Ishvara Samhita Übersetzung/Teil 2

Aus Yogawiki

Ishvara Samhita Übersetzung – Kapitel 19–25

Wie wird die Verehrung nach einer Störung erneuert? Was bedeutet Einweihung, und wie prägt sie das tägliche Leben? Die Kapitel 19–25 führen von der Wiederherstellung des Gottesdienstes zu heiligen Orten, Mantra, Meditation und der Speise als Gabe. Die Unterweisung durch den Guru und die Ausrichtung auf Narayana verbinden diese Themen. Historische Ritualvorschriften, Übersetzung und heutige Praxisanregungen bleiben unterscheidbar; unsichere Lesungen sind an der jeweiligen Stelle erläutert.

Lies die ausführlichen Regeln in ihrem religiösen Zusammenhang. Die gesonderten Erläuterungen helfen dir, zwischen überlieferter Ritualpraxis und Anregungen für den eigenen Yogaweg zu unterscheiden. Als roter Faden begleitet dich die Frage, wie Hingabe durch Lernen, Üben und bewusste Lebensführung Gestalt gewinnt.

Zur Ausgabe: Einführung · Deutsche Übersetzung · Sanskrit IAST · Devanagari · 108 Verse und Mantras · Vorheriger Teil · Devanagari zu diesen Kapiteln

Kapitel 19 – Erneuerung, Wiedergutmachung und die Rückkehr zur inneren Ordnung

Dieses umfangreiche Kapitel beschreibt die Wiederherstellung beschädigter Heiligtümer und die rituelle Wiedergutmachung versäumter oder fehlerhafter Handlungen. Nārāyaṇas Gegenwart bleibt dabei der Mittelpunkt: Sie wird im Mantra, im Gottesbild und im Herzen des Lehrers verehrt. Zwischen den historisch gebundenen Reinheitsvorschriften erscheinen Hinweise auf Bhakti, Verantwortung, Übertragung und geistige Sammlung. Fassung mit dokumentierten Unsicherheiten: Alle 880 Verse sind erfasst. Einzelne unklare Lesarten und Übersetzungsstellen sind ausdrücklich gekennzeichnet.

Die Weisen fragen:

Die Frage nach Wiederherstellung und Ausgleich

19.1 Ehrwürdiger Weiser Narada, wir möchten die Ordnung der Erneuerung erfahren: Was ist zu tun, wenn ein Gottesbild von jemandem berührt wurde, dem die damalige Ritualordnung dies untersagt, oder wenn große ungünstige Vorzeichen auftreten,

19.2 und wenn die tägliche Puja oder andere Pflichten versäumt wurden? Die vollständige Ordnung der ausgleichenden Handlungen möchten wir hören. Erkläre uns all dies, o Yogin.

Nārada antwortet:

19.3 Hört, ihr Brahmanen. Ich werde die Erneuerung und die damit verbundenen Handlungen erklären. Werden sie ausgeführt, so wächst das Wohlergehen der vier Beteiligten, beginnend mit dem Lehrer.

Beschädigte Gottesbilder sorgfältig erneuern

19.4 Zuerst spreche ich über die Erneuerung an einem von Menschen errichteten Kultort. Die jeweilige Gestalt Bhagavans kann aus Metall, Ton, Stein oder Holz bestehen oder auf Stoff und anderen Bildträgern dargestellt sein.

19.5 Bei jeder solchen Gestalt, ihr großen Weisen, verbindet und repariert man beschädigte untergeordnete Teile. Ist dagegen ein Hauptteil zerstört,

19.6 nimmt man das Bild außer Gebrauch und fertigt ein neues an. Zunächst werde ich erklären, welche Teile als Hauptteile und welche als untergeordnete Teile gelten.

19.7 Hauptteile sind Kopf, Gesicht, Hals, Hände, Brust, Bauch, Nabel, Genitalbereich und Füße, ihr vortrefflichen Brahmanen.

19.8 Als untergeordnete Teile gelten Augen, Ohren, Nase, Gaumen, Finger und Zehen, Kopfhaar, Bart und Körperhaare, Nägel und Zähne,

19.9 ebenso die Waffen und Attribute, beginnend mit dem Chakra, sowie der Schmuck, etwa die Waldblumengirlande. Hört nun die besondere Regel für ein Tonbild, ihr vortrefflichen Weisen.

19.10 Bei ihm gilt das zentrale Traggestell als Hauptteil. Die Stützen von Brust und Hüfte, die Gerüstteile von Armen und Ellbogen,

19.11 Unterschenkel, Oberschenkel, Knie und die weiteren Teile gelten als untergeordnet. Selbst wenn ein Hauptteil des Gottesbildes beschädigt ist, ihr vortrefflichen Weisen,

19.12 soll man es keinesfalls aufgeben, wenn eine Wiederherstellung möglich ist. Seine Aufgabe und Zerstörung würden nach der rituellen Vorstellung nur weitere Beeinträchtigungen bewirken.

19.13 Große Gottesbilder aufzugeben, gilt als unangemessen. Ist jedoch das Gesicht zerstört, sieht der Text die Außerdienststellung des Bildes vor.

19.14 Außer Gebrauch genommene Bilder, die nicht aus Metall bestehen, werden nach der hier beschriebenen historischen Ordnung in ein tiefes Gewässer oder ins Meer versenkt,

19.15 oder je nach Ort und Zeit in der Erde bestattet, ihr Brahmanen. Bei kostbaren Bildern, insbesondere aus Gold, Silber oder Kupfer,

19.16 ist ein Weggeben nicht angemessen; deshalb soll man sie reparieren. Erst wenn auch nach entsprechender Bemühung keine Wiederherstellung möglich ist, nimmt man sie außer Gebrauch.

19.17 Man kann das außer Gebrauch genommene Metall auch vorschriftsgemäß einschmelzen und daraus das Gottesbild in seiner früheren Form neu herstellen.

19.18 Ein Bild aus minderwertigem Kupfer oder Arakuta-Metall, das sich nicht mehr reparieren lässt, wird entsprechend außer Gebrauch genommen.

19.19 Das ausgeschiedene Bild behandelt man nach der zuvor beschriebenen Ordnung. Anschließend fertigt man ein anderes aus Silber oder Gold an

19.20 oder aus einem höherwertigen Material derselben Art, ihr großen Weisen. Bei allen Karmabimbas, den für den laufenden Kult verwendeten Bildern, verfährt man auf diese Weise.

19.21 Hört nun, ihr Brahmanen, wie ein abgebrochener Teil wieder verbunden wird. Bei Bildern aus Metall, Stein oder Holz befestigt man ihn mit Metallbändern.

19.22 Oder man verbindet den beschädigten Teil eines Metallbildes sorgfältig mithilfe von geschmolzenem Gold oder dem jeweils geeigneten anderen Metall.

19.23 Bei gemalten Bildern und Tonbildern stellt man den beschädigten Teil mit einem Material derselben Art wieder her, mit großer Sorgfalt, ihr vortrefflichen Weisen.

19.24 Ist der abgebrochene Teil ganz verloren, fertigt man ihn bei allen Bildarten aus dem entsprechenden Material neu an und fügt ihn sorgfältig ein.

19.25 Auch wenn bei einem Edelsteinbild ein Hauptteil beschädigt ist, soll es repariert und nicht aufgegeben werden, ebenso wie ein als selbstoffenbart verehrtes Steinbild.

Bewahren und erneuern: Die Quelle betont, dass ein reparierbares Bild nicht vorschnell aufgegeben werden soll. Für heutige Übende kann darin die Erinnerung liegen, anvertraute Dinge und gewachsene Praxis mit Geduld zu pflegen.

Die Gegenwart während der Wiederherstellung

19.26 Wenn alle Teile wiederhergestellt werden müssen oder das Bild neu geschaffen wird, ruft der Lehrer die im beschädigten Bild gegenwärtige Shakti in einen Krug herab.

19.27 Während die Verehrung dort fortgesetzt wird, lässt er das Bild reparieren. Kann die Wiederherstellung innerhalb eines Monats abgeschlossen werden, verehrt man die Shakti im Krug.

19.28 Dauert die Wiederherstellung länger, bis zur Grenze von zwölf Jahren, richtet man ein vorläufiges Heiligtum ein und stellt darin vorschriftsgemäß ein vorläufiges Gottesbild auf.

19.29 In dieses ruft man die betreffende Shakti herab und verehrt sie. Wird lediglich ein einzelnes Glied repariert, genügt das vorgeschriebene Samprokshana, die erneute rituelle Besprengung.

19.30 Wird dagegen ein anderes Bild angefertigt, führt man die Weihe erneut aus. Bei der Reparatur eines Gliedes des Hauptbildes richtet man das vorläufige Heiligtum und die zugehörigen Einrichtungen her.

19.31 Ist ein Glied des Karmabimba beschädigt, überträgt man die darin verehrte Gegenwart des Herrn in das Hauptbild und führt dann die Reparatur aus.

19.32 Nun werde ich die ausgleichenden Handlungen zu Beginn im vorläufigen Heiligtum und zum Abschluss der Erneuerung erklären. Hört, ihr vortrefflichen Weisen.

19.33 Wird die erbetene beziehungsweise festgelegte Frist für die Herstellung des Tempels oder Gottesbildes überschritten, lässt der Verantwortliche ein großes rituelles Bad nach der Schrift ausführen.

19.34 Danach erbittet er die weitere benötigte Zeit zur Fertigstellung. Geschieht dies nicht und sind später zwölf Jahre verstrichen,

19.35 muss die Weihe im Hauptheiligtum oder im vorläufigen Heiligtum erneut ausgeführt werden. Geht im vorläufigen Heiligtum ein Bild durch Diebstahl oder ähnliche Umstände infolge mangelnder Sorgfalt verloren,

19.36 beschafft man die entsprechende Kultgestalt wieder, weiht sie vorschriftsgemäß, vollzieht ein großes rituelles Bad und ein Shanti-Homa.

19.37 Wird das gestohlene Bild wiedergefunden, ihr Brahmanen, weiht man es erneut, jedoch ohne die Augenöffnung zu wiederholen.

19.38 Ist es aus irgendeinem Grund von seinem Platz verrückt worden, stellt man Purushottama nach einer erneuten Weihe wieder so auf wie zuvor.

19.39 Im vorläufigen Heiligtum führt man sämtliche täglichen und aus besonderem Anlass anfallenden Handlungen aus. Fehlen einem früher aufgestellten Gottesbild vorgeschriebene Merkmale,

19.40 ergänzt man diese bei der Erneuerung. Man soll die Veränderung jedoch nicht vor dem dafür vorgesehenen Erneuerungsritual ausführen.

19.41 Wenn ein aus Riti-Metall, Kupfer oder Arakuta gefertigtes Karmabimba oder anderes Funktionsbild aufgestellt und verehrt worden ist

19.42 und mit der Zeit beschädigt wird, darf der Kundige es durch ein verfügbares höherwertiges Bild ersetzen. Darin liegt nach dem Text kein ritueller Fehler.

Gebäude, Sockel und ihre Erneuerung

19.43 Bei einem Hauptbild aus Metall, Stein, Ton oder Holz soll hingegen das ursprüngliche Grundmaterial nicht durch ein anderes ersetzt werden.

19.44 Das beschädigte Hauptbild wird so wiederhergestellt, wie es zuvor war. Ob ursprünglich eine Mehrbild- oder eine Einbild-Anordnung bestand,

19.45 auch bei der Erneuerung soll diese bestehen bleiben, ihr vortrefflichen Weisen. Mehrbild- und Einbild-Anordnung darf man nicht gegeneinander austauschen.

19.46 War die bisherige Mehrbild-Anordnung ohne Lakshmi und die weiteren Göttinnen eingerichtet, stellt man sie bei der Erneuerung entsprechend ohne die beiden Göttinnen wieder her.

19.47 Der Charakter der Mehrbild-Anordnung soll durch eine Vertauschung nicht verloren gehen. Die bisherige Haltung – liegend, sitzend, auf einem Fahrzeug oder stehend –

19.48 soll bei der Wiederherstellung ebenso beibehalten werden; zugleich nennt der Text hier eine anderweitige Neuschöpfung nach freier Wahl. [Der Geltungsbereich dieser Ausnahme gegenüber der Erhaltungsvorschrift ist nicht eindeutig.] Wird nur die beschädigte Gottesgestalt neu geschaffen, während die Göttinnen erhalten sind,

19.49 verbindet man den Gott wieder mit eben diesen Göttinnen und nicht mit anderen. Damit ist die Erneuerung eines von Menschen geschaffenen Kultbildes erklärt.

19.50 Nun erkläre ich die Erneuerung bei als selbstoffenbart, göttlich, von Siddhas oder Rishis gestiftet und als übermenschlich geltenden Kultbildern. Hört, ihr vortrefflichen Weisen.

19.51 Ist bei einem solchen Bild ein Hauptteil oder ein untergeordneter Teil beschädigt, soll es ausschließlich repariert und niemals aufgegeben werden.

19.52 Auch wenn es sich nicht mehr vollständig verbinden lässt, darf man es nicht aufgeben. Ein Bild aus Shaligrama-Stein, das gespalten, gebrochen oder stark beschädigt ist

19.53 oder auch nur einen kleinen Schaden aufweist, befestigt man möglichst sicher mit goldenen Bändern. Ebenso verfährt man bei den übrigen als selbstoffenbart geltenden Bildern.

19.54 Bei Steinbildern verbindet man gespaltene und abgebrochene Teile mit goldenen Bändern so, dass sie möglichst fest sitzen.

19.55 Oder man fertigt das betreffende Teil aus Gold an und fügt es sorgfältig ein. Auch bei Holz- und Metallbildern, die als selbstoffenbart oder entsprechend heilig gelten,

19.56 erfolgt die Wiederherstellung eines beschädigten Teils wie bei einem selbstoffenbarten Steinbild. Ebenso verfährt man bei einem Edelsteinbild.

19.57 Ist ein Hauptbild aus Ton durch Alterung, Wasser oder andere Einwirkungen schadhaft geworden oder hat es Teile verloren, führt man seine Wiederherstellung mit Sorgfalt aus.

19.58 Auch bei Verlust der Farbe nimmt man eine Ausbesserung vor. Das Tonmaterial, das Traggestell, die Bindeschnüre und die entsprechenden Bestandteile soll man nicht einfach aufgeben.

19.59 Ebenso bessert man eine abgefallene Partie eines gemalten Bildes mit duftend zubereiteten weißen, roten und weiteren Farben aus, die rituell gereinigt und mit dem Astra-Mantra geweiht wurden.

19.60 Schriftkundige Handwerker stellen die Malerei entsprechend ihrer früheren Gestalt wieder her. Bei selbstoffenbarten und entsprechenden Bildern gilt jedoch diese Besonderheit, ihr Brahmanen:

19.61 Man richtet dafür nicht wie zuvor ein vorläufiges Heiligtum samt Ersatzbild ein. Während die Verehrung am bisherigen Ort weitergeht, nimmt man die Reparatur vor.

19.62 Nach ihrem Abschluss führt man die erneute rituelle Besprengung und die weiteren vorgeschriebenen Handlungen aus. Ist hingegen ein von Göttern verehrtes oder als selbstoffenbart geltendes Bild

19.63 aus Ton oder Holz durch Würmer, Feuer, Wasser oder andere Einwirkungen stark verfallen, richtet man dafür ein vorläufiges Heiligtum ein und setzt die Verehrung dort wie zuvor fort.

19.64 Dann fertigt man eine neue Kultgestalt an und stellt sie vorschriftsgemäß auf. Wird auch das vorläufige Bild schadhaft, verfährt man erneut auf diese Weise.

19.65 Wie die selbstoffenbarten und entsprechenden Bilder ursprünglich beschaffen sind, ob sie die vorgeschriebenen Merkmale und Maße aufweisen oder nicht,

19.66 ob sie aus hochwertigem oder geringerem Metall bestehen: So sollen sie bestehen bleiben und nicht in anderer Weise neu gestaltet werden.

19.67 Man soll weder andere Merkmale noch andere Maße einführen, auch kein anderes Material und keine andere Ritualhandlung.

19.68 Man soll das Mantra nicht austauschen, sondern alles wie zuvor ausführen. Verändert man die Merkmale und die weiteren Vorgaben, ihr großen Weisen,

19.69 droht der Text Herrscher, Land und allen Beteiligten schwerwiegende nachteilige Folgen an. Deshalb soll man an einem altehrwürdigen Kultort die überlieferte Ordnung nicht verändern.

19.70 Auch die Merkmale und die weiteren Einzelheiten werden nicht anders gestaltet. Wo die besonderen Zeichen an einer solchen Gestalt nicht sofort erkennbar sind, ihr Brahmanen,

19.71 können ihre eigenen Zeichen doch an Stirn oder Schulterfläche, am Rücken, an einer Gliederfläche, an Handflächen oder Fußsohlen

19.72 oder am Scheitel liegen. Deshalb soll man die betreffenden Stellen genau betrachten. Daher gilt in dieser Sicht: Eine solche offenbarte Gestalt ist niemals ohne ihre besonderen Kennzeichen.

Die vier Gestalten des Heiligtums

19.73 Bei selbstoffenbarten wie auch bei menschengeschaffenen Steinbildern und anderen Kultbildern, ihr großen Weisen, gilt für Nase und weitere Körperteile:

19.74 Beträgt der Verlust nur ein, zwei oder drei Yava, soll man die ursprüngliche Form mit einem scharfen Werkzeug sorgfältig wiederherstellen.

19.75 Danach vollzieht man die rituelle Besprengung des Gottesbildes. Ebenso führt man eine fachgerechte Reparatur durch, wenn der Sockel oder ein entsprechender Bestandteil beschädigt ist.

19.76 Gottesbild, sein Sockel, Tempel und inneres Heiligtum bilden in gleicher Weise eine vierfache Verkörperung des Gottes der Götter.

19.77 Bei ihnen sind Wiederherstellung und Friedensritual gleichermaßen auszuführen. Ist der Strahlenkranz beschädigt, befestigt man ihn mit Metallbändern.

19.78 Bei einem zerbrochenen Sockel soll der Kundige diesen ersetzen. Bei einem geringfügigen Schaden befestigt er ihn dagegen mit Metallbändern.

19.79 Ist die bisherige Kultgestalt durch Bruch ihrer Glieder oder andere Mängel stark beschädigt, hebt man sie von ihrem unbeschädigten Sitz ab und nimmt sie außer Gebrauch.

19.80 Eine entsprechend der früheren Form neu hergestellte Gestalt stellt man vorschriftsgemäß auf den Sockel. War der Sockel beschädigt, verbindet man das Bild fest mit einem neu angefertigten.

19.81 Hat sich die Ashtabandha-Verbindung zwischen Gottesbild und Sockel gelöst, stellt man diese Befestigung erneut her und führt danach die rituelle Besprengung aus.

19.82 Wurde ein selbstoffenbartes oder ein menschengeschaffenes Gottesbild gestohlen oder auf ähnliche Weise entwendet, ihr großen Weisen,

19.83 fertigt man es aus dem entsprechenden Material mit seinen bisherigen Merkmalen neu an, weiht es und verehrt es wie zuvor. So verfährt der Mantra-Kundige in den jeweiligen Fällen.

19.84 Zur Aufrechterhaltung der Verehrung kann der Lehrer das Ersatzbild auch aus einem anderen Material herstellen. Wird das gestohlene Bild wiedergefunden, ihr Brahmanen,

19.85 soll man es nach ritueller Besprengung verehren. Bei einem von Menschen gestifteten Bild führt man die Weihe erneut aus, jedoch ohne die Augenöffnung.

19.86 Ist das Hauptbild durch Feuer verbrannt worden, ob es als menschengeschaffen oder übermenschlich gilt, wird vorschriftsgemäß ein Bad mit tausend Kalashas ausgeführt.

19.87 Hat Feuer bei einem Karmabimba oder einem anderen Funktionsbild eine Verfärbung verursacht, vollzieht man an jedem betroffenen Bild der Reihe nach das große rituelle Bad.

19.88 Sind durch Feuer oder ähnliche Einwirkungen Teile des Hauptbildes oder eines Funktionsbildes gebrochen, stellen besonders kundige Handwerker sie wie zuvor wieder her.

19.89 Nach Abschluss der Reparatur wird in allen Fällen die rituelle Besprengung des Herrn vollzogen. Nun wird die Erneuerung des Tempels und der weiteren Bauten erklärt.

19.90 Hört zuerst die Ordnung für ein von Menschen errichtetes Heiligtum. Ist ein Teil des Tempelaufbaus oder etwa sein Bekrönungsgefäß beschädigt,

19.91 ruft man die darin gegenwärtigen Gottheiten in den Sockel des Hauptbildes herab und verehrt sie dort. Den beschädigten Gebäudeteil stellt man fest und sicher wieder her.

19.92 Danach vollzieht man für den Gott und den Tempel die Besprengung und die weiteren vorgeschriebenen Handlungen nach der Schrift.

19.93 Ist der gesamte Tempelaufbau beschädigt, richtet man ein vorläufiges Heiligtum ein. Die im Tempel anwesenden Gottheiten, ihr großen Weisen,

19.94 ruft man in den Sockel des vorläufigen Bildes herab und verehrt sie wie zuvor. Auch am vorläufigen Bild selbst vollzieht man die täglichen und die aus besonderem Anlass anfallenden Handlungen,

19.95 einschließlich des Pavitrarohana, des Anlegens der heiligen Schmuckfäden, und die gesamte zugehörige Ritualfolge. Nach Wiederaufbau und vorschriftsgemäßer Weihe des Tempels

19.96 führt man die Besprengung und die weiteren Handlungen am Gottesbild aus. Ebenso verfährt man bei Schäden an Mandapa, Umfassungsmauer, Torbau, Galerie und den weiteren Anlagen.

19.97 Die dort gegenwärtigen Gottheiten werden vorübergehend an einen anderen Ort gebracht. Man erneuert das Bauwerk nach seiner bisherigen Form und weiht es vorschriftsgemäß.

19.98 Zum rituellen Ausgleich führt man das große Bad aus. Fehlten dem früher erbauten Tempel oder seinen Nebengebäuden vorgeschriebene Merkmale,

19.99 ergänzt man diese bei der Erneuerung. War der frühere Tempel aus Lehm oder Ziegeln errichtet,

19.100 kann man ihn bei der Wiederherstellung aus Stein erbauen. Nun wird die Erneuerung bei einem als selbstoffenbart oder entsprechend heilig geltenden Tempel erklärt.

19.101 Ist nur ein Teil des Tempels beschädigt, sollen die dort gegenwärtigen Gottheiten nicht an einen anderen Ort übertragen werden. Während man sie weiterhin dort verehrt,

19.102 stellt man den beschädigten Teil wieder her und vollzieht die rituelle Besprengung. Ist der gesamte Tempel zerstört, werden die darin gegenwärtigen Gottheiten

19.103 in den Sockel des Hauptbildes herabgerufen und dort verehrt. Mit den bisherigen Baustoffen und mit Materialien derselben Art

Verantwortung und Frucht der Erneuerung

19.104 sowie mit neuen Baustoffen, die man damit verbindet, errichte man den Tempel wieder. Aus welchem Stoff das Heiligtum zuvor bestand und welche Gestaltmerkmale es besaß,

Die Sorge um das Heiligtum steht im Dienst der Verehrung Vishnus.

19.105 genauso soll man es wiederherstellen; man soll es nicht anders gestalten. Nachdem das erneuerte Heiligtum nach der Vorschrift geweiht worden ist,

19.106 vollziehe man für den Gott die rituelle Besprengung und die weiteren Handlungen, ihr hervorragenden Weisen. Bei einem selbst offenbarten oder von Göttern, Siddhas und anderen errichteten

19.107 Bild, Heiligtum, Umfassungsmauer, Torturm, Eingang, Halle, Sockel, Küchengebäude, Schatzhaus oder dergleichen

19.108 soll man bei Verfall die frühere Gestalt wiederherstellen – gleichviel, ob sie den vorgeschriebenen Merkmalen entspricht oder diese nicht aufweist.

19.109 Ein andersartiger Umbau hätte nach dieser Vorschrift schwerwiegende Folgen, ihr Brahmanen. Wenn ein selbst offenbartes oder von Göttern und anderen errichtetes Heiligtum

19.110 im Laufe langer Zeit etwas an Festigkeit verloren hat, soll man mit Zustimmung der Verantwortlichen, der Verehrer und der Schriftkundigen

19.111 zum Schutz des Heiligtums außen oder innen ringsum stützendes Mauerwerk aus Stein und ähnlichen Materialien durch erfahrene Handwerker errichten lassen.

19.112 Wird ein von Menschen oder von nichtmenschlichen Wesen errichtetes Heiligtum durch Feuer beschädigt, so vollziehe man zur Behebung der rituellen Störung eine Götterbildbadung der unteren Stufe.

19.113 Ist ein Tempel durch einen Brand oder Ähnliches zerstört worden und haben kundige Handwerker ihn in seiner früheren Gestalt wiederhergestellt, so vollziehe man die rituelle Besprengung und die weiteren Handlungen.

19.114 Ist das Haus des Herrn durch einen Erdriss, die Gewalt des Wassers oder dergleichen eingestürzt, so errichte man es zusammen mit dem früheren Götterbild an einem anderen Ort.

19.115 Wird ein Heiligtum göttlichen Ursprungs mitsamt seinem Bild zerstört, verfahre man wie zuvor beschrieben. Wird hingegen ein von Menschen geschaffenes Bild durch Diebe, die Gewalt eines Flusses oder andere Ursachen völlig zerstört,

19.116 soll man anschließend ein Bild in der früheren oder auch in einer anderen Gestalt herstellen. Weil das Hauptbild fehlt, soll man die Herabrufung und die weiteren Handlungen nicht am vorläufigen Bild vollziehen.

19.117 Der hervorragende Lehrer soll vielmehr das Bild wie zuvor aufstellen und verehren. Auf diese Weise gilt das Verfahren für alle Gottheiten, die als Para, Vyuha und in weiteren Erscheinungsweisen gegenwärtig sind,

19.118 ebenso für die Schar der Begleitgottheiten wie Vishvaksena und Ganesha und für die in Tortürmen und anderen Bauteilen aufgestellten Gestalten der Vibhavas und Vyuhas,

19.119 die wegen ihrer besonderen göttlichen Gegenwart täglich verehrt werden. Für sie alle ist diese Vorschrift zur Erneuerung dargelegt, ihr hervorragenden Weisen.

19.120 Entsprechend der jeweiligen Art göttlicher Gegenwart vollziehe man die Weihe und die weiteren Handlungen. Der Ritualkundige soll das angemessene Sühne- und Wiederherstellungsritual sorgfältig bestimmen und ausführen.

19.121 Sind Teile der Bilder oder des Heiligtums beschädigt, soll der Acharya, von aufrichtiger Betroffenheit erfüllt, seinen Mantra zehntausendmal wiederholen.

19.122 Von diesem Zeitpunkt an soll er zusammen mit den übrigen Ritualkundigen das Gelübde des Brahmacharya einhalten und den Mantra unermüdlich wiederholen, bis das Bild wiederhergestellt ist.

19.123 Zur Behebung aller rituellen Störungen vollziehe man die Verehrung an den vier Stätten. Drei oder sieben Tage lang gebe man geeigneten Empfängern Geschenke:

19.124 Kühe, Land, Gold und anderes, den eigenen Möglichkeiten entsprechend, ihr großen Weisen. Täglich speise man hundert oder tausend Brahmanen.

19.125 Bis das Bild wiederhergestellt ist, verehre man den alldurchdringenden Herrn mit besonderer Sorgfalt. Nach Abschluss der Wiederherstellung vollziehe man die rituelle Besprengung und die weiteren Handlungen für den Gott.

19.126 Der Auftraggeber lasse ein befriedendes Feueropfer, Gaben und die Speisung der Brahmanen ausrichten. Den Lehrer erfreue er mit einem Lehrerhonorar und anderen Gaben

19.127 nach seinen Möglichkeiten; dadurch wird Keshava erfreut. Durch die Wiederherstellung des Verfallenen erlangt der Auftraggeber eine größere Frucht als durch eine völlig neue Errichtung.

19.128 Daran soll kein Zweifel bestehen. Damit habe ich euch, ihr hervorragenden Weisen, die Erneuerung verfallener Heiligtümer dargelegt.

Spirituelle Einordnung: Die Verse 19.104–128 verbinden die Sorge um den Tempel mit Verantwortung, Mantrawiederholung und großzügigem Geben. Besonders 19.127 würdigt die Wiederherstellung des Verfallenen. Für heutige Yoga-Aspiranten kann darin eine Anregung liegen, auch die eigene Praxis geduldig zu erneuern und vernachlässigte Verpflichtungen wieder aufzunehmen. Dies ist eine heutige Übertragung; der Vers selbst spricht von der Erneuerung eines Heiligtums.

Historische Berührungs- und Reinheitsregeln

19.129 Nun werde ich die Sühneriten erläutern, die nach einer Berührung des Bildes durch Personen, die nach diesen Ritualregeln nicht berührungsberechtigt sind, und bei ähnlichen Vorfällen gelten. Hört aufmerksam zu, ihr hervorragenden Weisen.

Einordnung zu 19.129–263 und 19.299–374: Die folgenden Vorschriften gehören zu einer historischen Tempelordnung. Sie unterscheiden Menschen nach Herkunft, Geschlecht, Einweihung, körperlichen Voraussetzungen und sozialem Status. Manche dieser Regeln schließen Frauen, Menschen mit Behinderungen, Kranke oder gesellschaftlich ausgegrenzte Gruppen von bestimmten Berührungen und Aufgaben aus. Die Übersetzung bewahrt diese Aussagen, übernimmt sie jedoch nicht als Maßstab für den Wert eines Menschen oder seine Fähigkeit zu Bhakti, Meditation und spiritueller Erkenntnis.

Anuloma und Pratiloma bezeichnen in dieser Ordnung Verbindungen zwischen sozial unterschiedlich eingestuften Gruppen: beim Anuloma gilt die Gruppe des Vaters als höher, beim Pratiloma diejenige der Mutter. Kunda und Golaka sind historische Bezeichnungen für einen Sohn, dessen Vater nicht der Ehemann der Mutter ist, unterschieden danach, ob der Ehemann noch lebt oder bereits verstorben ist. Die Begriffe tragen die Wertungen ihrer gesellschaftlichen Ordnung; eine persönliche Schuld des Kindes lässt sich daraus nicht ableiten. Chandala, Shvapacha, Pulkasa und Shabara stehen hier für unterschiedlich benannte ausgegrenzte Gruppen; Mleccha ist eine traditionelle Fremdbezeichnung für Menschen außerhalb der vorausgesetzten religiösen Kultur.

Die Badungsnamen bilden eine neunstufige Ordnung aus unteren, mittleren und oberen Stufen. Sie bezeichnen den rituellen Umfang der Bildbadung; sie sind keine Werteskala für Menschen. In den Wasser- und Speisevorschriften geht es zudem um rituelle Verwendbarkeit. Eine solche Ritualhandlung ist nicht mit einer heutigen Prüfung der Trinkwasser- oder Lebensmittelqualität gleichzusetzen.

19.130 Hat der Lehrer sein Bad nicht vollzogen, ist er mit einem Chandala oder Ähnlichen in Berührung gekommen, hat er nach dieser Vorschrift als unrein Geltendes wie Haare oder Knochen berührt oder hat er nach Geschlechtsverkehr noch nicht gebadet,

19.131 und berührt er in diesem Zustand das Bild des Herrn, so soll man dieses mit neun Krügen baden, ein befriedendes Feueropfer vollziehen und den Mantra hundertmal wiederholen.

19.132 Betreten Personen in einem solchen Zustand das innere Heiligtum, soll man den Herrn mit fünf Gefäßen baden und das befriedende Feueropfer samt den weiteren Handlungen vollziehen.

19.133 Wird das Bild von nicht Eingeweihten, von in einem anderen Tantra Eingeweihten oder von Personen berührt, die keine amtierenden Ritualpriester sind, so vollziehe man die Badung der Stufe Adhama-adhama, der untersten Unterstufe.

19.134 Zur Behebung dieser rituellen Störung gehören auch ein befriedendes Feueropfer und Japa. Betreten solche Personen das innere Heiligtum, so bade man mit neun Krügen

19.135 den Herrn der Götter und vollziehe das befriedende Feueropfer und die weiteren Handlungen. Wird das Bild durch Frauen, durch Personen ohne Upanayana-Weihe oder durch Brahmanen der Vaikhanasa-Tradition

19.136 oder durch Nicht-Vaishnavas berührt, so vollziehe man vorschriftsgemäß die Badung der Stufe Adhama-madhyama, der mittleren Unterstufe, und anschließend das befriedende Feueropfer samt den weiteren Handlungen.

19.137 Betreten diese Personen das innere Heiligtum, bade man das Götterbild nach der Vorschrift der Stufe Adhama-adhama und vollziehe ein befriedendes Feueropfer.

19.138 Ein aus seiner sozialen Stellung Ausgeschlossener, jemand, der als schwer schuldig gilt, ein Mensch mit Aussatz oder einer Anfallskrankheit, ein Einäugiger, Blinder, Stummer, Gehörloser oder jemand mit einem fehlenden Körperglied,

19.139 jemand, der dem Verkehr mit der Frau eines anderen nachgeht, ein Kunda oder Golaka, ferner jemand, der nach diesen Regeln mit einer menstruierenden Frau, Angehörigen ausgegrenzter Gruppen oder auch mit Eseln und dergleichen in Berührung gekommen ist:

19.140 Berührt eine solche Person das Bild des Herrn, so soll man es nach der Stufe Adhama-uttama, der oberen Unterstufe, vorschriftsgemäß baden und ein befriedendes Feueropfer vollziehen.

19.141 Betreten solche Personen das Heiligtum, so vollziehe man für den Gott der Götter die Badung der Stufe Adhama-madhyama und das befriedende Feueropfer.

19.142 Wird das Bild von Kshatriyas, Vaishyas oder Shudras oder von den Frauen der jeweiligen Gruppe berührt, ihr Brahmanen, so vollziehe man der Reihe nach die Badung der Stufe Adhama-uttama,

19.143 diejenige namens Madhyama-adhama und diejenige namens Madhyama-madhyama. Betreten Angehörige dieser Gruppen das innere Heiligtum, ihr hervorragenden Weisen,

19.144 so vollziehe man der Reihe nach die Badungen namens Adhama-adhama, Adhama-madhyama und Adhama-uttama.

19.145 In allen diesen Fällen vollziehe man ein befriedendes Feueropfer und tausend Mantrawiederholungen. Wird das Bild von einem aus einer sogenannten Anuloma-Verbindung Geborenen berührt, so gilt die Badung

19.146 namens Madhyama-uttama, die obere Mittelstufe. Beim Betreten des inneren Heiligtums oder bei Berührung des Tempelbaus gilt die Badung Madhyama-adhama, die untere Mittelstufe.

19.147 Wird das Bild von einem aus einer sogenannten Pratiloma-Verbindung Geborenen berührt, so vollziehe man die Badung Uttama-madhyama, die mittlere Oberstufe. Beim Betreten des inneren Heiligtums durch solche Personen

19.148 oder bei ihrer Berührung des Tempelbaus gilt die Badung Uttama-adhama, die untere Oberstufe. In allen diesen Fällen vollziehe man Feueropfer und Mantrawiederholung wie zuvor, ihr großen Weisen.

19.149 Wenn jemand als Dieb handelt – sei er Brahmane, Kshatriya, Vaishya, Shudra oder aus einer Anuloma- beziehungsweise Pratiloma-Verbindung geboren –

19.150 und das Götterbild berührt, so gilt der Reihenfolge nach die Badung Madhyama-adhama, dann Madhyama-madhyama,

19.151 Madhyama-uttama, Uttama-adhama, Uttama-madhyama und schließlich Uttama-uttama, die höchste Oberstufe.

19.152 Beim Betreten des inneren Heiligtums durch diese Personen gelten der Reihe nach Adhama-uttama, die drei mit Madhyama-adhama beginnenden Stufen, Uttama-adhama

19.153 und Uttama-madhyama als anzuwendende Badungen, ihr Brahmanen. Haben Diebe, deren soziale Herkunft unbekannt ist, das Bild berührt,

19.154 so bade man den Gott vorschriftsgemäß mit tausend Krügen. Haben sie das innere Heiligtum betreten, gilt die Badung der höchsten Stufe, Uttama-uttama.

19.155 In allen Fällen gehören ein befriedendes Feueropfer und Mantrawiederholung dazu. Wenn Menschen, die sich nach diesen Regeln im Zustand der Unreinheit nach Geburt oder Tod befinden, schwerer Verfehlungen Beschuldigte,

19.156 Chandalas, Wöchnerinnen, menstruierende Frauen, Mlecchas, Pulkasas oder Angehörige ähnlicher Gruppen das Bild des Herrn berührt haben, so übergieße man es mit Ghee aus Kuhmilch,

19.157 vollziehe vorschriftsgemäß die rituelle Besprengung und ein befriedendes Ritual. Man gebe Kühe und andere Gaben und speise Brahmanen.

19.158 Ein gemaltes oder aus Ton bestehendes Bild erneuere man vorschriftsgemäß und weihe es erneut. Bei selbst offenbarten Bildern und entsprechenden Heiligtümern hingegen

19.159 erneuere man das gemalte Bild oder dergleichen nicht, sondern vollziehe wie zuvor die rituelle Besprengung und die weiteren Handlungen; dadurch allein wird es nach dieser Vorschrift gereinigt.

19.160 Betreten die zuvor genannten Personen, angefangen bei den von ritueller Unreinheit Betroffenen, das innere Heiligtum oder berühren sie den Tempelbau, so soll man im gesamten Tempel

19.161 die Tongefäße aussondern und die Metallgefäße reinigen. Auch den Tempel reinige man durch Fegen, Bestreichen und die weiteren vorgesehenen Maßnahmen.

19.162 Überall besprenge man ihn mit Panchagavya, ihr hervorragenden Weisen, und bade den Herrn vorschriftsgemäß nach der höchsten Stufe Uttama-uttama.

19.163 Betreten jene Personen die Vorhalle oder den ersten Umfassungsbereich, so reinige man das Heiligtum wie zuvor, ihr großen Weisen,

Verunreinigungen im Tempelbereich

19.164 und bade Purushottama nach der Stufe Adhama-uttama. Betreten sie einen Bereich vom zweiten Umfassungsring bis zum äußersten Straßenring,

19.165 so reinige man den Tempel und bade den Gott nach der Stufe Adhama-adhama, ihr Brahmanen.

19.166 In allen Fällen vollziehe man ein befriedendes Feueropfer und eine Brahmanenspeisung. Wenn Chandalas oder Shvapachas infolge einer Nachlässigkeit im Vishnu-Tempel

19.167 einen ganzen Monat ununterbrochen gewohnt haben, ihr großen Weisen, so sondere man die Tongefäße aus und fege das Haus des Herrn.

19.168 Man bestreiche es mit Kuhdung, führe Feuer ringsum, lasse die Punyaha-Segensrezitation vortragen und besprenge es mit Panchagavya.

19.169 Zur Behebung sämtlicher ritueller Störungen lasse man dort eine Gruppe von Kühen verweilen und durch Brahmanen, die in den Veden bewandert sind, die Mahashanti-Rezitation vortragen.

19.170 Man speise die Brahmanen und gebe ihnen ein Honorar. Nachdem man auf diese Weise einen Monat, einen halben Monat oder sieben, fünf beziehungsweise drei Tage lang

19.171 die Reinigung des Tempels vollzogen und die Bilder zunächst mit Kuhmilch-Ghee übergossen hat, nehme man wie zuvor die rituelle Besprengung vor.

19.172 Ein von Menschen geschaffenes Tonbild oder gemaltes Bild erneuere man in seiner bisherigen Gestalt, ihr Brahmanen, und beginne anschließend erneut die Weihe.

19.173 Wurden Chandalas, Shvapachas oder Angehörige entsprechender Gruppen aus Nachlässigkeit mit Arbeiten im Haus des Herrn betraut und haben andere mit ihnen zusammengelebt, ihr Brahmanen,

19.174 so sollen nach dieser Regel alle Betroffenen baden, mit Kusha-Gras versehenes Wasser trinken, das Chandrayana-Gelübde oder entsprechende Observanzen erfüllen und die Tempelreinigung bis zur abschließenden Brahmanenspeisung vornehmen.

19.175 Alle Handlungen einschließlich der rituellen Besprengung vollziehe man wie zuvor. Abschließend richte man zur Behebung sämtlicher ritueller Störungen ein großes Fest aus.

19.176 Wurden in entsprechender Weise Personen aus Pratiloma-Verbindungen oder vergleichbaren Gruppen zu Arbeiten zugelassen, so vollziehe man alles bis zur Tempelreinigung wie zuvor nach der Vorschrift,

19.177 bade das Bild mit tausend Krügen und feiere ein Fest. Wird das Kultbild mit den Leichnamen von Brahmanen, Kshatriyas, Vaishyas, Shudras oder Personen aus Anuloma-Verbindungen

19.178 in Berührung gebracht, so übergieße man es mit Kuhmilch-Ghee und vollziehe die rituelle Besprengung sowie eine Badung mit tausend Krügen.

19.179 Man vollziehe ein befriedendes Feueropfer und zehntausend Mantrawiederholungen. Ein von Menschen geschaffenes gemaltes Bild oder dergleichen erneuere man nach der Vorschrift

19.180 und nehme eine erneute Weihe mit einer Badung aus tausend Krügen vor. Ist das innere Heiligtum oder der Tempelbau durch die genannten Leichname rituell verunreinigt,

19.181 so vollziehe man die rituelle Besprengung und die Badung Uttama-uttama. Ist das Bild durch den Leichnam einer Person aus einer Pratiloma-Verbindung, eines Chandala oder einer Wöchnerin rituell verunreinigt,

19.182 so weihe man es erneut, ohne die Augenöffnung zu wiederholen, und bade Purushottama mit tausend Krügen.

19.183 Ist der Tempelbau durch solche Leichname rituell verunreinigt, so vollziehe man die Besprengung und bade das Bild vorschriftsgemäß mit tausend Krügen.

19.184 Sind die Bereiche vom ersten Umfassungsring bis zum äußeren Straßenring durch Leichname von Brahmanen oder anderen, einschließlich der aus Pratiloma-Verbindungen Geborenen, rituell verunreinigt,

19.185 so grabe man im betroffenen Hofbereich den Boden im Maß von vier Hasta aus, entferne die Erde, schaffe sie nach draußen und fülle die Stelle mit reiner Erde

19.186 wieder auf. Man ebne sie und lasse sie fegen und weiter reinigen. Bei einem Steinboden behandle man die Stelle mit Feuer, ohne zu graben.

19.187 Danach bestreiche man sie mit Kuhdung, lasse die Punyaha-Segensrezitation und die weiteren Texte ausrufen, besprenge sie mit Panchagavya und lasse eine Gruppe von Kühen dort verweilen.

19.188 Man lasse die Mahashanti-Rezitation vortragen und speise dort Brahmanen. Nachdem der Ort auf diese Weise gereinigt worden ist, vollziehe man das befriedende Ritual.

19.189 Man bade das Bild entsprechend der vorgesehenen Abstufung, von der höchsten bis zur untersten Badungsart, und vollziehe mit besonderer Sorgfalt das befriedende Feueropfer und die weiteren Handlungen. [Die genaue Zuordnung der Stufen wird hier nicht nochmals ausgeführt.]

19.190 Kommt es unbeabsichtigt zu einer Geburt im Tempel, ihr hervorragenden Weisen, so gilt das Sühneritual entsprechend dem jeweiligen Umfassungsbereich.

19.191 Ereignen sich in Umfassungsmauern, Hallen, auf Sockeln, in Tortürmen, Tempelräumen, außerhalb des Heiligtums oder in Schreinen der Begleitgottheiten

19.192 Todesfälle oder Geburten unter Angehörigen der sozialen Gruppen, beginnend bei den Brahmanen, oder unter Personen aus Anuloma-Verbindungen und entsprechenden Gruppen,

19.193 so vollziehe man das für den jeweiligen Umfassungsbereich angegebene Sühneritual. Auch bei einer Berührung des Bildes oder ähnlichen Vorfällen richte sich das Ritual nach der jeweiligen göttlichen Gegenwart.

19.194 Betreten in entsprechender Weise Chandalas oder Angehörige vergleichbarer Gruppen die Küche oder Opferhalle, oder werden diese durch Leichname oder dergleichen rituell verunreinigt,

19.195 so sondere man die Tongefäße aus, reinige den Boden durch Abtragen und die weiteren Maßnahmen und hebe das bisherige Feuer in Opfergrube und Herd vorschriftsgemäß auf.

19.196 Man richte das Feuer erneut ein und vollziehe das befriedende Feueropfer und die weiteren Handlungen. In einem Dorf oder entsprechenden Ort, der als Bestandteil eines selbst offenbarten oder vergleichbaren Heiligtums angelegt ist,

Bild, Werkstoffe und Reinigung

19.197 kann sich der Tod eines Angehörigen des Brahmanenstandes ereignen. Solange der Leichnam sich innerhalb des Dorfes befindet, ihr Brahmanen,

19.198 gilt das Dorf nach dieser Vorschrift als rituell unrein; währenddessen soll man die Verehrung des Gottes nicht vollziehen. Ist der Leichnam aus dem Dorf hinausgebracht worden, ihr großen Weisen,

19.199 so besprenge man das gesamte Dorf unter Voranstellung der Punyaha-Segensrezitation. Anschließend nehme man die Verehrung des Gottes der Götter und die weiteren Handlungen wieder auf.

19.200 Tritt die rituelle Verunreinigung des Dorfes durch einen Todesfall ein, nachdem die Verehrung schon begonnen hat, so bringe der Lehrer die begonnene Handlung zügig nach dem vorgesehenen Ritualverfahren zum Abschluss.

19.201 Nach der Besprengung des Dorfes nehme er die Verehrung wie zuvor erneut auf. Stirbt im Dorf ein Shudra oder ein Angehöriger der hier mitgemeinten Gruppen,

19.202 so gilt die rituelle Unreinheit nur für das betreffende Haus, nicht für das ganze Dorf. Doch auch in diesem Fall soll man in der Nähe des Hauses des Herrn, ihr trefflichen Brahmanen,

19.203 wenn innerhalb von elf Dhanus ein solcher Leichnam liegt, diesen zuerst hinausbringen und danach die Verehrung des Gottes vollziehen.

19.204 Auch wenn das Haus des Herrn als Bestandteil einer Stadt oder eines Dorfes errichtet wurde, soll man die Götterverehrung nicht vollziehen, solange ein Leichnam innerhalb des betreffenden Ortes liegt.

19.205 In einem Dorf, einer Stadt oder einem entsprechenden Ort mit vierhundert Brahmanen entsteht jedoch nach dieser Vorschrift keine Unreinheit des ganzen Ortes, selbst wenn sich ein Leichnam darin befindet, ihr großen Weisen.

19.206 Liegt der Leichnam allerdings in der Nähe des Tempels, in derselben Straße, so verehre man den Gott auch dort erst nach der rituellen Besprengung.

19.207 Wird ein für ein Fest vorgesehener Ort infolge des Zusammenströmens der Bevölkerung von Chandalas, gesellschaftlich Ausgeschlossenen, menstruierenden Frauen, Wöchnerinnen, Shabaras oder Angehörigen entsprechender Gruppen aufgesucht,

19.208 oder wird er nach diesen Regeln durch Hunde und andere Tiere, alkoholische Getränke, Fleisch oder Gebeine rituell verunreinigt, so grabe man die Erde an allen betroffenen Stellen oder an der einzelnen betroffenen Stelle aus,

19.209 bringe sie hinaus, fülle reine Erde ein, ebne sie und reinige den Ort durch Besprengung mit Panchagavya und die weiteren Maßnahmen.

19.210 Danach vollziehe man zur Behebung der Störung ein befriedendes Ritual für das Dorf. Kommt das Bild mit Samenflüssigkeit, Urin, Kot, Blut, nicht trinkbarer Flüssigkeit, Erbrochenem,

19.211 Speichel, Knochen, Fleisch oder Ähnlichem in Berührung, ihr großen Weisen, so bade man es nach der höchsten Stufe Uttama-uttama und vollziehe ein befriedendes Ritual.

19.212 Werden solche Stoffe an den Tempelbau gebracht, so bade man den Herrn der Götter nach der Stufe Madhyama-uttama und vollziehe ein befriedendes Feueropfer.

19.213 Kommen sie in den ersten Umfassungsbereich, ihr hervorragenden Weisen, so bade man Purushottama nach der Stufe Adhama-uttama.

19.214 Ist der zweite oder ein weiterer Umfassungsbereich durch Kot, Urin oder dergleichen verunreinigt, so bringe man dies unverzüglich hinaus und reinige den Boden durch Fegen, Bestreichen und die weiteren Maßnahmen.

19.215 Anschließend besprenge man den gereinigten Boden mit Panchagavya und vollziehe zur Behebung aller rituellen Störungen ein befriedendes Feueropfer.

19.216 Ist entsprechend im Haus des Herrn, im ersten oder einem weiteren Umfassungsbereich der Boden durch Menstruationsblut rituell verunreinigt, so grabe man die betreffende Stelle knietief aus,

19.217 entferne die Erde und fülle den Boden wieder auf; man bestreiche ihn mit Kuhdungwasser und führe Feuer ringsum. [Der Sanskritwortlaut beim Auffüllen ist gestört; gemeint ist im Zusammenhang das Ersetzen der entfernten Erde.]

19.218 Man lasse die Punyaha-Segensrezitation vortragen und besprenge den Ort mit Panchagavya. Ein Türblatt, das von einer menstruierenden Frau berührt wurde,

19.219 wasche man mit reichlich Wasser ab. Ihren Weg reinige man nach dieser Vorschrift durch Fegen und Bestreichen mit Kuhdung. Die im Tempel befindlichen

19.220 Tongefäße sondere man aus und bade den im Heiligtum gegenwärtigen Herrn nach der Stufe Adhama-uttama.

19.221 Entsprechend bade man ein Bild, das sich in der Nähe einer menstruierenden Frau befunden hat, nach der Schriftvorschrift. Der treffliche Lehrer vollziehe dazu ein befriedendes Feueropfer und Mantrawiederholung.

19.222 Wird das Bild von Katzen, Mäusen, Schlangen, Fröschen, Echsen, Hauseidechsen, Leuchtkäfern oder dergleichen berührt,

19.223 so bade man den Gott der Götter mit neun Krügen, ihr großen Weisen. Die Berührung des Bildes durch Ameisen oder ähnliche kleine Tiere gilt dagegen nicht als ritueller Fehler.

19.224 Wird das Bild vom Maul einer Kuh oder von Regentropfen berührt, so bade man es nach der Stufe Adhama-adhama und vollziehe ein befriedendes Ritual.

19.225 Wird das Bild von Hunden, Eseln, Kamelen, Schweinen, Schakalen oder Hasen berührt, so bade man es nach der Stufe Uttama-uttama.

19.226 Man vollziehe das befriedende Feueropfer und die Mantrawiederholung in tausendfacher Zahl. Gelangen diese Tiere in das innere Heiligtum oder berühren sie es,

19.227 so bade man Purushottama nach der Stufe Madhyama-uttama. Beim Eindringen in den ersten Umfassungsbereich gilt die Badung Adhama-uttama.

19.228 Betreten sie den zweiten oder einen weiteren Umfassungsbereich, so bade man den Gott der Götter nach der Stufe Adhama-adhama,

19.229 vollziehe ein befriedendes Feueropfer und tausend Mantrawiederholungen. Bei Berührung des Bildes durch tote Katzen oder entsprechende Tiere gilt die Badung Adhama-uttama.

Wasserstellen und rituelle Verwendbarkeit

19.230 Diese Badung und das befriedende Feueropfer vollziehe der treffliche Lehrer. Ist das innere Heiligtum durch solche Tierkörper verunreinigt, so bade man mit neun Krügen

19.231 den Gott der Götter und vollziehe ein befriedendes Feueropfer. Sind der erste oder weitere Umfassungsbereiche durch solche Tierkörper verunreinigt, so bringe man diese hinaus

19.232 und reinige den Ort durch Fegen, Bestreichen mit Kuhdung und Panchagavya. Bei Berührung des Bildes durch tote Kühe, Büffel, Schafe, Ziegen, Affen und entsprechende Tiere

19.233 bade man es nach der Stufe Uttama-uttama. Ist das innere Heiligtum durch solche Tierkörper verunreinigt, so vollziehe man die Badung Madhyama-uttama

19.234 und das befriedende Feueropfer; dafür sorge der treffliche Lehrer. Werden im ersten oder einem weiteren Umfassungsbereich die zuvor genannten Tiere wie Kühe

19.235 geboren oder sterben sie dort, so reinige man den betreffenden Boden durch Abtragen und die weiteren Maßnahmen und bade den Gott nach der Stufe Adhama-uttama.

19.236 Wird das Kultbild von toten Hunden, Eseln, Schweinen oder ähnlichen Tieren berührt, so vollziehe man die rituelle Besprengung, das befriedende Feueropfer und die weiteren Handlungen.

19.237 Bei Berührung des Tempelbaus durch solche Tierkörper bade man den Gott der Götter nach der Stufe Uttama-uttama. Sind der erste oder weitere Umfassungsbereiche

19.238 dadurch verunreinigt, so bade man den Gott der Götter nach der Stufe Madhyama-uttama; der treffliche Lehrer vollziehe anschließend das befriedende Feueropfer und die weiteren Handlungen.

19.239 Gelangen Hunde oder entsprechende Tiere in die Küche oder Opferhalle oder werden diese durch ihre toten Körper verunreinigt, so sondere man die Tongefäße aus.

19.240 Man reinige die Metallgefäße, fege die Räume, vollziehe die weiteren Reinigungen, besprenge sie mit Panchagavya und bringe ein befriedendes Feueropfer dar.

19.241 Berühren jene Tiere die Opfergrube oder den Herd, ihr Brahmanen, so hebe man das bisherige Feuer auf und richte vorschriftsgemäß ein neues ein.

19.242 Bei Berührung des Bildes durch Krähen, Geier, Eulen, Hühner, Tauben, Falken und andere Vögel sowie durch Warane, ihr großen Weisen,

19.243 bade man es nach der Stufe Madhyama-uttama und vollziehe ein befriedendes Ritual. Gelangen diese Tiere in das innere Heiligtum, ihr hervorragenden Weisen,

19.244 so bade man das Bild nach der Stufe Adhama-uttama und vollziehe ein befriedendes Ritual. Gelangen sie im ersten oder einem weiteren Umfassungsbereich an eine Stelle, zu der sie keinen Zugang haben sollen,

19.245 so besprenge man diese Stelle mit Panchagavya und vollziehe zur Behebung aller rituellen Störungen ein befriedendes Feueropfer und die weiteren Handlungen.

19.246 Wird das Bild von toten Krähen oder entsprechenden Tieren berührt, so vollziehe man zur Behebung der Störung die Badung Uttama-uttama und ein befriedendes Feueropfer.

19.247 Berühren solche Tierkörper den Tempelbau, so bade man den Gott der Götter nach der Stufe Madhyama-uttama. Ist eine Stelle im ersten oder einem weiteren Umfassungsbereich

19.248 dadurch verunreinigt, so reinige man sie durch Fegen, Bestreichen und die weiteren Maßnahmen, besprenge sie mit Panchagavya und vollziehe ein befriedendes Ritual.

19.249 Ist die Küche oder ein entsprechender Raum auf diese Weise betroffen, so vollziehe man alles wie zuvor. Wenn sich Shithili, Sarana, Tumbhi, Ameisenhügel oder Ähnliches – so die hier teilweise unklar überlieferten Tier- und Befallsbezeichnungen –

19.250 auf dem Bild gebildet haben, entferne man dies unverzüglich. Man vollziehe eine Übergießung des Bildes und nach der Vorschrift mit Panchagavya

19.251 die rituelle Besprengung; danach bringe man ein befriedendes Feueropfer dar. Zur Behebung dieser Störung gebe man Kühe, Land, Sesam und andere Gaben.

19.252 Man speise außerdem tausend Brahmanen, ihr hervorragenden Weisen. Tritt ein solcher Befall im Tempelbau oder im inneren Heiligtum auf,

19.253 so bade man Purushottama nach der Stufe Uttama-uttama und vollziehe das befriedende Feueropfer und alle weiteren Handlungen wie zuvor.

19.254 Treten an Umfassungsmauer, Halle, Torturm, Prozessionsfahrzeugen oder dergleichen Shithili, Sarata und ähnliche Tiere oder Ameisenhügel auf,

19.255 oder wachsen dort Pilze und die als Brahmadanda bezeichnete Pflanze, so entferne man sie unverzüglich und besprenge den Ort mit Panchagavya.

19.256 Man bade Purushottama nach der Stufe Adhama-uttama und vollziehe das befriedende Feueropfer samt allen weiteren Handlungen wie zuvor.

19.257 Haben Personen, die nicht als Ritualpriester amtieren, im Heiligtum des Herrn einen Sitz eingenommen, gelegen, gegessen oder Ähnliches getan, ihr Brahmanen,

19.258 so besprenge man den betreffenden Platz mit Panchagavya und vollziehe ein befriedendes Ritual. Schlägt ein Blitz in das Bild ein, so stelle man dessen beschädigten Teil vorschriftsgemäß

19.259 wieder her, vollziehe die rituelle Besprengung und bade den Gott mit tausend Krügen. Man bringe ein Feueropfer zur Befriedung dar und richte eine Brahmanenspeisung

19.260 für tausend Personen aus; abschließend feiere man ein großes Fest. Schlägt ein Blitz in den Tempelbau ein, so stelle man den beschädigten Teil in der früheren Gestalt wieder her,

19.261 vollziehe die rituelle Besprengung und die weiteren Handlungen, bade den Gott nach der Stufe Uttama-uttama und bringe danach ein befriedendes Feueropfer dar.

19.262 Schlägt ein Blitz in den ersten oder einen weiteren Umfassungsbereich, in einen Torturm oder eine Halle ein, so gilt die Badung der Stufe Adhama-uttama,

19.263 zusammen mit einem befriedenden Feueropfer und einer Brahmanenspeisung. Nun werde ich die Befriedung unheilvoller Vorzeichen erläutern; hört zu, ihr Brahmanen.

Zur historischen Einordnung: Die vorangehenden Regeln beschreiben rituelle Verwendbarkeit und gesellschaftliche Rangordnungen ihrer Zeit. Sie begründen keine heutige Abwertung von Menschen.

Vorzeichen und Befriedungsriten

19.264 Wenn Meteore, Blitze und ähnliche Erscheinungen niedergehen, wenn ein Stern vom Himmel zu fallen scheint, wenn die Himmelsrichtungen unter Rauchentwicklung aufleuchten oder der König als von Geisterwesen ergriffen gilt,

19.265 wenn Hungersnot herrscht, das Land von Krankheit oder feindlicher Bedrohung betroffen ist, wenn der Sonnenaufgang verkehrt erscheint, die Erde bebt oder sich spaltet,

19.266 wenn übermäßiger Regen oder Dürre eintritt, ein himmlischer Paukenschall gehört wird, nachts ein Regenbogen erscheint oder Feuer im Wasser entsteht,

19.267 wenn beim Mondaufgang Dunkelheit herrscht, Rauch ohne Feuer sichtbar wird, eine Nebensonne erscheint oder am Tag Sterne zu sehen sind,

19.268 wenn die als Valamina bezeichnete Erscheinung gesehen wird, nachts die Sonne sichtbar wird, im Traum der Mond herabfällt oder Feuer aus dem Boden aufleuchtet,

19.269 wenn Geisterwesen oder Ähnliches erscheinen, am Himmel das Geräusch eines Rades gehört wird oder dort ohne erkennbare Ursache ein Kampf der Planeten wahrgenommen wird, ihr Brahmanen,

19.270 wenn ein noch lebender Baum umstürzt, ein Berg zusammenbricht, an einem Baum fremdartige Früchte wachsen oder ein Spross aus einem Stein hervorkommt,

19.271 wenn Steine herabregnen, in Teichen oder ähnlichen Gewässern rote Algen erscheinen, ein Lebewesen mit zwei Köpfen geboren wird oder aus einem Baum Blut hervortritt,

19.272 wenn unter Menschen, Tieren oder Vögeln eine andersartige Geburt vorkommt, und ebenso bei anderen außergewöhnlichen Ereignissen, die als große Unheilszeichen gelten,

19.273 soll der König ohne Verzögerung ein Ritual zur Befriedung der damit verbundenen Störung veranlassen, ihr hervorragenden Brahmanen. In einer glückverheißenden Halle, die nach den bei der Weihe genannten Vorschriften errichtet wird,

19.274 lege man ordnungsgemäß zehn Opfergruben an, beginnend mit der Chakra-Lotus-Form. Mit Opferhölzern vom Brahmavriksha und weiteren genannten Bäumen,

19.275 mit Sesam, der mit Ghee benetzt ist, und mit den zuvor genannten fünf süßen und weiteren Opferstoffen, die man entsprechend mischt,

19.276 sollen vorzügliche Mantrakundige zur Befriedung besonders schwerer Störungen Opfergaben darbringen, nach den vorhandenen Kräften in den Zahlen Ayuta, Niyuta, Laksha und bis hin zu Koti. [Ayuta bezeichnet zehntausend, Laksha hunderttausend und Koti zehn Millionen; die hier zwischengeordnete Zahl Niyuta wird nicht vereinheitlicht.]

19.277 Zehn vorzügliche Mantrakundige sollen diese Opfer einschließlich der abschließenden vollen Darbringung vollziehen. Für die Opfergruben, beginnend mit der mittleren, gilt folgende Zuordnung der Mantras:

19.278 in der Chakra-Lotus-Grube der zwölfsilbige Mantra, in der achteckigen der achtsilbige, in der sechseckigen der sechssilbige und in der muschelförmigen der Pranava, Om.

19.279 In der viereckigen Grube verwende man den Jitanta-Mantra, in der dreieckigen den Vishvatrat-Mantra und in der als zweiunddreißigblättriger Lotus bezeichneten Grube den Anushtubh-Mantra des Narasimha.

19.280 In der Chakra-Grube, deren Speichen durch Silben bezeichnet sind, verwende man den Sudarshana-Narasimha-Mantra, in der halbmondförmigen den Varaha-Mantra und in der runden den Sudarshana-Mantra.

19.281 Zwei Feuerstätten lege man auf dem mittleren Altar im Süden und Norden an, wie zuvor erläutert. Die übrigen ordne man ringsum in den Haupt- und Zwischenhimmelsrichtungen an.

19.282 Für das Befriedungsritual setze man Opferpriester ein, deren Mantrapraxis zur Wirksamkeit gelangt ist. Nach dem Ermessen des Guru können auch sämtliche Opfergruben für sämtliche Mantras

19.283 bestimmt werden, da die Mantras alle Früchte gewähren können. Diejenigen, in denen die Mantras rituell eingesetzt wurden, sollen sie in der vorgeschriebenen Weise und Zahl wiederholen.

19.284 Durch Gaben von Kühen, Land, Gold, Sesam und Nahrung soll man geeignete Empfänger zufriedenstellen und besonders auch für die göttlichen und entsprechenden Heiligtümer sorgen.

19.285 Ein König, der seine Bevölkerung schützt und sein eigenes Heil erstrebt, lasse ein solches Befriedungsritual durch Schriftkundige unter Bereitstellung reichlicher Mittel ausführen.

19.286 Dies ist das ausführliche Hauptverfahren, ihr trefflichen Brahmanen. Beim vereinfachten Ersatzverfahren vollziehe man das Opfer wie zuvor in der Opferhalle, nacheinander in fünf Opfergruben,

19.287 mit den fünf allumfassenden Mantras, angeführt vom achtsilbigen Mantra, und mit fünf Stoffen wie Honig und Milch in der hier als Niyuta bezeichneten Zahl,

19.288 wobei der Mantrakundige so opfere, dass die Zahl von einem Laksha, hunderttausend, erreicht wird. Kühe, Land, Sesam und andere Gaben gebe man wie zuvor, ihr großen Weisen.

19.289 In allen Fällen feiere man abschließend ein Fest, dem das Aufziehen der Fahne vorausgeht. Wenn das Götterbild zu lachen, sich zu bewegen oder zu weinen scheint,

19.290 wenn es fällt, sich dreht, Schweiß oder Blut zeigt, so vollziehe man die rituelle Besprengung und das zuvor beschriebene Befriedungsritual,

19.291 das mit einem großen Fest für den Gott endet und alle Störungen befrieden soll. Wird das im Heiligtum befindliche Bild plötzlich heiß,

19.292 so bade man es sieben Tage lang mit Milch, Honig, Ghee und Kokoswasser, jeweils mit tausend Prastha.

19.293 Danach vollziehe man das zuvor beschriebene Befriedungsritual mit abschließendem Fest. Bei einem Regen, der als Blutregen erscheint, reinige man den Tempel und die weiteren Gebäude, ihr großen Weisen,

19.294 durch Abwaschen mit reinem Wasser, Bestreichen mit Kuhdung, Herumführen von Feuer und Besprengen mit Panchagavya.

19.295 Danach vollziehe man vorschriftsgemäß die rituelle Besprengung für den Gott und bade ihn mit Honig und Ghee in Mengen von jeweils tausend Prastha.

19.296 Man vollziehe das zuvor beschriebene Befriedungsritual mit abschließendem Fest nach der Vorschrift. Bei Honigregen oder Milchregen bade man den Gott mit jeweils tausend Prastha des betreffenden Stoffes

19.297 sieben Tage lang und vollziehe das Befriedungsritual wie zuvor. Stürzt das Heiligtum unvermittelt ein oder fällt ein Baum darauf,

19.298 so stelle man es rasch in seiner früheren Gestalt wieder her, vollziehe die rituelle Besprengung des Herrn und das zuvor beschriebene Befriedungsritual; abschließend feiere man ein großes Fest.

19.299 Damit sind die Befriedungsriten bei großen Unheilszeichen erläutert, ihr Brahmanen. Nun werden die Sühneriten für Fehler bei der täglichen Verehrung und den entsprechenden Handlungen beschrieben.

Einordnung zu 19.264–299: Dieser Abschnitt beschreibt die traditionelle Deutung außergewöhnlicher Naturereignisse, Träume und Erscheinungen an Kultbildern. Die genannten Folgen werden als Aussagen dieses Vorzeichensystems wiedergegeben. Eine heutige spirituelle Anregung kann sein, auf Bedrängnis mit Sammlung, gemeinsamer Verantwortung und hilfreichen Gaben zu antworten. Die geschilderten Vorzeichen werden damit weder naturwissenschaftlich erklärt noch als verlässliche Vorhersagen behauptet.

Versäumnisse in der täglichen Verehrung

19.300 Wenn jemand ohne vorheriges Bad, ohne das senkrechte Stirnzeichen, ohne Pavitra-Ring oder ohne heilige Schnur, nackt, nur mit einem Tuch bekleidet oder in zerschlissener Kleidung

19.301 oder mit abgestandener, blauer, angesengter oder nasser Kleidung die Verehrung vollzieht,

19.302 ohne Achamana vorgenommen zu haben, ohne Meditation, mit offenem Haar, schwitzend, lachend, zornig, schwer atmend oder schwatzend, ihr Brahmanen,

19.303 oder dabei ausspuckt und dergleichen tut, so soll er zur Behebung dieses rituellen Fehlers den unübertrefflichen achtsilbigen Mantra

19.304 tausendmal oder hundertmal wiederholen, ihr Brahmanen. Danach vollziehe er die Verehrung des Gottes erneut nach der Vorschrift.

19.305 Ist jemand durch Berührung von nach diesen Regeln nicht zu Berührendem – Haaren, Knochen, Erdklumpen, Lumpen oder Blut – verunreinigt, oder ist er in Urin, Kot oder Ähnliches getreten und hat danach nicht gebadet,

19.306 hat er Menschen im Zustand ritueller Unreinheit oder Chandalas und entsprechende Personen berührt, oder haftet Blut oder dergleichen an seinem Körper, und verehrt er so Keshava,

19.307 so bade man das Bild mit Panchagavya und wiederhole die Verehrung. Hat der Verehrende Krähen, Geier, Hunde, Esel oder ähnliche Tiere berührt,

19.308 oder war er mit Angehörigen fremder Lehren, Personen aus Pratiloma-Verbindungen, gesellschaftlich Ausgeschlossenen, Personen mit als niedrig geltendem Lebenswandel oder mit Chaitya-Bäumen und dergleichen in Berührung, und vollzieht er danach die Verehrung,

19.309 so bade man Purushottama nach der Stufe Adhama-adhama. Hat er Chandalas oder entsprechende Personen, Mlecchas, menstruierende Frauen, Wöchnerinnen

19.310 oder Menschen mit schweren Verfehlungen berührt, oder hat er nach Geschlechtsverkehr noch nicht gebadet und verehrt so den Herrn der Götter, so bade man diesen nach der mittleren Unterstufe,

19.311 und vollziehe anschließend die Verehrung erneut. Verehrt jemand, der dem Verkehr mit der Frau eines anderen nachgeht, oder ein Mensch mit Aussatz oder einem fehlenden Körperglied,

19.312 ein Einäugiger, Blinder, Stummer, Gehörloser, Gehbehinderter, an Anfällen Erkrankter oder als geistig verwirrt Geltender das Götterbild,

19.313 so bade man es nach dieser Vorschrift gemäß der Stufe Adhama-uttama, ihr Brahmanen. Vollzieht jemand im Zustand ritueller Unreinheit, ein gesellschaftlich Ausgeschlossener, ein Kunda oder Golaka

19.314 oder jemand mit einer schweren Verfehlung die Verehrung, so bade man Purushottama nach der Stufe Uttama-uttama

19.315 und vollziehe ein befriedendes Feueropfer sowie die Wiederholung des Wurzelmantras. Werden zur Verehrung Getreide, Blüten, Früchte oder andere Gaben verwendet, die durch Würmer, Insekten oder dergleichen verdorben sind,

19.316 oder Stoffe, die mit Körperteilen von Lebewesen, Spelzen, Asche, Knochen, Haaren, Zähnen oder Nägeln in Berührung kamen, oder Früchte, die nach diesen Ritualregeln von nicht berührungsberechtigten Personen angefasst wurden,

19.317 oder andere abgestandene Blätter, Blüten und Früchte, so wiederhole man nach einer solchen Verehrung des Gottes den Wurzelmantra hundertmal.

19.318 Wurden Stoffe verwendet, die von Chandalas, gesellschaftlich Ausgeschlossenen, menstruierenden Frauen, Wöchnerinnen, Personen aus Pratiloma-Verbindungen, Shabaras oder ähnlichen Gruppen berührt wurden, oder von der Schrift missbilligte

19.319 Blätter, Blüten und dergleichen, oder solche, die vom Maul einer Kuh berührt wurden, oder Stoffe mit Menschenblut, oder Materialien, die mit nach diesen Regeln nicht zu berührenden Tieren,

19.320 Würmern, Insekten, fliegendem Ungeziefer, Knochen, Zähnen, Haaren und Nägeln oder mit Spelzen, Asche, Erdklumpen und Ähnlichem vermengt waren, ihr Brahmanen,

19.321 oder wurden bereits früher dargebrachte Gaben und abgestandenes Wasser zur Verehrung verwendet, so bade man den Gott mit Kusha-Wasser unter Rezitation des Purusha Sukta.

19.322 Danach wiederhole man den Wurzelmantra hundertachtmal; alternativ vollziehe man zur Behebung sämtlicher Fehler ein befriedendes Feueropfer.

19.323 Wird Hari mit von Tieren angefressenen Blüten, mit Blüten aus der Nähe der Wohnstätten als niedrig eingestufter Menschen, aus dem Garten eines anderen oder mit von nicht Eingeweihten gebundenen Blüten

19.324 verehrt, mit von Shudras gebrachten oder außerhalb des Blumenraumes beziehungsweise von Kranken gebundenen Blüten, mit auf dem Boden liegenden Blättern, Blüten oder Früchten,

19.325 so bade man den Herrn der Götter mit Milch, wiederhole den Wurzelmantra hundertachtmal und verehre ihn erneut mit reinen Blättern, Blüten und entsprechenden Gaben.

19.326 Wurde die Verehrung des Gottes mit verschlissenen oder ungewaschenen Tüchern, beschädigten Schirmen und dergleichen oder ungereinigten Arghya-Gefäßen vollzogen,

Kleidung, Licht, Düfte und Gaben

19.327 so wiederhole man den Mantra hundertachtmal und vollziehe die Verehrung erneut. Wurden Tücher verwendet, die mit Unreinem wie Haaren oder Knochen in Berührung kamen oder von Shudras und den hier mitgemeinten Gruppen angefasst wurden,

19.328 die Hunde oder andere Tiere berührten oder die mit Chandalas und entsprechenden Personen in Kontakt kamen, so bade man den damit verehrten Gott nach der Stufe Adhama-uttama.

19.329 Nach dieser Badung des Herrn der Götter vollziehe man ein befriedendes Feueropfer. Bei einer Verehrung mit Tüchern, die Chandalas, Wöchnerinnen oder menstruierende Frauen berührt haben,

19.330 bade man den Gott nach der Stufe Uttama-uttama und vollziehe ein befriedendes Ritual. Ein Baumwolltuch, das durch Haare, Knochen, Hunde oder dergleichen verunreinigt wurde,

19.331 kann nach erneuter Reinigung dem Gott dargebracht werden. Ein Baumwolltuch, das Chandalas oder entsprechende Personen berührt haben, soll man dagegen nach dieser Vorschrift aussondern, ihr hervorragenden Weisen.

19.332 Ein von Shudras oder entsprechenden Personen berührtes Seidentuch soll man rituell besprengen, ihr Brahmanen. Haben Chandalas oder entsprechende Personen es berührt, wasche der Lehrer es mit Wasser.

19.333 Werden Lampen mit Ghee aus Ziegen-, Schaf-, Büffel- oder Kamelmilch, mit Rizinusöl, mit aus Tierkörpern gewonnenen Fetten oder mit Fruchtölen gespeist,

19.334 oder werden Milch, Dickmilch oder Ghee von Ziegen und den zuvor genannten Tieren im Feuer geopfert, ihr hervorragenden Weisen, so vollziehe man zur Behebung dieses Fehlers ein befriedendes Feueropfer.

19.335 Werden das zuvor genannte Ghee und die entsprechenden Stoffe zur Badung oder als Speisegabe für den Gott verwendet, so vollziehe man eine Badung nach der Stufe Adhama-uttama und ein befriedendes Ritual.

19.336 Wurden Lampendochte oder ähnliche Gegenstände aus Stoffresten hergestellt, die Menschen zuvor getragen haben, so vollziehe man ein befriedendes Feueropfer und tausend Mantrawiederholungen.

19.337 Wurde der Gott aus Unachtsamkeit mit Räucherstoffen verehrt, die tierische Bestandteile enthalten, aus Öl, aus Snuhi oder aus anderen übelriechenden Stoffen gewonnen wurden,

19.338 so bringe der Lehrer tausend Opfergaben aus dem Ghee einer Kapila-Kuh dar und verehre den Gott mit tausend Jati-Jasminblüten.

19.339 Danach räuchere er mit reinem Kampfer und Agaru, ihr vorzüglichen Weisen. Wurden zur Verehrung Stoffe verwendet, die durch bereits einer anderen Gottheit dargebrachte Opferreste rituell ungeeignet geworden sind,

19.340 so bade man das Bild nach der Stufe Adhama-adhama und vollziehe ein befriedendes Ritual. Wurde Wasser aus einem Brunnen verwendet, der durch Chandalas, Wöchnerinnen oder menstruierende Frauen berührt oder durch einen Leichnam verunreinigt wurde,

19.341 um den Gott zu verehren, so bade man Purushottama nach der Stufe Uttama-uttama.

19.342 Verehrt man den Gott aus Unachtsamkeit mit Wasser aus einem Brunnen, in dem ein Tierkadaver liegt oder der von Personen aus Pratiloma-Verbindungen berührt wurde,

19.343 so vollziehe man zur Behebung des Fehlers die Badung Uttama-madhyama. Wurde Wasser aus einem Brunnen geschöpft, in dem ein totes kleines Tier liegt oder der durch Kot, Urin oder nicht trinkbare Flüssigkeiten

19.344 oder durch Opferreste anderer Gottheiten verunreinigt wurde, und zur Verehrung des Gottes der Götter verwendet, so gilt die Badung Uttama-adhama.

19.345 Bei Verehrung mit Wasser aus einem See, in dem ein Leichnam gelegen hat oder den Chandalas oder entsprechende Personen berührt haben, gilt die Badung Madhyama-uttama.

19.346 Diese Badung vollziehe man für den Gott. Wird dagegen Wasser aus einem See geschöpft, in dem ein Tierkadaver gelegen hat oder den Personen aus Pratiloma-Verbindungen berührt haben,

19.347 und zur Verehrung verwendet, so gilt die Badung Madhyama-madhyama. Wird Wasser aus einem Teich verwendet, den Chandalas oder entsprechende Personen berührt haben oder der durch einen menschlichen Leichnam verunreinigt wurde,

19.348 so vollziehe der treffliche Lehrer für den Gott der Götter die Badung Adhama-uttama.

19.349 Hat ein Leichnam in einem Brunnen gelegen oder wurde dieser von Chandalas oder entsprechenden Personen berührt, so schöpfe man nach dieser Regel das gesamte Wasser oder die Hälfte davon heraus, ihr großen Weisen.

19.350 Danach lasse man die Punyaha-Segensrezitation vortragen und besprenge den Brunnen mit Panchagavya. Ist er durch einen Tierkadaver oder dergleichen verunreinigt, so entnehme man die Hälfte des Wassers

19.351 oder auch ein Viertel und besprenge ihn mit Panchagavya. Ist der Brunnen durch tote Spitzmäuse oder andere kleine Tiere, Urin oder Kot

19.352 oder durch bereits Shiva dargebrachte Opferreste verunreinigt, so entnehme man ein Viertel oder die Hälfte des Wassers und besprenge ihn mit Panchagavya.

19.353 Ist ein See nach diesen Regeln durch Berührung von Chandalas oder entsprechenden Personen, durch einen menschlichen Leichnam, durch Berührung von Personen aus Pratiloma-Verbindungen oder durch einen Tierkadaver verunreinigt,

19.354 so vollziehe man die Hälfte des für den Brunnen genannten Sühneverfahrens. Ist ein Teich durch einen Leichnam, durch Berührung eines Chandala oder dergleichen verunreinigt,

19.355 so vollziehe man die Hälfte des für einen See genannten Verfahrens. Bei einem ausgedehnten See oder einem sehr großen Teich kann man stattdessen

19.356 tausend oder hundert Krüge Wasser entnehmen. Man schöpfe das Wasser bei Tag; geschieht dies bei Nacht, so in Gegenwart eines Feuers.

19.357 Wurden Speisen, Getränke und andere essbare Gaben von Chandalas, Wöchnerinnen, menstruierenden Frauen, Shabaras, Trinkern oder entsprechenden Personen, von Hunden, Schakalen, Schweinen, Krähen, Geiern oder ähnlichen Tieren berührt

19.358 und anschließend dem Gott dargebracht, oder wurde Nahrung geopfert, die Blut, Fleisch oder Knochen berührt hatte,

19.359 oder gekochte Nahrung aus einem durch einen Leichnam oder dergleichen rituell verunreinigten Raum, so sondere man die Tongefäße aus und reinige die Metallgefäße.

19.360 Man reinige den Tempel. Alle Beteiligten sollen vorschriftsgemäß baden und Kusha-Wasser trinken. Für das Götterbild vollziehe man die Badung Uttama-uttama

19.361 und bringe danach vorschriftsgemäß ein befriedendes Feueropfer dar. Wurde eine Opfergabe von Menschen berührt, die dem Verkehr mit der Frau eines anderen nachgehen oder nicht zwischen Erlaubtem und Unerlaubtem beim Essen unterscheiden,

19.362 oder von Nicht-Vaishnavas, oder wurde eine ausgesonderte, abgestandene oder von nach diesen Regeln ungeeigneten Personen betrachtete Speise dargebracht,

19.363 oder eine von Fröschen, Mäusen, Schlangen, Katzen, Würmern, Insekten oder fliegendem Ungeziefer berührte, durch Haare oder dergleichen verunreinigte Speise,

19.364 oder angehauchte, zuvor beschnupperte oder bereits dargebrachte Nahrung, so bade man nach einer solchen Opferung mit zwölf Krügen der Reihe nach

19.365 den Herrn der Götter und vollziehe ein befriedendes Feueropfer. Wird Nahrung dargebracht, die auf einem von Hunden, Geiern oder ähnlichen Tieren berührten Herd gekocht wurde,

19.366 so bade man Purushottama wie zuvor mit zwölf Krügen. Wird Nahrung dargebracht, die auf einem von Chandalas oder entsprechenden Personen berührten Herd gekocht wurde,

19.367 so bade man Purushottama mit fünfundzwanzig Krügen. Wird eine Opfergabe dargebracht, die zu heiß, zu kalt, mit Staub oder Spelzenteilchen vermengt

19.368 oder durch Erde und Steine verunreinigt ist, so wiederhole man den Wurzelmantra tausendmal, ihr trefflichen Brahmanen.

19.369 Bei Darbringung einer Opfergabe aus für das Opfer ungeeigneten Getreiden wie Kodrava oder bei Darbringung untersagter Gemüse, Wurzeln oder Früchte

19.370 bade man den Gott mit Kuhmilch-Ghee und vollziehe ein befriedendes Feueropfer. Hört nun eine besondere Regel für die große Speisegabe, Mahahavis, ihr Brahmanen:

19.371 Nahrung, die außerhalb des Küchengebäudes von nicht Eingeweihten zubereitet wurde, die nicht durch Mantras geweiht, nicht eingeteilt oder nicht in der vorgeschriebenen Beschaffenheit hergestellt ist,

19.372 die von nach diesen Regeln ungeeigneten Personen betrachtet oder von Fliegen und dergleichen berührt wurde, darf in diesem Fall nach sorgfältiger Besprengung mit Astra-Mantra-Wasser dargebracht werden.

19.373 Bei einer entsprechend fehlerhaften Opfergabe außerhalb dieses Sonderfalls vollziehe man hingegen ein befriedendes Ritual. Sind Blätter, Blüten, Früchte oder Speisen von Fliegen, Würmern, Bienen oder ähnlichen Tieren angefressen oder mit deren Ausscheidungen verunreinigt,

19.374 so ist das davon Betroffene auszusondern. Das für die Gabe Verbleibende besprenge man mit Astra-Mantra-Wasser und bringe es dem Gott mit Hingabe dar. [Die Abgrenzung zwischen auszusonderndem und weiter verwendbarem Material ist im knappen Sanskritwortlaut nicht völlig eindeutig.]

Die Verehrung im Herzen

19.375 Wer die Reinigung der Elemente, Bhuta Shuddhi, das Einsetzen der Mantras, Nyasa, oder entsprechende vorbereitende Handlungen unterlässt, den Gott nicht im Herzen verehrt oder die früheren Opfergaben nicht entfernt,

Die äußere Verehrung wird durch innere Sammlung vorbereitet.

19.376 wer Bild oder Verehrungsstätte nicht reinigt und aus Unachtsamkeit dennoch die Götterverehrung vollzieht, ihr Brahmanen,

19.377 soll zur Behebung des Fehlers den Wurzelmantra tausendmal wiederholen, die unterlassene Handlung nachholen und die Verehrung erneut vollziehen.

Praxisanregung zu 19.375–377: Bevor äußere Gaben dargebracht werden, nennt der Text die Reinigung der Elemente, Nyasa und die Verehrung Gottes im Herzen. Für die eigene Puja kann dies bedeuten: zunächst still werden, sich der Gegenwart des Göttlichen zuwenden und erst dann Blumen, Licht oder ein Gebet darbringen. Das Nachholen einer versäumten Handlung in 19.377 erinnert an eine aufmerksame, verantwortliche Praxis. Die hier genannten Einweihungsrituale werden durch diese einfache Anregung nicht ersetzt.

19.378 Fehlen Bestandteile der Arghya-Gabe oder entsprechender Gaben, oder wurden das rituelle Verbrennen, Erfüllen und die weiteren Reinigungen unterlassen, so wiederhole man die Vishnu-Gayatri hundertmal nach der Vorschrift.

19.379 Man vollziehe die Weihehandlungen wie das Einsetzen der Mantras in die Opferstoffe und verehre die Arghya-Gabe und die weiteren Gaben. Wurde die Verehrung der Gottheiten am Tempeleingang oder in den Umfassungsbereichen

19.380 unterlassen, so wiederhole man vor ihnen der Reihe nach ihren jeweiligen Mantra hundertachtmal und vollziehe ihre Verehrung erneut.

19.381 Wurde bei der Verehrung der Eingangsgottheiten oder Begleitgottheiten die Reihenfolge vertauscht, so wiederhole man den Wurzelmantra hundertmal und verehre sie in der richtigen Reihenfolge.

19.382 Wurde der Gott verehrt, ohne zuvor den Sockel zu verehren, so wiederhole man den Mantra der Sockelgottheit und der weiteren zugehörigen Gottheiten hundertmal wie vorgeschrieben.

19.383 Der Guru vollziehe danach die Sockelverehrung erneut und verehre den Gott. Wurden die für rituelle Handlungen bestimmten Nebenbilder ohne vorherige Herabrufung verehrt,

19.384 oder wurde die Verehrung ohne Laya-Yaga, das Opfer der Rückführung, oder ohne Bhoga-Yaga, das Opfer der Darbringungen, ausgeführt, so wiederhole man den Wurzelmantra tausendmal und vollziehe die Verehrung erneut.

19.385 Wurden Mantras, Handlungen oder Mudras ausgelassen oder wurde die Reihenfolge von Darbringungen, Mantras oder anderen Handlungen vertauscht, ihr Brahmanen,

19.386 so wiederhole man den Mantra zur Behebung des Fehlers hundertachtmal. Wurde während der Puja das Läuten der Glocke unterlassen

19.387 oder fehlte die Vedenrezitation, so vollziehe man ein befriedendes Feueropfer. War eine der zuvor vorgesehenen Ehrengaben unvollständig, so vollziehe man die Verehrung mit der doppelten Menge der betreffenden Stoffe

19.388 erneut und wiederhole den Mantra hundertachtmal. Wurden die drei Arten von Darbringungen – die ehrenden Dienste, die durch Berührung vermittelten Gaben und die das Herz erfreuenden Gaben –

19.389 ausgelassen, so hole man sie bei der Verehrung in ihrer Reihenfolge nach, ihr Brahmanen. Alle Saatkörner, die Matra-Gabe und mit Ghee bereiteter Reis

19.390 sollen dem Gott dabei besonders, jeweils entsprechend, dargebracht werden. Wurde die Matra-Gabe unterlassen, so bade man den Gott mit glückverheißendem Wasser

19.391 und vollziehe zur Behebung des Fehlers ein befriedendes Feueropfer. Erlischt während der Verehrung plötzlich eine Lampe, ihr großen Weisen,

19.392 so entzünde man sie erneut, bringe ein befriedendes Feueropfer dar und wiederhole den Augen-Mantra. Geht die ständig brennend zu erhaltende Lampe zugrunde, ihr hervorragenden Weisen,

19.393 so bade man den Herrn der Götter mit Milch und vollziehe ein befriedendes Feueropfer. Man richte die Lampe erneut ein und wiederhole den Wurzelmantra tausendmal.

19.394 Erlischt eine der Lampen, die aus der Küche für die Nirajana-Lichtdarbringung vor dem Gott gebracht wurden,

19.395 aus Unachtsamkeit, durch einen heftigen Luftzug oder Ähnliches noch vor ihrer Darbringung, so gilt dies als Vorzeichen für den Verlust von Wohlergehen; geschieht es danach, als Vorzeichen für Krankheit und ähnliche Bedrängnisse.

19.396 Deshalb entzünde man sie unverzüglich erneut und wiederhole den Wurzelmantra hundertachtmal. Geht das Nirajana-Licht vor oder nach der Darbringung verloren,

19.397 so entzünde man es unverzüglich erneut und wiederhole den Mantra tausendmal. Wurde der dabei verwendete Krug von einer nach diesen Regeln nicht berechtigten Person berührt, so sondere man ihn aus,

Unterbrechungen des Tempeldienstes

19.398 beschaffe einen anderen und vollziehe die Handlung mit diesem. Wenn während der Verehrung das Räuchergefäß, das Lampengefäß, ihr Brahmanen,

19.399 der Krug für die Lichtdarbringung, die Glocke, ein Arghya-Gefäß, ein Schirm oder ein anderer solcher Gegenstand aus Unachtsamkeit herunterfällt,

19.400 so wiederhole man den Mantra tausendachtmal. Ist das Räuchergefäß oder ein entsprechendes Gerät zerbrochen, so stelle man es in seiner bisherigen Gestalt wieder her,

19.401 besprenge es mit Panchagavya und verwende es wieder bei der Verehrung. Wird eine der sechs täglichen Verehrungszeiten versäumt,

19.402 so verehre man den Gott zum nächsten Zeitpunkt mit der doppelten Menge der Gaben. Werden zwei oder drei Verehrungszeiten versäumt, ihr trefflichen Weisen,

19.403 so verehre man Purushottama mit der drei- beziehungsweise vierfachen Menge. Ist die Verehrung einen ganzen Tag ausgeblieben, so bade man den Gott nach der Stufe Adhama-adhama

19.404 und vollziehe vorschriftsgemäß ein befriedendes Feueropfer. Man verehre ihn mit der doppelten Menge der Gaben und speise Brahmanen.

19.405 Bleibt die Verehrung zwei Tage bis zu einem halben Monat aus, ihr großen Weisen, so bade man das Bild nach der Stufe Adhama-uttama und vollziehe ein befriedendes Ritual.

19.406 Man verehre den Gott vorschriftsgemäß mit entsprechend vervielfachten Gaben, wobei die Anzahl der versäumten Tage zugrunde liegt und deren Gabe verdoppelt wird, und speise zahlreiche Brahmanen.

19.407 Ist die Verehrung einen Monat lang ausgeblieben, so bade man den Gott nach der Stufe Uttama-uttama und vollziehe vorschriftsgemäß das Befriedungsritual und die weiteren Handlungen wie zuvor.

19.408 Ist die Verehrung länger als einen Monat, aber weniger als drei Jahre ausgeblieben, ihr trefflichen Brahmanen, so vollziehe man die rituelle Besprengung für den Gott.

19.409 Man verehre ihn vorschriftsgemäß mit Gaben, die entsprechend der Zahl der versäumten Monate bemessen und verdoppelt werden, und speise tausend Brahmanen.

19.410 Ist die Verehrung bei einem von Menschen errichteten Heiligtum länger als drei Jahre ausgeblieben, so vollziehe man eine erneute Weihe. Bei selbst offenbarten und entsprechenden Heiligtümern

19.411 vollziehe man hingegen die rituelle Besprengung und eine Badung mit tausend Krügen. Wurde an einer von Menschen errichteten Stätte die Verehrung versäumt, ihr Brahmanen,

19.412 so nehme man erst nach dem Sühneritual die tägliche Puja und die entsprechenden Handlungen wieder auf. Bei einer selbst offenbarten oder entsprechenden Stätte dagegen

19.413 vollziehe man das Sühneritual bei fortgesetzter Verehrung. Fehlen Opferhölzer, Einfassungshölzer, Darbha-Gras, Kurcha-Grasbündel oder Opfergaben,

19.414 Ghee-Schalen und andere Gefäße, das Feuer auf der Opferfläche oder in der Grube, die Sruk- und Sruva-Opferlöffel oder das Pranita-Wassergefäß, oder entsprechen sie nicht den vorgeschriebenen Merkmalen,

19.415 so bringe der Mantrakundige zur Befriedung wie zuvor Opfergaben mit den fünf allumfassenden Mantras dar. Sind die genannten Geräte zerbrochen, zerschnitten, verbrannt oder anderweitig beschädigt,

19.416 so beschaffe man Ersatz und vollziehe ein befriedendes Feueropfer. Fehlen Brenn- und Opferhölzer, so opfere man Ghee und Charu, gekochte Opferspeise.

19.417 Fehlen Opferhölzer und Ghee, so vollziehe man das Feueropfer mit Sesam. Sind die anderen Opferstoffe nicht erhältlich, so opfere der Verständige mit Ghee.

19.418 Bei der Durchführung eines Feueropfers sollen Sesam und Ghee jedenfalls nicht beide fehlen. Fehlen beide, so gilt die Darbringung als fruchtlos.

19.419 Zur Behebung dieses Fehlers vollziehe man ein befriedendes Feueropfer. Erlischt das geweihte Feuer in der Opfergrube, auf der Opferfläche oder im Herd,

19.420 so lege man es erneut an, weihe es und vollziehe das befriedende Feueropfer und die weiteren Darbringungen. Wurden die Einrichtung des Feuers oder entsprechende Handlungen aus Unachtsamkeit nicht vorschriftsgemäß vorgenommen,

Feuer, Opfergaben und Vollständigkeit

19.421 so hole man sie vorschriftsgemäß nach und vollziehe ein befriedendes Feueropfer. Wird das Feuer von nach diesen Regeln nicht berührungsberechtigten Personen oder von Haaren, Knochen oder Nägeln berührt,

19.422 so opfere man vorschriftsgemäß hundertmal Ghee mit dem Wurzelmantra. Haben sich menstruierende Frauen, Wöchnerinnen oder entsprechende Personen in der Nähe befunden, so opfere man nach dieser Regel zehntausendmal.

19.423 Haben sie das Feuer berührt, so richte man ein anderes ein, vollziehe das Opfer und wiederhole den Mantra zehntausendmal. Wurde in einem ungeweihten Feuer geopfert, so vollziehe man das Feueropfer erneut.

19.424 Bei anlassbezogenen Riten, bei Riten zur Erfüllung eines Wunsches und besonders bei Festen vollziehe man das zugehörige Feueropfer in einer gesonderten Opfergrube.

19.425 Wurde dies aus Unachtsamkeit anders gehandhabt, so vollziehe man ein befriedendes Feueropfer. Wurden die Reste der geopferten Gaben von anderen als den dafür berechtigten Personen gegessen,

19.426 so wiederhole der mantrakundige Geber zur Behebung der Verfehlung den Wurzelmantra zehntausendmal. Wurde für eine, zwei, drei, vier, fünf oder sechs tägliche Ritualzeiten

19.427 eine Verehrung einschließlich des Feueropfers verbindlich angekündigt, das Feueropfer aber nicht vollzogen, so bringe der vorzügliche Mantrakundige die doppelte Opfermenge einschließlich der abschließenden vollen Darbringung dar.

19.428 Bleibt das Feueropfer einen Tag bis zu einem Monat aus, so bade man Purushottama nach der Stufe Adhama-uttama

19.429 und vollziehe das Feueropfer mit der jeweils doppelten Menge der Stoffe. Bleibt es länger als einen Monat, aber weniger als ein Jahr aus, so vollziehe man die Badung Adhama-uttama

19.430 und ein befriedendes Feueropfer mit tausend Darbringungen. Bleibt das Feueropfer länger als ein Jahr aus, so vollziehe man die Badung Madhyama-uttama,

19.431 ein befriedendes Feueropfer, eine Kuhgabe und eine Brahmanenspeisung. Fallen die für Bali bestimmten Gaben herunter, so sondere der Lehrer sie aus und verwende andere,

19.432 bringe damit Bali dar und vollziehe zur Befriedung ein Feueropfer. Entsprechend verfahre man, wenn die Bali-Gaben von nach diesen Regeln nicht berührungsberechtigten Personen berührt wurden, ihr Brahmanen.

19.433 Ist das dafür vorgesehene Gefäß durch Haare, Erdklumpen oder dergleichen verunreinigt, so sondere man es aus, vollziehe die Handlung mit einem anderen und wiederhole den Wurzelmantra hundertachtmal.

19.434 Wurde Bali durch eine nach diesen Regeln ungeeignete Person dargebracht, so vollziehe man zuerst ein befriedendes Feueropfer und bringe dann Bali erneut dar. Besonders wiederhole man dabei den Mantra der Begleitgottheiten.

19.435 Werden Mudras, Mantras, Handlungen, Meditation oder Stoffe, die als Gaben für den Gott dienen, oder die jeweiligen Gesangstöne, der Rhythmus, der Tanz und die weiteren Dienste

19.436 insbesondere während der Bali-Darbringung ausgelassen, so wiederhole der Mantrakundige, in Meditation gesammelt, den Wurzelmantra tausendmal.

19.437 Wird das auf einem Trägergestell befindliche Bali-Bild von nach diesen Regeln nicht berechtigten Personen getragen, so besprenge man es mit Kusha-Wasser und vollziehe ein befriedendes Feueropfer.

19.438 Wurden die Träger des Bali-Bildes von Personen berührt, die nach diesen Regeln als nicht berührungsberechtigt gelten, so vollziehe man die Besprengung mit Panchagavya und lasse das Bild durch einen anderen, als rituell rein geltenden Träger tragen.

19.439 Erlischt während der Bali-Darbringung eine Lampe, so entzünde man sie erneut, bringe den übrigen Festablauf zum Abschluss und vollziehe ein befriedendes Feueropfer.

19.440 Fällt das Bali-Bild auf der Sänfte oder einem entsprechenden Träger um, ihr großen Weisen, so stelle man es wie zuvor auf und vollziehe danach den verbleibenden Teil der Bali-Darbringung.

19.441 Zur Behebung dieses Fehlers bade man den Herrn mit neun Krügen. Ebenso vollziehe man die Befriedung, wenn der Träger zusammen mit dem Bild umstürzt.

19.442 Fällt das für die tägliche Prozession bestimmte Bild vom Träger auf den Boden, so hebe der Mantrakundige es unverzüglich auf. Ist es unbeschädigt, bade er es

19.443 nach der Stufe Adhama-adhama und bringe danach ein befriedendes Feueropfer dar. Ein beschädigtes Bild stelle man dagegen in seiner früheren Gestalt wieder her,

19.444 vollziehe die Weihehandlung und stelle es anschließend wieder an seinen Platz. Für die Dauer der Wiederherstellung vollziehe man die tägliche Prozession Haris mit einem anderen Bild

19.445 oder einem Kurcha-Grasbündel beziehungsweise einem verfügbaren Ersatzbild. Fallen Blüten oder andere Gaben vom Kopf des Bali-Bildes,

19.446 oder fällt seine Krone herab, so vollziehe man zur Behebung dieses Fehlers eine Badung mit neun Krügen und ein befriedendes Feueropfer.

19.447 Stürzt eine während der Bali-Darbringung tanzende Varayoshit, eine Frau aus dem historischen Stand der Kurtisanen, so vollziehe man zur Befriedung des dadurch angezeigten Fehlers ein Feueropfer, ihr trefflichen Brahmanen.

19.448 Wurde bei einer einzelnen Verehrungszeit die Bali-Gabe ausgelassen, so bringe man die doppelte Menge dar. Ist die Bali-Darbringung einen ganzen Tag ausgeblieben, ihr Brahmanen,

19.449 so opfere man hundertmal mit dem Wurzelmantra und danach für die Gottheiten an den jeweiligen Eingängen der Umfassungsbereiche unter Nennung ihrer Namen

19.450 je hundertmal Ghee, das mit Sesam vermischt ist. Bleibt die Bali-Darbringung zwei Tage bis zu einem Monat, länger als einen Monat bis zu einem Jahr

19.451 oder länger als ein Jahr aus, so vollziehe man der Reihe nach die Badungen Adhama-adhama, Adhama-uttama und Madhyama-uttama.

19.452 Man vollziehe außerdem ein befriedendes Feueropfer und bringe Bali mit der doppelten Menge der Stoffe dar. Erhält der Lehrer während der Puja Nachricht von einer Geburt oder einem Todesfall, die für ihn eine Zeit ritueller Unreinheit begründet,

Überlieferungstreue und außergewöhnliche Umstände

19.453 so beachte der treffliche Lehrer diese erst nach Abschluss der Puja, ihr Brahmanen. Wurden bei der täglichen Götterverehrung aus Unachtsamkeit unterschiedliche Lehr- und Ritualsysteme

19.454 oder unterschiedliche Samhita-Vorschriften vermischt, so vollziehe man zur Behebung dieses Fehlers zunächst die rituelle Besprengung und eine Badung mit tausend Krügen.

19.455 Man feiere auch ein großes Fest; auf andere Weise gilt die Befriedung hier nicht als erreicht. Ein Lehrer, der in ein bestimmtes Tantra oder Lehrsystem eingeweiht ist, ihr großen Weisen,

19.456 soll nach dieser Vorschrift die Puja und die entsprechenden Handlungen nicht in einem anderen System ausführen. Bei einem anderen Tantra oder Lehrsystem soll er auch bei Festen und ähnlichen Anlässen

19.457 nicht das Amt des Acharya oder des amtierenden Ritualpriesters übernehmen. Geschieht dies aus Unachtsamkeit, so gilt es als Fehler, der König, Land und Heiligtum schädigen könne.

19.458 Wurde ein nach dem Pancharatra-Verfahren geweihtes und verehrtes Bild durch Vaikhanasa-Priester verehrt, so schreibt der Text eine erneute Weihe vor.

19.459 Ebenso vermische man nicht die Aufgaben der für bestimmte Rituale vorgesehenen Bilder. Jede Handlung wie die Badung, die einem bestimmten Ritualbild zugewiesen ist, ihr Brahmanen,

19.460 vollziehe man an eben diesem Bild. Wenn die für die jeweiligen Handlungen bestimmten Bilder dort vorhanden sind,

19.461 soll man ihre besonderen Aufgaben nicht vertauschen. Fehlen solche Bilder jedoch infolge von Verwüstungen des Landes oder entsprechenden Notlagen,

19.462 so vollziehe man die erforderlichen Handlungen an dem Ritualbild, das unter den gegebenen örtlichen und zeitlichen Umständen verfügbar ist.

19.463 Die beiden Badungen, die tägliche und die anlassbezogene, ferner die tägliche Prozession und das anlassbezogene Fest

19.464 sowie die Prozession zum heiligen Badeort bilden diese fünf Handlungen. Das Zubettlegen und Aufwecken vollziehe man in einem solchen Fall an einem Kurcha-Grasbündel.

19.465 Oder man vollziehe es an einem zur Ausschmückung bestimmten Bild, sofern dieses geweiht ist und verehrt wird. So wurde das Vorgehen beschrieben, wenn nur ein Bild verfügbar ist.

19.466 Sind zwei Bilder verfügbar, so verteile man die besonderen Aufgaben entsprechend und vollziehe alle übrigen Handlungen in jeweils angemessener Weise.

19.467 So bestimme man durch sorgfältige Erwägung das Vorgehen bei den jeweils vorhandenen Bildern. Sind sämtliche Ritualbilder vorhanden,

19.468 soll man ihre Aufgaben nicht vertauschen. Wurden sie aus Unachtsamkeit vertauscht, so vollziehe man eine Badung der oberen Stufe.

Einordnung zu 19.453–468: Die Vorschriften zur Trennung von Ritualsystemen zeigen das Bemühen, die jeweils empfangene Überlieferung unvermischt auszuführen. Die Abgrenzung gegenüber Vaikhanasa-Priestern ist eine historische Aussage dieser Samhita. Daraus folgt keine heutige Geringschätzung der Vaikhanasa-Tradition. Zugleich erlauben 19.461–462 bei fehlenden Ritualbildern infolge einer Notlage, die notwendigen Handlungen an einem verfügbaren Bild zu vollziehen. Der Text berücksichtigt hier ausdrücklich Ort und Zeit.

Ausgleich bei Festen

19.469 Nun werde ich die Sühneriten bei Festen erläutern. Bei den Keimlingen, die vor Beginn der jeweiligen Ritualhandlungen angesetzt werden,

19.470 kann es vorkommen, dass sie rot oder dunkel verfärbt sind, seitwärts oder krumm wachsen, nicht aufgehen oder sich nach Süden neigen,

19.471 dass die Vorschrift nicht eingehalten oder das Verfahren durch nicht Beauftragte ausgeführt wurde, dass nach diesen Regeln nicht berührungsberechtigte Personen sie berührten oder die Anzuchtschalen zerbrachen, verloren gingen oder herunterfielen.

19.472 Auch bei Beschädigung durch Mäuse und ähnliche Tiere wiederhole man den Wurzelmantra zehntausendmal, setze die Keimlinge erneut an und vollziehe ein befriedendes Feueropfer.

19.473 Werden bereits einmal verwendete Tongefäße erneut zur rituellen Aussaat benutzt, so entsteht nach dieser Vorschrift ein schwerer Fehler, ihr Brahmanen.

19.474 Zur Behebung vollziehe man ein befriedendes Feueropfer und setze die Keimlinge nochmals neu an. Entstehen in den Anzuchtschalen Ameisenhügel oder ähnliche Gebilde,

19.475 so sondere man diese Schalen aus und säe in andere Gefäße. Man vollziehe ein befriedendes Feueropfer und speise hundert Brahmanen.

19.476 Wurden Keimlinge für eine bestimmte Ritualhandlung angesetzt, diese Handlung aber nicht durchgeführt, ihr Brahmanen, so sondere man auch die Keimlinge aus und vollziehe ein befriedendes Feueropfer.

19.477 Wurde aus Unachtsamkeit ein großes Fest ohne vorherige Keimlingsdarbringung begonnen, so hole man diese unverzüglich nach und vollziehe am folgenden Tag die Aussaat nach der Vorschrift.

19.478 Zur Behebung dieses Fehlers bringe man ein befriedendes Feueropfer dar. Wurden bei den Anzuchtschalen die Gottheiten vertauscht, ihr großen Weisen,

19.479 so wiederhole man den Mantra hundertachtmal und vollziehe ein befriedendes Feueropfer. Wurden die Aufstellungsorte der Anzuchtschalen vertauscht,

19.480 so wiederhole man ihn ebenfalls hundertachtmal und stelle die Schalen wieder in der richtigen Ordnung auf. Fehlen den Anzuchtschalen oder entsprechenden Gefäßen die vorgeschriebenen Merkmale,

19.481 so wiederhole man den achtsilbigen Mantra tausendachtmal. Geht die am Handgelenk des Lehrers, der weiteren Amtsträger oder des Gottes der Götter befestigte

19.482 Kautuka-Schnur verloren oder reißt sie, ihr hervorragenden Weisen, so binde man eine neue Schnur und vollziehe ein befriedendes Feueropfer.

19.483 Wurde eine Ritualhandlung ohne das Binden der Schutzschnur begonnen, ihr trefflichen Weisen, so binde man unverzüglich den Pratisara und vollziehe ein befriedendes Feueropfer.

19.484 Bei großen und anderen Festen, bei Weihe, ritueller Besprengung, Badung und entsprechenden Handlungen trägt der Guru die gebundene Schutzschnur.

19.485 Ebenso tragen sie die amtierenden Ritualpriester. Tritt während der Handlung ein Anlass ritueller Unreinheit auf, so gelten sie bis zum Abschluss der jeweiligen Handlung dennoch nicht als unrein.

Fortführung bei Krankheit und Tod

19.486 Die Reinheitsfrist wegen eines Todesfalls oder einer Geburt beachte man nach Abschluss der Handlung. Bei einem Todesfall ist während der Handlung lediglich ein Bad vorzunehmen.

19.487 Stirbt jedoch ein engster Angehöriger, so tritt die rituelle Unreinheit auch während der Handlung ein. Als engste Angehörige werden Vater, Mutter, ältester Sohn und Ehefrau genannt.

19.488 Dann soll ein anderer trefflicher Lehrer mit Zustimmung des Guru zur Behebung der Störung den Gott nach der Stufe Uttama-uttama

19.489 baden, tausend Opfergaben zur Befriedung darbringen, Kühe, Land, Sesam und andere Gaben geben und zahlreiche Brahmanen speisen.

19.490 Danach bringe er, von Hingabe erfüllt, den verbleibenden Teil der Handlung zum Abschluss. Ebenso soll bei Erkrankung oder Tod des Guru ein anderer

Eine Aufgabe gemeinsam tragen: Auch Krankheit und Tod des leitenden Lehrers werden berücksichtigt. Die Verehrung soll durch geeignete Nachfolger mit Bhakti fortgeführt werden. Für heutige Gemeinschaften kann dies anregen, Verantwortung verlässlich zu teilen.

19.491 nach vorangehendem Sühneritual die verbleibende Handlung ausführen, ihr trefflichen Brahmanen. Entsprechen der Bambusschaft, das Fahnentuch oder der kleinere Fahnenaufsatz nicht den vorgeschriebenen Maßen,

19.492 oder sind Farbe, Schmuck, Bezeichnungen und entsprechende Merkmale, der Bambusstab, das Phenaka-Bauteil, die Grube, der Sockel, die Prapa-Anlage oder die Fahnenseile mangelhaft,

19.493 so vollziehe man ein befriedendes Feueropfer und hundertacht Mantrawiederholungen. Ist die Fahne zerschnitten, zerrissen, verbrannt, verloren, von Mäusen angenagt

19.494 oder durch Kot, Urin, Blut, nicht trinkbare Flüssigkeiten, Samenflüssigkeit, Speichel oder dergleichen verunreinigt, so sondere man sie aus und fertige eine andere nach dem bisherigen Muster an.

19.495 Man bringe die Spitze des Fahnenstabs herab, richte die Fahne rituell ein, vollziehe die Badung der unteren Stufe und opfere zur Behebung des Fehlers hundertmal Ghee. [Die genaue Abfolge des Herabbringens und Einrichtens ist im Sanskritsatz nicht eindeutig ausgedrückt.]

19.496 Die für diese Aufgabe Eingeweihten sollen das Fahnentuch an der Spitze des Mastes schützen. Wenn Brahmanen zu diesem Zweck hinaufsteigen, entsteht dadurch nach dieser Vorschrift kein Fehler.

19.497 Reißt das Fahnenseil, ist die Fahne leicht eingerissen oder fehlt die Glocke am Stab, so vollziehe man ein befriedendes Feueropfer.

19.498 Man ersetze verschlissene Phenaka-Bauteile, Stäbe und entsprechende Teile durch neue, weihe diese, füge sie ein und befestige unverzüglich die Fahne.

19.499 Nach einer Badung der mittleren Stufe vollziehe man ein befriedendes Feueropfer. Verliert die Garuda-Fahne durch Regen, Wind und Sonnenhitze ihre Farbe,

19.500 so gilt dies für die Dauer des Festes nicht als Unglück, solange sie an der Mastspitze bleibt. Wird der Mast mit dem daran befestigten Fahnentuch durch heftigen Wind oder eine andere Ursache

19.501 am Fuß abgebrochen und fällt er mitsamt der Fahne um, so trenne man die Fahne nicht ab, sondern stelle den verbleibenden Mastteil unverzüglich wieder auf.

19.502 Man vollziehe eine Badung der oberen Stufe, die Verehrung an den vier Stätten und die weiteren Handlungen und gebe nach Vermögen Kühe, Land, Gold, Sesam und andere Gaben.

19.503 Der Bruch der Festfahne gilt hier als Vorzeichen dafür, dass der König seine Herrschaft verlieren könnte. Deshalb vollziehe man zur Abwendung unverzüglich ein befriedendes Ritual.

19.504 Fällt die Fahne durch einen heftigen Windstoß oder eine andere Ursache zu Boden, so hebe man sie rasch auf, befestige sie wieder und vollziehe eine Badung der unteren Stufe.

19.505 Zur Befriedung opfere man hundertmal Ghee mit Sesam. Ist die herabgefallene Fahne zerrissen, so vollziehe man eine Badung der oberen Stufe,

19.506 fertige eine andere Fahne an, weihe sie und befestige sie. Andernfalls wird ein Nachteil für den König, das Land und die Minister erwartet.

19.507 Fällt die Fahne beim Umschreiten des Dorfes durch Wind oder eine andere Ursache zu Boden, so lege man sie auf einen Träger und bringe sie zum Tempel.

19.508 Man vollziehe die Badung Adhama-adhama und ein befriedendes Feueropfer. Wird ein bereits einmal eingesetzter Fahnenmast oder entsprechender Gegenstand erneut verwendet,

19.509 so vollziehe man eine Badung Adhama-uttama und ein befriedendes Ritual. Hat man das Fahnentuch aus Unachtsamkeit verkehrt herum befestigt,

19.510 so löse man es, befestige ein anderes und vollziehe zur Behebung des Fehlers eine Badung Adhama-adhama und ein befriedendes Feueropfer.

19.511 Geht der Krug, in dem der Herr der Vögel, Garuda, gegenwärtig ist, verloren, fällt er zu Boden oder wird er von nach diesen Regeln nicht berührungsberechtigten Personen beziehungsweise von Haaren, Erdklumpen, Knochen, Kot oder dergleichen berührt,

19.512 so übertrage man die im Krug gegenwärtige Shakti auf einen anderen Krug, vollziehe ein Feueropfer, wiederhole den Wurzelmantra zehntausendmal und führe die verbleibende Handlung aus.

19.513 Wurde der vorgesehene Zeitpunkt zum Aufziehen der Fahne versäumt, ihr trefflichen Brahmanen, so vollziehe man ein befriedendes Feueropfer oder tausend Mantrawiederholungen.

19.514 Ist der Fahnenmast durch Feuer leicht beschädigt, so stelle man ihn in der früheren Gestalt wieder her und vollziehe zur Behebung des Fehlers ein befriedendes Feueropfer.

19.515 Bei schwerem Brandschaden, Abtrennung oder Bruch des Mastes, ihr Brahmanen, stelle man einen anderen Mast auf und weihe ihn. Für den Gott vollziehe der treffliche Lehrer eine Badung der oberen Stufe

19.516 und ein befriedendes Feueropfer. Ist der Fahnenmast nach diesen Regeln durch Berührung von Chandalas, menstruierenden Frauen oder entsprechenden Personen rituell verunreinigt,

19.517 so sondere man ihn aus, weihe einen anderen und vollziehe das Befriedungsritual wie zuvor. Wurde er von Personen berührt, die wegen Geburt oder Tod rituell unrein sind, oder von Personen aus Pratiloma-Verbindungen,

19.518 so besprenge man ihn mit Panchagavya und vollziehe ein befriedendes Feueropfer. Wurde die Verehrung Garudas am Fahnenmast versäumt, ihr großen Weisen,

Prozessionen und beschädigte Festbilder

19.519 so vollziehe man das zuvor für das Versäumen der Verehrung genannte Sühneritual. Beim Schlagen der Bheri-Trommel zur Herabrufung der Gottheiten

19.520 kann es vorkommen, dass die Instrumente wie Mridanga und Panava nicht an ihrem vorgesehenen Ort aufgestellt wurden oder ihre jeweilige Verehrung ausgeblieben ist.

19.521 Auch wenn die Punyaha-Rezitation fehlt, wiederhole man den Mantra tausendmal und hole die betreffende Handlung nach der Schriftvorschrift nach. Wurde das Schlagen der Bheri-Trommel unterlassen,

19.522 so bade man den Gott vorschriftsgemäß nach der Stufe Adhama-adhama, vollziehe ein befriedendes Feueropfer und schlage die Trommel erneut.

19.523 Bricht beim Schlagen der Bheri der Trommelschlegel oder reißt das Fell, ihr trefflichen Brahmanen, so vollziehe man zunächst ein befriedendes Feueropfer,

19.524 wiederhole den Garuda-Mantra, beschaffe einen Ersatz und schlage die Trommel vorschriftsgemäß unter Vortrag der Herabrufungsverse.

19.525 Wurden die Bhuta-Wesen mit ihren Scharen, die Grahas und die weiteren hier genannten Mächte nicht ordnungsgemäß in ihren jeweiligen Himmelsrichtungen herbeigerufen,

19.526 oder fehlt die Bali-Gabe an Eingängen, Umfassungsbereichen, Straßen und den Vastu-Stätten des Dorfes in ihrer vorgesehenen Reihenfolge, oder fehlen Rhythmus, Töne

19.527 Gesang und Tanz, so vollziehe der Kundige zuerst ein befriedendes Feueropfer und wiederhole jeden einzelnen Gottheiten-Mantra achtmal.

19.528 Man hole alles nach, einschließlich der Herabrufung der Gottheiten. Fehlt die Badung zu Beginn des Festes, so vollziehe man zuerst ein befriedendes Feueropfer

19.529 und bade dann den Gott. Fehlt die große Speisegabe, ihr Trefflichen, so vollziehe man zunächst ein befriedendes Feueropfer und bringe danach die doppelte Speisemenge dar.

19.530 Wurde die Verehrung der Gottheiten an den Eingängen der Opferhalle aus Unachtsamkeit ausgelassen, so wiederhole man ihre jeweiligen Mantras achtmal und verehre sie erneut.

19.531 Wurde die Verehrung an den vier Stätten zu einem einzelnen Zeitpunkt ausgelassen, ihr trefflichen Brahmanen, so vollziehe man zunächst ein befriedendes Feueropfer und verehre danach mit der doppelten Menge der Gaben.

19.532 Ist die Verehrung des an den vier Stätten gegenwärtigen Gottes einen Tag lang ausgeblieben, so bade man ihn vorschriftsgemäß nach der Stufe Adhama-adhama.

19.533 Nach einem befriedenden Feueropfer verehre man ihn mit der doppelten Menge der Gaben. Ist der große Kultkrug zerbrochen oder eingerissen, ihr Trefflichen,

19.534 oder wurde er von nach diesen Regeln nicht berührungsberechtigten Personen berührt, so rufe man seine göttliche Kraft in das Mandala auf dem Boden, sondere den Krug aus und übertrage die Kraft in einen anderen, den vorgeschriebenen Merkmalen entsprechenden

19.535 Krug. Man verehre sie dort wie zuvor und vollziehe ein befriedendes Ritual. Treten entsprechende Störungen am Mandala auf, ihr Brahmanen,

19.536 so rufe man den Gott in den Krug und vollziehe alles Weitere wie zuvor. Ist das Mandala durch Ameisenhügel oder Shithili-Befall beschädigt, so übertrage man die darin gegenwärtigen Gottheiten

19.537 in den Krug, trage den betreffenden Altarboden ab und fülle ihn mit Sand auf. Man zeichne das Mandala erneut und vollziehe darin die Verehrung wie zuvor.

19.538 Zur Behebung der Störung bade der treffliche Lehrer den Gott nach der Stufe Adhama-adhama und vollziehe ein befriedendes Feueropfer.

19.539 Fehlen Fahnen, Toranas, Krüge, Kurcha-Grasbündel, Zweige, Tücher, Bilder, Sockel aus Getreide oder entsprechende Ausstattungsstücke, so vollziehe man ein befriedendes Ritual.

19.540 Nach hundertacht Mantrawiederholungen stelle man die fehlenden Gegenstände nach der Schriftvorschrift bereit. Werden Fahnen, Toranas und zugehörige Sockel,

19.541 Prapa-Anlagen, Hallen, Gefäße oder andere Ausstattungsstücke durch Feuer beschädigt, ihr großen Weisen, so stelle man auch sie erneut her

19.542 und vollziehe ein befriedendes Feueropfer sowie die Wiederholung des Wurzelmantras. Geht das für das Fest eingerichtete Feuer aus Unachtsamkeit verloren, ihr großen Weisen,

19.543 so richte man es erneut ein, rufe den Gott wie zuvor herab, vollziehe ein befriedendes Feueropfer und speise hundert Brahmanen.

19.544 Erlischt die Kruglampe in der Opferhalle, ihr hervorragenden Weisen, so vollziehe man zuerst ein befriedendes Feueropfer und entzünde sie wie zuvor erneut.

19.545 Den Augen-Mantra wiederhole man hundertachtmal, ihr trefflichen Brahmanen. Betreten Chandalas, Wöchnerinnen, menstruierende Frauen, Esel, Hunde, Schweine,

19.546 Kamele oder andere Tiere, Personen im Zustand der Unreinheit nach einer Geburt oder Personen aus Pratiloma-Verbindungen die Opferhalle, so rufe man die Gottheiten, die in Krügen, Mandalas und Feuern

Die göttliche Gegenwart im Herzen bewahren

19.547 gegenwärtig sind, vorschriftsgemäß in das eigene Herz. Dann entferne man die Krüge, Mandalas, Feuer und die weiteren betroffenen Bestandteile. Bestehen die Gefäße aus Metall,

19.548 so reinige man sie. Die Opferhalle reinige man durch Fegen, Abschaben und die weiteren Maßnahmen und besprenge sie mit Panchagavya.

19.549 Man stelle Krüge und die übrige Ausstattung erneut auf, rufe die im Herzen bewahrten Gottheiten wie zuvor darin herab und vollziehe ein befriedendes Feueropfer.

Die Gegenwart im Herzen: Während äußerer Wiederherstellung wird das Göttliche im Herzen bewahrt. Die äußere Form kann beschädigt sein; die innere Hinwendung darf weiterbestehen. Diese Verbindung von Dhyana und Ritual ist im Quellentext selbst angelegt.

19.550 Man wiederhole den Wurzelmantra zehntausendmal und speise hundert Brahmanen. Wurden bei den nächtlichen Bali-Gaben die vorgesehenen Stoffe vertauscht, so opfere man hundertmal Ghee

19.551 im Feuer mit dem Wurzelmantra und wiederhole ihn hundertachtmal. Zum dafür bestimmten Zeitpunkt bringe man die Bali-Gabe unverzüglich dar.

19.552 Wurden die Gottheiten der Bali-Darbringung vertauscht, so gelten dieselbe Mantrawiederholung und dasselbe Feueropfer. Wurde bei einem unselbstständigen, zum Ort gehörenden Heiligtum die Bali-Gabe für das Dorf ausgelassen, ihr Brahmanen,

19.553 so vollziehe man zur Behebung des Fehlers ein befriedendes Feueropfer. Während der Feste sind zwei Bali-Darbringungen vorgesehen: am Abend und am Morgen.

19.554 Bei einer Abweichung durch zu geringe oder übermäßige Darbringung bade man den Gott vorschriftsgemäß nach der Stufe Adhama-uttama und vollziehe ein befriedendes Feueropfer.

19.555 Fällt das mit dem Bild besetzte Prozessionsgestell zu Boden, ihr Trefflichen, so richte man es wieder auf und bringe den übrigen Festablauf zum Abschluss. Man bade den Herrn mit neun Krügen

19.556 und lasse den trefflichen Lehrer ein befriedendes Feueropfer vollziehen. Wird ein mit dem Bild besetztes Prozessionsgestell durch einen Sturz oder eine andere Ursache

19.557 oder wird ein Träger durch einen Unfall beschädigt, so setze man das Kultbild auf ein anderes Gestell oder Reittier.

19.558 Zuvor vollziehe man ein befriedendes Feueropfer und wiederhole den Wurzelmantra tausendmal. Vaishnavas und dem Guru gebe man Kühe, Land, Gold und andere Gaben.

19.559 Fällt das Bild selbst vom Gestell oder Reittier herab, so vollziehe man eine Badung der oberen Stufe und ein befriedendes Feueropfer.

19.560 Man setze das Bild wieder auf einen Träger und führe das Fest fort. Ein beschädigtes Bild stelle man in seiner früheren Gestalt wieder her,

19.561 vollziehe die rituelle Besprengung und danach den verbleibenden Festablauf. Beansprucht die Wiederherstellung längere Zeit, so vollziehe man die verbleibenden Handlungen an dem zur Ausschmückung bestimmten Kultbild.

Weitere Unterbrechungen des Festes

19.562 Sobald die Reparaturarbeiten abgeschlossen sind, vollziehe man am großen Kultbild die restlichen Riten. Man weihe es wie zuvor und vollziehe vorschriftsgemäß das Befriedungsritual.

19.563 Wurde der mit dem Bild besetzte Träger von nach diesen Regeln nicht berührungsberechtigten Personen getragen, so wasche man den Träger und die weiteren betroffenen Gegenstände ab und bade den Gott nach der Stufe Adhama-adhama.

19.564 Haben diese Personen nur den leeren Träger getragen, so wasche man ihn mit reinem Wasser und besprenge ihn vorschriftsgemäß mit Panchagavya.

19.565 Erlischt während des Festes für den Gott eine Lampe oder fällt sie herab, so bringe der Mantrakundige mit dem Wurzelmantra

19.566 tausendacht Feueropfergaben dar und wiederhole den Mantra ebenso oft. Fallen Schirme, Chamara-Wedel oder entsprechende Gegenstände herab, so wiederhole man ihn hundertmal.

19.567 Werden diese Gegenstände durch Feuer beschädigt, so stelle man sie erneut her und vollziehe ein befriedendes Feueropfer mit hundertacht Mantrawiederholungen.

19.568 Ereignet sich während des Gottesfestes ein Todesfall im Dorf, so besprenge man anschließend das Dorf rituell und bade den Gott nach der Stufe Adhama-adhama.

19.569 Nach der Badung vollziehe man ein befriedendes Feueropfer. Wird während des Festes das Dorf oder ein entsprechender Ort durch einen Brand

19.570 betroffen, so besprenge der Kundige den Ort mit Panchagavya, vollziehe ein befriedendes Feueropfer und führe das Fest danach weiter.

19.571 Ist das Dorf durch Feuer, Sturm, heftige Regengüsse oder entsprechende Ereignisse geschädigt, so vollziehe man zuerst ein befriedendes Feueropfer und danach das Fest.

19.572 Wurde das Fest in einer anderen Reihenfolge durchgeführt, so bade man den Gott vorschriftsgemäß nach der Stufe Adhama-uttama und vollziehe ein befriedendes Feueropfer.

19.573 In menschenleeren Dörfern, Städten, Handelsorten und ähnlichen Siedlungen soll man weder die Festprozession noch die Bali-Darbringung ausführen. Werden sie dennoch dort vollzogen, gelten sie als fruchtlos.

19.574 Der Lehrer soll das Fest und die Bali-Darbringung vielmehr im Heiligtum selbst ausführen. Wurde anders gehandelt, so bade man den Gott nach der Stufe Uttama-uttama

19.575 und vollziehe zur Behebung des Fehlers ein befriedendes Feueropfer. Ist das Dorf oder der entsprechende Ort wiederhergestellt, so vollziehe man zuerst ein Befriedungsritual für den Ort

19.576 und feiere mit Zustimmung der Brahmanen das Fest erneut. Wird ein Fest durch Gefahr von Feinden, Dieben, Feuer, Regen oder Ähnlichem

19.577 verhindert, ihr hervorragenden Weisen, so vollziehe man lediglich Bali. Den ausgefallenen Festablauf hole man an einem anderen Tag nach einem Befriedungsritual nach.

19.578 Ist auch die Bali-Darbringung verhindert worden, so vollziehe man am folgenden Tag eine Badung Adhama-uttama und ein befriedendes Feueropfer und hole danach den ausgefallenen Festablauf

19.579 samt Bali nach. War das Fest zwei, drei, vier oder fünf Tage unterbrochen,

19.580 so vollziehe man das der jeweiligen Störung entsprechende Sühneritual und hole die ausgefallenen Festhandlungen und Bali-Darbringungen in ihrer Reihenfolge nach.

19.581 Wird das Bild während des Gottesfestes heftigem Wind, Sonnenhitze, Staub, Regen oder Nebelnässe ausgesetzt, so vollziehe man eine Badung Adhama-uttama

19.582 und ein befriedendes Feueropfer zur Behebung der Störung. Geht das Bild während des großen Festes durch Diebe oder andere Ursachen verloren,

19.583 so beschaffe man ein anderes Bild, weihe es wie zuvor und vollziehe vorschriftsgemäß die große Übergießung, das Feueropfer und die Mantrawiederholung.

19.584 Dann vollziehe man den verbleibenden Festablauf; man soll ihn nach dieser Lesung nicht an den für andere Ritualhandlungen vorgesehenen Bildern ausführen. Bricht während der Wagenprozession ein Rad oder eine Achse,

19.585 oder reißt ein Seil, so setze man ein Ersatzteil wie zuvor ein und vollziehe nach der Prozession zur Behebung des Fehlers ein befriedendes Feueropfer.

19.586 Fällt der Krugaufsatz an der Spitze des Wagens herab oder stürzt der Wagenlenker, so stelle man die bisherige Anordnung wieder her und lasse die Punyaha-Segensrezitation vortragen.

19.587 Man besprenge den Wagen rituell und vollziehe nach der Prozession ein befriedendes Feueropfer. Haben Personen, die nach diesen Regeln dazu nicht berechtigt sind, den Wagen bestiegen, so besprenge man ihn mit Panchagavya

19.588 und bade nach Abschluss der Prozession den Herrn der Götter nach der Stufe Adhama-adhama. Ist der Wagen durch Feuer leicht

19.589 beschädigt, so stelle man ihn wieder her und besprenge ihn mit Panchagavya. Nach Abschluss der Prozession vollziehe man die Badung Adhama-uttama.

19.590 Bei einem schweren Brand des Wagens nehme man das Bild vom Wagen, setze es auf den Garuda-Träger, bringe es zum Tempel und vollziehe nach der Stufe Uttama-uttama

19.591 die Badung, außerdem ein befriedendes Feueropfer und eine Brahmanenspeisung. Fällt das Bild vom Wagen oder vom dort befindlichen Garuda-Träger,

19.592 so nehme man es wieder auf, bringe es zum Tempel und vollziehe die Badung Uttama-uttama sowie ein Feueropfer.

19.593 Man wiederhole den Wurzelmantra zehntausendmal, gebe Kühe, Land, Sesam und andere Gaben und speise zur Behebung des Fehlers tausend Brahmanen.

19.594 Stürzt der Wagen mitsamt dem Bild um, so vollziehe man dasselbe Sühneritual, ihr trefflichen Brahmanen. Ist der Wagen beschädigt, so stelle man ihn wieder her,

19.595 bringe den übrigen Festablauf zum Abschluss und lasse den Guru ein befriedendes Feueropfer darbringen. Kann der Wagen nicht repariert werden, so setze man den Gott auf den Garuda-Träger,

19.596 bringe ihn zum Tempel und bade ihn dort nach der Stufe Adhama-uttama. Zur Behebung des Fehlers vollziehe man das befriedende Feueropfer und die weiteren Handlungen.

19.597 Kommt ein Mensch durch die Räder des Wagens oder auf ähnliche Weise ums Leben, so bringe man den Leichnam hinaus und vollziehe an der betroffenen Stelle das Abtragen des Bodens und die weiteren

19.598 fünf Reinigungen in ihrer Reihenfolge. Nach Abschluss der Prozession vollziehe man die Badung Adhama-uttama, ein befriedendes Feueropfer und eine Brahmanenspeisung.

19.599 Stirbt ein Tier durch die Räder oder eine entsprechende Ursache, so vollziehe man dieselbe Bodenreinigung und die weiteren Handlungen; die Bildbadung erfolge jedoch nach der Stufe Adhama-adhama.

19.600 Kommt während der Prozession in der Nähe des Wagens infolge eines Streits und durch Waffengewalt oder Ähnliches ein Mensch ums Leben, so gilt das zuvor beschriebene Sühneritual.

19.601 Wurde der Wagen von dessen Blut oder entsprechenden Stoffen berührt, so wasche man ihn mit Wasser, besprenge ihn mit Panchagavya und vollziehe nach Abschluss der Prozession die Badung Adhama-adhama.

19.602 Die Badung und das befriedende Feueropfer vollziehe der treffliche Lehrer. Ereignet sich während des Wagenfestes irgendwo im betreffenden Dorf

19.603 der Tod eines Brahmanen oder eines anderen Menschen, so bringe man den Leichnam aus dem Dorf und reinige die Dorfstraßen durch Fegen, Abschaben und die weiteren Maßnahmen.

Verspätungen und versäumte Festzeiten

19.604 Nach der Reinigung und Besprengung mit Panchagavya führe man die Prozession aus. Danach vollziehe man die Badung Adhama-adhama und ein befriedendes Feueropfer.

Ergänzendes Video zur spirituellen Praxis; kein Bestandteil der Samhita.

19.605 Ist der Wagen nach ein, zwei oder drei Tagen noch an seinem bisherigen Ort geblieben, so vollziehe man eine Badung Adhama-uttama und ein Feueropfer.

19.606 Anschließend hole man die ausgefallenen Festhandlungen und Bali-Gaben nach. Hat der Wagen auch am Tag des heiligen Bades seinen vorgesehenen Ort nicht erreicht,

19.607 so nehme man den Gott vom Wagen, setze ihn auf den Garuda-Träger, führe ihn im Uhrzeigersinn um das Dorf und vollziehe nach der Stufe Uttama-uttama

19.608 die Badung und das befriedende Feueropfer. Danach hole man die ausgefallenen Festhandlungen und Bali-Gaben nach und vollziehe das heilige Bad und die weiteren Handlungen.

19.609 Wurde das Besteigen des Wagens ein, zwei oder drei Tage lang verhindert, so vollziehe man eine Badung Adhama-uttama und ein Feueropfer,

19.610 speise Brahmanen und richte unverzüglich das Wagenfest aus. Ist das Wagenfest ein, zwei, drei oder vier Jahre lang ausgefallen,

19.611 so vollziehe man eine Badung der oberen Stufe, ein Feueropfer, eine Speisung von tausend Brahmanen und Gaben von Kühen, Land und anderem. Danach besprenge man den Wagen rituell.

19.612 Man verehre die auf dem Wagen gegenwärtigen Gottheiten und opfere anschließend mit dem Garuda-Mantra hundertachtmal Sesam, Ghee und Reiskörner.

19.613 Mit den Mantras der einzelnen Wagengottheiten bringe man jeweils acht Opfergaben dar. Danach vollziehe man die Wagenprozession für den Gott.

19.614 Wurden das zum großen Fest gehörende Frühlingsfest, das Schaukelfest oder das Jagdfest ausgelassen, ihr großen Weisen,

19.615 oder das rituelle Kampfspiel mit den beiden Göttinnen oder die Bestreuung mit duftendem Pulver, so vollziehe man zur Behebung des jeweiligen Fehlers ein befriedendes Feueropfer.

19.616 Wurde bei einer Festhandlung der vorgesehene Muhurta versäumt, so vollziehe man ebenso ein befriedendes Feueropfer und hundertacht Mantrawiederholungen.

19.617 Das Tagesfest führe man bis zum Sonnenuntergang, das Nachtfest bis zum Sonnenaufgang aus. Wurden diese beiden Zeiten vertauscht, so vollziehe man eine Badung der unteren Stufe.

19.618 Die Prozession zum heiligen Bad soll vor Sonnenuntergang stattfinden. Bei selbst offenbarten oder göttlich begründeten Heiligtümern darf sie auch im ersten Teil der Nacht vollzogen werden.

19.619 Wurde die Zeit des heiligen Bades verfehlt, so vollziehe man eine Badung der oberen Stufe. Ist die Badeprozession ausgefallen und die Garuda-Fahne bereits eingeholt worden,

19.620 so ziehe man die Fahne wieder wie zuvor auf und vollziehe das Fest zum heiligen Bad. Wurde die Besprengung aus dem Krug unterlassen, so gilt die Badung Madhyama-uttama.

19.621 Wurde die abschließende Badung des großen Festes nicht vollzogen, so bade man den Gott danach gemäß der Stufe Uttama-uttama und bringe anschließend ein befriedendes Feueropfer dar.

19.622 Wer umfassende Befriedung erstrebt, vollziehe das Blumenopfer bei Nacht; wer Gedeihen erstrebt, zur Mittagszeit; wer Stärkung erstrebt, am Vormittag; wer Dharma erstrebt, um Mitternacht.

19.623 Ebenso vollziehe man um Mitternacht das Blumenopfer, wenn die Überwindung von Feinden erstrebt wird. Man soll jedoch keine abgestandenen oder verwelkten Blüten zur Verehrung verwenden.

19.624 Zur Behebung eines solchen Fehlers vollziehe man die Badung Adhama-adhama. Wurde das Blumenopfer überhaupt nicht ausgeführt, so vollziehe man eine Badung der oberen Stufe.

19.625 In jener Nacht hole man die Garuda-Fahne von der Spitze des Fahnenmastes ein, bringe den Gottheiten der Vastu-Stätten des Dorfes und der weiteren Bereiche Bali dar und verabschiede sie.

19.626 Geht die Fahne am Ende des Festes noch vor dem vorgesehenen Einholen verloren, so ziehe man eine Fahne wie zuvor auf und hole sie anschließend ordnungsgemäß wieder ein.

19.627 Wurde die Fahne auch fünf Tage nach dem heiligen Bad noch nicht eingeholt, so vollziehe man eine Badung Madhyama-uttama.

19.628 Danach hole man die Fahne ein und verabschiede die Gottheiten. Wurde die Bali-Gabe zur Verabschiedung unterlassen, so vollziehe man zuerst ein befriedendes Feueropfer,

19.629 bringe die doppelte Bali-Menge dar und verabschiede dann die Gottheiten. Fehlt das Honorar für den Acharya, gilt das Fest als fruchtlos.

19.630 Eine Ritualhandlung, die ohne die Gaben für den Acharya und die amtierenden Priester vollzogen wird, wirkt nach Aussage des Textes wie ein schädigender Ritus.

Weitere Vorschriften für Fest und Abschluss

19.631 Zur Befriedung lasse man durch den Guru ein Feueropfer vollziehen. Der Auftraggeber selbst verneige sich vor dem Guru, indem er sich lang auf den Boden niederlegt.

19.632 Der Verständige erfreue ihn mit Tüchern, Gold und Ringen und gebe das doppelte Honorar. Dadurch soll die Befriedung eintreten.

19.633 Auch beim Auslassen der Brahmanenspeisung vollziehe man die Befriedung in dieser Weise. Sind die Brahmanen nicht zufriedengestellt, so wird nach Aussage dieses Abschnitts auch Hari nicht erfreut.

19.634 Wo die Brahmanen zufriedengestellt sind, dort zeigt sich der Gott gnädig. Zur Behebung des Fehlers speise man sie daher in doppeltem Umfang.

19.635 Konnte das große Fest durch ein unvorhergesehenes Ereignis, eine menschliche Ursache, Unruhen im Land oder Ähnliches ein, zwei oder drei Tage lang nicht begonnen werden, ihr Brahmanen,

19.636 so hole man die Zustimmung der Brahmanen ein, vollziehe für den Herrn der Götter eine Badung Adhama-uttama, ein befriedendes Feueropfer und eine Brahmanenspeisung.

19.637 Danach hole man, beginnend mit der Keimlingsdarbringung und mit der doppelten Menge der Gaben, die ausgefallenen Festhandlungen nach und vollziehe dann die in der laufenden Reihenfolge anstehenden Handlungen.

19.638 Bei einer Verzögerung von vier oder fünf Tagen vollziehe man eine Badung Madhyama-uttama und zur Behebung der Störung alles Übrige wie zuvor.

19.639 Konnte das Fest sechs oder sieben Tage lang nicht begonnen werden, so gilt die Badung Uttama-uttama; alles Weitere erfolge wie zuvor.

19.640 Konnte das große Fest acht Tage lang nicht begonnen werden, so bade man den Gott mit tausend Krügen und verfahre im Übrigen wie zuvor.

19.641 Oder man beginne das Fest noch am Tag des heiligen Bades, ihr Brahmanen. Ist auch dieser Tag bereits verstrichen, ihr Trefflichen,

19.642 so richte man im folgenden Monat, wenn das für das heilige Bad bestimmte Mondhaus wiederkehrt, das Fest erneut aus, um alle entstandenen Störungen zu befrieden.

19.643 Ist auch dieser Monat verstrichen, so nehme man den darauf folgenden. So kann man bis zum Ende eines Jahres verfahren. Ist jedoch auch das Jahr verstrichen,

19.644 so lasse man eine Badung mit tausend Krügen, ein befriedendes Feueropfer, zehntausend Mantrawiederholungen und eine Speisung von tausend Brahmanen vollziehen, ihr Brahmanen.

19.645 Dadurch wird die Befriedung erreicht; das ausgefallene Fest soll dann nicht mehr nachgeholt werden. Bei neuntägigen und entsprechenden Festen gilt: Für so viele Tage, wie das Fest ursprünglich

19.646 verbindlich festgelegt wurde, soll es jedes Jahr ausgerichtet werden, ihr Brahmanen. Man soll seine Dauer weder verkürzen noch verlängern.

19.647 Geschah dies unbedacht, so vollziehe man das Fest erneut. Fallen während eines großen Festes besondere rituelle Termine

19.648 wie Dvadashi an, so vollziehe man alles ihnen Zugehörige ordnungsgemäß. Der Verständige achte sorgfältig darauf, diese besonderen Handlungen nicht auszulassen.

19.649 Wurden sie nicht ausgeführt, so wiederhole der Mantrakundige zur Befriedung den Astra-Mantra zehntausendmal. Bei solchen und anderen entsprechenden Fehlern, ihr trefflichen Weisen,

19.650 vollziehe man im Festfeuer ein befriedendes Feueropfer nach der Schriftvorschrift. Wurden die Parvan-Feste ausgelassen, so vollziehe man eine Badung Adhama-adhama

19.651 und eine besonders reichliche Speisegabe. Wurde das Fest unter dem Mondhaus Shravana ausgelassen, so gilt die Badung Adhama-uttama.

19.652 Wurde das Krittika-Lichterfest ausgelassen, so vollziehe man im folgenden Monat am Tag des dem Feuer zugeordneten Mondhauses Krittika eine Badung Adhama-uttama

19.653 und nach einem befriedenden Feueropfer das Lichterfest. Sind entsprechend andere Feste ausgefallen, ihr hervorragenden Weisen,

19.654 so vollziehe man das betreffende Fest im folgenden Monat oder an seinem jeweiligen Festtag, wie zuvor nach vorangehender Badung und Feueropfer.

Das Pavitra-Fest

19.655 Nun werde ich die Sühneriten beim Anlegen der Pavitra-Fadengirlanden erläutern, ihr Brahmanen. Entspricht ein Pavitra nicht den vorgeschriebenen Maßen, so wiederhole man den Astra-Mantra zehntausendmal.

19.656 Ist der festgelegte Zeitpunkt verstrichen, so vollziehe man eine Badung der mittleren Stufe und hole die Handlung zu einem anderen Zeitpunkt innerhalb der viermonatigen Chaturmasya-Zeit nach.

19.657 Ist ein Pavitra durch Haare, Steine, Haut, Kohle, Nägel oder dergleichen verunreinigt, verbrannt, zerrissen, angenagt oder weitgehend angefressen,

19.658 etwa durch Mäuse und ähnliche Tiere, oder haben Krähen und entsprechende Tiere es berührt, so sondere man es aus, fertige aus Fäden ein gleichartiges an und vollziehe daran vorschriftsgemäß die vorbereitende Weihe.

19.659 Wurden solche mangelhaften Pavitras aus Unachtsamkeit angelegt, so entferne man sie und bade den Herrn der Götter nach der Stufe Adhama-uttama.

19.660 Nach der Badung und einem befriedenden Feueropfer bringe man ein reines Pavitra dar. Wurden die Pavitras am Gott in falscher Reihenfolge angelegt,

19.661 so vollziehe man ein befriedendes Feueropfer und tausend Mantrawiederholungen. Ist der geeignete Muhurta wegen der Länge des Rituals verstrichen,

19.662 so bringe man dem Herrn nach einem Befriedungsritual das Pavitra zu einem anderen geeigneten Zeitpunkt dar. Wurde die zum Pavitra-Fest gehörende Badeprozession nicht vollzogen, ihr großen Weisen,

19.663 so vollziehe man eine Badung der oberen Stufe und richte das Fest erneut aus. Wurden Personen, die nach diesen Regeln nicht geeignet sind, mit dem Pavitra-Dienst für den Gott der Götter betraut,

19.664 so vollziehe man ein befriedendes Feueropfer und tausend Mantrawiederholungen. Während der Chaturmasya-Zeit soll man das Fest des Zuruhelegens des Gottes ausrichten.

19.665 Wurde dieses verändert oder ausgelassen, so vollziehe der Mantrakundige die Verehrung an den vier Stätten und die weiteren Handlungen, wiederhole den Wurzelmantra zehntausendmal und bringe ein befriedendes Feueropfer dar.

Badung und Schutzschnur

19.666 Wurden vor der Badung mit Krügen die Keimlingsdarbringung oder das Binden der Schutzschnur unterlassen, so wiederhole man den Wurzelmantra zehntausendmal.

19.667 Man verehre zunächst die Keimlinge und binde die Kautuka-Schnur am Bild. Wurde die Badung unabsichtlich oder absichtlich nicht vollzogen,

19.668 so vollziehe man zuerst ein befriedendes Feueropfer und wiederhole den achtsilbigen Mantra zehntausendmal. Nach Schutzschnur und Keimlingsritual nehme man die Übergießung erneut vor.

19.669 Wurde der Herr der Götter gebadet, ohne das Keimlingsopfer und das Binden der Kautuka-Schnur auszuführen, so gilt die Badung als fruchtlos.

19.670 Der Mantrakundige soll die Aussaat und das Binden der Schutzschnur vorschriftsgemäß nachholen und nach einem befriedenden Feueropfer die Badung ordnungsgemäß vollziehen.

19.671 Wurde eine verbindlich angekündigte Badung nicht ausgeführt, so vollziehe man sie in doppeltem Umfang. Entsprechend verfahre man, wenn sie mit fehlenden oder nicht ordnungsgemäß beschafften Stoffen ausgeführt wurde.

19.672 Fehlen Krüge in der aufgestellten Anordnung, so ergänze man sie wie vorgesehen und wiederhole den Mantra der jeweiligen Kruggottheit hundertachtmal.

19.673 Zeigt sich beim Anheben eines Kruges, dass er wegen einer undichten Stelle oder einer anderen Ursache leer ist, so weihe man einen Ersatzkrug wie zuvor und wiederhole den Mantra hundertachtmal.

19.674 Wurde ein Krug von Katzen, Mäusen oder entsprechenden Tieren berührt oder übersprungen, kamen Haare, Knochen oder Erdklumpen daran oder ist er durch Bruch oder Riss beschädigt,

19.675 sind Ameisen oder ähnliche Tiere in die Milchprodukte und anderen Inhalte gefallen, wurden Schnur oder Tuch verbrannt oder zeigt der Krug schwarze Flecken,

19.676 so sondere man den jeweils betroffenen Krug aus, stelle einen anderen auf, verehre ihn und wiederhole den Mantra der Kruggottheit hundertachtmal.

19.677 Wurde ein aufgestellter Bade-Kalasha von Hunden, Hühnern, Krähen oder nach diesen Regeln nicht berührungsberechtigten Personen berührt, oder befanden sich menstruierende Frauen, Wöchnerinnen

19.678 oder Chandalas in seiner Nähe, oder berührten ihn Personen im Zustand der Unreinheit nach einer Geburt, so sondere man nach dieser Vorschrift alle Krüge aus und stelle reine Krüge wie zuvor auf.

19.679 Nach der Punyaha-Rezitation vollziehe man die Verehrung, wiederhole den Wurzelmantra tausendmal und den Mantra jeder Kruggottheit einzeln achtmal.

19.680 Wurde der Gott von nach diesen Regeln ungeeigneten Personen gebadet, so wiederhole man die Übergießung. Wurden Dickmilch, Milch, Ghee oder entsprechende Stoffe von Büffeln, Ziegen oder Kamelen verwendet,

19.681 oder mehr als einen Monat altes Ghee, mit Dickmilch vermischte Milch, mit Milch vermischte Dickmilch oder mit Rohzucker vermischter Honig,

19.682 andere vermischte Stoffe, abgestandenes Wasser, ungefiltertes Wasser oder Wasser aus kleinen Tümpeln,

19.683 so übergieße man den Herrn der Götter erneut und vollziehe zur Behebung des jeweiligen Fehlers ein befriedendes Feueropfer.

19.684 Bei Wasser, das bereits in vorbereitend geweihten Krügen bereitsteht, gilt die durch diese vorbereitende Weihe und Verehrung entstandene Standzeit jedoch nicht als Fehler des Abgestandenseins.

19.685 Wurden die Krüge nicht verehrt, in falscher Reihenfolge verehrt, angehoben oder aufgestellt, oder wurden die Stoffe in falscher Reihenfolge eingefüllt,

19.686 sind die Stoffmengen zu gering oder zu groß, oder entsprechen Schalen, Krüge, Kurcha-Grasbündel, Tücher, Anordnungsfelder, Sockel oder Toranas

19.687 nicht den vorgeschriebenen Maßen, fehlen die Sockel aus Getreide oder Schnüre, Tücher und entsprechende Gegenstände, ihr großen Weisen, so wiederhole man den Mantra hundertmal.

Ziel und Zeitpunkt der Badung

19.688 Wurde die Übergießung ohne Gesang, glückverheißende Instrumentalmusik, Hymnen, Tanz, Vina- und Flötenklang oder die Punyaha-Segensrezitation

19.689 vollzogen, so wiederhole man den Wurzelmantra hundertachtmal. Wer Befreiung erstrebt, kann den Gott zu jeder Zeit nach der Vorschrift baden.

19.690 Wer die Niederhaltung von Feinden erstrebt, vollziehe die Badung stets bei Tag; wer den Himmel erstrebt, am Vormittag; wer Dharma erstrebt, zur Mittagszeit.

19.691 Wer sämtliche Genüsse erstrebt, vollziehe sie am Tagesende. Im Rahmen von Sühneriten ist sie jederzeit möglich. Bei Mond- oder Sonnenfinsternis bade man den Herrn während der Finsternis selbst.

19.692 Bei einem Zeichenwechsel der Sonne gilt die Zeit davor und danach; als zugehöriger Zeitraum werden jeweils sechzehn Nadis angegeben.

19.693 In dieser Zeit bade man den Gott. Wurde sie versäumt, so opfere man tausendmal mit dem Mantra und wiederhole ihn anschließend ebenso oft.

19.694 Hat der Mantrakundige die Schutzschnur am Bild bereits für eine Badung gebunden und wird nun wegen eines Sühneanlasses eine weitere Badung erforderlich,

19.695 so binde man für diese die Kautuka-Schnur und vollziehe die Badung. Nach dem Sühneritual führe man die zuvor begonnene Handlung aus.

19.696 Die weitere Handlung vollziehe man in der entsprechenden Reihenfolge, nachdem das zuvor Begonnene abgeschlossen ist. Andernfalls gilt das Ritual als fruchtlos, ihr Brahmanen. [Das Verhältnis der beiden Abläufe in 19.694–696 ist nicht abschließend geklärt; die englische Kontrollübersetzung löst die Schwierigkeit ebenfalls nicht zuverlässig.]

19.697 Zur Behebung dieses Fehlers vollziehe der Mantrakundige ein befriedendes Feueropfer und tausend Wiederholungen des Wurzelmantras.

19.698 Wurde der Gott außerhalb der Zeit des abschließenden Avabhritha-Bades aus Unachtsamkeit außerhalb des Tempels gebadet, so vollziehe man ein befriedendes Feueropfer.

19.699 Bei mehreren Kultbildern soll der Mantrakundige das für die Badung bestimmte Bild nicht über die Vorhalle hinaus nach draußen tragen. Wurde es für die Badung dennoch hinausgebracht,

19.700 so vollziehe man zur Behebung des Fehlers ein befriedendes Feueropfer. Fällt das Bild während der Übergießung von seinem Badesitz,

19.701 so vollziehe man die zur Weihe gehörende Badung und ein befriedendes Feueropfer. Insbesondere wenn das Bild während der Badung verrutscht, ihr Brahmanen,

19.702 oder wenn sich der Badealtar bewegt, vollziehe man ein befriedendes Feueropfer. Sind Strahlenkranz, Sockel, Waffen, Tücher oder zugehörige Teile durch Riss, Bruch oder Ähnliches beschädigt,

19.703 so übertrage man die im betreffenden Bild gegenwärtige Kraft auf einen mit Schutzschnur versehenen Träger. Man lasse den Schaden durch Handwerker beheben und weihe das Wiederhergestellte sorgfältig.

19.704 Nach Abschluss der verbleibenden Handlung vollziehe man eine Badung nach der oberen Stufe. Mit Sesam, gekochter Opferspeise und Ghee bringe man jeweils tausend Opfergaben

19.705 unter Rezitation des Wurzelmantras dar; dadurch soll die Befriedung eintreten. Ist eine sofortige Wiederherstellung wegen des großen Zeitaufwands nicht möglich,

19.706 so vollziehe man den Rest der Handlung an einem davor aufgestellten, zur Ausschmückung bestimmten Bild. Ebenso verfahre man bei Bildern für Feste, heilige Bäder, das Zubettlegen und entsprechende Handlungen:

Baugrund, Tempelbau und Weihe

19.707 Man stelle die jeweiligen Teile wieder her, richte sie auf und füge sie erneut zusammen. Treten bei der rituellen Inbesitznahme des Baugrundes ungünstige Vorzeichen auf, ihr Brahmanen,

19.708 so vollziehe man zunächst einen Śāntihoma und anschließend tausend Mantrawiederholungen. Ebenso gilt dies für die zur Vermessung des Grundstücks ausgespannte Schnur:

19.709 Reißt diese Schnur oder spalten sich die Pflöcke, fällt während der Bali-Darbringung für die Wesen das Opfergefäß herab,

19.710 oder findet man beim Ausheben des Bodens Asche, Holzkohle, Getreidespelzen, Würmer, Insekten und Ähnliches, so soll man zur Befriedung dieser Störung, ihr Brahmanen,

19.711 mit dem Nārasiṃha-Mantra tausend Opfergaben aus Sesam und Ghee darbringen. Wurde ein Tempel errichtet, ohne zuvor den Ācārya zu bestimmen und den Baugrund rituell in Besitz zu nehmen,

19.712 so vollziehe man mit Zustimmung der Brahmanen die rituelle Inbesitznahme des Bodens nach einem vorausgehenden Śāntihoma, ihr Brahmanen.

Ein Gebet um Vergebung

19.713 Wurde der Tempel ohne vorherige Errichtung eines vorläufigen Heiligtums gebaut, ihr Brahmanen, so soll der Guru zusammen mit dem Auftraggeber vor der Einsetzung des Hauptbildes

19.714 den in der Sonnenscheibe gegenwärtigen Gott mit Hingabe verehren und beten: »Oṃ, Verehrung dir, Lotusäugiger, der du deinen Verehrern Gnade erweist!

19.715 Herr der Götter, vergib mir, was ich getan habe, obwohl es nicht getan werden sollte!« So verneige man sich vor dem Herrn der Götter, errichte nach Vorschrift seine Wohnstätte,

Die Kraft der Bitte um Vergebung: Das Gebet spricht den Herrn als Lotusäugigen und als den an, der seinen Verehrern Gnade erweist. Sorgfalt und Hingabe schließen die Anerkennung eigener Versäumnisse ein. Das Gebet ist im Sanskrit belegt; die heutige Einladung zu einem versöhnlichen Umgang mit Fehlern ist eine ergänzende Betrachtung.

19.716 setze dort den Gott ein und verehre ihn. Ihr Besten der Weisen: Wenn im ausgehobenen Bereich in der Mitte des Tempelgrundes

19.717 bei der Errichtung des Tempels die Gefäßeinsetzung und die dazugehörigen Handlungen unterblieben sind, hole man die Zustimmung der Brahmanen ein und grabe in der Tempelmitte.

19.718 Dort vollziehe man die Gefäßeinsetzung und die weiteren Handlungen so weit wie möglich. Zur Befriedung aller Fehler vollziehe man einen Śāntihoma.

19.719 Ist auch die Einlegung des Gründungsdepots, Garbhanyāsa, unterblieben, so lege man dieses ein. Fehlen dem Tempel die günstige Berechnung seiner Maße und die vorgeschriebenen Merkmale,

19.720 so stelle man ihn gemäß der Baulehre wieder her und vollziehe einen Śāntihoma. Ist das bekrönende Gefäß nicht aufgesetzt oder der Tempel nicht geweiht worden,

19.721 so hole man die jeweilige Handlung nach einem vorausgehenden Śāntihoma nach. Ebenso verfahre man bei Umfassungsmauern, Hallen, Torbauten und Ähnlichem, ihr Brahmanen:

19.722 Ist ihre Weihe unterblieben, so vollziehe man sie nach einer Befriedungszeremonie. Zeigen sich bei der Beschaffung von Holz, Metall, Stein und anderen Werkstoffen, ihr Brahmanen,

19.723 ungünstige Vorzeichen oder erscheinen schlechte Träume, so soll man mit dem Nārasiṃha-Mantra und tausend Opfergaben aus Sesam und Ghee

19.724 einen Śāntihoma zur Befriedung aller Fehler vollziehen. Werden bei der rituellen Übernahme von Holz, Metall, Stein, Erde, Stoffen und anderem

19.725 die als Bestandteile vorgeschriebenen Materialien, Mantras oder Handlungen ausgelassen, so hole man sie nach und vollziehe Śāntihoma, Japa und die weiteren Ausgleichsriten.

19.726 Wurde die rituelle Übernahme des Holzes und der übrigen Werkstoffe am Berg oder an ihrem Herkunftsort unterlassen und haben die Handwerker sie ohne die Ehrungszeremonie zum Tempelgelände gebracht,

19.727 so soll der Kundige die Übernahme des Materials für das Gottesbild ordnungsgemäß vollziehen. Ist ein Ritualbild oder ein anderes Bild ohne diese Übernahmezeremonie angefertigt worden,

19.728 so hole man diese auch nachträglich mit vorausgehendem Śāntihoma nach. Entsprechen Gottesbild, Sockel, Stein und Ähnliches nicht den Merkmalen der vorgeschriebenen Maße,

19.729 so vollziehe man einen Śāntihoma zur Befriedung dieses Fehlers. Sind bei den Steinen für Gottesbild und Sockel die als männlich und anders eingestuften Steinsorten vertauscht worden,

Weihefehler und ihre Berichtigung

19.730 so gebe man das betreffende Werkstück auf und fertige es mit dem jeweils vorgeschriebenen Stein neu an, ihr Brahmanen. Wird ein fertiggestelltes Gottesbild nicht bald in seiner eigenen Wohnstätte aufgestellt,

19.731 so gilt dies dem Text als unheilvoll für König, Land und Auftraggeber. Nach einundzwanzig Tagen, so heißt es, nehme das Bild gewiss einen asurischen Charakter an.

19.732 Man vollziehe deshalb die große Weihebadung und die weiteren Riten und setze es ein; andernfalls gebe man es auf. Bei der Wasserlagerung, der Badung, der Augenöffnung,

19.733 der Ruhelagerung, den Handlungen auf der Altarplattform wie der Einsetzung der Mantras, der Verehrung von Gefäß und Maṇḍala sowie den Gefäßen an Eingang und Torbogen,

19.734 beim Feueropfer und bei der Vorbereitung des Sockels und Ähnlichem gilt: Ist etwas unterblieben oder anders ausgeführt worden, so vollziehe man einen Śāntihoma mit tausend Opfergaben,

19.735 wiederhole das Wurzelmantra zehntausendmal und speise hundert Brahmanen. Ist das Bild mitsamt dem stützenden Grundstein an einer falschen Stelle aufgestellt worden,

19.736 so hebe man es sogleich heraus und stelle es an seinem eigenen Platz auf. Man vollziehe eine Badung der oberen Stufe und einen Śāntihoma.

19.737 Ist das Bild hingegen nicht zur festgelegten günstigen Stunde eingesetzt worden, so hebe man es deswegen nicht wieder heraus. Durch eine Badung und ein Feueropfer wie zuvor soll Befriedung eintreten.

19.738 Erkrankt der leitende Lehrer, dem die Einsetzung anvertraut ist, während der laufenden Riten oder legt er seinen Körper ab,

19.739 so soll der bei der Weihe anwesende Unterweiser in Ritual und Mantra oder der Sohn des leitenden Lehrers den verbleibenden Teil der Einsetzung vollziehen.

19.740 Am Ende bade man den Herrn der Götter mit tausend Gefäßen. In der Feuergrube mit Rad-Lotus-Gestalt bringe man der Reihe nach Honig, Milch und die weiteren Stoffe dar.

19.741 Nach dem Opfer mit Honig zur Befriedung vollziehe man ebenso viele Mantrawiederholungen. Entsteht zu Beginn oder während der Weihehandlungen zwischen Lehrer und Auftraggeber

19.742 oder zwischen Opferpriester und Lehrer ein Streit, ihr Brahmanen, so verliert die Handlung ihre Frucht. Man vollziehe einen Śāntihoma,

19.743 verneige sich vor dem Guru, verehre ihn und spreche: »Bitte vergib!« Auch wenn ähnliche Fehler auftreten, ihr Herren unter den Weisen,

Die Frage nach der erneuten Weihe

19.744 soll man sie jeweils durch Śāntihoma, Japa und die weiteren Riten befrieden.
Die Weisen sprachen: »Wir haben alle Wiedergutmachungsriten gehört, du Hervorragender unter den Weisen.

19.745 Dabei hast du immer wieder die Saṃprokṣaṇa genannte Handlung erwähnt, ebenso die Befriedung eines Dorfes und vielfach den Śāntihoma.

19.746 Wir möchten all diese Verfahren kennenlernen, o Weiser.«
Nārada sprach: »Ich werde die Verfahren der erneuten Weihe durch Besprengen erläutern, ihr Besten der Weisen.

Historische Voraussetzungen: Auch die folgenden Regeln enthalten soziale Ausschlüsse und traditionelle Omendeutungen. Die Ausgabe gibt diese als Aussagen der Überlieferung wieder. Für heutige Yoga-Aspiranten stehen Würde, Mitgefühl und verantwortliche Praxis im Vordergrund.

Anlässe für Samprokshana

19.747 Hört nun alle mit aufmerksamem Geist zu. Wenn beschädigte Teile des Gottesbildes, des Sockels oder des Tempelbaus wiederhergestellt worden sind,

19.748 wenn die Verbindung von Bild und Sockel mit der achtteiligen Bindemasse erneuert wurde oder wenn Menschen im Zustand ritueller Unreinheit, Menschen, denen schwere Verfehlungen zugeschrieben werden,

19.749 Caṇḍālas, menstruierende Frauen, Mlecchas, Pulkasas und andere das Gottesbild berührt haben; wenn Caṇḍālas, Śvapacas und Angehörige ähnlicher im Text ausgegrenzter Gruppen

19.750 einen Monat ununterbrochen im Heiligtum geblieben sind; wenn durch Nachlässigkeit Caṇḍālas, Śvapacas und Angehörige ähnlicher Gruppen im Haus Gottes

19.751 mit rituellen Aufgaben betraut wurden oder dort ein Zusammenwohnen mit ihnen stattfand, ihr Brahmanen; wenn Leichname das Bild oder einen Teil des Tempels berührt haben, ihr Besten der Brahmanen;

19.752 wenn am Bild ein Ameisenbau, Śithilī oder Bienen auftreten; wenn ein Blitz das Bild oder den Tempel trifft, ihr Herren unter den Weisen;

19.753 wenn am Bild Lachen, Bewegung, Weinen, Fallen oder Umherwandern, Schweiß, Blut oder ähnliche Erscheinungen wahrgenommen werden;

19.754 wenn es zittert, ihr Brahmanen, oder Blutregen und ähnliche Vorzeichen auftreten; wenn die Verehrung länger als einen Monat unterbrochen wurde, ihr Herren unter den Weisen;

19.755 wenn die Vorschriften verschiedener Saṃhitās oder Lehrsysteme vermischt wurden oder ein in der Erde verborgenes Bild nach mehr als einem Monat wieder herausgenommen wird, ihr Besten der Brahmanen:

19.756 In diesen Fällen vollziehe man Saṃprokṣaṇa, die erneute Weihe durch Besprengen, um die jeweilige Störung zu befrieden. Wer weiß, dass Tempel, Gottesbild oder anderes durch solche Fehler beeinträchtigt sind,

19.757 und dennoch ohne erneute Weihe die Verehrung ausführt, führt nach der Warnung des Textes unverzüglich den Untergang von König, Land, Heiligtum und Dorf herbei; daran bestehe kein Zweifel.

Vorbereitung, Reinigung und Nachtwache

19.758 Deshalb soll für Tempel, Gottesbilder und die übrigen betroffenen Gegenstände Saṃprokṣaṇa vollzogen werden. Zuvor lasse man einen Tag für diese Weihe festlegen, der als förderlich für König und Land gilt,

19.759 und zwar durch die Zeitkundigen. Am zuvor genannten Tag bringe man vorschriftsmäßig die Keimsaat dar. Nachdem das Heiligtum gereinigt wurde,

19.760 besprenge man es überall unter der Puṇyāha-Rezitation mit Kuhdungwasser und mit den fünf Kuhprodukten, verbunden mit Kuśa-Wasser.

19.761 Man wasche das Hauptbild und die weiteren Bilder wiederholt mit den sechs Mitteln, beginnend mit weißem Senf, und mit Wasser, das durch ein Pavitra bewegt wurde.

19.762 In der Nacht vor dem Haupttag bereite man die Opferhalle vor: mit Torbögen, Eingangsgefäßen, einem Baldachin und Fahnen geschmückt.

19.763 Wie bei der vorbereitenden Weihe zur Dīkṣā vollziehe man dort im Gefäß die Verehrung in angemessener Fülle bis einschließlich Japa. Im Hauptheiligtum

19.764 bade man das feststehende Bild mit fünfundzwanzig Gefäßen, beginnend mit Milch. Bei einem modellierten Bild, einem Wandbild oder einem Bild auf Tuch stelle man davor auf einen glückverheißenden Sitz

19.765 das Ritualbild oder vollziehe die Badung an der Stellvertretung im Kūrca beziehungsweise Spiegelbild; dazu verwende man die vorschriftsmäßig aufgestellten Gefäße. In der Opferhalle

19.766 Für die Festbilder und die weiteren zugehörigen Bildgestalten, die als Wohnstätten [der Gottheiten] dienen, vollziehe man die Verehrung und Badung in der westlichen Opferhalle.

19.767 In der dort befindlichen Feuergrube mit Muschelhorn-, Rad- und weiteren Merkmalen bringe man Honig, Milch und die weiteren Stoffe in einer Zahl von tausend beziehungsweise hundert dar.

19.768 Für die übrigen, als zugehörige Formen dienenden Bilder, mit Ausnahme des Ritualbildes, bereite man im südlichen Hallenbereich ein großes Lager

19.769 aus Bhāra-Mengen von Sesam, geschältem Reis und ungeschältem Reis, zusammen mit Stoffen und den weiteren Bestandteilen. Darauf lege man das Gottesbild, dem nach Vorschrift die Schutzschnur angelegt wurde.

19.770 Man verehre es und bedecke es mit einer Wolldecke und weiteren Hüllen. Mit weißen und anderen Farbstoffen fertige man ein mit Rad und Lotus geschmücktes Maṇḍala an.

19.771 Bis zum Anbruch des Morgens bleibe man bei dem im Bild gegenwärtigen Gott: Der Lehrer verbringe die Nacht mit der Wiederholung des Wurzelmantras.

Japa begleitet die nächtliche Vorbereitung der erneuten Weihe.

Das göttliche Licht aus dem Herzen übertragen

19.772 Wenn die Nacht dem Morgen gewichen ist, vollziehe der Guru die Sandhyā-Handlung und die Verehrung an den vier Orten, wie zuvor mit der Badung verbunden.

19.773 Er vollziehe nach Vorschrift die abschließende volle Opfergabe und alle weiteren Handlungen, nehme den in Feuergrube und Maṇḍala gegenwärtigen Gott in sein Herz zurück

19.774 Er verabschiede die Gottheiten der Eingänge nach einer vorausgehenden Bali-Darbringung. Wenn die günstige Stunde gekommen ist, verehre er den Gott, der mit neuen Gewändern geschmückt ist,

19.775 ein Obertuch und die heilige Schnur trägt und dem die Schutzschnur angelegt wurde. Nach der Einsetzung aller Tattvas verehre er ihn der Reihe nach mit Arghya und den weiteren Gaben.

19.776 Aus dem Lotus seines eigenen Herzens übertrage er dann, mit vorausgehender Darbringung gefalteter Hände voller Blüten, in jene Bilder das nicht zu ergreifende, unbegrenzte, formlose, makellose und große Licht:

19.777 ewig rein, unvergleichlich, überaus fein, unbeweglich und klar, von der Natur des Seins und Bewusstseins, einzigartig, strahlend, unerschütterlich und groß.

19.778 Nachdem er dieses göttliche Licht übertragen hat, werfe er sich mit ausgestrecktem Körper nieder und bringe dem alldurchdringenden Herrn alle vollzogenen Handlungen dar, ihr Besten der Brahmanen.

Form und formlose Gegenwart: Die Verse 19.776–778 beschreiben das göttliche Licht ausdrücklich als formlos, unbegrenzt und von der Natur des Seins und Bewusstseins. Es wird aus dem Herzlotus übertragen. Puja und Meditation sind hier miteinander verbunden: Der Lehrer verehrt im Bild jene Gegenwart, die er im Inneren vergegenwärtigt. Als heutige Anregung kann eine stille Pause vor und nach der Verehrung helfen, diese Verbindung bewusst zu erleben.

Prozession und Besprengung

19.779 Dann erhebe man die Festbilder und die weiteren Bilder unter den glückverheißenden Begleitungen wie zuvor. Der Ācārya lasse die Bildhüter das große Gefäß vorn tragen;

19.780 selbst nehme er das Astra im Karaka-Gefäß auf und schreite voraus. Er besprenge den Boden mit einem ununterbrochenen Wasserstrahl von der Stärke eines dünnen Stäbchens

19.781 und betrete das Heiligtum nach einer Umwandlung im Uhrzeigersinn, ihr Hervorragenden unter den Weisen. Nach dem beim großen Fest beschriebenen Verfahren vollziehe er die Besprengung aus dem Gefäß.

19.782 Die Gottheiten der Eingänge und Umfassungen sowie die im Inneren des Heiligtums befindlichen Gefolgschaftsgottheiten, darunter Garuḍa, der Herr der Vögel, und Viṣvaksena,

19.783 besprenge er der Reihe nach überall mit dem im Gefäß verbliebenen Wasser. Das restliche Gefäßwasser gieße er über den Bali-Sockel.

19.784 Nachdem er diese Besprengung ordnungsgemäß vollzogen hat, betrete er das Innere des Tempels und löse mit dem Herzmantra die am Arm befindliche Schutzschnur.

19.785 Zur Befriedung aller Fehler gebe er Kühe, Land, Gold und weitere Gaben und verehre Gott mit Arghya und den weiteren Darbringungen bis einschließlich der besonders zu beachtenden Speisegabe.

Dringlichkeit und angemessener Zeitpunkt

19.786 Danach speise er tausend oder hundert Brahmanen. Oder man vollziehe die gesamte erneute Weihe des Herrn unverzüglich,

19.787 mit Blüten und Keimsaat als vorausgehenden Gaben, um den jeweiligen Fehler zu befrieden. Für eine solche unverzügliche erneute Weihe sind weder Mondtag noch Mondhaus noch eine bestimmte Tageszeit ausschlaggebend, ihr Brahmanen:

19.788 Sie kann nachts oder am Tag erfolgen. Wird die Wiedergutmachung aufgeschoben, so berücksichtige man hingegen den geeigneten Zeitpunkt.

19.789 Damit ist die erneute Weihe vollständig erläutert, ihr Besten der Brahmanen. Die Wiedergutmachung vollziehe man, sobald ihr Anlass eingetreten ist:

19.790 unmittelbar, am Ende der betreffenden Handlung oder innerhalb von drei Tagen; je nach dem Gewicht des Anlasses auch nach fünf oder sieben Tagen.

19.791 Oder Beginn und Abschluss dieser Handlung [erfolgen innerhalb der zuvor genannten Frist]; andernfalls vollziehe man sie in doppeltem Umfang. Die Wiedergutmachung gilt überall, auch an Orten mit selbstoffenbarter Gottesgestalt. [Die Ergänzung des Fristbezugs ist eine Deutung des knappen Anschlusses an Vers 790.]

Die Befriedungszeremonie für ein Dorf

19.792 Nun werde ich die Befriedung eines Dorfes darlegen, ihr Brahmanen. Nach dem Ende politischer Unruhen, wenn ein Dorf dadurch verödet ist,

19.793 wenn es durch Feuer verbrannt oder durch Sturm, heftigen Regen und Ähnliches verwüstet wurde und anschließend wiederhergestellt ist; bei als Blut- oder Honigregen gedeuteten Erscheinungen;

19.794 wenn im Dorf viele Brahmanen getötet wurden oder Kühe zu Tode kamen; wenn Caṇḍālas, Śabaras und andere nach der damaligen Ordnung ausgegrenzte Gruppen viele Tage im Dorf gewohnt haben

19.795 oder wenn durch eine große Seuche oder andere Krankheiten zahlreiche Menschen gestorben sind: Dann vollziehe man die Befriedungszeremonie für das Dorf, um alle Störungen zu befrieden.

19.796 In diesem Dorf, ihr hervorragenden Weisen, grabe man den Boden überall oder an einer bestimmten Stelle auf, entferne die Erde und bringe sie nach draußen.

19.797 Man fülle reine Erde ein, ebne den Boden und reinige ihn mit Kuśa-Wasser. Man lasse die Brahmanen ringsum Feuer zur Reinigung herumführen

19.798 und besprenge den Ort unter vorausgehender Puṇyāha-Ausrufung mit Kuhdungwasser. Nach der Besprengung mit Pañcagavya lasse man dort eine Kuhherde verweilen.

19.799 In den Veden bewanderte Brahmanen lasse man die Mahāśānti rezitieren, speise sie dort und gebe ihnen die Ehrengabe.

Opferhalle, Gefäße und Feuer

19.800 Nach dieser Reinigung des Ortes vollziehe man die Befriedungszeremonie in der vorgeschriebenen Reihenfolge. Vor dem Gotteshaus, nahe dem äußeren Eingang, lasse man zunächst

19.801 eine Halle mit vier Eingängen und den weiteren Einrichtungen errichten. In ihrer Mitte errichte man eine Altarplattform mit einer erhöhten Feuergrube.

19.802 Ringsum richte man acht oder vier weitere Feuergruben ein. Oder man vollziehe das gesamte Feueropfer in der mittleren Feuergrube, ihr Besten der Brahmanen.

19.803 Nachdem alle Opfermaterialien zusammengetragen sind, sei der Lehrer gesammelt. Bei Einbruch der Nacht, nach dem Bad und den täglichen Pflichten,

19.804 begebe sich der Lehrer mit den Opferpriestern zum Gotteshaus. Er verehre den Gott der Götter, erbitte dessen Erlaubnis

19.805 und betrete mit allen Helfern die Opferhalle. Dort bereite er nach Vorschrift die Gefäße der Eingänge und die weiteren Einrichtungen vor.

19.806 Auf der Altarplattform, rechts von der Feuergrube, stelle er das große Gefäß zusammen mit dem Karaka auf, links das Befriedungsgefäß.

19.807 Er vollziehe alle Handlungen von der Reinigung der Hände bis zur inneren Verehrung im Herzen. Nach der Puṇyāha-Rezitation besprenge er sämtliche Materialien.

19.808 Mit vorausgehender Verehrung der Eingänge verehre er nach Vorschrift im großen Gefäß Gott mit Arghya und den weiteren Gaben bis zur Speisegabe, ebenso das Astra.

19.809 Ringsum verehre er Vāsudeva und die weiteren Gestalten. Im Befriedungsgefäß verehre er nach Vorschrift Śānti, Puṣṭi und Tuṣṭi – Frieden, Gedeihen und Zufriedenheit –, ihr Brahmanen.

19.810 Dort verehre er auch die Schar der Gottheiten des Baugrundes. In den Gefäßen der acht Richtungen verehre er Kumuda und die weiteren Hüter.

19.811 Dann setze er nach Vorschrift das Feuer in der erhöhten Feuergrube ein. Dort erfreue er Gott der Reihe nach mit den sieben Arten Opferholz

19.812 und mit eintausendacht Darbringungen von Sesam samt Ghee. Nachdem er diese Sättigung zur Befriedung vollzogen hat, entnehme er Feuer

19.813 und verteile es der Reihe nach auf die Feuergruben der Hauptrichtungen und der Zwischenrichtungen. Er setze vier Opferpriester im Osten und in den weiteren Hauptrichtungen ein.

19.814 Mit den Mantras für Vāsudeva und die anderen Gestalten, unter vorausgehender Darbringung der sieben Arten Opferholz, erfreue man die Gottheiten mit tausend Darbringungen von Sesam samt Ghee.

19.815 Ebenso ordne man entsprechend der jeweiligen Veda-Rezitation, vom Nordwesten bis zum Nordosten, die vier Veden, beginnend mit dem Ṛgveda, der Reihe nach zu. [Das Wort für die vier zugeordneten Orte ist im Druck gestört.]

19.816 Mit ihren Viṣṇu-Hymnen und den reinigenden Friedenshymnen lasse man tausend Sesamopfer mit Ghee vollziehen.

19.817 Śānti, Puṣṭi und Tuṣṭi, die Scharen der Baugrundgottheiten und die Scharen um Kumuda erfreue man der Reihe nach in der mittleren Feuergrube

Die Gottheiten des Ortes

19.818 mit jeweils acht Opfergaben und einem Ghee-Strom. Als Gottheiten werden genannt: Brahmā, Marīci, Atri, Vivasvān und Pṛthivīśvara;

19.819 Citra, Apavatsa, Sandhitā und Savitraka; Rudra, Rudrajaya, Indra und Indrajaya;

19.820 Īśa, Parjanya, Jayanta und Mahendraka; Bhānu, Satya, Bhṛgu, Antarikṣa und Pūrvaka;

19.821 Agni, Pūṣan, Kṛśa, nochmals Bhānu, Guha und Kṣetrādhipa; Gandharva, Bhṛṅgarāja, Mṛtyu und Antaka;

19.822 Pitṛdauvārika, Sugrīva und Puṣpadantaka; Varuṇa, Bhṛśa und Āpas. Die anschließende Namensfolge yakṣmāsamanojavaḥ ist in ihrer Worttrennung unsicher.

19.823 Yoga, Nāga, Mṛtyanta, Bhallāṭa, Soma, Aditi und Vāstunātha: Diese werden als Schar der Vāstu-Gottheiten des Dorfes bezeichnet.

19.824 Für sie opfere man der Reihe nach mit ihrem jeweiligen Namen und dem abschließenden »Svāhā«. Die Gottheiten, die im Dorf wohnen, die Gottheiten der Stadt,

19.825 die Gottheiten des Herrschers und diejenigen der heiligen Stätten und Tempel, die Gottheiten in Gärten, Hainen, Bergen und Bäumen –

19.826 alle herbeigekommenen Gottheiten erfreue man mit einem Ghee-Strom. Man sammle das Sampāta-Ghee und gieße es in das Befriedungsgefäß.

Abschluss und gemeinsame Friedenshandlung

19.827 Der Lehrer verehre erneut den im Gefäß gegenwärtigen Gott der Götter und vollziehe die Bali-Darbringung vom Haus bis zur Mitte des Dorfes.

19.828 Nachdem der Rest der Nacht vergangen ist, erfülle der treffliche Lehrer am Morgen seine täglichen Pflichten und begebe sich zur Opferhalle.

19.829 Mit vorausgehender Verehrung der Eingänge verehre er die im großen Gefäß und den weiteren Gefäßen gegenwärtigen Gottheiten der Reihe nach mit den Gaben von Arghya bis zur Speisegabe.

19.830 Danach erfreue er zusammen mit den Bildhütern in der mittleren Feuergrube und den weiteren Gruben Gott nach dem zuvor beschriebenen Verfahren, ihr Herren unter den Weisen.

19.831 Er vollziehe die abschließende volle Opfergabe und alle weiteren Handlungen nach Vorschrift und nehme den inmitten des Feuers gegenwärtigen Gott in sein eigenes Herz zurück.

19.832 Nach vorausgehender Bali-Darbringung verabschiede er die Gottheiten der Eingänge. Der Lehrer lasse das große Gefäß und alle weiteren Gefäße durch die Bildhüter und Helfer tragen

19.833 und gehe mit Brahmanen, die Friedenshymnen rezitieren, unter glückverheißenden Klängen des Muschelhorns, weiterer Instrumente und der Glocken

19.834 zum Gotteshaus und verehre Gott mit Arghya und den übrigen Gaben. Mit dem Puruṣasūkta besprenge er ihn mit dem Wasser aus dem großen Gefäß.

19.835 Beginnend am Tempeleingang bis hin zum Bali-Sockel besprenge er der Reihe nach mit dem im Gefäß verbliebenen Wasser wie zuvor, ihr Brahmanen.

19.836 Mit dem Wasser aus dem Befriedungsgefäß und den Friedenshymnen besprenge man dann ringsum das Dorf, ihr Brahmanen, zur Befriedung aller Störungen.

19.837 Danach begebe man sich zum Gotteshaus und verehre Puruṣottama, das höchste göttliche Wesen. Man bringe die große Speisegabe dar und vollziehe alle Handlungen bis zum Feueropfer.

19.838 Dann setze der Lehrer das Bali-Bild auf ein Tragegestell oder einen Wagen und vollziehe mit der zugehörigen Ausstattung das Verfahren der täglichen Prozession.

19.839 Besonders bringe er den Gottheiten der Eingänge und Umfassungen Bali dar, ebenso nach Vorschrift Kumuda und den weiteren Hütern auch im Dorf.

19.840 Danach verehre man das Bali-Bild und stelle es wieder an seinen Platz. Er verehre das Hauptbild, verneige sich und bitte um Vergebung.

19.841 Zu dieser Zeit gebe man Kühe, Land, Gold und weitere Gaben zur umfassenden Befriedung. Den Ācārya, die Opferpriester und die übrigen Mitwirkenden erfreue man mit Ehrengaben.

19.842 Danach speise man tausend oder hundert Brahmanen und gebe ihnen Ehrengaben. Dieses Verfahren gilt als Glück bringend für König und Land.

Gemeinsam wieder beginnen: Die Dorfzeremonie antwortet auf Zerstörung, Verlust und Unterbrechung mit gemeinsamer Handlung, Rezitation und Gaben. Ihre historischen Reinheitsvorstellungen bleiben davon zu unterscheiden. Für die Gegenwart lässt sich besonders die Verantwortung für das gemeinschaftliche Leben aufnehmen.

Das befriedende Feueropfer

19.843 Damit ist das Verfahren der Dorf-Befriedung erläutert, ihr Hervorragenden unter den Weisen. Nun werde ich die Abfolge des Śāntihoma darlegen:

19.844 Es soll alle Fehler befrieden, alle Lücken ausfüllen, den Menschen umfassendes Gedeihen schenken und alles Unheil beseitigen,

19.845 dem Ausführenden, dem Auftraggeber und der Bevölkerung das Ersehnte gewähren. Bei übermäßigem Regen oder ausbleibendem Regen, bei Hungersnot oder dem Auftreten von Krankheiten,

19.846 bei schlechten Träumen, ungünstigen Vorzeichen und schweren außergewöhnlichen Ereignissen, bei Mängeln in Bestandteilen der Verehrung oder ausgelassenen Festhandlungen,

19.847 bei fehlenden Bestandteilen der Einsetzung, Badung und ähnlicher Riten, bei der Berührung von Gottesbild und Geräten durch Personen, deren Berührung die damalige Ritualordnung ausschließt,

19.848 und bei allen zuvor genannten Anlässen, ihr Hervorragenden unter den Weisen, vollziehe man einen Śāntihoma zur Befriedung der jeweiligen Störung.

Ort und Vorbereitung

19.849 Dafür errichte man vor dem Tempel oder innerhalb der ersten Umfassung und an entsprechenden Stellen eine Halle mit vier Eingängen.

19.850 Oder man nutze, ihr Brahmanen, eine schon vorhandene Halle, ein Gebäude für Opferhandlungen oder eine Küche.

19.851 Auch ein Kuhstall, ein entsprechendes Gebäude, ein Garten oder Hain kann dafür dienen. Man richte eine runde oder quadratische Feuergrube von zwei oder einer Hasta ein;

19.852 oder man vollziehe das Feueropfer auf einem vorbereiteten Bodenaltar. Rechts neben der Feuergrube stelle man auf einem Getreidesockel

19.853 ein wohlgeformtes großes Gefäß auf, zusammen mit einem Nebengefäß und einem Karaka. Daneben stelle man ein wohlgeformtes Befriedungsgefäß.

19.854 Man vollziehe, ihr Brahmanen, die Reinigung der Hände und die weiteren Handlungen bis zur geistigen Verehrung. Nach der Puṇyāha-Rezitation besprenge man sämtliche Materialien,

19.855 bereite Arghya und die weiteren Gaben vor und vollziehe zunächst die Verehrung der Eingänge. Im großen Gefäß bereite man nach Vorschrift den Yogasitz

Narasimha und das Bittmantra

19.856 und rufe dort Nṛsiṃha an, der alle Fehler befrieden soll. Man vollziehe die Sakalīkaraṇa genannte Einsetzung der Glieder und ordnungsgemäß die Auflösungs-, Entfaltungs- und weiteren Handlungen.

19.857 Dann verehre man ihn mit den Darbringungen vom Sitz bis zur Speisegabe. Im Karaka verehre man Sudarśana; in den Gefäßen des Ostens und der weiteren Richtungen

19.858 verehre man Vāsudeva und die übrigen Gestalten unter Anwendung der Ordnung von Entstehung und Rücknahme. Im Befriedungsgefäß verehre man Śānti, Puṣṭi und Tuṣṭi.

19.859 Man bereite die Feuergrube rituell vor und setze darin nach Vorschrift das Feuer ein. Auch dort rufe man nach Vorschrift den Gott Nṛhari an

19.860 und erfreue ihn mit den sieben Arten Opferholz unter seinem eigenen Mantra. Zur Befriedung des Fehlers bringe man insbesondere das folgende Opfer dar, ihr Hervorragenden unter den Weisen:

19.861 Am Anfang stehe, ihr Brahmanen, die Mantra-Verbindung »Oṃ kṣauṃ namaḥ«, darauf »Oṃ namo bhagavate nārasiṃhāya«

19.862 und am Ende »Etad doṣaṃ jahi jahi svāhā« – »Beseitige, beseitige diesen Fehler, svāhā«. Mit diesem Mantra soll der Lehrer Sesam mit Früchten, Honig, Ghee und Milch darbringen, ihr Brahmanen:

Zum Mantra: Die Quelle nennt hier die Folge mit kṣauṃ, nicht eine aus anderen Überlieferungen ergänzte Bīja-Silbe. Die Formel gehört in diesem Kapitel zu einem besonderen Wiedergutmachungsritual. Ihre Wiedergabe ersetzt keine Einweihung oder persönliche Unterweisung.

Opferstoffe und Rezitationen

19.863 hundertacht oder eintausendacht Opfergaben oder nach seinen Möglichkeiten. Palāśa, Khadira, Bilva, Udumbara,

19.864 Aśvattha, Plakṣa, Nyagrodha und Apāmārga, ihr Brahmanen, bilden hier die acht Arten Opferholz. Man verbinde sie mit Ghee, Honig und Milch.

19.865 Von jeder Art bringe man hundertacht Gaben unter dem Acht-Silben-Mantra dar. Mit dem Zwölf-Silben-Mantra opfere man reines Ghee;

19.866 mit dem Sechs-Silben-Mantra bringe man hundert Gaben Sesam samt Ghee dar. Nach hundertacht Samengaben unter der Viṣṇu-Gāyatrī

19.867 bringe der treffliche Lehrer gekochte Opferspeise unter dem Puruṣasūkta dar. Nach dem Sviṣṭakṛt-Opfer zur Vollendung des Opfers und den Wiedergutmachungsgaben

19.868 bringe er mit dem Nārasiṃha-Mantra die abschließende volle Opfergabe dar. Er nehme das Sampāta-Ghee auf und gieße es in das Gefäß.

19.869 Er verehre den im Gefäß gegenwärtigen Gott erneut nach Vorschrift. Gemeinsam mit den Brahmanen berühre der Lehrer das Befriedungsgefäß

19.870 und rezitiere das Nārasiṃha-Mantra und die Friedenshymnen. Dann bringe er den Gottheiten der Eingänge nach Vorschrift Bali dar.

Abschluss am folgenden Morgen

19.871 So verfahre der treffliche Lehrer in der Nacht vor dem Haupttag. Am nächsten Morgen stehe er früh auf, bade und erfülle seine täglichen Pflichten.

19.872 Er verehre den im Gefäß gegenwärtigen Gott und erfreue ihn nach Vorschrift im Feuer mit achtundzwanzig Darbringungen der zuvor genannten Stoffe.

19.873 Nach der abschließenden vollen Opfergabe verabschiede er den im Feuer gegenwärtigen Herrn. Er verabschiede die Gottheiten der Eingänge nach vorausgehender Bali-Darbringung.

19.874 Das große Gefäß und das Befriedungsgefäß lasse er tragen und gehe mit den Brahmanen, begleitet von Veda-Rezitation, Instrumentenklängen und Glockenläuten,

19.875 zum Gotteshaus. Dort verehre er den Herrn der Welt und besprenge ihn unter dem Puruṣasūkta mit dem Wasser aus dem großen Gefäß.

19.876 Mit dem Wasser des Befriedungsgefäßes besprenge er dann das Gottesbild, den Tempel oder alle betroffenen Geräte unter einer Friedenshymne zur Befriedung der Störung;

19.877 dadurch soll diese Befriedung eintreten. Danach erfreue der Auftraggeber den Guru mit Ehrengaben und weiteren Geschenken.

19.878 Oder man vollziehe unverzüglich, entsprechend dem jeweiligen Fehler, einen Śāntihoma zur Befriedung aller Fehler.

19.879 Man kann auch ohne Gefäßverehrung allein das Feueropfer ausführen. Bei großen Festen und weiteren Festen, bei Einsetzungen, Badungen und ähnlichen Handlungen

19.880 vollziehe man den Śāntihoma in dem Feuer, das Bestandteil der betreffenden Handlung ist. Damit ist alles erläutert. Was möchtet ihr darüber hinaus hören?

Spiritueller Ausklang: Nicht jede Handlung gelingt ohne Unterbrechung. Dieses Kapitel zeigt Wege des Wiederaufnehmens: Fehler anerkennen, Beschädigtes erneuern, Hilfe annehmen, gemeinsam handeln und das Ergebnis dem Göttlichen darbringen. Für die eigene Sadhana kann daraus Zuversicht wachsen: Ein aufrichtiger neuer Beginn ist möglich. Bhakti, Sorgfalt und Mitgefühl können ihn tragen.

Kolophon: So endet in der Ishvara Samhita des heiligen Pancharatra das neunzehnte Kapitel, genannt „Die Ordnung der Wiedergutmachung“.

Texthinweise zu Kapitel 19

Umfang und Grundlage: 880 nummerierte Verse. Der Sanskrittext wurde am Druck von 2017, Seiten 252–294, erfasst und mit dem älteren Sanskritdruck, Seiten 424–495, verglichen. Die englische kritische Ausgabe, Band IV, dient als Verständnishilfe. Sie ersetzt die Sanskritgrundlage nicht.

Ergänzte Auslassungen: Der neuere Druck lässt mehrfach Verse oder Halbverse aus und wiederholt andere Passagen. Aus dem älteren Druck ergänzt wurden unter anderem 19.58a, 19.68a, 19.198, 19.437b–438a, 19.476a, 19.486b, 19.490, 19.766b, 19.840a und die im Bereich 19.850–851 fehlende Halbzeile. Doppelte Textblöcke um 19.429–434 und 19.447–449 wurden nur einmal aufgenommen. Die Verszuordnung wurde nach den Ergänzungen berichtigt.

Bedeutende Lesarten: In 19.130 belegt der ältere Druck Haare und Knochen, in 19.132 fünf Gefäße. In 19.668 steht die zehntausendfache Wiederholung des Acht-Silben-Mantras. Die ältere Lesart in 19.790 nennt einen Zeitraum von drei Tagen und berücksichtigt das Gewicht des Anlasses. Mehrere Namen und die Glockenklänge in 19.818–833 wurden nach dem älteren Druck berichtigt.

Abweichungen von der englischen Kontrollübersetzung: Bei Zahlenangaben wurde zwischen sahasra, tausend, und ausdrücklich genanntem aṣṭottarasahasra, eintausendacht, unterschieden. Beispielsweise verlangen 19.611 tausend gespeiste Brahmanen, 19.666 zehntausend Mantrawiederholungen und 19.814 sowie 19.816 tausend Darbringungen. Weitere Abweichungen betreffen die fortgesetzte Verehrung in 19.101, die Unterbrechungsfristen in 19.408–410 und die Beschreibung einer Notlage in 19.461–462. Die deutsche Wiedergabe orientiert sich hier am Sanskrit.

Offene Stellen: Noch nicht abschließend geklärt sind einzelne technische Wörter und Satzverbindungen, besonders in 19.48, 19.103, 19.217, 19.249, 19.254, 19.374, 19.389, 19.491–492, 19.495, 19.694–696, 19.791, 19.815 und 19.822. Die betreffende Unsicherheit wird in der Übersetzung oder hier benannt. Die Fassung mit dokumentierten Unsicherheiten beansprucht an diesen Stellen keine abschließend gesicherte Lesart. Die zahlreichen Namen des Dorfrituals werden nicht mithilfe fremder Namenslisten zu vermeintlich gesicherten Mantras umgebildet.

Gebet und Mantra: Das Gebet in 19.714b–715a wurde im älteren Druck auf Seite 481 überprüft. Die Formel in 19.861–862 ist ausdrücklich im Sanskrit belegt. Wiedergegeben wird die dort gedruckte Bīja-Silbe kṣauṃ. Andere, geläufigere Nṛsiṃha-Silben werden nicht eingesetzt. An anderen Stellen genannte Mantra-Anfänge und Silbenzahlen berechtigen nicht dazu, fehlenden Wortlaut zu ergänzen.

Historische Aussagen und heutige Betrachtung: Soziale Ausschlüsse, Reinheitsurteile und die angekündigten Folgen von Vorzeichen gehören zur damaligen Ritualordnung. Spirituelle Anregungen für heutige Übende werden ausdrücklich als ergänzende Betrachtung gekennzeichnet. Sie ersetzen weder den ursprünglichen Sinn der Vorschriften noch machen sie deren historische Wertungen zu heutigen Handlungsnormen.


Hals und Ohren in 19.7–8. Die kritische Sanskritausgabe (IV, S. 1090, Anm. 1) hat kaṇṭham, Hals, im Haupttext und verzeichnet karṇau, beide Ohren, für die Zeugen B und C. Der ältere Druck (S. 425) hat ebenfalls karṇau. Hier wird die kritische Lesung übernommen: Der Hals gehört zu den Hauptteilen, während 8 die Ohren zu den untergeordneten Teilen zählt. Es handelt sich damit um eine belegte Sanskritvariante und nicht bloß um eine freie englische Übersetzung.


Geklärte Erfassungsfehler und verbleibender Satzanschluss. In 19.122 wird yāvadbimbasamāpti der kritischen Sanskritausgabe (IV, S. 1110) übernommen; der ältere Druck (S. 434) bietet samāpatti. Beide Lesungen stützen den zeitlichen Bezug auf die Wiederherstellung. In 19.562 bestätigen beide Drucke mahārcāyām, das große Kultbild (IV, S. 1176; älterer Druck S. 469). In 19.766 ist āśrayātmanām, die als Wohnstätten dienenden Gestalten, lesbar (IV, S. 1208; älterer Druck S. 485). In 19.791 steht tadārambhasamāptir vā (IV, S. 1212; älterer Druck S. 487); der Anschluss an die Fristen in 790 bleibt eine ausdrücklich gekennzeichnete Deutung.



Kapitel 20 – Heilige Orte und die Herrlichkeit des Yadavachala

Dieses Kapitel besingt die Gegenwart Viṣṇus an heiligen Orten und erzählt, wie Nārāyaṇa auf dem Yādavācala Wohnung nimmt. Der Gang durch zahlreiche göttliche Gestalten mündet in persönliche Begegnungen: Brahmā empfängt das Mantra, Sanatkumāra die Überlieferung, Rāma und Kṛṣṇa verehren den Herrn, und Prahlāda bittet um beständigen Dienst. Die Erzählung verbindet Bhakti, Dhyana, geistige Übertragung und Moksha. Fassung mit dokumentierten Unsicherheiten: Alle 329 nummerierten Texteinheiten sind erfasst; einzelne beschädigte Wörter und schwierige Passagen sind gekennzeichnet.

Die Weisen fragen:

Selbstoffenbarte und eingesetzte Heiligtümer

20.1 Ehrwürdiger, du Hervorragender unter den Weisen, der du in allen heiligen Lehren bewandert bist: Du hast an verschiedenen Stellen entsprechend der Unterscheidung zwischen selbstoffenbarten und anderen Heiligtümern

20.2 besondere Vorschriften für die Erneuerung und weitere Handlungen genannt. Welche Heiligtümer auf Erden sind selbstoffenbart, und worin besteht ihre Größe?

20.3 Erkläre uns dies alles ausführlich, du Schatz des Mitgefühls.
Nārada sprach: »Ich werde die Unterscheidung zwischen selbstoffenbarten und anderen Heiligtümern und ihre ganze Heiligkeit erläutern. Hört mit aufmerksamem Geist zu.

20.4 An heiligen Orten wie Puṣkara tritt Vāsudeva, der Herr der Welt, aus eigenem Entschluss in Erscheinung, weil er das Wohl seiner Verehrer wünscht.

20.5 Wo Gott auf diese Weise bleibend gegenwärtig ist, heißt er selbstoffenbart, ihr Herren unter den Weisen. An manchen heiligen Orten wurde Gott von den höchsten Gottheiten eingesetzt,

20.6 an anderen von Siddhas, an wieder anderen von hervorragenden Ṛṣis, von Gandharvas, Yakṣas oder den höchsten Vidyādharas,

20.7 an manchen von Asuras, Rākṣasas oder führenden Menschen. Wo Gott nach Vorschrift eingesetzt ist, bleibt der Herr der Welt gegenwärtig.

20.8 So ist die Welt von Gestalten Bhagavans erfüllt, die unterschiedliche Formen, Haltungen und Kennzeichen tragen und vielfältigen Aufgaben entsprechen,

Die gepriesene Größe der heiligen Orte

20.9 weil er allen seine Gnade schenken möchte. Verglichen mit einem Heiligtum, das von führenden Menschen in hingebungsvoller Verehrung Bhagavans gegründet wurde,

20.10 wird einem durch einen Rākṣasa-Herrscher gegründeten die zehnfache Heiligkeit zugesprochen; einem durch Asuras eingesetzten Bild des Herrn die hundertfache dieses Maßes.

20.11 Bei einer Gründung durch Vidyādharas heißt es tausendfach, ihr Brahmanen; bei einer durch Yakṣas geschaffenen wiederum zehnfach darüber.

20.12 Einem durch Gandharvas eingesetzten Heiligtum wird wiederum das Zehnfache zugesprochen, einem auf Ṛṣis zurückgehenden das Zehnmillionenfache, einem durch Siddhas begründeten wiederum das Zehnfache davon.

20.13 Bei einer göttlichen Gründung wird das Zehnmillionenfache des Zehnmillionenfachen genannt. Bei einem selbstoffenbarten Heiligtum aber ist die Heiligkeit unzählbar, ihr Herren unter den Weisen: So wird es in den heiligen Lehren bestimmt.

Zur Sprache des Mahatmya: Die vervielfachten und schließlich unzählbaren Verdienste gehören zur religiösen Lobpreisung heiliger Orte. Sie drücken deren besondere Bedeutung innerhalb der Überlieferung aus.

Eine Gegenwart in verschiedenen Formen

20.14 Die selbstoffenbarte Bildgestalt des alldurchdringenden Herrn ist von zweierlei Art: als Śālagrāma-Stein und in anderen Steinen oder entsprechenden Erscheinungsformen.

20.15 In beiden ist die höchste Gegenwart Haris dieselbe. Welche bestimmte Gestalt ein Śālagrāma-Stein verkörpert,

20.16 soll man anhand seiner jeweiligen Merkmale erkennen und ihn entsprechend verehren. An heiligen Orten wie Puṣkara ist der Herr der Welt selbst

20.17 in verehrbarer Bildgestalt herabgestiegen. Mit deutlich erkennbaren Kennzeichen wie dem Rad bleibt er dort gegenwärtig, weil er das Wohl seiner Verehrer wünscht.

Die Nähe des Göttlichen: Unterschiedliche Erscheinungsformen bedeuten nach 20.15 keine unterschiedliche Gegenwart Haris. Für heutige Übende kann dies helfen, die eigene Form der Puja liebevoll zu pflegen und zugleich andere Ausdrucksformen der Hingabe zu achten.

Vishnus Gestalten an den heiligen Orten

20.18 Ich werde die göttlichen Gestalten an den jeweiligen heiligen Orten nennen, ihr Herren unter den Weisen. Wer sie kennt, soll nach der Verheißung des Textes von allen Verfehlungen frei werden.

20.19 Am heiligen Ort Puṣkara ist Bhagavān Vāsudeva unter dem Namen Puṇḍarīkākṣa, der Lotusäugige, beständig gegenwärtig.

20.20 Ebenso ist er an hervorragenden göttlichen Orten wie Śrīraṅga, Naimiśa und weiteren Heiligtümern unter Namen wie Vāsudeva

20.21 in vier Gestalten gegenwärtig, um die Welt zu schützen. Keśava, der Bezwinger Keśins, weilt an Orten wie Kurukṣetra.

20.22 Nārāyaṇa weilt auf dem Nārāyaṇācala, ihr Besten der Weisen; Mādhava auf dem Veṅkaṭagiri. Govinda, das höchste göttliche Wesen,

20.23 weilt im Lotusbereich der Erde an dem Nāgasāhvaya genannten Ort und auch an dem Vṛndāvana genannten Ort, in zweifacher Weise, o Lotusgeborener. [Die geografische Zuordnung des ersten Ortes bleibt unsicher.]

20.24 Viṣṇu weilt an dem die Gier vertreibenden Ort und auch in Viṣṇupada, ihr Brahmanen. Madhusūdana hat den Mandara genannten Berg aufgesucht

20.25 und ist dort aus Mitgefühl mit den Wesen herabgestiegen und gegenwärtig geblieben. Trivikrama, der Gott der Götter, hat die Wasser der Yamunā aufgesucht

20.26 und weilt dort, o Lotusgeborener, als Hilfe zum Hinübergelangen und zum guten Ziel. Eine weitere Gestalt, Vāmana, weilt auf dem Siṃhādri, o Lotusgeborener,

20.27 aus eigener Kraft dorthin gekommen, um den Kummer der im Dasein gebundenen Wesen zu stillen. Die Narmadā genannten, als sündenlösend verehrten Wasser aufsuchend,

20.28 weilt der Gott Śrīdhara dort und auch in Kauṇḍala, zusammen mit Śrī. Bhagavān Hṛṣīkeśa ist selbst auf Erden gegenwärtig,

20.29 auf dem Dhvaja genannten Berg und am heiligen Ort Kubjāmraka, o Lotusgeborener. Padmanābha, der Herr der Götter, ist herabgestiegen und gegenwärtig geblieben,

20.30 im Süden, nahe dem Land am Meer. Auf dem Berg Raivataka, ihr Brahmanen, ist aus eigener Kraft erschienen und weilt

20.31 Bhagavān Dāmodara zum Wohl derer, deren Inneres durch geistige Übung geprägt ist. Diese und die weiteren göttlichen Gestalten erfüllen die Welt als ihr Heiligtum.

20.32 So ist sie ganz von ihnen durchdrungen, du Bester der Brahmanen. Vernimm nun mit aufmerksamem Geist auch die Wohnstätten der weiteren Gestalten, du Einsichtsvoller.

Die Vielfalt der Gestalten verweist auf den einen Herrn.

Die Herabkünfte des Herrn

20.33 Wisse: Auf Śvetadvīpa weilt der Schwanenkönig, von Siddhas und Göttern verehrt; Bhagavān in Fischgestalt weilt in den Wassern, in Pferdegestalt am Vaḍavāmukha, dem mythischen untermeerischen Feuermund.

20.34 In Rasātala weilt er als Schildkröte; im Vindhya-Wald erkenne ihn als Löwen, o Lotusgeborener, als den, der die Verfehlungen aller verkörperten Wesen tilgt.

20.35 In Ebergestalt weilt er an dem danach benannten heiligen Ort. Am Ufer der Gaṅgā mit ihrem heiligen Wasser, von Göttern und Siddhas aufgesucht,

20.36 weilt der Gott mit goldenem Haupt im Inneren des Goldberges. Auf dem Naubandhana-Berg ist der Herr in fischgesichtiger Gestalt gegenwärtig.

20.37 In Kṛṣṇāśva, an diesem geehrten heiligen Ort der Erde, weilt der pferdehäuptige Gott. In einem von Siddhas aufgesuchten Landstrich am Salzmeer

20.38 weilt Bhagavān mit Schildkrötengesicht, Muschelhorn und Rad tragend. Nṛhari weilt in Kṛtaśauca und auch in Ujjayinī, ihr Brahmanen.

20.39 Am Viśākhamūla genannten Ort ist er auf diese Weise dreifach gegenwärtig. Varāha weilt in Kokāmukha und auf dem hervorragenden Varāha-Berg.

20.40 In Mandamāla, im Gebiet der Vitastā und in Kulakukṣi im Himālaya weilt Vāmana als Zwerggestalt und in allumfassender Gestalt.

20.41 Im mittleren Gebiet der Gaṅgā, in Kurukṣetra, o Lotusgeborener, und am Ufer der Yamunā weilt eine weitere große Offenbarung:

20.42 die Trivikrama genannte Gestalt, deren Leib die drei Welten durchschritten hat. Auf dem hervorragenden Mahendra-Berg weilt mit der Axt in der Hand, o Brahmane,

20.43 der Rāma genannte Bhagavān, der Bezwinger der Kṣatriyas. Auf dem Berg Citrakūṭa weilt der andere große, die Rākṣasas bezwingende

20.44 Rāma, dessen lange Augen Lotusblättern gleichen. Noch ein anderer Rāma hält den Pflug in der Hand und bewegt damit das Wasser der Yamunā.

20.45 Er weilt in glückverheißenden Landstrichen der Menschenwelt. Auf der im Meer gelegenen, von den Göttern verehrten Insel Dvārakā

20.46 weilt Bhagavān Kṛṣṇa, das Selbst aller und der höchste Herr. Bhagavān Viṣṇu als Kalkin weilt, von Brahmanen gepriesen,

20.47 am Fluss Vipāśā mit gesammeltem Geist. Die erhabene Verkörperung des Dharma weilt im von Göttern verehrten Dharmāraṇya,

20.48 ganz der Gnade für die Welten zugewandt und von der Welt verehrt. Der Nara genannte Herr der Welt ist in von Siddhas verehrten,

20.49 schönen Landstrichen beständig gegenwärtig. Auf dem Govardhana genannten Berg weilt der Gott Hari, der Herr aller,

20.50 an einem verehrten Ort und dort, wo die Kühe hinausziehen. Bhagavān weilt auch in Śālagrāma, im Rājendra genannten Wald, ihr Brahmanen,

20.51 und ebenso in dem Devavrata genannten Landstrich. Ein weiterer Kṛṣṇa mit vier Gestalten ist auf die Erde herabgestiegen

20.52 und weilt in Piṇḍāraka, o Brahmane, um die Menschen von ihren Verfehlungen zu befreien. Auf Śvetadvīpa, in Kurukṣetra, im Himālaya, o Lotusgeborener,

20.53 und am Ufer der Vedikā weilt der Herr in allumfassender Gestalt. Im Milchozean weilt Hari als Padmanābha, auf der Schlange Śeṣa ruhend.

20.54 So ist er gegenwärtig, o Lotusgeborener, Urvater. Indem er eine vierfache Gestalt annimmt, wirkt er in dieser ganzen Welt.

20.55 Erkenne recht, dass dies zum Wohl aller Welten geschieht. O Brahmā, er nimmt sein Lager ein und weilt in den Tiefen der Unterwelt.

20.56 Mit dem feurigen Banyanbaum verbunden zieht er am Ende die Welt wieder ein. Am Fuß des Banyanbaums in dem von Göttern verehrten Prayāga

20.57 macht Bhagavān die Welt zu einem einzigen Ozean, nimmt bei dem göttlichen Baum Wohnung und bleibt dort am Ufer auf Erden gegenwärtig, ihr Brahmanen.

Mythische Topographie: Diese Aufzählung verbindet irdische Pilgerorte mit kosmischen Wohnstätten. Manche Ortsnamen sind unsicher überliefert. Sie werden nicht ohne Beleg mit heutigen Orten gleichgesetzt.

Gedenken, Schutz und göttliche Nähe

20.58 Man meditiere über ihn, der auf dem Banyanbaum ruht und das göttliche Ziel gewährt. An einem hohen Ort des Himālaya, Bhṛgu genannt,

20.59 weilt der Bezwinger von Madhu und Kaiṭabha auf der als Sevanātala gelesenen Ebene. An dem Kṣīrodaka genannten heiligen Ort, den Götter und Asuras aufsuchen,

20.60 Dort weilt der von Göttern verehrte Gott, der den Mandara-Berg trägt. Dort weilt auch der Gott Amṛtajit, von Siddhas verehrt.

20.61 Der Herr nimmt die Gestalt einer schönen Frau an und trägt den Krug mit Unsterblichkeitsnektar. Als Bezwinger des Todes für Siddhas, Weise und Götter ist er gegenwärtig.

20.62 Der Gott mit Garuḍa als Reittier, von seinen Scharen umgeben, wirkt in zweifacher Weise. Der alldurchdringende Herr weilt in Śālagrāma, im Bereich der Śāla-Bäume. [Die genauere Ortsbeschreibung bleibt textlich unsicher.]

20.63 Auf dem schönen Rücken des Trikūṭa-Berges, im Bereich der Himmelswanderer, weilt er unter dem Namen Aprameya, der Unermessliche, anlässlich der Befreiung des Elefantenkönigs.

20.64 Der göttliche Herr von Śvetadvīpa ist herabgestiegen und weilt in einem lieblichen Landstrich an der Vereinigung von Gaṅgā und Meer.

20.65 Bhagavān, der göttliche Empfänger des Opfers, weilt im von Siddhas verehrten Naimiṣa. Bhagavān Ananta hat im Saindhava-Wald Wohnung genommen.

20.66 Śārṅgapāṇi, der Herr der Götter mit dem Śārṅga-Bogen, weilt im Daṇḍakāraṇya genannten Gebiet. Im Land Utpalāvartaka ist Acyuta unter dem Namen Śauri gegenwärtig.

20.67 Am Ort der Meeresüberbrückung und an einer von Siddhas aufgesuchten Vereinigung der Wasser weilt Bhagavān als Unterweiser in Erkenntnis, um das Leid zu stillen.

20.68 Der Gott mit Garuḍa als Reittier hat das Sūkara-Heiligtum aufgesucht. Er weilt dort auf Garuḍa sitzend, mit dem Pārijāta-Baum in der Hand.

20.69 Auch im Himmel weilt er mit Siddhas und Götterscharen, o Lotusgeborener. Der Gott der Götter, der Herr der Welt, weilt auf dem Gipfel des Hasti-Berges,

20.70 wo er einen bestimmten Platz eingenommen hat, als Varada, der allen Gaben Gewährende. In Magadha weilt Vaikuṇṭha als Mālyodapāṇi, du Einsichtsvoller.

20.71 Im heiligen Land Uḍḍīya weilt Puruṣottama. Bhagavān, dessen Wesen das Denken übersteigt, weilt auf dem Berg Gandhamādana.

20.72 In dem Śipiviṣṭa genannten Gebiet ist er als der von Strahlen Umgebene gegenwärtig. In einem glückverheißenden Landstrich, an dem das östliche Meer zurückgewichen ist,

20.73 weilt der Herr Vāsudeva in Kapilas Gestalt. Der Brahmā genannte Herr der Geschöpfe ist aus eigener Kraft herabgestiegen

20.74 und bleibt in Maṇibandha beständig gegenwärtig. Im Gebiet von Magadha, o Brahmane, hat er am Mahābodha-Berg Wohnung genommen

20.75 und weilt als Lokanātha, der Herr der Welt: Janārdana, der Gott der Götter. Die dem rechten Auge Gottes zugeordnete Verkörperung, o Brahmane,

20.76 weilt als Bhagavān Sūrya auf dem Goldberg. Acyuta, der alldurchdringende Herr, dessen Verkörperung dem linken Auge zugeordnet ist,

20.77 weilt als Bhagavān Soma auch in der Einsiedelei am Somatīrtha. Seine unbezwingbare Feuergestalt ist im untermeerischen Feuer gegenwärtig.

Befreiung und Erkenntnis

20.78 Als Wesen der Vasus leuchtet Bhagavān, der Bezwinger der Asuras, o Brahmane. Wiederum unter dem Namen Viṣṇu und mit zahlreichen Waffen geschmückt

20.79 weilt Gott als Jaya in Ujjayinī, als Bezwinger menschlicher Verfehlungen. Im heiligen Kaschmirgebiet, an dem Cakradhara genannten Ort,

20.80 weilt Bhagavān Cakrapāṇi, der das Rad in der Hand hält, als Spender der Befreiung für seine Verehrer. Den Gadā-tragenden, Surottama genannten Herrn, o Lotusgeborener,

20.81 wisse stets am Gaṅgādvāra zusammen mit den Göttern gegenwärtig. Vierarmig, viergestaltig, viergesichtig und mit vierfacher Bewegung

20.82 weilt der ewige Gott Viṣvaksena in Piṇḍāraka. Einen glückverheißenden Landstrich in Prāgjyotiṣapura hat

20.83 der Viśveśvara genannte Gott als seinen Bereich eingenommen und weilt dort. In dem im Druck Sātatra genannten Heiligtum, das Siddhas und Vidyādharas aufsuchen,

20.84 weilt der als Svāmin bezeichnete Herr der Welt am Ufer der Mandākinī. In Bhadrāṭaka weilt der große Yogin, der den Meditierenden Befreiung schenkt.

20.85 An dem Nṛsiṃha genannten Ort der Erde, am Ufer der Devikā, weilt der Gott und Herr aller unter dem Namen Ripukṣaya, der Feinde Bezwingende, o Brahmane.

20.86 In dem Śaṅkara genannten, von allen Göttern aufgesuchten Landstrich weilt der Herr der Welt als Verkörperung der Erkenntnis und wirkt zum Wohl der Menschen.

20.87 Am Pitṛkṣetra auf Erden weilt Bhagavān, das Selbst des Alls, unter dem Namen Janārdana, o Brahmā, und befreit die Menschen von den drei Verpflichtungen.

20.88 Diese Herabkünfte sind in Kürze genannt, o Lotusgeborener. Durch sie durchdringt er selbst immer wieder die Erde,

Viele Namen, eine Zuwendung: Immer wieder nennt das Kapitel das Wohl der Wesen als Grund der göttlichen Erscheinung. Der weite Kreis heiliger Orte wird durch diese gemeinsame Absicht verbunden.

Auch unerreichbarer Heiligtümer gedenken

20.89 um den im Saṃsāra lebenden Menschen seine Gnade zu schenken, o Lotusgeborener. Die Namen unerreichbarer Heiligtümer spreche man täglich zu den drei Sandhyā-Zeiten ehrfürchtig aus.

20.90 Den erreichbaren Orten wende man den Geist zu und besuche und verehre sie. [Der Beginn der Vershälfte ist im Druck sprachlich gestört.] Was die Heiligtümer in den von der Quelle als Mleccha-Gebiete bezeichneten Ländern betrifft,

20.91 so sollen auch sie stets aufgesucht werden, unter Vermeidung einer Vermischung der vorausgesetzten Ritualordnungen. Von Ṛṣis, Göttern und Siddhas wurden in ihren großen Einsiedeleien

Gedenken und Besuch: Ein unerreichbarer Ort kann im Gedenken gegenwärtig werden. Der Hinweis auf unvermischt ausgeführte Ritualordnungen gehört dagegen zu den historischen Abgrenzungen der Quelle; er ist keine heutige Abwertung anderer Kulturen.

20.92 und an verschiedenen heiligen Gewässern auf Erden alle Gestalten Bhagavans aufgestellt, die den Vibhavas und Vyūhas entsprechen.

20.93 Die genannten und weitere Gestalten wurden zuvor im eigenen Geist geschaut und dann nach Vorschrift mit den ihnen zugehörigen Mantras eingesetzt; ihre Kraft gilt als wahrhaft wirksam. [Die gedruckten Wörter am Versanfang und zur Einsetzung bedürfen weiterer Klärung.]

20.94 Je nach ihrer Anordnung sind sie von vielfältiger Art, unter Bezeichnungen wie vergangen und zukünftig, mild, feurig oder gewaltig,

20.95 von göttlichem Spiel und Schönheit erfüllt und dem Herzen Freude schenkend. Sie unterscheiden sich in Armen, Waffen, Haltung und Fahnenzeichen.

20.96 So wird auch das Land durch Menschen geschmückt, durch mit Gnade beschenkte Verehrer und durch Siddhas, wie es beschrieben wurde.

Wie Strahlen der Sonne und Wellen des Wassers

20.97 Diese als Ādideva und mit anderen Namen bezeichneten Herren der Wirklichkeitsprinzipien ruhen ohne Trennung in der höchsten Wirklichkeit Bhagavans.

20.98 Wie die Strahlen zur Sonne, die Scharen der Flammen zum Feuer und die Wellen zum Wasser gehören, so verhält es sich mit ihnen, o Lotusgeborener.

20.99 Sie haben das Bewusstsein gemeinsam, sind ewig rein und alldurchdringend. Diese höchsten Herren ruhen in seiner Wirklichkeit und sind mit Erkenntnis und den weiteren göttlichen Eigenschaften geschmückt.

20.100 Mit den acht Kräften, beginnend mit Aṇimā, ausgestattet und frei, machen sie sich beständig auf allen Wegen und Ebenen gegenwärtig. [Die gedruckte Verbindung mit adhvan, »Weg/Ebene«, bleibt sprachlich schwierig.]

Einheit und Vielfalt: Sonne und Strahlen, Feuer und Flammen, Wasser und Wellen veranschaulichen die Beziehung der göttlichen Gestalten zur höchsten Wirklichkeit. Diese Bilder stammen aus dem Text selbst. In der Meditation können sie helfen, die Vielfalt der Erfahrung mit einer umfassenden Gegenwart zu verbinden.

20.101 Dies geschieht zur Befreiung aller Wesen, besonders hier auf Erden: vom Beginn der Weltentstehung bis zu ihrer Auflösung.

20.102 An heiligen Orten und an den Ufern heiliger Gewässer sind sie als Brahman in Klanggestalt gegenwärtig, im Mantra und in seiner leuchtenden Entfaltung. [Das letzte gedruckte Wort ist sprachlich unklar.]

20.103 Dann nehmen sie eine deutlicher offenbarte, irdische Gestalt an: unvergänglich und zum Wohl aller Welten herabgestiegen.

Gegenwart über die sichtbare Form hinaus

20.104 Hier, in der als Wohnstätte bezeichneten Welt, gelangen Yogins zur Vollendung. Wenn im Lauf der Zeit einzelne offenbarte Bildgestalten versinken,

20.105 machen sie sich dort durch ihre Kraft weiterhin gegenwärtig. Herren des Yoga, Götter und Siddhas vergegenwärtigen sich eine entsprechende Gestalt

20.106 und setzen eine Bildgestalt aus Stein, Erde, Holz oder Metall ein. Die Träger der Mantrakraft erkennen dort die Gegenwart. [Die Satzverbindung mit anuveda bleibt im überlieferten Wortlaut schwierig.]

20.107 [Der Satz ist textlich schwierig:] Wo ein weiterer Ort als zu Acyuta gehörig bezeichnet wird, ist auch die entsprechende Gegenwart des Herrn, der die Klanggestalt trägt.

20.108 Bei beschädigten Gestalten, bei selbstoffenbarten Formen und noch nicht sichtbar gewordenen Formen, bei darin bewahrten Mantras und den Wirkungen der Willenskraft

20.109 [bleibt die genaue syntaktische Verbindung ungesichert:] Gestalt und Anordnung werden auf den höchsten Herrn bezogen; in dieser Welt bleibt das Bekannte wie das Unbekannte bleibend.

20.110 So sind die Beständigkeit, die Anfangslosigkeit, die unermessliche Zahl und die Größe der Heiligtümer erklärt, o Lotusgeborener.

Die vier besonders hervorgehobenen Heiligtümer

20.111 Damit sind die verschiedenen Gestalten an den heiligen Orten dargelegt. Unter diesen Orten, ihr Herren des Yoga, bilden vier den besonders wesentlichen Kern:

20.112 »Śrīraṅga, Veṅkaṭādri, dann Hastiśaila und Nārāyaṇādri – diese sind meine vier Wohnstätten.«

20.113 So hat Bhagavān Nārāyaṇa selbst gesprochen. Wer Puruṣottama, der an diesen vier heiligen Orten gegenwärtig ist,

20.114 mit großer Hingabe dient, der hat damit den Gottheiten an allen heiligen Orten gedient. Daran besteht kein Zweifel.

Vier besonders gepriesene Orte: Śrīraṅga, Veṅkaṭādri, Hastiśaila und Nārāyaṇādri werden innerhalb dieser Überlieferung besonders hervorgehoben. Ihre Lobpreisung ist Teil des religiösen Selbstverständnisses des Kapitels.

Die Weisen fragen:

Die Frage nach dem Narayana-Berg

20.115 »Ehrwürdiger, du Hervorragender unter den Weisen, Allwissender und Bester der Sprecher: Wir möchten die Heiligkeit des Nārāyaṇādri hören.

20.116 Du hast uns zuvor die Meditation über Nārāyaṇa, seine Verehrung und die dazugehörigen Handlungen hier erläutert, doch noch nicht von Hari als Nārāyaṇa an diesem Ort erzählt.

20.117 Wie ist er auf diesen hervorragenden Berg gelangt, und welcher Art ist dessen Größe? Erkläre uns alles ausführlich, du Bester der Sprecher.«

Nārada antwortet:

20.118 »Ihr habt gut gefragt, ihr Gesegneten und Hervorragenden unter den Weisen. Die höchste Heiligkeit Haris, der auf dem Nārāyaṇācala weilt,

Brahmas Unruhe und seine Suche

20.119 werde ich in Kürze darlegen. Hört aufmerksam zu. Am Anfang ließ der herrliche Nārāyaṇa aus dem Lotus seines Nabels

20.120 den Viergesichtigen hervorgehen. Puruṣottama bereitete ihn durch alle Einweihungs- und Läuterungshandlungen und machte ihn mit dem wahren Sinn der Veden und heiligen Lehren vertraut.

20.121 Dann beauftragte er Brahmā mit der Schöpfung und entschwand. Als Gott verschwunden war, geriet der Schöpfer innerlich aus dem Gleichgewicht.

20.122 Er wusste nicht, was er tun sollte, und sein Geist wurde unruhig. Da nahm er Tapas auf, weil er den Herrn der Welt schauen wollte.

20.123 Als der Urvater seine Askese übte und viel Zeit vergangen war, erschien der Herr der Welt vor Brahmā, ihr Brahmanen.

20.124 Als der Viergesichtige den Gemahl der Kamalā erblickte, erfüllte ihn großes Staunen. Er pries ihn mit verschiedenen Lobgesängen, die in der heiligen Offenbarung begründet sind.

20.125 So gepriesen, sprach der Erhalter der Welt mit einem von Mitgefühl erfüllten Herzen und einer Stimme, tief wie der Donner einer Wolke, zu Brahmā:

20.126 »Mein Lieber, du hast eine überaus schwere Askese vollbracht. Dein Tapas hat mich erfreut. Sage nun: Was ersehnst du?«

Brahmā spricht:

Mantra und das Verstehen seiner Bedeutung

20.127 »O Gott, für mich gibt es keine andere Frucht als deinen Anblick. Du hast mich zuvor mit der Erschaffung der Welt beauftragt, alldurchdringender Herr.

20.128 Doch welche Kraft besitze ich, um diese ganze Welt zu erschaffen, o Mādhava? Zeige mir den Weg dazu, du Ozean des Nektars des Mitgefühls.«

Ein aufrichtiges Eingeständnis: Brahmā erhält eine große Aufgabe und erkennt zugleich seine Grenzen. Er bittet um Unterweisung. Für heutige Yoga-Aspiranten kann dies anregen, Verantwortung mit Lernbereitschaft zu verbinden.

20.129 So von Brahmā angesprochen, unterwies Bhagavān ihn im höchsten Acht-Silben-Mantra und besonders in dessen Bedeutung.

20.130 »Indem du dieses Acht-Silben-Mantra beständig im Herzen vergegenwärtigst, wirst du durch seine Kraft die Welt erschaffen können.

20.131 Wenn durch die Kraft dieses Mantras alle Aufgaben vollbracht sind, wird der alldurchdringende Herr Nārāyaṇa selbst vor dir erscheinen.

20.132 Verehre diesen Herrn der Götter mit diesem Mantra, o Lotusgeborener. Am Ende deiner Amtszeit wirst du gewiss meine Wohnstätte erreichen.«

Mantra und Bedeutung: Der Guru gibt nicht allein eine Lautfolge weiter. Die Erzählung betont ausdrücklich das Verständnis des Mantras und seine beständige Vergegenwärtigung im Herzen. Japa und geistige Hinwendung gehören zusammen.

20.133 So sprach Gott und entschwand. Der zufriedene Viergesichtige wiederholte das Wurzelmantra, das Bewusstes und Unbewusstes umfasst,

20.134 und erschuf als Viriñci diese ganze Welt, ihr Hervorragenden unter den Weisen. Weil er Nārāyaṇa schauen wollte, übte er erneut überaus schwere Askese.

Das göttliche Vimana

20.135 Da erschien aus dem herrlichen Vaikuṇṭha ein göttliches Vimāna mit glückverheißenden Merkmalen, wunderbar wie die sichtbar gewordene Frucht der Askese des Viergesichtigen,

20.136 umgeben von einem Licht, das wie viele Millionen Sonnen erstrahlte. Ananta, der Herr der Vögel und Viṣvaksena gingen ihm voraus.

20.137 An seinen Seiten waren Śrī und Sudarśana; Kumuda und die weiteren Hüter umgaben es. Alle seine Teile waren prachtvoll geschmückt.

20.138 Es war rund gestaltet, heilbringend und mit allem Schmuck geziert. Als der auf dem Lotus Sitzende es sah, erhob er sich sogleich voller Freude.

20.139 Sein ganzer Körper erschauerte, und seine Augen waren von Freude erfüllt. Er verneigte sich, stand mit gefalteten Händen da und betrachtete das Vimāna.

Der Kosmos im Heiligtum

20.140 In dessen Teilen, vom Sockel bis zur Spitze, sah er der Reihe nach die sieben Welten, beginnend mit Bhūr und endend mit Satya.

20.141 Er sah die sechs Wege, von den Welten bis zum Weg der Laute, und die Schar der Wirklichkeitsprinzipien von der Erde bis zum Puruṣa, ihr Herren unter den Weisen.

20.142 Er sah sie dort in ihrer wirklichen Gegenwart ruhen. Danach betrachtete er der Reihe nach die Schar der Gottheiten.

20.143 Unter dem das Gefäß tragenden Stein sah er Ananta von unermesslichem Glanz, darüber das Rad und im Inneren des Steins die wirksame Kraft.

20.144 Im mittleren Gefäß sah er den Herrn der Mantras und in den acht Gefäßen des Ostens und der weiteren Richtungen Vāsudeva und die anderen Gestalten, gemäß der Ordnung von Entstehung und Rücknahme.

20.145 Auf ihren Deckeln sah er der Reihe nach die neun Kräfte, beginnend mit Jñānābhāsā, von der Mitte bis zum Nordosten,

20.146 und die Achtzahl von Dharma und den übrigen Kräften in den acht Fußsteinen. In ihrem Inneren sah er das Rad der Laute von A bis Kṣa.

20.147 Er sah das alles tragende Rad am Fuß der Türpfosten; in den beiden Pfosten die Prinzipien Erkenntnis und Handlung, den höchsten Herrn

20.148 über der Schwelle und dahinter Dharma; an den beiden Türflügeln Kālāgni und Varuṇa, ihr Herren unter den Weisen.

20.149 Zu beiden Seiten des vorderen Eingangs sah er die Schätze Śaṅkha und Padma. Dann sah er an den Wand- und Stützenabschnitten sowie in den inneren Bereichen

20.150 die Gottheiten von Kāla bis Vasudhā, die dem Dasein als Mittel dienen; am oberen Ende der Wandabschnitte die zwölf Gestalten von Keśava an und im Gebälkbereich

20.151 die Schar der Waffen und Attribute, beginnend mit dem Rad, in wirklicher Gegenwart. An den vier Nāsā-Vorsprüngen sah er die vier Gestalten von Varāha an,

20.152 auf der mit Blattmustern und anderen Formen geschmückten Plattform Sudarśana mit seinen Kräften und im bekrönenden Gefäß Vāsudeva, den Höchsten des Höchsten.

20.153 Davor sah er den Herrn der Waffen, strahlend wie zehn Millionen Sonnen. Das Vimāna umfasste alle Welten, ihr Brahmanen, alle Wege und Ebenen,

20.154 alle Wirklichkeitsprinzipien und alle Gottheiten. Dieses Vimāna mit dem Namen Ānandamaya, »von Glückseligkeit erfüllt«, schaute der auf dem Lotus Sitzende.

Das Heiligtum als Kosmos: Die Weltbereiche, Laute und Wirklichkeitsprinzipien werden als gegenwärtig im Tempel geschaut. Äußere Architektur und innere Betrachtung sind hier miteinander verflochten.

20.155 Nachdem er es so der Reihe nach betrachtet hatte, verneigte er sich immer wieder und umwandelte es ehrfürchtig. Mit Viṣvaksenas Erlaubnis

20.156 trat er in das Vimāna ein, das Acht-Silben-Mantra wiederholend. In seinem Inneren, in der Mitte des innersten Raumes,

Die Schau Narayanas

20.157 sah er Puruṣottama auf einem Lotus gegenwärtig, mit einem göttlichen Leib, der wie eine Fülle von Regenwolken erglänzte.

20.158 Er sah den Gott, der alle Gottheiten umfasst, den Schatz aller strahlenden Kräfte, vollkommen in allen Merkmalen und mit Allwissenheit und den weiteren göttlichen Eigenschaften ausgestattet.

20.159 Aus seinem offenbarten, schönen göttlichen Leib strömte unaufhörlich Licht, dessen Wesen Erkenntnis ist.

20.160 Ohne Anstrengung vernichtet es die Unwissenheit der Meditierenden. Sein dichtes, gelocktes Haar glich dunklen Bienenschwärmen und glänzendem Augenschminkstein,

Licht der Erkenntnis: Die Quelle spricht vom Vergehen der Unwissenheit. Das Licht steht nicht für das Ausschalten des Denkens, sondern für eine klärende geistige Gegenwart.

20.161 war mit Kampferpulver bestäubt, von göttlichen Blüten durchwoben und von einer Krone überragt.

20.162 Auf seiner Stirn, dem jungen Mond vergleichbar, leuchtete ein Tilaka. Seine Brauen und Nase waren schön; seine anmutigen Lippen trugen ein spielerisches Lächeln.

20.163 Seine Augen glichen blauen Lotusblüten, rein wie Milch und leicht rötlich schimmernd. Mit kühlenden, friedvollen Blicken nährte und erquickte er die Welt.

20.164 Seine Wangen strahlten, an den Ohren glänzten die Ohrringe, und sein Kinn war von der ausströmenden Schönheit seines Antlitzes geziert.

20.165 Sein Gesicht leuchtete wie der makellose Herbstmond. Sein Hals glich einem Muschelhorn; Schultern und Brust waren kräftig, seine Arme lang.

20.166 Er war vierarmig, von edler Gestalt und mit leuchtenden Lotushänden. Er trug gelbe Seide, hatte einen tiefen Nabel und einen schlanken Leib.

20.167 Seine beiden Oberschenkel waren schön, ebenso seine beiden Unterschenkel. Seine Lotusfüße erstrahlten im Glanz von Schmuck, darunter edelsteinbesetzten Fußringen.

20.168 Seine Glieder waren mit göttlichem Duft gesalbt. Er trug göttliche Gewänder, herrliche Girlanden und göttlichen Schmuck.

20.169 Seine Krone funkelte von zahlreichen Edelsteinen. Auf seiner Brust schmückten ihn der Kaustubha-Edelstein und das Śrīvatsa-Zeichen.

20.170 Der höchste Herr war geziert mit einer Waldblumengirlande, rotem Gold, kostbaren Perlen und der heiligen Schnur.

20.171 Mit seiner vorderen rechten Hand schenkte er den Furchtsamen Furchtlosigkeit. Mit der an seiner Hüfte ruhenden linken Hand hielt er spielerisch

20.172 die schwere Keule, die auf dem Boden ruhte. In der hinteren rechten Hand hielt er das Rad, leuchtend wie das Feuer am Ende der Zeit,

20.173 und in der linken das Muschelhorn von unvergleichlichem Glanz, schöner als hundert schneebedeckte Berge, in dessen Innerem der Klang des Praṇava wohnt.

20.174 Er stand inmitten eines Flammenkreises, der aus dem Licht seines eigenen Leibes hervortrat. Sein Herz war von Mitgefühl erfüllt, sein Streben auf die Erhebung und Rettung der Welt gerichtet.

20.175 Die ungeteilte Fülle der sechs göttlichen Eigenschaften entfaltete seine Herrlichkeit. Er ist das Meditationsziel der Yogins, ungeboren und ewig, die Ursache des Entstehens der Welt und ihrer weiteren Vorgänge.

20.176 Als Brahmā den makellosen Nārāyaṇa, den Gott und Gemahl Lakṣmīs, unmittelbar sah, wurde sein Herz froh. Immer wieder verneigte er sich

Die Schau führt zu Freude, Dankbarkeit und Hingabe.

20.177 und pries den Gemahl der Kamalā mit herrlichen Lobgesängen. Durch diesen Lobpreis erfreut, sprach der großherzige Nārāyaṇa

Verehrung nach der Sattvata-Überlieferung

20.178 mit einer Stimme, tief wie der Donner einer Wolke, zum Urvater: »Dein Tapas hat mich erfreut, du dem Acht-Silben-Mantra ganz Hingegebener.

20.179 Verehre mich hier zehntausend Yugas lang, o Schöpfer. Danach werde ich aus einem bestimmten Anlass zur Erde gehen.«

20.180 Als der Viergesichtige dies hörte, erfüllte ihn große Freude. Er nahm das Vimāna an und stellte es in seiner eigenen Wohnstätte auf.

20.181 Nach dem in der Sāttvata beschriebenen Verfahren verehrte er den alldurchdringenden Herrn ordnungsgemäß mit dem Acht-Silben-Mantra und vielfältigen Gaben.

Sanatkumaras Wunsch

20.182 Als so viel Zeit vergangen war, ihr Herren unter den Weisen, kam Sanatkumāra, der Herr der Yogins, eines Tages vom Milchozean

20.183 nach Satyaloka. Dort sah er den Herrn Nārāyaṇa zusammen mit Śrī, der die Herzen aller an sich zieht.

20.184 Er verneigte sich, stand mit gefalteten Händen da und sprach zum Viergesichtigen: »Du bist mein Guru und mein Vater, du Ozean liebevoller Zuwendung.

20.185 In der Welt habe ich keine andere Zuflucht als dich, du Geber alles Guten. Während dieser ganzen Zeit wurde der herrliche Nārāyaṇa, der alldurchdringende Herr,

20.186 von dir mit vielfältigen Darbringungen auf rechte Weise verehrt. Nun möchte auch ich den Herrn verehren, dem du gedient hast.

20.187 Bitte überlasse mir Nārāyaṇa, den Herrn der Welt, o Vater.« So gebeten, liebte Brahmā zwar seinen Sohn,

20.188 doch die Furcht vor der Trennung von Viṣṇu überwältigte ihn mit Sorge. Da sah der herrliche Nārāyaṇa, wie aufgewühlt sein Geist war,

Eine neue Gestalt aus dem Herzen

20.189 und sprach voller Liebe zu dem Lotusgeborenen: »Lass die Sorge um die Trennung von mir los, du Einsichtsvoller, o Lotusgeborener.

20.190 Ich gebe dir jetzt eine weitere Bildgestalt meiner selbst. Dieser hervorragende Weise soll mich mitnehmen und zur Erde gelangen.

20.191 Auf dem Padmakūṭa genannten Berg soll er mich einsetzen und täglich verehren. Dort üben hervorragende Weise unablässig Tapas, weil sie mich schauen möchten.«

20.192 So sprach Bhagavān und gab Brahmā eine aus seinem eigenen Herzen hervorgegangene Gestalt, zusammen mit Śrī und Puṣṭi.

20.193 Der Urvater nahm diese mit Śrī und Puṣṭi verbundene Gestalt an und verehrte sie mit besonderen Gaben, von Staunen erfüllt.

20.194 Dann rief der Lotusgeborene Sanatkumāra herbei und sprach mit vor Freude weit geöffneten Augen, ihr Herren unter den Weisen:

20.195 »Sanatkumāra, mein Lieber, du bist ein vortrefflicher Sohn! Nārāyaṇa selbst hat sich dir gnädig zugewandt.«

Die Weitergabe von Mantra und Lehre

20.196 So sprach er und unterwies den hervorragenden Weisen im göttlichen Acht-Silben-Mantra und dessen Bedeutung. Ebenso vermittelte er ihm das Sāttvata genannte

20.197 Tantra, die große Upaniṣad, dem Yogin zum Verständnis. Es ist als Wurzel-Veda bekannt und aus dem göttlichen Mund hervorgeströmt. [Die genaue Wortverbindung im zweiten Halbvers ist im Druck gestört.]

20.198 Es gewährt Vollendung und Befreiung, ihr Brahmanen, und trägt den Sinn aller heiligen Lehren in sich. Darin werden der zutiefst ruhende Vyūha und anschließend dessen ruhiges Hervortreten

20.199 unter den Bezeichnungen Tiefschlaf, Traum und Wachen beschrieben, ebenso die weiteren Gestalten von Keśava an und die weiteren göttlichen Erscheinungen;

20.200 die Verehrung auf dem Lotussitz im Herzlotus, zusammen mit den Kräften Lakṣmī, Puṣṭi und den übrigen, den Kennzeichen Muschelhorn, Rad und weiteren sowie Garuḍa und den Begleitern;

20.201 die heilsame Verehrung zusammen mit Wesen, Siddhas und den weiteren bis zu dem hier textlich unklaren Abschluss »Śāstra«; ferner die Einweihung durch Nṛsiṃha, den Beschützer der Welt, und die daran anschließende

20.202 Befugnis für die Para-, Vibhava-, Vyūha- und Sūkṣma-Stufen in der jeweiligen Reihenfolge; die Weihebadung für die vier Gruppen, beginnend mit Samayin und Putraka,

20.203 die verbindlichen Regeln der Überlieferung, die Reihenfolge der Einsetzung der Gottesbilder und die Merkmale von Mantra, Maṇḍala, Mudrā, Feuergruben und den weiteren Einrichtungen.

20.204 Dies alles hat Bhagavān zum Gedeihen der Welt gelehrt. Nachdem Brahmā den Sinn erläutert hatte, erklärte er auch, auf welchem Weg die Lehre empfangen worden war:

Die Linie der Übertragung

20.205 »Dieses Sāttvata-Tantra empfing Saṅkarṣaṇa von Vāsudeva, dem Herrn der Welt. Von Saṅkarṣaṇa wiederum

20.206 empfing es Pradyumna, danach Aniruddha. Von Aniruddha empfing ich es und von mir Rudra und die weiteren.

20.207 Unter allen göttlichen Lehren gibt es nach dieser Überlieferung keine höhere, o Weiser, ebenso wie unter allen Mantras keines höher gilt als das Acht-Silben-Mantra.

Die Verbindung zur Sattvata Samhita: Die Quelle nennt das Sāttvata-Tantra eine große Upaniṣad und schildert seine Weitergabe von Vāsudeva über Saṅkarṣaṇa, Pradyumna und Aniruddha zu Brahmā. Der Anspruch seiner Überlegenheit wird als Selbstaussage der Tradition wiedergegeben. Gemeinsam mit Jayakhya Samhita, Ahirbudhnya Samhita, Vishnu Samhita, Parameshvara Samhita und Padma Samhita gehört dieser Bezug in den weiteren Zusammenhang der Pāñcarātra-Überlieferung.

20.208 Verehre diesen Nārāyaṇa, den Herrn der Welt, nach dem darin beschriebenen Verfahren, o Weiser, mit den berührenden und den weiteren Darbringungen.

Vaikuntha auf Erden

20.209 Auf Erden gibt es einen heiligen Ort namens Vaikuṇṭhavardhana. Dort steht ein großer, hervorragender Berg namens Padmakūṭa,

20.210 eine Yojana nördlich der Kāverī, o Weiser. Dieser Ort gilt als jenseits der gewöhnlichen materiellen Natur; er ist als Bhūvaikuṇṭha, Vaikuṇṭha auf Erden, bekannt.

20.211 Vormals nahm Śeṣa selbst auf Bhagavāns Geheiß die Gestalt dieses Berges an. Noch jetzt wartet er auf Viṣṇus Ankunft.

20.212 An der Nordseite des Berges fließt ein Anteil der Virajā, beständig makellos und als Tilgerin aller Unreinheit verehrt.

20.213 Auf diesem hervorragenden Berg gibt es viele heilige Gewässer und verschiedene heilige Stätten, die von den höchsten Wissenden aufgesucht werden.

20.214 Auch im Kali-Yuga werden die dortigen Stätten niemals verunreinigt. Selbst zur Zeit der Weltauflösung vergeht dieser Berg nicht, o Weiser.

20.215 Im ganzen Weltenei gibt es daher keinen Ort seinesgleichen. Auf diesem Berg leben viele hervorragende Weise, fest in ihren Gelübden,

20.216 die mit reinem Herzen Tapas üben, um Nārāyaṇa zu schauen. Auch ihnen hat sich dieser Gott, der Schatz des Mitgefühls, gnädig zugewandt.

20.217 Nimm deshalb dieses Vimāna mit gesammeltem Geist, stelle es auf jenem hervorragenden Berg auf und verehre den Herrn Nārāyaṇa.«

Die Ankunft auf dem heiligen Berg

20.218 So angesprochen, war das Herz des hervorragenden Weisen froh. Er empfing vom Urvater den Gott der Götter, den Herrn Nārāyaṇa,

20.219 und brachte ihn am Vollmondtag des Monats Phālguna unter dem Mondhaus Hasta zu dem hervorragenden Berg, ihr Besten der Weisen. Dort, auf dem von Weisen aufgesuchten Boden,

20.220 stellte er das Vimāna von unermesslichem Glanz am Ufer des hervorragenden heiligen Gewässers auf. Die dort lebenden hervorragenden Weisen

20.221 sahen den Gott Nārāyaṇa, wurden von großer Freude erfüllt und riefen: »Heil ist uns hier zuteilgeworden! Heil!«

20.222 Deshalb nennen die Kundigen diesen Ort Kalyāṇatīrtha, das heilige Gewässer des Heils. Sanatkumāra verehrte darauf den Herrn nach dem in der Sāttvata gelehrten Verfahren.

20.223 Indem er den Herrn der Welt verehrte, wurde sein Herz zufrieden. Weil Nārāyaṇa seitdem beständig auf diesem Berg wohnt,

20.224 wird er seit jener Zeit Nārāyaṇācala genannt. So ist die Herabkunft Nārāyaṇas an diesen Ort erzählt.

Heilige Geschichte: Die Entstehung des Kalyāṇatīrtha und die Ankunft des Vimāna werden hier als religiöse Überlieferung erzählt. Ihr spiritueller Schwerpunkt liegt in der göttlichen Antwort auf aufrichtige Hingabe.

Die weitere Bildgestalt und Rama

20.225 Auch die zuvor erwähnte weitere Bildgestalt, die aus Nārāyaṇas Herzen hervorging, gelangte aus einem bestimmten Anlass auf diesen Berg.

20.226 Diese Geschichte werde ich nun erzählen. Hört, ihr Hervorragenden unter den Weisen: Vormals stieg der herrliche Nārāyaṇa zum Schutz der Welt

20.227 im Geschlecht Raghus als Rāma herab, der dem Geschlecht der Rākṣasas ein Ende setzte. Dem Wort seines Vaters folgend, lebte er zum Schutz der im Daṇḍaka-Wald wohnenden

20.228 Weisen in verschiedenen Einsiedeleien, begleitet von Lakṣmaṇa und der anmutigen Sītā.

20.229 Eines Tages kam er zum Nārāyaṇa-Berg, den die Weisen aufsuchten. Die Scharen der Weisen empfingen ihn mit großer Anteilnahme als Gast.

20.230 Auf der überaus schönen Hochebene mit ihren hohen Gipfeln grub der Sohn der Sumitrā in einem Augenblick für Sītās Spiel im Wasser

20.231 mit der Spitze seines Bogens eine Vertiefung, in der sofort Wasser hervortrat. Nachdem Rāma mit Sītā darin gespielt hatte, tauchte er ins Wasser ein und rezitierte

20.232 die Aghamarṣaṇa-Verse. Dort schaute er Bhagavāns überaus wunderbare Gestalt. Danach tauchte Rāghava wieder auf und dachte darüber nach.

20.233 Er wanderte um den Berg, von Staunen erfüllt. Am anderen Ufer des Kalyāṇatīrtha sah er den Gott mit Augen lang wie Lotusblätter,

20.234 Nārāyaṇa, und verneigte sich wiederholt mit dem Haupt. Danach blieb er einige Monate dort und verehrte ihn.

20.235 Bhagavān sprach zu Rāma: »Deine Verehrung hat mich erfreut. Gewähre den Weisen Schutz, bezwinge die mächtigen Rākṣasas

20.236 und kehre mit deinem ganzen Gefolge nach Sāketa zurück. Dorthin werde ich mit einem Anteil meiner selbst kommen; dann sollst du mich verehren.«

20.237 So angesprochen, machte der Held des Raghu-Geschlechts auf Geheiß des Gemahls der Indirā die Erde frei von Bedrängern und wurde in der herrlichen Stadt Sāketa

20.238 zum König geweiht. Er übergab dem weisen Rākṣasa-Herrscher, seinem Verehrer, den in seinem Geschlecht verehrten Gott Raṅgeśvara, den alldurchdringenden Herrn.

20.239 Als jener den Herrn von Raṅga fortgebracht hatte, erfüllte Sorge Rāmas Geist. Der Viergesichtige erfuhr davon und nahm den mit Śrī und Bhū verbundenen Herrn,

20.240 den Anteil Nārāyaṇas, mit sich, eilte nach Sāketa und übergab Rāma den Hari, den er selbst verehrt hatte.

Ramapriya und die Weitergabe des Bildes

20.241 Da wurde Rāma sehr froh und verehrte den mit Śrī und Bhūmi verbundenen Herrn lange und ordnungsgemäß in seiner eigenen Wohnstätte, ihr Brahmanen.

20.242 Deshalb erhielt dieser den Namen Rāmapriya, »Rāma lieb«, ihr Brahmanen. Danach verehrte Kuśa, Rāmas Sohn, den Herrn, den sein Vater verehrt hatte.

20.243 Er gab seine Tochter einem König aus dem Yadu-Geschlecht zur Frau. Auf ihre Bitte hin übergab er diesem auch jene Gestalt Acyutas.

20.244 Der Yaduśekhara genannte König empfing die Tochter und den Gott. Er kam nach Mathurā und stellte den Gott dort in seiner eigenen Wohnstätte auf.

20.245 Er verehrte den Gemahl der Kamalā voller Ehrfurcht. Später empfing ihn auf diesem Weg der Weitergabe der im Yadu-Geschlecht geborene

20.246 Kṛṣṇa und verehrte den göttlichen Gemahl der Śrī. Die unvergleichliche Krone des im Milchozean Ruhenden, die er vom Sohn der Vinatā erhalten hatte,

Balaramas Pilgerreise

20.247 brachte er diesem Gott dar und veranstaltete vielfältige Feste. Eines Tages begab sich Musalin, der Keulenträger Balarāma, auf Pilgerreise

20.248 zum Nārāyaṇa-Berg. Er badete im Kalyāṇa genannten heiligen Gewässer und in den acht weiteren Tīrthas. Auf dem Gipfel des Berges sah er

Yogananda Narasimha

20.249 Yogānanda, den Herrn der Welt, in Yogahaltung sitzend: den Gott, der alle Gottheiten umfasst, den Schatz aller strahlenden Kräfte.

20.250 Er war vollkommen in allen Merkmalen, mit Allwissenheit und den weiteren göttlichen Eigenschaften ausgestattet, glänzend wie geläutertes Gold, von vollkommener großer Gestalt.

20.251 Sein Antlitz war das eines furchterregenden Raubtiers, seine Augen glichen der glühenden Sonne. Sein Fell erstrahlte wie eine Fülle von Blitzen.

20.252 Seine Klauen glichen roten Lotusblättern und waren härter als der Vajra. Seine bewegte Mähne glich dem Schlangenkönig; sein Glanz war wie der von Millionen Monden und Blitzen.

20.253 Er ließ seinen eigenen Laut wie das Brausen des Ozeans bei der Weltauflösung ertönen und stand innerhalb eines Flammenkreises wie des Feuers am Ende eines Weltalters.

20.254 Seine beiden vorderen Arme ruhten auf den Knien; ein Yogaband stützte seine Haltung. Mit den beiden hinteren Armen hielt er Rad und Muschelhorn.

20.255 Seine Krone strahlte wie zehn Millionen Sonnen. Auf seiner Brust schmückten ihn der Kaustubha-Edelstein und das Śrīvatsa-Zeichen.

20.256 Der höchste Herr war mit einer Waldblumengirlande, rotem Gold, kostbaren Perlen und der heiligen Schnur geschmückt.

20.257 Seine Glieder waren mit göttlichem Duft gesalbt. Er trug göttliche Gewänder, herrliche Girlanden und göttlichen Schmuck.

20.258 Er war furchterregend und zugleich von milder Gestalt und erfüllte die Wünsche derer, die bei ihm Zuflucht nahmen. Als Balarāma den Gott Nṛhari sah, verneigte er sich vor seinen Lotusfüßen.

Stärke und Milde: Die Beschreibung Nṛsiṃhas verbindet furchterregende Kraft mit einer friedvollen Yogahaltung. Für die innere Betrachtung kann dies anregen, Mut und Klarheit mit Mitgefühl zu verbinden.

20.259 Der Pflugträger pries ihn mit vielfältigen Lobgesängen und wurde im Herzen froh. Dann wanderte er weiter auf diesem hervorragenden Berg, ihr Brahmanen.

20.260 Als er inmitten des Ānandamaya-Vimāna den Gott Nārāyaṇa erblickte, den Ozean des Nektars der Schönheit, versank er im Meer des Staunens.

Balaramas Lobpreis

20.261 Er verneigte sich vor dessen Lotusfüßen und pries den Herrn der Welt: »Sieg sei dir, Lotusäugiger! Sieg sei dir, der du deine Verehrer liebst!

20.262 Sieg sei dir, Gemahl der Kamalā! Sieg sei dir, höchstes göttliches Wesen! Nārāyaṇa, Verehrung sei dir! Vāsudeva, Verehrung sei dir!

20.263 Verehrung dir, Viṣṇu! Verehrung dir, dem Herrn, dem alles zugehört! Verehrung deiner höchsten Gestalt! Verehrung dir in den Vyūha-Gestalten!

20.264 Verehrung dir in den Vibhava-Herabkünften! Verehrung dir als innerstem Selbst! Verehrung deiner Herabkunft im Gottesbild! Verehrung dir in deinen vielfältigen Gestalten!

20.265 Zum Schutz der Welt weilst du hier auf Erden, zusammen mit Lakṣmī, der Verkörperung des Mitgefühls, und mit Sudarśana.

20.266 Heute hat mein Schauen seine Frucht gefunden: Du, Ozean des Nektars der Schönheit und Herr aller Welten, bist vor meinen Augen erschienen.

20.267 An allen heiligen Orten und in allen Heiligtümern sehe ich keinen Bhagavān wie dich, o Herr der Welt.

20.268 Ich habe bei dir Zuflucht genommen, du Liebevoller zu denen, die Schutz suchen. Blicke mich mit deinen von Mitgefühl erfüllten Blicken an, alldurchdringender Herr!«

Ergänzendes Video zur Hingabe; kein Bestandteil der Samhita.

Ein belegtes Gebet: Der Lobpreis nennt die höchste Gestalt, die Vyūhas, die Herabkünfte, das innere Selbst und die Gegenwart im Kultbild. Die Bitte um einen mitfühlenden Blick fasst die persönliche Hinwendung zusammen.

Die Bitte um den Dienst am Herrn

20.269 So durch vielfältige Lobgesänge gepriesen, sprach Nārāyaṇa Hari mit einem von Mitgefühl erfüllten Herzen zu Balabhadra:

20.270 »Balabhadra, du bist mein Verehrer. Du bist Śeṣa, mein Diener. Sage, was du ersehnst; ich werde es dir geben.«

20.271 So angesprochen, antwortete Balabhadra dem Herrn der Welt: »Nārāyaṇa, Ozean des Mitgefühls! Außer dem Dienst an dir –

20.272 was könnte ich sonst ersehnen, o Herr? Hier möchte ich dich verehren, alldurchdringender Herr. Gemahl der Ramā, erfülle mir diesen Herzenswunsch!«

20.273 So gebeten, antwortete Gott Bala:
Śrī Nārāyaṇa sprach: »Du besitzt reine Hingabe zu mir, du Freude des Yadu-Geschlechts.

20.274 Zuerst hast du mir in Śeṣas Gestalt gedient. Dann wurdest du Lakṣmaṇa und hast mich hier verehrt.

20.275 Auch jetzt sollst du mich verehren, Balabhadra. Im Kali-Yuga wirst du wiederum als ein hervorragender Brahmane geboren werden

20.276 und mich mit vielfältigen Darbringungen verehren.« So vom Gott der Götter angesprochen, wurde Balabhadra im Geist froh.

Das Festbild kommt nach Yadavachala

20.277 Er verehrte Hari nach Vorschrift mit vielfältigen Darbringungen. Der herrliche Nārāyaṇa, durch diese Verehrung sehr erfreut,

20.278 sprach zu Bala, der Feste veranstalten wollte: »Die mit Śrī und Bhūmi verbundene Gestalt, die aus meinem Herzen hervorgegangen ist,

20.279 wird in deinem Haus in Mathurā verehrt, o Yādava. Bringe sie her, verwende sie als mein Festbild und veranstalte vielfältige Feste

20.280 mit Hingabe; dadurch werde ich erfreut, o Pflugträger.« So angesprochen, eilte der Sohn der Rohiṇī nach Mathurā

20.281 und berichtete Kṛṣṇa ausführlich von dem Geschehen. Als Bhagavān Kṛṣṇa dies hörte, wurde er von großem Staunen erfüllt.

20.282 Dann setzten Kṛṣṇa und Balarāma, die beiden hervorragenden Yādavas, den mit allem Schmuck gezierten Gemahl der Śrī auf eine Sänfte.

20.283 Mit der ganzen Prozessionsausstattung und einem viergliedrigen Gefolge brachten sie ihn im Monat Māgha unter dem Mondhaus Citrā zu einer schönen, günstigen Stunde

20.284 auf den hervorragenden Berg. Dort, am Ort Nārāyaṇapura, stellten sie Hari auf und verehrten ihn mit großer Freude.

20.285 Weil sie ein großes Fest für den Gott der Götter veranstalten wollten, weihten sie auf Haris Geheiß ein Bali-Bild und ein Badungsbild.

20.286 Sie vollzogen das große Fest des göttlichen Śārṅgin nach Vorschrift. Im Monat Phālguna unter dem Mondhaus Hasta veranstalteten sie in dem alle heiligen Gewässer in sich bergenden

20.287 Kalyāṇa-See das Fest des abschließenden Bades. Weil dort der Gott, der Gefährte der Ramā, von den beiden Yādavas verehrt wurde,

20.288 wird der Berg seit jener Zeit Yādavādri genannt. So habe ich die Heiligkeit dieses Nārāyaṇa besungen.

Verehrung wird weitergegeben: Die Geschichte des Festbildes verbindet Generationen und göttliche Herabkünfte. Der Text versteht Übertragung sowohl als Weitergabe einer Lehre als auch als fortgesetzte Verantwortung für die Verehrung.

Die Frage nach Kalyanatirtha

20.289 Sagt nun, was ihr darüber hinaus hören möchtet, ihr Herren unter den Weisen.«
Die Weisen sprachen: »Allwissender, du Hervorragender unter den Weisen: Auf jenem Yādava-Berg

20.290 liegt das Kalyāṇatīrtha. Wir möchten von dessen Heiligkeit und Entstehung hören, ebenso von der Herrlichkeit Nṛharis, der auf dem Gipfel dieses Berges weilt.

20.291 Bitte erkläre uns auch dies.«
Nārada sprach: »Ihr habt gut gefragt, ihr Gesegneten, die ihr das Wesentliche erkennt.

Varaha und das heilige Gewässer

20.292 Ich werde die Heiligkeit des Kalyāṇatīrtha erläutern. Hört nun zu: Einst hob Bhagavān Varāha die in den Wassern versunkene Erde empor

20.293 und stellte sie wie zuvor wieder her. Auf jenem Berg, der Śeṣas Gestalt ist, nahm er zusammen mit der Göttin Bhūmi Wohnung.

20.294 Da fielen die Meerwassertropfen, die an Gottes Leib hafteten, herab. Daraus entstand dort das heilige Gewässer Kalyāṇa, ihr Brahmanen.

20.295 Die Götter überschütteten den Herrn der Welt mit einem Regen von Blüten und priesen ihn mit vielfältigen Lobgesängen. Die Scharen der Apsaras tanzten.

20.296 Göttliche Trommeln erklangen, und die Welt wurde froh. Dann kamen Brahmā und die übrigen Götter sowie alle hervorragenden göttlichen Weisen

20.297 zu Varāha und baten Acyuta:
Die Götter sprachen: »Gott der Götter, Herr der Welt, einziger Beschützer aller Welten!

20.298 Du hast den mächtigen Daitya bezwungen und die Erde emporgehoben. Auch uns hast du beschützt, o Gott, du Ozean des Nektars des Mitgefühls.

20.299 Bleibe hier in eben dieser Gestalt zusammen mit Bhūmi gegenwärtig, o Herr der Welt, aus dem Wunsch, deinen Verehrern Gnade zu schenken.«

20.300 So von den Göttern gebeten, setzte Bhagavān Hari als Varāha die Erdgöttin auf seinen Schoß und unterwies sie im Mantra.

20.301 An der Ostseite dieses heiligen Gewässers ist er noch heute gegenwärtig, ihr Herren unter den Weisen. Dort erhielt der Herr der Vögel von Varāha den Auftrag,

20.302 reine Erde von Śvetadvīpa herbeizubringen. Er legte sie einst am Ufer des Sees nieder; diese Erde wird von der Welt verehrt.

20.303 Im Monat Phālguna machen sich die Gaṅgā und alle anderen Flüsse in jenem Kalyāṇa genannten See gegenwärtig, ihr Brahmanen.

20.304 Am Vollmondtag dieses Monats kommen Brahmā und die höchsten Gottheiten mit Hingabe zusammen, um im Kalyāṇa-See zu baden.

Die gepriesenen Früchte der Pilgerschaft

20.305 Wer dieses göttliche Kalyāṇatīrtha schaut oder seiner gedenkt, es ehrfürchtig umwandelt, sich davor verneigt oder es verehrt,

20.306 wer als Mensch seine Heiligkeit mit Hingabe hört, dort badet oder sein heiliges Wasser trinkt,

20.307 oder wer es mit Blüten und weiteren Gaben verehrt: Diese Menschen werden als Läuternde der Welt gepriesen. Langes Leben, Gesundheit, Wohlstand, Wissen, Ausstrahlung, Sieg und Ansehen,

20.308 gute Kinder, Zufriedenheit und was immer sie hier wünschen, ihr Brahmanen – all dies, so die Verheißung, erlangen sie in kurzer Zeit. Daran bestehe kein Zweifel.

20.309 Selbst Brahmā und die anderen Götter können die Heiligkeit dieses Tīrtha nicht vollständig erkennen; wie viel weniger Menschen wie ich.

Die Früchte des heiligen Ortes: Die Verheißungen von Gesundheit, Wohlstand und erfüllten Wünschen sind religiöse Lobpreisungen. Das Hören, Erinnern und ehrfürchtige Betrachten werden ausdrücklich neben die äußere Pilgerschaft gestellt.

Prahladas Hingabe

20.310 So ist die Heiligkeit des Gewässers in Kürze erläutert, ihr Hervorragenden unter den Weisen. Nun wird die Herrlichkeit Śrī Nārasiṃhas erzählt, ihr Brahmanen.

20.311 Prahlāda, ein Verehrer Nṛharis und hervorragender Vaiṣṇava, wollte einst mit Hingabe den Gott Nṛsiṃha durch Tapas verehren.

20.312 Er suchte auf Erden einen reinen Ort für seine Askese. Als er den Nārāyaṇācala erreichte und dessen Schönheit sah,

20.313 gewann er die Überzeugung, dass es auf Erden keinen erhabeneren Ort gebe. Er badete im Kalyāṇa-See und nahm von dessen Ufer die heilige

20.314 weiße Erde, mit der er sich die aufwärts gerichteten Puṇḍra-Zeichen auftrug. Dann begab er sich auf den stillen, überaus reinen Gipfel des Berges.

Disziplin, Japa und die göttliche Schau

20.315 Den Yamas, Niyamas und weiteren Disziplinen hingegeben, wiederholte er mit ganz auf ihn gerichtetem Geist das heilige Einsilbenmantra Nṛsiṃhas und ebenso dessen Mantra im Anuṣṭubh-Versmaß.

Prahladas Hingabe verbindet ethische Disziplin, Sammlung und Mantrawiederholung.

20.316 Um Nṛhari erneut zu schauen, übte er sehr schwere Askese. Davon erfreut, erschien Nṛhari, der seine Verehrer liebt,

20.317 als Herr der Welt auf dem Gipfel jenes Berges. Prahlāda schaute Nṛhari, die Frucht seiner Askese: einen Ozean liebevoller Zuwendung, mit dem Śrīvatsa-Zeichen auf der Brust, voller guter Eigenschaften, die Hände durch Rad und Lotus erglänzend. Als er den Höchsten auf der glückverheißenden Felsplatte des Gipfels in Yogahaltung sah, standen ihm die Härchen vor Freude zu Berge. Er hüpfte und tanzte voller Ehrfurcht, ihr großen Weisen.

Prahladas Gebet

20.318 Von Staunen erfüllt, pries er Nṛhari so: »Verehrung dir, Śrī Nṛsiṃha! Verehrung dir, Bezwinger der Daityas!

20.319 Verehrung dir, Herr der Welten! Verehrung dir, der du deine Verehrer liebst! Du bist der Beschützer der Welt; diese ganze Welt hat dich zu ihrem innersten Wesen.

20.320 Brahmā und alle Gottheiten dienen deinen Lotusfüßen. Keine Gottheit der Welt steht über dir, o Puruṣottama.

20.321 Die großen Weisen suchen dich, den Ewigen, in den Vedānta-Lehren. Du selbst, Ozean des Mitgefühls, bist nun vor meinen Augen erschienen.

20.322 Ich habe bei dir Zuflucht genommen. Nimm mich ganz zu dir, alldurchdringender Herr!« So durch vielfältige Lobgesänge gepriesen, sprach der Menschenlöwe

Beständiger Dienst als Herzenswunsch

20.323 mit einer Stimme, die Nektar regnen ließ, zu Prahlāda: »Prahlāda, dein Tapas hat mich erfreut. Einen Segen, den du ersehnst,

20.324 wähle dir; ich werde ihn dir gewähren.« So angesprochen, legte der einsichtsvolle Prahlāda die Hände zusammen und antwortete:

20.325 »Du bist mein Guru, mein Vater, meine Mutter, mein Freund und mein Verwandter, alldurchdringender Herr; du bist mein Wissen und all mein Reichtum. Denn jenseits von dir gibt es nichts.

20.326 Ohne dich möchte ich nicht einmal einen Augenblick leben, o Herr der Erde. Deshalb gewähre mir, o Gott, beständigen Dienst an deinen Lotusfüßen,

20.327 o Herr der Götter!« So gebeten, nahm der alldurchdringende Nṛhari auf eben diesem Berg Wohnung, um Prahlāda seine Gnade zu schenken.

20.328 Von ihm innig verehrt, erstrahlt er dort noch heute und erfüllt das Ersehnte derer, die bei ihm Zuflucht nehmen.

20.329 So habe ich die Heiligkeit des Nārāyaṇa-Berges in Kürze besungen, ihr großen Weisen. Was möchtet ihr noch hören?«

Spiritueller Ausklang: Prahlāda bittet am Ende um beständigen Dienst an den Lotusfüßen des Herrn. Für heutige Yoga-Aspiranten kann darin eine schlichte Orientierung liegen: die tägliche Übung mit Liebe pflegen, das Göttliche im Herzen vergegenwärtigen und aus dieser Hinwendung hilfreich handeln. Bhakti, Meditation und Seva können einander vertiefen.

Kolophon: So endet in der Ishvara Samhita des heiligen Pancharatra das zwanzigste Kapitel, genannt „Die Herrlichkeit des Yadavachala“.

Texthinweise zu Kapitel 20

Grundlage: 329 nummerierte Texteinheiten. Erfasst nach dem Sanskritdruck von 2017, Seiten 294–310, unter Heranziehung des älteren Drucks, Seiten 495–522. Die kritische englische Ausgabe, Band IV, Seiten 1227–1281, dient zur Kontrolle.

Umfang und Nummerierung: Bei 20.3 steht ein zusätzlicher Fragehalbvers vor Nāradas Antwort. Bei 20.317 steht ein einleitender Halbvers vor einem längeren Versmaß. Beides ist vollständig aufgenommen. Die im neueren Druck doppelt verwendete Nummer 269 wurde zu 268–269 berichtigt; fehlende Ziffern wurden aus der Folge ergänzt.

Berichtigte Lesarten: In 20.13 nennt der ältere Druck die göttliche Gründung (divye), bevor er die selbstoffenbarten Heiligtümer hervorhebt. In 20.60–63 wurden Amṛtajit, die schöne Frauengestalt mit dem Nektarkrug und die Befreiung des Elefantenkönigs nach dem älteren Druck wiederhergestellt. In 20.95 betrifft die Unterscheidung Arme, Waffen, Haltung und Fahnenzeichen. In 20.123 ist viel Zeit vergangen; die negative Form des neueren Drucks wurde nach dem älteren berichtigt. In 20.144 steht der Herr der Mantras, nicht lediglich Mantraklang. In 20.177 wurde die beschädigte Wendung über die Lobgesänge berichtigt. In 20.322 lautet die Bitte: „Ich habe bei dir Zuflucht genommen“, nicht „bei mir“.

Abweichungen von der englischen Kontrollausgabe: In 20.12 steht für die Gandharva-Gründung das Zehnfache, nicht das Tausendfache. Der Berg in 20.63 ist Trikūṭa. In 20.157 gleicht der göttliche Leib Regenwolken, nicht Herbstwolken. In 20.160 vernichtet das Licht die Unwissenheit der Meditierenden. In 20.218 empfängt Sanatkumāra die Gestalt von Brahmā, nicht von Balarāma. In 20.301 weilt Varāha an der Ostseite des Gewässers; Garuḍa bringt anschließend die heilige Erde.

Offene Stellen: Einige Ortsnamen und technische Ausdrücke bleiben unsicher, besonders in 20.23, 20.40, 20.59, 20.62, 20.70, 20.83, 20.90, 20.93, 20.98, 20.100, 20.102, 20.106–109, 20.167 und 20.197–201. Die Übersetzung kennzeichnet die wesentlichen Unsicherheiten. Die Ortsliste wird nicht durch unbelegte moderne Identifikationen ergänzt.

Gebete und Mantras: Die Lobpreise in 20.261–268 und 20.318–327 sind im Sanskrittext belegt. Die Nennung eines Einsilbenmantras und eines Anuṣṭubh-Mantras in 20.315 enthält dagegen keinen ausgeschriebenen Wortlaut; eine vollständige Formel wird deshalb nicht rekonstruiert. Die dortige Beschreibung darf nicht mit Formeln aus anderen Texten stillschweigend vervollständigt werden.

Religiöse Erzählung: Die unvergängliche Natur des heiligen Berges, die Ankunft göttlicher Gestalten und die Früchte der Pilgerschaft gehören zur Mahatmya-Erzählung. Die Ausgabe gibt diese Aussagen als religiöse Überlieferung wieder und unterscheidet davon ihre heutigen spirituellen Anregungen.


Ortsname und Gottesgestalt. In 20.23 folgt diese Ausgabe dem kritischen Sanskrittext nāgasāhvaye (IV, S. 1230) gegenüber nāmasāhvaye im älteren Druck (S. 497). Die genaue Lage dieses Ortes bleibt unbestimmt. In 20.40 bestätigen beide Drucke kharvamūrtiḥ, die Zwerggestalt (IV, S. 1232; älterer Druck S. 498). In 20.167 lautet der Text jaṅghādvitayam ujjvalaiḥ sowie maṇinūpurabhūṣādyaiḥ: Beschrieben werden die beiden Unterschenkel und die mit glänzendem Schmuck versehenen Lotusfüße (IV, S. 1254; älterer Druck S. 508). Die früher erfassten abweichenden Zeichenfolgen sind damit berichtigt.



Kapitel 21 – Diksha – Einweihung, innere Wandlung und Übertragung

Dīkṣā verbindet in diesem Kapitel die äußere Einweihung mit einer umfassenden inneren Wandlung. Der Guru prüft die Bereitschaft des Schülers, bereitet die heiligen Orte und Geräte vor und führt ihn durch Mantra, Dhāraṇā, Homa und Pūjā zur Gegenwart Nārāyaṇas. Die Lösung von Bindungen wird als Werk göttlicher Gnade und geistiger Übertragung beschrieben. Am Schluss erläutert der Text die Weihe zum Ācārya, die Überlieferung durch Śāṇḍilya und die vier Lehrsysteme des Pāñcarātra. Fassung mit dokumentierten Unsicherheiten: Alle 587 nummerierten Einheiten sind erfasst; schwierige oder beschädigte Stellen sind ausdrücklich gekennzeichnet.

Die Weisen fragen:

Die Bitte um Unterweisung in die Einweihung

21.1 Ehrwürdiger, du Hervorragender unter den Weisen, Allwissender und Bester der Sprecher: Zuvor wurde gesagt, dass Menschen ohne Einweihung zu dieser Verehrung und den dazugehörigen Riten nicht befugt sind.

21.2 Erkläre uns deshalb das Verfahren der Dīkṣā genau, du Hervorragender unter den Weisen.
Nārada sprach: »Hört zu, ihr Weisen: Alle können von Bhagavān erfüllt werden.

Ernsthaftes Verlangen und die Vorbereitung des Schülers

21.3 Ob Brahmane, Kṣatriya, Vaiśya oder Śūdra, ihr Hervorragenden unter den Weisen: Ein Mensch, der die zuvor genannten Merkmale besitzt und sich als besonders entschlossen erweist,

21.4 fürchtet die Gebundenheit des Saṃsāra und ersehnt Befreiung. Sein Geist ist der Loslösung zugewandt; er soll beständig sein und lange im Haus des Gurus wohnen.

21.5 Er lebt dort in einer Haltung des Dienens, frei von innerer Bedrängnis und Aufregung. Erkennt der Lehrer sein ernsthaftes Verlangen, so rufe er ihn zu sich und lasse ihn vor sich Platz nehmen.

21.6 Er frage ihn, was er seit seiner Geburt bis zu diesem Augenblick getan und unterlassen hat. Nachdem er das Gewicht der Verfehlungen genau erkannt hat, lasse er sie durch die vorgeschriebenen Wiedergutmachungen,

21.7 beginnend mit Kṛcchra und Atikṛcchra, sorgfältig lösen. Doch weil viele Menschen solche großen Belastungen nicht ertragen können, o Pflugträger,

21.8 soll ihnen eine maßvolle, reine, ungebetene Mahlzeit am Abend auferlegt werden, zwölf Tage lang oder bis zur Klärung des Geistes.

21.9 Sie sollen sich im Lobpreis, im Reinigen, im Baden und im Beschaffen von Blüten und weiteren Gaben betätigen, in einer Vaiṣṇava-Gemeinschaft oder einem göttlichen Heiligtum des Herrn,

21.10 und das Gottesbild immer wieder vom Sockel aufwärts betrachten. Wer von vornehmer Herkunft ist, sich aber durch frühere Verfehlungen befleckt hat,

21.11 und dessen Geist nun durch Hingabe an Bhagavān geläutert ist, soll einen Tag und eine Nacht fasten und Nägel und Haare kürzen lassen.

21.12 Man bereite Pañcagavya zusammen mit Kuśa-Wasser vor und weihe es mit den Herz- und weiteren Mantras. Die Mantras für Vāsudeva und die übrigen Gestalten werden vierhundertmal wiederholt.

21.13 Der kundige Lehrer lasse ihn damit an vier Tagen baden. Jeden Tag, viermal vom Morgen bis zum Einbruch der Nacht,

21.14 trinke er jeweils die gleiche Menge, viermal den Brahmatīrtha-Bereich der Hand füllend; dazwischen vollziehe er Ācamana unter den zuvor genannten Mantras. [Die genaue Mengen- und Handbezeichnung bedarf weiterer Kontrolle.]

21.15 Am Ende nehme er mit Milch und Ghee bereitete Nahrung zu sich, ohne sich ganz satt zu essen. Oder er ernähre sich während dieser vier Tage und Nächte von Früchten und Wurzeln.

21.16 So ist für diejenigen, die in Hingabe Zuflucht genommen haben und von früheren, selbst lebenslang begangenen Verfehlungen ablassen, die höchste körperliche Läuterung beschrieben,

21.17 das mit Brahmakūrca verbundene Wiedergutmachungsverfahren, das ich dir heute erläutert habe. Nachdem zuvor die Schwere der drei Arten von Verfehlung erkannt wurde,

21.18 gebe man nach Möglichkeit regelmäßig Gold und weitere Gaben. Bei geringfügigeren Verfehlungen wird gegenüber dem zuvor vorgeschriebenen Verfahren

21.19 um ein Viertel vermindert; entsprechend trinke man Brahmakūrca. Im Allgemeinen wird dieses Wiedergutmachungsverfahren nach Dauer und der in der damaligen Ordnung vorausgesetzten Varṇa-Stellung bestimmt.

21.20 Es gilt als die Verfehlungen aller tilgend. Zunächst bestimme man das zunehmende Gewicht des begangenen Unrechts

21.21 und lasse es bei einem Brahmanen durch zwei-, drei- oder vierfache Monatsfristen sühnen. Bei Angehörigen der Kṣatriya-, Vaiśya- und Śūdra-Gruppen werde jeweils eine weitere Frist hinzugerechnet,

21.22 der Reihe nach beginnend mit einem Monat. Doch selbst wer früher schlecht handelte, unterschiedslos aß, undankbar war oder die heilige Lehre ablehnte,

Die reinigende Kraft der Hingabe

21.23 ist, wenn er mit Vertrauen beim ursprünglichen Gott Zuflucht nimmt, durch die Kraft des höchsten Selbst als von Schuld befreit anzusehen.

21.24 Wie viel mehr gilt dies für jemanden, der seine Verfehlungen bereut, in dieser Lehre feststeht, vom Unrecht ablässt und im Schatten der Hingabe Zuflucht sucht.

Hingabe und Umkehr: Die Verse 23–24 betonen die reinigende Kraft aufrichtiger Bhakti. Sie stehen im Zusammenhang mit Reue, Vorbereitung und einer veränderten Lebensführung. Für heutige Übende liegt darin Ermutigung: Frühere Fehler müssen den Weg zu geistigem Wachstum nicht verschließen.

21.25 Um bei den so von Verfehlungen Gereinigten auch die in vielen Geburten angesammelte Belastung zu lösen, o Einsichtsvoller, vollziehe man die Nārasiṃha-Einweihung

21.26 und erteile ihnen die entsprechende Mantra-Unterweisung. Die Verehrung eben dieses Herrn in seiner Vibhava-Gestalt

21.27 vollziehe man ordnungsgemäß äußerlich und innerlich vier Monate, acht Monate oder ein Jahr lang; zuvor bedenke man die Stärke der inneren Haltung.

21.28 Wenn die Gnade des höchsten Herrn bei den Menschen guter Gesinnung erkannt ist, erteile man anschließend die Vibhava-, Vyūha- und Sūkṣma-Einweihungen.

Historische Einweihungsordnung: Die soziale Einteilung der Bewerber und die besonderen Bußformen gehören zur überlieferten Ritualordnung. Die heutige spirituelle Anregung liegt in ehrlicher Selbstprüfung, Lernbereitschaft und einer Übung, die der eigenen Belastbarkeit entspricht.

Ort, Zeit und Aufbau des Einweihungsraumes

21.29 Nun will ich das Verfahren der Dīkṣā darlegen. Hört, ihr hervorragenden Weisen! Für die Menschen der verschiedenen Stände, beginnend mit den Zweimalgeborenen, die feste Zuversicht gewonnen haben,

21.30 deren Verfehlungen gründlich getilgt sind und die auf diesem Weg vorangeschritten sind, wähle man eine günstige Sternkonstellation, einen günstigen Mondtag, Aszendenten und Augenblick.

21.31 Für die vorbereitende Weihe der Gottverehrer nehme man einen Platz in Besitz: an einem heiligen, geeigneten, ansprechenden Ort, an dem gute Menschen verkehren,

21.32 mit reichlich Erde, Wasser, Früchten und Blumen, mit Kuśa-Gras und Brennholz; schön durch Kühe, Feldfrüchte und Reis, frei von schädlichen kleinen Tieren.

21.33 Dort wähle man ein dem jeweiligen Stand entsprechendes Grundstück mit den zuvor genannten Merkmalen: frei von allen Mängeln und von günstigen Vögeln und Tieren aufgesucht.

21.34 Es liege in einer Gegend mit glückverheißenden Heiligtümern, zwischen Klöstern, Kuhställen, Marktständen und Häusern sowie Wasserbecken, Einsiedeleien und heiligen Bezirken guter Beschaffenheit.

21.35 Es sei frei von Gefahren durch Wasser und anderes, von guten Menschen genutzt und von Wäldern, Gärten, Dörfern und Stadtbezirken umgeben. [Die Wendung balād bhuktā – wörtlich etwa „mit Kraft in Besitz genommen“ – ist hier nicht eindeutig.]

21.36 Ob eigenes Land verfügbar ist oder nicht: Durch die Verehrung mit dem zugehörigen Mantra begründe man für die Brahmanen und die weiteren Stände ein rituelles Besitzrecht entsprechend ihrem Stand.

21.37 Ist bekannt, dass der Boden zuvor einen Mangel aufwies, trage man ihn ab und hebe ihn aus. Dann fülle man ihn mit guter Erde und dazwischen mit kleinen Steinen.

21.38 Anschließend stampfe man ihn fest und besprenge ihn mit Pañcagavya. Man versehe ihn mit Gold und anderen kostbaren Stoffen sowie guten Edelsteinen, ebne ihn ein und bestreiche ihn.

21.39 Dort vollziehe man die Verehrung des Herrn bis zum Feueropfer, wie zuvor beschrieben, bringe den Wesen eine Bali-Gabe dar und versorge die Kühe.

21.40 Mit der Dakṣiṇā für die Zweimalgeborenen schließe man diese Handlungen ab. Im Osten errichte man zur glücklichen Vollendung eine geschmückte Ritualhalle,

21.41 verschönert durch je zwei Säulen an den Ecken und mit einem irdenen Altar in der Mitte.

21.42 Die Ausdehnung gilt für alle Stände, von den Zweimalgeborenen bis zu den Śūdras, als gleich. Der Altar sei achteckig, rund oder viereckig und habe einen Untersockel.

21.43 Die Höhe wird mit acht Fingerbreiten und einer entsprechenden Verringerung angegeben. Den Untersockel richte man bei allen nach der Hälfte der jeweiligen Höhe ein. [Die genaue Abstufung der Maße ist im Wortlaut nicht eindeutig.]

21.44 Die Breite der Untersockel betrage jeweils das Doppelte ihrer Höhe. Unmittelbar daran schließe sich, nach dessen Maß erhöht,

21.45 die Sitzplatte an, deren Auslauf nach Westen weist. Die Speisegabe lege man auf den Untersockel und stelle sie dort bereit.

21.46 Südlich davon, an einem abgesonderten Ort, errichte man einen Raum mit inneren Durchgängen und Fensteröffnungen, versehen mit Sockel und Feuergrube,

21.47 eine Halle für das Feueropfer, mit Türflügeln und Riegeln. Man bestreiche sie mit Kuhdung und mit Wasser, über dem der Astra-Mantra gesprochen wurde,

21.48 und schmücke sie der Vorschrift entsprechend. So sind zwei Hallen vorgesehen. Fehlen die Mittel, darf die vorbereitende Weihe im Haus eines Zweimalgeborenen

21.49 oder im Haus des Lehrers stattfinden. Dort vollziehe man für den Schüler die rituelle Inbesitznahme, wie zuvor: beginnend mit der Verehrung und endend mit der Besänftigung der Wesen.

21.50 Gekochter Reis, vermischt mit Dickmilch, Puffreis und Ghee und durchtränkt mit Honigwasser, wird „Speisung der Wesen“ genannt. Ohne sie, heißt es, bleiben diese Wesen unablässig dort,

Die Vorbereitung des heiligen Raumes richtet die Aufmerksamkeit auf die Verehrung.

Gaben, Gefäße und heilige Geräte

21.51 zornig außerhalb und nach einem höheren Platz verlangend. Deshalb ist für einen rituell in Besitz genommenen Ort sorgfältig vorgeschrieben:

21.52 Zur ungestörten Vollendung bringe man überall und stets eine Bali-Gabe dar. Nachdem dies geschehen ist, lasse man zum Segen einen langen, dem Glockenklang vergleichbaren Laut ertönen,

21.53 erhebe sich wie zuvor vom eigenen Platz und spreche den großen Praṇava Oṃ aus. Dann bringe man Puffreis und glückverheißende weiße Senfkörner hinein,

21.54 Früchte, darunter Śrīphala, Sandel und andere Duftstoffe, Gorocanā, Blumen, beginnend mit weißen, und Blütenrispen der entsprechenden Bäume;

21.55 grüne Darbha-Halme mit unversehrten Spitzen, Edelsteine aller Art, Gold, Heilpflanzen sowie wohlriechende Rinden und Kardamom: eine glückverheißende Sammlung von Düften;

21.56 Padmaka, Śaṅkhapuṣpa, Viṣṇukrāntā und Kundaka, zweimal sieben Getreidearten und sechs entsprechende Arten von Saatgut;

21.57 reichlich geschälten Śāli-Reis, Śyāmāka und Nīvāra sowie die fünf von der Kuh stammenden Stoffe in Gefäßen aus Udumbara-Holz;

21.58 auch viele weitere Gefäße, die keine Flüssigkeit verlieren, und neue Behälter für den Gebrauch bei den einzelnen Verrichtungen;

21.59 Gefäße aus Gold und anderen Materialien oder Schalen aus weichen Blättern für Fußwasser, Wasser zum rituellen Trinken und die Arghya-Gabe sowie für die Speisegaben bis hin zur Dickmilch;

21.60 weiße feine Gewänder, zwei neue Gewandpaare, eine heilige Schnur mit Obergewand und zwei sauber gewaschene, strahlend weiße Tücher;

21.61 reine Seidenstücke, ein Armband mit Ring, eine Gebetskette aus Bergkristall und eine Zählkette aus Lotussamen;

21.62 einen zwölfstrahligen Diskus aus fünf Metallen samt Muschelhorn, eine Decke, einen Yoga-Sitzgurt, ein Tuch zum Verbinden der Augen und ein Antilopenfell;

21.63 ein Grassitzkissen, ein Tuch, ein Stoffband, Sandalen und Schuhe, einen Stab, Auffanggefäß und Schirm sowie Mehl aus Weizen und schwarzen Bohnen;

21.64 Girlanden in vier Farben und einen schönen, reinen, leichten Vorrat grüner Blätter, mit dunklem frischem Gras vermischt;

21.65 Guggulu-Harz und gereinigtes Räucherwerk, Lampenöl und Dochte, einen Spiegel, ein Räuchergefäß, eine Glocke und einen Büschel aus Darbha-Gras;

21.66 Farbpulver, zwei Werkzeuge zum Auftragen, eine Pflanzschale, einen weißen kleinen Krug und ein festes, fünf Fingerbreiten langes Bündel aus fünf Kuśa-Halmen, aus Gold oder anderem geeignetem Material;

21.67 einen mit rotem Lack gefärbten Faden, helle beziehungsweise blanke Schere und Rasiermesser, acht Stäbe mit Spitzen und Pfauenfedern;

21.68 aufragende, stabile Gegenstände aus Metall, Ton oder Holz, mit Kalk und anderem gefärbt, sowie die zugehörigen Ständer;

21.69 weitere Halterungen, Wasserkrüge, ein Gießgefäß mit günstig gestalteter Tülle und einen gut gebrannten Krug mit Unterlage. [Mehrere Gerätebezeichnungen sowie akāmamūla sind hier nicht sicher verstanden.]

21.70 einen Kochtopf, ein Kamaṇḍalu-Wassergefäß, eine Schöpfkelle, einen Deckel und eine kleine Feuerstelle sowie einen neuen glückverheißenden Sitz mit vier Füßen, von rechteckiger Form; [Das Wort für den Deckel ist im Druck beschädigt.]

21.71 die vorgesehene Mātrā-Gabe samt Betel und einen Vorrat zum Reinigen der Zähne, Reibhölzer mit getrocknetem Kuhdung und einen Feuer erzeugenden Stein; [Die genaue Bezeichnung zu Beginn ist unsicher.]

21.72 Opferhölzer, beginnend mit Palāśa, mit erhaltenen Spitzen, die Begrenzungshölzer der Feuerstelle, reichlich trockenes Brennmaterial sowie Sesam und Reis, mit Ghee benetzt.

Mantra und die Vorbereitung des Lehrers

21.73 Auch die bereits genannten großen und kleinen Opferlöffel und sämtliche Geräte des Feueropfers bis zum Pakṣmaka stelle man bereit, zusammen mit zwei großen Gefäßen. [Die genaue Gerätebedeutung von pakṣmaka bleibt offen.]

21.74 Von den zuvor genannten Gaben bringe man alles hinein, von dem man weiß, dass es für die Verehrung auf der bereiteten Bodenfläche benötigt wird. [Das zusammengesetzte Wort vor arcane ist im Druck gestört.]

21.75 Am Tag vor der vorbereitenden Weihe vollziehe man die Aussaat der Keime. Am Weihetag selbst lege man zuerst dem Schüler das schützende Kautuka-Band an.

21.76 Der Ācārya handle aus dem Wunsch, den künftigen Verehrern des Herrn Gnade zu vermitteln: sowohl denen, die himmlischen Genuss suchen, als auch denen, die nach dem höchsten Heil verlangen.

21.77 Für jeden Einzelnen vervielfältige er die Bestandteile des Opfers mittels der göttlichen Gestalt und des ewigen, unmanifesten Prinzips, verbunden mit dem heiligen Mantra als Brahman. [Die rituelle Zuordnung dieser Begriffe ist nicht vollständig geklärt.]

21.78 Die der Überlieferung entsprechende Anordnung der Mantras gewährt denjenigen, die Wünsche hegen, deren Frucht; den Wunschlosen schenkt sie Befreiung. [Die vorausgehende Wortgruppe zu den eigenen Handlungen und Opferstoffen ist im Druck beschädigt.]

21.79 Nach dem Bad und den täglichen Verrichtungen trete der Ausführende wie zuvor ein, nehme den Platz im Westen ein und wende sich nach Osten.

21.80 Auf einem Antilopenfell sitze er im Lotussitz oder einer anderen geeigneten Haltung. Mit dem Mantra, kraft dessen Befugnis er dem Schüler die Einweihungsgnade vermittelt,

21.81 vollziehe er sämtliche Handlungen, zusammen mit dessen Aṅga-Mantras. Soll hingegen die Gnade durch sämtliche Mantras der Vibhava-Erscheinungsformen vermittelt werden,

21.82 um zur Verehrung aller dieser Formen zu befähigen, beziehe er den Zwölfsilbigen ein und vollziehe mittels des Viśākhayūpa-Mantras die beiden Dhāraṇās. [Die genaue syntaktische Zuordnung des Zwölfsilbigen ist unsicher.]

21.83 Mit dessen Bīja durchdringe er den Körper und errichte nach Vermögen das Maṇḍala aus den zuvor beschafften und mit diesem Mantra geweihten Stoffen.

21.84 Wie zuvor versehe er sich mit duftenden Einreibungen, Gewändern, Armreifen und Ringen, einem großen weißen Turban und einer weißen Girlande,

21.85 mit Mundduftstoffen, Betel und einem Stirnzeichen; durch einen geeigneten Yoga-Sitzgurt bringe er den Körper in eine stabile Haltung.

21.86 In der Mitte des Herzlotus setze er das Bīja des Herrn ein, in den Händen das Bīja Padmanābhas und im Körper das „Dhruva“ genannte Bīja. [Ein Wort vor bījam ist im Sanskritdruck beschädigt.]

21.87 Mit den übrigen Bījas durchdringe beziehungsweise berühre er wie zuvor die Glieder bis zu den Füßen. In beide Hände und den Körper lege er das Bīja des Herrn samt seinen Aṅgas ein.

21.88 Nachdem er dies bis hin zu den Mudrās vollständig vollzogen hat, nehme er mit beiden Händen Muschelhorn und Diskus auf, jeweils mit dem eigenen Mantra geweiht.

21.89 Er werde innerlich eins mit ihnen und lege beide auf den Boden. Nachdem er alles in seinem Wesen betrachtet hat, beginne er mit der rituellen Handlung.

21.90 In der Ritualhalle stehend vollziehe er die Weihe mit dem Astra-Mantra. Damit bestreiche, fege und reinige er den Opferplatz gründlich.

21.91 Zur weiteren Entfaltung des als „Brahman“ bezeichneten Glanzes lege er Gold und andere kostbare Stoffe sowie Samen hinein. [Die Wortgruppe tadbrahmākhyavayo lässt keine sichere vollständige Deutung zu.]

21.92 Wie zuvor richte er die Gefäße für Arghya und die weiteren Gaben nach Vorschrift her. Was in getrennten Behältern bereitsteht, besprenge er zunächst mit dem Wasser der Haupt-Arghya-Gabe.

21.93 Dann bereite er wie zuvor Pañcagavya mit dem Hṛd-Mantra und den weiteren Mantras. Das Kuśa-Wasser weihe er mit dem Astra-Mantra und gebe es hinzu. [Ein Wort vor abhimantrya ist im Druck gestört.]

21.94 Mit beiden Händen, die er als Agni und Soma vergegenwärtigt und rituell befähigt hat, besprenge er die zuvor herbeigebrachten Dinge.

21.95 Mit jenem Wasser und den Kuśa-Halmen an der Vorderseite des Sitzes besprenge er sämtliche Samen und Getreidekörner samt weißen Senfkörnern. [Der Wortanfang ist im Druck beschädigt.]

21.96 Er spreche darüber den Astra-Mantra, meditiere über sie als eins mit diesem Mantra und streue sie konzentriert in die zehn Richtungen, um Hindernisse zu besänftigen.

21.97 Mit einem Pfauenfederbüschel sammle er sie wieder auf und lege sie im Osten nieder. Darin zeichne er mit Sandel und anderen Stoffen den Herrn der göttlichen Waffen, Sudarśana.

21.98 Den kleinen Gießkrug samt großem Krug schmücke er wie zuvor mit Gaben bis hin zu Gewändern und stelle sich beide als verkörperte göttliche Gegenwart vor.

21.99 In ihrer Mitte meditiere er über den Astra-Mantra und verehre ihn nach Vorschrift als die Macht, welche die Wirksamkeit der Hindernisse beendet und sie zerstört. [Die genaue Beziehung von kāla und karmāvasāna ist schwierig.]

21.100 Mit zusammengelegten Händen und dem Astra-Mantra bitte der Verehrer: „O Herr des Alls, nimm diese Opferhalle an, die ich bereitet habe!

Mantra und Übertragung: Manche Mantras werden durch Lautnamen und verschlüsselte Anweisungen bezeichnet. Diese Ausgabe ergänzt daraus keine unbelegten Formeln. Japa erhält im Text seine Tiefe durch Unterweisung, Bedeutung und geistige Gegenwart.

Die vorbereitende Verehrung

21.101 O Alldurchdringender, sei bis zur Vollendung in allen Teilen der Handlung gegenwärtig!“ Dann führe er einen ununterbrochenen Strom des Astra-Wassers an der Begrenzung entlang.

21.102 Er vergegenwärtige sich seinen Lauf im Uhrzeigersinn, vom Osten bis zu seinen Füßen. Nachdem er das Gefäß abgestellt hat, vollziehe er zusammen mit dem Krug die rituelle Umrundung.

21.103 Er bringe beiden Arghya dar und verteile es im Osten nach oben. Das verehrte, mit einem Tuch bedeckte und durch den Cakra-Mantra geweihte Gefäß

21.104 stelle er auf den dafür vorgesehenen Bhadra-Sockel als Unterlage. Er verehre den Mantra-Krug samt Astra und verneige sich.

21.105 Dann setze er die zuvor genannten Scharen der Richtungswächter in ihre Richtungen ein, befestige ihre Gegenwart rituell und verehre sie mit Astra und Hṛd-Mantra,

21.106 mit Oṃ, ihrem jeweiligen Namen und dem anschließenden „Namaḥ“. Auch Torbögen, Fahnen und die übrigen Einrichtungen verehre man mit Arghya und weiteren Gaben.

21.107 Dann meditiere er in der Mitte des Feueropferplatzes über den zuvor beschriebenen Sitz und verehre dort den Herrn in der bereits dargelegten Reihenfolge.

21.108 Nach der Verehrung der Feuergrube bringe er wie zuvor die sättigenden Gaben bis zur abschließenden Vollgabe dar. Anschließend verehre er die zum Herrn gehörenden Wesen samt den Hütern des heiligen Bezirks

21.109 mit Arghya, Blumen und weiteren Gaben. Er nehme die Bali-Gabe aus ihrem Gefäß, spreche die folgenden Worte und werfe sie anschließend außerhalb der Opferhalle aus:

21.110 „Ihr Wesen, die ihr zu Viṣṇu gehört, und ihr, die ihr ihnen folgt: Nehmt diese Gabe freudig an und gewährt mir Wohlergehen!“

21.111 Nachdem er die Füße gewaschen und Ācamana vollzogen hat, betrete er wieder die Opferhalle. Im Feuerhaus bereite er dann die im Osten stehende Kochstelle rituell vor.

21.112 Den in der Feuerstelle stehenden Kochtopf spüle er mit dem Astra-Mantra und bestreiche ihn außen mit Kuhdung und weiteren Stoffen. [Die genaue Ortsanweisung in der ersten Vershälfte ist nicht sicher verstanden.]

21.113 Innen reibe er ihn mit Duftstoffen ein und erhitze ihn mit brennenden Kuśa-Halmen. Er berühre ihn mit einer Blume als Astra und umwinde seinen Hals mit einem weißen Faden,

21.114 vierfach mit dem Varma-Mantra geweiht. Nach der Verehrung mit Arghya und weiteren Gaben stelle er den Topf auf die Kochstelle und gebe Honig, Ghee und Milch hinein.

21.115 Wenn die Milch rein und aufgekocht ist, gebe er unter Rezitation des Astra-Mantras den Reis hinzu und koche ihn mit dem Mūla-Mantra. Mit dem Netra-Mantra betrachte er die bereitete Speise.

21.116 Mit dem Hṛd-Mantra nehme er den Topf herunter und übergieße den Inhalt mit Ghee; mit dem Śikhā-Mantra rühre er ihn um. Mit dem Śiras-Mantra reinige beziehungsweise bestreiche er ihn und spüle ihn mit ganz klarem Wasser ab.

21.117 Mit Asche, die reichlich Sandel enthält, schmücke er das Gefäß mit senkrechten Ūrdhvapuṇḍra-Zeichen und stelle es an einem anderen Platz im Maṇḍala auf eine Unterlage.

21.118 Nachdem er zur Vollendung das Feueropfer bis zur Pūrṇāhuti ausgeführt hat, gebe er Ghee über den Caru, die gekochte Opferspeise, und vergegenwärtige sie sich als lichtvolles Amṛta.

21.119 Dazu dienen der Haṃsa-Laut mit Bindu, eingeschlossen von Īśa und Abjanābha, sowie Vauṣaṭ, Vaṣaṭ und zweimal Praṇava. [Der Vers verschlüsselt Mantras durch Lautnamen; daraus wird hier keine ungesichert rekonstruierte Formel gebildet.]

21.120 Die Gegenwart beziehungsweise Festigung der Speise wird hier auf diese beiden Mantra-Verbindungen bezogen. Deshalb umschließe er jene Speise mit der zuvor genannten Mantra-Einfassung. [Die erste Vershälfte ist sprachlich unsicher überliefert.]

21.121 Er nehme sie im Herzen auf und vergegenwärtige sie sich als von unten und oben umschlossen, sobald beim Sampāta-Feueropfer der Stoffe die abschließende Vollgabe dargebracht ist.

21.122 Von der durch die Opferhandlungen geweihten Speise nehme er die in drei Gefäßen verteilten Portionen heraus und ordne sie vorschriftsgemäß dem Bodenaltar, dem Krug und dem Feuer zu.

21.123 Den mit Ghee vermischten Rest bedecke er mit Kuśa-Gras und bringe der Reihe nach mit Mūla-, Astra- und Netra-Mantra dreihundert Opfergaben dar.

21.124 Mit einer erneuten Pūrṇāhuti führe er dies zur Vollendung. Danach bereite er im Norden mit Kuhdung und weiteren Stoffen ein Maṇḍala.

21.125 Dort lege er mit dem Hṛd-Mantra einen Darbha-Sitz aus, dessen Spitzen nach Osten weisen. In dessen Mitte stelle er den Schüler mit gleichmäßig ausgerichteten Füßen und ruhig gehaltenem Körper.

21.126 Der Schüler sei nach Osten gewandt, mit beherrschter Rede und gesammelten Gedanken, die Hände zum Añjali gefaltet. Wie zuvor besprenge ihn der Lehrer mit Wasser und dem Astra-Mantra.

21.127 Mit demselben Mantra lasse er kraftvoll geweihte Senf- und Sesamkörner seinen Kopf berühren, um die Bindungen zu lösen, die aus anfangslosen Vāsanās, eingeprägten Neigungen, entstanden sind.

21.128 Mit dem auf „Phaṭ“ endenden Astra-Mantra streiche er mit einer Kuśa-Spitze von den Füßen bis zum Scheitel aufwärts, damit der zusammenhängende Weg gerade und ungehindert werde.

21.129 Er stelle sich den Schüler jetzt von einem Netz der Mantras durchdrungen vor und verbinde ihm mit dem Netra-Mantra die Augen mit einem Tuch.

21.130 Zuerst fülle er die zur Schale gefalteten Hände mit einer Wertgabe, Arghya, Blumen und Duftstoffen. Er nehme den vor ihm stehenden Schüler bei der Hand und führe ihn voran. [Die Wendung cāmneti ist nicht sicher verstanden.]

21.131 Der Schüler neige den Kopf und lasse den Inhalt seiner gefalteten Hände an der heiligen Stätte niederfallen. Dann werden ihm die Augen geöffnet, während andere Menschen ihn nicht sehen.

21.132 An dem Schüler, der den heilsamen Weg betreten hat, erkenne der Lehrer die Zeichen der Bhakti: das Sichsträuben der Körperhaare, inniges Verlangen, Freude und Tränen der Glückseligkeit,

21.133 verbunden mit Verneigung, Jubelrufen und ehrfürchtiger Umrundung. Erkenne er dessen inneres Organ als gereinigt, so denke er: „Dieser ist geeignet.“

21.134 Dann vergegenwärtige er sich durch jene als „Acyuta“ bezeichnete Erkenntnis, durch die ihm Gnade zuteilwurde, in seiner rechten Hand, inmitten von Diskus und Lotus,

21.135 die Schar der Hauptgottheiten, jede in ihrer eigenen höchsten Stätte, die alles mit der Fülle ihrer Strahlen erhellt.

21.136 Mit dieser von Acyuta erfüllten Hand, die Wasser enthält, berühre er den Schüler. Auf dessen mit Blumen gefüllten gefalteten Händen vergegenwärtige er die genannte Dreiheit. [Ihr genauer Bezug ist aus dem Wortlaut allein nicht eindeutig.]

Innere Reinigung und die Lösung der Bindungen

21.137 Er vollziehe die Mantra-Handlungen bis zum Ende, um die Hindernisse der Befreiung zu besänftigen, und lasse erneut den höchsten Herrn mit dem Mantra verehren. [Das Wort vor mantreṇa ist im Druck gestört.]

21.138 Zuvor erkenne er im Innern das Verhältnis von tragendem Grund und Getragenem: bei den Elementen, beginnend mit Erde, bei den in der Buddhi ruhenden Prägungen und bei den Seelen.

21.139 Dann bewirke er ihre Lösung voneinander durch Meditation, Verehrung und weitere Handlungen. Denn das Rad des Karma bewegt sich, gestützt auf die Wirklichkeit des Atman.

21.140 Auf dieses Rad stützt sich die in der Buddhi ruhende Siebenergruppe; damit verbunden sind die Durchdringung durch Unwissenheit und das Erfahren von Freude und Leid. [Der genaue syntaktische Zusammenhang der zweiten Vershälfte bleibt offen.]

21.141 Das seinem Wesen nach allwissende Selbst ist an das Rad des Karma gebunden. Dieses bewegliche Rad des Karma wächst beständig weiter

21.142 und besteht, auf Erde und die weiteren Grundlagen gestützt, so lange fort, wie das in Karma verstrickte Selbst nicht durch die göttliche Kraft erweckt worden ist. [Die Zuordnung von sarvaśaktyā und karmātmā bleibt erklärungsbedürftig.]

21.143 Der Erwachte kann dieses Rad aufhalten: durch ein in Erkenntnis gegründetes Handeln, das die Form der Mantra-Verehrung annimmt.

21.144 Deshalb soll die Grundlage aus Erde und den weiteren Elementen so behandelt werden, dass das karmische Wachstum seinen nährenden Saft verliert und gleichsam zu unfruchtbarem Boden wird. [Die genaue Zuordnung von pauruṣam und der beschädigten Wortform für den unfruchtbaren Boden bleibt offen.]

21.145 So vergeht der Baum des Karma, seiner nichtgeistigen Frucht beraubt. Zur Reinigung des Selbst vollziehe man deshalb vor dem allwissenden Herrn, auf dem bereiteten Platz,

21.146 der Reihe nach die Verehrung der Mantras der Gottheiten der Elemente und der weiteren Prinzipien. Wisse: Die gemeinsame Gestalt ist vom Bewusstsein geprägt und von den Herren der Mantras bewohnt. [Die Bedeutung von cittanum ist nicht zweifelsfrei.]

21.147 Zunächst meditiere man über den Weg der Prinzipien von Erde bis Buddhi als einen sechsblättrigen Lotus. In seiner Mitte vergegenwärtige man Abjanābha, den Lotusnabeligen, mit nach oben gerichteten Staubfäden im östlichen Bereich. [Der Schluss des Verses ist beschädigt.]

21.148 Die Sechsergruppe, beginnend mit Viśvarūpa und endend mit Kṣmādhāra, setze man ein; dabei nehme man den Anfangslaut des jeweiligen Namens als Bīja für die zugeordneten Prinzipien bis hin zur Erde.

21.149 Mit ihm vergegenwärtige man nacheinander ihre zuvor beschriebene Einsetzung in die Blätter. Das Erd-Bīja liege an den Blattspitzen, die in ihrem Ursprung ruhen. [Die genaue räumliche Anordnung und Satzverbindung ist schwierig.]

21.150 Zunächst [vergegenwärtige man sich] alles als ungeteilte Grundlage sämtlicher Sinne. Man sammle es [in der Vorstellung], vom Raumelement Ākāśa und der „Skanda-Gruppe“ umschlossen. [Die überlieferte Bezeichnung skandavṛnda und ihr genauer Bezug zum Raumelement bleiben ungeklärt.]

21.151 Was durch den Yoga-Vorgang Stufe um Stufe bis zur Buddhi aufgestiegen ist, verehre man anschließend erneut sorgfältig auf dem Weg der Rücknahme, nun unter Wahrnehmung der einzelnen Unterschiede.

Die Elemente in der inneren Betrachtung

21.152 Man meditiere über das Erdprinzip als gelb und viereckig, mit Vajra-Zeichen versehen, durch sein eigenes Bīja vergegenwärtigt und mit einem goldenen Lotus geschmückt. In seiner Mitte

21.153 verehre man der Reihe nach den Varāha-Mantra samt Aṅgas, Umkreis und Gefolge und lasse diese Gestalt in ihrer Ursache ruhen. [Die Verbform vor mantram ist im Druck beschädigt.]

21.154 Oberhalb des unteren Maṇḍala vergegenwärtige man sich eine weiße, halbmondförmige Stätte, mit einem Lotus gezeichnet, groß und dem Innern eines weißen Lotus ähnlich.

21.155 Man verehre die darin, in einem Gewässer ruhende Gegenwart. Darüber stelle man sich eine lichtvolle, dreieckige Stätte vor,

21.156 erfüllt von roten Flammen und mit Svastika-Zeichen versehen. In ihrer Mitte verehre man den allgegenwärtigen Nṛsiṃha von rotem Glanz. [Die Wortfügung zu den Zeichen ist im Druck beschädigt.]

21.157 Darüber vergegenwärtige man sich eine dunkle, kreisförmige Stätte mit Sternenzeichen, von blauen Lotussen bedeckt, und darin den Herrn, dessen Sitz der Vogel Garuḍa ist.

21.158 Darüber stelle man sich den formlosen Ākāśa vor, dessen einziges Merkmal Klang ist. Darin meditiere man über einen sonnenhellen Lotus in der zuvor beschriebenen Farbe.

21.159 Dort verehre man vorschriftsgemäß Vāgīśvara, den Herrn der Rede. Im inneren Raum des Lotuskelchs stelle man sich anschließend eine Gestalt vor, die in den Farben vieler Edelsteine strahlt,

21.160 lotusförmig und aus den Bewegungen des Citta gebildet. In ihrer Mitte verehre man Viśvarūpa, den Herrn des Denkens.

21.161 Darüber meditiere man über einen Lotus, der Amṛta in sich birgt, wie Millionen Monde leuchtet und sich durch sein eigenes Wesen trägt.

21.162 Den darin gegenwärtigen Abjanābha, den Herrn der Erkenntniskraft, verehre man innig. So werden die Gottheiten von Geruch, Geschmack, Form, Berührung, Klang, Denken und Erkenntnis

21.163 der Reihe nach aus der höchsten Ebene herabgeführt und verehrt. Nach jeder Verehrung lasse man sie wieder an derselben Stätte ruhen.

21.164 Die den Lauten und Ursprüngen der Elemente zugehörigen Strahlen, lotusgleich, vergegenwärtige man sich in dieser Śakti und im Selbst ruhend. [Die genaue Satzverbindung ist nicht eindeutig.]

21.165 [Man vergegenwärtige sich diese Kraft] als anfangslose Vāsanā, als ungetrennt im Selbst ruhend, aus sämtlichen Keimen hervorgegangen und Padmanābha tragend, …

21.166 … als aus dem gesamten Bereich der Sinnesgegenstände herausgetreten und durch den Herrn von ihm gelöst: leuchtend in ihrer Gestalt, ihrer bisherigen Stellung entfallen und ohne eine Stütze. So vergegenwärtige man sie sich.

Innere Elementbetrachtung: Die rituelle Auflösung und erneute Gestaltung des Leibes erfolgt in der Dhāraṇā. Erde, Wasser, Feuer, Luft und Raum werden als zusammengehörige Ebenen betrachtet. Die schwierigen technischen Anweisungen sind Teil einer angeleiteten Einweihungspraxis.

Die Verbindung von Guru und Schüler

21.167 Wenn die Zeit der Einweihung gekommen ist, verehre man mit dem Praṇava auf diese Weise die Siebenergruppe der Prinzipien, sowohl hinsichtlich ihrer stofflichen als auch ihrer göttlichen Seite.

21.168 Nach der eigenen Verehrung lasse der Lehrer auch den Schüler mit gefalteten Händen verehren. Danach begebe man sich zum Feuer und meditiere über die drei Lichtstätten.

21.169 Auf einem rechts angeordneten Darbha-Sitz, der mit dem Cakra-Mantra geweiht ist, umfasse der Schüler mit seiner eigenen Hand, die Kuśa-Gras hält, den rechten Fuß des Guru.

21.170 So bleibe er sitzen, durch die Berührung innerlich mit ihm vereint. Mit dem Bīja vergegenwärtige er sich den Herrn von den Füßen bis zum Scheitel als ganz aus Licht bestehend.

21.171 Er betrachte das vielgestaltige Rad des Saṃsāra, das auf den Weg des Leidens treibt, als durch diese Lichtgegenwart gelöst. [Die erste Vershälfte ist sprachlich beschädigt.]

21.172 Im Geist stelle man sich die Vereinigung der Nāḍīs und die Lösung der karmischen Bindungen vor. Dazu bringe man mit Varma- und Astra-Mantra das Feueropfer dar.

21.173 Nacheinander opfere man zwölf Gaben aus Sesam mit Ghee und halte dabei die Absicht fest: „Diesen Schüler soll ich mit dem höchsten Selbst verbinden.“

21.174 Zunächst bringe der Lehrer acht Ghee-Gaben mit dem Mūla-Mantra dar und berühre dann den Scheitel des Schülers mit dem Ghee enthaltenden Opferlöffel.

21.175 Mit demselben, alle Kräfte umfassenden Mantra opfere er erneut um der Erkenntnis willen. Dazwischen vollziehe er konzentriert das Feueropfer in der zuvor genannten Anzahl.

21.176 Das Feueropfer wird bis zur Handlung mit dem Netra-Mantra vollzogen; damit ist das Sampāta-Homa abgeschlossen. [Der Anfang des Verses ist beschädigt und noch nicht vollständig übersetzt.]

21.177 Durch die Macht des Mantras soll die Weihe vollzogen werden, verbunden mit den Niṣkala-[Mantras]. [Niṣkala bedeutet „ungeteilt“; der Bezug auf Mantras ist hier eine Deutung.] Für die Kräfte, beginnend mit Aṇimā, der Fähigkeit, sich winzig klein zu machen, wird der Schüler nun …

21.178 … durch die Verehrung des Herrn und einen rechten Yoga-Abhyāsa empfänglich. Nach dem Sampāta-Homa bringe der Lehrer mit Ghee jeweils eine weitere Gabe dar,

21.179 sättige und verehre die Mantras und richte an den Herrn die Worte: „Die karmische Bindung dieses als Karma bezeichneten Prinzips samt den eingeprägten Neigungen,

Die rituelle Lösung und Neuordnung

21.180 in ihren verschiedenen Ausprägungen habe ich durch deine Kraft zum Stillstand gebracht.“ Danach bringe er zur Sühne ein Feueropfer dar.

21.181 Mit dem im Innern eingeschlossenen eigenen Bīja bringe er acht Gaben dar. Dadurch wird bei dem mit großer Erkenntniskraft begabten Lebewesen, das der Geburt unterliegt,

21.182 das Gemischte und Aufzugebende zum Schwinden gebracht. Danach ist der Dharma anzunehmen, dessen einzige Frucht die Befreiung ist:

21.183 jener Weg, durch den Acyuta unmittelbar gegenwärtig wird und die im Innern verborgene Unwissenheit sogleich vergeht.

21.184 Dann nehme der Lehrer einen roten Faden und lege ihn mehrfach zusammen. Er betrachte ihn mit dem weihenden Blick und reinige ihn mit Astra-Wasser.

21.185 Er spanne ihn vom Scheitel bis zum großen Zeh des Schülers aus und vergegenwärtige ihn sich als Träger sämtlicher Leiden und Bindungen. [Das Wort nach sarvaduḥkhānām ist im Druck beschädigt.]

21.186 Auf dem Götterweg nähere er sich dem Bewusstsein des Schülers. Dessen Namen, mit Praṇava am Anfang und „Huṃ Phaṭ“ am Ende,

21.187 lege er in die Einfassung des Hṛd-Mantras. Dann führe er ihn auf dem Weg der Ahnen zusammen mit dem Faden herbei und gleiche beide durch den Netra-Mantra einander an. [Die Schlussform sāṃyatām ist gestört.]

21.188 Nach der Verehrung mit Arghya und weiteren Gaben umhülle er alles mit dem machtvollen Kavaca-Mantra. Mit „Oṃ huṃ adanyai huṃ svāhā“ bringe er sieben Opfergaben dar.

21.189 Dann berühre beziehungsweise bestreue er den Körper des Schülers bis hinab zu den Füßen mit weißem Pulver, über dem der Astra-Mantra gesprochen wurde.

21.190 Die Aufforderung „Löse diesen [namentlich bezeichneten Schüler]!“ verbinde er mit dem Vīrya-Ausdruck. Mit dem die Erkenntnis bezeichnenden Mantra, der ihn am Anfang und Ende umschließt, ziehe er ihn heraus.

21.191 Er lasse ihn seiner eigenen Erkenntnis folgen, meditiere über ihn wie über eine Sternensphäre und verbinde ihn im Innern mit dem Faden durch den Haṃsa-Laut samt Bindu.

21.192 Mit Verneigungsformel und Praṇava als Mantra-Einfassung werde die Kraft im Körper gebunden. Dieser aus Prägungen bestehende Zusammenhang wird „Ātivāhika“, überleitender feiner Leib, genannt.

21.193 Man vergegenwärtige sich einen aus Fäden bestehenden Leib, durch die Kraft des Selbst hervorgebracht und durch den Bala-Mantra gebunden. Dann vollziehe man das zugehörige Feueropfer. [Die genaue Bedeutung von tadardham ist hier unsicher.]

21.194 Mit den Worten „Oṃ ātmane svāhā“ bringe man zwölf Gaben dar. Danach nehme man die künftigen, durchdringenden Bindungen auf, die reine Erfahrungen vermitteln,

21.195 und auf denen Erkenntnis und die weiteren Kräfte beständig beruhen. Von ihren eigenen Stätten her führe man sie mit ihren jeweiligen Mantras und verbinde sie dort wieder. [Die Pronominalformen und Satzverbindung sind im Druck gestört.]

21.196 Man sättige sie in der Reihenfolge ihrer Entfaltung durch Opfergaben. Dann betrachte man den Kreis der Saṃskāras, der in der Gesamtheit der Prinzipien verankert ist.

21.197 Obwohl er alles durchdringt, hat er, wisse dies, eine bestimmte Ordnung. Dadurch erfolgt die Durchdringung des aus fünf Elementen bestehenden Körpers mit den Prinzipien:

21.198 Erde und die weiteren Prinzipien bis zur Buddhi werden in sieben aufeinanderfolgenden Bereichen angeordnet: Knöchel, Knie, Hüfte, Brust, Hals, Brauenregion und oberster Kopfbereich. [Die Schlusswörter beider Vershälften sind beschädigt; die genaue obere Grenze bedarf der Klärung.]

Die Wege der Wirklichkeitsprinzipien und Laute

21.199 Ahaṃkāra und die verschiedenen aus ihm entstandenen Ausprägungen sowie die aus dem Citta hervorgehenden und weitere Formen bestehen zusammen mit dem Manas.

21.200 Auch die mit ihr zugleich entstandenen, die früheren und die späteren Formen der Erkenntnis beruhen, in viele unterschiedliche Arten gegliedert, auf dieser Buddhi.

21.201 Das All mit seinen vierzehn Welten, seinen vielfältigen Ordnungen, seiner Ausdehnung von hundert Koṭis und den Wesen der acht Ursprungsklassen

21.202 ist stets als fest auf das Erdprinzip gegründet zu verstehen. Die Vierheit der Zustände, beginnend mit dem Wachzustand, hat ihren Ort im Wasserprinzip.

21.203 Die vielen Tausende von Koṭis verschiedener Mantras, o Weiser, samt den durch Yoga Vollendeten haben ihren Ort im Feuer- und Lichtprinzip.

21.204 Die Prinzipien der vier göttlichen Gestalten, deren Leib ungebundene Reinheit ist und deren Wesen als ruhend und hervortretend beschrieben wird, haben ihren Ort, so ist zu wissen, im Luftprinzip.

21.205 O Pflugträger, der Ākāśa ist die Grundlage der Kalās, der vielen Kräfte wie Erkenntnis und der weiteren Vermögen; seine Gestalt lässt sich nicht sinnlich bestimmen. [Der Druck liest hier Kāla, Zeit; die Deutung als Kalā, Kraftstufe, folgt dem Zusammenhang der sechs Wege und der Kontrollausgabe.]

21.206 Die Laute, beginnend mit „Ca“, befinden sich im sechsten Bereich, dem geistigen. In diesem hier beschriebenen sechsfachen Weg [sind] die Inhalte der heiligen Überlieferung [enthalten]. [Der zweite Halbvers formuliert elliptisch; die Ergänzungen in Klammern verdeutlichen den Satzanschluss.]

21.207 Der Herr, der im Bereich der Erkenntniskraft ruht, nimmt zur Reinigung die mit Karma verbundenen Prinzipien spielerisch heraus und wieder auf.

21.208 Nachdem er sie von Mängeln befreit hat, geht er in eben diese Wirklichkeit ein, zieht seine Kraft zurück und gelangt zu ewiger Ruhe.

21.209 In den fünf Bereichen, beginnend mit Erde, betrachte man die göttlichen Gestalten von Pātālaśayana bis Madhusūdana, in Gruppen von sieben, sieben und sechs. [Wie die Gruppen auf sämtliche Bereiche verteilt werden, ist hier nicht vollständig geklärt.]

21.210 Die Dreiheit, beginnend mit Śaktīśa, ist im Manas gegenwärtig; in der Buddhi befindet sich der Gott in der Gestalt Kamalanābhas, der Herr über alles.

21.211 Ferner ist die glückverheißende Gegenwart aller auf ihrem Weg Vollendeten im Erd-Bereich zu erkennen, der in vierzehn Unterteilungen gegliedert ist.

21.212 Man erkenne die mit Bhakti verbundene innere Haltung als stark, schwach oder in anderer Abstufung und ordne die Gegenwart entsprechend ihrer jeweiligen Meditationsgrundlage am eigenen Ort an. [Die Wortfügung in der zweiten Vershälfte ist gestört.]

21.213 Diese Reihenfolge wurde für die vorbereitende Weihe innerhalb der Vibhava-Dīkṣā dargelegt. Vernimm nun die Ordnung der anderen Einweihung.

21.214 Von den Füßen bis zur Nabelgegend stelle man sich den Körper in vier Abschnitten von den großen Elementen durchdrungen vor, von Erde bis Luft. Darüber sei er vom Raumprinzip erfüllt, …

21.215 … bis hinauf zum Herzen; darüber, bis zum Scheitel, sei er vom Manas durchdrungen. Man vergegenwärtige sich dies in genau dieser Reihenfolge.

21.216 Die Gestalten von Aniruddha bis Saṅkarṣaṇa sind darin gegenwärtig und durchdringen die sechs Wege. Die in der Buddhi ruhende Gestalt steht über diesen Wegen. [Der Name Aniruddha ist in der Druckzeile gestört.]

21.217 Im Geist erfassen diese durchdringenden Gestalten wie zuvor das Selbstprinzip und nehmen eine konkrete Gegenwart an; jede ist den ihr verbundenen Verehrern zugewandt. [Die Satzverbindung mit dem folgenden Vers ist nicht eindeutig.]

21.218 Von unzähligen entsprechenden Gestalten umgeben, bestehen sie in den Bereichen der Erde und der weiteren Prinzipien stets in der zuvor angegebenen Anzahl und Ordnung.

Vom Einzelnen zum Ganzen: Die Betrachtung der Wirklichkeitsprinzipien, Laute und Weltbereiche verbindet den einzelnen Menschen mit der umfassenden göttlichen Ordnung. Die heutige Anregung lautet, den Körper achtsam wahrzunehmen und die eigene Existenz in einem größeren Zusammenhang zu sehen.

Gaben und die Vollendung der vorbereitenden Handlung

21.219 Zunächst stelle man sich die Fünfergruppe als ungeschiedene Einheit vor, gleich einer zusammengefügten Süßspeise, und betrachte alles von der Erde bis zum Scheitel als davon durchdrungen.

21.220 Dort meditiere man über den viergestaltigen Herrn als unmanifest, als Klanggestalt, ohne begrenzte Form und nur durch seine Eigenschaften unterschieden; ebenso über den Raum.

21.221 Mit einer nicht sinnlich fassbaren Gestalt, die aus dem jeweils eigenen Wesen besteht, wird alles in die Buddhi übertragen und kommt dort zur Entfaltung. [Die erste Vershälfte wurde aus dem Sanskrittext der kritischen Ausgabe ergänzt.]

21.222 Durch seine eigene Kraft nimmt der Herr das Lebewesen empor; er löst das eigene Wirkvermögen zurück und ruht in Frieden. [Die genaue Bedeutung von anicchātaḥ und die Satzverbindung sind unsicher.]

21.223 Den Gottverehrern mit reinem Herzen, die einzig nach seiner höchsten Stätte verlangen und von seiner Kraft durchdrungen sind, offenbart er sich überall.

21.224 Was immer erkennbar, aufzugeben oder begrenzt ist, geht für die innerlich Gesammelten stets in die entsprechende Wirklichkeit ein. [Die Bezugnahme von tattadātmatām bedarf weiterer Klärung.]

21.225 So ist zunächst die ewige, allen gemeinsame Grundlage zu erkennen, die „Vidyā“ heißt. Danach wird eben diese in ihrer besonderen, individuellen Ausprägung verstanden.

21.226 Bis zur Befreiung wird sie selbst zu einem Bestandteil der Lebewesen, o Weiser; in ihrer feinen, vajragleichen Gestalt ist sie zu verehren. [Die grammatische Verbindung mit den Nachbarversen ist nicht eindeutig.]

21.227 Dies sollen die Schüler zur Zeit der Einweihung so verstehen, wie es dargelegt wurde. Auf dieselbe Weise erkenne man es auch in der aus Fäden gebildeten Gestalt.

21.228 Zunächst teile man den Faden in sieben Abschnitte und kennzeichne die Verbindungsstellen mit Kuṅkuma und anderen Farben. Für die entsprechenden Stellen verwende man die Mantras mit Praṇava als Einfassung

21.229 und dem jeweiligen eigenen Namen; so knüpfe man die Verbindungen mit ihren Ursachen. Wenn mit den entsprechend durchdrungenen Gaben und dem Hṛd-Mantra die abschließende Vollgabe vollzogen ist,

21.230 bringe man die Fadengestalt vor den im Maṇḍala gegenwärtigen Herrn, übergebe sie ihm, umhülle sie mit dem Varma-Mantra und lege sie vor den Krug.

21.231 Dann verehre der Lehrer gemeinsam mit dem Schüler erneut den Herrn, das Selbst des Alls: mit ehrfürchtigen Umrundungen, Verneigungen und vielerlei Worten des Lobpreises.

21.232 Auf der bestrichenen Bodenfläche außerhalb des Maṇḍala weise man dem Schüler einen eigenen Platz zu. Die mit Netra- und Hṛd-Mantra geweihten Mittel

21.233 verwende man für seine Einnahme von Pañcagavya und Caru sowie für die Zahnreinigung. Am benutzten und fortgeworfenen Zahnreinigungshölzchen prüfe man das Zeichen für den Erfolg des Rituals.

21.234 Fällt es nach Norden, Westen oder Nordosten, mit der Spitze nach Osten, so gilt dies als Zeichen der Vollendung; andernfalls wird es als gegenteiliges Zeichen verstanden.

21.235 Um ein ungünstiges Zeichen aufzuheben, bringe man hundert Gaben mit dem Vīrya-Mantra dar. Räucherwerk, Salben, Farbpulver, kleine Krüge und weitere Dinge,

21.236 Sesam mit Ghee und die anderen geeigneten Stoffe, o Pflugträger, stelle man im Norden bereit und bedecke sie mit einem Tuch, über dem der Varma-Mantra gesprochen wurde.

21.237 Das Tuch sei unbenutzt, neu und strahlend weiß. Man verehre die bereitgelegten Dinge mit dem Astra-Mantra, mit Blumen, Räucherwerk und duftenden Einreibungen.

21.238 Man bitte den auf dem Altar gegenwärtigen Gott um Nachsicht und übertrage seine Gegenwart in das Feuer oder den Krug. Dann bereite man auf reinem Boden ein Lager aus Kuśa-Gras, geweiht mit dem Hṛd-Mantra.

21.239 Man lege den Schüler mit dem Kopf nach Osten darauf, hülle ihn in ein mit dem Bala-Mantra geweihtes Tuch und schütze seinen Körper durch den Hṛd-Mantra, während man an den Hauptmantra denkt.

21.240 Damit er einen Traum empfange, lasse man ihn schlafen. Rings um ihn streue man Sesam und weiße Senfkörner, die mit dem Hṛd-Mantra geweiht wurden.

21.241 Wie zuvor setze man mit dem Mantra in den acht Richtungen die Pfauenfedern ein. Den Bereich umwinde man im Uhrzeigersinn mit einem weißen Faden und dem Varma-Mantra.

21.242 Nachdem er den Bereich vierfach umwunden hat, verlasse der Lehrer die Halle. Er vollziehe selbst die Zahnreinigung und die weiteren Verrichtungen und lege sich schlafen.

21.243 Auf einer Decke über einem Darbha-Lager lege er sich mit dem Kopf nach Süden. Mit seinen beiden Füßen berühre er den auf dem Lager ruhenden Schüler.

Gebet und Schutz

21.244 Im Geist bete er zu Bhagavan, der Befreiung schenkt: „Oṃ! O ursprünglicher Herr, Herr der Welt, Allwissender, der du im Herzen ruhst!

21.245 Mit dir verbinde ich diesen Schüler, der heilige Handlungen vollzieht und ganz dir hingegeben ist.“ Nachdem er die göttliche Zustimmung empfangen hat, vollziehe der Lehrer für seine Schüler diese Verbindung,

21.246 wo immer sich für sie die notwendige und dauerhafte Grundlage findet. So ist das Verfahren der vorbereitenden Weihe zur Dīkṣā dargelegt.

21.247 Nun wird die Einweihung in ihrer einen und ihren vielfältigen Formen beschrieben. Wer sie empfängt, erreicht am Ende des körperlichen Lebens die angestrebte Stätte.

21.248 Die eine schenkt Befreiung, eine andere Genuss und Befreiung, eine dritte allein die Erfahrung von Genuss. So werden die Einweihungen für die geistig Erwachten unterschieden.

21.249 Alle sollen mit Zustimmung des Ācārya vollzogen werden, damit ihre Frucht auf rechte Weise erreicht wird: für Schüler, die von Hingabe erfüllt und innerlich gesammelt sind,

21.250 für ältere Menschen, Frauen und junge Menschen mit gesammeltem Inneren sind diese Einweihungen heilsam, auch ohne eine Fülle schwer zu bewältigender ritueller Verrichtungen.

21.251 Zuvor soll der Lehrer dies gemeinsam mit dem zu ihm gekommenen Schüler verständig erwägen. Wenn er dessen innere Ausrichtung kennt, vollziehe er eine der Einweihungen, o Weiser.

21.252 Nach Mitternacht erhebe sich der Guru von seinem Lager, nehme das Kamaṇḍalu-Wassergefäß, gehe hinaus, vollziehe Ācamana und kehre zurück.

21.253 Vor sich stelle er sich den Astra-Mantra wie eine Fülle lodernden Feuers vor und gehe innerlich darin ein. So wird das Mantra-Bad vollzogen,

21.254 durch das die Trübung von Schlaf und Benommenheit zum Schwinden kommt. Dann nehme er Pflöcke, kleinen Krug, Messfaden und Farbpulver und weihe sie mit dem vorzüglichen Astra-Mantra.

21.255 Nach ihrer Vorbereitung und dem Zerreiben der Farben zeichne er auf der mit trockenem Kuhdung behandelten Bodenfläche das zuvor beschriebene Maṇḍala. [Das Wort vor mahītale ist beschädigt.]

21.256 Zum Schutz der richtigen Form stecke man Pflöcke an den Ecken ein und einen in der Mitte, damit der Lotus kreisförmig und gleichmäßig gezogen werden kann.

21.257 Man achte darauf, dass auch nachts nicht die geringste Ungleichmäßigkeit entsteht. Denn ein Zuviel oder Zuwenig gilt als erheblicher Fehler für den Lehrer und seinen Schüler.

21.258 Deshalb ist dies stets mit großer Sorgfalt zu bewahren. Bei Tagesanbruch vollziehe der Lehrer zunächst, beginnend mit dem Bad, seine täglichen Pflichten.

Äußere Handlung und innere Sammlung gehören in der Einweihung zusammen.

Traumbilder in der historischen Einweihungspraxis

21.259 Dann rufe er den Schüler zu sich und befrage ihn nach günstigen oder ungünstigen Traumerlebnissen. Als günstige Bilder nennt der Text die Gruppe der vier göttlichen Gestalten, in ihren jeweiligen Richtungen gegenwärtig,

21.260 auf einem Lager ruhend, sitzend oder stehend; ebenso eine einzelne göttliche Gestalt aus dieser Gruppe oder eine Erscheinung mit besonderen Merkmalen,

21.261 die Schar der göttlichen Erscheinungsformen und ihrer Kennzeichen, die Gruppe der göttlichen weiblichen Gestalten, alle zusammen oder eine von ihnen,

21.262 den vollständigen Bestand der Verehrungsgeräte oder einzelne davon sowie Erscheinungen von Rudra, Indra, Mond, Sonne, Wasser, Feuer und Wind.

21.263 Ferner Brahmanen, die das Pāñcarātra kennen und der Gottesverehrung hingegeben sind, oder Zweimalgeborene, die die drei Veden laut rezitieren oder heilige Sprüche sprechen;

21.264 Asketen mit reinem innerem Wesen, die in der Wirklichkeit des Brahman ruhen, Blumengirlanden, Sandel und andere Duftstoffe sowie vorzügliche Bäume;

21.265 Gärten, Lusthaine, Wasserbecken, Paläste und große Häuser, ein Krug mit Früchten, Samen, Heilpflanzen und Wasser oder ein frisch gebranntes Gefäß;

21.266 Kühe, Elefanten, Pferde, Flussfahrzeuge, eine geschmückte junge Frau oder ein Kind, liebliche glückverheißende Gesänge, Trommeln, Flöten und weitere Musikinstrumente;

21.267 ein See mit Wasservögeln und vielen Lotussen, ein aufgespannter weißer Schirm, Gold und andere Metalle, eine Fülle von Edelsteinen und Erzeugnisse der Kuh;

21.268 neue feine Stoffe und weiße unbenutzte Gewänder, ein König, Hofpriester, Vasallenfürst, eine Königin und ein Spiegel; [Die Stoffbezeichnung im ersten Halbvers ist beschädigt.]

21.269 Schneefall, wohltuender Regen und das Aufsteigen großer Wolken am Himmel, Blut, rohes Fleisch, Fliegen im Luftraum und Trinkstätten; [Die letzten Bezeichnungen sind im Druck gestört und bleiben überprüfungsbedürftig.]

21.270 Scharen günstiger Vögel und Tiere, Götterbilder und ein weißer Fliegenwedel. Solche und ähnliche Traumbilder gelten hier als Zeichen des Gelingens.

21.271 Höre nun kurz von den Träumen, die als ungünstig gelten: Verwelken, Erdbeben und eine äußerst furchterregende Verfinsterung;

21.272 Nebel, fallende Meteore, erschütternder Donner, das Hineingehen in eine Grube, Reis mit Dickmilch und das Essen gekochten Fleisches;

21.273 Tanzen, das Zerbrechen eines Wagens, Ghee, das Ausfallen der Zähne, Esel und Kamele, übermäßiges Gelächter und ein von Affen und Bären erfüllter Wald; [Das Wort für Zahnausfall ist im Druck beschädigt.]

21.274 Rauch, Brennen, das Eingehülltsein in ein dunkles Gewand, das Austrocknen von Flüssen und das Strömen gegen die natürliche Fließrichtung;

21.275 eine Bootsfahrt, das Zerbrechen von Fahne, Schirm oder Baum, das Herabsteigen von einer Höhe, Nacktheit und der Anblick eines Toten gelten als ungünstig. [Die zweite Vershälfte ist im Druck stark beschädigt.]

21.276 das Einschmieren mit Fett, Ruß, Öl oder Ghee, das Stehen im Schlamm, ein Büffel, eine Schlange, ein dunkel dargestellter Mensch, der Gang nach Süden und Hunger;

21.277 das Abschneiden von Nägeln und Haaren und das Zerbrechen von Knochen: Solches und Ähnliches gilt hier als ungünstig, o Weiser. [Der Schluss des ersten Halbverses ist beschädigt.]

21.278 Wenn ein günstiger oder ungünstiger Traum aufgetreten ist, bedenke man ihn im Herzen und vollziehe mit Sorgfalt Verehrung und Feueropfer zur Aufhebung möglicher Widrigkeiten.

Zu den Traumdeutungen: Dieser Abschnitt beschreibt historische Omina innerhalb der Ritualwelt der Quelle. Er ist keine verlässliche Vorhersagelehre. Die Wertungen einzelner Traumbilder werden hier dokumentiert; sie dienen keiner heutigen Bewertung von Menschen, Hautfarben oder Lebensformen.

Die Fortsetzung der Einweihung

21.279 Nach der beschriebenen Vorschrift rufe man die göttliche Gegenwart herab und verehre sie in der gebotenen Reihenfolge. Nachdem die Opfergaben bis zur Pūrṇāhuti dargebracht sind, verehre man den Herrn erneut.

21.280 Im Nordosten oder im Norden der Opferhalle, in dem zuvor beschriebenen runden oder viereckigen Maṇḍala,

21.281 weise man dem gebadeten Schüler, geschmückt mit Girlande, Gewand und Schmuck und nach vollzogenem Nyāsa, seinen Platz zu. Wie zuvor weihe man ihn durch Blick, rituelle Berührung, Besprengung und Berührung mit Darbha-Gras.

21.282 Man weihe ihn wie eine göttliche Bildgestalt und vermittle ihm Gnade auf Erden. Mit der vom Mantra erfüllten Hand streiche man von seinen Füßen aufwärts bis zum Kopf.

21.283 Die Mantra-Hand vergegenwärtige man sich als flammend und die Keime des Leidens überwindend. Danach vollziehe man am Schüler nacheinander die fünf Saṃskāras.

Die fünf Samskaras

21.284 Es sind Tāpa, das Einprägen heiliger Zeichen, Puṇḍra, das Auftragen des Stirnzeichens, Nāma, der heilige Name, Mantra-Unterweisung und als fünftes Yāga, die Verehrung. Hört nun, ihr hervorragenden Weisen, das Verfahren des Tāpa.

21.285 Der Ācārya ehre die versammelten Vaiṣṇavas und begebe sich mit ihrer Zustimmung gemeinsam mit dem Schüler zur Feuergrube.

21.286 Er verehre die mit ihren jeweiligen Mantras geweihten Zeichen von Diskus und Muschelhorn, die ihm sein eigener Guru einst bei seiner Einweihung übergeben hat, o Zweimalgeborene.

21.287 Mit dem Mūla-Mantra bringe er 108 Ghee-Gaben dar, ebenso mit der Vaiṣṇava-Gāyatrī und dem Ṛgveda-Vers, der mit „Tad viṣṇoḥ“ beginnt.

21.288 Dann lege er die Zeichen von Diskus und Muschelhorn in das Feuer der Grube und verehre sie. Mit dem Cakra-Mantra und dem Śaṅkha-Mantra, o Zweimalgeborene,

21.289 opfere er 108- oder 28-mal, ferner mit dem Mantra „Pavitram te“ und dem Ṛgveda-Vers „Pra te viṣṇo“.

21.290 Nach diesen Opfergaben meditiere er über den Herrn der Götter und die Guru-Überlieferung. Dann präge er dem Schüler am rechten Oberarmansatz das erhitzte Diskuszeichen ein.

21.291 Am linken Oberarmansatz präge er das erhitzte Muschelzeichen ein, o ihr Weisen. Anschließend begieße er Diskus und Muschelhorn unter Rezitation ihrer eigenen Mantras.

21.292 Er verehre sie mit dem Mūla-Mantra und bringe die Pūrṇāhuti dar, o Zweimalgeborene. Danach trage man die senkrechten Ūrdhvapuṇḍra-Zeichen auf, ihr hervorragenden Weisen.

21.293 Ich will nun dieses Verfahren darlegen; hört aufmerksam zu. Man nehme reine weiße Erde von einer Viṣṇu geweihten heiligen Stätte.

21.294 Nach dem Waschen der Hände und Ācamana setze man sich auf einen reinen Sitz, nach Osten oder Norden gewandt. Die linke Handfläche, o Zweimalgeborene,

21.295 wasche man mit dem Astra-Mantra und lege unter Rezitation des Praṇava die weiße Erde darauf. Mit dem Spruchanfang „Gandhadvārā“ befeuchte man die Erde

21.296 mit Wasser, vollziehe den Schutz der Himmelsrichtungen und weihe die Erde in der linken Hand mit dem Mūla-Mantra, o Zweimalgeborene.

21.297 In ihre Mitte zeichne der Mantrakundige das Bīja Nṛsiṃhas. Dann nehme er die Erde mit einem Finger auf und trage sie an der Stirn und den weiteren Körperstellen auf.

21.298 Der Daumen gilt dabei als Stärke und Gedeihen schenkend, der Zeigefinger als der Befreiung dienend, der Ringfinger als Erfüllung der gewünschten Ziele gewährend.

21.299 Wer langes Leben wünscht, verwende den Mittelfinger, o Weisen. Mit diesen Fingern trage man das Zeichen auf; mit den Fingernägeln berühre man es nicht.

21.300 Das Ūrdhvapuṇḍra sei gerade und schön, in der Gestalt der beiden Füße Viṣṇus, mit einem Zwischenraum und wohlgeformten Seiten. Seine Breite betrage zwei oder drei Fingerbreiten,

21.301 seine Länge vier Fingerbreiten; so trage man es auf der Stirn. Am Bauch sei das Zeichen vier Fingerbreiten breit

21.302 und acht Fingerbreiten lang oder eine Handspanne messend. In diesen Maßen trage man dort das Ūrdhvapuṇḍra auf.

Die fünf Samskaras: Tāpa, Puṇḍra, Name, Mantra und Yāga bilden eine zusammenhängende religiöse Zugehörigkeit. Tāpa bezeichnet hier tatsächlich das Anbringen erhitzter Zeichen. Als heutige spirituelle Anregung lässt sich aus dem Gesamtzusammenhang eine bewusste Ausrichtung von Körper, Wort und Handeln auf das Göttliche gewinnen.

Das aufrechte Stirnzeichen und die Namen Vishnus

21.303 Auf der Brust trage man ein den Merkmalen entsprechendes Ūrdhvapuṇḍra. Danach zeichne man ein drei Fingerbreiten breites und vier Fingerbreiten langes

21.304 Ūrdhvapuṇḍra an den Hals; rechts am Bauch zeichne man eines im zuvor angegebenen Bauchmaß, o Zweimalgeborene.

21.305 In der Mitte des rechten Oberarms trage man dann ein acht Fingerbreiten langes und vier Fingerbreiten breites Ūrdhvapuṇḍra auf.

21.306 An der rechten Schulter entspreche es dem Halszeichen; an der linken Bauchseite entspreche es dem Zeichen am Bauch.

21.307 Am linken Oberarm habe es die für den rechten Arm genannten Merkmale; an der linken Schulter entspreche es wiederum dem Halszeichen.

21.308 Am Rücken sei es acht Fingerbreiten lang und vier Fingerbreiten breit. In der Nackenwölbung sei das Ūrdhvapuṇḍra vier Fingerbreiten lang

21.309 und drei Fingerbreiten breit, ihr hervorragenden Weisen. Nachdem man so die zwölf Zeichen in der richtigen Reihenfolge aufgetragen hat,

21.310 besprenge man den Kopf mit dem Wasser der Handwaschung, o Zweimalgeborene. In der Mitte der Ūrdhvapuṇḍra-Zeichen trage man dann das Viṣṇu dargebrachte

21.311 Kurkumapulver auf, um die Gegenwart Lakṣmīs zu vergegenwärtigen: in der Form einer Lampenflamme oder eines Bambusblattes.

21.312 Wo das Ūrdhvapuṇḍra auf diese Weise getragen wird, weilt der Herr der Welt stets in göttlichem Spiel zusammen mit Lakṣmī. Dann lege man die Hände zum Añjali zusammen, o Zweimalgeborene,

21.313 und erinnere sich als Verständiger mit den Namen Keśavas und der weiteren Gestalten an sie, jeweils verbunden mit ihrer Śakti, während man über die Bedeutung ihrer Namen meditiert.

21.314 Auf der Stirn meditiere man über Keśava, am Bauch über Nārāyaṇa, im Herzen über Mādhava und in der Halsgrube über Govinda.

21.315 An der rechten Bauchseite meditiere man über Viṣṇu, o Weisen; in der Mitte des Arms auf derselben Seite über Madhusūdana.

21.316 An der rechten Schulter über Trivikrama, an der linken Bauchseite über Vāmana, am linken Arm über Śrīdhara und an der linken Schulter über Hṛṣīkeśa.

21.317 Am Rücken erinnere man sich an Padmanābha, im Trika-Bereich an Dāmodara. So ist das Verfahren der Ūrdhvapuṇḍra-Zeichen dargelegt.

21.318 Nachdem dem Schüler die Zeichen vorschriftsgemäß aufgetragen wurden, gebe man ihm einen heiligen Namen. Das Verfahren wird nun beschrieben.

21.319 Der Lehrer nehme ihn bei der Hand und führe ihn zur heiligen Stätte. Er stelle ihn zu seiner Linken und verbinde ihm erneut die Augen.

21.320 Der Schüler lasse die Arghya-Gabe aus den gefalteten Händen niederfallen. Mit wieder geöffneten Augen schaue er die höchste, aus Mantra bestehende Gegenwart, welche die ersehnten Früchte gewährt.

21.321 Bei dieser Gelegenheit gebe der Lehrer jedem einen geeigneten Namen: einen geheimen, einen Hauptnamen oder einen abgeleiteten Beinamen, wie es jeweils angemessen ist.

21.322 Als allgemeine Namen dienen Vāsudeva und die weiteren Namen der Vierheit. Für alle können auch besondere, dem eigenen göttlichen Kennzeichen entsprechende Namen in der zugehörigen Reihenfolge gewählt werden.

Namen als Vergegenwärtigung: Die Namen Keśava, Nārāyaṇa und die weiteren Namen Viṣṇus verbinden die Körperzeichen mit Meditation. Die göttliche Gegenwart soll erinnert und im Alltag lebendig gehalten werden.

Der Name des Dieners und die Mantraübertragung

21.323 Für Brahmanen nennt der Text Namen der zwölf Gestalten mit der Endung „Svāmin“, für Kṣatriyas entsprechend die zwölf Namen mit der Endung „Deva“.

21.324 Oder der Name ende auf „Pāṇi“, in der Hand tragend, oder „Dhara“, tragend, mit dem Namen eines göttlichen Zeichens oder einer Waffe davor. Bei Königen können ebenso Namen nach Banner und Kennzeichen verwendet werden.

21.325 Für Vaiśyas sind Namen vorgesehen, die mit einer göttlichen Gestalt oder ihrem Zeichen beginnen und auf „Vardhana“ enden; für Menschen aus dem Śūdra-Stand Namen mit der Endung „Dāsa“, Diener des Herrn.

21.326 Dann erhebe sich der Lehrer, verneige sich vor Maṇḍala, Krug und Guru und gehe gemeinsam mit dem Schüler zur Feuergrube.

21.327 Nachdem für die fehlerlose Vollendung der Handlung geopfert wurde, berühre er den Schüler rituell, werde innerlich eins mit dem Astra-Mantra und gehe wie zuvor in dessen Herz ein.

21.328 In der Meditation löse er den Schüler von seiner gewöhnlichen Prāṇa-Bindung, führe ihn ganz zu sich und lasse ihn in der eigenen inneren Stätte wie einen Feuerfunken eintreten.

21.329 Er vergegenwärtige die Lösung der bisherigen gesonderten Existenz und führe den Funken mit dem Atem auf dem linken Weg bis zum Herzen, wo er in der eigenen inneren Stätte gehalten wird. [Die genaue Abfolge von Aus- und Einatmung ist im Wortlaut nicht eindeutig.]

21.330 Durch diese mit Mantra und innerer Meditation verbundene rituelle Neugeburt wird die bisherige, von Vater und Mutter her bestimmte Bindung abgelegt.

21.331 Dann gebe der Lehrer ihm eine weitere heilige Schnur, siebenmal mit dem Kavaca-Mantra geweiht, wie sie für ihn vorgeschrieben ist.

21.332 Der Text bezieht dies auf denjenigen, der wahrhaft und dauerhaft in die Haltung des Dienens eingetreten ist, aus einer Familie ohne Alkoholkonsum stammt und die bloß weltliche Lebensordnung hinter sich gelassen hat,

21.333 der wie ein verlässlicher Wissender im Brahman ruht und den rituellen Pflichten hingegeben ist. Für einen Schüler aus dem Śūdra-Stand wird hier stattdessen eine Kuhgabe vorgeschrieben. [Diese Regel gehört zur historischen sozialen Ordnung.]

21.334 Nach Empfang der Einweihung werden in diesem Fall bei den betreffenden Mantras die Schlüsse „Vauṣaṭ“, „Svāhā“ und „Vaṣaṭ“ durch eine Verneigungsformel ersetzt.

21.335 Seine Arghya-Gabe, Blumen und alle weiteren Mittel der Verehrung werden durch Hingabe für die heilige Handlung geeignet, ob vollständig rituell bereitet oder noch unvollkommen.

21.336 Für die weiteren Verehrer wird bei den Mitteln des Yāga eine entsprechende innere Zurücknahme beschrieben, verbunden mit weihendem Blick und Besprengung. [Die Bedeutung von samyaksattvanivṛttiḥ ist nicht sicher geklärt.]

21.337 Man bringe Blumen vor der Bildgestalt oder dem Maṇḍala dar, o Weiser. Ferner nennt der Text eine nächtliche vorbereitende Übung. [Die zweite Vershälfte mit paripīḍya bhūtārtham bleibt in ihrer Bedeutung offen.]

21.338 Nachdem man so die Gruppe der Laute durch die Weihe gereinigt hat, bringe man mit dem Mantra des Herrn samt seinen Aṅgas die entsprechenden Sühne- und Sättigungsopfer dar.

21.339 Vorgesehen sind tausend Gaben samt einem Zehntel in der jeweiligen Reihenfolge. Dann trete man zum Herrn im Krug, verehre ihn und nehme den dort befindlichen Faden auf.

21.340 Man richte den Schüler auf, spanne den von ihm gehaltenen Faden aus und vergegenwärtige sich den Herrn des Mantras in deutlich erscheinender Gestalt mitten im Feuer.

Dienen und Empfangen: Die historischen Namensregeln unterscheiden soziale Gruppen. Die Haltung des Dienens kann heute als Seva verstanden werden: mit Liebe handeln und den eigenen Beitrag in den Dienst eines größeren Wohls stellen.

Die innere Bedeutung der göttlichen Ebenen

21.341 Man schaue den Schüler im durchdringenden Faden und die Wege der Wirklichkeit im eigenen Selbst. Ihre innere, geistige Gestalt vergegenwärtige man sich als im Mantra-Leib gegenwärtig.

21.342 Die göttliche Seite lasse man in das eigene Selbst eintreten, die elementare Seite in den Faden; alle drei Seiten vergegenwärtige man sich im Körper des Schülers.

21.343 An den Mūla-Mantra füge man die Wendung „Paramātmane“, dem höchsten Selbst, mit einer Verneigungsformel an und bringe insgesamt vier Opfergaben dar:

21.344 mit den weiteren Bezeichnungen „Sūkṣmātmane“, dem feinen Selbst, „Sthūlātmane“, dem groben Selbst, und „Sarvātmane“, dem Selbst von allem. Danach meditiere man über die heilsame Gesamtheit der Wege,

21.345 die den eigenen Körper von den Zehenspitzen bis zum Scheitel durchzieht, gemäß der beschriebenen Ordnung, auch wenn sie in dreifacher Weise unterschieden wird.

21.346 Die Anordnung und Zusammensetzung der Elemente, beginnend mit Erde, ist ihre adhibhūta-Seite. Ihre jeweils eigene Wirkkraft ist als adhidaiva, die göttliche Seite, zu verstehen.

21.347 Die ihnen vorstehenden Mantras bilden ihre adhyātma-Seite, die innere geistige Wirklichkeit. Nun lasse der Lehrer die beiden Wege hinter sich und richte sich auf den Dvādaśānta aus.

Drei Betrachtungsweisen: Adhibhūta bezeichnet die elementare Erscheinung, Adhidaiva die göttliche Wirksamkeit und Adhyātma die innere, hier besonders mantrische Ebene. Die äußere Welt, das Göttliche und die innere Betrachtung werden miteinander verbunden.

21.348 Ganz vom Mūla-Mantra erfüllt, begebe er sich in seiner inneren Vorstellung zur Brahman-Öffnung des Schülers und von dort auf dem mittleren Weg weiter.

21.349 Er trete in den Erd-Bereich ein und nehme dessen Kraft in sich auf: als Keim gegenwärtig, im Hṛd-Mantra eingeschlossen und mit Geruch als ihrer Erscheinungsform,

21.350 in sich die Keime vieler Welt-Eier bergend und mit vielfachen Gestaltungen verbunden. Auf diese Weise nehme er alle in der Buddhi ruhenden Kräfte auf,

21.351 einzeln und nacheinander in jene Hṛd-Mantra-Einfassung, zusammen mit der jeweils eigenen innergeistigen Mantra-Gruppe, die ihrem höchsten Wesen nach alles durchdringt.

21.352 Er vergegenwärtige sich den Körper als von beiden Seiten, der elementaren und der göttlichen, getragen, und bedenke die Zeit von diesem Augenblick bis zum Erschöpfen der karmischen Erfahrungen, o Weiser.

21.353 Nachdem er so die Elementkräfte aus dem Körper des Schülers zurückgenommen hat, trete er auf demselben Weg in dessen feine Fadengestalt ein.

21.354 Dort lasse er die Gestalt in seiner Vorstellung aufleuchten und deutlich erscheinen. Dann nehme er die innergeistigen Mantras samt den zugehörigen Elementgestalten auf,

21.355 die mit reinen Merkmalen und heiligen Mantras in ihrer eigenen Ordnung bestehen. Danach verlasse er die Fadengestalt und begebe sich zur Gegenwart im Feuer.

21.356 Dort stelle er durch das Zusammenfügen der Glieder die Einheit der Mantras her. Die zusammengeführten Mantras lasse er im höchsten, allwissenden Prinzip,

21.357 das alles durchdringt und allen gemeinsam ist, an ihren jeweiligen Stätten ruhen. Anschließend kehre der Lehrer durch die Brahman-Öffnung in seinen eigenen Körper zurück.

21.358 Er nehme den Opferlöffel und sättige die Gruppe der Mantras samt den Prinzipien wie beschrieben, jeweils mit dem eigenen Namen und Praṇava am Anfang.

21.359 Durch den Vorgang erneuter Zusammenfügung bringe er zwölf Gaben dar. Mit der Einatmung ziehe er in der Meditation den Schüler aus dessen Herzlotus in das eigene Herz.

21.360 Das von seiner begrenzten Erscheinungsform gelöste Erd-Bīja, seinem Wesen nach dem Höchsten zugehörig, fasse er mit der Erdkraft in die Erkenntnis ein und nehme es aus dem Feuer in sein Herz auf.

21.361 Mit der Ausatmung lasse er es im Herzlotus des Schülers auf dem Praṇava-Sitz ruhen. Das Bewusstsein des Schülers vergegenwärtige er sich als eines, das dennoch zwei Formen trägt:

21.362 als Kraft und als dasjenige, das die Kraft besitzt. Als Kraft erscheint es im Erdprinzip, als Kraftträger wiederum in der Feuergrube.

21.363 Mit dem jeweiligen Namen führe er es durch die Ausatmung auf dem mittleren Weg in die Gestalt ein und richte den Schüler auf jenen Samādhi aus, der ganz von Japa und Meditation geprägt ist.

Sammlung und Befreiung

21.364 So soll das Erd-Bīja durch die Feuerhandlung mit dem Hṛd-Mantra zum feinen Leib gestaltet werden, um dem Schüler auf rechte Weise zu dienen.

21.365 Für die Erlangung von Erfahrungen ende der Mantra auf „Svāhā“, für die Befreiung auf „Namaḥ“; für beides zusammen verwende man die entsprechende Verbindung beider Formen.

21.366 Am Schluss der Handlungen füge man das Wort „Sampādaya“, bringe zur Vollendung, hinzu. So werde der im Herzlotus jener feinen Gestalt gegenwärtige Schüler

21.367 mit dem Śiras-Mantra zur entsprechenden Stufe befähigt; mit hundert Wiederholungen des Śikhā-Mantras vollziehe man die zugehörige Erfahrung.

21.368 Mit dem Varma-Mantra meditiere man über das Erlangen ihrer Frucht und deren Auflösung. Mit dem Netra-Mantra vergegenwärtige man die eigene Sättigung und das Verweilen in diesem Zustand.

21.369 Mit dem Astra-Mantra geschehe das Loslassen, verbunden mit der Lösung davon. Mit dem Mūla-Mantra nehme man die Gegenwart wieder auf und vereinige sie erneut mit sich selbst,

21.370 zusammen mit ihrer Kraft aus der alles durchdringenden Gegenwart der Feuergrube. Zur Stilllegung des Erdprinzips, das nun ohne seine bisherige Grundlage ist,

21.371 vollziehe man mit dem Astra-Mantra das Feueropfer in der zuvor genannten Anzahl, o Weiser. Man fülle den Opferlöffel mit Ghee und nehme vom auf der Schulter liegenden Faden den Erdabschnitt,

21.372 schneide ihn ab und lasse ihn zusammen mit der Vollgabe im Feuer an seiner eigenen Stätte aufgehen. Mit dem Mūla-Mantra werde sodann die Bewegung zum Herzlotus eingeleitet.

21.373 Mit der Ausatmung sende der Lehrer die Kraft des Schülers aus seinem eigenen Körper hinaus. Die von ihr durchdrungene, darunterliegende Wirklichkeit betrachte er zugleich als von ihr unterschieden,

21.374 gleich einem Wassertropfen auf einem Lotusblatt: den ersten Weg, den Weltenweg, innerhalb des Schülerkörpers, wo die Gegenwart in eine individuelle Erscheinung aufgenommen ist. [Die erste Vershälfte weist sprachliche Störungen auf.]

21.375 Über dem Erd-Bīja, das von seiner eigenen Kraft erfüllt ist, lasse er den Kraftträger wie zuvor hervortreten, unter Wahrung der Unterscheidung seiner Eigenschaften. [Die genaue Satzverbindung bleibt schwierig.]

21.376 In diesem Augenblick offenbare der Lehrer aus Mitgefühl dem im Bīja gegenwärtigen Schüler den Weg, wie er beschaffen ist, damit dessen Ziel erfüllt werde.

21.377 Der Lehrer vergegenwärtige sich den Schüler als von Losgelöstheit erfüllt und so denkend: „Dies also ist das Erdprinzip – ein vergänglicher Käfig des Leidens.

21.378 Seine Bedeutung ist nun für mein Bewusstsein offenbar geworden. Wie konnte ich darin verweilen, obwohl diese Begrenzungen mein eigentliches Wesen nicht ausmachen?“ [Die erste Vershälfte ist in ihrem genauen Wortbezug schwierig.]

Frei wie ein Vogel

21.379 Wie ein Vogel, aus dem Käfig befreit, glücklich verweilt und sich in die Höhe erhebt, so steigt der Schüler durch die Kraft des Mantras empor.

21.380 Dann richte der Lehrer seine Bitte an die dort gegenwärtige Schar, damit ihre bindende Wirksamkeit für diesen Schüler überall und allezeit zurückgehalten werde.

21.381 „Durch die Kraft eurer Gnade möge die erdhafte Eigenschaft, das subtile Geruchsprinzip, für ihn bis zum Ende seines Körpers in ruhiger Ordnung bestehen bleiben.

Das Bild des freien Vogels: Vers 379 schildert die Befreiung wie das Freilassen eines gebundenen Vogels. Vers 381 unterscheidet die gelösten Bindungen vom Weiterbestehen körperlicher Funktionen. Moksha wird als geistige Freiheit dargestellt.

21.382 Er hat sich der Lehre des höchsten Herrn ganz anvertraut. O Herr des Erdprinzips, o Beschützer, von heute an sollst du

21.383 zur Aufhebung der Hindernisse für seine Befreiung und der karmischen Fesseln beitragen.“ Nach dieser Bitte und Anordnung sind die Opfergaben der Reihe nach darzubringen.

21.384 Dann ziehe der Lehrer den Schüler samt seiner Kraft erneut mit der Einatmung zu sich und setze wie zuvor das Wasser-Bīja samt seiner Grundlage in dessen Gestalt ein.

21.385 Wie zuvor verbinde er die Lebenskraft in der Mitte der Feuergrube; mit der Ausatmung führe er den Kraftträger dort ein und richte ihn anschließend

21.386 mit Kumbhaka auf den entsprechenden Samādhi aus, o Weiser. Durch Feueropfer, Meditation und weitere Handlungen wird so ein höherer, dem Wasserprinzip entsprechender Leib vergegenwärtigt.

21.387 Für diese Ebene vollziehe der Lehrer alle Handlungen, beginnend mit der Befähigung. Den vorherigen Abschnitt lasse er zusammen mit dem Wasserabschnitt des Fadens niedergehen. [Die genaue rituelle Zuordnung von pūrvām ist unsicher.]

21.388 Er vergegenwärtige sich das Wasserprinzip an seiner Stätte als von jener Gegenwart durchdrungen, ebenso die darin ruhende Gruppe der Mantras samt ihrem Herrn.

21.389 Nach der Bitte wie zuvor ordne er das Geschmacksprinzip ebenso wie zuvor das Geruchsprinzip. Diesen Vorgang führe er Stufe um Stufe bis zum Manas und zum Bereich oberhalb des Lautweges weiter.

21.390 Mit den entsprechenden Aṅga-, Tejas- und Astra-Kräften hebe er die Gegenwart nach seiner inneren Ausrichtung empor und verbinde sie wie zuvor mit dem Bereich der Buddhi, o Hochverständiger. [Der erste zusammengesetzte Ausdruck ist nicht sicher verstanden.]

21.391 Er vergegenwärtige sich den Schüler als durch den Mūla-Mantra von den sechs Wegen gelöst, zum Bewusstsein gekommen, vom Fadengewand befreit und mit dem friedvollen Selbst vereint.

21.392 Im Feuer habe er durch seine Kraft die höchste Stätte als Ziel erreicht. Mit dem Bīja des Herrn, verbunden mit gesteigerter innerer Klarheit,

21.393 führe ihn der Lehrer in den von gegenständlichem Erkennen freien Samādhi, in dem er ganz aufgeht und keine Zweiheit mehr wahrnimmt. [Die genaue syntaktische Einordnung von svānandam bleibt offen.]

21.394 Für diese Vollendung bringe der Lehrer hundert Opfergaben dar. In seiner inneren Erkenntnis führe er durch denselben Mantra alles in die Einheit zusammen,

21.395 auch die Gesamtheit des Erkennbaren und die geordnete Folge der Worte. Ganz still geworden, bringe er die höchste Pūrṇāhuti dar.

21.396 Dann nehme der Guru das entsprechende Ichbewusstsein an und bringe mit dem Herrn der Bījas weitere Gaben dar, um alles aufzuheben, was dem Schüler die Befreiung vorenthält.

21.397 Den Geist in der höchsten Stätte ruhend, spreche er die von Oṃ eingefassten Worte „Werde allwissend!“ und bringe zwölf Opfergaben dar.

Anrufung und geistige Vollendung

21.398 „Sei so, o Erhabener: makellos, auf nichts anderes angewiesen, Herr über alles, voller Kraft, vollkommen erfüllt – Acyuta, Hari!

21.399 Alles durchdringend, die sechs göttlichen Eigenschaften in dir bergend, unveränderlich und unbefleckt; ewig, immer offenbar, ohne Mangel, ewige Glückseligkeit und ungeteilt!“

21.400 „Ohne Anfang und Ende, unvergänglich, Vāsudeva, voller göttlicher Herrlichkeit!“ Nachdem der Lehrer so geopfert hat, vollziehe er erneut die abschließende Vollgabe.

21.401 Der Befreiung Suchende wird durch die Vibhava-Einweihung in der göttlichen Stätte verankert. Von dort erreicht er bald die höchste Wohnstatt des Herrn,

21.402 nach dem Ablegen des Körpers, gemäß dem Willen des Herrn, o Weiser. Wer Genuss erstrebt, gelangt zur Stätte Padmanābhas; wer beides erstrebt, wird beiden Stätten zugeordnet.

21.403 Durch die Verbindung von Kraft und Kraftträger verankere der Lehrer den Schüler bis zum Ende des Körpers auf dem Erkenntnisweg der Buddhi und hebe seine Bindung an die Zeit aus jener Stätte heraus. [Der letzte Vorgang ist im Wortlaut nicht vollständig geklärt.]

21.404 Wie Feuer, das verborgen im Holz war und aus ihm hervorgebracht wurde, nicht wieder mit dem Holz identisch wird, so verhält es sich mit dem geistigen Menschen.

21.405 Auf einen anderen Weg gestellt, geht er nicht wieder in der früheren Bindung auf. Nun führe der Lehrer den Schüler aus dem Samādhi zurück und lasse ihn vor sich Platz nehmen.

21.406 Er unterweise ihn zutreffend über den lichten und den nichtlichten Weg und darüber, wie unterschiedliche Gestalten doch ungetrennt im höchsten Selbst bestehen.

Das Klangbrahman und die sechs Wege

21.407 Das höchste Brahman, unvergänglich und frei von der Trennung zwischen Erkanntem und Erkennendem, tritt aus eigener Kraft als Śabdabrahman, göttliche Klangwirklichkeit, hervor.

21.408 Zur Befreiung aller Lebewesen offenbart sich so der höchste Herr. Wisse: Dieser zunächst unentfaltete Laut gleicht dem zarten Klang einer Saite.

21.409 Er entfaltet sich selbst in viele einzelne Laute, um die Welt zu tragen. Gewissheit über diesen ursprünglichen Klang erlangen die Menschen nur durch die Gnade der viergestaltigen göttlichen Wirklichkeit,

21.410 so lehrt es der Text über die vedakundigen Brahmanen. Der Herr in Klanggestalt offenbart sich sodann in der Form der Kalās, seiner Wirkkräfte.

21.411 Durch das entsprechende Handeln wird diese Stätte den ihm Hingegebenen zugänglich. Solange jedoch die unbefleckte Gestalt nicht aus den Kräften der sechs göttlichen Eigenschaften hervorgetreten ist,

21.412 sage: Wie könnte das Formlose sonst erfasst werden? Alle Prinzipien bestehen aus Kalās und sind durch Hervortreten und Zurückkehren gekennzeichnet.

21.413 Die zuvor genannten Gestalten, beginnend mit Vāsudeva, stehen ihnen vor, wie beschrieben. Aus den Prinzipien gehen die Mantras hervor, verbunden mit Kräften wie Aṇimā.

21.414 Sie sind mit den Teilkräften der sechs Kalās verbunden und unzählbar. Durch sie wird der vierte, „Pada“ genannte Bereich entfaltet. [Die genaue Wortform zu diesem Bereich ist im Druck gestört.]

21.415 Dies dient der Selbstgewinnung der Handelnden, ihrer Verstrickung und deren Auflösung. Das All der vierzehn Welten besteht aus den drei Guṇas.

21.416 Es ist davon unterschieden: unrein, nichtbewusst und als Gegenstand der Erfahrung ausgebreitet. So wurden die sechs Wege beschrieben, mit der Unterscheidung dessen, was aufzugeben und was anzunehmen ist. [Die Verbindung von nityam und bhogye ist nicht eindeutig.]

21.417 Der Weltenweg und der Pada-Weg, mit Ausnahme des vierten Zustands, sind letztlich aufzugeben; für den Handelnden können sie jedoch vorläufig als Mittel dienlich sein.

21.418 Was in einer Hinsicht anzunehmen ist, gehört aus einer anderen Sicht wiederum zum Aufzugebenden. Doch es dient als Mittel zum Erreichen der höchsten Stätte, die frei von allen Wellen der Unruhe ist.

21.419 Für den Menschen, der in Unterscheidungskraft ruht und durch Einweihung geläutert ist, zeigt die vertiefte Betrachtung jene Stätte, in der vollkommene Ruhe offenbar wird.

21.420 Das ist das höchste, unvergängliche Brahman, das Vāsudeva genannt wird. Wie der Raum vielen kleinsten Teilchen eine Stätte bietet,

21.421 so ist der erste Weg eine Wohnstatt für die zum Bewusstsein gelangten Lebewesen. Man erkenne dabei den Unterschied zwischen den Welten und den Zustandsstufen.

21.422 Gemäß dem Willen des Herrn lassen die Mantrakräfte die Wesen auf diesen beiden von Māyā geprägten Wegen ihre Erfahrungen mit Früchten von Freude und Leid machen.

21.423 Die vom göttlichen Willen durchdrungenen Verehrer des höchsten Herrn, die Gurus und Eingeweihten, deren Inneres der Verehrung hingegeben ist,

21.424 führen die oberhalb dieser beiden Wege gegenwärtigen Mantrakräfte, die auf den göttlichen Auftrag warten, kraftvoll aus den beiden Māyā-Wegen heraus.

21.425 Sie führen sie zunächst in ihre eigene Stätte, zur Erfahrung von Aṇimā und den weiteren Kräften. Wer sich auch von diesen Erfahrungen löst, den geleiten sie durch ihre Macht weiter

21.426 auf den amṛtagleichen Weg der göttlichen Prinzipien. Wer dort ruht, betrachtet selbst Aṇimā und die weiteren außergewöhnlichen Fähigkeiten als so gering wie Grashalme.

21.427 Die reinen Herren dieser Prinzipien, ganz auf die Vermittlung von Gnade ausgerichtet, führen ihn sodann zur weiteren Rücknahme in den ewigen Weg der Kalās.

21.428 Vāsudeva, Brahman, erfüllt von den sechs göttlichen Eigenschaften und als Weggestalt erscheinend, verbindet ihn mit dem ewigen, im eigenen Selbst ruhenden Weg, der Śabdabrahman heißt.

21.429 Dort wird die Verbindung vollendet. Wer darin ruht, erreicht durch seine unmittelbare Erkenntnis die vollkommen friedvolle Stätte Bhagavans.

Klang und Befreiung: Der Text preist das Klangbrahman als Weg zur Befreiung der Wesen. Zugleich enthält er historisch begrenzte Aussagen über den Zugang zu bestimmten Ritualbefugnissen. Beide Aussagen gehören zur Quelle und werden in der Übersetzung erhalten.

Saṅkarṣaṇa spricht:

Weitere Fragen zur inneren Übertragung

21.430 O Gott, erkläre mir: Woran erkennt man das Wissen um den Lautweg, durch dessen Erkenntnis der Wanderer auf diesem Weg die wahre Wirklichkeit Vāsudevas erreicht?

Der erhabene Herr antwortet:

21.431 Wenn das Selbst aus den Hüllen der fünf Wege befreit ist und sein eigenes Sein gewonnen hat, tritt eine Erfahrung hervor, die wie ein ununterbrochener Strom fließt.

21.432 Der aus verschiedenen Lauten bestehende Klang trägt die zuvor beschriebenen Merkmale. In seinem Wesen ist er als die Gesamtheit der vier göttlichen Gestalten zu erkennen.

21.433 Durch Hervortreten und Rückkehr besitzt er den Glanz des Klanges. Der Vers beschreibt dies mit den Lautgrenzen A bis Sa und Ha bis Ā. [Die Lautfolge ist ausdrücklich verschlüsselt und wird hier nicht zu einem Mantra ergänzt.]

21.434 Beim Hervortreten wird Ha dem Dvādaśānta zugeordnet, bei der Rückkehr A; deshalb wird ihre Entsprechung gelehrt. [Die dazwischenstehende Wortform ist beschädigt.]

21.435 In dieser Gesamtheit der Lautanordnungen sind durch den Samādhi der Erkenntnis zu erkennen: Ruhe, Hervortreten, Entfaltung und die Herrschaft über die Entfaltung – die göttliche Wirklichkeit Vāsudevas.

21.436 Jede einzelne göttliche Gestalt ist hier, zusammenfassend gesagt, mit dieser Vierheit zu erkennen, die mit der Ruhe beginnt.

21.437 So sind sie in einer geradlinigen, stabartigen Anordnung gegenwärtig. Die zwölf Dhāraṇās entsprechen zwölf innergeistigen Gestalten

21.438 und dienen als Stufen, auf denen man zum höchsten Dvādaśānta gelangt. So wird das im Innern des Herzlotus Ruhende zur deutlichen Offenbarung geführt. [Die Wortfügung vor dvādaśāntam ist gestört.]

21.439 Für den Eingeweihten besteht der Lautweg somit als Śabdabrahman. Nun versorge der Lehrer den Feuerplatz mit dem bereitgestellten Praṇīta-Wasser.

21.440 Für die ungestörte Vollendung versehe er sich selbst und den Schüler wie zuvor mit einem Zeichen aus heiliger Asche und verneige sich vor dem Feuer.

21.441 Dann erhebe er sich, nehme den Schüler mit und gehe zum Heiligtum Acyutas. Nach der Verehrung des Herrn der Welt unterweise er den Schüler über die Lebensregeln.

21.442 Er erläutere sie sowohl zusammenfassend als auch in ihren besonderen Einzelheiten. Danach lehre er die Verehrung des Herrn im Herzen. [Eine Wortgruppe zur Unterteilung der Regeln ist im Druck beschädigt.]

21.443 Dazu gehören der mit Mudrās verbundene Mantra sowie Nyāsa und Meditation. Die Anweisung über das zu Tuende ist sowohl kurz gefasst als auch ausführlich zu vermitteln.

21.444 Fortan vollziehe der Schüler alles beständig nach dieser Ordnung. Dann verehre er den Guru mit seiner persönlichen Hingabe sowie mit Vermögen und weiteren Gaben.

21.445 Der Lehrer fülle seine rechte Hand mit Wasser aus dem Arghya-Gefäß, weihe es mit den sechs Aṅga-Mantras und gieße es auf den Kopf des Schülers.

21.446 Mit dem Praṇava vergegenwärtige er sich in seiner Hand ein sonnenhelles Maṇḍala. Darin setze er wie zuvor die Schar der Vibhava-Gottheiten als ungetrennte Gegenwart ein.

Segen und Rückkehr aus der inneren Versenkung

21.447 Nachdem er sie innerlich verehrt hat, lege er die Hand mit einem Segen auf den Scheitel des Schülers: „Mein geistiges Kind, möge dir bald die beschriebene und ersehnte

21.448 Vibhava-Vollendung zuteilwerden, vereint mit der Herrlichkeit der Befreiung!“ Damit ist die Vibhava-Einweihung beschrieben.

21.449 Diese allgemeine Ordnung gilt für die jeweils verwendete Gesamtheit der Mantras. Mit welchem Mantra auch immer einem Menschen die Einweihung erteilt werden soll,

21.450 so sind dessen Aṅgas und Glieder nach dem zuvor beschriebenen Verfahren an ihren jeweiligen Stellen anzuwenden.

21.451 Die Gruppe vom Hṛd-Mantra bis zu den Erkenntniskräften behandle man als zusammengehörige Einheit. Zusammen mit der Gruppe der Prinzipien vergegenwärtige man stets ihre innere geistige Gestalt.

21.452 Nach dieser inneren Betrachtung vollziehe man die Verehrung wie zuvor. Für die Netra-Handlung wird bei den fünf Aṅgas das Herz-Bīja vorgeschrieben.

21.453 Bei Mantras ohne eigene Aṅgas verwende man für die sonst durch Aṅga-Mantras vollzogenen Handlungen den Praṇava, verbunden mit dem Wort für die jeweilige Handlung.

21.454 Für diejenigen, die eine Vyūha-Einweihung wünschen, wird sie stets nach diesem Verfahren vollzogen. Bei jeder einzelnen Handlung ist dabei

21.455 die zuvor genannte Vierheit der Bījas von Vāsudeva und den weiteren Gestalten anzuwenden. Bei der gesamten Folge der Handlungen wird entsprechend der ursprüngliche Mantra

21.456 in der Brahma-Einweihung verwendet, wie zuvor sechsfach gegliedert, in seiner jeweiligen Form und bei den dafür genannten Gelegenheiten.

21.457 Die Anrufung der Gottheiten erfolgt hier jedoch in der Einzahl. Ihre Zuordnung ist zusammenfassend nach dem Verfahren der vorbereitenden Weihe zu verstehen.

21.458 Diese beiden Einweihungen haben letztlich keine andere Frucht als Befreiung. Dabei gewährt die Einweihung in die Viergestalt, o Lotusäugiger, zunächst

21.459 den innerlich Gesammelten kraftvoll die Teilhabe an den sechs göttlichen Eigenschaften. Was an Frucht aus Girlanden, Sandel und anderen Gaben sowie den Stoffen des Feueropfers entsteht,

Ergänzendes Video zur spirituellen Praxis; kein Bestandteil des Sanskrittextes.

21.460 geht durch die Brahma-Einweihung zusammen mit Prakṛti in die Auflösung ein. So können auch alle drei Einweihungen demselben Schüler nacheinander erteilt werden,

21.461 damit er zur Verehrung aller Formen befähigt wird, ihr hervorragenden Weisen. Oder man verwende einen der drei allumfassenden Mantras, beginnend mit dem Aṣṭākṣara-Mantra, o Zweimalgeborene.

21.462 Mit einem von ihnen vollziehe man nach Vorschrift eine allen Formen gemeinsame Einweihung. Sämtliche Handlungen geschehen mit diesem Mantra samt seinen Aṅgas.

21.463 Auch dann unterweise der Guru den Schüler in den Mantras der Vibhava-, Vyūha- und höchsten Gestalten sowie den Mantras ihrer Śaktis, Schmuckstücke, Fahrzeuge und Waffen, o Zweimalgeborene.

Die Weihe zum Acharya

21.464 So wurde das Einweihungsverfahren vollständig dargelegt, ihr hervorragenden Weisen. Nun folgt die Weihe eines Schülers, der das Maṇḍala geschaut hat und die Lehre in ihrem wahren Sinn kennt,

21.465 der der Gottesverehrung hingegeben ist und den Stand des geistigen Kindes erreicht hat: zur Vollendung aller Mantras oder zum Erwerb der entsprechenden Befugnis.

21.466 Für diesen Schüler vollziehe der Guru zur rechten Zeit den Abhiṣeka, die Weihe durch Übergießung, in Gegenwart von Menschen, die das Wesen Bhagavans kennen und den fünf täglichen Verehrungszeiten hingegeben sind,

21.467 von Kennern der Saṃhitās, Ācāryas, zielgerichteten Asketen und großherzigen Lehrern.

21.468 Vor der Gottheit errichte man eine viereckige Ritualhalle mit sämtlichen erforderlichen Geräten und einem Bhadra-Sitz in ihrer Mitte.

21.469 Darin vergegenwärtige man die für den Sitz beschriebene Anordnung, beginnend mit Ananta. Nach der Verehrung mit Arghya, Blumen und weiteren Gaben lasse man den Schüler vor der Gottheit

21.470 im festen Lotussitz Platz nehmen, mit gefalteten Händen, begleitet vom Gesang der Frauen und den Lobgesängen der Sänger.

21.471 Muschelhörner erklingen und Segenssprüche werden rezitiert. Der Schüler wiederholt den höchsten Mantra und meditiert über Acyuta.

21.472 Nach der Verehrung mit den acht Gliedern nehme der Lehrer den Viṣṇu-Krug. Zur rechten Vollendung rezitiere er den darin gegenwärtigen Mantra

21.473 tausend- oder hundertmal und stelle sich die göttliche Gegenwart wie flüssiges Gold leuchtend vor. Damit vollziehe er die Übergießung des Schülers.

21.474 Er spreche den auf „Svāhā“ endenden Mantra, als ströme er aus dem Herzlotus hervor. Dann spreche er die auf „Namaḥ“ endende Form und meditiere über die Gegenwart als rein wie Bergkristall.

21.475 Durch eine feine Öffnung vergegenwärtige er sie im Herzlotus des Schülers: als Brahman, dessen Gestalt Bewusstseinskraft und dessen Wesen Freude und Glückseligkeit ist. [Die genaue Wortform für den Zugang ist beschädigt.]

21.476 In klarer innerer Vorstellung übertrage der Lehrer die ganze erforderliche Befugnis. Dazu überreiche er die verehrte, reine Sammlung der göttlichen Āgama-Schriften,

21.477 eine glückverheißende Unterlage für die Verehrung, eine Gebetskette, eine kleine Glocke, die beiden Opferlöffel, einen Yoga-Sitzgurt, Muschelhorn und Diskus sowie ein Kamaṇḍalu,

21.478 ein Opfergefäß, Blumen, ein Arghya-Gefäß, ein ausgebreitetes schwarzes Antilopenfell, Sandalen, einen Fußschemel, einen Schirm, einen Sitz und einen Spiegel,

21.479 einen Pfauenfächer, einen weißen Fliegenwedel, die Fahne des Herrn, einen standesgemäßen Stab und zwei ockerfarbene feine Gewänder.

21.480 Man lasse den Geweihten vom Sitz aufstehen, sammle alles ein und gebe das Wasser der Weihe an einen reinen, glückverheißenden Ort. Danach verehre man den Herrn erneut.

21.481 Für den Geweihten bringe man dem Herrn in der Mitte des Feuers die Opfergaben bis zur Pūrṇāhuti dar und bitte um Nachsicht. Nach dem zuvor beschriebenen Verfahren nehme man aus dem Bereich der Feuergrube und des Maṇḍala

21.482 sowie von den Arghya-Gefäßen die Bali-Gaben und bringe sie den Wesen mit Wasser und gekochtem Reis dar, unter Rezitation des Astra-Mantras.

Die Übergabe der Lehrbefugnis

21.483 Außerhalb der Opferhalle bereite man einen Bali-Kreis. Zunächst bringe man die inneren Gaben dar, im Uhrzeigersinn fortschreitend.

21.484 Den Rest gebe man danach in den äußeren Kreis und spreche: „Verehrung sei stets allen Wesen, die Acyuta zugehören,

21.485 samt den Hütern der Richtungen und den Astra-Kräften – zum Frieden für uns und den Schüler!“ Danach sammle man die Verehrungsmittel ein und verwende wie zuvor die verbliebenen Gaben.

21.486 In der Mitte eines kreisförmigen Maṇḍala, im Innern eines weißen Lotus, verehre man mit diesen Restgaben den Herrn, den Guru aller Götter.

21.487 Nachdem man ihn im Feuer durch Opfergaben gesättigt hat, vollziehe man die rituelle Verabschiedung. Die ihm zugehörigen Reste gebe man in eine Erdgrube oder ins Wasser.

21.488 Auf dem Opferplatz vergegenwärtige man sich den zwölfstrahligen Diskus, setze ihn im eigenen Innern ein und verehre ihn mit Arghya, Blumen und weiteren Gaben.

21.489 Man nehme einen mit Wasser gefüllten Gießkrug und stelle ihn dort hin. In seiner Mitte verehre man mit dem Vīrya-Mantra das vorzügliche Mantra-Astra.

21.490 Ein weiteres glückverheißendes Gefäß fülle man mit Honig, Wasser und Milch. Davor stehe der Arghya-Krug; in seiner Mitte vergegenwärtige man das Astra im Diskus.

21.491 Man verehre ihn nach der rechten Ordnung und weihe ihn mit 108 Rezitationen. Dann verwende man erneut den Mūla-Mantra, eingefasst mit „Vaṣaṭ“.

21.492 Wie zuvor vergegenwärtige man im Innern zusammen mit dem Astra einen Strom des Amṛta und vollziehe mit dem Mantra-Wasser für alle die Lösung der verhärteten Bindung. [Die besondere Ritualbedeutung von nirvajrīkaraṇa ist nicht abschließend geklärt.]

21.493 Den Wasserstrom gieße man unter Meditation und Mantrarezitation aus, verteile ihn und bereite so für die Teilnehmenden den amṛtagleichen Mantratrank.

21.494 Danach vergegenwärtige man alles als vom Astra erfüllt und setze dessen Gegenwart ringsum in den Diskus ein. Unter Rezitation des Astra-Mantras nehme man den Wasserkrug

21.495 und lasse wie zuvor einen Wasserstrom fließen. Anschließend stelle man ihn in die Mitte, fülle ihn vollständig mit Wasser und versehe ihn mit Früchten.

21.496 Nun verehre der Schüler den Guru mit reinem, gesammeltem Geist wie Bhagavan selbst: mit Bhakti, durch Handeln, Denken und Sprechen.

21.497 Alle bei der Verehrung verwendeten Materialien übergebe er ihm. Er lege Kopf und beide Hände an dessen Füße

21.498 und bitte innig um Nachsicht, mit einem durch Śraddhā geläuterten Herzen. Ebenso ehre er die Pāñcarātra-Kenner, Asketen, Snātakas und weiteren Anwesenden,

21.499 bringe ihnen nach Vermögen die Dakṣiṇā dar und empfange nach gebührendem Dienst ihre ehrwürdige Zustimmung. [Die Wortfügung am Beginn der zweiten Vershälfte ist gestört.]

21.500 Dann nehme er gemeinsam mit seinen geistigen Brüdern, vielen früher Eingeweihten, weiteren Gottverehrern, Freunden, Angehörigen und Verwandten die Mahlzeit ein.

21.501 Wenn der Lehrer mit seinen Schülern weiterzieht, begleite er ihn nach dessen Wunsch ein Stück des Weges und kehre anschließend zurück.

21.502 Zuvor verneige er sich wiederholt zu seinen Füßen und umrunde ihn ehrfürchtig. Für die innerlich gesammelten Verehrer ist bis hin zur Befreiung die Gnade des Guru die Grundlage aller Vollendung.

21.503 Denn diese Gnade des Guru gilt als höchster Zufluchtsort. So wird der Abhiṣeka für diejenigen vollzogen, die die volle Befugnis erhalten. [Die erste Vershälfte ist im Druck sprachlich gestört.]

21.504 Sie sind sowohl zur Verehrung für sich selbst als auch zur Verehrung für andere befähigt. Die übrigen werden durch die Einweihung allein geweiht, ihr hervorragenden Weisen.

Verantwortung des Lehrers: Der Abhiṣeka des Ācārya überträgt eine Aufgabe: Mantras, Schriften und Ritualverfahren sollen zuverlässig weitergegeben werden. Für heutige Yoga-Lehrende erinnert dies an Sorgfalt, eigene Übung und Verantwortung gegenüber Lernenden.

Die Weisen fragen:

Persönliche und gemeinschaftliche Verehrung

21.505 Was heißt Verehrung für sich selbst, was Verehrung für andere, und wer ist dazu befähigt? Erhabener, trefflicher Weiser und bester Redner, erkläre uns dies!

Nārada antwortet:

21.506 Die Verehrung der im eigenen Haus aufgestellten Gottheit wird „Svārtha“, für den eigenen Bereich, genannt. Auf einem Berggipfel, an einem Flussufer, an der Meeresküste, in einem Wald und an ähnlichen Orten

21.507 oder in einem Dorf oder einer Stadt ist Bhagavan in den verschiedenen Arten von Heiligtümern gegenwärtig, beginnend mit den selbstoffenbarten. Seine dortige Verehrung heißt „Parārtha“, für andere beziehungsweise die Gemeinschaft, o Brahmanen.

21.508 Die gemeinschaftliche Verehrung gleicht der Sonne, die häusliche einer Lampe im Haus. „Para“ bezeichnet hier auch das Höchste; das angestrebte Gut ist Befreiung und das damit verbundene Heil.

21.509 Weil dieses höchste Gut dadurch erlangt wird, heißt sie Parārtha. Sie gewährt allen die entsprechenden Früchte, o Zweimalgeborene.

21.510 Darum sollen alle Menschen Puruṣottama in der gemeinschaftlichen Verehrung dienen. Im eigenen Haus wird er persönlich verehrt und gewährt die jeweils ersehnte Frucht.

21.511 Zur häuslichen wie zur gemeinschaftlichen Verehrung sind nach dieser Überlieferung diejenigen befähigt, die aus den Linien Śāṇḍilyas und der weiteren Lehrer stammen und vom Guru den Abhiṣeka empfangen haben.

21.512 Die übrigen sind zur häuslichen Verehrung befähigt.
Die Weisen fragten: Wer sind Śāṇḍilya und die anderen, o Yogin? Weshalb sind gerade ihre Nachkommen zur gemeinschaftlichen Verehrung befähigt?

Die Überlieferung durch Shandilya und die Weisen

21.513 Erkläre uns dies alles ausführlich, o hervorragender Weiser!
Nārada sprach: Hört von der Herrlichkeit Śāṇḍilyas und der anderen großen Weisen, o Zweimalgeborene. Einst, zu Beginn des Kṛta-Yuga, wandte sich Vāsudeva, der höchste Puruṣa,

21.514 an die Herren seiner fünf göttlichen Waffen, damit auf Erden seine Verehrung und der wahre Dharma verbreitet und die Welten geschützt würden.

21.515 Er blickte sie an und sprach: „Steigt nun auf die Erde hinab und verkündet den ursprünglichen Ekāyana-Veda, dessen einzige Frucht die Befreiung ist.

21.516 Macht ihn allen bekannt und legt insbesondere den wahren Dharma dar. Verehrt mich, wo immer ich in selbstoffenbarten und anderen heiligen Gestalten erschienen bin,

21.517 damit alle auf Erden Befreiung erlangen!“ So von Viṣṇu angewiesen, folgten sie seinem Auftrag.

21.518 Die fünf Herren der göttlichen Waffen, beginnend mit Sudarśana, erschienen auf Erden in der Gestalt von Brahmarṣis, an Orten wie Pauṇḍravardhana.

21.519 Diese fünf Yogins, Teiloffenbarungen der fünf Waffen, waren Śāṇḍilya, Aupagāyana, Mauñjyāyana, Kauśika und Bhāradvāja.

21.520 Sie kamen zusammen und berieten sich aus dem Wunsch, Viṣṇu zu verehren. Gemeinsam gingen sie zum Berg Totādri und übten äußerst schweres Tapas.

21.521 Vāsudeva, der Herr der Welt und Schatz des Mitgefühls, war über ihr Tapas erfreut. Gemeinsam mit Lakṣmī bestieg er Garuḍa, den König der Vögel,

21.522 und kam zu dem herrlichen Berg, an dem die großen Weisen weilten. Als sie den Herrn der Welt herannahen sahen,

21.523 die Hände mit Muschelhorn und Diskus gezeichnet, leuchtend wie Millionen Sonnen, sträubten sich ihnen vor Ergriffenheit die Körperhaare und Tränen der Glückseligkeit erfüllten ihre Augen.

21.524 Sie tanzten, priesen ihn, sangen einander antwortend, umrundeten ihn ehrfürchtig und verneigten sich vor Puruṣottama.

21.525 Als der Gemahl Śrīs sah, wie sie im Meer der Glückseligkeit versanken, sprach er Worte des Mitgefühls mit einer Stimme, tief wie das Grollen einer Wolke.

Der erhabene Herr spricht:

21.526 O Ṛṣis, über euer Tapas, das ihr mit ungeteilter innerer Hingabe vollzogen habt, bin ich erfreut. Ich bin euch gnädig. Wählt, was ihr euch wünscht!

21.527 Als die Weisen diese Worte hörten, wurden ihre Herzen froh. Alle legten die Hände zusammen und antworteten voller Demut:

21.528 „Wir haben alle Veden und viele verschiedene Lehrschriften studiert. Doch den Weg zur Befreiung kennen wir nicht. Deshalb nehmen wir Zuflucht bei dir.

21.529 O Schatz des Erbarmens, gewähre uns deine Gnade hier und jetzt!“ So baten sie den Gott, den Ozean des Nektars des Mitgefühls.

Fünf Tage und Nächte der Unterweisung

21.530 Noch in diesem Augenblick weihte der Herr der Welt Śāṇḍilya und die anderen großen Yogins selbst durch Dīkṣā und Abhiṣeka.

21.531 Er lehrte sie den ursprünglichen Ekāyana-Veda, die „geheime Überlieferung“, erfüllt von göttlichen Mantras und heiligen Handlungen, deren einzige Frucht Befreiung ist.

21.532 Der Herr der Welt unterwies jeden der fünf einzeln je einen Tag und eine Nacht. Deshalb, ihr hervorragenden Weisen,

21.533 wird diese Lehre in der Welt von allen „Pāñcarātra“ genannt. Nachdem Acyuta ihren Sinn erklärt hatte, sprach er zu ihnen:

Fünf Nächte der Unterweisung: Die Erzählung erklärt den Namen Pāñcarātra aus der Unterweisung an fünf Tagen und Nächten. Dies ist die Namensdeutung der Quelle selbst.

21.534 „Diesen Ekāyana-Veda habe ich euch gelehrt, o Zweimalgeborene. Nach dieser Lehre gibt es keinen anderen Weg zum Gang in die Befreiung.

21.535 Darum nennen die Weisen ihn Ekāyana, den einen Weg. Nach dem darin beschriebenen Verfahren verehrt mich an den göttlichen heiligen Stätten,

21.536 wo ich in selbstoffenbarten und weiteren Gestalten gegenwärtig bin, ihr hervorragenden Weisen. Ihr seid die vorrangig Befugten zur häuslichen wie zur gemeinschaftlichen Verehrung.

21.537 Die Brahmanen eurer Linien sollen nach Vorschrift den Abhiṣeka empfangen; auch sie werden dadurch zu beiden Arten der Verehrung befähigt.

21.538 Dieser Dharma des Kṛta-Yuga, dem die Erwachten folgen, wird im Tretā-Yuga und in den folgenden Zeitaltern weniger verbreitet sein, o große Weise.

21.539 Von vielerlei Wünschen erfüllt, werden die Menschen unterschiedliche Verehrungsweisen vermischen und den ursprünglichen, ewigen Weg verlassen.

21.540 Dann wird der ganze Ekāyana-Veda verborgen sein. Doch Bhagavan selbst offenbart ihn erneut einem dafür geeigneten Menschen.“

21.541 Nachdem der ewige Vāsudeva dies gesagt hatte, wurde er unsichtbar. Von da an folgten Śāṇḍilya und alle die anderen großen Weisen

21.542 und ebenso die Menschen im ursprünglichen Kṛta-Yuga dem ersten Bhāgavata-Dharma, dem Weg der Hingabe an Bhagavan, o Weisen.

21.543 Als das Tretā-Yuga anbrach, gerieten die Menschen unter die Macht vieler Wünsche, verließen den Bhāgavata-Dharma und vermischten verschiedene Verehrungsweisen.

21.544 So wurde der Ekāyana-Veda nur noch wenig gepflegt. Als Śāṇḍilya, der große Weise, sah, wie die Menschen ihren Wünschen verhaftet waren,

21.545 übte er zum Schutz der Welt äußerst schweres Tapas über viele Tausende Jahre. Am Ende dieser Askese,

21.546 beim Übergang vom Dvāpara-Yuga zum Kali-Yuga, erschien der Gott Saṅkarṣaṇa dem Weisen unmittelbar.

21.547 Für jene, die den höchsten Dharma verlassen und einen gemischten Weg angenommen hatten, nun aber wieder nach jener Stätte verlangten und zu Śraddhā und Bhakti gelangt waren,

21.548 gewährte er den Menschen der verschiedenen Stände Gnade und Befähigung; zugleich sollte allen Menschen die Erfüllung ihrer berechtigten Ziele ermöglicht werden.

Hingabe öffnet die Unterweisung für das Herz.

Die Weitergabe der Sattvata-Lehre

21.549 Im Einklang mit dem ursprünglichen Veda fasste Hari selbst dessen wesentlichen Gehalt zusammen und verkündete ihn in Versen des Anuṣṭubh-Metrums:

21.550 die Sāttvata und weitere Lehrschriften, die erfüllte Erfahrung und Befreiung gewähren. Nachdem der Keulenträger sie gelehrt hatte, verschwand er dort wieder.

21.551 Nachdem Śāṇḍilya die Sāttvata und die weiteren Schriften empfangen hatte, unterwies er darin die Weisen, insbesondere Aupagāyana,

21.552 Mauñjyāyana und die anderen sowie die Yogins um Sanaka. Seitdem vollzogen Śāṇḍilya und alle diese großen Weisen

21.553 die Verehrung Haris nach dem in der Sāttvata und den verwandten Schriften gelehrten Weg. Sie unterwiesen ihre eigenen Nachkommen und Tausende von Schülern,

21.554 die den Kāṇva-Zweig des Veda studierten und in Veda und Vedānta bewandert waren. Sie weihten sie ordnungsgemäß nach dem in der Sāttvata und den anderen Schriften beschriebenen Verfahren,

21.555 erteilten ihnen den Abhiṣeka und befähigten sie zur häuslichen wie zur gemeinschaftlichen Verehrung. Durch sie ließen die Lehrer, o Brahmanen, diese Sāttvata-Überlieferung

21.556 weiterverbreiten; sie gelten deshalb als die vorrangig Befugten. So wurde, o trefflicher Weiser, von Śāṇḍilya und den anderen großen Seelen

21.557 ihre Bedeutung kurz im Zusammenhang mit der Frage nach der Befugnis dargestellt. Nach dem Lehrsystem, in dem jemand zuvor Dīkṣā und Abhiṣeka empfangen hat,

Die vier Siddhantas

21.558 soll er auf eben diesem Weg handeln, nicht nach dem Verfahren eines anderen. Wer die Lehre kennt, soll die unterschiedlichen Lehrsysteme nicht vermischen.

Die Sattvata-Verbindung: Die Verse 549–554 verbinden die Lehrübertragung ausdrücklich mit der Sāttvata und der Kāṇva-Überlieferung. Guru, Diksha und die fortgesetzte Verehrung bilden eine gemeinsame Übertragungslinie.

Die Weisen fragen:

21.559 Was heißt Siddhānta, o Herr der Weisen, und welche Einteilungen gibt es darin? Erkläre uns dies alles ausführlich, du hervorragender Redner.

Nārada antwortet:

21.560 Dieser Āgama, der Pāñcarātra heißt, gliedert sich in vier Richtungen. Die erste ist der Āgama-Siddhānta, die zweite trägt den Namen Mantra-Siddhānta;

Agama-Siddhanta

21.561 die dritte heißt Tantra, die weitere Tantrāntara. Die erste erläutert die Einsetzung und Verehrung des ewig offenbaren Vyūha und die damit verbundenen Handlungen.

21.562 Sie gilt als nicht von Menschen geschaffen. Ihr Ziel ist der im Herzen gegenwärtige Eine, den die befugten, hervorragenden Zweimalgeborenen unter den Namen Sat, Brahman und Vāsudeva verehren.

21.563 Diese höchste Lehre heißt Brahmopaniṣad. Sie enthält göttliche Mantras und heilige Handlungen, schenkt Unterscheidungskraft und gewährt Befreiung selbst dem, der sie nicht eigens begehrt.

21.564 So ist der Herr, der ewig offenbar heißt, dessen Gestalt ewig ist und dessen Name Vāsudeva lautet, ein Meer der sechs göttlichen Eigenschaften und weiterer Vollkommenheiten.

21.565 Erkenne darin die erste Kennzeichnung, entsprechend den Bezeichnungen der Mantraglieder wie Hṛdaya, „Herz“. Wisse: Dies ist der Āgama-Siddhānta, der die Gestalt der Śruti hat.

21.566 Er gilt als Dharma des Kṛta-Yuga und als der höchste aller Dharmas. Daraus gingen am Anfang des Tretā-Yuga, zur Erlangung von Lebensfülle und Befreiung,

Mantra-Siddhanta

21.567 viele Unterteilungen des Āgama-Siddhānta hervor. Als Mantra-Siddhānta wurde durch die göttliche Gestalt des Wachzustands und der entsprechenden Vyūhas

21.568 die zweite, erhabene Sāttvata-Lehre verkündet. Sie wurde an den Pradyumna Genannten und durch ihn an die vierte Gestalt des alldurchdringenden Herrn weitergegeben,

21.569 durch diesen an den Vāgīśvara Genannten, von ihm an die Dvīpa genannte Gestalt und danach an Rudra, Indra, Āditya und Agni.

21.570 Ebenso wurde der Mantra-Siddhānta an Nārada und andere sowie an die Scharen der Gottheiten überliefert und in vielerlei Richtungen entfaltet.

21.571 Darin werden der ganz stille Vyūha und der anschließend als still und offenbar bezeichnete gelehrt: die dem Tiefschlaf, dem Traum und dem Wachen zugeordneten Vyūhas, wie zuvor erläutert.

21.572 Ebenso werden weitere Gestalten wie Keśava und die göttlichen Erscheinungsformen gelehrt. Die Verehrung geschieht im Herzlotus, auf einem Lotussitz und an anderen heiligen Orten, mit Lakṣmī, Puṣṭi und den übrigen Śaktis,

21.573 mit den Kennzeichen Muschelhorn und Diskus, mit Garuḍa und dem weiteren Gefolge, mit den Wesen und Siddhas bis hin zur als Śāstra bezeichneten Gestalt. Eine solche Verehrung wird als heilsam gelehrt.

21.574 Zuerst steht die Einweihung in Nṛsiṃha, den Beschützer des Alls. Danach folgen der Reihe nach die Befugnisse für Vibhava, Vyūha und Sūkṣma.

21.575 Gelehrt werden die Weihe der vier Stufen, beginnend mit Samayin und Putraka, die verbindliche Lebensführung und das Verfahren zur Aufstellung der Gottesbilder,

21.576 die Merkmale der Mantras, Maṇḍalas und Mudrās, der Feuergruben und dergleichen. Wo die Vorschriften für solche Handlungen umfassend dargelegt sind,

Tantra und Tantrantara

21.577 heißt dies Mantra-Siddhānta mit seinen zahlreichen Unterteilungen. Wo dagegen ohne Unterscheidung in Para, Vyūha und weitere Stufen eine einzige Gottesgestalt verehrt wird,

21.578 mit ihren Gliedern oder für sich allein, zusammen mit den Ausprägungen ihrer Gefährtinnen, ihrem Schmuck und den verkörperten Waffen, wird dies Tantra genannt.

21.579 Wo Nṛsiṃha, Kapila, Varāha, Haṃsa, Vāgīśvara und weitere Gestalten als Haupt- und nachgeordnete Formen verehrt werden, allein oder mit ihren Gliedern,

21.580 mit den erhabenen Waffen wie dem Diskus, mit Krone und anderem Schmuck, mit den Gefährtinnen wie Lakṣmī und mit dem Gefolge wie Garuḍa,

Beständigkeit und zulässige Ergänzung

21.581 und ihre Verehrung nach der Vorschrift erfolgt, heißt dies Tantrāntara. Für jene, die durch Millionen von Geburten zur Vollendung gelangt sind, liegt hier das Ziel und der feste Stand.

21.582 Darum trägt diese Lehre, o Zweimalgeborene, ihrem Sinn gemäß den Namen Siddhānta: Ziel und gefestigter Stand der Vollendeten. Hinsichtlich der Schrift, der Mantras und Handlungen, der Gottesbilder und des Tempels

21.583 soll der aus guter Familie stammende Lehrer das zuvor übernommene Verfahren bewahren. Solange die Verehrung fortgeführt wird, soll er sie auf eben diese Weise ausüben, nicht anders.

21.584 Ein entgegengesetztes Vorgehen gilt hier als Ursache von Unheil für König, Reich und andere. Darum sollen Menschen, die sich selbst geschult haben, bei der Verehrung die Lehrsysteme nicht vermengen.

21.585 Was immer in der Welt besonders erwünscht ist und dem zuvor Begründeten nicht widerspricht, darf angenommen werden. Was sich gegenseitig widerspricht, soll der Verständige dagegen aufgeben.

21.586 Was in den Vaikhānasa-, Śaiva- und Pāśupata-Tantras vorgeschrieben ist, wird hier als dem eigenen Verfahren widersprechend bezeichnet. [Die überlieferte zweite Vershälfte ist sprachlich unsicher; der genaue Satzanschluss bleibt offen.]

21.587 So habe ich die Einteilung der Lehrsysteme dargelegt, wie ich sie gehört habe. Wenn ihr noch etwas anderes hören möchtet, so sagt es, ihr trefflichen Weisen.

Spiritueller Ausklang: Treue zur empfangenen Unterweisung und Offenheit für passende Ergänzungen stehen am Schluss nebeneinander. Vers 585 erlaubt ausdrücklich, Förderliches aufzunehmen, wenn es dem begründeten Weg nicht widerspricht. Für heutige Yoga-Aspiranten kann daraus eine ruhige Beständigkeit wachsen: täglich üben, den Sinn der Praxis verstehen und Bhakti, Meditation und hilfreiches Handeln verbinden.

Kolophon: So endet in der Ishvara Samhita des heiligen Pancharatra das einundzwanzigste Kapitel, genannt „Das Verfahren der Einweihung“.

Texthinweise zu Kapitel 21

Grundlage und Umfang: 587 nummerierte Texteinheiten. Herangezogen wurden die beiden vorhandenen Devanagari-Fassungen, der Druck von 2017 ab Seite 310, der ältere Druck ab Seite 522 sowie der Sanskrittext der kritischen Ausgabe, Band IV, Seiten 1282–1388. Die englische Übersetzung desselben Bandes dient zur Kontrolle. 21.512 und 21.513 enthalten jeweils drei Halbverse mit einem Sprecherwechsel nach dem ersten Halbvers. Die Ausgabe bewahrt diese Textgestalt.

Ergänzte Auslassungen: Der im neueren Druck fehlende Vers 21.32 wurde aus dem älteren Druck wiederhergestellt. Auch fehlende Bestandteile von 21.56 und die Halbverse 21.107b–108a wurden ergänzt. 21.221a fehlt in den beiden zunächst benutzten Devanagari-Fassungen, ist aber im Sanskrit der kritischen Ausgabe auf Seite 1324 erhalten und wurde daraus ergänzt. Umgekehrt fehlt dort 21.412b; dieser Halbvers wurde nach dem älteren Druck, Seite 555, wiederhergestellt. Die anschließende Halbverszuordnung ist berichtigt. Der im Scan der kritischen Ausgabe am oberen Rand verdeckte Vers 21.543 wurde nach dem älteren Druck, Seite 566, erfasst.

Wichtige Lesarten: In 21.4 wurde die Lesart für Beständigkeit nach dem älteren Druck übernommen. 21.119 nennt Vauṣaṭ und Vaṣaṭ; ein im neueren Druck ausgefallenes Wort ist ergänzt. 21.219 liest der ältere Druck „Fünfergruppe“, die kritische Ausgabe „Sechsergruppe“; der vorliegende Text folgt hier dem älteren Druck. In 21.226 steht die Zugehörigkeit bis zur Befreiung. 21.415 wurde „Dreiheit der Guṇas“ nach dem älteren Druck aufgenommen. Fehlende oder doppelte Versziffern des neueren Drucks wurden nach der fortlaufenden Halbversfolge berichtigt.

Abweichungen von der englischen Kontrollübersetzung: 21.114 betrifft Milch, nicht Wasser. In 21.152 wird die Erde gelb und viereckig betrachtet; die Wörter bezeichnen hier keinen transzendenten vierten Zustand. In 21.284 ist Yāga, Verehrung, der fünfte Saṃskāra. 21.338 betrifft eine Lautgruppe. 21.393 beschreibt keine positive Zweiheit im Samādhi. 21.479 nennt ein Paar ockerfarbener Gewänder. Mantraanfänge und verschlüsselte Lautanweisungen werden nicht anhand englischer Fußnoten zu vermeintlich wörtlichen Mantras erweitert.

Offene Lesarten und Übersetzungsstellen: Insbesondere die technischen Passagen 21.35, 43, 49, 69–82, 86, 91, 93, 95, 120, 140, 144–150, 164, 169, 171, 174, 176, 180, 185, 187, 193, 198, 205, 216, 256, 269, 273–277, 336–337, 373–375, 393, 433–434, 438, 442, 475, 492, 503 und 586 benötigen weitere Wortkontrolle. Die wesentlichen Unsicherheiten sind lokal gekennzeichnet. Daher ist das Kapitel noch keine endgültig freigegebene Übersetzung. Erläuternde Kommentare der kritischen Sanskritausgabe wurden nicht als Verse des Grundtextes aufgenommen.

Mantras und Gebete: Die ausdrücklich gedruckten Formeln in 21.188 und 21.194 sowie das Gebet in 21.244–245 sind von bloßen Mantranennungen und verschlüsselten Lautangaben zu unterscheiden. Für die endgültige Mantrasammlung ist jeweils der konkrete Wortlaut mit seiner Versstelle maßgeblich.

Historischer und spiritueller Kontext: Standesbezogene Befugnisse, Brandzeichen, Traumomina und Abgrenzungen zu anderen Ritualtraditionen werden als Aussagen des historischen Textes wiedergegeben. Die heutigen spirituellen Anregungen stehen davon getrennt. Die Namensdeutung des Pāñcarātra durch fünf Tage und Nächte sowie seine Vorrangansprüche gehören zur Selbstdarstellung der Tradition.


Lesungen in 21.150–166. In 150 haben der ältere Druck (S. 534) und die kritische Ausgabe (IV, S. 1310) khabhūtena, das Raumelement, nicht svabhūtena. Der Ausdruck skandavṛnda bleibt ungeklärt. Auch die englische Anmerkung 75 (S. 1311) erklärt ihn für schwierig; ihre Vermutung spanda wird nicht als Sanskritlesung übernommen. In 151 wurde yajet samyag bhūyaḥ, erneut sorgfältig verehren, wiederhergestellt. In 165 bestätigen die Drucke abhedenātmani und abhyutthāṃ. In 166 ist vaiṣayāt sarvād viyuktāṃ lesbar: Die Kraft wird als vom gesamten Gegenstandsbereich gelöst vergegenwärtigt. Die bislang entstellte Wortfolge ist damit geklärt; es steht hier keine Waffenbezeichnung.


Körperbereiche in 21.214–215. Beide Drucke bestätigen āpādān nābhideśāntam, von den Füßen bis zur Nabelgegend, und śikhāvadhi, bis zur Scheitelregion. Erde bis Luft betreffen die vier unteren Abschnitte, das Raumelement den Bereich darüber bis zum Herzen und Manas den Bereich darüber bis zum Scheitel. Die erfassten Wortverstümmelungen wurden berichtigt; diese Ortsangaben sind keine verbleibende Leselücke.


Erkenntnisformen und Überlieferung in 21.197–206. In 197 lautet das Akkusativobjekt sthitiṃ, die Ordnung beziehungsweise Stellung. In 200 ist die Gegenüberstellung gleichzeitig entstandener, früherer und späterer Erkenntnisformen im Druck lesbar. Die kritische Ausgabe (IV, S. 1320) bietet bauddhāḥ, der ältere Druck (S. 538) bodhāḥ; hier wird die kritische Lesung verwendet. In 206 bestätigen beide Drucke āmnāyabhūtāni, die zur heiligen Überlieferung gehörenden Inhalte. Die Satzergänzung bleibt wegen der elliptischen Form in Klammern. Diese Stellen sind nicht als unleserliche Druckschäden zu behandeln.


Opfergaben und karmische Bindung. In 21.174 bestätigen die kritische Ausgabe (IV, S. 1314) und der ältere Druck (S. 536) die acht Opfergaben mit dem Mūla-Mantra. In 21.180 lautet der Satzanschluss tad anekaprakāram, „dieses in seinen vielfältigen Ausprägungen“ (IV, S. 1316; älterer Druck S. 536). Er bezieht sich auf die karmische Bindung aus Vers 179. Die zuvor erfassten abweichenden Formen wurden berichtigt.


Weihe und besondere Fähigkeiten in 21.177–178. Hier wird aṇimādīnām aus dem Haupttext der kritischen Ausgabe übernommen (IV, S. 1314); śaktirādīnām ist dort als Lesung A verzeichnet und steht im älteren Druck (S. 536). Niṣkalair yutaḥ bezeichnet eine Verbindung mit Ungeteiltem; die Ergänzung „Mantras“ bleibt als Deutung gekennzeichnet. Der Text nennt keine „ungeteilte innere Gewissheit“. Die Empfänglichkeit für die genannten Fähigkeiten wird im folgenden Vers mit der Verehrung des Herrn und Yoga-Abhyāsa verbunden.



Kapitel 22 – Niyama – achtsame Lebensführung nach der Einweihung

Nach der Einweihung wird die Übung im Leben verankert. Kapitel 22 verbindet Achtung vor dem Guru mit Sorgfalt in der Pūjā, mit dem Vermindern von Gier und Missgunst und mit der Freude eines klaren Geistes. Es enthält auch historisch gebundene Speise-, Tempel- und Zugangsregeln. Seine Schlussverse betonen: Äußere Regelbefolgung wird erst durch innere Lauterkeit und freiwillige, freudige Hinwendung fruchtbar. Fassung mit dokumentierten Unsicherheiten: Alle 67 Verse sind erfasst; wenige sprachlich schwierige Stellen bleiben markiert.

Die Weisen fragen:

Die Regeln werden erfragt

22.1 Du hast zuvor gesagt, dass dem Schüler die verbindlichen Regeln zu vermitteln sind. Erkläre diese Regeln, du Hervorragender unter den Weisen.

Nārada antwortet:

22.2 Eben danach fragte Saṅkarṣaṇa einst den Herrn. Die Regeln, die er daraufhin lehrte, werde ich euch mitteilen, ihr Herren der Weisen.

Der erhabene Herr spricht:

22.3 Bei jeder Regel, die aus dem Mund des Gurus hervorgeht, soll der Schüler „Ja, gewiss“ sagen, damit das Feuer des Leids zur Ruhe komme.

Achtung vor Guru und Unterweisung

22.4 Er soll nicht auf den Schatten des Gurus treten und auch nicht auf den der Gottheit, selbst wenn sie auf einem Fahrzeug getragen wird. Den Kreis der verehrungswürdigen Menschen soll er stets mit derselben Achtung betrachten wie den Guru.

22.5 Er soll dessen Lager, Sitz, Fahrzeug und weitere Dinge ehrerbietig grüßen und im Haus des Lehrers alle anfallenden Arbeiten aufmerksam und ohne Trägheit verrichten.

22.6 In seiner Gegenwart soll er nicht auf einem Sitz verweilen und sich nicht zu seiner Rechten aufhalten. Er soll sich gut beherrschen, seine Worte zügeln und die Anweisung des Lehrers erwarten.

22.7 In dessen Gegenwart soll er nicht zur Begrüßung anderer aufstehen. Zweifel soll er nicht ohne dessen Anweisung zu klären unternehmen.

22.8 Die Auslegung der Āgamas, Yoga-Übung und Dhāraṇā soll er, wenn sie auszuführen sind, im eigenen Haus verrichten, nicht im Haus des Gurus.

Der historische Lehrraum: Die Regeln beschreiben eine bestimmte Guru-Schüler- und Tempelordnung. Ihre heutige spirituelle Anregung liegt in aufmerksamem Zuhören, verlässlichem Lernen und ehrlichem Nachfragen. Einzelne historische Verhaltensformen sind davon zu unterscheiden.

Ehrerbietung vor den Zeichen und Orten der Verehrung

22.9 Aus einem Gefäß mit den Zeichen Muschelhorn, Diskus und Lotus soll er nicht essen. Einen Stein, Holz, einen Erdklumpen, ein Brett oder andere Dinge mit diesen Zeichen

22.10 soll er weder mit dem Fuß betreten noch als Sitz verwenden. Diejenigen, die die Lehre Bhagavāns kennen und deren Herz der Verehrung zugewandt ist,

22.11 soll er stets auf angemessene Weise und nach seinem Vermögen ehren. Den Tempel des Gottes der Götter, den Ācārya und einen Anhänger des Pāñcarātra,

22.12 den Aśvattha- und den Vaṭa-Baum, eine Kuh, eine Versammlung guter Menschen und das Haus des Gurus soll er in einigem Abstand rechtsherum umschreiten, das Bild des Herrn aus der Nähe.

22.13 Mit einer Niederwerfung, bei der der Körper wie ein Stab ausgestreckt ist, soll er nach den vier Richtungen grüßen. Auf einem Fahrzeug, mit Sandalen oder mit Schuhen an den Füßen

22.14 und mit zerstreutem Geist soll er das Haus Bhagavāns nicht betreten. Während einer Unterweisung soll er nicht zur Begrüßung aufstehen oder Begrüßungen vollziehen.

Den heiligen Raum mit gesammeltem Geist betreten.

Der geschützte Raum der Überlieferung

22.15 Menschen ohne Hingabe, Unverständigen, insbesondere solchen, die die Lehre verneinen, und Menschen, die am Verspotten Freude haben, soll kein Zugang zu dieser Unterweisung gewährt werden.

22.16 Die Lehre des höchsten Herrn soll nicht ohne vorherige Verehrung geöffnet und offengelegt werden, weder in Gegenwart von Anhängern anderer Gottheiten noch um deren Zweifel zu beseitigen;

22.17 sie soll nicht aus Habgier, auf unrechtmäßige Weise oder aus Furcht preisgegeben werden. Neue, wohlriechende und geeignete Früchte, Blumen und andere Gaben

22.18 soll er nicht genießen, bevor sie Guru, Gottheit und Feuer dargebracht sind. Von einem Dieb, einem Ausgestoßenen, einem gewalttätigen Menschen oder jemandem, der von Heuchelei, Gier und Hochmut erfüllt ist,

22.19 und von einem Menschen ohne Hingabe soll er keine Gaben annehmen. Wer ein Gottesbild nimmt und damit umherzieht, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen,

22.20 durch die Straßen und Märkte der Stadt, dessen Anblick, Berührung und Gespräch soll er meiden; der Text bezeichnet ihn als Devalaka, als jemanden, der die Gottesverehrung zum Erwerb betreibt.

Zur Abgrenzung im Text: Der Abschnitt schützt eine besondere Einweihungslehre und unterscheidet ihre Weitergabe vom Erwerb durch das Vorzeigen eines Gottesbildes. Die Zugangsbeschränkungen und die Bezeichnung anderer Menschen werden als historische Aussagen dokumentiert.

Die Verehrer Vishnus ehren

22.21 Wer dagegen im Dorf oder in einer Stadt die Geschichten und Lieder Bhagavāns singt, den soll er stets als einen Lobpreiser des Herrn ehren.

22.22 Wer den Gelübden Viṣṇus hingegeben ist, in seinem Heiligtum wohnt, mit Freude von ihm spricht und seine Geschichten erzählt oder seinen Tempel reinigt,

22.23 wer den Vaiṣṇavas zuhört, dem Dharma Viṣṇus ergeben ist und sich um die Bedürfnisse seiner Verehrer kümmert, soll stets wie Viṣṇu selbst geehrt werden.

Hingabe zeigt sich im Dienst: Singen, Erzählen, Reinigen und die Sorge um andere Verehrer werden nebeneinandergestellt. Auch ein unscheinbarer Dienst kann Ausdruck von Bhakti und Seva sein.

Blumen und andere Gaben

22.24 Morgens soll er aufstehen und für die Pūjā selbst Blumen und andere Gaben aus seinem Garten sammeln, achtsam und unter Anwendung des Astra-Mantras.

22.25 Oder er gehe in den Wald und bemühe sich dort um ihre Beschaffung. Blumen von dornenlosen Bäumen wie auch von Bäumen mit Dornen

22.26 sind geeignet, wenn sie erfreulich, wohlriechend und für den Ritus passend sind, beginnend mit den weißen. Stark und unangenehm riechende sowie nicht als geeignet bekannte sind für den Ritus unpassend.

22.27 Was an Kreuzwegen, Śiva-Stätten oder auf Verbrennungsplätzen wächst, durch Blitzschlag und dergleichen beschädigt oder von Würmern und Insekten bedeckt ist,

22.28 solche Blätter, Blumen, Früchte und weiteren Gaben soll man sorgfältig meiden. Reine, wohlriechende Wasserblumen, weiße, rote und andere,

22.29 soll man dagegen bei der täglichen Verehrung verwenden. Auch Blätter mit jungen Trieben und am Boden wachsende Pflanzen

22.30 sind, jeweils ihrer Jahreszeit entsprechend, für die tägliche Verehrung vorgesehen. Im Haus ist die Verehrung mit Karavīra-Blüten nicht förderlich,

22.31 besonders für jemanden, der bestimmte Erfolge oder Wohlergehen erstrebt. Unter anderen Umständen besteht dieser Einwand nicht. Unmattaka und ähnliche Pflanzen gelten jedoch als ungeeignet.

22.32 Die Gaben sollen frisch gepflückt und unwelk sein. Man soll sie mit Wasser besprengt darbringen, nicht anders. [Der genaue Wortlaut der ersten Vershälfte ist unsicher.]

22.33 Durch den Blick der Mantrakundigen werden sie rasch von Mängeln frei. Bei denen, die innerlich dem Herz-Mantra zugewandt sind, werden sie durch Bhakti geheiligt.

Blumen und Haltung: Die genaue Auswahl der Gaben gehört zur historischen Liturgie. Vers 33 betont darüber hinaus die heiligende Kraft der Hingabe. Eine Gabe erhält ihren geistigen Sinn durch die innere Zuwendung.

Gefäße, Räucherwerk, Licht und Speisen

22.34 Aus einem Gefäß aus Kāṃsya-Metall soll man nicht essen und darin auch der Gottheit Madhuparka und andere Gaben nicht darbringen, sofern andere Gefäße verfügbar sind.

22.35 Auch Räucherwerk soll man nicht in irdenen oder eisernen Gefäßen verbrennen. Als Duftgabe soll Guggulu mit Ghee verwendet werden; fehlt es daran, ist ein anderes Räucherwerk zulässig.

22.36 Die Darbringung geschehe unter dem Klang der Glocke. Für die Lampe soll man Fett, Mark, Leinöl und mit Öl vermischtes Ghee meiden. [Der Druck liest am Anfang der zweiten Hälfte bhedo; gemeint ist offenbar medas, Fett.]

22.37 Dickmilch, Milch und andere Erzeugnisse von Schafen gelten für Madhuparka als nicht geeignet. Ebenso wird gekochte Nahrung aus Kola, Kodrava und schwarzem Śāli-Reis hier nicht empfohlen. [Die erste Getreidebezeichnung ist unsicher überliefert.]

Achtsamkeit während der Verehrung

22.38 Ungeeignet sind auch [die unsichere Speisebezeichnung apātra], Fleisch und mit saurem Āranāla zubereitete Speisen. Während der Verehrung soll man nicht hastig aufspringen.

22.39 Bis zum Abschluss der Handlung soll man einen Flüssigkeitsverlust an den rituellen Trägern, Muschelhorn, Bild, Lotus und Sockel verhindern. [Die Aufzählung und der genaue Satzbau sind beschädigt; die Übersetzung bleibt vorläufig.]

22.40 Dazu soll man keine eisernen Spitzen verwenden, sondern weiche Kūrca-Büschel oder Ähnliches. Vor dem Guru soll man weder baden noch schlafen noch sich in Schweigen zurückziehen.

22.41 Man soll nichts mit Speichel Verunreinigtes berühren und nicht im Haus Bhagavāns essen, ebenso wenig unmittelbar am Feuer oder in einem Haus, in dem Alkohol vermischt wird.

Sorgfalt und Sammlung begleiten die Darbringung des Lichts.

Unterweisen, helfen und innere Mängel vermindern

22.42 Den hingegebenen Eingeweihten soll man den Sinn dieser Schrift erschließen, anderen die Dharma-Lehre, mit einem von Gier freien Geist.

22.43 Die Schüler, die Viṣṇu ergeben sind, soll man stets annehmen und unterstützen. Hochmut, Missgunst, Kleinlichkeit, Gier, Verblendung und ähnliche Eigenschaften sind Mängel;

22.44 alle soll man nach und nach vermindern, solange man lebt. Wer unvermutet herzukommt, in anderen Ländern wohnt

22.45 und im Herzen Nārāyaṇa zugewandt ist, soll hilfreiche Unterweisung erhalten. Wer dagegen die wahre Natur Acyutas und den Sinn des Pāñcarātra nicht kennt,

22.46 ebenso wenig die Vaiṣṇava-Einweihung mit ihren in verschiedenen Schriften beschriebenen Merkmalen, mit dem soll man keine Verbindung in einem abweichenden Ritualverfahren eingehen.

22.47 Die Inhalte der Lehre und die Schriften soll man weder absichtlich noch aus Unwissenheit durcheinanderbringen, indem man die Reihenfolge der Überlieferung außer Acht lässt.

Zuverlässige Kenntnis und die Erinnerung an das Mantra

22.48 Ist die Kenntnis eines Lehrinhalts oder seiner Merkmale verloren gegangen, soll man einen erfahrenen Verehrer Bhagavāns fragen: vertrauenswürdig, sachkundig und für seine Aufrichtigkeit bekannt.

22.49 Durch Unterweisung bei den Gurus soll man stets zu einer von Zweifeln freien Kenntnis der Mudrās, Maṇḍalas und Mantras gelangen.

Lernen und Herzensbildung: Missgunst, Hochmut und Gier sollen allmählich schwächer werden (22.43–44). Zugleich empfiehlt die Quelle bei Wissenslücken die Frage an einen erfahrenen, aufrichtigen Menschen (22.48). Persönliche Übung und zuverlässige Unterweisung unterstützen einander.

22.50 Die Gunst der Mantras des Allwissenden soll man nicht ohne innere Hinwendung suchen; eine besondere Ausnahme bildet hier das Schauen des Maṇḍala. [Der genaue Bezug der Ausnahmeklausel bleibt unsicher.]

22.51 Im Nabelzentrum, im Herzlotus, an der Kanda-Wurzel, in der Kehlhöhle, zwischen den Augenbrauen und im Brahmarandhra, an diesen Orten soll der König der Mantras

22.52 sonnengleich vergegenwärtigt werden: in der Fremde, auf dem Lager und unterwegs. Fleisch von Wildtieren und Schweinen sowie Fisch soll man nicht essen,

22.53 ebenso wenig Fleisch von Gänsen und Schildkröten, Śṛṅgāṭa-Früchte und Lotussamen. Den Wipfel eines Vaṭa-Baums soll man nicht besteigen,

Erinnern unterwegs: Die Vergegenwärtigung des Mantras wird ausdrücklich auch für Reisen und das Ruhen genannt. Für heutige Yoga-Aspiranten kann eine vertraute Mantrawiederholung helfen, im wechselnden Alltag immer wieder zur inneren Sammlung zurückzukehren.

Das Chaturmasya-Gelübde

22.54 beim Fällen nicht zusehen und seine Blätter nicht mit dem Fuß berühren. Man begebe sich an einen heiligen Ort, zu einem großen Tīrtha, in einen hervorragenden Siddha-Āśrama,

22.55 zu einer Vaiṣṇava-Gemeinschaft oder an einen Ort der Offenbarung Acyutas. Dort zeichne man ein Maṇḍala oder ein Rad mit zwölf Speichen

22.56 und halte das Cāturmāsya-Gelübde vorschriftsgemäß ein, du Einsichtiger. Oder man übe es mit Selbstdisziplin im eigenen Haus, nachdem man an der Wand ein Rad

22.57 mit vier Arten farbigen Pulvers gezeichnet hat, oder vor dem Gottesbild. Diese Verpflichtungen, verbunden mit den zuvor genannten,

Verpflichtungen nach dem eigenen Vermögen

22.58 soll der Guru den hingegebenen Menschen vermitteln, die sie erfüllen können. Hat der Lehrer die Fähigkeit eines Verehrers erkannt, so soll er ihm zunächst

22.59 alle Verpflichtungen erläutern und ihn dann zu denjenigen anhalten, die er tatsächlich tragen kann, damit er nicht wieder davon abfällt.

Tragfähige Verpflichtungen: Der Lehrer soll alle Verpflichtungen erklären, den Einzelnen aber zu dem anhalten, was er erfüllen kann. Beständigkeit wächst aus einer realistischen, verantwortlichen Übung.

22.60 Hindernisse und zerstörerische Einflüsse kommen heran, Erfolge wenden sich ab und Schwierigkeiten entstehen. [Der Druck nennt hier wörtlich den „in der Verpflichtung Stehenden“. Dies passt nicht eindeutig zum mahnenden Zusammenhang; das betroffene Wort bleibt zu prüfen.]

Das Wesentliche der Regeln

22.61 Darum soll man diesen Verpflichtungen mit Aufmerksamkeit begegnen. Der Lehrer soll mit Einsicht den Ozean der Regeln gleichsam durchquirlen, dessen Wesentliches entnehmen

22.62 und aus Mitgefühl fünf grundlegende Bindungen vermitteln: Hingabe an das heilige Feuer, an den Guru, an das Mantra, an die Schrift und an den zu ihrer Ausübung Befugten.

22.63 Durch die beständige, angemessene Pflege und Ausübung dieser fünf, nicht durch ein beliebiges Vorgehen nach eigener Willkür,

Ergänzendes Video; kein Bestandteil der Samhita.

Mit klarem und freudigem Geist

22.64 werden die von den Verehrern im Herzen erstrebten Vollendungen wirksam. Wer aber mit einem unlauteren Geist und nur unter Zwang

22.65 die Verpflichtungen einhält, versinkt auf einem dunklen Weg. Werden sie hingegen mit einem klaren, freudigen Geist bewahrt,

22.66 so gewinnt das eigene Innere der Wohlwollenden Klarheit und Frieden. Wer von innerer Trübung frei wird und auf dem guten Weg feststeht,

22.67 empfängt Segen, sei er Samayin, Sādhaka, Ācārya oder Putraka. Damit sind die Regeln erklärt. Was möchtet ihr noch hören?

Spiritueller Ausklang: Ein klarer und freudiger Geist ist mehr als äußerlich korrekte Regelbefolgung. Die Schlussverse ermutigen zu einer Haltung, in der Disziplin, Mitgefühl und Freude zusammenwirken. Eine kleine, beständig und liebevoll geübte Praxis kann das tägliche Leben von innen her verwandeln.

Kolophon: So endet in der Ishvara Samhita des heiligen Pancharatra das zweiundzwanzigste Kapitel, genannt „Die Darlegung der verbindlichen Regeln“.

Texthinweise zu Kapitel 22

Grundlage: 67 Verse. Sanskrit der kritischen Ausgabe, Band IV, Seiten 1390–1402; älterer Devanagari-Druck, Seiten 570–575. Die englische Übersetzung wurde zur Kontrolle herangezogen. Der in der kritischen Sanskritseite fehlende Halbvers 22.66a wurde nach dem älteren Druck, Seite 575, ergänzt. Er nennt die Klarheit des eigenen Inneren der Wohlwollenden und ist für den Schlussgedanken wesentlich.

Übersetzungsentscheidungen: In 22.7 wird das Klären von Zweifeln ohne Anweisung des Gurus verneint; die englische Fassung übergeht diese Verneinung. In 22.12 unterscheidet der Text die Umschreitung aus einiger Entfernung vom nahen Umschreiten des Gottesbildes. 22.25 hat im kritischen Sanskrit nirbandham, die englische Erklärung dagegen nirbādham; die deutsche Fassung folgt dem sichtbaren Sanskrit. In 22.31 bezeichnet Unmattaka im Pflanzenkontext eine ungeeignete Pflanze, nicht einen geisteskranken Überbringer. In 22.43 ist saṅgraha als Annahme und Unterstützung der Schüler verstanden. Der Text verbindet in 22.51–52 die inneren Orte der Mantravergegenwärtigung mit dem Erinnern unterwegs und im Ruhen.

Offene Stellen: 22.32, 22.36–40 und 22.50 enthalten beschädigte oder schwer zuzuordnende Wörter. Sie bleiben örtlich gekennzeichnet. In 22.60 ist der überlieferte Ausdruck für den „in der Verpflichtung Stehenden“ mit der folgenden Unheilsbeschreibung schwer vereinbar. Eine vermeintlich passende Negation wurde nicht ohne Quellenbeleg ergänzt.

Kontext: Niyama und Samaya bezeichnen hier die bindenden Regeln einer eingeweihten Gemeinschaft. Sie sind nicht einfach mit den fünf Niyamas des Yoga-Sutra gleichzusetzen. Die Regeln zu Guru, Tempel, Pflanzen und Speisen gehören zur besonderen Ritualüberlieferung. Der Text setzt dem bloßen äußeren Einhalten ausdrücklich die innere Lauterkeit und die Freude an der Übung zur Seite.



Kapitel 23 – Mantras – göttliche Gegenwart in Klang und Bewusstsein

Wie kann ein Klang zum Ort der Gottesbegegnung werden? Kapitel 23 verbindet die Unterscheidung verlässlicher Schriften mit der überlieferten Bildung von Mantras. Es führt von den Namen Nārāyaṇas, Vāsudevas und Viṣṇus über Buchstabenräder und Keimsilben zu zahlreichen Anrufungen. Durch die Vielfalt hindurch leuchtet eine geistige Einheit: Wie sich eine Sonne in vielen Wassern spiegelt, wird der eine Herr in unterschiedlichen Mantras vergegenwärtigt. Fassung mit dokumentierten Unsicherheiten: Alle 436 nummerierten Verse und der abschließende Halbvers sind erfasst; beschädigte Lesungen bleiben ausdrücklich kenntlich.

Die Weisen fragen:

Die Bitte um Unterweisung

23.1 Ehrwürdiger Nārada, allwissender Weiser und hervorragender Sprecher! Erkläre das Wesen der göttlichen und der übrigen Schriften, die Merkmale der Mantras,

23.2 die Merkmale der Mudrās, die Meditation über die göttlichen Gestalten, die Beschaffenheit der Feuergruben und die Zubereitung der Opfergaben, überhaupt alles, was hier benötigt wird.

23.3 Lehre uns dies alles ausführlich, aus deiner Gnade.
Nārada sprach: Die Schrift wird dreifach unterschieden: als göttlich, von Weisen ausgesprochen und von Menschen verfasst. Ihr jeweiliges Wesen werde ich erklären, ihr Herren der Weisen.

Göttliche, von Weisen und von Menschen überlieferte Schriften

23.4 Göttlich ist eine Schrift, die reich an Sinn, eindeutig, klar, knapp im Ausdruck und beständig ist; die dem Herrn, der stets in seiner vierfachen Wesensgestalt besteht,

23.5 seine natürliche Höchsteigenschaft zuspricht und die Erhabenheit anderer Mantragestalten als durch besondere Bedingungen begrenzt erklärt;

23.6 die die Stufen vom vierten Zustand bis zum Wachen erläutert und die Entfaltung des viergestaltigen Herrn zum Erbarmen mit seinen Verehrern beschreibt;

23.7 die die Erscheinungsweisen des alldurchdringenden Herrn der Śakti offenbart und die Gestalten seiner Glieder, Kennzeichen, Schmuckstücke, Kräfte sowie des Vogelfürsten Garuḍa

23.8 in ihren unterschiedlichen Formen, beginnend mit der Auflösung, darlegt; in der, ihr Guten, die Mantras in vier Arten erscheinen, beginnend mit Bīja, Piṇḍa und Pada,

23.9 und bei der Einsetzung die Anuvedha-Handlung gelehrt wird, das Durchdringen mit göttlicher Gegenwart; in der die tägliche Verehrung

23.10 vornehmlich und vollständig am Hauptbild gelehrt wird, o Zweimalgeborene, während das, was dort nicht vollzogen werden kann, etwa das Baden,

23.11 an einem dafür vorgesehenen weiteren Bild, insbesondere am Handlungsbild, ausgeführt werden soll; wenn dieses fehlt, an einem Spiegel oder Ähnlichem, du Einsichtiger;

23.12 in der, o Zweimalgeborene, durch die fünf Betrachtungen von Erde, Wasser, Feuer, Luft und Raum sowie durch die beiden weiteren Betrachtungen,

23.13 die Verbrennen und Erfüllen heißen, die Reinigung der Elemente gelehrt wird; und die ihre Verwurzelung in Āgama und Śruti darlegt:

23.14 Dies ist das Wort des höchsten Herrn, durch seine Weisung begründet und Befreiung schenkend. Ein Āgama, dessen Inhalt von solcher Art ist, gilt als göttliches Wort, du Einsichtiger.

23.15 Erkenne darin eine umfassende Darlegung der Vorschriften, die den guten Weg zeigt. Was auf der Grundlage ihrer Gültigkeit sinngemäß erschlossen wird,

23.16 was ohne Widerspruch zwischen Früherem und Späterem durchgeführt werden kann, alle erfreut, einen tiefen Sinn besitzt und zu begründeter Gewissheit führt, [Die Übersetzung setzt hier sinngemäß Widerspruchsfreiheit voraus; der Druck hat jedoch „Widerspruch“.]

23.17 und die im Wort des höchsten Herrn dargelegte Fülle der Bedeutungen in ihrer eigenen Gestalt wiedererkennen lässt, heißt sāttvig und von Weisen ausgesprochen.

23.18 Was besondere Kräfte preist und zu ihrer Erlangung anleitet, das Hauptbild dabei zurückstellt und die vollständige Verehrung am Handlungsbild

23.19 als vorrangige tägliche Praxis lehrt; was Maße, Merkmale und Einsetzung der Bilder Brahmās, Rudras und anderer Gottheiten beschreibt,

23.20 und die Verehrung des Herrn der Welten für gewöhnliche, in ihrem Verständnis noch unbewegliche Menschen darlegt;

23.21 wo ferner, o hervorragender Brahmane, mit den fünf Mantras, beginnend mit Parameṣṭhin, welche die Wirklichkeitsprinzipien, Richtungen und die Zeit bezeichnen,

23.22 die fünf Einsetzungsweisen von Sthāpana bis Pratiṣṭhā der Reihe nach dargelegt werden und sieben Opferformen, von Yāga bis Haristoma,

23.23 mit den jeweils sieben zu ihnen Befugten; und wo bei der Einsetzung sechzehn Nyāsas vorgeschrieben sind:

23.24 Erkenne dies alles als rajasig und von Weisen ausgesprochen. Wo dagegen unter Bezug auf Bhagavān, aber ohne die Stellung als ihm zugehöriges Glied,

23.25 für Gottheiten wie Brahmā und Rudra, ebenso für die Mütter und Durgā, selbstständig

23.26 Mantra, Meditation, Maße, Kennzeichen und Einsetzung gelehrt werden, erkenne diese Rede der Weisen als tamasig.

23.27 Was keinen heilsamen Sinn hat, unzusammenhängend, inhaltsarm und wortreich ist und nicht zu einer tragfähigen Durchführung führt, gilt hier als menschlich verfasste Rede. [Ein Wort in der zweiten Hälfte ist beschädigt.]

23.28 Was aufzugeben ist, schädliche Folgen hervorbringt, ins Unheil führt und dem Sinn des Wortes des höchsten Herrn widerspricht, soll nicht angenommen werden, o Zweimalgeborener.

Verlässliche Unterweisung und ihr Zusammenhang

23.29 Aus den sāttvigen und den weiteren Reden der Weisen soll man dagegen mit Sorgfalt aufnehmen, was benötigt wird, o Brahmane, sofern es der Grundlage nicht widerspricht.

23.30 Man soll in der Reihenfolge von Sattva und den weiteren Arten prüfen, du Einsichtiger, den gesicherten Sinn aufnehmen und auch besondere Aussagen berücksichtigen, wenn ihr Sinn zum Zusammenhang passt.

23.31 Auch eine menschlich verfasste Aussage darf dann wie ein Wort der Weisen angenommen werden. Mit Kenntnis dieser Unterschiede der göttlichen und der übrigen Schriften soll man Hari verehren.

23.32 Wer den Dharma der Verehrung ausübt, ohne diese Unterschiede und die Gefahr der Vermischung zu kennen, erzeugt nach der Lehre des Textes immer wieder Vermischung in der ganzen Welt,

23.33 besonders aber in seiner eigenen Überlieferungslinie. Darum soll ein wohlwollender Kenner der Schrift auch in einer Notlage die Ritualordnungen nicht vermischen, o Zweimalgeborene.

23.34 Eine selbstoffenbarte Mantragestalt, eine von Siddhas oder Göttern eingesetzte und eine von hervorragenden Weisen, Gandharvas, Yakṣas oder Vidyādharas,

23.35 von Rākṣasas oder hervorragenden Asuras eingesetzte soll der Schriftkundige nach dem Verfahren der göttlichen Schrift verehren.

23.36 Eine von Menschen eingesetzte Gottheit soll man nach dem von Weisen gelehrten Weg verehren, o Zweimalgeborener. Doch auch dort gilt: Wenn die Einsetzung durch Wissende und Wahrheitsschauende geschah,

23.37 die einzig Vāsudeva zugewandt sind, andere Gottheiten in dieser Verehrung ausschließen, keine vermischte Ritualordnung anwenden und von tiefer Bhakti erfüllt sind,

23.38 durch solche hervorragenden Menschen, die auch die vedische Überlieferung kennen, dann soll man den Herrn der Götter nach dem in der göttlichen Schrift beschriebenen Weg verehren.

Verlässliches Lernen: Die Quelle beurteilt Unterweisung nach ihrem Zusammenhang, ihrer Klarheit und ihrer Fähigkeit, zur Gewissheit zu führen. Für heutige Aspiranten ist dies eine Einladung, spirituelle Erfahrung mit sorgfältigem Lernen zu verbinden.

23.39 Wo die Verehrung nach dem von Weisen gelehrten Weg stattfindet, jemand aber nach dem göttlichen Verfahren verehren möchte,

23.40 darf er den Weg der Weisen verlassen und nach dem göttlichen Verfahren verehren. Die Herrlichkeit der göttlichen Gegenwart soll dort bis zum Ende eines Kalpa bestehen.

23.41 Wo dagegen die Verehrung stets nach dem göttlichen Verfahren geschieht, soll man dieses niemals aufgeben, du Einsichtiger,

23.42 und dort nicht nach dem von Weisen ausgesprochenen Verfahren verehren. Sollte ein Brahmane aus Verblendung, mit verwirrtem Geist, dennoch so handeln,

23.43 dann weichen ihm bald die Hingabe samt ihrem Keim, das Ritualverfahren mit seinen Mantras und die geistigen Erfolge; sie wenden sich von ihm ab.

23.44 Seine Nachkommenschaft geht verloren, und nach dem Tod gelangt er in einen schrecklichen Naraka; auch König und Reich kommen zu Schaden, o hervorragender Brahmane.

23.45 Darum soll man mit aller Sorgfalt den göttlichen Weg bewahren. Wo die Verehrung nach einem tamasigen Verfahren geschieht,

23.46 kann die Verehrung nach einem rajasigen Verfahren Vollendung bringen. Wo die tägliche Verehrung nach einem rajasigen Verfahren geschieht,

23.47 kann die sāttvige Verehrung stets Segen bringen. Wo aber täglich nach einem sāttvigen Verfahren verehrt wird,

23.48 soll man nicht zu einem rajasigen Verfahren übergehen. Wo Verehrung nach einem rajasigen Verfahren ausgeübt wird,

23.49 soll man nicht zu einem tamasigen übergehen. Auch die verschiedenen rajasigen Verfahren sollen nicht untereinander vermischt werden. [Die Verneinung der zweiten Hälfte ist im Druck beschädigt.]

23.50 Aus menschlich verfassten Aussagen darf überall das aufgenommen werden, was der Grundlage nicht widerspricht. Einsetzung und ähnliche Riten soll man jedoch nicht allein nach einem solchen Text durchführen.

Die Bildung der Mantras

23.51 So habe ich das Wesen der göttlichen und der übrigen Schriften beschrieben. Nun wird das Wesen der Mantras erklärt, ihr Trefflichen unter den Weisen.

23.52 Unter allen Viṣṇu-Mantras gelten drei als umfassend: zuerst das acht Silben zählende Nārāyaṇa-Mantra, als zweites das zwölfsilbige

23.53 Mantra Vāsudevas, o Herr der Yogis, und danach das sechssilbige Viṣṇu-Mantra. Diese drei Mantras sind allen göttlichen Gestalten gemeinsam.

23.54 Die anderen Mantras sind jeweils auf eine bestimmte Gestalt bezogen. Mit den drei umfassenden Mantras können dagegen alle Gestalten verehrt werden.

23.55 Mit den übrigen Mantras verehrt man jeweils die ihnen zugehörige Gestalt. Darum gelten die drei umfassenden unter allen Mantras als besonders ausgezeichnet.

23.56 Unter diesen drei umfassenden Mantras wird das Aṣṭākṣara besonders hervorgehoben. Hört nun aufmerksam, wie das acht Silben zählende und die weiteren Mantras gebildet werden.

Die Mantras Narayanas, Vasudevas und Vishnus

23.57 Zuerst nehme man den Praṇava, danach das Wort namaḥ, dann nārāyaṇāya: Dies ist das acht Silben zählende Mantra.

23.58 Nach dem Praṇava setze man namaḥ, dann das Wort bhagavat im Dativ und schließlich das fünfsilbige vāsudevāya.

23.59 Dies ist das zwölfsilbige Mantra des Gottes Vāsudeva. Das Wort viṣṇu im Dativ, verbunden mit Tāra, dem Oṃ-Laut, und namas,

23.60 wobei Oṃ am Anfang und namaḥ am Ende steht, bildet das sechssilbige Mantra. Mit den Lauten, die den Eigenschaften wie Erkenntnis zugeordnet und mit Bindu versehen sind,

Die Namen Narayanas, Vasudevas und Vishnus verbinden die Verehrung mit der Gegenwart des Göttlichen.

23.61 werden die Mantraglieder, beginnend mit dem Herzen, gebildet. Die übrigen Laute verbinde man mit dem Augen-Mantra, o Zweimalgeborene. So ist die Bildung der Glieder beschrieben.

23.62 Nun wird erklärt, wie die Mantras der einzelnen Gottesgestalten gebildet werden. Auf einem geeigneten, abgeschiedenen und geschützten Boden, der mit duftender Paste bestrichen

Das Rad der Buchstaben

23.63 und gut beräuchert ist, zeichne man das Rad der Laute und verehre es mit Arghya, Blumen und weiteren Gaben. In ihm ist das ganze All gegründet, bis hin zur Welt Brahmās.

23.64 Mit seinem Hervortreten entsteht die Welt; wenn es in sich selbst zur Ruhe kommt, erfolgt ihre Auflösung.

23.65 Es setzt Sonne und Mond in Bewegung, innen wie außen. Im Mittelpunkt steht der ewig offenbare Laut, der Īśvara bezeichnet.

23.66 Darin ist Bhagavān als Wesen der Laute an ihren verschiedenen Orten gegenwärtig. Die Lautreihe von a bis zum Visarga bildet die Schar der Sonnen- und Mondkräfte,

23.67 sechzehn Laute, nach kurz und lang unterschieden, in der Nabe. Die Reihe von ka bis bha bildet die Gesamtheit der Naturprinzipien. [Ein Ortswort der zweiten Hälfte ist beschädigt.]

23.68 Sie reichen von der Erde bis zur Prakṛti und sind paarweise angeordnet, o Pflugträger. In der Felge liegt die neungliedrige Zeit, welche die verkörperten Wesen durch ihr Zählen trägt,

23.69 von ma bis ha. Im äußeren Bereich erscheint Kālavaiśvānara selbst, das Feuer der Zeit, mit der Strahlkraft von zehntausend Sonnen.

23.70 Am Ende der Laute steht Bhagavān, reich an zehntausendmal tausend Flammen. Die Lautfolge von der Mitte bis zum äußeren Radbereich soll man aussprechen. [Die genaue Anweisung in der zweiten Hälfte ist sprachlich unsicher.]

23.71 Dann verehre man mit Arghya und weiteren Gaben das königliche Rad als Keim der heiligen Erkenntnis. Daraus bilde man das Mantra, das den höchsten Ātman bezeichnet.

23.72 Es strömt wie Nektar und schenkt bald die Vollendung der Befreiung. Zuerst nehme man den Laut in der Achse, danach den sechsten in der Felge,

23.73 verbunden mit dem zweiten Laut der Nabe: Dies ist die zweite Silbe. Dann nehme man den zweiten aus der Zehnergruppe und darunter den auf den achten folgenden Laut,

23.74 verbunden mit dem dreizehnten der Nabe: Dies ist die dritte Silbe. Danach nehme man den zweiten aus der Neunergruppe, verbunden mit dem vierten der Nabe. [Die Lautzuordnung ist an dieser Stelle unsicher.]

23.75 Den zweiten Laut der Achtergruppe für sich erkenne als die fünfte Silbe. Danach füge das dreisilbige Wort vijñāna, Erkenntnis, hinzu.

23.76 Man nehme den ersten Laut der Elfergruppe, verbinde ihn mit dem nächsten Laut der Nabe und setze ihn über den dritten Laut der Felge.

23.77 Dies ist die neunte Silbe des Mantras. Höre nun die zehnte: Man nehme den vorausgehenden Laut der achten Speiche und verbinde ihn mit dem zweiten der Nabe,

23.78 dann den zweiten der Felge, danach deren achten und den dritten aus der entsprechenden Gruppe, der über dem fünften steht. [Der genaue Bezug einzelner Positionsangaben bleibt offen.]

23.79 Erkenne darin die dreizehnte Silbe. Danach nehme man den auf den neunten folgenden Laut und setze jene Dreierverbindung über den sechsten Laut der Felge,

23.80 verbunden mit dem dritten der Nabe. Nun wird die sechzehnte Silbe genannt: der zweite Laut aus der Zehnergruppe, verbunden mit dem elften der Nabe.

Eigenschaften und Gestalten der göttlichen Gegenwart

23.81 Danach füge man das Wort caitanya, Bewusstsein, mit der Verneigung hinzu. Dieses Mantra umfasst zweiundzwanzig Silben und ist mit sechs Wortgliedern geschmückt.

23.82 Das einsilbige Wortglied bezeichnet Erkenntnis, das viersilbige Stärke, das sechssilbige Herrschaft und das folgende fünfsilbige Wirkkraft.

23.83 Ein viersilbiges Wortglied bezeichnet Lichtkraft; ein zweisilbiges wird hier als still bezeichnet. Lichtkraft, Wirkkraft, Stärke, Śakti, Herrschaft und Erkenntnis [Das gedruckte śāntam, „still“, ist im Zusammenhang mit Śakti auffällig; die Lesung bleibt offen.]

23.84 entsprechen der Reihe nach Auge, Waffe, Schutzpanzer, Scheitel, Haupt und Herz. Im Zusammenhang mit Samādhi und dem Meistern verschiedener geistiger Stufen

23.85 soll das Mantra als gestaltlos und ohne Glieder vergegenwärtigt werden, seinem Wesen nach Brahman. Bei den anfänglichen Mitteln, die dorthin führen, bei Verehrung, Feueropfer und ähnlichen Handlungen,

23.86 soll man es dagegen mit Gestalt, Gliedern und Gefolge betrachten. Durch dieses werden Erkenntnis und die übrigen göttlichen Eigenschaften selbst offenbar.

23.87 Aus Erbarmen unterstützt das Mantra die Handlungen bis zur Vollendung der Verehrung. Auch wenn es ohne Glieder betrachtet wird, schenkt es durch Bhakti und vertrauende Hingabe

23.88 gewiss Frucht denen, die sich beständig darin versenken. Wo Herrschaft und geistige Vollmacht im Vordergrund stehen, kann Befreiung als begleitende Frucht hinzukommen.

Form und Formlosigkeit: Die Verse unterscheiden die formlose Vergegenwärtigung in Samadhi von der Verehrung einer Gestalt. Beides gehört zur hier beschriebenen Praxis; äußere Form kann die Sammlung unterstützen, ohne das Göttliche auf ein Bild zu begrenzen.

23.89 Zur Beruhigung der Hindernisse erkenne die bis zur Waffe reichenden Glieder als Schutz des Mantras. Im umgekehrten Fall reicht die Folge bis zum Auge, du Einsichtiger.

23.90 Welche Hindernisse könnten Menschen mit friedvollem Geist begegnen, deren Weg durch diese Schau geläutert ist? Die eigene innere Lichtkraft wird aus ihrer Freiheit heraus nach außen gebracht.

23.91 Das Mantra, mit dem dies jeweils geschieht, gilt als mit dem Augen-Mantra verbunden. Das unvergleichliche, aus sich selbst leuchtende Licht im Herzen

23.92 wird in seinen hellen und dunklen Erscheinungen herangezogen und mit dem jeweils bezeichnenden Laut verbunden. [Der Satzanschluss ist unsicher.] Nun folgen vier Mantras, welche die sechs göttlichen Eigenschaften in ihrer Unterscheidung bezeichnen.

Mantras aus Wortgliedern und Keimsilben

23.93 Verstehe diese bereits genannten Mantras als stets Befreiung schenkend für die Handelnden. Man nehme das Bīja in der Achse, danach den ersten Laut der Nabe.

23.94 Dann nehme man den ersten Laut aus der Elfergruppe der Speiche und setze darunter den dritten der Felge: Dies ist die dritte Silbe.

23.95 Der zweite Laut der Achtergruppe wird mit dem vierten der Nabe verbunden. Danach erkenne den neunten der Felge, für sich allein, als fünfte Silbe. [Die Vokalangabe ist unsicher.]

23.96 Der zweite Laut der Achtergruppe, verbunden mit dem zweiten Vokal, ist die sechste Silbe. Der zweite aus der Zehnergruppe ist die siebte.

23.97 Man nehme den zweiten Laut der Zehnergruppe und setze ihn über den zweiten der Achtergruppe: Dies ist die achte Silbe des Mantras.

23.98 Dann nehme man den ersten Laut der zweiten Gruppe, darauf den zweiten der Achtergruppe mit dem elften der Nabe und den zweiten aus dem Felgenkreis.

23.99 Es folgen der erste der Elfergruppe allein, ebenso der dritte der Felge und danach deren erster, verbunden mit dem elften der Nabe.

23.100 Man nehme den sechsten der Felge und setze ihn über deren fünften; danach den dritten der Felge, verbunden mit dem zweiten der Nabe.

23.101 Man nehme den zweiten der Felge für sich, du Einsichtiger, und füge anschließend das viersilbige kartre namaḥ hinzu: „Verneigung dem Schöpfer“.

23.102 Dieses Mantra wird mit einundzwanzig Silben angegeben. Hinsichtlich der Wortgliederung bleibt es grundsätzlich gleich, mit einer zusätzlichen Unterscheidung. [Der genaue Bezug dieser Zahlenangabe ist unklar.]

23.103 Das erste Wortglied besteht aus dem vorausgehenden Laut, das zweite aus fünf Silben, das dritte aus sechs und das vierte wird hier entsprechend beschrieben. [Die überlieferten Silbenzahlen stimmen nicht eindeutig mit der Mantraauflösung überein.]

23.104 Das fünfte Wortglied hat zwei Silben, ebenso das sechste, du Einsichtiger. Höre nun ein weiteres, das zweite große Mantra.

23.105 Wer es erkennt und verehrt, wird nicht wiedergeboren. Man nehme den Laut in der Mitte der Achse, danach den ersten der Nabe,

23.106 dann den ersten der Felge, verbunden mit dem dreizehnten der Nabe, und den zweiten Laut der zweiten Gruppe. Man füge sarvaśaktyātmane hinzu: „dem, dessen Wesen alle Kräfte sind“.

23.107 Es folgen der zweite Laut der Zwölfergruppe, der erste der zweiten Gruppe und der fünfte des äußeren Kreises. Diese drei nehme man ohne weitere Verbindung.

23.108 Dann nehme man den zweiten Laut der Achtergruppe, verbunden mit dem elften der Nabe. Mit namo namaḥ, „wiederholte Verneigung“, ist das achtzehnsilbige Mantra gebildet.

23.109 Sein erstes Wortglied hat eine Silbe, das folgende drei, das dritte sechs und das vierte vier Silben.

23.110 Die beiden übrigen Wortglieder werden als jeweils zweisilbig angegeben. Nun erkläre ich das dritte Mantra, du Hervorragender unter den Mantrakundigen.

23.111 Durch seine Erkenntnis erlangt der Geist der Übenden höchste Reinheit. Man nehme das Bīja in der Mitte, danach den ersten Laut der Elfergruppe,

23.112 darunter den dritten der Felge und darüber den zweiten der Nabe. Es folgt der erste Laut der Achtergruppe, verbunden mit dem zweiten Vokal.

23.113 Ebenso nehme man den ersten der Elfergruppe, dann den zweiten der Zehnergruppe und den achten der Felge,

23.114 den ersten Laut der Felge mit dem zweiten der Nabe und den zweiten der Zehnergruppe mit dem dreizehnten der Nabe.

23.115 Es folgen der zweite Laut der Neunergruppe, verbunden mit dem zweiten der Nabe, der entsprechende Laut der Zehnergruppe allein und danach der fünfte des äußeren Kreises.

23.116 Darunter setze man den zweiten der Felge, verbunden mit dem zweiten der Nabe; dann den zweiten der Zehnergruppe und das dreisilbige Wort prāṇāya, „dem Lebenshauch“.

23.117 Danach nehme man den ersten der Elfergruppe allein und den dritten der Felge, verbunden mit dem zweiten der Nabe,

23.118 dann den zweiten des äußeren Kreises mit dem dreizehnten der Nabe. Über den dritten der Felge setze man den zweiten der Neunergruppe.

23.119 Es folgen der erste Laut des Felgenkreises, verbunden mit dem zweiten der Nabe, und der zweite des äußeren Kreises allein, mit namaḥ, der Verneigung.

23.120 Dieses königliche Mantra hat dreiundzwanzig Silben und die zuvor genannte Anzahl von Wortgliedern. Deren unterschiedliche Länge wird nun erläutert.

23.121 Das erste Wortglied hat eine Silbe, das zweite neun, das dritte zwei und das vierte drei.

23.122 Das folgende hat sechs Silben, das anschließende zwei. Vernimm nun das vierte Mantra, während ich es erkläre.

Zur Mantrabildung: Viele Formeln werden durch Buchstabenpositionen beschrieben. Solche Anweisungen setzen das jeweils erklärte Rad, seinen Aufbau und die Einweihung voraus. Eine frei ergänzte Lautfolge wäre keine zuverlässige Wiedergabe des Textes.

Weitere Anrufungen

23.123 Allein durch seine Erkenntnis entsteht höchste Bewusstheit. Zuerst nehme man den Laut in der Achse, danach den ersten der Nabe,

23.124 dann den zweiten Laut der dritten Gruppe, o Pflugträger; darunter den zweiten der Felge und darunter den fünften der Nabe.

23.125 Den zweiten Laut der Achtergruppe und den entsprechenden des Felgenkreises nehme man und verbinde dieses Paar mit dem zweiten der Nabe.

23.126 Dann nehme man den fünften des äußeren Kreises, verbunden mit dem dritten der Nabe; darauf den ersten Laut der ersten Gruppe, verbunden mit dem siebten der Nabe,

23.127 den zweiten Laut der Achtergruppe und den zweiten des Felgenkreises. Mit diesen verbinde man den zweiten Laut der Nabe.

23.128 Danach nehme man den zweiten der Zehnergruppe allein, den zweiten der Achtergruppe und darüber den zweiten der Zehnergruppe.

23.129 Damit verbinde man anschließend den zweiten der Nabe. Dann nehme man den zweiten Laut der Felge allein.

23.130 Es folgen der erste der Nabe und der vorausgehende Laut aus der zehnten Speichengruppe; darunter der zweite des äußeren Kreises und danach der Laut am äußeren Radumfang,

23.131 verbunden mit dem zweiten der Nabe. Anschließend nehme man den zweiten der Felge und füge das Wort der Verneigung hinzu.

23.132 Dieses Mantra hat achtzehn Silben und zwei weitere, also zwanzig. Bei der Gliederung ist das erste Wortglied einsilbig, das zweite viersilbig,

23.133 das dritte fünfsilbig, das vierte viersilbig und ebenso das fünfte. Das letzte wird als zweisilbig bezeichnet.

23.134 Wo bei den Wortgliedern eine zusätzliche Silbe angegeben ist, setze man am Anfang, vor dem ersten Laut der Nabe, das Anfangsglied der Vyāhṛti, den Praṇava.

23.135 Nun erkläre ich das Mantra des erhabenen Gottes mit ungeteilter Gestalt, der Viśākhayūpa heißt. Es schenkt heilige Erkenntnis und Unterscheidungskraft.

23.136 Man nehme den Laut in der Achse, dann den ersten der Elfergruppe, verbunden mit dem zweiten der Nabe, sowie den dritten des Felgenkreises,

23.137 danach den zweiten des äußeren Kreises allein und das Wort tejorūpāya, „dem, dessen Gestalt Lichtkraft ist“. Dann nehme man den ersten der Elfergruppe allein,

23.138 den dritten des äußeren Kreises, verbunden mit dem zweiten der Nabe, den zweiten der Zehnergruppe und darauf den ersten der Elfergruppe,

23.139 verbunden mit dem elften Vokal. Danach folgt der Laut des äußeren Radumfangs, verbunden mit dem zweiten der Nabe,

23.140 dann der zweite des äußeren Kreises allein, der erste der Elfergruppe und danach der dritte der Felge, verbunden mit dem zweiten Vokal.

23.141 Es folgen der zweite der Zehnergruppe allein und der erste der Elfergruppe mit dem elften der Nabe. Am Schluss, du mit dem klaren Blick,

23.142 nehme man den Laut des äußeren Radumfangs mit dem dritten der Nabe, danach den zweiten Laut der Achtergruppe mit dem zweiten der Nabe,

23.143 anschließend den zweiten der Felge, verbunden mit der Verneigung. Dieses große Mantra umfasst vierundzwanzig Silben.

23.144 Sein erstes Wortglied ist der einsilbige Praṇava, das zweite hat drei Silben und das folgende fünf.

23.145 Das vierte hat sechs Silben, das fünfte sieben und das sechste zwei, du Einsichtiger.

Der eine Herr in vielen Mantras

23.146 Als Wesen der verschiedenen Mantras ist der ursprüngliche Gott, der höchste Herr, stets am Anfang, in der Mitte und am Ende von allem gegenwärtig.

23.147 In seiner vierfachen Vyūha-Entfaltung, deren Kennzeichen von der Stille an deutlich unterschieden sind, ist er insbesondere als Grundlage der drei weiteren göttlichen Gestalten gegenwärtig.

23.148 Wie die Sonne am Himmel eine einzige ist und sich doch in den Gewässern als viele zeigt, du Einsichtiger,

23.149 so erscheint auch Bhagavān, obwohl er einer ist, vielfältig in den unterschiedlichen Mantras und in den Stufen, beginnend mit dem vierten Bewusstseinszustand,

Eine Sonne, viele Spiegelungen: Die Vielfalt der Mantras wird aus der Einheit des Herrn verstanden. Für die eigene Mantrapraxis kann dies Beständigkeit fördern: Sich einem vertrauten Mantra zuzuwenden, eröffnet einen Zugang zum Unbegrenzten.

Die Mantras für die Traumvision

23.150 um seinen Verehrern entsprechend ihren verschiedenen Formen des Vertrauens Gnade zu erweisen. Höre nun die vier Mantras, wie ich sie darlege.

23.151 Sie bezeichnen der Reihe nach die Gestalten mit weißer und den weiteren Farben. Man nehme den Laut der Achse, den ersten der Nabe und den zweiten der Zehnergruppe,

23.152 dann den ersten der Felge mit dem dreizehnten der Nabe, den zweiten Laut der Zwölfergruppe und den folgenden aus der zweiten Gruppe,

23.153 sowie den fünften des äußeren Kreises. Diese drei stehen jeweils für sich. Es folgt der zweite der Achtergruppe, verbunden mit dem elften der Nabe,

23.154 und danach das fünfsilbige vāsudevāya. Dieses erste Mantra wird als dreizehnsilbig bezeichnet.

23.155 Ich erkläre der Reihe nach die Bildung der weiteren Mantras. Man nehme den Laut der Achse, danach den zweiten der Nabe,

23.156 und füge entsprechend dem vorherigen Mantra drei Wortglieder hinzu. Dann nehme man den fünfzehnten Laut der Nabe, mit Oṃ davor,

23.157 verbunden mit denselben drei Wortgliedern: So erkenne das schützende Mantra. Danach nehme man den sechzehnten Laut der Nabe, mit dem Praṇava davor,

23.158 und setze ihn an den Anfang der beschriebenen Wortfolge. Von diesen drei Mantras haben zwei dieselbe Silbenzahl wie das erste,

23.159 eines hat eine Silbe weniger. Höre nun die Wortgliederung: Die ersten beiden Wortglieder aller dieser Mantras gelten jeweils als einsilbig,

23.160 das dritte als zweisilbig, das vierte als viersilbig. Bei dreien wird das fünfte Wortglied als fünfsilbig angegeben;

23.161 nur bei dem Pradyumna genannten ist es viersilbig, o Pflugträger. Damit ist die Mantraform des Traumzustands kurz beschrieben.

23.162 Nun erläutere ich der Reihe nach die Mantras der vier Gestalten des Wachzustands. Höre: Man nehme den Laut in der Achse, danach den ersten der Nabe,

23.163 verbunden mit dem zweiten der Nabe, anschließend den ersten der Felge und den ersten der Zehnergruppe mit dem fünften der Nabe,

23.164 dann den dritten und den zweiten der Felge, verbunden mit dem Bīja des zweiten Nabenlauts. Es folgt der zweite der Neunergruppe.

Ergänzendes Video zur Mantrapraxis; kein Bestandteil des Quellentextes.

Weitere göttliche Gestalten und Namen

23.165 Darunter setze man den zweiten Laut der Zwölfergruppe und verbinde ihn danach mit dem fünften der Nabe.

23.166 Es folgen der zweite der Achtergruppe allein, ebenso der erste der Felge, dann der zweite der Nabe in Verbindung mit dem zweiten des Felgenkreises.

23.167 Diesen füge man nochmals allein hinzu und danach yogeśvarāya, „dem Herrn des Yoga“. Anschließend folgen cakriṇe, „dem Träger des Diskus“, und der achte Laut der Felge,

23.168 verbunden mit dem fünften der Nabe. Dann nehme man den ersten der Elfergruppe allein und danach den ersten der Achtergruppe,

23.169 verbunden mit dem dritten der Felge, und füge dhvajāya, „dem mit dem Banner“, hinzu. Es folgt der erste der Elfergruppe mit dem vierten der Nabe,

23.170 dann der zweite der Achtergruppe allein, der fünfte des Felgenkreises mit dem zweiten Vokal und das zweisilbige Wortglied sase.

23.171 Danach steht vāsudevāya mit der Verneigung. Das Mantra hat sechsunddreißig Silben; seine Wortgliederung wird nun erläutert.

23.172 Das erste Wortglied wird als elfsilbig angegeben, das zweite als fünfsilbig und das dritte als dreisilbig.

23.173 Das vierte hat sechs, das fünfte fünf und das sechste sieben Silben, du Hervorragender unter den Wortkundigen.

23.174 Nach dem Praṇava nehme man den zweiten Laut des Nabenkreises und danach den achten der Felge, verbunden mit dem vierzehnten der Nabe.

23.175 Dann nehme man den zweiten der Zehnergruppe allein und setze darunter den letzten der Neunergruppe mit dem vierten der Nabe.

23.176 Es folgt der zweite der Zehnergruppe mit dem elften Vokal, danach der achte des äußeren Kreises mit dem fünfzehnten der Nabe,

23.177 dann der fünfte der Felge allein und der zweite der Achtergruppe, verbunden mit dem dritten der Felge.

23.178 Man nehme den ersten der ersten Speiche mit dem dritten der Nabe und den zweiten der Zehnergruppe mit dem elften der Nabe.

23.179 Danach füge man das fünfsilbige tālaketave, „dem mit dem Palmenbanner“, hinzu und anschließend das fünfsilbige nīlavāsase, „dem in blauen Gewändern“.

23.180 Es folgen der erste Laut der ersten Gruppe mit dem zweiten Vokal, der erste der Felge allein und danach der erste der Elfergruppe,

23.181 dann der vierte des äußeren Kreises; mit den beiden verbinde man den zweiten der Nabe. Man nehme den zweiten des äußeren Kreises allein und füge saṅkarṣaṇāya hinzu.

23.182 Man nehme den dritten und den ersten der Felge, mit ā verbunden, dann den zweiten des äußeren Kreises allein und danach namaḥ.

23.183 Dieses Mantra umfasst sechsunddreißig Silben, du Einsichtiger. Sein erstes Wortglied hat sechs Silben, das folgende fünf,

23.184 das dritte zehn; danach folgen drei fünfsilbige. Für das nächste Mantra nehme man das Bīja in der Achse und danach den fünfzehnten Laut der Nabe.

23.185 Dann füge man das viersilbige śārṅgadhṛte, „dem Träger des Śārṅga-Bogens“, hinzu. Es folgen der erste der Felge und der erste der ersten Speiche,

23.186 dann der dritte des äußeren Kreises und das dreisilbige dhvajāya. Danach nehme man den dritten des äußeren Kreises und den ersten der ersten Gruppe;

23.187 darunter setze man den zweiten Laut der Achtergruppe, verbunden mit dem zweiten Vokal, und danach den fünften des äußeren Kreises.

23.188 Es folgen der achte desselben Bereichs allein und nochmals dieser Laut mit dem elften der Nabe. Danach füge man das sechssilbige

23.189 sanatkumārāya hinzu, anschließend das fünfsilbige jagatpriyāya, „dem von der Welt Geliebten“, und dann pradyumnāya namaḥ.

23.190 Dieses Mantra hat vierunddreißig Silben. Höre auch seine Wortgliederung: Das erste Wortglied umfasst sechs Silben, das zweite ebenso,

23.191 das dritte fünf, das vierte sechs, das fünfte fünf und das sechste sechs.

23.192 Für das nächste Mantra nehme man den Laut der Achse, den sechzehnten der Nabe und den zweiten der Zehnergruppe allein; danach den zweiten der Neunergruppe, verbunden mit diesem.

23.193 Dann folgt an seinem Ende der erste Laut der ersten Gruppe, verbunden mit dem zweiten der Nabe, du Einsichtiger. [Der Beginn dieser Vershälfte ist beschädigt.]

23.194 Die beiden Laute am Anfang des Wortglieds stehen nochmals an dessen Ende. Dann nehme man den zweiten der Neunergruppe und den ersten der ersten Gruppe,

23.195 danach den dritten der Felge mit dem zweiten Vokal, den zweiten des äußeren Kreises allein und den siebten des Nabenkreises.

23.196 Den zweiten verbinde man mit dem sechsten der Felge. Danach folgt der der Zehnergruppe vorausgehende Laut über dem fünften der Felge. [Ein Verb und die Konstruktion sind im Druck unsicher.]

23.197 Es folgen der zweite Laut der vierten Gruppe und der zweite des Felgenkreises. Mit beiden verbinde man danach den zweiten der Nabe.

23.198 Dann nehme man den zweiten Laut der Zehnergruppe mit dem dritten Vokal und den dritten der Felge mit dem fünften der Nabe,

23.199 danach den zweiten der neunten Speiche mit dem zweiten Vokal; darunter setze man den ersten der Zehnergruppe.

23.200 Dann nehme man den zweiten der Felge allein und füge asitavāsase, „dem in dunklen Gewändern“, sowie viṣvaksenāya mit der Verneigung hinzu.

23.201 Dieses Mantra hat zweiunddreißig Silben. Seine Wortgliederung weist eine zusätzliche Unterscheidung auf; höre nun die einzelnen Wortglieder. [Der genaue Bezug von „eine zusätzliche“ ist nicht eindeutig.]

23.202 Das erste Wortglied hat zwei Silben, das zweite acht, die nächsten drei jeweils fünf und das sechste sieben.

23.203 Wenn die Zeit der Rücknahme gekommen ist, vernimm für das Gedenken und die Verehrung des Herrn noch eine weitere Gruppe von vier Mantras in kurzer Form.

23.204 Man nehme den ersten Laut der Elfergruppe, verbunden mit dem fünften Vokal, danach den dritten des Felgenkreises mit demselben Vokal,

23.205 dann den siebten des äußeren Kreises mit dem zweiten Vokal und den zweiten der Felge allein. Am Anfang steht der Praṇava, am Ende namaḥ.

23.206 Dann nehme man den achten des äußeren Kreises allein und den zweiten der Achtergruppe, verbunden mit dem zweiten der Felge und dem zweiten der Nabe,

23.207 danach den zweiten des äußeren Kreises allein und die Verneigung. Für das folgende Mantra nehme man den Laut der Achse, den ersten der Nabe und den zweiten der dritten Speiche,

23.208 darunter den zweiten des äußeren Kreises mit dem fünften der Nabe, dann den zweiten der Achtergruppe mit dem zweiten der Nabe,

23.209 danach den zweiten des äußeren Kreises allein und die Verneigung. Es folgen das Bīja in der Achse und der zweite Laut der zwölften Speiche,

23.210 dann der erste der zweiten Gruppe und der fünfte des Felgenkreises; diese drei stehen für sich. Dazu kommt der zweite der Achtergruppe,

23.211 verbunden mit dem elften Vokal, und vāsudevāya namaḥ. Das erste Mantra hat sieben Silben, das zweite sechs,

23.212 das dritte so viele wie das erste und das vierte zwölf. Diese Vierergruppe der Mantras soll nicht aus ihrer Wortgliederung gelöst werden.

Die Keimsilben der vier Vyuhas

23.213 Wer das Verfahren kennt und Vollendung erstrebt, soll sie sorgfältig bewahren. Der auf sa folgende Laut, verbunden mit dem sechsten Vokal und dem Anusvāra,

23.214 wird als Bīja des ersten Herrn, Vāsudeva, bezeichnet. Derselbe Laut, mit dem Jīva-Bīja verbunden und ohne den sechsten Vokal,

23.215 aber mit dem zweiten Vokal, ist das königliche Bīja Saṅkarṣaṇas. Zwischen die beiden Bestandteile des ersten Bījas setze man r;

23.216 dies ist das dritte Bīja, das des Herrn Pradyumna, das alle Wünsche erfüllt. Man setze ha, mit dem Jīva-Laut verbunden, über den auf la folgenden Laut;

23.217 mit Visarga versehen bezeichnet dieses Bīja Aniruddha. Für die sechs Mantraglieder ordne man ha mit sa an und schreibe die Verbindung sechsmal,

23.218 verbunden der Reihe nach mit dem zweiten, vierten, sechsten, achten, zwölften und zehnten Vokal. Erkenne darin die Glieder vom Herzen bis zum Auge.

23.219 Sie dienen stets der Ausübung der Mantras der vier Wesensgestalten. Hört nun aufmerksam die Mantras Keśavas und der weiteren Gestalten.

23.220 Zuerst schreibe man ha dreimal, ebenso das Jīva-Bīja, dann ka und kṣa, jeweils dreimal.

23.221 Nachdem so zwölf Bījas der Reihe nach angeordnet sind, nehme man die drei Laute, die Wind, Erde und Wasser heißen,

23.222 und setze sie wiederholt unter die jeweiligen Grundlaute. Alle werden mit dem sechsten Vokal und dem Anusvāra verbunden.

23.223 Erkenne darin jeweils die Bījas Keśavas und der weiteren Gestalten. Sie werden mit Praṇava am Anfang, namaḥ am Ende und dem jeweiligen Namen im Dativ verbunden.

23.224 Zuerst wird Keśava genannt, dann Nārāyaṇa, Mādhava, Govinda, Viṣṇu und Madhusūdana,

23.225 dann Trivikrama, Vāmana, der lotusäugige Śrīdhara, Hṛṣīkeśa, Padmanābha und Dāmodara.

Keshava und die göttlichen Kräfte

23.226 Mit den Bījas, die lange Vokale tragen, bilde man die Glieder wie zuvor. Hört nun die Mantras der Göttinnen, die Keśava und den weiteren Gestalten zugehören, o Zweimalgeborene.

23.227 Die drei Laute kṣa, sa und ha schreibe man der Reihe nach jeweils viermal. So ergeben sich zwölf Grundlaute. Unter sie setze man

23.228 der Reihe nach den zweiten und den vierten Laut, vom siebten an gezählt; danach den dritten, vierten, zweiten und dritten,

23.229 den zweiten, vierten und nochmals vierten; dann den dritten vom achten an und wiederum den dritten vom siebten an.

23.230 Beim neunten und zwölften ist folgende Besonderheit zu beachten: r wird darunter gesetzt; bei den betreffenden drei Verbindungen dagegen oben. [„Zwölften“ folgt dem erkennbar gemeinten dvādaśa des beschädigten Druckworts. Die genaue Abgrenzung dieser Dreiergruppe ist nicht eindeutig.]

23.231 Beim sechsten, siebten und achten wird entsprechend verfahren. Über alle setze man ī mit Anusvāra. So wird für die Schar der Göttinnen

23.232 die Zwölfergruppe der Bījas in ihrer Reihenfolge gelehrt. Zusammen mit Tāra, dem jeweiligen Bīja, namaḥ und ihrem eigenen Namen sollen sie ausgesprochen werden.

Klang und göttliche Kraft: Bījas sind hier Keimsilben einer bestimmten Überlieferung. Ihre Bedeutung lässt sich nicht durch eine erfundene wörtliche Übersetzung ersetzen. Die textlich belegten Zuordnungen und die Lautgestalt werden deshalb getrennt erklärt.

23.233 Ihre Namen sind Śrī, Vāgīśvarī, Kānti, Kriyā, Śānti, Vibhūti, Icchā, Prīti, Rati, Māyā, Dhī und Mati. [Der Wortausgang des letzten Namens ist im Druck unregelmäßig.]

23.234 Die Bījas mit den entsprechenden Vokalen, Schlussformeln und weiteren Bestandteilen bilden die Glieder vom Herzen an. Damit sind die Mantras der Göttinnen Keśavas und der weiteren Gestalten erklärt.

Lotus, Muschelhorn, Keule und Diskus

23.235 Nun erkläre ich die Mantras ihrer Waffen und Kennzeichen, ihr Herren der Weisen. Für den Lotus lautet das Mantra, mit dem Praṇava beginnend: samudramūrtaye svāhā, „der Gestalt des Ozeans, svāhā“.

23.236 Für das Muschelhorn setze man sarvāntaścāriṇe, „dem in allem Wirkenden“, und danach gaganamūrtaye, „dem, dessen Gestalt der Raum ist“. Das Mantra beginnt mit dem Praṇava und endet mit svāhā.

23.237 Oṃ, dann vedamātre, „der Mutter des Veda“, vidye, „o heilige Erkenntnis“, und svāhā: So wird das Mantra der Keule gelehrt. Nun folgt das des Diskus.

23.238 Nach Oṃ setze man das fünfsilbige prabhaviṣṇave, „dem machtvoll Wirkenden“, danach kāla, mūrtaye, huṃ und phaṭ.

23.239 Dies sind die vier Mantras der vier Kennzeichen, beginnend mit dem Lotus. Nun erkläre ich die Mantras der Vibhava-Gestalten, o Zweimalgeborene.

Vier Arten von Mantras

23.240 Der Lautausdruck zur Verehrung wird vierfach bestimmt: als Bezeichnungs- oder Namensform, als Wortform, als Piṇḍa und als Bīja.

23.241 Mit einer dieser Formen rufe man die bezeichnete Gottheit hingebungsvoll an. Wird ein Mantra als einheitliche Piṇḍa-Form, als Wortfolge oder als Verbindung beider gebraucht,

23.242 soll man nach diesem Verfahren die entsprechende Bildung vornehmen. Die bezeichnete Wirklichkeit bleibt ihrem Wesen nach ungeteilt; derselbe Eine wird durch die jeweilige Form angesprochen.

23.243 Man setze ein Bīja oder eine Piṇḍa-Lautverbindung an den Anfang des Namensmantras und bewirke dadurch die Zuwendung der Gottheit; es kann auch am Anfang und am Ende stehen.

23.244 Das Wortmantra bilde man dann nach diesem Verfahren: auf dem Sitz des Praṇava und mit der Verneigung als Banner.

23.245 Da beide in ihrem Wesen zur Ruhe führen, besteht zwischen ihnen Einheit. Erkenne so die festgelegten Merkmale des Bezeichnungs- und des Wortmantras.

23.246 Ein Bīja gilt als einsilbig, ob es aus einem Vokal oder einem Konsonanten hervorgeht. Das königliche Piṇḍa-Mantra besteht dagegen aus mehreren Lauten, die Vokale und Konsonanten verbinden.

23.247 Die beiden ersten und die beiden letzten der Vokalreihe besitzen bereits durch ihre eigene Gestalt Mantracharakter, du Einsichtiger; die übrigen zusammen mit Bindu.

23.248 Auch ein Konsonant wird zum Bīja, wenn er mit einem Vokal oder einer Vokalverbindung und mit Anusvāra verbunden ist, o Pflugträger.

23.249 Die strahlende Entfaltung des Oṃ genannten Klangs ist durch reines Sein gekennzeichnet und selbst gestaltlos. Erkenne ihre lautliche Bezeichnung in drei Weisen:

23.250 als Piṇḍa, als Bīja und als unangeschlagenen Klang. Die deutlich hervortretende Entfaltung dieses aufsteigenden Klangs,

23.251 mit vielen Lauten und Worten, als Lobpreis und Anrufung, ist der unvergängliche Oṃ-Laut, der Bījas und den weiteren Mantraformen große Wirksamkeit schenkt.

Entfaltung und Rückkehr zum Ursprung

23.252 Zuerst bereite man mit dem Praṇava und dem als Satya bezeichneten Laut einen erhabenen Sitz. Darauf setze man das davon unterschiedene Bīja. [Die genaue Unterscheidung von Satya, Sitz und Bīja bleibt sprachlich unsicher.]

23.253 Durch die eigene Entfaltung des Bījas stelle man sich das Hervortreten der göttlichen Gestalt vor. Wenn die Verehrung beendet ist,

23.254 vergegenwärtige man sich ihre Auflösung wie Wasser auf einem erhitzten Stein. Dies gleicht dem Ausstrahlen und Zurücknehmen des Sonnenlichts, du Einsichtiger.

23.255 Die Unterscheidung wird hier durch den jeweiligen Vorgang sichtbar. Wo kein eigenes Bīja und kein Piṇḍa angegeben ist, nehme man nach dem Praṇava

23.256 den ersten Laut des Wortmantras als Bezeichnung seines Lichts. Aus ihm lasse man mit den übrigen Lauten die Gestalt hervorgehen, wie einen Baum aus seinem Keim.

23.257 Wo nur ein Bīja oder Piṇḍa ohne Wortmantra vorhanden ist, wird der Laut a als Kṣetrajña bestimmt, als der das Feld Erkennende.

23.258 Die übrigen Laute der Piṇḍa-Form bilden das Feld. Beim für sich stehenden Bīja ist seine eigene Gegenwart die Lautgestalt des Brahman.

23.259 Das Bīja tritt aus seiner eigenen ursprünglichen Ruhe hervor; sein Aussprechen ist seine Erscheinung. Ebenso soll man das Hervortreten der Piṇḍa-Mantras wie das eines Keims verstehen.

23.260 Das Mantra in Bīja-Gestalt ist die große Wirkkraft Viṣṇus, unermesslich für die zahllosen, in verschiedenen Formen bezeichneten Gestalten.

23.261 Durch seine rechte Erkenntnis, durch Japa, Meditation, Verehrung, Feueropfer und das völlige Erfülltsein davon erreicht man den keimlosen Zustand.

Die Sammlung führt von der Vielfalt der Laute zurück zu ihrem stillen Ursprung.

23.262 Dabei erlangen die Übenden zugleich die erstrebte Vollendung. Entsprechendes gilt auch für die göttlichen Mantragestalten des Piṇḍa und der weiteren Formen.

Göttliche Gegenwart und befreiende Erkenntnis

23.263 Aus dem Verstehen des Piṇḍa erwächst besondere Festigkeit; aus dem Namensmantra die Vielfalt der Erscheinungen in den verschiedenen Welten.

23.264 Aus dem Erkennen des Wortmantras ergibt sich das Erreichen aller Stufen. Die beiden übrigen Mantraformen, ob mit einem Bīja oder einem Piṇḍa verbunden,

23.265 bringen ihre jeweilige Frucht hervor. Doch man soll das erste Wortglied als das im Mantra erkennende Selbst betrachten; denn Acyuta, der Herr von allem,

23.266 ist aus dem Wunsch, Gnade zu erweisen, zugleich als das Durchdrungene und als das Durchdringende gegenwärtig. In den durchdrungenen Gestalten schenkt er von den Freuden der Erdenwelt an

23.267 bis zur Herrlichkeit der sechs göttlichen Eigenschaften die höchste Frucht. Dem Übenden, der einen göttlichen Leib besitzt und des bloßen Genießens müde ist, schenkt er seinen eigenen Zustand.

23.268 Als erkennendes Selbst, als Bīja und Piṇḍa, seinem Wesen nach unverhüllt, schenkt er jene reine, fleckenlose Erkenntnis, die zum Gewinnen des Selbst führt.

Der innere Horizont: Hinter der ausführlichen Lautlehre steht die Sehnsucht nach Freiheit. Die Verse sprechen von der Rückkehr zum Ursprung und vom Zustand reiner Erkenntnis. Diese Aussagen eröffnen den spirituellen Zusammenhang der rituellen Einzelheiten.

23.269 Im Wachzustand offenbart die Wortform des Mantras ihre Kraft. Entsprechend besteht die Einheit der Bezeichnungsform mit dem Traumzustand,

23.270 des Piṇḍa-Mantras mit dem Tiefschlaf, du Einsichtiger, und der Bīja-Form mit dem vierten Zustand; jeweils wird ihre Kraft offenbar.

23.271 Obwohl diese Zuordnungen der göttlichen Mantragestalten als bestimmt gelten und die Frucht der Erkenntnis ihrer Entfaltung tragen, so gilt doch für den höchsten Ātman:

23.272 Das vierfache Mantra des ursprünglichen viergestaltigen oder des für sich bestehenden Herrn schenkt Befreiung und geistige Fülle.

23.273 Bei dem, was darüber hinaus als unvermischte oder vermischte Form gelehrt wird, entspricht die Frucht der inneren Ausrichtung. Verstehe es so und nicht anders.

Ein weiteres Buchstabenrad

23.274 Hört nun mit aufmerksamen Geist die Bījas. Auf einem reinen, erfreulichen, sorgfältig bestrichenen und mit Blumen geschmückten Boden,

23.275 mit Sandelpulver versehen und von gutem Räucherduft erfüllt, zeichne man das Mātṛkā-Rad erneut, diesmal in folgender Anordnung.

23.276 Schon sein Anblick soll die Unreinheit in hundert Teile zerfallen lassen. Man schreibe die Endlaute der fünf Lautgruppen in der Mitte, beginnend im Osten und mit dem letzten im Zentrum.

23.277 Die neun Laute, beginnend mit ya, stehen in der Nabe, die sechzehn Vokale in den Speichen und die Reihe von ka an in der Felge. Was im vorigen Rad in der Achse stand,

23.278 liegt in diesem am äußeren Umfang. Danach verehre man das Rad, dessen Wesen Klangbrahman ist, vorschriftsgemäß mit Arghya, Blumen und weiteren Gaben.

23.279 Zuerst nehme man aus seiner Mitte das, was Ursache aller ist: den nördlich von der Achse stehenden Laut, versehen mit dem Abschluss der Speichenreihe.

23.280 Erkenne dies als Bīja des Herrn von allem, als Ursache des keimlosen Zustands. Dasselbe mit Visarga gilt als Bīja Abjanābhas, des Lotusnabeligen.

23.281 Dann folgen der zweite Laut der Felgenreihe, der sechste der Speiche, der achte der Nabe und der entsprechende des Felgenkreises,

23.282 dann der erste der Felge, der siebte der Nabe, der fünfte und vierzehnte der Speiche sowie der westlich von der Achse stehende Laut,

23.283 danach der elfte, sechzehnte und dreizehnte der Felge, der fünfte der Nabe und der neunzehnte der Felge.

23.284 Es folgen deren letzter, siebter und neunter, du Einsichtiger, danach der dritte der Nabe und derselbe der Felge,

23.285 der zwölfte des äußeren Kreises, der zehnte und der auf den sechzehnten folgende; danach der erste der Nabe und der fünfzehnte der Felge,

23.286 das vierte Bīja aus der Speiche, der vierte der Nabe, der sechste und vierte der Felge sowie der Laut in der Achsenmitte,

23.287 der dort im Osten stehende Laut, danach der fünfte des äußeren Kreises, der südlich von der Achse stehende und der achtzehnte der Felge,

23.288 dann der zweite der Nabe, der siebte der Speiche, der vierzehnte der Felge und der sechste der Nabe.

23.289 Alle werden oben mit dem Zeichen wie beim ursächlichen Bīja versehen, mit dem Praṇava am Anfang und namaḥ am Ende. Sie sind von großer Lichtkraft erfüllt.

23.290 Sie bezeichnen der Reihe nach die Gottheiten, beginnend mit Padmanābha: Padmanābha, Dhruva, Ananta, Śaktyātman und Madhusūdana,

23.291 Vidyādhideva, Kapila, Viśvarūpa, Vihaṅgama, Kroḍātman, Baḍabāvaktra, Dharma und Vāgīśvara,

23.292 den Gott Ekārṇavaśaya, Kūrma als Träger der Unterwelt, Varāha, Nārasiṃha und Amṛtāharaṇa,

23.293 Śrīpati, Divyadeha, Kāntātman, Amṛtadhāraka, Rāhujit, Kālanemighna und den großen Pārijātahara.

23.294 Es folgen Lokanātha, Śāntātman, der große Herr Dattātreya, Nyagrodhaśāyin und Bhagavān mit der einhörnigen Gestalt,

23.295 der Gott mit dem Leib Vāmanas, der alldurchdringende Trivikrama, Nara, Nārāyaṇa, Hari und Kṛṣṇa,

23.296 Rāma mit der flammenden Axt, der andere Rāma mit dem Bogen, Vedavid, Bhagavān Kalkin und der Herr Pātālaśayana.

Die Bildung zusammengesetzter Mantras

23.297 Damit sind dir die wichtigsten göttlichen Erscheinungsformen kurz genannt. Vernimm nun für diese Gottheiten in der angegebenen Reihenfolge

23.298 die Gruppe der Piṇḍa-Mantras von mir, mit aufmerksamem Geist. Das achte Bīja der Nabe setze man über deren siebtes,

23.299 darunter den nördlich von der Achse liegenden Laut und versehe die Verbindung mit dem letzten der Speiche. Danach nehme man nochmals den nördlichen Achsenlaut und setze darunter

23.300 das zweite Bīja der Felge, mit dem Laut der Achsenmitte als Sitz. Anschließend verbinde man den siebten der Nabe mit dem sechsten der Speiche,

23.301 und setze den achten darüber: Erkenne darin das dritte Piṇḍa. Dann nehme man den achten der Nabe, auf dem sechsten der Speiche ruhend,

23.302 und ordne danach den zweiten der Nabe darunter an. Es folgen aus demselben Bereich der dritte, siebte und vierte.

23.303 Man nehme den ersten der Felge, setze darunter den fünften der Nabe und darunter den dritten desselben Bereichs.

23.304 Dann nehme man den neunten der Nabe und ordne den dortigen zweiten darüber und darunter an. Erkenne dies als das siebte Piṇḍa.

23.305 Über den sechsten der Speiche setze man den ersten der Nabe, darüber der Reihe nach den siebten und achten.

23.306 Dann setze man den achten der Nabe über deren siebten und darunter den Laut der Achsenmitte. Dies wird als neuntes Piṇḍa bezeichnet.

23.307 Wiederum setze man über den fünften der Speiche den dritten der Nabe und darüber den dritten des äußeren Kreises. Dieses Piṇḍa gilt als das zehnte.

23.308 Man nehme den zweiten der Nabe und setze ihren dritten darüber; darüber den ersten und letzten der Felge. Dies wird als elftes Piṇḍa bezeichnet.

23.309 Mit dem vierten der Nabe verbinde man deren siebten und setze darunter den ersten der Felge. Dies gilt als zwölftes Piṇḍa.

23.310 Man nehme den dreizehnten der Felge und setze darunter der Reihe nach den siebten, vierten und ersten der Nabe, du Einsichtiger;

23.311 alle ruhen auf dem sechsten der Speiche. Dies ist das dreizehnte Piṇḍa. Danach nehme man den vierten der Nabe und setze ihren siebten darüber,

23.312 darüber wiederum den neunten: Dies ist das vierzehnte. Über und unter dem vierten der Felge ordne man

23.313 den zweiten Laut der Nabe an: Dies gilt als fünfzehntes Piṇḍa. Dann nehme man den zwanzigsten des äußeren Kreises und aus dem Speichenkreis

23.314 den letzten sowie den sechsten und verbinde sie damit. Anschließend setze man über und unter den siebten Laut der Felge

23.315 den zweiten der Nabe: Dies ist das siebzehnte Piṇḍa. Den neunten der Nabe setze man über deren siebten,

23.316 dann den achten über den siebten und darunter den zweiten desselben Nabenkreises.

23.317 Darüber kommt der dreizehnte der Speiche: Dies ist das neunzehnte Piṇḍa. Man nehme den vierten der Nabe und setze deren dritten darüber.

23.318 Mit dem siebten desselben Bereichs ergibt sich das zwanzigste. Dann verbinde man den achten und den zweiten der Nabe in der beschriebenen oberen Anordnung. [Der genaue Satzbau der zweiten Hälfte ist unsicher.]

23.319 Darunter setze man den sechsten der Speiche, o Pflugträger. Danach ordne man den neunten der Nabe über deren drittem an

23.320 und den zweiten darunter. Höre nun das dreiundzwanzigste: den achten, siebten, zweiten und ersten der Nabe

23.321 verbinde man der Reihe nach über dem sechsten der Speiche. Dann nehme man den siebten der Felge und setze darunter den siebten der Nabe,

23.322 darunter wiederum deren dritten. Dies gilt als vierundzwanzigstes Piṇḍa. Man nehme den dritten der Nabe, setze ihren zweiten darüber

23.323 und darüber den ersten der Felge. Nun wird das sechsundzwanzigste genannt: Man lasse den dritten Laut der Nabe auf dem sechsten der Speiche ruhen,

23.324 mit dem siebten darüber. Höre das nächste: Man nehme den neunzehnten der Felge und ordne über und unter ihm

23.325 den siebten der Nabe an, verbunden mit dem fünften Vokal. Dann nehme man den ersten und zweiten der Felge und setze darunter

23.326 den Laut der Achsenmitte, du Einsichtiger: Dies gilt als achtundzwanzigstes Piṇḍa. Danach folgen der neunte, siebte, dritte und zweite der Nabe.

23.327 Man nehme den nördlich von der Achse stehenden Laut und setze darunter anschließend den dritten und den zweiten der Nabe.

23.328 Dann nehme man den zweiten der Nabe mit dem siebten und vierten. Über den dritten der Nabe setze man den ersten und letzten des äußeren Kreises.

23.329 Darauf verbinde man den neunten der Nabe mit dem Laut der Achsenmitte. Über den achten der Nabe setze man deren zweiten,

23.330 darunter den sechsten der Speiche. Danach setze man über den sechsten der Speiche den ersten der Nabe,

23.331 dazu den achten: Erkenne dies als sechsunddreißigstes Piṇḍa. Man nehme den siebten, dritten und vierten des Nabenkreises,

23.332 verbinde sie und setze darüber den dreizehnten der Speichen. Dann nehme man den neunten, dritten und zweiten der Nabe:

23.333 Erkenne darin das siebenunddreißigste. Danach nehme man den zweiten der Nabe, der auf dem sechsten der Speiche ruht,

23.334 und setze den neunten darüber. Diese Piṇḍas werden, mit Ausnahme des ersten, oben mit dem beschriebenen Abschluss der Speichenreihe versehen. [Die Ausnahmeformulierung ist im Druck unregelmäßig.]

Verehrung, Einweihung und Lebensziele

23.335 Sie erhalten namaḥ am Ende, den Praṇava am Anfang und ihre jeweiligen Namen. Wo außer dem genannten Abschlusslaut noch ein Vokal darübersteht,

23.336 oder darunter, mit dem ersten Laut der Nabe verbunden oder allein, lasse man diesen zusätzlichen Bestandteil für die Verehrung weg. [Die genaue Abgrenzung der wegzulassenden Lautbestandteile bleibt unsicher.]

23.337 Die Glieder werden jeweils mit dem eigenen Piṇḍa in der festgelegten Weise gebildet. Namaḥ, Praṇava, Name und die jeweilige Schlussformel richten sich nach der Handlung.

23.338 Bis zur beschriebenen begleitenden Verehrung soll der auf Befreiung Ausgerichtete die vollständige Anwendung der aus Bīja, Piṇḍa und Wortform hervorgehenden Mantras vollziehen.

23.339 Bei ihrer Verehrung ist die Vaibhavī-Mudrā zu zeigen. Die zugehörigen Gesten der Glieder sind jeweils mit ihren eigenen Mantras zu verbinden.

23.340 Alles ist mit seiner Grundlage erklärt; auch das Siṃha-Mantra ist von mir genannt. Die Anwendung der Mantras, der eine Einweihung vorausgeht, dient den vier Lebenszielen.

Übertragung und Übung: Die Quelle nennt die Einweihung als Voraussetzung der Anwendung. Guru, Lehre und eigene Sammlung bilden einen zusammenhängenden Weg. Die Darstellung der Formeln dokumentiert diese Tradition.

Anrufungen in Worten

23.341 Vernimm nun die Merkmale der Wortmantras. Ohne sie kommt die Verehrung der gegenwärtig gewordenen göttlichen Gestalten nicht zustande.

23.342 Man bilde die Anrufung: „Dem, der über das All hinausgeht; dem reine Erkenntnis Schenkenden; dem Lotusnabeligen; dem das All Durchdringenden“ – mit viśvātītāya, vimala-vidyāvidhāyine, padmanābhāya und viśvavyāpine.

23.343 Dieses Mantra hat vierundzwanzig Silben. Höre ein weiteres mit derselben Zahl: das fünfsilbige jyotīrūpāya, „dem, dessen Wesen Licht ist“, und gaganamūrtaye, „dem, dessen Gestalt der Raum ist“;

23.344 danach dhruvāya, „dem Unerschütterlichen“, das dreisilbige parama, das viersilbige padaprāpti und das dreisilbige hetave: „dem Grund für das Erreichen des höchsten Zustands“.

23.345 Für das nächste Mantra setze man anantāya, „dem Unendlichen“, aparimitāya, „dem Unermesslichen“, sarvāśrayāya, „der Zuflucht aller“, und dhṛtaśaktaye, „dem Träger der Kraft“.

23.346 Dieses zählt zwanzig Silben. Höre nun ein zweiundzwanzigsilbiges: namo bhagavate, „Verneigung dem erhabenen Herrn“, danach vāsudevāya,

23.347 sarvaśaktyātmane, „dem, dessen Wesen alle Kräfte sind“, und anantamūrtaye, „dem mit unendlichen Gestalten“. Das folgende beginnt mit vīryātmane, „dem, dessen Wesen Wirkkraft ist“, und mahāpuruṣāya, „dem großen Puruṣa“;

23.348 es folgen mohamāyā-vidhvaṃsine, „dem Vernichter täuschender Verblendung“, sadoditāya, „dem ewig Offenbaren“, und sarvaśakte, „o Allmächtiger“.

23.349 Dieses letzte Wort ist viersilbig; das Mantra gilt als siebenundzwanzigsilbig. Danach folgt eine Anrufung mit vedavide, „dem Kenner des Veda“, und viśvarañjakāya, „dem, der das All erfreut“;

23.350 an ihrem Ende stehen viśvapataye, „dem Herrn des Alls“, und paramātmane, „dem höchsten Selbst“. Dieses Mantra zählt zwanzig Silben. Höre nun das siebzehnsilbige:

23.351 Man setze jñānātmane, „dem, dessen Wesen Erkenntnis ist“, danach saṃvit-prakāśāśayāya, „dem Grund des leuchtenden Bewusstseins“, und śāntarūpāya, „dem, dessen Gestalt Frieden ist“.

23.352 Danach folgt: anantaśaktaye, „dem mit unendlicher Kraft“, sarvavyāpine, „dem Alldurchdringenden“, jaganmayāya, „dem, der das All erfüllt“, und viśvarūpāya, „dem mit kosmischer Gestalt“.

23.353 Dieses Mantra hat einundzwanzig Silben. Höre ein weiteres: Man nehme sat-sattva, das reine Sein, und guhāśaya, „der in der verborgenen Herzenshöhle wohnt“,

23.354 danach paramahaṃsāya, „dem höchsten Haṃsa“, und mānasacāriṇe, „dem im Geist Wirkenden“. Dieses Mantra zählt neunzehn Silben. Die nächste Anrufung beginnt mit yajñamūrtaye, „dem, dessen Gestalt das Opfer ist“;

23.355 es folgen viśvāntarvartine, „dem im Inneren des Alls Gegenwärtigen“, und bhuvana-varāhāya, „dem Varāha der Welt“,

23.356 sowie vibhūtisvāmine, „dem Herrn der göttlichen Entfaltungen“. Dieses Mantra hat vierundzwanzig Silben. Danach setze man namo bhagavate und baḍavāgnaye, „dem untermeerischen Feuer“;

23.357 es folgen jagajjala-indhana, „dessen Brennstoff die Wasser der Welt sind“, und pradīpta-vīryāya, „dem mit flammender Wirkkraft“, mit phaṭ am Ende. Dieses Mantra hat dieselbe Silbenzahl.

23.358 Dann setze man sarvāntaścāriṇe, „dem in allem Wirkenden“, prasanna-mūrtaye, „dem mit klarer, freundlicher Gestalt“, und dharmātmane, „dem, dessen Wesen Dharma ist“.

23.359 Dieses Mantra hat sechzehn Silben. Höre nun ein geheimes: sarvavidyeśvarāya, „dem Herrn aller Erkenntnis“, danach vākpataye, „dem Herrn der Rede“;

23.360 es folgen vada vada, „sprich, sprich“, und vāgvibhavam, „die Fülle der Rede“. Dieses Mantra zählt neunzehn Silben. Ich erkläre dir ein weiteres:

23.361 yogaiśvaryapradāya, „dem, der die Vollmacht des Yoga schenkt“, yoganidrārasāya, „dem, dessen Wesen die Wonne des Yogaschlafs ist“, nīradāya, „dem Wasserspendenden“, und bhagavaj-jalaśāyine, „dem erhabenen, auf den Wassern Ruhenden“.

23.362 Dieses zählt vierundzwanzig Silben und eine weitere. Für das nächste nehme man bhagavat, „erhaben“, und ananta-bala-śaktaye, „dem mit grenzenloser Stärke und Kraft“;

23.363 dann tejomayāya, „dem Lichtvollen“, bhuvanadhṛte, „dem Träger der Welt“, und kacchapātmane, „dem in Schildkrötengestalt“, mit dem zweisilbigen Abschluss der Verneigung.

23.364 Erkenne dieses als sechsundzwanzigsilbiges Mantra, du Hervorragender unter den Mantrakundigen. Danach nehme man yajñāṅgadeha, „dessen Leib aus den Gliedern des Opfers besteht“, und mahā, „groß“,

23.365 dazu varāhāya, „dem Varāha“, purāṇapuruṣāya, „dem uranfänglichen Puruṣa“, und prajāpataye, „dem Herrn der Geschöpfe“.

23.366 Dieses Mantra hat vierundzwanzig Silben, du Hervorragender unter den Mantrakundigen. Das nächste beginnt mit namo bhagavate, danach nārasimhāya, „dem Nārasiṃha“;

23.367 es folgen tejonidhe, „o Schatz der Lichtkraft“, hana hana, „vernichte, vernichte“, und das fünfsilbige vikarmajātyam, „aus unrechtem Handeln entstanden“;

23.368 an seinem Ende steht duṣkṛtam, „das böse Getane“. Dieses Mantra zählt siebenundzwanzig Silben. Danach nehme man amṛtamūrte, „o Gestalt der Unsterblichkeit“, und jñānaparātmane, „dem höchsten Selbst als Erkenntnis“;

23.369 es folgen sarveśvarāya, „dem Herrn von allem“, und bhagavan, „o Erhabener“. Dieses Mantra hat neunzehn Silben. Die nächste Anrufung beginnt mit puṇḍarīkākṣa, „o Lotusäugiger“, und parameśvara, „o höchster Herr“;

23.370 dann sakala-sukha-saubhāgya-nidhe, „o Schatz allen Glücks und Wohlergehens“, und vāñchita-siddhiprada, „o Spender der ersehnten Vollendung“;

23.371 dazu akhila-duḥkha-śamanāgnaye, „dem Feuer, das alles Leid stillt“, ānanda-sundara, „von der Schönheit der Wonne“, und lakṣmī,

23.372 verbunden mit pataye, „dem Gemahl Lakṣmīs“. Die angegebene Silbenzahl lautet fünfzig, vermindert um drei. [Der betreffende Ausdruck ist im Druck beschädigt.] Danach nehme man sad-asat und mūrtaye, „dem, dessen Gestalt Sein und Nichtsein umfasst“;

23.373 es folgen viśvottamāya, „dem Höchsten im All“, und amṛtanidhe, „o Schatz der Unsterblichkeit“. Dieses sechzehnsilbige Mantra wird für Kāntātman genannt, o Herr.

23.374 Danach setze man puruṣottamāya, „dem höchsten Puruṣa“, apratihata-śaktaye, „dem mit ungehinderter Kraft“, und sarveśvara, „Herr von allem“.

Anrufung wird zum Ausdruck von Hingabe, Vertrauen und der Bitte um Erkenntnis.

Befreiung von Furcht und Unwissenheit

23.375 Dazu kommt samagra-ugra-bhaya-nivāraṇa, „der alles heftige Erschrecken abwendet“. Dieses Mantra wird als siebenundzwanzigsilbig angegeben. Höre nun das nächste.

23.376 Man nehme niyantre, „dem Lenker“, danach viśvahetave, „dem Ursprung des Alls“, und parabrahma-setave, „der Brücke zum höchsten Brahman“, gefolgt von Oṃ.

23.377 Dieses Mantra wird als sechzehnsilbig bezeichnet. Für das folgende nehme man zuerst apratima, „unvergleichlich“, dann prabhava, „Wirkmacht“;

23.378 es folgen mahāvibhūte, „o große göttliche Entfaltung“, mahāmāyā-darśaka, „der die große Māyā offenbart“, und tālaketave, „dem mit dem Palmenbanner“.

23.379 Dieses Mantra wird kurz als vierundzwanzigsilbig angegeben. Das nächste beginnt mit śāntātmane, „dem friedvollen Selbst“, und yama, Selbstbeherrschung,

23.380 verbunden mit niyamāśrayāya, „der Grundlage der Selbstdisziplin“, danach dem Ausdruck für das Gewähren höchster Fülle und nārāyaṇāya. Es hat dieselbe Silbenzahl wie das vorige. [Die Form paramārddhidayāya ist sprachlich unsicher.]

23.381 Dann nehme man bhavabhaṅga-kāriṇe, „dem, der die Gebundenheit des Werdens löst“, bhagavate, „dem erhabenen Herrn“, und dattātreyāya;

23.382 es folgen varṇāśrama-dharma-parigrahāya, „dem, der die Ordnung der Stände und Lebensstufen angenommen hat“, und der Praṇava. Dieses Mantra gilt als achtundzwanzigsilbig.

23.383 Das nächste enthält sarvalokamayāya, „dem, der alle Welten erfüllt“, sarvajñāya, „dem Allwissenden“, viśvātmane, „dem Selbst des Alls“, und vimala, „rein“;

23.384 dann sarveśvarāya, „dem Herrn von allem“, und nyagrodhaśayanāya, „dem auf dem Banyanbaum Ruhenden“. Dieses zählt dreiundzwanzig Silben. [Die Angabe passt nicht zu allen überlieferten Wortgliedern.] Vernimm ein weiteres.

23.385 Man nehme bhūta-bhāvanāya, „dem Erhalter der Wesen“, viśvātmane, „dem Selbst des Alls“, und vimala, „rein“;

23.386 dann niketanāya, „der Wohnstätte“, und kandharāya. Dieses königliche Mantra gilt als zweiundzwanzigsilbig. [Die Bedeutung von kandharāya im Zusammenhang ist unsicher.]

23.387 Danach nehme man viṣṇave, „dem Viṣṇu“, nirastāstrāya, „dem, der die Waffen abgelegt hat“, brahmamayāya, „dem von Brahman Erfüllten“, jaṭine, „dem mit Haarflechten“, und daṇḍine, „dem Träger des Stabs“;

23.388 dazu vidita-vibhavāya, „dem, dessen Macht erkannt ist“. Dieses Mantra hat sechsundzwanzig Silben. Höre nun das nächste.

23.389 Man nehme sarvavyāpine, „dem Alldurchdringenden“, sahasrārciṣe, „dem Tausendstrahligen“, und das glückverheißende fünfsilbige

23.390 trivikramāya, danach aparimita-prabhāvāya, „dem mit unermesslicher Macht“. Das Mantra gilt als dreiundzwanzigsilbig.

23.391 Es folgt eine Anrufung mit naranāthāya, „dem Herrn der Menschen“, puruṣapravarāya, „dem hervorragendsten Puruṣa“, und ātmadhyānaparāya, „dem in die Meditation des Selbst Vertieften“, mit dem zweisilbigen Schlussglied ṇāya. [Dieses Schlussglied ist im Druck beschädigt.]

23.392 Dieses Mantra zählt einundzwanzig Silben. Vernimm ein weiteres: Man nehme nārāyaṇāya und den Anfang des Ausdrucks für unübertreffliche Wonne,

23.393 niratiśayānandamayāya, „dem von unübertrefflicher Wonne Erfüllten“, und nirabhimāna-padāsaktāya, „dem, der im Zustand ohne Selbstüberhebung ruht“. Dieses Mantra hat fünfundzwanzig Silben.

23.394 Man nehme parāya, „dem Höchsten“, paramātmane, „dem höchsten Selbst“, yogeśvarāya, „dem Herrn des Yoga“, und haraye, „dem Hari“. Dieses Mantra ist sechzehnsilbig.

23.395 Danach nehme man die siebensilbige Verbindung namaḥ paramātmane, „Verneigung dem höchsten Selbst“, dann kṛṣṇāya, „dem Kṛṣṇa“, und das dreisilbige kamala, Lotus;

23.396 es folgen dala-vitata-netrāya, „dem mit Augen weit wie Lotusblütenblätter“, brahmiṣṭhāya, „dem ganz in Brahman Gegründeten“, und brahmaṇe, „dem Brahman“. Dieses Mantra zählt achtundzwanzig Silben.

23.397 Dann nehme man bhagavat, „erhaben“, yugānta-dahana-dṛptaye, „dem mit der gewaltigen Kraft des Feuers am Weltzeitenende“, und saṃsāra, den Kreislauf des Werdens,

23.398 verbunden mit bandha-viccheda-kartre, „dem, der seine Fesseln durchtrennt“. Dieses Mantra gilt als zweiundzwanzigsilbig. Danach nehme man viśva, All, und paramārtha, höchste Wirklichkeit;

23.399 dazu caturmūrtaye, „dem Viergestaltigen“, caturgatimayāya, „dem, der die vier Wege umfasst“, śaraśārṅgadhṛte, „dem Träger von Pfeil und Śārṅga-Bogen“, und śaradindīvaratviṣe, „dem mit dem Glanz der blauen Herbstlotusblüte“.

23.400 Danach setze man bhagavate, „dem erhabenen Herrn“, und abhirāmaśarīrāya, „dem mit der lieblichen Gestalt“. Das Mantra gilt als achtunddreißigsilbig.

23.401 Dann nehme man den Ausdruck für Erkenntnis und höchste Wirklichkeit, danach vedavide, „dem Kenner des Veda“, viduṣe, „dem Wissenden“, und vyāpakāya, „dem Alldurchdringenden“; [Das Wort vor „höchste Wirklichkeit“ ist nicht sicher lesbar.]

23.402 es folgt svāmin, „o Herr“, und ein weiteres zweisilbiges Wortglied. Dieses Mantra wird mit zwanzig Silben angegeben. Höre nun ein anderes. [Das zweisilbige Schlussglied ist hier nicht ausgeschrieben.]

23.403 Man nehme den Ausdruck für Garuḍa als Reittier, danach „Erheber aller Waffen“, und śāmya aśubham, „stille das Unheil“. [Die entsprechenden Sanskritkomposita sind im Druck beschädigt.]

23.404 Dann spreche man dhuna dhuna karmabandhān, „schüttle die Fesseln des Handelns ab, schüttle sie ab“, dharmaṃ pāhi, „schütze den Dharma“, und jahyadharmam, „überwinde den Adharma“.

23.405 Dieses Mantra zählt vierunddreißig Silben. Nun erkläre ich das folgende mit saṃhāramūrtaye, „der Gestalt der Auflösung“, und kālavaiśvānarārciṣe, „der Flamme des alles durchdringenden Zeitfeuers“;

23.406 dazu pātālaśayanāya, „dem in der Unterwelt Ruhenden“, und die wiederholte Bitte: „Vernichte die Ansammlung der Fesseln der Unwissenheit.“ Danach folgt der Praṇava.

23.407 Dieses fünfunddreißigsilbige Mantra gilt als alle Vollendungen bewirkend. Alle diese Mantras sind mit dem Praṇava und der Verneigung geschmückt.

23.408 Wenn sie ordnungsgemäß vorbereitet und verehrt, besonders aber meditiert und wiederholt werden, gewähren sie durch Hingabe den rechtschaffen Handelnden hier auf Erden ihre Früchte. [Der Satzbau der zweiten Hälfte bleibt unsicher.]

Die Fesseln der Unwissenheit lösen: Manche kraftvollen Aufforderungen der Anrufungen richten sich ausdrücklich gegen Unwissenheit, unheilsames Handeln und Bindung. Die deutsche Übersetzung bewahrt den jeweils im Sanskrit genannten Gegenstand.

Die Mantras der Insignien

23.409 Höre nun die Kennzeichen der Mantras für die Insignien und Waffen. Man setze das Wort sahasradīdhiti, „tausendstrahlig“, und danach churita, „durchdrungen“,

23.410 gefolgt von vigrahāya, „der Gestalt“. Dies ist das dreizehnsilbige Mantra der Krone. Man nehme sodann vāñchita, „erwünscht“, und siddhipradāya, „Vollendung gewährend“,

23.411 und füge mahācintā und maṇaye hinzu: „dem großen wunscherfüllenden Juwel“. Erkenne dies als fünfzehnsilbig. Höre nun ein anderes, zehnsilbiges Mantra:

23.412 Man nehme sarvalakṣaṇa, „alle glückverheißenden Merkmale“, und danach sampatpradāya, „Fülle gewährend“. Sodann nehme man saubhāgya, „Glück“, und das dreisilbige janani, „o Mutter“,

23.413 gefolgt von sarvaprade, „du, die alles gewährt“. Auch dies ist zehnsilbig. Das folgende prāṇātmane satyāya, „dem wahren Selbst des Lebenshauchs“, ist als siebensilbig zu erkennen.

Die Mantras der göttlichen Waffen

23.414 Kālakartre cakrāya phaṭ, „dem Gestalter der Zeit, dem Diskus: phaṭ“, wird als achtsilbig bezeichnet. Man setze sodann viśvātmane, „dem Selbst des Alls“, und viśvapradāya, „dem Geber des Alls“.

23.415 Erkenne dies als neunsilbig. Höre ein weiteres, achtsilbiges Mantra: Man nehme vidye, „o Wissen“, und danach vidyeśvarārcite, „du von den Herren des Wissens Verehrte“.

23.416 Man setze zuerst śabdamūrtaye, „der Verkörperung des Klangs“, und śaṅkhāya, „dem Muschelhorn“; dies gilt als achtsilbig. Man nehme dann rasanidhe, „o Schatz der Lebenssäfte“, und danach bhīma, „furchtbar“,

23.417 mit bhīṣaṇāya, „dem Schreckenerregenden“, am Ende. Dies gilt als zehnsilbig. Zuerst setze man bhuvanādhipataye, „dem Herrn der Welten“, und stambhabhūtāya, „dem zum tragenden Pfeiler Gewordenen“.

23.418 Erkenne dies als dreizehnsilbig. Vernimm nun ein anderes: indriyakośāya iṣvastrāya, „dem Behältnis der Sinne, der Pfeilwaffe“, ist zehnsilbig.

23.419 Man nehme kalpāntānilaghoṣāya, „dem Brausen des Windes am Ende eines Weltzeitalters“, dazu vidyullasita und prabhāya, „dem blitzhellen Glanz“. Dies ist sechzehnsilbig. Höre nun ein neunsilbiges Mantra:

23.420 Man setze mahāmāyā, „die große Māyā“, danach die beiden Silben bandha, „Bindung“, und dhvaṃsine, „dem Zerstörer“. Höre ein weiteres von derselben Silbenzahl:

23.421 Man nehme sarvāstragrasana und danach parāya, „dem, der alle Waffen verschlingt“. Sodann folge santāpakāya, „dem Versengenden“, und darpavidhvaṃsine, „dem Zerstörer des Hochmuts“.

23.422 Erkenne dies als elfsilbig. Nun wird ein neunsilbiges Mantra genannt: ajñānakhaṇḍana und danach parāya, „dem, der die Unwissenheit zerschlägt“.

23.423 Trailokyamohana mit mūrtaye, „der die drei Welten bezaubernden Gestalt“, ergibt neun Silben. Es folgen sarvākarṣaka, „alles anziehend“, und mahāmāyāmaya, „von der großen Māyā erfüllt“;

23.424 dessen Silbenzahl ist zwölf. Sodann bilde man ein neunsilbiges Mantra: zuerst das Wort akhaṇḍita, „ungebrochen“, und anschließend

23.425 parākramāya, „der Tatkraft“. Höre nun das siebensilbige darpapraśamakartre, „dem, der den Hochmut stillt“. Vernimm ferner das fünfsilbige Mantra:

23.426 Tejomālini, „du mit einer Lichtgirlande Geschmückte“. Zweiundzwanzig [Mantras] sind damit aufgezählt. Wie zuvor werden sie von Anfang und Ende umschlossen und mit dem jeweiligen Namen versehen. [Das Wort zwischen tejomālini und der Zählung ist sprachlich unklar.]

23.427 Nach den in ihrer Anzahl bestimmten Silben füge man jeweils die Bezeichnung hinzu. Die Mantras des Diskus, des Muschelhorns und der Waffen lasse man mit dem Namen ausklingen,

23.428 und bei den siebzehn, die der Reihe nach bis zur Śakti-Waffe reichen, mit dem Wort phaṭ. Nun werde ich das erhabenste Mantra Nṛsiṃhas, des Beschützers des Alls, darlegen.

Das Mantra Nrisimhas, des Beschützers des Alls

23.429 Man zeichne das zuvor erklärte Rad der Buchstaben auf einen gut geschützten, bestrichenen Erdboden und verehre es nach der Vorschrift.

23.430 Daraus bilde man das Mantra, dessen wunderbare Wirksamkeit vielfältig ist. Man nehme zuerst den Praṇava und füge danach

23.431 den neunten Buchstaben der Nabe und darüber den vierzehnten der Speiche an. Darüber setze man den letzten dort befindlichen Buchstaben, einem kleinen Kreis gleich. [Die Verbform am Versende ist im Druck beschädigt.]

23.432 Diese Silbe mit namaḥ am Ende bezeichnet den höchsten Ātman. Die sechs Eigenschaften, beginnend mit Erkenntnis, und die Glieder, beginnend mit dem Herzen, wurden zuvor erklärt. [Der zweite Halbvers ist grammatisch unregelmäßig.]

23.433 Für diese schreibe man allein jenen Buchstaben sechsmal und verbinde ihn mit dem zweiten, vierten und sechsten, dem zwölften und letzten

23.434 sowie dem vierzehnten [Vokal] aus der Speiche, der Reihe nach. Alle außer dem fünften versehe man oben mit demselben Zeichen wie die Keimsilbe. [Die erste Hälfte enthält eine beschädigte Lesung; die ungewöhnliche Reihenfolge wird nicht stillschweigend verändert.]

23.435 Allen stelle man den Praṇava voran und füge jeweils ihre eigene Bezeichnung an. Am Ende folgen ihre jeweiligen rituellen Schlusswörter, der Reihe nach bis vauṣaṭ.

23.436 Mit dem zwölfsilbigen Mantra oṃ namo bhagavate nārasiṃhāya, „Om, Verehrung dem erhabenen Nārasiṃha“, vergegenwärtige man sich zunächst seine Gestalt [die letzte Wortgruppe ist im Druck beschädigt]

23.436z und verehre ihn mit seinen Gliedern, in seiner äußeren wie inneren Gegenwart. [Die genaue Lesung der zweiten Wortgruppe bleibt unsicher.]

Spiritueller Ausklang: Der Schluss verbindet äußere und innere Verehrung. Mantra, Meditation und Hingabe führen zusammen: Der Name wird ausgesprochen, die Gestalt vergegenwärtigt und das Herz auf die göttliche Gegenwart ausgerichtet. So kann die wiederholte Anrufung zu einer beständigen Erinnerung im Alltag werden.

Kolophon: So endet in der Ishvara Samhita des heiligen Pancharatra das dreiundzwanzigste Kapitel, genannt „Die Darlegung der Mantrabildung“.

Texthinweise zu Kapitel 23

Textumfang und Grundlage: 436 nummerierte Verse und ein abschließender Halbvers. Letzterer hat hier die redaktionelle Kennung 436z; die englische Ausgabe bezeichnet ihn als 437a. Kritische Ausgabe, Band IV, Sanskrit Seiten 1404–1488, englische Kontrollübersetzung Seiten 1405–1489. In Vers 3 wechselt der Sprecher nach dem ersten von drei Halbversen zu Nārada. Zahlreiche zwischen die Vershälften eingeschobene Kommentarabschnitte gehören nicht zum Grundtext.

Mantra und Kommentar: Der Grundtext gibt häufig Anweisungen zur Zusammensetzung, während der Kommentar die fertige Formel ausschreibt. Beides ist zu unterscheiden. Die drei großen Mantras in 23.57–60 lassen sich aus den ausdrücklichen Wortangaben bestimmen. Dagegen werden unklare verschlüsselte Anweisungen nicht zu scheinbar gesicherten Rezitationsformeln ergänzt. Das zweite Buchstabenrad ab 23.274 hat eine andere Anordnung; Positionen des ersten dürfen nicht ungeprüft übertragen werden. In 23.237 steht im Grundtext der Vokativ vidye, im Kommentar der Dativ vidyāyai.

Zahlen und Bedeutungen: In 23.183 stehen sechsunddreißig Silben, nicht die sechsundzwanzig der englischen Übersetzung. 23.218 nennt ausdrücklich die ungewöhnliche Folge des zweiten, vierten, sechsten, achten, zwölften und zehnten Vokals. 23.285 verweist auf den dem sechzehnten folgenden Laut. Jāti in 23.337 und 23.435 bezeichnet einen rituellen Abschluss, keine soziale Kaste. 23.340 hat saiṃha, das Nṛsiṃha betreffende Mantra; die abweichende englische Haupttextlesung saṃjñā ist nicht übernommen. 23.426 zählt zweiundzwanzig, nicht fünfundzwanzig Mantras. In 23.428 steht ausdrücklich phaṭ.

Sinnzusammenhang: Das Wasser auf dem heißen Stein in 23.254 veranschaulicht das Aufgehen im Ursprung, nicht die Wertlosigkeit der Mantras. In 23.367 gilt die Aufforderung zum Zerstören den unheilsamen Handlungen. 23.373 nennt Kāntātman; die anderslautende Identifizierung einer englischen Fußnote wird nicht in den Sanskrittext hineingetragen. Die Erwähnung des Wortes des Parameśvara in 23.14 ist ohne weitere Absicherung nicht als eindeutiger Titelbeleg für eine bestimmte Parameśvara Saṃhitā behandelt.

Offene Lesungen: Mehrere Verse enthalten grammatisch beschädigte Wörter oder widersprüchliche Silbenzählungen. Die betreffenden deutschen Stellen sind lokal markiert. Dazu gehören insbesondere 23.16, 27, 49, 67, 74, 83, 95, 103, 193, 196, 201, 230, 252, 318, 372, 380, 383–384, 391, 401, 408 und die letzten Anweisungen 431–436z. Die große Zahl technischer Buchstabenangaben verlangt Zurückhaltung: Eine plausible Deutung ist nicht schon eine gesicherte Lautform. Diese Lesungen bleiben offen und sind bei einer fachlichen Weiterredaktion gezielt zu prüfen.



Kapitel 24 – Mudra und Meditation – die göttliche Gestalt im Herzen

Die Hände formen ein Zeichen, der Geist sammelt sich, das Herz erinnert sich an den Herrn: Kapitel 24 verbindet Mudrās mit einer reichen Lehre der Meditation. Die vielen Gestalten Viṣṇus, seiner Kräfte und Begleiter bilden eine Sprache der göttlichen Gegenwart. Mehrfach deutet der Text selbst die äußeren Attribute als innere Fähigkeiten – Unterscheidungsvermögen, Nichtanhaften und Samādhi. So eröffnet sich durch die ausführliche Bildbeschreibung ein Weg zur inneren Sammlung. Alle 482 Verse sind erfasst; unsichere Einzelheiten sind gekennzeichnet.

Nārada fährt fort:

Mudras: die Handlung mit Bewusstsein verbinden

24.1 Nun werde ich die Ausführung der Mudrās erklären. Hört zu, ihr vortrefflichen Weisen! Sie schenkt den in der Handlung gegenwärtigen Prinzipien Freude bei denen, die mit reiner Verehrung opfern,

24.2 und vertreibt die Mängel, die sich außen und innen bewegen. Deshalb wird sie Mudrā genannt, und auch, weil sie die vollzogene Handlung versiegelt. [Die erste Hälfte ist grammatisch unregelmäßig.]

24.3 Daher forme man zunächst die Verbindung körperlich oder im Geist und vergegenwärtige sie sich stets als vom jeweils zugehörigen Mantra durchdrungen.

24.4 Obgleich die Gruppe der Finger bereits von Bewusstsein durchdrungen ist, verleiht ihr das Mantra die Wirksamkeit für die betreffende Handlung. [Die zusammengesetzte Wortgruppe der zweiten Hälfte ist nicht völlig sicher.]

24.5 Man bestreiche beide Hände mit duftender Paste und forme die Mudrā. Mittel- und Ringfinger der beiden Hände bringe man paarweise zusammen,

24.6 vom Körper abgewandt und deutlich ausgerichtet. Man verbinde sie sorgfältig und ohne Zwischenraum vom Ansatz bis zu den Nägeln.

24.7 Wenn die Handflächen aufgerichtet sind, werden auch die übrigen Finger links und rechts so verbunden, dass sie jeweils unten und oben liegen.

24.8 Die Daumen strecke man oberhalb der Zeigefinger einander zugewandt aus. Diese Mudrā soll vor dem Herzen ruhen, ihr vortrefflichen Weisen.

24.9 Sie wird bei der Verehrung der vier göttlichen Wesensgestalten angewandt und gewährt alle Vollendungen. [Für die folgende Mudrā] verbinde man die geöffneten Hände vom Handgelenk aus eng miteinander,

24.10 halte beide Ellenbogen beim Nabel und die Arme stabartig ausgerichtet. Man bewege sie danach leicht wie eine Schaukel und hebe die beiden Hände empor.

24.11 So bildet man einen geschützten Raum; diese Mudrā wird bei der Verehrung eingesetzt. Hört nun, ihr Zweimalgeborenen, eine weitere für die Gestalten Keśavas und der übrigen.

24.12 Man lege beide Handflächen aneinander und beuge die Finger wie Ranken nach vorn. Mit den beiden Daumen lasse man dabei einen freien Innenraum bestehen. [Die genaue Stellung der Daumen ist aus dem Satzbau nicht sicher bestimmbar.]

24.13 Die beiden Handgelenke sollen fest verbunden und ganz ruhig sein. Man halte das Händepaar mit einem Hohlraum im Inneren und vergegenwärtige es sich im eigenen Bewusstsein. [Das letzte Wort bezeichnet Bewegung; sein Bezug bleibt offen.]

24.14 Man lasse beide Ellenbogen zwischen den Oberschenkeln ruhen, schirme die Haltung ab und führe diese Verbindung sorgfältig aus.

24.15 Dies ist die Vaibhavī genannte Mudrā für die Vibhava-Gestalten, ihr Zweimalgeborenen. Sie wird mit dem Praṇava angewandt und strahlt wie die tausendstrahlige Sonne.

24.16 Nun werden die beiden Mudrās Nṛsiṃhas, des Beschützers des Alls, erklärt. Man meditiere über seine Gestalt als die drei heiligen Feuer und richte drei Finger der rechten Hand

24.17 deutlich nach oben; der kleine Finger wird vom mittleren bedeckt. [Die Haltung steht in Beziehung zu] allen Wegen; er, der jenseits der Wege ist, trägt die Gestalt des Feuers. [Der Übergang zwischen Handhaltung und Gottesbeschreibung ist sprachlich beschädigt.]

24.18 Dieser Gott steht jenseits der drei Guṇas und der drei Wege. Frei von den gröberen Eigenschaften, wird er in seiner offenbaren Gegenwart im Geist verehrt.

24.19 [Für die andere Haltung] sind die Hände einander zugewandt, verbunden und mit ihren Fingern ineinandergreifend. Dabei liegt die rechte Hand oben, die andere unten.

24.20 Dies ist die zuvor erklärte Mudrā, welche die Unwissenheit zerschlägt. Nun werden die sechs Mudrās zu den Mantras des Herzens und der übrigen Glieder dargelegt.

24.21 Man bilde mit beiden Händen vor dem Herzen ein geschlossenes Gefäß, wobei die Finger ohne Zwischenraum aneinanderliegen. Dies gilt als Hārdikī, die Herz-Mudrā.

24.22 Die Fingerpaare, vom Daumen bis zum kleinen Finger, werden jeweils einzeln aus dieser geschlossenen Haltung mit einem Zwischenraum angeordnet; entsprechend verfahre man, beim kleinen Finger beginnend. [Die genaue Folge der Öffnungen ist nicht eindeutig beschrieben.]

24.23 Daraus entstehen der Reihe nach die Mudrās für Kopf, Scheitel, Schutzpanzer, Waffe und Augen. Für die folgende Haltung forme man die Hände zu einer Knospe und setze sie mit dem zugehörigen Mantra auf den Kopf.

24.24 Diese ist als Kirīṭa-Mudrā, die Gebärde der Krone, zu erkennen; sie gleicht zehntausend Sonnen. Die folgende Śrīvatsa-Mudrā wird als dieselbe wie die Lotus-Mudrā bezeichnet.

24.25 Mittelfinger, Ringfinger und kleiner Finger werden bei beiden Händen wie zur Faust in die Handfläche gebogen, o Brahmane. Die beiden so entstandenen Fäuste

24.26 verbinde man bei gleich ausgerichteter Öffnung und strecke beide Zeigefinger aus. Dann bringe man die Spitzen zusammen und lege sie an die Daumenspitzen,

24.27 zwischen den Zeigefingern und wechselseitig in entsprechender Folge. Dies ist die erklärte Mudrā des Kaustubha-Juwels. Höre nun die Mālā-Mudrā, die Gebärde der Girlande.

24.28 Im Sitzen oder Stehen halte man die acht Finger beider Hände weich herabhängend, ihre Spitzen nicht weit voneinander entfernt. [Die erste Hälfte enthält eine beschädigte Wortgruppe.]

24.29 Die beiden Arme lasse man zwischen den Oberschenkeln bis zu den Handgelenken herabhängen, o Brahmane. So ist die Mālā-Mudrā beschrieben.

24.30 Die Daumen liegen eng aneinander, die übrigen Finger stehen auseinander. Dies ist die Lotus-Mudrā; sie gewährt Stärkung und Wohlergehen.

24.31 Man umfasse den linken Daumen mit der rechten Faust und lege die Finger der linken Hand auf die rechte.

24.32 Die Spitze des linken Zeigefingers und die Spitze des rechten Daumens lege man einander zugewandt fest zusammen.

24.33 Wenn sie nach oben gewandt gehalten wird, ist dies die Muschelhorn-Mudrā. [Für die nächste Haltung] werden beide Hände deutlich ausgestreckt und miteinander verbunden.

24.34 Weil sie wie ein Rad kreisen, heißt diese Gebärde Cakra-Mudrā. Sie vernichtet alle Leiden und wird als herausragende, durchdringende Mudrā bezeichnet. [Die genaue Bedeutung von bhedinī im zweiten Halbvers bleibt offen.]

24.35 Man schließe die rechte Hand zur Faust über der Spitze des linken Daumens und zeige diese Haltung. Sie ist die schöne Gebärde der Kaumodakī-Keule,

24.36 bekannt als Gadā-Mudrā, welche das Heer der Mängel zerschlägt. [Für die folgende Haltung] strecke man die linke Hand nach oben geöffnet aus; die Finger stehen auseinander.

24.37 Man beuge die Finger und lege den Daumen vom Rand her wie eine Brücke so an, dass er ihnen zugewandt in ihrer Mitte anliegt.

24.38 Diese Glück gewährende Śakti-Mudrā bilde man vor dem Herzen. Für Śrī und die anderen [göttlichen Kräfte] ist sie vom Zeigefinger bis zum kleinen Finger entsprechend zu verstehen.

24.39 Zuerst strecke man beide Hände aus und verbinde sie, o Zweimalgeborener. Die beiden Daumenspitzen lege man an die Ansätze der Ringfinger.

24.40 Die Haltung ist nach unten zum Handgelenk gewandt; die beiden kleinen Finger werden aneinandergelegt und deutlich wie ein Schwanz emporgerichtet. [Das Wort für das Emporrichten ist im Druck unregelmäßig.]

24.41 Dies ist die Mudrā des erhabenen Königs der Vögel, Garuḍa. Als eine allen Mantras gemeinsame Mudrā gilt der Añjali, die gefalteten Hände;

24.42 man verwende sie verbunden mit dem jeweils zugehörigen Mantra. [Für die nächste Gebärde] vergegenwärtige man die Sonne in einem roten Lotus auf der rechten Handfläche

24.43 und berühre damit die Gegenstände. Dies ist die Mudrā des Verbrennens. Sodann vergegenwärtige man den Mond in einem weißen Lotus auf der linken Handfläche

24.44 und berühre damit die Gegenstände. Dies ist die nährende und stärkende Mudrā. [Für die folgende Haltung] verschränke man beide Hände eng und wende sie nach unten.

24.45 Man verbinde die kleinen Finger und die Daumen fest miteinander. Die beiden Mittelfinger reichen jeweils auf den Rücken der anderen Hand.

24.46 Die beiden Ringfinger und ebenso die beiden Zeigefinger stehen auseinander. Diese Mudrā heißt Kāmadhenu und erfüllt alle Wünsche.

24.47 Nun wird die Bildung der Mudrās zu den Mantras des Sitzes erklärt. Ringfinger und Zeigefinger der nach unten gewandten linken Hand

24.48 werden gebeugt, am Rücken anliegend und beim Mittelfinger gehalten. Unterhalb der beiden richte man [den mittleren Finger] gerade nach unten. [Die genaue Zuordnung ist durch die beschädigte Grammatik unsicher.]

24.49 Der kleine Finger soll zusammen mit dem Daumen weit ausgestreckt sein, o Weiser. Dies wird als Anantāsana-Mudrā, die Gebärde des Sitzes auf Ananta, bezeichnet, o Zweimalgeborener.

24.50 Sie umfasst diese ganze Welt und hält sie in sich. [Für die folgenden Gebärden] halte man die beiden Hände zunächst getrennt und verbinde sie sodann:

24.51 Zuerst werden die Zeigefinger mit ihren Spitzen verbunden, dann die Mittelfinger. Nach dem Lösen dieser Verbindung forme man dieselbe Haltung mit den beiden Ringfingern, [Das Wort vor der zweiten Verbindung ist im Druck beschädigt.]

24.52 löse auch diese und verbinde die beiden kleinen Finger. Bei jeder dieser Verbindungen lege man das Daumenpaar zusammen an.

24.53 Diese vier Mudrās gelten für Dharma und die übrigen [Eigenschaften] sowie für Adharma und die anderen [Gegenteile]. Die Mudrā für den darüber befindlichen Lotus wurde bereits zusammen mit dem Mantra erklärt.

24.54 Man verbinde Zeigefinger und Daumen der rechten Hand und öffne diese Verbindung danach ganz allmählich.

24.55 Man richte die Finger einzeln auf und halte sie voneinander getrennt. Dies ist die Mudrā der drei Lichtbereiche. Nun wird diejenige für Gaṇeśa und die übrigen beschrieben.

24.56 Die drei Finger der linken Hand, vom kleinen Finger aus gezählt, liegen in der Handfläche. Der Zeigefinger ragt hinter ihnen, vom Daumen aus, empor,

24.57 und wird in der Gegend des Nasenrückens gehalten. Mit der rechten Hand bilde man wie zuvor eine Faust aus drei Fingern.

24.58 Man beuge den Zeigefinger doppelt und lege ihn an die Daumenspitze. Der rechte Arm ist erhoben, wie zum Schleudern des Diskus.

24.59 Dies ist die Mudrā Viṣvaksenas, welche die weltliche Bindung durchschneidet. [Für die nächste Gebärde] strecke man die beiden Hände aus und bilde mit ihnen, einander zugewandt, ein geschlossenes Gefäß.

24.60 Man halte sie vor die Stirn und neige den Kopf. Dies ist die das Herz klärende Mudrā für die Dreiheit der Lehrer, beginnend mit dem Guru.

24.61 Man halte beide Hände nach oben geöffnet vor den Nabel, die rechte auf dem Rücken der linken. Dies ist die Mudrā der Überlieferungsreihe der Siddhas.

24.62 Für alle anderen dient die Añjali-Mudrā, ihr Zweimalgeborenen; ebenso für die Begleiter, die an den Toren und in den Umfassungen wohnen.

24.63 Sie wird mit dem jeweiligen Mantra bei der Verehrung der anderen in ihrer Reihenfolge angewandt, immer wieder, vom Herzen getragen und zusammen mit der Neigung des Kopfes. [Die genaue Funktion des gedruckten hārddhī bleibt offen.]

24.64 Man forme beide Hände wie einen Lotus und schließe Daumen und kleine Finger an den Spitzen zusammen, wie den Fruchtboden einer Lotusblüte, ihr Zweimalgeborenen.

24.65 Die drei übrigen Finger beider Hände, vom Zeigefinger an, werden nach oben gehalten, ohne einander zu berühren. Dies wird als Mudrā Agnis bezeichnet.

24.66 Man beuge die rechte Hand etwas zum Herzen hin; die Daumen stehen deutlich auseinander. Dies gilt als Mudrā der Anrufung. [Der Wechsel von der rechten Hand zu beiden Daumen ist in der Quelle nicht näher erklärt.]

Mudra, Mantra und Meditation verbinden die äußere Verehrung mit innerer Sammlung.

Die Meditation auf den Herrn

24.67 Man halte beide Hände nach oben geöffnet aneinander und löse mit den Daumen jeweils den zugehörigen kleinen Finger. Dies ist die Sannidhi-Mudrā, die Gebärde der nahen Gegenwart.

24.68 Danach streiche man die Ringfinger und die Mittelfinger aneinander. So werden Festigung und Zurückhaltung bewirkt.

24.69 Mit beiden Händen bilde man einen leicht geöffneten Añjali, ihr Zweimalgeborenen. Dies ist die Sāmmukhya-Mudrā: Sie vergegenwärtigt den Herrn als zugewandtes Gegenüber.

24.70 Man forme beide [Hände] wie eine Schwertschneide, mit voneinander getrennten Fingern. Die Daumen werden stabartig ausgestreckt; dann schließe man allmählich die Fäuste,

24.71 bei den kleinen Fingern beginnend. Diese Mudrā dient der rituellen Verabschiedung. Wer die Vorschrift kennt und auf diese Weise die Mudrā bildet,

24.72 für den ist diese Welt versiegelt, und die Vollendung ohne erneute Geburt wird gewährt. Nun werde ich der Reihe nach die Meditationen zu den zuvor genannten Mantras erklären, ihr Zweimalgeborenen.

24.73 Hört zuerst die erhabene Meditation über die eine Gestalt. Zu meditieren ist über den höchsten Herrn der Welt, den Gott in Verbindung mit Ananta.

24.74 Seine beiden Hände gewähren Segen und Furchtlosigkeit; sie tragen die Zeichen von Muschelhorn und Diskus und vermögen die drei Welten zu erheben.

24.75 Er ist friedvoll und seinem Wesen nach reines Bewusstsein. Obwohl formlos, hat er eine unvergleichliche Gestalt angenommen, um seinen Verehrern Gnade zu schenken.

24.76 Mit einem Glanz wie zehntausend Vollmonde stärkt und belebt er das All: wie die Sonne mit ihren Strahlen, wie das Meer mit seinen Wellen.

Gnade und Gestalt: Nach Vers 75 nimmt der formlose Herr aus Gnade eine Gestalt an. Das Bild dient der Begegnung; es erschöpft die göttliche Wirklichkeit nicht.

24.77 Er ist von seinen eigenen Gestalten, beginnend mit Acyuta, ungetrennt begleitet: leuchtend, unkörperlich und von Wogen des Unsterblichkeitsnektars erfüllt. [Zur ersten Wortgruppe bietet der Apparat auch die Lesung „unkörperliche Gestalten“.]

24.78 Er ist mit allen Schmuckstücken ausgestattet; seine Füße und seine Gestalt sind unveränderlich. Nun werde ich die höchste Meditation über den Vyūha im Tiefschlafzustand erklären.

24.79 Als Erkennender steht Bhagavān, dessen Gestalt von Brahman durchdrungen ist, wie ein Pfeiler in der Mitte des Lotusfruchtbodens und wird zugleich zum Gegenstand der Erkenntnis.

24.80 Um selbst den Handelnden beizustehen, die Brahman verehren, [entfaltet er sich] vom Osten bis zum Norden nach der Verschiedenheit der Eigenschaften, o Träger des Pfluges.

24.81 Vāsudeva, der höchste Herr, teilt sich durch sich selbst. Ohne sein eigenes Wesen aufzugeben, besteht er im Osten als die Gesamtheit der sechs göttlichen Eigenschaften.

24.82 Im Süden besteht er als Erkenntnis, verbunden mit Stärke; im Westen ist er in Herrschaft und Wirkkraft gegründet.

24.83 Im Norden besteht der höchste Herr als Lichtkraft und Śakti. Obwohl Bhagavān als Vyūha formlos und durch seine Eigenschaften gekennzeichnet ist,

24.84 wird ihm auch hier die bereits beschriebene Gestalt sinnbildlich zugeordnet. Doch auf den beiden glückverheißenden Handflächen der zweiten Gestalt

24.85 sind die Umrisse des Muschelhorns und der große Pflug deutlich erkennbar. Die rechte Hand der dritten Gestalt trägt das Zeichen eines schönen Pfeils,

24.86 die der vierten das eines vortrefflichen Schwertes. Bei diesen beiden befindet sich das Muschelhorn an der Hand; durch deren Haltung ist es nach unten gerichtet, seiner eigenen Form nach nach oben. [Die genaue Verteilung der Zeichen auf die Hände ist sprachlich nicht eindeutig.]

24.87 Durch diese Merkmale, die eine erkennbare Gestalt annehmen, wird die innere Hinwendung des Übenden in diesem Vyūha gefestigt.

24.88 Denn aufgrund ihrer Ähnlichkeit, ihres Besitzes der sechs Eigenschaften und besonders ihrer Gleichheit, ihrer Friedensnatur und ihrer Freiheit von Tätigkeit besteht zwischen ihnen kein Unterschied.

Die vier Vyuhas

24.89 Obwohl ich zuvor jede Gestalt des Herrn durch jeweils zwei Eigenschaften beschrieben habe, gilt dies für deren vorherrschenden Ausdruck;

24.90 die vier übrigen Eigenschaften sind ebenso vorhanden und begleiten jede einzelne Gestalt zu jeder Zeit.

24.91 Hört nun die Meditation über den Vyūha im Traumzustand, ihr vortrefflichen Weisen: Aus Mitgefühl mit den Handelnden bringt der Herr sich selbst gerade im Traum

24.92 nach und nach zur Erscheinung, auf dem Lotus der Sprachlaute, erfüllt von der Herrlichkeit der ungeteilten, vollständigen sechs Eigenschaften.

24.93 Man schaue den makellosen Gott, der durch sein eigenes Licht aufgegangen ist und ununterbrochen in den ungetrennten weißen und anderen Lichtfarben strahlt.

24.94 Auf der Spitze des Lotusfruchtbodens schaue man wiederum seine göttliche, aus Mantra bestehende Gestalt. Dann [vergegenwärtige man], wie er durch seine eigene Kraft und durch die Zeit, deren Gestalt unsichtbar ist,

24.95 diese offenbarte, mit den zuvor beschriebenen Merkmalen versehene Form wieder in sich zurücknimmt. Nachdem so die mantrahafte göttliche Gestalt zurückgenommen ist, o Träger des Pfluges,

24.96 erfüllt er mit seinem eigenen Licht alles vom Grund bis zur Spitze des Lotusfruchtbodens. Er nimmt seine Gestalt als Brahman-Pfeiler ein, o Weiser von großer Einsicht.

24.97 Die vier friedvollen Gestalten entfalten sich nach allen Himmelsrichtungen. Im Osten erscheint er mit weißem Leib, dessen Glanz den der Sonne übertrifft:

24.98 Bhagavān selbst tritt als Vāsudeva hervor. Danach, mit einem Leuchten gleich einem Rubin,

24.99 erscheint der Herr im Süden als Saṅkarṣaṇa. Mit einer Gestalt, die den von heißen Sonnenstrahlen durchglühten [Lotus] übertrifft, [„Lotus“ ist eine kontextuelle Deutung des unklaren śatadhāma; die englische Ausgabe schlägt śatapatra als Lesung vor.]

24.100 erscheint er im Westen unter dem Namen Pradyumna. Mit der Farbe des Herbsthimmels besteht der höchste Herr

24.101 im Norden als Aniruddha. Die Körpergestalt der ersten Erscheinung gilt für alle in gleicher Weise.

24.102 Alle strahlen wie zehn Millionen Sonnen und haben Lotusaugen. Das sich ausbreitende Mondlicht ihrer Zähne erhellt ihre nach den Himmelsrichtungen gewandten Gesichter.

24.103 Ihre Erscheinung gleicht zehntausend Vollmonden. Sie tragen Perlenketten und anderen Schmuck, Gewänder wie schimmernden Nektar und herrliche Blumengirlanden.

24.104 Ihre Hände halten erhabene Waffen bereit; ihre eigenen Kennzeichen fehlen niemals. Die Sohlen ihrer Lotusfüße sind mit aus Linien gebildeten Wasserlilien geschmückt.

Mitgefühl und göttliche Erscheinung

24.105 Ihre Gesichter zeigen die Zuwendung zum Stillen des Leids der im Dasein versunkenen Menschen. Ihre Herzen sind voller Mitgefühl; sie sind bereit, die Welt zu erheben.

24.106 Sie stehen in einem Flammenkreis, der aus dem Leuchten ihres eigenen Körpers entsteht. In dieser Weise soll Bhagavān nach dem zuvor erklärten Verfahren erfreut werden,

24.107 mit jeder einzelnen Darbringung in der Reihenfolge der Entfaltung. Dann wiederum, von Aniruddha bis zur östlichen Gestalt, o Weiser von großer Einsicht,

24.108 verehre man den höchsten Herrn mit den Darbringungen in umgekehrter Reihenfolge, mit den beiden Praṇavas und mit ganz geläuterter Einsicht,

24.109 nach dem Verfahren der Rücknahme: So üben die Weisen, die sich der Verehrung im Herzen widmen. Nun werde ich die Folge der Meditation über den Vyūha im Wachzustand erklären, ihr Zweimalgeborenen.

24.110 [Man vergegenwärtige] den ewigen Lotus, die Stütze von allem, dessen Wurzel die Silbe a ist und der im See des Ananta auf dem Laut kṣa ruht, o Weiser von großer Einsicht.

24.111 Sein Stiel ist die Silbe a, seine Blätter sind sämtliche übrigen Laute. Er erstreckt sich wie ein Rad in die acht Himmelsrichtungen.

24.112 Wie Bhagavān inmitten seiner Blätter auf der „Wachen“ genannten Stufe zu verehren und zu meditieren ist, wird nun erklärt.

24.113 Der Höchste ist durch die Keimsilbe des Praṇava von seinem eigenen Licht erfüllt und steht bis über den Lotusfruchtboden empor. Man schaue in das Innere der Staubfäden

24.114 und [vergegenwärtige] dann die vier Brahman-Keimsilben, denen der Praṇava vorangeht: einer Kadamba-Blüte gleich und von Hunderten Strahlen erfüllt.

24.115 Man meditiere über die vier Gestalten des Herrn, die der Reihe nach in den Himmelsrichtungen aufgehen: mit deutlich erkennbaren Merkmalen, mantrahaft und außen von ihrer Herrlichkeit umgeben,

24.116 welche aus dem Höchsten wie kleine Feuerfunken hervorgegangen ist, in den bezeichnenden Lauten ruht und zur Erscheinung gelangt.

24.117 Die erste Gestalt des Herrn glänzt wie Schnee, Jasmin und Mond. Sie hat vier Arme, ein friedvolles Gesicht und Augen wie weiße Lotusse.

24.118 Sie trägt gelbe Seide und ist mit einer goldenen Fahne geschmückt. Die vordere rechte Hand gewährt den Furchtsamen Furchtlosigkeit.

24.119 Die linke hält den König der Muschelhörner, den Schatz des Wissens. In der hinteren rechten Hand ist der Diskus erhoben, [der weitere Gegenstand folgt im nächsten Vers]. [Das letzte Wort ist im Druck beschädigt.]

24.120 In der entsprechenden linken Hand ruht die Keule, deren Ende auf dem Erdboden steht. [Die zweite Gestalt] gleicht einem zinnoberroten Berggipfel, hat ein Gesicht und vier Arme,

24.121 trägt ein Gewand in der Farbe der Flachsblüte und das Zeichen der Palme. Das vordere Händepaar entspricht dem der ersten Gestalt des Herrn.

24.122 In der Hand, die dort den Diskus hielt, trägt er den Pflug; in der Keulenhand den Stößel. [Die dritte Gestalt] leuchtet wie eine Schar Glühwürmchen, die in einer Nacht der Regenzeit aufsteigt,

24.123 trägt rote Seide und ist mit einer Makara-Fahne geschmückt. So ist der höchste Herr in seiner dritten Gestalt: mit einem Gesicht und vier Armen.

24.124 Über seine beiden vorderen Hände meditiere man wie zuvor, o Weiser von großer Einsicht. In der hinteren linken Hand trägt er den Śārṅga-Bogen, in der rechten fünf Pfeile.

24.125 [Die vierte Gestalt] gleicht einem Berg aus schwarzem Augenschminkstein und ist in ein strahlend weißes Gewand gehüllt. Sie hat vier Arme, große Augen und trägt das Zeichen eines Hirsches.

24.126 Auch ihr vorderes Händepaar ist wie bei der ersten Gestalt beschrieben. Die beiden anderen Hände tragen, mit der rechten beginnend, Schwert und Schild.

24.127 Alle tragen die Vanamālā und das Śrīvatsa-Zeichen. Auf ihrer Brust glänzt Kaustubha, der König der Edelsteine.

24.128 Sie tragen Kronen und Diademe, schöne Halsketten, Oberarmreifen und Fußringe, kunstvolle Stirnzeichen und funkelnde Ohrringe in Makara-Gestalt.

24.129 Mit vielerlei herrlichen Blumengirlanden und mit wohlduftenden Salben aus Kampfer und anderen Stoffen geschmückt, sollen sie stets meditiert werden.

24.130 Bei der Übung der Rücknahme vergegenwärtige man den Herrn Aniruddha mit weiß-schwarzer Gestalt auf dem Lotusblatt zwischen Osten und Norden.

24.131 Auf dem Blatt zwischen Norden und Westen meditiere man bei dieser Rücknahme über Pradyumna in schwarz-gelber Gestalt.

24.132 Zwischen Westen und Süden vergegenwärtige man den Gott Saṅkarṣaṇa mit gelb-rotem Leib, während die Handlung gegen den Strom [der Entfaltung] verläuft.

24.133 Zwischen Osten und Süden ist Vāsudeva, der Herr der Welt, in weiß-rotem Licht zu meditieren, o Weiser von großer Einsicht.

24.134 Weil sein inneres Wesen ganz rein ist, nimmt der Herr, einem Kristall gleich, je nach dem Ort durch die Verbindung zweier Lichtfarben

Die Zustände des Bewusstseins

24.135 eine gemischte Gestalt an, welche die Rücknahme kennzeichnet. [Die erste vierfache Wesensentfaltung] besteht ungetrennt von der ursprünglichen Gestalt, wie im Samen eines Banyanbaums,

24.136 frei von aller Tätigkeit und in höchster Wahrheit formlos. Dies ist die erste, große vierfache Wesensentfaltung, die aus reinem Bewusstsein besteht.

24.137 Was wie tausend Feuer, Sonnen und Monde strahlt, vom Pulsieren der Wonne gekennzeichnet, Same aller Tätigkeiten und Grundlage der Unterscheidungen ist,

24.138 das erkenne als die zweite vierfache Wesensentfaltung, o du mit reinem Blick. Ewig, eine ewige Gestalt tragend und im Lichtglanz der Sonne,

24.139 unterschieden nach Weiß und den übrigen Farben sowie nach der Anordnung oben und unten, gewährt [die dritte] die Frucht der Erfahrung des Freiseins und vernichtet den Samen erneuten Daseins.

24.140 Diese dritte vierfache Wesensentfaltung ist schön wie eine Fülle von Nektar. [Die vierte] bewirkt Erhaltung, Entstehung und Auflösung und ist mit sämtlichen Mitteln des Handelns ausgestattet.

24.141 Indem sie die eigene Naturkraft lenkt, geht sie hervor und zieht sich wieder zurück. Erkenne darin die vierte, durch deren Ordnung das All besteht.

24.142 Im Kṛta-Yuga trägt er die vierfache Farbgestalt, beginnend mit Weiß. Im Tretā-Yuga beginnt sie mit Rot und endet mit Weiß, o Weiser von großer Einsicht.

24.143 Im Dvāpara-Yuga lautet die Reihenfolge Gelb, Schwarz, Weiß und Rot; im Kali-Yuga Schwarz, Weiß, Rot und Gelb.

24.144 Welche übergreifende Gestalt der höchste Herr in den vier Übergangszeiten der Weltalter unter seinen verschiedenen Erscheinungen trägt, das erfahre nun von mir.

24.145 Am Ende des Kṛta-Yuga ist sie weiß-rot, beim nächsten Übergang rot-gelb, danach gelb-schwarz und schließlich schwarz-weiß.

24.146 Die Unterschiede sind an den zuvor beschriebenen Waffen, Gewändern und Zeichen zu erkennen. Da ihr Wesen gleich ist, wodurch sollte sonst die Unterscheidung bestimmt werden?

24.147 Nun werde ich die Meditation über Keśava und die anderen erklären, ihr Herren der Weisen. Jenes allgegenwärtige, höchste Licht, das formlos und makellos ist,

24.148 erkenne man als Vāsudeva selbst und verehre den Herrn im Geist mit Blumen und allen anderen Gaben, die dem Nektar gleichen.

24.149 Danach meditiere man über dieses makellose, unvergängliche Licht in seiner Gestalt: unvergleichlich, von Mitgefühl erfüllt und mit einer Hand an der Hüfte.

24.150 Die rechte Hand gewährt den Verehrern Furchtlosigkeit. Er ist reich mit Blumen, Schmuck und Gewändern ausgestattet und trägt Muschelhorn und Diskus.

24.151 Dann vergegenwärtige man eine Schar, die zugleich aus jenem Licht hervortritt, großen Feuerfunken gleich und immerfort aufgehend.

24.152 Man stelle sich vor, wie sie die Gruppe der Radspeichen durchdringt. Sodann meditiere man der Reihe nach über die aus jedem einzelnen Lichtanteil hervorgegangenen Gestalten,

24.153 Keśava und die anderen, in Dreiergruppen, beginnend mit der weißen, jeweils vierarmig. Für die hinteren Hände rechts und links bei Keśava und den übrigen

24.154 ist das Folgende der Reihe nach paarweise als oben gehalten zu verstehen: Muschelhorn, Diskus, Lotus, Vidyā, Muschelhorn, Keule, Lotus,

24.155 Muschelhorn, Lotus, Vidyā, Diskus, Diskus, Keule, Keule; Keule, Diskus, Lotus, Padma-Lotus, Diskus, Muschelhorn und danach Keule. [Die überlieferte Gegenstandsfolge ist zahlenmäßig und sprachlich nicht eindeutig; sie wird nicht zu einer vermeintlich sicheren Tabelle ergänzt.]

24.156 Ebenso sind bei den beiden vorderen Händen die jeweils zwei unten gehaltenen Gegenstände der zwölf Gestalten bis Dāmodara zu verstehen. Höre sie nun:

24.157 Lotus, Keule, Klang [Muschelhorn], Diskus, Lotus, der König der Waffen [Diskus], Klang [Muschelhorn]; Keule, Diskus, Vidyā, Lotus, Muschelhorn und Lotus;

24.158 Lotus, Klang [Muschelhorn], Keule, Muschelhorn, verbunden mit Vidyā, Lotus und dem eilenden [Diskus]. [Der Schluss der Aufzählung ist beschädigt.] Danach vergegenwärtige man eine weitere große Entfaltung aus jener Schar der Lichtgestalten.

24.159 Entsprechend der Einteilung Keśavas und der anderen [erscheinen] Śrī und die übrigen Göttinnen in Dreiergruppen, jeweils mit den drei Zeichen, beginnend mit dem Lotus, gekennzeichnet.

24.160 Sie sitzen im geschlossenen Lotussitz und sind den Haupt- und Zwischenrichtungen zugewandt. Ehrerbietig fächeln sie mit einem weißen Wedel.

24.161 Es sind zwölf Göttinnen. Nun wird ihre Gestalt beschrieben: Alle haben Gesichter wie der Vollmond und tragen Blumen aus sämtlichen Jahreszeiten.

24.162 Sie sind mit allen glückverheißenden Merkmalen und allem Schmuck versehen. Die erste Dreiergruppe leuchtet wie Koralle, die nächste wie die Campaka-Blüte.

24.163 Die dritte Dreiergruppe der Göttinnen ist dunkel wie eine Priyaṅgu-Blütenrispe. Über die vierte meditiere man als leuchtend wie die Jāti-Jasminblüte.

24.164 Bei der ersten [Zuordnung] meditiere man einen Lotus in der Hand, bei der anderen den König der Waffen, bei der dritten das Muschelhorn. So meditiere man jeweils in Dreiergruppen. [Wie diese Dreierfolge den vier Gruppen zuzuordnen ist, wird nicht näher erklärt.]

24.165 Nun werde ich die Meditation über die Vibhava-Gottheiten erklären, ihr vortrefflichen Zweimalgeborenen. Groß ist die Schar dieser göttlichen Erscheinungen, o du von großer Einsicht.

24.166 Von jeder zuvor genannten Gestalt wisse, dass sie dreifach ist. In den vier Übergangszeiten der Weltalter und in den Weltaltern selbst

24.167 tritt sie hervor, um die Übel der Welterschütterungen zu vernichten: in weißer, roter und anderer Gestalt, mit flammenden Waffen in den Händen.

24.168 Zu Beginn, in der Mitte und am Ende des Wirkens nimmt der Eine stets seine eigene Gestalt in vielfältiger Weise an.

24.169 Zum Heil aller Welten trägt er die grobstoffliche, nach seinem Willen angenommene Gestalt. [In der feineren Erscheinung] hat er einen nicht zum Handeln erhobenen Leib, weiß wie Jasmin und Mond,

24.170 verweilt im Heldensitz oder einer anderen Haltung, mit freudigem Geist, hält alle Waffen mühelos wie im Spiel und hat ein friedvolles, ungetrübtes Gesicht.

24.171 Durch sein bloßes Erkennen zerstört er sämtliche Mängel der nach Befreiung Strebenden. Diese offenbarte, „friedvoll“ genannte Gestalt ist die vortrefflichste der Gestalten.

24.172 Die lichtvolle Vibhava-Gestalt, die „friedvoll“ genannt wird, erhellt denen den rechten Weg, deren Inneres sich dem Samadhi widmet.

Ergänzendes Video zur Meditation; kein Teil des Quellentextes.

Weitere Gestalten und ihre Attribute

24.173 Alle gewähren den hingebungsvoll Verehrenden die Früchte [ihrer Übung]. Bhagavān als Viśākhayūpa tritt selbst, aus dem Willen, das All hervorzubringen,

24.174 als der Eine in seiner lenkenden Gestalt hervor. Dabei nimmt er die gesamte reine, von Bewusstsein erfüllte Herrlichkeit

24.175 der vierfachen Wesensentfaltung des Herrn auf der ursprünglichen Stufe in sich auf; ebenso das vielfältig tragende Wirken der Götter.

24.176 Die Lichtfarben, beginnend mit Weiß, Śrī und die anderen Kräfte, o Weiser von großer Einsicht, sowie der Same der Vibhava-Gestalten samt Zeichen und Waffen,

24.177 die sechs Eigenschaften, beginnend mit Erkenntnis, alle dort genannten Kräfte, die acht Vollkommenheiten, beginnend mit Aṇimā, und Erhaltung, Entstehung und Auflösung [gehören zu seinen Mitteln].

24.178 Diese Kraft der vierfachen Wesensentfaltung wird Aiśvarī, die herrscherliche Kraft, genannt. Wie ein großer Lichtfunke auch ohne die Schar der Sonnenstrahlen [leuchtet],

24.179 erfüllt er den gesamten Bereich ohne Abhängigkeit von einer eigenen Ursache. So ist der höchste Herr aufgrund seiner Freiheit und vollkommenen Fülle.

24.180 Über die vier Gestaltzweige Vāsudevas und der übrigen hinaus besteht er als Herr der Schar der Vibhava-Erscheinungen.

24.181 Durch sein Erkennen setzt er dieses erhabene Rad mit fünf Speichen in Bewegung: Hervorbringung, Erhaltung, Rücknahme, Erfahrung und Befreiung.

24.182 Man vergegenwärtige ihn auf seiner eigenen Stufe mit seiner makellosen Keimsilbe. Den ganzen Bereich seines Körpers, vom Kopf bis zu den Füßen,

24.183 stelle man sich wie mit Edelsteinen durch die Keimsilben der Vibhava-Gestalten geschmückt vor. Werden diese der Reihe nach wie zuvor als ein Strom von Nektar ausgesprochen,

24.184 gewährt er durch die Verehrung bald höchste Herrschaft. In solcher Weise ist der höchste Herr der Ursprung aller Wesen;

24.185 er besteht als ihr innerer Lenker, indem er die ungeteilte Gestalt annimmt. Bhagavān, dessen Wünsche bereits erfüllt sind, [wendet sich] seinem eigenen Wirken zu,

24.186 stützt sich auf seine eigene Kraft und besteht wiederum als Padmanābha. In einem Lotus, dessen Wurzel, Stiel, Blätter und Inneres aus Erde, Wasser, Feuer und Wind gebildet sind,

24.187 in diesem vier Prinzipien enthaltenden Lotus, im Inneren des einen Ozeans des Raumes, ruht der Herr auf dem im Geist vergegenwärtigten Lager des Ananta; sein Leib ist göttliche Erkenntnis.

24.188 Er leuchtet wie tausend Sonnen und richtet sich mühelos wie im Spiel auf. Dann trägt er in seinem aus Māyā bestehenden Nabellotus, der wie vielerlei Edelsteine strahlt,

24.189 durch seine eigene Wirkkraft Wissen, dessen Gestalt wirksames Vermögen ist. Er ist umgeben von allen verkörperten Fahnen und übrigen Insignien, die ganz auf ihn ausgerichtet sind.

24.190 So ist die friedvolle, offenbarte Vibhava-Gestalt des souveränen Herrn von unendlichem Wirken beschaffen: Sie gewährt Erfahrung und Befreiung.

24.191 Wie zuvor vergegenwärtige man sie auf der vierten Bewusstseinsstufe im Raum des Herzenslotus. [Über Dhruva meditiere man] als die zehn Himmelsrichtungen erleuchtend, mit verschiedenem Körperhaar versehen. [Die letzte Wortgruppe ist ungewöhnlich und nicht abschließend geklärt.]

24.192 Er ist freundlich, sechzehn Jahre alt und hat Augen wie Lotusblätter. [Er trägt] den Diskus als Sternenkreis und die Keule als Leib. [Die verdichtete Beschreibung der Attribute ist sprachlich unsicher.]

24.193 Man vergegenwärtige Dhruva, wie er die „Stütze“ genannte Kraft trägt und als tragender Pfeiler in diesem Tempel des Alls steht.

24.194 [Er besteht] als Raum und Wind, mit nach den verschiedenen Erscheinungsrollen unterschiedenen Merkmalen. Damit sind die Hauptgruppen bis zu Dhruva beschrieben.

24.195 Vernimm nun die Meditation über die übrigen Gestalten, von Śeṣa bis zu dem in der Unterwelt Ruhenden, jeweils ihrer Erscheinung entsprechend.

24.196 Der Herr der Welt ist einer. Durch seine mit eigenen Gestalten erfüllten Kräfte erscheint er als Ananta in vielfältiger Weise, aus dem Wunsch, seinen Verehrern Gnade zu schenken.

24.197 Höre die Gestalt, die sich dieser Herr von allem zu eigen macht: Sie gleicht dem Schneegebirge und hat ein Gesicht wie der Vollmond.

24.198 Sie ist mit einer Schar von Schlangenhauben versehen, die durch ihre eigenen Edelsteine hervortreten, und trägt in den beiden rechten Händen Pflug und Diskus,

24.199 in den beiden linken Händen Muschelhorn und Stößel. Er ist Acyuta, der Allwissende, immer gegenwärtig und mit der Kraft Śeṣas.

Göttliche Kräfte und Begleiter

24.200 Er erfüllt, was im Herzen der nach innen gewandten Handelnden liegt. Nun meditiere man über Śaktīśa, den Herrn der Kraft, mit Augen wie weiße Lotusse.

24.201 Er nimmt nach seinem Willen Gestalt an, ist freundlich und hat ein lächelndes Gesicht. Um aus Mitgefühl mit den Verehrenden die Früchte [ihrer Übung] zur Erscheinung zu bringen,

24.202 stützt er sich mit seinen beiden Füßen und beiden Händen auf die Erde. Sein Glanz entspricht dem jeweiligen Weltalter; er hat vier Gesichter und vier Arme. [Die Verbindung der Hände mit dem Verb ist im Sanskrit unregelmäßig.]

24.203 In seinen Händen sind Diskus und Keule verkörpert; seine Gestalt ist auch mit dem Lotus gekennzeichnet. Mit dem mondhell glänzenden Lotus stillt er die Qual. [Die Wortverbindung vor „Lotus“ ist beschädigt.]

24.204 Den Menschen reinen Inneren offenbart er das aus vielfältigen Mantras bestehende Wissen, durch das Muschelhorn, den Herrn der Sprache und die Verkörperung des Klangs.

24.205 Mit Keule und Diskus, die seinen Befehl erwarten und von ihm gelenkt werden, vernichtet er rasch diejenigen, die den Rechtschaffenen Leid zufügen.

24.206 Mit dem Gesicht Nārasiṃhas vertreibt er die Furcht vor dem gebundenen Dasein. Als Varāha, dessen Wesen Nektar ist, nährt er alle Geschöpfe.

24.207 Durch die im Westen befindliche Kapila-Gestalt bewirkt er die Rücknahme. Für diejenigen, die ganz auf Hingabe und Vertrauen ausgerichtet sind, [erscheint er] stets, sobald sie sich seiner erinnern:

24.208 im Herzen, im Raum, auf der Erde, im Feuer und im Wasser. Aus eigenem Mitgefühl [erscheint er] den Angehörigen der vier Stände, beginnend mit den Brahmanen,

24.209 vierfach in der Gestalt seiner vier Wesensentfaltungen, mit einem seinem Wesen entsprechenden Leib, gekennzeichnet durch Muschelhorn und Lotus,

24.210 verbunden mit verkörperten [Insignien, darunter] Pflügen, jedoch ohne die [zusätzlichen] Gesichter; seine Farbe entspricht jeweils der betreffenden Farbe, gleich oder verschieden, [wie zuvor beschrieben]. [Die erste Hälfte ist stark beschädigt.]

24.211 Dies folgt den wechselseitigen Entsprechungen, die zuvor erklärt wurden. Über Madhusūdana meditiere man als leuchtend wie Feuer und Sonne bei der Weltauflösung.

24.212 Er hat acht Arme und breite Schultern, trägt das Zeichen einer das Agniṣṭoma-Opfer vollziehenden Hand, hält Muschelhorn und Diskus sowie Pfeil und Bogen. [Die Verbindung mit Agniṣṭoma ist nicht näher erklärt.]

24.213 Zur vollständigen Aufhebung der Verhüllung durch die verkörperten Kräfte Rajas und Tamas vergegenwärtige man ein Händepaar des Herrn, das an den Ohren ruht.

24.214 Über den Herrn des Wissens meditiere man, o Ehrwürdiger, als viergesichtig und vierarmig, mit langem Bart und verfilztem Haar, mit Stab, Wassergefäß und Gebetskette.

24.215 Er strahlt wie ein erblühter roter Lotus, hält einen weißen Lotus in der Hand und lässt aus seinen Mündern die heiligen Offenbarungen, beginnend mit dem Rigveda, hervorgehen.

24.216 [Kapila] leuchtet in der Farbe rauchloser Glut, trägt Muschelhorn und eine Kette aus Lotussamen, entfaltet den Glanz erblühter roter Strahlen und [vermittelt] die Lehrsätze über Gottheiten und Selbst. [Die letzte Wortgruppe ist mehrdeutig.]

24.217 Über diesen Kapila, den Schatz des Lichts, meditiere man mit der Furchtlosigkeit gewährenden Hand. [Viśvarūpa ist] der Gott, der im Inneren alles trägt und als Zeuge gegenwärtig ist.

24.218 Wie ein Kristall die Dinge aufnimmt, trägt er durch seine eigene Kraft alle Erscheinungen, damit die von Unwissenheit betroffenen Verehrenden zur wahren Stufe gelangen.

24.219 Man vergegenwärtige diesen anfangslosen Herrn der Welt äußerlich in einer grobstofflicheren Gestalt: Viśvarūpa, die Allgestalt, zwischen Himmel und Erde.

24.220 Er hat zahlreiche Gesichter, Füße und Augen und trägt viele Makara-Zeichen. Obwohl er mit unzähligen Gesichtern und Armen geschmückt ist,

24.221 [wird er hier] mit dreiunddreißig verschiedenen Gesichtern und vierundvierzig großen göttlichen Armen [vergegenwärtigt].

24.222 Brahmā, Rudra, Indra, Dakṣa, Sonne, Mond, die Siddhas und die heilige Offenbarung befinden sich als Gesichter oberhalb des menschlichen Gesichts.

24.223 Über das südliche Gesicht des Herrn meditiere man mit darüber angeordneten Gesichtern von Piśācas, Feuer, Wind, Bergen, Inseln, Gandharvas und Wasser. [Die englische Übersetzung versteht anstelle von „Inseln“ „Elefanten“.]

24.224 Über das westliche Gesicht meditiere man mit Gesichtern, die aus Unterwelt, Himmelsrichtungen, großen Wolken, Weltenfülle und Planeten hervortreten, samt den Sternen.

24.225 Oberhalb des Varāha-Gesichts meditiere man über die glückverheißenden Gesichter von Yakṣas, dem Todesgott, Wasser, Schlangen und anderen Wesen, den Vasus, Mondhäusern und Rinderherden.

24.226 [Er trägt] Lotus und die übrigen [Zeichen] der vier Wesensgestalten, die große Zehnergruppe der Mantras sowie die vier hoch aufgerichteten Insignien. [Die Verbindung der Gegenstandsgruppen und das als suvarṇa gedruckte Wort sind unsicher.]

24.227 Ferner die acht Waffen der Weltenhüter, ein Buch, eine Gebetskette, eine Schöpfkelle, ein goldenes Wassergefäß sowie die Gebärden der Furchtlosigkeit und der Segensgewährung,

24.228 Darbha-Gras, Tierfell, Schirm, einen besonders schönen weißen Wedel, die beiden Opferlöffel Sruc und Sruva, zwei Krüge und einen Altar mit Feuer,

24.229 die vollständigen Scheiben von Mond und Sonne, den Schlangenkönig, einen Edelsteinspiegel, eine Blumengirlande, einen göttlichen Fächer und eine Viśvapatra-Ranke. [Die letztgenannte Pflanze ist nicht sicher identifiziert.]

24.230 Diese vergegenwärtige man in den Armen des Herrn in entsprechender Anordnung und genau in der genannten Reihenfolge, ohne sie zu vertauschen.

24.231 Im Herzlotus und an den anderen [Meditationsorten] vergegenwärtige man den Herrn der Welt, der dieses All durch die vielfältigen, aus seinem Leib hervorgehenden Lichter erhellt.

Hamsa und die innere Verehrung

24.232 Nun vergegenwärtige man den Ātman in Haṃsa-Gestalt, der das Opfer der Erkenntnis empfängt: mit sanftem Glanz wie Jasmin und Mond, goldenem Schnabel und großem Leib.

24.233 Über den höchsten Herrn meditiere man mit Rajas und Tamas als Füßen, mit reinem Sattva als Leib und mit Dharma und Adharma als Augen; [er ist] mit dem aus Feuer und Soma bestehenden

24.234 rechten und linken Flügelpaar geschmückt. Äußerlich vergegenwärtige man ihn im Wasser stehend, einem goldenen Berg gleich.

24.235 Nachdem man über Acyuta in Haṃsa-Gestalt meditiert hat, verehre man ihn nach der Vorschrift. [Das Opfer ist] äußerlich eines und aus materiellen Gaben bestehend, allgemein und von mannigfacher Gestalt. [Die zweite Hälfte ist grammatisch beschädigt.]

24.236 Richtig ausgeführt, [eröffnet es] zunächst den Himmel für diejenigen, die danach verlangen. Auf dem inneren Altar ist das eine große Opfer dagegen vierfach. [Die überlieferten Verb- und Kasusformen sind unregelmäßig.]

24.237 Es besteht in Tapas, Verehrung, Japa und Meditation. Durch seine Vollendung gewährt es den Opfernden bleibende Befreiung.

24.238 Über diesen Herrn, den Puruṣa des Opfers, Vāsudeva, den ungeborenen Hari, meditiere man in Ebergestalt, mit dem Glanz eines schwarzen Augenschminksteinberges.

24.239 Seine Füße tragen die Zeichen der Opferglieder, seine Hauer sind die großen Vyāhṛtis. Bhūr, bhuvaḥ, svaḥ bilden seinen Leib; sein Geist ist ganz auf das Brahman als Klang gerichtet.

24.240 Mit der unvergänglichen, makellosen, aus Wissen bestehenden Spitze seiner Schnauze entfernt er rasch den Schlamm der Unwissenheit derjenigen, die Zuflucht genommen haben. [Die gedruckten Wörter für „entfernt“ und „aus Wissen bestehend“ sind beschädigt.]

24.241 [Dies geschieht,] um das gebundene Dasein der durch Vāsanās geprägten Lebewesen zur Ruhe zu bringen. [Als Vaḍavānala ist] Bhagavān von großer Herrlichkeit; sein Leib besteht aus den vollständigen sechs Eigenschaften.

Die Verehrung nach innen tragen: Die Hamsa-Passage verbindet Tapas, Japa und Dhyana. Wer den Text heute liest, kann darin eine Einladung erkennen, äußere Formen durch wache Aufmerksamkeit und Hingabe zu beleben.

24.242 Aus seinem eigenen, ganz stillen Brahman-Prinzip schöpft er eine Handvoll und besprengt mit seinem Licht diejenigen, die von Mängeln verbrannt sind. [Die Wortgruppe am Versbeginn ist beschädigt.]

24.243 Bei der äußeren Verehrung meditiere man über den Ungeborenen in grobstofflicher Gestalt, wie einen durch Wind angefachten Berg rauchloser Glut,

24.244 überaus leuchtend, mit Pferdegesicht und ohne [weitere] Kennzeichen. Seine Hände bilden den Brahmāñjali; seine Augen gleichen flüssigem Gold.

24.245 Mit der Spitze seiner Schnauze zieht er das Wasser aus den drei Welten als Brennstoff an, verwandelt es vollständig in Asche und stößt es aus seinem Mund aus.

24.246 Dharma ist allgemein, makellos, ohne Anfang und Ende und alldurchdringend. Selbst für Erwachte ist er ohne die durch seine Gnade [geklärte] Einsicht schwer zu erlangen. [Die Zuordnung der letzten Wortgruppe ist nicht ganz sicher.]

24.247 Höre die äußere Gestalt, durch die man zu ihm gelangen kann: Sie gleicht dem Schneegebirge, hat ein freundliches Gesicht und vier Arme.

24.248 Er trägt Kāma und Artha, Verlangen und Wohlergehen, unter der Gestalt von Muschelhorn und Lotus und gewährt sie durch sein Erkennen denjenigen, die auf dem guten Weg stehen.

24.249 Man vergegenwärtige ihn mit einer weißen Gebetskette und einer segnenden Hand. [Bei Hayagrīva] ist die gesamte unvergängliche Wirklichkeit der Dinge von Sprache erfüllt,

24.250 als die seinem Wesen innewohnende Kraft: Er ist Bewusstsein und von grenzenlosem Glanz. Nun meditiere man über den Herrn der Sprache mit dem erhabenen Pferdegesicht,

24.251 leuchtend wie ein Sonnenstein und mit vielen Armen versehen. [Er hält] einen Lotus, eine Gebetskette und einen mit den drei heiligen Feuern ausgestatteten Altar,

24.252 die beiden Opferlöffel Sruc und Sruva mit einem Strom von Ghee, eine mit Soma verbundene Grasunterlage, Darbha-Gras, Tierfell und Gürtel: diese Gegenstände in den sechs rechten Händen. [Die Gruppierung der Gegenstände und der Ausdruck für die Soma-Unterlage sind nicht sicher.]

24.253 In seinen linken Händen vergegenwärtige man Buch und Muschelhorn sowie Stab, Wassergefäß und Schöpfkelle: diese drei zusammen in einer Hand.

24.254 Die fünfte ist mit Körnern aus bebautem Land und aus dem Wald für die Opfermahlzeit gefüllt. [Die sechste hält ein Gefäß] mit Girlanden, Wurzeln, Früchten und Blättern, Opfergaben und Ehrengaben,

24.255 ein Camasa-Gefäß, versehen mit den Hilfsmitteln aller Lebensstände. Es ist in seinem sechsten Arm zu meditieren. Er ist umgeben vom verkörperten Ṛgveda und den übrigen [Vedas],

Die Erscheinungsformen des Herrn

24.256 den Vedāṅgas, Upavedas, den Saṃskāras und Opfern. [Über den im einen Ozean Ruhenden meditiere man] im Ozean der Guṇas, der den Grund für die Erde der Veränderungen bildet. [Der Übergang zur neuen Beschreibung ist sprachlich unsicher.]

24.257 Der Allwissende durchdringt mit seiner Kraft die Vierheit, die mit dem Geist beginnt und mit Prakṛti endet, und besteht als Puruṣa. [Die vier Glieder sind hier nicht einzeln genannt.]

24.258 Man vergegenwärtige den „im Ozean Ruhenden“ genannten Gott, auf dem Schlangenlager ruhend und im Glanz des Goldes, umgeben vom verkörperten Diskus und den übrigen Insignien.

24.259 Lakṣmī massiert ihn, Schlaf hat ihn erfasst; Prīti fächelt ihm zu, und Vidyā besingt ihn.

24.260 Nun meditiere man über den Gott Kūrma in Schildkrötengestalt, o Träger des Pfluges: glänzend wie flüssiges Gold und durch sein eigenes Vermögen im Wasser ruhend.

24.261 Er ist ewig; die zwei Paare seiner Füße sind die Kalās, beginnend mit Śakti. Er ist reich an den Kalās, beginnend mit Śānti, und lässt die drei heiligen Offenbarungen ertönen.

24.262 [Die folgende Gestalt] gleicht einer Flachsblüte, trägt Muschelhorn, Diskus und Keule; ihre Glieder sind die Geräte des Opfers. Sie vermag die Versunkenen emporzuheben.

24.263 Sie ist die Grundlage der Fülle ihrer eigenen Kräfte und strahlt als Wollen, Erkennen und Handeln. Immerfort geht sie in Wogen von Funken vielfältiger besonderer Erkenntnis auf.

24.264 [Man meditiere über] diesen ungeborenen höchsten Herrn, der die im Herzen sitzende, unvermindert heftige Verblendung zerschlägt und nicht in Worten auszudrücken ist. [Der zusätzliche Ausdruck nadrādam am Anfang des zweiten Halbverses bleibt unübersetzt; seine Bedeutung ist nicht sicher geklärt.]

24.265 Über den Gott Nṛkesarin meditiere man als glühendem Gold gleich, umgeben von Funken flammenden Feuers, die aus seinem eigenen Leib hervorgehen.

24.266 Er trägt Diskus und Muschelhorn, ist von großer und sehr furchterregender Gestalt. Mit beiden Händen, die durch die Reihen ihrer [leuchtenden] Nägel strahlen,

24.267 gewährt er durch sein Erkennen den hingebungsvoll Übenden die höchste [Stufe] samt Furchtlosigkeit. [Das gedruckte sābhayam bedeutet wörtlich „mit Furcht“; die beabsichtigte Lesung bleibt zu prüfen.] [Als Amṛtāharaṇa] ist der Herr der Bringer des Nektars, dessen Einsicht von Nektar erfüllt ist.

24.268 Man meditiere über ihn in gelbem Gewand, mit einem Gesicht und vier Armen, einer Hand an der Hüfte, geschmückt mit Muschelhorn und Diskus.

24.269 Mit der rechten Hand trägt er in der Mitte [den Berg beziehungsweise seine Berggestalt]. Er ist von reiner Erkenntnis durchdrungen und nimmt die Furcht vor dem Entstehen karmischer Bindung. [Der Bezug der Berggestalt ist nicht sicher.]

24.270 Der seine Verehrer Liebende weist ihnen durch seine eigene Einsicht den rechten Weg. Nachdem er den durch Māyā gequirlten Milchozean aufgewühlt hat, bringt er [den Nektar] zum Vorschein,

24.271 den heilsamen Nektar, der Hunger, Durst und den übrigen [Bedrängnissen] entgegenwirkt. Rein und unvergänglich soll [der Herr] inmitten des „Māyā“ genannten Ozeans vergegenwärtigt werden,

24.272 als unvergleichlicher Nektar des Selbst, der die Abhängigkeit von Nahrung aufhebt. [Nun] meditiere man über den Gott der Götter, Śrīs Gemahl, dessen Glanz dem Inneren einer Lotusblüte gleicht.

24.273 Zwei seiner Hände sind mit Muschelhorn und dem Herrn der Waffen [Diskus] geschmückt; die anderen beiden reicht er wie im Spiel bei der Vermählung mit der Göttin dar.

24.274 Er offenbart sein Anfangslossein zusammen mit Prakṛti: „Diese Prakṛti ist von meinen Händen durchdrungen, und ich bin [der Träger] der Prakṛti,

24.275 denn ich bin ihre Stütze. Inmitten der Gestalt ist sie mit ihr wesenseins.“ Indem die [Übenden] sich auf sie stützen, [überqueren sie] mühelos den schwer zu überwindenden Ozean der Guṇas,

24.276 bald schon, wenn sie ganz der Meditation über die offenbarte Gestalt hingegeben sind. [Über Kāntātman meditiere man als] jugendlich erblühten Gott mit von Entzücken bewegten Augen,

24.277 leuchtend wie ein erblühter roter Lotus, ohne die eigene Erinnerung aufzugeben. Man vergegenwärtige ihn in der Gestalt einer schönen Frau, welche die drei Welten in Erstaunen versetzt.

24.278 Er strahlt mit dem mondgleichen Gesicht, das vom Nektar der Wonne erfüllt ist, und mit der Kruggestalt in seiner Hand. [Die Zuordnung der beiden Glanzbeschreibungen ist grammatisch nicht eindeutig.]

24.279 Mit den Pfeilen spielerischer Seitenblicke und Worte bezwingt er den Feind der Götter. In seiner Hand ist eine Mangoranke, die von Bienenschwärmen bedeckt ist.

24.280 Der sehr furchtbare, Rāhu genannte [Widersacher], dessen Wesen „Gestalt der Zeit“ heißt, verschlingt unablässig in körperlicher und unkörperlicher Weise

24.281 die aus Feuer und Soma bestehende Gestalt, welche die Handelnden unterstützt. [Der Herr,] der innen als Lebenshauch und die übrigen [Lebenskräfte], außen als Mond und Sonne besteht,

24.282 lenkt den Sieg über ihn für diejenigen, deren Inneres der Wahrheit und Meditation gewidmet ist. Man vergegenwärtige ihn äußerlich in offenbarter Gestalt, mit unbewegter, klarer Bewusstheit.

24.283 Er hat die Farbe einer dunklen Regenwolke und Augen wie Lotusblätter. Er gleicht der Mittagssonne und hebt in der Hand den zwölfspeichigen [Diskus] empor. [Die zusammengesetzte Attributangabe lässt auch eine andere Gliederung zu.]

24.284 Die linke Hand ruht leicht an der Hüfte; [er trägt] die schwere Keule, die auf dem Erdboden aufsteht. [Der Sanskritsatz lässt die genaue Verbindung der Hände und Attribute offen.]

24.285 Der schwer zu bezwingende Rand des Zeitrades, der „Unwissenheit“ heißt, nimmt eine gefestigte Gestalt an und erschüttert [die Übung],

24.286 Japa, Opferhandlungen und das übrige durch die Macht der Dunkelheit. Man meditiere über den Gott, der ihre Ausbreitung beendet, im Glanz eines königlichen Edelsteins,

24.287 erhellt von den Strahlen der Erkenntnis und auf Garuḍa sitzend, der von reinem Sattva erfüllt ist. Sein Wesen nimmt die Form vieler Waffen an; seine Arme verkörpern heilsames Wissen.

24.288 In den sechs rechten Händen trägt er Diskus, Schwert, Keule, Pfeil, Elefantenhaken und Speer. [Links trägt er] eine Śakti-Lanze, cāpa und kārmuka [zwei Wörter für Bogen],

24.289 Stößel, Hammer und furchtbaren Schild in den linken Armen. [Eine Lesart ersetzt cāpa durch „Schlinge“.] Über Pārijātajit, den Bezwinger des Pārijāta, meditiere man als einen Gott in der Farbe eines Mangoblattes.

24.290 Sein Handeln ist mühelos, seine wunderbaren Taten sind zahlreich. [Er wendet sich] den verkörperten Verehrern zu, die in beständiger Hinwendung stehen,

24.291 [und dem Baum,] der auf dem Boden ihres Bewusstseins aufgewachsen ist: vergänglich, [verlockend] und wie das Geäst eines Banyanbaums gestaltet, gekennzeichnet durch die Bindung der Unwissenheit. [Der Satzbau und das Wort vor dem Baumvergleich sind beschädigt.]

24.292 Der weit ausgebreitete Baum des Karma ist voller Früchte aus Verblendung und Māyā. Um seine Entwurzelung zu vollbringen, [tritt der Herr] in den Menschen ein, dem er Gnade schenken will.

Waffen als Sinnbilder der inneren Befreiung

24.293 Aus Mitgefühl verweilt der Herr der Welt mit einem Anteil [seiner Gegenwart] in ihm. Er wird zum Wesen der Unterscheidungskraft und trägt das schützende Gefüge der Arme der Erkenntnis.

24.294 Er trägt die Kraft, Herrschaft, Dharma, Losgelöstheit und innere Ruhe zu festigen. Er ergreift die Schar der Waffen der Selbstbeherrschung und der spirituellen Disziplin,

24.295 besiegt die feindlichen Kräfte der Sinne und schneidet die Mängel der Handelnden ab. Seine Gestalt als Sieger über die Götter vergegenwärtige man mit zwölf Armen.

Die inneren Waffen der Praxis lösen Bindung: Erkenntnis, Sammlung und geistige Disziplin.

24.296 Er trägt göttliche Girlanden und Gewänder und ist mit göttlichem Schmuck geschmückt. Er hat vier Gesichter und schöne Augen; seine Geliebte ruht auf seinem linken Schoß.

24.297 In den sechs rechten Händen hält er Schwert, Diskus, Keule, Pfeil, Stößel und den vortrefflichen Baum. [Links hält er] Muschelhorn, Elefantenhaken und Bogen,

24.298 Schirm und Schlangenschlinge: diese befinden sich in den linken Armen des Herrn. Mit dem sechsten Arm, der einen Lotus trägt, umfasst er die Göttin.

24.299 Die Göttin legt ihre Hand an seine Schulter; unablässig auf ihn gesammelt, fächelt sie ihm ehrerbietig mit einem weißen Wedel zu.

24.300 [Man meditiere über] Lokanātha, den Herrn der Welt, mit großen Augen, von allen Göttern verehrt, auf dem Löwenthron sitzend, mit in der Meditation geöffneten Augen. [Die englische Übersetzung versteht sie als geschlossen; der Sanskritdruck hat unmīlita.]

24.301 Er sitzt im Lotussitz, leuchtet wie das Innere einer Lotusblüte, und seine Einsicht ist von Mitgefühl durchdrungen. Seine Hände tragen Muschelhorn und Lotus.

24.302 Er zeigt die drei Wege von Erkenntnis, Losgelöstheit und gutem Dharma. Nun vergegenwärtige man den „Datta“ genannten [Herrn], die unberührte Verkörperung der Erkenntnis.

24.303 [Er wirkt für] Menschen, Weise und Götter, deren Inneres sich dem Samādhi widmet, die bereits einen ersten Geschmack [der Gottesnähe] gefunden haben und dem Weg Brahmans folgen.

24.304 Mit der Fülle seines eigenen Lichts erhellt er den guten Weg. Er vermag das Einströmen der Lebenshauche zusammen mit dem Geist anzuhalten,

24.305 [und ordnet] die Offenbarungen, Āgamas und Handlungen sowie die sozialen Stände, Lebensstadien und die jeweils zugehörige Lebensführung. [Der syntaktische Anschluss an den vorherigen Vers ist nicht eindeutig.]

24.306 Er ist der Beschützer der Stände und Lebensstadien. Auf dem unbewegten Baum der Einsicht, der im einen Ozean des Geistes steht,

24.307 reich an den Ranken der Benennungen, vergegenwärtige man ihn ruhend: dunkel wie ein Berg in der Regenzeit, im Leuchten dem Feuer gleich.

24.308 Er vernichtet das Geflecht der Hindernisse und die Ansammlung von Schlaf und Trägheit. In der Gestalt eines hervorragenden Zweimalgeborenen, einem erblühenden Lotus gleich,

24.309 ist er zweiarmig, mit Stab, Darbha-Gras und Gebetskette zu meditieren. [Nun meditiere man über] den Herrn, der auf dem Banyanblatt ruht und mit dem Mondlicht seiner Zähne die Unwissenheit besiegt.

24.310 Er ruht leicht auf dem Rücken, zweiarmig und in Kindergestalt. Er hat die Waffen abgelegt und verweilt frei vom Verlangen nach Schlaf.

24.311 Ohne sein eigenes Wesen aufzugeben, lässt er durch die Kraft der Yogamāyā, mit Aus- und Einatmen, [die Welt] hervorgehen und nimmt sie wieder in sich auf,

24.312 die gesamte vom Handeln geprägte Welt bis hinauf zur Welt Brahmās. [Matsya erscheint] in nichtmenschlicher Gestalt mit darin verhüllten Gliedern.

24.313 Man vergegenwärtige den Lenker inmitten des Wassers seiner eigenen Māyā, geschmückt mit der Schar der Eigenschaften, beginnend mit Erkenntnis, die seine Flossen bilden.

24.314 [Brahman] erhebt sich aus sich selbst und tritt hervor, mit einem einzigen Horn geschmückt. Am Ende eines Weltzeitalters vergegenwärtige man ihn, wie er [die Erde] trägt,

24.315 die weite Erde in Gestalt eines Schiffes, auf dem sich die Schar der Prajāpatis befindet. Sein makelloser Leib gleicht einer Perle,

24.316 und seine Augen sind unablässig offen: So vergegenwärtige man ihn in Fischgestalt. [Vāmana ist derjenige,] der aus Mitgefühl stets selbst für die Weisen wirkt, die sich vor dem gebundenen Dasein fürchten.

Askese und geistige Disziplin

24.317 Im Herzen gegenwärtig und leuchtend wie zehntausend Sonnen, besiegt er mit dem Stab der spirituellen Disziplin die furchtbare Macht der Unwissenheit samt dem Heer der feindlichen Sinneskräfte

24.318 und gewährt bald die Freude Brahmans zum wahren Glück. Über ihn meditiere man als klein von Gestalt, dunkel und mit Augen wie Lotusblätter.

24.319 Alle Welten ruhen in seinem Inneren. Er trägt verfilztes Haar und ein Bastgewand; in seiner linken Hand ist ein Schirm, in der anderen ein Bambusstab.

24.320 [Als Trivikrama] durchschreitet der unendliche Bhagavān die [Zustände] vom Wachen an, die im Glanz von Sonne, Mond und Feuer stehen, und verweilt als der „Vierte“, Träger der Fülle des Bewusstseins. [Das Wort nach „durchschreiten“ ist im Druck unregelmäßig.]

24.321 Nach seinem Willen lässt er aus seiner eigenen Stufe eine nektarhelle Kraft hervorgehen, welche den Handelnden mit geläutertem Inneren Freude schenkt.

24.322 Man meditiere über ihn, wie er die drei Welten erfüllt, mit grünlich-gelbem Glanz und geschmückt durch eine Schar von Armen, die verschiedene Mudrās und Waffen tragen.

24.323 Der Bezwinger der Feinde trägt mit dem bis zum Himmel aufgerichteten Bein die himmlische Gaṅgā und die heilige Siegesfahne für die Götter, die nach Sieg verlangen. [Der Anfang des Verses ist beschädigt.]

24.324 Schwert, Diskus, Keule, Stab, Pfeil, Elefantenhaken, Hammer, Śakti-Lanze, Axt und ein gewaltiger Berg befinden sich in den zehn rechten Armen.

24.325 Muschelhorn, Wurfspeer, Śārṅga-Bogen, Schlinge, Dreizack, Baum, Donnerkeil, Messer, Pflug und großer Stößel

24.326 sind in den linken Händen zu meditieren; weitere zehn zeigen Mudrās. [Diese werden] durch Furcht, Erstaunen, Herz, Haarzopf und Ergreifen gekennzeichnet. [Die zusammengesetzte Liste ist nicht sicher zu gliedern.]

24.327 Fünf Mudrās des Herrn sind in dem einen Fünferpaar der Hände zu meditieren; [für die rechten folgen] die „Segensgewährung“, „Gedeihen“, „Verbindung“ und [„Furchtlosigkeit“] genannten. [Das gedruckte letzte Attribut bedeutet wörtlich „mit Furcht“ und ist unsicher.]

24.328 sowie die schützende Gebärde in derselben Zahl rechter Hände. [Bei Nara und den übrigen ist es der Herr,] der den Menschen von begrenztem Selbstverständnis den Faden des Alls samt seinen Perlen erklärt hat,

24.329 in der Gestalt einer Achtzahl von Eigenschaften, ohne die zuvor beschriebenen Formen. Er ist vierfach, ohne Insignien und Waffen, zu vergegenwärtigen. [Der Druck nennt acht Eigenschaften; die englische Übersetzung setzt hier sechs voraus.]

24.330 [Die vier Gestalten] behüten stets die Vierheit von Japa, Yoga, ritueller Handlung und Tapas und gewähren heilige Entfaltung und Befreiung.

24.331 Sie beginnen mit Nara und enden mit Kṛṣṇa und [werden] nach Wunsch getrennt oder gemeinsam [meditiert]. Nara leuchtet wie Koralle und hat halb geöffnete Augen.

24.332 Seine innere Haltung ist nach innen gesammelt, sein Geist ganz auf das Brahman als Klang gerichtet. Unbemerkt wiederholt er ein aus Wortgliedern bestehendes Mantra.

24.333 Eine Gebetskette aus Kristall in seiner Hand schmückt ihn; mit der linken Hand zählt er ihre Umläufe.

24.334 Nun meditiere man über den Gott Nārāyaṇa, weiß wie eine Wasserlilie. Seine Hände bilden den Brahmāñjali; er ist friedvoll, und sein Geist ruht im Herzenslotus,

24.335 während er sein eigenes Selbst mit der höchsten, unvergänglichen Stufe verbindet. Danach meditiere man über Hari, im Glanz des Goldes, mit einem Wassergefäß.

24.336 Seine Hand ruht auf dem Sitz. Er erklärt den Abschnitt über die rituellen Handlungen und liest unablässig die Schriften, das Pāñcarātra voran.

24.337 [Man meditiere über] Kṛṣṇa, dunkel wie ein blauer Lotus, mit erhobenen Armen und verfilztem Haar, auf einem Fuß stehend und den Lebenshauch in sich aufnehmend,

24.338 strengen Askesen hingegeben, [darunter Gelübde über] eine, drei, sechs und zwölf Nächte sowie weitere [Zeiträume]; er unterweist auch in Fasten über einen halben oder ganzen Monat. [Die zusammengezogene Zahlenfolge des Drucks ist beschädigt.]

24.339 Alle tragen ein schwarzes Antilopenfell als Überwurf und ockerfarbene Gewänder. Alle tragen die Zeichen Brahmans; alle sind ganz auf Brahman ausgerichtet.

24.340 Sie sind den wesentlichen Handlungen gewidmet, um die Rechtschaffenen anzuleiten. Der jeweiligen Zeit entsprechend wenden sich alle [den erforderlichen Aufgaben] zu.

Nichtanhaften und Unterscheidungsvermögen

24.341 Bhagavān fällt mit der „Axt“ genannten Kraft der Nichtanhaftung die Bäume des Karma der Handelnden, deren Wurzeln die Bindung bilden.

24.342 Über ihn meditiere man als zweiarmig, leuchtend wie die aufgehende Sonne, in ein schwarzes Antilopenfell gekleidet und mit einer vortrefflichen Axt in der Hand.

24.343 [Śrī Rāma ist derjenige,] der für die Yogis den furchtbaren Nachtwanderer des Geistes mit seinen zehn Gesichtern der Sinne durch die Pfeilschar der Unterscheidungskraft zur Ruhe bringt.

24.344 Über ihn, das Selbst des Alls, meditiere man im Glanz einer wasserreichen Regenwolke, mit Augen wie rote Lotusse und mit Bogen und Pfeil in den Händen.

Eine Deutung aus dem Text selbst: Die Axt bezeichnet in Vers 341 die Kraft des Nichtanhaftens; die Pfeile in Vers 343 sind Unterscheidungsvermögen. Diese innere Lesart wird hier ausdrücklich vom Sanskrit eröffnet. Sie wird nicht nachträglich allen Ritualangaben unterlegt.

24.345 [Als Vedavyāsa ist er derjenige,] der die aus ihm selbst hervorgegangene Sphäre der Sprache und des Veda, die durch den Glanz seines Wesens gekennzeichnet ist, dreifach gliedert, beginnend mit Paśyantī.

24.346 Sie tritt der Reihe nach an den mit Bewusstsein, Lebenshauch und Herz beginnenden Orten hervor. Auch über diesen Bhagavān meditiere man im Glanz der Flachsblüte. [Die genaue Verbindung der inneren Orte bleibt zu klären.]

24.347 In der linken Hand trägt er das Buch mit dem Sinn aller Schriften; mit der rechten weist er auf ihre Bedeutung hin, wie sie tatsächlich ist.

24.348 Als Kenner der drei Zeiten teilt er den einen Veda in vier, um das Verständnis der Unterschiede zu ermöglichen, die den Weltaltern entsprechen. [Der Ausdruck für das Hervorbringen des Verständnisses ist im Druck beschädigt.]

24.349 [Als Kalki wirkt er für] diejenigen, die dem Geben und dem Dharma, der Verehrung und dem Opfer sowie Tapas und Schriftenstudium hingegeben sind, [und schützt sie] vor erneuter Geburt.

24.350 Zu ihrem Schutz und zur Offenbarung der Erkenntnis ihrer Eignung erhebt sich der Herr der Welt aus dem Boden ihres Herzenslotus.

24.351 Er besteigt das Pferd des Geistes, ergreift die Waffen der Eigenschaften des Selbst und entwurzelt rasch das in Hunderten früheren Geburten entstandene

24.352 Geflecht der auf Sinnesgegenstände gerichteten Prägungen, damit reine Erkenntnis vollkommen werde. Man meditiere über ihn mit [hellgelbem] Glanz, seine Gestalt in einen Panzer gehüllt. [Die Farbbezeichnung ist beschädigt.]

24.353 An der Stirn trägt er einen weißen Turban und nicht allzu lange Haarflechten. Er leuchtet wie flüssiges Gold; an seiner Mitte sind zwei Köcher angebracht.

24.354 Seine Hände sind mit Pfeil und Bogen beschäftigt; er trägt Schwert, Speer und Axt. Er schützt Opfer, Lernen, Geben und die übrigen [heiligen Handlungen]

24.355 und bezwingt die außerhalb der Standesordnung Stehenden, deren Inneres dem Adharma hingegeben ist. [Als Pātālaśayana ist er] das Prinzip, auf dem alle Prinzipien ruhen, der alldurchdringende Herr, erfüllt von allen Kräften.

24.356 Er erscheint durch die Eigenschaften sämtlicher Sinne und ist doch frei von allen Sinnen. Man meditiere über ihn als unterhalb aller Welten gegenwärtig.

24.357 Er ruht auf dem Lager des Ananta und leuchtet wie das Feuer am Ende eines Weltzeitalters. Reihen brennender Flammen und Feuerstrahlen umgeben ihn.

24.358 Die Schar der verkörperten Waffen, beginnend mit dem Diskus, umgibt ihn. Lakṣmī steht bei seinen Füßen, Cintā rechts vom Herrn,

24.359 Nidrā befindet sich bei seinem Kopf, Puṣṭi steht zu seiner Linken. Damit ist die Meditation über die Hauptgottheiten in knapper Form erklärt.

Die Kennzeichen göttlicher Gegenwart

24.360 Durch deren Erkenntnis enden Geburt, Tod, Alter und Krankheit. Bei jenen [Gestalten], deren besondere Erscheinung in den drei Welten nicht durch Waffen, Gewänder oder Fahnen deutlich wird,

24.361 befindet sich eine Gruppe von Kennzeichen an den Füßen, der Stirn, der Schulterpartie, am Rücken und auf den beiden Handflächen,

24.362 im Körperhaar und auf dem Scheitel, damit die Handelnden sie erkennen können. Selbst bei einem im Saṃsāra gebundenen Wesen, das seinem Wesen nach Vaiṣṇava ist,

24.363 geht das Kennzeichen Acyutas nicht verloren; um wie viel weniger bei einer göttlichen Vibhava-Gestalt! Dass alle nach eigenem Willen erscheinen können, habe ich zuvor erklärt.

24.364 Dies zeigt sich überall und jederzeit an Füßen, Armen, Farben, Gesichtern, großen oder mittleren Ausmaßen sowie an den unterschiedlichen Zahlen von einem bis zu vielen. [Die Kasusverbindungen des Verses sind unregelmäßig.]

24.365 Man soll daraus keine wesensfremde Gestalt machen; das Annehmen einer frei gewählten Form ist ein Mittel. Denn in diesem Tempel des Alls ist das Wirken jeweils verschieden,

24.366 bei den Göttern zur Zeit von Erhaltung, Auflösung und Schöpfung jeweils ihr eigenes. Obwohl diese Ordnung feststeht, geschieht dennoch nach dem Willen Bhagavāns [eine besondere Entfaltung]:

24.367 Wie aus der Gruppe der vier Wesensgestalten die auf dem Lotusblatt befindliche [Erscheinung hervorgeht], so [erscheint] aus der Mitte der Vibhava-Götter der Lotusäugige,

24.368 der eine Śaktyātman, um den Menschen geläuterten Inneren Gnade zu schenken. Er trägt eine in vielerlei Weise entfaltete Gestalt und ruht auf einem vortrefflichen Reittier.

24.369 Höre nun von mir über jenes [Reittier], durch dessen Vergegenwärtigung, Meditation und Verehrung ein Mensch bald das ersehnte Ziel seines Herzens erreicht.

Garuda und die fünf Lebenskräfte

24.370 Satya, Suparṇa, Garuḍa, Tārkṣya und Vihageśvara: Diese fünf Erscheinungen gehören zum fünffachen Lebenshauch.

24.371 Wessen Leib bis hinab zu den Füßen menschlich ist, wer zwei Arme hat und wie Schnee glänzt, das ist Satya, die Gottheit des Prāṇa.

24.372 Suparṇa ist rein, leuchtet wie Rubin und hat goldene Augen. Garuḍa leuchtet wie Gold und hat geschwungene Brauen und rote Augen.

24.373 Tārkṣya hat schräg blickende Augen und gleicht einer Regenwolke. Der fünfte hat Augen wie flüssiges Gold und einen vielfarbigen Glanz.

24.374 Suparṇa und die folgenden sind vierarmig, von freundlicher, ungetrübter Gestalt. Alle haben Vogelfüße und sind mit einer Fülle von Flügeln geschmückt.

24.375 Sie haben vorgewölbte Bäuche und kräftige Glieder, tragen Ohrringe und anderen Schmuck, geschwungene Brauen, runde Augen, gebogene Schnäbel und lächelnde Gesichter.

24.376 Sie herrschen über Apāna und die weiteren Lebenswinde, besitzen große Kraft und große Leiber. Der fünfte hat einen roten Schnabel.

24.377 Die linke Hand des ersten liegt unter dem Fuß des von ihm getragenen [Herrn]; die rechte glänzt mit einer reinweißen Gebetskette.

24.378 Ebenso ist ein Armpaar Suparṇas zu verstehen. Seine andere linke Hand ruht nach oben geöffnet beim Nabel und zeigt die Gebärde des Staunens.

24.379 Die andere rechte ist nach oben geöffnet und voller Blumenbüschel. Bei Garuḍa vergegenwärtige man ein Händepaar in Añjali-Haltung vor dem Herzen.

24.380 An derselben Stelle bildet das Händepaar des vierten ein geschlossenes Gefäß. [Beim fünften sind] rechts der Nektarkrug und links die gefährliche Schlange.

24.381 Dies ist das übrige Händepaar des fünften; bei den drei [letzteren] ist das [erste Paar] den beiden [ersten Gestalten] gleich. Wenn die rechte Hand unter dem Fuß des getragenen [Herrn] liegt,

24.382 wird die Gebetskette in die linke versetzt. Liegen dagegen beide Handflächen unter den Füßen des getragenen [Herrn],

24.383 dann ist dieses Reittier ohne Gebetskette und ganz von Bhagavān erfüllt zu verstehen. Der auf Gnadengewährung ausgerichtete [Herr] sitzt auf dem Lotussitz der Vogelflügel,

24.384 der mit einem vortrefflichen Kissen aus dem eigenen Licht und Vermögen versehen ist. Er sitzt im Lotussitz oder einer anderen Haltung, allein oder mit Śrī.

24.385 Wenn seine Glieder deutlich erkennbar angeordnet sind, erkenne dies als Garuḍāsana, das Sitzen auf Garuḍa. Die Schamgegend samt Bauch wird vom schnell fliegenden Vogel bedeckt,

24.386 der sie mit seinem Kopf vor dem Verlust der Zeugungskraft bewahrt. Um Aufgaben in anderen Welten zu erfüllen und aus liebevoller Zuwendung zu den Meditierenden

24.387 wird der auf Garuḍa Fahrende vergegenwärtigt, damit er unmittelbar geschaut werden kann. Daher [soll man] Bhagavān Viṣṇu, der diese Gestalt trägt,

24.388 wenn er zur Vollendung angerufen wird, in seiner sitzenden Haltung vergegenwärtigen: mit eingezogenem linkem Fuß, auf dem Lotus oder auf dem Vogel.

24.389 Die linke [Haltung] vernichtet die von anderen beabsichtigten Wunschfrüchte. Wenn das rechte Bein vom Knie an nicht [ausgestreckt beziehungsweise fortbewegt] ist, wird Acyuta entsprechend vergegenwärtigt. [Die genaue Gegenüberstellung der Beinpositionen bleibt unklar.]

24.390 Bei der rechten [Haltung] gewährt er den Meditierenden alle Vollendungen bis zur Befreiung. Aufrecht stehend gilt er als derjenige, der den Bittenden alles gewährt.

24.391 Dies gilt auch für den Svastika-Sitz und die übrigen Haltungen. Diese sind jedoch ohne Reittier vorgeschrieben, auf einem Sitz, einer Wasserlilie oder einem Löwenthron.

24.392 Auch der König der Vögel entfaltet hier durch die Herrschaft des Yoga seine Gesichter und seine Armeschar, versehen mit Schlangenkönigen und vortrefflichen Waffen.

24.393 Dies geschieht auf Befehl des Herrn oder um ihn zu erfreuen, für den Sieg über die Welt und zum Frieden derer, die Zuflucht suchen.

Göttinnen und Schutzgestalten

24.394 In unterschiedlichen Gestalten bewegt er sich allein durch die verschiedenen Welten, ungehindert und von außerordentlicher Kraft.

24.395 Höre nun von mir die vielen verschiedenen Gestalten des Herrn der Kraft, der auf ihm reitet.

24.396 Mit der rechten Hand gewährt er den Wesen stets Frieden; mit der linken trägt er das Muschelhorn mit den zuvor beschriebenen Merkmalen.

24.397 Dies ist die Gestalt des zweiarmigen Śaktīśa allein. In dieser Gestalt erscheint er wiederum sechsfach,

24.398 jeweils mit einer Gruppe von Gefährtinnen, beginnend mit einer. Wie zuvor mit Lakṣmī verbunden, ist dies die erste herrscherliche Gestalt.

24.399 Als zweite wird er zwischen Śrī und Puṣṭi beschrieben. Die nächste ist von der Vierheit umgeben, die mit Śrī beginnt und mit Māyā endet.

24.400 Die vierte erkenne nun mit der Sechsergruppe, beginnend mit Śuddhi; die fünfte mit der Achtergruppe von Śrī bis Puṣṭi.

24.401 Die sechste erkenne mit der Zwölfergruppe, beginnend mit Lakṣmī, verbunden. Śrīdevī, Kīrtidevī und Jayādevī, o Träger des Pfluges,

24.402 und als vierte Bhagavāns Māyā, die diese Welt bindet. [Die folgende Gruppe umfasst] Śuddhi, Nirañjanā, Nityā, Jñānaśakti und Aparājitā

24.403 sowie die schöne Prakṛti: Diese Sechsergruppe gilt als alle Vollendungen gewährend. [Zur Achtergruppe gehören] Lakṣmī, Śabdanidhi, Sarvakāmadā und Prītivardhanī,

24.404 Yaśaskarī, Śāntidā, Tuṣṭidā und Puṣṭidā. Was über die Verbindung der Göttinnen mit der zwölffachen Entfaltung erklärt wurde,

24.405 das ist hier als die mit Lakṣmī beginnende Gruppe innerhalb dieser zum höchsten Herrn gehörenden Gliederung zu verstehen. Nun [folgt] in gleicher Weise eine besondere siebenfache Gliederung der vierarmigen Gestalt.

24.406 [Die vierarmige Gestalt trägt] Muschelhorn und Diskus mit zwei linken Händen und gewährt dieser Welt mit der ersten [Hand] dauerhaften Frieden. [Die Handzuordnung ist widersprüchlich überliefert.]

24.407 Mit der zweiten rechten Hand trägt sie die Keule. Wiederum [hält sie] mit den vier Händen in der zuvor genannten Reihenfolge

24.408 die vier [Attribute], beginnend mit dem Lotus, in wechselseitiger Anordnung. So nimmt sie allein, ohne begleitende Śakti, zwölf Gestalten an.

24.409 Diese [Gruppe] besteht wiederum mit zwei Śaktis und mit weiteren Ergänzungen sechsfach, o Lotusäugiger. [Die Zahlen- und Wortangaben des Drucks sind beschädigt; die genaue Gesamtzählung bleibt offen.]

24.410 So besteht sie schon mit vierarmigem Leib in vielfältiger Weise. Wiederum siebenfach, beginnend mit sechs Armen und mit steigender Armzahl,

24.411 erscheint der Gott auf vielerlei Weise. Vernimm dies: mit sechs, acht, zehn und zwölf Armen,

24.412 mit vierzehn, sechzehn und achtzehn Händen. Bei allen bestehen wie zuvor sieben Arten, beginnend mit dem Alleinstehenden.

24.413 Höre ihre Kennzeichnung durch die jeweilige Anordnung der Waffen. Der Sechsarmige trägt rechts Schwert, Lotus und Keule,

24.414 in den drei linken Händen Bogen samt Pfeil, Muschelhorn und die höchste Waffe [Diskus]. Der Achtarmige trägt rechts Keule, Stößel, Diskus und Schwert,

24.415 links Muschelhorn, Elefantenhaken, Schlinge und Bogen samt Pfeil. [Beim Zehnarmigen] sind die rechten Hände mit Schwert, Pfeil, Keule, Lotus und Śakti-Lanze versehen.

24.416 Der Zehnarmige [trägt links] Bogen, Muschelhorn, Diskus, Schild und die [Furchtlosigkeit gewährende] Gebärde. [Das letzte Attribut ist sprachlich unsicher.] Der mit zwölf Armen Geschmückte [hält] in den sechs rechten Händen

24.417 Lotus, Schwert, Diskus, Pfeil, Keule und Elefantenhaken; links Muschelhorn, Schlinge, Furchtlosigkeit, Śakti-Lanze, Stößel und Bogen.

24.418 Der Vierzehnarmige trägt in seinen sieben linken Armen Muschelhorn, Keule, Elefantenhaken, Schlinge, Stößel, Hammer und Pflug,

24.419 [rechts] Stab, Lotus, Donnerkeil, Diskus, Schwert, Śakti-Lanze und Axt. [Der Sechzehnarmige trägt] in den vorderen Händen [die im folgenden Vers genannten Gegenstände]. [Die zweite Hälfte ist stark beschädigt; die Armzahl folgt dem Zusammenhang.]

24.420 Furchtlosigkeit, Lotus, Schwert, Śakti-Lanze, Stab, Pfeil und Elefantenhaken; [links] Muschelhorn, Diskus, Keule, Donnerkeil, Schlinge, Pflug und Bogen

24.421 sowie die Segensgebärde trägt der Sieger über die Welt in den acht linken Händen. [Der Achtzehnarmige trägt] Lotus, Schwert, Keule, Donnerkeil, Diskus, Pfeil, Segensgebärde und Elefantenhaken

24.422 sowie den Stab in den rechten Händen. [Links trägt er] Muschelhorn, Furchtlosigkeit, Pflug, Śakti-Lanze, Hammer, Stößel, Bogen,

24.423 Axt und unvergleichliche Schlinge. [Die erste Hälfte ist beschädigt.] Der Herr trägt sie, um die Bösen zu bezwingen und die Rechtschaffenen zu schützen.

24.424 Wiederum nimmt der von unermesslicher Wirkkraft [diese] besonderen Gestalten mit lediglich zwei erhabenen Gesichtern an,

24.425 zum Wohl derjenigen, die das Leuchten des Löwen nicht ertragen, die dem Ahnenweg folgen und die sich vor dem Saṃsāra in Verbindung mit Frauen und anderem fürchten.

24.426 Im Bereich des nektarhaften [Mondes] und im stets feurigen südlichen Bereich vertauscht der Herr das linke und rechte Gesicht.

24.427 Zur Mehrung oder Beruhigung der Lichtkraft, o Lotusäugiger, [wirkt] Bhagavān aus diesem äußeren und inneren Zusammenhang:

24.428 Er bringt Feuer und Soma ins Gleichgewicht und besteht in ihrer gemeinsamen Grundlage. Indem er das Gesicht des Herrn der Sprache über dem Kopf zur Erscheinung bringt,

Verkörperte Waffen und ihre innere Bedeutung

24.429 entfaltet er sich vom Grund her vielfach mit fünfgesichtigem Leib, zur Vollendung des Selbst für diejenigen, die dem Brahman als Klang und der Meditation hingegeben sind.

24.430 Um sämtliche Welten von der Unterwelt an zu erfüllen, trägt er mannigfache Leiber und bewegt sich jeweils in einem von ihnen,

24.431 in zehnfach unterschiedener Gestalt, beginnend mit Weiß, ohne die Gesichter Nṛsiṃhas und der übrigen, erfüllt von der Herrlichkeit der Allwissenheit.

24.432 Aniruddha trägt diese Gestalten [auf] Tārkṣya. Ebenso nimmt Pradyumna, auf Garuḍa steigend, [vielfältige] Leibesgestalten an.

24.433 Auch Saṅkarṣaṇa erscheint vielfältig, auf Suparṇa ruhend. Der Gott, das Selbst des Alls, nimmt auf Satya stehend mannigfache Gestalten an, [die letzte Ortsangabe ist im Druck beschädigt],

24.434 um das Leiden von Göttern, Siddhas, Menschen und anderen Wesen zu stillen. Die eigenen Farben der vier gelten auch für ihre weiteren Gestalten.

24.435 Wenn die erste vierarmige Gestalt Viṣṇus und eine andere Gestalt in Farbe und Zeichen übereinstimmen, wird der Unterschied durch das Fahnenpaar kenntlich.

24.436 Durch die rechts befindliche, „Palme“ genannte Fahne erhält sie stets die Unterscheidung ihrer eigenen Gestalt.

24.437 Denn entsprechend der jeweiligen Aufgabe befinden sich die vier friedvollen [Attribute], beginnend mit dem Lotus, in den Händen der Gestalten, in verkörperter oder unverkörperter Weise. [Der Schluss des Verses ist beschädigt.]

24.438 So ist die Meditation über Bhagavān in seinen sämtlichen Gestalten erklärt, ihr Herren der Weisen. Die Meditation über einige göttliche Waffen wurde bereits zuvor beschrieben.

24.439 Nun erkläre ich die Meditation über die übrigen Waffen, ihr Zweimalgeborenen. Der Pflug gleicht einer Wolke in der Abenddämmerung und hat furchtbare Augen.

24.440 Seine Glieder sind schlank, die Schultern hoch, sein Leib ist diamantfest und von außerordentlicher Kraft. Über das Schwert Nandaka meditiere man als tanzend, von seinen eigenen Strahlen durchzogen.

24.441 Es gleicht dem Herbsthimmel und presst die Zahnreihen zusammen. Der Schild gleicht der Sonnenscheibe und hat eine friedvolle Gestalt.

24.442 Er verschlingt mit seinem Mund unablässig und kraftvoll die Scharen von Waffen. Über den Stab meditiere man mit geballter Faust, roten Gliedern und roten Augen.

24.443 [Der Stab ist] verkörperter Zorn und beißt sich mit seinen Zähnen auf die eigene Unterlippe. Die Axt hat die Farbe von Indras Bogen [Regenbogen] und eine furchtbare Gestalt.

24.444 Sie hat Augen wie flüssiges Gold und Haarflechten wie brennende Flammen. Den Hammer [meditiere man] im Glanz des Śatadhāman, mit breiten Schultern und gewaltigem Leib. [Der Vergleichsname ist nicht sicher bestimmt.]

24.445 Er trägt eine Fülle von Haarflechten, ist friedvoll und hat Lotusaugen. Der Donnerkeil steht im Glanz eines Diamanten, mit langen Nägeln gekennzeichnet,

24.446 mit einem durch Hauer furchtbaren Gesicht und Augen wie glühendes Gold. Die Śakti-Lanze leuchtet wie ein Blitz; Gesicht und Augen gleichen beruhigtem Feuer.

24.447 Sie lässt immer wieder das tiefe Grollen dichter Wolken ertönen. Alles Übrige über die Meditation dieser [Waffen] wurde zuvor erklärt, ihr Herren der Weisen.

24.448 Ihre zugrunde liegenden Kräfte werden so zugeordnet, ihr Zweimalgeborenen: dem Pflug die Pflanzen, dem Nandaka alle Schriften, dem Schild die Erde.

24.449 Der Stab ist als Ordnung des Geschicks zu verstehen, die Axt als Losgelöstheit, der Hammer als Ichprinzip, ihr Herren der Weisen.

24.450 Der Donnerkeil ist makellose Erkenntnis; die Śakti-Lanze wird Samadhi genannt. [Nun folgt] die bereits genannte Schar schöner Göttinnen, welche die unterschiedlichen Gestalten des Herrn begleitet.

Innere Kräfte entwickeln: Die vorangehenden Verse verbinden Waffenbilder mit Erkenntnis und Samadhi. Als heutige Anregung lässt sich daraus ableiten: Nicht gegen andere kämpfen, sondern die eigenen Bindungen erkennen und den Geist sammeln.

Die göttlichen Kräfte

24.451 Höre der Reihe nach ihre Meditation, mit einer Grundlage und ohne eine solche. Cintā gleicht dem Bogen Indras; Lakṣmī leuchtet wie ein roter Lotus.

24.452 Puṣṭi ist goldhell, Kīrti weiß wie eine Wasserlilie, Jayā gleicht dem Sonnenglanz, und Māyā gilt als dunkel wie Augenschminke.

24.453 Śuddhi gleicht einer Kiṃśuka-Blüte, Nirañjanā dem weißen Jasmin, Nityā leuchtet wie die Bandhujīva-Blüte, und Jñānaśakti ist weiß-rötlich.

24.454 Aparājitā ist in der Farbe eines erblühten blauen Lotus zu erkennen. Prakṛti gleicht einer roten Wasserlilie; Sarasvatī ist weiß-gelb.

24.455 Die alle Wünsche gewährende Siddhi leuchtet wie Saphir. Prītivardhanī ist in der Farbe einer Fülle von Zinnober zu vergegenwärtigen.

24.456 Yaśaskarī gleicht Milch, Śāntidā glänzt wie Koralle, Tuṣṭi gleicht Schnee und Dayā einem Vaidūrya-Edelstein.

24.457 Nidrā gleicht einem Magnetstein, Kṣamā leuchtet gelb-rötlich, Kānti gleicht einem Spiegel und Dhṛti glänzt wie das goldgelbe Gorocana-Pigment.

24.458 Maitrī gleicht einer Bandhūka-Blüte, Rati dem roten Ocker und Mati dem Smaragd. Alle besitzen freudvolle Eigenschaften. [Andere Lesarten beziehen die Freude auf ihre Gesichter.]

24.459 Sie tragen göttliche Girlanden und Gewänder, vielerlei Schmuck und Umwindungen aus göttlichen Blumengirlanden; ihr Blick ist auf ihren Gemahl gerichtet.

24.460 Von den vier zuvor genannten Śaktis des ruhenden Herrn fächelt die im Osten befindliche dem Ungeborenen zu.

24.461 Die drei in den anderen Himmelsrichtungen widmen sich der Massage. Wo Śrī allein beim Herrn ist, wurde ihre Anordnung bereits erklärt.

24.462 Wo Śrī allein ist, befindet sie sich links oder rechts vom Herrn. Wo das Paar Śrī und Puṣṭi ist, sind sie im Süden und Norden angeordnet.

24.463 Sie sitzen im Lotussitz auf den beiden Flügeln des Vogels. Die erste hält einen Lotusstängel, die andere einen Nektarkrug.

24.464 Der ursprüngliche Leib des Allgegenwärtigen besteht aus Feuer und Soma. Diese beiden Kräfte [gehen aus ihm hervor], mit unterschiedlichen Kennzeichen. [Das Wort vor „unterschiedlichen Kennzeichen“ ist beschädigt.]

24.465 Lakṣmī gilt als die Kraft des Erfahrenden, Puṣṭi als die des Handelnden. [Sie gehören zu] ihm, der aus Mitgefühl mit der Welt zur Erfahrung herabgestiegen ist.

24.466 Zusammen mit ihm ist dieses unvergängliche Kräftepaar hervorgegangen, dessen Entfaltung sich in vielfältiger Weise zeigt.

24.467 Die vier Göttinnen befinden sich in den vier Lotusblättern der Himmelsrichtungen. In ihren Händen sind der Reihe nach Axt, Schlingenwaffe und Elefantenhaken. [Die Aufzählung nennt im Druck nicht eindeutig vier Gegenstände.]

24.468 Die Sechsergruppe befindet sich im Kranz der Staubfäden: zwei im Osten und Westen, jeweils zwei im Norden und Süden. In ihren linken Händen [tragen sie die im folgenden Vers genannten Attribute].

24.469 [Sie tragen] Muschelhorn, Diskus, Keule, Pflug, Pfeilwaffe und das helle Schwert Nandaka. [Nun folgt] die erhabene Gruppe der acht Gefährtinnen, die zwischen den Lotusblättern ihren Platz hat.

24.470 In ihren linken Händen sind der Reihe nach acht [Attribute] zu erkennen: die Bilvafrucht, die Gebetskette, eine Girlande, ein Spiegel und ein Blütenbüschel …

24.471 … ein Sitz, ein Glöckchen und eine Sammlung von Lehrschriften, o Lotusäugiger. Bei den zwölf [Göttinnen] ist die Hand als Kraft spendend zu verstehen, mit [der Geste des Schutzes]. [Der Druck hat sābhaya, „mit Furcht“; die gemeinte Abhayageste ist hier nur sinngemäß erschlossen.]

24.472 Alle sind, in wechselnder Anordnung, mit Wedeln versehen. Sie sitzen im Svastikasitz, im Inneren frohen Geistes.

24.473 O Pflugträger, bei diesen Gruppen von zwei bis zu zwölf [Gestalten entstehen Unterschiede] durch die Farben, angefangen mit Weiß, sowie durch das Vertauschen der Attribute …

24.474 … durch die Verbindung mit gleichen Attributen, durch deren Weglassen oder allein durch die Gesten der Gabengewährung und Furchtlosigkeit in den jeweils wechselnden Händen.

24.475 So ist ihre mannigfaltige Verschiedenheit wie zuvor zu verstehen. Was die übrige Schar der Gottheiten betrifft, die dem Dasein in der Welt dienen …

24.476 … so ist sie wohlbekannt, o Einsichtsvoller. Doch soll man alle wie zuvor mit Lotus und anderen Zeichen an den Handflächen und Fußsohlen meditierend vergegenwärtigen.

Die Verehrung kann im Tempel, zu Hause und im eigenen Herzen stattfinden.

Verehrung nach den eigenen Möglichkeiten

24.477 Wer beständig Hingabe, Vertrauen und heiligen Gelübden ergeben ist, soll alle auf diese Weise meditierend vergegenwärtigen und mit den Gaben der Verehrung dienen, angefangen mit den Darbringungen, die durch Berührung erfolgen.

24.478 Er erlangt bald die ersehnte Frucht, die in Befreiung gründet. [Die verehrte Gestalt sei] von ihrem Gefolge umgeben, das Krone, Waffen und weitere [Insignien] umfasst …

24.479 … und diese ersehnte Gestalt soll mit Hingabe verehrt werden. Man kann sie auch ohne Gefolge verehren, wie sie durch die ihr eigene Meditation bestimmt wird.

24.480 Die Verehrung gewährt wahrlich seine eigene Stätte zusammen mit ihrer Frucht. In diesem Wissen soll der Sadhaka die Verehrung seiner Neigung entsprechend vollziehen …

24.481 … mit reinem Körper und mit allen Gaben, die seinen Möglichkeiten entsprechen: im Herzen, auf dem Altar, an einem äußeren Kultbild, im Tempel oder im eigenen Haus …

24.482 … an einem schönen, sorgsam bereiteten Ort, ohne zahlreiche Umfassungsmauern, frei von Rauch, sengender Hitze und dergleichen und ohne störende Berührung [mit Unreinem].

Spiritueller Ausklang: Das Kapitel endet mit einer weiten Einladung: Verehre im Herzen, im Tempel oder zu Hause, mit den Gaben, die deinen Möglichkeiten entsprechen. Entscheidend bleibt die Verbindung von Hingabe, Vertrauen und aufmerksamer Gegenwart. Auch eine schlichte Handlung kann diese innere Ausrichtung tragen.

Kolophon: So endet in der Ishvara Samhita des heiligen Pancharatra das vierundzwanzigste Kapitel, genannt „Die Merkmale der Mudras und die Art der Meditation auf den Herrn und Weiteres“.

Texthinweise zu Kapitel 24

Grundlage: 482 Verse nach Band V der kritischen Ausgabe, Sanskrit Seiten 1492–1596. Der im Digitalisat fehlende Abschnitt 24.233–241a wurde aus der älteren Druckausgabe, Seiten 629–630, ergänzt. Die dazugehörige englische Seite fehlt ebenfalls. Eingeschobene Kommentarabschnitte und die Kolophone des Kommentators gehören nicht zum übersetzten Grundtext.

Bildbeschreibungen: Mehrere Themen wechseln mitten im Vers. Dies ist in der Übersetzung berücksichtigt, insbesondere bei den personifizierten Waffen in 24.439–447. Die Zuordnung der fünf Garuḍa-Gestalten folgt 24.370–381; die englische Übersetzung verschiebt hier einzelne Angaben. 24.380–381 bezeichnet die fünfte Gestalt mit Gefäß und Schlange. In 24.329 stehen acht Eigenschaften, nicht die sechs der englischen Kontrollübersetzung. 24.401 enthält die Anrede „Pflugträger“; diese wird nicht als vierter Göttinnenname behandelt.

Innere Auslegung: Die Deutungen von Nichtanhaften, Unterscheidungsvermögen und Erkenntnis in 24.293–295, 341–344 und 449–450 stehen ausdrücklich im Grundtext. Die übrigen Bild- und Ritualbeschreibungen werden dadurch nicht pauschal zu Allegorien. Historisch gebundene Aussagen bleiben als solche erkennbar.

Offene Stellen: Beschädigte Lesungen und unstimmige Zahlen- oder Attributlisten sind jeweils lokal bezeichnet. Besonders betroffen sind einzelne Mudra-Anweisungen, 24.153–164, 191–192, 240, 267, 274, 283, 288, 327, 338, 406–409, 419, 467 und 471. Die Angabe sābhaya („mit Furcht“) lässt sich stellenweise nur sinngemäß auf die Abhayageste beziehen. Unsichere Handstellungen werden nicht zu bebilderten Übungsanweisungen ergänzt. Die Aufzählung in 24.470–471 wird als acht Gegenstände gelesen, mit Girlande und Spiegel als getrennten Attributen.


Verbleibende Wortlücke in 24.264. Der erste Halbvers ist verständlich und einschließlich anūnam, unvermindert, übersetzt. Im zweiten bleibt nadrādam ungeklärt (kritische Ausgabe V, S. 1548; älterer Druck S. 632). Die englische Wiedergabe deutet lautes Ertönen; diese Deutung allein rechtfertigt keine Änderung der Sanskritlesung und wird hier nicht als gesicherte Übersetzung ausgegeben.



Kapitel 25 – Die Speise als Gabe – Sorgfalt, Gastfreundschaft und Hingabe

Eine Mahlzeit kann mehr sein als Versorgung: Sie kann Fürsorge, Dankbarkeit und Hingabe ausdrücken. Das letzte Kapitel der Īśvara Saṃhitā führt von den Feuerstätten und Opferkellen in die Tempelküche. Es beschreibt die Auswahl, Zubereitung und feierliche Darbringung von Speisen. Die historische Ritualordnung bleibt dabei in ihrer Eigenart erhalten. Für heutige Yoga-Aspiranten eröffnet sie die Frage, wie Essen, Arbeit und das Teilen von Nahrung bewusst und liebevoll gestaltet werden können.

Nārada spricht:

Die Gestalt der Feuerstätten

25.1 Nun werde ich die Merkmale der Feuergruben und der übrigen [Einrichtungen] erklären. Hört mit aufmerksamem Geist zu, ihr vortrefflichen Weisen!

25.1z Wie zuvor für die Herstellung des Mandala das Gelände eingeteilt wurde, so [geschieht es auch hier], o Einsichtsvoller. Höre, wie auf dem entsprechend eingeteilten viereckigen Feld die früher genannten Feuerstätten anzulegen sind. [Unnummerierter Einschub von drei Halbversen.]

25.2 Den fünften, vom mittleren Bereich aus gezählten Kreuzungspunkt im Osten markiere man mit einer dort angesetzten Schnur von einer Teileinheit Länge. [Brahmakarma ist hier eine technische Bezeichnung des mittleren Bereichs.]

25.3 Innerhalb des Paares von Teilflächen [zeichne man eine Linie] in Halbmondgestalt; ebenso darunter, gleich groß, von den südlichen und nördlichen Teilflächen aus …

25.4 … so setze man zwei quer verlaufende Markierungen, sodass die zwölf Teilflächen aus den beiden Reihen eine zusammenhängende Gestalt bilden.

25.5 Den vierten Kreuzungspunkt des mittleren Bereichs zähle man wie zuvor ab. Zu seinen beiden Seiten [liegen zwei Punkte], zwischen denen ein Kreuzungspunkt ausgespart ist …

25.6 … durch die von diesen beiden [Punkten] aus gespannte Schnur entsteht diese [Linie]. Ferner [nehme man] den zweiten Punkt, der sich von der Mitte nach oben ergibt …

25.7 … und den vierten Kreuzungspunkt auf jeder Seite, drei [Zwischenräume] davon entfernt. Mit der dort angesetzten Schnur zeichne man wie zuvor einen Halbkreis.

25.8 Am sechsten Kreuzungspunkt des mittleren Bereichs, der im Westen liegt, befestige man nun eine Schnur und spanne sie aus …

25.9 … bis zum Ansatz des Halbkreises, nahe an dessen Spitze. Sind so die beiden Schnüre angelegt, erhält die Feuerstätte die Gestalt eines Muschelhorns.

Randwälle und Ansatz der Feuergrube

25.10 Außen lege man durch Markierungen einen Randwall von einer Teileinheit Breite an. Verstehe dies anhand der zuvor genannten Kreuzungspunkte und Schnüre.

25.11 Mit einer Schnur von zwei Teileinheiten Länge zeichne man östlich der vier inneren Teilflächen eine Markierung, die der jungen Mondsichel gleicht.

25.12 Von den Feldern Īśas [Nordosten] und Vahnis [Südosten] aus zeichne man zwei gleiche Markierungen, die am Viertelkreis liegen und um eine Teileinheit darüber hinausreichen. [Die genaue geometrische Zuordnung bleibt unsicher.]

25.13 Zwei weitere gleich große [Markierungen] zeichne man entsprechend. Von den südlichen und nördlichen Teilflächen aus lege man seitlich zwei Schnüre an …

25.14 … und führe sie nach der zuvor beschriebenen Folge zum siebten Kreuzungspunkt. [Für die Yoni nehme man den Bereich] westlich der mittleren Schnur auf deren beiden Seiten …

25.15 … und markiere für die Yoni, den Ansatz der Feuergrube, je zwei Teileinheiten in Halbkreisform. Man lege zwei Schnüre an deren Spitzen an und spanne sie aus …

25.16 … von ihrem Ansatz bis zum Bereich der auszuhebenden Erde, nach Art eines Banyanblattes. So entsteht die glückverheißende Yoni für alle Feuergruben.

25.17 Innerhalb der Yoni zeichne man wiederum mit einer Schnur von einer halben Teileinheit zwei Halbkreise; ebenso versehen mit zwei Schnüren.

25.18 Ein Viertel der innerhalb der Ausschachtung liegenden Teilfläche bleibe ausgespart. Den Rest hebe man für den Rand aus, in gleicher [Tiefe] oder wie zuvor angegeben. [Die technische Zuordnung von Aussparung und Rand ist nicht eindeutig.]

25.19 Die Yoni mache man um ein Viertel länger und hinten erhöht. Vorn gleiche sie einer Elefantenlippe und berühre den Rand der Feuergrube.

25.20 Man lasse vor der Yoni ein Viertel der vorderen Teilfläche frei und lege zwei weitere Schnüre an, die mit der östlichen Schnur verbunden sind.

25.21 Diesen beiden entsprechend führe man von vorn die Verengung aus. Außen [lege man] durch drei Reihen von Teilflächen drei Randwälle [an] …

25.22 … und forme darüber das Muschelhorn innerhalb einer viereckigen [Umfassung]. Vom Muschelhorn aus richte sich die Erhöhung der Randwälle nach ihrer Breite. [Der genaue bauliche Zusammenhang der ersten Hälfte ist unklar.]

Diskus, Lotus und weitere Formen

25.23 Den viereckigen Bereich innerhalb der Randwälle des Muschelhorns versehe man mit dem Zeichen des Diskus. Dessen Merkmale werden nun erklärt.

25.24 Mit einer im mittleren Kreuzungspunkt befestigten [Schnur] von vier Teileinheiten Länge zeichne man zunächst im Zentrum des Feldes den Kreis für die Ausschachtung, o Einsichtsvoller.

25.25 Die Nabe bemesse man nach einer Teileinheit; außerhalb davon liege der zwei Teileinheiten breite Bereich der Speichen. Außen folge der Radkranz von einer Teileinheit Breite.

25.26 Darum lege man einen viereckigen Randwall von einer Teileinheit Breite. Vom Mittelpunkt aus ziehe man ferner einen Kreis durch den Speichenbereich.

25.27 Zunächst lege man dort acht Schnüre in die Haupt- und Zwischenrichtungen; anschließend ziehe man innerhalb davon weitere acht ein.

25.28 Daraus bilde man die Speichen, o Klaräugiger. Mit einer am inneren Kreis befestigten [Schnur] markiere man zu beiden Seiten jeder Schnur …

25.29 … den Verlauf zwischen den Kreisen von Nabe und Radkranz. Innerhalb des Kreises des Radkranzes, im Maß einer halben Teileinheit …

25.30 … bilde man zwischen je zwei Speichen jeweils einen Abschnitt des Radkranzes. Die Nabe sei ihrer Breite entsprechend erhöht; die Speichen gleichen dem Rücken einer Schildkröte.

25.31 Der Radkranz sei spiegelartig geformt, zum Ende hin leicht abgesenkt. Alles Übrige wurde bereits erklärt. Höre nun von der Lotusgestalt.

25.32 Für die Staubfäden ziehe man außerhalb der Nabe einen Kreis im Abstand einer halben Teileinheit. Einen weiteren Halbteilkreis ziehe man außerhalb des Speichenbereichs.

25.33 Durch dieses Verfahren lasse man den Ring des Radkranzes entfallen. Mit der Kreisdrehung der Speichenschnur bilde man im Inneren acht Lotusblätter.

25.34 Mit der am Kreis der Staubfäden befestigten Schnur zeichne man eine Halbmondlinie. [Dann gehe man] von deren Spitzen aus, außerhalb des Umfangs …

25.35 … und forme mit zwei Schnüren die Blattspitzen im Bereich des äußeren Kreises. Bei den vom Ansatz an dicht nebeneinanderliegenden Staubfäden, o Einsichtsvoller …

25.36 … deren Höhe dem Fruchtboden entspricht, zeichne man die Unterteilung deutlich. Das Übrige führe man an den vier Ecken des Muschelhorns wie zuvor aus.

25.37 Für die Yoni [nehme man] eine Teileinheit, für die Randwälle vier; die Ausschachtung sei wie zuvor. Bei der runden Feuergrube sind auch die Randwälle rund …

25.38 … bei der viereckigen entsprechend viereckig. Damit sind die fünf Feuergruben beschrieben. Unter Berücksichtigung der Zeit, der Anzahl der Darbringungen und der Menge der Opferstoffe …

Sorgfalt in der äußeren Handlung unterstützt die innere Ausrichtung.

Die beiden Opferkellen

25.39 … bemesse man [die Feuergrube] von einer bis zu acht Ellen. Nun, ihr Zweimalgeborenen, werden die Merkmale der Opferkellen Sruk und Sruva erklärt.

25.40 Der Mantrakenner lege zunächst das Maß seines eigenen Arms zugrunde. Für die heilige Sruk-Opferkelle nehme man ein Holzstück von sechs Fingerbreiten Breite.

25.41 Auf zwei Teilen der Länge forme man den Stiel achtkantig. Man gebe ihm zweieinhalb Fingerbreiten Maß und entferne das übrige Holz.

25.42 Am Ansatz des Stiels bilde man einen schönen Lotus als Vorderteil, sodass der Stiel am Fruchtboden ansetzt, o vortrefflicher Weiser.

25.43 Man forme drei Rillen oder ein Muschelhorn dort, wo der Stiel in den Vorderteil übergeht. Den vorderen Abschnitt teile man sorgfältig in zwei gleiche Teile.

25.44 Der vordere Teil erhalte zwei Fingerbreiten Breite; der am Stiel liegende Teil ringsum gleichmäßig drei Fingerbreiten.

25.45 Nach dem Anzeichnen des Kreises arbeite man eine wohlgeformte Vertiefung aus. Darin bilde man einen erblühten Lotus mit aufwärts gerichteten Blättern.

25.46 Diesen Behälter für Ghee bemesse man nach sieben oder fünf Früchten. In der Mitte des Lotus liegt der Fruchtboden mit den Staubfäden vertieft. [Das Vergleichsmaß der Früchte ist nicht näher bestimmt.]

25.47 Außerhalb des achtblättrigen Lotus [bilde man] ein zwölfspeichiges Rad. An den vier Ecken außerhalb des Lotus bringe man je ein Muschelhorn an.

25.48 An beiden Seiten dieses Abschnitts, o Weiser, entferne man jeweils eine Fingerbreite. Dann teile man [den verbleibenden Bereich] in drei Teile …

25.49 … einen Teil für das Ohr und zwei für das Gesicht in der Mitte. Das Gesicht sei in der Mitte um eine Fingerbreite von den Schultern abgesetzt.

25.50 Man lasse vorn eine Breite entsprechend dem Ohr stehen und entferne das übrige Holz, vom Ohrbereich ausgehend.

25.51 Mit der entsprechend geführten Schnur forme man die Linien so, dass ein Ebergesicht entsteht. Dann [führe man] vom Lotusblatt bis zur äußersten Mündung …

25.52 … die Rinne für das Ghee, o Weiser, etwas schmaler als eine Fingerbreite und allmählich feiner werdend, sodass das Ghee nicht zu schnell ausfließt. [Die Maßangabe samanyūnāṅgule ist sprachlich unsicher.]

25.53 Dann fertige man eine schöne Sruva-Kelle von einer Elle Länge, o Brahmane. Das Holz sei zwei Fingerbreiten breit und in der Dicke halb so stark.

25.54 Am vorderen, breiteren Ende bilde man einen Kreis von zwei Fingerbreiten und arbeite darin nach und nach eine Vertiefung aus, mit einem runden Werkzeug geprägt.

25.55 In der Mitte schmücke sie das Zeichen eines Hirschhufs. Der Hals sei ein Drittel so breit und etwas über drei Fingerbreiten lang.

25.56 Am Ansatz bringe man zu beiden Seiten ein zwei Fingerbreiten langes Svastikazeichen an. Der Stiel kann kunstvoll verziert oder glatt sein.

25.57 Eine solche Sruva-Kelle fertige der Praktizierende für die Feuerverehrung. Hört nun, ihr Zweimalgeborenen, von der Zubereitung der Speisegaben und des Weiteren.

Getreide, Hülsenfrüchte und ihre Vorbereitung

25.58 Reis, Mungbohnen, Gerste, Urdbohnen, Weizen, Priyaṅgu-Hirse und Sesam: Diese sieben angebauten Feldfrüchte sind für die Zubereitung des Caru-Opferbreis geeignet.

25.59 Bambussamen, Śyāmāka, Nīvāra, Jartila, Gavīdhuka, Karkaṭa und Kanaka gelten als die sieben wildwachsenden Arten. [Die historischen Pflanzennamen werden ohne unsichere botanische Gleichsetzung beibehalten.]

25.60 Unter diesen gilt Reis als vorzüglich; ist er nicht verfügbar, nehme man die anderen Arten. [Die Reissorten sind:] roter Reis, Mahāśāli, Kalama, duftender Reis …

25.61 … weißer Reis, begrannter Reis, goldfarbener Reis, Garbhaśāli, zarter und feinkörniger Reis. Diese zehn Reissorten werden überliefert.

25.62 Es gibt zahlreiche Unterarten. Sieben Mungbohnenarten werden genannt: schwarze, goldfarbene, weiße, gelbe, besonders große …

25.63 … und solche von der Farbe schwarzer Augensalbe. Diese werden als sieben Unterarten bezeichnet. [Die Aufzählung lässt nur sechs klar erkennen.] Sesam ist weiß, schwarz, gelb, wildwachsend oder großkörnig.

25.64 Diese fünf Sesamarten gelten als geeignet. [Die Körner], die von den Bauern vom Feld der Gottheit herbeigebracht werden …

25.65 … Reis, Mungbohnen und die anderen Arten für die rituelle Verehrung Haris, sollen frei sein von den acht Mängeln, angefangen mit Herabgefallenem. [Die acht Mängel werden an dieser Stelle nicht einzeln erläutert.]

25.66 Man bringe sie zunächst zum Entspelzen in den dafür bestimmten Raum. Dieser sei mit Kuhdung bestrichen und mit hellem Kalk verziert.

25.67 Am Ort, der mit dem Śatadhāra-Gerät, dem rituellen Reinigungsring und Kuśawasser gereinigt wurde, spreche man den Pranava aus und wende sich nach Osten oder Norden.

25.68 Zusammen mit eingeweihten, disziplinierten Brahmanen, die gebadet haben und die Zeichen des Diskus und der übrigen [Insignien] tragen, [stelle man Gefäße] aus Eisen, Holz, Stein oder Ton ringsum auf …

25.69 … nämlich die Mörser. Mit gewaschenen, festen Stampfern aus Khadiraholz werden die Körner unter dem zwölfsilbigen Mantra gestampft.

25.70 Mit den Worfelkörben befreie man die Reiskörner von Spelzen und Bruchstückchen. Man bearbeite sie, bis sie wie Perlen glänzen.

25.71 Sie sollen ungebrochen, nicht verkümmert und ohne schwarze Punkte sein. Ebenso bereite man die Mungbohnenarten zu: gehaltvoll und frei von Hülsen.

25.72 Sind die Eingeweihten nicht verfügbar, können rechtschaffene Brahmaninnen, eingeweihte Śūdras oder Tempeldienerinnen im Tempel …

25.73 … das Stampfen für die Zubereitung der Opfergaben übernehmen. [Der Lehrer kann die Körner auch] aus einem reinen Haus von Vaiṣṇavas oder aus dem Haus Eingeweihter [beziehen] …

25.74 … der Lehrer soll die Reiskörner annehmen, [wenn sie die genannten Eigenschaften besitzen; das Wort vor „Eigenschaften“ ist im Druck beschädigt]. Sie seien frei von Bruchstückchen, Spelzen und Würmern …

25.75 … ohne Haare, Steinchen, tierische Körperteile, Asche oder Kohle, außerdem ungebrochen und nicht zu leicht.

Sorgfalt ohne Übertragung alter Vorzeichenlehren: Die folgenden Verse 76–78 verbinden Verunreinigungen mit Unheilsankündigungen. Sie dokumentieren historische rituelle Vorstellungen. Eine heutige Praxisanregung ist die achtsame Auswahl und saubere Zubereitung von Nahrung; die alten Wirkungsbehauptungen werden damit nicht bestätigt.

Historische Deutungen von Mängeln

25.76 [Die traditionelle Folgenlehre lautet:] Bruchstückchen führen zu Krankheit, Spelzen zu Armut, Würmer zum Verlust eines Sohnes und Haare zum Verlust der Ehefrau.

25.77 Bei Steinchen wird Tod durch Blitz, Feuer oder Wasser angekündigt; bei tierischen Körperteilen Krankheiten, bei Asche gewiss Streit.

25.78 Kohle kündigt Schädigung durch Feuer an, zerbrochene Körner Verletzung des Körpers, leichte Körner Aufenthalt in der Fremde. Deshalb vermeide man diese [Mängel].

Die Zutaten werden in die Küche gebracht

25.79 Nachdem alle zuvor vorgesehenen und für geeignet befundenen Zutaten zusammengestellt sind, gehe der Lehrer zusammen mit den Praktizierenden und Köchen …

25.80 … in den Raum des Stampfens. Mit der Formel, die „brahmaśukram iva“ beginnt, betrachte er durch [das zugehörige] Augen-[Mantra] die dort befindlichen Reiskörner und übrigen Zutaten.

25.81 Wie zuvor reinige er sie durch [die innere Vorstellung von] Verbrennen, Erfüllen und den übrigen Vorgängen. In reinen, weiten Gefäßen aus Messing oder anderem [Material] …

25.82 … werde der gesamte Reis samt den übrigen Zutaten für das Kochen entnommen. Das Herausheben in die jeweiligen Gefäße übernehmen kundige Helfer …

25.83 … die gut gebadet haben, ordentlich gekleidet sind und den Mund mit einem Tuch bedecken. Unter glückverheißendem Muschelhorn- und Instrumentenklang bringe man alles in die Küche.

25.84 Nördlich vom Eingang stelle man die Gefäße der Reihe nach auf einen mit Kuhdung bestrichenen Platz.

25.85 [Man ordne] zunächst Rohzucker und Beilagen, dann Salz und weitere Würzmittel an. Im Nordwesten stelle man Dickmilch, Milch und Ghee auf …

25.86 … im Südwesten die Geräte der Feuerverehrung. Unter den vier allgegenwärtigen Mantras, mit Wasser, das durch ein Tuch gefiltert wurde …

25.87 … wasche man Reis und die übrigen Körner viermal. [Die Opfergabe sei] frei von Steinbruchstücken, Spelzen und kleinen Kornresten …

25.88 … aus Reis bereitet, der aus zuvor ungekochtem Paddy gewonnen wurde, mit Kuhmilch und Ghee benetzt, mit Rohzuckerstücken und Früchten versehen …

25.89 … und ohne Lauge und Salz: Das heißt Opfergabe für die Götter. Mit Milch, Ghee und Rohzucker gekocht heißt dieselbe Zubereitung Paramānna, „vorzügliche Speise“.

25.90 Mit Ghee begossener einfacher Reis heißt Śuddhānna; fehlt [die reichere Zubereitung], gilt auch er als Opfergabe. Ohne Lauge und Salz zubereitet, mit Rohzucker, Milch und Früchten versehen …

Die acht Speisegaben und das Kochen

25.91 … bereite man die vorzügliche Opfergabe für befriedende Riten und Opfer im Rahmen eines Gelübdes. [Die Arten sind:] Milchreis, Rohzuckerreis, Reis mit Mungbohnen, einfacher gekochter Reis …

25.92 … Reis mit Dickmilch, Sesamreis, Kurkumareis und eine Mischung aus allem. So werden acht Arten der Opfergabe genannt, die der Gottheit willkommen sind.

25.93 Man beginne das Kochen der Opfergabe auf die nun beschriebene Weise. Das Feuer zum Reiskochen hole man aus der Grube des Verehrungsfeuers.

25.94 Mit dem Pranava setze man es in den Herd. Unter der Formel „sapta te ’gna …“ lege man Brennstoff aus Opferholz hinein …

25.95 … frei von Würmern, Insekten und dergleichen. Mit dem Mantra, das „jyotir ātrī …“ [im Druck] lautet, fache man es mit dem Fächer an. Dann [nehme man] kupferne Kochtöpfe …

25.96 … und wasche sie mit Tamarindenwasser, danach mit Wasser und Erde. Der Mantrakenner reinige sie unter dem zwölfsilbigen Mantra und dem Vīryamantra.

25.97 Unter den Vyūha-Mantras bestreiche er ihr Inneres mit Ghee. Mit der Viṣṇu-Gāyatrī gebe er den Reis hinein.

25.98 Mit dem Mantraanfang „ambhasya pāra …“ und dem Herzmantra fülle man bei jeder Reisportion Wasser als Zutat auf. [Der Wortlaut des Mantraanfangs ist in der Quelle nicht vollständig ausgeschrieben.]

25.99 Auf ein Āḍhaka Reis kommen sechs Prastha Wasser. Zu Beginn des Kochvorgangs stelle man die Töpfe auf den Herd.

25.100 Mit dem Cakramantra decke man sie der Reihe nach mit Deckeln zu. Während des Kochens öffne man sie [zur gegebenen Zeit] und [beachte] mit dem Vīryamantra das Kochgeräusch …

25.101 … und prüfe [die Speise]. Mit dem Augenmantra hebe man mit einer Kelle vom Boden her auf und wende alles viermal. Mit dem Cakramantra decke man es wieder zu.

25.102 Ist die Speise gar, gieße man das Wasser nicht ab; man spreche das zwölfsilbige Mantra und begieße sie mit geschmolzenem Ghee aus Kuhmilch. [Der Druck liest avisrāvya, „ohne abzugießen“; eine englische Anmerkung schlägt die gegenteilige Lesung vor.]

25.103 Mit dem Mantra, das „śucīn satkriyatety …“ beginnt, reinige man die Unterseite [des Gefäßes] und [setze es] auf den gereinigten Boden oder auf ausgestreutes Getreide. [Der Mantraanfang ist sprachlich beschädigt und wird nicht ergänzt.]

25.104 Die so fertiggestellten Opfergaben nehme man mit beiden Händen herunter. Die Gefäße wasche man außen mit Wasser, das durch das Astramantra geweiht wurde …

25.105 … und wische sie mit einem reinen, durch dasselbe Mantra geweihten Tuch ab. Mit angerührter Asche und den Anrufungen Vāsudevas und der anderen [Gestalten] …

25.106 … trage man mit dem Zeigefinger und den übrigen Fingern ringsum die aufrechten Puṇḍra-Zeichen auf. Dann decke man die Gefäße mit Deckeln und gewaschenen Tüchern zu.

25.107 Damit ist besonders die Zubereitung des einfachen Reises ausführlich erklärt. Nun werde ich die anderen Zubereitungen beschreiben, angefangen mit Paramānna.

Kochen als Dienst: Die Verse verbinden praktische Handgriffe mit Mantra. Als heutige Anregung kann das bedeuten, beim Kochen gesammelt zu bleiben und die Menschen, für die man kocht, mit Wohlwollen im Herzen zu tragen.

Milchreis und weitere Zubereitungen

25.108 Für den Milchreis nehme man Mungbohnen im Umfang eines Viertels der Reismenge; ebenso viel Ghee ist vorgesehen und das Vierfache an Milch. [Worauf sich das Vierfache genau bezieht, bleibt in der knappen Maßfolge offen.]

25.109 Oder man nehme die gleiche Menge Kokosmilch. [Die Zubereitung] sei mit Zuckerpulver versehen, dem Vierfachen der Reismenge. [Diese ungewöhnliche Mengenangabe wird wörtlich bewahrt.]

25.110 Man bereite alles mit den Mantras nach dem für einfachen Reis beschriebenen Verfahren. Beim Eingießen der Kuhmilch [spreche man] „haṃsaḥ śuciṣad …“.

25.111 Ist diese nicht verfügbar, verwende man Kokosmilch. Ihr Hinzugeben geschehe mit „abjā gojā …“, wenn die Zutat eingesetzt wird.

25.112 Bei der Zubereitung von Rohzuckerreis ersetze man Milch durch Zuckerrohrsaft oder durch aufgekochten Rohzucker, entsprechend der vorgesehenen Milchmenge.

25.113 Mit dem Mantra zum Eingießen der Milch gebe man Rohzucker und die weiteren Zutaten hinzu. Für Mungbohnenreis verwende man Reis und gut vorbereitete Mungbohnen …

25.114 … wie zuvor beim einfachen Reis erklärt, besonders reichlich mit Ghee benetzt. Für Dickmilchreis nehme man Dickmilch im Umfang der halben Milchmenge.

25.115 Für Kṛsarānna verwende man Mungbohnen mit Banane, Jackfrucht, Mango und weiteren [Früchten], Rohzuckerstücken und Zuckerpulver.

25.116 Für ein Āḍhaka Kurkumareis nehme man ein Pala Kurkumapaste, dazu Mungbohnen und reinen Zucker samt den weiteren Zutaten.

25.117 Für gemischten Reis füge man von den [Zutaten] etwas hinzu und benetze alles mit Milch und Ghee. [Nach der rituellen Zweckzuordnung gilt:] Milchgemischtes dient dem Frieden, mit Rohzucker Gemischtes dem Gedeihen.

Historische Zweckzuordnungen

25.118 Mungbohnenreiches dient dem Gefügigmachen, mit Dickmilch Gemischtes dem Anziehen. Kṛsarānna gilt dem Wohlgefallen, außerdem den Riten des Tötens und Vertreibens.

25.119 Kurkumareis gilt dem Hemmen, gemischter Reis dem Verwirren. Einfacher Reis ist allgemein üblich, bei Reisen, Jagden und dergleichen. [Dies sind historische Ritualzuordnungen des Textes.]

Zum historischen Zusammenhang: Die Quelle nennt auch Riten des Beeinflussens, Hemmens und Schädigens. Diese Angaben sind keine Empfehlung für heutige Yoga-Praxis. Sie werden übersetzt, damit der tatsächliche Inhalt der Schrift erkennbar bleibt.

Beilagen, Gemüse und Früchte

25.120 Dickmilchreis werde insbesondere in goldenen oder silbernen Gefäßen dargebracht. [Eine Beilage werde] mit Pfeffer, getrocknetem Ingwer, Likuca und Tamarindensaft vermischt …

25.121 … und mit gemahlenem Kreuzkümmel und aromatischen Zutaten zubereitet. [Als Gemüse und Früchte eignen sich] die verschiedenen Geschmackssorten, die beiden Jackfruchtarten …

25.122 … die verschiedenen Mangosorten, zur rechten Zeit und nicht überreif geerntet; ferner Bṛhatī, Auberginen und Kürbisse …

25.123 … die Früchte der Kāravallī-Ranke und der Kākoṭī, die beiden Paṭola-Arten und die Früchte von Kośātakī …

25.124 … Flaschenkürbis, Karkarī, Nimba-Arten und Tamarindenfrüchte; ferner kleine Knollen und die beiden Arten von Rankenknollen …

25.125 … die Knollen der beiden Sūraṇa-Arten, die beiden Piṇḍāraka-Arten und die essbaren Teile von Lotus und Wasserlilie: Sie eignen sich besonders als Opfergabe.

25.126 [Zu meiden ist,] was als Essensrest übrig blieb, von Würmern verdorben, von Schakalen und anderen Tieren angebissen, beschnuppert oder mit Speichel berührt wurde oder an unreinem Ort gewachsen ist …

25.127 … mit dem Fuß Berührtes, zur Unzeit Gewachsenes, an unreinem Ort Herbeigebrachtes, Mahlzeitreste und von historisch als „unberührbar“ Geltenden Berührtes sowie Reste einer schon verschenkten Gabe. [Das letzte Wort ist im Druck beschädigt; die Deutung folgt dem Zusammenhang.]

25.128 Der Mantrakenner prüfe all dies auf verschiedene Weise und schließe es vom Kochen aus. [Geeignet sind dagegen] Jīvantī, Vāstuka-Gemüse und Kāravallī-Blätter …

25.129 … Blätter des Flaschenkürbisses, Piṇḍī sowie Blätter von Kichererbsen und Mungbohnen; Śākinī, Śataparvāṇī und ebenso Śvāsamardita. [Die Pflanzennamen sind teilweise unsicher überliefert.]

25.130 Man koche Agastya-Gemüse, das dem Brahmanen erlaubt ist. Auch andere Pflanzen mit einer einzelnen Wurzel kann man verwenden, sofern sie nicht verboten sind.

25.131 Unter dem Vīryamantra schneide man sie mit einem Schneidwerkzeug, untersuche sie auf Würmer, Insekten und dergleichen und wasche sie mehrfach mit Wasser.

25.132 Wie zuvor gebe man sie in Töpfe, einzeln oder miteinander gemischt, mit Steinsalz, Pfeffer, Senfsamen und Kreuzkümmel …

25.133 … mit Śrīparṇī-Blättern, Kokosmilch, Kokosfruchtfleisch sowie Milch, Honig und beigemischtem Ghee …

25.134 … zusammen mit Linsen, Urdbohnen, Nimba und verschiedenen Mungbohnen. Die Mungbohnenarten und die übrigen [Hülsenfrüchte bereite man] mit oder ohne Brühe zu, mit Salz und weiteren Zutaten. [Nayūṣān ist im Druck unregelmäßig; „ohne Brühe“ bleibt sinngemäße Deutung.]

25.135 Danach bereite man sie mit den verschiedenen Würzmitteln zu. Für die Suppe entferne man die Schalen der Mungbohnen und übrigen [Hülsenfrüchte] und koche ihren gehaltvollen Kern in Milch …

25.136 … mit zerstoßenem Pfeffer, Kreuzkümmel, Salz und Ghee. Mit Kellen und ähnlichen Geräten bereite man daraus eine saftige Hülsenfruchtspeise.

25.137 Die zuvor in gefüllten Töpfen und Schalen gekochten Bananen, Jackfrüchte und anderen Früchte, ebenso Kokosfrüchte …

25.138 … Kürbisse, Bṛhatī-, Pūga- und Kāravallī-Früchte, die kleinen Knollen sowie Vallī und Piṇḍāraka …

25.139 … lege man in weite Bratpfannen und andere Gefäße, die mit Ghee bestrichen und erhitzt sind, und breite sie darin aus.

25.140 Mit gemahlenem Pfeffer, Kreuzkümmel und Ghee erhitzt und geschmeidig gemacht, wende man sie immer wieder mit der Kelle.

25.141 Man bewahre sie in Gefäßen auf, die mit Tüchern und dergleichen bedeckt sind. [Für weitere Beilagen nehme man] Mango und andere Früchte, getrocknet oder frisch …

25.142 … vermischt mit Tamarinde, Rohzucker, Pfeffer, Kreuzkümmel, Kokosmilch und zerstoßenen Senfsamen …

25.143 … und stelle die Mango-Zubereitung mit Salz bereit. Ingwer und Likuca [verwende man] zerkleinert oder frisch …

25.144 … mit Salz und Likucasaft aromatisiert. Bananen, Jackfrüchte und Mangos kann man auch einfach als Früchte [darbringen].

Küchlein und süße Speisen

25.145 Aus Weizen- und Reismehl, mit gekochtem Rohzucker verrührt, gekochten Mungbohnenkernen und Kokosstückchen …

25.146 … sowie Kreuzkümmel und Pfeffer backe man Apūpa-Küchlein in Ghee: schön rund, mangoförmig oder wie die Früchte des Āmalakī-Baums …

25.147 … wie Banyanfrüchte oder in Likuca- und anderen Fruchtformen, innen mit Mungbohnen gefüllt und durch und durch schmackhaft …

25.148 … mit Rohzuckerteig gebunden, auch kokosnussförmig. Solche verschiedenartigen Apūpa-Küchlein bereite man in Ghee.

25.149 [Für Pṛthuka nehme man] aus Reis gewonnene leichte, durch Hitze aufgesprungene [Körner] und vermische sie mit gekochtem Rohzucker …

25.150 … gemahlenem Pfeffer, zerkleinertem Kreuzkümmel und getrockneten Kokosstückchen. So bereite man Pṛthuka zu.

25.151 Aus geröstetem Reismehl, mit Kreuzkümmel und weiteren Zutaten gemischt, in gekochtem Rohzucker verrührt und einzeln zu Kugeln geformt …

25.152 … wird Saktu zubereitet. Entsprechend forme man aus gut geröstetem Sesam Kugeln. Sie heißen Tilapiṇḍa und sind der Gottheit stets willkommen. [Das gedruckte tadvit ist sprachlich auffällig.]

Rasala und Panaka

25.153 [Für Rasāla nehme man] gut aufbewahrte, eingedickte Milch mit Zuckerpulver und festen Joghurt, mit Honig und Ghee versehen …

25.154 … mit frischen Stückchen von Gurke und Mango, mit trockenen Senfsamen und Pfeffer vermischt. Ebenso [nehme man] Joghurt …

25.155 … in einem eigenen Gefäß, reinen durchgeseihten Bienenhonig und den aus Trauben, Jackfrucht, Banane und Mango ausgepressten Säften …

25.156 … mit Rohzuckerstücken verrührt und mit Kreuzkümmel und weiteren Zutaten versehen. Dies heißt Rasāla; mit Joghurt gemischt [heißt es] Pānaka. [Die Abgrenzung beider Zubereitungen bleibt im Text unscharf.]

25.157 [Für Pānaka nehme man] einfach Joghurt mit der gleichen Menge Wasser, quirle ihn mit Pfeffer und würze ihn mit Salz und Kräutern …

25.158 … und gebe Zuckerpulver hinzu: ein beruhigendes, besänftigendes Pānaka. Die Mantras für die Zubereitung der Reisspeisen wurden bereits genannt.

25.159 Die übrigen Speisen bereite man mit dem zwölfsilbigen Mantra oder dem Herzmantra zu. Oder man vollziehe alles mit dem Grundmantra samt seinen Gliedern …

25.160 … oder mit der Viṣṇu-Gāyatrī oder den fünf Upaniṣad-Mantras. Nachdem Paramānna und die übrigen Speisen samt ihren Beilagen der Reihe nach zubereitet sind …

Ergänzendes Video zur Mantrapraxis.

Die Speisen werden zum Heiligtum getragen

25.161 … stelle man sie auf Bretter und ähnliche Träger, mit aufrechten Puṇḍra-Zeichen und anderem geschmückt. Vom Küchenportal bis zum westlichen Bereich des Tempeleingangs [führe der Weg] …

25.162 … bestrichen mit Kuhdung und schön mit Kalkpulver verziert. Voran gehe ein Wasserstrahl, der durch Wiederholung des Astramantras geweiht ist.

25.163 Mit Muschelhorn- und Instrumentenklang, mit glückverheißenden Liedern, Leuchten und Schirmen [werde die Prozession begleitet], von Menschen, die auf den Schutz der Opfergaben bedacht sind …

25.164 … und anderen mit Stäben in den Händen, bereit, Nichtgläubige fernzuhalten. [Die Träger] seien gebadet, weiß gekleidet, geschickt und mit gewaschenen Füßen …

25.165 … sie haben die rituelle Mundspülung vollzogen, halten Kuśagras und tragen aus Erde, Sandel oder anderem aufgetragene aufrechte Puṇḍra-Zeichen. Sie seien diszipliniert in Gedanken, Worten und körperlichen Handlungen …

25.166 … mit weißen Obergewändern und bedecktem Mund und bedeckter Nase. Diese Helfer tragen die Gefäße unter dem Balamantra.

25.167 [Man stelle sie] in einem weiten Pavillon vor dem Hauptheiligtum auf oder im ersten Umfassungsbereich des Tempels, im südlichen Bereich der Mālikā [der Tempelhalle] …

25.168 … an einem gut geschützten Ort mit schönem Baldachin, mit Lichterketten und anderem geschmückt, auf einem mit Stoff bedeckten Brett oder entsprechenden Träger.

25.169 Schalen aus Gold, Silber oder Kupfer, der Menge der Opfergabe angemessen und entsprechend bestrichen, wasche man mit durch das Astramantra geweihtem Wasser.

25.170 Man berühre sie mit der rechten Hand und [gebe] unter dem Pranava eine Grundlage aus Ghee ringsum hinein …

25.171 … dann schöpfe man schweigend mit einer für Opferhandlungen bestimmten Kelle aus den Kochtöpfen und lege Milchreis und die übrigen Speisen der Reihe nach darauf.

25.172 Man begieße [die Speisen] mit Ghee und ordne die süßen Beilagen ringsum an. Mit Joghurt, Milch und anderem gefüllte Becher stelle man oberhalb auf …

25.173 … ebenso die fertiggestellten Küchleinarten, Pṛthuka und die übrigen [Zubereitungen] sowie verschiedene Pānaka-Getränke in eigenen Gefäßen.

25.174 Kühles Trinkwasser, mit Kampfer, Sandelpulver und Blüten aromatisiert und mit Stoff bedeckt, halte man in Krügen und ähnlichen Gefäßen bereit.

25.175 [Für Tāmbūla nehme man] Kardamom, Nelken, Takkola, Jātī und Betelnuss, vermischt mit Kampferöl und mit Messern oder ähnlichen Werkzeugen zerkleinert …

25.176 … mit Betelblättern, dem zugehörigen Pulver und Kampfer. Das Tāmbūla lege man in lotusförmige Gefäße.

25.177 Nachdem Sandel und andere Duftstoffe sowie verschiedenartige Girlanden an ihren Plätzen bereitgestellt sind, [sollen] durch den Verehrenden …

Die Gabe wird mit Aufmerksamkeit vorbereitet und mit Hingabe dargebracht.

Die Mahlzeit des Herrn

25.178 … die für die jeweiligen Aufgaben Zuständigen der Gottheit ihre Bereitschaft anzeigen. Der Verehrende selbst [diene] dem Herrn, der den Sitz zur Mahlzeit eingenommen hat …

25.179 … wie zuvor mit Arghya und den übrigen Gaben, bis zu den vorgesehenen Samen. Auf dem Platz innerhalb des Eingangs vor der Gottheit …

25.180 … gereinigt mit Astramantra-Wasser und geschmückt mit Sandel und anderem, streue man auf dem Mandala nach eigenem Ermessen Reiskörner aus.

25.181 Darüber breite man ein gewaschenes Tuch aus und stelle darauf einen metallenen Träger für die Speisen.

25.182 Oben sei er mit Stoff umbunden. Auf den mit einem Wasserstrahl benetzten [Träger] stelle man die Gefäße mit Paramānna und den anderen Speisen einzeln der Reihe nach.

25.183 Nach dem Bereitstellen des Tranks bringe man zunächst an der rechten Hand der Gottheit mit dem Handwaschwasser die vorbereitende Wassergabe zur Mahlzeit dar.

25.184 Dann biete man den Gestalten des Herrn und der weiteren [Gottheiten] die Opfergaben an: zuerst Milchreis, dann Rohzuckerreis und Reis mit Mungbohnen …

25.185 … einfachen Reis, Sesamreis, Kurkumareis, Dickmilchreis und gemischten Reis in dieser Folge. Zum Schluss gebe man die Küchlein …

25.186 … Pṛthuka, Saktu und Sesamkugeln, dazu Bananen, Jackfrüchte und andere verschiedenartige Früchte …

25.187 … die Pānaka-Getränke in ihren verschiedenen Geschmacksrichtungen, den Trank und Kokossaft. Danach [reiche man Wasser] zum Händewaschen.

25.188 Nach Wasser zur rituellen Mundspülung und Tāmbūla vollziehe man das zuvor Beschriebene. Wenn Könige dauerhaft eine Fülle von Opfergaben bereitgestellt haben …

25.189 … stelle man sie im geräumigen innersten Heiligtum auf Träger und bringe sie entsprechend dar. Ist der Raum dagegen eng …

25.190 … stelle man sie nacheinander auf einen einzigen festen, mit Stoff bedeckten Träger, bringe die jeweilige Gabe dar und nehme sie wieder fort.

25.191 Nachdem [der Träger] mit dem Astramantra besprengt ist, stelle man die nächste Gabe darauf und bringe sie wie zuvor dar. Darin besteht die hier erklärte Besonderheit.

Mangelhafte Gaben und rituelle Bereinigung

25.192 [Als mangelhaft gilt eine Gabe,] die ohne Mantra oder vorgeschriebene Handlung bereitet wurde, schlecht riecht, verfärbt, zerkocht oder deren Wasser abgegossen ist. [Die zweite Hälfte ist metrisch verkürzt überliefert.]

25.193 [Ebenso eine Gabe,] die von Nichteingeweihten, Ausgestoßenen oder Menschen aus einer als Pratiloma eingestuften Verbindung angesehen wurde; ferner zu heiße, zu kalte oder nicht maßgerecht bereitete Speise. [Die sozialen Ausschlüsse geben historische Regeln der Quelle wieder.]

25.194 [Als mangelhaft gilt,] was restlos herausgenommen, durch Atem aus dem Mund und dergleichen verunreinigt, ohne Beilagen, in ungeeignetem Gefäß oder ungeschützt ist.

25.195 [Ebenso] innen noch ungekochte Reiskörner enthaltende Speise, in einem zerbrochenen Gefäß Aufbewahrtes, ohne Unterlage Abgestelltes, von anderen Berührtes oder durch Atem Verunreinigtes.

25.196 [Ebenso Speise] mit Kohle, Spelzen, Haaren oder Steinchen, mit Würmern, Erdklumpen und dergleichen oder mit tierischen Körperteilen.

25.197 [Ebenso] nicht vollständig Gegartes, ohne Ghee-Begießung, ohne Beilage, ohne Milchprodukte, Ghee und Joghurt oder von anderen Menschen Begehrtes.

25.198 [Ebenso] nicht mit einem Deckel Geschütztes oder für eine andere Gottheit Bestimmtes. Erkennt man eine Opfergabe auf diese Weise als mangelhaft, werfe man sie ins Wasser. [Dies ist die historische rituelle Entsorgungsregel.]

25.199 Bringt man aus Verblendung eine für Viṣṇu verworfene Opfergabe dennoch dar, wird diese Verehrung fruchtlos; für die Handelnden wird gewiss Verderben angekündigt.

Weitere Empfänger der Gaben

25.200 Deshalb vollziehe man sogleich eintausend Wiederholungen des Grundmantras. Dann [bringe man auch den Gestalten] ihrer Träger oder Stützen dar, die dort vorschriftsgemäß aufgestellt sind …

25.201 … den Vibhava- und Vyūha-Gestalten im Pavillon, in den Tortürmen und an anderen Orten sowie den aufgestellten Gestalten der göttlichen Erscheinungen …

25.202 … den vorschriftsgemäß verehrten Vogelgestalten, angefangen mit Satya, den Scharenführern, angefangen mit Kumuda, und allen an den Eingängen aufgestellten [Gestalten] …

25.203 … sowie den zuvor genannten, ordnungsgemäß eingesetzten Gottverehrern. Mit dem jeweils zugehörigen Mantra [bringe man] die vorschriftsgemäß bereiteten [Gaben] einzeln dar …

25.204 … Milchreis und die übrigen Opfergaben in der richtigen Folge. Die Gabe für Bali bereite man mit dem Garuḍamantra.

25.205 Für die übrigen [Gottheiten] bringe man die zubereitete Speise mit dem Pranava dar. Die Gabe für die Feuerhandlung werde wie diejenige für die Gestalt im Hauptheiligtum bereitet.

25.206 Die verschiedenen Apūpa-Küchlein eignen sich nicht für die Feuerhandlung. Dagegen sind Milchreis und die übrigen [geeigneten Speisen] bei täglichen, anlassbezogenen und anderen Riten …

25.207 … besonders darzubringen, ebenso verschiedenartige Früchte. Bei den täglichen Bali-Gaben an die Wesen [verwende man] Milchreis und die übrigen Speisen …

25.208 … Küchlein, Saktu, Pṛthuka, Früchte und Sesamkugeln, miteinander gemischt oder einzeln.

25.209 Man gebe sie nach der Vorschrift, denn sie schenken diesen [Wesen] Sättigung. Daher, o Brahmane, [bringe man] bei Festen und anderen Handlungen für die wilden und übrigen [Wesen] …

25.210 … die Bali-Stoffe nach dem im Tantra erklärten Verfahren dar. Fehlen alle [weiteren] Zutaten, [genügt] einfacher gekochter Reis mit Wasser …

25.211 … oder Reiskörner mit Wasser: Dies sollen die kundigen Mantrakenner geben. Damit sind die Zubereitung der Opfergaben und die dazugehörigen Handlungen ausführlich erklärt.

Auch das Einfache darf genügen: Wo die vielen Zutaten fehlen, nennt die Quelle einfachen Reis mit Wasser. Die Fülle des Rituals und die Schlichtheit der Gabe haben beide ihren Platz. Dieser Gedanke kann helfen, Dankbarkeit nicht von äußeren Möglichkeiten abhängig zu machen.

Die abschließende Unterweisung

25.212 So ist nun, ihr vortrefflichen Weisen, alles, wonach ihr gefragt habt, ausführlich und dem Gegenstand entsprechend dargelegt.

25.213 Diese Saṃhitā, die sich als vorzüglichste versteht, erhellt den Sinn der Sāttvata-Lehre. Sie soll nicht Menschen mit übler Gesinnung oder ohne Hingabe an Janārdana gelehrt werden …

25.214 … insbesondere nicht jenen, die aus Hochmut den wahren Gehalt der Lehre schmähen, die der Schrift Schaden zufügen oder deren Geist ganz von einer anderen Lehre geprägt ist. [Die erste Wortverbindung ist beschädigt; „aus Hochmut“ folgt dem erkennbaren Sinn.]

25.215 [Sie sei dagegen für] Menschen, deren Geist dem Göttlichen zugewandt ist, die sich ihrem Dharma widmen, die das Leid des Samsara fürchten und als großherzige Seelen Zuflucht genommen haben.

25.216 Ihnen soll diese Lehre nach vorschriftsgemäßer Einweihung mitgeteilt werden. Der Sinn der Schrift soll zusammen mit den Bedeutungen der Mantras erläutert werden.

25.217 Wer nach dem in dieser Schrift gelehrten Verfahren den allgegenwärtigen Acyuta verehrt, erlangt bald das Ersehnte und alle Lebensziele, ihr vortrefflichen Zweimalgeborenen.

Spiritueller Ausklang: Am Ende der Schrift stehen Unterweisung, Einweihung und das Verstehen der Mantrabedeutung. Die äußeren Formen werden durch lebendige Einsicht getragen. Wer die Lektüre beendet, kann einen einfachen Gedanken mitnehmen: Das Herz sammeln, aufmerksam handeln und das Gute mit Hingabe darbringen.

Kolophon: So endet in der Ishvara Samhita des heiligen Pancharatra das fünfundzwanzigste Kapitel, genannt „Die Merkmale der Feuergruben und Opferkellen und die Zubereitung der Opfergaben“.

Texthinweise zu Kapitel 25

Textumfang: 217 nummerierte Verse und ein unnummerierter Einschub nach 25.1 aus drei Halbversen (Kennung 1z). Grundlage: kritische Ausgabe, Band V, Seiten 1598–1646, kontrolliert mit der englischen Übersetzung. Umfangreiche Kommentarabschnitte, die zwischen den Versen stehen, und die Abschlussverse des Kommentators sind nicht als Grundtext übernommen.

Zahlen und Verfahren: 25.24 nennt vier Teileinheiten, nicht ein Viertel wie die englische Übersetzung. 25.200 verlangt eintausend, nicht einhunderttausend Mantrawiederholungen. 25.102 liest „ohne das Wasser abzugießen“; der abweichende englische Verbesserungsvorschlag wird nicht stillschweigend übernommen. Die Mengen in 25.108–109 sind knapp und teilweise mehrdeutig. Die Darstellung ist daher keine modern geprüfte Rezeptsammlung.

Mantras: Mehrere vedische Formeln erscheinen nur als Anfangswörter (25.80, 94–95, 98, 103, 110–111). Sie werden nicht aus dem Gedächtnis vervollständigt. Die fünf Upaniṣad-Mantras in 25.160 sind technische Ritualbezeichnungen, nicht fünf vollständig zitierte Upaniṣad-Schriften.

Historische Aussagen: Unheilsankündigungen, soziale Ausschlüsse und die Zuordnung von Gaben zu schädigenden Riten werden als Aussagen der Quelle dokumentiert. Sie sind von den heutigen Praxisanregungen zu unterscheiden. 25.209 redet einen Brahmanen an; die englische Deutung als Anrede an das absolute Brahman wird nicht übernommen.

Offene Einzelheiten: Die geometrischen Anweisungen und mehrere Pflanzenbezeichnungen erlauben nicht überall eine sichere Gleichsetzung. Unsicher sind insbesondere 25.12, 18, 22, 46, 52, 63, 74, 95, 103, 108–109, 127, 129, 134, 152, 156, 192 und 214. Die betreffenden Stellen sind lokal erläutert. Die Quelle bezeichnet sich am Schluss als Erläuterung des Sāttvata-Sinns; dies ist für ihr eigenes Traditionsverständnis bedeutsam.



Hingabe im täglichen Leben bewahren

Diese Kapitel verbinden die Wiederherstellung der Verehrung mit Diksha, Lebensführung und Dhyana. Auch die genaue Zubereitung einer Gabe gehört in diesen Zusammenhang. So bleibt die Beziehung zu Narayana in der Schrift mit konkreten Handlungen verbunden.

Als heutige Anregung kannst du fragen: Was hilft mir, nach einer Unterbrechung wieder zu meiner Sadhana zurückzufinden? Welche kleine Aufgabe möchte ich mit mehr Sorgfalt und Bhakti erfüllen? Lass aus der Lektüre einen überschaubaren Schritt entstehen. Die Versauswahl bietet dir Gedanken für solche Momente der Besinnung; die Einführung hilft, sie im Ganzen des Werkes zu verstehen.

Siehe auch

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Zur Ausgabe: Einführung · Deutsche Übersetzung · Sanskrit IAST · Devanagari · 108 Verse und Mantras · Vorheriger Teil · Devanagari zu diesen Kapiteln