Lakshmi Tantra

Aus Yogawiki

Lakshmi Tantra (Sanskrit: लक्ष्मीतन्त्र, Lakṣmītantra) erschließt eine weite Sicht auf die Göttliche Mutter: Lakshmi ist hier die allgegenwärtige Kraft des höchsten Göttlichen, schöpferisches Bewusstsein, Quelle der Erkenntnis und Weg zur Befreiung. Das Werk gehört zur vaiṣṇavischen Pāñcarātra-Tradition. Sein geistiges Zentrum ist die untrennbare Zusammengehörigkeit von Lakshmi und Narayana. Wie Mond und Mondlicht gehören beide zusammen: unterscheidbar und doch untrennbar (1.43–45; 2.11–19).

Lakshmi: Im Lakshmi Tantra erscheint sie als Erkenntniskraft, schöpferische Gegenwart und Mutter der Welten.

Wer Lakshmi vor allem als Göttin des Wohlstands kennt, begegnet hier einer umfassenderen Lehre. Das Lakshmi Tantra fragt nach dem Ursprung der Welt, nach dem Verhältnis von Bewusstsein und Materie, nach Mantra und Gnade. Es verbindet diese Fragen mit Bhakti, Puja, Einweihung und Yoga. Auch die Frage, warum eine göttlich getragene Welt Leid enthält, wird ausdrücklich gestellt: Indra fragt, ob eine Schöpfung ohne Leid nicht besser wäre (3.32). Die Schrift lässt die Suche nach Verständnis selbst Teil des spirituellen Dialogs werden.

Für heutige Aspiranten kann daraus eine fruchtbare Haltung entstehen: die Welt aufmerksam wahrnehmen, sich dem Göttlichen in Liebe zuwenden und zugleich nach dem Wesen der eigenen Erfahrung fragen. Hingabe und Erkenntnis stehen im Lakshmi Tantra in einem lebendigen Zusammenhang. Lakshmi erklärt, dass sie aus Mitgefühl befreiende Erkenntnis zugänglich macht (3.18–20).

Die Sanskrittexte: Vollständige vorhandene Textfassung in IAST · Vorhandene Textfassung in Devanagari.

Umfang dieser Ausgabe: Die deutsche Übersetzung umfasst alle 50 Hauptkapitel und den gesamten erhaltenen Zusatzbestand bis Kapitel 57. Die bereits in der Vorlage vorhandenen Lücken bleiben gekennzeichnet; Kapitel 56 fehlt vollständig. Die Ausgabe ist eine textnahe Lesefassung mit ausdrücklich markierten Unsicherheiten, keine neue kritische Edition.

Was Yoga-Aspiranten aus dem Lakshmi Tantra lernen können

Das Göttliche als Bewusstsein und lebendige Kraft betrachten. In 2.11–19 beschreibt Lakshmi ihre Beziehung zu Narayana als untrennbares Zusammengehören. Wenn du meditierst, kannst du diese Aussage als Betrachtungsfrage aufnehmen: Wie gehören die stille Gegenwart des Bewusstseins und die Lebendigkeit der Erfahrung zusammen? Lass die Frage einen Moment nachklingen, bevor du nach einer begrifflichen Antwort suchst.

Mit Fragen in die Tiefe gehen. Anasuya fragt nicht nach äußerem Gewinn, sondern nach einer Erkenntnis, durch die ihr Leben Erfüllung findet (1.13–16). Auch Indra wünscht nach der Schau der Göttin vor allem Unterweisung (1.56–59). Das lädt dazu ein, im spirituellen Leben immer wieder nach dem Wesentlichen zu fragen.

Hingabe mit Einsicht verbinden. In 3.18–20 wird Erkenntnis als Ausdruck göttlichen Mitgefühls beschrieben. Bhakti kann das Herz öffnen; sorgfältige Betrachtung kann helfen, Verwechslungen zu erkennen. Beides darf sich gegenseitig vertiefen.

Vielfalt achten, Unterschiede verstehen. In 1.41–45 deutet der Text mehrere religiöse Wege auf ein gemeinsames höchstes Ziel hin. Aus der Sicht dieser Schrift eröffnet sich so ein weiter Blick auf spirituelle Wege. Beim vergleichenden Studium darfst du ihre Gemeinsamkeiten würdigen und ihre Eigenarten aufmerksam kennenlernen.

Die eigenen Erfahrungen erforschen. Der Text unterscheidet das Bewusstsein von den Vorstellungen „Ich“ und „Mein“, die sich an Körper und Erfahrungsgegenstände binden (3.16–18). Du kannst im Alltag beobachten, wann aus einer Erfahrung eine starre Selbstzuschreibung wird. Eine solche Selbstbeobachtung verbindet Yoga mit einem achtsamen Umgang mit anderen.

Ein Zugang für dein Studium

Du musst die ganze Ritual- und Lautlehre nicht auf einmal erfassen. Beginne mit einer Frage, die dich berührt, lies einen überschaubaren Abschnitt und lass einen Gedanken daraus deinen Tag begleiten. Die 108 ausgewählten Verse bieten dafür einen Einstieg; über die Konkordanz gelangst du zur jeweiligen Stelle der vollständigen Übersetzung.

  • Du suchst innere Klarheit? Lies Kapitel 14 über das unmittelbar gegenwärtige Bewusstsein. Frage dich anschließend, was beim Wechsel deiner Gedanken und Wahrnehmungen gegenwärtig bleibt.
  • Du möchtest Vertrauen und Hingabe vertiefen? Beginne mit Kapitel 17 und dem Zufluchtsgebet in 50.214–222. Wohlwollen und die Bereitschaft, Hilfe anzunehmen, gehören hier zusammen.
  • Du suchst eine Brücke in den Alltag? Kapitel 27 verbindet spirituelle Übung mit Wahrhaftigkeit, Gewaltlosigkeit und dem Wohl anderer. 40.108 ermutigt zur Verehrung auch mit einfachen Mitteln.
  • Du möchtest Mantra und Meditation besser verstehen? Lies Kapitel 18, Kapitel 24 und Kapitel 43. Ergänzend erläutert der Abschnitt Wichtige Mantras ausgewählte vollständig belegte Formeln.

Für das genaue Lesen stehen dir IAST mit diakritischen Zeichen und Devanagari zur Seite. Alle drei Fassungen sind kapitelweise miteinander verbunden. Die fünf Praxisanregungen unterscheiden heutige Anwendung und traditionelle Textanweisung.

Titel, Tradition und Stellung des Lakshmi Tantra

Lakṣmī ist der Name der Göttin, die auch Shri genannt wird. Tantra bezeichnet hier eine umfassende religiöse Lehrschrift. Die wiederkehrenden Kapitelkolophone ordnen das Werk ausdrücklich dem heiligen Pancharatra zu. Im Zentrum stehen Vishnu, Narayana und Vasudeva, seine göttlichen Entfaltungen und die mit ihm untrennbar verbundene Shakti.

Die Bezeichnung Tantra bedeutet hier daher nicht automatisch Zugehörigkeit zum Kaula-Shaktismus oder zur Sri Vidya. Zugleich wäre es zu eng, jede Beziehung zu anderen Göttinnenvorstellungen auszuschließen: Kapitel 4 nennt unter anderem Durga, Kali und Saraswati als Manifestationen innerhalb der eigenen Lakshmi-Theologie. Entscheidend ist, wie das Werk diese Namen in seine Pāñcarātra-Perspektive einordnet.

Sprecher und Dialograhmen

Der Rahmen besitzt mehrere ineinander eingebettete Gespräche. Anasuya fragt ihren Gemahl Atri nach Lakshmis Wesen. Atri berichtet von Weisen auf dem Malaya-Berg, die Narada befragen. Narada erzählt, wie Brihaspati Indra zur Verehrung Lakshmis führt. Nach ihrer Erscheinung wird Lakshmi selbst zur Lehrerin Indras. Indras Name Śakra bezeichnet dabei denselben Gesprächspartner.

Der Weg zur Lehre beginnt mit einer Verneigung, einer ernsthaften Frage und dem Wunsch nach Erkenntnis. Der Text zeigt damit ein Guru-Schüler-Verhältnis, in dem Hingabe und fragendes Verstehen zusammengehören.

Lakshmi als göttliche Shakti

Lakshmi ist im Lakshmi Tantra weder bloß ein äußeres Attribut Vishnus noch allein eine Spenderin weltlicher Güter. Sie bezeichnet sich als sein ewiges Ich-Sein (2.12–15), als höchste vaiṣṇavische Wirklichkeit und als unbegrenztes Bewusstsein (3.1–2). Ihre schöpferische Kraft entfaltet die Welt, ohne dass die höchste Wirklichkeit dadurch erschöpft würde.

Die Schrift unterscheidet sechs göttliche Eigenschaften (2.24–36):

Begriff Sinn im Zusammenhang des Textes
Jñāna Erkenntnis und allsehendes Bewusstsein.
Aiśvarya Ungehinderte Herrschermacht und freier Wille.
Śakti Kraft, aus der die Welt hervorgeht.
Bala Müheloses Hervorbringen und Tragen.
Vīrya Unverminderte Wirkkraft: das eigene Wesen bleibt auch im Hervorbringen unversehrt.
Tejas Unabhängigkeit von mitwirkenden Ursachen; auch überwältigende Strahl- und Durchsetzungskraft.

Die Wörter besitzen über ihren Alltagsgebrauch hinaus einen besonderen theologischen Sinn. Vīrya wird hier deshalb nicht einfach mit körperlicher Stärke, Bala nicht bloß mit Muskelkraft übersetzt.

Narayana und Lakshmi – Bewusstsein und Kraft

Das Bild vom Mond und seinem Licht macht ihre Beziehung anschaulich (1.44; 2.11). Der Mondschein ist nicht unabhängig vom Mond; dennoch kann man sinnvoll vom Licht sprechen. Ähnlich unterscheidet das Lakshmi Tantra Narayana als die Ich-Wirklichkeit und Lakshmi als ihr Ich-Sein. Beide sind aufeinander bezogen und niemals voneinander getrennt (2.16–19).

Mit „Ich-Sein“ ist hier keine egoistische Selbstbehauptung gemeint. Der Text spricht auf dieser Ebene vom höchsten Selbst. Davon unterscheidet er später die begrenzende Selbstzuschreibung des einzelnen Lebewesens. Wer diese beiden Ebenen auseinanderhält, kann die Lehre lesen, ohne das alltägliche Ego vorschnell zum höchsten Göttlichen zu erklären.

Die Vergleichbarkeit mit Shiva-Shakti-Vorstellungen liegt im Gedanken der untrennbaren göttlichen Kraft. Die konkreten Namen, göttlichen Entfaltungen und religiösen Zusammenhänge bleiben jedoch diejenigen des Pāñcarātra.

Kosmos, Schöpfung und göttliche Energie

Das Lakshmi Tantra unterscheidet eine reine göttliche Entfaltung von der durch die drei Gunas geprägten Welt. Kapitel 2 erläutert die reine Ordnung. Kapitel 3 erklärt den Übergang zur Dreiheit Sattva, Rajas und Tamas. Die Zuordnung lautet dort: Erkenntnis entfaltet sich als Sattva, Herrschermacht als Rajas und Shakti als Tamas (3.5–9). Gemeint ist eine bestimmte kosmologische Entfaltung, keine Gleichsetzung jeder Erkenntnis mit einem begrenzenden Guna.

Die Vyuhas sind göttliche Entfaltungen mit jeweils betonten Eigenschaftspaaren. In Vasudeva bleiben die sechs Eigenschaften gemeinsam gegenwärtig; Sankarshana wird mit Erkenntnis und Stärke, Pradyumna mit Herrschermacht und unverminderter Wirkkraft, Aniruddha mit Shakti und Tejas verbunden (2.45–54). Wie ein Schauspieler verschiedene Rollen annimmt, ohne viele voneinander unabhängige Personen zu werden, entfaltet sich die eine Göttin zum Wohl der Welt (2.55–56).

Auch das Bewusste und das Unbewusste werden unterschieden. Die begrenzt erfahrenden Wesen identifizieren sich unter dem Einfluss der Unwissenheit mit dem, was sie erfahren. Ihre Befreiung besteht in der Überwindung dieser Verwechslung durch Erkenntnis (3.15–20). Die kosmologische Sprache mündet so in eine Frage der eigenen Erfahrung.

Die Tattva-Lehre verbindet diese kosmische Sicht mit dem Menschen: Aus Prakriti entfalten sich Erkenntnisvermögen, Ichzuschreibung, Sinneskräfte, feine Qualitäten und grobe Elemente (Kapitel 5–7). Maya bezeichnet je nach Zusammenhang verhüllende Macht und eine göttliche Kraftgestalt; sie ist hier nicht überall einfach mit „Unwirklichkeit“ zu übersetzen. Kapitel 12 beschreibt Verhüllung, Schöpfung, Erhaltung und Auflösung; Kapitel 13 ergänzt die befreiende Gnade. Diese fünf Tätigkeiten werden in den späteren Mantra- und Meditationslehren wieder aufgenommen.

Zeit ist ebenfalls von Lakshmis Kraft umfasst: In 50.111–112 misst sie selbst die Zeit und eröffnet deren Überschreitung. Innere Auflösung bedeutet entsprechend ein Zurückführen der Wirkungen in ihre Ursachen und zuletzt in göttliches Bewusstsein; Kapitel 54 gestaltet diese Bewegung als rituelle Meditation. Das ist eine eigene kosmologische und liturgische Ordnung, keine Beschreibung naturwissenschaftlicher Entstehungsprozesse.

Bhakti, Erkenntnis und Befreiung

Die Beziehung zwischen der reinen und der gebundenen Ordnung beschreibt die Göttin als die von Beschützendem und Schutzbedürftigem (3.19–20). Erkenntnis ist dabei kein rein intellektueller Besitz. Sie wird als rettende Hinwendung des Göttlichen beschrieben.

Zugleich nimmt das Werk menschliche Fragen ernst. Indras Einwand gegen eine leidvolle Schöpfung in 3.32–35 wird mit dem Zusammenhang von Karma und göttlichem Handeln beantwortet. Diese Antwort gehört zur Theologie des Textes. Sie sollte nicht dazu verwendet werden, leidenden Menschen Schuld zuzuweisen oder tätiges Mitgefühl zu ersetzen.

Die spätere Lehre der Zufluchtnahme macht diesen Zusammenhang besonders deutlich. Kapitel 17 verbindet Selbstübergabe mit Wohlwollen, dem Meiden schädlichen Verhaltens, Demut, Vertrauen und der Bitte um Schutz. Kapitel 50 schließt den Hauptteil mit einem Gebet, in dem die Göttin zugleich Ziel und Weg ist (50.214–222). Hingabe wird damit auch dort möglich, wo ein Mensch seine begrenzte Kraft und Unzulänglichkeit erkennt.

Aufbau des Lakshmi Tantra

Der Hauptbestand umfasst Kapitel 1–50. Daran schließen sich in der Edition aus einer zusätzlich herangezogenen Handschrift weitere Kapitel unter der Bezeichnung Lakṣmītantroddhāra beziehungsweise Tantrārthasaṃgraha an. Ihre Zählung reicht bis 57. Sie werden hier als Zusatzteil bewahrt und nicht stillschweigend mit der Hauptüberlieferung gleichgesetzt.

Die ersten Kapitel behandeln den Dialograhmen, die göttlichen Eigenschaften, die reine Entfaltung und die Welt der drei Gunas. Spätere Kapitel entfalten Mantra, Sprache, Meditation und Ritual. Kapitel 49 behandelt die Einsetzung göttlicher Gegenwart in Bildgestalten; Kapitel 50 widmet sich ausführlich dem Śrīsūkta. Der Zusatzteil fasst Lehre und Praxis erneut zusammen.

Überlieferungslücke: Am Anfang von Kapitel 51 vermutet die Edition fehlende Verse. Nach 55.19 bricht der Text ab; das Ende von Kapitel 55, das gesamte Kapitel 56 und der Anfang von Kapitel 57 fehlen nach ausdrücklichem Editionsvermerk. Beide bereitgestellten Erfassungen weisen auf diese Lücke hin.

Kapitel Thematischer Zusammenhang
1–4 Offenbarung der Lehre, Lakshmi–Narayana, sechs göttliche Eigenschaften, reine und durch Gunas bestimmte Entfaltung, Mahalakshmi.
5–7 Naturprinzipien, Sinne, Geist, Hüllen und das erkennende Selbst.
8–11 Göttliche Erscheinungen, Vishnus Vyuhas und die begleitenden Kräfte Lakshmis.
12–17 Verhüllung und Gnade, Bewusstsein und Jiva, Erkenntniswege, Yoga und Zufluchtnahme.
18–26 Ursprung der Sprache, Mantramutter, Lautordnung, Lehrer und Schüler, Om und die sieben heiligen Lautkräfte.
27–33 Tarika und Lebensführung, Tagespraxis, Feuer und Soma, Sudarshana, Mantragestalten und Gliedermantras.
34–40 Mudras, Reinigung, innere und äußere Verehrung, göttlicher Kreis, Gaben, Gebetskette, Feueropfer und tägliche Ordnung.
41–43 Einweihung, Weihebegießung, Mantraanwendungen, vielfältige Yogawege und Schulung des Geistes.
44–49 Großer Wortmantra, Lakshmi, Kirti, Jaya und Maya; ihre Verwirklichungslehren; abschließend die Weihe des Gottesbildes.
50 Herkunft und Anwendung des Shri Sukta, Deutung von 53 Namen, abschließende Zuflucht und Weitergabe der Lehre.
51–55 Zusammenfassung von Bewusstsein, Sprache, Mantra und Ritual; innere Reinigung und Gottesvergegenwärtigung. Anfang von 51 und Ende von 55 lückenhaft.
56–57 Kapitel 56 fehlt. Der erhaltene Schluss von 57 behandelt Japa, Überlieferung und Zuflucht und schließt mit Lakshmi–Narayana-Verehrung.

Mantra, Klang und Bewusstsein

Das Lakshmi Tantra betrachtet heilige Sprache im Zusammenhang mit der göttlichen Bewusstseinskraft. Einen einfachen Zugang eröffnet 14.27: Wie könnte ein Sprecher von einem Laut zum nächsten gelangen, wenn nicht zwischen ihnen die eine Bewusstseinsgegenwart bestünde? Der Satz fordert dazu auf, nicht nur die einzelnen Laute zu beachten, sondern auch das Bewusstsein, in dem sie erklingen.

Kapitel 18 entfaltet diesen Zusammenhang ausdrücklich: Lakshmi nennt sich die Mutter aller Mantras (18.18) und vergleicht deren Hervortreten mit Wellen im Ozean des Bewusstseins (18.37–38). Die Folge von Nada, Bindu, Pashyanti, Madhyama und Vaikhari beschreibt zunehmend bestimmte Ebenen von Klang und Bedeutung (18.22–27). Die weitere Mantralehre führt dies in einer eigenen rituellen Systematik fort. Bija, Lautfolgen, Nyasa und Diksha sind dabei in ihrem jeweiligen Kontext zu lesen. Aus einer verschlüsselten Beschreibung wird nicht durch bloßes Vermuten eine zuverlässig rezitierbare Formel.

Für heutiges Japa lässt sich aus 14.27 die Anregung gewinnen, einen vertrauten, bereits erlernten Mantra aufmerksam zu wiederholen: den Klang hören, die Aufmerksamkeit freundlich zurückführen und auch seine Einbettung in Stille wahrnehmen. Das ist eine heutige Praxisanregung auf Grundlage der Bewusstseinslehre, keine Übersetzung eines speziellen Mantra-Rituals.

Yoga und Meditation im Lakshmi Tantra

Der Text kennt ein differenziertes Nachdenken über Wachzustand, Traum, Tiefschlaf und Turiya. Diese Begriffe werden je nach Zusammenhang auf Erfahrung, göttliche Entfaltung und meditative Zustände bezogen. Sie sollten nicht ohne Prüfung miteinander gleichgesetzt werden. Besonders 13.36–38 unterscheidet die Zustände vom eigentlichen Bewusstseinswesen des Jiva.

In 16.30–33 werden zwei Formen des Yoga genannt: Samadhi als unmittelbares Ruhen im höchsten Brahman und Samyama als heilsames, ganz auf das höchste Selbst ausgerichtetes Tun. Beim vergleichenden Lesen der Yoga Sutra lohnt es sich, auf diesen besonderen Gebrauch von Samyama zu achten: Gleichlautende Begriffe können in verschiedenen Schriften unterschiedliche Schwerpunkte besitzen.

Kapitel 14 verbindet feine Meditation mit Hingabe. In 14.32 wird ein Inneres beschrieben, dessen Verlangen nach Gegenständen zur Ruhe kommt und das durch Gottesliebe aufblüht. Sammlung erscheint dadurch als klare, von Liebe getragene Gegenwart. Du kannst diese Verbindung beim Lesen pflegen: aufmerksam verstehen und zugleich das Herz für die angesprochene Wirklichkeit öffnen.

Kapitel 43 erweitert die meditativen Zugänge: innere Rücknahme der Welt, Bewusstsein ohne begrenzten Gegenstand, Betrachtung der Göttin in wechselnden Erfahrungen und Übung an stillstehenden oder bewegten Gegenständen. Die Zügelung des Geistes beruht auf Wunschlosigkeit und wiederholter Übung (43.97–115). Seine Lotus- und Nadi-Systeme sind werkbezogen; die sechs Trägerlotusse in Kapitel 55 stehen neben der ausführlicheren Ordnung von zweiunddreißig Lotussen (43.37–48; 50.181–186). Eine Gleichsetzung mit einem einzigen modernen Chakraschema wäre irreführend.

Puja – äußere Verehrung und innere Gegenwart

Die verehrte Bildgestalt besitzt nach 2.59–60 und 4.31 einen eigenständigen theologischen Rang: Durch die göttliche Gegenwart wird sie als Verkörperung der göttlichen Eigenschaften verstanden. Äußere Puja ist deshalb im Selbstverständnis des Werkes nicht bloß ein pädagogisches Symbol, das mit wachsender Einsicht bedeutungslos würde.

Die Zufluchtnahme erhält dabei eine ausdrücklich ethische Ausrichtung: Wohlwollen soll allen Wesen gelten, weil Lakshmi in ihrem Inneren gegenwärtig ist (17.66–67). Gewalt und Diebstahl nennt der Text als Wege zum Unheil (17.81). Vollständige Hingabe bedeutet in diesem Zusammenhang keine Gleichgültigkeit gegenüber dem Wohlergehen anderer.

Zugleich beschreibt das Lakshmi Tantra innere Betrachtungen. Kapitel 10 führt die Gestalten Vasudevas, Sankarshanas, Pradyumnas und Aniruddhas mit ihren Farben, Richtungen und Attributen vor Augen. Kapitel 16 verbindet körperliche und geistige Verehrung. Die äußere Handlung und die innere Sammlung können einander tragen.

Wer diese Schrift heute liest, kann zwischen drei Ebenen unterscheiden: der Lehre über göttliche Gegenwart, den konkreten traditionellen Ritualanweisungen und der eigenen gegenwärtigen Praxis. Eine einfache Herzensgabe darf zur Meditation führen; sie ist damit noch keine vollständige Ausführung eines im Tantra beschriebenen Rituals.

Die ausführlichen Rituale kennen zugleich Anpassungen an Ort, Zeit und vorhandene Mittel: Selbst gefaltete Hände oder eine Handvoll Wasser können die Verehrung fortsetzen (40.104–109). Bei der Bildweihe begründet Kapitel 49 die rituelle Handlung durch Erkenntnis und innere Verbindung: göttliche Gegenwart wird in der Bildgestalt und im eigenen Selbst vergegenwärtigt. Der Schlussvers unterstreicht ausdrücklich die befreiende Bedeutung der Erkenntnis (49.149).

Lakshmi Tantra und andere Tantra Schriften

Die folgenden Vergleiche dienen der Orientierung über Themen und religiöse Perspektiven. Sie behaupten keine direkte historische Abhängigkeit zwischen den Werken.

Werk Gemeinsame Themen und eigener Schwerpunkt
Paushara Samhita Beide gehören in den Pāñcarātra-Zusammenhang von Vishnu-Verehrung, Mantra und Einweihung. Das Lakshmi Tantra erschließt diesen Bereich besonders durch Lakshmi als sprechende Lehrerin und göttliche Shakti.
Jayakhya Samhita Beide verbinden Meditation, Mantra, Einweihung und Befreiung innerhalb des Pāñcarātra. Beim vergleichenden Lesen lässt sich die ritualbezogene Ordnung der Jayakhya Samhita neben die ausführliche Lakshmi-Narayana-Lehre dieser Schrift stellen.
Yogini Hridaya Beide betrachten göttliche Kraft, Mantra und innere Verehrung. Das Yogini Hridaya gehört zur Sri Vidya und behandelt Tripura Sundari und Shri Chakra; das Lakshmi Tantra spricht aus einer vaiṣṇavischen Perspektive.
Vamakeshvara Tantra Mantra und Göttinnenverehrung bilden gemeinsame Themen. Der Shri-Vidya-Zusammenhang des Vamakeshvara Tantra ist jedoch von der Pāñcarātra-Theologie Lakshmis und Narayanas zu unterscheiden.
Kularnava Tantra Guru, Diksha, Mantra und Befreiung sind gemeinsame Anliegen. Die Kaula-Perspektive des Kularnava Tantra besitzt andere rituelle und theologische Voraussetzungen.
Tantraloka Beide verbinden Bewusstseinslehre, göttliche Kraft, Kosmologie und Ritual. Abhinavaguptas Tantraloka entfaltet den nichtdualen kaschmirischen Shaivismus; das Lakshmi Tantra seine eigene vaiṣṇavische Lehre. Ähnlichkeiten einzelner Begriffe ersetzen keine Prüfung ihres jeweiligen Sinnes.
Vijnana Bhairava Tantra Bei beiden kann die unmittelbare Erfahrung des Bewusstseins im Mittelpunkt der Lektüre stehen. Das Vijnana Bhairava Tantra konzentriert sich stärker auf meditative Zugänge im Bhairava-Shaivismus; das Lakshmi Tantra bettet Meditation in eine weit ausgreifende Gottes- und Rituallehre ein.
Tripura Rahasya Göttliche Mutter, Erkenntnis und Befreiung verbinden die Themen. Das Tripura Rahasya erschließt sie in einer anderen erzählerischen und theologischen Gestalt, mit Tripura statt Lakshmi-Narayana im Zentrum.

Wer vom Lakshmi Tantra aus weiterliest, kann sich an seiner eigenen Frage orientieren: Paushara Samhita und Jayakhya Samhita führen tiefer in den Pāñcarātra-Zusammenhang; Yogini Hridaya und Tripura Rahasya eröffnen andere Perspektiven auf Göttinnenverehrung und Erkenntnis. Zum vergleichenden Meditationsstudium bieten sich Vijnana Bhairava Tantra und Tantraloka an. Die Tabelle hilft, dabei die jeweilige religiöse Sprache und Zielsetzung im Blick zu behalten. Weitere Texte erschließt die Übersicht Tantra Schriften.


Deutsche Übersetzung des Lakshmi Tantra

Diese Übersetzung gibt den gesamten vorhandenen Grundtext wieder: die 50 Hauptkapitel und den erhaltenen Zusatzteil bis Kapitel 57. Erläuterungen in eckigen Klammern sind redaktionell; Unsicherheiten und Textlücken werden ausdrücklich bezeichnet. Reine Keimlaute werden im deutschen Lesetext nach ihrer Funktion erläutert und in den Sanskritartikeln sowie im Mantra-Abschnitt dokumentiert.

Kapitel 1 – Wie die Lehre offenbart wird

Sanskrit IAST: Kapitel 1 · Devanagari: Kapitel 1 1.1 Verehrung der ewig makellosen Wirklichkeit, dem allumfassenden Ursprung der Welt: dem stillen, wellenlosen Bewusstsein, dessen Wesen Lakshmi und Narayana sind.

1.2 Wir verehren die Gestalt Lakshmis: auf dem Vogel sitzend, Trägerin strahlender Wärme, von solcher Beschaffenheit, mit dem Mond geschmückt und mit makellosem Mond-, Sonnen- und Feuerlicht. [Die verdichtete Bildsprache hat zugleich einen lautmystischen Sinn; „von solcher Beschaffenheit“ ist in der Lesung mehrdeutig.]

1.3 Atri kannte die Wahrheit der Veden und des Vedanta, war in allen Lehrwerken bewandert, verstand den Kern sämtlicher Lehrsysteme und hatte die Überlieferungen des Dharma empfangen.

1.4 Er hatte seine Sinne und seine körperliche Grundlage gemeistert und stand nicht unter der Gewalt von Zuneigung und Abneigung. Er war im vierzehngliedrigen Yoga gegründet und der unterscheidenden Erkenntnis hingegeben.

1.5 Als die Sonne einst von Svarbhanu verdunkelt worden war, hatte er ihre leuchtende Aufgabe übernommen. Er war ein ursprünglicher Quell asketischer Kraft, eine unversehrte Fülle des Lichtes.

1.6 Dieser beständige Weise Atri, frei von den drei Gunas und jenseits der drei weltlichen Lebensziele, hatte das Feueropfer vollzogen und verehrte die morgendliche Dämmerung. [Der Vers enthält Wortspiele mit dem Namen Atri.]

1.7 Seine ruhmreiche Gemahlin, die höchste unter den ihrem Gatten treuen Frauen, war aus besonderem Anlass zur Mutter von Brahma, Vishnu und Maheshvara geworden.

1.8 Sie wurde stets von den Göttern gepriesen, war beständig friedvoll und übte Askese. Sie war gelehrt, kannte alle Pflichten und blieb ihrem Gatten in Treue verbunden.

1.9 Nachdem Anasuya von ihrem Gatten die verschiedenen Sammlungen der Dharma-Lehre gehört hatte, verneigte sie sich und sprach.

Anasuya sprach:

1.10 Erhabener, Kenner aller Pflichten, mein Herr, Herr der Welt! Von dir habe ich die vielfältigen Formen des Dharma vernommen,

1.11 ebenso die unterschiedlichen Erkenntnislehren mit ihren verschiedenen Früchten und Erscheinungsweisen. Unter ihnen habe ich den Bhagavata-Dharma, den Weg zum göttlichen Herrn, als besonders erhaben erkannt.

1.12 Während du die verschiedenen Sammlungen dieses Gottesweges erklärt hast, hast du immer wieder auf die höchste Herrlichkeit Lakshmis hingewiesen.

1.13 Weil diese Lehre geheim ist und ich nicht danach fragte, hast du sie nicht offen dargelegt. Nun möchte ich von dieser höchsten Herrlichkeit Lakshmis hören:

1.14 von der Natur der Göttin, ihrem Wesen und Ursprung, ihrer Erkennbarkeit, ihrer Grundlage, dem Weg zu ihr und der Frucht dieses Weges.

1.15 Das möchte ich von dir hören, du Bester unter den Kennern Brahmans. Durch die Verbindung mit dieser Erkenntnis möge mein Leben seine Erfüllung finden.

1.16 Zeige mir diesen Weg! Ich habe bei dir Zuflucht gesucht; unterweise mich, Ehrwürdiger! Als der erhabene Atri ihre Worte gehört hatte, antwortete er.

Atri sprach:

1.17 Gut hast du mich heute gefragt, du Kennerin und Übende des Dharma. Weil ich erst auf eine Frage hin davon sprechen sollte, hatte ich dies zuvor nicht eröffnet.

1.18 Du bist würdig, Glückverheißende, von Lakshmis höchster, ewiger Herrlichkeit zu hören, die im Herzen der höchsten vedischen Offenbarungen ruht.

1.19 Einst lebten auf dem Malaya-Berg Weise, die sich ganz dem Dharma widmeten. Von Narada, der die Götter schaute, hatten sie die Sattvata-Lehre empfangen.

1.20 Sie fragten den erhabenen, altehrwürdigen Narada, der Brahman glich und den Weg des göttlichen Herrn kannte, nach eben diesem Gegenstand.

Die Weisen sprachen:

1.21 Erhabener, von dir haben wir den reinen Sattvata-Weg des göttlichen Herrn gehört, der im Sattva gründet und dessen einzige höchste Frucht die Befreiung ist.

1.22 Bei der Erklärung seiner Grundwahrheiten hast du immer wieder auf Lakshmis höchste Herrlichkeit hingewiesen. Weil wir nicht fragten, hast du sie nicht enthüllt.

1.23 Nun möchten wir von ihr hören, denn diese Lehre trägt über den Ozean des Werdens. Bitte erschließe uns die ganze Herrlichkeit der Lotusgöttin.

1.24 [in der Vorlage unnummeriert] Mit dem Haupt verneigen wir uns vor deinen Füßen, die über den Kreislauf der Wiedergeburten führen. Ehrwürdiger Weiser, lehre uns das Göttliche! Schon lange haben wir bei dir Zuflucht gesucht.

Narada sprach:

1.25 Gut habt ihr mich heute gefragt, ihr Weisen mit festen Gelübden. Freudig werde ich euch nun das ewige Lakshmi Tantra erzählen.

1.26 Darin wird die Göttin sichtbar in ihrem eigenen Wesen, ihren Eigenschaften und ihrer Herrlichkeit: die Lotusgöttin, die lotusgeborene Gemahlin des Herrn mit dem Lotusnabel.

1.27 Einst war Indra vom Fluch des Durvasas getroffen worden. In den drei Welten verstummten das vedische Studium und die Opferrufe, und ihr Glück war geschwunden.

1.28 Die Götterschar war verarmt, der Dharma geschwächt und ohne Fortbestand. Da begab sich der Weltenvater Brahma mit den Göttern zum Milchozean.

1.29 Nach vielen göttlichen Jahren strenger, machtvoller Askese hatten sie Janardana, den Herrn der Welt und Gott der Götter, aufmerksam gemacht.

1.30 Brahma trug dem Gott ihr Anliegen vor. Auf dessen Weisung quirnten die Götter den Milchozean.

1.31 Es erschienen der Parijata-Baum, das vorzüglichste Pferd, der Elefantenkönig, die Schar der Apsaras, das Kalakuta-Gift, Varuni und der Unsterblichkeitsnektar.

1.32 Mit dem Mond erhob sich die Lotusgöttin aus dem großen Meer. Sogleich nahm sie ihren Platz an der Brust des Herrn mit dem Lotusnabel ein.

1.33 Die Götterschar, auf die ihr Blick fiel, gelangte wieder zu Glück und Fülle. Die Schar der Daityas, der sie ihren Blick nicht zuwandte, wurde besiegt.

1.34 Indra hatte seine ganze Herrschaft wiedererlangt und freute sich. Da kam Brihaspati zu ihm und sprach unter vier Augen.

Brihaspati sprach:

1.35 Zur rechten Zeit mahne ich dich; höre meine Worte, Indra. Schon zuvor habe ich dir durch die Betrachtung ihrer Anwesenheit und Abwesenheit

1.36 Lakshmis Größe erklärt, Herr der Mächtigen. Von ihr hängt der Bestand ab. Bemühe dich darum, dass deine hohe königliche Stellung nicht wieder zugrunde geht.

1.37 Suche Zuflucht bei der Lotusgöttin, Herr der Götter! Sie ist die Wurzel des höchsten Wohls, sie ist das höchste Ziel.

1.38 Diese ewige Göttin ist der eigentliche Sinn der vedischen Offenbarungen. Sie ist der Lebensatem der Welten; sie ist ihre Tatkraft.

1.39 Sie ist der Wille der Welten und ihre Erkenntnis, die höchste und die niedere. Zur gegebenen Zeit erschafft sie; sie erhält die drei Welten.

1.40 Am Ende nimmt sie die Welt wieder in sich zurück, indem sie in deren jeweiligen Ursachen gegenwärtig ist. Woher sollte wahre Größe kommen, ohne diese Mutter der Welten zu verehren?

1.41 Sie ist jene Wohnstatt Vishnus, von der der Entsagende nicht zurückkehrt; sie ist das höchste Ziel der Sankhya-Weisen, die das Selbst erkannt haben.

1.42 Sie ist das Ziel der Yogis, nach dessen Erreichen kein Kummer bleibt. Sie ist das Ziel des Pashupata-Weges und die Zuflucht der Vedenkenner.

1.43 Sie ist das ewige Ziel des gesamten Pancharatra. Diese Göttin Narayani besteht als das Wesen Narayanas.

1.44 Sie ist von ihm unterschieden und doch nicht getrennt, wie der Mondschein vom Mond. Durch die verschiedenen Erkenntniswege und unterschiedlichen Agamas

1.45 wird diese eine höchste Göttin auf vielfältige Weise verehrt. Suche Zuflucht bei der segensreichen, lotusgeborenen Göttin.

1.46 Verehre Vishnus Gemahlin durch verschiedene besondere Formen der Askese und heilsame Übungen der Selbstdisziplin. So festige dein eigenes Glück.

1.47 Wenn sie dir gnädig ihr Antlitz zuwendet, wird sie dich zu ihrer eigenen Wohnstatt führen. Die Göttin schenkt das ersehnte Ziel; auch den noch von Wünschen Erfüllten gewährt sie ihre Wünsche.

Narada sprach:

1.48 So von seinem ehrwürdigen Lehrer unterwiesen, zog Indra an das Nordufer des Milchozeans, um die Göttin zu verehren.

1.49 Dort übte er göttliche Askese am Fuß eines Bilva-Baumes. Auf einem Bein stehend, schweigend und reglos wie Holz, lebte er allein von Luft.

1.50 Blick, Arme und Gesicht hielt er nach oben gerichtet. Gesammelt und selbstbeherrscht vollzog er tausend göttliche Jahre lang diese äußerst schwere Askese.

1.51 Beim Abschluss seiner Askese erschien ihm die lotusgeborene Göttin, Vishnus Gemahlin, mit freundlichem Antlitz.

1.52 Als Indra die höchste Mutter der Welten vor sich stehen sah, erfüllte ihn tiefes Staunen.

1.53 Überwältigt verneigte sich der Bezwinger Balas. Mit zusammengelegten Händen pries Indra die Lotusgöttin Shri durch ihren Hymnus.

1.54 Die Mutter der Welten sah, dass er ganz auf sie ausgerichtet war und in aufrichtiger Hingabe ruhte. Da sprach sie zu ihm.

Shri sprach:

1.55 Mein Kind Indra, du Treuer in deinen Gelübden, deine Askese hat mich erfreut. Wähle eine Gabe, du Glücklicher. Welchen Wunsch soll ich dir erfüllen?

Indra sprach:

1.56 Göttin, heute haben meine Askese, meine Selbstbeherrschung und meine Übungen unmittelbar ihre Frucht getragen: Ich habe die Erhabene geschaut.

1.57 Wenn du mir dennoch eine Gabe gewähren möchtest, höchste Herrin, dann erkläre mir deine Wirklichkeit: Wer bist du, und wie ist deine Seinsweise?

1.58 Wie bist du zu erkennen, worauf gründest du, und welches ist der Weg zu dir, Ewige? Wem gehörst du zu, und welcher Art ist deine Beziehung zu ihm, Göttin?

1.59 Erkläre mir all das und was sonst über dich zu erkennen ist und in den verschiedenen Lehrwerken entfaltet wird. Ich habe bei dir Zuflucht gesucht; unterweise mich, Herrin!

1.60 Wie eine Milchkuh von ihrem Kalb, so wurde die Lotusgöttin von ihm bewegt. Mit liebevollem Herzen sprach sie zu Indra.

Shri sprach:

1.61 Höre, glücklicher Indra, wer ich bin und wie meine Seinsweise ist, wem ich zugehöre und welcher Art meine Beziehung zu ihm ist, du Bezwinger Vritras.

So endet im Lakshmi Tantra, der Essenz des heiligen Pancharatra, das erste Kapitel, „Die Herabkunft der Lehre“.


Kapitel 2 – Die reine Entfaltung der göttlichen Wirklichkeit

Sanskrit IAST: Kapitel 2 · Devanagari: Kapitel 2 Shri sprach:

2.1 Es gibt das höchste Selbst, dessen Kennzeichen die Erfahrung grenzenlosen, leidfreien Glücks ist. Seine höchste Wohnstatt schauen die Weisen.

2.2 Einer kann das innere Selbst bestimmter Wesen sein; ein anderer wiederum sein Selbst, und über diesem steht noch ein anderer. Dort, wo diese Folge endgültig zur Ruhe kommt,

2.3 sprechen die Weisen vom höchsten Selbst, dem jenseitigen Ziel selbst des höchsten aller Wege. Das, was mit „Ich“ gemeint ist, wird Selbst genannt.

2.4 Das in seinem Wesen unbegrenzte Ich heißt höchstes Selbst. Alles hier, Bewusstes und Unbewusstes, ist in ihm umfasst.

2.5 Jene Wirklichkeit, die alles in sich trägt und als „Ich“ erkannt wird, ist das ewige höchste Selbst. Sie gilt als der erhabene Vasudeva, der höchste Kenner des Feldes.

2.6 Man nennt ihn Vishnu, Narayana, das All und den Allgestaltigen. Dieses ganze Weltall ist von seinem Ich-Sein durchdrungen.

2.7 Nichts Seiendes oder Nichtseiendes gibt es, das nicht von diesem Ich-Sein umfasst wäre. Alles, was als „dies“ erfahren wird, ist vom Ich-Sein durchdrungen.

2.8 Er ist in jeder Hinsicht friedvoll, unveränderlich und ewig; unendlich und frei von Begrenzungen durch Raum, Zeit und anderes.

2.9 Weil seine Durchdringung so umfassend ist, heißt er der von großer Herrlichkeit. Er ist Brahman, die höchste Wohnstatt, deren Vergegenwärtigung keiner äußeren Stütze bedarf. [Die letzte Wendung besitzt eine abweichende Lesart.]

2.10 Wie ein wellenloser Ozean des Unsterblichkeitsnektars ist diese Wirklichkeit, leuchtend in ihren sechs göttlichen Eigenschaften: eins, ganz Bewusstsein, friedvoll, ohne Aufgang und Untergang.

2.11 Weil seine Kraft nicht von ihm getrennt ist, wird dieses Brahman nichtdual genannt. Seine höchste Kraft ist wie der Mondschein des Mondes:

2.12 die Göttin, die durch alle Zustände hindurch gegenwärtig bleibt, sein eigenes Wesen ist und niemals von ihm weicht. Dieses ewige Ich-Sein Brahmans bin ich.

2.13 Hari gilt als das Selbst aller Wesen, als das „Ich“. Ich bin das ewige Ich-Sein aller Wesen.

2.14 Die Seinsweise, durch die der ewige Vasudeva ist, die Wirklichkeit dieses seienden Gottes: als diese werde ich bezeichnet.

2.15 So besteht Brahman, die ewige höchste Wirklichkeit, aus dem Seienden und seinem Sein. Der Seiende ist Gott Narayana; sein Sein bin ich, die höchste Lakshmi.

2.16 Daher heißt das ewige Brahman Lakshmi-Narayana. Das mit „Ich“ Gemeinte wird durch das Ich-Sein offenbar.

2.17 Und dieses Ich-Sein wird als aus der Ich-Wirklichkeit hervorgehend bezeichnet. Weil beide niemals ohne einander bestehen und einander stets zugehören,

2.18 erkenne die Beziehung zwischen mir und meinem Herrn als Wesenseinheit. Ohne Ich-Sein wäre das Ich unaussagbar und könnte nicht als solches bestehen.

2.19 Ohne die Ich-Wirklichkeit hätte das Ich-Sein keine Grundlage und könnte nicht bestehen. Die Gestalt von Seiendem und Sein lässt sich gemeinsam und unterscheidend betrachten;

2.20 in der Welt wird sie als mittelbar und unmittelbar erkennbar bedacht. Wenn keine Entfaltung stattfindet, bleibt auch dieses Ich-Sein, die höchste Herrin, unentfaltet.

2.21 Es umfasst alles und ruht in Brahman. Wenn dessen Aufgehen beginnt, wie das Anschwellen des Meeres beim Aufgang des Mondes,

2.22 dann bin ich die Kraft Narayanas, gekennzeichnet durch den Wunsch zu erschaffen. Was beim Zurücknehmen der Welt das Sich-Schließen des höchsten Selbst heißt,

2.23 das bin ich als Narayanas Kraft, gekennzeichnet durch den Wunsch zu ruhen. Wenn ich mit dem Schöpfungswillen aus dem göttlichen Gemahl Lakshmis hervortrete,

2.24 entfaltet sich meine ungehinderte und uneingeschränkte Herrschermacht. Jenes höchste Brahman ist Erkenntnis: allsehend und frei von jedem Makel.

2.25 Ebenso ist das Ich-Sein seinem Wesen nach Erkenntnis, allwissend und allsehend. Erkenntnis ist die höchste Gestalt von uns beiden, von Brahman und mir.

2.26 Die übrigen Eigenschaften wie Herrschermacht und unverminderte Wirkkraft sind ewige Eigenschaften dieser Erkenntnis. Die innere Wirklichkeit „Ich“ wird als Erkenntniswesen bezeichnet.

2.27 Das bloße Erhellen und ähnliche Merkmale findet man auch bei einem Kristall und dergleichen. Deshalb ist das Erkenntniswesen meiner selbst und Narayanas im genannten inneren Sinn zu verstehen.

2.28 Dass mein Hervortreten durch nichts gehindert werden kann, ist meine höchste Herrschermacht. Die Gelehrten der verschiedenen Wahrheitslehren nennen sie auch Wille.

2.29 Dass ich die ursprüngliche Natur der Welt bin, heißt meine Shakti. Dass ich beim Erschaffen keine Mühe erfahre, wird meine Stärke genannt.

2.30 Auch das Tragen des Hervorgebrachten nennt man Stärke. Die Kenner der Wahrheit erklären dieses Tragen durch den Aspekt der Shakti.

2.31 Dass ich stets frei von Veränderung bleibe, obwohl ich die Welt hervorbringe, heißt meine unverminderte Wirkkraft. Milch gibt ja ihre bisherige Beschaffenheit auf, sobald aus ihr Dickmilch entsteht.

2.32 Eine solche Veränderung gibt es bei mir niemals, auch wenn die Welt aus mir hervortritt. Deshalb verstehen die Kenner der Wahrheit unter meiner Wirkkraft dieses Freisein von Veränderung.

2.33 Auch Durchsetzungskraft wird Wirkkraft genannt; sie gilt dann als Teil der Herrschermacht. Dass ich bei der Ausführung aller Werke keiner mitwirkenden Ursache bedarf,

2.34 nennen die Wahrheitskenner Tejas, meine sechste Eigenschaft. Einige verstehen darunter die Fähigkeit, Widerstreitendes zu überwinden.

2.35 Andere Kenner der Wahrheit ordnen dieses Tejas der Herrschermacht zu. So sind diese fünf Eigenschaften reine Ausströmungen der Erkenntnis.

2.36 Diese sechs, beginnend mit Erkenntnis, bilden als Sechsheit meinen Leib. Wenn mein Schöpfungswille auf diese Weise hervortritt, umfasst schon ein zehntausendster Teil meiner Kraft

2.37 die ganze reine und unreine Ordnung. Zunächst werde ich dir den reinen Weg erklären, Herr der Götter.

2.38 Jene strahlende Gestalt des höchsten Herrn beruht auf vier Formen; die sechs Eigenschaften sind darin in einer Folge von Offenbarsein und Nichtoffenbarsein gegenwärtig.

2.39 Dieser wunderbare Weg ist dreifach: Die Eigenschaften werden gedanklich unterschieden, sie treten nacheinander hervor, und sie nehmen göttliche Gestalt an.

2.40 Die sechs Eigenschaften, beginnend mit Erkenntnis, werden zu drei Paaren geordnet. Durch ihre Zusammenfassung und ihre Entfaltung wird die Vierheit unterschieden.

2.41 Wenn jene drei Eigenschaftspaare in ihrer Gesamtheit und einzeln ausgesagt werden sollen, ist dies meine Vierheit im Zustand der Ruhe.

2.42 Ohne dabei schon bestimmte Gestalten vorauszusetzen, sprechen die Wahrheitsforscher von dieser durch die Unterscheidung der Eigenschaften gebildeten Vierheit meiner ruhenden Wirklichkeit.

2.43 Aus meiner überaus friedvollen Gestalt entfalten sich die drei Paare. Diese schrittweise Offenbarung ist meine erste, noch unverkörperte Vierheit.

2.44 Wellenlos, unaussprechlich und unvergänglich ist dieses Sein, das kein bestimmtes Seiendes ist. Sein erstes Hervortreten heißt reines Sein und Bewusstsein; darin liegt mein erstes Heraustreten aus der Ruhe.

2.45 In mir als Sankarshana, in dem zuerst Erkenntnis und Stärke offenbar werden, ruht die gesamte Welt der Veränderungen wie ein winziger dunkler Punkt.

2.46 Darum erkennen die Weisen mich als Sankarshana in Erkenntnis und Stärke. Bei der weiteren Entfaltung übernehme ich selbst das Tätigsein.

2.47 Dann nennen sie mich Pradyumna, die alles zur Erscheinung bringt. In dieser Form leuchtet das Paar Herrschermacht und unverminderte Wirkkraft auf.

2.48 Danach durchdringt mich die Tatkraft. Indem ich mich mit dem Willen zum Handeln verbinde, erhalte ich bei den Wahrheitskennern den Namen Aniruddha.

2.49 Diese meine Zustände sind der Reihe nach Tiefschlaf, Traum und Wachen. Meine drei Wesenskräfte heißen Erkenntnis, Herrschermacht und Shakti.

2.50 Bei ihrem Hervortreten werden sie als drei gesonderte Prinzipien beschrieben. Die andere Dreiheit der Eigenschaften – Stärke, unverminderte Wirkkraft und Tejas –

2.51 bezeichnet das Fehlen von Mühe und anderen Unvollkommenheiten und begleitet Erkenntnis und die übrigen Kräfte. So bestehen bei mir die beiden Zustände der Ruhe und der Entfaltung.

2.52 Das Aufspielen der Wellen meiner eigenen Eigenschaften führt dabei ebenso wenig zu einer wirklichen Trennung wie beim Meer. Je nachdem, mit welcher Wirksamkeit ich die Aufgabe einer Eigenschaft hauptsächlich vollziehe,

2.53 wird das zugehörige Eigenschaftspaar als meine Gestalt bezeichnet. Daher heißt der Gott Sankarshana Erkenntnis und Stärke.

2.54 Pradyumna ist Herrschermacht und unverminderte Wirkkraft; Aniruddha ist Shakti und Tejas. Der erste hingegen besitzt die sechs Eigenschaften ungeteilt und besteht ungetrennt vom Brahman-Prinzip.

2.55 Ein Schauspieler ist einer und tritt doch mit verschiedenen Gewändern und Bewegungen auf: einmal versöhnlich, dann großmütig, grausam oder heldenhaft.

2.56 Ebenso bin ich eine und nehme doch durch Erkenntnis, Shakti und die übrigen Eigenschaften die Seinsweisen Sankarshanas und der anderen an, aus dem Wunsch nach dem Wohl der Welt.

2.57 Durch Auflösung, Entstehung und Erhaltung wird den Lebewesen jeweils Gnade zuteil. Ein weiterer Zweck liegt in der Lehre, ihrem Sinn und ihrer Frucht. [Die Vorlage enthält eine beschädigte Worttrennung.]

2.58 Auch innerhalb der vier Vyuhas sind die Zustände Turiya, Tiefschlaf und die weiteren zu erkennen. Die Vibhava-Erscheinungen des Herrn, beginnend mit Padmanabha, besitzen unendlich viele Gestalten.

2.59 Sie sind eine Entfaltung Aniruddhas und werden in der Sattvata-Lehre dargelegt. Auch die in der Welt verehrte Bildgestalt derer, deren Inneres vom göttlichen Herrn erfüllt ist,

2.60 wird durch das Einsetzen der Mantras und ihrer göttlichen Herren zu einer Verkörperung der sechs Eigenschaften. In diesen vier Gestalten meiner selbst, von der höchsten Form bis zur verehrten Bildgestalt,

2.61 sind die Zustände Turiya und die folgenden zu erkennen. Dies ist die reine Ordnung. Die weiteren Vyuhas und Vibhavas sind mit entsprechenden kleinen Unterschieden zu verstehen. Höre nun, Indra, von meinem anderen, nicht rein bleibenden Entfaltungsweg.

So endet im Lakshmi Tantra, der Essenz des heiligen Pancharatra, das zweite Kapitel, „Die Offenbarung des reinen Weges“.


Kapitel 3 – Die drei Gunas, die Welt und ihre Befreiung

Sanskrit IAST: Kapitel 3 · Devanagari: Kapitel 3 Shri sprach:

3.1 Ich bin jene höchste Wirklichkeit Vishnus, die Narayani heißt: ewig makellos und mit grenzenlosen, heilvollen Eigenschaften ausgestattet.

3.2 Eine Begrenzung durch Raum, Zeit oder Gestalt gibt es für mich nicht. Mein Wesen ist Bewusstsein selbst; zu meinen Eigenschaften gehören allumfassende Herrschermacht und die übrigen göttlichen Kräfte.

3.3 Alle Unterscheidung darin besteht allein durch meine eigene Freiheit. Die genannte Unterscheidung betrifft Erkenntnis, Herrschermacht und Shakti.

3.4 Nun folgt eine andere Entfaltung dieser drei Kräfte. Ich bin durch bloßes Denken nicht zu ergründen und kann niemals von außen angewiesen werden.

3.5 Wenn ich hervortrete, entsteht durch meinen Willen eine andere Gestalt in jener Dreiheit, die mit Erkenntnis beginnt. So wie klarer Zuckerrohrsaft zu festem Rohzucker wird,

3.6 so nimmt die klare Erkenntnis die Form des Sattva an, meine Herrschermacht die Form des Rajas und meine Shakti die Form des Tamas.

3.7 Diese drei Eigenschaften, Indra, nennt man die Dreiheit der Gunas. Bei der Schöpfung entfaltet sich diese Dreiheit mit vorherrschendem Rajas;

3.8 bei der Erhaltung herrscht Sattva, bei der Auflösung Tamas. Obwohl ich die ursprüngliche, allgegenwärtige Wirklichkeit des Bewusstseins bin, Indra,

3.9 wirke ich als Schöpferin, Erhalterin und Auflöserin, indem ich über den Gunas walte. Obwohl ich selbst jenseits der Gunas bin, nehme ich sie nach meinem eigenen Willen in Anspruch

3.10 und setze allein das Rad von Schöpfung, Erhaltung und Ende in Bewegung. – Indra fragte: Warum gehst du bei den drei Paaren, beginnend mit Erkenntnis, auf zweifache Weise vor?

3.11 Warum entfaltest du dich als reine und als andere Ordnung? Welche Beziehung besteht zwischen diesen beiden Seinsweisen, Lotusgöttin?

3.12 Beantworte meine Frage; Verehrung dir, Lotusgeborene! – Shri sprach: Meine Herrschermacht kann von niemandem angewiesen werden. Mein Wille allein ist meine Ursache.

3.13 Selbst Große geraten hier in Verwirrung. Dennoch höre meine Wahrheit: Ich entfalte mich stets in der Beziehung zwischen dem Herrschenden und dem, worüber er waltet.

3.14 Narayana ist als der Herr zu erkennen; seine Herrschermacht bin ich. Das Bewusste und das Unbewusste sind das, worüber gewaltet wird, Indra.

3.15 Die höhere Bewusstseinskraft nimmt dabei die Stellung des Erfahrenden ein. Der unbewusste Bereich bildet ihre Erfahrungsgegenstände, Werkzeuge und Aufenthaltsorte.

3.16 Diese Bewusstseinskraft ist von anfangsloser Unwissenheit durchdrungen, die von mir in Wirksamkeit gesetzt wird. So ist sie in den Zustand des begrenzt Erfahrenden gelangt.

3.17 Durch die Verbindung mit den Vorstellungen „Ich“ und „Mein“ nimmt sie das Unbewusste als ihr eigenes Selbst an. Wenn jene Unwissenheit durch Erkenntnis schwindet,

3.18 wird die Bewusstseinskraft frei von dieser Selbstzuschreibung und gelangt zu meinem Sein. Die Erkenntnis, die dem reinen Weg angehört, bringe ich in den Gestalten der höchsten Form, der Vyuhas und der weiteren Erscheinungen

3.19 aus Mitgefühl zur Wirksamkeit, indem ich die Wirklichkeit der Erkenntnis sichtbar mache. Die Beziehung zwischen den beiden Ordnungen ist die von Schutzbedürftigem und Beschützendem.

3.20 Die erste, reine Ordnung schützt; die andere empfängt diesen Schutz. Das habe ich dir erklärt, Indra. Was möchtest du noch hören?

Indra fragte:

3.21 Warum entfaltest du dich als Herrschendes und Beherrschtes? Wie viele Unterscheidungen gibt es in dem Bereich, über den gewaltet wird, und wie ist seine Beschaffenheit? Erkläre mir dies.

Shri sprach:

3.22 Diese Wesensnatur meiner selbst und Narayanas lässt sich nicht auf eine äußere Ursache zurückführen. Ich bin Herrin und nicht einem anderen unterworfen; ebenso jener ewige Gott.

3.23 Das, worüber gewaltet wird, ist zweifach, als Bewusstes und Unbewusstes. Die Bewusstseinskraft ist hier das erfahrende Wesen und trägt die Natur des Bewusstseins.

3.24 Die unbewusste Kraft besteht dreifach: als Erfahrungsgegenstände, Werkzeuge und Aufenthaltsorte. Die Weisen betrachten sie als die dritte Stufe meiner Entfaltung.

3.25 Obwohl diese beiden Kräfte als bewusst und unbewusst unterschieden sind, sind sie durch meine eigene Freiheit meine beiden ewigen Seinsweisen.

3.26 Die Bewusstseinskraft ist makellos, rein, ganz Bewusstsein und Glückseligkeit. Von anfangsloser Unwissenheit getroffen, durchwandert sie dennoch auf diese Weise den Kreislauf der Wiedergeburten.

3.27 Die unbewusste Kraft ist empfindungslos, unrein und veränderlich und besitzt die drei Gunas. Auch sie ist nur eine Entfaltung meiner eigenen Freiheit.

3.28 Wie ein leuchtendes Feuer selbst Rauch hervorbringt, so nehme ich, obwohl ich reines Bewusstsein bin, auch die Seinsweise des Unbewussten an.

3.29 Ohne von begrifflichen Vorstellungen erfasst oder von Worten eingeengt zu sein, bestehe ich durch eine in der geistigen Vergegenwärtigung gesetzte Begrenzung auch als Unbewusstes. [Der Ausdruck für diese Begrenzung ist erklärungsbedürftig.]

3.30 Im äußeren wie im inneren Gegenstand bleibt das Bewusstseinswesen ungeteilt. Dennoch erscheint es durch die Mannigfaltigkeit der begrenzenden Bedingungen unterschieden.

3.31 Meine Freiheit allein ist der Grund; ich bin keiner äußeren Begründungspflicht unterworfen. Wer mich in dieser Macht erkennt, wird zur Einsicht gelangen.

Indra fragte:

3.32 Wie kommt es, dass du Welten erschaffst, in denen Glück und Leid miteinander verbunden sind? Wäre es nicht besser, gar nicht zu erschaffen? Oder möge die Schöpfung doch ganz aus Glück bestehen!

Shri sprach:

3.33 Ich berücksichtige das angesammelte gute und schlechte Karma der Lebewesen, die von anfangsloser Unwissenheit betroffen sind. Dementsprechend erschaffe ich eine gemischte Welt.

Indra fragte:

3.34 Göttin, aus dem Milchozean Geborene, wie kann dann deine Freiheit bestehen, wenn du Glück und Unglück unter Berücksichtigung des Karmas zuteilst?

Shri sprach:

3.35 Bei der Ausführung meiner Werke gilt jenes Karma als Werkzeug. Dass eine Handelnde ein Werkzeug verwendet, hebt ihre Freiheit nicht auf.

3.36 Ich bin makellos und frei und stehe nicht unter dem Anspruch einer äußeren Rechtfertigung. Ich entfalte mich vielfältig als Handelnde, Gegenstand der Handlung, Tätigkeit und anderes.

3.37 Für dieses Spiel ist keine weitere Ursache zu suchen. Sei darin fest! – Indra sprach: Wie es sich damit auch verhalten mag, Göttin: Wenn deine Freiheit so beschaffen ist, erkläre mir die Weise der Schöpfung. Verehrung dir, Lotusgeborene!

So endet im Lakshmi Tantra, der Essenz des heiligen Pancharatra, das dritte Kapitel, „Die Offenbarung der drei Gunas“.


Kapitel 4 – Die Erscheinung Mahalakshmis

Sanskrit IAST: Kapitel 4 · Devanagari: Kapitel 4 Shri sprach:

4.1 Ich bin wie der makellose Raum, ganz grenzenlose Glückseligkeit und Bewusstsein. Ich heiße Narayani; eine solche Seinswirklichkeit Haris bin ich.

4.2 Als Bewusstseinswesen bin ich weder ruhend noch hervorgetreten noch zwischen beidem. Ich bin das Wesen jenes Hari, Vishnus, des Selbst von allem.

4.3 Wie er von ungeteilter, nicht mannigfaltiger Gestalt ist, so bin auch ich ohne Vielheit, von seiner Gestalt und überall gleich gegenwärtig. [Die Wendung über begriffliche Unterscheidung ist in der Lesung nicht eindeutig.]

4.4 In uns beiden, deren Wesen Bewusstsein ist, erhebt sich eine Entfaltung: ein unermesslich winziger Teil, ein Bruchteil von unzähligen Millionen und Abermillionen.

4.5 Diese Gestalt heißt Schöpfungswille. Als solche bringe ich die gewollte Schöpfung hervor. Mit einem Teil meiner selbst bestehe ich unmittelbar als der ganz reine Entfaltungsweg.

4.6 Wie der Glanz eines Diamanten nach allen Seiten erstrahlt, so leuchtet mein reiner Entfaltungsweg überall auf.

4.7 Aus meiner Gestalt, die ganz Erkenntnis ist, klar wie ein wolkenloser Himmel und still wie ein unbewegtes Meer, tritt die reine Schöpfung hervor.

4.8 Zuerst offenbart sich Erkenntnis: ohne Tätigkeit, ewig glückselig, rein, allumfassend und höchst. Sie wird Sankarshana genannt.

4.9 Die Freiheit beim Erschaffen der Welt, die keiner anderen Ursache bedarf, ist meine Herrschermacht. Sie wurde zu Pradyumna, dem höchsten göttlichen Wesen.

4.10 Meine ungehinderte Shakti, in der die vielfältigen Formen noch verborgen ruhen und die überall gleich gegenwärtig ist, wird Aniruddha genannt.

4.11 Erkenntnis, Herrschermacht und Shakti vollziehen Schöpfung, Erhaltung und Ende. Diese lotusäugigen göttlichen Wesen sind meine eigene Gestalt.

4.12 Meine erste Gestalt beim Erwachen des Schöpfungswillens ist Vasudeva: wie ein wellenloses Meer und wie der Himmel, dessen Wolken verschwunden sind.

4.13 Wenn Erkenntnis, Shakti, Stärke, Herrschermacht, unverminderte Wirkkraft und Tejas vollständig und gleichmäßig hervortreten, heißt dies Vasudeva.

4.14 Wenn daraus Erkenntnis und Stärke hervortreten, spricht man von Sankarshana. Er trägt das ganze Weltall aus sich selbst, als wäre es nur ein winziger dunkler Punkt.

4.15 Darum wird dies im Vedanta Stärke genannt. Wenn Wirkkraft und Herrschermacht hervortreten, spricht man von Pradyumna.

4.16 Wirkkraft bedeutet Freiheit von Veränderung; deshalb bleibt er unveränderlich. Beim Hervortreten von Shakti und Tejas heißt er Aniruddha.

4.17 Tejas bedeutet Unabhängigkeit von anderem, ebenso das Ungehindertsein. Aus Sankarshana leuchtet die Lehre hervor wie der Schall eines Donnerschlags.

4.18 Die gesamte Umsetzung dieser Lehre geht aus Gott Pradyumna hervor; ihre ganze Frucht schreiben die Weisen Aniruddha zu.

4.19 Hier erschafft Aniruddha, Pradyumna erhält das Erschaffene, und Herr Sankarshana nimmt das Erschaffene und Erhaltene wieder in sich auf.

4.20 Durch Schöpfung, Erhaltung und Ende sowie durch Lehre, gelebten Dharma und dessen Frucht gewähren diese Götter selbst stets Gnade.

4.21 Obwohl jeweils eine Eigenschaft hervortritt, besitzen sie doch alle sechs. Keiner von ihnen hat weniger oder mehr als der ewige Vasudeva.

4.22 Ihre Glieder, Organe und geistigen Fähigkeiten bestehen nicht aus den materiellen Elementen. Ihr ewiger göttlicher Leib besteht allein aus den sechs Eigenschaften.

4.23 Zwischen ihnen ist kein wirklicher Unterschied zu denken, Herr des Himmels. Die Unterscheidung wird zur Erklärung ihrer jeweiligen Aufgaben vorgenommen.

4.24 Die Herrschermacht ist nichts anderes als Erkenntnis, und Shakti ist wiederum nichts anderes als diese. Ich habe diese Formen, Indra, als Ruhepunkte der Meditation entfaltet.

4.25 Zuerst die Wirklichkeit, dann ihre Seinsweise, darauf der bestimmte Gegenstand und dann die Tätigkeit: Diese Vierheit ist stets in allen Erscheinungen zu erkennen.

4.26 Indem ich mich selbst in den vier Formen Vasudevas und der weiteren entfalte, bleibe ich gegenwärtig und umfasse alles mit Bewusstsein.

4.27 Die Götter Vasudeva und die weiteren teilen jeweils ihre eigene Gestalt dreifach in die Formen Keshavas und der übrigen auf.

4.28 Dies wird im Pancharatra die weitere Vyuha-Entfaltung genannt. Diese zwölf Götter stehen für die Durchführung der jeweiligen Aufgaben bereit.

4.29 [in der Vorlage unnummeriert] Die Ausströmung des allgegenwärtigen Hari Aniruddha zum Wohl der Welten heißt Vibhava. Zu ihr gehören Padmanabha und die weiteren Erscheinungen.

4.30 Wo der Weltenherr in Götter, Menschen und andere Wesen eingeht und durch sie das Wohl der Welt bewirkt, ist dies als eine weitere Vibhava-Erscheinung zu verstehen.

4.31 Die Gestalt des göttlichen Herrn, die von Göttern, Weisen, Ahnen, Vollendeten oder von ihm selbst zum Wohl der Welt hervorgebracht wird, ist die verehrte Bildgestalt, ganz reines Bewusstsein.

4.32 So wurde dir der reine Weg in einem kleinen Ausschnitt gezeigt. Höre nun meine Erklärung des anderen Weges, der aus den drei Gunas besteht.

4.33 Was ich zuvor Erkenntnis nannte, entfaltet sich als Sattva; jene Herrschermacht als Rajas und Shakti als Tamas.

4.34 Bei der Schöpfung wirkt Rajas vorherrschend. Sattva und Tamas stehen ihm als die beiden anderen Gunas zur Seite.

4.35 Durch einen weiteren winzigen Bruchteil jenes schon genannten unermesslich kleinen Teils erschaffe ich die Welt.

4.36 Ich bin Mahalakshmi, der Ursprung von allem, die große Herrin in den drei Gunas. Indem ich die Rajas-Gestalt leite, bringe ich die gewollte Schöpfung hervor.

4.37 [in der Vorlage unnummeriert] Zum Wohl der Welten trage ich die beiden göttlichen Seinsweisen von Feuer und Soma, als weiblich und männlich gekennzeichnet, schön an allen Gliedern.

4.38 Vierarmig, mit großen Augen und dem Glanz geschmolzenen Goldes, trage ich eine Zitronatfrucht, eine Keule, einen Schild und eine Schale mit Unsterblichkeitsnektar.

4.39 [in der Vorlage unnummeriert] Als diese an allen Gliedern schöne Gestalt heiße ich Mahalakshmi. Sie ist Mahashri, Mahalakshmi, Chanda, Chandi und Chandika,

4.40 ebenso Bhadrakali, Bhadra, Kali, Durga, Maheshvari, Triguna, die Gemahlin des göttlichen Herrn und die höchste Bhagavati.

4.41 Diese und weitere Namen werden mir dort in vielfältiger Weise gegeben. Auch andere Namen entstehen durch meine verschiedenen Erscheinungsweisen; ich werde sie im Einzelnen erklären.

4.42 Ich sehe die ganze Welt, Verdienst und Unverdienst, Getanes und Ungetanes. Weil ich überall verehrungswürdig bin, werde ich Mahalakshmi genannt.

4.43 Weil die Großen bei mir Zuflucht suchen sollen, heiße ich Mahashri. Als Geliebte des Gewaltigen heiße ich Chandi; wegen meiner gewaltigen Macht Chandika.

4.44 Als Verkörperung des Heils bin ich Bhadra; als diejenige, die die Guten ordnet und führt, bin ich Kali. Weil ich für die Feinde die Gestalt der vernichtenden Zeit annehme, heiße ich ebenfalls Kali.

4.45 Weil ich gleichzeitig Freunden Heil und Feinden Unheil zuteile, heiße ich Bhadrakali. Maya bin ich als Trägerin wunderbarer Eigenschaften.

4.46 Wegen meiner Größe bin ich Mahamaya, wegen meiner verhüllenden Macht Mohini. Durga heiße ich, weil ich schwer zugänglich bin und meine Verehrer schütze.

4.47 Weil ich verbinde, heiße ich Yoga und Yogamaya. Als Mayayoga bin ich zu erkennen, weil ich die Menschen mit Erkenntnis verbinde.

4.48 Weil die sechs göttlichen Eigenschaften vollständig meine Gestalt bilden, heiße ich Bhagavati. Als Gefährtin des göttlichen Herrn im Opfer bin ich seine Gemahlin.

4.49 Wegen meiner Weite heiße ich Raum; weil ich erfülle, heiße ich Puri. Weil meine Gestalt das Höhere und das Niedere umfasst, heiße ich Paravara.

4.50 Wegen meines Vermögens werde ich Shakti genannt; weil ich stets erfreue, bin ich Königin. Weil in mir die Veränderungen immer zur Ruhe gekommen sind, heiße ich Shanta, die Friedvolle.

4.51 Weil die Welt aus mir hervorgebracht wird, werde ich Prakriti genannt. Ich suche Zuflucht und bin selbst die Zuflucht; ich zerstöre das Unheil der Guten.

4.52 Ich höre die flehenden Worte; ich erfülle die Welt mit Eigenschaften. Ich ruhe im Inneren aller Wesen und erfreue mich an denen, die heilsam handeln. [Die Wendung „ich ruhe im Inneren“ ist in der Vorlage in Klammern ergänzt.]

4.53 Ich werde stets von den Göttern gepriesen und bin der Leib Vishnus. Weil die Kenner der Veden und des Vedanta diese Eigenschaften in mir erkennen,

4.54 nennen sie mich Shri; sie verstehen die Zuordnung der Eigenschaften zu diesem Namen. So bin ich die Ewige, die alle Gestalten umfasst und ohne Anfang ist.

4.55 Weil ich über die drei Gunas walte, heiße ich Triguna. Mit dem Wunsch zu erschaffen bringe ich durch das Ungleichgewicht der Gunas die Schöpfung in Gang.

4.56 Von der Farbe geschmolzenen Goldes, mit Schmuck aus leuchtendem Gold, erfülle ich diese lichtlose Welt mit meinem eigenen Glanz.

4.57 Um die ganze noch leere Welt mit meinem Sein zu erfüllen, nahm ich einst eine weitere Gestalt an, die allein aus Tamas bestand.

4.58 Sie erschien als Frau, dunkel wie zerstoßene Augenschminke, mit großen Augen und schmaler Mitte; ihr mächtiges Antlitz war von Fangzähnen geprägt.

4.59 Ihre großen Arme waren mit Schwert, Schale, Haupt und Schild ausgestattet. Sie trug eine grausige Girlande und auf dem Haupt einen Schmuck aus Schlangenhäuptern. [Die genaue Zuordnung der Girlanden ist im zusammengedrängten Wortlaut unsicher.]

4.60 Kaum war diese vorzügliche Frau aus Tamas hervorgegangen, sprach sie zu mir: Mutter, gib mir Namen und Aufgabe! Dir gilt wieder und wieder meine Verehrung.

Shri sprach:

4.61 Ich antwortete der schönen, erhabenen Frau aus Tamas: Ich gebe dir die Namen, die zugleich deine Aufgaben bezeichnen.

4.62 Mahakali, Mahamaya, Mahamari, Hunger, Durst, Schlaf, die Dunkle, die alleinige Heldin und die schwer zu überschreitende Nacht der Zeit:

4.63 Dies sind deine Namen, deren Sinn durch die Benennungen zu erkennen ist. Wer durch sie deine Aufgaben versteht und sie rezitiert, wird Wohlergehen erfahren.

4.64 Weil ich diese erste Schöpfung noch nicht für ausreichend hielt, nahm ich eine mondgleiche Gestalt an, die aus dem Hervortreten des Sattva bestand.

4.65 Sie wurde zu einer herrlichen Frau mit Gebetskette und Elefantenhaken, Vina und Buch. Ich gab ihr Namen und Aufgabe:

4.66 Mahavidya, Mahavani, Bharati, Vak, Sarasvati, Arya, Brahmi, Mahadhenu, Vedagarbha, Einsicht und Sprache.

4.67 Der Name entspricht der Tätigkeit; wunderbar ist das Werk dieser sattvigen Gestalt. Wir drei werden die Trägerinnen und Mütter der Welt genannt.

So endet im Lakshmi Tantra, der Essenz des heiligen Pancharatra, das vierte Kapitel, „Das Hervortreten Mahalakshmis“.


Kapitel 5 – Die Entfaltung der Natur, der Sinne und des Geistes

Sanskrit IAST: Kapitel 5 · Devanagari: Kapitel 5 Shri sprach:

5.1 Ich bin das ursprüngliche, ewige Ich-Sein Haris, das alle Gestalten umfasst: reine Glückseligkeit und Bewusstsein, überall gleich gegenwärtig.

5.2 Mit dem Wunsch zu erschaffen habe ich durch einen äußerst kleinen Tropfen meiner selbst die reine Schöpfung hervorgebracht, deren Gestalt die vollständigen sechs göttlichen Eigenschaften sind.

5.3 Ohne mein eigenes Wesen aufzugeben, entfalte ich mich durch einen kleinen Tropfen meiner selbst in den drei Gunas und heiße Mahalakshmi.

5.4 Dort bin ich Mahashri, die höchste Herrin, in der Rajas vorherrscht. Meine Tamas-Gestalt heißt Mahamaya;

5.5 meine Sattva-Gestalt heißt Mahavidya. Ich und diese beiden herrlichen Göttinnen, wir drei Mächtigen,

5.6 brachten auf dreifache Weise entsprechende Paare hervor. Das von mir geschaffene Paar entstand geistig und war von schöner Gestalt.

5.7 Es umfasste den goldenen Keim, Hiranyagarbha, lotusäugig, schön und auf einem Lotus sitzend. Erkenne dieses in mir geistig entstandene Paar als aus einem Teil Pradyumnas hervorgegangen.

5.8 Das männliche Wesen heißt Dhata, Vidhi, Virinchi und Brahma. Das weibliche wird Shri, Padma, Kamala und Lakshmi genannt.

5.9 Das aus Mahamaya entstandene Paar ging aus einem Teil Sankarshanas hervor. Das darin geistig geschaffene männliche Wesen war dreiäugig und schön an allen Gliedern.

5.10 Es ist Rudra, Shankara, Sthanu, Kapardin und Trilochana. Das weibliche Wesen heißt dort die dreifache vedische Offenbarung, Ishvara, Sprache, Erkenntnis und unvergänglicher Laut,

5.11 ferner Kamadhenu, Gau und Sarasvati. Aus einem Teil Aniruddhas ging in Mahavidya

5.12 ein geistiges Paar hervor; dessen männliches Wesen ist Keshava, Vishnu, Krishna, Hrishikesha, Vasudeva und Janardana.

5.13 Die beglückende Frau darin heißt Uma, Gauri, Sati und Chanda. Auf meine Weisung wurde die dreifache vedische Offenbarung die Gemahlin Brahmas,

5.14 Gauri die Geliebte Rudras und die Lotusgöttin die Gemahlin Vasudevas. Dies ist die Entfaltung von Rajas, Tamas und Sattva.

5.15 So habe ich dir die erste Stufe, jene drei Paare, erklärt. Nun will ich von der mittleren Stufe der Gunas sprechen; höre zu.

5.16 Mit der Göttin der Sprache vereint brachte Virinchi das Weltei hervor. Auf meine Weisung brach Shankara es gemeinsam mit Gauri auf.

5.17 Das im Ei befindliche Pradhana, das Werk des Schöpfers, erhielt Keshava gemeinsam mit Padma.

5.18 Dies wird die mittlere Stufe der Gunas genannt. Nun werde ich die dritte Stufe erklären; höre mit ungeteilter Aufmerksamkeit.

5.19 Das im Weltei enthaltene Pradhana, das Ursache und Wirkung umfasst, heißt auch Dreiheit der Gunas, Prakriti, Raum, Eigennatur, Mutterschoß und das Unvergängliche.

5.20 Der erhabene Hrishikesha ließ dieses Prinzip, das den Namen „Unentfaltet“ trägt, zu Wasser werden. Gemeinsam mit Padma, der Erkenntnis,

5.21 legte er sich auf den Wassern nieder und ging in den Yoga des Schlafes ein. Die zuvor Mahakali genannte Gestalt wurde dieser durch Tamas geprägte Schlaf.

5.22 Während er dort ruhte, entstand aus seinem Nabel ein Lotus, Indra. Dieser Lotus, der nicht aus Schlamm geboren war, wird als aus Zeit bestehend bezeichnet.

5.23 Seine Namen sind unter anderem Wassergrundlage, Lotus, Träger, Pushkara, Rad und Pundarika.

Indra fragte:

5.24 Du hast das bewusste und das unbewusste Prinzip erklärt: Das Bewusste ist das erkennende Wesen, das Unbewusste die Dreiheit der Gunas. Wie ist nun die Zeit beschaffen, die daneben genannt wird?

Shri sprach:

5.25 Die Zeit ist ein weiterer Aspekt des Unbewussten, die Dreiheit der Gunas der andere. Jene Dreiheit, beginnend mit Stärke, die zuvor innerhalb der sechs göttlichen Eigenschaften genannt wurde,

5.26 entfaltet sich bei der Schöpfung in Gestalt der Zeit. Sie selbst ist unveränderlich; die Dreiheit der Gunas hingegen verändert sich.

5.27 Das Unbewusste wird somit als das Paar von Zeit und dem durch Zeit Bestimmten beschrieben. Wenn ich, die Göttin Mahashri, die verschiedenen Erscheinungen erschaffe,

5.28 dient diese Zeit mir als Werkzeug und besteht stets aus meinem Wesen. Aus jenem zeitförmigen Lotus, der aus Vishnus Nabel hervorgegangen war,

5.29 wurde der kraftvolle, vedengestaltige Brahma zusammen mit der dreifachen vedischen Offenbarung geboren. Er ist jener zuvor als Hiranyagarbha Bezeichnete, der aus Lakshmi hervorging.

5.30 Die Frau, die aus Mahakali entstanden war, heißt die dreifache vedische Offenbarung. Dieses Paar entstand aus dem Nabel-Lotus Vishnus.

5.31 Der Lotus und das aus ihm geborene Paar bilden gemeinsam eine Dreiheit. Die früheren Weisen bezeichneten sie als das große Prinzip, Mahat, eine Entfaltung im Bereich des Tamas.

5.32 Sie gliedert sich in Prana, Hiranyagarbha und Buddhi. Auf Lotus, Mann und Frau bezogen, wird sie als das große Prinzip beschrieben.

5.33 Die Eigenschaft des Prana ist Bewegung, die der Buddhi das bestimmende Erkennen. Dem männlichen Prinzip werden die beiden Gruppen von Dharma und seinen Gegensätzen zugeschrieben.

5.34 Die erste Gruppe umfasst Rechtschaffenheit, Erkenntnis, Nichtanhaften und Herrschermacht. Aus ihren Gegensätzen ergibt sich die mit Unrecht beginnende Gruppe.

5.35 Ich gehe in dieses große Prinzip ein und rege es zur weiteren Schöpfung an. Aus ihm, von mir bewegt, entstand der Ich-Macher, Ahamkara.

5.36 Er ist jener zuvor genannte Shankara, der aus Mahamaya hervorgegangen war. Seine Gemahlin Gauri entstand hier als die sich selbst zuschreibende Vorstellung.

5.37 Ich gehe in diesen Ich-Macher ein und rege ihn zur Schöpfung an. Durch das Zusammenwirken der Gunas wurde er zunächst dreifach.

5.38 Sein Tamas-Aspekt ist der Ursprung der Elemente. Höre die ganze Entfaltung daraus: Aus dem Elementursprung entstand das feine Klangprinzip; aus diesem ging der Klang hervor.

5.39 Aus dem von mir bewegten feinen Klangprinzip entstand das feine Berührungsprinzip, aus diesem die Berührung. Aus diesem feinen Prinzip, von mir angeregt,

5.40 entstand das feine Gestaltprinzip. Von mir bewegt brachte es zuerst die sichtbare Gestalt hervor und danach das feine Geschmacksprinzip.

5.41 Aus dem von mir in Bewegung gesetzten Geschmacksprinzip entstand Geschmack. Dann entstand das feine Geruchsprinzip; aus diesem, von mir angeregt,

5.42 ging der reine Geruch hervor. Dies ist die Gliederung des Elementarischen. Die feinen Prinzipien heißen feine Elemente; die anderen sind grobe Elemente.

5.43 Diese werden als Klang und die weiteren bezeichnet. Was man als ihre Eigenschaften Klang und anderes nennt, sind die Entfaltungen der groben Elemente; es sind keine davon unabhängigen Eigenschaften.

5.44 Friedvolle, heftige und verdunkelnde Beschaffenheit bilden eine Dreiheit. Sie sind Erscheinungsformen von Sattva und den anderen Gunas und bestehen nicht in den feinen Prinzipien als solchen.

5.45 Deshalb heißen die feinen Prinzipien „nur das“, Tanmatra. Die anderen heißen grob, weil sie Glück, Leid und ähnliche Erfahrungen hervorrufen.

5.46 Auch bei den groben Elementen unterscheidet man drei Zustände: feine, von den Eltern stammende und in der Außenwelt ausgeprägte.

5.47 Die verschiedenen äußeren Dinge wie Töpfe heißen ausgeprägte Formen. Die aus Samen und Blut hervorgegangenen besonderen Gestalten gelten als von den Eltern stammend.

5.48 Die feinen Formen bestehen aus den fünf Elementen und liegen dem feinen Körper zugrunde. So wurde die aus dem Elementursprung hervorgegangene Schöpfung der Reihe nach erklärt.

5.49 Die beiden anderen Anteile des Ich-Machers gründen in Rajas und Sattva. Der sattvige Anteil wird Vaikarika genannt;

5.50 der andere heißt bei den Weisen Taijasa. Höre nun von ihrer Schöpfung: Aus dem sattvigen Ich-Macher entstanden die Erkenntnissinne, beginnend mit dem Hören.

5.51 Aus dem Rajas-Anteil gehen die Handlungsorgane, beginnend mit der Sprache, hervor. Aus beiden entstand Manas, der sowohl der Erkenntnis als auch dem Handeln dient.

5.52 Hören, Tasten, Sehen, Schmecken und Riechen nennt man die fünf Erkenntnissinne. Diese Kraft besteht aus meinem eigenen Wesen.

5.53 Sprache, Hände, Füße, Geschlechtsorgan und Ausscheidungsorgan heißen die fünf Handlungsorgane. Auch diese Kraft besteht aus meinem Wesen.

5.54 Meine Erkenntniskraft, die durch die aufeinanderfolgenden Stufen herabgelangt ist, wirkt in den Gegenständen, indem sie die Erkenntnissinne leitet.

5.55 Meine Tatkraft, die durch die aufeinanderfolgenden Stufen herabgelangt ist, wirkt in den auszuführenden Handlungen, indem sie die Handlungsorgane leitet.

5.56 Der Gegenstand des Hörorgans ist Klang, seine Tätigkeit Hören. Der Gegenstand der Haut ist Berührung, ihre Tätigkeit Tasten.

5.57 Der Gegenstand des Auges ist sichtbare Gestalt, seine Tätigkeit Sehen. Der Gegenstand der Zunge ist Schmeckbares, ihre Tätigkeit Schmecken.

5.58 Der Gegenstand der Nase ist Geruch, ihre Tätigkeit Riechen. Die Tätigkeiten der Sinne an ihren Gegenständen, Hören und die weiteren,

5.59 heißen unmittelbare Wahrnehmungen; sie erfassen zunächst den Gegenstand als solchen. Die Himmelsrichtungen, der Blitz, die Sonne, der Mond und die Erde

5.60 gelten der Reihe nach als die göttlichen Zuordnungen der fünf Sinne. Klang und die weiteren Gegenstände heißen entsprechend die objektbezogene Ebene.

5.61 Die fünf Sinne selbst heißen die auf das individuelle Selbst bezogene Ebene. Ihre Entstehung aus dem sattvigen Anteil erfolgt in Beziehung zu Raum und den übrigen Elementen.

5.62 Deshalb werden die fünf Sinne auch der Reihe nach als elementbezogen bezeichnet. Der Gegenstand der Sprache ist Klang, ihre Tätigkeit Sprechen.

5.63 Der Gegenstand der Hände ist das zu Ergreifende, ihre Tätigkeit Greifen. Der Gegenstand der Füße ist das zu Erreichende, ihre Tätigkeit Gehen.

5.64 Der Gegenstand des Geschlechtsorgans ist das Lustgewährende, seine Tätigkeit Lustempfindung. Der Gegenstand des Ausscheidungsorgans ist das Auszuscheidende, seine Tätigkeit Ausscheidung.

5.65 Die vier Organe, beginnend mit den Händen, beziehen sich auf die fünf Sinnesgegenstände. Agni, Indra, Vishnu, der ursprüngliche Prajapati

5.66 und Mitra sind von den Einsichtigen der Reihe nach als die zugehörigen Gottheiten zu erkennen. Klang und die aus den fünf Sinnesbereichen bestehenden Gegenstände der Sprache und der anderen Organe

5.67 bilden ihre objektbezogene Ebene; die Organe selbst ihre individuelle Ebene. Manas wirkt in beiden Fünfergruppen als mitwirkendes inneres Organ.

5.68 Gemeinsam mit den Erkenntnissinnen vollzieht Manas begriffliches Unterscheiden. Dieses besteht in verschiedenartigen Bestimmungen und wird als Zuschreiben eines Merkmals bezeichnet.

5.69 Es wird als Verbindung eines Trägers mit einer Eigenschaft beschrieben. Diese Unterscheidung ist fünffach, nach Ding, Tätigkeit, Eigenschaft und weiteren Bestimmungen.

5.70 „Ein Stabträger“ beruht auf der Verbindung mit einem Gegenstand, „weiß“ auf einer Eigenschaft, „er geht“ auf einer Tätigkeit und „ein Mensch“ auf der Zugehörigkeit zu einer allgemeinen Klasse.

5.71 „Dittha“ beruht auf der Verbindung mit einem Namen. So besteht die fünffache Gliederung. Gemeinsam mit den Handlungsorganen bildet Manas den Handlungsentschluss.

5.72 Das Heraustreten aus der Gleichgültigkeit heißt Entschluss und Antrieb. In beiden Gruppen ist zugleich der Ich-Macher gegenwärtig.

5.73 Bei den Erkenntnissinnen wirkt er durch Selbstzuschreibung. Diese wird als die Verbindung des Erkennenden mit Raum und Zeit beschrieben.

5.74 So wird ein Gegenstand erkannt: „Er erscheint jetzt vor mir.“ Bei den Handlungsorganen wirkt der Ich-Macher durch den ersten Handlungsimpuls.

5.75 Dieser Impuls gilt als Vorstufe des Entschlusses. Buddhi ist bei den Erkenntnissinnen als bestimmendes Erkennen gegenwärtig.

5.76 Buddhi heißt die Feststellung des durch das bestimmende Erkennen erfassten Gegenstandes. Diese Feststellung ist eine sichere Entscheidung über den Gegenstand.

5.77 Bei den Handlungsorganen wirkt Buddhi durch Anstrengung. Die Weisen sollen dieses gesamte Instrumentarium als dreizehnfach erkennen.

5.78 Die äußeren Instrumente sind zehnfach, das innere Organ dreifach. Insgesamt werden hier dreiundzwanzig Entfaltungen genannt.

5.79 Die dreizehn Instrumente, die feinen Anteile und die daraus hervorgehenden groben Elemente: Dies wird der feine Leib des kosmischen Viraj genannt.

5.80 Die einzelnen feinen Körper bestehen für jedes Lebewesen gesondert. Bei der Befreiung lösen sie sich vom jeweiligen Lebewesen; sie sind aus ihrer eigenen Ursache hervorgegangen.

5.81 Diese dreiundzwanzig Entfaltungen, vom großen Prinzip bis zu den besonderen Elementgestalten, wirken unterstützend zusammen und bringen das Weltei hervor.

5.82 Dieses Ei wurde golden und leuchtete wie die Sonne mit ihren tausend Strahlen. Darin entstand der viergesichtige Gott Viraj, der Herr der Geschöpfe.

5.83 Aus Viraj entstand Manu, aus Manu die nach ihm benannten Menschen beziehungsweise Stammväter, beginnend mit Marichi; aus ihnen diese ganze bewegliche und unbewegliche Welt.

5.84 So habe ich dir einen kleinen Einblick in meine Entfaltung gegeben. Die Bewusstseinskraft ist an sich rein, doch von anfangsloser Unwissenheit getroffen.

5.85 In dieser Welt erfährt sie das aus Geburt, Alter und anderem entstehende Leid. Wenn sie durch die Verbindung mit reiner Erkenntnis und reinem Handeln jene Unwissenheit abschüttelt, erfährt sie Glückseligkeit.

So endet im Lakshmi Tantra, der Essenz des heiligen Pancharatra, das fünfte Kapitel, „Die Offenbarung der aus Prakriti hervorgehenden Schöpfung“.


Kapitel 6 – Die sechs Hüllen der Entfaltung

Sanskrit IAST: Kapitel 6 · Devanagari: Kapitel 6 Shri sprach:

6.1 Ich bin das ursprüngliche Ich-Sein Haris, jenes großen Ozeans von Bewusstsein und Glückseligkeit, dessen sechs Eigenschaften vollkommen zur Ruhe gekommen sind und dessen Gestalt einem wellenlosen Meer gleicht.

6.2 Als diese reine, freie Göttin, ganz Sein und Bewusstsein, beginne ich mich zu entfalten; ihr Kennzeichen ist der Wunsch zu erschaffen.

6.3 Ich, die höchste Wirklichkeit Vishnus, nehme die Gestalt von sechs Hüllen an: Shakti, Maya, Hervorbringung, die dreigunige Prakriti,

6.4 das Weltei und der Körper des Lebewesens. Diese heißen die sechs Hüllen. Der höchste Schöpfungswille, der aus dem Ich-Sein Vishnus hervorgeht,

6.5 ist Shakti, die erste Hülle, die den reinen Entfaltungsweg in Gang setzt. „Hülle“ ist gleichbedeutend mit Nest oder Aufenthaltsraum und wird auch Körper genannt.

6.6 In dieser reinen ersten Hülle, die das erste Hervortreten kennzeichnet, wurde der höchste Herr Sankarshana zur göttlichen Ich-Gegenwart.

6.7 In ihm ruht die ganze Veränderungswelt fein und gesammelt wie ein winziger dunkler Punkt. Die Göttin, die sein Ich-Sein ist, bin ich als höchste Sankarshani.

6.8 Mit Erkenntnis und Stärke ausgestattet heiße ich dort Shri. Was aus mir hervortritt, wird Pradyumna genannt.

6.9 Der höchste Gott Pradyumna wirkt als Buddhi des Gottes Sankarshana, der sich mit der Shakti-Hülle verbindet.

6.10 Die Gesamtheit des Erfahrenden und des Erfahrbaren liegt dort verborgen. Das Ich-Sein dieses geistgewordenen Gottes

6.11 bin ich unter dem Namen Sarasvati, entfaltet als unverminderte Wirkkraft und Herrschermacht. Was wiederum aus mir hervortritt, heißt Aniruddha.

6.12 Dort bin ich als Ich-Macher jenes Sankarshana gegenwärtig. Diese drei ursprünglichen Götter, Sankarshana und die weiteren,

6.13 werden mit den Namen Jiva, Buddhi und Ahamkara bezeichnet. Diese Götter gehören jedoch nicht der materiellen Natur an; sie sind ganz reines Bewusstsein.

6.14 Als Vollzieher der jeweiligen Aufgaben des leuchtenden Gottes Vasudeva, der ursprünglichen Vyuha-Gestalt, werden sie mit den entsprechenden Namen beschrieben.

6.15 Allen werden die sechs göttlichen Eigenschaften zugesprochen; alle sind höchste göttliche Wesen. Aus dem großen Ozean ewiger Glückseligkeit, in dem die sechs Eigenschaften vollkommen ruhen,

6.16 treten die sechs Eigenschaften gleichzeitig als wirksame Kräfte hervor. Das ist Vasudeva, die zuerst unterschiedene Vyuha-Gestalt.

6.17 Sein Ich-Sein heißt Shanti; diese bin ich und werde Shakti genannt. In dieser Hülle werden die als darin gegenwärtig betrachteten Götter hervorgebracht.

6.18 Das Ich-Sein Aniruddhas wird Rati genannt. Diese Göttin selbst ist Mahalakshmi; dies wird die Maya-Hülle genannt.

6.19 Die Entfaltung der Mahalakshmi-Maya, die durch die Gunas gekennzeichnet ist, heißt das Paar Mahakali und Mahavidya.

6.20 Meine dritte große Hülle heißt Prasuti, Hervorbringung. Sie besteht aus Mahalakshmi, Mahamaya und Mahavidya.

6.21 Darin entstanden die drei Paare, die dir zuvor erklärt wurden. Das Pradhana, das der höchste göttliche Herr zu Wasser werden lässt und auf dem er ruht,

6.22 heißt Prakriti, Mutterschoß; ihr Wesen ist das Gleichgewicht der Gunas. Das Ei, das Virinchi zuvor in sich selbst erzeugte,

6.23 nennen einige Kenner der Wahrheitslehren Prakriti. Das gemeinsam von den Prinzipien Mahat bis Erde gebildete Ei

6.24 heißt Weltei; darin wurde Brahma zu Viraj. Der Körper, den die Lebewesen hier mit großen und kleinen Gliedern besitzen,

6.25 ist die sechste Hüllenform, die sich stufenweise immer mehr begrenzt hat. So werden diese sechs Herabstiege meiner vollkommenen Wirklichkeit beschrieben.

6.26 In der ersten Hülle ist der Gott selbst dreifach als Ich-Gegenwart gegenwärtig. In den anderen fünf Hüllen bestehen die vielfältigen Lebewesen.

6.27 Sie erfahren verschiedene Zustände, die aus gutem und schlechtem Handeln hervorgehen. Die drei göttlichen Göttinnen, die drei männlichen Götter und die von ihnen gebildeten Paare,

6.28 ebenso ihre Erscheinungen innerhalb des Welteis, entstehen hingegen aus Freiheit und folgen nicht der Gewalt des Karmas.

6.29 Die Körper beider gelten als nicht aus der gewöhnlichen Natur bestehend. Die anderen Wesen in den fünf Hüllen, von den Göttern bis zu den unbeweglichen Lebensformen,

6.30 sind Lebewesen an verschiedenen Daseinsorten, die durch ihr Karma im Kreislauf wandern. Wenn ihre jeweilige Aufgabe zu Ende gelangt und heilsames Karma reift,

6.31 gewinnen sie eine Fülle von Erkenntnis und tilgen durch Yoga ihre Unreinheiten. So steigen sie allmählich durch die Hüllen auf; einmal aufgestiegen, fallen sie nicht mehr zurück.

6.32 Von Satyaloka an kehren sie von der jeweils erreichten Ebene nicht wieder zurück. Sie verbleiben dort oder steigen weiter empor.

Indra fragte:

6.33 Göttin, aus dem Milchozean Geborene, Gemahlin des Herrn mit dem Lotusnabel! Wer ist eigentlich der Jiva? Erkläre es mir; Verehrung dir, Lotusgeborene.

Shri sprach:

6.34 Ich bin das ursprüngliche, vollkommene Ich-Sein Haris, die höchste Herrin von allem. Vier Zustände dieser meiner Wirklichkeit werden genannt, du Erster der Götter.

6.35 Eine Seinsweise ist das erkennende Subjekt, die andere sein inneres Organ, eine weitere das äußere Instrument und die vierte die Ebene der Gegenstände.

6.36 Das erkennende Subjekt wird als bewusstes Wesen bezeichnet; es gilt als eine Einschränkung meiner selbst. Obwohl ich frei von Begrenzung durch Raum, Zeit und anderes bin,

6.37 nehme ich aus Freiheit eine Einschränkung an, ohne mein Selbstsein aufzugeben. Diese erste Einschränkung heißt erkennendes Subjekt.

6.38 Wie die Welt in mir als Bewusstseinswesen enthalten ruht, so ruht sie auch im erkennenden Subjekt, wie ein Berg im Inneren eines Spiegels erscheint.

6.39 Das erkennende Subjekt nimmt Einheit, Zweiheit, Dreiheit, Vierheit und die Gestalt von sieben Fünfergruppen an.

6.40 Durch das Leuchten seines Selbst ist es eins, als Erfasstes und Erfassendes zweifach und als Erkenntnis, Gestalt und Tätigkeit dreifach.

6.41 Als in den jeweiligen Prinzipien gegenwärtig besitzt es die Gestalt der sieben Fünfergruppen. – Indra fragte: Welche sind diese Prinzipien, Lotusäugige? Wie viele gibt es, und welcher Art sind sie?

6.42 Beantworte meine Frage; Verehrung dir, aus dem Meer Geborene! – Shri sprach: Die Elemente sind durch die Unterscheidung in grobe und feine zehnfach; dazu kommen die Sinnes- und Handlungskräfte,

6.43 unterschieden nach Erkennen und Handeln, sowie die drei inneren Organe; ferner Prakriti, Prasuti, Maya, Sattva, Rajas und Tamas,

6.44 Zeit, Ordnung, Shakti, Purusha, der höchste Raum und der göttliche Herr. So lehren die Sattvatas die Prinzipien.

Indra sprach:

6.45 Aus deinem Lotusmund habe ich von diesen Prinzipien gehört. Erkläre sie mir näher, Göttin. Verehrung dir, Lotusgeborene!

So endet im Lakshmi Tantra, der Essenz des heiligen Pancharatra, das sechste Kapitel, „Die Offenbarung der sechs Hüllen“.


Kapitel 7 – Das erkennende Selbst und seine Instrumente

Sanskrit IAST: Kapitel 7 · Devanagari: Kapitel 7 Shri sprach:

7.1 Nun erkläre ich dir, Indra, der Reihe nach die Ordnung der Prinzipien. Diese Ordnung umfasst sowohl den reinen als auch den unreinen Bereich.

7.2 Wie der wolkenlose Himmel und wie ein unbewegtes Meer ist der große Ozean klaren, freien Bewusstseins und ewiger Glückseligkeit.

7.3 Frei von Begrenzung durch Gestalt, Raum, Zeit und anderes ist er als Bhagavan, der göttliche Herr, das ewige höchste Selbst, zu erkennen.

7.4 Sein höchstes, ebenso beschaffenes Ich-Sein ist die ewige Göttlichkeit: Narayani, die Höchste, Feine, Ungeteilte und Makellose.

7.5 Sie ist der große Ozean von Erkenntnis, Shakti, Stärke, Herrschermacht, unverminderter Wirkkraft und Tejas. Das erste gleichzeitige Hervortreten dieser sechs Eigenschaften

7.6 wird zweifach benannt, als Seiender und Sein. Der Seiende ist hier Vasudeva; sein Sein ist die Vasudeva-Wirklichkeit.

7.7 Diese heißt Shanti; sie bin ich, die ewige Göttin. Die drei Vyuhas Sankarshana und die weiteren wurden zuvor mitsamt ihrem Ich-Sein erklärt.

7.8 Mit ihnen entsteht die Vierheit; diese vier, Herr der Götter, umfasst die Bezeichnung Bhagavan: das höchste Prinzip, das kein begrenztes Einzelprinzip ist.

7.9 Der höchste Raum heißt auch höchster Äther. Dort unterscheidet Gott sich durch sich selbst und ist mit mir zusammen;

7.10 Vishnu, das ewige höchste Selbst, spielt dort mit Rama. Jener Ort, die Entfaltung der sechs Eigenschaften, ist der höchste Raum.

7.11 Purusha ist der unveränderliche Grund der Erfahrenden, allwissend und nach allen Seiten gewandt. Als seine Anteile gehen alle ewigen Lebewesen aus ihm hervor.

7.12 Bei der Auflösung gehen sie mit ihrem Karma wieder in diesen höchsten Purusha ein. Dies ist mein Zustand als erkennendes Subjekt, den ich dir zuvor erklärt habe.

7.13 Mahalakshmi wird von den Einsichtigen als Shakti-Prinzip bezeichnet. Niyati, die bestimmende Ordnung, ist Mahavidya; die Zeit wird Kali genannt.

7.14 Sattva, Rajas und Tamas werden die drei Gunas genannt. Sattva gilt als glückhaft, klar, erkenntnisfördernd und leicht.

7.15 Rajas ist als leidhaft, beweglich, rot und antreibend zu erkennen. Tamas ist verdunkelnd, schwer, schwarz und hemmend.

7.16 Maya, Prasuti und Prakriti, Indra: Diese Dreiheit der Naturgrundlagen wurde dir bereits erklärt.

7.17 Ebenso wurden die zehn Elemente und die dreizehn Instrumente, insgesamt dreiundzwanzig, zuvor deutlich erläutert.

7.18 Das erkennende Subjekt ist somit eine Einschränkung meiner selbst und besteht aus reinem Bewusstsein. In seinem Inneren leuchtet die Fülle der Prinzipien auf; es bleibt stets wie ein Spiegel.

7.19 Höre nun aufmerksam von seiner Vierheit. Zuerst wird das erkennende Subjekt bei Ohnmacht und ähnlichen Zuständen als leer bezeichnet.

7.20 Dann heißt das erkennende Subjekt im Tiefschlaf pranaförmig. Im Tiefschlaf entfalten sich beim Menschen allein die Lebenskräfte.

7.21 Bei Ohnmacht, Vergiftung und ähnlichen Zuständen zieht sich auch die Lebensfunktion zurück. Es bleibt allein das eigene Sein; deshalb heißt der Mensch dann leer. [Beschreibung der historischen Lehre, keine medizinische Zustandsdiagnose.]

7.22 Die dritte Form des erkennenden Subjekts besteht im Traum allein aus der achtfachen Stadt. Lebenskräfte, Elemente, karmische Kräfte, Instrumente, die drei Gunas,

7.23 frühere Prägungen und Unwissenheit werden als der feine Leib, die achtfache Stadt, bezeichnet. Im Traum bewegt er sich allein mit dem inneren Organ frei umher. [Die Aufzählung der Vorlage ist gegenüber der Bezeichnung „achtfach“ verkürzt.]

7.24 Wenn das verkörperte Wesen mit seinem eigenen Körper handelt, ist es in den Wachzustand eingetreten. Dies ist seine Vierheit. Höre nun auch von seiner Dreiheit.

7.25 Die dreifache Einschränkung von Erkenntnis, Tätigkeit und eigenem Wesen bildet seine Dreiheit. Höre ihre Erklärung.

7.26 Durch Maya wird die Erkenntnis eingeschränkt, durch fehlende Herrschermacht die Tätigkeit vermindert und durch mangelnde Kraft das eigene Wesen begrenzt. So wird es dreifach beschrieben:

7.27 begrenzt, nur zu wenigem fähig und nur wenig wissend. Seine Zweiheit und Einheit wurden bereits zuvor erklärt.

7.28 So wurde mein Zustand als erkennendes Subjekt heute im Einzelnen dargelegt. Höre nun, Indra, von meinem Zustand als inneres Organ.

7.29 Ich bin freies Bewusstsein und nehme aus mir selbst die Gestalt des bewussten Wesens an. Indem ich diese Bewusstheit zurücktreten lasse, steige ich stufenweise weiter herab.

7.30 Als auf einen Erkenntnisgegenstand eingeschränktes Bewusstsein heiße ich Chitta, inneres Organ. Dieses ist die Dreiheit von Manas, Buddhi und Ahamkara.

7.31 Ihre Tätigkeiten sind Unterscheiden, Feststellen und Selbstzuschreiben. Manas unterscheidet den Gegenstand, Ahamkara bezieht ihn auf sich,

7.32 und Buddhi stellt ihn fest, stets vom bewussten Wesen getragen. Buddhi ist die individuelle Ebene, die Entscheidung die gegenstandsbezogene Ebene,

7.33 und der im Spiegel der Buddhi gegenwärtige Feldkenner die göttliche Ebene. Entsprechend ist der Ich-Macher die individuelle Ebene, die Selbstzuschreibung die gegenstandsbezogene,

7.34 und Rudra die göttliche. Manas heißt die individuelle Ebene, begriffliche Unterscheidung die gegenstandsbezogene und der Mond die göttliche.

7.35 Beim Handeln sind Lebensantrieb, Ich-Impuls und Entschluss ihre Eigenschaften. Prana heißt hier Anstrengung, der Ich-Impuls wird Stolz genannt.

7.36 Dieser Stolz besteht darin, sich als Besitzer der Handlungsfrucht aufzufassen. Den geistigen Entschluss beschreiben die Weisen als Heraustreten aus der Gleichgültigkeit.

7.37 Damit ist mein zweiter Zustand, der des inneren Organs, erklärt. Wenn ich aus dieser Form des inneren Organs weiter hervortrete,

7.38 verdichte ich mich allmählich und heiße äußeres Instrument. Diese äußeren Instrumente habe ich bereits erklärt.

7.39 Bei der Tätigkeit der Erkenntnissinne wirken Manas und die anderen inneren Organe. Das Auge nimmt den Gegenstand wahr; Manas unterscheidet ihn begrifflich.

7.40 Der Ich-Macher bezieht das Wahrgenommene und begrifflich Unterschiedene auf sich. Danach stellt Buddhi es fest und übergibt es dem Feldkenner.

7.41 Bei der Tätigkeit der Handlungsorgane gilt die umgekehrte Reihenfolge, denn Sprechen und die übrigen äußeren Handlungen gehen aus Entschluss und weiteren inneren Vorgängen hervor.

7.42 Die Unterscheidung in individuelle, gegenstandsbezogene und göttliche Ebene wurde zuvor vollständig genannt. Dies ist die dritte Form, die in den äußeren Instrumenten wirkt.

7.43 Höre nun von meinem vierten Bereich, der die Gestalt des Erkennbaren besitzt. Das Erkennbare ist zunächst zweifach, als äußeres und inneres.

7.44 Zum Äußeren gehören Blau, Gelb und Ähnliches, zum Inneren Glück, Leid und Ähnliches. Durch diese vier Seinsweisen habe ich mich verdichtet.

7.45 Obwohl ich unmittelbar gegenwärtig bin, werde ich durch die im eigenen Geist entstandenen begrifflichen Gegenstände vergessen. Wer sich jedoch durch die Unterweisung eines guten Lehrers an folgerichtiges Denken hält,

7.46 und mit Scharfsinn prüft, erkennt mich dann auch im Erkennbaren deutlich. Wenn auf diese Weise die ganze gegenständliche Erscheinung aufgelöst wird,

7.47 leuchte ich selbst frei und als vollkommenes Bewusstsein. Klar und immer klarer erscheine ich sodann in der Form der Erkenntnisinstrumente,

7.48 und schließlich erstrahle ich im erkennenden Subjekt ganz klar als reines Bewusstsein. Wer meinen Aufstieg und meinen Abstieg betrachtet, seinen Geist auf mich richtet und sein Leben in mir gründet, wird fähig, mein Sein zu erlangen.

So endet im Lakshmi Tantra, der Essenz des heiligen Pancharatra, das siebte Kapitel, „Die Offenbarung des erkennenden Subjekts und seiner Instrumente“.


Vishnu als Varaha und die Erdgöttin: Kapitel 8 nennt Bhu als Lakshmis Erscheinung.

Kapitel 8 – Lakshmi in den göttlichen Erscheinungen

Sanskrit IAST: Kapitel 8 · Devanagari: Kapitel 8 Indra sprach:

8.1 Verehrung dir, aus dem Meer Geborene! Verehrung dir, Lotusgeborene! Verehrung dir, die du im Lotus wohnst, Gemahlin Narayanas!

8.2 Du hast deine Erscheinungen innerhalb der fünf Hüllen erwähnt. Erkläre sie mir ausführlich, Lotusgöttin, da ich dich danach frage.

8.3 Wozu dienen sie, wie erscheinen sie, wie viele sind es und welche Gestalten haben sie? Erkläre mir ihre Wahrheit, Göttin, denn du bist allwissend und ewig.

Shri sprach:

8.4 Wellenlos, unaussagbar, unerschütterlich, unvergleichlich, ohne festgelegte Seinsweise, unteilbar, frei von begrifflicher Unterscheidung und ungetrübt

8.5 ist das eine Brahman Narayana: leer von begrenzenden Bestimmungen, rein und makellos. Was immer hier gesehen, gehört oder erschlossen wird,

8.6 die durch die drei Erkenntnismittel erkennbare Welt mit ihren Erscheinungen von Sein und Nichtsein, beweglich und unbeweglich, fein und grob, bewusst und unbewusst:

8.7 All dies ist das unübertreffliche Brahman Narayana, frei von Unwissenheit, glückselig, klar und ganz freies Bewusstsein.

8.8 Diese göttliche Wirklichkeit besteht als Seiender und Sein, als höchstes Ziel jenseits des Weges. Als Kraftträger und Kraft wird sie zweifach betrachtet.

8.9 Der Kraftträger ist das höchste Brahman Narayana, die seiende Ich-Wirklichkeit. Die Kraft Narayani bin ich, das Ich-Sein in der Gestalt seines Seins.

8.10 Es gibt keinen Bereich seines Wesens, in dem er ohne mich wäre, und keinen Bereich meines Wesens, in dem ich ohne ihn bestünde.

8.11 Diejenigen, die den Ozean der Grundwahrheiten durchdrungen haben, beschreiben uns in ihren Lehrwerken als eins und als zwei. Wir beide sind die Ursache von allem.

8.12 In manchen Darstellungen der Schöpfung steht das Sein im Vordergrund, in anderen der Seiende, in wieder anderen beide zusammen. Der Wissende gerät dadurch nicht in Verwirrung.

8.13 Wenn Narayana zur Erfüllung einer Aufgabe der Götter allein herabgestiegen erscheint, bin ich dort als sein Sein mit gegenwärtig.

8.14 Wenn ich allein aus dem Wunsch nach dem Wohl der Götter herabsteige, ist in mir als Ich-Sein jener Gott als die mit „Ich“ gemeinte Wirklichkeit offenbar.

8.15 Wenn wir beide gemeinsam herabsteigen, um ein Werk für die Götter auszuführen, sind wir wechselseitig ineinander gegenwärtig, als Seiender und Sein.

8.16 Nachdem die Wahrheit so bestimmt ist, höre von den Erscheinungen. Der ewige allgegenwärtige Gott Aniruddha, der Gott der Götter,

8.17 entstand aus Mahavidya. Damals entstand auch ich, Indra, aus mir selbst als Mahalakshmi unter dem Namen Kamala.

8.18 Diese beiden göttlichen Gatten gelten als die Eltern der Welten. In der Padmanabha-Erscheinung sind diese beiden nicht aus einem gewöhnlichen Mutterschoß geboren.

8.19 Die Erscheinung Narayanas, die Shaktisha heißt, besitzt viele Formen. Überall bleibe ich mit ihm verbunden.

8.20 Einmal erscheine ich einfach, dann zweifach, vierfach, sechsfach, achtfach und auch zwölffach. Höre die dabei verwendeten Namen.

8.21 Bei seiner zweiarmigen Gestalt bin ich die schöne Shri auf seinem Schoß. Stehe ich zu seinen beiden Seiten, heiße ich Shri und Pushti, Indra.

8.22 In den vier Himmelsrichtungen um ihn nehme ich die Gestalten Shri, Kirti, Jaya und Maya an; als solche erfreut sich Vishnu meiner Gegenwart.

8.23 In seinen sechs Winkeln bin ich sechsfach gegenwärtig. Höre die Namen: Shuddhi, Niranjana, Nitya, Jnanashakti, Indra,

8.24 ferner Parajita und als sechste Para Prakriti. In den acht Richtungen um ihn bestehe ich in acht Gestalten:

8.25 Lakshmi, Sarasvati, Sarvakamada, Pritivardhani, Yashaskari, Shantida, Tushtida und als achte Pushti.

8.26 In seinen zwölf Winkeln bin ich zwölffach gegenwärtig: Shri, Kameshvari, Kanti, Kriya, Shakti, Vibhuti,

8.27 Iccha, Priti, Rati, Maya, Dhi und Mahima. Ebenso bin ich auch bei seiner vierarmigen Gestalt in den sechs genannten Anordnungsweisen gegenwärtig.

8.28 Ebenso bei seiner sechsarmigen, achtarmigen, zwölfarmigen und vierzehnarmigen Gestalt, Indra,

8.29 ferner bei seiner sechzehn- und achtzehnarmigen Gestalt: Ich teile mich vielfältig und bestehe in diesen Unterscheidungen.

8.30 Bei der Vishnu-Erscheinung, die „auf dem Meer Ruhender“ heißt, bin ich ringsum in vier Gestalten gegenwärtig:

8.31 Lakshmi, Nidra, Priti und Vidya. Bei der Vishnu-Erscheinung, die Shripati, Gemahl der Shri, heißt,

8.32 stehe ich unter dem Namen Shri zu seiner Linken. Bei seiner Erscheinung als Parijatajit, dem Gewinner des Parijata-Baumes,

8.33 sitze ich auf Haris linkem Schoß und lege die Hand auf seine Schulter. Bei der glückverheißenden Erscheinung Vishnus als Minadhara, dem Träger der Fischgestalt,

8.34 begleite ich ihn in der Gestalt eines Bootes. Eine weitere Erscheinung Vishnus ist sein Hervortreten als Trivikrama.

8.35 Dann gehe ich als die Freude schenkende Ganga aus seinem Fuß hervor. Bei Haris Erscheinung als dem auf Ananta Ruhenden

8.36 stehe ich in vierfacher Gestalt in den vier Himmelsrichtungen, mit den Namen Lakshmi, Chinta, Nidra und Pushti.

8.37 In diesen Formen bin ich gemeinsam mit ihm innerhalb des Welteis erschienen. Wenn seine Erscheinungen innerhalb des Welteis gesondert hervortreten,

8.38 steige auch ich ihm jeweils verbunden in gesonderter Gestalt herab. Bei der in den Veden gerühmten Erscheinung Varaha

8.39 erscheine ich gesondert als Bhu, die Erde. Bei der ursprünglichen Vishnu-Erscheinung namens Dharma

8.40 werde ich als Bhargavi, die aus Khyati geborene Shri, bezeichnet. Bei der Erscheinung Dattatreya, dem Sohn Atris,

8.41 erhob ich mich zu seiner Freude aus einem See. Bei der glückverheißenden Vishnu-Erscheinung Vamana

8.42 wurde ich aus einem Lotus geboren und heiße deshalb Padma. Als Vishnu als Bhargava Rama erschien,

8.43 war ich seine Kraft namens Dharani, nicht aus einem Mutterschoß geboren. Bei der glückverheißenden Erscheinung Rama, dem Sohn Dasharathas,

8.44 entstand ich bei Janakas Opfer aus dem vom Pflug aufgebrochenen Feld. Ich bin als Sita bekannt, durch die der Zehnköpfige vernichtet wurde.

8.45 Wenn Vishnu in Mathura vierfach erscheinen wird, werde auch ich mich vierfach offenbaren:

8.46 als Revati, Rukmini, Rati und Usha. Bei der weiteren, verblendenden Erscheinung namens Buddha

8.47 heiße ich Tara und werde auch Dhara genannt. Bei den allein hervortretenden Vishnu-Erscheinungen wie Dhruva

8.48 bin ich als ihr jeweiliger Leib und als das ihnen Erfahrbare gegenwärtig. Wenn von meiner bezaubernden, den Unsterblichkeitsnektar tragenden Gestalt gesprochen wird,

8.49 sind darin Seiender und Sein gleichermaßen angezeigt: Die Götter erkennen die männliche Gestalt, die anderen die weibliche. [Der Vers beschreibt die unterschiedliche Wahrnehmung der Mohini-Erscheinung.]

8.50 So habe ich dir meine wunderbaren Geburten erklärt, als gemeinsam und als gesondert erscheinend. Höre nun, Herr der Götter, von meinem alleinigen Hervortreten.

So endet im Lakshmi Tantra, der Essenz des heiligen Pancharatra, das achte Kapitel, „Die Offenbarung der Erscheinungen Lakshmis“.


Kapitel 9 – Die selbstständigen Erscheinungen der Göttin

Sanskrit IAST: Kapitel 9 · Devanagari: Kapitel 9 Die Göttin fuhr fort:

9.1 Ich bin die Göttin Narayani, Narayana stets verbunden. Wie er Erkenntnis, Glückseligkeit und Tätigkeit ist, so bestehe auch ich aus Erkenntnis, Glückseligkeit und Tätigkeit.

9.2 Niemals und nirgends kann eine Trennung meiner selbst von ihm oder seiner selbst von mir bewirkt werden.

9.3 Entsprechend der jeweiligen Aufgabe nehmen wir durch die Kraft unseres eigenen Yoga verschiedene wunderbare Gestalten an und erscheinen gemeinsam oder gesondert.

9.4 Je nachdem, welche besondere Gabe Brahma oder ein anderer Gott den weltzerstörenden Daityas gewährt hat, durch deren Askese und Yogakraft dazu bewegt,

9.5 nehmen wir Ewigen eine entsprechende Gestalt an und wirken zur Ausführung der göttlichen Aufgabe und zur Wiederherstellung des Wohls. [Die Wendung über das jeweils zu Bewirkende ist im Wortlaut nicht eindeutig.]

9.6 Indem ich die höchste Wirklichkeit durch meine Maya und meinen eigenen Glanz verhülle, steige ich selbst herab, um die jeweiligen Zerstörer zu vernichten.

9.7 Zuerst werde ich als Göttin Mahalakshmi, die höchste Herrin, bezeichnet. Dann wurde ich in den Formen Krishna, der Dunklen, und Brahmi nochmals zweifach.

9.8 Diese höchste Gestalt meiner selbst besteht gemäß der Unterscheidung der drei Gunas. Im Zeitalter des Svayambhuva-Manu wurde ich, Mahalakshmi, Indra,

9.9 zum Wohl aller Welten als Bezwingerin Mahishas geboren. Die kleinen Anteile meiner Kraft, die in den jeweiligen Götterkörpern gegenwärtig waren,

9.10 vereinten sich und wurden zu meiner überaus schönen Gestalt. Auch die verschiedenen Waffen der Götter, Herr des Himmels,

9.11 wurden mit ihren Kräften und entsprechenden Gestalten meine Waffen. Von den Göttern gepriesen, tötete ich Mahisha in einem Augenblick.

9.12 Damals schauten die Götter mit Indra und den Weisen den alle Vollkommenheiten gewährenden Hymnus an die Vernichterin Mahishas, der mit „devyā yayā“ beginnt.

9.13 Vedenkundige Brahmanen erzählen ausführlich von ihrer Entstehung, ihrer Macht im Kampf und ihrem Lobpreis, Herr der Götter.

9.14 Wer die Göttin mit solcher Macht preist, über sie meditiert und sich vor ihr verneigt, erlangt als Frucht bleibende, unvergängliche Herrschaft.

9.15 Jene schwer zu überschreitende Göttin, die Haris Yogaschlaf heißt, erkenne als mich, die ewige Göttin in der Gestalt Mahakalis.

9.16 Bei der Vernichtung Madhus und Kaitabhas wurden beide damals von ihr verblendet. Durch die erlangte Zusage konnte Vishnu, der Gott der Götter, sie töten.

9.17 Den Hymnus, der mit „viśveśvarī“ beginnt, schaute Brahma zum Lobpreis meiner selbst als Göttin Yogashlaf, Indra.

9.18 Diese ist die schwer zu überschreitende Maya Vishnus, Mahakali. Durch den Lobpreis gewonnen, bringt sie die bewegliche und unbewegliche Welt unter den Einfluss des Preisenden.

9.19 Ihre Entstehung, ihre Taten und ihr Lobpreis werden von den Brahman-Kennern zum Wohl aller Wesen bewahrt.

9.20 Im Zeitalter des Tamasa-Manu ging ich, die höchste Mahavidya, aus Gauris Körper hervor und hieß damals Kaushiki,

9.21 um die bösen Daityas sowie Shumbha und Nishumbha zu töten, die Welten zu schützen und den Göttern beizustehen.

9.22 Meine Kräfte, die in den Körpern der höchsten Götter gegenwärtig waren, nahmen deren jeweilige Gestalten an und leisteten mir Hilfe.

9.23 Mit ihnen tötete ich die Daitya-Fürsten jeweils auf die gebotene Weise. Dann nahm ich all diese meine Krafttropfen wieder in mich auf.

9.24 Danach tötete ich selbst Shumbha und Nishumbha. Den Hymnus, der mit „Göttin, die du das Leid der Zufluchtsuchenden hinwegnimmst, sei gnädig“ beginnt,

9.25 schauten die Götter unter Führung des Feuers zu meinem Lobpreis. Er ist der überaus schöne Hymnus namens Narayani-Stuti.

9.26 Mit Hingabe verehrt schenkt diese Gestalt Allwissenheit. Als Kaushiki gewähre ich viele Wünsche, Herr aller Götter.

9.27 Die alten Brahmanen, die Veden und Vedangas durchdrungen haben, überliefern diese Dreiheit: Entstehung, Macht im Kampf und Lobpreis.

9.28 Im Zeitalter des Vaivasvata-Manu werden Shumbha und Nishumbha erneut entstehen, von ihren gewährten Gaben berauscht, und die Götter bedrängen.

9.29 In der Familie des Hirten Nanda, aus Yashodas Schoß geboren, werde ich sie als Sunanda, die im Vindhya-Gebirge wohnt, vernichten.

9.30 Wieder werde ich in einer äußerst furchtbaren Gestalt auf die Erde herabsteigen und die großen Asuras aus Viprachittis Geschlecht töten.

9.31 Wenn ich diese wilden großen Asuras verschlinge, werden meine Zähne rot wie die Blüten des Granatapfelbaumes.

9.32 Dann werden alle Götter und die Menschen auf Erden mich stets als Raktadantika, die Rotzähnige, preisen.

9.33 Im vierzigsten Zeitalter derselben Manu-Periode, Indra, wird überall eine hundertjährige Dürre ohne Wasser herrschen.

9.34 Von den Weisen angerufen werde ich ohne gewöhnliche Geburt auf Erden erscheinen und mit hundert Augen auf die Weisen schauen.

9.35 Die Menschen werden mich Shatakshi, die Hundertäugige, nennen. Dann werde ich die ganze Welt

9.36 mit heilsamen, lebenserhaltenden Pflanzen ernähren, die aus meinem eigenen Körper hervorgehen. Die Götter werden mich dann als Shakambhari, die Pflanzennährerin, preisen, Indra.

9.37 Dort werde ich auch den großen Asura namens Durgama töten. Deshalb werde ich auf Erden als Göttin Durga bekannt werden.

9.38 Wer Shakambhari preist, über sie meditiert, sie verehrt und sich vor ihr verneigt, Indra, wird rasch unerschöpfliche Freude an Nahrung und Trank erfahren.

9.39 Im fünfzigsten Viererzyklus der Weltalter werde ich, von den Weisen gebeten, im Himalaya eine schöne und zugleich äußerst furchtbare Gestalt annehmen.

9.40 Zum Schutz der Weisen werde ich die Rakshasas verschlingen. Dann werden alle Weisen sich verneigen und mich preisen:

9.41 „Furchtbare Göttin, sei gnädig!“ – mich, Bhima, die Furchtlosigkeit schenkt. Im sechzigsten Zeitalter wird ein Danava namens Aruna

9.42 Menschen und Weise schwer bedrängen. Dann werde ich eine Bienengestalt annehmen, aus unzähligen sechsfüßigen Wesen bestehend,

9.43 und zum Wohl der drei Welten den großen Asura töten. Die Welten werden mich dann stets Bhramari nennen und preisen.

9.44 So werde ich immer dann herabsteigen, wenn durch Danavas Bedrängnis entsteht, und die großen Asuras vernichten.

9.45 Damit habe ich dir einige meiner überaus wunderbaren, von Beeinträchtigung freien Erscheinungen gezeigt, Indra, die als selbstständige Erscheinungen bezeichnet werden.

9.46 Als ihr höchster, unveränderlicher Grund gilt die große, segensreiche Mahalakshmi, Prakriti, die höchste Herrin.

9.47 Zu ihrem Lobpreis schauten sämtliche Götter, beginnend mit Brahma, den vorzüglichen, alle Wünsche erfüllenden Hymnus, der mit „namo devyai“ beginnt.

9.48 Wer mich als diese Göttin beständig mit diesem Hymnus preist, überschreitet alle leidbringenden Kräfte und erlangt große Herrschermacht.

9.49 Die Geburten meiner selbst als Mahalakshmi mitsamt meinen Erscheinungen, ihre Taten und die ihre Herrlichkeit verkündenden Hymnen

9.50 erzählte der große Weise Vasishtha einst im Zeitalter des Svarochisha-Manu dem edlen König Suratha,

9.51 ebenso dem Kaufmann Samadhi, der sich verneigte und in Bedrängnis war. Weil Vasishtha dies beständig mit Hingabe und Vertrauen vortrug,

9.52 ruht diese Folge meiner Geburten, Taten und Lobpreisungen stets in meinem Herzen. Wer sie aus dem Mund eines Zweimalgeborenen gehört hat und regelmäßig rezitiert,

9.53 schüttelt die ganze Maya ab und erlangt rechte Erkenntnis. Er gewinnt alle Fülle und überwindet sämtliche Bedrängnisse.

9.54 Durch meine Macht erlangt er Glück und guten Ruf. Obwohl diese Erscheinungen als meine selbstständigen Formen bezeichnet werden, gibt es ohne Vishnu

9.55 keine Geburt meiner selbst. Er ist dabei als Ich-Wirklichkeit gegenwärtig. Weil wir niemals ohne einander sind und einander stets zugehören,

9.56 ist der Herr der Götter in mir, und ich, die Ewige, bin in ihm. So habe ich dir, Indra, einen kleinen Einblick in die verschiedenen Arten

9.57 meiner Erscheinungen gegeben, die in den fünf Hüllen entstehen. Die anderen, die in der reinen Hülle entstehen, bestehen ebenso als Seiender und Sein.

9.58 Auch dort ist diese Ordnung zu erkennen: Vishnus und meine gemeinsame Gegenwart. Wer mich so erkennt, unmittelbar gegenwärtig und allgemein anerkannt,

9.59 und mich in meinen vielfältigen Gestalten beständig mit verschiedenen Mitteln verehrt, überschreitet die leidbringenden Kräfte und die karmischen Ablagerungen und gelangt zu meinem Sein.

So endet im Lakshmi Tantra, der Essenz des heiligen Pancharatra, das neunte Kapitel, „Die Offenbarung der selbstständigen Erscheinungen“.


Kapitel 10 – Die höchste Gestalt Vishnus und die Vyuhas

Sanskrit IAST: Kapitel 10 · Devanagari: Kapitel 10 Indra sprach:

10.1 Du bist für den Bezwinger Madhus die Frucht der Mühe des Milchozean-Quirlens. Verehrung der Schwester des Mondes! Verehrung dir, Ursprung des Unsterblichkeitsnektars!

10.2 Aus deinem Lotusmund habe ich von deinen Erscheinungsweisen gehört, in denen das Sein im Vordergrund steht. Nun möchte ich die Formen hören, in denen der Seiende hervortritt.

10.3 Welche Gestalten haben diese Erscheinungen Vishnus, und wie viele sind es, Lotusgöttin? Beantworte meine Frage. Verehrung dir, auf dem Lotus Sitzende!

Shri sprach:

10.4 Wohlan, Indra, ich werde dir die Formen erklären, in denen der Seiende im Vordergrund steht: wie viele Erscheinungen Vishnus es gibt und welcher Art sie sind.

10.5 Brahman ist die reine Sechsheit göttlicher Eigenschaften, fehlerlos, alterslos, beständig, allmächtig und unversehrt; seine Vergegenwärtigung bedarf keiner äußeren Stütze.

10.6 Zuerst entfaltet es sich als Kraftträger und Kraft. Der höchste Gott Narayana besteht als Kraftträger.

10.7 Ich bin seine beständige Kraft, die sämtliche Werke des Allgegenwärtigen vollzieht. Zum Wohl der Welt nehmen wir beide vielfältige Erscheinungsformen an.

10.8 Wie ich in unterschiedlichen Gestalten gegenwärtig bin, habe ich dir bereits erzählt. Höre nun meine Beschreibung der Erscheinungen des unveränderlichen Vishnu:

10.9 Sie sind nicht materiell, unvergleichlich und von unbegreiflicher Herrlichkeit erfüllt. Indem der Weltenherr mich, seine Kraft, die überaus wunderbare Ursprungsnatur, leitet,

10.10 tritt er zum Wohl der Welt in drei Formen hervor: in seiner ursprünglichen höchsten Gestalt, in der Vyuha-Gestalt

10.11 und in der Vibhava-Gestalt, die vielfältige Erscheinungen annimmt. Aus dem Wunsch, seinen Verehrern Gnade zu schenken, nimmt der allgegenwärtige göttliche Herr

10.12 einen unvergleichlichen, unaussagbaren höchsten Leib an, dessen Schönheit wie zehntausend Vollmonde die ganze Welt erfrischt.

10.13 Zweiarmig und lotusäugig zeigt er die Gesten des Segens und der Furchtlosigkeit. Seine beiden Hände sind mit Linienzeichnungen von Rad und Muschel

10.14 gekennzeichnet. Er steht auf unbewegten Füßen, von höchster Schönheit, und ist mit seinen sechs Eigenschaften ohne Minderung oder Zuwachs geschmückt.

10.15 Gleichmäßig und wohlproportioniert ist er, schön an allen Gliedern, reich an reinem Schmuck, der wie Wogen des Unsterblichkeitsnektars erstrahlt.

10.16 Untrennbar begleiten ihn seine strahlenförmigen, noch nicht verkörperten Erscheinungen Achyuta und die weiteren. Diese eine göttliche Gestalt ist die höchste Vishnu-Form, Para genannt. [Ein Wort vor „Achyuta“ ist in der Vorlage beschädigt.]

10.17 Die im Yoga Vollendeten verehren sie im Herzen, gegründet im Turiya-Zustand. Nun beschreibe ich dir seine zweite Form, die Vyuha-Gestalt.

10.18 Der Gott entfaltet sich selbst vierfach nach Osten und den weiteren Richtungen, als Vasudeva und die übrigen, und besteht auf der Ebene des Tiefschlafes.

10.19 Die Gestalt aller entspricht der ursprünglichen Form. Die erste umfasst die sechs Eigenschaften; die weiteren Formen sind durch die Paare, beginnend mit Erkenntnis,

10.20 bestimmt, wie ich zuvor erklärt habe. Sie leuchten wie tausend Feuer, Sonnen und Monde und sind durch eine Regung der Glückseligkeit gekennzeichnet.

10.21 Diese erste Vierheit auf der Tiefschlafebene ist der Same aller Tätigkeiten und der Grund aller begrifflichen Entfaltungen. Erkenne sie so, Indra.

10.22 Ebenso entfaltet der Gott sich selbst auf der Traumebene nach Osten und den übrigen Richtungen in die Formen Vasudevas und der weiteren.

10.23 Durch Zusammenfassung und gesonderte Entfaltung der Eigenschaften besteht das höchste göttliche Wesen vierfach, in überaus wunderbaren Gestalten: weiß, rot, golden und wolkengleich,

10.24 entsprechend der ursprünglichen Gestalt. Diese zweite Vierheit gewährt Befreiung und Erfahrungserfüllung und vernichtet den Samen des Werdens.

10.25 Sie ist schön wie eine Fülle von Unsterblichkeitsnektar. Auf der Wachebene entfaltet der Gott sich dann in weißen, roten und weiteren Gestalten,

10.26 vierarmig, mit edlen Gliedern, gekennzeichnet durch Muschel, Rad und andere Attribute, mit verschiedenen Bannern geschmückt und Vasudeva und weitere genannt.

10.27 In diesen Vyuhas entfaltet sich der Allgegenwärtige aus seinem eigenen Spiel. Die erste Gestalt des göttlichen Herrn besitzt den Glanz von Schnee, Jasmin und Mond.

10.28 Sie ist vierarmig, mit freundlichem Gesicht und lotusgleichen Augen, trägt gelbe Seide und ist mit dem Garuda-Banner geschmückt.

10.29 Mit der vorderen rechten Hand schenkt sie den Ängstlichen Furchtlosigkeit; in der entsprechenden linken hält sie die vorzügliche Muschel.

10.30 In der anderen rechten Hand trägt sie das Sudarshana-Rad, in der anderen linken die schwere Keule, die auf der Erde ruht.

10.31 So soll man Vasudeva vor sich betrachten. Sankarshana ist wie ein zinnoberroter Berggipfel, freundlich im Gesicht und vierarmig,

10.32 gekleidet in die Farbe der Flachsblüte und mit einem Palmenzeichen versehen. Seine beiden vorderen Hände entsprechen denen der ersten Gestalt.

10.33 In der Hand, die dort das Rad trägt, hält er einen Pflug, und in der Keulenhand einen Stößel. So soll man Sankarshana im Süden betrachten.

10.34 Die dritte Gestalt strahlt wie eine Schar von Leuchtkäfern in einer Nacht der Regenzeit, trägt rote Seide und ist mit dem Makara-Banner geschmückt.

10.35 Dieser höchste Herr ist freundlich im Gesicht und vierarmig. Auch seine beiden vorderen Hände entsprechen den zuvor beschriebenen, du Einsichtiger.

10.36 In der anderen linken Hand hält er den Sharnga-Bogen, in der rechten fünf Pfeile. Als Pradyumna soll man ihn im Westen betrachten.

10.37 Die nächste Gestalt gleicht einem Berg dunkler Augenschminke, ist in leuchtend gelbes Gewand gehüllt, vierarmig und großäugig und trägt ein Hirschzeichen.

10.38 Ihre vorderen beiden Hände betrachte man wie bei der ersten Gestalt; in den beiden anderen hält sie rechts das Schwert und links den Schild.

10.39 So soll man Aniruddha im Norden betrachten. Alle tragen eine Waldblumengirlande und das Shrivatsa-Zeichen.

10.40 Ihre Brust ist vom Kaustubha, dem König der Edelsteine, geschmückt. Man betrachte den Gott in dieser unübertrefflichen Vierheit auf der Wachebene,

10.41 göttlich und mit allen Werkzeugen ausgestattet, als Vollzieher von Erhaltung, Entstehung und Auflösung, unter dessen Führung die Welt besteht.

10.42 Auf den drei Ebenen Tiefschlaf, Traum und Wachen besteht diese Vierheit dreifach. Im Turiya-Zustand ist die höchste Form gegenwärtig, durch die Eigenschaften erkennbar.

10.43 Damit habe ich die zweite Form Vishnus erklärt, die Vyuha heißt: die Gestalt dessen, der durch Erkenntnis, Tätigkeit und andere Kräfte die Welten hervorbringen will.

10.44 Höre nun von der dritten Form Vishnus, Vibhava genannt. Sie ist im Haus der Welt gegenwärtig und vollzieht Tätigkeiten in vielfältigen Gestalten.

So endet im Lakshmi Tantra, der Essenz des heiligen Pancharatra, das zehnte Kapitel, „Die Offenbarung der höchsten Gestalt und der Vyuhas“.


Kapitel 11 – Die Vielfalt der göttlichen Erscheinungen und ihre Gnade

Sanskrit IAST: Kapitel 11 · Devanagari: Kapitel 11 Shri sprach:

11.1 Vishnu, der herrliche Narayana, ist fehlerlos, niemandem unterworfen, makellos und ewig: das ewige höchste Selbst.

11.2 Stets bilden die sechs göttlichen Eigenschaften seinen Leib. Er ist das höchste, unvergängliche Brahman. Erkenne mich als seine höchste Kraft, die stets seine Eigenschaften teilt,

11.3 in allen seinen Seinsweisen gegenwärtig, fehlerlos und niemals von ihm getrennt. Ich vollziehe sämtliche Werke Vishnus, dessen Gestalt unvergänglich ist.

11.4 Ich entfalte mich selbst in den reinen und unreinen Seinsweisen und bringe beständig Haris Unterscheidungen als höchste Gestalt, Vyuhas und weitere Formen hervor.

11.5 Indem ich die reinen sechs Eigenschaften aufnehme und auf entsprechende Weise gestalte, bilde ich unmittelbar die verschiedenen, den Vyuhas und anderen Erscheinungen angemessenen Formen.

11.6 So lasse ich die Erscheinungsweise des Gottes hervortreten, in der der Seiende im Vordergrund steht. Ich bin die Wirksamkeit dieses Gottes; daran besteht kein Zweifel.

11.7 Was ich tue, wird als von ihm getan bezeichnet. Denn ich gelte als das Tätigsein dieses Gottes.

11.8 So habe ich dir, Indra, die höchste Gestalt und die Vyuha-Gestalt gezeigt. Höre nun von der dritten Gestalt, die Vibhava heißt.

11.9 Die vier Zustände, die von Turiya bis zum Wachen beschrieben wurden, sind von Vasudeva bis Aniruddha durchdrungen.

11.10 Auf jeder Ebene besteht entsprechend eine Vierheit mit ihren eigenen unoffenbaren und offenbaren Formen, wie dir erklärt wurde.

11.11 Wenn eine Vyuha-Gestalt aus einer anderen hervorgeht, erfüllt der Gott den gesamten Bereich von der einen Ebene bis zur nächsten mit seinem Glanz.

11.12 Diese verehrungswürdige, unoffenbare und noch gestaltlose Lichtfülle heißt Vishakhayupa, der verzweigte Pfeiler; sie ist jeweils von Erkenntnis und den weiteren Eigenschaften erfüllt.

11.13 Aus ihm treten auf jeder Ebene der Reihe nach die vier Gestaltzweige hervor, Vasudeva und die weiteren, Indra.

11.14 So wird beim Hervortreten der Vyuhas auf der Wachebene aus der Traumebene jene große Lichtgestalt verehrt, die sich vom Traum bis zum Wachen erstreckt:

11.15 der erhabene Vishakhayupa, der Gott, Schatzkammer des Lichtes. Was von Turiya bis zum Traum reicht, [Text beziehungsweise Satzanschluss in der Vorlage verkürzt]

11.16 besitzt auf den jeweiligen Ebenen Herrschermacht und die fest gegründeten sechs Eigenschaften. Diese ganze göttliche Sechsheit, in der reines Bewusstsein vorangeht, nimmt er auf,

11.17 entfaltet sich selbst in den Gestalten Vasudevas und der weiteren und bringt zur Zeit der Vibhava-Entfaltung, ohne die vier Gestalten dazwischenzuschalten,

11.18 als Vishakhayupa selbst die Vibhavas hervor. Diese Götter in Vibhava-Gestalt heißen Padmanabha und die weiteren.

11.19 Padmanabha, Dhruva, Ananta, Shaktisha, Madhusudana, Vidyadhideva, Kapila, Vishvarupa, Vihangama,

11.20 Krodatman, Vadavavaktra, Dharma, Vagishvara, der im einzigen Weltenmeer Ruhende und der Schildkrötengestaltige,

11.21 Varaha, Narasimha, Amritaharana, Shripati, Divyadeha, Kantatman und Amritadharaka,

11.22 Rahujit, Kalanemighna, Parijatahara, Lokanatha, Shantatman, Dattatreya, der große Herr,

11.23 der unter dem Banyanbaum ruhende Erhabene, der Einhorngestaltige, der Gott mit dem Zwergenkörper und der allgegenwärtige Trivikrama,

11.24 Nara, Narayana, Hari, Krishna, Rama mit der flammenden Axt und der andere Rama, der Bogenträger,

11.25 der vedkundige Erhabene, Kalkin und der in der Unterwelt ruhende Herr: Diese werden als die achtunddreißig Götter, beginnend mit Padmanabha, betrachtet. [Die Auflösung einzelner zusammengesetzter Namen und Epitheta bestimmt die Zählung.]

11.26 Diese Offenbarungen des allgegenwärtigen Vishakhayupa heißen entsprechend ihren jeweiligen Aufgaben Vibhavas. Ihre Aufgaben sind voneinander unterschieden.

11.27 Padmanabha steht zwischen dem reinen und dem unreinen Entfaltungsweg. Die übrigen Götter, Dhruva und die weiteren, entfalten sich im Haus der Welt.

11.28 Ihre Gestalten, Waffen, Kräfte und weiteren Formen sind vollständig in der Sattvata-Lehre dargestellt. Hier wurden nur ihre Namen aufgezeigt.

11.29 Vasudeva und die weiteren heißen die Zweige des allgegenwärtigen Gottes. Der erhabene Vishakhayupa wirkt durch diese ausgebreiteten Zweige.

11.30 Aus jedem der vier Zweige entsteht eine Dreiheit, insgesamt von Keshava bis Damodara. Dies wird weitere Vyuha-Entfaltung genannt.

11.31 Aus denselben Zweigen geht entsprechend den genannten Dreiergruppen jeweils eine Dreiheit von Shaktis hervor, beginnend mit Shri.

11.32 Die Leiber aller göttlichen Formen, von der höchsten Gestalt bis zu den Vibhavas, bestehen aus den reinen sechs Eigenschaften, Herr der Götter.

11.33 Sämtliche Waffen der Götter, Rad, Muschel und weitere, die verschiedenen Schmuckstücke und Gewänder,

11.34 die mannigfaltigen Banner, ihre weißen und anderen Farben und die verschiedenen Träger, Satya und weitere, Herr der Götter,

11.35 ebenso die Freude gewährenden Shaktis in ihren verschiedenen Formen, die inneren Organe und sämtliche ihrer Tätigkeiten,

11.36 und jedes weitere Hilfsmittel, das sie äußerlich mit anderen Wesen gemeinsam haben: Erkenne dies alles als aus den sechs göttlichen Eigenschaften gebildet, Bezwinger Balas.

11.37 Ich bin reines Bewusstsein, von den sechs Eigenschaften ganz erfüllt. Je nachdem, was ihnen erwünscht ist, werde ich jeweils zu genau dieser Gestalt.

11.38 Ohne den Gott der Götter gibt es für mich kein Bestehen. Ohne mich gibt es für den Gott Vishnu kein Bestehen.

11.39 Wir beide sind eins und bestehen zugleich als zwei. Je nachdem, was an einem Ort erforderlich ist, nehmen wir die entsprechende Seinsweise an.

Indra fragte:

11.40 Meerestochter, Verehrung dir! Verehrung dir, Lotusgeborene! Welchem Zweck dient die Unterscheidung des Herrn in höchste Gestalt, Vyuhas und weitere Formen?

Shri sprach:

11.41 Zur Begnadung der Lebewesen und aus Mitgefühl mit seinen Verehrern entfaltet sich der Gott der Götter als höchste Gestalt, Vyuhas und weitere Erscheinungen.

Indra fragte:

11.42 Göttin, Geliebte des Gottes der Götter, Verehrung dir, Lotusgeborene! Für die Begnadung der Verehrer könnte doch eine einzige Form Haris genügen.

Shri sprach:

11.43 Die Lebewesen haben unterschiedliche Mengen heilsamen Verdienstes angesammelt, Indra. Sie sammeln dieses nicht alle zur gleichen Zeit an.

11.44 Wenn bei einem Menschen heilsames Verdienst aufblüht, wird er zu einem bestimmten Zeitpunkt bei seiner Geburt vom herrlichen Lotusäugigen angesehen.

11.45 Ein anderer wird zu anderer Zeit so angesehen; ihre heilsamen Anlagen sind verschieden. Durch die Abstufung ihres Verdienstes entstehen Unterschiede ihrer Befähigung.

11.46 Bei einem ist die Unterscheidungskraft im Erkennen der göttlichen Wirklichkeit gering, bei einem anderen mittel und bei einem weiteren von göttlicher Klarheit.

11.47 Da durch die unterschiedliche Zuwendung des Herrn solche Unterschiede bestehen, entfaltet der Gott der Götter entsprechend der jeweiligen Aufgabe die höchste Gestalt, die Vyuhas und die weiteren Formen,

11.48 indem er mich als seine Shakti leitet. Diejenigen, die das Wesen des Yoga verwirklicht haben, sind zur höchsten Selbstgestalt befähigt;

11.49 die mittleren, deren Yoga noch gemischt ist, zur Betrachtung der Vyuhas; diejenigen, deren Unterscheidungskraft noch nicht klar ist, zu den Vibhava-Formen und den weiteren Erscheinungen.

11.50 Es sind Verehrer des höchsten Herrn, die noch unter den Vorstellungen „Ich“ und „Mein“ leiden. Indem er die unterschiedliche Befähigung seiner Verehrer berücksichtigt,

11.51 nimmt er die vielfältigen Seinsweisen an, die höchste Gestalt, Vyuha und weitere heißen. So habe ich dir, Indra, in einem kleinen Ausschnitt die beiden umfassenden Formen gezeigt:

11.52 die Entfaltungen meiner selbst und Narayanas, in denen Sein und Seiender im Vordergrund stehen. In der reinen und der nicht reinen Ordnung der aus mir hervorgegangenen Hüllen

11.53 wurde dir heute unser Bestehen gezeigt: gesondert, gemeinsam und jeweils allein erscheinend. Wer mich so erkennt, unmittelbar gegenwärtig und allgemein anerkannt,

11.54 und mich in meinen vielfältigen Gestalten beständig durch verschiedene Mittel verehrt, überschreitet die leidbringenden Kräfte und die karmischen Ablagerungen und gelangt zu meinem Sein.

So endet im Lakshmi Tantra, der Essenz des heiligen Pancharatra, das elfte Kapitel, „Die Offenbarung der Vibhavas“.


Kapitel 12 – Verhüllung, Schöpfung, Erhaltung und Auflösung

Sanskrit IAST: Kapitel 12 · Devanagari: Kapitel 12 Indra fragte:

12.1 Wenn der ewige Jiva deine reine Bewusstseinskraft selbst ist, wie wird er dann von leidbringenden Kräften, Karma und dessen Ablagerungen berührt, Lotusgöttin?

12.2 Welche leidbringenden Kräfte gibt es, wie viele werden genannt, wie ist das Karma beschaffen, und welche Arten hat es? Was heißt Ablagerung, Göttin, und welche Frucht wird diesem Ganzen zugeschrieben?

12.3 Meerestochter, erkläre mir dies; dir gilt wieder und wieder meine Verehrung! Allwissende, niemand außer dir kann es darlegen.

Shri sprach:

12.4 Ich bin die Göttin Narayani, ganz klares, freies Bewusstsein. Frei und makellos bin ich Shri, die niemals von Vishnu weicht.

12.5 Ich habe meine Gestalt zweifach entfaltet, als Herrschendes und als das, worüber gewaltet wird. Letzteres habe ich wiederum aus meiner eigenen Freiheit zweifach unterschieden.

12.6 Das eine ist die Bewusstseinskraft, die Erfahrende genannt wird; das andere hat die Gestalt des Erfahrbaren und seiner Zusammenhänge. Dieses habe ich als Zeit und als das von Zeit Bestimmte zweifach gegliedert.

12.7 Die von der Zeit bestimmte Kraft ist die verblendende und bindende Prakriti mitsamt ihren Entfaltungen. Durch sie wird die Bewusstseinskraft gebunden.

12.8 Die Form, durch die die Bewusstseinskraft im Zustand des begrenzt Erfahrenden bedrängt wird, heißt Klesha. Sie ist fünffach; höre ihre Namen.

12.9 Dunkelheit, Verblendung, große Verblendung, Finsternis und die blind machende Finsternis: Diese fünfgliedrige Unwissenheit ist die äußerste Entfaltung des Tamas.

12.10 Obwohl die Bewusstseinskraft unverbunden, rein und unveränderlich ist, trägt sie in ihrer Klarheit die Beeinträchtigung ihrer Erscheinungsweise. [Die Beziehung zwischen Reinheit und Beeinträchtigung wird im folgenden Dialog ausdrücklich problematisiert.]

Indra fragte:

12.11 Mir erscheint die Verbindung der Bewusstseinskraft mit den Kleshas widersprüchlich. Mein Geist gerät in Verwirrung; beseitige diese Verwirrung, Lotusgeborene!

Shri sprach:

12.12 Ich bin Narayanas freie, überaus wunderbare Kraft, die Ursache aller Verwirklichungen: die ewige Göttin, die stets gegenwärtig ist.

12.13 Meine fünf ewigen Tätigkeiten, Herr der Götter, sind Verhüllung, Schöpfung, Erhaltung und Auflösung

12.14 sowie Gnade. Dies ist die Fünfheit meiner Tätigkeiten. Höre nun, Indra, ihre Erklärung nach ihrer jeweiligen Wirksamkeit.

12.15 Verhüllung heißt das Erscheinen als etwas anderes. Meine Bewusstseinskraft, die Erfahrende genannt wird, ist an sich klar.

12.16 Die Kraft meiner selbst, durch die sie dennoch unter der Gewalt der Prakriti steht, heißt Verhüllung und wird meine Unwissenheitskraft genannt.

12.17 Meine Gestalt wurde von mir, deren Entschluss sich verwirklicht, unterschieden. Mein erster Herabstieg, den ich dir zuvor beschrieben habe,

12.18 wird von den Weisen Bewusstseinskraft oder Jiva genannt. Seine Unterschiedenheit besteht allein durch meine eigene Freiheit.

12.19 Wenn ich diese Bewusstseinskraft mit der Gegenstandsform meiner selbst, die ich durch meinen wirksamen Entschluss geschaffen habe, gleichsetze,

12.20 ist dies Unwissenheit, jene mächtige Kraft, die Verhüllung genannt wird. Sie besitzt fünf Glieder; lerne sie von mir kennen.

12.21 Dunkelheit ist das erste Glied; sie heißt Avidya, Unwissenheit. Es ist jene Auffassung des Jiva, durch die er das, was nicht sein Selbst und nicht sein Eigen ist, als Gegenstand

12.22 für sein Eigen und sein Ich hält. Das nennt man Dunkelheit und Unwissenheit. Wenn der Gegenstand als Ich angenommen wurde, entsteht daraus eine Selbstbehauptung.

12.23 Diese heißt Asmita, Ichhaftigkeit, und große Verblendung; sie ist das zweite Glied der Kleshas. Dass Gegenstand und Bewusstes durch Unwissenheit als eines angenommen werden,

12.24 wird mit den Wörtern Verblendung, Ichhaftigkeit und große Verblendung bezeichnet. Die durch Ichhaftigkeit gesetzte Prägung, die die Erinnerung an Glück bewirkt,

12.25 ist Zuneigung, auf einen anziehenden Gegenstand gerichtet: das dritte Glied. Die durch Ichhaftigkeit gesetzte Prägung, die die Erinnerung an Leid bewirkt,

12.26 ist Abneigung, auf einen abgelehnten Gegenstand gerichtet: das vierte Glied. Wer durch geeignete Mittel Leid aufgeben und Glück erlangen möchte,

12.27 gerät angesichts von Hindernissen in Furcht. Dieses blind machende Festklammern heißt Abhinivesha und ist das fünfte Glied der Kleshas.

12.28 Das bewusste Wesen hält den Körper für sein Selbst und setzt sich mit ihm gleich. Es möchte Anziehendes erlangen und das Gegenteil loswerden.

12.29 Von Hindernissen erschreckt wirkt es ihnen entgegen, um Erwünschtes zu erreichen und Unerwünschtes abzuwehren.

12.30 Das dreifache Handeln mit seinen jeweils drei Formen, das es dabei vollzieht, nennen die im Sankhya und Yoga kundigen Weisen Karma. [Die beiden Dreiteilungen werden in diesem Vers nicht ausgeschrieben.]

12.31 Die daraus hervorgehenden Erfahrungen sind Glück, Leid und eine Mischung aus Leid und Glück. Die Kenner der Wahrheitslehren sprechen von dieser dreifachen Reifung.

12.32 Die aus Kleshas, Handeln und deren Reifung hervorgehenden Prägungen heißen Ablagerungen. Sie ruhen allenthalben im inneren Organ.

12.33 Durch die fünf Glieder der Kleshas entstehen beständig Prägungen. Ebenso entsteht durch Handeln eine Prägung, die zum erneuten Beginn ähnlichen Handelns führt.

12.34 Durch die drei Arten der Reifung entstehen ferner Prägungen von Glück und den weiteren Erfahrungen. Mit diesen vier Kennzeichen – Kleshas, Karma, Reifung und Ablagerungen –

12.35 bindet die als Verhüllung bezeichnete Seinsweise die Hülle des Jiva. Für die durch diese Kraft gebundenen Lebewesen

12.36 wirken meine Kräfte der Schöpfung und der weiteren Tätigkeiten beständig fort. Meine Schöpfungskraft habe ich dir durch die Unterscheidung von rein und unrein zweifach erklärt.

12.37 Sie besteht wiederum siebenfach. Eine Form wird unaufhörlich durch die Tätigkeit der Geschöpfezeugung vollzogen.

12.38 Die anderen gehören zu den sechs Hüllen und treten zu ihren jeweiligen Zeiten hervor. Innerhalb der aus Prakriti hervorgehenden Schöpfungsordnung wird Schöpfung nochmals dreifach unterschieden:

12.39 als anlageförmige, feinstoffliche und grobe Entfaltung. Wie der Baum in einem Banyan-Samen ruht, so ruhen im dreigunigen Prakriti-Zustand

12.40 Mahat und die weiteren Prinzipien; dies heißt anlageförmige Schöpfung. Die von mir hervorgebrachten feinen Leiber in ihrer gemeinsamen und individuellen Form,

12.41 die des Viraj und die der übrigen Wesen, bilden die feinstoffliche Schöpfung. Die dreiundzwanzig Prinzipien von Mahat bis zu den besonderen Elementgestalten

12.42 werden als im feinen Leib des Viraj enthalten beschrieben. Von den in ihrer Gesamtheit bestehenden Sinneskräften und dem dreifachen inneren Organ

12.43 sind jeweils bestimmte Anteile den einzelnen Lebewesen zugeordnet, ebenso die zuvor genannten feinen Formen der groben Elemente.

12.44 [verkürzte Nummerierung der Vorlage] Diese achtzehn individuellen Bestandteile, dazu Kleshas, Handlungen, Prägungen und Lebenskräfte: So wird der feine Leib beschrieben, der den Gruppen der Lebewesen als Träger dient.

12.45 Die in den feinen Leibern gegenwärtigen Bewusstseinskräfte durchwandern auf unterschiedliche Weise den Daseinskreislauf. Wenn bei den heilsam handelnden Lebewesen reine Erkenntnis des göttlichen Herrn entsteht,

12.46 lösen sich diese feinen Leiber auf, zu keiner anderen Zeit. Der grobe Leib des Viraj, der auch Weltei genannt wird,

12.47 und die vier Arten der anderen Körper verkörperter Wesen bilden meine grobe Schöpfung. Damit ist die Betrachtung der Schöpfung dargelegt.

12.48 Meine dritte Kraft heißt Erhaltung, wie ich dir zuvor erklärt habe. Ihre Gestalt will ich nun beschreiben; höre zu, Indra.

12.49 Zwischen dem ersten Augenblick der Schöpfung und dem Augenblick des Wunsches, sie wieder zurückzunehmen, verleihe ich dem in dieser Zwischenzeit Bestehenden Bestand.

12.50 Dies geschieht durch meine verschiedenen Gestalten und ist meine höchste Erhaltungskraft. Die Erhaltung durch Vishnu, den Gott der Götter, und durch mich selbst

12.51 wird von den Wahrheitsforschern als erste Form bezeichnet. Die Erhaltung durch die Herren der Manu-Zeitalter heißt die zweite,

12.52 die durch Manus Söhne die dritte und die durch geringere Träger eine weitere; so ist sie vierfach. Meine vierte Kraft ist die Auflösung; höre ihre Unterteilungen.

12.53 Die beständige Vernichtung der aus dem Mutterleib und auf andere Weise geborenen Wesen heißt fortwährende Auflösung. Eine andere, Indra, wird anlassbedingte Auflösung genannt.

12.54 Sie betrifft die drei Welten und wird durch Brahmas Schlaf verursacht. Die dritte heißt natürliche Auflösung und betrifft Mahat und die weiteren Prinzipien.

12.55 Die vierte heißt Prasuti-Auflösung und betrifft das Unentfaltete. Die fünfte heißt Maya-Auflösung und betrifft Prasuti.

12.56 Die sechste ist als Shakti-Auflösung zu erkennen und betrifft Maya. Die siebte heißt endgültige Auflösung: das Aufgehen der Yogis in mir.

12.57 Dann lösen sich die feinen Körper dieser Guten auf. So habe ich dir die siebenfache Auflösung erklärt, Indra. Höre nun die Erklärung meiner fünften Kraft, die Gnade heißt.

So endet im Lakshmi Tantra, der Essenz des heiligen Pancharatra, das zwölfte Kapitel, „Die Offenbarung der Kräfte, beginnend mit Verhüllung“.


Kapitel 13 – Gnade und das Wesen des Jiva

Sanskrit IAST: Kapitel 13 · Devanagari: Kapitel 13 Shri sprach:

13.1 Meine fünfte Kraft, Indra, besteht in Gnade. Nun erkläre ich sie dir ihrem wahren Wesen nach, mein Kind.

13.2 Die Lebewesen sind von Unwissenheit durchdrungen und von Ichhaftigkeit und den übrigen Kleshas beherrscht. Meine Kraft namens Verhüllung hat ihr wahres Wesen verborgen.

13.3 Sie fallen aus hohen Zuständen in niedrige und streben aus niedrigen wieder empor. Dreifach gebunden bewegen sie sich in den drei Daseinsbereichen.

13.4 Mitten in den glühenden Kohlen des Daseinskreislaufs werden sie von ihrem eigenen Karma gebrannt. Im Leid vermeinen sie Glück zu finden, stets von Unwissenheit überwältigt.

13.5 Sie durcheilen die verschiedenen Geburtsformen des Beweglichen und Unbeweglichen. Durch die jeweils eigenen Ursachen entstehen immer neue und vielfältige

13.6 Erfahrungen in Körper, Sinnen, Geist und Buddhi. Tag und Nacht verknüpfen sie auf diese Weise Geburt mit Geburt und Tod mit Tod.

13.7 So werden sie von den Leiden der Verbindung und der Trennung bedrängt. Dann löscht der aufsteigende Strom meines Mitgefühls ihre Verfehlungen;

13.8 von mir, Shri, werden die Lebewesen gnädig angesehen und vom Leid befreit. Dies heißt Anugraha, Gnade, und trägt auch den Namen Shaktipata, Herabkunft der Kraft.

13.9 Wenn ich sie so ansehe, gelangen ihre karmischen Kräfte ins Gleichgewicht. Der Leib, in dem ich ein Lebewesen so ansehe, soll sein letzter sein. [Der Ausdruck für „letzter“ ist in der überlieferten Lesung ungewöhnlich.]

13.10 Ich allein kenne jenen Augenblick der Herabkunft der Kraft. Er entsteht nicht durch menschliche Anstrengung und auch nicht durch eine andere äußere Ursache.

13.11 Allein aus meinem eigenen Willen sehe ich irgendwann einen Menschen gnädig an. Von da an wird sein inneres Organ immer klarer.

13.12 Er gelangt zum Gleichgewicht der karmischen Kräfte, gründet sich auf reines Handeln, gewinnt Vedanta-Erkenntnis und widmet sich Sankhya und Yoga.

13.13 Durch rechte Einsicht in die Sattvata-Lehre entfaltet er wahre Hingabe an Vishnu. Im Verlauf langer Zeit schüttelt der Yogi die angesammelten Kleshas ab.

13.14 [Vorlage: 13.44] Er wirft die vielfältigen Bindungen ab, leuchtet immer heller und erreicht das höchste Brahman, dessen Wesen Lakshmi und Narayana sind.

13.15 Dies ist meine fünfte Kraft, die Gnade. Meine eigene Freiheit allein ist die Ursache meiner Tätigkeiten, beginnend mit Verhüllung.

13.16 So erkenne es, Indra; dahinter ist keine weitere äußere Ursache zu erfragen. – Indra sprach: Verehrung dir, die du im Lotus wohnst! Verehrung dir, die du in Narayana gründest!

13.17 Verehrung der ewig Makellosen, dem Ozean heilsamer Eigenschaften! Die Nektarfülle deiner Worte hat meine tiefe Dunkelheit abgewaschen.

13.18 Noch einmal möchte ich die höchste Gestalt der Bewusstseinskraft hören. – Shri sprach: Einer ist der Gott Narayana, das ewige höchste Selbst,

13.19 stets Schatzkammer von Erkenntnis, Stärke, Herrschermacht, unverminderter Wirkkraft, Shakti und Glanz; ohne Anfang und nicht durch Raum, Zeit oder Gestalt begrenzbar.

13.20 Ich bin seine höchste Göttin, leuchtend in der Herrlichkeit der sechs Eigenschaften: die alles vollziehende Kraft, die ewiges Ich-Sein heißt.

13.21 Ein einziges Bewusstsein ist mein Wesen, ganz erfüllt von Klarheit und Freiheit. Sämtliche Verwirklichungen der Lebewesen in der Welt beruhen auf mir.

13.22 Auf dem Grund meines eigenen Selbst lasse ich aus freiem Willen die ganze Welt erscheinen. Diese Welten leuchten in mir auf wie Vögel, die sich im Wasser spiegeln.

13.23 Aus Freiheit steige ich herab und vollziehe die fünf Tätigkeiten. Was bei diesem Herabstieg aus mir hervortritt, heißt Bewusstseinskraft.

13.24 Diese ist eine Einschränkung meiner selbst und besteht aus klarem, freiem Bewusstsein. Auch in ihr erscheint die Welt wie ein Berg im Inneren eines Spiegels.

13.25 Sie strahlt stets klar wie ein Diamant. Ihre Eigenschaft Bewusstheit ist makellos wie der Glanz der Sonne.

13.26 Durch diese ihr entsprechende Bewusstheit leuchtet der Jiva aus sich selbst. Auch dieser Jiva vollzieht beständig die fünf Tätigkeiten.

13.27 Seine Hinwendung zu Blau, Gelb und anderen Gegenständen nennen die Weisen Schöpfung. Das Verweilen beim jeweiligen Gegenstand heißt Erhaltung.

13.28 Das Ablassen vom erfassten Gegenstand aus dem Wunsch, einen anderen zu erfassen, nennen die Kenner der Wahrheitslehren Auflösung.

13.29 Die davon verbleibende Prägung ist Verhüllung; ihre Auflösung ist Gnade. Der Jiva nimmt das Erfassbare stets in sich auf, wie Feuer seinen Brennstoff verzehrt.

13.30 Dabei wird er fortwährend durch meinen Anteil genährt und angefacht. Meine Form als Unwissenheit habe ich dir bereits erklärt.

13.31 Wenn er durch die Verbindung mit reiner Erkenntnis seine Einschränkung aufgibt, leuchtet er auf, von allen Seiten von Bindung befreit.

13.32 Durch die Verbindung mit Erkenntnis und Tatkraft erkennt und vollzieht er alles. Da keine Einschränkung mehr besteht, ist er nicht länger begrenzt und wird fähig, mein Sein zu erlangen.

13.33 Solange ich ihn nicht mit Mitgefühl ansehe, bleibt seine Erkenntnis eingeschränkt, und er betrachtet die Welt mithilfe seiner Instrumente.

13.34 Mit dem Auge nimmt er Gegenstände wahr, mit Manas unterscheidet er sie, durch Ahamkara bezieht er sie auf sich, und mit Buddhi stellt er sie fest.

13.35 So verhält es sich im Wachen; im Traum bewegt er sich mit den inneren Instrumenten. Im Tiefschlaf lässt er dies zurück und besteht in seiner eigenen Gestalt.

13.36 Diese drei Zustände gehören der Prakriti an, nicht dem Jiva selbst. Auch der Turiya-Zustand, der beim in Samadhi ruhenden Jiva entsteht,

13.37 ist nicht sein eigenes Wesen, sondern eine Verfassung reinen Sattvas. Die eigentliche Gestalt des Jiva ist ohne solche Zustände, von sämtlichen Natur-Gunas unberührt,

13.38 ohne begrenzende Bedingung, unteilbar und ganz Bewusstsein. Obwohl sie so beschaffen ist, wird sie von anfangsloser Unwissenheit verhüllt.

13.39 Deshalb sieht er mich nicht, obwohl ich sein eigenes Wesen bin und unmittelbar geschaut werden kann. – Indra fragte: Wie kannst du unmittelbar geschaut werden, Göttin, wenn du doch über die Erkenntnismittel hinausgehst?

13.40 Selbst die Vedanta-Texte erkennen dich nicht als ein bestimmt beschaffenes Etwas, Lotusgöttin. – Shri sprach: Erkenne mich, Indra, als allen Verkörperten unmittelbar gegenwärtig. Sammle deinen Geist und höre diese meine Lehre.

So endet im Lakshmi Tantra, der Essenz des heiligen Pancharatra, das dreizehnte Kapitel, „Die Offenbarung des Wesens des Jiva“.


Kapitel 14 – Lakshmi als unmittelbar gegenwärtiges Bewusstsein

Sanskrit IAST: Kapitel 14 · Devanagari: Kapitel 14 Shri sprach:

14.1 Der erhabene Vasudeva ist seinem Wesen nach Erkenntnis, ungeteilt durch Raum, Zeit und anderes: das höchste Brahman, frei von den Natur-Gunas und makellos.

14.2 Er ist Glück, stets von einheitlichem Wesen, die alterslose und unsterbliche Sechsheit göttlicher Eigenschaften. Ich bin seine höchste Kraft, sein ewiges, beständiges Ich-Sein.

14.3 Meine wirkende Kraft ist durch den Schöpfungswillen gekennzeichnet. Durch einen unermesslich kleinen Bruchteil meiner selbst,

14.4 aus meiner eigenen Freiheit, erschaffe ich und werde zweifach: als Erkennbares und Bewusstes. Die Bewusstseinskraft ist von diesen beiden das Bewusste.

14.5 Bewusstsein selbst, das mein Wesen ist, nimmt die Form des Erkennbaren und des Bewussten an. Mein Wesen ist Bewusstsein, ganz erfüllt von Klarheit und Freiheit.

14.6 Wie Zuckerrohrsaft gelangt es unter bestimmten Bedingungen zur Verdichtung. Deshalb wird das Erkennbare, wenn es gründlich betrachtet wird, als Bewusstsein erkannt.

14.7 Wie Brennstoff, vom Feuer ergriffen, zu Feuer wird, so gelangt das Erkennbare, vom Bewusstsein durchdrungen, zur Bewusstseinsnatur.

14.8 In Blau, Gelb, Glück und Leid bleibt das Bewusstseinswesen ungeteilt. Die begriffliche Vorstellung unterscheidet es durch die Vielfalt begrenzender Bedingungen.

14.9 Auch diese Vorstellung ist eine aus meiner Freiheit gebildete Gestalt meiner selbst. Durch sie wird das Erkennbare als außen und innen unterschieden.

14.10 Meine höchste Bewusstseinsgestalt ist weder außen noch innen. Durch meine eigene Selbstwirksamkeit wird sie als Erkennbares und Erkennendes unterschieden.

14.11 Meine von Vorstellungen nicht erfasste, von Worten nicht eingeengte und von begrenzenden Bedingungen nicht getrübte Gestalt ist in die Form des Erkennbaren eingegangen.

14.12 Wenn der Geist, von begrifflichen Vorstellungen weitgehend frei, in der mittleren Ausrichtung verweilt, wird das Erkennbare als Bewusstsein erfahren.

14.13 Wie die im Auge gegenwärtige Gestalt als entsprechende äußere Gestalt gesehen wird, so wird die in der Erkenntnis gegenwärtige Gestalt im Erkennbaren als ihre eigene Gestalt erkannt.

14.14 Wie von Feuer durchdrungenes Holz als feuergestaltig gesehen wird, so wird das vom Bewusstsein durchdrungene Erkennbare als Bewusstsein gesehen.

14.15 Wenn der Erkennende das Erkennbare auf die Erfahrung des Erkennens zurückführt und betrachtet, bin ich als Erkenntniswesen unmittelbar gegenwärtig und leuchte deutlich.

14.16 Das Bewusstseinsprinzip ist Ich-Sein, seinem eigenen Kennzeichen nach vom Erkennbaren unterschieden. Dieses bin ich; deshalb bin ich in jeder Hinsicht reines Bewusstsein.

14.17 Wenn die Insel des „Dies“ überflutet ist und Einheit im Ozean des Bewusstseins erreicht wird, bin ich die stützende Hand für die darin versinkende Gegenstandswelt. [Das poetische Bild lässt den Bezug der versinkenden Erscheinungen beziehungsweise Erfahrenden offen.]

14.18 Wenn der Nektarstrom der Meditation über mich sämtliche Prägungen abgewaschen hat, schauen sie mich allein in ihrem Selbst: als Bewusstsein, das die Fülle der Gegenstände in sich aufnimmt.

14.19 Obwohl ich allein Bewusstsein bin, halten die Menschen mich für Erkennbares und Erkennendes. Das geschieht durch die Unwissenheit, die ich zuvor durch meinen Entschluss hervorgebracht habe.

14.20 Meinem Wesen nach bin ich weder ruhend noch hervorgetreten noch ein Zustand zwischen beidem. Denjenigen, die mich unterscheidend erkennen, offenbare ich mich so auch im Wachen.

14.21 Durch einen Geist, der Trennungen aufgegeben hat und wellenlos geworden ist, werde ich erkannt. Werde ich hingegen begrifflich zerteilt, so bin ich zwar unmittelbar gegenwärtig, werde aber vergessen.

14.22 Wie ein unmittelbar vor einem liegender Gegenstand einem Geist, der nach etwas anderem verlangt, nicht bewusst wird, so bleibe auch ich den von Prägungen Beherrschten verborgen.

14.23 Wer etwas erkennen möchte, hält die auf anderes gerichteten Geistesbewegungen zurück und sieht den Gegenstand unmittelbar. Ebenso erkennt man mich als reines Bewusstsein.

14.24 Meine Gestalt leuchtet stets ungehindert. Den innerlich Reinen ist sie auch dann unmittelbar gegenwärtig, wenn die Aufmerksamkeit von einem Gegenstand zum anderen wandert.

14.25 Ein ursprünglich weißes Tuch, das mit einer bestimmten Farbe gefärbt ist, nimmt keine andere Farbe an, ohne zuvor zu seiner eigenen Farbe zurückzukehren.

14.26 Ebenso: Wie könnte einer, der zunächst Blau erkennt, anschließend Gelb erkennen, wenn er dazwischen nicht in mir als reinem Bewusstsein ruhte?

14.27 Und wie könnte er beim Aussprechen eines Satzes von einem Laut zum nächsten gelangen, wenn er dazwischen nicht in mir als reinem Bewusstsein ruhte?

14.28 So bin ich rein und frei, auch wenn ich von einer bestimmten Form gefärbt erscheine. Zwischen dem Aufgeben dieser Form und dem Übergang zu einer anderen leuchte ich als reine Gegenwart.

14.29 Wenn der rechte und linke Strom zur Ruhe kommen und man in der Mitte ruht, offenbart der von Feuer und Soma getragene Zustand meine höchste Wirklichkeit. [Verdichtete yogische Aussage; der Vers ist keine eigenständige Atemanleitung.]

14.30 Was man im Inneren erfährt, ohne im Denken ein Meditationsobjekt zu ergreifen und ohne einen äußeren Gegenstand zu berühren, ist meine ungetrübte Gestalt.

14.31 Was durch Licht und Dunkelheit hindurch unverändert bleibt und im Dasein wie im Nichtdasein leuchtet, ist mein unvermischter Leib.

14.32 Wenn das Verlangen nach Gegenständen zur Ruhe gekommen ist und das Innere durch Hingabe an mich aufblüht, ist das innere, auf nichts Äußeres gestützte Ich-Sein meine Gestalt.

14.33 Bei Unterscheidungsfähigen, die dies üben, besteht die Ich-Gestalt jenseits des Bereichs von Körper und Lebensatem als mein Sein.

14.34 Wie das Licht der Sonne offenbar gemacht, aber nicht erst erzeugt wird, so wird auch die Bewusstseinsgestalt durch Erscheinungen offenbar, jedoch nicht erzeugt.

14.35 Wie die Sonne unabhängig von den Gegenständen am Himmel aufgeht, so leuchtet meine Gestalt auch ohne Erkenntnisgegenstände aus sich selbst.

14.36 Ein Edelstein wie ein Kristall ist von äußerst klarer Natur. Wird er von einer Hibiskusblüte oder anderem gefärbt, sieht man ihn nicht in seiner eigenen Gestalt.

14.37 Ebenso erkennen gewöhnliche Menschen mich nicht, obwohl ich klar bin, weil die aus meinem Entschluss hervorgehenden Gegenstände hervortreten. Doch deshalb höre ich keineswegs auf zu sein.

14.38 Bei einem Ohrring oder ähnlichem lässt sich das Gold nicht als etwas davon Getrenntes erblicken oder gesondert vorzeigen; dennoch ist es ganz gewiss vorhanden.

14.39 Ebenso besteht meine Bewusstseinswirklichkeit ewig und rein, ungeteilt durch Glück, Leid und anderes. Sie wird durch das unmittelbare Erfahren ihrer selbst erkannt.

14.40 Der Zusammenhang von Erkennendem, Erkenntnis und Erkennbarem durch das Erkennen ist mein Zusammenhang. Er wird durch die unterschiedlichen sprachlichen Bestimmungen nicht geteilt.

14.41 Raum, Zeit, Tätigkeit und Gestalt gelten als Gründe der Unterscheidung. Woher sollte aber eine Teilung des Bewusstseins kommen, das all diese Unterschiede erkennt?

14.42 Auch die Zeit, die das Erkennbare als Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft unterscheidet, löst sich im großen Ozean des Bewusstseins auf und ist dann von dessen Wesen.

14.43 Wenn in mir, der gegenwärtigen Wirklichkeit, Vergangenheit und Zukunft zurückgenommen werden, besteht auch diese Bestimmung als Gegenwart nicht mehr.

14.44 Ich bin die Grundlage von allem und werde selbst von nichts getragen. Auch Raum wird als tragender Zusammenhang vorgestellt; deshalb besitzt er für mich keine begrenzende Geltung.

14.45 Es gibt keinen Zustand meiner selbst, in dem Bewusstsein nicht gegenwärtig wäre. Deshalb verehren sie mich als die Eine, ganz Bewusstsein und alle Gestalten umfassend.

14.46 Zeit, Raum, Gestalt, Tätigkeit, Handelnder, Gegenstand der Handlung, Instrument, Empfänger und die daraus hervorgehende Frucht,

14.47 Erfahrung und Erfahrender: All dies ruht im Bewusstseinswesen. Götter, Daityas, Nagas, Gandharvas und die Scharen der Rakshasas,

14.48 Vidyadharas, Pishachas und Bhutas als acht Gruppen; die vielfältigen Menschen mit ihren Unterschieden nach Stand, Tätigkeit und anderem,

14.49 Haustiere, Wildtiere, Vögel, kriechende Tiere, unbewegliche Wesen und die anderen, deren Lebensformen durch unheilsames Handeln bedingt sind,

14.50 die Wesen im Himmel und in den Höllen, die vierzehn Welten, Flüsse, Inseln, Meere und die vielfältige Ordnung des Welteis,

14.51 hohe und niedrige Prinzipien, die verschiedenen Lautfüllen und alles, was als Erfahrungsgegenstand, Erfahrungsinstrument und Erfahrungsort bezeichnet wird,

14.52 die sechs Hüllen und die aus ihnen hervorgehenden bewussten und unbewussten Erscheinungen, die reine und unreine Ordnung und die vier menschlichen Lebensziele,

14.53 alles mit der Natur Verbundene und durch die Zeit Bestimmte: Diese gesamte Wirklichkeit von Sein und Nichtsein,

14.54 das als nicht aus mir und als aus mir bestehend Erscheinende, ruht in mir. In allem bin ich stets ganz klares, freies Bewusstsein.

14.55 Der Einsichtige kann mich in jeder Erscheinung erkennen: als glückselig und friedvoll. Obwohl ich so gegenwärtig bin, ist die Bewusstseinskraft durch meine Kraft namens Verhüllung

14.56 gebunden und findet mich nicht aus sich allein. Wenn sie durch einen Tropfen meiner Gnade der bloßen Weltverstrickung müde wird,

14.57 verehrt der Jiva, der Bewusstseinskraft genannt wird, mich mit geeigneten Mitteln. Er lässt sämtliche Kleshas schwinden und schüttelt den Staub der Prägungen ab.

14.58 Er gelangt zur Wirklichkeit der Erkenntnis, löst durch Yoga seine Bindungen auf und findet mich, Lakshmi selbst, die ganz höchste Glückseligkeit ist.

So endet im Lakshmi Tantra, der Essenz des heiligen Pancharatra, das vierzehnte Kapitel, „Die Offenbarung des Wesens Lakshmis“.


Kapitel 15 – Die Wege zur Erkenntnis und das Unterscheiden der Gunas

Sanskrit IAST: Kapitel 15 · Devanagari: Kapitel 15 Indra sprach:

15.1 Verehrung dir, Lotusgeborene! Verehrung dir, mit Lotussen Bekränzte! Verehrung der im Lotus Wohnenden, der Gemahlin Govindas!

15.2 Verehrung dir, deren Haarpracht von Lotusstaub geschmückt erscheint, Allwissende, die du im Inneren aller Wesen wohnst und alles bezeugst!

15.3 Alles, was aus deinem Lotusmund hervorgegangen ist, habe ich verstanden: Alles wurde von dir erschaffen, wird von dir geschützt und wird allein in dir wieder aufgehen.

15.4 Erkennender, Erkenntnismittel, Erkenntnis und Erkennbares sind Seinsweisen deiner selbst. Indem die Jivas dich verehren, überschreiten sie den Ozean des Werdens.

15.5 Dies und das Weitere habe ich seinem wahren Sinn nach verstanden, Göttin. Nun bewegt mich diese Frage, Lotusgeborene:

15.6 Durch welchen Weg bist du zu erfreuen, auf dem Lotus Sitzende? Denn dein Wohlgefallen ist das Mittel zum höchsten menschlichen Ziel.

15.7 Welcher Weg führt zu deinem Wohlgefallen, wie ist er beschaffen und welche Formen hat er? Erkläre mir dies alles. Verehrung dir, Lotusgeborene!

Shri sprach:

15.8 Das höchste Brahman besitzt die Vierheit und ist durch Sein, Bewusstsein und Glückseligkeit gekennzeichnet. Es ist alles, überragt alles, wohnt im Inneren aller Wesen und ist makellos.

15.9 Vasudeva ist das höchste Brahman, die große Wirklichkeit Narayanas. Ich bin seine höchste Kraft, sein Ich-Sein, ganz Glückseligkeit und Bewusstsein.

15.10 Ich bestehe unterschieden und ungetrennt, wie der Mondschein zum Mond. Wir sind eine Wirklichkeit, die zugleich als zwei besteht.

15.11 Der Entsagende erreicht Brahman Narayana und mich allein durch Erkenntnis. Für die Einsichtigen gibt es keinen anderen Weg zu diesem Ziel als Erkenntnis.

15.12 Diese Erkenntnis entsteht aus Unterscheidung, ist in jeder Hinsicht rein und unversehrt, hat Vasudeva allein zum Gegenstand und bewirkt, dass es keine Wiedergeburt mehr gibt.

15.13 Wenn diese Erkenntnis entstanden ist, geht er unmittelbar in mich ein. Wenn ich durch die verschiedenen Wege erfreut bin, lasse ich in den innerlich reinen Lebewesen

15.14 jene Erkenntnis entstehen, die das Licht des Selbst sichtbar macht. Vier Wege gibt es, die mein Wohlgefallen vertiefen.

Indra fragte:

15.15 Erhabene, im Lotus Wohnende, Geliebte des Lotusäugigen! Welche sind diese vier Wege? Zeige sie mir, Lotusgöttin.

Shri sprach:

15.16 Höre, Indra, die vier Wege, die mein Wohlgefallen vertiefen und durch die ich höchste, bleibende Freude erfahre.

15.17 Die der eigenen Lebensordnung entsprechenden Pflichten, Sankhya, Yoga und das vollständige Loslassen: Diese nennen die Wissenden als die Wege.

15.18 Das dreifache vedische Handeln besitzt vier Kennzeichen: Es entspricht dem eigenen Stand und Lebensstadium, umfasst regelmäßige und anlassgebundene Pflichten,

15.19 ist nicht von Begehren beeinträchtigt und wird richtig vollzogen. Dieses Handeln ist das erste Mittel. Dabei soll der Einsichtige eine vierfache Übergabe vollziehen.

15.20 An die im Mantra genannte Gottheit, an Prakriti, an die Sinneskräfte oder an den höchsten Gott der Götter, Vasudeva Janardana,

15.21 übergebe er zuerst die Vorstellung eigener Täterschaft; sodann verzichte er auf den Besitzanspruch an der Frucht. Auch die Handlungen selbst übergebe er dem Gott der Götter, Janardana. [Der Text verbindet hier vier mögliche Zuordnungen mit mehreren Aspekten des Loslassens.]

15.22 Wer so die in der Lehre vorgesehenen regelmäßigen und anlassgebundenen Handlungen vollzieht und mich dadurch verehren möchte, erfreut mich beständig.

15.23 Damit wurde dir in einem kleinen Ausschnitt erklärt, was Shruti und Smriti lehren. Höre nun das zweite Mittel, die unterscheidende Erkenntnis des Sankhya.

15.24 Drei Formen des unterscheidenden Erfassens werden in der Sankhya-Lehre genannt: zuerst das gewöhnliche Aufzählen, zweitens das prüfende Durchdenken,

15.25 und drittens die rechte Einsicht. Das Zusammenwirken dieser drei wird Sankhya genannt.

15.26 Erde, Wasser, Feuer, Luft und Raum, der Ich-Macher, das große Prinzip und die höchste Prakriti:

15.27 Dies sind die acht Naturgrundlagen. Höre ihre Erklärung. Prakriti wird dreifach beschrieben: als Maya, Hervorbringung und als die aus den Gunas bestehende Natur.

15.28 Die höchste Feinheit des Unbewussten, unverbunden und doch tragend, ungeteilt, wellenlos und unvergänglich, wird Maya genannt. [Das Wortpaar über Verbundensein und Unverbundensein ist mehrdeutig.]

15.29 Ihr leichtes Anschwellen heißt Prasuti, Hervorbringung. Das gleichgewichtige Hervortreten der drei Gunas ist die höchste Prakriti.

15.30 Unentfaltetes, Unvergängliches, Mutterschoß, Unwissenheit, dreiguniger Zustand, Maya und Eigennatur sind Bezeichnungen, die hier als gleichsinnig verwendet werden.

15.31 Sattva, Rajas und Tamas gelten als die drei Gunas. Sattva ist leicht, glückhaft und unbewegt.

15.32 Seine Tätigkeit heißt Erhellung und besteht im Aufnehmen von Bewusstheit. Auch Rajas ist als leicht zu erkennen, jedoch als leidhaft und beweglich.

15.33 Seine Tätigkeit heißt Antreiben, der fortwirkende Grund der Bewegung. Tamas ist als schwer, verdunkelnd und unbewegt zu erkennen.

15.34 Seine Tätigkeit heißt Hemmung und kann sich als Einschläfern zeigen. Weder auf Erden noch im Himmel oder im Raum gibt es, Indra,

15.35 ein aus Prakriti hervorgegangenes Wesen, das frei von diesen drei Gunas wäre. Indem sie im Geist, in den Sinnen

15.36 und in den Gegenständen wirken, erzeugen sie Glück, Leid und Verblendung. Als Körper und Sinne nehmen die Gunas Gestalt an und vollziehen die Handlungen. Wer dies beständig erkennt, gelangt über die Gunas hinaus.

So endet im Lakshmi Tantra, der Essenz des heiligen Pancharatra, das fünfzehnte Kapitel, „Die Offenbarung der verschiedenen Wege“.


Kapitel 16 – Unterscheidung, Yoga und vollständige Hingabe

Sanskrit IAST: Kapitel 16 · Devanagari: Kapitel 16 Shri sprach:

16.1 Höre aufmerksam meine Erklärung des großen Prinzips, Indra. Das erste Hervortreten eines Ungleichgewichts der Gunas

16.2 heißt Mahat, das große Prinzip. Auch davon werden drei Formen genannt: Die sattvige heißt Buddhi, die rajashafte Prana,

16.3 die tamashafte Zeit. Höre ihre Erklärung: Buddhi ist die Ursache des bestimmenden Erkennens, Prana die Ursache des tätigen Bemühens,

16.4 und Zeit die Ursache der Veränderung als zeitlicher Gliederung. Aus dem sich entfaltenden Mahat entstand der Ich-Macher.

16.5 Auch er ist dreifach, weil er aus dem Ungleichgewicht der Gunas hervorgeht. Aus dem tamashaften Anteil entstand die leuchtende Gruppe der feinen Elementprinzipien, beginnend mit dem Raumprinzip.

16.6 Aus dem von Sattva erfüllten Anteil entstand die Gruppe der Erkenntnissinne, aus dem rajashaften die Gruppe der Handlungsorgane. Das beiden zugehörige innere Organ

16.7 entstand aus beiden. Dies ist die Ordnung der Prinzipien. Dabei ist nur Prakriti die ewige Wurzelgrundlage.

16.8 Die anderen sieben, beginnend mit Mahat, sind sowohl Wirkung als auch Ursache. Die aus den feinen Prinzipien hervorgegangenen besonderen Elemente, beginnend mit Raum,

16.9 die beiden Fünfergruppen der Erkenntnis- und Handlungsorgane sowie Manas: Diese sechzehn sind von den Betrachtenden allein als Entfaltungen zu erkennen.

16.10 Damit wurden dir diese vierundzwanzig Prinzipien erklärt. Alle Besonderheiten, die in diesem Zusammenhang zu nennen sind,

16.11 habe ich dir zuvor dargelegt, Bezwinger Vritras. Die unentfaltete Prakriti, ausgestattet mit ihren dreiundzwanzig Entfaltungen,

16.12 wurde dir so erklärt, Herr der Götter. Als offenbar und unoffenbar bestehend besitzt sie stets die Eigenschaft des Hervorbringens.

16.13 Davon verschieden ist die unvergängliche Bewusstseinskraft. Die Weisen, die in den Wahrheitslehren kundig sind, nennen sie Jiva.

16.14 Von sich aus ist dieser rein, frei von Veränderung, unverrückbar, ganz Bewusstsein, ewig, unbegrenzt und ohne Übergang in ein anderes Wesen.

16.15 Prakriti und Purusha sind ihrem eigenen Wesen nach unverbunden und erscheinen doch wie miteinander verbunden. Beide sind größer als die großen Entfaltungen.

16.16 Beide sind durch Anzeichen erschließbar, beide ewig und selbst ohne ein solches abgeleitetes Kennzeichen. Diese und weitere Gemeinsamkeiten soll der Einsichtige erkennen.

16.17 Höre nun meine Beschreibung ihrer Unterschiede, Indra. Prakriti besitzt stets die drei Gunas und verändert sich unaufhörlich.

16.18 Sie ist ohne eigenes unterscheidendes Erkennen, unrein und allen Lebewesen gemeinsam. Sie ist Gegenstand, unbewusst und bewirkt Glück, Leid und Verblendung.

16.19 Purusha ist unbeteiligt, ewig und trotz seiner Wirksamkeit unerschüttert: Zeuge, Sehen und Sehender, rein, unbegrenzt und mit Eigenschaften versehen. [Die Lesung „mit Eigenschaften“ ist im Zusammenhang erklärungsbedürftig; sie wird nicht stillschweigend in „ohne Gunas“ geändert.]

16.20 Dies sind ihre Unterschiede. Höre nun vom Ursprung dieser beiden: Ich bin jene beständige Wirklichkeit, frei von begrifflichen Gegensätzen wie Sein und Nichtsein,

16.21 stets gegenwärtig, ewig glückselig, mit den vollständigen sechs Eigenschaften als Gestalt: die Kraft Narayani, Shri, die niemals von Vishnu weicht.

16.22 Aus mir entstehen diese beiden; in mir werden sie wieder aufgehen. Ich entfalte mich so weit in den vielfältigen Seinsweisen.

16.23 Ich gründe in Narayana und trete wiederum aus ihm hervor. Einer ist Narayana, Vishnu, der ewige Vasudeva.

16.24 Weil seine Kraft nicht von ihm getrennt ist, ist Brahman nichtdual und ohne Teile: der große Ozean von Erkenntnis, Shakti, Stärke, Herrschermacht, unverminderter Wirkkraft und Tejas.

16.25 Stets bleibt er wellenlos; diese ganze bewegliche und unbewegliche Welt ist in ihm enthalten. So habe ich dir, Indra, einen kleinen Einblick in die Sankhya-Erkenntnis gegeben.

16.26 Zuerst soll der Einsichtige die aufzählende Kenntnis der Prinzipien einüben. Danach untersuche er Gemeinsamkeit, Verschiedenheit, Wesen, Ursprung und weitere Zusammenhänge.

16.27 Dieses prüfende Durchdenken entsteht aus der Unterweisung über die Wahrheit der Lehre. Wenn es bei einem innerlich Reinen zur Reife gelangt,

16.28 entsteht rechte Einsicht, die sich auf die wahre Wirklichkeit richtet. Dies ist das höchste unterscheidende Erkennen, hervorgegangen aus meiner Gnade.

16.29 Diese durchdringende Erkenntnis habe ich dir als Sankhya-Sicht erläutert. Durch solches Unterscheiden sind die Sankhya-Weisen zu meinem Sein gelangt.

16.30 Der dritte Weg, der dir erklärt werden soll, heißt Yoga. Yoga ist zweifach zu verstehen: als Samadhi und als Samyama.

16.31 Samadhi entsteht aus den Gliedern des Yoga, beginnend mit Yama. Er ist das ununterbrochene Ruhen im höchsten Brahman, das Shrinivasa, Wohnstatt der Shri, heißt.

16.32 Für die Kenner des wahren Brahman besteht dieses Ruhen in unmittelbarer Schau, ohne Trennung von Meditierendem und Meditationsgegenstand, hervorgegangen aus meiner Gnade.

16.33 Samyama heißt hier heilsames Tun, das allein auf das höchste Selbst gerichtet ist. Es wird nochmals zweifach unterschieden: als körperlich und als geistig.

16.34 Samadhi und Samyama werden noch ausführlich erklärt werden. Der erste, auf Handeln beruhende Weg, den ich dir zuvor genannt habe,

16.35 lässt durch die Reinigung des inneren Organs reine Erkenntnis entstehen. Denn wenn ich durch die Pflege eines guten Lebenswandels erfreut werde,

16.36 schenke ich jenen Yoga der Einsicht, der das innere Organ reinigt. Der zweite Weg, den ich dir als Sankhya erklärt habe,

16.37 ist zunächst mittelbare, aus der Lehre entstandene Gewissheit. Wenn sie Festigkeit erlangt und gleichsam unmittelbar wird, erfreut sie mich zutiefst.

16.38 Wenn ich in meinem Wesen, meinen Eigenschaften und meiner Herrlichkeit unterscheidend betrachtet werde, lasse ich die aus Unterscheidung geborene unmittelbare Erkenntnis entstehen.

16.39 Der dritte Weg als Samadhi ist unmittelbar, unerschütterlich und fest. Er geht aus höchster Sattva-Klarheit hervor und ist ein Übermaß von Gnade und innerer Lauterkeit.

16.40 Die als Samyama beschriebene Form dieses dritten Weges dient durch reine, dreifach hervorgebrachte Darbringungen meinem höchsten Wohlgefallen. [Die Dreiteilung wird an dieser Stelle nicht weiter ausgeführt.]

16.41 Dabei werde ich selbst unmittelbar verehrt: als Selbst der Welt, als Kraft Vishnus, als höhere und niedere Wirklichkeit; oder verehrt wird der höchste göttliche Herr.

16.42 So habe ich dir die drei machtvollen Wege erklärt. Höre nun meinen vierten Weg, der vollständiges Loslassen heißt.

16.43 Wer vom Feuer des Daseinskreislaufs gequält ist, gebe alle Pflichten als eigenständige Heilsmittel auf, mit ihren höheren und niederen Gliedern, und nehme allein bei mir Zuflucht.

16.44 Wenn ein Mensch mit ungeteilter Ausrichtung bei mir Zuflucht sucht, führe ich ihn durch mich selbst zu mir selbst und befreie ihn von sämtlichen Unreinheiten.

So endet im Lakshmi Tantra, der Essenz des heiligen Pancharatra, das sechzehnte Kapitel, „Die Erklärung der verschiedenen Wege“.


Kapitel 17 – Zuflucht und die sechs Glieder der Hingabe

Sanskrit IAST: Kapitel 17 · Devanagari: Kapitel 17 Indra sprach:

17.1 Verehrung dir, im Lotus Wohnende, Mutter aller verkörperten Wesen! Verehrung der Gemahlin des Herrn mit dem Lotusnabel, der Lotusgeborenen!

17.2 Die ersten drei Wege hast du erklärt, und ich habe sie verstanden. Erkläre nun, Mutter, jenen höchsten vierten Weg, Lotusgöttin.

Shri sprach:

17.3 Einer ist der Gott Narayana, der ewige Vasudeva, das höchste Brahman mit seiner Vierheit: unversehrtes Sein, Bewusstsein und Glückseligkeit.

17.4 Ich bin seine eine höchste Kraft, die ewige Göttin. In allen Seinsweisen gegenwärtig vollziehe ich sämtliche Aufgaben.

17.5 Das höchste, beständige Brahman ist friedvoll, unbegrenztes Bewusstsein und Glückseligkeit, von großer Herrlichkeit und überall gleich gegenwärtig.

17.6 Seine Brahman-Kraft bin ich: friedvoll, ganz Glückseligkeit und Bewusstsein, makellose große Herrlichkeit und überall gleich gegenwärtig.

17.7 Wenn dieser Glanz zum Trost der Lebewesen Gestalt annimmt, als Narayana, das höchste Brahman, göttlich und den Augen Freude schenkend,

17.8 nehme auch ich als höchste Kraft Narayani Gestalt an: wohlproportioniert, mit ausgewogenen Gliedern und an allen Körperteilen schön.

17.9 Unsere höchste, leidfreie Wohnstatt ist der höchste Raum: die göttliche Entfaltung der sechs Eigenschaften, die aus Freiheit zur Gestalt eines Ortes wird.

17.10 Menschen, die ihren Aufgaben treu bleiben, die Veden und den Vedanta durchdrungen und über viele Geburten ihre Trübungen getilgt haben,

17.11 gelangen mit großer Mühe und schrittweiser Überwindung der Hindernisse dorthin; ebenso die Sankhya-Weisen, die im unterscheidenden Erkennen und seiner Durchführung vollendet sind,

17.12 und Yogis, die ihre Sinne zurückgezogen haben, Konzentration und Meditation üben und sich beständig sammeln. Mit Mühe erreichen sie jene Wohnstatt.

17.13 Die Besonnenen, die ohne Unterbrechung die fünf täglichen Zeiten und die fünf Opfer kennen und beachten, erreichen sie nach einem erfüllten hundertjährigen Leben.

17.14 Es ist jener ursprüngliche Raum, höher als alles und beständig. Wer ihn als Wahrheitskenner erreicht, wird von sämtlichen Bindungen frei.

17.15 Dort erstrahlen die vom Daseinskreislauf Befreiten wie Millionen Sonnen und zehntausend Vollmonde.

17.16 Frei von den Öffnungen gewöhnlicher Sinnesorgane leuchten sie nach allen Seiten. Ohne Absonderungen und ohne Nahrungsbedarf sind sie makellos; ihr Leib besteht aus den sechs göttlichen Eigenschaften.

17.17 Dort schauen die ganz hingegebenen, segensreichen Wesen uns beständig. Nachdem sie im Verlauf langer Zeit ihre jeweiligen kosmischen Aufgaben vollendet haben,

17.18 freuen sich dort Brahmas, Shankaras und Indras. Die ewig vollendeten, stets allsehenden Weisen

17.19 schauen dort unmittelbar Vishnus höchste Gestalt. Es ist die Wohnstatt derer, die sich allein dem achtsilbigen Mantra widmen, deren Inneres am zwölfsilbigen Mantra Freude findet,

17.20 die dem sechssilbigen Mantra zugewandt sind, deren Geist im Om gründet, die sich dem Jitanta-Hymnus widmen und in Tarika aufgehen,

17.21 sowie der innerlich Reinen, die Anutara zugewandt sind. Dort leben die makellosen Ananta, der Herr der Vögel, Vishvaksena und die anderen,

17.22 die meine Weisungen ausführen und über ihre Bereiche walten. Dort besteht Janardana, der herrliche Gott der Götter, mit göttlichem Leib.

17.23 Er sitzt auf dem leuchtenden, überaus behaglichen Ruhebett der Windungen Anantas. Geschmückt ist er mit göttlichen Waffen und Schmuckstücken, in denen Erkenntnis, Herrschermacht und Wirkkraft gründen

17.24 und in denen Shakti, Tejas und Stärke vorherrschen. Der fünffach erscheinende Suparna, König der Vögel, dient ihm.

17.25 Ebenso dient ihm der strahlende Heerführer Vishvaksena, der seine Gestaltähnlichkeit erlangt hat und das Shrivatsa-Zeichen trägt.

17.26 Zum Heil aller Welten, zur Betrachtung durch die Einsichtigen, zur Lösung sämtlicher Bindungen und um den Yogis seine Gestalt zu schenken,

17.27 verweilt dort der herrliche Narayana, der ewige Vasudeva: der zarte, jugendliche Gott mit dem Shrivatsa-Zeichen.

17.28 Vierarmig und großäugig trägt er Krone und Kaustubha. Er leuchtet mit Halskette, Fußringen, Armschmuck, Gürtel und gelbem Gewand.

17.29 Er trägt die höchste göttliche Waldblumengirlande, die aus fünf Kräften besteht. Alle seine Glieder sind vollkommen und schön.

17.30 Er ist der König der Könige, der höchste Herr dieses ganzen Weltalls. Die Geliebte dieses schönen Gottes Vishnu, der mit heilsamen Eigenschaften ausgestattet ist,

17.31 bin ich stets: die höchste Göttin, ganz Erkenntnis und Glückseligkeit, makellos und mit makellosen Gliedern, immer seine Eigenschaften teilend.

17.32 Herrin aller Wesen, lotusäugig und mit Lotussen bekränzt, werde ich, die Höchste, beständig von den Kräften der Schöpfung, Erhaltung und der weiteren Tätigkeiten begleitet.

17.33 Zweiunddreißigtausend Schöpfungskräfte umgeben mich, doppelt so viele göttliche Erhaltungskräfte umringen mich,

17.34 und nochmals doppelt so viele Auflösungskräfte erfüllen meinen Umkreis. Ich bin die Führerin aller Kräfte, die höchste Herrin aller Welten,

17.35 die Gemahlin des allgegenwärtigen Gottes der Götter, die alle Wünsche gewährt. Ihm an Eigenschaften, Jugend und Gestalt entsprechend, bewege ich Haris Herz.

17.36 In den jeweils entsprechenden Seinsweisen vollziehe ich alle Aufgaben des Gottes mit dem Sharnga-Bogen und teile stets seine Eigenschaften.

17.37 So sitze ich auf dem Schoß Vishnus, des Gottes der Götter mit dem Sharnga-Bogen. Von ihm liebevoll umsorgt ruhe ich in vollkommenem Einklang.

17.38 Eines Tages erhob sich in mir, der Allsehenden, von selbst Mitgefühl, als ich die Lebewesen im Feuer des Daseinskreislaufs leiden sah.

17.39 Wie könnten sie das Leid überschreiten und zu höchstem Glück gelangen? Wie könnten sie mich erreichen, die jenseits der Grenze des Daseinskreislaufs ist?

17.40 Innerlich von Mitgefühl ergriffen wandte ich mich an den Gott der Götter: Erhabener, Herr der Götter, Weltenherr, mein Geliebter!

17.41 Ursprung, Mitte und Ende von allem, Alles und über allem, Unerschütterlicher! Govinda, Lotusäugiger, ursprüngliches höchstes Wesen!

17.42 Du trägst über den schwer zu überschreitenden, uferlosen Ozean des Daseins. Du entfaltest dich in der Vierheit von Offenbarem, Unoffenbarem, Erkennendem und Zeit.

17.43 Vasudeva, Weltenherr! Sankarshana, Herr der Welt! Pradyumna, Schöner und Herrlicher! Unbesiegter Aniruddha!

17.44 Du bestehst in mannigfaltigen Erscheinungen und bist ihr Träger. Deine Gestalt ist die göttliche Entfaltung der sechs Eigenschaften, friedvoll, offenbar und glückselig.

17.45 Krone, Armschmuck, Halskette, Fußringe und Kaustubha strahlen an dir. Gelbgekleideter, überaus Großmütiger, mit Augen wie Lotusse!

17.46 Viergestaltiger, mit vier Vyuhas, leuchtend wie der blaue Herbstlotus! Herr von lieblichem Leib, Narayana, ganz Welt!

17.47 Alle diese Lebewesen sind im Ozean der Kleshas versunken. Wie gedenkst du sie daraus zu retten, Herr?

17.48 So angesprochen lächelte der Herr der Götter und sagte: Auf dem Lotus sitzende Göttin, Lotusinneres, Lotusgeborene!

17.49 Ich habe Wege festgelegt, die ihrer Rettung dienen: Handeln, Sankhya und Yoga, gegründet auf die Lehre.

17.50 Auf diese Worte antwortete ich dem höchsten Gott: Gott der Götter, im Verlauf der Zeit können sie diese Wege nicht mehr vollbringen.

17.51 Denn die Zeit, die in ihrer freien Wirksamkeit aus deinem Wesen besteht, zerteilt und vermindert ihre Erkenntnis, Lauterkeit, Kraft und Lebensspanne.

17.52 Die vielfältigen Prägungen, die im inneren Organ ruhen, gelangen unter die Macht der jeweiligen Zeit und treiben die Verkörperten umher.

17.53 Du aber bleibst unbeteiligt und teilst den handelnden Lebewesen die Früchte zu, die ihrer jeweiligen Zeit entsprechen.

17.54 Nenne mir einen Weg, durch den du dich selbst entschlossen ihrer annehmen wirst, Janardana. Ich verneige mich vor dir!

17.55 So angesprochen antwortete der Erhabene gleichsam lächelnd: Lotusgöttin, du weißt schon alles, was in deinem eigenen Wesen liegt.

17.56 Dennoch möchtest du es von mir hören, Göttin. Höre also, Strahlende: Ich habe in der Lehre Wege zum Heil und Wege zum Unheil bestimmt.

17.57 Die vorgeschriebenen sind die Wege zum Heil; die anderen sind verboten. Die Wege zum Unheil führen denjenigen abwärts, der ihnen folgt.

17.58 Die Wege zum Heil führen denjenigen aufwärts, der ihnen folgt. Wer beide als eigenständig tragende Wege aufgibt und in der mittleren Haltung ruht,

17.59 allein bei mir Zuflucht nimmt, erreicht schließlich mich allein. Höre diesen Weg mit seinen sechs Gliedern, Lotusgeborene.

17.60 Der Entschluss zum Förderlichen, das Meiden des Widerstreitenden, das Vertrauen „Er wird schützen“ und die Wahl des Herrn zum Beschützer,

17.61 die Selbstübergabe und die Demut: So ist die Zufluchtnahme sechsgliedrig. Wer auf diese Weise bei mir Zuflucht gesucht hat, wird frei von Kummer, Furcht und Erschöpfung.

17.62 Ohne eigenmächtige Heilsunternehmung, ohne Anspruch auf Ertrag, ohne „Mein“ und ohne Ichbehauptung nehme er allein bei mir Zuflucht und überschreite den Ozean des Daseins.

17.63 Selbst reine Menschen, die heilsame Werke vollziehen und Sankhya und Yoga kennen, erreichen nicht einmal einen winzigen Bruchteil der Stellung dessen, der ganz in der Zuflucht ruht.

17.64 Als ich diese Worte des Gottes der Götter mit dem Sharnga-Bogen hörte, wurde ich voller Freude, Indra. Dies habe ich dir nun erzählt.

Indra fragte:

17.65 Geliebte Gottes, große Göttin, Verehrung dir, auf dem Lotus Sitzende! Erkläre mir ausführlich die Haltungen, beginnend mit dem Förderlichen.

Shri sprach:

17.66 Das Förderliche bedeutet Wohlwollen gegenüber allen Wesen, gegründet in der Gewissheit, dass ich im Inneren aller Erscheinungen wohne.

17.67 Wie mir gegenüber verhalte man sich allen Wesen gegenüber wohlwollend. Entsprechend unterlasse man auch das ihnen Widerstreitende.

17.68 Demut ist das Aufgeben des Stolzes, der aus Gelehrsamkeit, gutem Wandel und anderem entsteht. Weil die erforderlichen Voraussetzungen fehlen und man die Handlungen nicht auszuführen vermag,

17.69 weil die Befähigung unvollkommen ist oder günstige Bedingungen von Ort und Zeit schwinden, gelingen die Wege nicht; zugleich sind die Gefährdungen zahlreich.

17.70 Der daraus folgende Verlust des Stolzes heißt Demut und Bescheidenheit. Weil der Herr mächtig und leicht zugänglich ist, weil ihm ewiges Mitgefühl eigen ist,

17.71 und weil die Beziehung zwischen Herrschendem und Schutzbedürftigem keinen Anfang hat, entsteht die feste Gewissheit: „Er wird uns schützen, die wir uns ihm wohlwollend zuwenden.“

17.72 Dies ist das Vertrauen, Indra, das alles unheilsame Handeln zerstört. Obwohl er mitfühlend, mächtig und der Herr der Verkörperten ist,

17.73 soll man bedenken, dass er ohne Bitte nicht als Beschützer eintritt. Die Bitte „Sei mein Beschützer“ heißt die Wahl des Herrn zum Beschützer.

17.74 Wer von ihm beschützt wird, gibt den Besitzanspruch auf die Frucht auf und überantwortet alles Keshava. Dies heißt Selbstübergabe.

17.75 Diese Übergabe, auch Nyasa genannt, ist mit fünf begleitenden Gliedern verbunden. Sie heißt Entsagung, Loslassen und auch Zufluchtnahme.

17.76 Damit wurde dir dieser vierte Weg erklärt, der rasch Frucht trägt. Für diejenigen, die in dieser von den Wissenden gepflegten Ordnung leben,

17.77 verlieren die ersten drei Wege ihre Anziehung als eigenständige Heilsmittel. Durch Wohlwollen und das Meiden seines Gegenteils wendet man sich von den Wegen zum Unheil ab.

17.78 Durch Demut wird hier das Zurücktreten der selbst beanspruchten Heilsmittel erklärt. Das Vertrauen „Er wird schützen“ bestimmt den erwählten Weg zum ersehnten Ziel.

17.79 Die Wahl des Beschützers ist das Aussprechen der eigenen Absicht. Denn obwohl der Weltenherr allwissend und stets mitfühlend ist,

17.80 wartet er, der die Ordnung des Daseins trägt, auf den Wunsch nach Schutz. Das Übergeben der Last des eigenen Selbst und des Eigenen heißt Selbstübergabe.

17.81 Gewalt, Diebstahl und Ähnliches zeigen die Lehrwerke als Wege zum Unheil; Handeln, Sankhya und die weiteren Wege zeigen sie als Wege zum Heil.

17.82 Wer die Wege zum Unheil und die eigenständig beanspruchten Heilsmittel aufgibt, in der mittleren Haltung ruht und sicher ist „Er wird schützen“, hat sich und seinen Bereich übergeben.

17.83 Er erkenne den Gott der Götter, das höchste göttliche Wesen, als seinen Beschützer. – Indra fragte: Wie ist dieser Zustand zwischen den Wegen zum Heil und Unheil beschaffen, Mutter?

17.84 Jede Handlung nimmt doch entweder die Stellung eines Heilswegs oder eines Unheilswegs ein. Beim Befolgen oder Nichtbefolgen der Verbote und Gebote der Lehre

17.85 zeigt sich deutlich die entsprechende Wirkung einer Handlung. – Shri sprach: Betrachte, Herr der Götter, den tiefen dreifachen Gang des Handelns.

17.86 Erkenne diese Dreiteilung aus den Lehren von Verbot und Gebot: Manche Handlung bewirkt Unheil, manche bewirkt ein erwünschtes Ziel,

17.87 und manche dient der Abwehr von Unheil. So soll man mit dem Auge der Lehre die drei Gruppen der Handlungen erkennen.

In der verwendeten Grundtext-Erfassung folgt hier unmittelbar Kapitel 18; ein eigener Kapitelkolophon ist an dieser Stelle nicht enthalten.


Kapitel 18 – Ursprung und Wesen des Mantras

Sanskrit IAST: Kapitel 18 · Devanagari: Kapitel 18 Indra sprach:

18.1 Verehrung dir, die du im Lotus wohnst, Lotusgeborene! Ich habe erkannt, was erkannt werden soll und selbst im Vedanta schwer zu erlangen ist.

18.2 Erkläre nun den Weg des Mantras, Geliebte Vishnus. Wenn ich ihn kenne, möchte ich deinen göttlichen Mantra-Leib verehren.

18.3 Woher entsteht der Mantra, und worin löst er sich auf? Was ist seine Frucht, Lotusgöttin, und wodurch wird er während seines Bestehens erfüllt?

18.4 Wie viele Arten gibt es, und welchen Umfang besitzt er? Wie ist seine höchste Beziehung von Feld und Feldkenner, Lotusgöttin?

18.5 Wer soll einen Mantra empfangen, und wie soll der Lehrer beschaffen sein? Wie wird er verehrt, Lotusgeborene?

18.6 Welche Dinge dienen seiner Verehrung, auf dem Lotus Sitzende? Wie stehen Vollendung und Mittel zueinander, und welche Zeichen der Gewissheit gibt es?

18.7 Yoga, das Üben der Rezitation, die Schutzpraxis, das Verfahren der Sühne und die Ordnung des Ahnenrituals,

18.8 die Verfahren von Einweihung und Einsetzung göttlicher Gegenwart, die Yantra-Ordnung und alles Weitere, auch die hier noch nicht erkannten nötigen Zusammenhänge:

18.9 Erkläre mir all dies ohne Auslassung. Verehrung dir, Lotusgeborene! Mit meinem Haupt verneige ich mich vor deinen lotusrötlichen Füßen.

18.10 Ich habe bei dir Zuflucht gesucht, Lotusgöttin; unterweise mich! – Shri sprach: Du hast eine unvergleichliche Fülle von Fragen gestellt, Indra.

18.11 Aus Zuneigung soll sie dir beantwortet werden. Höre, ich werde alles erklären. Jener vollkommene lotusäugige Purusha, der als „Ich“ gegenwärtig ist,

18.12 ist die Eigennatur aller Erscheinungen und ihres Nichtseins, Indra. Alles Seiende und Nichtseiende in der Welt, das als „dies“ erfasst wird,

18.13 mit seinen jeweiligen Kennzeichen, löst sich in diesem Ich-Sein auf. Wenn die Insel des „Dies“ versunken ist und Einheit im Ozean des Bewusstseins besteht,

18.14 leuchtet Vasudeva auf, unbegrenzt und ohne sich erhebende Wellen. Ich bin sein eines vollkommenes Ich-Sein, die aus Herrschermacht bestehende Shakti.

18.15 Stets gegenwärtig, ewig glückselig und überall gleich, bin ich der Ursprung aller Erscheinungen und die in jeder unmittelbaren Erfahrung bestätigte Wirklichkeit.

18.16 Jenes Aufleuchten des Erkennens, das von der Abfolge der jeweiligen Gegenstände gefärbt wird, bin ich ohne Abfolge, wenn die Gegenstände zurückgenommen sind.

18.17 Die nach innen gerichtete Selbstgewahrwerdung meiner Erkenntnisnatur ist lebendiges Aufleuchten und große Glückseligkeit. Sie wird Klang-Brahman genannt.

18.18 Mein Kern ist Leuchten und Glückseligkeit; ich bin die höchste Mutter aller Mantras, die gebärende Kraft der Laute, frei von Aufgang und Untergang.

18.19 Der Zustand des allgegenwärtigen, makellosen höchsten Brahman Narayana, der Ruhe heißt, bin ich als Shanta, die ruhende Mutter von allem.

18.20 Die kleine Regung, die in mir als Schöpfungswille aufsteigt, heißt die ruhende Entfaltung in der Unterscheidung von Klang und Bedeutung.

18.21 Überall geht nach dieser Lehre dem Hervortreten der Bedeutung das Hervortreten des Klanges voraus. Die Entfaltung als Bedeutung und Wort ist die gröbere Seinsweise des Klanges.

18.22 Das Hervortreten des Bewusstseins heißt Klang; das Hervortreten des Klanges heißt Bedeutung. Der erste Lautaufgang aus der Kraft, deren Wesen Ruhe ist,

18.23 heißt Nada; das Bezeichnete ist dabei noch ungeschieden. Diese Kraft zusammen mit Nada wird die Feine genannt.

18.24 Die weitere, zweite Entfaltung der Shakti nach Nada heißt hier Bindu. Auch dabei bleibt das Bezeichnete noch ungeschieden.

18.25 Dieser göttliche, machtvoll aufleuchtende Zustand meiner selbst heißt Pashyanti. Die danach folgende dritte Entfaltung der Shakti

18.26 ist der Zustand Madhyama. Darin wird die Verbindung vorbereitet; die Unterscheidung von Bezeichnetem und Bezeichnendem besteht zunächst als innere Prägung.

18.27 Die vierte Entfaltung der Shakti nach Madhyama heißt Vaikhari: der Zustand, in dem Laute und Sätze deutlich hervortreten.

18.28 Ich besitze eine Tatkraft, die meiner Erkenntnisgestalt folgt. Sie belebt die aufeinanderfolgenden Entfaltungen der Shakti, beginnend mit Nada.

18.29 In den vier Formen Shanta, Pashyanti, Madhyama und Vaikhari spreche ich das von mir selbst hervorgebrachte vierfache Bezeichnete aus.

18.30 Vasudeva und die weiteren sind der Reihe nach die feinen Bezeichneten der Zustände Shanta und der folgenden. Als Leuchten und Glückseligkeit bin ich einfüßig zu erkennen.

18.31 Durch die Unterscheidung von Bezeichnetem und Bezeichnendem heiße ich wiederum zweifüßig. Durch die Unterscheidung von Zischlauten, Halbvokalen, Vokalen und Verschlusslauten bin ich vierfüßig.

18.32 Durch die Gliederung in acht Lautgruppen heiße ich achtfüßig. Mit der weiteren klanglosen Form verbunden werde ich neunfüßig genannt.

18.33 Ich bin einfüßig als höchste göttliche Wirklichkeit des Klang-Brahman. In der Gestalt von Klang und artikuliertem Laut bin ich wiederum zweifüßig.

18.34 Indem ich das ganze ursprüngliche Wasser gliedere und vierfach Dinge, Gattungen, Eigenschaften und Tätigkeiten benenne, werde ich von den Weisen vierfüßig genannt.

18.35 Mit der Zweiheit von Name und Seinsform versehen heiße ich achtfüßig; in Nichtunterscheidung und Unterscheidung gegenwärtig heiße ich neunfüßig.

18.36 Im höchsten Raum bin ich göttlich, mit unendlichen Lauten als Girlande. So weit entfaltet bin ich das ursprüngliche vollkommene Ich-Sein.

18.37 Erkenne mich als Mutter der Mantras, als Spenderin von Erfahrungserfüllung und Befreiung. Aus mir allein, dem Ozean des Bewusstseins, steigen die Wellen der Mantras auf.

18.38 Auf mich gestützt entfalten sie sich und gehen immer wieder in mir unter. Sie besitzen Klangkörper, schön durch die Fülle von Bewusstsein und Glückseligkeit.

18.39 Als Mantra-Wesen sind sie aus mir gebildet, voller Kraft und Früchte gewährend. Laute, Wörter, Sätze, Themenabschnitte und Tagesabschnitte,

18.40 Kapitel, Abhandlungen, Gesänge, Erzählabschnitte, Patala- und weitere Unterteilungen, Fragen, Aussprüche und Anuvakas,

18.41 Mandalas, Kandas und die verschiedenen Samhitas, Rik-Verse, Yajus-Formeln, Saman-Gesänge und Hymnen mitsamt ihren Ergänzungen,

18.42 die Wörter der Lehrwerke und Tantras, äußere und innere Agamas, die verschiedenen Sprachen und die offenbaren wie unoffenbaren Äußerungen:

18.43 Für diejenigen, die mein Wesen kennen, erkenne dies alles als Mantra-Gestalt, Indra. Nach dem Grad der Vergegenwärtigung wird die Stellung von Mantra und Mantra-Übendem bestimmt.

18.44 Ein Laut, der mit der Ausrichtung „Dieser schützt mich“ aufgenommen wird, dessen innerer Sinn bewahrt wird und der den Mantra-Kenner vor Furcht schützt,

18.45 heißt Mantra. Er ist eine Entfaltung des Ich-Seins durch Lautfolgen, die aus dem vollkommenen Ich-Sein hervorgehen und deshalb mit reinem Erkennen verbunden sind.

18.46 Für die Kenner ihres Ursprungs und ihrer Rückkehr sind alle Mantras meine Mantras. Je nach Weise der Vergegenwärtigung unterscheidet man jedoch meine und die anderer Gottheiten.

18.47 Die mit der Ursprungsnatur verbundenen Mantras gelten vor allem als meine. Sie gehen aus ihrem eigenen Wesen in Brahman ein, das als Seiender und Sein besteht.

18.48 Zu den mit der Ursprungsnatur verbundenen Mantras gehören Tarika, Uttarika und weitere. Diejenigen Mantras, die aus ihrem Wesen in eine vom Seienden bestimmte Wirklichkeit eingehen,

18.49 sind als Befreiung schenkend zu erkennen, etwa Tara, Prasada und weitere. Diejenigen, die die göttliche Wirklichkeit mit vorherrschendem Sein oder in gleichgewichtiger Zuordnung erfassen,

18.50 sind als Erfahrungserfüllung und Befreiung schenkend zu erkennen, etwa Tarika und weitere. Manche gehen nur in das Sein ein, andere in den Seienden.

18.51 In diesen beiden Gruppen sind sie entsprechend als Erfahrungserfüllung oder als Befreiung schenkend bestimmt. So wurde die Eigennatur der mit der Ursprungsnatur verbundenen Mantras erläutert. Durch die Kraft der inneren Ausrichtung vermögen jedoch beide Gruppen alle Früchte hervorzubringen.

So endet im Lakshmi Tantra, der Essenz des heiligen Pancharatra, das achtzehnte Kapitel, „Die Darlegung des Wesens des Mantras“.


Kapitel 19 – Die Entstehung der Laute

Sanskrit IAST: Kapitel 19 · Devanagari: Kapitel 19 Shri sprach:

19.1 Ich bin Haris ursprüngliches, vollkommenes Ich-Sein, gekennzeichnet durch den Schöpfungswillen. Als höchste Kraft trete ich in der Gestalt der Schöpfung hervor.

19.2 Fünfzehn gleichrangige Zustände gehören mir zu, Freude der Götter. Mein ewiges Bewusstseinswesen ist unübertrefflich und durch sich selbst erfahrbar.

19.3 Dieses Sprachprinzip hat die Gestalt des Lautes a und ist der Ursprung aller Sprache. Als Glückseligkeit gilt dasselbe als der zweite Vokal.

19.4 Als Wille ist es der dritte, als Herrschermacht der vierte. Der fünfte ist das Hervortreten, der sechste wird als Fülle der Kraft beschrieben.

19.5 Die vier mittleren Vokale sind weitere Entfaltungen des Willens und der folgenden Kräfte. Aus der Verbindung des Unübertrefflichen mit dem Willen entsteht der Laut e.

19.6 Aus seiner Verbindung mit Glückseligkeit entsteht die „Weltenmatrix“. Aus der Verbindung des Unübertrefflichen mit dem Hervortreten entsteht der Laut o.

19.7 Aus dessen Verbindung mit dem Unübertrefflichen entsteht „Sadyojata“, das unmittelbar Geborene. Diese auf das Erkennbare bezogenen Entfaltungen gehen aus dem Unübertrefflichen hervor. [Die Lautnamen werden hier verschlüsselt bezeichnet; keine ergänzte Rezitationsformel.]

19.8 Die dreizehn Zustände, beginnend mit Glückseligkeit, treten jeweils in ihrer besonderen Weise hervor. Als dreizehn Entfaltungen gründen sie in der übergeordneten Erkenntnis.

19.9 Der fünfzehnte Vokal ist deren feiner, unübertrefflicher Zustand. Diese fünfzehn Zustände sind die Regungen, durch die die Aussendung aufleuchtet.

19.10 So ist die göttliche Schöpfungskraft durch fünfzehn Glieder vom Schöpfungswillen erfüllt und bei jeder Aufgabe zum Wirken bereit.

19.11 Wenn ich aussende, gehen die fünfundzwanzig Prinzipien hervor, von Purusha bis Erde, entsprechend den Lauten von ka bis ma.

19.12 Aus dem Aufleuchten des jeweiligen Lautes entsteht das entsprechende Prinzip. Die Vierheit von ya bis va wird als die vier haltenden Kräfte bezeichnet.

19.13 Weil sie den Purusha in der Mitte halten, heißen sie Dharanas. Kala, die begrenzte Handlungsfähigkeit, ist ya und trägt den Namen Wind.

19.14 Vidya, die begrenzte Erkenntnis, ist ra und heißt Feuer. Maya, die Erstarrung und Verblendung bewirkt, ist la und wird als Erde betrachtet.

19.15 Die Kraft der Zuneigung und Färbung, Raga, ist va und gehört zu Varuna. Diese Kräfte halten den Menschen stets zwischen der höheren und der niederen Seinsstufe.

19.16 Als diese vier Dharanas sollen die Wahrheitskenner sie verstehen. Die Laute von śa bis kṣa sind als die reine Fünfheit Brahmans zu erkennen.

19.17 Śa, ṣa, sa und ha sind als Aniruddha und die auf ihn folgenden Formen zu erkennen, Herr der Götter. Meine wunderbare, bei Schöpfungsbeginn in Bewegung geratene Gestalt

19.18 ist die große bewegende Kraft Kshobhika, deren Laut kṣa ist und die auch Satya heißt. Die fünf göttlichen Kräfte von Erde bis Raum

19.19 entsprechen den fünf Eigenschaften, beginnend mit Stärke, und heißen meine göttlichen Seinskräfte. Als Erkenntnisgestalten treten sie aus mir hervor: diese Kräfte der Laute śa und der weiteren.

19.20 Die zuvor als fünfzehngliedrig beschriebene Aussendung bin ich als somahafte Kraft, von zehntausend Strahlen erfüllt.

19.21 Zusammenziehung und Entfaltung werden als ihre beiden Bewegungen bezeichnet. Das letzte der Glieder, das ich als fünfzehntes genannt habe,

19.22 erkenne unmittelbar als die aufnehmende Sonne, den Erfahrenden. Sonne und Mond sind diese beiden: Bindu und Aussendung, Indra.

19.23 Je sieben Strahlen gehören diesen beiden göttlichen Kräften zu. Die übrigen vierzehn Vokale ordne man zu sieben Paaren.

19.24 In diesen sieben Paaren sind die jeweils ersten sieben meine austrocknenden Strahlen als Sonnenkraft, die Erfahrende genannt wird.

19.25 Die jeweils zweiten sieben sind meine nährenden Strahlen als Somakraft, die Erfahrbares heißt; sie spenden Kühlung und Freude.

19.26 Licht, Schärfe, Durchdringung, Ergreifen, Aussenden, Antreiben und Reifen heißen die zuerst genannten, aus der Sonne hervorgehenden Strahlen.

19.27 Flüssigkeit, Kühle, Ruhe, Schönheit, Klarheit, Saftigkeit und Glückseligkeit sind die sieben Mondstrahlen.

19.28 Mit diesen feuer- und somahaften Strahlen leuchte ich. Indem ich den Purusha in Bindu-Gestalt in mich aufnehme, bestimme ich seine Erscheinungsweise.

19.29 Vorwiegend somahaft, von Kreisen zahlloser Kräfte geschmückt, entfalte ich mich als große Schöpfung und große Glückseligkeit in der Gestalt des letzten Vokals.

19.30 Aus dieser Entfaltung geht die Fünfheit Brahmans von kṣa bis śa hervor, Herr der Götter, jeweils durch eine besondere Entfaltung der Shakti gekennzeichnet.

19.31 Als kṣa erscheint die große Erschütterung namens Satya; ha entsteht als Vasudeva, sa als das Hervortreten Sankarshanas.

19.32 Ṣa ist als Pradyumna zu erkennen, śa als Aniruddha. Diese fünf höchsten Kräfte bestehen als die fünf Brahman-Formen.

19.33 Ihre Offenbarungen sind von mir nicht getrennt und begründen die Entstehung der Welt. Wie Flammen eines großen Feuers sind sie meine Kräfte als Brahman.

19.34 Die vier Dharanas entstehen in der Folge von va bis ya, Indra. Sie werden als die Zustände von Turiya bis Wachen beschrieben.

19.35 Sie halten den Purusha zwischen zwei Seinsstufen: der genannten Brahman-Stufe und der mit bha beginnenden Naturstufe.

19.36 Zwischen ihnen wird der als ma bezeichnete Purusha durch die vier Dharanas gehalten. Er besitzt die Zustände Wachen und die weiteren.

19.37 Würden sie ihn nicht halten, ginge er in eine der beiden Stufen ein, in die Brahman- oder die Naturstufe. Dann gäbe es keinen Daseinskreislauf.

19.38 Zu diesem Zweck gingen die Dharanas auf meine Weisung aus mir hervor. Danach entstand der in den vier Zuständen bestehende Purusha, der Erfahrende heißt,

19.39 als ma aus mir, zu Erfahrung und Befreiung befähigt. Um für diesen Purusha die Erfahrungsgegenstände hervorzubringen, Indra,

19.40 entstand aus mir als bha das höchste feine Unbewusste: das unauffällige Gleichgewicht der Gunas, das Mutterschoß und Eigennatur heißt.

19.41 Damit dem wissenden Erfahrenden Gegenstände und Erfahrungen zugänglich werden, gingen aus der Lautgruppe von ba bis ka, Indra,

19.42 der Reihe nach dreiundzwanzig offenbarte Prinzipien aus mir hervor. Aus den drei mit ba beginnenden Lauten entstehen Buddhi, Ahamkara und Manas.

19.43 Aus den fünf Lauten von na bis ta entstehen die fünf Erkenntnissinne, beginnend mit Hören; aus ṇa bis ṭa die fünf Handlungsorgane, beginnend mit Sprache.

19.44 Aus ña bis ca entstehen die fünf feinen Sinnesprinzipien, beginnend mit Klang; aus ṅa bis ka die Elemente, beginnend mit Raum.

19.45 Erkenntnis tritt als Klang hervor, Klang wiederum als Bedeutung. Erkenne Erkenntnis als mein Wesen: Diese ganze Entfaltung gehört deshalb mir.

19.46 So wurde dir die mittlere Ordnung des Lautweges erklärt. Höre nun, Herr der Götter, meine Darstellung seiner ersten und letzten Ordnung.

So endet im Lakshmi Tantra, der Essenz des heiligen Pancharatra, das neunzehnte Kapitel, „Die Darlegung der Entstehung der Laute“.


Die Göttinnenvielfalt wird im Lakshmi Tantra aus der einen göttlichen Kraft erklärt.

Kapitel 20 – Matrika, die Mutter der Laute

Sanskrit IAST: Kapitel 20 · Devanagari: Kapitel 20 Indra sprach:

20.1 Verehrung der Kraft, die alles erschafft, schützt und zurücknimmt! Verehrung dir, deren Wesen Haris Wesen ist, Erkenntnisgestaltige!

20.2 Durch deine Gnade habe ich das höchste Geheimnis gehört, Lotusgöttin. Erkläre mir nun noch einmal den Lautweg in seiner wirklichen Ordnung.

Shri sprach:

20.3 Höre die erste Ordnung des Lautweges, du Erster der Götter. Durch ihre Erkenntnis erlangt der Übende Gleichgestaltigkeit mit mir.

20.4 Das höchste, unerschütterliche Brahman ist frei von Erkennbarem und Erkennendem, von niemals untergehendem Lichtwesen und als Ich-Wirklichkeit von allem ungetrennt.

20.5 Die Kraft namens Ich-Sein ist ungetrennt davon, stets gegenwärtig, ebenfalls von niemals untergehendem Lichtwesen und frei von Erkennbarem und Erkennendem.

20.6 Mein Kern ist Licht und Glückseligkeit; überall bin ich gleich gegenwärtig. Wenn ein unermesslich kleiner Bruchteil meiner selbst in Bewegung gerät,

20.7 trete ich selbst durch meine eigene Kraft als Klang-Brahman aus dem höchsten Herrn hervor, zur Befreiung aller Lebewesen.

20.8 Erkenne dies als unentfalteten Laut, wie den feinen Klang einer Saite. Um beständig zu erscheinen, gliedert er sich vielfältig in einzelne Laute.

20.9 In seiner feinen Lautgestalt besteht er als ununterbrochener Strom. Für den Unterscheidungsfähigen, der von den Hüllen der fünf Wege frei geworden und in mir gegründet ist,

20.10 wird er durch die Gnade des höchsten Selbst unmittelbar erfahrbar. Die Gesamtheit meiner Vierheit ist als von seinem Wesen bestehend zu erkennen.

20.11 Entstehung und Rückkehr kennzeichnen diesen lichtförmigen Klang: vom a bis zum sa und vom ha zurück bis zum a.

20.12 Bei der Entstehung bildet ha den Dvadashanta der vier Gestalten, bei der Rückkehr a. Beide Endpunkte sind gleichrangig.

20.13 In dieser Gruppe der Laut-Vyuhas soll man durch Erkenntnis-Samadhi erkennen: Ruhe, Hervortreten, Durchdringung und Offenbarwerden, beginnend mit Vasudeva.

20.14 Jede einzelne, darüber angeordnete Gestalt ist entsprechend mit dieser Vierheit von Ruhe und den weiteren Zuständen verbunden.

20.15 Als Ruhe betrachte man den ewigen Gott Vasudeva: a, den Lotusäugigen, den ursprünglichen ewigen Gott.

20.16 Bei der Auflösung ruhen Sankarshana und die weiteren Prinzipien in ihm. Dann vergegenwärtige man sich Sankarshana als ā und als Hervortreten.

20.17 Denn zuerst ist er selbst als allumfassendes, alles vollziehendes Selbst hervorgetreten. Pradyumna betrachte man als Durchdringung und als i.

20.18 Als die dreifache vedische Tätigkeit durchdringt er die Welt auf vielfältige Weise. Aniruddha vergegenwärtige man sich als Offenbarwerden und als ī.

20.19 In ihm werden alle Kräfte der Weltschöpfung und der übrigen Tätigkeiten offenbar. So stehen sie in einer stabförmigen Anordnung.

20.20 Bis zum Laut sa besteht meine Vierheit jeweils verbunden mit den vier Formen. Bei der Betrachtung des Hervorgehens vergegenwärtige man sich ha als Dvadashanta.

20.21 Ha betrachte man als Vasudeva und Ruhe; beim Rückweg sa als Sankarshana und Hervortreten.

20.22 So betrachte man die göttliche Vierheit bis zur ā-Gestalt sowie die zwölf Dharanas, die zwölf inneren Entsprechungen.

20.23 Sie bilden eine Treppe: Wer sie überschreitet, gelangt vom Dvadashanta zum Höchsten. So wurde die erste Ordnung des Lautweges gezeigt.

20.24 Sie ist fein, von der Vierheit geprägt, lichtförmig, aus mir bestehend und höchst. Die mittlere wurde zuvor erklärt; höre ihre Besonderheit.

20.25 Von den vier zuvor genannten Dharanas, die mein Wesen besitzen, ist va die Kraft Aniruddhas namens Raga.

20.26 Maya heißt Mahalakshmi und besitzt auch den Lautnamen la. Vidya, durch ra bezeichnet, gilt als Mahavani.

20.27 Die Wind genannte Mahakali ist die Tatkraft in ya-Gestalt. Die drei Gestalten Brahma und die weiteren sowie ihre Gemahlinnen, beginnend mit der vedischen Dreiheit,

20.28 sind insgesamt in feiner Form im ersten Anteil des a zu erkennen. Im mittleren Anteil besteht Purusha als unveränderlicher Grund der Erfahrenden.

20.29 Im letzten Anteil besteht die Gesamtheit der im Daseinskreislauf wandernden Menschen. Damit wurde dir die mittlere Ordnung des Lautweges gezeigt.

20.30 Nun erkläre ich die letzte Ordnung, Bezwinger Balas. Die letzte Ordnung ist Vaikhari, unterschieden nach Artikulationsanstrengung und Artikulationsort.

20.31 Sie wird bei der Aussprache deutlicher Rede offenbar. Den körpergebundenen Lebewesen zeigt sie die jeweiligen heilsamen Wege.

20.32 So entsteht Matrika, von Vishnus Kraft erfüllt. Entsprechend Vishnu werden darin fünfzig Kräfte beschrieben.

20.33 Die Lautgirlande Matrika wird von den entsprechenden Gottheiten getragen: den Vyuhas Vasudeva und den weiteren sowie den zwölf Formen Keshava und den folgenden.

20.34 Dies sind die über den Vokalen waltenden Götter. Höre ihre Kräfte: Lakshmi, Kirti, Jaya und Maya heißen die Vyuha-Shaktis.

20.35 Shri, Vagishvari, Kanti, Kriya, Shanti, Vibhuti, Iccha, Priti, Rati, Maya, Dhi und Mahima

20.36 sind die Kräfte Keshavas und der weiteren, die Vokalkräfte. Höre nun meine Erklärung der Götter, die über ka und den folgenden Lauten walten.

20.37 Die Vishnu-Gestalten mit den Namen Padmanabha und weiteren sind die Gottheiten dieser Laute: Padmanabha, Dhruva, Ananta, Shaktisha, Madhusudana,

20.38 Vidyadhideva, Kapila, Vishvarupa, Vihangama, Krodatman, Vadavavaktra, Dharma, Vagishvara,

20.39 der im einzigen Weltenmeer ruhende Gott, die Schildkröte, Träger der Unterwelt, Varaha, Narasimha und Amritaharana,

20.40 Shripati, Divyadeha, Kantatman, Amritadharaka, Rahujit, Kalanemighna und der große Parijatahara,

20.41 Lokanatha, Shantatman, Dattatreya, der große Herr, der unter dem Banyanbaum ruhende Erhabene und der Einhorngestaltige,

20.42 der Gott mit dem Zwergenkörper, der allgegenwärtige Trivikrama, Nara, Narayana, Hari und Krishna,

20.43 Rama mit der flammenden Axt, der andere Rama als Bogenträger, der vedkundige Erhabene, Kalkin und der in der Unterwelt ruhende Herr.

20.44 Die vier letzten Götter, beginnend mit Rama, gehören zu Ranga, Yama, Jihvamuliya und Upadhmaniya. [Besondere lautkundliche Kategorien; die Abgrenzung der Namen in der Liste bedarf Beachtung.]

20.45 Dhi, Tara, Varuni, Shakti, Padma, Vidya, Samkhya, Vishva, Khaga, Bhu, Gau, Lakshmi und Vagishvari,

20.46 Amrita, Dharani, Chaya, Narasimhi, Sudha, Shri, Kirti, Vishvakama, Ma, Satya, Kanti und Saroruha,

20.47 Maya, Padmasana, Kharva, Vikranti, Narasambhava, Narayani, Haripriti, Gandhari und Kashyapi,

20.48 Vaidehi, Vedavidya, Padmini und Nagashayini: Diese Göttinnen sind Anteile meiner selbst und als Kräfte von ka und den folgenden Lauten zu erkennen.

20.49 Diese Matrika wird auch von den Göttern getragen, die als Hilfskräfte Bhavas wirken: Shrikantha, Ananda, Sukshma und weitere, mit den Kräften Lambodari und den folgenden,

20.50 ferner von Vinayakas, Durgas, Feldherren, Müttern und den jeweiligen religiösen Ordnungen zugehörigen buddhistischen, arhatbezogenen und anderen Gottheiten.

20.51 Wie hungrige Kinder sich an ihre Mutter wenden, so wenden sich sämtliche Götter der Göttin Matrika zu.

20.52 Sie ist der Mutterschoß der Mantras, die Geburtsstätte der Vidyas und der Ursprung der Prinzipien, ihrer Entfaltungen und der Erkenntnisse.

So endet im Lakshmi Tantra, der Essenz des heiligen Pancharatra, das zwanzigste Kapitel, „Die Offenbarung der Matrika“.


Kapitel 21 – Mantra, Lehrer und Schüler

Sanskrit IAST: Kapitel 21 · Devanagari: Kapitel 21 Indra sprach:

21.1 Verehrung dir, Geliebte Haris, die du Klang und Bedeutung offenbarst, dich in den sechs Wegen entfaltest und als Erkenntnis über alle Wege hinausgehst!

21.2 Die Laute, die allem zugrunde liegen, hast du richtig erklärt, Göttin. Nun erkläre mir entsprechend den Weg des Mantras.

Shri sprach:

21.3 Einer allein ist der höchste, herrliche Gott, das vorzüglichste göttliche Wesen: der göttliche Ozean der sechs Eigenschaften, das Selbst aller, nach allen Seiten gewandt.

21.4 Ich bin seine höchste Kraft, sein ungetrenntes Ich-Sein, Shri: Grundlage aller Dinge, allmächtig, allwissend und nach allen Seiten gegenwärtig.

21.5 In mir erscheint die Welt wie ein Berg in einem Spiegel. Mein Wesen ist Erkenntnis selbst, gekennzeichnet durch reine Glückseligkeit.

21.6 Meinem Willen folgend entfalte ich mich als ein Erkenntnisanteil. Ich werde Klang-Brahman und entfalte mich auf dem Weg der Kalas.

21.7 Kalas heißen die sechs göttlichen Eigenschaften, beginnend mit Erkenntnis. Durch die Verbindung zu drei Paaren entfalte ich mich auf dem Weg der Prinzipien.

21.8 Die Götter Sankarshana und die weiteren sind diese Prinzipien, Erster der Götter. Durch Lautverbindungen entfalte ich mich nochmals auf dem Mantraweg.

21.9 Höre meine Erklärung der Offenbarung dieses Mantraweges. Diese Entfaltung des Klang-Brahman ist von zehntausend Strahlen erfüllt.

21.10 Ihr Kennzeichen ist Bewusstsein, ihr Wesen die sechs Eigenschaften. Sie ist vierfach: Bija, Pinda, Benennung und aus Worten bestehende Formel.

21.11 Diesen vier Formen entsprechen Turiya, Tiefschlaf, Traum und Wachen. Ein Bija besitzt einen oder zwei Vokale oder die Verbindung von Vokal und Konsonant,

21.12 gegebenenfalls auch mehrere Vokale, Herr der Götter. Eine Konsonantengruppe, mitunter mit einem Vokal verbunden, ist als Pinda zu verstehen. [Der Wortlaut der Konsonantenbezeichnung ist unsicher.]

21.13 Die Benennung nennt die betreffende Gottheit, verbunden mit „Verehrung“ und Om. Die Wortform verbindet Tätigkeit und ihre Bezüge, Lobpreis oder Anrede,

21.14 versehen mit verschiedenen Kennzeichnungen. Diese vierfache Mantraform ist in der Gottheit vollständig gegenwärtig.

21.15 Mit dieser Vierheit verbunden gewährt die Gottheit die ersehnte Vollendung. Auch das Verhältnis von Feld und Feldkenner in den Mantras, Herr der Götter,

21.16 soll der Einsichtige wahrheitsgemäß erkennen, bevor er sie anwendet. – Indra fragte: Erkläre mir dieses Verhältnis von Feld und Feldkenner in den Mantras, Lotusgöttin,

21.17 durch dessen Erkenntnis man nicht verwirrt wird und bald Vollendung erlangt. – Shri sprach: Bei Mantras mit einem Bija ist dieses das Lebendige; der Rest heißt Feld.

21.18 Bei Mantras ohne Bija ist der Anfang das Lebendige und der Rest das Feld. Bei Bijas und Pindas heißt a der Feldkenner. [Die Vorlage liest an dieser Stelle „astu“; der folgende Vers setzt eine Bestimmung des a voraus.]

21.19 Der Rest gilt als Feld. Fehlt a, wird der Vokal als Feldkenner bezeichnet. Bei einem alleinstehenden Vokal

21.20 ist die erste Zeiteinheit das Lebendige, die zweite und die weiteren bilden den Leib. Bei nur einer Zeiteinheit ist die besondere innere Lautprägung das Lebendige,

21.21 das tatsächlich Ausgesprochene das Feld. Bei einer vokallosen Konsonantengruppe ist der erste Laut das Lebendige, der Rest heißt Feld.

21.22 So wurde dir das Verhältnis von Feld und Feldkenner gezeigt. Wenn am Anfang, in der Mitte oder am Ende, an allen drei oder einem dieser Orte,

21.23 ein Pinda oder Bija steht, sind diese Mantras zu allen Zeiten verwendbar. Fehlt ein Bija, mache man den ersten Laut des Mantras zum Bija,

21.24 verbunden mit Anusvara; danach wird der ganze Mantra gesprochen. Die Mantras lassen den von Anhaften gefärbten Menschen Erfahrungen machen

21.25 auf dem vierzehnfach gegliederten natürlichen Weltenweg und auf dem natürlichen Zustandsweg von Tiefschlaf bis Wachen, unter Ausschluss von Turiya.

21.26 Dem selbstbeherrschten Menschen, auf dem der Blick des Lehrers ruht, wenden sich die Mantras gnädig zu. Sie führen ihn über den Weltenweg

21.27 und den Zustandsweg hinaus, erwecken auf jeder Stufe Nichtanhaften und führen ihn allmählich durch die Wege der Prinzipien, Kalas und Laute.

21.28 Wenn er den Mantra-Palast erreicht und sämtliche Bindungen abgeschüttelt hat, geht er in das ewige Brahman namens Lakshmi-Narayana ein.

Indra fragte:

21.29 Wie soll der Lehrer beschaffen sein, Göttin, und wie sein Schüler? Welcher Mantra vermag zum höchsten Ziel zu führen?

21.30 Wie soll er gelehrt werden? Erkläre dies; Verehrung dir! – Shri sprach: Der Lehrer sei ein Brahmane mit allen erforderlichen Kennzeichen, in den Veden bewandert,

21.31 den sechs Pflichten ergeben, friedvoll, den fünf täglichen Zeiten zugewandt und rein. Er kenne den Sinn des Pancharatra, sei gesammelt und in der Übung der Mantralaute erfahren.

21.32 Er sei weder übermäßig dick noch mager oder klein, weder einäugig noch krank, weder blind noch taub, nicht töricht, kahl oder gehbehindert.

21.33 Er habe weder fehlende noch überzählige Glieder, keine weißen Hautflecken und keine Heuchelei. Er sei nicht zornig, habe keine Hautkrankheit und keinen von Gier beherrschten Geist.

21.34 Einen Menschen ohne anerkanntes Familienherkommen, von schlechtem Wandel, betrügerisch oder hinterhältig, meide man. Er soll Mitgefühl, Selbstbeherrschung, Ruhe, feste Hingabe und tätige Praxis besitzen.

21.35 Er spreche wahr, führe einen guten Lebenswandel, sei in Zeichnungen geschickt, beherrsche seine Sinne, sei zufrieden und von Mitgefühl erfüllt.

21.36 Mit edlen Kennzeichen ausgestattet, aufrichtig und freundlich lächelnd: Einen solchen, von guten Eigenschaften erfüllten Menschen erkenne man als vaiṣṇavischen Guru.

21.37 Der Schüler soll entsprechend beschaffen sein und die erforderlichen Kennzeichen besitzen: geduldig, charakterfest, einsichtig und frei von Zorn und Gier,

21.38 stets dem Baden und der Verehrung zugewandt und bereit, dem Lehrer zu dienen; Brahmanen, Feuer, Göttern und Ahnen ergeben und die Darbringung pflegend,

21.39 aus anerkanntem Familienherkommen, verständig und stets dem Sinn der Lehre zugewandt: ein Brahmane, Kshatriya, Vaishya oder Shudra, der ganz auf den göttlichen Herrn ausgerichtet ist.

21.40 Einen solchen aufrichtigen Schüler erkenne man als geeignet; ebenso eine Frau mit rechtem Unterscheidungsvermögen, die die Pflichten und Handlungen ihrer Lebensordnung erfüllt,

21.41 mit Zustimmung ihres Ehemanns, ihm treu und ihn achtend. Einen so gekennzeichneten Schüler soll der ganz von Gott erfüllte Lehrer mit seinem Lehrerblick prüfen und ordnungsgemäß in die Mantras unterweisen.

Einordnung: Die Verse 21.30–41 dokumentieren historische soziale, körperbezogene und geschlechtsspezifische Zulassungsnormen. Ihre Wiedergabe ist keine heutige Bewertung der spirituellen Würde oder Eignung von Menschen. Mitgefühl, Aufrichtigkeit und Selbstbeherrschung werden im selben Abschnitt als zentrale innere Eigenschaften hervorgehoben.

So endet im Lakshmi Tantra, der Essenz des heiligen Pancharatra, das einundzwanzigste Kapitel, „Die Kennzeichen von Lehrer und Schüler“.


Kapitel 22: Die sechs Wege und das Wesen der Mantras

Sanskrit IAST: Kapitel 22 · Devanagari: Kapitel 22

Shakra spricht:

22.1 Göttin ohne Anfang und Ende, Allwissende, Geliebte Haris: Wie soll man die Mantras lehren, und von welcher Art ist ihre Gestalt?

22.2 Sind sie alle gleichrangig, oder gibt es höhere und niedrigere? Beantworte mir diese Frage. Verehrung dir, Lotusgeborene!

Shri spricht:

22.3 Höre von mir alles vollständig, Bezwinger Pakas: wie ich selbst Mantragestalt bin und wie ich die Mantras lehre.

22.4 Das höchste Brahman, die höchste Wohnstatt, ist die makellose, strahlende Fülle der sechs Eigenschaften; es ist durch Raum und Zeit nicht begrenzt, gestaltlos und unvergleichlich.

22.5 Dieses Brahman erkennt sein eigenes Selbst allein als „Ich“. Es ist frei von den begrenzenden Eigenschaften, ohne Anfang und Ende, göttlich: die erhabene Einheit Lakshmi–Narayana.

22.6 Sein Wesen ist der göttliche Geschmack von Bewusstsein und Wonne, ungeteilt, ohne Altern und Tod. Die Unterscheidung von Seiendem und Seinsmacht ist darin noch nicht aufgegangen; Erfasstes und Erfasser fehlen.

22.7 Dieses höchste Brahman ist vollkommen still; ich bin seine Stille. Bisweilen jedoch tritt in diesem höchsten Brahman die Ordnung von Seiendem und Seinsmacht hervor.

22.8 Aus freiem Willen öffnet es sich, ohne seine eigene Natur aufzugeben. Ich bin die verehrungswürdige Ichheit des höchsten Selbst, deren Wesen seine Seinsmacht ist.

22.9 Allein durch den Willen gehe ich aus dem strahlenden Gott, dem Seienden, hervor. Allein durch den Willen sammle ich die gesamte, von mir selbst hervorgebrachte Ausstattung der Erscheinung.

22.10 Ich bringe sie auf meinem eigenen Grund zur Darstellung und entfalte mich auf sechs Wegen: dem Weg der Laute, der Kräfte, der Wirklichkeitsprinzipien und der Mantras,

22.11 ferner dem Weg der Zustände und dem der Welten. Diese heißen die sechs Wege. Meine höchste, unversehrte Bewusstseinsgestalt trägt den Namen Ichheit.

22.12 Ihre erste Öffnung wird der Lautweg genannt. Seine Entfaltung habe ich dir bereits dargelegt, Bezwinger Pakas.

22.13 Eben diese meine höchste, große Bewusstseinsgestalt entfaltet sich als der Weg der Kräfte, angefangen mit Erkenntnis.

22.14 Wie viele diese Kräfte sind und welcher Art die Eigenschaften des höchsten Selbst, beginnend mit Erkenntnis, sind, habe ich dir zuvor erklärt.

22.15 Unter Aufnahme dieser beiden Wege besteht meine Bewusstseinsgestalt auf dem Weg der Wirklichkeitsprinzipien in den Gestalten Vasudevas und der übrigen.

22.16 Die Vyuhas, die Vibhavas und alles weitere, das vom Erhabenen erfüllt ist, bilden die Entfaltung seines Weges der Wirklichkeitsprinzipien.

22.17 Indem sie die beiden zuerst genannten Wege aufnimmt, entfaltet sich eben diese meine Bewusstseinsgestalt beständig auf dem höchsten Mantraweg.

22.18 Er dient der Rettung der im Meer des Werdens versunkenen Seelen, dem Erleben der im Dasein Verweilenden und der Erweckung ihrer Wunschlosigkeit.

22.19 Er dient der Vollendung der Verehrung und gibt dem Geist einen Halt. Dieser überaus großmütige Mantraweg ist durch meine Bewusstseinsnatur gekennzeichnet.

22.20 Er nimmt die Gestalten Vasudevas und der anderen Gottheiten an. Alle Mantras bestehen aus Bewusstsein, durchdringen alles und vermögen alles zu verwirklichen.

22.21 Sie schützen den, der sie innerlich bedenkt; ihre Gestalt wird durch die Lehrüberlieferung verborgen gehalten. Diese Mantras des Gottes der Götter, des Bogenträgers, gewähren Erfahrung und Befreiung.

22.22 Erkenne die Mantras des Erhabenen als meine Gestalt, als makellose Verkörperungen. Wachen, Träumen, Tiefschlaf und das Vierte bilden eine Vierheit.

22.23 Diese ist die Gestalt des Zustandsweges. Wachen ist das Wirken der äußeren Sinne. Wird die Wirksamkeit der äußeren Sinne von Dunkelheit überwältigt,

22.24 so heißt die Tätigkeit des inneren Organs, in der die Eindrücke zurückbleiben, Traum. Fehlt auch diese, ist es Tiefschlaf.

22.25 Wenn bei einem Einsichtigen, der in Klarheit steht und nicht von Dunkelheit überwältigt ist, die Tätigkeit der äußeren und inneren Erkenntnisorgane zur Ruhe kommt,

22.26 heißt die ununterbrochene Lauterkeit des reinen Sattva das Vierte. So ist dieser vierfache Weg beschrieben, der Zustandsweg genannt wird.

22.27 Mit Ausnahme des Vierten gehören Tiefschlaf und die übrigen Zustände zum unreinen Bereich. Die bereits beschriebene Folge der Welten von Maya bis zur Erde

22.28 soll als Weltenweg erkannt werden, unrein und vom Schlamm der Befleckung durchsetzt. Die Mantras lassen den Menschen, der ganz der Anhaftung hingegeben ist, beständig im Spiel verweilen,

22.29 indem sie dem Verblendeten die verschiedenen Zauberspiele des Genusses zeigen. Den aber, auf den ein Lehrer seinen mitfühlenden Gnadenblick richtet,

22.30 führen sie empor, indem sie bei jedem Schritt Wunschlosigkeit erwecken. Dann geleiten sie ihn allmählich auf die reinen Wege.

22.31 Den im Klang-Brahman ganz Bewanderten führen sie zur höchsten Shri. Von dieser Art sind die erhabenen, aufs Höchste reinigenden Mantras.

22.32 Man soll drei Arten kennen: niedrige, mittlere und hohe. Diejenigen, die Gottheiten verkörpern, welche als Werkzeuge des Weltgeschehens dienen,

22.33 und deren Früchte vergänglich sind, gelten den Wissenden als niedrige Mantras. Die Mantras, welche die Vibhava-Gottheiten samt ihren Shaktis verkörpern,

22.34 heißen mittlere Mantras; die Verkörperungen der Vyuhas sind die höchsten. Diejenigen aber, die in das Brahman eintauchen, dessen Wesen Lakshmi–Narayana ist,

22.35 und in der Ordnung von Seiendem und Seinsmacht gründen, sind die höchsten unter den höchsten. So sollen die Mantrakundigen Rang und Abstufung verstehen.

22.36 Die im Pancharatra enthaltenen Mantras sind die höchsten, die der drei Veden die mittleren; die in anderen Tantras enthaltenen gelten dem, der mit dem Auge dieser Lehre sieht, als die niedrigen.

22.37 Als höchste gelten diejenigen, deren Glieder die göttlichen Kräfte sind; als mittlere diejenigen mit anderen Gliedern; als niedrige die gliederlosen Mantras. Höre weiter, Herr der Götter.

22.38 Mit Keimsilben, Lautgebilden und den weiteren Bestandteilen verbundene Mantras werden die höchsten genannt. Diejenigen, die nur einen dieser Bestandteile enthalten, heißen mittlere.

22.39 Mantras ohne Keimsilben und die weiteren Bestandteile gelten als niedrige. Hat der Lehrer, dessen Auge die Lehrüberlieferung ist, diese Mantraarten erkannt, soll er auf Bitte der Schüler die Mantras ihrem jeweiligen Wesen entsprechend lehren.

So endet im Lakshmi Tantra, der Essenz des Pancharatra, das zweiundzwanzigste Kapitel: Darlegung der sechs Wege und des Wesens der Mantras.

Einordnung: Die Rangfolge in 22.32–39 ist die religiöse Selbstbeschreibung dieses Pancharatra-Textes, keine religionswissenschaftlich neutrale Bewertung anderer Überlieferungen. „Rein“ und „unrein“ bezeichnen hier kosmologische Bereiche.


Kapitel 23: Offenbarung der Mantramutter

Sanskrit IAST: Kapitel 23 · Devanagari: Kapitel 23

Shri spricht:

23.1 Das alldurchdringende höchste Brahman ist die erhabene Einheit Lakshmi–Narayana. Ich bin seine höchste Ichheit, die zu Narayana gehörende Shakti.

23.2 Um den Welten Gnade zu erweisen, nehme ich die Stellung des Lehrers an. In der Gestalt Sankarshanas lasse ich die heilige Lehre aufleuchten.

23.3 Wiederum verweile ich in der Gestalt des Gurus, ausgestattet mit vollkommener Erkenntnis. Mit meinem von Kraft erfüllten Blick, der voller Mitgefühl und Mantra ist,

23.4 schütze ich als Guru die Schüler, die zu mir kommen. Daher sollen die Schüler den Lehrer stets als von meinem Wesen erfüllt erkennen.

23.5 Vernimm, wie er den Schüler die Mantras erkennen lassen soll. Zuerst wähle er einen reinen, ebenen, glatten Ort, frei von Fehlern des Bodens,

23.6 dessen Farbe dem gesellschaftlichen Stand entspricht, bestreiche ihn mit Kuhdung, räuchere ihn, entferne störende Fremdkörper und schmücke ihn mit Düften, Blumen und anderem.

23.7 Er besprenge ihn mit den fünf Erzeugnissen der Kuh und bestreiche ihn mit Sandel und anderem. Ein kleines Gefäß aus guter Tonerde verehre er mit ausschließlich makellosen Blumen,

23.8 begleitet von seinem eigenen Mantra, dem Om vorausgeht und auf den „Verehrung“ folgt. Sodann bespreche er die Erde mit der ersten Vyahriti, der ebenfalls Om vorausgeht.

23.9 Er breite die mit Duft und Räucherwerk durchdrungene Erde auf dem Boden aus und forme ein Viereck oder einen schönen Kreis, eine oder zwei Ellen groß.

23.10 Nachdem er so einen ganz ebenen Sitz der Matrika hergestellt hat, ordne er sie darauf an: die eine Göttin, die sich in verschiedene Lautgruppen gliedert und fünfzehn Laute besitzt.

23.11 Sie ist unmittelbar die Mutter der Mantras, mein aus Klang bestehender Leib. Der Mantraübende ordne sie in Lotusgestalt oder in Radgestalt an.

23.12 Für die männliche Gottheit nehme er die Radgestalt, für Lakshmi die Lotusgestalt. Die aus Feuer und Soma bestehende Shakti, die „Ausströmung“ heißt, ist sechzehnfach.

23.13 Diese als Vokale bezeichnete Kraft schreibe er auf das nach Osten gerichtete Blatt oder die Speiche. Die fünf Lautgruppen, beginnend mit ka, entsprechen den Prinzipien von Erde bis Purusha.

23.14 Er schreibe sie auf die Blätter beziehungsweise Speichen von Südosten bis Nordwesten. Die vier Laute von ya bis va haben das Wesen der inneren tragenden Kräfte.

23.15 Der Kundige schreibe sie ebenso auf das nach Norden gerichtete Blatt oder die Speiche. Die bereits erklärte Fünfheit des Brahman, beginnend mit sha und endend mit ksha, reicht bis zum Vierten.

23.16 Diese schreibe er auf die im Nordosten liegende Speiche oder das dortige Blatt. Das höchste Brahman namens Klang, lichtvoll und ohne Makel,

23.17 meditiere er als Lichtschein rings um Rad oder Lotus. Mit den Lauten, welche die Wirklichkeitsprinzipien bezeichnen, jeweils mit Om am Anfang und „Verehrung“ am Ende,

23.18 verehre der Kundige dort die Urnatur, mich selbst in Gestalt der Wirklichkeitsprinzipien. Dann vergegenwärtige er sich in der Mitte des Lotusfruchtbodens die Mantramutter:

23.19 die Göttin ohne Anfang und Ende, die Ichheit des höchsten Purusha, die Göttin mit Schlinge und Elefantenhaken, lotustragend und mit einer Lotusgirlande geschmückt,

23.20 huldvoll, strahlend wie das Innere eines Lotus, die große Herrin aller Welten. Ihre Glieder sind aus Lauten gebildet, und sie trägt Schmuck aus Lauten.

23.21 Als ihren Leib erkenne man das Klang-Brahman; als ihr Haupt vergegenwärtige man Om. Die beiden a-Laute bilden ihre Brauen, die beiden i-Laute ihre Augen.

23.22 Die beiden u-Laute sind ihre Ohren, die beiden vokalischen r-Laute ihre Nasenöffnungen, die beiden folgenden Vokale ihre Wangen. e und ai sind ihre Lippen, o und au die beiden Zahnreihen.

23.23 Der Nasallaut ist ihre Zunge, der Hauchlaut ihre Äußerung. Die ka- und cha-Gruppen stelle man sich als ihre Arme vor, die retroflexe und die dentale ta-Gruppe als ihre Beine; pa und pha als ihre beiden Flanken.

23.24 ba und bha sind Rückseite und Vorderseite; den ma-Laut meditiere man als ihren Nabel. ya und ra sind Lebensatem und Wärme; den la-Laut stelle man sich als ihre Halskette vor.

23.25 va ist ihre Hüftschnur; die beiden Zischlaute sha und scha sind ihre Ohrringe. sa erkenne man als ihr Herz; den ha-Laut meditiere man innerhalb des Herzens.

23.26 ksha erkenne man als den sich ausbreitenden, blitzhellen Glanz. Den Ranga-Laut erkenne man an der Nasenspitze; den Yama genannten Laut vergegenwärtige man im Herzen.

23.27 Danach erkenne man den Jihvamuliya-Laut an der Zungenwurzel und entsprechend den Upadhmaniya-Laut an den Lippen.

23.28 Sie trägt eine vom Hals bis zu den Füßen herabhängende Waldgirlande, gebildet aus schönen, aus Lauten bestehenden Lotussen, deren Wesen Feuer und Soma ist.

23.29 Der Wissende meditiere den zum höchsten Herrn gehörenden ha-Laut als ihre Krone, strahlend wie unzählige Feuer, Monde und Sonnen, geschmückt mit funkelnden Edelsteinen.

23.30 Nachdem er sich so die Göttin Matrika, die Mutter der Mantras, vergegenwärtigt hat, verehre er sie mit Empfangswasser, Blumen und anderem: „Om, Verehrung dir, Mutter der Mantras!“

23.31 „Nimm dieses Empfangswasser an!“ Mit solchen Worten bringe er die Gaben der Reihe nach dar. Dann neige er sich mit gefalteten Händen und verbeuge sich mit acht Körpergliedern auf der Erde:

23.32 „Die du auf dem Lotus stehst, im Lotus wohnst, Lotusgöttin, Geliebte des Lotusäugigen! Du bist die Grundlage aller Wirklichkeitsprinzipien, Mutter und Herrin der Mantras.

23.33 Offenbare mir deine höchste, göttliche, von Lakshmi erfüllte Gestalt!“ Nachdem der gesammelte Mantraübende so gebetet hat, werde er selbst ganz von Lakshmi erfüllt.

23.34 Durch die rituelle Einsetzung der Matrika werde er selbst zur Matrika. Dann leite er den gewünschten Mantra aus ihr her und unterweise den Schüler darin.

23.35 Mantras in Gestalt von Keimsilben und Lautgebilden stehen unter den Mantras am höchsten. Unter ihnen sind die Keimsilben noch vorzüglicher als die Lautgebilde, Herr der Götter.

23.36 Sieben Keimsilben gelten als Juwelen unter den Keimsilben, Vasava. Die erste ist Taraka; die zweite heißt Tarika.

23.37 Die dritte, Anutarika, ist jenen beiden an Leuchtkraft gleich. Als vierte wird die höchste Keimsilbe Jagadyoni, „Schoß der Welt“, bezeichnet.

23.38 Die fünfte Keimsilbe gehört zu Pradyumna; die sechste gilt als die Sarasvatis. Die siebte wird als die von Mahalakshmi erfüllte Keimsilbe bezeichnet.

23.39 Jede besitzt eine grobe, eine feine und eine höchste Gestalt. Werde aufmerksam, Shakra, und höre die Keimsilben der Reihe nach.

So endet im Lakshmi Tantra, der Essenz des Pancharatra, das dreiundzwanzigste Kapitel: Offenbarung der Matrika.

Text- und Übersetzungshinweis: 23.10 bietet ausdrücklich „fünfzehnlautig“, obwohl der folgende Ritus ein umfassenderes Lautsystem verwendet. Diese Lesart wird nicht stillschweigend in „fünfzig“ geändert. Bei den deutschen Lautbezeichnungen in 23.21–29 bleiben die genauen Sanskritzeichen in den beiden parallelen Sanskritausgaben nachprüfbar; insbesondere sind die retroflexen und palatalen Zischlaute zu unterscheiden. Die Guru-Aussagen beschreiben das sakrale Lehrerideal des Textes.


Kapitel 24: Om, der hinüberführende Mantra

Sanskrit IAST: Kapitel 24 · Devanagari: Kapitel 24

Shri spricht:

24.1 Das höchste Brahman, die höchste Wohnstatt, das unvergleichliche höchste Licht ist das Brahman Lakshmi–Narayana, frei von Fehlern und Befleckung.

24.2 Als das Eine durchdringt es all dies und besteht als der alles überragende Glanz. Ich bin die höchste Ichheit dieses Brahman, des höchsten Selbst.

24.3 Zum Wohl aller Seelen öffne ich mich aus eigenem Wunsch. Ich werde zum Klang-Brahman und nehme den Leib der Matrika-Mantras an.

24.4 So werde ich Mantragestalt, jeweils der bezeichneten Wirklichkeit entsprechend. Zuerst leite man mich in jener Form her, in der ich als Tara, als Hinüberführende, bestehe.

24.5 Zuerst nehme man den als Dhruva bezeichneten Laut, dann den Laut des Ohres und danach den des Nabels. Diese drei verbinde man miteinander.

24.6 So entsteht Om, der erste Brahman-Mantra, der hinüberführt. Danach versehe man ihn mit Bindu und anschließend mit Nada.

24.7 Man meditiere ihn mit ununterbrochenem Klang, ausgedehnt wie ein gleichmäßiger Ölstrom. Dies ist die zu Vishnu gehörende Gestalt, das dreilautige ewige Brahman.

24.8 Dabei ist a Aniruddha, der fünfte Vokal Pradyumna, m Sankarshana und der Bindu Vasudeva.

24.9 Nada ist die Ungeteiltheit der vier, Herr der Götter. Nadas höchste Grenze ist die höchste Herrin, die Ichheit.

24.10 Sie ist die höchste feine Shakti, „Raum am Ende des Nada“ genannt. Ich bin diese feine, alles durchdringende Kraft, deren Wesen das Klang-Brahman ist.

24.11 Wenn Nada zur Ruhe kommt, tritt von selbst jenes Licht deutlich hervor: das höchste Brahman namens Lakshmi–Narayana.

24.12 Damit ist dir die höchste, zu Vishnu gehörende Wohnstatt des Purusha erklärt. Vernimm nun die Wahrheit ihrer stillen Gestalt.

24.13 Zuerst nehme man die Ausströmung und verbinde sie am Ende mit der Sonne. Wenn die höchste Vereinigung eintritt, erscheint jener Glanz, der Om heißt.

24.14 Dies ist die höchste Wohnstatt, gekennzeichnet durch die Rücknahme der Shakti. Wird sie vergegenwärtigt, offenbart sie die unwandelbare höchste Wirklichkeit.

24.15 Die zur Schöpfung hervorgetretene Shakti nimmt die ganze Ausstattung zurück, die auf dem reinen und dem unreinen Weg entstanden ist, und kehrt zur Sonne, dem ewigen Purusha, zurück.

24.16 Nachdem sie sich so in den höchsten Erfahrenden zurückgezogen hat, geht sie aus dem groben Zustand heraus, dessen Wesen Feuer und Soma ist.

24.17 Sie tritt in die mittlere göttliche Paarung ein, die aus Bindu und Nada besteht. Dann nimmt die Shakti Zuflucht zur feinen, göttlichen Paarung, deren Wesen Stille ist.

24.18 So gründet sie im göttlichen, alldurchdringenden höchsten Selbst. Die Kenner der Regel erklären für diesen Mantra dreieinhalb Lautzeitmaße.

24.19 Die drei Feuer, die drei Welten, die drei Veden, die drei Grundeigenschaften, die drei Götter, die drei Vyuhas, die drei gesellschaftlichen Klassen und die drei Tonhöhen —

24.20 welche Dreiergruppen auch immer in der Welt bestehen, Shakra: Sie gehören zu den ersten drei Zeitmaßen. Das halbe Zeitmaß ist unbefleckt.

24.21 Alle Wörter entstehen aus a, die Dreiheit der Lichtmächte aus u. Der Bereich von Erde bis Urnatur entsteht aus m, Purandara.

24.22 Das halbe Zeitmaß ist lichtvoll, die höchste aus Bewusstsein bestehende Kraft. Mit Vokalpaaren aus den ersten und letzten sechs Vokalen, jeweils mit Bindu am Ende,

24.23 und mit den sechs Eigenschaften, beginnend mit Erkenntnis, bildet man seine Gliedermantras. Am Nabel, Rücken, an Armen, Oberschenkeln, Knien und Füßen

24.24 setze man nochmals die Eigenschaften ein, denen jeweils Tara vorausgeht, Bezwinger Pakas. Nachdem der Lehrer so den Mantra samt Haupt- und Nebengliedern eingesetzt hat,

24.25 meditiere er im eigenen Körper den in ihm selbst wohnenden höchsten Purusha. Vernimm von mir, wie dabei zunächst Vishva und die weiteren Zustandsmächte aufgelöst werden.

24.26 Vishva ist der Herr des Wachzustandes, der alle Sinne in Bewegung setzt und die fünf Gegenstandsbereiche, beginnend mit dem Klang, erfährt.

24.27 Ihn, dessen Wesen Aniruddha ist, meditiere man als den ersten Laut. Diesen Gott samt seiner Ausstattung lasse man in a aufgehen.

24.28 Das a lasse man im Gott Taijasa, in Pradyumna, aufgehen, der im Traumzustand wirkt und die Tätigkeiten des inneren Organs antreibt.

24.29 Diesen Gott samt seiner Ausstattung lasse man in u aufgehen; das u wiederum im Herrn Prajna, der in der Gestalt Sankarshanas besteht,

24.30 im allgegenwärtigen Herrn des Tiefschlafzustandes, der Lebensatem und die übrigen Kräfte beständig bewegt. Diesen Herrn der Götter lasse man im halben Zeitmaß aufgehen, das im Vierten besteht,

24.31 im Gott Vasudeva, dessen Wesen Erkenntnis und Wonne ist. Dieses Vierte lasse man sodann im Jenseits des Vierten aufgehen, dessen Wesen Lakshmi–Narayana ist.

24.32 Nach dieser Auflösung nehme man selbst Zuflucht zur göttlichen Ichheit Vishnus. Ganz davon erfüllt, erreicht man eine solche Stätte der Auflösung; dann kehre man der Reihe nach zurück.

24.33 Nach der Rückkehr in den Wachzustand soll der gute Lehrer, ganz von mir erfüllt, den vor ihm stehenden eingeweihten Schüler selbst den Tara lehren,

24.34 ausführlich, samt der Folge seiner Haupt- und Nebenglieder und der Versenkung. Der Schüler gebe dem Lehrer sich selbst zusammen mit Besitz als Lehrgabe.

24.35 Nachdem er dessen Erlaubnis erhalten hat, vollziehe er das vorbereitende Wiederholungsritual. Er begebe sich an das Ufer eines großen Flusses, zu einem Heiligtum der Vollendeten oder einem vergleichbaren Ort,

24.36 oder in einen Palasha-Wald, dessen Ende nicht zu überblicken ist. Er bade zu den drei Tageszeiten, lebe enthaltsam und halte seine Sinne unter Kontrolle.

24.37 Einmal täglich nehme er entweder Milch, Gerstenspeise oder erbettelte Nahrung zu sich. Er sitze auf einem Haufen Kusha-Gras und schlafe auf Kasha-Gras, Rindenstoff oder Kusha-Gras.

24.38 Er trage einen Palasha-Stab und hülle sich in ein schwarzes Fell. Mit auf mich gerichtetem Geist, ganz von mir erfüllt, folge er dem vom Lehrer gewiesenen Weg.

24.39 Stets dem Yoga hingegeben, mit rechter Erkenntnis und Sammlung, wiederhole er schweigend eine Million Mal den Tara, der über den Kreislauf des Daseins hinüberführt.

24.40 Ein Zehntel dieser Zahl opfere er mit Blättern, Brennhölzern oder geklärter Butter ins Feuer. Zufriedengestellt offenbare ich mich ihm als Vishnus höchste Ichheit.

24.41 Dann erscheint im klar unterscheidenden Geist des Übenden jener eine Geschmack der Einheit, der Lakshmi–Narayana heißt.

24.42 Schon im Leben wird er befreit und heiligt die Welt durch seinen Blick. Alle weltlichen und vedischen Mantras werden für ihn wirksam.

24.43 Er wird einer, der in allen Veden, in sämtlichen Wissensgebieten, in allen Lehrsystemen und an allen heiligen Badeorten gebadet hat.

24.44 Wie viele Anwendungen aller Mantras es auch gibt und welcher Art sie sind: Ebenso viele und ebenso beschaffene Anwendungen besitzt dieser Mantra. So lautet die Feststellung.

24.45 Aus seinen drei Lauten entstehen die drei heiligen Weltenrufe. Aus deren Gliedern geht die alles reinigende Savitri hervor.

24.46 Aus deren Versgliedern entstehen die drei Veden: Rig, Yajur und Sama. Somit besteht alles weltliche und vedische Sprechen aus diesem Mantra.

24.47 Wie im Samen eines Banyanbaumes der große Baum enthalten ist, so ist diese ganze aus Sprache bestehende Welt stets in ihm enthalten.

24.48 Er ist die erste große Keimsilbe, der höchste Urgrund der Laute, das Klang-Brahman, die höchste Wohnstatt, das höchste große Heiligtum.

24.49 Omkara, Pranava, Tara, Hamsa, Narayana, Dhruva, Seele der Veden, Ursprung aller Veden, Aditya, Allreiniger,

24.50 Befreiungsspender, Weg der Befreiung, fähig, alles zusammenzuhalten — solche und weitere Namen

24.51 des erhabenen Omkara, Namen von großer Heiligkeit, werden von den Kundigen in den verschiedenen Lehrschriften überliefert. Er ist die Zuflucht der Unwissenden und ebenso der Wissenden.

24.52 Er ist der Himmel für die, welche ihn suchen, das Boot für die, welche ans andere Ufer gelangen wollen. Aus der Verbindung des ha-Lautes mit dem o-Laut entsteht der „Prasada“ genannte Mantra.

24.53 Dieses ewige Lautgebilde ist die Zusammenfassung sämtlicher Wirklichkeitsprinzipien. Seine Verwirklichung, sein Verständnis, seine Anwendung und seine meditative Festhaltung —

24.54 all dies entspricht bei diesem Prasada dem Verfahren der Keimsilbe, Herr der Götter. Sein benennender Mantra ist der große Mantra namens Hamsa.

24.55 Den ersten Laut erkenne als den Erfahrenden, den zweiten als das Erfahrbare. Der erste Laut besteht aus Narayana, der zweite aus Shri.

24.56 Diese beiden ewigen Laute erkenne als Feuer und Soma. Zwischen ihnen, Shakra, befinden sich die beiden Bindu-Beschaffenheiten.

24.57 Man führe den Laut des Erfahrenden von der Grundlage bis zum Scheitel empor. Den zweiten Laut, der das Erfahrbare heißt, lasse man aus dem Mund ausströmen.

24.58 Durch die Anwendung der Hamsa-Äußerung wird die ganze Schöpfung vollzogen. Diese an allen Gliedern schöne heilige Lautkraft wird Ajapa, „nicht eigens rezitiert“, genannt.

24.59 In den mit „achtzig Koti, vermehrt um vierundsechzig“ gezählten Geburtsformen und ihren Unterteilungen äußert sich dieser Mantra beständig von selbst.

24.60 Gemeinsam mit dem Ausatmen steigt die innen leuchtende Lautkraft auf. Ihr Aufgang und Untergang entsprechen Einatmen und Ausatmen.

24.61 Sechzig Atemzüge bilden eine Prana-Einheit; sechs Prana-Einheiten gelten als eine Nadika. Sechzig Nadikas bilden Tag und Nacht. So verläuft die Gliederung der Zeit.

24.62 Auf diese Weise erkenne aus dem Aufsteigen des Hamsa einundzwanzigtausend und sechshundert vollzogene Wiederholungen, Herr der Götter.

24.63 Der Einsichtige soll jedoch zu Beginn des Tages bewusst den Entschluss fassen: „So viele Wiederholungen dieses Mantras werde ich vollziehen.“

24.64 Man setze auch die fünf Gliedermantras ein. Vernimm ihre Gestalt: Sonne und Soma im Dativ, verbunden mit den Abschlüssen „Verehrung“ und svaha,

24.65 die unbefleckten und erscheinungsfreien Formen mit den Abschlüssen vaushat, hum und phat. Der Grundmantra selbst, mit phat am Ende, bildet die Waffe. Dies sind seine fünf Glieder.

24.66 Derselbe Mantra in umgekehrter Folge gilt als Mantra des höchsten Selbst. Man vergegenwärtige sich die Shakti samt ihrer Ausstattung und führe sie in die Sonne, den Erfahrenden, ein.

24.67 Das Übrige meditiere man wie beim Pranava. So lautet das Verfahren des benennenden Mantras. Nach der Pancharatra-Regel gehören drei Wortmantras zu ihm:

24.68 „Verehrung Vishnu“, „Verehrung Narayana“ und der Mantra, in dem zuerst „Verehrung dem Erhabenen“ und danach „Vasudeva“ steht.

24.69 „Sieg ist dein, Lotusäugiger! Verehrung dir, Hervorbringer der Welt! Verehrung sei dir, Herr der Sinne, großer Purusha, Erstgeborener!“

24.70 Dies ist der vierte Wortmantra des Pranava, Purandara. Die Kenner der Überlieferung kennen diese Mantras jeweils mit vorangestelltem Om.

24.71 Mit den Lauten, verbunden mit den Eigenschaften von Erkenntnis an, mit Om am Anfang und „Verehrung“ am Ende, werden die Hauptglieder gebildet; ebenso bildet man die Nebenglieder.

24.72 Bei einem Mantra mit zu wenigen Lauten sind die Nebenglieder mit seinem letzten Laut zu bilden, jeweils verbunden mit dem Wort für die betreffende Eigenschaft.

24.73 Ebenso bilde man bei einem lautreichen Mantra mit sämtlichen nach dem zwölften verbleibenden Lauten gemeinsam das letzte Nebenglied, verbunden mit der Leuchtkraft.

24.74 Der Tara allein und die vier mit ihm beginnenden Mantras: Diese fünf werden im Pancharatra die alldurchdringenden Mantras genannt.

24.75 Nichts gibt es hier, das durch diese erhabenen Mantras nicht zu verwirklichen wäre. Sie sind die Leiter mit fünf Sprossen zum Aufstieg zum höchsten Brahman.

24.76 Diese göttliche große Wirklichkeitsmacht, die Fünfheit der Mantras, besteht aus mir. Wer durch Verehrung, Wiederholung und Meditation ganz bei ihr Zuflucht nimmt, erlangt seine eigene zu Vishnu gehörende Wirklichkeit und erreicht das höchste Brahman.

So endet im Lakshmi Tantra, der Essenz des Pancharatra, das vierundzwanzigste Kapitel: Offenbarung des Tara.

Text- und Praxishinweis: Die Zahl in 24.59 ist in der vorliegenden Überlieferung ungewöhnlich formuliert; sie wird hier weder als die bekannte Zahl von 8,4 Millionen Geburtsformen ausgegeben noch ohne Beleg emendiert. Dagegen ergibt die Rechnung in 24.61–62 ausdrücklich 21.600 Atemwiederholungen pro Tag und Nacht. 24.64–65 verwendet verschlüsselte Lautbezeichnungen; die Übersetzung ergänzt daraus keine vermeintlich vollständige Ritualformel. Die asketischen Vorschriften in 24.35–40 sind die historische Praxisanweisung des Textes.


Kapitel 25 – Die Lautnamen und die beiden hinüberführenden Kräfte

Sanskrit IAST: Kapitel 25 · Devanagari: Kapitel 25

Shri spricht:

25.1 So habe ich dir, Shakra, den Taraka ausführlich erklärt. Höre nun die Folge meiner Gestalt Tarika, die über den Daseinskreislauf hinüberführt.

25.2 Vernimm zuerst die Namen der Laute, damit ihre rituelle Anwendung gelingt. Wenn man sie ordnungsgemäß vernommen hat, kann das Mantraverfahren beginnen.

25.3 Der a-Laut heißt der Unermessliche, der Erste, der Durchdringende. Der lange a-Laut heißt Urgott, Wonne und Beschützer.

25.4 Der i-Laut heißt Rama, der Entflammte und der Erwünschte. Der lange i-Laut heißt Fünf-Bindu, Vishnu und Maya, Purandara.

25.5 Der u-Laut heißt Welt, der Ungebändigte und Aufgang. Der lange u-Laut heißt Kraft, Weltenherr und Träger der Einsicht.

25.6 Der vokalische r-Laut heißt Wahrheit, Wohnstatt der Weltordnung und Elefantenhaken. Der folgende vokalische r-Laut heißt Ausbreitung, Flamme und Entfaltung.

25.7 Der vokalische l-Laut heißt Zeichenwesen, der Erhabene und Hinüberführer. Der lange vokalische l-Laut heißt Langnasiger, Gottgegebener und Virat.

25.8 Der e-Laut heißt Dreieck, Weltschoß und Gestaltloser. ai heißt Herrschermacht, Yogabegründer und Airavana.

25.9 Der o-Laut heißt Durchwobener Leib, Reisbrei und Ausschreitender. au heißt Aurva, Bergträger und Heilpflanzenwesen.

25.10 Der Nasallaut heißt Geber der Herrschaft über die drei Welten, Durchdringender und Raumherr. Der Hauchlaut heißt Ausströmung, Schöpfungsvollbringer und höchster Herr.

25.11 ka heißt Lotus, der Furchtbare und höchste Urnatur. kha heißt Zwergleib, Vedenwesen und Weltenhervorbringer.

25.12 ga heißt Krankheitsvernichter, Govinda und Keulenträger. gha heißt Strahl der Weltordnung, der Kraftvolle und der Leuchtende.

25.13 Der gutturale Nasallaut heißt Einhauer, Wesen der Geschöpfe und Hervorbringer der Geschöpfe. cha heißt der Bewegliche, Radträger und Mondstrahl.

25.14 Das behauchte cha heißt Herr der Versmaße, Täuschungsvernichter und Versmaß. ja heißt Geburtsvernichter, Unbesiegter und Ewiger.

25.15 jha heißt Fisch, Samansänger und Samanrezitator. Der palatale Nasallaut heißt Herr, Höchster und Träger der Wirklichkeitsprinzipien.

25.16 Das retroflexe ta heißt Mondbesitzer, Freude und Erquicker der Welt. Das retroflexe tha heißt Regenträger, Radkranz und Kaustubha.

25.17 Das retroflexe da heißt Stabträger, Keulenbewaffneter und Ungebrochene Tatkraft. Das retroflexe dha heißt Allgestaltiger, Rechtschaffener und Zerschmetterer.

25.18 Das retroflexe na heißt Furchtlosigkeitsspender, Lehrer und Vaikuntha. Das dentale ta heißt Palmzeichen-Träger, Vairaja und Kranzträger.

25.19 Das dentale tha heißt Bogenträger, Weltenhüter und Allhemmer. Das dentale da heißt Raumgewährer, Bezwinger und Friedensspender.

25.20 Das dentale dha heißt Träger des Sharnga-Bogens, Erhalter und Madhava. Das dentale na heißt Nara, Narayana und Weg.

25.21 pa heißt Lotusnabel, Reiniger und Westgesichtiger. pha heißt Erblühtes Auge, Pflugträger und der Weiße.

25.22 ba heißt Vamana, der Kleine und Vollgliedrige. bha ist als Bhallataka, Erfolgsspender und Beständiger zu kennen.

25.23 ma wird als Zermalmer, Zeit und Urmaterie bezeichnet. ya heißt Vierfacher Gang, der überaus Feine und Muschelhorn.

25.24 ra heißt Träger sämtlicher Welten, Feuer und Zeitenfeuer. la heißt der Erwachte, Erdherr und Herr des Purusha.

25.25 va heißt Varaha, Träger des Unsterblichkeitstranks und Varuna. Der palatale Zischlaut heißt Heilbringer, der Stille und weißer Lotus.

25.26 Der retroflexe Zischlaut heißt Narasimha, Feuergestalt und Lichtmacher. sa heißt Unsterblichkeitstrank, Sättigung und Soma.

25.27 ha heißt Sonne, Lebensatem und höchstes Selbst. ksha heißt Herr des Unendlichen, Ende der Lautgruppen und Garuda.

25.28 So habe ich die sämtlichen Namen der Laute genannt. Die Laute sollen wiederum vorwärts und rückwärts aufgezählt werden.

25.29 Name und Zahl eines Lautes sind dabei gemeinsame Kennzeichen, verständiger Shakra. Alle diese Laute sind Bewusstseinsanteile mit strahlender Gestalt.

25.30 Von Lakshmis Kraft gestärkt sind sie die Ursache aller Mantras. Werden die Laute unter ihren Namen ehrerbietig gepriesen, verehrt und meditiert,

25.31 gewähren sie höchste Fülle und lassen Erkenntnis wachsen. Bei der Entstehung der Mantras werden sie gegenseitig zu Gliedern voneinander.

25.32 In dieser beweglichen und unbeweglichen Welt gibt es nichts, das nicht durch sie hervorgebracht wäre. Zwar sind die höchsten göttlichen Gestalten der Mantras ewig;

25.33 dennoch meditiert man sie als durch solche Laute gebildet. Entsprechend der Darlegung der Lehrschrift werden die Mantras dadurch mit voller Wirkmacht ausgestattet.

25.34 So werden sie auch zu Stützen der Gedanken, Verständiger. Wie man im ungeteilten Raum gedanklich eine Teilung setzt,

25.35 so stellt man sich zur Erleichterung die Lautgliederung eines Mantras vor. Nachdem man die Durchdringung innerlich verwirklicht hat, vollziehe man die dreifache Verehrung der Laute:

25.36 auf dem Boden, im Lotus und am Leib der Göttin. Dann leite man die Mantras her. Man nehme das höchste Selbst und verbinde es mit dem Zeitenfeuer.

25.37 Darin setze man Maya ein, verbunden mit dem Geber der Herrschaft über die drei Welten. Dies ist die höchste zu Vishnu gehörende Shakti, die alle Wünsche erfüllt.

25.38 Sie ist vollkommene Wirklichkeit, Bewusstsein und Wonne, meine ununterbrochene Gestalt. Sie ist jener höchste feste Grund, der den Brahmankundigen unwandelbar ist.

25.39 In ihr gegründet treten die Wahrheitskenner in das aus mir bestehende Brahman ein. Sie wird von den hervorragendsten Wirklichkeitskennern in den verschiedenen Lehrschriften meditiert.

25.40 In ihr ist die Welt, die aus Wort und Bedeutung besteht, längs und quer verwoben. Durch sie werde ich, die Ewige, von den Samkhya-Kundigen stets erfasst.

25.41 Durch sie werde ich von den in Versenkung Weilenden im Samadhi gesammelt. Durch sie werde ich von den Shaivas als die letzte der sechsunddreißig Wirklichkeitsstufen bezeichnet.

25.42 Ebenso bin ich durch sie die große Königin und die höchste Dreiheit der Veden; im Gefüge von Rig, Yajur und Sama sowie in der Sonnenscheibe werde ich meditiert.

25.43 Durch sie bestimmen die Kenner des Lokayata mich als junge Frau, reich an Schönheit, schön an sämtlichen Gliedern.

25.44 Die Kenner der Lehre vom augenblicklichen Vergehen meditieren mich als gegenstandsfreies Bewusstsein. Die Anhänger der Arhats nennen mich durch sie stets Yakshi.

25.45 Höchste, hinüberführende Kraft, Retterin, Gestalt der Tarika, Lakshmi, Padma, Mahalakshmi, Tara, Gauri, Unbefleckte,

25.46 Herzensschrift, im höchsten Selbst ruhende Shakti, Weltenherrin, Bewusstseinskraft, Friedensgestalt, Erklingende, aus dem Klang Entstandene,

25.47 Wunschkuh, große Kuh, Weltschoß, Nachtglanz — solche und weitere Namen

25.48 der Tarika werden von den Einsichtigen in den Lehrschriften und von den Gelehrten in den Veden erklärt. Als eine andere ihrer Gestalten soll man Anutarika erkennen.

25.49 An die Stelle des zuvor verwendeten Lautes „höchstes Selbst“ setze man „der Stille“. Alles Übrige bleibt gleich. Dies ist meine andere Gestalt, Anutarika.

25.50 Wie bei Tarika ist auch bei ihr die große Herrlichkeit zu erkennen. Diese beiden höchsten göttlichen Kräfte sind meine beiden Leiber, Purandara.

25.51 Was immer durch die eine verwirklicht werden kann, lässt sich auch durch die andere verwirklichen. Ihrem gegenseitigen Willen entsprechend treten die beiden in ein Verhältnis von Vorrang und Nachordnung und erfüllen den Übenden ihre ersehnten Ziele.

So endet im Lakshmi Tantra, der Essenz des Pancharatra, das fünfundzwanzigste Kapitel: Offenbarung von Tara und Anutara.

Lesehinweis: Die Namen in 25.3–27 dienen zugleich als Schlüssel für verschlüsselte Mantraanweisungen. Sie sind deshalb vollständig wiedergegeben; die exakten Lautzeichen stehen in den parallelen Sanskritartikeln. In 25.6 schreibt die Vorlage zweimal den kurzen vokalischen r-Laut; die zweite Position entspricht innerhalb der Alphabetfolge dem langen Laut. Die religionsübergreifenden Zuordnungen in 25.40–44 geben Lakshmis theologische Selbstauslegung innerhalb dieses Textes wieder.


Kapitel 26 – Offenbarung der sieben heiligen Lautkräfte

Sanskrit IAST: Kapitel 26 · Devanagari: Kapitel 26

Shakra spricht:

26.1 Höchstes Brahman, höchste Wohnstatt, auf dem Lotus Weilende, Lotusbekränzte! Verehrung dir, Lotusgeborene, Lotusgöttin, Hausherrin Govindas!

26.2 Göttin, diese beiden ewigen Gestalten von dir sind erklärt. Gibt es zwischen ihnen noch einen Unterschied hinsichtlich ihrer feinen Natur?

Shri spricht:

26.3 Am Anfang ist die eine höchste Wirklichkeit, deren Wesen Lakshmi–Narayana ist: die vollkommene, still ruhende Fülle der sechs Eigenschaften, klares und völlig freies reines Bewusstsein.

26.4 Ich bin ihre höchste Shakti, die ihr in allen Zuständen folgt, jene höchste göttliche Göttin, die als grob, fein und höchst bezeichnet wird.

26.5 Diese beiden Kräfte, Tarika und Anutarika, sind meine beiden Leiber. Beide melken sämtliche Wünsche, Purandara.

26.6 Beide gelten als göttlich, beide als höchste feste Gründe. Beide gelten als sämtliche Daseinsformen; beide sind Vishnus Geliebte.

26.7 Wer beide meditiert, gelangt zum höchsten Ziel. Vernimm jedoch die höchste feine Wahrheit, die ich dir nun sage.

26.8 Zuerst das höchste Brahman, dann die stille Gestalt, dann Nada: So ist die Folge. Überall bin ich gegenwärtig, als Schließen und Öffnen.

26.9 Das erste höchste Brahman ist fein, seine Shakti ruht still. In ihm gegründet entfaltet Tara einen weit ausgedehnten Weg.

26.10 In jener Öffnung des seienden Brahman, des höchsten Selbst, deren Wesen Seiendes und Seinsmacht ist, gründet Tarika.

26.11 Beim Herabsteigen des Brahman durch den Wunsch zu erschaffen besteht die stille Gestalt. In diesem „Still“ genannten Zustand, in dem die Seinsmacht überwiegt, wohnt Anutarika.

26.12 Beim zweiten Herabsteigen besteht die machtvolle Seinsweise namens Shakti. Dort stehen die Keimsilben Vagbhava und die weiteren, Vasava.

26.13 So weit reicht der Unterschied dieser beiden, den ich dir als Gegenstand feiner Einsicht erklärt habe. Höre nun meine Darlegung der Keimsilben Vagbhava und der übrigen.

26.14 Man entnehme den Laut „Herrschermacht“, verbunden mit dem „Geber der Herrschaft über die drei Welten“. Diese Keimsilbe wird Jagadyoni, „Weltschoß“, und Vagbhava, „Ursprung der Sprache“, genannt.

26.15 Dies ist die Kundalini-Shakti, in der die Welt eingerollt liegt. Vernimm, wie dies in der Gestalt der Klangkraft besteht.

26.16 Der lange i-Laut ist Maya, die höchste Shakti, der unbefleckte Weltschoß. Sie ist Shri, die Hausherrin des Hausherrn, des Unermesslichen.

26.17 Vor sie setze man mit feinem Blick den kurzen i-Laut. So ist alles Erwünschte, jedes Seiende, darin gegründet.

26.18 Vor dieses meditiere man mit feinem Blick die Wonne; vor diese wiederum setze man mit feinem Blick den Unermesslichen.

26.19 Diese Kraft ist der Weltschoß, strahlend durch den Geber der Herrschaft über die drei Welten. Aus dem unermesslichen, anfangs- und endlosen, alldurchdringenden höchsten Selbst

26.20 geht die alle Wesen bewahrende, ganz von Wonne erfüllte Shakti hervor, ausgestattet mit den aus dem i-Laut entstehenden Gestalten von Wille, Erkenntnis und Tätigkeit.

26.21 Die Göttin schenkt Herrschaft über die drei Welten; sie ist Vishnus Gemahlin und Mutter der Welt. So meditiere man die Lotusgöttin als die Bedeutung der Jagadyoni-Keimsilbe.

26.22 Lust wird in der Welt Spiel genannt, und Spiel ist meine Tätigkeit. Entzünden und Erleuchten bezeichnen Erkenntnis; auch der Wille wird durch den i-Laut angezeigt.

26.23 Die Dreiwelt besteht aus den drei Welten; diese sind die dreifach befindlichen Seelen. Weil sie ihnen Herrschaft verleiht, heißt sie „Geberin der Herrschaft über die drei Welten“.

26.24 Nachdem ich durch den Unermesslichen und die weiteren Kräfte die Welten auf dem Weltenweg ausgebreitet habe, kehre ich wiederum in eben diesen höchsten Raumherrn, das höchste Selbst, zurück.

26.25 Darin ruhe ich als die Höchste. So sind mein Aufgang und Untergang. Von dieser Art ist die große heilige Lautkraft Jagadyoni, die Mutter der Rede.

26.26 Die fünfte Lautkraft ist die Wünsche gebärende, auch Kama-Keimsilbe genannt, die höchste Kraft Pradyumnas. Vernimm ihre Gestalt.

26.27 Das mittlere der Guna-Prinzipien, das als Westgesichtiger bezeichnet wurde, färbt Sattva und Tamas und wird selbst durch eine geringe Erfahrung gefärbt.

26.28 Sie ist die höchste Urnatur namens ka, welche die Ordnung der Welt hervorbringt. Durch die Verbindung mit dem Herrn des Purusha macht sie sich zur Schöpfung bereit.

26.29 Sie lässt die drei Gestalten Unentfaltetes, Purusha und Herr erscheinen. Als Göttin Maya und Shri gründet sie danach wieder im Raumherrn.

26.30 Damit sind dir Gestalt und Wirkmacht der Kama-Keimsilbe erklärt. Höre nun meine Darlegung der sechsten heiligen Lautkraft, der Sarasvati zugehörigen.

26.31 Ich bin der Träger der Einsicht, Shakra, der Geburtsgrund höchster Erkenntnis. Als Mutter der Einsicht bin ich mit dem Aufgang Vishnus verbunden.

26.32 Vor sie setze man mit feinem Blick die Wonne; davor meditiere man mit feinem Blick den Unermesslichen.

26.33 Aus dem Unermesslichen aufgegangen bin ich heilvoll und von großer Wonne erfüllt, die Grundlage der Einsicht; dann gründe ich wieder im Raumherrn.

26.34 Zur Verbindung mit erneuter Ausströmung gehe ich zum höchsten Herrn. So ist die sechste heilige Lautkraft nach Klang und Bedeutung für dich hergeleitet.

26.35 Diese aus drei Keimsilben bestehende Lautkraft heißt Tripura. In umgekehrter und in gewöhnlicher Folge verleiht sie auch Gleichheit mit dem Selbst.

26.36 Diese Lautkraft wird Wunschkuh genannt, wenn sie durch Wiederholung, Feueropfer und anderes verwirklicht ist. Durch Verbindungen von Konsonanten und Vokalen kennt man viele ihrer Formen,

26.37 welche einzeln und verbunden die vier menschlichen Lebensziele bewirken. Die siebte Lautkraft ist Mahalakshmi; sie verwirklicht alles.

26.38 Man nehme die höchste Urnatur und verbinde sie mit dem Lichtmacher. Nachdem man sie mit dem Zermalmer verbunden hat, verbinde man sie mit dem Zeitenfeuer.

26.39 Man schmücke das Lautgebilde mit Maya und füge am Ende den Durchdringenden hinzu. Damit ist dir die Mahalakshmi-Keimsilbe erklärt, Purandara.

26.40 Durch meinen eigenen Glanz ziehe ich den entfalteten Zustand an mich. Ich trete auf die Ebene der Urmaterie und lasse die Dreiheit der Gestalten erscheinen.

26.41 Nachdem ich das gesamte Dasein hervorgebracht habe, gründe ich im Raumherrn. So soll der Übende beim Wiederholen diese Keimsilbe meditieren.

26.42 Diese Lautkräfte, beginnend mit Anutara, sind als Strahlen der Tarika-Gestalt zu erkennen. So besteht dieses Ganze aus Tarika.

26.43 Wer diese Tarika-Lautkraft der Regel entsprechend verehrt, erlangt unerschöpfliche Freuden in dieser und in der jenseitigen Welt.

So endet im Lakshmi Tantra, der Essenz des Pancharatra, das sechsundzwanzigste Kapitel: Offenbarung der sieben heiligen Lautkräfte.


Kapitel 27 – Mantraverständnis und guter Lebenswandel

Sanskrit IAST: Kapitel 27 · Devanagari: Kapitel 27

Shakra spricht:

27.1 Verehrung dir, Herrin der Welt, Geliebte des Lotusäugigen, Herrscherin der gesamten Welt, Allwissende, Allhervorbringende!

27.2 Ich habe die höchste Wahrheit dieser heiligen Lautkräfte vollständig vernommen. Erkläre mir nun auch das Verfahren der Tarika.

Shri spricht:

27.3 Das ursprüngliche eine höchste Brahman ist allwissend, Sein und Bewusstsein. Durch seine eigene Kraft wirkt der göttliche Glanz Lakshmi–Narayana.

27.4 Ich bin seine höchste ewige Shakti, Ichheit genannt. Ewig trage ich seine Eigenschaften, makellos wie der Glanz der Sonne.

27.5 Seine fünf Tätigkeiten werden jederzeit allein durch mich vollzogen, die ich seine Öffnung bin, Sohn Aditis.

27.6 Meine göttliche höchste Kraft trägt stets meine Eigenschaften. Sie ist Hrillekha, die höchste heilige Lautkraft, meine eigene Gestalt, Purandara.

27.7 Empfange diese meine Erklärung mit stets aufmerksamem Geist, vertrauensvoll, hingegeben und ehrerbietig herangetreten.

27.8 Den man als höchstes Selbst alles Beweglichen und Unbeweglichen überliefert, als Ursache von Entstehung, Bestand und Auflösung, Sonne genannt,

27.9 als ewigen Antreiber, den ewigen Lebensatem: Ihn erkenne als den ersten Laut, ha, den höchsten Purusha.

27.10 Seine erste Öffnung umfasst die drei Welten, trägt sämtliche Welten, ist flammengestaltig und von keinem anderen zu ermessen.

27.11 Diese erkenne als den höchsten ewigen ra-Laut, dessen Wesen Leuchtkraft ist. Diese Öffnung selbst durchdringt den gesamten Gang des Daseins.

27.12 Sie trägt die fünf Tätigkeiten, die Bindu-Punkte der Schöpfung und der weiteren Vorgänge; sie ist die wunderbare Erkenntnis der Folge von Schließen und Öffnen.

27.13 Sie trägt die Entfaltungsfolge von Wille, Erkenntnis und Tätigkeit. Dies ist der ewige Bestand des Paares von kurzem und langem i.

27.14 So bin ich die Gestalt der höchsten Öffnung, weit ausgebreitet aufsteigend, Wille, Erkenntnis und Tätigkeit, Vollbringerin der fünf Tätigkeiten des Herrn.

27.15 Erkenne mich als vielfältig wunderbar, reines Bewusstsein und Glück, im höchsten Selbst bestehend, alldurchdringend, als Geliebte Vishnus.

27.16 Nachdem ich alle Tätigkeiten vollbracht habe, schenke ich Herrschaft über die drei Welten. Dann kehre ich in denselben Gott, den Raumherrn, das höchste Selbst, zurück.

27.17 Die gesamte Ausstattung nehme ich in mich auf und ruhe ungeteilt. Die Wirklichkeitskenner sprechen hier von fünf Formen dieser Lautkraft.

27.18 Höre, Herr der Götter, wie ich diese Formen erkläre. Eine ist die bereits genannte Gestalt, die mit dem Raumherrn endet.

27.19 Einige wünschen nach dem Raumherrn noch den höchsten Herrn. Andere lassen den Raumherrn weg und setzen die Urmaterie ein;

27.20 an deren Ende wünschen sie Bindu und Nada, dem Pranava entsprechend. Einige Verständige lehren allein die Urmaterie als Abschluss.

27.21 Andere, vedische Überlieferer, lehren den Schöpfungsvollbringer am Ende. So kennen die Kundigen fünf Gestalten der Tarika.

27.22 Ebenso gibt es solche Gestalten der im Stillen ruhenden Kraft, Herr der Götter. Beim Ende mit Urmaterie, mit Ausströmung oder mit Raumherr

27.23 und beim Ende mit Ausströmung nach dem Raumherrn — in diesen vier Formen bestehen höchste diesseitige und entsprechende höchste jenseitige Erfüllungen.

27.24 Beim Ende mit Urmaterie, Bindu und Nada besteht allein die Herrlichkeit der Befreiung. Nachdem der Lehrer so die höchste Stellung der Tarika innerlich erfasst hat,

27.25 lehre er einem Schüler von gutem Charakter, der das Wohl des Gurus und das Brahman erstrebt, diese Lautkraft, deren Gestalt das höchste Brahman ist.

27.26 Zuerst vollziehe er an sich selbst die Einsetzung an Händen, Körper und Gliedern; dann setze er sie am Körper des Schülers ein und lehre ihn den Mantra.

27.27 Mit innerer Vergegenwärtigung setze er den höchsten Mantra in das Herz des Schülers. Danach setze er den vorzüglichen Mantra wieder in sein eigenes Herz.

27.28 All dies vollziehe er nach Einweihung und Weihebegießung. Hat der verständige Schüler die heilige Lautkraft vom Lehrer empfangen,

27.29 gebe er als Lehrgabe sich selbst und seinen Besitz: alles, die Hälfte, einen Anteil oder so viel, wie den Guru zufriedenstellt.

27.30 Er bleibe in vedischem und geordnetem weltlichem Verhalten gegründet und sei gegenüber dem guten Lehrer, den ehrwürdigen Personen und den Brahmanen stets aufmerksam.

27.31 Gegenüber den vier Arten der Lebewesen übe er beständig Nichtschädigung. Stets mit den Tugenden des Selbst ausgestattet, halte er sich an die Kennzeichen des Dharma.

27.32 Durch heilsame Übergangsriten geläutert, vollziehe er die Pflichten gegenüber Göttern, Vorfahren und Gästen; er studiere die göttlichen Lehrschriften und vedischen Überlieferungen.

27.33 Mit einem Geist ohne Begehrlichkeit durchgehe er die Lehrsysteme und nehme hier und dort so viel Erkenntnis auf, wie dem Ziel dient.

27.34 Er verunglimpfe die Lehrschriften nicht, sondern gehe den Erkenntnisgründen nach. Seine täglichen Pflichten vollziehe er regelgerecht, nach der in den Schriften dargelegten Folge der Handlungen.

27.35 Vom Tagesbeginn durch Tag und Nacht bis zum Ende der Nacht lasse er die Zeit durch die vorgeschriebenen Handlungsfolgen beständig fruchtbar werden.

27.36 Stets den fünf Tagesabschnitten und den fünf Opfern hingegeben, schmücke er sich mit Selbstbeherrschung, Freigebigkeit, Wahrhaftigkeit und Gewaltlosigkeit.

27.37 Sorgfältig verwirkliche er diese Lautkraft auf dem vorgeschriebenen Weg. Mit heiterem Geist wirke er beständig für das eigene Wohl und das Wohl anderer.

27.38 Er wünsche allein die höchste Erfüllung und meide das Streben nach außergewöhnlichen Machtentfaltungen. Durch Denken, Blick und Sprache sei er allen Wesen heilsam.

27.39 Die vier den Geist klärenden Göttinnen, beginnend mit Freundlichkeit, pflege er. Frieden suchend widme er sich dem Opfer der Mantrawiederholung.

27.40 In der eigenen Aufgabe gegründet, bleibe er achtsam. Kommt es durch die Umstände zu einem Versäumnis, vollziehe er die jeweils angemessene Wiedergutmachung.

27.41 Mit Handeln, Denken und Sprechen nehme er beständig Zuflucht zu Janardana, dem Gott der Götter, und zu mir, die ich seine Eigenschaften teile.

27.42 Sieht er einen vorzüglichen Mann und eine Frau, erinnere er sich an mich. Stets verehre er das göttliche Paar und lasse die eheliche Gemeinschaft nicht zugrunde gehen.

27.43 Das vielfältige männliche und weibliche Wesen, ob im Wort oder im bezeichneten Gegenstand, erkenne er als jene Gestalt und erinnere sich an Lakshmi–Narayana.

27.44 Sieht er eine vorzügliche Frau voller Tugenden, Schönheit und Jugend, denke er mit begehrlichkeitsfreiem Geist allein an mich.

27.45 Gegenüber Frauen sei sein Geist stets geduldig; niemals spreche er verletzend. Er vermeide Übergriffe und grüble nicht über bereits Geschehenes.

27.46 Entstehende Verfehlungen im Zusammenhang mit Frauen bereinige er durch Läuterungsmittel. Ob eine Frau einen gekrümmten Rücken, eine Beeinträchtigung oder irgendeine andere Lebenslage hat:

27.47 Er verachte sie nicht und tue für Frauen, was ihnen wohltut und mit der Lehre übereinstimmt. Ein Mensch, der so lebt und guten Wandel übt, wird frei von Befleckung.

27.48 Mir hingegeben, mein Wohlgefallen suchend, mich verehrend und ganz auf mich ausgerichtet, erreicht er die höchste Wohnstatt, jene höchste Stätte Vishnus.

27.49 So habe ich dir, Shakra, die höchste Stellung der Tarika und auch der anderen heiligen Lautkräfte erklärt. Was möchtest du noch hören?

So endet im Lakshmi Tantra, der Essenz des Pancharatra, das siebenundzwanzigste Kapitel: Offenbarung des guten Lebenswandels.

Übersetzungshinweis: Die knapp gefassten Wendungen zu Verfehlungen in 27.45–46 lassen die handelnde Person nicht überall eindeutig erkennen. Ihr Rahmen ist die Verpflichtung des Übenden zu Geduld, nichtverletzender Rede und Nichtverachtung; daraus wird hier keine moderne Verfahrensregel abgeleitet.


Kapitel 28 – Tagesordnung, Zuflucht und Meditation

Sanskrit IAST: Kapitel 28 · Devanagari: Kapitel 28

Shakra spricht:

28.1 Verehrung dir, Lotusbewohnerin! Verehrung dir, die du im Ziel der drei Veden wohnst! Durch deine Gnade habe ich den Mantra ordnungsgemäß samt seiner Versenkung vernommen,

28.2 ebenso seine sämtlichen Erkenntnisweisen und seine wirkliche Gestalt. Erkläre nun den Lebenswandel durch Tag und Nacht.

Shri spricht:

28.3 Einer ist der von Shri begleitete Narayana, anfangslos, lotusäugig, ein großer Ozean von Erkenntnis, Herrschaft, großer Kraft, unverminderter Wirksamkeit und Glanz.

28.4 Er ist das Selbst aller Wesen, Hamsa, Narayana, der Selbstbeherrschte. Ich allein bin seine Befähigungskraft und teile seine Eigenschaften.

28.5 Wieder und wieder vollziehe ich Schöpfung und die übrigen Zustände. Werde ich verehrt, führe ich alle über den Ozean des Werdens hinüber.

28.6 Durch rechtschaffenes Handeln zufriedengestellt, schenke ich mannigfache Freuden. Meine mit Sattva beginnende Gestalt ist ganz auf den guten Dharma gerichtet.

28.7 Dieser Dharma hat die Gestalt rechten Verhaltens; rechtes Verhalten ist sein Kennzeichen. Ich werde den Lebenswandel erklären, den die Guten bewahren.

28.8 Man verlasse den yogischen Schlaf und stehe im letzten Teil der Nacht auf. Dann nehme man Zuflucht zu Hrishikesha, dem Zuflucht gewährenden Hari, dem Gemahl Shris.

28.9 Das Wesen dieser Zuflucht habe ich dir schon erklärt, Herr der Götter. Höre es nochmals von mir, damit sie in dir fest werde.

28.10 Nach dem rituellen Wasserschlucken sammle man sich und vergegenwärtige den Waffenmantra in Feuergestalt. Man trete in ihn ein und wieder heraus, gereinigt durch den Glanz der Waffe.

28.11 Dann vollziehe man die Zuflucht mit ihren fünf Gliedern: „Feindseligkeit habe ich aufgegeben, Wohlwollen habe ich angenommen,

28.12 gegenüber allen Wesen, nach meiner Kraft und Einsicht. Für mich, der ich träge, von geringer Kraft und ohne vollständiges Wissen bin,

28.13 würden die von mir ausgeführten Mittel nicht aus eigener Macht hinüberführen. Deshalb bin ich hilfsbedürftig, gering, ohne Anspruch und ohne etwas Eigenes.

28.14 Hrishikesha wird in allen Lehrsystemen und auch im Vedanta zusammen mit Lakshmi, der Göttin in Gestalt des Mitgefühls, als Beschützer besungen.

28.15 Was immer ich nur schwer loslassen kann — Kinder, Gemahlin, Tätigkeiten und Weiteres —, all dies habe ich mitsamt mir selbst zu deinen Füßen niedergelegt, Gemahl Shris.

28.16 Sei meine Zuflucht, Gott der Götter, Herr, Gemahl Lakshmis!“ Für einen, der sich einmal so hingegeben hat, wird keine andere zu vollbringende Heilsleistung verlangt.

28.17 Für den Menschen, der frei von Heilsstrategien und schädigenden Wegen in der Mitte verweilt, wird wegen der Schwäche seiner Einsicht dennoch ein weiteres Mittel zugelassen.

28.18 Vernimm nun von mir den guten Lebenswandel. Beim Aufstehen wünsche man allen Wesen das Entstehen von Glück:

28.19 „Mögen alle Wesen auf dem klaren, makellosen Weg stehen! Mögen sie stets den Gemahl Shris verehren und in die höchste Stätte eingehen!“

28.20 Nachdem man den Wesen so in Gedanken und Worten aufrichtig Gutes gewünscht hat, reinige man den Körper entsprechend den Vorschriften der Dharma-Lehren.

28.21 Man verrichte die Reinigung regelgerecht und kaue das Zahnreinigungshölzchen. Danach schlucke man nach der Vorschrift rituell Wasser und reinige sich mit den vorgeschriebenen Läuterungsmitteln.

28.22 Man besprenge sich und verehre die Dämmerung, welche die drei Welten reinigt. Die dreifache Kraft in Gestalt von Sonne, Soma und Feuer besteht aus mir.

28.23 Als Göttin der Dämmerung wirkt sie zur Reinigung aller Wesen. Man verehre den höchsten Purusha im Innern der Sonne,

28.24 vollziehe das Feuerritual ordnungsgemäß und beschaffe dann die erforderlichen Mittel. Sind bereits Mittel vorhanden, soll der Verständige keine weitere Beschaffung betreiben.

28.25 Sieben rechtmäßige Arten des Vermögenserwerbs sind Erbschaft, Fund oder Gewinn, Kauf, Sieg, Anlage, Arbeit und Annahme einer Gabe von einem rechtschaffenen Geber.

28.26 Nach dem dreifachen, von der Lehrschrift vorgeschriebenen Bad vollziehe man die Reinigung der Elemente und danach das innere Opfer.

28.27 Mit reichlichen Gaben, die man selbst erworben oder von Schülern und anderen empfangen hat, verehre man mich, Vishnu oder uns beide entsprechend der Lehre.

28.28 Dies geschehe nach der achtgliedrigen Ordnung bis zum abschließenden Nachopfer. Am Nachmittag widme sich der Verständige dem sorgfältigen Selbststudium.

28.29 Er studiere die göttlichen Lehrschriften und vedischen Überlieferungen; zur Verwirklichung des Selbst gehe er die Lehrsysteme gründlich durch.

28.30 Mit begehrlichkeitsfreiem Geist, ohne Zuneigung und Abneigung, verachte er weder gedanklich noch sprachlich die höheren oder niedrigeren Lehrschriften.

28.31 Er nehme daraus so viel Sinn auf, wie seinem Ziel dient. Alle entfalten ihre Lehrschriften zum Wohl der Wesen.

28.32 Für die jeweils erreichte Entwicklungsstufe entfalten sie Heilsames. Am Anfang, in der Mitte und am Ende aller Lehrschriften

28.33 wird der von Shri begleitete Narayana auf die jeweils eigene Weise erklärt. Ich selbst, in Narayana ruhend, allwissend und alles sehend,

28.34 kenne die Ursachen des Leidens wie eine Ärztin. In Gestalt der jeweiligen Lehrer und anderer Vermittler bringe ich die verschiedenen Lehrschriften auf verschiedene Weise in Gang.

28.35 Entsprechend der jeweiligen Eignung gelten sie auf ihre Weise als Erkenntnismittel. Nirgends gibt es eine Lehrschrift, die völlig zu verwerfen wäre.

28.36 Überall ist Heilsames zu finden, wenig oder viel. Deshalb soll man keinen Hass hegen, sondern jeweils das dem Ziel Dienende aufnehmen.

28.37 In fremde Verpflichtungssysteme oder Einweihungen soll man dabei jedoch nicht eintreten. Danach verehre man die Abenddämmerung mit der halb versunkenen Sonne.

28.38 Nach Erledigung der Aufgaben am Feuer übe man Yoga: an einem abgeschiedenen, sauberen, störungsfreien und angenehmen Ort,

28.39 mit weicher Unterlage, bedeckt von Stoff, Fell und Kusha-Gras, innen und außen gereinigt; man selbst sei durch Selbstzügelung und die weiteren Yogaglieder geläutert.

28.40 Man nehme den Rad-, Lotus- oder Swastika-Sitz ein oder einen anderen, in dem der Geist Freude findet, und übe Druck auf die Bahnen der Nadis aus.

28.41 Nachdem man die Atemkräfte beherrscht und die Sinne durch Zurückziehen gemeistert hat, bemühe man sich um Konzentration und meditiere mich in tiefer Sammlung:

28.42 Lakshmi, unvergleichlich, nicht durch Benennungen erfassbar, frei von begrifflicher Aufteilung, unbefleckt, überall leicht zugänglich, in allen Bewusstseinsinhalten gegenwärtig.

28.43 Oder der Yogi meditiere die Höchste in sichtbarer Gestalt: mit den Handgebärden des Segens und der Furchtlosigkeit, einem Lotusinnern gleich, als Lotusgöttin mit Lotus in der Hand und glückverheißenden Merkmalen.

28.44 Oder als die auf Narayanas Schoß ruhende Göttin, in den einen Geschmack der Einheit eingegangen, aus Bewusstsein und Wonne bestehend; ebenso meditiere er den Gemahl Shris.

28.45 Die Yogawege sind vielfältig, Herr der Götter. Ergreife einen davon, zu dem du Hingabe und Vertrauen besitzt.

28.46 Bringe rechte Meditation hervor und tritt in Samadhi ein, worin Meditierender, Meditation und Meditationsgegenstand, diese drei, aufgehen.

28.47 Dann erstrahle ich allein als vollkommene ewige Ichheit. Wenn die Einheit in mir, dem großen Ozean des Bewusstseins, erreicht ist,

28.48 erscheint nichts anderes mehr; dann bin ich allein die Höchste. Wird man vom Yoga müde, wiederhole man den Mantra; wird man davon müde, übe man Yoga.

28.49 Dem, der sich Mantrawiederholung und Yoga widmet, werde ich rasch gnädig. So verbringe der Verständige die erste Nachtwache mit Wiederholung, Yoga und anderem.

28.50 Weiterhin im Yoga gegründet und den Geist darauf gerichtet, schlafe er zwei Nachtwachen. Im letzten Teil der Nacht stehe er auf und folge dem zuvor beschriebenen Verfahren.

28.51 So habe ich dir diese Verbindung von Aufgaben erklärt, Bezwinger Balas. Die fünf Tagesabschnitte verbringe man lückenlos mit Handlungen für den Erhabenen.

28.52 Der Eingeweihte, der die fünf Tagesabschnitte kennt, und der ganz dem Lakshmi-Mantra Hingegebene: Zwischen ihnen besteht hinsichtlich ihrer höchsten Ausrichtung kein Unterschied, Bezwinger Balas.

28.53 Beide gelten als meine Verehrer und gehen beim Ende des Körpers in mich ein. Wer sich Lakshmi hingibt, trage stets Rad und Lotus.

28.54 Er bleibe seiner eigenen Gemahlin treu und lebe stets in gezügelter Lebensführung. Er übe täglich meinen Mantra, mit auf mich gerichtetem Geist und ganz mir hingegeben.

28.55 Alle hohen und niedrigen Laute vergegenwärtige er in ihrem Bezug auf mich. Er kenne die Unterscheidung von Feuer und Soma sowie von Tätigkeit und Seinsmacht.

28.56 Er kenne das Grobe, Feine und Höchste ihrer Wirklichkeit entsprechend, die Regeln der Haupt- und Nebenglieder und die Verfahren der verschiedenen Handgebärden.

28.57 Er sei kundig in innerem und äußerem Opfer, Mantrawiederholung und Feueropfer; er kenne die verschiedenen vorbereitenden Wiederholungsriten und die Wahrheit von Vollendung und Verwirklichung.

28.58 Er kenne die Ordnung von Namen und Gestalten und die Verfahren ihrer Verwirklichung, die Grundlagen des Körpers und die Wahrheit des Yoga.

28.59 Ein solcher Mensch, der den Sinn der Lehre kennt, standhaft und verständig ist, gewaltlos, in Selbstbeherrschung und Freigebigkeit gegründet, verehre mich, Shri.

So endet im Lakshmi Tantra, der Essenz des Pancharatra, das achtundzwanzigste Kapitel: Offenbarung des guten Lebenswandels.

Die Vorlage wiederholt anschließend: „Hier endet das achtundzwanzigste Kapitel.“


Kapitel 29 – Feuer und Soma, Tätigkeit und Seinsmacht

Sanskrit IAST: Kapitel 29 · Devanagari: Kapitel 29

Shakra spricht:

29.1 Verehrung der auf dem Shrivatsa-Zeichen strahlenden Göttin, dem Bildgrund der mannigfaltigen Schöpfung der sechs reinen und unreinen Wege, der Stillung der Daseinsqual!

29.2 Erkläre mir wahrheitsgemäß die Unterscheidung von Feuer und Soma und die Ordnung von Tätigkeit und Seinsmacht in der Tarika-Lautkraft, Lotusgöttin.

Shri spricht:

29.3 Ich bin die zu Narayana gehörende Shakti des alldurchdringenden höchsten Brahman. Durch Entfaltung nehme ich die Gestalt des Pranava an.

29.4 Höre die Unterscheidung von Feuer und Soma in mir als Tarika sowie die richtige Ordnung von Tätigkeit und Seinsmacht, Freude der Götter.

29.5 Vishnus erste höchste Öffnung besteht aus Bewusstsein und den sechs Eigenschaften. Diese mit der gesamten Ausstattung versehene Shakti bin ich, wie ich dir bereits erklärt habe.

29.6 Nachdem ich die ganze Welt geschaffen habe, wirkt meine Gestalt beim Bemühen um ihren Schutz zweifach, unter Führung von Herrschermacht und Leuchtkraft.

29.7 Meine Gestalt ist in beiden Fällen die Fülle der sechs Eigenschaften: einmal mit hervortretender Leuchtkraft, einmal mit vorherrschender Herrschermacht.

29.8 Die Gestalt mit vorherrschender Leuchtkraft heißt Tätigkeitskraft. Diese Kraft heißt auch Feuer, weil sie alle Störungen verbrennt.

29.9 Die Gestalt mit vorherrschender Herrschermacht heißt Seinsfülle und Lakshmi. Diese von Herrschermacht bestimmte Kraft ist mein aus Soma bestehender Leib.

29.10 Die Tätigkeitskraft ist Feuer, weil sie alle Fehler austrocknet. Die andere, die Seinsfülle, heißt Soma, weil sie die Welt erquickt.

29.11 Beide entstehen durch Entfaltung aus mir, deren Wesen Wille, Erkenntnis und Tätigkeit ist. Ich selbst, die höchste Herrin, bin die Entfalterin mit dem Leib der sechs Eigenschaften.

29.12 Meine als Tätigkeit bezeichnete Kraft ist die von Glanz erhellte Fülle der sechs Eigenschaften. Aus ihr entstehen drei Entfaltungen: Sonnen-, Soma- und Feuerkraft.

29.13 Die erste von ihnen ist die höchste göttliche strahlende Sonnenkraft. Sie kreist unablässig und vollbringt die Aufgaben der Welt.

29.14 Erkenne ihre drei Gestalten: im eigenen Körper, im Bereich der Gottheiten und im Bereich der äußeren Elemente, Herr der Götter.

29.15 Im Körper bewegt sich die Sonnenkraft auf dem Pingala-Weg. Im äußeren Bereich wirkt sie als Licht.

29.16 Die göttliche Gestalt dieser Kraft wohnt in der Sonnenscheibe. Die Strahlen, die man in der Sonnenscheibe beschreibt,

29.17 erkenne als die Rig-Verse, erhitzend und von Sonnennatur. Die darin befindlichen Leuchtkräfte erkenne als die Saman-Gesänge.

29.18 Die höchste im Innern befindliche Kraft, die einen männlichen Leib angenommen hat, erkenne als den göttlichen, lieblichen, aus Yajus bestehenden Purusha:

29.19 den Herrn Shris mit Muschelhorn und Rad, mit vier kräftigen, edlen Armen, heiterem Gesicht, auf einem Lotussitz, lotusäugig.

29.20 Das Haupt dieses inneren Purusha wird als „zehn Opferpriester“ bezeichnet; seine Füße und Hände als „vier Opferpriester“, Herr der Götter.

29.21 Haar, Fleisch, Knochen, Mark und Blut heißen „fünf Opferpriester“; Brüste, Hoden, männliches Glied und der abwärts gerichtete Atem heißen „sechs Opferpriester“.

29.22 Die sieben Lebensöffnungen des Kopfes werden als „sieben Opferpriester“ bezeichnet. Seine Schönheiten sind die Opfergaben an die Priester; seine Gelenke gelten als Opferausstattung.

29.23 Seine Nadis sind die Göttergemahlinnen; Herz und Geist gehören den Opferpriestern. Sein Bewusstsein ist der Purusha-Hymnus, seine Shakti heißt Shri-Hymnus.

29.24 Omkara, Pranava und Tara sind sein ewiger geheimer Name. Die Rudra- und Shukra-Yajus sind seine groben Namen.

29.25 Wer diesen göttlichen, aus Yajus bestehenden Mantra-Purusha übt, wird auch von den Verfehlungen schädigender Äußerungen und magischer Angriffe befreit.

29.26 So strahlt die höchste Kraft als Dreiheit der Veden unter dem Namen Sonne am Himmel. Diese dreifache höchste Kraft ist als Sonnenkraft bekannt.

29.27 Unter dem Namen Savitri wirkt sie als Mutter der Veden. Ihr Grund ist der dreilautige Pranava; die drei Weltenrufe bilden ihre drei Nadis.

29.28 Die an ihrem Anfang stehenden Laute sind ihre Atemkräfte; das Hauptstück bildet ihre Krone. Ihre Laute umfassen die Prinzipien von Erde bis Purusha; ihr Leib ist Licht und Wonne.

29.29 Aus Brahman hervorgegangen, kehrt sie wieder in Brahman zurück. Sie ist die Mutter der Veden und die höchste Mutter der Laute.

29.30 In vorwärts und rückwärts laufender Folge wird sie somaartig und feuerartig genannt. Diese göttliche Savitri mit Sonnenleib ist eine aus mir bestehende Kraft.

29.31 Unter dem Namen Gayatri schützt sie den Singenden vor großer Furcht. Mit ihren Strahlen nimmt sie das Lebenswasser auf, das aus Erde, Flüssen und Lebewesen stammt,

29.32 hält es neun Monate in ihren Strahlen und lässt es dann wieder in die Wolken ausströmen. Die Sonnenkraft ist erklärt; höre nun die höchste Feuerkraft.

29.33 Auch meine Feuerkraft ist dreifach, Shakra. Eine ist himmlisch und hat Wasser als Brennstoff; eine andere auf der Erde hat irdische Stoffe als Brennstoff.

29.34 Im Leib hat sie die verzehrte Nahrung als Brennstoff. So ist die Feuerkraft dreifach. Sie besteht aus allen Gottheiten und heißt Mund der Götter.

29.35 Von denen gepriesen, die in den drei Lebenszielen stehen, heißt sie bei den Kundigen Trishtubh. Sie führt den Menschen, der ganz ihrer Rezitation hingegeben ist, durch Schwierigkeiten hindurch.

29.36 Die andere, die Soma-Kraft, wird ebenfalls dreifach genannt: eine besteht als Scheibe am Himmel, eine andere als Pflanzenkraft.

29.37 Eine bewegt sich als Unsterblichkeitskraft im Innern der Lebewesen durch Ida. Weil sie mit Anushtubh-Versen gepriesen wird, heißt sie Anushtubh.

29.38 Sie wird „Todesbezwinger“ genannt, die den Tod vernichtende heilige Lautkraft. Unter diesen Kräften in Gestalt von Sonne, Soma und Feuer, Purandara,

29.39 ist die Sonne als Bereiterin der Opfergabe bezeichnet, Soma als Opfergabe selbst; die Feuerkraft verzehrt die Gabe durch die Münder des Feuers und des Brahmanen.

29.40 Durch diese drei wirkt Tag und Nacht die gesamte Weltordnung. So ist die Tätigkeitskraft eine Entfalterin mit drei Entfaltungen,

29.41 meine unergründlich tiefe Kraft, hervorgegangen aus der Leuchtkraft, strahlend wie unermessliche Scharen von Sonnen, Monden und Feuern.

29.42 Sie wird zum Rad namens Sudarshana, das Feinde zerreißt, zur höchst strahlenden feurigen Waffe Vishnus.

29.43 Sie ist höchste Tatbereitschaft, welche die Lebensatemkräfte belebt. Aus ihr gehen sämtliche Waffen und Kräfte hervor.

29.44 Sie ist das wirksamste Werkzeug zur Ausführung von Haris fünf Tätigkeiten. Keine Tätigkeit des erhabenen Vishnu geschieht ohne sie.

29.45 Bei Vishnus Schöpfung wirkt sie als Entschluss und die weiteren Vorgänge. Beim Schutz und bei der Auflösung trägt sie einen aus dem Rad bestehenden Leib.

29.46 Diese höchste feurige Tätigkeitskraft Vishnus entsteht aus einem Anteil von mir. Sie steht in sechsfacher Weise alles durchdringend da, von Brahma bis zum Grashalm.

29.47 Höre zuerst von dem aus Lauten bestehenden Rad, Vasava. Das zum höchsten Herrn gehörende Paar Tarika–Taraka befindet sich an seiner Achse.

29.48 An der Nabe ruht die sechzehnfache Vokalreihe als Sonnen- und Mondglanz; die vierundzwanzig Laute von ka bis bha bilden die Speichen, die Laute von ma bis ha den Radkranz.

29.49 Die äußere Felge besteht aus dem umgebenden Feuer; das Ende der Lautgruppen ist dem Gesamtgebilde gleich. Dieses göttliche Lautrad bewegt sich auf dem Lautweg.

29.50 Das Kräfterad hat Erkenntnis als Achse, Shakti als Nabe und Herrschermacht als Speichen; die drei Eigenschaften von Stärke an bilden Radkranz und die weiteren Teile.

29.51 Das Prinzipienrad hat Vasudeva als Achse, den strahlenden Sankarshana als Nabe, Pradyumna als Speichen und Aniruddha als äußere Felge, Shakra.

29.52 Das Zustandsrad hat das Vierte und die übrigen Zustände an Achse, Nabe, Speichen und Kranz. Das Mantrarad hat dort Keimsilbe, Lautgebilde, benennenden Mantra und Wortmantra.

29.53 Beim Weltenrad ist Zeit die Achse, das Unentfaltete die Nabe; Mahat und die weiteren Prinzipien bilden sein Speichengerüst, Geist, Gehör, dessen Gegenstand und die weiteren Entfaltungen seinen Kreis.

29.54 Dieses letzte Rad reicht bis zu den Welten und ihrem Inhalt. In männlicher Gestalt trägt die Kraft diese sechs Räder in den Händen.

29.55 Sudarshana ist Vishnus Tätigkeitskraft inmitten des Rades. Höre ihre Vierheit: Keimsilbe, Lautgebilde, Wortmantra und benennender Mantra.

29.56 Zuerst nehme man Soma und setze den Lebensatem dahinter. Dann nehme man den Unsterblichkeitstrank und verbinde ihn mit dem Zeitenfeuer.

29.57 Darin setze man Feuer ein, danach Maya und zuletzt den Durchdringenden. Dies ist die Sudarshana-Keimsilbe, die Entfaltung meiner Tätigkeitskraft.

29.58 Diese göttliche Keimsilbe besteht aus sieben Lauten und schenkt große Fülle. Dasselbe ist das große Lautgebilde, wenn Maya und der Durchdringende fortgelassen werden.

29.59 Seine Gestalt gleicht zehntausend Zeitenfeuern und Sonnen, sein Klang Donnerkeilen und Gewitterwolken. Dieses fünflautige große Lautgebilde ist selbst für Götter und Dämonen schwer zu tragen.

29.60 Ein Reiner soll es einmal vergegenwärtigen; für den, dessen Sinne nicht beherrscht sind, ist es schwer zu vergegenwärtigen. Danach sind zur Beruhigung meine beiden Keimsilben, beginnend mit Tarika, zu bedenken.

29.61 Durch den Laut namens Zeitenfeuer im oberen Teil des Lautgebildes werden die Dämonenfürsten und beim Ende des Weltalters die Welten verbrannt.

29.62 Durch das Feuer in der zweiten Kraft wird das Feuer entfacht. Der Lebensatem belebt die Kraft, erfüllt vom Glanz des Unsterblichkeitstranks.

29.63 So ist dir die Gestalt des Lautgebildes erklärt, Vorzüglichster der Götter. Wird es an den entsprechenden Zwischenstellen mit fünf Durchdringenden versehen,

29.64 erhält es den Status eines benennenden Mantras, mit Dhruva am Anfang sowie Panzer und Waffe am Ende. An die ersten beiden Laute des Gebildes, Soma und Sonne, füge man jeweils den Durchdringenden an.

29.65 Am Ende des Soma-Feuer-Komplexes füge man einen Durchdringenden hinzu. Am Anfang und Ende des letzten Lautes sind ebenfalls Durchdringende vorgesehen.

29.66 Der Panzer verbindet Lebensatem, Kraft und Raum; er zermalmt die Bedrängnis durch Böses. Sankarshanas Auflösung am Weltende, die alles erfasst,

29.67 ist der phat-Laut; an dessen Ende steht der Freude bringende, beruhigende Laut. So gilt der aus der Ausdehnung des Lautgebildes bestehende Mantra als soma- und feuerartig.

29.68 Dieser mächtige Sudarshana-Mantra besitzt seine eigenen Laute als Glieder. Er verwirklicht die Erlangung himmlischer, atmosphärischer und irdischer Freuden.

29.69 Für die bei ihm Zuflucht Suchenden ist er ein Wunschbaum, Purandara. Ich gehe beständig aus Narayana zum Wohl der Welt hervor.

29.70 So habe ich dir, Bezwinger Vritras, meine Unterscheidung von Feuer und Soma erklärt, die Unterscheidung von Tätigkeit und Seinsmacht und die Gliederung der Tätigkeitskraft,

29.71 ebenso ihre Wirkmacht nach Keimsilbe, Lautgebilde und den weiteren Formen. Höre nun noch mehr über die große Fülle der Tätigkeitskraft, Shakra.

So endet im Lakshmi Tantra, der Essenz des Pancharatra, das neunundzwanzigste Kapitel: Offenbarung der Unterscheidung von Feuer und Soma.

Lesehinweis: „Zehn Opferpriester“ und die entsprechenden Zahlwörter in 29.20–22 bezeichnen zugleich vedische Formelsysteme. Die kosmische Körperdeutung wird nicht als anatomische Aussage behandelt. Die verschlüsselten Lautanweisungen ab 29.56 bleiben in ihrer erklärenden Form erhalten.


Die Bezwingerin Mahishas: Kapitel 9 deutet diese Erscheinung innerhalb der Lakshmi-Theologie.

Kapitel 30 – Das tausendspeichige Sudarshana-Rad

Sanskrit IAST: Kapitel 30 · Devanagari: Kapitel 30

Shri spricht:

30.1 Ich habe dir, Shakra, diese Tätigkeitskraft erklärt und ihre Durchdringung als Sonne, Soma und Feuer beschrieben.

30.2 Auch die Entfalterin habe ich dir unter den Bezeichnungen Keimsilbe und Lautgebilde erklärt. Vernimm nun ihre Gestalt als Wortmantra.

30.3 Die Verbindung von Unbesiegtem, Feuer und Ausströmung ist das erste Lautgebilde; die Verbindung von Lotus, Feuer und Ausströmung das zweite.

30.4 Die Verbindung von dem Weißen und den weiteren Lauten mit dem Freude bringenden Laut heißt das dritte Lautgebilde. Das vierte besteht aus Sonne, Kraft und Durchdringendem; durch dieses in der Mitte

30.5 folgen drei Waffen, dann „dem Zeitenrad“ und die dem Feuer liebe Abschlussformel. Mit Taraka am Anfang ist dieses Rad der König der Wortmantras.

30.6 Nichts ist durch diesen Mantra unverwirklichbar, Vasava. Wer seinen Geist ihm hingibt, geht keiner Niederlage entgegen. [Die Vorlage wiederholt die Versnummer 30.6.]

30.7 Den vorzüglichen sechslautigen Mantra habe ich dir bereits erklärt. Seine gesamte Wirkmacht werde ich nochmals darlegen, Vasava.

30.8 Wer das Rad ohne Namen und Gestalt, strahlend in der Herrlichkeit der sechs Eigenschaften, meditiert und den Mantra samt Keimsilbe wiederholt, wird von Bindung frei.

30.9 Der große sechslautige Mantra ist unmittelbar der Leib meiner Tätigkeitskraft; er steht im abschließenden Bereich des Atharvaveda und wird durch das Rad entfaltet.

30.10 Man vergegenwärtige das mächtige höchste Sudarshana-Rad, das aus den sechs Wegen besteht, strahlend mit seinen getrennten Teilen von Achse und Nabe an.

30.11 Die Mantralaute, beginnend mit dem Unsterblichkeitstrank, meditiere man an den Gliedern von der Achse an: Achse, Nabe, Speichen, Radkranz, äußerer Felge und deren Rand.

30.12 Die äußere Felge ist aus den Prinzipien von Urnatur bis zu den besonderen Elementen zusammengefügt. Maya, die gebärende Kraft und die Dreiheit der Gunas bilden den Radkranz.

30.13 Die Mantras bilden tausend Speichen, deren Enden durch den Zustandsweg gestaltet sind. Die Speichenenden liegen auf dem Vyuha-Weg; die Nabe besteht aus den göttlichen Kräften.

30.14 Der Lautweg reicht bis an die Achse. In der Mitte bin ich, die höchste Shakti. In mir ist das höchste Brahman, frei von Erfasstem und Erfasser.

30.15 In der Mitte meditiere man Tara, außen darum Tarika, darum die Tätigkeitskeimsilbe und darum den ersten Laut.

30.16 So ist in der Achsenhöhlung die Vierheit der Keimsilben der Reihe nach zu erkennen; an Nabe, Speichen und den weiteren Teilen stehen Sonne und die übrigen gemäß der schon genannten Ordnung.

30.17 Der aus h, r, s und r bestehende Lautkomplex verbindet sich auf tausendfache Weise mit Paaren aus Sonne und Zeitenfeuer, die durch den Unermesslichen und die weiteren Vokale unterschieden werden,

30.18 sowie mit ebenso vielen entsprechenden Paaren aus Unsterblichkeitstrank und Feuer. Zusammengefügt differenziere man die Laute von ka an durch die feuer- und somaartigen Vokale.

30.19 Unter Ausschluss von Sonne, Soma und Wind bleiben einunddreißig Konsonanten. So ergeben sich unmittelbar tausend minus acht Laute.

30.20 Die acht Keimsilben von Tara an seien dann mit dem genannten Lautkomplex verbunden. Sie stehen in den Zwischenrichtungen von Nordosten an sowie von der Feuer- bis zur Windrichtung.

30.21 Man lege zwei Linien an und teile die Fläche in vier Felder. In jedem Feld bilde man fünfmal fünfzig Speichen.

30.22 So entstehen tausend Speichen. Auf ihnen setze man die tausend Laute von Osten an bis nach Norden ein; dann auf den Ecklinien

30.23 der Reihe nach die vier zum Mantraweg gehörenden feurigen Kräfte: Jaya, Vijaya, Ajita und Aparajita.

30.24 Diese Mantragottheiten stehen auf den Linien von Südosten bis Nordosten. Der Sudarshana-Radkranz schließt die Speichen ab.

30.25 Zwischen Speichen und Radkranz befinden sich sämtliche Waffen, Vasava: vorn die vorantreibenden Waffen, Purandara,

30.26 und vorn auch die zurücknehmenden, ihre Häupter mit Waffen gekennzeichnet. Mit gefalteten Händen, kraftvoll, meditiere man sie gleichmäßig auf beiden Seiten.

30.27 Im Bereich des Radkranzes steht Mahalakshmi im Osten, Mahamaya im Süden und Sarasvati im Westen.

30.28 Im Norden erkenne man die Vernichterin des Dämonen Mahisha. Außen um diese herum stehen die drei Göttergestalten von Brahma an,

30.29 verbunden mit den Kräften des Vierten und der übrigen Zustände; darüber hinaus die Herabkünfte. Die vierundzwanzig Prinzipien von Urnatur bis zu den besonderen Elementen

30.30 stehen der Reihe nach im vorderen Teil der äußeren Felge. In ihrem mittleren Teil befinden sich die als Werkzeuge des Weltgeschehens dienenden Gottheiten.

30.31 Im letzten Teil stehen einzeln die Weltenbewohner samt ihren Welten, die im Innern des Welteis entstanden sind, beginnend mit Erde, Zwischenraum und Himmel:

30.32 sämtliche Berge von Meru an, die Flüsse von Ganga an, die Meere vom Milchozean an und die Inselkontinente von Jambu an,

30.33 alle Scharen der Himmelswagenbewohner, die Planeten von der Sonne an, die Mondstationen, Sterne und weiteren Lichtgestalten, Geister und Verstorbene.

30.34 Die dreiunddreißig Koti Götter, Purandara, hängen an der äußeren Felge wie Bienen an einer Honigwabe.

30.35 An den beiden Seiten der äußeren Felge kreisen zwanzigtausend Feuer, Herr der Götter: vorantreibende und zurücknehmende.

30.36 Die vorantreibenden Feuer gleichen tausend Zeitenfeuern, voll hervorbrechender Flammen; sie verbrennen Daityas und Danavas.

30.37 Die zurücknehmenden sind standhaft, still, tief und heiter, von scharfem Glanz. Auf meinen Willen beruhigen sie die vorantreibenden.

30.38 Am Ende des Sudarshana-Mantras steht die aus Sankarshana entstandene, höchst furchtbare Pflugwaffe, welche die vollständige Auflösung bewirkt.

30.39 Sie liegt quer am Rand des Radkranzes. Aus ihrer ersten Hälfte entstehen die vorantreibenden, aus ihrem oberen Anteil die zurücknehmenden Feuer.

30.40 Diese vorantreibenden und zurücknehmenden Kräfte bestehen aus Feuer und Soma; sie entstehen aus der feuer- und somaartigen Waffe, und aus ihnen die Folge der Waffen.

30.41 Höre von den zwanzigtausend Gestalten dieser verschiedenartigen Feuer. Wer sie vergegenwärtigt, überquert den schrecklichen Ozean der Bedrängnisse.

30.42 Der Träger sämtlicher Welten, verbunden mit Vierfachem Gang, Kraft und Bindu, bildet ein Lautgebilde mit Tara am Anfang; es heißt Leib der ersten Feuer.

30.43 Der Träger des Unsterblichkeitstranks, verbunden mit Feuer, Kraft und Bindu und mit Tara am Anfang, bildet das Lautgebilde, das als göttlicher Leib der zurücknehmenden Feuer bezeichnet wird.

30.44 Man teile die äußere Felge zehnfach nach Zeit, Purusha, Unentfaltetem und den sieben entfalteten Prinzipien. Mit den jeweils vorangestellten Lauten ihrer Gestalten,

30.45 von Osten an, mit Vokalen am Anfang und Ende, mit Sonnen-Feuer-Paaren, den Konsonanten von ka an und den acht führenden Keimsilben

30.46 schreibe man die Gestalten der vorantreibenden Feuer, mit Tara und „Verehrung“ als Abschluss. Ebenso schreibe man mit Paaren aus Unsterblichkeitstrank und Feuer die zurücknehmenden Gestalten.

30.47 Von jedem Feuer meditiere man sieben Flammen, furchtbare und stille, der Reihe nach durch die ersten sieben Vokalpaare unterschieden.

30.48 Sie entstehen aus Sonnen-Feuer-Paaren beziehungsweise Paaren von Unsterblichkeitstrank und Feuer. Ende der Lautgruppen, Urmaterie, Erfolgsspender, Vamana,

30.49 der Weiße, Träger der Prinzipien, Fisch, der Ewige, Herr der Versmaße und Radträger sind die Laute von der Zeit an, jeweils mit Bindu.

30.50 Vier göttliche Gestalten stehen auf den Linien zwischen Nabe und Speichenenden. Rings auf den Speichen sind die Götter von Keshava an angeordnet.

30.51 Bis Damodara meditiere man sie mit ihren jeweiligen Zeichen von Lotus an. Auf den Linien zwischen Speichen und Radkranz stehen sämtliche Gottheiten von Padmanabha an.

30.52 Alle Götter sind jeweils mit ihren eigenen Shaktis verbunden. Im Osten steht die Göttin Kamala, im Süden die strahlende Kirti,

30.53 im Westen Jaya und im Norden Maya. Jede ist von einer Koti Shaktis umgeben.

30.54 Sie bewohnen beständig das tausendspeichige Sudarshana. Das anfangs- und endlose Zeitenrad wird als sein Glanz bezeichnet.

30.55 Es ist fünffach gegliedert: Jahr, Jahreszeiten, Monate, Monatshälften sowie Tag und Nacht bilden Achse, Nabe, Speichen, Kranz und Rand.

30.56 Durch das Zeitenrad werden die zweimal fünf Prinzipien von Purusha an getragen. Durch das tausendspeichige Rad, schön mit Radkranz, Speichen und äußerer Felge,

30.57 werden die sechs Wege getragen, beginnend mit Lauten, Prinzipien und Kräften. Der aus sämtlichen Prinzipien bestehende Leib Vishnus, des höchsten Purusha,

30.58 wird durch dieses im Nabelgrund befindliche tausendspeichige Rad getragen und gedreht, gleichsam auf die höchste Vorrichtung gesetzt.

30.59 Durch dieses Rad werden Rakshasas, Daityas und Danavas vernichtet. In der Gestalt vielfältiger Mantras und fest in seinem Innern stehend,

30.60 zerstört es Feinde unmittelbar durch bloße Vergegenwärtigung. Wenn Menschen dieses tausendspeichige Rad unablässig üben,

30.61 beseitigt es augenblicklich sämtliche Fehler der leidvollen Triebkräfte und der karmischen Ablagerungen. Keimsilbe, Lautgebilde, benennender Mantra und Gestalt bilden eine Vierheit.

30.62 Diese entfaltet das anfangs- und endlose tausendspeichige Rad. Nachdem sie durch Sonne, Mond und Feuer die ganze bewegliche und unbewegliche Welt durchdrungen hat,

30.63 schafft, schützt und vernichtet die erste feurige göttliche Gestalt, die Tätigkeitskraft, in der Form des tausendspeichigen Rades.

30.64 Diese Tätigkeitskraft ist durch die Entfaltungen Sonne, Mond und Feuer gegliedert. Sie ist dir erklärt, Herr der Götter; höre weiter von ihr.

30.65 So wurde die Entfaltung in Gestalt von Sonne, Soma und Feuer erklärt. Vernimm nun von der Entfalterin selbst, dieser Tätigkeitskraft.

So endet im Lakshmi Tantra, der Essenz des Pancharatra, das dreißigste Kapitel: Offenbarung der Tätigkeitskraft.

Textvermerk: Die komprimierten Diagramm- und Lautanweisungen, insbesondere 30.17–23 und 30.44–49, sind stellenweise syntaktisch schwierig. Die Übersetzung bewahrt ihre Reihenfolge; sie ist keine unabhängig rekonstruierte Zeichenvorlage. Der Grundtext hat in 30.17 und 30.20 den Lautkomplex „hrasra“, dessen technische Lesung einer Prüfung an der Druckausgabe bedarf.


Kapitel 31 – Sudarshana und die Einheit von Bewusstsein und Tätigkeit

Sanskrit IAST: Kapitel 31 · Devanagari: Kapitel 31

Shri spricht:

31.1 Die erläuterte Tätigkeitskraft, die in der Leuchtkraft der sechs Eigenschaften besteht, nimmt eine feurige Form und einen männlichen Leib an.

31.2 Das große Sudarshana ist mit sämtlichen Wurf- und Handwaffen durchwirkt, wurzelt in Sonne, Soma und Feuer und ist mit mannigfaltigen Gestalten geschmückt.

31.3 Die darin befindliche Shakti nimmt einen männlichen Leib an und zeigt sich entsprechend der jeweiligen Zeit somaartig oder feuerartig.

31.4 Ihre vierfache sprachliche Bezeichnung habe ich dir zuvor gezeigt. Darunter ist der benennende Mantra besonders kraftvoll.

31.5 Höre, Shakra, meine Erklärung. Jene somaartige Kraft ist Haris erste Öffnung.

31.6 Ich, Shri, bin diese Wurzelkraft und stehe im ersten Laut: unsterblich, von Sättigung erfüllt, Soma selbst, Herrin aller Dinge.

31.7 Im Mondanteil stehend soll sie die Schöpfung mit Unsterblichkeitstrank erfüllen. Die Mantras des Hauptes, des Lotus und der weiteren Stellen sollen durch sie, verbunden mit dem höchsten Herrn,

31.8 wenn sie so ausströmt, Sättigung und Vollendung bewirken. Mit dem Schöpfungsvollbringer verbunden ist sie die ewige Lebenskraft.

31.9 Verbunden mit dem Geber der Herrschaft über die drei Welten und im Laut des Windhauses stehend, wird sie in Sterngestalt auf dem Haupt des Feindes meditiert, um dessen Ausschaltung zu vollbringen.

31.10 Aus dieser vom Unermesslichen umfassten, an Feuer und Soma teilhabenden Kraft ging der strahlende Purusha-Hymnus hervor.

31.11 Die Seher kennen tausend Hymnen, die mit diesem beginnen. Dieser Mantra wird beständig durch mich, die am Feuer teilhat, genährt.

31.12 Ich nehme jeweils die betreffende Aufgabe und die betreffende Dreiheit der Lautkräfte an. Nichts in den drei Welten ist durch diese Kraft unverwirklichbar.

31.13 Sie gebiert sämtliche Kräfte, gewährt ihnen ihr Wirken und nimmt sie wieder zurück. Deshalb wird sie so vergegenwärtigt.

31.14 Seine eigene Öffnung beherrschend erhebt sich das höchste Selbst, der König der Kräfte, zum Wohl der Welt als der ewige Waffengott.

31.15 Als Sonne wird er zum Erfahrenden; weil er belebt, gilt er als Lebensatem. Verbunden mit dem Geber der Herrschaft über die drei Welten zeigt er sein Selbst.

31.16 Ihn suchen die Yogis inmitten des Herzlotus. Wer richtig meditiert, durchdringt ihn wie ein abgeschossener Pfeil mit seinem schnellen Flug das Ziel.

31.17 Weil er die Lebenskräfte mächtig emporführt, heißt er Prana. Er ist von der Mondscheibe umgeben und besitzt den Durchdringenden und den Unermesslichen.

31.18 An der Zungenwurzel meditiert, lenkt er die Tätigkeit der Rede. Im Kreis des Nasallautes meditiert, lässt derselbe Unsterblichkeitstrank fließen.

31.19 So meditiert entgiftet er sogar die Welten. Aus ihm, von Rama umfasst, ging der Shri-Hymnus hervor.

31.20 Die Seher kennen tausend Hymnen, die mit diesem beginnen. Jeweils mit der entsprechenden Zeit und der entsprechenden Dreiheit von Lautkräften verbunden,

31.21 vermag er alles in den drei Welten zu vollbringen. Er vernichtet die ganze Welt und führt zur makellosen Stätte.

31.22 Er lässt alle leidvollen Triebkräfte los und wird von den Yoga-Meditierenden erreicht. Nach solchen Worterklärungen nennen ihn die Guten „he“.

31.23 Darin wird eben jene Kraft des höchsten Selbst wiedererkannt, die sämtliche Welten trägt und durch den Entschluss mächtig geworden ist.

31.24 Alles Bewegliche bewegt sich aus ihr; stets wird sie von allen aufgesucht. In der Erde gegründet, wird sie durch ihre Ausströmung beim Festhalten eingesetzt.

31.25 Sahas heißt Stärke; darin wirkt sie tausendfach. Weil sie sich tausendfach entfaltet, heißt sie tausendfältig, als Kraft meiner Feuer-Soma-Natur.

31.26 Diese meine aus Feuer und Soma bestehende Kraft vollbringt jede Tätigkeit. Durch den guten Entschluss entfacht, ist sie eine gewaltige Masse von Leuchtkräften.

31.27 Sie gelangt zum Feuerzustand und wird zum Zeitenfeuer. Allein als „ra“ bestehend, flammt sie in ununterbrochenem Aufgang.

31.28 Zum höchsten Herrn geworden, vollbringt sie höchste Wunder. Als „ra“ besteht meine ursprüngliche große Kraft namens Tätigkeit.

31.29 „Tausend“ bezeichnet zahlenmäßige Unendlichkeit; damit ist die Unendlichkeit der Speichen gemeint. Das Wesen von Panzer und Waffe habe ich dir gezeigt, Purandara.

31.30 Auch Dhruva, der Pranava am Anfang, ist bereits bestimmt. So ist dieser große Mantra der aus dem Klang-Brahman hervorgegangene Wesenssaft.

31.31 Er ist die große Atharvan-Kraft, der geliebte Leib der Tätigkeitskraft. Die fünfgliedrige große Offenbarung namens Atharva ist die Essenz der drei Veden.

31.32 Sie wird durch diesen Mantra hervorgebracht wie ein Baum durch seinen Saft. Die Kenner seiner Gliederordnung erklären sechs Gliedermantras,

31.33 ferner eine Rad-Gayatri und eine Feuerumwallung. Aus Beschützer, Varuna-Erhöhung und dem mit Aufgang verbundenen Unsterblichkeitstrank,

31.34 jeweils gefolgt von „dem Rad“ und svaha, entstehen die Glieder vom Herzen bis zum Haarschopf. Nach den Wörtern Sonne, Flamme und dem mit „groß“ verbundenen Sudarshana,

31.35 wiederum gefolgt von „dem Rad“ und svaha, folgt die Ordnung vom Panzer bis zur Waffe. „Verehrung dem Rad“, danach „wir erkennen“: Dies bildet acht Silben.

31.36 „Der tausendfachen Flamme“ und danach „wir meditieren“ bilden neun Silben. „Das Rad“ zwischen „das möge uns“ und „anregen“ bildet acht Silben.

31.37 Man bilde eine Faust mit ausgestrecktem drohendem Zeigefinger und bewege sie ringsum, während man Feuer als Umwallung meditiert.

31.38 Die Handflächen wende man einander zu, die rechte darüber. Die Spitzen von kleinen Fingern und Daumen seien verbunden, die übrigen Finger ausgestreckt.

31.39 So bewege man die Hände ringsum: Dies heißt Rad-Mudra. Die Gliedermudras werden später erklärt. Höre den Mantra zum Verschlingen von Kraft.

31.40 Nach dem Pranava stehe der Reiniger auf Feuer, versehen mit dem Durchdringenden; dann „Großer Sudarshana“, „König der Räder“, „auf dem großen Weg Gehender“.

31.41 Danach folgt die Wendung über das Untergehen [in der Vorlage sprachlich unklar], dann „Furchterregender für alle Bösen! Schneide, schneide! Spalte, spalte!“

31.42 Darauf zweimal „Zerreiße!“ und „Verschlinge, verschlinge die fremden Mantras! Verzehre, verzehre! Versetze die Geister in Furcht, versetze sie in Furcht!“

31.43 Panzer, Waffe und die Gemahlin des Feuers bilden den Schluss des kraftverschlingenden Mantras. Selbst zu Sudarshana geworden, spreche man diesen Mantra aus

31.44 und sauge in der Vorstellung die Kraft aus Mund, Herz und den weiteren Stellen des anderen. Höre nun die Meditation des sechslautigen Mantras, Purandara.

31.45 Nach Einsetzung der Glieder und mit den Rad-Mudras, innerhalb der Feuerumwallung, meditiere man das große tausendspeichige Rad, gewaltig durch eine Ansammlung von zehntausend Feuern,

31.46 aus den sechs Wegen bestehend, kreisend, die Entfaltung meiner Shakti. An der Achse meditiere man das makellose höchste Selbst Narayana,

31.47 den Herrn in Radgestalt, von Safranfarbe, mit gelbem Gewand, göttlich, geschmückt mit Perlenzier.

31.48 Bei der Flut großer Bedrängnisse meditiere man ihn achtarmig, mit erhobenem Knie, mit vielen Waffen, aufrecht stehend und von höchster Schönheit.

31.49 In den vier rechten Händen trägt er Rad, mächtigen Stößel, Elefantenhaken und Lotus; in den vier linken

31.50 Muschelhorn, Bogen samt Pfeil, Schlinge und schwere Keule. Man meditiere den göttlichen, geschickten Herrn, dessen Gesicht von Hauern erstrahlt,

31.51 mit gelbbraunen Augen und Haaren, von einer Flammengirlande geschmückt. Oder man meditiere den Gott Sudarshana mit sechzehn Händen,

31.52 wenn man durch andere eine Erniedrigung erlitten hat und keine Gegenwehr möglich ist, oder wenn selbst nach dem Sieg über Feinde keine Sicherheit erreicht wurde,

31.53 oder bei großer Furcht vor Räubern, Tigern, Elefanten und anderen Gefahren: den Gott in Pratyalidha-Kampfstellung, der Richtung der Feinde zugewandt,

31.54 geschmückt mit kräftigen erhobenen Armen, zum Schlag bereit, mit Speer, leuchtendem Schwert und hundertflammigem Feuer,

31.55 Elefantenhaken, Stab, hell flammender Lanze, Axt und Rad in den rechten Händen von unten an der Reihe nach;

31.56 mit Muschelhorn, vorzüglichem Bogen, Schlinge, Pflug, Donnerkeil, Keulenwaffe, Stößel und Dreizack

31.57 in den linken Händen von oben nach unten, mit strahlenden Waffen, umgeben vom Getöse schrecklicher Feuerflammen, die aus seinen Hauern hervorbrechen,

31.58 geschmückt mit der göttlichen Waldgirlande, in die die Wirklichkeitsprinzipien verwoben sind; durch sein furchtbares lautes Lachen erschrecken und fliehen Dämonenfürsten und Danavas.

31.59 In dem von Flammen erfüllten Feuer, das vom Fett verbrennender Dämonen genährt wird, an der Stätte unzähliger hell strahlender Feuer,

31.60 im Rad aus den sechs Wegen meditiere der Mensch bei großer Gefahr diesen Gott, den Radträger, das höchste Rad selbst.

31.61 Nach dieser Meditation meditiere er Sudarshana wieder vierarmig. Andernfalls tritt keine Beruhigung ein; so groß ist Haris Leuchtkraft.

31.62 Damit ist die Meditation in männlicher Gestalt nach furchtbarer und friedvoller Form erklärt. Höre nun eine weitere Meditation, Vorzüglichster der Götter.

31.63 Sämtliche männlichen Gestalten, die in dieser Meditation beschrieben wurden, vergegenwärtige man als ganz aus mir bestehend, um rasche Vollendung zu erreichen.

31.64 Dieses überaus wunderbare Geheimnis habe ich dir erklärt, Shakra. Höre von mir noch ein weiteres Geheimnis, Vorzüglichster der Götter.

31.65 Meine zuvor erklärte feurige Kraft strahlt wie unermessliche Scharen von Sonnen und gleicht unermesslichen Scharen von Feuern.

31.66 Sie leuchtet wie unermessliche Scharen von Monden und ist mein aus Schwingung bestehender Leib. Auf Unsterblichkeitstrank, höchstes Selbst und Träger sämtlicher Welten gestützt,

31.67 besteht sie aus fünf Bindu-Punkten und berührt den höchsten Durchdringenden. Zum Wohl aller Wesen geht sie aus dem höchsten Herrn hervor.

31.68 Diese Shakti stelle man sich als Achse vor, ihren Glanz als Nabenkreis und die sechs Mantralaute als Speichen. Sonne und Ungebändigten, beide mit Bindu,

31.69 meditiere man fest am Radkranz; das Übrige als Kreis der äußeren Felge. Sich selbst meditiere man in der Mitte zwischen Maya und höchstem Selbst.

31.70 Einen zu vertreibenden Menschen vergegenwärtige man zwischen Sonne und Feuer. Der Yogi, der unablässig so meditiert und ganz der Meditation hingegeben ist,

31.71 schüttelt sämtliche Fehler des weltlichen Daseins ab, erlangt höchste Hingabe an mich und erreicht am Ende allein mich.

31.72 Zwischen höchstem Selbst und Unsterblichkeitstrank stehend, wiederhole der Einsichtige den Mantra und vergegenwärtige innerlich stets die Erquickung durch den Nektar.

31.73 Er wird von dem aus der Höhlung der Shakti strömenden Unsterblichkeitstrank überflutet, durch den Lebensatem belebt, während der Feuerglanz seine Fehler verbrennt.

31.74 Durch die Erlangung der Tätigkeit der fünf Bindu-Punkte ruht er in höchster Herrschermacht. Durch ununterbrochene Übung wird er selbstbeherrscht, gesammelt und Herr seiner Sinne.

31.75 Nachdem er alle leidvollen Triebkräfte aufgegeben und meine Gestalt angenommen hat, steht der Yogi kraftvoll und stark da, durch die Tätigkeit in jeder Hinsicht selbstbestimmt.

31.76 Zum höchsten Herrn geworden, ganz von Alldurchdringung erfüllt, erreicht er durch meine Gnade mich selbst, meine Wohnstatt.

31.77 Was Tätigkeit ist, wird Bewusstsein genannt; was Bewusstsein ist, ist höchste Tätigkeit. Zusammen mit höchster Wonne sind dir damit diese drei erklärt.

31.78 Eine ungeteilte höchste Shakti besteht als Bewusstsein, Tätigkeit und Wonne. Sie ist Vishnus höchste Ichheit; diese bin ich, die alle Ziele erfüllt.

31.79 Aus meiner Freiheit entfaltet sich mein Entschluss so zweifach: als eine Kraft namens Tätigkeit und als die andere, die große Seinsfülle.

31.80 Als höchste Herrin bin ich der gemeinsame Grund beider, Shakra. So wurde dir meine gesamte Tätigkeitskraft gezeigt.

31.81 Höre nun von Tarika nach ihrer groben, feinen und höchsten Gestalt. In ihr ist die Tätigkeitsform zurückgenommen, während die Herrschermacht deutlich hervortritt.

31.82 Mein aus den sechs Eigenschaften bestehender Leib ist jene Seinsfülle namens Tarika. Vernimm aufmerksam von mir ihre grobe und die weiteren Gestalten, Herr der Götter.

So endet im Lakshmi Tantra, der Essenz des Pancharatra, das einunddreißigste Kapitel: Offenbarung Sudarshanas.

Einordnung: Die Verse bewahren die historische Schutz-, Kampf- und Ritualsprache, einschließlich aggressiver Mantraanwendungen. Die Zahl „tausend“ wird in 31.29 ausdrücklich als Unendlichkeit ausgelegt. Medizinisch klingende Wirkversprechen, etwa die Entgiftung in 31.19, gehören zu den religiösen Aussagen des Textes.


Kapitel 32 – Grobe, feine und höchste Gestalt der Tarika

Sanskrit IAST: Kapitel 32 · Devanagari: Kapitel 32

Shri spricht:

32.1 Höre die drei Gestalten jener höchsten Lautkraft Tarika, die über das Werden hinüberführt: die grobe, die feine und die höchste.

32.2 Ihr grober Leib besteht aus fünf beziehungsweise vier Lauten. Die dreilautige Gestalt heißt meine feine; die höchste besteht aus Vishnu.

32.3 Diese drei Zustände von mir sind jeweils nochmals dreifach. Der höchste Zustand innerhalb des Groben ruht im höchsten Selbst.

32.4 Er ruht auf dem Träger sämtlicher Welten, auf Vishnu und dem Durchdringenden. Er besteht aus Erfahrendem und Erfahrbarem. Vernimm seine Gestalt.

32.5 Durch die mit dem höchsten Selbst beginnende Lautfolge, die aus dem Durchdringenden am Sitz des Weltenträgers entsteht und bis zur Stirnfläche gelangt,

32.6 ergreift sie die Vishnu-Gestalt und gründet dann wieder in sich selbst. Haris Geliebte leuchtet durch Nada, die Ursache des Tara.

32.7 In ihrem Bewusstsein trägt sie die gesamte Welt samt Erfahrendem und Erfahrbarem. Die Göttin ruht im allseitig durchdringenden höchsten Selbst.

32.8 In diesem Umfang bestehend ist sie die höchste Bewegung innerhalb der groben Vishnu-Gestalt. Die Kraft vollbringt die fünf Tätigkeiten, entfaltet durch dreifache Herrschermacht.

32.9 Mit Shri belebt sie den Gott, der wie ein anschwellender Ozean glänzt. Wenn sie den Feuerzustand annimmt, gilt dies als ihre feine Bewegung.

32.10 Nach Vollzug von Schöpfung und den weiteren Tätigkeiten ruht sie im Raumherrn. Die Göttin wirkt alle Wunder und ist Ursache von Schöpfung, Erhaltung und Ende.

32.11 Auf Sonne und Vishnu gestützt, gestaltet sie den Bestand der Welt durch den Glanz des Zeitenfeuers. Dies ist ihre wunderbare grobe Gestalt innerhalb des Groben.

32.12 Damit sind die drei Bewegungen meiner groben Gestalt erklärt, Vasava. Höre die drei Bewegungen der feinen, Bezwinger Vritras.

32.13 Die feine höchste Herrin unterliegt keiner zeitlichen Bemessung. Beständig besteht sie, im alldurchdringenden höchsten Selbst ruhend.

32.14 Die Schöpfung heißt zweifach: reiner und unreiner Bereich. Die grobe Gestalt steht im unreinen, die feine im reinen Bereich.

32.15 Ihre drei Bewegungen erkenne man entsprechend denen der groben Gestalt. Höre nun die Beschaffenheit meines höchsten Leibes, Shakra.

32.16 Sie ist alldurchdringend, göttlich, ungeteilt und unbefleckt. Diese höchste, aus mir bestehende Kraft wird mit dem Namen Vishnu bezeichnet.

32.17 Sie ist Vishnus Wirklichkeit und gilt als Haris Ichheit. Sie ist der feste Grund der Yogis und das Ziel der Samkhya-Kundigen.

32.18 Sie ist die höchste Gestalt, das höchste Ziel, die ursprüngliche Kundalini-Shakti, die Summende und Yogaverleiherin,

32.19 der ungeschlagene Klang, die Lautlose, die Grenzenlose, die aus Nada Hervorgegangene, das Klang-Brahman, die Shakti und der höchste Ursprung der Matrika,

32.20 Gayatri, Kala, Gauri, Shachi, Göttin Sarasvati, Vrishakapayi, die Wahre, Gemahlin des Lebensatems und Ruhmreiche,

32.21 Indras Gemahlin, große Wunschkuh, Aditi, Freude der Götter, göttliche Mutter der Rudras und Wohltäterin der Vasus,

32.22 Schwester der Adityas, Nabel des Unsterblichkeitstranks, höchste Beständigkeit, Ida, Lust, von geliebter Gestalt, große Nährerin und Erhabene,

32.23 Erde, Berühmtheit, Dreiheit der Veden, Kuh, dem Lebensatem liebevoll Zugewandte, Kraft, Urnatur, große Königin und Milchreiche,

32.24 Tara, Sita, Shri, deren Kalb der Wunsch ist, Liebesgelübdetreue, Jugendliche, Wohlgestaltete, Gestaltlose und Gestaltreiche,

32.25 Ambika, Schöne, Älteste, Vama, Furchtbare, Geistgestaltige, Vollendete, im Lehrziel Gründende, Yoga, Yogini und Yogahervorbringerin.

32.26 Solche und weitere geheime Namen der Shakti haben die Weisen, welche die Lehrsysteme durchdrungen haben, in den verschiedenen Schriften genannt.

32.27 Diese höchste göttliche Kraft besteht in drei Gestalten. Die Dreiheit wird als grob, fein und höchst dargestellt.

32.28 Der lange i-Laut wird als ihre eigene Gestalt bezeichnet. Auch sie besteht dreifach, als Unermesslicher und in den weiteren Formen. Höre die Erklärung.

32.29 Wenn das unvergängliche höchste Brahman namens Vasudeva, die Fülle der sechs Eigenschaften, alle Unterschiede zurückgenommen hat und allein das Eine ist,

32.30 nennen die Yogis den Gott den Unermesslichen. Dann besteht weder die Unterscheidung von Durchdrungenem und Durchdringendem noch die Ordnung von Geschaffenem und Schöpfung.

32.31 Nichts an ihm ist dann durch ein anderes zu ermessen. Hinsichtlich der Gestalten ist es gleichsam leer, als schliefe es ringsum.

32.32 Das Brahman ist die Fülle der sechs Eigenschaften; darin besteht diese Kraft unter dem Namen Vishnu. Der Zustand von Kraft und Kraftträger gleicht einem wellenlosen Ozean.

32.33 Wenn jedoch das makellose Brahman namens Vasudeva sich durch seinen eigenen Entschluss wieder öffnet, wird es der Erste genannt.

32.34 Wenn Brahman sich auf dem reinen und unreinen Weg ausbreitet, heißt diese Kraft Maya; sie ist die Gestalt seines Entschlusses.

32.35 Von Sankarshana bis zur Erde liegt alles in ihrem Schoß. Wenn das höchste Brahman wiederum das durch seinen eigenen Willen Hervorgebrachte gesondert

32.36 nach Durchdrungenem und Durchdringendem unterscheidet und mit einem Zweiten besteht, ist die Göttin die Fünf-Bindu-Kraft, welche die fünf Tätigkeiten vollzieht.

32.37 So ist dir die dreifache Bewegung meines höchsten Leibes erklärt. Gestalt um Gestalt teilend, unterscheidet sie die jeweiligen Prinzipien und Laute.

32.38 Aus eigenem Willen wird die Weltleibige zu deren Bezeichnung. In den jeweiligen Prinzipien besteht sie als ihr eigenes Selbst.

32.39 Mein feiner Anteil ist darin verborgen wie Feuer im Holz. Jeweils die betreffende Gestalt annehmend, heißt sie die ewige Verbindende.

32.40 Durch die Färbung des jeweiligen Lautes nimmt sie selbst den Leib der jeweiligen Erscheinung an. Mein höchster Anteil, der dort als übergeordnete Gottheit

32.41 in Vishnus Kraftgestalt lenkend besteht, erhält durch diese unvergängliche Göttin jeweils seine Bezeichnung.

32.42 Sie trägt sämtliche Welten, ist Yogini und höchste Herrin. Der bloße Prinzipienlaut, verbunden mit dem Geber der Herrschaft über die drei Welten,

32.43 bezeichnet das jeweilige ewige grobe Prinzip von mir. Bei der Benennung des betreffenden Seinszustandes und bei der Darstellung seines Lenkers

32.44 besteht eben diese herrschende Göttin zweifach wirksam. Die dir zuvor gezeigte Fünfheit des Brahman von ksha rückwärts bis zum palatalen Zischlaut:

32.45 In den entsprechenden Lautgestalten, verbunden mit dem Geber der Herrschaft über die drei Welten, besteht sie zweifach, als eigene Gestalt und als Lenkung.

32.46 In der Vierheit der tragenden Kräfte von va rückwärts bis ya besteht sie ebenso zweifach, im feinen und im höchsten Zustand.

32.47 Der ma-Laut ist als Bezeichnung des Bewusstseins in drei Zuständen erklärt. Auch dort besteht sie zweifach, in der feinen und in der höchsten Lage.

32.48 Der bha-Laut bezeichnet Maya, hervorbringende Urnatur und die Dreiheit der Gunas. Auch dort besteht die Göttin namens langer i-Laut wie zuvor in zwei Lagen.

32.49 Die drei Laute von ba rückwärts bezeichnen Intellekt, Ichmacher und Geist. Auch darin besteht diese Göttin wie zuvor zweifach in zwei Lagen.

32.50 In den beiden Sinnesgruppen von dentalem na beziehungsweise retroflexem na rückwärts besteht sie wiederum zweifach, in der feinen und der höchsten Lage.

32.51 In den beiden Fünfheiten der Entfaltung, von palatalem beziehungsweise gutturalem Nasallaut rückwärts, deren Gestalten fein und grob sind, besteht sie ebenso in zwei Lagen.

32.52 Durch siebzig Unterscheidungen entfaltet auf dem reinen und unreinen Weg, trägt die Kraft des langen i-Lautes selbst wie eine Schauspielerin vielfältige Leiber.

32.53 Wer diese höchste Herrin, die sich so weit ausgebreitet hat, meditiert, gelangt zur ewigen höchsten Stätte Vishnus.

32.54 Wohin sie auch auf dem reinen und unreinen Weg gelangt: Überall besteht sie, ohne ihre Verbindung mit Vishnu aufzugeben.

32.55 Durch Verbindung mit einem, zwei, drei oder weiteren Lauten wird sie mit Vokalen und Konsonanten gefärbt; in den Bereichen des reinen und unreinen Weges entstehen ihre vielen Unterscheidungen.

32.56 Wenn sie selbst frei von der Färbung durch das Unbelebte ist, sollen die Wirklichkeitskenner nochmals ihre dreifache Unterscheidung in grobe und weitere Formen erkennen.

32.57 Mit dem Schöpfungsvollbringer verbunden ist sie grob, mit dem Raumherrn verbunden fein; als bloßer langer i-Laut ist sie die höchste unbefleckte, liebevoll zugewandte Kraft.

32.58 Wie eine unbewegte Flamme besteht diese höchste Gemahlin Vishnus reglos in allen tragenden Lotuszentren.

32.59 Vom Beckenbereich bis zum Scheitel folgt sie dem Brahman-Weg: die eine strahlende, leuchtende, reinigende, ruhmreiche Kraft.

32.60 Aus der Brahmanöffnung austretend erreicht sie den großen Lotus. Auf dem Weg höchster Wonne ist sie längs und quer alles durchwebend.

32.61 Nachdem sie die sterbliche Gestalt aufgelöst hat, überflute sie den Menschen mit Unsterblichkeitstrank. Die aus mir bestehenden Mantras zusammen mit den aus Vishnu bestehenden Mantras,

32.62 deren höchste Zahl beziehungsweise Zusammenfassung als „jene meine unverminderte Herrlichkeit“ bezeichnet wird, sind jenseits der Samkhya-Zweiheit und verleihen durch Wiederholung Freude und Befreiung.

32.63 Sie werden als Tropfen eben dieser höchsten Kraft bezeichnet. Wie Leuchtkraft die gesamte Strahlenschar durchdringt,

32.64 wie Festigkeit die irdischen Dinge durchdringt, so durchdringt sie die mannigfachen Gestaltungen und Anordnungen,

32.65 [Vorlage: 32.117] die äußere und innere Wirklichkeit sowie gleichermaßen den Klang. So besteht die Göttin des langen i-Lautes, Vishnus ruhmreiche Gemahlin.

32.66 Die Unterscheidung in grobe, feine und weitere Gestalten der Tarika ist dir nun richtig gezeigt, Shakra. Höre jetzt von mir ihre Glieder und die weiteren Bestandteile.

So endet im Lakshmi Tantra, der Essenz des Pancharatra, das zweiunddreißigste Kapitel: Offenbarung der groben und weiteren Gestalten.

Textvermerk: 32.62 ist in der vorliegenden Lesart schwer eindeutig zu konstruieren; die Übersetzung bleibt vorläufig und ergänzt keine Zahl aus Vermutung. Die Verszahl 32.117 nach 32.64 wurde ausschließlich für die deutsche Lesefolge als 32.65 zugeordnet.


Kapitel 33 – Die Glieder- und Begleitmantras

Sanskrit IAST: Kapitel 33 · Devanagari: Kapitel 33

Shri spricht:

33.1 Höre, lieber Herr der Götter, meine Haupt- und Nebengliedermantras der Tarika-Lautkraft, die aus mannigfaltigen Mantras bestehen.

33.2 Beschützer, Fünf-Bindu, Kraft, Airavana und Aurva: Diese fünf seien jeweils mit dem Durchdringenden verbunden.

33.3 Man setze diese fünf Lautgebilde über Lebensatem und Feuer und vergegenwärtige sie als Gliederkeimsilben vom Herzen bis zu den Augen.

33.4 Nach der Herzenskeimsilbe füge man „der Erkenntnis“, dann „dem Herzen Verehrung“ hinzu. Dieser Mantra verleiht Festhaltung.

33.5 Mit Pranava am Anfang und „Verehrung“ am Ende hat er elf Silben. Nach Pranava und Keimsilbe setze man sodann „der Herrschermacht“,

33.6 „dem Haupt“ und svaha: Auch dieser hat elf Silben. Nach Pranava und Keimsilbe setze man dann „der Kraft“,

33.7 „dem Haarschopf“ und vaushat: Dieser Haarschopfmantra hat zehn Silben. Nach Pranava und Keimsilbe setze man „der Stärke“,

33.8 „dem Panzer“ und hum: Dieser Mantra hat zehn Silben. Nach Pranava und Keimsilbe setze man „der Leuchtkraft“,

33.9 „den beiden Augen“ und vaushat: Der Augenmantra hat zehn Silben. Über Lebensatem und Feuer setze man den höchsten Herrn.

33.10 Nach diesem, dem Pranava vorausgeht, setze man „der unverminderten Wirksamkeit“, „der Waffe“ und phat: Dieser Mantra hat zehn Silben.

33.11 Damit sind die sechs Hauptglieder erklärt. Höre die sechs Nebenglieder. Nach Tarika füge man der Reihe nach wie zuvor die Wörter der sechs Eigenschaften ein,

33.12 von Erkenntnis bis Leuchtkraft. Danach setze man der Reihe nach die Wörter „dem Bauch“, „dem Rücken“, „den Armen“,

33.13 „den Oberschenkeln“, „den Knien“, „den Füßen“ und jeweils „Verehrung“. Dies ist das Verfahren der Nebenglieder.

33.14 So sind zwölf Mantras der Haupt- und Nebenglieder genannt. Höre nun meine Darlegung der Schmuck- und Waffenmantras.

33.15 Kaustubha sei mit Raum verbunden; darauf das höchste Selbst, oben und unten mit Feuer verbunden und auch mit Kraft versehen.

33.16 Oben mit dem Schöpfungsvollbringer verbunden, folgt Kaustubha mit dem Durchdringenden; danach „Verehrung“, darauf „dem Lichtwesen“,

33.17 „dem Kaustubha“ und svaha, mit Pranava am Anfang. Dieser sechzehnsilbige Kaustubha-Mantra vollbringt alle Tätigkeiten.

33.18 Zuerst nehme man Tara, dann den Erdherrn, darunter den Sättigung genannten Laut und darunter Varaha.

33.19 Danach schmücke man mit Maya und kennzeichne mit dem Durchdringenden. Dieses Lautgebilde hat fünf Bestandteile; darauf folgt die Verehrung.

33.20 Dann nehme man die Worte „mit auf Erde und im Wasser Entstandenem Geschmückte“, „Waldgirlande“ und svaha. Dieser Mantra verwirklicht alle Ziele.

33.21 Der große Waldgirlandenmantra hat neunzehn Silben. Nach Taraka nehme man nun den Vamana-Laut,

33.22 setze darunter die Sättigung und schmücke mit dem Aufgang. Mit dem Durchdringenden gekennzeichnet entsteht ein höchst wunderbares vierlautiges Gebilde.

33.23 Darauf folgen Verehrung, „Wohnstatt Shris“, „dem Lotus“ und die Gemahlin des Feuers. Dieser Lotusmantra hat dreizehn Silben.

33.24 Zuerst nehme man Vaikuntha und setze ra darüber; danach verbinde man mit Wonne und kennzeichne mit dem Durchdringenden.

33.25 Man füge zweimal das Wort „kastha“, danach zweimal „nemi“, dann „der vorzüglichen Schlinge“ und svaha hinzu. Mit Pranava am Anfang ist dies der König der Schlingenmantras.

33.26 Dieser fünfzehnsilbige Mantra gewährt den Wünschenden rasche Erfüllung. Nach Pranava stehe der Virat genannte Laut, oben mit dem Durchdringenden verbunden.

33.27 Zweimal füge man dies als Lautgebilde ein; ra, Lotus und Elefantenhaken, oben mit dem Durchdringenden verbunden, bilden das dritte Lautgebilde.

33.28 Es folgen „dem Spitznasigen“, „dem Elefantenhaken“ und die dem Feuer Liebe. Dieser fünfzehnsilbige Elefantenhaken-Mantra gewährt rasche Vollendung.

33.29 So sind die fünf Schmuck- und Waffenmantras erklärt. Höre die Gestalten der Mantras für Unterbau und Sitz, Purandara.

33.30 Ohne sie wird die Tarika-Verehrung nicht vollständig. Lebensatem stehe zwischen zwei Feuerlauten, versehen mit Maya und Bindu.

33.31 Dann „der tragenden Kraft“, mit Pranava am Anfang und „Verehrung“ am Ende. Dieser Mantra der tragenden Kraft hat neun Silben.

33.32 Zwischen zwei Feuerlauten stehend, mit Bindu am Ende und Kraft verbunden, danach „der Zeitenfeuer-Schildkröte“, mit Pranava am Anfang und „Verehrung“ am Ende:

33.33 Dies ist der zehnsilbige Mantra der Zeitenfeuer-Schildkröte. Lebensatem sei mit dem Beschützer gekennzeichnet und oben mit dem Durchdringenden verbunden.

33.34 Man nehme dies nach Pranava und füge „Verehrung Ananta“ hinzu. Dies wird als achtsilbiger Mantra des Schlangenkönigs bezeichnet.

33.35 Lotus, Feuergestalt, Urmaterie und Herr des Purusha fasse man zu einem Vierergebilde zusammen, verbunden mit Beschützer und Durchdringendem.

33.36 Danach „Verehrung der Erde“, mit Pranava am Anfang. Dieser Mantra der Weltenträgerin gilt als Unterbau.

33.37 Unsterblichkeitstrank und Varuna, diese beiden Laute gemeinsam zu einem Gebilde gefügt, mit Beschützer und Durchdringendem verbunden, nehme man nach Pranava.

33.38 Darauf „dem Milchozean“ und „Verehrung“: Dieser Mantra hat neun Silben. Den Reiniger, verbunden mit Aufgang und Durchdringendem, setze man nach Pranava.

33.39 „Verehrung dem tragenden Lotus“: Dies ist sein zehnsilbiger Mantra. So wurden die sechs Mantras der sechs Unterbauten erklärt.

33.40 Höre die Vorschrift der Mantras für die Herren des Unterbaus: Erhalter, Unbesiegter, Träger des Unsterblichkeitstranks und Erwachter, Vasava.

33.41 Der vorzügliche Übende nehme diese vier Laute und setze über sie die vier Laute von Wahrheit an.

33.42 Er füge den Geber der Herrschaft über die drei Welten hinzu. Diese vier Keimsilben, mit Pranava am Anfang, gehören den sechzehn Gestalten von Dharma an.

33.43 Dharma und die übrigen, Adharma und die übrigen, Rigveda und die übrigen, Krita-Weltalter und die übrigen: Dies sind vier allgemein bekannte Vierheiten.

33.44 Nach diesen vier Vierergruppen setze man die sechzehn Namen hinter die Keimsilbe und „Verehrung“ ans Ende. Dies gelten als sechzehn Mantras.

33.45 Den Kleinen, verbunden mit Aufgang und Unsterblichkeitstrank, setze man nach Pranava. „Verehrung dem unentfalteten Lotus“: Dies ist dessen Mantra.

33.46 Nach den Wörtern Sonne, Soma und Feuer folge jeweils „dem Kreis“, mit „Verehrung“ am Ende und Pranava am Anfang. Dies sind die Mantras der drei Kreise.

33.47 Das Wort, das das innere Selbst berührt, Soma, versehen mit Ausströmung: Dieser dreilautige Mantra heißt Aufleuchten des Bewusstseins.

33.48 Damit sind einundzwanzig Sitzmantras erklärt. So habe ich die Mantragruppe bis zur Verehrung des Sitzes dargelegt.

33.49 Höre nun ein höchstes verborgenes Geheimnis: die Mantragruppe vom Feldherrn an, die Hindernisse zerschmettern kann.

33.50 Garuda, Zeit und Feuer fasse man zusammen und kennzeichne das Gebilde mit dem Urgott samt Durchdringendem. Dann „Verehrung dem Feldhüter“.

33.51 Mit Pranava am Anfang ist dies der neunsilbige Mantra des Feldherrn. Anutara, danach „Shri“ und „Verehrung“, mit Taraka am Anfang,

33.52 bilden den sechssilbigen Shri-Mantra. Höre nun Chanda und die weiteren. Tara werde mit Beweglichem und Feuer verbunden; ein reiner Tara stehe zuerst.

33.53 Danach „Verehrung Chanda“: Dies ist der vorzügliche siebensilbige Mantra. Tara werde mit Reiniger und Feuer verbunden; ein reiner Tara stehe zuerst.

33.54 Danach „Verehrung Prachanda“: Dies ist der achtsilbige Prachanda-Mantra. Tara werde mit Ewigem und Feuer verbunden; ein reiner Tara stehe zuerst.

33.55 Danach „Verehrung Jaya“: Der Jaya-Mantra hat sieben Silben. Tara werde mit Varaha und Feuer verbunden; ein reiner Tara stehe zuerst.

33.56 Danach „Verehrung Vijaya“: Dies ist der achtsilbige Vijaya-Mantra. Govinda mit Feuer, Maya und Durchdringendem stehe nach Pranava.

33.57 „Verehrung Ganga“: Dies ist ihr siebensilbiger Mantra. Der Feine mit Maya, Feuer und Durchdringendem stehe nach Pranava.

33.58 Danach „Verehrung Yamuna“: Ihr Mantra hat acht Silben. Heilbringer mit Feuer, Kraft und Durchdringendem stehe nach Pranava.

33.59 Danach „Verehrung dem Muschelschatz“: Dieser Mantra hat neun Silben. Reiniger mit Feuer, Kraft und Durchdringendem stehe nach Pranava.

33.60 Danach „Verehrung dem Lotusschatz“: Dieser Mantra hat neun Silben. Dies sind die zehn Mantras vom Feldherrn bis zum Lotusschatz.

33.61 Höre nun die Mantragruppe von Ganesha bis zu den ursprünglichen Vollendeten. Govinda mit Kraft und Durchdringendem stehe nach Pranava.

33.62 Dann folgen Govinda, Vaikuntha, Reiniger, Kranzträger, das mit Weltschoß verbundene Muschelhorn, Nara und Zeit mit Ausströmung.

33.63 Dieser neunsilbige Mantra gehört Ganapati. Man verbinde Govinda sechsfach mit den ersten Lauten der Vokalpaare, beginnend mit dem Beschützer.

33.64 So werden seine Glieder gebildet, verbunden mit „Verehrung“, svaha und den weiteren Abschlüssen. Mit Feuer am Anfang und Ende, mit Maya und Durchdringendem versehen,

33.65 setze man Garuda nach Taraka; danach vergegenwärtige man Tarika. Soma, mit ra, Muschelhorn und Urgott ausgestattet und mit dem Durchdringenden verbunden,

33.66 meditiere man als vierte Keimsilbe, Bezwinger Balas. Mit Vairaja, Feuer und Muschelhorn ausgestattet, mit Beschützer und Durchdringendem verbunden,

33.67 meditiere man den Soma-Laut als die höchst wunderbare fünfte Keimsilbe. Dann spreche man vom Unermesslichen und Urgott bis zum Garuda-Laut

33.68 die überlieferte Lautreihe aus; darauf „Verehrung der Herrin der Rede“. Dieser Vagishvari-Mantra gilt als einundsechzigsilbig.

33.69 Mit der vierten Keimsilbe, unterschieden durch Beschützer und die weiteren Vokale, bilde der Kundige ihre Glieder ordnungsgemäß samt den inneren Abschlussklassen.

33.70 An Anfang und Ende der durch Beschützer und die weiteren Laute unterschiedenen Keimsilbe setze man Pranava und „Verehrung“, dann bilde man den jeweiligen Abschluss.

33.71 Dreimal Pranava, ga mit Aufgang und Durchdringendem, dann „Verehrung dem Guru“: Dies ist der bekannte Mantra zur Guru-Verehrung.

33.72 Nach dreimal Pranava folge Reiniger mit Durchdringendem, dann „Verehrung dem höheren Guru“: Dies gehört zum Guru des Gurus.

33.73 Nach dreimal Pranava folge pa mit Durchdringendem und Wonne, dann „Verehrung dem Höchststehenden“: Dies ist der Mantra des Gurus des Gurus des Gurus.

33.74 Nach fünf Tara-Lauten setze man Freudebringer und Raum über den Lebensatem, Zeit und Feuer darunter, über den Herrn aller Welten.

33.75 Aus diesen in der genannten Folge stehenden Lauten bilde man ein Gebilde; danach svadha und „Verehrung den Vorfahren“. Dies ist der König der Mantras für die Vorfahrenschar.

33.76 Sechs Tara-Laute, Urgott mit Raum, dann der bloße sa-Laut und Bezwinger mit Rama, danach „Verehrung den Vollendeten“:

33.77 Dies ist der Mantra der ursprünglichen Vollendeten, deren Selbst vom Erhabenen erfüllt ist. Die Mächte vom Feldherrn bis zu den ursprünglichen Vollendeten können Hindernisse zerschmettern.

33.78 Sie soll der Mantraübende bereits vor der eigentlichen Verehrung verehren. Höre nun die Kennzeichen der Weltenhüter-Mantras, Vasava.

33.79 Lebensatem, Erdherr und Wonne fasse man der Reihe nach zusammen, versehe das Gebilde oben mit Raum und füge „Verehrung Indra“ hinzu.

33.80 Dies ist der Indra-Mantra. Höre die Mantras des Feuers und der weiteren Hüter. Aus Lebensatem, Feuer und Wonne samt Durchdringendem bilde man ein Gebilde,

33.81 ebenso aus Lebensatem, Zeit und Urgott samt Durchdringendem. Es folgen jeweils „Verehrung Agni“ und „Verehrung Yama“.

33.82 Nara, der Erhabene und Durchdringende bilden ein Gebilde; danach „Verehrung Nirriti“. Dies ist der Mantra des Herrn der dämonischen Wesen. Höre nun den des Wasserherrn.

33.83 Lebensatem, Varuna, Wonne und Durchdringenden fasse der Kundige zusammen; danach „Verehrung Varuna“. Dies ist sein vorzüglicher Mantra.

33.84 Lebensatem, Feinen, Wonne und Durchdringenden fasse der Kundige zusammen; danach „Verehrung Vayu“. Dies ist der vorzügliche Windmantra.

33.85 Wärmestrahl, Varuna und Wonne fasse man mit dem Durchdringenden zusammen; danach „Verehrung Soma“. So lautet der Soma-Mantra.

33.86 Sonne, Kraft, Raum und Radträger fasse man der Reihe nach zusammen; danach „Verehrung Ishana“. Dies ist sein vorzüglicher Mantra.

33.87 Lebensatem, Vaikuntha und Wonne fasse man mit dem Durchdringenden zusammen; danach „Verehrung Ananta“. Dies ist der Mantra des Schlangenkönigs.

33.88 Lebensatem, Zwerg und Wonne fasse man mit dem Durchdringenden zusammen; danach „Verehrung Brahma“. Dies ist sein vorzüglicher Mantra.

33.89 Allen geht Pranava voraus. Höre nun von den Waffen. Feuer, Geburtsvernichter, Urmaterie, Feuer und Kraft

33.90 fasse man mit Ausströmung zusammen; es folgen Name und „Verehrung“. Dies ist der König der Donnerkeil-Mantras. Lässt man Kraft fort und schmückt ihre Stelle mit Maya,

33.91 bildet dasselbe Gebilde samt Name und „Verehrung“ den Speer-Mantra. Ungebrochene Tatkraft, Zeit, Weltenherr und höchster Herr

33.92 werden zusammengefügt; danach Name und „Verehrung“: Dies ist der Stab-Mantra. Welterquicker, Zeit, Weltenherr und höchster Herr

33.93 werden zusammengefügt; danach Name und „Verehrung“: Dies ist der Schwert-Mantra. Mondbesitzer, Stiller, Urgott und Schöpfungsvollbringer werden zusammengefügt.

33.94 Danach „Verehrung der Schlinge“: Dies ist ihr wunderbarer Mantra. Unbesiegter, Varuna, Wonne und Schöpfungsvollbringer werden zusammengefügt.

33.95 Danach „Verehrung dem Banner“: So lautet der Banner-Mantra. Höchstes Selbst, Feuer und Ungebändigten fasse man mit dem Schöpfungsvollbringer zusammen.

33.96 Danach „Verehrung dem Stößel“: Dies ist sein vorzüglicher Mantra. Feuer, Geburtsvernichter und Aufgang, mit dem Schöpfungsvollbringer verbunden,

33.97 fasse man zusammen; danach Name und „Verehrung“: Dies ist der Dreizack-Mantra. Den Furchtbaren auf Feuer und Reisbrei, mit dem Schöpfungsvollbringer verbunden,

33.98 fasse man zusammen; danach Name und „Verehrung“: Dies ist der Pflug-Mantra. Varuna, Nara und Beschützer, mit dem Schöpfungsvollbringer verbunden,

33.99 fasse man zusammen; danach Name und „Verehrung“: Dies ist der Lotus-Mantra. Allen geht Pranava voraus. Höre den Vishvaksena-Mantra.

33.100 Feuer, Lebensatem und Weltenherr fasse man mit dem Durchdringenden zusammen; ebenso Varuna und Bergträger mit dem Durchdringenden.

33.101 Dieses Gebilde verleiht Erkenntnis; danach folgt der König der Vishvaksena-Mantras. Mit Pranava am Anfang gilt dieser Mantra als Vollbringer aller Ziele.

33.102 Mit dem ersten Gebilde ohne Kraft, verbunden mit Wonne und den weiteren Vokalen, bilde man seine Glieder samt Abschlussformeln und Mudras.

33.103 Soma, Varuna und langen i-Laut fasse man mit dem Durchdringenden zusammen; danach „Verehrung Surabhi“, mit Tara am Anfang.

33.104 Damit ist Surabhis Mantra erklärt, der sämtliche Genussgaben zur Fülle bringt. Nach zweimal Pranava nehme man zweimal Tarika.

33.105 Dann: „Die du in der höchsten Wohnstatt weilst, bereit, mir Gnade zu erweisen: Steige hier herab!“

33.106 „Hier, du, die die gewünschte Vollendung verleiht! Du mit Mantraleib!“ Dann Tara, Tarika und zweimal „Verehrung“.

33.107 Dies ist der fünfundvierzigsilbige Mantra zur Herbeirufung. Pranava, Tarika und drei Lebensatem-Laute mit Durchdringendem,

33.108 danach drei Tarika-Laute, dreimal „dies“, dann „Nimm an!“ und die Gemahlin des Feuers: Dies ist der Mantra zur Darbringung der Genussgaben.

33.109 Zuerst nehme man Omkara, dann Vishnu mit Raum, danach Tarika und wieder Vishnu in derselben Weise.

33.110 Dann Lebensatem mit Raum und mit dem Namen Soma; darauf „Höchste, höchste Herrin, sei gnädig!“, danach Pranava,

33.111 Tarika und zuletzt „Verehrung“: Dies ist der Mantra zur Erlangung der Huld. Pranava, Tarika und dann „Erhabene“,

33.112 „Mantragestaltige, kehre an deine eigene Stätte zurück“, die Aufforderung zweimal; dann zweimal „Verzeih!“, Tara, Tarika und zweimal „Verehrung“:

33.113 Dies ist der Entlassungsmantra. So wurden dir diese führenden Mantras erklärt, Vorzüglichster der Götter; sie entfernen alle Befleckungen durch Verfehlungen.

33.114 Sie sollen nicht an Hingabelose, grausam Handelnde, Leugner der heiligen Überlieferung, Unrechtschaffene, Verschlagene und Betrüger weitergegeben werden.

33.115 Sie gelten für Hingebungsvolle, der Überlieferung Vertrauende, die Vertrauen und Selbstzügelung pflegen, meinem Weg zugetan und besonders dafür vorbereitet sind,

33.116 die aufrichtig herangetreten sind und auf festem Vertrauen ruhen. Ihnen als Vishnu-Verehrern soll dies erklärt werden, anderen nicht.

33.117 Wer es aus Verblendung, Gier, Begierde, Unwissenheit oder kindlicher Unreife anders lehrt, gelangt in viele Höllen.

33.118 Deshalb prüfe man sämtliche genannten Eigenschaften und lehre den Herangetretenen rechtschaffen und auf angemessene Weise.

33.119 Wer unrechtschaffen lehrt und wer unrechtschaffen fragt: Beide gelangen für unermessliche Zeit in eine schreckliche Hölle.

33.120 Selbst wenn jemand die mit Edelsteinen gefüllte Erde gäbe, Vasava, soll dies weder einem Hingabelosen noch jemandem mit ungeprüftem Charakter gegeben werden.

33.121 Weil deine Hingabe an mich groß ist, Shakra, und du aufrichtig herangetreten bist, habe ich dir voller Freude

33.122 den Schatz der Haupt-, Nebenglieder- und weiteren Mantras offenbart. Höre jetzt meine Darlegung des Schatzes der Mudras.

So endet im Lakshmi Tantra, der Essenz des Pancharatra, das dreiunddreißigste Kapitel: Offenbarung der Haupt-, Nebenglieder- und weiteren Mantras.

Lesehinweis: Das Kapitel ist ein verschlüsseltes Mantraverzeichnis. Die hier genannten Silbenzahlen beziehen sich auf die Sanskritformeln, nicht auf die deutschen Übersetzungen. Lautnamen und ausgeschriebene Anrufungen werden nicht zu spekulativ rekonstruierten Vollmantras zusammengeschrieben. Die Weitergabebeschränkungen und Höllenaussagen am Schluss sind Aussagen des überlieferten Textes.


Kapitel 34 – Mudras und die drei Arten des Bades

Sanskrit IAST: Kapitel 34 · Devanagari: Kapitel 34

Shri spricht:

34.1 Ich werde den Mudra-Schatz zum Mantra-Schatz erklären, Vasava. Schon seine Erkenntnis führt zu großer Mantravollendung.

34.2 Der Mantraübende forme Mudras beim Bad im Wasser, bei der Einsetzung an sich selbst, am Ende der Verehrung und beim Mandala-Verfahren,

34.3 bei der Einsetzung der Mantras in das Verehrungsbild, bei den Empfangswassergefäßen, beim Speisen, nach der vollständigen Feuergabe und wenn der Mantra im Innern weilt,

34.4 zur Abwehr Schädigender und zur Stillung aller Hindernisse. Man halte die Hände einander zugewandt, eng verbunden und gut ausgestreckt.

34.5 Die Mittelfinger stehen einander gegenüber; die übrigen Finger werden angelegt, ebenfalls einander zugewandt, sodass eine Schar von Armen entsteht.

34.6 Diese als Mahashri bekannte Mudra schenkt alles Wohlergehen, befreit von allen Fehlern und verleiht rasche Vollendung.

34.7 Sie erweckt und erhebt das stumpf gewordene Wesen. Man strecke die linke Hand mit der Fläche nach oben aus; die Finger stehen gespreizt.

34.8 Ihre Spitzen seien gekrümmt; der Daumen bilde eine Brücke und berühre den ihm zugewandten Mittelfinger zwischen den übrigen Fingern.

34.9 Vor dem Herzen forme man so die glückspendende Shakti-Mudra. Diese beiden segensreichen, von Yogis verehrten Mudras

34.10 gehören zu meiner höchsten und feinen Stufe und erfreuen mich. Höre die Yoni-Mudra meiner groben Stufe.

34.11 Die Hände seien einander zugewandt, eng verbunden und ausgestreckt. Die Ringfinger werden in der Mitte von der Wurzel her rückseitig gekreuzt,

34.12 an die Wurzeln der Zeigefinger gelegt und mit deren Spitzen verborgen. Vor den Spitzen der beiden Mittelfinger stehe das Paar der kleinen Finger,

34.13 gegenseitig mit den Rückseiten verbunden und in der Handmitte erhoben. Die beiden Daumenspitzen setze man an die Endglieder der Mittelfinger.

34.14 Diese Mudra heißt Mahayoni und bringt alles unter Einfluss. Damit sind die drei Mudras meiner dreifachen Gestalt gezeigt.

34.15 Bei der als fein bezeichneten Shakti-Mudra wird folgende Abwandlung beschrieben: Man lege den Daumen brückenartig einzeln an jeden Finger, vom Zeigefinger an.

34.16 So entstehen vier Mudras meiner Kräfte von Lakshmi an, Purandara.

34.17 Lakshmi, Kirti, Jaya und Maya: Diese Göttinnen sind meine Kräfte. Mit der rechten Hand bilde man eine Faust,

34.18 in deren Innern der linke Daumen aufrecht steht, Vorzüglichster der Götter. Vor dem Herzen gehalten ist dies die Herzensmudra, welche die Einsicht vermehrt.

34.19 Man berühre sämtliche ausgestreckten Finger mit dem Daumen. Dies ist die Hauptmudra, welche die Gegenwart des Mantras bewirkt.

34.20 Man bilde eine Faust mit aufrechtem Zeigefinger. Dies ist die Haarschopf-Mudra, furchterregend für alles Schädigende.

34.21 Stets zeige man sie zur Vernichtung von Fehlern und Hindernissen. Deshalb zeige man sie zuerst sorgfältig im Opferraum.

34.22 Mit dem Mantra verbunden beseitigt sie sämtliche Hindernisse. Die Finger beider Hände stehen jeweils nach vorn;

34.23 von den Handgelenken an seien sie durch die verbundenen Mittelfinger zusammengefügt. Dies ist die Panzermudra; mit ihr berühre man beide Schultern.

34.24 Sie kann von Scharen schädigender Wesen, Geister, Vetalas und Yogis nicht durchbrochen werden. Der Mantraübende forme sie sorgfältig zur Zeit der Handlung.

34.25 Die Finger beider Hände sind verschränkt und auf die Handrücken geschlossen. Die Zeigefinger berühren sich an den Spitzen und stehen hohl aufgerichtet.

34.26 Die Daumen sind an der Wurzel verbunden und gegeneinander gekreuzt. Dies ist die Augenmudra; man forme sie nahe den Augen.

34.27 Mit beiden Händen schnippe man rasch die Zeigefinger gegen die Daumen in die zehn Richtungen und blicke jeweils dorthin.

34.28 Dies heißt Waffenmudra, die die Feinde der Götter erschreckt. So wurden die sechs alles verwirklichenden Gliedermudras angegeben.

34.29 Höre nun die Mudras der sechs Nebenglieder. Man schließe die vier Finger der rechten Hand eng zusammen.

34.30 An ihre Wurzel lege man den Daumen quer. Dies ist die Nebengliedermudra; mit ihr berühre man die jeweilige Stelle.

34.31 Höre die Mudras der Schmuck- und Waffenmantras. Kleine Finger, Ring- und Mittelfinger beider Hände liegen wie bei einer Faust in der Handmitte.

34.32 Dann verbinde man die beiden Fäuste miteinander, strecke die Zeigefinger aus und verbinde ihre Spitzen.

34.33 Die Daumenspitzen kreuze man und lege sie zwischen die Zeigefinger. Diese Mudra heißt Kaustubha. Höre nun die Girlandenmudra.

34.34 Mit beiden Zeigefingern fahre man gleichzeitig von den eigenen Schultern über den Hals bis zu den Füßen. Dies ist die heilvolle Waldgirlandenmudra.

34.35 Oder man verschränke die acht Finger ohne Daumen vorn miteinander und lasse beide Arme herabhängen: Auch dies ist die Waldgirlandenmudra.

34.36 Die Daumen berühren sich seitlich; die übrigen Finger stehen gespreizt. Dies ist die Lotusmudra, welche Gedeihen und Wohlergehen vermehrt.

34.37 An der rechten, nach oben geöffneten Hand verbinde man die Spitzen von Daumen und kleinem Finger wie eine Brücke; die übrigen drei Finger liegen eng beisammen.

34.38 Wie eine gekrümmte Schlangenhaube geformt ist dies die Schlingenmudra. Man forme dann beide Hände zu Fäusten, die Daumen auf den Rückseiten.

34.39 Die linke Faust richte man nach unten, die rechte auf ihren Rücken. Für die tragende und die weiteren Kräfte ist dies die Schildkröten-Feuer-Mudra.

34.40 An der nach unten gewendeten linken Hand beuge man Ring- und Zeigefinger und lege sie fest auf den Rücken des Mittelfingers.

34.41 Den Mittelfinger halte man gerade nach unten. Dann spreize man kleinen Finger und Daumen kräftig.

34.42 Dies ist die Ananta-Sitzmudra, wie Ananta sich erhebt. Sie gilt als die vorzügliche unter den Sitzmudras.

34.43 Die ungeteilte höchste Kraft heißt Grundlage der Grundlagen. Ihre Öffnung ist die Schildkrötenmudra; die Ananta-Mudra besteht aus Nada.

34.44 So soll man es bei der Bereitung des Sitzes stets vergegenwärtigen. Mit beiden Händen bilde man vorn zwei verbundene Fäuste,

34.45 wobei jeweils drei Finger geschlossen sind. Daumen und Zeigefinger verbinden sich an den Spitzen; die beiden so entstandenen Paare vereinige man miteinander.

34.46 Dies ist die Erd-Mudra, welche alle Wesen trägt. Man verbinde nun die Handgelenke und richte die Nagelspitzen und Finger beider Hände

34.47 gegeneinander. Die frei stehenden Daumenspitzen bewege man rasch dazwischen.

34.48 Zwischen den Händen bilde man einen tiefen hohlen Raum. Dies ist die Milchozean-Mudra. Die Lotusmudra wurde bereits gezeigt.

34.49 Die Hände halte man zunächst getrennt und verbinde dann die Spitzen der Zeigefinger miteinander, ebenso der Reihe nach die Mittelfinger,

34.50 danach die Ringfinger und schließlich die kleinen Finger. Die Daumen lege man jeweils an die Spitzen des betreffenden Fingerpaares.

34.51 Diese vier Mudras gehören zu Dharma und den übrigen drei. Ebenso gibt es vier Mudras für Adharma und die übrigen drei.

34.52 Zum darüber befindlichen Lotus gehört die bereits genannte Lotusmudra. An der rechten Hand verbinde man Zeigefinger und Daumen;

34.53 dann löse man diese Verbindung allmählich und richte die Finger einzeln nach oben aus.

34.54 Dies ist die Mudra der drei Lichtstätten. Höre die zum Aufleuchten des Bewusstseins gehörende: Man halte die Hände offen und ausgestreckt in der Form gefalteter Hände.

34.55 Dies ist dessen höchste, aus reinem Sattva bestehende Mudra. So ist die Gruppe von zweiunddreißig Mudras, die alle Fehler vernichtet,

34.56 für Schmuck, Waffen, Sitz und die weiteren Bestandteile gezeigt, Shakra. Höre nun die zehn Mudras vom Feldherrn an.

34.57 Man verschränke die Finger beider Hände fest miteinander, drücke sie kräftig zusammen und richte die beiden Daumen auf.

34.58 Dies ist die alle schädigenden Kräfte abwehrende Feldhüter-Mudra. Nun halte man die Hände nahe beieinander mit den Flächen nach oben, Purandara.

34.59 Alle Finger sind zunächst in die Mitte gebeugt, die Daumen niedergelegt; dann entfalte man sie der Reihe nach.

34.60 Dies ist die dir zuerst erklärte Mudra der Shri-Keimsilbe. Den Zeigefinger der linken Hand richte man für die Chanda-Keimsilbe auf.

34.61 Dasselbe zeige man mit der rechten Hand für Prachanda. Der erhobene Mittelfinger der linken Hand gehört zu Jaya,

34.62 der rechte zur Vijaya-Keimsilbe. Der auf dieselbe Weise gehaltene linke Ringfinger gehört zu Ganga,

34.63 der rechte zur Yamuna-Keimsilbe, Vasava. Der kleine Finger der linken Hand ist als Mudra des Muschelschatzes erklärt,

34.64 der kleine Finger der rechten entsprechend als Mudra des Lotusschatzes. Mit der rechten Faust einschließlich des Daumens

34.65 umfasse man Zeige- und Ringfinger der linken Hand. Den Mittelfinger lege man auf den Rücken der festgehaltenen Finger,

34.66 sodass er wie ein herabhängender Rüssel erscheint. Den kleinen Finger der linken Hand halte man nicht zu dicht an der Faust,

34.67 neben dem rechten Daumen, und stelle ihn sich als Hauer vor. Der linke Daumen und der entsprechende andere Finger stehen leicht seitlich ab,

34.68 sodass sie wie zwei schöne Elefantenohren erscheinen. Dies ist Ganeshas Mudra, welche alle Hindernisse vernichtet.

34.69 Man verbinde die Handgelenke beider Hände vorn und richte die Mittelfinger auf, an den Spitzen verbunden,

34.70 ebenso die Zeigefinger und ebenso die Ringfinger. Die Daumen beuge man doppelt nach unten,

34.71 langsam, bis sie jeweils die eigene Handfläche berühren. Dann halte man die beiden Daumen deutlich voneinander getrennt,

34.72 ebenso die beiden kleinen Finger, in gleichmäßiger Haltung. Dies ist die Vagishvari-Mudra, die Fülle der Rede verleiht.

34.73 Die ausgestreckten Hände lege man einander zugewandt hohl zusammen und halte sie vor die Stirn, den Kopf geneigt.

34.74 Dies ist die den Geist klärende Mudra für die Dreiheit der Gurus. Nun richte man die rechte Handfläche nach oben,

34.75 halte die Finger beieinander und beuge sie leicht; der Daumen sei ausgestreckt. Dann wende man die Hand langsam etwas seitwärts und nach unten.

34.76 Diese Mudra gilt als beständig sättigend für die Vorfahrenschar und erfreut sie mehr als tausend Totenopfer.

34.77 Bei ihrer Verehrung soll sie stets sorgfältig gezeigt werden. Nun halte man beide Hände mit den Flächen nach oben am Nabel,

34.78 die rechte auf dem Rücken der linken. Dies ist die Mudra der Gemeinschaft der Vollendeten. Die rechte Hand halte man deutlich vom eigenen Körper weggewendet,

34.79 die linke ebenfalls nach außen gewendet herabhängend. Dies sind die Segens- und Furchtlosigkeitsmudras der Weltenhüter.

34.80 Mit jedem einzelnen Mantra, der Reihe nach mit Donnerkeil und den übrigen Waffen verbunden, zeige man die bereits genannte Waffenmudra zusammen mit der Shakti-Mudra,

34.81 für die hier der Reihe nach verehrten Waffen der Weltenhüter. Nun beuge man die drei Finger der linken Hand vom kleinen Finger an in die Handfläche.

34.82 Der Daumen liegt auf ihrem Rücken, der Zeigefinger steht aufrecht und befindet sich an der Nasenwurzel. Mit der rechten Hand

34.83 bilde man wie zuvor mit drei Fingern eine Faust; den Zeigefinger beuge man doppelt und lege ihn an die Daumenspitze.

34.84 Der rechte Arm ist erhoben, als wolle er ein Rad schleudern. Dies ist Vishvaksenas Mudra, welche die Bindungen der Welt durchschneidet.

34.85 Die rechte Hand beuge man leicht zum Herzen; die Daumen seien deutlich gespreizt. Dies gilt als Herbeirufungsmudra.

34.86 Beide Hände stehen wie Schwertschneiden, die Finger gespreizt, die Daumen stabförmig. Langsam bilde man Fäuste,

34.87 beginnend mit den kleinen Fingern. Dies ist die Entlassungsmudra. Nun strecke man beide Hände aus, eng verbunden und nach unten gewendet,

34.88 verbinde die kleinen Finger und die Daumen eng und lege die Mittelfinger jeweils auf den Rücken der anderen Hand,

34.89 ebenso die Ringfinger und die Zeigefinger. Diese Mudra heißt Wunschkuh und erfüllt alle Wünsche.

34.90 Erkenne zwei Anwendungsweisen der Mudras, Vasava: innerlich als Bewusstseinsgestalt und äußerlich durch Sprache, Handlung und Denken.

34.91 Wer die Vorschrift kennt und so die Mudra formt, hat damit dieses Ganze versiegelt, um die Freiheit von Wiedergeburt zu vollenden.

34.92 Damit ist dir die ganze Mudra-Gruppe angegeben, Purandara. Höre nun die höchste Badevorschrift zur Befähigung für die Verehrung.

34.93 Wer innen und außen befleckt ist, wird von Alakshmi ergriffen. Um sie abzuwehren, wird überall das Bad gelehrt.

34.94 Das Bad ist dreifach: mit Wasser, mit Mantra und durch Vergegenwärtigung. Jede folgende Art gilt als hundertfach höher, Vielangerufener.

34.95 Das Bad an heiligen Orten wie Pushkara gilt als Wasserbad. Hundertfach höher ist das von der Lehre des Erhabenen vorgeschriebene Bad.

34.96 Hundertfach höher als dieses ist das Mantrabad durch die Einsetzung der Mantraglieder; nochmals hundertfach höher die höchste Meditation aus reinem Bewusstsein.

34.97 Zuerst vollziehe man das Wasserbad nach der allgemeinen Vorschrift, dann nach der besonderen. Diese besondere Vorschrift lautet:

34.98 Zunächst bade man mit Erde und Wasser, danach trage man Duftstoffe und anderes auf. Dieses Bad beseitigt Befleckung; man verbinde es mit Atemregelung.

34.99 Beim Füllen wiederhole man Tara zwölfmal, beim Halten sechzehnmal, beim Entlassen wiederum zwölfmal.

34.100 Durch abwechselnde linke und rechte Atemfolgen, die mit Ausatmen enden, beseitigt man die früher angesammelten Befleckungen in den Lebensatemkanälen.

34.101 Dann werde man ganz zur Wirklichkeit und reinige durch Konzentration den befleckten, aus Elementen bestehenden Körper, der sechs Hüllen besitzt und ohne bleibenden Kern ist.

34.102 Alle Prinzipien von Erde bis zum Unentfalteten führe man durch Konzentrationen der Reihe nach in ihre jeweilige Ursache zurück.

34.103 Dann vermische man sich mit mir wie Milch mit Milch. Ganz zu Lakshmi geworden, werde man danach von Narayana erfüllt.

34.104 In fester Konzentration, mit einem Geist aus reinem Sattva, erreicht man das Wesen des höchsten Selbst; dies gilt als höchste Shakti.

34.105 Darin ruhend verbrenne man den eigenen Körper im Konzentrationsfeuer. Man vergegenwärtige eine Masse von Glanz aus dem Bewusstseinsfeuer, voll von Flammenfunken,

34.106 die auf das Haupt fällt. Der Körper flammt auf und wird still; in seinem Innern bleibt das wahre Sattva, während Rajas und Tamas zu Asche geworden sind.

34.107 Die aus Rajas und Tamas bestehende Asche entferne man durch den Wind des Erwachens. Aus dem großen Ozean von Bewusstsein und Wonne, der wellenlosen Quelle der Eigenschaften,

34.108 vergegenwärtige man das auf dem Schöpfungsweg hervorströmende Unsterblichkeitswasser. Das damit erquickte innere Sattva lasse man Körpergestalt annehmen.

34.109 Dieses reine Sattva nehme auf dem Schöpfungsweg den aus Elementen bestehenden Leib an. Damit ist die innere Reinigung erklärt. Höre nun die äußere.

34.110 Mit den Gliedern nach der noch zu erklärenden Ordnung vollziehe man die Mantraeinsetzung. So entsteht äußere Reinheit; dann vollziehe man das Bad.

34.111 Mit gereinigter Hand nehme man eine mit Mantra besprochene Portion Erde und teile sie dreifach auf der linken Hand auf: an Wurzel, Mitte und Spitze.

34.112 Zuerst reinige man die Badestätte durch die Erkenntniskraft. Die heilige Badestätte ist dreifach: grob, fein und höchst.

34.113 In grober Gestalt sättigt sie die ganze grobe Welt; in ihrer feinen Sattva-Gestalt sättigt sie die Vorfahren samt den Göttern.

34.114 In ihrer höchsten Wonnegestalt befähigt sie zu meinem Dienst. Deshalb soll man zuerst die Badestätte selbst mit dem Auge der Lehre reinigen.

34.115 Durch Erkenntniskonzentration ziehe man ihre zu Vishnu gehörende Wirklichkeit an sich und lasse sie in mir als Shakti, der großen Wohnstatt von Bewusstsein und Wonne, aufgehen.

34.116 Das Grobe verbrenne man im Erkenntnisfeuer und erfülle es mit Brahman-Wonne. Dann senke man durch Erkenntniskraft Vishnus Sattva wieder in die Badestätte herab.

34.117 Auf dem ersten, mittleren und letzten Erdanteil vergegenwärtige der Verständige der Reihe nach Waffen-, Grund- und Gliedermantra.

34.118 Den Waffenanteil werfe man in die zehn Richtungen zur Stillung aller Hindernisse; den mit dem Grundmantra verbundenen Anteil in die Mitte der Badestätte.

34.119 Dadurch tritt meine Mantragestalt augenblicklich gegenwärtig hervor. Mit dem Erdanteil des Gliedermantras bestreiche man die Körperglieder.

34.120 Man trete ins Wasser, tauche unter und wieder auf. Zuerst gieße man mit beiden Händen Wasser über das Haupt, das mit dem Waffenmantra besprochen wurde,

34.121 zum zweiten Mal mit dem Grundmantra, zum dritten Mal mit den Gliedermantras. Dann gehe man ans Ufer und vollziehe ordnungsgemäß das rituelle Wasserschlucken.

34.122 Man vollziehe das Mantrabad durch regelgerechte Einsetzung. Danach vollziehe man aufmerksam das Meditationsbad.

34.123 Man vergegenwärtige den höchsten lotusäugigen Gott im Raum, der Lakshmi trägt, und stelle sich den Strom des Wassers von seinen Füßen vor, der auf das eigene Haupt fällt.

34.124 Damit überflute man den gesamten Leib innen und außen. Gesammelt vollziehe man das Bad jeweils einmal, zweimal oder dreimal,

34.125 nach Kraft und verfügbarer Zeit, in seinen drei Arten. Mit den Namen, denen Pranava vorausgeht und „Verehrung“ folgt, sättige man die aus mir bestehenden Götter

34.126 und die Seher; die Vorfahren sättige man mit svadha am Ende. Nach diesem Bad ziehe man den an der Badestätte weilenden führenden Mantra

34.127 mit dem Einatmen an sich und vergegenwärtige ihn im Herzen. Auch die zuvor in Haupt- und Zwischenrichtungen gesetzte Waffe nehme man innerlich zurück.

34.128 Man nehme die Opferutensilien und begebe sich zum Verehrungsort: zu einem aus sich selbst entstandenen, von Sehern stammenden oder von Vollendeten errichteten Heiligtum,

34.129 oder zu einem von Menschen mit innerlich auf mich gerichteter Haltung erbauten Pancharatra-Tempel, der alle Merkmale erfüllt,

34.130 oder an ein heilsames, einsames, schönes Ufer eines Lotusteiches, in einen abgeschiedenen Garten mit heiligen Bäumen,

34.131 oder auf eine reizvolle ausgedehnte Sandbank, windgeschützt, von Menschen unberührt und ohne nahe Störungen.

34.132 Oder man gehe dorthin, wo der Geist Gefallen findet. Während der höchste Mantra mit erwachtem Wonneleib in der Herzmitte ruht,

34.133 blicke man nicht nach anderen Richtungen, schweige und halte den Atem gesammelt. Am guten Ort angekommen, lasse man durch die Nasenspitze ausströmen

34.134 meinen Mantra als höchstes Selbst mit flammendem Feuerleib. Außen setze man die Waffe ein und stampfe mit dem Fuß auf den Boden.

34.135 Man vergegenwärtige mich, Lakshmi, als die eine höchste Herrin in Mantragestalt. An einem abgeschiedenen Platz richte man einen angenehmen Sitz ein,

34.136 auf Darbha-Gras, Fell, Stoff oder einem Brett aus Opferholz. Mit Hingabe verneige man sich vor Hari, mir und der Folge der Gurus.

34.137 Mit geneigtem Haupt empfange man innerlich ihre Erlaubnis und vollziehe durch Erkenntnisversenkung sämtliche Handlungen im Geist.

34.138 Welche Handlung mit Erkenntnis und Sammlung auf Brahman vollzogen wird, wird aus reinem Sattva bestehend, unvergänglich und beständig.

34.139 Denn an äußeren Stoffen haften Fehler aus Rajas und Tamas. Deshalb geschieht auch deren Reinigung durch Handeln, Denken und Sprechen.

34.140 Das durch innere Vergegenwärtigung Durchdrungene ist daher gänzlich fehlerfrei. Man gründe sich also auf reine, aus Bewusstsein entstandene Erkenntnis

34.141 und vollziehe durch erkenntnisvolle Vergegenwärtigung die Handlung im höchsten Sinn. So ist dir die Badevorschrift richtig erklärt, Herr der Götter. Als Nächstes werde ich die Gliedereinsetzung und die weiteren Anordnungen darlegen.

So endet im Lakshmi Tantra, der Essenz des Pancharatra, das vierunddreißigste Kapitel: Offenbarung der Badevorschrift.

Textvermerk: Einige Fingerstellungen sind in der knappen Vorlage nicht eindeutig rekonstruierbar; die Übersetzung ersetzt keine bildlich oder mündlich überlieferte Mudra-Unterweisung. Nach 34.38 fehlt eine eindeutig bezeichnete gesonderte Elefantenhaken-Mudra, obwohl das vorangehende Kapitel einen entsprechenden Mantra führt; hier wird keine Beschreibung ergänzt. Die in 34.70–72 zweimal veränderte Daumenstellung bleibt in der überlieferten Folge erhalten.


Kapitel 35 – Reinigung der Elemente und Mantraeinsetzung

Sanskrit IAST: Kapitel 35 · Devanagari: Kapitel 35

Shri spricht:

35.1 Höre aufmerksam meine Erklärung der Elementereinigung zur Vollendung des inneren Opfers und der weiteren Riten, Shakra.

35.2 Die Prinzipien von Erde bis Urnatur, entsprechend den Lauten von ka bis bha, durch Einsicht ganz zu mir werden zu lassen: Dies heißt hier Elementereinigung.

35.3 Bei der achtfachen Ursachengruppe von Erde bis Urnatur kennt man jeweils zwei Gestalten, die grobe und die feine.

35.4 Die sichtbare Erscheinung wird als grobe Gestalt beschrieben; die ursächliche Form heißt Tanmatra, feines Grundelement.

35.5 Nach grober und feiner Gestalt ist diese Prinzipiengruppe sechzehnfach. Die Tätigkeiten der Gegenstände und Sinne setze man jeweils darin ein.

35.6 Geruchssinn und die übrigen, Ausscheidungs- und Fortpflanzungsorgan und die übrigen, Geruch und die übrigen — jeweils Dreiergruppen — führe man in umgekehrter Ordnung in den feinen Elementen von Erde an zur Ruhe.

35.7 Wie Wellen, vom Wind bewegt, im Ozean zur Ruhe kommen, so führe der Kundige die Wogen der Gegenstände und Sinne im großen Meer der Elemente

35.8 durch vollkommen rechte Einsicht zur Ruhe. Geist und Selbstzuschreibung lasse man im Ichmacher aufgehen.

35.9 Lebensatem und bestimmende Entscheidung lasse man im Intellektprinzip verschwinden; Sattva, Rajas und Tamas, die Dreiheit der Gunas, führe man in die Urnatur zurück.

35.10 Jenes unentfaltete Dreiguna-Wesen ist Ursache von Mahat und den weiteren Prinzipien. Es ist dreifach: Guna-Dreiheit, hervorbringende Urnatur und Maya.

35.11 So sollen die Wirklichkeitskenner zehn Ursachen erkennen; nach grober und feiner Gestalt gelten sie wiederum als zwanzig.

35.12 Die zehn Mantras der groben Ursachen bestehen aus deren jeweiligen Namen, mit hum und phat am Ende, Tarika und Dhruva am Anfang.

35.13 Man vergegenwärtige Fleisch, Fett, Saft, die drei Raumlaute und das über das Höchste hinausgehende Paar, geschmückt mit Bindu und Nada.

35.14 Für die zehn feinen Formen gelten jene neun, beginnend mit Shakti. Die in den Körpern als Lebewesen bestehenden Kräfte heißen die höchsten.

35.15 Diese von Shakti an vergegenwärtige man danach mit Maya und Raum verbunden. Zurücknahme, Gründung, Wissen, Frieden,

35.16 Jenseits des Friedens, Selbstzuschreibung, Lebensatem, Eigenschaftsreiche, Eigenschaftsfeine und Eigenschaftslose sind ihre Namen der Reihe nach.

35.17 Bei diesen zehn Keimsilben verbinde man Feuer, Vishnu und Halbmond; so erkenne man die Mantras der herrschenden Göttinnen.

35.18 Geruchs-Shri, Geschmacks-Shri, Gestalt-Shri, Berührungs-Shri, Klang-Shri, Selbstzuschreibungs-Shri, Lebensatem-Shri, Eigenschafts-Shri,

35.19 Eigenschaftsfeinheits-Shri und Maya-Shri: Unter diesen Namen bestehen meine zehn herrschenden Kräfte.

35.20 Nachdem man diese Begleitordnung verstanden hat, vollziehe man die Elementereinigung. Zuerst reinige man den Ort; vernimm, wie.

35.21 Man meditiere mich strahlend wie tausend Zeitenfeuer und Sonnen, gleich rauchloser Glut, und verbrenne den Boden mit dem Feuer aus meinem Mund.

35.22 Dann besprenge man ihn mit dem Wasser aus meinem Gesicht, das wie zehntausend Monde leuchtet. So geschieht Ortsreinigung. Höre nun die Elementereinigung.

35.23 Die Erde, viereckig, eben, gelb und mit einem Donnerkeil gekennzeichnet, ziehe man durch ihren Mantra ins Körperinnere und lasse sie an ihrer eigenen Stelle aufgehen,

35.24 und zwar im reinen Geruchselement. Dieses lasse man mit seiner eigenen Keimsilbe in mir als tragender Gottheit aufgehen; mich wiederum setze man in das äußere Wasser.

35.25 Dieses halbmondförmige, lotusgezeichnete göttliche Prinzip führe man durch seinen Mantra an seiner eigenen Stelle in das reine Geschmackselement zurück.

35.26 Dieses gründe man durch seinen Mantra und lasse es in mir aufgehen; mich setze man ins äußere Feuer. So verläuft die Folge bis zu Maya.

35.27 Der Kundige soll das Aufgehen meiner Kraft nicht überall als unterschiedslosen Vorgang verstehen. Wie man Butter in Milch gießt, die aus deren Quirlung entstanden ist,

35.28 und diese Butter in andere Milch, diese wiederum in andere Butter: So vergegenwärtige der Kundige die herrschenden Kräfte bis zur Urnatur.

35.29 So meditiere man mich als höchste Kraft, verbunden mit den neun Kräften, deren Reihe mit der Eigenschaftslosen endet, als Herrscherin über Maya.

35.30 Diese zehnte Kraft führe man in die darüber stehende elfte zurück: Lakshmi als große Erregung, als Aufgang der Vyuhas.

35.31 Die elfte führe man in die zwölfte, die höchste, zurück; diese unbeschreibliche, unvergleichliche zwölfte setze man in mich ein.

35.32 So führe man diese höchste zwölfte Kraft, das Selbst aller Dinge, bis zum Ende des Dvadashanta empor und vergegenwärtige sie in mir als Lautgestalt.

35.33 Mein feiner Lautleib strahlt wie unzählige Feuer, Monde und Sonnen, hat überall Augen, Häupter und Gesichter und besteht als ununterbrochener Strom.

35.34 Zum Wohl aller Seelen, mit der gesamten Ausstattung versehen, ging er ursprünglich leuchtend aus Vishnu hervor wie ein Blitz aus einer Wolke.

Shakra spricht:

35.35 Welche Stellen dieses Körpers dienen der schrittweisen Auflösung? Welche Gestalten haben die Bilder von Erde und den weiteren Elementen? Sage es, Lotusgeborene.

Shri spricht:

35.36 Bis zu den Knien ist die Stätte der Erde, bis zur Hüfte die des Wassers, bis zum Nabel die des Feuers, bis zum Herzen die des Windes.

35.37 Bis zu den Ohren ist die Stätte des Raumes, bis zur Öffnung die des Ichmachers, bis zu den Brauen die des Mahat; das Höhere gilt als im Raum befindlich.

35.38 Danach liegt die Stätte der Urnatur eine Spanne weiter, vier Fingerbreit über dem Scheitel; der verbleibende Bereich beträgt sechzehn Fingerbreit.

35.39 Dort liegen die Stätten der elften und zwölften Kraft und der Shri der Prinzipienlaute. Das große Erdbild sei viereckig und mit einem Donnerkeil bezeichnet.

35.40 Das Wasserbild sei halbmondförmig, weiß und mit einem Lotus gezeichnet. Das Feuerbild heißt dreieckig, rot und mit einem Swastika gezeichnet.

35.41 Das Windbild heißt rauchfarben, rund und mit sechs Punkten versehen. Das Raumbild gleicht schwarzer Augensalbe; das Höhere gilt als bloßes Bild.

35.42 Nach dieser Rücknahme der Prinzipien steigt die Seele aus der Herzhöhle auf, am Seil der Erkenntnis hängend und durch die Mitte der Sushumna geführt.

35.43 Man führe sie durch die Reihen der Shakti-Stufen empor bis zur genannten Grenze und setze sie in mich ein, die ich inmitten des Lotus am Dvadashanta weile. [Die Ortsangabe der Vorlage lautet hier „bis zum Knie“ und ist in diesem Zusammenhang unklar.]

35.44 An dessen Ende liegt der große tausendblättrige Lotus, strahlend wie tausend Koti Sonnen und leuchtend wie zehntausend Koti Monde.

35.45 Darin besteht mein höchster Leib aus Feuer und Soma, großer Wonne und Bewusstsein, jenseits von Beschreibung und Vergleich.

35.46 Aus einem Anteil von ihm strömt der vorzügliche Fluss der Seelenwonne hervor. Man führe diese eigene Wonne zu ihm zurück und lasse sie in die große Wonne eingehen.

35.47 Dann verbrenne man den Körper, einem Salzhaufen gleich, ringsum mit den gewaltigen, schnellen, aus Bewusstsein bestehenden Flammen aus meinem Mund.

35.48 Der sechste Laut, mit dem Saftlaut verbunden und mit Bindu versehen, ist das Verbrennungsfeuer. Zwischen Tarika und Verehrung stehend soll ihn der mit dem Auge der Lehre Sehende erkennen.

35.49 Danach überflute man den Leib mit dem Nektar aus meinem somaartigen Mund. Mondbesitzer und Feiner, mit Raum verbunden, gelten als Mittel zur Erquickung des Körpers.

35.50 Man vergegenwärtige, wie ich mit dem Wunsch zu erschaffen aufsteige, von Bewusstsein und Lebensatem umfasst, und die in meiner Lautgestalt stehenden Kräfte antreibe.

35.51 Dann vergegenwärtige man, wie durch diese meine Kräfte, durch Anstoß und Vermittlung, der Reihe nach die Prinzipien von Maya bis Erde geschaffen werden.

35.52 Danach entsteht der Körper, deutlich ausgestattet mit Organen und äußeren Merkmalen. Nachdem man so den großen, aus reiner Lakshmi bestehenden Körper hervorgebracht hat,

35.53 führe man die Seele auf dem bereits genannten Weg ins Herz zurück. Feuer, Soma und Mondbesitzer bilden ein Gebilde aus drei Lauten.

35.54 Zwischen Tarika und Verehrung stehend heißt es Seelenmantra. Mit so gereinigtem Leib vollziehe man die Mantraeinsetzung,

35.55 zur Befähigung für die Verehrung, zur Freude der Verehrenden, zur Abwehr von Hindernissen durch Dämonen und andere Mächte und zum Sieg.

35.56 Das zuvor auf den Boden gelegte Brett oder die andere Unterlage vergegenwärtige der Mantraübende mit den jeweiligen Mantras fünffach:

35.57 als tragende Kraft, Schildkröte, Erde, Milchozean und Lotus. Darauf meditiere er Garuda in Gestalt der Zwerg-Keimsilbe.

35.58 Nachdem er darauf Platz genommen hat, meditiere er seine eigene Gestalt als Herrn Lakshmis und binde die Richtungen mit dem Waffenmantra, wieder und wieder.

35.59 Außen um den Sitz errichte er eine Umwallung wie ein Pfeilnetz. Den Ort samt Umwallung verhülle er mit dem Panzer,

35.60 sodass er für die im Luftraum Weilenden unsichtbar wird. So vollziehe man die Einsetzung: zuerst an den Händen, dann am Körper.

35.61 Tarika setze man am Daumen ein, ihre Kräfte an den Fingern: Lakshmi am Zeigefinger, Kirti am Mittelfinger,

35.62 Jaya am Ringfinger und Maya am kleinen Finger. Ihre Mantrafolge enthält Tara, Tarika, den jeweiligen Namen und Verehrung am Ende.

35.63 An den Fingern vom kleinen Finger an setze man die fünf Glieder vom Herzen an der Reihe nach ein; das Augenglied vergegenwärtige man an den Gliedern.

35.64 Kaustubha setze man in die rechte Handfläche, die Waldgirlande in die andere. Den Lotus setze man in die Mitte der rechten und ebenso der linken Handfläche.

35.65 Den Elefantenhaken setze man rechts, die Schlinge links ein. Nach diesem Verfahren vollziehe man zuerst die Handeinsetzung.

35.66 Höre nun, wie die Einsetzung am Leib geschehen soll: vom Scheitel bis zu den Füßen und von den Füßen bis zum Haupt

35.67 Taraka und Tarika, beide wie Mondlicht und Sonnenschein. Dann Lakshmi auf der linken Schulter, Kirti auf der rechten,

35.68 Jaya in der rechten Hand, Maya in der linken. Den Herzensmantra zwischen den Nasenöffnungen, den Hauptmantra auf dem Scheitel,

35.69 den Haarschopfmantra an der Haarschopfstelle, den Panzer an den Schultern, den Augenmantra an den Augen und die Waffe an beiden Handflächen.

35.70 An Nabel, Rücken, Händen, Oberschenkeln, Knien und Füßen setze der vorzügliche Mantrakundige die sechs Nebenglieder ordnungsgemäß ein.

35.71 Kaustubha in der Mitte der Brust, die Waldgirlande am Hals; die beiden Lotusse an den Händen, wobei der Mantra zweimal wiederholt wird.

35.72 Dann die Schlinge an der linken Hand und den Elefantenhaken an der rechten. Die grobe Tarika an den Füßen, die feine am Verbindungspunkt,

35.73 die letzte an der Brahmanöffnung: Sie ist die Herrin der Mantras. Bei jeder Einsetzung meditiere man den Mantra wie Mondlicht und Sonnenschein.

35.74 Der Übende vergegenwärtige innerlich jeweils die entsprechenden Mudras. Alle eingesetzten Mantras erkenne er als von der höchsten Göttin Tarika durchdrungen,

35.75 wie alles von einer Wasserflut überzogen wird. Wenn diese innere Verbindung vollzogen ist, werden die auf verschiedenen Wegen stehenden Mantras

35.76 eins wie die Wasser im Ozean. Nach dieser Einsetzung wird der Mantraübende unmittelbar zu Lakshmi.

35.77 Gestützt auf die aus Meditation entstandene Kraft wird er zu allen entsprechenden Handlungen befähigt. Für den Meditierenden werden sämtliche Vollendungen offenbar.

35.78 Nach Einsetzung der Glieder steht er furchtlos an einem von Schädigendem erfüllten Ort und überwindet vorzeitigen Tod und alle bedrohlichen Störungen.

35.79 Hat der Mantraübende die Glieder regelgerecht eingesetzt, meditiere er mich, die höchste Herrin, mit lehrgemäßem Geist als jenen Mantraleib.

35.80 „Ich bin jener erhabene Vishnu; ich bin die ewige Lakshmi.“ Der Yogi, der in dieser Haltung steht, wird nicht wieder geboren.

35.81 So ist dir die Elementereinigung richtig erklärt, Shakra. Nun werde ich das innere Opfer lehren. Vernimm es seiner Wahrheit nach.

So endet im Lakshmi Tantra, der Essenz des Pancharatra, das fünfunddreißigste Kapitel: Offenbarung der Elementereinigung.

Textvermerk: Die Zahlen und Ortsangaben in 35.13–14 und 35.37–43 sind in der vorliegenden Erfassung nicht durchgehend eindeutig. Sie werden nicht durch ein modernes Chakra-Schema ersetzt. Die Verse beschreiben rituelle Vergegenwärtigung und Auflösung, keine physische Verbrennung des Körpers.


Kapitel 36 – Das innere Opfer

Sanskrit IAST: Kapitel 36 · Devanagari: Kapitel 36

Shri spricht:

36.1 Wenn ich, aus Brahman-Wonne bestehend und im Herzen wohnend, mit Gaben im höchsten Sinn verehrt werde, heißt dies inneres Opfer, Shakra.

36.2 Im Lotus-, Swastika- oder Yoni-Sitz meditiere man zwischen Nabel und Geschlechtsorgan die Shakti als tragende Grundlage:

36.3 die Göttin, die von nichts anderem getragen wird, gestaltlos und Licht selbst. Darüber die makellose Zeitenschildkröte mit leuchtendem Leib,

36.4 den höchsten Gott in Schildkrötengestalt mit Muschelhorn, Rad und Keule; darüber den Schlangenkönig mit einem Gesicht wie der Vollmond,

36.5 ausgestattet mit tausend Hauben, mit vor Wonne rollenden Augen und mit Rad und Pflug in den Händen. Vor ihm, der höher als das Hohe ist, verneige man sich.

36.6 Darüber meditiere man die Erdgöttin, safranpulverfarben, mit goldenem Edelsteinschmuck und heiterem Gesicht und Blick,

36.7 die gefalteten Hände am Haupt, den Herrn vergegenwärtigend. Im vierfach geteilten Bereich zwischen Nabel und Geschlechtsorgan

36.8 meditiere man so diese Gottheiten von der tragenden Kraft an. Am Nabel meditiere man den Milchozean, weiß wie Jasmin und Mond,

36.9 von Strömungen und Strahlen erfüllt, mit vollmondgleichem Gesicht, von tiefer Gestalt, zugleich gestaltet und gestaltlos.

36.10 Dann meditiere man den aus dem Innern des Milchozeans aufgestiegenen Lotus, wie stilles Feuer, strahlend wie die aufgehende Sonne,

36.11 mit hängendem Bauch, lächelnd, mit weißen Zähnen, schönem Gesicht und zwei Armen, stets von schönen mannigfaltigen Bienen umschwärmt,

36.12 tausendblättrig, von tausend Strahlen umgeben, der tausendstrahligen Sonne gleich. Auf ihm errichte man den Sitz.

36.13 Dharma, Erkenntnis, Wunschlosigkeit und Herrschermacht meditiere man als seine Füße in den Zwischenrichtungen von Südosten an.

36.14 Alle sind menschengestaltig, weiß und löwenköpfig, von großem Eifer und großer Wirkkraft, bemüht, mich zu tragen.

36.15 In den Hauptrichtungen von Osten an erkenne man ihre Gegenteile: Adharma, Unwissenheit, Anhaftung und Unvermögen. [Bei „Unwissenheit“ ist die Negation aus der ausdrücklich genannten Gegenreihe erschlossen; die Erfassung bietet „Erkenntnis“.]

36.16 Auch diese sind menschengestaltig, von der Farbe der Bandhuka-Blüte. Zwischen Osten und Nordosten, Osten und Südosten,

36.17 Südwesten und Westen sowie Westen und Nordwesten stehen die vier Veden von Rig an, gelb, mit Pferde- und Menschengestalt.

36.18 Zwischen Nordosten und Norden, Südosten und Süden, Südwesten und Süden sowie Nordwesten und Norden

36.19 stehen die Weltalter von Krita an, schwarz, in Stier- und Menschengestalt. Alle sind vierarmig; mit zwei Armen tragen sie den Sitz,

36.20 mit zwei gefalteten Händen verehren sie die darauf Sitzende. Über ihnen meditiere man die höchste Sitzplatte als Intellekt.

36.21 Darüber meditiere man das Unentfaltete als weißen achtblättrigen Lotus, darüber die Sonnenscheibe, strahlend wie eine Koti Sonnen,

36.22 darüber die Mondscheibe, strahlend wie eine Koti Monde, darüber die Feuerscheibe, leuchtend wie zehntausend Koti Feuer.

36.23 Tamas, Rajas und Sattva meditiere man der Reihe nach als diese Eigenschaften. Die jeweiligen Namen stehen zwischen Pranava und Verehrung.

36.24 So lauten die Mantras der Prinzipien von Intellekt bis Sattva. Dann errichte man den Bewusstseinssitz in der Gestalt höchster Ichheit.

36.25 Den Bereich vom Nabel bis zum Herzen teile man fünffach. Mit vier Abschnitten gestalte man die Folge vom Ozean bis zum Sitz;

36.26 mit dem fünften die Anordnung vom Lotus an. Die Elemente setze man in die tragende Kraft, die feinen Grundelemente in die Schildkröte,

36.27 die Tätigkeitsorgane von Sprache an in Ananta, die fünf Erkenntnissinne von Gehör an in die Erde; den Geist meditiere man im Milchozean, den Ichmacher im Lotus darüber.

36.28 Die sechzehn Mächte von Dharma an und der Sitz gelten als Intellekt; der weiße Lotus darüber als Unentfaltetes.

36.29 Die drei Lotusformen gelten als die Eigenschaften von Tamas an. Einige nennen dies Zeit in der Dreiheit von Bhutadi und den weiteren Formen.

36.30 Andere nennen den Bewusstseinssitz den unendlichen Purusha. Einige erklären über dem Bewusstseinssitz noch Garuda.

36.31 Sie nennen als seinen Mantra den Zwerglaut mit Raum, danach „Vogelgesichtiger“ und Verehrung; die Kundigen bezeichnen diesen Mantra als neunten, Herr der Götter.

36.32 Nachdem der Sitz so durch vielfältige Mantras der Reihe nach errichtet ist, vergegenwärtige man den Gott Vishnu als Selbst des Alls, den makellosen Narayana,

36.33 das höchste Selbst mit Muschelhorn, Rad und Keule, vierarmig, gelb gekleidet und mit lotusgleichen Augen.

36.34 Den Gott vergegenwärtige man als aus der Schwingung seiner eigenen Kraft aufgestiegen. Höre nochmals, wie dies recht zu meditieren ist.

36.35 Nach sorgfältiger Einsetzung der Mantraglieder, guter Errichtung des inneren Sitzes und Darbietung sämtlicher Mudras meditiere man die Herrlichkeit des Mantras.

36.36 Das höchste Brahman, die höchste Wohnstatt jenseits der Dunkelheit, ist der Glanz Lakshmi–Narayana in der Beziehung von Kraftträger und Kraft:

36.37 alles, über alles hinausgehend, in allem bestehend, alles lenkend, dichtes Bewusstsein und Wonne, mit dem unsterblichen Leib der vollständigen sechs Eigenschaften.

36.38 Als inneres Selbst der Dinge, die in Bewusstes und Unbewusstes, Sein und Nichtsein und anderes unterschieden sind, ist es jeweils der Grund ihres Ichbezugs.

36.39 Durch einen unvorstellbaren, nicht weiter befragbaren Grund besteht es zweifach als Kraftträger und Kraft.

36.40 Was als „Ich“ durch Wort und Vorstellung bezeichnet wird, ist Narayana, der Seiende. Seine höchste Ichheit

36.41 ist Lakshmi, die seine Eigenschaften trägt, Shakti als Seinsmacht. Diese alles vollbringende Kraft breitet die Welt aus,

36.42 auf dem Kraftträger beruhend wie Mondlicht auf dem Mond. Wenn sie sich ausbreiten will, entfaltet sie sich zuerst als Klang-Brahman,

36.43 danach auf dem Weg der Bedeutungen. Der erste Aufgang besteht aus Klang-Brahman.

36.44 Makellos, als Kräfteweg, wird er von den im Yoga Ruhenden erfahren. Aus Lauten in ununterbrochenem Strom bestehend heißt er Lautweg.

36.45 Auf dem Kräfteweg gegründet erhebt er sich wiederum auf dem Mantraweg und nimmt den ganzen zu Vishnu gehörenden Kreis der Kräfte auf.

36.46 In höchster Weise ist er höchstes Licht, durch Wonne gekennzeichnet, in der bereits beschriebenen dreifachen Gestalt.

36.47 Eben diese höchste Gestalt besteht dann auf dem feinen Weg als Ausbreitung der Mantras; dies wird dir gezeigt werden.

36.48 Das dreifache Feine besteht wiederum auf dem groben Weg. Die erste grobe Gestalt gliedert sich in Haupt- und Nebenglieder.

36.49 Sie ist die durch die sechs Eigenschaften entfaltete Gestalt Lakshmi–Narayanas. Die bewusste und unbewusste Welt ist damit innerlich zu verbinden.

36.50 Das Gewähren der jeweiligen Herrschermacht und das Lenken des jeweiligen Bereichs erkenne der Einsichtige als Vishnus Gestalt im Mantra.

36.51 Seine die jeweilige Tätigkeit vollbringende Kraft bin ich, die Lotusgöttin. Das Bewusstsein des Mantras nennen sie Purusha.

36.52 Seine Fähigkeit, Früchte hervorzubringen, heißt Urnaturgestalt. Seine feste Entschiedenheit ist die Eigenschaft des Mahat.

36.53 Der Ichbezug der Mantras ist die Eigenschaft des Ichmachers. Ihre Geistgestalt ist das Verursachen sinnlicher Erkenntnis.

36.54 Die Klanggestalt im Mantra ist als im Raum gegründet zu erkennen. Die Schwingung beim Erfülltwerden durch den Mantra heißt seine Windgestalt.

36.55 Sein Erleuchten in der Meditation ist feuerartig. Die Sättigung durch die Gegenwart des Mantras ist dem Wasser zuzuordnen.

36.56 Der feste Bestand im Mantra heißt Erdeigenschaft. So vergegenwärtige der Übende sorgfältig die alles umfassende Durchdringung des Mantras.

36.57 Bald wird er durch dessen Kraft zu eben dieser Seinsweise. Durch die Macht solcher Erkenntnis schaue er zuerst die ausgebreitete Tarika-Shakti,

36.58 schwingend wie einen Blitz am Himmel. In der Höhle des Herzlotus, auf dem bereits genannten Sitz des Bewusstseinslichtes,

36.59 in der funkelnden Tarika-Gestalt, dem Klang-Brahman, vergegenwärtige er das ewige göttliche Paar. Vernimm es genau.

36.60 Den makellosen Narayana im Sonnen-Feuer-Anteil meditiere man auf dem Bewusstseinssitz, mit langen lotusgleichen Augen,

36.61 gelb gekleidet, edelgliedrig, mit Gürtel und Fußringen geschmückt, strahlend durch Halsketten, Ohrringe, Armreifen, Krone und Handreifen.

36.62 Sein Glanz entspreche dem jeweiligen Weltalter oder gleiche dunklem Himmel. Er trägt Muschelhorn und Rad und gewährt Segen und Furchtlosigkeit.

36.63 Wie ein Edelstein von Glanz, der Ozean von Tiefe, die Sonne von Licht und der Mond von Mondschein erfüllt ist,

36.64 so meditiere man zuerst Hrishikesha mit heiterem Lotusgesicht und verehre den höchsten Purusha zunächst mit achtzehn Gaben,

36.65 mit dem Purusha-Hymnus, Pranava, den zwölf-, acht- und sechslautigen Mantras sowie dem Jitante-Hymnus, Vasava.

36.66 Nach Verehrung des Gottes der Götter meditiere man Lakshmi in all seinen Gliedern. Man verehre sie im Zustand des Aufgehens in ihm und rufe Lakshmi dann hervor.

36.67 Auf dem linken Schoß des Bogenträgers sitzend verehre man sie mit den verschiedenen lehrgemäß vorgeschriebenen Gaben.

Shakra spricht:

36.68 Geliebte des Gottes, Göttin der Götter, Lotusäugige, Verehrung dir! Erkläre mir die Vorschrift des Purusha-Hymnus und der Mantras von Tara an.

Shri spricht:

36.69 Einer ist der von Shri begleitete Gott Narayana, lotusäugig. Eine bin ich, Haris höchste Shakti, die alle Tätigkeiten vollbringt.

36.70 Zum Wohl aller Seelen sitzen wir beide im höchsten Raum als Herren aller Dinge, stets von den Weisen bedient.

36.71 In unseren Herzen entstand ein Entschluss: „Es soll ein Mittel gesucht werden, um die Seelen hinüberzuführen.“

36.72 Aus uns beiden stieg ein Glanz auf, der große Ozean des Klang-Brahman. Aus seiner Quirlung entstand der Nektar zweier Hymnen:

36.73 der Hymnus des Purusha Hari und ebenso mein Hymnus, gegenseitig mit der Kraft des anderen erfüllt und mit dessen Lauten geschmückt.

36.74 Als Seher des unentfalteten Purusha-Hymnus gilt Narayana; ich bin die Seherin des anderen Hymnus, den man Shri-Hymnus nennt.

36.75 Die fünf Mantras von Pranava an sind bereits richtig erklärt. Höre nun kurz die Ordnung ihrer Verehrung.

36.76 Achtzehn Verse werden im vorzüglichen Purusha-Hymnus genannt. Mit ihnen, jeweils mit Pranava am Anfang, bringe man achtzehn vorzügliche Gaben dar,

36.77 beginnend mit der Herbeirufung. Die achtzehn sind: Herbeirufung, Sitz, Empfangswasser, Fußwasser, Wasser zum Mundspülen,

36.78 Bad, Untergewand, Obergewand samt heiliger Schnur, Duft, Blumen, Licht, Räucherwerk und Honigmischung,

36.79 Speise, Betel mit Kampfer, Blumenhandvoll zu den Füßen, Darbringung der eigenen Verehrung und Vergegenwärtigung der gewünschten Wohnstatt.

36.80 Die ewige strahlende Gestalt Vishnus besitzt alle Kennzeichen, besteht aus sämtlichen Grundlagen und ist von den sechs Eigenschaften vollkommen erfüllt.

36.81 Eben diese heißt durch die bewusstseinsartigen Mantras Mantragestalt. Dass der Übende den Gott durch seine eigene Leuchtkraft dazu bringt, diese Gestalt anzunehmen,

36.82 nennen die Mantrakundigen Herbeirufung. Hari wohnt von Natur aus zur Heilswirkung in der ganzen bewussten und unbewussten Welt;

36.83 die Sitzhandlung entspricht diesem Innewohnen. Meine Wonne-Kraft, durch welche der Gott erquickt wird,

36.84 ist die Gestalt von Empfangswasser, Mundspülwasser und den weiteren Gaben. So meditiert man sie. Alle Welten bestehen aus mir, ebenso die darin wohnenden Seelen.

36.85 Dass beide ihm dienen, wird durch die Gabe des Fußwassers angezeigt. Ich teile meine Gestalt sechsfach und sättige den Ewigen

36.86 durch die fünf Bereiche von Klang an und innerlich durch die Haltung der Zuwendung. Mit Gaben, in die wahre Gegenwart eingesetzt wurde, beginnend mit den sichtbaren,

36.87 verehre man den Weltenherrn aufmerksam. Gaben, die schon durch ihren Anblick erfreuen, gelten als sichtbare.

36.88 Sie sind schön und von Gestalt bestimmt, etwa Lichter und Fahrzeuge. Heilsame Gaben, die durch Geschmack beständig sättigen,

36.89 etwa Speisen und Mundspülwasser, gelten als einnehmbare. Angenehme, liebliche und weich zu berührende Gaben, die den Ungeborenen durch Berührung erquicken,

36.90 etwa Fußwasser, Empfangswasser und Sitz, heißen berührbare. Düfte gehören teils zu den berührbaren, teils zu den einnehmbaren Gaben.

36.91 Die ersten sind luftgetragen, die letzten sind beim Kochen entstehende Düfte. Lobpreis, Instrumentalmusik und Gesang bestehen aus Klang.

36.92 Demut, gefaltete Hände und Vergleichbares gelten als innere Haltungsgaben. So erfreue man mit vierfachen Gaben auf dem Weg der Lehrschrift

36.93 und mit den von Pranava eingeleiteten Versen den höchsten Purusha. Nach dem Mantra benenne man die Gabe und danach den Wunsch nach seinem Wohlgefallen.

36.94 Nach Om spreche man den Vers und die fünf Mantras von Pranava an: „Ich rufe den Herrn Lakshmis herbei, das unvergängliche höchste Selbst.

36.95 Möge der göttliche Purusha Narayana, der Weltenherr, zusammen mit Shri diese Gestalt bewohnen, um mir Gnade zu erweisen.“

36.96 So lasse man ihn aus den Blumen der gefalteten Hände in seine Verehrungsgestalt herabsteigen, verneige sich, heiße ihn willkommen und bitte in dieser Haltung um Nachsicht.

36.97 Nach der Verneigung spreche man: „Erhabener, ich verehre dich mit einem Sitz.“ Dann spreche man die Mantras und dreimal „dies“.

36.98 Danach benenne man die Gabe und vollziehe den Wohlgefallenswunsch: „Möge der erhabene Vasudeva erfreut sein.“

36.99 Dann gieße man Empfangswasser auf den Altar. Dies ist die Folge der Gabendarbringung. Bei Sitz, Empfangswasser und den übrigen Gaben beachte man das grammatische Geschlecht.

36.100 Mit dem ersten Vers vollziehe man die Herbeirufung, mit dem zweiten den Sitz; mit dem dritten Empfangswasser, mit einer Blume aufgenommen und auf das Haupt gegeben.

36.101 Mit dem vierten gebe man Fußwasser, mit dem fünften Mundspülwasser; mit dem sechsten vollziehe man das Bad, mit dem siebten die Bekleidung.

36.102 Mit dem achten das Obergewand, mit dem neunten die Duftsalbung, mit dem zehnten Kränze und Schmuck, mit dem elften das Licht.

36.103 Mit dem zwölften wohlriechendes Räucherwerk, mit dem nächsten die Honigmischung; mit dem vierzehnten die Speise, mit dem fünfzehnten die anschließende Duftgabe.

36.104 Mit dem sechzehnten die Verneigung, mit dem nächsten die Blumenhandvoll, mit dem achtzehnten die Darbringung der Verehrungshandlung.

36.105 Bei Bad, Kleidung und Licht gebe man Mundspülwasser. Vor Honigmischung und Nahrung geschehe die ehrende Wassergabe,

36.106 danach Sättigung und Mundspülung mit zweimal Pranava. So berücksichtige man bei Bad und den übrigen Gaben Ort, Zeit und Umstände.

36.107 Der Übende behandle die Gottheit wie einen König, jeweils mit dem entsprechenden Mantra. Entschluss, Darbringung und Wohlgefallenswunsch bilden jeweils eine Dreiheit.

36.108 Diese vollziehe man bei allen Gaben entsprechend Ort und Zeit. Gesammelt mit gefalteten Händen spreche man: „Om, Erhabener,

36.109 ich werde dich mit einem Sitz verehren.“ Dann gebe man den Sitz, spreche den Mantra und bezeichne ihn: „Dies ist der Sitz.“

36.110 Mit „Om, Om, möge der erhabene Vasudeva erfreut sein“ nehme man Empfangswasser und die weiteren Gaben und stelle sie vor den Gott.

36.111 „Mit diesem Empfangswasser“, „mit diesem Fußwasser“, „mit diesem Mundspülwasser“, „mit diesem ehrenden Wasser“,

36.112 „mit diesem Sättigungswasser“, „mit diesem Badewasser“: So spreche man bei Wohlgefallenswunsch und Entschluss; „Dies ist das Empfangswasser“ und entsprechend

36.113 bei der Darbringung, jeweils grammatisch passend. Die Bereitung des Empfangswassers und der weiteren Gaben wird beim äußeren Opfer erklärt.

36.114 So verehre man Janardana, den Gott der Götter, mit den sechs Gaben von Kränzen an, oder mit fünf, vier, drei, zwei

36.115 oder einer, je nach Ort und Zeit. Dann meditiere man Janardana als von mir selbst verehrt,

36.116 an allen Gliedern erfüllt wie der Ozean beim Mondaufgang. Mich meditiere man als unbeschreiblich, unvergleichlich, unendlich und stets seiend,

36.117 wie den Duft in einer Blume und den Glanz in einer Lampe, vom höchsten Purusha untrennbar und nicht verschieden.

36.118 In dieser Haltung verehre mich der Mantraübende durch das Opfer des Aufgehens. Er suche das Tarika-Verfahren auf und verehre mich als Tarika durch sie.

36.119 Dann vergegenwärtige der Verständige, wie ich auf seinen Willen aus dem höchsten Purusha aufsteige, wie ein Blitz aus einer Wolke,

36.120 und auf dem linken Schoß des Gottes der Götter sitze. Erkenne unsere Einheit und unser überaus wohltuendes Wesen.

36.121 Mit den beiden Versen, die mit „golden“ beginnen, nehme man Zuflucht zu Janardana; mit den beiden folgenden spreche man mich huldvoll an, solange ich noch ungetrennt bin.

36.122 Mit dem fünften nehme man Zuflucht, mich innerlich als gnädig vergegenwärtigend. Nachdem man die zuvor erklärte Wirkmacht der Tarika richtig erkannt hat,

36.123 spreche man beim Einatmen innerlich den mit seiner Mudra verbundenen Herbeirufungsmantra, Herr der Götter.

36.124 Dann rufe man mich aus dem Gott auf den Schoß des höchsten Selbst: stets heiter im Gesicht und mit sämtlichen glückverheißenden Merkmalen,

36.125 schön wie das Innere eines Lotus, mit langen dunklen Augen, geschmückt mit funkelnden Hand- und Armreifen, Halsketten und Ohrringen,

36.126 mit tiefem Nabel, schmalem Bauch und drei Falten, mit festen, hohen, vollen, runden Brüsten,

36.127 mit Locken, die von Scharen beweglicher Bienen umschwärmt sind, roten Lippen und Zähnen wie Bambusperlen,

36.128 mit strahlendem Stirnschmuck auf der halbmondförmigen Stirn, mit sämtlichen Kennzeichen der Schönheit und schwarzem lockigem Haar,

36.129 Segen spendend, lotusbehändig und lotusbekränzt, von Vishnus linkem Arm umfasst, meine Lotushand auf seiner Schulter,

36.130 im linken Arm ein göttliches Blütenbüschel tragend; oder mit Segens- und Furchtlosigkeitshänden, oder mit Schlinge und Elefantenhaken,

36.131 im halben Swastika-Sitz verweilend, mit funkelnder Krone. So meditiere man mich und wende meine ewige Mantragestalt sich zu.

36.132 Mit dem Grundmantra und sämtlichen weiteren Mantras vollziehe man wie zuvor die Körpereinsetzung an mir, ohne die Handeinsetzung.

36.133 Blumen, Empfangswasser, Licht, Räucherwerk, Kranz, Salbung, danach Fußwasser und Mundspülwasser bringe man mit ehrfürchtigem Geist dar,

36.134 ebenso eine achtgliedrige Verneigung und innerliche Siegesrufe. Dann zeige man die dir zuvor erklärten Mudras.

36.135 „Willkommen, Lotusäugige! Werde mir gegenwärtig, Lotusgöttin! Nimm diese geistige Verehrung an, die ihrem wahren Sinn entsprechend vergegenwärtigt ist.“

36.136 Nachdem man meine Erlaubnis erhalten hat, vollziehe man das geistige Opfer mit durch Entschluss entstandenen reinen Gaben im höchsten Sinn.

36.137 Nach dem später zu erklärenden äußeren Verfahren verehre mich der ganz darin Bewanderte mit berührbaren und den weiteren Gaben.

36.138 Nach Vollzug bis zur Speisedarbringung vergegenwärtige man den handelnden Guru, ob lebend oder verstorben, und gebe ihm alles.

36.139 Der Mantrakundige teile auch seinen Besitz und einen Speiseanteil aus, mit einem Geist, der Lebende und Verstorbene ihrem wirklichen Wesen nach erfasst.

36.140 Sämtliche später noch einzeln genannten Begleitgottheiten vergegenwärtige er als in mir, ihrer Ursache, aufgegangen, wie Bäume in Samen liegen.

36.141 Mit den jeweiligen Mantras verehre er sie nach dem Auflösungsverfahren. Er vollziehe in der inneren Opferstätte ein heilsames Feueropfer, das die Herrlichkeit der Befreiung schenkt.

36.142 Im dreieckigen, dreifach beschaffenen Feuer inmitten der Grundlage der drei Eigenschaften quirle man das Reibholz der Meditation und lasse das Bewusstseinsfeuer herabkommen.

36.143 Der Verständige versehe es mit den noch zu erklärenden Weihen. In Vishnus Feuer, das in der dreifach gekennzeichneten Grundlage ruht,

36.144 bringe er Brahman als Opfergabe dar, das aus Tarika im Raum am Ende des Nada strömt; er trete dabei durch die Brahmanöffnung ein.

36.145 Dann gehe man zum Feuerhaus, bereite die geklärte Butter nach der Lehre und vollziehe mit ihr die gesamte vorgeschriebene Handlung.

36.146 Am Ende des Feueropfers lege der Verständige die geistige Handlung samt ihrem Entschluss mit der noch zu erklärenden Haltung in mir nieder.

36.147 Die gesamte für das äußere Opfer beschriebene Folge ist hier geistig und aufmerksam zu vollziehen, mit Ansammlungen von Stoffen, die aus mir bestehen.

36.148 Dieses geistige Opfer, das alle Bedrängnisse stillt und alle Früchte schenkt, ist damit erklärt. Es ist bis zum Ende des Körpers zu vollziehen.

36.149 Danach mache man sorgfältig sämtliche äußeren Stoffe zu meiner Gestalt und vollziehe das äußere Opfer, um die aus dem Äußeren entstandenen Prägungen zu beruhigen.

36.150 So ist dir mein inneres Opfer erklärt, Shakra. Höre nun von mir das wahre Wesen des äußeren Opfers.

So endet im Lakshmi Tantra, der Essenz des Pancharatra, das sechsunddreißigste Kapitel: Offenbarung des inneren Opfers.

Textvermerk: Das Kapitel setzt eine achtzehnversige rituelle Fassung des Purusha-Hymnus voraus; es wird hier keine andere Hymnenfassung eingesetzt. Seine Gabenzählungen in 36.77–79 und 36.100–104 sind nicht völlig deckungsgleich. Die Reihenfolge bleibt jeweils erhalten. Die Zusammenfassung als „vierfach“ in 36.92 wird trotz der zuvor zusätzlich erläuterten Klanggaben nicht stillschweigend geändert.


Kapitel 37 – Vorbereitung des äußeren Opfers

Sanskrit IAST: Kapitel 37 · Devanagari: Kapitel 37

Shri spricht:

37.1 Wenn ich mit äußeren Stoffen am Altar und anderen Orten verehrt werde, die durch Vergegenwärtigung als meine Gestalt erkannt und zu Gaben geworden sind, heißt dies äußeres Opfer.

37.2 Die Prägungen gelten als zweifach, durch äußere und innere Ursachen entstanden. Das höchste geistige Opfer beseitigt alle inneren.

37.3 Zur Reinigung der äußeren Prägungen wird das äußere Opfer vorgeschrieben. Auf lehrgemäßem Boden, in einer geschmückten Halle,

37.4 errichte man an der Brahman-Stelle einen Altar mit allen guten Eigenschaften, acht Ellen groß, oder halb so groß, oder nochmals halbiert.

37.5 Eine reinweiße Schnur spanne man in der Altarmitte nach Osten. An ihren beiden Seiten, in der Mitte und an den Halbierungspunkten

37.6 setze man drei Markierungen und schlage fünf Pflöcke ein. An den äußeren und den drei mittleren, insbesondere den beiden benachbarten Pflöcken,

37.7 bestimme man, wohin die Schnurmitte reicht, und setze dort einen Pflock. Dann lege man die beiden Schlaufen an und führe die Mittelmarke heran,

37.8 links und rechts, und setze dort Zeichen. Die beiden Schlaufen lege man am mittleren Pflock an und führe die Schnurmitte

37.9 oberhalb des Zeichens der Reihe nach nach links und rechts. Wo die Schnurmitte hinreicht, setze man einen Pflock.

37.10 Eine Schlaufe lege man am östlichen, die andere am südlichen Pflock an und bilde an ihrer Mittelmarke die im Uhrzeigersinn liegende Ecke.

37.11 Ebenso bilde man durch Anlegen im Norden die nordöstliche Ecke; entsprechend zwischen Westen und Süden sowie Westen und Norden

37.12 lege man die Schlaufen der Reihe nach an und bilde die beiden übrigen Ecken. Zur deutlichen Begrenzung der Fläche spanne man Schnüre an allen vier Seiten.

37.13 Nach Teilung der Fläche in sechzehn Felder bilde man mit den vier Mittelfeldern und den Bereichen von Osten an neun Lotusse.

37.14 Höre, wie der mittlere Lotus achtblättrig gestaltet wird. Man ziehe vier Kreise im Feld und lasse außen ein Achtel frei.

37.15 Fruchtboden, Staubfäden, Blattansatz und Blattglieder bilden der Reihe nach vier maßgerechte Teile; der freigelassene äußere Teil ist der Raum darum.

37.16 In diesen Lotus lege man acht Schnüre in Haupt- und Zwischenrichtungen; zwischen diese nochmals acht Schnüre.

37.17 Mit den Schnüren an den Lotusverbindungen bilde man in Richtungsfolge acht Blätter. Die von selbst entstehenden geordneten Linien gelten als Raumlinien.

37.18 Ebenso verfahre man bei den acht weiteren Lotussen. So entsteht die schöne vorzügliche Stadt mit den guten Merkmalen der neun Lotusse.

37.19 Außen versehe man sie mit Toren, Eckverzierungen und anderem; mit vier Farben unterscheide man Fruchtboden und die weiteren Teile.

37.20 Auf einem Blumenbelag, Stein, Stoff, einer reinen beräucherten unbenutzten Duftunterlage oder bestrichenem Erdboden

37.21 vergegenwärtige der Mantraübende je nach Aufgabe das Neunlotusbild. Oder er fertige nach der Lehrschrift ein Bild entsprechend der Meditationsgestalt.

37.22 Er verehre auch in einem festen, mangelfreien Gefäß aus Gold, Silber oder anderem Material, gefüllt mit Joghurt, Milch oder Wasser,

37.23 bedeckt mit geeigneten Blättern und versehen mit Stoffbändern. Der vorzügliche Mantrakundige vergegenwärtige darin die neun Lotusse und verehre sie.

37.24 So verehre der Mantraübende der Reihe nach im Gefäß, Diagramm oder Bild. Das vorzügliche Neunlotusbild meditiere er als aus sämtlichen Welten bestehend,

37.25 als Zuflucht sämtlicher Götter und als alle Grundlagen umfassend. Dann verehre man es mit Empfangswasser und anderen Gaben, mit Tarika, seinem Namen und „Verehrung“.

37.26 Vier Gefäße aus Gold oder anderen Stoffen fülle man mit reinem Wasser, Duft, Blumen, Edelsteinen, Heilpflanzen und Kusha-Wasser.

37.27 Auf dem Altar vor dem Bild stelle man sie an den vier Ecken auf, der Reihe nach von Südwesten bis Südosten.

37.28 Als Empfangswasser, Mundspülwasser, Fußwasser und Badewasser bereite sie der Übende unter Aussprache der entsprechenden Mantras.

37.29 Zwischen Tara und „ich bereite“ stehen jeweils die Namen. Ein weiteres Empfangswasser für vielfältige Zwecke bereite man im mittleren Gefäß.

37.30 Weiße Senfkörner, Sesam, Durva-Gras, Gerste, weiße Reiskörner, Wasser, Milch und Früchte gelten als Bestandteile des Empfangswassers.

37.31 Man erfülle das Gefäß mit Tarika, deren Leib ein Strom von Nektar ist, und vergegenwärtige darin den Mantrakreis im ungeteilten Zustand.

37.32 Das ungeteilte mittlere Empfangswasser verehre man zuerst mit Blumen und anderem und meditiere es richtig als Feuer und Soma.

37.33 Dies ist die erste Weihe. Höre die zweite: Man verbrenne es mit Scharen heftiger Sonnenstrahlen,

37.34 kühle das Verbrannte mit kalten Vollmondstrahlen und erfülle es mit den Wellen des Nektarozeans der Brahman-Wonne.

37.35 Man bespreche es mit den führenden Mantras von Tarika an, nehme davon Wasser und setze es in die anderen Gefäße.

37.36 Oder man vollziehe dieselbe Weihe für jedes einzelne Gefäß. Aus diesem Wasser bewirke man ihre Erfüllung und Beglückung.

37.37 Mit Surabhis eigenem Mantra forme man die Wunschkuh-Mudra. Surabhi meditiere man weiß wie ein Schneeberg, an der grundlosen Stätte ruhend,

37.38 und zeige mit duftbestrichenen Händen aufmerksam die Mudra, welche ihrem Euter gleicht.

37.39 Mit dem Wasser des Empfangsgefäßes besprenge man Mandala und Halle. Sämtliche Opferstoffe berühre man abwehrend mit dem Waffenmantra.

37.40 Danach überflute man sie mit dem Grundmantra; so wird alles zur Gabe. Dann verneige man sich vor Vishnu und der Lotusgöttin auf seinem Schoß.

37.41 Man verehre sie mit dem Grundmantra, mit Blumen und anderem. Dann nehme man Empfangswasser, Blumen, Räucherwerk, Salbung,

37.42 Licht und Speisegabe und vollziehe die Torverehrung. An der Basis des Türrahmens, außen in der Mitte des Tores,

37.43 verehre man den am Boden stehenden Feldhüter samt Meditation: dunkel wie eine Regenwolke, stabtragend, mit großem Leib.

37.44 Stets meditiere man den Feldherrn mit der linken Hand zur Faust geballt und zeige seine Mudra. Entsprechend verfahre man der Reihe nach bei den übrigen.

37.45 Über dem Tor am oberen Türbalken verehre man Lakshmi, lotusbehändig, auf einem Lotus stehend.

37.46 An der Basis der rechten und linken Türpfosten Chanda und Prachanda; ebenso Jaya und Vijaya außen und innen am Tor.

37.47 Alle von Chanda bis Vijaya sind vierarmig, mit Keule, Rad und Muschelhorn, von großer Stärke,

37.48 die Hingabelosen bedrohend und zur Vernichtung der Fehler bereit. So meditiere und verehre man sie und zeige ihre Mudras.

37.49 Danach verehre man in der Mitte der beiden Türpfosten links und rechts der Reihe nach Ganga und Yamuna.

37.50 Ganga trägt mit beiden Händen einen mit heiligem Wasser gefüllten Krug, ist von jugendlicher Anmut, weiß und lächelnd,

37.51 huldvoll, mit vollmondgleichem Gesicht. Den Fluss Yamuna meditiere man ebenso, jedoch dunkel wie eine Regenwolke.

37.52 In derselben Reihenfolge verehre man im Innern des Tores die Schatzherren namens Muschel und Lotus mit Empfangswasser, Blumen und anderen Gaben.

37.53 Die Schatzherren meditiere man auf Schatzgefäßen sitzend, mit dicken Bäuchen, gelbbraunen Augen, zwei Armen und vom Erhabenen erfüllt.

37.54 Nach dieser Torverehrung nehme man eine Blume vor sich mit Daumen, Zeige- und Mittelfinger unter dem Waffenmantra,

37.55 bespreche sie und meditiere darüber ein scharfspeichiges flammendes Rad, das Feuer und Donnerkeile regnen lässt,

37.56 die Hindernisscharen vernichtend. Man lege es im Opferraum ab und richte den rechten Zeigefinger gerade auf,

37.57 verbunden mit dem Haarschopfmantra, leuchtend wie ein Blitz. Ihn kreisend bewege man sich in das Verehrungsgebäude hinein.

37.58 Mit Empfangswasser und Waffenmantra besprenge man den eigenen Sitz. Darin verehre man den Mantrasitz von der tragenden Kraft an.

37.59 An jeder Stelle zeige man die entsprechende Mudra. Dann nehme man Platz und verehre den im Herzen wohnenden Gott der Götter.

37.60 Den im Herzen ruhenden höchsten Glanz Lakshmi–Narayana, dieses untrennbare göttliche Paar, führe man in beide Augen.

37.61 Alles lasse man zu dessen Wesen werden und betrachte es mit unbeweglichem Blick. In der Halle, am Altar oder wo man sonst verehren will,

37.62 verehre man mit Empfangswasser, Blumen und anderem den Sitz von der Grundlage an. Danach verehre man Dharma und die übrigen in ihren jeweiligen Richtungen.

37.63 Lotus, Sonnenkreis und die weiteren Schichten bis zum Bewusstseinssitz meditiere man übereinander und verehre sie mit Blumen und anderem.

37.64 Zur Rechten der im Mandala befindlichen Gottheit, oberhalb des Mandalas, im Bereich bis zu den Weltaltern von Krita an, von Nordwesten bis Nordosten,

37.65 teile man die Fläche siebenfach. Zuerst verehre man Ganapati, auf einem Lotussitz, im Staubfaden- beziehungsweise Blattbereich des Lotus.

37.66 In den oberen Händen trägt er Gebetskette und Axt, mit den beiden vorderen zeigt er Segen und Furchtlosigkeit.

37.67 Bei den Segens- und Furchtlosigkeitshänden meditiere man jedoch eine der Lehrgebärde entsprechende Form durch Verbindung von Zeigefinger und Daumen.

37.68 Er ist kräftig, dickbäuchig, rund, einhauerig und elefantengesichtig. Die sechs Glieder setze man an sechs Staubfäden des Lotus ein.

37.69 Der Verständige verehre ihn mit seinem Mantra, seiner Mudra und Blumen. Danach verehre er die Göttin Vagishvari mit ihrem eigenen Mantra.

37.70 Sie sitzt auf einem weißen Lotus in den Kreisen von Sonne, Mond und Feuer. Obwohl von allen Begrenzungen frei, hat sie Gestalt angenommen.

37.71 Sie ist unmittelbar meine zuerst hervorgegangene Klangkraft: zweiäugig, zweiarmig, weiß, Muschelhorn und Lotus tragend,

37.72 mit Schmuck und Gewand wie funkelnde Nektarwellen. Danach verehre man den Guru und dessen Guru in ihren aus dem Leben bekannten Gestalten,

37.73 danach dessen Guru, den Höchststehenden, ebenfalls in seiner bekannten Gestalt. Dann verehre man die gestaltlose, einer kompakten Masse gleiche Vorfahrenschar.

37.74 Danach verehre man die ursprünglichen Vollendeten, ganz der Meditation des Erhabenen hingegeben, friedvoll, mit geschlossenen Augen, schönen Gliedern und überragendem Glanz.

37.75 Nachdem man von ihnen die Erlaubnis erhalten hat, rufe man mich herbei und verehre mich auf dem Schoß des Gottes der Götter. Höre, Herr der Götter, die Einzelheiten des Verfahrens.

So endet im Lakshmi Tantra, der Essenz des Pancharatra, das siebenunddreißigste Kapitel: Offenbarung des äußeren Opfers.

Textvermerk: Die Schnurkonstruktion in 37.5–17 ist in der knappen Vorlage nicht überall eindeutig; sie wird hier ohne ein ergänztes Rekonstruktionsdiagramm übersetzt. „Rechts“ und „links“ sind innerhalb der jeweiligen Ritualperspektive zu lesen.


Kapitel 38 – Lakshmi und ihr göttlicher Kreis

Sanskrit IAST: Kapitel 38 · Devanagari: Kapitel 38

Shri spricht:

38.1 Einer ist der Gott Narayana, dessen Leib die vollständigen sechs Eigenschaften sind. Ich bin seine eine höchste Shakti, die ewige Ichheit.

38.2 Um den Übenden Gnade zu erweisen, habe ich Gestalt angenommen. Höre, wie ich auf dem Schoß des Gottes der Götter verehrt werde.

38.3 Nach Erlaubnis Ganeshas und der übrigen rufe man mich aus dem Herzen hervor. Man meditiere das im inneren Opfer verehrte höchste Selbst,

38.4 die vollständig still ruhende Fülle der sechs Eigenschaften, ganz erfüllt von mir als Shakti. Dreimal spreche man Taraka, dreimal Tarika.

38.5 Dann rufe man den Purusha, den Lotusäugigen mit vier kräftigen edlen Armen, herbei, indem man den Mantra in männlicher Form spricht.

38.6 Den höchsten Mantra sprechend lasse man ihn langsam mit dem Ausatmen aus dem Innern der Nase auf dem zwischen Feuer und Soma liegenden Weg hervortreten.

38.7 Den Herrn Lakshmis, Wohnstatt göttlicher Kräfte, lasse man herabsteigen. Oder man meditiere ihn aus der ungeschlagenen Klangstätte hervorgehend, überall zur Gleichheit gelangt,

38.8 wie eine Blitzmasse aus einer Wolke. Inmitten der mit Blumen gefüllten Hände setze man ihn auf den Bewusstseinssitz.

38.9 Gegenwärtigmachung, Einschließung, Festigung und Einsetzung vollziehe man mit vier Mudras richtig im Geist.

38.10 Die Hände halte man zusammen mit den Flächen nach oben und streiche mit den Daumen jeweils über den eigenen kleinen Finger. Dies ist die Gegenwärtigmachung.

38.11 Entsprechend streiche man über Ring- und Mittelfinger; dadurch werden Festigung und Einschließung vollzogen.

38.12 Mit vier Fingern bilde man an beiden Händen Fäuste, halte sie quer einander zugewandt und lege darauf

38.13 die beiden Daumen, Shakra. Dies ist die Einsetzung. Unter Aussprache des Mantras von Tara an geschieht die entsprechende Vergegenwärtigung.

38.14 Bis zur Gabe von Fuß- und Empfangswasser meditiere man Hari stehend, ebenso bei Bad, Schmuck, Kleidung, Kränzen und Verzierung.

38.15 Bei den anderen Gaben meditiere man jeweils eine dazu passende lehrgemäße Haltung, mitfühlend und dem Verehrer zugewandt.

38.16 Bei einem bereits gefertigten Bild bleibt dessen Gestalt bestehen. Während die Gaben dargebracht werden, meditiere man die höchste aus mir bestehende Kraft

38.17 in ihnen gegenwärtig und Hari als ihren unmittelbaren Empfänger. Dann nehme man für den Herbeigerufenen eine volle Blumenhandvoll samt Empfangswasser

38.18 und streue sie mit nach unten gerichteten Händen auf sein Haupt. Mit Tara, Tarika, beiden zusammen und Verehrung verehre man der Reihe nach.

38.19 Mit Blumen, Empfangswasser, Räucherwerk und Salbung, mit Grundmantra und den weiteren Mantras vollziehe man eine kurze oder ausführliche Verehrung je nach verfügbarer Zeit.

38.20 Danach verehre man mit Tarika die unvergleichliche gestaltlose Shakti, die seine Glieder erfüllt; anschließend die Gottheiten in den jeweiligen Gliedern.

38.21 Waffen, Schmuck, Kräfte und die übrigen verehre man mit ihren eigenen Mantras. Dieses große Opfer heißt Aufgehen und gewährt alle Ziele.

38.22 Dann vergegenwärtige man mich aus Vishnus kraftgefülltem Leib hervorgehend: die eine göttliche, höchst strahlende Göttin, die aus allen Kräften besteht,

38.23 deren Leib die sechs Eigenschaften sind, unbeschreiblich, unvergleichlich, überall, jederzeit und in jeder Hinsicht untrennbar von Vishnu,

38.24 aus Mitgefühl zum Wohl des Übenden selbst Gestalt annehmend, ohne den Gott zu verlassen, obwohl ich in gesonderter Gestalt erscheine.

38.25 Nach der genannten Folge rufe mich der Verständige mit dem Mantra herbei und vollziehe die gesamte für die Herbeirufung erklärte Ordnung.

38.26 Er meditiere mich als Vishnus Geliebte auf dessen linkem Schoß. Meine zu meditierende Gestalt wurde bereits beschrieben.

38.27 In mir verehre er der Reihe nach alles nach der Weise des Aufgehens. Dann meditiere er die Kräfte und die weiteren Gestalten aus mir hervorgehend,

38.28 wie Funkenscharen aus einer hell lodernden Flamme. Höre, wie jede an ihrer Stelle der Verehrung einzusetzen ist.

38.29 In der Mitte des Fruchtbodens des mittleren Lotus meditiere man auf dem Bewusstseinssitz den lotusäugigen Purusha und die Lotusgöttin auf seinem Schoß.

38.30 Im Fruchtboden des östlichen Lotus meditiere man die aus Lakshmis Leib hervorgegangene Lakshmi, zweiarmig, zweiäugig und mit schönen Ohrringen,

38.31 mit weißen Kränzen und Gewändern, Halsketten und Armreifen, mit allen glückverheißenden Merkmalen und vollen hohen Brüsten,

38.32 mit Augen weit wie erblühte blaue Lotusse, schönem Lächeln und lieblichen Locken, von beweglichen Bienenscharen umgeben,

38.33 mit leuchtendem Stirnzeichen, roten knospenhaften Lippen, schwarzem lockigem Haar und Zähnen wie Bambusperlen,

38.34 im Lotussitz, Schlinge und Elefantenhaken in den Händen, schön wie das Innere eines Lotus, uns beiden zugewandt.

38.35 In der Mitte des südlichen Lotusfruchtbodens meditiere man eine Göttin mit gleicher Kleidung und gleichem Schmuck wie Lakshmi, oder weiß wie Jasmin:

38.36 Kirti, aus meiner Gestalt hervorgegangen, höchste Verkörperung allen Ruhms. Auf dem Fruchtbodensitz des westlichen Lotus

38.37 meditiere man die aus mir hervorgegangene Jaya, ebenso gestaltet und rötlich. Inmitten des nördlichen Lotusfruchtbodens

38.38 meditiere man die aus mir hervorgegangene Maya, ebenso gestaltet oder rötlich. Im südöstlichen Lotus setze man das Herz, im südwestlichen das Haupt,

38.39 im nordwestlichen den Haarschopf, im nordöstlichen den Panzer; auf dem vorderen Blatt des mittleren Lotus die Augen, in den Ecken die Waffe.

38.40 Vor den Augen meditiere man den Gott Vasudeva; auf dem südlichen Blatt des mittleren Lotus den Herrn Sankarshana.

38.41 Auf dessen westlichem Blatt meditiere man Pradyumna, auf dem nördlichen Aniruddha. Auf den vier Eckblättern

38.42 hinter der Waffe meditiere man die nektarleibigen Elefanten Gulgulu, Gurunya, Madana und Shalala,

38.43 mit Nektarkrügen in den Händen, weiß wie Muscheln und Jasmin, mit vier Hauern. Auf den Blättern von Lakshmis Lotus setze man ringsum Kaustubha ein.

38.44 Auf den Blättern des Herzenslotus entsprechend die Waldgirlande, auf denen von Kirtis Lotus den Schmucklotus.

38.45 Auf den Blättern von Jayas Lotus und auf denen des Panzerlotus setze man entsprechend die Lotusse ein, in diesen vier Gruppen von Lotusblättern. [Die Zuordnung dieses Verses ist in der Vorlage verkürzt.]

38.46 Auf den Blättern des Hauptlotus setze man den vorzüglichen Elefantenhaken ein. Vor den vier Toren setze man Garuda, den Besten der Vögel.

38.47 Oder man ordne die Elefanten vor den ihnen zugehörigen Toren an. Am Osttor setze man die lotusbehändige Balakika ein,

38.48 weiß, mit Lotusblattaugen, huldvoll und klein von Gestalt. Am Südtor entsprechend die dunkle Vanamalika,

38.49 inmitten des Westtores die rote Vibhishika, im Nordtor Shankari mit honigfarbenem Glanz.

38.50 Außen vor den Toren, von Osten bis Nordosten, meditiere man die acht Weltenhüter von Indra an samt ihren Reittieren.

38.51 Darunter und darüber meditiere man Schlangenherrn und Brahma; außen ihre Waffen von Donnerkeil an.

38.52 Zwischen Norden und Nordosten meditiere man den Herrn Vishvaksena im Raum, edelgliedrig, aus dem Himmelsraum herankommend.

38.53 Höre nun die Meditation der noch nicht beschriebenen Gestalten, Purandara: nektarwesig, wolkenfarben, mit langen lotusgleichen Augen,

38.54 mit Muschelhorn, Rad, Keule und Lotus, Shrivatsa auf der Brust, gelb gekleidet und vierarmig meditiere man Vasudeva.

38.55 Sankarshana meditiere man weiß wie eine Schneemasse, blau gekleidet, vierarmig, mit Pflug und Saunandaka-Keule,

38.56 mit Segen und Furchtlosigkeit gewährenden Händen, fähig, Versunkene emporzuziehen. Pradyumna meditiere man rot, rot gekleidet,

38.57 mit Sharnga-Bogen und Pfeilen, Segen und Furchtlosigkeit spendend. Aniruddha meditiere man gelb, mit hellem Gewand,

38.58 Schwert und Schild tragend, Segen und Furchtlosigkeit gewährend. Alle diese lotusäugigen Purushas sitzen,

38.59 zur herrschenden Richtung, zu mir und zum ewigen Vishnu blickend. Die Elefanten gleichen Schneebergen und begießen uns aus Nektarkrügen.

38.60 Weißrötlich, weiß gekleidet, vierarmig, im Lotussitz, mit Lotus und Muschelhorn in den Händen,

38.61 eine Hand mit Herzensmudra, die linke stets Furchtlosigkeit gebend, mit weißem Schmuck und Gewand, mit Kampfer gesalbt,

38.62 uns beiden zugewandt sitzend meditiere der Kundige den Herzensmantra. Rot wie die Bandhuka-Blüte, Lotus und Rad tragend, meditiere er die folgende höchste Gestalt.

38.63 Dunkel wie Krähenfarbe und Augensalbe, Lotus und Kaumodaki-Keule tragend, rechts die eigene Mudra und mit der anderen Hand Furchtlosigkeit zeigend,

38.64 mit Moschus gesalbt und mit dunklen Blumen und anderem geschmückt, uns beiden zugewandt sitzend meditiere man den Herrn als Panzer.

38.65 Gelbrot wie Kurkuma, Keule und Lotus tragend, die beiden vorderen Hände mit der eigenen Mudra beschäftigt,

38.66 mit goldener Kleidung und Schmuck, mächtig wie das Auflösungsfeuer, uns beiden zugewandt sitzend meditiere man die tatkräftige Waffe.

38.67 Oder der vorzügliche Übende meditiere diese Gestalten vom Herzen an als Frauen, mit der genannten Kleidung und dem Schmuck sowie jeweils angemessener Salbung.

38.68 Damit ist die heilvolle, alle Verfehlungen beseitigende Meditation der Glieder erklärt. Kaustubha meditiere man zweiarmig, strahlend wie tausend Sonnen,

38.69 mit leuchtendem Gewand und Schmuck, die eigene Mudra am Herzen haltend. Die Waldgirlande meditiere man fünffarbig, schön und mit heilsamem Blick,

38.70 einer reifen Frau gleich, mit beiden Händen ihre Mudra haltend. Den Lotus meditiere man mit Lotusgesicht, huldvoll und mondgleich,

38.71 zweiarmig, an allen Gliedern schön, mit beiden Händen seine Mudra haltend. Den Schlingenherrn dunkelgrün wie frische Durva-Sprossen, schlangengesichtig,

38.72 zweiarmig, mit der rechten Hand seine Mudra und mit der anderen Segen zeigend, furchtbar und furchterregend.

38.73 Den Elefantenhaken meditiere man scharf, langnasig und schrecklich, rechts die Mudra, links den Segen zeigend.

38.74 Die Weltenhüter sind hinsichtlich Kleidung, Gestalt und Schmuck bekannt. Die Waffen sind menschengestaltig und tragen ihr jeweiliges Zeichen auf dem Haupt.

38.75 Vishvaksena meditiere man vierarmig, mit Muschelhorn und Rad, unmittelbar Vishnu gleich; die beiden anderen Hände vollziehen die Mudra.

38.76 Vor dem Tor meditiere man Garuda mit furchtbaren Augen, rotem Schnabel, großer Nase und dem Glanz geschmolzenen Goldes,

38.77 mit breiten Hauern, Geiergesicht und ausgebreitetem Flügelkreis. So ist dir die Meditation der Begleitgestalten kurz erklärt.

38.78 Über unseren groben Gestalten meditiere man die feine Tarika, die unsere feine Paarung trägt, makellos, gleichsam sichtbar und unsichtbar.

38.79 Darüber meditiere man die höchste Tara, Bewusstsein der vollständigen sechs Eigenschaften, unsere höchste göttliche Paarung.

38.80 Überall hat sie Hände und Füße, Augen, Häupter und Gesichter. Beständig erhoben erhellt sie durch ihren eigenen Glanz Wort und Bedeutung.

38.81 Darin besteht der gesamte Mantrakreis wie ein Spiegelbild. So erkenne man die höchste Tarika, die sich in vorwärts und rückwärts laufenden Folgen entfaltet,

38.82 ihrem wahren Wesen nach und verehre sie entsprechend der Einsetzung. Zuerst verehre der Mantrakundige uns beide, makellos und Wohnstatt aller Dinge,

38.83 mit der Gabengruppe von Empfangswasser bis Speise; danach die Begleitung von den Kräften bis Vishvaksena.

38.84 Ganz zuerst verehre man Garuda und die vier Torhüterinnen. So ist dir die Einsetzung nach der Ordnung des Gabenopfers gezeigt, Shakra. Höre nun Zahl und Art der Gaben.

So endet im Lakshmi Tantra, der Essenz des Pancharatra, das achtunddreißigste Kapitel: Offenbarung des äußeren Opfers.

Textvermerk: Die Einsetzungsfolge um 38.45 ist unvollständig verständlich; in 38.62–64 sind die einzelnen Gliedererscheinungen nicht durchgehend ausdrücklich benannt. Hier werden keine fehlenden Bildbeschreibungen ergänzt.


Kapitel 39 – Gaben und Gebetskette

Sanskrit IAST: Kapitel 39 · Devanagari: Kapitel 39

Shri spricht:

39.1 Höre die Gaben, durch deren Darbringung ich erfreut werde, Herr der Götter. In ihnen steht meine entfaltete Kraft zur Erfahrung des Erfahrbaren bereit.

39.2 Bei der Bereitung der jeweiligen Gaben nach den eigenen Möglichkeiten vergegenwärtige man sie als durch mannigfaltige verdichtete Erscheinungen göttlicher Kraft

39.3 vollständig erfüllt und des Herrn würdig. Zuerst einen vorzüglichen Sitz mit weicher Unterlage,

39.4 Empfangswasser, Fußwasser, Honigmischung und Mundspülwasser; danach, mit Verneigung beginnend, die Darbringung seiner selbst und des Eigenen.

39.5 Nach Erbitten der Erlaubnis folgen ein vorzüglicher Badesitz, ein Fußschemel, Empfangswasser und ein Gefäß zum Auffangen des Fußwassers,

39.6 Fußwasser, Sandalen, Badetuch, eine Reisgabe, Spiegel und duftendes Wasser zum Waschen der Hände,

39.7 Zahnreinigungshölzchen, Wasser zum Waschen des Gesichtes und Mundspülen, Duftöl und Pulver aus Reis und Weizen,

39.8 mit Kurkumapulver vermischt und leicht mit Padmaka durchduftet, zum Einreiben; danach eine mit Ölkuchen verbundene Waschmischung,

39.9 warmes Wasser und Sandel mit Kampfer zur Salbung, Kuhmilch, Joghurt, geklärte Butter, Honig und Zuckerrohrsaft,

39.10 wohlriechende Amla-Früchte, Lodhra-Wasser, Rotsandelwasser und vorzügliches Kurkumawasser,

39.11 dann Granthiparni-Wasser, Tagara-Wasser, Wasser mit Priyangu, Jatila, weißen Senfkörnern und sämtlichen Heilpflanzen,

39.12 Blumen-, Blätter- und Fruchtwasser, Samen- und Duftwasser, Wasser mit Gold und Edelsteinen, Flusswasser, heiliges Wasser und reines Wasser der Reihe nach.

39.13 Diese Wasser gebe man mit dem geweihten Badewasser verbunden. Zwischen den einzelnen Bädern gebe man Empfangswasser aus dessen Gefäß.

39.14 Dazwischen spüle man mit Blumenwasser. Einen Krug, gefüllt mit dem übrigen Badewasser, Kurkuma und Reis,

39.15 versehen mit Kränzen und anderem, nehme man in eine Hand; in die andere ein Räuchergefäß mit weißen Senfkörnern. Man schwenke es über dem Haupt

39.16 und bringe es nach draußen. Dann gebe man zwei gut gewaschene Tücher, eines zum Trocknen der Haare, eines zum Trocknen des Körpers.

39.17 Zwei schöne, gut gewaschene, mit Duft und Rauch durchdrungene Gewänder gebe man als Unter- und Obergewand, dann einen guten Sitz.

39.18 Mit vollen Krügen vollziehe man Reinigung und meditiere Hari als im Raum gebadet. Danach gebe man einen Schmucksitz mit weicher Unterlage.

39.19 Dort gebe man wie zuvor Empfangswasser, Fußwasser und alles Weitere; man scheitle und reinige das Haar mit einem Kamm,

39.20 gebe Kopfblumen, bereite den Haarschmuck, trage Sandel und andere Düfte auf und fächle zum Trocknen.

39.21 Höchst wunderbaren Schmuck von der Krone an gebe man, dazu verschieden gestaltete Kränze aus klaren, reinen Blumen,

39.22 eine Blumenhandvoll zu beiden Füßen, einen Blumenwall und kühlende duftende Augensalbe für die Augen,

39.23 ferner Berührung beziehungsweise Salbung und ein Stirnzeichen, einen sauberen klaren Spiegel und Betrachtung von allen Seiten,

39.24 Licht und Räucherwerk, belebte oder unbelebte Träger und Fahrzeuge, Lobpreis, Segensgesänge, Tanz und Instrumentalmusik,

39.25 edelsteingefüllte Zusatzgaben zur Ergänzung fehlender Darbringungen und innerlich gestaltete Handlungen, wie sie dem König der Könige gebühren.

39.26 Diese aus mir bestehenden Gaben gelten dem auf dem Schmucksitz Weilenden. Dann gebe man einen Speisesitz und wiederum Empfangswasser, Fußwasser und die weiteren Gaben.

39.27 Man verehre mit der Honigmischung; vernimm ihre Bereitung: Milch, Honig und Joghurt werden verbunden.

39.28 Das damit gefüllte Gefäß stelle man vorn auf. Aus dem Empfangswasser bereite man ehrendes Wasser und Sättigungswasser in zwei gesonderten Gefäßen.

39.29 Zuerst ehre man mit dem ehrenden Wasser, dann gebe man die Honigmischung, danach Sättigung mit dem Sättigungswasser und Reinigung der Hand.

39.30 Danach gebe man Mundspülwasser; als Zusatzgabe zur Honigmischung eine Kuh. Wie bei der Honigmischung verehre man dann mit dem Nahrungsopfer samt seinen Bestandteilen.

39.31 Für das Nahrungsopfer gebe man Zusatzgaben aus gekochtem Reis. Danach reiche man Betel mit Kampfer als nachfolgende Duftgabe.

39.32 Zur Ruhe gebe man danach ein höchst wunderbares Gemach; dort reiche man wieder alle Gaben von Empfangswasser an.

39.33 Anschließend wiederhole man den Mantra, von anderen Menschen unbemerkt, mit einer schönen, ordnungsgemäß durch Mantra geweihten Gebetskette.

39.34 Das Zählen mit Fingern ist gewöhnlich, mit Fingergliedern zehnfach höher; das Zählen mit der Gebetskette gilt als hundertfach oder noch höher.

39.35 Lautes Wiederholen dient geringeren Handlungen, Flüstern der Vollendung; geistiges Wiederholen schenkt die Herrlichkeit der Befreiung, meditatives Wiederholen jede Vollendung.

39.36 Die Gebetskette halte man so, dass gewöhnliche Menschen sie nicht sehen. Perlen von der Größe eines Aksha-Kerns gelten als die besten,

39.37 von der Größe eines Amla-Fruchtkerns als mittlere, von der Größe eines Jujubekerns als geringere. Die beste Kette hat 108 Perlen,

39.38 die mittlere die Hälfte, die geringere nochmals die Hälfte. Gold dient der Erlangung von Besitz, Gedeihen und dem Vorfahrenritual,

39.39 Silber und Kupfer der Einsicht, Wirkkraft und dem Sieg; Zinn der Verwirklichung einer Yakshini, Blei der von Rakshasas und Pishachas,

39.40 Messing der Verwirklichung eines Vetala; eine Bronzekette gilt als Mittel bei der Verwirklichung von Nagas und Schlangenwesen.

39.41 Eisen dient geringeren magischen Handlungen. So sind die Metallperlen erklärt. Sämtliche Edelsteinperlen dienen Leben, Gesundheit und Wohlergehen.

39.42 Kristall gilt als Mittel für Befreiung und Frieden; Koralle für Glück; eine aus Faden gefertigte Kette für Befreiung.

39.43 Perlen aus Tulasi-Wurzel dienen Frieden, Befreiung und Gedeihen; Lotusperlen gewähren jede Vollendung, Muschelperlen gelten als Mittel für Shri.

39.44 Eine vorzügliche Perlenkette schenkt Lebensdauer, Nachkommen und Ruhm. Eine dieser Arten nehme man zu einer günstigen Zeit von guten Eigenschaften.

39.45 Danach wasche man sie mit Duftwasser unter dem Waffenmantra. Aus Hanf, Baumwolle oder Wolle fertige man eine neue feste Schnur,

39.46 dreifach und nochmals dreifach oder vierfach, sodass sie fest ist. Nach Waschen mit Waffenmantra-Wasser fädle man die Perlen darauf,

39.47 in genau der richtigen Zahl, gleichmäßig, unbeweglich und durch Knoten getrennt. An der Verbindung der beiden Enden der mit der gewünschten Zahl bestückten Schnur setze man eine Perle als Meru. Dies ist das Verfahren der Gebetskette.

So endet im Lakshmi Tantra, der Essenz des Pancharatra, das neununddreißigste Kapitel: Offenbarung des äußeren Opfers.

Lesehinweis: Die umfassende Liste der Gaben beschreibt ein königliches Verehrungsideal. Der Text eröffnet in 39.2 ausdrücklich eine der eigenen Kraft entsprechende Ausführung. Die Zuordnungen von Kettenmaterialien zu Wirkungen sind religiös-rituelle Überlieferung.


Innere Sammlung begleitet die Verehrung. Moderne Chakrabilder geben nicht die besondere Lotusordnung dieser Schrift wieder.

Kapitel 40 – Weihe der Gebetskette, Feueropfer und tägliche Praxis

Sanskrit IAST: Kapitel 40 · Devanagari: Kapitel 40

Shakra spricht:

40.1 Verehrung dir, Wassergeborene, Lotusgeborene! Erkläre die Weise der Weihe der Gebetskette, Lotusgöttin.

Shri spricht:

40.2 Die fertiggestellte Gebetskette lege man in ein schönes Gefäß, verehre sie mit Empfangswasser, Blumen und anderem und vollziehe ihre Reinigung.

40.3 Man verbrenne sie innerlich mit der Waffe, kühle sie mit dem Panzer und erfülle sie durch Shri in Gestalt des höchsten Unsterblichkeitstranks. Dann meditiere man diese Kette

40.4 als vierarmige, unvergleichliche, aus mir bestehende weitere Gestalt meiner selbst, zwei Hände Segen und Furchtlosigkeit zeigend, zwei gefaltet.

40.5 Die Göttin meditiere man flammengleich auf dem Lotus an der Brahmanöffnung: die höchste zu Vishnu gehörende Kraft, aus mir bestehend und von mir ungetrennt.

40.6 Nach ihrer Vergegenwärtigung am Dvadashanta meditiere man sie der Reihe nach im Herzlotus, dann wieder daraus aufsteigend und durch die Brahmanöffnung austretend,

40.7 langsam aufleuchtend und in der Kette ruhend, mit der Ordnung der Haupt- und Nebenglieder, in grober, feiner und höchster Gestalt.

40.8 In dieser Kraft meditiere man mich als Tarika, Herr der Götter: Perlen, Schnur, Kette und die darin wohnende Vishnu-Kraft

40.9 meditiere man sämtlich als einen Ozean in mir. Diese geweihte Gebetskette vergegenwärtige man als von mir gegeben.

40.10 Danach vollziehe man die Wiederholung nach der zuvor genannten Vorschrift. Das noch ungeöffnete Höchste, das Höchste, Feine, Grobe und das eigene Selbst

40.11 meditiere man als diese Fünfheit in Lakshmi–Narayana-Gestalt; ebenso das Jenseits des Vierten, das Vierte, Tiefschlaf, Traum und Wachen,

40.12 die fünf Zustände samt Handelndem, Werkzeugen und Weiterem, das Öffnen des Handelnden, das darin liegende innere und das äußere Werkzeug,

40.13 ebenso den groben Mantralaut: Alles meditiere man als davon erfüllt. Inmitten des Herzlotus vergegenwärtige man die aus meinem Lotusmund hervorgehende

40.14 Klangkraft Vishnus, von mir ungetrennt; daraus hervorgehend die Matrika, Mutter der Mantras.

40.15 Die Kette meditiere man als aus mir und danach aus dem zu wiederholenden Mantra bestehend. Die Mantras vergegenwärtige man darin wie Blüten an einer Ranke.

40.16 Beim Berühren einer Perle meditiere man das Aufleuchten des Mantraherrn, beim Weitergehen sein Aufgehen im Herzen. So wiederhole der Verständige.

40.17 Das innere und äußere Hervortreten und Zurückgehen aus dem Herzenslicht bedenkend, wiederhole man einmal: Dies entspricht einer Koti Wiederholungen.

40.18 Nach regelgerechtem Abschluss lege man die vollzogene Wiederholung in mir nieder und meditiere die Wiederholungskraft im Innern meines Mundes.

40.19 Bei Licht, Räucherwerk und Empfangswasser lasse man die Glocke ertönen; ebenso bei Herbeirufung, Empfangswasser, Speise und Honigmischung.

40.20 Auch beim Wohlgefallenswunsch verwende der Verständige den Glockenklang. Man bewege sie nicht ohne Verehrung und verehre nicht ohne sie,

40.21 wenn man Vollendung der Handlungen hier und jenseits wünscht. Denn die Glocke genannte Kraft ist die Herrin der Rede, Sarasvati.

40.22 In der Rede stehen alle Mantras, in den Mantras alles Bezeichnete. Wenn die Glocke bewegt wird, eilen die Mantras wie Kälber

40.23 sehnsüchtig zu ihr, der Mantramutter. Man meditiere das Weltei mit seinen vielen Welten nach unten geöffnet,

40.24 als Glockenkörper, darüber ihren Stiel und einen runden, schönen weißen achtblättrigen Lotus mit Fruchtboden und Staubfäden.

40.25 Darin meditiere man die achtarmige Glockengöttin. Mit den vier Haupthänden trägt sie Schlinge, Muschelhorn, Lotus und Elefantenhaken,

40.26 mit den vier übrigen Gebetskette, Erkenntnisbuch sowie Furchtlosigkeit und Segen.

40.27 Sie sitzt im Lotus, ist lotusäugig, leuchtet wie ein Lotusinneres, trägt eine Lotusgirlande, gelbweiße Kleidung und Salbung,

40.28 lässt Mantraströme hervorgehen und wird von Brahma und den übrigen gepriesen. Unter langgezogener Aussprache der gepaarten Tarika bewege man sie.

40.29 Wer so mit ihr verehrt, erreicht Mantravollendung. Danach rufe man die Gurus oder von mir erfüllte Vishnu-Verehrer herbei

40.30 und gebe ihnen unter Aussprache meines Mantras die Hälfte der Speise. Dann sättige man mich als höchste Feuer-Soma-Kraft im Feuer.

40.31 Vernimm dies genau, Herr der Götter. Nördlich des Gottesraums oder außerhalb davon

40.32 errichte man auf geeignetem Boden eine regelgemäße Feuergrube, gleichmäßig viereckig oder schön lotusförmig.

40.33 Für fünfzig Opferungen sei sie zwölf Fingerbreit, für 108 eine Aratni, für tausend eine Elle groß.

40.34 Für zehntausend zwei Ellen, für hunderttausend vier, für eine Koti acht Ellen. So lasse man sie lehrgemäß errichten.

40.35 Oder man mache die Feuergrube dreieckig mit drei Einfassungen. Zuerst hebe man unter Tarika die Erde aus und besprenge den Boden dreimal damit.

40.36 Mit Tarika vollziehe man Austrocknung, Verbrennung und Überflutung. Von der tragenden Kraft bis zum Bewusstseinssitz ist alles zu verehren.

40.37 Dorthin lasse man die höchste lichtvolle Kraft namens Narayana herabsteigen, aus mir bestehend, nektargestaltig und alle Vorzüglichkeiten umfassend,

40.38 in der Gesamtheit aller Kräfte und im Innern aller Dinge gegenwärtig, ewig, aus dem Herzlotus auf dem Schöpfungsweg hervortretend.

40.39 In Gestalt des Aufleuchtens der Tarika lasse man sie aus dem Herzlotus herabsteigen und mit dem Ausatmen in den Lotus inmitten der Feuergrube eintreten.

40.40 Nach Verehrung mit Duft, Blumen und anderem und nach Zeigen der Lotusmudra meditiere man die Kraft in ihrer fruchtbaren Zeit, gut gebadet und frisch gekleidet.

40.41 Diese allumfassende Kraft meditiere man als unteres Reibholz, Hari als oberes, aus sämtlicher Leuchtkraft bestehendes Reibholz.

40.42 Mit Tarika und Anutarika vollziehe man das Quirlen. Das entstandene, aus der Kraft geborene Feuer nehme man mit Tarika auf,

40.43 umfasse es mit den Fingern und weihe es unter dem Vishnu-Namen. Mit Tarika vollziehe man erste Nahrung und danach Haarschur.

40.44 Dann führe man das Feuer mit Tarika und Anutarika zur Schülerweihe und vollziehe anschließend mit den Göttinnen Svaha und Svadha

40.45 seine Vermählung, wiederum mit Tarika und Anutarika. Geburt, Namengebung und sämtliche weiteren Handlungen sind meditativ zu vollziehen.

40.46 Bei einem nach der Aufgabe aus Metall, Stein oder Kristall erzeugten Feuer oder bei gewöhnlichem Feuer vollziehe man die Weihen von der Zeugung an.

40.47 In ein Metallgefäß oder neues Tongefäß gesetzt, verehre der Verständige den Herrn Svahas samt seiner Göttin mit Tarika.

40.48 Mit dem Einatmen ziehe man ihn in sich zurück und lasse ihn zur Ruhe kommen; durch die Wonne-Kraft verbinde man ihn der Reihe nach mit der Auflösung.

40.49 Dann lasse man ihn auf dem Schöpfungsweg Stufe um Stufe wieder herabsteigen und mit Tarika in den Lotus in der Grubenmitte eintreten.

40.50 Das aus Feuer und Soma bestehende Feuer, Herrn Svahas und Svadhas, verehre man mit drei Brennhölzern, bei jedem Tarika sprechend.

40.51 Danach Reis, Sesam und ungebrochene Körner, dann drei Buttergaben. Zuerst Tarika, dann zweimal „Erwecke!“ spreche man.

40.52 Das dort befindliche, richtig beschenkte Feuer erwacht von selbst. Mit Tarika und feuchter Hand vollziehe man die Umkreisung mit Feuer.

40.53 Mit Tarika breite man in den vier Richtungen Darbha-Gras jeweils dreifach aus; nördlich der Grube eine weitere Graslage.

40.54 Darauf lege man Wasser- und Sprenggefäß, Schöpflöffel, Brennholz, große und kleine Opferkelle, Buttergefäß und zwei Reinigungsgräser.

40.55 Mit Tarika fülle man das Wassergefäß mit Duftwasser, reinige es dreimal mit den beiden Reinigungsgräsern und meditiere mich, Shri, durch Tarika.

40.56 Man stelle es nördlich des Feuers auf und fülle das Sprenggefäß mit Shri. Nach dessen Reinigung besprenge man gleichmäßig die Opfergeräte.

40.57 Man nehme das Buttergefäß, lege Butter hinein und meditiere sie als Brahman aus dem Butterozean, nördlich des Feuers.

40.58 Mit Tarika erhitze man sie, lege zwei Grasspitzen hinein, erhitze erneut und vollziehe die Feuerumkreisung.

40.59 Hinter dem Feuer aufgestellt, reinige man sie mit den zwei Reinigungsgräsern und werfe diese mit Tarika ins Feuer.

40.60 Man umgebe das Feuer in vier Richtungen mit geeigneten Einfassungshölzern und lege zwei Brennhölzer in der Grube in Feuer- und Ishana-Richtung.

40.61 Dann lege man fünfzehn trockene Brennhölzer auf, besprenge das Feuer mit Tarika und erhitze die beiden Opferkellen.

40.62 Man wische sie mit Tarika ab und besprenge sie. Mit der großen Kelle lasse man von Nordwesten nach Südosten und von Südwesten nach Nordosten

40.63 einen Strom ins Feuer fließen; in die Mitte gebe man eine kleine Kellengabe. Danach 108, die Hälfte davon oder nochmals die Hälfte

40.64 Buttergaben mit der kleinen Kelle, jeweils Tarika mit svaha am Ende sprechend. So wird das Feuer geeignet, die Opfergaben zum Erhabenen zu tragen.

40.65 Danach lege der Verständige mit Tarika sieben Brennhölzer auf, aus Opferholz, zunächst von Brahmanen- und Kriegerbäumen.

40.66 Zehn weitere Holzgaben gebe man mit Tarika. In der Mitte vergegenwärtige man mich als Höchste auf Vishnus Schoß.

40.67 Lakshmi meditiere man auf dem Schoß des Herrn, der auf dem Fruchtboden des Lotus der Brahman-Wonne sitzt; so gebe man alle diese Brennhölzer.

40.68 Danach eine Blumengabe und eine Räucherstoffgabe. Diese drei Arten gebe der Einsichtige mit der Hand.

40.69 Die Honigmischung opfere er danach mit der kleinen Kelle. Viermal lege er Speise in die große Kelle und fülle sie wie zuvor mit Butter.

40.70 Damit gebe er die Speisegabe, Tarika mit svaha am Ende sprechend. Mit der kleinen Kelle gebe er so viele Buttergaben wie zuvor Brennhölzer.

40.71 Mit einer Blumenhandvoll verehre er mich innerlich im Feuer. So weit reicht mein tägliches Opfer. Danach kann er Wunschopfer darbringen,

40.72 wenn er Wünsche hat, jeweils nach der entsprechenden Vorschrift. Mit Tarika besprenge er das Feuer und gebe Sühnegaben,

40.73 zehnmal mit Tarika, innerlich „Verzeih!“ sprechend. Das Wassergefäß nehme er zurück und gieße es an einem reinen Ort aus.

40.74 Er lege sämtliche Einfassungshölzer ins Feuer und vollziehe die gemeinsame Ausgießung. Die Graslage werfe er ins Feuer und fülle die Kelle mit Butter.

40.75 Er gebe die vollständige Opfergabe, Tarika langgezogen mit svaha am Ende sprechend. Die höchste aus mir bestehende Tara samt Kraft im Feuer

40.76 und mich auf Vishnus Schoß ziehe er durch den Nasenverbindungsweg mit der Atemkraft an sich und setze uns in den Herzlotus ein.

40.77 Zum Verehrungsplatz zurückgekehrt vereinige er dies mit mir im Neunlotusbild und lege die vollzogene Handlung in mir als Bildgegenwart nieder.

40.78 Bereits vor der Speisedarbringung teile man Nahrung ab. Mit dieser verehre man den vierarmigen Vishvaksena,

40.79 den man aus dem Himmelsraum an den Rand des Mandalas herbeiruft: wie ein junges Mangoblatt, mit gelbbraunen Brauen, Bart und Augen,

40.80 gelb gekleidet, vierhauerig, mit seinen beiden Mudras, Keule und Schwert tragend. Der Verständige verehre ihn der Reihe nach.

40.81 Nach Zeigen seiner Mudra samt Gliedern gehe man zur Feuergrube und sättige Vishvaksena hingebungsvoll mit Sesam und ungebrochenen Körnern.

40.82 Mit seinem auf vaushat endenden Mantra gebe man eine vollständige Opfergabe. Nach Verehrung im Mandala vollziehe man seine Entlassung,

40.83 mit seinem Mantra und „Verzeih!“, Vorzüglichster der Götter. Man zeige die Mudra und meditiere ihn in den Himmel aufsteigend.

40.84 Sämtliche Vishvaksena-Gaben lege man in tiefes Wasser. Das Mandala überflute man mit Wasser, das mit dem Waffenmantra besprochen wurde.

40.85 Danach verehre man sämtliche Weltenhüter mit Blumen und Empfangswasser bis zur Speisegabe sowie mit je einer Feuergabe,

40.86 oder nach Kräften mit weiteren Feueropfern, jeweils mit ihren eigenen Mantras. Nach Verehrung und Entlassung verehre man auch ihre Waffen.

40.87 Sämtliche Begleitgestalten von Feldhüter an verehre man an ihren jeweiligen Stellen und sättige sie auch im Feuer.

40.88 Von der tragenden Kraft an verehre man alle Sitzkräfte sowie Ganesha und die übrigen und sättige sie mit Butter und anderen Gaben.

40.89 Einmal oder dreimal gebe man für alle vollständige Opfergaben. Lakshmi und die übrigen verehre man sämtlich vor Vishvaksena,

40.90 die Weltenhüter der Reihe nach nach ihm. Danach reinige man den Altar und breite Darbha-Gras nach Süden aus.

40.91 Die Vorfahren verehre man der Reihe nach mit dem Rest der Speisegabe. Daraus bilde man drei Speiseballen und lege sie ihnen auf die Graslage.

40.92 Aus dem Empfangswasser gebe man jedem eine Handvoll Wasser. Oder man gebe einem vorzüglichen Vishnu verehrenden Brahmanen

40.93 die Speise für die Vorfahren unter Nennung ihrer jeweiligen Namen. Alles lege man in mir nieder und vergegenwärtige das Verschwinden.

40.94 Empfangswasser und die übrigen Gaben nehme man zurück, ebenso Panzer, Waffe und Einsetzung. Danach vollziehe man das Nachopfer der eigenen Mahlzeit.

40.95 Mit Waffe und Tarika besprenge man die Speise, umgieße sie mit Tarika, lege Wasser als Grundlage und gebe damit die Opfergaben an die Lebensatemkräfte.

40.96 Ein Uneingeweihter vollziehe das Nachopfer mit den jeweiligen Mantras verbunden unter Aussprache der Tarika und vergegenwärtige mich im Innern,

40.97 göttlich, aus Soma und Wonne, allmählich zur Nahrung geworden, als Wirkkraft und Geschmack, aus Leuchtkraft, unverminderter Wirksamkeit und Stärke bestehend.

40.98 Sich selbst meditiere man als den unvergänglichen Erfahrenden, Herrschermacht, Kraft und Erkenntnis, als lotusäugigen höchsten Purusha.

40.99 Unter Tarika beschließe man die Nahrung mit Wasser, vollziehe zweimal das rituelle Wasserschlucken und lege das Nachopfer in mir nieder.

40.100 Den Rest des Tages widme der Verständige dem Selbststudium: den vier Arten der Lehrschriften und der daraus hervorgegangenen Tarika-Lehre.

40.101 Auch sämtliche Lehrsysteme prüfe er mit unanhaftendem Geist durch eigene Einsicht zur Reinigung seiner inneren Haltung.

40.102 Nach regelgerechter Dämmerungsverehrung und innerlichem Herantreten zu mir übe er Yoga mit einem durch die Lehre gereinigten Geist,

40.103 in der ersten und letzten Nachtwache, bei ausgeglichenen Körperbestandteilen. So ist dir die Opferordnung ausführlich gezeigt, Shakra.

40.104 Höre nun ihre Kurzfassung. Verkürzung oder Ausführlichkeit richte man nach Ort und Zeit.

40.105 Man unterbreche die Verehrung nicht; selbst mit gefalteten Händen verehre man mich. Uns beide gemeinsam verehre man mit dem Purusha-Hymnus

40.106 oder mit meinem Hymnus, oder einzeln mit beiden. Oder man setze Tarika an die Stelle sämtlicher Mantras.

40.107 Entschluss und Niederlegung vollziehe man nur am Anfang und Ende, ohne jede Gabe eigens zu benennen; oder man verehre allein mit den Mantras.

40.108 Man handle jeweils so, wie man es vermag. Die Verehrung aber gebe man nicht auf; selbst eine Handvoll Wasser bringe man dar.

40.109 Fehlen die Stoffe, rezitiere der Verständige Tarika und vergegenwärtige innerlich ihre jeweilige Gestalt.

40.110 Für den Reinen ohne Begehren, der das Ziel in der höchsten Stätte erreicht hat, können alle von der Lehre gezeigten Handlungen zur Zerstreuung werden.

40.111 Wenn er überall ausgebreitet und zur Gleichheit gelangt ist: Wer könnte dann was, wem, wozu und auf welche Weise als Handlung vollziehen?

40.112 Er verlasse die beiden allgemeinen Weltwege von Feuer und Soma, trete zwischen sie ein und beschreite den aufwärts führenden Weg.

40.113 Die Irrwege im Auflösungsfeuer verbrannt, gekühlt und unversehrt, ist er kundig im Überschreiten der groben, feinen und höchsten Stätten.

40.114 Beim Sehen, Hören, Berühren, Riechen, Essen, Gehen, Schlafen, Atmen, Sprechen, Ausscheiden, Greifen, Öffnen und Schließen der Augen

40.115 tut er all dies gleichsam nicht: Er ist zu mir geworden, nicht mehr als ein gegenständliches „Dies“ beschaffen. Von einer Ichheit, die von keinem Zustand, Ort oder Zeitpunkt durchzogen ist,

40.116 wird er ganz ergriffen, wie vom aufgenommenen Rauch oder Feuer. Zwischen Sonne und Mond bestehend,

40.117 durchbricht er die Gaumengrenze und setzt den Geist an die feste Stätte; er ruht in einem leeren, der Auflösung entsprechenden Zustand.

40.118 Der Yogi, der so lebt und Tarika innerlich bedenkt, ist wahrhaft Handelnder, Samkhya-Kundiger, Yogi und Sattvata.

40.119 Auch als Pashupata und als in sämtlichen Lehrzielen Beheimateter soll er gelten. So habe ich dir mein Wesen im höchsten Sinn erklärt. Höre alles Weitere, was du von mir erfragen möchtest.

So endet im Lakshmi Tantra, der Essenz des Pancharatra, das vierzigste Kapitel: Offenbarung der täglichen Vorschrift.

Lesehinweis: Die Feuerbereitung wird zugleich als Geburt, Lebenslauf und Vermählung des personifizierten Feuers meditiert. Die Kurzformen in 40.104–109 sind ausdrücklich Bestandteil des Textes. Die Aussagen des Schlusses beziehen sich auf verwirklichte innere Gleichheit; sie heben die zuvor gelehrte ethische Haltung nicht ausdrücklich auf.


Kapitel 41 – Einweihung und Weihebegießung

Sanskrit IAST: Kapitel 41 · Devanagari: Kapitel 41

Shakra spricht:

41.1 Verehrung der ewig Makellosen, Mutter aller Verkörperten, deren Wesen Grundlage und Herrschaft sämtlicher reiner und unreiner Wege ist!

41.2 Das äußere und innere Opfer habe ich ausführlich vernommen. Nun möchte ich von dir die Bestimmung der Einweihung hören.

Shri spricht:

41.3 Einer ist der von Shri begleitete Narayana, strahlend in der Herrlichkeit der sechs Eigenschaften. Ich bin seine eine ewige Shakti in Gestalt dieser sechs Eigenschaften.

41.4 Als Eine teile ich mich durch göttliche Erkenntnis fünffach: in Klanggestalt, Bedeutungsgestalt und Tätigkeitsgestalt, Vasava,

41.5 ferner in Lehrergestalt und die weitere Gestalt namens Einweihung. Weil sie leidvolle Triebkräfte, Karma und anderes zerschneidet und die ganze Wirklichkeit schauen lässt,

41.6 alle Befleckung vernichtet und die höchste Stätte gewährt, wird sie von den Wirklichkeitskennern und Vedenkundigen Diksha genannt.

41.7 Diese Einweihung ist zunächst dreifach: grob, fein und höchst. Nach den Unterschieden der Einzuweihenden wird jede dieser drei nochmals vierfach.

41.8 Verpflichteter, geistiger Sohn, Übender und Lehrer sind die Einzuweihenden. Ihre ausführliche Darstellung steht an anderer Stelle.

41.9 Durch großes Mandala-Opfer, durch bloßes Feueropfer oder allein durch das Wort ist die Einweihung wiederum dreifach,

41.10 jeweils für Vermögende, wenig Vermögende und Mittellose. Der Lehrer führe den lange geprüften, fest entschlossenen Schüler herbei,

41.11 der sich verneigt und vom Feuer des Daseins gequält ist. Zuerst errichte er das Neunlotusbild und verehre darin einen Krug.

41.12 Die Schüler seien durch verschiedene Sühnehandlungen von Verfehlungen gereinigt, gut gebadet, in gewaschenen Kleidern und von geheiligtem Leib.

41.13 Er führe Verehrer des Erhabenen herbei, ebenso geeignete Mädchen und Frauen, nach Zahnreinigung durch die fünf Kuhprodukte gereinigt,

41.14 mit Blumen in den gefalteten Händen und mit neuen Tüchern verbundenen Augen. Eine Schnur bemesse er von den Füßen bis zum Scheitel.

41.15 Sie sei dreifach; darin knüpfe er dreifache Knoten nach der Zahl der Prinzipien und meditiere vom Haupt bis zu den Füßen deren Folge.

41.16 Die siebenundzwanzig Prinzipien vom Herrn und der Zeit bis zur Erde sind die Knoten; in den Knoten stehen die drei Gunas.

41.17 Sie heißen Bindungen in Gestalt von Maya, Wissen und Tätigkeit. Der grobe und feine Leib gewährt gute und schlechte Früchte,

41.18 ist von mannigfaltigen Eigenschaften gefärbt und Stätte aller Befleckungen. Am Ende des verbindenden Feueropfers ist dieser Schnurleib

41.19 Stück für Stück abzuschneiden und zu opfern, um die Erfahrungsbindung zu entwurzeln. An der Stirn meditiere man den Herrn, Bewusstsein, nach allen Seiten blickend.

41.20 Mit seiner eigenen Keimsilbe bestehend meditiere man ihn und opfere nach der Zahl der Prinzipien. An den Brauen meditiere man die Urmaterie wie eine Zinnobermasse.

41.21 Am oberen Gaumen den Intellekt wie Vollmondstrahlen, in der Gaumenmitte den Ichmacher wie eine Blüte.

41.22 Zwischen Gaumen und Ohren meditiere man den Geist wie einen königlichen Edelstein. Zwischen Kehle und Herzlotus teile man den Bereich in fünf gleiche Teile

41.23 und meditiere darin die fünf Sinne von Gehör an wie funkelnde Sterne. Zwischen Herz und Nabel meditiere man ebenso fünffach die Tätigkeitsorgane von Sprache an.

41.24 Die feinen Elemente von Klang an meditiere man zwischen Nabel und vorderem Beckenbereich; die groben Elemente von den Oberschenkeln bis zu beiden Füßen,

41.25 mit ihren eigenen Bildern und ebenfalls sterngestaltig. Man spreche jeweils Pranava, dann die betreffende Keimsilbe,

41.26 den Prinzipiennamen und svaha: So lautet die verbindende Opfergabe. Nach diesem Opfer werde der Guru selbst zu Lakshmi

41.27 und gebe eine vollständige Opfergabe mit Tarika und vaushat am Ende. Danach lege er die feste Knotenschnur

41.28 zwischen zwei Schalen und bringe sie vor mich. Dem herangeführten Schüler löse er die Augenbinde.

41.29 Nach Übergabe des Buches verneige sich der Schüler vor seinem Guru. Neben dem Feuer stehend opfere er gesammelt mit Tarika,

41.30 mit Haupt- und Nebengliedern sowie sämtlichen Begleitkräften von Lakshmi an. So wird er zu Wiederholung, Feueropfer, Hören und Verehrung befähigt.

41.31 Zur Reinigung der Wege bei der Einweihung opfere man mit Grundmantra und weiteren Mantras; mit Sesam hundertmal oder in abgestufter Zahl, wenigstens zehnmal.

41.32 Die vollständige Opfergabe gebe man allein mit Butter und Tarika. Dies ist die Mantraeinweihung, welche zur Anwendung aller Mantras befähigt.

41.33 Bei dieser Befähigungsstufe lasse man Schüler, die ausschließlich Genuss suchen, die gewünschten Mantras der Urnatur oder ihrer Entfaltungen empfangen.

41.34 Alle aus der Urnatur entstandenen Mantras werden ihnen günstig wirksam. Für die weiterführende Stufe sind ihre Prinzipien nach dem noch zu erklärenden Verfahren zu reinigen.

41.35 Dann ist der Empfang der Mantras des reinen Prinzipienweges vorgesehen. Damit ist die Mantraeinweihung erklärt. Höre die Prinzipieneinweihung.

41.36 Om, Keimsilbe, Prinzipienname und die Aufforderung „Reinige!“: Mit zehn Wiederholungen der Opfergabe und rechter Meditation

41.37 wird die Prinzipiengruppe von Erde bis zum Herrn gereinigt. Am Anfang des Opfers ist der Name des Einzuweihenden passend einzufügen.

41.38 Wenn der Schüler nahe beim Lehrer im Lotussitz sitzt, meditiere der gute Guru die ganze Prinzipienfolge vom Herrn bis zur Erde.

41.39 Mit Lakshmis Augen blicke er ihn an, mit Lakshmis Hand berühre er ihn. Die Folge von Erde an nehme er zurück und erschaffe sie vom Herrn an neu.

41.40 So erweckt er rasch die unbelebten Prinzipien im Körper des Schülers. Dies ist die meditative Einweihung.

41.41 Dann nehme er die Bindungsschnur zwischen den beiden Schalen, gehe zur Feuergrube, öffne die Schalen und lege sie bereit.

41.42 Mit Tarika samt Gliedern opfere er tausendmal oder abgestuft, wenigstens hundertmal. Dann nehme er eine Blume und bespreche sie vielfach.

41.43 Mit Tarika und hum phat am Ende berühre er schlagend das Herz des Schülers. Er meditiere ihn im Erdprinzip und lasse ihn innerlich dessen Erfahrungen durchleben.

41.44 Wenn sämtliche Erderfahrungen vollendet sind, ziehe er ihn heraus und verbinde ihn mit dem Wasserprinzip. Entsprechend verfahre er dort und weiter bis zum Herrn.

41.45 Nach dem Opfer mit Tarika samt Gliedern schneide er den Erdknoten ab, lege ihn in die große Kelle, fülle Butter hinzu und opfere ihn damit.

41.46 Im höchsten Zustand der Tarika, die feuerstrahlend in der Grube besteht, lasse er das feine Wasserprinzip aufsteigen und opfere auch dieses entsprechend.

41.47 Dessen feine Form lasse er ins Feuer übergehen und opfere sie mit einer vollständigen Gabe. So opfere er der Reihe nach die Folge vollständiger Gaben.

41.48 Die Urnatur führe er in Purusha, Purusha in den Herrn. Über dem Herrn gibt es in der Prinzipiengruppe kein weiteres Prinzip.

41.49 Die Shakti in Gestalt des Herrn ist grob, fein und höchst. Der Purusha wurde unrein, weil er unter das Herrnprinzip herabgestiegen ist.

41.50 Durch Erreichen dieses höchsten Prinzips wird er wieder rein. Der Einzuweihende wird zum Selbst des Alls, mit Augen nach allen Seiten.

41.51 Dann folgen zwei vollständige Opfergaben zur Vollendung von Erfahrung und Befreiung. Man meditiere den Schüler als gegliedert und ungegliedert, ebenso die Butter in der Kelle.

41.52 Der über dem Höchsten ruhende Guru vereinige beides und meditiere als Erkenntnis und Klang die höchste Pashyanti-Gestalt,

41.53 den höchsten Zustand der Tarika, ohne Erhebung und ungeschlagen. Damit vereinige er den Schüler durch eine vollständige Opfergabe mit Tarika und vaushat am Ende.

41.54 Zum Fortbestand des Schülers bis zum Körperende opfere er danach vielfach mit Tarika, mit Dhruva am Anfang und Verehrung am Ende.

41.55 Nach einer vollständigen Gabe bringe er die große vollständige Gabe dar. Der Guru meditiere Schüler, eigenes Selbst und mich, die ewige Lakshmi,

41.56 wie Milch in Milch, alles in mir vereinigt. Nachdem er den Schüler so ganz zu Lakshmi gemacht hat, ziehe er ihn mit dem Erkenntniswind

41.57 der Reihe nach heran und lasse ihn nochmals diesen Mantra hören. Mich im Herzen einsetzend lehre er dann Tarika,

41.58 alle Haupt- und Nebenglieder und die gesamte lehrgemäße Folge sowie die Regeln der Verpflichtung, etwa die Wahrung des Mantrageheimnisses.

41.59 Die Vishnu-Hand lege er auf Haupt, Rücken und Herz. Mit der Mudra berühre er die entsprechenden Glieder und lasse den Schüler mich verehren.

41.60 Mit Tarika nehme der Guru den zuvor verehrten Krug. Innerlich Tarika samt Haupt- und Nebengliedern sprechend,

41.61 begieße er den Schüler mit heiterem Innern. Der Schüler hat dadurch seine wahre Gestalt erlangt und den Ozean des Daseins überquert.

41.62 Danach vollziehe er mit großer Großzügigkeit die Guru-Verehrung. Er errichte die Folge von der tragenden Kraft an und setze den Guru darauf.

41.63 Mit allen Gaben von Empfangswasser an sowie Gold, Edelsteinen und anderem verehre er ihn. Nachdem er gespeist und Sättigung empfangen hat, verehre man ihn mit diesem Mantra:

41.64 „Verehrung dem Guru, der Sonne, Mond und Feuer ist, die den Wald der Unwissenheit erhellen, der die Glut des Feuers der drei Leiden stillt!“

41.65 Nach Empfang seiner Erlaubnis wiederhole man den Mantra und verwirkliche nach Wunsch die jeweils erstrebten Ziele.

41.66 So sind dir Einweihung und Weihebegießung erklärt, Bezwinger Balas, durch rechte Sammlung zu vollziehen. Was möchtest du noch hören?

So endet im Lakshmi Tantra, der Essenz des Pancharatra, das einundvierzigste Kapitel: Verfahren von Einweihung und Weihebegießung.


Kapitel 42 – Vorbereitung und Anwendungen des Tarika-Mantras

Sanskrit IAST: Kapitel 42 · Devanagari: Kapitel 42

Shakra spricht:

42.1 Wieder und wieder Verehrung dir, Königin Hrishikeshas, deren beide Lotusfüße das Boot über den Ozean des Daseins sind!

42.2 Durch deine Gnade habe ich die Einweihungsordnung vernommen. Erkläre nun die vorbereitende Übung der Tarika, Lotusbewohnerin.

Shri spricht:

42.3 Ich heiße Narayani, die in Narayana ruhende Shakti. Meine höchste Gestalt ist Tarika, die Weltenherrin.

42.4 Höre die Vollendung der Übung meiner verdichteten Mantragestalt. Vom achten bis zum vierzehnten Tag der dunklen Monatshälfte

42.5 reicht die von Tantrakundigen bezeichnete Zeit zur Tarika-Vollendung. Der Übende sei von öffentlich bekannten großen und schwersten Verfehlungen unberührt,

42.6 habe die Leugnung der heiligen Überlieferung verlassen und übe nichts Verwerfliches; er entwickle Freundlichkeit zu den Wesen und bereue begangene Verfehlungen.

42.7 Größere und kleinere Verfehlungen bringe er durch Sühne zur Ruhe. Enthaltsam, von Opferkost lebend, wahrhaftig und fest im Gelübde,

42.8 wiederhole er in innerer Gegenwart Vishnus hunderttausendmal Om und opfere zehntausendmal Butter mit den großen Weltenrufen.

42.9 Ebenso oft vollziehe er mit Savitri ein Sesamopfer. Ausgenommen bleiben öffentlich bekannte begangene große und schwerste Verfehlungen.

42.10 Durch dieses Verfahren mit der Dreiheit von Pranava an wird er von verborgenen großen und schwersten Verfehlungen frei.

42.11 Durch Fasten und andere Verfahren ebenso von den öffentlich bekannten und übrigen. Oder der Kenner des Aghamarshana faste drei Nächte.

42.12 Dreimal tags und dreimal nachts trete er bekleidet ins Wasser; zu jeder Übergangszeit tauche er dreimal unter und rezitiere bei jedem Untertauchen dreimal Aghamarshana.

42.13 So verbringe er drei Nächte. Am vierten Tag gebe er einem Brahmanen eine milchgebende Kuh.

42.14 So wird er wie zuvor von sämtlicher Schuld gereinigt. Oder er begieße sich zu den drei Tagesübergängen mit den fünf Kuhprodukten.

42.15 Nach drei so verbrachten Nächten wird er von allen Verfehlungen frei. Oder er rezitiere innerlich die Fünfheit von Tara an oder jeden einzelnen davon,

42.16 trinke und betrachte den makellos strahlenden Vishnu-Bezug. Durch solche Tag-und-Nacht-Übung wird er von allen Verfehlungen frei.

42.17 Oder er esse in einer Reihe mit den Schuldlosen, dem Dharma Hingegebenen, die in dieser Welt zu Vishnu gelangen; auch so wird er von allen Verfehlungen frei.

42.18 Nachdem er die Schuld durch von großen Sehern anerkannte rechtschaffene Übungen vernichtet hat, nehme er Zuflucht zu Tarika, die über den Daseinsozean führt.

42.19 Am siebten Tag der dunklen Monatshälfte faste er regelgerecht. Nach der Dämmerungsverehrung beginne er am achten Tag Tarika-Japa.

42.20 Er gebe seine vorgeschriebenen Pflichten nicht auf und meide andere Wunschriten. In einem reinen Vishnu-Heiligtum göttlichen, vollendeten oder seherischen Ursprungs,

42.21 auf einem Berggipfel, am Flussufer, in einer Rinderstätte oder einem Bilva-Wald esse er einmal täglich Milch, Gerste oder Opferkost.

42.22 Sieben Tage lang vollziehe er täglich zwölftausend Wiederholungen, dazu ein Zehntel als Sättigungsritus und ebenso Butteropfer.

42.23 Wenn er so bei der Tarika-Übung verfährt und in der Mitternacht des vierzehnten Tages eine glückverheißende Traumerscheinung sieht,

42.24 etwa den Erwerb eines Kruges mit berauschendem Getränk oder dessen Trinken, erotische Beglückung durch eine Frau oder den Anblick einer Schönäugigen,

42.25 ihre liebevolle Umarmung oder Gemeinschaft mit ihr, ihre Mitteilung der Mantravollendung oder die Erlangung einer Frucht,

42.26 den Anblick eines schönen friedvollen Paares, eines Königs oder einer Königin,

42.27 im Traum unmittelbar Narayana oder mich, eine treue Ehefrau oder eine Begegnung mit Vishnu-Verehrern,

42.28 oder etwas anderes, das die Traumlehren als günstige Erscheinung bezeichnen, dann stehe er hoffnungsvoll auf, lasse den Schlaf und überwinde die Müdigkeit.

42.29 Nach dem rituellen Wasserschlucken vergegenwärtige er mich gesammelt die Nacht hindurch auf seinem Lager. Am Morgen stehe er auf und vollziehe die Dämmerungsordnung.

42.30 Ein Paar von gleichem Charakter, Alter und Erscheinungsbild, schön, rechtschaffen, ohne elende oder beklagenswerte Erscheinung, ansehnlich und verständig,

42.31 jugendlich, heiter und sanft sprechend, rufe er herbei und lasse es als Lakshmi–Narayana baden.

42.32 Ohne geizige Zurückhaltung schmücke er beide mit Kleidung und anderem, speise sie, salbe sie mit Duft und erfreue sie durch Gaben.

42.33 Von ihnen als Lakshmi–Narayana erbitte er Tarika-Vollendung. Wenn sie „So sei es“ sprechen, nehme er bei uns beiden Zuflucht.

42.34 Dann lasse er vorzügliche vedakundige Vishnu verehrende Brahmanen Segen sprechen, sättige sie und verfolge die gewünschte Vollendung.

42.35 Sieht er in der Nacht des vierzehnten Tages keinen solchen Traum, beginne er am Neumondtag und setze bis zum siebten Tag der nächsten dunklen Hälfte

42.36 das Gelübde fort, mit dreitausend täglichen Wiederholungen und einer Mahlzeit täglich.

42.37 Dabei übergehe er nicht die fruchtbare Zeit seiner seit Jugend angetrauten Gemahlin, verachte das Verhalten von Frauen nicht und erfreue das Paar innerlich.

42.38 Ohne Begierde tue er Frauen Gutes, außer was schuldhaft wäre. Am nächsten achten Tag der dunklen Hälfte beginne er die Wiederholung wie zuvor.

42.39 Feueropfer und alles Weitere vollziehe er entsprechend; bei der Traumerscheinung beende er die besondere Übung. So verfahre er, bis er die Zeichen sieht.

42.40 Ist Tarika verwirklicht, erlangt der Mensch alles. Er wird zum rechten Vollbringer der Lehren und Kenner der inneren Wege,

42.41 kennt alle Tantraverfahren, durchdringt den Vedanta, löst alle Zweifel und gelangt zur Klarheit aller Entscheidungen.

42.42 Wahrhaft sprechend, aufrichtig und beredt durchquert er den Ozean des Dharma. Welche Anwendung er für andere oder sich selbst vollziehen will,

42.43 sei es Begrenzung oder Begünstigung, sie gelingt stets.

Shakra spricht: Verehrung dir, Geliebte Haris, deren Leib die vollständigen sechs Eigenschaften sind,

42.44 Lotusbewohnerin, Hausherrin Govindas! Aus deinem Lotusmund habe ich die besondere Vollendung der Tarika vernommen.

42.45 Ihre grobe, feine und höchste Gestalt wurden richtig gezeigt. Nachdem die dreifache Tara regelgerecht verwirklicht ist,

42.46 erkläre mir nun ihre Anwendung, Lotusgeborene.

Shri spricht: Einer ist der selbstbeherrschte Hamsa Narayana, ganz erfüllt von den sechs Eigenschaften.

42.47 Ich bin seine Hamsi-Shakti, selbstmächtig und alle Wünsche erfüllend. Wir beide, Hamsa und Hamsi, sind als Tarika hervorgetreten.

42.48 Höre die Anwendung dieser unserer eigenen Gestalt. Unter den mannigfaltigen Mantras, unterschieden in äußere und innere,

42.49 wie viele höhere und niedrigere Mantras es auch gibt, welcher Art sie sind und wie viele und welche Anwendungen ihnen zukommen:

42.50 Ebenso viele und ebenso beschaffene Anwendungen besitzt Tarika, ohne Zweifel. Höre dennoch einige Anwendungen von mir, Shakra,

42.51 welche bei Dharma, Wohlstand, Freude und Befreiung rasch Gewissheit schaffen. Mich meditiere man mit schwarzem Antilopenfell als Ober- und Untergewand,

42.52 ganz darin gekleidet, mit schönen Augen wie ein erschrecktes Antilopenjunges, vollmondgleich, Brahma-Mudra und Gebetskette haltend,

42.53 und in den beiden anderen Händen Lotusse. So meditiere man mich oder den lotusäugigen Janardana, den Gott der Götter.

42.54 Hunderttausendmal wiederhole man Tara; dann wird Dharma unmittelbar sichtbar. Eine durch „Vibhu“ bezeichnete Zahl von Prastha-Maßen geschälten Reises,

42.55 ebenso viele Prastha Butter und Pala Zucker oder ebenso viel Rohzucker koche man gemeinsam in einem Gefäß,

42.56 mit derselben Menge Milch zu einer regelgerecht gut gekochten Opfergabe. Am ersten Morgen der hellen Monatshälfte, wenn die Sonne halb aufgegangen ist,

42.57 opfere man die ganze Gabe aus dem großen Gefäß auf einmal, mit dem Jatavedas-Trishtubh-Vers, von Tarika am Anfang und Ende umfasst,

42.58 in einer großen Grube mit großem Feuer, unter Verwendung einer Vorrichtung. Danach opfere der Verständige vom Morgen bis zum Sonnenuntergang

42.59 ununterbrochen und unermüdlich mit der kleinen Kelle geweihte Butter, mit demselben Trishtubh-Vers.

42.60 Vom Morgen an speise man fortlaufend einen Brahmanen nach dem anderen mit Reis, bereitet mit Milch, Joghurt und Butter.

42.61 Am Ende lasse man die Zweimalgeborenen Segen sprechen und sättige die Vedenkundigen, ebenso ein Vishnu verehrendes Paar unter den Namen Lakshmi und Lakshmis Herr.

42.62 Wer so standhaft, von Entschlossenheit getragen handelt, erlangt einen unvergleichlichen, unerschöpflichen Schatz von Koti-Maß.

42.63 Höre eine höchst wunderbare Anwendung, Bezwinger Pakas. Zuerst nehme man Tara und füge das Wort „Glückverheißende“ hinzu,

42.64 danach svaha. Diese Tarika-Formel hat sechs Silben. Nach Fasten am vierzehnten Tag beginne man am Vollmondtag.

42.65 In einem Garten bei einem schönen Baum, zwischen einem vollen Krug und einer Lampe sitzend, wiederhole man sie zehntausendmal.

42.66 Mich meditiere man wie das Innere eines Lotus, zwei Lotusse tragend, zweiarmig, mit dunklen Augenwinkeln und dunklem lockigem Haar,

42.67 mit lächelndem lieblichem Gesicht, vollen hohen Brüsten, vollständig geschmückt und in feinster Seide gekleidet.

42.68 So meditiere man mich als überaus schöne Glückverheißende und wiederhole den Mantra; ein Zehntel vollziehe man als Sättigung und Feueropfer mit dieser Tara-Formel.

42.69 Als Bali-Gabe bringe man Reis mit Milch, Butter und Rohzucker dar. Eine Frau mit guten Merkmalen verehre und speise der Verständige.

42.70 Selbst esse er enthaltsam einmal nachts Opferkost. Dreißig Nächte lang halte er dieses Gelübde ohne Unterbrechung,

42.71 mit Wiederholung, Sättigung, Feueropfer und den weiteren Handlungen, unermüdlich. Am nächsten Vollmondtag vollende er das Gelübde.

42.72 Dann kommt die aus mir bestehende Yakshi namens Subhaga und fragt den Übenden: „Was soll ich tun?“

42.73 Als Mutter, Schwester, Gemahlin oder Freundin bestimme er sie. Als Mutter angerufen schützt sie vor allen Gefahren.

42.74 Als Schwester angerufen gewährt sie sämtliche Güter; als Geliebte angenommen erfüllt sie lebenslang Wünsche.

42.75 Als Freundin angenommen führt sie in alle Richtungen. Wer Befreiung wünscht, wiederhole Tarika beständig in grober, feiner und höchster Gestalt.

42.76 Gnädig führe ich ihn zu jener göttlichen Vishnu-Stätte. Sämtliche später noch zu erklärenden Anwendungen der höchsten Mantras

42.77 und aller anderen Mantras lassen sich durch Tarika vollziehen. So ist dir der vorbereitende Übungsweg samt Anwendungen erklärt. Höre nun den Vollendungsweg zur Gewissheit ihrer Wirksamkeit.

So endet im Lakshmi Tantra, der Essenz des Pancharatra, das zweiundvierzigste Kapitel: Ordnung der Verehrung des Tara-Mantras.

Lesehinweis: Die sinnlichen und berauschenden Szenen in 42.24–27 sind ausdrücklich Traumzeichen. Die unaufgelöste Mengenbezeichnung „Vibhu“ in 42.54 wird nicht durch eine vermutete Zahl ersetzt. Die Wirkversprechen dieses Kapitels gehören zum religiösen Text.


Kapitel 43 – Vielfältige Yogawege und Schulung des Geistes

Sanskrit IAST: Kapitel 43 · Devanagari: Kapitel 43

Shri spricht:

43.1 Höre die höchste Vollendung der verdichteten Tarika-Lautkraft, die aus vielfältigen Yogaweisen entsteht, Herr der Götter.

43.2 Der Yogi übe Tarika regelgerecht im Körper: an Nasenspitze, Zungenspitze, Zungenmitte und Zungenwurzel,

43.3 an Kehle, Brust und Brustende halte er die Prinzipienfolge von Erde bis Intellekt fest, jeweils mit ihrer eigenen Wirkung und Natur.

43.4 Beim Übergang von einem Prinzip zum nächsten wiederhole er in den entsprechenden Zahlen: zweimal, viermal, sechsmal, achtmal, zehnmal, sechzehnmal

43.5 und vierundzwanzigmal. Nach dem Intellekt meditiere er die Urnatur; dort vergegenwärtige er Tara achtzigmal. Dann meditiere er die Seele

43.6 nach ihrem Umfang, ihrer Art und ihrem Wesen und wiederhole dort hundertmal. Darunter meditiere er den Lotus als Grundlage von Unentfaltetem und Bewusstsein,

43.7 unendlich, tragend für die Prinzipien und ihre Teile. Nach seiner Vergegenwärtigung in Lotusgestalt wiederhole der Verständige hundertfünfzigmal.

43.8 Dann seinen Stiel als aus den Lauten von Unentfaltetem, Zeit und Seele bestehend. Sein Raum ist Zeit, die innere Höhlung das Dunkle,

43.9 das innere Bewusstsein die Seele. Nachdem er diese Dreiheit richtig meditiert hat, vollziehe er zweihundert Wiederholungen.

43.10 Unter dem Stiel vergegenwärtige er mich als Aniruddha-Shakti, vom Erhabenen erfüllt, mit Gestalt, Zeitmaß und Weiterem; dort wiederhole er hundertmal.

43.11 Darunter die Pradyumna-Shakti mit derselben Wiederholungszahl; darunter die Sankarshana-Shakti, wiederum mit derselben Zahl.

43.12 Unter allem die grobe göttliche Paarung namens Vasudeva, dann die feine, darüber die höchste und allseits das Jenseits des Höchsten,

43.13 leuchtend als Lakshmi–Narayana, unbeschreiblich, unvergleichlich und ungetrübt, überall als Kraft und Kraftherr schwingend.

43.14 So erreiche man yogischen Schlaf und trete in den Schlaf ein. Im letzten Teil der Nacht aufstehend halte man diese zwölf Konzentrationen fest,

43.15 von Vasudeva bis Erde, nach den genannten Wiederholungszahlen. Oder man vollziehe sämtliche Konzentrationen im Herzen,

43.16 oder diese zwölf in Tarika selbst. Dies ist ein allen dienender Yoga, durch den man mit den Prinzipien in ihr aufgeht.

43.17 Oder man nehme die gesamte entfaltete und unentfaltete Wirklichkeit zurück, mache den Geist stützenlos und trete in den Zustand der Leere ein.

43.18 In diesen großen Yoga, der in der Leere ruht und deren Gestalt angenommen hat, trete ich ein wie ein vollkommener Ozean.

43.19 Wenn der übende Yogi still, lautlos und der Wonne einer ruhigen Wolke gleich wird, ist er mir stets lieb.

43.20 Wo kein begrenzter Meditationsgegenstand mehr besteht, dort ist meine deutliche Gestalt: nicht gegenständlich erkennbar, unbegrenzt.

43.21 Der Yogi nimmt alles Erkennbare ohne zeitliche Folge in sein Selbst auf. Dies ist mein ausgebreiteter, wellenloser Leib, eine große Flamme,

43.22 in die Elemente und Welten geistig geopfert werden. Dann entfaltet sich mein Zustand, der alle Zustände umfasst.

43.23 Nachdem er mit dem Geist als Opferkelle Elemente, Sinne, Welten und anderes geopfert hat, wirft er auch die Kelle hinein; der Yogi wird zu mir.

43.24 Was etwas begrenzt, ist größer als das Begrenzte. Durch Bewusstsein wird alles bestimmt, was ist und was nicht ist.

43.25 Dieses Bewusstsein wird durch nichts anderes begrenzt; es ist mein unbefleckter Leib. Weder Nichtsein noch Sein liegen außerhalb des Bewusstseins.

43.26 Beide bestehen nicht, ohne von ihm berührt zu sein. Dieses Bewusstsein ist mein makelloser Leib. Wenn der Ozean seine Grenze überschreitet und die Welt überflutet,

43.27 gibt es darin weder Erhebung noch Senke. Ebenso ruht die ganze Welt in mir. Ein klein gewordenes Selbst vermag diese höchste Stätte nicht unmittelbar einzunehmen.

43.28 Deshalb übe man den Yoga zu ihrer Erlangung wiederholt in Abschnitten. In jedem Zustand, heilsam oder anders, vergangen, gegenwärtig oder künftig,

43.29 vergegenwärtige man die höchste, wesentliche Gestalt der höchsten Herrin. Wie Bienen in sämtlichen Blüten Honig sammeln,

43.30 so sammeln die Yogis mich als die Eine in allen Zuständen. Wohin der Geist auch geht, dort meditiere man Lakshmi.

43.31 Woher könnte er fortgehen und wohin gelangen, da alles aus mir besteht? Die Prinzipienfolge meditiere man als eine an mir als Schnur aufgereihte Kette,

43.32 oder die Welt als Bild auf mir als Bildgrund, oder als Schaummasse im stillen, grenzenlosen, tiefen Ozean.

43.33 Oder man meditiere vorwärts und rückwärts die Vierheit vom Erkennenden an, aus meiner Gestalt hervorgehend und wieder in sie zurückkehrend.

43.34 Purusha ist meine erste Öffnung, durch meinen Entschluss gestaltet. Eine weitere Öffnung auf tieferer Ebene heißt inneres Erkenntnisorgan.

43.35 Die dritte ist das äußere Erkenntniswerkzeug auf nochmals tieferer Ebene; die vierte, unterste ist das Seiende als Erkenntnisgegenstand.

43.36 Durch meinen Entschluss besteht diese Folge aus Sein, Wonne und Bewusstsein. Wer sie beständig innerlich vorwärts und rückwärts meditiert,

43.37 überschreitet die Vierheit und gelangt zu meinem Wesen. Oder man meditiere mich in den zweiunddreißig Lotussen, welche Erkenntnis tragen,

43.38 flammengleich oder in schöner Gestalt. Vom tragenden Lotus an im Bereich unter dem Nabellotus

43.39 sind sechs Lotusse zu meditieren. Höre ihre Namen: Vyucchanti, Vyushita, Vyushta, Vyushushi, Vyoshushi und Rama.

43.40 Vom Nabellotus bis zum Herzlotus werden fünf Lotusse erklärt: Pashyanti als Nabellotus, Pashya, Pashyetaratmika,

43.41 Drishya und Drishyamana heißen diese bis zum Herzen reichenden Lotusse. Höre die fünf Namen zwischen Herz und Kehle.

43.42 Bodhayanti, Boddhri, Budhyamana, Ghosha und Unmesha sind die Namen der Lotusse zwischen Kehle und Herz.

43.43 Höre die fünf Namen zwischen Kehle und Gaumen: Ghoshayanti, Ghushyanti, Ghushta, Ghosha und die weitere. [Ein fünfter eindeutiger Eigenname ist hier nicht ausgeschrieben.]

43.44 Zwischen Gaumen und Brauen liegen die fünf Lotusse namens Grahayanti, Grihnana, Jighriksha, Grihitika

43.45 und Nirniti. Höre die Namen der sechs Lotusse zwischen Brauen und Scheitel.

43.46 Pranayanti, Pranati, Prana, Pranavabodhini, Para und Bodha sind die dort befindlichen Lotuskräfte.

43.47 In diesen edelsteinflammengleichen Zentren meditiere man mich vorwärts und rückwärts und spreche Tarika langgezogen wie einen langen Glockenklang.

43.48 Wer mich so meditiert oder in schöner Gestalt vergegenwärtigt, legt alle leidvollen Triebkräfte ab und gelangt zu meinem Wesen.

43.49 Oder man nehme mich vorwärts und rückwärts in neun Lotussen wahr: drei an der Grundlage, drei unterhalb des Herzens,

43.50 drei unterhalb des Scheitels. Dies ist die Neunlotusordnung. Oder in zwölf Lotussen, jeweils paarweise von den genannten Hauptstellen an,

43.51 oder in den ersten sechs, oder in drei an Wurzel, Herz und Brauenmitte; dort meditiere man Tarika mit ihrem hohen Klang.

43.52 Zuerst meditiere man ihren Bindu mungbohnengroß und hell leuchtend, dann senfkorngroß, dann wunderbar und gestaltlos.

43.53 Welcher gestaltete Gegenstand auch wahrgenommen wird, etwa Gefäß oder Wand: Darin meditiere man die lehrgemäß enthaltenen Prinzipien.

43.54 Man mache sie dort ganz zu mir und vergegenwärtige sie in der Ich-Haltung. Alle Dinge der Welt als Wirkung und Ursache,

43.55 als Getragenes und Träger, als Durchsichtiges und Dichtes, als Zustand und dessen Träger, als Heilsames und Unheilsames,

43.56 als Hervorbringendes und Nichthervorbringendes, als Eigenschaft und Eigenschaftsträger, als Grundlage und Getragenes, als Kraft und Kraftträger,

43.57 als Erfahrbares und Erfahrender, als Frau und Mann, als Tätigkeit und Handelnder, als Mittel und Ziel,

43.58 als weibliche und männliche Vorstellungen oder sprachliche Formen: Welche gepaarten Dinge es auch in dieser Welt gibt,

43.59 der Yogi schaue sie als Lakshmi–Narayana. Höre das höchste geheime Gelübde dieses Tantra, Purandara,

43.60 das der Yogi im Lakshmi-Yoga ausführen soll. Als ich ursprünglich vom Urgott her die Weltordnung in Gang setzte,

43.61 nahm ich mit bestimmter Absicht Frauengestalt an. Der im Lakshmi Tantra bewanderte Yogi, der mein Wohlgefallen sucht,

43.62 soll Frauen weder durch Handeln, Denken noch Sprechen verachten. Wo ich bin, dort sind die Prinzipien; wo ich bin, dort sind die Gottheiten.

43.63 Wo ich bin, dort ist Heiligkeit; wo ich bin, dort ist Keshava. Ich bin in der Frau; deshalb besteht die Frau aus der ganzen Welt.

43.64 Wer die Frau verachtet, verachtet Lakshmi. Wer Lakshmi erfreut, erfreut die drei Welten.

43.65 Wer irgendeine Frau hasst, hasst Haris Geliebte. Wer Haris Geliebte hasst, hasst die ganze Welt.

43.66 Wessen Geist beim Anblick einer Frau wie beim Mondlicht heiter wird und der nichts Böses denkt, der gilt als mein Liebster.

43.67 Wie in Narayana und mir keine Schuld ist, Shakra, wie in der Kuh, im Brahmanen und im Vedanta-Kundigen,

43.68 so gibt es in der Frau keine Unheilsnatur. Wie Ganga unbefleckt ist und Sarasvati heilig,

43.69 wie der Fluss Aruna, so ist die vorzügliche Frau. Dass ich Mutter der drei Welten heiße,

43.70 beruht auf der Unterstützung durch die Frau; sie ist meine höchste Stärke. Sie ist die göttliche Mutter der drei Welten, reich an aller Wunscherfüllung.

43.71 Die Frau ist unmittelbar mein Leib. Warum sollte der Yogi sie nicht ehren? Er tue ihr kein Unrecht und halte ihr schlechtes Verhalten nicht im Geist fest.

43.72 Wer Yoga erstrebt, tue einer Frau Gutes, außer was schuldhaft wäre. Er sehe sie wie seine Mutter, wie eine Gottheit, wie mich selbst.

43.73 Wer aus Verblendung eine Frau hasst, den soll er nicht unterstützen. Höre noch dies, Herr der Götter; ich sage es, weil du mir lieb bist.

43.74 Nach dem Hören sollst auch du es ausführen, aber niemandem mitteilen. Wenn eine schöne, wohlgestaltete Frau in den Blick tritt,

43.75 meditiere der Yogi mich in ihr und spreche Tarika innerlich. Mit begehrlichkeitsfreiem Geist vergegenwärtige er ihre Gestalt.

43.76 Lebensatem, Sonne und höchstes Selbst meditiere er als den Purusha im Herzen der Frau; das Feuer als ihre Fülle von Schönheit und Anmut.

43.77 Die mit sämtlichen Vorzügen ausgestattete Frau meditiere er als mich. Sich erinnernd und Brahman aussprechend vergegenwärtige er allein mich.

43.78 Bei vollendeter Versenkung trete ich dort ein. Stillwerden und Erschlaffen sämtlicher Glieder sind Kennzeichen des Erfülltwerdens durch mich.

43.79 Nachdem er mich begehrlichkeitsfrei und sorgfältig verehrt hat, beende er die Übung und meide schuldhaftes Handeln.

43.80 Bei der Gemahlin eines anderen soll der Wissende dies nicht tun: Wo diese Versenkung vollzogen wird, entsteht gewiss Zuneigung.

43.81 Nur bei der eigenen Gemahlin oder bei einer öffentlich zugänglichen Frau vollziehe er dies. Auch eine Abweichung gilt hier nicht als Fehler, weil mein Wesen meditiert wird.

43.82 Die große Freude, die in berührungsbedingten Erfahrungen aufsteigt, meditiere man mit unzerstreutem Geist als meine Gestalt.

43.83 Das Glück aus einem anerkannten Gegenstand, aus Streichen oder Reiben, und die Freude bei seiner Erinnerung: Diesen Zustand pflege man innerlich.

43.84 Die Freude, die beim Sehen eines Gegenstandes entsteht, ebenso beim Schmecken, Hören und Riechen, ist mein glückhafter Leib.

43.85 Dies gilt für zufällig begegnende Klänge, Berührungen, Geschmäcke und andere Sinnesinhalte bei einem Übenden, der seinen Geist zügelt.

43.86 Denn berührungsgeborene Genüsse sind Ursprünge von Leid; sie haben Anfang und Ende. An ihnen soll man den Geist nicht haften lassen.

43.87 Wenn Rajas beseitigt und Tamas vernichtet ist und das innere Organ in Sattva steht, offenbart sich innen höchstes Glück.

43.88 Dieses anfangs- und endlose Glück ist mein erkenntnisvoller Leib. Ein solches Glück wird durch gegenstandsgebundene Berührungen nicht offenbar.

43.89 Die Gegenstände bringen zwar Lust, doch Leid folgt ihnen nach. Wenn mit Gift vermischter Honig beim Essen süß ist,

43.90 was nützt dies, wenn er anschließend den Essenden vernichtet? Wer, von Hitze gequält, den Schatten einer zornigen Schlange aufsucht,

43.91 der mag zur Freude berührungsgeborene Genüsse suchen, die durch Leid, Aufwand und Mühe zu erlangen, schön anzusehen und mit Leid vermischt sind.

43.92 Welcher Glückliche nähme Zuflucht zu so geringen, vergänglichen Gegenständen? Durch Mantrawiederholung und reine maßvolle Nahrung stärke der Yogi den göttlichen Sattva-Leib,

43.93 mindere Rajas und Tamas durch ein mir liebes Verhalten und zügle sorgfältig und beständig den Geist zur Versenkung.

43.94 Ist der Geist gemeistert, hat er die Welt gemeistert. Ist der Geist gemeistert, öffnet sich meine reine Gestalt von selbst.

Shakra spricht:

43.95 Gestalterin des ganzen Gefüges von Bewusstem und Unbewusstem, Gewährerin aller Erfahrungen, Verehrung dir, Lotusthronende!

43.96 Der Geist neigt stets zu den Gegenständen, ist unstet, mächtig, hartnäckig, schnell, weitreichend und unsichtbar. Wodurch wird er gezügelt?

Shri spricht:

43.97 Schwer zu zügeln, schwer zu halten, fein, schwer erkennbar und ausschweifend ist dieser unstete Geist, Shakra. Durch Wunschlosigkeit und Übung wird er gehalten.

43.98 Anhaftung ist Neigung zum Gegenstand, aus Natur und Gewöhnung entstanden. Ihr Fehlen ist Wunschlosigkeit; sie entsteht durch wahre Erkenntnis.

43.99 Die wahre Erkenntnis besteht im Erkennen der Unzulänglichkeit der Gegenstände. Der Verständige erfasse diese Unzulänglichkeit vierfach:

43.100 Was ist dieser Gegenstand, wie ist er, woher kommt er und wozu führt er? Die Sinnesgegenstände sind Bindungen und fesseln die, welche ihnen dienen.

43.101 Alle gehen aus dem Unentfalteten in die Erscheinung über und bringen Lust und Leid. Für die nach ihnen Suchenden sind sie nicht von selbst verfügbar.

43.102 Sie entstehen durch ungewisse Mittel, Aufwand, Mühe und Leid. Sie schaffen nicht nur Lust, sondern gebären auch Leid.

43.103 Ihre Lust vergeht augenblicklich und ist mit dem Leid des jeweiligen Zustandes verbunden. Diese vielfältige Beschaffenheit bedenke der Einsichtige bei jedem Gegenstand.

43.104 Dies heißt wahre Erkenntnis, zusammenfassend und im Einzelnen. Die Anhaftung an Gegenstände beruht auf der Überzeugung, sie seien die Ursache des Glücks.

43.105 Weil diese Überzeugung falsche Erkenntnis ist, wird sie durch wahre Erkenntnis beseitigt. Ist sie widerlegt, steht die vermeintliche Glücksursächlichkeit nicht mehr fest.

43.106 Niemand wird solche nicht ursächlichen Gegenstände zur eigenen Vollendung ergreifen. Das wiederholte Pflegen dieser wahren Erkenntnis

43.107 nennen die Wirklichkeitskenner in ihren Lehrschriften Übung. An Feinem, Großem, Kleinem, Grobem, Festem oder Beweglichem,

43.108 wo immer der Geist steht und festgehalten wird, ist Übung möglich. Durch Wunschlosigkeit und Übung zügelt der sich bemühende Yogi

43.109 den ungebändigten Geist; dann kommt dieser gewiss zur Ruhe.

Shakra spricht: Du, deren kundiger Schritt in der Schar der Wirklichkeitslotusse wandelt,

43.110 du wohnst im Geist des Madhu-Bezwingers! Verehrung dir, Lotusthronende! Zeige den Weg, auf dem der mächtige hartnäckige Geist durch Übung gezügelt wird,

43.111 Verehrung dir, Lotusgeborene!

Shri spricht: An einem hoch am Himmel klein gewordenen, schnell fliegenden Vogel

43.112 oder am feinen Stern Arundhati halte man den Geist allmählich fest; oder vergegenwärtige ihn an einem großen Berg oder am Unendlichen.

43.113 An einem kleinen feinen Punkt eines sich drehenden Rades befestige man den Geist und lasse ihn mit dessen Bewegung kreisen.

43.114 Ebenso bewege man den Geist mit der bewegten Spitze eines Ashvattha-Blattes. Am Stillstehenden halte man ihn still, mit dem Gehenden lasse man ihn gehen.

43.115 Diese Beispiele wurden dir zur Verdeutlichung genannt, Purandara. Wer damit den Geist zügelt, erreicht höchsten Yoga.

43.116 Die höhere und niedrigere männliche Gestalt, unterschieden in Herrschenden und Beherrschtes, meditiere man in der Sonne; die weibliche Gestalt als Fünf-Bindu-Kraft.

43.117 So ist dir, Gütiger, die Tarika-Gestalt von allen Seiten gezeigt. Wer ihre Wirklichkeit so erkannt hat, für den ist kein anderer Erkenntnisgegenstand erforderlich.

43.118 So wurde dir die Vollendung der verdichteten Mantragestalt in einem Ausschnitt gezeigt, Shakra. Höre nun Ordnung und Verwirklichung von benennendem Mantra und Erscheinungsgestalt.

So endet im Lakshmi Tantra, der Essenz des Pancharatra, das dreiundvierzigste Kapitel: Offenbarung verschiedener Yogawege.

Einordnung und Textvermerk: Die weiblichen Gestalten werden theologisch als Lakshmis Gegenwart geehrt; zugleich enthält 43.81 eine historische soziale Bezeichnung für öffentlich zugängliche Frauen. Diese wird nicht zu einer heutigen Beziehungsvorschrift umgedeutet. Die anschließenden Verse begrenzen die Sinnesmeditation auf begehrlichkeitsfreie Aufmerksamkeit und zufällig Begegnendes und warnen vor Anhaftung. In 43.43 ist die angekündigte Fünferliste nicht vollständig ausgeschrieben; fehlende Namen werden nicht ergänzt.


Kapitel 44 – Der große Wortmantra und seine Begleitkräfte

Sanskrit IAST: Kapitel 44 · Devanagari: Kapitel 44

Shakra spricht:

44.1 Verehrung dir, kundig im Schutz des Bewussten und Unbewussten! Verehrung dir, Vishnus Gemahlin, Künstlerin der Weltordnung!

44.2 Die groben, feinen und höchsten Unterscheidungen wurden bereits gezeigt. Erkläre mir nun Taras Formen als Keimsilbe, Lautgebilde und weitere, Lotusgöttin.

Shri spricht:

44.3 Einer ist der von Shri begleitete Narayana mit dem vollständigen Leib der sechs Eigenschaften. Eine bin ich, seine höchste Shakti, ebenfalls mit diesem Leib.

44.4 Stets den Welten Gnade erweisen wollend, als Erkenntnis und Tätigkeit, nähre und reinige ich sie in der Gestalt Tarika.

44.5 Ihre höchste und die weiteren Seinsweisen habe ich dir gezeigt, Shakra. Höre ihre Unterscheidungen als Keimsilbe, Lautgebilde und weitere.

44.6 Die zuvor als höchste in dreifacher Weise gezeigte Ichheit heißt in dieser Beschaffenheit Tarika-Keimsilbe, Shakra.

44.7 Auf Sonne und Feuer stehend, mit Vishnu-Lautgebilde und Raumherrn als Krone, besteht sie. Ihre Vorbereitung, ihr Yoga und ihre Vollendung wurden gezeigt.

44.8 Die benennende Form der Tarika wird von Yogis gepflegt. Höre nun aufmerksam meine Erklärung.

44.9 Man nehme den einen reinen Laut und verbinde ihn mit svaha. Dies ist der von Yogis, Göttern und Brahma verehrte benennende Mantra.

44.10 Seine Wirkmacht kann von sich bemühenden Yogis, von mir oder Narayana erklärt werden, Herr der Götter.

44.11 Die benennende Form besteht aus dem höchsten Laut mit einem heilvollen Zusatz. Ihre Vollendungen und Übungsweisen entsprechen denen der verdichteten Form.

44.12 Wer sie durch beständige Übung vergegenwärtigt und den eigenen Leib ganz damit erfüllt, wird als Yogi zu mir und gelangt zu meinem Wesen.

44.13 Oder ich werde durch ihn erweckt und trete unmittelbar hervor; dann erfülle ich jeden Wunsch, den dieser Yogi hegt.

44.14 So ist der benennende Mantra in einem Ausschnitt gezeigt. Höre nun meinen alles verwirklichenden Wortmantra.

44.15 Dieser soll nicht zerlegt hergeleitet und auch nicht aufgeschrieben werden. Dennoch wird seine eigene Gestalt gelehrt, damit sie nicht entstellt wird.

44.16 [Erste Nummerierung 44.16; es folgt ein längerer Mantraabschnitt.] Die einleitenden heiligen Laute werden mit den in der Sanskritvorlage angegebenen Dreiermarkierungen gesprochen. Danach folgen die Anrufungen: „Verehrung Vishnu! Verehrung Narayana! Verehrung dem erhabenen Vasudeva! Sieg ist dein, Lotusäugiger! Verehrung dir, Hervorbringer der Welt! Verehrung sei dir, Herr der Sinne, großer Purusha, Erstgeborener!“

Fortsetzung des Mantraabschnitts in Prosa:

„Erhabener Vishnu, Narayana, Vasudeva, Lotusäugiger, Gemahl Lakshmis, höchster Purusha, Anfang, Mitte und Ende der Welt, Wohnstatt Shris! Ich trete zum Erhabenen hin. Ich nehme Zuflucht zum Erhabenen. Ich bin zum Erhabenen gelangt. Ich bitte den Erhabenen. Der Erhabene hat mich seiner Aufmerksamkeit gewürdigt. Ich bin zu seinem Gefolge geworden. Der Erhabene hat mir Erlaubnis gegeben. In den Erhabenen bin ich hineingegeben. Durch seine Gnade werde ich die erhabene Lakshmi, die aus ihm und aus Tarika besteht, mit den Worten des Mantras wiederholt vergegenwärtigen.

So: Verehrung den Gurus und ihren Gemahlinnen! Verehrung den höheren Gurus und ihren Gemahlinnen! Verehrung dem Höchststehenden und der Höchststehenden! Verehrung den früheren männlichen und weiblichen Vollendeten! Wiederholte Verehrung den Lakshmi-Yogis und Lakshmi-Yoginis!

Verehrung der Spenderin von Vollendung, Fülle und anderem, dem höchsten einen Geschmack! Höchste Hamsi, du überschreitest Rede, Geist und eigenes Selbst sämtlicher Menschen. Du bist der große Ozean höchster Wonne, ohne Beginn eines Handelns, still und unbefleckt. Verehrung der höchsten Höchsten, Vishnu und Vishnus Gemahlin, der Vishnu-durchdringenden Kraft; svaha!

Verehrung dem ununterbrochenen einen Geschmack des Ersten, der sich entfaltet! Aus eigener Freiheit beginnst du die Folge von Schließen und Öffnen; du bist der frei schwingende Ozean der Erkenntnis. Verehrung der höchsten feinen Gemahlin Vishnus, Maya; svaha!

Verehrung dir, deren Wesen die durch die Kraft des eigenen Entschlusses eröffnete Durchdringung des Erhabenen ist! Aus der Ergriffenheit des eigenen Willens wächst deine Seinsfülle; geschickt gestaltest du die drei Paare von Eigenschaftsgruppen als Netz gewaltiger Wellen. Verehrung Vishnus Gemahlin, der Fünf-Bindu-Kraft; svaha!

Verehrung dir, Offenbarung des höchst schönen göttlichen Leibes in ewig aufgehender großer Wonne, Stätte mannigfaltiger vollendeter Erkenntnissalben! Deine Macht ist der höchste Raum reinen Sattvas, bestehend aus der Entfaltung der sechs Eigenschaften. Dein Wesen ist kundig im Hervorbringen mannigfaltiger Formen reiner, schöner Wonne-Erfahrungen. Verehrung der feinen Kraft in höchster, feiner und grober Gestalt, Vishnus Gemahlin, der Fünf-Bindu-Kraft; svaha!

Verehrung dir, deren mannigfaltige Seelenhüllen wie Steinmassen durch den Wind des eigenen Entschlusses bewegt werden! Die Unterschiede von Zeit und zeitlich Bestimmtem sind deine Schaumscharen. Im Spiel zeigst du Erfahrenden, Erfahrbares, Erfahrungswerkzeuge und Erfahrung als einen großen Ozean. Verehrung der groben Kraft in höchster, feiner und grober Gestalt, Vishnus Gemahlin, der Fünf-Bindu-Kraft; svaha!

Verehrung dir, die du zum Wohl der ganzen Welt schöne Gestalten von Intellekt, Geist, Haupt- und Nebengliedern angenommen hast! Durch deine vierfache Entfaltung als Lakshmi, Kirti, Jaya und Maya bist du der eine Schatz aller Fülle sämtlicher Menschen. Du hältst die Fäden des ganzen Kreises der Kräfte, schenkst allen Menschen Erfahrung und Glück und beruhigst die Störungen durch vielfältige Gegenstände. Verehrung dir auf Narayanas Schoß! Verehrung Narayana! Lakshmi und Narayana sei die Gabe geweiht!“

Die Sanskritfassung enthält vor und zwischen diesen Anrufungen die vollständigen Keimsilbenfolgen und am Ende die abschließende Lautfolge. Sie werden im ausschließlich deutschen Übersetzungsabschnitt nicht als unübersetzte Sanskritblöcke eingeschoben; die ausgeschriebene Quelle steht in den beiden Sanskritartikeln bei 44.16.

44.16 (zweite Zählung) So ist dir dieser höchst wunderbare Wortmantra gezeigt. Verständige sollen ihn nach der Einweihung allein aus dem Mund des Gurus empfangen.

44.17 Wird diese Lautkraft rezitiert, offenbare ich mich darin wie in einem klaren Spiegel, in meinem ganzen Umfang, Wesen und meiner Beschaffenheit.

44.18 Ihr eigener Wirklichkeitssinn wird erweckt; alle Vollendeten erfreuen sich an ihr. Höre nun meine Erklärung ihrer Gliederfolge.

44.19 „Ich bin die Essenz von Licht und Wonne“, danach „Allsehende“, „Offenbarerin des wahren Sattva“, anschließend „höchstes Brahman“;

44.20 dann „Erhabene“, „Vishnus Gemahlin“, dazu Erkenntnis und die Abschlussformel: Dies ist der höchst wunderbare Herzensmantra.

44.21 „Du mit ungehindertem Wonneweg“, danach „höchste Herrin“, „über allem Stehende“; der Rest wie beim Herzensmantra, samt Abschluss.

44.22 „Ich“, dann „von Kraft Erfüllte“, „Urnatur der Welt“, „Flamme des Erkenntnisfeuers“; der Rest gilt wie zuvor.

44.23 „Du bestehst aus der großen Schwingung des Aufgangs von Belebtem und Unbelebtem“, „jenseits aller Stätten der Mühe“: Dies ist der Panzer, mit dem übrigen Aufbau wie zuvor.

44.24 „Frei von Veränderung“, dann „eigene Natur“, „aus großer unverminderter Wirksamkeit bestehend“: Dies ist die Waffe, mit dem übrigen Aufbau wie zuvor.

44.25 „Deine Befähigung bedarf keines anderen“, „Allgebärende“, zuletzt „aus Erwachen bestehend“: Dies sind die Augen, mit dem übrigen Aufbau wie zuvor.

44.26 Im Lautkomplex der fünf Brahman-Prinzipien bewegt sich Maya auf Stille und Feuer, vom Raumherrn gekrönt; sie heißt Brahma-Shri.

44.27 Im Komplex der vier tragenden Kräfte bewegt sie sich auf Feinem und Feuer, Maya vom Raumherrn gekrönt; sie heißt Dharana-Shri.

44.28 Auf dem Sitz aus Urmaterie und Feuer, vom Raumherrn gekrönt, heißt sie Purusha-Shri und entfaltet die Bewusstseinsschar.

44.29 Auf Dhruva und Feuer stehend, Maya vom Raumherrn gekrönt, heißt sie Pradhana-Shri, die alles Bewusstsein wirken lässt.

44.30 In der Folge von Vamana bis Reiniger bewegt sie sich auf Reiniger und Feuer: Antahkarana-Shri, Maya vom Raumherrn gekrönt.

44.31 In der Folge von Nara bis Palmzeichen-Träger bewegt sie sich auf Kranzträger und Feuer: Jnana-Shri, mit Maya und Raumherrn geschmückt.

44.32 Im mit Vaikuntha beginnenden Komplex steht sie auf Welterquicker und Feuer: Karma-Shri, mit Maya und Raumherrn geschmückt.

44.33 In der Folge von Höchstem bis Furchtbarem bewegt sie sich auf Kapila und Feuer: Bhuta-Shri, mit Maya und Raumherrn geschmückt.

44.34 Diese acht, beginnend mit Brahma-Shri, stehen auf den acht Lotusblättern und heißen Begleitkräfte der Wortgestalt der Tarika.

44.35 Alle gleichen dem Lotusinnern, haben heitere Lotusgesichter und tragen in zwei Händen zwei voll erblühte Lotusse.

44.36 Die heilvolle Brahma-Shri formt mit den vorderen Händen die Brahma-Anjali-Gebärde; Dharana-Lakshmi unterscheidet damit Reines und Unreines.

44.37 Purusha-Shri bildet vorn die Gnaden-Anjali; Prakriti-Shri trägt dort Schlinge und Elefantenhaken.

44.38 Antahkarana-Lakshmi hält die Gebärde des prüfenden Denkens: An der nach unten gewendeten Handfläche beuge man kleinen Finger und Ringfinger,

44.39 halte die beiden anderen Finger zusammen und den Daumen deutlich getrennt und kräftig aufgerichtet.

44.40 An der erhobenen, nach außen gerichteten rechten Handfläche ordne man es ebenso an. Dies ist die Gebärde des prüfenden Denkens.

44.41 Die Lehrgebärde an einem so gehaltenen Handpaar ist die Mudra der Jnana-Shri. Höre diejenige der Karma-Lakshmi.

44.42 Ihre Hände sind mit Tun beschäftigt, stets tatkräftig erhoben. Dies ist die Mudra der Karma-Lakshmi, Verständiger.

44.43 Bhuta-Lakshmis vordere Hände gewähren mannigfaltige Erfahrungen. Ein Lautkomplex besteht aus Mahalakshmi und bringt alles Glück.

44.44 Höre ihn aufmerksam, Bezwinger Balas. Der Mensch nehme der Reihe nach die Laute von Garuda rückwärts bis zum Furchtbaren.

44.45 Dann spreche er Maya auf Furchtbarem und Feuer, samt Raumherrn. Dies ist der Mahalakshmi-Lautkomplex; Mahashri ist seine Gottheit.

44.46 Sie ist eine und vielfältig, gestaltet und gestaltlos, die Höchste mit unendlichen Gesichtern, Füßen und Händen,

44.47 stets überall als Grundlage und Getragenes gegenwärtig, vielfarbig, von Scharen mannigfaltiger Waffen umgeben,

44.48 furchtbar und friedvoll, sitzend, vielfältige Fülle steigernd, überall leicht zugänglich, strahlend wie ein Lotusinneres zu meditieren.

44.49 Dieselbe Lautfolge umgekehrt endet mit Garuda. Ihre Gestalt meditiere man wie zuvor; sie gewährt die schon genannten Früchte.

44.50 Die vierzehn Vokale bestehen als Strahlen der Göttin; Bindu als Grundlage, Ausströmung als ihre machtvolle eigene Gestalt.

44.51 So ist dir die Wortgestalt der Tarika gezeigt. Setze deinen Geist stets aufmerksam in sie ein.

44.52 Aus dem großen Ozean des Lakshmi Tantra mit seiner Ausdehnung von hundert Koti habe ich diese Essenz liebevoll herausgehoben und dir gezeigt.

44.53 Als ich auf seinem Schoß saß, hob der lotusäugige Janardana, Gott der Götter, diese höchste Lautkraft zu meiner Freude hervor.

44.54 Wie der Anblick des Mondlichts die Menschen erfreut, so wird das Herz der Yogis beim Anblick dieser Lautkraft heiter.

44.55 Hier wird weder die Mühsal von Selbstzügelung und den weiteren Übungen noch anstrengendes Sitzen oder Mühe durch Atemregelung verlangt.

44.56 Angenehm sitzend, mit heiterem Innern und beliebiger Sitzhaltung, erlangt man durch geistiges Üben dieser Lautkraft Vollendung.

44.57 Wie Flüsse und Ströme in den großen Ozean münden, so gehen alle höchsten Lautkräfte in der Wortgestalt auf.

44.58 Wie im Herrn der Flüsse unzählige Juwelen liegen, so kennt man in der Wortgestalt unzählige Lichtmächte.

44.59 Wie Nahrung mit Honig und Honig mit Nahrung verbunden wird, so erfreuen Taras Gestalten von der Keimsilbe an einander.

44.60 Ich bin als große Herrin aller Welten auf Narayanas Schoß zu meditieren, von sämtlicher Fülle erfüllt. Dies ist die gemeinte Wortgestalt.

44.61 Wiederum erhebe ich mich aus höchstem Mitgefühl, zum Wohl der Übenden und zur inneren Vergegenwärtigung.

44.62 Ungeteilt und vollkommen teile ich selbst diese meine Lautkraftgestalt vierfach, auf ihr Wohl bedacht.

44.63 Höre nun richtig die Ordnung dieser vier geteilten, aus mir bestehenden Gestalten, Purandara.

So endet im Lakshmi Tantra, der Essenz des Pancharatra, das vierundvierzigste Kapitel: Offenbarung des Geheimnisses. [Der Kolophon trägt zusätzlich die Vorlagenzahl 44.44.]

Textvermerk: Die Quelle verwendet 44.16 zweimal: beim Beginn und nach dem langen Mantraabschnitt. Beide Stellen bleiben erhalten. Die deutsche Fassung übersetzt die Anrufungen vollständig nach ihrem Sinn; reine Keimlaute sind keine übersetzbaren Wörter. Ihre genaue Folge und die Dreiermarkierungen sind in den Sanskritartikeln vollständig dokumentiert.


Kapitel 45 – Die vier Erscheinungsgestalten

Sanskrit IAST: Kapitel 45 · Devanagari: Kapitel 45

Shri spricht:

45.1 Ich bin die Göttin Narayani, selbst vor den Früheren geboren, unmittelbar Lakshmi und Shri, untrennbar vom erhabenen Vishnu.

45.2 [Vers in der Vorlage unnummeriert.] Durch meine eigene Kraft teile ich mich selbst vierfach: Lakshmi, Kirti, Jaya und Maya sind diese vier Gestalten.

45.3 Ich bin jene höchste Shakti Lakshmi, die Ichheit des allgegenwärtigen Hari, und teile mich zum Wohl der Welt vierfach.

45.4 Als höchste Ichheit selbst werde ich zur ersten Gestalt namens Lakshmi, der segensreichen Spenderin sämtlicher Herrschaftsfrüchte.

45.5 Meine zweite Gestalt heißt Kirti und schenkt guten Ruhm; die dritte heißt Jaya und schenkt Sieg.

45.6 Die vierte heißt Maya und vollbringt alle Wunder. Lakshmi, Kirti, Jaya und Maya ruhen so in Narayana.

45.7 Meine in Narayana ruhenden Gestalten sind höchst strahlend, von ihren eigenen Kraftscharen begleitet, gestaltlos und ungeteilt,

45.8 wie Sonnenstrahlen oder Ozeanwellen. Lakshmi besteht in der Macht sämtlicher Herrschaft des Herrn Lakshmis,

45.9 umgeben von Koti besonderen Lakshmi-Gestalten. Ebenso ist Kirti vom Leib des Herrn nicht getrennt.

45.10 Nichts ist von ihrer allgemeinen Gestalt undurchdrungen. Welcher Ruhm auch irgendwo durch jemandes eigene Befähigung entsteht,

45.11 er ist ihre besondere Erscheinung, aus ihrem allgemeinen Wesen hervorgegangen. Ebenso besteht Jaya den Herrn des Sieges durchdringend.

45.12 Welche Maya-Kraft bei Göttern und anderen in dieser Welt besteht, erkenne sie als mich, aus der Maya des Erhabenen entstanden.

45.13 Was in diesem Ozean der Prinzipien könnte außerhalb seiner und meiner ungeteilten, vierfach erscheinenden Gestalt bestehen, Vorzüglichster der Götter?

45.14 Durch Yoga in diesen Kräften des Erhabenen vergegenwärtigt, nehmen sie durch die Macht der Erkenntnis ihres eigenen Lichtes Gestalt an.

45.15 Vorzügliche Übende sollen sie zur Vollendung meditieren, opfernd verehren und ehren. Höre meine unter ihnen ursprüngliche Gestalt Lakshmi:

45.16 mit sanftem Gesicht und Blick, zweiarmig, mit schönen Ohrringen, leuchtend wie ein Lotusinneres und mit einem Gürtel geschmückt,

45.17 mit weißen Kränzen und Gewändern, Halskette und Armreifen, allen glückverheißenden Merkmalen und vollen, hohen, festen Brüsten,

45.18 mit Augen weit wie erblühte Lotusse, schönem Lächeln und Locken wie Scharen beweglicher Bienen,

45.19 mit einem schönen bunten Stirnzeichen, roten edelsteingleichen Lippen und Zähnen wie Bambusperlen,

45.20 halbmondförmiger Stirn und dunklem lockigem Haar, Schlinge und Elefantenhaken tragend, Dharma, Freude, Wohlstand und Befreiung schenkend,

45.21 im Lotussitz und mit vorzüglicher Krone. So bin ich als Herrin in der Lakshmi-Entfaltung zu meditieren.

45.22 Ich werde ihren Mantra erklären. Die Tarika genannte Keimsilbe ist mein höchstes Herz.

45.23 Zuerst Pranava, danach diese Keimsilbe; dann das zweisilbige „Lakshmi“ im Dativ und am Ende Verehrung.

45.24 Danach das Wort „höchst“, dann Herr des Purusha, Wonne, Garuda und Varuna.

45.25 Daran „der Weilenden“, nochmals mein Herz, danach die nachfolgende Keimsilbe und wieder meine vorzügliche Keimsilbe.

45.26 Am Ende die Gemahlin des Feuers. So lautet mein Gestaltmantra; er gilt als zwanzigsilbig und heißt unmittelbar Lakshmi.

45.27 Höre ihre Gliedermantras richtig, Bezwinger Vritras. Man nehme den Stillen und setze den Herrn des Purusha dahinter,

45.28 darunter Feuer; diese drei bilden ein Gebilde. Am Ende füge man die ersten Laute der Vokalpaare aus den ersten und letzten sechs Vokalen hinzu.

45.29 Mondbesitzer und Durchdringenden setze man über alle. Erkenne darin die sechs Glieder vom Herzen bis zur Waffe, Vasava.

45.30 Höre nun die Mantras von Lakshmis Gefährtinnen: Wahrheit mit darauf stehendem Varaha, Unsterblichkeitstrank mit Maya am Ende,

45.31 Varuna mit Rama bilden die vier führenden Keimsilben. Mondbesitzer und Durchdringenden füge man jeweils darüber hinzu.

45.32 Riddhi, Vriddhi, Samriddhi und Vibhuti heißen die Gefährtinnen. Tara, Keimsilbe, Name und svaha bilden ihre Mantras.

45.33 Diese vier Gefährtinnen sind zweiarmig, sanft anzusehen, lotusknospengleich, mit Shri-Baum und Yakschweifwedel ausgestattet,

45.34 im Lotussitz, zu meinem Gesicht blickend. So sind sie zu meditieren. Höre die vier männlichen Begleiter.

45.35 Lavanya, Subhaga, Saubhagya und Saumanasya sind meine vier Begleiter.

45.36 Vierarmig, sanftgesichtig, in blauer Seide, tragen sie Lotus, Krug und Lotusbanner

45.37 sowie einen voll erblühten reinen Baum in ihren vier schönen Händen. Höre ihre Mantras ihrem Wesen nach.

45.38 Erwachter mit Urgott, Soma mit Weltenstand; dann zweimal Unsterblichkeitstrank, jeweils mit Bergträger verbunden.

45.39 Mit Mondbesitzer und Durchdringendem vergegenwärtige man diese Keimsilben. Tara, Keimsilbe, Name und Verehrung am Ende bilden die Mantrafolge.

45.40 Damit ist die Lakshmi-Gestalt samt Gliedern und Begleitung gezeigt. Höre die Gestalt und weiteres der zweiten Erscheinung namens Kirti.

45.41 In der Gestalt gleicht sie Lakshmi, in der Farbe leuchtet sie wie Champaka. Alles Übrige entspricht Lakshmi. Höre ihren Gestaltmantra.

45.42 Tara, mein Herz, dann Furchtbarer mit Vishnu; Kranzträger auf Feuer, mit Herrschermacht geschmückt;

45.43 Verehrung, dann „der Gestalt ewig aufgehender Wonne“; meine Keimsilbe, auf Lotus stehendes Feuer, mit Vishnu geschmückt

45.44 und mit Durchdringendem verbunden: Diese Keimsilbe meditiere man am Ende, dann svaha. Der Mantra gilt als zwanzigsilbig.

45.45 Höre nun ihre Gliedermantras. Den Furchtbaren setze man auf Feuer und verbinde wie zuvor

45.46 mit den Vokalen von Wonne an, Mondbesitzer und Durchdringendem, wie bei Shri. Dies sind Kirtis Gliedermantras. Höre Gestalten und Mantras ihrer Gefährtinnen.

45.47 Dyuti, Sarasvati, Medha und Shruti heißen sie; zweiarmig, goldfarben, Kirti gleich und lächelnd,

45.48 links ein schönes Buch, rechts einen Yakschweifwedel haltend. Höre ihre Mantras.

45.49 Madana, Unsterblichkeitstrank, Urmaterie und Heilbringer setze man auf Feuer und schmücke mit Maya.

45.50 Mondbesitzer und Durchdringenden füge man hinzu. Dies sind die Gefährtinnenmantras. Höre Namen und Gestalten von Kirtis Begleitern.

45.51 Vagisha, Jayada, Prasada und Trana meditiere man kimshukablütenfarben, schön und herzerfreuend,

45.52 weiß gekleidet, vierarmig und mit sämtlichem Schmuck. In den beiden Haupthänden links und rechts meditiere man

45.53 ein Muschelhorn, hell wie hundert Monde, und einen großen Kadamba-Baum mit Blüten und Bienen. Höre die beiden anderen Hände:

45.54 links einen vollmondgleichen Spiegel, rechts einen hellen Pfauenfächer; so stehen die Schönäugigen da.

45.55 Varaha mit Urgott, den bloßen Unermesslichen, Reiniger auf Feuer und ebenso Kranzträger

45.56 [Vers in der Vorlage unnummeriert.] verbinde man mit Urgott und füge oben Mondbesitzer und Durchdringenden hinzu. Dies sind die Begleitermantras.

45.57 So lautet die Ordnung meiner zweiten Gestalt Kirti. Höre Gestalt und weiteres meiner dritten Erscheinung Jaya.

45.58 Jaya ist überaus schön und gleicht Lakshmi. Tara, Tarika, Geburtsvernichter, Vierfacher Gang,

45.59 mit Urgott verbunden, danach derselbe mit Herrschermacht; dann Tara, darauf Zeit mit höchstem Herrn,

45.60 Durchdringender, Geburtsvernichter mit Rama, Kranzträger mit Urgott, Erhalter und ebenso Urmaterie,

45.61 Varuna auf Unsterblichkeitstrank, Bogenträger mit Rama, Vairaja mit Urgott, Muschelhorn mit Herrschermacht,

45.62 Tarika, Ewiger mit Weltenträger und Vishnu, mit Raumherrn geschmückt, danach die Gemahlin des Feuers:

45.63 Dies ist Jayas Gestaltmantra. Höre ihre Gliedermantras. Man nehme den Geburtsvernichter, geschmückt mit Zeitenfeuer,

45.64 und versehe ihn wie zuvor mit den Vokalen samt Mondbesitzer und Durchdringendem. Dies meditiere man als Jayas Glieder vom Herzen an.

45.65 Jayanti, Vijaya, Aparajita und Siddhi sind als Jayas vier Gefährtinnen zu erkennen.

45.66 Unbesiegter mit Vishnu, Varuna mit Entflammtem, der bloße Durchdringende und Soma mit Erwünschtem

45.67 werden mit Mondbesitzer und Durchdringendem, dem Namen und svaha am Ende verbunden. So meditiere man ihre Mantras.

45.68 Alle Gefährtinnen sind dunkel wie Regenwolken, mit heiterem Gesicht und Blick, gelb gekleidet und mit goldenen Ohrringen,

45.69 mit weißen Yakschweifwedeln und bunten Rohrstäben in den Händen, auf Jayas und des Unbesiegten Gesicht blickend.

45.70 Pratapi, Jayabhadra, Mahabala und Utsaha heißen Jayas Begleiter.

45.71 Alle sind rot gekleidet, vierarmig und sehr stark, mit Bogen, Pfeil, Keule und Rad.

45.72 So erkenne man diese mit Blumen und Schmuck geschmückten Begleiter. Lotusnabel auf Feuer, Unbesiegter, ebenso Zeit

45.73 und Ungebändigter, mit Mondbesitzer und Durchdringendem geschmückt, mit Pranava am Anfang, Namen und Verehrung am Ende:

45.74 Dies sind Jayas Begleitermantras, Bezwinger Vritras. So lautet die wunderbare Ordnung meiner dritten Gestalt Jaya.

45.75 Höre die Ordnung meiner vierten Gestalt Maya: die Göttin, welche alle Wunder des Gottes der Götter, des Bogenträgers, vollbringt.

45.76 Die große Kraft namens Maya ist mein vierter höchster Leib. Sie gleicht Lakshmi in der Gestalt. Höre ihren Gestaltmantra.

45.77 Zuerst Taraka, danach Tarika; dann „Verehrung Maya“, Zeit auf Reisbrei,

45.78 Sonne mit linker Braue, Kranzträger mit Vishnu, danach derselbe allein, der letzte von Nara an, Madana mit Beschützer,

45.79 weißer Lotus auf Feuer mit Rama, Palmzeichen-Träger mit Urgott, Muschelhorn mit Herrschermacht;

45.80 dann Zeit auf Feuer mit Maya und Durchdringendem. Diese göttliche Maya-Keimsilbe meditiere man nach Tarika.

45.81 Am Ende die Gemahlin des Feuers: Der Mantra gilt als zwanzigsilbig. Höre nun seine Glieder.

45.82 Die Maya-Keimsilbe unterscheide der Einsichtige der Reihe nach durch die Vokale von Beschützer an und bilde die Glieder wie zuvor.

45.83 Mohini, Bhramani, Durga und Prerani sind Mayas vier Gefährtinnen, edelsteinstrahlend, Herr der Götter.

45.84 In Anmut, Wirkkraft, Schönheit und Glanz gleichen diese Göttinnen Maya; ihre Kleidung und Salbung sind weiß.

45.85 Sie tragen Yakschweifwedel und Elefantenhaken und sitzen im Lotussitz. Höre ihre Mantras, Bezwinger Balas.

45.86 Urmaterie auf Reisbrei, Dhruva mit ra und Urgott, Madana auf Welt, ya mit Feuer und Herrschermacht:

45.87 Alle mit Mondbesitzer und Durchdringendem, auf Pranava gegründet, mit Namen und svaha verbunden, bilden Mayas Gefährtinnenmantras.

45.88 Mayamaya, Mahamoha, Shambara und Kalishvara sind die vier Begleiter, dunkel wie Krähen und Augensalbe,

45.89 vierarmig, großleibig, sanftgesichtig, lächelnd, mit Armreifen und Schmuck und gelber Seidenkleidung,

45.90 mit Halsketten und Fußringen, mit mannigfaltigen Blumen geschmückt, weiß wie Schneestaub an den bezeichneten Attributen, mit erhobenem Schwert und Schlinge,

45.91 ferner Pfeil, Bogen und Sonnenschirm in den anderen Händen. Urmaterie mit Beschützer, danach derselbe allein,

45.92 der bloße Heilbringer und der bloße Lotus: Darüber setze man jeweils Mondbesitzer und Durchdringenden.

45.93 Mit Taraka am Anfang, Namen und Verehrung am Ende bilden sie die Mantras der vier von Mayamaya an, Bezwinger Balas.

45.94 Die gemeinsame Meditation sämtlicher Gliedermantras ist erklärt, ebenso die Mudras der Gottheiten samt Gliedern, Vasava.

45.95 Die zuvor von mir genannten Mudras zeige man jeweils passend. Wer diese Göttinnen einzeln oder gemeinsam verehrt,

45.96 nach eigener Einsicht und Tatkraft, wird mit höchster Shri verbunden. Diese vier Leiber von mir sind Strahlen des Erhabenen,

45.97 durch welche der erhabene Gott in vollkommener Gestalt besteht. Jede besitzt unzählige Kräfte ihres jeweiligen Wesens.

45.98 Unendlich ist ihre Begleitung; so besteht die Welt aus Kraft. Mich, die eine höchste Herrin dieser vier Kräfte,

45.99 ihre Wurzel, Vishnus höchste Ichheit, die seine Eigenschaften trägt, aus sämtlichen Kräften bestehend, Herrin des Kräftekreises,

45.100 meditiere man zwischen Licht und Wonne durchgehend gegenwärtig, zwischen Feuer und Soma, dem mittleren Weg folgend.

45.101 Mit nicht nach außen gerichteter Geistestätigkeit bedenke mich der Einsichtige. Sonne und Mond lasse er im Sushumna-Weg untergehen

45.102 und gründe mit nach innen gerichteter Tätigkeit in mir.

Shakra spricht: Göttin, vom Gott der Götter erfüllt, auf dem Lotus stehend,

45.103 erkläre mir die Mudras der Gefährtinnen und Diener.

Shri spricht: Die Mudras der Göttinnen wurden bereits gezeigt, Bezwinger Balas.

45.104 Höre nun diejenigen ihrer sechzehn Gefährtinnen. Man halte die Hände deutlich ausgestreckt einander zugewandt.

45.105 Kleine Finger und Ringfinger führe man paarweise zusammen und verbinde sie an den Nägeln, sodass sie wie ein Gebilde erscheinen.

45.106 Diese vier Finger stehen frei in der Handmitte. Die Daumen strecke man stabförmig aus und verbinde ihre Spitzen,

45.107 sodass sie am inneren Bereich der vier Finger ruhen. Die Zeigefinger krümme man sorgfältig wie Schlangenwindungen.

45.108 Die beiden Mittelfinger strecke man nach vorn aus und verbinde sie. Die kleinen Finger halte man gerade und führe beide Hände

45.109 bis zu den Handgelenken eng zusammen. An den Daumenwurzeln und Handgelenken lasse man sie leicht auseinandergehen.

45.110 Dies ist die Mahayoni genannte höchste Mudra, Mutter der drei Welten, Bezwinger Balas.

45.111 Absichtsvoll angewendet soll sie die ganze Welt unter Einfluss bringen. Eine darin geübte Frau kann sie aus der Ferne zeigen

45.112 und nach Aussage des Textes selbst bei anhaftungsfreien Sehern augenblicklich Erregung hervorrufen. Ebenso kann ein darin geübter Mann sie Frauen zeigen,

45.113 deren Begehren aufgehört hat oder die Asketinnen sind: Auch Begierdelose werden erregt; wie viel mehr Begehrende.

45.114 Dies ist die gemeinsame Mudra aller Gefährtinnen, Vasava. Nun werde ich kurz diejenige der sechzehn Begleiter erklären.

45.115 Die Hände halte man mit den Rücken aneinander und löse dann die beiden Zeigefinger und die beiden kleinen Finger,

45.116 deutlich nach unten gerichtet, mit einem Zwischenraum. Die kleinen Finger sind verbunden, die Zeigefinger gespreizt.

45.117 Mittel- und Ringfinger halte man paarweise verbunden, von den Nägeln bis zum mittleren Gelenk,

45.118 nach oben gerichtet, gleichmäßig gehalten. Die Daumen hängen deutlich nach unten,

45.119 weit voneinander entfernt. Diese Mudra erfüllt alle Wünsche. Mit dem jeweiligen Mantra verbunden ist dieselbe für alle auszuführen.

45.120 So sind die beiden gemeinsamen Mudras der Gefährtinnen und Begleiter erklärt. Mich, verbunden mit diesen vier Entfaltungen samt Begleitung,

45.121 verehre man so und erreiche am Ende allein mich. Unendlich sind meine Entfaltungen, die in Prinzipien und deren Erscheinungen ruhen.

45.122 Jede besitzt Koti um Koti Begleitkräfte, Vasava. Diese vier wurden als die hauptsächlichen erklärt.

45.123 So ist dir die Übersicht meiner Gestaltmantras samt Gliedermantras und anderem gegeben. Höre nun ihre Verwirklichung und die weiteren Verfahren.

So endet im Lakshmi Tantra, der Essenz des Pancharatra, das fünfundvierzigste Kapitel: Offenbarung der Gestalten.

Textvermerk: Die unnummerierten Verse zwischen 45.1/3 und 45.55/57 sind hier als 45.2 und 45.56 zugeordnet. Die Attribute der Begleiter in 45.90–91 lassen sich der Vierarmigkeit nicht eindeutig zuweisen; die aufgezählten Gegenstände bleiben erhalten. 45.111–113 überliefert ein magisches Beeinflussungsversprechen; es wird hier als historische Textaussage wiedergegeben.


Kapitel 46 – Vollendung des Lakshmi-Mantras

Sanskrit IAST: Kapitel 46 · Devanagari: Kapitel 46

Shri spricht:

46.1 Vernimm der Reihe nach die Verwirklichung von Lakshmi und den übrigen sowie die verschiedenen Handlungen mit ihren Mantras, Herr der Götter.

46.2 Man errichte die zuvor genannte viereckige Stadt mit vier Toren und zeichne in ihrer Mitte einen weißrötlich strahlenden achtblättrigen Lotus.

46.3 In die Ecken zeichne man vier weiße Swastikas. Zuerst vollziehe man die alldurchdringende Einsetzung vom Handgelenk beziehungsweise Gesicht an.

46.4 Den Grundmantra setze man allein an Hand und Körper ein, danach und zuvor den Lakshmi-Mantra mit beiden Händen.

46.5 Ihre Glieder setze man wie zuvor an Händen und Körper ein, danach die vier begleitenden Göttinnen,

46.6 an beiden Händen vom Zeigefinger an, am Körper an Haupt, Herzmitte, Oberschenkeln und beiden Knien.

46.7 Die vier Begleiter von Lavanya an setze man an beiden Händen vom Ringfinger bis zum Daumen ein,

46.8 am Körper an rechter und linker Schulter und beiden Seiten. Nach regelgerechter Einsetzung verehre der nach Shri Strebende im Herzen

46.9 allein den Lakshmi-Mantra durch das Opfer des Aufgehens. Nach Betrachtung und den weiteren Handlungen setze man außen

46.10 den mit dem Gestaltmantra verbundenen Grundmantra auf den Lotusfruchtboden: den Herrn mit gegliedertem und ungegliedertem Leib, mit sämtlichen Mantras verbunden.

46.11 Lakshmi auf seinem Schoß lasse man mit ihrem Mantra herabkommen, verbunden mit der zuvor erklärten Meditation, zur Vollendung von Erfahrung und Befreiung.

46.12 In Südosten, Nordosten, Südwesten und Nordwesten setze man die vier Glieder vom Herzen an, die Augen in den Staubfadenkreis.

46.13 Vorne, rechts, hinten und links setze man die Vierheit von Riddhi an ein, zweiarmig und in der entsprechenden Gestalt,

46.14 hell wie Lotusse, mit Shri-Baum und Yakschweifwedel, im Lotussitz, auf ihr Gesicht blickend.

46.15 In den Ecken der Swastikas von Nordosten an setze man die Vierheit von Lavanya an ein, sanftgesichtig und vierarmig,

46.16 in blauer Seide, Lotus und Krug tragend, mit Lotusbanner und reinem fruchttragendem Baum.

46.17 An den Toren in den vier Richtungen setze man die Waffe ein und verehre wie zuvor die mit dem Grundmantra verbundene Göttin Lakshmi, Freude der Götter.

46.18 Sämtliche Mudras zeige man an den vorgesehenen Stellen. Nach Mantrawiederholung vollziehe man Feueropfer mit Butter, Sesam und ungebrochenem Reis,

46.19 mit Amla- und Bilva-Früchten und, wenn verfügbar, Lotussen, nach Kräften ohne feste Zahl. Nach dem Feueropfer, Bezwinger Vritras,

46.20 werde der fest entschlossene Übende zu Lakshmis Gestalt und wiederhole den Mantra fünfhunderttausendmal, mit reiner Nahrung und beherrschten Sinnen.

46.21 Nach der Wiederholung opfere er der Reihe nach Bilva, Amla und Lotus, nach Kräften ohne feste Zahl oder jeweils zehntausendmal.

46.22 Am Ende des Feueropfers gewährt die höchste Herrin ihren Anblick: „Mein Sohn, ich bin dir verwirklicht. Sage, was du im Geist wünschst.

46.23 Vollbringe alle gewünschten Aufgaben mit meinem Mantra, von heute an ohne Zweifel, frei von der Bedrängnis der Gegensatzpaare.“

46.24 Nach diesen Worten kehrt die Göttin rasch dorthin zurück, woher sie kam. Dann vollziehe man die Handlungen mit meiner Erlaubnis als Lakshmi.

46.25 Zufrieden kann der Übende den Bittenden die gewünschte Fülle geben; zornig kann er nach dem Text selbst einen Reichtumsherrn durch bloße Worte arm machen.

46.26 Durch einmalige Meditation und Mantrawiederholung könne er Kupfer zu Gold machen. Einen Krug fülle er mit Wasser, Milch oder Honig,

46.27 halte ihn auf der rechten Hand und lege die linke darüber. Mit Meditation wiederhole er den Mantra 108-mal,

46.28 einspitzig gesammelt auf den Quecksilberherrn. Das Wasser im Krug nehme dadurch dessen Beschaffenheit an.

46.29 Dieser Saft könne die hunderttausendfache Verwandlung von Metallen und Geräten bewirken, Purandara, und den Körper unsterblich, frei von Alter und Krankheit machen.

46.30 Zuerst nehme man einen daumengroßen Stein in die rechte Hand und einen jujubegroßen in die linke.

46.31 Beide Fäuste bespreche man 216-mal. Der rechte Stein werde zum Edelstein,

46.32 der linke zur Perle; beide seien sehr wertvoll. Welche Edelsteinart man wünsche, zu dieser werde er.

46.33 Ebenso zeige die Perle die jeweils gewünschte Beschaffenheit. Einen Knochen von Rind, Elefant oder Pferd nehme man in die Hand;

46.34 fünfzigmal besprochen werde er zu Koralle. Zinn, Blei oder Eisen hundertmal besprochen

46.35 werde zu Gold oder sehr reinem Silber. Welchen Stoff man auch nimmt und welches Metall man wünscht, Herr der Götter,

46.36 zornig oder zufrieden könne man es in anderes verwandeln. Ebenso sei eine Veränderung steinerner Stoffe möglich.

46.37 Welche Fülle im Geist eines Menschen erscheint, die gebe der Übende ihm rasch: Geld, Getreide, Rinder und anderes.

46.38 Wer den Lakshmi-Mantra nach der Ordnung von Opfer und Einsetzung mit Rochana und Safran auf Birkenrinde schreibt

46.39 und goldumhüllt am Körper trägt, Hundertopferer, dessen Lebensdauer wächst, und er wird überall siegreich und bedeutend.

46.40 Wo immer er eintritt, empfängt er große Ehre. Dies ist besonders für die nach Shri Strebenden die Verehrung Lakshmis, meines ersten Leibes, Vorzüglichster der Götter.

So endet im Lakshmi Tantra, der Essenz des Pancharatra, das sechsundvierzigste Kapitel: Offenbarung der Vollendung des Lakshmi-Mantras.

Einordnung: Die metallverwandelnden, lebensverlängernden und Unsterblichkeit verheißenden Aussagen ab 46.25 gehören zur historischen Mantra-Alchemie des Textes. Sie sind keine geprüften stoffkundlichen oder medizinischen Verfahren.


Kapitel 47 – Vollendung des Kirti-Mantras

Sanskrit IAST: Kapitel 47 · Devanagari: Kapitel 47

Shri spricht:

47.1 Die erste Entfaltung heißt wie ich selbst Lakshmi; ihre Vollendung ist erklärt. Höre nun diejenige der zweiten.

47.2 Einsetzung und Lotusopfer erkenne man insgesamt als bereits erklärt. Man errichte das genannte Mandala und darin

47.3 jedoch einen weißgelben Lotus. Danach setze man Kirti auf dem Schoß des Herrn und die Glieder vom Herzen an wie zuvor ein.

47.4 Höre die Meditation der Gefährtinnen der Reihe nach: zweiarmig, goldfarben, Kirti gleich und lächelnd,

47.5 links ein schönes Buch, rechts einen Yakschweifwedel. Die vier Begleiter meditiere man kimshukablütenfarben, schön und herzerfreuend,

47.6 vierarmig und weiß gekleidet. In den Haupthänden links und rechts meditiere man

47.7 ein Muschelhorn, hell wie hundert Monde, und einen großen Kadamba-Baum mit Blüten und Bienen. Höre die übrigen beiden Hände:

47.8 links ein vollmondgleicher Spiegel, rechts ein heller Pfauenfächer. Nach dieser Meditation zeige der Übende

47.9 sämtliche jeweils zugehörigen Mudras und verehre richtig mit Empfangswasser, Blumen und anderem. Nach Wiederholung nach Kräften opfere er

47.10 Sesam, mit Butter übergossen und mit Duftreis verbunden. Nach dem Feueropfer nehme er mit Blumen, Augensalbe und Gewand Göttinnengestalt an.

47.11 An einem abgeschiedenen, menschenleeren Ort, schweigend und von Wurzeln und Früchten lebend, wiederhole er den Mantra dreihunderttausendmal; danach vollziehe er Feueropfer,

47.12 hunderttausendmal, mit Reis und Sesam, Butter einer braunen Kuh und Milch derselben Art, Herr der Götter.

47.13 Für jedes Glied vom Herzen an opfere er tausendmal. Danach gebe er eine vollständige Opfergabe aus Milch und Butter.

47.14 Ist sie ins Feuer gefallen, kommt die höchste Herrin, steht vor dem Übenden und spricht: „Gut, sehr gut!

47.15 Komm, komm zur höchsten Wohnstatt! Verlasse diese aus Elementen bestehende Stadt des Körpers. Oder genieße unsterbliche Freuden auch mitten unter Sterblichen.

47.16 Vollbringe sämtliche Handlungen mit meinem Mantra, Übender!“ Nach diesen Worten geht die Göttin in den Himmel zurück.

47.17 Der Übende vollziehe mit dem Kirti-Mantra die gewünschten Handlungen. Was er jemandem gibt, werde für diesen unerschöpflich.

47.18 Dadurch erlange er Ruhm, solange Mond, Sonne und Sterne bestehen. Wenn er sich unter heftigen Menschen befindet

47.19 oder in einer Versammlung spricht, erlange er großen Ruhm, übertreffe alle und erreiche Hervorragen.

47.20 In einer kurzen Zeit der Nahrungsknappheit bespreche er ein Gefäß mit gekochter Nahrung; dann entstehe für die Menschen so viel Speise, wie er wünscht.

47.21 Gibt er sie sieben Tage unablässig und unerschöpflich, erlange er großen Ruhm bis zur Auflösung der Wesen.

47.22 Bei guter Versorgung nehme er ein winziges Stück Gold und bespreche es regelgerecht tausendmal.

47.23 Es werde zu großer Menge und könne zwei Wochen ununterbrochen an Bittende gegeben werden, ohne dass Zweifel entstehen.

47.24 Dadurch erlange er großen, von der Welt geachteten Ruhm. Einen Krug Wasser nehme er aus einem See, der Wohnstatt des Schlangenkönigs ist,

47.25 gehe in die Wüste und gieße ihn nach tausendfacher Besprechung in eine Bodensenke oder auf einen Berggipfel.

47.26 Dort werde der Schlangenherr samt Gefolge das Wasser bewahren, solange die Erde besteht.

47.27 Dadurch erlange er großen Ruhm in der Welt, Vasava. Wenn zur Zeit des Keimens kein Regen fällt,

47.28 nehme er etwas mit Teichwasser verriebene oder darin durchnässte Erde in die Hand und bespreche sie dreihundertmal.

47.29 Mit seinem Atem erwärme er sie, vergegenwärtige den Kirti-Mantra und werfe sie in die Luft; sie werde zur Wolke.

47.30 Diese Wolke fülle die ganze Erde mit Wasser. Auf seinen Befehl bleibe der Wolkenherr in jenem Land,

47.31 bis genug brauchbares Wasser gefallen ist. Dadurch erlange er großen Ruhm in allen drei Welten.

47.32 Er erfülle jedem dessen Herzenswunsch. So ist die Macht des Mantrakönigs namens Kirti, Vorzüglichster der Götter.

47.33 Wie zuvor aufgeschrieben und an Hand oder rechtem Arm befestigt, verleihe er großen Ruhm, Ehre, Fülle und Redekraft.

47.34 So ist kurz die Ordnung des Kirti-Mantras meiner zweiten Gestalt erklärt, Vasava, Vorzüglichster der Verkörperten.

47.35 Wer diese schöne Ordnung des Kirti-Mantras einhält, erlangt makellosen Ruhm, der auch den Nachkommen Wohlergehen schenkt.

So endet im Lakshmi Tantra, der Essenz des Pancharatra, das siebenundvierzigste Kapitel: Offenbarung der Vollendung des Kirti-Mantras.

Einordnung: Die Aussagen über unerschöpfliche Nahrung und Gold sowie Regenbereitung werden als Wunder- und Wirkversprechen der Überlieferung wiedergegeben.


Kapitel 48 – Vollendung des Jaya-Mantras

Sanskrit IAST: Kapitel 48 · Devanagari: Kapitel 48

Shri spricht:

48.1 Höre die Vorschrift und Vollendungsweise meiner dritten Gestalt Jaya, von Vollendetenscharen gepriesen, Bezwinger Vritras.

48.2 Nach Einsetzung wie zuvor und Verehrung Jayas im Herzen errichte man das Mandala wie zuvor und zeichne darin einen Lotus,

48.3 mit schönen Blättern und Pulver von der Farbe des blauen Lotus. Aus dem Herzen setze man Jaya auf Vishnus Schoß darin ein.

48.4 Auf dem Fruchtboden ordne man die Mantras nach der früheren Folge an. Höre jedoch genau die Meditation aller Gestalten.

48.5 Alle Gefährtinnen sind dunkel wie Regenwolken, mit heiterem Gesicht und Blick, gelb gekleidet und mit goldenen Ohrringen,

48.6 mit weißen Yakschweifwedeln und bunten Rohrstäben, zu Jayas und des Unbesiegten Gesicht blickend.

48.7 Die vier Begleiter sind jasminknospenfarben, mit heiteren Lotusgesichtern, rot gekleidet, vierarmig und sehr stark,

48.8 Bogen, Pfeil, Keule und Rad tragend, mit Blumen und Schmuck. So sind sie zu meditieren.

48.9 Man zeige sämtliche jeweils erklärten Mudras, verehre hingebungsvoll und vollziehe anschließend Feueropfer

48.10 mit Sesam, weißen Senfkörnern, Opferkost und Guggulu. Danach mache der Mantraübende die eigene Gestalt zu Jaya.

48.11 „Ich bin Jaya“ erkennend, mit innerlich gegenwärtiger Größe, begebe er sich an einen menschenleeren sicheren Uferplatz.

48.12 Mit Panzer und Waffe binde er die Richtungen zur Abwehr des Schädigenden. Danach beginne er die Wiederholung, von Milch, Nahrung und Früchten lebend.

48.13 Zuerst verneige er sich hingebungsvoll mit seinem Mantra vor Hari. Abgeschieden, wenig essend, schweigend und der Meditation hingegeben,

48.14 wiederhole er vierhunderttausendmal; danach vollziehe er Feueropfer. Die Brennhölzer seien eine Spanne lang und aus rotem Sandelholz.

48.15 Zehntausend davon opfere er gesammelt und mit Butter bestrichen; ferner zweihunderttausend weiße Senfgaben mit Honig, Verständiger,

48.16 und zehntausend oder hunderttausend Gaben schwarzen Sesams, verbunden mit den drei süßen Stoffen. Am Ende drei vollständige Opfergaben

48.17 der Reihe nach aus Honig, Milch und Butter, Shakra. Dann erscheint die erhabene Göttin Jaya selbst:

48.18 „Ich bin dir verwirklicht, mein Sohn. Vollbringe mit meinem Mantra die gewünschte Aufgabe, ohne Zweifel und innere Fieberglut.“

48.19 Nach diesen Worten verschwindet die Kraft, deren Wesen Narayana ist. Danach vollziehe man mannigfaltige Handlungen,

48.20 die in dieser Welt für sich oder andere gewünscht werden. Einige werde ich kurz nennen; höre sie genau, Donnerkeilträger.

48.21 Der Übende meditiere seine Zunge flammengleich mit dem Göttinnenmantra. Wen er auch in irgendeiner Sache zur Rede stellt,

48.22 den überwindet er rechtmäßig und erlangt mühelos Sieg. Sieht er ein starkes fremdes Heer mit Elefanten, Pferden und Bewaffneten,

48.23 vereint und zum Angriff in der Schlacht bereit, bespreche er Bogen, Schwert, Schild und fünf Pfeile.

48.24 Wem er diese gibt und wen er entsendet, der tritt allein vor das Heer, durchbricht es und erlangt dauerhaften Sieg.

48.25 In der rechten Hand meditiere man einen dreieckigen Feuerkreis, darin die Göttin samt Begleitung.

48.26 Beim Anblick wilder Elefanten, Löwen, Schlangen oder Blitze sollen diese beim Sehen jener Handfläche rasch weichen.

48.27 Einen Khadira-Stößel berühre und nehme man, hundertmal besprochen, und gehe zum Höhleneingang, verbunden mit der vierlautigen Jaya-Form.

48.28 Dort führe man langsam acht Stößelschläge aus, mit dem von der eigenen Waffenformel umschlossenen Göttinnenmantra,

48.29 der mit phat endet. Danach verehre man die Vorrichtung am Höhleneingang; der vorzügliche Übende trete mit allen seinen Leuten ein.

48.30 Nach Durchbrechen zahlreicher Vorrichtungen und Besiegen der führenden Danavas vereinige er dort seine Leute mit Scharen schöner Frauen.

48.31 Nach Trinken eines reinen Getränks aus eigener Hand kehre der Kraftvolle auf demselben Weg in seine Wohnstatt zurück.

48.32 Wenn der Mantraübende den Geist ohne Schwanken auf Sieg in den drei Welten richtet, Keule und Rad erhoben,

48.33 oder Schlinge und Elefantenhaken tragend, erlangt er gewiss Sieg. Mit Rochana und dichtem Safran schreibe man auf Birkenrinde,

48.34 den Namen umschließend und in die Mitte einsetzend; dadurch erlange man spielend guten Sieg mit allen göttlichen Kräften.

48.35 Mit Sandel, Milch und Safran geschrieben trage man den Mantra an Hals, Gesicht, linkem oder rechtem Arm.

48.36 So erlangt man stets und zweifellos Sieg, Shakra. Wo immer der Übende den Mantra zum Sieg verwendet,

48.37 dort erlangt er Sieg. So ist dir die Ordnung meiner dritten Gestalt namens Jaya gezeigt, Shakra.

So endet im Lakshmi Tantra, der Essenz des Pancharatra, das achtundvierzigste Kapitel: Offenbarung der Vollendung des Jaya-Mantras.

Einordnung: Die Kriegs-, Schutz- und Unterweltszenen sind historische Ritual- und Wundererzählung. Die knappe Lesart zur vierlautigen Jaya-Form in 48.27 wird nicht zu einem fehlenden vollständigen Mantra ergänzt.


Kapitel 49 – Maya und die Weihe des Gottesbildes

Sanskrit IAST: Kapitel 49 · Devanagari: Kapitel 49

Shri spricht:

49.1 Höre nun die Ordnung meiner vierten Mantragestalt namens Maya samt Mantraanwendung, Vasava.

49.2 Mayas Mantrafolge für Gestalt, Glieder, Gefährtinnen und Diener setze man wie zuvor zuerst an den Händen, dann am Körper ein.

49.3 Man verehre sie im Herzen mit allen Gaben wie zuvor, errichte außen ein Mandala und darin einen schönen Lotus.

49.4 Aus dem Herzen lasse man sie auf Vishnus Schoß herabkommen und verehre Maya samt Gliedern, Gefährtinnen und weiteren Begleitern.

49.5 Ihre vier lotusäugigen Gefährtinnen von Bhramani an meditiere man weiß gekleidet, göttlich und edelsteinstrahlend,

49.6 mit Yakschweifwedel und Elefantenhaken, im Lotussitz. Ebenso meditiere man die vier Begleiter von Mayamaya an,

49.7 vollkommen an allen Gliedern, glänzenden Bienenscharen gleich, vierarmig, großleibig, sanftgesichtig und lächelnd,

49.8 mit Armreifen, Schmuck, gelber Kleidung, Halsketten, Fußringen und mannigfaltigen Blumen,

49.9 mit schneestaubweißen Attributen, Schwert und Schlinge erhoben, ferner Pfeil, Bogen und Sonnenschirm in den anderen Händen. [Die Attribute sind nicht eindeutig auf die vier Hände verteilt.]

49.10 Nach Zeigen der jeweils zugehörigen Mudras opfere man Sesam mit weißen Senfkörnern ins Feuer.

49.11 Dann halte man die Übungsregeln ein und mache sich mit unabweichender innerer Haltung selbst zur Göttinnengestalt.

49.12 Mit einem erfahrenen vorzüglichen Helfer gehe man an einen einsamen Ort und wiederhole gelübdetreu nach der genannten Vorschrift siebenhunderttausendmal.

49.13 Nach Ort und Zeit lebe man von Milch, Wurzeln und Früchten, einer ungebetenen Bettelmahlzeit oder Gerste,

49.14 oder von durch den eigenen Schüler bereiteter, mit Mantra gereinigter Nahrung, ohne Steinsalz, Öl und Fleisch. Zur Dämmerungszeit

49.15 esse man bis zur Sättigung, mit Honig und Butter bereitet. Nach Abschluss der Wiederholung vollziehe man sorgfältig das regelgemäße Feueropfer.

49.16 Bala, Mota, Mamsi, Chakrangi, Nagakesara, Sandel, Safranpulver und Kurkumapulver

49.17 vermische man mit gut bereitetem Sesam, Honig und Butter und opfere dreihunderttausendmal,

49.18 mit Mittel- und Ringfinger samt Daumen, Purandara. Am Ende opfere man dreißigtausend Brennhölzer:

49.19 zuerst vom königlichen Arka-Baum, dann Khadira, als dritte Zehntausendgruppe Devadaru.

49.20 Mit ganz gereinigtem Innern gebe man eine vollständige Opfergabe. Sobald sie gefallen ist, kommt aus dem Himmelsraum

49.21 Maya samt Begleitung und spricht: „Gut, sehr gut! Vollbringe nun mit meinem Mantra die gewünschte Aufgabe; gehe!“

49.22 Danach geht die Göttin rasch zu Vishnus Wohnstatt. Der vorzügliche Übende beginne dann

49.23 die vielfältigen im Geist gewünschten Handlungen für sich oder andere, Shakra. Höre einige davon.

49.24 Nach einmaliger Besprechung einer Amla- oder Bilva-Frucht trete man ins Königshaus und lege sie vor die Schatzkammer.

49.25 Wo immer man dann steht, solle das gewünschte Geld, der gewünschte kostbare Schmuck oder das schöne Gewand rasch aus dem Himmel fallen.

49.26 Ebenso werfe man ein Reisbällchen oder Sesam- und Reiskorn in einen vollen Getreidespeicher, ein Lagerhaus oder eine Grube,

49.27 königlich oder eigen. Wo immer man danach steht und welche Getreideart, Feldfrucht oder Reis man wünscht,

49.28 dies solle wunschgemäß vor einem aus dem Himmel fallen. Ebenso bespreche man ein Bällchen gekochter Nahrung,

49.29 werfe es in die Küche und ziehe sofort gekochte Speise herbei. Ein jujubegroßes Kuhdungbällchen

49.30 bespreche man siebenmal und werfe es in die Rinderstätte. Nach bloßer Meditation solle man augenblicklich

49.31 mit Joghurt, Milch und Butter gefüllte Gefäße hinter sich sehen, wo immer man steht. Eine Jujube oder andere Frucht bespreche man

49.32 und werfe sie in den königlichen Obstgarten; so ziehe man Früchte herbei. In einem schönen Blumengarten bestimme man eine Blume,

49.33 spreche den Mantra dreimal und ziehe augenblicklich Blumen herbei. Wo immer man einen Teil von etwas siebenmal besprochen hinlegt,

49.34 dort bleibe das betreffende Ganze auf Entschluss stehen oder komme nach Wunsch herbei.

49.35 Der vorzügliche Übende werde dabei nach dem Text nirgends zum Schuldner. Ein Glutteilchen bespreche man gesammelt hundertmal

49.36 und werfe es ins Wasser; das Wasser erscheine brennend. Einen Wassertropfen an einer Kusha-Spitze bespreche man hundertmal

49.37 und werfe ihn in eine flammende Feuermasse; das Feuer erscheine augenblicklich wie Wasser.

49.38 Sieht man eine sandige graslose Wildnis, werfe man einen zweihundertmal besprochenen Grashalm hinein.

49.39 Dadurch mache man sie dem Nandana-Garten gleich, reich an Blumen, Blättern, Sprossen und Wasser,

49.40 mit vielen Vögeln, Städten, Gärten, Befestigungen und Götterheiligtümern,

49.41 mit Gesang und Vedenklang, von Frauen geschmückt. Dieses Wunder sei den Königen zu zeigen.

49.42 In wasserarmen und nahrungslosen Wäldern erschaffe man nach Wunsch Wasser, Nahrung und vielfältige Genussmittel

49.43 durch besprochene Erdklumpen oder Kuhdung in achtfacher Zahl. Wenn eine bewaffnete Feindesschar gegenübersteht

49.44 und man allein zum zornigen Widerstand bereitsteht, wiederhole man den Mantra und entwerfe im Geist

49.45 ein großes eigenes Heer mit Fußsoldaten, Wagen, Pferden und Elefanten. Rasch entstehe ein Heer von furchtbarer Tapferkeit.

49.46 Bei dessen Anblick wende sich die entmutigte Feindesmacht ab. Was der Übende im Geist unter Mantraaussprache gestaltet, Shakra,

49.47 ob unwirklich oder wirklich, erscheine entsprechend. Einen trockenen Baum berühre man mit dem Fuß,

49.48 den großen Mantra wiederholend; er werde blüten- und fruchtreich. Einen belaubten, blühenden und fruchttragenden Baum drücke man mit beiden Händen unter Mantraaussprache,

49.49 und er vertrockne. Steht man auf einem Berg und rezitiert zu dessen Verschwinden,

49.50 sinke er so weit hinab, wie der Übende wünscht; zufrieden könne dieser den Berg wieder aus der Unterwelt emporheben.

49.51 Mit Sandelsaft setze man den Mantra in die Mitte eines Lotusbildes und zeichne die Glieder auf die Blätter. An einem günstigen Tag

49.52 verehre man es mit Blumen und anderem, umhülle es und trage das Diagramm wie zuvor. Sämtliche Machtentfaltungen

49.53 werden dann in dieser Welt offenbar; der Träger sei frei von Hindernissen, glücklich und langlebig und erlange jenseits Freude.

49.54 Diese höchst wunderbare Macht der vierten Gestalt ist nur in einem Ausschnitt gezeigt, Feind Vritras; ihre Gesamtheit ist selbst mir schwer zu erklären.

49.55 So wurde die Vollendungsschar der vier Göttinnen kurz und nur teilweise zum Wohl der Übenden beschrieben.

49.56 Sie gewährt ihnen göttliche und irdische Güter, reine Geistesklarheit und am Ende die höchste Stätte.

49.57 Den Verehrern offenbart sie Vishnus Unvergängliches. Mich, Lakshmi, so weit durch diese Machtentfaltungen ausgebreitet,

49.58 verehre man in verschiedenen Haltungen und gründe das Heil im Geist.

Shakra spricht: Verehrung dir, Göttin vor den Göttern, Geliebte Vaikunthas!

49.59 Auf welches Ziel soll ich den Geist richten, um dich zu verehren, Lotusgöttin?

Shri spricht: Einer ist Hamsa Narayana, der Nektarozean der sechs Eigenschaften.

49.60 Ich bin seine höchste Shakti, von Vishnu ungetrennt. Ich sitze auf seinem Schoß, wie ich dir zuvor erklärt habe.

49.61 Eben dies sei dein Ziel und Grund der Geistesfestigkeit, Shakra. Fertige mich mit sämtlichen Merkmalen aus Gold, Silber oder anderem Material,

49.62 auf dem Schoß des Herrn, nach der Lehrschrift; weihe das Bild regelgerecht und verehre mich mit den entsprechenden Haltungen.

Shakra spricht:

49.63 Verehrung dir, Wohnstatt der Welt, Freude für Geist und Augen! Wie geschieht eure Einsetzung in das Bild, das nach den sechs Eigenschaften gestaltet ist?

Shri spricht:

49.64 Wie der Gott Vishnu mit dem Leib der sechs Eigenschaften alles geworden ist, so bin auch ich wunderbar im Selbst aller Wesen gegenwärtig.

49.65 Da Narayana und ich überall bereits gegründet sind, welche Einsetzung könnte es in Wahrheit für uns geben, da alles Vishnus Herrlichkeit ist?

49.66 Damit der Geist des Übenden zu diesem wirklichen Zustand aufsteigt, entfalten sich die Vorstellungen „Verehrungsbild“ und „Weihe“.

49.67 Höre dennoch meine rechte Weiheordnung, Bezwinger Balas, durch deren Vollzug der Verkörperte Erfüllung erlangt.

49.68 Man lasse unsere im Yoga beschriebene Gestalt lehrgemäß herstellen und bade sie mit heiligem Wasser unter den beiden Hymnen und Läuterungsformeln.

49.69 Mit neuem Gewand bedeckt lasse man sie von reinen, dharmakundigen Brahmanen begleiten, welche die Veden und die Sattvata-Lehre rezitieren.

49.70 Taraka, Tarika, Anutarika und den Shakuna-Hymnus rezitiere man als Läuterung.

49.71 Bei Sonnenuntergang vollziehe man für das in Stoff gehüllte Bild eine Wasserlagerung mit dem Hymnus „Weltordnung und Wahrheit“ und dem Sarasvati-Hymnus,

49.72 sowie den Versen von „goldfarben“ an. Bei reinem Sonnenaufgang bestimme man die Richtungsaufstellung.

49.73 Mit „Erhebe dich, Herr des heiligen Wortes“ bringe man es zum Altar, entferne das Tuch und bade es mit reinem Wasser.

49.74 Im südlichen Altarbereich mit weicher Unterlage lege man das Bild unter Rezitation nieder, den Kopf nach Osten.

49.75 Einen goldenen Stift, mit dem Waffenmantra besprochen, nehme man und zeichne unter Augenmantra-Rezitation die Augen nach.

49.76 Der gebadete, rein gekleidete Bildner, mit göttlichem Blick angesehen, öffne die Augen mit einem durch Waffenmantra geweihten Werkzeug.

49.77 Man fülle sie mit Honig und Butter und zeige die entsprechenden Gefäße. Zu dieser Zeit gebe man ein geschmücktes Kuhpaar.

49.78 Alle für die Augenöffnung bestimmten Gaben übergebe man dem Bildner. Dann ordne man mit weißer Schnur die Reihen auf schönem Stoff an

49.79 und binde mit Tarika das Weiheband an die rechte Hand des Bildes. Man hebe es auf einen festen guten Sitz,

49.80 ausgestattet mit der Folge von der tragenden Kraft an und richtig innerlich verehrt. Das Bild betrachte man als von den sechs Eigenschaften erfüllt.

49.81 Mit dem Waffenmantra berühre man es abwehrend, mit dem Panzer verhülle man es; dann bade man es mit Heilpflanzenwasser und reinem Wasser.

49.82 Mit neuem Stoff trockne man es, löse mit dem Radmantra das Weiheband und gebe Empfangswasser auf das Haupt.

49.83 Man vergegenwärtige das Bild wie eine schön leuchtende Scheibe. Mit verehrten, besprochenen, reinen und mit Stoffen gefüllten Krügen,

49.84 auf den sechzehn Blättern eines sechzehnblättrigen Lotus aufgestellt, bade man es: zuerst mit den fünf Kuhprodukten, zweitens mit Kuhurin,

49.85 drittens mit Kuhdungwasser, viertens mit Asche der drei Opferfeuer, danach mit Erdwasser von Elefanten, Rindern, Stierhornspitzen und Ameisenhügeln,

49.86 danach mit Erdwasser von Reisfeldern, Flüssen, Lotuswäldern und anderen Orten, siebtens mit Senfwasser, achtens mit sämtlichen Heilpflanzen,

49.87 neuntens mit Milch, zehntens mit Joghurt, danach mit Butter, zwölftens mit Honig, dreizehntens mit Wasser aller Samen,

49.88 danach mit Früchten, danach mit Getreide und sechzehntens mit Duftwasser. Jeden vollen Krug bespreche man zuerst mit dem Herzensmantra.

49.89 Mit dem Grundmantra bade man das Bild ehrfürchtig aus diesen sechzehn Krügen, dazwischen mit Wasser sowie Empfangswasser, Blumen, Räucherwerk und Licht.

49.90 Dann reibe man es mit Linsen-, Bohnen- und Weizenpulver ein, spüle mit Milch und setze die höchste Tarika am Haupt ein,

49.91 danach die feine und grobe an den entsprechenden Stellen: Haupt, Gesicht, Schultern, Ohren, Herz, Nabel, Rücken,

49.92 Hüftwurzel, Oberschenkel, Knie, Knöchel und Füße. Ebenso setze man Taraka und Anutarika ein.

49.93 Entsprechend setze man den Purusha-Hymnus, danach den Shri-Hymnus und die Yajus von „Mein Haupt ist Shri“ ein, jeweils den bezeichneten Gliedern entsprechend.

49.94 Die Opferpriester-Einsetzung vollziehe man nach der Yajus-Lehre. Nach dieser Einsetzung am Purusha verfahre man entsprechend an mir.

49.95 Zuerst setze man Shri-Hymnus und die Yajus von „Mein Haupt ist Shri“, dann die Opferpriester ein. Nach solcher Behandlung beider Leiber

49.96 opfere man in der nach früherer Vorschrift bereiteten Grube zum Frieden aller. Mit sämtlichen genannten und gegenwärtig verwendeten Mantragruppen

49.97 opfere man zur Stillung aller Fehler. Im Osten lasse man Rig-Verse, im Süden Yajus,

49.98 im Westen Saman, im Norden Atharvan und in der Nähe Sattvata-Mantras von Brahmanen rezitieren.

49.99 Dann bade man mit den Krügen auf dem Fruchtboden des sechzehnblättrigen Lotus in den vier Richtungen, mit Taraka, Tarika und Anutarika.

49.100 Mit „Die Vasus mögen dich …“ und dem Blumenwasserkrug; mit „Die Rudras mögen dich …“ und Duftwasser; mit dem Goldwasserkrug

49.101 unter „Die Adityas mögen dich …“ und mit Edelsteinwasser unter „Alle Götter …“. Der Mantrakundige begieße mit Taraka, Tarika und Anutarika.

49.102 Dann nehme man reines Wasser, begieße mit Tarika in höchster, feiner und grober Gestalt und gebe Empfangswasser auf das Haupt.

49.103 Man salbe das Bild mit Sandel und anderem und verehre es mit Gaben von Kleidung bis Speise.

49.104 Nach Formen der Mudra verehre man den Sitz samt Brahman-Stein. Den Sitz meditiere man strahlend, Vishnu zugehörig und aus sämtlichen Wegen bestehend.

49.105 Den göttlichen Brahman-Stein meditiere man als tragende Kraft. Sind Sitz und Stein gemeinsam hergestellt, verfahre man so;

49.106 sind sie gesondert hergestellt, geschehe dies nach der Lagerung. Für ein unbewegliches Bild ist die noch zu beschreibende Lagerung vorgesehen,

49.107 ferner der Gang zum Tempel, die Aufstellung von Sitz und Brahman-Stein, deren Weihe und danach die Herbeirufung ins Bild,

49.108 die Einsetzung der zwölf Gliederkräfte, ein Fest von drei oder mehr Tagen und die abschließenden Badehandlungen.

49.109 Bei einem beweglichen Bild verehre man nach der Begießung aus vier Krügen und vollziehe die Herbeirufung. Vernimm, wie.

49.110 Vor der Herbeirufung sind die drei Gabenhandlungen der Reihe nach zu vollziehen. Im eigenen unveränderten, reinen, wellenlosen, unversehrten Wesen,

49.111 jenseits des Höchsten stehend, meditiere der Guru wieder im eigenen Herzlotus die Seinskraft, Vishnu entsprechend.

49.112 Das zuvor geweihte Bild meditiere er als daraus bestehend. Die beiden Zustände Feuer und Soma vergegenwärtige er im eigenen Körper,

49.113 nach oben und unten durchdringend und höchst strahlend: wie im eigenen Selbst, so im Bild, und wie im Bild, so im Selbst.

49.114 Dann trete er innerlich rechts auf dem Feuerweg aus dem eigenen Leib und links in das Herz des Bildes ein.

49.115 Wie das unvergleichliche Selbst im eigenen Herzen unmittelbar erfahren ist, so meditiere er es im Innern seines Herzens.

49.116 Den mit eigenen Strahlen erfüllten, wonnegesättigten Glanz schauend, meditiere er dessen Einheit im jeweiligen höchsten Brahman.

49.117 So mache er Vishnus höchsten Glanz zu einem Ozean und verweile gesammelt mit unbewegtem Geist.

49.118 Beginnt der Geist wieder zu schwingen, erinnere er sich seiner selbst und trete innerlich rechts aus dem Bild heraus,

49.119 um links in den eigenen Herzlotus einzutreten. Dieser Yoga setzt die Schar der Nadis des stofflichen Bildes in Gang.

49.120 Dann übe er einen weiteren Yoga, damit das Bild die Allherrschaft erlangt. Vom Herzlotus aus meditiere er unter Aussprache der rettenden Tarika

49.121 den aufwärts führenden Strom zur höchsten unversehrten Stätte. Dort vergegenwärtige er das Höchste, das aus eigenem Willen zur Erfahrung gelangt.

49.122 Dessen mit Erkenntnis, Herrschermacht und Kraft versehene Schwingung aufnehmend, kehre er ungestört auf demselben Weg zum Herzlotus zurück.

49.123 Rechts austretend, durch das gegenseitige Zusammenwirken getragen, trete er links in den Herzlotus des Bildes ein.

49.124 Nach Meditation der Einheit wie zuvor trete er auf dem oberen Weg aus, gehe in den Dvadashanta ein und erreiche wie zuvor die Schwingung.

49.125 Auf demselben Weg trete der Verständige in den Herzlotus des Bildes ein; dann trete er auf dem Feuerweg aus und links in das eigene Herz.

49.126 Die Herrschaftsschwingung meditiere er in beiden Augenkugeln. Durch gegenseitiges Anschauen entfalten beide gleichsam Einheit.

49.127 Beide vergegenwärtige er als durch ihren gegenseitigen Blick durchdrungen. Dies ist der Yoga namens Verbindung mit dem Herrn,

49.128 durch den in sämtlichen Bildern stets Allherrschaft entsteht. Nun folgt die Klangverbindung, die Einheit von Mantra und Bild.

49.129 Sie gilt als Vishnus feine unbefleckte Shakti. Mit ihrem allgemeinen Wesen eins geworden lasse man den eigenen Klang darin aufgehen.

49.130 Frei von allen Entschlüssen und bloßem Laut erkenne man dies als still, höchst und fein, aus höchstem Erwachen bestehend.

49.131 Das danach mit den Prägungen von Wort und Bedeutung anhebende Schwingen meditiere man als die höchste feine, sich öffnende Pashyanti-Stufe.

49.132 Wenn es den Weg des Entschlusses betritt, von jeweiligen Prägungen gefärbt, seine eigene Bedeutung unterscheidet und auf sie gerichtet hervortritt,

49.133 meditiere man dies als mittlere Sprachgestalt im Herzlotus. Durch Wellen, die aus verschiedenen Artikulationsstellen und Anstrengungen entstehen und von Organen und Atem bewegt werden,

49.134 wird es deutlich als Laut, Wort und weiteres in der Gestalt des Bezeichnenden. Diese Stufe kennt man als Vaikhari.

49.135 Daher erkenne man den Leib als Erkenntnis und Klang, mit höchster, feiner und weiteren Unterscheidungen, und meditiere entsprechend das Bild.

49.136 Durch den Yoga der Klangrücknahme meditiere man eigenen Leib und Bild gemeinsam als unbewegte Erkenntnis und Klang.

49.137 Nach der genannten Folge meditiere man das ungeschlagene Klang-Brahman über Pashyanti und die weiteren Stufen als Klangbild.

49.138 Nach dieser Klangverbindung beginne der Verständige die mit dem Mantra verbundene Handlung. Deren Yoga lautet:

49.139 Das ungeschlagene Höchste erreicht am Nabel die Pashyanti-Stufe, besteht wie ein innerer Lotusfaden und ruht als mittlere Sprache im Herzlotus.

49.140 Dann meditiere man, wie es durch das Tor der Vaikhari ins Bild eintritt, als funkelnder Nada, von sämtlichen Mantras durchdrungen.

49.141 Den Weltenherrn als Mantrawesen meditiere man in der Herzmitte des Bildes. Ein so gegründetes Bild gewährt Erfahrung und Befreiung.

49.142 Dann vollziehe der auf Hari gerichtete Geist die Herbeirufung in dieses Bild, zuerst mit „Ich rufe herbei“, danach mit sämtlichen Gliedermantras.

49.143 Lakshmis Ein- und Austreten meditiere man aus dem Leib des Gottes. Ihre Herbeirufung geschieht mit den ersten fünf Versen ihres Hymnus.

49.144 Die zwölf Gliederkräfte setze man wie beim Gott ein und spreche beide huldvoll an: „Seid uns freundlich gesinnt.“

49.145 So weit reicht die Weihe eines beweglichen Bildes. Bei einem unbeweglichen verfahre der Kenner der Sattvata- und verwandten Vorschriften nach dem zuvor genannten Weg.

49.146 Die zuvor erklärte dreifache innere Verbindung ist nach meiner Auffassung in beiden Fällen die eigentliche Weihe.

49.147 In den beiden so vollständig geweihten Bildern schaue der Verständige Lakshmi und Lakshmis Herrn innerlich gegenwärtig.

49.148 Mit auf sie gerichtetem Geist, ihnen hingegeben, sie verehrend, ihre Mantras wiederholend und beständig ihren Yoga übend, erreicht er am Ende sie beide.

49.149 [Schlussvers der Vorlage unnummeriert.] So wurde diese höchste, unmittelbar erkenntnisartige Weihe erklärt. Ohne Erkenntnis gilt nichts anderes als das, was Menschen hinüberführt.

So endet im Lakshmi Tantra, der Essenz des Pancharatra, das neunundvierzigste Kapitel: Vorschrift der Weihe.

Einordnung: Der erste Teil überliefert magische Wirkversprechen. Der zweite begründet die Bildweihe ausdrücklich als Weg, eine bereits allgegenwärtige Gottheit zu erkennen, und entfaltet dazu drei innere Verbindungsübungen. Die unnummerierte Schlussstrophe wurde redaktionell als 49.149 zugeordnet.


Lakshmis Segen umfasst Erkenntnis und Befreiung.

Kapitel 50 – Die Kraft des Shri Sukta und die Zuflucht zu Lakshmi

Sanskrit IAST: Kapitel 50 · Devanagari: Kapitel 50

Shakra spricht:

50.1 Verehrung dir, Zuflucht des Alls! Verehrung dir, Herrlichkeit des Alls! Verehrung dir, ursprüngliche Ursache aller Vollendungen!

50.2 Du bist das Selbst des ursprünglichen Gottes, Narayanas Gefährtin, von der ganzen Welt zu verehren. Verehrung dir, Lotusgeborene!

50.3 Durch deine Gnade habe ich deine Mantras und Vollendungen gehört und die rechte Verehrung aller verstanden.

50.4 Nun möchte ich aus deinem Lotusmund die vollständige Anwendung deines Hymnus hören. Ich nehme Zuflucht zu dir; bitte lehre mich!

Shri spricht:

50.5 Der Gott namens Narayana ist Herr des Beweglichen und Unbeweglichen, das Selbst aller Welten; seine Gestalt ist die Seligkeit der sechs göttlichen Eigenschaften.

50.6 Er ist Ursprung von allem, Herr, allwissend und Vollbringer aller Wirkungen, frei von Übel und Makel, Wohnstatt alles Heilvollen.

50.7 Aus eigenem Licht erhellt er Dunkelheit und Licht, ist innerer Lenker und Gebieter, in Sein und Nichtsein erkennbar.

50.8 Der kraftvolle Träger von allem besitzt sämtliche Kräfte und ist mein Herr. Ich bin seine eine, höchste, ewige Kraft namens Shri.

50.9 Frei von jedem Fehler erfülle ich alle Wünsche des Allgegenwärtigen. Auf dem Grund meines eigenen Selbst entfalte ich die Ordnungen des reinen und unreinen Weges.

50.10 Hrishikesha treu verbunden, bin ich ihm in jeder Hinsicht gleich. Wir beide sind im höchsten Raum die höchsten Eltern der Welt.

50.11 In höchster Herrlichkeit bestehen wir zum Segen der Welten. Einmal ergriff uns Mitgefühl und der Wunsch nach dem Wohl der Lebewesen.

50.12 „Wie können diese Wesen glücklich werden und uns erreichen?“ Auf der Suche nach einem Mittel versenkten wir uns in höchsten Samadhi.

50.13 Wir quirlten den überaus tiefen Ozean des Klang-Brahman. Aus diesem Meer, erfüllt von Saman, Rig und Yajus,

50.14 stieg wie Butter aus Dickmilch das göttliche Paar der Hymnen empor: unverletzt, unzweifelhaft, unberührt und unvergänglich,

50.15 mit allen Eigenschaften göttlicher Herrschaft ausgestattet, mit wohlgeordneten Wörtern und Silben; an Anfang und Ende waren stets die Silben des jeweils anderen eingemischt.

50.16 Kraft und Kraftträger durchdrangen einander, die jeweiligen Silben waren verflochten. Den männlich geprägten Hymnus, geschmückt mit den Eigenschaften des wahren Brahman,

50.17 nahm der Lotusäugige an; er ruhte in seiner eigenen Hoheit. Den weiblich geprägten Hymnus, geschmückt mit den Eigenschaften des wahren Brahman,

50.18 nahm ich gesammelt an; er ruhte in meiner eigenen Hoheit. Diese beiden höchsten Hymnen werden von den großen Sehern verehrt.

50.19 Werden sie studiert und in ihrem Sinn bedacht, führen sie zum höchsten Ziel. Die alten Verfasser der Ritualordnungen haben

50.20 tausenderlei segensreiche Anwendungen bestimmt, Gebieter der Götter. Höre jetzt die festgelegte Anwendung meines Hymnus.

50.21 Mich selbst erkenne als seine Seherin; sein Versmaß heißt Shri. Seine Gottheit bin ich, die Herrin, Vishnus Gattin und Trägerin von allem.

50.22 Dieser Hymnus wird bei der Verehrung von Lakshmi und Narayana verwendet. Man stelle mich, Lakshmi, die höchste Herrin, auf Vishnus Schoß vor,

50.23 beständig vom linken Arm des höchsten Selbst umfasst; mein Arm liegt an seiner Schulter, und ich halte einen göttlichen Lotus.

50.24 Gesammelt verehre man mich, die höchste Herrin, mit den Versen: Ich sitze auf dem linken Schoß des Gottes der Götter, des Bogenträgers.

50.25 Mit dem ersten Vers vollziehe man aufmerksam die Anrufung; mit dem zweiten biete man dem Gott der Götter, dem Bogenträger, einen Sitz.

50.26 Mit dem dritten bereite man mir Ehrenwasser und Fußwasser, mit dem vierten Wasser zum Mundspülen und mit dem fünften eine Gabe.

50.27 Mit dem sechsten bade der treffliche Übende uns beide gemeinsam; mit dem siebten gebe er zwei Gewänder und mit dem achten Schmuck.

50.28 Mit dem neunten Duft, mit dem zehnten Blumen, mit den beiden folgenden Räucherwerk und Licht, mit dem nächsten die süße Ehrenmischung.

50.29 Mit dem vierzehnten bringe er Speise dar, mit dem fünfzehnten Verneigung; am Ende verwende er Tarika und Anutara.

50.30 Der beherrschte Mantrakundige wiederhole jeden Vers nach Vorschrift und Vermögen. Anschließend betrachte er die Auflösung des Hymnus in Tarika.

50.31 Er meditiere uns beide in Tarika und erinnere unsere Allgegenwart. Alternativ vollziehe er die anfängliche Anrufung mit den ersten vier Versen.

50.32 Mit dem fünften nehme er mit reinem Herzen Zuflucht zu mir, Shri. Mit dem Vers über die Wasser vollziehe er Ehrenwasser, Fußwasser und Mundspülung.

50.33 Mit dem Vers von der Feuchten bade er mich; mit demjenigen über Kardama gebe er Kleidung, mit dem über das Tor des Duftes Duftgaben, mit dem über das Herannahen Schmuck.

50.34 Mit dem Vers von der Lächelnden gebe er Räucherwerk und Licht, mit dem sechsten eine Gabe; mit dem über des Geistes Wunsch bereite er die süße Ehrenmischung.

50.35 Der Vers über Hunger und Durst dient der Speisengabe; mit dem letzten geschehe die Verneigung. Das Übrige vollziehe man wie zuvor.

50.36 In diesem Hymnus stehen dreiundfünfzig meiner Namen. Höre von mir ihre Deutungen, Bezwinger Jambhas.

50.37 In allen Wesen verborgen, summe ich gleich einer Biene und erzeuge den höchsten Klang, ununterbrochen wie ein Ölstrom.

50.38 Zwischen Schließen und Öffnen, zwischen Sonne und Mond stehend, steige ich vom Wurzelträger bis zum Zwölferende auf.

50.39 Wie viele tausend aufgehende Sonnen, Feuer und Monde leuchtend, gehe ich vom windgetragenen Rad als ruhige, schauende und mittlere [Sprache] hervor.

50.40 Den Ort der ausgesprochenen Sprache erreichend, wohne ich dort an acht Stellen; als Mutter der Laute lasse ich Genüsse wie eine Kuh Milch hervorströmen.

50.41 Als Goldfarbene pries mich der edle Prajapati; durch meine Gnade verkündete er die Ordnung der Yogawege.

50.42 Dieser mein neunsilbiger Mantra beginnt mit Om und endet mit der Verneigung. Er ist unmittelbar Klang-Brahman und vollendet den Yoga der Yogis.

50.43 Als Flüchtige entziehe ich mich dem Geist der Yogis immer weiter; doch durch ihre eigene Hingabe binden mich die gelübdetreuen Yogis.

50.44 Achtundsechzigtausend Yogis, ganz auf mich ausgerichtet, meditierten mich als die Hirschkuh und erreichten höchste Zurückziehung der Sinne.

50.45 Man stelle mich in Antilopenfell gekleidet auf einem Lager aus Antilopenfell vor, von Hari um die Mitte umarmt, mit langen Antilopenaugen.

50.46 Wer mich so als Hirschkuh erinnert, erlangt höchsten Frieden. Ich führe Hari bei seinen Werken und werde selbst von Hari geführt.

50.47 Stets habe ich den Glanz einer Antilope und nehme das Unheil der Guten hinweg. Dieser mein sechssilbiger Mantra beginnt mit Om und endet mit der Verneigung.

50.48 Er verwirklicht alle Ziele und ist ein vorzügliches Mittel des Yoga. Meine Girlande ist stets aus goldenen Lotusblüten gebildet.

50.49 Ich erschaffe schöne Laute und umhülle die Welt vollkommen; die ungeborenen Seelen, gebunden oder befreit, sind beständig von mir umfasst.

50.50 Der Herr der Guhyakas verehrte mich lange auf dem Meru als Trägerin der Goldgirlande und erlangte die Herrschaft über den Reichtum.

50.51 Meine Girlanden bestehen aus silbernen Lotusblüten und leuchten makellos; alle Schöpfer der Welten sind durch mich zum Leuchten gebracht.

50.52 Der vorzüglichste der Rudras verehrte mich einst auf dem Kailasa als Trägerin der Silbergirlande und erlangte die Herrschaft über das Silber.

50.53 Beide Mantras haben acht Silben, einschließlich Om und Verneigung. Wiederholung, Verehrung, Feueropfer und Meditation mit ihnen sollen das Ersehnte verwirklichen.

50.54 Unter meinen Verehrern wandelnd, lasse ich ihre bösen Taten zerschmelzen; wie der Mond erweiche ich stets das Herz der Hingebungsvollen.

50.55 In den Yogis gehe ich als Schwingung der Seligkeit auf und erhelle gleich dem Mond ihren vierten Bewusstseinszustand.

50.56 Als der große Seher Vasishtha durch Yogahindernisse bedrängt war, meditierte er mich im Inneren als reinen Mond, als weiten Ozean bewusster Seligkeit,

50.57 gegenwärtig in den feinen Kanälen; so gewann er seinen Yoga wieder. Dieser mein sechssilbiger Mantra erzeugt unmittelbar Seligkeit.

50.58 Er schafft Frieden für die vom Waldbrand des Werdens Verbrannten. Als Goldene steige ich mit Sonnenglanz vom Wurzellotus bis zum Zwölferende auf,

50.59 stets in Knospen von Wort und Vorstellung ausgesprochen. Im Raum jenseits der Urnatur und im goldenen, aus dem dreifachen Veda bestehenden Kreis

50.60 verweile ich immer zum Wohl der Welten. Als Goldene priesen mich die im Veda vollendeten Seher;

50.61 sie erlangten das Ersehnte, die Yogis den höchsten Yoga. Dieser mein siebensilbiger Mantra verwirklicht alle Wünsche und Ziele.

50.62 Als Zeugin aller Wesen erkenne ich Gutes und Ungutes; ich bin stets Haris Herrlichkeit und das Ziel jeder Erkenntnis.

50.63 Ich gebe und werfe aus; ewig treibe ich auf dreifache Weise an. Erkenntnis ist meine Natur; in jedem Erkennen bin ich zu erkennen.

50.64 Bei Auflösung, Bestand und Hervorbringung treibe ich die Urnatur an; ich nehme die Gestalten der kleinen Zeiteinheiten an, durch die zeitliche Bestimmung geschieht.

50.65 Im unmanifesten und manifesten Sein gegenwärtig, treibe ich immer an. Ich mache mich selbst zum Ziel, nehme auf und werfe am Ende aus.

50.66 Ich werfe hinweg, tilge und vernichte das Unheil der Guten; ich verzeihe, bin die Geduld der Wesen, messe, denke und bemesse mich.

50.67 Diese Bedeutungen erkannte der edle große Seher Kapila in mir und sprach: „Lakshmi, schenke mir deine Beachtung!“

50.68 Dieser fünfsilbige Mantra soll den Zugang zur Unterwelt eröffnen und himmlische, lufträumliche und irdische Genüsse gewähren.

50.69 Mein Körper besteht aus Erkenntnis und wohnt in Vishnus Herzen. Dies ist heilige Selbsterkenntnis, dies ist höchste Yogaerkenntnis.

50.70 Wie der Glanz des Lichtes beim kühlen Mond bleibt, so bleibe ich als Kraft des kraftvollen Vishnu untrennbar bei ihm.

50.71 Als mächtige Eigenschaft der Flüssigkeit durchdringe ich allein die Wasser. Als Sarasvati trug ich einst den Seher hinweg.

50.72 Von Vishvamitra dazu aufgefordert, trug die wahrhaftige Sarasvati Vasishtha in ihren Wassern fort.

50.73 Als Vasishtha von der Strömung getragen wurde, sprachen die Seher zu mir: „Wahrhaftige, beschütze den wahrheitsliebenden Vasishtha vor seinem Feind!“

50.74 Als Sarasvati trug ich ihn vom Feind fort. Damals gaben mir die Seher den Namen „Die nicht Fortgehende“.

50.75 Dieser neunsilbige Mantra wendet alle Not ab. Ich bin die vorangehende Pferdekraft [das Wortspiel mit dem Tagesanfang ist hier unklar] und wohne stets in der dreifachen Stadt,

50.76 die Erkenntnisvermögen, Lebenshauch und Körper heißt, in dreifacher Gestalt. Zu Beginn des Yoga erzeuge ich einen Klang wie Pferdewiehern.

50.77 In die Mitte des feinen Kanals gelangt, erzeuge ich ein Geräusch wie ein Wagen; an der Öffnung des inneren Raumes töne ich wie ein Elefant.

50.78 Die strebenden Yogis erkannten mich so auf dreifache Weise. Die ersten beiden Mantras haben acht, der letzte elf Silben.

50.79 Diese drei aus mir bestehenden Mantras sollen das Ersehnte schenken. Ich höre die flehende Stimme und vernichte das Unheil der Guten.

50.80 Mit meinen Eigenschaften breche ich die Welt auf; ich bin ewige Zuflucht, Haris Leib und Gegenstand des gläubigen Verlangens der Götter.

50.81 Als ruhige Sprache wohne ich am Wurzelort, als schauende entspringe ich dem Nabel; als mittlere rege ich Gedanken an, im Mund bringe ich die Laute hervor.

50.82 So bestehe ich an vier Orten, unterschieden als ruhige, schauende und weitere Sprache. Ich nehme Zuflucht und gebe Zuflucht, spiele mit meinen Kräften und erfreue.

50.83 Ich bringe die Kraft zum Leuchten, bin tiefster Friede und ersehnte Freude: So erkennen die Kenner des Vedanta mich als Shri.

50.84 Auch der Herr ist meine Entfaltung; die drei Welten samt ihren Herren und Göttern erreichen nicht ein Sechzehntel der höchsten Kraft meiner Silbe.

50.85 In den ersten drei Wörtern stehen die aus mir bestehenden Silben Shri, Hri und Om. Durch diese vier [die Zählung ist hier nicht eindeutig] wird mein Leib getragen.

50.86 Einzeln, zu zweit, zu dritt oder alle zusammen wiederholt, verehrt, geopfert und meditiert, sollen sie das Gewünschte verwirklichen.

50.87 Diese vier Kleinode soll man sorgsam geheim halten; sie befruchten einander und sind reich an sämtlichen Eigenschaften.

50.88 Ich messe und werde durch alle Maße gemessen; bei der Auflösung findet die Welt in mir Raum. Ich besitze Selbst und Herr; in mir, der Allgegenwärtigen, entsteht die Erkenntnis „mich“.

50.89 Wie das eigene Selbst bin ich zutiefst ersehnt; deshalb erkennen meine Kenner mich in diesem „mich“. Dieser fünfsilbige Mantra soll die Frucht aller Wünsche gewähren.

50.90 Ich schenke alle Wünsche, schütze alle Werke und bin die Geliebte des Gottes; daher kennen mich die Seher als Göttin.

50.91 Dieser fünfsilbige Mantra schenkt Genuss und Befreiung. Als reines Bewusstsein töne ich stets im Inneren aller Wesen.

50.92 Alle Veden besingen mich und suchen mich mit der Frage „Wer?“. Ich nehme Brahmas Gestalt mit geflochtenem Haar an

50.93 und erschaffe vielfältige Wesen, die dem Lernen und Rezitieren hingegeben sind. Daher bezeichnen mich die vedakundigen Seher mit dem fragenden „Welche?“.

50.94 Dieser fünfsilbige Mantra gewährt die Frucht des Vedenstudiums. Das Aufwärtsgerichtete ist eine Bezeichnung Brahmans, sein Erblühen ist das Lächeln.

50.95 Dieses Erblühen hängt von mir ab; deshalb kennt man mich als die Lächelnde. Dieser siebensilbige Mantra soll reiches Erblühen bringen.

50.96 Meine höchste Natur ist wohltuend und lieblich. Auf diese lichtvolle Natur gestützt, überschreiten die Seher die Finsternis.

50.97 Deshalb verehren mich die Seher als die von einem goldenen Wall Umgebene. Dieser zehnsilbige Mantra schenkt die Fülle aller Wünsche.

50.98 Schon von fern lasse ich alle Fehler derer zerschmelzen, die sich mir nähern. Mit dem Nektarstrom aus dem nach unten gerichteten Kopflotus

50.99 werde ich übergossen und bin stets feucht; auch mein Inneres ist von Mitgefühl erweicht. Im höchsten inneren Raum aller Wesen flamme ich immer.

50.100 Rein, unbefleckt und wahr erhelle ich die Welt mit meinem Licht: ohne Flamme, mit drei Flammen und mit fünfundzwanzig Flammen.

50.101 Im Körper gegenwärtig, leuchte ich siebenfach und wiederum dreifach. Diese beiden sechssilbigen Mantras schenken Frieden und Strahlkraft.

50.102 Stets liebe ich Hari und bin bei meinen Verehrern zufrieden. Ohne naturgebundene Genüsse bin ich aus mir selbst ewig erfüllt.

50.103 Die vedakundigen Seher meditierten mich als die Erfüllte und erlangten höchste, ewige, nektargleiche Zufriedenheit, die in Erkenntnis wurzelt.

50.104 Dieser sechssilbige Mantra sättigt die ganze Welt. Mit meinen Eigenschaften erfreue ich Vishnu und mich selbst mit seinen Eigenschaften.

50.105 Durch zweiundsiebzigtausend feine Kanäle nähre ich den Körperozean beständig mit Säften, angetrieben von den Lebenshauchen.

50.106 Für diejenigen, die auf dem Weg der Sushumna zum höchsten Sein gelangen, werde ich zum Urbild im makellosen Spiegel des Yoga.

50.107 Mit den höchsten, bewusstseinsvollen Nektarsäften, die meinem eigenen Bild entspringen, erfülle ich im Inneren das geläuterte Wesen der Yogis.

50.108 Von der Urnatur bis zu den besonderen Elementen stütze ich mit meinen Kräften alles, was zur Umwandlung drängt und zur Wirkung geworden ist.

50.109 Durch Einströmen des Lebenshauches sättige ich es wie Flüsse den Ozean; die Fähigkeiten der Lebewesen nähre ich wie Öl eine Lampe.

50.110 Mit dem unvergänglichen Saft meines eigenen Bewusstseins erfülle ich sie. Daher nennen mich die im Yoga Vollendeten die Erfüllende.

50.111 Dieser siebensilbige Mantra sättigt die ganze Welt. Weil die Zeit das Geschehende misst, bezeichnet man sie als Lotus.

50.112 Stets bemesse ich auch die gesamte Zeit. Wer mich mit diesem Namen preist, gelangt zur Erfüllung jenseits der Zeit.

50.113 Ich erhelle Seele, Urnatur und Herrn mit meinem eigenen Licht; mein Leib ist mit vorzüglichen lotusförmigen Lauten geschmückt.

50.114 Wer mich als Lotusfarbene preist, gewinnt Klarheit in den Schriften. Der erste Strahl, der beim Quirlen des Milchozeans aufging,

50.115 hieß Mond; er war mein Strahl, der meinem eigenen Aufsteigen vorausging. Die Seher, die meine Macht kennen, nennen mich deshalb die Mondhafte.

50.116 Jener Mond ist nur ein winzigster Teil unzähliger Teile meiner Strahlen. Dieser sechssilbige Mantra schenkt Reinheit des Geistes.

50.117 Mein Licht überragt stets alle Zustände. Womit man es verdecken möchte, das wird selbst von meinem Licht überstrahlt.

50.118 So kann niemand den Schatten des eigenen Kopfes mit dem eigenen Fuß überschreiten: Er weicht dem Fuß voraus, mit dem man ihn übertreten will.

50.119 Meine Strahlen leuchten unablässig als ewig erwachte Seligkeit des Bewusstseins. Vertrauen, Soma, Wasser, Nahrung, Zeugungskraft und Opfergabe

50.120 werfe ich der Reihe nach als Lichtkräfte des Erfahrbaren in die sechs Feuer; deshalb nennen mich die Kenner von Tantra und Vedanta die Strahlende.

50.121 Dieser siebensilbige Mantra bewirkt fortdauernde Leuchtkraft. Aller helle Ruhm in der Welt, der aus Wissen, Freigebigkeit und anderem entsteht,

50.122 gehört mir; er verteilt sich in viele Formen. Erkenne mich allein als Gefäß von Ruhm, Glanz und Herrlichkeit.

50.123 Darum erkennen die Weisen mich, die Ruhmreiche, im Wort für Ruhm. Dieser siebensilbige Mantra verleiht dem Rezitierenden Ruhm.

50.124 Als Himmel, Regenwolke, Erde, Mann, Frau und Verdauungsfeuer empfange ich die Opfergaben, die Vertrauen, Soma und so weiter heißen.

50.125 So teile ich mich sechsfach und nehme Feuergestalt an. Als Flammende besingen mich die Seher, leuchtend durch die Kraft des Erfahrenden.

50.126 So nehme ich als Feuer und Soma das ganze All in mich auf. Wer mich mit diesem Mantra preist, soll sein Ersehntes verwirklichen.

50.127 Immer bin ich von Hari geliebt und von den Göttern verehrt. Auch die Sinnesgötter erreichen ihre Gegenstände, indem sie sich auf mich stützen.

50.128 Als besondere Umwandlungen der Urnatur sind sie selbst unbewusst. Deshalb nehmen sie meine Kraft reinen Bewusstseins und Wirkens an,

50.129 und Gehör, Sprache, Denken und die übrigen Fähigkeiten wenden sich ihren Gegenständen zu. Weil die Sinne mir um ihrer Tätigkeit willen dienen, nennt man mich die von den Göttern Geliebte.

50.130 Wer mich beständig als diese im Inneren gegenwärtige Spenderin aller Kräfte betrachtet, gewinnt Herrschaft über sämtliche Sinnesgötter.

50.131 Von mir allein gehen die Erkenntnisse der großen Seher aus, ebenso die höheren und niederen Kräfte und Tätigkeiten der Menschen.

50.132 Weil ich das Ersehnte ungehindert schenke, erkennen mich die Weisen als die Großzügige. Dieser siebensilbige Mantra gewährt alles Ersehnte.

50.133 Ich entfalte die fünf göttlichen Tätigkeiten und breite mich als Welt aus. Darum erkennen mich die im Vedanta vollendeten Wahrheitskenner im hinweisenden „Sie“.

50.134 Dieser fünfsilbige Mantra breitet Heil aus. Ich lenke Urnatur und Seele durch mein eigenes Licht;

50.135 jenseits der Zeit stehend, werde ich als Lenkerin des Lotus erkannt. Dieser siebensilbige Mantra schenkt die Fülle aller Güter.

50.136 Ich allein verleihe der Sonne Licht, Ruhm und Herrlichkeit. In der Sonne gegenwärtig, bin ich göttliche Lautgestalt aus dem dreifachen Veda.

50.137 Ich erhelle alle Dinge, vergangene und künftige; ich bin das ewige Auge der Ahnen, Götter und Menschen.

50.138 Meine ursprüngliche Silbe, die befreiende, ist meine erste Bezeichnung. Darin freue ich mich an mir selbst durch mich selbst, in friedvoll erwachter Seligkeit.

50.139 Ununterbrochen wie ein Ölstrom, wie eine lange nachtönende Glocke, ist die feine Flamme des Om mein aus Klang bestehender Leib.

50.140 Wer in dieses Brahman eintaucht, wird mich rasch erkennen. Die aus der Sonne hervorgegangene Lautordnung gehört mir, der Klanggestalt.

50.141 Als ruhige und schauende Sprache bis hin zur lautbildenden ausgesprochenen Sprache stehe ich als Wunschkuh da und spende alle Ziele.

50.142 Diese Bedeutungen erkennen die Seher in mir, wenn sie mich die Sonnenfarbene nennen. Dieser neunsilbige Mantra erfüllt alle Wünsche.

50.143 Ich streue Strahlen in die Welt und lasse sie immer weiter aufsteigen, getragen vom Wind, dem Götterfreund, und vom Juwel, dem Feuer des Wurzelträgers.

50.144 Langsam, auf den Blättern der zwölf Lotusblüten immer wieder ruhend, erreiche ich danach oben das Zwölferende.

50.145 Deshalb preisen die weisen Seher mich als Ruhm. Dieser fünfsilbige Mantra schenkt Reinheit im Yoga.

50.146 Reich bin ich durch Vishnus Eigenschaften, und ich bereichere die Yogis. Auf den Blättern der Yogalotusse innerhalb der Trägerorte

50.147 wachse ich immer höher und erreiche höchste Ausdehnung. Daher nennen die erfahrenen Yogis mich Gedeihen, die den Yoga erhellt.

50.148 Duft und die übrigen Sinnesqualitäten, Erde und die weiteren Elemente sind Tore zu meiner Erkenntnis. Ewig bin ich das Tor aller heiligen Düfte.

50.149 Daher nennen mich die vedantakundigen Brahmanen die Dufttorige. Für alle Daityas, Danavas und Rakshasas bin ich unbezwingbar.

50.150 Ich bin reines Bewusstsein und Wirken; niemand kann mich widerlegen. Ich bin das Selbst aller, von der Natur des Bewusstseins und Wirkens.

50.151 Wer mir Erkenntnisfähigkeit oder Wirksamkeit absprechen möchte, muss selbst erkennen und die Verneinung vollziehen: Wie könnte er dann seine Behauptung aufrechterhalten?

50.152 Niemand vermag die Gegenwart meines Bewusstseins aufzuheben. Selbst die Erwägung seines Nichtseins ist Bewusstsein dieses Nichtseins.

50.153 Darum nennen mich die im Samkhya-Wissen Geübten die Unbezwingbare. Dieser achtsilbige Mantra befreit vom Weg der Finsternis.

50.154 Vom ewigen Vishnu genährt und stets mit guten Eigenschaften erfüllt, ist mein höchster Bewusstseinsleib auch ohne Sinnesgegenstände immer gesättigt.

50.155 Gerade dieses nichtstarre Bewusstsein nährt die unbewussten Gegenstände. Deshalb nennen mich die vollendeten Bewusstseinskenner die Immergenährte.

50.156 Dieser achtsilbige Mantra nährt stets das Bewusstsein. Die „Wirkenden“ sind die dreifach Reinen, die sich den drei Tätigkeiten widmen.

50.157 Sie möchte ich immer sehen und suche sie stets im Geist auf. Meine Reittiere sind mächtige Elefanten, weiß wie der Himalaya.

50.158 Als Herrin fahre ich auf ihnen; ich wirke und trage stets [das Werdende] in mir. Daher nennen mich die Wahrheitskenner die Wirkende und Elefantenreiche.

50.159 Dieser siebensilbige Mantra schenkt die Fülle aller Wünsche. Gemeinsam mit meinem geliebten Herrn bin ich stets Herrin der Wesen.

50.160 Ich verleihe Gaben, regiere die Welt, werde von allen begehrt, schenke Wachstum, wachse selbst und tilge Sünden.

50.161 Deshalb ist im Veda mein Name als Herrin erklärt. Dieser sechssilbige Mantra schenkt die Fülle aller Herrschaftskräfte.

50.162 Alle irdischen, lufträumlichen und himmlischen Wünsche sowie die höchsten jenseits der Urnatur, die aus wahrer Seligkeit bestehen, ruhen in mir.

50.163 Ich bin der höchste Spielraum aller Herzenswünsche und selbst Vishnus Herzenswunsch, alles überragend.

50.164 Deshalb priesen mich die Götter als Wunsch des Geistes. Dieser neunsilbige Mantra schenkt die Fülle aller Wünsche.

50.165 Weltliche und vedische Rede, die Rede anderer Lehrüberlieferungen, lautlose und hörbare Äußerungen:

50.166 Ihr aller Aussprechen zielt auf mich. Alle Menschen richten sich auf mich, die als Selbst von allem besteht,

50.167 auf diese oder jene Weise beim Äußern von Worten. Daher betrachten die Vedakenner mich als Absicht der Rede.

50.168 Dieser achtsilbige Mantra verwirklicht alle Wortbedeutungen. Die Welt, die durch Erkenntnismittel wahrgenommen wird, ist zweifach: das Seiende und das darüber Hinausgehende.

50.169 Weil ich dies alles bin, nennen mich die Seher Wahrheit. Dieser sechssilbige Mantra gewährt die Frucht aller Wahrheit.

50.170 Die gebundenen Seelen sehen und bestehen in drei Zustandsweisen. Ihr Wesen, Shakra, ist Bewusstsein [die folgende Bestimmung der Vorlage ist unklar].

50.171 Dieses Wesen bin ich selbst, verdichtetes Bewusstsein und Seligkeit. Alle Seelen sind kleine Anteile meiner Kraft und heißen Bewusstseinskräfte.

50.172 Meine feurige Kraft hat diese jeweiligen Gestalten angenommen. Daher nennen die Samkhya-Kenner mich das Wesen der Lebewesen.

50.173 Dieser neunsilbige Mantra schenkt rechte Erkenntnis. Nahrung ist zweifach: aus den drei Naturqualitäten bestehend oder aus den sechs göttlichen Eigenschaften hervorgehend.

50.174 Die erste ist für die Gebundenen, die andere für die Übrigen. Die Herrlichkeit, die höchste Gestalt beider Arten von Nahrung,

50.175 bin ich selbst, das Selbst aller Wesen, wie die Wahrheitskenner erklären. Natürliche und übernatürliche Genüsse sind Entfaltungen meiner Kraft.

50.176 Meine Soma-Kraft hat diese jeweiligen Formen angenommen. Daher erkennen die über Wahrheit Nachdenkenden mich als Herrlichkeit der Nahrung.

50.177 Dieser neunsilbige Mantra schenkt die Gesamtheit des Genusses. Unablässig bemesse ich die sechs Wege und werde durch sämtliche Maße gemessen.

50.178 Ich bin das Maß aller Maße, und alles findet in mir Raum. Ich führe die ganze Welt über das uferlose Meer des Werdens.

50.179 Selbst jenseits des Ozeans aller Fehler bewege ich mich mit meinem Geist in den Wesen; als Wolke überströme ich die gesamte Welt mit Wasser.

50.180 Ich bedenke und bewirke für alle das Liebe und Heilsame. Deshalb erkennen die Yogis mich als Mutter aller Wesen.

50.181 Dieser fünfsilbige Mantra schenkt die Fülle aller Genüsse. Der feine Kanal namens Sushumna ist der führende im Kreis der Kanäle.

50.182 Er heißt Befreiungsfahrzeug, großes Fahrzeug und Fahrzeug des Yogi. Diese feine Vishnu-Kraft besteht aus mir.

50.183 [Vorlage: 83] Alle Gegenstände des Wollens bestehen auf sie gestützt; nach oben und unten durchdringt sie den körperlichen Weg jeder Seele,

50.184 erfüllt den höchsten Raum und wird Sushumna genannt: zur Befreiung aller vom gesamten Samsara erschöpften Seelen.

50.185 Als diese Sushumna wohne ich in den Körpern der Verkörperten. In dieser Kraft, vom oberen Beckenbereich bis zum Scheitel, Purandara,

50.186 liegen zweiunddreißig Lotusse, die Trägerorte heißen. Von ihrer Lotusgirlande durchzogen, bin ich die Lotusbekränzte.

50.187 Durch mein eigenes Wesen trage ich Urnatur, Seele und ewige Zeit; darum bin ich die Lotusbekränzte.

50.188 Dieser achtsilbige Mantra gewährt die Frucht aller Handlungen. Ich nähre alle durch Schönheit, Ruhm und Herrlichkeit.

50.189 Ich allein lenke den Lotus, der Zeit heißt. Daher nennen mich die Seher die Lotusreiche.

50.190 Dieser siebensilbige Mantra gewährt allseitiges Gedeihen. Ich bin allen Göttern lieb und stets mit Hari verbunden.

50.191 Ich schenke sämtliche Wünsche und bin der Halt von allem. Auf mich gestützt bestehen Urnatur, Seele und die übrigen Prinzipien.

50.192 Deshalb nennen mich die Seher Stütze. Dieser sechssilbige Mantra gewährt die Frucht aller Yogawege.

50.193 Durch meinen Glanz, gleich erhitztem Gold, bin ich Goldbraune. Einst gab ich Pinga, dem Yaksha-Herrscher, großen Reichtum.

50.194 Darum nannte der Yaksha-Herrscher mich einst Goldbraune, Shakra. Dieser siebensilbige Mantra vermehrt den Glanz des Yoga.

50.195 Mit meinen Eigenschaften erfreue ich Vishnu, und Haris Eigenschaften erfreuen mich. Wenn mich alle durch ihre jeweiligen Werke preisen, liegt ihre Zufriedenheit in mir.

50.196 Darum bestimmen die im Ozean des Yoga Vollendeten mich als Zufriedenheit. Dieser sechssilbige Mantra schenkt Zufriedenheit des Geistes.

50.197 Ich verherrliche die Vollendeten, das Niedere und das Höchste. Schöne, anfangslose Laute sind meine Bezeichnungen.

50.198 Als ewige Sarasvati bringe ich Schönes zur Sprache. Deshalb nennen die wahrheitskundigen Brahmanen mich die Schönlautige und Goldene.

50.199 Dieser siebensilbige Mantra schenkt die Fülle aller Güter. Den göttlichen goldenen Berg mit Mond, Sonne und Planeten

50.200 trage ich als Erde, damit der Schöpfer Bestand habe. Darum pries Brahma mich einst als Goldbekränzte.

50.201 Dieser achtsilbige Mantra schenkt Menschen Festigkeit. Zum Wohl aller Seelen bringe ich die Reihe der Wirklichkeitsprinzipien hervor.

50.202 Darin erfreue ich sie jeweils angemessen durch Genuss und Befreiung; durch die Zeitordnungen lenke ich diese Prinzipienreihe mitsamt den Seelen.

50.203 Als Sonne im Sonnenkreis bin ich den Weisen stets heilsam. Deshalb nennen die über Wahrheit nachsinnenden Weisen mich Sonne.

50.204 Dieser sechssilbige Mantra schenkt Genuss und Befreiung. Damit sind die dreiundfünnfzig Namen im Hymnus erklärt.

50.205 Indem die Verständigen mich erreichen, gelangen sie zur Erfüllung ihres jeweiligen Wunsches. Obwohl ich für diese Namen besondere Früchte angegeben habe,

50.206 soll ein Einsichtiger ihre Größe nicht darauf begrenzen. Die ganze Namenreihe schenkt zweifellos alle Früchte bis hin zur Befreiung,

50.207 denn ich, Shri, bin ihre höchste Gottheit. Wie Sterne im Himmel und Edelsteine im Meer,

50.208 wie Güter auf der Erde und Wünsche im göttlichen Wunschbaum, wie herrliche Kräfte in den Kühen und geistiger Glanz im Brahmanen,

50.209 wie die unendlichen göttlichen Eigenschaften im Gott der Götter Janardana, so grenzenlos sind meine Herrlichkeiten in diesem Hymnus.

50.210 Selbst während der gesamten göttlichen Zeit mit all ihren Einteilungen könnte ich die Vorzüge des Hymnus nicht vollständig aussprechen.

50.211 Dies ist die feste Grundlage der Vedakenner, dies das Ziel der Tantrakenner: Mit diesem Hymnus soll der Mensch beständig Zuflucht zu mir nehmen.

50.212 Er bedenke den Sinn des Hymnus und rezitiere ihn lange. Wenn sein Geist Klarheit erlangt hat, nehme er Zuflucht zu mir als seinem Ziel.

50.213 Wer beständig zu mir oder zum höchsten göttlichen Purusha Zuflucht nimmt, soll gläubig und mit beherrschten Sinnen Folgendes bedenken:

50.214 „Feindseligkeit habe ich aufgegeben und mich dem Wohlwollen gegenüber allen Wesen zugewandt, nach meiner Kraft und Einsicht.

50.215 Von schädlichen Wegen und schweren Verfehlungen im Ozean des Werdens habe ich mich abgewandt. Sollte ich dennoch zu ihnen neigen, möge auch dies durch die Erinnerung an dich vergehen.

50.216 Träge, schwach und ohne ausreichendes Wissen, vermögen mich die drei von den Schriften gelehrten Mittel nicht ans rettende Ufer zu bringen.

50.217 Was ich dennoch davon ausübe, geschieht im Gehorsam gegen dein Gebot. Ohne ein eigenes rettendes Mittel bin ich hilflos, besitzlos und ohne Zuflucht.

50.218 Deshalb verweile ich unter deinem Schatten, der die Qual nimmt. Frei von Bedingungen und unabhängig bist du unsere Herrin, ein Schatz des Mitgefühls.

50.219 Du allein wirst in allen Schriften als Zuflucht besungen. Mich selbst und alles Meine, was schwer aufzugeben und schwer zu tragen ist,

50.220 habe ich deinen beiden glückverheißenden Lotusfüßen anvertraut. Um dich als Ziel zu erreichen, wähle ich dich zugleich als den Weg.

50.221 Göttin, sei mein Weg! Lotusgeborene, sei meine Zuflucht! Verbrenne all mein Unheil und nähre meinen auf dich gerichteten Geist!“

50.222 So gesinnt nehme man Zuflucht zu mir als Ziel oder zum ursprünglichen Gott, dem Weltenherrn, dem höchsten Purusha.

50.223 Als höchsten Segen, der jedes Unglück vertreibt, Shakra, lasse man bei rituellen Handlungen die Anwendung meines Hymnus vortragen.

50.224 Sie soll die Handlungen gelingen lassen, den Hörenden nähren und alle Täuschung sowie Unglück mitsamt den Befleckungen vertreiben.

50.225 Mit Körper, Geist und Rede geübt, schützt dies vor großer Verfehlung und bringt gewiss Glück und Herrlichkeit.

50.226 Damit habe ich dir, Shakra, dieses unübertreffliche Tantra gelehrt, in dem alle Erkenntnisse der Einsichtigen enthalten sind.

50.227 Wie unter verschiedenartigen Schriften die Befreiungslehre die höchste ist, unter Zweifüßern der Brahmane und unter Vierfüßern die Kuh,

50.228 wie Gold unter Metallen, der Kaustubha unter Edelsteinen, die Mutter unter Lehrpersonen und der Sohn unter Sprechenden,

50.229 wie der Geist unter den Sinnen, der Wind unter Beweglichem, der Meru unter Bergen und die dreifach strömende Ganga unter Flüssen,

50.230 wie der Haushälter unter den Lebensständen, Vasishtha unter Rezitierenden, umfassende Entsagung unter Grundsätzen und Einsicht unter Gewinnen,

50.231 so ist dieses Tantra das höchste unter den Tantras, die Wahrheit lehren. Darin sind der erhabene Vasudeva, Vishnu, Narayana, der Lehrer,

50.232 und ich in unserem Wesen, unseren Eigenschaften und Entfaltungen richtig beschrieben. Wer dieser meiner Lehre folgt und in reiner Erkenntnis gewiss ist,

50.233 steigt auf dieser Leiter zur höchsten Stätte empor. Dieses höchste Tantra unter den Tantras ist mit meinem Namen bezeichnet.

50.234 Man soll es keinem ohne Gelübde und Reinigung geben, keinem Undankbaren, keinem Unkundigen des Tantra und keinem von Missgunst Befleckten.

50.235 Auch keinem ohne Hingabe an Vasudeva oder an mich. Geben soll man es einem Menschen von gutem Verhalten, geläutert und asketisch,

50.236 der Veda und Tantra verstanden hat, besonders mir ergeben ist und tiefe Hingabe an Vasudeva Janardana trägt,

50.237 der rein in seinen Gelübden, fähig und beständig in guter Übung ist. Alles, wonach du mich gefragt hast, ist dir nun gesagt. Ich bin dir wohlgesonnen, Herr der Götter. Was möchtest du noch hören?

So endet im Lakshmi Tantra, dem Wesenskern des Pancharatra, das fünfzigste Kapitel: Offenbarung der Kraft des Shri Sukta.

[Redaktioneller Hinweis: Die Namensdeutungen arbeiten häufig mit lautlichen Wortspielen und traditionellen, nicht sprachhistorischen Herleitungen. Die deutsche Wiedergabe macht deren Sinn sichtbar; Silbenzahlen beziehen sich auf die Sanskritformeln, nicht auf ihre deutschen Namen. Die Zuordnung der „vier Kleinode“ in 50.85 und einzelne Wortformen, besonders 50.170, sind in der Vorlage erklärungsbedürftig. Die Zählung 83 an der Position von 183 wurde ausdrücklich zugeordnet. Rangordnungen und Wirkungszusagen am Kapitelende geben die Selbstdeutung der historischen Schrift wieder.]


Zusatzteil – Zusammenfassung der Tantralehre

Die Edition fügt die Kapitel 51–57 aus einer weiteren Handschrift als Lakshmitantroddhara beziehungsweise Tantrarthasamgraha hinzu. Der erhaltene Bestand wird vollständig wiedergegeben; fehlende Stellen werden nicht ergänzt.

Kapitel 51 – Bewusstsein, Welt und Sprache

Sanskrit IAST: Kapitel 51 · Devanagari: Kapitel 51

[Textlücke: Nach Editionsvermerk fehlen zu Beginn vermutlich ein oder zwei Verse. Die vorhandene Zählung setzt dennoch mit 1 ein.]

Shakra spricht:

51.1 Entstehung und Auflösung dieser [Erscheinungen] sowie ihre Frucht habe ich verstanden, ebenso die jeweiligen besonderen Weisen ihrer Erkenntnis.

51.2 Deine fünf beständigen und deine gelegentlichen Tätigkeiten, die Teile über Lebensführung und Ritual sowie diejenigen über Erkenntnis und Yoga:

51.3 So ist dieses vielfältige Tantra durch vier Teile entfaltet, verbunden mit früheren Taten, alten Weltzeitaltern und überlieferten Geschichten,

51.4 durchwoben von zahlreichen Geheimnissen und geschmückt mit vielfältigen Aussagen; es heißt Lakshmi Tantra und vermittelt den Menschen unmittelbare Einsicht.

51.5 Gesammelt habe ich es richtig aufgenommen. Doch wegen seines großen Umfangs, des Wandels der Zeit

51.6 und der geringen Kraft meines Geistes wird es mir nicht vollständig gegenwärtig. Aus diesem großen Ozean, Göttin, der von deinem Wissen erfüllt ist,

51.7 ziehe überall das Wesentliche heraus und lehre zum Wohl der Welten eine Zusammenfassung des Tantra. Verehrung dir, Lotusgeborene!

Narada spricht:

51.8 So angesprochen, wie eine milchreiche Kuh von ihrem Kalb, wandte sich die Göttin Padma mit liebevollem Herzen an den Bezwinger Pakas.

Shri spricht:

51.9 Gut hast du mich angesprochen, mein Kind, Bezwinger Vritras. Höre: Ich lehre dir den aus diesem Tantra gewonnenen kurzen Wesenskern.

51.10 Ich bin das ewige Ichbewusstsein aller Wesen. Durch Aufstieg und Abstieg bringe ich die Welt zur Verwirklichung.

51.11 Was höchstes Ichbewusstsein heißt, wird als jenseits des vierten Zustands bezeichnet: das höchste Brahman, die höchste Wohnstatt, Lakshmi-Narayana.

51.12 Dort besteht zwischen uns keine Trennung als Seiender und Sein. Das dortige Aufgehen gleicht dem Anschwellen des Meeres beim Mondaufgang.

51.13 Ich bin Narayanas Kraft, deren Kennzeichen der Schöpfungswunsch ist. Das ist mein vierter Zustand, aus dem die Umwandlungen hervorgehen.

51.14 Dann sind sämtliche reinen und unreinen Erscheinungen in mir enthalten: die Vyuhas, die Vibhavas und die weiteren Entfaltungen der Vyuhas.

51.15 Dies ist die reine Erscheinungsordnung, zusammen mit allem anderen, was aus dem Erhabenen besteht. In Vyuha, Vibhava und den weiteren Entfaltungen

51.16 soll man jeweils meine Zustände von Tiefschlaf an entsprechend erkennen. Das Unmanifeste, das große Erkenntnisprinzip und die übrigen sowie die daraus verwandelte Welt

51.17 bilden die andere, nichtreine Erscheinungsordnung. Auch dort sind jeweils die drei Zustände entsprechend zu erschließen, Herr des Himmels.

51.18 In Entstandenem und Bestehendem sind diese vier Zustandsweisen zu erkennen. Es gibt noch eine andere Reihenfolge auf dem reinen und unreinen Weg:

51.19 In den Aufstiegen durch Erkennende, Erkenntniswerkzeuge und Erkennbares, die aus mir bestehen, werden zehn Gruppen von Erkennenden unterschieden, beginnend mit Leere und Lebenshauch.

51.20 Die Erkenntniswerkzeuge sind zweifach: äußere und innere. Bei beiden gilt entsprechend die mit dem Schweigen beginnende Folge.

51.21 Das Erkennbare wird vielfältig beschrieben; auch dort ist dieselbe Zuordnung vorzunehmen. Ihr Zustand jenseits des vierten ist die Erkenntnis ihres göttlichen Seins.

51.22 Damit ist der Abstieg angedeutet. Höre auch meinen Aufstieg: Von der äußersten Grenze ausgehend reicht er bis zu mir.

51.23 Dies ist als Aufstieg auf dem reinen und unreinen Weg zu verstehen. Wer beständig Aufstieg und Abstieg betrachtet,

51.24 seinen Geist auf mich richtet und sein Leben in mich legt, erlangt mein Sein. Gestalt, Zeit und Ort begrenzen mich nicht.

51.25 Vielmehr sind sie von mir, deren Wesen Erkenntnis ist, durchdrungen, Bezwinger Pakas. Auf dem Grund meines eigenen Selbst lasse ich durch meinen Willen die ganze Welt aufgehen.

51.26 Je nach Abstufung dieser Gestalt bestehen Erkanntes und Erkennender. Diese Entfaltung als das durch Worte Bezeichnete habe ich dir kurz gezeigt.

51.27 Höre nun gesammelt ihre Gestalt als bezeichnendes Wort. Zunächst aus reinem Bewusstsein bestehend, erscheine ich als Lebenshauch.

51.28 An den jeweiligen Orten erscheine ich sodann als Klang, unterschieden in ruhige, feine, mittlere und ausgesprochene Sprache.

51.29 Vierfach ist das von mir geschaffene Bezeichnete, vierfach das Bezeichnende. Aus der ruhigen Gestalt entfalte ich mich in die feine.

51.30 Die feine Gestalt besteht zweifach als Kraft und Klang. Aus der feinen entfalte ich mich in den mittleren Zustand.

51.31 In diesem Zustand erhält die Lautfolge ihre Prägung durch den Punkt. Aus der mittleren entfalte ich mich in den ausgesprochenen Zustand.

51.32 Dort besteht die Lautfolge in Unterscheidungen wie den fünfzig Lauten. Wer diesen Aufstieg und Abstieg unablässig betrachtet und in Klang-Brahman eintaucht, erreicht das jenseits des Klanges.

So endet im Auszug des Lakshmi Tantra, der Zusammenfassung der Tantralehre im Wesenskern des Pancharatra, das einundfünfzigste Kapitel.


Kapitel 52 – Der Mantraweg in Kürze

Sanskrit IAST: Kapitel 52 · Devanagari: Kapitel 52

Shri spricht:

52.1 Höre nun den aus Mantras bestehenden Weg, mein Kind Purandara. Ich bin Licht und Seligkeit, Haris vollkommenes Ichbewusstsein.

52.2 Erkenne mich als Mutter der Mantras, als Lebenshauch und reines Bewusstsein. Aus mir allein gehen sie hervor, und in mir gehen sie gewiss unter.

52.3 Ich bin ihre Kraft; sie wissen, dass sie meine Gestalt sind. Machtvoll erscheine ich ein-, zwei- und dreifach,

52.4 vier-, fünf-, sechs-, sieben- und achtfach, ebenso sechzehn- und fünfundzwanzigfach,

52.5 wiederum fünfzig- und dreiundsechzigfach. Vielfältig gehe ich als Herrin hervor, gleich dem Wunschjuwel.

52.6 Vokale, Konsonanten und ihre Verbindungen, Silben, Wörter, Sätze und Abschnitte,

52.7 Tageseinheiten und Kapitel, Lehrwerke und Tantras, vielerlei Agamas, äußere und innere Überlieferungen,

52.8 weltliche und vedische Rede und die verschiedenen Sprachen: Erkenne dies alles als Mantragestalt für diejenigen, die meine Gestalt erkennen.

52.9 Die Abstufung der Betrachtung bestimmt Erkanntes und Erkennenden; auch Nähe und Ferne entstehen durch die Abstufung der Betrachtung.

52.10 Mantras sind vierfach: Keim, verdichtete Gestalt, Wort und Name. Unter ihnen erkenne vor allem die fünf Kleinode, Vasava.

52.11 Diese Keime liegen in meinem Hymnus wie Butter in Dickmilch, hervorgegangen aus Sonnen-, Mond- und Feuerteil und mit Klang verbunden, Bezwinger Pakas.

52.12 Was daran Sonnengestalt ist, heißt Wachzustand; das Feuer ist der Traum, der Mond der Tiefschlaf: Maya wird die Höchste genannt.

52.13 Der sogenannte Mondsichelteil ist der vierte Zustand, der Klang liegt darüber; die ruhige Kraftstufe ist die endgültige Stellung dieses Klanges.

52.14 Was noch darüber liegt, ist Brahman, Lakshmi-Narayana. Die sechs, vier und sechs Vokale gehen aus Sonne, Feuer und Mond hervor.

52.15 Die übrigen Laute entstehen aus den Vokalen: So ist die Lautordnung. Dieser höchste Keim schenkt die Frucht aller Wünsche.

52.16 Er soll Kinder denen geben, die Kinder wünschen, Herrschaft dem nach Herrschaft Strebenden, Wohlergehen dem danach Strebenden und Befreiung dem Befreiung Suchenden.

52.17 Er soll Feinde vernichten und das Ersehnte anziehen. Er heißt Wunschjuwel; der bloße Edelstein ist nicht das eigentliche Wunschjuwel.

52.18 Der ihm folgende, mit dem bezeichneten Zischlaut beginnende Keim schenkt ebenfalls alle Wünsche. Durch Paare der ersten und letzten sechs Vokale, mit Einsetzung des Maya-Lautes,

52.19 bilde man seine Glieder, verbunden mit der jeweiligen Gattungsmudra. Ebenso ist die Ordnung der vier übrigen Keime.

52.20 Durch Eintreten in vollkommenes Ichbewusstsein und Verbindung mit dem ursprünglichen Keim gewinnt die vielfältige Mantraschar ihre Zugehörigkeit zu mir.

52.21 Die jeweilige Gottheit der Mantras wird von meiner Kraft getragen und betrachtet mein Sein; deshalb bin ich dort zu meditieren.

52.22 Man stelle sich die jeweilige Gottheit in weiblicher Gestalt vor, versehen mit ihren entsprechenden Farben, Waffen, Formen, Schmuck und weiteren Kennzeichen.

52.23 Indem diese Gottheiten meine Natur annehmen, schenken sie rasche Frucht. Damit habe ich dir, Shakra, den Mantraweg kurz beschrieben.

So endet im Auszug des Lakshmi Tantra, der Zusammenfassung der Tantralehre im Wesenskern des Pancharatra, das zweiundfünfzigste Kapitel.


Kapitel 53 – Ort und Elemente rituell reinigen

Sanskrit IAST: Kapitel 53 · Devanagari: Kapitel 53

Shri spricht:

53.1 Ich werde den Ritualteil kurz darlegen, Purandara. Von Unreinheit befreit und gebadet, gemäß der Lehre der Schrift,

53.2 suche man einen abgeschiedenen Ort auf. Nach dessen Reinigung vollziehe man durch erkenntnisvolle Betrachtung die Reinigung der Elemente, Shakra.

53.3 Die achtfache Natur von Erde bis Urnatur wird jeweils in zwei Gestalten unterschieden, grob und fein.

53.4 Die sichtbare Gestalt heißt grob; ihre ursächliche Form ist fein und wird als bloße Sinnesqualität bezeichnet.

53.5 So ergeben diese Prinzipien als grobe und feine sechzehn Formen. In sie ordne man jeweils die Tätigkeiten der Sinnesgegenstände und Organe ein.

53.6 Die fünf Dreiergruppen, beginnend mit Zeugungsorgan, Geruchssinn und Duft, führe man der Reihe nach in die fünf großen Elemente, beginnend mit Erde, zurück.

53.7 Denken und Selbstzuschreibung lasse man im Ichprinzip zur Ruhe kommen; Lebenshauch und bestimmendes Urteil berge man im Erkenntnisprinzip.

53.8 Lichtheit, Aktivität und Dunkelheit lasse man im ursprünglichen Unmanifesten zur Ruhe kommen. In dieser sechzehnfachen Gruppe betrachte man die acht Grundformen.

53.9 Ihre jeweiligen Namen beginnen mit der festen Silbe und enden mit den beiden bezeichneten Abschlusslauten, Bezwinger Pakas. Fleisch, Fett, Blut, Samen und die drei Raumlaute,

53.10 jeweils mit dem Punkt verbunden, betrachte man als die feinen acht. In dieser Reihe von acht Keimen verbinde man Maya mit der Mondsichel.

53.11 Der Kundige erkenne diese Mantras als den acht Kräften zugehörig: Rückkehr, Festigung, Wissen und Friede,

53.12 das Über-Frieden-Hinausgehende, Selbstzuschreibung, Lebenshauch und Qualitätenfülle. Diese Kräfte betrachte er als zu Erde bis Urnatur gehörig.

53.13 Wenn er mit jenen acht Keimen Feuer, Maya und Halbmond verbindet, erkenne er diese Mantras als die der herrschenden Gottheiten.

53.14 Er stelle mich strahlend wie tausend Weltuntergangsfeuer und Sonnen vor, wie rauchlose Glut, und verbrenne den Ort mit dem Feuer aus meinem Mund.

53.15 Dann besprenge er ihn mit Wasser aus meinem Antlitz, das wie zehntausend Monde leuchtet. So geschieht die Reinigung des Ortes. Höre nun die Reinigung der Elemente.

So endet im Auszug des Lakshmi Tantra, der Zusammenfassung der Tantralehre im Wesenskern des Pancharatra, das dreiundfünfzigste Kapitel.

[Die Feuer- und Wasservorgänge sind hier rituelle Visualisierungen. Die verschlüsselte Lautliste in 53.9–10 wird nicht spekulativ zu einer ausgesprochenen Mantraformel ergänzt.]


Kapitel 54 – Innere Auflösung und erneuerte Verkörperung

Sanskrit IAST: Kapitel 54 · Devanagari: Kapitel 54

Shri spricht:

54.1 Die Erde stelle man quadratisch, eben, gelb und mit dem Donnerkeilzeichen vor. Mit ihrem Mantra ziehe man sie ins Körperinnere und löse sie an ihrem eigenen Ort auf.

54.2 Danach löse man sie in die bloße Geruchsqualität auf und diese durch ihren eigenen Keim in die Kraft der Rückkehr; diese wiederum durch ihren Mantra

54.3 in mich als ihre tragende Grundlage. Mich lege man in das äußere Wasser. Dieses, einer Mondsichel gleichend und mit einem Lotus gekennzeichnet, führe man mit dem Mantra aus dem Körper

54.4 an seinen eigenen Ort und löse es durch seinen Mantra in die bloße Geschmacksqualität auf; diese durch den Mantra in die Kraft der Festigung und diese in mich.

54.5 Mich führe man durch Wiederholung des Feuermantras weiter, der Reihe nach bis zur Urnatur. Der Kundige soll dabei nicht überall nur eine einzige Auflösung meiner Kraft annehmen.

54.6 Es ist, als gieße man die durch Quirlen gewonnene Butter wieder in Milch, diese Butter in andere Milch und die daraus gewonnene Butter wiederum anderswohin.

54.7 So vergegenwärtige der Kundige die jeweils herrschende Kraft bis zur Urnatur. Mich, die höchste Kraft, verbunden mit den sieben Kräften,

54.8 führe er bis zum Zwölferende empor und lege mich in meine Mantragestalt. Diese leuchtet wie Millionen Feuer, Monde und Sonnen und hat überall Augen, Köpfe und Gesichter.

54.9 Zum Wohl aller Seelen besteht dieser mein Mantraleib.

Shakra spricht: Welche Orte in diesem Körper sind es, an denen die Auflösung der Reihe nach geschehen soll?

54.10 Und wie sehen die Gestalten von Erde und den übrigen aus? Sage es, Lotusgeborene!

Shri spricht: Bis zu den Knien reicht der Ort der Erde, bis zur Hüfte der des Wassers.

54.11 Bis zum Nabel reicht der Ort des Feuers, bis zum Herzen der des Windes, bis zur Kehle der des Raumes und bis zur Höhlung der des Ichprinzips.

54.12 Bis zu den Brauen reicht der Ort des großen Erkenntnisprinzips; das höchste befindet sich im Raum. Die große Erdgestalt ist quadratisch und mit dem Donnerkeil gekennzeichnet.

54.13 Die Wassergestalt ist weiß wie ein Halbmond und trägt das Lotuszeichen; die Feuergestalt ist rot, dreieckig und mit einem Swastikazeichen versehen.

54.14 Die Windgestalt ist rauchfarben, rund und mit sechs Punkten versehen; die Raumgestalt ist schwärzlich wie Augenschminke und wird als bloßer Kreis vorgestellt.

54.15 Nach dieser Zurücknahme der Prinzipien führe man das aus der Herzhöhle hervortretende Selbst, am Seil der Erkenntnis hängend, durch den mittleren Weg der Sushumna

54.16 auf den Stufen der Kräfte nach oben und lege es in mich, die ich im großen Lotus am Zwölferende weile.

54.17 Dieser große Lotus am Zwölferende besitzt tausend Blätter; er leuchtet wie tausende Millionen Sonnen und zehntausende Millionen Monde.

54.18 Innerhalb von Feuer und Soma besteht mein Leib aus großer Seligkeit. Unbeschreiblich und unvergleichlich ist dieser mein Bewusstseinsleib.

54.19 Als ein Teil davon strömt der herrliche Fluss der Seligkeit der Seelen hervor. Man führe diese eigene Seligkeit zurück und lasse sie in die große Seligkeit eingehen.

54.20 Dann verbrenne man den wie ein Salzhaufen erscheinenden Körper ringsum mit den großen Flammennetzen aus meinem Mund, die aus Bewusstsein bestehen.

54.21 Der sechste Laut mit rotem Lotus und Punkt ist das Körperfeuer. Danach überflute man den Körper mit Nektar aus meinem mondhaften Mund.

54.22 Man betrachte jene Kräfte in meinem Mantraleib als durch meinen aufsteigenden Schöpfungswillen angeregt, der mit Bewusstsein und Lebenshauch verbunden ist.

54.23 Darauf stelle man sich vor, wie durch diese meine Kräfte, zunächst durch den Anstoß zum Wirken, der Reihe nach Urnatur bis zu den besonderen Elementen erschaffen wird.

54.24 Dann entsteht der Körper, strahlend durch das Sichtbarwerden seiner Ursachen. So bringe man den großen, reinen, aus Lakshmi bestehenden Körper hervor.

54.25 Auf dem zuvor genannten Weg in umgekehrter Richtung führe man sein eigenes Selbst, dessen Kennzeichen bewusste Seligkeit ist, aus der großen Seligkeit ins Herz zurück.

54.26 Danach vollziehe man die Einsetzung der Mantras in Hände und Körper: an den Gelenken der Finger vom Daumen bis zum kleinen Finger,

54.27 an Innenflächen und Rücken beider Hände, vom Nabel bis zu den Füßen und vom Nabel bis zum Scheitel.

54.28 An den Gelenken setze man meinen Keim ein und die Glieder, beginnend mit dem Herzen. Nochmals setze der Kundige mit der Sechserfolge von Herz und weiteren Gliedern

54.29 die sechs Eigenschaften von Erkenntnis an in Nabel, Rücken, Hände, Oberschenkel, Unterschenkel und Füße ein. In diesem so hervorgebrachten reinen, heilvollen Lakshmi-Leib vollziehe er mit dem Auge der Erkenntnis die Einsetzung der sechs Trägerorte.

So endet im Auszug des Lakshmi Tantra, der Zusammenfassung der Tantralehre im Wesenskern des Pancharatra, das vierundfünfzigste Kapitel.

[Die geschilderte Verbrennung und Neubildung des Körpers gehören zur inneren rituellen Betrachtung. Die verkürzten Lautangaben in 54.21 bleiben als solche erhalten.]


Kapitel 55 – Trägerlotusse und die innere Gestalt Lakshmis

Sanskrit IAST: Kapitel 55 · Devanagari: Kapitel 55

Shri spricht:

55.1 Ich werde die Trägerorte erklären; höre, Bezwinger Pakas. Im Bereich zwischen [After und] Zeugungsorgan, am Zeugungsorgan und in der Nabelmitte, Herr des Reichtums,

55.2 im Herzen, in der Kehlhöhlung und zwischen den Brauen stelle der Kundige sechs Lotusse vor. Ihre Blattzahlen entsprechen den Veden, Geschmacksarten, Prajapatis, Sonnen und Veränderungen

55.3 sowie den beiden Ashvins. Sie leuchten wie Millionen Sonnen und tragen die Lautgruppen, die Vokale und die beiden den Sonnenlauten zugeordneten Endlaute.

55.4 In diesen Lotussen stelle man mich, die Göttin, wie eine Juwelenlampe vor. An dem Ort, zu dem man sich hingezogen fühlt, verweile man und übe Yoga.

55.5 Vom ersten Trägerort bis zum Lotus am Zwölferende ausgebreitet, meditiere man mich als eine einzige Lampe im Körper, als ursprüngliche höchste Kraft.

55.6 Wenn der Geist beim Betrachten dieser höchsten Bewusstseinskraft in aufsteigender und absteigender Folge zur Ruhe kommt, ist dies das höchste Vishnu-Sein.

55.7 Falls du aber eine körperlich bestimmte Gestalt wünschst, höre von meinem Leib. Im einen Herzen stelle man Wasser und darüber eine mächtige Halle vor.

55.8 Sie besitzt vier Tore; dort betrachte man die Torhüterinnen: vorne die dunkle Balakini, an der anderen Seite Vanamala,

55.9 hinten die weiße Vibhishika in der genannten Farbe und im Norden, Shakra, die rauchfarbene Shankari.

55.10 Inmitten der Halle stelle man einen achtblättrigen Lotus vor, wie tausend Sonnen leuchtend, mit strahlendem Fruchtboden und Staubfäden.

55.11 Auf dem östlichen Blatt Vasudeva, auf dem südlichen Sankarshana, auf dem westlichen Pradyumna und auf dem nördlichen Aniruddha.

55.12 Alle tragen Muschelhorn und Rad, sind mit Waldblütengirlanden geschmückt, zeigen die den Weltaltern entsprechenden Farben und wenden sich mir zu.

55.13 In den Ecken stelle man die mächtigen Elefanten Gulgulu, Gurunya, Madana und Shalala vor, die mich mit Nektar übergießen.

55.14 Inmitten des Samens im Lotusfruchtboden meditiere man mich, die große Herrin aller Welten, glänzend wie geschmolzenes Gold und zwei Lotusse tragend.

55.15 Meine Hände schenken Segen und Furchtlosigkeit; ich trage allen Schmuck. Unbeschreiblich, unvergleichlich und makellos bin ich Vishnus Gattin.

55.16 Mit göttlichen kühlen Strahlen aus meinen dunklen Augenwinkeln, begleitet vom Mondlicht meines Lächelns, übergieße ich die immer wieder erhitzten drei Welten.

55.17 Aus Erkenntnis bringe man Gaben hervor und verehre damit die höchste Herrin: Gaben aus Brahmans Seligkeit, aus mir bestehend und frei von Fehlern.

55.18 Oder man stelle mich auf Narayanas Schoß vor, geschmückt mit der Freude unserer Verbindung, den Herrn beständig mit meiner rechten Hand umarmend.

55.19 Dann soll die Betrachtung auf die himmlische Gestalt gerichtet sein. Unsere eheliche Zusammengehörigkeit ist zu bedenken, das tiefe Geheimnis der Offenbarung.

Erhaltenes Anschlussfragment: „Der Ort des Keimes …“

[Textlücke: Hier bricht die Vorlage ab. Nach Editionsvermerk fehlen etwa zwölf Handschriftenseiten: das Ende von Kapitel 55, das ganze Kapitel 56 und der Anfang von Kapitel 57.]

[Redaktioneller Hinweis: Mehrere Formen der überlieferten Kurzfassung sind unsicher, darunter die Anrede „Herr des Reichtums“ in 55.1 und der Wortlaut von 55.19. Die verschlüsselte Lautzuordnung in 55.3 wird nicht ergänzt.]


Kapitel 56 – Vollständige Textlücke

Sanskrit IAST: Kapitel 56 · Devanagari: Kapitel 56

[Textlücke: Dieses Kapitel fehlt vollständig in der bereitgestellten Textgrundlage. Eine Übersetzung oder Rekonstruktion ist deshalb nicht möglich.]


Kapitel 57 – Höchster Japa, Weitergabe und abschließende Zuflucht

Sanskrit IAST: Kapitel 57 · Devanagari: Kapitel 57

[Textlücke: Der Anfang fehlt; die erhaltene Fassung setzt innerhalb eines Verses ein. Die Zählung beginnt in der Vorlage erneut mit 1.]

Shri spricht:

57.1 […] der Gott und Vollbringer des Bestandes […] die dreifache Gestalt und die übergeordnete Kraft: Dies ist der höchste Japa. [Satzanschluss im erhaltenen Fragment unklar.]

57.2 Als Klang und Bedeutung entfaltet sich Lakshmi zweifach. Die Bezeichnungen lauten: ruhige, schauende, mittlere und ausgesprochene Sprache.

57.3 Vierfach ist dieses Aufgehen des Klanges, ebenso das Aufgehen der Bedeutung. Wenn sämtliche Prägungen erloschen sind und Vokale, Laute und weitere Unterscheidungen fehlen,

57.4 heißt dieser ursprüngliche Klangzustand die ruhige Sprache, die zur Ruhe führt. Das noch ungeprägte Aufgehen der Wortkraft, die Bedeutung erkennen lässt,

57.5 dieses bloße erste Erscheinen wird schauende Sprache genannt. Was Bedeutung erkennen lässt, heißt Wort.

57.6 Wenn die Prägungen es nicht beeinträchtigen, ist es mittlere Sprache. So mit Prägungen versehen, reich an hundert begrifflichen Unterscheidungen,

57.7 spielt sie vielfältig in ihnen [der Anschluss „nicht in den naturhaften“ ist unklar]. Ihre Gestalt in Teile gliedernd, tritt sie an die acht Artikulationsorte.

57.8 Dann heißt sie ausgesprochene Sprache: Als Trägerin der Laute spricht sie auf vielfältige Weise. Die höchste, ruhige Sprache ist überall gleich gegenwärtig.

57.9 Die mittlere Sprache ist nur ein winzigster Teil zahlloser Teile von ihr; wiederum ein winzigster Teil zahlloser Teile davon ist die ausgesprochene Sprache.

57.10 Laute, Wörter und Sätze bilden den dreifachen Gang der ausgesprochenen Sprache. Auf dem Weg der Laute und weiteren Formen nimmt sie schrittweise Begrenzung an.

57.11 Diese vierfache Kraft entsteht in vorwärts- und rückwärtsgehender Folge. Vierfach geht sie auf, der Reihe nach als ruhige, schauende und weitere Sprache.

57.12 Vierfach geht sie unter, beginnend mit ausgesprochener und mittlerer Sprache. Ferner ist sie dreifach zu erkennen: manifest, dem Manifesten ähnlich und unmanifest.

57.13 Manifest ist sie in den Körpern der Lebewesen, wo sie auf- und untergeht; als manifest wird auch bezeichnet, was Laute von Vina, Flöte und Trommel ausdrücken.

57.14 Durch Sprechabsicht und Betätigung der Organe der Lebewesen ist sie dem entsprechend. Wenn durch den Anstoß des Windes an Meer, Fluss und Bergschluchten

57.15 die Klangkraft zum Ausdruck kommt, heißt sie unmanifest. Für ihr Hervortreten und Zurückgehen gelten die zuvor genannten entgegengesetzten Folgen.

57.16 Auch das Bezeichnete ist vierfach zu erkennen, entsprechend der ruhigen und den weiteren Stufen. Diese so bestehende Kraft wird als Tarika bestimmt.

57.17 Das umfassende Vergegenwärtigen der Laute ist der sogenannte mittlere Japa. Die Kraft in Lautgestalt und diejenige, die aus ihrer Verbindung entsteht,

57.18 die von Kraft durchbundene und die aus der Sprechabsicht hervorgehende: Diese vier Kräfte soll man zunächst klar unterscheiden.

57.19 Die Übertragung von Bedeutung auf den Klang heißt die letzte [Form]. Man verstehe das Bezeichnete gesondert und erkenne jene Kraft in ihrer dreifachen Gestalt.

57.20 Ihre Erweckung durch Mantras ist der höhere und niedere Japa. Die im Lakshmi Tantra gelehrte Kraft aus Feuer und Soma,

57.21 ihre jeweiligen Formen als Bezeichnetes und Bezeichnendes überschreitend und die aus Lakshmi bestehende Nacht in Tarikas Gestalt durchquerend,

57.22 reinige man sämtliche Mantras im großen Meer der wellenlosen, höchsten Seligkeit und des Bewusstseins, dem Meer der rettenden Kraft, und verbinde sich mit der Einsetzung ihres Wesens.

57.23 Dort verehre man die durch ihre jeweilige Erfüllung strahlenden Mantras; durch deren allgemeine und besondere Bestimmungen vergegenwärtige man die Mantragottheit.

57.24 So verbunden wiederhole man die Mantras: Dies ist der beständige, gepriesene Japa. Gemäß der in den jeweiligen Schriften gelehrten Ordnung von Gestalt und Weihe

57.25 vergegenwärtige der Allsehende die Mantragottheiten samt ihren jeweiligen Seinsweisen. Was er so rezitiert, gilt als höchster Japa.

Narada spricht:

57.26 „Dieses höchste Geheimnis darf keinem Ungeeigneten gegeben werden“, sprach sie und entschwand wie ein Blitz am Himmel.

57.27 Shakra hatte den höchsten Schatz empfangen und freute sich, von aller Unruhe frei.

Atri spricht: Nachdem der erhabene Narada dies gesagt hatte, Liebe, schwieg er.

57.28 Die glückverheißende Shri war von Indra verehrt worden, Schönangesichtige. Auch Indra, noch immer voller Staunen, begab sich zu Brahmas Wohnstatt.

57.29 Von Brahma befragt, erzählte er ihm alles ordnungsgemäß. Brahma, der Wahrheitskenner, lehrte es auf ihre Frage den Prajapatis.

57.30 Narada ließ die Seher auf dem Malaya-Berg diese Lehre hören. Angiras lehrte das vorzügliche Tantra dem Feuergott.

57.31 Der Feuergott lehrte Katyayana, dieser Gautama in seiner Einsiedelei; Gautama lehrte Bharadvaja und dieser den großen Seher Garga.

57.32 Garga lehrte Asita Devala, dieser den Seher Jaigishavya. Jener ließ die Ahnen hören und wandte sich sodann, die Gier bezwingend, [ihnen zu; Anschluss unsicher].

57.33 [Die erste Namens- und Herkunftsangabe ist bereits in der Vorlage unsicher.] Die geistgeborene Tochter ließ ihren Sohn, den großen Seher Parasharya, die Lehre hören.

57.34 Parasharya lehrte seinen Sohn Shuka, den vorzüglichen Yogi; Shuka ließ den Prajapati namens Svarbhanu hören.

57.35 Vasishtha unterwies die weise Arundhati; sie unterwies Narada [Wortlaut unsicher]. Danach empfingen Kapila und die übrigen Yogis Lakshmis Tantra.

57.36 Shankara, der den Mond auf seinem Haupt trägt, lehrte Parvati; Hiranyagarbha, der Verkünder der Yogawege, lehrte Sarasvati.

57.37 Für die ihren Gemahlen treuen Göttinnen der Götter, Brahmarshis und Yogis gilt das Lakshmi Tantra als beständige Zuflucht und Studiengrundlage.

57.38 Nachdem ich es von Brahma gehört habe, habe ich es dir gelehrt, Verständige. Weil du mir lieb und teuer bist, habe ich nichts zurückgehalten.

57.39 Höre nochmals die Zusammenfassung, Anasuya, ohne Missgunst. Wenn du sie gehört hast, setze sie sorgsam um und bewahre sie aufmerksam.

57.40 Dein Geist soll die Gestalt von Lakshmi-Narayana annehmen. Gib im Ozean des Werdens schädliche Wege und schwere Verfehlungen auf.

57.41 Falls du durch Schicksal oder Verblendung doch in schädliche Wege gerätst, verehre dennoch Lakshmi und Narayana gemeinsam.

57.42 Lass selbst rasch und beständig alle begangenen Verfehlungen hinter dir; suche sie nicht erneut auszuführen, sondern freue dich am Zusammenhalt und Wohl der Welt.

57.43 Nimm mit festem Entschluss deine Mittellosigkeit an, jederzeit, überall, in allen Zuständen und auf jede Weise.

57.44 Sei gewiss: „Hari mit Shri wird diejenigen beschützen, die Zuflucht nehmen.“ Lege dich selbst und alles Eigene vollständig zu den Füßen des Herrn der Shri nieder.

57.45 Wähle Lakshmis Herrn als deinen Weg und betrachte ihn als dein Ziel. So habe ich dir, Liebe, die ganze Schrift, ihren Sinn und ihre Frucht,

57.46 die höchste Wahrheit, mit gesammeltem Geist gezeigt: dieses höchste Lakshmi Tantra samt Geheimnis und Zusammenfassung.

57.47 Gib es keinesfalls jemandem ohne Hingabe an Vasudeva. Wem Lakshmi und Lakshmis Herr niemals aus dem Herzen weichen,

57.48 dem sollst du diese unübertreffliche Lehre mitteilen. In der Nähe von Leugnern der heiligen Überlieferung soll man es nicht rezitieren,

57.49 ebenso wenig bei Menschen ohne Gelübde und rituelle Reinigung, bei Verächtern von Mutter und Vater, von verschiedenen Schriften oder des Lehrers,

57.50 bei Menschen, die eheliche Verbundenheit oder Frauen verachten. Wer dagegen Vedenstudium und Gelübde abgeschlossen hat, Eltern und Lehrer liebt,

57.51 Schriften nicht schmäht, höhere und niedere Vorschriften kennt, gläubig und vertrauensvoll ist und Lakshmi sowie Lakshmis Herrn liebt,

57.52 die Einteilung von Ritualhandlungen und Opfern, die Vorschriften anderer Tantras und die Glieder des Yoga kennt, den wahren Sinn aller Schriften versteht,

57.53 das Wesen von Veda und Vedangas, die Lehre Pashupatis, das Verfahren von Erwägen und Verwerfen sowie Erkenntnismittel, Schlussfolgerung und Gegenstände kennt,

57.54 und den wahren Sinn aller auf das Selbst bezogenen Schriften versteht, der darf es empfangen. Om, Verehrung jenem Vasudeva, dessen Geliebte Shri ist!

57.55 Om, und Verehrung der Gemahlin Vishnus, deren Geliebter Narayana ist! Verehrung der ewig makellosen Wirklichkeit, dem allumfassenden Ursprung der Welt: dem stillen, wellenlosen Bewusstsein, dessen Wesen Lakshmi und Narayana sind.

So endet im Auszug des Lakshmi Tantra, der Zusammenfassung der Tantralehre im Wesenskern des Pancharatra, das siebenundfünfzigste Kapitel: Der Wesenskern der geheimen Schriftlehre.

Das Lakshmi Tantra ist abgeschlossen.

[Redaktioneller Hinweis: Die beschädigte Einleitung und einzelne Namen der Weitergabekette werden nicht ergänzt. Die Überlieferungsvorschriften geben den historischen religiösen Rahmen wieder. Die in 57.12–15 nicht völlig klare Abgrenzung der Klangarten wurde möglichst nah am überlieferten Wortlaut belassen.]

108 inspirierende Verse aus dem Lakshmi Tantra

Diese 108 verschiedenen Verse erschließen die geistige Mitte des Gesamtwerks einschließlich des erhaltenen Zusatzteils: göttliche Gegenwart, Bewusstsein, Mantra, Wohlwollen und Befreiung. Die deutschen Texte entsprechen den jeweiligen Übersetzungsabsätzen; die Konkordanz nennt die Originalstellen. Namen und Pronomen sind im jeweiligen Gesprächszusammenhang zu lesen.

Lakshmi und Narayana – die untrennbare göttliche Gegenwart

1. Verehrung der ewig makellosen Wirklichkeit, dem allumfassenden Ursprung der Welt: dem stillen, wellenlosen Bewusstsein, dessen Wesen Lakshmi und Narayana sind.

Zur vollständigen Übersetzung: 1.1

2. Suche Zuflucht bei der Lotusgöttin, Herr der Götter! Sie ist die Wurzel des höchsten Wohls, sie ist das höchste Ziel.

Zur vollständigen Übersetzung: 1.37

3. Diese ewige Göttin ist der eigentliche Sinn der vedischen Offenbarungen. Sie ist der Lebensatem der Welten; sie ist ihre Tatkraft.

Zur vollständigen Übersetzung: 1.38

4. Sie ist das ewige Ziel des gesamten Pancharatra. Diese Göttin Narayani besteht als das Wesen Narayanas.

Zur vollständigen Übersetzung: 1.43

5. Es gibt das höchste Selbst, dessen Kennzeichen die Erfahrung grenzenlosen, leidfreien Glücks ist. Seine höchste Wohnstatt schauen die Weisen.

Zur vollständigen Übersetzung: 2.1

6. Man nennt ihn Vishnu, Narayana, das All und den Allgestaltigen. Dieses ganze Weltall ist von seinem Ich-Sein durchdrungen.

Zur vollständigen Übersetzung: 2.6

7. Er ist in jeder Hinsicht friedvoll, unveränderlich und ewig; unendlich und frei von Begrenzungen durch Raum, Zeit und anderes.

Zur vollständigen Übersetzung: 2.8

8. Wie ein wellenloser Ozean des Unsterblichkeitsnektars ist diese Wirklichkeit, leuchtend in ihren sechs göttlichen Eigenschaften: eins, ganz Bewusstsein, friedvoll, ohne Aufgang und Untergang.

Zur vollständigen Übersetzung: 2.10

9. Hari gilt als das Selbst aller Wesen, als das „Ich“. Ich bin das ewige Ich-Sein aller Wesen.

Zur vollständigen Übersetzung: 2.13

10. Die Seinsweise, durch die der ewige Vasudeva ist, die Wirklichkeit dieses seienden Gottes: als diese werde ich bezeichnet.

Zur vollständigen Übersetzung: 2.14

11. So besteht Brahman, die ewige höchste Wirklichkeit, aus dem Seienden und seinem Sein. Der Seiende ist Gott Narayana; sein Sein bin ich, die höchste Lakshmi.

Zur vollständigen Übersetzung: 2.15

12. Ebenso ist das Ich-Sein seinem Wesen nach Erkenntnis, allwissend und allsehend. Erkenntnis ist die höchste Gestalt von uns beiden, von Brahman und mir.

Zur vollständigen Übersetzung: 2.25

13. Ich bin jene höchste Wirklichkeit Vishnus, die Narayani heißt: ewig makellos und mit grenzenlosen, heilvollen Eigenschaften ausgestattet.

Zur vollständigen Übersetzung: 3.1

14. Eine Begrenzung durch Raum, Zeit oder Gestalt gibt es für mich nicht. Mein Wesen ist Bewusstsein selbst; zu meinen Eigenschaften gehören allumfassende Herrschermacht und die übrigen göttlichen Kräfte.

Zur vollständigen Übersetzung: 3.2

15. Ich bin wie der makellose Raum, ganz grenzenlose Glückseligkeit und Bewusstsein. Ich heiße Narayani; eine solche Seinswirklichkeit Haris bin ich.

Zur vollständigen Übersetzung: 4.1

16. Das ursprüngliche eine höchste Brahman ist allwissend, Sein und Bewusstsein. Durch seine eigene Kraft wirkt der göttliche Glanz Lakshmi–Narayana.

Zur vollständigen Übersetzung: 27.3

17. Ich bin seine höchste ewige Shakti, Ichheit genannt. Ewig trage ich seine Eigenschaften, makellos wie der Glanz der Sonne.

Zur vollständigen Übersetzung: 27.4

18. Wie der Glanz des Lichtes beim kühlen Mond bleibt, so bleibe ich als Kraft des kraftvollen Vishnu untrennbar bei ihm.

Zur vollständigen Übersetzung: 50.70

Schöpfung, Welt und die tragende Kraft der Mutter

19. Dass mein Hervortreten durch nichts gehindert werden kann, ist meine höchste Herrschermacht. Die Gelehrten der verschiedenen Wahrheitslehren nennen sie auch Wille.

Zur vollständigen Übersetzung: 2.28

20. Dass ich die ursprüngliche Natur der Welt bin, heißt meine Shakti. Dass ich beim Erschaffen keine Mühe erfahre, wird meine Stärke genannt.

Zur vollständigen Übersetzung: 2.29

21. Ebenso bin ich eine und nehme doch durch Erkenntnis, Shakti und die übrigen Eigenschaften die Seinsweisen Sankarshanas und der anderen an, aus dem Wunsch nach dem Wohl der Welt.

Zur vollständigen Übersetzung: 2.56

22. Narayana ist als der Herr zu erkennen; seine Herrschermacht bin ich. Das Bewusste und das Unbewusste sind das, worüber gewaltet wird, Indra.

Zur vollständigen Übersetzung: 3.14

23. Die höhere Bewusstseinskraft nimmt dabei die Stellung des Erfahrenden ein. Der unbewusste Bereich bildet ihre Erfahrungsgegenstände, Werkzeuge und Aufenthaltsorte.

Zur vollständigen Übersetzung: 3.15

24. Die Bewusstseinskraft ist makellos, rein, ganz Bewusstsein und Glückseligkeit. Von anfangsloser Unwissenheit getroffen, durchwandert sie dennoch auf diese Weise den Kreislauf der Wiedergeburten.

Zur vollständigen Übersetzung: 3.26

25. Wie ein leuchtendes Feuer selbst Rauch hervorbringt, so nehme ich, obwohl ich reines Bewusstsein bin, auch die Seinsweise des Unbewussten an.

Zur vollständigen Übersetzung: 3.28

26. Wie der Glanz eines Diamanten nach allen Seiten erstrahlt, so leuchtet mein reiner Entfaltungsweg überall auf.

Zur vollständigen Übersetzung: 4.6

27. Aus meiner Gestalt, die ganz Erkenntnis ist, klar wie ein wolkenloser Himmel und still wie ein unbewegtes Meer, tritt die reine Schöpfung hervor.

Zur vollständigen Übersetzung: 4.7

28. Indem ich mich selbst in den vier Formen Vasudevas und der weiteren entfalte, bleibe ich gegenwärtig und umfasse alles mit Bewusstsein.

Zur vollständigen Übersetzung: 4.26

29. Hören, Tasten, Sehen, Schmecken und Riechen nennt man die fünf Erkenntnissinne. Diese Kraft besteht aus meinem eigenen Wesen.

Zur vollständigen Übersetzung: 5.52

30. Sprache, Hände, Füße, Geschlechtsorgan und Ausscheidungsorgan heißen die fünf Handlungsorgane. Auch diese Kraft besteht aus meinem Wesen.

Zur vollständigen Übersetzung: 5.53

31. Einer ist der von Shri begleitete Narayana, anfangslos, lotusäugig, ein großer Ozean von Erkenntnis, Herrschaft, großer Kraft, unverminderter Wirksamkeit und Glanz.

Zur vollständigen Übersetzung: 28.3

32. Er ist das Selbst aller Wesen, Hamsa, Narayana, der Selbstbeherrschte. Ich allein bin seine Befähigungskraft und teile seine Eigenschaften.

Zur vollständigen Übersetzung: 28.4

33. Vielmehr sind sie von mir, deren Wesen Erkenntnis ist, durchdrungen, Bezwinger Pakas. Auf dem Grund meines eigenen Selbst lasse ich durch meinen Willen die ganze Welt aufgehen.

Zur vollständigen Übersetzung: 51.25

34. Als Zeugin aller Wesen erkenne ich Gutes und Ungutes; ich bin stets Haris Herrlichkeit und das Ziel jeder Erkenntnis.

Zur vollständigen Übersetzung: 50.62

35. Ich bedenke und bewirke für alle das Liebe und Heilsame. Deshalb erkennen die Yogis mich als Mutter aller Wesen.

Zur vollständigen Übersetzung: 50.180

36. Erkenne mich als Mutter der Mantras, als Lebenshauch und reines Bewusstsein. Aus mir allein gehen sie hervor, und in mir gehen sie gewiss unter.

Zur vollständigen Übersetzung: 52.2

Bewusstsein als unmittelbar gegenwärtige Wirklichkeit

37. Bewusstsein selbst, das mein Wesen ist, nimmt die Form des Erkennbaren und des Bewussten an. Mein Wesen ist Bewusstsein, ganz erfüllt von Klarheit und Freiheit.

Zur vollständigen Übersetzung: 14.5

38. Wie Brennstoff, vom Feuer ergriffen, zu Feuer wird, so gelangt das Erkennbare, vom Bewusstsein durchdrungen, zur Bewusstseinsnatur.

Zur vollständigen Übersetzung: 14.7

39. In Blau, Gelb, Glück und Leid bleibt das Bewusstseinswesen ungeteilt. Die begriffliche Vorstellung unterscheidet es durch die Vielfalt begrenzender Bedingungen.

Zur vollständigen Übersetzung: 14.8

40. Meine höchste Bewusstseinsgestalt ist weder außen noch innen. Durch meine eigene Selbstwirksamkeit wird sie als Erkennbares und Erkennendes unterschieden.

Zur vollständigen Übersetzung: 14.10

41. Wenn der Geist, von begrifflichen Vorstellungen weitgehend frei, in der mittleren Ausrichtung verweilt, wird das Erkennbare als Bewusstsein erfahren.

Zur vollständigen Übersetzung: 14.12

42. Wenn der Erkennende das Erkennbare auf die Erfahrung des Erkennens zurückführt und betrachtet, bin ich als Erkenntniswesen unmittelbar gegenwärtig und leuchte deutlich.

Zur vollständigen Übersetzung: 14.15

43. Das Bewusstseinsprinzip ist Ich-Sein, seinem eigenen Kennzeichen nach vom Erkennbaren unterschieden. Dieses bin ich; deshalb bin ich in jeder Hinsicht reines Bewusstsein.

Zur vollständigen Übersetzung: 14.16

44. Wenn der Nektarstrom der Meditation über mich sämtliche Prägungen abgewaschen hat, schauen sie mich allein in ihrem Selbst: als Bewusstsein, das die Fülle der Gegenstände in sich aufnimmt.

Zur vollständigen Übersetzung: 14.18

45. Durch einen Geist, der Trennungen aufgegeben hat und wellenlos geworden ist, werde ich erkannt. Werde ich hingegen begrifflich zerteilt, so bin ich zwar unmittelbar gegenwärtig, werde aber vergessen.

Zur vollständigen Übersetzung: 14.21

46. Meine Gestalt leuchtet stets ungehindert. Den innerlich Reinen ist sie auch dann unmittelbar gegenwärtig, wenn die Aufmerksamkeit von einem Gegenstand zum anderen wandert.

Zur vollständigen Übersetzung: 14.24

47. Und wie könnte er beim Aussprechen eines Satzes von einem Laut zum nächsten gelangen, wenn er dazwischen nicht in mir als reinem Bewusstsein ruhte?

Zur vollständigen Übersetzung: 14.27

48. So bin ich rein und frei, auch wenn ich von einer bestimmten Form gefärbt erscheine. Zwischen dem Aufgeben dieser Form und dem Übergang zu einer anderen leuchte ich als reine Gegenwart.

Zur vollständigen Übersetzung: 14.28

49. Was man im Inneren erfährt, ohne im Denken ein Meditationsobjekt zu ergreifen und ohne einen äußeren Gegenstand zu berühren, ist meine ungetrübte Gestalt.

Zur vollständigen Übersetzung: 14.30

50. Was durch Licht und Dunkelheit hindurch unverändert bleibt und im Dasein wie im Nichtdasein leuchtet, ist mein unvermischter Leib.

Zur vollständigen Übersetzung: 14.31

51. Wie das Licht der Sonne offenbar gemacht, aber nicht erst erzeugt wird, so wird auch die Bewusstseinsgestalt durch Erscheinungen offenbar, jedoch nicht erzeugt.

Zur vollständigen Übersetzung: 14.34

52. Wie die Sonne unabhängig von den Gegenständen am Himmel aufgeht, so leuchtet meine Gestalt auch ohne Erkenntnisgegenstände aus sich selbst.

Zur vollständigen Übersetzung: 14.35

53. Raum, Zeit, Tätigkeit und Gestalt gelten als Gründe der Unterscheidung. Woher sollte aber eine Teilung des Bewusstseins kommen, das all diese Unterschiede erkennt?

Zur vollständigen Übersetzung: 14.41

54. Niemand vermag die Gegenwart meines Bewusstseins aufzuheben. Selbst die Erwägung seines Nichtseins ist Bewusstsein dieses Nichtseins.

Zur vollständigen Übersetzung: 50.152

Mantra, innere Verehrung und Sammlung

55. Mein Kern ist Leuchten und Glückseligkeit; ich bin die höchste Mutter aller Mantras, die gebärende Kraft der Laute, frei von Aufgang und Untergang.

Zur vollständigen Übersetzung: 18.18

56. Erkenne mich als Mutter der Mantras, als Spenderin von Erfahrungserfüllung und Befreiung. Aus mir allein, dem Ozean des Bewusstseins, steigen die Wellen der Mantras auf.

Zur vollständigen Übersetzung: 18.37

57. Auf mich gestützt entfalten sie sich und gehen immer wieder in mir unter. Sie besitzen Klangkörper, schön durch die Fülle von Bewusstsein und Glückseligkeit.

Zur vollständigen Übersetzung: 18.38

58. Diese göttliche große Wirklichkeitsmacht, die Fünfheit der Mantras, besteht aus mir. Wer durch Verehrung, Wiederholung und Meditation ganz bei ihr Zuflucht nimmt, erlangt seine eigene zu Vishnu gehörende Wirklichkeit und erreicht das höchste Brahman.

Zur vollständigen Übersetzung: 24.76

59. Empfange diese meine Erklärung mit stets aufmerksamem Geist, vertrauensvoll, hingegeben und ehrerbietig herangetreten.

Zur vollständigen Übersetzung: 27.7

60. Beim Berühren einer Perle meditiere man das Aufleuchten des Mantraherrn, beim Weitergehen sein Aufgehen im Herzen. So wiederhole der Verständige.

Zur vollständigen Übersetzung: 40.16

61. Auch sämtliche Lehrsysteme prüfe er mit unanhaftendem Geist durch eigene Einsicht zur Reinigung seiner inneren Haltung.

Zur vollständigen Übersetzung: 40.101

62. Man handle jeweils so, wie man es vermag. Die Verehrung aber gebe man nicht auf; selbst eine Handvoll Wasser bringe man dar.

Zur vollständigen Übersetzung: 40.108

63. Wo kein begrenzter Meditationsgegenstand mehr besteht, dort ist meine deutliche Gestalt: nicht gegenständlich erkennbar, unbegrenzt.

Zur vollständigen Übersetzung: 43.20

64. Nachdem er mit dem Geist als Opferkelle Elemente, Sinne, Welten und anderes geopfert hat, wirft er auch die Kelle hinein; der Yogi wird zu mir.

Zur vollständigen Übersetzung: 43.23

65. Dieses Bewusstsein wird durch nichts anderes begrenzt; es ist mein unbefleckter Leib. Weder Nichtsein noch Sein liegen außerhalb des Bewusstseins.

Zur vollständigen Übersetzung: 43.25

66. so sammeln die Yogis mich als die Eine in allen Zuständen. Wohin der Geist auch geht, dort meditiere man Lakshmi.

Zur vollständigen Übersetzung: 43.30

67. Ist der Geist gemeistert, hat er die Welt gemeistert. Ist der Geist gemeistert, öffnet sich meine reine Gestalt von selbst.

Zur vollständigen Übersetzung: 43.94

68. Schwer zu zügeln, schwer zu halten, fein, schwer erkennbar und ausschweifend ist dieser unstete Geist, Shakra. Durch Wunschlosigkeit und Übung wird er gehalten.

Zur vollständigen Übersetzung: 43.97

69. Dort besteht die Lautfolge in Unterscheidungen wie den fünfzig Lauten. Wer diesen Aufstieg und Abstieg unablässig betrachtet und in Klang-Brahman eintaucht, erreicht das jenseits des Klanges.

Zur vollständigen Übersetzung: 51.32

70. Ich bin das ewige Ichbewusstsein aller Wesen. Durch Aufstieg und Abstieg bringe ich die Welt zur Verwirklichung.

Zur vollständigen Übersetzung: 51.10

71. Vom ersten Trägerort bis zum Lotus am Zwölferende ausgebreitet, meditiere man mich als eine einzige Lampe im Körper, als ursprüngliche höchste Kraft.

Zur vollständigen Übersetzung: 55.5

72. Aus Erkenntnis bringe man Gaben hervor und verehre damit die höchste Herrin: Gaben aus Brahmans Seligkeit, aus mir bestehend und frei von Fehlern.

Zur vollständigen Übersetzung: 55.17

Wohlwollen, Hingabe und Zuflucht

73. Das Förderliche bedeutet Wohlwollen gegenüber allen Wesen, gegründet in der Gewissheit, dass ich im Inneren aller Erscheinungen wohne.

Zur vollständigen Übersetzung: 17.66

74. Wie mir gegenüber verhalte man sich allen Wesen gegenüber wohlwollend. Entsprechend unterlasse man auch das ihnen Widerstreitende.

Zur vollständigen Übersetzung: 17.67

75. Wer von ihm beschützt wird, gibt den Besitzanspruch auf die Frucht auf und überantwortet alles Keshava. Dies heißt Selbstübergabe.

Zur vollständigen Übersetzung: 17.74

76. Gegenüber den vier Arten der Lebewesen übe er beständig Nichtschädigung. Stets mit den Tugenden des Selbst ausgestattet, halte er sich an die Kennzeichen des Dharma.

Zur vollständigen Übersetzung: 27.31

77. Mit einem Geist ohne Begehrlichkeit durchgehe er die Lehrsysteme und nehme hier und dort so viel Erkenntnis auf, wie dem Ziel dient.

Zur vollständigen Übersetzung: 27.33

78. Er verunglimpfe die Lehrschriften nicht, sondern gehe den Erkenntnisgründen nach. Seine täglichen Pflichten vollziehe er regelgerecht, nach der in den Schriften dargelegten Folge der Handlungen.

Zur vollständigen Übersetzung: 27.34

79. Stets den fünf Tagesabschnitten und den fünf Opfern hingegeben, schmücke er sich mit Selbstbeherrschung, Freigebigkeit, Wahrhaftigkeit und Gewaltlosigkeit.

Zur vollständigen Übersetzung: 27.36

80. Sorgfältig verwirkliche er diese Lautkraft auf dem vorgeschriebenen Weg. Mit heiterem Geist wirke er beständig für das eigene Wohl und das Wohl anderer.

Zur vollständigen Übersetzung: 27.37

81. Er wünsche allein die höchste Erfüllung und meide das Streben nach außergewöhnlichen Machtentfaltungen. Durch Denken, Blick und Sprache sei er allen Wesen heilsam.

Zur vollständigen Übersetzung: 27.38

82. Mit Handeln, Denken und Sprechen nehme er beständig Zuflucht zu Janardana, dem Gott der Götter, und zu mir, die ich seine Eigenschaften teile.

Zur vollständigen Übersetzung: 27.41

83. Sieht er eine vorzügliche Frau voller Tugenden, Schönheit und Jugend, denke er mit begehrlichkeitsfreiem Geist allein an mich.

Zur vollständigen Übersetzung: 27.44

84. Gegenüber Frauen sei sein Geist stets geduldig; niemals spreche er verletzend. Er vermeide Übergriffe und grüble nicht über bereits Geschehenes.

Zur vollständigen Übersetzung: 27.45

85. Mir hingegeben, mein Wohlgefallen suchend, mich verehrend und ganz auf mich ausgerichtet, erreicht er die höchste Wohnstatt, jene höchste Stätte Vishnus.

Zur vollständigen Übersetzung: 27.48

86. Dies ist die feste Grundlage der Vedakenner, dies das Ziel der Tantrakenner: Mit diesem Hymnus soll der Mensch beständig Zuflucht zu mir nehmen.

Zur vollständigen Übersetzung: 50.211

87. Er bedenke den Sinn des Hymnus und rezitiere ihn lange. Wenn sein Geist Klarheit erlangt hat, nehme er Zuflucht zu mir als seinem Ziel.

Zur vollständigen Übersetzung: 50.212

88. „Feindseligkeit habe ich aufgegeben und mich dem Wohlwollen gegenüber allen Wesen zugewandt, nach meiner Kraft und Einsicht.

Zur vollständigen Übersetzung: 50.214

89. Wenn sie dir gnädig ihr Antlitz zuwendet, wird sie dich zu ihrer eigenen Wohnstatt führen. Die Göttin schenkt das ersehnte Ziel; auch den noch von Wünschen Erfüllten gewährt sie ihre Wünsche.

Zur vollständigen Übersetzung: 1.47

90. Göttin, sei mein Weg! Lotusgeborene, sei meine Zuflucht! Verbrenne all mein Unheil und nähre meinen auf dich gerichteten Geist!“

Zur vollständigen Übersetzung: 50.221

Gnade, Erkenntnis und Befreiung

91. Er gelangt zum Gleichgewicht der karmischen Kräfte, gründet sich auf reines Handeln, gewinnt Vedanta-Erkenntnis und widmet sich Sankhya und Yoga.

Zur vollständigen Übersetzung: 13.12

92. Durch rechte Einsicht in die Sattvata-Lehre entfaltet er wahre Hingabe an Vishnu. Im Verlauf langer Zeit schüttelt der Yogi die angesammelten Kleshas ab.

Zur vollständigen Übersetzung: 13.13

93. Er wirft die vielfältigen Bindungen ab, leuchtet immer heller und erreicht das höchste Brahman, dessen Wesen Lakshmi und Narayana sind.

Zur vollständigen Übersetzung: 13.14

94. Dies ist meine fünfte Kraft, die Gnade. Meine eigene Freiheit allein ist die Ursache meiner Tätigkeiten, beginnend mit Verhüllung.

Zur vollständigen Übersetzung: 13.15

95. Ein einziges Bewusstsein ist mein Wesen, ganz erfüllt von Klarheit und Freiheit. Sämtliche Verwirklichungen der Lebewesen in der Welt beruhen auf mir.

Zur vollständigen Übersetzung: 13.21

96. Auf dem Grund meines eigenen Selbst lasse ich aus freiem Willen die ganze Welt erscheinen. Diese Welten leuchten in mir auf wie Vögel, die sich im Wasser spiegeln.

Zur vollständigen Übersetzung: 13.22

97. Wenn er durch die Verbindung mit reiner Erkenntnis seine Einschränkung aufgibt, leuchtet er auf, von allen Seiten von Bindung befreit.

Zur vollständigen Übersetzung: 13.31

98. Durch die Verbindung mit Erkenntnis und Tatkraft erkennt und vollzieht er alles. Da keine Einschränkung mehr besteht, ist er nicht länger begrenzt und wird fähig, mein Sein zu erlangen.

Zur vollständigen Übersetzung: 13.32

99. Er gelangt zur Wirklichkeit der Erkenntnis, löst durch Yoga seine Bindungen auf und findet mich, Lakshmi selbst, die ganz höchste Glückseligkeit ist.

Zur vollständigen Übersetzung: 14.58

100. Der Entsagende erreicht Brahman Narayana und mich allein durch Erkenntnis. Für die Einsichtigen gibt es keinen anderen Weg zu diesem Ziel als Erkenntnis.

Zur vollständigen Übersetzung: 15.11

101. Diese Erkenntnis entsteht aus Unterscheidung, ist in jeder Hinsicht rein und unversehrt, hat Vasudeva allein zum Gegenstand und bewirkt, dass es keine Wiedergeburt mehr gibt.

Zur vollständigen Übersetzung: 15.12

102. Diese durchdringende Erkenntnis habe ich dir als Sankhya-Sicht erläutert. Durch solches Unterscheiden sind die Sankhya-Weisen zu meinem Sein gelangt.

Zur vollständigen Übersetzung: 16.29

103. Für die Kenner des wahren Brahman besteht dieses Ruhen in unmittelbarer Schau, ohne Trennung von Meditierendem und Meditationsgegenstand, hervorgegangen aus meiner Gnade.

Zur vollständigen Übersetzung: 16.32

104. Wenn ein Mensch mit ungeteilter Ausrichtung bei mir Zuflucht sucht, führe ich ihn durch mich selbst zu mir selbst und befreie ihn von sämtlichen Unreinheiten.

Zur vollständigen Übersetzung: 16.44

105. [Schlussvers der Vorlage unnummeriert.] So wurde diese höchste, unmittelbar erkenntnisartige Weihe erklärt. Ohne Erkenntnis gilt nichts anderes als das, was Menschen hinüberführt.

Zur vollständigen Übersetzung: 49.149

106. Sei gewiss: „Hari mit Shri wird diejenigen beschützen, die Zuflucht nehmen.“ Lege dich selbst und alles Eigene vollständig zu den Füßen des Herrn der Shri nieder.

Zur vollständigen Übersetzung: 57.44

107. Mein Körper besteht aus Erkenntnis und wohnt in Vishnus Herzen. Dies ist heilige Selbsterkenntnis, dies ist höchste Yogaerkenntnis.

Zur vollständigen Übersetzung: 50.69

108. Stets liebe ich Hari und bin bei meinen Verehrern zufrieden. Ohne naturgebundene Genüsse bin ich aus mir selbst ewig erfüllt.

Zur vollständigen Übersetzung: 50.102

Konkordanz der 108 Verse

Auswahl-Nr. Kapitel Originalvers
1 1 1
2 1 37
3 1 38
4 1 43
5 2 1
6 2 6
7 2 8
8 2 10
9 2 13
10 2 14
11 2 15
12 2 25
13 3 1
14 3 2
15 4 1
16 27 3
17 27 4
18 50 70
19 2 28
20 2 29
21 2 56
22 3 14
23 3 15
24 3 26
25 3 28
26 4 6
27 4 7
28 4 26
29 5 52
30 5 53
31 28 3
32 28 4
33 51 25
34 50 62
35 50 180
36 52 2
37 14 5
38 14 7
39 14 8
40 14 10
41 14 12
42 14 15
43 14 16
44 14 18
45 14 21
46 14 24
47 14 27
48 14 28
49 14 30
50 14 31
51 14 34
52 14 35
53 14 41
54 50 152
55 18 18
56 18 37
57 18 38
58 24 76
59 27 7
60 40 16
61 40 101
62 40 108
63 43 20
64 43 23
65 43 25
66 43 30
67 43 94
68 43 97
69 51 32
70 51 10
71 55 5
72 55 17
73 17 66
74 17 67
75 17 74
76 27 31
77 27 33
78 27 34
79 27 36
80 27 37
81 27 38
82 27 41
83 27 44
84 27 45
85 27 48
86 50 211
87 50 212
88 50 214
89 1 47
90 50 221
91 13 12
92 13 13
93 13 14 (Vorlage irrtümlich: 44)
94 13 15
95 13 21
96 13 22
97 13 31
98 13 32
99 14 58
100 15 11
101 15 12
102 16 29
103 16 32
104 16 44
105 49 149 (unnummerierter Schlussvers)
106 57 44
107 50 69
108 50 102


Wichtige Mantras des Lakshmi Tantra

Die folgenden Anrufungen sind im vorhandenen Grundtext vollständig ausgeschrieben. Die Sammlung hebt zentrale Anrufungen, den Om-Mantra, die Vishnu-Formeln und den großen Wortmantra hervor. Sie enthält keine spekulativ aus Lautcodes ergänzten Folgen; weitere verschlüsselte Glieder- und Nebenmantras sind in den betreffenden Kapiteln dokumentiert.

Verehrung Lakshmi-Narayanas

namo nityānavadyāya jagataḥ sarvahetave |
jñānāya nistaraṅgāya lakṣmīnārāyaṇātmane ||

नमो नित्यानवद्याय जगतः सर्वहेतवे |
ज्ञानाय निस्तरङ्गाय लक्ष्मीनारायणात्मने ||

Bedeutung: Verehrung der ewig makellosen Wirklichkeit, dem allumfassenden Ursprung der Welt: dem stillen, wellenlosen Bewusstsein, dessen Wesen Lakshmi und Narayana sind.

Textstelle: 1.1; die Anrufung kehrt am Ende von 57.55 wieder.

Spiritueller Sinn: Schon die Eingangsverehrung richtet den Blick auf das höchste Bewusstsein und nennt Lakshmi und Narayana gemeinsam. Sie eignet sich als meditativer Leitgedanke beim Lesen des Werkes.

Anrufung Vasudevas

oṃ namo vāsudevāya tasmai śrīryasya sā priyā ||

ओं नमो वासुदेवाय तस्मै श्रीर्यस्य सा प्रिया ||

Bedeutung: Om, Verehrung jenem Vasudeva, dessen Geliebte Shri ist.

Textstelle: 57.54, zweite Vershälfte des erhaltenen Zusatztextes.

Spiritueller Sinn: Der Gruß an Vasudeva erinnert zugleich an seine Beziehung zu Shri. Wiedergegeben ist die vollständige Anrufungszeile, nicht nur ihr bekannter Anfang.

Anrufung der Gemahlin Vishnus

oṃ namo viṣṇupatnyai ca yasyā nārāyaṇaḥ priyaḥ |

ओं नमो विष्णुपत्न्यै च यस्या नारायणः प्रियः |

Bedeutung: Om, und Verehrung der Gemahlin Vishnus, deren Geliebter Narayana ist.

Textstelle: 57.55, erste Verszeile des erhaltenen Zusatztextes.

Spiritueller Sinn: Diese Zeile antwortet auf die vorhergehende Vasudeva-Anrufung. Die beiden Anrufungen zeigen die wechselseitige Beziehung, die der gesamte Text entfaltet. Das „und“ gehört zum überlieferten Zusammenhang.

Om – der hinüberführende Laut

oṃ
ओं

Bedeutung und Funktion: Om ist hier der ursprüngliche, zu Brahman hinüberführende Laut. Der Text verbindet seine Bestandteile mit den Vyuhas und sein Verklingen mit Lakshmi–Narayana.

Textstelle: 24.6–11. Die Schreibung ओं entspricht der verwendeten Devanagari-Datei.

Spiritueller Sinn: Klang, fortdauerndes Hören und Stille gehören in dieser Betrachtung zusammen. Die weitergehenden Nyasa- und Konzentrationsanweisungen des Kapitels stehen im traditionellen Einweihungszusammenhang.

Drei Vishnu-Anrufungen

Die drei Formeln werden in 24.68 genannt; 24.70 schreibt ausdrücklich die Verbindung mit Om vor. Die folgende zusammengezogene Schreibweise setzt diese ausgeschriebene Anweisung um.

IAST Devanagari Deutsche Bedeutung
oṃ viṣṇave namaḥ ओं विष्णवे नमः Om, Verehrung Vishnu.
oṃ namo nārāyaṇāya ओं नमो नारायणाय Om, Verehrung Narayana.
oṃ namo bhagavate vāsudevāya ओं नमो भगवते वासुदेवाय Om, Verehrung dem erhabenen Vasudeva.

Textstelle: 24.68, 24.70–76; mit zusätzlichen Keimsilben auch in 44.16.

Spiritueller Sinn: Die Namen wenden den Geist dem allgegenwärtigen Herrn zu. Gemeinsam mit Om und der folgenden Anrufung bilden sie die im Text beschriebene Fünfheit der umfassenden Mantras.

Anrufung des Lotusäugigen

jitaṃ te puṇḍarīkākṣa namaste viśvabhāvana |
namaste'stu hṛṣīkeśa mahāpuruṣa pūrvaja ||

जितं ते पुण्डरीकाक्ष नमस्ते विश्वभावन |
नमस्तेऽस्तु हृषीकेश महापुरुष पूर्वज ||

Bedeutung: Sieg ist dein, Lotusäugiger! Verehrung dir, Hervorbringer der Welt! Verehrung sei dir, Herr der Sinne, großer Purusha, Erstgeborener!

Textstelle: 24.69; 24.70 ordnet auch diese Anrufung dem Om zu. Die hier zitierte Strophe selbst ist unverändert wiedergegeben. Sie begegnet erneut im großen Wortmantra von 44.16.

Spiritueller Sinn: Der Lobpreis verbindet die persönliche Anrede Vishnus mit seiner schöpferischen und innerlich lenkenden Gegenwart.

Hamsa – der benennende Mantra

haṃsaḥ
हंसः

Bedeutung und Funktion: Hamsa bedeutet wörtlich Gans beziehungsweise Schwan und dient hier als Name des göttlichen Selbst. Seine Lautglieder werden als Narayana und Shri, Erfahrender und Erfahrbares sowie Feuer und Soma betrachtet. Die Deutung als „Ich bin das“ wird hier nicht als wörtliche Übersetzung in die Quelle hineingetragen.

Textstelle: 24.54–63; die vollständig ausgeschriebene Form steht auch am Anfang von 44.16.

Spiritueller Sinn: Der Text verbindet diesen Mantra mit dem Lebenshauch und einer beständigen inneren Wiederholung. Die konkrete Atem- und Einsetzungspraxis gehört zum überlieferten Lehrzusammenhang.

Gebet an die Mantramutter

padmasthe padmanilaye padme padmākṣavallabhe |
sarvatattvakṛtādhāre mantrāṇāṃ jananīśvari ||
vyākuru tvaṃ paraṃ divyaṃ rūpaṃ lakṣmīmayaṃ mama |

पद्मस्थे पद्मनिलये पद्मे पद्माक्षवल्लभे |
सर्वतत्त्वकृताधारे मन्त्राणां जननीश्वरि ||
व्याकुरु त्वं परं दिव्यं रूपं लक्ष्मीमयं मम |

Bedeutung: Du auf dem Lotus, im Lotus Wohnende, Lotusgöttin, Geliebte des Lotusäugigen, Trägerin aller Wirklichkeitsprinzipien, Mutter und Herrin der Mantras! Offenbare mir die höchste göttliche Gestalt, die aus Lakshmi besteht.

Textstelle: 23.32–33a. Das Gebet endet innerhalb von Vers 33; dessen zweite Hälfte setzt die Ritualanweisung fort und gehört nicht zum Gebet.

Spiritueller Sinn: Die Mantramutter wird um Offenbarung angerufen. Das Gebet steht vor der Erhebung und Weitergabe eines Mantras durch den Lehrer.

Verehrung des Gurus

ajñānagahanālokasūryasomāgnimūrtaye |
duḥkhatrayāgnisaṃtāpaśāntaye gurave namaḥ ||

अज्ञानगहनालोकसूर्यसोमाग्निमूर्तये |
दुःखत्रयाग्निसंतापशान्तये गुरवे नमः ||

Bedeutung: Verehrung dem Guru, dessen Gestalt als Sonne, Mond und Feuer das Dickicht der Unwissenheit erhellt und die Qual des Feuers der drei Leiden zur Ruhe bringt.

Textstelle: 41.64, im Zusammenhang der Verehrung des Lehrers nach der Einweihung.

Spiritueller Sinn: Der Guru wird als Vermittler von Erkenntnis und Befreiung geehrt. Das Bild vereint erhellende, kühlende und verwandelnde Kraft.

Der große Wortmantra der Tarika

Traditionell initiationsgebunden; hier zur Textdokumentation und zum Verständnis des Werkes wiedergegeben.

Textstelle: 44.16, erste Zählung, samt anschließender Mantraprosa bis vor 44.16, zweite Zählung. Der Text verlangt ausdrücklich den Empfang durch einen Guru nach der Einweihung. Die Dreiermarkierungen und ungewöhnlichen Wortformen der elektronischen Vorlage bleiben bewahrt. Die Wiedergabe ist keine neu hergestellte Rezitationsfassung.

IAST:

oṃ 3, hrīṃ 3, śrīṃ 3 oṃ āṃ 3 hauṃ 3 haṃsaḥ 3 oṃ hrīṃ śrīṃ namo viṣṇave |
oṃ hrīṃ śrīṃ namo nārāyaṇāya |
oṃ hrīṃ śrīṃ namo bhagavate vāsudevāya |
oṃ hrīṃ śrīṃ

jitaṃ te puṇḍarīkākṣa namaste viśvabhāvana |
namaste'stu hṛṣīkeśa mahāpuruṣa pūrvaja || 44-16 ||

oṃ hrīṃ śrīṃ bhagavan viṣṇo nārāyaṇa vāsudeva puṇḍarīkākṣa lakṣmīpate puruṣottama jagadāde jaganmadhya jagannidhana śrīnivāsa bhagavantamabhigacchāmi |


bhagavantaṃ prapadye |
bhagavantaṃ gato'smi |
bhagavantamabhyarthaye |
bhagavadanudhyāto'ham |
bhagavatparikarabhūto'ham |
bhagavadanujñāto'ham |
bhagavati sṛṣṭo'ham |
bhagavatprasādāt bhagavanmayīṃ bhagavatīṃ tārikāmayīṃ lakṣmīṃ padairāvartayiṣyāmi |
tadyathā oṃ śrīṃ hrīṃ gurubhyo gurupatnībhyaḥ |
oṃ śrīṃ hrīṃ paramagurubhyaḥ paramagurupatnībhyaḥ |
oṃ hrīṃ śrīṃ parameṣṭhine parameṣṭhinyai |
oṃ hrīṃ śrīṃ pūrvasiddhebhyaḥ pūrvasiddhābhyaḥ |
oṃ hrīṃ śrīṃ lakṣmīyogibhyo lakṣmīyoginībhyo namo namaḥ |


oṃ hrīṃ śrīṃ īṃ namaḥ saṃsiddhisamṛddhyādipradāyai paramaikarasyāyai paramahaṃsi samastajanavāṅmanasasvātmātivartinyai nirārambhastimitanirañjanaparamānandasaṃdohamahārṇavasvarūpe paraparāyai viṣṇuviṣṇupatnyai viviṣṇu īṃ svāhā |


oṃ hrīṃ śrīṃ īṃ namo nirantaraprathamānaprathamasāmarasyāyai svasvātantryasamunmiṣitanimiṣonmeṣaparaṃparārambhe svacchandaspandamānavijñānavāridhaye parasūkṣmāyai viṣṇupatnyai māyāyai īṃ svāhā |


oṃ śrīṃ hrīṃ śrīṃ īṃ namaḥ svasaṃkalpabalasamunmīlitabhagavadvyāptibhāvasvabhāve svecchāveśavijṛmbhamāṇasattāvibhūtimūrtikāracaturaguṇagrāmayuga-trikamahormijālāyai viṣṇupatnyai pañcabindave īṃ svāhā |


oṃ hrīṃ śrīṃ hiṃ hiṃ hiṃ namo nityoditamahānandaparamasundarabhagavadvigrahaprakāśe vividhasiddhāñjanāspade ṣāḍguṇyaprasaramayaparamasattvarūpaparamavyomaprabhāve vicitrānandanirmalasundarabhogajālaprakārapariṇāmapravīṇasvabhā-vāyai paramasūkṣmasthūlarūpasūkṣmāyai viṣṇupatnyai pañcabindave hiṃ hiṃ hiṃ svāhā |


oṃ hrīṃ śrīṃ āṃ hrīṃ hrīṃ hrīṃ namaḥ svasaṃkalpasamīraṇasamīryamāṇabahuvidhajīvakośadṛṣatpuñjāyai kalitakālakālyavikalpabhedaphenapiṇḍanivahāyai vilāsanidarśitabhoktṛbhogyabhogopakaraṇabhogasaṃpadekamahāsindhave paramasūkṣmasthūlarūpasthūlāyai viṣṇupatnyai pañcabindave hrīṃ hrīṃ hrīṃ svāhā |


oṃ hrīṃ śrīṃ namaḥ samastajagadupakārasvīkṛtabuddhimano'ṅgapratyaṅgasundarāyai vidhācatuṣṭayasamunmeṣitasamastajanalakṣmīkīrtijayāmāyāprabhā-vātmasamastasaṃpadekanidhaye samastaśakticakrasūtradhārāyai samastajanabhogasaubhāgyadāyini vividhaviṣayopaplavapraśamani nārāyaṇāṅkasthitāyai oṃ hrīṃ śrīṃ namo nārāyaṇāya lakṣmīnārāyaṇābhyāṃ svāhā |
śrīṃ hrīṃ oṃ |


Devanagari:

ओं ३, ह्रीं ३, श्रीं ३ ओं आं ३ हौं ३ हंसः ३ ओं ह्रीं श्रीं नमो विष्णवे |
ओं ह्रीं श्रीं नमो नारायणाय |
ओं ह्रीं श्रीं नमो भगवते वासुदेवाय |
ओं ह्रीं श्रीं

जितं ते पुण्डरीकाक्ष नमस्ते विश्वभावन |
नमस्तेऽस्तु हृषीकेश महापुरुष पूर्वज || ४४-१६ ||

ओं ह्रीं श्रीं भगवन् विष्णो नारायण वासुदेव पुण्डरीकाक्ष लक्ष्मीपते पुरुषोत्तम जगदादे जगन्मध्य जगन्निधन श्रीनिवास भगवन्तमभिगच्छामि |


भगवन्तं प्रपद्ये |
भगवन्तं गतोऽस्मि |
भगवन्तमभ्यर्थये |
भगवदनुध्यातोऽहम् |
भगवत्परिकरभूतोऽहम् |
भगवदनुज्ञातोऽहम् |
भगवति सृष्टोऽहम् |
भगवत्प्रसादात् भगवन्मयीं भगवतीं तारिकामयीं लक्ष्मीं पदैरावर्तयिष्यामि |
तद्यथा ओं श्रीं ह्रीं गुरुभ्यो गुरुपत्नीभ्यः |
ओं श्रीं ह्रीं परमगुरुभ्यः परमगुरुपत्नीभ्यः |
ओं ह्रीं श्रीं परमेष्ठिने परमेष्ठिन्यै |
ओं ह्रीं श्रीं पूर्वसिद्धेभ्यः पूर्वसिद्धाभ्यः |
ओं ह्रीं श्रीं लक्ष्मीयोगिभ्यो लक्ष्मीयोगिनीभ्यो नमो नमः |


ओं ह्रीं श्रीं ईं नमः संसिद्धिसमृद्ध्यादिप्रदायै परमैकरस्यायै परमहंसि समस्तजनवाङ्मनसस्वात्मातिवर्तिन्यै निरारम्भस्तिमितनिरञ्जनपरमानन्दसंदोहमहार्णवस्वरूपे परपरायै विष्णुविष्णुपत्न्यै विविष्णु ईं स्वाहा |


ओं ह्रीं श्रीं ईं नमो निरन्तरप्रथमानप्रथमसामरस्यायै स्वस्वातन्त्र्यसमुन्मिषितनिमिषोन्मेषपरंपरारम्भे स्वच्छन्दस्पन्दमानविज्ञानवारिधये परसूक्ष्मायै विष्णुपत्न्यै मायायै ईं स्वाहा |


ओं श्रीं ह्रीं श्रीं ईं नमः स्वसंकल्पबलसमुन्मीलितभगवद्व्याप्तिभावस्वभावे स्वेच्छावेशविजृम्भमाणसत्ताविभूतिमूर्तिकारचतुरगुणग्रामयुग-त्रिकमहोर्मिजालायै विष्णुपत्न्यै पञ्चबिन्दवे ईं स्वाहा |


ओं ह्रीं श्रीं हिं हिं हिं नमो नित्योदितमहानन्दपरमसुन्दरभगवद्विग्रहप्रकाशे विविधसिद्धाञ्जनास्पदे षाड्गुण्यप्रसरमयपरमसत्त्वरूपपरमव्योमप्रभावे विचित्रानन्दनिर्मलसुन्दरभोगजालप्रकारपरिणामप्रवीणस्वभा-वायै परमसूक्ष्मस्थूलरूपसूक्ष्मायै विष्णुपत्न्यै पञ्चबिन्दवे हिं हिं हिं स्वाहा |


ओं ह्रीं श्रीं आं ह्रीं ह्रीं ह्रीं नमः स्वसंकल्पसमीरणसमीर्यमाणबहुविधजीवकोशदृषत्पुञ्जायै कलितकालकाल्यविकल्पभेदफेनपिण्डनिवहायै विलासनिदर्शितभोक्तृभोग्यभोगोपकरणभोगसंपदेकमहासिन्धवे परमसूक्ष्मस्थूलरूपस्थूलायै विष्णुपत्न्यै पञ्चबिन्दवे ह्रीं ह्रीं ह्रीं स्वाहा |


ओं ह्रीं श्रीं नमः समस्तजगदुपकारस्वीकृतबुद्धिमनोऽङ्गप्रत्यङ्गसुन्दरायै विधाचतुष्टयसमुन्मेषितसमस्तजनलक्ष्मीकीर्तिजयामायाप्रभा-वात्मसमस्तसंपदेकनिधये समस्तशक्तिचक्रसूत्रधारायै समस्तजनभोगसौभाग्यदायिनि विविधविषयोपप्लवप्रशमनि नारायणाङ्कस्थितायै ओं ह्रीं श्रीं नमो नारायणाय लक्ष्मीनारायणाभ्यां स्वाहा |
श्रीं ह्रीं ओं |


Deutsche Bedeutung: Der Wortmantra eröffnet mit heiligen Keimsilben und den Vishnu-Anrufungen. Es folgt die Hinwendung zu Vishnu, Narayana und Vasudeva als Anfang, Mitte und Ende der Welt, danach die Verehrung der Lehrer und Lehrerinnen sowie früherer Vollendeter. Die folgenden Anrufungen preisen Lakshmi als Ozean höchsten Bewusstseins, als frei sich entfaltende Kraft, als Ursprung der sechs göttlichen Eigenschaften und als Trägerin der Welt und aller Erfahrung. Der Schluss verehrt sie auf Narayanas Schoß und bringt beiden die Gabe dar. Die vollständige deutsche Sinnübersetzung aller Anrufungen steht oben bei 44.16. Die reinen Keimsilben besitzen keine eigenständige wörtliche deutsche Übersetzung.

Spiritueller Sinn: Der Mantra verdichtet die gesamte Theologie der Schrift: Lakshmi und Narayana, Lehrerüberlieferung, Bewusstsein, göttliche Eigenschaften und Weltentfaltung werden in einer zusammenhängenden Verehrung vergegenwärtigt.

Belegte Keimsilben und verschlüsselte Mantralehre

Die im großen Wortmantra ausdrücklich geschriebenen Formen umfassen oṃ (ओं), hrīṃ (ह्रीं), śrīṃ (श्रीं), āṃ (आं), hauṃ (हौं), īṃ (ईं) und hiṃ (हिं). Dies ist ein Nachweis ihres Vorkommens in 44.16, keine Anweisung, sie aus dem Mantra herauszulösen oder frei zu kombinieren. Ihre Funktion erschließt sich aus der Laut- und Kräftelehre; eine erfundene wörtliche Übersetzung wäre irreführend.

Die Kapitel 23–33 und 44–49 beschreiben zahlreiche weitere Mantras durch Lautnamen, Einsetzungsregeln und Verweise auf frühere Formeln. Kapitel 50 deutet zudem die Namen des Shri Sukta und nennt Silbenzahlen der daraus gebildeten Anrufungen. Diese verschlüsselten beziehungsweise abgeleiteten Formen werden in der Übersetzung erklärt und in den Sanskritartikeln vollständig bewahrt; sie werden hier nicht als vermeintlich sicher rekonstruierte Rezitationsliste ausgegeben.

Fünf zentrale Lehren des Lakshmi Tantra

  1. Lakshmi und Narayana gehören untrennbar zusammen. Der Text beschreibt sie als Seienden und Sein, als Ich-Wirklichkeit und Ich-Sein. Die Unterscheidung führt nicht zur Trennung. Das Bild von Mond und Mondschein hilft, diese Beziehung zu betrachten (2.11–19; 15.9–10).
  2. Die göttliche Kraft umfasst auch Erkenntnis. Lakshmi nennt Bewusstsein ihr eigenes Wesen. Ihre Shakti ist damit weit mehr als äußere Energie oder materieller Reichtum (3.1–2; 13.20–22).
  3. Bindung entsteht durch Verwechslung. Das Lebewesen hält Gegenstände, Körper und begrenzte Selbstvorstellungen für sein eigentliches Selbst. Kapitel 12 beschreibt, wie daraus Anhaften, Abneigung, Furcht und karmische Prägung entstehen (12.21–34).
  4. Gnade und Übung wirken zusammen. Die Gnade ist frei und nicht erzwingbar; zugleich beschreibt der Text Reinigung, gutes Handeln, Studium, Hingabe und Yoga als Wege zur Erkenntnis (13.8–14; 16.35–39).
  5. Erkenntnis zielt auf unmittelbare Wirklichkeit. Das höchste Bewusstsein wird nicht erst durch die Erfahrung hergestellt. Es wird offenbar, wie das Sonnenlicht sichtbar wird. Befreiende Erkenntnis ist deshalb mehr als das Ansammeln von Begriffen (14.34–39; 16.26–32).

Fünf Anregungen für heutige Aspiranten

Die folgenden Anregungen sind eine heutige Umsetzung ausgewählter Gedanken. Sie ersetzen keine Einweihung und beanspruchen nicht, die besonderen Rituale des Lakshmi Tantra vollständig wiederzugeben.

  1. Beginne mit einer Herzensfrage. Frage vor dem Studium: „Welche Erkenntnis kann mein Leben klarer, liebevoller und wahrhaftiger machen?“ Anasuya und Indra zeigen, wie ernsthaftes Fragen aus Hingabe entstehen kann (1.13–16; 1.56–59).
  2. Verbinde Japa mit aufmerksamem Hören. Wiederhole ruhig einen dir vertrauten Mantra. Nimm Klang und Stille wahr, ohne eine besondere Erfahrung erzwingen zu wollen. Die Betrachtung des Übergangs zwischen Lauten kann deine Aufmerksamkeit vertiefen (14.27–28).
  3. Bringe eine einfache innere Gabe dar. Stelle dir Lakshmi als freundliche, lichtvolle Gegenwart vor und schenke ihr gedanklich eine Blüte oder einen Dank. Bleibe danach einen Moment still. Dies greift den Zusammenhang geistiger Verehrung und göttlicher Gegenwart auf (16.33; 16.40–41).
  4. Übe Handeln ohne Festhalten an der Frucht. Wähle eine alltägliche Aufgabe, erfülle sie sorgfältig und überlasse ihren Ausgang innerlich dem Göttlichen. Das Loslassen soll die Verantwortung für dein Handeln vertiefen (15.18–22).
  5. Bemerke das „Ich“ und „Mein“ freundlich. Wenn eine Erfahrung dich stark bindet, frage: „Was nehme ich wahr, und was füge ich als Selbstbehauptung hinzu?“ Kehre anschließend zu ruhiger Aufmerksamkeit und Mitgefühl zurück. So kann die Lehre über die Kleshas alltagsnah werden (12.21–27; 14.21–24).
Gottesliebe, innere Sammlung und Erkenntnis können einander vertiefen.

Spirituelle Bedeutung des Lakshmi Tantra

Das Lakshmi Tantra zeichnet die Göttliche Mutter als Ursprung, tragende Gegenwart und befreiende Erkenntniskraft. Die Vielheit der Welt bleibt für diese Sicht in einem lebendigen Zusammenhang mit dem höchsten Göttlichen. Narayana und Lakshmi werden gemeinsam genannt, weil Sein und Kraft nicht auseinanderfallen.

Für den spirituellen Weg bedeutet das: Du darfst lieben und fragen, verehren und unterscheiden, handeln und loslassen. Die Schrift führt von der Betrachtung kosmischer Ordnungen bis zur Frage, was beim Sehen, Denken und Sprechen unmittelbar gegenwärtig ist. Ihre Antwort ist keine Aufforderung, die Welt achtlos zu behandeln. Wer dieselbe göttliche Gegenwart in den Erfahrungen erkennt, kann auch im Alltag aufmerksamer und mitfühlender werden.

Besonders deutlich verbindet 14.32 die beiden Bewegungen: Das Verlangen nach wechselnden Gegenständen kommt zur Ruhe, während das Innere durch Hingabe aufblüht. In 16.44 spricht die Göttin als Zuflucht; 50.220–221 führt diesen Gedanken bis zur Hingabe an sie als Weg und Ziel. Das geforderte Wohlwollen gegenüber allen Wesen (17.66–67) und die Gewaltlosigkeit des Lebenswandels (27.31–38) geben dieser Hingabe eine ethische Gestalt. Diese Verbindung von Klarheit und Vertrauen kann die Lektüre tragen: das Wahre sorgfältig erkennen und sich zugleich für Gnade öffnen.


Vielleicht begleitet dich nach der Lektüre besonders die Zusage aus 16.44: Wer sich der Göttin mit ungeteilter Ausrichtung anvertraut, wird von ihr zu ihr geführt. Als heutige Betrachtung kann dies bedeuten, auch die eigene Unvollkommenheit in die Hinwendung zum Göttlichen einzubeziehen. Ein ehrliches Gebet, ein aufmerksam wiederholter Mantra und eine freundliche Handlung können so Ausdruck derselben Ausrichtung werden.

Nimm aus dem Studium einen Gedanken mit in die Stille und eine gute Handlung mit in deinen Alltag. Die Verbindung von Erkenntnis, Gottesliebe und Mitgefühl lässt die Lehre lebendig werden: Lakshmis Reichtum zeigt sich dann auch als Klarheit, Vertrauen und die Bereitschaft, anderen Gutes zu tun.


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Literatur

  • Pandit V. Krishnamacharya (Hrsg.): Lakṣmītantra, mit Sanskrit-Glosse. Adyar Library and Research Center, Adyar 1959. Dies ist die in den verwendeten E-Texten bezeichnete Edition.

Textgrundlage und Hinweise zur Übersetzung

  • Lakṣmītantra, herausgegeben mit Sanskrit-Glosse von Pandit V. Krishnamacharya, Adyar Library and Research Center, Adyar 1959; Angaben nach dem Dateikopf von Muktabodha M00206.
  • Verwendeter Grundbestand: Muktabodha, lakSmItantra-M00206-IAST.txt und lakSmItantra-M00206-DEV.txt. Die E-Texte wurden von Mitarbeitenden des Muktabodha Indological Research Institute unter Leitung von Mark S. G. Dyczkowski erfasst. Die Datei nennt die Revisionen vom 5. April und 18. September 2010.
  • Zusätzlich vorliegend: lakSmItantra-M00332-IAST.txt und lakSmItantra-M00332-DEV.txt, Revision vom 15. Dezember 2015. Die Hinweise auf die großen Lücken des Zusatzteils wurden zwischen den beiden IAST-Erfassungen verglichen; eine vollständige Kollation wurde nicht durchgeführt.
  • Die Dateiköpfe weisen die elektronischen Texte als Creative Commons BY-NC 4.0 aus. Herkunft und Lizenzangabe sind bei Weiterverwendung zu erhalten. Die ursprünglichen Dateien enthalten auch Varianten und Sanskrit-Kommentare; die vorliegende Lesefassung trennt diese vom Grundtext und stellt keine neue kritische Edition dar.
  • Seitenmarker und technische Dateiköpfe wurden entfernt; Verszählung, Sprecher und Kolophone bleiben erhalten. Eingeklammerte Varianten und erklärende Glossen wurden nicht in den laufenden Sanskritgrundtext übernommen. Die ungeänderten Quelldateien bleiben die Grundlage für deren Einsicht.
  • Die Nummerierung der Quelle ist stellenweise fehlerhaft oder unvollständig, etwa 13.44 an der Position von 13.14, 32.117 an der Position von 32.65 und 50.83 an der Position von 50.183. 44.16 kommt zweimal vor; zwischen beiden Stellen steht der große Wortmantra mit längerer Prosa. Der letzte Vers von Kapitel 49 wurde in der Übersetzung als 49.149 zugeordnet. Kapitel 17 besitzt keinen eigenen erhaltenen Grundtextkolophon. Unnummerierte Verse sind erhalten. Die Sanskritartikel bewahren die Vorlagenzählung; nachvollziehbare redaktionelle Zuordnungen der Übersetzung werden ausdrücklich markiert.
  • Die deutsche Übersetzung ist eine eigenständige textnahe Lesefassung. Unsichere Lesungen und Satzanschlüsse werden lokal bezeichnet, besonders bei verschlüsselten Lautanweisungen und im beschädigten Zusatzteil. Es erfolgte keine vollständige Kollation der beiden E-Text-Erfassungen und keine Herstellung eines kritischen Textes. Übernatürliche Wirkungszusagen, soziale Rangordnungen und Weitergabebeschränkungen werden als Aussagen der historischen Schrift wiedergegeben.
  • Hauptteil: Kapitel 1–50. Zusatzteil: Kapitel 51–57 mit Lücken zu Beginn von 51, nach 55.19 und zu Beginn von 57; Kapitel 56 fehlt vollständig.

Weblinks