bad und nach dem Opfer der Genussgaben gelten als sāttvisch.

15.998 Die täglich am Abend vollzogene Form heißt rājasisch; die während der Verehrung vor der Lichtgabe oder nach der Speisedarbringung vollzogene tāmasisch.

15.999 In einem Tempel soll man eine dieser Formen ausführen, nicht alle drei. In einem von selbst offenbarten, von Göttern oder

15.1000 hervorragenden Weisen gegründeten Tempel vollzieht man die sāttvische Form; in einem von Brahmanen, Kṣatriyas oder Vaiśyas begründeten die rājasische.

15.1001 In einem von Śūdras oder Frauen gegründeten Tempel soll man die als tāmasisch bezeichnete Form vollziehen. Höre nun die genaue Reihenfolge dieser mit der sāttvischen beginnenden Verfahren. [Diese Zuordnung gibt die historische soziale Hierarchie des Textes wieder.]

15.1002 Man fülle einen Krug aus Gold, Silber, Kupfer oder Ton mit dem Wasser, das von der rituellen Waschung übrig geblieben ist, o Zweimalgeborener.

15.1003 Oben bestreiche man ihn mit fein verriebenem Kurkuma und Reis; seinen Hals versehe man mit einer Girlande und Blättern des Aśvattha-Baumes.

15.1004 Diesen halte man in der linken Hand, in der anderen aber eine mit vielen Blumen gefüllte Schale, die Feuer aus dem Räuchergefäß enthält.

15.1005 Weiße Senfkörner oder Räucherstoffe lasse man darin Rauch entwickeln und führe sie einmal kreisend über dem Haupt des Gottes der Götter.

15.1006 Ein eingeweihter Tempeldiener oder eine rituell reine Frau soll dies sodann außerhalb des Tores fortbringen.

15.1007 Dieses Nīrājana soll stets nach den Darbringungen beim Bad stattfinden. Für die folgende Form fülle man einen aus den zuvor genannten Stoffen gefertigten Krug mit Wasser,

15.1008 entweder aus dem Arghya-Gefäß oder mit reinem, durchgeseihtem Wasser. Man gebe weiße Senfkörner hinein und schmücke seinen Hals

15.1009 mit jungen Aśvattha-Blättern, Girlanden, Sandelpaste und ungebrochenen Reiskörnern. Die übrige Oberfläche bestreiche man überall mit Kurkumapaste, o Zweimalgeborener.

15.1010 Auf seine Öffnung setze man eine mit Blumen gefüllte Schale. Zuvor entzünde man am rituell bereiteten Feuer die Lampen,

15.1011 je nach Vermögen und Wunsch vierundzwanzig oder eine andere vorgesehene Anzahl. An einer aus dem Küchenraum gebrachten Flamme entzünde man eine vier Fingerbreiten hohe Lampe,

15.1012 stelle sie in die Schale und ordne diese samt Krug vor dem Gott der Götter auf einem geeigneten Untersatz an.

15.1013 Der Übende verehre ihn mit dem Herzmantra durch Arghya, Duft, Girlande und Räucherwerk oder allein durch Arghya und Blumen. Danach

15.1014 bringe er dem Herrn des Mantras nach dem Mundspülwasser Arghya dar, oder Arghya, Salbung, Kränze und Räucherwerk, oder auch nur Arghya, o Zweimalgeborener.

15.1015 Der Diener hebe den Lampenkrug mit beiden Händen empor. Beim rechten Fuß der Gottheit beginnend und beim anderen endend,

15.1016 führe man ihn einmal, zweimal oder dreimal kreisend um sämtliche Glieder. Dabei wiederhole man nach Wahl das Augenmantra oder das Herzmantra.

15.1017 Nachdem man den Krug so herumgeführt hat, bringe man ihn wie zuvor fort. Anschließend gebe man Arghya auf das Haupt des Gottes der Götter.

15.1018 Höre jetzt, wie zu verfahren ist, wenn für diesen Zweck das Licht aus dem Küchenraum herbeigebracht wird.

15.1019 Eingeweihte, wohlerzogene und gründlich gebadete Diener bedecken Mund und Nasenöffnungen mit einem Tuch.

15.1020 Alle tragen weiße Turbane und sind mit weißer Sandelpaste gesalbt. Sie beschaffen nach Wunsch breite Gefäße aus Gold,

15.1021 aus Silber, Kupfer, Messing oder Bronze, entsprechend den vorhandenen Mitteln.

15.1022 Es seien ein, drei, fünf, sieben, neun oder elf Gefäße, oder zwei, sechs, sechzehn oder vierundzwanzig.

15.1023 Sie begeben sich zum Küchenhaus. Dort entzündet man am zuvor rituell bereiteten Feuer in der Mitte dieser Gefäße Dochtlampen, großer Weiser,

15.1024 vier Fingerbreiten hoch und mit geklärter Butter versehen. Die Diener heben die Gefäße mit ihren Händen empor

15.1025 und tragen sie in geordneter Reihe. Vor ihnen gehen die dem Herrn ergebenen Tempeltänzerinnen und führen Tanz und Gesang aus.

15.1026 Vor diesen gehen die Spieler, die Muschelhörner, große Trommeln und andere Instrumente erklingen lassen; davor die Stabträger, die als unberührbar geltende Menschen fernhalten. [Historische Ausgrenzungsvorschrift.]

15.1027 Rings um sie gehen Fackelträger. In dieser Reihenfolge gelangen sie vor die Gottheit und stellen sich dort auf.

15.1028 Ein anderer eingeweihter Brahmane bereitet inzwischen den Krug wie zuvor, mit einer Schale auf seiner Öffnung. An einer der herbeigebrachten Lampen entzündet er

15.1029 die dafür bestimmte Lampe, setzt sie ein und stellt den Krug auf seinen Untersatz. Der vortreffliche Ritualkundige

15.1030 verehrt den Krug wie zuvor und danach den Herrn der Götter; dann führt er den Krug auf die beschriebene Weise kreisend herum. Zu dieser Zeit, bester Zweimalgeborener,

15.1031 rezitieren Brahmanen, die im Osten und den weiteren Richtungen stehen, den Ṛgveda und die übrigen Veden. Vor dem Gott der Götter tanzen die Tempeltänzerinnen.

15.1032 Alle Sänger singen glückverheißende Lieder; die Rezitatoren tragen mit kräftiger Stimme Lobgesänge vor.

15.1033 Große Trommeln, Mṛdaṅgas, Muschelhörner und weitere Instrumente lasse man ringsum erklingen. Diese Vedenrezitation und die übrigen Begleitungen soll man bei allen entsprechenden Vollzügen ausführen.

15.1034 Nachdem man den Krug so kreisend herumgeführt hat, übergebe man ihn einem Diener; danach zeige man auch die übrigen Lampengefäße vor.

15.1035 Nach aufmerksamem Hinsehen gebe man Arghya auf das Haupt der Gottheit. Die Diener tragen den Krug und die anderen Gefäße

15.1036 in rechtsläufiger Prozession, wie zuvor gemeinsam mit den Tänzerinnen und den übrigen Beteiligten, hinaus und setzen sie außerhalb des Tores oder jenseits des äußeren Tores ab.

15.1037 Oder Frauen übernehmen diese verwendeten Geräte: gründlich gebadet, in gewaschenen Kleidern und durch die Zweimalgeborenen rituell vorbereitet,

15.1038 mit Stirnzeichen und vollständigem Schmuck versehen, bringen sie diese auf dem beschriebenen Weg hinaus, bester Zweimalgeborener.

15.1039 Nach dem Wunsch des Auftraggebers können die Frauen auch schon vor dem eigentlichen Gebrauch die Lampengefäße im Küchenhaus aufnehmen

15.1040 und auf dem genannten Weg vor den allgegenwärtigen Herrn bringen. So vollziehe man Nīrājana nach der Verehrung auf dem Schmuckthron.

15.1041 Oder man führe den mit acht Lampen versehenen Krug kreisend herum; oder auch einen Krug mit einer Feuer enthaltenden Schale,

15.1042 in der weiße Senfkörner rauchen, ohne Lampen. Damit ist Nīrājana für eine einzelne Gottesgestalt beschrieben, bester Zweimalgeborener.

15.1043 Bei der Verehrung mehrerer Gestalten bringe man, bei der Hauptgestalt beginnend, jeder einzelnen Arghya und die weiteren Gaben dar.

15.1044 Dann vollziehe man für jede gesondert Nīrājana mit einem eigenen Krug oder für alle mit demselben Krug auf die zuvor beschriebene Weise.

15.1045 Wer für den allgegenwärtigen erhabenen Herrn dieses Nīrājana ausführt, und die Menschen, die bei dieser Handlung mithelfen,

15.1046 werden von Rajas und Tamas befreit; daran besteht kein Zweifel. Wird der Krug von einer rituell nicht zugelassenen Person berührt, so lege man ihn beiseite,

15.1047 beschaffe einen anderen und vollziehe damit das Ritual. Wenn eine der Lampen erlischt,

15.1048 sei es durch Unachtsamkeit, einen Windstoß oder dergleichen, kündigt dies nach dem Text vor der Darbringung einen Verlust des Wohlergehens an, danach aber Bedrängnis durch Krankheit und Ähnliches.

15.1049 Deshalb entzünde man sie unverzüglich wieder und wiederhole das Wurzelmantra hundertachtmal. Wird Nīrājana ohne Muschelhörner und andere Instrumente, ohne Tanz und Gesang vollzogen,

15.1050 so bleibt es dem Text zufolge ohne Frucht. Daher führe man es mit diesen Begleitungen aus. Damit ist die als sāttvisch bezeichnete Form des Nīrājana erklärt.

15.1051 Nun wird die rājasa genannte Form des Nīrājana erläutert, vorzüglicher Brahmane. Man beschaffe die Gefäße wie zuvor. Festlich geschmückte Frauen,

15.1052 deren Gewänder mit dem vorgeschriebenen Kaccha gebunden sind, begeben sich, von Dienern angeführt, zum Küchenraum und entzünden darin die Lampen.

15.1053 Sie nehmen die Gefäße in die Hände, verlassen die Küche und kommen in geordneter Reihe mit Gesang und den übrigen zuvor genannten Begleitungen herbei.

15.1054 Vor dem Gott der Götter stellen sie die Gefäße auf Untersätze auf dem Boden. Dann verehre man diese mit Arghya und den weiteren Gaben.

15.1055 Man vollziehe vorschriftsmäßig den Nyāsa an der Hauptikone und den weiteren Bildgestalten und verehre sie mit Arghya, Salbung, Blumen und anderem oder mit Arghya, Fußwaschwasser und den anschließenden Gaben.

15.1056 Nachdem der Übende den Gott der Götter so der Reihe nach verehrt hat, hebt der Priester mit gesammeltem Geist die Lampengefäße empor.

15.1057 Zuerst führt er jedes einzelne oder jeweils drei zusammen dreimal vor der Hauptgestalt kreisend herum, von den Füßen beginnend bis hinauf zum Haupt.

15.1058 Ebenso verfahre er bei den anderen Gestalten. Auch für die beiden Göttinnen Lakṣmī und Puṣṭi vollziehe er Nīrājana jeweils gesondert.

15.1059 Die Rezitation des Ṛgveda und der anderen Veden sowie die übrigen Begleitungen erfolgen wie zuvor. Die Frauen nehmen die bereits dargebrachten Gefäße wieder auf,

15.1060 o vorzüglicher Brahmane, und setzen sie nach der früheren Vorschrift ab oder an den Bali-Altären. So vollziehe man Nīrājana am Abend.

15.1061 Oder man führe dann den zuvor beschriebenen Krug mit Dochtlampen kreisend herum, zusammen mit Bali-Gaben aus Fisch und Fleisch.

15.1062 Oder man führe zunächst den Krug mit seiner Lampenschale kreisend herum und danach fünf gekochte Speisekugeln.

15.1063 Damit sind die drei als rājasa bezeichneten Formen des Nīrājana erklärt. Vernimm jetzt das tāmasa genannte Nīrājana.

15.1064 Eine Frau oder ein Diener geht in den Küchenraum und nimmt ein Gefäß aus einem der zuvor genannten Materialien.

15.1065 Darin ordnet man vier Speisekugeln und vier Handvoll Dūrvā-Gras in den vier Himmelsrichtungen an;

15.1066 oder man verteilt diese vier Gruppen auf vier gesonderte Gefäße. Auf dem zuvor beschriebenen Weg begibt man sich vor den Gott der Götter.

15.1067 Dort stellt man das Gefäß auf einen Untersatz. Der Übende verehrt es mit dem Herzmantra durch Arghya und Blumen.

15.1068 Nachdem er der Gottheit Arghya, Fußwaschwasser und Mundspülwasser dargebracht hat, nimmt er die im Osten liegende Speisekugel und die dortige Handvoll Dūrvā-Gras.

15.1069 Unter dem Cakra-Mantra führt er sie über dem Haupt der Gottheit kreisend herum und legt sie anschließend östlich vom Gott der Götter nieder.

15.1070 Ebenso führt er die südlich liegende Gabe herum und legt sie im Süden ab, dann die westliche und legt sie im Westen ab.

15.1071 Die nördliche Gabe führt er herum und legt sie im Norden ab. Mit der Asche aus dem Lampengefäß bringt er der Gottheit ein Stirnzeichen an.

15.1072 Dieses Nīrājana soll unmittelbar vor der Darbringung des Lichtes stattfinden. Für die weitere Form fertige man aus Gold oder einem anderen geeigneten Stoff ein Gefäß von sechsundzwanzig Fingerbreiten Durchmesser,

15.1073 schön gerundet; in seiner Mitte bilde man einen Lotus mit Samenkapsel. Auf seinen acht Blättern und auf der Kapsel sehe man Vertiefungen für Lampen vor.

15.1074 Darin entzünde man sechs Fingerbreiten hohe Lampen. Das Gefäß sei mit weißen Senfkörnern, Dickmilch, Dūrvā-Gras und weiteren Samen versehen. [Die Aufzählung ist sprachlich beschädigt; vor „siddhārtha“ steht ein fremder Buchstabe.]

15.1075 Der Übende nimmt das mit Duft, Blumen und weiteren Gaben verehrte Gefäß in beide Hände und führt es dreimal rechtsläufig über dem Haupt der Gottheit herum.

15.1076 Tagsüber bringe man es außerhalb der Umfassungsmauer nach Norden. Zuvor findet das Herumführen der Speisekugeln statt; abschließend verwende man Asche aus dem Räucherwerk

15.1077 und schließe den Vollzug mit dem Schutzmantra ein. So führe man dieses Nīrājana, o Zweimalgeborener, stets nach der Speisendarbringung für den allgegenwärtigen Herrn aus. [Der Zusammenhang der Schutzhandlung mit der Asche ist knapp und nicht eindeutig formuliert.]

15.1078 Damit sind die beiden tāmasa genannten Formen des Nīrājana erklärt. Gesang, Tanz und sämtliche übrigen Begleitungen sollen auch hier wie zuvor stattfinden.

15.1079 Auch beim Nīrājana nach dem Bad vollziehe man die Rezitation des Ṛgveda und der übrigen Veden; die zusätzliche Verehrung durch Arghya und die weiteren Darbringungen unterlasse man dort jedoch stets.

15.1080 Außer beim abendlichen Nīrājana soll man bei diesem Ritual niemals einen Mantra-Nyāsa am Gott der Götter vornehmen, o Zweimalgeborener.

15.1081 Wo die sāttvische Form des Nīrājana eingeführt ist, soll man niemals die rājasa oder tāmasa genannte Form ausführen.

15.1082 Wo dagegen die rājasa oder tāmasa genannte Form üblich ist, kann man nach Wunsch auch das sāttvische Nīrājana vollziehen.

15.1083 Wer die vollständige Frucht der Verehrung des erhabenen Herrn erstrebt, hochgesinnter Weiser, soll niemals von dem dargelegten Verfahren abweichen.

Spirituelle Erläuterung: Das umfangreiche Kapitel versteht die Weihe als sorgsame Vorbereitung eines Ortes göttlicher Gegenwart. Im gemeinsam getragenen Licht, in Gesang und Verehrung verbindet sich die Aufmerksamkeit vieler Menschen. Für die persönliche Sadhana kann dies bedeuten, die eigene Aufmerksamkeit zu sammeln und jede Gabe mit Bhakti zu verbinden. Die institutionellen Weihehandlungen bleiben an die jeweils zuständige Tradition gebunden; historische soziale Ausschlüsse sind keine allgemeingültigen spirituellen Voraussetzungen.

Kapitel 16

Eingang. Glück und Segen! Sechzehntes Kapitel.

16.1 Sanaka sprach: Die vorschriftsmäßige Einsetzung der Mantra-Bildgestalten habe ich verstanden. Jetzt möchte ich die Ordnung des großen Festes hören.

16.2 Śāṇḍilya sprach: Ich werde dir das große Fest sachgemäß erklären, hervorragender Weiser. Die Wissenden deuten das Wort „sava“ als Leiden.

16.3 Weil dieses Leiden daraus gewichen ist, nennt man es „utsava“, Fest. Das große Fest ist dreifach: regelmäßig, durch einen besonderen Anlass bedingt oder zur Erfüllung eines Wunsches begangen. [Traditionelle sinndeutende Worterklärung.]

16.4 Das Fest, das Jahr für Jahr gefeiert wird, heißt regelmäßig. Bei Erdbeben, einem feurigen Leuchten der Himmelsrichtungen oder großen unheilvollen Erscheinungen,

16.5 bei Hungersnot, Seuchen im Land, Bedrängnis durch Feinde, allgemeinem Ausbleiben des Regens oder dem Herabfallen von Sternen vom Himmel,

16.6 wenn das Gottesbild zu lachen scheint, wenn seine Glieder sich bewegen, wenn es weint oder sich von seinem Sitz wegdreht, vortrefflicher Weiser,

16.7 bei Unregelmäßigkeiten von Mond und Sonne und ähnlichen Erscheinungen heißt das zur Befriedung veranstaltete Fest „anlassbedingt“. [Aufgezählt werden traditionelle Vorzeichen.]

16.8 Ein Fest, das im Hinblick auf eines der vier menschlichen Lebensziele vollzogen wird, heißt „wunschbezogen“ und gewährt die beabsichtigte Frucht.

16.9 Jede dieser Festarten hat wiederum drei Formen, vorzüglicher Weiser, unterschieden als höchste, mittlere und geringere. Dabei gilt:

16.10 Ein Fest, das mit der eigens für Feste bestimmten Bildgestalt gefeiert wird, wird als höchste Form bezeichnet; eines mit der Bildgestalt für die regelmäßige rituelle Waschung als mittlere.

16.11 Wird die für die tägliche Prozession bestimmte Bildgestalt verwendet, ist es die geringere Form. Ein Vollzug an einem Krug, einem Sitz, oder dem Cakra gilt als stellvertretende Erscheinungsform.

16.12 Die Dreiteilung wird noch auf eine andere Weise erklärt. Beim Umzug ziehen vor der Prozessionsgestalt

16.13 die Wesenherrscher Kumuda und die übrigen: Sie sind auf Tücher gemalt oder, zur Unterstützung der meditativen Vergegenwärtigung, aus Gold und anderen Stoffen gefertigt,

16.14 entsprechend dem Vermögen. Zum Schutz begleitet sie auch die göttliche Waffe, und zur Vollendung des Ganzen Garuḍa.

16.15 Wo dabei im Dorf und den anderen Orten täglich Bali-Gaben dargebracht werden, gilt dieses Fest als höchste Form, o Brahmane.

16.16 Wenn man dagegen schon vor Beginn des Umzugs, hochgesinnter Weiser, in Gegenwart der für die tägliche Prozession bestimmten Bildgestalt, zusammen mit der Speisegestalt

16.17 und dem König der Wurfscheiben oder allein in Gegenwart der Bali-Bildgestalt die Bali-Gabe vorschriftsmäßig dargebracht hat,

16.18 die Bali-Bildgestalt und die weiteren Gestalten wieder in den Tempel hineinführt und erst danach die eigentliche Prozessionsgestalt herumträgt,

16.19 sei es im Dorf oder in der Stadt, so heißt dies die mittlere Form. Wo man zuvor allein in Gegenwart des Königs der Wurfscheiben Bali darbringt

16.20 und danach die Gottesprozession stattfindet, ist es die geringere Form. Ferner unterscheidet man zwei Verfahren: das vollständige und das ersatzweise Verfahren.

16.21 Wo der allgegenwärtige Herr täglich im Krug, im Maṇḍala, im Bild und im Feuer verehrt wird, spricht man vom vollständigen Verfahren.

16.22 Wo die Verehrung im Bild und im Feuer stattfindet, ist es das Ersatzverfahren. Jede Form gilt nach der Unterscheidung von höchster, feiner und grober Ausgestaltung wiederum als dreifach.

16.23 Ein, drei, fünf, sieben oder neun Tage gelten als höchste Form; zwölf Tage, ein halber Monat und einundzwanzig Tage

16.24 als feine Form. Die grobe Form dauert siebenundzwanzig Tage, einen Monat, eine Jahreszeit, ein halbes Jahr oder ein Jahr. So gibt es dreizehn Festdauern.

16.25 Nochmals wird zwischen vollständiger und ersatzweiser Durchführung unterschieden. Wird vor der eigentlichen Festzeit am vorgeschriebenen Tag, o Zweimalgeborener,

16.26 die Fahne aufgezogen und anschließend das Fest begangen, so erkenne darin das vollständige Verfahren. Wenn jedoch durch höhere Gewalt oder menschliche Umstände,

16.27 aus irgendeinem Grund, o Brahmane, das Fahnenhissen am zuvor genannten Tag unterblieben ist und man erst am ersten Festtag

16.28 die Fahne aufzieht und anschließend das Fest begeht, so erkenne darin das Ersatzverfahren. Dieses wird wiederum als dreifach beschrieben:

16.29 Es beginnt mit dem Fahnenhissen, mit der Einladung der Gottheiten oder mit der Aussaat der Keimlinge, hervorragender Weiser.

16.30 Die mit dem Fahnenhissen beginnende Form bringt König und Reich Wohlergehen; die mit der Einladung der Gottheiten beginnende gewährt himmlische Freuden.

16.31 Die mit der Aussaat der Keimlinge beginnende Form verleiht allen Befreiung. Zieht man am ersten Festtag bei Tage die Fahne auf, schlägt nachts

16.32 die große Trommel und sät danach die Keime in die Pflanzgefäße, so heißt dieses Fest „mit dem Fahnenhissen beginnend“.

16.33 Lässt man zuerst die große Trommel erklingen, zieht danach die Fahne auf und sät anschließend die Keimlinge, heißt es „mit der Einladung der Gottheiten beginnend“.

16.34 Sät man zuerst zu Beginn der Nacht die Keimlinge, o Brahmane, zieht danach die Fahne auf und schlägt anschließend die große Trommel,

16.35 so heißt dieses Fest „mit der Aussaat beginnend“. Dreimal jährlich ein Fest zu feiern gilt als höchste Form,

16.36 zweimal als mittlere, einmal als geringere. Bei ausreichenden Mitteln kann es viermal, fünfmal oder sechsmal stattfinden.

16.37 Wenn schon bei der Einsetzung der Mantra-Gestalt, hochgesinnter Weiser, auf der Spitze des Tempels die Fahne des Vogelkönigs errichtet wurde,

16.38 zusammen mit dem König der göttlichen Waffen, kann man dort stets das Fest feiern, ohne eine weitere Fahne aufzuziehen, o Zweimalgeborener.

16.39 Bei hinreichenden Mitteln darf man auch dort eine weitere Fahne aufziehen. Andernorts soll das Fest mit dem Fahnenhissen eingeleitet werden.

16.40 Das Fahnenhissen ist zeitlich auf die Prozession zur heiligen Badestätte abzustimmen. Höre nun die dafür geeigneten Tage bei allen Festen:

16.41 In den Monaten von Caitra an unter dem Mondhaus Śravaṇa, an den beiden Sonnenwenden, an den beiden Tagundnachtgleichen, bei Mond- oder Sonnenfinsternissen,

16.42 am zwölften Mondtag, an Vollmond, an Neumond oder am neunten Mondtag, beim jeweils namensgebenden Mondhaus des Monats, unter Rohiṇī oder Uttaraphalgunī,

16.43 unter dem Mondhaus Punarvasu, am Jahrestag der Einsetzung, beim Gründungs-Mondhaus der Stadt oder des Dorfes, am Jahrestag des Tempelbaubeginns,

16.44 am Geburtstag eines Königs oder am Tag seiner Weihe: An einem dieser Termine soll man die Prozession zur heiligen Badestätte vollziehen.

16.45 Ist die Prozession auf eines dieser Mondhäuser festgelegt und tritt dieses in dem für das Fest bestimmten Monat zweimal ein,

16.46 so vollziehe man die Prozession beim späteren, gegen Monatsende liegenden Termin. So verfahre man in allen Monaten, von Phālguna an.

16.47 Bei Festen von fünf bis einunddreißig Tagen soll man am einundzwanzigsten Tag vor der Prozession zur heiligen Badestätte

16.48 sorgfältig die Festfahne aufziehen. Oder man verdreifache die Anzahl der Festtage

16.49 und hisse die Fahne am Beginn dieser Zeitspanne, bester Zweimalgeborener. Bei einem siebenundzwanzigtägigen Fest

16.50 zieht der Verständige die Fahne ebenso viele Tage vor dem Festbeginn auf; bei einem dreißigtägigen Fest verfährt er entsprechend dreißig Tage vorher. [Die Zeitangaben stehen neben den vorangehenden Alternativen.]

16.51 Bei den drei langen Festen, die mit dem eine Jahreszeit dauernden beginnen, vollziehe man das Fahnenhissen neunzehn Tage vor Festbeginn,

16.52 oder achtzehn oder zwölf Tage vorher. Auch bei den drei Festen, beginnend mit dem einundzwanzigtägigen,

16.53 verfahre der vortreffliche Lehrer mit dem Fahnenhissen ebenso. Nachdem er zuvor zur vorgeschriebenen glückverheißenden Zeit die Keimlinge ausgesät hat,

16.54 soll er danach an einem glückverheißenden Tag die segenspendende Fahne aufziehen. Vor dem Tag, an dem die Fahne aufgezogen wird,

16.55 vollziehe er die Aussaat zwölf, neun, sieben, fünf oder drei Tage früher, o Zweimalgeborener.

16.56 Höre jetzt die ausführliche Vorschrift dafür. Bei der Aussaat der glückverheißenden Keimlinge gibt es drei Arten von Gefäßen,

16.57 nämlich Pālikās, Ghaṭikās und Śarāvas. Die Pālikās sollen fünfundzwanzig Fingerbreiten hoch sein.

16.58 Die Weite ihrer Öffnung beträgt sechzehn Fingerbreiten; der obere Teil ist acht Fingerbreiten hoch, sein Rand eine Fingerbreite.

16.59 Die Öffnung am Hals ist acht Fingerbreiten weit. Vom Rand der Mündung bis zur Halsöffnung

16.60 verjünge man das Gefäß gleichmäßig. Sein Schaft ist zwölf Fingerbreiten hoch und in der Mitte sechs Fingerbreiten breit.

16.61 Unten soll er vier Fingerbreiten breit sein. Von der Halsöffnung an lasse man ihn entsprechend gleichmäßig schmaler werden.

16.62 Der untere Fußsockel ist als vier Fingerbreiten hoch zu bemessen, seine Breite als zehn Fingerbreiten; das Verbindungsstück beträgt eine Fingerbreite.

16.63 Der Umfang dieses Verbindungsstücks soll anderthalb Fingerbreiten betragen, o Zweimalgeborener. Die Öffnung gleicht einer Dhattūra-Blüte; die Gestalt sei lotusförmig. [Die Maßangabe zum Verbindungsstück ist konstruktiv unklar.]

16.64 Die Ghaṭikās werden als ebenso hoch wie die Pālikās beschrieben oder drei Fingerbreiten niedriger; ihr oberer Teil hat Krugform.

16.65 Ghaṭikās sollen fünf Öffnungen haben. Ihre mittlere Öffnung ist sechs Fingerbreiten weit; die vier seitlichen liegen in den vier Himmelsrichtungen

16.66 und sind jeweils vier Fingerbreiten weit. Der Bauch des Kruges misst sechzehn Fingerbreiten im Durchmesser. Das Übrige gestalte man wie zuvor.

16.67 Bei der um drei Fingerbreiten niedrigeren Ausführung ist der obere Öffnungsteil sieben Fingerbreiten hoch, der Schaft zehneinhalb Fingerbreiten,

16.68 der Sockel dreieinhalb Fingerbreiten. Die Breiten bleiben überall wie zuvor. Śarāvas sind ebenso hoch wie Pālikās oder fünf Fingerbreiten

16.69 niedriger. Von der Öffnungsweite bis zur Breite des Fußsockels, hochgesinnter Weiser,

16.70 vermindere man die zuvor angegebenen Breiten jeweils um ein Viertel; die Breite des Fußsockels dagegen um drei Viertel. [Die letzte Maßangabe ist auffällig, wird aber nach dem vorhandenen Wortlaut wiedergegeben.]

16.71 Sind die Śarāvas um fünf Fingerbreiten niedriger, so ist ihr oberer Teil sechs Fingerbreiten hoch und ihr Schaft zehn Fingerbreiten.

16.72 Der Sockel ist drei Fingerbreiten hoch; die Breiten entsprechen den eben genannten. Damit ist das größte Maß der Gefäße beschrieben, o Zweimalgeborener.

16.73 Um ein Viertel vermindert ergibt es die mittlere Größe, bester Weiser; auf die Hälfte vermindert nennt man es die geringste Größe.

16.74 Wer Gelingen erstrebt, soll niemals noch kleinere Gefäße verwenden. Alle können je nach Vermögen aus Gold und anderen Metallen oder aus Ton bestehen.

16.75 Je zwölf Gefäße der Pālikā-Art und der übrigen Arten gelten als höchste Ausstattung; bei entsprechenden Mitteln bereite man auch sechzehn oder sechsunddreißig vor.

16.76 Je acht gelten als mittlere, je vier als geringere Ausstattung. Man kann auch für alle Zwecke allein Pālikās verwenden: wie zuvor sechzehn, acht oder nach Vermögen

16.77 vier, und darin die glückverheißenden Keimlinge ziehen. Bei menschlichen Anlässen ist die Zahl der Pālikās ungerade, bei göttlichen Handlungen gerade.

16.78 Beim großen Fest, beim Fahnenhissen oder zum Festbeginn, bei der Darbringung der Pavitra-Schnüre und bei einer Einsetzung,

16.79 ebenso bei der Wiederherstellung eines verfallenen Heiligtums und beim Ritual mit tausend Krügen verwende man die drei Gefäßarten in der höchsten Anzahl

16.80 oder in der mittleren, jedoch nicht anders, bester Zweimalgeborener. Bei allen übrigen Handlungen richte man sich nach Vermögen und Wunsch.

16.81 Für die Aussaat errichte man einen Pavillon, entweder innerhalb der ersten oder der zweiten Tempelumfassung,

16.82 oder innerhalb der dritten oder vierten. Der vortreffliche Lehrer wähle dafür einen reinen, ungestörten und geeigneten Ort.

16.83 Der Pavillon hat vier Türen in den vier Himmelsrichtungen und vier Girlanden zur festlichen Begrüßung; er ist mit Darbha-Girlanden umgeben und mit Perlenschnüren geschmückt.

16.84 Ausgebreitete Leinentücher überdachen ihn; der Boden ist mit Kuhdung bestrichen. Lampenreihen sind aufgestellt, und überall liegen ungebrochene Reiskörner.

16.85 Der Innenboden ist mit weißem Kalkpulver verziert. Nachdem man den Pavillon so eingerichtet hat, vollziehe man dort die Aussaat; andernfalls im Badepavillon

16.86 oder im Opferpavillon. Wer das Gedeihen des Landes erstrebt, soll die Keimlinge nachts aussäen.

16.87 Denn Soma ist der Herr der Samen, der Herr der Pflanzen, dessen Wesen Unsterblichkeitsnektar ist. Wenn die Aussaat bei Tage stattfindet, wird er nicht erfreut, o Brahmane.

16.88 Deshalb soll man sich sorgfältig bemühen, die Aussaat nur nachts nach der rechten Vorschrift und mit Hingabe an den erhabenen Herrn auszuführen.

16.89 Ist der kühlstrahlende Mond erfreut, der der Welt lieb ist und die Lebewesen erhält, dann gedeihen nach dem Text alle Feldfrüchte in jenem Land reichlich,

16.90 ebenso die Kühe, die Mütter der Welt, und überall die Menschen. Führt man die Aussaat aus Unkenntnis bei Tage aus,

16.91 so wird das Land unheilvoll und seine Bevölkerung ohne Wohlstand, heißt es. Bei einer Handlung, die sofort ausgeführt werden muss, darf sie jedoch auch tagsüber stattfinden.

16.92 Alles, was dabei gebraucht wird, soll man beschaffen. Nachdem sämtliche Hilfsmittel bereitgestellt sind, tritt der Lehrer gemeinsam mit den Hütern der Gottesgestalten hinzu:

16.93 gebadet und nach Vollendung seiner täglichen Pflichten, mit Obergewand und schön geschmückt, in neue Leinenkleider gehüllt, mit Turban und Ring,

16.94 am ganzen Körper duftend, mit einer Girlande und gereinigten Ohrringen, die senkrechten Stirnzeichen sorgfältig mit weißer Erde aufgetragen,

16.95 mit dem Pavitra-Ring an der Hand, beherrscht und der Atemregelung hingegeben, nach dem Mundspülen und dem Nyāsa das zwölfsilbige Mantra wiederholend.

16.96 Gemeinsam mit dem Auftraggeber bittet er um die Durchführung dieses Vorhabens und verehrt vorschriftsmäßig den erhabenen Herrn, den Ursprung der Welt.

16.97 Je nach höchster, mittlerer oder geringerer Ausführung bringt er ihm der Reihe nach im Krug, im Maṇḍala, im Bild und im Feuer Befriedigung dar, oder im Bild und im Feuer, oder allein im Bild.

16.98 Dann sammelt er in einem neuen Gefäß aus Gold oder Silber Sesam, Senf, Wildreis, Kulturreis, schwarze Bohnen und Priyaṅgu,

16.99 Pferdebohnen, Mungbohnen, Niṣpāva-Bohnen, Gerste, Weizen und Bambussamen: diese zwölf Samenarten, o Zweimalgeborener, oder jede Art in einem eigenen Gefäß.

16.100 Nachdem er sie gesammelt hat, bester Weiser, lässt er das Gefäß auf dem Haupt eines eingeweihten Brahmanen tragen. Der Lehrer selbst hält Blumen und ungebrochene Reiskörner in den aneinandergelegten Händen.

16.101 Gemeinsam mit Übenden, die ganz vom erhabenen Herrn erfüllt sind, betritt der Lehrer das Tempelinnere. Dort setzt er

16.102 das Samengefäß auf einen Untersatz. Er verehrt mit Arghya, Duft, Blumen und Räucherwerk den Herrn in der Hauptikone und in der Festikone.

16.103 Danach verehrt er das Samengefäß und bringt es der Gottheit dar, begleitet vom Klang der Muschelhörner und glückverheißender Gesänge,

16.104 von vielerlei Instrumenten und der ringsum erklingenden Vedenrezitation. Dann trägt er mit lauter Stimme folgende Anrufung vor:

16.105 „Gott der Götter, Herr der Welt! Um die Festprozession vorzubereiten, werde ich für das Fahnenritual die Keimlinge aussäen. Sei mir gnädig!“ [Die Schlussform der Anrufung ist in der Vorlage beschädigt.]

16.106 Nachdem er dies der Gottheit vorgetragen und dort ihre Erlaubnis empfangen hat, lässt er das Gefäß wieder auf den Kopf des Eingeweihten setzen.

16.107 Der Lehrer tritt gemeinsam mit den Übenden hinaus, o Brahmane. Er schmückt besonders Viṣvaksena, Garuḍa, Hanumān oder eine entsprechende Gestalt,

16.108 oder den Herrn der Waffen mit Gewändern und anderem und setzt die Gestalt auf einen Tragsitz oder ein anderes Fahrzeug. Das Grabgerät wäscht er mit Wasser,

16.109 hüllt es in ein neues Tuch und schmückt es mit Kränzen. Dann lässt der Lehrer es von Brahmanen oder eingeweihten Śūdras tragen,

16.110 begleitet von Schirmen, Fahnen und Bannern sowie den drei Arten von Keimgefäßen, Pālikās und den übrigen, ferner von Muschelhörnern und anderen Instrumenten,

16.111 von ergebenen Bhāgavatas des allgegenwärtigen Herrn, die die heilige Überlieferung laut rezitieren, von Sängern, Tempeltänzerinnen und weiteren glückverheißenden Begleitungen.

16.112 In geordneter Folge umschreitet man sämtliche Tempelumfassungen rechtsläufig. Dann geht man nach Osten, Norden oder Nordosten,

16.113 nicht allzu weit, und sammelt dort in einem schönen Garten oder an einem anderen reinen Ort saubere Erde.

16.114 Zuerst besprengt der Guru den Boden mit dem Waffenmantra und berührt ihn unter dem Mahī-Sūkta. Mit ganz gesammeltem Geist meditiert er

16.115 über die Ebergestalt des Gottes und verehrt die Erde mit Blumen. Mit dem Grabgerät, das mit Waffenmantra-Wasser besprengt und mit Blumen verehrt wurde,

16.116 gräbt er, nach Osten gewandt, unter dem Varāha-Mantra Erde aus. Nach Wunsch füllt er diese in ein Metallgefäß oder einen Korb aus Rohrgeflecht,

16.117 spricht dabei das Wurzelmantra und umhüllt sie mit einem frischen Tuch. Ebenso sammelt er Sand aus einem Fluss und Kuhdung

16.118 von einem Kuhstall in Gefäßen und bedeckt sie mit Tüchern. Er stellt sie auf einen Tragsitz oder lässt sie auf dem Haupt eines Eingeweihten tragen.

16.119 Nach rechtsläufiger Umrundung des Dorfes betritt er den Pavillon. Er reinigt ihn auf die bei der rituellen Waschung beschriebene Weise.

16.120 Dann spannt er in der Mitte des Pavillons nacheinander die Messschnüre: zunächst siebzehn in östlicher Ausrichtung,

16.121 danach vierzehn in nördlicher Ausrichtung. Zwischen je zwei Schnüren liegt ein Abstand von sechzehn Fingerbreiten.

16.122 So entstehen dreizehn Reihen in der Ost-West-Richtung und sechzehn Reihen in der Süd-Nord-Richtung. [Die Zuordnung der Richtungen ist im Verhältnis zur vorangehenden Schnurenzahl nicht eindeutig.]

16.123 Von den Ost-West-Reihen lasse man die drei mittleren zur Aufstellung der Samengefäße bestehen und entferne jeweils zwei für die Durchgänge.

16.124 An den beiden Seiten lasse man wiederum je drei Reihen bestehen. In der Süd-Nord-Richtung lasse man die vier mittleren Reihen stehen,

16.125 entferne an beiden Seiten je zwei für Durchgänge und lasse dann der Reihe nach wiederum je vier Reihen bestehen.

16.126 In den acht Richtungen und in der Mitte sind jeweils zwölf Śarāvas, Ghaṭikās oder Pālikās aufzustellen; insgesamt sind es hundertacht.

16.127 Im Südosten, im Süden und im Südwesten stehen Pālikās; im Westen, in der Mitte und im Osten Ghaṭikās.

16.128 Im Nordwesten, Norden und Nordosten stehen vorschriftsmäßig Śarāvas. Will man von jeder Gefäßart sechzehn aufstellen,

16.129 so lege man fünf Schnüre in Süd-Nord-Richtung und die nach Osten gerichteten Schnüre wie zuvor.

16.130 Die Ost-West-Reihen bilde man wie zuvor, o Brahmane. In den vier südlichen Reihen ordne man der Reihe nach

16.131 sechzehn Pālikās an; in die vier mittleren Reihen setze man sechzehn Ghaṭikās, und im Norden

16.132 ebenso viele Śarāvas. Bei der Anordnung mit jeweils zwölf Gefäßen lege man vier Süd-Nord-Schnüre aus.

16.133 Die Ost-West-Schnüre lege man wie zuvor; so entstehen achtundvierzig Felder.

16.134 Zwölf Felder im Süden lasse man bestehen; dann entferne man sechs Felder für den Durchgang. In der Mitte lasse man

16.135 zwölf Felder bestehen und entferne danach wieder sechs. Im Norden lasse man erneut zwölf Felder stehen.

16.136 Auf diesen drei Gruppen zu zwölf Feldern stelle man Pālikās und die übrigen Gefäße auf, jeweils vom Südosten bis zum Nordosten fortschreitend, beginnend mit der südlichen Gruppe.

16.137 Bei der Anordnung mit jeweils acht Gefäßen der Pālikā-Art und der übrigen Arten lege man drei Süd-Nord-Schnüre aus.

16.138 Alles andere bleibt wie zuvor. Bei jeweils vier Gefäßen lege man ebenfalls drei Süd-Nord-Schnüre aus

16.139 und elf Ost-West-Schnüre. Verwendet man für sämtliche Zwecke ausschließlich sechzehn Pālikās,

16.140 lege man fünf südlich und ebenso fünf östlich gerichtete Schnüre aus; bei acht Pālikās fünf östliche und drei südliche.

16.141 Bei vierundzwanzig Pālikās lege man sieben östlich und fünf südlich gerichtete Schnüre aus.

16.142 Bei vier Pālikās lege man in beiden Richtungen je drei Schnüre aus. Für die fünf zuerst genannten Zahlenordnungen gilt die vorangehende Schnurenteilung.

16.143 Nachdem man die Schnüre entsprechend den Mitteln und dem Wunsch gespannt hat, bilde man auf den Plätzen für die Pālikās und die übrigen Gefäße aus geschältem und ungeschältem Reis

16.144 runde oder viereckige Unterlagen. Die Mengen beginnen wie zuvor bei einem Āḍhaka und richten sich nach der höchsten, mittleren oder geringeren Ausführung.

16.145 Die Pālikās und die anderen Gefäße wasche man unter dem Wurzelmantra. Sahadevī und Dūrvā, zusammen mit jungen Aśvattha-Blättern,

16.146 jungen Śirīṣa-Blättern und Kurkumablättern, binde man anschließend um die Hälse der Gefäße.

16.147 Den Grund ihrer Öffnungen fülle man mit Kuśa- und Kāśa-Gras. Darüber gebe man zunächst Erde, danach Sand

16.148 und oben pulverisierten getrockneten Kuhdung, bis das Gefäß gut gefüllt ist. Oder man vermische Erde und die übrigen Bestandteile vollständig und fülle damit die Gefäße.

16.149 Man stelle Pālikās und die übrigen Gefäße nacheinander auf die vorgesehenen Felder, innerhalb jeder Gruppe vom Südosten bis zum Nordosten, bester Zweimalgeborener.

16.150 Bei hundertacht Gefäßen bilde man neun Gruppen zu zwölf, von der Mitte bis zum Nordosten in der angegebenen Reihenfolge.

16.151 So lasse man alles durch eingeweihte Diener bereitstellen und auch das noch beschaffen, was zuvor nicht besorgt worden ist.

16.152 Dann beginne der Lehrer die Handlung. Er sitzt nach Osten gewandt auf einem reinen Sitz westlich vom Aufstellungsplatz der Ghaṭikās.

16.153 Er vollziehe den Nyāsa nach Vorschrift und bereite das Arghya-Wasser zum Besprengen. Die in seinem Körper eingesetzten Mantras verehre er mit Arghya und den weiteren Gaben.

16.154 Nach der Verehrung der Torhüter verehre er entsprechend seinen Mitteln und seinem Wunsch die Torbögen, Fahnen und Torkrüge.

16.155 Einen Krug aus Gold, Silber, Kupfer oder Ton, mit duftendem Wasser gefüllt und oben geschmückt

16.156 mit Girlande, Sandelpaste und ungebrochenen Reiskörnern, stelle er vor sich auf einen Untersatz. Danach lasse er die Kenner des Ṛgveda und der übrigen Veden der Reihe nach

16.157 die Segens- und Heiligkeitsverkündigung sprechen. Der leitende Lehrer selbst spreche anschließend gemeinsam mit den durch Arghya und andere Gaben geehrten Lehrern und Übenden

16.158 die Verkündigung des heiligen Tages, während er den glückverheißenden Krug trägt. Danach verehre er mit Arghya und den weiteren Gaben die den Pflanzgefäßen vorstehenden Gottheiten.

16.159 In den drei Gefäßgruppen verehre er der Reihe nach Abjanābha, Para, Padmanābha und Dhruva. [Der erste Name ist beschädigt; vier Namen werden drei Gruppen zugeordnet, ohne dass die Verteilung eindeutig wäre.]

16.160 In den zwölf Pālikās verehre er, vom Südosten bis zum Nordosten, die Zwölfergruppe mit Ananta an der Spitze; in den zwölf Ghaṭikās sodann

16.161 die Zwölfergruppe mit Kūrma an der Spitze und in den zwölf Śarāvas die Zwölfergruppe mit Ekaśṛṅga an der Spitze, jeweils in der vorgesehenen Reihenfolge.

16.162 Sind von jeder Gefäßart sechzehn aufgestellt, verehre er die sechsunddreißig Gestalten von Ananta bis Pātālaśayana

16.163 sowie die zwölf befriedenden Kräfte von Lakṣmī bis Mati. Bei jeder der Gefäßarten: „sechsunddreißig bis Pātālaśayana“. [Der zweite Halbvers wiederholt einen Teil des vorangehenden und ist in diesem Zusammenhang unvollständig.]

16.164 Die vier Gestalten der Traumebene verehre er in der Ordnung des Hervorgehens und des Zurückkehrens, ebenso die acht Formen des Wachzustands,

16.165 die zwölf weiteren Gestalten, ihre zwölf Kräfte und die sechsunddreißig von Ananta bis Pātālaśayana,

16.166 danach die vierunddreißig Kräfte mit Svadhā an der Spitze sowie Wurfscheibe und Muschelhorn: der Reihe nach mit Arghya, Duft und den übrigen Darbringungen. [Diese Aufzählung ergibt hundertacht; ihre Einleitung ist im vorangehenden Text beschädigt.]

16.167 Bei je acht Gefäßen verehre er Keśava und die übrigen samt ihren Kräften; bei je vier verehre er allein die zwölf Gestalten mit Keśava an der Spitze.

16.168 Verwendet man für alles allein sechzehn Pālikās, so verehre man darin die vier mit Vāsudeva an der Spitze und die zwölf mit Keśava an der Spitze.

16.169 Bei acht verehre man Vāsudeva und die übrigen in der Ordnung des Hervorgehens und des Zurückkehrens; bei vier allein in der Ordnung des Hervorgehens.

16.170 Nachdem man sie der Reihe nach verehrt hat, wasche man die Samen gründlich mit Kuhmilch unter dem zwölfsilbigen Mantra.

16.171 Man verehre jede Samenart mit Arghya und den übrigen Gaben, indem man ihren Namen im Dativ ausspricht, und hülle sie in ein Tuch.

16.172 Die vom Feueropfer übrig gebliebene geklärte Butter oder andere rituell bereitete Butter nehme man nach Wunsch in ein Metall- oder Tongefäß.

16.173 Mit beiden Händen halte man Dūrvā-Gras am Wurzelende, tauche seine Spitzen in die Butter und besprenge damit die Pālikās und die übrigen Gefäße.

16.174 Dies geschehe mit überkreuzten Händen, vom Südosten bis zum Nordosten. Für jede Gefäßgruppe ist beim Auftragen der Butter ein neues Dūrvā-Bündel vorgesehen.

16.175 Nach diesem Auftragen der Butter verehre man nochmals die Gottheiten der Gruppen und bespreche sämtliche Samen mit dem zwölfsilbigen Mantra.

16.176 Mit Zustimmung der Lehrer und der übrigen Beteiligten säe der leitende Lehrer, nach Norden oder Osten gewandt, zu einer glückverheißenden Stunde in die Gefäße

16.177 sämtliche Samen unter dem zwölfsilbigen Mantra oder unter dem Jitantā-Mantra oder unter beiden, o Zweimalgeborener.

16.178 Er schreite in jeder Gruppe vom Südosten bis zum Nordosten fort, begleitet vom Klang der Muschelhörner und großen Trommeln sowie von Siegesrufen.

16.179 Die zwölf genannten Samenarten säe man der Reihe nach in zwölf Gefäße; oder man vermische sie alle und säe sie nach Wunsch gemeinsam aus.

16.180 Sind die verschiedenen Samen nicht verfügbar, säe man allein Mungbohnen. Mit Erlaubnis des Hauptlehrers können auch andere Lehrer und Übende

16.181 in meditativer Sammlung aussäen; oder der Guru tut es allein. Mit reichlichem, durch Blumen beduftetem und mit Kurkumapulver vermischtem Wasser

16.182 begieße der leitende Lehrer die Gefäße der Reihe nach, o Brahmane. Über jeder Gruppe vergegenwärtige er sich die Gottheit in der Mitte der Mondscheibe,

16.183 leuchtend wie diese, wie sie aus ihrem eigenen Leib unaufhörliche Ströme des Unsterblichkeitsnektars über sämtliche ausgesäten Samen ergießt.

16.184 Nachdem er so meditiert und verehrt hat, bedecke er die Gefäße jeder Gruppe der Reihe nach mit neuen, passenden und reinen Tüchern.

16.185 Über allen verehre er Vāsudeva, den Ursprung der Welt. In den acht Himmelsrichtungen bringe er den Wesen die Bhūta-Krūra-Bali-Gabe dar, bester Zweimalgeborener,

16.186 Kumuda und den übrigen, vom Osten an in der vorgesehenen Ordnung. Von da an schützen diese alle, Kumuda und die übrigen,

16.187 die Lehrer, sämtliche Gurus, die Übenden und auch die Vaiṣṇavas. Mit reichlichen dafür vorgesehenen Betelgaben, Blumen und Früchten

16.188 sowie mit Vermögensgaben soll der gewissenhafte Auftraggeber den Guru erfreuen. Dann hebe man die Gefäße der Reihe nach auf und stelle sie an einem gut geschützten Ort ab,

16.189 im Nordosten des Pavillons oder nach Wunsch an einer anderen Stelle. Auch dort bringe man rings um die Gefäße in den acht Richtungen

16.190 den Wesen Kumuda und den übrigen, vom Osten an, im Pavillon Bali nach dem Bhūta-Krūra-Verfahren dar.

16.191 Ringsum lasse man zahlreiche Lampen ununterbrochen brennen. Zum Ausgleich von Unterlassungen oder Überschreitungen opfere man hundertachtmal ins Feuer

16.192 oder wiederhole ebenso oft das zwölfsilbige Mantra vor dem Gottesbild. Anschließend entlasse man den allgegenwärtigen Herrn aus dem Krug und den übrigen vorübergehenden Sitzen.

16.193 Um die Pflanzgefäße herum bringe man jeweils Bali dar: jede Nacht, oder tagsüber, oder nachts, oder zu beiden Zeiten. [Die Zeitvorschrift enthält eine Wiederholung.]

16.194 Am Morgen des eigentlichen Ritualtages bringe der vortreffliche Lehrer Bali dar. Von der Aussaat an gilt täglich:

16.195 Niemand soll dort eintreten oder die Gefäße irgendwie berühren. Nur der Lehrer selbst oder sein gesammelter Schüler darf eintreten.

16.196 Speisereste und alle ähnlichen Verunreinigungen halte man fern. Keine Handlung an den Pflanzgefäßen soll stattfinden, ohne zuvor Bali dargebracht zu haben.

16.197 Zum Wachstum der Keimlinge besprenge man sie mit Kurkumawasser. Dunkelgrüne, rote, schwarze, seitwärts wachsende

16.198 oder nicht aufgegangene Keime soll man sorgfältig ausscheiden, bester Weiser. Dunkle Keime gelten als Zeichen für Vermögensverlust, rote für Streit,

16.199 schwarze für seelische Bedrängnis, seitwärts gewachsene für Krankheit und nicht aufgegangene für Tod; so lautet die bestimmte Aussage des Textes. [Traditionelle Vorzeichendeutung, keine sachliche Prognose.]

16.200 Gelbe, weiße, gerade und aufrecht wachsende Keimlinge gelten dagegen als glückverheißend: Sie kündigen dem Ausführenden und dem Auftraggeber reiches Gedeihen aller Güter an.

16.201 Der Guru, der zu Beginn für eine bestimmte Handlung die Keimlinge aussät, soll diese Handlung vollständig selbst ausführen; kein anderer, selbst wenn dieser kundig ist.

16.202 Mit seiner Erlaubnis darf jedoch sein Sohn oder sein Schüler sie abschließen. So erfolgt die Keimaussaat bei allen Opferhandlungen.

16.203 Man berücksichtige Ort, Zeit, Vermögen und die eigene Verfügungsgewalt, erwäge alles Gesagte und vollziehe danach die Haupthandlung.

16.204 Nach dieser Aussaat beschaffe man das Tuch für die Fahne: entsprechend den verfügbaren Mitteln gekauft, neu und einwandfrei.

16.205 Es kann aus Dukūla, Seide, Devāṅga-Gewebe, buntem Leinen oder Baumwolle bestehen; dunkle Fremdfasern und ähnliche Fehler sollen fehlen.

16.206 Es sei von guter Beschaffenheit, fest und glatt. Nun werden die Maße in Ellen angegeben. Als Grundlage diene die Elle des Schülers, des Lehrers oder des Auftraggebers.

16.207 Die größte Fahne ist zwölf Ellen lang, die mittlere zehn, die kleinste acht. Die Breite beträgt bei der größten vier Ellen,

16.208 bei der mittleren dreieinhalb und bei der kleinsten drei. Bei der größten, bester Zweimalgeborener,

16.209 bestimme der vortreffliche Lehrer zwei Ellen für die Spitze und ebenso viel für den Schweif am unteren Ende der Fahne.

16.210 In dem sieben Ellen hohen Mittelfeld lasse er den Sohn der Vinatā malen. Für die Befestigung des oberen Querstabes ist eine halbe Elle vorgesehen,

16.211 ebenso viel für den unteren Querstab, o Zweimalgeborener. Nun erkläre ich kurz die mittlere Ausführung; höre zu.

16.212 Für die Spitze sind anderthalb Ellen und drei Fingerbreiten vorzusehen; dasselbe Maß gilt für den Schweif.

16.213 In das sechs Ellen hohe Mittelfeld male man Garuḍa. Der verbleibende Stoff dient der Befestigung der beiden Stäbe.

16.214 Nun erläutere ich die kleinste Fahne, hervorragender Weiser. Ihre Spitze misst eineinviertel Ellen; ebenso

16.215 der untere Schweif. Eine halbe Elle dient den beiden Stabbefestigungen. In das fünf Ellen hohe Mittelfeld male man den Sohn der Vinatā.

16.216 Ich nenne noch eine andere Ausführung, entsprechend den Mitteln und dem Wunsch. Die größte ist fünfzehn Ellen lang, die mittlere dreizehn,

16.217 die kleinste elf. Die Breite der größten beträgt viereinhalb Ellen,

16.218 die der mittleren viereinviertel, die der kleinsten dreidreiviertel Ellen. Bei der größten sind zweieinviertel Ellen für die Spitze vorgesehen,

16.219 ebenso viel für den Schweif und eine Elle für die beiden Stabbefestigungen. Im acht Ellen hohen Mittelfeld male man Garuḍa. [Die Teilmaße ergeben nicht die zuvor genannte Gesamtlänge.]

16.220 Bei der mittleren betragen Spitze und unterer Schweif je zwei Ellen; für die beiden Stabbefestigungen ist eine um ein Achtel verminderte Elle vorgesehen.

16.221 Für das Garuḍa-Bild nennt der Text „siebeneinhalb Ellen und drei Fingerbreiten“. Nun zur kleinsten Ausführung: Eine um ein Viertel verminderte Doppelelle

16.222 misst die Spitze, ebenso der Schweif. Eine Dreiviertelle dient den beiden Stabbefestigungen. Auf sechsdreiviertel Ellen

16.223 male der Kundige Garuḍa. Höre eine weitere Ausführung: Die größte Fahne ist neun Ellen lang, die mittlere sieben,

16.224 die kleinste fünf. So werden drei Tuchgrößen beschrieben. Die Breite beträgt die Hälfte der Länge, die Spitze die Hälfte der Breite.

16.225 Der Schweif hat dasselbe Maß, ebenso die seitlichen Schweife. Oder die Gesamtlänge entspricht der Hauptikone oder der Höhe der Tür.

16.226 Die Breite beträgt dann die Hälfte der Länge, die Spitze ein Viertel. Der untere Schweif ist ebenso lang wie die Spitze, die seitlichen Schweife halb so lang.

16.227 Bei beiden zuvor genannten Möglichkeiten sehe man seitliche Schweife vor. Das als Bāla bezeichnete Fahnentuch sei dem Fahnentuch entsprechend bemessen,

16.228 gleich breit und mit einer Spitze wie zuvor. Das Tuch sei gewaschen, mit einer Schlichte versehen, getrocknet und von einwandfreier Beschaffenheit.

16.229 Der Kundige lasse es von einem geschickten Künstler bemalen. Oben stelle man einen Schirm dar und an beiden Seiten weiße Yakschweifwedel.

16.230 Unten male man einen vielblättrigen Lotus und darunter einen gefüllten Krug. Neben dem Krug zeichne man eine Gruppe von Pflanzgefäßen mit Keimlingen.

16.231 An beiden Seiten dieser Gefäße male man zwei schöne Lampen. Für eine einzelne Gottesgestalt trägt die Fahne die Gestalt Garuḍas, vortrefflicher Weiser.

16.232 Für die vierfache Gottesgestalt sind Satya, Suparṇa, Garuḍa und Tārkṣya vorgesehen; für die fünffache diese vier zusammen mit Vihageśvara.

16.233 Oder die vierfache Gestalt erhält Suparṇa, Palme, Makara und Ṛśya-Antilope als Embleme. Darüber hinaus ist Garuḍa das Fahnenzeichen sämtlicher Vyūhas.

16.234 In die Mitte des Tuches male man Garuḍa mit zwei Armen, die Hände zum Gruß aneinandergelegt oder zu einer mit Blumen gefüllten Schale geformt, leuchtend wie ein goldener Berg.

16.235 Seine Flügel sind zum Flug durch den Himmel ausgebreitet. Das linke Bein ist angewinkelt, das rechte nach hinten gestellt.

16.236 Seine Augen sind etwas länglich und rund, seine lange Nasenspitze dunkel. Seine Erscheinung ist überaus friedvoll und sein Antlitz lächelt.

16.237 Zwei Fangzähne, wie junge Mondsicheln geformt, schmücken ihn; seine Brauen sind geschwungen, sein Haar fällt in schönen Locken.

16.238 Sein Hals ist muschelförmig, seine Arme sind groß, seine Schultern kräftig und seine Brust fest. Er hat einen breiten Bauch, einen tiefen Nabel und eine zierende Haarlinie.

16.239 Seine beiden wohlgerundeten, kräftigen Oberschenkel gleichen goldenen Säulen; seine Unterschenkel gleichen goldenen Bananenstämmen und führen zu den beiden Füßen.

16.240 Eine Karaṇḍa-Krone und ein Blumenschmuck zieren sein Haupt. Seine Augen sollen nach Rundung und Weite Lotusblättern gleichen.

16.241 Die Brauen entsprechen der für Narasiṃha beschriebenen Form, die Nasenspitze dem Schnabel eines Papageis. Die Taille ist löwenartig, der Nasenrücken gleicht einem Elefantenrücken. [Die Zuordnung des letzten Ausdrucks ist im Satz unklar.]

16.242 Die Flügel sind entsprechend der göttlichen Körperlänge ausgedehnt und gleichen Schwanenflügeln. Der vielfach gefiederte Schweif ist doppelt so lang wie die Flügel. [Der erste Halbvers ist sprachlich beschädigt.]

16.243 Dies ist die allen gemeinsame Gestalt. Nun wird die besondere Ausgestaltung erläutert: Vom Kronenschmuck bis zu den Füßen sei er mit verschiedenartigen Edelsteinen geschmückt,

16.244 mit Halsketten, Oberarmreifen, Armspangen und heiliger Schnur. Schöne Ohrringe ruhen an den Enden seiner langen Ohrläppchen.

16.245 Er trägt ein Stirnzeichen, Blumen an den Ohren, edelsteinbesetzte Fingerringe und klingenden Schmuck an den Füßen.

16.246 Weitere himmlische Schmuckstücke zieren ihn, auch Schlangen dienen ihm als Schmuck. Er trägt ein blaues Gewand und einen prächtigen blauen Panzer.

16.247 Seinen Hals schmücken Girlanden aus den Blütenblättern voll erblühter roter Wasserlilien; außerdem leuchtet er in weiteren Girlanden aus verschiedenartigen Blumen.

16.248 Ananta ist sein linker Armreif, Vāsuki die heilige Schnur, Takṣaka der Hüftgürtel und Kārkoṭaka die Halskette.

16.249 Padma sitzt am rechten Ohr, Mahāpadma am linken; Śaṅkha befindet sich am Haupt, Gulika zwischen den Armen an der Brust. [„Rechts“ ist aus einer beschädigten Lesart erschlossen.]

16.250 Mit diesen acht vorzüglichen Schlangen ist er geschmückt. Ananta leuchtet weiß, Vāsuki ist rot,

16.251 Takṣaka gelb und Kārkoṭaka rauchfarben. Śaṅkha leuchtet schneeweiß, Gulika gleicht einer dunklen Biene.

16.252 Padma hat den Glanz eines Lotus, Mahāpadma ist goldbraun. So male man die Gottheit mit den fünf Farben, ebenso die fünf Waffen.

16.253 Wurfscheibe, Schwert, Pfeil, Muschelhorn, Śārṅga-Bogen und Keule male man der Reihe nach oben auf beide Seiten des Tuches, der Vorschrift entsprechend. [Die Aufzählung nennt sechs Gegenstände nach der Ankündigung von fünf Waffen.]

16.254 Darunter male man rechts einen Feuerkreis und links ein regelgerecht gestaltetes Svastika-Zeichen.

16.255 Die übrige Fläche des Tuches bemale man dunkelgrün oder schwarz, mit Blätterranken und verschiedenartigen Blumen.

16.256 So lasse der vortreffliche Lehrer die Fahne durch einen hervorragenden Künstler herstellen; auch ein vorschriftsmäßig eingeweihter Śūdra kann dies tun, bester Zweimalgeborener,

16.257 oder der Mantrakundige beauftragt einen geschickten Töpfer. Damit sind die allgemeinen Merkmale beschrieben, bester Zweimalgeborener.

16.258 Vernimm nun die Einzelheiten nach Fingerbreiten und weiteren Maßteilungen. Eine Fingerbreite ist bei der Bildgestalt als ein Hundertachtel ihrer Höhe festgelegt.

16.259 Mit diesen aus der Hauptikone abgeleiteten Fingerbreiten bemesse man auch ihr Reittier. Höre die Einteilung.

16.260 Die Gesichtsfläche beträgt ein aus jener Bildgestalt abgeleitetes Tāla. Oberhalb der Stirn sind zwei Fingerbreiten vorgesehen; die Haarbindung misst zwei Locana. [Die Maßbezeichnungen Tāla, Kalā, Locana und Golaka werden hier beibehalten, wo ihre Gleichsetzung nicht gesichert ist.]

16.261 Der Hals ist zwei Fingerbreiten hoch, die Brust fünf. Der Bauch misst acht Fingerbreiten, die Hüftpartie fünf in der Höhe.

16.262 Die Oberschenkel sind neun Fingerbreiten hoch, die Knie zwei, die Unterschenkel acht und die Fußpartien zwei.

16.263 Der Halsumfang beträgt ein Śama, um eine Kalā vermindert. Die Breite sämtlicher Glieder soll derjenigen der Hauptikone entsprechen. [„Śama“ ist als Maßbezeichnung hier unsicher.]

16.264 Der Bauchumfang übersteigt das entsprechende Maß um zwölf Teile; der Umfang der Hüftpartie um vier Netra. [Der Bezug des Vergleichs ist nur knapp angegeben.]

16.265 Der Umfang der Oberschenkelansätze entspricht dem für die Bildgestalt angegebenen; ebenso der Umfang der Unterschenkelmitte und des Unterschenkelendes.

16.266 Der Fuß ist fünf Kalās lang und vier Fingerbreiten breit; von der Ferse her werden drei Fingerbreiten angesetzt. Die großen Zehen messen jeweils eine Kalā.

16.267 Die übrigen Zehen sind der Reihe nach um je ein Gerstenkorn kürzer. Die weit geöffnete Nabelvertiefung misst zweieinhalb Locana.

16.268 Die Schulterkuppe ist zwei Locana hoch. Oberarm und Unterarm zusammen messen zwei Tālas.

16.269 Vom Handgelenk bis zur Spitze des Mittelfingers sind es neun Fingerbreiten. Die Handfläche ist drei Kalās breit, die Nägel sind scharf und gewölbt.

16.270 Für den Arm wird ein Zuschlag von einer halben Kalā, für den Armumfang die Hälfte davon genannt. Die Brustpartie bemisst sich nach zwei bei der Bildgestalt angegebenen Teilen beziehungsweise nach einem Locana. [Die Maßzuordnung ist beschädigt und nicht sicher aufzulösen.]

16.271 Nach Rundung und Weite gleichen die Augen Lotusblättern. Die Brauen entsprechen der für Narasiṃha genannten Form, die Nasenspitze dem Schnabel eines Papageis.

16.272 Sie ist eine halbe Kalā lang; ihr Rücken gleicht dem Rücken eines Elefanten. Die beiden an den Flanken ansetzenden Flügel sind so lang wie sein Körper.

16.273 Ihre Breite beträgt die Hälfte ihrer Länge; sie gleichen Schwanenflügeln. Der vielfach gefiederte Schweif ist doppelt so lang wie die Flügel.

16.274 Dies ist die vollständige Gestalt Satyas mit ihren Gliedern und Flügeln. Erkenne darin die allen gemeinsame Grundform; nun werden die Besonderheiten erklärt.

16.275 Man vermindere die Länge der beiden Oberschenkel um drei Fingerbreiten und verfahre ebenso mit der Höhe der Unterschenkel. Deren Umfang

16.276 entspricht am Ansatz dem Umfang des Handgelenks der Hauptikone, hochgesinnter Weiser. Von der Unterschenkelpartie an wird die Hälfte davon zuzüglich einer halben Fingerbreite angesetzt. [Der letzte Maßbezug bleibt unklar.]

16.277 Die Schwimmhaut des Fußes soll sechs Fingerbreiten breit sein. Alles Übrige entspricht stets bei sämtlichen Formen dem für Satya Gesagten.

16.278 Die Flügel erheben sich jedoch von den Füßen her; ihre Breite beträgt die Hälfte ihrer Länge. Bei fliegender Darstellung entspricht die Flügelspanne der vollen Länge,

16.279 und zwar bei allen fünf Formen; bei ruhender Darstellung beträgt sie die Hälfte. Wird die Gestalt auf ein Tuch gemalt, reichen die Flügel nach beiden Seiten

16.280 bis zum Rand des Tuches. Die Federn mit ihren Spitzen sind in ungerader Zahl darzustellen: fünf, sieben oder entsprechend mehr, o Brahmane.

16.281 Oder man bildet die Haupt- und Nebenglieder der fünf Gestalten mit Satya an der Spitze wie bei einer Ikone aus hundertacht Fingerbreiten.

16.282 Oder man verwendet als Fingerbreite die Länge des mittleren Gliedes am Mittelfinger des Lehrers und bemisst sie mit „acht samt …“. [Die Zahlenangabe am Versende ist beschädigt.]

16.283 So soll der Lehrer die fünf Gestalten mit Satya an der Spitze bemessen. Ihre Höhe reicht bis zum Armansatz oder bis zum Nabel der Hauptikone.

16.284 Damit ist das allgemeine Maß erklärt. Vernimm die Höhenmaße. Wenn man Garuḍa oder eine der Gestalten mit Satya an der Spitze auf dem Tuch

16.285 nach dem langen mittleren Glied des Mittelfingers des Lehrers mit insgesamt hundertacht solchen Fingerbreiten bemisst,

16.286 so gilt von Kopf bis Fuß folgende Höhenaufteilung: drei Fingerbreiten für den Scheitel, sechs Golakas für das Gesicht.

16.287 Der Hals misst drei Fingerbreiten, der Abschnitt darunter zwölf. Von der Mitte zwischen den Brüsten bis zum Nabel sind es sechs Kalās.

16.288 Darunter bis zur Hüfte liegen fünf Fingerbreiten, weiter bis zum Geschlechtsbereich sieben.

16.289 Bis zum Knie sind es zwölf Kalās; die Kniepartie misst drei Fingerbreiten. Darunter bis zum Knöchel sind es zwölf Golakas.

16.290 Der Knöchel misst drei Fingerbreiten. Höre nun die weiteren Proportionen der Reihe nach: Im Gesicht sind es von oben bis zur Augenlinie zwei Golakas,

16.291 ebenso viele bis zu den Nasenöffnungen und ebenso bis zum Kinn. Die Gesichtsbreite in der Mitte bis zur Ohrenlinie beträgt sechs Kalās,

16.292 im unteren Abschnitt neun Fingerbreiten, an der Stirn zehn. Zwischen Haar- und Brauenlinie nennt der Text eine Fingerbreite. [Diese Einzelangabe steht in Spannung zur vorangehenden Gesichtseinteilung.]

16.293 Zwischen Auge und Braue liegt ein Abstand von eineinviertel Fingerbreiten. Die Länge des Auges beträgt zweidreiviertel Fingerbreiten,

16.294 seine Breite eindreiviertel. Die Pupille misst eine Fingerbreite. Die Breite des Nasenansatzes

16.295 beträgt zwei Fingerbreiten, in der Mitte etwas mehr, unten drei. Die Spitze ist eine Fingerbreite lang und halb so breit.

16.296 Die Mundlänge beträgt zwei Golakas, seine Breite eine Fingerbreite. Für die Lippen einschließlich der Unterlippe wird eine Ausdehnung von zwei Fingerbreiten genannt. [Die Formulierung unterscheidet die Einzelmaße nicht eindeutig.]

16.297 Zwischen den beiden Fangzähnen liegt eineinviertel Fingerbreite; ihre Länge beträgt ebenfalls eineinviertel Fingerbreite, o Brahmane, ihre Breite eine Fingerbreite

16.298 am Ansatz. Ihre Spitzen sind scharf wie die Enden einer Mondsichel. Die Halslänge beträgt fünf Fingerbreiten, die Breite einen Golaka. [Zur Halslänge steht zuvor in 16.287 eine abweichende Angabe.]

16.299 Die Fußlänge beträgt sechs Fingerbreiten, der Ohransatz vier Kalās. Darunter werden anderthalb Fingerbreiten genannt, von der oberen Brustpartie aus. [Der zweite Halbvers ist in seiner Maßzuordnung unklar.]

16.300 Die Breite bis zu den äußeren Armen beträgt achtzehn Kalās, o Zweimalgeborener; darunter bis zu den Achselhöhlen zwölf Golakas.

16.301 Die Breite des darunterliegenden Abschnitts beträgt neun Golakas und eine Fingerbreite; die Bauchbreite beträgt einundzwanzig Fingerbreiten.

16.302 Der schöne runde Nabel hat dort einen Umfang von einer Fingerbreite. Die Hüftbreite beträgt neun Golakas und eine Fingerbreite.

16.303 Am Ansatz beträgt die Breite des Oberschenkels dreizehn Fingerbreiten, in der Mitte zwölf, o Brahmane.

16.304 Der Schambereich misst sieben Fingerbreiten, das Knie ist drei Kalās breit; darunter sind es fünfeinhalb Fingerbreiten. Die Fußlänge beträgt sieben Golakas,

16.305 von der Ferse bis zur Spitze der großen Zehe gemessen. Die große Zehe ist dreieinhalb Fingerbreiten lang; die anderen Zehen sind der Reihe nach

16.306 jeweils um ein Achtel einer Fingerbreite kürzer. Die große Zehe ist anderthalb Fingerbreiten breit; die anderen werden entsprechend der vorangehenden Regel schmaler.

16.307 Der Nagel der großen Zehe ist etwas mehr als eine Fingerbreite lang und eine Dreiviertelfingerbreite breit. Die übrigen Nägel verkleinere man entsprechend,

16.308 bis der Nagel der kleinsten Zehe eine halbe Fingerbreite lang ist; seine Breite beträgt die Hälfte davon. Am Ansatz der Zehen

16.309 ist der Fuß fünfeinhalb Fingerbreiten breit, in der Mitte fünf, an der Ferse viereinhalb.

16.310 Seitlich bei den Zehen wird seine Höhe mit drei Fingerbreiten angegeben, in der Mitte mit dreieinhalb. Höre nun die Maße der Arme.

16.311 Von der Schulterspitze bis zum Ellenbogen beträgt die Armlänge vierundzwanzig Fingerbreiten. Seine Breite am Ansatz beträgt sechs Fingerbreiten,

16.312 darunter fünfeinhalb. Vom Ellenbogen bis zum Handgelenk sind es neun Golakas. Die Breite des Ellenbogens

16.313 beträgt sechseinhalb Fingerbreiten, o Brahmane; die Partie des Handgelenks ist drei Fingerbreiten breit, die Hand sechs Kalās lang.

16.314 Ihre Breite wird mit zwei Kalās angegeben. An der linken Hand sollen zwei Fingerbreiten sichtbar sein; die übrigen zwei sind durch die rechte Hand verdeckt. [Gemeint ist offenbar die Haltung der zusammengelegten Hände.]

16.315 Der Mittelfinger ist fünf Fingerbreiten lang. Ringfinger, Zeigefinger und kleiner Finger

16.316 sind der Reihe nach jeweils um eine halbe Fingerbreite kürzer. Für den Daumen wird die Hälfte des Mittelfingers angegeben; Mittelfinger und Daumen sind anderthalb Fingerbreiten breit. [Die Daumenangabe ist im Wortlaut beschädigt.]

16.317 Zeige- und Ringfinger sind eine Fingerbreite breit, der kleine Finger eine Dreiviertelfingerbreite. Die Nagellänge beträgt anderthalb Fingerbreiten, ihre Breite die Hälfte davon.

16.318 Die Krone ist achtzehn Fingerbreiten hoch, o Brahmane, und an ihrem Ansatz sechzehn Fingerbreiten breit.

16.319 In der Mitte soll sie sechs Kalās, an der Spitze drei Kalās breit sein. Der Scheiteledelstein ist anderthalb Fingerbreiten hoch,

16.320 seine Breite beträgt eineinviertel. Die Flügel haben eine Ausdehnung von drei Tālas oder reichen, wie es der Schönheit entspricht, bis zum Tuchrand.

16.321 Jede einzelne Feder ist drei Fingerbreiten breit. Die Gesichter der Schlangen sind anderthalb Fingerbreiten lang,

16.322 eine Fingerbreite breit; auch ihr Hals misst eine Fingerbreite in der Breite. Darunter sind es zwei Fingerbreiten, am Schwanz eine halbe.

16.323 Die Breite des Schlangenkörpers nimmt entsprechend allmählich ab. Bei Ananta, der Hauptschlange, beträgt die Gesichtslänge zwei Fingerbreiten,

16.324 die Breite anderthalb; sein Hals ist zwei Fingerbreiten breit, darunter sind es zweieinhalb. Die Köpfe entsprechen denen der anderen Schlangen.

16.325 Die Schwanzspitze gestalte man eine Fingerbreite breit. Die Länge der Schlangenkörper bemesse man nach Wunsch.

16.326 Der als Sitz dienende Lotus ist vierundfünfzig Fingerbreiten lang und sechs Golakas breit. Die Länge seiner Samenkapsel

16.327 wird mit einundzwanzig Kalās angegeben, ihre Breite mit drei Golakas. Welche sonstige Größe auch für den Sohn der Vinatā vorgesehen wird,

16.328 man teile sie gleichmäßig in hundertacht Fingerbreiten ein. Nach der so gewonnenen Fingerbreite bestimme man wie zuvor Höhen und weitere Maße.

16.329 Entsprechend dieser Fingerbreite bemesse man auch die Schlangen und den übrigen Schmuck. Bei der ersten Ausführung richte man deren Maße nach den zuerst genannten Vorgaben.

16.330 Alles sei mit dem fünffachen Schmuck versehen und durch Gewänder, Girlanden und Duft geehrt. Hat der Lehrer dies alles vorbereitet, so geht er mit gesammeltem Geist

16.331 am Abend vor dem für das Fahnenhissen bestimmten Mondhaus gemeinsam mit den Trägern der Gottesgestalten zur Werkstätte.

16.332 Er betrachtet das bemalte Tuch und prüft sorgfältig seine Merkmale. Unter dem Klang von Muschelhörnern, großen Trommeln und Kāhala-Trompeten,

16.333 begleitet von mannigfaltigen schönen Liedern und verschiedenen Vedenrezitationen, bringt man das Fahnentuch von dort in den vorderen Pavillon.

16.334 Dann tritt er ins Innere, verneigt sich vor dem höchsten Herrn in der Hauptikone und verehrt ihn mit Arghya, Duft, Blumen und Räucherwerk.

16.335 Anschließend entlässt er den Künstler, besprengt das Tuch mit Arghya-Wasser und berührt es schlagend mit Blumen und weißen Senfkörnern, die mit dem Waffenmantra besprochen sind.

16.326 (zweites Vorkommen) [Zweites Vorkommen dieser Nummer in der Vorlage; an der Stelle von 16.336.] Der vortreffliche Übende zeigt das Tuch dem Gott der Götter von vorn und vollzieht daran die vorgeschriebene rituelle Verbrennung und Wiederbelebung.

16.337 Nochmals verehrt er den höchsten Herrn mit Arghya, Duft, Blumen und den weiteren Gaben. Mit aneinandergelegten Händen spricht er laut folgende Anrufung:

16.338 „Erhabener, Lotusäugiger, Herr über alles, du, der die Welt durchdringt! So, wie du es gelehrt hast, vermögen wir es nicht vollständig auszuführen,

16.339 weil uns Freiheit und Fähigkeit fehlen und weil Vertrauen und die übrigen Voraussetzungen unvollkommen sind. Um daher jedes Zuwenig oder Zuviel in den Maßen und allen anderen Einzelheiten zu befrieden,

16.340 blicke mit deinen beiden kühlenden, alle Fehler tilgenden Augen auf den Sohn der Vinatā auf diesem Tuch. Sei gnädig! Oṃ.“

16.341 Dann übergibt der Lehrer das Tuch den Eingeweihten, o Brahmane, und vollzieht gemeinsam mit ihnen vier rechtsläufige Umrundungen.

16.342 Mit dem Auftraggeber betritt er anschließend den vor dem Tempel gelegenen Pavillon innerhalb der ersten oder zweiten Umfassung.

16.343 Dort stellt man einen Bhadra-Sockel auf, bildet darauf aus Reis eine Altarfläche und zeichnet auf diese das Bhadra-Maṇḍala.

16.344 Wenn die Mittel es erlauben, breitet man darüber ein Tuch aus, schüttet darauf einen Sesamhaufen und zeichnet in dessen Mitte ein Svastika.

16.345 Darauf legt man das Fahnentuch, dem Tempel zugewandt. Der Lehrer setzt sich mit gesammeltem Geist auf seinen Sitz

16.346 und vollzieht alle zuvor beschriebenen Handlungen von der Reinigung der Hände bis zur Verehrung des eigenen Körpers mit dem Mantra des Vogelkönigs und dessen Gliedmantras.

16.347 Torhüter, Torbögen, Krüge und das Weitere verehrt er wie zuvor. Dann lässt er wie zuvor die Verkündigung des heiligen Tages ausrufen.

16.348 Vor Garuḍa stellt er einen Krug zusammen mit einer Wasserkanne auf eine Unterlage aus einem Bhāra Getreide, wie bereits beschrieben.

16.349 Südlich von der Wasserkanne stellt er einen Wassertrog oder ein anderes geeignetes Gefäß auf, vollständig mit duftendem Wasser gefüllt.

16.350 Darin vollzieht er für Garuḍa eine unmittelbare Weihe durch das Spiegelbild im Wasser. Von den zuvor genannten Waschungsformen wählt er innerhalb der ersten Neunergruppe,

16.351 o Zweimalgeborener, die geringste unter den geringeren Ausführungen. Die Waschung geschieht an einem Spiegel, der vor dem Sohn der Vinatā auf einer Altarfläche steht.

16.352 Danach vollzieht der Guru zu einer glückverheißenden Stunde die Öffnung der Augen auf die zuvor beschriebene Weise.

16.353 Auch bei sämtlichen Schlangen vollziehe man die Augenöffnung. Der Künstler, dessen Körper wie zuvor gereinigt ist, macht die Augen sichtbar.

16.354 Das Ausfüllen der Augen und alles Weitere geschehe wie zuvor. Dann bereite man im Krug und in der Wasserkanne jeweils den göttlichen Sitz,

16.355 rufe Garuḍa in den Krug und das Waffenmantra in die Kanne herab und verehre sie mit Arghya, Duft und den weiteren Gaben. In den acht Richtungskrügen

16.356 verehre man Indra und die übrigen Welthüter rechtsläufig; anschließend besprenge man die Wand beziehungsweise Bildfläche und stelle sie dort wieder auf. [Der Bezug von „Wand“ ist bei der Tuchfahne nicht eindeutig.]

16.357 Nun bereite man wie zuvor den Sitz im Fahnentuch. Das Garuḍa-Mantra, leuchtend wie tausend Sonnen,

16.358 das nach der Verheißung des Textes alle Krankheiten befriedet, alle Bedrängnisse vernichtet, den Menschen jede Vollendung gewährt und jede Armut aufhebt,

16.359 führe man aus dem Herzen heraus und setze es in den Garuḍa auf dem Tuch ein, vorzüglicher Brahmane. Nach der Ausgestaltung seiner vollständigen Mantra-Gestalt bewirke man die göttliche Gegenwart,

16.360 ihre Festigung, die Zuwendung nach vorn und die Bindung der Mudrās; ferner vollziehe man ordnungsgemäß das Auflösungsopfer und die Verehrung mit Gaben, bester Zweimalgeborener.

16.361 Alles führe man mit dem Garuḍa-Mantra und seinen Gliedmantras aus, der Reihe nach im Krug, in der Wasserkanne und auf dem Tuch.

16.362 Mit großer Festlichkeit vollziehe man die Verehrung in der angegebenen Reihenfolge bis einschließlich der Verehrung auf dem Schmuckthron.

16.363 Nach dieser Verehrung Garuḍas lasse man im Tempelinneren mit Zustimmung des leitenden Lehrers

16.364 durch einen anderen Guru oder einen besonders geeigneten Übenden auch den allgegenwärtigen Herrn in der Hauptikone sorgfältig verehren,

16.365 ebenso in der Prozessionsikone, bis zum Abschluss der Darbringungen. Für den in Garuḍa Gegenwärtigen vollziehe man die Waschung mit vorausgehender besonderer Verehrung. [Der letzte Ritualbezug ist knapp formuliert.]

16.366 Danach verehre man den Sohn der Vinatā, beginnend mit dem Speisesitz, durch mannigfaltige angenehme Gaben bis zum Madhuparka, darunter Speisen mit ganzen Wurzeln,

16.367 sehr reichliche gekochte Speisen und andere vielfältige Darbringungen. Die Handlungen bis zum Japa vollziehe man wie zuvor der Reihe nach.

16.368 Die Anteile für die Mitwirkenden teile man vorschriftsmäßig gesondert aus. Was dem Mantra- und dem Waffenkrug dargebracht wurde, gebe man anschließend den Lehrern.

16.369 Vom Speiseopfer für die Gestalt auf dem Tuch nehme der Lehrer selbst einen kleinen Teil aus dem Gefäß entgegen und gebe auch den Gurus und den übrigen Beteiligten davon.

16.370 Die Speisegaben, die dem Gott in der Hauptikone und in der Prozessionsikone dargebracht wurden, einschließlich Madhuparka und der weiteren Gaben,

16.371 lasse man den Lehrern und den übrigen Berechtigten geben. Danach vollziehe man das Feueropfer. Östlich von Garuḍa errichte man eine vorschriftsmäßig gestaltete Feuergrube,

16.372 bereite darin das Feuer rituell, rufe den Vogelkönig herbei und opfere sieben Holzstäbe. Zur Befriedung bringe man mit Sesam und geklärter Butter

16.373 hundertacht Opfergaben dar und danach die volle Schlussgabe. Oder der Lehrer vollzieht dieses Opfer in einer für besondere Anlässe bestimmten Feuergrube.

16.374 Dann gibt der Lehrer dem Auftraggeber, der durch Bad und weitere Vorbereitungen gesammelt und rein ist, von der Speise, die Garuḍa auf dem Tuch dargebracht wurde,

16.375 eigenhändig einen kleinen Teil. Aus dem verbleibenden Speiseopfer bilde er einzelne Bissen

16.376 und gebe sie kinderlosen Frauen und kranken Menschen, während er gesammelt über das Garuḍa-Mantra meditiert. [Rituelle Segensgabe im historischen Text.]

16.377 Man lässt sie nach Osten gewandt davon essen und danach das geweihte Wasser trinken. Nach dieser vorbereitenden Weihe verbringe man die Nacht wachend.

16.378 Am folgenden Morgen badet der vortreffliche Lehrer gründlich, vollzieht das Mundspülen und führt die tägliche sowie die besondere Verehrung des allgegenwärtigen Herrn aus.

16.379 Danach verehrt er vorschriftsmäßig den Sohn der Vinatā, beim Krug beginnend, bringt die große Speisegabe dar und vollzieht das Feueropfer wie zuvor.

16.380 Innerhalb der vierten Tempelumfassung, diesseits des Gopura, errichte man einen Fahnenunterbau von vier oder zwei Ellen Seitenlänge,

16.381 anderthalb Ellen oder eine Elle hoch, aus Steinen oder gebrannten Ziegeln, nach Wunsch, o Brahmane.

16.382 In seiner Mitte lasse man eine Vertiefung bis zur Bodenhöhe frei. Der Unterbau kann auch innerhalb der dritten Umfassung, außerhalb des Bali-Altars,

16.383 oder innerhalb der zweiten liegen, je nach den Umständen. Nördlich oder östlich vom Fahnenunterbau

16.384 lege man den schönen, allen Merkmalen entsprechenden Fahnenmast mit seiner Fahnenstange nieder, die Spitze nach Osten oder Norden gerichtet.

16.385 Holz wird in drei Arten eingeteilt: innen hart, außen hart und ohne festen Kern. Campaka, Devadāru, Sandelholz, Khadira,

16.386 Sāla, Bimba, Kakubha und Alaka sowie entsprechende weitere Bäume werden als innen hart bezeichnet. [Die beiden letzten Baumnamen sind in der Vorlage nicht sicher getrennt.]

16.387 Betelpalme, Kokospalme, Hintāla, Palmyrapalme und Bambus sind außen hart und für den Fahnenmast geeignet.

16.388 Kiṃśuka und entsprechende weitere Bäume gelten als kernlos. Einen Mast aus solchem Holz soll man beim Fahnenritual stets vermeiden.

16.389 Das Holz sei frisch, neu, gerade, glatt, ohne Krümmungen und Risse, mit ungerader Zahl von Knoten, sauber, mit Rinde und sehr fest.

16.390 Einen solchen Fahnenmast lasse man beschaffen und prüfe ihn nach den Regeln der Schrift. Achtzig Tālas gelten als Hauptmaß, sechzig als mittleres,

16.391 fünfzig als geringstes. Als höchste der mittleren Ausführungen wird dann eine um fünf Tālas erhöhte Länge von fünfzig Tālas angegeben,

16.392 als mittlere der mittleren eine um fünf Tālas verringerte, als geringste der mittleren eine Länge von zweiundzwanzig Tālas. [Die Zahlenfolge ist widersprüchlich und vermutlich beschädigt; sie wird nicht stillschweigend verbessert.]

16.393 Siebenunddreißig, fünfunddreißig und zweiunddreißig Tālas bilden die drei mit der höchsten der geringen Ausführungen beginnenden Maße, o Brahmane.

16.394 Diese Maße werden auf Grundlage der Mātrā-Fingerbreite bestimmt. Wenn es möglich ist, vorzüglicher Brahmane, kann man auch hundert Tālas vorsehen.

16.395 Nun wird noch eine andere neunstufige Maßreihe genannt: fünfundzwanzig Ellen, dreiundzwanzig,

16.396 einundzwanzig, zwanzig, neunzehn, vortrefflicher Weiser, achtzehn, eine weitere Stufe und sechzehn,

16.397 danach fünfzehn: So wird eine Neunerreihe angegeben. Die Bemessung erfolgt nach einer der drei Arten der Māna-Fingerbreite, entsprechend den Möglichkeiten. [Eine Zahlenstufe, vermutlich siebzehn, ist in der Vorlage nicht ausdrücklich genannt.]

16.398 Ist diese Bemessung nicht möglich, verwende man die Mātrā-Fingerbreite. Oder der Mast erreicht die Höhe der Tempelspitze, die Höhe des Tempels,

16.399 die Höhe seines Halsabschnitts oder die Höhe des Gopura, entsprechend den verfügbaren Mitteln. Auch für den Umfang des Fahnenmastes gibt es neun Maße.

16.400 Am Fuß beträgt er zwölf, neun oder sieben Tālas; in der Mitte nennt der Text sechs oder fünf Tālas. [Das dritte Maß für die Mitte fehlt im vorliegenden Vers.]

16.401 An der Spitze beträgt der Umfang fünf, vier oder zwei Tālas. Bei einem Maß von zwölf Fingerbreiten wird ein Umfang von acht Fingerbreiten genannt. [Die letzte Angabe ist im Zusammenhang nicht sicher verständlich.]

16.402 Für den festen Mast nennt der Text ferner „vierundzwanzig, zehnfach“ als Umfangsmaß. Man teile den Mast in drei Abschnitte und den dritten Abschnitt wiederum dreifach. [Die erste Maßangabe ist beschädigt.]

16.403 Unten am unteren Abschnitt, in der Mitte des mittleren und oben am oberen Abschnitt bringe man aus Opferholz gefertigte

16.404 drei Halterungen mit drei Durchlässen an, zur Aufnahme des Stabes und der Fahnenstange, an beiden Seiten schön gerundet, o Zweimalgeborener.

16.405 Die verbreiterten Teile messen eine Elle und sind achtzehn Fingerbreiten breit; am Ansatz und am Ende beträgt die Breite vier Fingerbreiten. [Die technische Bezeichnung am Versanfang ist unsicher.]

16.406 Von der Mastspitze lasse man zwei Tālas, anderthalb oder ein Tāla frei und setze dort die obere Halterung ein.

16.407 Die beiden anderen befestige man sorgfältig an den genannten Stellen. Oder man setzt die obere Halterung wie zuvor unterhalb der Mastspitze ein,

16.408 die mittlere zweieinhalb Ellen darunter und die weitere nochmals im gleichen Abstand darunter.

16.409 Unter Freilassung von drei Tālas füge man daran die feste, gerade Fahnenstange mit ihrem metallenen Mechanismus ein. [Der genaue Bezug des freizulassenden Abschnitts ist unklar.]

16.410 Den Fahnenmast umwinde man rechtsläufig mit Darbha-Girlanden. Nachdem man ihn so vorbereitet hat, besprenge man ihn mit Waffenmantra-Wasser.

16.411 In die Vertiefung des Fahnenunterbaus lege der Lehrer unter dem Tārkṣya-Mantra Edelsteine und Getreide. Dann lasse er durch vorzügliche Brahmanen,

16.412 durch eingeweihte Śūdras oder durch Tempeldiener den Mast aufrichten, begleitet vom Klang der Muschelhörner, Trommeln und anderen Instrumente sowie von Gesang.

16.413 In jener Vertiefung stelle man ihn gerade und dem Tempel zugewandt auf. Die Öffnung fülle man mit Sand

16.414 und verdichte ihn mit dem als „Elefantenfuß“ bezeichneten Stampfer und weiteren Geräten, bis der Mast fest steht. Oder man vollzieht die vorbereitende Weihe des Mastes bereits in der vorhergehenden Nacht

16.415 und richtet ihn am gegenwärtigen Tag auf. Danach geht man zu Garuḍa und setzt die Fahne sorgfältig auf einen Wagen, einen Elefanten oder einen Tragsitz.

16.416 Man schmückt die Fahne mit einem aus verschiedenartigen Blumen gefertigten Strahlenkranz und verehrt sie mit Gewändern, Schmuck und vielfältigen Girlanden.

16.417 Schirme, Yakschweifwedel, Fächer aus Pfauenfedern, bunte Palmblattfächer und schöne Sonnenschirme begleiten sie,

16.418 ferner bunt geschmückte Bannerstangen mit feinem Dukūla-Gewebe, der Klang der vier Veden und die Rezitation von Lobgesängen,

16.419 verschiedene Lieder und Instrumente, Muschelhörner und Kāhala-Trompeten, große Trommeln, Mṛdaṅgas und andere glückverheißende Klänge,

16.420 von Brahmanen getragene Keimgefäße, Gruppen schön gekleideter Tempeltänzerinnen und ergebene Verehrer.

16.421 Unter Jubel, Händeklatschen und Siegesrufen führt man sie von der ersten Umfassung bis zum äußersten Prozessionsweg

16.422 der Reihe nach durch sämtliche Umfassungen. Dann trägt man die Fahne rechtsläufig um das Dorf und hält in dessen Mitte an.

16.423 Dort lässt man vor ihr die vier Veden samt Itihāsas und Purāṇas rezitieren, außerdem das Suparṇa-Sūkta. Wiederum zeigt man dort

16.424 Gesang, Tanz und Instrumentalmusik der vier Instrumentenklassen und bringt Gaben wie Girlanden und Betel dar.

16.425 Danach führt man die Garuḍa-Fahne in den Tempel hinein, o Brahmane. Bei einem Fest, das mit der Keimaussaat beginnt,

16.426 lässt man in jener Nacht hinter dem Garuḍa auf dem Tuch vorschriftsmäßig die Prozessionsikone ziehen, verbunden mit den Bali-Darbringungen.

16.427 Dies gilt, wenn wegen fehlender Hilfsmittel ein gesonderter Umzug nicht möglich ist. Sind auch dort die Voraussetzungen gegeben, sollen die Umzüge getrennt stattfinden.

16.428 Andernfalls führt man stets allein die Fahne herum. Wo in einer Handelsstadt oder einer anderen Stadt das Fest mit einem Bali-Umzug

16.429 vorgesehen ist, trage man an beiden Orten die Garuḍa-Fahne zusammen mit der Prozessionsikone herum,

16.430 um sie für die Feier geeignet zu machen und zu heiligen. Auch im Dorf kann man die Festikone gemeinsam mit ihr herumführen. [Der Bezug der ersten Satzhälfte ist nicht ganz eindeutig.]

16.431 Nachdem man Tempel und Dorf oder den entsprechenden Ort so rechtsläufig umrundet hat, stelle man die Fahne im Pavillon auf. Falls der Fahnenmast noch nicht

16.432 aufgerichtet worden ist, richte man ihn jetzt auf. Dann betrete man den Tempel und schmücke besonders die Prozessionsikone

16.433 mit vielfältigen schönen Gewändern, verschiedenartigem Schmuck und mannigfaltigen herrlichen Girlanden.

16.434 Man setzt sie auf eine Sänfte oder einen anderen Tragsitz und bringt sie mit sämtlichen Begleitungen in den Versammlungspavillon gegenüber dem Fahnenunterbau.

16.435 Dort setzt man sie auf einen schönen goldenen Sitz, mit Polstern und weiteren Zubehörteilen ausgestattet und oben von einem kunstvollen Baldachin geschmückt.

16.436 Danach nimmt der Lehrer mit gesammeltem Geist, umgeben von den Übenden und den übrigen Mitwirkenden, die Garuḍa-Fahne auf.

16.437 Unter Muschelhornklang und weiterer Begleitung bringt er sie rechtsläufig zum Fahnenunterbau und wäscht den Mast mit sauberem Wasser.

16.438 Sind die Mittel vorhanden, umhüllt er den Mast mit einem Tuch. Dann verehrt er Garuḍa, beginnend mit einer Gabe aus den zu einer Schale geformten Händen,

16.439 mit Arghya, Fußwaschwasser, Mundspülwasser, Duft, Girlande und Räucherwerk, mit Kuchen, Reisflocken, süßem Getränk und einer erfrischenden Darbringung,

16.440 die Kokoswasser enthält. Danach gibt er Mundspülwasser und vorzüglichen Betel mit Kampfer und weiteren Zutaten.

16.441 Er zeigt die zugehörige Mudrā und nimmt ein festes Seil aus besonders starken, dreifach gedrehten Baumwollfäden.

16.442 Dieses legt er in den Mechanismus an der Spitze der Stange und bindet damit die Spitze der Fahne sicher fest, o Brahmane,

16.443 zusammen mit der kleinen Bāla-Fahne und einer Glocke. Er lässt den heiligen Tag verkünden und besprengt alles mit Waffenmantra-Wasser.

16.444 Dann besprengt er Garuḍa mit dem Wasser des großen Kruges und überträgt den darin gegenwärtigen Garuḍa in die Darstellung auf dem Tuch.

16.445 Das Wasser aus dem Waffenkrug gießt er am Fuß des Mastes aus; ebenso das Wasser aus den acht Richtungskrügen.

16.446 Mit vorausgehender Blumengabe aus den gefalteten Händen vollzieht er den Mantra-Nyāsa, bewirkt die Gegenwart, ihre Festigung und die Zuwendung nach vorn.

16.447 „Von diesem Tag an bis zum Abschluss des Tages der heiligen Badeprozession bleibe gegenwärtig, König der Vögel, für den König und das Land,

16.448 für das Dorf, den Auftraggeber und besonders für die Vaiṣṇavas: zu ihrer Zufriedenheit und ihrem Gedeihen und zur Überwindung sämtlicher Feinde,

16.449 zur Überwindung vorzeitigen Todes. Herr der Vögel, sei gnädig! Oṃ.“ Nach dieser Bitte an den Vogelkönig streut er die Blumen aus seinen aneinandergelegten Händen aus. [Der Anfang des Verses ist beschädigt.]

16.450 Am Vormittag oder zur Mittagszeit, in einer glückverheißenden Stunde, zieht der Guru die Fahne am Seil empor und vergegenwärtigt sich den darauf gegenwärtigen Vogelkönig.

16.451 Das Seil bindet er rechtsläufig um den Mast. Die Garuḍa-Fahne befestigt er so, dass sie dem Tempel zugewandt ist.

16.452 Auf der Mastspitze kann er zusätzlich eine Bildgestalt des Vogelkönigs anbringen oder darauf verzichten. Dann tritt er vor den Gott der Götter und streut eine Blumengabe aus.

16.453 „Was ich wissentlich oder unwissentlich nicht so ausgeführt habe, wie es vorgeschrieben ist, möge dennoch vollständig werden. Sei stets ganz zufriedengestellt!

16.454 Oṃ! Unwandelbarer, Herr der Welt, Mantra-Gestalt, Janārdana! Beschütze mich, Lotusäugiger. Vergib, Ungeborener; sei gnädig! Oṃ.“ [Die erste Anrede ist in der Vorlage beschädigt.]

16.455 Nachdem er so zum Herrn der Götter gebetet hat, bringt er den allgegenwärtigen Herrn in seiner Prozessionsgestalt in einen anderen Pavillon und vollzieht dort eine besondere Verehrung.

16.456 Er bringt reichlich Speise dar, führt sämtliche Handlungen der Reihe nach bis zum Feueropfer aus und geleitet die Gestalt wieder in den Tempel.

16.457 Auf dem Fahnenunterbau bilde man am Fuß des Mastes einen achtblättrigen Lotus mit vier Einfassungen

16.458 und einer Samenkapsel, sodass der Mast in deren Mitte aufragt. Sämtliche Einfassungen sollen vier Fingerbreiten breit und ebenso hoch sein,

16.459 viereckig, bester Zweimalgeborener. Der Lotus ragt, vom Maß des Mastes abgesehen, sechs Fingerbreiten weit hinaus,

16.460 mit entsprechender Breite, und liegt oberhalb der Einfassungen. Über dem Unterbau errichte man einen Schutzpavillon mit vier Säulen,

16.461 oder mit acht oder sechzehn Säulen, mit vier Torbögen und mit Darbha-Girlanden geschmückt.

16.462 Er sei mit Bannern und anderem verziert, außen mit Vorhängen versehen. Ringsum lasse man dort Lampen ununterbrochen brennen.

16.463 Von diesem Tag bis zum Tag des Blumenopfers vollziehe man an den drei Tagesübergängen besondere Verehrung bis einschließlich des Japa.

16.464 Vom Festbeginn an tue man dies einundzwanzig Tage lang. Die Verehrung darf nicht ausfallen; man führe sie in verdoppeltem Umfang aus. [Der Bezug der Verdoppelung bleibt knapp.]

16.465 Täglich zur Bali-Zeit bringe man auch ihm Bali dar. Wenn die Abenddämmerung eintritt, schmücke man den allgegenwärtigen Herrn in der Prozessionsikone

16.466 auf die rechte Weise und bringe ihn in den Versammlungspavillon. Man setzt ihn auf den Bhadra-Thron und vollzieht mit festlicher Ausstattung wie zuvor

16.467 die Handlungen bis zum Feueropfer. Dann folgt das Schlagen der großen Trommel. Die Bherī stelle man vor dem Herrn auf eine Unterlage aus Getreide.

16.468 Östlich von ihr ordne man die Muschelhörner an, im Südosten die Kāhala-Trompeten, im Süden die Maddala-Trommel und im Südwesten Saiteninstrumente mit Flöten.

16.469 Im Westen stehen Mṛdaṅga und Ḍuḍḍuka; im Nordwesten ordne man Jhallarī und bronzene Becken an.

16.470 Im Norden stehen Paṭaha, kleine Paṭaha und Ḍuḍḍuka; im Nordosten Ḍuḍḍuka, Jhallī und Handglocken.

16.471 Außerhalb dieses Kreises stelle man im Süden die Tempeltänzerinnen für den glückverheißenden Gesang auf; daneben die Mantrasänger, vorzüglicher Brahmane.

16.472 Die Tänzer stehen vorn, die Lobpreiser im Norden. Auch die übrigen Instrumentenkundigen stelle man an ihre jeweiligen Plätze.

16.473 So ordne man alles entsprechend den Möglichkeiten, o Zweimalgeborener. Nach Maßgabe des Vermögens kann man die große Trommel mit einem Tuch umhüllen.

16.474 In der Trommel vergegenwärtige und verehre man den Raum, dessen Gestalt der Klang ist. Rechts neben sie lege man den Schlägel und verehre darin den Wind.

16.475 Dann stelle man den Pāraśava-Trommler vor sich: gebadet, Darbha in der Hand, geschmückt und mit heiliger Schnur und den weiteren Zeichen versehen. Man blicke ihn rituell an,

16.476 besprenge ihn unter dem Waffenmantra und danach mit Arghya-Wasser. Durch ihn lasse man die große Trommel schlagen, begleitet von Gesang und Tanz,

16.477 von Muschelhörnern und den übrigen Instrumenten. Oder der Lehrer schlägt selbst die Trommel, wenn die glückverheißende Stunde gekommen ist.

16.478 Zuerst schlägt er mit dem Schlägel dreimal für die Gottheiten der drei Bereiche und der weiteren Sitze und meditiert dabei über Hayagrīva-Janārdana. [Die Zuordnung der drei Schläge ist knapp formuliert.]

16.479 Danach lässt man den Pāraśava nach der vorgesehenen Weise weiterspielen. Eine Strophe zur Einladung der Gottheiten, in Sanskrit oder Prakrit,

16.480 oder nach Wunsch in einer dravidischen Sprache, lasse man vor dem Herrn erklingen. Zu dieser Zeit zeige man dem Gott der Götter die Tänze der Gottheiten,

16.481 jeweils mit ihren zugehörigen Liedern und weiteren Begleitungen, damit die Gottheiten erfreut werden. Danach geleite man den Herrn der Götter ins Allerheiligste.

16.482 Man nehme ein Droṇa Milchreis in einem Gefäß mit, ferner Arghya, Duft, Girlanden, Räucherwerk und Betel.

16.483 Vom Eingang des Tempels bis zum äußeren Tor und innerhalb sämtlicher Umfassungen bis zum äußersten Prozessionsweg

16.484 bringe man vorschriftsmäßig Bali dar, begleitet von Gesang, Tanz und anderem. Dann betrete man das Dorf und stelle sich an dessen Ostseite auf.

16.485 Dort lädt der Lehrer selbst, sein Sohn oder sein Schüler, nach Osten gewandt und mit kräftiger Stimme, die Gottheiten ein:

16.486 „Kommt herbei, ihr Scharen der Unsterblichen, die ihr in der östlichen Richtung wohnt, von ungewöhnlicher oder schöner Gestalt! Nehmt diese bereitgestellte Verehrung an,

16.487 ihr Gefährten Kumudas, und beschützt uns, nachdem ihr erfreut worden seid. Kommt freudig zu diesem Fest! Euch sei Verehrung!“

16.488 Mit dieser Anrufung lädt er Kumuda samt seinem Gefolge ein. Danach lässt er der Reihe nach Arghya, Salbung, Girlanden und weiteres, Räucherwerk und Wasser,

16.489 Milchreis, nochmals Wasser und Betel darbringen. Anschließend erfreut er sie mit schönen, kräftigen Muschelhornklängen

16.490 sowie mit dem ihnen zugeordneten Rhythmus, Gesang und Tanz. Dann spricht er: „Kommt herbei, ihr Scharen der Unsterblichen, die ihr im Südosten wohnt,

16.491 mit furchterregenden und nicht furchterregenden Gesichtern, ihr Gewaltigen! Nehmt diese bereitgestellte Verehrung an, ihr Gefährten Kumudākṣas, und beschützt uns, nachdem ihr erfreut worden seid.

16.492 Kommt freudig zu diesem Fest! Euch sei Verehrung!“ So lädt er den Scharenherrn Kumudākṣa ein,

16.493 erfreut ihn wie zuvor und begibt sich dann nach Süden: „Kommt herbei, ihr Scharen der Ahnen, die ihr in der südlichen Richtung wohnt,

16.494 von strengem oder mildem Verhalten! Nehmt diese bereitgestellte Verehrung an, ihr Gefährten Puṇḍarīkas, und beschützt uns, nachdem ihr erfreut worden seid.

16.495 Kommt freudig zu diesem Fest! Euch sei Verehrung!“ Mit dieser Anrufung lädt er den Scharenherrn namens Puṇḍarīka ein,

16.496 verehrt ihn der Reihe nach und geht in den Südwesten: „Kommt herbei, ihr Scharen der Yātudhānas, die ihr im Südwesten wohnt,

16.497 Fleischverzehrer von wildem Sinn! Nehmt diese bereitgestellte Verehrung an, ihr Gefährten Vāmanas, und beschützt uns, nachdem ihr erfreut worden seid.

16.498 Kommt freudig zu diesem Fest! Euch sei Verehrung!“ So ruft er den Scharenherrn Vāmana herbei und verehrt ihn der Reihe nach.

16.499 Dann geht er nach Westen und lädt den Scharenherrn Śaṅkukarṇa ein: „Kommt herbei, ihr Schlangen und die übrigen Wesen, die ihr im Westen wohnt,

16.500 giftmächtige, beißende Schlangen! Nehmt diese bereitgestellte Verehrung an, ihr Gefährten Śaṅkukarṇas, und beschützt uns, nachdem ihr erfreut worden seid.

16.501 Kommt freudig zu diesem Fest! Euch sei Verehrung!“ Nach dieser Einladung verehrt er sie wie zuvor und begibt sich in den Nordwesten:

16.502 „Es mögen die Gandharva-Scharen kommen, die im Nordwesten wohnen, schön anzusehen und von gewaltiger Schnelligkeit! Nehmt diese bereitgestellte Verehrung an,

16.503 ihr Gefährten Sarvanetras, und beschützt uns, nachdem ihr erfreut worden seid. Kommt freudig zu diesem Fest! Euch sei Verehrung!“

16.504 Mit dieser Anrufung lädt er Sarvanetra samt seinem Gefolge ein und erfreut ihn. Dann geht er nach Norden, um den Scharenherrn Sumukha einzuladen:

16.505 „Kommt herbei, ihr Yakṣa-Scharen, die ihr im Norden wohnt, von ungewöhnlicher Gestalt und mit Stäben in den Händen! Nehmt diese bereitgestellte Verehrung an,

16.506 ihr Gefährten Sumukhas, und beschützt uns, nachdem ihr erfreut worden seid. Kommt freudig zu diesem Fest! Euch sei Verehrung!“

16.507 Mit dieser Anrufung lädt er sie ein und erfreut sie auf die zuvor beschriebene Weise. Dann geht er in den Nordosten zum Scharenherrn Supratiṣṭha:

16.508 „Es mögen die Piśāca-Scharen kommen, die im Nordosten wohnen und Speerwaffen in den Händen halten! Nehmt diese bereitgestellte Verehrung an,

16.509 ihr Gefährten Supratiṣṭhas, und beschützt uns, nachdem ihr erfreut worden seid. Kommt freudig zu diesem Fest! Euch sei Verehrung!“

16.510 Nachdem er sie mit dieser Anrufung eingeladen und verehrt hat, geht er in die Dorfmitte. Dort lädt er in der oberen Richtung den Scharenherrn Pṛśnigarbha ein:

16.511 „Kommt herbei, ihr Siddha-Scharen, die ihr im Himmel wohnt, rein und von reinem Sinn! Nehmt diese bereitgestellte Verehrung an,

16.512 ihr Gefährten Pṛśnigarbhas, und beschützt uns, nachdem ihr erfreut worden seid. Kommt freudig zu diesem Fest! Euch sei Verehrung!“

16.513 Nach ihrer Einladung und Erfreuung ruft er Mānavā in der unteren Richtung an: „Kommt herbei, ihr unteren Scharen, die ihr auf der Erde wohnt,

16.514 von vielerlei Gestalt und vielfältigem Wissen! Nehmt diese bereitgestellte Verehrung an, ihr Gefährten Mānavas, und beschützt uns, nachdem ihr erfreut worden seid.

16.515 Kommt freudig zu diesem Fest! Euch sei Verehrung!“ Nach der Einladung erfreut er sie wie zuvor durch sämtliche Darbringungen bis zum Tanz.

16.516 Zur Befriedigung aller Wesen streut er anschließend den Rest der Bali-Gabe aus. Bei der Bali-Darbringung vom Osten bis einschließlich Süden

16.517 steht der Lehrer nach Osten gewandt und vollzieht die Einladung und das Weitere. In den drei Richtungen vom Südwesten an verfährt er nach Norden gewandt ebenso.

16.518 Im Norden, Nordosten und in der Dorfmitte ist er nach Osten gewandt. Die Rhythmen heißen Samatāla, Baddhatāla, Bhṛṅgiṇī,

16.519 Mallatāla, Maṅgala, Jayatāla, Bhadraka, Ḍhakkarī und Brahmatāla,

16.520 schließlich Anantatāla. Diese zehn Rhythmen sind den zehn Scharenherren mit Kumuda an der Spitze der Reihe nach zugeordnet, o Zweimalgeborener.

16.521 Die Töne sind Ṣaḍja, Ṛṣabha, Gāndhāra, Madhyama, Pañcama, Dhaivata, Niṣāda, wiederum Dhaivata und Madhyama,

16.522 schließlich Pañcama: Das sind die zehn zugeordneten Töne. Die Rāgas heißen Gāndhāra, Kaulaya, Kaiśika, Naṭṭabhāṣika,

16.523 Śrīkāmada, Tatkeśī, Dakṣa, Cola, Pāṇya und zuletzt Medha. [Einige dieser überlieferten Musiknamen sind in ihrer Lesung unsicher.]

16.524 Dies sind die zehn Rāgas für Kumuda und die übrigen. Die Tanzformen heißen Vilāsa, Sarvatobhadra, Kheṭaka, Cakramaṇḍala,

16.525 Kāntārakuṭṭima, Pṛṣṭhakuṭṭima, Kaṭibandhana und Vāmajānūdhvanatta; danach folgen nochmals die beiden zuerst genannten. [Die letzte Tanzbezeichnung ist beschädigt.]

16.526 Diese besonderen Tänze gelten der Reihe nach für Kumuda und die übrigen. So sind Rhythmen und weitere musikalische Formen den Gottheiten der Umfassungen zugeordnet.

16.527 Für sämtliche anderen Gottheiten wird der Bhadraka-Rhythmus empfohlen. Für den Vogelkönig ist der Gāruḍa-Rhythmus vorgesehen, dazu der Ton Madhyama,

16.528 der Rāga Goḍa und der Tanz Viṣṇukāntaka. Für den Beseitiger der Hindernisse gelten der Jayatāla und der als Svastika bezeichnete Tanz,

16.529 der Ton Ṛṣabha und der Rāga Varāṭī. Die Einladung der Gottheiten leite man durch das Schlagen der großen Trommel ein.

16.530 Zwischen den einzelnen Himmelsrichtungen lasse man den Gāruḍa-Rhythmus erklingen. Zu dieser Zeit soll der leitende Lehrer selbst durch eine Sanskritstrophe

16.531 auch die übrigen Götterscharen, mit dem Viergesichtigen an der Spitze, zur Teilnahme am Fest der Gottheit einladen, ebenso die weiteren Scharen des erhabenen Herrn

16.532 und die übrigen ihm ergebenen Wesen, die in seiner Wohnstatt leben. Oder Brahmanen, die vom Guru dazu ermächtigt und von Hingabe an den Herrn erfüllt sind,

16.533 laden sie mit einer heiligen Strophe ein, o Zweimalgeborener. Nach diesem Umzug durch das Dorf betritt man wieder den Tempel,

16.534 begibt sich zum Platz Garuḍas und erfreut den Vogelkönig auf der Fahne durch die zugeordneten Rhythmen und weiteren Darbringungen; danach erfreut man Viṣvaksena.

16.535 Die Menschen, die gesammelt die Einladung der Gottheiten sehen möchten und den Klang der großen Trommel hören,

16.536 sollen diesen Ort bis zum Abschluss des Tages der heiligen Badeprozession nicht verlassen. Gehen sie aus Verblendung fort, so werden sie nach der Drohung des Textes krank.

16.537 Sie sollen keinen Fluss überqueren und nicht weiter als ein Yojana reisen. Sind sie dennoch fortgegangen, sollen sie zurückkehren, Garuḍa verehren

16.538 und an der heiligen Badeprozession teilnehmen; dann werden sie nach der Verheißung wieder frei von Krankheit. Nach diesem Aufrichten der Fahne soll der Guru gesammelt

16.539 vom Beginn der Prozession an zwölf Tage lang eine Gelübdeobservanz halten, der Reihe nach mit den zwölf Mantras der Gottheiten mit Keśava an der Spitze.

16.540 Nach Bad, Verehrung und den weiteren Handlungen trinkt er das mit Kuśa-Wasser vermischte Wasser von den Füßen der Gottheit und wiederholt das zwölfsilbige Mantra.

16.541 Zuerst nehme er geweihte Speise zu sich und halte die Vorschrift ein, nur nachts zu essen, o Zweimalgeborener. Er wiederhole die zwölf Namen der Reihe nach und vergegenwärtige sich den jeweils Bezeichneten.

16.542 Vom Tag der Keimaussaat bis zum Tag des Fahnenhissens halte er an sechs Tagen täglich eine entsprechende Observanz, vorzüglicher Brahmane.

16.543 Am Tag der Aussaat verwendet er das zwölfsilbige Mantra, am zweiten das Mantra des vierten Bewusstseinszustands, am nächsten die Mantras des Tiefschlafzustands,

16.544 am vierten die Mantras des Traumzustands, am fünften die des Wachzustands und danach die Mantras der Gestalten, aus denen Keśava und die übrigen hervorgehen.

16.545 Vom Festbeginn bis zum Abschluss des Tages der heiligen Badeprozession halte er neun Tage lang eine Observanz mit den Mantras der neun Gestalten.

16.546 Oder er verwende bei sämtlichen Observanzen allein das zwölfsilbige Mantra, von dem für die Fahnenvorbereitung bestimmten Aussaattermin bis zum Abschluss des heiligen Badetages.

16.547 So soll der Lehrer seine Aufgaben unter Einhaltung des Gelübdes erfüllen. Zu Beginn fasst er den Entschluss zum Fest, verbunden mit dem vorausgehenden Gelübdeentschluss.

16.548 Der vortreffliche Lehrer, der für das Fahnenritual die Keimlinge aussät, soll selbst alle Handlungen bis zum Einholen der Fahne vollziehen.

16.549 Kein anderer soll es tun, selbst wenn er kundig ist; sonst droht dem Handelnden nach dem Text Verderben. Ist der Lehrer gestorben oder erkrankt, oder hat man seine Erlaubnis erhalten,

16.550 oder ist seine Ausübung durch Versäumnis der täglichen Pflichten, durch den Verlust der Ehefrau oder ähnliche Umstände beeinträchtigt, so soll nach vorschriftsmäßigem Einholen der Erlaubnis des Gurus

16.551 sein Sohn, sein Schüler oder auch ein anderer, etwa sein Bruder, gesammelt den Rest vollenden, nachdem die erforderliche Sühnehandlung vorausgegangen ist. [Bei Tod des Lehrers bleibt die Form der einzuholenden Erlaubnis unbestimmt.]

Spirituelle Erläuterung: Das Fest wird zu Beginn als Überwindung des Leidens gedeutet. Keimlinge, Licht, Klang und die Einladung der Wesen lassen die Verehrung über den Tempelraum hinausreichen. Besonders eindringlich ist das Gebet in 16.338–340: Die Ausführenden bekennen ihre begrenzte Fähigkeit und bitten um den gnädigen Blick, der Unvollkommenes ergänzt. Für die persönliche Sadhana verbindet sich darin gewissenhafte Vorbereitung mit Bescheidenheit und Vertrauen in die göttliche Gegenwart.

Kapitel 17

Eingang. Glück und Segen! Siebzehntes Kapitel.

17.1 Śāṇḍilya sprach: Nun werde ich die Durchführung des Festes erklären; höre, vortrefflicher Weiser. Am fünften Tag vor dem Festbeginn

17.2 vollziehe man die Aussaat der Keimlinge nach der zuvor genannten Vorschrift. Dann richte man das Opferhaus wie zuvor ein und schmücke es.

17.3 Der Guru als leitender Lehrer wähle vier Lehrer aus, oder acht oder zwölf: bescheiden, beherrscht und rein,

17.4 geschickt in der Ausführung der jeweiligen Handlungen und kundig in den Schriften. Mit Turbanen, Obergewändern und Duftstoffen

17.5 soll der Auftraggeber sie alle sorgfältig ausstatten. Einige erhalten vom Guru den Auftrag, Krug und Maṇḍala zu verehren,

17.6 andere bringen Bali dar, wieder andere verehren den allgegenwärtigen Herrn in der Bildgestalt, jeder entsprechend seiner Aufgabe. Oder der Hauptlehrer vollzieht alles selbst.

17.7 Auch Übende wähle er aus, mit Oberkleidern und weiterem Zubehör ausgestattet, bescheiden und mit anderen Tugenden versehen, geschickt und in der rechten Ordnung bewandert.

17.8 Am Abend vor Festbeginn tritt der leitende Lehrer nach Erfüllung seiner täglichen Pflichten in den Tempel ein.

17.9 Er verehrt die Gottheit in der Hauptikone mit Arghya und den weiteren Gaben, legt seine Hände an ihre Füße und trägt ihr diese Bitte vor:

17.10 „Erhabener, Lotusäugiger! Für das große Fest werde ich das Kautuka-Ritual vollziehen. Herr der Götter, sei diesem Vorhaben gnädig!“

17.11 Nach dieser Bitte ruft er den Herrn der Götter in die Festikone, verehrt ihn mit Arghya, Duft und anderem und schmückt ihn besonders mit vielfältigen reinen Gewändern,

17.12 mit Schmuck und himmlischen Düften. Dann setzt er ihn auf einen goldenen Tragsitz, begleitet von Muschelhörnern, großen Trommeln und weiteren Instrumenten,

17.13 von Schirmen und anderen Ehrenzeichen, und bringt ihn rechtsläufig in den Versammlungspavillon. Dort setzt er ihn auf einen goldenen Bhadra-Thron,

17.14 der oben mit einem Perlenbaldachin und anderen Zierden geschmückt und mit sämtlichem Zubehör versehen ist, wie es die Vorschrift verlangt.

17.15 Er verehrt den Herrn der Welt, bringt ihm reichlich Speise dar und vollendet die Handlungen bis zur sättigenden Darbringung. Dann führt er ihn wieder in den Tempel.

17.16 Anschließend beschaffe man ein Gefäß aus Gold oder Silber. Es werde mit einem Bhāra geschältem Reis gut gefüllt und geehrt, o Brahmane,

17.17 oder mit einem halben, einem Viertel, einem Sechstel oder einem Achtel davon. Darüber lege man eine Schnur aus Gold, Leinen, Baumwolle

17.18 oder Seide, aus fünf, vier oder sieben Fäden hergestellt, zusammen mit Betel. Dieses Gefäß stelle man

17.19 im Pavillon vor dem Allerheiligsten auf eine Unterlage aus einem Bhāra Reis oder einem halben. Auf eine ebenso aus Reis gebildete Unterlage

17.20 stelle man ein anderes Gefäß mit Kuchen. Beide verehre man mit Arghya und den weiteren Gaben und bedecke sie sorgfältig mit Tüchern.

17.21 Der Lehrer lässt die beiden Gefäße auf die Köpfe zweier Eingeweihter setzen oder stellt sie, entsprechend den Mitteln, auf einen Tragsitz oder ein anderes Fahrzeug.

17.22 Gemeinsam mit den beiden Gefäßen zieht man unter Tanz, Gesang und weiterer Begleitung rechtsläufig durch sämtliche Tempelumfassungen,

17.23 oder viermal durch eine einzige, oder einmal rechtsläufig um das Dorf oder den entsprechenden Ort. Dann tritt man in den Haupttempel ein.

17.24 Oder man setzt Viṣvaksena zusammen mit Sudarśana, den Vogelkönig oder Hanumān gemeinsam mit Vibhīṣaṇa

17.25 auf einen Tragsitz und führt sie nach Wunsch herum. Danach betritt man das Allerheiligste und stellt vor dem Gott der Götter

17.26 die beiden Gefäße auf einen Untersatz. Mit dem zwölfsilbigen Mantra verehrt man sie durch Arghya, Duft und die weiteren Gaben.

17.27 Nach der Verkündigung des heiligen Tages und der Verehrung der Gottheit mit Arghya und anderem bindet man zuerst dem Gott der Götter in der Hauptikone

17.28 die Kautuka-Schutzschnur aus Gold- oder Seidenfäden um. Eine goldene Schnur nimmt man, bestreicht sie mit Duftpaste und bindet sie

17.29 unter dem Jitantā-Mantra an die rechte Hand der Gottheit in der Prozessionsikone, begleitet von Muschelhörnern, Gesang und anderem.

17.30 Man berührt die Schnur mit der rechten Hand und wiederholt das Waffenmantra hundertmal. An der linken Hand Śrīs befestigt man eine Kautuka-Schnur aus Seide,

17.31 während man das Śrī-Sūkta oder ihr eigenes Mantra spricht, bester Zweimalgeborener. An die linke Hand Puṣṭis bindet man eine Leinenschnur.

17.32 Die Badeikone erhält eine Kautuka-Schnur aus Seide. Der leitende Lehrer bindet sodann an seine eigene rechte Hand

17.33 unter dem zwölfsilbigen Mantra eine Baumwollschnur. Danach verehrt er die Gottheit mit Arghya und den übrigen Gaben und bringt Kuchen dar.

17.34 Zur Befriedung aller Fehler zeigt er Spiegel und weitere glückverheißende Gegenstände. Was hier nicht ausdrücklich genannt ist, führt er wie zuvor aus.

17.35 Nach diesem Anlegen der Kautuka-Schnur an den Gott der Götter bringt man die Gottheit in den vorn gelegenen Pavillon.

17.36 Dort verehrt man sie nach der früher angegebenen Reihenfolge bis zur Darbringung des eigenen Selbst. Dann setzt man sie auf den Badesitz

17.37 und verehrt sie wie zuvor mit sämtlichen für das Bad vorgesehenen Gaben. Anschließend bringt man sie auf den Schmuckthron und verehrt sie der Reihe nach.

17.38 Mit Speisegaben, Madhuparka und vielfältigen angenehmen Darbringungen verehrt man sie wie zuvor und preist danach den höchsten Puruṣa mit Hymnen.

17.39 Dann schmückt man ihn mit verschiedenartigem Goldschmuck, von der Krone bis zu den Fußspangen, mit echten Edelsteinen besetzt, und mit Perlenschmuck, o Zweimalgeborener.

17.40 Man vollzieht Verneigungen und rechtsläufige Umrundungen. Darauf bereitet man das Lager so, wie es für die Einsetzung beschrieben wurde.

17.41 Die Bildgestalt legt man auf dieses reine Lager. An seinen Ecken stellt man Lampen sowie Pflanzgefäße mit Keimlingen auf.

17.42 Mit Instrumentenklang, Vedenrezitation und Hymnen preist man den Überwinder Madhus und verbringt die Nacht wachend. Danach bringt man die Festikone

17.43 bei Tagesanbruch in das Allerheiligste zurück. Der Lehrer vollzieht nach seinem Bad die regelmäßigen Pflichten wie zuvor.

17.44 Sämtliche Hilfsmittel lässt er in den Opferpavillon bringen. Am Vormittag, nachdem etwa eine Nachtwachenlänge vergangen ist,

17.45 betritt der Lehrer selbst, begleitet von den anderen Lehrern, den Übenden und dem Auftraggeber, zur glückverheißenden Stunde das Haus des erhabenen Herrn.

17.46 Er stellt sich vor den Gott der Götter und spricht: „Sei gnädig, Herr der Götter! Ich vollziehe dieses Fest.

17.47 Von jetzt an bis zum Abschluss des Tages des Blumenopfers werde ich Handlungen ausführen, um dich zu erfreuen, Herr der Welt.

17.48 Nimm sie alle als dir gehörig an und sei mir aus Erbarmen gnädig! Oṃ.“ Nach dieser Bitte verehrt er den allgegenwärtigen Herrn der Götter in der Hauptikone

17.49 mit Arghya, Duft und den weiteren Gaben, ebenso den Herrn der Welt in der Prozessionsikone, und bringt ihm die Sandalen dar.

17.50 Unter Vedenrezitation, der Verkündigung des heiligen Tages, glückverheißenden Klängen, wiederholten Siegesrufen, Muschelhörnern und Kāhala-Trompeten,

17.51 begleitet von großen Trommeln, Paṭahas, weiteren Instrumenten, Tanz und Gesang sowie von ausgestreutem Puffreis, der mit Blumen vermischt ist,

17.52 bringen die Hüter der Gestalten den Herrn der Götter hinaus. Man richtet ihn nach Osten aus und zeigt ihm die versammelten Menschen,

17.53 die gekommen sind, um das Fest zu sehen, und die vielfältigen Prozessionsgeräte, insbesondere Schirme, Yakschweifwedel und die übrigen Ehrenzeichen.

17.54 Man setzt den Herrn der Götter auf einen Tragsitz mit goldenem Strahlenkranz, verehrt ihn mit Arghya und den weiteren Gaben und bringt Reisflocken dar.

17.55 Brahmanen tragen den Sitz und meditieren dabei über den Vogelkönig. Von der ersten Umfassung bis zum äußeren Prozessionsweg

17.56 vollzieht man den Umzug rechtsläufig. Brahmanen in Obergewändern und Turbanen tragen dabei

17.57 die schönen Häupterschirme, Sonnenschirme und Pfauenfederfächer, mit goldenen Stielen versehene Palmblattfächer und entsprechende weitere Geräte,

17.58 verschiedenartige seidene Ehrenzeichen, weiße und dunkle Yakschweifwedel, vielfältige Bannerstangen mit Siegesgirlanden,

17.59 schlichte edelsteinbesetzte Stäbe und andere glückverheißende Gegenstände. Verschiedene Gruppen von Lobpreisern begleiten den Zug, ebenso Vīṇā- und Flötenklänge,

17.60 goldene Hörner und andere glückverheißende Töne. Tempeltänzerinnen und Dienerinnen der Gottheit sowie die Stadtbevölkerung ziehen mit,

17.61 Brahmanen in Obergewändern und Turbanen mit Rohrstäben in den Händen und weitere dem Herrn ergebene Brahmanen, Kṣatriyas und Menschen anderer Stände,

17.62 zusammen mit allerlei königlichen Ehrenzeichen und weiterem Zubehör. So geleitet man den Herrn der Götter in den Versammlungspavillon.

17.63 Man setzt den Herrn der Welten auf einen goldenen Thron und bringt der Reihe nach Arghya, Fußwaschwasser, Mundspülwasser, Duft, Girlanden und Räucherwerk dar,

17.64 klares Ehrungswasser, Kuchen, Reisflocken, eine erfrischende Gabe, Kokossaft und nochmals Mundspülwasser,

17.65 ferner Betel mit Zutaten zur Erfrischung des Mundes. Danach zeigt man dem Gott der Götter die weiteren Gaben.

17.66 Aus diesem Pavillon bringt man ihn in den Opferpavillon und setzt den Herrn der Götter dort auf einen goldenen Bhadra-Thron.

17.67 Zu diesem Zeitpunkt nimmt man sämtlichen Schmuck und das übrige Zubehör ab und setzt den allgegenwärtigen Herrn auf den mit einem neuen Tuch bedeckten Badesitz.

17.68 Dann beginnt man die grundlegende Verehrung für die vorbereitende Weihe der Prozession. Man nimmt auf einem reinen Sitz nahe dem Aufstellungsplatz des Kruges Platz,

17.69 vollzieht vorschriftsmäßig alle Handlungen von der Reinigung der Hände an und verehrt den allgegenwärtigen Herrn samt seiner Waffe wie zuvor im Krug mit der zugehörigen Wasserkanne.

17.70 Die Aufstellung und Verehrung der Torbögen und der übrigen Einrichtungen erfolgt wie zuvor. Gesammelt verehrt man Kumuda und die anderen Hüter.

17.71 Zwischen den beiden mit Kumuda beginnenden Hütern verehrt man Garuḍa; zwischen den mit Puṇḍarīka beginnenden stellt man die Wurfscheibe auf und verehrt sie.

17.72 Muschelhorn, Wurfscheibe, Lakṣmī, Krug, Śrīvatsa-Zeichen, Spiegel, Svastika und ein Fischpaar bilden die acht glückverheißenden Zeichen.

17.73 Diese ordne man der Reihe nach nahe Kumuda und den übrigen Hütern an, entsprechend den Mitteln, jeweils auf einer mit Tuch bedeckten Getreideunterlage,

17.74 die aus einem oder zwei Bhāras Reis besteht und zusätzlich mit geschältem Reis und Sesam versehen und von einem Tuch bedeckt ist.

17.75 Bei der Aufstellung der acht glückverheißenden Zeichen verfahre man überall so. Dann ruft man wie zuvor den Herrn des Mantras in die Bodenzeichnung und verehrt ihn.

17.76 Von den zuvor beschriebenen Waschungen wähle man aus der ersten Neunergruppe die höchste unter den geringeren Ausführungen, o Zweimalgeborener. [Der Wortlaut ist beschädigt; die Rangbezeichnung ist erkennbar.]

17.77 Diese bereite man östlich vom Maṇḍala vor. Anschließend tritt man vor die Bildgestalt und beginnt ihre Verehrung nach der genannten Vorschrift.

17.78 Alle Handlungen führt man der Reihe nach bis zur Darbringung des eigenen Selbst aus, lässt den heiligen Tag verkünden und legt die Kautuka-Schutzschnur an.

17.79 Man verehrt mit den Gaben für den Badesitz bis zur Āmalaka-Darbringung, vollzieht vorschriftsmäßig die Waschung und reicht das Tuch zum Trocknen des Hauptes sowie die weiteren Gegenstände.

17.80 Dann bringt man die Gottheit auf die Ostseite des Maṇḍalas und verehrt dort den allgegenwärtigen Herrn über alles auf einem goldenen Thron

17.81 mit den höchst reinigenden Gaben für den Schmuckthron und die folgenden Sitze. Reichliche Speise bringt man ihm in der vorgesehenen Reihenfolge dar.

17.82 Nachdem alle Handlungen bis zur Verteilung an die Brahmanen vollendet sind, begibt man sich zur Feuergrube und führt dort alles aus, beginnend mit den vorbereitenden Weihen

17.83 bis zur vollen Schlussgabe. Dann tritt man vor die Bildgestalt, bringt ihr das Feueropfer dar und verehrt sie mit geklärter Butter und den weiteren Gaben.

17.84 Man teilt den Anteil für die Ahnen ab, bringt Bali der Reihe nach dar und verehrt Viṣvaksena samt seinem Gefolge. Danach bringt man den Herrn der Welt

17.85 von dort in den Versammlungspavillon und setzt ihn auf den Thron. Wenn der Nachmittag gekommen ist, sammelt man, o Zweimalgeborener,

17.86 wie zuvor Erde und die übrigen Materialien, umrundet das Dorf rechtsläufig und vollzieht die Keimaussaat nach der früher genannten Vorschrift.

17.87 Zu dieser Zeit verehrt man den Gott der Götter vorschriftsmäßig entsprechend den verfügbaren Mitteln und bringt reichlich Speise dar.

17.88 Verehrt man ihn in der früheren, inzwischen ascheähnlichen Bodenzeichnung, bleibt dies ohne Frucht. Man vereinigt seine Gegenwart daher mit der im Krug und erneuert danach das Maṇḍala

17.89 mit reinen Farben, Weiß und den übrigen. Dann widmet man dem Herrn im Krug die entsprechende Verehrung und verehrt den Herrn der Götter im Maṇḍala. [Der Übergang zwischen Krug und Maṇḍala ist sprachlich unklar.]

17.90 Nach dem vorgeschriebenen Verfahren tritt man vor die Bildgestalt und verehrt die Gottheit dort mit großer Festlichkeit.

17.91 Anschließend bringt man ihr im Feuer die vorgeschriebene Sättigung dar, tritt vor das Bild und widmet ihm das Feueropfer.

17.92 Alle Handlungen bis zur Verteilung der Anteile führt man der Reihe nach aus. Erlauben es die Mittel, verehrt man den allgegenwärtigen Herrn nochmals,

17.93 wiederum mit sämtlichen Handlungen bis zum Feueropfer. Dann bringt man den Herrn der Götter aus dem Versammlungspavillon in den Eingangspavillon des Tempels.

17.94 Man setzt ihn nach Osten gewandt auf einen goldenen Bhadra-Thron und bindet ihm für die Prozession die Kautuka-Schutzschnur um.

17.95 Die Bali-Stoffe, beginnend mit der gekochten Opfergabe Caru, nimmt man und opfert von jedem zweiundzwanzig Gaben unter dem Wurzelmantra ins Feuer.

17.96 Bei jedem Opfer meditiert man über die Gottheit, die der betreffenden Nacht vorsteht. Die erste Nacht steht unter Vāsudeva,

17.97 die zweite unter Saṃkarṣaṇa, die dritte unter Pradyumna und die nächste unter Aniruddha.

17.98 Die fünfte Nacht steht unter Nārāyaṇa; die sechste wird als Hayagrīva zugehörig bezeichnet.

17.99 Die siebte gehört Viṣṇu, die nächste Narasiṃha; die neunte Nacht steht unter Varāha, bester Zweimalgeborener.

17.100 Ein eintägiges Fest steht unter Vāsudeva; ein dreitägiges unter den Gottheiten von Vāsudeva bis Pradyumna.

17.101 Ein fünftägiges Fest steht unter den fünf Gestalten mit Vāsudeva an der Spitze, ein siebentägiges unter den sieben mit Vāsudeva beginnenden Gestalten.

17.102 Ein zwölftägiges Fest steht unter Keśava und den übrigen, o Brahmane. Alle Feste von fünfzehn Tagen an stehen unter Vāsudeva.

17.103 In der ersten Nacht bringe man nach der Bali-Vorschrift eine Gabe aus Sesambrei, Kurkumapulver, Puffreis, Dickmilch und geröstetem Mehl dar.

17.104 Mit diesen Stoffen kann man an allen Tagen Bali darbringen. Oder man verwende in der zweiten Nacht Sesam und Reis,

17.105 in der dritten geröstetes Getreide sowie die als Ambikā und Lāja bezeichneten Zubereitungen. In der vierten Nacht bringe der vortreffliche Lehrer Bali dar

17.106 aus einer Mischung von Kokosnuss, Milch, geröstetem Mehl und Reismehl. Am fünften Tag verwende man Lotussamen mit ungebrochenen Reiskörnern.

17.107 In der sechsten Nacht bringe man Kuchen zusammen mit Caru dar. Oder man bringe in jeder Nacht die jeweils genannten Stoffe zusammen mit Caru dar,

17.108 bester Zweimalgeborener. In der siebten Nacht verwende man mit Rohzucker gekochten Reis, in der achten Milchreis,

17.109 in der neunten Kṛsara, ein Reis-Hülsenfrucht-Gericht. Bei einem zwölftägigen Fest verwende man am zehnten Tag Reis mit schwarzen Bohnen,

17.110 oder schlichten gekochten Reis, am nächsten Tag Reis mit Mungbohnen. Am zwölften Tag bringe man alle Bali-Arten dar oder reinen gekochten Śāli-Reis,

17.111 dazu Milch, Dickmilch und geklärte Butter sowie Rohzuckerstücke. Für die darüber hinausgehenden Tage verwende man überall schlichten Reis oder Milchreis.

17.112 Bei den vier kurzen Festformen, beginnend mit dem eintägigen, gelten die für den jeweiligen Tag genannten Gaben. Von jedem Bali-Stoff nehme man ein Āḍhaka,

17.113 oder die Hälfte oder ein Viertel, entsprechend den Mitteln, bester Zweimalgeborener. Nachdem man diese Stoffe ins Feuer geopfert hat, schmücke man besonders

17.114 die Gottheit in der Prozessionsikone mit bunten Gewändern, verschiedenartigem Schmuck und mannigfaltigen Girlanden.

17.115 Wenn die glückverheißende Stunde gekommen ist, bringe man einen mit allen Segenszeichen ausgestatteten Wagen, einen Elefanten oder einen Garuḍa-Tragsitz herbei,

17.116 versehen mit einem goldenen, blumengeschmückten Strahlenkranz, mit Blumen und anderem verziert und von einem goldenen oder mit Pfauenfedern gestalteten Baldachin überdacht.

17.117 Man besprenge das Fahrzeug, meditiere darüber als Garuḍa-Gestalt und verehre es mit dessen Mantra durch Arghya und die weiteren Gaben.

17.118 Unter der Verkündigung des heiligen Tages, begleitet von Vedenrezitation, Muschelhörnern und weiteren Instrumenten, setzt man rechtsläufig

17.119 den allgegenwärtigen Herrn in seiner Prozessionsgestalt auf dieses Fahrzeug. Für die Prozession bringt man ihm dort Arghya, Fußwaschwasser,

17.120 Mundspülwasser, Duft und Girlanden, Licht und Räucherwerk, Ehrungswasser, Madhuparka und verschiedene Speisegaben dar,

17.121 Reisflocken und anderes, süßes Getränk, eine erfrischende Gabe, Mundspülwasser und Betel. Danach vollzieht man vorschriftsmäßig Japa.

17.122 Man sättige ihn durch das Feueropfer. Je nach dem zeitlichen Ablauf kann man auch erst jetzt sämtliche Bali-Stoffe ins Feuer opfern.

17.123 Höre nun die Besonderheiten des Wagenumzugs. Den Wagen schmücke man mit perlengeschmückten Überdachungen und Baldachinen, mit goldenen Blütenbüscheln,

17.124 Perlenschnüren und bunten Blumengirlanden, besonders mit einem goldenen Baldachin und einem Strahlenkranz,

17.125 mit einem goldenen Bhadra-Thron in der Mitte sowie mit mannigfaltigen schönen Fahnen und Bannern ringsum.

17.126 Auch ein Garuḍa-Banner schmücke den Wagen. Darauf setzt man die Gottheit und verehrt sie auf die zuvor beschriebene Weise.

17.127 Lehrer und Übende stehen auf der oberen Plattform des Wagens. Auf der Ebene darunter stellt man hinten die Schirmträger auf.

17.128 An ihren Seiten stehen die beiden Träger der Pfauenfederschirme, im Süden und Norden; vorn stehen die beiden Träger der Yakschweifwedel.

17.129 Der Wagenlenker steht auf dieser Ebene vorn in der Mitte. Dann begleitet man den Zug mit Garuḍa und den übrigen Gestalten oder mit der Wurfscheibe und Garuḍa,

17.130 ferner mit den acht Segenszeichen, die eingeweihte Brahmanen tragen, mit Arghya, Duft und den übrigen Gaben sowie mit Glockenklang,

17.131 Muschelhörnern, großen Trommeln und anderen Instrumenten, einem Schirm und Lichtträgern. Der Lehrer oder ein Übender bringt vorschriftsmäßig Bali dar,

17.132 vom Tempeltor bis zur Dorfmitte. Beginnend mit der ersten Umfassung führt man den Wagen der Gottheit durch sämtliche Umfassungen,

17.133 rechtsläufig bis zum äußeren Prozessionsweg. Danach führt man ihn weiter herum, o Zweimalgeborener,

17.134 im Dorf, in der Stadt oder in einer Handelsstadt, hochgesinnter Weiser. Ist ein großer Wagen vorgesehen, benutzt man innerhalb des Tempelbezirks einen anderen Tragsitz,

17.135 setzt den Herrn der Götter nach diesem inneren Umzug auf den großen Wagen und fährt mit ihm durch die Dorfstraßen.

17.136 Die Bali-Darbringenden gehen der Gottheit mit Abstand voraus, hinter ihnen die Bannerträger, dann die Träger der Muschelhörner und Kāhala-Trompeten,

17.137 die Spieler der großen Trommeln, Paṭahas und weiteren Instrumente. Dahinter folgen Sänger und Gruppen von Lobpreisern,

17.138 festlich gekleidete Verehrer des Herrn, Tempeltänzerinnen und Dienerinnen; hinter ihnen die Träger roter Stäbe.

17.139 Andere tragen verschiedene Gegenstände für das göttliche Spiel sowie Sandalen und weiteres Zubehör. An den Seiten der Gottheit,

17.140 vor und hinter ihr gehen Träger der Yakschweifwedel; Brahmanen tragen verschiedene Sonnenschirme und Palmblattfächer.

17.141 Rechts von der Gottheit ordne man Ekāyana-Brahmanen an, die die mit dem Beginn der rituellen Handlung einsetzenden Texte rezitieren.

17.142 Die Rezitatoren des Ṛgveda, Sāmaveda und der übrigen Veden stehen links oder hinten. Dahinter gehen die Träger sorgfältig gereinigter Räuchergefäße.

17.143 Der Lehrer selbst schreite vorn und vergegenwärtige sich die göttliche Waffe, um Hindernisse zu beseitigen. Viele hundert hell leuchtende Lampen

17.144 tragen Menschen auf beiden Seiten der Gottheit in Reihen, die bis zu den Bali-Trägern reichen, o Brahmane.

17.145 Andere Verehrer gehen nahe bei der Gottheit und tragen sämtliche königlichen Ehrenzeichen. Brahmanen, Kṣatriyas,

17.146 Vaiśyas und Śūdras sowie Menschen in allen vier Lebensstadien, Kundige der verschiedenen Schriften und solche, deren Herz vom Herrn erfüllt ist,

17.147 sollen ihm von allen Seiten dienen und dabei den höchsten allgegenwärtigen Herrn schauen. In den Haupt- und Zwischenrichtungen des Dorfes, vom Osten an,

17.148 und in seiner Mitte bringe man Kumuda und den übrigen samt ihrem Gefolge der Reihe nach Bali dar, auf den schon zuvor errichteten Opferpodesten.

17.149 Höre nun der Reihe nach die Namen der Gefolgschaften Kumudas und der übrigen: Utkaṭa, Prakaṭa, Unmukha und Vimukha,

17.150 Aśvagrīva, Aśvavadana, Aśvajihva, Hastivaktra, Kumuda, Hastipāda und Keśava,

17.151 Vāmana, Naraka, Nara, Mardana, Mandadṛṣṭi, Kantu und Kantukalocana,

17.152 Paṭahākṣa, Viśālākṣa, Kṣāmaka, Kṣamaka, Pāṇḍara, Pāṇḍupṛṣṭha, Durdina und Sudina,

17.153 Vāmadeva, Mahādeva, Mahāgni, Madhusūdana, Kanaka, Kālaka, Bhāvana und Bhavana,

17.154 Bhānumān, Bhānuvega, Bhāskara, Abhāskara, Viśvasena, Visena, Viṣvaksena und Visāraṇa,

17.155 Vistāra, Nistara, Vidaṇḍī, Daṇḍa, Kāmada, Kāmuka, Kāmabhṛt und Kāmanāśana.

17.156 Diese fünfzig Gefolgswesen bewohnen die östliche Richtung. Sie werden als die Diener bezeichnet, die Kumuda unterstehen. [Die überlieferte Namensliste ergibt nicht eindeutig die angekündigte Zahl.]

17.157 Jedem folgen wiederum hundert Hauswesen. Diesen, mit Kumuda an der Spitze, bringe man Bali der Reihe nach dar.

17.158 Auf den seitlich angelegten Kreisen bringe man ebenso den Hauswesen Bali dar. Diese Gottheiten und Hauswesen empfangen den Bali-Anteil im Osten. [Die Lesarten „Hauswesen“ und „ergreifende Wesen“ schwanken im überlieferten Text.]

17.159 Im Südosten folgen: Āgneya, Nidhana, Agnijihva, Hutāśana, Agnirūpa, Agnivarṇa, nochmals Agnivarṇa und Ahi,

17.160 Agnivaktra, Mahāvaktra, Mahāsena, Mahodara, Karāla, Kākajihva, Kākavaktra und Agnivaktraka,

17.161 Maṇḍu, Maṇḍūkavaktra, Deva, Devalaka, Śarvaka, Śamaka, Śaṅku und Śaṅkuśravā,

17.162 Mārīca, Droṇamārīca, Mahiṣa, Māhiṣa, Kumbhanāsa, Vināsa, Kumbhakarṇa und Vikarṇaka,

17.163 Vidārī, Vikrama, Maskarī, Maskara, Sūkara, Sūkarāsya, Śaśa und Śaśamukha,

17.164 Siṃha, Siṃhamukha, Narasiṃha, Nara, Kāladhṛk, Kālasūtra, Sūtraka und Sūtra,

17.165 Vinālī und Nālakaṇṭha. Sie bewohnen die südöstliche Richtung. Dies sind die Gefolgswesen Kumudākṣas, verbunden mit Asura-Scharen.

17.166 Auf dem südöstlichen Opferpodest bringe man Kumudākṣa Bali dar. Im Süden folgen: Dharma, Dharmadhara, nochmals Dharma, Dharmarāja und Dhanurdhara,

17.167 Vinaya, Praśraya, Niśreya, Nirguṇa, Alasa, Kuṇapa, Krūrabāhu und Kuñjara,

17.168 Prāṃśu, Damana, Niṣkopa, Niranukrośa, Nirmama, Vibhava, Avibhava, Hutāśa und Bahu,

17.169 der als Ūrdhvarakṣaṇa Bezeichnete, Ekala, Pākala, Kaṅkaṭa, Kaṭaka, Avaṭa, Śaṅkha und Cakrī,

17.170 Gadī, Khaḍgī, Śārṅgī, Śārṅgadhara, Vāsudeva, Bhadra, Ketumān und Ketuka, o Weiser,

17.171 Kṣamī, Jvalana, Kinnara, Aśvattha, Supta, Sujapana, Japa und Paścima,

17.172 Kaikṣika, Svaja, Bāḍava und Akṣamī. Diese als fünfzig bezeichneten Gefolgswesen bewohnen die südliche Richtung.

17.173 Sie unterstehen Puṇḍarīka und sind mit den Ahnenwesen verbunden. Überall werden solche Hauswesen als Gruppen von fünfzig Kräften bezeichnet. [Der zweite Halbvers ist beschädigt.]

17.174 Puṇḍarīka samt diesen Begleitern bringe man Bali dar. Im Südwesten folgen: Niṣkṛti, Prakṛti, Sukṛti und Vikṛti,

17.175 Dāruṇa, Damaka, Rakṣaka, Lakṣaka, Mādhava, Māṃsaka, Niṣṭhura und Kharabhāṣaṇa,

17.176 Pralamba, Lambaka, Prāṇana, Praṇaya, Vīrasena, Aṅgada, Vibhāṣa und Vibhīṣaṇa,

17.177 Raktākṣa, Lohitākṣa, Raktajihva, Vijihvaka, Vidyutkeśa, Viśālākṣa, Vikṣara und Vīrahā,

17.178 Akṣara, Prākṣara, Kāmarūpa, Virūpin, Sarvaga, Sarvavid, Gaura, Sambhava und Prabhava,

17.179 Vāruṇa, Vasu, Vimarda, Damana, Vaikartana, Vikartā, Kapardī und Prabhu,

17.180 Kandakī, Kandaka, Nākī, Varuṇa und Aruṇa. Diese als fünfzig bezeichneten Gefolgswesen bewohnen den Südwesten.

17.181 Verbunden mit den Yātudhāna-Wesen folgen sie Vāmana. Ihm samt diesen Begleitern bringe man vorschriftsmäßig Bali dar.

17.182 Im Westen folgen: Varuṇa, Vāruṇa, Pāśī, Pāśadhara, Guru, Kṣepaṇa, Kṣobhaṇa, Nārada, Sarvada und Ravi,

17.183 Sumanā, Nāmana, Haṃsa, Vaikuṇṭha, Parama, Para, Hanumān, Vasumān, Bhadra, Bhadrava und Prabhava,

17.184 Mahākarṇa, Vikarṇa, Śaśaka, Śalaka, Pika, Vānara, Naraka, Kārṣṇi, Karṇadhara und Aṃśumān,

17.185 Cakra, Agra, Vajrī, Vajranābha, Vinābhaka, Karabha, Kurabha, Dākṣiṇa, Dakṣiṇa und Suhṛt,

17.186 Durgandha, Pūtigandha, Tārkṣya, Garuḍa, Virodha, Rodhaka, Rodha, Kaṅkaṇa und Vṛkodara.

17.187 Diese als fünfzig bezeichneten Gefolgswesen bewohnen den Westen. Sie unterstehen Śaṅkukarṇa und sind mit den Scharen der Schlingen-Grahas verbunden.

17.188 Śaṅkukarṇa samt ihnen bringe man auf dem Opferpodest Bali dar. Im Nordwesten folgen: Maru, Mārutaga, Rurvī, Ākhu, Vāyusuta und Anila,

17.189 Galarta, Vartaka, Kaṅka, Mārgaṇa, Prāṅkaṇa, Acala, Bala, Balanidhi, Vīra, Virodha, Rodhaka und Vidhi,

17.190 Siddhava, Suyava, Śaṅkara, Dhīraka, Mālī, Mālāvidhi, Vastu, Samartha und Sumahotsava,

17.191 Karkaṭa, Kaṭaka, Gandha, Gandhavaha, Para, Siktaka, Siktarogī, Sevaka, Sevana und Sava,

17.192 Auṣadha, Bheṣaja, Rogī, Rogabhava, Kāraṇa, Karaṇa, Kartā, Garavīra und Akhala,

17.193 Vala, Vākuvāha und Sucāra. Diese als fünfzig bezeichneten Gefolgswesen bewohnen die nordwestliche Richtung.

17.194 Sie folgen stets Sarvanetra und sind mit den Gandharva-Wesen verbunden. Sarvanetra samt ihnen bringe man Bali dar.

17.195 Im Norden folgen: Soma, Somakala, Somya, Sāmavit, Sāmanāyaka, Sudhā, Sudhātā, Dhātā, Surāṣṭra, Kāṣṭhaka und Kali,

17.196 Kāladhṛk, Kālacakra, Kālakūṭaviṣa, Bala, Amṛta, Amṛtanātha, Keyūrī, Kevalī und Balī,

17.197 Viṣṇu, Kṛṣṇapiśaṅgāṅgī, Rekhālekha, Pika, Śuka, Lūbaka, nochmals Śuka, Śyena und Śyenamukha,

17.198 Mārjāra, Marubhṛt, Vāla, Gulma, Kaṇavaka, Kaṇa, Śeṣa, Viśeṣa, Uccheṣa, Kardama und Pūtivigraha,

17.199 Sāmba, Saṃvatsara, Vegī, Vegadhara und Marut. Diese als fünfzig bezeichneten Gefolgswesen bewohnen die nördliche Richtung.

17.200 Sie unterstehen Sumukha und sind mit den Yakṣa-Grahas verbunden. Sumukha samt ihnen bringe man vorschriftsmäßig Bali dar. [Die Namenslisten werden vollständig nach der Vorlage wiedergegeben; mehrere Lesungen und die jeweils behauptete Gesamtzahl sind unsicher.]

17.201 Im Nordosten folgen: Īśāna, Īśvara, Vyāpī, Vyasana, Vinaśa, Budha, Dhara, Baka, Viśa, Vāda, Śakuni, Śakaṭa und Ghaṭa,

17.202 Vṛkṣa, Kakṣa, Kṣamī, Kṣānti, Mātṛromā, Kapiñjala, Brahmaṇya, Brahmavid, Brahmī, Brahmātmā und Brahmasādhana,

17.203 Vedī, Vedavid, Udvandha, Śaṅkara, Śāṅkara, Dhīmān, Visṛṣṭi, Iṣṭātmā, Duṣṭātmā und Duṣṭakarmakṛt,

17.204 Vijetā, Vikaca, Vādī, Nodī, Tripaka, Ekabhuk, Sarvabhuk, Sarvaga, Sarva, Sarvabhaṅga und Sanātana,

17.205 Govinda, Gopati, Goptā und Maheśvara. Diese als fünfzig bezeichneten Gefolgswesen bewohnen die nordöstliche Richtung.

17.206 Sie unterstehen Supratiṣṭha und sind mit den Piśāca-Wesen verbunden. Dem als Supratiṣṭhita Bezeichneten bringe man gemeinsam mit ihnen Bali dar.

17.207 In der oberen Richtung folgen: Siddha, Dhātā, Vidhātā, nochmals Dhātā, Prajāpati, Lokeśa, Lokakṛt, Kartā, Sraṣṭā, Brahmā und Ātmabhū,

17.208 Sutāpa, Tula, Rītivardhana, Avyakta, Guṇavān, Gauṇa und Guṇabhuk,

17.209 Udgīta, Praṇava, Hiraṇyagarbha, Viriñca, Puṣkara, Bhāsana und Bhāsa,

17.210 Vikarṇa, Vijaya, Rathantara, Chanda, Yajus, Ṛk und Atharvā,

17.211 Marīci, Aṅgirā, Pulaha, Kratu, Vasiṣṭha, Pracetā, Śalabha und Bhīṣma,

17.212 Hemanta, Śiśira, Kusumākara, Kalaha, Virāgī, Amarṣa und Roṣaṇa,

17.213 Śoṣaṇa, Gati, Harṣaṇa und Vardhana. Diese als fünfzig bezeichneten Gefolgswesen sind mit den Siddha-Wesen des Himmels verbunden.

17.214 Pṛśnigarbha samt ihnen bringe man Bali dar, o Zweimalgeborener. In der unteren Richtung folgen: Manuṣya, Mānava, Maṇḍaka und nochmals Mānava,

17.215 Makara, Cora, Kampa, Prakampana, Alampaṭa, Paṭada, Yojaka, Bhajaka und Grahī,

17.216 Recaka, Rocaka, Māya, Dhāra, Vāra, Rasa, Cala, Cāpālika, Kapi, Bāṇa, Grajana, Garjana und Guḍa,

17.217 Tittara, Caṭaka, Dhvāṅkṣa, Balīvarda, Mahānaṭa, Harṣa, Dharmapraśāstā, Śamaka, Dundubhi und Śaṭha,

17.218 Kukṣi, Kumāra, Kāyastha, Lāvaka, Apraśuna, Śuna, Lavaṇa, Ravaṇa, Ṛddha, Rājasa, Tāmasa und Acala,

17.219 Kalyāṇa und Bhagadatta. Diese als fünfzig bezeichneten Gefolgswesen wohnen auf der Erdoberfläche und sind mit den Erd-Grahas verbunden.

17.220 Sie sind von großer Kraft, schwer zu bezwingen und unterstehen Mānava. Ihm samt diesen Begleitern bringe der Übende Bali dar.

17.221 Diese jeweils fünfzig werden als Führer der Scharen bezeichnet, o Zweimalgeborener. Jedem von ihnen folgen wiederum hundert andere Wesen.

17.222 So ergeben sich fünfzigtausend Diener. Auf Plätzen, an Straßenkreuzungen, in Versammlungshallen, in der Dorfmitte

17.223 und an sämtlichen Dorftoren halten sie sich auf, mit verschiedenen Waffen ausgestattet. Nach der Vorstellung des Textes bedrängen sie rituell ungeeignete Menschen und Anhänger verworfener Lehren.

17.224 An Flüssen und anderen Orten bewegen sie sich nach Belieben. Den zehn Scharenherren mit Kumuda an der Spitze, bester Zweimalgeborener,

17.225 und den genannten Gefolgswesen mit Utkaṭa an der Spitze bringe man der Reihe nach unter ihrem jeweiligen Namen, mit Oṃ am Anfang und Namaḥ am Ende,

17.226 Arghya, Duft, Girlanden, Räucherwerk und zuvor Duftwasser dar, danach Bali, nochmals Wasser und Betel.

17.227 Gesang, Tanz und alles Weitere gestalte man wie zuvor. Für die fünfzigtausend, Gruppe um Gruppe, o Zweimalgeborener,

17.228 spreche man „Verehrung den Gefolgswesen!“ und breite die glückverheißende, allseitige Befriedung bewirkende Bali-Gabe auf dem Boden in jeder Richtung aus.

17.229 Jedes einzelne dieser fünfzigtausend Wesen hat wiederum hundert Begleiter; diese gelten als die Scharen der Grahas.

17.230 Diese Graha-Scharen besitzen ihrerseits Tausende von Begleitern. Unzählbar sind sie und durchstreifen überall diese Erde.

17.231 Die genannten Graha-Scharen ziehen in zehn Arten über die Erde: Götter, Daityas, Ahnen, Rākṣasas, Schlangenfürsten,

17.232 Gandharvas, Yakṣas, Piśācas, Siddhas und Erdwesen. Diese zehn Arten, o Brahmane, halten sich stets in den zehn Richtungen auf.

17.233 Als ihre Anführer sind die zuvor genannten Gruppen bezeichnet, hier mit der Zahl „fünfzehn“. Durch ihre Verehrung erlangen alle Wohlergehen; daran besteht kein Zweifel. [Die Zahl ist im Zusammenhang beschädigt oder fehlerhaft überliefert.]

17.234 Der Kundige bringe Kumuda und den übrigen Bali auf den Opferpodesten dar oder nach Wunsch auf einem mit Kuhdung und anderen Stoffen gereinigten Boden.

17.235 Rings darum bringe er den Gefolgswesen mit Utkaṭa an der Spitze Bali dar; für alle übrigen streue er die Gabe weiter außen aus.

17.236 Für sämtliche nicht ausdrücklich genannten Wesen streue er Bali in der Dorfmitte aus. Bei der vereinfachten Ausführung bringt er vorschriftsmäßig den Scharenherren mit Kumuda an der Spitze

17.237 ihre Bali-Gaben dar und für alle übrigen gesondert unter den Worten „Verehrung den Gefolgswesen!“ die dafür bestimmte Gabe, o Zweimalgeborener.

17.238 Den Rest des Bali-Materials legt er in der Dorfmitte nieder, um die Wesen zu erfreuen, die an allen möglichen Orten wohnen.

17.239 Falls Kumuda und die übrigen samt ihrem Gefolge in der Nacht des Fahnenhisstages noch nicht eingeladen wurden, o Brahmane,

17.240 lade man sie jetzt ein und bringe ihnen vorschriftsmäßig Bali dar. Wurden sie bereits am Tag des Fahnenhissens eingeladen,

17.241 so bringe man ihnen von diesem Tag bis zum Festbeginn Bali aus Milchreis oder schlichtem gekochtem Reis dar, o Zweimalgeborener,

17.242 tagsüber, nachts oder zu beiden Zeiten. Die Eingeladenen nicht zu verehren gilt als schwerer Fehler des Ausführenden.

17.243 Wo aus irgendeinem Grund eine solche Bali-Darbringung nicht möglich ist, vollziehe man ihre Einladung erst am Tag des Prozessionsbeginns.

17.244 So führe man den Herrn der Götter, begleitet von den Bali-Darbringungen, rechtsläufig durch das Dorf, die Stadt oder die Handelsstadt.

17.245 Während die Prozession stattfindet, bringe man dem Gott der Götter immer wieder hingebungsvoll Mundduft zusammen mit Betel dar.

17.246 Zur Linderung seiner Ermüdung gebe man ihm Sandelpaste, sorgfältig mit Kampfer und anderen Stoffen bereitet, sowie verschiedene Girlanden.

17.247 Man bringe kühles Erfrischungswasser mit Kokoswasser und weitere Gaben zur Linderung der Ermüdung dar.

17.248 In den acht Richtungen des Dorfes oder des entsprechenden Ortes und besonders in dessen Mitte erfreue man den Herrn mit verschiedenen Liedern und Tänzen, begleitet von Saiteninstrumenten,

17.249 Muschelhörnern, großen Trommeln, Mṛdaṅgas und anderem. Nachdem man die Gottheit so mit den Bali-Darbringungen durch das Dorf geführt hat,

17.250 umrundet man nochmals die Tempelumfassungen rechtsläufig. Am Tempeltor bringt man dem Gott der Götter hingebungsvoll

17.251 Arghya, Fußwaschwasser, Mundspülwasser, Duft, Girlanden und Räucherwerk dar und setzt ihn wieder an seinen eigenen Platz.

17.252 Dann begibt sich der Lehrer mit gesammeltem Geist ins Opferhaus und vollendet das Prozessions-Feueropfer mit Sesam und geklärter Butter bis zur vollen Schlussgabe.

17.253 Ebenso beginne man auch an den übrigen Tagen tagsüber und nachts den Umzug der Gottheit mit den Bali-Darbringungen.

17.254 Am Tag der Prozession zur heiligen Badestätte findet der Umzug bei Tage statt. Die rituelle Waschung vollziehe man an der Badeikone tagsüber und nachts,

17.255 vom ersten bis zum letzten Festtag. Auch dabei vollziehe man am siebten oder fünften Tag die Keimaussaat

17.256 und das Anlegen der Kautuka-Schnur wie zuvor. Wenn der zweite Festtag gekommen ist, bringe man die Gottheit in den Versammlungspavillon

17.257 oder in das Opferhaus und setze sie auf den Thron. Dann geht der Lehrer ins Opferhaus und verehrt sie vorschriftsmäßig

17.258 im Krug und im Maṇḍala. Danach begibt er sich in den Pavillon und verehrt den Herrn der Götter mit großer Festlichkeit.

17.259 Anschließend sättigt er ihn im Opferhaus durch das Feueropfer wie zuvor. Dann bringt man die Gottheit von dort in den großen Versammlungspavillon.

17.260 Dort verehrt man sie sorgfältig bis einschließlich des Nīrājana und bringt die große Speisegabe samt Kuchen und weiteren Speisen dar.

17.261 Danach bringt man die Gottheit in den für das Opfer errichteten Pavillon und verehrt sie dort mit Arghya, Fußwaschwasser und den weiteren Gaben.

17.262 Man sättigt sie vorschriftsmäßig im Feuer bis zur vollen Schlussgabe. Den Herrn der Götter schmückt man wie zuvor mit Gewändern und anderem,

17.263 setzt ihn auf den Tragsitz oder ein anderes Fahrzeug, führt ihn nach der zuvor genannten Reihenfolge durch das Dorf und geleitet ihn wieder hinein.

17.264 Im Pavillon setzt man den Herrn der Götter auf den Badesitz und bringt dem allgegenwärtigen Herrn Arghya, Fußwaschwasser und Mundspülwasser dar,

17.265 Duft, Blumen, Räucherwerk und Licht bis einschließlich Nīrājana, begleitet von Vedenrezitation, Gesang und anderem, ferner mit Ehrungswasser beginnend

17.266 Kuchen mit Bananenfrüchten und Rohzucker, süßes Getränk und Erfrischungswasser mit Kokossaft,

17.267 Betel mit Kampfer. Dann nimmt man die für die Prozession vorgesehenen Gewänder und das weitere Zubehör ab und reicht das Badetuch.

17.268 Man salbt mit Öl, reibt den Körper vorschriftsmäßig ab, gibt Āmalaka-Paste auf das Haupt und badet ihn mit reichlichem Wasser.

17.269 Man trägt eine Varṇaka-Paste auf, wäscht sie mit Wasser ab und salbt hingebungsvoll mit wohlriechendem Sandel und weiteren Duftstoffen.

17.270 Dann vollzieht man, o Brahmane, das Bad unter dem tausendstrahligen Guss, reicht die als Savandana bezeichnete Gabe und danach Tücher für Kopf und Körper.

17.271 Man setzt die Gottheit auf einen anderen Thron und vollzieht alle Handlungen von der Reinigung der Hände bis zur inneren Verehrung.

17.272 Danach verehrt man die Gottheit in der vorgesehenen Reihenfolge. Oder man bringt sie nach dem Tagesfest in den Pavillon

17.273 und setzt sie auf einen breiten Bhadra-Thron. Wie zuvor reicht man sämtliche Gaben von Arghya bis Betel, o Brahmane.

17.274 Dann nimmt man alle zuvor angelegten Gewänder und das Zubehör der Reihe nach ab und reicht ein neues Tuch, um die Ermüdung zu lindern.

17.275 Man salbt den Herrn der Götter mit duftendem Sandel und anderen Stoffen und verehrt ihn anschließend vorschriftsmäßig bis zur Darbringung des eigenen Selbst.

17.276 Man kündigt der Gottheit das Bad an, bringt die Sandalen dar und geleitet den Herrn der Götter unter Schirmen und den übrigen Ehrenzeichen

17.277 von dort zu dem für das Bad vorbereiteten Sitz. Man setzt ihn darauf und verehrt ihn wie zuvor mit sämtlichen dafür vorgesehenen Gaben

17.278 bis zur Darbringung des Betels. Dann reicht man das Schultertuch und nimmt das mit Kampfer und anderen Stoffen bereitete Öl.

17.279 Mit beiden Händen und einem Kamm ordnet man das Haar der Gottheit, beduftet es mit wohlriechendem Räucherwerk und salbt es danach mit Öl.

17.280 Man massiert das Haupt auf verschiedene Weise, bindet anschließend das Haar mit Girlanden zusammen und befestigt ein feines Tuch

17.281 über der Stirn, sodass keine Öltropfen auf das Lotusantlitz der Gottheit herabfallen, o Zweimalgeborener.

17.282 Dann salbt man vom Schulterbereich bis zu den Füßen mit Öl und massiert sämtliche Glieder.

17.283 Zu dieser Zeit fächeln die Diener ringsum mit verschiedenen Palmblattfächern und Yakschweifwedeln, um die Wärme zu lindern.

17.284 Anschließend reibt man mit einem Tuch und den zuvor genannten Pulvern ab, reicht Camaṣī und eine Reinigungspaste und danach warmes Wasser. [„Camaṣī“ ist hier nicht sicher bestimmbar.]

17.285 Für die Gesichtssalbung gibt man fein verriebenen, mit Kampfer bereiteten Sandel. Dann nimmt man sorgfältig mit Duftstoffen zubereitete Āmalaka-Paste,

17.286 trägt sie auf das Haupt der Gottheit auf, wäscht mit reichlichem Wasser ab, ordnet das Haar ganz behutsam und bringt Arghya dar.

17.287 Man reicht Lodhra und Kāleyaka zusammen mit Wasser zum Abwaschen und Arghya und bindet das Haar der Gottheit mit einem Trockentuch zusammen.

17.288 Danach reicht man das Untergewand und bereitet in einem Gefäß eine mit Kampferpulver vermischte, gründlich beräucherte Varṇaka-Paste.

17.289 Damit bestreicht man behutsam die Glieder der Gottheit vom Hals bis zu den Füßen und wäscht sie anschließend mit Wasser ab.

17.290 Man entfernt das Kopftuch und gibt Arghya auf das Haupt. Mit den sieben Wasserarten, beginnend mit dem Wasser aus Wurzelknoten und jungen Blättern

17.291 bis zum Wasser mit allen Edelsteinen, badet man sie. Dann reicht man ein Kopftuch und ein Untergewand, o Zweimalgeborener. Mit duftendem Sandel,

17.292 der mit Kampferpulver vermischt, mit kaltem Wasser bereitet und mit Räucherwerk beduftet ist, salbt man sorgfältig

17.293 die Glieder des Gottes der Götter, ebenso mit Safran. Man reicht die heilige Schnur und das Obergewand und nimmt das Kopftuch ab.

17.294 Das durch Duft und Räucherwerk aromatisierte Haar ordnet und bindet man mit verschiedenen Blumenkränzen und bringt Girlanden dar.

17.295 Dann vollzieht der Lehrer für den allgegenwärtigen Herrn mit reichlichem, durch Sandel und andere Stoffe bereitetem Wasser das Bad unter dem tausendstrahligen Guss.

17.296 Mit ganz gesammeltem Geist wiederholt er die vier allgegenwärtigen Mantras. Zu dieser Zeit sollen die Kenner des Ṛgveda und der übrigen Veden, im Osten und den weiteren Richtungen stehend,

17.297 gesammelt das Puruṣa-Sūkta und die übrigen Hymnen rezitieren. Ringsum lasse man Muschelhörner, große Trommeln und die weiteren Instrumente kräftig erklingen.

17.298 Die Sänger singen glückverheißende Lieder. Nach diesem Bad nimmt der leitende Lehrer mit gesammeltem Geist

17.299 einen vollen Krug und vollzieht eine weitere Waschung des allgegenwärtigen Herrn, wobei er das Pavitra-Mantra und dessen erklärenden Text rezitiert.

17.300 Nach Abschluss des Bades vollziehe man Nīrājana für den Herrn. Anschließend reiche man das als Savandana bezeichnete Tuch.

17.301 Dazu reiche man ein Tuch, um das Wasser aus dem Haar aufzunehmen, und ein anderes für den Körper, ferner Unter- und Obergewand, beide mit Duft und Räucherwerk beduftet.

17.302 Dann reiche man ein Schultertuch und die Gabe für das Haupt, wohlriechenden Sandel und weitere Duftstoffe sowie Girlanden. [Die Vorlage nennt hier nochmals ein „Kopfbad“; der Zusammenhang ist unklar.]

17.303 Nach Darbringung der Sandalen führt man die Gottheit von diesem Ort fort und bietet ihr den dritten, mit Edelsteinen besetzten Sitz an.

17.304 Dort verehrt man den Herrn der Götter der Reihe nach mit Arghya und den weiteren Gaben, vollzieht alles bis zum Feueropfer und verehrt ihn erneut.

17.305 Man bringt die große Speisegabe dar und verfährt in allem wie zuvor. So soll man täglich bis zum Abschluss des heiligen Badetages

17.306 unermüdlich Waschung und Verehrung des allgegenwärtigen Herrn ausführen. Zu Beginn des regelmäßigen Festvollzugs soll die Waschung der Gottheit stattfinden,

17.307 nicht jedoch zu Beginn des Tagesumzugs; oder man vollziehe sie nach Wunsch zu Beginn beider. [Die Abgrenzung der beiden Festbezeichnungen ist im Wortlaut knapp.]

17.308 Die Verehrung im Krug und im Maṇḍala vollziehe man täglich vorschriftsmäßig je einmal am Tag und einmal in der Nacht.

17.309 Den Herrn der Götter im Bild verehre man tagsüber und nachts je einmal, zweimal oder dreimal, nach Wunsch.

17.310 In der Hauptikone im Tempel verehre man ihn stets mit besonderer Sorgfalt. Am fünften Tag vollziehe man am Vormittag den Tagesumzug

17.311 und verehre danach den Herrn der Götter, zusammen mit Lakṣmī und Puṣṭi, nach einer großen Waschung mit großer Festlichkeit,

17.312 bei ausreichenden Mitteln nach dem Verfahren der großen Speisegabe. Am sechsten Tag beginne man mit der Krugverehrung

17.313 und verehre ihn vorschriftsmäßig bis zur Sättigung im Feuer. Wie zuvor setzt man den Herrn der Götter zusammen mit Lakṣmī und Puṣṭi

17.314 auf einen Tragsitz oder ein anderes Fahrzeug und bringt ihn an einen Ort außerhalb des Tempels, in einen reinen, schönen Garten mit Bakula-Bäumen und anderen Gewächsen,

17.315 mit vielfältigen hohen Bäumen ringsum und überall geschmückt mit blühenden Schlingpflanzen.

17.316 Dort setzt man die Gottheit auf einen angemessenen Sitz und verehrt sie zusammen mit Śrī und Puṣṭi wie zuvor bis zum Feueropfer.

17.317 Feine Gewänder und Dukūla-Stoffe, edelsteinbesetzten Schmuck sowie eine Mischung mit Sudhā, Moschus, Kampfer und himmlischen Düften verwende man;

17.318 den ganzen Körper des Herrn der Götter salbe man mit der als Mṛgasneha bezeichneten Duftsalbe. Man schmücke besonders die für das Blumensammeln bestimmten Gestalten mit Blumen und Girlanden,

17.319 oder die Śaktis für ihr gemeinsames Spiel. Dem auf Garuḍa thronenden Herrn bringe man dies dar und vergegenwärtige sich dabei die Entführung des Pārijāta-Baumes. [Der Satzbau von 17.317–319 ist beschädigt; die Einzelhandlungen sind nicht vollständig eindeutig zuzuordnen.]

17.320 Auch als Geschenke herbeigebrachte Blumen zeige der Lehrer selbst dem Gott der Götter und sage jeweils: „Dies ist von diesem Geber gekommen.“

17.321 So vollzieht man die Handlung des Blumensammelns und bringt die Gaben dar, dort oder an einem anderen Ort, nach dem Wunsch des Auftraggebers.

17.322 Danach führt man den Herrn der Götter mit Lakṣmī und Puṣṭi wie zuvor durch das Dorf und vollzieht die übrigen Handlungen in der bereits beschriebenen Weise.

17.323 Am siebten Tag betritt der Lehrer gemeinsam mit den Übenden den Tempel, verneigt sich vor dem Lehrer der Welt

17.324 und trägt der Gottheit mit klarer, kräftiger Stimme vor: „Erhabener, Lotusäugiger, der du denen liebevoll zugewandt bist, die bei dir Zuflucht suchen!

17.325 Heute sollst du, allgegenwärtiger Herr, das Wasserspiel vollziehen, zur Reinigung aller Welten und zur Freude der Götter.

17.326 Um mir Gnade zu erweisen, sollst du dafür die Prozession unternehmen.“ Nachdem er dies der Gottheit vorgetragen hat, verneigt er sich wieder und wieder.

17.327 Man setzt die Gottheit mit Lakṣmī und Puṣṭi auf einen Tragsitz und bringt sie in das mit den Badegeräten ausgestattete Badehaus.

17.328 Dort zeigt man dem Herrn sämtliche bereitstehenden Hilfsmittel, salbt ihn mit Sandel und anderen Stoffen und schmückt ihn mit Girlanden.

17.329 Man bringt Betel mit mundduftenden Zutaten dar, ruft die dortigen Diener zusammen und gibt ihnen den Auftrag:

17.330 „Am Nachmittag wird das Wasserspiel stattfinden. Alle dafür benötigten Gegenstände sollen im Pavillon bereitgestellt werden.“

17.331 Nach dieser Anweisung geht man von dort in den Getreidespeicher und zeigt dem Herrn die Vorräte, damit sie gedeihen.

17.332 Dann führt man ihn in den Garten und an die weiteren Orte, bringt die dort vorhandenen Gaben angemessen dar und verehrt anschließend im Versammlungspavillon

17.333 den Herrn der Götter mit Śrī und Puṣṭi in besonderer Weise. Danach bringt man Lakṣmī und Puṣṭi wieder ins Innere.

17.334 Man vollzieht wie zuvor sorgfältig das dem Tag entsprechende Ritual. Anschließend bringt man den Gott der Götter in den Pavillon und setzt ihn auf den Thron.

17.335 Alle Gaben von Arghya bis Betel reicht man wie zuvor und bietet dem Herrn der Welt ein Tuch für das Bad an.

17.336 An einer Stelle des Pavillons bereite man aus geschältem Reis eine Unterlage und stelle darauf eine Badewanne aus Gold oder Silber

17.337 oder, je nach Verfügbarkeit, aus Kupfer. Sie sei vier, drei oder zwei Ellen lang, oben halb so breit und am Boden ein Viertel so breit.

17.338 Ihre Form sei länglich gerundet, unten mit einem Abfluss versehen, oder sie gleiche einer Dhattūra-Blüte, o Zweimalgeborener.

17.339 Sie entspreche der Größe der Bildgestalt und allen vorgeschriebenen Merkmalen. Nach ihrer Aufstellung fülle man sie mit durchgeseihtem Wasser,

17.340 versetzt mit Safranpulver, Sandel und Kampferpulver und durch Blumen beduftet.

17.341 Man bringt die Gottheit daneben und verehrt sie mit Arghya und den weiteren Gaben. Unter dem Klang großer Trommeln, Paṭahas, weiterer Instrumente und Muschelhörner,

17.342 mit Lobgesängen, Segensrufen und Vedenrezitation, vollzieht man unter dem Puruṣa-Sūkta das Eintauchen des allgegenwärtigen Herrn.

17.343 Danach setzt man die Gottheit mit den noch nassen Badegewändern auf den Tragsitz, bestreicht sie von den Füßen bis zum Haupt mit Safran

17.344 und führt sie durch den Hof und die Prozessionsstraße, um Varuṇa zu erfreuen und sämtliche Menschen zu reinigen.

17.345 Alle Menschen, die zu dieser Zeit den Herrn der Götter hingebungsvoll schauen, werden nach der Verheißung von ihren Verfehlungen gereinigt und von Bedrängnis frei.

17.346 Dann setzt man die Gottheit im Pavillon auf den Thron. Der Lehrer selbst nimmt sämtliche Badegewänder und das zugehörige Zubehör ab.

17.347 Alles Weitere bis zum Ende des Nachtfestes führt man wie zuvor aus. Am achten Tag vollziehe man den Jagdausflug des allgegenwärtigen Herrn.

17.348 Vom frühen Morgen bis zum Vormittag verehrt man die Gottheit wie zuvor. Dann bringt man ein vortreffliches, mit allem Schmuck versehenes Pferd herbei,

17.349 begleitet von vielen weiteren Pferden, oder einen entsprechend geschmückten Elefanten, ein lebendes Tier oder eine künstliche Darstellung, und setzt darauf den Herrn der Welt,

17.350 ausgestattet mit sämtlichem zur Jagd passendem Schmuck und Zubehör. Śrī und die Erdgöttin setzt man auf einen goldenen Tragsitz.

17.351 Mit den beiden führt man den Herrn wie zuvor durch das Dorf oder den entsprechenden Ort, begleitet von verschiedenen Truppen und von Verehrern.

17.352 Dann bringt man ihn außerhalb des Dorfes, etwa einen Krośa entfernt, in einen weiten schönen Garten, o Brahmane,

17.353 der mit verschiedenartigen Bäumen, schönen Teichen und blühenden Ranken geschmückt ist. In einem Pavillon in seiner Mitte,

17.354 ringsum mit Baldachinen und anderem ausgestattet, setzt man den Herrn der Welt auf einen schönen goldenen Thron.

17.355 Zusammen mit Śrī und Bhūmi erfrischt man ihn durch kühle Fächerluft, durch Sandel und andere Duftstoffe und durch kaltes Wasser.

17.356 Wie bei einem König der Könige lindert man besonders seine Erhitzung. Dann verehrt man ihn mit Arghya und den weiteren Gaben und bringt Reis mit Dickmilch dar,

17.357 vermischt mit Pfefferpulver, Kreuzkümmel und anderem, dazu reine Rohzuckerstücke und viele süße Getränke,

17.358 Bananen und andere süße Früchte. Alle Handlungen bis zur Darbringung des Betels führt man der Reihe nach aus.

17.359 Anschließend verehrt man, mit dem Bad beginnend, den Herrn der Götter zusammen mit Lakṣmī und Puṣṭi in der vorgesehenen Reihenfolge und mit großer Festlichkeit. [Hier nennt der Text Puṣṭi, nachdem zuvor Bhūmi genannt wurde.]

17.360 Man bringt reichlich Speise dar, schmückt ihn besonders und setzt ihn auf das Pferd oder das andere Reittier. Nach Sonnenuntergang

17.361 führt man ihn mit vielen hundert Lichtern rechtsläufig um das Dorf, geleitet ihn ins Gotteshaus und vollzieht das Nachtfest wie zuvor.

17.362 In jener Nacht legt man der für das heilige Bad bestimmten Ikone die Kautuka-Schnur an. Der Lehrer, begleitet vom Auftraggeber und den Übenden,

17.363 betritt den Tempel, verneigt sich wiederholt mit dem ganzen Körper lang ausgestreckt und spricht diese Anrufung:

17.364 „Gott, Herr der Himmlischen! Morgen sollst du die Prozession zur heiligen Badestätte vollziehen. Gewähre die Erlaubnis, dafür mit dem Schutzschnur-Ritual zu beginnen.“

17.365 Nach dieser Bitte bringt man die Ikone für das heilige Bad herbei. Ist sie nicht vorhanden, bester Weiser, verwende man die Ikone für die tägliche Waschung,

17.366 oder, wenn auch diese fehlt, die Bali-Ikone. Man stellt sie vor der Hauptikone auf, ruft die Gottheit in sie herab und verehrt sie.

17.367 Im Tempelinneren bilde man aus ungeschältem Reis eine reine, lotusartige Altarfläche, eine Elle hoch, lang und breit.

17.368 Diese viereckige Fläche hülle man in Tücher. Außen stelle man in den acht Richtungen Pālikās mit Keimlingen auf,

17.369 außerhalb davon ebenso Ghaṭikās und noch weiter außen Śarāvas. Auf die Altarfläche setzt man die Gottheit und vollzieht das Auftragen geklärter Butter.

17.370 Der Lehrer stellt vor der Gottheit ein Metallgefäß auf, füllt es mit geklärter Butter und bereitet diese rituell wie zuvor.

17.371 Mit beiden Händen hält er Dūrvā-Gras am Wurzelende, taucht die Spitzen in die Butter und besprengt damit die Füße der Gottheit,

17.372 danach ihren Halsbereich und schließlich ihr Haupt. Zwischen den einzelnen Handlungen wasche er jeweils die Hände.

17.373 Auch der Wechsel des Dūrvā-Bündels ist für dieses Auftragen vorgeschrieben. Man trage die Butter mit überkreuzten Händen auf.

17.374 Bei den Füßen spricht man „höchstes Wohlergehen“, am Hals „Heil“, am Haupt „vollkommene Schönheit“: Dies sind die der Reihe nach vorgesehenen Formeln, o Zweimalgeborener.

17.375 Oder man verwendet für alles das als zwölfsilbig bezeichnete Mantra. Nach Darbringung ungebrochener Reiskörner bindet man die Kautuka-Schnur an,

17.376 aus Wolle oder aus Leinen, nach dem zuvor beschriebenen Verfahren. Anschließend fächelt man mit Yakschweifwedeln und den anderen Geräten.

17.377 Man zeigt Spiegel, Schirm und weitere Segenszeichen, bringt Milchreis dar und legt danach entsprechend den verfügbaren Mitteln

17.378 den Herrn der Götter auf sein Lager. Ringsum beräuchert man mit Guggulu und Agaru.

17.379 Bei ununterbrochen brennenden Lampen verbringt man den Rest der Nacht. Früh am Morgen erhebt sich der Lehrer und vollzieht Bad und die weiteren Pflichten.

17.380 Er verehrt die Gottheit in der Festikone vorschriftsmäßig wie zuvor und vollzieht zunächst am Vormittag oder zur Mittagszeit den Wagenumzug.

17.381 Die heilige Badehandlung soll am Vormittag oder zur Mittagszeit stattfinden, wie zuvor beschrieben. Man bringt die Gottheit ins Haus zurück und setzt sie an ihren Platz. [Die zeitliche Formulierung dieses Verses ist beschädigt.]

17.382 Die von der Gottheit getragenen Girlanden, die Sandelpaste und weitere verwendete Gaben überreicht man dem leitenden Lehrer; mit diesen geschmückt

17.383 führt er die Prozession des Herrn zur heiligen Badestätte vorschriftsmäßig durch. Er weckt die Gottheit in der Badeprozessionsikone von ihrem Lager,

17.384 verehrt sie mit Arghya, Duft und den weiteren Gaben, bringt sie in den Versammlungspavillon und verehrt sie dort mit Arghya, Fußwaschwasser und anderem. Das Auftragen geklärter Butter

17.385 vollzieht er wie zuvor. Aus der vierten Neunergruppe der früher beschriebenen Waschungen bereitet er die als mittlere der mittleren bezeichnete Ausführung vor.

17.386 Davor richtet man einen Bodenaltar her und stellt darauf einen Mörser. In den vier Richtungen legt man die Stößel am Mörser an.

17.387 Man nimmt Mörser und Stößel, bindet Dūrvā-Halme daran, umhüllt sie mit einem neuen Tuch und gibt das Pulver hinein,

17.388 vermischt mit Goldpulver, Kurkumapulver und Duftstoffen. Vier Vaiṣṇava-Brahmanen oder vier Vaiṣṇavī-Frauen, o Zweimalgeborener,

17.389 lässt man es unter glückverheißendem Gesang stampfen. Östlich oder nördlich der für die Waschung aufgestellten Gefäße

17.390 bereitet man eine Reisunterlage, stellt darauf einen mit Schnur versehenen Krug, füllt das Pulver hinein und umhüllt ihn mit einem Tuch.

17.391 Oder man bereitet fünf oder neun mit Pulver gefüllte Krüge vor. Nach ihrer Verehrung mit dem Wurzelmantra badet man den allgegenwärtigen Herrn.

17.392 Man salbt den Herrn der Götter mit Öl, reibt ihn wie zuvor ab und vollzieht dann vorschriftsmäßig die Waschung mit den Gaben von geklärter Butter bis zum glückverheißenden Wasser.

17.393 Man führt den tausendstrahligen Guss mit reinem Wasser aus und bekleidet die Gottheit mit einem neuen Unter- und Obergewand,

17.394 beide fein und beräuchert. Nach ihrer Verehrung mit Arghya, Salbung, Girlanden und weiteren Gaben nimmt man den mit Goldpulver und den übrigen Stoffen gefüllten

17.395 Krug und übergießt sie mit dem Pulver. Anschließend verehrt man sie mit Arghya und den weiteren Gaben und wischt das Bild ab.

17.396 Das von dieser Darbringung übrig gebliebene Pulver lässt man auf die Häupter der Verehrer geben. Ihm wird die Frucht eines Bades im Ganges zugeschrieben und die Kraft, alle Verfehlungen zu tilgen.

17.397 Selbst wenn ein Mensch dieses Pulver nur spielerisch auf seinem Haupt trägt, vergeht nach der Verheißung augenblicklich die seinem Körper anhaftende Verfehlung.

17.398 Danach verehrt man die Gottheit, bringt süßen Milchreis, Reis mit Mungbohnen und schlichten gekochten Reis dar, gegebenenfalls vorschriftsmäßig an einem anderen Ort.

17.399 Der vortreffliche Lehrer führt alle Handlungen bis zur Verteilung an die Brahmanen aus. Alles Genannte soll noch vor Abschluss der Prozession stattfinden.

17.400 Dann bringt der vortreffliche Lehrer dem Gott der Götter eine reichliche, mit Safran vermischte Kurkumamasse dar und verteilt sie

17.401 an die Lehrer, die Übenden und die anderen mit den jeweiligen Aufgaben betrauten Mitwirkenden. Auch sie sollen mit dieser Masse

17.402 sämtliche Glieder bestreichen und mit freudigem Herzen dem Herrn der Götter durch Verneigungen und rechtsläufige Umrundungen dienen.

17.403 Man bringt eines der Prozessionsfahrzeuge herbei, einen Wagen oder einen anderen Tragsitz, und setzt die Gottheit darauf. Auf ein anderes Fahrzeug

17.404 setzt man die Wurfscheibe, Garuḍa, Hanumān oder Vibhīṣaṇa. Begleitet von Schirmen, Yakschweifwedeln, Muschelhörnern und sämtlichem Zubehör

17.405 zieht man rechtsläufig durch alle Tempelumfassungen. An der heiligen Badestätte angekommen, setzt man die Ikone auf einen Sitz,

17.406 der mit einem Blumen-Strahlenkranz, Baldachinen und anderem geschmückt ist. Nach einer Blumengabe verneigt man sich mit dem ganzen Körper ausgestreckt.

17.407 Dann setzt man den Herrn der Götter auf das Haupt eines mit Gewändern und weiterem Schmuck ausgestatteten Übenden und begibt sich ins heilige Wasser.

17.408 Der leitende Lehrer steht gesammelt im Wasser, das ihm bis zum Nabel reicht. In dieser Badestätte ruft er sämtliche heiligen Badestätten herbei, bester Zweimalgeborener.

17.409 Er lässt den heiligen Tag verkünden und verehrt mit Arghya und den weiteren Gaben. Zur glückverheißenden Stunde, wenn die Sonne die Mittagsstellung erreicht hat,

17.410 nimmt der Lehrer unter Muschelhornklang und weiterer Musik die Gottheit auf und setzt sie auf seine linke Handfläche, als stünde sie auf der Erdscheibe.

17.411 Mit der rechten Hand hält er sie an der Mitte fest, wiederholt das Wurzelmantra und taucht gemeinsam mit ihr unter.

17.412 Der Lehrer und die Übenden vollziehen dies zusammen mit den Gestalten Garuḍas und der übrigen. An selbstoffenbarten Heiligtümern und entsprechenden Orten kann das Schlussbad des Herrn mittags, nachmittags

17.413 oder im ersten Teil der Nacht stattfinden. Dort entsteht kein Fehler durch ein Überschreiten der festgelegten Stunde.

17.414 Oder man taucht die Gottheit zur geeigneten Stunde in einen mit Duftwasser gefüllten Wassertrog oder ein anderes Gefäß ein und verehrt sie mit Arghya und den weiteren Gaben.

17.415 Menschen, die zu dieser Zeit mit reinem Herzen baden, werden nach der Verheißung von Befleckungen frei und erlangen das höchste Ziel.

17.416 Dann setzt man die Gottheit am Ufer auf einen goldenen Thron, reicht zwei neue Tücher und nimmt die beiden Badegewänder ab.

17.417 Der Lehrer selbst nimmt diese Gewänder entgegen und trägt sie auf seinem Haupt. Man verehrt die Gottheit mit Arghya und den weiteren Gaben, schmückt sie besonders,

17.418 setzt sie auf den Tragsitz und zieht in den Tempel ein. Zu dieser Zeit gehen gründlich gebadete Tempeltänzerinnen in gewaschenen Kleidern

17.419 mit einem wassergefüllten Gefäß, einem Räuchergefäß und einem Spiegel voraus, um Segen zu bringen, o Brahmane.

17.420 Auf dem vorgeschriebenen Weg schreitet man rechtsläufig bis zum Tor der zweiten Umfassung oder, o Zweimalgeborener,

17.421 bis zum Tor der ersten. Innerhalb des Tores bildet man einen schön gerundeten Kreis aus Kuhdung und verziert ihn mit weißem Kalkpulver.

17.422 In den Hauptrichtungen stellt man Lampen auf, in den Zwischenrichtungen Pālikās. Einen mit Wasser gefüllten und mit Girlanden geschmückten Krug

17.423 stellt man in der Mitte auf einen Untersatz und verehrt ihn mit einer Blume unter einmaliger Wiederholung des Oṃ. Mit seinem Wasser

17.424 verehrt man den Herrn der Götter, nach einer Blumengabe aus den gefalteten Händen. Am Tempeltor verehrt man ihn mit Arghya und den weiteren Gaben,

17.425 setzt ihn an seinen Platz und lässt seine vorübergehende Gegenwart wieder in die Hauptikone eingehen. Danach verehrt man die Festikone vorschriftsmäßig mit Bad und den übrigen Handlungen

17.426 wie zuvor, jedoch ohne Umzug, o Brahmane. Wenn der zehnte Tag gekommen ist, vollzieht der leitende Lehrer mit gesammeltem Geist

17.427 das morgendliche Bad und die weiteren Pflichten. Mit Gewändern und anderem geschmückt, begibt er sich gemeinsam mit den Lehrern, Übenden und dem Auftraggeber

17.428 in den Tempel, verneigt sich wieder und wieder, stellt sich vor den Herrn der Götter und trägt die folgende Bitte vor:

17.429 „Erhabener, Lotusäugiger, der du denen liebevoll zugewandt bist, die bei dir Zuflucht suchen! Von der Aussaat für die Fahne bis zum abschließenden Festbad

17.430 habe ich Handlungen ausgeführt, um dich zu erfreuen, allgegenwärtiger Herr. Ebenso haben die von mir beauftragten anderen Lehrer gehandelt,

17.431 die Übenden und die verschiedenen Diener. Um all diese Handlungen zu vervollständigen und jedes Zuwenig oder Zuviel zu befrieden,

17.432 bin ich heute bereit, dich in deinen vier Sitzen zu verehren, allgegenwärtiger Herr. Erlaube es, um mir Gnade zu erweisen.“

17.433 Nach dieser Bitte und nach Empfang der Erlaubnis setzt der Lehrer die Gottheit in der Festikone auf den Tragsitz,

17.434 bringt sie in den Versammlungspavillon und setzt sie dort auf einen Darbha-Sitz. Dann ordnet er die mit der Vedenrezitation Beschäftigten,

17.435 die Kenner von Itihāsas und Purāṇas, die Sänger glückverheißender Lieder und die Tänzer zur Freude des Herrn der Welt

17.436 an ihren jeweiligen Plätzen an. Der vortreffliche Lehrer kann alles in diesem Pavillon einrichten, soweit dessen Größe es erlaubt,

17.437 nachdem er ihn mit sämtlichen für das Opferhaus genannten Baldachinen und anderen Zierden geschmückt hat. In seiner Mitte zeichne er das Cakrābja-Maṇḍala,

17.438 versehen mit zwölf zitronenförmigen Speichen, Sockel, Toren, Zugangswegen und weiteren Teilen sowie mit einer fünffarbigen Umfassung.

17.439 Oder, o Brahmane, man gestalte es mit Sockel und Umfassung, die durch Blumen in fünf Farben leuchten, oder allein mit einer solchen Umfassung,

17.440 aus schönen, zur Jahreszeit verfügbaren Blumen in den jeweils passenden Farben. Der erhabene Herr selbst hat die Einzelheiten hierzu in der Pauṣkara-Saṃhitā gelehrt.

17.441 Nachdem der Lehrer mit den Übenden das Rad-Lotus-Maṇḍala so vollständig vorbereitet hat, tritt er gemeinsam mit ihnen vor die Gottheit,

17.442 trägt ihr die Bitte vor und bringt sie auf die Westseite des Pavillons. Dort setzt er sie auf einen goldenen Bhadra-Thron mit einem vortrefflichen Polster

17.443 und einer reinen Decke, nach Osten gewandt. Nach dem zuvor beschriebenen Opferverfahren verehrt er sie im Krug und im Rad-Lotus-Maṇḍala,

17.444 unter Gesang, Tanz, Instrumentalmusik und Vedenrezitation aus den vier Richtungen. Mit gesammeltem Geist vollzieht er auch die Verehrung im Bild,

17.445 in besonderer Weise, vorschriftsmäßig bis zur Verteilung an die Brahmanen. Zu dieser Zeit soll man den Guru besonders ehren,

17.446 mit Dukūla-Gewändern und anderen Kleidern, die zuvor der Gottheit dargebracht wurden, mit verschiedenen vorzüglichen Girlanden und duftendem Sandel und weiteren Stoffen.

17.447 Der Lehrer nimmt das kostbare Dukūla oder ein entsprechendes Gewand entgegen und bindet es wie einen Turban um seinen Kopf, bester Zweimalgeborener.

17.448 Er legt Girlanden und weiteres in angemessener Weise an, verneigt sich wiederholt vor dem Gott der Götter und begibt sich danach ins Opferhaus.

17.449 Dort vollzieht er in der Feuergrube das Feueropfer wie zuvor. Dann tritt er vor die Gottheit und widmet ihr das Opfer.

17.450 Den Anteil für die Ahnen teilt er ordnungsgemäß zu. Kumuda und den übrigen, der Wurfscheibe, dem Vogelkönig, dem Scharenführer

17.451 sowie Indra und den anderen Welthütern lässt er der Reihe nach Bali darbringen. Danach lässt er die Ekāyana-Überlieferung, die drei Veden samt dem Atharvaveda,

17.452 Itihāsas, Purāṇas und wundervolle Vaiṣṇava-Hymnen vortragen; Gesang, Tanz und Instrumentalmusik, Muschelhörner, große Trommeln und weitere Klänge,

17.453 die Segensrufe der Lobpreiser und glückverheißende Lieder lässt er den Herrn angemessen hören und sehen.

17.454 Dann lässt er die Gegenwart der Gottheit aus Krug und Maṇḍala in sein Herz eingehen und verehrt Viṣvaksena wie zuvor in der Mitte des Maṇḍalas.

17.455 Die Gottheit setzt man auf einen goldenen Tragsitz oder ein anderes Fahrzeug und führt sie mit sämtlichen glückverheißenden Begleitungen durch alle Umfassungen,

17.456 von außen bis zur innersten. In einem Pavillon innerhalb der ersten oder zweiten Umfassung

17.457 setzt man den Herrn der Götter auf den Thron. Zu dieser Zeit schmückt der Auftraggeber den Lehrer

17.458 mit Gewändern, Girlanden, Sandel und anderem und setzt ihn auf einen Tragsitz. Begleitet von Muschelhörnern, Kāhala-Trompeten, großen Trommeln und Paṭahas,

17.459 mit Schirmen, Lichtern und Sängern geleitet er ihn in sein Haus, wobei er den Lehrer wie die Gottheit verehrt.

17.460 Der Lehrer vollziehe dort mit seinen Angehörigen das anschließende Anuyāga-Mahl. Nach Sonnenuntergang verehre man die Gottheit der Reihe nach

17.461 und bringe ihr Reis mit Mungbohnen und Rohzuckerstücken dar. Die Verehrer des erhabenen Herrn aus anderen Gegenden,

17.462 die zuvor zur Teilnahme am Fest gekommen sind, entlasse man mit der Erlaubnis der Gottheit zur Rückkehr in ihre Heimat.

17.463 Danach bringt man die Gottheit ins Opferhaus und setzt sie dort auf einen Thron mit reiner Decke.

17.464 Beginnend mit dem Krug verehrt man den allgegenwärtigen Herrn der Reihe nach in seinen vier Sitzen vorschriftsmäßig und mit reichlichen Speisegaben.

17.465 Man vollzieht die für den Festabschluss vorgeschriebenen Handlungen und auch die Waschung, bester Zweimalgeborener, an der Prozessionsikone oder an der eigens dafür bestimmten Badeikone.

17.466 Nach dieser geordneten Verehrung und der vorschriftsmäßigen Bali-Darbringung entlässt der besonders Mantrakundige die Mantra-Herren aus Krug, Maṇḍala und Feuergrube

17.467 auf die rechte Weise. Danach verehrt er Viṣvaksena nach der genannten Vorschrift und bringt die Gottheit ins Innere.

17.468 Er verehrt sie mit Arghya, Duft und den weiteren Gaben und lässt ihre Gegenwart in die Hauptikone eingehen. Kumuda und die übrigen, die im Dorf mit ihrem Gefolge herbeigerufen wurden,

17.469 erfreut er besonders durch Bali-Gaben und entlässt sie. Dann begibt er sich zum Fahnenplatz und stellt wie zuvor einen Krug auf.

17.470 Er verehrt den Vogelkönig und besonders dessen Gegenwart auf der Fahne. Nach Darbringung der großen Speisegabe lässt er den Vogelkönig von der Fahne

17.471 in sein eigenes Herz oder in den Garuḍa des Kruges eingehen. Anschließend holt er die Fahne in der zuvor genannten Reihenfolge ein, o Brahmane.

17.472 Den Vogelkönig im Krug lässt er in sein eigenes Herz eingehen. Oder er begibt sich zum Garuḍa-Heiligtum, besprengt mit dem Krugwasser

17.473 den dortigen Garuḍa und überträgt die Gegenwart aus dem Krug in ihn. Den Fahnenmast, das Fahnentuch, die Stange und den Schutzpavillon

17.474 sowie die Opfergeräte soll der Lehrer selbst entgegennehmen. Andernfalls entsteht nach dem Text ein schwerer Fehler für den Auftraggeber und den Landesherrn.

17.475 Die ausgeführte Handlung wäre ohne Frucht, und auch der Vogelkönig wäre erzürnt. Nach Abschluss des Opfers, in derselben Nacht oder am folgenden Tag,

17.476 schmückt und verehrt der Auftraggeber den Guru mit goldenem Schmuck wie Armreifen, mit Gewändern, Duftstoffen und Blumen.

17.477 Als höchste Ehrengabe gibt er hundert goldene Niṣkas oder, entsprechend seinem Vermögen, noch mehr.

17.478 Die Hälfte davon gilt als mittlere Gabe, ein Viertel als geringere. Oder er gebe nach seinen Mitteln und nach seinem Vertrauen.

17.479 Den Opferpriestern gebe er die Hälfte davon, den Dienern wiederum die Hälfte; die übrigen, beginnend mit den Sängern, ehre er entsprechend seinen Mitteln.

17.480 Ein Opfer ohne Ehrengabe bleibt gewiss ohne Frucht. Deshalb soll man entsprechend dem Vermögen eine Dakṣiṇā geben, auch wenn sie klein ist.

17.481 Damit ist der ausführliche Ablauf des Prozessionsfestes sachgemäß erklärt. Höre nun die jeweiligen besonderen Bestimmungen.

17.482 Ist nur ein Lehrer oder ein Übender für die Ausführung bestimmt, so vollziehe dieser selbst sämtliche zuvor genannten Handlungen der Reihe nach.

17.483 Sind mehrere bestimmt, so soll ein und derselbe Hauptverantwortliche in der vorgesehenen Reihenfolge die Aussaat für die Fahne, das Fahnenhissen und die Aussaat für das Fest ausführen,

17.484 ferner das Kautuka-Ritual am Abend vor Festbeginn und am ersten Festtag die für die vorbereitende Weihe vorgeschriebene

17.485 Verehrung in den vier Sitzen, o Brahmane, ebenso die Aussaat für das heilige Bad und in derselben Nacht die Verehrung in den vier Sitzen für die Prozession,

17.486 das Anlegen der Prozessions-Schutzschnur, das abschließende Bad und die Verehrung in den vier Sitzen am Tag des Blumenopfers,

17.487 die Entlassung der Mantras aus Krug, Maṇḍala und Feuergrube und das Einholen der Fahne. Dies tue er sorgfältig unter Einhaltung seines Gelübdes.

17.488 Die anderen Lehrer oder Übenden können die übrigen Handlungen jeweils in der vorgesehenen Reihenfolge und entsprechend ihrer Eignung übernehmen.

17.489 Einige verehren die Gegenwart im Krug, andere die im Bild; einige vollziehen die Sättigung im Feuer, andere an der Badeikone

17.490 die Waschung und anschließende Verehrung, jeweils zur rechten Zeit und nach Vorschrift. Kann ein Einzelner die Verehrung in allen vier Sitzen ausführen,

17.491 soll während dieses Verfahrens kein Wechsel der Ausführenden stattfinden, o Zweimalgeborener. Wird jedoch während eines Verehrungsablaufs

17.492 der Ausführende durch irgendeine Krankheit unfähig weiterzumachen, kann am Übergang von einem Ritualglied zum nächsten oder von einem Sitz zum nächsten

17.493 ein anderer den Rest übernehmen, nachdem das Wurzelmantra tausendmal wiederholt wurde. Tritt die Unfähigkeit zu einem anderen Zeitpunkt ein, muss der andere Priester

17.494 die Verehrung von Anfang an nach dem für diesen Tag vorgesehenen Verfahren neu beginnen. Verfährt man anders, o Zweimalgeborener,

17.495 so droht dem Ausführenden nach dem Text seelische Bedrängnis und die Verehrung bleibt ohne Frucht. Wird für das Fest die Ikone der täglichen Waschung verwendet,

17.496 vollziehe man den Festumzug nur einmal, entweder nachts oder tagsüber. Wird beim großen Fest die Bali-Ikone verwendet,

17.497 kann man nach dem Wunsch des Auftraggebers zu beiden Zeiten feiern. Bei Verwendung der eigentlichen Prozessionsikone vollziehe man stets zu beiden Zeiten

17.498 das Fest nach dem vollständigen Verfahren. Beim Ersatzverfahren, hochgesinnter Weiser, kann man die Festprozession entweder tagsüber oder nachts durchführen.

17.499 Wird das große Fest mit einem Krug, einem Sitz oder der Wurfscheibe begangen, so vollziehe man an der Hauptikone alle für die Prozessionsikone vorgeschriebenen Handlungen

17.500 der Reihe nach, ausgenommen den Umzug. In den Krug, in einen reinen Sitz aus Darbha-Büscheln

17.501 oder in die Wurfscheibe ruft man die Gottheit herab, verehrt sie mit Arghya und den weiteren Gaben und setzt sie mit sämtlichem Zubehör auf einen Tragsitz.

17.502 Wie zuvor führt man sie mit Bali-Darbringungen durch das Dorf oder den entsprechenden Ort. Zur für diese Gaben vorgesehenen Zeit bringe man stets Bali dar,

17.503 für Kumuda und die übrigen Scharenherren auch am Aufbewahrungsort der Keimgefäße. Während des Festes verehre man den Herrn der Götter überall

17.504 mit Gewändern, Blumen und weiteren Gaben. Der Übende kann dabei nach Wunsch in die jeweils geeignete Richtung gewandt sitzen oder stehen.

17.505 So vollziehe man den Umzug auch bei den Festen von einem Tag und länger. Bei einem eintägigen Fest findet die vorbereitende Weihe der Prozessionsikone am Vorabend statt,

17.506 ebenso die der Ikone für das heilige Bad. Oder man führt am eigentlichen Ritualtag morgens zunächst die Prozessionsikone wie zuvor durch das Dorf

17.507 und vollzieht danach die vorbereitende Weihe der Badeikone. Am folgenden Tag kann man das Blumenopfer ausführen oder darauf verzichten, o Zweimalgeborener.

17.508 Bei einem drei-, fünf- oder siebentägigen Fest findet die vorbereitende Weihe der Prozessionsikone am Tag vor Festbeginn statt,

17.509 die der Badeikone in der Nacht vor dem heiligen Badetag. Am Tag nach dem Bad vollziehe man das Blumenopfer.

17.510 Bei den vier kurzen Festformen von einem bis sieben Tagen vollziehe man weder das Spiel des Blumensammelns noch den Jagdausflug.

17.511 Bei allen Festen von zehn Tagen an verfahre man entsprechend dem für neun Tage beschriebenen Ablauf, angemessen und nach dem Wunsch des Auftraggebers.

17.512 An einem selbstoffenbarten Heiligtum und entsprechenden Tempelorten soll man die vier kurzen Festformen von einem bis sieben Tagen nicht ausführen.

17.513 Auch das als Ersatzverfahren bezeichnete Fest soll man dort nicht vollziehen. Das Wasserspiel ist an selbstoffenbarten Heiligtümern vorgesehen, nicht an anderen Orten.

17.514 Bei einer Anlage mit mehreren Ikonen können sämtliche Festdauern von einem Tag bis zu einem Jahr ausgeführt werden, bester Zweimalgeborener.

17.515 Bei einer Anlage mit nur einer Ikone sind Feste von einem, drei, fünf, sieben, neun oder zwölf Tagen auszuführen, keine anderen.

17.516 Im Dorf, in der Stadt oder in einer bewohnten Handelsstadt, die nicht von Pratiloma-Gruppen beherrscht wird, soll man auf den Straßen

17.517 sämtliche Bali-Darbringungen und weiteren Handlungen durchführen. Andernfalls, bester Zweimalgeborener, begehe man das große Fest des Herrn ausschließlich innerhalb der Tempelumfassungen. [Historische Ausschlussregel auf Grundlage der damaligen Abstammungsordnung.]

17.518 Für die Prozession soll die Gottheit sämtliche Umfassungen durch das jeweils vor ihr liegende Haupttor verlassen und wieder betreten.

17.519 Oder Ausgang und Eingang erfolgen durch das zum Dorf gewandte Tor. Stets sind die Haupttore dafür zu verwenden, keine anderen.

17.520 Niemals soll man Nebentore oder kleinere Schmuckdurchgänge benutzen. Geschieht dies aus Unachtsamkeit, so drohen nach dem Text dem Herrscher des Landes

17.521 eine Umkehrung seiner Vorrangstellung und der Verlust seines Amtes. Auch bei einem mit Mauern und entsprechenden Anlagen umgebenen Dorf oder einer Stadt,

17.522 vorzüglicher Brahmane, darf die Gottheit bei der Prozession nicht durch Nebentore ein- oder ausgeführt werden; andernfalls bliebe das Prozessionsritual ohne Frucht.

17.523 Der Text kündigt dann auch den Untergang des Dorfes und seines Landesherrn an. Höre nun die Besonderheiten bei den vier Haupttoren.

17.524 Liegt das Dorf östlich vom Gotteshaus, so erfolgen die beiden genannten Handlungen dort durch das westliche Tor.

17.525 Liegt das Dorf westlich vom Gotteshaus, erfolgen Einzug und Auszug durch das östliche Tor.

17.526 Liegt es südlich vom Tempel, verwendet man das nördliche oder das östliche Tor für die zuvor genannten Handlungen.

17.527 Liegt es nördlich vom Gotteshaus, erfolgen Einzug und Auszug durch das südliche oder das westliche Tor.

17.528 Oder auch bei einem südlich oder nördlich gelegenen Dorf, vorzüglicher Brahmane, erfolgen Einzug und Auszug durch die östlichen beziehungsweise westlichen Torbereiche.

17.529 Dies ist als vollständiges Verfahren vorgeschrieben; beim Ersatzverfahren sind die beiden anderen Tore genannt. [Die Richtungsregel bezeichnet jeweils die Dorfzugänge.]

17.530 So sind Einzug und Auszug der Gottheit bei einer Prozession in ein dem Tempel zugehöriges, weiter entfernt liegendes Dorf beschrieben.

17.531 Vernimm nun das Verfahren bei unmittelbarer Nähe. Liegt das Dorf östlich vom Tempel und verlaufen seine Straßen nach Osten,

17.532 so erfolgen Einzug und Auszug des Herrn am westlichen Ende der mittleren Straße. Bei einem westlich gelegenen Dorf

17.533 verwendet man das östliche Ende der mittleren Straße. Bei südlicher oder nördlicher Lage verfahre man entsprechend den Gegebenheiten.

17.534 Wo kein Dorf angelegt ist, wohl aber ein äußerer Prozessionsweg, bringe man zunächst den Gottheiten dieses Weges Bali dar,

17.535 danach dort auch sämtlichen für das Dorf genannten Gottheiten der Reihe nach. So vollziehe man den Gottesumzug zweimal.

17.536 Die für die Dorfmitte vorgesehenen Handlungen führe man im Bereich des Haupttores aus. Gibt es dagegen ein Dorf, aber keinen äußeren Prozessionsweg,

17.537 so bringe man den für diesen Weg genannten Gottheiten dort kein Bali dar; auch der eigens dafür bestimmte Umzug entfällt, hochgesinnter Weiser.

17.538 Wenn weder ein äußerer Prozessionsweg noch ein Dorf angelegt ist, bringe man den für das Dorf genannten Gottheiten in der äußersten Tempelumfassung Bali dar,

17.539 täglich nach der Gabe für die dieser Umfassung zugehörigen Gottheiten. Auch den für das Dorf vorgesehenen Gottesumzug führe man dort aus.

17.540 Sämtliche für die Dorfmitte vorgeschriebenen Handlungen vollziehe man dann am Bali-Altar, nach der genannten Vorschrift, o Zweimalgeborener.

17.541 Ist auch die äußere Umfassung nicht vorhanden, tue man dies in der ersten Umfassung; fehlt auch diese, vollziehe man alles vor dem Tempeltor. [Der erste Halbvers ist verkürzt überliefert.]

17.542 Ist die Festprozession durch ein Dorf oder einen entsprechenden Ort vorgesehen, kann aber wegen Unruhen im Land oder anderer Hindernisse nicht stattfinden,

17.543 so gilt ebenfalls diese Reihenfolge der Festprozession. Zur vorgeschriebenen Bali-Zeit bringe man die Gaben dar

17.544 für Kumuda und die übrigen Scharenherren in der ersten Umfassung, am Ort der Keimgefäße und im Opferpavillon,

17.545 ferner im Dorf oder am entsprechenden Ort: täglich an diesen vier Stätten, vorzüglicher Brahmane. Gibt es einen äußeren Prozessionsweg, so bringe man auch dort Bali dar.

17.546 Im Dorf verehrt man sie täglich samt ihrem Gefolge durch Bali, an den vier übrigen Orten allein, ohne die Gefolgschaften.

17.547 Mit Ausnahme des Dorfes und des Ortes der Keimgefäße ordne man die Bali-Gaben an den drei anderen Stätten nach der Ausrichtung der Gottheit an, mit deren Vorderseite beginnend.

17.548 In einem Dorf oder Ort, der weiter als ein Yojana entfernt liegt, soll man das Fest nicht durchführen. Liegt der Ort innerhalb eines Yojana, kann man das Fest dort begehen, auch wenn ein Fluss oder Ähnliches dazwischenliegt,

17.549 sei der Ort selbstständig oder dem Tempel zugehörig. In einer Stadt oder einem anderen Ort, der eigens für die Prozession einer anderen Gottheit angelegt ist,

17.550 soll man die Festprozession des allgegenwärtigen Herrn der Götter nicht vollziehen. Umgekehrt soll in einer Stadt, die für seine Festprozession angelegt wurde,

17.551 niemals die Prozession einer anderen Gottheit stattfinden. Bei einem Tempel, der als zugehöriger Bestandteil eines Dorfes oder einer anderen Siedlung errichtet ist, hochgesinnter Weiser,

17.552 soll man Bali und Gottesprozession ausschließlich in dieser zugehörigen Siedlung vollziehen, nicht anderswo.

17.553 Wenn das Fest einer anderen Gottheit stattfindet, darf man auch die für deren Prozession errichteten Torbögen

17.554 niemals für das Opfer des Gottes der Götter übernehmen. Bei einem einzigen Fest bringe man nicht in zwei Dörfern Bali dar

17.555 und vollziehe dort nicht zwei Gottesprozessionen; andernfalls blieben sie ohne Frucht. Ebenso soll es nicht zwei Fahnen geben. Ist das Tuch mit dem Vogelkönig durch Risse, Löcher oder andere Schäden beeinträchtigt,

17.556 so repariere man es. Ist das nicht möglich, lege man es beiseite, fertige ein anderes an und verfahre wie zuvor.

17.557 Wird es ohne diesen Ersatz verworfen, entsteht nach dem Text ein Fehler für König und Reich. Wer aber so das Fest des Gottes der Götter ausrichtet,

17.558 genießt in dieser Welt lange Wohlergehen und die gewünschten Freuden und erlangt beim Ablegen des Körpers die Wohnstatt des erhabenen Herrn.

17.559 Die vortrefflichen Menschen, die dem allgegenwärtigen Herrn während der Prozession folgen, empfangen mit jedem Schritt die Frucht eines großen Opfers.

17.560 Wer zu dieser Zeit den Gott der Götter, den Herrn der Welt, durch verschiedene Dienste erfreut, mit Schirmen, Yakschweifwedeln und weiteren Ehrenzeichen,

17.561 erlangt die ersehnten Freuden dieser und der jenseitigen Welt. Damit ist das Jahresfest sachgemäß erklärt, bester Weiser.

17.562 Ebenso begehe man ein eintägiges Fest aus besonderem Anlass oder zur Erfüllung eines Wunsches, jedoch ohne die zuvor genannten Prozessionsglieder wie das Fahnenhissen,

17.563 entsprechend den Mitteln, o Brahmane, mit besonderer Waschung und großer Speisedarbringung, nach Maßgabe des Vertrauens.

17.564 Zum maßgeblichen Mondhaus-Termin stelle man fünfundzwanzig Krüge mit Blättern, Blumen und Früchten auf und vollziehe damit die Waschung.

17.565 Im Monat Caitra unter Punarvasu begehe man das Frühlingsfest; am zwölften Tag der hellen Monatshälfte desselben Monats das Damanaka-Fest.

17.566 Die Verehrung in den vier Sitzen und die weiteren Handlungen vollziehe man wie beim Anlegen der Pavitra-Schnüre. Die verschiedenen Schmuckstücke, von der höchsten Ausführung an, fertige man aus Damanaka-Zweigen.

17.567 Dafür gibt es keine festgelegte Anzahl; man richte sich nach der Schönheit der Anordnung. Man stelle fünfundzwanzig Krüge auf und vollziehe damit die Waschung.

17.568 Beim ersten Krug beginnt die Rezitation: „Nārāyaṇa allein war …“, beim zweiten: „Als er in der Meditation verweilte …“ [Genannt werden Textanfänge, keine vollständigen Mantras.]

17.569 Beim dritten Krug: „Dann wiederum Nārāyaṇa …“; beim vierten ebenfalls: „Dann wiederum Nārāyaṇa …“. [Die Vorlage wiederholt denselben Textanfang.]

17.570 Beim fünften Krug: „Tausend Häupter hat der Puruṣa …“; beim sechsten: „Den Herrn des Alls, den Gebieter des Selbst …“.

17.571 Beim siebten: „Nārāyaṇa ist das höchste Brahman …“; beim achten: „Was immer in dieser Welt …“.

17.572 Mit dem neunten vollziehe man die Waschung unter „Den Unendlichen, Unvergänglichen, Seher …“; mit dem zehnten unter dem mit „atho niṣṭhyā vitastyām …“ beginnenden Abschnitt. [Der zehnte Textanfang ist beschädigt und daher nicht sicher zu übersetzen.]

17.573 Beim elften: „Ringsum mit Adern verbunden …“; beim zwölften: „In seiner Mitte ist ein großes Feuer …“.

17.574 Beim dreizehnten: „Es erwärmt den eigenen Körper …“; beim vierzehnten: „Inmitten einer dunklen Regenwolke …“.

17.575 Beim fünfzehnten: „In der Mitte seiner Flammenspitze …“; beim sechzehnten: „Den Gott, der alles beherrscht …“.

17.576 Dann vollziehe man die Waschung mit den Krügen der äußeren Umfassung. Beim östlichen spreche man: „In der äußeren Umfassung ist nicht …“. [Der Textanfang wirkt beschädigt oder durch den Ritualzusammenhang überlagert.]

17.577 Beim südöstlichen: „Aus dessen Nabellotus entstand …“; beim südlichen: „Das senkrechte Stirnzeichen tragend, das Höchste …“.

17.578 Beim südwestlichen: „Am rechten Arm, der Brahmane …“; beim westlichen den mit „viṣṇunāktam aśnanti …“ beginnenden Abschnitt. [Der letzte Textanfang ist beschädigt.]

17.579 Beim nordwestlichen: „Viṣṇu ist der Herr von Puruṣa und Urnatur …“; beim nördlichen: „Wer diese große Upaniṣad …“.

17.580 Beim nordöstlichen: „Oṃ ist dein erster Name …“; beim mittleren: „Ich bin der Puruṣa, Vāsudeva …“.

17.581 Oder man vollziehe die Waschung mit den sechzehn Mantras des Puruṣa-Sūkta der Reihe nach aus den Krügen der äußeren Umfassung.

17.582 Mit den zuvor genannten Mantras aus dem Brahma-Sūkta, jeweils zwei, vollziehe man danach die Waschung aus den Krügen der inneren Umfassung.

17.583 Unter den drei verbleibenden Mantras gieße man zuletzt aus dem mittleren Krug. Anschließend stelle man neun mit Kurkumapulver gefüllte Krüge auf,

17.584 verehre sie mit Arghya und den weiteren Gaben und stelle sich die Pulverhaufen so strahlend wie die Strahlen der Wurfscheibe vor. Mit ihnen übergieße man die Gottheit,

17.585 zur Beseitigung aller Hindernisse und zur Vervollständigung des Ganzen. Beim östlichen Krug beginne man mit „Am rechten Arm, der Brahmane …“,

17.586 beim südöstlichen mit dem als „nicikidvā suṣaṇam …“ überlieferten Textanfang, beim südlichen mit „pra te viṣṇo abja cakre …“. [Beide Anfänge sind beschädigt und werden nicht spekulativ ergänzt.]

17.587 Beim südwestlichen: „Mit diesen wir, des Weitausschreitenden …“; beim westlichen: „Das senkrechte Stirnzeichen tragend, mit dem Cakra-Zeichen versehen …“.

17.588 Beim nordwestlichen: „Das Reinigungsmittel … Feuer …“; beim nördlichen: „Der reine Fuß ist ausgebreitet …“. [Der erste Textanfang ist syntaktisch unvollständig.]

17.589 Beim nordöstlichen: „Das leuchtende Tor der Welt …“. Mit diesen acht Anrufungen und weiteren Sudarśana-Mantras

17.590 vollziehe man die Begießung, auch aus dem mittleren Krug, und gieße danach reines Wasser. Mit den zuvor genannten Brahma-Sūkta-Mantras am Ende der Mahopaniṣad,

17.591 den vier Mantras, den sechzehn Mantras des Puruṣa-Sūkta und den beiden Brāhmaṇa-Abschnitten über Vāsudeva und das zwölfsilbige Mantra,

17.592 ferner mit den vier allgegenwärtigen Mantras von Oṃ bis Pavitra, vollziehe man vorschriftsmäßig den tausendstrahligen Guss für die Gottheit.

17.593 Oder man vollziehe die gesamte Waschung allein mit dem zwölfsilbigen Mantra. Danach verehre man sie wie zuvor der Reihe nach mit sämtlichen übrigen Gaben.

17.594 Unter allen zuvor genannten Mantras oder unter dem zwölfsilbigen Mantra, o Zweimalgeborener, vollziehe man ein besonderes Feueropfer mit Opferhölzern, die in die drei süßen Stoffe getaucht sind.

17.595 Anschließend lege man vorschriftsmäßig den Damanaka-Schmuck an. Alles hier nicht eigens Genannte erfolgt wie beim Anlegen der Pavitra-Schnüre.

17.596 Im Monat Māgha unter Punarvasu, oder im Caitra, oder in beiden; im Vaiśākha unter Śravaṇa; im Śrāvaṇa unter Rohiṇī,

17.597 im Mārgaśīrṣa unter Ārdrā, im Āṣāḍha unter Hasta, im Kārttika unter Rohiṇī und an ähnlichen weiteren Terminen,

17.598 den Erscheinungstagen der göttlichen Herabkünfte, begehe man ein eintägiges Fest. Im Dorf, in der Stadt oder in sämtlichen Tempelumfassungen

17.599 vollziehe man einen Umzug mit glückverheißenden Spielen. In jeder Monatshälfte am zwölften Mondtag und ebenso Monat für Monat,

17.600 an Neumond, Vollmond, unter Śravaṇa und am folgenden Tag sowie an weiteren geeigneten Tagen handle man entsprechend seinen Mitteln und seinem Wunsch.

17.601 Auch beim Geburts-Mondhaus des Auftraggebers oder anderer Beteiligter, bei den beiden mit Caitra und dem entsprechenden Herbstmonat verbundenen Tagundnachtgleichen und bei beiden Sonnenwenden vollziehe man besondere, kleinere oder größere Feiern.

17.602 Ferner begehe man Jahr für Jahr zweimal das als Āgrayaṇa bezeichnete Erstlingsfest; besonders im Āṣāḍha unter Pūrvaphalgunī und im Puṣya. [Die Zuordnung von Monats- und Mondhausnamen ist in dieser Zeile nicht völlig eindeutig.]

17.603 Im Monat Māgha am fünften oder siebten Mondtag vollziehe man eine besondere Verehrung, entsprechend den Mitteln und dem Wunsch, o Zweimalgeborener.

17.604 Besonders am elften Tag der hellen Hälfte des Mārgaśīrṣa vollziehe man besondere Verehrung und lasse vor dem Herrn

17.605 die heiligen Āgamas und sämtliche Veden erklingen, ferner Itihāsas und Purāṇas, göttliche und menschliche Überlieferung,

17.606 und andere Texte, die den Veda erläutern und entfalten, in Sanskrit, Prakrit oder einer anderen Sprache, entsprechend dem eigenen Vertrauen.

17.607 Auch am zwölften Mondtag vollziehe man diese besondere Verehrung und bringe reichlich Milchreis oder mit Rohzucker gekochten Reis dar.

17.608 Nach Abschluss der Verehrung des erhabenen Herrn breche man das Fasten. Diese mit den beiden Mondtagen verbundene Observanz wird als vorzüglich bezeichnet.

17.609 Darüber hinaus kann man sie entsprechend den Mitteln und dem Wunsch verlängern: von diesem Beginn bis zum Vollmond oder bis zum fünften Tag der folgenden Hälfte,

17.610 bis zum zehnten Tag, bis zum Neumond oder wiederum bis zum fünften oder zehnten Tag. So kann sie entsprechend den Mitteln bis zu dreißig Tage dauern. [Die aufeinanderfolgenden Monatshälften sind nicht ausdrücklich benannt.]

17.611 Im Vaiśākha unter dem Mondhaus Viśākhā vollziehe man besondere Verehrung mit reifen Mangofrüchten, die mit Rohzucker, Milch und anderen Zutaten zubereitet sind.

17.612 Im Monat Kārttika am Kārttika-Vollmond vollziehe man besondere Verehrung und zeige dem Herrn zahlreiche große Lampen mit geklärter Butter und Öl.

17.613 Mit weiteren reinen Gaben wie Puffreis, geeigneten Speisen, reinen Früchten und Blumen verehre man ihn jeweils zur entsprechenden Zeit.

17.614 Im Monat Pauṣa unter Puṣya verbinde man die Verehrung mit einer besonderen Waschung. Am elften Tag der hellen Hälfte des Kārttika, vorzüglicher Brahmane,

17.615 faste man und verbringe die Nacht wachend. Den Herrn der Welt erfreue man dabei mit Liedern in den zur jeweiligen Zeit passenden Rāgas.

17.616 Zur Brahma-Muhūrta verehre man den allgegenwärtigen Herrn besonders und lasse Lieder, Hymnen und vielfältige Erzählungen vor ihm erklingen.

17.617 Alle Handlungen bis zum Feueropfer vollziehe man mit besonderer Sorgfalt. Wer vermag die Frucht des Verdienstes jener zu beschreiben,

17.618 die zu dieser Zeit singen oder dem Gesang zuhören? Lehrer oder Übende sollen das Fest in dieser Weise ausführen.

17.619 Die Lehrer tragen dabei stets Turban und Obergewand, jedoch keine Kañcuka-Jacke; die Übenden tragen eine solche Jacke, o Brahmane.

Spirituelle Erläuterung: Das Fest lässt Bhakti gemeinschaftlich sichtbar werden: durch Tragen, Singen, Zuhören, Speisegaben und die Sorge um jedes Detail. Die Bitte in 17.429–432 erkennt zugleich an, dass menschlicher Vollzug der Ergänzung bedarf. Besonders offen ist die Aufforderung in 17.604–606, heilige Überlieferung auch in anderen Sprachen erklingen zu lassen. Für Yoga-Aspiranten liegt darin eine Anregung, verständliches Studium, hingebungsvolle Praxis und gemeinsames Dienen miteinander zu verbinden.

Kapitel 18

Eingang. Glück und Segen! Achtzehntes Kapitel.

18.1 Sanaka sprach: Vorzüglicher Redner! Ich möchte die Mengen der Speisegaben und der übrigen Darbringungen bei den regelmäßigen, anlassbedingten und weiteren Opfern hören. Erkläre sie mir.

18.2 Śāṇḍilya sprach: Höre die neun Mengenstufen, o Brahmane, für regelmäßige, anlassbedingte, wunschbezogene und sühnende Rituale, sowohl im vollständigen als auch im Ersatzverfahren,

18.3 von der höchsten Stufe an für die Stoffe, beginnend mit der Prāpaṇa-Speise. Für eine einzelne Gottesgestalt zu einem Verehrungstermin bereite man diese Speise aus zwei Bhāras.

18.4 Dies heißt die höchste der höchsten Stufen. Die weiteren Mengen vermindere man der Reihe nach um jeweils ein Droṇa,

18.5 bis die geringste der geringen Stufen vier Droṇas beträgt. Dies ist das vollständige Verfahren. Höre nun das Ersatzverfahren.

18.6 Für eine Verehrung der Hauptgestalt gilt eine aus einem Bhāra bereitete Prāpaṇa-Speise als höchste der höchsten Stufen, bester Zweimalgeborener.

18.7 Um zwei Āḍhakas vermindert ergibt dies die mittlere der höchsten Stufen. In dieser Weise vermindere man weiter bis zur geringsten Stufe,

18.8 die dann zwei Droṇas beträgt, o Brahmane. Oder zwei Āḍhakas werden als geringste der geringen Stufen festgelegt.

18.9 Von dort aus vermehre man jeweils um ein halbes Droṇa. Die höchste der höchsten Stufen beträgt dann viereinhalb Droṇas, o Brahmane.

18.10 Bei Schwierigkeiten bereite man Prāpaṇa aus einem Āḍhaka oder, entsprechend den vorhandenen Mitteln, in einer Menge, die einem Menschen zur Mahlzeit genügt.

18.11 In gesonderten Gefäßen ist die Gabe jeweils mit zwei Āḍhakas oder der Hälfte davon anzurichten, bis zur Gesamtmenge von zwei Bhāras, o Zweimalgeborener.

18.12 Diese Regel gilt gleichermaßen für regelmäßige, anlassbedingte, wunschbezogene und sühnende Rituale. Größere Mengen gelten als Mahāhavis, große Opfergabe.

18.13 Bei der großen Reisspeise im Ersatzverfahren nennt der Text „zehn und eins“ Bhāras als höchste Stufe; man vermindere jeweils um ein Bhāra,

18.14 bis die geringste Stufe zwei Bhāras beträgt. Oder die höchste Stufe beträgt zwanzig Bhāras. [Die erste Reihe ergibt mit elf als Ausgangszahl nicht die angekündigten neun Stufen.]

18.15 Man vermindere dann jeweils um zwei Bhāras, sodass die geringste Stufe vier Bhāras umfasst. Höre nun das vollständige Verfahren.

18.16 Die höchste Stufe wird aus neunundzwanzig Bhāras bereitet. Jeweils drei Bhāras

18.17 ziehe man der Reihe nach ab, bis die geringste Stufe fünf Bhāras beträgt. Oder man verfahre folgendermaßen:

18.18 Die höchste Stufe umfasst fünfzig Bhāras. Durch Verminderung um jeweils fünf ergeben sich neun Stufen,

18.19 sodass die geringste zehn Bhāras beträgt. Beim Verfahren der großen Reisspeise kann man auch darüber hinausgehen, o Zweimalgeborener,

18.20 bis zu tausend Bhāras, entsprechend den Mitteln und dem Wunsch. Für die Mātrā-Gabe beträgt die höchste Menge geschälten Reises drei Āḍhakas.

18.21 Man vermindere jeweils um ein Prastha bis zur geringsten Stufe. Im vollständigen Verfahren beträgt die höchste Menge anderthalb Droṇas.

18.22 Man vermindere der Reihe nach jeweils um zwei Prasthas, sodass die geringste Stufe ein halbes Droṇa beträgt.

18.23 Für die geringste Speisegabe aus einem Āḍhaka beträgt die Mātrā-Gabe an geschältem Reis im vollständigen Verfahren ein Prastha, im Ersatzverfahren die Hälfte davon.

18.24 Entsprechend der Vermehrung der Speisegabe vermehre man auch die Mātrā-Gabe. Für die geringste Ausführung eines weiteren Verfahrens nennt der Text ein halbes Droṇa

18.25 als Mātrā-Gabe, im Ersatzverfahren ein Āḍhaka. Die höchste Mātrā-Gabe aus ungeschältem Reis ist doppelt so groß wie die aus geschältem. [Der Bezug des ersten Satzes zu 18.23 ist unklar.]

18.26 Die gleiche Menge gilt als mittlere, die Hälfte als geringere. Ebenso wie beim ungeschälten Reis sind die drei Stufen der Samengabe zu bemessen.

18.27 Sind die verschiedenen Samen nicht verfügbar, wird allein die Mungbohne empfohlen oder eine der anderen Samenarten, je nach Jahreszeit.

18.28 Die höchste Sesam-Mātrā entspricht der Menge des geschälten Reises, die mittlere der Hälfte, die geringere einem Viertel.

18.29 Die Menge richte sich nach dem Vermögen, ob jemand wenig besitzt oder wohlhabend ist. Bei einem Ritual ohne Waschung wird keine Mātrā aus ungeschältem Reis bereitet.

18.30 Die anderen Mātrā-Gaben sind bei jeder Verehrung vorgesehen. Die für die Hauptgestalt angemessenen Mengen dürfen bei den Nebenikonen

18.31 weder für Speisen noch für andere Darbringungen überschritten werden. Auch häufiger als bei der Hauptgestalt soll man ihnen keine Speisegaben und weiteren Gaben bereiten.

18.32 Bei der Tempelverehrung darf man die Speisegabe niemals unter ein Āḍhaka oder unter die für eine Person ausreichende Mahlzeit vermindern.

18.33 Auch die Mātrā-Mengen für geschälten und ungeschälten Reis soll man nicht unter ein Āḍhaka vermindern, bester Weiser. [Diese pauschale Grenze steht neben den kleineren Mengen in 18.23.]

18.34 Bei der Verehrung im eigenen Haus richte man sich nach Mitteln und Wunsch. Nun erkläre ich die Mengen der geklärten Butter und der übrigen Zutaten; vernimm sie.

18.35 Für ein Āḍhaka Reis gelten im vollständigen Verfahren drei Kuḍubas geklärte Butter als höchste der höchsten Stufen.

18.36 Durch Verminderung um jeweils eine Handvoll ergeben sich neun Stufen. Im Ersatzverfahren beträgt die höchste Buttermenge anderthalb Kuḍubas, o Brahmane.

18.37 Durch Verminderung um jeweils eine halbe Handvoll ergeben sich auch hier neun Stufen. Bei Reis mit Mungbohnen verdopple man die Buttermenge.

18.38 Entsprechend der Vermehrung der Speise vermehre man die Butter. Wurzeln und Früchte sind als Beilagen zuzubereiten.

18.39 Zwanzig Palas davon gelten bei einem Āḍhaka Reis als höchste der höchsten Stufen im vollständigen Verfahren.

18.40 Durch Verminderung um jeweils ein Pala ergeben sich neun Stufen. Im Ersatzverfahren beträgt die höchste Menge zwölf Palas;

18.41 man vermindere jeweils um ein Pala bis zur geringsten Stufe. Eine Beilage aus gespaltenen Mungbohnen bemesse man für ein Āḍhaka Reis wie die geklärte Butter.

18.42 Bei Reis mit Mungbohnen ist die höchste Bohnenmenge gleich der Reismenge; um ein Viertel vermindert gilt sie als mittlere.

18.43 Die Hälfte gilt als geringste; darunter soll man nicht gehen. Für ein Āḍhaka ist eine Kokosnuss vorgesehen,

18.44 die Hälfte als mittlere und wiederum deren Hälfte als geringste Menge. Salz, Pfeffer und weitere Gewürze verwende man angemessen.

18.45 Bei Milchreis beträgt die höchste Milchmenge das Achtfache des Reises, die mittlere ein Viertel weniger, die geringste die Hälfte der höchsten Menge.

18.46 Fehlt Milch, bereite man das Gericht mit Kokosmilch; oder man mische beide Milcharten zu gleichen Teilen.

18.47 Für ein Āḍhaka Rohzuckerreis gelten dreißig Palas Rohzucker als höchste Menge, zwanzig als mittlere und zehn als geringste. [Die Schlussbezeichnung ist verkürzt überliefert.]

18.48 Gespaltene Mungbohnen können bei Milchreis und Rohzuckerreis die Hälfte der Reismenge, die Hälfte davon oder auch die gleiche Menge ausmachen, nach der gewählten Zubereitung.

18.49 Für einen einzelnen Kuchen beträgt die höchste Teigmenge zwei Kuḍubas, die mittlere die Hälfte, die geringste wiederum die Hälfte davon.

18.50 Gespaltene Mungbohnen verwende man nach Wunsch in der Hälfte oder einem Viertel der Reismenge. Für einen solchen Kuchen sind sechs Palas Rohzucker vorgesehen,

18.51 oder bei Schwierigkeiten auch nur ein Pala. Dazu ein Pala Kokosnuss, die Hälfte oder ein Viertel davon.

18.52 Für einen Kuchen verwende man so viel geklärte Butter, wie zum Backen benötigt wird. Salz, Pfeffer und weitere Zutaten bemesse man angemessen wie zuvor.

18.53 Dreihundertsechzig Kuchen gelten als höchste Anzahl. Durch Verminderung um jeweils vierzig erreicht man zuletzt vierzig.

18.54 Achtzig Betelnüsse und achtzig Betelblätter bilden in dieser Berechnung eine Betelgabe, o Brahmane.

18.55 In Tempeln soll diese Menge niemals unterschritten werden. Im vollständigen Verfahren werden zweitausend Betelnüsse genannt,

18.56 dazu doppelt so viele Betelblätter; dies ist die höchste der höchsten Stufen. Man vermindere beide Größen der Reihe nach entsprechend der Angabe „achtzig, zweimal vier“,

18.57 sodass die geringste Stufe siebenhundertzwanzig Nüsse umfasst; die Zahl der Blätter

18.58 beträgt dann eintausendvierhundertvierzig, vortrefflicher Weiser. [Die Verminderung ist in 18.56 beschädigt; aus den Endwerten ergibt sich je Stufe ein Abzug von 160 Nüssen und 320 Blättern.] Nun werden die Mengen der Zutaten für eine Betelgabe genannt.

18.59 Kardamom, Gewürznelken, Lakkola und Jāti verwende man jeweils im Maß eines Viertel-Niṣka, ebenso Sandel und Kalkpulver.

18.60 Kampfer beträgt ein Achtel-Niṣka; hinzu kommen eine halbe Kokosnuss, eine halbe Zitronatzitrone und ein Achtel einer Handvoll Öl.

18.61 So vermehre man die Zutaten jeweils entsprechend der Gesamtmenge. Bei der höchsten Verehrungsstufe beträgt die Sandelmenge zwei Palas

18.62 und ein Viertel im vollständigen Verfahren. Man vermindere jeweils um zwei Niṣkas bis zur geringsten Stufe. Höre nun das Ersatzverfahren.

18.63 Hier beträgt die höchste Menge ein Pala und ein Niṣka. Man vermindere jeweils um ein Niṣka, sodass die geringste Sandelmenge ein Niṣka beträgt.

18.64 Vernimm die Sandelmenge für die Waschung im vollständigen Verfahren. Achtzehn Palas gelten als höchste der höchsten Stufen.

18.65 Man vermindere jeweils um zwei Palas bis zur geringsten Stufe. Im Ersatzverfahren beträgt die höchste Sandelmenge für die Waschung neun Palas.

18.66 Beim Feueropfer beträgt die Sandelmenge die Hälfte der für die Verehrung genannten oder gegebenenfalls die Hälfte davon. Nun wird die Safranmenge angegeben:

18.67 Sie entspricht der Sandelmenge bei der Verehrung, sowohl im vollständigen als auch im Ersatzverfahren. Auch Kampfer verwende man in dieser Menge oder in der Hälfte davon, bester Zweimalgeborener.

18.68 Für das als Haima bezeichnete Duftwasser beträgt die höchste Menge ein Āḍhaka und zwei Kuḍubas. Man vermindere jeweils um zwei Kuḍubas bis zur letzten Stufe.

18.69 Dies gilt für das vollständige Verfahren; im Ersatzverfahren verwende man die Hälfte. Die dunkle Körpersalbe beträgt im vollständigen Verfahren viereinhalb Niṣkas.

18.70 Durch Verminderung um jeweils ein halbes Niṣka entstehen neun Stufen. Im Ersatzverfahren werden die neun Mengen jeweils halbiert.

18.71 Dieselben Mengen wie für die dunkle Körpersalbe gelten für Mṛgamada und für Kastūrikā, die Moschusstoffe; auch sie werden neunfach bemessen.

18.72 Für die bei der Waschung genannten Duftstoffe beträgt die höchste Menge achtzehn oder neun Niṣkas; die Verminderung führe man so durch,

18.73 dass die geringste Stufe zwei beziehungsweise ein Niṣka beträgt. Nachdem man die Mengen und das Weitere so verstanden hat, bereite man Speisegaben und andere Darbringungen rituell vor.

18.74 Der leitende Lehrer verehre nach der von der Schrift genannten Reihenfolge. Ein Lehrer oder Übender soll die Speise stets durch die zuständigen Köche zubereiten lassen,

18.75 oder, wenn entsprechend Mantrakundige fehlen, sie selbst angemessen zubereiten. Nun werden die Regeln für die Anzahl der Lehrer und der weiteren Mitwirkenden genannt.

18.76 Bei einem selbstoffenbarten Heiligtum wie dem Śrīraṅga-Vimāna, hochgesinnter Weiser, und bei einem von Siddhas oder Göttern eingesetzten Tempel

18.77 bestimme man vier den Schriftregeln entsprechende Lehrer, oder acht, zwölf, sechs oder fünf, o Weiser.

18.78 Zusammen mit dem Hauptguru kann ihre Zahl jeweils um einen größer sein; oder die vorgeschriebene Gesamtzahl schließt ihn ein, großer Weiser.

18.79 Dieselben Zahlen gelten bei einem von Ṛṣis gegründeten Heiligtum. Auch bei einem von Menschen errichteten Ort verfahre man so.

18.80 Sind entsprechend geeignete Lehrer in der genannten Anzahl nicht verfügbar, bestimme man drei, zwei oder einen, hochgesinnter Weiser.

18.81 Für die Verehrung der Hauptikone und der weiteren Gestalten bestimmt man im vollständigen Verfahren Lehrer; bei einer mittleren Ausführung Lehrer zusammen mit Übenden; im Ersatzverfahren

18.82 allein Übende in der jeweils vorgeschriebenen Zahl. Man bestimme vier, sechs, acht oder zwölf Übende,

18.83 bei entsprechenden Mitteln auch sechzehn, jedoch keine andere Anzahl. So verfahre man bei allen fünf Arten von Heiligtümern, beginnend mit den selbstoffenbarten.

18.84 Nun wird eine Besonderheit der von Menschen gegründeten Orte erklärt. Bei einem Heiligtum, das von gesellschaftlichen Gruppen mit gemischter Ritualpraxis eingerichtet wurde,

18.85 gelten im vollständigen Verfahren die genannten Zahlen für Lehrer und Übende. Im Ersatzverfahren bestimme man zehn Verehrungsdiener

18.86 zusammen mit Lehrern in der zuvor angegebenen Anzahl für die Verehrung der Hauptikone; ihre Gesamtzahl ergibt sich daraus.

18.87 Bei fünf Lehrern sind es demnach fünfzehn. Sind ein, zwei oder drei leitende Lehrer bestimmt,

18.88 beträgt die Gesamtzahl entsprechend elf, zwölf oder dreizehn. Deshalb bestimme man nicht lediglich zehn Verehrungsdiener

18.89 ohne Lehrer, sondern verfahre nach der Schrift. An den anderen, nicht menschlich gegründeten Heiligtümern, beginnend mit den selbstoffenbarten, o Zweimalgeborener,

18.90 gelten stets die vorgeschriebenen Zahlen für Lehrer und Übende, bei regelmäßigen, anlassbedingten, wunschbezogenen und sühnenden Ritualen.

18.91 Dort soll man nicht die Zahl zehn festlegen, sondern die zuvor erläuterte Ordnung verwenden, sowohl für die Hauptikone und die anderen inneren Gestalten als auch für die äußeren Bildgestalten.

18.92 Andernfalls entsteht nach dem Text ein schwerer Fehler für König und Reich und große Gefahr für das Heiligtum, den Ausführenden und den Auftraggeber.

18.93 Deshalb bestimme man die jeweilige Anzahl nach dem genannten Verfahren. Die Begleitgottheiten können durch vier, sechs, acht,

18.94 zwölf oder sechzehn dafür bestimmte Übende verehrt werden. Im Gopura, im Pavillon, in der Halle, im Hof, in einer Galerie oder an ähnlichen Orten

18.95 kann eine Vibhava-Gestalt, eine Erscheinungsform oder eine weitere Haupterscheinung eingesetzt sein, o Zweimalgeborener. Für die Verehrung jeder solchen Gestalt

18.96 bestimme man vier, sechs, acht, zwölf oder sechzehn Übende, o Brahmane.

18.97 Dieselben können auch für die Begleitgottheiten bestimmt werden. Für die regelmäßige Verehrung der im Gopura und an den übrigen Orten eingesetzten Ikonen

18.98 soll man grundsätzlich Lehrer bestimmen. Fehlen entsprechend Geeignete, verwende man Brahmanen, die allein dieser Verehrung zugewandt und für die Stelle bei den Begleitgottheiten geeignet sind,

18.99 oder eingeweihte Brahmanen, die die Handlungen kennen und geschickt ausführen. An selbstoffenbarten Orten wie Śrīraṅga werden die Diener

18.100 mit achtzig angesetzt; dieselben übernehmen auch das Kochen. An einem von Siddhas eingesetzten Heiligtum werden sie mit siebzig angegeben.

18.101 An einem von Göttern eingesetzten Heiligtum sind es sechzig, an einem von Ṛṣis gegründeten zweiundzwanzig, an einem von Menschen errichteten dreißig oder zwanzig.

18.102 Oder man bestimme für die Zubereitung eines Bhāra Speise und die entsprechenden Arbeiten vier oder drei Ekāyana-Brahmanen oder Eingeweihte.

18.103 Mit der Anzahl der Bhāras vermehre man die Zahl entsprechend; für sechs Bhāras nennt der Text zwölf oder achtzehn, o Zweimalgeborener. [Die erste Zahl passt nicht zum zuvor angegebenen Verhältnis.]

18.104 Für die Zubereitung von Betel und Kuchen bestimme man je einen Diener, für den inneren Tempeldienst ebenfalls einen.

18.105 So werden insgesamt vierzig Diener genannt. Bei der Zubereitung von fünfzehn Bhāras Reis sollen sie viermal so zahlreich sein. [Die Zahlenangaben sind mit den folgenden Summen nicht widerspruchsfrei vereinbar.]

18.106 Für Kuchen bestimme man zwei, für Betel zwei und für den inneren Tempeldienst vier Diener.

18.107 So soll die Zahl bei der Zubereitung von fünfzehn Bhāras Speise achtzig betragen. Darüber hinaus vermehre man sie entsprechend der jeweiligen Bhāra-Menge.

18.108 Auch eine Verminderung soll stets nach entsprechender Überlegung erfolgen. So verfahre man, wenn für ein Bhāra drei Personen bestimmt sind;

18.109 bei vier Personen vermehre man entsprechend diesem Verhältnis. Übende und Köche stehen unter der Leitung des Lehrers.

18.110 Sämtliche Köche und Diener sollen stets bereit sein, die Anweisungen der Lehrer und Übenden auszuführen.

18.111 Die Köche werden in den Schriften als Paricārakas, Diener, bezeichnet. Es gibt zwei Arten: solche des inneren und solche des äußeren Dienstes.

18.112 Zum inneren Dienst gehören die Köche und die im Heiligtum tätigen Helfer; zum äußeren diejenigen, die Blumen und die übrigen benötigten Dinge herbeibringen.

18.113 Auch alle anderen, die für bestimmte Arbeiten angestellt sind, stehen entsprechend ihren Aufgaben unter der Leitung des Lehrers.

18.114 Träger und Sänger vermehre man angemessen nach dem bei den Köchen beschriebenen Verhältnis; ebenso bestimme man die übrigen Arbeitskräfte.

18.115 Vier Lehrer, sechzehn Übende und achtzig Köche beziehungsweise Diener sind vorgesehen.

18.116 Die vier Lehrer gehören hierbei der Ekāyana-Tradition an. Dies gilt als vollständiges Verfahren. Ist es nicht möglich, hochgesinnter Weiser,

18.117 gilt ihre Verbindung mit anderen Eingeweihten als mittlere Ausführung, die entsprechende geringere Besetzung als geringste. Auch bei den übrigen Anzahlen, o Zweimalgeborener,

18.118 bestimme man durch entsprechende Überlegung die höchste und die weiteren Formen. Man setze dort Personen ein, die durch Putra-Dīkṣā und die zugehörige Weihe geheiligt sind,

18.119 oder durch Samaya-Dīkṣā und deren Weihe, nicht anders. Lehrer gemeinsam mit Übenden oder gegebenenfalls Übende allein kommen dafür infrage, o Zweimalgeborener.

18.120 Für die äußeren Dienste bestimme man Samaya-Eingeweihte, auf eine andere Weise Eingeweihte oder auch nicht Eingeweihte.

18.121 Noch eine weitere Besonderheit wird erklärt; höre sie. Sanaka sprach: Herr der Weisen! Anzahl und Mengen der Speisegaben und der übrigen Darbringungen sind genannt.

18.122 Nun erkläre ihre Maße noch genauer, die verschiedenen Arten von Reis, Mungbohnen und anderen Stoffen, ihre Zubereitung unter den Mantras,

18.123 die Art der Darbringung und die Verteilung an die Mitwirkenden. All dies zeige mir, der ich danach frage, vollständig und sachgemäß.

18.124 Śāṇḍilya sprach: Höre, ich werde dir genau erklären, wonach du gefragt hast, o Weiser: Durch die rechte Zubereitung wird die Verehrung vollständig.

18.125 Die Opfergabe wird dreifach genannt: regelmäßig, anlassbedingt und wunschbezogen. Höre zuerst die Merkmale der Speisegabe für die regelmäßige Verehrung.

18.126 Ein Mensch von mittlerer Größe ist acht seiner eigenen Handspannen hoch. Vom Mittelfinger eines solchen leitenden Lehrers

18.127 fließt über zwei Fingerglieder ein Tropfen; dieser gilt als Bindu. Zweiunddreißig Bindus bilden eine Truṭi, zwei Truṭis eine Śukti, zwei Śuktis ein Prasṛta.

18.128 Zwei Prasṛtas ergeben ein Prakuñja, zwei davon ein Kuḍuba. Zwei Kuḍubas bilden eine Mānikā, zwei Mānikās ein Prastha.

18.129 Zwei Prasthas heißen Śama, zwei Śamas ein Āḍhaka. Zwei Āḍhakas bilden ein Śiva, das Doppelte davon ein Droṇa.

18.130 Zwei Droṇas bilden eine Khārī, drei Khārīs einen Bhāra. Ungeschälter und geschälter Reis, Mungbohnen und andere trockene Stoffe, ebenso Dickmilch, Milch und weitere Flüssigkeiten

18.131 werden beim Bereiten der Opfergaben nach diesem Maßsystem bemessen. Vier Reiskörner bilden einen Kuñja, acht Kuñjas ein Māñjiṣṭha.

18.132 Hundertsechzig davon ergeben ein Niṣka, acht Niṣkas ein Pala. Duftstoffe wie Sandel, Rohzuckerstücke,

18.133 Bananen, Jackfrüchte, Mangos und Gemüse wie Kürbis werden auf einer Waage nach den genannten Pala-Mengen abgewogen.

18.134 Nach Kenntnis dieser festgelegten Maße beschaffe man für die Opfergaben Śāli-Reis, Mungbohnen, Gerste, schwarze Bohnen, Weizen und Priyaṅgu,

18.135 ferner Sesam. Diese sieben kultivierten Pflanzenarten sind für Caru geeignet. Bambussamen, Śyāmāka, Wildreis, wilder Sesam und Gavīdhuka,

18.136 Markaṭa und Kanaka gelten als die sieben wild wachsenden Arten. Unter ihnen ist Reis vorzuziehen; die anderen verwendet man, wenn dieser fehlt.

18.137 Die Reisarten sind roter Reis, Mahāśāli, Kalama, Duftreis, weißer Reis, begrannter Reis, goldglänzender Reis und Garbhaśāli,

18.138 ferner Sukumāra und Sūkṣma: Diese zehn werden genannt, mit vielen Unterarten. Sieben Mungbohnenarten werden beschrieben:

18.139 Munga, schwarze, goldfarbene, weiße, gelbe, besonders große und solche mit dem Glanz von Augenschminke. Dies sind die sieben genannten Unterarten. [Die erste Bezeichnung ist beschädigt.]

18.140 Weiße, schwarze, gelbe, wilde und große Sesamsamen bilden die fünf als geeignet bezeichneten Sesamarten.

18.141 Die von Bauern von einem der Gottheit gehörenden Feld eingebrachten Arten von Reis, Mungbohnen und anderem sind für die Verehrung des Herrn zu verwenden.

18.142 Sie sollen frei von acht Fehlern sein, beginnend mit unerwünschtem Herabfallen beziehungsweise Verunreinigung. Zum Enthülsen bringe man sie zunächst in das Stampfhaus,

18.143 dessen Boden mit Kuhdung bestrichen, mit weißem Kalk und anderem geschmückt und unter dem „hundertstrahligen“ Pavitra-Text mit Kuśa-Wasser gereinigt ist.

18.144 Dort stellen eingeweihte, beherrschte Brahmanen, die das Cakra und die weiteren Zeichen tragen, nach Osten oder Norden gewandt unter Oṃ

18.145 nach gründlichem Bad die Mörser aus Metall, Holz, Stein oder Ton ringsum auf. Mit gewaschenen, festen Stößeln aus Khadira-Holz

18.146 stampfen sie unter dem zwölfsilbigen Mantra. Mithilfe von Worfelkörben machen sie den Reis frei von Hülsen und feinen Bruchstücken.

18.147 Sie stampfen ihn, bis er wie Perlen glänzt. Die Körner sollen ungebrochen, nicht verkümmert und frei von schwarzen Flecken sein.

18.148 Ebenso sind die gespaltenen Mungbohnen gehaltvoll und hülsenfrei zu bereiten. Fehlen Eingeweihte, kann das Stampfen durch rechtschaffene Brahmaninnen,

18.149 durch eingeweihte Śūdras oder Tempeldienerinnen im Gotteshaus für die Zubereitung der Opfergaben und die weiteren Arbeiten geschehen.

18.150 Der Lehrer kann auch Reis entgegennehmen, der im reinen Haus von Vaiṣṇavas oder Eingeweihten vorschriftsmäßig enthülst wurde.

18.151 Er sei frei von Bruchstücken und Hülsen, von Würmern, Haaren, Steinchen und Körperteilen von Lebewesen,

18.152 ferner von Asche und Kohle; die Körner seien ungebrochen und nicht zu leicht. Bruchstücke werden im Text mit Krankheit, Hülsen mit Armut verbunden,

18.153 Würmer mit dem Verlust eines Sohnes, Haare mit dem Verlust der Ehefrau, Steinchen mit Tod durch Blitz, Feuer oder Wasser,

18.154 tierische Körperteile mit Krankheiten, Asche mit Streit, Kohlen mit Feuersgefahr und zerbrochene Körner mit einer Niederlage im Kampf.

18.155 Zu leichte Körner werden mit Verbannung verbunden; deshalb soll man sie ausscheiden. [Traditionelle rituelle Vorzeichendeutung.] Sämtliche zuvor vorgesehenen und als geeignet befundenen Materialien

18.156 sollen die Lehrer gemeinsam mit den Übenden und Köchen beschaffen. Dann begeben sie sich ins Stampfhaus, wo Reis und die übrigen Stoffe bereitstehen.

18.157 Unter dem Textanfang „brahmaśukram iva …“ blicken sie diese mit dem Augenmantra an und reinigen sie wie zuvor durch die vorgestellten Vorgänge des Verbrennens und Wiederbelebens.

18.158 Reis und die übrigen Stoffe füllt man zum Kochen in reine, weite Gefäße aus Rohrgeflecht oder anderen geeigneten Materialien.

18.159 Geschickte Diener heben die jeweiligen Gefäße auf; sie sind gründlich gebadet, ordentlich gekleidet und haben den Mund mit einem Tuch bedeckt.

18.160 Unter glückverheißendem Muschelhornklang und weiterer Musik bringt man sie ins Kochhaus. Nördlich neben dem Eingang, an einer mit Kuhdung bestrichenen Stelle,

18.161 setzt man die Gefäße der Reihe nach ab. Rohzucker, Beilagen und Würzstoffe wie Salz

18.162 stellt man im Nordwesten auf; Dickmilch, Milch und geklärte Butter im Südwesten, ebenso die Geräte für das Feueropfer.

18.163 Unter den vier allgegenwärtigen Mantras wäscht man Reis und die übrigen Stoffe viermal mit Wasser, das durch ein Tuch gefiltert wurde,

18.164 sodass sie frei von Steinchen, Hülsen und Bruchstücken sind. Eine aus ungekochten, enthülsten Reiskörnern bereitete Gabe,

18.165 mit Kuhmilch und geklärter Butter vermischt, mit Rohzuckerstücken und Früchten versehen, ohne Lauge und Salz, heißt Speiseopfer für die Götter.

18.166 Mit Milch, geklärter Butter und Rohzucker gekocht, heißt sie Paramānna, vorzügliche Speise. Sind diese Zutaten nicht vorhanden, gilt mit Butter begossener schlichter Reis als Opfergabe.

18.167 Ohne Lauge und Salz, mit Rohzucker, Milch und Früchten bereitet, ist sie die vorzügliche Speisegabe für Befriedungsrituale und Gelübdeopfer.

18.168 Milchreis, Rohzuckerreis, Reis mit Mungbohnen, schlichter Reis, Reis mit Dickmilch, Sesamreis, Kurkumareis und Reis mit sämtlichen Zutaten:

18.169 Diese acht Arten gelten als der Gottheit wohlgefällige Opfergaben. Alle begieße man mit geklärter Butter und bringe sie mit Beilagen dar.

18.170 Für ihre Zubereitung bereite man im Voraus Kochtöpfe aus Metall oder Ton mit zugehörigen Deckelschalen vor.

18.171 Nach einer Fingerbreite, die von der Daumenbreite des leitenden Lehrers abgeleitet ist, sollen die Kochtöpfe sechzehn Fingerbreiten hoch sein.

18.172 Davon misst der Topfbauch zwölf Fingerbreiten in der Höhe. Seine Grundbreite wird mit einer Kalā bemessen. [Die letzte Maßangabe ist im Verhältnis zu den übrigen Maßen unklar.]

18.173 Am Hals bringe man vier umlaufende Linien im Abstand von jeweils einer Fingerbreite an. Höhe und Breite des so beschriebenen Gefäßes

18.174 vergrößere man für die mittlere Ausführung um die Hälfte und für die höchste auf das Doppelte. So ist die Form der Kochtöpfe beschrieben.

18.175 Höre nun die Merkmale der anderen Schalen, vortrefflicher Weiser. Mit einer acht Fingerbreiten langen Schnur schlage man auf dem Boden einen Kreis.

18.176 In der Mitte ergibt sich ein Bauch von sechzehn Fingerbreiten Weite und bis zu acht Fingerbreiten Höhe, in der Form eines Halbmondes.

18.177 Der Hals ist drei Fingerbreiten hoch, der obere Rand zwei. Die Öffnung ist einschließlich des Randes zehn Fingerbreiten weit.

18.178 Vom oberen Hals bis zum unteren Ende des Bauches bestimme man die Form durch zwei gerade Messlinien und gestalte sie gerundet; die vier umlaufenden Linien sind wie zuvor anzubringen. [Die technische Formulierung ist beschädigt.]

18.179 Entsprechend der Anzahl der Speisegaben bereite man zahlreiche Kochtöpfe und weitere Gefäße vor. Für sämtliche Beilagengefäße sollen die Deckel

18.180 etwas größer als die jeweilige Öffnung und aus demselben Material gefertigt sein, schön rund und wie ein Viertelmond gewölbt.

18.181 Auch die anderen zum Kochen benötigten Gefäße bereite man entsprechend der mittleren oder höheren Ausführung durch sachgemäße Überlegung vor, vortrefflicher Weiser.

18.182 Für in geklärter Butter gebratene Beilagen verwende man eine eiserne Bratplatte; für das Kochen der Milch zahlreiche Wannen und Kessel.

18.183 Für das Bereiten der geklärten Butter und der Kuchen stelle man die erforderlichen Gefäße zusammen und beschaffe vorschriftsmäßig auch die übrigen Materialien.

18.184 Dann beginne man die Zubereitung der Opfergaben nach dem nun beschriebenen Verfahren. Das Kochfeuer nehme man aus der Grube des häuslichen Verehrungsfeuers,

18.185 setze es unter Oṃ in den Herd und lege unter dem mit „sapta te agne …“ beginnenden Text Brennholz geeigneter Opferbaumarten nach,

18.186 frei von Würmern und Insekten. Unter dem mit „jyotir …“ beginnenden Mantra fache man es mit einem Fächer an. Dann wasche man die kupfernen Kochtöpfe

18.187 mit Tamarindenwasser, die tönernen mit reinem Wasser. Der Mantrakundige vollzieht die Reinigung unter dem zwölfsilbigen Mantra und dem Vīrya-Mantra.

18.188 Unter dem Vyūha-Mantra bestreicht er die Innenseiten mit geklärter Butter. Unter der Viṣṇu-Gāyatrī gibt er den Reis hinein.

18.189 Unter dem Textanfang „ambhasy apāre …“ und dem Herzmantra gießt er Wasser über den Reis in den einzelnen Gefäßen.

18.190 Für ein Āḍhaka Reis sind sechs Prasthas Wasser vorgesehen. Unter dem Mantra zum Beginn der Handlung setzt man die Töpfe auf den Herd.

18.191 Mit dem Cakra-Mantra bedeckt man sie der Reihe nach mit den Deckeln. Während des Kochens hebt man die Deckel unter dem Vīrya-Mantra an und prüft das Kochgeräusch,

18.192 blickt unter dem Augenmantra hinein, hebt mit dem Löffel den Reis vom Boden auf, rührt viermal um und bedeckt die Töpfe erneut unter dem Cakra-Mantra. [Der Bezug des Wortes „mūla“ auf Boden oder Wurzelmantra ist hier nicht ganz eindeutig.]

18.193 Ist die Speise gar, gießt man das Wasser nicht ab. Unter dem zwölfsilbigen Mantra beträufelt man sie mit geschmolzener Butter von der Kuh.

18.194 Unter dem mit „śucīn satkriyata …“ beginnenden Mantra stellt man sie auf einen Untersatz, auf gereinigten Boden oder auf eine mit Reis bestreute Fläche.

18.195 So nimmt man die fertig bereiteten Opfergaben mit beiden Händen vom Herd und wäscht die Gefäße außen mit Wasser ab, das mit dem Waffenmantra besprochen ist.

18.196 Unter demselben Mantra reibt man sie mit einem reinen Tuch ab. Mit in Wasser verrührter Asche und den Namen Vāsudevas und der übrigen Gestalten

18.197 bringt man mit Zeigefinger und weiteren Fingern ringsum senkrechte Puṇḍra-Zeichen an. Dann bedeckt man sie mit Deckeln und gewaschenen Tüchern.

18.198 Damit ist besonders die Zubereitung des schlichten Reises genau erklärt. Nun erläutere ich die anderen Zubereitungen, beginnend mit Paramānna.

18.199 Bei Milchreis verwende man gehaltvolle Mungbohnen in einem Viertel der Reismenge; ebenso viel geklärte Butter. Die Milchmenge wurde bereits genannt,

18.200 hier als das Vierfache der Reismenge, zusammen mit pulverisiertem Zucker. Man bereite alles unter den Mantras nach dem für schlichten Reis genannten Verfahren zu. [Die Milchmenge weicht von 18.45 ab.]

18.201 Kuhmilch füge man unter dem mit „Der Schwan im Reinen …“ beginnenden Mantra hinzu. Fehlt sie, verwende man Kokosmilch.

18.202 Deren Zugabe als Ersatz für Kuhmilch geschieht unter dem Textanfang „abjā gojā …“. Beim Rohzuckerreis lässt man die Milch weg und verwendet Zuckerrohrsaft

18.203 oder die genannten Rohzuckerstücke entsprechend der Milchmenge. Rohzucker und die weiteren Ersatzstoffe gibt man unter demselben Mantra wie die Milch hinzu.

18.204 Bei Reis mit Mungbohnen füge man dem Reis gehaltvolle Mungbohnen bei. Für schlichten Reis wurde die Zubereitung bereits erklärt; er wird besonders mit geklärter Butter begossen.

18.205 Beim Dickmilchreis beträgt die Dickmilchmenge die Hälfte der Milchmenge. Man fügt Bananen, Jackfrüchte, Mangos und anderes sowie Rohzuckerstücke hinzu,

18.206 außerdem pulverisierten Zucker. Beim Kṛsara-Reis verwende man Mungbohnen. Für ein Āḍhaka Kurkumareis ist ein Pala Kurkumapaste vorgesehen,

18.207 zusammen mit gehaltvollen Mungbohnen, Rohzuckerstücken und anderem. Beim gemischten Reis fügt man von allem etwas hinzu, mit Milch und geklärter Butter durchtränkt.

18.208 Für Befriedung wird die mit Milch bereitete Speise verwendet, für Gedeihen die mit Rohzucker, für das Gewinnen von Einfluss die mit Mungbohnen, für Heranziehung die mit Dickmilch.

18.209 Kṛsara-Reis dient den Ahnenriten, nach dem Text auch tödlich oder vertreibend gemeinten Ritualen; Kurkumareis der Hemmung, gemischter Reis der Verwirrung. [Historische Zuordnung von Ritualzwecken.]

18.210 Schlichter Reis ist allgemein verwendbar. Bei Prozessionen, Jagdausflügen und ähnlichen Feiern ist besonders Dickmilchreis in einem goldenen oder silbernen Gefäß vorgesehen,

18.211 mit Pfeffer, trockenem Ingwer, Likuca-Frucht und Tamarindensaft vermischt. Man würzt ihn mit Kreuzkümmelpulver und weiteren geschmackgebenden Stoffen.

18.212 Als Beilagen eignen sich die verschiedenen Geschmacksrichtungen der beiden Jackfruchtarten und verschiedener Mangosorten, jahreszeitgemäß und nicht überreif,

18.213 ferner Bṛhatī, Gurke, Aubergine, Kürbis, Bittergurke und Kārkoṭa-Früchte,

18.214 die beiden Paṭola-Arten, Kośātakī, Flaschenkürbis, Karkarī, verschiedene Nimba-Arten und Tamarindenfrüchte,

18.215 kleine Knollen, die beiden Arten von Rankengewächs-Knollen, die beiden Sūraṇa-Arten und die beiden Piṇḍāraka-Arten,

18.216 außerdem Teile von Lotus und Wasserlilie, die für Opfergaben besonders geeignet sind. Speisereste, von Würmern angefressene oder von Schakalen und anderen Tieren angebissene Stoffe,

18.217 solche, an denen gerochen wurde, die Speichel berührt hat, die an unreinen Orten gewachsen sind, mit Füßen berührt wurden, außerhalb ihrer Zeit entstanden oder an unreinen Orten gesammelt wurden,

18.218 bereits gegessene Reste, von als unberührbar geltenden Personen Berührtes und Reste früherer Gaben soll der Mantrakundige nach sorgfältiger Prüfung beim Kochen ausscheiden. [Die sozialen Reinheitsregeln geben die historische Ordnung des Textes wieder.]

18.219 Als Blattgemüse koche man Jīvantī, Vāstuka, Bittergurkenblätter, Flaschenkürbisblätter, Piṇḍī, Camū und Mungbohnenblätter,

18.220 Śākinī, Śataparvan, Śvāsamardita und Āgastya sowie andere für Brahmanen zugelassene Gemüsearten. [Mehrere Pflanzenbezeichnungen sind botanisch nicht sicher zuzuordnen.]

18.221 Auch andere Wurzeln darf man verwenden, sofern sie nicht untersagt sind. Unter dem Vīrya-Mantra schneidet man sie mit dem Messer,

18.222 prüft Gemüse und die übrigen Stoffe gründlich auf Würmer und Insekten und wäscht sie in Gefäßen mit reichlichem Wasser.

18.223 Wie zuvor gibt man sie einzeln oder gemischt in die Kochtöpfe und bereitet sie mit Steinsalz, Pfeffer, Senf und Kreuzkümmel,

18.224 mit Śrīparṇī-Blättern, Kokosmilch, weich geriebenem Kokosfleisch und geklärter Butter zu.

18.225 Dazu kommen Linsen, schwarze Bohnen, Nimba und andere Zutaten sowie gespaltene Mungbohnen. Mungbohnen und andere Hülsenfrüchte bereite man mit Brühe oder ohne Brühe und mit Salz

18.226 sowie den verschiedenen Würzstoffen zu. Enthülste Mungbohnen koche man mit Milch,

18.227 vermenge sie mit Pfeffer, Kreuzkümmel, Salz und geklärter Butter und zerdrücke sie mit einem Löffel oder anderen Geräten zu einem saftigen Hülsenfruchtgericht.

18.228 In Töpfen und Schalen zuvor gegarte Bananen, Jackfrüchte, Kokosnüsse,

18.229 Kürbis, Bṛhatī, Pūga, Bittergurken, kleine Knollen, Rankengewächs-Knollen und Piṇḍāraka

18.230 verteile man auf weiten, mit geklärter Butter bestrichenen und erhitzten Bratplatten oder entsprechenden Gefäßen.

18.231 Mit Pfefferpulver, Kreuzkümmel und geklärter Butter erhitzt man sie, bis sie saftig sind, und wendet sie immer wieder mit einem Löffel.

18.232 Danach legt man sie in Gefäße und bedeckt sie mit Tüchern oder anderen Abdeckungen. Getrocknete oder frische Früchte wie Mango

18.233 bereite man mit Tamarinde, Rohzucker, Pfeffer, Kreuzkümmel, Kokosmilch und zerstoßenem Senf.

18.234 Eine Zubereitung aus Mangofruchtfleisch versehe man mit Salz. Frischen Ingwer, zerteilt oder ungeteilt,

18.235 würze man mit Salz und Likuca-Fruchtsaft. Bananen, Jackfrüchte und Mangos kann man auch unvermischt darreichen.

18.236 Aus Weizen- oder Reismehl, vermengt mit eingekochtem Rohzucker, gekochten Mungbohnen und Kokosstückchen,

18.237 mit Kreuzkümmel und Pfeffer, backe man Kuchen in geklärter Butter: schön rund, mangoähnlich oder in der Größe von Āmalaka-Früchten,

18.238 wie Banyanfrüchte oder in der Form von Likuca und anderen Früchten, innen mit Mungbohnen gefüllt und rundum saftig.

18.239 Mit Rohzuckerteig gebunden, auch kokosnussförmig und in vielen weiteren Ausführungen, bereite man die Kuchen in geklärter Butter zu.

18.240 Aus geschältem oder ungeschältem Reis gewonnene, im Feuer aufgeplatzte und leichte Körner vermenge man mit eingekochtem Rohzucker,

18.241 Pfefferpulver, zerkleinertem Kreuzkümmel und getrocknetem Kokosfleisch. So bereite man auch die Reisflocken zu.

18.242 Geröstetes Reismehl, mit Kreuzkümmel und anderen Zutaten vermischt und mit eingekochtem Rohzucker gebunden, forme man zu einzelnen Kugeln.

18.243 Dies ergibt die Saktu-Zubereitung. Eine ebenso aus gut geröstetem Sesam bereitete Kugel heißt Sesamkugel und gilt der Gottheit stets als wohlgefällig.

18.244 Milch koche man gut ein, bis sie dick wird, und versehe sie mit pulverisiertem Zucker. Feste Dickmilch mische man mit Honig und geklärter Butter.

18.245 Dickmilch kann man auch mit jungen, zerkleinerten Gurken und Mangos, trockenem Senf und Pfeffer vermischen.

18.246 Reinen, gefilterten Bienenhonig stelle man in einem eigenen Gefäß bereit. Aus zerdrückten Weintrauben, Jackfrüchten, Bananen und Mangos gewonnene Säfte,

18.247 mit Rohzucker verrührt und mit Kreuzkümmel und anderen Zutaten versehen, heißen Rasāla; mit Dickmilch vermischt bilden sie ein Getränk.

18.248 Oder man mische allein Dickmilch mit der gleichen Menge Wasser. [Dieser Halbvers steht in der Vorlage zweimal.] Man quirle die Mischung, gebe Pfeffer hinzu und würze mit Salz.

18.249 Mit pulverisiertem Zucker versehen, gilt dieses Getränk als ermüdungslindernd. Die Mantras zur rituellen Zubereitung der Reisspeisen wurden bereits genannt.

18.250 Die übrigen Stoffe bereitet man unter dem zwölfsilbigen Mantra oder dem Herzmantra; oder man bereite alles unter dem Wurzelmantra mit seinen Gliedmantras,

18.251 unter der Viṣṇu-Gāyatrī oder den fünf Upaniṣad-Mantras zu. Nachdem man Paramānna und die weiteren Speisen samt Beilagen der Reihe nach bereitet hat,

18.252 stellt man die Gefäße auf Bretter oder andere Träger und versieht sie mit senkrechten Puṇḍra-Zeichen und weiterem Schmuck. Vom Kücheneingang bis zum Tempeleingang

18.253 führe der Weg über einen mit Kuhdung gereinigten und weißem Kalkpulver geschmückten Boden; ein unter dem Waffenmantra ausgegossener Wasserstrahl gehe voraus.

18.254 Muschelhörner, weitere Instrumente und glückverheißende Lieder begleiten den Zug, ebenso Licht- und Schirmträger, die auf den Schutz der Speisegaben achten,

18.255 und andere mit Stäben, die als ungläubig bezeichnete Personen fernhalten. Die Diener seien gebadet, weiß gekleidet, geschickt und mit gewaschenen Füßen,

18.256 nach dem Mundspülen, mit Kuśa in der Hand, mit senkrechten Stirnzeichen aus Erde, Sandel oder anderen geeigneten Stoffen, in Gedanken, Worten und körperlichen Handlungen beherrscht.

18.257 Sie tragen weiße Oberkleider, bedecken Mund und Nase und tragen die Gefäße unter dem Bala-Mantra.

18.258 In einem weiten Pavillon vor dem Hauptheiligtum oder in der südlichen Galerie der ersten Tempelumfassung,

18.259 an einem gut geschützten, mit schönem Baldachin, Lampenreihen und anderem geschmückten Ort, stelle man sie auf mit Tüchern bedeckte Bretter oder andere Unterlagen.

18.260 Schalen aus Gold, Silber oder Kupfer, der Menge der Opfergaben entsprechend, wasche man mit Waffenmantra-Wasser sauber.

18.261 Mit der rechten Hand berührt man sie unter demselben Mantra und gießt dann unter Oṃ ringsum einen Strahl geklärter Butter hinein.

18.262 Schweigend nimmt man Milchreis und die weiteren Speisen mit einem Löffel aus Gold oder einem anderen geeigneten Stoff aus den Kochtöpfen und füllt sie der Reihe nach auf die Schalen.

18.263 Man begießt sie mit geklärter Butter, ordnet die wohlschmeckenden Beilagen ringsum an und stellt Becher mit Dickmilch, Milch und weiteren Gaben dazu.

18.264 Die verschiedenen fertig bereiteten Kuchen, Reisflocken und anderen Speisen sowie die unterschiedlichen Getränke stellt man jeweils in eigenen Gefäßen bereit.

18.265 Kühles Trinkwasser, mit Kampfer, Sandelpulver und Blumen beduftet, hält man in Wasserkrügen und ähnlichen Gefäßen unter Tuchbedeckung bereit.

18.266 Betel bereite man mit Kardamom, Gewürznelken, Takkola, Jāti und Betelnuss, mit Kampferöl vermischt und mit einer Klinge zerkleinert,

18.267 zusammen mit Betelblättern, Kalkpulver und Kampfer. Diese Betelgabe lege man in lotusförmige Gefäße.

18.268 Sandel und die weiteren Duftstoffe sowie die verschiedenartigen Girlanden stelle man an die vorgesehenen Plätze. Durch den leitenden Verehrer

18.269 lassen die für die jeweiligen Arbeiten Zuständigen der Gottheit die Bereitschaft mitteilen. Der Verehrer selbst dient der auf dem Speisesitz thronenden Gottheit,

18.270 indem er sie wie zuvor mit den Gaben von Arghya bis zu den vorgesehenen Samen verehrt. Auf dem Platz vor ihr innerhalb des Eingangs,

18.271 gereinigt mit Arghya-Wasser und mit Sandel und anderem geschmückt, streut er nach Bedarf Reis auf die kreisförmige Fläche.

18.272 Darüber breitet er ein gewaschenes Tuch aus, stellt den Speiseuntersatz auf und darauf einen metallenen Träger,

18.273 oben mit Tuch umhüllt und besprengt. Darauf setzt er die Gefäße mit Paramānna und den übrigen Speisen einzeln der Reihe nach. [Der erste Halbvers ist technisch und sprachlich beschädigt.]

18.274 Er stellt die erfrischende Gabe bereit, reicht Wasser zum Händewaschen und gibt zuerst die vorbereitende Ehrungsgabe in die rechte Hand der Gottheit.

18.275 Dann bringt er den göttlichen Gestalten die Speisen dar: zuerst Milchreis, danach Rohzuckerreis und Reis mit gespaltenen Mungbohnen,

18.276 schlichten Reis, Sesamreis, Kurkumareis, Dickmilchreis und gemischten Reis, der Reihe nach; zuletzt Kuchen,

18.277 Reisflocken, Saktu-Zubereitungen und Sesamkugeln, Bananen, Jackfrüchte und verschiedene andere Früchte,

18.278 Getränke verschiedener Geschmacksrichtungen, die Erfrischungsgabe, Kokossaft und danach Wasser zum Händewaschen.

18.279 Nach Mundspülwasser und Betel führt er das zuvor Genannte aus. Haben Könige dauerhaft große Mengen von Speisegaben gestiftet,

18.280 so stellt man sie im geräumigen Allerheiligsten auf Unterlagen und bringt sie angemessen dar. Bei beengtem Raum verfahre man anders:

18.281 Auf einen einzigen festen, mit Tuch bedeckten Untersatz stellt man jeweils eine Gabe, bringt sie dar und nimmt sie wieder fort.

18.282 Nach Besprengung unter dem Waffenmantra setzt man die nächste Speisegabe darauf und bringt sie wie zuvor dar. Dies ist die hier genannte Sonderregel.

18.283 Eine Speisegabe, die ohne Mantras und Ritualhandlungen bereitet wurde, schlecht riecht, verfärbt, zerkocht oder ungekocht ist oder deren Kochwasser abgegossen wurde,

18.284 die von nicht Eingeweihten, aus der Gemeinschaft Ausgeschlossenen oder Angehörigen als Pratiloma eingestufter Gruppen angesehen wurde, zu heiß oder zu kalt ist oder nicht das vorgeschriebene Maß hat,

18.285 die restlos aus einem Gefäß ausgeschöpft, durch Atem und Ähnliches verunreinigt, ohne Beilagen, in einem ungeeigneten Gefäß oder ohne die vorgeschriebene Ankündigung ist,

18.286 innen noch ungekochte Reiskörner enthält, in einem zerbrochenen Gefäß steht, keinen Untersatz hat, von anderen berührt oder durch Sonnenhitze beeinträchtigt wurde,

18.287 Kohlen, Hülsen, Haare, Steinchen, Würmer, Erdklumpen oder tierische Körperteile enthält,

18.288 unvollständig gekocht, ohne Untersatz oder Beilagen, ohne Kuhbutter und Dickmilch ist oder bereits von anderen Menschen begehrt wurde,

18.289 unbedeckt oder für eine andere Gottheit bestimmt ist: Eine so als mangelhaft erkannte Gabe soll man im Wasser beseitigen. [Neben materiellen Mängeln nennt der Text historische soziale und rituelle Ausschlusskriterien.]

18.290 Wird eine solchermaßen für Viṣṇu ausgeschiedene Gabe aus Verblendung dennoch dargebracht, bleibt die Verehrung dem Text zufolge vergeblich und bringt den Handelnden Verderben.

18.291 Deshalb soll man dann sofort das Wurzelmantra tausendmal wiederholen. Den dort vorschriftsmäßig eingesetzten Gestalten in ihren jeweiligen Sitzen,

18.292 den Vibhava- und Vyūha-Gestalten sowie den in Pavillons, Gopuras und anderen Orten eingesetzten Erscheinungsformen,

18.293 den ordnungsgemäß verehrten Vogelgestalten mit Satya an der Spitze, den Scharenherren mit Kumuda an der Spitze, den Torhütern des Heiligtums

18.294 und den zuvor genannten, dort eingesetzten Verehrergestalten bringe man jeweils gesondert unter dem zugehörigen Mantra vorschriftsmäßig bereitete

18.295 Speisen wie Milchreis der Reihe nach dar. Für Bali bereite man die Speise unter dem Garuḍa-Mantra.

18.296 Den übrigen Wesen bringe man unter Oṃ allein bereitete Speise dar. Für das Feueropfer ist die Gabe so zu bereiten wie für die Gestalt im Hauptheiligtum.

18.297 Die verschiedenen Kuchenarten sind nicht für das Feueropfer geeignet. Die anderen Gaben wie Milchreis dagegen sollen bei regelmäßigen, anlassbedingten und weiteren Ritualen

18.298 besonders ins Feuer geopfert werden, ebenso verschiedene Früchte. Bei den Bali-Gaben für die Wesen bringe man regelmäßig Milchreis und die übrigen Speisen,

18.299 Kuchen, Saktu, Reisflocken, Früchte und Sesamkugeln dar, gemischt oder einzeln,

18.300 nach der rechten Ordnung, weil sie den Wesen Befriedigung bringen. Deshalb beschaffe man bei Festen und anderen Handlungen die Bali-Stoffe wie gekochten Reis, o Brahmane,

18.301 jeweils nach der an der betreffenden Stelle genannten Vorschrift. Fehlen sämtliche geeigneten Stoffe, sollen besonders Mantrakundige schlichten gekochten Reis mit Wasser

18.302 oder auch ungekochten Reis mit Wasser darbringen. Damit sind die Zubereitung der Opfergaben und die weiteren dazugehörigen Handlungen genau erklärt,

18.303 ebenso die Art ihrer regelmäßigen Darbringung an die Hauptgestalt und die übrigen Gestalten, an ihren Sitzen im Tempel oder draußen in Höfen und anderen Bereichen.

18.304 Bei den in Tempeln und den entsprechenden Sitzen eingesetzten Gestalten, an Umfassungsmauern, Gopuras, Toren und Pavillons ringsum,

18.305 bei Vibhava- und Vyūha-Ikonen sowie bei Gestalten in Nebenheiligtümern gilt: Für die Verehrung der Gottheiten im Tempelinneren

18.306 darf man keine Speise nehmen, die außerhalb des Tores aufgestellt war. Sie gilt als untersagte Gabe, verunreinigt durch Rākṣasas und andere Wesen.

18.307 Denn die Gottheit hat solche Speise zuvor den Rākṣasas, den Nachkommen Ditis und den anderen zu versorgenden, fleischessenden Wesen zugestanden.

18.308 Deshalb können die in ihr enthaltenen Kräfte wie Stärke und Wirksamkeit nicht nochmals übernommen werden. Ob reichliche oder geringe Mittel vorhanden sind, bereite man die Speisegaben gesondert,

18.309 in eigenen Gefäßen, und stelle sie innerhalb des Tores auf. Der Reihe nach bringe man sie dar, beginnend mit Paramānna.

18.310 Ebenso verfahre man bei der Verehrung mit einer großen Speisegabe aus einem Wunsch oder besonderen Anlass für die Gegenwart im Tempelinneren, einschließlich der Ritualikonen und der weiteren Gestalten.

18.311 Wenn wohlhabende Brahmanen, Könige und andere entsprechend ihren Mitteln hingebungsvoll eine einzige große Schüssel bei der Hauptikone darbringen möchten,

18.312 stelle man die volle Speisegabe im Pavillon vor dem Tempel auf und verehre die Hauptgestalt mit den Ritualikonen und ihren Śaktis.

18.313 Die Gottheit in der Ritualikone wasche man mit den zuvor genannten Krügen. Der Hauptikone bringe man wie zuvor eine Speisegabe in einem gesonderten Gefäß dar.

18.314 Dann führt man die Gottheit in der Ritualikone in den vorderen Pavillon. Dort bringt der Mantrakundige ihr die unter den Blick der Hauptgestalt gestellte

18.315 große Speisegabe mit Paramānna und den übrigen Zubereitungen dar. Auch den Opferikonen und weiteren Gestalten, die der Reihe nach verehrt wurden,

18.316 bringt man jeweils passende Gaben in eigenen Gefäßen dar. Bei Jahresfesten und verschiedenen besonderen Feiern

18.317 kann man die Prozessionsikone an einen geeigneten Ort außerhalb bringen, ausführlich verehren und ihr die große Speisegabe darbringen.

18.318 Dafür soll man an der Badeikone vorschriftsmäßig die Waschung vollziehen. Bei Festen wie dem Jagdausflug in Gärten außerhalb des Tempels

18.319 führt der Mantrakundige die dafür vorgesehene Waschung im inneren Badepavillon an jener Ikone aus, um die Verehrung mit der großen Reisspeise vorzubereiten.

18.320 An Terminen wie dem zwölften Mondtag, unter Śravaṇa und bei den verschiedenen besonderen Feiern im Rahmen des Jahresfestes

18.321 gilt diese Zubereitung der Opfergaben allgemein. Man bringt die Festikone in einen Pavillon oder an einen anderen geeigneten Ort,

18.322 verehrt sie vorschriftsmäßig und erfreut sie hingebungsvoll mit verschiedenen Milchreisspeisen und den jeweils verfügbaren Nahrungsmitteln.

18.323 Nun erkläre ich eine Besonderheit der Verehrung mit der großen Speisegabe. Wer auf das rechte Wohlergehen bedacht ist, soll das Mahāhavis-Opfer nicht als tägliche Regelverehrung ausführen.

18.324 Im geräumigen Allerheiligsten, im Pavillon vor dem Tempel oder in einem äußeren Pavillon, der für Waschung oder Opfer errichtet wurde,

18.325 wird eine Gabe im zuvor genannten Umfang in einem einzigen Gefäß dargebracht. Diese heißt Mahāhavis und erfreut Hari stets.

18.326 Innerhalb des Tempels bereite man sie ohne zusätzliche Gefäße vor; an einem anderen Ort gestalte man sie besonders umfangreich.

18.327 Zuerst verehrt der besonders Mantrakundige die Hauptgestalt zu diesem Zweck mit den entsprechenden Mantras und mit den Gaben von Arghya bis Räucherwerk, wie zuvor.

18.328 Von dort lässt er die Bewusstseinskraft in das Innere des Herzlotus der Badeikone und ebenso in die Festikone herabsteigen.

18.329 Nach der Verehrung wie zuvor bringt er die Badeikone in den Badepavillon und übergießt sie mit den Krügen.

18.330 Danach bringt er ihr eine Speisegabe dar, führt sie ins Allerheiligste zurück, setzt sie dort nieder und lässt ihre Mantra-Gegenwart wieder in die Hauptgestalt eingehen.

18.331 Die geschmückte Festikone setzt man auf einen Tragsitz oder ein anderes Fahrzeug und bringt sie in den Opfer- oder Versammlungspavillon.

18.332 Dort setzt man den Herrn der Götter auf einen weiten Bhadra-Thron aus Gold oder einem anderen geeigneten Material. Mit einer großen Fülle von Gaben

18.333 verehrt ihn der Lehrer unter dem Wurzelmantra bis zu Umrundung und Verneigung, mit Arghya, Blumen und den weiteren Darbringungen, beginnend mit Wasser.

18.334 Er reicht die damit beginnenden, bereits genannten Gaben bis zur Mātrā. Der für die Speisedarbringung errichtete weite Pavillon

18.335 wird mit Baldachinen, Fahnen, Vorhängen und anderen Tüchern geschmückt. In seiner Mitte errichte man entsprechend der Ausdehnung der Speisemenge

18.336 eine ein Tāla hohe Altarfläche in der Form eines Sockels, aus Ziegeln und anderen geeigneten Stoffen, viereckig, fest, eben und rein. [Die Höhenangabe ist in der Vorlage unmittelbar wiederholt.]

18.337 Man bestreiche sie mit Kuhdung und schmücke sie ringsum mit weißem Kalk, anderen Farben und Mehlpulver. Westlich davon

18.338 stelle man einen Speisesitz auf, mit Dukūla und Baumwollstoff bedeckt und mit einem Polster versehen, weder zu hoch noch zu niedrig.

18.339 Die Köche bringen die wie zuvor bereiteten Speisegefäße mit Paramānna und den übrigen Gerichten, mit Beilagen und Früchten,

18.340 festen und weicheren Speisen, mit süßen und anderen Geschmacksrichtungen. Schirme und Lichter sowie der Klang großer Trommeln und Paṭahas begleiten sie,

18.341 ebenso Muschelhörner, Hörner und weitere Instrumente sowie Personen, die Störer fernhalten. Der Weg wird wie zuvor mit Kuhdung und anderem gereinigt,

18.342 an beiden Seiten mit Kalkpulver markiert und von den Reinigungsriten Kundigen mit Waffenmantra-Wasser besprengt. Aus der Küche

18.343 bringt man die Speisen auf dem als Anudhārāpada bezeichneten Weg in den Opferpavillon. Zwischen Südwesten und Westen oder zwischen Norden und Nordwesten,

18.344 auf einer mit Reis bestreuten Fläche, stellt man sie auf ein Brett aus Opferholz, das mit Tuch bedeckt und mit dem Waffenmantra geweiht ist.

18.345 Dann breitet man auf der Altarfläche geschälten Śāli-Reis aus. Bronze und entsprechende Metalle sind für die Darbringung der großen Reisspeise nicht erwünscht.

18.346 Stattdessen legt man unbeschädigte, reine und wiederholt gewaschene Bananenblätter oder andere geeignete Blätter mit den Spitzen nach Osten oder Norden aus.

18.347 Wie zuvor versieht man die Unterlage mit geklärter Butter. Unter dem Wurzelmantra nimmt man die Speise mit einem Löffel aus den anderen Gefäßen

18.348 und häuft sie der Reihe nach auf dem weiten mittleren Teller an, rund oder viereckig geformt. Dann begießt man sie mit dem Löffel

18.349 mit reichlicher, rituell bereiteter Butter, die geschmolzen und an der Luft abgekühlt ist. Unter dem Wurzelmantra begießt man sie nochmals.

18.350 Ringsum richtet man unter dem Herzmantra das Gericht aus gespaltenen Mungbohnen an, unter dem Hauptmantra Rohzuckerstücke zusammen mit pulverisiertem Zucker,

18.351 unter dem Śikhā-Mantra die vorschriftsmäßig gekochten Beilagen; Bananen, Jackfrüchte, Mangos und verschiedene andere Früchte,

18.352 jahreszeitlich gereift und wohlschmeckend, unter dem Schutzpanzer-Mantra. Darüber legt man unter dem Augenmantra die in geklärter Butter gebratenen Beilagen.

18.353 In eine oben gebildete Vertiefung füllt man unter dem Vīrya-Mantra eine Zubereitung mit Pfefferpulver, Kreuzkümmel und Rohzucker,

18.354 reichliche Dickmilch mit pulverisiertem Zucker. So ist die große Speisegabe zunächst in einem einzigen Gefäß angerichtet.

18.355 Ringsum stellt man auf Untersätzen weitere Gefäße mit Milchreis und anderen Speisen auf, wie zuvor mit geklärter Butter, Beilagen und den übrigen Zutaten versehen.

18.356 Die acht Speisearten mit Milchreis an der Spitze werden vom Westen an paarweise in den Himmelsrichtungen um die große Speise angeordnet.

18.357 Oder man vermindert die vier mit Milchreis beginnenden Gruppen jeweils um ein Gericht und stellt an die entsprechenden Plätze schlichten Reis, Kuchen und die weiteren Gaben.

18.358 Bei der mittleren Ausführung ordnet man Milchreis, Rohzuckerreis, Mungbohnenreis und schlichten Reis vom Westen an der Reihe nach an.

18.359 Oder man bringt süßen Mungbohnenreis oder die drei mit Milchreis beginnenden Gerichte dar; auch allein Rohzuckerreis, Milchreis oder schlichter Reis sind möglich.

18.360 Im Ersatzverfahren kann man allein schlichten Reis darbringen, getragen von Hingabe und Vertrauen. Entsprechend der gewählten Ausführung und dem Wunsch bereite man Milchreis oder eine der anderen Speisen

18.361 aus duftendem Reis oder, wenn dieser fehlt, aus gewöhnlichem Śāli-Reis. In der Mitte steht ein goldener Becher mit geklärter Butter.

18.362 Das Gefäß für die unmittelbar zum Essen gereichte Prāpaṇa-Gabe stelle man im westlichen Mittelbereich auf einen hohen Untersatz, mit Beilagen und anderem ausgestattet.

18.363 In der Mitte stelle man eine Milchreiswanne auf, die hier als mit Rohzuckerreis gefüllt beschrieben wird; ringsum ordne man die anderen Gefäße sachgemäß an. [Die Speisebezeichnung ist innerhalb des Verses uneinheitlich.]

18.364 Mit Duftstoffen und Blumen aromatisiertes Trinkwasser in Krügen und anderen Gefäßen sowie die Bedeckungstücher stelle man an der Südseite des Pavillons bereit.

18.365 Madhuparka, die Kuh-Mātrā und die vorgesehenen Samen stehen im Westen. Betel, die Mātrā-Gaben aus Sesam, Edelsteinen und Vermögenswerten, Duftstoffe und Girlanden

18.366 sowie die weiteren Verehrungsgeräte, etwa die Gebetskette, stellt man im Norden bereit. Dann tritt der leitende Lehrer, begleitet von den zuständigen Mitwirkenden,

18.367 vor die bereits besonders verehrte Gottheit, verneigt sich und spricht zum höchsten Puruṣa:

18.368 „Erhabener, Lotusäugiger, dessen Wesen Sein, Bewusstsein und Glückseligkeit ist! Du Unvergänglicher bist durch die Gaben göttlicher Stärke und Wirksamkeit ewig erfüllt.

18.369 Dennoch möchte ich dich jetzt zu meiner eigenen Vollendung mit dieser großen Speisegabe erfreuen. Sie ist vollständig für dich bereitet.

18.370 Um deinen Verehrern Gnade zu erweisen, Herr, lass dich dazu bewegen, sie anzunehmen.“ Nach dieser Bitte vollzieht er für den allgegenwärtigen Herrn Nīrājana wie zuvor.

18.371 Die Hüter der Gestalten setzen die mit sämtlichem Schmuck versehene Gottheit auf einen Tragsitz aus Gold oder einem anderen geeigneten Stoff und bringen sie zum Speiseplatz.

18.372 Man setzt sie nach Osten gewandt auf den dortigen Speisesitz und reicht Arghya, Fußwaschwasser und Mundspülwasser mit dem zugehörigen Auffanggefäß,

18.373 danach das Bedeckungstuch, vorschriftsmäßig Madhuparka, die Kuh-Mātrā und die vorgesehenen Samen. Mit Mundspülwasser

18.374 wäscht man die Hände der Gottheit, stellt das Trinkwasser unter Verwendung von Arghya-Wasser bereit und nimmt südlich von ihr auf einem Sitz Platz.

18.375 Dann bringt man Ehrungswasser aus dem Arghya-Gefäß dar. Unter dem Augenmantra betrachtet man die in einzelnen Gefäßen angeordneten

18.376 Speisegaben wie Paramānna mit Beilagen und festen Speisen und besprengt sie wie zuvor unter dem „hundertstrahligen“ Pavitra-Text.

18.377 Man vollzieht die vorgestellte Verbrennung und Wiederbelebung, meditiert unter der Surabhi-Mudrā über alles und verwandelt es mit dem entsprechenden Mantra in Unsterblichkeitsnektar.

18.378 Die darin enthaltenen Kräfte der Stärke, Wirksamkeit und Leuchtkraft vergegenwärtigt man sich; man streut eine Arghya-Blume aus und festigt die Vorstellung unter Schutzpanzer-, Waffen- und Augenmantra.

18.379 Dann vergegenwärtige man in der eigenen rechten Hand die Kräfte der Erkenntnis, Herrschaft und Wirksamkeit, jede unter ihrem eigenen Mantra, als die Werkzeuge, die das göttliche Genießen ermöglichen.

18.380 Mit dieser zu Viṣṇus Hand gewordenen Hand berührt man unter der Bissen-Mudrā nacheinander die Gaben, beginnend mit Paramānna.

18.381 Viṣṇu werden dabei die in der Speisegestalt enthaltenen, als Geschmack, Form und weitere Eigenschaften hervortretenden Kräfte dargebracht, deren Wesen Leuchtkraft, Wirksamkeit und Stärke ist.

18.382 Auch für die Gottheit, deren Gestalt aus den sechs Vollkommenheiten besteht und die sich im Kultbild gegenwärtig macht, ist diese durch Mantras gut bereitete Speisegabe höchste Erfreuung.

18.383 In diesem Verständnis bringt man sie unter Muschelhörnern, Hörnern, großen Trommeln und Paṭahas dar, begleitet von Glocken und glückverheißenden Liedern,

18.384 von Śruti, Smṛti und Itihāsa, von Hymnen, die die Eigenschaften des erhabenen Herrn verkünden, von Purāṇa-Rezitation und den Stimmen der Vaiṣṇavas.

18.385 Rechtsläufig reicht man die Nebengefäße mit Milchreis und den weiteren Speisen, danach die große Reisspeise, beginnend mit der Prāpaṇa-Gabe,

18.386 feste Speisen wie Kuchen, weich zu essende Gerichte und Früchte, zu leckende Gaben wie Honig, auszusaugende Früchte wie Mango,

18.387 Getränke wie Milch und die passenden Nachtrünke. Nachdem man die auf beziehungsweise bei der Reisspeise angeordneten Gaben der Gottheit dargebracht hat,

18.388 sammelt der Mantrakundige unter Oṃ und der Zurücknahme-Mudrā die zugehörigen Mantrakräfte von Stärke, Wirksamkeit und den übrigen Vollkommenheiten ein. [Der erste Halbvers enthält eine beschädigte Unterscheidung der Mantras.]

18.389 Gesammelt spricht der Wissende den mit „Aus der Fülle die Fülle …“ beginnenden Text und vergegenwärtigt sich die Gottheit als vollkommen gesättigt, indem er „vollkommen gesättigt“ ausspricht.

18.390 Dann reicht man kühles Erfrischungswasser in muschel- oder austernförmigen Gefäßen, Pulver zum Reinigen

18.391 und das dafür bestimmte Tuch, anschließend Wasser zum Händewaschen und Mundspülen, ferner mit fein verriebenem Kampfer bereitete

18.392 Sandelpaste zur Reinigung der Hände, die aus der Hand dargebrachte Mātrā mit Edelsteinen und danach Betel mit Kampfer.

18.393 Unter dem Wurzelmantra zeigt man die Wurzel-Mudrā, vollzieht Japa wie zuvor und verehrt mit den Gaben von Arghya bis Räucherwerk.

18.394 Dann ruft man die Gurus und Übenden herbei, die sich der verbindlichen Lehre widmen und die fünf täglichen Verehrungszeiten einhalten,

18.395 vorschriftsmäßig Eingeweihte oder, wenn diese fehlen, Kenner der drei Veden. Man ehrt sie mit Arghya, Salbung, vorzüglichen Girlanden und Räucherwerk.

18.396 Danach gibt man ihnen Arghya-Wasser in die Hand. Die ringsum in gesonderten Gefäßen stehenden Milchreisspeisen und weiteren Gaben

18.397 sowie die große Reisspeise in der Mitte teilt man in vier Anteile. Einen gibt man zum Wohlergehen den unmittelbar Ausführenden,

18.398 den zweiten dem Heerführer Viṣvaksena, den dritten sämtlichen Dienern,

18.399 den vierten den Vaiṣṇavas, die im Tempel wohnen. Die Prāpaṇa-Speise bestimme man für den amtierenden Verehrer.

18.400 Die Kuh-Mātrā, die vorgesehenen Samen wie Reis und Mungbohnen, die Mātrā aus Sesam und Edelsteinen sowie das Bedeckungstuch,

18.401 das Reinigungstuch und besonders den Betel übergebe man dem leitenden Lehrer, der bei dieser Verehrung eingesetzt ist.

18.402 Der Herr der Götter besitzt große Herrlichkeit und erfüllt alle guten Entschlüsse. Zuerst nimmt er die unvergängliche Kraft des Genusses in sich auf,

18.403 danach genießt er deren sichtbare Gestalt durch den Mund des Gurus und der anderen Berechtigten. Deshalb soll man alles, was dem allgegenwärtigen Vāsudeva dargebracht wurde,

18.404 den Gurus und den anderen regelmäßig mit der Verehrung Betrauten geben. Die Viṣṇu-Verehrer sollen diese Gabe davor bewahren, an nicht ergebene Personen verteilt zu werden.

18.405 Wer sie einem nach dieser Ordnung ungeeigneten Empfänger gibt, hat eine Sühnehandlung zu vollziehen. Die Viṣvaksena dargebrachte Speise soll man ins Wasser geben,

18.406 um Wasser- und Ufertiere zu sättigen. Oder man gibt einen kleinen Teil ins Wasser und legt den übrigen Reis vor ihm

18.407 für die ihm ergebenen Zweimalgeborenen bereit, die ihre jeweiligen Pflichten erfüllen. Nachdem man den Herrn der Götter so mit der großen Speisegabe gesättigt hat,

18.408 führt man ihn vom Speisesitz zu einem anderen Ruheplatz, ausgestattet mit einem schönen Baldachin und Bannern, geschmückt mit Blumengirlanden und anderem,

18.409 mit sämtlichem Zubehör versehen. Dort legt man ihn auf das Ruhebett und nimmt Girlanden, Duftpasten und Gewänder ab.

18.410 Der Verehrer nimmt selbst einen kleinen Teil davon und gibt den Rest Viṣvaksena. Dem auf dem Bett ruhenden allgegenwärtigen Herrn reicht er

18.411 Arghya, Fußwaschwasser, ein Tuch, Salbe für die Füße, Mundspülwasser mit Auffanggefäß und ein Tuch zum Reinigen der Hände.

18.412 Dann salbt er ihn mit wohlriechendem Sandel und weiteren Duftstoffen und fächelt ihm ringsum Luft zu, um die Ermüdung zu lindern.

18.413 Eine erwärmte, mit Kampferpulver aromatisierte Mṛgasneha-Duftsalbe verreibt er im ausgebreiteten Haar der Gottheit.

18.414 Verschiedene duftende Blumen legt er hinein und bindet das Haar danach mit mannigfaltigen Girlanden zusammen.

18.415 Er bringt Kuchen, Reisflocken, Früchte, süßes Getränk und Erfrischungswasser mit Kokossaft dar,

18.416 ferner Betel mit Kampfer und den weiteren Zutaten. Dann kündigt er dem Herrn den nächsten Dienst an und geht mit Arghya, begleitet von Schirm und Licht, ins Kochhaus.

18.417 Dort befindet sich eine für den besonderen Anlass oder für den regelmäßigen Gebrauch bestimmte, bereits geweihte Feuergrube; in ihr wird das entsprechend bereitete Feuer wie zuvor gesättigt.

18.418 In dieses Feuer mit seinem Flammenhaar lässt er den Herrn des Mantras aus seinem Herzen herabsteigen und erfreut ihn zunächst mit sieben Opferhölzern,

18.419 dann besonders mit sämtlichen gekochten Speisen, beginnend mit Milchreis, begleitet vom Klang der Muschelhörner, großen Trommeln und Glocken.

18.420 Danach bringt er die volle Schlussgabe mit einem ununterbrochenen Strom geklärter Butter dar, vollendet die restlichen Handlungen und gibt den verbliebenen Caru dem Guru.

18.421 Er tritt vor die Gottheit und widmet ihr das Feueropfer. Wie zuvor teilt er den Ahnen ihre Anteile zu und führt die damit verbundene Verteilung aus.

18.422 Nach Verehrung mit Arghya, Duft und den weiteren Gaben vollzieht er die rechtsläufige Umrundung wie zuvor, kündigt den Aufbruch an, setzt die Gottheit auf den Tragsitz und geleitet sie ins Innere.

18.423 Der wieder an ihrem Platz befindlichen Gottheit reicht er die drei mit Arghya beginnenden Wassergaben. Die dort festgehaltene Mantra-Gegenwart lässt er wie zuvor in die Hauptikone eingehen.

18.424 Auch dort verehrt er mit den Gaben von Arghya bis Räucherwerk. Dann spricht er nach einer Blumengabe aus den gefalteten Händen:

18.425 „Herr der Welt, allgegenwärtiger Herr! Mit der großen Speisegabe bist du verehrt worden. Aus liebevoller Zuwendung zu mir, der ich dir gehöre, mögest du zufrieden sein.“

18.426 Nach dieser Bitte streut er unter dem Wurzelmantra die Blumen aus seinen gefalteten Händen auf die beiden Lotusfüße der Gottheit.

18.427 Bei der Verehrung mit der großen Reisspeise aus besonderem Anlass und bei ähnlichen Gelegenheiten soll man vor oder nach der Verehrung der Festikone

18.428 die Hauptikone samt ihren Śaktis, Gliedgestalten und Sitzen verehren, zusammen mit dem Vogelkönig, den Gottheiten der Umfassungen, den Torhütern und Verehrergestalten,

18.429 ebenso die vorschriftsmäßig in äußeren Heiligtümern, Pavillons, Gopuras und weiteren Orten eingesetzten Vibhava- und Vyūha-Gestalten.

18.430 Nach ihrer Verehrung wie zuvor bringe man ihnen die große Speisegabe dar. Dies gilt als vollständiges Verfahren. Im mittleren Verfahren bereite man nach Vermögen

18.431 für jede Gestalt eine Speisegabe von einem Āḍhaka oder mehr; oder man verehre allein die Gottheit im Hauptheiligtum.

18.432 Für die tägliche Regelverehrung der im Tempel gegenwärtigen Gottheit soll man keine Mahāhavis-Gabe festlegen und auch keinen eigens dafür bestimmten Bali-Umzug ausführen.

18.433 Im vollständigen Verfahren gehören große Speisedarbringung und rituelle Waschung untrennbar zusammen: Bei der Waschung ist die große Speisegabe, bei der großen Speisegabe die Waschung auszuführen.

18.434 Im Ersatzverfahren kann jeweils eine ohne die andere stattfinden. Wurde für eine große Speisedarbringung oder ein anderes Opfer

18.435 die Gottheit in irgendeine Ikone gerufen und vorschriftsmäßig verehrt, und trifft während oder am Ende dieses Opfers unerwartet

18.436 eine weitere große Speisegabe aus besonderem Anlass ein, so sollen die Mantrakundigen sie dort darbringen; die Entlassung aus einem anderen Sitz und die folgenden Handlungen sind entsprechend abzustimmen.

18.437 Erst danach entlasse man die Gegenwart hier. Bei der Waschung gilt dieselbe Regel. So haben die Mantrakundigen die große Speisegabe auch an der Hauptikone darzubringen. [Der Ablauf bei einander überlagernden Ritualen ist knapp formuliert.]

18.438 Bei einem großen Fest kann man die große Speisegabe außerhalb der dritten Umfassung oder auch innerhalb davon oder an einem anderen geeigneten Ort darbringen.

18.439 Wer Hari mit dieser großen Speisegabe hingebungsvoll verehrt, genießt in dieser Welt lange reiche Freuden

18.440 und gelangt schließlich, wenn seine Lebenszeit zu Ende geht, in die unvergängliche Wohnstatt Acyutas. Besonders geweihte Könige, denen das Wohl der Lebewesen am Herzen liegt,

18.441 sollen nach diesem Verfahren die Verehrung mit der großen Reisspeise ausführen. Ihnen wird dauerhafte Herrschaft über den Kreis der anderen Könige verheißen.

Spirituelle Erläuterung: Die Speiseverehrung mündet in die Einsicht, dass Gott nicht durch menschliche Nahrung ergänzt werden muss: Er ist bereits ewig erfüllt (18.368). Die Gabe dient der Reifung des Gebenden und wird aus göttlicher Gnade angenommen. Zugleich wird das Essen als Träger von Kraft, Geschmack und Bewusstsein betrachtet. Für die eigene Sadhana lässt sich daraus eine aufmerksame, dankbare Haltung gegenüber Nahrung und ein verantwortlicher Umgang mit ihrer Weitergabe entwickeln.

Kapitel 19

Eingang. Glück und Segen! Neunzehntes Kapitel.

Zum Verständnis: Dieses Kapitel behandelt rituelle Wiederherstellung und Sühne. Seine historischen Reinheits- und Standesregeln, einschließlich der Ausschlüsse menstruierender Frauen und bestimmter sozialer Gruppen, werden als Aussagen der Quelle übersetzt. Sie sind keine allgemeinen Maßstäbe menschlicher Würde oder persönlicher spiritueller Eignung.

19.1 Sanaka sprach: Weiser! Erkläre die Sühne für jemanden, der in der verbindlichen Lehre steht und die Verehrung ausführen möchte, wenn er die überlieferten Verpflichtungen und Verhaltensregeln verletzt hat.

19.2 Śāṇḍilya sprach: Höre, ich werde die heilsame Sühne genau erklären, o Weiser. Durch ihren Vollzug wächst das Wohlergehen der vier Gruppen, beginnend mit den Lehrern.

19.3 Verehrt ein Mantrakundiger, ohne zuvor vorschriftsmäßig in einem Fluss oder an einer anderen geeigneten Stelle gebadet zu haben, so soll er baden, das Wurzelmantra tausendmal wiederholen und den Herrn erneut verehren.

19.4 Hat er bei der Verehrung ein abgetragenes oder nicht mehr frisches Gewand getragen, soll er baden, reine Kleider anlegen und ebenso das Wurzelmantra wiederholen.

19.5 Hat er ohne Meditation, ohne Mundspülung oder ohne Pavitra-Ring am Finger verehrt, oder Haare, Knochen, Erdklumpen, Adern, Blut oder als unberührbar Geltendes berührt,

19.6 soll er baden, wie zuvor verehren und das Wurzelmantra zehntausendmal wiederholen. Hat er Umgang mit einer menstruierenden Frau, einer Wöchnerin, jemandem, der untersagte Getränke trinkt, einem Caṇḍāla oder entsprechenden Personen gehabt

19.7 und danach die Bildgestalt des erhabenen Herrn berührt, so soll er zuerst selbst baden, dann den Herrn der Götter mit den fünf Kuhprodukten übergießen und verehren.

19.8 Wurde er von einer menstruierenden Frau, einer Wöchnerin oder einer entsprechenden Person berührt und berührt danach die Ikone, soll er baden, die höchste vorgesehene Waschung der Gottheit vollziehen und zur Befriedung

19.9 unter dem Wurzelmantra ins Feuer opfern sowie das Mantra zehntausendmal wiederholen. Berührt oder verehrt er das Bild während der familiären Unreinheitszeit nach Geburt oder Tod,

19.10 soll er die höchste Waschung der geringeren Gruppe ausführen, wie zuvor opfern und das Mantra wiederholen. Ist er von jemandem, der eine schwere Verfehlung begangen hat, von Kot, Urin oder einem Trinker untersagter Getränke berührt worden

19.11 und verehrt danach den Herrn der Götter, so soll er erneut vorschriftsmäßig baden, die eben genannte Waschung durchführen und das befriedende Feueropfer samt den weiteren Handlungen vollziehen.

19.12 Berührt er die Gottheit, während Speichel, Blut oder Schweiß an ihm haften, soll er sie mit Kuśa-Wasser waschen und besonders verehren.

19.13 Hat er tagsüber mit seiner eigenen Frau verkehrt und berührt den Herrn, ohne gebadet zu haben, soll er fasten und die Gottheit mit den fünf Kuhprodukten und Kuśa-Wasser waschen.

19.14 Verehrt jemand den Herrn, der sich dem Verkehr mit einer fremden Ehefrau oder anderem Fehlverhalten hingegeben hat, oder wird das Gottesbild von ihm berührt, so soll man es waschen

19.15 nach der geringsten Ausführung der mittleren Gruppe, ein Feueropfer vollziehen und das Mantra hundertmal wiederholen. Wenn man mit Blättern, Früchten oder anderen Stoffen verehrt, die durch Würmer, Insekten, Knochen, Haare, Fluginsekten, Nägel,

19.16 tierische Körperteile, Hülsen, Asche oder Ähnliches verunreinigt sind, oder mit entsprechend beeinträchtigten Blumen, Wasser, Sandel, anderen Duftstoffen und Schmuckstücken,

19.17 mit anderen ungeeigneten Darbringungen oder mit abgestandenen Blättern, Blumen, Keimlingen und Früchten,

19.18 die von als unberührbar geltenden Lebewesen oder Dingen berührt wurden, von Caṇḍālas, Wöchnerinnen, Niṣādas, aus der Gemeinschaft Ausgeschlossenen und anderen entsprechend eingestuften Personen,

19.19 oder mit welken und staubigen Gaben, so soll man das Wurzelmantra hundertachtmal mit ungeteilter Aufmerksamkeit wiederholen.

19.20 Verehrt man die Gottheit mit auf diese Weise verunreinigten Gewändern und anderen Gegenständen, soll man die geringste Waschung vornehmen und sie vorschriftsmäßig verehren.

19.21 Danach vollziehe man der Reihe nach ein befriedendes Feueropfer mit tausend Gaben. Wurden Getränke oder Speisen für den Herrn von Caṇḍālas, Wöchnerinnen, menstruierenden Frauen, Śabaras oder Trinkern untersagter Getränke

19.22 berührt und dennoch dargebracht, so werfe man die tönernen Gefäße fort und reinige die übrigen.

19.23 Nach eigenem Bad und dem Trinken von Kuśa-Wasser vollziehe man die geringste Waschung der Gottheit, verehre sie erneut und opfere unter dem Wurzelmantra hundert Gaben ins Feuer.

19.24 Wurde die dargebrachte Speise von einem kotfressenden Schwein, einem Schakal, einer Schlange, einer Krähe, einem Falken, einem Esel oder einem entsprechenden anderen Tier berührt,

19.25 gilt dieselbe Befriedung wie zuvor. Danach bringe man reine Speise dar. Wurde eine Gabe von Menschen bereitet, berührt oder angesehen, die Ehebruch begehen, erlaubte und unerlaubte Speise nicht unterscheiden,

19.26 nach Belieben ohne Regeln leben oder aus nicht-vaiṣṇavischen Familien stammen, oder wurde sie durch Eiter, Blut und anderes verunreinigt

19.27 und aus Unachtsamkeit dargebracht, so vollziehe man die Befriedung wie zuvor. Bei der Darbringung gekochter Speise, die durch einen Leichnam oder Ähnliches verunreinigt wurde,

19.28 verehre man den Herrn der Götter wie zuvor und vollziehe das befriedende Feueropfer. Hat man bereits ausgeschiedene Speise erneut dargebracht, verehre man nochmals und opfere Sesam

19.29 mit geklärter Butter, in der hier als „tausend und hundert“ bezeichneten Anzahl. Ebenso verfahre man bei abgestandener Speise. [Die Zahlenverbindung ist nicht eindeutig.]

19.30 Ausgeschiedene Opfergaben, Früchte, Blumen, geweihte Speisen, Getränke und anderes übergebe man ohne Habgier einem Gewässer, dem Feuer, der Erde oder Kühen.

19.31 Sind Blätter, Blumen, Früchte oder Speisen durch Fliegen, Holzwürmer, Bienen oder im Kot lebende Tiere beschädigt, soll man den betroffenen Teil fortnehmen.

19.32 Den verbleibenden Teil besprenge man mit Waffenmantra-Wasser und bringe ihn der Gottheit hingebungsvoll dar. Höre nun die besondere Regel für die große Speisegabe.

19.33 Speise, die außerhalb der vorgesehenen Küche, von anderen als Eingeweihten und ohne rituelle Mantra-Zubereitung gekocht wurde, nicht regelgerecht aufgeteilt ist oder die vorgeschriebenen Merkmale nicht erfüllt,

19.34 von als ungeeignet geltenden Personen angesehen oder von Fliegen und Ähnlichem berührt wurde, kann wegen des großen Aufwands nach Besprengung mit Waffenmantra-Wasser dargebracht werden.

19.35 Sie darf jedoch nicht Viṣvaksena gegeben werden; ein Feueropfer kann nach Wunsch stattfinden. Man verteile sie nicht als Anteil an die Ritualausführenden und verwende sie nicht für Bali.

19.36 Sie soll an neu Angekommene, nicht zum engeren Kreis Gehörende, Arme und Schutzlose gegeben werden. Bei abweichendem Vorgehen vollziehe man mit ungeteilter Aufmerksamkeit ein befriedendes Feueropfer.

19.37 Eine große Speisegabe, die durch Katzen, Mäuse, Schlangen, Frösche, Würmer, Insekten, Fluginsekten, Krähen oder andere Vögel

19.38 verunreinigt oder berührt wurde, darf dem Gott der Götter nicht dargebracht werden. Ist es geschehen, vollziehe man Feueropfer und Japa und bringe eine neue große Speisegabe dar.

19.39 Werden Gaben, Mantras, Ritualhandlungen, Meditationen oder die den Gliedern zugehörigen Mudrās vertauscht, ebenso die für Tore, Umfassungen, Ikonen und Sockel zuständigen Handlungen,

19.40 oder die Zeiten der regelmäßigen, anlassbedingten und weiteren Riten, so soll der Mantrakundige unter den fünf göttlichen allgegenwärtigen Mantras

19.41 jeweils hundert Gaben Sesam oder anderer geeigneter Stoffe opfern. Fehlen Opferhölzer, Einfassungsstäbe, Darbha, Grasbüschel oder Opfergaben,

19.42 Buttergefäße oder andere Gefäße, Feuer, Bodenaltar oder Feuergrube, die beiden Opferlöffel oder das Praṇītā-Wasser, oder fehlen ihnen die vorgeschriebenen Merkmale,

19.43 so opfere der Mantrakundige zur Befriedung wie zuvor unter den fünf allgegenwärtigen Mantras. Fehlen Holz und Opferstäbe, opfere er geklärte Butter und Caru.

19.44 Fehlt geklärte Butter, kann er mit Opferhölzern oder Sesam opfern. Sind andere Opferstoffe nicht verfügbar, verwende der Verständige geklärte Butter.

19.45 Doch soll man beim Feueropfer Sesam und geklärte Butter keinesfalls beide ausfallen lassen. Fehlen beide, gilt das Opfer als wirkungslos.

19.46 Man vollziehe das befriedende Feueropfer so, wie es bei der Einsetzung beschrieben wurde. Erlischt das geweihte Feuer in der Feuergrube, auf dem Bodenaltar oder im Herd,

19.47 so entzünde und weihe man es erneut und vollziehe das befriedende Feueropfer und die weiteren Handlungen. Wird das Feuer durch als unberührbar geltende Dinge, Haare, Knochen oder Nägel berührt,

19.48 opfere man unter dem Wurzelmantra hundert Gaben geklärter Butter. Kommen menstruierende Frauen, Wöchnerinnen oder entsprechend eingestufte Personen in seine Nähe, werden zehntausend Gaben vorgeschrieben.

19.49 Bei unmittelbarer Berührung setze man ein anderes Feuer ein, opfere und wiederhole das Mantra zehntausendmal. Wurde in ein nicht ausreichend entflammtes Feuer geopfert, wiederhole man das Opfer.

19.50 Bei anlassbedingten und wunschbezogenen Riten, besonders bei Festen, soll das zugehörige Feueropfer in einer anderen, dafür bestimmten Grube stattfinden.

19.51 Wurde dagegen verstoßen, vollziehe man ein befriedendes Feueropfer. Hat man die Begleitgottheiten, die ohne Bildgestalt und die mit Bildgestalt verehrt werden,

19.52 einen Tag und eine Nacht lang nicht verehrt, so wiederhole man vor ihnen jeweils ihr Mantra hundertachtmal und führe ihre Verehrung gesondert aus.

19.53 Fallen Bali-Stoffe zu Boden, werden sie durch als unberührbar Geltendes berührt oder wird das zugehörige Gefäß durch Haare, Erdklumpen und anderes verunreinigt,

19.54 so ersetze man es, vollende die Darbringung mit einem anderen und vollziehe das befriedende Feueropfer. Ist wegen der Verunreinigung kein Bali dargebracht worden,

19.55 so bringe man es nach einem befriedenden Feueropfer besonders dar und wiederhole das zuvor genannte Mantra. Fällt die für die tägliche Prozession bestimmte Ikone vom Tragsitz,

19.56 hebt der Mantrakundige sie auf. Ist sie unbeschädigt, wäscht er sie nach der geringsten der geringen Ausführungen und opfert danach zur Befriedung.

19.57 Ist die Ikone beschädigt, setzt man sie wieder instand, vollzieht die Einsetzungsriten und stellt sie anschließend an ihren Platz.

19.58 Während der Reparatur vollziehe man Haris tägliche Prozession mit einer anderen Ikone oder mit einem Grasbüschel als Stellvertreter.

19.59 Wird die Bali-Ikone von als unberührbar geltenden Personen berührt, vollziehe man nach einem befriedenden Feueropfer ihre Waschung nach der geringsten der geringen Ausführungen.

19.60 Wird die auf dem Tragsitz stehende Ikone von rituell nicht zugelassenen Personen getragen, besprenge man sie mit Kuśa-Wasser und vollziehe ein befriedendes Feueropfer.

19.61 Wird der Träger der Bali-Ikone von als unberührbar geltenden Personen berührt, besprenge man mit den fünf Kuhprodukten und lasse einen anderen rituell reinen Träger übernehmen.

19.62 Fallen besonders zur Bali-Zeit Mudrās, Mantras, Ritualhandlungen, Meditation oder die als Gaben vorgesehenen Stoffe aus,

19.63 soll der Mantrakundige meditierend das Wurzelmantra tausendmal wiederholen. Werden Früchte, Blumen, Speisen oder andere von der Gottheit angenommene Gaben

19.64 nicht einem geeigneten Empfänger weitergegeben, wiederhole man das Wurzelmantra zehntausendmal. Werden die Reste des Feueropfers oder der Speisegaben von anderen als geeigneten Empfängern verzehrt,

19.65 soll der Mantrakundige, der sie ausgeteilt hat, zur Befriedung der Verfehlung das Wurzelmantra zehntausendmal wiederholen. Was Sātvatas, die der Reinheit zugewandt und dem erhabenen Herrn stets lieb sind,

19.66 ihm darbringen, ist das Reinigendste unter den reinigenden Dingen. Selbst für einen Brahmanentöter, einen Trinker verbotenen Alkohols, einen Golddieb,

19.67 einen, der mit der Frau seines Gurus verkehrt hat, oder jemanden, der mit solchen Personen verbunden ist, gilt sein Verzehr als Tilgung aller Verfehlungen – um wie viel mehr für andere!

19.68 Deshalb soll es im vollständigen Verfahren den Erkenntniskundigen gegeben werden, im mittleren Verfahren Eingeweihten aus den drei genannten Ständen,

19.69 im Ersatzverfahren den schlichten Verehrern oder den in den drei Veden bewanderten Zweimalgeborenen; andernfalls esse es der Ausführende selbst.

19.70 Was die Mantrakundigen nach Abschluss der Verehrung des Herrn Viṣvaksena dargebracht haben, soll insbesondere nicht gegessen, sondern auf der Erde, im Wasser

19.71 oder bei Kühen niedergelegt werden, um die Wesen Viṣṇus zu sättigen. Wer davon gegessen hat, soll zur Befriedung der Verfehlung das Cāndrāyaṇa-Gelübde halten.

19.72 Wurde eine Verehrung bis einschließlich Feueropfer beschlossen, dieses aber nicht ausgeführt, soll der besonders Mantrakundige das Feueropfer in doppeltem Umfang bis zur vollen Schlussgabe nachholen.

19.73 Sind der Reihe nach eine, zwei, drei, vier, fünf oder sechs Ritualzeiten ausgefallen, ebenso ein Tag oder mehrere, ein Monat, eine Jahreszeit oder ein Jahr,

19.74 bei regelmäßigen oder anlassbedingten Feuerhandlungen, so vollziehe man die versäumten Opfer zusammengefasst in doppeltem Umfang und eine Waschung der geringeren Art.

19.75 Nun erkläre ich die Sühne bei ausgefallener Verehrung; höre, o Weiser. Die Darbringungen sind dreifach: ehrende Dienste, körperlich berührende Gaben und das Herz erfreuende Darbietungen.

19.76 Sind diese drei Arten von Gaben ausgefallen, so bringe man am Ende der Verehrung der Reihe nach sämtliche Samen, die Mātrā-Vermögensgabe und mit Butter versehenen Reis dar,

19.77 verbunden mit einer besonderen Verehrung der Gottheit. Beim Ausfall einer Ritualzeit, eines Tages oder einer Monatshälfte vollziehe man besondere Verehrung

19.78 mit jeweils verdoppelten Stoffmengen bis einschließlich Bali und Feueropfer. Bei einem Ausfall von einem bis zwölf Monaten

19.79 verwende man entsprechend verdoppelte Gaben und führe die Verehrung nach der Zahl der Monate aus. Hinzu kommen der Reihe nach die neun Waschungsstufen, von der geringsten beginnend

19.80 bis zur höchsten, danach die Waschung mit tausend Krügen, die vorgeschriebene Besprengung und die erneute Einsetzung.

19.81 Vom Ausfall eines Monats bis zum Ausfall von zwölf Monaten verehre man jeweils mit einer um eine Stufe gesteigerten großen Speisegabe.

19.82 Zuerst opfere man sieben Hölzer, danach weitere mit Butter benetzte Hölzer und geklärte Butter, bis zu tausend Gaben oder entsprechend den Möglichkeiten.

19.83 Ebenso wiederhole man das Wurzelmantra mit Sorgfalt. Ist Bali ausgefallen, opfere man zuerst hundert Gaben unter dem Wurzelmantra,

19.84 danach unter den eigenen Namen der jeweiligen Umfassungs- und Torgottheiten je hundert Gaben aus mit Sesam vermischter geklärter Butter.

19.85 Nun erkläre ich dir die Sühne bei den regelmäßigen und anderen Waschungen. Bei der Hausverehrung soll der Verständige die regelmäßige Waschung und die weiteren vorgesehenen Waschungen ausführen.

19.86 Dort übergieße er die Gottheit zur Verehrung mit dem dafür bereiteten Badewasser. In einer Anlage mit mehreren Ikonen wäscht man die Ritualikone im vorderen Pavillon.

19.87 Oder man wäscht sie im weiten Tempel auf einem im Brahma-Bereich stehenden Bhadra-Sitz mit den im vorderen Pavillon aufgestellten Badekrügen.

19.88 Mittags und abends besprengt man sie der Reihe nach mit Wasser aus dem Badekrug, gegebenenfalls zusammen mit den vorgesehenen Badezutaten.

19.89 Oder man bringt dieses Wasser der Hauptikone und den übrigen Ikonen dar. Bei einer Anlage mit mehreren Ikonen soll der Mantrakundige die Weihebad-Ikone nicht aus dem vorderen Pavillon

19.90 weiter nach draußen tragen. Wurde sie für die Waschung hinausgebracht, vollziehe man zur Befriedung dieses Fehlers ein befriedendes Feueropfer.

19.91 Bei einer Anlage mit einer einzigen großen Hauptgestalt wäscht man die zugehörige Ritualikone, mit zahlreichen großen Krügen, etwa nach dem Tausendkrug-Verfahren.

19.92 Findet die Waschung in einem äußeren Pavillon statt, so wäscht der Mantrakundige vorschriftsmäßig die Badeikone und verehrt sie mit großer Festlichkeit.

19.93 Der Festikone bringt er die große Speisegabe dar. Wurden für eine Krugwaschung weder die Keimaussaat

19.94 noch das Anlegen der Schutzschnur ausgeführt, wiederhole man das Wurzelmantra zehntausendmal. Hat man dagegen zuvor ausgesät und der Ikone die Kautuka-Schnur angelegt,

19.95 die Waschung aber aus Unachtsamkeit oder absichtlich unterlassen, so vollziehe man zuerst ein befriedendes Feueropfer und wiederhole das Mantra zehntausendachtmal.

19.96 Danach vollziehe man die Waschung erneut mit vorausgehender Schutzschnur und Keimaussaat. Wurde die Gottheit ohne Keimritual und ohne Anlegen der Kautuka-Schnur

19.97 gewaschen, gilt dieses Bad als fruchtlos. Der Mantrakundige soll vorschriftsmäßig aussäen, die Schutzschnur anlegen

19.98 und nach einem befriedenden Feueropfer die Waschung ordnungsgemäß ausführen. Wurde eine beschlossene Waschung nicht vollzogen, hole man sie in doppeltem Umfang nach.

19.99 Ebenso verfahre man, wenn mit nicht ordnungsgemäß beschafften oder unvollständigen Stoffen gewaschen wurde. Das Wasser in zuvor geweihten Krügen

19.100 wird dagegen durch das Stehenlassen nicht rituell unfrisch. Fehlen bei den bereits durch Mantra-Nyāsa und Verehrung eingesetzten Krügen einzelne Gefäße, setze man sie wie zuvor neu ein

19.101 und wiederhole das Mantra der jeweiligen Kruggottheit hundertachtmal. Wird beim Aufnehmen eines Kruges festgestellt, dass er durch ein Loch oder eine andere Undichtigkeit leer geworden ist,

19.102 so setze man wie zuvor einen anderen ein und wiederhole das Mantra hundertachtmal. Werden die Krüge durch als unberührbar Geltendes berührt, von Katzen oder anderen Tieren angebissen,

19.103 von Hunden, Hühnern, Śabaras oder anderen rituell ausgeschlossenen Personen berührt oder durch Haare, Knochen und Erdklumpen verunreinigt,

19.104 so stelle man die Krüge wie zuvor mit einwandfreien Stoffen neu auf und wiederhole das Mantra der jeweiligen Gottheit hundertmal. Wurde die Gottheit bereits mit verdorbenem Wasser gewaschen, wasche man sie erneut.

19.105 Unter jedem der fünf allgegenwärtigen Mantras opfere man hundert Gaben und wiederhole wie zuvor meditierend das Mantra der Kruggottheit.

19.106 Bei falscher Reihenfolge des Aufnehmens, Aufstellens oder Einfüllens der Stoffe sowie beim Ausfall der Verehrung wiederhole man die betreffenden Mantras hundertachtmal.

19.107 Wurde der Gott der Götter mit Dickmilch, Milch oder Butter von Büffeln, Ziegen oder Kamelen gewaschen, soll der Mantrakundige unter dem Wurzelmantra

19.108 mit den sieben Arten von Opferhölzern hundertacht Gaben ins Feuer opfern. Geschah die Waschung ohne Gesang, Segensklänge, Instrumente, Hymnen und Tanz,

19.109 ohne Vīṇā- und Flötenklang oder ohne Verkündigung des heiligen Tages, wiederhole man das Wurzelmantra hundertachtmal.

19.110 Fällt die Ikone während der Waschung vom Badesitz oder wird sie erheblich verschoben, so vollziehe man eine Einsetzungswaschung.

19.111 Unter den zuvor genannten fünf Wurzelmantras opfere man Caru und geklärte Butter hundertachtmal und wiederhole die Mantras anschließend ebenso oft.

19.112 Sind Strahlenkranz, Sockel, Waffen, Gewanddarstellung oder Glieder durch Risse, Brüche oder andere Schäden beeinträchtigt, übertrage man die Kraft der jeweiligen Ikone in die feste Hauptikone.

19.113 Nach der Reparatur durch Künstler und sorgfältiger Wiederherstellung vollende man die verbleibenden Handlungen und vollziehe die Waschung nach der höchsten Ausführung.

19.114 Unter dem Wurzelmantra opfere man je tausend Gaben Sesam, Caru und geklärte Butter; dadurch wird die Befriedung bewirkt.

19.115 Ist die Reparatur wegen ihres Umfangs nicht sofort möglich, vollende man das verbleibende Ritual an einer vorn aufgestellten Repräsentationsikone.

19.116 So verfahre man auch bei den Ikonen für Feste, heilige Bäder und das Ruhelager: mit Wiederherstellung der jeweiligen Glieder, erneuter Einsetzung und Übertragung der Gegenwart.

19.117 Überschreiten oder unterschreiten die Stoffe für die Waschung das genannte Maß, ebenso Schalen, Krüge, Grasbüschel, Tücher, Felder der Bodenzeichnung oder die Ritualhalle,

19.118 Pflanzgefäße, Sockel, Torbögen, die acht Segenszeichen, die glückverheißenden Torkrüge oder andere Hilfsmittel,

19.119 so wiederhole der verständige Mantrakundige das Wurzelmantra hundertachtmal. Wer Befreiung erstrebt, kann die Gottheit zu jeder Zeit vorschriftsmäßig waschen.

19.120 Zur Niederhaltung von Feinden soll die Waschung stets bei Tage stattfinden; wer den Himmel erstrebt, vollzieht sie vormittags, wer Dharma erstrebt, mittags,

19.121 wer sämtliche Freuden erstrebt, am Tagesende. Bei Sühneriten ist jede Zeit geeignet. Bei Mond- und Sonnenfinsternissen wasche man den Herrn während des jeweiligen Ereignisses.

19.122 Beim Übergang der Sonne in ein neues Tierkreiszeichen gilt der Zeitraum von je sechzehn Nāḍīs vor und nach dem festgestellten Übergang.

19.123 In dieser Zeit soll man die Gottheit waschen. Ist sie überschritten, opfere man unter dem Mantra tausend Gaben und wiederhole es anschließend ebenso oft.

19.124 Wurden vor einer Handlung Keimlinge ausgesät und zeigen sie sich rot, dunkelgrün, seitwärts wachsend,

19.125 gekrümmt, nicht aufgegangen oder nach Süden geneigt, wurden sie fehlerhaft bereitet oder von rituell nicht zugelassenen Personen berührt,

19.126 oder sind die Pflanzgefäße zerbrochen, verlorengegangen, umgefallen oder von Mäusen und anderen Tieren angefressen, so wiederhole man das Wurzelmantra zehntausendmal.

19.127 Wurden für ein Opfer bereits Keimlinge ausgesät und tritt vor dessen Abschluss eine weitere besondere Ritualverpflichtung ein,

19.128 so vollziehe man auch für sie die Aussaat in Pflanzgefäßen. Zwischen Anfang und Ende eines laufenden Festes entfällt dabei eine zusätzliche Schutzschnur. [Der Bezug der letzten Einschränkung wird im Folgenden differenziert.]

19.129 Ist für eine Waschung bereits eine Schutzschnur an der Ikone befestigt und wird wegen einer dringenden Handlung eine andere Waschung notwendig,

19.130 so bindet der Mantrakundige dafür eine Schutzschnur an, vollzieht diese Waschung und setzt nach der entsprechenden Sühne die zuerst begonnene Handlung fort.

19.131 In anderen Fällen vollende man erst die zuvor begonnene Handlung und führe dann die nächste aus. Andernfalls gilt das Ritual als fruchtlos, o Zweimalgeborener.

19.132 Zur Beseitigung dieses Fehlers vollziehe der Mantrakundige unter dem Wurzelmantra ein befriedendes Feueropfer und Japa mit jeweils tausend Wiederholungen.

19.133 Ist diese Waschung ganz versäumt worden, wiederhole er das Wurzelmantra zehntausendmal. Wird ein aufgestellter Krug von einer Maus, Schlange, einem Frosch, einer Spitzmaus oder einem anderen Tier

19.134 berührt oder übersprungen, so entferne man ihn, stelle einen anderen auf und lasse den Guru das Wurzelmantra hundertmal wiederholen.

19.135 Bei ähnlichen Fehlern, für die keine eigene Sühne genannt ist, soll der Guru das Wurzelmantra zehntausendachtmal wiederholen.

19.136 Nun erkläre ich die Sühne im Verfahren des großen Festes, o Weiser. Für eine in einem Privathaus eingesetzte Ikone soll man kein solches Großfest vollziehen.

19.137 Göttliche und andere Heiligtümer sind zweifach: selbstständig oder abhängig. Der Tempel des Herrn, der auf einer Bergspitze, am Flussufer oder nahe einer heiligen Badestätte

19.138 eingesetzt ist, gilt als selbstständig, vortrefflicher Weiser. Ein Tempel, der als Bestandteil eines Dorfes oder einer anderen Siedlung errichtet ist, heißt abhängig.

19.139 An beiden kann man das große Fest in seinen dreizehn Zeitformen vollziehen, o Weiser. Hat man eine davon beschlossen und Jahr für Jahr eingeführt,

19.140 soll man nicht um des Vermögens willen ein Fest von geringerer Dauer feiern. Geschieht es aus Unachtsamkeit, muss man anschließend das zuvor übliche Fest nachholen,

19.141 um Befriedung zu bewirken; andernfalls droht dem König nach dem Text Verderben. Stimmen die Maße des Bambusmastes, des Fahnentuches oder der kleinen Bāla-Fahne nicht,

19.142 oder Farbe, Schmuck, Proportionen, Mast, Bambusstange, Halterung, Vertiefung, Sockel, Schutzpavillon oder Fahnenseil,

19.143 so vollziehe man wie zuvor vorschriftsmäßig das befriedende Feueropfer bis zum Japa. Ist die Fahne zerrissen, zerbrochen, verbrannt, verlorengegangen, von Mäusen angefressen

19.144 oder durch Kot, Urin, Blut, untersagte Getränke, Samenflüssigkeit, Speichel oder anderes verunreinigt, lege man sie beiseite und beschaffe wie zuvor eine neue.

19.145 Man setze sie an der Mastspitze ein, ehre sie, vollziehe die geringere Waschung und opfere zur Befriedung des Fehlers hundert Gaben geklärter Butter.

19.146 Wenn Eingeweihte, Brahmanen oder andere Zuständige zum Schutz des Fahnentuches auf den Mast steigen, entsteht dadurch kein Fehler.

19.147 Stark abgenutzte Halterungen, Stäbe und andere Teile ersetze man durch neue, bereite diese rituell vor, setze sie ein und befestige die Fahne unmittelbar wieder.

19.148 Man vollziehe ein befriedendes Feueropfer und abschließend eine mittlere Waschung. Verblasst die Farbe des Garuḍa-Banners durch Regen, Wind oder Sonne,

19.149 so gilt dies bis zum Ende des Festes an der Mastspitze nicht als Unglück. Bricht der Mast mit dem daran befestigten Fahnentuch durch Sturm oder andere Ursachen

19.150 am unteren Teil und fällt mitsamt der Fahne um, so richte man den verbleibenden Teil unverzüglich wieder auf, ohne die Fahne abzunehmen.

19.151 Man vollziehe die höchste Waschung, die Verehrung in den vier Sitzen und die weiteren Handlungen und gebe nach Vermögen Kühe, Land, Gold, Gerste und andere Gaben.

19.152 Der Bruch des Festbanners gilt als Vorzeichen des Thronverlusts des Königs. Deshalb soll man zur Abwendung unverzüglich die Befriedung vollziehen.

19.153 Fällt die Fahne durch Wind oder andere Ursachen zu Boden, hebe man sie rasch auf, befestige sie wieder und vollziehe die geringere Waschung.

19.154 Zur Befriedung opfere man hundert Gaben geklärte Butter mit Sesam. Ist die herabgefallene Fahne zerrissen, vollziehe man die höchste Waschung.

19.155 Man fertige eine neue Fahne an, weihe und befestige sie. Andernfalls droht nach dem Text ein Fehler für König, Reich und Mantrapriester.

19.156 Geht der vom Vogelkönig bewohnte Krug verloren, fällt er zu Boden oder wird er durch als unberührbar Geltendes, Haare, Erdklumpen, Knochen, Kot oder Ähnliches berührt,

19.157 so übertrage man die Kraft aus ihm in einen anderen Krug. Nach zehntausend Wiederholungen des Wurzelmantras vollende der Mantrakundige die verbleibenden Handlungen.

19.158 Bei allen nicht eigens genannten Fällen verfahre man ebenso mit Japa nach Vermögen. Beim Trommelritual zur Einladung der Gottheiten gilt:

19.159 Stehen die Instrumente wie Mṛdaṅga und Paṇava nicht an ihren vorgeschriebenen Plätzen, fällt ihre Verehrung aus,

19.160 fehlen die Verkündigung des heiligen Tages oder die Einladungsstrophe, wurden die Wesen samt Gefolge und die mit Utkaṭa beginnenden Scharen samt den Grahas

19.161 nicht vorschriftsmäßig in ihre Richtungen gerufen, oder wurden an Toren, Umfassungen, Prozessionswegen und Dorfplätzen

19.162 die Bali-Gaben ausgelassen, fehlen Rhythmen, Töne, Gesang oder Tanz, so vollziehe man zuerst ein befriedendes Feueropfer.

19.163 Dann wiederhole der Kundige das Mantra jeder Gottheit achtmal und führe die Einladung und sämtliche übrigen Handlungen erneut aus.

19.164 Hat man das große Fest ohne vorausgehende Keimaussaat begonnen, hole man die Aussaat am nächsten geeigneten Tag oder unmittelbar nach

19.165 und vollziehe wie zuvor das befriedende Feueropfer mit hundert Gaben. Ebenso verfahre man für die Prozession zur heiligen Badestätte und für die den Wesen und weiteren Gottheiten zugeordneten Nächte.

19.166 Sind einzelne Glieder der Keimaussaat ausgefallen oder wurde das vollständige Anlegen der Kautuka-Schnur nicht vollzogen,

19.167 so ist die Befriedung wie zuvor durch Feueropfer und Japa auszuführen. Bei den vorbereitenden Festweihen, bei der Verehrung in den vier Sitzen,

19.168 bei der Krugwaschung zu Beginn, bei der Waschung der Badeikone, bei der großen Speisegabe und beim Feueropfer am Tag oder in der Nacht,

19.169 bei den vorgeschriebenen Bali-Stoffen und Feueropfern für die Gottheiten der jeweiligen Festnächte, beim Spiel im Garten und beim Jagdfest,

19.170 besonders beim Jagdausflug, soll man bei jedem Ausfall die entsprechende Befriedung durch Feueropfer und weitere Handlungen vollziehen und danach den Rest abschließen.

19.171 Fallen oder zerbrechen die Fahrzeuge oder Reittiere, auf denen die Ikone steht, irgendwo durch Unachtsamkeit oder andere Ursachen,

19.172 so setze man die Ikone auf einen anderen Tragsitz oder ein anderes Reittier. Nach einem befriedenden Feueropfer wiederhole man das Wurzelmantra tausendmal.

19.173 Den Vaiṣṇavas und dem Guru gebe man Kühe, Land, Gold und weitere Gaben. Fällt die Ikone selbst vom Tragsitz oder Reittier,

19.174 so stelle man sie nach dem für die Bali-Ikone genannten Verfahren wieder her und vollziehe Waschung, befriedendes Feueropfer und Mantra-Japa.

19.175 Dauert die Reparatur länger, führe man die restlichen Handlungen an einer Repräsentationsikone aus. Ist die Reparatur der Verehrungsikone vollendet,

19.176 setze man diese wie zuvor erneut ein und vollziehe die Befriedung. In verlassenen Dörfern, Städten oder Handelsorten soll man kein Fest

19.177 und keine Bali-Darbringung ausführen; dort wäre der Vollzug fruchtlos. Ist der Ort wiederhergestellt, feiere man nach einer großen Befriedung

19.178 mit Zustimmung der Brahmanen das Fest erneut. Wurde ein Dorf durch Feuer zerstört oder durch Sturm, heftigen Regen oder Ähnliches beeinträchtigt,

19.179 vollziehe man zuerst ein befriedendes Feueropfer und danach das Fest. Bei einer auf einem Berggipfel eingesetzten Gottesgestalt begehe man das große Fest

19.180 samt Bali dort selbst, soweit der Raum es zulässt. Kann ein Umzug in einer benachbarten Brahmanensiedlung oder einem anderen Ort stattfinden,

19.181 so führe man ihn dort ohne Bali-Darbringung aus. Den zuvor bei der Einladung vor dem Herrn herbeigerufenen

19.182 Götter- und Asura-Scharen sowie den übrigen Wesen bringe man die Fest-Bali-Gaben tagsüber und nachts der Reihe nach am großen Opferpodest dar.

19.183 Sind die Keimlinge für die Fahne ausgesät, ist die Fahne aufgezogen oder die Schutzschnur für die Festweihe angelegt, aber das abschließende heilige Bad noch nicht vollzogen,

19.184 und erkrankt oder stirbt der Lehrer, muss er eine andere dringende Aufgabe übernehmen oder wird er durch eine familiäre Unreinheitszeit und Ähnliches verhindert,

19.185 so soll ein anderer Guru die verbleibenden Handlungen nach zehntausend Wiederholungen des Wurzelmantras vollenden. Wird das große Fest durch Feinde, Räuber, Feuer, Regen oder andere Gefahren unterbrochen,

19.186 soll der Lehrer am versäumten Tag dennoch Bali darbringen, soweit es möglich ist; die ausgefallenen Bali-Gaben hole er mit befriedendem Feueropfer und Japa nach.

19.187 Die Festprozession und das große Fest vollziehe man am vorgesehenen Tag. Ist die Prozession zur heiligen Badestätte ausgefallen, hole man das Garuḍa-Banner ein,

19.188 ziehe es wie zuvor wieder auf und vollziehe das Fest bis zum heiligen Bad. Werden die für die einzelnen Nächte bestimmten Bali-Stoffe vertauscht,

19.189 opfere man unter dem Wurzelmantra hundert Gaben geklärte Butter und wiederhole es hundertachtmal. Zur nächsten Bali-Zeit bringe man unmittelbar die dann fällige Gabe dar.

19.190 Werden die Bali-Gottheiten verwechselt, gelten dieselben Japa- und Feueropferhandlungen. Wurde das große Fest nicht mit der Keimaussaat begonnen,

19.191 hole man diese nach und wiederhole das Wurzelmantra zehntausendmal. Besonders am Ort der Keimgefäße, auf den Prozessionswegen des Festes,

19.192 an Dorfplätzen und Straßen bringe man den Wesen Bali dar; zur Förderung von König und Reich soll man dies nicht an einem abweichenden Sitz tun.

19.193 Zum Gedeihen des Dorfes bringe man auch am zugehörigen Heiligtum Bali dar. Bei abweichender Darbringung vollziehe man ein befriedendes Feueropfer. [Die Ortsabgrenzung in 19.192–193 ist im Wortlaut nicht eindeutig.]

19.194 Wird die Ikone beim großen Fest von Leuchtkäfern, Staub, Nebel, Regen, Wind, Sonnenhitze oder Ähnlichem berührt, vollziehe man Feueropfer und Japa.

19.195 Verbrennen Schutzpavillon, Ritualpavillon oder Gefäße, gilt die zuvor genannte Befriedung. Ebenso ist beim Erlöschen der Lampen nach der früheren Vorschrift zu verfahren.

19.196 Werden Gewänder, Schmuck, Girlanden, Waffen, Schirme, Yakschweifwedel oder andere bedeutende Segenszeichen,

19.197 Fahnen, Torbögen, Sockel oder sonstige Ritualbestandteile durch Feuer zerstört, so stelle man sie wieder her

19.198 und vollziehe ein befriedendes Feueropfer samt Japa mit hundertacht Wiederholungen. Fallen die zuvor genannten Gegenstände, besonders Lampen,

19.199 zu Boden, so opfere der Mantrakundige unter dem Wurzelmantra eintausendacht Gaben und wiederhole das Mantra ebenso oft.

19.200 Das Tagesfest soll bis Sonnenuntergang, das Nachtfest bis Sonnenaufgang stattfinden. Werden die Zeiten vertauscht, vollziehe man eine Waschung der geringeren Art.

19.201 Die Prozession zur heiligen Badestätte soll vor Sonnenuntergang stattfinden; an selbstoffenbarten und göttlich eingesetzten Heiligtümern kann sie auch im ersten Teil der Nacht erfolgen.

19.202 Wird die vorgeschriebene Badezeit vertauscht, vollziehe man die höchste Waschung. Tritt das für das Bad bestimmte Mondhaus an zwei Tagen ein, gilt der mit Indras Zeitabschnitt verbundene Termin

19.203 als glückverheißend; ist dieser bei beiden gegeben, wähle man den früheren. Wird der Lehrer bei der Festprozession von als unberührbar geltenden Personen berührt,

19.204 so ist darin, besonders in der Gegenwart der Gottheit, kein Fehler zu sehen. Ist beim Fest ein Feueropfer ausgefallen, hole man es in doppeltem Umfang nach und wiederhole

19.205 das Wurzelmantra zusammen mit Augen- und Waffenmantra jeweils hundertmal. Alle Verehrer können die Gottheit, in die jeweils passende Richtung gewandt,

19.206 nach ihren Mitteln erfreuen: mit Girlanden, Duft, Gewändern, Milchreis, Getränken, Kuchen, guten Früchten und duftendem Betel.

19.207 Ob Lehrer oder Übende dabei stehen oder auf einem Sitz sitzen: Wird der Herr der Götter verehrt, entsteht wegen des Vorrangs der Hingabe kein Fehler.

19.208 Geht während des großen Festes die Ikone durch Diebstahl oder eine andere Ursache verloren, beschaffe man eine andere und setze sie wie zuvor ein.

19.209 Nach vorschriftsmäßiger großer Waschung, Feueropfer und Japa vollende man den Rest des Festes; oder man führe ihn an einer Ritualikone oder einer anderen geeigneten Gestalt aus.

19.210 Wer umfassende Befriedung erstrebt, vollziehe das Blumenopfer nachts; wer Gedeihen erstrebt, mittags; wer Stärkung erstrebt, vormittags; wer Dharma erstrebt, um Mitternacht,

19.211 ebenso, wer den Untergang von Feinden erstrebt. Beim Blumenopfer darf man weder abgestandene noch welke Blumen verwenden.

19.212 Zur Befriedung dieses Fehlers vollziehe man eine mittlere Waschung. Ist das Blumenopfer ganz unterblieben, vollziehe man die höchste Waschung.

19.213 Für das Blumenopfer werden besonders sechs Lehrer genannt: vier für die Verehrung in den vier Sitzen,

19.214 einer für die Badeikone und ein weiterer für Bali und die übrigen Handlungen. Im Wasser gewachsene Blumen können auch nach drei Nächten

19.215 beim Blumenopfer verwendet werden; darin liegt kein Fehler, vortrefflicher Weiser. Ebenso gelten Kalhāra-Blüten für die Blumenverehrung

19.216 und besonders Damanī-Blätter beim Blumenopfer als geeignet. Mit Blumen, die seit der vorangegangenen Nacht aufbewahrt wurden, darf man den Herrn tagsüber verehren,

19.217 nicht aber nachts mit solchen, die seit dem Vormittag liegen. Ist die Waschung am Ende des großen Festes ausgefallen, hole man sie nach,

19.218 nach der höchsten Ausführung der geringeren Gruppe, und opfere danach zur Befriedung. In derselben Nacht hole man das Garuḍa-Banner von der Mastspitze ein,

19.219 bringe den im Dorf und den weiteren Orten gegenwärtigen Wesen Bali dar und entlasse sie. Geht die Fahne am Festende vor dem Einholen verloren,

19.220 so ziehe man wie zuvor eine neue auf und hole sie anschließend wieder ein. Ein eintägiges Fest kann mit zwei Bali-Darbringungen oder nur einer stattfinden,

19.221 auch ohne Bali und heiliges Bad oder ohne Umzug. Das dreitägige Fest hat vier Bali-Darbringungen; bei fünftägigen

19.222 und längeren Festen bis zum nach einem Mondhaus bestimmten Festtag gilt eine gegenüber der Zahl der Tage verdoppelte, um eine verminderte Bali-Zahl. [Die Berechnungsregel ist sprachlich verkürzt überliefert.]

19.223 Werden diese großen Feste mit zu wenigen oder zu vielen Bali-Darbringungen ausgeführt, drohen nach dem Text dem Ausführenden, dem Auftraggeber, dem König, dem Reich und dem Mantrapriester

19.224 schwere Krankheiten und wiederkehrende Leiden. Zur Befriedung dieses Fehlers vollziehe man die höchste Waschung der geringeren Gruppe.

19.225 Treffen während eines großen Festes besondere Termine wie der zwölfte Mondtag ein, so vollziehe man sämtliche dafür vorgesehenen Verehrungen nach der rechten Ordnung.

19.226 Der Verständige soll sorgfältig vermeiden, eine fällige besondere Feier auszulassen. Ist sie unterblieben, wiederhole der Mantrakundige zur Befriedung das Waffenmantra zehntausendmal.

19.227 Nun erkläre ich dir die Sühne beim Anlegen der Pavitra-Schnüre. Entsprechen die Schnüre, die Feuergrube oder das Maṇḍala nicht den vorgeschriebenen Maßen,

19.228 so wiederhole man das Waffenmantra zehntausendmal und vollziehe die Verehrung mit der schützenden Waffenbindung. Dasselbe gilt bei den ergänzenden Blättern, Blumen und Früchten.

19.229 Ist innerhalb der viermonatigen Zeit der vorgeschriebene Termin überschritten, vollziehe man eine mittlere Waschung und führe das Ritual an einem anderen Termin aus.

19.230 Auch bei anderen Fristüberschreitungen ist diese Befriedung vorgesehen. Sind die Pavitra-Schnüre durch Haare, Steine, Haut, Kohlen, Nägel oder anderes

19.231 verunreinigt, verbrannt, zerrissen, angebissen oder von Mäusen und anderen Tieren angefressen oder von Krähen und ähnlichen Vögeln berührt, entferne man sie.

19.232 Man fertige aus geeigneten Fäden neue an, weihe sie vorbereitend wie zuvor, vollziehe die höchste Waschung und lege die Pavitra-Schnüre an.

19.233 Zur Befriedung opfere der Mantrakundige Honig, Milch und weitere Stoffe der Reihe nach hundertachtmal und wiederhole ebenso oft das Wurzelmantra und die weiteren Mantras.

19.234 Wurden aus Unachtsamkeit Schnüre angelegt, die von als unberührbar geltenden Personen berührt worden waren, lege man andere an und vollziehe die Befriedung wie zuvor.

19.235 Berührt eine rituell ausgeschlossene Person den aufgestellten und verehrten Krug, rufe man die Gottheit in einen anderen Krug und wiederhole das Wurzelmantra tausendmal.

19.236 Zerbricht der Krug, stelle man ebenfalls einen anderen auf und wiederhole das Wurzelmantra zehntausendmal. Fällt die Ikone, zerbricht sie oder wird sie beschädigt,

19.237 so repariere und setze man sie wie zuvor erneut ein und vollziehe die Befriedung. Verehrt der Lehrer mit den Pavitra-Schnüren in falscher Reihenfolge,

19.238 vollziehe er zuerst ein befriedendes Feueropfer und wiederhole das Wurzelmantra hundertmal. Wird die glückverheißende Stunde wegen des Umfangs der Verehrung überschritten,

19.239 vollziehe man die höchste Waschung und lege die Schnüre zu einer anderen geeigneten Stunde an. Bei göttlich gegründeten und anderen Heiligtümern mit mehreren Ikonen

19.240 sind für das Anlegen der Pavitra-Schnüre im vollständigen Verfahren zahlreiche Lehrer vorgesehen, kundig in Meditation, Mantra und Ritual.

19.241 Einer übernimmt die Krugverehrung, ein anderer die Maṇḍala-Verehrung, ein weiterer die Ikone und ein weiterer das Feuer.

19.242 Einer dient im Hauptheiligtum, ein anderer verehrt die schmückenden Nebensitze, einer Garuḍa und ein weiterer Viṣvaksena.

19.243 Einer ist für die Badeikone zuständig, ein anderer für Bali, ein weiterer für das regelmäßige Feueropfer und einer für die große Speisegabe.

19.244 Unter Berücksichtigung einer vereinfachten Aufgabenverteilung können auch acht Lehrer das Ritual vollziehen. Jeder legt an seinem jeweiligen Platz die Pavitra-Schnüre an.

19.245 Nach einem eintägigen Fest vollziehe man die heilige Badeprozession an demselben Tag wie zuvor oder tagsüber am folgenden Tag.

19.246 Bei zwei Nächten wird das heilige Schlussbad zu Beginn des entsprechenden Tages vorgesehen. Ein dreitägiges Fest kann vom zweiten bis zum vierten Tag stattfinden. [Die Tagesbezüge dieses Verses sind nicht eindeutig.]

19.247 Oder das große Fest dauert vom Haupttag an sieben Tage. Am Ende dieser Festformen findet die heilige Badeprozession wie zuvor statt.

19.248 So soll das Anlegen der Pavitra-Schnüre mit dem heiligen Bad abschließen. Unterbleibt die Badeprozession, ist die höchste Waschung als Sühne vorgesehen.

19.249 Wie zuvor beginne man das Fest mit der Keimaussaat. In der Nacht des heiligen Badetages nehme man die Pavitra-Schnüre rituell ab.

19.250 Die im Sinn des Pāñcarātra Kundigen sollen sie dem Guru geben; ist er nicht verfügbar, den anderen Lehrern der Reihe nach.

19.251 Wurden sie ungeeigneten anderen Personen zugewiesen, bringe man sie erneut vorschriftsmäßig dar und übergebe sie den Berechtigten.

19.252 Nach einer mittleren Waschung vollziehe man ein befriedendes Feueropfer. Bei der vorschriftsmäßig wie zuvor beschlossenen viermonatigen Observanz gilt:

19.253 Wurde sie an keinem der früher genannten höchsten, mittleren oder geringeren Anfangstermine begonnen, so beginne man nach einem Cāndrāyaṇa-Gelübde

19.254 am nächstmöglichen Tag und halte von dort an acht Monatshälften lang die vorgeschriebene Disziplin ein.

19.255 Hat man die viermonatige Observanz beschlossen und dieses vorzügliche Gelübde begonnen, wird es aber durch äußere Abhängigkeit oder andere Umstände unterbrochen,

19.256 fasse man den Entschluss zu einer anderen Zeit erneut und vollziehe Cāndrāyaṇa und die weiteren vorgesehenen Sühnen. Zur entsprechenden Zeit führe man das Niederlegen der Gottheit und die übrigen Handlungen ordnungsgemäß aus.

19.257 Bei Vertauschung oder Ausfall dieser Handlungen vollziehe man die Verehrung in den vier Sitzen und das Weitere. Der Mantrakundige wiederhole das Wurzelmantra zehntausendmal und opfere zur Befriedung.

19.258 Bei den Gestalten Narasiṃha, Kapila, Varāha, Hayagrīva, Haṃsa und ähnlichen, bei Formen mit besonderen Gesichtern und besonders beim Herrn der Śaktis,

19.259 ferner bei Paraśurāma, beim allgestaltigen Herrn, beim Entführer des Pārijāta-Baumes und bei Hari als Kalkin

19.260 soll man die fest im Tempel eingesetzte Gestalt nicht auf ein Lager legen. Stattdessen nehme man nach Wunsch eine Ikone mit friedvoller Erscheinung

19.261 und lege sie stellvertretend während der viermonatigen Zeit vorschriftsmäßig nieder. Wenn der Herr der Götter wieder erhoben und in den vier Sitzen verehrt ist,

19.262 schmücke man die Festikone des allgegenwärtigen Herrn angemessen mit Gewändern, Schmuck, Girlanden und anderem und setze sie auf Garuḍa.

19.263 Zur Befriedung der Fehler führt man sie nach dem Verfahren des großen Festes besonders durch den gesamten Siedlungsbereich,

19.264 ein oder mehrere Nächte lang nach der zuvor genannten Regel, und vollzieht danach das abschließende Bad des Herrn an einem Flussufer oder einer anderen geeigneten Stelle.

19.265 Im Ersatzverfahren kann dieser Ablauf ohne das heilige Schlussbad erfolgen. Liegen zwischen zwei Sonnenübergängen zwei Neumonde,

19.266 oder fehlt dort ein Neumond, so wird der betreffende Monat als Mala-Monat bezeichnet. Er ist für Beginn und Ende der viermonatigen Observanz ungeeignet.

19.267 Wurde diese an einem der drei genannten Termine begonnen und fällt ein solcher Monat in die Mitte, entsteht dadurch kein Fehler.

19.268 In einem zusätzlichen Monat sowie während der Unsichtbarkeit von Jupiter oder Venus soll, wer Wohlergehen erstrebt, keinen Festzyklus erstmals beginnen.

19.269 An selbstoffenbarten Heiligtümern, heiligen Badestätten, auf Berggipfeln, an schönen Flussufern, in Wäldern und Hainen,

19.270 bei Kuhherden oder in den Einsiedeleien großer Weiser fasse man vor Hari den Entschluss zu einem festen Aufenthalt, um das gewünschte Gelübde zu vollenden.

19.271 So sollen die leitenden Lehrer und die übrigen Teilnehmer die vier Monate verbringen. Flüsse, Berge und ähnliche Grenzen soll man dabei nicht überschreiten.

19.272 Wer zu einer heiligen Prozession berechtigt ist, darf jedoch zu einem göttlichen Heiligtum innerhalb eines Yojana gehen, selbst wenn ein Fluss oder Ähnliches dazwischenliegt.

19.273 Für diejenigen, die besonders mit den fünf allgegenwärtigen Mantras, beginnend mit dem zwölfsilbigen, regelmäßig verehren und sich den fünf täglichen Ritualzeiten widmen,

19.274 bricht der Besuch eines göttlichen Heiligtums das Gelübde nicht. Für die während dieser Zeit streng Observanten entsteht auch keine Unterbrechung durch familiäre Unreinheit nach Geburt oder Tod.

19.275 Man darf keine Lebewesen verletzen, keine Bäume fällen, keine Fluss- oder Felddämme zerstören und keine Feldfrüchte vertrocknen lassen,

19.276 keine Heiligtümer oder ihre Bewohner schädigen und keine Zisternen, Brunnen oder Teiche mit Erde, Steinen oder anderen Stoffen zuschütten.

19.277 Auch das Gefangenhalten von Zweimalgeborenen, das Zusammenwohnen und Gespräch mit Angehörigen anderer sozialer Gruppen sowie das Annehmen von Gaben und Vermögen von ihnen

19.278 soll der Verständige besonders in dieser Zeit unterlassen. Wer dies dennoch tut, findet nach der strengen Aussage des Textes keine Befreiung durch gewöhnliche Sühnen.

19.279 Allenfalls entsteht sie durch die Stiftung verschiedener verdienstvoller Einrichtungen. Unter diesen gilt die Einsetzung Vāsudevas als höchste.

19.280 Die Ansiedlung vorzüglicher, ausschließlich dem Herrn ergebener Brahmanen gilt als mittlere, die Stiftung anderer Einrichtungen als nachgeordnet. [„Einsetzung“ ist hier offenbar im weiteren Sinn dauerhafter religiöser Stiftung gebraucht.]

19.281 Nun erkläre ich der Reihe nach die Sühnen bei der Einsetzung. Bei der Übernahme von Boden, Stein, Holz, geeignetem Metall und anderen Materialien,

19.282 wenn die für die jeweiligen Teilhandlungen genannten Stoffe, Mantras oder Ritualhandlungen fehlen, soll man erneut befriedendes Feueropfer, Japa und die weiteren Handlungen

19.283 nach der Schrift ausführen; andernfalls ist der Vollzug fruchtlos. Wurde bei der Übernahme des Bauplatzes die vorgeschriebene Ordnung nicht eingehalten,

19.284 oder haben Künstler Material ohne rituelle Vorbereitung auf das Tempelgelände gebracht, vollziehe der Kundige die Übernahme des Bildmaterials ordnungsgemäß nach.

19.285 Ebenso verfahre man bei Erde, Holz, Gewändern und den übrigen Stoffen. Ein für einen anderen Tempel beschaffter Stein oder eine bereits gut gefertigte,

19.286 in allen Gliedern vollständige Ikone, deren Einsetzung sich verzögert hat, kann auf rechtmäßige Weise übernommen und in einem bereits fertigen Heiligtum eingesetzt werden.

19.287 Für den ursprünglich vorgesehenen Ort beschaffe man entsprechend eine andere und setze sie dort ein. Wird eine fertig hergestellte Ikone nicht unverzüglich in ihr eigenes Heiligtum gebracht,

19.288 droht nach dem Text Unheil für König, Reich und Hersteller. Nach einundzwanzig Tagen gilt sie als von asurischer Wirkung erfüllt.

19.289 Nach großer Waschung und den weiteren Weihen soll man sie einsetzen; andernfalls verwerfe man sie. Stimmen die Maße von Ikone, Sockel, Waffen, Strahlenkranz,

19.290 Gewand oder Schmuck nicht, so opfere man vielfach mit Butter benetzten Reis zusammen mit Sesam und Śamī-Blättern,

19.291 unter jedem der fünf Mantras hundert Gaben. Bei der Wasserlagerung, Waschung und Augenöffnung,

19.292 beim Niederlegen, auf der Altarfläche, beim Mantra-Nyāsa, bei der Verehrung von Krug und Maṇḍala sowie von Toren, Torbögen und Torkrügen

19.293 gilt bei fehlerhafter Ausführung dieselbe Befriedung wie zuvor. Wurde die Ikone mit ihrem Fußtragstein an einem falschen Platz eingesetzt,

19.294 hebe man sie sofort heraus und setze sie an ihren richtigen Platz. Danach vollziehe man eine mittlere Waschung und ein befriedendes Feueropfer.

19.295 Wurde dagegen nur die festgelegte Stunde der Einsetzung verfehlt, soll man die Ikone nicht wieder herausheben. Durch Waschung und Feueropfer wie zuvor wird Befriedung bewirkt.

19.296 Erkrankt der für die Einsetzung verantwortliche Hauptlehrer oder stirbt er, während die Ritualfolge bereits im Gang ist,

19.297 so vollende der anwesende Unterweiser in Ritual und Mantra oder der Sohn des leitenden Lehrers die verbleibenden Einsetzungshandlungen.

19.298 Am Ende übergieße man den Herrn der Götter mit tausend Krügen und opfere in einer Rad-Lotus-Feuergrube Honig, Milch und weitere Stoffe der Reihe nach

19.299 zehntausendmal zur Befriedung; ebenso oft vollziehe man Japa. Brahmanen, Kṣatriyas, Vaiśyas oder Śūdras, die vom erhabenen Herrn erfüllt sind,

19.300 seien sie von einem Wunsch geleitet oder frei davon, Übende, die sich der Mantra-Verehrung widmen, sollen für die Einsetzung einer Bildgestalt des Herrn stets

19.301 zuerst einen dazu befugten, vorzüglichen Brahmanen der Pāñcarātra-Tradition durch ehrerbietige Bitte gewinnen.

19.302 Wer den höchsten Ātman in seinen Offenbarungen, beginnend mit den Vyūhas, kennt, ist stets befugt, für andere eine Bildgestalt des erhabenen Herrn einzusetzen.

19.303 Eine Einsetzung aus Gnade und die Feststellung ritueller Befugnis sollen durch ausschließlich dem Herrn Ergebene für geeignete Verehrer ausgeführt werden.

19.304 Diese ausschließlich Ergebenen kennen die fünf Verehrungszeiten und sind nicht vom Herrn getrennt. Ursprünglich aus seinem Mund hervorgegangen, betrachten sie den geistigen Sinn des zwölfsilbigen Mantras.

19.305 Ihr Hervorgehen und Zurückkehren ist ganz auf die vier Vyūhas bezogen; ihre Handlungen geben sie der Reihe nach unter unmittelbarer göttlicher Aufsicht hin.

19.306 Solche Menschen sind überaus selten. Bei ihnen sind Erkenntnis des höchsten Gegenstandes und Vertrauen klar ausgeprägt; sie stehen fest im ihm zugehörigen Handeln.

19.307 Auf anderen Wegen Stehende erkennen diese Vorrangstellung untereinander nicht an. Wer dennoch die des Herrn erstrebt, ohne darin gefestigt zu sein, hat nach dem Text keinen festen Stand in diesem Ritual. [Der Satzbau von 19.306–307 ist schwierig.]

19.308 Der befugte Lehrer sei frei, habe sein Ziel erreicht, sei unverstellt, den fünf täglichen Verehrungszeiten ergeben, vollendet und in der verbindlichen Tantra-Lehre bewandert.

19.309 Durch ihn sollen bei jeder Handlung auch die Anweisungen für die äußerlich gesprochenen Śruti-Mantras erfolgen, entsprechend der jeweiligen Gelegenheit.

19.310 Denn bei den vom Lotusgeborenen hergeleiteten Maṇḍalas und weiteren Ritualformen, bei der regelmäßigen Verehrung für sich selbst oder für andere,

19.311 bei der ewig vollendeten Gottesgestalt und in der beständigen Hinwendung zu ihr kommt der Herr demjenigen nahe, dessen Herz ihm zugetan ist:

19.312 der Herr der Welt in Mantra-Gestalt, der höchste Ātman, der unerschütterliche Herr. Auch ohne übermäßigen Eifer, o Brahmane, zur Freude des Herzens,

19.313 zur Erfüllung eines Wunsches oder um guten Ruhmes willen ist dem Geeigneten eine mit Meditation verbundene Einsetzung im Tempel oder im eigenen Haus gestattet.

19.314 Damit ist das vollständige Verfahren sachgemäß erklärt, hochgesinnter Weiser. Vernimm nun kurz das andere, als Ersatzverfahren geltende Vorgehen.

19.315 Dabei dienen Brahmanen, die zuvor vorschriftsmäßig eingeweiht wurden, in der Ordnung der drei Veden stehen, der regelmäßigen Verehrung ergeben und Verehrer des allgegenwärtigen Herrn sind,

19.316 die in Konzentration, Meditation und den übrigen Handlungen ihr Ziel erreicht und sich in Mantras, Maṇḍalas, Mudrās, Waffenriten und Feuergruben geübt haben,

19.317 die in der Durchdringung der sechs Wege gefestigt, zur Hingabe bereit, neidlos, sorgfältig in der Ritualfolge, geschickt und treu ihren eigenen Pflichten sind,

19.318 die in der Welt einen guten Ruf besitzen und frei von schlechtem Ruf sind. Führen solche Menschen die Einsetzung aus, erlangt der Auftraggeber festen Bestand.

19.319 Allen anderen, die verschiedene Kultwege vermischen, ist die Ausführung des großen Einsetzungsfestes für den Lotusäugigen nach dieser Schrift stets untersagt.

19.320 Wer dagegen nur in weltlicher Ordnung steht, unterschiedslos alle Gottheiten gleichsetzt und die besondere Stellung des erhabenen Herrn nicht erkennt,

19.321 je nach Aufgabe lediglich mit Worten jeder Gottheit die höchste Stellung zuspricht und ohne entsprechende Befugnis zu ihrer Verehrung antritt,

19.322 gilt hier als Vertreter vermischter Verehrung, der aus der rechten Ordnung gefallen ist; der Text droht ihm und den so Handelnden mit der Hölle. [Traditionsgebundene Abgrenzung gegen andere Kultformen.]

19.323 Bei Menschen jedoch, die durch wahre Hingabe gereinigt und innerlich Vāsudeva zugewandt sind, begründet eine Unterbrechung oder Unvollkommenheit des Vollzugs nicht in gleicher Weise einen Fehler.

19.324 Deshalb soll man, hoch Verständiger, vor allem hingebungsvoll handeln. Selbst bei Mantra-Übenden, die mit Hingabe Japa ausführen,

19.325 kann ein Mantra durch vertauschte oder fehlende Laute, fehlenden Akzent oder zusätzliche Laute und Akzente entstellt sein; nach der Regel bringt dies Unheil

19.326 für seine Anwender binnen kurzer Zeit. Dennoch, Lotusgeborener, gewährt er durch die Macht überragender Hingabe das Gewünschte.

19.327 Denn der Herr des Mantras wird den durch wahre Hingabe Gereinigten, die bei ihm Zuflucht genommen und ihr Inneres auf ihn ausgerichtet haben, rasch gnädig, selbst ohne vollkommene Ritualfolge.

19.328 Um wie viel mehr gilt dies für diejenigen, die in Ritual und Erkenntnis vollständig geschult, Vertrauen und Hingabe ergeben und von Lehrern unterwiesen sind, bester Zweimalgeborener!

19.329 Deshalb sollen in dieser Lehre, hochgesinnter Weiser, Einweihung und alle weiteren Handlungen für die Verehrer mit größter Sorgfalt im Dienst des seinen Verehrern liebevoll zugewandten Herrn ausgeführt werden.

19.330 „Wer nicht bei mir Zuflucht genommen hat und dennoch, angeblich um mich zu erreichen, für Menschen mit geringer oder mittlerer Hingabe, deren Geist an Wunschfreuden hängt,

19.331 meine Einweihung oder aus Verblendung Einsetzungsriten und anderes vollzieht: Von ihm wenden sich binnen kurzer Zeit Hingabe samt ihrem Keim,

19.332 Mantra, Ritualordnung und Vollendungen ab, schon hier, vorzüglicher Brahmane. Am Ende seines Körpers, ohne fortbestehende Nachkommenschaft,

19.333 gelangt er in eine furchtbare Hölle. Nachdem er diese schwere Verfehlung abgetragen hat, vergeht durch die Größe des Mantras des erhabenen Herrn und dessen Wirken

19.334 die aus solchem Umgang entstandene Schuld. Kraft früherer Eindrücke kann er nach dem Abtragen seines Fehlverhaltens wieder einen menschlichen Körper erlangen.“ [Der Abschnitt wechselt unvermittelt in göttliche Ich-Rede; einzelne Satzanschlüsse sind beschädigt.]

19.335 Dann soll er sich um reines Handeln bemühen, durch das er Befriedung erlangt. Ein hochmütiger Lehrer, der sich selbst ergeben und nicht befugt ist,

19.336 verfolgt eigene Wünsche und gelangt nach dem Text auf einen höllischen Weg. Obwohl die Mantra-Gestalt allgegenwärtig ist und allen Gnade gewährt,

19.337 stellt sich ihre heilvolle Gegenwart dort nicht ein. Stattdessen dringen, so die Vorstellung des Textes, in das Innere der Bildgestalt sogleich

19.338 Bhūtas, Vetālas, Yakṣas und andere Wesen ein und verursachen den Verlust von Gütern und anderem. Deshalb sollen in dieser Ritualordnung Anhänger anderer Lehrsysteme nicht als leitende Einweihende eingesetzt werden, o Weiser.

19.339 Wer sich vor dem Leiden des Saṃsāra fürchtet, wahrer Hingabe ergeben und frei von Heuchelei und Anhaften ist, soll einen solchen ungeeigneten Lehrer nicht verehren.

19.340 Daher ist, hoch Verständiger, das vorzügliche Opfer namens Einsetzung von Anfang an für Vaiṣṇavas durch Vaiṣṇavas auszuführen.

19.341 Wo so eine stoffliche Gestalt zum göttlichen Sitz wird, Herr der Weisen, geschieht Gnade für beide Seiten, gekennzeichnet durch Erbarmen und Hingabe.

19.342 Diese als Einsetzung bezeichnete Handlung gewährt weltliche Erfüllung und Befreiung. Für Brahmanen, die im wahren Brahman gefestigt sind, gilt sie zur eigenen Vollendung

19.343 als beständige Aufgabe, Reinäugiger. Eine Ausweitung ihrer Verfehlung wird dort nicht angenommen;

19.344 außer dem Fall des Körpers wird kein anderer Fall genannt, während ein Abfall von dieser Aufgabe als schwerer Fehler gilt. Deshalb sollen innerlich Gefestigte einen solchen Abfall von Anfang an vermeiden. [Der Zusammenhang von 19.343–344 ist beschädigt und nur annähernd verständlich.]

19.345 Für Angehörige aller vier Stände, die sich dieser Handlung zugewandt haben, sollen sie die Einsetzung stets sachgemäß und mit dem Wunsch nach Gnadengewährung ausführen, o Weiser,

19.346 ohne eigenwillige Behinderung, ohne Habgier und ohne bloßes Streben nach Ansehen. Tritt unvermutet ein Fehler wie der Bruch eines Gliedes ein,

19.347 so dient aus Erbarmen mit den Verehrern die Verehrung durch die göttlichen Mantras der Stärke und der übrigen Kräfte, beginnend mit dem zwölfsilbigen Mantra, deren höchste Frucht Befreiung ist,

19.348 der beständigen Wiederherstellung. Bei vollständiger Zerstörung von Ikonen oder bei der Ersetzung einzelner Glieder

19.349 wurden die besonderen Aufgaben bereits genannt. Dennoch vernimm hier das Verfahren ausführlich.

19.350 Geht eine von Göttern, Siddhas, großen Weisen oder entsprechenden Gründern eingesetzte Ikone durch Diebstahl oder andere Ursachen verloren, stelle man unverzüglich eine entsprechende neue her.

19.351 Der Mantrakundige soll sie vorschriftsmäßig einsetzen, nachts, tagsüber oder in der Dämmerung. Besonders bei der Wiederherstellung nach Verlust muss keine besondere Zeit abgewartet werden.

19.352 Nun erkläre ich die Sühne zunächst beim vorläufigen Heiligtum und anschließend bei der Wiederherstellung eines verfallenen Tempels. Höre genau, o Weiser.

19.353 Wird die vom Auftraggeber erbetene Frist für den Bau von Tempel und Ikone überschritten, vollziehe man die von der Schrift genannte höchste Waschung.

19.354 Danach erbitte man eine weitere Frist für die Fertigstellung. Geschieht dies nicht und vergehen zwölf Jahre,

19.355 so vollziehe man eine erneute Einsetzung im Hauptheiligtum oder im vorläufigen Heiligtum. Geht dort die Ikone durch Diebstahl oder Unachtsamkeit verloren,

19.356 beschaffe man eine entsprechende neue, setze sie vorschriftsmäßig ein, vollziehe eine geringere Waschung und ein befriedendes Feueropfer.

19.357 Wird die Ikone aus irgendeinem Grund von ihrem Platz verschoben, setze man sie wie zuvor wieder ein und wasche den höchsten Puruṣa.

19.358 Im vorläufigen Heiligtum sind alle regelmäßigen und anlassbedingten Handlungen bis zum Anlegen der Pavitra-Schnüre nach dem Verfahren für eine einzige Ikone auszuführen.

19.359 Geht eine Ikone durch Diebe verloren, fertige man sie wie zuvor aus dem entsprechenden Material mit allen vorgeschriebenen Merkmalen neu an und setze sie ebenso ein.

19.360 Der Mantrakundige verehrt sie danach stets und überall wie zuvor. Zur Sicherstellung des Rituals kann der Lehrer sie auch aus einem anderen geeigneten Material herstellen lassen.

19.361 Wird eine gestohlene Ikone wiedergefunden, o Zweimalgeborener, vollziehe man ihre erneute Einsetzung, jedoch ohne nochmalige Augenöffnung.

19.362 Wurde sie von Brahmanen berührt, die als Diebe handeln, genügt eine geringere Waschung. Sind solche Personen in das Allerheiligste eingedrungen, vollziehe man die höchste Waschung.

19.363 Haben sie länger dort verweilt und die Ikone berührt, beginne man die Einsetzung erneut. Dringen Hunde, Schakale, Katzen oder ähnliche Tiere in das Allerheiligste ein,

19.364 vollziehe man eine geringere Waschung und ein befriedendes Feueropfer. Halten sie sich nur im Hof auf, opfere man hundert Gaben zur Befriedung.

19.365 Berühren sie die Ikone, wasche man sie nach der höchsten Ausführung der mittleren Gruppe. Auch durch bestimmte Vögel kann ein ritueller Fehler im Heiligtum entstehen.

19.366 Wird die Ikone durch Unachtsamkeit von Krähen, Hühnern, Geiern oder ähnlichen Vögeln berührt, vollziehe man die eben genannte Waschung und ein befriedendes Feueropfer.

19.367 Bei Berührung durch Leuchtkäfer und entsprechende Tiere genügt eine geringere Waschung. Durch Bienen oder Fliegen entsteht dagegen kein solcher Fehler,

19.368 ebenso nicht durch Ameisen und ähnliche kleine Tiere. Wird das Gottesbild von Samenflüssigkeit, Blut, Kot, Urin, untersagten Getränken, Fleisch oder anderen solchen Stoffen

19.369 berührt, vollziehe man die höchste Waschung. Werden Hof oder andere Flächen dadurch verunreinigt, entferne man den Stoff unverzüglich,

19.370 bestreiche den Ort mit Kuhdung und besprenge ihn mit den fünf Kuhprodukten. Der Mantrakundige opfere je hundert Gaben Sesam und geklärte Butter zur Befriedung.

19.371 Wird die im Heiligtum eingesetzte Ikone von vaiṣṇavischen Vaiśyas, von Śūdras oder besonders von Frauen berührt, wasche man sie nach dieser historischen Vorschrift mit den fünf Kuhprodukten.

19.372 Man vollziehe ein befriedendes Feueropfer mit hundert Gaben Honig, Milch und anderer Stoffe. Bei Berührung durch Angehörige als Anuloma oder als verwerflich eingestufter Pratiloma-Gruppen

19.373 führe man stets Waschung, befriedendes Feueropfer und Gaben aus. Bei Berührung durch Vaikhānasa-Priester gilt die Ikone durch ein Milchbad als gereinigt.

19.374 Wurde sie jedoch nach deren eigener Ritualordnung verehrt, soll man die Einsetzung erneut vollziehen. Ikone, Sockel, Tempel und Allerheiligstes

19.375 gelten gleichermaßen als Gestalt des Gottes der Götter. Deshalb sind Wiederherstellung und Befriedung bei allen vier entsprechend auszuführen.

19.376 Auch bei Altarfläche, Cakra, Lotus und Rad-Lotus-Maṇḍala, sei dieses aus Gold oder einem anderen Material gefertigt oder aus farbigem Pulver gezeichnet,

19.377 gelten entsprechende Wiederherstellung, Befriedung und Behandlung. In den äußeren Anlagen mit Mauern, Gopuras, Toren und Pavillons

19.378 entsteht kein Fehler allein dadurch, dass Schakale oder ähnliche Tiere sich im Hof aufhalten. Dringen sie an den eigentlichen Verehrungsplatz ein, besprenge man ihn mit den fünf Kuhprodukten.

19.379 In Pavillons, Höfen, Hallen, Galerien und anderen Bereichen verursachen Gurus, Übende und Eingeweihte, wenn sie im Rahmen der Verehrung handeln,

19.380 durch Liegen, Sitzen, Essen, Füßewaschen, Mundspülen, Baden, Salben und entsprechende Handlungen keinen Fehler, vorzüglicher Brahmane.

19.381 Führen andere dort diese Handlungen aus, bestreiche man den Platz mit Kuhdung und besprenge ihn mit den fünf Kuhprodukten samt Kuśa-Wasser.

19.382 Halten sich Katzen, Mäuse, Schlangen, Frösche, Eidechsen, Ratten, Spitzmäuse, Warane, Rājila-Schlangen oder ähnliche Tiere

19.383 im Allerheiligsten auf, vollziehe man ein befriedendes Feueropfer. Entstehen Fliegennester, Termitenbauten oder Ansammlungen von Würmern

19.384 an der Ikone oder am Tempel, entferne man sie unverzüglich, stelle alles wie zuvor wieder her und vollziehe die Verehrung in den vier Sitzen und die weiteren Handlungen.

19.385 Den Gott der Götter wasche man nach der mittleren Ausführung der höchsten Gruppe. Wachsen irgendwo im Haus Haris, in Pavillons oder anderen Bereichen,

19.386 Pflanzen wie Brahmadaṇḍa oder Pilze, oder sammeln sich dort schädliche Tiere oder ungewöhnliche Vogelscharen,

19.387 so entferne man sie und vollziehe ein befriedendes Feueropfer. Treten solche Erscheinungen am eigentlichen Tempelbau auf, ist eine mittlere Waschung vorgesehen.

19.388 Treten sie an der Ikone selbst auf, vollziehe man zunächst die Übertragung in eine vorläufige Unterkunft und die weiteren Handlungen bis zur Aufgabe der alten Gestalt, mit Erlaubnis des Königs.

19.389 Der Kundige lasse die Ikone erneuern und setze sie wie zuvor ein. Ebenso verfahre man, wenn sich an der Ikone die als „raktastrī“ bezeichneten Erscheinungen zeigen. [Diese Lesart ist nicht sicher bestimmbar.]

19.390 Nach Wiederherstellung und Einsetzung wasche man den Herrn der Götter erneut zur Befriedung nach der höchsten der höchsten Ausführungen.

19.391 Treten diese Erscheinungen am Tempelbau auf, vollziehe man eine mittlere Waschung; treten sie an Pavillons und anderen Gebäuden auf, ebenfalls eine angemessene Waschung.

19.392 Werden sie irgendwo im Hof oder in den übrigen Bereichen gesehen, vorzüglicher Brahmane, entferne man sie unverzüglich und besprenge den Ort mit den Kuhprodukten.

19.393 Der Mantrakundige opfere zur Befriedung mit Butter vermischten Sesam, wenn der Fehler außen auftritt. Wird irgendwo in den Tempelanlagen eine dort unzulässige Handlung begangen,

19.394 vollziehe man innerhalb der mittleren Umfassung Waschung und abschließendes Feueropfer; liegt der Ort außerhalb, opfere man zur Befriedung im gut entflammten Feuer.

19.395 Wird das Gotteshaus durch Erbrochenes, ausgespuckten Speichel oder ähnliche Stoffe verunreinigt, entferne man sie sofort und bestreiche beziehungsweise benetze den Ort mit den fünf Kuhprodukten.

19.396 Der Mantrakundige wiederhole das Waffenmantra und das Herzmantra jeweils hundertmal nach Vorschrift. Nun erkläre ich besonders die Sühne bei Berührung durch einen Leichnam.

19.397 Wird die Gottesikone versehentlich durch den Leichnam eines Zweimalgeborenen berührt, wasche man sie mit einundachtzig Krügen und opfere unter dem Wurzelmantra zehntausendmal.

19.398 Bei Berührung durch Leichname aus dem Kṣatriya-, Vaiśya- oder Śūdra-Stand vollziehe man der Reihe nach eine mittlere, eine höchste oder eine Tausendkrug-Waschung,

19.399 jeweils vorschriftsmäßig. Danach führe man das befriedende Feueropfer aus und wiederhole das Mantra wie zuvor.

19.400 Bei Berührung durch den Leichnam eines Angehörigen einer Anuloma-Gruppe vollziehe man eine rituelle Besprengung. Wird die Ikone durch den Leichnam eines Caṇḍāla, eines Ausgeschlossenen, einer menstruierenden Frau oder einer Wöchnerin verunreinigt,

19.401 vollziehe man eine erneute Einsetzung, eine Tausendkrug-Waschung, zehntausend befriedende Feueropfergaben und ebenso viele Mantra-Wiederholungen, der Reihe nach.

19.402 Wird der Tempelbau durch den Leichnam eines Angehörigen der mit den Brahmanen beginnenden Stände oder der Anuloma-Gruppen berührt, reinige man ihn mit zahlreichen Wasserkrügen.

19.403 Den Herrn der Götter wasche man jeweils nach den Stufen von der geringsten der mittleren bis zur höchsten der höchsten, entsprechend der genannten Reihenfolge.

19.404 Danach vollziehe man ein befriedendes Feueropfer und den vorgeschriebenen Japa. Von der ersten Umfassung bis zum äußeren Prozessionsweg gilt:

19.405 Wird der Hofbereich durch die zuvor genannten Ursachen verunreinigt, sollen eingeweihte, besonders Mantrakundige die jeweilige Bodenstelle vorschriftsmäßig reinigen.

19.406 Nach einer entsprechenden Waschung, abgestuft von der höchsten bis zur geringsten Ausführung, vollziehe man besonders das befriedende Feueropfer.

19.407 Ebenso verfahre man bei Berührung durch Leichname von Angehörigen der untersten sozialen Gruppen. In Hallen, Pavillons, auf Sockeln, an Gopuras oder Gebäuden,

19.408 irgendwo außerhalb des Hauptheiligtums, auch in den Heiligtümern der Begleitgottheiten, gilt bei Todesfällen von Angehörigen der mit den Brahmanen beginnenden Stände oder der Anuloma-Gruppen

19.409 die für die jeweilige Umfassung genannte Regel. Sterben dort Tiere wie Rinder, Elefanten, Pferde, Kamele oder Esel,

19.410 soll überall zuerst die Bodenreinigung stattfinden. Bei Kadavern von Hunden, Schakalen, Krähen, Falken,

19.411 Katzen, Affen oder entsprechenden anderen Tieren besprenge man mit den fünf Kuhprodukten und vollziehe ein befriedendes Feueropfer.

19.412 Stirbt eine Maus, Schlange oder ein ähnliches Tier, genügen Bodenreinigung und Japa. Bei allen Todesfällen ist zuerst der Boden zu reinigen.

19.413 Sämtliche betroffenen Räume, den großen Bali-Sockel und auch steinerne Flächen bestreiche man ringsum mit Kuhdung

19.414 und besprenge sie nach der Verkündigung des heiligen Tages mit den fünf Kuhprodukten. Bei der Hausverehrung entsteht kein Fehler, wenn ein Tod außerhalb des Verehrungsraums eintritt.

19.415 Dort reinige man durch Waschen, Bestreichen und entsprechende Maßnahmen. Geschieht es in unmittelbarer Nähe der Hausikone, bade man sie mit Milch und verehre sie.

19.416 In einem von Göttern, Siddhas, großen Weisen oder entsprechenden Gründern errichteten Gotteshaus oder einer zugehörigen Siedlung können durch Unruhen im Land

19.417 Verunreinigungen der Ikone durch Caṇḍālas, Ausgeschlossene, menstruierende Frauen, Wöchnerinnen, Śabaras und andere nach dieser Ordnung ausgeschlossene Personen entstehen. Dann vollziehe man die rituelle Besprengung.

19.418 Bei bloßer Annäherung bade man die Gottheit mit tausend Krügen, vollziehe das befriedende Feueropfer, die Verehrung in den vier Sitzen und die weiteren Handlungen.

19.419 Tausend entsprechende Mantra-Wiederholungen sollen folgen. Im Tempel, im Hof, am Tor, im Pavillon, im Kochhaus,

19.420 im Blumenraum, Wasserhaus, Schatz- oder Getreidespeicher, am Fahnenunterbau, am großen Bali-Sockel oder bei den Wesen des Prozessionswegs,

19.421 ebenso in einer für die Festfeier zugehörigen Siedlung, kann infolge von Unruhen eine Verunreinigung durch Caṇḍālas, Ausgeschlossene, menstruierende Frauen, Wöchnerinnen, Śabaras und andere entstehen,

19.422 oder durch Leichname und Knochen von Angehörigen der verschiedenen Stände sowie der Anuloma- und Pratiloma-Gruppen. Ist der Boden überall oder an einer einzelnen Stelle betroffen,

19.423 grabe man die Erde aus, trage sie hinaus, fülle reine Erde ein, ebne die Fläche und reinige sie mit Kuśa-Wasser.

19.424 Dann bestreiche man sie mit Kuhdung, lasse den heiligen Tag verkünden, besprenge sie mit den fünf Kuhprodukten und lasse dort eine Rinderherde verweilen.

19.425 In den Veden bewanderte Brahmanen sollen die große Befriedungsrezitation vortragen. Man bewirte sie dort und gebe ihnen eine Ehrengabe.

19.426 Nach dieser äußeren Reinigung vollziehe man der Reihe nach die heilige, aus fünf Opferhandlungen bestehende Befriedung zur Beseitigung sämtlicher Fehler.

19.427 Ist eine solche Befriedung bis zu einem Jahr lang unterblieben, wasche man den allgegenwärtigen Herrn mit tausend Krügen unter wiederholter Pavitra-Rezitation

19.428 und unter den fünf allgegenwärtigen Mantras in fünf Durchgängen. Zuvor ziehe man vorschriftsmäßig die Fahne auf und begehe ein neuntägiges oder entsprechendes Fest.

19.429 Zur Befriedung sämtlicher Fehler vollziehe man das heilige Schlussbad. In Feuergruben in Gestalt von Wurfscheibe, Muschelhorn, Keule, Lotus und Kreis

19.430 opfere man der Reihe nach unter den fünf Hauptmantras, beginnend mit dem zwölfsilbigen, die fünf Stoffe mit Honig und Milch an der Spitze, in der als Niyuta bezeichneten Anzahl,

19.431 sodass insgesamt die Zahl eines Lakṣa erreicht wird. [Die Zahlenbegriffe sind hier nicht widerspruchsfrei verwendet.] Dieses Verfahren gilt bei der Befriedung als Ersatzverfahren.

19.432 Nun wird das vollständige Verfahren des Feueropfers besonders erklärt. In einem reinen Pavillon, der nach den Regeln der Einsetzung errichtet ist,

19.433 bereite man zehn vorschriftsmäßige Feuergruben, beginnend mit dem Rad-Lotus. Mit Opferhölzern von Palāśa und den übrigen geeigneten Bäumen,

19.434 mit Sesam, der mit geklärter Butter getränkt ist, und den zuvor genannten fünf süßen Opferstoffen, entsprechend vermischt,

19.435 sollen besonders Mantrakundige zur Befriedung schwerer Fehler nach Vermögen zehntausend, Niyuta, hunderttausend oder bis zu zehn Millionen Gaben opfern,

19.436 samt voller Schlussgabe, unter den zehn vorzüglichen Mantras. Höre die Zuordnung der Mantras zu den Feuergruben, beginnend mit der mittleren.

19.437 In der Rad-Lotus-Grube verwendet man das zwölfsilbige Mantra, in der achteckigen das achtsilbige, in der sechseckigen das sechssilbige und in der muschelförmigen Oṃ.

19.438 In der viereckigen verwendet man Jitantā, in der dreieckigen Viśvatrātā, in der als zweiunddreißigblättriger Lotus gestalteten das Narasiṃha-Anuṣṭubh-Mantra,

19.439 in der Cakra-Grube mit den Silben-Speichen das Sudarśana-Narasiṃha-Mantra, in der halbmondförmigen das Varāha-Mantra und in der runden das Sudarśana-Mantra.

19.440 Zwei Feuerstätten liegen wie zuvor genannt südlich und nördlich der mittleren Altarfläche; die übrigen ordne man ringsum in den Haupt- und Zwischenrichtungen an.

19.441 Als Opferpriester für diese Befriedung setze man Menschen ein, die Vollendung im Mantra erlangt haben. Nach dem Wunsch des Gurus können auch sämtliche Feuergruben für sämtliche Mantras

19.442 vorgesehen werden, denn die Mantras vermögen alle Früchte zu gewähren. Diejenigen, die den Mantra-Nyāsa vorschriftsmäßig vollzogen haben, wiederholen sie ebenso oft wie geopfert wird.

19.443 Durch Gaben von Kühen, Land, Gold, Sesam und Speisen soll man geeignete Empfänger besonders zufriedenstellen und für die Bedürfnisse des göttlichen Heiligtums sorgen.

19.444 Ein König, der seine Untertanen schützt und auch das eigene Heil erstrebt, soll eine solche Befriedung durch Schriftkundige mit reichlichen Mitteln ausführen lassen.

19.445 Kann wegen der Vielzahl der Fehler die gesamte Befriedung selbst durch Dharma-Kundige nicht vollendet werden, so vollziehe man die fünf großen Handlungen, beginnend mit der großen Waschung

19.446 und endend mit der großen Gabe, an den göttlichen und weiteren Heiligtümern wiederholt nach Vorschrift und mit rechtmäßig erworbenen Mitteln.

19.447 Beim Herabfallen von Meteoren, Blitzeinschlag und ähnlichen Erscheinungen, beim scheinbaren Fall von Sternen, bei rauchigem Feuerschein in den Himmelsrichtungen oder bei Besessenheit des Königs durch Wesen,

19.448 bei Hungersnot, Seuchen im Land, Bedrängnis durch Feinde, Unregelmäßigkeiten des Sonnenaufgangs, Erdbeben oder Erdspalten,

19.449 bei übermäßigem Regen oder Dürre, wenn eine Gottheit zu lachen, zu weinen oder zu leiden scheint oder wenn sich die Ikone bewegt,

19.450 sich vom Sockel dreht, Glieder brechen oder sich lockern oder wenn vielerlei Bienenschwärme und ähnliche Ansammlungen im Heiligtum entstehen,

19.451 bei diesen und anderen ungünstigen Vorzeichen soll durch die der Reihe nach ausgeführten Handlungen Befriedung entstehen.

19.452 Bei jedem auftretenden Fehler ist die Verehrung in den vier Sitzen vorgesehen. Für Arme genügt eine Gabe nach ihren Möglichkeiten, auf irgendeine geeignete Weise.

19.453 Verbrennen Tempel, Pavillon, Halle, Gopura, Galerie oder andere Gebäude durch ein Unglück, bringe man die Gottheiten an einen anderen Ort.

19.454 Man errichte die Gebäude wie zuvor neu, setze die Gestalten vorschriftsmäßig ein und vollziehe zur Befriedung des Fehlers die höchste Waschung.

19.455 Ist nur ein Teil des Tempels durch Feuer, Wind, Regen oder andere Ursachen beschädigt, sollen Künstler ihn wiederherstellen.

19.456 Nach einer geringeren Waschung vollziehe man ein befriedendes Feueropfer. Ist das Heiligtum vollständig zerstört, richte man einen vorläufigen Sitz ein.

19.457 An der dortigen vorläufigen Ikone vollziehe man sämtliche regelmäßigen, anlassbedingten und weiteren Handlungen bis zum Anlegen der Pavitra-Schnüre.

19.458 Zur Befriedung des Fehlers ist erneut eine mittlere Waschung auszuführen. Die Besonderheiten bei der Reparatur einer zerbrochenen Ikone wurden bereits genannt.

19.458 (zweites Vorkommen) Dennoch wird das Verfahren jetzt ausführlich erklärt; höre es. Ist die Hauptikone verbrannt, verehre man entsprechend am vorläufigen Sitz. [Dieser Vers steht in der Vorlage zusätzlich unter der wiederholten Nummer 458.]

19.459 Dennoch wird das Verfahren jetzt ausführlich erklärt; höre es. Ist die Hauptikone verbrannt, verehre man entsprechend am vorläufigen Sitz. [Wörtliche Wiederholung des unmittelbar vorangehenden Quellenverses.]

19.460 Man vollziehe vorschriftsmäßig die Waschung mit tausend Krügen. Sind Ritualikone oder andere Ikonen durch Feuer verfärbt,

19.461 führe man an jeder der Reihe nach die höchste Waschung aus. Durch die Gewalt von Feuer, Wind oder anderen Ursachen oder durch Fehler der Mantrapriester

19.462 können Glieder einer goldenen, silbernen, kupfernen oder aus Rīti-Legierung bestehenden Ikone brechen. Besonders kundige Künstler sollen sie unverzüglich reparieren.

19.463 Man bemühe sich, die Ikone nicht mit einem anderen Metall auszubessern. Wer keine ausreichenden Mittel besitzt, darf jedoch Kupfer oder Rīti verwenden.

19.464 Grundsätzlich soll man mit dem Material reparieren, aus dem die Ikone ursprünglich gefertigt wurde. Eine aufgegebene Ikone versenke man nach der Schriftregel im Meer.

19.465 Eine goldene oder silberne Ikone darf auch bei Beschädigung großer Glieder nicht verworfen werden. Man übertrage ihre gegenwärtige Kraft und stelle sie wieder her.

19.466 Aus demselben Material vollende man die Bildarbeit wie zuvor. Zerbricht dagegen eine Ikone aus Ton, Holz oder Stein aus irgendeinem Grund,

19.467 so sichere man ihre Kraft in einer Ikone des vorläufigen Heiligtums, gebe die beschädigte Gestalt auf und fertige eine andere.

19.468 Bei einer als göttlich geschaffen geltenden Gestalt dürfen Erde, inneres Stützgerüst, Bindeschnüre und andere Bestandteile nicht verworfen werden. Bei einer von Göttern, Yakṣas, großen Weisen oder anderen überlieferten Gründern

19.469 eingesetzten, nun verfallenen Ikone aus Gold oder anderen Metallen soll man das beschädigte Glied mit Gold ergänzen, nicht anders.

19.470 Bei einer beschädigten Steinikone, die von Göttern, Weisen oder entsprechenden Gründern eingesetzt wurde, fertige man das betreffende Glied aus Gold und befestige es sicher.

19.471 Fehlt einer von Göttern oder entsprechenden Gründern eingesetzten Tonikone ein Glied, darf sie niemals verworfen werden; man repariere sie behutsam.

19.472 So stelle man ihre verfallenen Glieder stets wieder her. Man lasse dafür nicht ohne Weiteres eine andere Gestalt im vorläufigen Heiligtum an ihre Stelle treten.

19.473 Während die regelmäßige Verehrung fortgeführt wird, soll alles ohne Nachlässigkeit geschehen. Ebenso verfahre der besonders Tantrakundige bei selbstoffenbarten Gestalten.

19.474 Ist jedoch eine von Göttern verehrte oder selbstoffenbarte Ikone aus Erde oder Holz durch Würmer, Feuer, Wasser oder andere Einwirkungen völlig verfallen,

19.475 so richte man für sie ein vorläufiges Heiligtum ein. Während dort die Verehrung wie zuvor weitergeht, fertige man nach und nach eine andere Ikone und setze sie vorschriftsmäßig ein.

19.476 Verfällt auch die vorläufige Ikone, verfahre man nötigenfalls wiederholt so. Bei einer von Menschen gefertigten Ikone, die verfallen, verlorengegangen oder beschädigt ist,

19.477 bei einer steinernen oder besonders einer tönernen Gestalt, deren Farbe und Schönheit gelitten haben, ebenso bei Bildern, bildartigen Darstellungen und bemalten Tüchern,

19.478 rufe man die Gegenwart in eine vorläufige Ikone, erneuere die Bemalung wie zuvor und vollziehe danach vorschriftsmäßig die erneute Einsetzung.

19.479 Ist eine für einen besonderen Wunsch bestimmte Ikone aus Rīti, Kupfer oder Messing angefertigt und verehrt worden

19.480 und später verfallen, während eine höherwertige verfügbar wird, darf der Kundige die geringere aufgeben; darin liegt kein Fehler.

19.481 Bei einer Hauptikone aus Metall, Stein, Erde oder Holz darf man dagegen nicht nach Belieben ein anderes Grundmaterial verwenden.

19.482 Ist die Hauptikone verfallen, soll sie wie zuvor wiederhergestellt werden. Ob die Anlage ursprünglich mehrere Ikonen oder nur eine hatte,

19.483 auch bei der Wiederherstellung soll die ursprüngliche Ordnung durch Kundige erhalten bleiben. War eine Anlage mit mehreren Ikonen zunächst ohne die Gefährtinnen Lakṣmī und die übrigen eingerichtet,

19.484 kann man sie bei der Erneuerung mit den beiden Göttinnen ergänzen. Die Ordnung mit mehreren Ikonen darf jedoch niemals durch einen Wechsel zur Ein-Ikonen-Anlage vermindert werden.

19.485 Bei einer von Göttern, Yakṣas, großen Weisen oder entsprechenden Gründern eingesetzten Ikone, bei Tempel, Umfassungsmauer, Gopura, Tor oder Pavillon,

19.486 Sockel, Küche, Schatzhaus und anderen Einrichtungen, selbst wenn sie den sonstigen Merkmalvorschriften nicht entsprechen, soll man Verfallenes wie zuvor erneuern und keine anderen Formen einführen.

19.487 Wird eine von Göttern oder entsprechenden Gründern eingesetzte Vaiṣṇava-Gestalt oder ein solches Zeichen durch besonders frevelhafte Menschen zerstört, ob es den üblichen Merkmalen entsprach oder nicht,

19.488 so stelle man es nach seiner früheren Form wieder her. Bei abweichender Gestaltung droht der Text König und Reich mit Untergang.

19.489 Eine von Göttern, Siddhas oder großen Weisen eingesetzte und verehrte Gestalt, die durch Blitzeinschlag oder andere Einwirkungen schwer beschädigt wurde,

19.490 hebe man von ihrem unbeschädigten Sitz ab und gebe sie rituell auf. Eine in derselben Form neu hergestellte setze man vorschriftsmäßig auf den Sockel.

19.491 Ist auch der Sockel zerbrochen, fertige man einen anderen und verbinde beides fest. Ist ein Gotteshaus durch Erdspalten, die Gewalt des Wassers oder andere Ursachen eingestürzt,

19.492 errichte man es mit der bisherigen Ikone an einem anderen Ort. Bei Verlust eines göttlich gegründeten Heiligtums samt Ikone verfahre man wie zuvor.

19.493 Wurde eine menschlich gestiftete Ikone durch Diebe, Fluten oder andere Gewalt vollständig zerstört, kann man sie später in der bisherigen oder einer anderen zulässigen Form neu herstellen.

19.494 Da die Hauptikone dann nicht mehr vorhanden ist, soll der leitende Lehrer keine Übertragung aus ihr in eine vorläufige Ikone vollziehen; er setze die neue Gestalt wie zuvor ein und verehre sie.

19.495 So gilt das Gesagte für sämtliche göttlichen Gestalten, angefangen bei Para und den Vyūhas, für Viṣvaksena, die Scharenführer und die übrigen Begleitgottheiten,

19.496 ferner für Vibhava- und Vyūha-Gestalten in Gopuras und anderen Orten, die wegen der besonderen göttlichen Gegenwart täglich verehrt werden.

19.497 Damit habe ich die Besonderheiten der Wiederherstellung verfallener Heiligtümer erklärt. Bei Häusern, die durch im Mantra vollendete Menschen, verschiedene Weise oder andere Menschen

19.498 eingesetzt wurden, können im Lauf langer Zeit Einsturz, Risse, Brüche und andere Schäden am Gotteshaus drohen.

19.499 Mit Zustimmung der verwaltenden Verehrer und Schriftkundigen sollen geschickte Künstler zu ihrem Schutz außen oder zwischen den bestehenden Bereichen aus Stein und anderen geeigneten Stoffen

19.500 ringsum stützendes Mauerwerk anbringen. Am Tempel, am vorderen Pavillon, an Umfassungsmauer oder Gopura,

19.501 im Vorhof, in der Küche, im Schatzhaus, in der Kleiderkammer, in den Räumen für Blumen und Wasser sowie in den Räumen zum Stampfen des Getreides und dergleichen,

19.502 ebenso am Badepavillon und am Opferpavillon darf man, wenn sie nach langer Zeit verfallen sind und die Mittel für einen größeren Bau vorhanden sind,

19.503 zum Schutz und zur zweckmäßigen Nutzung nach außen erweitern. Keinesfalls soll man vom Inneren ausgehend die Anlage verkleinern.

19.504 Man errichte die erforderlichen Bauten an der Vorderseite oder ringsum, insbesondere nach Osten oder Norden. Eine Erweiterung nach hinten, nach Westen oder Süden, soll nicht erfolgen.

19.505 Die Küche hingegen darf man nach Norden oder Westen erweitern. Ein altes Heiligtum, einen Sockel, eine heilige Badestätte oder einen Teich,

19.506 ein Kloster, einen Pavillon und dergleichen sowie ein heiliges Zeichen wie das des Sudarśana soll man bei der Anlage von Umfassungsmauern möglichst nicht versetzen.

19.507 Man plane die neuen Anlagen außerhalb, über die alte Begrenzung hinaus. Werden außerhalb oder innerhalb einer schon bestehenden Anlage Erweiterungen oder Verkleinerungen vorgenommen,

19.508 so liegt bei dem späteren Bau hinsichtlich Länge, Höhe und Breite kein Fehler vor. [Der Bezug dieser Ausnahme ist nicht ganz eindeutig.] Was jedoch einst Brahmā, Rudra, Indra, Yakṣas oder andere errichtet haben,

19.509 soll jemand, der langes Leben und zunehmenden Wohlstand wünscht, keinesfalls versetzen. Ebenso soll er einen Teich oder Brunnen nicht mit Erde oder anderem zuschütten.

19.510 Kleine Heiligtümer darf man später aus Wohlstand oder gläubigem Vertrauen größer errichten lassen; daraus entsteht kein Fehler.

19.511 Bei der erstmaligen Anlage von Umfassungsmauern, Torbauten, Sockeln, Pavillons und anderen zum Tempel gehörenden Teilen, besonders aber beim Wiederaufbau zerstörter Anlagen,

19.512 ist es bei fehlenden Möglichkeiten oder beengtem Bauplatz kein Fehler, einen dort schon bestehenden untergeordneten Bestandteil zugunsten des Hauptbestandteils einzubeziehen. [Die konkrete bauliche Maßnahme bleibt offen.]

19.513 Wenn bei der Gründung des Heiligtums des Weltenherrn der tragende Grundstein, der Brahma-Stein oder ein anderer erforderlicher Bestandteil

19.514 gefehlt hat und das Bild dennoch eingesetzt wurde, soll man eine vorzügliche rituelle Waschung vornehmen. Mit Honig, Milch, Dickmilch, geklärter Butter und gekochter Opferspeise

19.515 vollziehe man ein befriedendes Feueropfer mit tausend oder hundert Darbringungen. Nach derselben Schrift, gemäß der Tempel und Bild angefertigt wurden,

19.516 soll man sie weihen und Hari im täglichen Dienst und bei den übrigen Anlässen verehren. Wer ihn nach einem anderen Verfahren verehrt oder auf solche Weise verehren lässt,

19.517 diese beiden Menschen mit beflecktem Inneren bewirken Krankheit, Verwirrung und unmittelbares Leid für König und Reich, für den Lehrer und dessen Familie

19.518 sowie insbesondere Vermögensverlust für das Heiligtum. Wer dem Pancharatra ergeben ist, soll die Ritualsysteme nicht miteinander vermischen.

19.519 Ist eine solche Vermischung geschehen, muss die Weihe erneut vorgenommen werden. Wurde beim Tempelbau zuvor nach einem Ritualsystem wie dem Vaikhānasa

19.520 bereits ein Gründungsdepot eingesetzt, wünscht man nun aber das Pāñcarātra-Verfahren, so soll man dieses Depot wieder herausnehmen und entsprechend dem Pāñcarātra handeln.

19.521 Die als Pāñcarātra bezeichnete Offenbarungslehre gliedert sich in vier Richtungen. Ihre Merkmale wurden schon früher beschrieben; dennoch werden sie hier erneut dargelegt.

19.522 Die erste ist der Āgamasiddhānta, die zweite heißt Mantrasiddhānta, die dritte Tantrasiddhānta und die andere Tantrāntara.

19.523 Die erste erläutert die Einsetzung des ewig offenbar gewordenen Vyūha und verwandte Gegenstände. Sie ist nicht menschlichen Ursprungs und richtet sich an die Verehrer des wahrhaft seienden Brahman namens Vāsudeva,

19.524 an die dazu befähigten, hervorragenden Zweimalgeborenen, in deren Herzen sie gegenwärtig ist und deren Ziel sie bildet. Sie heißt auch Brahmopaniṣad und umfasst göttliche Mantras und rituelle Handlungen.

19.525 Diese höchste Schrift schenkt unterscheidende Erkenntnis und verleiht Befreiung selbst ohne ausdrückliches Verlangen danach. So erkenne die erste Kennzeichnung des Herrn, der ewig offenbar ist und eine ewige Gestalt besitzt,

19.526 der Vāsudeva heißt und ein gewaltiger Ozean der sechs göttlichen Eigenschaften und weiterer Vollkommenheiten ist; dazu gehören auch die Bezeichnungen seiner Glieder, beginnend mit dem Herzen.

19.527 Dies erkenne als den Āgamasiddhānta von der Natur der Śruti. Er gilt als die Religion des Kṛtayuga, die höchste unter allen religiösen Ordnungen.

19.528 Zu Beginn des Tretāyuga ging aus diesem Āgamasiddhānta, zur Verwirklichung von Lebensfülle und Befreiung, eine vielfältig gegliederte Lehre hervor,

19.529 die Mantrasiddhānta heißt. Sie wurde von der Gestalt des Wach-Vyūha und den zugehörigen Erscheinungen dem zweiten, dem erhabenen Sātvata, mitgeteilt. [Die Überlieferungskette ist hier sprachlich beschädigt.]

19.530 Dieser gab sie an den Pradyumna Genannten weiter, dieser an den Herrn von der Natur des vierten Zustands, dieser an den Vāgīśvara Genannten und von dort gelangte sie an die Vidyā genannte Gestalt.

19.531 Danach wurde sie an Rudra, Āditya, Indra und Agni sowie an Nārada und die übrigen Scharen der göttlichen Weisen übermittelt.

19.532 So verbreitete sich der Mantrasiddhānta in vielerlei Untergliederungen. In ihm werden der überaus friedvolle Vyūha und anschließend der friedvoll hervorgetretene Vyūha,

19.533 die als Tiefschlaf, Traum und Wachen bezeichneten Vyūhas entsprechend ihrer Darstellung, ferner die weiteren Gestalten, beginnend mit Keśava, und die sonstigen Erscheinungsformen beschrieben.

19.534 Ihre heilsame Verehrung geschieht im Herzenslotus, auf einem Lotossitz und an weiteren Orten, zusammen mit den Kräften Lakṣmī, Puṣṭi und anderen, den Kennzeichen Muschel und Diskus sowie Garuḍa und weiteren Begleitern,

19.535 mit Wesen, Vollendeten und den übrigen bis hin zu den Waffen. Ebenso wird die höhere Verehrung des weltbeschützenden Nṛsiṃha nach vorausgehender Einweihung gelehrt.

19.536 Dazu gehören in ihrer Reihenfolge die als Vihaga, Vyūha und Sūkṣma bezeichneten Zuständigkeiten sowie die Weihe der vier Gruppen, des Samayin, des Putraka und der übrigen,

19.537 ferner die Lebensregeln der Eingeweihten, das Verfahren zur Einsetzung der Gottesgestalten und die Merkmale der Mantras, Maṇḍalas, Mudrās und Feuergruben.

19.538 Wo solche und weitere Handlungen umfassend geregelt werden, handelt es sich um den Mantrasiddhānta mit seinen zahlreichen Unterteilungen.

19.539 Wo ohne die Unterscheidung in höchste Gestalt, Vyūha und weitere Formen jeweils eine einzelne Gottesgestalt verehrt wird, mit ihren Gliedern oder allein, mit der Schar ihrer Gefährtinnen und ihren Schmuckstücken,

19.540 umgeben von Waffen in leibhaftiger Gestalt, wird dies Tantra genannt. Nṛsiṃha, Kapila, der Eber, Haṃsa, Vāgīśvara und andere

19.541 werden je nach hauptsächlicher oder anderer Funktion allein oder mit ihren Gliedern, mit dem Diskus und den übrigen vorzüglichen Waffen, mit Krone und anderem Schmuck,

19.542 mit Lakṣmī und den übrigen Gefährtinnen sowie mit Garuḍa und anderen Begleitern verehrt: Wo dies nach der vorgeschriebenen Ordnung geschieht, spricht man von Tantrāntara.

19.543 Für jene, die durch Millionen von Geburten zur Reife gelangt sind, liegt hier das Ende der Geburt. Deshalb erkenne diese Lehre ihrem wahren Sinn nach als Siddhānta. [Der Vers deutet den Namen durch „Vollendete“ und „Ende“.]

19.544 Schrift, Mantra, Ritual und die übrigen Bestandteile, Gottesgestalten, Heiligtum und der Lehrer von anerkannter Herkunft sollen entsprechend der bisherigen Ordnung angenommen werden.

19.545 Solange diese gilt, darf man nicht anders verfahren. Gegenteiliges Handeln bewirkt hier Unheil für König, Reich und die übrigen Betroffenen.

19.546 Deshalb soll man nötigenfalls sorgfältig die ursprüngliche Weihe wiederherstellen. Menschen mit geschultem Inneren sollen die Lehrsysteme nicht vermischen.

19.547 Was immer in der Welt besonders erwünscht ist und dem früher festgelegten System nicht widerspricht, darf übernommen werden. Was einander widerspricht, soll der Verständige aufgeben.

19.548 Um wie viel mehr gilt dies für die hier fremden, widersprechenden Vorschriften der Vaikhānasa-Tantras, der Śaiva- und der Pāśupata-Systeme!

19.549 Wo eine Gottheit nach dem Pāñcarātra-Verfahren eingesetzt und verehrt wird, soll selbst ein Gelehrter niemals ein anderes Verehrungsverfahren anwenden.

19.550 Besonders soll die Verehrung durch die vorrangig Befugten geschehen, die dem wahren Brahman hingegeben, dem Pāñcarātra ergeben und zur Hauptform des Rituals berechtigt sind.

19.551 Fehlen solche, können im Ersatzverfahren Brahmanen dienen, die dem Dharma der drei Veden folgen, auch in den Lehrsystemen eingeweiht sind oder sich einem rechtschaffenen Lebenswandel widmen.

19.552 Die im Tempel eingesetzte Gottheit soll insbesondere nicht durch einen Einzelnen allein verehrt werden; wie viel weniger in einem reichen Heiligtum mit Bali-Gaben und Feueropfern!

19.553 Der Dienst obliegt vorrangig solchen, die den fünf täglichen Zeiten der Gottesverehrung folgen, den Mantrasiddhānta kennen, die sieben Grundbegriffe verstehen und in den zwölf geistlichen Gegenständen bewandert sind,

19.554 die bei den dreizehn Arten von Handlungen stets die rechte innere Ausrichtung bewahren, auf den Eigennutz des Handelns verzichten, vertrauenswürdig und zur Hauptform des Rituals befugt sind.

19.555 Oder andere, die fest in den drei Veden stehen und den Sinn der Lehrsysteme verstehen, sollen fortwährend gemeinsam verehren: zwei, vier, sechs oder acht,

19.556 zwölf, sechzehn, zwanzig oder vierundzwanzig. Von ihnen soll jeweils einer im täglichen Wechsel im Inneren die Verehrung vollziehen.

19.557 Auch zwei, drei oder vier können wiederholt auf diese Weise tätig sein. Andere hervorragende Lehrer sollen die Begleitgottheiten verehren.

19.558 Einer vollziehe den Feuerdienst, ein anderer der Reihe nach die Bali-Darbringung. Weitere hervorragende Gottesverehrer sollen ihnen dabei helfen.

19.559 Andere Übende handeln nach dem vom Guru angewiesenen Verfahren. Alles darf auch ein Einzelner ausführen, wenn mehrere beherrschte,

19.560 erfahrene, kundige Eingeweihte nicht anwesend sind. Kommen zahlreiche auswärtige Priester zum Gottesdienst im Heiligtum,

19.561 so sollen sie für die jeweiligen Handlungen die Gegenwart des Herrn aus dem Hauptbild in die betreffenden Bilder rufen. Fest, rituelle Waschung, Prozession und Darbringung großer Speisemengen

19.562 können die vielen Mantrakundigen dann an den jeweils vorgesehenen Bildern vollziehen. Auch beim täglichen Dienst dürfen sie so die Verehrung und Sättigung des Feuers,

19.563 die Bali-Prozession und alle weiteren Verrichtungen gleichzeitig ausführen. Wegen der Erfordernisse von Zeit und Handlung ist darin kein Fehler zu sehen.

19.564 Im Haus jedoch sollen nicht mehrere Personen gleichzeitig die täglichen und anlassbezogenen Verehrungen verrichten; sonst entsteht ein Fehler.

19.565 Um diesen Fehler zu befrieden, soll der Mantrakundige ein befriedendes Feueropfer vornehmen und nach Kräften ehrerbietig den Wurzelmantra wiederholen.

19.566 So soll der im Tempel eingesetzte Herr durch hingebungsvolle Bhāgavatas im täglichen Dienst und bei anderen Anlässen verehrt werden, damit König und Reich gedeihen.

19.567 Wird die Gottheit durch andere verehrt, ist sie nach dieser Vorschrift niemals zufrieden, sondern bringt fortwährend Unheil, insbesondere über König und Reich.

19.568 Zur Befriedung dieses Fehlers ist eine Waschung der höchsten Stufe vorzunehmen. Wurde der Herr der Welt bei der Weihe in die Kultbilder gerufen,

19.569 darf er nach den einzelnen Verehrungen nicht entlassen werden: Er ist bereits angerufen und steht für die Verehrung gegenwärtig. Auch wenn Bilder für die dreimalige tägliche Verehrung und andere Ritualbilder vorhanden sind,

19.570 soll man ihn entsprechend dem besonderen Anlass aus dem Hauptbild herbeirufen und verehren; nach Abschluss der jeweiligen Handlung führe man seine Gegenwart wieder in das Hauptbild zurück.

19.571 Wird bei Anrufung und ähnlichen Handlungen am Hauptbild oder an den weiteren Bildern anders verfahren, soll zur Befriedung eine Waschung der niedrigsten Stufe stattfinden.

19.572 Bei sämtlichen Sühneverfahren soll man Schwere oder Geringfügigkeit des Fehlers erwägen, Keimlinge vorbereiten und mit der Verkündigung des glückverheißenden Tages beginnen.

19.573 Man lasse die Verehrung an den vier Orten, die Verehrung mit einer großen Opfergabe, eine von Japa begleitete Waschung sowie die Entlohnung der Lehrer durchführen,

19.574 ferner nach Kräften Gaben von Kühen, Land und Gold sowie die Speisung der Kenner der fünf täglichen Gottesdienstzeiten, besonders beim vollständigen Hauptverfahren.

19.575 Beim Ersatzverfahren vollziehe man Verehrung, Waschung und Feueropfer. Ist der Boden durch äußerst schwere, unaussprechliche Verfehlungen verunreinigt,

19.576 so reinige man ihn durch Ausheben und die übrigen zehn vorgeschriebenen Maßnahmen, pflüge ihn ordnungsgemäß und verstreue Staub von Edelsteinen und Gold

19.577 in alle Richtungen. Dort bringe man zur Befriedung ein Feueropfer dar. In verlassenen Tempeln vollziehe man die große Waschung und die weiteren Handlungen.

19.578 Verlassene Wohnstätten selbständiger oder abhängiger Dörfer und ähnlicher Siedlungen reinige man durch Fegen, Bestreichen und Besprengen mit Erzeugnissen der Kuh.

19.579 In ihrer jeweiligen Mitte bringe man die fünf Kuherzeugnisse aus und spende Bali-Gaben für die Schar der Vāstu-Gottheiten.

19.580 Man gebe nach Vermögen Kühe, Land, Gold und andere Gaben an die Lehrer und die übrigen Empfänger. Ein Herrscher, der in Reinheit gefestigt und dem Schutz seiner Untertanen zugewandt ist,

19.581 sowie ein hervorragender Brahmane, der die fünf täglichen Gottesdienstzeiten kennt, sollen die Befriedung sorgfältig vollziehen. Vernachlässigt der König dagegen die befriedende Handlung,

19.582 so vernichtet er unweigerlich sich selbst, sein Reich, seinen Schatz, seine Fahrzeuge und weiteren Besitz sowie Ehefrau, Söhne und Enkel.

19.583 Daher soll der nach Wohlergehen strebende Herrscher dies alles schützen. Ist durch eigenen oder fremden Entschluss Unglück oder Bedrängnis entstanden,

19.584 so wird es durch eine Gabe von Gold im Gewicht eines Menschen befriedet. Ebenso soll er ohne Habgier die Hiraṇyagarbha-Gabe vollziehen, bei der er sich in einem goldenen Behältnis befindet.

19.585 Zu geeigneten Zeiten errichte er insbesondere mit Zustimmung der Brahmanen einen Tempel mit Kloster und gestifteter Brahmanensiedlung.

19.586 Der Gott umfasst alle Götter; Hari umfasst alle Veden. Viṣṇu umfasst alle Opfer; der Alldurchdringende umfasst alle Welten.

19.587 Der Unendliche umfasst alle Formen des Dharma, der Unerschütterliche alle Wesen. Der Yogin umfasst alle heiligen Badestätten. Ihn soll man nach der vorgeschriebenen Ordnung einsetzen.

19.588 An einem anderen Ort sollen in einer weiten Feuergrube mit passend gewählter Einfassung unter Verwendung reinigender, alle Fehler beseitigender, von der Śruti vorgeschriebener Vaiṣṇava-Mantras

19.589 hervorragende, in der Anwendung erfahrene Brahmanen opfern. Auch wenn große Unheilszeichen am Himmel, im Luftraum oder auf der Erde auftreten,

19.590 soll jemand, der Wohlergehen wünscht, auf diese Weise Befriedung bewirken. Was bedarf es hier vieler Worte, o Weiser? Als ein alle Übel vernichtendes,

19.591 höchstes Verfahren, das König und Reich gedeihen lässt, erkenne die Einsetzung des großen Sudarśana-Yantras im eigenen Herrschaftsgebiet.

19.592 Man fertige aus Metall oder gutem Stein Sudarśana in der Mitte des vorzüglichen Yantras an; auf seiner Rückseite gestalte man Nṛhari mit vier lotosgleichen Händen, die Diskusse tragen.

19.593 Dieses Bild setze man vorschriftsgemäß in einem Tempel ein, dessen Zugang zur Umfassung des Allerheiligsten mit einer Fensteröffnung versehen ist. Wer es verehrt, wird siegreich und genießt schon hier alle Freuden.

Spirituelle Erläuterung: Dieses Kapitel ordnet die Wiederherstellung gestörter ritueller Verhältnisse. Seine innere Frage lautet, wie eine Gemeinschaft nach Fehlern wieder gesammelt und verantwortlich handeln kann. Besonders 19.323–329 stellen der Sorge um korrekten Vollzug die Kraft aufrichtiger Hingabe zur Seite. Die umfassende Gegenwart Haris in 19.586–587 öffnet den Blick vom einzelnen Heiligtum auf alle Wesen und Welten. Die abgrenzenden Vorschriften des Kapitels bleiben Aussagen einer bestimmten historischen Ritualtradition; sie sind keine Aufforderung zur Geringschätzung anderer Wege.

Kapitel 20

Eingang. Glück und Segen! Zwanzigstes Kapitel.

Zum Verständnis: Dieses Kapitel beschreibt königliche Gaben innerhalb einer historischen Ritual- und Gesellschaftsordnung. Die abschließenden Verse 20.142–159 behandeln auch religiös begründeten Tod und die Schuld derjenigen, die ihn veranlassen. Diese Aussagen werden als Quelleninhalt wiedergegeben, nicht als Empfehlung zur Selbstschädigung oder als gegenwärtiger Maßstab menschlichen Wertes.

20.1 Sanaka sprach: Du hast mir zuvor die Gabe eines Menschengewichts an Gold und weitere Gaben der Könige angedeutet. Erkläre mir, o Weiser, ihre Durchführung ausführlich.

20.2 Śāṇḍilya sprach: Höre, Zweimalgeborener! Ich werde die Gabe eines Menschengewichts und die weiteren Gaben genau erklären, die alle Übel vernichten und die Früchte aller Wünsche verleihen.

20.3 Bei einem Herrscher, der seine Untertanen schützt und in Reinheit gefestigt ist, kann durch das Unterlassen einer vorgeschriebenen Handlung dennoch der Zorn der Gottheit entstehen.

20.4 Dann nehmen Unruhe im Reich und Bedrängnis der Untertanen zu; auch durch Verfehlungen gegen die Lebensordnung der Stände und Lebensstufen kann das Land verunreinigt werden. [Der Wortlaut der zweiten Vershälfte ist verkürzt.]

20.5 Durch die Verwirrungen der Zeit geraten die Veden und die vedischen Pflichten ins Wanken; feindliche Könige bedrängen den Herrscher immer weiter.

20.6 Das Land kann veröden, seine Bewohner können plötzlich zugrunde gehen. Der König soll erkennen: „Dieses Leid ist durch meine eigenen Fehler entstanden.“

20.7 Zusammen mit seinem Hauspriester, seinen Ministern und den Vertretern seiner Untertanen soll er sich ehrerbietig an einen Kenner der Pāñcarātra-Vorschriften wenden, der dem Wohl aller Wesen dient,

20.8 an einen nicht habgierigen, nicht zornigen, aufrichtigen brahmanischen Gottesverehrer, einen hervorragenden Lehrer, der beide Arten ritueller Handlung kennt.

20.9 Der König soll dem Guru alles Geschehene, das durch seine Verfehlung verursacht wurde, so berichten, wie es sich ereignet hat.

20.10 Er verneige sich zu dessen Füßen und spreche: „Beschütze mich, beschütze mich!“ Der Lehrer, der allen Gnade erweist, höre seine Worte

20.11 und nehme vom König Vermögen entgegen, das gerecht und rechtmäßig erworben wurde. Dann beginne er die Handlung mit Opferpriestern des Pāñcarātra

20.12 und auch mit Kennern der drei Veden, die in diesem Ritual erfahren und Gott zugewandt sind. Geeignet sind die Monate von Caitra an, die Tagundnachtgleichen und beide Sonnenwenden,

20.13 der Vyatīpāta, das Geburtsgestirn, Mond- und Sonnenfinsternisse sowie die Mondhäuser Śravaṇa, Vāsava, Aśvinī und Kṛttikā, o Weiser,

20.14 ferner Rohiṇī, das dem Soma zugehörige Mondhaus, besonders Punarvasu, Puṣya, Hasta und die drei Uttara-Mondhäuser,

20.15 auch Citrā, Svātī, das Mitra zugehörige Mondhaus und Mūla. Bei bösen Träumen, Bedrängnis des Hauses oder großen Unheilszeichen,

20.16 ebenso bei Krankheit im Reich, soll man das Ritual zu einer vom Stifter gebilligten Zeit vollziehen. Wird es eigens wegen eines solchen Anlasses vorgenommen,

20.17 beginne man sofort, damit keine weitere schädliche Störung entsteht. An einer selbstoffenbarten oder anderen Stätte Viṣṇus, die alle günstigen Eigenschaften besitzt,

20.18 errichte man vor dem Gotteshaus, dessen Eingang nach der gewünschten Richtung liegt, einen dreifach gegliederten, ringsum quadratischen Pavillon.

20.19 Man teile ein siebenundzwanzig Ellen messendes Gelände in sieben Abschnitte und errichte in der Mitte eine große, eine Elle hohe, mit allem Schmuck versehene Plattform.

20.20 Diese erhalte in den Himmelsrichtungen Aufgänge mit drei Stufen. Auf ihr lege man fünf Erdaltäre an: einen in der Mitte und je einen in den Hauptrichtungen.

20.21 Sie seien eine Spanne hoch und drei Ellen breit; sie dienen der Verehrung an drei Orten, der vorbereitenden Weihe des Königs sowie der Bereitstellung von Gold und anderen Gegenständen,

20.22 der Waage, des Schwertes und der übrigen Geräte, der Schmuckstücke und Kleider. Auf den mittleren Altar kommt das Maṇḍala; östlich davon liegt eine diskus- und lotosähnliche

20.23 Feuergrube. Der südliche Altar dient der nächtlichen Wache des Königs, der westliche der Verehrung im Gefäß, der nördliche der Ansammlung des Goldes.

20.24 Dort geschehe auch die vorbereitende Reinigung der Waage und der übrigen Geräte. Außerhalb dieser Altäre lasse man eine Elle Abstand und lege die Feuergruben der Hauptrichtungen an:

20.25 eine quadratische, eine diskusförmige, eine muschelförmige und eine lotosförmige. Höre nun die Folge der Gruben in den Zwischenrichtungen, von Südosten bis Nordosten:

20.26 yoni-förmig, dreieckig, achteckig und halbmondförmig. Sie sollen auf Sockeln angelegt und mit Diskus und den übrigen Zeichen versehen sein.

20.27 Ringsum sei die Anlage mit einem drei Teile umfassenden Bereich, vier Toren, festen Mauern an den Ecken und hervortretenden Eingangsbauten ausgestattet. [Die Maßangabe ist nicht eindeutig.]

20.28 Sie erhalte verschiedene Aufgänge und allen Schmuck. Vorn errichte man einen Vorbau, der in seinen Maßen und übrigen Merkmalen dem Opferhaus entspricht.

20.29 In seiner Mitte befinde sich eine Bühne; im Osten, Süden und Norden, unter Aussparung des Westens, sei er mit einer festen, zwei Abschnitte umfassenden Überdachung versehen.

20.30 Oder man benutze einen Pavillon, der nach einem der früher ausführlich beschriebenen Verfahren für ein großes Fest, eine Weihe oder das Auflegen der heiligen Schnüre

20.31 errichtet wurde, und vollziehe dort die beiden Handlungen, das Besteigen der Waage und die weitere Gabe. Nachdem man so einen nach Osten gerichteten Pavillon vorbereitet hat,

20.32 soll die vorgeschriebene Waage zum Besteigen hergestellt werden. Ihre beiden Schalen seien gleich, gut gerundet, eine Elle messend und einen Finger dick.

20.33 Sie sollen aus Gold oder einem anderen geeigneten Stoff gefertigt werden und wie die aufgehende Sonne glänzen. Einen Finger vom Rand entfernt befestige man in den vier Richtungen Ringe,

20.34 die mit Kettenschlaufen verbunden werden, deren Länge dem Waagebalken entspricht. Der Balken sei aus schwarzem Eisen und drei Ellen lang,

20.35 in der Mitte drei Spannen, an beiden Seiten zwei Spannen im Umfang. Unter Freilassung einer Spanne bringe man an beiden Enden bewegliche eiserne

20.36 Haken an, deren gebogene Spitzen der jungen Mondsichel gleichen und zur Befestigung der Kettenschlaufen dienen. Oben in der Mitte befestige man

20.37 einen starren, spitz zulaufenden, sechzehn Finger langen Zeiger, der Gleichgewicht oder Ungleichgewicht anzeigt. Darüber bringe man einen beweglichen Bügel an,

20.38 achtzehn Finger lang und an beiden Seiten aufliegend. Über dem Bügel befestige man einen gebogenen Haken in Gestalt eines Reiherschnabels.

20.39 Hat man die Waage mit diesen Merkmalen fertiggestellt, lasse man aus einem anerkannten Opferholz zwei kernige, gerade und feste Pfosten anfertigen,

20.40 zwei Ellen im Umfang und sechs Ellen hoch, am Fuß quadratisch und im Mittelteil achteckig,

20.41 oben rund, von einem hervorragenden Handwerker hergestellt. Östlich der quadratischen Feuergrube, zwischen dieser und dem Tor,

20.42 stelle man sie im Süden und Norden mit einem Abstand von zwei Ellen auf; eine Elle tief eingegraben, ragen sie fünf Ellen empor.

20.43 Man verbinde sie durch einen festen Querbalken aus derselben Holzart, dessen Breite und Höhe der Breite der Pfostenspitzen entsprechen.

20.44 Er sei mit den acht Glückszeichen und an beiden Seiten mit Śrī geschmückt. Unter seiner Mitte befestige man einen festen Ring

20.45 aus Kupfer oder Eisen zum Aufhängen der Waage. Auch fertige man einen sechzehn Finger langen Schlagstab,

20.46 dessen Umfang einem Unterarm entspricht, aus Eisen oder Kernholz. Die Geräte für Verehrung und Feueropfer,

20.47 alle großen und kleinen Opferlöffel, Gefäße, Wasserkrüge sowie die acht Glückszeichen und die übrigen Gegenstände seien nach den verfügbaren Mitteln aus Gold oder anderen Stoffen.

20.48 An einem der zuvor genannten Tage soll der Kundige zunächst zur glücklichen Vorbereitung Keimlinge in Schalen und anderen Gefäßen ansetzen.

20.49 Alle erforderlichen Materialien zur Ausschmückung des Pavillons und zur Verehrung an drei Orten sind sorgfältig zusammenzutragen:

20.50 Sandel und weitere Duftstoffe, Blätter, Blumen, Früchte sowie vielfältige weiße und andersfarbige Gewänder,

20.51 große Mengen der sieben Brennholzarten für sämtliche Feuergruben. In den Gruben der Hauptrichtungen sind für wunscherfüllende Handlungen weiße Senfkörner darzubringen,

20.52 außerdem Hölzer von Palāśa, Khadira, Aśvattha und Udumbara; in den Zwischenrichtungen solche von Pippala, Plakṣa, Vaṭa und Kāśmarya.

20.53 Sind diese nicht verfügbar, dienen Palāśa-Hölzer für sämtliche Gruben. Bereitzustellen sind Gefäße aus Gold, Silber, Kupfer oder Ton,

20.54 Reis und andere Getreidearten, insbesondere Saatgut, Gefäße mit Dickmilch, Milch und geklärter Butter sowie die sechs Geschmacksarten,

20.55 reiner, jederzeit zum Kochen geeigneter Reis, passende Beilagen und zahlreiche Kochtöpfe,

20.56 Schüsseln zum Darbringen der Speisen, Gefäße für das Ehrenwasser und die übrigen Gaben sowie schöne, vorzügliche Lampen- und Räuchergefäße,

20.57 Geräte für die Verehrung wie Auffanggefäße für das Fußwasser, ferner Räucherstoffe wie Guggulu und Aloeholz,

20.58 alle Kräuter, die für die Badegefäße gebraucht werden, und Geld, Getreide sowie Kleidung als Gaben für Brahmanen und die übrigen Empfänger.

20.59 Kostbarer Schmuck für den leitenden Lehrer und die Opferpriester sowie Gold und anderes für ihre Vergütung sind nach Kräften bereitzuhalten.

20.60 Man schmücke das Opferhaus wie beim Auflegen der heiligen Schnüre mit Baldachinen, kleinen Fahnen, hohen Vorhängen,

20.61 verschiedenen Leinenstoffen und anderen Gewändern, Glocken, Wedeln und Spiegeln, herabhängenden Darbha-Girlanden sowie Bananen-, Jackfrucht- und weiteren Pflanzen,

20.62 duftenden Blumengirlanden, goldenen Blütenrispen, fruchttragenden Bananen-, Areka- und Kokospalmen,

20.63 zahlreichen Lampen, Blumen, weißen und anderen Farbstoffen, Torbögen und Torgefäßen sowie Kühen mit ihren Kälbern,

20.64 deren Hörner und übrige Körperteile mit Leinen, Girlanden und Schmuck verziert sind. Mit diesen und weiteren Dingen statte man den Pavillon ansprechend aus.

20.65 Am Abend des dritten Tages vor dem eigentlichen Ritualtag vollziehe der leitende Lehrer mit den Opferpriestern die vorgeschriebene Abendandacht.

20.66 Nach der Verkündigung des glückverheißenden Tages betrete er wie zuvor den Pavillon und vollende zuerst die Verehrung Vāsudevas einschließlich des Feueropfers.

20.67 Er besprenge das gesamte Opferhaus mit den fünf Kuherzeugnissen und ordne die für das Ritual geeigneten Materialien ihren jeweiligen Plätzen zu.

20.68 Am folgenden Morgen soll der König zur körperlichen Reinigung Haare, Nägel und Bart kürzen lassen und gesammelt und rein sein.

20.69 Mit gereinigten Zähnen, gründlich gebadet, in reine Gewänder gehüllt, mit weißer Salbe, Blumen und dergleichen geschmückt, gedenke er Haris.

20.70 Fastend nehme er geklärte Butter zu sich und sitze mit seinem Hauspriester da, während er der Rezitation der Ṛgveda-Verse durch vedakundige Brahmanen lauscht.

20.71 Bei Einbruch der Nacht betrete der verständige, hervorragende Lehrer mit den Opferpriestern das Opferhaus, nachdem er die Gottheiten an den Toren verehrt hat.

20.72 Er verehre den Herrn der Welt an drei Orten entsprechend dem Einweihungsverfahren. Zuerst verkünde er den glückverheißenden Tag und trage mit den Opferpriestern das Gefäß herbei.

20.73 Nachdem er die Verehrung im Gefäß und im Maṇḍala ausführlich vollzogen hat, bringe er in seiner Feuergrube zunächst die sieben Brennholzarten dar.

20.74 Danach vollziehe er der Reihe nach mit Honig, Milch und den weiteren Stoffen das befriedende Feueropfer, jeweils hundert Darbringungen mit dem Wurzelmantra, bis zur vollständigen Schlussgabe.

20.75 Der Guru bereite die Gruppe der Feuergruben nach seinem überlieferten Verfahren vor und bestimme für die Opfer in den Hauptrichtungen gemäß der Zuordnung der göttlichen Erscheinungen

20.76 vier Brahmanen des Ekāyana, die die Namen Vāsudeva und der übrigen Vyūhas tragen. Sie sollen der Reihe nach mit den Mantras ihrer jeweiligen Überlieferungszweige opfern.

20.77 In den Gruben der Zwischenrichtungen ordne er die vier Veden, beginnend mit dem Ṛgveda, an. Mit reinigenden Mantras des eigenen Zweiges, deren Kennzeichen zur verehrten Gottheit passen,

20.78 soll das Opfer entsprechend vollzogen werden; oder allein mit dem Puruṣasūkta, o Zweimalgeborener. Auch die Formeln „Erde: Svāhā! Luftraum: Svāhā! Himmel: Svāhā!“

20.79 und „Erde, Luftraum und Himmel: Svāhā!“ können in der Reihenfolge von Südosten an verwendet werden. Oder: „Auf der Erde dem Puruṣa: Svāhā! Im Luftraum dem Puruṣa: Svāhā!“

20.80 „Im Himmel dem Puruṣa: Svāhā! In Erde, Luftraum und Himmel dem Puruṣa: Svāhā!“ Mit diesen vier Formeln opfere man in der Reihenfolge der Richtungen.

20.81 Die Einsetzung und die übrigen Handlungen für die Welthüter samt ihren Waffen, die Schar um Kumuda und die acht Glückszeichen geschehen wie zuvor.

20.82 Die verschiedenen Brennhölzer, beginnend mit Palāśa, und die verschiedenen Opferspeisen sind wie zuvor vorgesehen. Auch die Aufstellung der Gefäße bei jeder Feuergrube geschieht wie zuvor.

20.83 Die vier Vertreter der Veden, beginnend mit dem Ṛgveda, sowie die ausschließlich Gott Hingegebenen werden nach dem früher beschriebenen Verfahren an ihren Plätzen eingesetzt.

20.84 Nachdem alles in dieser Reihenfolge vorbereitet ist, gebe der Guru dem König die fünf Kuherzeugnisse zusammen mit Kuśa-Wasser zu trinken,

20.85 ferner das glückverheißende, alle Sünden beseitigende Fußwasser des Herrn. Zur Reinigung des Leibes esse der König den Rest der gekochten Opferspeise.

20.86 Auf dem südlichen Altar bereite man eine Unterlage aus neun Bhāra Reis und lege darauf ein Hirschfell

20.87 oder ein Tigerfell. Darüber breite man Darbha-Gras samt unversehrten Reiskörnern aus, mit den Spitzen nach Osten oder Norden, und lasse den König darauf Platz nehmen.

20.88 In den vier Richtungen stelle man vier wassergefüllte, wie zuvor mit Gewändern und anderem geschmückte Gefäße auf und verehre darin der Reihe nach die vier Gottesgestalten.

20.89 Ihnen bringe man nacheinander die vier Arten von Speise dar. Danach geschehe das Feueropfer in den Gruben in der früher angegebenen Reihenfolge.

20.90 Der Guru setze sich vor dem König auf seinen Sitz und reinige nach der vorgeschriebenen Ordnung die in dessen Körper vorhandenen Wirklichkeitsprinzipien.

20.91 Zuerst vollziehe er ihre Auflösung, dann ihre Neuschöpfung. Wie zuvor binde er dem König und sich selbst die Schutzschnur um.

20.92 Er lasse das Gold herbeibringen, reinige es mit Tamarindenwasser und besprenge es erneut unter Verwendung des Vīrya-Mantras.

20.93 Auf dem nördlichen Altar bereite er aus drei Bhāra Reis eine Unterlage, lege das Gold darauf und weihe es über Nacht, versehen mit Gewändern und Schmuck.

20.94 Auch alle übrigen Gegenstände stelle er bereit und umhülle sie mit dem Schutz des Panzer-Mantras. Dann zeichne er das Cakrābja oder ein anderes glückverheißendes Maṇḍala

20.95 und fülle es mit Farben aus Edelsteinen oder Mineralien aus. Mit Gesang, Tanz, Lobpreisungen, Muschelklängen und anderen Instrumenten

20.96 sowie vielfältigen weiteren glückbringenden Darbietungen verbringe man die Nacht wachend. Im göttlichen oder anderen Heiligtum ist eine besondere Verehrung des Herrn vorzunehmen.

20.97 Am eigentlichen Ritualtag vollziehe der Lehrer selbst in der Brahma-Stunde das Bad und sämtliche täglichen Pflichten nach ihrer vorgeschriebenen Ordnung.

20.98 Dann verehre er den Herrn der Welt besonders im Gefäß und anschließend im Maṇḍala mit vielfältigen Gaben:

20.99 mit ehrenden Dienstleistungen, Berührungsgaben und das Herz erfreuenden Darbietungen sowie mit großen Mengen von Milchspeise und anderen Speisen.

20.100 Nach dieser Verehrung sättige er den im Feuer gegenwärtigen Herrn der Reihe nach, beginnend mit den sieben Brennholzarten und dann mit in geklärter Butter getauchtem Sesam unter Verwendung des Wurzelmantras.

20.101 Tausend oder hundert Darbringungen soll er vollziehen; ebenso verfahre er mit dem Waffen-Mantra, um sämtliche Hindernisse zu beseitigen.

20.102 Die Opferpriester opfern nacheinander wie zuvor in ihren eigenen Gruben. Wenn in allen Gruben die vollständigen Schlussgaben dargebracht sind,

20.103 lasse der Lehrer den König mit dem Wurzelmantra und dem Puruṣasūkta baden. Dieser habe Hände und Füße gründlich gewaschen, Wasser zur Reinigung geschlürft und sich geschmückt

20.104 mit allen Gewändern, Girlanden, Salben und vielfältigen kostbaren Schmuckstücken, die über Nacht geweiht worden sind.

20.105 Der König halte Schwert und Schild in den Händen. Ist der günstige Augenblick gekommen, nehme der Guru selbst den Herrscher bei der Hand.

20.106 Er lasse unter allen glückverheißenden Begleitzeichen den glücklichen Tag verkünden und führe ihn im Rechtsumlauf um den Herrn, der im Hauptgefäß, auf dem heiligen Platz, in den Richtungsgefäßen und sämtlichen Feuergruben gegenwärtig ist.

20.107 Er lasse ihn sich verneigen, hole die Zustimmung der hervorragenden Brahmanen ein und führe ihn im Rechtsumlauf zur Waage.

20.108 Auf die westliche Waagschale lasse der Guru den König mit dem Gesicht nach Osten steigen, während er den Wurzelmantra mitsamt seinen Gliedern wiederholt,

20.109 ferner die göttlichen Mantras, beginnend mit Bala, und das Puruṣasūkta. In die östliche Schale lege man Gold in gleichem Gewicht wie der König,

20.110 das zuvor über Nacht geweiht wurde: So entsteht die Gabe des gleichen Waagegewichts. Oder man setze bei dieser Gabe den König in die östliche Schale,

20.111 nach Westen blickend, und lege das Gold in die westliche. Die höchste Gabe übersteigt sein Gewicht um hundert Niṣka, die mittlere um die Hälfte davon,

20.112 die geringste um ein Viertel dieser hundert. Zu dieser Zeit sollen die vier Vertreter der Veden, beginnend mit dem Ṛgveda, in den Hauptrichtungen stehen

20.113 und ihre jeweiligen Überlieferungszweige rezitieren. In den Zwischenrichtungen sollen Kenner des wahren Brahman ihre höchst reinigenden Textzweige rezitieren.

20.114 Überall sollen Kundige ihre jeweiligen Instrumente spielen: Muscheln, Kāhaḷa-Hörner, Bherī-Trommeln und viele andere.

20.115 Gesangskundige tragen vielfältige Lieder vor; ringsum in allen Richtungen werden verschiedene Tänze aufgeführt.

20.116 Alles Weitere, was Glück verheißt, lasse man ebenfalls ausführen. Danach veranlasse man in sämtlichen Feuergruben ein befriedendes Opfer

20.117 mit reichlich Sesam und geklärter Butter, jeweils einhundertacht Darbringungen. Der König meditiere im Geist über den erhabenen Janārdana.

20.118 Eine Nāḍī oder eine halbe Nāḍī lang verweile der König in der Waagschale. Dann steige er herab und werfe sich vor Hari lang ausgestreckt nieder.

20.119 Danach schmücke der König den Guru mit Schmuck und Gewändern und gebe ihm als Vergütung hundert Niṣka Gold oder einen entsprechenden Wert.

20.120 Den Opferpriestern gebe er die Hälfte davon; den anderen, die bei dieser Handlung zur Unterstützung eingesetzt wurden, entsprechend ihrer Tätigkeit.

20.121 Der Herrscher schenke ihnen Wertgegenstände und verschiedene Gewänder. Das angesammelte Gold und die Schmuckstücke aber

20.122 soll er dem erhabenen Herrn an einer selbstoffenbarten oder anderen heiligen Stätte darbringen. Höre nun von den unterschiedlichen Früchten solcher Gaben.

20.123 Der König, der an einer selbstoffenbarten Stätte des Herrn Hari eine Gabe darbringt, wird von allen Sünden frei und von allen Krankheiten gelöst,

20.124 mit sämtlichen Gütern reich beschenkt und zum Herrscher aller Länder. Er genießt vielfältige Freuden in dieser Welt und in der jenseitigen.

20.125 Die Gabe und ihre Frucht gelten dort als millionenfach vervielfacht. Eine Gabe in einem göttlich gegründeten Heiligtum wird als unendlich wirksam bezeichnet.

20.126 In einem von Ṛṣis oder Vollendeten gegründeten Heiligtum ist die Gabe hunderttausendfach wirksam; in einem von rechtschaffenen Brahmanen errichteten tausendfach.

20.127 An einer von rechtschaffenen Kṣatriyas gegründeten Stätte wirkt sie hundertfach, an einer von rechtschaffenen Vaiśyas gegründeten halb so vielfach.

20.128 Was an einer von rechtschaffenen Śūdras gegründeten Stätte gegeben wird, gilt als zwölffach wirksam. An einer Stätte, die Menschen der Stände mit ausschließlicher Zuflucht zum Herrn errichtet haben,

20.129 gilt die Gabe als zehnfach; in einem Heiligtum, das Menschen der Stände mit gemischter Verehrung errichtet haben, als fünffach. [Diese Abstufungen geben die historische Wertordnung des Textes wieder.]

20.130 Damit wurde das Hauptverfahren der Gabe erklärt. Höre nun das Ersatzverfahren: Sind vedakundige, hervorragende Vaiṣṇava-Brahmanen anwesend,

20.131 gebe man ihnen der Reihe nach das angesammelte Gold und die übrigen Gaben. Sämtliche Opfergeräte lasse man dem Ācārya schenken.

20.132 Welcher König oder andere wohlhabende Mensch die Tulābhāra genannte Handlung auch nur einmal vollzieht, wird von allen Sünden befreit

20.133 und gewiss nicht von Krankheiten überwältigt. Wer diese Handlung regelmäßig jedes Jahr vollzieht –

20.134 wer könnte den Erwerb seiner verdienstvollen Früchte beschreiben? Zu dieser Zeit lasse der König in einem göttlich gegründeten oder anderen Heiligtum die Verehrung des Herrn

20.135 zusammen mit der Verehrung an vier Orten vollständig vollziehen. An einem weiteren Tag, o Brahmane, lasse er Puruṣottama baden

20.136 mit tausend Gefäßen nach dem früher erklärten Verfahren oder mit einer anderen Waschung, die dem jeweiligen Zeitpunkt angemessen ist.

20.137 Dabei soll der König besonders die Verehrung an vier Orten und die Darbringung einer großen Speisegabe veranlassen.

20.138 Auch dort gebe er dem Lehrer und den übrigen Beteiligten der Reihe nach ihre Vergütung. Bedürftige, Blinde, Arme, Schutzlose, Kinder, Alte, Ausgezehrte und Kranke

20.139 lasse er angemessen speisen und ihnen Wertgegenstände und andere Gaben zukommen; auch verschiedene Saaten, Reis und anderes Getreide lasse er verschenken.

20.140 Gefangene, die im Gefängnis festgehalten werden, soll er freilassen. Damit habe ich dir, o Brahmane, das Verfahren der Tulābhāra-Gabe Schritt für Schritt erklärt.

20.141 Bei Hiraṇyagarbha und den anderen Gaben verfahre man ebenso. Wer die Tulābhāra-Gabe einmal oder wiederholt auf diese Weise vollzieht,

20.142 wird zweifellos von allen Sünden befreit. Wer jedoch die Ursache dafür wird, dass jemand um des Herrn, seiner Mutter, seines Vaters oder seines Gurus willen

20.143 aus Hingabe sein Leben aufgibt, seien es Brahmanen oder andere, o Verständiger, für den kann selbst durch Tulābhāra und ähnliche Gaben,

20.144 auch wenn diese Handlungen vielfach und ordnungsgemäß ausgeführt werden, oder durch andere vorgeschriebene, äußerst schwierige Sühnehandlungen, o Brahmane,

20.145 die Reinigung von der Schuld, die dem Töten eines Brahmanen entspricht, vielleicht eintreten oder auch nicht. Denn jener hochgesinnte Mensch hat sein Leben um Viṣṇus willen aufgegeben.

20.146 Deshalb gibt es für den, der dies veranlasst hat, o Brahmane, keine sichere Sühne. Wenn Brahmanen, Kṣatriyas, Vaiśyas oder auch Maudgalas um Viṣṇus willen

20.147 in Hingabe an den Herrn ihr Leben durch einen Sturz von einer Höhe oder durch eines von fünf Mitteln, etwa Gift, aufgeben,

20.148 so erlangen sie nach Aussage des Textes sogleich eine Frucht wie die des Vājapeya-Opfers und anderer Opfer: Dies gilt für den Wünschenden; der Wunschlose erreicht das höchste Ziel.

20.149 Als hochgesinnt soll man nach dieser Lehre jene ansehen, die um Viṣṇus willen ihr Leben aufgegeben haben; sie würden von der Schuld der Selbsttötung niemals befleckt.

20.150 Bei anderen bestehe dagegen stets die Schuld der Selbsttötung, o Zweimalgeborener. Wenn jemand in dieser religiösen Absicht sein Leben um des Herrn willen aufgibt,

20.151 so gelte derjenige, gegen den sich diese Lebensaufgabe richtet, als Brahmanentöter. Stirbt ein Brahmane der vorrangigen Klasse, wird dessen Schuld als vierfach bezeichnet.

20.152 Stirbt ein Kṣatriya, beträgt die dem Veranlasser zugerechnete Schuld des Brahmanentötens das Dreifache; stirbt ein Vaiśya, das Zweifache.

20.153 Stirbt ein Śūdra, trifft den Veranlasser die einfache Schuld. Diese Steigerung gilt, wenn der Veranlasser ein Brahmane ist.

20.154 Ist der Veranlasser ein Kṣatriya oder gehört er einem der folgenden Stände an, vermehrt sich die zuvor genannte Schuld jeweils um einen weiteren Faktor; daran bestehe kein Zweifel. [Der Schluss des Sanskritverses ist beschädigt.]

20.155 So wurde die Schuld des Veranlassers beim Tod eines gewöhnlichen Brahmanen erklärt. Stirbt ein Brahmacārin, ist die Grundschuld fünffach,

20.156 beim Tod eines opfernden Hausvaters sechsfach, beim Tod eines Waldeinsiedlers siebenfach.

20.157 Stirbt jemand, der im Lebensstand der Entsagung gefestigt ist, trifft den Veranlasser die achtfache Grundschuld. So ist es erklärt, o Weiser.

20.158 So wächst die Schuld des Veranlassers, wenn ein Tod um Viṣṇus willen geschieht. Für solche Veranlasser, seien es Brahmanen oder andere, gibt es demnach keine Sühne.

20.159 In einem solchen Fall soll man ohne eigenmächtige Abwägung tun, was Brahmanen erklären, die stets der Unterscheidung hingegeben sind und die Wahrheit des Sinnes sämtlicher Schriften kennen.

Spirituelle Erläuterung: Eine lebensdienliche Anregung bietet vor allem 20.138–140: Großzügigkeit soll Bedürftige erreichen, Hunger lindern und Gefangenen Freiheit eröffnen. Die Gaben des Herrschers sollen zudem aus rechtmäßig erworbenem Vermögen stammen (20.11). Die problematischen Aussagen über religiös begründete Selbsttötung am Kapitelende gehören zur historischen Quelle; für heutige Sādhana geben sie keine Handlungsanweisung. Hingabe lässt sich als Schutz des Lebens, Fürsorge und selbstloses Dienen verwirklichen.

Kapitel 21

Eingang. Glück und Segen! Einundzwanzigstes Kapitel. [Die Kapitelbezeichnung ist im Grundtext beschädigt.]

21.1 Śāṇḍilya sprach: O Weiser, nun werden die Besonderheiten von Hiraṇyagarbha und den weiteren Gaben erklärt. Zuerst beschreibe ich das Verfahren des goldenen Mutterleibes.

21.2 Sanaka sprach: Was hier an Handlungen genannt wird, aber bei der Tulābhāra-Gabe nicht erwähnt wurde, soll für alle diese Handlungen gemeinsam gelten. [Die Sprecherangabe Sanaka ist überliefert; der folgende Text setzt jedoch die Unterweisung fort.]

21.3 Bei Tulābhāra und den weiteren Gaben sollen entsprechend Vermögen und Umständen der Pavillon sowie die Altäre und übrigen Anlagen wie zuvor errichtet werden.

21.4 Oder man errichte Pavillon und weitere Anlagen nach dem bei der Tempelweihe erklärten Verfahren. Der mittlere Altar kann acht, sieben, sechs, fünf, vier oder drei Ellen breit sein,

21.5 seine Höhe beginne bei dreißig Fingern und vermindere sich entsprechend dem jeweiligen Gelände jeweils um einen Golaka. [Die hier verwendete Maßeinheit bleibt unaufgelöst.]

21.6 Die beiden seitlichen Altäre sollen bei vier Ellen Breite beginnen und sich jeweils um sechs Golaka vermindern.

21.7 Ihre Höhe beginne bei zwanzig Fingern und nehme jeweils um zwei Finger ab, bis der letzte, anderthalb Ellen breite Altar zehn Finger hoch ist.

21.8 Oder überall sei die Höhe halb so groß wie für die beiden Altäre angegeben. Zwischen den Altären lasse man jeweils eine Elle Abstand.

21.9 Man kann diesen Abstand jeweils um eine halbe Elle bis auf vier Ellen vergrößern oder so wählen, dass keine übermäßige Enge entsteht.

21.10 Innerhalb der genannten Maße lege man nach der gewünschten Größe auch die Gruppe der Feuergruben mit den vorgeschriebenen Merkmalen an.

21.11 Wird diese Anlage in einem Versammlungspavillon oder ähnlichen Raum eingerichtet, so geschehe die für den mittleren Altar bestimmte Handlung dort auf dem Sitz der Gottheit.

21.12 Nördlich und südlich davon errichte man die beiden Altäre mit den genannten Maßen. Östlich der östlichen Feuergrube schaffe man einen ebenen, glückverheißenden Altar,

21.13 sieben, sechs, fünf, vier, drei oder zwei Ellen breit und eine Elle oder eine halbe Elle hoch.

21.14 Darauf soll das Gefäß des goldenen Mutterleibes aufgestellt werden. Oder man vollziehe die bei der Tulābhāra-Gabe genannten Handlungen auf diesem Altar.

21.15 Auch kann man die Verehrung im Gefäß und die vorbereitende Weihe im Pavillon einrichten und sie im Vorbau vollziehen.

21.16 Ebenso kann die Aufstellung des goldenen Mutterleibes im Vorbau erfolgen; die räumliche Anordnung der Gefäßverehrung und der übrigen Handlungen richte sich nach dem Wunsch des Stifters.

21.17 So verfahre man auch, wenn Tulābhāra und weitere Gaben an einem anderen Tag stattfinden. Dann lasse man aus Gold zwei feste, einen Finger dicke Gefäßhälften anfertigen,

21.18 eine untere und eine obere. Sie seien so weit, dass der König bequem darin sitzen kann, wenn beide zusammengefügt sind.

21.19 Für das untere Gefäß verwende man tausend Pala Gold oder tausend Niṣka; für das obere Gefäß die Hälfte davon.

21.20 So fertige man beide Gefäße mit allem Schmuck an. Bei entsprechendem Vermögen sollen auch sämtliche anderen Gefäße aus Gold bestehen.

21.21 Die für den Vorbereitungstag genannten Handlungen vollziehe man wie bei Tulābhāra. Die beiden Gefäßhälften weihe man über Nacht auf dem nördlichen Altar.

21.22 Danach vollziehe man der Reihe nach die für den Ritualtag genannten Handlungen wie zuvor. Auf dem im Osten errichteten Altar, o Weiser, bereite man aus zwölf Bhāra

21.23 Reis eine Unterlage, lege darauf geschälten Reis in halber Menge und darüber Sesam wiederum in halber Menge.

21.24 Oder geschälter Reis und Sesam sollen dasselbe Gewicht wie der ungeschälte Reis haben. Auch bei der vorbereitenden Weihe verfahre man entsprechend dem verfügbaren Vermögen.

21.25 Ebenso kann man bei Tulābhāra und den anderen Handlungen vorgehen. Zwischen die Schichten von Reis und den übrigen Körnern lege man ein Hirschfell oder Tigerfell

21.26 oder ein neues Tuch; bei genügend Mitteln auch alle drei. Weitere glückverheißende Maßnahmen, beginnend mit dem Umhüllen mit Stoff, sollen hinzukommen.

21.27 Darauf stelle man das zuvor über Nacht geweihte untere Gefäß. Ist der günstige Augenblick gekommen, nehme der Guru den König,

21.28 der gründlich gebadet und wie zuvor vielfältige kostbare Gewänder, Girlanden und Schmuck angelegt hat, jedoch ohne Schwert und Schild,

21.29 und vollziehe wie zuvor die Rückführung seiner Wirklichkeitsprinzipien, bis allein die individuelle Seele bleibt. Unter Muschelklang und Instrumentalmusik lasse er ihn dort Platz nehmen,

21.30 im unteren Gefäß, nach Osten oder Westen blickend. Mit dem Panzer-Mantra setze er das obere Gefäß mit der Öffnung nach unten darüber.

21.31 Während der König im Inneren dieses Eies sitzt, setze sich der Guru vor ihm auf seinen Sitz und vollziehe wie zuvor die Hervorbringung der Wirklichkeitsprinzipien.

21.32 Er vergegenwärtige sich den König als aus dem Ei geboren. Dann führe er ihn heraus auf den Badesitz und vollziehe seine Weihe mit Wasser, das durch glückverheißende Stoffe bereitet wurde,

21.33 aus neun oder fünf wassergefüllten, mit Gewändern und anderem umhüllten Gefäßen.

21.34 Oder der Lehrer besprenge ihn zusammen mit den Opferpriestern. Danach lasse er ihn Wasser zur Reinigung schlürfen und mit Schmuck und den übrigen Dingen ausstatten.

21.35 Er lasse ihn sich immer wieder vor dem erhabenen Herrn verneigen. Für den symbolisch Neugeborenen bringe er der Reihe nach die Opfer zu den Lebensweihen dar, beginnend mit dem Geburtsritual,

21.36 mit reichlich Sesam und geklärter Butter, damit alles vollständig werde. Zur Vernichtung sämtlicher Fehler bringe er anschließend die vollständige Schlussgabe dar.

21.37 Der König schenke Hari, dem Herrn, die Schmuckstücke und die beiden Gefäße. Die Früchte solcher Gaben wurden bereits erklärt; stets soll man diese Handlungen im Heiligtum des Herrn vollziehen.

21.38 Wenn man Tulābhāra und die übrigen Handlungen an einer selbstoffenbarten oder anderen Stätte ausführt, erlangt der König jeweils die zuvor bei den Gaben genannten Früchte.

21.39 Beim Ersatzverfahren gebe man die Hälfte dem erhabenen Herrn und die andere Hälfte den Brahmanen; ebenso bei Tulābhāra.

21.40 Die Tulābhāra genannte Handlung und die Hemagarbha genannte Handlung sind die beiden vorrangigen unter sämtlichen Handlungen,

21.41 die der Reihe nach beschrieben werden, beginnend mit dem Sesamberg. Alle übrigen Verrichtungen vollziehe man wie bei Tulābhāra.

21.42 Als Vergütung für den Guru gebe man tausend Niṣka Gold, die Hälfte davon, hundert Niṣka oder wiederum die Hälfte, entsprechend dem Vermögen.

21.43 Auch zehn Niṣka, deren Hälfte oder wiederum deren Hälfte kann man dem Ācārya geben. Keinesfalls darf ohne Vergütung

21.44 eine Handlung wie Tulābhāra vollzogen werden. Sämtliche Opferpriester erhalten die Hälfte dieser Vergütung, die Helfer wiederum die Hälfte davon.

21.45 Den anderen gebe man nach Kräften. Am folgenden Tag vollziehe man die Entlassung der Gegenwart des Herrn aus Gefäß, Maṇḍala und Feuergrube,

21.46 verbunden mit besonderer Verehrung, oder an einem weiteren Tag. So soll überall das Entlassungsverfahren vollzogen werden, o Zweimalgeborener.

Spirituelle Erläuterung: Das Bild des goldenen Mutterleibes gestaltet einen Neubeginn: Der König soll sich nicht allein als Träger von Macht, sondern als neu in Verantwortung Geborener verstehen. Für Yoga-Aspiranten lässt sich darin ein Sinnbild innerer Erneuerung sehen. Diese Deutung ersetzt weder den historischen Ritualsinn noch empfiehlt sie den aufwendigen Vollzug als persönliche Übung.

Kapitel 22

Eingang. Glück und Segen! Zweiundzwanzigstes Kapitel.

Zum Verständnis: Die folgenden Reinheitsvorschriften gehören zur historischen Tempelordnung. Ihre Ausgrenzungen sind keine Aussage über den gleichen menschlichen Wert aller Menschen. Die beschriebenen Stoffgemische und Einsetzungsrituale werden als Quelleninhalt wiedergegeben, nicht als Empfehlung zur Einnahme oder Selbstpraxis.

22.1 Sanaka sprach: Erkläre mir, bester Weiser, das Verfahren der rituellen Besprengung, das bei allen Sühnehandlungen als vorzügliche Ergänzung gilt.

22.2 Śāṇḍilya sprach: Wenn Tempel, Bild oder Sockel durch Unachtsamkeit verunreinigt und anschließend wiederhergestellt wurden, besonders wenn die Verehrung unterbrochen wurde,

22.3 bei Verunreinigung durch Caṇḍālas, aus der Gemeinschaft Ausgeschlossene, menstruierende Frauen, Wöchnerinnen, Leichname und dergleichen, durch Menschen in der rituellen Unreinheitszeit nach Geburt oder Tod sowie durch als dauerhaft unrein oder verwerflich Eingestufte,

22.4 durch Handwerker, außerhalb der vedischen Ordnung Stehende, Unwissende oder Menschen unbekannter Herkunft, ferner durch Kot, Urin, Blut, verbotene Getränke oder Samen,

22.5 bei Geburt oder Tod von Menschen im Heiligtum, bei Unruhen im Reich, bei Berührung durch Hunde, Schakale, Esel und andere Tiere, durch Krähen oder Falken,

22.6 wenn das Bild berührt oder in dieser Weise beeinträchtigt gesehen wurde, sowie bei Vermischung der Ritualsysteme – bei all diesen und ähnlichen Fällen findet das Verfahren der Besprengung Anwendung.

22.7 Wer weiß, dass Tempel, Gottesbild oder andere Bestandteile durch Fehler beeinträchtigt sind, und dennoch ohne vorherige Besprengung die Verehrung vollzieht, bringt unmittelbar König und Reich,

22.8 Heiligtum und Dorf ins Verderben, daran bestehe kein Zweifel. Deshalb soll die Besprengung an Tempel, Bild und den übrigen Bestandteilen vollzogen werden.

22.9 Zuerst lasse man durch Zeitkundige einen Tag bestimmen, an dem die Besprengung König und Reich gedeihen lässt. An dem zuvor genannten Vorbereitungstag

22.10 setze man ordnungsgemäß Keimlinge an. Danach reinige man das Heiligtum überall mit Kuhdungwasser und beginne mit der Verkündigung des glückverheißenden Tages.

22.11 Man besprenge es mit den fünf Kuherzeugnissen zusammen mit Kuśa-Wasser. Das Hauptbild und die weiteren Gottesbilder wasche man mit den sechs Stoffen, beginnend mit weißem Senf,

22.12 und wiederholt mit Wasser, das durch einen reinigenden Grasring geleitet wurde. In der Nacht vor dem Haupttag soll im Opferpavillon

22.13 mit seinen Torbögen, Torgefäßen, Baldachinen und Fahnen alles wie bei der vorbereitenden Einweihungsnacht geschehen. Im Gefäß und auf dem heiligen Platz des Pavillons

22.14 vollziehe man die Verehrung entsprechend den Mitteln bis zum Japa. Im Hauptheiligtum bade man das feststehende Gottesbild mit fünfundzwanzig Gefäßen, beginnend mit Milch.

22.15 Bei einem aus Modelliermasse bestehenden, an einer Wand oder auf einem Tuch befindlichen Bild verwende man davor auf einem glückverheißenden Sitz das Ritualbild, ein Grasbündel oder das Spiegelbild

22.16 und vollziehe daran ordnungsgemäß die Waschung mit den im vorderen Pavillon aufgestellten Gefäßen. Die Festbilder und die übrigen Bilder, die als Glieder und Träger der Gegenwart dienen,

22.17 sollen anschließend im Opferpavillon verehrt und gebadet werden. In der dortigen Feuergrube mit den Merkmalen von Muschel, Diskus oder einer anderen vorgeschriebenen Form

22.18 vollziehe man mit Honig, Milch und den weiteren Stoffen tausend oder hundert Darbringungen. Für die anderen Bilder von Gliedgestalten, mit Ausnahme des Ritualbildes,

22.19 bereite man im Süden des Pavillons ein großes Lager aus Bhāra-Mengen von Sesam, geschältem und ungeschältem Reis, zusammen mit Gewändern und weiteren Unterlagen.

22.20 Darauf bette man vorschriftsgemäß das Kultbild mit angelegter Schutzschnur, verehre es und bedecke es mit Decken und anderem. Mit weißen und weiteren

22.21 Farben zeichne man ein mit Diskus und Lotos versehenes Maṇḍala. Bis zum Anbruch des Morgens verweile der Lehrer nahe bei dem im Bild Gegenwärtigen

22.22 und verbringe die Nacht mit der Wiederholung des Wurzelmantras. Am Morgen vollziehe der Guru seine vorgeschriebene Morgenandacht

22.23 und die Verehrung an vier Orten, wie zuvor mit einer Waschung verbunden. Wenn der günstige Augenblick gekommen ist, versehe er das Bild mit neuen Gewändern,

22.24 Obergewand, heiliger Schnur und Schutzband, lege sämtliche Wirklichkeitsprinzipien in ihm nieder und verehre es der Reihe nach mit Ehrenwasser und den übrigen Gaben.

22.25 Aus seinem eigenen Herzenslotus übertrage er in diese Bilder, eingeleitet durch eine mit beiden Händen dargebrachte Blumengabe, das große Licht: ungreifbar, unbegrenzbar, gestaltlos und makellos,

22.26 ewig rein, unvergleichlich, überaus fein, unbeweglich und offenbar, von der Natur des Seins und Bewusstseins, allem gemeinsam, strahlend, unerschütterlich und groß.

22.27 Nachdem er dieses Licht übertragen hat, werfe er sich lang ausgestreckt nieder und bringe dem Herrn sämtliche vollzogenen Handlungen dar, ihr hervorragenden Zweimalgeborenen.

22.28 Mit den glückverheißenden Begleitzeichen wie zuvor erhebe man die Festbilder und die übrigen Bilder; die Hüter der Gottesgestalten tragen das große Gefäß voran.

22.29 Der Ācārya nehme das als Waffe geweihte Wassergefäß und gehe voraus, wobei er den Boden mit einem ununterbrochenen, stabdünnen Wasserstrahl besprengt.

22.30 Im Rechtsumlauf führe man die Bilder in das Heiligtum, ihr hervorragenden Weisen, und vollziehe die Gefäßbesprengung nach dem beim großen Fest erklärten Verfahren.

22.31 Die Gottheiten der Tore und Umfassungen, die im Heiligtum gegenwärtigen Gottheiten sowie sämtliche Begleiter, beginnend mit Garuḍa und Viṣvaksena,

22.32 besprenge man überall der Reihe nach mit dem im Gefäß verbliebenen Wasser. Das restliche Gefäßwasser gieße man auf den Bali-Sockel.

22.33 Nachdem man so ordnungsgemäß besprengt hat, betrete man das Innere des Tempels und löse mit dem Herz-Mantra die Schutzschnur an der Hand.

22.34 Zur Befriedung aller Fehler schenke man Kühe, Land, Gold und anderes. Den Gott verehre man besonders mit Ehrenwasser und den übrigen Gaben bis zur Speisedarbringung.

22.35 Danach speise man tausend oder hundert Brahmanen. Oder man vollziehe diese gesamte Besprengung des Herrn unverzüglich,

22.36 mit Blumen und Keimlingen eingeleitet, um den jeweiligen Fehler zu befrieden. Dafür sind weder Mondtag noch Mondhaus noch eine bestimmte Tageszeit maßgeblich.

22.37 Eine sofortige Besprengung kann, ihr Brahmanen, nachts oder tagsüber geschehen. Nur wenn die Sühnehandlung aufgeschoben wird, prüfe man die geeignete Zeit.

22.38 Damit ist die gesamte Besprengung erklärt, ihr hervorragenden Zweimalgeborenen. Nun folgt die Einsetzung der fünf Kuherzeugnisse, ein Mittel zu umfassendem Gedeihen.

22.39 Als Nāga-Verbindung gilt das Zusammentreffen des Schlangen-Mondhauses mit dem entsprechenden Karaṇa; auch die Verbindung mit einem dieser beiden kann Nāga heißen. [Die astrologische Formulierung ist beschädigt.]

22.40 Dies sollen die Kundigen zuvor bestimmen und das Ritual entsprechend ansetzen. Dafür bereite man Keimlinge vor und trage die Materialien zusammen:

22.41 Realgar, Auripigment, Augenschminke, dunkles Blei, Saurāṣṭra-Mineral, Rocanā, Rötel und Quecksilber,

22.42 diese Mineralien sowie Edelsteine, beginnend mit Rubin: Perle, Koralle, Diamant, den Vaiḍūrya genannten Stein,

22.43 Gomeda, Topas, großen Saphir und Smaragd. Hat man diese Edelsteine zusammengetragen, beschaffe man Saaten:

22.44 Reis, Wildreis, Kaṅku, Priyaṅgu, Sesam, Māṣa-Bohnen, Mungbohnen, Gerste, Bambussamen und das Yavasa Genannte.

22.45 Ferner Gold, Silber, Kupfer, Eisen, Zinn und Blei, eine goldene Schildkrötengestalt, einen goldenen Diskus und einen goldenen Lotos,

22.46 dazu eine silberne Pāñcajanya-Muschel. Danach beschaffe man Früchte von Banane, Jackfrucht, Mango, Bilva und Āmalaka,

22.47 Granatapfel, Zitronatzitrone und Kokospalme, jeweils zur passenden Zeit ausgereift. Anschließend

22.48 trage man Sandel, Aloeholz, Kampfer, Safran und weitere Duftstoffe zusammen, Koṣṭha, Māṃsī, die beiden Haridrā-Arten, Murā, Śaileya und Campaka,

22.49 Vacā, Kaccora, Musta, Hrībera und Uśīra sowie Blüten von Mallikā, Jāti, Vakuḷa, Nandyāvarta und Campaka,

22.50 Pāṭalī, Lotos und Kalhāra. Danach beschaffe man weiße und andere Gewänder sowie insbesondere Girlanden,

22.51 Reis und die übrigen Getreidearten, Kuśa, Dūrvā und weitere Gräser sowie junge Blätter von Bilva, Aśvattha, Kadamba, Mango und anderen Bäumen,

22.52 zum Kochen der Opferspeisen geeigneten Reis und anderes, alle Stoffe für das Feueropfer, Lotosblätter und zwei feste Tongefäße,

22.53 zwölf Finger breit, eines gebrannt und eines ungebrannt, sowie ein großes Gefäß mit Wasserkrug für die Verehrung Nṛharis.

22.54 Hat man diese und weitere Dinge vorschriftsgemäß vorbereitet, nehme man die fünf Kuherzeugnisse in einem neuen, glückverheißenden Tongefäß entgegen:

22.55 Kuhurin, Kuhdung, Milch, Dickmilch und als fünftes Molke. Empfohlen werden Erzeugnisse einer gelbbraunen oder einer Jarā genannten Kuh. [Die fünfte Zutat weicht von 22.58–62 ab; „Jarā“ ist hier unklar.]

22.56 Sind diese nicht verfügbar, sind Erzeugnisse anderer Kühe zulässig. Niemals nehme man sie von einer kranken, trächtigen oder alten Kuh,

22.57 auch nicht Urin oder Dung von einer Kuh ohne Kalb. Man nehme noch warmen, auf dem Boden liegenden Dung, der nicht durch Würmer oder anderes verunreinigt ist.

22.58 Durch gründliches Auspressen gewinne man den Dungsaft. Die geklärte Butter sei frisch erhitzt und rein, die Dickmilch einen Tag und eine Nacht alt.

22.59 Die Milch nehme man unerhitzt, frühestens zehn Tage nach der Geburt des Kalbes. Den Kuhurin bereite man mit der Viṣṇu-Gāyatrī, den Kuhdung mit dem Vers „Die durch den Duft zugänglich ist“.

22.60 Für die Milch verwende man „Werde erfüllt“, für die Dickmilch „Dem Dadhikrāvan“, für die geklärte Butter „Du bist das Leuchtende“; so verbinde man die Stoffe.

22.61 Oder man verwende die Viṣṇu-Gāyatrī beziehungsweise die fünf Upaniṣad-Mantras. Parameṣṭhin ist der Mantra für den Dung, Puruṣa für den Kuhurin,

22.62 Viśva für die Dickmilch, Nivṛtti für die geklärte Butter und Sarva für die Milch; oder für alle der achtsilbige Mantra.

22.63 Damit wurden die Mantras für die fünf Kuherzeugnisse bei Besprengung und Waschung genannt. Bei ihrer Einsetzung zur Befriedung sämtlicher Fehler

22.64 sind die Stoffe vom Dungsaft bis zur Milch mit den Gliedmantras des Sudarśana-Nṛsiṃha zu bereiten, beginnend mit dem Herzen und endend mit dem Auge.

22.65 Die Dickmilch beträgt das Doppelte der Buttergabe, die Milch das Dreifache davon, der Urin das Sechsfache hiervon und das Dungwasser das Vierfache. [Die Bezugsgrößen dieser Verhältnisangaben sind nicht eindeutig.]

22.66 Diese Mengen gelten für die Einsetzung und auch für die rituelle Begießung. Zur Reinigung des Bodens durch Besprengung nehme man die fünf Bestandteile zu gleichen Teilen.

22.67 Der Urin sei dem Dung gleich, die Dickmilch doppelt so viel; die geklärte Butter viermal so viel wie die Dickmilch, die Milch achtmal so viel wie die Butter.

22.68 Dies ist das angegebene Mengenverhältnis für die Einnahme der fünf Kuherzeugnisse. Ihre Einsetzung und die Waschung mit ihnen vernichten nach der Lehre alle Anhäufungen von Übel.

22.69 Mit dem Brahmakūrca verbunden sollen sie auch künftig eintretendes Übel beseitigen. Höre dessen Verfahren; ich werde es kurz und genau erklären.

22.70 Kuśa-Wasser, vermischt mit Mehl von Gerste und Bambussamen, ist als Brahmakūrca bekannt; es besitzt den Glanz der Schar der Waffen Viṣṇus.

22.71 Kuśa-Wasser wird nach trockenem und frischem Gras in zwei Arten eingeteilt. Frisches Gras presse man aus und gewinne den Saft durch ein Tuch.

22.72 Trockenes Gras zerkleinere man, lege es in Wasser und nehme dieses Wasser, während man den reinigenden Mantra oder den Wurzelmantra zusammen mit dem Waffen-Mantra spricht.

22.73 Man nehme so viel Kuśa-Wasser wie Kuhurin; das Mehl füge man in derselben Menge wie den Dungsaft hinzu.

22.74 Während man den Diskus-Waffen-Mantra und die Viṣṇu-Gāyatrī spricht und über Cakra-Nṛhari meditiert, mische man dies unter die Kuherzeugnisse.

22.75 Oder man stelle beide zunächst getrennt auf, weihe die fünf Kuherzeugnisse und das Kuśa-Wasser mit den Mantras vom Herzen bis zur Waffe und vereinige sie dann.

22.76 Die morgendliche Einnahme beider wird als alle Übel vernichtend gepriesen. Damit ist dir das Verfahren der fünf Kuherzeugnisse vollständig erklärt.

22.77 Im zuvor für Opfer und Waschung errichteten Pavillon beginne der Guru nun die Verehrung zur nächtlichen Vorbereitung der fünf Kuherzeugnisse.

22.78 Am Tag vor dem Ritual faste er und bade dreimal. Zur Ahirbudhnya-Stunde vollziehe er mit Pāñcarātra-Opferpriestern

22.79 wie zuvor die Verkündigung des glückverheißenden Tages und besprenge Platz und Materialien unter dem Waffen-Mantra mit Kuherzeugnissen. Im östlichen Teil, auf einer Getreideunterlage,

22.80 zeichne er einen Cakrābja mit zehn Speichen, acht Blättern und äußerer Erdenumfassung. In der Mitte der Lotosmitte, eingeschlossen in ein Dreieck,

22.81 stelle er ein großes Gefäß auf, umwunden mit Faden und Gewändern, versehen mit einem Wasserkrug und umgeben von Gefäßen der Richtungshüter,

22.82 gefüllt mit Wasser, dem Dickmilch, Honig, geklärte Butter und Milch beigemischt sind, versehen mit Pippala-Blättern und anderen Blättern, geschmückt mit Duftstoffen und Girlanden,

22.83 mit Grasbündel und Frucht, sämtlichen Edelsteinen, Gold und allen Kräutern sowie mit unversehrten Reiskörnern verehrt.

22.84 In Metall- oder Tongefäßen entzünde man in den vier Richtungen Lampen mit geklärter Butter einer gelbbraunen Kuh und weihe sie mit dem Augen-Mantra.

22.85 Man stelle sie innerhalb des auf der Getreideunterlage gezeichneten Diskuslotos auf. Vor dem Gefäß setze sich der Lehrer wie zuvor auf seinen Sitz.

22.86 Er vollziehe Atemregelung und die weiteren Vorbereitungen sowie die Reinigung der Elemente und lege den Mantra des Sudarśana-Nṛsiṃha in Hände und Körper nieder.

22.87 Mit seinen Gliedern lege er ihn auch im Herzen in die Mitte des Diskuslotos. Aus dem Raum am Ende des inneren Klanges lasse er ihn gemäß der Folge vom Höchsten herabsteigen,

22.88 vergegenwärtige den Gestalt-Mantra mit dessen eigenem Mantra und verehre ihn mit sämtlichen glückverheißenden Gaben, Ehrenwasser und anderem, die aus dem Nektar der inneren Vorstellung entstehen, unter dem Laut Oṃ.

22.89 Nachdem er ihn erfreut und im Feuer der Nabelgrube geopfert hat, verehre er ihn äußerlich im Gefäß, in der Mitte des Diskuslotos.

22.90 Er rufe ihn mit seinem eigenen Mantra herbei und verehre ihn vorschriftsgemäß mit wirklichem Ehrenwasser und den übrigen Gaben bis zum Japa. In einer Feuergrube von Diskuslotosgestalt,

22.91 diskusförmig, lotosförmig, muschelförmig, viereckig oder auch auf einer ebenen Opferstelle, opfere er die sieben Brennholzarten bis zur vollständigen Schlussgabe. Danach

22.92 opfere er Sandel, Blumen, Guggulu und Aloeholz, Milch und Dickmilch, verbunden mit Honig und Rohrzuckerstücken,

22.93 Samen von Reis und anderen Pflanzen, Milchspeise und weitere Speisen sowie geklärte Butter. Mit der vollständigen Schlussgabe sättige er den Herrn und übergebe ihm alles vollständig.

22.94 Dann zeichne er vor dem im Gefäß Gegenwärtigen auf einem gereinigten Platz, auf einer Unterlage aus sämtlichen Getreidearten, einen Diskuslotos.

22.95 Diese Unterlage bedecke er sorgfältig mit einem neuen Tuch und darüber mit Kuśa-Gras. Er nehme das zuvor genannte, zwölf Finger messende Gefäß,

22.96 wasche es innen und außen, umwinde es wie zuvor mit Faden, bestreiche es mit Sandel und weiteren Stoffen und stelle es gesammelt unter dem Laut Oṃ

22.97 mit der Öffnung nach unten in die Mitte des Diskuslotos. Dann nehme er ein gleich großes ungebranntes Tongefäß,

22.98 besprenge es mit den fünf Kuherzeugnissen und mit Kuśa-Wasser unter dem Waffen-Mantra und umwickle es mit vierfachem Faden und Lotosblättern, deren Innenseite zum Gefäß zeigt,

22.99 überall fest, nur die Öffnung ausgenommen. Auch dieses stelle er unter Wiederholung des Oṃ mit der Öffnung nach unten auf dieselbe Unterlage.

22.100 Unter dem Parameṣṭhin-Mantra breite er Darbha-Gras auf beiden Gefäßen aus. Nach Osten blickend besprenge er sie mit Ehrenwasser unter dem Puruṣa-Mantra.

22.101 Mit dem Viśva-Mantra streue er unversehrte Reiskörner darüber. Unter Nivṛtti drehe er beide mit den Händen aufrecht, das nördliche zuletzt.

22.102 Mit der Viṣṇu-Gāyatrī opfere er einhundertachtmal geklärte Butter. Dann berühre der Mantrakundige unter dem Sarva-Mantra die Gegenstände mit der beim Opfer gesammelten Butter.

22.103 In das gebrannte Gefäß lege er unter dem Herz-Mantra die Materialien: Erde, Knollen, Mineralien, Edelsteine, Saaten, Metalle und Früchte,

22.104 Sandel und weitere Duftstoffe, Blumen, alle Kräuter, Kuśa, junge Blätter und Dūrvā. Nachdem er es damit gefüllt hat,

22.105 füge er, nach Osten blickend, die fünf Kuherzeugnisse samt Kuśa-Wasser hinzu. Unter dem Wurzelmantra mit seinen Gliedern verehre er es mit Ehrenwasser, Duftstoffen und weiteren Gaben.

22.106 Er bedecke es mit einem neuen Tuch und bringe den Wesen Bali-Gaben dar. Dann begebe er sich zum geeigneten Ort der Einsetzung im Tempel, Dorf, in der Stadt oder Handelsstadt

22.107 und bereite ihn mit den fünf Kuherzeugnissen glückverheißend vor. In seiner Mitte hebe er unter dem Wurzelmantra eine Grube aus.

22.108 Er umwinde die Mitte des Daumens dreimal mit einem Faden und beschreibe damit, von der Mitte ausgehend, einen Kreis; dort hebe er die Grube aus. [Die Messanweisung ist unklar.]

22.109 Sie sei eine Elle und sechs Finger tief. Man besprenge sie mit den fünf Kuherzeugnissen und lege Edelsteine und die übrigen vorgesehenen Stoffe hinein.

22.110 Darüber vergegenwärtige man Śeṣa, verehre ihn der Reihe nach mit Ehrenwasser und den übrigen Gaben, bedecke den Ort mit einem Tuch und sichere unter dem Waffen-Mantra die Richtungen.

22.111 Der Guru berühre die Kuherzeugnisse und beide Gefäße, meditiere und wiederhole den Wurzelmantra. Am folgenden Morgen vollziehe er Bad und weitere Handlungen.

22.112 Er verehre Nṛhari im Gefäß nach dem früheren Verfahren bis zum Japa. Nach der Verkündigung des glückverheißenden Tages setze der Guru im günstigen Augenblick

22.113 das mit Lotosblättern umhüllte Gefäß unter dem Oṃ in die Grube. Ringsum fülle er sämtliche Getreidearten ein, sodass es unbeweglich steht.

22.114 Unter dem Panzer-Mantra nehme er die fünf Kuherzeugnisse aus dem anderen Gefäß und fülle damit unter dem Wurzelmantra das Gefäß in der Grube.

22.115 Er verehre es mit Ehrenwasser, Blumen und weiteren Gaben und fülle die Grube mit herbeigeschaffter Erde. Das Puruṣasūkta, Bhadrasūkta und Svastisūkta lasse er rezitieren.

22.116 Danach vollziehe er der Reihe nach mit den zuvor genannten Stoffen das befriedende Feueropfer, nach Kräften mit hundert, fünfzig oder fünfundzwanzig Darbringungen.

22.117 Wer die Frucht der Einsetzung wünscht, gebe dem Guru seine Vergütung. Damit ist dir die Einsetzung der fünf Kuherzeugnisse erklärt:

22.118 Sie wird als Befriedung aller Unheilszeichen, Vernichtung schwerer Verfehlungen, glückbringende Spenderin allen Wohlergehens und Abwehr sämtlicher Bedrängnisse gepriesen,

22.119 als stets Gesundheit verleihend und Söhne und Enkel mehrend. Was immer der Mantrakundige begehrt, das erlange er nach dieser Verheißung ohne Zweifel.

Spirituelle Erläuterung: Im Zentrum der äußeren Wiederherstellung steht eine innere Vergegenwärtigung: 22.25–27 beschreiben das Göttliche als unbegrenztes, reines Licht von der Natur des Seins und Bewusstseins. Die Form des Bildes und die Formlosigkeit dieser Gegenwart schließen sich für den Text nicht aus. Für die persönliche Übung kann dies bedeuten, äußere Zeichen mit gesammelter Aufmerksamkeit und einem offenen Herzen zu verbinden.

Kapitel 23

Eingang. Glück und Segen! Dreiundzwanzigstes Kapitel.

23.1 Sanaka sprach: Zuvor hast du, o Brahmane, die dauerhafte Einsetzung des großen Yantras gepriesen, das Sudarśana und Nṛsiṃha in einer Gestalt vereint.

23.2 Erkläre sie ausführlich, wenn du mir deine Gunst erweisen möchtest. Śāṇḍilya sprach: Einst lehrte Nārāyaṇa dies im heiligen Badarikāśrama,

23.3 als Śaṅkara ihn um die Befriedung der schweren Schuld bat, Brahmā den Kopf abgeschlagen zu haben; es dient der Beseitigung aller Sünden.

23.4 Nachdem Śaṅkara die Unterweisung ausführlich gehört hatte, setzte er auf dem Gipfel des Kailāsa nach der vorgeschriebenen Ordnung den Herrn in einem auf seinem Sockel befindlichen Yantra ein:

23.5 unvergänglich, mit zwei Ansichten, strahlend wie Sonne und Weltenbrand am Ende eines Weltalters, alle Welten und alle Gottheiten umfassend, wunderbar,

23.6 Grundlage von allem und selbst ohne Grundlage, Wesen sämtlicher Kräfte und Handlungen, mit seinem eigenen Glanz die ganze Schar schädlicher Fehler verbrennend.

23.7 Durch seine Verehrung wurde Bhava bald im Inneren rein. Auch andere, beginnend mit Indra, empfingen diese heilige Lehre

23.8 von Śaṅkara, der vollständige Erkenntnis besitzt, und schützten damit ihre jeweiligen Weltrichtungen. Könige, deren Aufgabe der Schutz ihrer Untertanen ist,

23.9 sollen diese Verehrung ohne Unterbrechung vollziehen; andernfalls entsteht Unsicherheit. Wie könnte ihnen, selbst wenn sie geringere Verfehlungen begangen haben,

23.10 Beständigkeit erwachsen, wenn sie die zur Erhaltung der Welt gesetzte Ordnung nicht beachten? Um wie viel mehr gilt dies für Herrscher, die jeweils schweres Unrecht tun! [Der Wortlaut dieses Verses ist beschädigt.]

23.11 Auch andere Zweimalgeborene sollen dieses Yantra einsetzen und verehren: Es vernichtet alle Sünden und schenkt die Erfüllung sämtlicher Wünsche.

23.12 Höre nun besonders dieses höchste, sehr geheime Verfahren. In einem prächtigen göttlich gegründeten oder anderen Heiligtum, etwa im Vorhof,

23.13 in einem Dorf oder an einem anderen geeigneten Ort, an einem Flussufer, im Wald oder auf einem Berg errichte man einen kunstvoll gestalteten Tempel oder Pavillon mit Zugängen nach allen Seiten,

23.14 oder mit Eingängen nach Osten und Westen, versehen mit Fenstern und Türen, einem oder mehreren Geschossen und dem Zeichen des Diskus,

23.15 mit vorspringendem Eingangsbau, Aufgang und Umfassungsmauer. Im weiten Inneren des Heiligtums, auf einem glückverheißenden Sockel,

23.16 in einer mit Vajra-Zeichen versehenen Erdenumfassung, mit Śeṣa und weiteren Gestalten in den Richtungen und in der Mitte, geschmückt mit einer sechseckigen Einfassung,

23.17 versehen mit dem Luft-Maṇḍala und der Keimsilbe des Windes, im achtblättrigen Lotos innerhalb des zehnspeichigen Diskus,

23.18 setze man das große Yantra mit seinen vorgeschriebenen Merkmalen ein. Die Maße beginnen bei zwölf Fingern und steigen jeweils um einen Finger,

23.19 sodass dreizehn Maße entstehen. [Die wiederholte Endangabe „zwölf Finger“ ist widersprüchlich; gemeint sein dürfte eine Steigerung um insgesamt zwölf Finger.] Eines davon bestimme man nach dem Wunsch des Stifters.

23.20 Das Maß von den Füßen bis zum Scheitelaufsatz teile man in zwölf oder acht Abschnitte. Man nehme die Hälfte des Bildmaßes und lege damit ringsum die eigenen Teilmaße fest.

23.21 Mit einem in der Mitte befestigten Faden ziehe man den Kreis der Lotosmitte. Außerhalb davon folgen der Reihe nach sechs Lotoskränze von jeweils einem Teil Breite.

23.22 Der erste sei vierblättrig, der nächste achtblättrig mit sechzehn Staubfäden; der dritte habe sechzehn Blätter

23.23 und zweiunddreißig Staubfäden. Der vierte sei mit zweiunddreißig Blättern und vierundsechzig Staubfäden versehen; außen folge ein Lotos mit ebenso vielen Blättern,

23.24 jedoch ohne Staubfäden, und außerhalb davon ein achtblättriger. Erdenumfassung und weitere Einfassungen bis zur äußeren Umschließung umfassen anderthalb Teile.

23.25 Weiter außen errichte man zwei Umfassungsbereiche von jeweils zwei Teilen. Im ersten stehen Keśava und die übrigen Gestalten, außerhalb davon Viṣṇu und die weiteren,

23.26 die für den Bestand der Welt wirken, zusammen mit Hṛṣīkeśa und Janārdana. Weiter außen bestimme man einen Teil für Diskus, Keule und weitere Waffen; oberhalb und unterhalb davon

23.27 lasse man zwei Teile für Varāha und Narasiṃha frei. Bei der für Lebensfülle bestimmten Gestaltung des Yantras teile man ringsum die Erdenumfassung beziehungsweise

23.28 die Breite des großen Yantras in fünf oder sieben Teile und gestalte die Zapfen aus drei mittleren und äußeren Teilen. [Die konstruktive Zuordnung ist nicht vollständig klar.]

23.29 Die Zapfen seien etwas länger als die Höhe des Sockels; an beiden Seiten sei ihr verbreiterter Ansatz wie ein Ebergesicht geformt.

23.30 Die Neigung verlaufe von Süden an und vom Ansatz bis zur vorderen und hinteren Spitze. Hat man diese Maße verstanden, beschaffe man Metall, Holz, Stein oder anderes Material

23.31 nach den Regeln der Schrift und den vorgeschriebenen Maßen. Man fertige daraus eine feste Platte von einem Teil Dicke an.

23.32 Eine Steinplatte sei sechs oder vier Teile dick. Von der Fläche der Lotosmitte bis nach außen habe sie die Form einer quadratischen Umfassung.

23.33 Ausgehend von diesem höchsten Maß fertige man, wenn die mittlere oder geringste Form gewünscht ist, eine um ein Drittel beziehungsweise die Hälfte verminderte Form an. Damit wurde das Hauptverfahren erklärt.

23.34 Oder man verdopple das Lippenmaß des Bildes und bestimme danach das Maß der Platte; in der Mitte spare man das zuvor angegebene senkrechte Maß aus. [Die Maßbezeichnung ist unsicher.]

23.35 Den Rest teile man in sechzehn Abschnitte; mit einem halben Teil gestalte man die Lotosmitte, außen die Lotosumfassungen wie zuvor und mit drei Teilen die Erdenumfassung und die übrigen Bereiche.

23.36 Danach errichte man zwei Umfassungen für die Gottesgestalten von jeweils drei Teilen; mit einem halben Teil die quadratische Form. Die Aussage über die zwei Gestaltumfassungen wird im Grundtext wiederholt.

23.37 Jede soll nach dem entsprechenden Maß aus drei Teilen bestehen. Man gestalte Keśava und die übrigen sowie Viṣṇu und die weiteren Gestalten in sechzehnfacher Anordnung,

23.38 oder mit verständiger Überlegung und entsprechend ihrer meditativen Schau in einer einzigen Umfassung. In der Mitte der Lotosmitte zeichne man einen Mondkreis.

23.39 Darin bilde man einen Stern und in dessen Mitte Sudarśana mit sechzehn oder acht Armen, feuerstrahlend,

23.40 den Herrn mit gelbbraunen Augen und Haaren, in rotem Gewand, mit einem durch Fangzähne furchtbaren Gesicht, aus dessen geöffnetem Mund Feuer hervortritt,

23.41 mit gekrümmten Brauen und darüber wogenden, bienengleichen Locken; die Flammen seines Stirnauges erleuchten die Himmelsrichtungen.

23.42 Aufwärts lodernde Flammen umspielen den Rand seiner Krone; Śrīvatsa und Kaustubha schmücken seine Brust, eine Halskette lässt ihn erstrahlen.

23.43 Eine göttliche Girlande hängt wie eine heilige Schnur bis zu seinen Füßen. Er steht in Pratyālīḍha-Haltung, in der Gebärde des vordringenden Diskus.

23.44 Von der äußeren Linie des rechten großen Zehs bis zur Ferse des anderen Fußes misst man durch die Mitte mit dem aus dem Körpermaß gewonnenen Fingermaß:

23.45 Achtundvierzig Finger ergeben die weit ausgespannte Pratyālīḍha-Haltung. Vom rechten Haupthandpaar ausgehend bis zur linken Haupthand

23.46 trägt er in seinen sechzehn Armen im Rechtsumlauf Speer, Schwert, Feuer, Elefantenhaken, Stab, Lanze,

23.47 Axt, tausendspeichigen Diskus, Muschel, Bogen mit Pfeil, Schlinge, Pflug, Donnerkeil, Keule und Stampfkeule

23.48 sowie Dreizack. Jede dieser Waffen ist kraftvoll. So trägt sie der schwer zu bezwingende Feindevernichter als Mittel gegen die Furcht.

23.49 In der achtarmigen Form trägt er, beginnend mit der rechten Haupthand, Lotos, Haken, Stampfkeule, den äußerst machtvoll strahlenden Diskus,

23.50 Muschel, Bogen mit Pfeil, Schlinge und die Kaumodakī-Keule. So lasse man ihn vom Künstler als Relief im Neun-Tāla-Maß ausführen.

23.51 Zwischen seinen Füßen, wo er auf der Lotosmitte steht, trage der Mantrakundige das Ziel der jeweiligen Handlung ein: Befriedung, Gedeihen, Unterwerfung, Entzweiung, Herbeiziehung oder Tötung,

23.52 oder Vertreibung, je nachdem, welche Handlung der Übende beabsichtigt, umschlossen von der Śakti-Silbe des Herrn. [Der Text zählt hier auch schädigende historische Ritualziele auf.]

23.53 Um den Mondkreis zeichne man der Reihe nach ein Sechseck. In die sechs Ecken, im Osten beginnend, schreibe man die vorwärts- und rückwärtswirkenden

23.54 Mantrabuchstaben, beginnend mit „sa“, jeweils mit Bindu; sodann Panzer und Waffe. Sie sollen nach innen gerichtet sein.

23.55 Außen in die Zwischenräume der Ecken schreibe man, von Süden beginnend, die genannten Gliedmantras von Ācakra bis Jvālācakra.

23.56 An die Spitzen der vier Blätter setze man, im Osten beginnend, Panzer- und Waffen-Silben mit Bindu; dazwischen die Halbvokale mit Bindu, nach innen gerichtet.

23.57 In die Staubfäden des achtblättrigen Lotos kommen die Vokale und die weiteren Buchstaben mit Bindu; in seine Blätter die Buchstaben des achtsilbigen Mantras, außerhalb davon die Elemente.

23.58 In die Staubfäden des sechzehnblättrigen Lotos schreibe man, im Osten beginnend, die Buchstaben von „ka“ bis „sa“, mit Bindu wie zuvor.

23.59 In seine Blätter kommt der zwölfsilbige Mantra, ergänzt durch Panzer, Waffe und Kopf; so heißt er sechzehnsilbig. In den zweiunddreißig Staubfäden und zugehörigen Bereichen

23.60 steht der große Anuṣṭubh-Mantra des Nṛvarāha und des Nṛsiṃha; in den äußeren vierundsechzig Blättern der Mantra des Pātāla-Nṛhari.

23.61 Man lege ihn wie zuvor Buchstabe für Buchstabe nieder, sodann im achtblättrigen Lotos den achtsilbigen Nṛsiṃha-Mantra. In der äußeren Erdenumfassung,

23.62 die mit den sieben Inselkontinenten und Meeren sowie Vajra-Zeichen an den Ecken versehen ist, schreibe man in die Hauptrichtungen, im Osten beginnend, die vorzügliche Erd-Keimsilbe,

23.63 verbunden mit dem zugehörigen Namensmantra; in die Eckbereiche die Halbvokale. Dann setze man die Keimsilbe zusammen mit der Erdsilbe innerhalb und außerhalb der Ecken.

23.64 Außerhalb davon lege man die sechzehn Vokale in umgekehrter Reihenfolge nieder; noch weiter außen die Buchstaben von „sa“ bis „ka“ und ebenso die Elemente.

23.65 Ringsum füge man mit dem letzten Silbenpaar den Namen des Ritualziels ein, entsprechend der jeweiligen Anwendung. Außerhalb der umschließenden Erdenumfassung

23.66 umwinde man alles mit Schlingen- und Haken-Silben, zweimal oder mehrfach. Nach der früher beschriebenen Reihenfolge stehen Keśava und die übrigen an ihren jeweiligen Orten,

23.67 die Viṣṇu-Gestalten im äußeren Umfassungsbereich in den Hauptrichtungen, Hṛṣīkeśa-Gestalten an den Ecken und Janārdana-Gestalten in den Zwischenräumen.

23.68 Ihre Mantras beginne man jeweils mit Oṃ; sie erhalten die belebende Silbe, den Namen und die Huldigungsformel.

23.69 Am Ende werden sie durch den Namen des zu Schützenden ergänzt: „Beschütze, beschütze diesen!“ Außerhalb davon setze man in die Richtungen von Osten an die Halbvokale zusammen mit den acht zugehörigen Zeichen.

23.70 Man schreibe die Paare „ya–śa“, „ra–ṣa“, „la–sa“ und „va–ha“, jeweils mit Bindu; dann dieselben erneut, beginnend im Nordosten und endend im Südosten.

23.71 Man umschließe alles zweimal oder mehrfach mit Schlingen- und Haken-Silben. Unten stehe der Mantra des Nṛvarāha, ganz oben der des Nṛhari.

23.72 Höre nun der Reihe nach die reine meditative Schau der Gestalten von Keśava an: Keśava ist goldfarben und trägt Lotos, Muschel, Diskus und Keule.

23.73 Nārāyaṇa gleicht einer Regenwolke und trägt Muschel, Diskus, Keule und Lotos. Mādhava gleicht einem blauen Lotos und trägt Lotos, Keule, Muschel und Diskus.

23.74 Govinda ist weiß und trägt Diskus, Keule, Muschel und Lotos. Viṣṇu strahlt wie die Bandhūka-Blüte und trägt Keule, Lotos, Muschel und Diskus.

23.75 Madhusūdana ist rot und trägt Diskus, Muschel, Lotos und Muschel. [Die Muschel wird im Grundtext doppelt genannt; die Lesung ist unsicher.] Trivikrama ist hibiskusrot und trägt Diskus, Keule, Lotos und Muschel.

23.76 Vāmana ist rötlich und trägt Muschel, Diskus, Keule und Lotos. Śrīdhara strahlt wie der Mond und trägt Lotos, Diskus, Keule und Muschel.

23.77 Hṛṣīkeśa glänzt wie der Blitz und trägt Keule, Diskus, Muschel und Lotos. Padmanābha leuchtet rötlich und trägt Keule, Lotos, Diskus und Vidyā. [Die letzte Waffenbezeichnung ist unsicher.]

23.78 Dāmodara ist rötlich und trägt Lotos, Muschel, Keule und Diskus. Von der rechten Haupthand bis zur linken Haupthand

23.79 tragen diese Gestalten jeweils die vier genannten Kennzeichen, beginnend mit dem Lotos. Sie tragen Krone und Kaustubha und sind mit einer Waldblumengirlande geschmückt.

23.80 Alle tragen gelbe Gewänder, haben freundliche Gesichter und Blicke, von Mitgefühl erfüllte Herzen und sind bereit, die Welt zu erretten.

23.81 Um die Bedrängnis der Menschen zu stillen, die den Glanz des Yantras nicht ertragen, lassen sie ringsum beständig Nektarschauer niedergehen.

23.82 Die Viṣṇu-Gestalten stehen in den Hauptrichtungen von Osten an, die Hṛṣīkeśas in den Zwischenrichtungen und die Janārdanas in den Zwischenräumen, auf acht Plätzen, jeweils vierarmig.

23.83 In der hinteren rechten und linken Hand tragen sie Diskus und Muschel. Die linke Haupthand zeigt die Gebärde des Gewährens oder der Furchtlosigkeit.

23.84 Die Viṣṇu-Gestalten, furchtbar wie loderndes Feuer, tragen in der rechten Haupthand jeweils Diskus, Kaumodakī-Keule, Śārṅga-Bogen oder Schwert.

23.85 Die in den Zwischenrichtungen von Südosten an stehenden Hṛṣīkeśas sind goldstrahlend und tragen Muschel, Pflug, Stampfkeule und zuletzt Dreizack.

23.86 Die Janārdanas in den Zwischenräumen von Osten und Südosten an strahlen wie leuchtender Smaragd und blicken auf die Gestalten in den Hauptrichtungen.

23.87 Sie tragen Stab, Lanze, Speer, Schlinge, Haken, Donnerkeil, Axt und das hundertmündige Feuer.

23.88 Man stelle sie in gut ausgewogenen Haltungen dar, stehend in Svastika und anderen Stellungen oder alle bequem sitzend, allein oder mit ihren Kräften.

23.89 Unter ihnen gestalte man den ebergesichtigen Herrn, dessen Glieder sämtliche Opfer verkörpern, dunkel-gelbbraun, mit lotosgleichen Augen.

23.90 In seinen hinteren Händen trägt er wie zuvor Diskus und Muschel; mit der rechten Haupthand gewährt er den Furchtsamen Furchtlosigkeit.

23.91 Mit der linken umarmt er die auf seinem Schoß sitzende Erde. Darüber steht der Gott Nṛhari, dem Schneeberg gleichend,

23.92 mit acht Armen, äußerst furchtbar. Von rechts hinten an trägt er Muschel, Diskus, Lotos, Keule, Schwert und Bogen mit Pfeil.

23.93 Diese trägt er in sechs Händen; mit den beiden Haupthänden zerreißt er zornig den auf seinem Schoß liegenden Hiraṇyakaśipu mit sägegleichen Nägeln.

23.94 Oder er hebt eine lotoshaltende Hand und gewährt allein Furchtlosigkeit. Seine Brust ist vom Blutstrom Hiraṇyakaśipus gefärbt, und dennoch ist er der Glückverheißende.

23.95 Alle diese Gestalten umschließe man mit der Śakti-Keimsilbe samt belebender Silbe. Außen in den Hauptrichtungen von Osten an zeichne man die Waffen in personifizierter Gestalt:

23.96 Diskus, Kaumodakī, Śārṅga und Nandaka. Von Keśava bis zu den Waffen sind es vierunddreißig Gestalten. [Die Zahl lässt sich mit sämtlichen zuvor genannten Einzelgestalten nicht eindeutig zur Deckung bringen.]

23.97 Der Mantrakundige kann sie selbständig oder im Umfassungsbereich darstellen. Nachdem er die nach Osten gerichtete Seite des Yantras so gestaltet hat, fertige er die Rückseite an.

23.98 In ihrer Mitte zeichne man nach dem früheren Maß den Kreis der Lotosmitte; darin ein Sechseck als Vereinigung von Licht und Wonne.

23.99 Den äußeren Bereich teile man dreifach; in der Hälfte des Feldes und darin gestalte man einen zwölfblättrigen Lotos. [Die dazwischenstehende Maßangabe ist beschädigt.]

23.100 Dazu komme ein Diskus mit vierundzwanzig Blättern, Nabe und drei Felgen, außen umgeben von auf der Felge angebrachten Vorsprüngen.

23.101 Außerhalb davon umgeben ihn die acht Kräfte, beginnend mit Jayā. Zuerst vergegenwärtige man in der Mitte des zwölfblättrigen Lotos,

23.102 im Sechseck aus ineinandergreifenden Dreiecken von der Natur des Lichtes und der Wonne, den Gott, strahlend wie das Feuer am Ende eines Weltalters,

23.103 mit Menschen-Löwen-Gesicht, einen großen Ozean voller Erkenntnis und der übrigen göttlichen Eigenschaften, dreiäugig, vierarmig, vier Diskusse tragend, den Höchsten. [Die Gesichtsbezeichnung ist im Grundtext beschädigt.]

23.104 Sein Körper ist von einem Yogaband gehalten, zwei Arme ruhen auf den Knien. Śrīvatsa und Kaustubha schmücken seine Brust; er ist mit Krone und weiterem Schmuck versehen,

23.105 mit Halsketten, Kopfschmuck, Oberarmreifen, Armreifen und Fußringen. Den ihm liebend zugewandten Verehrern, deren Inneres in der Lehre gefestigt ist,

23.106 nimmt er das Leid gleichsam unter dem Schatten eines Aśoka-Baumes. Mit freudigem Herzen ist sein Wirken ganz auf den Schutz der Guten gerichtet.

23.107 Unter seine Lotosfüße schreibe man den Namen des Ritualziels, von der Keimsilbe umschlossen. In die sechs Ecken setze man, im Osten beginnend, jeweils drei

23.108 Buchstaben des Sudarśana-Nṛsiṃha-Mantras in ihrer Reihenfolge; außerhalb davon in die Zwischenräume der Ecken seine Gliedmantras.

23.109 Man schreibe sie umlaufend; in die Gruppe der Vorsprünge die Silbe „kṣa“. Außerhalb des Diskus stehen, im Osten beginnend, Jayā, mondstrahlend,

23.110 Mohinī, dunkel wie frische Dūrvā-Sprossen, danach Vijayā, schön und glänzend wie ein Königsedelstein, Hlādinī mit rötlichem Glanz,

23.111 Ajitā, goldstrahlend, Māyā, einem blauen Lotos gleichend, die rote Aparājitā und die rauchfarbene Siddhi. Stets blicken sie auf ihren Herrn,

23.112 mit Augen wie blaue Lotosblüten, erfüllt von der Anmut frischer Jugend,

23.113 mit Karaṇḍa-Kronen und sämtlichen Schmuckstücken, in bunten Leinengewändern und mit Blumen aller Jahreszeiten.

23.114 Sie sind zweiarmig, halten in der rechten Hand eine Blumengirlande und bewegen mit der linken einen Wedel, der wie Mondlicht leuchtet.

23.115 Auf dem Erdenbereich stehen Nṛsiṃhas Begleiter Bhīma und Ugra, von furchtbarem Glanz, mit fangzahnbewehrten Gesichtern und Augen wie loderndes Feuer,

23.116 dunkel wie Regenwolken, zweiarmig, Stab und Diskus tragend, mit hoch aufgerichteten Körpern, äußerst schrecklich und einander anblickend,

23.117 in roten Gewändern und mit roten Blumengirlanden geschmückt. Hat man so das große Yantra von Sudarśana und Nṛsiṃha fertiggestellt,

23.118 soll der Mantrakundige es vorschriftsgemäß in der Mitte des Tempels oder Pavillons einsetzen. Wenn alle Handlungen von der Übernahme des Baugrundes an vollendet sind

23.119 und das Yantra auf seinem Sockel ordnungsgemäß geweiht wurde, ist dreimal täglich die Verehrung zu vollziehen. Nun werden die Merkmale des Sockels erklärt.

23.120 Seine Länge übersteige die Breite des Yantras um zwölf Finger. Man teile die Breite des Yantras in sieben oder fünf Teile,

23.121 lasse an beiden Enden jeweils einen Teil weg und bestimme aus den mittleren fünf oder drei Teilen die Breite des Sockels.

23.122 Von der Mitte aus lasse man an beiden Seiten jeweils einen Teil samt sechs Fingern stehen und fertige zwei Öffnungen für die seitlichen Zapfen des Yantras an.

23.123 Das Übrige glätte der Mantrakundige zur Herstellung einer viereckigen Form. Die Höhe des Yantras teile man in drei, vier oder fünf Abschnitte;

23.124 jeweils ein solcher Abschnitt bestimme die Höhe des Sockels. Ringsum schmücke man ihn wie einen Pīṭha mit fünf Gliedern.

23.125 Darauf gestalte man das Sockel-Yantra. Höre dessen Verfahren: Den mittleren Teil des Sockels umschreibe man mit einem in der Mitte befestigten Faden

23.126 für die Lotosmitte. Den verbleibenden Bereich teile man sechsfach und zeichne oben einen achtblättrigen Lotos mit sechzehn Staubfäden.

23.127 In einem Teil außerhalb davon gestalte man ebenso einen leuchtenden zehnspeichigen Diskus; außen mit drei Teilen ein Sechseck mit einem Luft-Maṇḍala in seiner Mitte.

23.128 Mit einem halben Teil zeichne man die Erdenumfassung mit Vajra-Zeichen in ihren Ecken. Zur Aufnahme des mittleren Zapfens des Yantras

23.129 bohre man in der Mitte ein Loch von dessen Maß. Ringsum schreibe man den Namen des Ritualziels und umschließe ihn; in die sechzehn Staubfäden

23.130 schreibe man den sechzehnsilbigen Nṛsiṃha-Mantra: Bis zu zwölf Silben reicht sein Grundbestand, ergänzt durch „huṃ phaṭ svāhā“ ergibt sich die sechzehnsilbige Form.

23.131 In die acht Blätter, im Osten beginnend, lege man den höchsten Anuṣṭubh-Mantra nieder, jeweils vier Silben in jedes Blatt.

23.132 In die äußeren zehn Speichen des Diskus, von Osten an, schreibe man den vorzüglichen Sudarśana-Nṛsiṃha-Mantra zusammen mit dem Wort „Vernichte!“

23.133 jeweils paarweise. In das äußere kreisförmige Luft-Maṇḍala schreibe man die vorzügliche Wind-Keimsilbe,

23.134 dazwischen jeweils Panzer und Waffe. In das äußere Sechseck schreibe man die Feuer-Silbe,

23.135 an jeder Ecke von Feuerflammen begleitet. In die Ecken innerhalb der Erdenumfassung schreibe man die Erd-Keimsilbe.

23.136 In die Zwischenrichtungen kommt „aṃ“. Ringsum wie bei einem glückverheißenden Sockel, am Halsbereich, gestalte man jeweils zwei Wesen, im Osten beginnend,

23.137 einander anblickend, von vorzüglicher Form, bereit, das Yantra zu tragen, mit geöffneten Mäulern und furchtbaren Augen:

23.138 im Osten Ananta und Guḷika, im Süden Śaṅkha und Vāsuki, im Westen Mahāpadma und Takṣaka,

23.139 im Norden Kārkoṭaka und Padma. Nun wird eine Besonderheit erklärt: Bei einem anderen Verfahren teile man den Bereich von der Lotosmitte bis zum Ende der Erdenumfassung

23.140 und gestalte das Nṛsiṃha-Yantra mit dem Sockel-Yantra außen darum. In den Richtungen befinden sich Nārāyaṇas Waffen in Gestalt von Grasbündeln.

23.141 Mit weißen und weiteren mineralischen Farben, vermischt mit Safran und anderen Stoffen, zeichne man auf beiden Seiten die Hauptgestalt und die übrigen Gestalten in ansprechender Weise.

23.142 Für Sudarśana und Nṛsiṃha wurde die Farbgebung bereits angegeben. Die Lotosmitte glänze wie Gold, die Staubfäden seien rötlich,

23.143 die Blätter weißrot; die Erdenumfassungen ringsum seien goldfarben. Für die Gottesgestalten gelten die zuvor genannten Farben.

23.144 Die beiden Diskusnaben gestalte man goldfarben beziehungsweise rötlich leuchtend; die Speichen seien wie der Herbsthimmel, die Zwischenräume rötlich.

23.145 Die drei glückverheißenden Felgen seien der Reihe nach goldfarben, jasminweiß und weiß. [Die Unterscheidung der letzten beiden Farbangaben bleibt unsicher.] Die Mantrabuchstaben schreibe man gelb oder weiß

23.146 ringsum in Lotosstaubfäden und Blätter, in die Erdenumfassungen, innerhalb und außerhalb der Sechsecke sowie in Naben, Speichen und Felgen des Diskus.

23.147 Die einzelnen Mantrabuchstaben sollen voneinander getrennt, nach innen gerichtet, zwischen zwei Oṃ-Lauten und am Ende mit Bindu versehen sein.

23.148 Überall sind sie so zu schreiben, vom hauptsächlichen Oṃ umschlossen, mit schützenden Einfassungen und der Huldigungsformel verbunden.

23.149 Die als Nārāyaṇa-Waffen dienenden Grasbündel gestalte man grün, mit einer Lotosschlinge gebunden, und dazu pferdegesichtige Formen.

23.150 Auf Birkenrinde schreibe man das Yantra mit Flüssigkeiten aus Safran und Aloeholz, die durch gelben Sandel, Kampfer und die fünf Kuherzeugnisse bereitet sind,

23.151 vorschriftsgemäß mit einer goldenen Nadel. Man rolle es zu einer kleinen Kapsel zusammen, umhülle es mit Goldblech und weihe es nach der vorgeschriebenen Ordnung,

23.152 damit für die zu Schützenden Lebensdauer, Gesundheit, Geld, Getreide und weiterer Wohlstand wachsen, damit Nachkommen, Söhne und Enkel, Sieg und die gewünschten Ziele verwirklicht werden.

23.153 Der Mantrakundige, der dem Schutz guter Menschen dient, trage es am Kopf. Damit ist dieses Yantra von Sudarśana und Nṛsiṃha erklärt.

23.154 Wie die Einsetzung sämtlicher Gottesgestalten zuvor ordnungsgemäß erklärt wurde, so weihe man auch dieses und verehre es dreimal oder einmal täglich. [Das abschließende Verb ist sinngemäß ergänzt.]

Spirituelle Erläuterung: Das Kapitel verbindet die feurige Schutzmacht Sudarśanas mit Nṛsiṃhas fürsorglicher Gegenwart. Die friedvolle Mitte seiner Bildsprache zeigen 23.80–81: Die göttlichen Gestalten tragen Mitgefühl im Herzen und lindern die Bedrängnis der Menschen. Die aufwendigen Yantra- und Mantraanordnungen gehören in ihren traditionellen Einweihungskontext; als allgemeine Anregung bleibt, Kraft mit Mitgefühl und Schutz mit Verantwortlichkeit zu verbinden.

Kapitel 24

Eingang. Glück und Segen! Vierundzwanzigstes Kapitel.

Zur Übersetzung: Die Mantras werden überwiegend durch Buchstabenpositionen im zuvor beschriebenen Alphabet-Rad verschlüsselt. „Nabe“, „Speiche“ und „Felge“ bezeichnen deshalb zugleich Schriftbereiche und Buchstabengruppen. Die Übersetzung bewahrt diese Anweisungen. Wo der überlieferte Wortlaut beschädigt ist, wird keine vollständige Formel hinzuerfunden.

24.1 Sanaka sprach: O Weiser, du hast das nach vorn und hinten gerichtete Yantra von Sudarśana und Nṛsiṃha mit seinen vielfältigen Mantrabuchstaben vollständig erklärt.

24.2 Beschreibe nun der Reihe nach, in der Mitte beginnend, die besonderen Merkmale der Mantras samt ihren Gliedern für die Niederlegung im Körper und für die Verehrung.

24.3 Śāṇḍilya sprach: Gut hast du gefragt, Verständiger, nach dem, was durch die geheime Überlieferung gekennzeichnet ist. Sanaka, höre nun die Gesamtheit der Mantras so, wie sie vorliegt.

24.4 Einst empfingen Śaṅkara und ich vom zufriedenen Saṃkarṣaṇa diese an Vollkommenheiten überragende Yantra-Gestalt zum Wohl aller Welten. [Das Verb ist sinngemäß ergänzt.]

24.5 Auf gut geschütztem, reinem Boden breite man ein Alphabet-Rad aus, das von „a“ bis „kṣa“ alle Buchstaben umfasst,

24.6 geschmückt mit Achse, Nabe, Speichen, Felge und Vorsprüngen. Auf die Achse schreibe man Oṃ, den Ursprung sämtlicher Mantras.

24.7 Die Vokale von „a“ bis zum Visarga stehen im Nabenbereich; die Buchstaben von „ka“ bis „bha“ in den vierundzwanzig Speichen.

24.8 Die Buchstaben von „ma“ bis „ha“ stehen auf der Felge, „kṣa“ in der Gruppe der Vorsprünge. Dieses Rad besteht aus dem Klang-Brahman. Zuerst lege man die Buchstabengruppe

24.9 der Reihe nach mit ihren Namen nieder, jeweils mit Oṃ am Anfang und Namaḥ am Ende. Nachdem der Guru das Mātṛkā-Yantra angelegt hat, verehre er seine Gottheit vorschriftsgemäß

24.10 mit Ehrenwasser, Blumen und weiteren Gaben als Verkörperung des Mātṛkā-Mantras. Dann leite er die Mantras ab, die alle gewünschten Vollendungen verleihen.

24.11 Die Kraft des Selbst, die zu überwinden vermag und Schöpfung, Erhaltung und Auflösung zugewandt ist, wurde zuvor als Handlungskraft, als Erzeugerin des göttlichen Entschlusses, bezeichnet.

24.12 Indem sie die Gestalt der Zeit annimmt, entfaltet sie diese Welt. Daher ist der Leib Sudarśanas das Rad der Zeit und das Rad der Welt.

24.13 Diese Kraft nimmt darin ihren Sitz als belebendes Prinzip. Ohne sie wäre all dies dem Nichtseienden gleich.

24.14 Deshalb leite man zuerst die vaiṣṇavische Śakti ab, leuchtend wie Feuer und Mond, ewige Grundlage der Achse, ohne Anfang und Ende.

24.15 Zuerst nehme man das letzte Paar der Felge, dann deren ersten Buchstaben zusammen mit dem doppelten Feuerzeichen. Diesen zusammengesetzten Laut schmücke man mit dem vierten und letzten Zeichen der Nabe.

24.16 Das ist Sudarśanas große Kraft, die sämtliche Vollendungen verleiht, das belebende Prinzip des sechsgliedrigen Mantras, von der Natur des Lichtes und der Wonne.

24.17 Für die Glieder, beginnend mit dem Herzen, nehme man diese Lautverbindung ohne ihren Vokal und unterscheide sie durch die ersten drei langen und die letzten Vokale, bis zum Augen-Mantra.

24.18 Diese Glieder beginnen mit Oṃ und werden mit Herz und den weiteren Bezeichnungen sowie den Schlussformeln Namaḥ, Svāhā, Vaṣaṭ, Huṃ, Phaṭ und Vauṣaṭ versehen.

24.19 Der Reihe nach sind ihnen die Eigenschaften von Erkenntnis an zuzuordnen. Höre nun die Ableitung des sechsgliedrigen Mantras, der die Grundgestalt dieser Kraft bildet.

24.20 Man nehme wie zuvor die betreffenden Zeichen und am Ende das letzte Paar. Darin stehe das achte zusammen mit dem dritten, dann der Sa-Laut mit dem letzten Zeichen und danach das letzte. [Die Verweisstruktur ist beschädigt.]

24.21 Dieses versehe man mit dem fünften Vokal und dem ersten Felgenzeichen. Danach verbinde man es mit dem Buchstaben der elften Speiche und dem der zweiundzwanzigsten Speiche.

24.22 Bei der fünften und sechsten Einheit darf das letzte Zeichen nicht fehlen. So ist der sechsgliedrige Sudarśana-Mantra erklärt.

24.23 Die dritte, fünfte und sechste Einheit gelten jeweils als aus drei Schriftzeichen bestehend; die drei anderen bestehen zusammen mit dem A-Laut aus jeweils zwei.

24.24 Dieser Mantra bezeichnet Viṣṇu als Zeit und als allgestaltigen Herrn. Zusammen mit der Śakti und dem Oṃ wird er als achtgliedrig bezeichnet.

24.25 Wie der Puruṣa in Verbindung von Feld und Feldkenner innerhalb der Urnatur als grob und fein meditiert wird, so soll Hari als Sudarśana meditiert werden. [Die Schreibung des Wortes „fein“ ist beschädigt.]

24.26 Die Schau der höchsten Wirklichkeit ist die Schau dessen, was dieser Name bezeichnet. Für die darin Gefestigten vertreibt sie beständig die Finsternis der Unwissenheit.

24.27 Sie durchschneidet ihre Zweifel, damit sie den geeigneten Weg beschreiten. Dies ist eine weitere Gestalt jenes Herrn, der Zweifel zerschneidet.

24.28 Mit seiner Schneide durchtrennt er gewiss die schädigenden Wesen, die diejenigen beeinträchtigen, welche in der Lebensordnung der Stände und Lebensstufen gefestigt sind, durch die Macht seiner eigenen heiligen Wissenschaft.

24.29 Den Verehrern, die durch ihn gekennzeichnet und im Inneren von ihm durchdrungen sind, liegt der Sieg rasch in der Hand, in dieser Welt und in der jenseitigen.

24.30 Um wie viel mehr gilt dies, wenn das Yantra im eigenen Gebiet eingesetzt und verehrt wird! So wurde dir, o Weiser und Bezwinger der Gegner, die Macht des Mantras erklärt.

24.31 Höre nun der Reihe nach die Merkmale seiner Glieder, beginnend mit dem Herzen. Zuerst lege man die Buchstaben der Herz- und übrigen Mantras

24.32 als Keimsilben nach dem Oṃ nieder, jeweils mit Bindu. Danach folgen der Reihe nach die Lautanfänge „ā“, „vi“ und „su“, ferner das aus zwei Silben bestehende Wort für Sonne,

24.33 dann „Mahāsudarśana“ und „Jvālā“. An jedes dieser sechs Elemente füge man „dem Diskus“ an, der Reihe nach bis zur Kopf-Schlussformel.

24.34 Mit den Eigenschaften von Erkenntnis an, mit Herz und den übrigen Gliedern im Dativ sowie mit den Schlussformeln Namaḥ, Svāhā und den weiteren schreibe man sie nach dem früheren Verfahren.

24.35 An ihren Verehrungsorten sind sie wie der Wurzelmantra in leibhaftiger Gestalt zu meditieren, mit den entsprechenden Farben, Schmuckstücken, Gewändern, Waffen, Armen, Haltungen und Gebärden.

24.36 Die letzten beiden Silben des zu kennenden Mantras gelten als Panzer und Waffe. „Verehrung dem Nārāyaṇa“ ergibt zusammen mit Oṃ den achtsilbigen Mantra.

24.37 Seine Haupt- und Nebenglieder bilde man aus den Mantrabuchstaben mit Bindu, die übrigen Glieder bis zu den Füßen der Reihe nach aus dem letzten Buchstaben,

24.38 verbunden mit den Eigenschaften, Herz und den weiteren Gliedern im Dativ sowie den Schlussformeln. Die Gestalt des sechzehnsilbigen Mantras wurde bereits erklärt.

24.39 Seine Glieder bilde man wie zuvor mit den Worten für Herz und die übrigen Körperstellen am Ende. An seine zwölfte Keimsilbe füge man „huṃ phaṭ svāhā“ an.

24.40 Höre den Anuṣṭubh-Mantra des ebergesichtigen Herrn. Zuerst vereinige man den ersten Vokal mit dem fünften Buchstaben.

24.41 Hat man den Anfangslaut so gewonnen, nehme man die erste Schlussformel hinzu, dann den letzten und den dritten Speichenbuchstaben, danach den fünften der Felge,

24.42 versehen mit dem elften Nabenzeichen, und den sechzehnten Speichenbuchstaben. Dann folgt „dem in Ebergestalt Erscheinenden“, darüber die drei Weltenrufe,

24.43 anschließend „dem Herrn“, sodann „die Herrschaft über die Erde“, danach „gib mir“ und „lass sie mir geben“.

24.44 Mit der Kopf-Schlussformel heißt dieser Mantra zweiunddreißigsilbig. Seine Glieder bilde man, indem man seine Wörter in fünf Gruppen teilt,

24.45 der Reihe nach aus sieben, sechs, sieben, sieben und fünf Silben, jeweils mit Oṃ beginnend und mit den göttlichen Eigenschaften versehen,

24.46 mit den Bezeichnungen vom Herzen bis zur Waffe im Dativ und den entsprechenden Schlussformeln. So ist die Bildung seiner Glieder erklärt, Schönäugiger.

24.47 Seine Kraft ist Svāhā, seine Keimsilbe „bhūḥ“. Danach spreche man den Mantra der Nṛsiṃha-Gestalt mit der zuvor genannten Silbenzahl.

24.48 Zuerst nehme man den Anfang von „dayā“ und das Ende von „agra“, verbunden mit dem vorletzten Nabenzeichen; davor die Mitte von „kavi“, danach das zu „ramā“ gehörige Innere. [Mehrere Bezüge dieser Buchstabenverschlüsselung sind unsicher.]

24.49 Es folgen das Ende von „svāhā“, der Anfang von „viṣṭara“, das Ende von „kṛṣṇa“ mit dem Anfang von „uru“, verbunden mit dem fünfzehnten Nabenzeichen.

24.50 Danach nehme man das Ende von „pūjā“, den über „la“ stehenden Laut oder den Anfang von „vādya“, das Ende von „ananta“ mit Bindu, den Anfang von „sahasra“, das Ende von „apūrva“ und anschließend das Ende von „sarvataḥ“.

24.51 Dann folgen der Anfang von „mukuṭa“ und das Ende von „mukha“, verbunden mit dem ersten Felgenzeichen; man nehme das Innere von „kinnara“, über dem Anfangslaut von „ṛchaya“ stehend. [Das letzte Bezugswort ist beschädigt.]

24.52 Das Ende von „asya“ versehe man mit Bindu; danach folgen der Anfang von „hari“, gleich verbunden, die Mitte von „gambhīra“, die Mitte von „dhiṣaṇa“ und das Ende von „karṣaṇa“,

24.53 verbunden mit dem vorletzten Nabenzeichen. Dann nehme man den Anfang von „bhadra“, das Ende von „unnidra“ mit Anusvāra und zweimal das Innere von „amṛta“.

24.54 Hinter beide setze man das Ende von „amṛta“ und darüber den Windlaut. Danach nehme man das Ende von „anna“, das Ende von „ramā“, das Ende von „ramya“ und „ha“.

24.55 So wurde der höchste Anuṣṭubh-Mantra Nṛharis genannt. Seine Keimsilbe wird durch den fünften Laut zusammen mit „sa“ und dem Anfang des letzten Elements bezeichnet. [Die Ableitung ist im vorliegenden Wortlaut nicht sicher auflösbar.]

24.56 Ebenso ist seine Kraft zu erkennen, mit vorangehendem Mondzeichen und Bindu. Aus den vier Versvierteln und aus dem gesamten Mantra, jeweils mit Oṃ beginnend,

24.57 bilde man der Reihe nach die fünf Glieder von Herzen an. An die Versviertel füge man die folgenden Worte: „dem von unendlicher Natur“ wird zuerst genannt,

24.58 dann „dem von liebender Natur“, „dem von Lichtnatur“, als viertes „dem von Māyā-Natur“, beim gesamten Mantra „dem von Mondnatur“.

24.59 Erkenntnis und die übrigen Eigenschaften, Herz und die übrigen Glieder sowie die Schlussformeln stehen wie zuvor. Nun wird der vierundsechzigsilbige Mantra des Pātāla-Nṛhari erklärt.

24.60 Man spreche das Zeichen der Vorsprünge, verbunden mit dem vorletzten und letzten Vokal, dann den zwanzigsten Speichenbuchstaben, den ersten der Felge, verbunden mit dem O-Vokal,

24.61 den letzten und den dritten Speichenbuchstaben, danach den fünften der Felge mit dem elften Nabenzeichen sowie den Buchstaben der sechzehnten Speiche,

24.62 mit Bindu. Danach folgen die Linien des friedvollen Hari, das Ende von „kuśeśaya“, „agni“ und darauf der Anfang von „netra“. [Die verschlüsselte Anweisung ist teilweise beschädigt.]

24.63 Man nehme den Anfang von „trātṛ“, den Anfang von „yaśas“, zusammen mit „sa“ die Mitte von „parvata“, den Anfang der achten Speiche und das fünfte Felgenzeichen.

24.64 Danach folgt das Wort „ravinemi“, der Anfang von „śānta“, der Anfang von „yamala“ sowie der achtzehnte Speichenbuchstabe mit dem Schlusslaut. Dieses Paar spreche man zweimal.

24.65 Den einundzwanzigsten und den sechsten Speichenbuchstaben spreche man ebenfalls als Paar.

24.66 Das dritte Felgenzeichen und das Ende der Achse werden wie zuvor zweimal verwendet.

24.67 Der Reihe nach ergänze man dies am Ende mit Panzer, Waffe und Kopf-Schlussformel.

24.68 So wird der Mantra des Pātāla-Nṛhari als vierundsechzigsilbig überliefert.

24.69 Sein erster Buchstabe gilt als Keimsilbe; seine Kraft ist Svāhā mit dem zugehörigen Zusatz.

24.70 Seine Glieder bilde man mit „kṣa“-Lauten, die wie zuvor mit Vokalen versehen sind,

24.71 am Ende Bindu tragen und der Reihe nach mit Oṃ beginnen,

24.72 mit Erkenntnis und den weiteren Eigenschaften sowie mit Herz und den übrigen Gliedern im Dativ bis zur Waffe,

24.73 wie zuvor verbunden mit den Schlussformeln Namaḥ, Svāhā und den weiteren.

24.74 Nun folgt der achtsilbige Nārasiṃha-Mantra, der sämtliche Ziele verwirklicht.

24.75 Nach Namaḥ mit vorausgehendem Oṃ setze man die Silben „nara“, danach „siṃhāya“: So wird der achtsilbige Nṛsiṃha-Mantra erklärt.

24.76 Seine Keimsilbe ist „kṣauṃ“, seine Kraft das dritte Nabenzeichen. Herz und die weiteren Glieder bilde man wie zuvor aus der Keimsilbe selbst.

24.77 Höre der Reihe nach die Merkmale der Mantras von Keśava an. Man nehme das neunte und das achte Felgenzeichen, das erste Speichenzeichen und das letzte der Mātṛkā.

24.78 Jedes bilde man dreifach, sodass zwölf Keimsilben entstehen. Wiederholt setze man unter sie allen der Reihe nach „ya“, „la“ und „va“.

24.79 Darüber stehe der sechste Vokal der Nabe; oben versehe man sie mit Bindu. Sie beginnen mit Oṃ, enden mit der Herz-Schlussformel und enthalten die jeweiligen Namen im Dativ.

24.80 Zuerst ist Keśava zu nennen, dann Nārāyaṇa, Mādhava, Govinda, Viṣṇu und Madhusūdana,

24.81 Trivikrama, der Vāmana Genannte, der lotosäugige Śrīdhara, Hṛṣīkeśa, Padmanābha und Dāmodara.

24.82 Mit den durch lange Vokale ergänzten Keimsilben bilde man ihre Glieder wie zuvor. Höre nun der Reihe nach die Mantras ihrer Gefährtinnen, beginnend mit Śrī.

24.83 Die letzten drei Mātṛkā-Zeichen, bei „kṣa“ beginnend, breite man zunächst vierfach aus. Darunter sind der Reihe nach die zugehörigen Buchstaben einzusetzen:

24.84 Feuer, Wasser, Erde, Wasser, Feuer, Erde, Flamme, dann zweimal Wasser, Mond und zweimal Erde.

24.85 Bei der sechsten, siebten und achten Silbe füge man oben den Feuerlaut an, bei der neunten und zwölften unten; über alle setze man erneut

24.86 das vorletzte Nabenzeichen zusammen mit der Kraft des Vokals. Die Keimsilben mit Vokal, Schlussformel und den übrigen Zusätzen bilden Herz und die weiteren Glieder.

24.87 Außen in den Richtungen stehen die durch Diskus, Keule, Śārṅga-Bogen und Schwert unterschiedenen Viṣṇu-Gestalten, Vāsudeva und die übrigen. Höre die sie bezeichnenden Mantras.

24.88 Man entnehme der Nabe den ersten und letzten Vokal und verbinde sie mit Oṃ. Beim ersten füge man den Namen „dem Diskusträger“ und „Verehrung dem Viṣṇu“ hinzu.

24.89 Beim zweiten stehe „dem Keulenträger“, beim dritten „dem Träger des Śārṅga-Bogens“, beim vierten zuletzt „dem Schwertträger“.

24.90 So werden die jeweils zwölfsilbigen Bezeichnungen der Viṣṇu-Gestalten angegeben. Haupt- und Nebenglieder bilde man wie zuvor aus den Anfangsbuchstaben der Mantras.

24.91 Die Keimsilben der Viṣṇu-Gestalten gelten mit umgekehrter Folge der Schlussvokale als diejenigen der Hṛṣīkeśa-Vyūhas.

24.92 Nun werden die Mantras der Janārdanas erklärt, beginnend im Zwischenraum von Osten und Südosten: die vier Vokale von „i“ an und der Reihe nach diejenigen von „e“ an.

24.93 Man stelle Oṃ voran und füge wie zuvor die Namen an, zuerst „dem Stabträger“; alle werden mit Namaḥ verbunden.

24.94 Vom Herzen bis zu den Füßen verwende man die Mantrabuchstaben wie zuvor. Die Mantras von Nṛsiṃha und dem Eber wurden dir bereits gezeigt.

24.95 Auch die Halbvokale, der achtsilbige Mantra sowie Vokale und Konsonanten am Ende der Buchstabenfolge wurden als bekannte Elemente erklärt. Höre nun von der Rückseite.

24.96 Zuerst nehme man die ersten vier Einheiten des sechsgliedrigen Sudarśana-Mantras, dann den Anfang seines Augen-Mantras und das Ende von „cala“.

24.97 Den fünften Felgenbuchstaben setze man über den sechzehnten Speichenbuchstaben und trenne danach die dritten Zeichen von Felge und Nabe entsprechend ab. [Die Verknüpfung ist unsicher.]

24.98 Der erste Felgenbuchstabe, mit Feuer versehen und auf „ha“ endend, wird durch die letzten beiden Nabenzeichen markiert. Diese Lautverbindung Nṛsiṃhas enthält den blitzgleichen Laut.

24.99 Das Ende von „siṃha“ und den Anfang von „hṛdaya“ nehme man jeweils zweimal; dann Panzer und Waffe, verbunden mit der Kopf-Schlussformel. So entstehen achtzehn Silben.

24.100 Seine zehnte Silbe ist die Keimsilbe; der Anfang von „hana“ heißt seine Kraft. Höre nun der Reihe nach seine sechs Glieder von Herzen an, jeweils mit Oṃ beginnend.

24.101 Man bilde seine Keimsilbe ohne Oṃ sechsfach und verbinde sie wie zuvor mit den Vokalen vom ersten bis zum Visarga, unter Auslassung der neutral genannten Vokale.

24.102 Darüber füge man der Reihe nach die Worte an: zuerst „König des Diskus“, dann „Flammendiskus“,

24.103 danach „Weltendiskus“, sodann „Vernichter der Asuras“, als fünftes „leuchtender Diskus“, zuletzt „großer Sudarśana“.

24.104 Man setze sie in den Dativ und ergänze Erkenntnis und die weiteren Eigenschaften, Herz und die übrigen Glieder im Dativ sowie die Schlussformeln von Svāhā an.

24.105 Höre zuerst die Keimsilbe im zwölfsilbigen Nṛsiṃha-Mantra, o Weiser: Man nehme das siebte Felgenzeichen, gekennzeichnet durch den ersten Speichenbuchstaben,

24.106 und verbinde es mit dem vorletzten und letzten Vokal. Dies ist die höchste Keimsilbe, zwischen Oṃ und Huldigung stehend, der alleinige Held von großem Glanz.

24.107 Erkenne sie als das belebende Prinzip sämtlicher Löwen-Mantras, die sich durch ihre Meditationsgestalten unterscheiden, als Bezeichnung seines eigenen Wesens und als wunscherfüllend.

24.108 Höre nun den aus zwölf Silben bestehenden Gestalt-Mantra: Oṃ, die Herz-Schlussformel und das Wort „Bhagavat“ im Dativ;

24.109 dann füge man das fünfsilbige Wort „Nārasiṃhāya“ hinzu. Dies ist der zwölfsilbige Mantra des weltbeschützenden Nṛsiṃha.

24.110 Nach dem Oṃ … [Im Grundtext steht hier ausdrücklich eine längere Lücke; die Silbenzahl ist nur als „…zehnsilbig“ erhalten.] Nun werden der Reihe nach die Glieder vom Herzen bis zum Auge erklärt.

24.111 Seine Keimsilbe bilde man sechsfach, jeweils mit Oṃ beginnend, mit den Vokalen von „ā“ an und mit Bindu versehen; ihre Verbindung geschehe wie zuvor.

24.112 Oder man gestalte die Durchdringung der Haupt- und Nebenglieder mit den zwölf Silben samt Keimsilben und Bindu, Eigenschaften und weiteren Zusätzen sowie den Huldigungen.

24.113 Dieser umfassende Mantra Nṛsiṃhas mit seinen Gliedern gilt für dessen verschiedene Gestalten und verleiht sämtliche gewünschten Vollendungen.

24.114 Die Buchstaben in der Mitte der Achse und diejenigen in der Mitte des Rades wurden beschrieben. Die Namen mit ihrem Anfangsbuchstaben und Bindu, zwischen Oṃ und Huldigung stehend,

24.115 im Dativ, bezeichnen die Schar der Kräfte von Jayā an. Ebenso entstehen die beiden Mantras für die Wesen Bhīma und Ugra.

24.116 Höre die Merkmale der auf dem Sockel befindlichen Mantras. Die allgemein anwendbare Form des Namens des Ritualziels wird noch einmal erklärt.

24.117 Nach Oṃ stehen Keimsilbe und Kraft, danach gegebenenfalls die zugehörige Gottheit; dann das Ziel, etwa Befriedung, Gedeihen, Unterwerfung oder Sieg,

24.118 im Akkusativ, gefolgt vom wiederholten „Bewirke!“ oder endend mit „Gewähre, gewähre!“ Die zuvor genannten Zeichen mit Oṃ am Ende

24.119 füge man zum Abschluss hinzu. Damit ist die Kennzeichnung des Ritualziels erklärt. Der sechzehnsilbige Nṛhari-Mantra und der höchste Anuṣṭubh-Mantra

24.120 wurden bereits genannt, ebenso die äußere Wind-Silbe mit Panzer- und Waffen-Schlussformel sowie die Feuer- und Erdsilbe.

24.121 Da dies zuvor ausführlich erklärt wurde, wird es hier nicht weiter ausgebreitet. Nun folgt der Mantra der Nāgas, die das Yantra tragen, mit den entsprechenden Zeichen von „kṣa“ an.

24.122 Ihre Keimsilbe wird mit Vokal und Bindu versehen, beginnt mit Oṃ und wird mit den einzelnen Namen im Dativ verbunden; am Ende steht Namaḥ.

24.123 So sind die Mantras der Nāgas, beginnend mit Śeṣa, vollständig erklärt. Mit der Śakti samt Oṃ und den sechs Sudarśana-Silben des Yantras

24.124 umgebe man jeden Buchstaben des achtsilbigen Mantras oben und unten. Dies ist der Nārāyaṇa-Waffen-Mantra, strahlend wie das Feuer am Ende eines Weltalters.

24.125 Für die Waffen von Diskus an nehme man jeweils den ersten Buchstaben ihrer Bezeichnung, verbunden mit Feuer und Visarga, oder die Keimsilbe zusammen mit Oṃ.

24.126 Dann füge man den Namen im Dativ hinzu, mit Phaṭ am Ende. Damit sind die Mantras der sechzehn Waffen von Diskus an erklärt.

24.127 Wer so die Größe des Yantras erkennt und es vorschriftsgemäß mit Sicherung der Richtungen, Feuerumwallung, Gāyatrī, Anrufung und den weiteren Handlungen verehrt,

24.128 unter Verwendung der Opfergeräte und Mantras, erhält der Reihe nach alle Früchte und Mantra-Vollendung. [Der Zusatz „ohne Darbringung von Genussgaben“ steht im Grundtext, sein genauer Bezug ist unklar.]

24.129 Zuerst werden die Merkmale der Mantras zur Sicherung der zehn Richtungen erklärt: Oṃ am Anfang, dann „dem Puruṣa“, endend mit Svāhā.

24.130 Danach folgt die sechssilbige Wendung „Mit der Waffe binde ich“, ebenfalls mit Svāhā am Ende. So ist der Richtungsbindungs-Mantra erklärt, der schädliche Fehler beseitigt.

24.131 Zuerst nehme man Oṃ, dann den Mantra beziehungsweise die Verbindung mit Agnis Gemahlin; man setze „dem Diskus“ in den Dativ. Dies heißt Feuerumwallung. [Die Ableitung ist beschädigt.]

24.132 Höre die Diskus-Gāyatrī, die den Diskus günstig stimmt. Zuerst setze man die Anfangsformel, dann „dem Diskus“.

24.133 Man nehme das zweite Element der Viṣṇu-Gāyatrī und die ersten drei Silben des Puruṣasūkta; aus beiden bilde man das Wort, verbunden mit dem ersten und letzten Felgenzeichen. [Die Wortbildung bleibt unsicher.]

24.134 Danach stehe „Wir meditieren“, dann unbedingt „uns“; man entnehme das Ende der Gāyatrī und füge zuletzt die vier Silben hinzu.

24.135 So ist die Sudarśana-Gāyatrī mit dem erlösenden Laut erklärt. Wird ihr zuvor noch Oṃ vorangestellt, besitzt sie eine zusätzliche Silbe.

24.136 Man nehme zuerst zweimal Oṃ, dann das Wort „höchste“, darauf „Stätte“, den ersten Felgenbuchstaben und den achtzehnten Speichenbuchstaben,

24.137 den zwanzigsten Speichenbuchstaben mit dem fünften Nabenzeichen darüber. Danach nehme man die fünfsilbige Wendung „gṛhakāmyayo“. [Diese Wendung ist im Grundtext beschädigt.]

24.138 Verbunden mit dem zweiten Felgenzeichen folgen der achtzehnte und der sechzehnte Speichenbuchstabe, letzterer mit dem zweiten Vokal,

24.139 dann der fünfte Felgenbuchstabe, erneut der sechzehnte Speichenbuchstabe mit dem zweiten Nabenzeichen, der letzte Felgenbuchstabe, gefolgt von Oṃ,

24.140 der dritte Felgenbuchstabe mit dem dritten Vokal, der letzte Felgenbuchstabe mit „ā“, der letzte Speichenbuchstabe und ein weiterer Vokal.

24.141 Man verbinde den dritten Vokal und dann den achtzehnten Speichenbuchstaben; darüber den neunzehnten Speichenbuchstaben, über diesem wiederum den achtzehnten.

24.142 Man verbinde den dritten Vokal und dann den achtzehnten Speichenbuchstaben. [Diese Anweisung wiederholt die erste Hälfte des vorigen Verses.] Danach folgt „dessen Leib der Mantra ist“, endend mit Oṃ, und dann Namaḥ.

24.143 Noch einmal mit Namaḥ verbunden ist dies der für die Anrufung geeignete Mantra. Nun wird dir der Mantra zur Darbringung sämtlicher Gaben erklärt.

24.144 Zuerst spreche man Oṃ, den einen Ursprung aller Gaben, dann dreimal den letzten Felgenbuchstaben mit Bindu und anschließend das Wort

24.145 „Nimm an!“ mit der Kopf-Schlussformel am Ende: Dies bezeichnet die Darbringung der Gaben. Bei Anrufung, Verehrung und ebenso beim Entlassungsverfahren

24.146 beginne man mit Oṃ, rede den Herrn mit „Erhabener!“ an und füge „Du, dessen Gestalt der Mantra ist“ sowie „deine eigene Stätte“ im Akkusativ hinzu.

24.147 Dann nehme man „Nimm sie ein! Verzeihe!“ und Oṃ am Ende. Höre nun den vorzüglichen Mantra, der darauf gerichtet ist, die Kraft fremd eingesetzter Mantras zu mindern,

24.148 o Weiser, der die gesamte Kraft der Mantras enthält. Zuerst nehme man Oṃ und dessen Anfang mit Bindu.

24.149 Vor den Waffen-Mantra des sechsgliedrigen Mantras setze man dessen sechs Einheiten ohne Oṃ, dann die ersten beiden zuvor genannten Zeichen und die Worte „König des Diskus“.

24.150 Es folgen „alles“, davor zweimal „Verbrenne!“, die Bezeichnung „Schrecken der Bösen“, dann „Wurzel der Sorge“ und „Zerschneide, zerschneide!“

24.151 Zweimal folgt „Zerreiße!“, dann „Mindere, mindere den Mantra!“, zweimal „Verzehre!“ und anschließend „die Wesen“.

24.152 Am Ende stehen „Erschrecke, erschrecke!“, Panzer, Waffe und Kopf-Schlussformel. Dieser einundsiebzigsilbige Mantra heißt „Minderung der Kraft“.

24.153 Ich werde den Anuṣṭubh-Mantra erklären, der allen Furchtlosigkeit verleiht. Man beginne mit der Anrede „Erhabener!“, dann mit dem Wort „alles“

24.154 und „besiegend“, danach „Tausendspeichiger!“, „Unbesiegter!“, „als Zuflucht“ und anschließend „dich“.

24.155 Danach folgen „habe ich aufgesucht“, „den Glückbringenden“ im Akkusativ, das Wort „Śrī“ am Anfang und dann „Sudarśana“.

24.156 Dies ist als Prapatti, als vertrauensvolle Zuflucht, bekannt und bewirkt die Tilgung aller Sünden. Nun erkläre ich die Nṛsiṃha-Gāyatrī für die Verehrung der Rückseite.

24.157 Zuerst stehen die beiden Silben „vajra“, danach „śṛṅkhalāya“; dann „dem mit scharfen Fangzähnen“ im Dativ und das Wort „Wir erkennen“.

24.158 Nach den beiden Silben „vajra“ stehen „nakhāya“ und „Wir meditieren“. Man nehme das erste und das erste Wort des letzten Gāyatrī-Abschnitts,

24.159 dann „siṃha“ mit Visarga und den Abschluss der Gāyatrī. Anrufung und Entlassung vollziehe man mit den dafür genannten Mantras.

24.160 Die Sicherung der Richtungen geschehe mit dem zuvor genannten Waffen-Mantra. Die Anwendung der übrigen Gliedmantras ist wie zuvor.

24.161 So ist dieses Geflecht der Mantras, das im König der Yantras mit seinen beiden Seiten angeordnet ist, entsprechend der Überlieferung dargelegt.

24.162 Was davon im Herzen und äußerlich mit Gaben anzuwenden ist, soll man einem Menschen von schlechter Gesinnung niemals offenbaren. [Der überlieferte Wortlaut enthält keine ausdrückliche Verneinung; „niemals“ ist eine aus Sinn und Geheimhaltungszusammenhang erschlossene, unsichere Lesung.]

Spirituelle Erläuterung: Die technische Sprache des Kapitels ruht auf einer geistigen Aussage: Gottes Kraft belebt die Welt (24.11–14), und seine Schau vertreibt Unwissenheit und durchschneidet Zweifel (24.25–27). Mit der Zufluchtsformel in 24.153–156 tritt das Vertrauen hervor. Die Mantras sind hier keine bloßen Lautrezepte; sie stehen im Zusammenhang von Lehre, Einweihung, innerer Vergegenwärtigung und Hingabe.

Kapitel 25

Eingang. Glück und Segen! Fünfundzwanzigstes Kapitel.

25.1 Sanaka sprach: Erhabener, du hast das große Yantra von Sudarśana und Nṛsiṃha in seiner Mantragestalt vollständig erklärt, das seinen Verehrern das Ersehnte gewährt.

25.2 Erkläre nun auch die Art seiner Verehrung, da du mir deine Gunst erweist. Śāṇḍilya sprach: Dieses Yantra wurde zum Wohl aller Welten dargelegt.

25.3 Wer es vorschriftsgemäß verehrt, bringt dadurch alles zur Vollendung. Dir, der du hören möchtest, werde ich die Reihenfolge der Verehrung erklären.

25.4 Nachdem der Verehrer wie zuvor gebadet und die übrigen Vorbereitungen getroffen hat, betrete er das Heiligtum, wasche die Füße, schlürfe Reinigungswasser, trage ein Obergewand und sei angemessen geschmückt.

25.5 Mit aufgetragenem senkrechtem Stirnzeichen verehre er die Torhüter wie zuvor mit Blumen, öffne die Türen, trete ein und verneige sich vor dem Herrn.

25.6 Mit der Gāyatrī vollziehe er das Waschen der Hände und die weiteren Handlungen; am Kultbild, Sockel und Yantra bereite er die drei Zugänge. [Die Bezeichnung der drei Zugänge ist hier nicht näher erläutert.]

25.7 Nachdem er das Heiligtum gereinigt hat, setze er sich dem Herrn zugewandt auf einen schönen Sitz, etwa eine Holzplatte, die mit dem Waffen-Mantra besprengt wurde.

25.8 Neben sich stelle er die geweihten Opfermaterialien bereit und reinige mit dem Waffen-Mantra wie zuvor Hände und Ort.

25.9 Mit beiden Händen, unter dem genannten Mantra und der Waffen-Mudrā, vertreibe er die unsichtbaren Hindernisse vom Verehrungsort nach außen

25.10 und sichere Haupt- und Zwischenrichtungen. Dann umhülle er sich mit dem Panzer-Mantra und regle wie zuvor den Atem.

25.11 Die in seinem Körper befindlichen Wirklichkeitsprinzipien führe er zusammen mit seinem individuellen Selbst zurück; den bloßen Körper, nun von sämtlichen Prinzipien entleert,

25.12 reinige er durch Konzentrationen wie Austrocknen und die weiteren aufwärtsführenden Vorgänge. Im Bereich des vierten Zustands und darüber hinaus vergegenwärtige er den Gott mit dem Leib Sudarśanas.

25.13 Mit dem Wind von der Natur seiner Kraft und dem Panzer-Mantra trockne er den eigenen Leib aus; dann verbrenne er ihn innerlich vom rechten großen Zeh an.

25.14 Er vergegenwärtige den Scheitel-Mantra als Feuer des Weltenendes mit unzähligen Flammenstrahlen und stelle sich vor, dass der Körper davon verbrannt ist.

25.15 Den Augen-Mantra meditiere er an der Spitze des linken großen Zehs, dem Vollmond gleich, Nektarschauer ausgießend, und stelle sich vor, von ihm übergossen zu werden.

25.16 Die beim Austrocknen und den übrigen Vorgängen verwendeten Mantras von Panzer an denke er anschließend in den Herrn der Mantras zurückgekehrt.

25.17 Diesen vergegenwärtige er sich erfüllt vom Nektar der Wonne, strahlend wie hundert Monde; durch die von ihm ausgehenden Nektarströme stelle er sich den eigenen Leib neu erfüllt vor.

25.18 Von ihm aus lege er die zuvor zurückgenommenen Wirklichkeitsprinzipien der Reihe nach wieder nieder, nehme den Leib mit seinem Selbst erneut ein und vollziehe den Mantra-Nyāsa.

25.19 Die Mātṛkā von „a“ bis „kṣa“, die Mutter der Mantras, lege er zuerst in beide Hände und dann in den Körper nieder, die Laute der Reihe nach sprechend.

25.20 Nachdem er so den umfassenden Nyāsa vollzogen hat und wie Sonnenlicht strahlt, lege er die Buchstaben zuerst rechts, dann links in Finger und Handflächen nieder.

25.21 Vom Daumen bis zum kleinen Finger setze er jeweils vier ein; so werden zweimal zwanzig niedergelegt. Danach verteile er die übrigen zehn auf die Handflächen,

25.22 jeweils fünf in der Mitte und den drei beziehungsweise vier Bereichen. [Die räumliche Anweisung ist nicht eindeutig.] So lege er sie, jeweils zwischen zwei Oṃ-Lauten, in beide Hände nieder.

25.23 Nach vorausgehendem umfassendem Nyāsa lege er sie auch in den eigenen Körper nieder. Mit beiden Händen durchdringe er ihn vom Scheitel bis zu den Fußsohlen wie mit Sonnenstrahlen.

25.24 Danach vollziehe er die einzelnen Niederlegungen: am Haaransatz, im Gesichtskreis, an beiden Augen und beiden Ohren,

25.25 an beiden Nasenöffnungen und Wangen, zuerst rechts, dann links, an oberer und unterer Zahnreihe sowie den beiden Lippen.

25.26 Die übrigen Vokale mit Visarga lege er am Scheitel nieder; die Ka-Gruppe der Reihe nach an den fünf Gelenkstellen des rechten Arms,

25.27 ebenso die Ca-Gruppe am linken Arm, die Ṭa- und Ta-Gruppe an den Gelenken der Beine, rechts beginnend. Wie zuvor lege er an den Seiten des Bauches,

25.28 am Rücken, Nabel und Herzen die Pa-Gruppe nieder; in die sieben Körpergewebe die Buchstaben von „ya“ bis „sa“, „ha“ in das Innere des Herzens,

25.29 „kṣa“ in den Herzensraum. Nachdem er zuerst so die Mātṛkā niedergelegt hat, lege er den sechsgliedrigen Mantra mit seiner Kraft in Hände und Körper nieder.

25.30 Zuerst ist der Hand-Nyāsa zu kennen; höre ihn, Herr der Weisen. Mit dem Mantra samt seiner Kraft, von zwei Oṃ-Lauten umschlossen,

25.31 streiche er wie zuvor über beide Hände vom Handgelenk bis zu den Nagelspitzen. Die sechs Einheiten mit Bindu, am Anfang und Ende mit Oṃ und Śakti versehen,

25.32 lege er vom Daumen bis zum kleinen Finger auf die mittleren Fingerglieder nieder; die letzte Einheit setze er auf die Nagelspitzen.

25.33 Nachdem die Buchstaben so niedergelegt sind, lege er Herz und die übrigen Glieder auf die Grund- und Endglieder der Finger nieder, in derselben Reihenfolge wie die Buchstaben.

25.34 Mit beiden Händen berühre er den Körper vom Scheitel bis zu den Füßen. Nach diesem umfassenden Nyāsa vollziehe er den Glieder-Nyāsa.

25.35 Am Scheitel, Gesicht, Herzen, Nabel, Geheimort und an den Füßen geschieht der Schöpfungs-Nyāsa. Der Erhaltungs-Nyāsa erfolgt entsprechend den Haupt- und Nebengliedern.

25.36 An den Füßen, am Geheimort, Nabel, Herzen, Gesicht und Scheitel, also von den Füßen bis zum Kopf, geschieht der Auflösungs-Nyāsa.

25.37 Am Herzen, Kopf, Scheitelhaar, an den Schultern, in der Mitte der Hände und an den Augen sind der Reihe nach die entsprechenden Glieder mit ihren genannten Mantras niederzulegen.

25.38 Nachdem er Herz und die übrigen Glieder niedergelegt hat, lege er in beiden Handflächen die Gruppe der acht oder sechzehn Waffen nieder,

25.39 ferner wie zuvor Krone, Kaustubha, Girlande und Śrīvatsa, an rechter und linker Schulter und den eigenen Seiten die Willenskraft,

25.40 an den Ansätzen der Oberschenkel das Prinzip des Denkvermögens. Den eigenen Leib vergegenwärtige er als aus Mantras bestehend und denke im Inneren: „Ich bin Hari mit dem Leib Sudarśanas.“

25.41 Mit der Gāyatrī und der Diskus-Mudrā lasse der hervorragende Mantrakundige rings um sich die Flammenreihe des Diskus kreisen, o Brahmane.

25.42 Er vollziehe die zuerst angeordnete, aus innerer Vergegenwärtigung entstandene Verehrung. Die Gesamtheit der Sinne halte er wie zuvor im Bereich der Erkenntnis gesammelt.

25.43 Vom Wurzelbereich bis zum Herzen gestalte er den Mantrasitz, beginnend mit der tragenden Kraft und endend mit dem Sitz reinen Bewusstseins.

25.44 Darüber vergegenwärtige er den zuvor genannten dreifachen Bereich der Mantraherrlichkeit. Dies ist für Sudarśana und Nṛsiṃha gemeinsam zu verstehen.

25.45 Für die beiden auf Vorder- und Rückseite herabgestiegenen Gestalten, äußerlich oder im Herzensraum, vollziehe er bei der Vorstellung ihres Sockelsitzes die entsprechende innere Darbringung. [Die Versfügung ist beschädigt.]

25.46 Über der Mitte des Herzenslotos befindet sich zuerst die aus Klang-Brahman bestehende Kraft; sie lässt den in der Achse verborgenen, mit Mantra erfüllten inneren Klang ertönen.

25.47 Diese Kraft des friedvollen Viṣṇu, die von den Übenden gesammelt und gelenkt wird, heißt Klangkraft und steht in der Mitte des Raumes der Sockelsonne.

25.48 Ihre Folge von der Natur des inneren Klanges nimmt Buchstabengestalt an. Jenseits des Abschlusses der Buchstabenreihe von „a“ bis „kṣa“,

25.49 im wellenlosen höchsten Raum, glückverheißend und frei von begrenzender Gliederung, im Zustand jenseits des vierten, ist der Gott von Licht und Wonne erfüllt:

25.50 das wahre Brahman, Vāsudeva genannt, dessen Gestalt die sechs göttlichen Eigenschaften vollständig enthält, erfüllt von großer Herrlichkeit, der Herr von der Natur sämtlicher Kräfte,

25.51 von vollkommen friedvoller, höchster Wonne, immer offenbar, mit Muschel und Diskus gekennzeichnet, mit Händen, die Gaben und Furchtlosigkeit gewähren,

25.52 tausend Sonnen gleich und mit den Strahlen von tausend Monden, geschmückt mit selbstleuchtender Krone und weiterem Schmuck bis zu den Fußringen,

25.53 versehen mit Śrīvatsa und Kaustubha, strahlend mit der Waldblumengirlande, in gelber Seide, mit freundlichem Gesicht und Blick.

25.54 Das Mondlicht seiner Zahnreihen erhellt die Zwischenräume der Richtungen. Śrī und Puṣṭi dienen ihm in besonderer Weise von allen Seiten,

25.55 ebenso die göttlichen Waffen Muschel, Diskus und weitere, die alle Wirklichkeitsprinzipien verkörpern. Durch wissende Vergegenwärtigung soll er von denen meditiert werden, die ohne Erwartung eigener Früchte handeln.

25.56 Zur Vollendung beharrlicher Yoga-Übung verehre man ihn beständig außen und innen, an den Orten seiner Gegenwart, in den dafür bereiteten Bildern, Sockeln und weiteren Trägern.

25.57 Wird er als höchste Gestalt, als Vyūha und in weiteren Formen verehrt, wird alles erreicht. Aus jener ewig offenbaren Wirklichkeit von der Natur des Lichtes und der Wonne

25.58 nimmt er eine ihr wesensgleiche Erscheinung an, im Wunsch, den Verehrern Gnade zu erweisen. Er nimmt die Handlungskraft in sich auf, die zur Errettung der Welt bereit ist,

25.59 und tritt als Bewusstseinsanteil hervor, erfüllt von Licht und Wonne: Durch sein Licht ist er schwer anzuschauen für diejenigen, die gute Menschen bedrängen;

25.60 durch seine beglückende Natur ist er für seine eigenen Verehrer „Sudarśana“, die schöne Schau. Der Gott steht über den sechs Wegen und nimmt die Natur des Zeitenfeuers an.

25.61 Als Nṛhari, als Hari, vernichtet er, wenn seiner gedacht wird, die Verfehlungen der Verehrer. Wer diese beiden verehrt, die überreich an Glanz sind,

25.62 wird selbst glanzvoll, im Inneren geläutert und überall glücklich. Hat man so das wahre Wesen des Mantras erkannt, beginne man die Verehrung.

25.63 Aus der höchsten Wirklichkeit des Erhabenen lasse man die höchste, aus Bewusstsein bestehende Gestalt über den Sockel herabsteigen, während man den Mantra im Geist spricht.

25.64 Sudarśanas Wesen ist dabei zweifach: das Bezeichnete und das Bezeichnende. Die sichtbar gestaltete Form ist das Bezeichnete; die Mantragestalt ist das Bezeichnende.

25.65 Beide sind ehrwürdig, unterschieden als höher und nachgeordnet. Als höher erkenne man die bezeichnete Gestalt, als nachgeordnet die durch den Mantra gebundene Ausdrucksform.

25.66 Mit diesem Verständnis lasse man die Erscheinung durch die Vorstellungen des Höchsten, Feinen und weiteren hervortreten. Das Höchste ist von Lichtnatur, gekennzeichnet durch Wonne am Ende des inneren Klanges.

25.67 Das Feine hat die Natur der Bewusstseinskraft und enthält Kopf, Hände und die übrigen Glieder noch im Keim: ein bloßes Kennzeichen voller Licht, dessen Wesen die bevorstehende Entfaltung ist.

25.68 Das Grobe ist die offenbar gewordene Gestalt. Für Bezeichnetes und Bezeichnendes, für die klangförmigen Mantras, bestehen die drei Zustände von der höchsten Stufe an.

25.69 Sie sind als Paśyantī und die weiteren Sprachstufen zu erkennen, dreifach als eigene, höhere und nachgeordnete Form. Die erste ist hier Oṃ, die zweite heißt Keimsilbe,

25.70 die dritte umfasst Wortmantras und weitere Formen. So sollen Menschen sie vergegenwärtigen. Gegenwärtigwerden, Zuwendung und Festhalten der Gegenwart geschehen wie zuvor.

25.71 Nach Mantra-Nyāsa und den weiteren Handlungen vollziehe man die Verehrung durch Sammlung und Gaben. In den Lotoskreisen mit Mitte, Staubfäden und Blättern,

25.72 in der Erdenumfassung und überall sonst verehre man die zeichenförmigen Mantras sowie die Gestalten von Keśava an und ihre Mantras

25.73 vorschriftsgemäß mit den zuvor genannten Formeln, wie bei der Verehrung mit Gaben. Über dem Haupt des Gottes der Götter vergegenwärtige man einen Mondkreis.

25.74 Aus den daraus strömenden Nektarfluten bilde man Ehrenwasser und sämtliche weiteren Gaben. Mit sechzehn Diensten, deren doppelter oder vierfacher Zahl

25.75 erfreue man ihn wie einen König und vollziehe anschließend ein entsprechendes inneres Feueropfer. In der sechseckigen Feuergrube des Nabelrades, deren Einfassung die göttlichen Eigenschaften bilden,

25.76 erzeuge man das Bewusstseinsfeuer, indem man das aus innerer Vergegenwärtigung entstandene Reibholz mit dem Seil der Erkenntnis reibt, und vollziehe daran sämtliche vorbereitenden Weihen.

25.77 Dieses stets aufwärts flammende, leuchtende, reine Feuer von der Natur des Erhabenen erkenne man als in der Nabelgrube gegenwärtig, als durch die göttliche Kraft erfüllten Glanz.

25.78 Man spreche den Wurzelmantra, der über dem Raum des Herzenslotos steht, verbunden mit gedehntem Laut und Meditation. Wenn er am Ende des Wahrheitsbereichs zur Auflösung gelangt,

25.79 wenn das wellenlose Höchste erreicht ist, schöpfe man mit dem Meditationslöffel aus der im Brahman befindlichen Fülle und führe die Gabe auf dem verbindenden Nektarweg herab.

25.80 Auf das Haupt des Herrn der Mantras, der aus dem Herzen herabgestiegen ist und an der Flammenspitze steht, gieße man sie wie einen ununterbrochenen Strom kostbarer Opferbutter.

25.81 Nachdem man so das Bewusstseinsfeuer gesättigt hat, vergegenwärtige man den an der Flammenspitze stehenden Herrn wieder in der Mitte des Herzenslotos und vollende die inneren Darbringungen.

25.82 Nach vorschriftsmäßigem Abschluss dieser Verehrung verehre man Hari auf der Rückseite mit seinem eigenen Mantra und den Nektargaben der Vorstellung bis zum Feueropfer.

25.83 Danach sättige man die gesamte Mantraschar auf beiden Seiten des yantraförmigen Herrn bis zur vollständigen Schlussgabe.

25.84 Dann verehre man ihn äußerlich auf seinem Sockel, in beiden Ansichten des Kultbildes, mit wirklichem Ehrenwasser und den übrigen vorschriftsgemäß herbeigeschafften Gaben.

25.85 Die Verehrung und Aufstellung der Gefäße für Ehrenwasser und weitere Gaben geschehen wie zuvor, ebenso die Verehrung der im eigenen Körper niedergelegten Mantras und der Gottheiten am Eingang zum Allerheiligsten:

25.86 Dhātṛ und Vidhātṛ, Caṇḍa und Pracaṇḍa. An den äußeren Toren des östlichen und westlichen Pavillons stehen der Reihe nach

25.87 Jaya und Vijaya, Subhadra und Bhadraka. Sonne und Mond sind an der rechten beziehungsweise linken Fensteröffnung zu verehren.

25.88 Nach dieser Torverehrung trete man ein und verehre den Mantrasitz von der tragenden Kraft bis zum Sockel-Yantra,

25.89 ebenso den Herrn der Scharen und die übrigen. Dann vollziehe man die Anrufung der eingesetzten Gottheit.

25.90 Aus dem Raum des Herzenslotos des Bildes vergegenwärtige man das höchste, makellose Bewusstsein, von der Natur des Lichtes und der Wonne, ewig offenbar und unvergleichlich,

25.91 wie es in der Mitte der Lotosmitte seinen Sitz nimmt. Unter dem Wurzelmantra erfahre man es als erwacht und strahlend.

25.92 Dann vollziehe man den Mantra-Nyāsa wie am eigenen Körper: Herz und die übrigen Glieder an ihren Orten, ebenso Diskus und die weiteren vorzüglichen Waffen.

25.93 Schmuck und weitere Kennzeichen lege man entsprechend vom Haupt an nieder, leuchtend wie Ansammlungen von Edelsteinen; danach verehre man durch das Laya genannte Verfahren.

25.94 Ebenso verehre man die strahlenden Gestalten im Yantra, in der Lotosmitte und den übrigen Bereichen, mit Sitzgabe und den weiteren Berührungsgaben bis zu den das Herz erfreuenden Diensten.

25.95 Nachdem man den Herrn samt der Schar seiner Gestalten vorschriftsgemäß erfreut hat, wiederhole man den Mantra nach Kräften und bringe ihm diese Wiederholung wie zuvor dar.

25.96 Danach verehre man ebenso Narahari in der Mitte des rückseitigen Yantras, mit seinen Gliedern, Begleitern und den Buchstaben des Yantras.

25.97 So wurde die höchste Verehrung des großen Yantras kurz erklärt. Den im Feuer Gegenwärtigen erfreue man mit den zuvor genannten Brennhölzern.

Spirituelle Erläuterung: Dieses Kapitel zeigt besonders deutlich, wie äußere Pūjā und innere Meditation zusammengehören. Das Feuer wird als Bewusstsein, der Opferlöffel als Meditation und die Gabe als Nektar vorgestellt (25.75–81). Die Bildsprache des Verbrennens betrifft ausdrücklich die meditative Vorstellung des Körpers, keine körperliche Handlung. Im Mittelpunkt stehen ein geläutertes Bewusstsein, uneigennütziges Handeln und die Erfahrung göttlicher Gegenwart innen wie außen.

Kapitel 26

Eingang. Glück und Segen! Sechsundzwanzigstes Kapitel.

26.1 Sanaka sprach: Erhabener, Kenner der Wahrheit und des Sinnes des Pāñcarātra, Freund der in der Welt Lebenden! Erkläre mir aus gnädiger Gesinnung die Verehrung des im Feuer Gegenwärtigen,

26.2 vorschriftsgemäß, als Mittel zur Erlangung sämtlicher Vollendungen. Śāṇḍilya sprach: Herr der Weisen, umfassend Verständiger, höre die glückverheißende Verehrung in der Feuergrube, die Vollendung und Befreiung verleiht.

26.3 Gesammelt werde ich sie erklären. Für das Feueropfer errichte man einen weiten Pavillon im Südosten,

26.4 mit Rauchabzug und einer Reihe von Fensteröffnungen. In seiner Mitte errichte man eine quadratische Plattform von vier Ellen Seitenlänge,

26.5 zwölf Finger hoch, nach den Merkmalen eines Tempelsockels. Darauf lege man eine glückverheißende Feuergrube in der Form des Diskuslotos an.

26.6 In der Mitte spanne man drei Schnüre in Ost-West- und Süd-Nord-Richtung und bilde dort ein Quadrat von zwei Ellen Seitenlänge.

26.7 Mit einer elf Finger langen, in der Mitte befestigten Schnur zeichne man den Kreis für die Vertiefung. In den äußeren umlaufenden Bereichen

26.8 lasse man einen Finger für den Rand frei, zwei Finger für die Fläche der Lotosmitte, einen Finger für die Staubfäden und zwei Finger für den Blätterkranz.

26.9 Für dessen Spitze ist ein Finger vorzusehen; die Nabe ist einen Finger hoch. Der Speichenbereich beträgt zwei Finger, der Felgenbereich einen Finger,

26.10 die Einfassung zwei Finger. So bestimmen die umlaufenden Bereiche das Maß von der Vertiefung bis zum Ende der Einfassung, von der Mitte her festgelegt.

26.11 Alle Bereiche bis zur Felge gestalte man kreisförmig; die ganz außen liegende Einfassung soll viereckig sein.

26.12 Zusammen mit der Einfassung misst die Anlage zwei Ellen. Höre nun ihre Herstellung: Innerhalb des für die Vertiefung gezeichneten Kreises hebe man den Boden gleichmäßig aus,

26.13 dreiviertel, eine halbe oder eine Viertel-Elle tief. Außerhalb des Randes gestalte man der Reihe nach die Lotosmitte und die weiteren Teile bis zur Felge.

26.14 Die innere Lotosmitte sei zwölf Finger hoch; außen entspreche ihre Höhe ihrer Breite, und sie sei mit Staubfäden versehen. [Die Beziehung dieser Maßangaben bleibt unklar.]

26.15 Man gestalte die gewünschte Zahl von Lotosblättern. Rings um den großen Lotos gliedere man das Feld entsprechend dieser Blattzahl.

26.16 Vom Kreis der Staubfäden bis zum Kreis der Blattspitzen spanne man die mittleren Seitenschnüre in Ost-West-Richtung.

26.17 Mit einer durch die Blattmitte nach oben verlaufenden Schnur zeichne man zur klaren Gestaltung der Blattmitte eine halbmondförmige Linie.

26.18 Die Mondsichelspitzen und die Mitte treffen an der Blattspitze zusammen. Mit der seitlichen Schnur bilde man die Blattspitze wie die Spitze eines Donnerkeils.

26.19 Die einzelnen Felder sollen der Zahl der Blätter entsprechen. Man teile das Feld wie die Blätter und schlage die entsprechenden Schnurlinien an.

26.20 Jedes teile man der Reihe nach in acht oder sechs Abschnitte, lasse die beiden seitlichen Abschnitte frei und setze von der Mitte der äußeren Schnurlinie aus

26.21 zwei Schnüre an, die von Spitze und Mitte her verlaufen. Mit ihnen zeichne man eine fischförmige Figur bis zum Kreis des Ansatzes.

26.22 Die Vorsprünge der Felge können oben oder außen angebracht werden. Dann führe man die Anlage von der Mitte an mit Ziegeln und Erde aus.

26.23 Bis zur Einfassung verbinde man die tiefer liegenden Teile miteinander; Breite und Höhe sollen einander entsprechen, alles sei eben und fest.

26.24 Über Lotosmitte und Staubfäden gestalte man die Yoni wie ein Pippala-Blatt, deren Zunge den Rand berührt, in der entsprechenden Yoni-Form.

26.25 Sie überschreite den Bereich der Staubfäden und sei hinten um einen Finger erhöht; an beiden Seiten der Mittelschnur gleiche sie zwei jungen Mondsicheln.

26.26 Hinten sei sie einen Finger über die Fläche der Lotosmitte erhoben; vom Ansatz bis zur Spitze senke sie sich allmählich wie eine Elefantenlippe.

26.27 In den Ecken der Feuergrube gestalte man ebenso vier Muscheln. So wurde diese Anlage beschrieben; sie kann in vielerlei Größen ausgeführt werden.

26.28 Beginnend bei zwölf Fingern und jeweils um einen Finger zunehmend bis zu acht Ellen ergeben sich einhunderteinundachtzig Maße.

26.29 Eines davon wurde erklärt; für die anderen gilt entsprechend dasselbe. Nachdem man die Herstellung beendet und die Anordnung der Glieder vorgenommen hat,

26.30 stelle man die Opferstoffe an die geeigneten Plätze, weihe die Feuergrube vorschriftsgemäß und ebenso das erzeugte Feuer.

26.31 Mit Tropfen geweihter Butter berühre man Brennholz und die übrigen Stoffe, sättige das Feuer und bereite darin den Mantrasitz und die weiteren Bestandteile,

26.32 die Anordnung des Yantra-Sockels, die innere Anrufung und das Herabsteigen aus dem Herzen auf den Sockel des großen Yantras.

26.33 Dann folgen die Darbringungen mit den für tägliche und wunschbezogene Handlungen vorgesehenen Brennhölzern, das Sviṣṭakṛt-Opfer zur Vervollkommnung des Vollzugs und die Sühnegabe,

26.34 die vollständige Haupt-Schlussgabe und die Entlassung der Gegenwart aus dem Yantra. Wenn der Herr wieder im Herzen gegenwärtig ist, betrete man den Pavillon als Ort der Verehrung.

26.35 Es folgen die Übergabe des Feueropfers, die Sättigung der Ahnen, die Bali-Gabe an die Wesen sowie die Verteilung der übrig gebliebenen Opferspeise

26.36 an Opferkundige, an die Ausführenden und an innerlich geläuterte Menschen, danach vorschriftsgemäß das Nachopfer mit dem Genuss der dargebrachten Speise und den weiteren Handlungen.

26.37 Alles vollziehe man wie zuvor zur Verwirklichung von Lebensfülle und Befreiung. Bei befriedenden und weiteren Handlungen mit diesem König der Yantras,

26.38 durch Meditation, Verehrung, Feueropfer und Mantrawiederholung erfüllen sich die Wünsche der Verehrer, deren Inneres davon durchdrungen ist.

26.39 Eine gemeinsame Meditationsgestalt wurde für die befriedenden und weiteren Handlungen beschrieben. Beim Feueropfer wird dem Mantra stets zusätzlich seiner Bestimmung gemäß Svāhā angefügt.

26.40 Bei Befriedung und Förderung des Gedeihens steht Vauṣaṭ, ebenso bei der vollständigen Schlussgabe; bei stärkenden Handlungen Vaṣaṭ, bei Unterwerfungsritualen Huṃ am Ende.

26.41 Bei Vernichtung, Entzweiung und Vertreibung endet er stets mit Phaṭ; bei der Entzweiung von Gegnern mit Huṃ, bei Verblendung mit Huṃ Phaṭ.

26.42 Bei Lähmung steht Vaṣaṭ am Ende, bei einer auf Befreiung gerichteten Handlung Namaḥ. Zum Wohl der Menschen und besonders der Könige

26.43 wurde dies einst dem fragenden Nārada von Ahirbudhnya ausführlich und vorschriftsgemäß gelehrt. Man soll die dortige Unterweisung entsprechend einsehen

26.44 und vielfältig anwenden. Wer Befriedung wünscht, kann nach seiner Absicht auch ein einseitiges Yantra anfertigen, einsetzen und verehren.

26.45 Die täglichen, anlassbezogenen und wunschbezogenen Verehrungen sind besonders auszuführen, jedoch ohne Schlafritual und großes Fest.

26.46 Auch werden für den täglichen und anlassbezogenen Dienst keine besonderen Ritualbilder verwendet. Verehrt wird das feststehende Yantra, das von hervorragenden Mantrakundigen eingesetzt wurde.

26.47 Ist es irgendwo als Bestandteil eines göttlich gegründeten oder anderen Heiligtums eingesetzt, so verehre man es, je nach beweglicher oder unbeweglicher Form, bis zur Speisedarbringung,

26.48 an Dvādaśī und den verschiedenen weiteren heiligen Tagen. Damit ist die höchste Verehrung des großen Yantras vollständig erklärt.

26.49 Vor nicht ordnungsgemäß Eingeweihten, Nichtschülern, Menschen böser Gesinnung und solchen ohne Hingabe an Janārdana soll sie sorgfältig geheim gehalten werden.

26.50 [Sie ist bestimmt] für diejenigen, die mit innerer Sammlung und Hingabe dem Bezeichneten und dem Bezeichnenden, dem Guru sowie der mit Erkenntnis und Handlung erfüllten, sattvischen, den Veden gleichgeachteten Schrift zugewandt sind. [Der Schluss ist elliptisch; die Ergänzung in Klammern erschließt den Satz aus dem Zusammenhang. Ein ausgeführter Schlusskolophon fehlt in der Vorlage.]

Spirituelle Erläuterung: Das überlieferte Ende verbindet Hingabe an Gott, Ehrfurcht vor dem Guru und Vertrauen in eine Lehre, die Erkenntnis und Handlung zusammenführt. Für Yoga-Aspiranten liegt darin eine abschließende Orientierung: Übung soll das Bewusstsein klären und das Handeln verwandeln. Die hier beschriebenen Spezialrituale bleiben an ihren traditionellen Unterweisungsrahmen gebunden. Das allgemein zugängliche Herz der Praxis sind aufrichtige Hingabe, gesammelte Meditation und ein Leben, das dem Wohl anderer dient.

Das Herz als Ort der Verehrung

Die Parameshvara Samhita führt durch eine weite Welt heiliger Handlungen und kehrt immer wieder zum Herzen zurück. Dort werden Klang und Bedeutung, Aufmerksamkeit und Liebe miteinander verbunden. Gottesverehrung beginnt im Inneren und kann im Umgang mit anderen sichtbar werden.

Eine Blume darbringen, einen Mantra wiederholen, eine Schriftstelle bedenken oder einem Menschen freundlich begegnen: Jede dieser Handlungen kann von derselben aufrichtigen Hinwendung getragen sein. Die Verse über Gnade in 19.323–329 erinnern daran, dass menschliche Unvollkommenheit diese Beziehung nicht aufheben muss. Sorgfalt darf mit Vertrauen verbunden bleiben.

Lass nach der Lektüre einen Augenblick Stille entstehen. Welche Haltung möchtest du in den Tag mitnehmen? Vielleicht mehr Mitgefühl, größere Aufmerksamkeit oder die Bereitschaft, auch die Frucht deiner Mühe darzubringen. So kann aus dem Studium eine lebendige Sadhana werden: gesammelt im Herzen und zugewandt im Leben.

Siehe auch

Literatur und Weblinks

Die in dieser Ausgabe eingebundenen Bilder und Videos wurden auf den Yoga-Wiki-Seiten zu Vishnu, Lakshmi, Mantra und Kundalini Yoga nachgewiesen. Sie dienen der heutigen Veranschaulichung und sind keine Abbildungen eines historischen Parameshvara-Manuskripts. Die Seminarfeeds entsprechen den auf Yoga-Wiki-Seiten belegten Adressen. Weitere Bild- und Videonachweise: Puja, Tempel und Meditation im Yoga-Wiki.

Bibliographischer Hinweis: Der Verlagslink im Wisdomlib-Verzeichnis führt derzeit auf das Lakshmi Tantra. Die dort angezeigte ISBN wird deshalb nicht als verifizierter Editionsnachweis der Parameshvara Samhita übernommen.

Textgrundlage und Lesarten

Grundlage ist der Sanskrittext der Parameśvara Saṃhitā bei Wisdomlib. Kapitel 2 wurde aus der zugehörigen Kapitelseite ergänzt. Die übrigen Kapitel folgen der übermittelten IAST-Kopie. Webseitenbedienelemente, ein isolierter technischer Zahlenmarker vor der Überschrift von Kapitel 16 und unsichtbare Verbindungszeichen wurden entfernt. Die Sanskritlesungen wurden nicht stillschweigend verbessert. Zusätzlich entfernt wurden fremde Satzmarker: eingefügte Großbuchstaben R in Kapitel 8–9, vorangestellte B in 15.403, 15.751 und 15.1074 sowie 16.434, außerdem die fremde Klammer in 22.38. Die beschädigte Wortform „sthūlasa6kṣmātmako“ in 24.25 und die ausdrückliche Lücke in 24.110 bleiben sichtbar; sie werden nicht als sichere Mantralesungen behandelt.

Die Fassung umfasst 26 Kapitel mit 8.284 nummerierten Texteinheiten. Das ist keine gesicherte Zählung metrisch vollständiger Ślokas. Die in 1.93 erwähnte Fassung von 16.000 Versen ist mit dem hier vorliegenden Umfang nicht gleichzusetzen. Kapitel 1.95–113 kündigt Erkenntnis- und Ritualteil an; die Überschrift von Kapitel 2 bezeichnet ausdrücklich den Kriyākāṇḍa. Eine vollständige erhaltene Zweiteilung lässt sich aus diesem Textbestand nicht belegen.

Folgende Nummern fehlen: 2.78; 3.175 und 3.198; 6.194, 6.195 und 6.278; 7.238; 14.385; 16.336. Fehlende Nummern bedeuten nicht in jedem Fall fehlende vollständige Verse: Unter 2.79 stehen beispielsweise vier Zeilen. Bei 3.176 ist nur ein Halbvers vorhanden. Nach 16.335 steht ein zweites Mal 326, wahrscheinlich statt 336; die Quellenzählung bleibt sichtbar. In Kapitel 19 kommt 458 zweimal vor; der zweite dieser Texte wird unter 459 erneut wiederholt. Zur Unterscheidung dienen redaktionelle Zusätze „zweites Vorkommen“.

Die Kapitel haben Eingangsüberschriften und teilweise Sprecherangaben, aber keine durchgehende Reihe ausführlicher Schlusskolophone. Es wurden keine Kolophone ergänzt. Der Rahmendialog wird von Śāṇḍilya und Sanaka getragen. Eingeschobene Anreden an Nārada und den Lotosgeborenen bleiben erhalten. Sie zeigen unterschiedliche Redeebenen; sie werden nicht zu einer künstlich einheitlichen Sprecherfolge umgeschrieben.

Der Text enthält zahlreiche erkennbare Schreib- oder Übertragungsprobleme, etwa „pajha“ in Zusammenhängen, in denen „padma“ zu erwarten ist, und „brahna“ statt „brahma“. Diese Arbeitsgrundlage ersetzt keine kritisch geprüfte Sanskritedition. Bei Mantras darf eine beschädigte Buchstabenfolge nicht allein aufgrund ihrer äußeren Plausibilität als sichere Rezitationsfassung gelten.

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