Dhruva

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Dhruva ist der indische Name für den Polarstern. Dhruva ist eine wichtige Heilpflanze im Ayurveda. Dhruva war auch ein Kind, welches schon früh die Gottverwirklichung erreicht hat. Lies hier über alle Bedeutungen von Dhruva:

1. Dhruva (Sanskrit: ध्रुव dhruva adj. u. m.) fest, feststehend, unbeweglich, bleibend, dauernd, beständig, unveränderlich; bestimmt, festgesetzt; Polarstern, Himmelspol.

2. Dhruva (Sanskrit: ध्रुवा dhruvā f.) die Heilpflanze Desmodium gangeticum (Shalaparni); Ceylonesischer Bogenhanf (Madhusrava).

3. Dhruva ( Sanskrit ध्रुव dhruva ) m. u.a. Mittelpunkt eines Kreises, Pfosten, Stamm; beim Opfer gebrauchtes Gefäß.

Dhruva

Dhruva war in der indischen Mythologie ein junger Prinz, der den Palast verließ und in den Wald ging, um sechs Monate intensiv Yoga und Meditation bzw. Tapas zu praktizieren. Schließlich hatte Dhruva eine Vision (Darshana) von Vishnu und Dhruva erreichte die Unsterblichkeit. Weil der Polarstern immer am gleichen Ort hoch oben am Himmel zu sehen ist, ist der Polarstern der Stern des Dhruva, der eben auch Unsterblichkeit und Ewigkeit erlangt hat. Durch Tratak auf den Polarstern kann man den Segen von Dhruva erreichen und so selbst die Unsterblichkeit erfahren.

Dhruva kniend vor Garuda und Vishnu

Die Geschichte von Dhruva, erzählt von Swami Sivananda

Manu war der Ahnherrn der Menschheit. Priyavrata und Uttanapada waren u.a. Manus Kinder. Der Name Uttanapada bedeutet „mit erhobenem Fuß“. Das bezieht sich vielleicht auf eine frühere Daseinsform, in der seine Seele noch spirituell stark und nicht im Lauf materieller Geburt gefangen war, sondern einen Fuß in Mahar Loka (Name einer der himmlischen Ebenen) hatte. Uttanapada hatte zwei Frauen, Suruchi („die Anmutige“) und Suniti („die Tugendhafte“). Er hatte einen Sohn mit Suruchi mit dem Namen Uttama („der Beste“). Uttanapada hate auch einen Sohn mit Suniti mit dem Namen Dhruva („der Feste“).. Eines Tages saß Uttama auf dem Schoß seines Vaters. Dhruva sah das und wollte auch gern bei seinem Vater sein. Aus Angst vor Suruchi wagte Uttanapada nicht, die Arme nach Dhruva auszustrecken. Suruchi schimpfte Dhruva wegen seines unverschämten Ansinnens. Dhruva war durch die strengen Worte seiner Stiefmutter tief gekränkt. Deshalb wandte Dhruva sich ab. Dhruva ging zu seiner Mutter Suniti und klagte ihr seinen Kummer. Suniti riet ihrem erst fünfjährigen Sohn, in den Wald zu gehen um Askese zu üben.

So verließ Dhruva sein Zuhause, um Askese zu praktizieren, wie es seine Mutter vorgeschlagen hatte. Unterwegs traf ihn der Weise Narada. „Du bist noch so ein junges Kind, Dhruva!“, rief der große Weise. „Wie kannst du Ihn durch Askese finden, der nur durch intensive Yogapraxis, Konzentration und Leidenschaftslosigkeit über mehrere Leben hinweg zu erreichen ist? Nimm für den Augenblick von diesem Versuch Abstand, mein lieber Dhruva. Versuche es wieder, wenn du alle Freuden der Welt genossen hast und alt geworden bist.“

Aber Dhruva blieb fest bei seinem Vorsatz und drängte Narada, ihn in die Meditation einzuführen. Nara-da weihte Dhruva in die Geheimnisse des Mantras „Om Namo Bhagavate Vasudevaya“ ein, erklärte ihm, wie er über Vasudeva (Beiname Krishnas) meditieren solle. Narada wies Dhruva an, in Mathura, wo Krishna verehrt wird, Askese zu üben. Dhruva verbrachte seine Tage in strenger Kasteiung und Askese. Dhruva stand auf einem Fuß und lebte nur von Luft. Schließlich überprüfte der Herr seinen Atem und sah das Göttliche Licht in seinem Herzen. Er zog dieses Licht aus dem Herzen und als Dhruva aus dem überbewussten Zustand zurückkehrte, sah er den Erhabenen selbst vor sich stehen. Er war sprachlos. Gott Vasudeva sprach zu ihm: „Oh du tapferer Junge! Ich kenne deinen Entschluß. Sei gesegnet für immer. Ich weise dir einen Platz in ewigem Licht und unbegrenzter Selbstverwirklichung (Nirvana) zu, dort, wo die Planeten und Sterne verknüpft sind. Selbst wer eine ganze Weltenperiode (Kalpa) lang lebt, wird irgendwann einmal sterben, aber jener Ort wird niemals vergehen. Dharma, Agni, Kashyapa, Indra und die sieben Rishis und alle Himmelskörper umrunden ständig diesen Ort. Du wirst deinem Vater auf dem Thron nachfolgen und 36.000 Jahre lang regieren. Dein Bruder Uttama wird in einem Wald untergehen. Deine Stiefmutter Suruchi wird auf der Suche nach ihrem Sohn umkommen. Der Ort, an den du am Ende gehen wirst, ist meine eigene Wohnstätte, höher als die der Weisen, von wo es keine Rückkehr gibt.“

Dhruva kehrte zu seinen Eltern zurück. Sein Vater überließ ihm den Thron. Dhruva heiratete Brahmi, die Tochter von Simsumara. Dhruva und Brahmi hatten zwei Söhne , Kalpa und Vatsara. Mit einer zeiten Frau, Ila, hatte er einen weiteren Sohn, Utkala.

Dhruvas Bruder Uttama wurde bei einer Jagd von einem mächtigen Yaksha (Astralwesen) getötet. Dhruva zog nach Norden, um sich an den Yakshas für den Tod seines Bruders zu rächen. Er besiegte Tausende unschuldiger Yakshas und Kinnaras im Kampf. Manu hatte Mitleid mit den Yakshas und bat seinen Enkel, mit dem Kampf aufzuhören. Dhruva beugte sich aus Gehorsam gegenüber Manu. Daraufhin fand auch Kubera, der König der Yakshas, großen Gefallen an ihm und segnete ihn. Nach 36.000 Jahren kamen Sananda und Nanda, die beiden Gefährten Vishnus, mit einem Wagen und brachten Dhruva zu dem versprochenen himmlischen Wohnsitz.

Sukadev über Dhruva

Vishnu erscheint vor Dhruva, Bild von Raja Ravi Varma

Dhruva bedeutet fest, sicher, gefestigt. Dhruva ist auch der Name eines großen Meisters, Name eines Asketen, eines Yoga-Übenden, der in sehr jungen Jahren Gottverwirklichung erreicht hat und dann zum Polarstern geworden ist. Daher heißt Dhruva auch Polarstern.

Dhruva gehört zu den mythologischen Geschichten, die zum Teil eigenartig klingen, zum Teil auch inspirierend klingen und zum Teil auch helfen, so ein mystisches Erlebnis zu haben, wenn man in den Himmel schaut. Letztlich gibt es für jeden der Sterne und für jeden der Planeten eine mythologische Geschichte. Wenn du in den Himmel schaust, dann kannst du Gott erfahren. Wenn du den Polarstern, Dhruva, anschaust, dann kannst du im Herzen berührt sein. Du kannst Dhruva, den Polarstern, anschauen und kannst dir dort vorstellen: "Dort kommt eine spirituelle Energie her. Dort kommt eine Kraft her." Dort kannst du dich vom Herzen berühren lassen, dort kannst du Führung bekommen. Du kannst das auch mit anderen Sternen machen und auch mit den Planeten. Dhruva – Polarstern.

Jetzt, welche Geschichte gibt es für Dhruva? Ich sagte, für jeden dieser Sterne und auch für jedes Sternbild, für jeden Planeten, gibt es irgendeine Geschichte, die sagt, warum von diesem Stern und diesem Planeten besondere mystische und spirituelle Kraft ausgeht. Das war so eine Geschichte, Dhruva war der Sohn eines Königs. Und der König hatte zwei Frauen und von jeder Frau hatte er einen Sohn. Und die jüngere Frau war die Favoritin des Königs. Und der Dhruva war ein Junge – ich glaube, er war um die neun Jahre alt, vielleicht sogar noch jünger – jedenfalls, er wollte sich auf den Schoß seines Vaters setzen. Die jüngere Frau des Königs war auch anwesend und sie sagte dem Dhruva: "Nein, du darfst dich nicht auf den Schoß deines Vaters setzen. Das darf nur mein Sohn machen."

Das Eigenartige war jetzt, der Dhruva war zutiefst gekränkt. Er ging dann zu seiner Mutter und sagte zur Mutter: "Oh Mutter, mein Vater lässt mich nicht auf seinen Schoß sitzen, bzw. meine Stiefmutter lässt mich nicht." Und die Mutter von Dhruva, die eine spirituelle Frau war, sagte: "Das macht nicht so viel. Letztlich, mache das, was geht, und da können wir jetzt erstmal nichts ändern. Aber es gibt auch eine andere Art von Vater. Zu dem kannst du beten und mit dem kannst du dich ganz verbinden." Und Dhruva fragte: "Wer ist dieser Vater?" So sagte sie: "Ja, das ist Gott. In Wahrheit sind wir alle Kinder Gottes und du kannst zu Gott auf den Schoß gehen und du kannst mit Gott verbunden sein." Dann fragte Dhruva: "Ja, wie kann ich das tun?" Und dann sagte seine Mutter: "Du kannst das machen, indem du zu Gott betest, indem du intensive Askese übst und indem du Gott verehrst."

So ging Dhruva weg von Zuhause, um intensiv zu praktizieren. Er stand auf einem Bein, er brachte seinen Körper in die schwierigsten Verrenkungen. Wir würden heute sagen, er machte Asanas. Er hielt die Luft an, er machte Pranayama. Er aß nur von Wurzeln und Blättern, verzichtete auf Feuer. Wir würden sagen, er machte Rohkost. Und er meditierte sehr viel. Und eines Tages kam auch ein spiritueller Lehrer zu Dhruva und weihte ihn ein in ein Vishnu Mantra. Und als Dhruva dann sehr tief mit diesem Vishnu Mantra meditierte, dort erfuhr er die Vision von Vishnu und er erreichte die Gottverwirklichung. Und Vishnu sagte ihm: "Weil du mich so tief verehrt hast, deshalb werde ich dich, Oh Dhruva, als leuchtendes Beispiel an den Himmel setzen. Du wirst die Energie hinter dem Polarstern sein." Und so wurde Dhruva zum Polarstern.

Dhruva als Polarstern hat die Seeleute in alten Zeiten gelenkt, denn so konnten sie wissen, wo der Nordpol ist. Vor der Erfindung vom Navi – es gab tatsächlich mal eine Zeit, wo es kein Navi gab, auch noch nicht mal auf dem Schiff – vor Erfindung des Kompasses – auch Kompass ist noch gar nicht so alt – da haben sich die Menschen an den Sternen orientiert und da war Dhruva, der Polarstern, von besonderer Wichtigkeit.

In ähnlicher Form kannst auch du dich an Dhruva wenden. Es mag sein, dass Menschen dich manchmal nicht gerecht behandelt. Es mag sein, dass Menschen nicht das tun, was dir eigentlich zusteht. Es mag sein, dass deine Liebe auch gekränkt wird. Eines kannst du dann tun, du kannst dich an Gott wenden. Die Liebe zu Gott wird nie enttäuscht werden. Die Liebe zu Gott hilft dir, wirklich dann Gott zu erfahren. Und wenn du Gottesliebe erfahren hast, dann hast du Liebe für alle Menschen und erfährst die Liebe zu Gott in allen Menschen.

Daher kannst du Dhruva dir zum Polarstern werden lassen, zur Richtung. Dhruva, wörtlich also, „"der fest ist, der sicher ist, der gefestigt ist". Dhruva war jemand, der gefestigt war. So wie er Gott erreichen wollten, hat er alles daran gesetzt, Gott zu erreichen. So mögest du als Aspirant Dhruva, fest und sicher, sein. Und mögest du auch Dhruva, wie den Polarstern, als deinen Leuchtstern nehmen, ihm nachstreben, im Sinne von, nach Gott streben. Und erinnere dich daran, wann immer du irgendwo in zwischenmenschlichen Beziehungen in Enttäuschungen kommst, was Dhruva dann gemacht hatte. Und oft zeigt sich Gott in zwischenmenschlichen Schwierigkeiten, er ist wie ein Wecker, der Wecker. Wende dich an Gott und erfahre Gott, das ist das, was dauerhaft ist. Nochmals, Dhruva – fest, sicher, gefestigt, Asket und Vishnu-Verehrer, Selbstverwirklichter und Polarstern, die Energie hinter dem Polarstern.

Siehe auch

Literatur

  • Dowson, John: A Classical Dictionary of Hindu Mythology and Religion – Geography, History and Religion; D.K.Printworld Ltd., New Delhi, India, 2005

Weblinks

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