Prayashchitta
Prayashchitta (Sanskrit: प्रायश्चित्त prāyaścitta n.) bedeutet „Sühne“, „Wiedergutmachung“, „Buße“. Prayashchitta bezeichnet Handlungen, durch die Fehler, Verfehlungen und deren karmische Folgen ausgeglichen werden sollen. Im Ritual steht der Begriff besonders für das Prayashchitta Homa: Opfergaben, die gegen Ende eines Feuerrituals dargebracht werden, um alle Fehler und Versäumnisse bei der Durchführung auszugleichen. In der indischen Rechts- und Ethiklehre (Dharma Shastra) ist Prayashchitta ein eigenes, ausführliches Themengebiet.
Etymologie
Die Herkunft des Wortes wird unterschiedlich erklärt:
- prāyas (प्रायस्): meist, überwiegend; in der traditionellen Deutung auch „Buße, Askese“.
- citta (चित्त): Geist, Denken, Bewusstsein; auch Entschluss, Vorsatz.
Eine traditionelle Deutung lautet: Prāyas bedeutet Tapas (Askese, Läuterung) und citta bedeutet fester Entschluss – Prayashchitta ist also „der feste Entschluss zur Läuterung“. Eine andere Deutung versteht es als das, was den Geist wieder rein macht.
Prayashchitta im Feuerritual
In vielen vedischen und häuslichen Feuerritualen (Homa, Yajna) werden gegen Ende besondere Sühne-Opfer dargebracht. Man geht davon aus, dass bei jedem Ritual Fehler geschehen: in der Aussprache der Mantras, in der Reihenfolge der Handlungen, in der inneren Haltung. Das Prayashchitta Homa soll all dies ausgleichen.
Häufig werden dafür die Vyahritis verwendet:
- oṃ bhūḥ svāhā | agnaya idaṃ na mama ||
- oṃ bhuvaḥ svāhā | vāyava idaṃ na mama ||
- oṃ svaḥ svāhā | sūryāya idaṃ na mama ||
- oṃ bhūr bhuvaḥ svaḥ svāhā | prajāpataya idaṃ na mama ||
Übersetzung:
- Om, der Erde – Agni sei dies geopfert, nicht mir.
- Om, dem Luftraum – Vayu sei dies geopfert, nicht mir.
- Om, dem Himmel – Surya sei dies geopfert, nicht mir.
- Om, Erde, Luftraum, Himmel – Prajapati sei dies geopfert, nicht mir.
Das Prayashchitta Homa ergänzt das Gebet um Vergebung (Kshamapana) und steht oft vor der abschließenden Purnahuti.
Prayashchitta in der Ethik
In den Dharma Shastras, etwa der Manusmriti, wird ausführlich beschrieben, wie man Verfehlungen sühnen kann. Klassische Formen sind:
- Reue (Pashchattapa): aufrichtiges Bedauern des Fehlers.
- Bekenntnis: den Fehler offen eingestehen.
- Tapas: Askese und Selbstdisziplin, etwa Fasten oder Schweigen.
- Japa: Wiederholung von Mantras, etwa des Gayatri Mantra.
- Dana: Geben, Spenden, Wohltätigkeit.
- Tirtha Yatra: Pilgerfahrt zu heiligen Orten.
- Seva: selbstloser Dienst.
- Wiedergutmachung: den Schaden, soweit möglich, ausgleichen.
Spirituelle Bedeutung
- Verantwortung: Prayashchitta bedeutet, Verantwortung für die eigenen Handlungen zu übernehmen, statt sie zu verdrängen oder zu entschuldigen.
- Läuterung statt Schuld: Ziel ist nicht Selbstbestrafung oder Schuldgefühl, sondern Reinigung des Geistes und ein Neubeginn.
- Karmischer Ausgleich: Nach der Lehre vom Karma erzeugt jede Handlung Folgen. Positive Handlungen und aufrichtige Läuterung können negative Eindrücke (Samskaras) abschwächen.
- Der innere Entschluss: Wichtigste Form des Prayashchitta ist der feste Vorsatz, den Fehler nicht zu wiederholen.
- Gnade: Im Bhakti Yoga gilt die aufrichtige Hinwendung zu Gott als höchste Form der Sühne. In der Bhagavad Gita (18.66) heißt es: „Nimm Zuflucht zu mir allein. Ich werde dich von allen Sünden befreien. Sorge dich nicht.“
- Erkenntnis: Im Vedanta heißt es, dass das Feuer der Erkenntnis alles Karma zu Asche verbrennt (Bhagavad Gita 4.37).
Swami Sivananda empfahl, Fehler nicht zu verdrängen, sondern sie zu erkennen, zu bereuen und daraus zu lernen. Er riet, sich bei kleinen Fehlern selbst eine kleine Disziplin aufzuerlegen, etwa zusätzliches Japa, eine Mahlzeit auszulassen oder einen Tag zu schweigen – stets mit Maß und ohne Selbstverurteilung.
Prayashchitta bei Yoga Vidya
Bei Homas in den Yoga Vidya Ashrams bringen die Teilnehmenden gegen Ende Gaben dar, um Fehler und Unvollkommenheiten auszugleichen, gefolgt von einem Gebet um Vergebung. In der spirituellen Praxis wird Prayashchitta vor allem als innere Haltung verstanden: Fehler annehmen, aus ihnen lernen, um Vergebung bitten und mit neuem Entschluss weitergehen.
Praxistipps
- Reflektiere am Abend den Tag und erkenne, wo du Fehler gemacht hast – ohne dich zu verurteilen.
- Bitte innerlich um Vergebung und fasse den Entschluss, es besser zu machen.
- Gleiche Fehler aktiv aus: durch eine Entschuldigung, eine gute Tat oder selbstlosen Dienst.
- Wiederhole ein Mantra einige Male mehr als gewöhnlich, als Ausdruck deines Wunsches nach Läuterung.
- Bei einem Homa kannst du die Prayashchitta-Gaben bewusst nutzen, um alles Belastende loszulassen.

Prayashchitta (Sanskrit प्रायश्चित्त prāyaś-citta adj. u. n.) in der Sühne inbegriffen, zur Sühne gehörig; Genugtuung, Ersatz, Buße, Sühne.
Verschiedene Schreibweisen für Prayashchitta
Sanskrit Wörter werden in Indien auf Devanagari geschrieben. Damit Europäer das lesen können, wird Devanagari transkribiert in die Römische Schrift. Es gibt verschiedene Konventionen, wie Devanagari in römische Schrift transkribiert werden kann Prayaschitta auf Devanagari wird geschrieben " प्रायश्चित्त ", in IAST wissenschaftliche Transkription mit diakritischen Zeichen " prāyaścitta ", in der Harvard-Kyoto Umschrift " prAyazcitta ", in der Velthuis Transkription " praaya"scitta ", in der modernen Internet Itrans Transkription " prAyashchitta ".
Prayashchitta प्रायश्चित्त prāyaścitta Aussprache
Hier kannst du hören, wie das Sanskritwort Prayaschitta, Prayashchitta, प्रायश्चित्त, prāyaścitta ausgesprochen wird:
Video zum Thema Prayashchitta
Prayaschitta ist ein Sanskritwort. Sanskrit ist die Sprache des Yoga . Hier ein Vortrag zum Thema Yoga, Meditation und Spiritualität
Ähnliche Sanskrit Wörter wie Prayaschitta
Hier einige Links zu Sanskritwörtern, die entweder vom Sanskrit oder vom Deutschen her ähnliche Bedeutung haben wie Prayaschitta oder im Deutschen oder Sanskrit im Alphabet vor oder nach Prayaschitta stehen:
Siehe auch
- Brihachchitta
- Siddhachitta
- Chitta
- Amrita Siddhi Sanskrittext und Übersetzung
- Hatha Yoga Pradipika Sanskrittext und Übersetzung
- Sanskrit Kurs Lektion 1
- Heilige
- Heiliger
- Hinduismus
- Linga
- Maharishi
- Mahatma Gandhi
Quelle
- Carl Capeller: Sanskrit Wörterbuch, nach den Petersburger Wörterbüchern bearbeitet, Strassburg: Trübner, 1887
Weitere Informationen zu Sanskrit und Indische Sprachen
- Sanskrit Wörterbuch
- Sanskrit Übersetzung
- Sanskrit Schrift
- Sanskrit Alphabet
- Sanskrit Übersetzung kostenlos
- Hindi
- Indien
- Hinduismus
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