Jayakhya Samhita

Aus Yogawiki

Jayakhya Samhita (Sanskrit: जयाख्यसंहिता, Jayākhyasaṃhitā) ist eine bedeutende Schrift des Pāñcarātra, in der die Verehrung von Vishnu zu einem umfassenden Weg innerer Verwandlung wird. Hingabe öffnet das Herz; Mantra sammelt Sprache und Geist; Puja gibt der Liebe eine sichtbare Gestalt; Yoga und Erkenntnis führen zur Erfahrung der göttlichen Gegenwart. Das Göttliche ist hier nicht nur ein fernes Ziel: In seiner feinen Gestalt wohnt es im Herzen aller Wesen, in seiner höchsten Gestalt durchdringt es alles wie der Saft einen Baum (4.24–26).

Vishnu: Erhalter, innere Gegenwart und höchste Zuflucht in der Jayakhya Samhita.

Die Schrift beginnt mit einer menschlich nahen Frage: Wie kann jemand, der sich im Meer des Daseins verloren fühlt, einen tragfähigen Weg zur Freiheit finden? Die Antwort verbindet Unterweisung durch einen Guru, Einweihung, geordnete Verehrung, ethische Reifung und Meditation. Nicht bloß die Zahl der vollbrachten Rituale entscheidet. Entscheidend ist, dass Übung zu Klarheit wird und Klarheit das ganze Leben erfasst.

Die Jayakhya Samhita spricht aus einer eigenen vaiṣṇavischen Überlieferung. Ihre detaillierten Verfahren sind in diesem Zusammenhang zu lesen. Zugleich enthalten ihre Kapitel über Erkenntnis, den inneren Gottesdienst und Yoga Anregungen, die auch heutigen Aspiranten helfen können: achtsam leben, dem Wohl anderer dienen, den Geist sammeln und in allem die Gegenwart des Göttlichen suchen.

Zur Ausgabe: Einführung und deutsche Übersetzung · Sanskrit in IAST · Sanskrit in Devanagari · 108 inspirierende Verse und Mantras

Was Yoga-Aspiranten aus der Jayakhya Samhita lernen können

Beginne mit der ehrlichen Sehnsucht nach Wahrheit. „Wer bin ich? Was ist mein Wesen?“ Diese Fragen stehen in 5.7 am Beginn einer vertieften Suche. Sie sind keine Aufforderung zur Selbstverurteilung. Sie laden dazu ein, unter wechselnden Rollen, Erwartungen und Stimmungen das Beständige zu suchen.

Lass deine Praxis das Herz weicher machen. Die Samhita nennt Mitgefühl mit allen Lebewesen, Freiheit von Härte, Geduld und wahrhaftiges Sprechen als Glieder des Weges (4.45–49). Die Tiefe einer Meditation zeigt sich deshalb auch darin, wie wir zuhören, mit Konflikten umgehen und Schwächeren begegnen.

Verbinde Hingabe mit Verstehen. Die Schrift beschreibt Verehrung und Erkenntnis als aufeinander bezogen. Das Herz darf lieben, und der Verstand darf fragen. Nārada stellt immer wieder Rückfragen; diese gehören zum Lehrgespräch und führen zu tieferer Einsicht.

Übe beständig, ohne nach besonderen Kräften zu greifen. 5.11 hebt den Mantraübenden hervor, der sich ganz der Verehrung widmet, aber nicht nach Siddhis giert. Für die tägliche Sadhana kann das heißen: aufmerksam beim vertrauten Mantra bleiben, statt jede Sitzung nach außergewöhnlichen Erlebnissen zu beurteilen.

Nimm die innere Verehrung ernst. Kapitel 12 behandelt den geistigen Gottesdienst vor der äußeren Verehrung in Kapitel 13. Diese Reihenfolge macht die innere Sammlung nicht zu einer nebensächlichen Zugabe. Eine kleine Darbringung kann in heutiger Praxis zum Anlass werden, zugleich Dankbarkeit, Aufmerksamkeit und die eigene Bereitschaft zum Guten darzubringen.

Gib dem Geist Zeit, klar zu werden. 5.15–18 vergleicht ihn mit klarem Herbstwasser, einem wellenlosen Meer und einer windstillen Flamme. Diese Bilder begleiten Meditation ohne Leistungsdruck: Klarheit wächst durch wiederholte, geduldige Hinwendung.

Die hier formulierten Alltagsanregungen sind eine heutige Anwendung der Lehre. Die vollständigen traditionellen Einweihungs- und Mantraverfahren setzen dagegen ihre eigene Unterweisung voraus.

Hintergrund und Überlieferung

Die Jayakhya Samhita gehört zur Literatur des Pancharatra. Ihr Sanskrittitel lautet Jayākhyasaṃhitā, „die Jaya genannte Sammlung“. Der erste Kapitelabschnitt verbindet den Namen Jaya mit Sieg und dem Wohl der Verehrer (1.73–78 und anschließender Halbvers). Diese Deutung gehört zur Selbstdarstellung des Werkes.

Die Erzählung besitzt mehrere Ebenen. Saṃvartaka fragt seinen Vater Aurva nach Befreiung. Aurva berichtet von Sehern, die nach langem Bemühen Śāṇḍilya aufsuchen. Dieser gibt die Unterweisung weiter, die er von Nārada empfangen hat. Das zentrale Lehrgespräch entfaltet sich zwischen Nārada und dem Erhabenen, Viṣṇu. Diese Folge veranschaulicht die Bedeutung lebendiger Übertragung.

Der Zusatz zu Kapitel 1 bezeichnet die Sattvata Samhita, die Pauṣkara Saṃhitā und die Jayakhya Samhita als Ratnatraya, „drei Juwelen“ (Zusatz 1–3). Diese Aussage steht ausdrücklich in der Zusatzüberlieferung. Deren Verse 6–8 ordnen weitere Samhitas als erläuternde Schriften zu. Die Ahirbudhnya Samhita ist ein verwandtes Werk derselben weiteren Tradition; daraus folgt keine Gleichheit ihrer einzelnen Lehren und Rituale. Auch Bhagavad Gita, Vishnu Purana und Bhagavata Purana bieten Vergleichsmöglichkeiten für Hingabe und göttliche Manifestation, besitzen aber einen anderen literarischen Aufbau.

Aus den kosmischen Zeitangaben der Rahmenerzählung lässt sich kein historisches Entstehungsjahr ableiten. Die genaue Schichtung des Grundtextes und des Zusatzes wird hier nicht neu untersucht.

Aufbau der Jayakhya Samhita

Die 33 Paṭalas, Kapitel, entfalten mehrere aufeinander bezogene Bereiche:

  • Kapitel 1–5: Warum und was erkennen? Überlieferung, Schöpfung, Verhältnis von Bewusstsein und Urnatur, göttliche Entfaltung und Entstehung befreiender Erkenntnis.
  • Kapitel 6–8: Die Sprache der Gegenwart. Hauptmantras, Mantras für rituelle Mittel und Mudras werden in ihren Zusammenhängen entfaltet.
  • Kapitel 9–14: Vorbereitung und Verehrung. Bad, Versenkung, Nyasa, innerer Gottesdienst, äußerer Gottesdienst und Japa bilden eine Folge der Sammlung und Darbringung.
  • Kapitel 15–19: Rituelle Befähigung. Feuerritual, Diksha, unterschiedliche Schülerwege, Abhisheka und Zeichen der Mantra-Verwirklichung.
  • Kapitel 20–25: Verkörperte und gemeinschaftliche Religion. Einsetzung und Weihe, Pavitra-Ritus, vaiṣṇavische Lebensführung, Ahnenritual, Bestattungsriten und Verfahren zur Behebung ritueller Verfehlungen.
  • Kapitel 26–32: Spezialisierte Mantra-Sadhana. Wurzelmantra, göttliche Kräfte, Gliedmantras, göttliche Gesichter, Zubehör, ergänzende Gottheiten und weitere Verfahren. Viele dieser Abschnitte behandeln besondere rituelle Wirkungen.
  • Kapitel 33: Yoga und Abschluss der Unterweisung. Sammlung, meditative Gestalten, Laut und Raum, Versenkung und schließlich traditionelle Vorstellungen vom Ende des Körpers. Der Schluss kehrt zur verantwortlichen Weitergabe der Lehre zurück.

Die Kapitelüberschriften zeigen die Gesamtbewegung; sie ersetzen nicht die teilweise sehr detaillierten Unterteilungen innerhalb der Kapitel.

Vishnu, Narayana und die höchste Wirklichkeit

Nārāyaṇa, Viṣṇu und Vāsudeva bezeichnen im Lehrgespräch keine voneinander unabhängigen höchsten Götter. Sie erschließen die eine höchste Wirklichkeit unter verschiedenen Namen und Gestalten. Die Samhita verbindet personale Verehrung mit einer Sprache des grenzenlosen Bewusstseins und der Glückseligkeit.

In 4.23–25 unterscheidet sie eine grobe, eine feine und eine höchste Gestalt: kosmisches Wirken, Gegenwart im Herzen und allumfassende Glückseligkeit. Wer sich vor einem Bild verneigt, wendet sich aus dieser Sicht nicht notwendig von der höchsten Wirklichkeit ab. Die Gestalt kann die Sammlung auf eine Gegenwart ermöglichen, die durch keine Gestalt begrenzt wird.

Die sichtbare Gestalt dient der Sammlung auf eine Wirklichkeit, die nach der Samhita im Herzen und im ganzen All gegenwärtig ist.

Die Lakṣmī-Verehrung und weitere göttliche Kräfte sind in dieses Gefüge eingebunden. Für die besondere Bild- und Mantrawelt sind auch Narasiṃha, Kapila und Varāha wichtig (Kapitel 6 und 11). Hayagriva wird unter den Formen des Herrn in 33.56 genannt; daraus wird hier keine ausschließliche Hayagriva-Ausrichtung des Werkes abgeleitet.

Ein heutiger Narayana-Kirtan als musikalische Ergänzung zur Betrachtung, keine Rezitation der Samhita:

Vasudeva, Sankarshana, Pradyumna und Aniruddha

Die aus dem Pāñcarātra bekannte Gruppe Vasudeva, Sankarshana, Pradyumna und Aniruddha kommt auch in der Jayakhya Samhita vor. Im Mantragefüge von 6.195–198 gehört sie jedoch zu einer Fünfergruppe mit Satya, die als Upāṅga, ergänzende Glieder, bezeichnet wird. Kapitel 31 behandelt die entsprechende Sadhana.

Für die „reine Schöpfung“ in Kapitel 4 verwendet das Werk eine andere Folge: Vāsudeva – Acyuta – Satya – Puruṣa (4.2–18). Die Gestalten werden als gegenseitig durchlichtet und ungetrennt beschrieben, mit Gleichnissen von Leuchten, Spiegeln und durchsichtigem Kristall. Eine Darstellung, die überall schlicht die vier bekannteren Vyūha-Namen einsetzt, würde die Eigenart dieses Textes verdecken.

Auch im Ahnenritual werden diese Namen wirksam: Kapitel 23.115–140 verbindet die Vorfahren mit Aniruddha, Pradyumna, Sankarshana und Vasudeva und ordnet ihre Verehrung auf das höchste Ziel hin. Die Manifestationslehre bleibt damit nicht nur eine kosmologische Betrachtung, sondern prägt auch die Beziehung zwischen Lebenden und Verstorbenen.

Die göttlichen Entfaltungen verbinden Einheit und Vielheit. Sie werden hier nicht zu vier modernen Persönlichkeitstypen oder psychologischen Funktionen umgedeutet. Ihre Bedeutung erschließt sich aus Kosmologie, Mantra und Verehrung des Werkes selbst.

Guru, Diksha und spirituelle Übertragung

Der Guru erschließt den Sinn der Lehre und hilft, eine dem Schüler angemessene Praxis zu finden. 5.8–10 verbindet Unterweisung ausdrücklich mit dem Vermögen des Suchenden. Kapitel 16 behandelt die Diksha, Kapitel 17 unterscheidet Schülerwege und Kapitel 18 die weiterführende Weihe.

Die äußere Form der Einweihung berücksichtigt auch die Mittel des Schülers: Kapitel 16.4–6 unterscheidet aufwendige Mandala-Verehrung, einfachere Feuerhandlungen und für Mittellose die Begnadung durch das Wort. Die drei allgemeinen Einweihungsformen gelten hinsichtlich der Befreiung als gleichwertig (16.58). Ein Lehrer soll nicht aus Gier, Anhaftung oder Eigennutz handeln und gerade Furchtsamen und Leidenden helfen (17.52–53). Er soll Menschen nicht durch Argumentation oder Schriftberufung an sich ziehen und keinen übermäßigen Reichtum anhäufen (17.61–62).

Die hohe Verehrung des Gurus gründet in der Vorstellung, dass göttliches Mitgefühl durch Unterweisung wirksam wird: Der Lehrer hebt die im Dasein Versunkenen mit der Lehre empor (1.63–65). Für heutige Leser lässt sich daraus Dankbarkeit mit Verantwortung verbinden. Spirituelle Autorität verlangt Klarheit, Eignung und eine dem Menschen dienende Vermittlung; die Aussagen sind kein Freibrief für Willkür.

Die historischen Regeln zu sozialer Zugehörigkeit, rituellem Recht und Weitergabe gehören zur Gesellschafts- und Religionsordnung des Textes. Sie werden dokumentiert, aber nicht ohne Weiteres zu heutigen Regeln für alle Suchenden erklärt.

Mantra als göttliche Gegenwart

Ein Mantra ist im Werk nicht nur eine Bitte an eine abwesende Gottheit. Er ist eine Gestalt ihrer Gegenwart. Kapitel 6 erläutert Lautgestalten und Bījas, Kapitel 7 die Mantras der rituellen Ausstattung und Kapitel 14 die Wiederholung. Die Lautanweisungen sind oft durch besondere Namen für einzelne Buchstaben verschlüsselt.

In 14.4 werden laute, leise und geistige Wiederholung nach ihrem Zweck unterschieden; die geistige Wiederholung wird der Befreiung zugeordnet. In 14.56 verbindet der Text Bewusstsein, Mantra und den ungeborenen Hari. Hier gehören Sammlung und Gottesbezug zusammen.


Die Samhita unterscheidet die besonderen Wirkungen von Mantras vom höchsten Ziel. Die innere Haltung in 5.11 ist dabei wegweisend: dem Mantra hingegeben sein, ohne nach seinen Kräften zu gieren. Die zu dieser Ausgabe gehörende Mantrasammlung trennt sicher belegte Formeln von verschlüsselten Angaben und beschädigten Lesungen.

Nyasa und der geheiligte Körper

Nyasa bedeutet in diesem Zusammenhang das rituelle Einsetzen von Mantras und Gottheiten in Hände und Körper. Kapitel 11 beschreibt zunächst die Hände, dann den Leib. So wird der Körper als Ort göttlicher Gegenwart betrachtet, nicht lediglich als Hindernis auf dem Weg.

Die abschließende Vergegenwärtigung in 11.41 spricht in der ersten Person von Viṣṇu, Nārāyaṇa und Vāsudeva. Im Ritual ist dies eine bewusste Identifikation mit der Gottheit. Es meint keine Verherrlichung des gewöhnlichen persönlichen Ichs. Die Zuordnungen von Kräften, Nāḍīs und Körperorten gehören zur besonderen Anthropologie des Werkes; sie sind nicht ohne Prüfung mit jedem späteren Chakrensystem gleichzusetzen.

Äußere und innere Puja

Das zwölfte Kapitel trägt den Titel Mānasayāga, geistiger Gottesdienst. Der Übende, der sich zuvor als von Viṣṇu erfüllt vergegenwärtigt hat, verehrt Viṣṇu innerlich (12.1). Dabei werden kosmische Prinzipien, göttlicher Sitz und Gottheitsgestalt in einer differenzierten Meditation zusammengeführt. Die äußere Verehrung folgt im dreizehnten Kapitel.


Nārada fragt ausdrücklich, weshalb nach dem inneren Gottesdienst überhaupt noch äußere Verehrung nötig sei. Die Antwort verweist auf die über viele Leben erworbenen Prägungen: Innere und äußere Handlungen wirken gemeinsam an ihrer allmählichen Abschwächung (13.4–9). Fehlen äußere Gaben, dürfen sie geistig vergegenwärtigt und hingebungsvoll dargebracht werden (13.175–177). Auch Kapitel 9 kennt neben dem Wasser- und Mantrabad ein besonders hoch bewertetes Meditationsbad (9.66–69).

Die Bildweihe führt diese Verbindung weiter. In 20.208–251 wird die äußere Einsetzung von einer inneren Vergegenwärtigung getragen: Bewusstsein, Mantra und Klang verbinden den eigenen Leib und die Gottheitsgestalt. „Der Leib besteht aus Klang“, lautet die Anweisung in 20.240; auch das Bild soll als von diesem Wesen erfüllt betrachtet werden. Die Bitte um dauernde göttliche Gegenwart gilt ausdrücklich dem Wohl der Übenden (20.331–333).

Die innere Puja ist damit ein eigener, anspruchsvoller Bereich. Sie lässt sich nicht auf ein beliebiges „sich etwas Schönes vorstellen“ reduzieren. Für heutige Aspiranten eröffnet sie dennoch einen einfachen Gedanken: Was äußerlich dargebracht wird, kann innerlich von Dankbarkeit und Sammlung getragen sein. Mandala, Yantra, heilige Geräte und Bildverehrung sind aus ihrem jeweiligen Textzusammenhang zu verstehen.

Yoga und Meditation in der Jayakhya Samhita

Yoga umfasst hier vor allem Sammlung, Atemordnung, Rückzug des Geistes, Betrachtung und Versenkung. Kapitel 10 behandelt eine vorbereitende meditative Ordnung; Kapitel 33 entfaltet ausdrücklich Dhyana, Dharana und Samadhi. Dort werden auch Sitzhaltungen, Prāṇa, die Brahma-Nāḍī und feiner werdende Betrachtungsformen beschrieben.

Der Weg geht vom Groben zum Feinen und zum Höchsten (33.35). Bild, Laut und Raum sind unterschiedliche Betrachtungszugänge. Schließlich wird das gesonderte Objekt der Meditation aufgegeben (33.14, 33.34–36). Dies ist keine Abwertung liebevoller Gottesverehrung: Die Form erfüllt ihre Aufgabe, indem sie in die Wirklichkeit führt, auf die sie verweist.


Besonders bedeutsam steht am Anfang des Yogakapitels die ethische Haltung: kein Hochmut, das Wohl aller Wesen, Verehrung und Verzicht auf Schädigung (33.2–3). Diese Grundlage lässt sich nicht durch eine besonders aufwendige Technik ersetzen. Die späteren Spezialverfahren und Vorstellungen über das Verlassen des Körpers bleiben ihrem historischen und initiatorischen Zusammenhang zugeordnet.

Auch der Tageslauf erhält eine geistliche Ordnung. Kapitel 22.68–74 unterscheidet fünf Zeiten: Hinzutreten zum Göttlichen (Abhigamana), Beschaffen der Gaben (Upadana), Verehrung (Ijya), Studium (Adhyaya) und Yoga. Zum Studium gehören ausdrücklich Hören, Nachdenken, Auslegung und Rezitation. So stehen tätige Vorbereitung, Hingabe und prüfendes Verstehen nebeneinander; Meditation schließt den Tag ab, mit vorgesehenen Ruhezeiten.

Erkenntnis, Bhakti und Moksha

Die Samhita beschreibt Erkenntnis als mehr als begriffliches Wissen. Kapitel 4 unterscheidet handlungsbezogene Erkenntnis und Seins-Erkenntnis (4.40–50). Rechte Übung bereitet den Geist; Erkenntnis vertieft sich zur unmittelbaren Erfahrung. Kapitel 5 erläutert, warum Worte diese Erfahrung anregen, aber nicht ersetzen können.

Bhakti steht dazu nicht im Gegensatz. Gnade, Mantra, ethische Haltung und Meditation wirken zusammen. In 3.20 lautet der göttliche Entschluss: Der karmagebundene Mensch möge frei werden. In 5.15–18 wird beschrieben, wie der Geist klar und still wird und Erkenntnis im Herzensraum aufleuchtet.

Moksha wird als Ende erneuter Bindung und Wiedergeburt verstanden. Die Gleichnisse von Flüssen, die in den Ozean eingehen, und Wasserströmen, die wieder eins werden, machen die Überwindung trennender Begrenzung anschaulich (4.121–123). Diese Aussagen gehören zur eigenen Theologie der Samhita; sie werden nicht vorschnell einer einzigen späteren philosophischen Schule gleichgesetzt.

Die ausgedehnten Abschnitte über besondere Wirkungen der Mantras dürfen diese Zielrichtung nicht verdecken. Kapitel 31.48–49 mahnt, die dort behandelten höchsten Mantras nicht für gewöhnliche Siddhis einzusetzen, und nennt die ewige Befreiung als abschließende Gabe. Zugleich enthält das Werk historische Macht- und Schadensrituale. Zwischen ihnen und dem ausdrücklichen Verbot einer Tötung mittels Mantra nach 25.63 besteht eine Spannung, die nicht durch eine rein harmonisierende Darstellung verschwinden soll.

Jayakhya Samhita und andere Tantra Schriften

Die Jayakhya Samhita steht im Yoga Wiki neben zahlreichen weiteren Tantra Schriften. Diese Texte teilen häufig Begriffe wie Mantra, Diksha, Nyasa, Puja, Mandala, Guru und Meditation, gehören jedoch zu unterschiedlichen Überlieferungen. Ähnliche Fachbegriffe bedeuten deshalb nicht automatisch dieselbe Philosophie oder dieselbe Praxis. Für eine vergleichende Lektüre ist es hilfreich, Gemeinsamkeiten wahrzunehmen und zugleich die Eigenart jeder Schrift zu achten.

Schrift Gemeinsamkeiten mit der Jayakhya Samhita Charakteristischer Unterschied
Paushara Samhita Pāñcarātra, Vishnu- und Narayana-Verehrung, Mantra, Einweihung, Tempel- und Bildverehrung Besonders nahe Verwandtschaft innerhalb derselben größeren vaiṣṇavischen Āgama-Tradition; eigene Kapitelordnung und eigene Ritualsystematik
Kularnava Tantra Guru, Diksha, Mantra, spirituelle Reife, Verhältnis von Ritual und Befreiung Kaula-Tantra mit ausgeprägter Shiva-Shakti- und Kula-Lehre statt der vaiṣṇavischen Pāñcarātra-Perspektive
Tantraloka Einweihung, Mantra, Ritual, Meditation und die Frage nach dem inneren Sinn tantrischer Praxis Enzyklopädische Synthese des nichtdualen kaschmirischen Shaivismus bei Abhinavagupta; die Jayakhya Samhita bleibt in ihrem eigenen Pāñcarātra-Rahmen
Vijnana Bhairava Tantra Meditation, Sammlung und unmittelbare Hinwendung zum Göttlichen Schwerpunkt auf zahlreichen meditativen Zugängen im Bhairava-Śaivismus; wesentlich weniger Tempel-, Weihe- und Ritualsystematik als in der Jayakhya Samhita
Yogini Hridaya und Vamakeshvara Tantra Mantra, Nyasa, Chakra beziehungsweise Mandala, innere und äußere Puja Sri Vidya und Verehrung von Tripura Sundari sowie des Shri Chakra statt der Vāsudeva-Nārāyaṇa-Theologie des Pāñcarātra
Tripura Rahasya Erkenntnis, innere Sammlung, Guru und Befreiung Stärker erzählerisch-philosophische und erkenntnisorientierte Shakta-Schrift; die Jayakhya Samhita entfaltet wesentlich ausführlicher die liturgische und initiatorische Ordnung

Auch Shiva Sutra, Spandakarika, Pratyabhijnahridaya, Svacchanda Tantra, Netra Tantra, Mrigendra Tantra, Nitya Shodashikarnava, Kama Kala Vilasa und Dakshinamurti Samhita zeigen, wie unterschiedlich die unter dem weiten Begriff Tantra zusammengefassten Wege sein können. Manche rücken nichtduale Erkenntnis in den Vordergrund, andere Göttinnenverehrung, Ritual, Mantra oder Tempelpraxis. Die Jayakhya Samhita zeichnet sich innerhalb dieses Spektrums durch ihre Verbindung von vaiṣṇavischer Gottesverehrung, Mantra- und Einweihungslehre, innerer Meditation, ritueller Präzision und dem Ziel der Befreiung aus.

Solche Vergleiche sollen keine direkte Abhängigkeit zwischen den Werken behaupten. Sie helfen vielmehr, die Jayakhya Samhita als eigenständige Stimme innerhalb der vielfältigen indischen Tantra- und Āgama-Literatur zu verstehen.

Deutsche Übersetzung der Jayakhya Samhita

Versnummern folgen der Textgrundlage, einschließlich ihrer Unregelmäßigkeiten. Über mehrere Verse laufende Sätze bleiben möglichst zusammenhängend lesbar. Eckige Klammern kennzeichnen Ergänzungen oder lokale Unsicherheit. Die Kapitelkolophone werden übersetzt; editorische Sanskrit-Zwischenüberschriften werden nicht als zusätzliche Verse behandelt.

Kapitel 1: Anlass und Überlieferung der Lehre

1.1 Verehrung dem Träger des Diskus, der alles Heil schenkt und die im Ozean der Sinnesgegenstände Versunkenen emporhebt. 1.2 An einem Ort, den vollendete Wesen verehren, an dem göttliche und brahmanische Seher weilen, der von Asketen erfüllt und von rechtschaffenen Menschen aufgesucht wird, 1.3 am vorzüglichsten Wallfahrtsort Prabhāsa, wo der erhabene Viṣṇu, das Selbst des Alls und der Herr, der den Welten Gnade erweist, immer gegenwärtig ist, 1.4 lebte einer, der sich dem Dienst an seinem Vater und der Folge der Lehrer widmete, stets Befreiung suchte, nicht anhaftete und frei von Missgunst war. 1.5 Saṃvartaka, eine Fülle von Glanz, erkannte sich als im Dasein versunken. Mit gefalteten Händen verneigte er sich und sprach zu seinem Vater Aurva. Saṃvartaka sprach: 1.6 Nenne mir, der ich im Meer des Saṃsāra versunken bin, das Mittel, durch dessen Erkenntnis weder ich noch irgendein anderer wiedergeboren werden muss. Aurva sprach: 1.7 Einst, mein Sohn, im Kṛtayuga, haben meine Vorfahren und die Seher, reich an Askese, in Selbstbeherrschung gefestigt und in Veden und Vedāṅgas bewandert, 1.8 nach vielen Tausenden Jahren strenger Askese aus einer bestimmten inneren Regung heraus Folgendes erwogen. Eingeklammerter Zusatz der Textgrundlage: [Diese Askese war] reich an Zufriedenheit und geregelter Übung und mit der Einhaltung von Gelübden verbunden. 1.9 „Am Ende unserer langen Askese stehen wir zwar im guten Dharma fest, haben den Bereich der Vollendung aber nicht erreicht und seufzen immer wieder. 1.10 Noch wissen wir nicht, was aus uns in diesem undurchdringlichen Dasein werden wird. Es gibt weder ein ewiges Verweilen im eigenen Wesen noch ein Ende der Bindung. 1.11 Auch die Genüsse hier sind nicht beständig. Was sollen wir in dieser Bedrängnis tun?“ So gerieten wir in Ungewissheit, weil die Askese keinen festen Abschluss fand. 1.12 Wir verfielen der Verwirrung. Da erhob sich eine gewaltige Stimme, hervorgerufen durch die nach göttlichem Dharma Fragenden, die in Meditation vertieft waren: 1.13 „Nicht durch Opfer und Vedenstudium, nicht durch bloße Gaben, nicht durch vielerlei Handlungen und Gelübde wie Cāndrāyaṇa 1.14 gewinnt man beständiges Verweilen im Himmel – geschweige denn Befreiung von der Bindung –, solange die höchste Wirklichkeit unerkannt bleibt: das Ewige, Unvergängliche, Acyuta, 1.15 der allgegenwärtige Weltenherr, immer erfüllt und unbefleckt, der nach seinem Willen Gestalt annimmt, ewig, rein, erwacht und vollkommen makellos. 1.16 Solange dieser höchste Gott mit diesen und weiteren Eigenschaften nicht erkannt ist, bleibt Befreiung selbst in Millionen Weltaltern schwer erreichbar, o Brahmanen. 1.17 Bemüht euch daher darum, dass der im Herzen wohnende Lehrer der Welt, dessen Wesen reines Bewusstsein ist und der Eigenschaften besitzt und doch jenseits der Guṇas ist, 1.18 euch Schutzlosen bald seine Gnade erweise.“ Als sie dies noch nie zuvor Gehörte vernahmen, waren sie freudigen Herzens. 1.19 Noch in diesem glückverheißenden Augenblick, mein Sohn, fragten sie beim Hören: „Was ist dies? Wer hat es gesprochen? Was ist dieses namenlose Brahman? 1.20 Wie können wir es recht erkennen?“ So sprachen sie zueinander. Als sie lange in Zweifel verharrten, 1.21 erhob sich erneut eine nektargleiche Stimme aus dem Himmel: „Jenes unvergängliche, unerschütterliche, höchste und ewige Brahman, 1.22 das höchste Ziel aller, erkennt als Acyuta, o Brahmanen. Auf ihn gestützt überqueren die in Brahman gegründeten Weisen das Meer des Daseins. 1.23 Er ist der lotusäugige Gott Nārāyaṇa, Viṣṇu, der Muschel und Diskus trägt und ganz vom Strom der Glückseligkeit erfüllt ist. 1.24 Wer sich ihm in Hingabe zuwendet und über das feine innere Selbst nachsinnt, gelangt zum Zustand Viṣṇus, frei von Alter und Tod.“ 1.25 Nachdem die Stimme so gesprochen hatte und wieder verstummte, waren wir froh und zufrieden und weithin von unserer inneren Bedrängnis befreit. 1.26 „Der Gott, dessen Leib das Śrīvatsa-Zeichen trägt, ist der Retter und Herrscher der drei Welten.“ So sammelten die askesereichen Seher ihren Geist. 1.27 Erneut erwogen sie: „Wie werden wir diesen Allgegenwärtigen erkennen? Wer in den drei Welten kennt den Gott der Götter wahrheitsgemäß? 1.28 Wem ist der erhabene Adhokṣaja, das höchste Selbst, gnädig?“ Durch die Kraft ihrer Askese erwogen sie all dies im Geist. 1.29 Schließlich wurde es allen innerlich Geläuterten klar: „Śāṇḍilya, so hört man auf Erden, hat in dieser Welt das zu Vollbringende vollbracht.“ 1.30 Darauf verließen sie alle ihre Einsiedelei mit Früchten und Blumen in den Händen und gingen dorthin, wo dieser vollendete Weise lebte. 1.31 Auf dem Berg Gandhamādana saß er behaglich mit Brahmanen zusammen, ausgestattet mit der Meisterschaft des Yoga, mit Askese und Leuchtkraft. 1.32 Der Berg war voller Wunder, von vielfältigen Blumen geschmückt, mit fruchttragenden Bäumen bestanden und von verschiedenartigen Mineralien gefärbt. 1.33 Er war lieblich, von Siddhas bewohnt und von Göttern aufgesucht. Dort lebten wohlbeherrschte Schüler, die der Askese, dem Yoga und ihren Gelübden hingegeben waren. 1.34 Von guten, erkenntnisreichen Schülern umgeben wie der Mond von den Planeten, wurde der in Erkenntnis und Handeln reiche Weise von den Sehern mit gefalteten Händen erblickt [Lesart unsicher]. 1.35 Alle begrüßten ihn der Reihe nach, und er ehrte sie seinerseits mit Früchten, Wurzeln, Wasser und Blumen. 1.36 Nachdem die Pflichten der Gastfreundschaft erfüllt waren, fragten alle eifrigen, askesereichen Seher den erhabenen, von Göttern verehrten Śāṇḍilya: 1.37 „Erhabener, wir möchten von der Verehrung Viṣṇus mit seinen wunderbaren Taten hören. Beschreibe uns gnädig das Handeln, das seine Verehrung ausmacht. 1.38 Denn wir haben höchst Erstaunliches aus dem Himmelsraum gehört: Solange die Wirklichkeit des Erhabenen nicht erkannt ist, bleibt das höchste Ziel schwer erreichbar, 1.39 und ebenso, solange er nicht durch sattviges Handeln verehrt wird. Zu unserer Rettung und zur Rettung anderer im Dasein befindlicher Wesen 1.40 mögest du den göttlichen Dharma ganz und wahrheitsgemäß erklären.“ – Śāṇḍilya sprach: „Hört alle gesammelt diese wesentliche Lehre Viṣṇus von wunderbarer Strahlkraft, 1.41 diese große geheime Erkenntnislehre, verborgen und nicht wahllos zu verkünden, ewig und Brahman in sich tragend. 1.42 Einst wurde sie Nārada aus Gnade mitgeteilt. Wegen ihrer großen Verborgenheit wurde sie aber in dieser Welt nicht öffentlich bekannt. 1.43 Niemand verlangte nach ihr, aus Ehrfurcht vor dem Dharma. Nach langer Zeit verschwand sie wieder [unsichere Lesung]. 1.44 Der machtvolle Viṣṇu erschien erneut und sprach sie wiederum zu dem Weisen, der eine Teilmanifestation seiner selbst war. 1.45 In der Einsiedelei Badarī weilend, ließ der zum Wohl der Welt wirkende Herr durch diese Lebensordnung den Weg des Dharma wieder hervortreten, ihr Trefflichen. 1.46 Siddhas, Himmelswanderer, Götter, Seher und Menschen hörten zu, 1.47 ebenso Mṛkaṇḍu, Tārkṣya und andere, die großen Ādityas, Kinnaras, Daityas und die innerlich gesammelten Vasus, 1.48 Sāṃkhya-Kenner, im Yoga Vollendete und Kenner von Wissen und verwirklichter Erkenntnis. Hört nun, beste Weise, diesen Dharma, der über den Saṃsāra hinüberführt, 1.49 wie ich ihn einst von dem zufriedengestellten Nārada empfing: verbunden mit aller Erkenntnis und rechter Handlung, ein Mittel zu allen Vollendungen. 1.50 Knapp ist er und doch von großer Bedeutung; er schenkt rechte Unterscheidung. Als die Essenz erkennend, habe ich ihn einst studiert. 1.51 Er führt rasch zur Erfüllung von Dharma, Lebensunterhalt, erfülltem Verlangen und Befreiung. Nach dem Studium vernahm ich jene höchste Erkenntnis unter allen Erkenntnissen, 1.52 durch deren Gnade ich nicht erneut in diesem Dasein geboren werde. Sie will ich euch entsprechend der überlieferten Lehre mitteilen. 1.53 Denn die Schrift trägt Frucht, wenn sie frei von Zweifeln in der Folge von Lehrer und Schüler Schritt für Schritt verstanden wird. 1.54 Nehmt deshalb zuerst mit Sorgfalt die rechte Haltung an, verbunden mit Hingabe, Vertrauen und gläubiger Offenheit [Lesart am Versende unsicher]. 1.55 Wer auch seinen ganzen Besitz gäbe, aber ohne Hingabe und Vertrauen wäre, ohne rechte Haltung und gutes Verhalten, hochmütig und den Sinn der Lehre herabsetzend, 1.56 dem soll die Lehre nicht mitgeteilt werden; wer es dennoch tut, fällt. Wer sie aber in rechtem Verhalten lehrt und ebenso hört – beide 1.57 gelangen zum Zustand des Weltursprungs, jenseits des furchtbaren verkehrten Daseins. Denn Erfahrung, Befreiung und alles Weitere gründen in dieser Lehre, o Brahmanen. 1.58 Den vaiṣṇavischen Guru, der Erkenntnis lehrt, soll man wie Viṣṇu ansehen und mit Sprache, Geist und Körper ehren. So handelt ein Schriftkundiger, so ein Verehrer Viṣṇus. 1.59 Schon wer einen Viertelvers lehrt, verdient stets Achtung; wie viel mehr derjenige, der das Wesen des erhabenen Viṣṇu erschließt! 1.60 Auch der Lehrer der Schrift, dessen Geist in ihrem Sinn aufgegangen ist: Aus der Verehrung dieser Dreiheit – des Herrn, der Schrift und des Gurus – 1.61 entsteht eine unverminderte Frucht hier und jenseits. Nārāyaṇa ist das höchste Brahman; durch Erkenntnis wird es erlangt. 1.62 Das Mittel der Erkenntnis ist die Schrift; diese kommt aus dem Mund des Gurus. Deshalb hängt die Erlangung Brahmans vom Guru ab. 1.63 Aus diesem Grund gilt der Guru als höchst ehrwürdig, o Brahmanen. Denn der göttliche Weltenherr nimmt einen sterblichen Leib an 1.64 und hebt aus Mitgefühl, die Schrift in der Hand, die versunkenen Wesen empor. Deshalb soll derjenige, der sich vor dem Saṃsāra fürchtet, dem Guru Hingabe entgegenbringen. 1.65 Wer mit der Augensalbe der Lehre die Finsternis der Unwissenheit vertreibt und die Schrift verkündet, die Schuld nimmt, heilsam ist, läutert und Erfahrung wie Befreiung schenkt, 1.66 die Frieden und großen Sinn gewährt, ist ein Lehrer der Welt.“ So angesprochen von diesem Brahman-kennerischen Weisen, 1.67 erhoben sich alle Seher von ihren Sitzen, wurden friedvollen Geistes und fielen ihm zu Füßen, innerlich ganz auf ihn ausgerichtet. 1.68 Der zufriedene Weise, ein Kenner Brahmans, legte den gesammelten Sehern die Viṣṇu-Hand auf das Haupt [Fragezeichen bereits in der Textgrundlage]. 1.69 Nachdem er sich vor Acyuta, Hari, verneigt hatte, verkündete der beste Brahmane die in Folge überlieferte große Schrift, deren Frucht der Nektar der Erkenntnis ist. 1.70 Als einst ein Kṛtayuga im Pauṣkara-Brahmakalpa begonnen hatte, o beste Weise, und Adhokṣaja unmittelbar gegenwärtig war, 1.71 als der Weltvater gereift, von Verlangen und Zorn frei und die drei Welten mit allem Beweglichen und Unbeweglichen ohne Bedrängnis waren, 1.72 als der Dharma erstarkt und Adharma vergangen war, wurde der lotusäugige Gott von Nārada befragt. 1.73 Zum Sieg und zum Heil seiner Verehrer [gab er] diese glückverheißende, im Anuṣṭubh-Metrum gebundene Essenz der Essenz, 1.74 diese Nektar bergende Sammlung, die der Lehrer der drei Welten dem fragenden Nārada verkündete, indem er das Wesentliche herauszog. 1.75 Durch seine Allwissenheit erkannte er vollständig und wahrheitsgemäß [die umfassende Lehre] von eineinhalb Koṭis an Umfang, welche die Erkenntnis der Erkennenden entfaltet. 1.76 Das Jaya genannte Tantra ging aus dem Ursprung Brahman hervor [Titelwortlaut an dieser Stelle beschädigt], wie von selbst ein Donner aus dem gestaltlosen Himmelsraum entsteht. 1.77 Ebenso ging aus dem friedvollen, bewusstseinsgestaltigen Ursprung die Lehre als Laut hervor. Unveränderlich und frei von gedanklichem Entwurf ist die höchste Gestalt des Herrn. 1.78 Was an dem Weltenhalter Entfaltung ist, wird Laut-Brahman genannt. Seit jener Zeit, o beste Weise, wurde in dieser Welt Unnummerierter Schluss-Halbvers: durch den Allgestalter der reine Name „Jaya“ geprägt.

Zusatzüberlieferung zu Kapitel 1 – eigene Zählung 1–163 Der folgende Abschnitt ist in der Textgrundlage ausdrücklich als zusätzlicher Text gekennzeichnet. Er entfaltet die besondere Überlieferung des Heiligtums Hastigiri und enthält auch die Erzählung eines vedischen Pferdeopfers. Seine Rangordnungen und Ritualangaben werden als Aussagen dieses Textes dokumentiert.

1.Z1 Nārāyaṇa selbst ist der Verkünder des gesamten Pāñcarātra. So ist die Würde der göttlichen Lehre überall bekannt. 1.Z2 Sāttvata, Pauṣkara und das hervorragende Jayākhya-Tantra sind als die „drei Juwelen“ bekannt. Ihre Besonderheit wird hier erläutert. 1.Z3 Diese drei Juwelen sind die von den Weisen anerkannte geheime Essenz der Sāttvata-Lehre und unmittelbar aus dem Mund des Erhabenen hervorgegangen. 1.Z4 Ebenso, ohne Verminderung oder Vermehrung, wurden sie weitergegeben. Die anderen Tantras dagegen stützen sich auf die aus dem Mund des Erhabenen hervorgegangene 1.Z5 Essenz und entfalten sie durch Verkürzung und Erweiterung, nach der Weise von Erläuterung und Ergänzung. 1.Z6 Ihre Würde gründet somit im Verhältnis von Grundtext und Erklärung. Unter den hundertacht Tantras ist die Pārameśvara Saṃhitā 1.Z7 als Erläuterung erschienen, um den Sinn der Pauṣkara zu entfalten; das hervorragende Īśvara-Tantra dient der Erklärung der Sāttvata. 1.Z8 Die Erklärung dieses Jayākhya-Tantras wird Pādma genannt. Unter den Orten der göttlichen Selbstmanifestation auf Erden, 1.Z9 deren Zahl hundertacht beträgt, sind vier als vornehmste Juwelen hervorzuheben: Śrīraṅga, Veṅkaṭādri, sodann Hastiśaila 1.Z10 und Nārāyaṇādri [im Text „nārāyaṇādi“]: dies sind die vier göttlichen Orte. Außer Veṅkaṭādri folgen die übrigen Heiligtümer des Gottes der Götter, 1.Z11 diese drei Juwelen, den drei Juwelen der Tantras. Wegen ihres Verhältnisses von Grundtext und Erläuterung sind sie wechselseitig aufeinander bezogen. 1.Z12 Daher soll der Kundige diese Dreizahl von Tantras als eine Lehre verstehen. Sāttvata auf Yaduśaila und Pauṣkara in Śrīraṅga, 1.Z13 Jayākhya auf Hastiśaila besitzen jeweils die führende Stellung. Das Pādma-Tantra auf Hastiśaila, Pārameśvara in Śrīraṅga 1.Z14 und Īśvara auf Yādavādri werden für die Durchführung der Handlungen angewendet. Hastiśaila überragt Śrīraṅga und Yādavādri, 1.Z15 wie der mit großen Vorzügen ausgestattete Diamant Rubin und Vaiḍūrya überragt. Einst im Kṛtayuga schaute Brahmā den Gemahl Ramās unmittelbar. 1.Z16 Nachdem er ihn selbst verehrt hatte, unterwies er aus Gnade ehrwürdige Schüler in der vorzüglichen Folge seiner Verehrung. 1.Z17 Durch diese ließ der Lotusgeborene die Verehrung zu den rechten Zeiten vollziehen. Als ich dies von Nārada gehört hatte, fragte ich erneut: 1.Z18 „Erhabener, wie und wann wurde der Gemahl Kamalās unmittelbar geschaut? Erkläre mir dies, o Meister, und auch die Herrlichkeit des Elefantenberges.“ 1.Z19 So von mir befragt, sprach der erhabene Seher Nārada: „Gut hast du gefragt, mein Sohn; ich halte dich für lobenswert. 1.Z20 Jetzt will ich dir die Herrlichkeit Karīśailas beschreiben. Einst suchte ich den Erhabenen auf, der die Wesen hervorbringt, 1.Z21 den viergesichtigen Weltschöpfer und Herrn der Götter. Von mir befragt, beschrieb er die Größe Hastiśailas, die Gnadenfülle Varadas 1.Z22 und die Herrlichkeit des heiligen Bezirks Satyavrata. Das Wesentliche daraus will ich dir in Kürze mitteilen. 1.Z23 Höre aufmerksam und liebevoll, denn dies ist eine verborgene Essenz. Der Schöpfer, der Lotusgeborene, entstand aus dem Nabel-Lotus des Erhabenen. 1.Z24 Nachdem er die bewegliche und unbewegliche Welt erschaffen hatte, verfiel er großem Stolz. Der dreifache Hochmut auf Herkunft, gutes Verhalten und Bildung 1.Z25 überwältigt alle – wie viel mehr einen, der auf höchster Stelle steht! So berauschten Geistes suchte er den Gott der Götter, Ramās Gemahl, 1.Z26 durch Yoga unmittelbar zu schauen und bemühte sich aufs Äußerste. Doch einer unmittelbaren Schau der Gestalt des Gottes der Götter stand 1.Z27 unermesslich großes Fehlverhalten entgegen und hielt ihn zurück. Obwohl er immer wieder außerordentliche Anstrengungen vollbrachte, 1.Z28 erlangte er keine Vollendung, sondern wurde in seiner Versenkung gestört. Niedergeschlagen sann er immer wieder nach: 1.Z29 „Vergeblich habe ich mit meiner geringen Einsicht solche Mühe auf mich genommen. Mit dem Spiel des Auf- und Abstiegs durch göttliche Wohnstätten 1.Z30 habe ich meine Zeit verbracht und nicht einen Augenblick für die wirkliche Befreiung genutzt!“ Dann fasste der Einsichtige Mut und begab sich auf die Erde. 1.Z31 Mitten im Ganges begann er eine äußerst strenge Askese: auf der Spitze einer großen Zehe stehend, Atem und Bewegungen angehalten, 1.Z32 die Arme erhoben, ohne Nahrung, übte er große Härte. Doch sein affenhaft sprunghafter Geist fand nicht zu sich selbst. 1.Z33 Nicht einmal einen Augenblick vermochte er über den Herrn der Śrī zu meditieren. Als der Schöpfer so schwach und verzagt war, erhob sich aus dem Himmel 1.Z34 eine körperlose, heilvolle Stimme und belehrte den Lotusgeborenen: „Dein Geist ist in den Genuss deiner hohen Amtsstellung versunken. 1.Z35 Ohne tausend Pferdeopfer wird er nicht rein. Wie könnte ein ungereinigter Geist hier zur inneren Ruhe gelangen? 1.Z36 Und wie könnte in einem unruhigen Geist Meditation gelingen? Wenn du die Größe der Aufgabe und den langen Zeitaufwand fürchtest, 1.Z37 will ich dir ein leichteres Mittel nennen. Höre genau: Zweihundert Yojanas südlich des Ganges 1.Z38 liegt ein Gebiet von fünf Yojanas Breite und fünf Yojanas Länge bis zum Ufer des östlichen Meeres, mit allen Vorzügen ausgestattet, 1.Z39 ein höchst heiliger Ort der Vollendung, dem Herrn der Śrī besonders lieb, bekannt als Satyavrata, dessen Name seinem Wesen entspricht. 1.Z40 Eine dort vollbrachte gute Handlung wächst tausendfach. Wenn du dort Hari mit einem einzigen Pferdeopfer verehrst, 1.Z41 erlangst du gewiss die Frucht von tausend Pferdeopfern. Dort verehrten in einem früheren Kalpa die Elefanten der Himmelsrichtungen den unvergänglichen Viṣṇu 1.Z42 auf dem Gipfel eines vorzüglichen Berges. Ihnen offenbarte sich der Gott, ein Ozean des Mitgefühls, 1.Z43 der Geliebte Kamalās, von lieblicher Gestalt und mit Lotusaugen. Seitdem wurde der Berg als Karigiri, Elefantenberg, bekannt. 1.Z44 Mache ihn selbst zum Opferplatz und verehre dort den Herrn mit einem Pferdeopfer. Durch die Herrlichkeit des gütigen Blickes von Lakṣmīs Geliebtem 1.Z45 wirst du groß, gesegnet, erfüllt und rein werden – daran besteht kein Zweifel.“ Als Viriñca diese Stimme hörte, wurde sein Herz froh. 1.Z46 Rasch begab er sich in den heiligen Bezirk Satyavrata. Er ließ Tvaṣṭṛ den Gipfel Hastigiris mit Meißeln zurechthauen und einen schönen, 1.Z47 für das Opfer geeigneten Altar errichten. Als Opferherr verehrte er nach der Schrift den Herrn Lakṣmīs, die Ursache aller Ursachen. 1.Z48 Der Ungeborene verehrte ihn durch das Pferdeopfer, das vorzüglichste der Opfer. Während in sämtlichen Mantras die Namen der jeweiligen Gottheiten 1.Z49 gesprochen wurden, meditierte der Schöpfer in seinem Herzen über den Gott der Götter, Ramās Gemahl, und brachte ihm sämtliche geopferten Gaben 1.Z50 voller Hingabe dar; er allein verstand dies [Satzbezug unsicher]. Der lotusäugige Gott Hari nahm sämtliche Opfergaben 1.Z51 selbst entgegen und genoss sie mit Wohlgefallen. Die Götter dagegen erhielten die für sie vorgesehenen Anteile nicht zur rechten Zeit. 1.Z52 Erwartungsvoll und übergangen, wurden sie unruhig. Alle traten zu Brahmā und fragten: 1.Z53 „Was geschieht hier? Welche Verwirrung! Wir sind verstört und getäuscht worden.“ Brahmā lächelte und erklärte es ihnen mit beruhigenden Worten. 1.Z54 „Ihr Götter seid einst von mir erschaffen worden. Ich bin euer Schöpfer und Vater. Wie wäre es passend, wenn der Vater seine Söhne unterwürfig verehrte? 1.Z55 Von Menschen, die den Wegen des Saṃsāra folgen und bestimmte Früchte begehren, sollt ihr verehrt werden; für diese Zwecke habt ihr eure Zuständigkeit erhalten. 1.Z56 Doch Hari ist das innere Selbst aller, der Herr über alles und auch mein Vater. Auf ihn, den göttlichen Geliebten Kamalās, sind hier 1.Z57 alle Opfergaben gerichtet. In den Mantras stehen zwar eure jeweiligen Namen, aber deren eigentlicher Bezug ist der erhabene Gemahl Kamalās. 1.Z58 Dies ist die Ausrichtung und die süße Essenz meines Opfers. Erkennt, dass ebenso die ausschließlich dem Höchsten Hingegebenen verfahren.“ 1.Z59 So belehrt, verloren die Götter ihre Unruhe. Durch das Verständnis des eigentlichen Sinnes zufrieden, ehrten sie Prajāpati mit den Worten: „Gut, sehr gut!“ 1.Z60 Bei heilvollen Vorhaben treten Hunderte von Hindernissen auf. Ebenso erhoben sich bei diesem großen Opfer zahlreiche Störungen. 1.Z61 Der Gott der Götter, Ramās Gemahl, besänftigte aus größter Gnade und Freude sämtliche aufgetretenen Hindernisse. 1.Z62 Als die von vielen Vorzügen erfüllte Zeit für das Opfer des Netzes, des Fettgewebes, gekommen war, erschienen allenthalben erfreuliche Vorzeichen: 1.Z63 im Monat Meṣa, in der hellen Monatshälfte, am vierzehnten Mondtag, unter dem glückverheißenden Mondhaus Hasta, an einem Sonntag. 1.Z64 Als beim morgendlichen Opfer das Darbringen des Fettgewebes beendet war, trat Hari aus dem Feuer hervor und nahm die Gabe an seine Lippen. 1.Z65 Der Herr erschien mit Śrī und Bhūmi in dem Puṇyakoṭi genannten Vimāna, das wie Millionen Sonnen und glühendes Gold strahlte. 1.Z66 Nach Westen gewandt, leuchtete er mit funkelnder Krone, dem senkrechten Stirnzeichen und Lotusaugen. 1.Z67 Seine schöne Nase glich einer Sesamblüte, einer Wunschliane; seine Unterlippe übertraf die Schönheit eines Korallenstücks. 1.Z68 Am tiefen, muschelgleichen Hals hing das Kaustubha-Juwel. Die Brust trug das Śrīvatsa-Zeichen; zwischen den Armen glänzten herrliche Ketten. 1.Z69 Seine vier Arme mit den fünf Waffen waren entzückend. Mit der lotustragenden Hand zeigte er erhoben die Geste der Furchtlosigkeit. 1.Z70 Die linke Hand schmückten Keule und Bogen. Am Hüftgurt trug er das vorzügliche göttliche Schwert Nandaka. 1.Z71 Sein gelbes Gewand ließ die Nabelvertiefung glänzend hervortreten [Lesung unsicher]; seine Oberschenkel übertrafen die Schönheit der Bananenstämme im Garten des Liebesgottes. 1.Z72 Von seinen spiegelähnlichen Knien strömte wunderbare Anmut aus; seine beiden Unterschenkel wetteiferten mit der Schönheit einer Kalācikā [Vergleichswort unsicher]. 1.Z73 Seine lieblichen Füße raubten den Lotussen all ihre Schönheit. Mit den beiden von Mitgefühl erfüllten Augen blickte er den Viergesichtigen an, 1.Z74 ihn liebevoll segnend, die Lippen von einem Lächeln belebt. So war er selbst in einer erhabenen, von Schönheit und Jugend leuchtenden 1.Z75 Gestalt erschienen. Alle verehrten den Gott, Ramās Gemahl, den Weltenherrn, und waren froh, weil ihre Augen ihr Ziel erreicht hatten. 1.Z76 Laut riefen sie: „Welch ein Glück! Welch ein Glück!“ Auch der Viergesichtige verehrte mit seinen acht Augen Acyuta, 1.Z77 den Herrn, der das Leid der Sichverneigenden nimmt und Wünsche gewährt. Vor Freude strahlend vollführte er vielerlei Bewegungen. 1.Z78 Als seine Erregung allmählich still geworden war, sprach der Gott zu ihm [Lesung des Verbs unsicher]: „Mein Sohn, Lotusgeborener, sieh die Größe des heiligen Bezirks Satyavrata! 1.Z79 Durch ein Pferdeopfer begehrtest du die Frucht von tausend; dadurch Reinheit des Geistes und durch diese 1.Z80 dessen Festigkeit und das Gelingen der Meditation. Die Frucht, die du erst am Ende einer Folge von Stufen erwartet hattest, 1.Z81 hast du mühelos schon auf der ersten Stufe erlangt, o Prajāpati. Durch dieses Pferdeopfer bin ich dir gnädig, du Gelübdetreuer. 1.Z82 Dieser süße Saft des Fettopfers erfreute mein Herz; er ist vom köstlichen Duft ausschließlicher Hingabe durchdrungen. 1.Z83 Diese Opfergabe ist mir stets lieber als alle Speisen. Darum wähle einen Segen nach deinem Herzen. 1.Z84 Wenn ich in den Bereich des Sehens trete, kann den Menschen alles gelingen.“ So angesprochen, war Brahmā, der Kenner des höchsten Sinns, hocherfreut. 1.Z85 Er verneigte sich vielfach, pries den Allgegenwärtigen und bat: „Wie du in Vaikuṇṭha und im Milchozean wohnst, 1.Z86 so möge dein Aufenthalt hier im Bezirk Satyavrata sein, auf dem Gipfel Hastiśailas, den alle Welten verehren. 1.Z87 In diesem Puṇyakoṭi-Vimāna mögen die Menschen dich stets schauen.“ So gebeten, stimmte der Erhabene, der seine Verehrer liebt, 1.Z88 zum Wohl aller Welten mit „So sei es!“ zu. In jenem Kṛtayuga verehrte Brahmā den Gott der Götter, Adhokṣaja, 1.Z89 selbst in eben dieser Gestalt als Acyuta. Im Tretāyuga verehrte ihn der große friedvolle Elefantenkönig Hari 1.Z90 mit Lotussen, die er mit seinem Rüssel gepflückt hatte. Als ihn ein Krokodil bedrängte, suchte er Zuflucht und wurde von Varada befreit. 1.Z91 Hari ließ ihn auf seinem Reittier Garuḍa in seine eigene Wohnstatt bringen. Im Dvāparayuga verehrte der Lehrer der Götter selbst 1.Z92 den Gott Varada und erlangte die von ihm ersehnte Vollendung. Zu Beginn des Kaliyuga sprach Varada zu Brahmā, 1.Z93 die ganze Welt betrachtend, mit freudigem Inneren: „Das Kali-Zeitalter ist gekommen. Die Menschen sind auf ihren eigenen Vorteil bedacht. 1.Z94 Durch die Verwirrung der Zeit wird kaum ein wahrhaft Hingebungsvoller zu sehen sein. Wenn sich unter Zehntausenden oder unermesslich vielen doch ein solcher 1.Z95 durch gute Eigenschaften Ausgezeichneter findet, wird die Welt ihn nicht anerkennen. Einer wird ihm aus Missgunst Fehler zuschreiben, 1.Z96 und alle anderen werden dies überall bekräftigen. Schließlich wird selbst er aus Entmutigung von seiner inneren Ausrichtung abfallen. 1.Z97 So mächtig ist diese Kali-Zeit. Deshalb gefällt es mir nicht, mein Sohn, auf dem Gipfel Hastiśailas 1.Z98 in dieser göttlichen Gestalt während des Kaliyuga zu wohnen. Zugleich habe ich versprochen, bis zum Ende des Kalpa hier zu bleiben. 1.Z99 Daher soll es so geschehen; ich werde dich dazu anweisen [Verb unsicher]. Ich bin Varada, der aus Mitgefühl den Verehrern Segen gewährt, o Schöpfer. 1.Z100 Darum soll dieser heilige Ort Tyāgamaṇṭapa heißen. Śrīraṅga habe ich den Namen Yogamaṇṭapa gegeben. 1.Z101 Veṅkaṭādri möge als Puṣpamaṇṭapa, Blumenhalle, erstrahlen; der Ort Yadugiri soll Vidyāmaṇṭapa, Halle des Wissens, genannt werden. 1.Z102 Dieser heilige, schöne Bezirk ist vorzüglich, mir lieb, göttlich und der beste unter den Orten der Befreiung. 1.Z103 Kein heiliger Bezirk oder Wallfahrtsort gleicht ihm. Darum errichte hier auf meine Weisung ein Heiligtum, o Brahmā. 1.Z104 Weil es die Gestalt sämtlicher Mantras besitzt, ist es allen anderen auf Erden überlegen. Das eigentliche Wesen dieser Anlage und dieses Heiligtums 1.Z105 kann niemand erkennen außer einem Menschen, den mein Blick getroffen hat. Im Gedanken an eine für die Kali-Zeit geeignete Ordnung habe ich 1.Z106 die Pāñcarātra genannte Lehre in rechter Weise offenbart. Nach der dort beschriebenen Weise setze drei Bilder ein: 1.Z107 das Hauptbild, das für rituelle Handlungen und das für Feste, und richte ihre Verehrung ein. Auch ein Bild für die Bali-Darbringung soll sorgfältig nach der Vorschrift angefertigt werden. 1.Z108 Unter den drei Juwelen gilt das Jayākhya-Tantra als das vorzüglichste. Nach seiner Vorschrift sollen Einsetzung und die übrigen Handlungen erfolgen. 1.Z109 Aupagāyana und Kauśika studieren die Kāṇva-Rezension, sind in der Lehre der Zufluchtnahme bewandert und beide fest in ihrer eigenen Ausrichtung. 1.Z110 Weihe sie nach dem Weg des Jayākhya-Tantras im Lotus-Maṇḍala ein, vollziehe ihre Lehrerweihe und übertrage ihnen die Verehrung. 1.Z111 Die Angehörigen ihrer Abstammungslinien sollen mich bis zum Ende des Kalpa verehren, nach dem Jayākhya-Tantra zusammen mit dem Pādma-Tantra. 1.Z112 Als Grundtext und Erläuterung sollen beide meine beständige Verehrung leiten. Bei diesen beiden liegt kein Fehler der Vermischung unterschiedlicher Tantras vor. 1.Z113 Für das Lehreramt, das Opferpriesteramt und meine Verehrung, o Lotusgeborener, sind die Angehörigen dieser beiden Linien die vornehmsten und mir wohlgefällig. 1.Z114 Prüfe innerlich, wer für die verschiedenen Dienste geeignet ist. Nach der Einweihung sollen diese Menschen vorschriftsgemäß eingesetzt werden. 1.Z115 In diesem Zuständigkeitsbereich stehen vor allem die beiden genannten Familien; zusammen mit Śāṇḍilya, Bharadvāja und dem Seher Mauñjāyana 1.Z116 bilden sie die fünf vornehmsten Linien, die der Kāṇva-Rezension folgen, für all meinen Dienst nach der heiligen Pāñcarātra-Lehre. 1.Z117 Lange haben jene beiden mich hier durch die Kraft ihrer Askese erfreut, mein Sohn. Den erbetenen Segen habe ich ihnen aus Liebe gewährt. 1.Z118 Mit den im Kātyāyana-Sūtra angegebenen vedischen Mantras, verbunden mit den durch die göttliche Lehre überlieferten göttlichen Mantras, 1.Z119 sollen sie unermüdlich alle Saṃskāras von der Empfängnisweihe an, die täglichen Pflichten und die anlassbezogenen Handlungen wie das Ahnenritual vollziehen. 1.Z120 Durch genau diese Lebensführung wird mein Herz erfreut – wie durch mit Zucker vermischte Milch, o Lotus-Thronender. 1.Z121 Du selbst sollst jährlich im Monat Caitra bei Vollmond in deiner eigenen Gestalt hierherkommen und mich, den Allgegenwärtigen, verehren, o Makelloser. 1.Z122 Jede Nacht wird Śeṣa, der vorzüglichste der Schlangen, mich in übernatürlicher Gestalt verehren.“ 1.Z123 So vom Gott angewiesen, richtete der Schöpfer seinen Geist nach dessen Willen und führte alles mit Liebe und Sorgfalt selbst aus. 1.Z124 Das göttliche Vimāna von unvergleichlichem Glanz, das alle Götter in sich schloss, war bei der Erscheinung des Herrn aus dem Feuer hervorgegangen. 1.Z125 Nach der Weisung Varadas, des Gottes der Götter, wurde es entsprechend den Bauvorschriften auf der Erde eingesetzt. 1.Z126 Auf göttliche Weisung erklärte Viriñca Viśvakarman genau, wie das göttliche Heiligtum zu bauen sei. 1.Z127 Dieser nahm den Auftrag ehrfürchtig an und errichtete das göttliche Heiligtum auf dem angewiesenen Weg, unter dessen Aufsicht. 1.Z128 In der Nähe des Gottes der Götter lagen zunächst drei Stufen, dem Praṇava entsprechend, als Ausdruck der dreifachen Wurzelmantragestalt [Kompositum mehrdeutig]. 1.Z129 Zur Erinnerung an den sechssilbigen Mantra von Ramās Gemahl errichtete er im Bereich der Vorhalle sechs Stufen. 1.Z130 Danach glänzte eine Reihe von vierundzwanzig Stufen, welche die vierundzwanzig Wirklichkeitsprinzipien verkörperte und der Gāyatrī entsprach. 1.Z131 Den höchsten Mantrakönig namens Dvaya vergegenwärtigend, schuf er mit selbstlosem Inneren zwei leuchtende Stufen. 1.Z132 Um sichtbar zu machen, dass der göttliche, den Herrn erfreuende Mantra des Leidnehmers der Sichverneigenden zehn Silben besitzt, schuf er danach zehn Stufen. 1.Z133 Was braucht es vieler Worte? Das große Heiligtum des Gottes der Götter wurde zur sichtbaren Darstellung der in der göttlichen Lehre genannten Kennzeichen. 1.Z134 Karīśa, der Gemahl Kamalās, erteilte dem Lotusgeborenen zu gegebener Zeit seine freie Weisung und ließ durch ihn sein Heiligtum errichten. 1.Z135 Zur vom Gott bestimmten Zeit ordnete der Lotusgeborene die Einsetzung nach dem Weg des Jayākhya-Tantras an. 1.Z136 Er ließ Viśvakarman das Hauptbild aus Holz, das Ritualbild aus Silber und das Festbild aus Kupfer anfertigen. 1.Z137 Ebenso ließ der Schöpfer das Bali-Bild nach Vorschrift anfertigen. Den Lehrer Aupagāyana, den asketischen Kauśika 1.Z138 und ihre jeweils zwei gesegneten Söhne, die Göttersöhnen glichen, weihte er ordnungsgemäß im Rad-Lotus-Maṇḍala ein. 1.Z139 Durch sie ließ er alles vom Pflügen des Bodens bis zur Einsetzung ausführen. Nachdem er zuvor das abschließende Bad für das Mondhaus Śravaṇa im Monat Vaiśākha bestimmt hatte, 1.Z140 ließ der Schöpfer am neunten Tag [wohl rückwärts vom Abschluss gerechnet; die Zählweise wird nicht ausdrücklich erklärt] die Fahne vorschriftsgemäß aufziehen. Am ersten Tag ließ er den Gottesherrn in einer strahlenden Halle 1.Z141 morgens aus Mitgefühl für die Verehrer durch die Straßen ziehen. Nachts vollzog er das Fest mit dem Löwen als Reittier. 1.Z142 Am zweiten Tag ließ er morgens den Schwanenwagen und nachts das große Fest mit der Sonnenscheibe durchführen. 1.Z143 Am dritten Tag morgens veranstaltete er das Garuḍa-Fest. Beim ersten Fest nach der Erscheinung des Gottes 1.Z144 zeigte Ramās Gemahl, auf dem göttlichen Sohn Vinatās reitend, erstmals seine eigene übernatürliche Gestalt 1.Z145 mitten im Haupttor. Deshalb gilt die Schau des Gottes auf Garuḍa in der Mitte vor dem Gopura als besonders bedeutsam. 1.Z146 Sie nimmt alle Schuld, ist heilig und wird ein Weg der Befreiung genannt. Nachts ließ er den Gott der Götter auf Hanumān ziehen. 1.Z147 Am Morgen des vierten Tages zeigte Hari den Verehrern auf dem Sitz Śeṣas seine Gestalt, wie im höchsten Himmelsraum. 1.Z148 Nachts fand das Fest auf der Mondscheibe statt. Am folgenden Morgen nahm er Mohinīs Gestalt an und bestieg die Schaukel beziehungsweise Sänfte. 1.Z149 Am fünften Tag erfreute der Gottesherr alle Verehrer. Nachts wurde sein Fest auf dem Yāla-Reittier abgehalten [Bezeichnung im Text]. 1.Z150 Am sechsten Morgen fand am Wunschbaum das Fest des Flötenspiels statt. Nachts zeigte er seine göttliche Gestalt auf dem Elefantenkönig. 1.Z151 Am siebten Tag setzte man ihn auf den göttlichen Wagen und feierte. Am achten Tag stieg Hari tagsüber in das Wasserbecken; 1.Z152 nachts bestieg er das Pferd und läuterte alle Welten. Am neunten Tag veranstaltete Ramās Gemahl die Sänftenprozession, 1.Z153 zeigte das Spiel liebevollen Unmuts zwischen Kamalā und Bhūmi und beging im vorzüglichen Ananta-Teich das große Abschlussbad. 1.Z154 Nachts weilte der Herr in dem Puṇyakoṭi genannten Vimāna, zog durch die ganze Stadt und läuterte alle Welten. 1.Z155 Am zehnten Tag mittags wurde das große Blumenopfer gefeiert; nachts war die Stadtprozession mit dem großen Vimāna vorgesehen. 1.Z156 Nachdem sämtliche Umfriedungen verlassen waren, wurde die Fahne des Vogelkönigs ordnungsgemäß eingeholt und der Verehrer reich geehrt. 1.Z157 So ließ er mit großer Feierlichkeit das Fest vollziehen. In dieser Weise wurde die Ordnung für das jährliche große Fest festgelegt. 1.Z158 Dazu kamen der Reihe nach Feste zu Monatshälften, Monaten, Sonnenhalbjahren und Jahren. Die beiden eingeweihten großen Seher Aupagāyana und Kauśika 1.Z159 verehrten den Gottesherrn hier abwechselnd mit Sorgfalt. Dieses herrliche Heiligtum wurde als Hastiśaila berühmt, 1.Z160 wo Varada verehrt wird, der Gott, der das Leid der Sichverneigenden nimmt. Seine ihm ergebenen Priester sind großherzig und von guten Eigenschaften strahlend. 1.Z161 Sie gelten hier als allen anderen führenden Pāñcarātrikas auf Erden überlegen. So ist die Herrlichkeit Hastiśailas 1.Z162 samt dem Gott, der Essenz des Tantra und dem Verehrer in Kürze erklärt. Wie ich dies einst aus dem Mund des Weisen Nārada hörte, 1.Z163 so habe ich es bei diesem Anlass vollständig und liebevoll erzählt. Nun beginne ich wieder mit dem eigentlichen Tantra. Unnummerierter Schluss-Halbvers des Zusatzes: Hört aufmerksam, mit großem Vertrauen und Hingabe!“

So endet im heiligen Pāñcarātra, in der Jayākhyasaṃhitā, das erste Kapitel: „Anlass und Überlieferung der Lehre“.


Kapitel 2: Brahmās Schöpfung

Die Seher sprachen: 2.1 Für uns, die wir im Schlamm der Unwissenheit versunken sind, bist du die Zuflucht, o großer Weiser. Was der Allgegenwärtige einst zu Brahmās Sohn, dem Seher, sprach, 2.2 das alles mögest du heute ausführlich und wahrheitsgemäß verkünden. [Nārada, Brahmās Sohn, suchte Befreiung von der Bindung des Daseins.] Śāṇḍilya sprach: 2.3 Er trat für sich selbst und zum Wohl der guten Verehrer vor, gedachte der Lotusfüße Haris und verneigte sein Haupt [Lesarten unsicher]. 2.4 Mit gefalteten Händen, gesammelt und mit freudig geöffnetem Gesicht und Blick, beugte er sich voller Liebe, um die Bedrängnis der Gegensätze zu stillen. 2.5 Nachdem er sich seinen Füßen genähert hatte, sprach er diesen Lobpreis. – Nārada sprach: Verehrung dem höchsten Herrn, der Ursache und dem Höchsten! 2.6 Verehrung dir mit tausend Häuptern und tausend Füßen, mit tausend Augen und Ohren, mit tausend wunderbaren Machterweisen! 2.7 Du hast den Glanz von tausend Sonnen und die Strahlen von tausend Monden. Verehrung dem höchsten Haṃsa, dem Höheren noch als das Hohe! 2.8 Verehrung dir, dessen Wesen Sattva und Frieden ist, der Zuflucht des Alls! Verehrung dem Sein, dem Aufheber des Werdens und dem Ursprung der Schöpfung! 2.9 Verehrung dem Goldkeimigen, Verehrung dem Träger aller Leiber! Verehrung dir, dem uranfänglichen Wesen der dreifachen vedischen Überlieferung, dem höchsten Selbst! 2.10 Du wohnst in der Höhle des Herzenslotus und ruhst im höchsten inneren Raum. Verehrung dir, der durch die beständige Übung der Kenner des Bhakti-Yoga zugänglich wird! 2.11 Du bist der Fisch mit geschlossenen Augen und die Schildkröte, die den Berg trägt. In einer erhabenen Gestalt hast du den Erdkreis emporgetragen. 2.12 In deiner einen Narasiṃha-Gestalt vereinigst du Furcht und Furchtlosigkeit. Als Vāmana verbirgst du deine Größe; ausgedehnt bist du Trivikrama. 2.13 In der lieblichen Rāma-Gestalt und in den drei Rāma-Erscheinungen hast du, o Gott, die Daityas und die in verborgenen Gestalten auftretenden Rākṣasas besiegt. 2.14 Du bist Kṛṣṇa in Kindergestalt, der Allgegenwärtige, Dāmodara, Hari. Für die Götter bist du Viśvarūpa, für die Sāṃkhya-Kenner der Herr Kapila. 2.15 Du bist das Ziel der Yogins, als Śeṣa der Träger der Erde; für die Wissenden bist du Saṅkarṣaṇa, für die Liebenden der mit Blumen bewaffnete Gott. 2.16 Als das Leben aller bist du Aniruddha, o Acyuta. Als Brahmā hast du die ganze Welt erschaffen, o Janārdana. 2.17 Selbst in Viṣṇus Gestalt gegenwärtig, erhältst du das Bestehende, o Keśava. In Rudras Gestalt löst du die Welt augenblicklich auf, o Govinda. 2.18 Als Opfer trägst du durch den Mund des Feuers die Opfergaben zu den Göttern und sämtliche Ahnenopfer zu den Vorfahren, o Weltenherr. 2.19 Mit Hingabe verehre ich dich, den Herrn, der Erlösung vom Dasein schenkt, den Gott, der den Göttern Freude und Unsterblichkeitsnektar gewährt. 2.20 In deinem Inneren bestehen die Welten, die Erdteile und die Meere samt Göttern, Dānavas und askesereichen Sehern, 2.21 samt Menschen, Dämonen, Flüssen und Bergen. Alles ist in dir, und du bist im Inneren von allem. 2.22 Du bist der Ursprung dieser Welt. Deiner gedenkend werden wir glücklich und immer erwacht, wo immer wir uns befinden. 2.23 Du bist der dreigliedrige Praṇava und die heiligen Rufe Bhūr, Bhuvas und Svar. Du bist der Hervorbringer des Ich-Prinzips und die Dreiheit, die die Welten hinüberführt. 2.24 Lehre mich rasch dasjenige, wodurch ich über das Dasein hinübergelange, mich auf höchste Einsicht gründe und das höchste Heil erreiche. 2.25 Zeige mir deine eigene Gestalt, o Gottesherr: Ich bin dein Verehrer, verlange nach höchster Erkenntnis und fürchte die Bedrängnis des Saṃsāra. 2.26 Wie du alles bis hin zur Welt Brahmās erschaffen hast, und den Himmelsraum durch deine schwer zu durchschreitende Māyā – das erkläre mir. Śāṇḍilya sprach: 2.27 So wurde der höchste Herr von dem göttlichen Seher Nārada mit ganz reiner Einsicht und höchster Hingabe gebeten. 2.28 Noch im Augenblick dieser Bitte zeigte Hari sein eigenes, schwer ergründliches Wesen: seine gegliederte und seine ungegliederte Gestalt. 2.29 Brahmās Sohn gelangte zu höchster Zufriedenheit. Voll großer Liebe und Demut sprach er erneut: 2.30 „Durch deine Gnade habe ich erkannt, was selbst den Göttern schwer zugänglich ist. Nun möchte ich von deiner Entstehung und deinen Manifestationen hören.“ Der Erhabene sprach: 2.31 Die Welt, die du siehst, o Brahmane, ist durch Māyā gestaltet und durch Zeit und viele andere Unterscheidungen in mannigfaltige Erscheinungen gegliedert. 2.32 An meinem Tag tritt sie hervor, beim Anbruch meiner Nacht löst sie sich auf. Erkenne meinen Tag als tausend göttliche Yugas. 2.33 Ebenso lang ist die Nacht. Wenn eine solche Auflösung beendet ist und der Tag als Zeit der Schöpfung beginnt, 2.34 [bringe ich], ohne meine eigene Ursache zu überwinden [unsichere Wendung], zur Ausführung des Werkes durch die Macht des Erkenntnis-Yoga den wasserhaften, von Herrlichkeit umgebenen 2.35 Lotus meines Herzens durch die Öffnung des Nabels hervor: Er ist von der Natur reiner Erkenntnis und besteht in meinem inneren Organ. 2.36 Er gleicht tausend Sonnen; seine Staubfäden sind wie tausend Monde, sein Inneres wie tausend Feuer. Er hat einen goldenen Stängel und strahlt mächtig. 2.37 In seiner Mitte erschuf ich den viergesichtigen, geistgeborenen Brahmā [Lesart unsicher]. Aus ihm entsteht die Welt; sein ewiger Leib besteht aus Wissen. 2.38 Er ist mit allen Weihen vollendet, in Veden und Vedāṅgas bewandert, mit den acht Kräften wie Aṇimā und mit den Kräften des Schöpfungswillens ausgestattet. 2.39 Als er aber stolz wurde, erkannte er mich nicht mehr. Von Rajas getrübt, gewann er die Vorstellung: „Ich bin es.“ 2.40 Darauf vollbrachte er eine mannigfache Schöpfung, stufenweise aus sich heraus [unsichere Lesung]: die gröberen und feineren Erscheinungen, 2.41 die bewussten und unbewussten, wurden nacheinander offenbar: die Götter in ihren vielen Arten, Menschen und Tiere, 2.42 bis hin zu allem Unbeweglichen, was hier besteht. Der Weltvater sah alle diese in ihm selbst gegründeten Bereiche, 2.43 vermochte aber durch das Übermaß an Leidenschaft seine Welt nicht recht zu erhalten. Ohne das Aufgehen von Sattva erkannte er nicht, was in der Welt zu tun und zu lassen ist. 2.44 Nachdem ich so meine große, mit dem Lotus verbundene Gestalt hervorgebracht und zum Tragen der Erde im Wasser gegründet hatte, 2.45 verweilte ich im Yoga-Schlaf, o bester Brahmane. Bei Brahmās Entstehung bildeten sich zwei Schweißtropfen. 2.46 Am Lotusstängel, im Inneren [des kosmischen Leibes], bestehend, wurden daraus die beiden schwer zu bezwingenden Wesen namens Madhu und Kaiṭabha. 2.47 Sie bestanden aus Verlangen und Zorn, waren ganz von Tamas erfüllt und wuchsen durch ein von Dunkelheit geprägtes Selbstgefühl. 2.48 „Was ist dies für ein Lotus?“ So überlegten sie miteinander. Von Neugier getrieben, begaben sie sich in die Unterwelt. 2.49 Von dort gingen sie weiter bis zum Feuer der Weltauflösung und, nachdem sie eine feurige Zaubergestalt angenommen hatten, unter dieses Feuer. 2.50 Doch der von Lichtflammen umgebene Lotusstängel fand kein Ende. Als sie durch ihren Stolz in Verwirrung geraten waren, 2.51 beschlossen sie, nach oben zu gehen. Nachdem sie hinaufgelangt waren, ließ ich den Lotus verschwinden. Darüber wunderten sie sich. 2.52 Die beiden Furchtbaren standen da: „Wohin ist der Lotus gegangen?“ Sie stiegen aus dem Wasser auf und erblickten diese Erde. 2.53 Sie beschlossen, in die höheren Welten zu gehen. Als sie deren ganze Herrlichkeit sahen, entstand in ihnen der Gedanke, 2.54 alle Welten von der Erde an sich anzueignen. So wurden alle Welten und Zwischenwelten von ihnen erobert. 2.55 Schwerste Dunkelheit bedeckte alles Bewegliche und Unbewegliche. Brahmā wurden die Veden geraubt; im selben Augenblick war er gleichsam ein anderer, 2.56 weil ihm die Veden fehlten, die zuvor sein Auge gewesen waren, o Brahmane. Nachdem sie die Welt aus ihrer Ordnung gebracht und mächtigen Adharma errichtet hatten, 2.57 gingen die beiden finsteren Übeltäter wieder ins Wasser. Da wurde Brahmā von den Göttern und Sehern ermahnt: 2.58 „Erinnere dich an den ursprünglichen Gott, aus dem du entstanden bist, Lotusgeborener. Er allein schenkt uns Heil, wenn die heilige Überlieferung wahr ist. 2.59 In deinem Selbstgefühl hast du die höchste Ursache nicht erkannt. Deshalb hat sich dieses schwere Unheil in der Welt festgesetzt. 2.60 Jener Erhabene ist deine Ursache, und du bist die unsere. Gedenke Viṣṇus, der unbesiegbaren höchsten Ursache, o Lotusgeborener!“ 2.61 Darauf wurde Brahmās Rajas still; sein Geist war allein auf Sattva gerichtet. Mit allen Göttern und Sehern widmete er sich dem Lobpreis. 2.62 „Mir sind Veda und Dharma verloren gegangen; ich habe keine Zuflucht, o Acyuta! Schütze mich, schütze mich!“ Als er so in größter Not immer wieder sprach, 2.63 erschien ich, o Brahmane, nachdem das Besitzgefühl geschwunden, die Veden verloren und Brahmā seines Brahmā-Seins beraubt war. 2.64 Ich gewährte ihnen Furchtlosigkeit; die Welt wurde beruhigt. Zwei Gestalten nahm ich an: eine aus Wissen und eine aus Māyā. 2.65 In der wissensgestaltigen, aus Laut-Brahman bestehenden Form gewann ich durch den Praṇava die in die Unterwelt gelangten Veden zurück. 2.66 Dann trat ich in den lotusgeborenen Leib ein. Wieder zu Bewusstsein gekommen, rezitierte Brahmā die Veden erneut. 2.67 Darauf waren alle Weltenherren von Freude erfüllt, von Furcht vor Dunkelheit und Verblendung befreit und nahmen ihre eigenen Plätze wieder ein. 2.68 Mit meiner zweiten Gestalt trat ich vor die beiden. Die Übeltäter, von Übermut berauscht, wollten mit mir kämpfen. 2.69 In diesem aus Māyā bestehenden Leib mit vielen Armen kämpfte ich damals viele Tausende Jahre gegen sie. 2.70 Als ich ihre Unbesiegbarkeit erkannte, verschwand ich, o Brahmane, und nahm darauf eine mächtige, aus Mantra und göttlicher Kraft bestehende Gestalt an. 2.71 Sie war für die beiden unangreifbar und wie die Sonne kaum anzusehen. Spielerisch packte ich sie mit beiden Händen an den Hälsen 2.72 und zermalmte sie an meinen Schenkeln. Die Götter waren von ihrer Bedrängnis frei. Die Erde wurde vom Fett ihrer Körper erfüllt. 2.73 Seit jener Zeit wird sie Medinī genannt. So habe ich dir, o Weiser, die von Brahmā ausgehende Schöpfung erklärt. 2.74 Viele andere, mannigfaltige Schöpfungen sind vergangen, die ebenso offenbar und grobstofflich waren; ihre Zahl lässt sich nicht angeben. 2.75 Dieser geht die aus Pradhāna hervorgehende Schöpfung voraus; jener wiederum die höchste vaiṣṇavische. Was soll ich noch erklären? Sage, woran du noch zweifelst, Unnummerierter Schluss-Halbvers: o bester Weiser; das werde ich dir erläutern.

So endet im heiligen Pāñcarātra, in der Jayākhyasaṃhitā, das zweite Kapitel: „Brahmās Schöpfung“.


Kapitel 3: Entfaltung der Urnatur

Nārada sprach: 3.1 Erhabener, Gott über die Götter, Herr der Welten, erkläre die aus Pradhāna hervorgehende Schöpfung, die dieser groben Schöpfung vorausliegt. Der Erhabene sprach: 3.2 Erkenne Pradhāna als anfangslos, ungeboren und unmanifest, aus den drei Guṇas bestehend; es gleicht einer Leuchte und besitzt bei aller Unterschiedenheit ein einheitliches Wesen. 3.3 Daraus entfalten sich gegliedert und nacheinander Sattva, Rajas und Tamas. Aus dem Zusammenwirken der drei Guṇas entsteht die durch Dharma, Erkenntnis und Weiteres gekennzeichnete 3.4 Buddhi, die unterscheidende Erkenntniskraft, o bester Einsichtiger; sodann der dreifache Ahaṃkāra, das Ich-Prinzip: als Leuchten, als Veränderung und drittens als Elementwesen. 3.5 Aus seinem leuchtenden Aspekt entstehen der Geist und die fünf Erkenntnissinne: Gehör, Tastsinn, Sehvermögen, Geschmack und Geruch, der Reihe nach. 3.6 Der verändernde Aspekt bringt die fünf Handlungsorgane hervor: Rede, Hände, Füße, Ausscheidungsorgan und Zeugungsorgan. 3.7 Den Elementaspekt erkenne als Schöpfer der Ursprünge der Elemente: Laut, Berührung, Gestalt, Geschmack und Geruch. 3.8 Aus diesen entstehen die fünf Elemente: Raum, Luft, Feuer, Wasser und Erde. Ihre Eigenschaften nehmen jeweils um eine zu. 3.9 Dies ist die aus Pradhāna hervorgehende Schöpfung, von Natur aus unbewusst. – Nārada sprach: Pradhāna ist unbewusst, und was aus ihm entsteht, hat dieselbe Beschaffenheit. 3.10 Wie können dann lauter unbewusste Dinge zueinander in einer Beziehung des Hervorbringens und Hervorgebrachtwerdens stehen? Dies ist mein großer Zweifel, o Herr. Der Erhabene sprach: 3.11 Wie ein Samen oder Reiskorn unbewusst ist und dennoch anderes hervorbringt, so bringt auch ein Wirklichkeitsprinzip ein anderes hervor, o Brahmane. 3.12 Dessen Wesen ist das Gleichgewicht der Guṇas, und es ist der Träger von Anhaften und dergleichen. Bewusstes und Unbewusstes bilden [im gebundenen Dasein] einen zusammenhängenden Verlauf [Satzbezug unsicher]. Nārada sprach: 3.13 Wie kann dieses Unbewusste dann bewusst sein, o Herr – dieses eine Prinzip, das die Guṇas trägt und doch vielfach besteht? Der Erhabene sprach: 3.14 Das bewusstseinsgestaltige Selbstprinzip ruht ungetrennt in Brahman. Von ihm durchlichtet erscheint das Unbewusste gleichsam bewusst. 3.15 Wie Eisen unter dem Einfluss eines Magneten sich zu bewegen scheint, so ist das von mir Beschriebene zu verstehen. Nārada sprach: 3.16 Nenne den Grund für die Verbindung dieses Bewussten mit dem Unbewussten. Sie erscheinen mir so gegensätzlich wie Schatten und Sonnenlicht, o Gottesherr. Der Erhabene sprach: 3.17 Dieser Jīva ist seinem Wesen nach Bewusstsein und mit anfangslosen Prägungen verbunden. Um diese Prägungen zu beseitigen, geht aus dem höchsten Brahman 3.18 eine feine, mit dessen Eigenschaften ausgestattete Kraft hervor: rein, von höchster Glückseligkeit erfüllt, [zugleich auf] Reines und Unreines bezogen [unsichere Wendung]. 3.19 Durch die Folge der reinen Schöpfung tritt sie in das innere Selbst ein, in die zur Befreiung befähigende Gegenwart, deren Wesen ein Ozean des Mitgefühls ist [Satzanschluss unsicher]. 3.20 Denn er fasste den Entschluss: „Dieser karmagebundene Mensch möge frei werden.“ Darauf folgt die Weltseelenkraft seinem Willen 3.21 und nimmt augenblicklich im inneren Bewusstsein ihren Sitz. Unsichtbar wie die Kraft eines Mantras erweckt sie es, o Brahmane. 3.22 Von ihrem Licht durchdrungen gelangt das innere, bewusstseinsgestaltige Selbst zur Einheit mit Brahman, sobald die Gesamtheit seines Karmas geschwunden ist. 3.23 Unerfahrenes Karma wird nicht einfach vernichtet. Ohne eine Grundlage kann es jedoch nicht in Erscheinung treten. 3.24 Daher verbindet jener dort gegenwärtige Anteil Brahmans das Selbst mit einer aus Māyā bestehenden, ausgedehnten, unbewussten Grundlage, dem Träger der Guṇas, o Brahmane. 3.25 Durch die Kraft mit ihr verbunden, erfährt das Selbst seine eigenen guten und unguten Prägungen, die in der Grundlage der Māyā bestehen. 3.26 Wenn seine Unterscheidungskraft nicht verlorengeht und es die Früchte seiner Prägungen ohne Anhaften erfährt, wird es von den Bindungen frei und gelangt allmählich zum Höchsten. 3.27 Fehlt ihm Unterscheidung, hängt es an den guṇahaften Genüssen der Māyā. Obwohl es an sich unveränderlich ist, wird es, mit Prägungen behaftet, durch diese gebunden. 3.28 So erfährt es immer wieder Auflösung, Ruhe und neues Hervortreten. Damit ist der Sinn der Verbindung von Bewusstem und Unbewusstem Unnummerierter Schluss-Halbvers: von mir erklärt, o Nārada. Was soll ich dir nun noch sagen?

So endet im heiligen Pāñcarātra, in der Jayākhyasaṃhitā, das dritte Kapitel: „Entfaltung der Urnatur“.


Die kosmologische Erzählung fragt nach dem Verhältnis von Welt, Bewusstsein und göttlicher Kraft.

Kapitel 4: Reine Schöpfung und Wirklichkeit des Brahman

Nārada sprach: 4.1 O Gott, ich möchte die reine Schöpfung ihrem Wesen nach erkennen und ebenso dasjenige, das über diesen beiden Schöpfungsweisen steht. Der Erhabene sprach: 4.2 Jenes allgegenwärtige Göttliche ist das höchste, ewige Brahman: das allen gemeinsame Bewusstsein in dieser Welt, dessen Kennzeichen höchste Glückseligkeit ist. 4.3 Es ist von Vāsudeva nicht verschieden [unsichere Lesung] und strahlt wie Hunderte Feuer, Sonnen und Monde. Der erhabene Vāsudeva, der höchste Herr, besitzt eben dieses Wesen. 4.4 Indem er sein eigenes Licht durch seine blitzgleiche Kraft in Bewegung brachte, ließ der lichtgestaltige Erhabene Acyuta hervorgehen, o Brahmane [unsichere Lesung im Verb]. 4.5 Acyuta, dessen Leuchten unvergänglich ist, entfaltet seine eigene Gestalt und bleibt dabei auf Vāsudeva gegründet, wie eine Wolkenschicht in der heißen Jahreszeit [unsichere Lesung]. 4.6 Er bewegte sein eigenes Wesen und brachte Satya mit seiner strahlenden Gestalt hervor, wie das Meer eine Wasserblase hervorbringt. 4.7 Dieser, dessen Leuchten ganz Bewusstsein ist, brachte aus sich selbst die unendliche, Puruṣa genannte große Entfaltung des Lichtes hervor. 4.8 Dieser höchste Herr ist die Grundlage aller Götter und ihr innerer Lenker, wie der Himmelsraum die Sterne umfasst. 4.9 Wie ein mit Brennstoff versehenes Feuer ohne absichtlichen Entschluss eine Vielzahl von Funken aussendet, so wirkt dieser höchste Herr. 4.10 Die Lebewesen sind durch frühere Prägungen gebunden; um ihre Bindung zu stillen, [folgt eine Aussage über] seinen eigenen Leib [Textlücke] und wiederum beides [Satzanschluss beschädigt]. 4.11 Alle ursprünglichen Erscheinungsformen, denen die Rettung der Welt aufgetragen ist, sollst du als seine Teilmanifestationen erkennen; ebenso alle aus Sattva entstandenen Anteile. 4.12 Puruṣa ist von Satya nicht verschieden, und Satya seinerseits nicht von ihm. Was beiden als ein gemeinsames Wesen zukommt, ist auch von Acyuta nicht verschieden. 4.13 Immer bestehen sie aufeinander gegründet und ungetrennt. Puruṣa, Satya und Acyuta: Diese Dreiheit ist ihrem Wesen nach Bewusstsein. 4.14 Sie ruht in Vāsudeva, dessen Wesen friedvolles Bewusstsein ist. Er ist ihr innerer Lenker, lichtgestaltig und ganz Bewusstsein. 4.15 In dieser Dreiheit erscheint er stets in eben dieser Weise, ohne willentlichen Antrieb. Ohne gesonderten Entschluss entfalten sie sich auseinander. 4.16 Wie Leuchten geben sie sich selbst und anderen Licht, o bester Weiser. Ohne willentliche Absicht bestehen sie in wechselseitiger Gegenwart. 4.17 Sie nehmen wechselseitig Spiegelbildgestalt an, wie Spiegel in Spiegeln. Wegen ihrer außerordentlichen Reinheit gehen ihre Erscheinungen ineinander über. 4.18 Dabei entsteht keine Trennung, wie zwischen Raum und durchsichtigem Kristall. So sind auch ihre beiden Lichtgestalten nicht voneinander getrennt, o bester Brahmane. 4.19 Dieses höchste Geheimnis habe ich dir offenbart: die ursprüngliche, unendliche Schöpfung des unendlichen großen Wesens [die Lesart „unendlich/anders“ ist unsicher]. Nārada sprach: 4.20 Durch deine Gnade habe ich all dies verstanden, o Herr über alles: Du bist unmanifest und körperlos und hast dennoch Gestalt angenommen. 4.21 Nun möchte ich deine Gestalt wahrheitsgemäß erkennen, o Erhabener: die grobe, die feine und die höchste, sowohl im Inneren als auch außerhalb. 4.22 Wie könnte diese Dreiheit denen offenbar werden, die in den Sinnesbereichen leben, wenn nicht durch die Kraft deiner Gnade? Sei mir gnädig und sprich! Der Erhabene sprach: 4.23 Durch meine eigene Yogakraft bin ich in grober Gestalt Schöpfer, Erhalter und wiederum Auflöser, o Nārada. 4.24 In feiner Gestalt wohne ich im Innersten des Herzens aller Wesen. Den Hingebungsvollen, deren Inneres auf mich ausgerichtet ist, erweise ich Gnade. 4.25 In meiner höchsten Gestalt, die Glückseligkeit, allgegenwärtig und makellos ist, durchdringe ich alles, wie der Saft einen großen Baum durchzieht, 4.26 der an der Wurzel begossen wird und Wipfel, Äste, Blätter, Blüten und Früchte trägt. – Nārada sprach: Wahrlich, du hast die Welt erschaffen und du erhältst sie, o Allgegenwärtiger. 4.27 Und du selbst, in Gestalt der Zeit, bist am Ende ihr Auflöser. Die Welten, beginnend mit den Unterwelten, sind aus deinem Nabel hervorgegangen. 4.28 Du hast den Dharma wiederhergestellt und die Dämonen vernichtet. Das habe ich gehört und verstanden. 4.29 Wie und auf welche Weise du all dies vollbringst, möchte ich nun ausführlich von dir erfahren. Der Erhabene sprach: 4.30 Durch die Kraft des Yoga besteht meine uranfängliche, aus Mantra bestehende heilvolle Gestalt, sowohl ungegliedert als auch gegliedert; sie gewährt Erfahrung und Befreiung. 4.31 Ich habe sie zum Heil der Welten hervorgebracht, damit sie rechte Erhellung schenke. In der Entfaltung der Mantras besteht sie mit ihrem zutiefst friedvollen Wesen. 4.32 Zur Vernichtung der beiden aus Dunkelheit bestehenden Übel bleibt sie als die das All erhaltende Urkraft in der Welt [grammatischer Anschluss unsicher]. 4.33 Sie vollbringt diese und andere Taten im Inneren des Daseins. Den Hingebungsvollen schenkt sie rasch Freiheit, indem sie deren Bindung auflöst. Nārada sprach: 4.34 Lehre mich vollständig ihren Yoga, ihren Mantra und ihre Kraft, o Schöpfer der Welt, wenn du mir gnädig bist. Der Erhabene sprach: 4.35 Alles, wonach du mich gefragt hast, hat Brahman zur Voraussetzung. 4.36 Ohne dieses kommt nichts von dem zur Entfaltung, was du genannt hast. – Nārada sprach: Was ist dieses Brahman? Möge ich es erkennen, o Herr der Yogameister, 4.37 durch das die Macht der Mantras und die Mittel ihrer Anwendung für die Hingebungsvollen wirksam werden, o Allgegenwärtiger, der du deine Verehrer liebst! Der Erhabene sprach: 4.38 Durch Erkenntnis, die von ihm nicht getrennt ist und wirklich verwirklicht wurde, entsteht Verbundenheit mit Brahman, o Nārada. Deshalb soll man Erkenntnis beständig üben. Nārada sprach: 4.39 Beschreibe jene Erkenntnis, die Brahman-Verwirklichung schenkt, o Herr. Wer sie erlangt hat, unterliegt nicht mehr Geburt, Tod und der Bindung des Daseins. Der Erhabene sprach: 4.40 Erkenne die Erkenntnis als zweifach: als Seins-Erkenntnis und als handlungsbezogene Erkenntnis. Durch Übung der handlungsbezogenen wird die Seins-Erkenntnis gefestigt. Nārada sprach: 4.41 Sage zunächst, wie die handlungsbezogene Erkenntnis beschaffen ist. Durch ihre Übung möchte ich jene Seins-Erkenntnis erlangen, die Brahman-Verwirklichung schenkt. Der Erhabene sprach: 4.42 Auch die handlungsbezogene Erkenntnis ist zweifach: zunächst als Niyama, als geregelte Übung; sodann als Yama, als innere Selbstzügelung, die natürlich geworden ist. 4.43 Die Niyama genannte Übung soll man vollbringen; mit Yama verbunden führt sie zur Vollendung. – Nārada sprach: Erkläre mir die Kennzeichen dieser beiden, von denen das höchste Ziel abhängt, 4.44 ausführlich, o Weltenherr, denn ich bin in das Meer des Daseins gefallen! – Der Erhabene sprach: Reinheit, Verehrung, Askese und Selbststudium auf Grundlage des gehörten heiligen Wortes; 4.45 Freiheit von Grausamkeit und Härte, unerschütterliche Geduld, Wahrhaftigkeit und das Wohl der Wesen, ohne anderen Schaden zuzufügen; 4.46 Nichtverletzen, auch hinsichtlich fremden Eigentums und dergleichen, tiefgehende Beherrschung des Geistes sowie Verlangenlosigkeit gegenüber den Genüssen, die die Sinne aufnehmen; 4.47 Nichtanhaften beim Sitzen, Liegen, Unterwegssein und Essen: Dabei soll man die im Herzen bewahrte Meditation, deren Frucht Glückseligkeit ist, nicht aufgeben. 4.48 Geben nach dem eigenen Vermögen, wahre Worte ohne Härte und stets die gleiche innere Haltung gegenüber Feinden und Freunden; 4.49 Aufrichtigkeit, Freiheit von Hinterlist und Mitgefühl mit allen Lebewesen: Wer diese Glieder besitzt, verwirklicht jene Selbstzügelung, welche die Yamas ordnet. 4.50 So erlangt der Mensch durch handlungsbezogene Erkenntnis die Seins-Erkenntnis. Aus dieser erwächst Erkenntnis, die von Brahman nicht verschieden ist. 4.51 Durch diese von Brahman ungetrennte Erkenntnis verbindet er sich mit dem höchsten Brahman. Derjenige, den man Jīva nennt, ist mit anfangslosen Prägungen verbunden. 4.52 Sein Aufgehen in Brahman ist eben das Nichtwiedergeborenwerden. [Der folgende Satz über vollkommenes Brahman-Wissen und eine geringfügige Verschiedenheit ist in seinem Anschluss unsicher.] 4.53 Schon ein geringes Eintreten in Brahman wird als Nichtverschiedenheit von ihm bezeichnet. Erkenntnis nimmt in mannigfacher Differenzierung die Beschaffenheit des Selbst an, 4.54 wenn das aus Wissen bestehende [Selbst] in den aus Guṇas und Unwissenheit bestehenden Bereich eingeht [unsichere Lesung]. – Nārada sprach: Was ist diese Unwissenheit namens Guṇa, in der der aus Erkenntnis bestehende Herr, 4.55 wie du gesagt hast, auf vielerlei Weise unterschiedliche Zustände annimmt? – Der Erhabene sprach: Das Gleichgewicht der drei Guṇas ist diese vielgestaltige Unwissenheit, 4.56 der Ursprungsort von Anhaften und anderen Mängeln. – Nārada sprach: Das Mittel zur Erlangung Brahmans, das du zuvor beschrieben hast, 4.57 wie ist es beschaffen? Und was ist das von dir erwähnte Selbst? – Der Erhabene sprach: Jenes Bewusstseinswesen, das aus dem ursprünglich sich selbst Erkennenden hervorgegangen ist 4.58 und durch die Färbung der Guṇas gefärbt erscheint, wird Selbst genannt, o Brahmane. – Nārada sprach: Erkenntnis ist die Natur des Selbst; Māyā ist das, was es färbt. 4.59 Erkläre mir nun Brahman, o Erhabener, nach dem ich zuvor fragte. Noch habe ich nicht recht verstanden, um dessentwillen die Übungen vollbracht werden, 4.60 und nach dessen Erlangung die Weisen in diesem Dasein nicht wiedergeboren werden. – Der Erhabene sprach: Brahman ist durch Glückseligkeit gekennzeichnet und frei von allem, was abzuweisen wäre. 4.61 Es ist durch sich selbst zu erfahren, unvergleichlich, die höchste Vollendung und das höchste Ziel. Frei von allem Tun ist es als Herr die Grundlage aller. 4.62 Wie im Wunschjuwel alles Gestalthafte enthalten ist, so ist für das Allgegenwärtige alles überall gegenwärtig. 4.63 Es ist anfangslos und unendlich; weder „seiend“ noch „nichtseiend“ wird es genannt. Überall sind seine Hände, seine Rede und Füße; überall seine Augen, Häupter und Gesichter. 4.64 Erkenne, dass es überall hört und alles umfassend besteht. Es leuchtet durch sämtliche mit Eigenschaften verbundenen Sinne und ist dennoch frei von ihnen. 4.65 Überall ist es ohne Anhaften und überall gegenwärtig; frei von Guṇas und doch deren Erfahrender, im Inneren und außerhalb von allem. 4.66 Erkenne es als bewegt und unbewegt. Wegen seiner Feinheit wird es nicht wahrgenommen. Fern ist es und zugleich im Herzen: das höchste Selbst, der höchste Herr. 4.67 Ungeteilt gegenüber den Wesen wird es doch als aufgeteilt wahrgenommen. Es trägt die entstandenen Wesen, löst sie auf und erschafft sie. 4.68 Es ist das die Lichter Erhellende und steht jenseits der Unwissenheit. Es selbst ist Erkenntnis und das zu Erkennende; durch Meditation wird es erlangt. 4.69 Frei von allen Farben und Geschmäckern und doch mit allen Düften und Geschmäckern verbunden, ist es allwissend, allsehend, alles und Herr über alles. 4.70 Der höchste Herr ist alle Kraft und in sich selbst gegründet, anfangslos, unendlich und von jedem Leiden frei. 4.71 Wenn ein Mensch durch höchste Erkenntnis dieses höchste Brahman erkannt hat, wird er in diesem Saṃsāra nicht wiedergeboren. Nārada sprach: 4.72 Keines der von dir genannten Kennzeichen, etwa überall Hände und Füße zu haben, scheint sich ohne Weiteres zu erklären. Lehre mich, wie das zu verstehen ist. Der Erhabene sprach: 4.73 Diese Größe kommt dem unendlichen Weltenhalter zu, o Nārada, weil er allwissend und Herr ist. 4.74 Ich habe dir seine alles überragende Größe nicht erschöpfend beschrieben. Noch auf andere Weise besteht diese Herrlichkeit in Acyuta [Satzbezug unsicher]. 4.75 Anfangslos ist er, weil er allem vorausliegt. Auch „weder seiend noch nichtseiend“ wird er genannt: Für die Sinne ist er „nichtseiend“, weil er ihnen nicht unmittelbar erscheint. 4.76 Erkenne ihn als durch eigene Erfahrung zugänglich, wie den Duft einer Blume. Weil das höchste Selbst alles umfasst, 4.77 erschließt man daraus, dass das Allgegenwärtige überall Hände besitzt. Es wird weder durch einen Ort begrenzt noch durch die Zeit ausgeschlossen. 4.78 Weil es überall gegenwärtig ist, heißt der Herr „überall Füße habend“. Wie die Sonne durch ihre nach oben, seitwärts und abwärts gehenden Strahlen erhellt, 4.79 so hat der Ungeborene überall Augen, weil sein Wesen Licht ist. Bei den Gliedern wird der Kopf als das vornehmste bezeichnet; 4.80 doch wie bei den naturgebundenen Wesen dieser Welt verhält es sich bei ihm nicht. Durch seine Gleichgegenwart und läuternde Kraft gilt der Herr als der, dessen Häupter überall sind. 4.81 Weil sämtliche zahllosen Geschmäcker ihm jederzeit überall zukommen, heißt er, dessen Wesen friedvoll ist, „überall Gesichter habend“. 4.82 Erkenne, dass die Gesamtheit der Laute der höchste Herr selbst ist. Deshalb hört er überall, wie die Schlange, der ein Hören durch die Augen zugeschrieben wird. 4.83 Wie Feuer in einem Eisenklumpen verschieden und doch gleichsam unverschieden besteht, so durchdringt der Gott dieses ganze All. 4.84 Wie ein Gegenstand in einem reinen Spiegel erscheint, ohne dem Spiegel selbst zu gehören, und doch in ihm gegenwärtig ist, 4.85 so ist der allgegenwärtige Herr in dieser aus Māyā bestehenden Welt mit den Guṇas samt den Sinnen verbunden und dennoch frei von ihnen. 4.86 Erkenne ihn als stets unangehaftet, wie Wasser auf einem Lotusblatt. Er trägt alles, weil seine Gestalt das All ist; frei von Guṇas ist er aufgrund seiner unfehlbaren Wirksamkeit. 4.87 Gleich einem unbeteiligten Zeugen verweilend, erfährt er die Guṇas. Wie Wasser innerhalb eines Gefäßes und außerhalb desselben bestehen kann, 4.88 so besteht er innerhalb und außerhalb der ganzen Welt. Wie der Raum im Gefäß mitgenommen zu werden scheint, 4.89 obwohl beim Tragen des Gefäßes der Raum nirgendwohin geht, so lässt sich des Allgegenwärtigen Bewegtheit und Unbewegtheit verstehen. 4.90 Wie die Zeit beim nacheinander erfolgenden Durchstechen vieler Lotusblätter wird er wegen äußerster Feinheit nicht wahrgenommen [das Gleichnis bezeichnet die kaum bemerkbare Zeitfolge]. 4.91 Durch Unwissenheit erscheint er sehr fern. Wird er durch Erkenntnis im Herzen vergegenwärtigt, ist er nahe: aus Bewusstsein bestehend und durch sich selbst erfahrbar. 4.92 Wie Raum und die in ihm befindliche Luft ungeschieden sind, so ist die Einheit des Höchsten mit den Wesen zu verstehen [unsichere Lesung]. 4.93 Alle bewussten und unbewussten Wesen, die unbeweglichen und die beweglichen, sind vom höchsten Herrn erfüllt, wie Pflanzen von ihrem Saft. 4.94 Er trägt die Wesen als der Eine mit ungeteiltem Wesen. Wie Licht und Dunkelheit von der Sonne abhängen, 4.95 so vollbringt er aus eigener Freiheit Schöpfung und Auflösung. Er ist das Licht der Lichter, wie der Geist für das Hören und die übrigen Sinne. 4.96 Auch wenn er in Laut und dergleichen nicht sichtbar ist, hört er dennoch [unsicherer Satzanschluss]. Wie Licht von Dunkelheit verschieden ist, so steht er jenseits der Unwissenheit. 4.97 Er selbst ist Erkenntnis und das zu Erkennende, wie Feuer und seine Flamme. Da er gestaltlos ist, ist er frei von allen Farben, etwa Weiß. 4.98 Ebenso ist er frei von Geschmäckern wie Süße, da er keiner begrifflichen Bestimmung unterliegt. Doch wie der Hals eines Pfaus wird er mit allen Farben beschrieben. 4.99 Weil er alle Geschmäcker erfahren lässt, ist er zugleich deren aller Wesen. Deshalb heißt Acyuta frei von allen Farben und Geschmäckern und zugleich mit ihnen verbunden. 4.100 Allwissend ist er, weil er alles erkennt; allsehend, weil er überall sieht. Durch seine Gleichgegenwart ist er Herr über alles, 4.101 und in seinem Inneren mit Allwissenheit und den übrigen Kräften sowie der Herrlichkeit der sechs göttlichen Qualitäten erfüllt. In sich selbst gegründet ist er durch seine Freiheit, anfangslos durch sein uranfängliches Wesen. 4.102 Weil er kein Ende hat, ist er unendlich; weil er erfüllt ist, ist er frei von Leiden. Obwohl gestaltlos, wird der Herr über alles durch beständige Übung erfahren. 4.103 Wie Feuer aus dem Inneren des Holzes und Butter aus dem Inneren der Milch hervortreten: Ohne eigene Erfahrung lässt sich dies nicht angemessen ausdrücken. 4.104 Wie die Süße im Zuckerrohr, obwohl ohne eigene Gestalt, erfahren wird, so [erfährt man] den im eigenen Leib gegenwärtigen Gott, das unvergängliche höchste Selbst. 4.105 Es ist frei von Abzuweisendem und Anzunehmendem, von klarer Glückseligkeitsgestalt und durch Erkenntnismittel nicht einzugrenzen, weil es grenzenloses Bewusstsein ist. 4.106 Wem es frei von Māyā im Herzensraum aufleuchtet, dem ist dieser von allen Begrenzungen freie Gott Nārāyaṇa gegenwärtig. 4.107 Der höchste Herr wird durch Selbsterfahrung erkannt, ohne [äußeres] Betrachtungsobjekt. Suche Zuflucht zu diesem Unbeschreiblichen durch höchste Erkenntnis. 4.108 Wer jene unvergleichliche Ursache erkennt, die weder durch Gleichnisse noch durch die an Verstand und Sinne gebundene Rede erfasst wird, ist frei von Furcht. 4.109 Das höchste Brahman liegt jenseits begrenzter Seinsweisen und gleicht einem makellosen Kristall. Befreit gelangen sie zur Erlösung; ihr Bleiben ist im höchsten Zustand. 4.110 Der Eine wohnt in der mannigfachen Verschiedenheit der Erscheinungen. Für dieses große Wesen gibt es weder Maß noch Gestalt. 4.111 Als Licht, Wind und Mondkraft besteht er selbst in feinsten Teilchen, deren Maß nur einen winzigsten Bruchteil unzähliger Lotusfasern beträgt [die Maßangabe ist sprachlich unsicher]. 4.112 Auch in etwas gröberen Erscheinungen und in der zuvor beschriebenen groben Lichtgestalt besteht der Allgegenwärtige: Adhokṣaja, das höchste Selbst [unsicherer Satzanschluss]. 4.113 Als Wind besteht er in den sich gewunden bewegenden Wesen; als Schöpfungsgestalt in allen erdhaften Wesen [unsichere Lesung]. 4.114 Als die sechs Geschmäcker ist der Allgegenwärtige in allen Pflanzen gegenwärtig. Unter vielen Namen verehren sie diesen Unvergänglichen: 4.115 als Īśvara, als Puruṣa, als Śiva, als Sonne und als Mond, o bester Brahmane; 4.116 als Feuer und Soma, als Laut, als Licht und Erkenntnis und als Zeit, o Nārada; 4.117 als Lebewesen und Erfahrungsfeld sowie als das Selbst der Elemente. So trägt der eine höchste Gott die Gestalten vielfältiger Kräfte. 4.118 Nārāyaṇa ist das höchste Brahman und die feste Grundlage der Brahman-Kenner. Wie Menschen in das Innere einer großen Stadt eintreten, 4.119 von den verschiedenen Richtungen her [unsichere Lesung], so gelangen Viṣṇus Verehrer durch beständige Meditation über die göttlichen Betrachtungsgestalten [zum Höchsten]. 4.120 Wenn ihre Verblendung geschwunden ist, gehen die Yogins in Viṣṇu ein, wie die Mondteile nach Erschöpfung ihres Nektars in die Sonne eingehen. 4.121 Wie Wasser, das in einzelnen Strömen aus einer Wolke auf die Erde gefallen ist, zur Einheit gelangt, so werden alle Yogins im Erhabenen eins. 4.122 Wie unterschiedliche Brennstoffe, ins Feuer gelangt und verbrannt, nicht mehr gesondert erkennbar sind, so ist es mit den Verehrenden in Brahman. 4.123 Wie Wasser aus vielen Flüssen in den großen Ozean eintritt und sich dort nicht mehr unterscheiden lässt, so ist es mit den Yogins im Höchsten. 4.124 Suche stets Zuflucht zu dem, den die Selbstkenner verehren, durch den die Sonne strahlt und von dessen winzigstem Anteil wir hervorgegangen sind, o Weiser. 4.125 Er hat tausend Häupter, tausend Augen und tausend Füße, ist mit tausend Armen erfüllt und trägt tausend Gestalten seiner selbst. 4.126 Von tausendfachen Strahlen umgeben, ist er Śrīnivāsa, der Wohnsitz der Göttin Śrī; er trägt eine Krone, das Śrīvatsa-Zeichen auf der Brust und Schmuck wie das Kaustubha-Juwel. 4.127 Sonne und Mond sind an der Stelle seiner Augen, Sarasvatī an der Stelle der Zunge. Sein Ausatmen ist der Wind; [der weitere Satzanschluss ist beschädigt]. 4.128 Die Himmelsrichtungen sind seine Ohren und die Zwischenrichtungen seine Arme. Die unteren Welten, beginnend mit Pātāla, sind im Bereich seiner Fußsohlen zu erkennen. 4.129 Sein Glanz ist das Feuer am Ende der Zeit, die Wolken sind sein Haupthaar; die Götter sind seine Körperhaare, die Seher wohnen in seinen Haarporen. 4.130 Feuer ist in seinem Mund, Wasser sein Schweiß; Planeten, Sterne und dergleichen werden seine Ausscheidungen genannt. Dies ist bildliche Rede, keine Aussage im höchsten, eigentlichen Sinn. 4.131 Damit habe ich dir die Wirklichkeit Brahmans wahrheitsgemäß erklärt. Wenn du sie erkannt hast, wirst du nicht wieder in dieses verworrene Dasein eintreten. 4.132 Obwohl es wie der Raum allgegenwärtig in allem Beweglichen und Unbeweglichen besteht, ist es ohne Erkenntnis doch äußerst schwer zu erlangen, o Brahmane.

So endet im heiligen Pāñcarātra, in der Jayākhyasaṃhitā, das vierte Kapitel: „Reine Schöpfung und Wirklichkeit des Brahman“.


Kapitel 5: Entstehung der Brahman-Erkenntnis

Nārada sprach: 5.1 O Allgegenwärtiger, ich möchte die von Brahman nicht verschiedene Erkenntnis wahrheitsgemäß vernehmen, durch die das im inneren Erkenntnisorgan gegenwärtige Ziel erkannt wird. Der Erhabene sprach: 5.2 Erkenntnis, die von sämtlichen Begrenzungen frei und vollkommen rein ist, entsteht beim gesammelten Übenden allmählich durch Yoga-Praxis. 5.3 Durch sie wird jenes Ziel erlangt, o Brahmane; anders wäre es schwer zugänglich. – Nārada sprach: Wie entsteht eine solche Erkenntnis, o Weltenherr, 5.4 durch die Gleichheit mit dem zu Erkennenden eintritt? Erkläre dies ausführlich. – Der Erhabene sprach: Bei den Früchten am Baum des Saṃsāra, o Nārada, 5.5 deren Karmasaft gereift ist und die im Meer des Daseins umhergetrieben werden, kann durch die Macht der göttlichen Kraft augenblicklich Gleichgewicht der Guṇas entstehen. 5.6 Aus deren Gleichgewicht folgt unmittelbar ein Ausgleich des Karmas. Daraus erwächst das Nachforschen, das zur Gewinnung des Selbst führt: 5.7 „Wer bin ich? Was ist mein Wesen? Was ist dieser Käfig des Leidens, in dem ich immerzu ohne wirklichen Frieden verweile?“ 5.8 So erwägend begibt er sich zum Haus eines vollendeten Gurus. Der Allwissende, der in der Gestalt des Gurus gegenwärtig ist, erkennt sein dringliches Verlangen. 5.9 Er erkennt dessen Verfassung und weist ihm eine entsprechende Übung zu [unsichere Lesung]: gemäß dessen Vermögen im erkannten, keimlosen höchsten Zustand, 5.10 im unbedrängten, glückseligen, bewusstseinsgestaltigen Nirvāṇa oder auf dem Mantraweg, der Erfahrung und Befreiung gewähren kann [ein Fachausdruck ist unsicher überliefert]. 5.11 Er widmet sich der Mantraverehrung, ohne nach deren besonderen Kräften zu gieren; voller Hingabe ist er in die zugehörige Meditation vertieft und ganz auf die Übung ausgerichtet. 5.12 Nach der Hinwendung zu deren Ursprung verlangend, im Gelübde des Brahmacarya feststehend, betrachtet er das Dasein gründlich als einen großen Bereich von Leid und Kummer: 5.13 vergänglich, unbeständig, beschwerlich, von Alter und Tod erfüllt, von der Angst vor den Gegensätzen ergriffen, unersättlich und immer fortdauernd. 5.14 Durch diese beständige Betrachtung, die Gnade der Mantras und die körperliche Disziplin entwickelt er höchste Nichtanhaftung. 5.15 Durch Nichtanhaftung wird der von Sinnesgegenständen getrübte Geist klar, o Brahmane, wie das Wasser im Herbst. 5.16 Er gelangt zu klarer Festigkeit wie ein wellenloser Ozean, unbewegt wie die Flamme einer Lampe an einem windstillen Ort, der Erkenntnis zugewandt. 5.17 Wenn der Mensch, dessen Wesen Bewusstsein ist, diesen Zustand des Geistes erreicht, erlangt er Erwachen. Dies gilt als höchste Erkenntnis [Lesart im ersten Halbvers unsicher]. 5.18 Dieses Bewusstsein geht im Raum des Herzens allmählich wie die Sonne auf. Durch es wird das zu Erkennende zugänglich, wie die Welt durch den Sonnenaufgang sichtbar wird. 5.19 Das Erwachen, das im zu Erkennenden gegründet ist, tritt nach und nach ein. Dann besteht die Einheit desselben Wesens mit ihm. 5.20 So habe ich dir jene stufenweise entfaltete, unvermischt klare Erkenntnis erklärt, die das zu Erkennende erschließt und Nirvāṇa schenkt, o Nārada. 5.21 Was aufgrund der Betrachtungsweise verschieden erscheint, ist von ihm nicht getrennt. Erkenne es seinem eigenen Wesen nach; etwas Höheres gibt es nicht. 5.22 Was könnte dort noch gesondert entstehen? So habe ich dir, o bester Brahmane, sein eigenes Licht offenbar gemacht. 5.23 Was du erfahren hast, wirst du mir nicht nochmals [in gleicher Weise] aussprechen können. Wo könnte Rede im Unaussprechlichen wirken, ohne unmittelbare Erfahrung? 5.24 Wie die Süße der sechs Geschmacksarten [durch bloße Beschreibung] nicht erfahren wird, so tritt jenes nicht durch die naturgegebenen Erkenntnisorgane äußerlich hervor. 5.25 Nur durch Gleichnisse wird auf seine Unmittelbarkeit hingewiesen, um noch weniger Einsichtige zur Übung anzuregen; für bereits Einsichtige ist dies nicht erforderlich. 5.26 Als betrachtender Yogi erkenne es durch die Einheit des Wesens. Deshalb festige selbst das unmittelbar Erfahrene, o bester Brahmane. 5.27 Dadurch wirst du in deiner eigenen unvergleichlichen Glückseligkeit aufgehen, im Wesen wirklicher Glückseligkeit, nachdem du alles Festhalten aufgegeben hast. 5.28 Was ich dir eröffnet habe, ist nicht einfach aussprechbar. Was du selbst erfährst, erkennst du dann in mir. 5.29 Die höchste Wirklichkeit besteht: jenseits aller Gleichnisse und Worte, durch sich selbst erfahrbar, ohne äußere Stütze und jenseits der Sinne. 5.30 Wer in der Glückseligkeit des Selbst ruht, dem offenbart sie sich ohne die Erkenntnisorgane. Denn alle diese Organe sind naturgebunden, insbesondere die aus dem Geist hervorgehenden. 5.31 Die Mantragruppen sind hierbei ein Mittel und gewähren Vollendung; ebenso die Mudras und andere Verfahren sowie die aus innerer Vergegenwärtigung entstehenden Versenkungen [Satzbau unsicher]. 5.32 Auch die mit rituellem Handeln verbundenen Mantras führen zur wahren Wirklichkeit. Zehntausende Hindernisse treten mit großer Gewalt auf 5.33 und bedrängen beständig den, der sich ihr ganz zuwendet [unsichere Lesung]. Alles, was mit Mantra beginnt, ist im Verhältnis zu Brahman zwar grob, 5.34 gilt jedoch als die Kraft des gesamten Hindernisnetzes zerstörend: wie Wasser die Brennkraft des Feuers löscht, 5.35 so werden die aus Māyā bestehenden Hindernisse durch Mantra und verwandte Mittel beseitigt. Wie die dem König Nahestehenden anderen 5.46 rasch die durch den König mögliche Erfüllung verschaffen, so führen Mantra und die übrigen Mittel zum Höchsten. Wer dies erkennt und ihm beständig hingegeben lebt, Unnummerierter Schluss-Halbvers: wird auf dem von ihm erstrebten Weg bald zur Vollendung gelangen.

Zur Zählung: Die Textgrundlage springt unmittelbar von 35 auf 46. Die Nummer 46 bleibt erhalten; eine dazwischenliegende Textlücke wird damit nicht behauptet.

So endet im heiligen Pāñcarātra, in der Jayākhyasaṃhitā, das fünfte Kapitel: „Entstehung der Brahman-Erkenntnis“.


Kapitel 6: Entschlüsselung der Hauptmantras

Die folgenden Anweisungen gehören zum traditionellen initiatorischen Kontext des Pāñcarātra und sind hier zur Textdokumentation wiedergegeben. Die Namen einzelner Laute werden als technische Bezeichnungen beibehalten. Aus unsicheren Buchstabencodes werden keine ergänzten Rezitationsformeln hergestellt. Nārada sprach: 6.1 Durch deine Gnade, Erhabener, habe ich höchste Einsicht erlangt. Wegen der Unbeständigkeit meines Geistes wird sie in mir jedoch nicht fest. 6.2 Erkläre mir deshalb alle zuvor erwähnten Mittel vollständig und der Reihe nach, die als Frucht Erfahrung und Befreiung gewähren. Der Erhabene sprach: 6.3 Gut hast du gefragt, Nārada, nach dieser wesentlichen Lehre. Alles, wonach du fragst, hat Mantra zur Voraussetzung. 6.4 Daher werde ich den heilvollen Mantra erklären, der Erfahrung und Befreiung schenkt, in seiner groben und feinen Gestalt und mit seinen vielfältigen Vollendungsfrüchten, 6.5 versehen mit Kräften, Gliedern und Umkreisen, von mannigfacher wunderbarer Erscheinung. Auf einem ebenen, reinen Boden, gut mit Lehm und Kuhdung bestrichen, 6.6 mit den fünf Kuhprodukten besprengt, mit Sandel und anderen duftenden Stoffen bestrichen, windgeschützt, gut abgeschirmt und durch Räucherwerk beduftet, 6.7 verehre man zunächst mit weichen Kalhāra-Blüten oder anderen geeigneten Blumen, unter Verwendung des eigenen Namens [der Gottheit], mit dem Praṇava am Anfang und Namaḥ am Ende. 6.8 Nach vielfacher Wiederholung breite man Erde auf dem Boden aus und bilde ein sorgfältig quadratisches oder rundes Feld, zwei Ellen oder eine Elle groß. 6.9 Man bereite den Sitz der Mātṛkā ganz eben und entfalte darauf das Alphabet. Dieses ist eines, in unterschiedliche Gruppen gegliedert; am Gruppenende stehen auch ungleichartige Laute [Satzbau unsicher]. 6.10 Die erste Gruppe besitzt sechzehn Laute, beginnt mit a und endet mit Visarga. In ihr besteht der Herr als Feuer und Soma, o bester Brahmane. 6.11 In den fünf Gruppen von je fünf Lauten, von ka bis ma, besteht der höchste Herr stets als die Wirklichkeitsprinzipien. 6.12 In der siebten Gruppe mit den vier Lauten von ya bis va besteht er als die Bewusstseinszustände, der Reihe nach vom Wachen an. 6.13 In den Lauten von śa bis kṣa besteht er als das Wesen jenseits des vierten Zustands. Erhellung, Schärfe, Durchdringung, Ergreifen, Schleudern und Antreiben, 6.14 Reifen und Erlangen: Diese acht Kräfte gehören zur Sonnenseite und sind nacheinander in den kurzen Lauten, beginnend mit a, gegenwärtig. 6.15 Flüssigkeit, Kühle, Sättigung, Schönheit, Klarheit, Geschmack, Erfreuung und Glückseligkeit gelten als die acht mondhaften Kräfte. 6.16 Als Mātṛkā sind sie in den langen Lauten, beginnend mit ā, gegenwärtig und stets untrennbar miteinander verbunden. 6.17 Je acht sind innen und außen in den acht [entsprechenden Lauten] gegenwärtig. Die Gesamtheit der Wirklichkeitsprinzipien von Erde bis Puruṣa besteht der Reihe nach [in den Konsonantengruppen]. 6.18 Wachen, Traum und Tiefschlaf sowie darüber der vierte Zustand sind hier gegenwärtig. Darüber besteht das höchste, ewig aufsteigende Licht und der höchste Laut. 6.19 Höchste Glückseligkeit und Gleichheit, frei von Erkennbarem und Erkennendem: So ist die Gestalt des Allgegenwärtigen jenseits des vierten Zustands beschrieben. 6.20 Nachdem man diese Macht der Laute als allgegenwärtig und erfahrbar verstanden hat, zeichne man sie mit einem geeigneten Mittel als Schriftzeichen auf. 6.21 Doch die Mātṛkā ist nicht bloß Schrift, o Brahmane. Sie ist der höchste göttliche Puruṣa, den du zuvor unmittelbar erfahren hast [erster Satzanschluss unsicher]. 6.22 Dies ist sein Alphabetleib, vierfach geordnet. Wie Perlen auf einem einzigen Faden aufgereiht sind, o Nārada, 6.23 so sind die Laute durch mich aufgereiht, dessen unvergängliches Wesen dem Faden gleicht. Wer dies im Herzen bewahrt und die Mantras erschließt, 6.24 erlangt durch den Mantra sichtbare und unsichtbare Früchte. So setze man die Mātṛkā, die Mutter der Mantras, in den eigenen Leib ein, 6.25 in die jeweils genannten, mit ihrem Gehalt erfüllten Wirklichkeitsprinzipien. Nach dem Bad trage man weiße Gewänder, Blumenschmuck und Sandelpaste. 6.26 Der Mantraübende breite die Mātṛkā mit ihren acht gesonderten Gruppen auf einem großen achtspeichigen Rad aus, dessen Mitte schön gestaltet ist. 6.27 Beginnend mit der östlichen Speiche ordne man die Gruppen von a an bis kṣa und schreibe in die Mitte den Praṇava: das Lautrad, den höchsten Herrn. 6.28 Jeden Laut schreibe man unter seiner eigenen Bezeichnung auf die Speichen, bis jede Gruppe ihren zugehörigen Raum ausfüllt. 6.29 Die aus Vokalen und Konsonanten bestehende Mātṛkā verehre man vor sich mit Fußwasser, Arghya, Blumen, Räucherwerk, Licht und Salbungen, 6.30 mit Früchten, Wurzeln und anderen Speisegaben, [mit der Anrufung] „oṃ namo mantramātṛke“. Dann verehre man hingebungsvoll den Puruṣa in der Gestalt der Mātṛkā. 6.31 Mit dem zuvor genannten eigenen Namen, mit Verneigung und Praṇava verehre man der Reihe nach jeden einzelnen Laut unter seiner jeweiligen Bezeichnung, 6.32 ihn wie die Mittagssonne aufleuchtend betrachtend. a wird Aprameya, Prathama [alternative Lesung: Bhava] und Vyāpaka genannt. 6.33 ā heißt Ādideva, Ānanda und Gopana. i wird Rāma, Iṣṭa und Iddha genannt. 6.34 ī heißt Pañcabindu und Viṣṇus Māyā, o bester Brahmane. u heißt Bhuvana, Uddāma und Udaya. 6.35 ū heißt Ūrja, Lokeśa und Prajñādhāra. ṛ heißt Satya, Ṛtadhāman und Aṅkuśa. 6.36 Erkenne den folgenden ṛ-Laut [offenbar der lange Vokal ṝ; in der Vorlage erneut ṛ] als Viṣṭara, Jvālā und Prasāraṇa. ḷ wird als der erhabene Liṅgātman und als Tāraka bezeichnet. 6.37 Der folgende ḷ-Laut [offenbar der lange Vokal ḹ; in der Vorlage erneut ḷ] heißt Dīrghaghoṇa, Devadatta und Virāj. e heißt Tryaśra, Jagadyoni und Avigraha. 6.38 ai heißt Aiśvarya, Yogadhātā und Airāvaṇa [Verbindung im Text unsicher]. o heißt Otadeha, Odana und Vikramin. 6.39 au heißt Aurva, Bhūdhara und Auṣadhātmaka. Der nasale Laut aṃ heißt Trailokyaiśvaryada, Vyāpin und Vyomeśa [die Vorlage schreibt hier aṅkāra]. 6.40 Visarga heißt Sṛṣṭikṛt und Parameśvara [die Bezeichnung des Lautes ist im Text unstimmig]. ka heißt Kamala, Karāla und Parā Prakṛti. 6.41 kha heißt Kharvadeha, Vedātman und Viśvabhāvana. ga heißt Gadadhvaṃsin, Govinda und Gadādhara. 6.42 gha heißt Dharmāṃśu, Tejasvin und Dīptimān. ṅa heißt Ekadaṃṣṭra, Bhūtātman und Viśvabhāvaka. 6.43 ca heißt Cañcala, Cakrin und Candrāṃśu. cha heißt Chalavidhvaṃsin, Chandas und Chandaḥpati. 6.44 ja heißt Ajita, Janmahantṛ und Śāśvata. jha heißt Jhaṣa, Samātman und Sāmapāṭhaka. 6.45 Der folgende Laut heißt Uttama, Īśvara und Tattvadhāraka [die Vorlage nennt jña statt des hier zu erwartenden ña]. ṭa heißt Cāndrī, Āhlāda und Viśvāpyāyakara. 6.46 ṭha heißt Kaustubha, Nemi und Dhārādhara. ḍa heißt Daṇḍadhāra, Mausala und Akhaṇḍavikrama. 6.47 ḍha heißt Viśvarūpa, Vṛṣakarman und Pratardana. ṇa heißt Abhayada, Śāstṛ und Vaikuṇṭha. 6.48 ta heißt Tālalakṣman, Vairāja und Sragdhara. tha heißt Dhanvin, Bhuvanapāla und Sarvarodhaka. 6.49 da heißt Dattāvakāśa, Damana und Śāntida. dha heißt Śārṅgadhṛt, Dhartṛ und Mādhava. 6.50 na heißt Nara, Nārāyaṇa und Panthan. pa heißt Padmanābha, Pavitra und Paścimānana. 6.51 pha heißt Phullanayana, Lāṅgalin und Śveta. ba heißt Vāmana, Hrasva und Pūrṇāṅga. 6.52 bha ist als Bhallāyudha, Siddhiprada und Dhruva zu erkennen. ma wird Mardana, Kāla und Pradhāna genannt. 6.53 ya heißt Caturgati, Sūkṣma und Śaṅkha. ra heißt Aśeṣabhuvanādhāra, Anala und Kālapāvaka. 6.54 la heißt Vibudha, Dhareśa und Puruṣeśvara. va heißt Varāha, Amṛtādhāra und Varuṇa. 6.55 śa heißt Śaṅkara, Śānta und Puṇḍarīka. ṣa heißt Nṛsiṃha, Agnirūpa und Bhāskara. 6.56 sa wird Amṛta, Tṛpti und Soma genannt. ha heißt Sūrya, Prāṇa und Paramātman. 6.57 kṣa heißt Ananteśa, Vargānta und Garuḍa. Damit sind die Bezeichnungen der Laute vollständig aufgeführt. 6.58 Die jeweilige Zahl und Bezeichnung eines Lautes, die sich durch Vorwärts- oder Rückwärtszählen von einem anderen Laut ergibt, ist als allgemeine Zuordnung zu verstehen, o Einsichtiger. 6.59 Diese Laute sind Teilmanifestationen des Erhabenen, von leuchtender Gestalt. Durch seine Kraft gestärkt, sind sie die Ursache aller Mantras. 6.60 Indem sie zueinander als Glieder und Gliedträger in Beziehung treten, entstehen die Mantras. In dieser beweglichen und unbeweglichen Welt gibt es nichts, das nicht von ihnen durchdrungen wäre. 6.61 Nachdem ihre Durchdringung so innerlich vergegenwärtigt ist, vollziehe man die Lautverehrung im eigenen Herzensrad und dann im Rad auf der Erde. Danach erschließe man die Mantras. 6.62 Als erstes Bīja nehme man den letzten Laut der Gruppen, abgesondert von den sieben Gruppen, verbinde ihn mit Pañcabindu und setze darüber Vyomeśa. 6.63 Dies ist das vorzügliche göttliche Bīja, das die Frucht aller Wünsche gewährt. Dann nehme man den dritten Laut von Ananteśa aus und verbinde ihn mit dem Ende der Vokalgruppe. 6.64 Dieses zweite Bīja nimmt die Angst vor Alter und Tod. Den ersten Vokal und den fünften verbinde man mit dem fünfundzwanzigsten [Laut]. 6.65 Vor diese beiden schreibe man das erste heilvolle Bīja, das Erfahrung und Befreiung gewährt, versehen mit dem Wort der Verehrung: den Herrn, den Träger aller Kräfte. 6.66 Diese drei Laute sind mein in grober Weise erscheinender Leib, o Brahmane; gegenüber dem aus Elementen bestehenden Leib ist er jedoch etwas feiner, Nārada. 6.67 Im Vergleich zur höchsten Gestalt erscheint er grob. Er besitzt hervorragende Eigenschaften und ist nicht beliebig jedem sichtbar. 6.68 Schon allein gewährt er sämtliche gewünschten Erfüllungen. Wie viel mehr, wenn er mit dem zwölfsilbigen Mūrti-Mantra verbunden ist! 6.69 Man setze die Worte „nārāyaṇāya“ und danach „viśvātmane“, verbunden mit „hrīṃ“ und „svāhā“. Dieser wird Mūrti-Mantra genannt. 6.70 Für den zuvor genannten Dreilautigen bildet er die Gestalt der willentlichen Erscheinung [Kompositum unsicher]; er ist Grundlage der Kräfte wie Aṇimā und gewährt die Vollendung des Aufstiegs aus der Unterwelt. 6.71 Dem nach Befreiung Verlangenden schenkt er Befreiung, dem nach Erfahrung Verlangenden Erfahrung, dem nach Herrschaft Verlangenden Herrschaft und dem nach Reichtum Verlangenden Wohlstand. 6.72 Welche Wünsche der Übende auch hegt: Alle gewährt er schon durch sein Aussprechen, wenn dessen Inneres wahrhaft von ihm erfüllt ist. 6.73 Man meditiere über den anfangs- und endlosen Gott, den Weltschöpfer und Herrn: vierarmig, Muschel, Diskus und Keule tragend. 6.74 Er hat vier Gesichter, schöne Augen, eine liebliche Gestalt und einen Lotus in der Hand: Vaikuṇṭha, mit Mensch-Löwen-, Eber- und Kapila-Gesicht. 6.75 Weiß leuchtend reitet der Allgegenwärtige auf dem Vogelkönig, mit allem Schmuck versehen, mit allen glückverheißenden Kennzeichen, Girlanden und Gewändern ausgestattet. 6.76 Er trägt Krone und Kaustubha-Juwel; sein Leib ist mit Kampfer bestrichen. Er leuchtet wie tausend Zehntausende Sonnen und wird von allen Göttern verehrt. 6.77 Die Göttinnen Lakṣmī, Kīrti, Jayā und Māyā sind stets in ihm gegründet, mit ihren eigenen Scharen von Kräften, gestaltlos und ungegliedert. 6.78 Wie die Strahlen zur Sonne und die Wellen zum Meer gehören, so gehört Kamalā mit der ganzen Macht göttlicher Herrlichkeit zum Herrn der Śrī. 6.79 Sie ist von Millionen besonderer Lakṣmī-Gestalten umgeben. Ebenso besteht Kīrti in der Gestalt des Allgegenwärtigen [Lesung unsicher]. 6.80 Es gibt nichts, das nicht von ihrer allgemeinen Gestalt durchdrungen wäre. Welcher Ruhm für wen und wann durch dessen eigenes Vermögen entsteht, 6.81 all dies gilt als ihr besonderer Ausdruck, o Brahmane. Ebenso besteht Jayā, die Siegeskraft, in durchdringender Weise im Herrn des Sieges. 6.82 Welche Māyā sich auch bei Göttern und anderen Wesen in dieser Welt findet: Erkenne sie als aus der höchsten Māyā des Erhabenen entstanden. 6.83 Abgesehen von seiner ungegliederten höchsten Wirklichkeit – wer in diesem Ozean der Wirklichkeitsprinzipien besteht nicht in dieser Vierheit? [Satzform unsicher.] 6.84 Durch diese göttlichen Kräfte und ihre jeweilige Verbindung haben sie, aufgrund der Macht ihres eigenen Lichtes und Wissens, Gestalt angenommen. 6.85 Der vorzügliche Übende meditiere für seine Vollendung über diese Göttinnen des Herrn: mit einem Gesicht, zwei Augen, zwei Armen und schönen Ohrringen [Lesung am Anfang unsicher]. 6.86 Lieblich wie das Innere eines Lotus, mit Gürtelketten geschmückt, tragen sie weiße Girlanden und Gewänder sowie Hals- und Armschmuck. 6.87 Mit allen glückverheißenden Kennzeichen versehen, mit vollen, hochstehenden Brüsten, haben sie weit geöffnete Augen wie erblühte blaue Lotusse und lächelnde Gesichter. 6.88 Ihre Locken gleichen bewegten Bienenschwärmen; ihre Stirnen sind mit vielfältigen bunten Zeichen geschmückt. 6.89 Ihre Lippen sind rötlich, die Zähne wie Bambusperlen, die Stirnen wie Halbmonde, das Haupthaar weich und gelockt [eine wiederholte Farbbezeichnung ist unsicher]. 6.90 Die Göttinnen tragen Schlinge und Elefantenhaken und erfüllen alle Wünsche. Sie befinden sich in den Himmelsrichtungen, beginnend im Osten, auf den Speichen der Lotusstaubfäden, Nārada. 6.91 Im festen Lotussitz sind sie dem Gott der Götter zugewandt. Nun werde ich ihre verschiedenen Mantras zur Verehrung erklären, 6.92 durch die sie, beständig verehrt, das Erwünschte verwirklichen. Das zweite, für sich stehende vorzügliche Bīja des Wurzelmantras 6.93 gilt als das gemeinsame Herz aller dieser Göttinnen. Höre nun der Reihe nach ihre vier gesonderten Mūrti-Mantras. 6.94 Zunächst nehme man den Praṇava, danach das Herz-Bīja. In die zweisilbige Wendung „lakṣmyai“ füge man zuvor [den auf Verehrung endenden Bestandteil; Wortlaut „prāṅgamontaṃ“ unsicher] ein. 6.95 Dann setze man das Wort „parama“, an dessen Ende Puruṣeśvara und den letzten Gruppenlaut mit ā, danach die Wendung „vasthitāyai“ [Wortanschluss unsicher]. 6.96 Wiederum folge das Herz-Bīja, danach die beiden Bījas „śrīṃ hrīṃ“, verbunden mit „svāhā“, o Brahmane. Dieser Mantrakönig beginnt mit dem Praṇava. 6.97 Mit dem Mūrti-Mantra verbunden, hat der Lakṣmī genannte Mantra zwanzig Silben. Für Kīrti setze man das Herz-Bīja mit vorangestelltem Praṇava, danach „kīrtyai“ und „namaḥ“. 6.98 Es folgen „sadoditānanda“ und „vigrahāyai“, verbunden mit „hrīṃ klīṃ svāhā“. Der Mantrakönig Kīrtis besitzt die zuvor genannte Silbenzahl. 6.99 Für Jayā setze man das Herz-Bīja mit dem Praṇava, die dreisilbige Wendung „jayāyai“ und „namaḥ“, den ersten Vokal, das Wort „jita“ und die beiden Laute „dhāmā“. 6.100 Nach der Wendung „vasthitāyai“ setze man wiederum ihr Herz-Bīja; den dritten [Laut] lasse man auf Aśeṣabhuvanādhāra ruhen. 6.101 Hinzu kommen Vyomeśa und Pañcabindu, danach „svāhā“, Nārada [Lesungsvariante in der Vorlage]. Der vorzügliche Jayā-Mantra hat zwanzig Laute. 6.102 Für Māyā setze man das zuvor genannte Bīja mit vorangestelltem Praṇava, danach „māyāyai namaḥ“, die Wendung „mohātīta“ und anschließend [einen auf na endenden Bestandteil; Anschluss unsicher]. 6.103 Darauf folge da mit dem zweiten Vokal und das dreisilbige Wort „śṛtāyai“ [Lesung unsicher]; danach das Māyā-Bīja. 6.104 Man erschließe Pradhāna auf Anala, mit dem vierten Vokal versehen, mit Trailokyaiśvaryada verbunden und auf „svāhā“ endend. 6.105 Der Māyā-Mantra hat dieselbe Silbenzahl wie die vorhergehenden. Nun werde ich die Glieder des Gottes der Götter wahrheitsgemäß erklären. 6.106 Durch diese gewappnet, wird der Übende selbst für die Götter unverwundbar und vollbringt alle Unternehmungen, die Leben und Glück fördern, 6.107 wenn er hingebungsvoll, innerlich von ihm erfüllt und ganz den Mantrahandlungen zugewandt ist. Man nehme das vor Ananta stehende Bīja, mit Bindu geschmückt. 6.108 Mit Praṇava beginnend und mit Namaḥ endend, erkenne es als den ungegliederten Herz-Mantra. Seinen Mūrti-Mantra erkläre ich dir nun, wie er überliefert ist. 6.109 Praṇava, Sūrya mit Bindu, Soma mit Visarga; danach setze man das Wort „śuci“ und erschließe Agnirūpa. 6.110 Darauf folgt der Laut da, ebenfalls mit Praṇava versehen, und „hṛdayāya namaḥ“. Dies ist der mit seiner Gestalt verbundene Herz-Mantra. 6.111 Er hat siebzehn Silben und gewährt alle Vollendungen, o Brahmane. Denselben [Grundlaut], mit dem zweiten Vokal verbunden, setze man am Kopf ein. 6.112 Nachdem man ihn so erschlossen hat, stelle man Praṇava voran und Verehrung ans Ende. Erkenne dies als den ungegliederten Kopf-Mantra. 6.113 Nun werde ich seinen zugehörigen Mūrti-Mantra nennen. Man nehme den für sich stehenden Padmanābha-Laut und darauf ebenso 6.114 Aśeṣabhuvanādhāra, an dessen Ende „phala“ [Lesung unsicher], auf Kālapāvaka ruhend und auf pha endend, o bester Brahmane. 6.115 Dann nehme man Prāṇa, darüber Madana, danach das Wort „śirase“ und am Ende „svāhā“. 6.116 Erkenne diesen Kopf-Mantra als dreizehnsilbig, Nārada. Für den Scheitel-Mantra setze man zuerst Praṇava und danach Sūrya, 6.117 geschmückt mit Viṣṇu und darüber Trailokyaiśvaryada, am Ende Namaḥ: Dies ist der ungegliederte Śikhā-Mantra. 6.118 Seinen Mūrti-Mantra, der alle Ziele erfüllt, erkläre ich nun: Padmanābha auf ra, da und darüber Śaṅkha [Lesung des ersten Lautnamens unsicher]. 6.119 Dies durchziehe man sorgfältig mit Otadeha, Nārada. Darauf folge Tālalakṣman allein und Nara mit Rāma. 6.120 Er endet mit „śikhāyai vauṣaṭ“. Dieser Śikhā-Mantra umfasst dreizehneinhalb Laute und gewährt vielfältige Vollendungsfrüchte. 6.121 Zwischen Praṇava und der Verehrungsformel setze man Prāṇa, mit Vyoman und dem fünften Vokal versehen. So bezeichnet man den Laut des Kavaca, des Schutzpanzers. 6.122 Im Mūrti-Mantra Kṛṣṇas, der Erfahrung und Befreiung verwirklicht, nehme man den Śaṅkara genannten Laut, mit Ānanda geschmückt, 6.123 denselben auf Varāha, dann Vairāja allein, Puṇḍarīka allein und Kālapāvaka allein. 6.124 Darauf erschließe man Vaikuṇṭha, auf Caturgati ruhend. Man füge „kavacāya“ an, mit dem Huṃ-Laut versehen. 6.125 So ist dieser fünfzehnsilbige Mantra in seiner zweifachen Gestalt erklärt. Für das Auge folgt auf den Praṇava Prāṇa, mit Vyoman geschmückt, und am Ende Namaḥ. 6.126 Mit dem Vokal au verbunden, ist dies der ungegliederte Augen-Mantra. [Für seine Gestalt nehme man] Pavitra auf Anala und Kamala, mit Gopana bezeichnet, 6.127 am Ende Śaṅkara allein, Paścimānana auf ra und dann Ajita, auf Amṛtādhāra ruhend. 6.128 Man setze Dhareśa allein und die dreisilbige Wendung „netrāya“, danach „vauṣaṭ“. Dies wird Augen-Mantra genannt. 6.129 Er umfasst fünfzehneinhalb Laute und gewährt Vollendung, o Brahmane. Für den Waffen-Mantra setze man Paramātman zwischen Praṇava und Namaḥ. 6.130 Mit Visarga versehen, ist dies Astra. Zum zugehörigen Mūrti-Mantra nehme man Dattāvakāśa mit Māyā geschmückt, 6.131 Pavitra auf Sragdhara und darüber Odana; Madana auf Satya und Pavitra auf Tālalakṣman. 6.132 Dann wiederum diesen auf Anala, darauf Dhruva allein, an dessen Ende Aprameya, und anschließend den Soma genannten Laut, 6.133 auf Vairāja ruhend, seinerseits auf Anala. Man bezeichne ihn mit Gopana, o bester Brahmane; dies ist eine vierlautige Verbindung. 6.134 Dann folgt Sūkṣma allein, mit der Wendung „phaṭ“. Dieser Astra-Mantra hat vierzehn ganze Laute und einen halben. 6.135 Die [Mantras], die in den mit Nṛsiṃha beginnenden [Gesichtern] ruhen, werde ich nun in Kürze erklären. 6.136 Gesondert haben sie jeweils vollständige Gestalten, Glieder und Gefolge. Am Gott selbst sollen sie jedoch als seine Gesichter betrachtet und sorgfältig verehrt werden. 6.137 Zunächst nehme man den Praṇava mit Viśvāpyāya, dann Ajita auf Anala, verbunden mit Odana, 6.138 darüber Cāndrī und darüber Vyāpana. Man nehme Janmahantṛ und setze darunter Sāmapāṭhaka. 6.139 Dies setze man auf Anala, darunter wiederum Ūrja; darüber Vyāpin, und am Anfang stehe der Reihe nach Bhūdhara [Lautfolge in der Vorlage unsicher]. 6.140 Dies ist der verdichtete Lautkomplex, o Brahmane; der zweite endet mit Namaḥ [Satzbezug unsicher]. Es folgen „jvalanāyuta“ und die dreisilbige Wendung „dīptaye“. 6.141 Dann verbinde man damit „nṛsiṃhāya“ und „svāhā“. Der Mantra des Mensch-Löwen in gestalthafter und gestaltloser Form hat neunzehn Silben. 6.142 Verehrt, erinnert, meditiert und wiederholt, beseitigt er krankheitsverbundene Übel und auch die Bedrängnis durch Geister, o Brahmane [Wirkungszuschreibung des Textes]. 6.143 Für Kapila nehme man zuerst Praṇava, danach Sūrya, diesen mit Lokeśa verbunden; darüber Vyoman und Cāndrī. 6.144 Dann nehme man das ra-Bīja, setze darunter Dharmāṃśu und darunter wiederum Anala, auf Prajñādhāra ruhend. 6.145 Darüber folgen Auṣadhātman, Cāndrī und Vyāpin der Reihe nach. Am Ende dieser beiden Lautkomplexe setze man die Verehrungsformel. 6.146 Es folgen „anantabhāsāya“, dann „kapilāya“, verbunden mit „svāhā“. So bilde man den siebzehnsilbigen Mantra. 6.147 Der Kapila genannte ist äußerst mächtig und stillt alle Gegensätze. Als Mittel zur Vollendung soll er bei Sühneverfahren stets wiederholt werden, 6.148 ebenso zur baldigen Erlangung der Befreiung, Nārada. Für Varāha nehme man zuerst Oṃ und danach den Govinda genannten Laut, 6.149 dazu Puruṣeśvara, darüber Otadeha, mit Trailokyaiśvaryada verbunden, und darüber ṭa. 6.150 Amṛta ruhe auf Varāha, darunter ū, o Brahmane; am Ende o und darüber Trailokyaiśvaryada, 6.151 verbunden mit Viśvāpyāya. Danach setze man Namaḥ, die beiden Laute „kṛṣṇa“ und anschließend „piṅgalāya“. 6.152 Es folgen „varāhāya svāhā“. Dieser Mantra hat siebzehn Silben. Er bewirkt Frieden, Wohlergehen, Gedeihen und Gesundheit und gilt als stärkend. 6.153 Der Varāha-Mantra, der Erfahrung und Befreiung gewährt, soll bewahrt und wiederholt werden. Höre nun alle Mantras von Kaustubha bis zum Elefantenhaken, 6.154 deren beständige Verehrung unendliche Macht hervorbringt. [Für Kaustubha setze man] Kaustubha mit Vyoman, danach Paramātman, o Brahmane. 6.155 Dies verbinde man oben und unten mit Anala, bezeichne es mit a und versieht [die Bestandteile] jeweils mit Ūrja, Nārada [Bezüge unsicher]. 6.156 Dann folgen Nemi mit Vyoman, die Verehrung und die Wendungen „prabhātmane“ und „kaustubhāya“. 6.157 Mit Praṇava und „svāhā“ versehen, wird dieser große sechzehnsilbige Mantra Kaustubhas gelehrt. Es gibt nichts, was er nicht verwirklichen könnte. 6.158 Für die Girlande setze man nach dem Praṇava Dhareśa, darunter Tṛpti und darunter Varuṇa. 6.159 Dieser Lautkomplex wird mit Māyā, Vyoman und der Verehrungsformel verbunden. Es folgen die beiden Laute „sthala“ und die Wendung „jalodbhūta“, 6.160 danach „bhūṣite vanamāle“, verbunden mit „svāhā“. Der Girlanden-Mantra wird als neunzehnsilbig beschrieben. 6.161 Dem beständigen Verehrer schenkt er die gewünschte Vollendung, o Brahmane. Für den Lotus füge man nach dem Praṇava Vāmana ein, 6.162 darunter Soma, auf Uddāma ruhend. Dieser Lautkomplex ist mit Trailokyaiśvaryada und der Verehrung verbunden. 6.163 Es folgen „śrīnivāsa“, danach „padmāya“, verbunden mit „svāhā“. Der Lotus-Mantra hat dreizehn Silben. 6.164 Den Hingebungsvollen schenkt er unvergleichlichen, unvergänglichen Wohlstand, o Brahmane. Für die Muschel nehme man zuerst Praṇava, dann Paramātman, 6.165 verbinde diesen mit dem Ende von Bhuvana und mit Trailokyaiśvaryada, füge der Reihe nach Verehrung ein und nehme diesen Laut dreifach. 6.166 Es folgen „mahāśaṅkhāya svāhā“. Der Muschel-Mantra hat dreizehn Silben; als besonders heilvoll bezeichnet, gewährt er Einsicht und Wissen [die Vorlage hat an einer Stelle „Yantra“]. 6.167 Für den Diskus setze man nach dem Praṇava Śāśvata auf ra, verbunden mit Siddhikṛt; ebenso Kamala und danach Praphullanayana 6.168 für sich allein. Am Ende folge Āhlāda ohne Vokal. Dann nehme man Paramātman, verbunden mit dem Anfang von Aṅkuśa, 6.169 oben mit dem Ende von Aurva bezeichnet; danach Namaḥ, dreimal „phaṭ“ und die Wendung „viṣṇucakrāya“. 6.170 Am Ende stehen die beiden Silben „svāhā“. Der Diskus-Mantra hat siebzehn Silben und vier halbe Laute. [Der abschließende Bezug auf „diese ganze Welt“ ist syntaktisch unvollständig.] 6.171 Für die Keule nehme man zuerst Praṇava, danach Gadādhara, auf Pradhāna ruhend, und darunter Puruṣeśvara. 6.172 Man verbinde dies mit Jagadyoni und setze darüber Vyomeśa. Dann nehme man ja, auf Viṣṭara ruhend, 6.173 verbunden mit dem Anfang von Visarga und mit der Verehrung, und füge „sahasrāśrigade svāhā“ an. Der Keulen-Mantra hat dreizehn Silben. 6.174 Der große Mantra gewährt das Erwünschte und zerstört das Netz der Hindernisse. Für Garuḍa nehme man zuerst Praṇava, danach Ananteśa, 6.175 oben und unten mit Anala verbunden; darunter setze man den Anfang von Satya und darüber Trailokyaiśvaryada [eine zusätzliche Lautanweisung ist im Wortlaut unsicher]. 6.176 Danach nehme man Vedātman und versieht auch ihn, wie Ananteśa, mit Vokalen und Konsonanten. 6.177 Wiederum setze man einen Lautkomplex mit Sṛṣṭikṛt und Namaḥ am Ende; abschließend die Wendungen „anantagate“, „garuḍāya“ und „svāhā“ [Stellung der Schlussworte nicht eindeutig]. 6.178 Garuḍas Mantra wird als siebzehnsilbig bezeichnet. Durch aufmerksames Gedenken an ihn soll jede Bedrängnis vergehen. 6.179 Für die Schlinge nehme man zunächst Vaikuṇṭha und setze darauf ra, verbunden mit Vyoman und Ānanda; darauf die Wendung „kaḍhḍhakaḍhḍha“ [Lautgestalt unsicher]. 6.180 Mit zweimal Dhārādhara verbunden, füge man „varapāśāya“ und am Ende „svāhā“ an. Er hat siebzehn Silben. 6.181 Mit dem befreienden Laut versehen, heißt dieser Mantra Pāśa und führt rasch zur Vollendung. Für den Elefantenhaken setze man nach dem Praṇava Virāj und darüber 6.182 Vyoman, [„vipra“: möglicherweise Anrede oder beschädigter Code] und Anala, danach Kamala auf Ṛtadhāman; darüber Vyoman. 6.183 Es folgen „niśitaghoṇāya“, dann „aṅkuśāya“, verbunden mit „svāhā“. Der Mantrakönig des Elefantenhakens hat fünfzehn Silben. 6.184 Er wird als rasch wirkend bezeichnet, stets auf die Erfüllung des Willens gerichtet. Nun folgt die Fünfheit der Upāṅgas, welche Satya und die übrigen bezeichnet: 6.185 makellose Brahman-Gestalt, allgegenwärtig und alle Vollendungen gewährend. Höre genau, göttlicher Seher; ich erkläre sie dir samt ihrem Geheimnis. 6.186 Durch ihr Einsetzen wird die Mantragestalt für den Übenden wirksam, wo immer er sich befindet, und schenkt dem ganz von ihr Erfüllten bald ihre Frucht. 6.187 Durch ihr Einsetzen und das Vergegenwärtigen ihrer Durchdringung wird der Mantraübende dem Gottesherrn gleich. Für den im Gottesdienst angerufenen Mantra mit seinen Kräften, Gliedern und Umkreisen 6.188 soll sie stets zur vollkommenen Festigung eingesetzt werden. Wenn man den Nyāsa am eigenen Leib und den Nyāsa dieser fünf Upāṅgas vollzogen hat, 6.189 kommt beständig Sammlung in die zerstreuten Geistbewegungen. Die mit fünf Lauten versehene Gruppe, die als „Wesen jenseits des vierten Zustands“ bezeichnet wird, 6.190 stelle man in umgekehrter Folge auf, beginnend mit Suparṇa. Man verbinde den ersten Laut mit Bhūdhara, den zweiten mit Ūrja, 6.191 den dritten mit Lokeśa, den vierten mit Viṣṇu und den fünften mit Ādideva; bei allen setze man Vyāpin darüber. 6.192 Jeden einzelnen füge man in den vollständigen Oṃ-Laut ein, o Brahmane. Diese Fünfheit gilt als die Bīja-Gestalt der fünf so Benannten. 6.193 Als höchstes Prinzip besteht sie; aus ihr gehen jene hervor, in ihrer Feinheit, Allgegenwart und tragenden Kraft, Nārada. 6.194 In jedem einzelnen sind diese fünf zusammen gegenwärtig. Sie haben die Gestalt eines friedvollen Feuers und erscheinen gemeinsam mit dem höchsten Mantra. 6.195 Der erste Mantrakönig gehört dem ursprünglichen Gott Viṣṇu, dem großen Satya, dessen Name höchste Entfaltung bezeichnet. 6.196 Der zweite wird dem allgegenwärtigen Vāsudeva zugeschrieben; als drittes ist das Bīja Saṅkarṣaṇas genannt. 6.197 Das vierte gehört dem großen Pradyumna, o bester Brahmane. Das fünfte Upāṅga erkenne als das des allgegenwärtigen Aniruddha. 6.198 Wer diese reine Fünfheit von Mantras, von Satya bis Aniruddha, unter dem Namen Upāṅga kennt, erkennt die Wahrheit; anders nicht. 6.199 So ist für den vorzüglichen, allgegenwärtigen, makellosen Mantra von feiner Gestalt, den Dreisilbigen mit den beiden Bījas am Anfang, 6.200 die Mantragesamtheit, beginnend mit dem Mūrti-Mantra, der Reihe nach erklärt. Sie gewährt den Hingebungsvollen, deren Inneres davon erfüllt ist, das Erwünschte. 6.201 Widme dich ihr, o Weiser, verehre und ehre sie nach der in der Schrift gelehrten Vorschrift: Sie gewährt das Ersehnte. Nārada sprach: 6.202 Diesen höchsten Mantra habe ich in seiner groben und feinen Gliederung erkannt, nicht aber in seiner höchsten Gestalt, o höchster Herr. 6.203 Zuvor hast du auf seine höchste Mantragestalt hingewiesen. Erkläre sie mir in Kürze, wenn du mir gnädig bist. Der Erhabene sprach: 6.204 Der zuvor ohne Mūrti-Mantra genannte Mantra, der mit Prabhava beginnt und mit Visarga endet, ist eine Gestalt geballten Nektars. 6.205 Er umfasst alle Götter, ist rein, verkörpert sämtliche Wirklichkeitswege und ist der höchste Herr. Sein Leib besteht aus allen Kräften; er ist Licht und trägt eine feine Gestalt. 6.206 Um der im Meer des Daseins Versunkenen willen hat er aus eigenem Willen grobe Gestalt angenommen. Er wird vom höchsten, allgegenwärtigen Lichtwesen durchdrungen, 6.207 das äußerst fein, gestaltlos und vom Wesen beständigen Lichtes ist. Erkenne es als kleiner als das Kleinste: Es ist die höchste Mantrakraft. 6.208 Frei von Begrenzungen und rein, gewährt dieser höchste Mantra als mein Leib die Frucht meiner Nähe und die höchste Vollendung. 6.209 Seine unveränderliche Gestalt gilt als die höchste, „Yāga“ genannte [Lesung beziehungsweise Benennung unsicher]. Jenseits dieses Zustands und des vierten Bewusstseinszustands liegt mein höchstes „zu Erkennendes“. 6.210 Es ist frei von Erfasstem und Erfassendem und durch Bewusstsein und Glückseligkeit gekennzeichnet. Die von ihm Erfüllten schauen es mit ganz reinem Inneren. 6.211 Aus ihm geht der höchste Mantrakönig hervor, der Licht und Laut heißt; in ihm wird das Erkannte als der Gehalt der sieben Glieder offenbar. 6.212 In ihm sind alle Welten in Lautgestalt gegründet; es steht über den beiden ursprünglichen Ursachen [Bezug der Zweizahl unsicher]. 6.213 Höre nun, wie es gemäß der Entstehungsfolge des Mantras besteht. Man verbinde der Reihe nach, entsprechend der Schöpfungsordnung, Nārada, 6.214 die sieben Laute in ihrer gesonderten Gliederung: Sūrya, Soma, Agni, Pradhāna, Puruṣeśvara, 6.215 Aśeṣabhuvanādhāra und Trailokyaiśvaryada. Dieser aus Lauten bestehende Komplex ist mein höchster Mantraleib. 6.216 Durch innere Vergegenwärtigung zugänglich, unvergleichlich und nicht öffentlich zu verbreiten ist dieser Mantrakönig, den ich dir heute enthüllt habe, o Weiser: Er bildet das Leben [der Mantras]. 6.217 Er erzeugt die Wirksamkeit des gesamten Mantrakreises. Durch diesen Mantra wird nach der Ordnung von Durchweben und Durchdringen 6.218 auch das Bīja getragen, wie ein reiner Kristall von reinem, sichtbarem und unsichtbarem Raum durchdrungen ist. 6.219 Ebenso werden die übrigen Mantras von ihm durchdrungen und innerlich bestimmt. – Nārada sprach: Du hast die Schöpfungsfolge des Mantras noch nicht vollständig erklärt. 6.220 Lehre sie mir, damit ich heute das zu Vollbringende vollbringe. Wie kann das unveränderliche, höchste, reine und jenseits [begrenzter] Erkenntnis bestehende, 6.221 allgegenwärtige Brahman zu einer Mantragestalt werden? – Der Erhabene sprach: Erkenne seine eine höchste Kraft, die seinem Wesen gemäß wirkt. 6.222 Aufgrund dieser wird der höchste Herr als Schöpfer bezeichnet, o Brahmane. Durch seine Größe wird er als sich Entfaltender beschrieben, obwohl er stets in Glückseligkeit offenbar ist. 6.223 Dem immer und ewig Reinen kommt eine solche Veränderung an sich nicht zu. Der Erhabene ist jedoch kraftgestaltig und durch sämtliche Kräfte entfaltet. 6.224 Als Feuer und Soma verdichtet sich [diese Kraft] gleichzeitig in mir [Lesung unsicher]. Das Leuchten heißt Sonne, die Erfreuung wird Soma genannt. 6.225 Bewusstsein ist in beiden gegenwärtig; mit ihnen sind auch Untergang und Aufgang verbunden. Dieser Puruṣa selbst ist bewusstseinsgestaltig und besteht aus Feuer und Soma, o Brahmane. 6.226 Seine feurige, dreiguṇahafte Gestalt besteht aus Wissen. Das Bewusstseinswesen ruht darin wie eine Motte [Gleichnis und Bezug unsicher]. 6.227 Von dort bringt der Herr die Ebene der Urnatur hervor; wenn das Erdprinzip von ihm durchdrungen ist, nimmt er die Stellung Puruṣeśvaras ein. 6.228 Von der Prägung „mein“ durchzogen, erfüllt er die gesamte Schar der Wirklichkeitsprinzipien mit Licht und gelangt zur Herrschaft über die drei Welten. 6.229 Dann wendet er sich von diesem leuchtenden Selbstbezug zurück, erreicht seinen eigenen Zustand und verweilt wieder im höchsten Zustand. 6.230 Oder er bringt die von Kraft umhüllte grobe oder feine Gestalt hervor. Auf diese beiden gestützt, erweist er den Welten Gnade. 6.231 Er schenkt Befreiung oder Erfahrung, Herrschaft und andere Güter. Deshalb soll er in seiner zugleich groben und feinen Gestalt verehrt werden. 6.232 Mit diesem höchsten dreisilbigen Mantra soll man die ins Meer des Daseins gefallenen Verehrer der Reihe nach einweihen; [der anschließende Vergleich mit einem anderen Mantra ist unsicher überliefert]. 6.233 Der Eingeweihte ist von den Fesseln befreit; er hat alles Festhalten aufgegeben, begehrt das Ende der Körpergebundenheit oder richtet seinen Geist ganz auf Yoga. 6.234 Jeder solche höchste Verehrer soll [mit dem Mantra] verbunden werden und am Nirvāṇa teilhaben. Darin gegründet, gelangt er zum höchsten Zustand, der durch beide, grobe und feine Gestalt, 6.235 den innerlich gereiften Menschen bald offenbar wird, o Brahmane. Ist er wirklich erfasst und mit Viṣṇu verbunden, 6.236 so verwirklicht sich für den, der ihn wiederholt und gemäß der Schöpfungsfolge aus den fünf Orten hervorgehend meditiert, bald das im Geist Erwünschte. 6.237 Oder [man betrachte ihn] aus der Gestalt hervorgehend, mit durchdringendem Sein verbunden, den Zustand wieder ersteigend, aus dem er herabkam, und erneut außerhalb 6.238 bestehend, nachdem er die Gestalt verlassen hat: Wer seiner so gedenkt, gelangt zur Befreiung. Aus dem Sichtbaren, dem Bewegungsweg des Atems und der Tätigkeit ziehe man ihn der Reihe nach zurück, 6.239 vom Herzen aus auch aus allen höher gelegenen Orten. Durch den Nektar dieser Hinwendung und durch beständige Übung, Nārada, 6.240 entstehen Festigkeit des Körpers sowie die Kraft zu Erfahrung und Befreiung. Deshalb soll seine Verehrung stets aus Meditation und Japa bestehen. 6.241 Sie soll nicht durch äußere Darbringungen wie Blumen und Räucherwerk geschehen; denn solche Verehrung ist für den gegliederten Leib vorgeschrieben, o Weiser. 6.242 Für das Ungegliederte gilt innere Vergegenwärtigung; im von beidem Freien besteht auch diese nicht. Seine unveränderte Gestalt wird von jenem getragen [Pronomenbezug unsicher]. 6.243 Denn durch den Yoga des Hervortretens des Vergegenwärtigten ist jener sein Erzeuger. Von diesem aus soll man, wie bei der Löwengestalt und den übrigen, eine weitere Gottheitsgestalt betrachten, 6.244 bei gesonderter oder gesamter Verehrung, zur ungehinderten Fruchterlangung, zur Brahman-Verwirklichung wie zur Erfahrung und bei der Gesamtheit der Handlungen, beginnend mit Dikṣā. 6.245 Dies ist die Wirkmacht jenes dreisilbigen Mantras. Sein Wesen ist als dreifach zu erkennen, ebenso als aus den drei Guṇas bestehend. 6.246 Stets wird er als Wesen der drei Welten und der drei Veden bezeichnet, o Brahmane. Erkenne ihn als die drei Opferfeuer; er ist Handlung, Sprache und Geist. 6.247 Er ist Manas, Buddhi und Ahaṃkāra, besitzt die Erkenntnis- und Handlungssinne und die Elemente. Als Soma, Sonne und Feuer sind seine drei Laute wiederum dreifach [Lesung am Ende unsicher]. 6.248 Er ist Prakṛti, Puruṣa und als Dritter Īśvara. Er ist auch die Dreiheit der Nāḍīs im Körper, verbunden mit den drei Orten. 6.249 Wer so die Allgestalt und die Allgegenwart dieses Mantras erkennt, Nārada, erkennt dessen Wahrheit; anders nicht. 6.250 Damit ist die Hauptgruppe der Mantras, die alle Bedrängnis stillt, wahrheitsgemäß offenbart. Sie soll nicht wahllos jedem mitgeteilt werden.

So endet im heiligen Pāñcarātra, in der Jayākhyasaṃhitā, das sechste Kapitel: „Entschlüsselung der Hauptmantras“.


Lakshmi: die göttliche Kraft wird in das Mantra- und Verehrungsgefüge einbezogen.

Kapitel 7: Mantras der rituellen Ausstattung

Die folgenden Mantra- und Visualisierungsanweisungen gehören zum traditionellen initiatorischen Zusammenhang. Die Lautnamen folgen dem Schlüssel in Kapitel 6; unsichere Verknüpfungen werden nicht zu vermeintlich gesicherten Rezitationsformeln ergänzt. Der Erhabene sprach: 7.1 Höre nun die Kennzeichen der Mantras für Grundlagen und Sitze. Ohne sie kommt die Verehrung des Mantraherrn nicht zustande, o Brahmane. 7.2 Aśeṣabhuvanādhāra setze man auf Paramātman, wie Getragenes auf seine Grundlage, o bester Brahmane; darüber folgt der Māyā genannte Laut. 7.3 Mit Praṇava am Anfang und Namaḥ am Ende ist dies das Bīja der tragenden Kraft. Ihre Gestalt ist von gleicher Wirksamkeit wie das von ihr Getragene. 7.4 Für Kūrma nehme man zuerst Praṇava, danach den vor Ananteśa stehenden Laut und verbinde ihn an beiden Stellen mit Kālapāvaka. 7.5 Ebenso verbinde man ihn mit Trailokyaiśvaryada und Ūrja. Mit der Verehrung versehen, bezeichnet dieses Bīja Kūrma und das Feuer der Weltauflösung. 7.6 Über der tragenden Kraft [meditiere man dessen] reine, leuchtende Gestalt, von Hunderten Flammen umgeben, mit Muschel, Diskus und Keule. 7.7 Der vor Ananteśa stehende Laut, mit Gopana und Vyoman verbunden, wird als Ananta-Mantra des Schlangenkönigs gelehrt. 7.8 Dieses heilvolle, vorzügliche Bīja beginnt mit Praṇava und endet mit Namaḥ. Man meditiere über sein Vollmondgesicht und die tausend Schlangenhauben, 7.9 über seine Hände mit Diskus und Pflug und seine Verneigung vor dem Höchsten über allem. Für Dharā setze man das Ananta genannte Bīja auf Pradhāna, 7.10 diesen wiederum auf Dhareśa, bezeichnet mit Vyoman und dem Paar [der Ananta-Bezeichnungen; Anschluss unsicher]. Wie zuvor am Anfang und Ende eingefasst, wird dies für Dharā gelehrt. 7.11 Man betrachte sie wie Safranwasser leuchtend, mit Gold und Juwelen geschmückt, die Hände über dem Haupt gefaltet und des Allgegenwärtigen gedenkend. 7.12 Amṛta auf Varuṇa, verbunden mit Ādideva und Vyoman: Dies ist der Mantrakönig des Milchozeans, o bester Brahmane. 7.13 Vor ihn setze man Praṇava, an sein Ende das Wort der Verehrung. Reinweiß wie Jasmin und Mond, von Strahlen seiner Strömungen umgeben, 7.14 wie zerstreutes Vollmondlicht leuchtend, betrachte man seine tiefe Gestalt. Nun werde ich den Mantra des Lotus erklären, der seine Gegenwart bewirkt. 7.15 Man setze Praṇava und nach dem Praṇava Pavitra, danach Bhuvana mit Vyoman, anschließend das Wort „ādhāra“ 7.16 und „padmāya namaḥ“ als Abschluss der vorausgehenden Wendung. [Seine Gestalt ist] wie ein stilles Feuer und wie die aufgehende Sonne. 7.17 Man meditiere über ihn als zweiarmig, klein, mit herabhängendem Bauch und weiteren entsprechenden Körperteilen, leuchtend, mit weißen Zähnen und von göttlichen Bienen umgeben. 7.18 Die Dreiheit vom Lotus an betrachte man als manifest, unmanifest und höchst; ebenso, soweit möglich, die darunter befindliche Dreiheit. 7.19 Damit ist der Mantraweg der sechs Grundlagen beschrieben. Höre nun von mir die sechs Mantras der darüber befindlichen Sitze. 7.20 Dhartṛ, Ajita, Amṛtādhāra und Vibudha ordne man rückwärts und vorwärts und verbinde jeden der Reihe nach, Nārada, 7.21 mit Jvālā, Liṅgātman und Devadatta [Zuordnung im Satz verkürzt]. Vāmana, Soma und Uddāma setze man über den Praṇava. 7.22 Bei allen füge man Trailokyaiśvaryada hinzu. Es entstehen die vier, beginnend mit Dharma, verbunden mit ihren Gegenteilen, den Veden und den Weltaltern. 7.23 Dann folgen der ganz weiße, nektarhafte Lotus und die Dreiheit von Sonne, Mond und Feuer. Bei diesen stehen Praṇava, Eigenname und Verehrung, o Brahmane. 7.24 Darüber errichte man einen weiteren heilvollen, von Bewusstseinslicht erfüllten Sitz des Herrn: den innerlich vergegenwärtigten Sitz jenseits von grob und fein, 7.25 mit Aprameya, Sūrya, Vyoman und Amṛta, verbunden mit Parameśvara, oder in der durch drei Tārakas bezeichneten Form. 7.26 So ist dir die Mantragesamtheit zur Verehrung des Sitzes erklärt, o bester Brahmane. Dieses Geheimnis ist offenbart; höre nun Weiteres. 7.27 Es folgt die mit dem Hüter des Bezirks beginnende Mantragruppe, die Hindernisse zerstören kann. Den Ananta genannten Laut verbinde man mit Kāla samt Anala, 7.28 dann mit Trailokyaiśvaryada und Ādideva. Dieser Mantra des Kṣetrapāla ist mit dem Oṃ-Laut am Ende versehen. 7.29 Am Rand des Opferbezirks betrachte man ihn wie eine dunkle Regenwolke, großleibig, einen Stab in der Hand, die linke Hand zur Faust geballt. 7.30 Puṇḍarīka, Cakrin, Pavitra, Śāśvata, Varāha, Gadadhvaṃsin, Sūkṣma, Śānta und Pavitraka: 7.31 Diese Lautgruppe schreibe man der Reihe nach, o bester Weiser; [sie ist] auf Aśeṣabhuvanādhāra gegründet und mit Vyoman geschmückt [Satzbezug unsicher]. 7.32 Auf den ersten setze man Māyā, auf die nächsten vier Vikramin, auf zwei Pañcabindu und auf die beiden übrigen Lokeśa. 7.33 Alle diese vorzüglichen Mantras werden mit Praṇava, Eigenname und Verehrung versehen und gewähren die ihrer jeweiligen Kraft entsprechenden Früchte. 7.34 Sie gehören zu Śrī, Caṇḍa und Pracaṇḍa, Jaya und Vijaya, Gaṅgā und Yamunā sowie den beiden Schätzen Śaṅkha und Padma, o Brahmane. 7.35 Lakṣmī betrachte man auf einem Lotus, mit Lotus und Krug in den Händen. Alle von Caṇḍa bis Vijaya sind vierarmig zu denken, 7.36 mit Keule, Diskus und Muschel, von großer Kraft, die Hingabelosen bedrohend und zur Zerstörung der Übel bereit. 7.37 Die beiden Flüsse haben schöne jugendliche Frauengestalten und tragen jeweils einen wassergefüllten Krug. 7.38 Die Schatzhüter Śaṅkha und Padma stehen über ihren Schatzbehältern, mit großen Zähnen, gelbbraunen Augen und zwei Armen, vom Erhabenen erfüllt. 7.39 Höre nun die Mantragruppe von Gaṇeśa bis zu den Ahnen. Man nehme Gadādhara und verbinde ihn mit Prajñādhāra, 7.40 darüber den aṃ-Laut, die Wendung „gaṇādhipataye“, verbunden mit der Verehrung, und stelle Praṇava voran. 7.41 Dieser neunsilbige Mantra bezeichnet den Herrn der Hindernisse. Denselben Gadadhvaṃsin nehme man sechsfach und verbinde ihn 7.42 nacheinander mit den sechs langen Vokalen von Ādideva an, unter Auslassung von Virāj und Jvālā. Bei fünf davon steht Vyāpin darüber; jeden versehe man mit seinem eigenen Abschluss. 7.43 Die sechs Abschlüsse lauten Namaḥ, Svāhā, Vauṣaṭ, Huṃ, Vauṣaṭ und Phaṭ. Sie werden der Reihe nach für Herz und die übrigen Glieder genannt. 7.44 Man meditiere über ihn in Campaka-Blütenfarbe, im festen Lotussitz auf dem Fruchtboden eines schönen roten Lotus mit drei Blättern und sechs Staubfäden. 7.45 Er zeigt Segens- und Furchtlosigkeitshand; rechts trägt er auch eine Gebetskette. Die vierte, linke Hand betrachte man auf einer Axt ruhend [Lesart unsicher]. 7.46 Bei der Segens- und Furchtlosigkeitshand vergegenwärtige man zwei Fischgesten, die sich mühelos durch das Zusammenführen von Zeigefinger und Daumen bilden. 7.47 Er hat einen massigen Leib, einen Stoßzahn, einen herabhängenden Bauch und ein Elefantengesicht. Die sechs Glieder setze man in die Staubfäden und die drei Blätter ein. 7.48 Für Vāgīśvarī nehme man zunächst Praṇava, danach Suparṇa, darauf dessen Anfang [Zählanweisung unsicher] und zweimal Soma. 7.49 Unter und über das erste Bīja setze man Kālapāvaka; beim zweiten füge man diesen allein ein, Nārada. 7.50 Beim dritten Laut ruhe er auf Śaṅkha; beim vierten setze man ihn mit Sragdhara und Śaṅkha darüber und darunter ein [Bezug der Anweisungen unsicher]. 7.51 Wieder von vorn beginnend verbinde man zwei mit Māyā und zwei mit Ādideva; über allen steht Vyoman. 7.52 Daran schließe man die Mātṛkā vom ersten Laut bis kṣa an und am Ende „vāgīśvaryai namaḥ“. Der heilvolle Mantra hat einundsechzig Silben [Zahl in der Vorlage mit Fragezeichen]. 7.53 Damit habe ich den Mantra Vāgīśvarīs erklärt, der Meisterschaft der Rede schenkt. Soma auf Anala, mit den für Gaṇeśas Glieder genannten Vokalen 7.54 verbunden, bildet ihre sechs Glieder, mit Oṃ beginnend und Namaḥ endend. Zwischen Sonnen- und Mondscheibe betrachte man einen Lotus, 7.55 in seiner Mitte die Göttin, vom Glanz des Feuerbereichs erfüllt, frei von allen Begrenzungen und mit allen Gestalten verbunden. 7.56 Dies ist ihre Allgestalt; höre nun auch ihre Meditation: weiß wie Jasmin und Mond, mit Muschel und Lotus in erhobenen Händen, 7.57 mit Segens- und Furchtlosigkeitshand, in ein Buch schreibend, mit zwei Augen, einem Gesicht und goldenen Ohrringen. 7.58 Diese erhabene Göttin ist die lautgestaltige Kraft des Allgegenwärtigen. Meditiert und beständig geübt, schenkt sie den Übenden rasch das Erwünschte. 7.59 Für den Guru nehme man zweimal Praṇava, dann ga mit Udaya darunter und Vyāpin darüber, am Ende „gurave namaḥ“. Dies ist der Mantra zur Verehrung des Gurus. 7.60 Nach dreimal Praṇava setze man Paścimānana mit Vyoman, danach das Wort „parama“ und „gurave namaḥ“. 7.61 Dies ist der Mantra für den Lehrer des Lehrers. Höre denjenigen für dessen Lehrer: viermal den Anfangslaut der Mantras, danach Padmanābha, 7.62 mit Ānanda verbunden und Vyoman darüber; dann „parameṣṭhine namaḥ“. Höre nun von den Ahnen [Kasusform in der Vorlage korrigierend markiert]. 7.63 Fünfmal Tāraka; Āhlāda setze man auf Vyoman und Prāṇa, darunter Kāla und Anala, über Sarvalokeśvara [Zuordnung unsicher]. 7.64 Aus den der Reihe nach genannten Lauten bilde man den Komplex, danach die Wendung „svadhā pitṛbhyaḥ namaḥ“. Dies ist der Mantrakönig der Ahnenschar, 7.65 o bester Brahmane. Nun folgt der Mantra der früheren Vollendeten: Nach sechsmal Praṇava setze man Ānanda, mit Vyoman geschmückt, 7.66 und füge „ādisiddhebhyaḥ namaḥ“ an. Zuerst verehre man diese Mantragruppe, danach diejenigen, 7.67 die bei den jeweiligen Handlungen mit dem Hauptmantra beginnen. Höre nun die Kennzeichen der Mantras der Weltenhüter [ein zusätzliches Wort „Schriften/Waffen“ ist im Text unsicher]. 7.68 Vyoman, Ānanda und Prāṇa, auf Dhareśa ruhend: Dies bilde man gemäß der Schöpfungsordnung zu einem einzigen Laut, Nārada. 7.69 Das ist Indras Mantra. Höre nun die der übrigen: Zweimal Prāṇa nehme man und setze sie der Reihe nach auf Anala und Kāla, 7.70 verbunden mit dem zweiten Vokal und Vyoman darüber. Damit sind die beiden Bījas des Feuergottes und des Todesherrn genannt. 7.71 Vyāpin, Nara und Liṅgātman verbinde man wie zuvor zu einem Komplex: dem Bīja des Herrn der Dämonen. Höre nun die übrigen. 7.72 Paramātman nehme man zweimal und setze Varāha und Sūkṣma zu den beiden; darüber Vyoman und Ānanda. 7.73 Dies sind der Reihe nach die Bījas Varuṇas und Vāyus. Auf Dharmāṃśu setze man den Varāha genannten Laut, 7.74 wie zuvor mit den beiden Vokalen verbunden: Dies gilt als Bīja des Mondherrn. Sūrya auf Ūrja, mit Vyāpaka bezeichnet, 7.75 verbunden mit Viśvāpyāyakara, gilt als Īśāna-Bīja. Vyoman mit Ādideva setze man über Prāṇa; 7.76 darunter füge man Vaikuṇṭha ein: Dies ist das Bīja des Schlangenherrn. Auf Sūrya mit dem zuvor genannten Vokal setze man Vedātman. 7.77 Damit ist das Bīja Brahmās, des höchsten Raumherrn, erklärt. Bei allen steht Praṇava am Anfang; am Ende werden Eigenname und Namaḥ angefügt. 7.78 Höre nun in Kürze die der Reihe nach zugehörigen, heilvollen Mantras der Waffen, welche die jeweiligen Waffen bezeichnen. 7.79 Zweimal nehme man Ajita, auf Pradhāna ruhend; darüber und darunter setze man bei beiden Aśeṣabhuvanādhāra. 7.80 Der erste wird mit Lokeśa verbunden, der zweite mit Pañcabindu, beide mit Visarga. Dies sind die Bījas von Vajra und Śakti, Donnerkeil und Speer. 7.81 Akhaṇḍavikrama und Cāndrī ruhen beide auf Mardana, mit Lokeśvara und Visarga versehen: die Bījas von Stab und Schwert. 7.82 Āhlāda und Ajita, auf Śata [Lautname unsicher] und Varuṇa ruhend, mit Visarga und Ānanda verbunden, bezeichnen Schlinge und Banner. 7.83 Man nehme Paramātman und danach Anala; darüber setze man der Reihe nach Anala und Śāśvata. 7.84 Jeden verbinde man mit Uddāma und Visarga. Damit sind Hammer und Dreizack, die Waffen von Soma und Īśa, genannt, o Brahmane. 7.85 Den Parā-Prakṛti genannten Laut setze man auf Anala und verbinde ihn dann mit Odana samt Visarga. 7.86 Dies ist das Bīja des Pfluges. Nun das des Lotus: Man nehme Varuṇa, auf Nara ruhend, o Brahmane, 7.87 und verbinde ihn mit Visarga und Ādideva. So ist der Lotus-Mantra erklärt. Für Viṣvaksena nehme man das vorzügliche Prāṇa-Bīja, von Anala überlagert, 7.88 mit Trailokyaiśvaryada versehen, auf Ūrja ruhend. Danach nehme man Varāha, mit Bhūdhara und Vyoman geschmückt. 7.89 Darauf setze man „viṣvaksenāya namaḥ“. Dieser mit Praṇava beginnende Mantra wird als Viṣvaksenas Mantra gelehrt. 7.90 Sein erstes Bīja ohne den Vokal ū wird wie bei Gaṇeśa mit den sechs langen Vokalen verbunden und bildet die Gruppe seiner Glieder, 7.91 versehen mit Praṇava, Eigenname und den sechs Abschlussformeln. Nun wird die Fünfheit der Mantras für die Darbringungen erklärt, 7.92 die dem Wurzelmantra und allen übrigen gemeinsam ist, o Einsichtiger. Schon wenn man sie kennt, wird ohne zusätzliches Japa und Dhyāna 7.93 durch ihren Einsatz zur rechten Zeit die Verehrung vollständig. [Zur Anrufung nehme man] zweimal Praṇava, die dreisilbige Wendung „parama“, 7.94 als zweite die fünfsilbige Wendung „dhāmāvasthita“, danach die achtlautige höchste Wendung über das Verlangen nach seiner Gnade [Wortgestalt im Text unsicher]. 7.95 An deren Ende füge man da auf ya an, o Brahmane. Danach nehme man Tālalakṣman mit Ādideva, 7.96 dann Varuṇa, Sragdhara allein, darauf Aśeṣabhuvanādhāra mit Jagadyoni, 7.97 am Ende Paramātman mit Gopana. Man setze Dhruva mit Rāma, danach Kāla allein, 7.98 Vairāja allein, die dreisilbige Wendung „siddhida“, die zweisilbige Wendung „mantra“ und Śaṅkara allein. 7.99 Danach setze man Aśeṣabhuvanādhāra mit Māyā und nehme Anala, mit Vikrama und Vyoman verbunden. 7.100 Es folgt „namo namaḥ“. Dieser höchste Mantra hat achtunddreißig Silben; durch den zweiten Praṇava kommt eine weitere hinzu, o Brahmane. 7.101 Der mächtig leuchtende Mantra wird zur Anrufung verwendet. Höre den nächsten, „Herz der Darbringungen“ genannten, durch den die Verehrung vollzogen wird. 7.102 Nach dem Praṇava setze man dreimal Prāṇa, mit Vyoman geschmückt; danach die sechssilbige Wendung „idam idam idam“, 7.103 darauf „gṛhāṇa“ und „svāhā“. Dieser fünfzehnsilbige Mantra eignet sich stets für alle Darbringungen, vom Fußwasser an. 7.104 [Für die Viṣṇu-Gāyatrī setze man] Praṇava, dann „viśvarūpāya vidmahe“, danach „viśvātītāya“ und „dhīmahe“. 7.105 Am Ende dieser beiden Versfüße folgt „tanno viṣṇuḥ pracodayāt“. Man verwende sie zum Abschluss sämtlicher Handlungen zu deren Vervollständigung. 7.106 Diese höchste vaiṣṇavische Gāyatrī dient dem Ausgleich von Zuwenig und Zuviel. Sie hat vierundzwanzig Silben und wird mit Namaḥ und Praṇava verbunden. 7.107 Zur gnädigen Zuwendung nehme man zuerst Praṇava, dann Viṣṇu mit Vyoman, füge Hrīṃ hinzu und nochmals Viṣṇu in derselben Weise. 7.108 Dann Prāṇa mit Vyoman und Soma allein; man setze die beiden Laute „para“, dann die Wendung „parameśa“. 7.109 Mit „prasīda oṃ namaḥ“ endend, hat der Mantra achtzehn Silben. Zur gnädigen Zuwendung des Mantras soll er nach dem Bilden der Mudras verwendet werden. 7.110 Zur Entlassung setze man die achtsilbige Wendung „oṃ bhagavan mantramūrte“, an deren Ende Amṛta, auf Varuṇa ruhend. 7.111 Danach setze man die sechssilbige Wendung „padam āsādaya“, wiederum das dreisilbige „kṣamasva“ und danach Praṇava. 7.112 Man füge „namo namaḥ“ hinzu. Dieser sechsundzwanzigsilbige Mantrakönig soll stets bei der Entlassung der Mantragesamtheit verwendet werden. 7.113 Den als Jñapti bezeichneten Laut, auf Varāha ruhend, sowie Vyomeśa mit Viṣṇu setze man zwischen Praṇava und Namaḥ. 7.114 Dies ist der Saurabhī-Mantra, mit seiner eigenen Bezeichnung verbunden, o Brahmane. Nach der Darbringung dient er der Vervollständigung und der Sättigung der Verehrten. 7.115 So ist dieser Mantraschatz überliefert erklärt, o Brahmane: Er tilgt alle Schuld und stillt alles Leid. 7.116 Er soll vor Hingabelosen verborgen bleiben, besonders vor Betrügern, Leugnern, Übeltätern, Arglistigen und Heuchlern. 7.117 [Die Vorlage wiederholt widersprüchlich „Leugnern“.] Den Hingebungsvollen dagegen, die Vertrauen und Selbstbeherrschung pflegen, Guru und Lehre lieben und dem rechten Weg folgen, 7.118 die sich aufrichtig nähern, auf festes Vertrauen stützen und ganz davon erfüllt sind, soll dies mitgeteilt werden. Wer es hingegen anderen 7.119 aus Verblendung, Habsucht, Unrecht oder Begierde verkündet, solchen ohne Hingabe und Vertrauen, der fällt als Niedriger in die Hölle, 7.120 selbst wenn er ein Vollendeter wäre, o bester Brahmane – wie viel mehr ein Unvollendeter. Deshalb prüfe man zunächst die rechte Ordnung und Lebensführung ihrem Wesen nach. 7.121 Einem, der sich auf angemessene Weise nähert und hört, soll die Lehre mitgeteilt werden. Wer sie ohne rechte Haltung verkündet und wer sie ohne rechte Haltung hört, 7.122 beide gelangen für unermessliche Zeit in eine furchtbare Hölle [Sanktionsvorstellung des Textes]. Dieses höchste Geheimnis so erkennend, o bester Weiser, 7.123 soll man das Mittel zu Erfahrung und Befreiung keinem Ungeprüften mitteilen. Was immer in dieser Welt besteht, ist vergänglich. 7.124 Reichtum und Ähnliches schenken nur einen Augenblick Freude, einem Traum gleich. Die rechte Übung der Lehre und das Mantrawissen dagegen sind unvergänglich; Unnummerierter Schluss-Halbvers: sie schenken unendliches, beständiges Glück und wachsen von Augenblick zu Augenblick.

So endet im heiligen Pāñcarātra, in der Jayākhyasaṃhitā, das siebte Kapitel: „Mantras der rituellen Ausstattung“.


Kapitel 8 – Die Bildung der Mudras

Die folgenden Anweisungen gehören zum traditionellen initiatorischen Kontext des Pāñcarātra und sind hier zur Textdokumentation wiedergegeben. Einzelne Beschreibungen der Fingerstellungen sind in der überlieferten Lesung unklar. Der erhabene Herr sprach: 8.1 Nun werde ich dir der Reihe nach die Sammlung der Mudras für eben diese Gruppe von Mantras erklären. Durch sie ist [die Mantragegenwart] stets nahe, 8.2 um den hervorragenden Übenden weltliche Erfüllung und Befreiung zu ermöglichen: zuerst die Mudra des Wurzelmantras, danach die der übrigen. 8.3 Der Mantraübende soll die Mudra beim Bad im Wasser bilden, beim Nyasa an seinem eigenen Körper und nach der Verehrung auf dem Mandalaboden, 8.4 beim Einsetzen der Mantras in die Kultbilder, am Gefäß für das ehrende Wasser und am Wasserbehälter sowie nach Abschluss der vollständigen Feuerdarbringung, wenn der Mantra im Feuer gegenwärtig ist. 8.5 Zur Abwehr schädigender Wesen, zur Stillung aller Hindernisse und zur Verwirklichung sämtlicher Handlungsziele wird hier diese Sammlung von Mudras gelehrt. 8.6 O Weiser, den Mittelfinger der nach unten gerichteten linken Hand soll man mit dem kleinen Finger der rechten umfassen; deren drei übrige Finger bleiben wie in einer Faust. 8.7 Nachdem man die beiden Daumen angeordnet hat [die genaue Stellung ist hier nicht angegeben], entsteht die sogenannte Jaya-Mudra. Unter ihr, an der linken Hand, soll man sich Garuda vorstellen. 8.8 Darüber, an der rechten Hand, meditiere man über den ewigen Vishnu. Diese Jaya genannte Mudra verwirklicht alle Handlungsziele. Man verwende sie für den Gott der Götter zusammen mit Garuda. 8.9 Für die Shakti-Mudra strecke man die linke Hand mit der Handfläche nach oben aus; die Finger stehen auseinander. 8.10 Ihre Enden sollen gekrümmt werden. Der Daumen bilde eine Brücke und liege ihnen zugewandt in der Mitte an den Fingern an. 8.11 Vor dem Herzen bilde man diese Glück gewährende Shakti-Mudra. Sie vergegenwärtigt die mit der Shakti verbundene Gestalt. 8.12 Wisse dies hinsichtlich des Zeigefingers bei der Verehrung Lakshmis und der Shaktis [unsichere Lesung]. Für die Herz-Mudra bilde man mit der rechten Hand eine Faust. 8.13 Man lege den Daumen in das Innere der Hand und bringe sie an das Herz, o Zweimalgeborener. Diese Herz genannte Mudra dient bei allen Mantras zur Vollendung. 8.14 Alle ausgestreckten Finger soll man mit dem Daumen berühren. Dies ist als Kopf-Mudra bekannt; sie bewirkt die Gegenwart des Mantras. 8.15 Man bilde am Ort des Haarschopfes eine Faust, wobei der Zeigefinger nach oben weist. Dies ist die Schopf-Mudra, die alles Bösartige vernichtet. 8.16 Sie wird stets zur Aufhebung von Fehlern und Hindernissen gelehrt. Deshalb soll man sie zu Beginn im Verehrungsraum sorgfältig bilden. 8.17 Mit dem Mantra verbunden beseitigt sie alle Hindernisse. Für die Panzer-Mudra verschränke man die Finger beider Hände von den Spitzen her, o Zweimalgeborener. 8.18 Zwischen den Händen soll oberhalb der Handgelenke ein freier Raum bleiben. Dies ist die Panzer-Mudra; mit ihr berühre man beide Schultern. 8.19 Sie ist für Scharen bösartiger Wesen, Geister, Vetalas und [schädigende] Yogins schwer zu durchbrechen. Bei der rituellen Handlung soll man sie sorgfältig zusammen mit dem Mantra bilden. 8.20 Für die Augen-Mudra verschränke man die Finger und lege sie geschlossen an die Handrücken. Die Zeigefinger berühren sich an den Spitzen und werden so gebogen, dass zwischen ihnen Öffnungen entstehen [unsichere Lesung]. 8.21 Die Daumen liegen an den Ansätzen an und werden gegeneinander gekreuzt. Dies ist die Augen-Mudra; man zeige sie nahe bei den Augen. 8.22 Für die Waffen-Mudra schnippe man mit Zeigefinger und Daumen rasch mit beiden Händen in die zehn Richtungen und richte dabei die Augen dorthin. 8.23 Diese als Waffen-Mudra bekannte Gebärde erschreckt selbst die Götter – um wie viel mehr Wesen böser Herkunft! Sie wird mit Sprache, Geist und Körper verbunden. 8.24 Für die Löwen-Mudra halte man beide Handflächen nach oben, krümme je drei Finger und strecke Daumen und Zeigefinger seitwärts aus. 8.25 Die Mudra wird etwas angehoben; der Blick ist nach unten gerichtet und unbewegt. Sie löst die Fessel des Strickes und beseitigt alle Bedrängnisse. 8.26 Dies ist die strahlende Löwen-Mudra, auch „Staunen“ genannt. Für die Kapila-Mudra drücke man den Mittelfinger zwischen Zeigefinger und Daumen. 8.27 Man strecke den Ringfinger und hinter ihm den kleinen Finger aus; beide bleiben weit voneinander entfernt. Diese Mudra heißt Kapila. 8.28 Sie verleiht sämtliche Vollkommenheiten und dient zur Erlangung der Fähigkeiten, die mit dem Kleinwerden beginnen. Für die Eber-Mudra halte man die linke Hand nach unten und bringe Mittel- und Ringfinger 8.29 an den Daumen. Kleiner Finger und Zeigefinger werden ausgestreckt. Dies wird als die Mudra in der Gestalt des Ebers bezeichnet. 8.30 Sie zerbricht sämtliche [feindlichen] Yantras und wehrt alles Bösartige ab. Die hier im Abschnitt über die Mudras beschriebene Gebärde ist jeweils an ihrem eigenen Ort anzuwenden. 8.31 Für die Kaustubha-Mudra liegen die Finger beider Hände wie bei einer Faust im Handinneren; Mittel- und Ringfinger werden besonders genannt [ihre genaue Stellung ist aufgrund der Lesung unklar]. Danach soll man die beiden Fäuste 8.32 mit übereinstimmenden Öffnungen zusammenbringen, die beiden Zeigefinger ausstrecken und ihre Spitzen verbinden. Auch die Daumenspitzen ordne man an, 8.33 und zwar innen bei den beiden Zeigefingern, einander entsprechend. Dies ist die Kaustubha-Mudra. Höre nun die Girlanden-Mudra. 8.34 Man verschränke die acht Finger beider Hände nahe bei ihren Spitzen, gleichmäßig und nach unten hängend. Ob man sitzt oder steht, 8.35 lasse man beide Arme bis zu den Handgelenken wohlgeordnet zwischen den Oberschenkeln herabhängen, o Brahmane. Dies wird Girlanden-Mudra genannt. 8.36 Für die Lotus-Mudra berühren sich die beiden Daumen, während die übrigen Finger auseinanderstehen. Diese Lotus-Mudra verleiht Gedeihen und glückliches Geschick. 8.37 Für die Muschelhorn-Mudra umfasse man den linken Daumen mit der rechten Faust. Die Finger der linken Hand lege man über die rechte. 8.38 Die Spitze des linken Zeigefingers und die Spitze des rechten Daumens bringe man einander zugewandt fest zusammen. 8.39 Wenn diese Stellung nach oben gerichtet ist, entsteht die Muschelhorn-Mudra. Für die Rad-Mudra strecke man beide Hände deutlich aus und verbinde sie miteinander. 8.40 Indem man sie wie ein Rad bewegt, entsteht die sogenannte Rad-Mudra. Sie vernichtet alle Leiden und vermag andere Mudras zu durchbrechen. 8.41 Für die Keulen-Mudra bilde man mit der rechten Hand eine Faust über dem linken Daumen und zeige die Gebärde so. Dies ist die schöne Mudra der Kaumodaki, 8.42 bekannt als Keulen-Mudra; sie zerschmettert die Schar der Fehler. Für die Mudra des Vogelkönigs strecke man zunächst beide Hände aus und bringe sie zusammen, o Zweimalgeborener. 8.43 Die beiden Daumenspitzen lege man an die Ansätze der Ringfinger; [die Stellung] senke sich nach unten, den Handgelenken zugewandt. 8.44 Die beiden Finger bringe man vorne eng zusammen. Das linke Paar aus Zeige- und Mittelfinger der beiden Hände [Satzanschluss und Zuordnung unsicher] 8.45 halte man angehoben, auseinander und nach vorne gekrümmt. Die beiden kleinen Finger werden deutlich angehoben und wie ein Schwanz zusammengelegt. 8.46 Dies ist die Mudra des großen Vogelkönigs allein. Für die Schlingen-Mudra strecke man die rechte Hand aus und bringe Daumen und kleinen Finger 8.47 an ihren Spitzen wie zu einer Brücke zusammen. Die drei übrigen Finger, beginnend mit dem Zeigefinger, liegen aneinander und sind wie eine Schlangenhaube gekrümmt. 8.48 Dies ist die Schlingen-Mudra. Vernimm nun von mir die sogenannte Elefantenhaken-Mudra. 8.49 Kleiner Finger, Mittel- und Ringfinger der linken Hand werden in deren Mitte zurückgebogen; auf ihren Rücken liegt der Daumen. 8.50 Der Zeigefinger soll vorne wie ein Elefantenhaken gekrümmt sein, o Zweimalgeborener. Dies ist die Elefantenhaken-Mudra. Höre nun die Mudras Satyas und der übrigen. 8.51 Man bringe die Spitzen aller fünf Finger der rechten Hand miteinander in Berührung und halte sie erhoben vor das Gesicht. 8.52 Dies ist die Mudra Satyas, der zuvor unter den ergänzenden Gliedern hervorgetreten ist. Für den zweiten [Vasudeva] wird die Verbindung von Daumen und Zeigefinger gelehrt. 8.53 Für den dritten [Sankarshana] gilt die Verbindung von Daumen und Mittelfinger; für den vierten [Pradyumna] die Verbindung von Daumen und Ringfinger, o Narada. 8.54 Durch die Verbindung von kleinem Finger und Daumen entsteht die Mudra des fünften [Aniruddha]. Für die Mahajaya-Mudra halte man die ausgestreckte linke Hand mit der Handfläche nach oben an das Herz und bilde auf ihrem Rücken mit der rechten Hand eine Faust. 8.55 Der Daumen ragt über die Faust hinaus und wird mit beiden Augen betrachtet. Dies ist die göttliche Mudra des Mantrakönigs, o du Treuer im Gelübde. 8.56 Sie heißt Mahajaya, „Großer Sieg“, ermöglicht sämtliche Yoga-Vollendungen, verleiht beständig alle übernatürlichen Fähigkeiten und vervollständigt sämtliche Mudras. 8.57 Durch sie ist das ganze Weltall besiegelt, bis hinauf zum Bereich Brahmas. Sie gehört zu dem, der mit allen Gliedern und Kräften verbunden ist, der Wohnstätte sämtlicher Mantras, 8.58 dem ungeteilten, unwandelbaren Siebensilbigen, o Brahmane. Damit habe ich die Gruppe der Mudras der inneren Mantras erklärt. Höre nun die Merkmale der Mudras für die Mantras der tragenden Grundlagen und Sitze. 8.59 Man lege ein Fingerpaar in das Innere der Fäuste, o Zweimalgeborener. 8.60 Die rechte Faust befindet sich hinter der linken, ohne sie zu berühren. Diese Mudra gehört zur tragenden Shakti; darüber [folgt die Mudra] der Schildkröte [unsichere Lesung am Versende]. 8.61 Für die Ananta-Sitz-Mudra krümme man Ring- und Zeigefinger der nach unten gerichteten linken Hand und lege sie an den Rücken des Mittelfingers. 8.62 Unter ihnen halte man den Mittelfinger gerade nach unten. Kleiner Finger und Daumen sollen weit ausgestreckt sein, o Weiser. 8.63 Diese wird als Mudra des Ananta-Sitzes bezeichnet [unsichere Lesung]. Sie hält diese ganze Welt in ihrem Schoß. 8.64 Unter allen Mudras der tragenden Grundlagen nimmt sie den ersten Rang ein. Zu ihrem Beginn spreche man den Mantra, lang gezogen und über viele Zeiteinheiten ausgedehnt, 8.65 hervorgehend aus der Entfaltung der Klangkraft, durch innere Vergegenwärtigung erfassbar, als unangeschlagenen Klang. Bei seinem Ausströmen bilde man dann die Ananta-Sitz genannte 8.66 Mudra, o Brahmane, verbunden mit der Meditation über die wahre Wirklichkeit. Bei der ordnungsgemäßen Verehrung der unterschiedlich gestalteten Mantras soll sie sorgfältig angewandt werden, damit die Handlung rasch zur Vollendung gelangt. 8.67 Für die Erd-Mudra bilde man vor sich mit beiden Händen zwei aneinanderliegende Fäuste, 8.68 jeweils mit drei Fingern. Die Spitzen der Zeigefinger lege man an die Daumen und bringe anschließend diese beiden Paare zusammen. 8.69 Dies ist die Erd-Mudra. Höre nun die Meeres-Mudra: Beide Handgelenke werden aneinandergelegt, und die Nagelspitzen beider Hände 8.70 mit den zugehörigen Fingern sollen einander zugewandt sein. Die Daumenspitzen bleiben frei; man bewege [die Hände] in dieser Stellung in der Mitte [Bezug unsicher]. 8.71 Zwischen den Händen bilde man einen tiefen, höhlenartigen Raum. Dies ist die Mudra des Milchozeans. Die Lotus-Mudra wurde bereits erklärt. Durch die Verbindung mit einem anderen Mantra und durch die entsprechende Meditation erhält sie ihre besondere Bedeutung. 8.72 Für die vier Mudras, die mit Dharma beginnen, halte man beide Hände zunächst auseinander und verbinde sie dann. 8.73 Man bringe die Zeigefinger einander gegenüber zusammen, löse die Verbindung und bilde dieselbe Verbindung mit den Mittelfingern. Nach deren Lösung verbinde man die Ringfinger. 8.74 Nachdem auch diese Verbindung zurückgenommen wurde, bringe man die kleinen Finger zusammen. Bei jeder einzelnen Stellung lege man die beiden Daumen aneinander. 8.75 Erkenne darin der Reihe nach die Mudras der Vierergruppe, die mit Dharma beginnt. Für den darüber befindlichen Lotus gilt die bereits beschriebene Mudra, verbunden mit dem entsprechenden Mantra. 8.76 Für die drei Lichtbereiche – Sonne, Mond und Feuer – verbinde man Zeigefinger und Daumen der rechten Hand. 8.77 Danach löse und öffne man diese Verbindung allmählich; die nach oben gewendeten Finger sollen wieder einzeln auseinanderstehen. 8.78 Dies ist die Mudra der drei Lichtbereiche. Höre nun die Hamsa-Mudra: Beide Hände werden deutlich ausgestreckt und zur ehrfürchtigen Handhaltung des Anjali zusammengebracht. 8.79 Dies ist die ganz reine, auf die höchste Wirklichkeit bezogene Mudra des innerlich vergegenwärtigten Sitzes. Damit habe ich die Mudrastellungen für die Sitz-Mantras erklärt. 8.80 Nun werden der Reihe nach die zehn Mudras der Keimsilben vom Herrn des heiligen Bereiches bis zum Herrn des Padma-Schatzes gelehrt, o bester Weiser. 8.81 Für den Hüter des heiligen Bereiches verschränke man die Finger beider Hände, drücke sie kräftig zusammen und halte beide Daumen aufrecht. 8.82 Dies ist die Mudra des Kshetrapala. Höre nun die Mudras Shris und der übrigen: Halte beide Hände nahe beieinander, die Handflächen nach oben, o Narada. 8.83 Alle Finger werden zunächst nach innen gekrümmt und die Daumen gesenkt; dann führe man die Finger nach und nach in die ausgestreckte Stellung. 8.84 Dies ist die zuerst erklärte Mudra der Shri-Keimsilbe. Durch das Aufrichten des linken Zeigefingers entsteht die zur Keimsilbe Chandas gehörige Mudra. 8.85 Wisse: Dieselbe Stellung an der rechten Hand gehört zu Prachanda. Hebt man den Mittelfinger der linken Hand, so gehört die Mudra zu Jaya. 8.86 An der rechten Hand wird diese Stellung für die Keimsilbe Vijayas gelehrt. 8.87 Richtet man ebenso den linken Ringfinger auf, so ist dies die Mudra Gangas; an der rechten Hand ist es die Mudra der Yamuna-Keimsilbe, o Narada. 8.88 Der aufgerichtete kleine Finger der linken Hand gehört zu Shankha, dem Herrn des Schatzes; derselbe Finger der anderen Hand gehört zum Schatz namens Padma. 8.89 Für die Ganesha-Mudra drücke man mit der rechten Faust einschließlich des Daumens Zeige- und Ringfinger der linken Hand zusammen. 8.90 Den Mittelfinger lege man auf den Rücken der sorgfältig angeordneten Finger [unsichere Lesung], sodass er wie ein herabhängender Elefantenrüssel erscheint. 8.91 Den kleinen Finger der linken Hand halte man nicht zu nahe an die Faust und stelle ihn sich außen am rechten Daumen wie einen Stoßzahn vor. 8.92 Der linke Daumen und ebenso der andere werden etwas seitwärts ausgestreckt, sodass beide wie Elefantenohren erscheinen, o Zweimalgeborener. 8.93 Dies ist die Mudra des Herrn der Scharen; sie vernichtet alle Hindernisse. Für die Vagishvari-Mudra lege man zunächst die Handgelenke beider Hände eng aneinander. 8.94 Die Mittelfinger richte man auf und verbinde ihre Spitzen; ebenso verfahre man mit den Zeigefingern. Die beiden Ringfinger dagegen 8.95 biege man fest doppelt und senke sie nach unten, bis sie nach und nach die jeweils eigene Handfläche berühren, o Zweimalgeborener. 8.96 Beide Daumen strecke man deutlich auseinander; ebenso halte man die beiden kleinen Finger gleichmäßig ausgestreckt. 8.97 Wer nach Meisterschaft der Rede strebt, diese Mudra täglich bildet, dabei Japa übt und sich in ihr Wesen versenkt, in den senkt sich Einsicht herab. 8.98 Für die Guru-Mudra bringe man die beiden ausgestreckten, einander zugewandten Hände zu einer Hohlform zusammen und halte sie über die Stirn, während der Kopf geneigt ist. 8.99 Dies ist die Mudra für den Guru, für dessen übergeordneten Lehrer und für den Vater des Vaters. Für die Ahnenschar halte man die rechte Hand nach oben und bringe ihre Finger 8.100 zusammen, krümme sie etwas und strecke den Daumen aus. Dann drehe man die Hand langsam etwas seitwärts oder nach unten. 8.101 Diese Mudra gilt als beständige Sättigung der Ahnenschar. Deshalb soll sie während ihrer Verehrung sorgfältig gezeigt werden. 8.102 Die Befriedigung, die den Ahnen aus einer anlassbezogenen Totenopferfeier erwächst, wird durch die Bildung dieser Mudra und die Verehrung hundertfach. 8.103 Für die Reihe der Vollendeten halte man beide Hände mit den Handflächen nach oben an den Nabel; die rechte liegt am Rücken der linken [unsichere Lesung]. Dies ist die Siddha-Mudra. 8.104 Für die beiden folgenden Mudras halte man die rechte Hand deutlich ausgestreckt und vom eigenen Körper abgewandt; die linke Hand halte man ebenfalls abgewandt und herabhängend. 8.105 Dieses Mudrapaar wird der Reihe nach „Gewährung einer Gabe“ und „Furchtlosigkeit“ genannt, o Zweimalgeborener. Für die Welthüter, beginnend mit Indra, soll man zusammenfassend Folgendes wissen: 8.106 Zusammen mit jedem einzelnen Mantra, der jeweils zum Donnerkeil und den übrigen Waffen gehört, zeige man die zuvor erklärte, mit Kraft verbundene Waffen-Mudra, während die Waffen der Welthüter der Reihe nach verehrt werden. 8.107 Für die Vishvaksena-Mudra lege man kleinen Finger, Ring- und Mittelfinger der linken Hand in die Handfläche. 8.108 Der Daumen liegt auf ihren Rücken; der Zeigefinger wird aufgerichtet und an den Nasenrücken gehalten. Dann bilde man mit der rechten Hand, 8.109 wie zuvor, mit drei Fingern eine Faust; den Zeigefinger biege man doppelt und halte ihn mit der Daumenspitze fest. 8.110 Der Arm wird erhoben, als wolle man den Diskus schleudern. Dies ist die Mudra Vishvaksenas, die das gesamte Karma zerschneidet. 8.111 Für die Einladung der Gottheit halte man die etwas gekrümmte rechte Hand an das Herz; der Daumen steht deutlich ab. Dies ist die Mudra der Anrufung. 8.112 Für die Verabschiedung halte man beide Hände wie die Schneide eines Schwertes, mit auseinanderstehenden Fingern und geraden Daumen. Dann bilde man langsam Fäuste, 8.113 beginnend mit den kleinen Fingern. Dies ist die Mudra der Verabschiedung. Für die Surabhi-Mudra verschränke man die beiden Hände, halte sie eng zusammen und richte sie nach unten. 8.114 Man bringe die kleinen Finger und die Daumen fest zusammen; die Mittelfinger liegen am Rücken der jeweils anderen Hand. Ring- und Zeigefinger werden auseinandergeführt. 8.115 Dies ist die Kamadhenu genannte Mudra, die alle Wünsche erfüllt. Stets soll man die Mudras auf zweifache Weise anwenden: 8.116 als inneres, aus Bewusstsein bestehendes, leuchtendes Gefäß [der göttlichen Gegenwart] und äußerlich. Innen wie außen ist ihre Ausübung dreifach: durch körperliches Handeln, durch Sprache und durch Geist. 8.117 Wer das Verfahren kennt und auf diese Weise eine Mudra bildet, besiegelt damit diese ganze Welt; sie verleiht die Vollendung, nicht wieder geboren zu werden. So endet in der Jayakhya Samhita des heiligen Pāñcarātra das achte Kapitel, „Darlegung der Bildung der Mudras“.


Kapitel 9 – Die Ordnung des Bades

Der erhabene Herr sprach: 9.1 Zunächst werde ich das Bad erklären, durch das die Befähigung [zum Ritual] erlangt wird. Nachdem der Verehrer dadurch begossen und gereinigt ist, wird er zum Feueropfer und zur Verehrung geeignet. 9.2 Zur Reinigung von Schmutz und unreiner Vermischung soll man ein zweifaches Bad vollziehen: zuerst nach der allgemeinen, dann nach der besonderen Vorschrift. Das allgemeine Bad ist das gewöhnliche weltliche; das besondere wird durch Mantras geheiligt. 9.3 Auch diesem muss die körperliche Reinigung vorausgehen. Deshalb erkläre ich sie dir zuerst. 9.4 Auf das Geschlechtsglied soll man dreimal Erde auftragen, jeweils mit einer dazwischenliegenden [Reinigung mit] Erde; auf die linke Hand fünfmal und auf beide Hände dreimal, um sie zu reinigen. 9.5 Dies ist die Reinigung nach dem Wasserlassen. Nach dem Stuhlgang wende man am After fünfmal Erde an, ebenso mit Erde zwischen den einzelnen Anwendungen. 9.6 Auf die linke Hand gebe man zehnmal Erde und auf beide Hände siebenmal. Die Füße werden durch drei Anwendungen gereinigt, die Unterschenkel durch fünf. 9.7 Dann wende man siebenmal Erde an der Hüftgegend an, o Brahmane, um die vom Schweiß des eigenen Körpers herrührende Unreinheit und äußerlich anhaftenden Schlamm zu beseitigen. 9.8 So ist es während der Regenzeit für die Verehrer und die im Veda Kundigen vorgeschrieben. Gegenüber der für die Regenzeit genannten Zahl lasse man eine Anwendung von Erde weg, 9.9 wenn die der rituellen Handlung Ergebenen ihre tägliche Reinigung im Herbst, Sommer und Frühling vollziehen. Von dieser Zahl lasse man wiederum jeweils eine Anwendung weg, 9.10 wenn die in Selbstbeherrschung lebenden Vedakundigen sie im frühen und späten Winter ausführen, o Brahmane. Unterwegs soll man die Reinigung den Umständen von Ort und Zeit anpassen. Wenn Geruch und anhaftende Verunreinigung entfernt sind, wird man durch die Reinheit des Geistes rein. 9.11 Nachdem man zuerst so die körperliche Reinigung und das rituelle Nippen von Wasser vollzogen hat, grabe man 9.12 mit einem Stab, über dem der Waffen-Mantra gesprochen wurde, Erde an einem reinen Ort aus. Man nehme sie auf, sichere sie mit dem Waffen-Mantra und gehe zu einer Wasserstelle. 9.13 Dort wasche man zunächst das Ufer mit dem Wasser des Waffen-Mantras. Man teile die Erde in zwei Teile und lege sie ab. Zu einem Teil gebe man 9.14 Kuhdung, Darbha-Gras und Sesam, über denen der Waffen-Mantra gesprochen wurde. Mit dem Kuhdung enthaltenden Teil [vollziehe man] das gewöhnliche Bad. 9.15 Nachdem dieses Bad zuerst ausgeführt worden ist, vollziehe man das vorgeschriebene rituelle Bad. Den dafür bestimmten Erdteil teile man nochmals in zwei Teile. 9.16 Mit dem einen wasche man die Füße und die weiteren Körperteile in der zuvor genannten Reihenfolge. Nach dem Waschen der Hände tauche man ins Wasser ein. 9.17 Wieder aufgetaucht, setze man den Mantra mit seinen sechs Gliedern in den eigenen Körper ein. Dann vollziehe man den Mantra-Nyasa und bilde die Mudra. 9.18 So soll zunächst die Reinigung des Wassers erfolgen, ob es stillsteht, fließt oder geschöpft wurde; denn es kann durch Insekten und andere unreine Berührungen verunreinigt sein, o Zweimalgeborener. 9.19 Selbst wenn das Wasser klar und von Mond- und Sonnenstrahlen erwärmt ist, genügt dies allein nicht für den ordnungsgemäßen Ablauf der Mantrariten, o Brahmane. 9.20 Zwei Reinigungsringe aus Darbha-Gras, aus drei, fünf oder sieben Halmen und mit einem festen Knoten gefertigt, soll man mit dem Waffen-Mantra besprechen und an beiden Händen unterhalb der Ringfinger anlegen. 9.21 Während man den Waffen-Mantra spricht, nehme man die übrige Erde auf und lasse dabei einen Rest zurück. 9.22 Auf der linken Hand verteile man sie auf den Ansatz, die Mitte und die Spitze. Der Reihe nach bespreche man die Teile mit dem Waffen-Mantra, dem Wurzelmantra und den Glied-Mantras. 9.23 Die mit dem Waffen-Mantra besprochene Erde nehme man auf und werfe sie in die Haupt- und Zwischenrichtungen sowie nach unten und oben, verbunden mit dem zugehörigen Mantra und der Mudra. 9.24 Dadurch geraten die Hinderniswesen, die in den Haupt- und Zwischenrichtungen den Segen des Bades rauben, in Verwirrung und weichen zurück, solange [die Schutzanordnung] nicht zurückgenommen ist. 9.25 Den zuvor mit dem Wurzelmantra besprochenen Erdteil nehme man unter dessen Rezitation auf und werfe ihn ins Wasser. 9.26 Dadurch wird dieses Wasser augenblicklich von Ganga- und Yamuna-Wasser erfüllt, o bester Zweimalgeborener. 9.27 Prayaga, Chakratirtha, Prabhasa und die heiligen Pushkara-Stätten werden durch die Macht dieses Mantras gegenwärtig. 9.28 Danach spreche man am Ende des Mantras die Worte „Dem heiligen Badeplatz Vishnus“, verbunden mit der Verneigung. Dadurch wird Vishnus heiliger Badeplatz gegenwärtig. 9.29 Badet man jedoch an einer anderen heiligen Stätte, soll man dort allein den Wurzelmantra anwenden, ohne die Worte „Vishnus heiliger Badeplatz“. 9.30 An anderen heiligen Badeplätzen nennt der Verständige diesen Namen nicht. Denn würde ein Badender in Gegenwart einer heiligen Stätte den Namen einer anderen vergegenwärtigen, 9.31 so würde die dortige heilige Stätte ihn verwünschen und sogleich fortgehen. Beim gewöhnlichen Bad in Quellwasser, Teichen und dergleichen 9.32 ist die Nennung der Ganga und der übrigen Flüsse sowie der heiligen Badeplätze gelehrt. Beim ordnungsgemäßen Mantrabad dagegen spreche man „Dem heiligen Badeplatz Vishnus“. 9.33 Den auf der Handfläche verbliebenen, mit den Glied-Mantras besprochenen Erdteil vermische man mit Wasser zu einer glatten Masse und lasse ihn durch die Sonnenstrahlen erwärmen. 9.34 Bei Wolkenbedeckung stelle man sich den eigenen Mantra wie die Sonne am Himmel vor. Nachdem man [die Erde] seinen Strahlen ausgesetzt hat, berühre man mit beiden Händen den ganzen Körper. 9.35 Dann führe man durch zwei Konzentrationen die heilige Badestätte mitsamt ihrem Wasser in ihren höchsten Zustand über, und zwar nach dem vorgeschriebenen Verfahren. 9.36 Von der tragenden Shakti bis zum gesamten Bereich der Vorstellung erfülle man alles mit Feuer, das von einem Kranz aus Flammen durchzogen ist. 9.37 Nachdem man die Welt ohne Wasser vorgestellt hat, vergegenwärtige man die heilige Badestätte in beruhigter Gestalt. Man lasse sie in den stillen, aus Bewusstsein bestehenden Vishnu eingehen und dann wieder hervortreten. 9.38 Zunächst stelle man sie sich wie einen nächtlichen Tautropfen vor, in ihrer Ausdehnung begrenzt; dann, durch die Macht der Shakti, als aus dem Brahman-Strom hervorgegangen, 9.39 erfüllt von strömenden Wassern und Wogen, die mit Macht herabfallen. [Mit diesem Wasser,] dem Mond gleich, erfülle man alles bis hinauf zur Welt Brahmas. 9.40 Durch die Schritte der inneren Betrachtung vergegenwärtige man fortwährend diese Vereinigung [unsichere Lesung]. Wenn alles wieder seine frühere Gestalt angenommen hat, bereite man in seiner Mitte den Sitz des Herrn. 9.41 Auf diesem stelle man sich den Herrn Narayana vor, o Brahmane: gleich Millionen Monden und von Scharen reiner Nektarströme umgeben, 9.42 reich an seinen Gliedern und Scharen von Shaktis, Nektar ausströmend. Wenn dies geschehen ist, besitzt die heilige Badestätte das Wesen Narayanas. 9.43 Danach tauche man ein und wieder auf. Mit wohlriechenden Mitteln, Amalaka-Früchten und verschiedenen angenehmen, reinen und glückverheißenden Stoffen soll der Mantraübende unermüdlich baden, mit der Sorgfalt, die einem Weltherrscher entgegengebracht wird. 9.44 Während er dann im Wasser ist, vergegenwärtige er den Mantra nach seinem Vermögen. 9.45 Dieser steigt in leuchtender, strahlender Gestalt im Inneren des Herzens auf; vom Herzen gelangt er nach vorne und schließlich hinaus bis zum Dvadashanta, dem Endpunkt zwölf Fingerbreit [außerhalb]. 9.46 Nachdem man den höchsten Purusha unmittelbar vor sich geschaut hat, o Narada, erhebe man sich aus dem Wasser und sehe ebendiesen im Himmelsraum. 9.47 Dann gelange man im Wasser an das Ufer [unsichere Lesung] und setze sich bequem hin. An der Spitze der Elefantenhaken-Mudra setze man den Herz-Mantra in weißer Gestalt ein. 9.48 Mit dem eigenen Atem verbunden sende man ihn beim Ausatmen in die Mitte der heiligen Badestätte. Mit dem Einatmen und der zugehörigen Mudra ziehe man ihn wieder heran. 9.49 Hat man so die heilige Badestätte vor sich gebracht, o Narada, vollziehe man mit dem Pranava und dem als Darbringung dienenden Herz-Mantra das rituelle Nippen des Wassers. 9.50 Mit ganz klarem Wasser und der zwischen den Knien gehaltenen Hand [vollziehe man dies], mit dem einen Fußwasser-Mantra und dem Herz-Mantra der Darbringung, o Zweimalgeborener. 9.51 Man meditiere über den dort gegenwärtigen Gott mit seinen Gliedern und seinem Gefolge und erweise ihm, während dieser Mantra rezitiert wird, die ehrfürchtige Aufwartung. 9.52 Dann sättige man mit dem Pranava alle Ahnen und Götter ordnungsgemäß durch mit Sesam vermischtes Wasser und lege das Badetuch ab. 9.53 Man kleide sich in zwei gut gewaschene, bequeme Gewänder oder lege das untere Tuch zusammen mit einem Yogaband an. 9.54 Denn man soll keinesfalls nur ein einziges Gewand tragen. An einem anderen, durch den Waffen-Mantra gereinigten Ort stelle man sich [den Herrn] auf dem Ananta-Sitz vor. 9.55 Im Wasser meditiere man über die tragende Grundlage und den Sitz Achyutas, rufe ihn zusammen mit der Gesamtheit der Mantras herbei und lasse ihn dort Platz nehmen. 9.56 Mit Wasser allein sättige man ihn und alle [zugehörigen Gestalten] bis hin zu Vishvaksena, der Reihe nach, vor sich mit beiden Händen und mit dem jeweils eigenen Mantra. 9.57 Nachdem man die Gottheiten, Weisen, Nagas, Planetengottheiten, Geister und Himmelswanderer bis hin zu den unbeweglichen Wesen gesättigt hat, sättige man der Reihe nach die eigene Ahnenlinie. 9.58 Dann stelle man sich vor, wie der Gott mitsamt seinem Sitz aus dem Wasser fortgeht. Auch den Mantra, der zuvor zur Reinigung der heiligen Badestätte in die Richtungen eingesetzt wurde, 9.59 [nehme man zurück], indem man wie zuvor mit der Spitze des Lebensatems den Wind zu den Gottheiten hin lenkt, o Zweimalgeborener. Man vereinige ihn mit jenem [Mantra] und lasse das Wasser wie [etwas] Weißes zurück [Satzanschluss unsicher]. 9.60 Mit dem Einatmen und der Mudra des Zurücknehmens setze man ihn ins Herz ein. Damit ist das Wasserbad erklärt. Höre nun von mir das Mantrabad. 9.61 Dieses vollziehe man, wenn Wasser fehlt, in schwierigen Umständen, in kalter Zeit, auf Reisen, wenn etwas rasch vollendet werden muss oder wenn eine Aufgabe des Gurus ansteht, 9.62 oder wenn man eine Gelegenheit zur eigenständigen Ausführung erkennt, o bester Brahmane, bei Nacht oder bei Tag. Man wasche mit geschöpftem Wasser die Füße und nippe rituell Wasser. 9.63 Für das Bad reinige man wie zuvor die zehn Richtungen und setze sich hin. Man setze den Waffen-Mantra in die Handfläche ein und vollziehe danach den Nyasa der Reihe nach am Körper. 9.64 Beginnend mit dem Wurzelmantra tue man dies mit der ganzen Mantragruppe. Gegenüber einem bloßen Wasserbad ohne solche Heiligung 9.65 an heiligen Orten wie Prabhasa gilt die Frucht [des Bades] mit der Mantragruppe als hundertfach, o Narada. 9.66 Nun werde ich das Meditationsbad erklären, das noch über diesen beiden steht. Man vergegenwärtige sich den lotusäugigen Herrn im Himmelsraum, dessen Gestalt der Mantra ist. 9.67 Man stelle sich vor, wie ein Strom des Wassers von seinen Füßen auf den eigenen Scheitel herabfällt und durch die Brahmanöffnung in den eigenen Körper eintritt. 9.68 Mit diesem Strom wasche man sämtliche im Körperinneren befindliche Unreinheit aus. Augenblicklich wird der Mantraübende makellos, einem Bergkristall gleich. 9.69 Dieses höchste Bad gilt als hundertmal wirksamer als das Mantrabad. Deshalb soll der von Vertrauen Erfüllte eine dieser Arten des Bades vollziehen. 9.70 Denn alle rituellen Handlungen gewähren ihre rechte Frucht, wenn das Bad ihnen vorausgeht. Wer sein eigenes Heil wünscht, soll deshalb zuerst baden. 9.71 Schon durch den bloßen Vollzug des Bades wird ein Wesen rein, selbst wenn es keine Unterscheidungskraft besitzt, o bester Zweimalgeborener. Um wie viel mehr gilt dies für den, der den heiligen Handlungen ergeben ist, der die Ordnung der Pflichten seines Standes beachtet und auf dem Weg der Rechtschaffenen feststeht. So endet in der Jayakhya Samhita des heiligen Pāñcarātra das neunte Kapitel, „Die Ordnung des Bades“.


Kapitel 10 – Darlegung des Samadhi

Die folgenden Visualisierungen, Atemverfahren und Mantra-Nyasas gehören zum traditionellen initiatorischen Zusammenhang. Die bildhaft geschilderte Auflösung und Verbrennung des Körpers ist als meditativer Vorgang beschrieben. Der erhabene Herr sprach: 10.1 Man lege einen Durva-Grashalm, eine Blume, ein Blatt oder Sesam zusammen mit Wasser unter Anwendung des Waffen-Mantras auf den eigenen Scheitel und an die Stelle des Haarschopfes, o Narada. 10.2 Dann nehme man ein mit Wasser gefülltes Gefäß in die Hand und gehe an einen abgeschiedenen, menschenleeren, erfreulichen und von Störungen freien Ort. 10.3 Dabei vergegenwärtige man im Herzen den Mantra in der Gestalt eines entfachten Feuers; man blicke nicht nach anderen Richtungen, wahre Schweigen und halte den Atem zurück. 10.4 Am Ort angelangt, lasse man den eigenen Mantra durch die Nasenspitze nach außen strömen. Man setze außen den Waffen-Mantra ein und stampfe mit dem Fuß auf die Erde. Man vergegenwärtige sich Vishnu unter Voranstellung des Mantras in gegliederter Gestalt, auf Garuda sitzend. 10.5 Man suche sich einen Platz und richte einen angenehmen Sitz ein, auf Darbha-Gras, einem Fell, einem Tuch, einem Brett oder einem Stück Opferholz. 10.6 Mit Hingabe verehre man Hari und im Geist die Folge der Lehrer. 10.7 Mit geneigtem Haupt empfange man innerlich ihre Erlaubnis und vollziehe dann, o Brahmane, sämtliche geistigen Handlungen in ihrer festgelegten Ordnung. 10.8 Den Sitz besprenge man mit Wasser, über dem der Wurzelmantra gesprochen wurde. Zu seiner weiteren Reinigung vollziehe man ein mit dem Mantra verbundenes Fingerschnippen. 10.9 Dann reinige man die Hände. Höre, wie dies geschieht, o Narada: Beide Handflächen, beide Handrücken und alle Finger 10.10 reinige man mit dem Waffen-Mantra durch Meditation und Rezitation. Nachdem so die Hände gereinigt sind, vollziehe man die Reinigung des Ortes. 10.11 Man meditiere über den Gott in flammender Gestalt, strahlend wie tausend Sonnen, von Millionen Flammen umgeben und Feuer aus seinem Mund ausströmend. 10.12 Mit diesem Feuer erfülle man alles bis hinauf zur Welt Brahmas und stelle sich vor, wie sämtliche Richtungen durch die Glut des Mantras aufleuchten. 10.13 Diese ganze Erdensphäre stelle man sich vor wie ein irdenes Gefäß, das im Feuer gebrannt wird – im Feuer, das aus dem Mantra entsteht, o bester Zweimalgeborener. 10.14 So erfolgt die Reinigung des Ortes, [abgeschlossen] durch das Besprengen mit Nektarwogen. Höre nun, o Weiser, die Reinigung der Elemente in der rechten Reihenfolge. 10.15 Wisse: Der aus den fünf Elementen Erde, Wasser, Feuer, Wind und Raum bestehende Körper gleicht einem Zauberspiel; für sich ist er ohne Eigenschaften wie Erkenntnis. 10.16 Er ist unrein, unselbstständig, aus Samen und Blut entstanden und vergänglich. Solange er nicht durch fortgesetzte Konzentrationen gründlich gereinigt ist, bleibt er für den Mantra-Nyasa und ähnliche Handlungen ungeeignet. 10.17 Die fünf Laute [mit den Decknamen] Shankara, Agnirupa, Soma, Surya und dessen Antaka 10.18 verbinde man der Reihe nach mit Dharesha, Varaha, Anala und Kambu 10.19 sowie Pradhana, o bester Zweimalgeborener. Oben an allen füge man Adideva an, verbunden mit Trailokyaishvaryada. 10.20 Dies sind der Reihe nach die Keimsilben von Erde, Wasser, Feuer, Wind und Raum. Mit den jeweiligen Bezeichnungen der Elemente verbunden, enden sie auf Hum und Phat, o Narada. 10.21 Mit Om am Anfang spreche man sie bei der Reinigung der Elemente dreimal. Über den fünf Herren der Elemente stehen der Reihe nach 10.22 die zuvor genannten fünf, beginnend mit Satya, [hier in der umgekehrten Folge] von Aniruddha an. Sie wirken als deren Kräfte; mit ihnen spreche man jene [Element-Mantras] der Reihe nach aus. 10.23 Durch die rechte Öffnung des Sushumna-Weges lasse man Hari nach außen treten: gleich tausend Sonnen, in der Mitte einer kreisrunden Sphäre, 10.24 von der Farbe glühenden Goldes, auf der höchsten Stätte sitzend. Man meditiere über ihn, dessen Wesen der Mantra ist, zwölf Fingerbreit oberhalb [des Körpers]. 10.25 Darunter [betrachte man] den Strahlenkreis, verbunden mit dem Herrscher des jeweiligen Wirklichkeitsprinzips. Nachdem man den ungeteilten Mantrakörper betrachtet hat, stelle man darunter der Reihe nach 10.26 zunächst die Erde vor: viereckig, gelb leuchtend, mit dem Donnerkeil gekennzeichnet, mit den fünf Eigenschaften vom Klang an versehen, voller Berge und Bäume, 10.27 geschmückt mit Städten, Mauern, schönen Flüssen, Inseln und Meeren. Man stelle sich vor, wie sie beim Einatmen von außen in den eigenen Körper eintritt. 10.28 Dabei spreche man ihren Mantra und stelle sie sich dann ruhend vor. Von den Knien bis zu den Fußsohlen sei [der Körper] nach und nach von ihr durchdrungen. 10.29 Während des Atemanhaltens stelle man sich vor, wie sie allmählich in der eigenen Mantragestalt aufgeht, o bester Zweimalgeborener, und der herrschende Mantra in der Geruchskraft. 10.30 Diese Geruchskraft sende man danach beim Ausatmen nach außen in die große Grundlage namens Wasser. Dann [betrachte man] die gesamte Entfaltung des Wassers: 10.31 Meere, Flüsse und Ströme, die sechs Geschmacksarten, die Pflanzen und alles, was in den Welten aus Wasser besteht. 10.32 Die Entfaltung des Wassers stelle man sich außerhalb [des Körpers] halbmondförmig vor, mit einem Lotus als Zeichen geschmückt; dann erfülle man damit den Körper, 10.33 allmählich, durch den Vorgang des Einatmens. Die eigene Körpersphäre von den Ansätzen der Oberschenkel bis zu den Knien 10.34 stelle man sich beim Atemanhalten ganz davon erfüllt vor, o Zweimalgeborener. In ihrer Mitte betrachte man den zur Konzentration dienenden Wasser-Mantra 10.35 und die gesamte Wasserentfaltung als in ihm aufgelöst. Dieser [Mantra] gehe dann in der Geschmackskraft auf, und diese Kraft [sende man] in die Feuersphäre. 10.36 Nachdem man sie beim Ausatmen dorthin versetzt hat, betrachte man die Entfaltung des Feuers: eine dreieckige Weltgestalt, geschmückt mit leuchtenden Erscheinungen, 10.37 mit Blitzen, Mond, Sonne, Sternen, Edelsteinen und Erzen sowie selbstleuchtenden Wesen mit Körpern und körperlosen Himmelswanderern. 10.38 Sie ist mit strahlenden Swastika-Zeichen versehen. Nachdem man diese große Entfaltung des Feuers [im Geist] ganz durchdrungen hat, o bester Weiser, vergegenwärtige man sein feinstoffliches Prinzip. 10.39 Dieses befindet sich im Inneren seiner Sphäre. Während man den zugehörigen [Mantra] ausspricht, stelle man sich vor, wie es durch denselben Vorgang wie zuvor eintritt. 10.40 Nachdem man [den Körper] vom Nabel bis zum After davon erfüllt und es dort festgehalten hat, betrachte man diese gesamte Entfaltung des Feuers, o Brahmane, 10.41 als in ihrer Mantragestalt zur Ruhe gekommen. Der feuerartige Mantra selbst sei in der Formkraft aufgegangen; diese Kraft besteht aus Bewusstsein. 10.42 Durch ihre eigene Macht hat sie ihren Mantrakörper aufgelöst. Die so entstandene Kraft sende man beim Ausatmen nach außen in die Grundlage des Windes. 10.43 Dann vergegenwärtige man außen die Entfaltung des Windes: kreisrund, von der Farbe eines Saphirs, mit leuchtenden Erscheinungen versehen, 10.44 erfüllt von vielerlei Gerüchen und zahlreichen entsprechenden Eigenschaften. Man betrachte sie als von ihrem eigenen Konzentrations-Mantra durchdrungen. 10.45 Nachdem man so über die Gestalt dieses Mantras meditiert und ihn ausgesprochen hat, ziehe man ihn durch die Nasenspitze allmählich herein, mit dem zuvor genannten Verfahren. 10.46 Man stelle sich vor, wie er den Körper vom Hals bis zur Nabelgegend erfüllt. Dann [betrachte man] mit demselben Verfahren wie zuvor die Entfaltung des Windes 10.47 als in ihrem Herrscher aufgelöst und diesen wiederum in der großen Kraft namens Berührung, o großer Weiser. Diese unvergängliche Kraft, 10.48 allgegenwärtig, ewig, unsichtbar und mit der Entfaltung ihrer eigenen Macht versehen, setze man in die große Grundlage namens Klang, in die Raumsphäre, ein. 10.49 Dann meditiere man außerhalb des Körpers über die gesamte Entfaltung des Raumes: erfüllt von vielerlei Klängen, gestaltlos und von einem Glanz wie schwarzer Augenschminke, 10.50 erfüllt von unzähligen körperlosen, klangartigen Vollendeten. In ihrer Mitte vergegenwärtige man den Konzentrations-Mantra namens Raum, o Zweimalgeborener, 10.51 der sich stets durch seine eigene Kraft trägt, aus bloßem Klang besteht, ohne Form ist und auch seine Entfaltungen ganz durchdringt. 10.52 Man erfasse ihn mit der Einsicht, setze ihn durch das zuvor erklärte Verfahren in den Körper ein und stelle sich vor, dass dieser davon durchdrungen wird. 10.53 Von den Ohren bis zur Brahmanöffnung [sei der Körper] von der Raumentfaltung erfüllt. Der Yogi halte sie durch Atemanhalten so lange wie möglich fest. 10.54 Danach stelle er sich vor, wie sie sich in ihren eigenen Mantra verwandelt und der Konzentrations-Mantra namens Raum in der Klangkraft aufgeht, o Weiser. 10.55 Diese Kraft stelle man sich vor, wie sie durch die Brahmanöffnung hinausgeht: unvergänglich und mit den vier Kräften vom Geruch an verbunden. 10.56 Sie nehme Zuflucht zum ungeteilten Mantra, der den Raum übersteigt und makellos ist, der selbst über den Kräften Satya und den übrigen steht. 10.57 Erkenne diesen als den sechsten, ungeteilten [Mantra; die Lesung „sechsfach“ ist ebenfalls überliefert]. Seine alldurchdringende Gegenwart wurde zuvor erklärt. So bringe man der Reihe nach die Entfaltung der Elemente mitsamt ihren Mantras zur Auflösung. 10.58 Das Bewusstsein, das zum individuellen Lebewesen geworden ist und wie ein Stern funkelt, betrachte man als aus dem Käfig der Elemente herausgetreten und zur Ruhe gekommen 10.59 im höchsten, von aller Entfaltung freien Mantra, dessen Gestalt die fünf Kräfte sind. Durch diesen geordneten Vorgang soll man aus eigener innerer Kraft das individuelle Selbst 10.60 im Raum seines Herzens schauen: unbewegt, von der Leuchtkraft der Sonne, erfüllt von funkelndem Glanz, als höchsten, alldurchdringenden Herrn. 10.61 Dann übe man den höchsten Samadhi, der in diesem Mantrakörper ruht. Dieser höchste Mantrakörper wird in der Folge der Laute offenbar. 10.62 [Die Bereiche] von der Sonne bis zum Raum werden durch die ursächlichen Kräfte überschritten. Wenn man erkennt, dass auch dies zurückzulassen ist, und durch den Aufenthalt dort gestärkt ist, 10.63 aber durch das Verweilen im Herzlotus des Mantras noch nicht gesättigt ist und sein Ziel noch nicht erreicht hat, halte man sich an das Selbstprinzip wie an ein Seil der Erkenntnis [unsichere Lesung im ersten Wort des zweiten Halbverses]. 10.64 Man vergegenwärtige durch sich selbst das eigene Selbst, das aus dem oberen Teil der Herzhöhle auf dem leuchtenden Nadi-Weg hinaustritt. Dieser ist die Flamme des Mantrafeuers, 10.65 gleich einem Lotusfaden: die aufwärtsführende Sushumna. Man stelle sie sich bis zur Brahmanöffnung reichend vor und [führe das Selbst] auf diesem guten Weg, o Narada, 10.66 allmählich durch den Atem der Erkenntnis nach außen. So lasse man die sechs Mantra-Ursachen als nicht allumfassend zurück. 10.67 Oberhalb davon gelange man zu jener unvergleichlichen Lichtfülle, die aus der höchsten Gestalt des Herrn aufgestiegen ist, o bester Zweimalgeborener. 10.68 Im Mittelpunkt dieses Strahlenkreises ruhe [das Selbst], beglückt von der Wonne seiner eigenen Glückseligkeit. Wenn das Selbstprinzip so von Stufe zu Stufe gelangt, o Narada, 10.69 vom Körper der Wirklichkeitsprinzipien befreit, für sich bestehend und seinem Wesen nach Bewusstsein, dann steigt die große Glückseligkeit auf: Sie ist die höchste Shakti Vishnus. 10.70 Sie nimmt das individuelle Lebewesen in sich auf, dessen Wirksamkeit als Handelnder nicht erloschen ist, und verweilt wieder dort, wo sie hervorgegangen ist. 10.71 Erkenne dies als frei von begrifflichem Entwerfen und jenseits des Sagbaren, o Narada. Nachdem man so die eigene Stätte erreicht und den aus Elementen bestehenden Körper zurückgelassen hat, 10.72 verbrenne man, dort verweilend, die Körpermasse, aus der Kräfte und feinstoffliche Prinzipien entfernt sind: die aus sechs Hüllen bestehende, substanzlose Masse, verbranntem Gras gleich, 10.73 durch das aus dem Mantra hervorgehende Feuer, das durch das Reiben des Willens entfacht wird. [Man bilde den Laut mit dem Namen] Asheshabhuvanadhara, verbunden mit Chaturgati, 10.74 über Lokesha stehend, und setze darüber Vyoman. Mit Pranava am Anfang und Namah am Ende bezeichnet [dieser Mantra] das Willensfeuer selbst. 10.75 Durch ihn stelle man sich den Körper von den Füßen an in Flammen vor; danach, o Zweimalgeborener, als Aschenhaufen, dessen Feuer erloschen ist. 10.76 Mit [dem Laut] Vyapin, verbunden mit Ahlada und Sukshma, mit Om am Anfang und Namah am Ende, stelle man sich sodann das Herabfallen der Asche vor [der Anschluss am Versende ist unsicher]. 10.77 Dann überflute man die in die Richtungen verstreute Asche mit dem Wasser, das aus der Meditation hervorgeht, herabfallend und vom eigenen Mantra ausgegossen, milchartig. 10.78 [Man bilde den Laut] Varaha, auf Amrita ruhend und mit Trailokyaishvaryada versehen. Dieses mit der zweifachen Einfassung versehene [Mantragefüge] gestalte man wie zuvor als anregenden Zusatz. 10.79 Dadurch stelle man sich vor, wie aus der Gestalt des Milchozeans die ganze bewegliche und unbewegliche Welt übergossen wird. Darüber [betrachte man] eine Schar von Nektarströmen, o Zweimalgeborener, 10.80 die aus dem vierten Zustand hervortritt und immer wieder zu vergegenwärtigen ist. In ihrer Mitte setze man Vishnus Shakti als tragende Grundlage ein, 10.81 als Keim von allem. Man stelle sich den aus ihr hervorgehenden Lotus vor: seinem Wesen nach die Wirklichkeit der sechs Wege, weiß, lichtvoll und glückverheißend, 10.82 erfüllt von den drei Sphären und leuchtend durch funkelnde Strahlen. In seiner Mitte meditiere man über den Herrn Narayana, dessen Wesen der Mantra ist: 10.83 ungeteilt, allein, rein, mit der Gestalt der fünf wahren Mantras. Dann stelle man sich vor, wie durch die Kräfte seines Mantras aufs Neue entfaltet wird, o Zweimalgeborener, 10.84 die Fünfergruppe der Mantra-Herrscher, die zu den fünf Elementen vom Raum an gehört. Aus ihnen stelle man sich die Entfaltung vom Raum an hervorströmend vor. 10.85 Man meditiere über den Körper, der durch ihre Vereinigung aus dem Gefüge dieser Entfaltungen entsteht: gleich tausend Sonnen, mit den Strahlen von hundert Monden, 10.86 einem makellosen Bergkristall gleich, frei von Alter und Tod. Nachdem man so den Körper hervorgebracht hat, das höchste 10.87 Mittel zu weltlicher Erfüllung und Befreiung, das allen verkörperten Wesen von Natur aus zukommt, o bester Weiser, nähere man sich ihm auf diese Weise Schritt für Schritt mit dem Willen zur Hervorbringung. Man lasse [das Selbst] zusammen mit der Shakti aus seiner eigenen regungslosen Stätte hervortreten. 10.88 Dann gelange man aus der großen Glückseligkeit zur eigenen Glückseligkeit und von dieser unendlichen [Wonne; Lesung unsicher] weiter 10.89 zum lichten Strahlenkreis im Raum und von dort zur eigenen Gestalt: strahlend wie die Strahlen von Millionen Sonnen und funkelnd in ihrem eigenen Licht, 10.90 geformt wie eine kugelige Kadamba-Blüte und rein wie ein nächtlicher Tautropfen. So führe man sich selbst durch sich selbst aus der eigenen Stätte herbei, o Zweimalgeborener, 10.91 und trete wie zuvor durch die Brahmanöffnung in den eigenen Mantrakörper ein, auf dem Weg der mondlichtartigen Nadi, in das Innere des Lotus des achtfachen feinstofflichen Gefüges [unsichere Lesung]. Dabei vergegenwärtige man mit ungeteiltem Klang den das eigene Selbst bezeichnenden Mantra. 10.92 [Den Laut namens] Asheshabhuvanadhara kennzeichne man mit Vishvapyayakara 10.93 und Amrita; daran schließe sich „Dem Selbst die Verneigung“ an. Mit Tara [Om] versehen ist dieser Mantra als Bezeichnung des Selbst zu erkennen. 10.94 Dann [gelange] der ungeteilte Mantra, dessen Gestalt bis zur Sonne reicht, zur Fünfergruppe und zur Selbstzuordnung [Satzanschluss unsicher], zur Lichtgestalt. 10.95 Mit dem Nektarstrom aus dem eigenen Mantra begieße man den eigenen Körper. Danach ziehe man jenes selbstständige Bild heran und setze es ins Herz ein. 10.96 Die regungslose höchste Shakti aus großer Glückseligkeit, [die Stufen] von der eigenen Glückseligkeit zum Strahlenkreis und die aus eigenem Licht strahlende Gestalt, 10.97 der entsprechende Sushumna-Weg, der ungeteilte Körper-Mantra, die Mantragruppe von der Shakti an sowie die fünf Herren der Konzentrationen, 10.98 ihre Entfaltungen und der aus ihrer Gesamtheit bestehende Körper – all dies stelle man sich als aufflammend vor, zugleich ungetrennt und in seinen Unterscheidungen bestehend. 10.99 So ist diese Reinigung der Elemente durch ein dreifaches Verfahren – grobstofflich, feinstofflich und höchstes – vollständig erklärt, o Narada. 10.100 Du bist ein Verehrer, innerlich gereift, von beständiger Einsicht und unermüdlich; zudem bist du mir lieb. Deshalb wurde sie dir mitsamt ihrem Geheimnis erklärt. 10.101 Wer dir gegenüber so gesinnt ist, wie du mir gegenüber gesinnt bist, o bester Brahmane, dem sollst du dies offenbaren, keinem anderen, der dafür nicht geeignet ist. 10.102 Wer allein diesen höchsten, heiligen Samadhi beständig übt, der das Werden aufhebt und die Elemente reinigt, gelangt zum ewigen Brahman. 10.103 Um wie viel mehr gilt dies, o Brahmane, für den innerlich Gereiften mit klarem Geist, der durch dieses [Verfahren] sein Bewusstsein zusammen mit dem Körper [heiligt; Lesung unsicher] und den Gott lobpreist und verehrt! So endet in der Jayakhya Samhita des heiligen Pāñcarātra das zehnte Kapitel, „Darlegung des Samadhi“.


Der Herzensraum als Ort meditativer Sammlung; zeitgenössische Illustration.

Kapitel 11 – Die Ordnung des Mantra-Nyasa

11.1 Nachdem sein Körper gereinigt ist, soll der Mantraübende den Mantra-Nyasa vollziehen. Schon durch dessen Einsetzung wird er dem Gott der Götter gleich. 11.2 Dadurch entsteht die Befähigung zu allen Handlungen, beginnend mit der Verehrung; dadurch werden auch sämtliche Vollkommenheiten offenbar. 11.3 Wer ihn ausgeführt hat, kann furchtlos an einem von bösartigen Wesen erfüllten Ort verweilen; durch seinen Vollzug werden auch die Formen vorzeitigen Todes überwunden. 11.4 Auf der Erde ordne man das zuvor als Unterlage Beschriebene an; darüber setze man den Ozean zusammen mit dem Lotus ein. 11.5 Mit Sorgfalt und der jeweiligen Meditation verwende man für jedes seinen eigenen Mantra. Dann setze man Garuda ein, meditiere über ihn und nehme Platz. 11.6 Mit dem Waffen-Mantra reinige man die Richtungen wieder und wieder und stelle sich außerhalb des Sitzes eine Umwallung vor, einem Geflecht von Pfeilen gleich. 11.7 Den Platz samt Umwallung umhülle man mit dem Panzer-Mantra in der Gestalt eines flammenden Schutzgewandes, o Zweimalgeborener. Damit man den Vollendeten und den übrigen 11.8 im Himmelsraum Weilenden unsichtbar bleibt, soll man den Nyasa am eigenen Körper vollziehen. Denn einem Ungeschützten entziehen sie die aus dem Mantra entstandene Kraft. 11.9 Deshalb vollziehe man zunächst nach diesem Verfahren den Schutz. Zuerst führe man den Nyasa an den Händen aus, danach am Körper. 11.10 In den Daumen setze man den Wurzelmantra zusammen mit dem Gestalt-Mantra ein. Ebenso setze man der Reihe nach in die Finger vom Zeigefinger an die Gottheiten ein, 11.11 alle bis zum kleinen Finger. Danach ordne man die Glieder zu: vom kleinen Finger an der Reihe nach die Mantras vom Herzen an, 11.12 bis der Waffen-Mantra am Daumen liegt; den Augen-Mantra setze man in die Fingerspitzen ein. Narasimha setze man in die rechte Hand ein, Kapila in die linke. 11.13 Beginnend mit der linken Hand setze man Varaha in die Finger beider Hände ein; Kaustubha in die rechte Handfläche und die Waldblumengirlande in die andere. 11.14 In die Mitte der rechten Hand setze man den Lotus ein, in die linke Handfläche das Muschelhorn und dort auch das unendlich speichenreiche Rad, die höchst strahlende Waffe. 11.15 Die Keule, aus eigener Kraft flammend, setze man in die rechte Hand ein. Beginnend am Ansatz des rechten Daumens bis hin zum letzten Finger der linken Hand 11.16 setze man den Garuda-Mantra der Reihe nach in die zehn Finger ein. In die linke Handfläche setze man die Schlinge, in die rechte den Elefantenhaken. 11.17 Der Reihe nach setze man mit den Mantras vom Herzen an die fünf ergänzenden Keimsilben von Satya bis Aniruddha in beide Hände ein. 11.18 Danach setze man den siebensilbigen Mantra, der über allen Mantras steht, in beide Hände als Ganzes ein, von den Nägeln bis zu den Handgelenken. Auf diese Weise soll man zuerst den Hand-Nyasa vollziehen. 11.19 Die höchste, sich entfaltende Shakti befindet sich im Inneren der Höhlung des Herzzentrums. 11.20 Sie nimmt die Gestalt des Windes an und ordnet sich zehnfach. Durch ihren Willen und ihre eigene Strömung tritt sie auf dem Weg zu den Händen hinaus. 11.21 Sie stützt sich auf zehn Nadis; diese gelten als die Finger. Deshalb, o bester Zweimalgeborener, soll man in diese Shakti genannte Gestalt des Herrn 11.22 zuerst die Mantragruppe einsetzen und erst danach in die aus Elementen bestehende Gestalt. Vernimm genau, wie die Gesamtheit der Mantras in den Körper eingesetzt wird. 11.23 Zunächst setze man den Wurzelmantra als alldurchdringend vom Scheitel bis zu den Füßen in den Körper ein; dann, von den Füßen wieder bis zum Kopf, 11.24 vollziehe man mit dem Gestalt-Mantra den Nyasa über sämtliche Glieder. Am Scheitel, am Mund, an beiden Schultern – der Reihe nach links und rechts –, am Herzen, 11.25 am Rücken, am Nabel, an der Hüfte, an beiden Knien und an beiden Füßen setze man der Reihe nach die zwölf Laute ein, die mit Na beginnen und mit Ha enden. 11.26 Nachdem man so den Gestalt-Mantra eingesetzt hat, setze man die Gottheiten ein: Lakshmi an die linke Schulter und Kirti an die rechte. 11.27 Jaya setze man in die rechte Hand, Maya in die linke ein. Danach setze man die Glieder-Mantras vom Herzen an ein: 11.28 den Herz-Mantra zwischen die Brüste, den Kopf-Mantra an den Scheitel, den Schopf-Mantra an die Stelle des Haarschopfes und den Panzer-Mantra an die Schultern. 11.29 In beide Augen setze man den Augen-Mantra ein, in die Handfläche den Waffen-Mantra, o Zweimalgeborener; Narasimha in das rechte Ohr und Kapila in den Nacken. 11.30 Den führenden Varaha-Mantra setze man am linken Ohr ein; Kaustubha in die Mitte der Brust und die Waldblumengirlande an den Hals. 11.31 Dann setze man Lotus und die übrigen [Attribute] wie zuvor ein; zwischen die Oberschenkel den großen Garuda-Mantra, o Zweimalgeborener. Anschließend setze man die Gruppe der ergänzenden Glieder ein, 11.32 der Reihe nach, zunächst mit Aniruddha beginnend, o bester Zweimalgeborener: an die Füße, den oberen Blasenbereich, den Nabel, das Herz und den Bereich des Haarschopfes. 11.33 Erneut setze man diese Fünfergruppe, nun in der Reihenfolge von Satya an, ein: in die Brahmanöffnung, in die Herzmitte, in den Nabel-Lotus, 11.34 zwischen Nabel und Geschlechtsglied sowie an die Füße, jeweils der Reihe nach. Danach lege man den Körper vom Scheitel an wie mit einem Schutzpanzer 11.35 mit dem großen siebensilbigen Mantra aus: Vishnu, Narayana, dem Herrn. Alle Mantras sind in ihm enthalten, und er ist in ihnen enthalten. 11.36 Er ist das höchste Mittel eben dieser Mantragesamtheit und steht an ihrer aller Spitze. Deshalb setze man ihn über allen ein. 11.37 Der Kreis der Shaktis [mit Bezug auf Herz und Nabel; Text beschädigt], o bester Weiser: Schon durch dessen Einsetzung entsteht die Verbindung. 11.38 Nachdem man auf diese Weise zuerst an den Händen und dann am Körper den Nyasa vollzogen hat, zeige man für die ganze eingesetzte Mantragruppe vom Wurzelmantra an jeweils ihre eigene Mudra, verbunden mit der entsprechenden Mantra-Einsetzung. 11.39 Danach meditiere man über sich selbst samt dem eigenen Körper als Gestalt Vishnus, 11.40 durch die zuvor erklärte Meditation, umgeben von der Herrlichkeit der sechs göttlichen Eigenschaften: in der eigenen Gestalt, in der Gestalt des Weltalls oder in einer nach eigener Neigung gewählten Gestalt. 11.41 „Ich bin jener erhabene Vishnu; ich bin Narayana, Hari. Ich bin Vasudeva, der Alldurchdringende, die Wohnstätte der Wesen, der Makellose.“ 11.42 Indem der hervorragende Übende eine solche Ich-Zuordnung fest begründet, o Weiser, wird er schon bald von dessen Wesen erfüllt: 11.43 durch Nyasa, durch Meditation und durch innere Vergegenwärtigung sowie durch den aus Yoga hervorgehenden mittleren [Zustand; Bezug nicht näher erläutert]. Damit habe ich dir die Nyasa-Handlung in Kürze erklärt. Vollziehe sie in der rechten Weise und bewahre sie sorgfältig im Verborgenen. So endet in der Jayakhya Samhita des heiligen Pāñcarātra das elfte Kapitel, „Die Ordnung des Mantra-Nyasa“.


Kapitel 12 – Darlegung der geistigen Verehrung

Der erhabene Herr sprach: 12.1 Nachdem der Übende so zunächst in seinem eigenen Selbst von Vishnu erfüllt worden ist, soll er Vishnu durch geistige Verehrung anbeten. 12.2 Zwischen Nabel und Geschlechtsglied meditiere er über die Shakti als tragende Grundlage, darüber über das Zeitfeuer und über diesem über Ananta. 12.3 Darüber vergegenwärtige er die Göttin Erde, erfüllt von den vier [Bereichen; Bezug unklar]. Vom unteren Wurzelbereich bis zum Nabel teile er [diesen Raum] in vier Abschnitte. 12.4 Im Nabel meditiere er über den Milchozean und den aus ihm aufsteigenden Lotus, mit tausend Blütenblättern und von tausend Strahlen umgeben. Auf diesem setze er einen Sitz ein, strahlend wie die Sonne. 12.5 Dharma, Erkenntnis, Leidenschaftslosigkeit und als viertes Herrschaftskraft 12.6 lasse er mit ihren eigenen Mantras herabkommen und setze diese Vierergruppe in die vier Zwischenrichtungen vom Südosten bis zum Nordosten ein. 12.7 Als vier Füße des Thrones sind sie weiß, löwenköpfig, von menschlicher Körpergestalt und mit höchster Tatkraft erfüllt. 12.8 Dann setze er in die vier Hauptrichtungen, beginnend im Osten und endend im Norden, Unrecht, Unwissenheit, Anhaftung und Machtlosigkeit ein. 12.9 Sie haben Menschengestalt und leuchten wie Bandhuka-Blüten. Zwischen Osten und Nordosten, zwischen Osten und Südosten, 12.10 zwischen Südwesten und Westen sowie zwischen Nordwesten und Westen [setze er] die vier Veden vom Rigveda an ein, gelb und in einer Gestalt aus Pferd und Mensch. 12.11 Zwischen Nordosten und Norden, zwischen Süden und Südosten, zwischen Süden und Südwesten sowie zwischen Norden und Nordwesten 12.12 [setze er] die Weltalter vom Krita-Zeitalter an ein, schwarz und in einer Gestalt aus Stier und Mensch. Alle diese Wesen sind vierarmig; mit zwei Armen tragen sie 12.13 den Thron, mit den beiden anderen verehren sie den Herrn der Welt mit gefalteten Händen. Über ihnen setze man den weißen Lotus und die drei [Lichtbereiche] ein, 12.14 übereinander, mit ihren zuvor gelehrten Mantras, o Narada. Darüber setze man den Vogelkönig und Varaha, beide, ein [die Lesung steht neben der folgenden Fünfergliederung]. 12.15 Vom Nabel bis zum Herzen teile man [den Raum] in fünf gleiche Abschnitte und vergegenwärtige die Ausdehnung dieses Mantrasitzes. 12.16 Von der tragenden Shakti bis zur höchsten Mantrastätte [ordne man die Wirklichkeitsprinzipien zu]: Die Elemente befinden sich in der tragenden Shakti, die feinstofflichen Sinnesprinzipien im Zeitfeuer. 12.17 Die Tätigkeitsorgane, beginnend mit der Sprache, durchdringen Ananta; die Wahrnehmungsorgane vom Gehör an befinden sich in der Erde und der Geist im Milchozean, o Zweimalgeborener. 12.18 Im unendlich blättrigen Lotus ruht die Ich-Bildung; die unterscheidende Einsicht befindet sich über den sechzehn [Thronträgern] vom Dharma an. 12.19 Im darüberliegenden Lotus ist die Urnatur, ungeteilt und im Gleichgewicht ihrer Eigenschaften. Die Zeit ruht in den drei Lichtbereichen, der Purusha im Bhava genannten [Sitz]. 12.20 Garuda wird von Ishvara in seiner Herrschaftsmacht bewohnt. So [besteht die Ordnung] von elf Stätten in Janardana, dessen Gestalt der Mantra ist. 12.21 Den im Körper sitzenden, ungeteilten und doch gegliedert erscheinenden Vishnu, den Gott, dessen Wesen das Weltall ist und dessen Gestalt auf Ishvara ruht, stelle man sich vor, wie er aus seiner eigenen Stätte in der zuvor beschriebenen Strömung herankommt. 12.22 Bis zum Strahlenkreis [vergegenwärtige man] seinen Zustand jenseits des Mantras; danach betrachte man ihn als Mantrawesen in der Unterscheidung von höchster und feinstofflicher Gestalt. 12.23 Die höchste Gestalt besteht aus Licht und ist durch Freude und Glückseligkeit gekennzeichnet; die feinstoffliche 12.24 ist durch die Bewusstseinskraft gekennzeichnet, nur ein leuchtendes Zeichen. Danach meditiere man über die grobstoffliche Gestalt in ihren vielfältigen Erscheinungsformen. 12.25 [Selbst] ein Hundertstel einer Haarspitze groß ist er der Herr von Urnatur und Purusha, der die Eigenschaften erfährt, sie trägt, mit ihnen verbunden und zugleich frei von ihnen ist. 12.26 Er ist als Herr des Körpers bekannt, als der Herr, der alle Gottheiten in sich enthält. Als daumengroßer Purusha befindet er sich in allen Körpern. 12.27 Wie ein Edelstein durch Verbindung mit Blau, Gelb und anderen Farben unterschiedliche Erscheinungen annimmt, so nimmt der Alldurchdringende je nach Meditation verschiedene Gestalten an. 12.28 Brahma, Rudra, Mond, Sonne und Prajapati sind aus dem Mantra entstanden, der aus dem höchsten Selbst hervorgeht; sie haben dessen Wesen. 12.29 Die befreiende Einsicht, die im Höchsten dessen Eigenschaften teilt, ist aus ihm hervorgegangen [unsichere Lesung] und zunächst von ihm unterschieden wie der Glanz vom Mond. 12.30 Sie besteht vierfach als Kraft des Weltenlehrers: in den Formen von Erkenntnis und Handeln, Herrschaft und Gnade. 12.31 Diese fünf, beginnend mit der Einsicht, bestehen als Umwandlungen in den zuvor genannten Kräften, o Narada. 12.32 Auch die Umwandlung dieser vier, die Einsicht ausgenommen, ist vergänglich. Die vierfach bestehenden [Kräfte] sind die Gottheiten Lakshmi und die übrigen. Mit ihnen zusammen soll [der Herr], versehen mit seinen Gliedern, stets in der Höhlung des Herzlotus verehrt werden. 12.33 Ihre Umwandlungen weisen den Weg zum Heil 12.34 für die Menschen, die stets bei mir Zuflucht genommen haben und mir liebend zugewandt sind: Es sind Dharma, Erkenntnis und die übrigen, die in dieser Welt bestehen. 12.35 Als deren Umwandlung besteht wiederum die Vierergruppe vom Unrecht an, o bester Zweimalgeborener; sie führt auf den Weg des Unheils 12.36 bei Wesen, die Guru, heiliges Feuer, Mantra und Schrift schmähen. Alles Übrige besteht aus Maya. Erkenne diese Maya als die meine. Ihre gesonderte Gestalt und ihre Einheit habe ich zuvor durch diese beiden [Darstellungen] erklärt. 12.37 So ist die Gesamtheit dieses Mantrakreises erklärt, dessen Wesen das Höchste ist: 12.38 das unvergängliche Licht des Bewusstseins in der Mitte des Herzlotus, kugelig wie eine Kadamba-Blüte, von universaler Gestalt und dem Glanz eines Edelsteins, 12.39 einer Edelsteinlampe gleich, groß und mit ununterbrochener Ausstrahlung. Durch die Körperöffnungen vom Ohr an treten seine Strahlen hinaus. 12.40 Wie aus einem mit Öffnungen versehenen Gefäß, in dem eine große Lampe steht, eine Fülle von Licht nach außen dringt, o Zweimalgeborener, ebenso [geschieht es] aus dem Körper: Der Mantra, eine Fülle von Strahlen, strömt durch die Nadis nach außen. 12.41 Dieses Mantrawesen bleibt den Sinnesorganen stets unmittelbar unsichtbar, o Zweimalgeborener. 12.42 Dennoch lässt es sich durch folgende Überlegung anhand des Wahrnehmbaren erkennen: Die fünf Eigenschaften der äußeren Elemente von der Erde an 12.43 lassen das Verborgene durch das unmittelbar Wahrnehmbare erfassen. Seine erdhafte Eigenschaft ist Festigkeit; durch diese seine Eigenschaft ist die Erde fest. 12.44 Durch ihr wechselseitiges Wirken gelangt [die Eigenschaft] bei der Zusammenfassung zu ihm [unsicherer Satzanschluss]. Auch die Erquickung, die im Wasser wahrgenommen wird, gehört ihm. 12.45 Seine Eigenschaft befindet sich im Wasser. Wie sonst, o Weiser, könnte durch die bloße Vergegenwärtigung des Mantras so große innere Erquickung entstehen? 12.46 Jenes [Merkmal] des höchsten Herrn hat sich im Feuer zur sichtbaren Form entfaltet. Die Eigenschaft des Feuers namens Form ruht im Mantrawesen. 12.47 Denn nirgends lässt sich Meditation ohne Leuchten erfahren. Die Eigenschaft des Windes, die Berührung, gehört ebenfalls ihm, o Einsichtsvoller. 12.48 Die feine Eigenschaft des Windes ruht im Mantrakörper; wenn das innere Organ zurückgenommen ist, tritt sie aus diesem hervor. 12.49 Die Leere des Raumes entsteht aus ihm. Auch diese Eigenschaft ruht im Mantrawesen, o Einsichtsvoller, 12.50 denn ohne innere Vergegenwärtigung ist es mit den gewöhnlichen Sinnesorganen nicht zu erfassen. Nachdem man so die Macht des Mantras zuerst wahrheitsgemäß erkannt hat, 12.51 [verwende man,] wenn die Zeit der Verehrung gekommen ist, den mit seiner Mudra verbundenen Mantra der Anrufung, durch den Gegenwart entsteht. 12.52 Beim Einatmen spreche man ihn im Geist aus, o bester Zweimalgeborener. Nach der Anrufung bilde man mit dem Gestalt-Mantra innerlich 12.53 die in der Meditation erklärte Gestalt in der Mitte seines Herzlotus. Man meditiere über den flammend leuchtenden Wurzelmantra, vom Höchsten bewohnt. 12.54 Man bewirke, dass die Mantragestalt sich einem zuwendet, o Zweimalgeborener. Wiederum, beginnend mit dem Selbst-Mantra, [verfahre man] mit allen Mantras wie zuvor. 12.55 Den Nyasa an seinem Körper vergegenwärtige man, jedoch ohne den Hand-Nyasa. Blumen, ehrendes Wasser, Weihrauch, Licht, Girlanden und duftende Salben 12.56 [bringe man] im Geist mit Achtung und Hingabe dar, beginnend mit dem Wasser für die Füße. Dann vollziehe man die achtgliedrige Verneigung und innere Siegesrufe. 12.57 Man zeige dem Erhabenen die Mudra, o Brahmane: „Willkommen, Herr der Götter! Sei mir gegenwärtig, Achyuta! 12.58 Nimm die geistige Verehrung an, die wahrhaftig vergegenwärtigt wurde.“ Wenn man erkennt, dass der Herr wohlgestimmt und zur Gnade geneigt ist, 12.59 beginne man die ausführliche geistige Verehrung, o bester Zweimalgeborener, mit reinen, unerschöpflichen und glückverheißenden Gaben, die aus der Vorstellung entstehen. 12.60 Man verehre den Gott, der alle Wünsche erfüllt und die Mantragestalt trägt. Zuerst [vollziehe man innerlich] Salbung und Einreiben, dann Bad und duftende Einreibung. 12.61 Man bringe Gewänder und wohlriechende Girlanden dar und stelle ihn sich mit Halsketten, Oberarmringen, Armreifen und Kronen geschmückt vor. 12.62 Man schmücke ihn mit einem bunten Hüftband aus Gold und Edelsteinen sowie mit reinen Perlenketten, die mit Rubinen besetzt sind. 12.63 Vishnu bringe man einen Schirm dar, der dem vollen Mond gleicht und einen goldenen Stab besitzt, sowie einen schönen Fächer aus Pfauenfedern. 12.64 Nachdem man dem Erhabenen reichlich wohlriechenden, angenehmen Weihrauch, mit Kampferpulver vermischt, dargebracht hat, [bringe man] eine Reihe von Ghee-Lampen dar. 12.65 Dann bringe man die ehrende Honigspeise dar, von Honig und Ghee durchtränkt, sowie verschiedene Tiere in vergegenwärtigter Gestalt und ebenso einen reinigenden Vogel [genauer Bezug unklar], 12.66 Pflanzen, Reis und Durva-Gras und einen Baum voller guter Früchte. Diese vierfache Nahrung bringe man zuerst in vorgestellter Gestalt dar. 12.67 [Dann bringe man] vielfältige reine Speisen dar, zahlreiche feste und weiche Gerichte sowie erfreuliche Früchte und Wurzeln, die in den sechs Jahreszeiten wachsen. 12.68 Auch vielfältige Getränke mit den sechs Geschmacksrichtungen bringe man dar. Alles, was man selbst genießt, soll man, von Hingabe und Vertrauen bewegt, o Zweimalgeborener, 12.69 dem Gott darbringen, soweit es der zuvor erteilten Einweihung nicht widerspricht [Lesung im ersten Halbvers unsicher]. Zahlreiche Saiteninstrumente, verbunden mit Tanz und Gesang, 12.70 den Klang großer Trommeln und Kesseltrommeln sowie Lobgesänge und Rezitationen – all dies, was in den drei Welten vorkommt, stelle man sich für den Gott der Götter vor. 12.71 Man fächere ihm mit einem Yakschweif zu, der mit einem Netz kleiner Glöckchen versehen ist; Baldachine, Wimpel und verschiedene Fahnen 12.72 bringe man dem Alldurchdringenden mit Hingabe und heiterem innerem Wesen dar, dazu Elefanten, Pferde, Kühe und Fahrzeuge, mit schönen Stoffen geschmückt. 12.73 Nachdem man sie innerlich dargebracht hat, stelle man sich vor, wie er sie annimmt. Sich selbst, die eigenen Kinder und die Ehefrau [bringe man] ihm mit ehrfürchtiger Verneigung dar. 12.74 Mit geneigtem Haupt und Tränen der Freude vollziehe man diese Hingabe. Innerlich bilde man die mit dem Mantra verbundene Mudra der wunscherfüllenden Kuh 12.75 und vergegenwärtige sie als Erfüllung aller Wünsche Vishnus. So verehre man den Gott, den Lehrer der Welt, auf dem Lotus im Herzensraum: mit dem Körper sämtlicher Mantras, gegliedert und zugleich seinem Wesen nach ungeteilt. 12.76 Die Shaktis, die sechs Glieder, die Attribute vom Lotus an, 12.77 die Schmuckstücke von Kaustubha an, die drei Gesichter und die Gestalten von Satya an werden im Körper des Gottes vergegenwärtigt. 12.78 Man lasse sie ihn in dieser Weise durchdringen; an ihren jeweiligen Orten sind sie von entsprechendem Wesen. Alle befinden sich in seinem Körper und sollen der Reihe nach verehrt werden, 12.79 ohne gesondertes Gefolge, mit ihren eigenen Mantras, Blumen und Salben. Dies ist die für Lakshmi und die übrigen gelehrte „Verehrung in der Auflösung“, o Brahmane. 12.80 Deshalb soll man das Gefolge stets im Körper des Wurzelmantras verehren, sei es auf dem Blütenboden des Herzlotus oder in einer Gestalt an irgendeinem anderen Ort. 12.81 Diese „Auflösung“ genannte Verehrung ist die zusammengefasste Form und verleiht alle Vollkommenheiten. [Wo dagegen] der Mantrakönig in der Mitte des Blütenbodens und Lakshmi und die übrigen auf den Staubfäden und weiteren Teilen 12.82 jeweils mit eigener Gestalt für sich bestehen, heißt dies „Verehrung zur Erfahrung und Erfüllung“. Werden durch eine gesonderte, für sich ausgeführte Verehrung, o Narada, 12.83 Lotus und die übrigen [Gestalten] verehrt, heißt dies „Verehrung zur Befähigung“. Vernimm nun für die Verehrung zur Erfahrung und Erfüllung 12.84 die gesonderte Einsetzung sämtlicher Mantras in den Herzlotus: Im Osten des Herrn setze man Lakshmi auf die Staubfäden ein, 12.85 Kirti im Süden, Jaya hinter Hari und Maya nördlich von ihm, ebenfalls auf den Staubfäden. 12.86 In den Zwischenrichtungen setze man die Glieder auf die Staubfäden, o Zweimalgeborener: Vishnus Herz-Mantra zwischen Osten und Süden, 12.87 den Kopf-Mantra zwischen Osten und Norden, den Schopf-Mantra zwischen Westen und Süden und den Panzer-Mantra des Herrn zwischen Westen und Norden. 12.88 Vorne im Bereich der Staubfäden [setze man] den Augen-Mantra ein, in den Richtungen den Waffen-Mantra. Auf dem südlichen Lotusblatt des Mantraherrn [sitzt] der Menschenlöwe. 12.89 Kapila ist im Westen einzusetzen, Varaha auf dem nördlichen Blatt; Kaustubha und die Waldblumengirlande auf dem östlichen Blatt des Herrn. 12.90 Nahe den Mantras Narasimhas und Varahas setze man auf den beiden entsprechenden Blättern Lotus und Muschelhorn ein, ebenso Keule und Rad. 12.91 In der Nähe [setze man] die Juwelengirlande und nicht weit entfernt Garuda ein; nahe bei ihm die Schlinge und nahe der Keule den Elefantenhaken. 12.92 Die ergänzenden Glieder, beginnend mit Aniruddha, setze man in die Blattspitzen im Norden, Westen, Süden und Osten des auf dem Blütenboden Ruhenden ein. 12.93 Beginnend mit dem nordöstlichen Blatt, setze man den Satya-Mantra in die Spitzen der vier [Zwischenrichtungs-]Blätter ein, bis hin zum nordwestlichen. 12.94 Auf dem aus der Brahmanöffnung hervortretenden Lichtstängel des Wurzelmantras, o Narada, der ohne äußere Stütze ist und Strahlensprosse entfaltet, 12.95 erfüllt von Staubfäden der Freude und mit einem Blütenboden namens große Glückseligkeit, setze man den ungeteilten, allein bestehenden siebensilbigen Mantra ein. 12.96 Seine Verehrung besteht allein darin, von seinem Wesen erfüllt zu sein. Wie könnte seine Verehrung durch Genüsse geschehen, die aus Vorstellungen hervorgehen und im Bereich der Unterscheidungen liegen, 12.97 da er doch über ihnen steht? Nachdem man die Mantragruppe so eingesetzt hat, verehre man sie der Reihe nach wie zuvor. 12.98 Man meditiere über jeden einzelnen mit seinem eigenen Mantra. Vernimm die Meditation, die für die Mantras auf der Stätte der Erfahrung und Erfüllung stets anzuwenden ist. 12.99 Die ungeteilte Gestalt der Mantras, die ich zuvor erklärt habe, stelle man sich von der äußeren gegliederten Gestalt gefärbt vor, 12.100 wie einen reinen Bergkristall, der von einer Farbe getönt wird. Wie der Kristall nicht in das Innere der Farbe eingeht, 12.101 die Farbe aber ohne eigenes Wollen im Inneren des Kristalls erscheint, so vergegenwärtige man die gegliederte Gestalt zusammen mit der ungeteilten. 12.102 Wisse, dass der auf der Stätte der Erfahrung und Erfüllung befindliche [Mantra] beide Wesensweisen besitzt. Für den auf der Stätte der Befähigung befindlichen Mantra, o bester Weiser, 12.103 wende man die Meditation über die gegliederte Gestalt in der Mitte seines Herzlotus an; über seine ungeteilte Gestalt meditiere man als ohne Stütze bestehend. 12.104 Zuerst vergegenwärtige man die Einheit dieser beiden unterschiedenen Wesensweisen im Geist; danach vollziehe man die Verehrung, o Zweimalgeborener. 12.105 Wie ein Baum hinsichtlich der Eigenschaften der Erde von ihr weit entfernt steht und ebenso die Erde hinsichtlich der Eigenschaften des Baumes von ihm entfernt ist, 12.106 so besteht dennoch zwischen dem gegliederten und dem ungeteilten Mantra ein untrennbarer Zusammenhang. Durch Meditation allein über die gegliederte Gestalt entsteht keine Vollendung der [höchsten] Stätte. 12.107 Ebenso bleiben die besonderen Vollkommenheiten fern, wenn der Mantra nur in seiner von Natur aus ungeteilten Gestalt [betrachtet wird]. Deshalb meditiere man der Reihe nach über sie, verehre sie und stelle sie zufrieden. 12.108 Dann gestalte man die besondere Verehrung Achyutas, o Brahmane. Man strecke die zu einer Schale gefügten Hände aus, mit goldenen Blumen gefüllt, 12.109 und spreche sorgfältig den Wurzelmantra mit Einatmen und den weiteren [Atemvorgängen] aus, wie den lang anhaltenden Klang einer Glocke, bis an die Grenze seiner Entstehung. 12.110 Man meditiere über den Gott Narayana, umgeben von einer Fülle funkelnder Strahlen, leuchtend wie hundert Feuer, Sonnen und Monde, und halte ihn in den gefügten Händen fest. 12.111 Diese Handvoll [Blumen] bringe man über dem Haupt jener Mantragestalt dar; erneut reiche man ehrendes Wasser und wiederum eine schöne Handvoll Blumen. 12.112 Nachdem man die Wurzel-Mudra gezeigt hat, beginne man das geistige Japa, ohne Zählung, nach dem eigenen Vermögen, durch das „Glocke“ genannte Verfahren. 12.113 Für Lakshmi und die übrigen auf der Stätte der Erfahrung und Erfüllung zeige man der Reihe nach im Geist die Mudra und übe jeweils Japa. 12.114 Mit heiligen Lob-Mantras preise man sie und stimme sie wohl. Nachdem man so die geistige Verehrung der Reihe nach vollzogen hat, o bester Brahmane, 12.115 vollziehe man ein entsprechendes glückverheißendes Feueropfer, das die Herrlichkeit der Befreiung gewährt. Im Inneren des Nabelzentrums stelle man sich die Feuerstätte vor, o Weiser: 12.116 dreieckig, vom Unmanifestierten mit seinen drei Eigenschaften umgeben. Durch das Reiben des Zündholzes der Meditation lasse man das Bewusstseinsfeuer herabkommen, 12.117 ganz rein, geheiligt, strahlend und stets mit aufwärtsgerichteter Flamme, o Zweimalgeborener. Es hat Vasudevas Wesen, denn er wohnt im Inneren der Wesen. 12.118 Man spreche den Wurzelmantra aus, soweit der Bereich des Klanges reicht. Den dort befindlichen göttlichen, höchsten Nektar der Freude als Opferbutter hole man herbei, 12.119 der aus dem stillen Ozean der Brahman-Opferbutter hervorströmt. Man nehme ihn auf und trete auf dem Nektarweg durch die Brahmanöffnung ein. 12.120 Vom Herzen aus auf dem mittleren Weg, der aus Bewusstsein besteht und leuchtet, vergegenwärtige man den aufstrahlenden Mantra, durch die Kraft Brahmans gestärkt. 12.121 In seinem eigenen ursächlichen Feuer am Nabel steht er wie aufgerichtetes Brennholz, im von Natur aus leuchtenden Brahmanfeuer, ringsum im Bauch strahlend. 12.122 Nachdem man sich den Mantra so vorgestellt hat, betrachte man den zuvor herbeigebrachten Nektar als Opferbutter, die aus dem Himmelsraum auf sein Haupt fällt, o Zweimalgeborener. 12.123 Man sättige das Bewusstseinsfeuer am Nabel, dessen Gestalt der Mantra ist, und vergegenwärtige [den Herrn] dann wieder im Herzlotus, auch an der Flammenspitze ruhend. 12.124 Dabei spreche man den Mantraherrn gedehnt aus, verbunden mit Meditation. So stelle man eine einzige Verbindung zwischen den beiden Stätten her, 12.125 an denen Vishnu in Mantragestalt und als Wesen der verschiedenen Mantras gegenwärtig ist. Danach lege man alles in ihm nieder, was durch die Mantras vollzogen worden ist. 12.126 Man stelle sich die rechte Hand mit Wasser, Blumen und ungebrochenen Reiskörnern gefüllt vor; in ihrer Mitte vergegenwärtige man den ungeteilten Mantra, von Strahlen erfüllt. 12.127 Die aus der Verehrung entstandene Fülle ihrer Früchte stelle man sich als Lakshmi vor. Während man den Wurzelmantra ausspricht, vergegenwärtige man sie so in der Handmitte. 12.128 Darüber stelle man sich wiederum den ungeteilten Mantra vor. Man lege beide Knie und den Kopf auf den Boden und bringe [die Frucht] Vishnu dar. 12.129 Man stelle sich vor, o bester Zweimalgeborener, dass der zur Gnade geneigte, zufriedene Herr sie liebevoll in sich aufgenommen hat. 12.130 Diese geistige Verehrung vertreibt die Furcht vor Alter und Krankheit, stillt das Hervorbringen ganzer Scharen von Verfehlungen und hebt das gebundene Werden auf, o Zweimalgeborener. 12.131 Durch beständige Übung befreit sie beim Ablegen des Körpers. Wer sie auf diese Weise mit höchster Hingabe auch nur einmal ausführt, 12.132 nach dem der Reihe nach erklärten Verfahren, mit dem bin ich zufrieden, o Weiser. Er nimmt unter allen Verehrenden einen hervorragenden Rang ein. 12.133 Er führt seine vergangenen und künftigen Ahnen über [die Gebundenheit] hinaus, von der Gegenwart an. Um wie viel mehr gilt dies für den stets Verbundenen, dessen Geist in jenes Wesen eingegangen ist, 12.134 der auf dem Weg der Mantraverehrung steht und von Vertrauen und Hingabe erfüllt ist! Für ihn gibt es keine Wiederkehr; er gelangt zur höchsten Stätte. 12.135 Wer dies erkannt hat, soll täglich mit Sorgfalt die geistige Verehrung vollziehen. Dieses höchste Geheimnis habe ich dir heute erklärt, o Narada. 12.136 Niemals soll es Menschen erklärt werden, die keine Schüler sind oder keine Hingabe besitzen. Verehrern aber, die das gebundene Werden zutiefst fürchten und innerlich gereift sind, soll dieses Geheimnis mitgeteilt werden, nachdem ihre Gesinnung gründlich geprüft wurde. So endet in der Jayakhya Samhita des heiligen Pāñcarātra das zwölfte Kapitel, „Die geistige Verehrung“.


Kapitel 13 – Darlegung der äußeren Verehrung

Der erhabene Herr sprach: 13.1 Nachdem man nach diesem Verfahren zuerst die geistige Verehrung vollzogen hat, verehre man danach den im Mandala Gegenwärtigen durch eine von Hingabe erfüllte Handlung. 13.2 Die zuvor im Herzlotus verehrte Mantragruppe stelle man sich weiterhin dort leuchtend vor, im ein- und ausströmenden Lebensatem gegenwärtig. 13.3 Man verabschiede sie nicht, solange die äußeren Handlungen nicht vollzogen sind. Denn sie ist, o bester Zweimalgeborener, in das Gefäß mit dem ehrenden Wasser einzusetzen, in das Mandala, in die Gebetskette und in das Feuer in der Opfergrube. Narada sprach: 13.4 Erhabener, durch deine Gnade habe ich die Verehrung im Herzen erkannt, welche die Unwissenheit vernichtet, 13.5 mit Erkenntnis und unmittelbarer Einsicht verbunden ist und alle Vollkommenheiten gewährt. Weshalb soll dann noch eine äußere Verehrung im Mandala ausgeführt werden? Erkläre mir dies, Erhabener; darüber hege ich einen großen Zweifel. Der erhabene Herr sprach: 13.6 Die aus äußeren Erfahrungen entstandene Prägung ist fest, o Brahmane, in vielen Leben erworben. 13.7 Durch sie, die reine und unreine Formen annimmt, wird das Selbst unstet gemacht. Die reine, auf den Mantra ausgerichtete Handlung, die eine friedvolle Wesensform schenkt, 13.8 ist gelehrt, um das erneute Aufkommen dieser Prägung zu vernichten. Durch äußere und innere Handlungen wird [der Übende] von jenem [göttlichen Wesen] erfüllt. 13.9 Die fest entstandenen Prägungen werden allmählich abgeschwächt. Von welchem Wesen der Übende gegenwärtig in seinem Körper erfüllt ist, o Brahmane, von diesem wird er auch nach dem Ablegen des Körpers erfüllt sein. Dies habe ich gelehrt. Narada sprach: 13.10 Herr der Götter, erkläre mir, wie die Verehrung im Mandala geschieht, und auch die Gestalt des Mandalas, wenn du mir Gnade erweisen willst. Der erhabene Herr sprach: 13.11 Höre die Anordnung des Mandalas Vishnus von wunderbarer Leuchtkraft. 13.12 Ich werde sie zusammenfassend erklären; durch sie wirst du Heil erlangen. Man untersuche die verschiedenen Bodenarten hinsichtlich Geruch, Farbe und Geschmack. 13.13 Zuerst reinige man den Boden sorgfältig mit Pflug und anderen Geräten, entferne schädliche Einschlüsse und mache ihn fest, sodass er das Gewicht eines Elefanten tragen kann. 13.14 Darauf errichte man einen schönen, weiß gekalkten Pavillon, mit Baldachinen, Fahnen und Stoffen wohlgeschmückt. 13.15 Dort bestimme man zuerst sorgfältig die Brahman-Stätte in der Mitte. Man errichte eine erhöhte Opferplattform [Material und Maß sind in der Lesung unsicher]. 13.16 Die fünf Kuhprodukte heilige man durch die Kraft des Waffen-Mantras und bestreiche [den Boden] damit. Nachdem man die Schnur und die Plattform mit Mantras besprochen hat, 13.17 spanne man dort in der Mitte eine Schnur von Osten nach Westen, o Narada, und stelle ein Quadrat von acht Ellen Seitenlänge oder der Hälfte davon her. 13.18 Mit einer Schnur von einem Viertel dieses Maßes, die in der Brahman-Stätte angesetzt wird, markiere man gleichmäßig beide Richtungen auf der Mittelschnur. 13.19 Dann lege man die Schnur von einer Markierung zur anderen und schlage darüber hinaus [Kreisbögen], um nördlich und südlich Markierungen zu gewinnen, o Narada. 13.20 Ebenso verfahre man an der anderen Markierung in beiden Richtungen mit derselben Schnur, die von Markierung zu Markierung reicht. 13.21 Man spanne die Schnur über die beiden linsenförmigen Schnittstellen der Kreisbögen; sie verläuft von Süden nach Norden, während die erste von Osten nach Westen verläuft, o Zweimalgeborener. 13.22 Dann markiere man mit einer Schnur von der halben Länge des Gesamtmaßes die vier Himmelsrichtungen. An diesen Markierungen lege man wiederum die Schnur an 13.23 und kennzeichne die Ecken entsprechend den vorherigen Markierungen. Mit der in den Richtungsabschnitten liegenden Schnur lege man danach vier Schnüre 13.24 von Ecke zu Ecke, um das Feld festzulegen, o Narada. Dann teile man dieses Feld in sechzehn gleiche Felder. 13.25 In die vier mittleren Felder zeichne man einen achtblättrigen Lotus. Ebenso zeichne man in den acht Richtungen acht weitere Lotusse. 13.26 Die vier Lotusse in den Hauptrichtungen dienen zur Verehrung der Göttinnen; in den vier Lotussen der Zwischenrichtungen befinden sich jene [Gestalten], deren Folge mit Satya endet. 13.27 In ihrer Mitte befindet sich der neunte, in dem Keshava verehrt wird. In das Feld des mittleren Lotus zeichne man vier Kreise, o Weiser. 13.28 Man lasse ein Achtel aus und [bestimme] mit dessen Hälfte außen den Zwischenraum [geometrische Zuordnung unsicher]. Durch den innersten Kreis entsteht der Blütenboden, o Zweimalgeborener, 13.29 durch den zweiten der Bereich der Staubfäden, durch den dritten die Verbindungsstellen der Blütenblätter. Auf dem vierten Kreis lege man die Blattspitzen fest. 13.30 In diesen Lotus lege man zwei Schnüre von Ecke zu Ecke; zwischen die Schnüre lege man wiederum acht weitere. 13.31 Mit der an den Blattansätzen liegenden Schnur zeichne man der Richtungsfolge nach acht Blätter durch Halbkreise. Ebenso sind die anderen, außen liegenden 13.32 Lotusse sorgfältig und einander gleich auszuführen. Den Bereich der Staubfäden teile man für jedes Blatt in vier Abschnitte, 13.33 sodass zwischen ihnen jeweils drei Staubfäden entstehen. Wenn die neun Lotusse einander berühren, lege man Gänge von der halben Breite des inneren Bereiches an. 13.34 Die Breite des Ganges teile man in sechs oder fünf Teile; damit zeichne man um die Lotusgruppe ein äußeres Quadrat. 13.35 Man teile es in den Richtungen dreifach; es bildet den Thron mit seinen Füßen und seinem Aufbau. Rings um die Richtungslotusse lege man in allen vier Richtungen Tore an. 13.36 Mit zwei Teilen bilde man dort das Eckstück, o bester Zweimalgeborener, mit vier Teilen das Nebeneckstück; jede Ecke soll dann 13.37 insgesamt zweiundzwanzig Felder umfassen. Man fasse sie zusammen und bereinige die Linien. Das westliche Tor lasse man frei und ohne [querende] Linie. 13.38 Den Blütenboden färbe man gelb, die Staubfäden gelbrot, die acht Blätter weiß und die Zwischenräume wie den Himmelsraum. 13.39 Die Ecken und weiteren Teile des Thrones gestalte man gelb, seine Körperteile rot; die vier Tore weiß, die Ecken schmücke man rot. 13.40 Außen ziehe man drei Linien: rot, gelb und zuletzt schwarz, verbunden mit den sechzehn Vokalen in ihrer inneren Kraft. 13.41 Oder [man zeichne ein Rad] mit zwölf Speichen, durch die zwölf Vokale belebt; auch ein achtspeichiges zeichne man, mit Nabe und Radkranz. 13.42 Die geraden, schönen Speichen werden von den acht Lautgruppen durchdrungen. In die Radnabe zeichne man einen Lotus mit den zuvor angegebenen Merkmalen. 13.43 Oder man zeichne einen sehr schönen Lotus in das Innere eines Muschelhorns, in die Keule Kaumodaki, vor sie oder in eine dem Kaustubha-Juwel ähnliche Scheibe, 13.44 oder in die Gestalt einer Blumengirlande, o Weiser, um das jeweils Gewünschte zu erlangen. Man weiß, dass die Verehrung in der Form des jeweiligen eigenen Attributes das ersehnte Ergebnis schenkt. 13.45 Im neunfachen Naben-Mandala erlangt man höchste Vollendung für diese und die jenseitige Welt. Bei der Verehrung im Inneren des Lotus nimmt das Glück stets zu. 13.46 Im Rad entsteht Herrschaft, die die feindliche Partei vernichtet; das Muschelhorn dient zur Befriedung, und durch die Keule erlangt man glückliches Geschick. 13.47 Im Kaustubha [erlangt man] Königsherrschaft, im Blumen-Mandala Gedeihen. Diese Verehrung im Inneren eines Lotus wird als innerhalb des Lotus und der übrigen [Gestalten] befindlich bezeichnet. 13.48 Sie wird mit verschiedenen Farben ausgeführt. Höre eine andere Form, im Inneren eines Gefäßes: [Man nehme] einen festen Krug aus Gold, Silber, Kupfer oder Ton, 13.49 ohne dunkle Flecken und ohne Sprünge [Wortlaut des ersten Halbverses unsicher]. Man fülle ihn mit Milch, Dickmilch oder Duftwasser, 13.50 reichlich versehen mit allerlei Edelsteinen und Heilpflanzen, mit Kusha-Gras, Durva-Gras und Früchten im Inneren, mit weißen Senfsamen und ungebrochenen Reiskörnern, mit Safranwasser durchtränkt, 13.51 geschmückt mit zarten Zweigen geeigneter Bäume und mit aus Sandelpaste aufgetragenen Muschelhörnern, Swastika-Zeichen und Lotussen, 13.52 verschönert durch weiße Gewänder, Stoffbänder und Girlanden. In seiner Mitte [befindet sich] der Lotussitz und darin Janardana, 13.53 auf Garuda ruhend, mit Lakshmi und den übrigen wie zuvor angeordnet. Die Verehrung im Krug ist als zusammengefasste Form gelehrt. 13.54 Oder man bestreiche einen Platz mit Kuhdung, Erde und Wasser und lege dort einen Kreis oder ein Quadrat an, 13.55 mit reinen Blumen der jeweiligen Jahreszeit, zur Befreiung aus der Bindung [unsichere Lesung]. Dort verehre man den Gott. Oder, o bester Weiser, 13.56 man lege ein ungebrauchtes, ganz weißes, mit Weihrauch und Duftstoffen durchzogenes Tuch auf den Platz und verehre Hari darauf. 13.57 Oder man lasse ein Bild aus Metall, Ton, Stein oder Holz herstellen; auch kann man einen glückverheißenden Thronsitz mit einem Lotus oder ohne ihn bereiten. 13.58 [Man verehre ihn] auch in reinem Wasser allein, in hellem, rauchlosem Feuer oder in einem Heiligtum: den höchsten Herrn in sichtbarer Gestalt, 13.59 Vishnu mit Muschelhorn und Rad, von Göttern und Vollendeten angenommen oder von Weisen oder hingebungsvollen Menschen eingesetzt. 13.60 In dieser Gestalt verehre man ihn mit dem eigenen Mantra, ohne [erneute] Anrufung. Auch auf einem unbeweglichen, im Boden befindlichen Stein, der das Radzeichen trägt, o Brahmane, 13.61 oder auf einem beweglichen, der mit den Mudras von Muschelhorn und Lotus bezeichnet wurde, verehre man den Herrn wie zuvor. 13.62 Von diesen verschiedenen Orten der Verehrung bereite man sorgfältig einen und verehre den, der alle Wünsche erfüllt, durch hingebungsvolles Handeln, mit Darbringungen nach dem eigenen Vermögen oder entsprechend dem eigenen Wohlstand, o Weiser. 13.63 Man nehme ein Gefäß für das ehrende Wasser aus Gold, Silber oder einem anderen Material, 13.64 aus Stein, Ton oder Holz oder aus Blättern des Palasha-Baumes oder Lotus; man wasche es mit dem Wasser des Waffen-Mantras und bestreiche es mit Safran und anderen Duftstoffen. Darin bereite man das aus mehreren Bestandteilen zusammengesetzte, mit dem Waffen-Mantra geheiligte Arghya. 13.65 Weiße Senfsamen, Sesam, Durva-Gras, Gerste und weiße Reiskörner, 13.66 verbunden mit Wasser, Milch und Früchten: Dies wird als ehrendes Wasser gelehrt. Mit dem Wurzelmantra in der Gestalt einer Nektarfülle erfülle man es. 13.67 Man teile es in zwei Teile in zwei Gefäßen, o Weiser. In dem einen setze man den in der ungeteilten Grundlage ruhenden, selbst ungeteilten 13.68 Mantrakreis ein, aus eigener Kraft funkelnd. Man stelle ihn vor das Mandala und verehre ihn zunächst mit Blumen und weiteren Gaben. 13.69 Den zweiten Teil heilige man durch die zwei Konzentrationen, die aus Feuer und Soma bestehen. Vernimm dies genau. 13.70 Zuerst verbrenne man ihn [innerlich] durch die heftige Strahlenfülle der Sonne und stelle ihn sich als Asche vor. Danach [erfülle man ihn] mit den Strahlen des Vollmondes, 13.71 durch das Herabfallen strömender Nektarwogen, o Narada. Was von der Sonne verbrannt wurde, stelle man sich erneut leuchtend vor. 13.72 Man bespreche es mit den Hauptmantras vom Wurzelmantra an und bilde die mit ihrem Mantra verbundene, ausströmende Mudra der wunscherfüllenden Kuh: 13.73 in Kuhgestalt, einem Schneeberg gleich, auf dem stützenlosen Weg befindlich. Man bestreiche beide Hände mit Duftstoffen und mit dem aus dem Arghya-Gefäß geschöpften [Wasser] 13.74 besprenge man Mandala, Pavillon und sämtliche Gegenstände der Verehrung. Mit dem Waffen-Mantra lasse man sie verbrennen, mit dem Wurzelmantra danach überfluten. 13.75 Dann ist die Gesamtheit der Gegenstände rein und zur Verehrung geeignet. Man verneige sich vor Vishnu und spreche den Wurzelmantra aus. 13.76 Er, der in seiner eigenen Gestalt gegenwärtig ist, soll mit den in den gefügten Händen gehaltenen Blumen verehrt werden. Dann nehme man ehrendes Wasser, Blumen, Weihrauch und Salben, 13.77 Licht und Speisegaben und verehre das äußere Tor. Unten an der Schwelle, in der Mitte des äußeren Tores, 13.78 verehre man den auf der Erde befindlichen Kshetrapala; danach Lakshmi über dem Tor, oben am Türsturz. 13.79 An den Ansätzen des südlichen und nördlichen Türpfostens [verehre man] Chanda und Prachanda, ebenso Jaya und Vijaya außen und innen am Tor. 13.80 In der Mitte der beiden Pfosten, der Reihe nach links und rechts, verehre man danach Ganga und Yamuna. 13.81 In derselben Reihenfolge verehre man die im Inneren des Tores befindlichen Schatzherren Shankha und Padma mit ehrendem Wasser, Blumen und weiteren Gaben. 13.82 Nach der Torverehrung nehme man vor sich eine Blume mit drei Fingern, beginnend mit dem Daumen, 13.83 bespreche sie mit dem Waffen-Mantra und stelle sich darüber das Rad vor: mit scharfen Speichen, flammend, Feuer und Blitze regnend. 13.84 Dieses, das sämtliche Hindernisse vernichtet, werfe man in den Verehrungsraum. Danach richte man den rechten Zeigefinger auf, o Brahmane, 13.85 verbinde ihn mit dem Schopf-Mantra und stelle ihn sich blitzend vor. Während man ihn kreisen lässt, betrete man den Verehrungsraum. 13.86 Dann besprenge man den eigenen Sitz mit Wasser aus dem Arghya-Gefäß, berühre ihn schlagend mit einer mit dem Waffen-Mantra verbundenen Blume und verehre darauf der Reihe nach, 13.87 beginnend mit der tragenden Shakti, die Mantragruppe. Danach setze man sich. Jenes höchste Licht im Herzen, 13.88 das Narayana genannt wird, bringe man in die Mitte der Augen und nehme Zuflucht zu dem zuvor erklärten [Mantra] namens Vasudeva. 13.89 Mit unbewegten Augen betrachte man alles gründlich. Das Mandala und das Arghya-Gefäß besprenge man nochmals mit Kusha-Wasser. 13.90 Danach beginne man die Verehrung der Reihe nach mit Blumen und ehrendem Wasser, von der tragenden Shakti an, stets mit innerer Vergegenwärtigung. 13.91 Nachdem man zunächst den grobstofflichen Unterbau des Mantrasitzes bis hin zu den Weltaltern eingesetzt hat, setze man oben in der Mitte nach dem zuvor erklärten Verfahren 13.92 die sechzehn [Träger] vom Dharma an ein, strahlend und in höchster Gestalt. Diese Sechzehnergruppe setze man wiederholt in die acht Richtungen ein, 13.93 in feinstofflicher Gestalt, o Brahmane, vom Osten bis zum Nordosten. Dann setze man auf jedem [Sitz die Folge] vom Lotus bis zur Feuerstätte ein. 13.94 Dieselbe [Folge] vergegenwärtige und setze man auch im inneren Bereich ein, bis zum Bhava-Sitz [Lesung am Übergang unsicher], und verehre sie jeweils mit ihren eigenen Mantras, übereinander angeordnet, mit Blumen, Weihrauch und Salben. 13.95 Am oberen Teil des Thrones, nach [der Einsetzung] der Weltalter, in der Nähe [des zugehörigen Bereiches; Lesung unklar], 13.96 bilde man in der Vorstellung ein längliches rechteckiges Mandala südlich des Mandalas des Gottes der Götter, 13.97 vom Nordwesten bis zum Nordosten. Dort verehre der Zweimalgeborene zuerst Ganesha mit seinem eigenen Mantra, 13.98 danach die Göttin Vagishvari und anschließend Garuda. Dann verehre er hingebungsvoll den Guru und den „höheren“ [Guru]. 13.99 Danach ist der Parameshthin [der übergeordnete Lehrer] zu verehren, dann die Ahnenschar und die Gruppe der ursprünglichen Vollendeten, die ganz in die Meditation über den Erhabenen versunken sind. Der Reihe nach erbitte man ihre Erlaubnis. 13.100 Man empfange sie mit geneigtem Haupt und rufe danach den Herrn herbei. 13.101 Mit dem Anrufungs-Mantra, verbunden mit seiner Mudra, rufe man ihn hingebungsvoll, o Weiser. Man spreche den Wurzelmantra aus und lasse den im Herzen ruhenden Alldurchdringenden 13.102 der Reihe nach mit dem Ausatmen langsam herabkommen, durch den Übergangsbereich der beiden Nadis, [auf einem Weg,] der gestaltlos und makellos ist, 13.103 frei von gedanklichem Entwerfen und vom Sein des Bewusstseins erhellt. Dann bringe man dem alldurchdringenden Herrn eine Handvoll Blumen mit ehrendem Wasser dar, o Brahmane, 13.104 indem man beide Hände nach unten richtet und sie über seinem Haupt ausgießt. Zuerst verehre man ihn nach dem für die Auflösungsverehrung gelehrten Verfahren, mit Blumen, ehrendem Wasser, Salben und Weihrauch sowie der Reihe nach mit den Mantras vom Wurzelmantra an. 13.105 Dann stelle man sich vor, wie aus der lichtvollen, strahlenden Gestalt des erhabenen Vishnu 13.106 Lakshmi und die übrigen hervortreten, wie Scharen von Funken. Jede setze man ihrem Wesen entsprechend an die Stätte der Erfahrung und Erfüllung ein. 13.107 Vernimm, wie die Mantras auf dem Mandala anzuordnen sind. Oben in die Lotusmitte setze man in entsprechender Weise 13.108 wie zuvor den Wurzelmantra zusammen mit der Gestalt ein, o bester Zweimalgeborener. In den Blütenboden des vor ihm liegenden Lotus setze man Lakshmi ein, 13.109 Kirti in den südlichen und Jaya in den hinteren; Maya setze man in den Blütenboden des nördlichen Lotus ein. 13.110 In die Mitte des südöstlichen Lotus [setze man] den Herz-Mantra, in den nordöstlichen den Kopf-Mantra, in den südwestlichen den Schopf-Mantra und in den nordwestlichen den Panzer-Mantra. 13.111 Im mittleren Lotus setze man den Augen-Mantra auf das Blatt vor dem Gott; auf die Blätter der Zwischenrichtungen den König der Waffen-Mantras. 13.112 Ebendort setze man der Reihe nach die drei [Mantras] von Narasimha bis Varaha auf die drei Richtungsblätter südlich, westlich und nördlich von Vishnu ein. 13.113 Auf alle Blätter des Lakshmi-Lotus setze man Kaustubha ein; ebenso auf die Blätter des Herz-Lotus die Waldblumengirlande. 13.114 Den Lotus rufe man herbei und setze ihn auf die Blätter des Kirti-Lotus; das Muschelhorn auf die Blätter des Schopf-Lotus, das Rad in den Jaya-Lotus. 13.115 Dann setze man dort in jenem Lotus die Keule auf die Blätter ein; auf die Blätter des Maya-Lotus setze man die Schlinge, o Brahmane. 13.116 Auf die Blätter des Lotus, der den Kopf-Mantra trägt, setze man den Elefantenhaken ein. Den Herrn der Vögel rufe man herbei und setze ihn in die vier Tore ein. 13.117 Auf den Blütenboden, oberhalb des Herz-Mantras, setze man Satya ein, zur südlichen Seite hin, dann auf den Brahman-Lotus [räumlicher Anschluss unsicher]. 13.118 Wenn eine sichtbare Gestalt erforderlich ist, wird sie den Mantras zugeordnet, o Narada. Oberhalb des Kopf-Mantras setze man ebenso Vasudeva ein, 13.119 oberhalb des Schopf-Mantras Sankarshana; dann oberhalb des Blütenbodens, über dem Panzer-Mantra, Pradyumna. 13.120 Über Lakshmi und den übrigen setze man Aniruddha als das von ihnen Getragene ein. Danach setze man den siebensilbigen Mantra über den Wurzelmantra. 13.121 Außen setze man die Acht von Indra an, vom Osten bis zum Nordosten, ein; unten Shesha, den Herrn der Nagas, und oben 13.122 Brahma, den Herrn der Götter. So setze man die Reihe der Welthüter ein, anschließend außerhalb von ihnen ihre Waffen, 13.123 vom Osten der Reihe nach bis zum Nordosten. Unten setze man die Waffe des Naga-Herrn, oben die Brahman-Waffe ein. 13.124 Zwischen Nordosten und Norden stelle man sich Vishvaksena im Luftraum vor, o bester Zweimalgeborener, wie er aus dem Himmel herankommt. 13.125 Nachdem man so zunächst die Mantras im Mandala eingesetzt hat, vollziehe man die Meditation über jeden einzelnen an seinem Ort. 13.126 Die [Meditation] über den Wurzelmantra und die Göttinnen habe ich zuvor erklärt, o Weiser. Was noch nicht erklärt wurde, die Meditationen über die Glieder vom Herzen an, höre mit gesammeltem Geist. 13.127 [Den Herz-Mantra betrachte man] weißrot leuchtend, mit einem Gesicht und vier Armen, auf Garuda sitzend, mit Lotus und Muschelhorn in den Händen. 13.128 Seine andere rechte Hand stelle man sich mit seiner Mudra geschmückt vor, die zweite linke Hand in der Gebärde der Furchtlosigkeit, 13.129 mit weißem Schmuck und weißen Girlanden, den Körper mit Kampfer bestrichen. Den Herz-Mantra vergegenwärtige man stets dem Gott der Götter zugewandt. 13.130 Den Kopf-Mantra meditiere man rot wie eine Bandhujiva-Blüte, mit erhobenem Lotus und Rad, o Zweimalgeborener, mit seiner eigenen Mudra und einer Gaben gewährenden Hand, 13.131 den Körper mit Safran bestrichen, rot leuchtend, lieblich, mit rotem Schmuck versehen und mit roten Blumen geschmückt. Den Kopf-Mantra stelle man sich dem Mantraherrn zugewandt vor. 13.132 [Den Schopf-Mantra betrachte man] von der Farbe eines bewegten Bienenschwarms, Lotus und Keule Kaumodaki tragend, 13.133 seine eigene Mudra zeigend und mit einer Hand Furchtlosigkeit gewährend, mit Moschus versehen und mit dunklen Blumen und weiteren dunklen Gaben geschmückt. 13.134 Mit leicht lächelndem Gesicht meditiere man den Schopf-Mantra, o Narada. Den Panzer-Mantra [betrachte man] honigbraun leuchtend, Muschelhorn und Rad tragend, 13.135 während das andere Händepaar seine eigene Mudra bildet, mit gemischten Salben bestrichen und mit verschiedenartigen Blumen und weiteren Gaben versehen. 13.136 Den Panzer-Mantra vergegenwärtige man als zum Herrn hinblickend, o Zweimalgeborener. Den Augen-Mantra [betrachte man] rotgelb leuchtend, Keule und Lotus erhoben haltend, 13.137 der Reihe nach mit der rechten und der anderen Hand, und zugleich mit seiner eigenen Mudra versehen; sein Körper ist mit Safran und weißem Sandel bestrichen. 13.138 Seine Gestalt ist mit gelben Blumen, Schmuckstücken und Gewändern geschmückt. Den Augen-Mantra vergegenwärtige man mit schönen Augen und lächelndem Gesicht. 13.139 [Den Waffen-Mantra betrachte man] den Glanz eines Saphirs übertreffend, groß, Keule und Rad erhoben haltend, mit seinen eigenen Mudras versehen, 13.140 mit schönen, goldgleichen Schmuckstücken und weiteren Zierden geschmückt, mächtig wie das Feuer der Weltauflösung. Den Waffen-Mantra des Herrn meditiere man stets seinem Gebieter zugewandt. 13.141 Alle haben ein Gesicht und sitzen auf Garuda. Damit ist die glückverheißende, Verfehlungen tilgende Meditation über die Glieder erklärt. Vernimm nun die [Meditation] über die drei Mantras von Narasimha an. 13.142 [Narasimha betrachte man] mit dem Donnern der Wolken der Weltauflösung, Feuer ausströmend, 13.143 den höchsten Herrn, Lotus, Muschelhorn, Keule und Rad tragend, glänzend wie flüssiges Gold und mit vielfältigen Schmuckstücken geziert, 13.144 mit verschiedenen Salben am Körper, zahlreichen Girlanden und einem Gewand aus roter Seide. So vergegenwärtige man den alldurchdringenden Narasimha, o Zweimalgeborener. 13.145 [Kapila betrachte man] der aufgehenden Sonne gleich, mit braungoldenem Bart und ebensolchen Augen, vierarmig, von edler Gestalt, mit Lotus und weiteren Attributen geschmückt, 13.146 mit weißem Gewand und weißem Obergewand, Perlenschmuck und weißen Girlanden. So meditiere man über den Mantraherrn Kapila. 13.147 [Varaha betrachte man] von der Farbe einer Masse von Saphiren, mit gelbem Schmuck geschmückt, von großer Leuchtkraft und vierhändig, o Narada, 13.148 wie zuvor mit Lotus und den übrigen Attributen versehen. Den Mantraherrn Varaha [vergegenwärtige man] mit honigbraunen Augen, 13.149 mit Brauen wie zuckende Blitze, furchterregend, mit flammendem Bart und flammender Mähne sowie zwei Hauern wie den Spitzen des jungen Mondes. 13.150 Diese [drei] soll man sich stets auf Lotussitzen vorstellen, über ihre eigene Ursache meditierend, [dem Herrn] zugewandt und unterhalb des Blütenbodens befindlich, o Weiser. 13.151 Kaustubha meditiere man zweiarmig, strahlend wie tausend Sonnen; die Göttin Waldblumengirlande in vielerlei Farben, 13.152 lieblich, mit Augen wie Lotusblätter, einer erwachsenen Frau gleich, o Zweimalgeborener. Den Lotus [betrachte man] mit Lotusglanz, das Muschelhorn wie weißen Jasmin und den Mond, 13.153 das Rad mit Saphirglanz, die Keule goldleuchtend, als schöne sechzehnjährige Jungfrau in frischer Jugend. 13.154 [Garuda betrachte man] mit rotem Schnabel, gewaltiger Lebenskraft, furchtbaren Brauen und Augen, wie flüssiges Gold und mit mächtigen Schwingen geschmückt. 13.155 Garuda vergegenwärtige man mit Geiergesicht und breitem Bauch, o Brahmane. Den Herrn der Schlinge [betrachte man] dunkel wie junge Durva-Sprossen und mit Schlangengesicht. 13.156 Den Elefantenhaken vergegenwärtige man schwarz, langnasig und furchterregend. Alle sind mit ihren eigenen Mudras geschmückt, zweiarmig und mit schönen Ohrringen versehen. 13.157 Man meditiere über sie in menschlicher Gestalt, leuchtend durch ihren eigenen Glanz. Damit habe ich die Meditation über die Attribut-Mantras erklärt, o Weiser. 13.158 Vernimm nun zusammenfassend die Meditation über Satya und die übrigen. Satya vergegenwärtige man zweiarmig, weiß, wie hundert Monde, 13.159 mit den Handgebärden der Gabe und der Furchtlosigkeit, mit aus der Meditation geöffneten Augen, weißem Seidengewand und Perlenschnüren und weiteren Zierden, 13.160 mit weißem Sandel bestrichen und weißen Blumen geschmückt, oberhalb des Mantraherrn auf dem Brahman-Lotus befindlich [unsichere Lesung]. 13.161 Man stelle ihn sich im Lotussitz mit heiterem Gesicht vor, o Zweimalgeborener. Ebenso meditiere man danach Vasudeva, jedoch vierarmig, 13.162 Muschelhorn und Lotus tragend und Gabe sowie Furchtlosigkeit gewährend. [Sankarshana betrachte man] wie beruhigtes Opferfeuer, weder weiß noch allzu rot. 13.163 So meditiere man über den Gott Sankarshana. Danach vergegenwärtige man Pradyumna, gelb wie eine Champaka-Blüte, mit langen Lotusaugen. 13.164 Dann vergegenwärtige man Aniruddha wie den Herbsthimmel. Alle gleichen Vasudeva hinsichtlich Armen, Schmuck und Attributen. Ebenso sitzen sie auf den Lotussen an den Brahmanöffnungen. 13.165 [Den siebensilbigen Mantra betrachte man] einem ganz reinen Bergkristall gleich, gestaltlos und doch Gestalt tragend, 13.166 mit allen Formen und zugleich frei von allen Formen, mit Händen und Füßen überall, mit Augen, Köpfen und Gesichtern überall. 13.167 Mit einem klaren Strahlennetz von kristallreiner Erscheinung, das aus seinem eigenen Körper hervorgeht, erhellt der Herr ringsum alles. 13.168 In ihm spiegelt sich der gesamte Mantrakreis in seiner Anordnung. So meditiere man den siebensilbigen Mantra auf der Stätte der Erfahrung und Erfüllung, o Weiser. 13.169 Nachdem man so meditiert hat, verehre man [alle] entsprechend der Reihenfolge ihrer Einsetzung: mit ehrendem Wasser, Fußwasser, wohlriechenden Blumen und Salben, 13.170 mit zahlreichen duftenden Ghee-Lampen auf mit Reis gefüllten Unterlagen, mit herabhängenden Blumen geschmückt, 13.171 mit stark duftenden, schön brennenden, ununterbrochenen [Räuchergaben], mit Guggulu-Harz versehen, mit festen und weichen Speisen, Leckspeisen und Getränken in vielerlei Formen, 13.172 mit Honigspeisen und abgemessenen Gaben, zahlreichen Früchten und Wurzeln, verschiedenen köstlichen Milchreisgerichten, Süßigkeiten, Reis-Hülsenfrucht-Speisen und anderem, 13.173 reichlich und gut zubereitet, von Honig und Ghee durchtränkt. Bei jeder einzelnen Gabe meditiere man zuerst wie zuvor über die Mudra der wunscherfüllenden Kuh, 13.174 verbunden mit ihrem Mantra, und besprenge [die Gabe] mit dem ehrenden Wasser. Nachdem man Blumen und Arghya darübergegeben hat, berühre man sie mit der Vishnu-Hand. 13.175 Danach bringe man sie mit geneigtem Haupt dar, o Brahmane. Was immer ich dir zuvor für die geistige Verehrung erklärt habe, 13.176 all dies bringe man dem Gott der Götter in vielfältiger stofflicher Gestalt dar. Ist eine Gabe nicht vorhanden, die Bestandteil der Verehrung sein soll, 13.177 so vergegenwärtige man sie jeweils im Geist und bringe sie Vishnu hingebungsvoll dar. Nachdem man so die gesamte Mantragruppe der Reihe nach, o Weiser, 13.178 nach der Vorschrift verehrt hat, verehre man Keshava erneut. Man spreche den Wurzelmantra aus und fülle die gefügten Hände mit Blumen. 13.179 In ihrer Mitte meditiere man über den Mantra als höchstes Selbst, von Juwelenglanz, in dem sämtliche Mantras aufgegangen sind, durch das Verfahren des Emporführens. 13.180 Mit der Unterscheidung von Einatmen und den weiteren Vorgängen und mit überaus lang gezogenem Klang [gehe man] bis ans Ende des Klanges, wo dieser sich auf vielfache Weise offenbart: 13.181 zunächst als Saitenklang, o Brahmane, dann als Licht, danach als Freude und als Entfaltung der Glückseligkeit, 13.182 sodann jenseits aller Stufen, überall sich entfaltend, als Innerstes stiller Erkenntnis, frei von den Wellen verdichteten Seins und Bewusstseins [Zusammensetzung mehrdeutig]. 13.183 So tauche man nach und nach in das von den sechs Wogen Freie ein, dessen Bereich alle Vorstellungen übersteigt, und kehre dann wieder von Stufe zu Stufe zurück. 13.184 Man meditiere über den tausendstrahligen Mantra, aus dessen tausend Strahlen Nektar hervorgeht, und bringe [die Blumen] mit dem Ausatmen auf dem Haupt des Gottes der Götter dar. Dann nehme man das ununterbrochen [rauchende] Räuchergefäß in die rechte Hand. 13.185 Die herrliche Unterlage soll mit Lotus und Rad gekennzeichnet sein und Lotusgestalt besitzen, 13.186 mit einem einzigen Stängel. [Darauf] gestalte man den mächtigen Shesha mit sieben Hauben, mit gefalteten Händen, stets über die höchste Ursache meditierend, 13.187 Rad und Pflug in den Händen, auf einem Lotussitz. So gestalte man den Träger des Räucherwerks, geschmückt mit einem Netz kleiner Glöckchen. 13.188 Das Rad erkennt man als das Herz dieses Kreises, den Lotus als die Herzhöhlung; die Speichen im Rad gelten als die zwölf Nadis [Lesung im zweiten Halbvers unsicher]. 13.189 Die kleinen Glöckchen sind als die feinen Nadis zu verstehen, o Brahmane. Ihre mittlere Kraft gleicht einer gewundenen Schlange, 13.190 rauchgrau leuchtend; sie durchbricht das Weltei und tritt hinaus. Aus dem Herzen des Zeitfeuers steigt sie auf und geht am Ende in Satya ein. 13.191 Durch sie erweckt, wird das Selbst, der Herr in Mantragestalt, rasch gegenwärtig. Man lasse [den Weihrauch] ohne Unterbrechung brennen 13.192 mit dem folgenden Mantra, o brahmanischer Weiser. Vernimm seinen Mantra: Zuerst nehme man Om, danach Paramatman, 13.193 verbunden mit Vyomananda; dann die Worte „dem Unendlichen“, „dem in der Gestalt des Zeitfeuers“ und „dem Weltenrauch“, 13.194 danach „dem Wohlriechenden“ und „dem Träger aller Düfte“, verbunden mit Namah und Svaha. Der höchste einunddreißigsilbige 13.195 Mantra des Räuchergefäßes ist damit erklärt, o Narada. [Dann die Glocke,] mit Mudra und Meditation verbunden, die höchste, alle Vollkommenheiten gewährende, 13.196 verehrt, beräuchert, gesalbt und in ihrer Gestalt mit Mantras versehen, vereinige man durch ihren eigenen Klang mit dem inneren Selbst im Herzen. 13.197 Danach lasse man die mit dem Radzeichen versehene Glocke richtig erklingen: Sie erschüttert die drei Welten und vertreibt alles Bösartige. 13.198 Sie ist die Botin der Mantras und die Erweckerin der Schlafenden, die Abwehr aller Hindernisse und diejenige, die alle Mantras erfreut. 13.199 Dieser Klang am Ende des Pranava geht in der Klangkraft auf. Die Mantras gelten als Verkörperungen der Laute, die Gottheiten als Verkörperungen der Mantras. 13.200 Sie wurzeln im Klang der Glocke; erweckt verleihen sie den Handlungen Vollendung. Die aus dem höchsten Klang entstandene Kraft besitzt die Gestalt des Glockentönens. 13.201 Sie wird zu Lauten. Aus diesen Lauten, o bester Weiser, [entstehen] die vorgestellten Körper der Mantras in tausenderlei verschiedenen Formen, 13.202 durch den eigenen Willen dieser Kraft und aus ihrem eigenen Vermögen, hier zur Begnadung der hingebungsvollen, innerlich gereiften Verehrer. 13.203 Durch das geistige Vergegenwärtigen gewähren sie Schutz, o bester Weiser, und schenken die ihnen eigene Stätte. Deshalb werden sie „Mantras“ genannt. 13.204 Ihr Klang ist noch unmanifestiert, und sie sind ohne Gestalt; wenn die Glocke bewegt wird, treten sie zu Tausenden hervor. 13.205 Deshalb wird diese „Glocke“ genannte Kraft als Mutter der Mantras bezeichnet, o bester Weiser, als Herrin der Rede und als Sarasvati. 13.206 In der Sprache ruhen alle Mantras; die durch sie bezeichneten [Wesenheiten] ruhen im Mantra. Daher besteht die äußere und innere Welt aus Mantragestalten. 13.207 Alles ruht im Glockenklang. Deshalb lasse man sie zuerst erklingen: bei Anrufung, ehrendem Wasser, Weihrauch, Licht und beim Annehmen der Speisegabe. 13.208 Stets verwende man sie, um das Ziel des Mantras richtig zu verwirklichen. Außerhalb der Verehrungszeit ist ihr Läuten nicht förderlich. 13.209 Wer Vollendung wünscht, soll die Verehrung nicht ohne sie ausführen. Deshalb höre diesen ihren höchsten Mantra. 13.210 Zuerst nehme man den Pranava, dann Anantesha, oben und unten mit Anala verbunden, o bester Weiser. 13.211 Man kennzeichne ihn mit Trailokyaishvaryada und fünf Punkten. An sein Ende füge man die Worte „Weltklang“ 13.212 und „der Mutter der Mantras“, verbunden mit Svaha. Danach [füge man] Paramatman, auf Prajnadhara ruhend, 13.213 oben mit Bhudhara verbunden, [und] setze auf Bhudhara Trailokyaishvaryada ein, im Inneren von Vishvapyayakara, o Weiser. 13.214 Der dreizehnsilbige Mantra namens Glocke gewährt alle Vollkommenheiten. Bei seiner Einsetzung spreche man ihn gedehnt aus, 13.215 verbunden mit Meditation, o bester Zweimalgeborener. Vernimm diese Meditation: Man stelle sich das Weltei nach unten gerichtet vor, erfüllt vom Stimmenklang der Wesen, 13.216 darüber einen achtblättrigen Lotus mit Stängel, mit ausgebreiteten Blättern, ganz weiß, mit Staubfäden und schönem Blütenboden [einzelne Endungen unsicher]. 13.217 In seiner Mitte stelle man sich die Göttin mit acht Armen entsprechend den acht Lautgruppen vor. In ihren vier Haupthänden befinden sich die Attribute vom Lotus an: 13.218 Lotus, Muschelhorn, Schlinge und Elefantenhaken; [in weiteren Händen] eine kristallene Gebetskette und das Buch der Erkenntnis, 13.219 sowie Furchtlosigkeit und Gabe in den übrigen Händen. Sie sitzt im Lotussitz und hat lange Augen wie Lotusblätter, 13.220 gleicht dem Inneren eines Lotus, trägt eine Lotusgirlande, ist mit dem Schmuck der Erkenntnis bedeckt und in gelbe Gewänder gehüllt. Man zeige dem Gott der Götter, dessen Wesen Narayana ist, die Mudra. 13.221 Danach verehre man hingebungsvoll die Mantras Lakshmis und der übrigen, o großer Weiser, 13.222 nochmals mit ehrendem Wasser, Blumen, Duftstoffen und zuletzt Weihrauch. Dann preise man den Herrn der Götter mit diesem Lobgesang, o Narada, 13.223 dreimal, mit Pranava am Anfang und Namah am Ende: „Dein ist der Sieg, Lotusäugiger! Dir die Verneigung, der du die Welt hervorbringst! Dir die Verneigung, Herr der Sinne, Urvater des großen Purusha!“ 13.224 Während man rezitiert, [nehme man] ein mit Dickmilch, Honig und Ghee gefülltes 13.225 Gefäß auf die Handfläche und vergegenwärtige den Herrn darin. Mit dem Wurzelmantra, der aus seiner eigenen Gestalt hervorgeht, [heilige man] diese Gabe, 13.226 mit den schönen Wogen strahlenden Nektars, o Narada. Nachdem man sie dargebracht hat, bringe man hingebungsvoll erneut eine Handvoll Blumen dar. 13.227 Dann bringe man Vishnu Gold, Armreifen und weitere Gaben dar, anschließend [eine Gabe] für den besonderen Anlass und danach Betel. 13.228 Beide Hände wasche man mit Duftwasser aus dem Arghya-Gefäß, sodass sie zusammen ganz rein werden. 13.229 Auch die Gefäße für Speisegaben, Weihrauch und die übrigen [Gegenstände] reinige man. Dann bestreiche man die Hände mit Duftstoffen, verehre sie gegenseitig mit Arghya und bringe dies dem Herrn dar, mit Sprache, Handlung und Geist verbunden. 13.230 „Lotusäugiger, Selbst des Weltalls, der du Mantragestalt trägst, Janardana! 13.231 Nimm dies von mir Armseligem an, Herr der Welt, Ewiger!“ Nachdem man dies gesprochen hat, nehme man eine Blume mit Wasser in die rechte Hand 13.232 und lege sie mit dem Wurzelmantra vor Vishnu nieder, o Narada. Dann vergegenwärtige man gründlich eine funkelnde Sternenreihe, 13.233 die in den Mund des Erhabenen eintritt und von dort ins Herz gelangt. Vom Herzen aus verbinde man sie, o bester Zweimalgeborener, durch das Verfahren der Rücknahme 13.234 wie zuvor durch die Brahmanöffnung mit dem Höchsten. Danach verneige man sich hingebungsvoll mit acht Gliedern vor dem Erhabenen. 13.235 Man erhebe sich vom Sitz und lege ehrendes Wasser und Blumen darauf; denn man soll ihn in diesem Augenblick nicht leer zurücklassen [Lesung des zweiten Halbverses unsicher]. 13.236 „Was aus Unwissenheit oder wissentlich zu wenig oder zu viel getan wurde: Vergib es mir, deinem armseligen Diener, o Auge der Welt!“ So endet in der Jayakhya Samhita des heiligen Pāñcarātra das dreizehnte Kapitel, „Darlegung der äußeren Verehrung“.


Heutige Puja bei Yoga Vidya: eine Brücke zum Verständnis von Darbringung und Hingabe, keine Abbildung des historischen Jayakhya-Rituals.

Kapitel 14 – Die Ordnung des Japa

Narada sprach: 14.1 Herr der Götter, erkläre mir die Macht Vishnus, des Selbst, und die genaue Ordnung des Japa-Opfers. Noch habe ich nicht erkannt, wie es ausgeführt werden soll. Der erhabene Herr sprach: 14.2 Nachdem man den Herrn der Götter so im Krug, im Mandala oder an einer anderen [Verehrungsstätte] erfreut hat, erfreue man ihn danach durch das Verfahren des Japa-Opfers. Dann gewährt er alle ersehnten Ziele, die dem Geist lieb sind. 14.3 Mit der Gebetskette in der Hand vollziehe man Japa in dreifacher Weise: 14.4 hörbar für untergeordnete Handlungen, flüsternd für Handlungen zur Erlangung besonderer Fähigkeiten und geistig um der Befreiung willen. Dabei meditiere man über den Gott als überall gegenwärtig. Die glückverheißende Gebetskette soll den Blicken anderer Menschen entzogen bleiben. 14.5 Die größte [Art] fertige man aus schön runden Perlen von der Größe eines Aksha-Kernes. 14.6 Als mittleres Maß gilt die Größe des Kerns einer Amalaka-Frucht, als kleines die eines Jujubenkernes. 14.7 Die vollständige Zahl beträgt einhundertacht, die Hälfte davon oder ein Viertel. Je nach Handlung fertige man die Kette nach der vorgeschriebenen Ordnung. 14.8 Für die Erlangung von Besitz lasse man die größte aus Gold herstellen; aus Silber für Gedeihen, Schönheit und Ahnenriten. 14.9 Aus Kupfer [fertige man] eine mittlere Gebetskette, um Einsicht, Kraft und große Ausstrahlung zu erlangen, o bester Weiser. 14.10 Für die Bewältigung von Yakshas und Yakshinis ist Zinn gelehrt; zur Unterwerfung von Rakshasas und Pishachas Blei. 14.11 Für Unternehmungen in der Unterwelt wird Messing genannt; zur Bewältigung von Nagas und Schlangen Bronze. 14.12 Für untergeordnete Handlungen fertige man die kleine Kette aus Eisen. Damit sind die Vorschriften für metallene Gebetsketten erklärt. 14.13 Ich werde nun die Einteilung der aus Edelsteinen gefertigten erklären, o bester Weiser. Alle Edelsteinketten verleihen langes Leben, Gesundheit und Wohlergehen. 14.14 Besonders die Bergkristallkette verleiht Befreiung und dient der Befriedung. Die drei Größen, beginnend mit der größten, sind bei allen Handlungen gleichermaßen [anwendbar]. 14.15 Nun werde ich die vorzügliche Ordnung für [Perlen aus] Wurzeln und Samen erklären. Für glückliches Geschick verwende man Koralle, stets in einer der drei Größen. 14.16 Für die Befreiung [verwende man] Putra-[Samen; Bezeichnung beschädigt], zur Stillung von Fehlern [das ebenfalls beschädigt bezeichnete Material]. Nun erkläre ich die Verwendung der aus dem Wasser stammenden [Perlen], die alle Vollkommenheiten gewähren. 14.17 Mit Lotussamen und Muschelperlen beginne der nach Glück Strebende das Japa. Eine Perlenkette dient zu langem Leben, Einsicht, Ruhm und Frieden und verleiht alle Vollkommenheiten. 14.18 Gemäß der erklärten Dreiteilung in große und weitere [Größen] wähle man an einem glückverheißenden Tag eine dieser Arten aus. Danach wasche man sie mit Duftwasser und dem Waffen-Mantra. 14.19 Man nehme eine neue, feste Schnur aus Hanf oder Baumwolle, 14.20 lege sie dreifach und diese wiederum dreifach oder vierfach, sodass sie fest wird. Man drehe sie gut zusammen und wasche sie wie zuvor, o Zweimalgeborener. 14.21 Die Perlen sind in der Ordnung ihrer Verbindung auf sie aufzuziehen; alle Perlen sollen ganz gleichmäßig sein, ohne Abweichungen nach kleiner oder größer. 14.22 Für das beständige Japa der Mantras in ihrer ungeteilten Gestalt, o bester Weiser, [Text beschädigt: Die weitere Anweisung über die Anordnung von Perlen und Faden ist nicht sicher lesbar]. 14.23 Bei der gegliederten Gestalt [ist die Anordnung] nach Wunsch [unsichere Lesung]. Je zwei Perlen ordne man auf der Schnur einander mit der Vorderseite zugewandt an, o Zweimalgeborener, 14.24 oder mit Rückseite an Rückseite. Man verbinde sie recht dicht, jedoch so, dass sie nicht zu eng [und unbeweglich] werden. 14.25 Nachdem die Perlen aneinander aufgereiht sind, o bester Weiser, [arbeite man] mit demselben einen, ununterbrochenen Faden weiter. 14.26 Von der Verbindungsstelle der beiden [End-]Perlen an umwickle man die Schnur mit dem Faden, sodass sie die Form eines Reifens erhält: fest, rund und klar gegliedert. 14.27 An der Knotenverbindung füge man dann in der Mitte eine einzelne zusätzliche Perle über die gezählte Zahl hinaus als Meru ein, o Brahmane. 14.28 Man bestreiche die Kette mit Sandel und weiteren Duftstoffen und lege sie in ein reines Gefäß. Nach der Verehrung mit Blumen, Weihrauch und weiteren Gaben vollziehe man ihre Reinigung. 14.29 Man stelle sie sich durch den Waffen-Mantra verbrannt vor und durch den Panzer-Mantra vom Wind fortgetragen; dann überflute man sie mit dem Wurzelmantra in der Gestalt höchsten Nektars. 14.30 Nachdem man die Kette so zuerst gereinigt hat, betrachte man sie als verkörpert: vierarmig und makellos, wie einen zweiten Narayana, 14.31 mit einer Hand Gabe und mit einer anderen Furchtlosigkeit gewährend, die übrigen Hände gefaltet. Die Schnur stelle man sich an der Brahmanöffnung wie eine Flamme vor, 14.32 mit ihrem eigenen Mantra, o bester Zweimalgeborener. Vernimm nun diesen Mantra: Zuerst nehme man den Pranava, danach setze man Kaustubha ein, 14.33 verbunden mit Trailokyaishvaryada und mit Gopana gekennzeichnet. Danach setze man die fünfsilbigen Worte „der Gebetskette“ ein. 14.34 Mit der Verneigung verbunden ist so der führende Mantra der Gebetskette erklärt. Durch diesen Mantra verleihe man ihr eine gegliederte Gestalt, verehre sie mit ihrem eigenen Mantra und verbinde sie dann der Reihe nach [mit der göttlichen Gegenwart]. 14.35 Die höchste Shakti Vishnus, die vom höchsten Selbst ungetrennt ist, 14.36 leuchtend wie der bewegte Vollmond, wie die Sonne von Strahlen umgeben und durch die Glut des furchtbaren Feuers am Ende eines Weltalters mächtig gesteigert, 14.37 vergegenwärtige man wie zuvor in der Reihenfolge der Hervorbringung in der Mitte des Herzlotus: durch Einatmen [herbeigeführt] und durch Atemanhalten festgehalten, o bester Brahmane. 14.38 Dann stelle man sie sich aus dem Herzlotus bis zur Brahmanöffnung aufsteigend vor; von dort, o Brahmane, allmählich hervorleuchtend, 14.39 wie zuvor auf dem Verbindungsweg bis zum Dvadashanta gelangend [unsichere Lesung]. Durch den Vorgang des Ausatmens erfülle man die Kette mit ihr. 14.40 Man stelle sich den gesamten Verehrungsraum durch die Kette erhellt vor, wie den Himmel durch den Vollmond. Danach [betrachte man] den ungeteilten Mantrakönig, 14.41 zusammen mit der Mantragruppe, als in sie eingetaucht. Das Mantrawesen, die Shakti des Erhabenen, die Schnur und die Mantralaute stelle man sich allesamt als eins geworden vor, wie Wasser mit Milch. 14.42 Dann nehme man ihn in einer Handvoll Blumen darüber auf und vergegenwärtige ihn, 14.43 wie er auf die wohlgeheiligte Gebetskette herabkommt, o Zweimalgeborener: den in der Ordnung der Hervorbringung erschienenen Mantra, gegliedert und ungeteilt, einer Schar von Funken gleich, der die Gestalt des darin Eingesetzten angenommen hat. 14.44 Man richte diese Bitte an den Herrn der Götter: „Achyuta, der du die Gebetskette erfüllst, 14.45 gewähre sie mir für die Wiederholung des Mantras!“ Man stelle sich vor, dass er sie überreicht hat, empfange sie mit geneigtem Haupt und spreche: „Sei gnädig!“ 14.46 Die empfangene Kette bade man danach mit Wasser aus dem Arghya-Gefäß, verehre sie mit Blumen, Weihrauch und weiteren Gaben und setze den Mantra in sie ein, 14.47 mitsamt Grundlage und Mitteln, umgeben von den Kräften: „Herr der Götter, sei gegenwärtig! Achyuta, bleibe fest gegenwärtig 14.48 in dieser Perlenreihe namens Gebetskette, solange Mond, Sonne und Sterne bestehen!“ Nachdem man den Mantra so in der Gebetskette eingesetzt hat, o Weiser, zeige man für den Eingesetzten seine eigene Mudra. 14.49 Die vier Finger der rechten Hand halte man aneinander, seitwärts gerichtet und gekrümmt. 14.50 Mit der Daumenspitze berühre man sie der Reihe nach, vom Zeigefinger bis zum kleinen Finger, o bester Zweimalgeborener. 14.51 Nachdem der Daumen die Spitze des kleinen Fingers berührt hat, führe man ihn nach oben. Dies ist die Mudra der Gebetskette, die beständige Gegenwart bewirkt. Danach beginne man das Japa, vor den Blicken anderer Menschen verborgen. 14.52 Zuerst stelle man sich das Handlungsvermögen, die Sprache und den Geist als durch den Mantra, das höchste Selbst, 14.53 durch Vishnu in Kraftgestalt erfüllt vor. Was im Bewusstsein aufgestiegen ist, tritt als damit verbundener Gegenstand in die Sprache ein. 14.54 Das mit dem Gegenstand verbundene Bewusstsein und als Drittes die Sprache gelangen allmählich in verwandelter Gestalt auf die Ebene des Handelns, o Narada. 14.55 So entfaltet sich der Mantra der Reihe nach vom vierten Zustand bis zum Wachen; in umgekehrter Richtung kehrt er wieder zurück, o Brahmane. 14.56 Das Handlungsvermögen wird zur Sprachgestalt, die Sprache zur Bewusstseinsgestalt; das Bewusstsein wird zum Mantra, und der Mantra ist der ungeborene Hari. 14.57 Von Brahman bis zum Wachen führe man alles wieder hierin zusammen. Das alldurchdringende höchste Brahman und Narayanas Shakti: 14.58 Eben diese nimmt durch Entfaltung die „vierte“ genannte Stufe an. Der vierte Zustand geht in den Tiefschlaf über, der Tiefschlaf in den Traum, 14.59 der Traum in das Wachen. Ebenso vergegenwärtige man umgekehrt vom Wachen bis zur Shakti des Erhabenen den Zusammenhang und die Einheit. 14.60 Was hier als vergängliches äußeres Netz von Sinnesgegenständen wie ein Bild erscheint, o Brahmane, wird Wachen genannt. 14.61 Die stets vergängliche Vorstellung hinsichtlich dieser zerbrechlichen [Welt], die einem Traum gleicht, ist der Traum, die Ursache des Wachens. 14.62 Als Tiefschlaf erkenne die Ruhe, die über die Traumtätigkeit hinausgeht. Wer Vishnu in seiner Kraftgestalt erreicht, gelangt zum vierten Zustand. 14.63 Die Gleichheit mit dieser [Shakti] wird das „Jenseits des Vierten“ genannt. Das Mantra-Jenseitige, den höchsten Mantra und die beiden Gestalten, grobstofflich und feinstofflich, 14.64 sowie als Fünftes das eigene Selbst, o Brahmane, vergegenwärtige man als Einheit. Nachdem man diesen Zusammenhang hergestellt hat, beginne man das Japa. 14.65 Der höchste Herr in der Mitte des Herzlotus ist lichtförmig, einem makellosen Bergkristall gleich und aus eigener Kraft funkelnd. 14.66 Seine aus Klang bestehende Kraft tritt wie eine große Flamme hervor [Lesung teilweise beschädigt], rein und von denselben Eigenschaften wie er. Aus ihr [entsteht] die Lautfolge, 14.67 die Mutter der Mantras; aus deren Spitze tritt der Mantrakönig hervor wie eine Blüte aus der Spitze einer Ranke, o bester Weiser. 14.68 Ebenso vergegenwärtige man die Reihenfolge seines Hervortretens in der Gebetskette. Was sich dort auflöst, lasse man in dem im Herzen Aufgelösten aufgehen, und dieses wiederum in jenem: [Beide sind Erscheinungen] des einen Mantraherrn, der innen und außen hervortritt. 14.69 Wenn beides eins ist, wird dieses Japa als „hunderttausendfach“ bezeichnet, o Brahmane. 14.70 Weil das Japa so auf das Ziel gerichtet ist, wird es auf diese Weise gezählt [Wortspiel mit lakṣa, „Ziel“ und „hunderttausend“]. Die sorgfältige Zählung mit der Gebetskette gilt als die Japa-Zählung. 14.71 Durch dieses geordnete Verfahren wird das Handlungsvermögen Vishnu gleich. In dieser Vishnu entsprechenden Verbindung ziehe man Perle um Perle heran, 14.72 zusammen mit dem Hervortreten des Lebensatems, bis zur letzten Perle. Dann vollziehe man die Rechtsumwendung um den in der Meru-Gestalt befindlichen 14.73 und darüber ruhenden ungeteilten Mantra, den makellosen, großen, alldurchdringenden Herrn in Knotengestalt. 14.74 Denn ein Überschreiten über seinen Rücken ist zu vermeiden, o Narada. Man lasse die Fingerspitze am Ansatz des Meru liegen 14.75 und drehe langsam den Daumen, sodass der Meru nicht überschritten wird. Zwischen Daumenansatz und Daumenmitte ist [die Kette] wie ein Schirm zu drehen. Nach diesem Verfahren soll der Mantra mit Meditation wiederholt werden. 14.76 Bei befriedenden Handlungen meditiere man ihn bergkristallgleich, bei Handlungen zum Gedeihen gelb, 14.77 bei Unterwerfungsriten wie eine Kimshuka-Blüte, bei Herbeiziehungsriten saphirgleich, bei Tötungsriten schwarz wie Augenschminke, bei Zwietracht erzeugenden Riten wie den Flügel eines Blauhähers, 14.78 bei Vertreibungsriten rauchfarben. So meditiere man über den Mantra und wiederhole ihn. Nach höchster und niederer Wesensform gilt das Japa als zweifach. 14.79 Beim Eintritt in einen fremden Körper, beim Antreiben der Wirklichkeitsprinzipien und zur Vollendung grausamer Handlungen gilt das Japa als lichtförmig, o Zweimalgeborener. 14.80 Darin vergegenwärtige man den makellosen, innerlich verborgenen Klang. Zur Erlangung weltlicher Erfüllung und Befreiung, zur Vernichtung von Fehlern und Leid, 14.81 zur Befriedung, zur sicheren Vollendung aller Handlungen, zur Erlangung von Glück und gutem Geschick sowie bei Einsetzungsriten 14.82 ist das Japa klangförmig. In seinem Inneren vergegenwärtige man Janardana als Lichtwesen, einem nächtlichen Tautropfen gleich. 14.83 Man stelle sich vor, wie durch den eigenen Mantra Klang aus dem Herzlotus aufsteigt, stets hervortretend, ohne Anstrengung [unsichere Lesung]. 14.84 Befindet sich der wiederholte Mantra in der Stätte von Prana und Apana und ist er mit innerer Vergegenwärtigung verbunden, so gewährt er die Frucht aller Wünsche. 14.85 Oder man bringe einen durch Anstrengung erzeugten Klang hervor, o Narada, und bleibe wie zuvor allein auf den eigenen Mantra gesammelt, 14.86 von Laut zu Laut fortschreitend, frei vom Fehler lebloser [Rezitation; Lesung unsicher], weder schleppend noch übereilt und ohne undeutlich ausgesprochene Wörter, 14.87 ohne Zerstreuung des Geistes und mit höchster Einsicht verbunden. Vormittag, Tagesmitte und Nachmittag 14.88 werden der Reihe nach als die drei Zeiten für Menschen von Sattva und den übrigen Eigenschaften gelehrt. Nachdem man so Japa vollzogen hat, o Brahmane, bringe man es wie die Verehrung dar. 14.89 Dann verleiht der erhabene Vishnu, dessen Wesen der Mantra ist, bald Vollendung. Jeden Monat, o bester Zweimalgeborener, verehre man [die Kette] mit ehrendem Wasser, Blumen und weiteren Gaben, 14.90 nehme die zuvor in der Gebetskette hergestellte Verbindung zurück, mit dem Mantra der Verabschiedung und der zugehörigen Mudra, o Narada, 14.91 fertige eine neue Schnur, heilige und umwickle sie wie zuvor und ziehe die Perlen wieder in ihrer bisherigen Ordnung auf. 14.92 Nach dem vorgeschriebenen Bad setze der Mantraübende das zuvor Zurückgenommene wieder in sie ein. Wegen der Gefahr, dass die Schnur reißt, 14.93 vollziehe man Verehrung und Feueropfer wegen dieser Unterbrechung der Handlung. Die alte Schnur nehme man auf und zerlege sie in ihre Fäden. 14.94 Man binde sie an ein Stück Stein und versenke sie in tiefem Wasser mit dem Mantra Vishvaksenas. Danach nippe man rituell Wasser und vergegenwärtige Hari, siebenmal mit dem Wurzelmantra, gesammelt, o bester Brahmane. So endet in der Jayakhya Samhita des heiligen Pāñcarātra das vierzehnte Kapitel, „Die Ordnung des Japa“.


Kapitel 15 – Die Ordnung des Feuerrituals

Dieses Kapitel dokumentiert traditionelle Feuer-, Mantra- und Weiheriten einschließlich historischer Zielvorstellungen. Seine Wirkungsangaben sind Aussagen des Werkes; die komplexen Verfahren stehen im initiatorischen Zusammenhang. Der erhabene Herr sprach: 15.1 Nachdem man Japa nach seinem Vermögen vollzogen hat, verehre man an dessen Ende den Herrn hingebungsvoll mit ehrendem Wasser und Blumen, dann mit Weihrauch und Salben. Danach erfreue man den im Feuer gegenwärtigen Herrn, o Brahmane. 15.2 Nördlich der Gottheit errichte man eine Opfergrube mit den vorgeschriebenen Merkmalen, 15.3 oder außerhalb des Götterhauses an einer geeigneten Bodenstelle, in einem schönen, ebenen Pavillon mit Rauchabzug. 15.4 Dort errichte man zuerst eine ringsum quadratische, allen Anforderungen entsprechende Plattform und darauf die Opfergrube. 15.5 Am besten ist sie regelmäßig viereckig oder schön kreisrund. In einer Haupt- oder Zwischenrichtung gelegen, ist sie für Handlungen zu bestimmten Wunschzielen geeignet. Ob man ohne Wunsch oder mit einem Wunsch handelt, [verwende man die Grube] in der Mitte oder in den verschiedenen Richtungen. 15.6 Wird Hari in Mantragestalt in einer nordöstlich gelegenen Grube erfreut, 15.7 gewährt er dem hochgesinnten, danach strebenden Menschen Vollendung in der irdischen Welt. Wer das Reisen durch den Luftraum erstrebt, opfere in einer östlichen Grube. 15.8 Zur Bezwingung von Feinden [opfere man] in einer südöstlichen Grube; wer Frieden sucht, vollziehe das Feueropfer stets in einer südlichen. 15.9 Zur Beseitigung anderer [dient] die südwestliche Grube. Wer vorzeitigen Tod überwinden und sämtliche Bedrängnisse stillen möchte, 15.10 [opfere] in einer westlichen Grube und sättige den Mantra [Lesung des ersten Halbverses mit Korrekturvorschlag]. Wird der Mantra in einer nordwestlichen Grube gesättigt, 15.11 so gewährt er bald verschiedene Schätze. Gesundheit, Wohlstand und Gedeihen verleiht der Mantrakönig, wenn er in einer nördlichen Grube gesättigt wird; daran ist nicht zu zweifeln. 15.12 Für ein Feueropfer von fünfzig Darbringungen soll die Grube zwölf Fingerbreit messen. 15.13 Für ein Opfer von einhundertacht [Darbringungen] entspreche sie einer Elle bei geschlossener Faust; für einhundertfünfzig einer Elle mit ausgestrecktem kleinen Finger. 15.14 Für tausend Darbringungen messe sie eine Elle, für zehntausend zwei Ellen, für hunderttausend vier Ellen und für zehn Millionen acht Ellen. 15.15 Überall wird als Tiefe die Hälfte der Breite empfohlen. Vom jeweiligen Maß der Umrandung aus lasse man vorne an der Vertiefung vier [Einheiten; Maßbezug unsicher] frei und beginne dann mit dem Aufbau der Umrandung. 15.16 Als Maß der Umrandungen sind zwölf Gerstenkörner 15.17 für eine zwölf Fingerbreit große Grube angegeben. Die Höhe der Umrandungen entspricht ihrer Breite, o Einsichtsvoller. 15.18 Werden die drei Umrandungen zusammengenommen, so ergeben sich insgesamt viereinhalb Fingerbreit an Breite und Höhe. 15.19 Bei einer faustellengroßen Grube gelten zwei Fingerbreit je Umrandung; bei einer Grube von einer Elle mit ausgestrecktem kleinen Finger zweieinhalb Fingerbreit. 15.20 Für eine ellengroße Grube gilt gleichmäßig das Maß von drei Fingerbreit, für eine zweiellige von vier Fingerbreit, o bester Zweimalgeborener. 15.21 Für eine vierellige sollen alle Umrandungen sechs Fingerbreit messen, für eine achtellige sind acht Fingerbreit gelehrt. 15.22 In der Mitte einer Seite der Grube bilde man die Nabelpartie [Lesung unsicher], o bester Zweimalgeborener, einem Ashvattha-Blatt ähnlich und auf der Umrandung ruhend. 15.23 Die Maße der Umrandungen, die ich zuvor der Reihe nach genannt habe, nehme man zusammen und markiere sie von der Mitte aus mit einer Schnur. 15.24 Außen [bilde man] eine Hälfte wie einen Halbmond und verjünge sie von der Mündung nach innen nach diesem Verfahren. 15.25 An beiden Seiten, o Brahmane, sei sie wie eine Elefantenlippe geformt; hinten soll sie etwas höher als die Umrandung sein. 15.26 Um ein Drittel oder die Hälfte des Maßes einer einzelnen Umrandung, o Weiser, vermindere man sie allmählich, bis die Höhe der Umrandung erreicht ist. 15.27 Sie soll leicht erhöht auf der Umrandung liegen. Ein Viertel des Maßes einer Umrandung [lasse man] ins Innere der Grube, 15.28 im Bereich der Yoni, hineinragen [unsichere Lesung] und dann nach unten verlaufen, über den Boden der Umrandung hinweg bis zur Vertiefung. 15.29 So sind die Merkmale der Nabelpartie ihrer Ordnung gemäß erklärt. Die Anlage einer quadratischen Grube vollziehe man wie [die des Mandalas] bei der Verehrung. 15.30 Man lege die Schnur in die Mitte des Quadrates und beschreibe einen Kreis [unsichere Lesung]; [der folgende Wortlaut nennt erneut ein Quadrat] gleichmäßig und ohne Richtungsecken [Satz widersprüchlich überliefert]. 15.31 Für tägliche und anlassbezogene Feueropfer ist eine runde oder quadratische Grube mit drei Umrandungen, Lippe und Nabelpartie zu errichten. 15.32 Oder man fertige eine schöne, glatte mit zwei Umrandungen, o bester Brahmane; für [eine unklar bezeichnete besondere Handlung] auch eine mit nur einer Umrandung. 15.33 Man fertige sie beweglich oder fest. Denn ohne Opfergrube ist das Mantra-Feueropfer nicht günstig, o Brahmane; deshalb soll man eine Grube anlegen. 15.34 Wenn aber aufgrund von Ort und Zeit keine Grube zustande kommt, darf der nach Vollendung Strebende deswegen das Feueropfer nicht unterbrechen. 15.35 Auf einem gereinigten, bestrichenen und mit feuchter Erde versehenen Platz ist das Feueropfer für den angerufenen Mantra ordnungsgemäß zugelassen. 15.36 Außen wird überall ein quadratischer Sockel empfohlen. In der Mitte bilde man einen Lotus und darin den Shri-Lotus. 15.37 Ist so eine schöne Opfergrube angelegt, vollziehe man das Feuerritual. Befindet es sich in einem anderen Haus als dem Verehrungsraum, o großer Weiser, 15.38 so vollziehe man zuerst wie zuvor die Torverehrung und trete dann ein. Führt man es im selben Raum aus, bereite man einen weiteren reinen Sitz und setze sich nach dem zuvor erklärten Verfahren gesammelt darauf. 15.39 Wurden beim Anlegen der Grube die Heiligungsriten noch nicht ausgeführt, 15.40 so sind sie alle der Reihe nach an der fertiggestellten Grube zu vollziehen. Mit Blumen in der rechten Hand berühre man sie schlagend unter dem Waffen-Mantra. 15.41 Von einer Stelle in der Mitte der Grube nehme man mit Daumen und Ringfinger unter dem Herz-Mantra ein wenig Erde heraus. 15.42 Mit dem Waffen-Mantra ebne man sie, sodass keine Vertiefungen oder Erhebungen verbleiben. Mit dem Panzer-Mantra besprenge und verdichte man sie danach. 15.43 Man bestreiche sie mit Duftwasser und reinige sie durch den Waffen-Mantra. Unter dem König der Waffen-Mantras ziehe man sorgfältig mit einem Darbha-Halm Linien. 15.44 Auf dem Boden im Inneren der Grube zeichne man drei gleichmäßige Linien, der Reihe nach von der Südseite bis zur Nordseite angeordnet. 15.45 Man beginne jeweils im Westen und führe sie nach Osten. Durch ihre Mitte ziehe man drei weitere Linien, die nach Norden weisen. 15.46 Nachdem man sie so vorschriftsmäßig eingeritzt hat, besprenge man [die Grube] mit dem Panzer-Mantra. Mit Darbha-Halmen, deren Spitzen unversehrt und die mit dem Waffen-Mantra besprochen sind, 15.47 schmücke man sämtliche aufragenden Wände der Grube. So lege man die Einfassung an und vollziehe die vorzügliche Heiligung der Grube. 15.48 Dann verehre man die Mitte mit dem Pranava und ehrendem Wasser und weiteren Gaben; nach demselben Verfahren verehre man die mondgleiche Nabelpartie. 15.49 Für die Verehrung der drei Umrandungen verwende man den Herz-Mantra. Danach verehre man auf ihnen die drei Wirklichkeitsprinzipien, 15.50 Urnatur, Purusha und Ishvara, mit dreimaligem Pranava. Nachdem man die Grube so zunächst mit Arghya, Salben und Weihrauch verehrt hat, o Zweimalgeborener, 15.51 lege man an der Kreuzungsstelle im Inneren der Grube mit dem Herz-Mantra eine Darbha-Unterlage mit Blumen nieder und verehre darauf [den Sitz]. 15.52 Nach der Verehrung nehme man das Feuer, führe es dreimal um die Stätte, setze es durch den Yoni-Weg ein und vergegenwärtige die Feuer-Keimsilbe. 15.53 [Man verehre] den Vishnu-Sitz, beginnend mit der tragenden Shakti. Darauf [stelle man sich] die Narayana genannte Shakti vor, durch blitzendes Leuchten gekennzeichnet, 15.54 die Lakshmis Gestalt angenommen hat, deren Körper von Nektar umhüllt ist, von einer alles überragenden Schönheit und mit sämtlichen Kräften verbunden. 15.55 In ihrer zarten Gestalt befindet sie sich im Inneren aller Dinge. Die Ewige lasse man auf dem Weg der Hervorbringung in den Herzlotus herabkommen, 15.56 nach der zuvor beschriebenen Meditation. Dann [führe man sie] aus dem Herzlotus mit dem Herz-Mantra, verbunden mit ihrem eigenen Namen, mit Pranava am Anfang und Namah, 15.57 beim Ausatmen in die Mitte des Herzlotus der Grube. Man verehre sie mit Duftstoffen, Blumen und weiteren Gaben und zeige die Lotus-Mudra, 15.58 verbunden mit dem Rad-Mantra. So stelle man ihre Gegenwart her. Zu Beginn [des Wirkens] der Shakti des Erhabenen und zur Hervorbringung des Feuers 15.59 nehme man Feuer, das durch Reibhölzer, durch einen Sonnenstein oder durch Eisen und Stein entstanden ist, oder ein unverdorbenes gewöhnliches Feuer, 15.60 in einem Metallgefäß, einem Kupfergefäß oder einem neuen Tongefäß. Man berühre es schlagend mit dem Waffen-Mantra und besprenge es mit dem Schopf-Mantra. 15.61 Man verehre es mit dem Panzer-Mantra, umhülle es mit diesem und überflute es durch den Augen-Mantra mit Nektar, o Narada. 15.62 Mit dem Einatmen ziehe man es heran und lasse es in sich selbst zur Ruhe kommen; der Reihe nach führe man es wie zuvor empor und verbinde es mit der Glückseligkeitskraft. 15.63 Dann lasse man es in der Ordnung der Hervorbringung wieder von Stufe zu Stufe herabkommen, bis zum Bereich des Klanges, und stelle es sich im Nabel vor. 15.64 Mit dem Pranava verehre man das im Nabel befindliche, aus Feuer und Soma bestehende [Feuer], dreifach, mit den in [unklar benannte Bestandteile] unterschiedenen Brennhölzern [Lesung beschädigt]. 15.65 Dann opfere man mit der in drei [Teile] unterschiedenen Keimsilbe, o Zweimalgeborener, durch eine einzige Darbringung, sodass das dort Befindliche erwacht. Auf diesem Weg ist zu rezitieren, während man im Herzen über den Nektar als Opferbutter meditiert. 15.66 Danach ist das Feuer mit seinem eigenen Mantra aus der Nabel-Opfergrube emporzuführen. 15.67 Zuerst setze man den Pranava, o Brahmane, danach Ajita; darüber füge man Asheshabhuvanadhara an. 15.68 Oberhalb und unterhalb davon setze man Bhudhara und Urja, oben auf diese Keimsilbe Trailokyaishvaryada, o Einsichtsvoller. 15.69 Dann füge man der Reihe nach die sieben [Laute] von Dharesha bis zu dem Suparna genannten hinzu. Dieser Siebenergruppe füge man 15.70 oben und unten Nala hinzu, darüber Maya und Vyoman. Man nehme die Worte „dem Leuchten“ und „dem Siebenflammigen“ hinzu. 15.71 Mit Svaha verbunden ist dies der achtzehnsilbige Feuer-Mantra. [Das Feuer ist] bis in seine Klanggestalt von „dhu dhu“ hinein [unsichere Lesung] durch wahren Klang und Licht erweckt, 15.72 frei vom Rauch der gedanklichen Unterscheidung, mit Funken wahren Bewusstseins. Am Ende des Nada sende man es wie zuvor auf dem Vollendungsweg hinaus, o Brahmane, 15.73 in das zuvor herbeigebrachte Feuer im Gefäß, um dieses zu reinigen. Dann nehme man es mit beiden Händen, führe es kreisend herum und setze es in die Grube. 15.74 Man stelle sich vor, wie die in der Grube befindliche Shakti namens Narayana das Feuer durch die Nasenspitze einatmet und es in ihr eigenes Herz aufnimmt. 15.75 Mit dem Herz-Mantra gebe man drei, fünf oder sieben Brennhölzer hinzu; zum Erwecken des Feuers [verwende man] den Augen-Mantra, o Narada. 15.76 Mit dem Herz-Mantra und feuchter Hand vollziehe man die Umfassung des Feuers. Danach breite man unter dem Waffen-Mantra in den vier Richtungen jeweils dreifach [Gras] aus, 15.77 vom Osten an, sodass die Wurzeln jeweils von den Spitzen der folgenden [Halme] bedeckt werden. Das Ausbreiten beende man stets nördlich von sich. Auf diese Unterlage stelle man alles, was für das Feuerritual gebraucht wird: 15.78 zwei Gefäße für das bereitgestellte Wasser, zwei Bündel Brennholz, 15.79 die beiden Opferlöffel Sruc und Sruva und den Topf mit Ghee. Man besprenge alles mit dem Wurzelmantra und lege es auf die Grasunterlage. 15.80 Danach fülle man das Wassergefäß. Man stelle sich darin den vorzüglichen Sitz vor und setze mit dem Wurzelmantra Vishnus den Mantra des Herrn des Opfers ein [Lesung unsicher]; so stelle man ihn im Norden auf. 15.81 Dann lege man mit dem Herz-Mantra die Begrenzungshölzer nieder, o Brahmane, 15.82 aus geeignetem Opferholz, sauber, mit Blättern versehen, eine Elle lang und vier Gerstenkörner dick, bei einer Feuerstätte von einer Elle. 15.83 Für die weiteren Größen wachsen die Begrenzungshölzer jeweils um zwei Fingerbreit, o bester Zweimalgeborener, bis zur achtelligen Grube; größer soll man sie nicht machen. 15.84 Mit dem Herz-Mantra lege man darauf Sitzunterlagen, o Weiser. Auf ihnen verehre man stets die Welthüter in ihren jeweiligen Richtungen, Brahma, Indra, Rudra und die übrigen, mit reinen Duftstoffen, Blumen und weiteren Gaben. 15.85 Die Heiligung der beiden Opferlöffel vollziehe man mit Kusha-Halmen, deren Spitzen nach oben [oder zur Auflage hin] gerichtet sind. 15.86 Den Sruva-Löffel reinige man zwölfmal mit dem Waffen-Mantra und warmem Wasser; den Sruc-Löffel ebenso zweimal, o bester Zweimalgeborener. 15.87 Nachdem beide so gewaschen sind, erwärme man sie mit dem Schopf-Mantra am Feuer in der Grube. Ihre Merkmale werden nun erklärt. 15.88 Zur Herstellung des göttlichen Sruc-Löffels wähle der Mantrakundige zunächst Holz von der Länge seines eigenen Armes und sechs Fingerbreit Breite. 15.89 Aus zwei [Dritteln] der Länge bilde man einen achteckigen Griff, zweieinhalb Fingerbreit stark, und arbeite den übrigen Teil aus. 15.90 Am Ansatz des Griffes bilde man einen schönen Krug mit Lotusöffnung, sodass der Griff aus dessen Blütenboden hervorgeht, o bester Weiser, 15.91 oder ein Muschelhorn mit drei Windungen, sodass der Griff in dessen Öffnung liegt. Den vorderen Teil teile man sorgfältig in zwei gleiche Abschnitte. 15.92 Dem vorderen Abschnitt gebe man der Reihe nach eine Stärke von zwei Fingerbreit, dem am Griff liegenden Teil ringsum gleichmäßig drei Fingerbreit. 15.93 Man beschreibe einen Kreis und höhle ihn nach der Vorschrift aus. In seiner Mitte bilde man einen geöffneten Lotus mit aufwärtsweisenden Blättern. 15.94 Dies ist der Behälter für die Opferbutter, mit einem Fassungsvermögen von sieben oder fünf Pala. In die Lotusmitte ist der Blütenboden samt Staubfäden eingesenkt. 15.95 Außerhalb des achtblättrigen Lotus bilde man ein Rad mit zwölf Speichen; außerhalb des Lotus in den vier Ecken jeweils ein Muschelhorn. 15.96 Dann trage man am vorderen Abschnitt auf beiden Seiten je einen Fingerbreit ab, o Weiser, und teile ihn in drei Teile. 15.97 Mit einem Teil bilde man das Ohrstück, mit den beiden mittleren die Schultern [unsichere Lesung]; zwischen ihnen lasse man eine Mündung von einem Fingerbreit frei. 15.98 Zunächst lasse man eine dem Ohrstück entsprechende Breite stehen und arbeite dann vom Ohrbereich aus den Rest aus, 15.99 entlang der schrittweise angelegten Schnur, sodass die Form eines Ebergesichtes entsteht. Vom Lotusblatt bis zur Spitze der Mündung 15.100 bilde man eine gleichmäßige Rinne für die Opferbutter, weniger als einen Fingerbreit breit, o Weiser, allmählich leicht verjüngt, sodass das Ghee nicht zu schnell fließt. 15.101 Danach fertige man einen schönen Sruva-Löffel von einer Elle Länge, o Brahmane, aus einem Holzstück von zwei Fingerbreit Breite und der halben Stärke. 15.102 An seiner Spitze bilde man entsprechend der Breite eine runde Fläche von zwei Fingerbreit, höhle sie allmählich aus und kennzeichne die Rundung. 15.103 In der Mitte sei sie mit einem Zeichen in Gestalt einer Hirschspur versehen. Der Hals messe ein Drittel der Breite und sei kantig, drei Fingerbreit lang. 15.104 Am Ansatz bilde man beiderseits ein Swastika-Zeichen von zwei Fingerbreit Länge. Der Griff kann kunstvoll gestaltet oder glatt sein. 15.105 Einen solchen Sruva-Löffel fertige der Übende für das Feuerritual. Mit ihm vollziehe er danach die Darbringungen zur Heiligung des Feuers. 15.106 Für das Feuer in der Grube gibt es zehn Heiligungsriten, außerhalb fünf; so werden fünfzehn genannt. 15.107 Besprengen, schlagendes Berühren, Verehren, Umhüllen und Verwandeln in Nektar: Diese fünf äußeren Heiligungen des Feuers wurden zuvor erklärt. 15.108 Im Inneren der Grube, o Brahmane, [erfolgt] zunächst seine Einführung in Lakshmi: Einsetzen der Leibesfrucht, Belebung zum männlichen Wesen und Bildung der Gesichter, 15.109 Scheiteln, Hervortreten der Gesichter, Heraustreten, Geburtsritus, Namengebung sowie Erfahrung und Speisung mit allem Weiteren, o Zweimalgeborener, 15.110 und die Befähigung. All diese vollziehe man mit dem Herz-Mantra, o Narada. Für die Opferbutter sind ebenso zehn Heiligungen vorschriftsmäßig auszuführen: 15.111 zuerst das Aufsetzen mit dem Herz-Mantra; mit dem Panzer-Mantra das Überstreichen und Aufheben sowie das weitere Erhitzen, 15.112 sodann Klären, Reinigen und das sogenannte Umschwenken des Lichtes. Diese drei, o Narada, 15.113 sind mit dem Herz-Mantra auszuführen; mit dem Panzer-Mantra die Umhüllung und danach mit demselben das Betrachten und Verwandeln in Nektar. 15.114 Das Berühren des Ghee im Gefäß mit brennenden Darbha-Halmen ist als die Heiligung namens „Aufsetzen“ zu verstehen. 15.115 Danach nehme man mit beiden Händen einen in der Mitte gebogenen Kusha-Halm, zwischen Ringfinger und Daumen gehalten, über die Opferbutter 15.116 und führe ihn [über sie hinweg] und wieder zurück, o Brahmane; dann werfe man ihn ins Feuer. Diese beiden Heiligungen heißen Überstreichen und Aufheben. 15.117 Das weitere Erhitzen bezeichnet das Schmelzen. Das Umgießen in ein anderes Gefäß zur Entfernung von Verunreinigungen 15.118 heißt Klären. Danach lege man einen Reinigungsring aus Darbha hinein; dies ist das Reinigen. 15.119 Man nehme aus der Grube ein brennendes, rauchloses Holzstück und führe es einmal kreisend herum, o Brahmane; dies gilt als Umschwenken des Lichtes. 15.120 Danach stelle man sich [das Ghee] im Inneren des Schutzpanzers vor. Die Rechtsumkreisung mit dem Zeigefinger heißt Umhüllung. 15.121 Das Betrachten mit dem Licht, das im Herzen ruht und in die Augen gelangt ist, heißt Anschauen, o Brahmane. Danach stelle man sich darüber 15.122 den Surabhi-Mantra in der Mondsphäre vor, verbunden mit der Kuh-Mudra, funkelnd wie hundert Monde. 15.123 In ihm vergegenwärtige man den Mantraherrn, einem Schneegebirge gleich. Durch die von ihm, vom Mond und von der Kuh ausströmenden Nektarfluten 15.124 stelle man sich die Opferbutter erfüllt und mit sämtlichen Heiligungen versehen vor. Dies ist dir als Verwandlung in Nektar erklärt worden. Nach dem Anschauen und Verwandeln in Nektar sind die beiden Augen darzubringen. 15.125 Man fülle den Opferlöffel mit Ghee und stelle sich mit der Sonnen-Keimsilbe 15.126 die tausendstrahlige Sonne darin vor; man gieße [die Gabe] auf die rechte Seite der Grube. Im anderen Sruva-Löffel meditiere man mit dem Soma genannten Laut 15.127 über die vollständige Mond-Keimsilbe und bringe [die Gabe] nördlich davon dar. Danach verehre man zwischen diesen beiden das aus Feuer und Soma bestehende [Prinzip]. 15.128 Es ist der Keim des ganzen Körpers samt seinen Wirklichkeitsprinzipien; in ihm befinden sich die Körperbestandteile noch ungeschieden. 15.129 Man meditiere über ihn von der Farbe eines Pfauenhalses [unsichere Lesung], im Inneren der Lakshmi-Keimsilbe. Mit dem aus den beiden genannten Keimsilben vereinigten Mantra 15.130 bringe man wie zuvor selbst Ghee dar, innerlich vergegenwärtigt und mit dem Waffen-Mantra verbunden. Danach sind alle Opferstoffe, Sesam und die übrigen, mit Ghee zu heiligen. 15.131 Dann ist das Opfer für das Feuer auszuführen, um sämtliche Heiligungen zu vollenden. Man fasse den Feuer-Mantra mit dem Herz-Mantra ein und spreche den Namen der Handlung aus, 15.132 gefolgt von „Ich vollziehe“ und mit Svaha am Ende. Dies ist die Ordnung für alle Handlungen. Das Eintreten des zuvor außerhalb Befindlichen in die Leibeshöhle Shris erkenne als Empfängnisritus, die erste Heiligung, o Weiser. 15.133 Durch die Verbindung mit dem Einatmen befindet sich die Kraft des Feuers in Shris Leib, 15.134 flammenförmig, unvergänglich und fein. Ihre Bewusstseinsentfaltung entsteht allmählich durch die Berührung mit dem Bewusstsein der Shakti des Erhabenen. 15.135 Dies vergegenwärtige man und opfere Ghee mit dem dafür erklärten Mantra [unsichere Lesung]. Weil die Bewusstseinskraft herangeführt wird, ist dies der Pumsavana-Ritus des Feuers. 15.136 Aus dem Gesicht des erwachten, flammenden [Feuers] gehen jene [Flammen] hervor, die zu erhellen und zu verbrennen vermögen; es ist zunächst noch gestaltlos, 15.137 nur von kugelförmiger Erscheinung. Dies erkenne als Bildung der Gesichter. Höre die Namen dieser Gesichtsflammen, o Narada: 15.138 Prabha, Dipti, Prakasha, Marichi, Tapani, Karala und Leliha; sie erfüllen die Grube. 15.139 Die drei von Prabha an befinden sich im Nordosten, Osten und Südosten; die drei von Marichi an im Südwesten, Westen und Nordwesten. 15.140 Die eine namens Leliha befindet sich von der nördlichen Mitte nach Süden hin. Ihre gesamte Keimsilbengruppe endet mit der Feuer-Keimsilbe, nach der zuvor erklärten Reihenfolge, mit Pranava am Anfang und Namah am Ende. 15.141 Kopf, Hände und sämtliche übrigen [Glieder], die noch unmanifestiert in seinem Inneren sind, 15.142 erwachen und nehmen jeweils ihren eigenen Handlungsbereich ein. Die Gestaltung dieser Unterscheidungen wird „Scheiteln“ genannt. 15.143 Die Gesichter von Narasimha an, funkelnden Sternen gleich, befinden sich im Bewusstsein der Shakti; die Shakti ist in deren Wesen 15.144 vollständig übergegangen, o Brahmane. Daher treten sie aus ihr aus eigener Kraft an ihren jeweiligen Orten hervor. Dies heißt Hervortreten der Gesichter. 15.145 Die Meditation darüber, wie [das Feuer] durch den Mundatem aus Shris Leib hervortritt, ist seine Heiligung namens Heraustreten; dafür soll man opfern [Lesung des ersten Halbverses unsicher]. 15.146 Für das aus dem Mutterleib Hervorgetretene wird der Geburtsritus vollzogen. Das Baden und Darreichen von Gold, Honig und Ghee ist die Speisung, o Zweimalgeborener. 15.147 Danach gebe man dem geborenen Feuer sorgfältig einen Namen: Pranava, „dem Vishnu-Feuer“, und am Ende die Verneigung. 15.148 Die Erfahrung beginnt mit der ersten Speisung und reicht bis zur Eheschließung. Die Salbung ist eine [weitere] Heiligung; dafür ist wie zuvor zu opfern, o Zweimalgeborener. 15.149 Danach folgt die „Befähigung“ genannte Heiligung, die viele Formen besitzt. Das durch diese Heiligungen gereinigte Feuer, dessen Wesen Narayana ist, 15.150 meditiere man vierarmig und viergesichtig, Muschelhorn, Rad, Keule und Lotus tragend, in der Mitte der Grube, strahlend wie die aufgehende Sonne. 15.51 – zweite Nennung Die dort erzeugte [Kraft] stelle man sich vor, wie sie aus der Grube auf dem Flammenweg herankommt, vom Glanz höchster Glückseligkeit, bis zum Dvadashanta im Bereich der Nase [unsichere Lesung]. Die Textvorlage zählt hier erneut „51“; nach der Versfolge wäre 151 zu erwarten. 15.152 Danach stelle man sich vor, wie sie auf dem Weg des Herabkommens ins Herz eintritt. Das geheiligte Feuer verehre man hingebungsvoll 15.153 mit Blumen, Weihrauch, Dickmilch, Sesam mit ungebrochenen Reiskörnern, Speisen mit Gebäck und Früchten sowie Ghee, der Reihe nach, o Zweimalgeborener. 15.154 Dann sättige man das Feuer mit ungeteiltem Herzen und seinem eigenen Mantra nach dem eigenen Vermögen, der Reihe nach mit Sesam, Ghee und weiteren Gaben. 15.155 Nachdem man dem Feuer die vollständige Darbringung mit Ghee und Vaushat am Ende gegeben hat, verehre man den Gott inmitten des Feuers. 15.156 Zuerst vergegenwärtige man dieses Feuer in sichtbarer Gestalt und mit ungeteiltem Glanz, durch die Macht seiner eigenen Yoga-Kraft alldurchdringend und in alle Richtungen reichend, 15.157 mit Händen, Sprache und Füßen überall, mit Augen, Köpfen und Gesichtern überall, geformt wie eine Kadamba-Blüte und von eigenem Licht erfüllt, 15.158 die ganze Grube überall mit sämtlichen Gestalten erfüllend. So ist es ausgebreitet, alldurchdringend, gestaltlos und hell leuchtend. 15.159 Nachdem man über das Feuer wie über den Himmelsraum meditiert hat, verehre man den Herrn in seiner Mitte mit Duftstoffen, Blumen und weiteren Gaben; danach verehre man Waffen- und Panzer-Mantra, 15.160 rechts im Armbereich, nahe Aniruddha. Dort [verehre man] zu seinem eigenen Schutz den aus Feuer und Soma bestehenden 15.161 Gott im Rad und das Rad. Danach beginne man das Feueropfer: mit Sesam und Ghee sowie mit sämtlichen geeigneten Opferstoffen, die mit duftendem Ghee getränkt sind, vollziehe man es vorschriftsmäßig. 15.162 Für Lakshmi und die übrigen opfere man ein Viertel der Zahl [der Darbringungen] für den Wurzelmantra. 15.163 Für die Glieder opfere man die Hälfte der Zahl für die Shaktis, für die Gesichter wiederum die Hälfte davon, o bester Zweimalgeborener. 15.164 Für Kaustubha und die übrigen opfere man die Hälfte der Zahl für die Gesichter, für Satya und die übrigen die Hälfte davon und für den höchsten Laut nochmals die Hälfte. 15.165 [Die Anteile] der jeweils zuvor Stehenden sind um die entsprechenden Halbanteile größer [Rechenformulierung unklar]. Wer Vollendung sucht, soll beim Feueropfer so verfahren wie beim Japa. 15.166 Dies wissend, vollziehe man [die Ordnung] vom Opfer mit zehn Millionen bis zu dem mit hundert Darbringungen. Denn ein nicht gesättigter Mantra gewährt niemals Frucht, [auch nicht] durch die je nach Ort und Zeit entstandenen Wunschhandlungen, die notwendig Frucht tragen sollen. 15.167 [Man opfere] mit Sesam, Ghee, Milch, Dickmilch oder Milchreis, 15.168 mit gekochten Speisen, zubereitetem Gebäck, Samen, gerösteten Körnern und Reis, mit Wurzeln, Früchten oder geeigneten zarten Blättern, 15.169 mit wohlriechenden weißen und anderen Blumen wie dem Landlotus, o Brahmane, mit Guggulu-Harz oder Shriveshtaka-Harz, jeweils mit Ghee vermischt, 15.170 mit saftigen Amalaka-Früchten, schönen Wasserlilien, reinweißen und weißroten Lotussen und schönen Bilva-[Gaben], 15.171 mit Durva-Halmen, deren Spitzen unversehrt und die rein wie schöne Elefantenstoßzähne sind, mit Brennholz vom Brahman-Baum und von milchsaftführenden Bäumen, 15.172 mit Amrita-Ranken, mit Milch verbunden, und Udumbara-Zweigen, mit Honig getränkt, unbeschnitten an den Spitzen, ungebrochen und ohne Dornen, alle mit den drei süßen Stoffen getränkt oder mit Ghee versehen. 15.173 Sesam mit Ghee bringt Frieden und sämtliche Vollkommenheiten. 15.174 Das Opfer mit Ghee, Milch und Dickmilch gewährt Sättigung; mit Milchreis, gekochten Speisen und Gebäck entsteht stets Gedeihen. 15.175 Wird der Mantrakönig mit Samen, Getreide und Reis gesättigt, so gewährt der zufriedene höchste Herr stets Heil. 15.176 Das Opfer mit Blättern, Früchten und Wurzeln gewährt Zufriedenheit, beseitigt vorzeitigen Tod und bringt Krankheiten zur Ruhe. 15.177 Durch Blumen wie den Landlotus und andere weiße Blüten erfreut, gewährt er bald unvergleichliches Glück, o Brahmane. 15.178 Durch Guggulu und ähnliche Gaben sowie schöne Amalaka-Früchte [gewährt er] Gesundheit, o Zweimalgeborener; durch mit Ghee bestrichene Lotussamen schenkt er rasch Glück und Wohlstand. 15.179 Wer Unterwerfung oder Genüsse erstrebt, opfere mit Wasserlilien. Durch ein Opfer mit Durva und Amrita erlangt man Verlängerung des Lebens. 15.180 Durch Opfer mit geeignetem Brennholz gewährt der Herr die Stillung von Fehlern. Sesam soll stets mit der Hirsch-Mudra geopfert werden. 15.181 Als Darbringung von Ghee, besonders auch von Milch, [gilt] ein Karsha [Lesung unsicher]; von Dickmilch das Maß einer Muschelschale, von Milchreis eine Prasriti. 15.182 Von gekochtem Essen [opfere man] einen halben Bissen, Gebäck in seiner eigenen Stückgröße. Alle Samen bringe man mit einer Handvoll dar. 15.183 Geröstete Körner [nehme man] mit den Fingerspitzen; vom Reis opfere man fünf [Einheiten; Lesung unsicher]. Früchte und Blätter [opfere man] in ihrer eigenen Größe. 15.184 Von Wurzelstücken [nehme man] ein Drittel, Blumen in ihrer eigenen Größe. Guggulu-Harz opfere man stets als Kügelchen von Jujubengröße, 15.185 oder, wenn möglich, von Amalaka-Größe. Durva-Halme sollen vier oder acht Fingerbreit lang sein, o bester Brahmane; Brennhölzer eine Spanne, gleichmäßig geschnitten und mit Rinde versehen. 15.186 Beim Feueropfer verwende man stets Svaha, bei der vollständigen Darbringung Vaushat. 15.187 Dasselbe verwende man bei befriedenden Riten, Vashat bei stärkenden Riten, Svadha bei Ahnenhandlungen und Phat bei Vernichtungsriten. 15.188 Bei Zwietracht erzeugenden Riten [verwende man] Hum, bei Unterwerfung Him und zur Erlangung der Befreiung Namah. Am Ende der jeweiligen Feuerhandlung fülle man den Sruc-Löffel mit Ghee. 15.189 Ist davon nicht genügend vorhanden, fülle man ihn mit dem Opferstoff und gebe Ghee darüber. Dann verehre man mit ehrendem Wasser, Blumen und weiteren Gaben 15.190 den Sruc-Löffel zusammen mit dem Sruva, beginnend an seinem Ansatz. Die mit Ghee verbundene Gabe im Lotusbehälter des Sruc 15.191 meditiere man wie einen flüssigen Mond; danach hebe man die vollständige [Gabe] empor. Den Ansatz des Löffelstiels halte man am Nabel des Körpers fest und vergegenwärtige 15.192 den ungeteilten Mantraherrn, dem Vollmond gleich. Von der Wurzel an führe man ihn mit der Kraft des Atemwindes aus dem eigenen Körper empor. 15.193 Man setze ihn auf die Ishvara-Grundlage und stelle sich vor, wie ein großer Nektarstrom aus ihm auf dem Verbindungsweg der Nase in den Lotus des Opferlöffels fällt. 15.194 Diesen mit Nektar verbundenen Ghee-Strom gieße man wie einen Strom des Reichtums in den Mund des Mantras oder in seine Brahmanöffnung. 15.195 Man vergegenwärtige, wie er ganz in das Innere des Herzlotus eingetreten ist. Den Mantra stelle man sich durch diesen Brahman-Strom gestärkt vor, 15.196 gesättigt, erfreut, gekräftigt und dem Übenden wohlgesinnt. Diese vollständige Darbringung wird mit Mantrarezitation und körperlichem Vollzug, 15.197 verbunden mit Meditation, ausgegossen, o bester Zweimalgeborener. Sie gewährt stets alle Vollkommenheiten und mehrt die Herrlichkeit der Befreiung. 15.198 Zur Vollendung der Handlung opfere man in einem Feuer mit reichlich trockenem Brennstoff. Farben, Gerüche, Klänge und Gestalten des Feuers, 15.199 seine Veränderungen und Flammen sind hinsichtlich der Vollendung der Handlung zu erkennen. Vorzüglich ist ein Glanz wie Rubin, wie Lackharz und roter Lackfarbstoff. 15.200 Ein Feuer von der Farbe der jungen Sonne wird zur Erlangung des Sieges empfohlen, o Zweimalgeborener; ebenso eines von der Farbe des roten Indragopa-Insekts oder von scharlachrotem Glanz. 15.201 Vorzüglich ist es wie Indras Bogen, ebenso safranfarben. Erwünscht ist hier auch ein Feuer von der Farbe roter Blumenarten. 15.202 Gut ist ein Feuer, das nach wohlriechenden Stoffen oder Ghee duftet; Lotusduft verleiht langes Leben, ebenso vielfältiger Wohlgeruch, o Treuer im Gelübde. 15.203 Bei schädigenden Riten ist dagegen stets ein scharf riechendes Feuer vorgeschrieben. Ein Klang wie Wolkendonner, Laute, Muschelhorn oder Trommel 15.204 ist beim Feuer ein Zeichen der Vollendung; ein anderer weist auf deren Ausbleiben. Vorzüglich sind Drehungen in Schirmgestalt oder Formen wie Fahnen und Yakschweiffächer, 15.205 wie Himmelsfahrzeuge, Baldachine, Paläste oder ein Stier; auch Gestalten von Gänsen und Pfauen gewähren Vollendung. 15.206 Wenn das Feuer den Merkmalen nach rot leuchtet, wie ein aufgebrochener Saphir oder wie Bergkristall, ist es günstig. 15.207 Wenn die zuvor beschriebene Gestalt sich rechtsherum in eine andere verwandelt, bewirkt das Feuer Vollendung. 15.208 Verändert sich das Feuer jedoch zu einer missbilligten Farbe, etwa Taubengrau, so bedeutet dies das Gegenteil, o Brahmane. 15.209 Dafür vollziehe man am Ende ein zusätzliches Feueropfer von mehr als hundert [Darbringungen]. Eine ungerade Zahl von Flammen, von drei an, ist glückverheißend. 15.210 Kurze, abwechselnd kurze und hohe sowie lange Flammen gelten als Vollendung gewährend. Ein sanft glänzendes, rechtsdrehendes Feuer mit einem vom Klang der heiligen Rezitation überdeckten Laut 15.211 bewirkt stets Gutes, auch wenn ihm andere Merkmale fehlen. In ein helles, züngelndes, rauchloses Feuer mit guten Eigenschaften, 15.212 erfreulich und Zufriedenheit gebend, soll der nach Glück Strebende opfern. Ein Feuer von geringer Leuchtkraft und geringer Gestalt, mit [herausspringenden] Funken, 15.213 ohne Bewegung seiner Flammen, gewährt keine Vollendung. Wer in ein nicht entfachtes, rauchendes Feuer opfert, 15.214 dessen Handlung erleidet Verlust; sie nimmt die Wirkung eines schädigenden Ritus an. Ein übel riechendes, [niedrig] leckendes, gelbes oder schwarzes Feuer, 15.215 das immer wieder den Boden streift, bewirkt Niederlage. Bei günstiger Planetenstellung und günstigem Mondhaus, in der hellen Monatshälfte, an den entsprechenden Mondtagen, 15.216 gewährt der im Feuer gegenwärtige Herr am zwölften Tag Dharma, Wunscherfüllung und Wohlstand, am dreizehnten glückliches Geschick und am elften sicheren Sieg. 15.217 Am fünften Tag gewährt er Besitz, am neunten Ruhm. Diese Tage der hellen Monatshälfte sind für Handlungen zur Erlangung von Glück gelehrt. Wer Befreiung sucht, [handle] nach Wunsch in beiden Monatshälften. 15.218 Wird der Mantra in der Gestalt Prabhas gesättigt, o Narada, 15.219 gewährt er bald Erkenntnis; in Dipti schenkt der Herr Land. Auf Prakasha ruhend bedrängt er rasch die Feinde. 15.220 Über Marichi befindlich gewährt der Herr rasch die Vernichtung von Feinden; über Tapani gewährt der Mantra die Stillung sämtlicher Qualen. 15.221 In Karala befindlich vertreibt der Herr die Gegenpartei. Wird der in Leliha befindliche Mantra gesättigt, o Weiser, 15.222 so gewährt er das Ersehnte und am Lebensende die höchste Stätte. Damit habe ich die Feuerhandlung zusammenfassend erklärt, o Brahmane. 15.223 Am Ende des Feueropfers verehre man den Mantra mitsamt dem Feuer erneut mit Blumen und weiteren Gaben und zeige sämtliche Mudras der Reihe nach vom Wurzelmantra an. Danach zeige man die Mudra des Feuers, verbunden mit seinem Mantra. 15.224 Man halte beide Hände lotusförmig und bringe Daumen und kleine Finger 15.225 an ihren Spitzen zusammen, wie zu einem Blütenboden, o Zweimalgeborener. Die drei übrigen Finger beider Hände, beginnend mit dem Zeigefinger, halte man aufwärts, 15.226 voneinander getrennt: So ist die Feuer-Mudra erklärt. Danach gehe man vor das Mandala und übergebe Vishnu das Feueropfer. 15.227 Man fülle beide Hände mit Blumen und vergegenwärtige darüber den ungeteilten Mantra, durch Nektar gestärkt, 15.228 von großer Lichtfülle durchdrungen, und bringe [die Blumen] auf dem Haupt des Mantras dar: „Alldurchdringender, der du im Feuer gegenwärtig bist, durch das Feueropfer wurdest du hingebungsvoll gesättigt. 15.229 Nimm die Kraft, die in den Opferstoffen liegt, in dich auf!“ Mit heiterem innerem Wesen stelle man sich vor, dass er sie angenommen hat. 15.230 Dann vollziehe man nach der Darbringung von Arghya und Weihrauch die Verabschiedung. Das als Gnadengabe vom oberen Bereich des Blütenbodens herabkommende ehrende Wasser samt Blumen 15.231 nehme man auf und lege es auf den eigenen Scheitel. Dann zeichne man mit gelbrotem Pulver aus dem Mandala ein Stirnzeichen, o Weiser. 15.232 Den Mantra, der zuvor zweifach in die beiden Arghya-Gefäße eingesetzt wurde, o Zweimalgeborener, [nehme man] durch Einatmen mit Mantra und Mudra [zurück], o Narada, 15.233 und stelle sich den Körper von den Füßen bis zum Scheitel durch ihn erhellt vor. Die Mantras, die auf der Stätte der Erfahrung und Erfüllung der Reihe nach verehrt wurden, 15.234 stelle man sich in den Körper des Hauptmantras eingetreten vor, wie eine Flamme in eine andere oder Flüsse in den Ozean. 15.235 Diese grobstoffliche Mantragestalt, die Wohnstätte sämtlicher Mantras, o Zweimalgeborener, stelle man sich in die feinstoffliche eingetreten vor, die Einsicht und Sinnesvermögen umfasst und beide Wesensweisen besitzt. 15.236 Diese zweifache feinstoffliche [Gestalt gehe] in die höchste, zuvor beschriebene Gestalt ein. Diese höchste, funkelnde Gestalt, die auf der stützenlosen Stätte ruht, 15.237 stelle man sich auf dem Vollendungsweg in den Herzlotus eingetreten vor. Durch das mit Mantra und Mudra verbundene Einatmen, o Narada, 15.238 stelle man sich den Körper von den Füßen bis zum Scheitel durch sie erhellt vor. Wessen Körper durch den eingetretenen Mantra ohne eigene Anstrengung erzittert, o Zweimalgeborener, 15.239 dem ist der Mantra gnädig. Nachdem man den Mantraherrn so verabschiedet hat, ausgenommen die Welthüter und ihre Waffen, 15.240 gebe man die Speisegabe den eingeweihten Zweimalgeborenen, die Vertrauen und Selbstbeherrschung pflegen, und den innerlich gereiften Schülern, o Zweimalgeborener. 15.241 Während der Mantra [zurückkehrt; Lesung unsicher], sammle man gleichzeitig die Blumen, die Waffe [Wortlaut fraglich] und die Speisegabe ein, die für den Wurzelmantra verwendet wurden. 15.242 Mit diesen in ein Gefäß gelegten Gaben verehre man Vishvaksena hingebungsvoll, nachdem man ihn aus dem Himmelsraum herbeigerufen und im Mandala vergegenwärtigt hat: 15.243 vierarmig, von edler Gestalt, Keule und Muschelhorn tragend, der Farbe eines jungen Mangoblattes gleich, mit braungoldenem Bart und ebensolchen Augen, 15.244 in gelbem Gewand, mit vier Hauern und seinen beiden Mudras. Nachdem man ihn samt seinen Gliedern der Reihe nach verehrt hat, zeige man seine Mudra. 15.245 Dann gehe man zur Opfergrube, verehre den Mantra mit Blumen und zeichne mit durch den Waffen-Mantra geheiligter Asche ein glückverheißendes Stirnzeichen. 15.246 Danach nehme man [den Mantra] wie beim Mandala in sich selbst zurück. Anschließend ist Vishvaksena hingebungsvoll mit Sesam und ungebrochenen Reiskörnern zu sättigen. 15.247 Mit dem auf Vaushat endenden Mantra gebe man die vollständige Darbringung, o Zweimalgeborener. Nach seiner Verehrung im Mandala vollziehe man seine Verabschiedung. 15.248 Mit seinem eigenen Mantra, den Worten „Vergib mir“ und der zugehörigen Mudra, o bester Zweimalgeborener, stelle man sich vor, wie er in den Himmel aufsteigt. 15.249 Dann [übergieße man] das Mandala mit einem vollen, durch den Waffen-Mantra besprochenen Krug, mit Milch, Wasser, Honig und Ghee, o Narada [Handlungsverb unsicher]. Danach lasse man Vishvaksena wie zuvor aus der Grube aufsteigen. 15.250 Man verehre die Welthüter mit Blumen und weiteren Gaben und sättige sie danach 15.251 durch jeweils eine Darbringung oder nach Vermögen durch mehrere. Nach vorschriftsmäßiger Verehrung mit ihren eigenen Mantras verabschiede man sie 15.252 samt Waffen und Gefolge der Reihe nach an ihre jeweiligen Stätten. Dann gehe man zur Grube; Kshetrapala und die übrigen [sättige man] der Reihe nach, 15.253 sämtliche Sitz-Mantras von der tragenden Shakti an und die [Gestalten] von Ganesha bis zu den Vollendeten, mit Ghee und weiteren Gaben. 15.254 [Man opfere] jeweils einmal oder nach dem eigenen Vermögen und gebe dann für alle eine vollständige Darbringung. Was durch das Mantraverfahren in Gefäß und Krug herabgeführt wurde, 15.255 nehme man der Reihe nach wie zuvor durch die Nasenspitze zurück. Dann sättige man das Feuer mit seinem eigenen Mantra nach dem eigenen Vermögen, o Zweimalgeborener. 15.256 Mit dem Mantra der vollständigen Darbringung gieße man eine volle Gabe aus, die alle Unterbrechungen behebt. Man lege eine Handvoll Blumen in die Grube und vergegenwärtige den Feuer-Mantra. 15.257 Man atme [seine Gegenwart] ein und setze sie nach der Ordnung des Herabkommens in den Leib ein. Dann fülle man den Sruva mit Wasser und umgehe die Grube außen rechtsherum, 15.258 vom Nordosten aus, mit einem ununterbrochenen Wasserstrom. Die Speisegaben nehme man zurück, Gewänder und Schmuck ausgenommen, und versenke sie in tiefem, fließendem Wasser. 15.259 Man kehre gründlich, bestreiche [den Boden] und streue 15.260 weiße Senfsamen, geröstete Körner, Sesam, Blumen und ungebrochene Reiskörner aus. Den zuvor zum Schutz eingesetzten Panzer- und Waffen-Mantra nehme man zurück. 15.261 Nachdem der Verständige mit [Material von] der Verehrungsstätte ein Stirnzeichen angebracht und den Nyasa vom eigenen Körper zurückgenommen hat, widme er sich dem Essen und den übrigen Tätigkeiten. So ist die Sättigung der Mantras zusammenfassend erklärt, o Zweimalgeborener. 15.262 Niemals soll sie Nicht-Eingeweihten oder Menschen ohne Hingabe mitgeteilt werden, 15.263 auch nicht Anhängern anderer Lehrsysteme oder solchen, die sich am Spott erfreuen. Sie soll dem mitgeteilt werden, der die rechte innere Haltung kennt, die Verpflichtungen kennt und als geistiger Sohn aufgenommen ist, 15.264 einem Sadhaka oder Guru, der hingebungsvoll, liebevoll und neidlos ist, der Wahrheit und Dharma ergeben, von rechtem Verhalten und in den übernommenen Verpflichtungen fest. So endet in der Jayakhya Samhita des heiligen Pāñcarātra das fünfzehnte Kapitel, „Die Ordnung des Feuerrituals“.


Kapitel 16 – Die Ordnung der Einweihung

Die folgenden Einweihungsriten sind zur Textdokumentation wiedergegeben. Die sozialen Rangordnungen, geschlechtsspezifischen Vorgaben und Formen der Lehrerverehrung gehören zum historischen Zusammenhang des Werkes und sind nicht ohne Weiteres heutige Verhaltensnormen. Narada sprach: 16.1 Erhabener, ich möchte die vorzüglichen Merkmale der Einweihung hören: für den an Verpflichtungen Gebundenen, den geistigen Sohn, den Sadhaka und den Lehrer, 16.2 ebenso für dauerhaft Enthaltsame, Frauen und innerlich gereifte junge Schüler. Erkläre sie ausführlich, wenn du mir Gnade erweisen willst. Der erhabene Herr sprach: 16.3 Höre: Ich werde die Einweihung innerlich gereifter Schüler erklären, durch die ihre Befähigung zur Verehrung von Gott, heiligem Feuer und Guru entsteht. Für besondere Vollendung und für Befreiung werde ich sie in ihrer dreifachen Form erklären. 16.4 Bei Wohlhabenden vollziehe man sie durch die Verehrung im großen Mandala. 16.5 Bei einem mittellosen oder wenig begüterten Menschen, der das gebundene Dasein fürchtet und Vishnu wahrhaft verehrt, 16.6 [vollziehe man sie] im Feuer mit Samen und Sesam, mit Ghee oder auch allein. Einem völlig Mittellosen erweise der Guru die Gnade allein durch das Wort. 16.7 Wer allen Wesen gleich begegnet, ohne Anhaftung und Neid ist, die Sinne beherrscht, rein und tüchtig sowie körperlich unversehrt ist, 16.8 wer den Furchtsamen durch Tat, Geist und Wort stets Furchtlosigkeit gewährt, zur Stätte vollkommener Erkenntnis gelangt und auch dort vom Erhabenen erfüllt ist, 16.9 den fünf täglichen Zeitabschnitten ergeben, mit der Bedeutung des Pāñcarātra vertraut und in der Erkenntnis von Vishnus Wirklichkeit fest, die eine ist und doch in vielen Unterscheidungen erscheint, 16.10 der vermag die ganze Erde einzuweihen – um wie viel mehr die zu ihm Kommenden! [Die Wirklichkeit ist] ohne äußere Stütze, ohne gedanklichen Entwurf, unverlierbar in ihrem eigenen Wesen und beständig, 16.11 frei von den Eigenschaften des Erfassten und des Erfassenden, unbewegt und fest. [Text teilweise beschädigt.] Ich werde dir erklären, wie das Eine vielfältig besteht, in der Unterscheidung von Durchdrungenem und Durchdringendem, o bester Weiser. 16.12 Es besteht als das Grobstoffliche, das Feinstoffliche und das Höchste, die drei Wirklichkeitsprinzipien durchdringend: 16.13 Urnatur, Purusha und Ishvara; ebenso die weitere [Folge] vom Gehör bis hin zur Einsicht. Achyuta selbst besteht dreifach, indem er sie durchdringt. 16.14 Wer die dreifache Wirklichkeit Vishnus als eine und zugleich vielfältige erkennt, erweise allen durch die jeweils passende Unterscheidung die Gnade, der Reihe nach den mit den Verpflichtungen Vertrauten und den übrigen, o Zweimalgeborener. 16.15 Der Erhabene ist als verdichtete Gesamtgestalt einer; mit den ergänzenden Gliedern ist er zweifach. 16.16 In der dreifachen Mantragesamtheit besteht er dreifach. Die erste Mantragruppe wird als vom Juwel bis zum Herbeiziehungs-Mantra reichend bezeichnet. 16.17 Die zweite, von Lakshmi bis Bhudhara, heißt feinstofflich; die dritte, vom Siebensilbigen bis zum Gestalt-Mantra [Lesung beschädigt], gilt als die höchste. Bei der zusammengefassten Handlung besteht er als Zusammenfassung der Gesamtheit der Prinzipien [oder Mantras; Lesart unsicher]. 16.18 Indem er die drei [Gruppen] selbst wiederum dreifach in je drei Zustandsformen gliedert, 16.19 steht der erhabene Vishnu zur Begnadung der Welt in diesen Gruppen. Vom Elefantenhaken bis Garuda reicht die grobstofflichste Dreiergruppe des Grobstofflichen. 16.20 Vom Keulen-Mantra bis zum Muschelhorn reicht das mittlere Grobstoffliche, o Narada; vom Lotus bis Kaustubha dessen höchste Dreiergruppe. 16.21 Von Varaha bis zum Löwen-Mantra gilt die Dreiergruppe als das Grobstoffliche im Feinstofflichen; von der Waffe bis zum Herzen besteht der Herr als dessen Mitte. 16.22 Von der Maya-Shakti bis Lakshmi reicht dessen höchster feinstofflicher Bereich. Der ganze Gestalt-Mantra zusammen mit dem Wurzelmantra umfasst siebzehn Silben. 16.23 Erkenne dies als das Grobstoffliche des Höchsten, die siebte, alle Vollkommenheiten gewährende [Gruppe]. Von Aniruddha bis Satya reicht insgesamt die Mitte des Höchsten. 16.24 Als neunte Mantrastätte, höher als das Höchste, weltliche Erfüllung und Befreiung gewährend, erkenne den siebensilbigen verdichteten Mantra, den Führer der Mantragesamtheit. 16.25 Der Reihe nach überragt jeweils das Folgende das Vorangehende: an Vermögen, Kraft und mannigfaltiger Erkenntnis, 16.26 beim Abschneiden des gebundenen Werdens, bei der Einweihung und bei verschiedenen Vollkommenheiten. Vom feinstofflichen Geruchsprinzip bis zum Prinzip des Herrn, o Zweimalgeborener, 16.27 besteht die Mantragesamtheit in höchster Form etwas zusammengezogen; bei der mittleren Handlung ist sie neunfach als grobstofflich, feinstofflich und weiter unterschieden, bei der ausführlichen 16.28 wiederum der Reihe nach fünfundzwanzigfach, o Weiser. Es ist derselbe eine, dessen Wesen der Mantra ist, auch wenn er vielfältig unterschieden erscheint. 16.29 Er besteht in der Ordnung von innerem Selbstbezug, göttlicher Zuordnung und elementarer Grundlage, vom Ishvara-Prinzip bis zum Erde genannten Prinzip. 16.30 Ishvara, Urnatur, Einsicht, Ich-Bildung, Geist, die fünf Wahrnehmungsorgane vom Gehör an sowie die fünf Tätigkeitsorgane von der Sprache an, 16.31 die fünf feinstofflichen Prinzipien vom Klang an und die fünf Elemente vom Raum an: Dies ist die Gruppe der elementaren Grundlagen. Höre die Gruppe der göttlichen Zuordnungen. 16.32 Die Keimsilben der Reihe nach von Ma bis Ka gelten bei den Prinzipien von Ishvara an als ihre göttlichen Zuordnungen. 16.33 Höre nun der Reihe nach die Mantras in ihrer inneren Wesensgestalt, o Narada. Der höchste siebensilbige Mantra gilt als inneres Wesen Ishvaras. 16.34 Erkenne die Fünfergruppe von Satya an als das höchste unvergängliche [innere Wesen] der Urnatur. Der Wurzelmantra zusammen mit dem Gestalt-Mantra gilt als inneres Wesen der Einsicht. 16.35 Der Lakshmi-Mantra [gehört] zur Ich-Bildung, der Kirti genannte zum Geist; Jaya zum Gehörorgan, Maya zum Tastsinn. 16.36 Den Herz-Mantra erkenne im Sehorgan, den Kopf-Mantra an der Zunge; den Schopf-Mantra im Riechorgan, den Panzer-Mantra im Sprachprinzip. 16.37 Im Handprinzip befindet sich der Augen-Mantra, im Fußprinzip der Waffen-Mantra. Für das After-Prinzip gilt der höchste Löwen-Mantra. 16.38 Kapila erkenne als [inneres Wesen] des Zeugungsorgans, Varaha als das des Klanges. Für die Berührung ist der Kaustubha genannte Mantra die innere Wesensgestalt. 16.39 Für die Form gilt der Girlanden-Mantra, für den Geschmack der Lotus-Mantra, für den Geruch der Muschelhorn-Mantra; im Raum [befindet sich] das Rad, o Narada. 16.40 Für den Wind gilt der Keulen-Mantra, für das Feuer der Garuda-Mantra; für Wasser die Schlinge, für Erde der Elefantenhaken. 16.41 So sind die Mantras zusammen mit ihren Wirklichkeitsprinzipien in der ausführlichen Ordnung erklärt: bei der zusammengefassten, mittleren und ausführlichen Einweihung. 16.42 Solange diese Dreiheit nicht erkannt ist, kommt Einweihung nicht zustande. So besteht der Herr der Welt, das Mantrawesen, der höchste Herr, 16.43 in den fünfundzwanzig Wirklichkeitsprinzipien und ihren Keimsilben als ihr Herrscher und als das Höchste, o Einsichtsvoller. 16.44 Oberhalb des Siebensilbigen, o Brahmane, besteht Narayanas Zustand. Eben dieser wurde zuvor dreifach erklärt, kein anderer. 16.45 Er nimmt alle Zustände in sich zurück und besteht in besonderer Weise stets im dreisilbigen Mantra, in grobstofflicher, mit höchster und feinstofflicher verbundener Gestalt, zur Begnadung der innerlich Gereiften. 16.46 Mit dreifacher Aussprache dieses [Mantras] vollziehe man die Einweihung, o Narada, 16.47 indem man Ishvara, Urnatur und die feinstofflichen Prinzipien verbindet und reinigt. Oder mit zweimaliger Aussprache durch die Verbindung von Ishvara und Urnatur. 16.48 Die Urnatur ist durch den Zweisilbigen zu reinigen, Ishvara durch den Pranava. Oder man reinige Ishvara mit einmaliger Aussprache des Siebensilbigen, 16.49 weil alle Mantras in diesem verdichteten Mantra und alle Wirklichkeitsprinzipien in Ishvara ruhen. So besteht Vishnus Wirklichkeit als alldurchdringend. 16.50 Hat man dies gründlich erkannt, vollziehe man die Einweihung mit sämtlichen Mantras, o Zweimalgeborener; denn alle Mantras werden vom höchsten Alldurchdringenden bewohnt. 16.51 Man prüfe die dafür bestimmten Schüler: Sie sollen enthaltsam, rein, tüchtig, sinnesbeherrscht und standhaft sein, Guru, Gottheit und heiligem Feuer ergeben, 16.52 mit den Eigenschaften ihres Standes und ihrer Lebensstufe versehen, bescheiden, vertrauensvoll, dem Erhabenen hingegeben und vom Feuer des gebundenen Daseins bedrückt. 16.53 Der Mantrakundige weihe sie vorschriftsmäßig ein, der Reihe nach von der Mantra-Einweihung an. Höre, wie diese in vielen unterschiedlichen Formen besteht. 16.54 Für alle gibt es die allgemeine Mantra-Einweihung allein durch Mantras. Mit Wirklichkeitsprinzipien, Keimsilben, Mantras, Meditation und Feueropfer 16.55 gibt es eine weitere allgemeine, dreifache [Einweihung] für alle innerlich Gereiften: die zusammengefasste, die mittlere und als dritte die sehr ausführliche. 16.56 Die zusammengefasste gewährt begrenzte Erfahrung für kurze Zeit [Lesung „kurz“ unsicher]; die mittlere gewährt mittlere Erfahrung für eine entsprechende Zeit. 16.57 Die ausführliche wird für nach Erfahrung Strebende durch die Macht von Feueropfer und Verehrung zur Spenderin unbegrenzter Erfahrungsfrüchte für unvergängliche Zeit. 16.58 Hinsichtlich der Befreiung aber sind die drei Einweihungen gleich. Die besondere Einweihung besteht in fünf Formen. 16.59 Die erste gilt für Verpflichtungskundige, für Kinder mit auf Vishnu gerichtetem Geist und für hingebungsvolle Mädchen; die zweite für geistige Söhne. 16.60 Die dritte, auf den Weg der Befreiung ausgerichtet, gilt für Sadhakas; die vierte gewährt die Vereinigung mit Brahman, o bester Weiser, 16.61 und ist für Lehrer auszuführen, die fünfte für Frauen. Ich werde der Reihe nach ihre Gemeinsamkeit und die Zusammenfassung der Wirklichkeitsprinzipien erklären, 16.62 durch deren bloßes Erkennen die Einweihung richtig in Gang kommt. Die zuvor erklärten drei Mantragruppen sind nach der Ordnung der Rücknahme 16.63 zusammen mit ihren Keimsilben zur Reinigung in die feinstofflichen Prinzipien, die Urnatur und das Ishvara-Prinzip einzusetzen [Lesung teilweise unsicher]. 16.64 Die zuvor erklärte neunfache Gliederung der drei Gruppen, vom Elefantenhaken bis zum Siebensilbigen, [setze man] in die fünf feinstofflichen Prinzipien 16.65 sowie in Ich-Bildung, Einsicht, Urnatur und Ishvara ein, nach derselben Rücknahmeordnung, vom Geruch an der Reihe nach. 16.66 Bei der dritten, ausführlichen [Einweihung] ist dieselbe Ordnung zu erkennen, die hinsichtlich des inneren Wesens und der übrigen [Zuordnungen] erklärt wurde, in Hervorbringung und Rücknahme. 16.67 Dies sind die Merkmale der drei allgemeinen Einweihungsverfahren. Erkenne nun die fünf besonderen, o Narada. 16.68 Den dreisilbigen [Mantra], nach seinen Wortteilen unterschieden und mit dem Gestalt-Mantra verbunden, setze man der Reihe nach in die zusammengefasste Gesamtheit der Wirklichkeitsprinzipien ein. 16.69 „Hrim Svaha“ setze man einmal für die fünf feinstofflichen Prinzipien ein; als zweiten Bestandteil „dem Selbst des Weltalls“ in die Ich-Bildung. 16.70 „Dem Narayana“ setze man als dritten in die Einsicht ein und vergegenwärtige ihn; Namah in das Urnatur-Prinzip und danach den Dreisilbigen in Ishvara. 16.71 Dies ist als erste der fünf besonderen [Einweihungen] erklärt. Höre die zweite, o bester Brahmane, die alle Vollkommenheiten gewährt. 16.72 Die feinstofflichen Prinzipien vom Geruch an reinige man der Reihe nach mit den Mantras vom Herzen an; die Ich-Bildung mit dem Augen-Mantra [unsichere Lesung], die Einsicht mit Jiva, 16.73 die Urnatur mit dem mittleren [Mantra], [verbunden] mit dem Herz-Mantra der Göttinnen; Ishvara mit dem Pranava. Dort vollziehe man ihre Verbindung. 16.74 Nach diesem Verfahren ist die Einweihung der geistigen Söhne gelehrt, o Narada. Nun werde ich die Reinigung der Prinzipien für Sadhakas der Reihe nach erklären. 16.75 Das feinstoffliche Geruchsprinzip reinige man mit den drei Gesichts-Mantras, das Geschmacksprinzip mit den sechs Gliedern und das Formprinzip mit den Shaktis. 16.76 Mit dem vollständigen Wurzelmantra reinige man das Berührungsprinzip und mit Aniruddha das feinstoffliche Klangprinzip, o Narada. 16.77 Mit Pradyumna [reinige man] die Ich-Bildung, mit Sankarshana die Einsicht, mit Vasudeva die Urnatur und danach mit Satya Ishvara. 16.78 So reinige man die Wirklichkeitsprinzipien des Sadhaka, eines rechten Vishnu-Verehrers. Höre nun die Mantras zur Prinzipienreinigung bei der Einweihung des Gurus. 16.79 Mit den zehn Waffen-Mantras nehme man das Geruchsprinzip zurück, mit den Welthütern und den übrigen das Geschmacksprinzip, mit Kaustubha und den übrigen das Formprinzip. 16.80 Mit den drei Gesichtern [reinige man] die Berührung, mit den Gliedern vom Herzen an den Klang, mit Lakshmi und den übrigen die Ich-Bildung und mit dem Wurzelmantra die Einsicht. 16.81 Nachdem man die Urnatur mit den fünf von Satya an gereinigt hat, reinige man Ishvara mit dem siebensilbigen Mantra. 16.82 Diese Ordnung ist für die Einweihung von Lehrern erklärt. Höre nun meine Einweihungsordnung für Frauen zur Erlangung von Erfahrung und Erfüllung. 16.83 Purusha setze man in das erste, Geruch genannte Prinzip ein und Satya in das zweite, das feinstoffliche Geschmacksprinzip. 16.84 Achyuta [setze man] in das dritte ein, Vasudeva in das vierte. Diese ersten vier Mantras sind in gegliederter Gestalt 16.85 zur Reinigung der vier feinstofflichen Prinzipien einzusetzen. Im fünften [setze man] Aniruddha ein, im sechsten wiederum den Herrn, 16.86 den großäugigen Pradyumna; im folgenden, siebten, den ungeteilten Sankarshana. Im achten sind die Göttinnen einzusetzen. 16.87 Im neunten großen Prinzip meditiere man über den Herrn Narayana mit dem dreisilbigen Mantra als den Weltenlehrer, der die drei Gottheiten umfasst. 16.88 Nachdem der Guru so die Mantragruppe in der Gesamtheit der Wirklichkeitsprinzipien erkannt hat, beginne er an einem sehr günstigen Tag die Einweihung. 16.89 Obwohl ich zuvor die Mondtage der Verehrung erklärt habe, o Brahmane, ist doch der zwölfte Tag für Einweihung und Verehrung Haris der beste. 16.90 Am zehnten Tag beschaffe man sämtliche Geräte der Verehrung. Man bade wie zuvor, nippe rituell Wasser, vollziehe den Nyasa und vergegenwärtige Hari. Mit Blumen und ehrendem Wasser in der Hand betrete man den Verehrungsraum. 16.91 Man bespreche weiße Senfsamen mit Narasimhas Mantra, dem Waffen- und dem Rad-Mantra 16.92 und werfe sie danach nach oben, unten sowie in Haupt- und Zwischenrichtungen. Die Keule in Kraftgestalt, einer Mauer gleich und von vielfältigen Flammen umgeben, 16.93 setze man dort mit ihrem eigenen Mantra ein. In einem neuen Gefäß bereite man mit beigemischtem Wasser 16.94 die fünf Kuhprodukte und bespreche sie mit der Fünfergruppe von Satya an. Mit dem dreisilbigen Wurzelmantra besprenge man damit alles, 16.95 unter Verwendung eines reinen seidenen [Hilfsmittels], während man ebendiesen vergegenwärtigt. Dann nehme man einen festen, sauberen, gleichmäßig geformten und unbeschädigten 16.96 schönen Krug aus Ton, Gold oder Silber, versehen mit Edelsteinen, Gold, guten Duftstoffen, Früchten und allerlei Heilpflanzen, 16.97 mit Zweigen glückverheißender Bäume, mit Stoffbändern und Girlanden um den Hals, mit gefiltertem Wasser gefüllt und mit einem Wasserstrom versehen, 16.98 mit Sandel und anderen Duftstoffen bestrichen und ringsum mit Arghya verehrt. Auf dem Mantrathron verehre man, o Brahmane, [den Herrn] mit seinen Gliedern und seinem Gefolge, 16.99 den Mantra nach dem zuvor erklärten Verfahren und gemäß der Vorschrift. Dann bespreche man das Vardhani-Gefäß mit Waffen- und Rad-Mantra. Darin verehre man die im Rad befindliche Waffe, deren Wesen Narayana ist. 16.100 Mit diesem Gefäß besprenge man sämtliche Wände in einem ununterbrochenen Wasserstrom, 16.101 rechtsherum, vom Nordosten aus, o Zweimalgeborener. Den Krug trage man dahinter im Kreis, gleichzeitig oder gesondert. 16.102 Den Krug stelle man zusammen mit dem Vardhani-Gefäß auf Reis und andere [Körner], nach Nordosten gerichtet, und verehre beide erneut mit Blumen und weiteren Gaben. 16.103 Mit dem Waffen-Mantra bespreche man zwei ungebrauchte Gewänder, durchdufte sie mit Weihrauch und weiteren Stoffen und umhülle beide [Gefäße] damit. 16.104 Nach der Verehrung mit Blumen und weiteren Gaben verehre man Hari auf der Opferplattform nach dem zuvor erklärten Verfahren und danach inmitten des Feuers. Nachdem man ihn wie zuvor gesättigt hat, bereite man den Opferbrei. 16.105 Zuerst wasche man [das Kochgefäß] mit dem Waffen-Mantra und bestreiche es innen mit Duftstoffen. 16.106 Mit dem Herz-Mantra fülle man es mit Milch als Opfergabe, o Narada. Wenn die Milch gekocht ist, gebe man Reis hinein 16.107 mit den vier Shakti-Mantras. Mit dem Löwen-Mantra rühre man um; den garen [Brei] nehme man mit dem Kapila-Mantra von der Feuergrube. 16.108 Danach wasche und bestreiche man [das Gefäß] mit dem Varaha-Mantra und bedecke es mit dem Wurzelmantra. Man teile [den Brei] in vier Teile. 16.109 Einen Teil bringe man zuerst dem auf der Opferplattform Verehrten dar; den zweiten, mit Honig und Ghee durchtränkt, dem im Krug Gegenwärtigen. 16.110 Den dritten Teil nehme man und opfere ihn dem im Feuer Gegenwärtigen. Für das Gefolge gebe man eine Bali-Gabe im Bereich von Opferstätte und Krug [Lesung unsicher]. 16.111 Nach Mudra und Japa verehre man den Gott an den drei Stätten der Reihe nach erneut mit Blumen und weiteren Gaben und rufe die geschmückten Schüler herbei. 16.112 Sie sollen gründlich gebadet haben, gewaschene Gewänder tragen und einen geheiligten Körper besitzen. Man lasse sie außen am Tor in einem anderen Raum stehen, o Zweimalgeborener, 16.113 und besprenge sie zunächst mit dem Waffen-Mantra aus dem Arghya-Gefäß, o Narada. Der Reihe nach berühre man ihre sämtlichen Glieder mit [einem Zweig,] der mit den zugehörigen Worten besprochen wurde. 16.114 Man gebe ihnen ehrendes Wasser und Blumen, mit dem Kopf-Mantra besprochen, auf den Scheitel. Wie zuvor vollziehe man die innere Verbrennung und Wiederhervorbringung. 16.115 Danach gestalte man ihren Körper nach der Vorschrift als mantrahaft. Wie zuvor bei sich selbst, bei der Gottheit, im Feuer und im Krug, 16.116 meditiere man auch beim Schüler vom Gegliederten über das Ungeteilte zum Höchsten; über das Höchste mit dem dreisilbigen Mantra allein, o Narada. 16.117 Die gegliederte Heiligungsform ist als Träger von Muschelhorn, Rad und Keule beschrieben; die ungeteilte ist der mittlere Mantraherr in Kraftgestalt. 16.118 Die höchste besteht jenseits der Kraft als Pranava [unsichere Lesung]. Die manifeste, deutlich gestaltete Urnatur wird vom Gegliederten bewohnt. 16.119 Das Unmanifestierte und das Bewusstsein des Purusha sind als vom Ungeteilten bewohnt zu erkennen [Lesung beschädigt]. Durch den Gott in Mantragestalt, der als Seiendes und Nichtseiendes offenbar wird, 16.120 durch den Höchsten wird alles Manifeste und Unmanifeste bewohnt und besteht aus Bewusstsein. Wer so den Gott, sich selbst und den Schüler als Purusha-Wesen 16.121 bei der Einsetzung des Höchsten und bei der vorbereitenden Einweihungsweihe als Einheit erkennt, o Brahmane, der befreit aus dem Kreislauf des Daseins. 16.122 Dann richte man eine Bitte an den auf der Opferstätte gegenwärtigen Erhabenen in Mantragestalt: „Die von den Fesseln der Sinnesgegenstände Gebundenen, hilflos wie Tiere und Vögel [unsichere Lesung], 16.123 befreie ich durch die Macht deiner Gnade, Weltenlehrer!“ So ist der Erhabene anzusprechen; man übergebe ihm die gebundenen Wesen: „Söhne, Schüler und Diener sind sie dein, höchster Herr.“ 16.124 Mit einem ungebrauchten, reinen, ganz weißen Tuch, 16.125 über dem der Augen-Mantra gesprochen wurde, verbinde man die Augen des Schülers. Dann lasse man ihn ohne Mantra eine Handvoll Blumen auf Vishnus Verehrungsstätte werfen. 16.126 Wo sie auf den geistig vergegenwärtigten, wie zuvor neunfach gegliederten Lotus fällt, o Brahmane, danach kennzeichne man ihn mit einem Namen, 16.127 verbunden mit „Vishnu“ und der Bezeichnung „Pati“ [Lesung unsicher]. Danach verehre er ohne Mantra den Krug mit dem durch den Waffen-Mantra geweihten Vardhani-Gefäß. 16.128 Man nehme eine ganz weiße Schnur, die mit rotem Lackfarbstoff durchtränkt ist. Den Schüler lasse man vor sich aufrecht stehen, mit gleichmäßig gesetzten Füßen und erhobenem Kopf. 16.129 Von den Spitzen der beiden großen Zehen bis zum Ende des Haarschopfes nehme man das Maß für die Schnur, o bester Zweimalgeborener. 16.130 Man fertige sie einfach, doppelt oder dreifach, dreimal dreifach oder fünfundzwanzigfach. 16.131 Die Schnur als Zeichen des Unmanifestierten vergegenwärtige man zunächst als aus der Kraft der Unwissenheit bestehend: ewig, unbewusst, alldurchdringend; in ihr ist das Weltall gegründet. 16.132 In ihr geht es wieder unter, aus ihr tritt es hervor. Man stelle sich darin die gesamte ungeteilte, die Wirklichkeitsprinzipien entfaltende [Natur] vor. 16.133 Was dort entsteht, o Brahmane, besitzt die Gestalt fester Fesselbindungen, bunt durch Anhaftung gefärbt und von Unwissenheit angefacht, 16.134 durch die Zeit gegliedert, festgelegt und ausgebreitet. Nach der Zahl der Wirklichkeitsprinzipien knüpfe man die Schnur nach Wahl, 16.135 einfach, zweifach, dreifach oder neunfach zusammengefasst, o Weiser, oder ausführlich fünfundzwanzigfach. 16.136 In der Reihenfolge der Hervorbringung der Prinzipien, vom Haarschopf bis zu den Füßen, stelle man [an ihr] den künftigen Fruchtkörper des Karmas vor, das seine Aufgabe erfüllt hat [Lesung teilweise unsicher]. 16.137 Danach ist mit den Mantras zur Beseitigung der Wurzelursache zu opfern, sodass die Werke den auf Erfahrung und Befreiung Ausgerichteten nicht erneut bedrängen, 16.138 etwa durch den Fall des Körpers und Ähnliches, o bester Weiser. Denn sie treiben das Lebewesen auch gegen seinen Willen gewaltsam an, 16.139 in dem aus Urnatur bestehenden Körper samt Ishvara, weil dieser die Stätte des Karmas ist. Fehlt aber die Grundlage, so kommen die Werke von selbst zur Ruhe, 16.140 wie die Flammen des Feuers ohne Brennstoff. Für ein Lebewesen, das noch Erfahrungen begehrt und am Ende Befreiung wünscht, soll man dieses Verfahren ausführen, nicht für eines, das unmittelbar auf das Erlöschen ausgerichtet ist. 16.141 Die Schnur lege man in eine Hülle aus geeigneten Blättern oder in eine Schale. 16.142 Der Guru gehe mit dem Schüler zur Opfergrube und lege sie dort nieder. In dem schnurförmigen Körper des Schülers 16.143 vergegenwärtige man die Gesamtheit der Prinzipien in deutlicher Unterscheidung nach der Hervorbringungsordnung: entweder Ishvara allein oder ihn zusammen mit der Urnatur, 16.144 oder diese beiden und die eine, vielfältige Gruppe der feinstofflichen Prinzipien; oder Ishvara, Urnatur, Einsicht und die Gruppe von der Ich-Bildung an, 16.145 neunfach, o bester Weiser; oder ausführlich, der Reihe nach von Ishvara bis zur Erde. 16.146 Von der Stirn bis zu den Füßen [ordne man sie] nach den verschiedenen Orten an, o Narada; das [höchste] Prinzip vergegenwärtige man als alldurchdringend, und alle als in ihm aufgegangen. 16.147 Wie im Haus durch eine Lampe viele verschiedene Orte sichtbar werden, das aus ihr hervorgegangene Licht aber wegen seiner Ausbreitung nicht 16.148 als gesonderte Gestalt wahrgenommen wird, so vergegenwärtige man die Prinzipiengruppe, o Weiser, ungetrennt und doch unterschieden, miteinander verbunden. 16.149 Mit der rechten Erkenntnisschau reinige und verbinde man sie in der Einsicht. So erkenne die Unterscheidung hinsichtlich des Einen als nicht getrennt. 16.150 Die Einheit dessen, was an verschiedenen Orten besteht, ist eben sein Verbundensein. Bei einmaliger Aussprache vergegenwärtige man Ishvara überall. 16.151 Bei zweimaliger Aussprache vergegenwärtige man Ishvara und im Manifestierten das Urnatur-Prinzip als alldurchdringend und Körpergestalt annehmend. 16.152 Bei dreimaliger Aussprache vergegenwärtige man den Herrn vom Scheitel bis zum Herzen, die Urnatur vom Herzen bis zum Nabel 16.153 und die Gruppe der feinstofflichen Prinzipien vom Nabel bis zu den Füßen. Höre ebenso die neunfache Ordnung, o bester Weiser. 16.154 Ishvara stelle man sich am Kopf bis zu den Ohren vor, die Urnatur in der Brust, die Einsicht im Nabel, die Ich-Bildung am unteren Wurzelbereich. 16.155 Das feinstoffliche Klangprinzip [befinde sich] in den Oberschenkeln, das Berührungsprinzip im Gelenkbereich, das Formprinzip in den Unterschenkeln und das Geschmacksprinzip an den Knöcheln. 16.156 Das Geruchsprinzip [vergegenwärtige man] an den Füßen, mit Keimsilbe und Meditation, im Körper des Schülers und in der mit neun Knoten versehenen Schnur. 16.157 Oder der Meditierende betrachte bei der Einweihung [sämtliche Prinzipien] bis zur Erde. An der Stirn [meditiere er] unmittelbar über Ishvara, bewusstseinsförmig, mit Gesichtern überall, 16.158 erfüllt von uneingeschränkter Herrschaft, mit seiner eigenen Keimsilbe, o Einsichtsvoller. Ebenso meditiere er beim Schüler und opfere danach. 16.159 Mit der eigenen Keimsilbe [opfere er] einhundertachtmal, die Hälfte, ein Drittel, ein Viertel oder die Hälfte eines Viertels davon, nachdem er die Kraft des Unmanifestierten erkannt hat. 16.160 Nach dem Opfer fülle er den Löffel mit der Gabe und [heilige damit] den Schüler [Verb unsicher]; über dessen Scheitel [vollziehe er die Zuordnung] und gieße die Gabe wie eine vollständige Darbringung, mit Svaha endend, in die Grube. 16.161 Im obersten Knoten der Schnur vergegenwärtige er entsprechend jenes Prinzip. Nachdem so zusammenfassend das Samapata-Opfer für Ishvara vollzogen ist, 16.162 vergegenwärtige er zwischen den Augenbrauen die Urnatur mit ihrem eigenen Mantra, einer Masse von Zinnober gleich, und opfere ebenso. 16.163 In der Gaumenmitte vergegenwärtige er die Einsicht, weiß wie Mondstrahlen; [die Ich-Bildung] wie Saflorfarbstoff, wie ein durch den Raum wanderndes Leuchtkäferchen, 16.164 am Gaumenansatz. Zwischen Gaumen und Ohren [vergegenwärtige er den Geist], der den Saphirglanz übertrifft und einer Kadamba-Blüte gleicht [Lesung teilweise beschädigt]. 16.165 So stelle er den Zusammenhang des Geistes her und sättige ihn wie zuvor. Von den Ohren bis zum Herzlotus vergegenwärtige er in fünf gleichen Abschnitten 16.166 die fünf Wahrnehmungsorgane vom Gehör an, leuchtend wie funkelnde Sterne. Mit ihren jeweils eigenen, zuvor erklärten Keimsilben meditiere er und sättige sie wie zuvor. 16.167 [Textlücke.] Von der Lotus-Stätte bis zum Nabel vergegenwärtige er wie zuvor in fünf Abschnitten die fünf Tätigkeitsorgane von der Sprache an mit ihren eigenen Keimsilben. 16.168 Jedes einzelne spreche er der Reihe nach aus, opfere und setze es ein. Vom Nabel bis zum oberen Blasenbereich [vergegenwärtige er] in fünf gleichen Abschnitten 16.169 die feinstofflichen Prinzipien vom Klang bis zum Geruch, mit ihren eigenen Eigenschaften versehen und von strahlendem Lichtglanz. 16.170 Am Ansatz der Oberschenkel, in ihrer Mitte, im [unklar bezeichneten] Bereich und darunter, am Unterschenkel, bis zu den Gelenkstellen und an den ganzen Füßen der Reihe nach [Ortsangaben unsicher], 16.171 betrachte er die fünf Elemente Raum, Wind, Feuer, Wasser und Erde. Die Raumsphäre stelle er sich gestaltlos und von der Farbe schwarzer Augenschminke vor, 16.172 die Windsphäre blaugelb, die Feuersphäre honigbraun, die Wassersphäre perlengleich und die Erdsphäre goldgelb wie ein Edelstein. 16.173 Mit Meditation [spreche er] Om, dann die Keimsilbe und Namah. Zur selben Zeit [verwende er] für das Feueropfer die Keimsilbe mit Pranava am Anfang, 16.174 dann den jeweiligen Namen und Svaha. So ist die Vorschrift beim Samapata-Opfer. Der im Zustand jenseits des Vierten ruhende Guru erweise die Gnade 16.175 durch einmalige Aussprache, ohne die rituelle Handlung für den Schüler aufzugeben; im vierten Zustand durch zweimalige, im Tiefschlafzustand durch dreimalige Aussprache, 16.176 auf der Traumebene durch neunfache, im Wachzustand durch alle [Keimsilben]. Einmal, zweimal, dreimal, fünfmal oder fünfundzwanzigmal 16.177 opfere er beim Samapata-Opfer zur Stillung sämtlicher Gegensätze. Am Ende des Opfers vollziehe er die vollständige Darbringung, verbunden mit der Keimsilbenfolge, 16.178 mit dem Wurzelmantra vergegenwärtigt und Vaushat am Ende, o großer Weiser. Für den Purusha, der individuelles Lebewesen genannt wird, sind dies die Ebenen der Erfahrung. 16.179 Rastlos wandert er nach oben und unten hin und her, bis er durch den Guru richtig in die Mantragestalt eingesetzt worden ist. 16.180 Dort befindlich und durch die Strahlen der Shakti des Erhabenen gereinigt, geht er makellos nicht wieder den Stufenweg der Unreinheit. 16.181 Nachdem der Guru so zuerst das Samapata-Opfer vollendet hat, o Weiser, lege er die Prinzipien-Schnur in ein anderes Gefäß, 16.182 umwickle es mit weißem Faden, gehe [zum Krug] und übergebe es. Vor dem Krug oder im Nordwesten [ordne er] die Farbpulver, das kleine Gefäß, 16.183 die Schere, [eine] mit Reis gefüllte [Schale; Zuordnung unsicher], die Kirana genannte Schnur sowie einen goldenen, silbernen oder kupfernen Stift an. 16.184 Alles, auch Weihrauch und Licht, verehre er mit dem Wurzelmantra, o Narada, berühre und betrachte es und bedecke es mit einem Tuch. 16.185 Danach gehe der Guru mit den Schülern durch das Tor nach draußen, treibe die Geister mit dem Waffen-Mantra in die Ferne und werfe eine Bali-Gabe aus, 16.186 bestehend aus Wasser, Reis, weißen Senfsamen und Dickmilch. Mit einem mit dem Waffen-Mantra besprochenen Stab ziehe er ringsum einen Graben. 16.187 Nach dem rituellen Nippen setze er sich nach Osten oder Norden gewandt hin und gebe den Schülern der Reihe nach, entsprechend Stand und Stellung, 16.188 die fünf Kuhprodukte zur Reinigung von ungeeigneter Nahrung. Nach dem rituellen Nippen esse er mit den Schülern den Rest des Opferbreis. 16.189 Nach dem Essen bespreche er ein Zahnreinigungshölzchen mit dem Waffen-Mantra und kaue es. Neun, acht, sieben, sechs und fünf Fingerbreit [betragen die Maße], von Brahmanen an 16.190 bis zu Frauen und Kindern. Für den Guru beträgt es zwölf Fingerbreit; jeweils um eines vermindert bis zum Verpflichtungskundigen. 16.191 Nach dem Kauen lege man es ab, wasche es sorgfältig [Lesung unsicher], reinige den Mund gründlich und beobachte, wohin die Spitze fällt. 16.192 Fällt sie nach Norden, Westen, Nordosten oder Osten, ist dies günstig; in den übrigen Richtungen ist es als ungünstig zu deuten, o bester Brahmane. 16.193 Bei ungünstigem Fallen gelten sie als mit Fehlern behaftet, bei günstigem als fehlerfrei. Zur Stillung des Ungünstigen opfere der Guru am Morgen 16.194 hundertmal, tausendmal, mit zusätzlich acht [Darbringungen] oder nach dem eigenen Vermögen, o Zweimalgeborener, Sesam mit Früchten, Honig, Ghee und Milch vermischt. 16.195 [Er verwende] den vom Waffen-Mantra eingefassten Namen, verbunden mit Svaha; nach dem Namen stehen die Worte „Tilge, tilge den Fehler!“ 16.196 Nach rituellem Nippen und Waschen der Hände und Füße umschreite er gemeinsam mit dem Schüler alles rechtsherum, der Reihe nach die drei Stätten. 16.197 Der Guru bereite ein Lager mit dem Kopf nach Osten oder Süden. Unter dem Waffen-Mantra lege er Darbha-Gras und weiße Senfsamen darauf. 16.198 Dort vergegenwärtige man den erhabenen Narayana, den ungeborenen Alldurchdringenden, faste und verbringe eine Nacht in der übernommenen Disziplin. 16.199 Man wiederhole den Mantra hundertmal, halb so oft oder ein Viertel so oft, je nach Vermögen. [Seine Bildung lautet:] Zuerst Om, danach Prana auf Lokesha, 16.200 darüber den alldurchdringenden mondhaften [Laut], danach Hrim. Man füge die sechssilbigen Worte „dem Herrn der Träume“ hinzu, 16.201 ferner „dem Herrn der Nacht“ und das dreisilbige „Vishnu“. Mit Svaha verbunden ist dies der zwanzigsilbige König der Traum-Mantras. 16.202 Um Mitternacht erhebe sich der Guru vom Lager, wasche Füße und Hände, nippe rituell Wasser und vollziehe den Nyasa. 16.203 Er beräuchere [den Herrn] auf der Opferstätte, führe die Feuergegenwart empor und stelle sie sich mit der Mantragestalt im Krug vereinigt vor. Dann fertige er das Mandala wie zuvor. 16.204 Er schmücke es, o Brahmane, und setze außen in die Richtungen acht mit dem Waffen-Mantra besprochene Pfeile, mit Früchten und Blumen geschmückt. 16.205 An den Pfeilen befestige er die in drei Abschnitte geteilte fünffarbige Schnur und verhülle [das Mandala] mit Tüchern, sodass kein anderer es sieht. 16.206 Denn wer Vollendung wünscht, soll das Farbpulverbild weder während der Herstellung noch nach seiner Fertigstellung jemandem zeigen, solange es nicht verehrt ist, o Weiser. 16.207 Am Morgen wecke er die Schüler und frage nach günstigen und ungünstigen Träumen. Guru, Gottheit, Brahmane, Mädchen, Kuh, Elefant, Pferd, Löwe, 16.208 Spiegel, Muschelhorn, große Trommel, Saiteninstrument, Weinen [oder: Schönheit; Lesart unsicher], Betelessen und das ehrende Begrüßen mit Dickmilch, 16.209 gekochte Speise, rohes Fleisch, Rauschtrank, Frau, gegorene Getränke, Schirm, Fahrzeug, weißes Gewand und weißer Sandel, 16.210 Girlande, Perlenkette, voll aufgegangener Mond, die stark strahlende Sonne am Himmel, Fluss und großer Ozean, 16.211 blühender Baum, Reis, Safran, gelber Rochana-Farbstoff, Honig, geröstete Körner, weiße Senfsamen, Saatgut, neues Gefäß und Milchreis, 16.212 ebenso ein asketisch übender Lehrer, eine singende schöne Frau und andere Erscheinungen, die den Geist erfreuen und in der Welt als lobenswert gelten: 16.213 Alle diese Träume erkenne als günstig, als Vollendung und Befreiung gewährend. Andere, gegenteilige, die dem Geist Kummer bereiten, 16.214 missbilligte und von der Welt verabscheute Träume bringen Ungünstiges. Nachdem er gefragt hat, vollziehe er das beim Zahnreinigungshölzchen erklärte Opfer, o Weiser, 16.215 oder zur Befriedung allein mit Ghee und dem Löwen-Mantra. Danach bade der Guru mit den Schülern und trete wie zuvor ein. 16.216 Zur Beruhigung von Zuwenig und Zuviel opfere er mit allen Mantras. Danach verehre er das Mandala nach der zuvor erklärten Vorschrift, o Weiser. 16.217 Nachdem er alles bis zum Ende des Feueropfers ausgeführt hat, führe er die Schüler hinein; wie zuvor verbinde er ihnen die Augen und lasse sie der Reihe nach die Hände mit Blumen füllen 16.218 und diese, mit Gold, Edelsteinen und Perlen versehen, auswerfen. Danach öffne er ihre Augen und zeige ihnen alles. 16.219 Sie sollen hingebungsvoll mit achtgliedriger Verneigung zu den Füßen des Gurus niederfallen und mit geneigtem Haupt das Mandala zweimal rechtsherum umschreiten. 16.220 Danach gehe der Guru zum Feuer und setze sich. Er setze das vorzügliche Mantra-Mandala in die Feuerstätte ein 16.221 und opfere erneut vorschriftsmäßig mit den auf Svaha endenden Mantras, für die Göttinnen, Glieder, Satya und Waffen [Lesung unsicher], mit Sesam und Ghee nach Vermögen. 16.222 Nachdem er alle Mantras gesättigt hat, o bester Weiser, [vollziehe er] zur Einleitung der Einweihung nach einer Zehnteilung 16.223 ein weiteres Opfer zur Befähigung zur Mantraverehrung; für jeden Mantra opfere er der Reihe nach fünfmal fünf Darbringungen. 16.224 So entsteht die Befähigung zu Japa, Feueropfer, Schriftunterweisung und Verehrung. Zur Reinigung von Unreinheit bei der Einweihung [opfere er] für den Wurzelmantra einhundert 16.225 und achtmal, mit Ghee oder nach Wunsch mit Sesam; für die Göttinnen fünfundzwanzigmal, für die Glieder zehnmal, 16.226 für den Löwen und die übrigen achtmal, danach für Kaustubha und die übrigen siebenmal, o Weiser; für Satya und die übrigen sind sechs [Darbringungen] gelehrt, 16.227 für den siebensilbigen Mantra fünf. Die vollständige Darbringung gieße er mit Ghee und dem Wurzelmantra aus. 16.228 Dann kommt die allgemeine Mantra-Einweihung zustande, durch die der Guru [den Schüler] auch ohne Erkenntnis der eigenen Wesensgestalt hinüberführen kann. 16.229 Den Namen des jungen Schülers soll er jedoch mit den Mantras einfassen, o Zweimalgeborener. Damit sind zusammenfassend die Merkmale des Feueropfers bei der reinen Mantra-Einweihung 16.230 erklärt. Höre nun die Einweihung mit den Wirklichkeitsprinzipien. Bei der Einweihung muss der Guru deren Ordnung kennen, 16.231 damit er das zu Erkennende im Vollzug leicht umsetzen kann. Durch die Macht der Mantrareinigung wird der Guru rein; 16.232 durch die Macht der Reinheit des Gurus wird die Mantragruppe beständig. Durch Feueropfer und innere Verbindung nach dem zuvor erklärten Verfahren 16.233 [geschieht dies] in der ausführlichen oder mittleren Einweihung; vernimm es. Wenn die feinstofflichen Prinzipien vom Geruch an der Reihe nach gereinigt sind, 16.234 werden die fünf Elemente von der Erde bis zum Raum rein. In ihnen sind die beiden Gruppen der Organe enthalten, 16.235 zuerst die Tätigkeitsorgane, dann die Wahrnehmungsorgane. So sind durch Reinigung der feinstofflichen Prinzipien zwanzig Wirklichkeitsprinzipien gereinigt. 16.236 Durch Reinigung der Ich-Bildung gilt hier der Geist als gereinigt; durch reine Einsicht sind die Vorstellungen samt ihren Verkehrungen gereinigt. 16.237 Durch reine Urnatur sind Manifestiertes und Unmanifestiertes gereinigt; durch reinen Ishvara wird der bewusste Purusha rein. 16.238 Das höchste Prinzip braucht keine Reinigung; dort gelangt er zum Für-sich-Sein. Genau dort, dessen Wesen das höchste Brahman ist, lasse man ihn aufgehen, 16.239 durch die Ordnung der Erkenntnis-Einweihung nach der Reinigung der Prinzipien. Nachdem der beste Vedakenner dies zunächst zusammenfassend erkannt hat, 16.240 reinige er der Reihe nach den Wirklichkeitsweg der nach Befreiung strebenden Schüler. Höre aufmerksam von mir, wie dies ausführlich geschieht. 16.241 Die Mantragruppe, die im Feuer als himmelsraumgleich und alldurchdringend vergegenwärtigt und eingesetzt ist: In ihrer Mitte 16.242 ordne man meditierend die gesamte Prinzipienfolge ein, von Prinzip zu Prinzip. Den Schüler lasse man im Lotussitz neben sich Platz nehmen. 16.243 Man betrachte und besprenge ihn wie zuvor und berühre ihn mit der Mantrahand. Zuerst [vollziehe man] dreifach die Hervorbringung von Ishvara bis zur Erde, 16.244 in der eigenen Wesensgestalt, und nehme sie wieder zurück. Danach stelle man sich die Hervorbringung im Körper des Schülers der Reihe nach deutlich vor. 16.245 Dadurch bewirkt man bei Beginn der Einweihung rasch das Erwachen der ihrem Wesen nach unbewussten Prinzipien im Körper des Schülers. 16.246 Dann gehe man zum Mantra im Krug und bitte innerlich um Erlaubnis. Hat man sie erhalten, nehme man die eingehüllte Fesselschnur auf, 16.247 gehe zur Grube, öffne die Hülle und lege sie nieder. Durch tausend oder hundert Darbringungen sättige man 16.248 mit dem Wurzelmantra den Erhabenen, die höchste Ursache der Schöpfung. Die vollständige Darbringung ist am Ende der Einweihung zu geben, o bester Weiser, bei einem oder mehreren Verfahren, nicht bei jeder einzelnen Handlung. 16.249 Durch Samadhi bringe man die Gestalt des Schülers in den Zustand einspitzigen Bewusstseins. 16.250 Nun [wirke man] mit dem durch Mantra-Japa erweckten Wurzelmantra: Eine Blume bespreche man vielfach mit dem Wurzelmantra, 16.251 verbunden mit Hum und Phat am Ende, und berühre damit schlagend sein Herz. So erwecke man rasch den im Körperinneren Befindlichen. 16.252 Zuerst [vergegenwärtige man] im Erdprinzip Geburt, Offenbarwerden des Bewusstseins und wahre Durchdringung des jeweils in seiner eigenen [Stätte] Befindlichen. 16.253 Durch die Macht der Erweckung durch den Mantra [vergegenwärtige man] dort die Herrschaftsstufe, die durch diese Herrschaft mögliche Erfahrung und dann die Sättigung daraus. 16.254 [Man vergegenwärtige] den Abschluss der Erfahrung des Lebewesens und am Ende der Erfahrung seine Trennung davon. Danach ist es von Prinzip zu Prinzip der Reihe nach emporzuführen. 16.255 So stelle man sich in jedem Prinzip die verschiedenen Vorgänge vor, o Narada, und opfere für jedes Prinzip hundert Darbringungen. 16.256 Mit der mit dem Mantra verbundenen Keimsilbe opfere man für sämtliche Prinzipien. Man spreche den inneren Wesens-Mantra, danach das zweisilbige „dieses“, 16.257 dann den Namen des Schülers und die Keimsilbe des Prinzips; nach der Keimsilbe dessen Namen und danach das Wort „Reinige!“. 16.258 Darauf [spreche man] Svaha, dann „Führe zur Ruhe!“ und die Verneigung. Dies ist der Mantra für die Feuerhandlung. 16.259 Man vergegenwärtige das Prinzipienjuwel als zum Schüler gehörig [unsichere Lesung], zunächst das erdhafte, durch das Bewusstseinsverfahren auf die Spitze des Opferlöffels gelegt. 16.260 Eben dieses betrachte man in den Wesensweisen von Entfaltung, Vyuha und Feinstofflichkeit. Man schneide den Erd-Knoten aus der Schnur und lege ihn auf die Spitze des Opferlöffels. 16.261 Mit einer vollständigen Darbringung und dem Elefantenhaken-Mantra setze man ihn ins Feuer ein, o Narada. So führe man durch das Rücknahmeverfahren im höchsten Mantra-Ursprung, 16.262 der flammend in der Opfergrube gegenwärtig ist, das Erdprinzip zur Ruhe. Nach derselben Ordnung verfahre man mit dem Wasserprinzip, o bester Brahmane. 16.263 Ebenso nehme man es zurück und [opfere] seine vollständige Gabe mit dem Schlingen-Mantra; die des Feuers mit Garuda, die des Windes mit der Keule. 16.264 Danach gebe man bei der Verbindung des Raumes die vollständige Darbringung mit dem Rad-Mantra, zur Reinigung des feinstofflichen Geruchsprinzips mit dem Muschelhorn-Mantra, o Narada, 16.265 zur Reinigung des Geschmacksprinzips mit dem Lotus-Mantra, zur Reinigung des Formprinzips mit dem Girlanden-Mantra. 16.266 Für das Berührungsprinzip verwende man Kaustubha, o bester Brahmane, für das feinstoffliche Klangprinzip Varaha. 16.267 Für die fünf [Tätigkeitsorgane] vom Zeugungsorgan bis zur Sprache verwende man Kapila, den Löwen, Waffen-, Augen- und Panzer-Mantra, 16.268 so ist stets zu verfahren, o bester Brahmane. Höre nun die Sinnesorgane: mit Schopf-, Kopf- und Herz-Mantra sowie Maya 16.269 und dem Jaya-Mantra [verfahre man] bei der vollständigen Darbringung stets in der Rücknahmefolge vom Riechorgan bis zum Gehörorgan. 16.270 Für den Geist [opfere man] mit Kirti, für die Ich-Bildung mit Lakshmi, für die Einsicht die vollständige Darbringung mit dem gesamten Wurzelmantra. 16.271 Mit der Fünfergruppe von Satya an führe man die Urnatur zur Auflösung; den Purusha führe man stets an der Ishvara-Stätte zur Ruhe. 16.272 Der Guru tue dies mit klarem Geist durch die vollständige Darbringung mit dem Siebensilbigen. In der Prinzipiengesamtheit gibt es kein höheres Prinzip als Ishvara. 16.273 Der Mensch ist vom Ishvara-Prinzip Stufe um Stufe herabgestiegen; dadurch erscheint er beständig, obwohl sein eigenes Wesen Ishvara ist. 16.274 Deshalb führe man ihn durch die Einweihungsordnung empor und setze ihn wieder dort ein. Dort lasse man den jungen Schüler aufgehen, wenn es um Erfahrung und Erfüllung geht. 16.275 Der Eingeweihte, in sich selbst ruhend und rein, heißt „auf Ishvara gegründet“. Als allumfassendes Wesen meditiere er über die lautlose Gestalt, 16.276 den anfangs- und endlosen Gott, Achyuta von unwandelbarer Gestalt. Nach der Meditation über Narayana [betrachte man] den Wurzelmantra in umgekehrter Reihenfolge, 16.277 dessen Gestalt von höchstem Nektar bewegt ist, Nektarfluten ausströmend, unvergleichlich, dem Denken und den Sinnen unzugänglich, 16.278 Mond und Sonne gleich, durch das Ausströmen Verbindung tragend. Mit Vaushat am Ende ist die vollständige Darbringung zu geben, o Narada. 16.279 Nachdem man diese vollständige Darbringung zur Erfahrung und Erfüllung gegeben hat, gieße man eine weitere, mit allen Merkmalen versehene vollständige Gabe zur Befreiung aus. 16.280 [Man betrachte den Schüler] mit sämtlichen gereinigten Prinzipien, oberhalb Ishvaras befindlich, durch den lautgestaltigen Mantra wie Achyuta, der die drei Gottheiten umfasst. 16.281 Den Schüler meditiere man in gegliederter Gestalt, sich selbst in ungeteilter; die zur vollständigen Darbringung erhobene Opferbutter als gegliedert und ungeteilt. 16.282 Den Körper des Schülers [betrachte man] zunächst durch innere Vergegenwärtigung als von Karma geschieden. Danach verbinde man die beiden an der Spitze des Opferlöffels zur Einheit. 16.283 Schüler und Opferbutter gestalte man wie zuvor in ungeteilter Wesensform. Das eigene, im Wesen des Lehrers ruhende Bewusstsein [führe man] allmählich weiter, 16.284 bis es die Stätte der eigenen, ganz erfüllenden Glückseligkeit erreicht. Dann, in der eigenen Glückseligkeit ruhend, an der unvergleichlichen Stätte großer Wonne, 16.285 vergegenwärtige der Guru Achyuta, jenseits der sechs Wogen und sechs Eigenschaften, ohne die Abfolge von Mantra und Mudra, als göttliche Entfaltung seiner eigenen Kraft. 16.286 Dann [meditiere er] über die leuchtende Gestalt bis zur Wesensform von Erkenntnis und Klang [Lesung unsicher] und spreche den siebensilbigen Mantra aus, o Zweimalgeborener. 16.287 Mit dessen Abschluss und Vaushat am Ende opfere er die vollständige Darbringung. Danach opfere der Guru zur Festigung des Eingehen in Brahman 16.288 mit zehn großen Bezeichnungen, jeweils mit Pranava am Anfang und Namah am Ende: „Dem Undenkbaren, dem Unbezeichenbaren, dem Unvergleichlichen, dem Leidfreien, 16.289 dem Feinen, dem Allgegenwärtigen, dem Ewigen, dem Beständigen, dem Unvergänglichen, dem Herrn.“ Mit jeweils zehn Darbringungen [vollziehe er dies], dann wiederum eine vollständige Gabe. 16.290 Nachdem er den Schüler, sich selbst und das Höchste wiederum als das Höchste meditiert hat, gieße er wie zuvor eine dritte große vollständige Darbringung mit Vaushat am Ende aus. 16.291 Wie Milch mit Milch und Wasser [mit Wasser] an einem Ort, o Brahmane, betrachte er den Schüler, sich selbst und den alldurchdringenden Vishnu 16.292 als in der Regungslosigkeit zu derselben Einheit gelangt, o bester Weiser. Dann wird die Vishnu-Einweihung befreiend, Befreiung und Erfüllung schenkend; durch das Verfahren der Prinzipienrücknahme entsteht Nichtwiedergeburt, o Weiser. 16.293 Der Guru, auf dem Gipfel des Brahman-Berges unverminderter Glückseligkeit und Erkenntnis ruhend, 16.294 lasse auf dem Hervorbringungsweg die göttliche, mantrahafte Stadt [des Körpers] herabkommen. Das Feueropfer für diesen Schüler ist abgeschlossen; zuvor wurde er von Vishnu erfüllt. 16.295 Mit dem Atem der Erkenntnis ziehe man ihn heran und stelle sich vor, wie er allmählich aus dem Ozean Vasudevas hervortritt und Stufe um Stufe herankommt, 16.296 wie ein Wasserstrom auf dem Weg der Hervorbringung. [Textlücke.] Im höchsten und feinstofflichen Mantra und im weiteren [Bereich; Satzanschluss beschädigt], 16.297 auf der reinen ursprünglichen Teil-Stätte, dem Entstehungsort der Prinzipien, gelangt er von Prinzip zu Prinzip [oder: nimmt diese auf; Lesart unsicher]. Dann ordne man sie ihm zu. 16.298 Man reinige das Bewusstsein des Schülers, hole es zur Erfahrung [Lesung bhāga/bhoga unsicher] aus Brahman herbei und setze es zur Begnadung der Verehrer in den Körper des Schülers ein. 16.299 Nachdem man so die Einweihung vollendet hat, die Vereinigung mit Vishnu gewährt, [betrachte man] den erhabenen Vishnu, alldurchdringend und inmitten des Feuers, 16.300 zuvor als höchste Mantragestalt meditiert, erneut in gegliederter Gestalt. Nach der Verehrung mit Arghya, Blumen und weiteren Gaben lasse der Guru die Verpflichtungen hören: 16.301 „Der eigene Mantra darf nicht weitergegeben und nicht in einer Versammlung ausgesprochen werden. Die eigene heilige Schrift ist verborgen zu halten und wie der eigene Körper zu schützen. 16.302 Den Namen des Gurus soll man nicht beliebig und achtlos irgendwo für sich allein nennen; gesammelt und hingebungsvoll soll man ihn aussprechen. 16.303 Man verbinde den Namen mit dem Pranava, danach mit dem Wort Vishnu und mit der Bezeichnung für seine Füße, mit geneigtem Haupt und gefalteten Händen. 16.304 Aus Verblendung soll man ihm keine Befehle erteilen und seinen Schatten nicht überschreiten; seinen Sitz, sein Lager und sein Fahrzeug soll man nicht besteigen. 16.305 Unerschütterliche Hingabe an Guru, heiliges Feuer, Mantra und Schrift, Mantra-Japa am Morgen und beständige Verehrung des Herrn [sind zu pflegen]. 16.306 Am Ende des Tages wiederhole man den Mantra nach Vermögen. Am zwölften Tag beider Monatshälften vollziehe man strenges Fasten. 16.307 Wer dazu nicht imstande ist, esse erst nachts, verbunden mit Geben und Verehrung. Höchste Hingabe [gelte] den Vishnu-Verehrern, besonders den Lehrern. 16.308 Man verehre sie nach Vermögen und schütze sie, wenn sie in Not geraten. Mudras und Gebetskette sind zu bewahren; der eigene Mantra darf nicht öffentlich gemacht werden. 16.309 Schon aus der Ferne [erweise man] Niederfallen und ehrfürchtige Verehrung der Füße des Gurus. Niemals soll man vor Hari auf einem hohen Sitz sitzen, 16.310 auch nicht auf einem mit Muschelhorn, Lotus oder Rad gekennzeichneten Sitz, o Narada. Nichts soll man genießen, ohne es Hari oder dem Guru dargebracht zu haben. 16.311 Die vom Mantra angenommenen Gaben, ehrendes Wasser und alles durch Mantras Geheiligte, das man aus Vishnus Heiligtum empfängt, trage man gesammelt auf dem Haupt. 16.312 Fällt es auf den Boden, gebe man es danach ins Wasser. Besondere Verehrung vollziehe man halbmonatlich, monatlich oder jährlich, 16.313 am zwölften Tag mit anderen Vishnu-Verehrern und einer glückverheißenden Nachtwache. Man unternehme eine Reise zum Heiligtum und gebe dort nach Vermögen. 16.314 Man lese und höre und pflege das Schriftstudium unermüdlich und beständig, ausgenommen die beiden zwölften Tage, 16.315 den ersten Tag, Vollmond, den achten und vierzehnten Tag, Finsternisse und Sonnenübergänge sowie [die Situation der Ankunft im Haus; Lesung unsicher] 16.316 des Gurus, eines Lehrerbruders oder einer Gemeinschaft von Vishnu-Asketen. Auf Straßen, an Kreuzungen und auf Wegen, in Gegenwart Nicht-Eingeweihter, 16.317 ebenso eines unverständigen Nicht-Vishnu-Verehrers oder ohne vorausgehende Verehrung soll der nach Heil Strebende keine Schrifterklärung geben oder anhören, o Weiser. 16.318 Zu deren Beginn verehre man den Guru, besonders auch in ihrer Mitte; am Ende [vollziehe man] eine besondere Verehrung, freudige Feier und ein großes Fest. 16.319 Neue Früchte, Wurzeln, Blumen, Duftstoffe und Speisen verwende man erst, nachdem man sie Guru und Mantra dargebracht hat. 16.320 Den eigenen Mantra verwende man niemals zur Erlangung gewöhnlicher Erfolge oder zum Schutz anderer, auch nicht in Notlagen. 16.321 Garuda-Riten und Geisterriten aber vollziehe man zum Wohl der Menschen, o Narada, aus höchstem Mitgefühl für Schutzlose oder für die Gemeinschaft. 16.322 Den erhabenen Vishnu vergegenwärtige man in Sonne und Mond, in Kühen, Ashvattha-Bäumen und Feuer sowie im Körper des Gurus und des Brahmanen. 16.323 Mutter und Vater erkenne man als Vishnu, ebenso den lieben Gast; den bei Vishnu Zuflucht Suchenden erkenne man als Vishnu und das eigene Selbst als Vishnu gleich. 16.324 Wo immer aus Neid Schmähung des Gurus zu hören ist, dort soll man nicht bleiben; man gehe fort und vergegenwärtige Hari. 16.325 Mit denen, die den Guru, den Herrn oder die Schrift geschmäht haben, o Narada, soll man niemals zusammenleben oder sprechen. 16.326 Durch Tat, Geist und Wort verletze man nicht die Ehefrauen anderer [Wortlaut paradārakān]. Beim ehrfürchtigen Umschreiten, beim Aufbruch und besonders beim Geben, 16.327 am Morgen und auf Reisen vergegenwärtige man vielfach den eigenen Mantra. Ob im Traum oder unmittelbar vor den Augen etwas Wunderbares und höchst Erfreuliches 16.328 unvermittelt geschieht: Man soll es niemandem außer dem Guru erzählen.“ Erkenne diese Gesamtheit der Verpflichtungen als allgemein, o Zweimalgeborener, 16.329 für die Stände von den Brahmanen an, für Verpflichtungskundige, geistige Söhne, Sadhakas und Lehrer. Aus ihnen [wähle man] wohltuende, 16.330 nicht widersprüchliche und nicht bedrückende [Verpflichtungen] für Frauen und Kinder, o Narada. Frauen erteile man besonders solche, die mit Hingabe an den Ehemann verbunden sind. 16.331 Einer Frau ohne Ehemann übertrage man das Bestreichen und Reinigen von Haris Heiligtum sowie Selbstbeherrschung und maßvolles Essen. 16.332 Durch Bewahrung der Verpflichtungen entsteht bald Vollendung; dem Verpflichtungskundigen wendet sich der Mantra stets zu. 16.333 Für den Verpflichtungskundigen werden die Vollkommenheiten bis hin zur Befreiung verwirklicht. Nachdem der Guru vor dem Feuer so die Verpflichtungen erteilt hat, o Brahmane, 16.334 bringe er ein Stirnzeichen aus Asche an und gehe vor das Mandala. Dort verehre er den Mantraherrn vorschriftsmäßig wie zuvor, o Weiser. 16.335 Dann lege er die Vishnu-Hand auf Scheitel, Rücken und Herzmitte [des Schülers] und berühre ihn mit der Mudra ganz, vom Scheitel bis zu den Fußsohlen. 16.336 Er lasse den Schüler den Mantra aussprechen, verbunden mit Nyasa und Herzverehrung. Mit dem Mantra und verschiedenen Gaben, wie sie dem Anlass entsprechen, 16.337 verehre [der Schüler] den im Krug Gegenwärtigen hingebungsvoll, mit derselben Mantra-Hingabe wie den Gott. Danach verehre er den Guru durch achtgliedriges Niederfallen. 16.338 Den Kopf an dessen Fußsohlen gelegt, spreche er mit Freudentränen: „Mit Kindern, Ehefrau und Besitz bin ich dein Diener, Herr.“ 16.339 Mit innerer Hingabe bringe er dem Guru sich selbst dar, o Zweimalgeborener, [ferner] ein Dorf, eine Menge Edelsteine oder verarbeitetes und unverarbeitetes Gold, 16.340 zusammen mit Elefanten, Pferden, Wagen, Fußsoldaten, Dienerinnen und Dienern – was jeweils angemessen ist oder den Guru erfreut. 16.341 Selbst wenn man alles gäbe, wäre die Schuld gegenüber dem Guru nicht getilgt. Durch reine Hingabe, durch seine Verehrung mit Früchten und Wasser, 16.342 ohne Hintergedanken, o bester Brahmane, wird man dem Guru gegenüber schuldenfrei. Danach erfreue der Lehrer die Pāñcarātra-Vishnu-Verehrer [Lesart unsicher], 16.343 nach Vermögen und ohne Täuschung, mit Essen und Gaben. Mit glückverheißenden Liedern, Instrumenten, Lobgesängen und Gesprächen über die Schrift 16.344 verbringe man die Nacht, drei, sieben oder fünf Nächte. Mit Verehrung, Japa und Feueropfer [handle] der vertrauensvolle Eingeweihte. 16.345 Nach der zuvor gelehrten Vorschrift verabschiede er Hari der Reihe nach von den drei Stätten und verehre anschließend Vishvaksena wie zuvor. 16.346 Nach dem zuvor erklärten Verfahren bereite man zwei reine Krüge, gefüllt mit Honig, Ghee und Milch; mit dem einen übergieße man die Verehrungsstätte. 16.347 Den zweiten bespreche man mit dem Wurzelmantra, in der Mondsphäre befindlich, und stelle ihn zunächst für das Soma-Trinken bereit. 16.348 Den Krug, mit dem das Mandala überflutet wurde, nehme der Guru auf die linke Handfläche, nachdem er ein Fahrzeug bestiegen hat, o bester Zweimalgeborener. 16.349 Auf dessen Rückseite lege er die rechte Hand und wiederhole den König der Waffen-Mantras, o Weiser. Von Schülern umgeben ziehe er aus, mit glückverheißenden Zeichen voran, 16.350 mit Trommel- und Muschelhornklang. Er gebe die Verehrungsgaben ins Wasser, wasche Hände und Füße, nippe rituell Wasser und vollziehe den Nyasa. 16.351 Den Krug bringe man mit Wasser gefüllt zurück, o Narada, darin [Material] von den ins Wasser gegebenen Verehrungsgaben, Blumen, Arghya und anderem [Lesung unsicher], 16.352 mit Früchten und Zweigen im Inneren, einer Blumengirlande um den Hals, mit weißem Stoff bedeckt und mit sämtlichen Mantras besprochen. 16.353 Nach dem Eintritt in den Verehrungsraum setze sich der Guru in dessen Mitte, nach Anwendung des Thron-Nyasa, nach Osten oder Norden gewandt. 16.354 Der Reihe nach übergieße er die Köpfe der Eingeweihten in einem Wasserstrom, unter ununterbrochener Verwendung von Rad-, Waffen- und Löwen-Mantra, zur Vollendung der danach Strebenden. 16.355 Am Ende jeder Einweihung gewähre der Lehrer den Schülern aus Mitgefühl sorgfältig nach diesem Verfahren das glückverheißende Abschlussbad. 16.356 Wie bei der Weihe von Lehrern und Sadhakas, o Weiser, so bereite man stets auch für das Abschlussbad den Bade-Krug. 16.357 Nachdem [der Schüler] mit diesem glückverheißenden Krug, der alle heiligen Badeplätze umfasst, gebadet worden ist, verehre er den Guru samt seiner Ausstattung erneut. 16.358 Der verehrte und zufriedene [Guru] reiche danach der Reihe nach den Soma-Trank in Gefäßen, die mit dem Waffen-Mantra besprochen und mit der Mondsphäre verbunden sind. 16.359 Jedes einzelne Gefäß fülle er mit Mudra und Nektar, durch den Nektar-Mantra in der Gestalt einer Nektarfülle. 16.360 Am folgenden Tag vollziehe der Schüler von wahrer Tatkraft die Guru-Verehrung mit großem Aufwand, o Weiser. 16.361 Er fertige mit reinen Farbpulvern ein längliches rechteckiges Mandala und lege auf ein Brett einen mit Baumwolle gefüllten Sitz. 16.362 Der junge Schüler verehre dessen Grundlagen der Reihe nach mit Blumen und weiteren Gaben. Er salbe [den Guru], reibe ihn ein, lasse ihn Platz nehmen, bestreiche ihn und bekleide ihn mit schönen 16.363 Gewändern, Armreifen und Oberarmringen. Dann bitte er: „Nimm Platz!“ Denn heute ist der Erhabene Janardana in Gestalt des Gurus anzusprechen. 16.364 Den Sitzenden verehre man mit Blumen und weiteren Gaben sowie diesem Mantra: „Dem, dessen Gestalt Sonne, Mond und Feuer ist, die das Dickicht der Unwissenheit erhellen, 16.365 dem Guru, der die brennende Qual der drei Leiden stillt, die Verneigung!“ Man stelle reichliche, vielfältige reine Speisegaben vor ihn hin. 16.366 Vor ihm stehend fächere man ihm zu, ganz dem Dienst „Was darf ich tun?“ ergeben. Hat er gegessen, ist gesättigt und hat rituell Wasser genippt, verehre und massiere man ihn. 16.367 Wenn der Guru sich niedergelegt hat, o Brahmane, esse man selbst, nachdem man mit geneigtem Haupt und ruhigem Geist seine Erlaubnis empfangen hat. 16.368 Der Guru, der eine Einweihung nach dieser Ordnung vollzieht, und derjenige, für den sie vollzogen wird, o Brahmane, erlangen Befreiung. 16.369 Halte all dies stets vor Menschen ohne Hingabe verborgen; zeige es den Hingebungsvollen, besonders denen, die der heiligen Lehre vertrauen. So endet in der Jayakhya Samhita des heiligen Pāñcarātra das sechzehnte Kapitel, „Die Ordnung der Einweihung“.


Kapitel 17 – Die verschiedenen Arten von Schülern

Narada sprach: 17.1 Erhabener, ich möchte von dir die vorzüglichen Merkmale von Sadhaka, Lehrer, Verpflichtungskundigem und geistigem Sohn wahrheitsgemäß erfahren. 17.2 Was soll der Verpflichtungskundige tun, was der geistige Sohn ausführen? Wie lebt der Sadhaka, und was tut der Lehrer? Der erhabene Herr sprach: 17.3 Wer höchste Hingabe an den Mantra besitzt, enthaltsam lebt und die Sinne beherrscht, wahrhaftig spricht, geschickt und standhaft ist, mit Schamgefühl, Vertrauen und Einsicht, 17.4 fest im Gelübde, rein und ganz der Verehrung des Gurus ergeben, der tue täglich Gutes, heiteren Sinnes und freundlich sprechend. 17.5 Hat er die Erlaubnis erhalten und besitzt er Mittel, verehre er [den Herrn] durch ein großes Opfer [oder: durch den Guru; Wortlaut mehrdeutig]. Auch suche er andere Orte auf und schaue die dortigen Verehrungen. 17.6 Die verehrte und mit Gaben geehrte Schrift Vishnus höre er stets. Alle Verpflichtungen bewahre er, beginnend mit der Vergegenwärtigung des Mantras. 17.7 Mit den Gestalt-Mudras von Muschelhorn, Rad, Keule und Lotus verehre er an Tagen wie dem zwölften Mondtag, jedoch ohne Feueropfer. 17.8 Lesen und Hören pflege er beständig, auch ohne [eigene tägliche] Verehrung. Nachdem er den Sinn der Schrift vorschriftsmäßig erkannt hat, verbunden mit rechter Ordnung und Lebensführung, 17.9 bewahre er die aus dem Haus des Gurus hervorgegangene rechte Praxis. Mit diesen Merkmalen ausgestattet, bitte er den Guru erneut 17.10 um die tägliche Verehrungserlaubnis. Dieser heißt Samayin, Verpflichtungskundiger, o Narada. Der Guru erkenne ihn anhand der genannten Merkmale und Verpflichtungen genau 17.11 und erfülle den Wunsch, um dessentwillen er gebeten wird [Lesung unsicher]. [Der Schüler] ertrage Mühe und die Verrichtungen für das Haus des Gurus. 17.12 Mit dessen Mitteln fertige der Guru ordnungsgemäß ein Mandala, mit Farbpulver, Blättern, Blumen und weiteren [Stoffen], entsprechend ihrer Verfügbarkeit [Lesung unsicher]. 17.13 Dann mache der Guru den verpflichtungskundigen Schüler nach der vorgeschriebenen Reihenfolge zum geistigen Sohn [Lesart putra]. Von diesem Zeitpunkt an soll er Vishnu [täglich] verehren. 17.14 Selbst in Lebensgefahr bewahre er [die Verehrung] sorgfältig vor Ausfall, o bester Brahmane. Für ihn ist kein Feueropfer vorgeschrieben, sondern nur Verehrung um des Dharma willen. 17.15 Wer der täglichen Verehrung ergeben und mit den zuvor genannten Eigenschaften geschmückt ist, gelangt durch Hören und Nachdenken über die Schrift zu höherer Reife. 17.16 Janardana in seinem Herzen verleiht ihm sehnsuchtsvolles Verlangen. Dann bitte er den Guru um die [weiterführende] Mantra-Sadhana. 17.17 [Es bedarf] höchster Dienstbereitschaft aus Hingabe; dann [erfolgt] durch den Guru der Übergang. Mit schrittweise gesteigerten Eigenschaften versehen, beständig und gesammelt, 17.18 in seinem anvertrauten [Weg] von unerschütterlichem Vertrauen, in den Sinn der Schrift eingedrungen und hochgesinnt, verehre er den Mantra erneut durch ein Opfer zur gewünschten Vollendung. 17.19 Geweiht, mit Erlaubnis versehen, von Standhaftigkeit und Tatkraft erfüllt, gehe er an einen einsamen, menschenleeren Ort, eine Wohnstätte Narayanas, 17.20 fern von Verwandten und besonders von schlechten Menschen: an einen heiligen Ort, in ein Heiligtum oder auf einen von Widerstreit freien Berg, 17.21 mit Wasser und reichlich Früchten, erfreulich und nahe einer Höhle; in einen Wald oder Hain, bekannt und von Vollendeten aufgesucht. 17.22 Ohne Verlangen nach der Verwandtschaft, nachdem er die frühere Bindung gelöst hat, [lebe er dort] oder im eigenen Haus, erfüllt von Schriftstudium, Reinheit und Zufriedenheit. 17.23 Mit reiner innerer Haltung vollende er den ersehnten Mantra; in bequemer Sitzhaltung auf einem Sitz, den er als [von göttlicher Gegenwart] durchdrungen vergegenwärtigt hat, 17.24 mit heiterem Gesicht und nach vollzogenem Nyasa wiederhole er [den Mantra] hunderttausendmal, auf das Ziel gesammelt. Wo immer er weilt, sei der Mantra zu seinem [inneren] Feld geworden. 17.25 Auch wenn die Zungenspitze von der Ausführung ablässt, übe er weiter [inneres] Japa. Zur Vollendung der Verehrung des Mantras [bereite er] Arghya, o Weiser, 17.26 und bringe es von da an mit dem Herz-Mantra dar, o Narada. Er lebe von Opferbrei, Früchten, erbettelter Speise oder Milch. 17.27 Er esse Gemüse, Wurzeln und Knollen, entsprechend seinem Unterhalt, [oder] reinen Reis mit Ghee, ohne unmittelbar hinzugefügtes Salz [Wortlaut teilweise unklar]. 17.28 Freudig, zufrieden und heiteren Sinnes beginne er das für die jeweilige Zeit vorgeschriebene Japa. Wer dies täglich ausführt, o bester Weiser, 17.29 vergegenwärtige am Ende der Nacht auf dem Lager Narayana, den Alldurchdringenden. Er erhebe sich über die rechte Schulter und setze den linken Fuß auf die Erde. 17.30 Bei jedem Schritt den Waffen-Mantra vergegenwärtigend, gehe er weit vom Wohnort fort, o Zweimalgeborener. Dort verrichte er seine Notdurft, den Kopf mit einem Tuch verhüllt. 17.31 Er blicke weder in die Richtungen noch in den Himmel; danach gehe er zur Wasserstelle. Er reinige sich wie zuvor und nippe vorschriftsmäßig Wasser. 17.32 Nach dem Kauen des Zahnreinigungshölzchens bade er, o Narada, nach der allgemeinen Vorschrift mit dem Waffen-Mantra und wiederhole die Vishnu-Gayatri 17.33 einmal, dreimal, fünfmal oder siebenmal, nach seinem Vermögen. Dann kehre er in seine Wohnstätte zurück und verehre den Mantra mit Blumen, 17.34 für sich allein auf dem Schriftthron oder im eigenen Körper, o Weiser. Nach der Verehrung übe er Japa während zweier Tageswachen. 17.35 Danach bade er wie zuvor nach der besonderen Vorschrift und vollziehe alles zuvor Gelehrte bis zum Nyasa. 17.36 Nach Verehrung und Feueropfer beginne er Japa bis zum Tagesende. Er bade erneut, o bester Zweimalgeborener, 17.37 begehe vorschriftsmäßig die Abendandacht und verehre den Gott. Nach dessen Verabschiedung esse er stets beim Erscheinen der Sterne. 17.38 Nach dem Essen schlafe er auf einem weichen, angenehmen Lager auf dem Boden. Um Mitternacht oder im letzten Viertel der Nacht erhebe er sich, o Zweimalgeborener. 17.39 Er nippe rituell Wasser, vergegenwärtige den Gott, verehre ihn zügig wie zuvor und übe Japa nach seinem Vermögen; danach verehre er den Herrn, 17.40 wodurch er geschützt bleibt, o Brahmane, und nicht von unsichtbar gewordenen Vollendeten beeinträchtigt wird, die nach der Mantravollendung [des Übenden] verlangen. 17.41 Nach solcher Darbringung lasse er auf dem Lager erneut seine Ermüdung abklingen. Wer nach diesem Verfahren ganz der Mantraverehrung ergeben ist, 17.42 der heißt Sadhaka und ist als solcher zu erkennen, o bester Weiser. Er soll nirgends Handlungen des Verfluchens oder der Begnadung vornehmen. 17.43 Er soll weder Mantra noch Mudra noch Verpflichtungen weitergeben. Sämtliche Handlungen seiner eigenen Praxis halte er vor allen verborgen. 17.44 Zur Mantravollendung ist der Mantra stets geheim zu halten. Der Mantrakundige soll diese [Bewahrung] als mit der Vergegenwärtigung seiner alldurchdringenden Gegenwart verbunden erkennen. 17.45 Nachdem er Guru und Gottheit erfreut und die Schrift sorgfältig betrachtet hat, [werde er] ein standhafter Tantrakundiger und Mantraträger, durch beide [gestützt; Satzanschluss unsicher], ein hervorragender Zweimalgeborener. 17.46 Wenn der Guru seine Mantravollendung erkannt hat, soll dieser Schüler aus Gnade vom Guru geweiht werden [Lesung alternativ: ist geweiht]. 17.47 Mit dessen Mitteln vollziehe er wie zuvor die vierte Verehrung, rufe den mit den Merkmalen ausgestatteten Sadhaka herbei und verehre ihn. 17.48 Die Verehrung ist nach dem für die Auflösungsverehrung gelehrten Verfahren auszuführen, vollständig mit den zuvor erklärten äußeren und inneren Handlungen. 17.49 Im Feuer vollende er wie zuvor die „Erlöschen“ genannte Einweihung; danach weihe er ihn vorschriftsmäßig durch Begießung und übertrage ihm die eigene Befugnis. 17.50 Nach deren Annahme soll jener gegenüber anderen als Guru wirken und stets Verehrung und Feueropfer mit Japa und Meditation verbinden. 17.51 Er beseitige die Zweifel der Verehrer, auch ohne [unmittelbaren Rückgriff auf] die Schrift, und [übernehme] Begnadung, Fluch, Mantra-Eröffnung und Übertragung. 17.52 Nicht aus Gier, Anhaftung, Eigennutz oder um des Namens willen erweise er einem Wesen die Gnade; auch nicht einem betrügerischen Menschen. 17.53 Einem Furchtsamen, Bescheidenen, Hingebungsvollen oder Leidenden erweise er sie. Wer von rechtem Verhalten abgekommen ist, für den bewirke er stets durch Sühnehandlungen Frieden. 17.54 Die Unterscheidung der verschiedenen religiösen Gemeinschaften, der Vaikhanasas und aller übrigen Vishnu-Verehrer, soll er stets kennen, o Narada. 17.55 Mit wohlwollendem Geist weihe er einen hingebungsvollen, geeigneten Menschen auf die verschiedenen Weisen: um der Befreiung, der Befugnis und der Stillung des Leidens willen. 17.56 Opfergruben, Mandalas, Lotusse und Kultbilder zeichne und vermesse er; zum Nutzen der Schüler zeige er sie auch den Handwerkern. 17.57 Die Einsetzung des alldurchdringenden Gottes der Götter vollziehe er richtig, ebenso mit gleichmütiger Sicht die Aufstellung anderer Gottheiten, o Zweimalgeborener. 17.58 Auch für Menschen außerhalb der Vishnu-Tradition, die anderswo hingebungsvoll sind, [handle er] im Rahmen der Weisung ihrer Lehrer, wenn sie ihn um Furchtlosigkeit bitten [Satzanschluss unsicher]. 17.59 Nach dem in der eigenen Ritualordnung gelehrten Verfahren erweise er allen Gnade. Wenn darum gebeten, vollziehe er, o Brahmane, Verehrung und das Pavitra-Ritual. 17.60 Für eigene und fremde Schüler handle er frei von Gier. Gegenüber anderen, die die Schrift nicht kennen, bewahre er die Haltung eines Lehrers. 17.61 Er soll sie weder durch Argumentation noch durch Berufung auf die Überlieferung an sich ziehen [cumbukatva, wörtlich etwa „Magnet-Sein“]. Er häufe nicht übermäßig Güter und Geld an, o Narada. 17.62 Beständig übe er Loslassen und betrachte das gewordene Dasein als vergänglich. Wer mit solchen Merkmalen ausgestattet ist, wird Acharya, Lehrer, genannt. So endet in der Jayakhya Samhita des heiligen Pāñcarātra das siebzehnte Kapitel, „Darlegung der verschiedenen Arten von Schülern“.


Kapitel 18 – Darlegung der Weihe durch Begießung

Der erhabene Herr sprach: 18.1 Nun weihe man durch Begießung einen Schüler, der mit allen Merkmalen versehen ist: friedvoll, klaren Geistes, selbstbeherrscht und der Gottesverehrung ergeben, 18.2 dem Guru hingegeben, Herr seiner Sinne und fest in den zuvor erklärten Verpflichtungen. Für einen solchen ist die Weihe stets auszuführen. 18.3 Der Lehrer aller Stände und Lebensstufen, besonders auch der drei Gruppen von Verpflichtungskundigen an, 18.4 ist zur Erlangung der Befugnis als Leiter zu weihen. Auch er soll stets allen Wesen Gnade erweisen. 18.5 Mit wohlwollendem Geist ist die Weihe stets zu gewähren. Ein Brahmane, der die fünf täglichen Zeitabschnitte kennt, erweise allen Gnade. 18.6 Ist ein solcher nicht vorhanden, o bester Zweimalgeborener, [kann] ein friedvoller, vom Erhabenen erfüllter, innerlich gereifter, allkundiger, schriftkundiger und rechten Handlungen ergebener 18.7 Kshatriya, mit den drei Vollkommenheiten versehen und zum Lehrer geweiht, Kshatriyas, Vaishyas und Shudras die Gnade erweisen. 18.8 Fehlt auch ein solcher Kshatriya-Guru und gibt es einen entsprechend beschaffenen Vaishya, so soll dieser den beiden [unteren Ständen] stets Gnade erweisen. 18.9 Für einen Shudra sollen Gnadenübertragung und Weihe stets durch einen gleichartigen, hochverständigen Shudra desselben Standes vollzogen werden. Die Verse 18.3–19 formulieren eine historische Hierarchie der Lehrbefugnisse nach sozialem Stand. Sie wird hier als Teil des Textes wiedergegeben. 18.10 Einen unverständigen Brahmanen sollen alle durch geeignete Mittel, durch Furcht oder durch Anreiz auf den guten Weg bringen, durch Schrift und rituelle Handlung, 18.11 bis er selbst zu glückverheißendem Erwachen gelangt. Nach der zuvor genannten Vorschrift verehre man Achyuta durch das Opfer, 18.12 sättige ihn vorschriftsmäßig im Feuer und vollziehe das Bad, o bester Zweimalgeborener. Für jenen sind sämtliche Handlungen auszuführen, jedoch ohne den Gedanken [einer standesübergreifenden] Gnadenübertragung. 18.13 Man bitte ihn, Platz zu nehmen, und lasse ihn Vishnu mit dem Mantra verehren. Wenn er im Lauf der Zeit Schritt für Schritt seine Aufgabe erfüllt hat, 18.14 durch Lebensführung, rechte Ordnung, Schrift und Gnade, [verfahre er] ebenso nach der Schriftvorschrift: Er verehre selbst den Weltenlehrer, 18.15 opfere nach der Schriftvorschrift und verehre den Herrn Achyuta; dann vollziehe er Gnadenübertragung und Weihe an sich selbst. 18.16 Wegen des Fehlens eines Gurus aus dem eigenen Stand soll er dies tun, o Brahmane. Als Ersatzverfahren gilt es für die Stände von den Zweimalgeborenen an zur Vollendung der eigenen Heiligung. 18.17 Wenn aber ein Guru aus einem höheren Stand vorhanden ist oder man von ihm gehört hat, im eigenen Land oder anderswo, darf der nach Heil Strebende dies nicht tun, o Brahmane. 18.18 Wer auch im eigenen Land irgendwo entgegen dieser Ordnung handelt, für den wird hier der Verlust von Söhnen [angekündigt]. Deshalb handle man nach der Schriftvorschrift. 18.19 Ein Kshatriya, Vaishya oder Shudra soll nicht entgegen der Standesfolge einweihen. Ein Zweimalgeborener, der die drei Prinzipien kennt, weihe in der absteigenden Ordnung ein. 18.20 Die Begießungsweihe des Verpflichtungskundigen soll der Guru mit dem Wurzelmantra vollziehen, jedoch ohne die Vergegenwärtigung seiner umfassenden Durchdringung, 18.21 allein durch Mantra-Aussprache, ohne meditative Bewusstseinsversenkung. [Für den geistigen Sohn] meditiere er über die neunfache, in Keimsilben bestehende Stufenfolge der Prinzipien, 18.22 insgesamt von dem einen Wurzelmantra in gegliederter Gestalt beherrscht [Lesung unsicher]. Er verehre und vergegenwärtige sie nach der Ordnung der Hervorbringung, 18.23 im Geist, o bester Weiser, oder mit verschiedenen reinen Blumen. Danach ist dem geistigen Sohn die „Prinzipienweihe“ genannte Begießung zu gewähren. 18.24 Nun werde ich auch das Weiheverfahren für den Sadhaka der Reihe nach erklären. Man meditiere über die Stufenfolge der Prinzipien in Rücknahme und Hervorbringung, 18.25 neunfach unterschieden durch die dreifache Ordnung von Feinstofflichem und den übrigen [Ebenen], und setze die zuvor erklärte neunfache Mantrafolge der Reihe nach ein. 18.26 Dort [vollziehe man] die Hervorbringung und verehre das Gegliederte und Ungeteilte in ihrer Zweifachheit vorschriftsmäßig, in jedem Krug gesondert. 18.27 Indem man ihn immer wieder wie zuvor als Sadhaka vergegenwärtigt, gewähre man dem geistigen Sohn die große, glückverheißende, Vollendung bringende Prinzipienweihe. 18.28 Die Sadhaka-Weihe reicht bis zu den Prinzipien-Mantras. Nachdem man sie dem im Mantra Vollendeten so erteilt hat, o Zweimalgeborener, [weihe man ihn] zum Guru. 18.29 Höre, welche förderliche Weihe man demselben dazu erteilen soll. Von Ishvara bis zur Erde, mitsamt elementarer und göttlicher Zuordnung, 18.30 vergegenwärtige man zunächst die ganze Prinzipienkette nach der Hervorbringungsordnung. Darin setze man die zuvor erklärte ausführliche Mantrafolge ein, 18.31 auf dreifache Weise, vom Siebensilbigen bis zum Elefantenhaken. Nach der vorschriftsmäßigen Verehrung rezitiere man nach der Rücknahmeordnung, 18.32 o bester Zweimalgeborener, bis die Sprache zurückkehrt [und verstummt]. Der Guru ruhe unmittelbar in seinem eigenen Wesen, [vereint] mit dem Höchsten, das sich vielfältig entfaltet. 18.33 Danach ist die Weihe geistig und mit äußerem Aufwand zu gewähren. Bis zum höchsten Prinzip meditierend, weihe man den Lehrer. 18.34 Den Verpflichtungskundigen weihe man stets nach der Ordnung eines Heerführers, den geistigen Sohn nach der eines großen Ministers, 18.35 den Sadhaka nach der eines Kronprinzen; die Weihe des Gurus gilt als nach der Ordnung königlicher Ehren vollzogen. 18.36 Auf der Plattform des Einweihungs-Mandalas fertige man für den Guru mit weißem Pulver ein Swastika-Mandala und in seiner Mitte einen schönen [Sitz-]Kreis: 18.37 einen dauerhaften Lotus von zwei Ellen [Durchmesser] oder einen aus geeignetem Opferholz, gut gefertigt, ganz glatt und überall acht Fingerbreit hoch. 18.38 Darauf [lege man] ein Hirschfell, darüber ein weißes Tuch; oben [spanne man] einen weißen, mit Blumen versehenen Baldachin [Lesung unsicher]. 18.39 In den Richtungen stelle man volle Gefäße und Krüge auf, außerdem acht Lampen; ringsum streue man geröstete Körner und weitere [glückverheißende Stoffe]. 18.40 Nahe dem Thron ordne man der Reihe nach rechtsherum an: weißen Sandel, ehrendes Wasser, Durva-Gras, Muskatfrüchte, 18.41 Betel, Fächer, Stab, kunstvoll gearbeitete Sandalen, die vier glückverheißenden Siegel von Muschelhorn, Rad, Keule und Lotus, 18.42 zwei Gewänder, die heilige Schnur, ein seidenes Reinigungsband, ein kleines Gefäß, ein Zeichenwerkzeug, eine Schnur, ein Arghya-Gefäß, einen Wasserkrug, 18.43 roten Ocker, Mundduftstoffe, weiße Erde, Kuhdung, Felle von Schwarzantilope und Ruru-Hirsch sowie ein Zahnreinigungshölzchen. 18.44 Zur vollständigen Befugnis [füge man] ein Samhita-Buch und weitere [Lehrmittel] hinzu. Nordöstlich des Mandalas bereite man einen entsprechenden Platz, 18.45 mit Baldachin und weiteren Zierden geschmückt. Dort ist der Mantraherr zunächst im Krug, danach in der Mitte des Mandalas zu verehren, 18.46 dann inmitten des Feuers und immer wieder im Körper des Schülers. Zuvor verehre man den Gott in sich selbst; danach 18.47 bringe man herrliche Krüge mit den zuvor genannten Merkmalen herbei, mit allerlei Edelsteinen versehen und mit Bananenfrüchten geschmückt, 18.48 mit Wasser heiliger Badeplätze gefüllt und wie zuvor ausgestattet. Außerhalb des Mandalas stelle man sie vom Osten an rechtsherum auf. 18.49 Für den Lehrer, den Sadhaka und den geistigen Sohn [entspreche die Zahl] der jeweiligen Zahl ihrer Prinzipien; für den Verpflichtungskundigen setze man einen einzigen ein [Lesung am Versende unsicher]. 18.50 Nachdem man solche Krüge, durch Satya und die übrigen geweiht, zunächst nach der zuvor genannten Reihenfolge vorschriftsmäßig bereitet hat, 18.51 bespreche, verehre und vergegenwärtige man sie der Reihe nach mit den Mantras, im Osten und in allen übrigen Richtungen, mit Duftstoffen, Blumen und weiteren Gaben. 18.52 Nachdem man den alldurchdringenden Mantraherrn nach der zuvor genannten Vorschrift verehrt hat, lasse man den Schüler nach der ihm eigenen Ordnung Japa üben. 18.53 Danach ist mit Opferbrei der glückverheißende Weihe-Sitz in der Plattformmitte zu verehren, der Reihe nach von der tragenden Grundlage an, 18.54 zum Mantrathron geworden und mit einer Fülle gerösteter Körner geschmückt. Darauf lasse man den Schüler mit seinem Mantrakörper Platz nehmen. 18.55 Dann gehe man vor das Mandala und richte eine Bitte an den höchsten Herrn: „Denen, die bei deiner Weisung Zuflucht genommen haben, erteile ich die Befugnis. 18.56 Den hingebungsvollen Schüler [gestalte ich] mir selbst gleich; ich gehe in dir auf.“ Nachdem er die Erlaubnis erhalten hat, o Brahmane, [nehme er] den im Osten stehenden 18.57 Krug, verehre ihn mit seinem eigenen Mantra und seiner Mudra und bespreche ihn gründlich eintausendachtmal, 18.58 hundertmal, zehnmal oder einmal, der Reihe nach vom Guru an. Man meditiere über den nektarvollen Mantra, den juwelenglänzenden Herrn, 18.59 halte den glückverheißenden, durch Mantras verehrten Krug über den Kopf [des Schülers] und begieße ihn danach der Reihe nach aus sämtlichen Krügen. 18.60 Währenddessen werden glückverheißende Rig-, Sama- und Yajurveda-Texte rezitiert, günstige [Gaben oder Klänge] dargebracht und Saiteninstrumente gespielt, 18.61 begleitet von Muschelhörnern, Trommeln und Siegesrufen. Nach diesem Verfahren vollziehe man die Weihe des Lehrers. 18.62 Man übergebe ihm sämtliche Mantra-Geräte. Dem ehrfürchtig dastehenden [Schüler] sind die beiden Hände zu erklären: 18.63 In der rechten Hand vergegenwärtige er Achyuta mit der Sonnen-Keimsilbe, strahlend wie die Sonne, auf einem Lotus mit unendlichen Blättern, 18.64 mit zwölf Kräften versehen, mit [den Lauten] von A an [weitere Bezeichnung unsicher], zur Reinigung der Gegenstände durch Verbrennen. Bei ihrer Hervorbringung vergegenwärtige er dagegen 18.65 einen weißen Lotus mit tausend Blättern und sechzehn Kräften als Staubfäden; mit der Soma-Keimsilbe stelle er sich darin den Herrn Narayana vor, 18.66 der bei der Hervorbringung der Gegenstände göttlichen Nektar ausströmt. Man zeige ihm die elementare, feinstoffliche und mantrahafte Gestalt, 18.67 den ganzen Weg der Erkenntnis, den man selbst vielfältig erfahren hat. Die verschiedenen [Erkenntnisweisen] sind nach der Ordnung von Ort und Ziel zu erklären, 18.68 die glückverheißenden Erkenntnisgänge, die im Buch dargelegt sind. Der Guru verbinde den Geist des Schülers der Reihe nach mit ihnen und lasse ihn danach die höheren, glückverheißenden Verpflichtungen des Lehrers hören: 18.69 „Verehrern des höchsten Herrn, die vom Schrecken des gebundenen Daseins ergriffen sind, 18.70 offenbare diese Schrift nach ihrer Ordnung und Vorschrift. Im Gehen, Stehen, Schlafen und Wachen vergegenwärtige stets den Erhabenen, 18.71 der in der Mitte des Lotus ruht. Mit durch Gaben erlangten Gegenständen verehre Vishnu; in einem von Räubern bedrohten Land [verehre ihn] in innerer Mantra-Vergegenwärtigung. 18.72 Aus Überheblichkeit darf die äußere Handlung niemals aufgegeben werden. Halte unbedingt die Verpflichtung der vier Regenzeitmonate ein. 18.73 Schirm, Sandalen, Gewänder und andere Gegenstände, die ein anderer, besonders ein [anderer] Eingeweihter benutzt hat, verwende niemals. 18.74 Bei Mangel oder in Notlagen liegt nach Reinigung kein Fehler vor. Was der eigene Guru, Eingeweihte oder Lehrer benutzt haben, 18.75 ist stets ohne Fehler, ebenso was aus den selbst gegebenen [Gegenständen] zurückerhalten wurde. Menschen, die in die Hingabe an den Erhabenen eingetaucht sind, deren Geist ihm gehört und die ihm ganz ergeben sind, 18.76 ehre stets durch Tat, Geist und Wort; unterstütze und verehre sie stets mit freundlichen Worten und Gaben. 18.77 Ohne die Pflichten deines Standes und die Ordnung des eigenen Gurus aufzugeben, lerne auch die noch nicht erlernte Erkenntnis, die in der eigenen Schrift vorgeschrieben ist. 18.78 Auf der einen Seite stehen alle Verpflichtungen und sämtliche Regeln, auf der anderen der erhabene Vishnu, der Guru und die von seinem Wesen erfüllten Menschen. 18.79 Erkenne, mein Sohn, diesen Körper als gealtert und ohne bleibenden Kern; übertrage deine Befugnis einem Geeigneten und beginne das Wanderleben. 18.80 Mit Stab und ockerfarbenem Gewand, sämtlichen Besitz zurücklassend, sprich ,Verehrung Narayana‘, mit dem Pranava vorangestellt. 18.81 An heiligen Orten, Heiligtümern und Badeplätzen vereinige schließlich das Selbstprinzip mit Brahman und [übergib] den Körper dem Feuer oder den Himmelswanderern und anderen [Wesen], 18.82 durch das Verfahren des Niederlegens der Prinzipien, wodurch Frieden in Achyuta entsteht.“ Nachdem der Guru dies gesprochen hat, vergegenwärtige er selbst in seiner rechten Hand 18.83 den höchsten Vishnu, dessen Wesen der Mantra ist, den Höchsten in gegliederter und ungeteilter Gestalt; er verehre ihn mit Duftstoffen, Blumen und weiteren Gaben und lege die Hand auf den Scheitel des Schülers. 18.84 Dann bereite der Schüler einen Sitz und lege den Kopf an die Füße [des Gurus]. Er wasche dessen Lotusfüße mit Wasser, 18.85 besprenge sich damit und trinke aus den gefügten Händen. Wie zuvor verehre er ihn hingebungsvoll mit sich selbst und mit Besitz. 18.86 Nach diesem Verfahren vollziehe man die Lehrerweihe. Ebenso weihe man den Sadhaka. 18.87 Sämtliche Geräte, beginnend mit den Mitteln zum Einreiben und endend mit dem Zahnreinigungshölzchen, sind ihm zu übergeben, jedoch ohne die [besonderen Lehrer-]Verpflichtungen. 18.88 Dem geistigen Sohn wird die Schrift über die Befugnis zur Verehrung übergeben; dem Verpflichtungskundigen allein das Schriftbuch, 18.89 am Ende der Weihe, [verbunden] mit der Erlaubnis und der Unterweisung im Yoga [unsichere Lesung]. Wer nach Heil strebt und nach diesem Verfahren gebadet wird, erlangt Heil: 18.90 ein König, der Sieg begehrt, ein Unglücklicher, der Glück sucht, eine Frau mit Kinderwunsch oder ein Mädchen, das sich einen Ehemann wünscht. 18.91 Wer auch immer nach langem Leben strebt und jährlich so gebadet wird, dessen vorzeitiger Tod wird bald abgewendet. 18.92 So viele Jahre er dies vollzieht, bleibt er frei von Krankheit, Runzeln und grauem Haar, glücklich und von beständiger Jugend, erlangt alle Wünsche und am Ende des Körpers den ewigen Weg. So endet in der Jayakhya Samhita des heiligen Pāñcarātra das achtzehnte Kapitel, „Darlegung der Weihe durch Begießung“.


Kapitel 19 – Die Zeichen der Mantravollendung

Die folgenden Beschreibungen geben die traditionellen Zeichen und Wirkungszuschreibungen des Werkes wieder; sie sind keine allgemeine Anleitung, Schlaf oder Nahrung einzuschränken. 19.1 Geweiht, mit Erlaubnis versehen, nach vollzogenem Japa und mit klarem Geist soll man den Mantra nach diesem Verfahren verehren, o Narada. 19.2 An einem einsamen Ort oder im eigenen Haus fertige man ein Bild mit guten Merkmalen, nach der zuvor erklärten Meditation, auf einem Tuch oder aus Metall, 19.3 mit sämtlichen Gliedern vollständig, eine Tala-Einheit groß oder größer. Man setze es vorschriftsmäßig ein und verehre darin stets den Mantra. 19.4 Zur Erlangung aller gewünschten Entfaltungen und zur Befreiung, o bester Weiser, verehre man zwölf Jahre lang vorschriftsmäßig, in der übernommenen Disziplin fest, 19.5 mit erfreulichen Blumen und Duftstoffen, die Glück und Gesundheit fördern, sowie mit verschiedenen Formen von Japa und Feueropfer, selbst zur Mantragestalt geworden. 19.6 Man trage weiße Gewänder und Girlanden, bestreiche sich mit weißen Duftstoffen, trage eine gelbe heilige Schnur und schmücke sich mit Armreifen und Oberarmringen. 19.7 Der Mund sei durch Betel gereinigt und mit Mundduftstoffen wohlriechend gemacht; man trage ein kunstvolles Stirnzeichen und ganz sauberes Haar. 19.8 Mit schönen Girlanden und allerlei Düften durchduftet, die Füße und ebenso beide Hände mit Safran bestrichen, 19.9 mit den vier Gestalt-Mudras geschmückt, trete man vor [den Herrn]. Man trage den Reinigungsring und esse opfergeeignete Speise; so ist der Mantrakönig zu verehren. 19.10 Fehlen die Mittel, so [lebe man] mit geschorenem Haar und Bart, mit Gewändern nach Verfügbarkeit, frei von Schmutz, Läusen und anderem Ungeziefer. 19.11 Mit guter Bescheidenheit und freundlichem Herzen verehre man den Mantra hingebungsvoll durch Puja, Japa und Feueropfer; dann gelangt der Mantrakönig zur Vollendung. 19.12 Mit diesem vollendeten [Mantra] vollziehe man auch verschiedene Handlungen, die man selbst oder die Menschen ersehnen. Narada sprach: An welchen Zeichen, Herr, erkennt man, dass der Mantrakönig vollkommen verwirklicht ist? Der erhabene Herr sprach: 19.13 Für den Übenden, dessen Ziel unversehrt bleibt, der beständiger Praxis ergeben ist 19.14 und die Verehrung erstrebt, entstehen in den ersten drei Jahren vielfach Hindernisse, während er in der Disziplin steht, o Narada. 19.15 Gerät der Sadhaka dadurch weder im Handeln noch im Geist in Aufruhr, so entsteht für ihn nach dem dritten Jahr Günstiges. 19.16 Viele Schüler dienen ihm Tag und Nacht unermüdlich; auch Sadhakas dienen ihm hingebungsvoll als Helfer 19.17 und bringen dem hochgesinnten Übenden ihren ganzen Besitz dar. Nach dem siebten Jahr [kommen] Könige und Landesherren, 19.18 selbst Stolze und von Selbstgefühl Erfüllte, und bitten ihn dringlich: „Herr, erweise mir die Gnade, die mich emporführen kann!“ 19.19 Sie sehen ihn durch Leuchtkraft und Macht erstrahlen; deshalb, o bester Weiser, vermögen sie kein hartes Wort zu ihm zu sprechen. 19.20 Nach dem neunten Jahr sieht der Mantrakundige selbst vielerlei Wunder im Herzen, erfüllt von Lächeln und Glückseligkeit, 19.21 stets rasch Freude gewährend, ebenso unmittelbar im Außen. Einen Augenblick bleibt er wie regungslos, o Brahmane, einen anderen ist er von Freude erfüllt. 19.22 Bald hört er aus dem Luftraum den Klang von Dundubhi-Trommeln, bald süße Instrumentalmusik in verschiedenen Weisen. 19.23 Bald riecht er Düfte von Kampfer und Moschus, bald sieht er durch sich selbst sein eigenes Selbst emporsteigen. 19.24 Bald schaut er den Himmel von Mond- und Sonnenstrahlen erfüllt, bald hört er Rufe von Kühen, Pferden und Elefanten, o Zweimalgeborener. 19.25 Bald hört er das mächtige Rauschen des Wassers eines Wasserfalls, bald sieht er den Erdboden von Blitzen und Flammen erfüllt, o Zweimalgeborener. 19.26 Bald sieht er die ganze Erdensphäre mit Wasser gefüllt, bald hört er den Klang von Rig-, Yajur- und Samaveda. 19.27 Vielfältige Yogins in Sternengestalt, im Himmel befindlich, furchtbare und von Furcht bedrängte, sieht der Mantragelobte bisweilen, o Weiser. 19.28 Bald [hört er] schrilles Rufen, bald den Laut des Feuers; bald sieht er Wolken aufsteigen, bald Nacht mitten am Tag. 19.29 In der Nacht sieht er bald Tageslicht samt der Sonne. Er ist von Kraft erfüllt und von Leuchtglanz wie die Sonne, 19.30 an Schönheit Sonne und Mond gleich, in seiner Bewegung dem Vogelkönig ähnlich, mit einer hohen, tiefen und mächtigen Stimme. 19.31 Geringe Nahrung führt bei ihm nicht zu Abmagerung, reichliche nicht [zu deren Gegenteil]; Kot und Urin werden wenig, und es entsteht große Überwindung des Schlafes. 19.32 Schweigend, Japa und Meditation ergeben, erfährt er keine Ermüdung, auch ohne Essen und Trinken während einer Monatshälfte, eines Monats oder länger. 19.33 Wenn solche und ähnliche Zeichen auftreten, die das eigene Herz in Staunen versetzen, ist zu erkennen, dass mein Mantrakönig gnädig geworden ist. 19.34 Ein durch die Gnade des Mantras entstandenes Zeichen darf der nach Vollendung Strebende niemals jemandem außer dem Guru offenbaren, o bester Brahmane. 19.35 Wer aus Verblendung oder Ungeduld das aus dem Mantra entstandene Glück öffentlich macht, dessen bereits in der Hand befindliche Vollkommenheiten entfernen sich. 19.36 Leiden und vielerlei Kümmernisse treten hervor. Deshalb, o Narada, sind die Zeichen der Vollendung mit aller Sorgfalt verborgen zu halten von dem, der sein eigenes Wohlergehen wünscht. So endet in der Jayakhya Samhita des heiligen Pāñcarātra das neunzehnte Kapitel, „Die Zeichen der Mantravollendung“.


Kapitel 20 – Gestaltung und Weihe des Gottesbildes

Die folgenden Anweisungen gehören zum traditionellen initiatorischen Kontext des Pāñcarātra und sind hier zur Textdokumentation wiedergegeben. Die Maßangaben beziehen sich vielfach auf die Proportionen des jeweiligen Bildes. Ein Aṅgula ist hier eine entsprechende Fingereinheit, kein durchgehend festes modernes Längenmaß.

Narada sprach:

20.1 Du hast zum Wohl der Übenden ein Gottesbild erwähnt. Wie wird es angefertigt? Das möchte ich erfahren, Allgegenwärtiger.

20.2 Sage mir auch, wo und nach welcher Vorschrift es aufzustellen ist, o Herr, damit man durch seine Verehrung die genannten Kennzeichen [der Vollendung] erlangt.

Der erhabene Herr sprach:

20.3 Höre jetzt, Narada, wie ein Bild auf einem Tuch gestaltet wird: anmutig, fehlerfrei, nicht übermäßig groß und alle Vollendungen gewährend.

20.4 Das Tuch sei quadratisch, zwei Ellen oder eine Elle groß, aus Baumwolle oder Leinen, neu, weiß und ungebraucht.

20.5 Man wasche es wiederholt unter Anwendung des Waffenmantras. Auch den Maler lasse man baden. Dann stelle man ihn zusammen mit dem Tuch durch das Verfahren des Verbrennens und Neuschaffens [rituell gereinigt] vor.

20.6 Darauf zeichne man nach Maß einen achtblättrigen Lotus mit Samenkapsel. In deren Mitte befinde sich [für die Hausverehrung] das Bild, dessen Höhe zwölf Aṅgulas beträgt,

20.7 oder bis zu dreiundzwanzig Aṅgulas. Man zeichne es mit glückverheißenden Merkmalen, umgeben von Lakshmi und den übrigen Begleitgestalten, von Weltenhütern und Waffen.

20.8 Ein solches Bild nehme man zur Verehrung an. Außerhalb des Hauses, an einem Ort mit Tempel und dergleichen, darf man das Maß darüber hinaus vergrößern, Brahmane.

20.9 Auch ein gemaltes Bild im Haus, das größer als eine Elle ist, bedeutet für die Übenden keinen Fehler. Dies gilt nicht in gleicher Weise für Bilder aus Holz, Ton oder Stein.

20.10 Teile die Höhe des Bildes in neun gleiche Teile. Jeden dieser Teile teile nochmals in zwölf, o Weiser.

20.11 Eine solche Einheit ist das Aṅgula des Bildes. Nach diesem Maß soll der Lehrer dem Künstler die Proportionen der einzelnen Körperglieder darlegen.

20.12 Vom Kinn bis zur Stirn misst das Gesicht zwölf Aṅgulas. Über der Stirn erhebt sich der Kopf um drei weitere Aṅgulas.

20.13 Er ist zwölf Aṅgulas breit und hat den dreifachen Umfang. Die Ohren sind zwei Aṅgulas breit und doppelt so hoch wie dieses Maß.

20.14 Die innere Ohröffnung entspricht der Spitze des kleinen Fingers. Die oberen und unteren Ohrteile werden mit je einem halben Aṅgula angegeben.

20.15 Außerhalb der Ohröffnung liegt in der Mitte des Ohres eine Vertiefung von einem Aṅgula. Mit den Ohrläppchen beträgt die Ausdehnung drei Aṅgulas; sie kann auch nach Ermessen gestaltet werden.

20.16 Die geschwungene Braue gleiche einer Mondsichel. Sie ist vier Aṅgulas lang und ein halbes breit, in der Mitte kräftiger und zu den Enden hin schmal.

20.17 Der Abstand zwischen den Brauen beträgt ein Aṅgula. Die Nase ist vier Aṅgulas lang, vorn zwei breit, und soll der Form einer Sesamblüte gleichen.

20.18 Zwischen den Augen liegen zwei Aṅgulas; ebenso groß ist die Augenregion. Das Auge ist zwei Aṅgulas lang und ein Aṅgula [hoch; der Maßausdruck ist unsicher].

20.19 Die Iris in seiner Mitte nimmt ein Drittel ein; das Lichtzentrum darin wiederum ein Drittel davon. Unterhalb der Nase gestalte man in einem Abstand von drei Vierteln eines Aṅgulas

20.20 die Vertiefung über der Lippe [unsichere Lesung], bester Weiser. Darunter liegt die Oberlippe mit einer Einheit; die Unterlippe wird mit einem Aṅgula angegeben.

20.21 Die Höhe des Kinns beträgt zwei Aṅgulas, ebenso seine Breite. Zwischen den Mundwinkeln liegen vier Aṅgulas.

20.22 [Unsichere Lesung zu den Abständen der Ohrläppchen und zur Wangenform.] Die oberen Wangen seien mondgleich; in ihrer Mitte werden vier Aṅgulas angegeben.

20.23 Die beiden Wangen des Gesichts gestalte man gleichmäßig, wohlgerundet und anmutig. Für die Höhe und Breite [des folgenden Körperteils] werden drei Aṅgulas genannt; der Wortlaut liest hier „Ohr“ [unsichere Lesung].

20.24 Acht Aṅgulas werden [für die Breite] und das Dreifache für den Umfang angegeben. Die Brust unterhalb des Halses reicht bis zur Grenze der Herzgrube, Brahmane,

20.25 und soll in ihrer Höhe stets zwölf Aṅgulas messen, in der Breite das Doppelte. Der Brustwarzenhof hat zwei Aṅgulas.

20.26 – erste Nennung Die Brustwarzen gestalte man mit einem Achtel des eigenen Aṅgulamaßes. Der Abstand zwischen den beiden Brustseiten beträgt zwölf Aṅgulas.

20.26 – zweite Nennung Die Schultern gelten als acht Aṅgulas breit, Einsichtiger. Den oberen Schulterbereich gestalte man sechs Aṅgulas hoch.

Die Versnummer 26 steht im Grundtext zweimal.

20.27 Von der Herzgrube bis zum Nabel beträgt die Höhe zwölf Aṅgulas. Für den Umfang der Nabelregion werden vier beziehungsweise fünf Teile genannt [unsichere Maßangabe].

20.28 Die Nabelöffnung sei ein Aṅgula weit, nach innen allmählich zwei Aṅgulas tief und nach rechts gewunden. Der Abstand zwischen Nabel und Geschlechtsglied, Weiser,

20.29 ist in gleichmäßiger Höhe mit zwölf Aṅgulas anzulegen. Der Bauchabschnitt bis zum Nabel wird mit vier Aṅgulas bemessen.

20.30 Der Rest gehört zur Hüftregion. Der Bauch soll vierzehn Aṅgulas breit sein; sein Umfang beträgt das Dreifache.

20.31 Die Hüftbreite wird mit achtzehn Aṅgulas festgesetzt, ihr Umfang mit vierundfünfzig.

20.32 Auch sechsunddreißig Aṅgulas werden als Hüftumfang angegeben [widersprüchliche Lesung bereits im Grundtext markiert]. Das Geschlechtsglied gestalte man sechs Aṅgulas lang,

20.33 zwei Aṅgulas breit; die Hoden vier Aṅgulas groß und wohlgerundet [unsichere nähere Maßangabe]. Dann die beiden Oberschenkel, Brahmane:

20.34 Beide seien gleich lang, je vierundzwanzig Aṅgulas, am Ansatz breit, allmählich schmaler werdend, aneinander anschließend wie Elefantenrüssel.

20.35 Den Oberschenkelansatz kann man neun Aṅgulas breit gestalten. In der Mitte des Oberschenkels soll der Umfang sechsunddreißig Aṅgulas betragen,

20.36 am unteren Ende einundzwanzig. Die Knieregion misst ringsum drei Aṅgulas, bester Weiser,

20.37 in Breite und Höhe. Höre nun von den Unterschenkeln: Ihre Höhe wird mit vierundzwanzig Aṅgulas angegeben.

20.38 Der Ansatz des Unterschenkels gilt als sechs Aṅgulas breit. Sein Umfang in der Mitte [Textlücke].

20.39 Am unteren Ende beträgt seine Breite fünf Aṅgulas. Verdreifacht man dieses Maß, erhält man seinen Umfang.

20.40 Unterhalb des Fußknöchels soll die Höhe des Fußes drei Aṅgulas betragen, Narada. Von der Rückseite der Ferse bis zu den Zehenspitzen,

20.41 bester Brahmane, misst der Fuß vierzehn Aṅgulas. Er ist sechs Aṅgulas breit und allmählich gewölbt wie der Rücken einer Schildkröte.

20.42 Die große Zehe ist vier Aṅgulas lang und zwei breit; ihr Umfang beträgt das Dreifache [der Breite]. Um ein Viertel ihrer Länge länger

20.43 gestalte man die zweite Zehe. Die danebenliegende sei so lang wie die große Zehe; die vierte um ein Viertel kürzer.

20.44 Die kleine Zehe ist um ein Viertel kürzer als die vierte. Die Glieder jeder Zehe betragen jeweils ein Drittel ihrer Länge, Narada.

20.45 Die Nägel seien halb so groß wie ein Glied, schön und halbmondförmig. Das Rückenmaß bis zu den Schultern wird mit sechsunddreißig Aṅgulas angegeben.

20.46 Es verjüngt sich wie ein Kuhgesicht bis zu zwanzig Aṅgulas. Von der Mitte aus breitet sich [der Rücken] aus; die Wirbelsäule tritt allmählich hervor.

20.47 Er sei glatt und ohne störende Unterteilung, doch angemessen gegliedert. Die Verbindung sei fischförmig [unsichere Lesung]; die Achselhöhle wird mit fünf Aṅgulas angegeben.

20.48 Die beiden Gesäßhälften gestalte man schön gerundet, sechzehn Aṅgulas breit, deutlich voneinander abgesetzt und voll, den Stirnhöckern eines Elefanten vergleichbar.

20.49 Unterhalb der Schulterhöhe misst der Arm zwölf Aṅgulas. Der Unterarm wird mit achtzehn Aṅgulas angegeben, bester Brahmane.

20.50 Die Handgelenkregion misst dabei drei Aṅgulas. Vom Ende des Handgelenks bis zur Spitze des Mittelfingers

20.51 beträgt das Maß zwölf Aṅgulas. Die Schulter sei rund, vier Aṅgulas breit; ihr Umfang gilt als dreimal so groß.

20.52 Der Unterarm wird am Ansatz mit fünf Aṅgulas angegeben und mit dem dreifachen Umfang. Dieses Maß lasse man allmählich abnehmen,

20.53 sodass die Form einem Kuhschweif gleicht und drei Aṅgulas erreicht. Am Handgelenk beträgt die Breite [drei Aṅgulas], der Umfang

20.54 neun Aṅgulas. Höre nun das Maß der Hand: Vom Handgelenk bis zum Fingeransatz sind stets sieben Aṅgulas anzusetzen,

20.55 quer dazu eine Breite von fünf Aṅgulas. Die Handfläche gestalte man leicht vertieft und mit glückverheißenden Linien versehen.

20.56 Der Mittelfinger soll fünf Aṅgulas lang sein, Brahmane. Die Finger zu seinen beiden Seiten sind jeweils um ein halbes Aṅgula kürzer.

20.57 Den kleinen Finger gestalte man nochmals um ein Fünftel kürzer. Der Daumen wird mit dreieinhalb Aṅgulas Länge und zwei Gliedern angegeben.

20.58 Die übrigen Finger haben drei Glieder; die Nägel entsprechen jeweils einem halben Glied. Die Finger sollen sich wie ein Kuhschweif verjüngen; ihre Breite beträgt ein Aṅgula.

20.59 Der kleine Finger sei um ein Viertel schmaler; [für einen anderen Finger] wird ein Aṅgula und ein Viertel genannt [unsichere Lesung]. Der Umfang beträgt jeweils das Dreifache der betreffenden Breite.

20.60 Alle Nägel sind wie Schildkrötenrücken gewölbt und vorn halbmondförmig. Ihre Form am Ansatz [unsichere Lesung] und ihr Maß sind nicht starr festgelegt.

20.61 Auch Körperhaare, Zähne und Haupthaar bemisst man nach ihrer Schönheit. Das Haar bilde ein schmückendes Lockengeflecht über der Stirn,

20.62 das deren oberen Bereich um ein Aṅgula überdeckt und mit drei Wellen versehen ist. Alle Glieder sollen anmutig und mit schönen Merkmalen gestaltet werden,

20.63 entsprechend ihrer besonderen Symmetrie oder Verschiedenheit, ihrer Verbindung oder Trennung. Nach diesem Maß fertige man das wohlgestaltete Bild an, Brahmane.

20.64 Vom Scheitel bis zur Fußsohle misst es insgesamt einhundertacht seiner eigenen Aṅgulas, bester Zweimalgeborener.

20.65 Es ist mit Halskette, Fußringen, Oberarmreifen, Gürtel und Krone geschmückt; seine Glieder sind kräftig, und seine Körpermitte zieren gleichmäßige Falten.

20.66 Alles Übrige gestalte man entsprechend der Meditationsbeschreibung, ob es hier eigens genannt wurde oder nicht. Nach diesen Maßen kann man ein goldenes oder silbernes

20.67 Verehrungsbild anfertigen, auch eines aus Messing, Stein, Ton oder Holz, je nachdem, was verfügbar ist, Weiser.

20.68 Wer trotz anderer Möglichkeiten im Haus ein Bild aus Stein, Ton oder Holz anfertigt, bei dem stellen sich die besonderen Vollendungen erst nach längerer Zeit ein, Einsichtiger.

20.69 Die Befreiung jedoch kann ohne Hindernis erfolgen. Deshalb sollen diejenigen, die besondere Vollendungen wünschen, im Haus kein Bild aus Stein, Holz oder Ton herstellen.

20.70 Höre, wie nach dem Maß des Gottesbildes sein Sockel anzufertigen ist. Er kann quadratisch oder länglich-rechteckig sein.

20.71 Die Ausdehnung des Sockels nach allen Seiten entspricht der Höhe des Bildes; seine Höhe beträgt die Hälfte davon. Dies ist die allgemeine Kennzeichnung

20.72 des quadratischen Sockels, großer Weiser. Vernimm nun die Maße des länglich-rechteckigen.

20.73 Er ist halb so breit wie das Bild hoch ist und ebenso hoch wie breit. Seine Länge entspricht der Länge [das heißt der Höhe] des Gottesbildes: So ist der rechteckige Sockel beschaffen.

20.74 Solche Sockel fertige man für Gottheiten in hohen Tempelbauten an. Für bewegliche Bilder und für Hausbilder gelten andere Sockelmaße.

20.75 Ihre Länge entspreche der Schulterbreite oder dem Brustmaß. Breite und Höhe entsprächen dem Abstand von den Füßen bis zu den Knien.

20.76 Man kann Breite und Höhe auch darüber hinaus bemessen [unsichere Lesung]. Oder die Breite beträgt die Hälfte der genannten Höhe, bester Brahmane.

20.77 Für die Höhe des Sockels eines beweglichen Bildes sind auch ein um ein Viertel vermindertes Maß, drei Teile oder die Hälfte vorgeschrieben [Bezugsmaß unsicher].

20.78 Fehlt Metall als Material, verfahre man bei unbeweglichen Bildern ebenso. Nach der Anfertigung lege man darunter einen maßgerechten Untersockel an.

20.79 Die Abflussrinne befinde sich in der Mitte und habe ein Drittel des Sockelmaßes. Ihre Länge entspreche diesem Maß; vorn betrage ihre Breite

20.80 ein Drittel ihres eigenen Maßes. Im Innern höhle man wiederum ein Drittel aus, vom Ansatz bis zur Mündung. Die Mündung gestalte man als Makara-Maul,

20.81 als Eber- oder Schildkrötenmaul oder einfach ganz glatt. Die Höhe [des Sockels] teile man in neun Abschnitte; sein Grundriss sei quadratisch.

20.82 Zwei Abschnitte bilden den bodenberührenden Teil, der „Knie und Fuß“ genannt wird. Darüber liegt ein runder, glocken- beziehungsweise topfförmiger Teil von zwei Abschnitten Höhe.

20.83 Über dem runden Teil fertige man einen Hals von zwei Abschnitten Höhe an. Diesen lasse man ringsum um einen Abschnitt zurücktreten.

20.84 Darüber gestalte man einen Gürtelwulst von einem Abschnitt, der um einen halben Abschnitt vorspringt, Brahmane, mit einem halben Abschnitt in Topfform.

20.85 Oberhalb davon bilde man einen quadratischen Rand von anderthalb Abschnitten. Dieser ist als Wasserbecken zu verstehen und nach oben doppelt so weit ausladend.

20.86 Das Sockelbecken höhle man im entsprechenden Verhältnis aus. Darüber gestalte man einen Lotus, weder zu tief liegend noch zu hoch aufragend.

20.87 Auf seinen Blättern stelle man die früher genannten Gottheiten dar; oder man gestalte einfach weit ausgebreitete Blätter als Ort ihrer Verehrung.

20.88 Der Lotus über dem Sockel hat ein Viertel von dessen Höhe. Wo möglich, fertige man ihn gesondert an, andernfalls zusammen mit dem Sockel.

20.89 Ein Sockel aus demselben Material wie das Bild, bester Weiser, gewährt unbegrenzte Frucht, Wohlergehen, Gesundheit und reichliche Nahrung.

20.90 Ein Sockel, der sich vom Bild [im Material] unterscheidet, kann ebenfalls günstig sein. Er verleiht Befreiung und Ansehen, doch eine begrenzte [sonstige] Frucht.

20.91 Für ein goldenes Bild ist ein silberner Sockel günstig; für ein silbernes wird ein kupferner genannt, für diesen wiederum ein steinerner.

20.92 Ein steinernes Bild erhält einen steinernen, ein hölzernes einen hölzernen Sockel. Für ein Tonbild wird Holz genannt; auch für ein Holzbild ist ein Steinsockel zulässig.

20.93 Die Mauerdicke beträgt ein Viertel des Innenraums. Ausgehend vom Maß des Tempelinnenraums einschließlich der Mauern, Narada,

20.94 gestalte man zunächst einen runden oder quadratischen Unterbau, um ein Viertel kleiner, oder auch um die Hälfte vermindert und damit gedrungener, doch wohlproportioniert.

20.95 Er werde an den vier Seiten mit Treppenwegen versehen, Weiser. Nachdem man so den Unterbau geplant und gleichmäßig ausgeführt hat,

20.96 errichte man den Tempel. Seine Merkmale werden nun erklärt. Zunächst bestimme man das Sockelmaß nach dem Maß des Gottesbildes, Brahmane.

20.97 Den Sockel des Tempels gestalte man ringsum in entsprechender Länge; der Garbhagṛha, der innere Heiligtumsraum, sei entsprechend angelegt und doppelt so breit wie das zugrunde gelegte Innenmaß [unsichere Lesung].

20.98 [Der Unterbau] werde mit Siddhas und Vidyadharas, Göttern, Brahmanen und Königen versehen, mit Darstellungen von Gärten, Bergen und Meerestieren geschmückt,

20.99 mit Elefanten, Pferden, Königen, Löwen und anderen Tiergruppen. Auf diesem Sockel errichte man den schönen Tempel.

20.100 Er kann quadratisch mit vier Türen, rund oder achteckig sein, mit einem Eingang oder vielfältig gestaltet und nach einer gewünschten Himmelsrichtung ausgerichtet.

20.101 Seine Höhe betrage das Anderthalb- oder [nach einer abweichenden Lesung] Zweieinhalbfache des zuvor angegebenen Grundmaßes. Man setze den halben Tempelfuß als Teil entsprechend der Mauerstärke an [unsicherer Maßzusammenhang]

20.102 und führe daran die zuvor beschriebene Sockelgliederung aus. Sorgfältig errichte man den aufsteigenden Wandkörper nach dem für den Innenraum genannten Höhenmaß,

20.103 mit acht Pfeilern und der zuvor beschriebenen Gliederung, reich an verschiedenem Blatt- und Rankenwerk und mit Blütenbüscheln geschmückt.

20.104 Die verbleibende Turmhöhe teile man in fünfzehn Abschnitte. Mit einem Abschnitt bilde man den Abschluss über dem Wandkörper, Einsichtiger.

20.105 Dort gestalte man nach den vier Himmelsrichtungen schöne kleine Gebäude, Himmelswagen und Götterheiligtümer in vielfältigen Formen.

20.106 Mit dreizehn Abschnitten bilde man die Folge der Geschosse. Höre, wie ihre Verjüngung, Höhe und Gestaltung bemessen werden.

20.107 Fasse zuerst das Maß aller Geschosse zusammen und teile es in einundneunzig gleiche Teile, Weiser.

20.108 Das Geschoss über dem Gesims besteht aus dreizehn Teilen. Von diesem Maß aus lasse man jedes höhere Geschoss allmählich um je einen Teil abnehmen,

20.109 bis das oberste Geschoss, bester Weiser, nur noch einen Teil ausmacht. Auf diese Weise

20.110 ergeben sich die Höhen und deren Abnahme. Nun wird die seitliche Verjüngung erklärt. Oberhalb der Gesimskante erhebt sich ringsum der Turm.

20.111 Durch senkrechte Maßlinien teile man ihn gleichmäßig in siebenundzwanzig Abschnitte. Unmittelbar oberhalb der Gesimskante nehme man beim ersten Geschoss einen Abschnitt

20.112 ringsum weg und ebenso bei jedem darüberliegenden Geschoss jeweils einen weiteren Abschnitt, bis zum obersten Geschoss.

20.113 Jedes Geschoss gliedere man der Reihe nach in fünf ungleiche Teile. Im untersten Teil sind drei umlaufende Bänder anzubringen.

20.114 Den zweiten Teil gestalte man wie ein Gesims; im dritten, darüberliegenden bringe man zwei Bänder an.

20.115 Den vierten schmücke man mit Muscheln, Rädern und Lotusblüten. Im fünften, obersten Teil ist nur ein Band anzulegen.

20.116 Ein solches Band kann mit Blättern und Blüten gestaltet oder einfach glatt ausgeführt werden, wohlgerundet und mit Kanten versehen, Brahmane.

20.117 Nachdem man alle Geschosse auf diese schöne Weise gestaltet hat, verwende man den fünfzehnten, oberhalb des obersten Geschosses verbleibenden Abschnitt

20.118 für den gerippten Turmabschluss, den Āmalasāraka, samt seinem Aufsatz. Teile ihn in drei Teile; aus dem ersten gestalte man den Aufsatz,

20.119 der etwas über die Spitze des Geschosses vorspringt, ähnlich einem Dach. Oben entspreche er dem Geschoss, sei glatt und ohne weitere Verzierung.

20.120 Den darüberliegenden Teil teile man in neun gleiche Teile. In der Mitte gestalte man den Hals einen Teil breit,

20.121 ringsum um einen halben Teil gerundet. Seine Höhe betrage ein Drittel [des genannten Halsmaßes].

20.122 Über dem Hals fertige man einen entsprechenden schönen Sitz für den Stab an. Der Āmalasāraka werde mit Vorsprüngen in der Form geschlossener Muschelschalen

20.123 versehen, bester Brahmane [unsichere Lesung]. Darüber bringe man ein zwölfspeichiges Rad aus Metall samt Fahnenstab an.

20.124 Zweiundfünfzig kleine Tempel dieser Art fertige man an den Ecken der Geschosse an, Narada.

20.125 Seine Tür oder seine Türen gestalte man maßgerecht. Ihre Höhe übertreffe das Maß des Bildes samt Sockel um ein Zehntel;

20.126 ihre Breite betrage die Hälfte der Höhe. Nach einem gegenüber der Türhöhe verminderten Maß gestalte man

20.127 die beiden Türpfosten sowie Schwelle und oberen Sturz. Beide Pfosten und die Querbalken versehe man mit neun Gliederungen.

20.128 Vor dem Eingang errichte man eine Halle mit drei Türen. Sie sei gleichmäßig quadratisch und so breit wie die Grundfläche des Tempels.

20.129 Ihre Höhe reiche bis zur Gesimsebene. In ihrer Mitte stelle man zwölf Säulen auf, verbunden mit zwölf Wandabschnitten.

20.130 Die Wände bemesse man entsprechend den Proportionen des Tempels, Narada. Nachdem man so den vortrefflichen Tempel namens Kaustubha errichtet hat,

20.131 weihe man darin die ewige Mantragestalt ein: an einem vorzüglichen Tag der hellen Monatshälfte, bei besonders günstiger Planetenstellung,

20.132 unter einem förderlichen Mondhaus und bei einem reinen, beständigen Aszendenten, in Āṣāḍha, Kārttika oder Caitra, entsprechend dem jeweiligen Stand der Sonne.

20.133 Östlich oder nördlich des Tempels errichte man eine Halle von zweiunddreißig Ellen Länge und zwölf Ellen [Breite; unsichere Lesung].

20.134 In ihrer rechteckigen Mitte lege man fünf Altäre an, jeder fünf Ellen im Geviert und jeweils eine Elle vom nächsten entfernt.

20.135 Die Anlage biete Raum zur Rechtsumwandlung und sei mit Baldachinen und anderem geschmückt. Auf dem nördlichen Altar lege man eine Feuergrube mit den vorgeschriebenen Merkmalen an

20.136 und ordne dort sämtliches Gerät für das Feueropfer. Auf einem anderen Altar vollziehe man die Öffnung der Augen, Narada.

20.137 Auf dem mittleren Altar zeichne man ein Mandala mit einem Lotus. Auf dem vierten breite man ein schön gestaltetes Lager aus, bester Weiser.

20.138 Auf dem fünften, im Süden, vollziehe man die Waschung. Nachdem dies vorbereitet ist, bringe man den Sockel samt Brahma-Stein herbei.

20.139 Der Lehrer rezitiere dabei den Varaha-Mantra und den Waffenmantra und stelle ihn auf den ebenerdigen Bhadrapīṭha, den glückverheißenden Sitz auf dem Altar.

20.140 Er bestimme vier Lehrer oder Übende als Helfer. Nachdem sie den Nyasa mit den Mantras des Vasudeva und der übrigen [Gestalten] vollzogen haben, ehre er sie

20.141 mit Gewändern und anderem und gehe zur Werkstatt. Dort wasche er das Bild ringsum mit durch den Waffenmantra geweihtem Wasser, um seine Gestalt zu reinigen.

20.142 Die Hüter der Gottesgestalten oder die Künstler sollen es aufnehmen und auf einen Wagen setzen. Sorgfältig bringe man es herbei und rezitiere dabei den Narasimha-Mantra.

20.143 Der Übende bedecke es mit einem Tuch und stelle es auf den Sockel. Dann lege er weiße Senfkörner, die durch den Radmantra geweiht sind, auf seinen Kopf.

20.144 Nach Bad und rituellem Wasserschlürfen verehre er wie zuvor den Eingang, trete ein und sichere die Himmelsrichtungen mit weißen Senfkörnern und ungebrochenen Reiskörnern.

20.145 Entsprechend der zuvor beschriebenen Schülereinweihung vollende er die vorbereitende Weihe des Bildes und aller übrigen Gegenstände, jeden an seinem Ort.

20.146 Ob für sich selbst oder für andere handelnd, soll der Übende ganz gesammelt sein. Das Bild jedoch stelle er dem Gott der Götter vor wie einen Schüler:

20.147 „Erhabener, Herr der Vergangenheit und Zukunft! Dieses Bild werde ich zur Verehrung deiner selbst bereiten.“ So preise er ihn bis zum Ende der Nacht.

20.148 Am Morgen bade er selbst und wasche dann das Bild, Weiser, zunächst um die bei der Herstellung entstandenen Mängel zu beseitigen.

20.149 Er lege wie zuvor fünfundzwanzig Felder an und verwende reines Wasser, über dem der Narasimha-Mantra rezitiert wurde.

20.150 Dann stelle der Übende von Osten beginnend acht Krüge auf: den ersten mit Milchwasser, den zweiten mit reinem Wasser gefüllt,

20.151 den dritten mit Edelsteinwasser, den nächsten mit Opferwasser, einen weiteren mit Duftstoffen vermischt, sodann je einen mit Frucht- und Blütenwasser.

20.152 Der achte gilt als mit Reis-Samenwasser gefüllt. Mit den fünf Mantras, beginnend mit Satya, und den drei, beginnend mit dem Löwen [Narasimha],

20.153 weihe man der Reihe nach jeden Krug siebenmal, von Osten beginnend, Brahmane. In jeden gebe man Darbha-Gras, Erde, Kuhdung und Sesam.

20.154 Außerhalb davon stelle man nochmals acht Krüge in den Himmelsrichtungen auf: im Osten Wasser mit Āmalaka-Früchten, im nächsten Wasser mit Haritaki,

20.155 in einem anderen einen Guduchi-Absud, dann Wasser mit Bibhitaka, einen Kumari-Absud und Wasser mit Vyaghri,

20.156 im nächsten Ingwerwasser und in einem weiteren Honigwasser. Diese weihe man mit dem Radmantra und den Mantras von Herz und übrigen Gliedern.

20.157 Mit den zuerst genannten Krügen wasche man [das Bild] der Reihe nach unter der Gayatri-Rezitation. Mit denen des zweiten Kreises vollziehe man die Dienste unter dem Herzmantra, Weiser.

20.158 Danach besprenge man es mit reinem, durch den Waffenmantra geweihtem Wasser. Dies wird die Waschung zur Beseitigung der Herstellungsfehler genannt.

20.159 Im Nordosten zeichne man einen sechzehnblättrigen Lotus. Auf dessen Samenkapsel stelle man vier Krüge,

20.160 auf die Blätter, beginnend im Osten und bis zum Nordosten fortschreitend, sechzehn weitere Krüge, Weiser.

20.161 Dann lege man Unter- und Obergewand an. Auf dem zweiten Altar bereite man ein Lager

20.162 und bette das Bild darauf mit dem Kopf nach Osten. Man nehme selbst einen goldenen Stift, der durch den Waffenmantra geweiht ist.

20.163 Unter dem Augenmantra zeichne der Übende die Augen ein, Narada. Der Künstler, gebadet und in reine Kleidung gehüllt, unter der Aufsicht des Lehrers,

20.164 arbeite sie mit einem durch den Waffenmantra geweihten Werkzeug deutlich aus. Der zuvor bereitete Sockel sei mit dem Brahma-Stein verbunden.

20.165 Man stelle das Bild auf den ganz festen Bhadrapīṭha, der mit der Folge der tragenden Kräfte ausgestattet, bereitgestellt und gründlich verehrt wurde.

20.166 Dann schaue man mit dem Auge der Erkenntnis das Bild als leuchtend. Man berühre es mit einer durch den Waffenmantra geweihten Blüte und umhülle es durch den Schutzpanzer-Mantra.

20.167 Unter dem Herzmantra [wasche man es] mit den fünf Erzeugnissen der Kuh, dann mit Erdwasser, mit Wasser sämtlicher Heilpflanzen und schließlich mit reinem Wasser.

20.168 Mit einem ganz weißen, ungebrauchten Tuch trockne man es. Danach löse der Mantrakundige mit dem Radmantra die rituelle Schutzschnur.

20.169 Er bringe auf seinem Kopf Arghya mit Blütenwasser dar, reinige es durch die Dharanas und meditiere es als Sonnenscheibe mit scharfen Strahlen.

20.170 Er ziehe [die Gegenwart] in sein Herz zurück und wasche dann das äußere Bild mit reinen, verehrten und durch Mantras geweihten Krügen, die mit den Opferstoffen gefüllt sind,

20.171 mit Sandel, Arghya und Früchten versehen, durch Baumtriebe geschmückt, mit Darbha bedeckt und durch Seidenbänder, Girlanden und Düfte geziert:

20.172 mit den sechzehn anmutigen Krügen im Nordosten, Brahmane. Den ersten fülle man allein mit den fünf Erzeugnissen der Kuh,

20.173 den zweiten mit Kuhurin, den dritten mit Kuhdungwasser, den vierten mit Wasser und Asche aus den drei Opferfeuern.

20.174 In den nächsten gebe man Erde von Elefant, Kuh, Stierhorn und Ameisenhügel [die genaue Zuordnung ist unsicher]. Mit Erde vom Reisfeld, aus einem Fluss, einem Lotusbestand und von einem Berg

20.175 fülle man den sechsten Krug. Der siebte enthält Senfwasser, der achte sämtliche Heilpflanzen,

20.176 der neunte Milch, der zehnte Dickmilch, der elfte geklärte Butter und der zwölfte Honig, Brahmane.

20.177 Den dreizehnten fülle man mit allen Samen, den vierzehnten mit allen Früchten, den nächsten mit sämtlichen Getreidearten und den sechzehnten mit allen Duftstoffen.

20.178 Zuerst weihe man jeden Krug mit dem Herzmantra. Dann wasche man das Bild der Reihe nach mit jedem einzelnen unter dem Grundmantra,

20.179 dazwischen jeweils mit Wasser samt Arghya, bester Weiser. Danach reibe man es mit Mehl von Linsen, schwarzen Bohnen und Weizen ab.

20.180 Man spüle es, verehre es mit dem Kopfmantra und setze dann den Gestaltmantra ein: auf Scheitel, Gesicht, Schultern, Ohren, Herz, Nabel und Rücken,

20.181 Hüftansatz, Oberschenkel, Knie, Knöchel und Füße. Die übrige Mantragruppe setze man wie zuvor ein, jedoch ohne Handnyasa.

20.182 Man vollziehe die Vergegenwärtigung als gegliederte Gestalt und als ungeteiltes Sein sowie als die Einheit beider, alles in der zuvor beschriebenen Weise, Brahmane.

20.183 Mit den Krügen auf der Lotusmitte wasche man unter den Mantras von Satya und den übrigen: zuerst mit Blütenwasser, dann mit Duftwasser, Goldwasser

20.184 und Wasser sämtlicher Edelsteine. Man trockne es mit einem Tuch und bringe auf dem Scheitel Arghya dar, das durch den Grundmantra geweiht ist, Narada.

20.185 Dann salbe man das Bild mit Sandel und anderen Salben, lege ihm zwei Gewänder an und schmücke es nach der Vorschrift

20.186 mit Krone, Fußringen und anderen göttlichen Schmuckstücken, Weiser. Man verehre es mit schönen Blüten, Räucherwerk, Licht und der Madhuparka-Gabe,

20.187 mit vielfältigen Speisen, weiteren Gaben, Betel und Spiegel. Man bilde die Mudra, verneige sich und trage dem höchsten Herrn sein Anliegen vor.

20.188 Nach dieser Vorschrift verehre man auch den Sockel samt Brahma-Stein, den man zuvor zusammen mit dem Bild gewaschen hat, bester Weiser.

20.189 Man meditiere den Sockel samt Gestalt als Verkörperung aller kosmischen Wege. Den Brahma-Stein vergegenwärtige man als [die Folge] von der tragenden Kraft bis zu den Elementen.

20.190 Danach bedecke man Stein und Sockel mit einem schönen Gewand. Man reiche Wasser zum Mundspülen und Arghya und vollziehe dann die kreisende Lichtdarbringung.

20.191 Unter glückverheißenden Rufen und Siegesrufen, begleitet vom Klang der Veden, von Muschelhörnern, Instrumenten, Trommeln und Gesängen,

20.192 die überaus schön und unvergleichlich sind, setze man [das Bild] sicher auf den Wagen. Dann umrunde man rechtsläufig das Dorf mit seinem Tempel.

20.193 Auf der Wagenstraße führe man den Wagen zum Königshaus. Dem vor dem Eingang stehenden [Gott] bringe man zunächst hingebungsvoll Arghya und Fußwaschwasser dar.

20.194 Auf dem vierten [Altar, für die Nachtruhe bis] zum kommenden Tag, gestalte man ein Svastika-Mandala aus strahlendem Pulver oder aus Blüten in vier Farben.

20.195 Darauf breite man Darbha-Gras aus und streue in die Mitte Puffreis und Ähnliches. Man stelle das Bett samt allen erforderlichen Gegenständen darauf [unsichere nähere Lesung].

20.196 Nach der Folge des Sockelnyasa stelle man am Kopfende, Narada, einen verehrten Krug mit den zuvor beschriebenen Merkmalen auf.

20.197 Darin verehre man Schlaf, Nacht, Ananta und Shri. Dann hebe man den Gott ganz behutsam von seinem Sockel herab

20.198 und bette ihn unter dem Herzmantra mit dem Kopf nach Osten. Unter dem Schutzpanzer-Mantra gebe man ihm ein Tuch als Decke, das mit Räucherwerk und anderem durchduftet ist.

20.199 Mit dem Grundmantra vollziehe man die nährende Stärkung des auf dem Lager Ruhenden. Danach verehre man den Kreis der göttlichen Erscheinungsformen, den der Vyuhas

20.200 und den subtilen Kreis, bester Weiser, an Füßen, Herz und Scheitel. Mit Blüten, Räucherwerk, Arghya und Mudras verehre man sie und verneige sich.

20.201 Dann begebe man sich zur Feuergrube. Für alle einzelnen Verrichtungen vollziehe man nach Vermögen ein Feueropfer aus Sesam und Butter, beginnend mit hundert Gaben.

20.202 Bei jeder erinnere sich der Handelnde an die entsprechende Handlung und bringe sie mit dem dafür genannten Mantra dar. Danach gebe er mit Herz- und Grundmantra die volle Opfergabe.

20.203 Bis zum Morgen [setze man dies fort], um die Handlungen zu vervollständigen. Nach dem Feueropfer gebe man befriedendes Wasser zunächst auf den eigenen Kopf,

20.204 dann mit dem Grundmantra achtmal auf den Kopf des Bildes. Auch die Handlungsmantras rezitiere man nach Vermögen.

20.205 Wie zuvor bringe man unter dem Waffenmantra den Wesen ihre Bali-Gabe dar. In schönen Feuergruben an den vier Seiten des Tempels

20.206 oder der Halle sollen die Hüter der Gottesgestalten, im Osten beginnend, mit ihren jeweiligen Mantras tausend oder hundertacht Opfergaben darbringen, Weiser.

20.207 Der Guru lasse auch durch sie befriedendes Wasser auf den Kopf des Bildes geben. Dann vollziehe er die vorbereitende Weihe durch die vorschriftsmäßige Handlung,

20.208 die „Meditation“ heißt, ungeteilt und rein. Durch sie bleibt der Mantra im Kultbild oder im gemalten Tuchbild dauerhaft gegenwärtig, Brahmane,

20.209 solange er nicht durch einen Lehrer, der die Wirklichkeit kennt, zurückgenommen wird. Zunächst nehme der Guru alles nach der Folge der Auflösung zurück

20.210 und verweile in seinem eigenen unveränderten, reinen Wesen, Narada. Zuvor gründe er sich in dem strahlenförmigen Lotus seines Herzens.

20.211 Ebenso vergegenwärtige er das Bild als unvergänglich, frei von Teilhaftigkeit und mit einem Leib aus Erwachen und Erkenntnis.

20.212 Zwei Wege von der Natur der Sushumna, flammend und leuchtend, seien jeweils vom Rund des Herzlotus aus angelegt,

20.213 sich wie der Glanz eines Edelsteins ausbreitend [unsichere Lesung zur Richtung]. Wie im eigenen Selbst, so in der Gottheit; wie in der Gottheit, so im eigenen Selbst.

20.214 Nachdem er dies vergegenwärtigt hat, gehe er auf dem rechten Weg aus seinem Körper hervor und trete über den linken Weg in das Herz der Gottheit ein, Weiser.

20.215 Wie das unvergleichliche Selbst im eigenen Herzen erfahren wird, so vergegenwärtige er dort im Innern ihres Herzens die Sphäre der Erkenntnis.

20.216 Er schaue sie als groß, von ihren eigenen Strahlen durchwirkt und mit Seligkeit erfüllt; ihr einziges Geschehen ist Ausgehen und Heimkehren in Kraft, Brahman und Selbst.

20.217 Mit der im Leib der Gottheit wohnenden Erkenntnis soll er Einheit herstellen, bis zu jenem Augenblick ohne Regung, [in dem er] die in seinem eigenen Leib gegenwärtige Stätte

20.218 allein durch das Selbst erfährt, Brahmane. Wenn mit der Regung die Zeit wieder einsetzt, teile er das eine Selbst in zweifacher Weise

20.219 auf sich und die Gottheit. Dann trete der Übende durch den rechten Weg der Gottheit hinaus und durch seinen eigenen linken Weg ein

20.220 in sein leuchtendes Herz, das vom Nektar der Erkenntnis überflutet ist [Lesung berichtigt im Grundtext erwogen]. Dieser Yoga, bester Weiser, macht im stofflichen Bild

20.221 von den Füßen bis zum Scheitel die Schar der Nadis offenbar. Nun [folgt jener Yoga], durch den diesem Bild die Allherrschaft zukommt, Brahmane.

20.222 Diesen Yoga werde ich jetzt erklären; höre mit gesammelter Aufmerksamkeit. Der Übende ruht in der Mitte des Herzlotus, frei von geistigen Bewegungen.

20.223 Durch die Verbindung mit dem Aussprechen seines Mantras gehe er wie zuvor im aufsteigenden Strom zur leidfreien Stätte. Von dort setzt die Bewegung erneut ein.

20.224 Wunschlos, schmerzlos und unerschüttert tritt er aus freiem Willen in Bewegung, wie eine nahe, bisher unbewegte Flamme zu flackern beginnt.

20.225 Wie die Seidenraupe sich an ihrem Faden weiterbewegt, so stützt sich der Lehrer auf die Erkenntniskraft und tritt erneut in seinen eigenen Herzlotus

20.226 durch seine Gestaltungskraft ein, wie zuvor. Dann schaue er den Herzlotus der Gottheit und vergegenwärtige mit ihm zusammen

20.227 die Erkenntnis. Durch die Kraft des Erwachens gehe er zu dessen Dvādaśānta, der „das zu Erkennende“ heißt, und nicht an einen anderen Ort [Satzanschluss unsicher].

20.228 Von jener Stätte aus suche er nach dem zuvor beschriebenen Verfahren das göttliche Herz auf. Aus dem Herzen der Gottheit trete er in sein eigenes Herz zurück.

20.229 Von seinem Herzen gelange er auf dem [genannten] Weg zu seinen Augen. Ebenso stelle er die Verbindung in der Gottheit her und lasse beide einander schauen.

20.230 Durch den Blick der Gottheit vergegenwärtige er die Vollendung seiner selbst. Durch seinen eigenen Blick vergegenwärtige er den Herrn der Götter als überall gesondert gegenwärtig.

20.231 Dies ist die Verbindung mit dem Herrn, in ihrer besonderen, ganz auf ihn gerichteten Gestalt. Wisse: Sie verleiht den Bildern immer die ganze göttliche Herrlichkeit.

20.232 Nun werde ich die Verbindung durch Klang erklären, die viele wunderbare Einsichten eröffnet. Indem man zum Wesen des Mantras wird, gelange man mit dem Bild zur Einheit.

20.233 Man werde selbst wieder zur Gestalt des unbewegten, gemeinsamen Grundes des Erkennens. Alle durch Klang entstandenen Erscheinungen, die feinen und die noch feineren,

20.234 schaue man als eins mit dem gemeinsamen Erkenntnisklang, frei von den einzelnen Lauten, die jeweils aus vorausgehender Vorstellung entstehen.

20.235 Jener Klang kommt dem aus der Vorstellung entstehenden Gegenstand in Lautgestalt entgegen. Er ist der höchste Klang, Brahmane.

20.236 Wenn er die Ebene der Vorstellung erreicht hat, leuchtet er innerlich deutlich auf. Den Klang, der sich auf einen Gegenstand richtet, erkenne als den mittleren, Weiser.

20.237 Er ruht in der Samenkapsel des Herzlotus. Auf den Wegen der Bemühung, die aus dem Erkenntnisvermögen hervorgehen, gelangt er zur Offenbarung

20.238 als Bezeichnetes und Bezeichnendes; dann wird er „grober Klang“ genannt. Noch gröber wird er wiederum im Bereich der ausgesprochenen Rede,

20.239 wo er sichtbare und unsichtbare Dinge zum Ausdruck bringt. Als dieser noch gröbere Klang ist er im gesamten menschlichen Verkehr gegenwärtig.

20.240 Deshalb sollen die Übenden zuerst unerschütterlich im Geist festhalten: „Der Leib besteht aus Klang.“ Dann vergegenwärtigen sie auch das Bild als von diesem Wesen.

20.241 Der Guru, der zum unbewegten Erkenntnisklang geworden ist, schaut durch den Yoga der Auflösung des Klanges seinen eigenen Leib zusammen mit dem Bild.

20.242 In der zuvor beschriebenen Folge schaue er dieses [eine Sein] als Klang-Brahman, das sich allmählich zur Gestalt des Bildes entfaltet, Brahmane.

20.243 Ein von ihm so eingesetztes Bild gewährt die Früchte erfüllten Lebens und der Befreiung. Nachdem man auf diese Weise die Klangverbindung des Bildes hergestellt hat, Narada,

20.244 beginne man sorgfältig mit der Mantraverbindung. [Der Mantra ist] ohne die Unterschiede einzelner Laute und doch Klangwesen, ewig aufgehend und ungeschlagen.

20.245 Man vergegenwärtige den im eigenen Herzlotus ruhenden Mantra, der wie ein Faden aus Klang aufsteigt, durch den mittleren Weg hervortritt und in das Bild eingeht.

20.246 Er hat die Gestalt eines leuchtenden Sterns und ist von allen Mantras durchdrungen. Das Bild in der Mitte jenes Lotus vergegenwärtige man als den Weltenherrn, dessen Wesen Mantra ist.

20.247 Der treffliche Übende schaue ihn als den, der Schöpfung und Auflösung vollzieht. Eben er ist als der Höchste zu erkennen, überaus fein und ungeteilt.

20.248 Er ist als gegliedert und ungegliedert, als beides zugleich, zu erkennen. In der Nacht der Erkenntnis vergegenwärtige man das zu Erkennende als vom Geschmack des Schlafes erfüllt.

20.249 Am Morgen der Gesamtheit der Wirklichkeitsprinzipien, wenn der Tag der Erfahrung aufgeht, vergegenwärtige man den Gott als erwacht und aus der höchsten Stätte herabgestiegen.

20.250 Man schaue ihn als den, der den Sockel eingenommen hat: den Boden aller kosmischen Wege und Erfahrungen. Die tragende Kraft ist die Grundlage des allgegenwärtigen Herrn in Mantragestalt.

20.251 Deshalb vergegenwärtige man Brahma-Stein, Sockel und Bild als eine Einheit. Nach dem Yoga dieser meditativen Weihe verehre man ihn.

20.252 Zuerst vollziehe man den Mantranyasa in dreifacher Weise nach der früheren Ordnung, ohne Handnyasa, Brahmane, alles in Verbindung mit der Auflösung [in den Ursprung].

20.253 [Man verehre ihn] mit Fußwaschwasser, Arghya, Blüten, Räucherwerk und Salben, mit Madhuparka, gekochtem Reis und vielerlei Speisen,

20.254 mit reinen, wohlschmeckenden Getränken, mit Mangos und anderen Früchten, mit süßen Säften und mit vielfältigen greifbaren Genüssen,

20.255 mit sämtlichen Metallen und Samen, Instrumenten und Gesängen, mit Kleidern, Schirmen und Tüchern, Spiegeln, Augensalbe und Fahrzeugen,

20.256 mit Schuhen und Sandalen, Yakwedeln und Fußbänkchen, Auffanggefäßen, Betel, Gewändern, Fahnen und Schmuck,

20.257 mit schönen Gärten, Wohnhäusern und Tempelbauten, mit Lagern, Sitzen und allen Haushaltsgegenständen,

20.258 mit Wimpeln und Baldachinen, Waffen und sämtlichen Schriften, mit angemessenen Gaben, Kühen und Dörfern, mit Tieren und Vögeln,

20.259 auch mit unbegrenzten, vollständigen und ungezwungenen inneren Darbringungen. Man bilde die wunscherfüllende Mudra, die das Wesen aller Freuden des eigenen Mantras verkörpert.

20.260 Jede einzelne Gabe bringe man mit dem Darbringungsmantra und der Gayatri dar. Danach preise man [den Herrn] mit dem Jitaṃte-Hymnus und bringe wiederholt Räucherwerk dar.

20.261 Im Osten lasse man einen trefflichen Brahmanen mit dem Gesicht nach Westen Platz nehmen, geschmückt mit Blumenkränzen, Turban, Schmuck und Fingerringen.

20.262 Zuerst lasse man ihn die Mantras des Rigveda rezitieren. Den nach Norden Blickenden lasse der Lehrer die auf Vishnu bezogene Sammlung des Yajurveda vortragen.

20.263 Der Kenner des Samaveda im Westen singe die reinen Saman-Lieder. Der hingebungsvolle [Rezitant] im Norden trage, nach Süden blickend, den Atharvaveda vor.

20.264 Jeder, von seinen Schülern umgeben, [rezitiere] nach der Opferordnung vollständig die Mantras seiner eigenen Überlieferung, deren Kennzeichen ihm bekannt sind.

20.265 Die Pāñcarātra-Asketen, deren ganzes Streben dem Erhabenen gilt, stelle man in den Nordosten, begleitet von vier zuverlässigen Angehörigen der [Stände], beginnend mit den Brahmanen.

20.266 Die ausschließlich dem Einen Ergebenen stelle man mit ihren Begleitern in den Südosten. Im Südwesten platziere man die Frommen zusammen mit den Vaikhanasas, Brahmane,

20.267 mit vier Begleitern, die die Hände aneinanderlegen. Im Nordwesten [stehen] die Sātvatas mit ihren Unternehmungen [unsichere Lesung], zu dieser Zeit ganz vom Erhabenen erfüllt.

20.268 Vier Träger des Haarschopfes sollen an den vier Seiten eingesetzt werden, Weiser; als ihre Gefolgsleute wirken vier weitere mit:

20.269 Brahmanen, Kshatriyas, Vaishyas und Shudras, bester Weiser. Die höchst reinigenden Mantras aus der Ekāyana-Überlieferung

20.270 lasse man die zuvor genannten zuverlässigen Pāñcarātra-Asketen vortragen, die in strenger Gelübdetreue ihre eigenen Mantras gemäß ihrer jeweiligen Übung rezitieren.

20.271 Von Osten bis Norden nehmen vier [Amtsträger] Platz, beginnend mit dem Guru; je nach Vermögen auch viele bis hin zu den Kennern der verbindlichen Regeln, oder nur zwei oder einer.

20.272 Sie haben den Nyasa vollzogen und ihre Hände mit der Meditationsmudra versehen. Ihre jeweilige Mudra halten sie unter dem eigenen Gewand voreinander verborgen.

20.273 Andere widmen sich Gesang und Tanz; vorn stehen die Hymnenrezitierenden. Außen stehen Gruppen von Lobrednern und Trommlern.

20.274 Bei jeder einzelnen Handlung vollziehe der Übende nach Vermögen ein Feueropfer. Wie bei der Einweihung reinige er auf diese Weise die ganze Folge der Wirklichkeitsprinzipien.

20.275 Ganz gesammelt, im höchsten Sein gegründet, bringe der Lehrer mit dem Mantra der tragenden Kraft [Gaben für den Stein] dar, der Brahma genannt wird.

20.276 Den Sockel sättige er mit dem Mantra der Kraft als Grundlage, Narada; danach den Herrn in der Gestalt der Auflösung mit reichlich geklärter Butter.

20.277 Auf alle drei gebe er der Reihe nach befriedendes Wasser, vorschriftsmäßig mit dem Grundmantra, den er aus dem Herzen hervorgehen lässt.

20.278 Nach diesem Vollzug lasse der Guru mit ganz reinem Geist den im Bild gegenwärtigen Erhabenen den folgenden Mantra hören:

20.279 „Du sollst hier gegenwärtig sein, Adhokshaja, damit deine Verehrer, mich eingeschlossen, Vollendung erlangen, du Makelloser!“

20.280 Dann meditiere der Lehrer den lotusäugigen Erhabenen als durch den Mantra erwacht. Er richte das Bild auf und wende es sich zu.

Der Übende werfe sich mit acht Körperteilen zu seinen Füßen nieder.

20.281 Mit großer Sehnsucht bringe er ihn an den Verehrungsort und verehre ihn sodann

20.282 gründlich in der Weise der Auflösung und der Darbringung, nach der früher genannten Vorschrift. Ebenso verehre und sättige er ihn der Reihe nach im Feuer.

20.283 Dann vollziehe der Übende ein Feueropfer mit vier Substanzen. Es verbindet alle Wirklichkeitsprinzipien, sämtliche göttlichen Erscheinungsformen,

20.284 die Vyuhas, die als subtil bezeichnete [Ebene], den vielgestaltigen Mantra, die über den Mantra hinausreichende Kraft und den mit ihr verbundenen Herrn der Kraft

20.285 zu einer Einheit, nachdem sie eingesetzt worden sind, Weiser. Höre, wie dies durch die Verbindung von Auflösung und Bestehen geschieht.

20.286 Man berühre beide Füße des im Bild gegenwärtigen Herrn mit geklärter Butter und opfere diese Butter hundertachtmal, Brahmane.

20.287 Am Ende gebe man mit einem Darbha-Büschel davon auf die Füße. Ebenso vollziehe man das Opfer mit Dickmilch, nachdem man den Nabel berührt hat.

20.288 Nach Berührung der Herzregion bringe man Milch dar; nach Berührung des Kopfes opfere man reinen Honig.

20.289 Dann mische man alles zu gleichen Teilen, Narada, berühre damit sämtliche Körperglieder und bringe es anschließend als Opfer dar.

20.290 Für die Füße und die folgenden Stellen opfere man mit den Mantras von Aniruddha bis Satya. Danach gebe man mit dem Grundmantra die volle Buttergabe, Narada.

20.291 Unter dem Gestaltmantra reiche man Honig, Butter, Ghee und Milchreis als Speise [die Butterbezeichnungen überschneiden sich im Wortlaut]. Danach gebe man nach Vermögen Gold und andere Gaben als Opferlohn.

20.292 Man warte auf den vorgesehenen Zeitpunkt des Aszendenten. Bis er eintritt, verkürze man die Zeit mit Unterhaltung, Feueropfern, Heiterkeit und Rezitationen.

20.293 Wenn der Aszendent aufgeht, halte man den Weltenherrn [im Bild] fest und spreche: „Warte einen Augenblick, Erhabener, Allwissender, Wohnstatt des Mitgefühls,

20.294 bis ich deinen Brahma-Sockel im Tempel eingesetzt habe.“ Den auf dem Lager ruhenden Weltenlehrer stelle man sich schlafend vor.

20.295 Dann gehe der Guru mit den Trägern der Gottesgestalten zum Tempel. Durch Rad- und Waffenmantra beseitige er die dortigen Hindernisse, Narada.

20.296 Er reinige ihn durch den Waffenmantra und vergegenwärtige den Brahma-Stein: etwas kleiner als die Grundfläche des Sockels, eben, glatt und fest, Brahmane.

20.297 Er teile ihn zuerst in neun Felder und zeichne in jedes mit klaren Linien einen Lotus. In jeder Lotusmitte höhle er eine Vertiefung aus.

20.298 Bei einem Tempel mit einem Eingang teile man den Raum von der Tür bis zur Westwand in sieben gleiche Abschnitte, Narada.

20.299 Vom Eingang aus lasse man vier Abschnitte frei. In der Mitte der beiden [folgenden] Abschnitte setze man den Brahma-Stein ein, Weiser.

20.300 Bei der Einsetzung der Gottheit darf die vom Eingang ausgehende Mittellinie nicht verlassen werden. In einem Gebäude mit vier Eingängen setze man ihn in die Mitte,

20.301 nachdem man [den Raum] nach den vier Richtungen dreigeteilt hat. Dort liege der feste Brahma-Stein. [Unsicherer Satz zur Einbringung des Steins und zur Verehrung im Innenraum.]

20.302 Man hebe eine Grube vom Maß des Brahma-Steins aus, [tief beziehungsweise weit] wie die Armspanne. Zuvor bewege man ihn entlang der Messschnur nach Norden.

20.303 In der Mitte der Grube fertige man eine schöne Vertiefung von sechs Aṅgulas an. Dahinein [komme] ein mit Edelsteinen gefüllter Krug aus Gold oder Kupfer,

20.304 – erste Nennung vier Aṅgulas groß und muschelförmig. Man weihe ihn mit dem Herzmantra und setze ihn unter der Gayatri ein.

20.304 – zweite Nennung Man versehe ihn mit einem Deckel und gebe Kalkmörtel darüber. Dann setze man den Brahma-Stein ein, der zuvor durch Mantras geheiligt wurde.

Auch die Versnummer 304 steht im Grundtext zweimal.

20.305 Der Guru gründe sich selbst im Alldurchdringen und meditiere den Stein als alldurchdringend, als Verkörperung von Tragendem und Getragenem.

20.306 Darin vergegenwärtige er mit dem Grundmantra den Nyasa von allem darüber Befindlichen. Nachdem er so die Gegenwart hergestellt hat, vollziehe er darauf, Brahmane,

20.307 die Einlegung von Edelsteinen und anderem. Höre, wie: [Man lege] einen Agni aus Gold, einen Ananta aus Silber, eine Erde aus Gold

20.308 und einen Lotus aus acht Metallen in die Mitte des Brahma-Steins. In die Lotusvertiefungen, von Osten bis Nordosten fortschreitend,

20.309 [lege man] Diamant, Sonnenstein, Indranila, Mahanila, bester Weiser, danach eine Perle,

20.310 sodann Pushyaraga und Padmaraga, im Nordosten Vaidurya; in die Mitte lege man Bergkristall.

20.311 Von Osten beginnend [lege man] Silber, Kupfer, Trapu, Vanga, Atiruta, Loha, Ayasa und Bronze; in die Mitte lege man Gold. [Einige Metallbezeichnungen sind hier nicht eindeutig voneinander abzugrenzen.]

20.312 [Dann folgen] Auripigment, Realgar, Kurkuma, Kushtha, Strotanjana, Zinnober, Saurashtra und goldfarbener Ocker.

20.313 In die Mitte [lege man] Rajapashana und ringsum Quecksilber; sodann Weizen, wilde Gerste, Mungbohnen und schwarze Bohnen,

20.314 Kichererbsen, Pferdebohnen und Linsen, der Reihe nach in die acht [Vertiefungen; die Aufzählung ist nicht eindeutig vollständig]. In die Mitte gebe man weißen Senf und Sesam.

20.315 Hrībera, Kurkuma, Jatamansi, Sahadevi, Kalmus, Vishnukranta, Bala, Mota, Shyamaka und Shankhapushpa:

20.316 diese Reihe von Wurzeln lege man von Osten bis zur Mitte ein. Sind nicht alle Stoffe verfügbar, verwende man überall Gold.

20.317 Fehlt auch dieses, lege man Silber und Perlen ein. Mit der zuvor bereiteten geklärten Butter oder mit Milch

20.318 bestreiche man sämtliche Vertiefungen, Brahmane. Danach lege man ein ungebrauchtes, ganz weißes feines Tuch darüber.

20.319 Dann trage man eine glatte Kalkmörtelschicht auf und setze den Sockel ein. Man verbinde ihn wie zuvor mit dem Stein, Narada.

20.320 In die Höhlung des Sockels lege man einen goldenen Garuda, ferner Milch, Dickmilch, Butter, Puffreis, Honig, Blüten und Früchte,

20.321 alle Duftstoffe und sämtliche Heilpflanzen, bester Brahmane. Wie zuvor vergegenwärtige man den Sockel als mit Dharma und allen übrigen [Kräften] ausgestattet.

20.322 Darüber setze man wiederum die alles durchdringende Gegenwart ein, die der Bewusstseinssitz ist. Jeden einzelnen [Gegenstand] weihe man mit Herzmantra und Vishnu-Gayatri,

20.323 lege ihn nieder und vollziehe bei jeder Handlung ein Feueropfer, bis die Einsetzung des Sockels abgeschlossen ist. Danach bringe man die volle Opfergabe dar.

20.324 Wenn der Aszendent aufgeht, wecke man den auf dem Lager Ruhenden: „Du, dessen Wesen Mantra ist, nimm deine feurige Gestalt zurück!

20.325 Nimm die milde Gestalt an, um hier zu verweilen, höchster Herr. Verehrung sei dir, Hrishikesha! Erhebe dich, höchster Herr!

20.326 Um mir Gnade zu erweisen, betritt den Boden des Sockels!“ Die Hüter der Gestalten heben ihn sorgfältig auf; der Übende gehe vorn oder hinten mit,

20.327 reichlich [Gaben oder Edelsteine; unsichere Lesung] ausstreuend. Dann vollziehe man die Rechtsumwandlung des Tempels, Narada.

20.328 Behutsam führe man den Gott hinein, sodass er weder oben noch seitlich den Türrahmen berührt. Dann setze man ihn in die Mitte des Sockels,

20.329 mit dem Grundmantra, der vom Herzmantra umschlossen wird, Narada. Man sichere ihn dort von vorn, von den Seiten und von hinten

20.330 mit fest bindendem Mörtel und unter der Gayatri und führe ihn so zur Einheit mit dem Sockel. Der Guru spreche zuerst den erlösenden Laut und neige den Kopf:

20.331 „Du bist verehrt worden, Erhabener, zum Wohl der Übenden. Auch du sollst, um ihnen Gnade zu erweisen, immer hier wohnen.

20.332 Wo du verweilst, Herr, dort ist die Vollendung für die trefflichen Übenden nicht fern: So hast du selbst früher gesprochen.

20.333 Darum bleibe fest gegründet, stets zufrieden, groß und voller Mitgefühl, immer der Gnade zugewandt, solange Mond und Sterne bestehen!“

Danach bringe man Arghya auf Kopf und Füßen dar.

20.334 Nach der Einsetzung der Grundnatur vollziehe man die Einsetzung der Wirklichkeitsprinzipien.

20.335 Mit Wogen von Erkenntnis und Seligkeit, mit dem Leuchten des zu Erkennenden und mit Klängen, die vielfache Freude hervorbringen, [vom tragenden Grund bis zum Scheitel; unsichere Lesung],

20.336 schaue man das Bild als ganz aus Mantra bestehend, mit mannigfach wunderbarer Gestalt. So [steht es] am Ursprungsort von allem und erfüllt die inneren Entschlüsse.

20.337 Mit reinem Selbst errichte man das Bild als einen Baum aus Mantra. Seinen herrlichen, hoch aufragenden Ast aus Erkenntnis

20.338 vergegenwärtige der Übende als den unendlichen Raum durchdringend, Brahmane. Mit dem von dort reichlich strömenden, unvergleichlichen Nektar

20.339 schaue er den Baum des Mantrabildes stets safterfüllt: wie durch Wasser aus der Erde und aus dem Himmel, Narada,

20.340 ein Mandara-Blütenbaum genährt wird, genau so. Dann verehre man dort alles durch das Opfer der Auflösung.

20.341 Den auf dem Sockel befindlichen Mantrakreis verehre man nochmals durch das Opfer der Darbringungen. Am Fuß des Sockels setze man die Weltenhüter samt ihren Waffen ein.

20.342 Die Mantragruppe des Sockels verehre man in umgekehrter Folge bis zur tragenden Kraft, mit dem Schöpfungsnyasa, Narada.

20.343 Nach der Verehrung bade man den Gott. Dann verehre man ihn im Mandala nach der früheren Vorschrift und in dessen Reihenfolge,

20.344 vollziehe alles bis einschließlich des Feueropfers und gebe die volle Opfergabe. Man bilde einen Namen, indem man dem eigenen Namen die Bezeichnung „Svamin“ anfügt.

20.345 Alle sprechen laut „So sei es!“, werfen volle Hände von Blüten und ungebrochenen Reiskörnern dar, Narada,

20.346 und erklären: „Der Erhabene ist wohl eingesetzt!“ Dann sollen alle den Erhabenen, den Herrn der Welt, preisen,

20.347 mit dem Jitaṃte-Hymnus in lauter Stimme und danach mit „Sieg! Sieg!“. Durch die Einsetzung dieses allgegenwärtigen Herrn in Mantragestalt, der zur lebendigen Seele [des Heiligtums] wird,

20.348 wisse, bester Brahmane, ist alles eingesetzt, was zuvor im Tempel geschaffen wurde, vom Fundament bis zur Fahne.

20.349 Man umrunde den Gott rechtsläufig, verneige sich mit acht Körperteilen, nehme das Arghya-Gefäß und gehe aus dem Tempel hinaus.

20.350 Dort vollende man die Bali-Gabe für die zahlreichen Wesen: „Die Wesen außerhalb des Tempels, die dem Erhabenen ergeben sind, mögen empfangen

20.351 diese durch den Mantra geheiligte Gabe, ebenso ihre Gefolgsleute.“ Mit dem wassergefüllten Gefäß bringe man sie dar und verneige sich vor dem Gott.

20.352 Danach gehe man zum Opferhaus und vollziehe das volle Feueropfer. Für etwaige Unterlassungen oder Übermaße bringe man eine volle Opfergabe dar.

20.353 So viele feinste Teilchen sich vom Boden des Tempels bis zur Spitze der Fahne und in der Halle mit all ihren Geräten befinden, Narada,

20.354 so lange soll der Stifter in Vishnus Welt verweilen und ihre Freuden genießen. Am Ende gelangt er zur höchsten Stätte.

20.355 Dann ehre man der Reihe nach alle zuvor genannten Mitwirkenden vorschriftsmäßig mit Düften, Arghya, Blüten, Räucherwerk, Kränzen und Salben,

20.356 mit vielfältigen Speisen und nach Vermögen mit Gaben, großer Weiser. Nachts halte man ein großes Wachfest mit Tanz und Gesang.

20.357 Vier Tage lang vollziehe man das Feueropfer ohne Unterbrechung, nach den jeweiligen Zeiten und Ablösungen [unsichere Lesung], in den äußeren und inneren Feuergruben,

20.358 sodass während dieser vier Tage der Rauch nicht abreißt. Wenn der vierte Tag gekommen ist, bade man den höchsten Herrn,

20.359 verehre ihn nach der früheren Vorschrift und opfere nach Vermögen im Feuer. Für das gesamte Mantrageflecht bringe man dann eine volle Opfergabe dar.

20.360 Nach der zuvor genannten Vorschrift verehre man im Nordosten des Tempelinnern, auf einem beweglichen Sockel oder in einem wassergefüllten Krug,

20.361 Vishvaksena; auch die Hüter der Gottesgestalten sind zu ehren. Alle verbliebenen Vorräte führe man zusammen und übergebe sie dem eigenen Guru.

20.362 Oder der Lehrer, der die Einsetzung selbst vollzieht, soll sie sorgfältig der Reihe nach unter den Hütern der Gestalten und den anderen Mitwirkenden verteilen, Brahmane.

20.363 Wer Vollendung und Befreiung erstrebt, vollziehe das abschließende Bad. So ist für den Übenden, der sich nach Mantraverehrung sehnt,

20.364 die Einsetzung der Mantragestalt erklärt, an deren Stätte er Vollendung erlangt. Bei Bildern aus aufgetragenem Material, auf einer Wand oder auf einem Tuch vollziehe man das Baden und die übrigen Handlungen an einem Spiegel,

20.365 ohne etwas auszulassen; die Blütenverehrung geschehe mit trockenen Blüten. Bei der Einsetzung von Wand- und Tuchbildern, Brahmane,

20.366 gibt es keine Einlegung von Sockel, Brahma-Stein und Edelsteinen. Bei metallenen Bildern mit einem Sockel aus gleichem Material dagegen, Narada,

20.367 auch bei beweglichen kleinen Bildern, vollziehe man diese. Ebenso bei Bildern aus Stein, Ton und Holz, nicht anders.

Bei einem Sockel ohne inneren Raum stelle man sich dessen inneren Gehalt im Geist vor.

20.368 Wenn das Tuch oder die Wand schadhaft geworden oder das Bild durch ein Missgeschick zerbrochen ist,

20.369 ist die weitere Verehrung nicht vorgeschrieben; sie wäre nicht günstig, Brahmane. Deshalb vollziehe man eine Verehrung mit einem besonderen Feueropfer, Einsichtiger,

20.370 sowie Gaben und Ehrungen für Asketen, die die Wirklichkeit des Erhabenen kennen. Nach der Folge des Herabführens nehme man alles in das Herz auf,

20.371 auch die eingesetzte Gesamtheit der tragenden Kräfte, nach der früher genannten Vorschrift, Weiser. Unter dem Vishvaksena-Mantra und mit Nyasa und Verehrung lege man [das Bild]

20.372 in ein tiefes Gewässer, ausgenommen eines aus Metall. Denn [Textlücke] die Aufbereitung bei der Herstellung des Bildes.

20.373 Dies gilt für Bilder aus einem einzigen Körper. Höre nun von solchen, die durch eine feste Verbindung [mit dem Sockel] vereinigt sind.

20.374 Bei einem kleinen Bruch am Sockel entsteht kein Fehler. Eine geringe Beschädigung eines Körperglieds behandle man durch Aufreiben von Gold auf das Bild.

20.375 Bei einem großen Bruch hebe man das Bild vom Sockel und entferne diesen. Man fertige einen neuen Sockel und setze es wieder darauf.

20.376 Ist das Bild zerbrochen, der Sockel aber unversehrt, ist ein neues Bild vorgesehen. Ist der einstige Bija-Nyasa unbekannt, soll ein Kenner der Wirklichkeitsprinzipien das darin gegenwärtige Brahman-Prinzip

20.377 bei dieser Handlung sorgfältig durch den Pranava herauslösen. Alle Erkenntnisse haben dort ihren Ort, und die Mantras ruhen im Pranava.

20.378 Denn zwischen diesen beiden besteht die Beziehung von Bezeichnetem und Bezeichnendem, nicht zu einem anderen. Was nach diesem Verfahren im Heiligtum eingerichtet wurde, Brahmane,

20.379 bleibt für unermessliche Zeit bestehen und verschwindet nicht wieder. Bei Verwüstung des Landes, Tod, Hungersnot oder äußerster Bedrängnis,

20.380 wenn die Stätte wegen ausbleibenden Regens gefährdet ist, soll man sie beaufsichtigen. Aufgrund des Vorrangs der göttlichen Gegenwart wird das Bild nicht unrein

20.381 durch die Berührung von Räubern und anderen oder durch deren Aufenthalt dort [unsichere Lesung]. Jeder treffliche Mantrakundige, jeder hingebungsvolle und fest entschlossene Übende

20.382 wird dort bald die Vollendung erlangen, die sein Herz erstrebt. An einem hellen, günstigen Tag, unter einem passenden Mondhaus und bei milden Planeten,

20.383 der dem Land, dem Stifter, dem König und den Mantrakundigen günstig ist, soll der König oder ein begüterter vishnuitischer Stifter

20.384 dreimal im Jahr aus bedeutendem Anlass ein großes Fest nach der im eigenen Land vorgeschriebenen Weise veranstalten.

20.385 Das Prozessionsbild auf einem Tragheiligtum oder stattdessen das Rad und dergleichen lasse man, begleitet von Tanz, Gesang, Instrumentalklang und Gaben,

20.386 unter Darbringung von Bali durch sämtliche Straßen des Dorfes und anderer Orte ziehen, zur umfassenden Befriedung und zur Erlangung von Ansehen und Verdienst.

So endet im heiligen Pāñcarātra, in der Jayakhya Samhita, das zwanzigste Kapitel mit dem Namen „Die Vorschrift der Einsetzung“.


Kapitel 21 – Die Pavitra-Weihe und die Erneuerung der Verehrung

Narada sprach:

21.1 Erhabener, wenn ein Übender, der sich seiner Ordnung verpflichtet hat und sich bemüht, durch Verwirrung, Verwüstung des Landes oder die Bedrängnis durch Fieber und andere Krankheiten

21.2 seine regelmäßigen Handlungen einmal nicht vollendet, sodass ein Mangel im Vollzug entsteht: Was soll er tun, Herr, und was widerfährt ihm? Sage es mir.

Der erhabene Herr sprach:

21.3 Durch vollzogene Handlungen, Japa und Feueropfer [Textlücke]. Wenn dem Übenden Handlungen, Japa, Verehrung und anderes ausgefallen sind,

21.4 gibt es, Brahmane, keinen anderen Weg als das Anlegen der Pavitra-Schnüre.

Narada sprach: Ich möchte das Anlegen der Pavitra-Schnüre an Vishnu seinem Wesen nach hören,

21.5 damit ich, stets der heiligen Handlung zugewandt, mein Ziel erfülle.

Der erhabene Herr sprach: Wenn die Sonne im Krebs, Löwen, in der Jungfrau oder Waage steht, Brahmane,

21.6 vollziehe man am zwölften Tag der hellen Monatshälfte oder bei Vollmond, nach eigener Wahl, vorschriftsmäßig [das Fest], um Ausfälle von Japa, Feueropfer und anderen Handlungen auszugleichen.

21.7 Man vollziehe das zuvor beschriebene Opfer mit Blick auf die Pavitra-Weihe. Am zehnten Tag nehme man vorschriftsmäßig die vorbereitende Weihe der Gegenstände vor,

21.8 einschließlich der Fäden. Die Schnur sei aus Seide, Baumwolle oder Leinen, glatt, fest und unverfälscht.

21.9 Zuvor reinige man sie durch Verbrennen und nährendes Wiedererfüllen [in der inneren Vorstellung]. Dann meditiere man sie als aus den fünf Elementen bestehend und alldurchdringend.

21.10 Zuerst drehe man den Faden dreifach, danach vierfach. Weil er unter allen Wesen Gleichheit hervorbringt, Brahmane,

21.11 soll man diese Schnur nicht aus einer ungeraden Anzahl von Fäden herstellen. Aus ihr beginne man dann die Pavitra-Schnüre zu fertigen, bester Brahmane.

21.12 Für den ganzen Mantrakreis, beginnend mit dem Grundmantra, fertige man jeweils drei an, oder zwei, oder, wenn die Mittel fehlen, je eine, Narada.

21.13 Dies sind die Ersatzmöglichkeiten. Man gestalte sie kettenförmig aus Fäden, deren Maß dem halben Durchmesser entspricht [unsichere Lesung].

21.14 Die erste [Schnur] bestehe aus hundertacht Fäden, die zweite aus der doppelten, die dritte aus der dreifachen Anzahl. So bestimme man ihren Umfang.

21.15 Die erste hat sechsunddreißig Knoten, die zweite doppelt, die dritte dreimal so viele, Brahmane. Die Knoten färbe man mit Safran

21.16 oder mit Sandel und anderen Stoffen, je nachdem, was schön wirkt. Mit weichem, ganz weißem [Garn] von entsprechender Stärke

21.17 fülle man die Zwischenräume der Knoten aus, sodass eine muschelartige Form entsteht. Dies sind die Maße für die Pavitra-Schnüre zur Verehrung der Mantragestalten im Mandala, Narada.

21.18 [Diese Maße gelten dort] stets. Bei einem fest eingesetzten Bild oder einem metallenen [Bild; vorausgehende Lesung unsicher]

21.19 lege man eine kranzförmige Schnur auf den Kopf, mit beliebiger Knotenfüllung. Die zweite hänge von den Schultern bis zur Knieregion herab,

21.20 die dritte, sehr ausgedehnte, vom Scheitel bis zu den Füßen. Für den Sockel fertige man gesondert eine schöne Schnur nach seinem eigenen Maß an.

21.21 Der Umfang der Schutzschnüre für das Bild ist nicht starr festgelegt. Wenn möglich, nehme man die doppelte zuvor angegebene Fadenmenge

21.22 oder die dreifache, bester Weiser, und fülle sie entsprechend aus. Bei allen setze man gleich große Knoten in Abständen von drei Aṅgulas,

21.23 ohne eine feste Gesamtzahl, schön wie Zitronatfrüchte. Für die beiden vorzüglichen Krüge, für den Sitz der heiligen Lehre,

21.24 für die beiden Opferlöffel, die Glocke, die Gebetskette und das Arghya-Gefäß fertige man jeweils eine an, Narada, mit Fadenfüllung nach Wunsch.

21.25 Für die sechs [Gruppen], vom Guru bis zu den Kennern der verbindlichen Regeln, für die innerlich gereiften Asketen und die Hausleute fertige man sie der Reihe nach, bester Weiser,

21.26 aus vierundzwanzig, sechzehn, zwölf, acht,

21.27 sechs und drei Fäden. Die Zahl der Knoten entspreche der Fadenzahl. Man färbe sie nach der zuvor genannten Weise, jedoch ohne die Zwischenräume auszufüllen.

21.28 Man lege sie auf ein Blatt, in ein Gefäß oder in eine Schale aus Palasha-Blättern und bedecke sie mit einem ganz weißen, ungebrauchten Tuch.

21.29 Dieses Gefäß stelle man in die Mitte der Opfergegenstände. Nachdem man nach der früheren Vorschrift gebadet hat, vollziehe man die tägliche Verehrung Haris.

21.30 Dann folge die besondere Verehrung nach der Ordnung der Einweihung: beginnend mit der Verehrung des Eingangs, alles einschließlich der Krüge.

21.31 Man treffe sämtliche Vorbereitungen, bester Weiser, samt dem Feueropfer. So vollziehe man die Verehrung und zunächst die Sättigung der Mantras,

21.32 bis zum Bilden der Mudras und zur Japa-Rezitation; danach gebe man die volle Opfergabe. Man erinnere sich an den Tag des vergangenen Jahres,

21.33 an dem die Pavitra-Schnüre zuletzt abgenommen wurden, und von diesem Tag an [an alle Handlungen]. Mit Arghya, Blüten und Bali-Gaben verehre man die gesamte Opferordnung.

21.34 Nach dem rituellen Wasserschlürfen vergegenwärtige man die ganze Mantraschar der Reihe nach. Dann [suche man] das früher eingesetzte Bild auf, ob man es selbst oder ein anderer eingesetzt hat,

21.35 gehe hinaus, bade es hingebungsvoll nach der früheren Vorschrift, verehre es in besonderer Weise und bringe nochmals Arghya dar.

21.36 Man vergegenwärtige den Grundmantra mit Japa und Mudra und erinnere sich wie zuvor an alles, was man Tag für Tag getan oder unterlassen hat.

21.37 Nach der Rechtsumwandlung gehe man wieder zum Opferhaus. Dort bringe man der am Boden gegenwärtigen Mantragestalt

21.38 Betel und ein Zahnputzhölzchen dar, eingeleitet durch die fünf Erzeugnisse der Kuh. Vor dem Gott der Götter, im Süden bei der Löwengestalt,

21.39 [bringe man] Licht, Räucherwerk, Spiegel und einen Goldfaden dar. Im Westen, bei der Kapila-Gestalt, ein goldenes Gefäß,

21.40 gefüllt mit Opferspeise, Narada. Im Norden, bei der Varaha-Gestalt, Kränze, Heilpflanzen, Wasser, Milch und Honig,

21.41 Früchte und Reis-Samen; den übrigen [Gestalten] Zahnputzmittel zusammen mit Betel. Dann bringe man die Schutzschnur dar, Weiser,

21.42 nachdem man sie aus dem Gefäß genommen hat. Ebenso verfahre man beim Krug, im Feuer und draußen beim Bild: mit allem bis hin zur Schutzschnur.

21.43 Danach lade man den erwählten Mantra nach seiner Ordnung ein: „Herr der Götter, du bist eingeladen; das Opfer ist vorschriftsmäßig vollzogen.

21.44 Nimm es an, Erhabener: Es vervollständigt alle Handlungen.“ So richte man sich an den Herrn, der in den verschiedenen Mantras gegenwärtig ist.

21.45 Dann umspanne man das ganze Opferhaus innen dreimal mit einem weißen Faden, zusammen mit [einem Pfeil oder einer Markierung; unsichere Lesung].

21.46 Die Pavitra-Schnüre decke man jeweils mit festen Gefäßen ab. Ebenso umspanne man danach den Tempel von außen, Brahmane.

21.47 Mit dem Waffenmantra bringe man den Wesen die Bali-Gabe dar, Narada. Zuerst trinke man die fünf Erzeugnisse der Kuh und esse von der Caru-Opferspeise.

21.48 Man kaue ein Zahnputzhölzchen oder nach Wunsch Betel, schlürfe rituell Wasser und vergegenwärtige den eigenen Leib durch Nyasa als vollständig gegliederte göttliche Gestalt.

21.49 Den am Boden gegenwärtigen Mantra nehme man zurück und setze ihn in den Krug oder in sich selbst ein. Nachts halte man Wache und vollende das Mandala.

21.50 Nach Ende der Nacht bade man und verehre Acyuta mit den verfügbaren Mitteln. Zuerst erfülle man die tägliche Pflicht, dann verehre man der Reihe nach den im Krug Gegenwärtigen,

21.51 danach den im Mandala, sodann den im Feuer und schließlich im Tempelinnern den im Bild, wobei man mit der Waschung beginnt, Brahmane.

21.52 Man betrete das Opferhaus, gehe zum Krug, verehre ihn und öffne das Gefäß mit den Schutzschnüren.

21.53 Man schaue hinein, nehme [die erste Schnur] heraus und meditiere darin sämtliche während des Jahres vom Morgen bis zum Ende der Nacht vollzogenen Handlungen:

21.54 jene ungeteilte, aus Meditation hervorgehende [Tätigkeit], deren Stätte die Befreiung ist. Man vergegenwärtige den ungeteilten Mantra in der Folge reiner Aussprache.

21.55 Man verbinde den Mantra mit der Schnur und den Mantra ebenso in der Schnur [mit ihr], vereinige beide mit dem eigenen Selbst und lege sie auf den Scheitel der Mantragestalt.

21.56 Dann nehme man die nächste Schnur. In ihr meditiere man das Jahreswirken als gegliedert und ungegliedert, als Erkenntnis und Handlung zugleich.

21.57 Man vergegenwärtige den im Krug verehrten Mantra in dieser zweifachen Gestalt, stelle wie zuvor die Verbindung her und bringe die Pavitra-Schnur dar.

21.58 Dann nehme man die dritte Schutzschnur, Brahmane, und erinnere sich an sämtliche äußeren Handlungen des Jahres in ihrer gegliederten Form:

21.59 wie man selbst von der Grundlage bis zum Höchsten verehrt hat, in der Ordnung von Auflösung, Darbringung und zuständigem Wirken, als gegliederte Gestalt.

21.60 Man vergegenwärtige den Herrn der Mantras als gegliedert, in den Formen von Auflösung, Darbringung und den übrigen [Vollzügen], stelle die Verbindung her und bringe die Schutzschnur dar.

21.61 Dazwischen vollziehe man jeweils die dreifache Verehrung mit Arghya, Blüten, Kränzen, Salben und Räucherwerk

21.62 für den Grundmantra, bester Brahmane, mit dem durch die Gayatri dargebrachten Selbst. Nachdem man so dem im Krug Gegenwärtigen die Pavitra-Schnur dargebracht hat,

21.63 gebe man nach demselben Verfahren auch dem im Mandala Gegenwärtigen drei reine Pavitra-Schnüre. Auf der Ebene der Darbringungen, Narada,

21.64 gebe man sämtlichen Mantras je drei oder nach Wunsch eine. Dann verehre man den allgegenwärtigen Herrn im Feuer und danach im Bild

21.65 nach dem für den Krug beschriebenen Verfahren mit jeweils drei Schmuck-Schnüren. Im Feuer bringe man den Schmuck dar, verbrenne ihn jedoch nicht als Opfer.

21.66 Denn das Niederlegen des Schmucks ist erst für später vorgeschrieben. Es ist nicht angemessen, ihn vorher wegzunehmen oder zu verbrennen; ein Entfernen ist nur zur Beseitigung eines Fehlers [zulässig],

21.67 [sonst] erst nach Ablauf der Pavitra-Zeit, Narada. Danach nehme man vor der Gottheit den Lotussitz ein

21.68 und rezitiere einmal den großen Mantra, der alle heiligen Handlungen fördert und bereits durch bloßes Erinnern Verfehlungen gegen die verbindliche Ordnung beseitigt.

21.69 Danach richte man sich der Reihe nach an den in den drei Stätten gegenwärtigen Gott: „Ob absichtlich oder unabsichtlich: Wenn ich die vorgeschriebene Verehrung nicht vollzogen habe,

21.70 weil mich irgendein Hindernis oder Mangel daran hinderte, höchster Herr, dann erfüllt mich deswegen eine heftige, brennende Reue im Geist.

21.71 Denn ich bin durch einen Verstoß gegen die verbindliche Ordnung bedrängt, Janardana. Zum Wohl deiner Verehrer hast du früher, Herr,

21.72 das reine Pavitra-Ritual gelehrt, das Fehler beseitigt. Dieses habe ich vollzogen. Sei mir gnädig, gewähre mir Schutz und lege den durch meine Unterlassung hervorgerufenen Zorn ab!

21.73 Ich versinke im Meer des Werdens und bin von der verbindlichen Ordnung abgekommen. Verehrung, Verehrung sei dir, du Mantrawesen! Sei gnädig, höchster Herr!

21.74 Schütze mich, schütze mich, Herr der drei Welten, Keshava, Vernichter der Not! Durch deine Gnade möge mir kein Fehler aus der Verletzung der heiligen Ordnung bleiben.

21.75 Mögen heute meine täglichen und anlassbezogenen Handlungen erfüllt sein, Herr!“ Wenn der Mantrakönig diesen vom Daseinskreislauf Gequälten so ehrfürchtig sprechen hört,

21.76 führt er ihn rasch zur Vollständigkeit und beseitigt die Verstöße gegen die Ordnung. Nach diesem Vollzug verehre man den Guru hingebungsvoll wie Vishnu,

21.77 nach Vermögen mit Gaben, vielfältigen Getränken und Speisen; ebenso die anderen gekommenen oder eingeladenen, ganz auf den Erhabenen ausgerichteten Menschen:

Die folgende Abstufung von Empfängern und religiösem Verdienst gehört zur historischen sozialen und rituellen Ordnung des Textes. Sie wird als Textaussage wiedergegeben, nicht als heutiger Maßstab für den Wert eines Menschen.

21.78 die fünf [Gruppen] von den Asketen bis zu den Vaikhanasas, Narada; die vier Stände, beginnend mit den Brahmanen, in den fünf Klassen von Āpta und den übrigen,

21.79 sowie die fünf Gruppen von den Yoga-Übenden bis zu den Bewahrern der Schriften. Eine Gabe an einen vishnuitischen Asketen gilt als von unermesslicher Frucht.

21.80 Eine Gabe an einen ausschließlich dem Einen Ergebenen, einen Ekantin, hat zehnmillionenfache Frucht. Die Gabe an einen Shikhin beträgt davon ein Tausendstel,

21.81 die an einen Satvata ein Hundertstel und die an einen Vaikhanasa ein Zehntel, Narada, zur Zeit des Pavitra-Festes.

21.82 Ebenso gilt dies bei den vier Arten zuverlässiger Angehöriger der Stände. Höre nun, wie die Gabe bei den Nicht-Āptas ausgehend von der Zehnmillionenzahl abnimmt.

21.83 Bei einem Brahmanen dieser Gruppe wird hunderttausendfache Frucht genannt. Ebenso [wird] das Dargebrachte [beschrieben; Satzanschluss beschädigt]. Wer häufiges und übermäßiges Essen

21.84 aufgibt, bester Brahmane, sei er förmlich Übender oder nicht, dem wird rasch Vollendung in dieser und in der anderen Welt zuteil [der Grundtext markiert die Lesung als fraglich].

21.85 So habe ich die Vervollständigung der Handlungen für die Übenden erklärt, bester Weiser. Davon ein Tausendstel, ein Hundertstel,

21.86 und ein weiterer verminderter Anteil [gilt] für Gaben an die Stände, beginnend mit den Königen [Satzanschluss beschädigt]. Bei der nächsten [Gruppe] erreicht die Gabe fünfundsiebzigtausendfache Frucht, Narada:

21.87 wenn sie vorschriftsmäßig einem Brahmanen der Añjalīyaka-Gruppe gegeben wird. Um einen Tausendstel- und Hundertstelanteil [Textlücke] nehme sie ab,

21.88 vom königlichen Stand bis zu den Shudras. Nun werde ich von den Ārambhins sprechen. Eine Gabe an einen Brahmanen dieser Gruppe gilt als fünfundzwanzigtausendfach fruchtbar,

21.89 bei den Kshatriyas und den folgenden [Ständen] entsprechend vom Tausendstel bis zum Zehntel vermindert. Bei einem Brahmanen der Pravartin-Gruppe hat die Gabe zehntausendfache Frucht,

21.90 bei einem Angehörigen des königlichen Standes tausendfache, [beim nächsten] hundertfache und danach zehnfache. Höre nun von den Kennern des Yoga und den übrigen.

21.91 Eine Gabe an einen Kenner des Yoga des Erhabenen, einen Brahmanen, der unter den Vedakundigen hervorragt, hat zehn Millionen mal zehn Millionen an Frucht; davon ein Tausendstel

21.92 bei einem Kshatriya, ein Hundertstel bei einem Vaishya und ein Zehntel bei einem Shudra, der den Yoga des Erhabenen übt.

21.93 Bei einem trefflichen Brahmanen, der im Japa fest gegründet ist, hat die Gabe zehn Millionen mal hunderttausend an Frucht; bei den Ständen vom königlichen an ein Tausendstel, ein Hundertstel und ein Zehntel davon.

21.94 Bei einem Brahmanen, der vishnuitische Askese übt, beträgt sie zehn Millionen mal tausend; bei den Kshatriyas und den folgenden [Ständen] ist sie wie zuvor um die entsprechenden Anteile vermindert, Narada.

21.95 Eine Gabe zur Pavitra-Zeit an einen trefflichen Brahmanen, der den Narayana-Agama kennt, gilt als zehn Millionen mal hundert fruchtbar.

21.96 Bei Kshatriyas, Vaishyas und Shudras setze man die Frucht wie zuvor an. Ist ein Brahmane unter den Vishnuverehrern ein hingebungsvoller Bewahrer des Agama,

21.97 so wird die ihm gegebene Gabe zehn Millionen mal zehn fruchtbar. Bei den Kshatriyas und den übrigen ist wiederum die entsprechende Verminderung, beginnend mit dem Tausendstel, vorgesehen.

21.98 Welcher Vishnuverehrer auch immer zu dieser Zeit dort anwesend ist: Er soll nach Vermögen und mit Hingabe geehrt werden, bester Brahmane.

21.99 Von einem Wesen, das von Natur aus Vishnu ergeben ist, braucht gar nicht erst gesprochen zu werden, großer Weiser. Doch auch jeder, der mit dem Kennzeichen eines Vishnuverehrers als Frommer kommt

21.100 und wiederholt sagt: „Ich bitte um etwas; ich bin Vishnuverehrer, gib mir!“, soll, auch wenn er unbekannt ist, nach Vermögen sorgsam geehrt werden, Narada.

21.101 Eine Nacht, drei oder sieben Nächte lasse man die Pavitra-Schnur im Mandala und am Bild, Brahmane.

21.102 Oder man lasse den Schmuck am Bild, bis der elfte Tag der hellen Hälfte des Monats Karttika gekommen ist.

21.103 Die Blüten der Verehrung nehme man täglich ab und lege die Pavitra-Schnur jeweils wieder an. Wenn der festgesetzte Tag eingetreten ist,

21.104 nehme man sie ab und übergebe sie hingebungsvoll dem Guru oder einem Brahmanen, der die fünf täglichen Verehrungszeiten einhält. Ist ein solcher nicht vorhanden, Narada,

21.105 [übergebe man sie] einem wahren Vishnuverehrer, der den sechs vorgeschriebenen Tätigkeiten obliegt. Man vollziehe die besondere Verehrung bis zum Feueropfer und ehre den Lehrer.

21.106 Die Vishnuverehrer sind wie zuvor zu ehren. Man gebe ihnen nach Vermögen Kleidung. Wenn die Mittel fehlen, Narada,

21.107 gebe man wenigstens einem unbedingt ein Gewandpaar oder ein einzelnes Gewand; den anderen heilige Schnüre mit Obergewändern.

21.108 Dann richte man eine Bitte an die selbstbeherrschten Asketen: „Durch die Kraft eurer Gnade möge mir Vollständigkeit zuteilwerden

21.109 in sämtlichen Gliedern der heiligen Handlung, und möge ich nicht von der verbindlichen Ordnung abfallen!“ Alle sollen dazu gemeinsam „So sei es!“ sprechen.

21.110 Durch das Anlegen der Pavitra-Schnüre werden die während des Jahres entstandenen Fehler aus Unterlassungen und Verstößen gegen die Ordnung rasch vernichtet, Weiser.

21.111 Weil es den mit Fehlern Behafteten behütet, vor dem Fall bewahrt, insbesondere die Zweimalgeborenen schützt und die Handlung vervollständigt,

21.112 wenn beim Übenden etwas ausgefallen ist, habe ich dieses große Opfer mit den genannten Merkmalen „Pavitra“ genannt.

21.113 Nach dem Pavitra-Fest sollen die Verehrer, die sich Mantra und heiliger Handlung widmen, sorgfältig eine besondere Selbstverpflichtung einhalten, Brahmane,

21.114 bis zum sehr verdienstvollen elften Tag der hellen Hälfte des Karttika. Von diesem Tag an sollen sie sich nochmals fünf Tage lang besonders bemühen

21.115 und ein geeignetes Gelübde halten, eingeleitet durch Gaben und Verehrung: Es besänftigt sämtliche Fehler und fördert alles Glück.

21.116 Honig [oder berauschenden Trank], Fleisch, Unwahrheit, Geschlechtsverkehr, Jagd, Ölsalbung, Fisch sowie häufiges und übermäßiges Essen:

21.117 Wer dies aufgibt, bester Brahmane, sei er förmlich Übender oder nicht, erlangt dadurch Vollendung in dieser und in der anderen Welt.

21.118 So habe ich den Übenden die Vervollständigung ihrer Handlungen erklärt, bester Weiser: das Pavitra-Ritual, das Verfehlungen vernichtet,

21.119 groß und denen, die sich der Mantraverehrung widmen, bald Vollendung gewährend. Auch Verehrern in den drei Welten, denen Mantra und Tantra fehlen,

21.120 gewährt sein vollständiger Vollzug stets die Frucht des Pavitra.

Narada sprach: Welcher ist jener Mantra, Weltschöpfer, den die der heiligen Handlung Ergebenen rezitieren sollen,

21.121 wenn die Verehrung zu Ende geht? Erkläre ihn mir genau.

Der erhabene Herr sprach: Zuerst stehen drei Oṃ-Laute, danach der erste [Laut] allein,

21.122 dann Pavitra, Ṛtadhāman und die höchste Prakriti; an deren Ende Tālalakṣman, dann Buddhi, versehen mit Ānanda.

21.123 Darauf setze man ein mit Ā bezeichnetes R, danach ein einzelnes Y und ebenso Shasta, bester Brahmane.

21.124 Dann folgen die Worte „Zu dir habe ich Zuflucht genommen“, verbunden mit „Schütze, schütze!“. Danach nehme man M, mit Vyomesha und Ānanda geschmückt.

21.125 Am Ende [folgen] Sharva [unsichere Lesung] und zweimal Vajra, Damana verbunden mit Vikramin, Narasimha und Siddhida; zuletzt Y, geschmückt mit dem Dreieck.

21.126 Halayudha steht auf A und ist mit Visarga versehen. Danach nehme man S, auf Varuna ruhend; dann folgt Feuer,

21.127 darauf S und M, danach der ganz Feine. Der erste der Götter wird mit Oṃ verbunden, V mit Vigraha.

21.128 Dann [folgt] G auf Y, mit Ā versehen. Tṛpti und das auf Varuna ruhende Zeitfeuer ziehe man hervor.

21.129 Danach ein einzelnes S, höchste Bewusstheit, Feuer, G und S; Feuer gilt als auf P ruhend

21.130 und mit E bezeichnet. Dann steht Shanta auf Varuna. Man setze ein einzelnes R und danach das Wort „allmächtig“,

21.131 verbunden mit „Grundlage von allem“ und „innerhalb und außerhalb von allem“. Darauf setze man die beiden Silben „sthite“, dann die beiden Silben „sarva“.

21.132 Man nehme die höchste Prakriti und setze R darunter. Man versehe dies mit Nishtha und ziehe dann Y hervor,

21.133 verbunden mit Ā. Danach ziehe man Ekadamshtra hervor und setze G darunter, sodann Ā, Weiser.

21.134 Darauf gebe man Nara, mit I bezeichnet, Narada; dann zweimal M, anschließend das Wort „Erfülle!“.

21.135 Man nehme das Wort „alles“, danach Ṅ, setze Uttama darunter und dann zweimal Narayana,

21.136 den ersten mit Ā, den zweiten mit I bezeichnet, Brahmane. Danach zweimal M und zweimal das Wort „Erhelle!“.

21.137 [Es folgt] „sämtliche Erkenntnis- und Handlungsvermögen“, dann zweimal Kala; darauf „zur Gewinnung des eigenen Selbst“ und zweimal „Führe hin!“.

21.138 Dann die drei Silben „bhagavan“ und die drei Silben „bhavahe“. Man nehme Bhutatman und setze Gadadhara darunter.

21.139 Oben versehe man ihn mit Gopana. Dann füge man R hinzu, auf Vairaja stehend und mit Oṃ bezeichnet.

21.140 H ist mit Vyomesha ausgestattet, Shankha mit Ānanda geschmückt. Man nehme Cañcala, Brahmane, und setze Ishvara darunter,

21.141 versehe ihn mit Ānanda und füge dann das viersilbige Wort „jitepāṇi“ an. Danach setze man M,

21.142 verbunden mit Vyomesha und Ā. Dann ziehe man Satya hervor, setze Abhayada an dessen Ende und danach G.

21.143 Vaikuntha ist mit Vyomesha verbunden, Varaha mit Ina geschmückt. Sharngabhrit wird auf Varuna gesetzt und mit Vyomesha bezeichnet.

21.144 Danach [folgen] Samskara [unsichere Lesung], Y und das dreisilbige Wort „Ich bin befleckt“. Dann S, M und Y.

21.145 Man nehme Dhareshvara, mit Oṃ versehen. P, V und Lakshana stehen jeweils allein.

21.146 Man nehme Vishvabhavaka, auf Kamala stehend, und schmücke seinen Kopf mit dem Laut namens Avigraha.

21.147 Danach ein einzelnes N, dann das Wort „makellos“. Man füge „māpādaya“ und „sakala“ an, Brahmane,

21.148 G auf Uddama, danach ein einzelnes L; Panthan verbunden mit Adideva und Madhava mit Rama.

21.149 P, T und Y, mit Avigraha verbunden; dann zweimal das Wort „Vernichte!“, Kala, mit dem Dreieck bezeichnet.

21.150 Man füge Vairaja hinzu, auf Caturgati ruhend und von dem mit Namen Ānanda Überdeckten versehen. Danach setze man R, Brahmane,

21.151 auf Vairaja ruhend, und dann den als Somesha bezeichneten [Laut]. Man füge die fünf Silben „den geistigen Fehler“ an [unsichere Lesung].

21.152 Dann die drei Silben „die sprachlichen“, darauf die sechs Silben „schlecht gesprochenen, körperlichen“, anschließend das dreisilbige Wort „schlechte Verhaltensweisen“.

21.153 Es folgen die fünf Silben „höchster Herr“, Weiser, dann „höchste Gestalt“ und „Sei gnädig!“.

21.154 Man setze die fünf Silben „mir, der ich Zuflucht genommen habe“, Weiser. Nach der Anweisung [folgt] Chalavidhvamsin, mit I versehen.

21.155 Man gebe Nara mit Rama, setze Madhava darunter und füge die fünf Silben „Zerschneide den Daseinskreislauf!“ hinzu, Weiser.

21.156 D ruht auf Bhuvana und ist mit Visarga verbunden. Danach nehme man Vishvabhavana allein, am Ende stehend.

21.157 Dann ziehe man Shashvata hervor, bester Brahmane; danach Vamana, verbunden mit Vyomesha und Ananta.

21.158 Panthan ruht auf Madhava und ist mit Vyomesha und Ananta versehen. K und R stehen beide auf Bhuvana.

21.159 Kala ist mit E bezeichnet, Vairaja mit Rama geschmückt. Danach [folgen] die sieben Silben „allen Gnade“.

21.160 Man gebe die Worte „dessen Wesen Erkenntnis ist“, verbunden mit „Purushottama“, und dann die acht Silben „für den, der in große Finsternis eingetreten ist“.

21.161 Man nehme [Textlücke], mit Jagadyoni geschmückt. Dann die Worte „Licht der Erkenntnis“ und das dreisilbige „pradāne“.

21.162 Man ziehe H, M und Sarvadeha hervor. Mit den dreien verbinde man der Reihe nach Rama [unsichere Lesung], Uddama und Vikramin.

21.163 Bh, V und Vyapaka stehen allein. Padmanabha ruht auf R; Sragdhara ist mit Rama geschmückt.

21.164 H, T und Pundarika stehen allein. Kamala steht auf Vairaja; Shankha ist mit dem Dreieck bezeichnet.

21.165 Paramatman ruht auf Sukshma, Pundarika steht allein; Rama steht danach auf T, Amrita auf Sukshma.

21.166 Kala ist mit E verbunden; dann folgen „Errette!“, die drei Silben „ajita“ und die Worte „meine Geburt“, Brahmane.

21.167 Danach steht der kurze [Laut] allein; N ruht auf Trasana und ist mit Trailokyaishvaryada versehen. Es folgt zweimal „Vernichte!“.

21.168 Man gebe „Herrlichkeit der Erkenntnis“ und danach „dem göttlichen Spiel hingegeben“. Padmanabha ruht auf R, Kamala auf Ṛtadhāman [unsichere Lesung].

21.169 Kamala ist mit Ishta verbunden, Vairaja steht über Bhuvana. Padmanabha steht allein; Dhanvin ist mit Ananga geschmückt.

21.170 H, N und V [folgen], V mit Rama geschmückt. Dann Bhanu auf Ahlada, mit Madana verbunden.

21.171 Man ziehe Paramatman hervor, verbunden mit Trailokyaishvaryada; sodann Sragdhara auf Varuna, ebenfalls mit Trailokyaishvaryada versehen.

21.172 Anzufügen sind „mein Beschützer“, dann „sakala“, J und N und darauf das Wort „Zuflucht“.

21.173 Man gebe die sechssilbige Wendung des Zufluchtnehmens [die überlieferte Form und die Silbenangabe stimmen nicht eindeutig überein], Brahmane; dann Vairaja mit dem Dreieck und die Wiederholung von „Tu!“.

21.174 Man setze ein einzelnes D, Shankha mit Gopana bezeichnet und zweimal N, dessen letztes mit Gopana bezeichnet ist.

21.175 Darauf Bhuvanapala; S steht auf Shankha. Panthan ist mit Gopana verbunden, Sarvarodhaka steht allein.

21.176 Man gebe „Lotusäugiger“, das dreisilbige „Höchster“, das Wort „Mitfühlender“ [unsichere Lesung] und dann „den Verehrern“.

21.177 Man nehme das Wort „liebevoll“, verbunden mit Pindabhavana. Danach das Wort „Weltseele“ und darauf „Herr der Welt“.

21.178 Man gebe „Hrishikesha“ und dann „Herrlichkeit der Befreiung“. Padmanabha steht auf R, D danach allein.

21.179 [Es folgt] die schöne achtsilbige Wendung „Erhabener, dessen Wesen alle Mantras sind“; Nara ist mit dem Dreieck verbunden, danach „alle Mantras“.

21.180 Pundarika steht allein; R ist mit Vishnu bezeichnet. Nochmals [R], mit Vikramin und Trailokyaishvaryada verbunden.

21.181 Daran schließe man „Verehrung, Verehrung“. Dann setze man fünfmal die Dreiergruppe aus Kuta [unsichere Lesung], Surya und Amrita ein, der Reihe nach, bester Brahmane.

21.182 Den ersten [der fünfzehn Laute] versehe man mit Visarga, den nächsten mit Vyomesha, den dritten mit dem als Aurva bezeichneten, den vierten mit Chadana,

21.183 den fünften mit Yogadhatri. Zum sechsten füge man Avigraha, Narada; zum siebten Devadatta,

21.184 zum achten Taraka, Brahmane, zum neunten Vishtara, zum zehnten Ṛtadhāman, zum elften Urja, Weiser.

21.185 Beim zwölften wisse Abhyudaya; zum dreizehnten setze man Vishnu, zum vierzehnten Rama, Brahmane,

21.186 zum fünfzehnten Bija Ānanda, Narada. Am Ende steht Pranava mit „Verehrung“, daran anschließend nochmals Pranava.

21.187 Wieder nehme man Pranava, das Wort „Erhabener“, die beiden Silben „mein“ und das Wort „Unterscheidung“.

21.188 Man gebe ein einzelnes P, ein mit Gopana bezeichnetes D und am Ende Tālalakṣman, ohne Aprameya, Weiser.

21.189 Es folgt „aus der verbindlichen Ordnung entstanden“, dann die sieben Silben „den Fehler durch den Haken der Erkenntnis“; danach Kamala allein.

21.190 Dann setze man Dandadhara auf Vishvarupa. An dessen Ende gebe man Kamala und ziehe Dandadhara hervor,

21.191 darunter Vrishakarman, dann Akarala, Brahmane. Akhandavikramin ist zu geben und darunter Pratardana.

21.192 Dann folgt das Wort „immer“, Brahmane. Candramshu steht auf Chandas und soll mit Ānanda bezeichnet sein, der seinerseits mit Vyomesha bezeichnet ist.

21.193 Darunter Sragdhara, mit Rama bezeichnet, dann das Wort „māpādaya“. Man gebe Kala mit dem Dreieck, danach Nara mit Rama,

21.194 dann der Reihe nach Feuer und Varuna, jeweils allein; Pundarika, Agnirupa und als Dritten Vaikuntha.

21.195 Chandas ist mit dem Dreieck zu verbinden. Dann ziehe man Candramshu hervor, auf Chandaspati ruhend, und versehe ihn mit Ānanda.

21.196 Man gebe G allein, Vaikuntha mit Vyomaraj, spreche zweimal „Verehre!“ und ziehe danach Surya hervor.

21.197 An dessen Ende [setze man] Samaphathaka [unsichere Lesung], danach Diptimat und zuletzt Utphullanayana. Bei den vieren setze man der Reihe nach

21.198 Trailokyaishvaryada auf den Kopf und Prajnadhara als Sitz ein. Danach nehme man Jhasha, auf Jvala ruhend, Narada,

21.199 mit Vyomesha verbunden. Dann ziehe man Dharmamshu hervor; an seinem Sitz soll zuletzt Lingatman eingesetzt werden.

21.200 Sragvin ohne Aprameya ist hinzuzufügen, dann Langalin. An dessen Sitz [stehe] Bhagavan, davor Vairaja.

21.201 Man ziehe zweimal Feuer hervor; darunter setze man der Reihe nach Langalin und Vishvarupa, Vyapin außen auf den Kopf.

21.202 Zum Sitz des ersten füge man den Laut namens Prasarana, zu dem des zweiten danach Dirghaghona.

21.203 Dann nehme man Feuer, Brahmane, darunter Samaphathaka. Diesen setze man auf Asheshabhuvanadhara; auf seinen Kopf

21.204 setze man Vyoman, umgeben von Aishvarya, einmal und zweimal, Weiser. Dann nehme man Feuer und setze darunter Surya.

21.205 Darunter wiederum Feuer, darüber Vyoman auf Airavana. Danach nehme man R, auf Jhasha ruhend, Weiser;

21.206 darüber beziehungsweise darunter [stehe] Tejasvin, darunter erneut Feuer, auf Lokesha ruhend; auf dessen Kopf der Laut Aṃ.

21.207 Am Ende stehen zweimal der Phaṭ-Laut [der Grundtext schreibt paṭ], danach Langalin allein; Dandadhara ist mit Rama bezeichnet, Sragvin ebenfalls mit ihm.

21.208 Dann folgen die Worte „großer Mantra“, „durch den Klang“, „dieses Hindernis“ und „verbindliche Ordnung“.

21.209 An das Ende [trete] die Schar der Fehler [unsichere Lesung], dann die Ansammlung der Unwissenheit. „Mache [sie] rasch gelähmt, mache [sie so]!“, Brahmane.

21.210 Danach nehme man Pranava und füge Surya hinzu, Weiser; an dessen Ende Suparna, dann Prana, Narada.

21.211 Zuletzt Kuta, auf Sarvalokesha stehend und mit Vyomesha geschmückt. Danach die Worte „Erhabener, mir“.

21.212 Man gebe „vollständig“, dann mit den Lauten „dāna“ verbunden „Handlungen“ und zweimal „Bringe zur Vollendung!“.

21.213 An dessen Ende das Wort „Kaustubha“, dann „Oṃ, Erhabener“, danach „Nektargestalt“ und „sämtliche“.

21.214 Darauf das Wort „Mantraschar“, dann Y allein; Narayana auf Pradhana, danach Shantida allein.

21.215 Nara ruht auf Bhuvana, Gadadhara auf R; Prana ist mit Otadeha bezeichnet, Shantida ruht auf Shankha.

21.216 Vairaja ist mit Vyomesha verbunden, Sragdhara steht allein. An dessen Ende Tālalakṣman; darunter setze man Tṛpti,

21.217 darunter wiederum Varaha. Diese Lautverbindung wird mit Gopana bezeichnet. Dann Narayana allein, nochmals Narayana auf Damana,

21.218 von Adideva überdeckt; dann Mandara auf Ankusha, Sragvin mit Au, Diptimat mit dem Dreieck,

21.219 danach Panthan allein und zweimal das Wort „Sättige!“. Soma auf Varuna ist zweimal zu geben, Narada.

21.220 Bei diesen beiden füge man danach Vyapin, Candri und Ānanda hinzu. Dann Varaha auf Amrita, darunter Purusheshvara,

21.221 darunter Uddama, auf dem Kopf Vyapin und Candri. Dieselbe [Verbindung] setze man erneut, jedoch ohne den Bhuvana-Laut,

21.222 vielmehr mit Vishnu geschmückt. Dann Amrita mit Ānanda, darunter Amritadhara, darunter wiederum Shankha.

21.223 Man setze Vishvapyayakara und Ānanda, verbunden mit Trailokyaishvaryada und Parameshvara, danach zweimal Soma.

21.224 Varuna ist mit Bhudhara verbunden; Agnirupa steht allein. Danach gebe man Dandadhara, mit Pranava bezeichnet, Weiser.

21.225 Dann „Verehrung, Verehrung“, danach „Svaha“. Dieser Mantra wird von den Göttern verehrt. Er umfasst sechshundertzwölf Laute, Brahmane,

21.226 und fünf halbe Laute: So ist es erklärt, Weiser. Dieser schon zuvor angekündigte Mantra ist sorgfältig zu bewahren.

21.227 Dieser vorzügliche Mantra vermag alle anderen, selbst wenn ihre schönen Gestalten abgeschnitten oder aufgebrochen sind, wieder zu vervollständigen,

21.228 durch Glanz, Wirkkraft und beständige Milde. Er besänftigt sämtliche Fehler und beseitigt Hindernisse; groß ist er.

21.229 Dieser Mantra, bester Weiser, ist sorgfältig geheim zu halten. Er gilt gemeinsam für die Übenden, die der guten Unterweisung folgen.

21.230 Man vergegenwärtige [seine göttliche Gestalt] mit vielen Gesichtern und Augen, vielen Füßen und Händen, viele Wunder verleihend und mit vielerlei Schmuck geschmückt,

21.231 reich an vielfältigen Düften und Blüten, vielerlei Waffen tragend, mit vielen leuchtenden Augen und mit mannigfaltigen Früchten geschmückt,

21.232 stets von vielen Millionen Mantras verehrt. Wer ihn beim anlassbezogenen oder täglichen Opfer mit ungeteilter Aufmerksamkeit vergegenwärtigt,

wird bald Vollendungen erlangen und niemals verzagen.

So endet im heiligen Pāñcarātra, in der Jayakhya Samhita, das einundzwanzigste Kapitel mit dem Namen „Die Pavitra-Vorschrift“.


Kapitel 22 – Kennzeichen und Lebensführung der Vishnuverehrer

Narada sprach:

22.1 Erhabener, ich möchte die Kennzeichen aller Vishnuverehrer, angefangen bei den Asketen, und insbesondere ihre Lebensführung kennenlernen.

22.2 Du hast die Frucht zweier Arten von Gaben an sie beschrieben. Wie aber soll ich sie ohne ihre Kennzeichen erkennen?

Der erhabene Herr sprach:

22.3 Sie richten sich nach den Lehren über den Dharma des Erhabenen, beachten die fünf täglichen Verehrungszeiten, nehmen keine [größeren] Geschenke an und leben von erbettelten Körnern.

22.4 Inneres und Äußeres stimmen bei ihnen überein; sie üben Vertrauen und Selbstbeherrschung und sind allein Narayana hingegeben. Die in dieser großen Gemeinschaft Geborenen

22.5 unterscheiden sich dennoch, bester Brahmane, je nachdem, ob sie die Handlungen in geringerem oder größerem Umfang vollziehen, und aufgrund des Verfalls im Lauf der Zeit.

22.6 [Die Asketen] haben vom Vater und danach vom Guru die Reinigungsriten erhalten, beginnend mit dem Zeugungsritus. Sie sind von sich aus in Unterscheidung gegründet und mit den Tugenden des Brahmacharya ausgestattet.

22.7 Mit makellosem Verstehen schauen sie Vishnu als in allen Wesen gegenwärtig. Und stets vergegenwärtigen sie sich, dass alle Wesen in ihm sind.

22.8 Durch Handeln, Denken und Sprechen verehren sie den einen Adhokshaja. Aus den Häusern der vorzüglichen Brahmanen der ersten [Gruppe], oder wenn diese fehlen, Einsichtiger,

22.9 von Brahmanen, die den sechs vorgeschriebenen Tätigkeiten nachgehen, leben sie täglich von ungebeten erhaltener, fertig zubereiteter Speise. Bart und Kopf sind geschoren.

22.10 Sie tragen ockerfarbene Gewänder und besitzen nur einen Stab. Diese reinen, in Sattva gegründeten Brahmanen gelten als vishnuitische Asketen.

22.11 Wer umhergeht und von Menschen, die den sechs Tätigkeiten obliegen, ehrerbietig gegebene Almosen empfängt, ohne Besitz anzuhäufen, und damit den Herrn verehrt,

22.12 den unmanifesten Beschützer, durch die große achtgliedrige Verehrung, wer mit einem tugendhaften Schüler einsam lebt und einen unterscheidenden Geist besitzt,

22.13 wer dazu durch die Überlieferung seiner Gemeinschaft berechtigt ist: Dieser Vishnuverehrer heißt hier Ekantin. Ein Brahmane dagegen, der Besitz und Hausstand hat und den höchsten Herrn verehrt

22.14 mit erbetenen Gaben von trefflichen Brahmanen sowie mit ungebeten erhaltenem Vermögen von Kshatriyas und Vaishyas und dabei auch seine Familie unterhält,

22.15 ist als Vaikhanasa zu erkennen: mit verfilztem Haar, Schirm und weißem Gewand. Wer sich hauptsächlich um den Vollzug der heiligen Handlungen und um den Unterhalt seiner Familie

22.16 sowie um den eigenen Lebensunterhalt bemüht und dafür auch einen König aufsucht, dieser Brahmane heißt Karma-Satvata.

22.17 Wem die Verehrung Vishnus unablässig im Herzen aufleuchtet, wer ihr den Vorrang gibt und [auch] die Ahnenriten und andere Pflichten erfüllt und zu diesem Zweck Ackerbau und andere Arbeit

22.18 betreibt, dieser treffliche Zweimalgeborene heißt Shikhin. Auch wenn jemand durch seine Hinwendung zu mir eine hervorgehobene Stellung erreicht hat,

22.19 bleibt die Ordnung der vier Lebensstadien für alle vorgeschrieben. Wer für die Verehrung des Erhabenen einem der drei [hausständischen Gruppen] übergibt

22.20 ein Kloster mit Heiligtum, das er hat errichten lassen, mit gesichertem, unangefochtenem Unterhalt, mit Dienerinnen und Arbeitskräften und mit reinen, trefflichen Vedakundigen,

22.21 der gelangt zur Stätte des Erhabenen, zur großen Wohnstatt seiner Verehrer. Oder wer zur Verehrung des Erhabenen mit einem von Sattva erfüllten Geist

22.22 Dörfer, Land und beträchtliches Vermögen, gesondert von Kloster und Heiligtum, den Vishnuverehrern im Hausstand darbringt,

22.23 sofern es durch rechtmäßige Mittel erworben wurde, der erlangt Befreiung. Wenn Almosen ausbleiben oder die eigene Kraft nicht ausreicht,

22.24 um die eigenen religiösen Pflichten ohne Unterlassung zu erfüllen und Kinder und andere Angehörige zu versorgen, soll ein vishnuitischer Brahmane mit Hausstand selbst in großer Not

22.25 nur von einem Brahmanen eine Versorgung annehmen, ob sie an Tempel und Kloster gebunden ist oder selbständig aus einem Dorf und ähnlichem besteht, erbeten oder ungebeten.

22.26 Durch das vom Morgen bis zum Ende der Nacht vollzogene vishnuitische Wirken [wird] die damit verbundene Verfehlung [behandelt; Satzanschluss beschädigt].

22.27 So sind die Kennzeichen der Vishnuverehrer, angefangen bei den Asketen, erklärt, bester Weiser. Höre nun von den Āptas und den übrigen.

22.28 Diejenigen, die den Gott der Reihe nach durch die Handlungen der fünf Tageszeiten verehren und auch den vier [Standesgruppen] die Berechtigung erteilen,

22.29 sind Satvatas, gegründet in Sattva und auf dem reinen Weg des Erhabenen, bester Brahmane. [Ihre Verehrung] wird nicht mit besonderen Götterkulten vermischt,

22.30 mit jenen von Brahma, Rudra, Indra und anderen, die [aus der Sicht dieses Textes] untergeordnet und nicht völlig rein sind; ausgenommen Vasudeva, seine vierfache Gestalt und die daraus hervorgehenden [Formen; ergänzter Wortlaut im Grundtext].

22.31 Durch den Yoga des Verzichts auf die Handlungsfrucht [handeln sie] ohne Streben nach deren Fülle. Sie kennen besonders die Bedeutung des Vedanta und stehen über den vieren.

22.32 Auch die mit aneinandergelegten Händen Verweilenden sind auf Befreiung ausgerichtet, bester Brahmane. Diejenigen, denen die Einsetzung Haris als besonders wertvoll erscheint,

22.33 die sich sorgfältig Mittel beschaffen und eine vishnuitische Einsetzung vollziehen, die mit hingebungsvollem Herzen [seinen Namen] preisen,

22.34 diese ganz dem Erhabenen zugewandten Brahmanen werden Āptas genannt. Wer den Dharma seines Standes nicht aufgibt und mit den von einem Āpta angewiesenen Handlungen

22.35 den Gott vertrauensvoll verehrt, wird Anāpta genannt. Wer dagegen ohne diese [Anweisung] die Weltseele verehrt, um bestimmte Ziele zu erreichen,

22.36 diese Vishnuverehrer aus den Ständen, beginnend mit den Brahmanen, sind als Ārambhins zu erkennen. Wer von sich aus vertrauensvoll mit der Verehrung Haris beginnt,

22.37 jedoch außerhalb des vorgeschriebenen Weges, bester Brahmane, gilt als Pravartin. An diesen Merkmalen sind die Āptas und die übrigen stets zu erkennen, Weiser.

22.38 Vernimm nun zusammenfassend die Kennzeichen der Vishnuverehrer, angefangen bei den Yogis, vom Brahmanen bis zum Maudgala [Bezeichnung in dieser Lesung nicht eindeutig].

22.39 Ob auf dem Lager, auf einem Sitz oder unterwegs: Man vergegenwärtige den Herrn im Herzen, in seinen unterschiedenen Formen, beginnend mit der ungeteilten. Oder man sitze in Haris Heiligtum,

22.40 schließe die Augen und übe beständig Samadhi. Man spreche „Verehrung sei Narayana“ oder „Vasudeva“.

22.41 Durch Handeln, Denken und Sprechen sinne man keinem Wesen Unheil. An diesen Merkmalen sind diejenigen zu erkennen, die den Yoga des Erhabenen üben.

22.42 Wer rein und friedlichen Geistes ist, einen Stab und ein ockerfarbenes Gewand trägt und mit liebevoller Anteilnahme die dem Erhabenen zugewandten Wesen betrachtet,

22.43 wer mit einer Gebetskette aus Pautradipaka [unsichere Materialbezeichnung], Lotussamen oder reinem Bergkristall in der Hand Hari verehrend Japa übt,

22.44 Innerlich ganz der Verehrung Vishnus hingegeben, wiederhole er den Mantra leise oder trage ehrfürchtig einen Lobpreis vor, bester Weiser.

22.45 den erkenne als im Japa fest gegründet und in der vishnuitischen Unterweisung verwurzelt. Wer irgendein Gelübde auf sich nimmt, soll es ganz auf den Erhabenen beziehen.

22.46 Er vollziehe Candrayana, Paraka und andere [historische Fastengelübde] sowie Ekadashi und ähnliche Observanzen, stets in Vishnus Heiligtum oder, wenn keines vorhanden ist, zu Hause.

22.47 Beim Aufstehen und beim Sitzen erinnere er sich an Vishnu. Er halte das Monatsfasten, lebe von Almosen und sehne sich nach Vishnus Heiligtum.

22.48 Am Ende eines Gelübdes ehre er mit Blättern, Blüten und anderem die ganz vom Erhabenen erfüllten Menschen. Er vollziehe die Reinigung mit Wasser durch ein-, zwei- oder dreimaliges Eintauchen.

22.49 Er wasche seine beiden Gewänder oder wechsle sie. Die in seiner Nähe Wohnenden ermuntere er stets sorgfältig

22.50 zur [entsprechenden] nächtlichen Speiseordnung, zum Fasten und zur Verehrung an Ekadashi. Wer dies und Ähnliches beständig mit gesammeltem Selbst vollzieht,

22.51 von Milch, Wurzeln und Früchten lebend, wird vishnuitischer Asket genannt. Wer die Puranas, die Dharmaschriften, die vishnuitischen Erzählüberlieferungen

22.52 und die Lehrentscheidungen des Vedanta kennt, sie hört und auslegt, wer bei Sätzen mit verlorener Lesart den Gegenstand prüft

22.53 und zusammen mit Sachkundigen den Agama sorgfältig wiederherstellt, stets unermüdlich: Den erkenne als vishnuitischen Schriftgelehrten.

22.54 Wer vertrauensvoll den Agama sammelt, wo immer er ihn findet, dabei über Brahman meditiert und ihn danach sorgfältig bewahrt,

22.55 wer den Sitz der Schrift der Reihe nach mit Arghya, Blüten und anderem verehrt, sie Vishnuverehrern weitergibt und sie vor Unvorbereiteten

22.56 und Anhängern anderer Lehrsysteme zurückhält: Den erkenne als Bewahrer der Schrift. So sind die Kennzeichen der Vishnuverehrer erklärt, Brahmane.

22.57 Verehre und ehre diese Menschen mit Hingabe und innerer Anteilnahme, Narada. Wer bei einem bestimmten Anlass ein Ahnenopfer für einen Vishnuverehrer ausrichtet,

22.58 für einen aus den fünf Gruppen, beginnend mit den Asketen, oder für einen Anāpta-Brahmanen, einen Añjalikāra, Ārambhin oder Pravartin,

22.59 dessen Gabe wird für die Ahnen unvergänglich, besonders wenn sie durch Mantras geheiligt ist. Diese sechs [Klassen] sind stets für die Ahnenhandlung geeignet, bester Brahmane,

22.60 sofern sie Japa, Feueropfer und Gelübden hingegeben sind. Bei Gaben für göttliche Handlungen gelten im Allgemeinen auch die Kshatriyas und die übrigen [Stände als geeignet].

22.61 Welcher Art auch die Asketen und Japa-Übenden sein mögen: Ein Yogi ist stets für göttliche und für Ahnenhandlungen geeignet, bester Brahmane.

22.62 Welches Lebensalter er auch erreicht haben mag: Wenn er dem Yoga hingegeben ist, besteht sein Leib aus Brahman, besonders der eines Vishnuverehrers.

22.63 Deshalb ist er stets nach Vermögen zu ehren. Selten sind auf Erden Menschen, die ganz von der Verehrung des Erhabenen erfüllt sind.

Durch ihren Anblick und das Gespräch mit ihnen wird die ewige Stätte leicht erreichbar.

Narada sprach:

22.64 Man hört doch, o Gott, dass es in der Welt nur eine Zeit gibt und keine andere.

22.65 Du aber hast fünf Zeiten genannt. Was bedeutet dies? Daran habe ich Zweifel.

Der erhabene Herr sprach: Es ist nur die eine Zeit des Tages, Narada,

22.66 die vom Morgen bis zum Ende der Nacht in fünf Abschnitte einzuteilen ist, entsprechend den verschiedenen Handlungen. Es bestehen nicht mehrere voneinander getrennte Zeiten.

Narada sprach:

22.67 Erkläre die Kennzeichen der Handlungen, die innerhalb dieser einen Zeit stattfinden. Wenn ich sie gründlich erkenne, werde ich mein Ziel erfüllt haben.

Der erhabene Herr sprach:

22.68 Beginnend mit der Brahma-Muhurta, der frühen Zeit vor Sonnenaufgang, wende man sich im ersten Tagesabschnitt mit Japa, Meditation, Verehrung und Lobpreis, unter Beteiligung von Handlung, Sprache und Geist,

22.69 dem Ursprung der Welt zu. Dies heißt Abhigamana, das Hinzutreten. Danach stehe man auf und sammle Blüten, Früchte und die übrigen Dinge,

22.70 die zum Vollzug der Verehrung des Erhabenen erforderlich sind, während der nächsten Tageswache. Diese zeitlich bestimmte Handlung heißt Upadana, das Beschaffen.

22.71 Danach verehre man den höchsten Herrn durch die achtgliedrige Verehrung, etwa anderthalb Tageswachen lang [Maßangabe im Grundtext als unsicher markiert]. Diese gilt als Ijya-Zeit, die Zeit der eigentlichen Verehrung.

22.72 Danach folgen Hören, Nachdenken, Auslegung und Rezitation. Diesen Zeitabschnitt erkenne als Adhyaya, das Studium, bester Weiser.

22.73 Wenn das Ende des Tages gekommen ist, vollziehe man die Verehrung und übe Yoga bis zum Ende der Nacht, unterbrochen durch Ruhezeiten.

22.74 Dieser fünfte, Yoga genannte Zeitabschnitt gewährt die Verwirklichung Brahmans.

Narada sprach: Zuvor habe ich die ganze vortreffliche Verehrung des Erhabenen gehört.

22.75 Nun möchte ich nochmals ihre einzelnen Glieder kennenlernen.

Der erhabene Herr sprach: Von der Verehrung im inneren Erkenntnisorgan bis zur Hingabe des eigenen Selbst

22.76 reicht das erste große Glied der Verehrung, genannt Abhimana. Die gesamte Verehrung mit Arghya, Blüten und den übrigen Darbringungen, Weiser,

22.77 mit den äußeren Diensten, erkenne als das Bhoga genannte [zweite Glied], Narada. Die Verehrung mit Dickmilch, die mit Honig und Butter vermischt ist, oder auch mit einem Tier

22.78 ist das dritte Glied des Opfers; das vierte ist die Verehrung mit Speise [der Grundtext liest „antena“, Satz unsicher]. Die Weitergabe des bereits Dargebrachten nach der früher genannten Vorschrift, Weiser,

22.79 heißt Sampradana und gilt als fünftes Opferglied. Die Sättigung des Feuers ist das sechste, das Ahnenopfer das siebte.

22.80 Das achte ist das Anuyaga genannte Opfer, nämlich das Opfer in das Feuer des Lebenshauchs. So ist alles, wonach du gefragt hast, vollständig erklärt.

Wer darin fest gegründet ist, dem gewährt es bald die höchste Stätte.

So endet im heiligen Pāñcarātra, in der Jayakhya Samhita, das zweiundzwanzigste Kapitel mit dem Namen „Kennzeichen der Lebensführung der Vishnuverehrer“.


Kapitel 23 – Die Verehrung der Ahnen

Narada sprach:

23.1 Lehre die Vorschrift und die Anlässe des Shraddha, der Ahnenhandlung, Allgegenwärtiger. Wie sollen eingeweihte Verehrer des Erhabenen, die den heiligen Handlungen nachgehen, sie vollziehen?

Der erhabene Herr sprach:

23.2 Bis zum Ende des leiblichen Lebens sollen alle, ob sie noch Verpflichtungen tragen oder davon frei sind, das Shraddha sorgfältig durch äußere Handlung oder im Geist vollziehen, Brahmane.

23.3 Dies ist ein ausdrücklich bestimmter Dharma selbst für verkörperte Vollendete. Wenn ein Vollendeter die weltlich überlieferte Ordnung nicht mehr sichtbar befolgt,

23.4 verursachen die noch nicht Vollendeten unablässig große Verwirrung. Aus solcher Verwirrung entsteht ein Niedergang des Dharma, Narada.

23.5 Deshalb sollen Menschen mit Unterscheidung die überlieferte Lebensordnung bis zum Ablegen des Körpers sorgfältig bewahren.

23.6 Unter allen Verhaltensweisen und Pflichten, bester Weiser, gefällt mir keine so sehr wie das Shraddha.

23.7 Vernimm seine Zeiten und seinen Vollzug: der zwölfte Tag der hellen und der dunklen Monatshälfte, Neumond und Vollmond,

23.8 das Sichtbarwerden Rahus [bei einer Verfinsterung] und der Eintritt der Sonne in ein neues Tierkreiszeichen. Zu diesen Zeiten vollziehe man sorgsam und hingebungsvoll ein auf ein Anliegen gerichtetes Shraddha.

23.9 Ebenso an Ashtaka und Anvashtaka, besonders in der Ahnenmonatshälfte, unter dem den Ahnen zugehörigen Mondhaus sowie an Neumond und am dreizehnten Tag,

23.10 beim ersten Genuss der neuen Ernte, bei den Lebensriten eines Sohnes und wenn der Guru oder sein älterer Bruder ins Haus kommt [unsichere Lesung],

23.11 wenn reines Vermögen von einem geeigneten Geber empfangen wird, an einem heiligen Badeort, in Haris Heiligtum, bei der Ankunft an einer bewährten heiligen Stätte, bei der Bildweihe und beim Pavitra-Fest,

23.12 bei der Freigabe von Zisternen, Brunnen, Teichen und Bäumen [für die Allgemeinheit], bei Kuhspenden und ähnlichen Gaben, beim Freilassen eines Stieres, zu Beginn und am Ende eines Gelübdes,

23.13 beim Abschluss und Beginn des Hörens einer Schrift sowie alljährlich [am Gedenktag] von Vater und anderen Angehörigen des Hauses, Brahmane.

23.14 Ein Eingeweihter soll Shraddha auch an den nach allgemeiner Überlieferung bestimmten Tagen vollziehen. Zuerst verehre er den Gott und sättige das Feuer

23.15 nach der zuvor beschriebenen Vorschrift. Dann lade er Vishnuverehrer ein, deren Füße gewaschen sind, die rituell Wasser geschlürft haben und mit Waffenmantra-Wasser besprengt wurden.

23.16 Sie blicken zum Herrn der Mantras beziehungsweise nach Norden und sitzen auf reinen, voneinander abgegrenzten Sitzen, Narada.

23.17 Unter der Gayatri ziehe man Aschelinien oder grenze [die Sitze] mit einem durch den Waffenmantra geweihten Pflock ab. Auf die Sitze lege man unter dem Herzmantra die durch den Waffenmantra geweihten

23.18 Darbha-Halme mit Sesam und Wasser. Für den Guru oder die Linie der Gurus, Narada, setze man mit dem Grundmantra

23.19 zuerst einen Vishnuverehrer auf den ersten Sitz. Dann mit demselben Mantra, verbunden mit dem Herzmantra und mit „Svadha“ geschmückt,

23.20 lasse man einen anderen unter dem Namen des Vaters am Ende der Reihe Platz nehmen. Mit [dem Grundmantra], verbunden mit dem Kopfmantra, führe man einen weiteren an der Hand, Brahmane,

23.21 und setze ihn unter dem Namen des Großvaters auf seinen Sitz. Mit dem dreisilbigen Augenmantra, der mit seiner eigenen Endung und der Gestalt verbunden ist,

23.22 setze man einen weiteren Vishnuverehrer unter dem Namen des Urgroßvaters ein. Diese vier sitzen zunächst dem Mantrasitz zugewandt.

23.23 Mit den vier Göttinnenmantras [setze man Vertreter] der Mutter oder ihrer Familie ein; mit dem Waffenmantra zwei der väterlichen Linie, nach Norden blickend [Zahl und Satzanschluss im Grundtext unsicher].

23.24 Wenn der Vater noch lebt, setze man an seiner Stelle dessen Vater ein. Wenn die Mutter noch lebt und ebenso ihr Vater, Weiser,

23.25 setze man mit dem Muttermantra den Großvater der Mutter ein. [Wenn geeignete Verehrer fehlen, genügen] zwei für Vater- und Mutterlinie, oder einer für beide Linien.

23.26 Bei allen vollziehe man im Geist den Körpernyasa mit dem zwölfsilbigen Mantra, bester Weiser. In die Handfläche setze man den König der Waffenmantras.

23.27 Alle sind als vierarmig zu vergegenwärtigen, Muschel, Rad und Keule tragend, mit Krone und Kaustubha geschmückt, auf Garuda sitzend,

23.28 gleichsam bereit, den Verstorbenen emporzuheben, Narada. Dann begieße man mit dem Herzmantra und dem Wasser aus dem Arghya-Gefäß

23.29 der Reihe nach die beiden Füße jedes Einzelnen, Einsichtiger. Danach gebe man mit dem Grundmantra Sesamwasser in seine Hände.

23.30 Das jeweils abfließende Wasser sammle man in einem durch den Waffenmantra geweihten Gefäß. Nach jedem [Vollzug] bedecke man es und verehre es mit dem dreisilbigen Mantra, Narada.

23.31 Man stelle es vor den Erhabenen und vergegenwärtige darin die Ahnen in Vishnus Gestalt, mit strahlenden, aus Licht bestehenden Leibern.

23.32 Dann meditiere man mit dem Ahnenmantra darin die Ahnen väterlicher und mütterlicher Herkunft, die bei der Einsetzung der dreimal sieben Familienlinien genannt wurden.

23.33 Man bitte die in Gefäß und Sitzen Gegenwärtigen um Erlaubnis, empfange diese mit geneigtem Kopf und beginne die Verehrung für die Ahnen.

23.34 „Erhabener, eigens für das Ahnenopfer verehre ich dich. Nimm meine Verehrung an, Acyuta, um ihnen Gnade zu erweisen!“

23.35 So spreche man zum Herrn der Mantras und bereite Caru mit Milch zu. Alles, was zuvor am geweihten Feuer gekocht wurde, schaue man [rituell] an.

23.36 Man besprenge Reis samt Beilagen und anderem mit dem Waffenmantra, erhitze es am geweihten Feuer und übergieße es mit Honig und geklärter Butter.

23.37 Danach füge man Sesam und Darbha hinzu und vollziehe wie zuvor die nährende Erfüllung und das Verbrennen [in der Vorstellung]. Sämtliche zubereiteten Speisen und Getränke

23.38 bestimme man im Geist zur Sättigung der Ahnen. Dann verehre man damit und mit Arghya, Blüten und anderem den Gott.

23.39 Entsprechend der früheren Einsetzung in den Mandalas, Narada, nehme man zu ihrer Sättigung jeweils ein vollständiges [Gefäß], mit Früchten und anderem versehen:

23.40 ein Gefäß mit Dickmilch, Milch und Reis. Was man der Reihe nach davon abgeteilt hat, [verehrt man] mit Arghya, Blüten, Räucherwerk, Salben, Augensalbe und Lichtern.

23.41 Man vergegenwärtige, dass seine nährende Kraft zusammen mit der Wärme in den jeweiligen [Ahnen] übergegangen ist. Dadurch schaue man ihn als vollkommen gesättigt, bester Weiser.

23.42 So lasse man bei allen die Nahrungskraft übergehen. [Der Sättigungsmantra wird gebildet] mit Pranava und Amrita, verbunden mit Vyomesha,

23.43 mit dem jeweiligen Namen und „Svadha“ am Ende, dann „dem, dessen Selbst Narayana ist“; zuletzt verneige man sich. Dies ist der Mantra für die Sättigung der Ahnen.

23.44 Dann trete man vor das Narayana-Feuer, Narada, und entfache es mit trockenem Brennstoff und geklärter Butter.

23.45 Auf die vorhandene Streu lege man nochmals Darbha mit den Spitzen nach Süden. Man verehre wie zuvor das Feuer und mit jenem [Mantra] die Ahnen.

23.46 Danach verehre man die darin gegenwärtige Mantragestalt auch durch Bali-Gaben. Mit dem dreisilbigen Mantra bringe man drei Speiseopfer dar

23.47 in der Mitte des Feuers für den Herrn der Mantras. Von der Mitte nach außen fortschreitend bringe man rechtsläufig zwölf weitere Opfergaben dar,

23.48 mit jedem einzelnen Laut des Gestaltmantras, jeweils mit Oṃ am Anfang und Svadha am Ende, Narada. Danach [verfahre man] draußen mit dem Waffenmantra.

23.49 Von Osten beginnend, rechtsläufig, bringe man auf der Streu acht Bali-Gaben samt Wasser dar. Dann streue man Sesam vor dem Feuer aus,

23.50 zuerst unter dem Herzmantra, Brahmane, für die Ahnen der Reihe nach. Mit der Gayatri und dem jeweiligen Namen, wie zuvor mit Svadha verbunden,

23.51 bringe man die Bali-Gabe mit der linken Hand dar. Ihre nährende Kraft vergegenwärtige man wie zuvor als in die Ahnen übergehend.

23.52 Dann gebe man Sesamwasser mit dem Herzmantra, mit Svadha und Pranava an Anfang und Ende sowie mit Name und Gotra, Brahmane,

23.53 mit einem durch die Meditation der gegliederten Gestalt erfüllten Geist [Lesungsunsicherheit am Versanfang], vor der Mantragestalt und danach der Reihe nach auch am Feuer.

23.54 Die Platz genommenen verehre man mit Blüten, Räucherwerk und Salben. Man verteile unter ihnen die nach Darbringung und Feueropfer verbliebenen Speisen,

23.55 mit Beilagen, Früchten und allem, was zuvor zubereitet wurde, unter dem Grundmantra, der mit Svadha und dem Gestaltmantra verbunden ist.

23.56 Man meditiere das Gefäß als Vollmond und in seiner Mitte den Herrn der Mantras in Nektargestalt, groß und Sättigung hervorbringend.

23.57 Während sie essen, vergegenwärtige man in den zehn Richtungen den Waffenmantra. Man rezitiere und meditiere den Mantraherrn Narasimha, großer Weiser.

23.58 Hingebungsvoll erfreue man den Gott und gebe nach Vermögen Gaben. Die dargebrachte Speise lasse man so lange stehen, Narada,

23.59 bis die Mahlzeit beendet ist. Danach gebe man jedem von den übrigen Speisen seinen Anteil, auch den hinzugekommenen Gästen.

23.60 Oder man verteile alles zuerst unter den [geladenen Verehrern], mit einer Ausnahme: Was zuvor im Namen des Großvaters Hari dargebracht wurde,

23.61 das gebe man der Ehefrau des Hausvaters, damit Nachkommenschaft gedeihe. Dann bringe man die volle Opfergabe dar und entlasse den Gott der Götter.

23.62 Nachdem man das vorn Gegenwärtige zurückgenommen hat, [Textlücke].

Narada sprach: Diese Ahnenopfer-Vorschrift habe ich nun verstanden, Allgegenwärtiger.

23.63 Jetzt möchte ich die als Aurdhvadehika bezeichneten Handlungen nach dem Tod kennenlernen, Herr.

Der erhabene Herr sprach: Nachdem man an dem verstorbenen Vishnuverehrer die vorschriftsmäßigen Bestattungsriten vollzogen hat,

23.64 vollziehe man die folgenden Handlungen für ihn im eigenen Ashram oder an einem Gewässer. Zuerst setze man in den Haupt- und Zwischenrichtungen Löwen- und Waffenmantra ein.

23.65 Dazwischen meditiere man eine Hütte, [gebildet durch] den Schutzpanzer-Mantra samt seiner Mudra. Nach dem Nyasa besprenge man mit Waffenmantra-Wasser.

23.66 Den nach Norden gerichteten Herd [bereite man]; mit dem Waffenmantra setze man Feuer hinein. Einen neuen Topf wasche und bestreiche man unter dem Schutzpanzer-Mantra.

23.67 Mit dem Herzmantra fülle man ihn mit Wasser und wasche damit auch den Reis. Man setze ihn auf und koche die Caru-Speise unter der Gayatri, Brahmane.

23.68 Wenn sie gar und mit Honig, Milch und Butter vermischt ist, nehme man sie herunter. Mit den Mantras vom Grundmantra bis zum Waffenmantra weihe man sie.

23.69 Nach Südosten blickend bestreiche man unter dem Waffenmantra einen schönen, von Haaren und Dornen freien Platz auf dem Boden und bereite dort ein Mandala.

23.70 Danach bereite man das Arghya-Gefäß und besprenge [den Platz] mit seinem Wasser. Mit dem Waffenmantra streue man dort vermischten Sesam und Darbha aus [ein weiteres Wort ist unsicher].

23.71 Dort stelle man einen durch den Waffenmantra geweihten Bhadrasana auf. Darauf oder auf dem Boden bereite man den Mantrasitz.

23.72 Dann verehre man den Herrn der Mantras als ungeteilt durch das Auflösungsopfer, zunächst mit Arghya, Blüten und anderem, jedoch ohne die Folge des Nyasa,

23.73 bis einschließlich der Feuerverehrung, stets ohne übermäßige Ausführlichkeit. In ein durch den Herzmantra geweihtes Gefäß aus Silber oder Kupfer

23.74 nehme man von der Caru-Speise; fehlt ein Gefäß, forme man einen Speisekloß. Unter dem Herzmantra stelle man ihn vor den Erhabenen, Narada.

23.75 In der Mitte der Speise vergegenwärtige man das Herz-Bija, verbunden mit Pranava, mit dem Namen des Verstorbenen und mit dem Wort der Verneigung,

23.76 die Gestalt des Verstorbenen annehmend, nun als göttliches Wesen. Danach verehre man ihn unter seinem Namen mit Svadha am Ende,

23.77 mit Arghya, Blüten, Lichtern, Salben, Einölung und Augensalbe, mit Gewand, Madhuparka, Speise und anderen Ehrengaben,

23.78 mit Sättigungsgaben und angemessenen Darbringungen und verneige sich wie vor dem höchsten Herrn. Danach vergegenwärtige man den dort ungeteilt gegenwärtigen Mantraherrn,

23.79 dessen Leib Auflösung ist, als etwas in den Raum erhoben, bester Brahmane. Dann fülle man die zusammengelegten Hände oder ein silbernes Gefäß mit Sesam, Honig, Dickmilch, Reis und Wasser,

23.80 verbunden mit Arghya, und gieße es linksherum außen um die Speisedarbringung.

23.81 Man verneige sich nach der Vorschrift, bitte um Nachsicht und entlasse [die Gegenwart] mit dem zuvor genannten Mantra samt Mudra, Narada.

23.82 Unter dem Herzmantra fülle man einen Krug mit Wasser und Sesam, Brahmane, und übergebe ihn zusammen mit der dargebrachten Speise einem Brahmanen.

23.83 Ist keiner verfügbar, gebe man sie Kühen; fehlen auch diese, ins Wasser. Danach bringe man Sesamwasser mit Herzmantra, Namen und Svadha dar.

23.84 Man wasche Hände und Füße und schlürfe rituell Wasser. Nachdem man den Sockelnyasa zurückgenommen hat, überschwemme man den Verehrungsplatz mit Wasser,

23.85 bestreiche ihn [reinigend], vollziehe den Nyasa und gehe ins Haus. Wie zuvor schütze man sich und esse etwas Reinigendes und Leichtes.

23.86 Danach meditiere man Narasimha und rezitiere nach Vermögen. Am Ende des Tages streue man unter dem Waffenmantra weiße Senfkörner aus und lege sich schlafen.

23.87 Dieses ganze Verfahren soll der Einsichtige zehn Tage lang sorgfältig vollziehen, um dem Verstorbenen Gnade zukommen zu lassen,

23.88 [an den folgenden Tagen] beginnend mit dem Kopfmantra bis zum Waffenmantra, Narada, danach von Aniruddha bis Vasudeva.

23.89 Wenn die zehn Tage so vollendet sind und der elfte Tag gekommen ist, vollziehe man nach Abschluss der täglichen Pflichten die Shraddha-Handlung.

23.90 Dazu bitte man den Guru oder einen Guru-Sohn, Brahmane; fehlen sie, einen Sadhaka, Putraka oder Samayin,

23.91 oder einen einzigen Vishnuverehrer aus den zuvor genannten Gruppen, beginnend mit den Asketen. Man wasche ihm die Füße, lasse ihn rituell Wasser schlürfen und führe ihn hinein.

23.92 Man gebe ihm einen Sitz mit dem Gesicht nach Norden. Danach verehre man den Gott samt seinen Kräften und Gliedern.

23.93 Für den Lehrer gestalte man ein schönes Mandala, Brahmane, und gebe darin einen vorzüglichen, verehrten Sitz, den man als alldurchdringend meditiert.

23.94 Man lasse ihn darauf Platz nehmen, unter dem Namen des Verstorbenen geweiht. Nyasa und Anrufung erfolgen nach der zuvor beschriebenen Vorschrift.

23.95 Dann gebe man Arghya und Fußwaschwasser unter Name und Gotra, Narada. Mit Blüten und Räucherwerk ehre man ihn sowie nach Vermögen mit Kleidung und anderem.

23.96 Sämtliche Geräte des Verstorbenen übergebe man ihm. Wie zuvor erhalte man seine Erlaubnis und beginne die Verehrung für den Verstorbenen.

23.97 Sie folgt der früheren Vorschrift; einige Besonderheiten werden jetzt genannt. Den Speisekloß bringe man unter der Gayatri dar und meditiere ihn als Kugel aus Nektar,

23.98 von freudespendenden Strahlen erfüllt und über den drei Lichtstätten ruhend. Darin meditiere man mit dem Grundmantra, verbunden mit Svadha,

23.99 eine Gestalt des Verstorbenen, hervorgegangen aus einem Anteil Narayanas. In ihr vollziehe man den ganzen Auflösungsnyasa, beginnend mit Lakshmi.

23.100 Mit dem Grundmantra verehre man sie durch Arghya und die übrigen Gaben. Man bilde die Mudra und rezitiere. Vor Hari im Feuer

23.101 vollziehe man auf Darbha mit den Spitzen nach Süden nur eine einzige [entsprechende Darbringung], alles bis zum Sesamwasser. Danach bewirte man den Lehrer.

23.102 Während er isst, rezitiere man vor ihm Narasimhas Mantra, Weiser. Nach dem Ende seiner Mahlzeit gebe man vor dem Mantrasitz

23.103 nochmals Sesamwasser aus dem Arghya-Gefäß, bester Brahmane. Von der übriggebliebenen gekochten Speise nehme man etwas zusammen mit Arghya-Wasser

23.104 und streue es wie zuvor als Bali zur Sättigung der Wesen aus. Vor dem Gesättigten [spreche man] mit dem Herzmantra, Amrita

23.105 und Parameshvara verbunden, mit dem Reinen beginnend und mit Namas endend, die Frage: „Ist es vollendet?“ Dann reiche man Wasser zum Mundspülen.

23.106 Man entferne die Speisereste und besprenge den Boden unter dem Waffenmantra. Man erfreue den Erhabenen, indem man die Gabe [für den Lehrer] aufnimmt.

23.107 Dem im Feuer gegenwärtigen Mantra bringe man die volle Opfergabe dar. In die Mitte des Herzlotus nehme man den großen, wie eine Lichtfülle strahlenden

23.108 Herrn der Mantras zurück, der in Sitz, Speisekloß und Feuer gegenwärtig war. Nach diesem Verfahren vollziehe man [die Handlung] Monat für Monat, großer Weiser.

23.109 Wenn das Jahr vollendet und der dreizehnte Monat gekommen ist, vollziehe man ein Ahnen-Shraddha, damit der Zustand als noch nicht eingegliederter Verstorbener zur Ruhe kommt.

23.110 Zuerst erfülle man die täglichen Pflichten vom Bad bis zum Feueropfer, Brahmane. Wenn am geweihten Feuer [die Speise] bereitet und mit Butter, Milch und Honig übergossen ist [Lesung wiederholt „Feuer“],

23.111 lade man Verehrer des Erhabenen und Lehrer ein, die den heiligen Handlungen nachgehen. Vier setze man nach Norden blickend ein, in der Folge des Sockelnyasa.

23.112 Zwei weitere setze man mit dem Gesicht nach Osten auf zwei Sitze. Bei den vieren vollziehe man den Nyasa mit den Mantras von Aniruddha und den übrigen.

23.113 Bei jedem setze man die sechs Glieder des Grundmantras ein, von den Füßen bis zum Scheitel. Bei den beiden [anderen] setze man den Waffenmantra im Leib ein.

23.114 Derselbe Waffenmantra, mit der jeweiligen Jati-Endung und dem eigenen Namen versehen, dient bei diesen beiden dem Sechsgliedernyasa; nach dem Körper setze man ihn in die Hände ein.

23.115 Für denjenigen, um dessentwillen das Shraddha geschieht, gilt die Bezeichnung Aniruddha. Den Namen seines Vaters ordne man dem unermesslichen Pradyumna zu,

23.116 den Großvater dem Herrn der Mantras Sankarshana und den Urgroßvater Vasudeva.

23.117 Nach dem als Rückführung bezeichneten Verfahren verehre man sie mit Arghya, Blüten und anderem. Nachdem man um Erlaubnis gebeten hat, verehre man den im Bild gegenwärtigen Mantraherrn

23.118 nach Vermögen, beginnend mit der Waschung, Einsichtiger, mit Sandel, Schmuck, Kränzen, Gewändern, Räucherwerk und Augensalbe,

23.119 mit Licht, Madhuparka, Milchreis und weiteren Gaben, danach mit Lobpreis, Mantras, Verneigungen und Blüten.

23.120 Denselben mache man in der Mitte des Feuers gegenwärtig und verehre ihn. Dann nehme man hingebungsvoll in durch den Waffenmantra geweihte Gefäße

23.121 vier Portionen der dargebrachten Speise, um die Verbindung mit den Ahnen zu vollenden, mit Beilagen versehen und mit Honig, Butter und Sesam vermischt.

23.122 Man besprenge sie mit den Mantras von Aniruddha und den übrigen und mit dem Grundmantra des Herrn und bringe jede einzeln in der Folge der Auflösung dar.

23.123 Dann bringe man jedes der zuvor geweihten Speisegefäße herbei und meditiere [den Herrn] in entsprechender Form, vierfach unterschieden.

23.124 Die vielfältig unterschiedenen Nahrungskräfte steigen jeweils zur nächsthöheren Stufe auf, entsprechend Aniruddha und den folgenden Gestalten bis hin zu Vasudeva.

23.125 Die Kraft des Geschmacks ist Aniruddha, Einsichtiger; die Kraft der Wirksamkeit ist Pradyumna, die Kraft des Erhaltens der Unvergängliche.

23.126 Die aus der Nahrung hervorgehende Kraft der Seligkeit gilt als Vasudeva. Nachdem man dies so vergegenwärtigt hat, meditiere man jede Gestalt mit ihrem eigenen Mantra.

23.127 Der Nyasa der Götter, deren Leiber die Speise bildet, geschieht wie zuvor, vom Herz- bis zum Waffenmantra. So ist diese vierfache Speisedarbringung zu göttlicher Gestalt geworden, Brahmane.

23.128 Auch wenn sie ineinander übergeht, verehre man sie, in den verschiedenen Speisen als Mantra gegenwärtig, mit dem Arghya-Gefäß und den übrigen [Gaben].

23.129 Mit Name, Gotra und den weiteren Angaben erfreue man den Herrn der Götter wie zuvor. Dann vollziehe man vor dem im Feuer gegenwärtigen Acyuta, der bereits mit Butter und anderem gesättigt ist,

23.130 dieselbe vierfache Speisehandlung. Auch dort erfreue man den Herrn, den Gebieter der Ahnen:

23.131 „Vor dir habe ich dieses Ahnenopfer zu deiner Freude vollzogen, für dich, dessen Wesen Mantra ist, [Textlücke], Svadha, Oṃ, Verehrung, Verehrung.“ [Der Wortlaut der Formel ist beschädigt.]

23.132 Danach gebe man unter dem Herzmantra jedem Einzelnen Sesamwasser vor der aus Nahrung bestehenden Mantragestalt der Ahnen.

23.133 Nach dem Verfahren der Rückführung meditiere man die Ahnen als aus der Kraft der Nahrung bestehend und als im Bewusstsein des Gottheitsmantras zur Ruhe gekommen.

23.134 Höre, wie dies durch Handlung, Sprache und Geist geschieht. Zuerst nehme man mit der Hand etwas von der dargebrachten Speise

23.135 und vereinige es mit der darüber [zugeordneten] Speiseportion. Zuvor spreche man den früher genannten Ahnenmantra mit Name und Gotra am Ende,

23.136 danach den Mantra des zugehörigen Herrn und die Worte „Gehe in deine eigene Stätte“, verbunden mit Verneigung. Dann meditiere man:

23.137 Aniruddha als den Vater, sternförmig und flammend leuchtend, ist in Pradyumnas Wesen aufgegangen, in die mondglänzende Kraft der Nahrung [die Kasusfolge des Grundtextes ist unsicher],

23.138 ausgestattet mit der Herrlichkeit des Bewusstseins. So verfahre man, Brahmane; dann vereinige man nach demselben Verfahren die als Pradyumna vergegenwärtigte Speise

23.139 mit der großen Lichtstätte Sankarshana und diesen wiederum mit Vasudeva. Auch der erhabene Vasudeva [geht ein] in die höchste, unvergängliche Stätte,

23.140 die zuvor als friedvoll und unendlich beschrieben wurde und aus der es keine Wiederkehr gibt. Nachdem man diese Verbindung der Ahnen vor Hari und am Feuer vollzogen hat,

23.141 reiche man den zuvor Verehrten die Mahlzeit, Brahmane. Der Reihe nach frage man sie, ob sie durch die Speise gesättigt sind.

23.142 Nachdem sie rituell Wasser geschlürft haben, gebe man vor Vishnu die Gaben. Sie sollen unter dem Herzmantra die höchste Zufriedenheit Narayanas aussprechen.

23.143 Dann bringe man die volle Opfergabe dar und bitte den Mantrakönig um Nachsicht, Brahmane. Wie zuvor [nehme man] die durch den Grundmantra geweihte Speisedarbringung [unsichere Lesung],

23.144 vermischt mit Milch und Butter, und gebe sie der rituell vorbereiteten Ehefrau. [Die Ahnen] gelangen dadurch als Kinder in ihrem Schoß zur Erfüllung.

23.145 Durch jenes Wasser [wird sie] zum Gefäß von Fülle und Glück. Wer Erkenntnis, Dharma und heiligem Handeln hingegeben und dem Gelübde der Wahrhaftigkeit verpflichtet ist,

23.146 verfahre mit der übrigen dargebrachten Speise wie zuvor. Zuerst hebe er mit dem Herzmantra das Gefäß für Fußwasser und Arghya auf,

23.147 vergegenwärtige mit dem eigenen Mantra alle darin befindlichen Ahnen als in den Raum aufgestiegen und benetze dann mit demselben Wasser unter dem Augenmantra die Augen.

23.148 Das Wasser gieße er an einem reinen Ort aus. So vollzieht man das aus Mantra bestehende Shraddha, das einen guten Weg nach dem Tod gewährt.

23.149 Die Kenner der verbindlichen Regeln und die anderen [Eingeweihten] sollen es für die Gurus vollziehen, zur eigenen Vollendung; die Söhne für Vater und andere Ahnen und die Gurus aus Mitgefühl

23.150 für die innerlich gereiften Schüler, die den Regeln und Gelübden folgen. Auch wenn für einen recht Eingeweihten ein Shraddha nicht [mehr zwingend] anzuwenden wäre,

23.151 soll ein Kenner der heiligen Handlung es dennoch zu dessen Wohl vollziehen. Dieses Shraddha gleicht der Einweihung: Es führt aus einem ungünstigen Zustand zu einem guten Weg.

23.152 [Dies gilt] stets für Eingeweihte bei vishnuitischer Verehrung und Opferhandlung. Deshalb soll man sich mit aller Kraft bemühen und mit irgendeinem verfügbaren

23.153 reinen Gegenstand dieses Shraddha vollenden. Selbst mit geringer Speise, an ungünstigem Ort und bei ungeeignetem Empfänger, Narada,

23.154 wisse: Durch Meditation, Erkenntnis, Mantra und die übrigen [Mittel] lässt es sich zu bleibender Frucht vollenden. Um wie viel mehr bei passendem Ort, passender Zeit und geeignetem Empfänger, gereinigt durch Vertrauen!

23.155 Der Vishnuverehrer ist der vorzüglichste Empfänger, Haris Heiligtum der vorzüglichste Ort, und unter allen Zeiten gilt der zwölfte Tag als der beste.

So endet im heiligen Pāñcarātra, in der Jayakhya Samhita, das dreiundzwanzigste Kapitel mit dem Namen „Die Shraddha-Vorschrift“.


Kapitel 24 – Die Riten für Verstorbene

Narada sprach:

24.1 Durch deine Gnade habe ich vom Ahnenopfer, von den Riten für frisch Verstorbene und vom Shraddha für die Ahnen gehört. Nun möchte ich die Bestattungsriten für diejenigen kennenlernen,

24.2 die zu deiner Unterweisung Zuflucht genommen haben. Erkläre sie zusammenfassend. Du hast sie zuvor erwähnt, aber noch nicht deutlich ausgeführt.

Der erhabene Herr sprach:

24.3 Wenn man erfährt, dass ein Eingeweihter gestorben ist, soll man den großen Guru bitten. Aus Zuneigung oder Mitgefühl begebe er sich mit innerlich gereiften Schülern dorthin,

24.4 nachdem er die täglichen Pflichten vollzogen hat, insbesondere ohne zuvor gegessen zu haben. Mit dem früher beschriebenen Blick schaue er zunächst den Verstorbenen an, Brahmane.

24.5 Er gebe die Anweisung, ihn aufzuheben, und lasse ihn zuerst waschen: mit durch den Waffenmantra geweihtem Kuhdung und Erdwasser,

24.6 mit wohlriechenden Āmalaka-Früchten und Wasser sämtlicher Heilpflanzen. Man salbe ihn mit Sandel, vermischt mit Safran, Narada.

24.7 Man lege ihm Unter- und Obergewand an, ockerfarben oder weiß, dazu eine neue heilige Schnur und ein neues Schultertuch.

24.8 Zwei aus Kusha-Gras gefertigte Pavitra-Ringe stecke man ihm an die Finger. Mit Blumenkränzen geschmückt lege man ihn auf eine tuchbedeckte Trage.

24.9 Angehörige seiner Gemeinschaft, eingeweiht oder nicht eingeweiht, nehmen ihn auf und tragen ihn zum Bestattungsort, der von Knochen, Kohle und dergleichen frei sein soll.

24.10 Zuvor ebne und bestreiche man den Platz nach der Vorschrift. Mitgeführt werden seine Bettelschale, sein Stab, beide Opferlöffel und seine Gebetskette,

24.11 seine Sandalen, sein Sitz, sein Yogagurt, der hölzerne Bhadrapīṭha, sein Arghya-Gefäß und sein Wasserkrug,

24.12 kurz: alle ihm gehörenden Geräte, bester Weiser. Ausgenommen sind Gold, Gewänder, Schriften und die Glocke;

24.13 diese sind beim Shraddha zu seiner Freude jemandem zu schenken. Vor ihm trage man Blüten, Arghya-Wasser und die übrigen Dinge,

24.14 die dort zur Verehrung und zum Feueropfer gebraucht werden, sowie acht zugespitzte Pflöcke aus Ashvattha-Holz.

24.15 [Das Holz sei] ohne große Mühe von einem anderen Asketen zu bekommen; andernfalls schneide man selbst Ashvattha-Holz, bester Brahmane, oder, falls dieses fehlt, Palasha und Ähnliches.

24.16 [Ferner nehme man] gelbe oder ganz weiße Schnur aus Leinen oder Baumwolle, sämtliche Getreidearten, schwarzen Sesam mit weißen Senfkörnern

24.17 und reichlich trockenes, reines Brennholz von Palasha und anderen [Bäumen]. Dort nehme der Guru im Nordosten Platz.

24.18 Zuerst schmücke er sich durch den Mantra von den Füßen bis zum Scheitel, nach dem Sechsgliederverfahren in der Folge der Rückführung.

24.19 Zu Beginn verehre er mit dem Mantra, den der Verstorbene geübt hat. [So verfahre man] auch bei irgendeinem anderen Lehrer, der zurückgeblieben war [unsichere Lesung],

24.20 oder bei einem Verehrer, der in der Unterweisung gegründet ist. Ist dessen Mantra unbekannt, [verwende man] den allgemeinen, großen, an Anfang und Ende von Pranava umschlossenen,

24.21 gewaltigen Narasimha-Mantra. Zuerst steht Oṃ, dann „namo bhagavate“, danach „nārasimhāya“.

24.22 Dieser zwölfsilbige Mantra wird von allen und überall gepriesen. Den ersten Laut seines Namens verbinde man mit den sechs langen Vokalen,

24.23 jeweils mit Pranava am Anfang und Ende. So bilde man die sechs Glieder unter ihrer allgemeinen Bezeichnung.

24.24 Zuerst verehre man den innerlich Gegenwärtigen, danach äußerlich. Mit Pranava bereite man zunächst den Sockel samt seiner Grundlage.

24.25 Nachdem dieser verehrt ist, stelle man einen wassergefüllten Krug darauf. Den Mantra mit seiner verbindlichen Ordnung [unsichere Lesung] setze man in umgekehrter Aussprachefolge ein.

24.26 Auch die sechs Glieder, beginnend mit der Waffe, setze man umgekehrt ein: sodass die Waffe am Herzen und das Herz an der Waffenstelle liegt, Narada.

24.27 [Anfang beschädigt.] Nach diesem Nyasa im Krug verehre man ihn vorschriftsmäßig. Dort bereite man auch einen Waffenkrug und bestimme dafür einen Sitz.

24.28 Mit Phaṭ [vergegenwärtige man] ein reines rotes Rad ohne Nabe und Radkranz. Darüber stelle man den Krug,

24.29 verehre ihn mit Blüten, Arghya und Räucherwerk und [setze] den Waffenmantra hinein. Man spreche ihn umgekehrt aus, beginnend mit Visarga und dem Wort Phaṭ.

24.30 Nachdem man ihn bis einschließlich der Bali-Gabe verehrt hat, stelle man davor einen Bhadrapīṭha auf. Ist keiner vorhanden,

24.31 setze man auf dem Boden unter Pranava die Grundlage ein, darüber [die Kräfte] von Aishvarya bis Dharma.

24.32 Darüber vergegenwärtige man unter dem Herzmantra mit Pranava das Übrige, groß und wie eine Fülle von Edelsteinen leuchtend, bester Weiser.

24.33 Aus dem Herzen rufe man den Mantra herbei und setze ihn darauf ein, rein, mit einem Leib der Auflösung, nach der zuvor beschriebenen Aussprachefolge.

24.34 Nach seiner vorschriftsmäßigen Verehrung lege man davor eine Feuergrube an, ohne festes Größenmaß, mit einem Rand.

24.35 Man weihe sie zuerst und hole dann mittels eines Sonnensteins das vishnuitische Feuer aus dem Himmel herab.

24.36 Ist dies nicht möglich, bringe man gewöhnliches Feuer und vergegenwärtige es ebenso. Darbha-Streu lege man dreifach nach den Richtungen aus [nähere Anordnung unsicher].

24.37 Das Feuer weihe man wie zuvor. Dann bringe man mit dem Grundmantra, der auf Namas endet, hundertacht Opfer aus Sesam und Butter dar.

24.38 In der Folge der Auflösung vergegenwärtige man den darin gegenwärtigen Mantra und gebe die volle Opfergabe, Brahmane. Danach besprenge man mit Arghya-Wasser

24.39 den Leichnam, berühre ihn [rituell] und schaue ihn mit einem von Erkenntnis erfüllten, von Mitgefühl begleiteten Blick an.

24.40 Aus etwas Abstand und ohne ihn [unmittelbar] zu berühren gebe man Arghya und Blüten auf seinen Kopf. Man lasse ihn hinter die beiden Krüge bringen, bester Brahmane,

24.41 auf einen abseits gelegenen Sitz, wobei jemand den Körper zurechtlegt. Dann sitze der Guru bei der Feuergrube und blicke auf ihn:

24.42 auf den Verstorbenen, der durch frühere Handlungen gereinigt ist, dem aber [diese] Weihe noch fehlt. Die vom Körper gelöste Lebensseele, die eine nahe Stätte erreicht hat,

24.43 rufe er mit dem Mantra herbei und bringe sie in den Leib zurück. Wie zuvor verbinde er sie mit dem Leichnam, hell wie eine Edelsteinlampe.

24.44 An Pranava füge man das Scheitel-Bija und danach den Namen an. An dessen Ende setze man nochmals das Scheitel-Bija mit Pranava als Abschluss.

24.45 „Komm her [Textlücke], tritt ein!“ füge man hinzu. So führe man die Lebensseele an ihren eigenen Ort zurück, hier in den Lebenskeim,

24.46 mit der Kraft zum Wirken verbunden, wie Feuer im Holz. Nach der Einweihungsordnung soll der Guru für sie ausschließlich das Auflösungsopfer

24.47 gründlich vollziehen, in der Folge von der Erde an. Mit der vollen Opfergabe verbinde er sie wie zuvor mit dem höchsten Wirklichkeitsprinzip.

24.48 Südlich von sich besprenge er den Boden mit Waffenmantra-Wasser. Aus einer Mischung von Sesam, weißen Senfkörnern und Getreide, Narada,

24.49 bilde er ein Zeitrad ohne Nabe und Radkranz, linksgewunden und zwölfspeichig. Außerhalb davon lege er ein Dreieck an,

24.50 reich an Flammen in dessen Körperfarbe und mit drei Svastikas versehen. Außerhalb davon einen quadratischen Bezirk, leuchtend in fünf Farben,

24.51 mit fünf Linien und acht Vajras geschmückt. Das Farbpulver streue man mit der linken Hand in umgekehrter Umlaufrichtung aus.

24.52 Aus dem zuvor herbeigeschafften Holz schichte man einen Scheiterhaufen wie einen Himmelswagen, oder aus im Wald gesammeltem Kuhdung, vermischt mit Kusha-Gras, Brahmane.

24.53 Von Süden beginnend bis zum Südwesten stecke man die Pflöcke ein und umspanne sie dreimal mit der Schnur.

24.54 Alle Verehrungsgegenstände bis hin zu den Speisedarbringungen nehme man zurück, Narada, und opfere sie im Feuer der Grube.

24.55 Den Mantra im Krug, im Bhadrapīṭha und im Feuer entlasse man. Man grabe [eine Vertiefung] und begieße den Boden mit dem Wasser des Kruges.

24.56 Dann setze man den Leichnam samt seinem Sitz nach Süden gerichtet auf den Scheiterhaufen. Um seinen Hals lege man

24.57 den ausgebreiteten Yogagurt, in die rechte Hand die Gebetskette, in die linke das Arghya-Gefäß, das Opferwassergefäß und den Wasserkrug.

24.58 Links lege man die Sandalen, rechts Schirm und Turban, davor den Bhadrapīṭha sowie Muschel, Mudra-Geräte und anderes.

24.59 Man verehre den Scheiterhaufen mit Blüten, Räucherwerk und Sandel. Dann entzünde man ein Darbha-Bündel am Feuer der Opfergrube

24.60 und setze, nach Süden blickend, den Scheiterhaufen in Brand. Der Guru stehe ihm zugewandt und bringe die volle Opfergabe dar,

24.61 auf den Scheitel oder in die Mundöffnung. Dort lasse er beide Opferlöffel zurück. Dann nehme er den Waffenkrug, Brahmane, und beginne im Westen,

24.62 einen Wasserstrom auszugießen und linksherum zu gehen. In südlicher Richtung werfe er den Krug empor.

24.63 Er bestimme Wächter für den Ort und gehe zum Gewässer. Mit den Kleidern trete er ins Wasser und nehme im Geist

24.64 den zuvor vollzogenen Körpernyasa zurück. Er bade nach der Vorschrift, vollziehe Wasserschlürfen und das Übrige und bringe eine Handvoll Wasser dar.

24.65 Er steige heraus und lege ein anderes, reines, unbeflecktes Gewand an. Auf einem Sitz nach Osten gewandt rezitiere er innerlich Narasimhas Mantra, Weiser,

24.66 tausendachtmal, hingebungsvoll und mit Meditation verbunden. Die Leichenträger rezitieren die Hälfte davon, die Geräteträger wiederum die Hälfte dieser Zahl.

24.67 Wenn die Nacht gekommen oder die Rezitation beendet ist, verehre der Guru Acyuta in besonderer Weise. Nach Japa und Feueropfer esse er,

24.68 umgeben von den Angehörigen des Verstorbenen und den eigenen Schülern, zur Besänftigung der Trauer. Am dritten Tag sammle man die Knochenreste.

24.69 Zuvor [verehre man] die Vollendung gewährende Herrin [unsichere Lesung] mit Blüten, Arghya, Bali und Räucherwerk. Die Reste gebe man in reines, tiefes Wasser oder in einen Fluss,

24.70 oder lege sie unten in eine ausgehobene Erdgrube. Die Gebeine Eingeweihter soll man nicht hierhin und dorthin verstreuen, bester Brahmane.

24.71 So habe ich die nach dem Ablegen des Körpers zu vollziehende Weihe für die treuen Vishnuverehrer erklärt; sie gewährt als Frucht Befreiung.

24.72 Deshalb soll der Guru sie stets für seine Schüler, sollen gute Schüler sie für ihre Gurus vollziehen. Auch für Frauen, Einsichtiger,

24.73 die im großen Opfer eingeweiht wurden, [geschehen] alle Weihungen und Mantras, jedoch ohne die [asketischen] Geräte. Vater, Guru,

24.74 Sohn oder Ehefrau sollen sie vollziehen, auch wenn sie nicht eingeweiht sind: aus Mitgefühl, zur Beseitigung von Verfehlung und mit zweifelsfreiem Geist.

24.75 Für diejenigen, die im Dharma der Entsagenden ruhen und auf die rituellen Handlungen verzichtet haben, ist bloße Verbrennung ohne Mantraverehrung vorgeschrieben.

24.76 Nun wird die Vorschrift für Menschen erklärt, die fern und unsichtbar gestorben sind. Durch sie gelangt auch ein anderswo Befindlicher zur Stätte Vishnus.

24.77 Sobald ein Eingeweihter in dieser von mir gelehrten Unterweisung feststeht, bester Weiser, hat er meine makellose Stätte bereits erreicht.

24.78 Doch diejenigen, die zwar eingeweiht wurden, sich aber nicht beständig in der Verehrung bewährt haben und mit unerfülltem Ziel sterben, Samayins und Putrakas,

24.79 gelangen unter der Macht ihres eigenen Handelns an eine nicht dauerhafte Stätte. Von dort nehmen sie nach längerer Zeit erneut irgendeine leibliche Gestalt an,

24.80 zu günstiger Zeit und an günstigem Ort oder auch an ungünstigem Ort. Unter dem Einfluss von Ort und Zeit vollbringen sie Gutes oder Schlechtes.

24.81 Durch gutes Handeln gelangen sie zum Himmel, durch schlechtes nach unten. So gerät ein Eingeweihter nach dem Ende [seines Lebens] in einen unbeständigen Zustand.

24.82 Wenn er fern gestorben ist, soll ein fähiger Guru mit mitfühlendem Wesen seine große Erhebung vollziehen,

24.83 solange der Guru selbst noch im leiblichen Dasein steht. Höre, wie: Nachdem er vom Tod eines Verehrers zuverlässig erfahren hat,

24.84 verehre er nach Abschluss seiner täglichen Pflichten den Herrn im Bild und den übrigen Stätten, durch die besonders vorgeschriebenen Handlungen bis zum abschließenden Feueropfer.

24.85 Dann mische er weiße Erde mit den fünf Erzeugnissen der Kuh und Wasser und forme ein zwölf Aṅgulas großes Bild in der Gestalt des Verstorbenen,

24.86 von den Füßen bis zur Haarspitze mit allen Gliedern ausgestattet; alternativ aus Palasha- oder Ashvattha-Holz mit Rinde oder aus Zweigen.

24.87 Das so hergestellte Bild stelle er bei die Feuergrube. Mit Pranava und Waffenmantra besprenge er es siebenmal mit Wasser,

24.88 das er aus dem Arghya-Gefäß schöpft, dann dreimal mit dem zwölfsilbigen Mantra. Zweimal berühre er es [rituell] unter dem dreisilbigen, auf Phaṭ endenden Mantra mit Arghya-Reiskörnern,

24.89 Blüten oder Blättern, verbunden mit einem Darbha-Stängel. Danach schaue der Mantrakundige es mit dem Auge der Erkenntnis an.

24.90 Die Gesamtheit der Wirklichkeitsprinzipien in ihrer äußeren, auf die Elemente bezogenen und ihrer inneren, auf das Selbst bezogenen Form setze er wie zuvor in der Schöpfungsfolge ein.

24.91 Nach der Folge von Stellen und Meditationszielen vollziehe der Lehrer vorschriftsmäßig das Feueropfer, mit jeweils drei, zwei oder einer Gabe.

24.92 Den Laut jedes Prinzips verbinde er mit dessen Namen, umschlossen vom Grundmantra und verbunden mit „Komm her!“, um die Verbindung mit dem Verkörperten herzustellen.

24.93 So [setze er] Prinzip um Prinzip der Reihe nach ein, nach der zuvor genannten Vorschrift, Weiser. Danach meditiere er den im Herzlotus gegenwärtigen Mantra als alldurchdringend,

24.94 ganz geeignet, jene Lebensseele herbeizuführen, mit einer bindenden Schlinge versehen, erfüllt von Mitgefühl und Seligkeit und glänzend wie ein großer Rubin.

24.95 Dreimal vergegenwärtige er ihn zuvor als makellos und richte rasch innerlich die Bitte an ihn: „Du von großer Herrlichkeit, dessen Leib die sechs göttlichen Eigenschaften bilden, höchster Herr!“

24.96 Danach vergegenwärtige man den Grundmantra samt Gestalt. Es folgen die Worte „wo immer [er] sich aufhält“.

24.97 An deren Ende meditiere man das Amrita-Bija, mit Vyomesha geschmückt; zweimal füge man „Bringe herbei!“ hinzu, danach seinen Namen, Brahmane.

24.98 Diesen mit der Verneigung verbundenen Mantra lasse man nach außen hervorgehen. Man schaue alles von ihm erfüllt, was oben vorhanden ist,

24.99 seitwärts, hinten und vorn, bis hin zu Brahmas Wohnstatt. Durch seinen eigenen Glanz zieht [der Mantra] die Lebensseele, auch wenn sie weit entfernt ist,

24.100 rasch und aus eigener Kraft herbei, Brahmane, wie eine Flamme ein Insekt. Danach nehme man den mit der Lebensseele verbundenen Mantra in sich auf.

24.101 Nachdem man den Mantra in sich gereinigt hat, setze man die Lebensseele in das Ersatzbild ein, durch den früher bei der Einsetzung beschriebenen Yoga der Verbindung, Narada.

24.102 Dann vollende man für sie vorschriftsmäßig die Einweihung in die Wirklichkeitsprinzipien und verbinde sie durch den zuvor genannten Yoga mit der ewigen Stätte.

24.103 Mit der vollen Opfergabe verbrenne man das Ersatzbild. Nachdem der Mantra aus jener Feuergrube herausgehoben worden ist,

24.104 vollziehe man Bad und alles Übrige wie zuvor. Zur Besänftigung sämtlicher Fehler führe man danach die entsprechende Ausgleichshandlung aus,

an einem anderen Tag in guter Verfassung, Brahmane, oder noch am selben Tag, wenn die Kraft dazu reicht.

So endet im heiligen Pāñcarātra, in der Jayakhya Samhita, das vierundzwanzigste Kapitel mit dem Namen „Darlegung der Totenweihe“.


Kapitel 25 – Ausgleich von Verfehlungen und Unterlassungen

Dieses Kapitel dokumentiert historische Vorschriften zu rituellem Ausgleich, Reinheit und sozialer Ordnung. Die hier genannten Fastenformen, Stoffe und Standesunterschiede sind keine allgemeinen Praxisempfehlungen für heutige Leser.

Narada sprach:

25.1 Erhabener, ich möchte die Bestimmung der Ausgleichshandlungen kennenlernen, durch die bei einem Vishnuverehrer die Folgen alles Getanen und Unterlassenen besänftigt werden.

Der erhabene Herr sprach:

25.2 Wer auf dem Weg steht, aber die rechte Lebensführung vernachlässigt, sinkt hinab, bester Weiser. Deshalb ist das von guten Menschen gepflegte Verhalten zu bewahren.

25.3 Ein Fehler, der durch Schicksal, Krankheit oder Verwirrung entstanden ist, soll durch Japa, Spenden und Feueropfer abgewaschen werden,

25.4 auch durch Askese, bester Weiser, unter Berücksichtigung der Schwere der Handlung. Wenn der Beginn einer Dämmerungsverehrung versäumt wurde, [rezitiere man] den Grundmantra mit seinen Gliedern

25.5 und den fünf [Mantras] von Satya an: ein Kranker jeden einmal, ein Gesunder hingegen das Satya-Bija hundertachtmal.

25.6 Nach der Rezitation vollziehe man die ganze Dämmerungshandlung, Brahmane. Sind alle drei Dämmerungsverehrungen ausgefallen, soll ein Gesunder stets

25.7 den Grundmantra mit dem Gestaltmantra sechshundertmal rezitieren, ein Kranker den Grund- und Gestaltmantra samt den sechs Gliedern dreimal,

25.8 zur beständigen Besänftigung; andernfalls zieht er einen Fehler auf sich. Wenn ein Kranker an vielen Tagen die Übung versäumt hat,

25.9 soll er nach dem Abklingen der Krankheit baden, den Weltenherrn verehren und tausendmal rezitieren. Danach vollziehe er nochmals Verehrung und Sättigung des Feuers,

25.10 mit der Hälfte der Rezitationszahl [an Opfergaben]. Nun wird vom Gesunden gesprochen: zwei, drei oder eine Nacht lang, nach Vermögen, [übe er die entsprechende Disziplin].

25.11 Der Mantrakönig ist zwanzigtausendmal zu rezitieren. Danach vollziehe man eine besondere Verehrung und bringe tausend Gaben aus buttergetränktem Sesam ins Feuer.

25.12 Anschließend bewirte man nach Vermögen drei, zwei oder einen Vishnuverehrer. Wenn jemand versehentlich und unwissentlich Speise gegessen hat,

25.13 die von Trinkern berauschender Getränke oder anderen berührt, durch Samen, Urin oder Kot [verunreinigt] oder von Papageien oder Krähen angepickt wurde,

25.14 von Schweinen, Geiern, Schakalen, Affen oder Hühnern berührt oder durch die Berührung eines Antyaja beziehungsweise durch Speisereste von Shudras und anderen [nach dieser historischen Ordnung als verunreinigt angesehen wird],

25.15 oder wenn er verbotene Speise gegessen oder mit der Frau eines anderen verkehrt hat, soll er baden und während eines Tages und einer Nacht die fünf Erzeugnisse der Kuh zu sich nehmen [Wortlaut des vorausgehenden Essensgebots unsicher].

25.16 Der Einsichtige rezitiere zu jeder Dämmerungszeit den Löwenmantra tausendmal. Drei Tage lang esse er nur nachts, bade dreimal täglich und widme sich der Meditation.

25.17 Am vierten Tag verehre er den Gott, bringe tausend Feueropfer dar und gebe wie zuvor eine Mahlzeit. So wird der nur nachts essende Brahmane rein.

25.18 Für einen Kshatriya, dessen Geist allein Narayana gilt, bestimme man dasselbe; für einen Vaishya zwei Bäder, für einen Shudra eines.

25.19 Die Rezitationszahl wird für diese der Reihe nach jeweils verdoppelt. [Zur Bereitung der fünf Kuherzeugnisse nehme man] Milch, Dickmilch, Butter, Kuhurin, Kuhdung, Kusha

25.20 und Wasser in ein kupfernes Gefäß. Jeden Bestandteil weihe man mit hundert Rezitationen, durch die Mantras vom Grund- bis zum Waffenmantra.

25.21 Man bade, trinke [davon] und vollziehe dies drei Nächte lang. Auch ein anderer, der davon trinkt, Narasimha meditiert und rezitiert und ihn verehrt, Narada,

25.22 dessen Ansammlung schwerer Verfehlungen wird vernichtet: Diebstahl, Verkehr mit der Frau des Gurus, Trinken von Alkohol und Ähnliches.

25.23 Wer absichtlich einen Brahmanen getötet hat, soll inmitten von Kühen zwei Jahre lang Tag und Nacht unermüdlich den Löwenmantra rezitieren,

25.24 wenig und nur ungebeten erhaltene Speise essen, dreimal täglich baden und stets Nyasa vollziehen. Nach Ablauf der beiden Jahre begebe er sich an einen heiligen Badeort oder in ein Heiligtum.

25.25 Dort halte er nach Vermögen ein Gelübde wie Kricchra oder Candrayana. Nach dessen Ende lasse er sich im Neunnabel-Mandala erneut einweihen.

25.26 Seinen ganzen Besitz gebe er dem Guru und nach dessen Anweisung den Verehrern. Nach dem Trinken von Alkohol rezitiere man danach Satya Tag und Nacht,

25.27 drei Tage ohne zu essen. Am Ende trinke man durch den Löwenmantra erhitztes Wasser. In Vishnus Heiligtum rezitiere der Einsichtige tausendmal.

25.28 Wer absichtlich Gold, Land oder anderes gestohlen hat und nach Einsicht von Reue erfüllt ist, rezitiere den Mantraherrn Kapila

25.29 fünfzigtausendmal, gesammelt an einem einsamen Ort, von Milch, Wurzeln und Früchten lebend. Durch abschließende Verehrung und Feueropfer wird er rein.

25.30 Das so erworbene Gut gebe er freiwillig wieder auf. Ist dies nicht möglich, vollziehe er das Doppelte der zuvor genannten Rezitation.

25.31 Bei ungewolltem Verkehr mit der Frau des Gurus an einem verborgenen Ort rezitiere man zur Reinigung den Löwenmantra, schweigend und von Almosen lebend, dreißigtausendmal [als Lesart werden zwanzigtausend erwogen].

25.32 Wenn es öffentlich bekannt und absichtlich geschah, hunderttausendmal; wenn absichtlich im Verborgenen, fünfundzwanzigtausendmal. So wird man rein, nicht anders.

25.33 Bei absichtlichem Verkehr im Verborgenen [nennt der Text nochmals] fünfundzwanzigtausend; bei ungewolltem, öffentlich bekanntem Verkehr vierzigtausend Rezitationen.

25.34 Ob verborgen oder öffentlich, gewollt oder ungewollt: Nach der Rezitation vollziehe man Verehrung und Feueropfer; dadurch wird man rein, nicht anders.

25.35 Fehlen Einweihungsgeräte und andere Mittel, bester Brahmane, wird der mit der Frau des Gurus Verstrickte durch hunderttausend Rezitationen rein.

25.36 Wurde Speise gegessen, die von einer menstruierenden Frau berührt wurde, [nach dem Wortlaut: absichtlich], so wird man durch hundertacht Rezitationen des Waffenmantras rein.

25.37 Bei Absicht vollziehe man unermüdlich die dreifache Rezitation [der Gegensatz zum Vorvers ist in der Überlieferung gestört]. Wenn ein Vishnuverehrer isst, was Rudra in Linga-Gestalt dargebracht wurde,

25.38 oder versehentlich davon Berührtes, rezitiere er den Löwenmantra fünfhundertmal, bei Absicht doppelt so oft. Nach Bad und Feueropfer wird er rein.

25.39 Wer die Vishnu dargebrachte Speise achtlos irgendwohin wirft oder einem ungeeigneten Empfänger gibt, rezitiere den Löwenmantra achthundertmal.

25.40 Wer während der rituellen Unreinheitszeit nach einem Todesfall oder einer Geburt absichtlich [dort] isst, bester Weiser, rezitiere den Löwenmantra tausendmal,

25.41 bei Unabsichtlichkeit halb so oft, gesammelt und rein. Hat er Speise von Gefallenen, von Kurtisanen, Brahmane,

25.42 oder eine Gemeinschaftsspeise gegessen, rezitiere er der Reihe nach den Narasimha-, Kapila- und Varaha-Mantra fünfhundert-, sechshundert- beziehungsweise siebenhundertmal.

25.43 Wer beim Simanta-Ritus [für die Schwangere] isst, rezitiere bei Einbruch der Nacht zweihundertmal das Aniruddha-Bija, ganz der Meditation hingegeben.

25.44 Beim Namensgebungsritus rezitiere er Pradyumna zweihundertmal, bei der ersten Speisung eines Kindes Sankarshana hundertmal,

25.45 bei den übrigen Lebensriten das Vasudeva-Bija hundertmal. Wer vom ersten Toten-Shraddha an bis zum Ende des ersten Jahres [von den Gaben] für einen Verstorbenen isst,

25.46 rezitiere den Löwenmantra zehntausendmal. Für absichtliches oder unabsichtliches Essen der Speise eines rechtschaffenen Shudra

25.47 rezitiere der Einsichtige den Waffenmantra tausendmal beziehungsweise halb so oft. Beim Essen der Speise eines nicht rechtschaffenen Shudra gilt die vierfache Zahl.

25.48 Nach Erbrechen rezitiere man den Varaha-Mantra dreihundertmal, bade und trinke die damit geweihten fünf Kuherzeugnisse, Brahmane.

25.49 Wer bei einer nichtvishnuitischen Einsetzung oder Opferhandlung isst, rezitiere den Herzmantra fünfhundertmal.

25.50 [Wer isst] bei der Freigabe eines Gartens, eines Baumes, eines Brunnens, draußen oder in einem buddhistischen Heiligtum, bei der Eröffnung einer Wasserstelle oder eines Teichs, bei einer Kuhspende oder dem Freilassen eines Stieres,

25.51 bei einer Hochzeit oder Brautwahl, nachdem er in ein fremdes Haus gegangen ist, der Mantrakundige rezitiere unermüdlich den Löwenmantra hundertachtmal.

25.52 Hat er unterwegs vor einem Nichtvishnuiten gegessen, rezitiere er hundertachtmal. Wer absichtlich Speise eines lebenslang Enthaltsamen oder eines Händlers gegessen hat, Brahmane,

25.53 rezitiere den Gestaltmantra tausendmal, bei Unabsichtlichkeit halb so oft. Ebenso gilt es bei Trägern [anderer religiöser] Kennzeichen.

25.54 Hat man entgegen dem Verbot versehentlich Honig beziehungsweise berauschenden Trank und Fleisch betrachtet, zerfällt der Fehler durch achthundert Rezitationen des Löwenmantras hundertfach.

25.55 Werden Verpflichtungen hinsichtlich Geschlechtsverkehr, Essen, Trinken und anderem nicht eingehalten, rezitiere man nach dem Nyasa den Waffenmantra hundertfünfzigmal.

25.56 Dasselbe gilt für Gier nach Almosenspeise. Bei Verletzung des Entschlusses, auf dem Boden zu schlafen, rezitiere man den Waffenmantra hundertmal.

25.57 Beim Abbruch [eines rituellen Schutzes] gegen häusliche Geister, Pishachas und andere [unsicherer Sinn] rezitiere man den Grundmantra, vom Herzmantra umschlossen, hundertachtmal.

25.58 Bei Erkenntnisgewinn, Bildweihe, einer begonnenen Vishnu-Nachtwache, bei Ankunft im Heiligtum oder an einem heiligen Badeort, beim Erkennen des rechten Schriftweges,

25.59 beim Hören vom Tod des Gurus und am zehnten Tag danach [sind bestimmte Vollzüge zulässig]. Hat man außerhalb solcher Anlässe getanzt oder gesungen, rezitiere man Satya hundertmal.

25.60 Wer auf Drängen oder aus Zuneigung befriedende oder stärkende Riten vollzogen hat, rezitiere Varaha dreihundertmal und verehre den Herrn der Mantras.

25.61 Wer während der Unreinheitszeit nach Geburt oder Tod, Narada, als Mantrakundiger bei einer befriedenden oder ähnlichen Handlung absichtlich Ehrung angenommen hat,

25.62 rezitiere hingebungsvoll den Löwenmantra fünfhundertmal, bei Unabsichtlichkeit dreihundertmal als Ausgleich.

25.63 Nach absichtlich vollzogenen Vertreibungsriten und Ähnlichem ist der Waffenmantra fünftausendmal zu rezitieren, bester Brahmane; bei Unabsichtlichkeit halb so oft.

Ein Mantrakundiger soll niemals mittels eines Mantras eine Tötung vollziehen.

25.64 Hat man Götterbilder eingesetzt oder Einweihungen an den drei [fremden] Kultstätten, beginnend mit einem Caitya, vollzogen,

25.65 rezitiere man die drei Mantras von Sankarshana an der Reihe nach hundertacht-, zweihundertacht- und dreihundertachtmal und vollziehe Feueropfer und Verehrung.

25.66 Wenn man irgendwo Seide, Baumwolle, Wolle, Leinen, eine [weitere textile] Umhüllung oder Leder als Geschenk angenommen hat,

25.67 rezitiere man die sechs Mantras vom Herz- bis zum Waffenmantra, beginnend mit sechshundert und dann jeweils um hundert abnehmend, für jeden Gegenstand, Narada.

25.68 Bei absichtlichem oder unabsichtlichem Empfang [gelten Abstufungen] von jeweils der Hälfte des zuvor Genannten. Hat man Milch, Dickmilch, Butter oder daraus Hergestelltes,

25.69 Salz, Honig, Öl oder Erzeugnisse des Zuckerrohrs angenommen, rezitiere man Varaha mit dem Waffenmantra dreihundertmal.

25.70 Hat man absichtlich Edelsteine, Silber, Gold, Korallen oder Perlen angenommen, rezitiere man den Kapila-Mantra dreihundertmal,

25.71 bei Unabsichtlichkeit einmal [beziehungsweise hundertmal; das Bezugswort bleibt offen], der Meditation hingegeben. Hat man Kupfer und andere Metalle oder Mineralien wie Realgar angenommen,

25.72 rezitiere man Narasimha zweihundertmal bei Absicht, hundertmal bei Unabsichtlichkeit. Hat man eine Kuh, ein Pferd, einen Stier, einen Elefanten, Frauen oder ein Maultier angenommen,

25.73 ist Narasimha bei Absicht achthundertmal zu rezitieren, Weiser, bei Unabsichtlichkeit dreihundertmal, verbunden mit Fasten.

25.74 Wurden Feldfrüchte und Reisarten als Gaben angenommen, [rezitiere man] nach Norden gewandt dreihundertmal bei Absicht und zweihundertmal bei Unabsichtlichkeit.

25.75 Nach der Annahme eines kleinen unbebauten Grundstücks rezitiere man Narasimha tausendmal. Ist es mit Früchten und Reis bestellt,

25.76 verdoppele man diese Rezitation [unter Berücksichtigung von] Absicht und Unabsichtlichkeit. Ebenso bei Annahme eines Klosters; bei einem Wohnhaus die Hälfte.

25.77 Wenn mehrere Verfehlungen zusammenkommen, Narada, rezitiere man den Grundmantra samt seinen Gliedern hundertachtmal,

25.78 dann die fünf [Mantras] von Satya an jeweils hundertmal und den siebensilbigen Mantra hundertachtmal, Brahmane.

25.79 Von dem Fehler vermischter Speisen wird man dadurch augenblicklich rein. Ebenso rezitiere man bei Vermischung von Gefäßen.

25.80 Zur Reinigung von Vermischung der Abstammungslinien rezitiere man Satya dreihundertmal. Nach dem Entwenden von Holz, Steinen, Gras und dergleichen, Narada,

25.81 absichtlich oder unabsichtlich, rezitiere man den Scheitelmantra hundertmal. Hat man einem anderen durch Täuschung Wissen oder eine Schrift entzogen, Weiser,

25.82 rezitiere man den Grundmantra zusammen mit dem Gestaltmantra zehntausendmal. Wer verblendet die Frau oder Tochter des Gurus verleumdet,

25.83 soll der Reihe nach die [Mantras] der Göttinnen und den Waffenmantra jeweils hundertmal rezitieren. Nach dem Töten eines lebenden, knochenlosen Wesens

25.84 erinnere man sich bei Absicht zweimal, bei Unabsichtlichkeit einmal an den Satya-Mantra; bei einer Maus zehnmal, bei einer Katze hundertmal.

25.85 Bei einem Hund oder Schakal [gilt] das Doppelte, [ebenso eine Abstufung] bei Affe und Huhn. Beim Töten von Schlangen und anderen eiergeborenen Wesen, von Gänsen und anderen Vögeln,

25.86 von Löwen und anderen Wildtieren, von Ziegen und anderen Haustieren rezitiere man Narasimha der Reihe nach hundert- bis vierhundertmal.

25.87 Wird jemand durch ein Missgeschick von einem Hund, Schakal oder einem anderen solchen Tier gebissen, soll er baden und im kühlen Wasser stehend den Garuda-Mantra zweihundertmal rezitieren.

25.88 Wer absichtlich oder unabsichtlich eine Gabe von einem ungeeigneten Geber angenommen hat, bester Weiser, wird durch Löwenmantra-Rezitation rein:

25.89 durch dreihundert Wiederholungen, Bad und Meditation bald, Narada. Nach Berührung von Shvapakas, Mlecchas, Chandalas, Skeletten oder menschlichen Schädelträgern,

25.90 von Soma-Opfernden, Opferpfählen, Bäumen am Verbrennungsplatz oder Pulkasas bade man bekleidet und rezitiere den Löwenmantra hundertmal.

25.91 Nach Verleumdung von Vishnuverehrern, insbesondere Eingeweihten, nach Übertretung einer Guru-Anweisung oder Vernachlässigung des Guru-Eigentums

25.92 rezitiere man das Satya-Bija hundertachtmal, bester Weiser. Bei Zucken der linken Körperseite oder nach einem schlechten Traum

25.93 rezitiere man den Vasudeva-Mantra fünfundzwanzigmal. Nach unheilvollen Gedanken oder dem Sprechen von Unwahrheit,

25.94 durch Handlung, Sprache oder Geist, rezitiere man Satya achthundertmal. Bei ungewolltem Samenerguss im Schlaf

25.95 bade man zuerst bekleidet und rezitiere den Waffenmantra hundertmal. Nach absichtlicher Herbeiführung eines Schwangerschaftsabbruchs rezitiere man Narasimha zehntausendmal.

25.96 Nach versehentlicher Tötung einer Kuh rezitiere man dreißigtausendmal und bade dreimal täglich; bei Absicht verdoppele man die Rezitation, bester Weiser.

25.97 Man vollziehe Verehrung und Feueropfer und gebe dem Guru zwei Kühe. Beim Fällen eines besonderen Baumes [sind] die fünf Mantras von Satya an der Reihe nach

25.98 jeweils hundertmal zu rezitieren; bei geringfügigem Abschneiden, Brahmane, rezitiere man sorgfältig den Waffenmantra zweihundertmal.

25.99 Wenn links oder rechts das Mandala unterbrochen wurde, [oder nach] absichtlichem oder unabsichtlichem Essen [in einem unsicher überlieferten Zusammenhang mit einem Shudra], Brahmane,

25.100 rezitiere man den Löwenmantra dreihundert- beziehungsweise zweihundertmal. Wer durch Handlung, Denken oder Sprechen den Guru betrübt

25.101 oder einen Streit führt, der Entmutigung hervorruft, vollziehe zuerst drei Nächte lang [die entsprechende Disziplin] und rezitiere Vasudeva im Herzen,

25.102 täglich zu den drei Zeiten jeweils dreihundertmal, bester Weiser. Wer im Tempel Kot oder Urin ausscheidet,

25.103 im Garten eines Heiligtums, besonders eines vishnuitischen, oder zum bloßen Vergnügen Blätter, Blüten und Früchte aus dessen Garten nimmt,

25.104 der rezitiere den Löwenmantra achthundertmal, bester Brahmane. Wer nackt und regelwidrig badet und dabei zum Himmel und in die Richtungen blickt,

25.105 rezitiere den Herzmantra hundertachtmal, bester Weiser. Wer in Gegenwart von Älteren und Gurus auf deren Sitz

25.106 Platz nimmt, rezitiere Pradyumna hundertachtmal im Herzen. Wer Gurus verspottet oder obszön spricht,

25.107 oder mit verdorbenem Sinn die Frau oder Tochter des Gurus betrachtet, der Mantrakundige soll baden und den Löwenmantra fünfhundertmal rezitieren.

25.108 Wer eine Frau, einen Shudra oder ein Kind absichtlich oder unabsichtlich getötet hat, wird nach zwanzigtausend beziehungsweise zehntausendacht Rezitationen und Verehrung rein.

25.109 Bei Tötung eines rechtschaffenen Shudra gilt jeweils das Doppelte des zuvor Genannten. Wenn ein Chandala oder jemand aus den entsprechenden [ausgegrenzten Gruppen] den Tempel betreten hat,

25.110 entferne man sämtliche irdenen Gefäße und besprenge [die übrigen] mit Waffenmantra-Wasser. Nach dem Bad rezitiere man dort Kapila

25.111 zwölfhundertmal, Weiser; dadurch wird dort alles rein. Wenn ein Wäscher oder Lederarbeiter absichtlich oder unabsichtlich das Haus

25.112 betreten hat, besprenge man es mit Waffenmantra-Wasser und rezitiere hundertmal. Bei Geburt oder Tod erlangt ein Mensch, der stets ganz von Vishnu erfüllt ist

25.113 und seine Übung vollzieht, sofortige Reinheit, bester Brahmane. Dennoch rezitiere er dabei den Vasudeva-Mantra fünfhundertmal.

25.114 Zehn Tage lang meide man Berührung, gemeinsames Essen und Gabenverkehr mit ihm. Durch solchen Umgang entstünde selbst für einen Vollendeten ein Fehler, großer Weiser.

25.115 Ein Brahmane hat während zehn Tagen keine Berechtigung zur [regulären] Übung, ein Kshatriya während zwölf, ein Vaishya bis zum fünfzehnten Tag.

25.116 Ein Shudra unterbreche Japa und Meditation sorgfältig für einen Monat. Bei Vermischung eigener Speisereste mit denen eines anderen Eingeweihten selbst des gleichen Standes

25.117 bade man und rezitiere den Grundmantra hundertachtmal, Brahmane. Bei jemandem anderen Standes sind Fasten und dieselbe Rezitation vorgeschrieben.

25.118 Wenn ein Nicht-Eingeweihter den verehrten Herrn, die Gebetskette oder eine Mudra sieht, Brahmane, rezitiere man hundertmal [den Waffenmantra; Lesung unsicher].

25.119 Auch in einer Notlage soll man keinen Eid beim Namen des Gurus oder des Erhabenen schwören. Ist es versehentlich geschehen,

25.120 erfülle man sorgfältig das Versprochene und vollziehe am Ende Verehrung, Japa und Feueropfer. Wird die Sache nicht erfüllt, um derentwillen der Eid geschworen wurde,

25.121 rezitiere man als Ausgleich den dreisilbigen Mantra tausendmal, Brahmane, opfere halb so oft im Feuer und verehre unter Fasten.

25.122 Wer verblendet, vom Guru befragt, einen solchen Eid eingeht, und der andere, der ihn in schlechter Gesinnung auferlegt: Beide gelangen in die Hölle.

25.123 Bei allen Vermischungen rezitiere der Mantrakundige zur Reinigung des Geistes den Löwenmantra so lange, bis der Geist klar und friedvoll wird.

25.124 Ebenso [verwende man] bei Diebstählen den Grundmantra, bei Schädigungen den Löwenmantra, Narada, und bei allen Reinigungen den Waffenmantra,

25.125 bei Eiden das Herz-Bija, bei erlaubten und unerlaubten Speisen den Waffenmantra, bei jeder Feindseligkeit Varaha und bei allen Befriedungen, Narada,

25.126 die vier Göttinnenmantras zur Reinigung des Geistes. Durch welche verkehrte Handlung auch immer

25.127 das eigene Selbst befleckt wird, Brahmane: Zu ihrer Besänftigung rezitiere und meditiere man den Grundmantra und opfere mit ihm, bis das innere Wesen wieder klar wird,

25.128 bis auch die öffentliche Missbilligung durch diese Reinigung aufhört. Durch Verfehlung und Beschuldigung gerät man in Verwirrung, Narada.

25.129 Durch die Kraft der Mantrarezitation zerfällt die Verfehlung hundertfach. Ein Mensch, der sich vom Schlechten abgewandt hat, leuchtet durch Meditation oder Askese,

25.130 durch heilige Badeorte, Mantrajapa, Verehrung und Feueropfer in der Welt wie die Sonne, die von Wolken frei geworden ist.

25.131 Deshalb vollziehe man Ausgleich, um Verfehlung zu beseitigen, um schlechten Ruf ganz zu besänftigen und damit der Dharma in der Welt bestehen bleibt.

Narada sprach:

25.132 Wenn bei Hausleuten die Mantras in Kultbildern und anderen Trägern Schaden erleiden, durch Könige, Feinde, Wasser, Menschen oder Räuber,

25.133 was sollen die Verehrer tun, die von Furcht vor dem Daseinskreislauf bedrängt sind? Sage es, Herr der Götter! Denn anderswo hast du gesagt: Der Mantra, in Schrift und Gebetskette bezeichnet,

25.134 im Bild, in der Glocke und in anderem Verehrungsgerät gegenwärtig, wird, wenn er nicht Tag für Tag nach der Ritualvorschrift verehrt wird,

25.135 zornig und verflucht rasch [den Übenden; unsichere Lesung]; dieser erlangt keine Vollendung. [Der Mantra] verursacht dann viele Krankheiten, Leiden, Schädigungen und Beunruhigungen.

Der erhabene Herr sprach:

25.136 Die in Bildern und anderen Trägern eingesetzten Mantras gewähren einem Menschen, der seine Übung vollzieht, stets Gegenwart, besonders dem innerlich Gereiften.

25.137 Die von Lehrern einst in solchen Trägern erweckten Mantras kehren bei einer entstandenen Störung auch ohne eine Entlassungsvorschrift

25.138 aus eigener Kraft und Wirkungsmacht in ihren Ursprung zurück. Durch die Beschädigung ihres Trägers wird jedoch die Lebenszeit des Menschen beeinträchtigt.

25.139 Zur Besänftigung dieses großen Fehlers ist Folgendes zu vollziehen, Weiser. Geschieht dies bei jemandem, der anwesend und nicht selbst bedrängt ist,

25.140 beginne er von diesem Tag an sorgfältig mit der Selbstdisziplin. Oder er beginne an dem Tag, an dem er davon erfährt.

25.141 Fehlt ihm die Kraft oder die Freiheit dazu, rezitiere er täglich nach Vermögen und hingebungsvoll den eigenen Mantra,

25.142 bis der erste Tag der Monatshälfte kommt. Von diesem Tag an vollziehe er elf Tage [die folgende Übung], ohne zu essen oder nur Milch und Butter zu sich nehmend,

25.143 oder ein wenig Früchte und Wurzeln. Er schlafe auf dem Boden, vollziehe Körpernyasa und widme sich unermüdlich Meditation, Mandala, Verehrung, Japa und Feueropfer.

25.144 Sind die elf Tage vergangen, ehre er hingebungsvoll zwölf Lehrer, die ganz vom Erhabenen erfüllt sind. Dann bringe er zwölf Arten von Gaben dar,

25.145 jede nach Vermögen und mit den erforderlichen Mitteln: Kühe, Nahrung, Gold, Edelsteine, Dörfer, Silber, Sesam,

25.146 Getreide, Elefanten, Pferde, Gewänder sowie süße Säfte und dergleichen. Fehlen Elefanten und Pferde, fertige man solche aus Gold und Silber.

25.147 Dies gilt für fähige Verehrer mit Vermögen. Für Menschen mit geringen Mitteln und Kräften [genügt] eine kleine nächtliche Mahlzeit, ohne völlige Sättigung,

25.148 mit Dickmilch, Milch und Butter versehen, und [Gaben an] Kühe und Vishnuverehrer [unsichere Lesung], ferner Gold- und Sesamspenden am zwölften Tag.

25.149 Danach nehme man in deren Gegenwart die Geräte erneut an, nach der zuvor genannten Vorschrift und nach erteilter Erlaubnis.

25.150 Bei Brahmacharins, Waldbewohnern und Entsagenden entsteht Reinheit schon durch Bad, Meditation, Sauberkeit und dreißigtausend Rezitationen.

25.151 Andernfalls gerät man durch die Verfehlung in einen gefallenen Zustand. Denn der Verlust der Geräte entsteht [nach der Deutung des Textes] nicht ohne vorausgehende Verfehlung.

25.152 Dadurch wird vielmehr eine in früherer Geburt erworbene Verfehlung abgetragen, deren Wirkung bei Verehrern große geistige Bedrängnis hervorruft.

25.153 [Satzanschluss beschädigt; der Vers nennt einen Todeszeitpunkt beziehungsweise eine Herkunft und weitere zu ehrende Lehrer.] Bei einem Vaishya sind drei zusätzliche [Lehrer] zu verehren [unsichere Lesung].

25.154 Bis zu [einer nicht sicher lesbaren Grenze] verdoppele man jeweils die Rezitation. Für denjenigen, dessen Ansehen in der Welt und in der Versammlung angesehener Menschen öffentlich bekannt ist,

25.155 ist dies zur Besänftigung von schlechtem Ruf und Unheil erklärt. Denn öffentliche Missbilligung gilt bei Selbstbeherrschten als tadelnswert.

25.156 Was aber hat ein vollkommen Vollendeter mit der Welt zu schaffen, bester Weiser? Wenn der Verlust seiner Geräte nicht einmal geringfügig öffentlich bekannt geworden ist,

25.157 soll er im Verborgenen den eigenen Mantra dreißigtausendmal rezitieren. Nach der für den Brahmacharin beschriebenen Vorschrift

25.158 stelle er seine Geräte erneut zusammen; dadurch erlangt er Frieden. Wenn verlorene Geräte wiedergefunden werden,

25.159 vollziehe man zur sorgfältigen Ausgleichshandlung [eine vorbereitende Weihe; Lesung verkürzt]. Wird nach vollständigem Verlust auch nur ein Teil der Mantra-[Geräte] wiedererlangt,

weihe man ihn, nehme ihn an, [vollziehe die vorgeschriebenen Handlungen], rezitiere den Mantra und übernehme ihn wieder.

So endet im heiligen Pāñcarātra, in der Jayakhya Samhita, das fünfundzwanzigste Kapitel mit dem Namen „Die Vorschrift des rituellen Ausgleichs“.


Kapitel 26 – Die Übung des Grundmantras

Die folgenden initiationsgebundenen Vorschriften dokumentieren historische Vorstellungen von Mantrawirkung und Siddhis. Dazu gehören Heilungs-, Beherrschungs- und Schadensrituale sowie alchemistische Stoffe; sie sind keine Empfehlung zur Nachahmung. Die behaupteten Wirkungen sind Aussagen des Textes. Das in Kapitel 25 ausgesprochene Verbot magischer Tötung bleibt daneben bestehen.

Narada sprach:

26.1 Du hast mir den Weg zur Befreiung, die Einweihung, der Reihe nach erklärt. Nun beschreibe mir auch den Weg zu den Früchten weltlicher und überweltlicher Erfahrung.

Der erhabene Herr sprach:

26.2 Höre die göttlichen Wirkungen des Mantrakönigs, guter Gelübdehalter. Ich werde sie kurz beschreiben: bei der Erschließung der Unterwelt

26.3 und bei der Erlangung von Schwert, Augensalbe, [weiteren unsicher überlieferten Gegenständen] und Zauberkugel. Der Übende sei selbstbeherrscht und den Mantragelübden hingegeben,

26.4 voll großen Eifers, von guter Lebensführung, standhaft und mit allen Tugenden ausgestattet. An verdienstvollen Stätten, heiligen Badeorten und Flusszusammenflüssen,

26.5 die von Göttern und Sehern besucht werden, wähle er seinen Aufenthaltsort. Er nehme reine Nahrung zu sich und meide [rituell unerlaubte] Vermischungen.

26.6 Standhaft und einsichtig, den Geist dem Mantra dargebracht, rezitiere der treffliche Brahmane dreihunderttausendmal nach der gesamten zuvor beschriebenen Vorschrift.

26.7 Unter Verzicht auf vielerlei andere Tätigkeiten [gelingt die Übung]; der wohlvollendete [Mantra] gewährt [seine Früchte]. Entsprechend eingesetzt bewirkt er rasch Beherrschung, Heranziehung und Tötung,

26.8 die Überwindung von Besessenheitsmächten, Fieber, Gift und Geisterwesen sowie die Schwächung aller Dakinis. Wie man den Mantraherrn

26.9 richtig einsetzt, höre mit gesammelter Aufmerksamkeit. Man gestalte ein göttliches Mandala und stelle einen Krug darin auf.

26.10 Nachdem man den Gott Janardana nach der früheren Vorschrift verehrt hat, lasse man den gereinigten Kranken vor ihm auf einem Sitz Platz nehmen.

26.11 Man weihe Blüten zusammen mit weißen Senfkörnern durch hundertacht Rezitationen und [verwende sie] mit beiden Händen am Kranken [Satzanschluss verkürzt].

26.12 In der eigenen Hand meditiere man ein dreieckiges Mandala mit dem Zeichen des Feuers. In dessen Mitte denke man den Herrn der Götter als Lichtgestalt,

26.13 mit leuchtendem Rad und Keule in den Händen, und bedrohe alle schädlichen [Geister]. Man zeige der betroffenen Person diese Hand; dies bewirkt rasch das Eintreten [des Geistes].

26.14 Bei ihrem Anblick treten alle Geister, von Furcht bedrängt, ein. Sobald man dieses Eintreten erkennt, vollziehe man die Muschelbindung.

26.15 Der Mantrakundige [vollzieht sie] mit dem Grundmantra, der mit dem Laut umschlossen ist. Mit durch den Waffenmantra geweihter Asche sichere er die Richtungen.

26.16 Mit dieser Waffenmantra-Asche berühre beziehungsweise schlage der Einsichtige [die betroffene Person rituell]; ebenso mit siebenfach besprochenem Kusha und weißen Senfkörnern.

26.17 Er bringe Guggulu-Räucherwerk dar, das dreimal besprochen wurde. Mit kühlem Wasser oder Schilfstäben, über denen siebenmal rezitiert wurde, vollziehe er die rituelle Berührung.

26.18 Dann bilde er die Jaya-Mudra und rezitiere den mit der Waffe verbundenen Mantra. Durch diesen Mantra bewirke er nach Wunsch die Bezwingung [des Geistes].

26.19 Mit der Keule schlage er auf den Kopf [in der rituellen Vorstellung; der folgende Wortlaut über Ohr und Hand ist beschädigt]. Oder er fertige aus Kuhdung ein Bild des Besessenheitsgeistes an.

26.20 Mit dem Rad schneide er dessen Glieder ab, wenn er nicht rasch loslässt. Sobald er sagt: „Ich lasse los“, lasse man ihn stets einen Eid ablegen.

26.21 Man gebe eine Bali-Gabe und entlasse ihn, nachdem Scheitel- und Richtungsbindung gelöst wurden. Durch Handlung, Geist und Sprache vollziehe man die Lösung.

26.22 Man meditiere den Mantra im Innern des Ṭha-Lautes, mit sechzehn Anteilen versehen, Nektar verströmend und einer Mondscheibe gleich.

26.23 So vergegenwärtige man ihn in der linken Hand und lege diese auf den Kopf der betroffenen Person. Den Leib des Kranken erfülle man mit diesem Nektar.

26.24 Auf diese Weise eingesetzt, nimmt [der Mantra nach der Textaussage] sämtliche Gifte hinweg. [Zur Beherrschung] gebe man siebenfach besprochene und mit Wohlgeruch bestrichene Blüten

26.25 mit der linken Hand in die rechte Hand von Frauen, mit der rechten Hand in die linke von Männern, bester Brahmane.

26.26 Durch die Wirkung dieses Mantras kommen sie sogleich unter seine Macht. Man meditiere den Mantra in der Mondscheibe innerhalb der Handfläche;

26.27 wem man diese Hand zeigt, den zieht man rasch unter seinen Einfluss. Nach dem zuvor beschriebenen Nyasa meditiere man eine liebliche Gestalt.

26.28 Tritt man so vor einen Zornigen, bringt man ihn rasch unter seinen Einfluss. Wem ein Blatt, eine Blüte oder eine Frucht gegeben wird, die dreimal besprochen wurde,

26.29 der kommt durch die Wirkung dieses Mantras rasch unter seine Macht. Mit Rocana und Safran oder mit Asche und Sandel

26.30 versehe man sich nach der Rezitation mit einem Stirnzeichen. Betritt man so den Königshof, empfängt man allein durch den Anblick große Ehrung, daran besteht [im Text] kein Zweifel.

26.31 Den Mantra meditiere man im Bereich des Windes, glänzend wie eine dunkle Wolke. Darin denke man die Zielperson haltlos, stark abgemagert,

26.32 in blauem Gewand, dunkel und leicht wie ein weißer Laut [unsichere Lesung], im Himmelsraum vom Nasenatem erfüllt.

26.33 Haltlos umhergewirbelt, wird sie bald vertrieben. [Zur Entzweiung meditiere man den Mantraherrn] im Feuerbereich, glänzend wie der Flügel eines Blauhähers.

26.34 Dann vergegenwärtige man an seinen beiden Füßen zwei Zielpersonen in Feuergestalt, die einander anblicken

26.35 und immer wieder heftig mit den Füßen gegeneinander treten. Durch bloße Meditation bewirkt man so Feindschaft, Brahmane, ohne Zweifel [nach der Textaussage].

26.36 In der Mitte der Sonnenscheibe meditiere man den Mantraherrn, Brahmane, glänzend wie ein aufgebrochener Königsstein, mit dem Atem an der Nasenspitze

26.37 die leuchtende Zielperson aus weiter Ferne heranziehend. Wird der Erhabene bei der Heranziehung so meditiert,

26.38 zieht er die ganze Welt heran und gibt sie dem Übenden. [Zur Versöhnung] meditiere man den Mantra auf einem weißen Lotus, auf dem Vogel sitzend,

26.39 weißrötlich an Farbe. In seinen beiden Händen stelle man sich zwei gleichgestaltige Zielpersonen vor, die [ihm] zufallen,

26.40 mit frohem, zufriedenem und klarem Herzen, damit Zuneigung entsteht, bester Weiser. Durch dieses Verfahren führt der Mantrakönig selbst

26.41 Feuer und Wasser auf einen gemeinsamen Weg; um wie viel mehr Menschen! [Zur Tötung] vergegenwärtige man den Herrn auf einem Rad zwischen Wind- und Feuerbereich,

26.42 schwarzrot, und die Zielperson unter seinen Füßen niedergeschlagen, durch rasch geschleuderte Räder heftig zerdrückt, wie leblos.

26.43 Man meditiere sie ihrer Kraft beraubt und mit geschlossenen Augen. So wird der Gegner des Übenden bald getötet [nach der Wirkungsbehauptung des Textes].

26.44 [Zur Stillstellung meditiere man den Herrn] im Mahendra-Mandala, dem Erdbereich, wie Safranwasser leuchtend, mit beiden Füßen die im Yantra befindliche Grundlage niederdrückend.

26.45 So stellt der Übende rasch still, wen er will. [Zur Stärkung meditiere man] den gelben Herrn mit gelbem Gewand in der Mondscheibe,

26.46 aus dessen Mund Nektar strömt. Diesen Nektar schaue man durch die Scheitelöffnung eintreten und in das Herz der Zielperson gelangen, bester Brahmane.

26.47 Von dort aus vergegenwärtige man sämtliche Körperglieder als davon durchdrungen. Durch dieses Verfahren wird der Mensch dauerhaft kräftig.

26.48 [Zur Befriedung] denke man ihn zwischen zwei weißen Lotusblüten, vollkommen und mondglänzend; eine [Blüte] oberhalb des Ungeborenen, die andere darunter.

26.49 In der Mitte ruht er frei, wie ein nächtlicher Tautropfen, und verströmt aus seinem Leib kühles, milchgleiches Wasser.

26.50 Man meditiere die darunter befindliche Zielperson als damit übergossen. So entsteht vollständige Befriedung für jeden, für den man sie wünscht, Brahmane.

26.51 Zuerst meditiere man den Mantra wie Safranwasser leuchtend im Vollmond, Brahmane, Nektar aus seinem Mund verströmend.

26.52 Diesen [Nektar] schaue man weißgelblich. Sich selbst oder den Kranken stelle man sich davor vor, mit beiden Händen davon trinkend.

26.53 Durch die Wirkung des Mantrakönigs entsteht beständige Stärkung beziehungsweise Zufriedenheit [Lesung unsicher]. So ist die Frucht der zuvor genannten Rezitation kurz erklärt.

26.54 Entsprechend eingesetzt vollzieht er auch hier nicht genannte Wirkungen. Bei der jeweiligen Anwendung ist sorgfältig das Wort für die gewünschte Handlung einzufügen,

26.55 mit wiederholtem „Tu!“ verbunden und durch Meditation erfüllt. Durch das Doppelte der zuvor genannten Rezitation erlangt man Vollendung.

26.56 Man begebe sich zum Eingang einer Höhle und bestreiche einen Opferplatz. Dort verehre man den Mantra vorschriftsmäßig und vollziehe gesammelt ein Feueropfer,

26.57 mit buttergetränktem Sesam, ferner Guggulu, mit Brennhölzern milchsaftführender Bäume oder, wenn diese fehlen, mit Durva-Stängeln.

26.58 Nach hunderttausend Opfergaben erlangt man rasch die Vaikhari-Siddhi. Man durchbricht die Schutzvorrichtungen der Wesen und betritt die vorzügliche Höhlenwelt.

26.59 Nach dem Trinken des göttlichen Verjüngungselixiers besitzt man Narayanas Kraft und weilt mit jungen Frauen in einem Lustbereich bis zur Auflösung der Elemente.

26.60 Auf ebenem, bestrichenem Boden zeichne man mit Rocana und Safran ein dreißig Aṅgulas langes Schwert, deutlich, vollständig und anmutig.

26.61 Dort verehre man Janardana nach der früheren Vorschrift, lege die Hand an die Stelle des Griffs und rezitiere gesammelt hunderttausendmal,

26.62 maßvoll in Nahrung, Bewegung und Schlaf, ohne Ermüdung, bis das Schwert sich erhebt. Dann ergreife man es mit der Faust.

26.63 Wer es ergriffen hat, wird zum Herrn aller Vidyas und erlangt die Weltherrschaft über sämtliche Vidyadharas.

26.64 Man verehre den Mantraherrn nach der früheren Vorschrift, nehme Rocana in einer Muschelschale und [halte sie] mit der Muschel-Mudra.

26.65 Man rezitiere den Mantra so lange, bis sie Flammen entsendet. In deren Mitte erscheint eine schöne, nach Wunsch ihre Gestalt wandelnde junge Frau.

26.66 Sie sagt: „Ich bin vollendet; lass mich die von dir gewünschte Aufgabe erfüllen.“ Nach demselben Verfahren vollende man auch Augensalbe und andere [Zaubermittel].

26.67 [Für die Zauberkugel nehme man] Rocana, Safran, Auripigment, Realgar und als fünften Bestandteil die Pflanze Cakranka.

26.68 Man mahle sie fein und vermische sie mit den drei süßen Stoffen. Am elften Tag verehre man den Mantraherrn im Mandala.

26.69 Dort vollziehe man die vorbereitende Weihe der Kugel in einer Yantra-Kapsel nach dem Verfahren des weißen Arka. Am zwölften Tag rezitiere der Mantrakundige

26.70 hunderttausendmal; dann ist sie vollendet. Mit ihr in der Hand [bewegt sich] der Mantrakundige nach der Vorschrift im Himmelsraum,

26.71 in der Unterwelt, auf der Erde und in den Städten der Weltenhüter, wie Vishnu mit dem Rad in der Hand, von allen Gottheiten unangreifbar.

26.72 So wird der treffliche Übende durch die Wirkung dieses Mantras. [Für eine weitere Siddhi] bringe man einen jungen Brahmanen oder Kshatriya herbei, ohne Wunden und mit günstigen Merkmalen,

26.73 der seit einem Tag tot ist. Man bringe ihn in ein leeres Haus, wasche und verehre ihn.

26.74 Der Mantrakundige verehre vorschriftsmäßig den Mantra im Mandala, setze den Leichnam aufrecht hin und rezitiere vor ihm.

26.75 Man berühre beziehungsweise schlage ihn rituell mit hundertacht Senfkörnern. Dann erhebt er sich rasch und spricht sich verneigend:

26.76 „Was soll ich heute für dich tun? Gib mir deinen Auftrag!“ Er legt dem Übenden vollendete alchemistische Substanz und ein Verjüngungselixier zu Füßen, Brahmane,

und gibt ohne Zögern auch alles andere, was dessen Herz wünscht.

26.77 Man nehme ein Seidentuch und zeichne darauf eine Yakshini,

26.78 mit allem Schmuck versehen, schön und so, wie das Herz sie wünscht. Zuvor verehre man den Mantra nach der beschriebenen Vorschrift.

26.79 Fastend bringe man um Mitternacht Räucherwerk mit Guggulu dar. Sieben Tage verfahre man so und rezitiere jeweils zehntausendmal.

26.80 In der siebten Mitternacht bewegt sich das Tuch unter einem Laut. [Die Yakshini] steht leibhaftig da, bester Brahmane, mit Schönheit und Macht ausgestattet.

26.81 Bleibt der Mantrakundige unerschüttert, steht sie ihm zur Verfügung. Sie fragt: „Soll ich deine Mutter, Schwester oder Frau sein?“

26.82 Mit zweifelsfreiem Geist soll er ihr sagen, was er wünscht. Die so gewonnene [Yakshini] vollendet rasch alle Aufgaben des Mantrakundigen.

26.83 Nimmt er sie als Ehefrau an, bester Brahmane, gewährt sie vielfältige Wunscherfüllung in verschiedenen gewünschten Gestalten.

26.84 Als Schwester gibt sie stets unerschöpfliche Schätze und zeigt ohne Zögern die Bereiche zwischen Loka und Aloka,

26.85 dazu göttliche Heilpflanzen, vielfältige alchemistische Säfte und verschiedene Schriften, rasch zur Erlangung friedvoller Vollendung.

Als Mutter gewährt sie, vollständig gewonnen, die guten Vollendungen.

26.86 Wenn die Zeit der Schlacht gekommen ist, weihe man die Waffen durch den Mantra.

26.87 Gegen die feindlichen Soldaten [unsichere Lesung] weihe man Senfkörner mit jenem dreisilbigen Mantra, umschlossen vom Waffenmantra,

26.88 von feuriger Wirkkraft und von Flammenkränzen umgeben. Man trete der feindlichen Streitmacht entgegen, die Augen vor Zorn gerötet,

und werfe [die Körner] in das Heer; dadurch vernichtet man die gegnerischen Soldaten [nach der Textaussage].

26.89 Mit Rocana und Safran zeichne man [den Namen], in den der Mantra eingefügt ist [unsichere Lesung],

26.90 in die Mitte des Kaustubha mit seinen sechzehn Anteilen. Jeden einzelnen Anteil verbinde man zuerst mit Amrita, Brahmane,

26.91 und setze [die entsprechende Folge] der Nektaranteile darüber; oder auf Vishvapyaya, glänzend wie Mondstrahlen.

26.92 Außen zeichne man einen achtblättrigen Lotus samt Samenkapsel. Die Göttinnen und Gliedermantras schreibe man wie bei der Verehrung auf die inneren Blätter.

26.93 Durch Verehrung, Feueropfer, Meditation und Besprengen mit Sandelwasser hemmt man alle göttlichen [Einwirkungen] und hält die im Luftraum Wandelnden zurück.

26.94 Auf Birkenrinde geschrieben und in Milchwasser gelegt, beseitigt [dieses Yantra] überaus heftige Unheilszeichen und Schadenszauber.

26.95 Unter dem Mondhaus Pushya oder am zwölften Tag der hellen Monatshälfte zur Mittagszeit schreibe man es und umhülle es mit drei Metallen.

26.96 Wer es stets an Armen, Hals oder Kopf trägt, für den entsteht keine Furcht vor Gift, Waffen, Feuer oder Geistern [so die Schutzverheißung des Textes].

26.97 Mit Rocana und Sandel zeichne man auf Birkenrinde oder weißes Tuch ein zwölfspeichiges Rad mit Nabe und Radkranz.

26.98 In seiner Mitte zeichne man einen sechzehnblättrigen Lotus. Den dreisilbigen Grundmantra schreibe man darin, mit dem Namen umschlossen,

26.99 außen herum den zwölfsilbigen Mantra in kreisförmiger Anordnung. Dann schreibe man auf jedes Blatt

26.100 die Herz-Bijas der Göttinnen vierfach bis zum Bereich der Staubfäden, sodass sich an jeder Stelle eine Zahl von acht mal acht Bijas ergibt.

26.101 An jede Blattspitze schreibe man Pranava, Brahmane. Von den Blütenblättern an setze man [die Laute] von H

26.102 bis M der Reihe nach ein. Außerhalb des Lotus schreibe man Kopf, Scheitel und Schutzpanzer in die drei Nabenbereiche,

26.103 kreisförmig angeordnet. Auf die Speichen schreibe man den Waffenmantra zwölfmal, Brahmane; in die jeweiligen Zwischenräume

26.104 setze man den Augenmantra dreifach; im Radkranz verfahre man wie bei der Nabe. Dieses Yantra, bester Weiser, beseitigt alle Bedrängnisse.

Durch Tragen, Erinnern und Meditation gibt es nichts, was es nicht vollbringen könnte [nach der Textaussage].

26.105 Man zeichne einen zwölfblättrigen Lotus in das Innere einer Muschel,

26.106 mit Moschus, Kampfer und Safran. In die Mitte der Samenkapsel schreibe man den dreisilbigen [Mantra], verbunden mit dem Gestaltmantra,

26.107 kreisförmig und mit dem Namen in seiner Mitte. Auf drei Blätter schreibe man die drei Mantras von Narasimha an,

26.108 viermal wiederholt. Außen umwinde man den Lotus der Reihe nach mit den Mantras von Padma und den übrigen, wie mit Schlangenwindungen.

26.109 An der Mündung der Muschel setze man der Reihe nach die zehn Weltenhüter und ebenso viele Waffenmantras ein.

26.110 Dieses Yantra, bester Weiser, ist von allen Mantras bewohnt. Es gilt als alle Aufgaben erfüllend und alle Bedrängnisse vernichtend,

26.111 alle Krankheiten und Leiden beseitigend. Unter dem Mondhaus Pushya geschrieben, bringt es alles Glück hervor.

26.112 Oder man verehre es am zwölften Tag der hellen Monatshälfte vorschriftsmäßig und zeichne es im Rahmen einer Besprengungsweihe für befriedende und stärkende Zwecke.

Zum Schutz vor allen Geisterwesen ist es überall und jederzeit einsetzbar.

26.113 Durch Darbringung von hunderttausend Opfergaben aus schwarzem Sesam

26.114 verehre man ein Jahr lang. Am Ende des Feueropfers bringe man mit dem Opferlöffel sorgfältig zwölfhundert Buttergaben dar, großer Weiser.

26.115 Dann gewährt der Erhabene alles, was das Herz wünscht. Wer elftausend Lotusblüten, Narada,

26.116 mit Butter getränkt an einem einsamen Ort opfert, dem lässt er Lakshmi sogleich aus dem Wasser emporsteigen und gewährt sie ihm.

26.117 Wer zehntausend buttergetränkte Bilva-[Gaben] im Feuer darbringt, dem gewährt dieser Mantraherr rasch großen Reichtum,

26.118 Dörfer, Pferde und Gold; er zeigt Getanes und Ungetanes, [gewährt] Lebensdauer, Söhne, Gesundheit und allseitiges Glück.

26.119 Vor welcher Gottheit man diesen Mantraherrn rezitiert, die gewährt einem, erfreut, sämtliche Wünsche.

26.120 Durch Mantravollendung gewonnen und durch Verehrung sowie Feuerhandlung erfreut, wirkt der Mantrakönig [entsprechend].

26.121 Was es auch an gewöhnlichen Aufgaben auf Erden gibt: Durch bloßes Erinnern gewährt er den Übenden rasch alles.

26.122 Noch etwas werde ich sagen; vernimm es, bester Weiser: die Wirkkraft, Größe und Machtfülle des Mantrakönigs.

26.123 Wer ihn gründlich verehrt, erkannt, meditiert oder auch nur einmal erinnert hat, bei dem entfaltet sich höchste, göttliche und menschliche Vollendung.

26.124 Keinen Mantra gibt es, der diesem Mantrakönig gleicht, um Glück und Wohlergehen zu erlangen und die Befreiung zu verwirklichen.

26.125 Wer diesen Mantraherrn rezitiert, ganz der Hingabe und dem Vertrauen zugewandt, mit dem Geist bei ihm an einem einsamen Ort, erlangt alle Wünsche.

26.126 Was nützen ihm dann selbst Hunderte Millionen anderer Mantras, bester Brahmane? Wem dieser im Herzen wohnt, dem gleicht er einem wunscherfüllenden Juwel.

26.127 Er gewährt sogleich alle Wünsche und am Ende des Körpers auch Befreiung. Durch Rezitation dieses Mantraherrn erlangt man alle Wünsche.

26.128 Auch unter Hunderten Millionen Mantras gibt es keinen seinesgleichen. Hat man diesen vorzüglichen Mantra erlangt, schüttle man alles Fruchtbare und Fruchtlose ab.

26.129 Wie ein wunscherfüllendes Juwel in der Welt alles Ersehnte gibt, so gewährt dieser Mantraherr dem Übenden,

26.130 wenn er stets gründlich verehrt wird, alles Diesseitige und Jenseitige. Nach hunderttausend mal zehntausend mal zehntausend Rezitationen, auch ohne Verehrung, Feueropfer und anderes,

26.131 gewährt der Mantrakönig am Ende des Japa die Fähigkeiten des Winzigwerdens und die übrigen Siddhis, Brahmane. Mit Pranayama und anderem verbunden, ganz Dharana und Dhyana hingegeben,

26.132 rezitiere man beständig Hunderttausend um Hunderttausend, auch ohne Feueropfer und äußere Verehrung. Man schaut den Herrn der Götter, Vishnu in seiner höchsten Gestalt, unmittelbar.

26.133 So sind die Wirkungen des Mantraherrn überblicksartig erklärt, Brahmane, um die Hingabe der trefflichen Übenden zu fördern, ohne übermäßige Ausführlichkeit.

Es gibt nichts, was der zufriedengestellte Mantraherr nicht vollbringen könnte.

So endet im heiligen Pāñcarātra, in der Jayakhya Samhita, das sechsundzwanzigste Kapitel mit dem Namen „Die Übung des Grundmantras durch den Übenden“.


Kapitel 27 – Die Mantraübung der göttlichen Kräfte

Die folgende Darstellung der vier Göttinnen Lakshmi, Kirti, Jaya und Maya gehört zum initiatorischen und historischen Ritualzusammenhang. Alchemistische und magische Wirkungen werden als Verheißungen des Textes wiedergegeben.

Der erhabene Herr sprach:

27.1 Vernimm nun der Reihe nach die Übung von Lakshmi und den übrigen [Göttinnen], Weiser, sowie die vielfältigen Wirkungen ihrer Mantras.

27.2 Ananta, darüber die Vierergruppe von Dharma an, ferner der Lotus mit den drei Lichtstätten:

27.3 Dies ist bei der Verehrung stets der gemeinsame Sitz für die gesamte Mantraschar. Auch die Eingangsverehrung, die Verehrung Ganeshas und der übrigen, bester Weiser,

27.4 sowie die Verehrung der Weltenhüter und ihrer Waffen sind überall vorgeschrieben. Bei der Verehrung der vier Göttinnen und der sechs [Gliedermantras] von Herz an,

27.5 ebenso bei Narasimha, Kapila und Varaha, verehre man [sie], Brahmane. Vishvaksena jedoch ist nicht anderswo zu verehren.

27.6 Welchen Mantra ein auf Vollendung gerichteter Mantrakundiger auch verehrt: Diesem erweise er die Dienste jeweils mit dessen eigenem Herzmantra.

27.7 Die zuvor genannten allgemeinen Dienstmantras soll er dabei nicht einsetzen. Auch die Gebetskette beim Japa soll nicht vom Grundmantra [einer anderen Übung] umschlossen sein.

27.8 Man weihe und verbinde vielmehr eine andere mit dem jeweiligen Mantra. Für alle Mantras gemeinsam gelten das zuvor beschriebene Räuchergerät und die Glocke,

27.9 das Opferhaus, die Feuergrube und beide Opferlöffel, bester Weiser. Nun erkläre ich die sechs Glieder, zuerst für Lakshmi,

27.10 dann die vier Bija-Mantras ihrer vier Gefährtinnen und die der vier Begleiter, jeweils in ihrer Ordnung.

27.11 Man nehme Pundarika, setze Dharesha darunter, darunter Feuer und verwende diese Verbindung sechsmal.

27.12 Der Reihe nach füge man beim ersten Ānanda hinzu, dann Vishnu, Urja, Aishvarya, Bhudhara und Parameshvara.

27.13 Auf alle setze man Candri mit Vyomesha. Dies sind die sechs [Mantras] von Herz an. Höre nun von den Gefährtinnen.

27.14 Man nehme Satya allein, dann Varuna auf diesem, Soma mit Maya und Varuna mit Rama geschmückt.

27.15 Auf den Kopf jedes [Lautes] füge man der Reihe nach Candri und Vyapin. Die Gefährtinnen sind Riddhi, Vriddhi, Samriddhi und Vibhuti: Gedeihen, Wachstum, Fülle und Herrlichkeit.

27.16 L steht auf Adideva, Soma auf Bhuvana. Zweimal nehme man Amrita, verbunden mit Bhudhara.

27.17 Diese Vierergruppe versehe man wie zuvor mit dem Kopf[zeichen]. [Die Begleiter heißen] Lavanya, Subhaga, als Dritter Saubhagya

27.18 und als Vierter Saumanasya: Anmut, Glück, glückliches Gedeihen und Wohlgesinntheit. Bei allen steht zuerst Pranava, danach der Name, mit Svaha beziehungsweise Namas folgend.

27.19 Man gestalte den zuvor beschriebenen quadratischen Bezirk mit vier Toren. In seiner Mitte zeichne man einen achtblättrigen Lotus, weißrötlich leuchtend,

27.20 und in die Ecken vier weiße Svastikas. Zuerst [vollziehe man den Nyasa] als alldurchdringend, vom Handgelenk, vom Gesicht und den entsprechenden Stellen an,

27.21 indem man allein den Grundmantra in Hand und Leib einsetzt. Danach beginne man mit beiden Händen und setze ebenso den Lakshmi-Mantra ein.

27.22 Seine Glieder von Herz an setze man in Hand und Leib ein. Danach die Vierergruppe der ihr folgenden Göttinnen,

27.23 an der Hand vom Zeigefinger an; danach im Leib auf Scheitel, Herzmitte, beide Oberschenkel und beide Knie.

27.24 Die vier von Lavanya an setze man in beiden Händen vom Ringfinger bis zum Daumen ein, danach im Körper, Narada,

27.25 auf der rechten und linken Schulter und an beiden Flanken. Nach dem vorschriftsmäßigen Nyasa verehre der Wohlstand Suchende im Herzen

27.26 allein den Lakshmi-Mantra durch das Auflösungsopfer. Nach dem rituellen Anschauen und den übrigen Handlungen setze man äußerlich

27.27 auf der Lotusmitte den Grundmantra samt Gestaltmantra ein, Narada: den Herrn mit gegliedertem und ungegliedertem Leib, dessen Wesen alle Mantras sind.

27.28 Auf seinen Schoß lasse man Lakshmi durch ihren eigenen Mantra herabkommen, entsprechend der zuvor beschriebenen Meditation, zur Erlangung von Lebensfülle und Befreiung.

27.29 In Südosten, Nordosten, Nordwesten und Südwesten [setze man] die vier [Gliedermantras] von Herz an, den Augenmantra im Kreis der Staubfäden ein.

27.30 Auf die Blätter vorn, rechts, hinten und links setze man der Reihe nach die Vierergruppe von Riddhi an [Lesung unsicher], zweiarmig und ihr ähnlich,

27.31 hell wie ein Lotus, mit Shri-Baum und Wedel versehen [unsichere Lesung], auf Lotusblüten sitzend und ihr Gesicht betrachtend.

27.32 Auf den Svastikas in den Ecken, vom Nordosten an, setze man die vier von Lavanya an ein: gelb und vierarmig,

27.33 mit blauen Seidengewändern, Lotus und Krug in den Händen, einer Lotusfahne und einem unbefleckten, fruchttragenden Baum.

27.34 An den Toren in den vier Richtungen setze man den Waffenmantra ein und verehre wie zuvor. Die Wohlstand spendende Göttin Lakshmi, mit dem Grundmantra verbunden, Brahmane,

27.35 [verehre man durch] Rezitation und danach Feueropfer mit buttergetränktem Sesam und ungebrochenem Reis, Āmalaka- und Bilva-Früchten, geröstetem Mehl, Puffreis und Lotusblüten,

27.36 nach Vermögen und ohne feste Begrenzung der Zahl. Nach dem Feueropfer nehme der fest entschlossene Übende Lakshmis Gestalt an,

27.37 ernähre sich rein, beherrsche die Sinne und rezitiere fünfhunderttausendmal. Am Ende des Japa opfere er der Reihe nach Bilva-Früchte und Lotusblüten,

27.38 mit Milch, Honig und Butter getränkt, jeweils zehntausendmal. Nach dem Feueropfer gewährt die höchste Herrin ihre Schau, Brahmane:

27.39 „Mein Sohn, ich bin für dich gewonnen. Sage, was dein Herz wünscht! Vollziehe mit meinem Mantra alle von dir gewünschten Aufgaben,

27.40 von heute an ohne Zweifel und frei von der Bedrängnis der Gegensätze.“ So spricht die Göttin und kehrt dorthin zurück, woher sie kam.

27.41 Dann vollziehe der Übende die von Lakshmi genannten Handlungen. Zufrieden gewährt er Bittenden, die nach Mitteln verlangen, den gewünschten Wohlstand.

27.42 Zornig macht er einen Herrscher durch ein bloßes Wort mittellos. Durch einmalige Meditation und Mantrajapa macht er Gold rein.

27.43 Er fülle einen Krug mit Wasser, Milch oder Honig, halte ihn in der rechten Hand und lege die linke darüber.

27.44 Mit Meditation verbunden rezitiere er den Mantra hundertachtmal, mit dem Wunsch nach dem alchemistischen Saft, einspitzig und gesammelt.

27.45 Das Wasser im Krug wird zum König der Säfte. Dieser Saft vermag hunderttausendfach [Metall] zu verwandeln und [wirkt auf] Waffen und anderes, Brahmane.

27.46 Er macht den Körper alterslos und frei von Alter und Krankheit. Zuerst nehme man einen Stein von Daumengröße

27.47 in die rechte Hand und einen von der Größe einer Jujubenfrucht in die linke. Beide Fäuste weihe man durch zweihundertsechzehn Rezitationen.

27.48 Der Stein in der rechten Hand wird zum Edelstein, der in der linken zur Perle; beide sind von hohem Wert.

27.49 Welche Edelsteinart man wünscht, zu dieser wird er. Ebenso wird die Perle zu der Gestalt, die man sich vorstellt.

27.50 Man nehme einen Knochen von Kuh, Elefant oder Pferd in die Hand und weihe ihn fünfzigmal; dann wird er zur Koralle.

27.51 Zinn, Blei oder Eisen werden nach hundertfacher Weihe zu Kaladhauta [Gold beziehungsweise Silber] oder zu reinem Silber.

27.52 Was immer er nimmt und was immer er wünscht, bester Brahmane, ob zornig oder zufrieden: Genau dies bewirkt er, nicht anders.

27.53 So können steinerne Dinge eine andere Beschaffenheit annehmen. Welche Fülle jemand im Geist erstrebt,

27.54 die gewährt [die Göttin] ihm rasch: Geld, Getreide, Kühe und anderes. Wer den Lakshmi-Mantra nach der Ordnung von Verehrung und Nyasa auf Birkenrinde schreibt,

27.55 mit Rocana und Safran, und ihn in Gold gehüllt stets am Körper trägt, Narada,

27.56 dessen Lebensdauer und Wohlstand wachsen; er wird zu einer großen Zuflucht für alle Wesen und empfängt große Ehrung, wo immer er eintritt.

27.57 So ist die Verehrung für Menschen, die Wohlstand wünschen, kurz erklärt. Vernimm nun das Verfahren des Kirti-Mantras.

27.58 Man schreibe Kamala sechsmal, auf dem Feuersitz ruhend, und versehe ihn mit dem Kopf[zeichen] wie die Gliedergruppe Lakshmis, Brahmane.

27.59 Beim Waffenmantra lasse man dieses Zeichen überall weg. Dann [nehme man] Shantida, Soma, Mardana und Shankara,

27.60 schreibe diese vier der Reihe nach auf Kalapavaka und setze bei jedem auf den Kopf Vyapin, Candri und Maya.

27.61 Dyuti, Sarasvati, Medha und Dhriti bilden Kirtis Gefährtinnenschar: Glanz, Sprachkraft, Einsicht und Beständigkeit. [Für die Begleiter nehme man] Varuna mit Ānanda, Aprameya allein,

27.62 Pavitra auf Feuer und Sragdhara ebenso, von Ānanda überdeckt. Auf den Kopf aller vier setze man

27.63 der Reihe nach Vishvapyayakara und Vyapin. Die Begleiter heißen Vagisha, Abhaya, Prasada und Trana: Herr der Sprache, Furchtlosigkeit, Gnade und Schutz.

27.64 Nyasa, Verehrung im Herzlotus und alles Übrige sind wie zuvor zu verstehen. Man gestalte das frühere Mandala; in seiner Mitte jedoch

27.65 fertige man einen weißgelben Lotus. Darauf setze man Kirti auf den Schoß des Herrn, Herz und übrige [Glieder] wie zuvor.

27.66 Höre der Reihe nach die Meditation der Gefährtinnen und Begleiter. [Die Gefährtinnen] sind zweiarmig, goldfarben, Kirti ähnlich und lächeln,

27.67 mit einem schönen Buch in der linken und einem Wedel in der rechten Hand. Man meditiere sie [auch] in der Farbe der Kimshuka-Blüte, von lieblicher, bezaubernder Gestalt.

27.68 Die vier Begleiter sind vierhändig und weiß gekleidet. In ihren beiden vorderen Händen, links und rechts, vergegenwärtige man

27.69 eine Muschel, die wie hundert Monde leuchtet, und einen großen Kadamba-Baum mit schönen Blüten und Bienen. Höre von den beiden anderen Händen:

27.70 links ein vollmondgleicher Spiegel, rechts ein schöner Pfauenfächer, Brahmane. Nach dieser Meditation verehre man sie.

27.71 Man bringe Arghya, Blüten und die übrigen Gaben vollständig dar und opfere nach Vermögen buttergetränkten Sesam mit Duftstoffen und Räucherwerk.

27.72 Nach dem Feueropfer nehme man mit Blüten, Augensalbe und Gewändern die Gestalt der Göttin an. An einem einsamen Ort verweile man schweigend und lebe von Wurzeln und Früchten.

27.73 Der Mantrakundige rezitiere dreihunderttausendmal. Am Ende vollziehe er hunderttausend Feueropfer mit Reis, der mit Sesam vermischt ist, bester Brahmane,

27.74 mit Butter einer braunen Kuh und mit Milch, Narada. Von Butter und den weiteren Stoffen opfere er jeweils tausendmal.

27.75 Danach gebe er die volle Opfergabe mit Milch und Butter. Sobald sie dargebracht ist, kommt die höchste Herrin,

27.76 steht vor dem Übenden und spricht: „Gut, gut! Komm, komm in die höchste Stätte; verlasse diese aus Elementen bestehende Stadt!

27.77 Genieße die höchsten Freuden, groß und im Bereich der [göttlichen] Sinne gegenwärtig. Vollziehe mit meinem Mantra jede Handlung, Übender!“

27.78 So spricht die Göttin und geht in den Himmel. Mit dem Kirti-Mantra vollziehe der Übende nun die gewünschten Aufgaben.

27.79 Was immer er jemandem gibt, wird für diesen unerschöpflich. Dadurch gewinnt er Ruhm, solange Mond, Sonne und Sterne bestehen.

27.80 Ob er sich unter heftigen Menschen verständlich macht oder in einer Versammlung spricht: Er erlangt großen Ruhm,

27.81 überragt alle und gelangt zu hervorragender Stellung. Zur Zeit einer Hungersnot bespreche er ein kleines Gefäß mit gekochter Speise;

27.82 daraus gebe er beliebig vielen Menschen beliebig viel zu essen, Brahmane, sieben Tage und Nächte lang, ohne dass es sich erschöpft.

27.83 So gewinnt er großen Ruhm bis zur Auflösung der Elemente. Bei allgemeinem Überfluss gebe er nur ein winziges Stück Gold,

27.84 nachdem er es vorschriftsmäßig tausendmal besprochen hat. Es wird reichlich und wird den Bittenden ausgeteilt,

27.85 vierzehn Tage ununterbrochen, ohne sich zu erschöpfen. Dadurch erlangt er großen und dauerhaften Ruhm, Brahmane.

27.86 Man nehme einen Wasserkrug aus der Wohnstatt eines Nagakönigs, Brahmane, gehe in die Wüste und setze ihn dort in eine Bodenvertiefung

27.87 oder auf einen Berggipfel, nachdem man ihn tausendmal besprochen hat. Der Schlangenherrscher samt seinen Begleitern, Brahmane,

27.88 bleibt dort und bewahrt das Wasser, solange die Erde besteht. Dadurch erlangt [der Übende] großen Ruhm in der Welt, Narada.

27.89 Wenn zur Keimzeit der Saat der Gott keinen Regen gibt, nehme man einen mit Teichwasser durchfeuchteten Erdklumpen in die Hand.

27.90 Diesen, in der Mitte feucht [unsichere Lesung], bespreche man dreihundertmal, erwärme ihn durch den Atem aus dem Mund und erinnere den Mantra.

27.91 Man werfe ihn in den Himmel; dort wird er zur Wolke. Diese Regenwolke erfüllt die ganze Erde mit Wasser.

27.92 Auf seine Anweisung bleibt jener Wolkenkönig so lange in dem Land, bis der gesamte benötigte Regen gefallen ist.

27.93 Dadurch erlangt er großen Ruhm in den drei Welten. Er erfüllt jedem dessen Herzenswunsch, bester Brahmane,

27.94 durch die Wirkung des Mantrakönigs und die Gnade Acyutas. Schreibt man [den Mantra] wie zuvor und bindet ihn in das Gewand oder an den rechten Arm,

27.95 erlangt man großes Gedeihen, vollen Ruhm und Sprachkraft. So ist das Verfahren des Kirti-Mantras kurz erklärt, Narada,

27.96 einzigartig und selbst den Nachkommen Wohlergehen gewährend. Vernimm jetzt das Jaya genannte Verfahren für Menschen, die sich Vishnu vergegenwärtigen.

27.97 Man nehme Shashvata sechsmal, jeweils auf Feuer ruhend, und versehe ihn wie zuvor mit den [Vokalen], um die sechs Glieder zu bilden.

27.98 [Für die Gefährtinnen nehme man] Ajita mit Vishnu, Varaha mit Rama, Vyapaka allein und Soma mit Rama.

27.99 Diese vier versehe man der Reihe nach wie zuvor mit dem Kopf[zeichen], Weiser. Die Gefährtinnen heißen Jayanti, Vijaya, als Dritte Aparajita,

27.100 als Vierte Siddhi: Siegreiche, Sieg, Unbesiegte und Vollendung. Höre nun von den Begleitern. [Man nehme] den auf [Ā] ruhenden Padmanabha und Shashvata allein, Brahmane,

27.101 danach Pradhana und Uddama. Auf diese setze man jeweils Vaineya mit Candri und Vyoman.

27.102 Pratapin, Jayabhadra, als Dritter Mahabala und als Vierter Utsaha [sind die Begleiter]: Machtglanz, glücklicher Sieg, große Kraft und Tatkraft. Den Nyasa vollziehe man wie zuvor.

27.103 Nachdem man den Weltenherrn [innerlich] verehrt hat, verehre man äußerlich. Man gestalte das Mandala wie zuvor und zeichne in seiner Mitte einen Lotus

27.104 mit Pulver in der Farbe eines blauen Lotus, achtblättrig [Lesung unsicher]. Darauf setze man Jaya auf Vishnus Schoß, [danach] Herz und die übrigen [Glieder].

27.105 Die übrigen Mantragruppen setze man in der jeweils zuvor genannten Folge ein. Höre kurz die Meditation aller.

27.106 Die von Herz und den übrigen [Gliedern] ist bereits beim Grundmantra erklärt. Die Gefährtinnen sind blau wie blaue Lotusblüten, mit freundlichen Gesichtern und Blicken,

27.107 alle in gelben Gewändern und mit goldenen Ohrringen, mit weißen Wedeln in den Händen, vielfältige Blätter und Früchte emporhaltend,

27.108 das Gesicht Jayas und des Unbesiegten betrachtend. [Die Begleiter] glänzen wie Knospen der Kunda-Blüte, ihre Lotusgesichter sind heiter,

27.109 sie tragen rote Gewänder, sind vierhändig und sehr stark, mit Bogen und Pfeilen sowie Keule und Rad, Brahmane.

27.110 Diese vier Begleiter meditiere man mit Blüten und Schmuck geziert. Danach verehre man hingebungsvoll und vollziehe das Feueropfer

27.111 mit Sesam, weißen Senfkörnern, Butter und Guggulu. Nach dem Feueropfer nehme man die Gestalt Jayas an, bester Brahmane,

27.112 erkenne „Ich bin Jaya“ und lasse dies im Geist gegenwärtig werden. Furchtlos begebe man sich an einen großen, menschenleeren Ort der Heldenübung.

27.113 Mit Schutzpanzer und Waffenmantra sichere man die Richtungen und wehre Schädliches ab. Danach beginne man die Rezitation und lebe stets von Milch, Reis und Früchten,

27.114 mit einem inneren Helfer verbunden, schweigend und der Meditation hingegeben. Zuerst neige man vor Hari unter dem eigenen Mantra den Kopf, Narada.

27.115 Man rezitiere vierhunderttausendmal; danach vollziehe man das Feueropfer. Die Brennhölzer seien eine Handspanne lang und aus rotem Sandelholz.

27.116 Davon opfere man zehntausend, mit Butter bestrichen; ferner zwanzigtausend Gaben aus weißen Senfkörnern, mit Honig vermischt, großer Weiser,

27.117 und dreißigtausend aus schwarzem Sesam, mit den drei süßen Stoffen vermischt. Am Ende bringe man drei volle Opfergaben dar,

27.118 der Reihe nach Honig, Milch und Butter, Brahmane. Dann erscheint die erhabene Jaya selbst, Brahmane:

27.119 „Mein Sohn, ich bin für dich ganz gewonnen. Vollziehe mit meinem Mantra deine gewünschte Aufgabe, ohne Zweifel und frei von Bedrängnis!“

27.120 So spricht die Göttin, deren Wesen Narayana ist, und wird unsichtbar. Danach vollziehe man vielerlei Handlungen,

27.121 die in dieser Welt für einen selbst oder für andere erwünscht sind. Davon werde ich einen Überblick geben; höre genau, Narada.

27.122 Der Übende meditiere die Göttin mit ihrem Mantra auf einem flammenden Ehrensitz. Bei welcher Angelegenheit er [gegen einen anderen] auftritt,

27.123 besiegt er ihn rechtmäßig und erlangt mühelos Sieg. Sieht man ein starkes feindliches Heer, voll von Elefanten, Pferden und Bewaffneten,

27.124 gegen einen anderen heranziehen, zum Töten in der Schlacht bereit, bespreche man Bogen, Schwert, Schild und fünf Pfeile.

27.125 Wem man sie übergibt und wen man damit aussendet, der geht an die Spitze des Heeres, zerschlägt [den Feind] allein und gewinnt dauerhaften Sieg.

27.126 Man meditiere in der rechten Hand das dreieckige Feuermandala und in dessen Mitte die Göttin samt ihrem Gefolge.

27.127 Diese [Hand] zeige man rasenden Elefanten, Löwen, Schlangen und Blitzen. Bei ihrem Anblick wenden sie sich rasch ab.

27.128 Man fertige eine Keule aus Khadira-Holz, bespreche sie hundertmal und gehe mit Menschen aus den vier Ständen zum Eingang einer Höhle.

27.129 Dort führe man behutsam acht Schläge mit der Keule aus, mit dem Göttinnenmantra, vom Waffenmantra umschlossen,

27.130 der auf Phaṭ endet, bester Brahmane. Dann sinkt die Verschlussvorrichtung der Höhle hinab. Mit sämtlichen Begleitern tritt der treffliche Übende [ein],

27.131 durchbricht viele Vorrichtungen, besiegt die vorzüglichsten Danavas und verbindet die Menschen dort mit Scharen schöner Frauen.

27.132 Der Kraftvolle gibt ihnen eigenhändig den alchemistischen Trank und kehrt auf demselben Weg in seine Wohnstatt zurück.

27.133 Entschließt sich der Mantrakundige, die drei Welten zu besiegen, bester Brahmane, [so erscheint er] ohne Zögern mit erhobener Keule und Rad,

27.134 oder Schlinge und Haken tragend, und erlangt Sieg, nicht anders. Man schreibe [den Mantra] in der entsprechenden Anordnung mit dichtem Safran auf Birkenrinde,

27.135 den Namen darin einschließend, und stelle [die Person] in die Mitte der Menschen. So erlangt sie stets spielend Sieg durch alle göttlichen [Kräfte].

27.136 Wer [den Mantra] mit Sandelsaft, Milch und Safran schreibt und ihn am Hals, im Gewand, am linken oder rechten Arm trägt,

27.137 der erlangt überall ohne Zweifel Sieg, Brahmane. Wo immer der Mantrakundige den Mantra zum Sieg einsetzt, bester Weiser,

27.138 dort erlangt er stets Sieg. So ist das Jaya-Verfahren kurz erklärt.

27.139 Nun werde ich das Maya genannte Verfahren in seiner Ordnung erklären. Man nehme Pradhana sechsmal, auf Kalapavaka ruhend,

27.140 und versehe ihn wie zuvor mit den Vokalen und dem Kopf[zeichen]. Dies sind die sechs [Mantras] von Herz an. [Höre] das Übrige, großer Weiser.

27.141 [Man nehme] Pradhana, Dhruva auf R, Damana [unsichere Lesung] und P auf Feuer. Allen füge man der Reihe nach Odana und Ānanda,

27.142 Bhuvana und Yogadhatri [Lesung yogaghātā] hinzu, bei allen vieren Vyapin und Candri. Mohini, Bhramani, Durga und Prerani, großer Weiser,

27.143 gelten als die vier Gefährtinnen Mayas, rot leuchtend. Mit Anmut, Wirkkraft, Schönheit und Glanz

27.144 gleichen sie Maya, tragen weiße Gewänder und weiße Salben, halten Wedel und Haken und sitzen im gebundenen Lotussitz.

27.145 [Für die Begleiter nehme man] Pradhana mit Gopana, danach denselben allein, dann Shankara und Kamala der Reihe nach ebenfalls allein.

27.146 Auf alle setze man Vyapin und Candri, Brahmane; vor jeden Oṃ, am Ende die jeweilige Bezeichnung mit Namas.

27.147 Mayamaya, Mahamoha, Shambara und Kalishvara sind die vier Begleiter. Man meditiere sie glänzend wie ein Bienenschwarm,

27.148 vierarmig, großleibig, mit milden, lächelnden Gesichtern, mit Oberarmreifen und Schmuck und mit gelben Gewändern,

27.149 mit Halsketten und Fußringen, vielfältigen Blumen und weißem Kampferstaub, Schwert und Schlinge emporhaltend,

27.150 in den anderen Händen Pfeil, Bogen und Schirm [die Verteilung auf vier Hände bleibt im Wortlaut unklar]. So ziehe man die Folge der Maya-Mantras vorschriftsmäßig hervor.

27.151 Man setze sie wie zuvor in die eigenen Hände, dann in den Leib ein, verehre sie im Herzen und lasse sie äußerlich herabkommen.

27.152 [Maya] ist auf den Schoß der Mantragestalt zu setzen, alle Glieder und übrigen [Gestalten] wie zuvor. Nach der vorschriftsmäßigen Verehrung zeige man ihre eigene Mudra.

27.153 Sie gilt auch für die vier zuvor genannten [Göttinnen], obwohl diese verschieden sind. Die zusammengehörige Folge der Mudras aller Gottheiten

27.154 samt ihren Gliedern erkenne als die beim Grundmantra erklärte. [Es gibt ferner] eine gemeinsame Mudra für die sechzehn Gefährtinnen, Narada,

27.155 jeweils mit dem eigenen Mantra verbunden. Vernimm diese eine Mudra: Man halte die Hände einander zugewandt und ausgestreckt.

27.156 Kleine Finger und Ringfinger verbinde man jeweils paarweise an den Nagelbereichen, Brahmane, sodass sie einen einzigen zusammenhängenden Körper bilden.

27.157 Mit drei Fingern [forme man] in der Handmitte einen freien Raum. Die Daumen halte man gerade wie Stäbe, an den Rändern anliegend und ausgestreckt,

27.158 an den Innenflächen der vier Finger ruhend. Die beiden Zeigefinger lege man sorgfältig wie Schlangenwindungen.

27.159 Die beiden Mittelfinger strecke man nach vorn, an den Spitzen aneinanderliegend, großer Weiser. Die Hände führe man vom Ursprungsbereich an zusammen,

27.160 bis zum Ende der Handgelenke eng aneinander. Am Ansatz berühren sich die Handgelenke beider Hände nur leicht,

27.161 während man sie [im übrigen Bereich] geöffnet hält. Diese Mudra heißt Mahayoni, große Ursprungsmatrix, und ist die uranfängliche Mutter der drei Welten, bester Weiser.

27.162 Wird sie nach Wunsch eingesetzt, bringt sie die ganze Welt unter ihren Einfluss. Eine Frau, die dieser Übung hingegeben ist, kann sie bilden und von fern

27.163 selbst Sehern zeigen, die frei von Anhaftung sind; sie geraten augenblicklich in Erregung [so die Textbehauptung]. Ebenso kann ein darin geübter Mann sie Frauen zeigen,

27.164 die sich von Begehren abgewandt haben, oder jungen Frauen, Weiser: Sie geraten in Liebeserregung; um wie viel mehr die bereits Begehrenden.

27.165 Nun erkläre ich kurz die gemeinsame Mudra der sechzehn Begleiter, die ihre Gegenwart günstig herbeiführt [eine Bezeichnung ist unsicher].

27.166 Man lege die Hände mit den Rücken aneinander und löse dann die beiden Zeigefinger und die beiden kleinen Finger.

27.167 Diese seien deutlich nach unten gerichtet, aus der Mitte hervortretend, großer Weiser; die kleinen Finger liegen aneinander, die Zeigefinger etwas auseinander.

27.168 Mittel- und Ringfinger halte man jeweils paarweise zusammen, vom Nagelbereich bis zum mittleren Gelenk aneinanderliegend,

27.169 gleichmäßig nach oben gerichtet, bester Weiser. Die Daumen hängen deutlich nach unten,

27.170 voneinander entfernt. Diese Mudra gewährt alle Wünsche. Bei der Verehrung zeige man sie mit dem eigenen Mantra verbunden.

27.171 Sie bildet eine vierarmige Gestalt nach und gewährt allen Vollendung und Wunscherfüllung. Nach dem Zeigen dieser Mudragruppe und der anschließenden Rezitation

27.172 vollziehe man das Feueropfer mit Sesam und weißen Senfkörnern sowie Reis und anderem, getränkt mit Safran, Butter und Milch.

27.173 Danach nehme man eine verbindliche Disziplin an, Narada, und forme durch innere Vergegenwärtigung und die entsprechenden Dienste das eigene Selbst zur Gestalt der Göttin.

27.174 Mit einem erfahrenen Helfer und dem eigenen Sitz begebe man sich an einen einsamen Ort. Gelübdetreu rezitiere man nach der früheren Vorschrift siebenhunderttausendmal,

27.175 von Milch, Wurzeln und Früchten lebend, je nach Ort und Zeit, oder nur von einer ungebeten erhaltenen Almosenmahlzeit. Fehlt auch diese, Narada,

27.176 [esse man] vom eigenen Schüler zubereitete, durch Mantra gereinigte Speise, ohne Salz, Öl und Fleisch, wenn die Dämmerungszeit gekommen ist,

27.177 ohne völlige Sättigung, mit Honig und Butter vermischt. Am Ende des Japa vollziehe der Mantrakundige sorgfältig das vorgeschriebene Feueropfer.

27.178 Bala, Moda, Jatamansi, Cakrangi, Nagakesara, Safran, Sandelpulver und Kurkumapulver

27.179 vermische man mit geeignetem Sesam, Honig und Butter und bringe davon dreihunderttausend Gaben dar,

27.180 mit Mittel- und Ringfinger sowie der Daumenspitze, Narada. Am Ende opfere man dreißigtausend Brennhölzer,

27.181 zuerst zehntausend aus Rajarka-Holz, dann aus Khadira und als dritte Zehntausendzahl aus Zedernholz.

27.182 Mit ganz reinem innerem Selbst gebe man die volle Opfergabe. Sobald sie dargebracht ist, kommt die höchste Herrin,

27.183 die Göttin samt ihrem Gefolge, und spricht: „Gut, gut! Vollziehe nun deine gewünschte Aufgabe mit dem Mantra; gehe!“

27.184 So spricht die Göttin und geht rasch in Vishnus Wohnstatt. Dann beginne der treffliche Übende vielfältige Handlungen,

27.185 die er im Geist wünscht, Brahmane, für sich selbst oder für andere. Höre einen kleinen Teil davon, Narada.

27.186 Man bespreche eine Āmalaka- oder Bilva-Frucht einmal, betrete das Königshaus und lege sie vor die Schatzkammer. Wo immer man sich dann befindet,

27.187 fällt rasch aus dem Himmel herab, was man ausgesprochen und gewünscht hat: jeder Schmuck, Brahmane, und jedes schöne Gewand.

27.188 Ebenso werfe man eine Kugel aus Reis, Sesam oder geschältem Reis in eine volle Tenne, einen Speicher oder eine Grube,

27.189 in königlichen Besitz, ebenso Gold [unsichere Lesung]. Wo immer man dann weilt: Welches Getreide, welche Feldfrucht oder welchen Reis man wünscht,

27.190 das fällt nach Wunsch aus dem Himmel vor einem nieder. Ebenso bespreche man eine Kugel aus gekochter Speise

27.191 und werfe sie in eine Küche; augenblicklich lässt man gekochte Speise regnen. Man forme eine Kuhdungkugel von Jujubengröße,

27.192 bespreche sie siebenmal und werfe sie in einen Kuhstall. Nach bloßer Meditation sieht der Gelübdehalter augenblicklich mit Dickmilch, Milch und Butter gefüllte

27.193 Gefäße hinter sich, wo immer er sich befindet. Man bespreche eine Jujube oder eine andere Frucht, Brahmane,

27.194 und werfe sie in den Fruchtgarten des Königs; dadurch zieht man Früchte herbei. In einen Blütengarten werfe man eine einzige Blüte,

27.195 nachdem man dreimal rezitiert hat; augenblicklich zieht man Blüten herbei. Wo immer man einen von einem Gegenstand stammenden Teil nach siebenfacher Rezitation hinwirft,

27.196 dort bleibt das Entsprechende, sobald der Entschluss gefasst ist; nach Wunsch herangezogen gelangt es an den gewünschten Ort.

27.197 Dabei gerät der treffliche Übende niemals in Bedrängnis. Man bespreche ein Kohlestück hundertmal, Narada,

27.198 und werfe es ins Wasser: Dieses erscheint flammend. Einen Tropfen Wasser auf einer Kusha-Spitze bespreche man hundertmal

27.199 und werfe ihn in eine lodernde Feuermasse: Augenblicklich erscheint jenes Feuer wie Wasser.

27.200 Sieht man eine sandige, graslose Wildnis, werfe man dort einen hundertfach besprochenen Grashalm hin.

27.201 Man macht sie dem Nandana-Garten gleich, reich an Blüten, Blättern und jungen Trieben, von Wasser und Reisfeldern umgeben,

27.202 voll von verschiedensten Vögeln, mit Städten und Gärten, mit befestigten Siedlungen und Götterheiligtümern,

27.203 erfüllt von Gesang und göttlichen Klängen und mit schönen Frauen geschmückt. Dieses Wunder kann man Königen jederzeit zeigen.

27.204 An Bäumen und in trockenen Wäldern erschafft man nach Wunsch Wasser, Nahrung und vielfältige Genüsse,

27.205 mit besprochenen Erdklumpen und Kuhdung, acht an Zahl. Wenn eine Gruppe von Feinden einem gegenübersteht, bester Weiser,

27.206 zornig und zum Töten bereit, während man allein ist, rezitiere man gründlich und entwerfe im Geist eine große eigene Streitmacht,

27.207 reich an Soldaten und Waffen, Brahmane. Rasch entsteht ein Heer von furchtbarer Tapferkeit,

27.208 mit Ausrüstung, Elefanten und Pferden, von verschiedenen Waffen glänzend. Bei seinem Anblick verliert die feindliche Macht ihre Kraft und flieht.

27.209 Was immer man im Geist hervorbringt, Brahmane, während man den Mantra ausspricht, sei es Schein oder Wirklichkeit: Genau so wird es gesehen.

27.210 Erblickt man einen ganz vertrockneten Baum, berühre man ihn mit dem Fuß und rezitiere den großen Mantra: Er wird mit Blüten und Früchten versehen.

27.211 Drückt der Mantrakundige hingegen mit beiden Händen einen saft-, blüten- und fruchtreichen Baum und spricht den Mantra, so wird dieser trocken.

27.212 Steht er auf einem Berggipfel und rezitiert den Mantra zur Vernichtung, sinkt dieser so weit hinab, wie der Übende wünscht, Brahmane.

27.213 Zufrieden hebt er später den Berg wieder aus der Unterwelt empor. Mit Sandelsaft schreibe man den Mantra in die Mitte eines Lotus,

27.214 die Gliedermantras auf die Blätter. An einem besonders günstigen Tag verehre man ihn mit Arghya, Blüten und anderem und umhülle ihn wie zuvor.

27.215 Wer diesen großen Mantra trägt, dem werden sämtliche Machtentfaltungen offenbar; er lebt in dieser Welt frei von Hindernissen,

27.216 wohlgestaltet und langlebig, und erlangt jenseits das Gute. So ist die Gesamtheit der Vollendungen der vier Göttinnen kurz

27.217 in einem kleinen Überblick zum Wohl der Übenden erklärt. Sie gewähren vielfältige göttliche und glückverheißende

27.218 Wirkungen von unvergleichlicher Kraft. Am Ende offenbart [diese Übung] den Verehrern, besonders den Vishnuverehrern, die höchste Stätte.

So endet in der Jayakhya Samhita das siebenundzwanzigste Kapitel mit dem Namen „Die Übung der Shakti-Mantras“.


Kapitel 28 – Die Übung der Gliedermantras

Der erhabene Herr sprach:

28.1 Höre, bester Brahmane, die große, Vollendung gewährende Übung der Gliedermantras. Schon durch ihre Kenntnis erlangt der Übende Wohlergehen.

28.2 Den Herzmantra setze man alldurchdringend in beide Hände, danach in den Leib ein und verehre ihn in der Mitte des Herzlotus.

28.3 Dann zeichne man äußerlich in die Mitte eines Quadrats mit vier Toren einen ganz weißen, achtblättrigen Lotus.

28.4 Auf dessen Samenkapsel setze man [den Herzmantra] ein, meditiere ihn wie zuvor, verehre ihn vorschriftsmäßig und opfere weißen Sesam.

28.5 Danach nehme man die Gestalt des Herzmantras an und begebe sich an einen einsamen Ort. Dort rezitiere man dreihunderttausendmal und opfere sechshunderttausend

28.6 wohlriechende Jasminblüten, mit weißem Sandel bestrichen und mit Butter getränkt. Dann gebe man die volle Opfergabe.

28.7 Man schaut den Mantra im eigenen Herzen mit erwachten, weit geöffneten Augen. Dann erkenne man: „Dieser Herr des Herzens ist für mich vollendet.“

28.8 Danach vollziehe man mit diesem Mantra die Handlungen, Narada: Befriedung und Stärkung; im Traum [offenbart er] Günstiges und Ungünstiges.

28.9 Dem Geübten gibt er Anweisung, bemüht, dessen Ziele zu erfüllen. Bei schlafenden Königen und anderen, besonders bei Frauen,

28.10 setzt er einen Fuß auf das Herz und spricht [unsichere Lesung]: „Steh auf, Unverständiger! Gehe zu jenem Übenden und erfreue ihn mit Geld und anderem!“

28.11 Der Betroffene denkt: „So soll es sein“, erwacht mit festem Entschluss, geht zu dem reinen Übenden und bittet ihn [um Gnade].

28.12 Nach dem Bad [schreibe man] mit Duftstoff und Saft den Namen, vom Herzmantra umschlossen, in die Mitte der Lotus-Samenkapsel, am siebten Tag der hellen Monatshälfte.

28.13 Man stehe um Mitternacht auf und [verwende] nächtliches Wasser. Den Herz- und Gestaltmantra samt dem Namen schreibe man auf jedes Blatt,

28.14 mit einem Durva-Spross, unter Pushya, fastend und gelübdetreu, zur Besänftigung sämtlicher Fehler und zur Mehrung allen Glücks,

28.15 zur Befreiung aus allen Nöten und zur Gewinnung aller Frauen. So habe ich die Übung des Herzmantras erklärt.

28.16 Nun erkläre ich die Übung des Kopfmantras, Narada. Man setze ihn in Hände und Leib ein und verehre ihn im Innern des Herzens.

28.17 Mit der Farbe von rotem Lacksaft zeichne man ein Mandala samt Lotus. In dessen Mitte meditiere und verehre man den Kopfmantra wie zuvor.

28.18 Man opfere Kupfer, Gold und buttergetränkten Sesam. In rotem Gewand nehme man einen Leib von der Gestalt dieses Mantras an.

28.19 Man begebe sich mitten ins Gebirge und rezitiere fünfhunderttausendmal. Danach opfere der Mantrakundige mit ungeteilter Aufmerksamkeit dreihunderttausend

28.20 wohlriechende rote Patala-Blüten, Narada, mit Safran und Aloeholz versehen und besonders mit Butter getränkt.

28.21 Danach gebe man die volle Opfergabe mit Safran und Butter. Zwischen den Brauen schaut man den Mantra als sichtbare Gestalt des Weltenherrn.

28.22 Mit erlangter Einsicht vollziehe der gute Übende nun die Handlungen. Er bringt die ganze Welt unter seinen Einfluss, Menschen samt ihrem Vermögen.

28.23 Man bespreche Safran mit Gold hundertmal und verreibe ihn mit nächtlichem Wasser zwischen Daumen- und Ringfingerspitze.

28.24 Mit dem Ringfinger zeichne man ein oberes Stirnzeichen, Brahmane; darunter [zeichne man] mit dem am Daumen haftenden Stoff [ein weiteres Zeichen] und binde [es] am Herzen [Satzanschluss unsicher].

28.25 Drei Tage lang vollziehe man die vorgeschriebene Rezitationszahl zu den drei Dämmerungszeiten. Am vierten Tag kommt ein Landesfürst

28.26 und bittet: „Erweise mir Gnade, Herr! Nimm mein Vermögen, mein Reich, Dienerinnen, Diener, Elefanten und anderes an!“

28.27 Im selben Augenblick kommen aus der Unterwelt Hunderte von Naga-Mädchen mit Verjüngungselixier in den Händen:

28.28 „Trinke diesen überaus guten Trank und erfreue uns! Seit jenem vergangenen vierten Tag bis zu diesem Augenblick, Herr,

28.29 finden wir ohne dich keine Ruhe in der Unterwelt.“ Auch Kinnari-Frauen, Yakshinis und Vidyadhara-Frauen

28.30 kommen voller Verlangen und bitten den Übenden. Selbstbestimmt spielt er nach Wunsch mit ihnen, Narada,

28.31 solange er selbst es wünscht, nachdem er den vorzüglichen Trank getrunken hat. Man bespreche reines Wasser in einem Gefäß hundertmal

28.32 und verbinde nach sorgfältiger Verehrung diesen Mantra damit. Wenn jemand Zweifel über Zukünftiges, Vergangenes oder Gegenwärtiges hat,

28.33 zeigt der Mantra dies alles in klaren Zeichen der eigenen Sprache. Zur Beherrschung rezitiere man den zwischen den Namen eingefügten Mantra, Narada,

28.34 oder zur Heranziehung bei Sonnenaufgang hundertachtmal. Welchen Mann oder welche Frau man im Geist wünscht, Brahmane,

28.35 sie kommen nach der Rezitation durch die Wirkung dieses Mantras rasch herbei. Mit Moschus, Milch und Safran schreibe man

28.36 bei Tagesanbruch mit Durva-Stängeln auf ein weißes Tuchstück einen dreiblättrigen Lotus innerhalb eines dreieckigen Bezirks, Weiser.

28.37 [Man schreibe] den Namen, verbunden mit dem Herzmantra und den übrigen, in dessen Nähe; mit dem Gestaltmantra verbunden setze man ihn auf die drei Blätter.

28.38 Wer dies mit rotem Faden umwickelt im Gewand, am Arm, am Hals oder zum Herzen herabhängend trägt, bester Brahmane,

28.39 erlangt überall Sieg und reiche Ehrung. Raubtiere, Jäger, Elefanten und Räuber von furchtbarer Kraft

28.40 können ihn durch die Wirkung dieses Mantras nicht überwältigen. So habe ich das Verfahren des Kopfmantras erklärt.

28.41 Jetzt erkläre ich kurz das Verfahren des Scheitelmantras; höre, Narada. Nach Nyasa und Herzverehrung zeichne man außen ein Mandala,

28.42 quadratisch, mit vier Toren und fünf Linien. Die Tore sind weiß, die Ecken rot.

28.43 In der Mitte gestalte man einen Lotus, glänzend wie aufgebrochene Augensalbe. Den [Mantra] lasse man aus dem Herzen herabkommen, setze ihn dort ein und verehre ihn.

28.44 Nach Abschluss des Feueropfers ziehe man ein schwarzes Gewand an, gehe zum Rand eines Berggipfels und rezitiere dreihunderttausendmal.

28.45 Danach opfere man dort dreißigtausend rote Blüten mit rotem Sandel; anschließend dreißigtausend

28.46 Sandelhölzer, mit Honig bestrichen, Narada. Am Ende gebe man die volle Opfergabe mit Sandel und Butter.

28.47 Dann spricht der Mantrakönig über der Scheitelöffnung: „Gehe und vollziehe vielfältige Handlungen, Einsichtiger!

28.48 Durch dein Feueropfer und deinen Japa bin ich ganz erfreut.“ Danach vollziehe der treffliche Übende seine gewünschte Aufgabe.

28.49 Er rezitiere den Namen eines vorzüglichen Naga, am Anfang und Ende vom Mantra umschlossen. Selbst der Schlangenherrscher kommt mit Verjüngungselixier in der Hand.

28.50 Er zeigt die Gesamtheit der auf Erden verborgenen Schatzorte und bleibt auf Anweisung [des Übenden] an einem schwer zugänglichen Berggipfel,

28.51 unerschöpfliches, wohlschmeckendes, sehr kühles Wasser spendend. Man nehme zwei deutlich aufragende Ranken beziehungsweise Zweige eines milchsaftführenden Baumes,

28.52 bade sie mit Mantrawasser und binde sie an zwei Krüge oder zwei Pfosten, Brahmane, mit besprochenem Munja-Gras oder anderem Gras.

28.53 Guggulu-Räucherwerk bespreche man siebenmal mit dem Scheitelmantra und gebe es zwischen die beiden Ranken; diese beginnen sich langsam zu bewegen.

28.54 Während man dazwischen rezitiert, halte man eine Blüte in der Hand und nehme die Frage im Geist auf, die jemand klären möchte.

28.55 Wenn sie wahr ist, bester Brahmane, zieht [die Ranke] die Blüte mit Kraft aus der Hand. Wenn sie unwahr ist,

28.56 bewegt sie die beiden Krüge und entfernt sich rasch. Bei Zweifeln über verlorenes oder durch einen Dieb entwendetes Gut

28.57 vollziehe man dieses Rankenverfahren, auch um Verborgenes bei anderen zu erkennen. Oder man schaue, bester Weiser, zwei nahe beieinander befindliche,

28.58 gleichartige, wohlgestaltete Krüge auf dem Boden an und stelle sich in ihnen zwei Ranken vor.

28.59 Mit der Frage im Geist rezitiere der Mantrakundige und blicke auf die beiden Ranken, mit der Bezeichnung des verlorenen Gegenstandes [Textlücke].

28.60 Um Wahrheit anzuzeigen, kommen sie zusammen und umwinden einander. Um Unwahrheit anzuzeigen,

28.61 beugen sie sich langsam zur Erde und berühren sie wiederholt, Brahmane. Oder man stecke zwei Keulen in den Boden, Narada,

28.62 zwei Ellen voneinander entfernt, verehre das zu Behandelnde und räuchere. Es ist wie zuvor zu verstehen. Oder man lege zwei Pfeile, Brahmane,

28.63 mit einer Elle Abstand auf den Boden. An ihnen vollziehe man die Weihung zur zuvor genannten Klärung.

28.64 Mit einer Eisenspitze ritze man [den Namen] ein und fülle ihn deutlich mit Safran aus, Einsichtiger, den Namen vom Mantra umschlossen,

28.65 auf gebrannten Tonscherben, wo immer ein Verdacht zu klären ist. Man werfe die Scherbe ins Wasser, [Textlücke] und bezeichne sie.

28.66 [Bei Verdacht] bleibt sie auf dem Wasser schwimmen, bei Unverdächtigkeit sinkt sie. Auch Reiskörner und Ähnliches sind siebenmal zu besprechen,

28.67 um den Verdacht gegen Diebe zu prüfen, und mit der linken Hand in deren rechte zu geben. Dann lasse man sie die Faust schließen.

28.68 Man bleibe stehen und rezitiere den Mantra hundertmal, Narada. Bei Dieben verbrennen die Körner und die Hände [nach der Textbehauptung].

28.69 Trägt man [den Mantra] nach dem früheren Verfahren auf Birkenrinde oder weißem Tuch, gewährt er den Verehrern das Gewünschte ohne Hindernisse, Narada.

28.70 So habe ich das Verfahren des Scheitelmantras erklärt. Höre nun in einem kleinen Überblick vom Schutzpanzer-Mantra, Brahmane.

28.71 Nach Nyasa und Herzverehrung zeichne man ein Mandala. In seiner Mitte gestalte man einen Lotus aus leuchtend gelbem und schwarzem,

28.72 miteinander vermischtem Pulver. In dessen Mitte lasse man [den Mantra] herabkommen und verehre ihn nach der früheren Vorschrift. Danach sättige man ihn in der Feuergrube

28.73 mit weißem, schwarzem und kupferfarbenem Sesam, mit Honig und Butter vermischt. Man gebe die volle Opfergabe und nehme die Gestalt des Schutzpanzers an.

28.74 Man gehe in einen unterirdischen Raum oder eine Berghöhle, Brahmane. Dort rezitiere man zweihunderttausendmal und vollziehe danach das Feueropfer,

28.75 mit allen zuvor genannten Stoffen, mit schwarzem Aloeholz vermischt, halb so oft wie die Rezitation. Dann gebe man die volle Opfergabe

28.76 mit honigvermischter Butter. Danach schaut man den Mantraherrn in den zehn Richtungen. Er sagt dem Übenden:

28.77 „Gehe, du bist vollendet; bringe deine gewünschten Aufgaben zur Erfüllung!“ Seine Anweisung mit geneigtem Kopf annehmend, verwirkliche man die Herzenswünsche.

28.78 Man gehe an den Rand eines Waldes oder einer Stadt und bespreche, nach Norden blickend, eine halbe Tageswache lang weißen Senf in der linken Hand.

28.79 Man streue ihn auf den Waldboden, nach unten, oben und in die Zwischenrichtungen. Dann kommen die Waldgottheiten vor ihn:

28.80 „Mantrakundiger, gib mir deine Anweisung! Weshalb werde ich gequält?“ [Er sage:] „Bringe mir diese gewünschten Heilpflanzen zu Tausenden,

28.81 zur Erfüllung sämtlicher Aufgaben und zur Überwindung von Hunger und Alter!“ Dann nimmt der Herr der Übenden die göttlichen Pflanzen, die alle Aufgaben vollbringen,

28.82 und verlässt den Wald. Man nehme ein Bananenblatt, ein Tamala-Blatt

28.83 oder ein breites Stück Birkenrinde und schreibe den Mantraherrn darauf. Wann immer man sich damit umhüllt, wird es zum Schutzpanzer,

28.84 zur Abwehr feindlicher Waffen und von Feuerflammen, zur Besänftigung der Sonnenhitze und zur Beseitigung der Kälte.

28.85 Erdklumpen, Dornen und Steinchen werden [dadurch stumpf beziehungsweise unwirksam; Lesung unsicher], wenn man es auf den Boden legt und darauf schläft oder sitzt.

28.86 Erblickt man vor sich ein Räuberheer mit erhobenen Waffen, einen furchtbaren Löwen oder ein anderes Raubtier, eine große Schar giftiger Wesen,

28.87 einen rasenden Elefanten, einen wilden Büffel oder ein großes Krokodil in einem Fluss,

28.88 die gute Menschen töten oder ergreifen wollen, befestige man jenes Blatt an der Spitze eines Stabes und halte ihn mit der rechten Hand.

28.89 Vorn stehend schwinge man ihn. Durch den davon ausgehenden Wind, der dem Weltuntergang gleicht, fliehen alle rasch in alle Richtungen.

28.90 Oder der treffliche Übende vergegenwärtige im Geist einen Schutz durch den feurigen Panzer, einer Festungsmauer gleich.

28.91 Augenblicklich werden die Augen der Böswilligen gebunden. Man bespreche ein Banyan-Blatt mit diesem Mantra und gebe es einem Unbekleideten:

28.92 Im Winter wie in der Sommerhitze wird es ihm zum Gewand. Wenn über einem Dorf oder einer ganzen Gegend eine gewaltige Wolke aufzieht,

28.93 vergegenwärtige man die Waffe [Textlücke] und jenes am Stab befestigte Blatt. Durch den Glanz des Panzers zerfällt sie samt dem Blitz hundertfach.

28.94 Man schreibe den Schutzpanzer-Mantra auf ein gelbes Tuch mit Milch und Safran, vermischt mit [Textlücke],

28.95 den Mantra in die Lotusmitte, den Namen zweimal an sein Ende [unsichere Lesung], verbunden mit dem Wort für die gewünschte Handlung; auf jedes Blatt den Mantraherrn.

28.96 Man umwickle es mit Faden, lege es in eine Kupferkapsel und binde es an den linken Arm. Was der Mantrakundige wünscht,

28.97 genau das erlangt er; ebenso ein anderer, dem er es gibt. Besessenheitsmächte, Geister und dergleichen bedrängen diesen Menschen nicht.

Durch die Wirkung dieses Mantras wird ihm stets Gesundheit gewährt.

28.98 Nun erkläre ich das Vollendung gewährende Verfahren des Augenmantras.

28.99 Nachdem die Herzverehrung nach der früheren Vorschrift vollzogen ist, gestalte man im Mandala einen gelbroten Lotus.

28.100 In seine Mitte rufe man den Augenmantra aus dem Herzlotus. Man verehre ihn bis zum Feueropfer; dafür wird Butter empfohlen

28.101 sowie gelber Senf mit kupferfarbenem Sesam. Nach der vollen Opfergabe nehme man seine Gestalt an und gehe an einen einsamen Ort.

28.102 Man betrachte Tag und Nacht den Richtungenkreis der wandernden Sonne [die Satzfügung ist unsicher], bester Weiser, und rezitiere gelübdetreu dreihunderttausendmal.

28.103 Nach dem Japa opfere der Mantrakundige zwanzigtausendmal reine Butter, dann mit Zedernharz

28.104 und Honig vermischt weitere zwanzigtausendmal und zehntausendmal Senf und Sesam. Danach bereite man die volle Opfergabe aus gleichen Teilen der Butter und der übrigen Stoffe.

28.105 Am Ende schaut man den Mantraherrn im Bereich der leuchtenden Augen beziehungsweise vor sich [Lesung unsicher]. Nach Erteilung der Anweisung geht er fort.

28.106 Danach vollziehe der Mantrakundige sämtliche Aufgaben auf Erden. Man nehme Strotanjana-Augensalbe und bespreche sie zweihundertmal.

28.107 Einen goldenen Stift bespreche man siebenmal und färbe damit beide eigenen Augen mit der Salbe.

28.108 Man sieht alles unter der Erde, Schätze und anderes; auch die Naga-Welt im Meerwasser sieht man

28.109 samt ihrem gesamten Edelsteinbestand. Will man diesen an sich nehmen oder in die Naga-Welt gelangen, öffnet das Wasser einen Zugang.

28.110 Man sieht die Yakshini-Scharen in Steinen und Bäumen und gelangt rasch durch deren [Zugang] hinein, Weiser.

28.111 Dort spielt man nach Wunsch mit ihnen, Brahmane, für die Yakshas unsichtbar, und beobachtet

28.112 ihre gesamten Tätigkeiten und geheimen Verfahren, Heilpflanzen und Mittel, bester Brahmane, sowie alle zugehörigen Mantras.

28.113 Was man selbst oder durch die Yakshini-Frauen erlangt hat, [bringt man heraus; Lesung unsicher]. Den Zuflucht suchenden, hingebungsvollen, innerlich gereiften Verehrern,

28.114 die zur eigenen Durchführung nicht fähig sind, gibt der Übende davon. Durch die Kraft der Yaksha-Verfahren erlangen sie das im Geist Gewünschte,

28.115 auch durch die Wirkung des Übenden herbeigezogen. Bestreicht man die Augen nochmals nach dem zuvor beschriebenen Verfahren,

28.116 erblickt man viele Siddha-Scharen im Himmelsraum. Sie verehren diesen großherzigen Übenden,

28.117 geben ihm das Gewünschte oder führen ihn auf ihren eigenen Weg. Bei einem herangetretenen Verehrer, insbesondere einem Vishnuverehrer,

28.118 bestreiche man beide Augen mit hundertfach besprochener Salbe mittels des Stifts. Er sieht alles, Weiser,

28.119 von einem Ort aus die ganze Gegend, auch durch Berge und anderes Abgetrenntes, samt Yogis und Yogaherren,

28.120 sowie unsichtbare Scharen von Dakinis, Geistern und Vetalas. Diese sind bei seinem Anblick durch die Wirkung des Übenden erfreut

28.121 und geben ihm, auch wenn er gleichmütig bleibt, Reichtum und mehr. Man bespreche Augensalbe siebenmal mit dem Augenmantra

28.122 und trage sie auf beide eigenen Augen auf, wenn man sich inmitten von Feinden befindet. Man wird unsichtbar, wo immer man eintritt [der überlieferte Wortlaut „darśanam“ widerspricht hier dem Anschluss].

28.123 Wer unsichtbar werden will, bespreche sie hundertmal. Wendet er sie bei einem anderen an, wird auch dieser unsichtbar.

28.124 Was könnte ein unsichtbarer Mantrakundiger auf Erden nicht tun? Man verreibe Augensalbe mit Rocana und nächtlichem Wasser

28.125 und schreibe mit einer Pfauenfeder wie zuvor den Mantra samt Namen in die Lotusmitte und vorschriftsmäßig auf die Blätter,

28.126 auf ein zehn Aṅgulas großes quadratisches oder rundes Stück [Gewebe; Lesung netrakhaṇḍa unsicher]. Bindet und trägt der Mantrakundige dies, wird er allen lieb.

28.127 Der Mantra gewährt alle Güter durch Meditation und Tragen [Satz unsicher]. So ist das überaus schöne Verfahren des Augenmantras erklärt.

28.128 Höre nun kurz vom König der Waffenmantras. Zuerst vollziehe man gründlich Nyasa, danach die Herzverehrung.

28.129 Man bereite einen quadratischen Opferbezirk mit vier Toren, großer Weiser; darin einen Lotus aus Pulver in der Farbe des Königssteins,

28.130 seine Staubfäden kräftig rot, seine Samenkapsel gelb. Dort lasse man [den Mantra] herabkommen, verehre ihn und vollziehe das Feueropfer

28.131 mit Butter, Guggulu sowie weißem und schwarzem Sesam. Danach gebe man die volle Opfergabe und forme den eigenen Leib der Waffe gleich.

28.132 Der Einsichtige gehe an einen menschenleeren Ort und rezitiere dreihunderttausendmal. Danach opfere der Mantrakundige zwanzigtausend Guggulu-Stücke,

28.133 jeweils von der Größe eines Jujubenkerns, zehntausend Gaben weißen Senfs und zwanzigtausend Brennhölzer aus rotem Sandel,

28.134 ferner zehntausend Buttergaben. Man gebe die volle Opfergabe. Dann schaut man den Waffenherrn am Dvadashanta, wie tausend Sonnen leuchtend,

28.135 mit makellosem Blick. Dieser Waffenkönig spricht: „Gehe, bester Übender, bewege dich hier nach Wohlgefallen,

28.136 alle vielfältigen göttlichen und menschlichen Aufgaben vollziehend!“ Nach seiner Anweisung verwirkliche man die Vollendung, bester Brahmane.

28.137 Man bespreche einen Stein eine Ghatika lang, blicke auf den Erdboden und schlage damit auf die Erde.

28.138 Sie erscheint in eigener Gestalt mit gelbem Leib vor dem Übenden und gewährt ihm rasch alles, was er wünscht:

28.139 Reis außerhalb der Jahreszeit, Früchte und Blüten außerhalb ihrer Saison und verschiedenste Düfte,

28.140 unzählige Höhleneingänge zu Tausenden, göttliche Verjüngungselixiere, die sich von selbst ergreifen lassen,

28.141 vielfältige Dinge aus den sieben Unterwelten und Tausende von Seltenheiten aus Himmel und Erdenwelt.

28.142 All dies macht sie offenbar, bester Brahmane. Man nehme einen Khadira-Stock in die Hand, der hundertmal besprochen wurde,

28.143 und schlage damit kräftig auf einen Baum an einer Wegkreuzung. Erschüttert kommen Shakinis und Geistermütter heraus:

28.144 „Was sollen wir tun, König der Übenden? Gib deinen gewünschten Auftrag!“ Zu sonst unmöglichen Aufgaben setze man sie dann ein.

28.145 Alle Geschehnisse in fremden Ländern, verborgene wie öffentliche, erkunden sie an Ort und Stelle wahrheitsgemäß, kehren rasch zurück

28.146 und melden alles, die vom Mantra bedrängten Dakinis. Die Geistermütter gehen in einem Augenblick in den Himmelsraum,

28.147 erfahren Handlungen und Geschehnisse der dort Wandelnden und berichten sie dem Übenden rasch so, wie sie sind.

28.148 Einen von Geistern ergriffenen Menschen berühre beziehungsweise schlage man mit einer Ranke und Ähnlichem. Man lasse [den Geist] herbeikommen und führe jene Ranke vor den Anwesenden [Satzanschluss unsicher].

28.149 [Der Geist] geht rasch zum gewünschten [Ort] und kehrt augenblicklich zurück; nachdem [er] zur Mutter gemacht wurde [unsichere Lesung], gehen sie von dort in ein fernes Land.

28.150 Wohin der Mantrakundige besprochene weiße Senfkörner streut, dort werden die Besessenheitsmächte göttlicher Herkunft gegenwärtig

28.151 und bringen Gewünschtes, Getränke, Speisen, Gewänder und anderes. Man weihe eine Waffe durch den Waffenmantra und gehe gegen die feindliche Streitmacht.

28.152 Wirft man sie in deren Mitte, macht sie deren Waffen rasch zunichte. Selbst ein unzerbrechlicher Vajra wird durch die Kraft der Waffenmantra-Rezitation

28.153 vielfach zerspalten, ebenso Berge und anderes. Man meditiere [den Mantra] im Erdmandala, umgeben von den Flammen der Waffe.

28.154 Wohin er eingesetzt wird, dort bewirkt er Stillstand. Man bespreche einen Eisenstab mit dem Waffenmantra, Narada,

28.155 und schwinge ihn im Luftraum; dadurch hält man den Regen an. Wohin man mit zornroten Augen

28.156 eine mit dem Waffenmantra besprochene Grasspitze richtet, dorthin fällt sie wie ein Reiher. Man schreibe [den Mantra] mit Safran und Realgar,

28.157 wie zuvor in die Lotusmitte und die übrigen Stellen, mit acht Vajras in den Richtungen. Wer ihn gesammelt trägt, bleibt überall unbesiegt,

empfängt reiche Ehrung und alles Glück.

So endet im heiligen Pāñcarātra, in der Jayakhya Samhita, das achtundzwanzigste Kapitel mit dem Namen „Die Übung der Gliedermantras“.


Kapitel 29 – Die Übung der drei Gesichtsmantras

Der erhabene Herr sprach:

29.1 So ist das gewünschte Verfahren der Gliedermantras erklärt. Höre nun die Vorschrift für die drei Gesichter; ich werde sie darlegen.

29.2 Das Narasimha-Gesicht strahlt wie zehntausend Sonnen am Weltende. Höre von seinen vier Gestalten samt den sechs Gliedern,

29.3 verbunden mit vier Kräften, leuchtend wie das Feuer am Ende eines Zeitalters. Man nehme Shashvata sechsmal, auf Samapathaka ruhend,

29.4 und verbinde ihn innen mit Caturgati und Dharesha, oben und unten. Danach bezeichne man [die Verbindungen] mit den für die Glieder bestimmten Vokalen.

29.5 Mit Vyomesha inmitten von Kaustubha und Uttama schmücke man sie. Dies sind die Gliedermantras des großmächtigen Narasimha, bester Brahmane.

29.6 [Für die Gestalten nehme man] Kutanta, Dhamatman [unsichere Lesung], danach Vedatman und Paramatman, auf Shashvata ruhend. Diesen vieren füge man

29.7 jenen Laut hinzu, der im Innern von Sukshma mit dem Lokesha-Laut steht, jedoch ohne Lokesha und mit dem Vyomesha-Laut verbunden,

29.8 auf den Kopf aller vier. Dies sind die vier Gestalten des Herrn: die erste Suryalokaprada, „Gewährer der Sonnenwelt“, die zweite Agniprabhakara, „Feuerglanz hervorbringend“,

29.9 [die dritte] Atyugradarpashamana, „Besänftiger übermächtigen Hochmuts“, die vierte Vishvasukara. Alle sind als Narasimha-Gestalten zu meditieren, alle vierarmig,

29.10 mit Krallen als Waffen, die Bedrängnisse der Welt beseitigend. Bei allen vergegenwärtige man die Vismaya-Mudra, die Geste des Staunens, in zwei Händen.

29.11 Man meditiere, wie eine Hand die andere kräftig reibt. Bei ihren gesteigerten Gestalten ist eine weitere Mudra zu meditieren, Weiser.

29.12 Man vergegenwärtige sie der Reihe nach blau, weiß, rot und goldglänzend. [Für die Kräfte] nehme man Utphullanayana, dann Agnirupa,

29.13 Diptimat und Vishvarupa. Auf ihren Kopf setze man Asheshabhuvanadhara, mit Maya und Vyomesha geschmückt.

29.14 Denselben, ohne Maya und Vyomesha, setze man als ihren Sitz. [Die Kräfte heißen] Yugantahutabhugjvala, „Flamme des Weltendfeuers“, Vishvamurti, „Weltgestalt“, Mahaprabha, „Großer Glanz“,

29.15 und als Vierte Jagatsampurani, „Die die Welt erfüllt“. Höre ihre jeweiligen Farben der Reihe nach.

29.16 Bienenfarben, goldfarben, rot [Textlücke]; zweiarmig, mit schönen Ohrringen, hochgewachsen und großleibig, mit gelbbraunen Brauen und Augen.

29.17 Alle vier haben sechs Nasen und herabhängende Bäuche, Rad und Wedel in den Händen und sitzen im gebundenen Lotussitz.

29.18 Bei allen setze man Pranava, den Namen und das Wort der Verneigung ein. Den Nyasa vollziehe man nach der bei der Grundkraft beschriebenen Regel.

29.19 Nach der Verehrung im Herzlotus setze man den höchsten Herrn äußerlich in einen achtblättrigen Lotus innerhalb eines sechseckigen Mandalas ein und verehre ihn.

29.20 Herz und die übrigen [Glieder] setze man wie zuvor an die vier Blattenden, die Gestaltengruppe in die Hauptrichtungen von Osten an, die Kräfte in die Zwischenrichtungen von Südosten an.

29.21 Nach der Verehrung zeige man den Gestaltmantras ihre eigene Mudra und der Vierergruppe [der Kräfte; der Text liest „Kirti“] die Rad-Mudra. Dann [opfere man] Guggulu, Sesam

29.22 und rötliche Getreidekörner, von Grannen und fremden Gräsern gereinigt, besonders mit Butter getränkt,

29.23 mit Guggulu und Honig vermischt. Danach gebe man die volle Opfergabe. Unter einem gewaltigen Laut, der die drei Welten erstarren lässt,

29.24 kommt der Menschenlöwe aus dem Himmel durch das Feuer herbei. Mit seinem Mantra springe der treffliche Übende rasch zum Himmel empor

29.25 und stoße einen gewaltigen Laut aus; er sei durch den Glanz freudig erhoben. Dann spricht der erfreute erhabene Gott:

29.26 „Sage, König der Übenden, was in deinem Herzen liegt!“ So spricht Narasimha in Mantragestalt und wird unsichtbar.

29.27 Wünscht der Übende die achtfache Machtfülle für sich oder einen anderen, Brahmane, verwirklicht er sie durch ein bloßes Wort.

29.28 Er sehe einen geeigneten Empfänger mit günstigen Merkmalen, einen Brahmanen oder Kshatriya, vollziehe im Geist den Nyasa und verehre ihn mit Blüten, Arghya und Wasser,

29.29 während er in der Mitte des Platzes steht. Von [der Gottheit] ergriffen, spricht dieser augenblicklich Vergangenes, Gegenwärtiges und Zukünftiges aus, was immer sich ihm zeigt.

29.30 Man setze die zugehörigen Gestaltmantras ein und verehre mit ihnen einen Knaben. Auch er spricht dann alles Vergangene und Zukünftige aus.

29.31 Mit den vier Kraftmantras lasse man [die Gegenwart] in ein Mädchen eintreten. Selbst wenn es klein und noch im Kindesalter ist, spricht es das Gewünschte aus.

29.32 Während man den Mantraherrn rezitiert, streue man mit diesem Mantra weiße Senfkörner aus und betrete ein Dorf, eine Stadt oder eine große befestigte Siedlung.

29.33 Augenblicklich gerät sie mitsamt Tieren, Menschen und Gottheiten in Erregung. [Textlücke.] Danach nehme man die Löwengestalt an,

29.34 mit Salben, Schmuck und anderem [ein weiterer Ausdruck ist unsicher], gehe auf den Gipfel eines großen Berges und rezitiere gelübdetreu achthunderttausendmal.

29.35 Oder [die Zahl lautet hier] zehntausend beziehungsweise zweihunderttausend; nach dem Japa opfere man [die Zahlenzuordnung ist unsicher]. Nach dem Nyasa trete man mitten hinein oder stelle sich vor eine andere [Streitmacht].

29.36 Rasch gerät sie samt Elefanten, Pferden und Waffen in Erregung. Bei irgendeiner kleinen eingesetzten [Gottesgestalt], Narada,

29.37 vor der man nach dem Nyasa einen Augenblick den Mantra rezitiert, gerät auch diese in Bewegung und läuft dorthin, wo der Übende ist.

29.38 Wer sich ans Meeresufer begibt und ebenso dort verweilt, Einsichtiger, versetzt das Meer bald in Aufruhr.

29.39 Blickt man in den wolkenlosen, reinen Himmel und erinnert den Mantra, gerät dieser augenblicklich in Bewegung

29.40 durch furchtbares Wolkendonnern, Blitzketten und Donnerschläge. Ein großer Wald mit Bäumen, Löwen und Tigern

29.41 gerät durch dieses Verfahren ebenfalls bald in Erregung, bester Brahmane. Wen der Mantrakundige mit dem strahlenden Löwenmantra erschüttert,

29.42 der gibt ihm furchtsam und ergeben seinen ganzen Besitz. Welche Yakshas, Vidyadharas oder anderen [Wesen] er im Geist vergegenwärtigt,

29.43 während er den vorzüglichen Mantra rezitiert, die kommen rasch herbei und erfüllen sogleich die Anweisung des großherzigen Übenden.

29.44 Auf seinen Befehl kehren sie furchtsam an ihren Ort zurück. Man zeichne ein zwölfspeichiges Rad mit Nabe und Radkranz,

29.45 in die Nabe ein Sechseck samt Lotus, mit Safran, Baumsaft und Rocana auf Tuch.

29.46 In die Samenkapsel komme der Name, am Anfang und Ende vom Mantra umschlossen, im Amrita-Laut, der mit Vyapin und Candri verbunden ist.

29.47 Auf jedes Blatt [setze man] den jeweiligen Gestaltmantra. In das Sechseck kommen Herz und die übrigen [Glieder], mit den Worten „Schütze den und den“ verbunden.

29.48 Die ersten beiden Gestalten, jeweils am Anfang und Ende mit dem Namen versehen, Brahmane, setze man zweifach in die Radnabe; die beiden anderen zwischen die Speichen,

29.49 jeweils eine in sechs Zwischenräume. Die erste Kraft, verbunden mit „Schütze“ und dem Namen,

29.50 ist zwölfmal zwischen die Speichen einzusetzen, Brahmane. Die zweite, mit dem Namen verbunden, setze man dreimal in den Radkranz,

29.51 die dritte vierundzwanzigmal an dessen Kanten. Die vierte Kraft des Herrn steht einmal außerhalb des Rades.

29.52 Mit einem Faden von ihrem Wesen umwinde man das Rad siebenmal. Durch Gelübde und Fasten innerlich gereinigt, vollziehe man Verehrung und Opfer.

29.53 Am zwölften Tag der hellen oder dunklen Monatshälfte, an einem Donnerstag, Narada, oder unter einem lebensfördernden Mondhaus, zu einer von günstigen Zeichen begleiteten Stunde,

29.54 schreibe man [das Yantra] und umhülle es außen mit weißem und rotem [Stoff]. Wer den Mantra in eine Kapsel aus drei Metallen legt und trägt, Brahmane,

29.55 dem [werden] Lebensdauer, Wohlstand, Gesundheit, Glück, angemessene Kraft, Zufriedenheit, Schönheit, Ruhm und allseitiger Sieg [zuteil],

29.56 Einsicht und die Vernichtung von Schadenszauber, sei er durch Mantra oder andere Verfahren bewirkt. Pflanzliches und tierisches, heftiges, vermeintliches oder künstlich bereitetes

29.57 Gift wird vernichtet; wie viel mehr häusliche Geister! Unter Frauen wird er zum Geliebten, wenn er dies wünscht.

29.58 Welchen Wunsch er auch hegt, den erlangt er mühelos. So ist das Verfahren des Narasimha-Mantras als Gesichtsmantra, Narada,

29.59 vollständig erklärt. Nun wird das Kapila-Verfahren gelehrt. Man schreibe Diptimat sechsmal, oben und unten von Feuer umgeben,

29.60 und verbinde ihn der Reihe nach mit dem Kopf[zeichen], wie bei Narasimhas Gliedern. Dies sind Kapilas Glieder. Höre nun von seinen Dienern.

29.61 Man bilde der Reihe nach die Vierergruppe von Ś an, im Varuna-Laut. Unter alle vier [setze man] Dharesha auf Feuer, mit Lokesha verbunden.

29.62 Darüber setze man bei allen Vishvapyayakara und Vyapin. [Die Begleiter heißen] Yogeshvara, Tattvajna, Brahmadatta und Mahamati,

29.63 weiß, rot, rötlich und schwarz, von friedvoller Gestalt, vierarmig. Alle bilden den Brahmanjali und sitzen im gebundenen Lotussitz,

29.64 wie verdichtete Erkenntnis gestaltet, mit Gebetsketten in den Händen, leuchtend wie tausend Sonnen, mit göttlichen Kränzen und Gewändern,

29.65 die Glieder mit göttlichen Düften bestrichen und mit göttlichem Schmuck geziert. [Für die Kräfte] schreibe man die vier Anfangslaute bis Shanta der Reihe nach,

29.66 auf Feuer ruhend, und setze unter alle Soma. Vyapin, Candri und Maya füge man hinzu, mit Dativendung.

29.67 Vimala, Karuna, Shakti und Jnana sind die Kräfte: Makellosigkeit, Mitgefühl, Kraft und Erkenntnis. Sie gelten der Reihe nach als gelb, dunkel, rot und weiß und als zweiarmig,

29.68 mit den Händen Gaben und Furchtlosigkeit gewährend, Kapila ähnlich. Nach dem Nyasa verehre man sie im weiten Herzlotus.

29.69 Dann gestalte man ein rundes, vollmondgleiches Mandala mit einem Tor und einem Lotus; in seine Mitte lasse man [den Herrn] herabkommen.

29.70 Die übrigen Glieder und Gestalten setze man wie zuvor auf die Blätter [Lesung unsicher]. Nach der Verehrung zeige man Yogeshvara und den anderen die Brahmanjali-Mudra,

29.71 den Kräften die Gaben- und Furchtlosigkeitsgesten, der Hauptgestalt und ihren Gliedern [die Mudras] wie zuvor. Man opfere nach Vermögen buttergetränkten Sesam.

29.72 Nach der vollen Opfergabe begebe man sich an einen einsamen Ort und rezitiere vierhunderttausendmal; Herz und die übrigen [Gliedermantras], Narada,

29.73 jeweils tausendmal der Reihe nach. Danach vollziehe man das Feueropfer: zwanzigtausend Gaben aus Milch mit Honig,

29.74 dann zehntausend aus unverwässerter Dickmilch und fünfzigtausend aus Malati-Blüten,

29.75 zehntausend reine Buttergaben mit dem Löffel sowie für alle [Nebenmantras] je hundert Gaben aus sämtlichen vermischten Stoffen.

29.76 Danach gebe man die volle Opfergabe aus Dickmilch, Honig und Butter. Vom Sonnenweg her kommt Adhokshaja und steht leibhaftig vor einem:

29.77 „Gehe, Übender, du bist vollendet! Vollziehe alles mit meinem Mantra.“ So spricht der Erhabene und geht von dort den Sonnenweg zurück.

29.78 Mit diesem Mantra vollziehe der Mantrakundige die gewünschten Aufgaben. Setzt er den Mantra eine Muhurta lang in den Herzlotus geistig Träger ein,

29.79 erlangen sie Erwachen, verbunden mit der achtsilbigen Wendung. Wessen Namen, am Anfang und Ende vom Mantra umschlossen, Narada,

29.80 der Mantrakundige zweihundertmal rezitiert, der gelangt auf den Weg des Erwachens [der Wortlaut liest „Bedrängnis“; Lesung unsicher]. Verweilt man den Mantraherrn rezitierend in einem Askesewald,

29.81 fallen die Asketen, durch erlangte Erkenntnis zufrieden und friedlichen Geistes, dem großherzigen Mantrakundigen zu Füßen.

29.82 Meditiert der Mantrakundige den Mantraherrn einen Augenblick vor dem Palast eines großen Königs,

29.83 kommt der König zu seinen Füßen und bringt ihm alles dar. Welche [Wesen] der Gelübdehalter im Geist vergegenwärtigt und dabei den vorzüglichen Mantra rezitiert,

29.84 die kommen zum großherzigen Mantrakundigen und teilen ihm sorgfältig ihre jeweiligen Erkenntnisse mit, bester Brahmane.

29.85 Nagas, Vidyadharas, Yakshas und die im Himmel Wandelnden geben dem großherzigen, trefflichen Übenden insbesondere all ihre Erkenntnisvollendungen

29.86 und kehren dann dorthin zurück, woher sie kamen. Bei Zweifeln in einem Wissensgebiet oder über eine Siddhi, Narada,

29.87 meditiere und rezitiere der Mantrakundige den Mantra und gelangt zur Zweifelsfreiheit. Meditiert er den Mantraherrn im Nabel und rezitiert zehntausendmal,

29.88 weiß er alles Vergangene, Gegenwärtige und Zukünftige, ohne Zweifel [nach der Verheißung]. Man bespreche Senfkörner in den zusammengelegten Händen zweihundertachtmal

29.89 und streue sie auf den Boden; sie sammeln sich von selbst unterhalb [der Oberfläche] an einem Schatzort oder bei einem Verjüngungselixier, bester Brahmane.

29.90 Um dessen Erreichbarkeit anzuzeigen, bilden sie dort einen Wirbel. Ist ein Schatz oder Elixier nicht erreichbar,

29.91 entfernen sie sich von jenem Ort in alle Richtungen, Brahmane. Im gebundenen Lotussitz, in Konzentration auf die Leere,

29.92 rezitiere der Mantrakundige zehntausendmal und erlangt die Fähigkeit, im Luftraum zu wandeln. Meditiert er den Mantra mit einem Glanz, der den Königsstein übertrifft, und rezitiert

29.93 zweitausendfünfhundertmal [Textlücke], ihn im Bereich der Gaumenöffnung vergegenwärtigend, beseitigt er bei sich oder einem anderen graues Haar, Brahmane.

29.94 Meditiert der Mantrakundige den Mantra im Erdbereich und rezitiert ihn flammengleich an der Zungenspitze [gegen] einen geschützten Herrscher,

29.95 wird selbst dieser stumm; um wie viel mehr ein Mensch von geringer Einsicht! Mit nächtlichem Wasser, Milch, Duftstoffsaft

29.96 und reichlich Safran zeichne man auf Birkenrinde oder weißes Tuch einen großen sechsblättrigen Lotus, darum einen zwölfblättrigen.

29.97 Außen herum [zeichne man] den Waffenkönig als sechzehnspeichiges Rad mit Nabe und Radkranz. In die Lotusmitte komme wie zuvor der Mantraherr samt Namen,

29.98 auf die sechs Blätter die sechs Glieder, mit den Silben des Namens verbunden. Glieder, Gestalten und Kräfte [setze man] auf jeweils drei Blätter

29.99 und wiederhole sie auf den übrigen, bis der Lotus ausgefüllt ist. In die Nabe setze man nochmals den Grundmantra,

29.100 zwischen die Speichen das Herz-Bija, auf die Speichen das Waffen-Bija. Die übrigen vier Glieder, die Gestalten und Kräfte

29.101 setze man in den Radkranz. Das Rad umschließe man außen neunmal mit dem Kraft-Bija, Einsichtiger.

29.102 [Eine nähere Anweisung zu einzusetzenden Mantras ist unsicher überliefert.] Oder man umwinde es im [freien Außenbereich] mit einem entsprechenden Faden.

29.103 Wer es hingebungsvoll in eine Goldkapsel legt und trägt, dem werden Wissen und verwirklichte Erkenntnis offenbar, Narada.

29.104 Überquert er Flüsse oder das Meer, beruhigen sich die aus dem Wasser kommenden Gefahren und Wellen.

29.105 Wo der Träger des Yantras wohnt, [folgt eine unsichere Aussage über Wasser, Feuer und deren Wegführung].

29.106 Durch die Wirkung dieses Mantras wird die Stätte frei von Bedrängnis. Selbst wenn Tausende furchtbarer irdischer und anderer [Störungen] eindringen,

29.107 entsteht dort keine göttlich verursachte Bedrängnis, um wie viel weniger eine vom Königshof. Volle, unvergleichliche Standhaftigkeit, Wohlstand und Selbstsicherheit erwachsen,

29.108 alles ihnen Entgegengesetzte vergeht. Was wäre diesem Mantraherrn in den drei Welten unerreichbar,

29.109 wenn er durch die vorschriftsmäßige Handlung so gründlich verehrt wurde? Wo immer der Mantrakundige einen solchen Mantraherrn einsetzt,

29.110 dort verehre, opfere und rezitiere er auch dessen Glieder, Kräfte und Gestalten. So ist das Kapila-Verfahren erklärt; nun folgt das Varaha-Verfahren.

29.111 Man nehme Anantesha sechsmal, auf Pradhana ruhend, setze Dharesha darunter und verbinde [die Laute] mit den für die Glieder genannten Vokalen.

29.112 Govinda, Vibudhadya, Varaha und Caturgati setze man als Vierergruppe der Reihe nach ein; darunter jeweils

29.113 Dharesha, Gadadhvamsin, Sukshma und Varuna. Darüber setze man danach bei allen vieren Feuer.

29.114 Für die vier Kräfte nehme man vier Laute: Dhruva, Varaha, Feuer und Paramatman, Einsichtiger.

29.115 Das auf [dem genannten Laut] ruhende Soma-Bija setze man als Sitz der vier ein. Alle sind mit Vishnu geschmückt. Dann [vergegenwärtige man sie] aus dem eigenen Herzen, Weiser.

29.116 Bei dem ganzen Mantrakreis stehen Candri und Vyapin auf dem Kopf. Nach dem zuvor beschriebenen Nyasa und der Herzverehrung

29.117 gestalte man einen achteckigen Bezirk mit Toren und übrigen Bestandteilen; in seine Mitte einen weißen, achtblättrigen Lotus mit Samenkapsel.

29.118 Dort lasse man den Mantraherrn herabkommen und verehre ihn hingebungsvoll; Herz und die übrigen [Glieder] wie zuvor, danach die vier Begleiter.

29.119 Man meditiere sie im Innern der Lotusblätter und setze sie ein. Höre die Meditation: zuerst Dharanidhara, den Erdenträger, in der Farbe der Flachsblüte,

29.120 als Zweiten Dharadhara, glänzend wie eine neue Regenwolke, als Dritten Prithividhara, dunkel wie eine Priyangu-Blütenrispe,

29.121 als Vierten Vishvadhrit, den Weltenträger, glänzend wie ein Bienenschwarm. Alle haben Ebergesichter und halten Muschel und Lotus empor,

29.122 sitzen im gebundenen Lotussitz, gewähren Gaben und Furchtlosigkeit, sind mit Blüten und Schmuck bedeckt und mit Kampferstaub versehen.

29.123 Dann setze man jede der vier Kräfte nach ihrer Meditation ein: zuerst Vishvapuraki, die die Welt erfüllt, in der Farbe frischer Campaka-Blüten,

29.124 dann Vishvasandharani, die die Welt zusammenhält, mit dem Glanz des Königssteins; sodann die überaus starke Ojas, Kraftfülle, wie eine Bandhuka-Blüte leuchtend,

29.125 als Vierte Sthiti, Beständigkeit, dem Schneegebirge gleich. Alle haben Ebergesichter, zwei Arme und schöne Ohrringe,

29.126 Keule und Rad in den Händen sowie vielfältige Blüten und Gewänder. Nach der Verehrung zeige man der Mantragruppe die Mudras:

29.127 dem Grundmantra und den Gliedern von Herz an die zuvor beschriebenen, den Gestalten die Gaben- und Furchtlosigkeitsgeste und den weiblichen Kräften die Keulen-Mudra.

29.128 Danach opfere der Mantrakundige schwarzen Sesam mit Honig, gebe die volle Opfergabe und nehme selbst Varahas Gestalt an.

29.129 Er gehe an einen großen, einsamen, menschenleeren Ort bei einem Gewässer. Dort rezitiere er achthunderttausendmal und opfere danach zwei und sieben

29.130 Zehntausend [Gaben] Sesam [Zahlenfügung unsicher], zwanzigtausend Gaben Kuhbutter und zehntausend Guggulu-Gaben.

29.131 Der Mantrakundige bringe die volle Opfergabe dar. Dann wird der Gaben gewährende Herr Varaha sichtbar, von allen Göttern gepriesen:

29.132 „Gehe, ich bin mit dir zufrieden; erfülle rasch deinen Wunsch!“ Danach vollbringe der treffliche Übende das vom Herrn Gesagte.

29.133 Er steige auf einen Gipfel und rezitiere nachts, nach Süden blickend, den vorzüglichen Mantra. Am Ende der Nacht kommt der Tod selbst,

29.134 erschüttert, und fragt: „Was wünschst du von mir? Sage, wer dein Feind ist, über den ich heute Macht ausüben soll!

29.135 Wem du freundlich oder ungnädig gesinnt bist, [für den gilt dein Wille]. Dich selbst wird von heute an der zeitbedingte Tod nicht bedrängen; das ist mein Eid dir gegenüber.

29.136 Du, Gelübdehalter, bist jetzt zweifellos über den Tod hinausgelangt. Ich möchte gehen; gib mir deine Erlaubnis!“ Darauf sage man ihm: „Gehe!“

29.137 Man meditiere Wasser in einem Krug und rezitiere hundertfünfzigmal. Krankheiten wie Gardabha werden durch dieses Wasser besänftigt,

29.138 durch Baden, Trinken und Begießen in einem Augenblick, großer Weiser. Mit nächtlichem Wasser und Sandel schreibe man den vom Mantra umschlossenen Namen

29.139 samt dem Gefolge in einen Lotus und lege ihn in kühles Wasser. Augenblicklich vergeht Fieber, ob eintägig oder von anderer Art [nach der Textaussage].

29.140 Man bespreche Guggulu-Räucherwerk mit weißen Senfkörnern. Wird [der Kranke] nach dem Fieber damit gründlich beräuchert, fühlt er sich augenblicklich wohl.

29.141 Man nehme Erde in die linke Hand, bespreche sie, vermische sie mit Wasser und bestreiche damit eine von Spinnengift betroffene Stelle.

29.142 [Das Leiden] vergeht rasch durch die Wirkung dieses Mantras, bester Brahmane. Sesamöl mit Butter bespreche man hundertmal;

29.143 durch Einreiben werden alle Krankheiten beseitigt [so die Behauptung]. Man nehme nach Wunsch ein Bündel grünes Darbha in die Hand, Brahmane,

29.144 bespreche es hundertmal und werfe es hinter sich, während man durch einen großen, von Räubern und Gefahren erfüllten Wald geht.

29.145 Dann folgt einem eine Schar von Pishachas und Yakshas, die die Gefahren des Weges niederwirft und alles Wohlergehen gewährt.

29.146 Was der Mantrakundige auf dem Weg oder an einer heiligen Stätte wünscht, das geben ihm die Yakshas und die anderen stets nach Wunsch,

29.147 zur Zufriedenheit seiner Reisegruppe; auch ermüdet er nicht. Andere Yakshas, Rakshasas und Pishachas stehen vor ihm,

29.148 durch bloße innere Verbindung herbeigerufen, seine Anweisung erwartend. Wenn der wundertätige Gelübdehalter im Himmel wandeln möchte,

29.149 nehme er Makshika [Honig oder ein Mineral gleichen Namens], die große Heilpflanze Subhaga, Kampfer und Quecksilber und gebe sie in eine Kupferkapsel,

29.150 verarbeite sie durch Verreiben und lege sie dann in eine Goldkapsel. Nach tausend Rezitationen forme er daraus eine Kugel,

29.151 lege sie in den Mund und erhebe sich in den Himmel. Alle Siddhas und Vidyadharas kommen furchtsam herbei

29.152 und werden zu Dienern des großherzigen Mantrakundigen. Selbst wenn er die Erde mit ihren sieben Inselkontinenten und Meeren durchquert, Brahmane,

29.153 gerät er bei seiner Reise durch den Luftraum nicht in Verwirrung. Gelangt er auf den Meru, wandert er ungehindert

29.154 durch die Städte der Himmlischen. Dort ehren ihn die Götterfrauen, und die Götter verneigen sich vor ihm.

29.155 Der Mantrakundige nehme die Kugel und bespreche sie zwölfmal. Junge Frauen aus den sieben Welten und aus den sieben Unterwelten,

29.156 die er zeichnerisch und im Geist vergegenwärtigt, für sich oder andere handelnd, erscheinen rasch mit vor Erregung rollenden Augen.

29.157 Nagas, Büffel, gezähmte Tiere, Wildtiere, Löwen, Schlangen, Menschen, Kinnaras und andere: Zeichnet der Übende sie,

29.158 erstehen sie augenblicklich als wirkliche Gestalten, ohne Zweifel [nach der Textaussage]. Man bereite aus Honig und Moschus ein Stirnzeichen,

29.159 das gründlich hundertmal besprochen wurde, bester Weiser. Augenblicklich gerät der König samt seinem Frauenpalast in Erregung.

29.160 Bespricht der Mantrakundige eine Keule aus Khadira-Holz oder Eisen und schlägt damit auf bloßen Boden, auch ohne Höhleneingang,

29.161 wird der Weg zu den sieben Unterwelten von Verschlüssen frei [Lesung unsicher]. Welche Vollendung der Übende im Herzen wünscht,

29.162 die verwirklicht sich durch die Mantrakraft rasch: die göttlichen [Wesen] aus acht Herkunftsklassen ebenso wie die Fähigkeiten des Winzigwerdens und die übrigen Siddhis,

29.163 durch die Kraft des Mantraherrn und der Übenden, Narada. Mit Milch einer braunen Kuh, Rocana und Safran

29.164 zeichne man auf Birkenrinde oder Tuch ein Achteck; in dessen Mitte einen achtblättrigen Lotus, außen einen sechseckigen Bezirk,

29.165 darum ein zwölfspeichiges Rad mit Nabe, Kranz und Kanten. In die Mitte [komme] mit dem Mantra [Textlücke], innerhalb von Name und Bija.

29.166 Nach der Anordnung von Verehrung und Nyasa kommen Herz und die übrigen [Glieder] auf die Blätter. Das Waffen-Bija setze man achtmal in die acht Ecken, bester Brahmane,

29.167 in deren Richtungen nochmals achtmal den Herzmantra. Sechsmal, in die sechs Ecken außerhalb des Achtecks,

29.168 setze man das Scheitel-Bija. Schutzpanzer und Augenmantra schreibe man zum Ausfüllen der Nabe vielfach und ohne feste Zahl.

29.169 Die vier Gestalten kommen in sechsfacher Wiederholung auf die Speichen. Die erste Kraft setze man vierundzwanzigmal

29.170 in die Speichenzwischenräume, die zweite ununterbrochen in den Radkranz, verbunden mit dem in der Nabe befindlichen Bija.

29.171 Die beiden übrigen Kräfte setze man abwechselnd auf die Kanten. Außen um das Rad lege man dann, Brahmane,

29.172 zwölfmal den Kopfmantra, dreifach [umschließend; Satzfügung unsicher]. Mit Vishnu und dem Vyomesha-Laut umwinde man dieses Yantra.

29.173 Man umwickle es mit fünffarbigem Faden, lege es in eine Goldkapsel und trage es am rechten Oberarm, eine Frau zwischen den Brüsten.

29.174 Der Übende wird selbst Feinden stets lieb und überquert Flüsse und Meere spielend.

29.175 Durch seine große Wirkung versinkt er nicht im Wasser; auch hat er keine Furcht vor den Wesen der Wälder und Wildnisse.

29.176 Ungünstig stehende Planeten werden ihm günstig. Selbst vielfältiges, überaus furchtbares Gift bedrängt ihn nicht.

29.177 Waffen von Räubern und anderen dringen nicht in seine Glieder und Gelenke ein. Wenn Steine vom Himmel auf ihn niederfallen,

29.178 gleichen sie einem Blütenregen oder sind noch schwächer, Brahmane. Kinderschädigende Geister und ähnliche Mächte verlassen das Kind und gehen weit fort,

29.179 wo dieses Yantra vorhanden ist, besonders wenn es am Körper getragen wird. Eine Frau mit stockender Geburt entbindet durch sein Tragen leicht [nach der Textverheißung].

29.180 Eine Unfruchtbare wird Mutter, eine Frau, deren Kinder gestorben sind, erhält lebende Nachkommen. Unter Mitfrauen empfängt sie dauerhafte Ehrung.

29.181 In der Schlacht, am Königshof, beim Glücksspiel, im Streit und in äußerster Not erlangt der Träger durch die Wirkung dieses Mantras Sieg.

29.182 Deshalb kann, wenn der Mantra vollendet ist, dieses oder ein anderes aus dem Tantra hervorgegangenes Yantra alle Aufgaben erfüllen, bester Weiser,

29.183 alle Siddhis gewähren und alle Güter zur Fülle bringen. So habe ich dir, Brahmane, die Mantraübung samt ihrem Geheimnis erklärt,

29.184 für großherzige Übende, die Erfahrung und Lebensfülle wünschen. Man offenbare dies nicht Betrügern, Übeltätern oder Menschen ohne Hingabe,

29.185 niemals Anhängern anderer Lehrsysteme oder Nichtschülern, auch nicht Menschen auf einem ungerechten Weg, deren Sinn dem Unrecht hingegeben ist,

29.186 oder denen, die nur zum Zeitvertreib irgendwo unterwegs danach fragen. Wer den Dharma um des Gewinnes willen ohne [spirituelle] Förderung verkündet

29.187 und Menschen lehrt, die an Geld und Hochmut hängen, sinkt selbst als Vollendeter hinab. Deshalb soll, wer das Heil wünscht, dieses Geheimnis Menschen mitteilen,

die nach sichtbarer und unsichtbarer Frucht streben und den Weg rechtmäßig angenommen haben.

So endet im heiligen Pāñcarātra, in der Jayakhya Samhita, das neunundzwanzigste Kapitel mit dem Namen „Die Übung der Gesichtsmantras“.


Kapitel 30 – Die Übung der göttlichen Ausstattungen

Der erhabene Herr sprach:

30.1 Höre kurz die Übung von Kaustubha und den übrigen [göttlichen Ausstattungen], Narada. Schon durch ihre Kenntnis wird man das Gewünschte verwirklichen.

30.2 Der erste Laut des jeweiligen Namens, ohne Vokalzeichen und [weitere] Konsonanten, [erhält] die Reihe der Gliederkennzeichen; die sechs beginnen mit ihrer jeweiligen Bezeichnung.

30.3 Dies gilt gemeinsam für die Gliederbildung aller neun. Nun werden die Besonderheiten von Kaustubha und den übrigen erklärt.

30.4 Unter den Laut des Juwels setze man der Reihe nach R und L. Nach dem Nyasa verehre man ihn im Körper. Außen gestalte man ein sonnenrundes

30.5 Mandala samt Lotus und verehre ihn darin, Einsichtiger. Nach Japa und Feueropfer gehe man auf einen baumlosen Berggipfel.

30.6 Man rezitiere zweihunderttausendmal und opfere danach zehntausend Mandara-Blüten, mit Safran, Honig und Butter getränkt,

30.7 dann dreißigtausend Campaka-Blüten. Der Mantraherr wird rasch vollendet; vollendet gewährt er eine Fülle kostbarer Edelsteine,

30.8 die Lebensdauer und Gesundheit fördern. Aus mit rotem Lack gefärbtem Faden drehe man [Dochte] von drei Gerstenkörnern Dicke,

30.9 vier Aṅgulas Länge, fünf an Zahl und mit Butter getränkt. Mit dem Mantra samt den sechs Gliedern entzünde man sie und rezitiere, Weiser,

30.10 hundertfünfzigmal, während sie auf einer Eisenscheibe stehen. Wo unter der Erde eine Höhle, ein Elixier oder ein Schatz verborgen ist,

30.11 springen die Dochte durch die Wirkung dieses Mantras rasch wie Frösche von der Scheibe und fallen nieder, während man rezitierend umhergeht.

30.12 Man grabe an dieser Stelle und hebe die Schätze samt Elixieren heraus, Brahmane. Der so erschlossene Höhleneingang bleibt, solange Mond und Sterne bestehen.

30.13 Dort [Textlücke nach einer Erwähnung des Herrschers]. Durch bloße Meditation gewährt [der Mantra] Edelsteine, Münzen und Schmuck,

30.14 die in dieser Menschenwelt stets schwer zu erlangen sind. Wer [Textlücke] geschrieben am Hals trägt,

30.15 mit Lotus [Textlücke] in entsprechender Anordnung und den Mantraherrn rezitierend, [erlangt] die Erfüllung aller Ziele bei sämtlichen Schatzgegenständen.

Vers 30.14 hat in der Vorlage nur einen abschließenden Strich; seine Nummer bleibt erhalten.

30.16 So ist Kaustubha erklärt; nun folgt der Kranzmantra. Unter den Laut des eigenen Namens [setze man] der Reihe nach die drei [Laute Y, R, L; Lesung unsicher].

30.17 Die mit der zuvor genannten Ausstattung versehene Gliedergruppe setze man im Körper ein. Nach der Herzverehrung [gestalte man] außen ein halbmondförmiges Mandala.

30.18 In einem sechsblättrigen Lotus meditiere und verehre man [den Mantra] und vollziehe das Feueropfer. Dann begebe man sich in einen Wald und rezitiere hunderttausendmal.

30.19 Jasmin-, Campaka- und Kadamba-Blüten, mit dem Saft aller Heilpflanzen getränkt, opfere man der Reihe nach jeweils zehntausendmal,

30.20 danach zehntausendmal reinen Honig, Brahmane. Am Ende entsteht göttliche Mantravollendung in der Menschenwelt.

30.21 Der Übende weihe einen Blumenkranz und lege ihn um den Hals eines auf dem Boden stehenden Kultbildes oder um den eigenen.

30.22 Er verliert seine Beschaffenheit nicht, solange man es wünscht [Lesung unsicher]. Verehrt man Vishnu an einem Ort ohne Blüten und Früchte,

30.23 fallen dort rasch Blüten außerhalb ihrer Jahreszeit aus dem Himmel. Man fertige daraus einen Kranz und trage ihn,

30.24 nochmals zweihundertmal besprochen, auf dem Kopf oder am Hals. Der Mantrakundige wird unsichtbar oder bewegt sich wie der Wind im Himmel,

30.25 stets göttlichen Duft tragend und göttliche Wunder zeigend. Dem Liebesgott, dessen Waffen Blüten sind, gleicht er an Gestalt.

30.26 So erscheint der kranztragende Mantrakundige der ganzen Frauenwelt. Blickt er einem Gärtner wohlgesinnt auf dessen Blütengarten, Brahmane,

30.27 während er rezitiert, beginnt dieser selbst vertrocknet zu blühen. Blickt er zornig auf einen blütenreichen Wald, macht er ihn

30.28 wie von einem Waldbrand verbrannt. Wünscht er es erneut, macht er ihn der Regenzeit und dem Frühling gleich.

30.29 Alle seltenen Düfte aus Himmel und Unterwelt strömen dort, wo der kranztragende Mantrakundige verweilt.

30.30 Alle Wesen sind ihm schon bei seinem Anblick wohlgesinnt. Er erfährt überall Sieg und keine Niederlage.

30.31 Befriedung und Stärkung erlangt der Kranzträger rasch und mühelos, auch durch das Tragen des Mantras.

30.32 So ist die Kranzübung erklärt; nun folgt die des Lotus. Unter den Namenslaut setze man Jiva, auf Varuna ruhend.

30.33 Man weihe ihn wie zuvor, meditiere und verehre ihn im Herzen. Außen [gestalte man] innerhalb eines zwölfblättrigen Lotus einen sechsblättrigen,

30.34 mit Samenkapsel und Staubfäden, in einem runden Bezirk. Dort lasse man ihn herabkommen, verehre ihn und opfere Sesam und andere Stoffe.

30.35 Man gehe an einen Lotusbestand und rezitiere den Lotusmantra hundertdreißigtausendmal, bester Weiser.

30.36 Dann opfere man zwanzigtausend Lotusblüten, Brahmane, zehntausend Landlotusblüten mit Honig und zehntausend

30.37 duftende Nagakesara-[Blüten]. Dann entsteht Mantravollendung. Man erlangt großen Wohlstand, frei von Krankheit und Leiden,

30.38 unvergleichliches Glück und überaus schöne Ausstrahlung, frei von Falten und grauem Haar, mit Geld und Getreide ausgestattet.

30.39 Man zeichne mit Safran einen sechsblättrigen Lotus auf Birkenrinde und schreibe in seiner Mitte den Mantra nach der Nyasa-Anordnung, Narada.

30.40 Der zuvor vollendete Lotus gewährt durch sein Tragen alles. So ist das Lotus-Verfahren erklärt; nun folgt das der Muschel.

30.41 Unter den ersten Laut ihres Namens setze man B und L. Nach Vergegenwärtigung des Körpers als vollständige Mantragestalt und nach der Herzverehrung

30.42 gestalte man außen im Mandala einen sechsblättrigen Lotus im Innern einer Muschel. Dort verehre man den Mantra und vollziehe das Feueropfer, Narada.

30.43 Man gehe an einen einsamen Ort mit Quellwasser, Brahmane, und rezitiere achthundertdreißigtausendmal.

30.44 Gesammelt opfere man sechshunderttausend Kumuda-Blüten. Am Ende wird der Mantrakönig für den Übenden vollkommen wirksam, Einsichtiger.

30.45 Durch seine Wirkung entsteht die Fähigkeit, aus der Ferne zu hören. Der Meditation und Rezitation Hingegebene versteht auch die Laute aller Wesen.

30.46 Durch die Macht des Mantraherrn hört er viele Klänge aus der Welt der Götter und Gandharvas, die das Gehör erfreuen.

30.47 Wo immer dieser Mantra nach dem früheren Verfahren eingesetzt wird, erfüllt er rasch das Ziel, [in Verbindung mit] dem Herrn der Hindernisse, Einsichtiger.

30.48 Wer den mit Kampfer, Milch, Nektar und Sandel auf rotes Tuch oder Birkenrinde geschriebenen Mantra trägt,

30.49 dem kommt die ganze Fülle des Gedeihens entgegen. So ist das Muschel-Verfahren erklärt; nun folgt das des Rades.

30.50 [Die Anweisung zur Lautbildung am Versanfang ist beschädigt.] Man versehe [den Laut] mit der Ausstattung, um die Gliedergruppe des Rades zu bilden.

30.51 Man setze ihn in Hand und Körper ein und verehre ihn im Herzlotus. Dann zeichne man ein zwölfspeichiges Rad mit Nabe und Radkranz,

30.52 darin einen sechsblättrigen weißroten Lotus. Das Rad sei wie der Königsstein gefärbt, mit weißer Schneide und flammendem Glanz.

30.53 In seiner Mitte verehre man den Radmantra und vollziehe das Feueropfer. Nach der vollen Opfergabe begebe man sich an einen Waldplatz.

30.54 Man zeichne den Mantra des Radkönigs [Textlücke] oder mit Safran. Im eigenen Selbst verweile die Erkenntnis: „Ich bin das Rad“, Narada.

30.55 Man betrete die Radachse, nehme den gebundenen Lotussitz ein und rezitiere dreihunderttausendmal. Die große Heilpflanze Cakranka

30.56 opfere der Gelübdehalter hunderttausendmal, auf das Rad gerichtet, in einer schönen, mit dem Rad gezeichneten Feuergrube; dazu dreifach Butter [Zahlenbezug unklar].

30.57 Nach dem Feueropfer trete der Übende auf das Rad und rezitiere meditierend hunderttausendmal, bester Weiser. Dann erhebt sich das Rad,

30.58 trägt den Übenden rasch zur Sonnenstätte und führt ihn ungehindert durch alle Welten.

30.59 Wenn er nicht durch Schwinden seiner Mantrakraft in Verwirrung gerät, Weiser, und die innere Prägung „Ich bin das Rad“ bestehen bleibt,

30.60 gibt es in dieser Menschenwelt nichts, was der Mantrakundige nicht durch Handlung, Geist, Sprache, Meditation oder Erinnerung vollbringen könnte.

30.61 So ist das Verfahren des Radmantras erklärt, Narada. Nun spreche ich vom Keulenmantra. Unter seinen Laut setze man

30.62 L und R; darüber komme die ganze zuvor genannte Gliedergruppe. Nach dem Nyasa vollziehe man gründlich die innere und dann die äußere Verehrung, Brahmane.

30.63 Man gestalte einen von acht Keulen umgebenen, leuchtenden, goldenen, sechsblättrigen Lotus und verehre darin den Keulenmantra.

30.64 Nach dem Feueropfer begebe man sich in eine schöne Höhle, Brahmane. Dort rezitiere man achtzigtausendmal und opfere danach

30.65 hunderttausend buttergetränkte Brennhölzer aus rotem Sandel. Am Ende gewährt der Keulenmantra gute Vollendung,

30.66 was das Herz für einen selbst oder einen anderen wünscht. Zuerst fertige der Mantrakundige eine zwei Ellen lange Keule aus Sandelholz,

30.67 verehre sie, nehme sie auf und bespreche sie achthundertmal. Durch einen Schlag auf den Kopf vernichtet er furchtbare schädliche Besessenheitsmächte [rituelle Wirkungsbehauptung].

30.68 Zauberschein, Krankheiten und verschiedene Hemmungen [Lesung unsicher] geraten in seine Gewalt, wenn er die Keule in der Hand schwingt.

30.69 Rasende Elefanten und andere [gefährliche Tiere], Hunde, furchtbare Giftschlangen, kleine schädliche Wesen und sonstige Böswillige werden vernichtet.

30.70 Mit zehn mantrageweihten Schlägen schlage er auf den Boden; dann durchwandert der Gelübdehalter furchtlos alle Wege der Unterwelt.

30.71 Wer den Keulenmantra wie den Radmantra auf Birkenrinde schreibt, ihn mit drei Metallen umhüllt und trägt, hat an allem Wohlergehen teil.

30.72 So ist die Wirkung des Keulenmantras erklärt, Narada. Höre nun gesammelt und unmittelbar von Garuda.

30.73 Mit dem ersten Laut seines Namens verbinde man Vedatman, darüber und darunter Feuer; dann wie zuvor die Vokale.

30.74 Nach Nyasa und Herzverehrung gestalte man in einem quadratischen Mandala, inmitten eines Vajra, einen schön gelben sechsblättrigen Lotus.

30.75 Dort verehre man Garuda, vollziehe vorschriftsmäßig das Feueropfer, gehe auf einen hervorragenden Berggipfel und rezitiere vierhunderttausendmal.

30.76 Danach opfere man einspitzig dreihunderttausend buttergetränkte Sesamgaben mit Shyamaka-Reis, Einsichtiger.

30.77 Dann gewährt ihm der Vogelkönig vollständige Zufriedenheit und erfüllt dem innerlich gereiften Übenden das Gewünschte.

30.78 Wenn der Mantrakundige in der Nacht des achten Tages der hellen Monatshälfte den Mantra rezitiert, den Richtungenkreis betrachtend und rechtsläufig fortschreitend,

30.79 kommen die acht Nagaherrscher der Familien, begleitet von zehntausend Naga-Scharen, mit vorzüglichen Juwelen und dem besten Elixier,

30.80 und stehen furchtsam vor ihm. Wo der Mantrakundige verweilt, wird das Land frei von Schlangen,

30.81 um wie viel mehr von pflanzlichen und inneren Giften. Spinnengiftleiden, Blasenkrankheiten und Gardabha-Leiden, Einsichtiger,

30.82 verschwinden dort selbst dem Namen nach, solange er bleibt. Spielerisch sagt er „Geh, geh!“ zu [einem unsicher bezeichneten Gebissenen oder Giftwesen].

30.83 Dieser geht gewiss in Wald und Wüste. Wer zur [gefährlichen] Zeit selbst tausend Giftmengen verzehrt,

30.84 dabei hingebungsvoll jenen Mantrakundigen erinnert oder dessen Namen nennt, oder wer den Mantra mit Safran auf der Stirn trägt,

30.85 wird von allen Übeln frei und verweilt im Himmel wie der Vogelkönig [nach der Textverheißung]. So habe ich die Größe des Garuda-Mantras im Überblick erklärt.

30.86 Höre nun die Anwendung des Schlingenmantras, Narada. Unter seinen Anfangslaut [setze man] Vishvarupa und Feuer.

30.87 Man versehe ihn sechsmal wie zuvor mit den Kopf[zeichen], setze ihn in Hände und Körper ein und verehre ihn im Herzlotus.

30.88 Im Feuermandala gestalte man einen sechsblättrigen Lotus innerhalb einer Schlinge. Dort verehre man seinen Mantra und opfere Sesam und ungebrochenen Reis.

30.89 Man rezitiere achtzigtausendmal und opfere halb so oft Körner beziehungsweise Senf, mit weißem Senföl bestrichen, Einsichtiger.

30.90 Danach vollziehe man zehntausend Feueropfer mit Butter und Sesam, Narada. Dann wird der Mantrakönig vollendet.

30.91 Von der Menschenwelt aus zieht der Mantrakundige Wesen der Unterwelt herbei; in der Unterwelt befindlich alle Himmelsbewohner, Weiser.

30.92 Entsprechend eingesetzt bewirkt der Mantrakönig Beherrschung, Heranziehung und Austrocknung, ob meditiert oder aufgeschrieben; daran besteht [im Text] kein Zweifel.

30.93 Den mit der vorzüglichen Schlinge verbundenen Mantra setze man ein, Einsichtiger, nachdem er wie zuvor vorschriftsmäßig verehrt wurde. Das jeweilige Ziel erlangt man mühelos.

30.94 Wer ihn mit Rocana, Safran und nächtlichem Wasser geschrieben, mit gelbem Faden umwickelt trägt, Narada,

30.95 braucht eine Frau nur einmal mit liebevollem Blick anzusehen: Sie folgt ihm bis zum Tod [nach der Beherrschungsverheißung].

30.96 Auch welche Frau den Mantrakundigen von fern sieht oder von ihm hört, Brahmane, verlässt ihren eigenen Ort und eilt dorthin, wo er steht.

30.97 Sei sie eine Kinnari, Yakshini, Göttertochter, Vidyadhari, Gandharvi oder Siddha-Frau:

30.98 Vergegenwärtigt er sie im Geist und rezitiert nachts den vorzüglichen Mantra, steht sie am Ende der Nacht erschüttert da, wie von einer Schlinge herangezogen.

30.99 So ist die Schlinge erklärt; nun folgt der Haken. Man verbinde Akarala oben und unten mit dem Feuerlaut,

30.100 versehe ihn wie zuvor mit den Vokalen, setze ihn ein und verehre ihn im Herzen. Man gestalte einen mondsichelförmigen Bezirk, in dessen Mitte einen Lotus

30.101 von der Farbe einer Zinnobermasse. In seine Mitte setze man das Herz ein, verehre vorschriftsmäßig und opfere danach

30.102 nach Vermögen Priyangu, Shyamaka und Sesam. Dann vergegenwärtige man „Ich bin der Haken“ und gehe auf einen Berggipfel.

30.103 Dort rezitiere man dreihunderttausendmal und opfere hunderttausend rote [Blüten unsicherer Art] und ebenso viele schwarze,

30.104 dazu zwanzigtausend Khadira-Brennhölzer, mit scharfem Öl getränkt, Einsichtiger. Danach gebe man die volle Opfergabe

30.105 mit wohlriechender Butter. Dann wird der Mantra vollendet. Von dieser Zeit an vollbringt der Übende mit dem Hakenmantra alle Handlungen,

30.106 spielend und mühelos: Beherrschung, Heranziehung, Entzweiung, Tötung und Vertreibung.

30.107 Wird der Reichtumsherr durch diesen Mantra meditiert und herbeigezogen, gewährt er sämtliches Vermögen; der Tod gewährt Furchtlosigkeit,

30.108 Indra ein Reich, der Wind schnelle Bewegung, Ishvara die Darlegung aller Wissensgebiete, das Feuer Glanz.

30.109 Herbeigezogen bewirkt Varuna Befriedung und Stärkung, der Yakshaherr den Zustand eines Kinnara, der Nagaherr ein Elixier;

30.110 [ein weiterer] gewährt das Wandeln im Himmel, Dhruva einen Brahmanenleib, die Vidyadharas eine Zauberkugel, die Siddhas eine große Augensalbe.

30.111 All dies gewähren sie stets, durch die Wirkung dieses Mantras herbeigezogen. Die zuvor genannte Kugel ist anzufertigen; [der folgende Bezug auf Könige samt Gefolge ist unsicher].

30.112 Der Mantrakundige vollende [sie] durch den mit Meditation verbundenen Hakenmantra. Durch Meditation, Japa, Aufschreiben, Feueropfer und Verehrung, Weiser,

30.113 bewirkt der Hakenmantra das Gewünschte; ebenso die anderen genannten [Mantras] von Kaustubha an, wenn sie nach der vollständigen Vorschrift vollendet wurden.

30.114 Mit Reinheit der inneren Haltung verbunden gewähren sie alles, entsprechend der Kraft des jeweiligen Zeitalters und der Güte der Helfer.

30.115 Die hier von mir genannte Mantraübung gilt für das Krita-Zeitalter. Im Treta wisse die doppelte, im Dvapara die dreifache Zahl,

30.116 im Kali die vierfache. Für den aber, der die innere Haltung versteht, Liebe und Hingabe als Helfer hat und wahrhaft in Vertrauen gegründet ist,

30.117 [Textlücke zur Bemessung] von Japa, Feueropfer und anderem. Deshalb vereinige innere Haltung und Hingabe, Narada.

Alle übrige Übung zusammengenommen kommt dem gleich – oder auch nicht.

So endet im heiligen Pāñcarātra, in der Jayakhya Samhita, das dreißigste Kapitel mit dem Namen „Die Übung der göttlichen Ausstattungen“.


Kapitel 31 – Die Übung der weiteren Gliedermantras

Der erhabene Herr sprach:

31.1 Zuerst gestalte man ein Mandala in der runden Form einer Kadamba-Blüte, mit vielfältigen Farben und einem Lotus, Narada.

31.2 Durch Satya vergegenwärtige man sich als vollständige göttliche Gestalt und verehre im Herzen. Dann lasse man [den Mantra] aus dem Herzen in das zuvor bereitete Mandala herabkommen.

31.3 Man verehre mit vielfältigen reinen, wohlschmeckenden Wurzeln, Früchten und anderem, opfere Sesam und Ähnliches, bester Brahmane, und gehe in einen schönen Wald.

31.4 Dort rezitiere man vierhunderttausendmal, den an seinem Ort gegenwärtigen [Mantra] meditierend, Weiser. Danach bringe man zweihunderttausend Feueropfer dar,

31.5 aus einer Mischung von Zucker, Honig, Butter, Milch, Sesam und Reis, unter der hirschgesichtigen Mudra.

31.6 Man verbinde die Spitzen von Mittelfinger, Ringfinger und Daumen; Zeigefinger und kleiner Finger stehen erhoben und auseinander, Brahmane.

31.7 Diese Mrigi-Mudra, die Hirschgeste, ist überall beim Darbringen der Opfergaben vorgeschrieben. Danach gebe man die volle Opfergabe; der Mantraherr wird vollendet, Brahmane.

31.8 Vorschriftsmäßig eingesetzt gewährt er nach Wunsch göttliche Vollendung. Der Herr macht alle Ebenen der Erkenntnis offenbar.

31.9 Ebenso, bester Brahmane, vergegenwärtige man den Körper allein durch das große Vasudeva-Bija als vollständige göttliche Gestalt.

31.10 Nach der inneren Verehrung gestalte man außen ein schönes rundes Mandala, vollmondgleich, groß und mit einem weißen Lotus in der Mitte.

31.11 Dort lasse man ihn herabkommen und verehre mit weißen Blüten, Salben und ganz weißen Speisen. Man opfere Milch und Reis.

31.12 Dann begebe man sich in einen schönen Wald voller weißblühender Bäume und vollziehe Japa und Feueropfer in der für Satya genannten Zahl, mit Milch, Butter und Reis.

31.13 Am Ende des Feueropfers gewährt Vasudeva sämtliche dauerhaften Vollendungen. Entsprechend eingesetzt offenbart der zufriedene höchste Herr seine eigene Stätte,

die die Verwirklichung der Befreiung gewährt.

31.14 Zuerst setze man Sankarshana in Hände und Körper ein, Weiser [Textlücke].

31.15 Nach der Verehrung im Herzlotus gestalte man außen ein Mandala mit hellem, mit Sattva vermischtem Pulver, Narada,

31.16 deutlich und wie eine strahlende Scheibe, mit einem roten Lotus darin. Dort lasse man ihn herabkommen und verehre hingebungsvoll mit roten Speisen,

31.17 Blüten und Salben. Danach opfere man buttergetränkten Sesam, gebe die volle Opfergabe und gehe

31.18 in einen Ashoka-Wald. Dort rezitiere man vierhunderttausendmal und opfere hunderttausend rote Blüten,

31.19 ferner hunderttausend Safranblüten. Danach gebe man die volle Opfergabe. Dann wird der Mantraherr vollendet und gewährt Vollendung,

31.20 auch ohne eigens eingesetzt zu werden, entsprechend dem Herzenswunsch. Der gesamte als Tiefschlaf bezeichnete Mantraweg wird erkannt.

31.21 Der erhabene Gott selbst offenbart sich den Verehrern in seiner eigenen Stätte als ungeteiltes Sein und führt sie auf den Weg der Befreiung.

31.22 Dann forme man sich durch den Pradyumna-Mantra zum Mantraleib und vollziehe innerlich die Verehrung in der Mitte des Herzlotus.

31.23 Außen gestalte man mit goldfarbenem Pulver ein Mandala samt Lotus, wie eine Kadamba-Blüte, und rufe den Weltenherrn hinein.

31.24 Man verehre ihn mit gelben Blüten und den übrigen gelben Gaben und opfere Butter mit Kurkumapulver und Sesam.

31.25 Nach der vollen Opfergabe gehe man in einen Bananenhain. Dort vollziehe man Japa in der zuvor genannten Zahl, Narada.

31.26 Zuerst mische man enthülsten Sesam mit Safran und wohlriechendem Reis und opfere davon hunderttausend Gaben.

31.27 Kuhmilch, zuvor mit Safran versehen und aufgekocht, opfere man dreißigtausendmal, Weiser.

31.28 Danach opfere man zehntausend buttergetränkte Guggulu-Kugeln von der Größe eines Jujubenkerns,

31.29 ferner zehntausend reine Buttergaben. Man gebe die volle Opfergabe; dann wird der Mantraherr vollendet.

31.30 Ohne besondere Beauftragung gewährt er die Güter der sieben Welten. Er führt auf den Weg der Vollendung und danach auf den Weg der Befreiung.

31.31 Zuerst vergegenwärtige man den Leib durch den Aniruddha-Mantra als vollständige göttliche Gestalt. Nach der vorschriftsmäßigen Herzverehrung lege man außen ein Mandala an,

31.32 mit Pulver in der Farbe der Flachsblüte, schön und rund wie eine Kadamba-Blüte, mit einem Lotus und herrlichem Nektar.

31.33 Dorthinein rufe man den Weltenherrn, strahlend wie die aufgehende Sonne, und verehre ihn mit ganz weißen, reinen Blüten, Salben und den übrigen Gaben.

31.34 Nach einem Feueropfer mit schwarzem Sesam gehe man in einen einsamen Wald und vollziehe dort Japa nach der früheren Bemessung, Narada.

31.35 Halb so oft bringe man Feueropfer aus schwarzem Sesam dar, der einer Flachsblüte gleicht, mit schwarzem Aloeholz vermischt, Brahmane.

31.36 Danach gebe man die volle Opfergabe. Dann wird der höchste Herr erfreut, bester Brahmane, und gewährt, zufrieden, alles.

31.37 Als Aniruddha führt er selbst in die ewige Stätte und zeigt dem Übenden alles Äußere und Innere,

31.38 wodurch dieser sein Ziel erfüllt und an unendlicher Frucht teilhat. Was bedarf es vieler Worte? [Die Übung] ist mit den fünf göttlichen Tätigkeiten verbunden.

31.39 Den siebensilbigen Mantra setze man zuerst in die Hand ein, Brahmane, vergegenwärtige sich als vollständige Gestalt und meditiere ihn wie zuvor zugleich als ungeteilt.

31.40 Nach der Verehrung in der Mitte des Herzlotus rezitiere man an einem einsamen, menschenleeren, schönen Ort in einem baumreichen Wald

31.41 siebenhunderttausendmal, bester Brahmane, verbunden mit der dreifachen Atemregelung, ohne äußere Dienste wie Feueropfer und Verehrung.

31.42 Nach dem Japa erlangt man alle Wünsche, bester Weiser, die Siddhis vom Winzigwerden an und die sechs göttlichen Eigenschaften von Kraft an.

31.43 Zufrieden gewährt dieser treffliche Übende durch ein Wort jedem alles, was dessen Herz wünscht; zornig könnte er die drei Welten verbrennen [nach der Textaussage].

31.44 Götter, Asuras, Nagas, zur Befreiung geeignete Siddhas und durch Yoga vollendete Gottheiten dienen ihm,

31.45 dem mit dem siebensilbigen [Mantra] Verbundenen [Textlücke], dem großherzigen [Satya-Übenden]. Solange Mond und Sterne bestehen, frei von Falten und grauem Haar,

31.46 verweilt der Mantrakundige im eigenen Körper. Am Ende legt er ihn von sich aus ab, bester Weiser, und gelangt zur höchsten Stätte Vishnus,

31.47 von der man nicht wieder in dieses Meer des Werdens zurückkehrt. Die Fünfergruppe von Satya an, Brahmane, ebenso der zusammengesetzte siebensilbige Mantra,

31.48 [werden] mit der Hälfte [des genannten Maßes] an glückverheißendem Japa, Feueropfer und anderem verehrt. Der Mantrakundige soll sie nicht für gewöhnliche Siddhis einsetzen.

31.49 Vorschriftsmäßig verehrt, gewährt er den Übenden von selbst das Gewünschte und am Ende ewige Befreiung.

So endet im heiligen Pāñcarātra, in der Jayakhya Samhita, das einunddreißigste Kapitel mit dem Namen „Die Übung der weiteren Glieder“.


Kapitel 32 – Die Übung von Vighnesha und Vagishvari

32.1 Höre nun kurz die Übung jenes Vinayaka-Mantras, den ich früher erklärt habe, Narada.

32.2 Nach dem Sechsgliedernyasa und der Verehrung im Herzlotus gestalte man ein dreieckiges Mandala,

32.3 mit drei Toren. In seine Mitte zeichne man einen dreiblättrigen Lotus und [verehre] darin nach der früheren Vorschrift, Brahmane.

32.4 Nach Verehrung und Feueropfer nehme man selbst vollständig seine Gestalt an, gehe in einen Wald und rezitiere zweihunderttausendmal, Weiser.

32.5 Man opfere hunderttausend Blüten, bester Weiser, und besonders zwanzigtausend Brennhölzer des weißen Arka,

32.6 ferner zehntausend Buttergaben. Man gebe die volle Opfergabe, Weiser. Dann erscheint der Gott Vinayaka leibhaftig.

32.7 Er sagt: „Ich bin für dich gewonnen; vollziehe die gewünschte Aufgabe!“ Dann erfüllt der treffliche Übende alles in einem Augenblick.

32.8 Man nehme eine Rajarka-Wurzel, bespreche sie hundertmal und vollende sie durch weitere Weihe mit dem Ganesha-Mantra

32.9 als einen auf einem Lotus sitzenden Vighnesha von einem halben Aṅgula Größe. Den Mantra setze man einmal darin ein und umhülle ihn mit Madana.

32.10 Man lege ihn in eine Kupferkapsel und trage ihn auf dem Kopf. In der Schlacht, am Königshof, beim Glücksspiel und im Streit, Einsichtiger,

32.11 erlangt der Mantrakundige den gewünschten Sieg ohne Hindernis. Nach dem Nyasa mit Ganesha [Textlücke] irgendeines [Menschen]

32.12 stehe der Mantrakundige vor ihm; dann erlangt er [das Gewünschte] ungehindert. Man bespreche eine Frucht oder Blüte hundertmal

32.13 und gebe sie einem Feind in die Hand; dann entstehen diesem überall Hindernisse. Man zerreibe Realgar und vermische es mit nächtlichem Wasser,

32.14 verrühre es mit Milch einer braunen Kuh und zeichne damit auf gelbes Tuch die Gestalt Vighneshvaras. In dessen Herzlotus

32.15 setze man den Vighnesha-Mantra. Er gewährt alles Gewünschte [beschädigter Wortlaut]. Wo er im Nordosten eines Hauses aufgestellt ist,

32.16 bleibt, solange er nicht bewegt oder von einem anderen gesehen wird, Lakshmi in jenem Haus, reich an Geld und Getreide.

32.17 Ackerbau, Viehhaltung und Handel tragen ununterbrochen Frucht. Werden Speicher und Schatzkammer nicht immer wieder nachgezählt,

32.18 bleiben sie trotz Ausgaben oder Spenden unerschöpflich. Wer ein Land erreichen oder einen vorzüglichen Gewinn erlangen möchte,

32.19 bereite buttergetränkte, besprochene Modaka-Süßspeisen und opfere sie. Frei von Angst reist er dann, wohin er will,

32.20 nachts oder am Tag, auch unter Bedrohung durch Räuber und Tod, selbst mit Gewändern, Schmuck und Reichtum versehen,

32.21 Tausende von Yojanas allein und ohne Hindernis. Gibt man jemandem mit freundlichem Geist weißen Senf in die Hand, der gründlich durch den Mantra geweiht wurde,

32.22 kommt dieser unter seinen Einfluss. Opfert man mit dem Vighnesha-Mantra Rajasarshapa-Senf,

32.23 mit scharfem Öl vermischt, entsteht augenblicklich Feindschaft selbst zwischen einander Liebenden – um wie viel mehr zwischen Menschen ohne Zuneigung.

32.24 Wessen Namen man nennt, während man nach Nordwesten blickend tausend Krähenfedern opfert, der wird bald vertrieben.

32.25 Man bespreche Guggulu mit weißen Senfkörnern und opfere fünftausendmal unter dem Namen [der Zielperson], Einsichtiger.

32.26 Selbst der Götterkönig kommt am Ende des Opfers aus weiter Ferne herbeigezogen. Zwanzigtausend Oleander-[Blüten], mit rotem Lack vermischt,

32.27 opfere man unter dem Namen eines Menschen; selbst ein Unabhängiger wird gefügig. Opfert der Mantrakundige zehntausend Sesamgaben mit Honig und Butter,

32.28 erzeugt er rasch Zuneigung zwischen einander Verfeindeten. Pulver aus Neem-Blättern, mit Ziegenblut und Gift versehen,

32.29 [nennt der Text für] ein nächtliches Feueropfer unter dem Namen [einer Zielperson] am dunklen Bhuta-Tag. Diese stirbt am Ende des Opfers rasch, Einsichtiger [historische Schadenszauber-Verheißung].

32.30 Vollzieht man die Hälfte [dieses Vollzugs] mit Honig und Butter beziehungsweise zehntausend Opfergaben [Zahlenanschluss unsicher], erweckt man ihn wieder zum Leben [nach der Textbehauptung].

32.31 Durch Feueropfer mit Butter, Milch und Sesam gewährt der Mantraherr der Reihe nach Frieden, Stärkung und Gesundheit ohne Hindernis, Einsichtiger.

32.32 Wer [den Mantra] mit seinen Gliedern durch Rocana auf Birkenrinde in einen achtblättrigen Lotus schreibt und zum Schutz trägt, wird von Leiden frei.

32.33 Seine schädigenden [Geister], angefangen bei Brahmarakshasas, werden vernichtet, Weiser. Das Tragen des Mantras beseitigt [Anfälle von] Apasmriti [Lesung unsicher].

32.34 Auch andere Atigrahas und Skanda-Grahas [Arten von Besessenheitsmächten] vernichtet der Vighnesha-Mantra durch Japa, Meditation und Verehrung.

32.35 Deshalb sollen Übende, die Vollendung wünschen, diesen Mantra zur Besänftigung aller Hindernisse und zur Erlangung umfassenden Wohlergehens tragen.

32.36 So habe ich das Verfahren des Vinayaka-Mantras erklärt. Höre nun aufmerksam das der Vagishvari, Weiser.

32.37 Man vollziehe den Sechsgliedernyasa, beginnend mit dem Grundmantra, und zuerst die Verehrung im Herzlotus. Außen gestalte man ein Mandala in der Form von Mond und Sonne,

32.38 mit einem Lotus, und lasse die Göttin darin herabkommen. Man verehre sie mit sämtlichen weißen Speisen, Blüten und anderen Gaben.

32.39 Das Feueropfer vollziehe man mit weißem Sesam und frischer Butter, Narada. Nach der vollen Opfergabe forme man den eigenen Leib ihrer Gestalt entsprechend.

32.40 Mit ehrfürchtig gesenktem Blick gehe man in einen Kadamba-Wald, rezitiere vierhunderttausendmal und vollziehe danach das Feueropfer:

32.41 hunderttausend Gaben aus weißem Zucker, Weiser, sowie aus wohlriechendem Reis und frischer Butter,

32.42 ferner [Gaben] mit Butter und Milch vermischt sowie Guggulu, Weiser; jeweils zehntausend von jedem Stoff der Reihe nach

32.43 bringe der Mantrakundige dar und gebe die volle Opfergabe. Dann kommt Vagishvari selbst und tritt rasch in seinen Mund ein.

32.44 Die Göttin wird wie ein warmer Wasserstrom empfunden. In kürzester Zeit wird der treffliche Übende zu einem großen Dichter.

32.45 Er versteht ungehindert den Sinn der Schriften, Sanskrit, Prakrit, Apabhramsha und nasal gesprochene [Sprachformen],

32.46 die in verschiedenen Ländern entstanden sind, [Textlücke] durch die Kraft [der Göttin]. Er kennt Vergangenes und Zukünftiges und erfasst zuvor Ungehörtes auf einmal.

32.47 Die Laute von Rigveda, Yajurveda und Samaveda, die gleichzeitig aus den Mündern von Brahmanen hervorgehen, [erfasst er zugleich]; um wie viel mehr, wenn sie getrennt gesprochen werden.

32.48 Auch die Äußerungen vieler überlegener Redner, die als seine Gegner auftreten, nimmt er spielend auf,

32.49 jeden einzelnen in seiner besonderen Form. Selbst in hundert Jahren, Weiser, erschöpfen sich bei ihm weder Rede noch Gegenstände der Erkenntnis, bester Brahmane.

32.50 Oder man meditiere Vagishvari rot leuchtend auf der Zunge und den übrigen [Sprachorganen] innerlich gefestigter Gegner,

32.51 in einem Vajra-Käfig; so erzeugt man Sprachstillstand. Meditiert man sie hingegen auf der Zunge eines Menschen, der sich anvertraut hat,

32.52 innerhalb der Mondscheibe, wie eine Fülle von Schnee leuchtend, Nektar aus ihrem Mund verströmend, und dessen Leib

32.53 als damit übergossen, Brahmane, wird er augenblicklich zum Dichter. Man stelle einen silbernen Krug in die Mitte eines Blütenmandalas,

32.54 gefüllt mit Honig, Wasser und Milch. Darin verehre man die höchste Herrin sieben Tage lang mit weißen Blüten und Salben.

32.55 Wem man am achten Tag eigenhändig drei Handvoll dieses Wassers zu trinken gibt, der wird nach dem Trinken einsichtig.

32.56 Durch Baden oder Eintauchen darin entstehen Befriedung und Stärkung, besonders bei geistiger Trägheit und Unwohlsein [nach der Textverheißung].

32.57 Wer sieben Tage lang täglich hundertfach besprochenen Kalmus isst, Brahmane, wird redegewandt und verständig.

32.58 Man verehre die Göttin einundzwanzig Tage lang in einem weißen Lotus und bringe hingebungsvoll mit Butter versehenen Milchreis als Caru dar.

32.59 Wer diesen vollständig isst, noch mit seiner Wärme und [der vorgestellten] Sättigungskraft versehen, sei es ein Knabe oder ein Mädchen, versteht die Bedeutung vieler Schriften.

32.60 Aus seinem Mund strömen ununterbrochen bedeutende Schriften hervor. Die Kraft gelehrter [Gegner] schwindet schon aus der Ferne, Einsichtiger.

32.61 Durch innere Übung, mit äußerem und innerem [Vollzug verbunden], [kann der Übende selbst] einen unbeteiligten, ungelehrten und unerfahrenen Menschen in einer Versammlung

32.62 auf seine Anweisung hin Veden und Schriften vortragen lassen. Die vollendete Göttin Vagishvari gewährt die Erfüllung aller Ziele.

32.63 Wer Reichtum wünscht, dem gibt sie Reichtum; wer Nachkommen wünscht, dem Nachkommen; wer ein Reich wünscht, dem ein Reich; wer Erfahrung und Genuss wünscht, dem diese.

32.64 Wer Sieg wünscht, dem gibt sie Sieg; wer Frieden wünscht, dem Frieden; wer Stärkung wünscht, dem Stärkung; wer Zufriedenheit wünscht, dem Zufriedenheit.

32.65 Wer Erkenntnis wünscht, dem gibt sie Erkenntnis; wer Befreiung wünscht, dem Befreiung. [Textlücke.] Den Begehrenden gewährt sie die Erfüllung ihrer Wünsche.

32.66 Man gestalte einen achtblättrigen Lotus. Darin [stehe] die Göttin mit dem Namen, die sechs Glieder entsprechend wie zuvor außerhalb.

32.67 Außen gestalte man einen weiteren, sechzehnblättrigen Lotus. Auf jedes Blatt setze man das Herz-Bija dreimal bis zum Bereich der Staubfäden.

32.68 Das Waffen-Bija setze man auf die sechzehn Blätter. Außerhalb dieses Lotus zeichne man einen zwölfblättrigen.

32.69 Kopf, Scheitel und Schutzpanzer kommen auf die Staubfäden beziehungsweise die Blatthälften; den Augenmantra setze man zwölfmal in die Blätter, Weiser.

32.70 Außerhalb des Lotus schreibe man kreisförmig die Lautmütter von A bis Ksha und umschließe sie mit dem Kopfmantra

32.71 siebenmal, bester Weiser. Außerhalb davon Paramatman, verbunden mit Vyomesha und Ahlada, in die acht Richtungen, Einsichtiger.

32.72 Dann [zeichne man] den Windbereich, mit acht Y-Lauten versehen. Die Zwischenräume der Y-Laute fülle man

32.73 mit ungezählten Trailokyaishvaryada-[Lauten], Narada. Danach [gestalte man] einen dreieckigen Bezirk, vom Scheitelmantra erleuchtet,

32.74 mit Svastikas an den [genannten] Ecken und in den drei Richtungen [Lesung uneinheitlich]. Asheshabhuvanadhara, mit Vyomesha verbunden,

32.75 schreibe man außerhalb des Dreiecks in der Zahl der Strahlenstellen [Zahlenbezeichnung unsicher]. Darum lege man das halbmondförmige Wassermandala,

32.76 mit vier vierblättrigen Lotusblüten. In deren Mitte schreibe man jeweils den Schutzpanzer, auf die Blätter den Scheitelmantra.

32.77 Die Zwischenräume der Lotusblüten fülle man mit dem Varaha-Laut, verbunden mit Candri und Vyomesha. Außen [gestalte man] den Erdbezirk,

32.78 mit acht Vajras versehen, vier Aṅgulas [breit beziehungsweise ausgestattet; Bezug unsicher]. Im Innern der Vajras stehe der Waffenmantra; mit ihm, strahlengleich,

32.79 fülle man den ganzen äußeren quadratischen Bezirk. Man nehme Kurkumasaft und Wasser aus einem Lotusbestand,

32.80 Rocana, Saft, Kampfer und nächtliches Wasser. An einem günstigen Tag verehre man zuerst die Herrin der Sprache und zeichne danach

32.81 mit einem goldenen Stift auf Birkenrinde, feines Gewebe oder Tuch. Wer das Yantra, mit drei Metallen umhüllt, trägt, Brahmane,

32.82 dem werden rasch Sprachmacht, Reichtum, Ansehen und Vernichtung seiner Feinde zuteil; selbst in einer überaus furchtbaren Schlacht bleibt er unversehrt [nach der Verheißung].

32.83 Für ihn besteht keine Furcht vor Gift, Schlangen, Feuer und anderem. Durch Tragen, Erinnern und die weiteren [Übungen] erfüllt er sämtliche Wünsche.

32.84 Deshalb soll ein aufrichtiger Vishnuverehrer, der zu allen Zeiten Sieg erstrebt, dies stets sorgfältig am Arm oder am Hals tragen.

So endet im heiligen Pāñcarātra, in der Jayakhya Samhita, das zweiunddreißigste Kapitel mit dem Namen „Die Vorschrift der Mantraübung“.


Kapitel 33: Yoga

Die folgenden Anweisungen gehören zum traditionellen initiatorischen Kontext des Pāñcarātra und sind hier zur Textdokumentation wiedergegeben. Die Verse 57–79 behandeln yogische Todeszeichen und das Verlassen des Körpers; sie sind historische Lehrvorstellungen, keine allgemeine Übungsanleitung oder medizinische Aussage. Der Erhabene sprach: 33.1 Um die Entfaltung des Yoga zu erlangen, soll der Verehrer Viṣṇus Yoga an einem gut geschützten, einsamen Ort üben, frei von störenden Gegensätzen und von günstiger Beschaffenheit. 33.2 Er soll seinen Geist von Hochmut befreien, im Wohl aller Wesen gegründet sein, Gott, heiligem Feuer und Guru Hingabe entgegenbringen und stets Freude an guten Schriften haben. 33.3 Wer den Wesen nicht mehr schadet und seine Sinne beherrscht, nehme auf einem geeigneten, wohlbeschaffenen Sitz Platz. 33.4 Dieser soll aus geeignetem Holz bestehen, vierundzwanzig Fingerbreiten lang und zwölf Fingerbreiten hoch sein, mit einem gut gewaschenen Tuch, 33.5 weichem Kuśa-Gras und einem reinen Fell bedeckt. Darauf sitzend soll er beständig die Glieder des Yoga üben. 33.6 Prāṇāyāma wird aufgrund unterschiedlicher Zeitmaße bei den vier Vorgängen, beginnend mit dem Ausatmen, als geringer, mittlerer und höchster unterschieden. 33.7 Danach soll er Pratyāhāra üben, die Sammlung des Geistes. Buddhi, Manas und Ahaṃkāra – diese drei zusammen werden Citta genannt. 33.8 Insbesondere soll er sich sorgsam um das Zurückziehen des Manas bemühen. Der Geist wird als vierfach beschrieben; durch Pratyāhāra bezwungen, 33.9 bleibt er auf dem Weg seines Betrachtungsziels und weicht davon nicht ab [Lesart unsicher]. Das Herstellen und Betrachten dieses Ziels wird Dhyāna genannt. 33.10 Dann soll Dhāraṇā gefestigt werden, um Kälte und Brennen zu überwinden. Wie zuvor ist sie entsprechend der Zuordnung der Mantras fünffach. 33.11 Mit geschlossenen Augen soll er Japa üben. Der Mantra bezeichnet [das Göttliche]; um das Bezeichnete zu erfassen, besteht er als Piṇḍa, Bīja oder Pada, 33.12 in den drei zuvor erläuterten und durch das vorgeschriebene Verfahren vergegenwärtigten Formen. Auch Yoga wird als dreifach beschrieben; höre nun vollständig davon. 33.13 Es gibt den auf Prakṛti bezogenen, den auf Puruṣa bezogenen und drittens den göttlich-herrlichen Yoga. Erwägen wird Tarka genannt: die auf Vollendung gerichtete Prüfung. 33.14 Samādhi ist die Gewinnung des Selbst und wird als aus dem Selbst hervorgehend bezeichnet. Dabei wird das Betrachtungsobjekt aufgegeben und das Aussprechen des Mantras verlassen. 33.15 Er ist ohne die Verfahren von Teilen und Unterteilungen [Satzbezug unsicher]. Ist Samādhi vollkommen geworden, erlangt man den höchsten Puruṣa. 33.16 Das von Prāṇāyāma bis Samādhi Beschriebene wird durch Unterschiede des Zeitmaßes als zweifach und dreifach bemessen. 33.17 In einer Yogasitzhaltung soll man das angegebene Verfahren ausführen. Die vier Yogasitzhaltungen kann man mit einem Yogagurt stabilisieren: 33.18 Paryaṅka, Kamala, Bhadra oder den festen Svastika-Sitz. In einer davon sitzend, halte man den Leib aufrecht, 33.19 die Glieder und Gelenke frei geordnet, die Oberschenkel geöffnet und den Hals gut ausgerichtet. Beide Arme seien gleichmäßig; den Kopf neige man leicht. 33.20 – erste Nennung An Nabel oder Schoßmitte lege man die Hände in Schildkrötenanordnung, die rechte über die linke oder die linke über die rechte. 33.20 – zweite Nennung Mit nach oben gerichteten Handflächen nehme man die „Schildkrötenform“ ein [Fachausdruck unsicher]. Den Hals halte man sorgfältig, weder übermäßig steif noch gebeugt. 33.22 Die Augen schließe man etwas und richte den Blick auf die Nasenspitze. Der Mund sei geschlossen, ohne die Zähne aufeinanderzupressen [erstes Wort des zweiten Halbverses unsicher]. 33.23 Gut gesammelt übe man Yoga „mit Inhalt“ oder „ohne Inhalt“. Dann bringe man den mit dem Geist verbundenen Atemstrom namens Prāṇa in Bewegung. 33.24 Prāṇāyāma wird als vierfach beschrieben, beginnend mit dem Ausatmen. Stets bemühe man sich, den Geist zu meistern, den selbst Götter und Dämonen schwer bezwingen. 33.25 Obwohl der Geist durch Übung und Nichtanhaftung kraftvoll gesammelt wird, bleibe man sorgfältig dabei und meide das zuvor als hinderlich Bezeichnete [Satzanschluss unsicher]. 33.26 Diese [Hindernisse] sind zweifach: nahe, äußerlich vorhandene und im Geist liegende. Die nahen sind ortsbedingt; [die anderen] entstehen durch geistige Prägungen [unsichere Lesung]. 33.27 An einem Ort ohne Stechfliegen und Mücken, still und ohne ablenkende Gerüche, verweile man mit geschlossenen Augen und zurückgezogenen Sinnen. 33.28 So gebe man die durch äußere Nähe und die durch verschiedenartige Prägungen hervorgerufenen Begrenzungen auf und gründe sich ganz im Betrachtungsziel. 33.29 Den in alle Gegenstände zerstreuten Geist soll man stets zurückführen. Der allenthalben umherschweifende Geist gilt als tamasig. 33.30 Der durch Anhaften und Ähnliches bewegte Geist gilt als rajasig. Sattvig heißt der Geist, der mit dem Bereich seines Betrachtungsziels verbunden ist. 33.31 Der darin ganz aufgegangene Geist aber ist jenseits der Guṇas, o Askesereicher. Solche Meditation „mit Inhalt“ übe man im Zusammenhang mit der Atemsammlung. 33.32 Wiederum wird zum Wohl der Yogins eine Dreiheit beschrieben: Viṣṇu als gegliedert, als ungegliedert und drittens in höchster Gestalt. 33.33 Andererseits ist die Dreiheit als Laut, Raum und Gestalt zu verstehen. Die Gestalt der Gottheit betrachte man als Zielgestalt der Meditation. 33.34 So ist Meditation bis hin zum Raum als letztem [Gegenstand] beschrieben. Man vergegenwärtige das Ziel so lange, bis es nicht mehr als gesondertes Ziel vorgestellt wird. 33.35 Wenn das vorgestellte Sein in Nichtvorstellung übergeht, gilt die eigene wahre Natur als das Höchste. Zunächst übe man das Grobe, dann das Feine und danach das Höchste. 33.36 So lösen sich der Geist und sein Ziel mitsamt den begrenzenden Bedingungen auf. Man meditiere über die Gestalt des Gottes der Götter im Herzenslotus. 33.37 Danach betrachte man das weitere Ziel: das Grobe, das Feine, dann das Höchste. Wer so übt, dessen innere Eigenschaften verfeinern sich. 33.38 [Man betrachte] ein aus Mond, Sonne und Feuer bestehendes Bild, einer Sonnenscheibe ähnlich, auch von weißer Gestalt, das die Verfeinerung der Eigenschaften bewirkt. 33.39 Dann [betrachte man] den feineren Bindu, leuchtend wie eine Rājamudga-Bohne. Man erkenne ihn als über sämtlichen Mantras stehend. 33.40 Dann betrachte man schrittweise [den noch feineren Ursprung] in der Größe eines Rājakā-Samens, auch dessen Erzeuger, an dessen Ende Nāda seinen Sitz hat. 33.41 Nach dessen Auflösung [erscheint] etwas von der Feinheit eines Pferdehaares, das sich stets im Raum bewegt, während der Geist zum Herzen kommt [Satzanschluss unsicher]. 33.42 Darauf betrachte man das Feine von der Größe eines Haupthaares. Durch diese fortgesetzte Meditation wird die Brahma-Nāḍī bald sichtbar. 33.43 Dann meditiere man, in Disziplin gefestigt, auf die Feinheit eines Körperhaares und danach einer Lotusfaser: Dies erhellt die Brahma-Nāḍī. 33.44 Dann wird jene höchste, unvergleichliche Nāḍī gesehen. Durch sie gelange man auf dem Weg des Brahmarandhra zum höchsten Zustand. 33.45 So meditiere man auf das Ungegliederte; auch dieses geht im höchsten Zustand auf. Wer das Höchste übt, gelangt zum Zustand jenseits des gewöhnlichen Geistes. 33.46 Dann offenbart sich das eigene Sein als Brahman. Oder man meditiere entsprechend auf die Lautgestalt, gegliedert und ungegliedert. 33.47 Man meditiere auf den aus Nārāyaṇa bestehenden Mantra, der mit dem Praṇava beginnt und mit Namaḥ endet. Er ist der höchste Herr in gegliederter Lautgestalt. 33.48 Als ungegliedert betrachte man eine einzelne Silbe: kṣauṃ oder hrīṃ [die zweite Lesung ist im Ausgangstext mit Fragezeichen versehen]; noch ungegliederter den darüber befindlichen dreigöttlichen Bindu. 33.49 Die daraus hervorgehende Śakti ist von halbem Maß. Sie löst sich in Nāda auf, und Nāda geht im Höchsten auf. 33.50 So schauen sie durch den Yoga der Meditation das ewige Höchste. Oder man entfaltet Licht und Laut und betrachtet sie. 33.51 Wo man selbst aufgeht, dort ist der höchste Zustand. Oder man betrachte die ewige Wirklichkeit als Raumgestalt. 33.52 Stets betrachte man den dreifachen Raum: außen, innen und jenseits des Scheitels. Wer das Höchste im Inneren des Hauptbereichs meditiert, nimmt nicht wieder am Werden teil. 33.53 Durch solche Meditation entsteht Befreiung; weltliche Erfüllung liegt in der gegliederten Gestalt. Die gegliederte Gestalt des Gottes der Götter hat Viṣṇus Wesen: 33.54 Der Gott trägt Muschel und Lotus, ist mit Keule und Lotus geschmückt, vierarmig, viergestaltig, viergesichtig und mit schönen Augen versehen [Lotus im Original zweimal genannt]. 33.55 Lakṣmī ist an seiner Brust; er reitet auf dem Vogel und ist mit allen Juwelen geschmückt: Kṛṣṇa, der höchste Gott, Viṣṇu, der Siegreiche, der allgegenwärtige Hari. 33.56 Er trägt den Pflug als Waffe, ist Hayagrīva und der Herr in Haris Gestalt, Mensch-Löwe und Ebergestalt, mit Kräften als seinen Gliedern, der große Herr. 33.57 So in der Lebensordnung gefestigt, gebe er die Körpergebundenheit auf, nachdem er zuvor die besonderen Kennzeichen der Reife beziehungsweise des Endes des Körpers erkannt hat [Lesart unsicher]. 33.58 Nachdem der Verbindungsweg geschlossen ist, lasse er den Körperatem durch das Brahmarandhra frei, mittels des Verfahrens des Hinaustretens. 33.59 Wenn er beständig geübt hat, verlasse er meditierend den Leib. Er gelangt zum unvergänglichen höchsten Brahman, das Vāsudeva genannt wird. Nārada sprach: 33.60 Erhabener, ich möchte dies in Kürze hören: die Kennzeichen des bevorstehenden Körperendes und das Anhalten der Bewegung des Atemstroms. Der Erhabene sprach: 33.61 Bei einem Menschen mit maßvollem Essen und Verhalten, der den Übungen zugewandt ist, mit maßvollem Schlafen und Wachen und stets ausgeglichenen Körperbestandteilen, o Nārada, 33.62 hört der beständige, paukenähnliche Klang im Herzen auf; zur kalten und heißen Zeit empfindet er Wärme und Kälte nicht [Lesart des Verbs unsicher]. 33.63 Während er über Licht zwischen den Brauen oder am Dvādaśānta meditiert, erlischt der Klang oder steigt nicht mehr auf, o Weiser. 33.64 Wenn er im Samādhi den inneren Klang im Lotus nicht mehr wahrnimmt, vertrocknen Blut und die schleimartigen Bestandteile im Körper [historische Physiologie; Satzverbindung unsicher]. 33.65 Wenn er den erdhaften Geruch weder innen noch außen wahrnimmt, gilt dies als Zeichen, dass das Ende des Körpers nicht mehr fern ist. 33.66 Wenn er in der Erd-Dhāraṇā gesammelt ist und den genannten Klang nicht wahrnimmt, [soll das Körperende] nach fünf Tagen im fünften Zeitabschnitt eintreten. 33.67 Nimmt er im Samādhi weder Kälte noch Wärme wahr, so fällt der Körper nach vier Tagen im entsprechend bemessenen Zeitabschnitt. 33.68 Wenn er nach dem genannten Verfahren in die Gestaltmeditation eingetreten ist und der Herr der Lichter weder im Herzensraum noch außen erscheint, 33.69 tritt das Körperende am dritten Tag im entsprechenden Zeitabschnitt ein. Wenn der Yogi im luftbezogenen Samādhi verweilt, o Nārada, 33.70 und keine tiefe Freude empfindet, sondern dürstet und zittert, tritt das Ende des Körpers nach zwei Tagen im zweiten Zeitabschnitt ein. 33.71 Wenn er nach dem früher genannten Verfahren in der Raumbetrachtung verweilt und die verschiedenen angenehmen und unangenehmen Gerüche innen wie außen nicht wahrnimmt, 33.72 tritt sein Körperende noch am selben Tag im ersten Zeitabschnitt ein. So betrachtend, o bester Weiser, ist der Yogi allein auf die Meditation gesammelt. 33.73 Er tritt selbst aus dem Körper und gelangt zur Wohnstatt Brahmans, oder er tritt nach der zuvor beschriebenen Verbindung in einen anderen Leib ein. 33.74 Die Zeit des Körperendes ist anhand ihrer Kennzeichen in Kürze erklärt. Nun wird das Anhalten des grundlegenden Atemstroms beschrieben. 33.75 Den „mit Inhalt“ versehenen [Atem beziehungsweise Mantra] erhebe man aus dem Sitz im Herzen bis zur Kalā [Lesung „katalā“ unsicher] und verbinde [ihn] mit Vikarāla ohne Aprameya [technische Lautbezeichnungen; Satzanschluss unsicher]. 33.76 Pradhāna im Halsgrund kehrt nicht zum Herzen zurück. Man vergegenwärtige Pradhāna ohne Vyāpaka in dem [unsicher bezeichneten] Behältnis. 33.77 [Textlücke und beschädigter Mantracode.] So bewirke man den Verschluss der beiden Wege, des linken und des anderen. 33.78 Dann meditiere man auf das unmanifest Leuchtende an Augen, Nase und Mund; am Ende des Mantras oder gesondert auf „vaṣaṭ“, das zur Öffnung im Raum gelangt [Anschluss unsicher]. 33.79 Nachdem er diesen Körper verlassen hat, schreite er zum höchsten Selbst, o Weiser, und suche, vollkommen ausgereift, den ewigen Zustand [Lesart unsicher]. 33.80 So ist dir der gesamte höchste Sinn des Pāñcarātra erklärt. Wie deinen ganzen Schatz sollst du ihn sorgfältig bewahren, o bester Brahmane. 33.81 Diese hervorragende Saṃhitā erhellt alle Erkenntnis. Man soll sie Menschen von schlechter Gesinnung und getrübtem Inneren nicht mitteilen, 33.82 nicht Missgünstigen, Hingabelosen, Betrügern und Heuchlern, besonders nicht jenen, die aus Hochmut den wahren Gehalt meiner Lehre herabsetzen, 33.83 meine Verehrer schmähen, sich an leerer Spitzfindigkeit erfreuen, der Lehre schaden oder sich innerlich ganz einer anderen Lehre zugewandt haben. 33.84 Man soll sie Menschen mit klar unterscheidender Einsicht geben, die ihrem eigenen Dharma hingegeben sind, die Bedrängnis des Saṃsāra fürchten und meiner Verehrung zugewandt sind, 33.85 die zu meiner Weisung Zuflucht genommen haben und nach meiner Ordnung stets mit ganz reinem Blick schauen und mein Wesen vergegenwärtigen. 33.86 Ihnen soll man diese Lehre mitteilen, nachdem man sie ordnungsgemäß eingeweiht oder ihnen zuvor den Mantrakreis und das verehrte Maṇḍala gezeigt hat. 33.87 Nachdem zuerst die Schrift verehrt worden ist, soll ihr Sinn erklärt werden. Dadurch entsteht für beide bald vielfache, bleibende Vollendung.

So endet im heiligen Pāñcarātra, in der Jayākhyasaṃhitā, das dreiunddreißigste Kapitel: „Yoga“. Damit ist die Jayākhyasaṃhitā abgeschlossen.


Spirituelle Bedeutung der Jayakhya Samhita

Die Jayakhya Samhita entwirft eine Beziehung zwischen Welt, Körper und Heiligtum. Was als äußere Ordnung erscheint, wird in der inneren Verehrung wieder aufgenommen; was im Mantra hörbar wird, wird in der Meditation als Gegenwart erfahren. Die Vielfalt der Formen ist deshalb nicht notwendig Zerstreuung: Sie kann zur Sammlung führen, wenn sie auf den einen göttlichen Ursprung bezogen bleibt.

Dabei bleibt das ethische Leben unverzichtbar. Erkenntnis ohne Mitgefühl würde dem Zusammenhang von 4.40–50 nicht gerecht. Ebenso bleibt Hingabe ohne die Bereitschaft zur inneren Klärung unvollständig. Das Werk fordert nicht nur eine heilige Zeit während des Rituals, sondern eine Haltung, die beim Sitzen, Gehen, Essen und im Umgang mit Freunden wie Gegnern Bestand hat.

Swami Sivananda: Die Verbindung von Hingabe, Meditation, Erkenntnis und Dienst eröffnet heutigen Yoga-Aspiranten einen Zugang zu verwandten Themen. Das Bild bezeichnet keine historische Zugehörigkeit Sivanandas zur besonderen Ritualüberlieferung der Samhita.

Die gemeinschaftlichen Riten erweitern diese Sicht über die einzelne Meditation hinaus. Die Bildweihe bittet um Gegenwart zum Wohl der Übenden (20.331–333); das Pavitra-Fest schließt die ehrende Aufnahme der anwesenden Vishnuverehrer ein (21.98). Ahnenverehrung und Bestattung beziehen Erinnerung und Tod in die Gottesbeziehung ein. Der Tagesrhythmus aus Kapitel 22 verbindet Verehrung mit dem Lernen und Nachdenken. Innere Transformation hat damit auch eine zeitliche, soziale und gemeinschaftliche Gestalt.

Die Unterscheidung von Macht und Freiheit bleibt dabei entscheidend. Nicht jede im Werk beschriebene Wirkung eines Mantras ist schon Befreiung. Kapitel 31.48–49 gibt der Lektüre eine Richtung: Besondere Kräfte sollen das höchste Ziel nicht verdrängen. Für heutige Aspiranten lässt sich darin eine Prüfung der eigenen Motivation erkennen: Dient die Übung der Klarheit, dem Mitgefühl und dem Loslassen – oder verstärkt sie den Wunsch, über andere zu verfügen?

Für heutige Leser liegt darin eine ermutigende Perspektive: Der Weg beginnt nicht erst bei außergewöhnlichen Erfahrungen. Er beginnt mit einer aufrichtigen Frage, einer verlässlichen Übung, einem freundlich gesprochenen Wort und der Bereitschaft, das eigene Festhalten wahrzunehmen. Die hohen Aussagen über Selbstverwirklichung gewinnen so Boden im Alltag.

Eine heutige Erläuterung zu Bhakti Yoga als Ergänzung zum Studium:

Fünf zentrale Lehren der Jayakhya Samhita

1. Das Göttliche ist innerlich gegenwärtig. In 4.24–25 wohnt der Herr im Herzen aller Wesen und durchdringt zugleich das Ganze. Die Bewegung der Verehrung führt deshalb nicht nur nach außen, sondern auch zur Entdeckung einer tragenden inneren Gegenwart.

2. Erkenntnis braucht einen geläuterten Lebensvollzug. 4.40–50 verbindet die höhere Erkenntnis mit Wahrhaftigkeit, Nichtverletzen, Geduld, Großzügigkeit und Mitgefühl. Das gute Handeln ist hier kein vom spirituellen Leben unabhängiger Zusatz, sondern bereitet seine Verwirklichung.

3. Mantra und Hingabe gehören zusammen. Die Darstellung der Mantramacht steht neben der Mahnung, nicht nach besonderen Kräften zu gieren (5.11) und die höchsten Mantras nicht für gewöhnliche Siddhis einzusetzen (31.48–49). Der Mantraweg gewinnt seine Richtung aus der Hinwendung zur Gottheit und der Freiheit vom besitzergreifenden Begehren.

4. Unterweisung soll dem Menschen entsprechen. 5.8–10 beschreibt einen Guru, der die Verfassung und Fähigkeit des Schülers erkennt. Die ausführliche Einweihungslehre der Kapitel 16–18 gehört in diesen Zusammenhang von Vorbereitung, Befähigung und Verantwortung.

5. Form kann zur Formüberschreitung führen. 33.34–36 beschreibt die Entwicklung vom Betrachtungsobjekt zur Auflösung trennender Begrenzungen. Gottheitsbild, Laut und Sammlung dienen der Erkenntnis einer Wirklichkeit, die sich nicht in ihrem einzelnen Ausdruck erschöpft.

Fünf Anregungen für heutige Aspiranten

1. Beginne den Tag mit stiller Gegenwart. Setze dich einige Minuten ruhig hin. Erinnere dich an das Göttliche im Herzen und lasse den natürlichen Atem unangestrengt fließen. Dies ist eine einfache heutige Anregung zu 4.24, keine verkürzte Nachbildung des technischen Yogarituals.

2. Wiederhole ein vertrautes Mantra aufmerksam. Nimm das Mantra, das dir bereits vertraut ist oder in das du eingeführt wurdest. Verbinde die Wiederholung mit Dankbarkeit; achte mehr auf deine Gegenwart als auf besondere Erlebnisse. Als Orientierung dient die nicht nach Kräften gierende Haltung von 5.11.

3. Mache eine kleine Darbringung bewusst. Stelle eine Blume oder ein Licht vor dein vertrautes Gottesbild. Bringe innerlich auch eine Sorge, ein Vorhaben oder deine Dankbarkeit dar. Die Verbindung innerer und äußerer Verehrung findet ihren ausführlichen traditionellen Ausdruck in Kapitel 12–13.

4. Übe Wahrhaftigkeit ohne Härte. Wähle täglich eine Begegnung, in der du besonders sorgfältig sprechen möchtest. Frage dich: Ist es wahr? Ist es nötig? Kann ich es freundlich sagen? Die Verbindung wahrer und nicht verletzender Rede wird in 4.48 ausdrücklich genannt.

5. Verbinde Dankbarkeit mit Selbstprüfung. Denke abends dankbar an Menschen, von denen du gelernt hast. Prüfe ohne Selbstabwertung, wo du heute aus Klarheit und wo aus Anhaften gehandelt hast. Verbinde die Ehrung des Lehrers aus 1.58–64 mit der Unterscheidungskraft, die 3.26 als Weg zur Freiheit beschreibt.

Siehe auch

Literatur

  • Jayākhyasaṃhitā, herausgegeben von Embar Krishnamacharya. Baroda Oriental Institute, Baroda, 1957; bibliographische Angaben nach dem Kopf des elektronischen Textes M00123.
  • Muktabodha Indological Research Institute: jayākhyasaṃhitā, elektronischer Text M00123 in IAST und Devanagari, Revision 0, 17. September 2008; Transkription unter Leitung von Mark S. G. Dyczkowski. Dies ist die unmittelbare Grundlage der Ausgabe.
  • Zur vergleichenden Lektüre: Bhagavad Gita, besonders die Kapitel über Bhakti, Meditation und das höchste Selbst; Sattvata Samhita, Paushara Samhita und Ahirbudhnya Samhita zur weiteren Pāñcarātra-Literatur.

Weblinks

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Textgrundlage und Hinweise zur Übersetzung

Grundlage ist der elektronische Text M00123 des Muktabodha Indological Research Institute, jayākhyasaṃhitā, Revision 0 vom 17. September 2008. Der Dateikopf nennt Embar Krishnamacharya (Kṛṣṇamācārya Embar) als Herausgeber, das Baroda Oriental Institute als Verlag und 1957 als Erscheinungsjahr. Die Transkription erfolgte durch Mitarbeitende von Muktabodha unter Leitung von Mark S. G. Dyczkowski. Diese bibliographischen Angaben sind dem Dateikopf entnommen; die Druckausgabe wurde nicht neu kollationiert.

Die 33 Kapitel werden in der Reihenfolge der Textgrundlage wiedergegeben. Sanskritische Zwischenüberschriften in eckigen Klammern und eingeklammerte Lesarten gehören zur editorisch gegliederten Textgestalt; sie sind von den Versen und Sprecherangaben zu unterscheiden. Fragezeichen, Sternchen und längere Strichfolgen bleiben sichtbar. Seitenmarker wurden entfernt, Zeilenumbrüche und MediaWiki-Gliederung ergänzt. Die Ausgabe ist keine neue kritische Edition.

Besondere Stellen: Kapitel 1 enthält nach dem unnummerierten Schluss-Halbvers des Grundabschnitts einen als adhikaḥ pāṭhaḥ gekennzeichneten Zusatz mit eigener Zählung 1–163. In Kapitel 5 folgt auf 35 die Nummer 46; daraus allein lässt sich keine Lücke von zehn Versen ableiten. Kapitel 15 zählt zwischen 150 und 152 nochmals 51. Kapitel 20 wiederholt 26 und 304. In Kapitel 30 endet Vers 14 mit nur einem Schlussstrich. Kapitel 33 zählt zweimal 20 und danach 22. Diese Angaben werden nicht stillschweigend berichtigt. Die Zahlenfolgen der beiden Schriftfassungen stimmen an diesen Stellen überein; das ist keine unabhängige Bestätigung der Lesarten.

Ausdrücklich markierte Textausfälle finden sich unter anderem in 4.10, 16.296, 20.372 sowie in den Kapiteln 21, 23, 24 und 28–33. Unsichere Buchstaben und alternative Lesungen sind auch andernorts gekennzeichnet. Fehlende Silben, insbesondere von Mantras, wurden nicht ergänzt. In 24.27 enthält der elektronische Text die gestörte Folge „kṛtvaivaḥxx0 / m“ beziehungsweise „कृत्वैवःxx० / म्“. Die nichtsprachlichen Zeichen „xx0“ und „xx०“ sind im Sanskritartikel durch „[Textstörung]“ ersetzt; damit ist keine Wiederherstellung des Wortlauts verbunden.

Quellenvermerk und Lizenz: Muktabodha Indological Research Institute, elektronischer Text M00123, laut Dateikopf Creative Commons BY-NC 4.0. Die ursprüngliche Quellen- und Lizenzangabe bleibt für den übernommenen Sanskrittext maßgeblich. Lizenztext.

Die deutsche Übersetzung umfasst alle 33 Kapitel sowie den gesondert gezählten Zusatz zu Kapitel 1. Sie folgt dem vorhandenen Grundtext in beiden Schriftfassungen. Unnummerierte Halbverse und Kolophone sind einbezogen; unsichere Lesungen und beschädigte Satzanschlüsse bleiben kenntlich. Die beiden Schriftfassungen sind keine voneinander unabhängigen Textzeugen. Die vollständige Übernahme ersetzt keine kritische Prüfung an Handschriften.

Zur Ausgabe: Einführung und deutsche Übersetzung · Sanskrit in IAST · Sanskrit in Devanagari · 108 inspirierende Verse und Mantras