Vishnu Samhita

Aus Yogawiki

Vishnu Samhita (Sanskrit: विष्णुसंहिता, Viṣṇusaṃhitā, auch Viṣṇu Saṃhitā) ist eine Schrift der Pāñcarātra-Tradition über die Verehrung Vishnus und den Weg zur Befreiung. In dreißig Kapiteln führt sie von der Frage nach der höchsten Wirklichkeit über Mantra, Einweihung, Puja, Tempel und heilige Feste bis zur Sammlung des Geistes. Ihr Leitgedanke verbindet diese Bereiche: Verehrung soll Hingabe vertiefen, das Handeln den Geist klären und Erkenntnis zur Freiheit führen. Gott zu verehren und die höchste Wirklichkeit zu erkennen gehören zu einem gemeinsamen Weg (29.33–36; 29.60; 30.76–79).

Vishnu, der Alldurchdringende: Die Vishnu Samhita verbindet seine Verehrung mit der Erkenntnis seiner Gegenwart in allen Wesen.

Der Text spricht zugleich die Sprache des Tempeldienstes und die des inneren Weges. Er beschreibt genau, wie ein Bild aufgestellt, gebadet, geschmückt und verehrt wird. Doch er erklärt auch, dass Gott nicht mit dem vergänglichen Material des Bildes gleichzusetzen ist (24.3). Und er nennt eine Verehrung, die keine äußeren Mittel mehr benötigt: Fehlen Blumen, verehre man mit Wasser; fehlt Wasser, mit dem Geist (4.62–63). In dieser einfachen Anweisung verdichtet sich ein Grundzug der Schrift: Die äußere Form kann sich ändern; die Hinwendung des Herzens bleibt möglich.

Für heutige Leser erschließt sich die Schrift besonders durch ihre Lehre von Narayana als Zuflucht, durch das Zusammenspiel von Japa, Meditation und hilfreichem Handeln sowie durch die Mahnung, den Körper beim Üben nicht zu quälen (30.45). Dieser Artikel erschließt ihre zentralen Lehren und bietet anschließend die vollständige deutsche Übersetzung aller dreißig Kapitel. Historische Vorschriften und heutige Praxisanregungen werden dabei als unterschiedliche Ebenen kenntlich gemacht.

Vishnu Samhita: Einführung und deutsche Übersetzung · Sanskrit in IAST · Sanskrit in Devanagari · 108 inspirierende Verse und Mantras

Was Yoga-Aspiranten aus der Vishnu Samhita lernen können

Die Vishnu Samhita lädt dazu ein, Sadhana als Verbindung von Aufmerksamkeit, Liebe und Einsicht zu verstehen. Eine Blume kann zur Gabe werden, ein Gottesname zur Stütze der Sammlung, eine alltägliche Handlung zum Dienst. Entscheidend ist, wohin sich das Herz richtet: Mantras, Hymnen, [https:www.yoga-vidya.de/meditation/ Meditation] und Verehrung dienen nach 29.60 der Hingabe.

Dabei bleibt Hingabe nicht auf den Altar beschränkt. Der Text fordert, den Geist zuerst zu schulen, damit auch Rede und Sinne den guten Weg finden; unmittelbar anschließend nennt er die Hilfe für andere den höchsten Dharma (29.28–30). Für Yoga-Aspiranten ergibt sich daraus eine einfache Frage: Macht meine Übung mich aufmerksamer, wahrhaftiger und hilfreicher?

Ebenso wichtig ist Geduld. Spirituelle Reifung lässt sich nicht durch Drängen erzwingen (30.6–7). Der Weg verlangt regelmäßiges Üben, maßvolle Lebensführung und ein allmähliches Zurückziehen aus Zerstreuung (30.2; 30.45–47). Die 108 ausgewählten Stellen bieten einen ausführlicheren Zugang.

Ein Leseweg durch die Schrift

Wer zunächst den inneren Weg kennenlernen möchte, kann mit 4.16–20 und 4.62–63 beginnen: Lebensführung und einfache Verehrung bilden den Einstieg. 29.26–35 und 29.59–60 verbinden hilfreiches Handeln mit Erkenntnis und Hingabe. Kapitel 30 entfaltet anschließend die Sammlung des Geistes und das Ziel der Befreiung.

Für die Gotteslehre empfiehlt sich Kapitel 3, für Lehrerüberlieferung und Einweihung Kapitel 2 und Kapitel 10. Die ausführlichen Tempel- und Festkapitel erschließen sich leichter, wenn dieser geistige Zusammenhang bereits vertraut ist. Die Kapitelübersicht führt gezielt zu allen Teilen der vollständigen Übersetzung.

Lesehinweis: In der Übersetzung bedeutet „man soll“ häufig eine Vorschrift für den jeweiligen Ritualträger innerhalb der historischen Ordnung. Ob eine Stelle den Lehrer, einen eingeweihten Verehrer oder den öffentlichen Tempeldienst betrifft, ergibt sich aus ihrem Zusammenhang.

Historische und traditionelle Einordnung

Die Schrift stellt sich als göttliche Unterweisung innerhalb einer Lehrerüberlieferung dar. Auf dem Shrishaila begegnet Aupamanyava dem vollendeten Sumati, einem Sohn Idhmavats. Sumati erzählt von seinem Dienst bei Raibhya, seiner Mantra-Praxis und seiner Unterweisung durch Shiva, Brahma und schließlich Vishnu (1.1–33). Er berichtet von einer umfangreichen Vishnu Samhita mit 108 Kapiteln und einer Zusammenfassung ihres wesentlichen Gehalts in dreißig Kapiteln (1.34; 1.44–51). Die hier wiedergegebene Fassung ist diese dreißigteilige Kurzfassung.

Diese Selbstdarstellung begründet die traditionelle Autorität des Werkes. Sie ist weder eine historische Datierung noch der Nachweis, dass eine vollständige 108-Kapitel-Fassung heute vorliegt. Aus der verwendeten Textgrundlage lassen sich Entstehungsjahr, ursprünglicher Verfasser und einzelne Redaktionsschichten nicht zuverlässig bestimmen. Erkennbar ist eine ausgebildete Tempel-, Mantra- und Einweihungskultur, in der vedische Rezitation und tantrische Ritualordnung ausdrücklich zusammenwirken (29.38–48).

Die vier Bereiche Erkenntnis, Lebensführung, Ritual und Yoga werden bereits in 1.34 genannt. In der vorliegenden Fassung sind sie unterschiedlich gewichtet: Auf die philosophischen und theologischen Anfangskapitel folgt ein umfangreicher Ritualteil; Lebensordnung und Yoga bilden den Abschluss. Diese Gewichtung gehört zum Profil des Werkes. Es ist keine Sammlung ausschließlich meditativer Lehrsprüche, sondern ein Zusammenhang von Verehrung, Gemeinschaft, Erkenntnis und Befreiung.

Vishnu Samhita und die Pancharatra-Tradition

Die Zuordnung zum Pancharatra beruht hier auf dem Werk selbst. Kapitel 2 vergleicht seine verschiedenen Überlieferungszweige mit den Zweigen des Veda. Unterschiede der Riten und Texte heben die eine Wirklichkeit nicht auf (2.22–25). Der Name Pāñcarātra wird anschließend spirituell ausgelegt: Die „fünf Nächte“ werden mit den fünf Sinnesbereichen oder den fünf Elementen verbunden; das höchste Licht führt über sie hinaus (2.49–53).

Kennzeichnend sind die Verbindung von Gottesgestalten, Lauten, Kräften und Wirklichkeitsprinzipien, die Übermittlung durch einen Guru, die Diksha sowie die genaue Ordnung von Bild-, Mandala- und Feuerverehrung. Die Namen Vasudeva, Sankarshana, Pradyumna und Aniruddha erscheinen ebenso wie die fünf Zuordnungen Parameṣṭhin, Puruṣa, Viśva, Nivṛtti und Sarva (3.4–6; 3.55–56; 4.27–32). Diese unterschiedlichen Reihen dürfen nicht unterschiedslos zu einem einzigen Schema zusammengeschoben werden.

Für die spirituelle Lektüre ist wesentlich: Vielheit der Formen bedeutet nach diesem Text keine Vielheit letzter Wirklichkeiten. Die Vielzahl der Gottesnamen, Mantras und Verehrungsweisen soll die Aufmerksamkeit auf den einen göttlichen Grund richten.

Narayana und die höchste Wirklichkeit

Narayana, Vishnu, Hari und Vasudeva erschließen unterschiedliche Seiten derselben göttlichen Gegenwart. Kapitel 3 deutet Vishnu als den das All Durchdringenden und Vasudeva als den in allen Wesen Wohnenden (3.55). Narayana wird unter anderem als Zuflucht der Menschen und als Ruhegrund der Wasser erklärt (3.59). Diese traditionellen Wortdeutungen dienen der theologischen Betrachtung.

Das Verhältnis von Einheit und Vielfalt wird durch anschauliche Vergleiche erklärt: Der eine Mond erscheint vielfach im Wasser; ein einziges Licht oder Bild kann sich in vielen Spiegeln zeigen (3.33–35; 3.66–67). Die Vielfalt verschwindet dadurch nicht aus der Erfahrung. Sie wird jedoch als Erscheinung der einen Wirklichkeit verstanden. Der Text sagt entsprechend, die Welt sei von Gott geschaffen, getragen, erfüllt und behütet (3.86).

Lakshmi: In der Meditation der Einweihung erscheint Hari mit ihr vereint (10.60).

Lakshmi beziehungsweise Śrī gehört zur konkreten Erscheinung des verehrten Gottes: Mādhava wird auch als ihr Gemahl gedeutet (3.60), und der Schüler meditiert Hari mit Lakshmi vereint (10.60). Zugleich beschreibt das Werk Willens-, Erkenntnis- und Handlungskraft als zusammengehörige göttliche Entfaltungen (3.68–76). Eine Gleichsetzung jeder dieser Kräfte mit einer einzigen Göttinnenfigur wäre weitergehend als der jeweilige Wortlaut.

Die höchste Wirklichkeit ist schließlich Licht von der Natur des Bewusstseins, unbeweglich und beständig (30.78). Die persönliche Anrede Gottes und die Betrachtung reinen Bewusstseins stehen so innerhalb desselben Weges.

Video zur ergänzenden Einführung in Vishnu:

Mantra und Japa

Mantra ist in dieser Schrift mehr als eine sprachliche Erinnerung. Laute werden als Träger göttlicher Gegenwart behandelt, im Körper aufgelegt, im Mandala angeordnet und bei Verehrung und Feueropfer verwendet. Kapitel 5 erklärt die Erschließung der Mantras vielfach durch Lautcodes. Solche Beschreibungen sind nicht überall mit einer vollständig ausgeschriebenen, ohne Weiteres rezitierbaren Formel gleichzusetzen.

Japa, die wiederholte Rezitation, begleitet den ganzen Weg. Schon Sumatis Erzählung verbindet Mantra-Praxis mit der Suche nach Erkenntnis (1.13–22). Kapitel 29 nennt unterschiedliche Mantras für Morgen, Mittag und Abend und gestattet zugleich, immer das Grundmantra zu wiederholen (29.100–102). Kapitel 23 fordert, das vollzogene Japa dem Erhabenen darzubringen (23.79). So wird auch die eigene Übung zur Gabe.

Der innere Maßstab ist ausdrücklich die Hingabe (29.59–60). Eine heutige Anregung lautet deshalb: Ein vertrautes, in der eigenen Tradition gelerntes Mantra aufmerksam wiederholen, seine Bedeutung erinnern und die Übung ohne Anspruch auf ein besonderes Erlebnis abschließen. Dies ersetzt nicht die im Text vorausgesetzte Einweihung in besondere Ritualmantras.

Guru und Diksha

Guru und Schüler: Die Überlieferung verbindet Zuhören, Prüfung, Einweihung und eigenständiges Verstehen.

Der Guru vermittelt nicht allein Wörter, sondern eine geordnete Praxis. Die Vishnu Samhita verlangt vom Lehrer unter anderem Wahrhaftigkeit, Selbstbeherrschung, Kenntnis des Yoga und Verständnis der Riten (2.2–4). Der Schüler hört aufmerksam zu; Lehrbefugnis entsteht nicht schon dadurch, dass jemand einen Text gelesen hat (2.6–8).

Diksha wird als Gabe und Lösung der Knoten verstanden, als Befähigung zur Praxis und als Weg zur Befreiung (10.1–2). Im Einweihungsgebet bittet der Lehrer, gebundene Wesen von den Fesseln der Prakriti lösen zu dürfen (10.39–40). Die symbolische Auflösung und Neuschöpfung des Schülerleibes veranschaulicht einen grundlegenden Wechsel des Selbstverständnisses.

Für heutige Aspiranten lässt sich daraus die Bedeutung verantwortlicher Begleitung ableiten. Der Text bindet Autorität an Eigenschaften und Schulung. Seine historischen Regeln über Geschlecht, Stand und Zugang sind davon zu unterscheiden; sie werden in der Übersetzung sichtbar gelassen und nicht zu zeitlosen Bedingungen menschlicher Spiritualität erklärt.

Puja und Verehrung

Puja bei Yoga Vidya als heutiges Anschauungsbeispiel. Die in der Vishnu Samhita beschriebenen Tempelriten besitzen eine eigene, ausführlichere Ordnung.

Die Puja sammelt Körper, Rede und Geist. Wasser, Blumen, Duft, Licht und Speise werden aufmerksam dargebracht; die Gottheit wird angerufen, betrachtet, geehrt und im Herzen erinnert. Die große Sorgfalt des Ritualteils lässt sich spirituell als Schulung ungeteilter Aufmerksamkeit lesen. Diese Deutung ergänzt die konkrete Ritualbedeutung, ohne Maße, Materialien und Handlungen in bloße Symbole aufzulösen.

Besonders weit reicht 4.62–63: Wenn Mittel fehlen, genügen einfachere Gaben, zuletzt die geistige Verehrung. Der Wert einer Handlung liegt damit nicht allein in ihrem äußeren Aufwand. Gleichzeitig verlangt der öffentliche Tempeldienst verlässliche Durchführung und Verantwortung gegenüber der Gemeinschaft.

Die Gebete zur Einsetzung bitten um Gottes Gegenwart, um ein Ende der Feindschaft und um das Wohl des Landes (18.54–56). Die Speisung nach der großen Waschung soll Menschen aller sozialen Gruppen offenstehen (26.71). Gerade diese Stellen eröffnen einen Zugang zur gemeinschaftlichen Bedeutung der Verehrung.

Video als heutiges Beispiel einer Puja:

Yoga und Dhyana

Die innere Sammlung richtet sich auf die höchste Wirklichkeit. Kapitel 30 verbindet sie mit Maßhalten, Hingabe und beharrlicher Übung.

Das Schlusskapitel lehrt einen bhāgavata yoga, einen dem Erhabenen zugewandten Yoga. Seine Voraussetzungen sind angemessene Nahrung und Lebensführung, maßvolle Rede, Selbstbeherrschung und ein ruhiger Übungsort (30.2–5). Geistige Reinigung wächst durch Übung, nicht durch Ungeduld (30.19–21).

Sechs Glieder werden genannt: Pranayama, Pratyahara, Dharana, Tarka, Samadhi und Dhyana (30.57–58). Die Reihenfolge der letzten Glieder entspricht dem vorliegenden Wortlaut; sie wird hier nicht stillschweigend der geläufigen achtgliedrigen Ordnung angepasst. Tarka bezeichnet in diesem Zusammenhang prüfende Einsicht anhand von Übereinstimmung und Ausschluss (30.69–70).

Die Schrift unterscheidet körperliche, sprachliche und geistige Verehrung und führt vom Groben zum Feinen (30.75–77). Ein anschauliches Gottesbild kann den Geist zunächst sammeln. Kapitel 29 warnt davor, eine gegenstandslose Meditation nur deshalb zu wählen, weil sie besonders erhaben klingt, wenn der eigene Geist dabei ermattet oder einschläft (29.50–58).

Die Atemmaße und inneren Konzentrationen in 30.54–71 werden als historische Lehranweisungen vollständig übersetzt. Für die heutige Praxis ist zugleich die eigene Mahnung des Textes maßgeblich: nicht übermäßig lange üben, den Körper nicht quälen und sich allmählich aus Zerstreuung lösen (30.45–47). Meditation soll Klarheit nähren.

Bhakti, Jnana und Moksha

Bhakti bezeichnet die hingebungsvolle Beziehung zu Gott, Jnana die Erkenntnis der Wirklichkeit und Moksha die Befreiung aus erneuter Bindung. Die Vishnu Samhita verbindet diese drei Begriffe zu einem Weg. Handlungen sollen Erkenntnis ermöglichen; bloßes Wissen ohne gelebten Dharma klärt den vom Weltendasein ergriffenen Geist nicht ohne Weiteres (29.33–36). Erkenntnis stärkt wiederum die Hingabe, und gefestigte Hingabe lässt das Bewusstsein in der Wirklichkeit ruhen (30.18–21).

Dabei gehören eigene Bemühung und göttliche Gnade zusammen. Der Verehrende soll seine Motive prüfen und den Geist durch Übung reinigen (30.19–21). Zugleich soll er die Frucht nicht ungeduldig einfordern: Gott kennt die rechte Zeit und die Beschaffenheit seiner Hingabe (30.6–7). Für die heutige Lektüre liegt darin eine tragfähige Haltung: verantwortlich üben und die Reifung nicht erzwingen.

Zugleich unterscheidet das Werk verschiedene Früchte: weltliches Gedeihen, göttliche Herrlichkeit, Nähe oder Gemeinschaft mit Vishnu und endgültige Befreiung. Besonders 30.34–39 trennt eine noch gefährdete Form des Sāyujya von jener Befreiung, bei der keine Wiedergeburt mehr eintritt. Man sollte daher nicht jede Erwähnung von Gottesnähe automatisch mit endgültigem Moksha übersetzen.

Die höchste Ausrichtung bleibt das unvergängliche Bewusstsein. Wer das Licht schaut, das höher als das Höchste ist, wird nach 30.78 nicht wieder auf Erden geboren. Bis dahin gehören regelmäßige Praxis, ehrliche Selbstbeobachtung und tätige Hingabe zusammen.

Ritual und innere Transformation

Ein Tempel wird gereinigt, ein Bild vorbereitet, eine Gegenwart angerufen. Parallel dazu wird der Übende zur Reinigung des Geistes, zur Beherrschung der Sinne und zur Hingabe aufgefordert. Äußere Ordnung und innere Schulung begegnen sich darin. Die beschriebenen Handlungen behalten ihre konkrete religiöse Bedeutung; ihre Wirkung auf Aufmerksamkeit, Haltung und Selbstverständnis eröffnet zugleich einen Zugang für heutige Leser.

Das Werk selbst setzt innere Maßstäbe. Wahrheit, freundliche und hilfreiche Rede, Dienst, Reinheit und Wohltätigkeit werden ausdrücklich genannt (4.16–18). Im Jahresfest bittet der Verehrende, Gott möge das an Mantra, Handlung und Hingabe Unvollkommene vollständig werden lassen und die Gabe an seinem Herzen tragen (28.87–89). Darin liegt eine Spiritualität sorgfältigen Bemühens, die zugleich um die Grenzen des eigenen Könnens weiß.

Historische Spannungen bleiben bestehen: Ausschlussregeln und Standeshierarchien stehen neben der Forderung, keinen Viṣṇu-Verehrer wegen seiner Herkunft zu verachten (29.26), und neben der offenen Speisung in 26.71. Auch schädigende Ritualabsichten werden im Werk behandelt. Eine verantwortliche heutige Lektüre würdigt die heilsamen Lehren, ohne diese anderen Textanteile zu verschweigen oder nachzuahmen.

Fünf zentrale Lehren

  1. Eine göttliche Wirklichkeit trägt die Vielfalt. Vishnus viele Gestalten lassen sich mit dem einen Mond in vielen Wassern vergleichen; die Welt ist von ihm getragen und erfüllt (3.33–35; 3.86).
  2. Hingabe gibt der Praxis ihre Richtung. Mantra, Hymne, Meditation und Verehrung dienen der Vertiefung von Bhakti (29.60).
  3. Erkenntnis braucht gelebte Schulung. Handlung soll zur Erkenntnis führen; geistiger Dharma, Wahrhaftigkeit und hilfreiches Handeln gehören dazu (4.16–18; 29.28–35).
  4. Sammlung reift schrittweise. Maßhalten, regelmäßige Übung und ein dem eigenen Vermögen angemessener Weg führen vom Groben zum Feinen (30.2; 30.45–47; 30.76–77).
  5. Befreiung ist höher als vergängliche Erfolge. Außergewöhnliche Fähigkeiten und Herrlichkeit sind nicht das endgültige Ziel; Moksha bedeutet Freiheit von erneuter Bindung (30.15–17; 30.36–39; 30.78).

Fünf Anregungen für Yoga-Aspiranten

Die folgenden Anregungen übertragen belegte Gedanken in einen heutigen Alltag; sie sind keine vollständige Übernahme der historischen Tempelordnung.

  1. Beginne mit einer bewussten Hinwendung. Vor der täglichen Übung erinnere dich an Narayana als Zuflucht und richte die Aufmerksamkeit auf die Gegenwart des Göttlichen (3.59; 30.5–6).
  2. Übe ein vertrautes Mantra regelmäßig. Verbinde die Wiederholung mit seinem Sinn und bringe das vollzogene Japa innerlich dar (23.79; 29.59–60). Besondere Einweihungsmantras gehören in die entsprechende Lehrerüberlieferung.
  3. Mache eine kleine Gabe mit voller Aufmerksamkeit. Eine Blume oder etwas Wasser kann eine einfache Puja tragen; auch stille geistige Verehrung ist ausdrücklich vorgesehen (4.62–63).
  4. Prüfe Rede und Handeln. Frage dich am Abend, ob du wahrhaftig, freundlich und hilfreich gesprochen und jemandem konkret geholfen hast (4.17–18; 29.28–30).
  5. Verbinde Beharrlichkeit mit Maßhalten. Wähle eine tragfähige tägliche Zeit für die Meditation, vermindere Zerstreuung allmählich und erzwinge keine Erfahrungen (30.2; 30.6–7; 30.45–47).

Spirituelle Bedeutung für heutige Aspiranten

Die Vishnu Samhita kann helfen, die oft getrennten Bereiche von Verehrung und Selbsterkenntnis wieder zusammenzusehen. Ein Gottesname sammelt den Geist; ein gesammelter Geist erkennt seine Anhaftungen deutlicher; diese Einsicht macht eine freiere Hingabe möglich. Der Text beschreibt diesen Zusammenhang ausdrücklich in 30.18–25.

Seine Lehre wird dort alltagsnah, wo sie von Maßhalten, hilfreicher Rede, stiller Freigebigkeit und dem Wohl anderer spricht. Nicht die öffentliche Darstellung der eigenen Frömmigkeit, sondern die innere Ausrichtung zählt (29.30–32; 30.28–29). Spirituelle Praxis darf deshalb schlicht sein und dennoch tief reichen.

So lässt sich die Lektüre selbst zur Übung machen: Eine kurze Stelle aufmerksam lesen, ihren Zusammenhang verstehen und eine ihrer Anregungen im eigenen Handeln erproben. Bei 29.29–30 wäre der Prüfstein etwa, wem die eigene Praxis heute zugutekommt. Diese Übertragung in den Alltag ist eine heutige Anregung; ihr Maßstab bleibt die im Text ausdrücklich geforderte Sorge um das Wohl anderer.

Vishnu Samhita und andere Tantra Schriften

Die Vishnu Samhita ist gemeinsam mit Jayakhya Samhita, Paushara Samhita (Pauṣkara), Lakshmi Tantra, Parama Samhita, Sattvata Samhita, Ahirbudhnya Samhita, Ishvara Samhita, Parameshvara Samhita und Padma Samhita im Zusammenhang der Pāñcarātra-Lektüre zu betrachten. Für einen Vergleich sind Gotteslehre, Mantra, Einweihung, Verehrung, Yoga und Befreiung die tragenden Fragen. Die folgende Übersicht benennt konkrete Ansatzpunkte im vorliegenden Werk; sie beansprucht keine vollständige Inhaltsgleichheit der genannten Schriften.

Vergleichstexte Ansatzpunkt in der Vishnu Samhita Spirituelle Leitfrage
Jayakhya Samhita, Paushara Samhita, Sattvata Samhita Das Werk verbindet Mantra-Erschließung, Mandala und Diksha mit göttlichen Gestalten und Kräften (Kapitel 3–5 und 9–10). Wie werden Laut, inneres Bild und Einweihung zu einem zusammenhängenden Weg?
Lakshmi Tantra Śrī/Lakshmi erscheint in Verbindung mit Hari; zugleich werden Wille, Erkenntnis und Handlung als göttliche Kräfte erklärt (3.60; 3.68–76; 10.60). Welche Bedeutung erhalten göttliche Kraft, Gnade und die Beziehung von Lakshmi und Narayana?
Parama Samhita, Ahirbudhnya Samhita Kosmologie und Wirklichkeitsprinzipien werden mit Mantra, göttlichen Waffen und Yoga verbunden (Kapitel 3–5, 7 und 30). Wie dient die Ordnung der Welt der inneren Sammlung und der Erkenntnis?
Ishvara Samhita, Parameshvara Samhita, Padma Samhita Tempel, Bild, Einsetzung, Waschung, Prozession und Fest nehmen breiten Raum ein (Kapitel 12–28). Wie verbindet sich der öffentliche Gottesdienst mit persönlicher Hingabe und Befreiungsstreben?

Der besondere Akzent dieser Vishnu Samhita liegt in der Verbindung ihrer umfassenden göttlichen Weltgestalt mit einer sehr ausführlichen Ritualordnung und dem abschließenden Übergang zum inneren Yoga. Bhakti ist dabei nicht nur ein Thema neben anderen: 29.60 ordnet Mantra, Hymne, Meditation und Verehrung ausdrücklich auf sie hin. Moksha bleibt der höchste Horizont.

Eine direkte Abhängigkeit von einem der genannten Werke ist damit nicht erwiesen. Auch die in 1.24–29 erwähnte zwölfkapitelige Īśvara-Saṃhitā und zweiunddreißigkapitelige Brahma-Saṃhitā dürfen nicht allein aufgrund gleicher Titel mit anderen heute zugänglichen Fassungen identifiziert werden. Der Text selbst warnt durch seine Darstellung zahlreicher Überlieferungszweige davor, Pāñcarātra als überall gleichlautendes System zu behandeln (2.22–25).

Begriffe zum Verständnis des Ritualteils

Die folgenden Erläuterungen erleichtern die Lektüre. Der genaue Ablauf ergibt sich jeweils aus dem betreffenden Kapitel.

Nyasa

Das rituelle Auflegen oder Zuordnen von Mantras, Gottheiten und Wirklichkeitsprinzipien, insbesondere an Körperstellen. Der Körper wird in die Verehrung einbezogen (Kapitel 6).

Mudra

Eine festgelegte Hand- oder Fingergeste im Ritual. Kapitel 7 beschreibt ihre Bildung und Verwendung.

Homa

Die Darbringung von Gaben in das geweihte Feuer. Kapitel 8 behandelt dessen Weihe und Verehrung.

Mandala

Eine geordnete rituelle Anordnung, in der Gottheiten ihren bestimmten Platz erhalten; in Kapitel 9 gehört sie zum Zusammenhang der Einweihung.

Abhisheka

Eine rituelle Übergießung oder Weihe. Kapitel 11 verbindet sie mit der Befähigung zum Lehren.

Pratishtha

Die rituelle Einsetzung eines Gottesbildes und die Bitte um göttliche Gegenwart im Heiligtum (Kapitel 18).

Bali

Eine rituelle Gabe an die jeweils angesprochenen Wesen oder Gottheiten; Art und Empfänger richten sich nach dem Zusammenhang (Kapitel 22).

Utsava und Snapana

Utsava bezeichnet das heilige Fest mit seinen gemeinsamen Handlungen (Kapitel 20–21); Snapana die rituelle Waschung beziehungsweise das Baden des Gottesbildes (Kapitel 26).

Aufbau der 30 Kapitel

Kapitel Thema Nummerierte Einheiten
1 Rahmenerzählung und göttliche Überlieferung 52
2 Lehrer, Schüler und Erklärung des Tantra 53
3 Vishnus Herrlichkeit und die Einheit der Wirklichkeit 89
4 Feld, Feldkenner und Wirklichkeitsprinzipien 63
5 Erschließung der Mantras 79
6 Reinigung und Verehrung 80
7 Mudras und ihre Verwendung 58
8 Weihe und Verehrung des Feuers 86
9 Mandala 75
10 Diksha: Einweihung und Begnadung 90
11 Abhisheka und Lehrbefugnis 82
12 Wahl und Vorbereitung des heiligen Baugrunds 91
13 Tempelbau 87
14 Gestalt und Herstellung der Bilder 106
15 Fünf Formen der Einsetzung und Vorbereitungen 109
16 Reinigung des Bildes 134
17 Vorbereitende Unterbringung des Bildes 115
18 Pratishtha: Einsetzung und Gegenwart 91
19 Handlungen nach der Einsetzung 60
20 Utsava: das heilige Fest 90
21 Prozession und Zug zur heiligen Badestätte 90
22 Bali-Gaben und Segensgebete 85
23 Verehrung des Alls und Anordnung der Begleitgottheiten 84
24 Erneuerung beschädigter Bilder und Heiligtümer 93
25 Unheilszeichen, Abhilfe und Reinigung 88
26 Snapana: rituelle Waschung 77
27 Besprengung und Erneuerung 92
28 Ergänzende Riten und Fest der heiligen Schnüre 92
29 Lebensordnung der Eingeweihten 109
30 Yoga des Erhabenen und Schlussüberlieferung 89
Gesamt 30 Kapitel 2.589

Deutsche Übersetzung der Vishnu Samhita

Die Versnummern folgen der Sanskritvorlage. Zusammenhängende Sätze können sich über mehrere Nummern erstrecken. Unnummerierte Mantra- und Prosateile stehen beim zugehörigen Zusammenhang; unsichere Lesungen sind unmittelbar gekennzeichnet. Ergänzte Sprecherzuweisungen stehen in eckigen Klammern. Die Übersetzung bewahrt die historischen Aussagen und unterscheidet sie von den heutigen Praxisanregungen dieses Artikels.

Eingangsverehrung: Heil! Verehrung sei Ganesha. Vishnu Samhita.

Kapitel 1

1.1 Auf dem Gipfel des Shrishaila saß ein vollendeter Meister, der die Tantras durchdrungen hatte. Aupamanyava verneigte sich vor seiner überaus strahlenden Gestalt und fragte ihn:

1.2 „Erhabener, dein Glanz scheint die Sonne zu übertreffen; kaum kann man dich anschauen. Eine solche Erscheinung habe ich noch bei niemandem gesehen.

1.3 Gehörst du zu den Göttern, den Weisen oder den Menschen? Dein Leuchten erfüllt mich mit Staunen, und ich möchte dich befragen.

1.4 Woher stammt diese wunderbare, überaus helle Strahlkraft? Woher bist du gekommen, aus welchem Anlass und in welcher Familie wurdest du geboren?

1.5 Gewiss hast du alles zu Erfüllende erfüllt, bist frei von Verlangen und von unvergleichlicher Größe. Von deiner Abstammung, deinem Namen und deinem Wirken

1.6 möchte ich alles wahrheitsgemäß erfahren, sofern ich es wissen darf.“ So befragt, sammelte sich der Vollendete in der Meditation über Hari, legte die Hände zusammen und sprach,

1.7 während seine Stimme vor Freude stockte, seine Haare sich sträubten und Tränen hervortraten: „Höre, ich will dir alles erzählen. Es ist Vishnus Maya,

1.8 die durch die Vielfalt von Verstand, Sinnen und Gegenständen die verkörperten Wesen verwirrt. Mein Name ist Sumati; ich bin der Sohn des Sehers Idhmavat. [Die zusätzliche Herkunftsbezeichnung baido ist in der Vorlage unklar.]

1.9 Ich habe mich mit den drei Veden samt ihren Hilfswissenschaften und mit den Tantras eingehend beschäftigt. Schon als junger Brahmacharin lebte ich an diesem Berg mit seinen reinen Wassern

1.10 lange im Dienst des Raibhya, der sich dem Japa widmete. Ich wollte diesen früheren Wohltäter, den ich lange nicht gesehen hatte, wiedersehen.

1.11 Deshalb bin ich aus Vishnus Welt durch den Himmelsraum hierhergekommen. Heil sei dir!“ [Aupamanyava fragte:] „Welches Mantra hast du damals hier von deinem Japa übenden Lehrer erhalten,

1.12 oder welche andere Übung hat eine solche Verwandlung bewirkt?“ [Sumati antwortete:] „Als jener durch die Vollendung seines Mantras verschwand, ohne mich noch zu unterweisen,

1.13 weinte ich laut: ‚Was ist mein Weg?‘ Da hörte ich im Himmelsraum eine undeutliche Stimme: ‚Der Weg besteht aus Tara, Namah und dem Namen.‘ Diese schwer verständliche Aussage

1.14 rief mir ein Shiva-Mantra ins Gedächtnis. Ich wiederholte es und schaute durch seine Vollendung Ishvara. Er sagte: ‚Wiederhole das Brahma-Mantra.‘ Darauf übte ich dessen Japa.

1.15 Nun erschien Brahma, der Segen spendet und die Welt hervorbringt. Auch er sprach zu mir, der sich demütig verneigte: ‚Du sollst das Vishnu-Mantra wiederholen.‘

1.16 Beide trugen die Zeichen der Askese, verfilztes Haar, Gebetskette und anderes. Ich erkannte, dass sie mir noch nicht die ganze Erfüllung gewährten und allein Vishnu diese schenken würde.

1.17 Unablässig wiederholte ich Tag und Nacht das sechssilbige Mantra. So schaute ich ihn, dessen Gestalt das All ist: den Gestaltlosen, der Gestalt angenommen hatte.

1.18 Er trug Muschelhorn, Diskus, Keule, Lotus, Sharnga-Bogen, Schwert, Pfeil und Schild, das Shrivatsa-Zeichen, den Kaustubha-Edelstein, gelbe Seide und eine Girlande aus Waldblumen.

1.19 Krone, Halsketten, Armreifen, Ohrringe und weitere Schmuckstücke schmückten seine erhabenen Glieder. Er war der unermessliche Höchste unter den Göttern.

1.20 Seine göttliche Gestalt thronte auf dem großen Vogel und war mit himmlischen Duftstoffen gesalbt. Er leuchtete wie tausend Sonnen; selbst Götter und Asuras konnten seinen Anblick kaum ertragen.

1.21 Mit Mantras aus Rig-, Yajur- und Samaveda und mit verschiedenen Lobgesängen gewann ich seine Gnade. Dann bat ich ihn voller Hingabe:

1.22 ‚Erhabener, Herr der Götter, Vasudeva, Herr der Welt! Schenke mir jene Erkenntnis, durch die alles zu Erfüllende erfüllt wird.‘

1.23 Der Erhabene war erfreut und sprach mit tiefer Stimme: ‚Mein Kind, zum Glück ist dein Verständnis rein geworden. Dein Name Sumati, guter Verstand, ist wahrhaft angemessen.

1.24 Ich bin sehr zufrieden mit dir. Heil sei dir! Deshalb will ich dir sagen, was dir zum Guten dient. Empfange zunächst die Einweihung und höre die Ishvara Samhita

1.25 von Ishvara; danach höre entsprechend die Brahma Samhita von Brahma. Wenn du anschließend meine Vishnu Samhita gehört hast, wirst du Erkenntnis erlangen.

1.26 Du hast drei Mantras wiederholt: Shivas, Brahmas und meines. Deshalb soll dir auch die Gnade von uns dreien nacheinander zuteilwerden.‘

1.27 Nach diesen Worten verschwand der Gott. Als ich Shiva gedachte, erschien er und sprach erfreut zu mir, der sich verneigte: ‚Was Vishnu gesagt hat, soll geschehen.‘

1.28 Er vollzog die Einweihung, und ich empfing von ihm die Ishvara Samhita in zwölf Kapiteln, welche die Verehrung ohne Bija-Silben lehrt.

1.29 Danach gedachte ich Brahmas, und der Gott erschien. Von ihm hörte ich die Brahma Samhita in zweiunddreißig Kapiteln über Verehrung mit und ohne Bija-Silben.

1.30 Dann erschien auf mein Gedenken der achtarmige Adhokshaja. Ich warf mich wie zuvor vor ihm nieder und richtete erneut diese Bitte an ihn:

1.31 ‚Verehrung dir, Gott der Götter, Vasudeva, Höchster unter den Himmlischen! Von Ishvara und Brahma habe ich die beiden von ihnen gelehrten

1.32 Samhitas nach deiner Weisung ordnungsgemäß gehört, Herr aller Welten. Gewähre mir nun in deiner Gnade die Vishnu Samhita, wie sie gelehrt werden soll.‘

1.33 So voller Hingabe gebeten, verkündete der unvergängliche Vishnu die umfangreiche Vishnu Samhita, die allen Vollendungen dient.

1.34 Sie umfasste hundertacht Kapitel, gewährte die acht Herrschaftskräfte und weitere Vollendungen und bestand aus den vier segensreichen Bereichen Erkenntnis, Lebensführung, Ritual und Yoga.

1.35 Sie enthielt Vorschriften der Verehrung mit Bija, ohne Bija und mit beigefügtem Bija. Sogleich verschwand meine Verblendung, und das Verlangen nach Sinnengenüssen kam zur Ruhe.

1.36 Alle meine Zweifel wurden durchschnitten, mein Geist wurde klar, und Vishnus höchste Stätte offenbarte sich mir unmittelbar.

1.37 Himmlische Instrumente erklangen; ein herrlicher Blumenregen fiel. Von allen Seiten wehte ein duftender Wind, dessen Berührung beglückte.

1.38 Als der erhabene Herr des Alls verschwunden war, blieb ich noch eine Zeitlang hier und widmete mich Japa, Verehrung und den weiteren Übungen.

1.39 Während ich eines Tages Japa übte, erschienen erneut Blumenregen und andere glückverheißende Zeichen. Alle Himmelsrichtungen gerieten in Bewegung.

1.40 Da kam auf Haris Geheiß Garuda rasch herbei, nahm mich auf und brachte mich in göttlichem Flug zu Vishnus Welt.

1.41 Dort sah ich Mahavishnu unmittelbar wieder, in göttlicher Gestalt, von Brahma und den anderen Göttern gepriesen. Ich verneigte mich und blieb vor ihm stehen.

1.42 Er war erfreut und sprach als Spender aller Gaben: ‚Wohne hier in meiner Nähe.‘ Viele Jahre lebte ich in großer Freude bei ihm.

1.43 Durch seine Gnade erhielt ich die unvergängliche achtfache Herrschaftskraft und diesen Glanz. Frei durch die Welten wandernd, bin ich hierhergekommen.

1.44 Du bist hingebungsvoll und bescheiden; deshalb sollst du alles hören. Doch jene Vishnu Samhita kann man nicht in kurzer Zeit vollständig hören.

1.45 Ich werde dir ihren wesentlichen Gehalt darlegen, sodass dir hier nichts Wesentliches ungesagt bleibt. Denn ich bat den Erhabenen später um eine Zusammenfassung,

1.46 und er lehrte mich die kurze Vishnu Samhita, die den Kern enthält: Einführung in das Tantra, seine Erklärung, göttliche Herrlichkeit, Bestimmung des Feldes,

1.47 Erschließung der Mantras, Verehrung, Mudras, Weihe des Feuers, Mandala, Einweihung, Weihebegießung, Baugrund, Tempel und Merkmale des Bildes,

1.48 die fünf Arten der Einsetzung, Reinigung des Bildes, vorbereitende Unterbringung, Einsetzung selbst und die anschließenden Handlungen,

1.49 Fest, Prozession, Bali-Gaben, Verehrung des Alls, Erneuerung beschädigter Heiligtümer, Befriedung großer Unheilszeichen und rituelle Waschung,

1.50 Besprengung, ergänzende Riten, Zusammenfassung der verpflichtenden Lebensregeln und Yoga der Gottesverehrer: genau dreißig Kapitel.

1.51 Alles, was in der großen Vishnu Samhita mit ihren hundertacht Kapiteln gelehrt wird, ist hier seinem wesentlichen Inhalt nach zusammengefasst.

1.52 Diese heilige Vishnu Samhita ist höchst vertraulich und klar in ihrer Bedeutung. Wisse: Sie schenkt Lebensfülle und Befreiung und wurde von Vishnu selbst verkündet.“

Kapitel 2

2.1 Nun will ich zunächst kurz darlegen, wie das Tantra erklärt werden soll. Wird dies richtig vollzogen, entsteht dauerhafte Vollendung.

2.2 Ein hingebungsvoller Brahmane, der Einweihung und Weihebegießung empfangen hat, die Verpflichtungen wahrt, anderen Gnade erweist, redegewandt und vollendet ist und die Lehre durchdrungen hat,

2.3 der durch begründete Erörterung, Streitgespräch und Widerlegung fremde Lehrsysteme zu entkräften vermag, alle erforderlichen Merkmale besitzt, wahrhaftig spricht und seine Gelübde festhält,

2.4 der untadelig ist, Yoga kennt, sich beherrscht, die Riten versteht und die rechte Zeit kennt, soll insbesondere seinen eigenen Schülern, die zu ihm kommen, die Lehre erklären:

2.5 Eingeweihten, Bescheidenen, Hingebungsvollen und solchen Zweimalgeborenen, die den Veda gelernt haben und Vertrauen besitzen; ihnen soll er sie sorgfältig darlegen.

2.6 Der Schüler grüße den Lehrer ehrerbietig, setze sich bequem und aufmerksam hin, lese mit vorangestelltem Om und höre dann die Erklärung des Lehrers.

2.7 Er übe gemeinsam mit ebenso beschaffenen eingeweihten Zweimalgeborenen. Hat er auf diese Weise verstanden und die Weihebegießung empfangen, darf er andere unterweisen.

2.8 Danach darf er Schüler einweihen und Einsetzungen sowie weitere Riten vollziehen. Ein Shudra hingegen soll nach dieser Vorschrift auch nach der Einweihung den Text weder rezitieren noch hören.

2.9 Er soll das vom Guru verliehene Mantra wiederholen und auf einem bereiteten Bodenaltar verehren. Zur Erklärung der Lehre, Verehrung eingesetzter Bilder und Durchführung von Feueropfern besitzt er keine Zuständigkeit,

2.10 auch wenn er eingeweiht ist; er darf diese jedoch von Brahmanen ausführen lassen. Weil durch das Tantra alle Gegenstände entfaltet und die Menschen vor Furcht bewahrt werden,

2.11 erklären die Kenner darin das Wesen des Wortes Tantra. Ein Tantra ist aufgrund seiner Verwurzelung im Veda oder seiner Herkunft von einer vertrauenswürdigen Person

2.12 ebenso eine Erkenntnisautorität wie ein Purana oder die Aussagen Manus und anderer. Durch Wahrnehmung, Schlussfolgerung, Vergleich, sprachliches Zeugnis und notwendige Annahme – auf fünffache Weise –

2.13 werden alle Gegenstände erkannt, sofern keine bloße Scheinerkenntnis vorliegt. Wahrnehmung ist die aus den Sinnen entstehende Erkenntnis, das Erfassen von Klang und den übrigen Sinnesgegenständen.

2.14 Sie gilt als Erkenntnismittel; Fehler an Gegenstand, Sinnesorgan oder weiteren Bedingungen erzeugen dagegen Scheinerkenntnis. Die Schlussfolgerung ist dreifach: aus allgemeiner Beobachtung, aus vorausgehender Ursache und aus verbleibender Wirkung.

2.15 Sie dient dazu, zukünftige und bereits geschehene Sachverhalte zu erkennen. Vergleich liegt vor, wenn man aufgrund einer Ähnlichkeit den damit verglichenen Gegenstand erkennt.

2.16 Notwendige Annahme heißt hier, was sich zur Erklärung eines Sachverhalts zwingend ergibt. Sprachliches Zeugnis wird nach Veda, Tantra und weiteren Quellen vielfach unterschieden.

2.17 Für einige ist das Selbst aus sich selbst offenbar; andere erschließen es. Auch Prakriti wird durch ihre Umwandlungen und durch Überlieferungszeugnisse erkannt. [Der zweite Halbvers ist sprachlich beschädigt; die Einzelkonstruktion bleibt unsicher.]

2.18 Aus den geschaffenen, gegliederten Wesen wird auf den ungegliederten Schöpfer geschlossen. Weil alles aufgrund von Wissen geschaffen wird, ist er allwissend.

2.19 Wer das Tantra als Erkenntnisautorität anerkennt, weil es von einer zuverlässigen Person verkündet wurde, begründet auch die Autorität des Veda mit seinem zuverlässigen Ursprung.

2.20 Nach seinen jeweiligen Verkündern wird das Tantra in fünf Richtungen unterschieden: die shaivische, vaishnavische, brahmische, solare und die Kumara zugehörige.

2.21 Da Vishnu den Dharma verkündet, besitzt seine Lehre Geltung wie Manus Wort. Brahma und Vishnu gelten den Weisen als Verkünder des Dharma.

2.22 Wie der Baum des Veda viele verschiedene Zweige besitzt, so haben die Weisen verschiedene Zweige des Pancharatra beschrieben.

2.23 Diese unterscheiden sich durch Besonderheiten der Riten und der Textüberlieferung. Auf ihrer Grundlage wurden Tantras von Sehern, Göttern und Menschen

2.24 in vielerlei Formen verfasst; deshalb spricht man von seiner Vielgestaltigkeit. Doch auch in diesem vielfältigen, überaus ausgedehnten Pancharatra

2.25 bleibt die eine Wirklichkeit ungeteilt bestehen; sie wird dadurch nicht zu einer anderen. Als Gochara oder Kula bezeichnet man eine durch besondere Praxis bestimmte Überlieferungsgruppe.

2.26 Gerade diese Praxis macht ihre Zugehörigkeit und Lehrbefugnis kenntlich. Genannt werden Vaikhanasas, Sattvatas sowie weitere Gruppen bis zu den Ekantikas und Mulas. [Die Aufzählung ist hier beschädigt; 2.32 nennt zusätzlich die Shikhins.]

2.27 Diese Gochara-Gruppen beziehen sich auf Vasudeva und die weiteren göttlichen Erscheinungen. Die maßgeblichen Gruppen werden fünffach unterschieden.

2.28 Ständige tägliche Verehrung des Gottes der Götter und Unterhalt der Familie durch das, was ungebeten zufällt:

2.29 Wo diese Lebensweise und Praxis besteht, liegt das Vaikhanasa-Kula vor. Ein- oder zweimalige tägliche Verehrung Vishnus,

2.30 Unterhalt der Familie durch den Lebensberuf des Kriegers, kein Zurückweichen im Kampf und Gewandtheit in allen Lehrgebieten:

2.31 Wer diese Merkmale besitzt, wird Sattvata genannt. Landwirtschaft, Handel, Viehhaltung und zweimalige Verehrung Vishnus:

2.32 Wo dies anzutreffen ist, spricht man von Shikhins. Dienst an den Zweimalgeborenen und ein Leben von Almosen

2.33 sowie einmalige tägliche Verehrung kennzeichnen die Ekantikas. Ein-, zwei- oder dreimal täglich

2.34 den Gott der Götter mit Gedanken, Worten und körperlichen Handlungen zu verehren und von ungebetenen Gaben zu leben

2.35 oder den Unterhalt von eigenen Schülern zu empfangen: Solche heißen Mulas. Durch jeweils fünf Unterteilungen ergeben sich fünfundzwanzig Gruppen.

2.36 Die zu ihnen gehörenden Tantras sind wiederum von unbegrenzter Ausdehnung. Eine weitere Einteilung nennt Bhaktas, Bhagavadbhaktas, Dasas und Parishadas

2.37 und schließt mit den Bhagavatas. Bhaktas sind friedfertige, ihrem gesellschaftlichen Stand folgende Vishnuverehrer, die noch nicht eingeweiht sind.

2.38 Eingeweihte heißen Bhagavadbhaktas; dauerhaft Gelübdetreue werden Dasas genannt. Parishadas widmen sich ausschließlich seinem Dienst und leben von dem, was ihm dargebracht wurde.

2.39 Brahmanische Brahmacharins, die ihn beständig auch mit Instrumentalmusik verehren, heißen Bhagavatas. Sie gelten hier als die vorzüglichsten.

2.40 Eine weitere, von Vishnu gelehrte Einteilung der Eingeweihten lautet: Samayin, Putraka, Sadhaka, Deshika und Guru.

2.41 Wer vom Acharya das vorschriftsmäßig gezeichnete Mandala mit der Gottheit und ihren Gliedern gezeigt bekommt, heißt Samayin.

2.42 Wer die Gottheit im Mandala zusammen mit ihren Gliedern nach vollzogener Verehrung vom Acharya selbst gezeigt bekommt, heißt Putraka.

2.43 Der Schüler, den der Guru nach dem Zeigen des Mandalas und ordnungsgemäßen Mantra-Opfern im Feuer einweiht, ist ein Sadhaka und empfängt die Mantras.

2.44 Der tantrakundige Schüler, den der Guru durch die vollständige Folge von Mandala, Verehrung und Feueropfer einweiht, ist ein Deshika.

2.45 Ein Eingeweihter, der die Verpflichtungen und Lebensregeln wahrt, alle Tantras kennt, die Weihebegießung empfangen hat und Meditation sowie Verehrung vollzieht, gilt als Guru.

2.46 Unter den Ständen werden hier die Brahmanen hervorgehoben, unter ihnen die Vishnuverehrer, unter diesen die Eingeweihten, danach die Mantrakundigen, die Tantrakundigen und die Verehrenden;

2.47 unter ihnen die Besitzer der Lehrtexte, die Rezitierenden, die ihren Sinn verstehen, und die Vollendeten. Unter diesen wiederum ragt der Geweihte hervor. [Das Wort akṣiṣikta ist offenbar beschädigt; die Wiedergabe folgt dem Zusammenhang.]

2.48 Darüber steht der Gnade Erweisende, darüber der Ausleger und darüber Hari selbst. So habe ich dir die Bereiche tantrischer Überlieferung zusammenfassend erklärt.

2.49 Wer Vishnus höchste Stätte erlangen möchte, soll sich ihnen beständig widmen. Die fünf Nächte sind die fünf Erfahrungsbereiche, die in Klang und den übrigen Sinnesgegenständen bestehen,

2.50 oder auch die fünf großen Elemente; daher der Name Pancharatra. Wenn das höchste Licht erlangt wird, vergehen diese fünf Nächte.

2.51 Was alle Unwissenheit vernichtet, ist Pancharatra. Deshalb soll man es ehrfürchtig studieren und hören und seinen Inhalt in die Praxis umsetzen.

2.52 Von dieser Art ist das vorzügliche Erkenntnismittel, das Tantra namens Pancharatra. Wenn man die höchste, makellose Wirklichkeit schaut, die jenseits dieser fünf Nächte liegt,

2.53 dann ist man befreit, anders nicht. Ein solcher ist als wirklicher geistiger Lehrer zu erkennen: Er führt über den Ozean des Samsara.

Kapitel 3

3.1 Nun erkläre ich kurz Vishnus höchste Herrlichkeit. Wer sie erkennt und innerlich rein wird, kann Vishnus Stätte erreichen.

3.2 Die Gottheit ist das höchste Licht, der eine höchste Purusha. Durch seine eigene Maya erscheint er in der Welt vielfältig.

3.3 Indem er als Purusha seine Maya, die Prakriti, hervorbringt, besteht er zweifach. Nach den drei Eigenschaften Sattva und den anderen erscheint er dreifach.

3.4 Als Vishnu, Brahma und Shiva erhält, erschafft und beendet er die Welt. Seine Gestalten Vasudeva und die weiteren entsprechen Dharma, Erkenntnis und den übrigen Eigenschaften.

3.5 Diese vier Gestalten beziehen sich auf Veden, gesellschaftliche Stände und Weltalter. Er heißt auch Parameshthin, Puman, Vishva, Nivritti und Sarva.

3.6 Entsprechend den fünf Upanishad-Mantras nimmt er das Wesen der fünf großen Elemente an. Durch Geist und die fünf Sinne sowie durch die sechs Mantraglieder, Herz und die weiteren,

3.7 offenbart er sich als das Sechssilbige und in den Jahreszeiten. Durch die sieben Vyahritis, Welten, Versmaße und Opfer

3.8 erkennen ihn die Einsichtigen als siebenfach gegliedert. Durch die acht Naturgrundlagen und acht Erscheinungsformen

3.9 ist er stets achtfach und vom Wesen des achtsilbigen Mantras. Als Narayana, Narasimha, Varaha, Vamana,

3.10 Rama, Brahma, Indra, Sonne und Mond besteht er neunfach. Indra, Agni, Yama, Nirriti, Varuna,

3.11 Vayu, Soma, Ishana, Brahma und Ananta bilden seine zehnfache Gestalt. Durch die elf Sinnes- und Handlungsvermögen ist er elffach, durch die zwölf Monatsherren zwölffach.

3.12 Durch die Vishvedevas und weitere Götter gilt er als dreizehnfach; durch die Manus, Chakshusha und die anderen, als vierzehnfach.

3.13 In den Mondtagen besteht er fünfzehnfach; durch die Vokale sowie Haupt-, Zwischen- und weitere Richtungen sechzehnfach.

3.14 Auch durch weitere Gestalten ist seine mannigfaltige Entfaltung zu erkennen. Ein, zwei, drei, vier, fünf, sechs und weitere Gesichter, nach allen Seiten gewandt,

3.15 werden Hari, dem Selbst des Alls, zugeschrieben. Ebenso hat er zwei und mehr Arme, dessen Hände überall sind.

3.16 Seine langen Arme tragen vielerlei Schmuck und Waffen; seine Häupter sind mit leuchtenden Kronen und Ohrringen geschmückt.

3.17 Das Purusha-Sukta spricht von tausend Häuptern und zahllosen Füßen und Augen. Er ist Hiranyagarbha, vielgestaltig, makellos, dunkel,

3.18 blau, gelb, rot und vielfarbig. Mond und Sonne gelten als sein linkes und rechtes Auge.

3.19 Brahma nennt man sein Haupt, die Bäume seine Haare; Rudra befindet sich zwischen seinen Brauen, Soma in seinem Geist.

3.20 Die elf Rudras ruhen in seiner Kehle; Mondhäuser, Planeten und Sterne werden als seine sichtbaren Erscheinungen bezeichnet. [Die Bedeutung von darśanāḥ bleibt hier unsicher.]

3.21 Dharma und Adharma ruhen auf Ober- und Unterlippe. Indra und Agni bilden seinen Gaumen, Sarasvati seine Zunge.

3.22 Haupt- und Zwischenrichtungen befinden sich in seinen Ohren; Vayu ist in seinen Lebenskräften, die Maruts sind seine Finger.

3.23 Die Seher wohnen in seinen Haarporen, die Meere im Bereich seiner Blase; Flüsse, Erde und Nagas sind seinen Unterschenkeln zugeordnet.

3.24 Die beiden Ashvins befinden sich in seinen Knien, die Berge in seinen Oberschenkeln, die Guhyakas in seinem verborgenen Bereich und die Vasus in seiner Brust.

3.25 Die himmlischen Heilpflanzen befinden sich an seinen Nagelspitzen; seine Nasenöffnungen sind der südliche und nördliche Sonnenlauf.

3.26 Die Jahreszeiten ruhen an seinen Schulteransätzen, die Monate in seinen Händen, die Siddhas oben an seiner Stirn und blitzende Wolken in seinen Brauen.

3.27 Yakshas, Kinnaras, Gandharvas, Daityas, Danavas, Rakshasas und Charanas wohnen in seinem Bauch.

3.28 Ahnen, Totengeister, Kushmandas, Vetalas, Pramathas und die Bewohner der Unterwelt befinden sich in seinen beiden Füßen.

3.29 An seinen Seiten ruhen die vedischen und tantrischen Opfer, die Riten vom Agnihotra an und die Pflichten der Stände und Lebensstadien.

3.30 Svaha, Svadha und Vashat befinden sich sämtlich in seinem Herzen. Die als Vishnus tausend Namen gepriesenen Erscheinungen

3.31 sind dort als tausend Gestalten jeweils angemessen angeordnet. Dabei bezeichnet auch die Zahl Tausend eine große Vielheit.

3.32 Alle seine Gestalten sind in Wahrheit zahllos. Auch sämtliche Erscheinungen der Götter und anderen Wesen werden in ihm umfasst.

3.33 Deshalb gilt Vishnu in seinen tausend Gestalten als das Selbst aller. Wie bei vielen Spiegeln die Einheit nicht mehr sichtbar scheint,

3.34 so halten Menschen von begrenztem Verständnis Vishnu für vielfältig. Wie der Mond vielfach im Wasser erscheint und Echos sich vervielfachen,

3.35 so erscheint das eine Selbst in den vielen: Das sagen die Wahrheitssehenden. Die Toren aber, die die höchste Wirklichkeit nicht kennen und von Unwissenheit verwirrt sind,

3.36 behaupten eine Vielheit des Feldkenners und halten daran fest. Aus dessen Mund die Brahmanen, aus dessen Armen die Kshatriyas

3.37 und aus dessen Schenkeln die Vaishyas hervorgegangen sind: Das ist Vishnus höchste Stätte. Diesen unermesslichen, von allem Übel freien Mahavishnu

3.38 kann man ohne seine Gnade weder angemessen beschreiben noch erkennen. Vishnu trägt alle Götter; alle Götter sind seines Wesens.

3.39 Die gesamte Welt des Wortes, die sichtbaren und unsichtbaren Bereiche, alles Bewegliche und Unbewegliche durchdringt Vishnus Leib, wie Wind den Raum.

3.40 Alle Schriften bezeichnen Vishnu als das Höchste für sämtliche Götter. Aus ihm geht die ganze Schöpfung hervor, und in ihn löst sie sich zuletzt auf.

3.41 Wer außer dem Lotusäugigen durchdringt das All und bleibt darin bestehen? Janardana besteht zweifach: als tragender Grund und als das von ihm Getragene.

3.42 Zum Wohl aller Wesen ist er gegliedert und ungegliedert gegenwärtig. So erkennt man Vishnu, den Höchsten über allem Höchsten, in beiden Formen.

3.43 Der Erhabene besteht auch dreifach: grob, fein und jenseitig. Er wird Prabhavishnu, Mahavishnu und Sadavishnu genannt.

3.44 Er heißt Selbst, inneres Selbst und höchstes Selbst; ihm entsprechen die kosmische, feinstoffliche und herrscherliche Gestalt, innen und außen allgegenwärtig.

3.45 Seine Erscheinungen reichen von Klang und den Sinnesgegenständen bis zur reinen Bewusstseinsgestalt; sie umfassen Wachen, Traum und Tiefschlaf. Der Weise erforsche diese Dreiheit in Mantra, Anusvara und Nada.

3.46 Im Veda, Samkhya, Yoga, eigentlichen Pancharatra, in den Dharma-Schriften und Puranas verkünden Seher, Götter und Menschen

3.47 beständig: Das ganze Weltall ist von Vishnu erfüllt – alles Vergangene, Zukünftige und Gegenwärtige.

3.48 Sinne, Sinnesgegenstände, Elemente, inneres Organ, das Unentfaltete, die dreifache Maya, Wissen, Dharma und weitere Grundkräfte,

3.49 Notwendigkeit, begrenzende Wirkkraft, Zeit und alles Übrige bestehen aus ihm. Vishnu allein ist der höchste Gott, der in allen Wesen wohnt.

3.50 Er selbst ist alle Wesen. Nichts gibt es hier, das er nicht wäre: Götter, Asuras, Menschen, Tiere und Kriechtiere,

3.51 Bäume, Schlingpflanzen, Gräser, Kräuter, große Wolken, Donnerkeile und Blitze, Berge, Meere, Flüsse, Gärten, Städte und Seen,

3.52 die Welten Anantas, des Zeitenfeuers, der Toten und der Schlangen, die sieben Welten von Bhur an sowie die Bereiche Brahmas, Shivas und Vishnus:

3.53 Erkenne gewiss, dass der eine Vishnu sie sämtlich durchdringt. Varaha, Bhargava, Narasimha, Rama, Shridhara, Vamana,

3.54 die Pferdegestalt und Krishna in den Richtungen samt ihren Welten, das ganze Weltenei und alles nicht eigens Genannte sind seine Entfaltungen.

3.55 Weil der Herr das All durchdringt, heißt er Vishnu; weil er in allen Wesen wohnt, heißt er Vasudeva.

3.56 Weil er aus der ursprünglichen Gestalt hervorgezogen wird, heißt er Sankarshana; wegen der Fülle seines Glanzes Pradyumna, wegen seiner Unaufhaltbarkeit Aniruddha.

3.57 Weil er nicht abfällt, heißt er Achyuta; wegen seiner drei Stätten Tridhama. Als innerer Lenker heißt er Adhokshaja, weil man ihn durch nach innen gewendete Sinne erkennt.

3.58 Wegen seiner reinen Vaikuntha-Erscheinung wird er Vaikuntha genannt. Weil die Kräfte der Schöpfung und Auflösung zu ihm gehören, heißt er Keshava. [Die genaue Wortableitung des Verses ist unsicher.]

3.59 Er heißt Narayana, weil er Mann und Frau hervorbringt, die Zuflucht der Menschen und der Ruheort der aus Nara hervorgegangenen Wasser ist.

3.60 Madhava heißt er aufgrund seiner Verbindung zu Madhu oder als Gemahl der Shri; Govinda, weil er die Erde findet, und Hari, weil er Leiden hinwegnimmt.

3.61 Als Töter des Asuras Madhu heißt er Madhusudana; weil er mit seinen drei Schritten alles durchmaß, Trivikrama.

3.62 Wegen seiner kleinen Gestalt heißt er Vamana, weil er Shri trägt Shridhara, als Herr der Hṛṣīka genannten Sinne Hrishikesha.

3.63 Weil ein Lotus seinem Nabel entsprang, heißt er Padmanabha; weil eine Schnur an seinem Leib hing, Damodara.

3.64 Aus dem Weinen entsteht sein Name Rudra, aus dem Entfalten Brahma; wegen höchster Herrschaft heißt er Indra, wegen des Tragens Vahni, Feuer.

3.65 Weil er die Menschen zügelt, heißt er Yama, wegen des Umschließens Varuna; weitere Wortableitungen betreffen Vayu, Soma und Ishana. [Die Ableitungen im zweiten Halbvers sind textlich unklar.]

3.66 Als Sohn Aditis heißt er Aditya, als Erfreuender Chandra. So wird der Eine durch Wörter, die seine Eigenschaften und Tätigkeiten ausdrücken,

3.67 vielfach erkannt, wie der Mond im Wasser; dadurch wird er nicht wirklich vielfältig. Wie der allgegenwärtige Wind aufgrund seiner Feinheit unsichtbar bleibt,

3.68 so sehen die Unwissenden den allgegenwärtigen Vishnu nicht, die Wissenden aber sehen ihn. Seine drei Kräfte sind Wille, Erkenntnis und Handlung.

3.69 Durch sie gliedern sich seine vier Gestalten zwölffach. Die höchste, feine Kraft, Wille genannt, kann jede gewünschte Gestalt annehmen.

3.70 Durch sie ist alles Bewegliche und Unbewegliche längs und quer durchwoben. Sie teilt sich zweifach und setzt Erkenntnis und Handlung in Bewegung.

3.71 Unter ihrer Macht wirkt das ganze Weltall wie selbstständig. Der manifestierte Vishnu gehört zur Handlungskraft, der Herr der Vögel zur Erkenntniskraft.

3.72 Jenen Vogel nennt man den Opfer-Purusha, dessen Wesen Askese und vedische Versmaße sind; der Willenskraft entspricht der höchste, unvergängliche Purusha.

3.73 Der Handlung muss Erkenntnis vorausgehen; danach tritt der Handelnde hervor. Handlung gründet in Erkenntnis und wirkt nicht für sich allein.

3.74 Die eine Kraft des höchsten Purusha durchdringt als Handlung und Erkenntnis zweifach die gesamte bewegliche und unbewegliche Welt.

3.75 Da zwischen Kraft und Kraftträger kein wesentlicher Unterschied besteht, sollen die Weisen auch Handlung und Erkenntnis als ungetrennt verstehen.

3.76 Der Eine besteht in dieser Unterscheidung dreifach. Handlung, Erkenntnis und Wille bilden zusammen eine einzige Wirklichkeit.

3.77 Die Unterscheidung innerhalb des einen großen Selbst ist eine übertragene Ausdrucksweise. Deshalb gelten der Vogel, Upendra und Shiva als ungetrennt.

3.78 Sinne und Sinnesgegenstände sind Entfaltungen der Buddhi; die Umgestaltungen des Ichbewusstseins gleichen Blasen im Wasser.

3.79 Wie die Milch trotz verschiedenfarbiger Kühe dieselbe Farbe besitzt, so erkenne bei verschiedenen Trägern die eine Wirklichkeit.

3.80 Wisse: Die gesamte bewegliche und unbewegliche Welt zerfällt von Augenblick zu Augenblick. Unzerbrechlich ist allein Vishnus höchste Stätte.

3.81 Durch die Herrschaft dieses Herrn wird alles bewegt. Die gesamte Welt besitzt einen Herrn; sie ist nicht herrenlos.

3.82 Von Unwissenheit Verwirrte behaupten die Vielheit des Feldkenners. Die Kenner der Wirklichkeit erkennen diese Vielheit nicht als endgültig an.

3.83 Wer aufgrund unterschiedlicher Begrenzungen dem höchsten Selbst wirkliche Vielheit zuschreibt, bleibt in Verblendung im Samsara und erreicht die höchste Stätte nicht.

3.84 Wer selbst dem Weltschöpfer Allwissenheit abspricht, hat die Beziehung zwischen Erkenntnismitteln und Erkenntnisgegenständen nicht richtig verstanden.

3.85 Das Entstehen der Welt aus geformten Wesen ist das Werk des Herrn: Kein anderer vermag die Prakriti dazu anzutreiben.

3.86 Erkenne deshalb das All als von ihm geschaffen, getragen, erfüllt und behütet, auf ihn ausgerichtet und ihm zugehörig.

3.87 Wie sollte die Macht dieses Gottes leicht zugänglich sein? Er selbst kennt sie – oder vielleicht auch nicht: So spricht die Shruti.

3.88 Wer kennt das Höchste, aus dem diese ganze Schöpfung hervorging? Die Götter entstanden erst danach; auch Brahma und die weiteren Gestalten sind seine Schöpfungen.

3.89 Dennoch wurde eine Andeutung der Herrlichkeit dessen gegeben, dessen Gestalt unbegreiflich ist. Die mit „Nicht deine …, Vishnu“ beginnende Shruti spricht von der Unendlichkeit seiner Größe.

Kapitel 4

4.1 Nun erkläre ich kurz Feld und Feldkenner sowie Schöpfung und Auflösung im Zusammenhang mit Erfahrendem und Erfahrenem.

4.2 Prakriti ist das Feld; sein Kenner ist der Herr. Beide bestehen in engster, gleichsam ungetrennter Verbindung.

4.3 Das Unentfaltete, Buddhi, Ichbewusstsein, fünf feine Sinnesgrundlagen, elf Sinnes- und Handlungsvermögen und die Elemente bilden das Feld.

4.4 Dieses besteht grob und fein. Die sechzehn Wirkungen bilden seine grobe Seite, Buddhi und die weiteren feinen Grundlagen seine subtile Seite.

4.5 So besteht der vergängliche und fortdauernde Leib aller Verkörperten. Weil der Erfahrende in dieser Stadt wohnt, heißt er Purusha.

4.6 Purusha ist reines, durchdringendes Bewusstsein; die durchdrungene Stadt ist unbewusst und dreifach beschaffen. Auf sein Geheiß erschafft und verschlingt sie die Wesen, als wäre sie selbstständig.

4.7 Prakriti dient einem anderen, ist unbewusst, fein, dreifach und beständig wandelbar. Ihre Umgestaltungen von Buddhi an sind entsprechend den Gunas dreifach.

4.8 Sattva ist Freude, Rajas Leiden und Tamas Verblendung. Diese Eigenschaften überwältigen, offenbaren, verbinden und stützen einander.

4.9 Sattva ist leicht und erhellend, Rajas erzwingt Tätigkeit, Tamas ist schwer und hemmend. Ihnen entsprechen Weiß, Rot und Schwarz.

4.10 Alle Wesen besitzen diese drei in Prakriti befindlichen Eigenschaften; ihre Verbindung begründet höhere, mittlere und niedrigere Zustände.

4.11 Obwohl der Purusha einer und eigenschaftslos ist, erscheint er durch wechselnde Verbindungen mit Prakritis Eigenschaften vielfältig, wie ein Kristall durch benachbarte Farben.

4.12 Zur Befreiung verehre man mit sattvigen Zuständen, zum Genuss mit rajasigen, zur Schädigung anderer mit tamasigen und für gemischte Ergebnisse mit gemischten.

4.13 Wer ihn verehrt, soll deshalb unermüdlich alle seine Zustände sattvig gestalten, indem er die anderen Eigenschaften zurückdrängt.

4.14 Aus dem Unentfalteten entsteht durch die drei Eigenschaften die Mahat genannte, achtfache Buddhi: vier sattvige, eine rajasige und drei tamasige Formen.

4.15 Dharma, Erkenntnis, Nichtanhaften und Herrschaftskraft sind sattvig; Anhaften ist rajasig; Adharma und die weiteren Gegensätze sind vorwiegend tamasig.

4.16 Dharma besteht in Yama und Niyama und betrifft Denken, Sprechen und Handeln. Wer Befreiung ersehnt, soll ihn zur Freude Gottes verwirklichen.

4.17 Vertrauen, Standhaftigkeit und innere Klarheit bilden den vorzüglichen geistigen Dharma. Wahrhaftiges, freundliches und hilfreiches Sprechen ist der Dharma der Rede.

4.18 Der körperliche Dharma besteht dreifach in Dienst, Reinheit und Wohltätigkeit. Diese Pflichten sowie jene des eigenen Standes und Lebensstadiums soll man erfüllen.

4.19 Ob vedisch oder tantrisch: Dadurch entsteht Vollendung, anders nicht. Erkenntnis ist entsprechend ihrer Beziehung zu Befreiung, Dharma, Wohlergehen und Lebensgenuss vierfach.

4.20 Nichtanhaften entsteht entweder aus Unterscheidung oder aus Überdruss. Das erste ist innerlich und befreiend; das andere bleibt äußerlich und bindend.

4.21 Aus Buddhi entsteht das dreifache, von den drei Gunas geprägte Ichbewusstsein. Dadurch hält das Wesen das Nichtselbst für sein Selbst.

4.22 Sattviges Ichbewusstsein heißt Vaikrita, rajasiges Taijasa und tamasiges Bhutadi. So werden seine Formen unterschieden.

4.23 Aus dem sattvigen Ichbewusstsein entstehen die fünf Erkenntnissinne, durch die der Mensch Gegenstände erkennt.

4.24 Aus dem Taijasa entstehen die fünf Handlungsorgane und der zweifach wirkende Geist als Mittel des Vorstellens und Entschließens.

4.25 Bei Hören und den weiteren Erkenntnissinnen heißt er Manas, bei Sprechen und den Handlungsorganen Chitta. Aus Bhutadi entstehen der Reihe nach fünf feine Sinnesgrundlagen:

4.26 Klang, Berührung, Gestalt, Geschmack und Geruch. Sie entsprechen Vishnus fünf Kräften, Parameshthin und den weiteren,

4.27 durch die der höchste Gott im höchsten Raum besteht. Parameshthin ist die unveränderliche Bewusstseinskraft am Ursprung aller Wirkungen.

4.28 Seine zweite Kraft heißt Purusha und bildet die erste Entfaltung. Die dritte heißt Vishva, erscheint mannigfaltig und besteht in den Erkenntniswerkzeugen.

4.29 Die vierte erreicht den Gegenstand und heißt Nivritti. Seine fünfte heißt Sarva aufgrund ihrer vollständigen Erkenntnis- und Handlungskraft.

4.30 Mit diesen Kräften verbunden wird das makellose höchste Selbst zur Ursache von Entstehung, Bestand und Auflösung, obwohl es selbst ohne Tätigkeit ist.

4.31 Der Herr der Welt bewirkt auch Begrenzung und Begnadung. Nach dem jeweiligen Überwiegen einer der fünf Kräfte besteht er fünffach.

4.32 Diese fünf Wesenheiten sind subtil, ewig, jenseits des Samsara und seiner Gegenstände und durch Yoga zugänglich.

4.33 So wurde der feine Leib als Ursache der Verkörperung erklärt. Aus den feinen Sinnesgrundlagen entstehen nacheinander die fünf Elemente:

4.34 Raum, Luft, Feuer, Wasser und Erde. Daraus entsteht der grobe Leib als Grundlage der verkörperten Erfahrung.

4.35 Erkenntnissinne sind Gehör, Haut, Augen, Zunge und Nase; Handlungsorgane sind Sprache, Hände, Geschlecht, Ausscheidungsorgan und Füße.

4.36 So habe ich die Schöpfung bis zum Leib in ihrer groben und feinen Gliederung dargestellt. Die Auflösung vollzieht sich in umgekehrter Reihenfolge.

4.37 Wie der Verkörperte trotz seines einen feinen Leibes durch wechselnde Körper von Geburt zu Geburt vielfältig erscheint, so der Gott durch seine Gestalten.

4.38 Unzählige weitere Kräfte des höchsten Purusha scheinen durch Unterschiede von Gattung, Namen und Erscheinung voneinander getrennt.

4.39 Durch ihre selbst erworbenen Taten erhalten die Wesen einen stofflichen Körper und wandern lange im Samsara: Das sind die gebundenen Lebewesen.

4.40 Gute Taten führen auf einen heilsamen Weg nach oben, unheilsame Taten auf einen leidvollen Weg nach unten.

4.41 Obwohl die Wesen ihrem Wesen nach Bewusstsein sind, versinken sie im Entfalteten. Von der Dunkelheit ihrer Begrenzung verwirrt, können sie ihr eigenes Höchstes nicht erkennen.

4.42 Anziehung, Abneigung und ihre weiteren Fehler entstammen Prakriti; sie erzeugen die vielfältigen Prägungen des Samsara.

4.43 Überwiegt Sattva, führt der Weg zum Götterzustand; Rajas führt zum Menschsein, Tamas zur tierischen Existenz.

4.44 So gelangen alle Verkörperten in unterschiedliche Daseinsformen. Auf dem Rad der Zeit wandern sie durch die Maya der Unwissenheit.

4.45 Wem sattvige Eigenschaften wie Dharma einzeln oder gemeinsam innewohnen, der ist ihm lieb; wo Adharma und seine Begleiter herrschen, besteht das Gegenteil.

4.46 Wenn die Weltauflösung eingetreten ist, ruht der höchste Purusha ohne Tätigkeit im höchsten Raum, von der Gestalt ungeteilter Erkenntnis.

4.47 Deshalb sollen Menschen, nachdem sie den Leib als Mittel aller Verwirklichung erlangt haben, allein heilsame Taten vollbringen, um seine Gnade zu gewinnen.

4.48 Ist er durch die Pflichten des eigenen Standes und Lebensstadiums erfreut, liegen alle erwünschten Güter nahe; selbst die endgültige Befreiung ist dann nicht schwer erreichbar.

4.49 Seine Gestalten erfüllen bestimmte Aufgaben und schenken den Welten Gnade. Durch hingebungsvolle Verehrung seiner sichtbaren Gestalt sind deshalb alle Vollendungen erreichbar.

4.50 Durch die höchste Hingabe der Yogis erfreut, nahm der Gott der Götter zuerst die vierarmige Gestalt an, um Verehrung zu ermöglichen und Gnade zu schenken.

4.51 In dieser Gestalt sollen ihn die Weisen stets betrachten und verehren. Verehrung, Lobpreis oder Meditation, die sich auf diese Erscheinung richten,

4.52 gelten dem Gott selbst, wenn sie nach der Schrift erfolgen. Für Wohlergehen verehre man seine manifestierte, zur Befreiung seine höchste Gestalt.

4.53 Für beide wird die Verehrung am Vormittag beziehungsweise Nachmittag empfohlen. Wer Wohlergehen ersehnt, stelle sich den Gott dunkel und achtarmig mit seinem Reittier vor

4.54 und verehre ihn mit Waffen und Gefolge. Wer Befreiung sucht, verehre ihn hingebungsvoll klar wie reinen Bergkristall, mit Muschelhorn, Diskus und Keule,

4.55 vierarmig und auf Ananta ruhend. Der Lotus gilt als Keim der Schöpfung, der Diskus als Grundlage des Erhaltens.

4.56 Keule und Muschelhorn stehen für Auflösung und Befreiung. Die Verehrung des mit allen Wirklichkeitsprinzipien Verbundenen auf dem Weg ihrer Rücknahme,

4.57 Meditation und Freiheit vom Verlangen nach Ergebnissen bilden den Weg der Befreiungssuchenden. Verehrung durch Körper, Sprache und Einsicht wird jeweils innerlicher und höher.

4.58 Diese Formen können tamasig, rajasig oder sattvig sein. Zuerst kommen Verpflichtung, Lebensführung, Selbststudium, Sammlung der Opfermittel,

4.59 Einsicht, Opfer, Lobpreis und Meditation: acht Teile des Verfahrens. Gottesverehrer sind zweierlei: eingeweiht oder nicht eingeweiht.

4.60 Der Eingeweihte darf alle Riten vollziehen; der andere nimmt nur an Verpflichtung und Verehrung teil. Genannt werden rituelle Verehrung, Verpflichtung, Vertrauen der Hingabe und Achtung vor der Puja,

4.61 Hören seiner Erzählungen, Friedfertigkeit und Verzicht darauf, daraus einen Lebensunterhalt zu machen; zusammen ist von acht Gelübden die Rede. [Die Aufzählung ist beschädigt und nicht vollständig sicher aufzulösen.] Man verehre mit Blumen aus eigenem Garten, aus der Wildnis oder mit gekauften Blumen.

4.62 Für die Puja soll man keine Gaben annehmen, weil deren Frucht dem Geber zufällt. Fehlen die Mittel, verehre man mit Duft und Blumen oder allein mit Blumen.

4.63 Fehlen Blumen, verehre man mit Wasser; fehlt Wasser, mit dem Geist.

Kapitel 5

5.1 Nun erläutere ich kurz das höchste Verfahren zur Erschließung der Mantras. Richtig vollzogen, verleiht es ihnen Kraft und die Fähigkeit, das Erstrebte zu gewähren.

5.2 Man vollziehe es an einem abgeschiedenen, ebenen, reinen, angenehmen und schönen Ort, der mit Blumen bestreut ist.

5.3 Nach Bad, rituellem Wasserschlürfen und Nyasa ziehe der mit Duft und Blumen geschmückte, gesammelte Mantrakundige mit seinen Helfern die Messschnüre.

5.4 Er zeichne mit duftendem Sandelholz ein Feld aus vierundsechzig Feldern und trage die acht Gruppen des Alphabets vom Anfang bis zum Ha ein.

5.5 In die erste Reihe setze er die erste Gruppe paarweise, die übrigen gruppenweise in die folgenden Reihen. Er betrachte ihren Ursprung aus dem alles durchdringenden Nada.

5.6 Aus sich selbst entsteht Nada als A, vom Wesen Vasudevas; daraus folgt A unter dem Namen Sankarshana und I unter dem Namen Shiva.

5.7 Daraus entsteht das lange I; beide gehören Sankarshana an. Brahma entspricht U, daraus entsteht langes U; beide heißen Pradyumna.

5.8 Daraus entsteht das Haṃsa genannte vokalische R, dann das Aniruddha zugehörige weitere R. Es folgen das Mahat genannte vokalische L und dessen lange Form. [Die Vorlage unterscheidet hier einzelne Vokallängen nicht zuverlässig.]

5.9 Danach entstehen E unter dem Namen Rudra und anschließend Ai, ferner O unter dem Namen Prajapati und das ihm zugehörige Au.

5.10 Daraus entsteht Bindu vom Wesen Harishas, daraus Visarga: Dies sind die Vokale. Aus Harisha gehen nach den Mutterkräften von Brahmi an sieben Gruppen hervor.

5.11 Die Gruppen von Ka an und die Gruppen von Ya und Sha sind in die übrigen Reihen einzutragen. So besteht die schöne Göttin Sarasvati in den acht Lautgruppen.

5.12 Man verehre sie mit Duft und Blumen, der Reihe nach unter den Namen der Buchstabengottheiten. Dann verehre man das Garuda zugehörige, aus den beiden Ashvins erschlossene Zeichen zum Entnehmen der Buchstaben

5.13 sowie die Yama genannte Lautverbindung und erschließe damit die Mantras. [Die genaue Lautanweisung ist unsicher.] Bei Om und dem achtsilbigen Mantra werde der Übende selbst zu Vasudeva.

5.14 Beim sechssilbigen werde er Sankarshana, bei der Gayatri Brahma, beim Diskus-Mantra Hara, beim Ajita-Mantra Pradyumna und beim Narasimha-Mantra Aniruddha.

5.15 Die Bija-Mantras und Waffen werden jeweils durch Vasudeva und die weiteren Gestalten erschlossen; die fünf Upanishad-Mantras und weitere durch Aditya.

5.16 Zuerst entnehme man das erste Zeichen der ersten Gruppe, dann dort das fünfte und das letzte der sechsten Gruppe, um die erste Gruppe vermindert; die drei werden vereint. [Die verschlüsselte Alphabetanweisung zielt im folgenden Zusammenhang auf Om.]

5.17 Dies ist die höchste Wirklichkeit, die unvergängliche Silbe, die höchste Stätte. Allein mit ihr vollzogene Vishnuverehrung, Japa und Feueropfer schenken Befreiung.

5.18 Sie durchdringt die drei Götter, Gunas, Veden, Feuer, Tagesübergänge, Welten und Zustände. Als Anfang des Veda steht sie durch ihre Lautfülle am Anfang aller Mantras.

5.19 Nach Tara folgen das letzte Zeichen der fünften Gruppe und das letzte der sechsten mit dem dreizehnten Vokal, dann der Gottesname im Dativ: So ist das Mantra aufgebaut.

5.20 So entstehen das sechssilbige und das achtsilbige Mantra ohne zusätzliches Bija. Im zwölfsilbigen steht nach dem Verehrungswort das Wort Bhagavat.

5.21 Allgemein steht Tara am Anfang und die Verehrungsformel nach dem Bija, sofern kein weiterer Name folgt. Steht ein Name im Dativ, folgt die Verehrungsformel zuletzt.

5.22 Das vierte Zeichen der achten Gruppe mit dem Anfangslaut der sechsten und Bindu ist das Herz-Bija. Es gilt auch als Vishnu-Bija des Mantras ohne Bija. [Die technische Lautzuordnung wird nicht stillschweigend zu einer Rezitationsformel ergänzt.]

5.23 Für sein Haupt nehme man das erste Zeichen der zweiten Gruppe mit Bindu; für den Scheitel das erste der achten, durch den dritten Vokal verändert.

5.24 Das vierte Zeichen der letzten Gruppe mit fünftem Vokal und Bindu bildet den Schutzpanzer; mit dem sechzehnten Vokal wird es zum Waffen-Mantra.

5.25 So sind die fünf Glieder des sechssilbigen Mantras ohne Bija bezeichnet. Verbunden mit Namen und den jeweiligen Abschlussformeln sollen sie alle Wünsche erfüllen.

5.26 Das Herz-Bija bildet die Wurzel. Für die sechs Glieder bis zu den Augen nennt man die Verbindung mit zweitem, viertem, sechstem, zwölftem, letztem und vierzehntem Vokal.

5.27 Ohne Benennungen enden sie auf Namah; im Mantra mit Bija tragen sie ihre Namen. Das Bija folgt auf Om; steht es am Ende, wird Namah hinzugefügt.

5.28 So ist das Wurzelmantra mit Bija gekennzeichnet. Aus den auf Tara folgenden, mit Bindu versehenen und durch Vokale unterschiedenen Bija-Lauten

5.29 bilde man die sechs Glieder bis zu den Augen, mit Namen und Namah am Schluss. Das Herz ist weiß wie Jasmin, das Haupt dunkel wie aufgebrochene Augenschminke.

5.30 Der Scheitel ist gelbbraun, der Schutzpanzer golden, die Waffe blitzartig und das Auge feuerfarben.

5.31 Erkenntnis, Zufriedenheit, Ewigkeit, Freiheit, Hindernislosigkeit und Herrlichkeit sind die Eigenschaften der Glieder vom Herzen an. Mit ihnen verbunden wirkt der gestaltete Gott Gnade und anderes.

5.32 Svaha und Vashat dienen im Feueropfer der Befriedung und Stärkung; Namah dient Japa und Verehrung, abschließendes Om der Herrschaftskraft.

5.33 Bei den fünf Upanishad-Mantras stehen Tara am Anfang, die Silben Sho, Ya, Ra, Va und La mit Bindu in der Mitte und Namah; anstelle von Bhagavat steht Para. [Die genaue Silbenfolge ist anhand der verschlüsselten Vorlage zu beurteilen.]

5.34 Das erste hat Parameshthin zum Wesen, das zweite Purusha, das dritte Vishva, das vierte Nivritti und das fünfte Sarva.

5.35 Beim Einladen und Entlassen werden die fünf in vorwärts- beziehungsweise rückläufiger Reihenfolge verwendet, ebenso bei Besprengung, befriedendem Feueropfer und Reinigung der Gaben.

5.36 Purusha und Prakriti, hier auch Jiva und Prana genannt, Buddhi, Ichbewusstsein, Vorstellung, feine Sinnesgrundlagen, Sinne

5.37 und Elemente bilden die fünfundzwanzig Prinzipien. Die Lehrer ordnen ihnen der Reihe nach die mit Bindu versehenen Buchstaben von Ma zurück bis Ka zu.

5.38 Für Zeit- und Richtungsmantras verwende man das letzte Zeichen der achten Gruppe mit den letzten beiden Vokalen. Kha gehört Garuda, der folgende Laut Ganesha.

5.39 Ananta erhält das Zeit-Bija, seine sechs Glieder die langen Vokale. Für die Achse des Rad-Mandalas dient der letzte Buchstabe als Bija.

5.40 Der Lotus erhält Om; Blätter, Staubfäden und Fruchtboden sind dessen Teile. Die kurzen Vokale bilden die Bijas der drei Opferzeiten an der Nabe.

5.41 Die offenen Vokale ordne man der Zeit in den als Monate aufgefassten Speichen zu; die ersten Vokale ohne Visarga der linken und rechten Seite.

5.42 Daraus bestimme man die Tierkreiszeichen und, mit Visarga beginnend, die Mondtage in zwei Hälften. Die Mondhäuser von Ashvini an werden der Reihe nach eingesetzt.

5.43 Für sie dienen die mit Bindu versehenen Laute vom Anfang bis Ka; für die neun Planeten von Sonne an die Laute von Ha bis Ma. Die Planeten stehen in ihren Zeichen, Rahu und Ketu an ihren jeweiligen Orten.

5.44 Sa und Sha gehören dem inneren und äußeren Radkranz. Prakriti und die übrigen Prinzipien sind jeweils gesondert der Reihe nach einzusetzen.

5.45 Vishnu und die weiteren Erscheinungen werden mit den Bijas des zwölfsilbigen Mantras verbunden; die Jahreszeiten von Frühling an mit den Wurzel-Bijas. [Die Bezeichnung aragāḥ ist hier unsicher.]

5.46 Diese Besonderheit gilt für die Verehrung im Rad-Mandala. Bei Bhadraka- und Bodenaltarverehrungen werden die zeitbezogenen Mantras nicht verwendet.

5.47 Man nehme die Namen aus dem acht- und zwölfsilbigen Mantra und verbinde sie nacheinander mit „wir erkennen“ und „wir meditieren“; zuletzt folgt „möge Vishnu uns anregen“.

5.48 Dies ist die Vishnu-Gayatri, welche alle Verfehlungen hinwegnimmt. Was mit ihr dargebracht wird, nimmt der Herr der Götter an.

5.49 Sie ist bei Ehrengaben, gekochten Opferspeisen und der Vollopfergabe zu verwenden. Man spreche „Sahasrara“ und füge Hum und Phat hinzu.

5.50 Dieses sechssilbige, ungebrochene Sudarshana-Mantra soll niedere Geister und Pishachas abwehren und Krankheiten beseitigen.

5.51 Das Narasimha-Mantra besteht entsprechend aus dem letzten Zeichen mit vierzehntem Vokal und Bindu. Mit den Buchstaben der achten Gruppe in umgekehrter Folge, Om vorangestellt und ohne Bindu,

5.52 ordne man Vasudeva und die weiteren Gestalten, jeweils auf Namah endend, den Richtungen zu. Mit denselben langen Lauten stehen in den Ecken Shanti, Shri, Sarasvati

5.53 und Rati als die vier Kräfte der Gestalten. Das erste Bija der achten Gruppe wird mit dem Ende des Vierzehnten verbunden.

5.54 Dann folgen das zweite und dritte Zeichen der siebten Gruppe und das dritte der zweiten, der Reihe nach im dritten Umkreis.

5.55 Es folgen das lange, mit Bindu versehene erste Zeichen der letzten Gruppe, das zweite der zweiten Gruppe mit elftem Vokal und Bindu sowie erneut das erste der letzten mit Bindu. [Die elliptische Lautanweisung bleibt in Einzelheiten unsicher.]

5.56 So sind acht Bijas für Richtungen und Ecken genannt. Indra und die weiteren Richtungswächter erhalten ringsum die Anfangslaute der Gruppen als Bijas.

5.57 Die Waffen-Mantras für Donnerkeil und weitere Waffen erhalten deren zweite Laute mit Bindu. Für Vishvaksena wird Vauṃ am Ende und Namah als Abschluss genannt.

5.58 Der Pancharatra-kundige Weise bilde die Bijas aller Gottheiten entsprechend ihren Eigenschaften und Kräften.

5.59 Die Buchstaben heißen Sprache; sie erschöpft sich nicht. Deshalb wird ein Feld auch nach Entnahme seines Buchstabens nicht als leer bezeichnet.

5.60 Konsonanten und Vokale sind getrennt zu entnehmen. Man verbinde die bereits entnommenen Zeichen miteinander und entnehme dann das nächste.

5.61 Sakalikarana heißt diese vorzügliche Weihe des Mantras. Deshalb verehre man die Mutterlaute in den Feldern, bevor man die Mantras erschließt.

5.62 In den unbeschrifteten Feldern verehre man das erschlossene Mantra. So erschlossen und in ihren Lauten durch Om entzündet,

5.63 werden die Mantras kraftvoll und gewähren Lebensfülle und Befreiung. Man begebe sich an einen reinen, einsamen Ort, bade, vollziehe das Wasserschlürfen und beherrsche die Sinne.

5.64 Nach Verehrung des Gottes samt Gliedern und Umkreisen im Mandala wiederhole man das Mantra unter Einhaltung des Gelübdes und ungeteilter Aufmerksamkeit 2.600.000-mal.

5.65 Außerdem opfere man tausendmal Sesam mit Ghee. Dann erlangt das Mantra Vollendung und wird zum Spender von Gaben.

5.66 Was immer in den sieben Welten dem eigenen Glück dienen soll, wird durch seinen meditativen Einsatz rasch erreichbar.

5.67 Diese göttliche Kraft gilt als unfehlbar und unaufhaltbar – selbst bei Göttern, Danavas und Yakshas, um wie viel mehr bei Menschen.

5.68 Eine Yakshini, Kinnari, himmlische oder menschliche Frau werde nach sechs, fünf, sieben beziehungsweise einem Monat dienstbar, behauptet der Text.

5.69 Nach dem Bija spreche man den Namen der Betroffenen und „sie komme unter die Macht“; am Schluss setze man erneut das Bija und stelle es flammend und funkensprühend vor.

5.70 Zornig und mit gedehnter Aussprache soll man dies gewaltsam rasch bewirken. Bei schädigenden Riten verwende man entsprechend Phat am Ende.

5.71 Als besondere Formel steht nach dem Namen „sie möge zugrunde gehen“. Eine weitere Anweisung verbindet den Namen mit einem zusätzlichen Ausdruck und der Vorstellung des Bija. [Der zweite Halbvers ist in seinem Wortlaut unklar.]

5.72 Dies wird für Herbeiziehen und Unterwerfung genannt. Man stelle sich die betroffene Person bewusstlos, verwirrt und herbeikommend vor.

5.73 Man meditiere vor sich einen mit Gold und Edelsteinen gefüllten Krug, der unablässig einen unermesslichen Strom von Reichtum ausgießt.

5.74 Dies ist die Anwendung für Wohlstand unter dem Namen Vaishravanas. Nach dem Namen füge man „er möge geben“ und die Bezeichnung des gewünschten Gutes hinzu.

5.75 Durch lange Unterwerfungsübung erlange man ein begehrtes Mädchen; nach ihrem Namen solle „sie möge erlangt werden“ gesprochen werden.

5.76 Für Vertreibung lautet die Formel „er möge fortgehen“, für Herbeirufung „er möge kommen“, für Zuneigung „er möge Zuneigung bringen“, für Entzweiung „er möge Hass empfinden“.

5.77 Wenn der Kundige das vollendete Mantra für ein bestimmtes Ziel erneut wiederholt, soll dieses rasch erreicht werden, jedoch nur in Verbindung mit Vertrauen. [Die Vorlage śraddhābiyogataḥ ist fehlerverdächtig.]

5.78 Man stelle das Herz-Bija gedehnt im flammenden achtfachen Leib vor. Damit vollziehe man am eigenen Körper die Gliederweihe.

5.79 Mit welchem Vokal es auch verbunden und für welches Ziel eingesetzt wird: Es soll dieses rasch verwirklichen und nicht vergeblich sein. So lautet die Aussage der Überlieferung. [Das Schlusswort dāraṇā bleibt unsicher.]

Kapitel 6

6.1 Nun erläutere ich kurz die Verehrung, beginnend mit Bad und rituellem Wasserschlürfen. Richtig ausgeführt, führt sie den Übenden zur Vollendung.

6.2 Mit Kusha-Gras und den nötigen Dingen gehe er zu einer heiligen Badestelle, einem Fluss oder Teich und entnehme mit dem Waffen-Mantra fehlerfreie Erde.

6.3 Er lege sie an der mit dem Waffen-Mantra gereinigten Badestelle ab, teile sie dreifach und besprenge die Teile mit Waffen-, Herz- und Schutzpanzer-Mantra.

6.4 Er umschreite das Wasser rechtsherum und verneige sich. Mit dem ersten Erdteil reinige er den Körper und tauche dreimal unter, jeweils Om sprechend.

6.5 Mit dem zweiten Teil reibe er sich ein und vollziehe ordnungsgemäß das Wasserschlürfen. Den dritten werfe er zur Befriedung von Hindernissen in alle Richtungen.

6.6 Er tauche gegen die Strömung erneut unter und betrachte die Badestelle als Vishnu zugehörig. Dann trete er an den Badeplatz zurück und vollziehe schweigend das Wasserschlürfen.

6.7 Nach dem geordneten Mantra-Nyasa besprenge er sich mit dem Wurzelmantra und den weiteren Formeln. Nach erneutem Wasserschlürfen folgen drei Atemregelungen.

6.8 Gesammelt verwende er das Wurzelmantra mit seinen Gliedern einzeln. Im bis zum Nabel reichenden Wasser vollziehe er damit die Reinigung von Verfehlungen.

6.9 Auch die vollständige Mantraform wird hierfür als tilgend genannt. Nach der Weihebegießung steige er heraus und lege weiße Kleidung an.

6.10 Er schlürfe Wasser, vollziehe Nyasa und besprenge sich wie zuvor mit Kusha-Spitzen. An einem reinen Ort sitzend, übe er drei Atemregelungen.

6.11 Mit der Formel der höchsten Wirklichkeit vollziehe er dies, verneige sich und reinige sich durch Bestreichen. Mit derselben Formel vollziehe der Lehrer die ehrfürchtige Hinwendung.

6.12 Er meditiere über den lichtgestaltigen Vishnu in der Sonnenscheibe, bringe Wasser als Ehrengabe dar und wiederhole stehend das Wurzelmantra hundertachtmal,

6.13 ebenso die Vishnu-Gayatri, die am Anfang und Ende von Om umschlossen wird. Dann setze er sich an einen reinen Ort und beginne die sättigenden Wassergaben.

6.14 Er sättige Vishnu und die übrigen Gottheiten, Seher, Menschen und Ahnen vollständig mit Wassergaben. Danach nehme er die heilige Badestelle rituell zurück.

6.15 Schweigend, das Wurzelmantra wiederholend und Hari betrachtend, gehe er weiter. Er wasche die Füße bis zu den Knien und die Hände bis zu den Ellbogen.

6.16 Dreimal trinke er aus der Brahma-Stelle der Hand, wische zweimal den Mund, besprenge linke Hand und Füße und berühre anschließend die Glieder.

6.17 Durch die drei Schlucke werden die drei Veden sowie Väter, Großväter und Urgroßväter der Reihe nach gesättigt.

6.18 Beim ersten Abwischen werden Brahma, beim zweiten Daksha sowie Atharvaveda und die Itihasas als gesättigt betrachtet.

6.19 Durch Berührung der Augen werden Mond und Sonne gesättigt. Man verwende Daumen und Ringfinger; an der Nase Daumen und Zeigefinger für Vayu.

6.20 Mit dem kleinen Finger berühre man die Ohren für die Ashvins, mit dem Daumen die Arme für Indra und die Berge, mit dem Mittelfinger den Nabel für Vishnu.

6.21 Mit vier Fingern berühre man das Herz für Mahavishnu, mit allen das Haupt für Sadavishnu. Dies ist insbesondere das Wasserschlürfen des Eingeweihten.

6.22 An der Opferstätte gedenke er schweigend des Gottes und betrachte Raum, Opferbank und Bodenaltar unter Anwendung des Waffen-Mantras.

6.23 Gesammelt umschreite er sie rechtsherum und verneige sich. Rein und nach Osten gewandt, trage er das Obergewand wie eine heilige Schnur.

6.24 Mit dem Narasimha-Mantra versiegle er die Richtungen, sitze im Lotussitz, spreche die Formel der höchsten Wirklichkeit und bilde die Brahmanjali-Geste.

6.25 Er vollziehe drei Atemregelungen mit drei Konzentrationen. In der Nabelmitte halte er die rauchfarbene Silbe Yam als heftigen Wind fest,

6.26 der Verfehlungen vom Leib löst und alle Glieder austrocknet. Im Herzen halte er das durch Tara aus der Sonne herbeigeholte Feuer fest.

6.27 Dessen Flammen verbrennen den Leib seitwärts, aufwärts und abwärts wie Holz. Mit dem Bija verbinde er gesammelt das Lebensprinzip mit dem Scheitelende.

6.28 Durch die Öffnung der Sushumna aufsteigend, hole er Nektar vom Mond oberhalb der Sonne herab und überflute damit den zu Asche gewordenen eigenen Leib.

6.29 Aus Erdatomen bilde er einen neuen, Prajapati zugehörigen Leib inmitten einer Wasserblase.

6.30 In diesen setze er sein Selbst als allwissend und makellos ein. In den durch das Waffen-Mantra gereinigten Händen vergegenwärtige er das Wurzelmantra überall.

6.31 Beginnend am rechten Daumen setze er die Bijas der Reihe nach ein, von Om umschlossen; ebenso links, jeweils bis zur Handfläche.

6.32 Er setze dort auch die Mantraglieder ein und durchdringe den ganzen Leib. Den ersten Laut setze er auf den Kopf, den zweiten auf die Stirn,

6.33 den dritten ins Herz, den vierten in den Nabelbereich, den fünften auf die Oberschenkel und den sechsten in die Füße.

6.34 Dieser Schöpfungs-Nyasa wird sitzend für gewünschte Erfolge vollzogen. Stehend führe man den Erhaltungs-Nyasa vom Nabel an bis zum Herzen aus.

6.35 Liegend vollziehe man den Auflösungs-Nyasa von den Füßen aus in umgekehrter Reihenfolge. Der Erhaltungs-Nyasa gehört dem Hauslebenden, der Schöpfungs-Nyasa dem Brahmacharin.

6.36 Für Befreiungssuchende gilt der Auflösungs-Nyasa. So ist Nyasa dreifach. Nach diesem Verfahren mit den sechs, von Om umschlossenen Silben

6.37 setze man Herz und die weiteren Glieder an ihre Stellen. Nach Mantrawiederholung durchbohre man mit dem Waffen-Mantra das Holzstück und werfe es fort.

6.38 Ebenso werfe man eine Blume mit dem Waffen-Mantra und richte die Opfermittel her. In einem damit gereinigten Gefäß sei Wasser mit Duft und Blumen.

6.39 Darin setze man das Mantra ein und weihe es achtmal mit Om. Danach besprenge man ringsum alles mit dem Waffen-Mantra,

6.40 das auf Phat endet. Dann richte der Einsichtige den Sitz her. Er verehre im Mandala, auf dem Bodenaltar, im Bild oder im Herzen.

6.41 Wer durch äußere Verehrung gereift ist, verehre geistig im Herzenslotus. Der Sitz besteht aus Ananta; Dharma und seine Gegenstücke bilden Füße und Verbindungsteile.

6.42 Er umfasst die drei Gunas und trägt dunkle und helle Decken als Maya und Vidya. Auf dem Bodenaltar verehre man diesen weiten Sitz mit Duft und Blumen.

6.43 Darüber stelle man mit Om gesammelt den Lotus vor, darüber durch dessen Teile die drei Bereiche Sonne, Mond und Feuer sowie die drei Selbstformen,

6.44 jeweils übereinander, mit Blättern, Staubfäden und Fruchtboden. Vimala, Utkarshini, Jnana, Kriya, Yoga,

6.45 Prahvi, Satya und Isha sind die acht Kräfte an den Staubfäden; zuletzt verehre man in der Mitte Anugraha, um alle Ziele zu verwirklichen.

6.46 Unermüdlich meditiere man so im Herzen über Vishnu auf dem Yoga-Sitz. In gereinigtem Metallgefäß bereite man Wasser mit Duft und Blumen.

6.47 Mit Om vergegenwärtige man Vishnu oberhalb des Unentfalteten und meditiere seine alles durchdringende, ganz aus Licht bestehende Gestalt.

6.48 Man stelle ihn auf dem Lotuszentrum vor, halte seine Gegenwart fest und vollziehe die Gliederweihe. Ungestört verehre man Achyuta samt Gliedern hingebungsvoll mit Arghya und weiteren Gaben.

6.49 Das Herz setze man im Osten ein, das Haupt im Süden, den Scheitel im Westen, den Schutzpanzer im Norden.

6.50 In den Ecken von Südosten an verehre man die höchste Waffe; Vasudeva und die übrigen Gestalten in den Richtungen, ihre Kräfte in den Ecken.

6.51 Außerhalb davon ordne man Muschelhorn, Diskus, Lotus und Keule den Richtungen zu, Sharnga-Bogen, Schild, Schwert und Pfeil den Ecken.

6.52 Indra, Agni, Yama, Nirriti, Varuna, Vayu, Soma und Ishana setze man der Reihe nach in ihre jeweiligen Richtungen.

6.53 Außerhalb stehen ihre Waffen: Donnerkeil, Speer, Stab, Schwert, Schlinge, Banner, Keule und Dreizack.

6.54 Garuda steht vorn außerhalb des dritten Umkreises, Vishvaksena im Nordosten außerhalb des zweiten.

6.55 Für jeden richte man einen eigenen Lotussitz her, indem man seinen Namen nennt. Hingebungsvoll bereite man dem Gott das Ehrenwasser,

6.56 Fußwaschwasser, Mundspülwasser, Bad, Salbung, Kleidung, Schmuck, Blumen, Räucherwerk, Licht und Speisegabe.

6.57 Alles werde der Reihe nach mit der Vishnu-Gayatri dargebracht. Nachdem der Gott die Gaben vom Bad bis zum Schmuck erhalten hat, erhalten auch seine Glieder diese Ehrungen.

6.58 Dann bringe man mit der Gayatri dem Gott und den übrigen Blumen dar; das Wurzelmantra wird einzeln und vollständig zusammen mit den Gliederformeln verwendet.

6.59 Dies ist seine Verehrung; die anderen werden stets mit ihren eigenen Namen verehrt. Zuletzt durchdringe man alles mit der höchsten Wirklichkeit und verehre den Ewigen.

6.60 Man bringe ihm vorschriftsmäßig Räucherwerk, Licht und Speise dar, den anderen nach Möglichkeit ebenfalls Speisegaben.

6.61 Auch im Feuer stelle man ihn strahlend, mit Gliedern auf dem Yoga-Sitz vor. Auslegen des Grases, Umsprengen, Reinigen und die weiteren Vorbereitungen

6.62 vollziehe man sämtlich mit Om; dann opfere man Ghee. Die Gliedergestalten erhalten jeweils ein Zehntel, die anderen nacheinander je eine Gabe.

6.63 Mit „Verehrung den Gefolgswesen“ bringe man Bali in den acht Richtungen dar. Nach Wasserschlürfen und Gliederweihe folgen Japa, Lobpreis und Verneigung.

6.64 Man bringe Ehrenwasser dar, bitte „Vergib!“ und nehme die Erscheinung ins Herz zurück. Dort meditiere man den lichtgestaltigen Gott mit Muschelhorn, Diskus und Keule,

6.65 in gelbem Gewand, mit erhabenen Gliedern und allem Schmuck: den vierarmigen Vasudeva, rein wie Bergkristall.

6.66 Er trägt Muschelhorn, Diskus und Keule sowie Shrivatsa und Kaustubha. Sankarshana meditiere man entsprechend goldglänzend,

6.67 Pradyumna wie Durva-Gras oder Smaragd, Aniruddha wie eine dunkle Regenwolke.

6.68 Shanti stelle man sich kristallklar vor, Shri wie Lotusstaub, Sarasvati entsprechend und Rati dunkel. [Die überlieferte Form śānta wurde hier auf die zuvor genannte Shanti bezogen.]

6.69 Das Muschelhorn ist weiß, der Diskus feuerfarben, die Keule kurkumagelb und der Lotus golden.

6.70 Die Keule besitzt weibliche Merkmale und die Kraft, alles aufzulösen. Das Schwert meditiere man himmelsfarben und in einer dem Diskus entsprechenden Personifikation.

6.71 Der Sharnga-Bogen gleicht ihm, ist gelb und unten der Keule ähnlich. Den Pfeil stelle man in Bogengestalt, den Schild schwertähnlich vor. [Die knappe Beschreibung der Waffenpersonifikationen ist teilweise unklar.]

6.72 Der Diskus ist furchterregend, mit großen Augen, Nabe, Speichen und Rand; er leckt mit Flammen, ist schwer anzuschauen und schleudert wirbelnde Feuerfunken.

6.73 Er besitzt vier oder zwei Arme, Fangzähne und gelbbraunes Haar. Das Muschelhorn hat einen herabhängenden Bauch und kurzes, gelocktes Haar.

6.74 Indra ist dunkel, Yama gelb, Varuna dunkel, Soma rein und hell wie ein Muschelhorn, Agni rot.

6.75 Nirriti ist dunkel und besitzt Fangzähne, Vayu rauchfarben, Ishana rot. So meditiere man sie der Reihe nach.

6.76 Der Donnerkeil erhält Indras Gestalt oder die in der Bildkunst gelehrte. Entsprechend stelle man die Waffen der Richtungswächter und der übrigen Gottheiten vor.

6.77 Garuda ist feuerfarben, vierarmig, mit gebogener Schnabelspitze, großen Flügeln und mächtiger Kraft; sein Blick scheint zu verschlingen. [Die Lesung agnivarma und die Schnabelbeschreibung sind unsicher.]

6.78 Vishvaksena ist wolkenfarben und trägt Muschelhorn, Diskus und Keule. Hinter Hari meditiere man Ananta mit fünf Häuptern und vier Armen.

6.79 Die weiteren Gefolgswesen sind aus anderen Agamas zu kennen. Ein hingebungsvoller Mensch, der Vishnu nach diesem Verfahren verehrt,

6.80 erlangt als Yogi die Erfüllung seiner Wünsche hier und jenseits.

Kapitel 7

7.1 Nun erkläre ich kurz die vorzüglichen Merkmale der wohlgehüteten Mudras, die bei Nyasa und weiteren Riten verwendet werden.

7.2 Die erste Mudra ist Anjali, welche die Gottheit rasch erfreut. Als Vandani liegt sie am Herzen und neigt sich etwas nach rechts.

7.3 Die linke Faust hält den Daumen aufrecht; die rechte umfasst diesen linken Daumen, während ihr eigener Daumen nach oben weist.

7.4 Diese drei gelten als allgemeine Mudras der göttlichen Gestalten. Im Lotussitz führe man die gefalteten Hände über den Kopf.

7.5 Diese Geste heißt Brahmanjali und bewirkt göttliche Gegenwart. Durch ihr Bilden werden die Gottheiten beständig erfreut.

7.6 Deshalb soll man sie allen Gottheiten zeigen. Man halte die Hände einander zugewandt, ausgestreckt und mit leicht gekrümmten Fingern.

7.7 Mit den Daumen zeichne man nach innen: Dies heißt die einladende Mudra. Dann beuge man die Finger und bewege die aufrechten Daumen.

7.8 Dies ist die Geste der Gegenwart. Eine absetzende Bewegung heißt Sthapani. Zwei Fäuste mit innenliegenden Daumen bilden die festhaltende Nirodhini.

7.9 Man lege die Hände zusammen, drücke die Daumen innen aneinander und strecke alle Finger: Das ist Parameshthins Mudra.

7.10 Danach verbinde man jeweils die anderen Finger der Reihe nach und bilde so die Mudras von Purusha bis Sarva.

7.11 Durch Kenntnis dieser fünf Mudras sollen Verfehlungen aus sieben Geburten und die fünf schweren Vergehen schwinden; daran besteht nach dem Text kein Zweifel.

7.12 Man bilde links eine Faust mit aufgerichtetem Daumen, umfasse sie mit der anderen Faust und führe sie zum Herzen.

7.13 Dies heißt die Vishnu zugehörige Yoni-Mudra, welche Lebensfülle und Befreiung gewährt. Im Lotussitz zeige man sie dem Gott der Götter.

7.14 Sobald sie so gezeigt wird, verneigen sich die Gottheiten; Yakshas, Vidyadharas und andere geraten vor Furcht in Bewegung, sagt der Text.

7.15 Man halte zuerst die linke, dann die rechte Hand mit der Fläche nach oben, verbinde und drehe sie und verschränke die Finger der Reihe nach.

7.16 Dies heißt Koti-Mudra und ist dem Gott der Götter lieb. Man lege den ausgestreckten Daumen zwischen Ring- und Mittelfinger

7.17 der rechten Hand: Das ist die Herz-Mudra. Dann bilde man eine Faust und drücke mit der Daumenspitze gegen den Zeigefinger.

7.18 Man setze sie an den Stirnrand: Dies ist die Haupt-Mudra. Eine feste Faust mit nach oben gerichtetem Daumen

7.19 halte man an den Scheitel: die Shikha-Mudra. Man lege beide Daumen nach innen und umschließe sie ringsum mit den Fingern.

7.20 Die Zeigefinger werden zurückgenommen: Das ist die Schutzpanzer-Mudra. Man drehe die Hand, fasse sie wie beim Halten eines Pfeils

7.21 und strecke sie seitwärts aus: die Waffen-Mudra. Die nach unten gerichtete Shikha-Mudra halte man zwischen die Brauen:

7.22 Das ist die Augen-Mudra. Diese sechs sind die Glieder-Mudras; mit ihnen sollen Übende sich stets schützen.

7.23 Man verbinde die Hände miteinander und halte beide Daumen gleichmäßig aufrecht: die Yoga-Samputa-Mudra, die bei jeder Meditation verwendet wird.

7.24 In derselben Form, jedoch dicht geschlossen und nach unten über dem Kopf gehalten, dient sie als höchste reinigende Mudra der Weihebegießung.

7.25 Beide Hände berühren sich an den Handgelenken; die Finger spreizen sich nach oben, die Daumen liegen innen: die Lotus-Mudra für den Sitz.

7.26 Die an den Handgelenken verbundenen Hände drehe man seitwärts wie ein Rad, abwechselnd: Dies ist die segensreiche Chakra-Mudra.

7.27 Man bilde zwei Fäuste mit gebeugten Daumen, verbinde, drehe und löse sie: die Keulen-Mudra, welche Hindernisse zerstört.

7.28 Man fasse den rechten Daumen in die linke Faust; Daumen und Zeigefinger werden verbunden und gleichmäßig ausgestreckt.

7.29 Die drei übrigen rechten Finger umfassen die Faust von oben. Dies ist die Muschelhorn-Mudra, besonders geeignet beim Aufstellen der Opfermittel.

7.30 Die Bogen-Mudra entspricht dem Bogengriff, die Pfeil-Mudra dem Pfeilgriff, die Schwert-Mudra dem Ziehen aus der Scheide, die Schild-Mudra einer Kreisgestalt.

7.31 Man verbinde beide kleinen Finger und beide Zeigefinger, drehe die Hände um und halte die verbundenen Daumen nach unten.

7.32 Mittel- und Ringfinger bewege man verbunden wie zwei Flügel: die Garuda-Mudra, die bei der Verehrung des Reittieres Kraft verleiht.

7.33 Man zeige die Hand ausgestreckt mit gespreizten, aufrechten Fingern: Anantas Mudra, die bei der Bereitung des göttlichen Lagers verwendet wird.

7.34 Beide Handflächen sind nach oben gerichtet, schalenförmig und an den Spitzen ausgestreckt: So bilde man die Bittgeste beim Herbeiführen der Gegenwart und ähnlichen Handlungen.

7.35 Für Shrivatsa und Kaustubha berühre man die Brust auf beiden Seiten. Zuerst verwende man die aufrechte Mudra und wende sie dann nach oben.

7.36 Für die vier Gestalten löse man die Finger der Reihe nach vom linken kleinen Finger an. Man verbinde langsam die leicht gekrümmten Fingerspitzen,

7.37 lege die Zeigefinger auf die Rückseiten der Mittelfinger und zeichne mit den Daumen nach innen: die Yoni genannte Mudra der Shaktis.

7.38 Man fasse mit der linken Hand die seitwärts ausgestreckte rechte, halte sie geschlossen und bewege sie: Dies ist die Banner-Mudra.

7.39 Der Daumen der rechten Faust ragt zwischen Mittel- und Ringfinger hervor, der Mittelfinger ist gebeugt: die Vinayaka-Mudra.

7.40 Eine Faust mit aufrechtem Daumen ist die Linga-Mudra Shivas. Mit dem linken Zeigefinger nahe der Nasenspitze vollziehe man eine drohende Geste gegen die Welt.

7.41 Dies ist Vishvaksenas Mudra, die bei der Erneuerung beschädigter Heiligtümer verwendet wird. Für Befreiungssuchende gilt bereits die geistige Vorstellung der Gestalt als Mudra.

7.42 Für andere empfehlen die Weisen die Ausführung mit beiden Händen. Man bilde Mudras weder vor fremden Zuschauern noch ohne Anlass.

7.43 Sie gehören zum Vertraulichen der Tantras und werden deshalb im Verborgenen verwendet. Weil sie die Götter erfreuen und Rakshasas vertreiben,

7.44 erklären die Tantrakenner so die Bedeutung des Wortes Mudra. Der Kundige bilde sie unter dem Gewandsaum und rede nicht darüber.

7.45 Ihre Offenlegung bewirke den Verlust der Wirksamkeit; deshalb sollen die Weisen sie hüten. Wegen ihrer Unendlichkeit kann man nicht alle Mudras beschreiben, Brahmane.

7.46 Auch wegen der Vielzahl der Gottheiten gab ich nur einen Überblick. Verneigungs- und Bittgesten gelten für alle Himmlischen.

7.47 Unkundige können sie auch bei Achyutas Verehrung verwenden. Wer die einzelnen Mudras nicht beherrscht, falte die Hände vor dem Herzen oder über dem Kopf.

7.48 Dies ist die allgemeine Mudra für alle Gottheiten; als Mantra verwende man Om. Auch so wird Vollendung möglich.

7.49 Zuerst vollziehe man den Hand-Nyasa; dann ist das Bilden der Mudras segensreich. Andernfalls bleiben sie nach dieser Lehre fruchtlos.

7.50 Ebenso bleiben sie fruchtlos, wenn man sie grundlos oder zur Schau verwendet. Die Gottheiten werden unwillig und entziehen rasch den Erfolg.

7.51 Wer die gehüteten Mudras zur rechten Zeit zeigt, dessen Wünsche werden erfüllt, und die Gottheiten sind ihm wohlgesinnt.

7.52 Die Mudras sind vierfach: allgemeine, besondere, Glieder-Mudras und Mudras des Gefolges.

7.53 Für Shrivatsa drücke man Mittel- und Ringfinger mit den Daumen an und verbinde kleine Finger und Zeigefinger.

7.54 Der rechte kleine Finger liegt an der Rückseite des Ringfingers; man fasse ihn mit dem kleinen Finger, den Ringfinger mit dem Zeigefinger.

7.55 Man umfasse Ring- und Mittelfinger und richte den Daumen auf. Der linke Zeigefinger liegt an diesem Daumen.

7.56 Man lege Mittelfinger an Mittelfinger und den Daumen ans Handgelenk. Dies ist die Kaustubha-Mudra, die Übende zeigen sollen. [Die genaue Fingerverflechtung ist aus der knappen Vorlage nicht eindeutig rekonstruierbar.]

7.57 Beide Hände werden einander zugewandt erhoben und im freien Raum auseinandergeführt; dabei berühren sich jeweils Zeigefinger und Daumen: die Girlanden-Mudra.

7.58 So sind die vier Arten der Mudras stets sorgfältig zu hüten und von Vollendungssuchenden jeweils zur rechten Zeit anzuwenden.

Kapitel 8

8.1 Nun erkläre ich kurz die vorzügliche Weihe des Feuers. Im Osten oder Norden bereite man eine Feuergrube, ersatzweise einen Bodenaltar.

8.2 Die Grube sei quadratisch, eine oder zwei Ellen breit und mit drei, zwei oder einem Randwulst versehen.

8.3 Bei einer Elle Breite betrage die Tiefe deren Hälfte, sonst das entsprechende Maß. Die Randstufen seien zwölf, acht und vier Finger hoch.

8.4 Die drei Randstufen gelten als sattvig, rajasig und tamasig. Bei der Grube von einer Elle Breite sind sie jeweils vier Finger breit.

8.5 Beim doppelten Maß verdoppeln sich die Abmessungen. Im Westen liege die Yoni, hinten vierzehn Finger lang, mit einem vier Finger langen Kanal.

8.6 Ihr gerundeter Teil messe acht Finger, der Auslauf sechs. Ihre Spitze gleiche einer Elefantenlippe oder einem Ashvattha-Blatt.

8.7 Die elefantenlippenförmige Yoni gehört Prajapati, die andere Vishnu. In der Grube wohnt Vishnus Kraft, die dreifache Prakriti.

8.8 Sie ist der Mutterschoß aller Wesen und besonders aller Vollendungen. Ihr Haupt liegt im Osten, die Arme im Süden und Norden.

8.9 Die Grube ist ihr Bauch, Yoni und Füße liegen im Westen. Durch siebenteilige Gliederung entstehen neunundvierzig Felder.

8.10 Man trage darin die Buchstaben vom Anfang bis Ha der Reihe nach ein, setze Om voran und verteile dessen Teile auf die drei Ränder.

8.11 Man betrachte den durchdringenden Purusha als Nada und das durchdrungene Alphabet. In der Yoni meditiere man Visarga als zwei Punkte, Feuer und Soma.

8.12 Die Yoni ist die Gebärmutter; das Alphabet geht aus ihr hervor. Man verehre es rechtsherum in den Bereichen der Ahnen, Menschen und Götter.

8.13 Im Mittelfeld stehen als Abschluss Ha und Vishnu als Lebensselbst. Diese Prakriti trägt mit ihrem grubenförmigen Bauch den Keim.

8.14 So soll sie der Übende verstehen, der höchste Vollendung begehrt. Gayatri besteht in dieser Grube vierundzwanzigfach.

8.15 Vishnu, der Purusha vom Wesen Taras, wird als ihr Lenker genannt. Zwischen Nabel und Geschlechtsbereich liegt bei Verkörperten die Feuerstätte.

8.16 Dort wird der Keim eingesetzt; dort geschieht das Opfer zur Vollendung. Vierundzwanzig Finger misst die Grube entsprechend Gayatris Silbenzahl.

8.17 Den vierundzwanzig Prinzipien entsprechen bei zwei Ellen jeweils zwei Finger. Unten stehen fünfzehn Vokale; die Yoni misst fünfzehn Finger.

8.18 Der sechzehnte mit Visarga liegt am Nabelende. Dies ist Vishnus höchste Kraft, welche den höchsten Nektar führt.

8.19 Sie ist göttlich und besteht aus Feuer und Soma; alles ist von ihr erfüllt. In Feuerform bewirkt sie Auflösung, in Somaform Hervorbringung.

8.20 In den beiden Punkten bestehend, tut sie dies stets nach meinem Willen. Sie durchbricht Brahmas Welt und steigt durch den Scheitel zu meiner Stätte auf.

8.21 Links liegt der Ahnenweg, rechts der Götterweg, in der Mitte Brahmans Weg. So wird sie als Weg zur Befreiung bezeichnet.

8.22 In Feuerform steigt sie auf, in Somaform ab. Die linke und rechte Seite überschreitend, durchdringt sie die drei Welten.

8.23 Ida und Pingala sind die Kanäle links und rechts. Die aufsteigende Sushumna gilt als Weg zur Befreiung.

8.24 Wer dort den Geist sammelt, jenseits von Dharma und Adharma, gelangt nach der Aussage des Textes frei von allen Krankheiten zur Auflösung.

8.25 So ist der Leib der Feuergrube als aus dem Alphabet bestehend zu verstehen. Weil das All darin aufgeht, heißt sie Kunda, die das All in sich aufnimmt.

8.26 Deshalb soll man in dieser Grube nach der überlieferten Vorschrift opfern. Wie der Bauer auf gut bearbeitetem Feld Früchte erhält,

8.27 so schenkt das geweihte Feuer den Menschen Frucht. Wie Ghee gereinigt werden muss, so auch das Feuer.

8.28 Deshalb opfern die Weisen im geweihten, nicht im ungeweihten Feuer. Die Weihe von Feuer und Ghee betrifft in Wahrheit den Schüler,

8.29 nicht einen Bedarf des Feuers selbst; deshalb ist sie bei Opfern vorgeschrieben. Man verwende geriebenes Feuer, durch einen Brennstein gewonnenes oder aus dem Haus eines Vedakundigen.

8.30 Man bringe es in einer Schale und reinige es mit dem Waffen-Mantra. Mit der Auflösungs-Mudra nehme man sein Lebensprinzip ins eigene Selbst auf.

8.31 Zuerst stelle man ein Lager vor, ausgestattet mit Dharma und seinen Gegenstücken, bedeckt mit schönen Decken und von Räucherduft erfüllt,

8.32 mit wohlriechenden Blumen bestreut und vielerlei Kostbarkeiten geschmückt. Darauf meditiere man Lakshmi als Verkörperung der Sprache, geschmückt und jugendlich,

8.33 voller Verlangen, nach dem Bad ihrer fruchtbaren Zeit, mit geöffnetem Lotus. Ebenso stelle man den milden Gott mit stets lächelndem Gesicht vor,

8.34 der Vereinigung begehrt und seinen Blick auf das Lotusgesicht der Göttin richtet. Beide so betrachtend, verehre man sie mit Duft und Blumen.

8.35 Man meditiere den Feuerkeim in der Samenflüssigkeit des Gottes, wie er in den Mutterschoß eintritt und sich mit ihrem Blut verbindet.

8.36 Nach vollzogener Empfängnis entlasse man den Gott. Dann betrachte man die Göttin als Feuergrube und ihn als Feuer.

8.37 Für das Feuer vollziehe man nacheinander die Riten der männlichen Frucht, Scheitelteilung, Geburt, Namengebung und ersten Speisung, jeweils mit acht Ghee-Opfern und den Gliedermantras vom Herzen an.

8.38 Mit dem auf Vaushat endenden Mantra und gedehntem Schlusslaut gebe man jeweils eine Vollopfergabe und verehre mit Duft und Blumen.

8.39 Der kleine Schöpflöffel entspricht Om, der große Opferlöffel dem Alphabet. Die Einsichtigen sollen beide als Purusha und Prakriti verstehen.

8.40 Der kleine Löffel sei eine Elle lang, sein rundes Schöpfende zwei Finger breit; seine Vertiefung gleiche dem Hufabdruck einer Kuh in flachem Schlamm.

8.41 Der Knoten hinter der runden Schale messe einen Finger im Durchmesser. Der Stiel sei rund, ohne Knoten, Krümmungen oder ähnliche Fehler.

8.42 Seine Spitze werde allmählich dünner; unten verlaufe eine vier Finger lange Rinne. Selbst herabgefallenes, ausgetrocknetes, verbranntes oder von Elefanten gebrochenes Holz,

8.43 Holz aus unreinem Gelände, krummes, gespaltenes, hohles, verletztes oder wurmbefallenes Holz sowie ungeeignete Holzarten und falsch gerichtete Stücke

8.44 würden einen kleinen oder großen Opferlöffel für schädigende Riten ergeben; deshalb soll man sie nicht verwenden. Milchsaftbäume dienen der Befriedung, Khadira allen erwünschten Zielen.

8.45 Palasha fördert brahmanische Strahlkraft; der Juhu-Löffel soll stets aus Palasha bestehen. Die drei Veden von Rigveda an, die Götter von Brahma an,

8.46 die Welten von Bhur an, Feuer, Bewusstseinszustände, Opferzeiten und Silben setze man entsprechend Oms Teilen in Stiel, Knoten und Schale ein.

8.47 Den großen Opferlöffel fertige man eine Armlänge lang und sieben, sechs oder fünf Finger breit. Seine Mitte sei rund und zu einem Drittel ausgehöhlt.

8.48 Seitlich und oben seien die Maße gleichmäßig; außen bearbeite man die Hälfte, dann einen Viertelfinger und anschließend die Hälfte des verbleibenden Maßes. [Die Maßfolge ist elliptisch und nicht sicher als Bauanweisung rekonstruierbar.]

8.49 Aus dem verbleibenden halben Maß bilde man einen schönen Rand um die Vertiefung. Der Hals soll entsprechend der angegebenen Teilmaße anderthalb Finger lang sein. [Der genaue Bezug von kalā und tryaṃśa bleibt unklar.]

8.50 Das Ausgussende sei vier oder fünf Finger breit und ebenso lang, schön und wie ein Schwanenschnabel geformt.

8.51 In seiner Mitte verlaufe eine Gussrinne zur runden Vertiefung; am Hals sei sie schmaler, mit entsprechend bemessener Öffnung.

8.52 Die Rinne verlaufe angemessen an Unterseite und Stielansatz. Der übrige Stiel sei wohlgerundet und werde zur Spitze hin schmaler.

8.53 In die Vertiefung setze man rechtsherum die sechzehn Vokale; die übrigen Laute in den Stiel, die Halbvokale in die Ecken und die restlichen an Seiten und Spitze der Schale.

8.54 Mit dem großen Löffel, durch den kleinen wie mit einem Deckel geschützt, gebe man die Vollopfergabe. Gewöhnliche Opfer sind mit dem kleinen allein oder mit beiden möglich.

8.55 Mit dem großen allein jedoch nicht; denn Om allein vermag Vollendung zu schenken. Der kleine dient der Schöpfung, deshalb opfere man mit ihm sitzend.

8.56 Der große dient dem Erhalten; mit ihm gebe man die Vollopfergabe stehend. Der aus Palasha bestehende Juhu entspricht Gayatri und misst vierundzwanzig Finger.

8.57 In Stielende, Ausgussende, Innenraum, beide Seiten und Gussrinne setze man die sechs Glieder vom Herzen bis zu den Augen ein.

8.58 Mit Om bereitet, dient er stets dem Opfer gekochter Speisen. Großer und kleiner Löffel gelten auch als Prana und Apana.

8.59 Man halte beide am Nabel, dem Ort der Lebenskraft. Der Rauch ist die Nase; seitlich liegen Ohren und Augen.

8.60 Osten und Westen entsprechen Stirn und Mund der Feuerstätte. Nach dem Ziehen der Linien und weiteren Vorbereitungen mit Gayatri umrande und verehre man das Feuer.

8.61 Wie zuvor stelle man den Lotus und sämtliche Prinzipien der Reihe nach vor, in seiner Mitte Janardana, strahlend wie Millionen Sonnen.

8.62 Mit tausend oder hundert Gaben sättige man ihn; zehn Vollopfergaben bringe man mit dem Wurzelmantra dar.

8.63 Die anderen erhalten jeweils ein Zehntel oder gekochte Opferspeise. Dies ist die Vorschrift für das tägliche Opfer eingeweihter Zweimalgeborener.

8.64 Die Feuerstätte werde durch Austrocknen, Verbrennen, Überfluten mit Nektar und Verfestigen gereinigt, jeweils geistig mit dem zugehörigen Bija.

8.65 Darbha-Gras auslegen, das Pranita-Wasser bereitstellen und den Brahma-Priester bestimmen: Dies alles dient der Befriedung von Hindernissen.

8.66 Für den Erfolg opfere man in gut genährtem, rechtsherum flammendem, kräftig entzündetem, rauchlosem und züngelndem Feuer.

8.67 Schwaches, trockenes, weißliches oder schwarzes, am Boden kriechendes, funkensprühendes und übelriechendes Feuer ist ungeeignet.

8.68 Nach ihren Erscheinungen heißen die Feuerzungen Kali, Karali, Manojava, Lohita, Ardhadhumra, Jvala beziehungsweise Sphulingini,

8.69 und Vishvarupa. Der Text nennt insgesamt sieben Zungen; seine Aufzählung ist nicht eindeutig gegliedert. Sie füllen den weit geöffneten Mund des Opferfeuers.

8.70 Wer opfern will, meditiere ihn stets züngelnd und hellflammend. Eine Ghee-Gabe messe einen halben Karsha, eine Speisegabe einen halben Bissen.

8.71 Sauermilch, Milch und Honig werden in muschelschalenartigen Mengen geopfert; Gerste, Reis, Shali-Reis und Reisflocken jeweils in einer hohlen Hand.

8.72 Puffreis gebe man faustweise, Früchte entsprechend ihrer Größe, Gebäck in der Größe einer Haritaki-Frucht, Wurzeln in drei Stücken.

8.73 Man gebe drei Durva-Halme mit Spitzen, einen Karsha geröstetes Mehl sowie je fünf Sesamkörner, Senfkörner und Mungbohnen.

8.74 Blumen und Brennhölzer opfere man einzeln. Für die Vollopfergabe fülle man den großen Löffel mit vier Schöpfungen Ghee aus dem kleinen.

8.75 Die Vollopfergabe fließe stets als ununterbrochener Strom. Das Idhma genannte, eine Elle lange Brennholzbündel sei mit Ghee getränkt.

8.76 Das Palasha-Bündel opfere man auf einmal und ruhig. Nach einer Ghee-Unterlage aus dem kleinen Löffel lege man zwei Portionen gekochter Opferspeise in den Juhu.

8.77 Die Speise wird mit Ghee übergossen und von kleinen Ghee-Opfern am Anfang und Ende begleitet. Ebenso folgt eine einzelne, zweimal übergossene Portion.

8.78 Nach den Hauptgaben ist das Svishtakrit-Opfer darzubringen. Alle anderen Gaben werden mit Ghee bestrichen und mit der rechten Hand

8.79 über die Götterstelle am Ansatz des kleinen Fingers geopfert. Flüssiges wie Sauermilch und Milch wird stets mit dem kleinen Löffel gegeben.

8.80 Alles geschehe nach Vorschrift, sonst entsteht ein Fehler. Die Opferspeise bereite man aus sauberem, zuvor dreimal gewaschenem Shali-Reis.

8.81 Auf einer Vorrichtung über dem Feuer koche man ihn und nähre das Feuer mit einem Fächer. Ghee werde gereinigt, der kleine Löffel mit Darbha-Gras abgewischt.

8.82 Man lege die Umgrenzungshölzer aus, umspritze das Feuer mit Wasser und verehre es. Nach Brennholz-, Guss- und Ghee-Anteilopfern rufe man die Gottheit an.

8.83 Dann opfere man die gekochte Speise und die übrigen Gaben vom Brennholz an der Reihe nach. Wer Vollendung sucht, halte die Abfolge des Gussopfers ein.

8.84 Feuer einsetzen, Gras auslegen, weihen und verehren, anschließend alle Gaben opfern: Dies ist die geordnete Anfangsfolge.

8.85 Nach Abschluss der übrigen Opferhandlungen entlasse man die Gottheit ordnungsgemäß und gebe nach seinen Möglichkeiten ein Ehrengeschenk. So entstehen die Vollendungen.

8.86 Damit habe ich den Feuerdienst allgemein erklärt. Die jeweils besonderen Verfahren werden an den entsprechenden Stellen beschrieben.

Kapitel 9

9.1 Nun erkläre ich kurz das Mandala, das alle erwünschten Ziele gewährt. Durch seine rechte Kenntnis erlangten die Weisen höchste Vollendung.

9.2 Zuerst untersuche man einen fehlerfreien Opferplatz, entferne sorgfältig verborgene störende Gegenstände und ebne ihn mit Gefälle nach Osten oder Norden.

9.3 Nach vorschriftsmäßiger Reinigung errichte man dort einen quadratischen Pavillon mit vier Eingängen oder auch nur einem.

9.4 Er sei mit Torbögen, Bannern, Baldachinen und anderem geschmückt sowie mit glückverheißenden Keimlingen, Spiegeln, Puffreis, Krügen und den acht Glückszeichen.

9.5 Er enthalte eine Feuerstätte und eine spiegelglatte Opferbank. Man reinige und bereite ihn durch Fegen, Bestreichen, Kuhprodukte, Duft und ungebrochene Reiskörner.

9.6 Dann ziehe man nach den Himmelsrichtungen die Messschnüre. Auf der Ost-West-Schnur markiere man zwei Punkte beiderseits der Mitte.

9.7 Von ihnen aus zeichne man im Süden und Norden die fischförmigen Überschneidungen zweier Kreisbögen und spanne zwischen ihnen die zweite Richtungsschnur.

9.8 Je zwei Punkte dienen entsprechend zur Ermittlung der Ecken. Mit den seitlichen Schnüren stelle man das Quadrat fertig.

9.9 Man teile es gleichmäßig sechzehnfach und zeichne mit den Schnüren ein schönes quadratisches Bhadraka-Mandala.

9.10 Es sei fünffarbig, mit vier Toren, weißem Lotus und Sitz. Vier Neunergruppen bilden den Lotus, eine äußere Feldreihe seinen Sitz.

9.11 Zwei Reihen dienen dem Umgang, ebenso sind die Tore anzulegen. Den Lotusbereich runde man; sein Halbmesser werde um ein Zwölftel vermindert und vierfach gegliedert.

9.12 Erde und die weiteren Prinzipien ordne man Fruchtboden, Staubfäden, Verbindungen, Blättern und Blattspitzen der Reihe nach zu.

9.13 Durch diagonale Schnüre gestalte man den Lotus achtblättrig. Nach dem Ziehen der Verbindungsschnüre liegen die Blätter zwischen ihren Verbindungsstellen.

9.14 Blätter und Spitzen runde man nach dem seitlich abgenommenen Maß. Am Sitz bilde man mit drei beziehungsweise vier Feldern Füße und tragende Teile.

9.15 Für jedes Tor spare man innen zwei und außen vier Felder aus; drei und eines dienen dem Haupt- beziehungsweise Nebenschmuck.

9.16 Sechs Felder bilden die Ecke; der Umgang glänze durch Ranken, Blätter und Baldachine. Das Bhadraka misst eine, zwei oder vier Ellen.

9.17 Darüber wird das Rad-Lotus-Mandala bis zu acht Ellen bevorzugt. Die Opferbank messe zwölf, zehn oder acht Ellen.

9.18 Ein Zwölftel davon bilde den mittleren Achsbereich, ebenso groß sei die Nabe; der äußere Speichenbereich sei doppelt so breit.

9.19 Rand und Umgang erhalten jeweils das Nabenmaß. Den Achsbereich teile man dreifach für Fruchtboden und die weiteren Lotusteile.

9.20 Man runde die Anlage und bilde die Blätter mit ihren Spitzen im Nabenbereich. Das Rad-Lotus-Mandala besitzt drei Nabenringe, zwölf Speichen und einen schönen Umgang.

9.21 Die Zwischenrichtungen liegen auf Speichen, die Hauptrichtungen zwischen ihnen. Überall seien die einander entsprechenden Maße gleich.

9.22 Man teile die Speiche zwölffach und ziehe aufsteigende Schnüre. An Wurzel und Ende ist sie breit, in der Mitte gerundet.

9.23 Sie soll eine schmale Mitte wie eine Ameise besitzen; die umgekehrte Form gleicht einem Gerstenkorn. Den Randbereich teile man in einen unteren und oberen Ring.

9.24 Diese werden vierundzwanzigfach gegliedert, mit Verbindungen an Speichenenden und Zwischenstellen. Der äußere Umkreis erhält die Breite des Randes.

9.25 Darin bestimme man die Plätze der Richtungswächter der Reihe nach, alle quadratisch und jeweils eine Handspanne groß.

9.26 Außen gestalte man Tore und das Quadrat wie beschrieben. Dann fülle man das Mandala der Reihe nach mit Farbpulvern:

9.27 Weiß, Rot, Schwarz, Gelb und Dunkelgrün. Der Lotusfruchtboden ist stets gelb, seine Blätter weiß.

9.28 Die leuchtenden Staubfäden seien gelb, in ihrer breiten Mitte rötlich und an ihren Spitzen mit hellen Punkten versehen.

9.29 Die Zwischenräume der Blätter sind dunkelgrün, die äußeren Ecken rot. Dharma und die verwandten Kräfte sind weiß, Adharma und ihre Gegenstücke dunkel.

9.30 Die vier Tore seien weiß. Beginnend im Norden werden sie den Brahmanen und den übrigen Ständen der Reihe nach zugeordnet.

9.31 Der Hauptschmuck ist rot, der Nebenschmuck gelb, die Ecke blau. Die übrigen Teile des Bhadraka gestalte man schön mit sämtlichen Farben.

9.32 Im Rad-Lotus-Mandala gilt für den Lotus dasselbe. Die drei Nabenringe seien weiß, rot und schwarz; alle Speichen gelb mit weißen Verbindungen.

9.33 Die Randfelder seien abwechselnd weiß und schwarz mit gelben Verbindungen. Die Svastika-Zeichen der Richtungswächter erhalten verschiedene Farben.

9.34 Außen folgen gelbe, weiße, rötliche, schwarze und dunkelgrüne Linien; beim Bhadraka sind drei Linien in Weiß, Rot und Schwarz vorgeschrieben.

9.35 Tore und weitere Außenformen des Bhadraka sollen die erfahrenen Lehrer bei der Einweihung auch um das Rad-Lotus-Mandala sorgfältig gestalten.

9.36 Jede vorschriftsmäßig gezeichnete Form des Rad-Mandalas fülle man genau mit dem Farbpulver ihrer zugehörigen Farbe.

9.37 Die Pulver bereite man aus Edelsteinen, Heilpflanzen, Metallen, Duftstoffen, Samen, Mineralien, Blättern und Holz opfertauglicher Bäume.

9.38 Für Befreiung trage man sie gegen den Uhrzeigersinn auf, für Wohlergehen über die Götterstelle der Hand, für alle gewünschten Güter mit den Fingern.

9.39 Knoten, Krümmungen, zu dünne oder dicke Linien, Vertiefungen, Erhöhungen, Vermischungen und Lücken sind Fehler. Linien dürfen keinesfalls unterbrochen sein.

9.40 Wenn Schüler beim Zeichnen aus Unachtsamkeit solche Fehler machen, soll der wachsame, kundige Guru sie zur rechten Zeit beheben.

9.41 Fruchtboden, Staubfäden und die anderen Teile gestalte er anmutig, jeweils in einem Auftrag, nicht durch wiederholtes Verändern.

9.42 Fruchtboden und Blattlinien seien erhöht. Drei Abstufungen der Linienhöhe werden nach kleinem Finger, Mittelfinger und Daumen bestimmt.

9.43 Bei großer, mittlerer und kleiner Anlage sind die Lotusmaße entsprechend zu vermindern; die Pulverfüllung dazwischen erreiche jeweils ein Viertel der betreffenden Höhe.

9.44 Der erfahrene Lehrer vermeide Knoten und weitere Fehler und streue überall gleichmäßig geformte Pulverflächen aus.

9.45 Ein maßgerecht auf Wand oder Tuch gezeichnetes Rad verehre man täglich im Haus zur Befriedung niederer Geister und ähnlicher Störungen.

9.46 Man betrachte es selbst zur rechten Zeit; es ist nicht für beliebige Zuschauer bestimmt. Schon die beständige Meditation darüber soll alle Verfehlung auflösen.

9.47 Vetalas und Brahmarakshasas bleiben nicht in seiner Nähe. Vishnu, Herr der ganzen Welt, ist auf diesem Rad gegenwärtig.

9.48 Seine Verehrer sollen ihn dort stets sorgfältig zur Verwirklichung aller Ziele verehren. Ist die große Ausführung unmöglich, kann die Anlage auch zwei Ellen oder ein anderes kleineres Maß erhalten.

9.49 Der Kundige fertige ein kleines Rad-Lotus-Mandala nur, wenn ein großes nicht möglich ist. Auch dann dürfen die Bereiche bis zum Rand nicht entfallen.

9.50 Der äußere Umkreis darf bei der kleinen Form nach Möglichkeit angepasst werden. Weiß, Rot, Gelb und Schwarz werden den Gottheiten von Shanti an zugeordnet,

9.51 ebenso nacheinander den Weltaltern, Veden und Ständen. Die fünfte, dunkelgrüne Farbe bezeichnet einen weiteren Zusammenhang der Weltalter. [Der betreffende Ausdruck ist beschädigt und nicht sicher deutbar.]

9.52 Das All ist fünffarbig; nach feinen Sinnesgrundlagen und Gestalten sowie nach Sinnesgegenständen und Sinnen besteht es fünffach.

9.53 Als Nada wird es vom ursprünglichen Laut durchdrungen. Vishnus höchste Stätte liegt jenseits der Vorstellungen von Farben und Buchstaben.

9.54 Seine höchste Kraft ist durchdringend, formlos und nach allen Seiten gewandt. Die Übenden sollen den Gott stets als ungetrennt von ihr schauen.

9.55 Sie wird farblos und zugleich allfarbig genannt. Sie ist sein Keim, die höchste Maya, die aus den Gunas bestehende Prakriti. [Die Lesung avarmā ist fehlerverdächtig.]

9.56 Diese eine höchste, feine Kraft erscheint nach den Gunas dreifach. Entsprechend erscheint der Gott als Brahma, Upendra und Hara.

9.57 Danach wird sie fünffach, wie zuvor erklärt. Dass der Gott ihren Unterscheidungen entsprechend erscheint, wird aufgrund der Shruti

9.58 von den Weisen dargestellt; die aus den Eigenschaften entstehenden Formen sind zahllos. Man erkenne das Mandala als Purusha und den Lotus als sein Herz.

9.59 Die Mitte liegt zwischen den Armen, der Lotusstiel gründet im Nabel. Die beiden Füße befinden sich südlich und nördlich am Westtor.

9.60 Der Lotusstiel besitzt neun Öffnungen als Sitze der Kräfte von Vimala an. Seine Wurzel ist der feine, keimförmige Janardana.

9.61 Diese in ihrer eigenen Größe ruhende Wurzel trägt alles. Aus ihr gingen A und die weiteren Laute hervor.

9.62 Die Winde sind die Stacheln; der große Knoten am Stiel besteht aus den Gunas. Die acht Blätter sind die Formen der Buddhi, Dharma und ihre Gegenstücke.

9.63 Am Stielende steht Ananta als Ichprinzip und trägt feine Sinnesgrundlagen, Sinne und Elemente. Der Lotus ist das Unentfaltete; Oms Teile entsprechen Sonne, Mond und Feuer.

9.64 Andere deuten die acht Blätter von Süden an als Buddhi, Ichbewusstsein, Geist und die fünf feinen Sinnesgrundlagen; wieder andere als die acht Kräfte von Vimala an.

9.65 Der Lotus inmitten des Welteneies ist der große Sitz des Alls. Maya liegt in dessen unterer Schale, Vidya in der oberen.

9.66 Die Hülle um den Herzenslotus bilde man als Umgrenzung. Außerhalb davon steht der Viraj-Gott in der Gestalt einer Stadt.

9.67 Gelb, Weiß, Rot, Schwarz und Dunkelgrün entsprechen Erde und den weiteren Elementen. Die Vasus stehen an den Blattspitzen, Rudras und Adityas an den Staubfäden.

9.68 Die Maruts befinden sich an den Blattverbindungen, Planeten und Sterne im Blütenstaub; Flüsse und Meere an Zwischenräumen, Spitzen und Linien der Blätter.

9.69 Meru liegt im Fruchtboden, die Seher in den Samen. Vishnu ist in Sonne, Mond und Feuer und überragt sie zugleich mit seinem Glanz.

9.70 Wer diese ewige, höchste, formlose Wirklichkeit schaut, sieht wahrhaft. Man nennt ihn auch Selbst, inneres Selbst und höchstes Selbst.

9.71 Wer seine vierte, höchste Gestalt erkennt, ist eben dies selbst. Yakshas und ähnliche Wesen sind Stacheln am Stiel, Apsaras seine Härchen.

9.72 Prajapati ist der innere Faden, die Lebenswinde von Prana an befinden sich an den Blattwurzeln. In der Mitte des Rad-Mandalas ist Hari, das Selbst und der Herr aller.

9.73 Er wird als ungegliedert und im höchsten Raum ruhend bezeichnet. Wer den Gott so und zugleich als im Mandala gegenwärtig erkennt,

9.74 überschreitet Vishnus Maya und erreicht die höchste Stätte. Selbst wer den Gott im Mandala verehrt, ohne das ganze Verfahren auszuführen,

9.75 oder ihn dort schaut, hat nach dieser Lehre den Herrn unmittelbar gesehen. Denn im Mandala ist der Allgestaltige beständig gegenwärtig.

Kapitel 10

10.1 Nun erläutere ich kurz die Begnadung durch Einweihung und Verehrung, welche Schüler zur Praxis befähigt und Yogis zur Befreiung führt.

10.2 Weil dabei alle Vollendungen gegeben und die Knoten gelöst werden, heißt sie Diksha. Sie nimmt dem Selbst die Bindung durch Verdienst und Verfehlung.

10.3 Die Einweihung geschehe im Frühling, Sommer oder in den Monaten von Karttika an; auch Herbst und Ashadha werden für die Begnadung der Standesangehörigen genannt.

10.4 Der Guru prüfe zuvor sorgfältig Herkunft, Reinheit und Eigenschaften der Bewerber, insbesondere bei Frauen und Shudras, und erkenne ihre Eignung.

10.5 Diese sollen verstehen, dass Hingabe dem höchsten Herrn gilt, und dem Lehrer lange dienen, ihn mit gottgleicher Ehrfurcht betrachtend.

10.6 „Erhabener, durch deine Gnade wünschen wir den Ozean des Samsara zu überschreiten und auch diesseitige Vollendung zu erlangen, du Reicher an Askese.“

10.7 So sollen sie bitten und ihn durch Gaben, Begleitung und freundliche Worte erfreuen. Nach seinen Wünschen beschaffen sie die genannten Dinge entsprechend ihren Möglichkeiten.

10.8 Die Opfermittel werden herbeigebracht, gereinigt und am Vortag geweiht. Am zwölften Mondtag weihe man die Schüler nach ordnungsgemäßer Verehrung des Gottes ein.

10.9 Die Opferstätte liege bei einem Tempel, Fluss, heiligen Badeplatz, Kuhstall oder Garten; sie werde entsprechend den Gruppen von Brahmanen an eingerichtet.

10.10 Alle anwesenden Vishnuverehrer, welche Einweihung suchen, sollen gemeinsam nach ihren eigenen Kräften mitwirken.

10.11 Wer mehr Mühe oder Mittel aufwendet, erhält entsprechend größere Frucht. Wer Vermögen unredlich zurückhält, fällt nach der Warnung des Textes in die Hölle.

10.12 Mit Zustimmung der Vishnuverehrer und zusammen mit kundigen Eingeweihten bade der Lehrer, vollziehe das Wasserschlürfen, seine täglichen Pflichten und schmücke sich.

10.13 Er betrete selbst den vorbereiteten Opferplatz und meditiere den Gott mit allen Gliedern als das ganze Mandala.

10.14 Nach der Weihe der Opferbank beginne er das Aufstellen der Krüge. Weiße Senfkörner weihe er mit dem auf Phat endenden Narasimha-Mantra und streue sie aus.

10.15 Das Streumaterial weihe er mit dem Wurzelmantra und bereite die fünf Kuhprodukte: Kuhurin mit Om, Kuhdung mit Visarga,

10.16 Milch mit der auf Bindu endenden Silbe, Sauermilch mit dem langen Vishnu-Laut, Ghee mit dem ursprünglichen reinen Vishnu-Bija.

10.17 Kuhdung nehme man halb so viel wie Kuhurin, Milch achtfach, Sauermilch siebenfach und Ghee vierfach gegenüber dem zugrunde gelegten Maß.

10.18 Mit den drei Bijas und Kusha-Gras besprenge man alles; stehend und nach Osten gewandt streue man dreimal mit der nach oben gerichteten Hand das mit dem Wurzelmantra geweihte Material.

10.19 Im Nordosten stelle man nach dem Sitz-Nyasa einen schönen, unbeschädigten, mit Faden umwickelten Metallkrug samt Nebengefäß auf, mit Edelsteinen versehen.

10.20 Man fülle und verehre ihn mit Duft und Blumen. In ihn setze man den Lotus auf dem aus Dharma und seinen Gegenstücken bestehenden Sitz ein.

10.21 Wurzeln, Stiel, Wassergrund, Stacheln und Öffnungen werden mit den Lautgestalten verbunden; Dharma und die übrigen Kräfte bilden die inneren Verbindungen. [Der stark komprimierte Halbvers ist teilweise beschädigt.]

10.22 Die Laute von Ka an bilden in Dreiergruppen Blätter und Zentrum; die Vokale von Osten an bilden Staubfäden, deren Spitzen von Visarga und Bindu leuchten.

10.23 Oms drei Teile entsprechen Selbst, Wissen und dem Höchsten. In der mit Nada und Shakti erfüllten Mitte rufe man den Herrn an und verehre ihn.

10.24 Ist der Sitz bereitet, erfolgt von dort die Einladung in den Vardhani-Krug, in Ghee, Ehrenwasser, Pranita-Wasser und insbesondere die Opferlöffel,

10.25 ferner in die fünf Kuhprodukte, Opferspeise, Feuergrube, Mandala und Vishnu-Hand. Dann verehre man Keshava im Krug samt seinen Gliedern.

10.26 Mit dem Waffen-Mantra gieße man aus dem Vardhani-Krug einen ununterbrochenen Strom rings um den Pavillon, rechtsherum vom Nordosten bis dorthin zurück.

10.27 Danach trage der Übende den Hauptkrug denselben Weg entlang. Alles ausgestreute und noch in Gefäßen befindliche Streumaterial werde eingesammelt.

10.28 Den auf verschiedenen Getreiden ruhenden Krug und den Vardhani verehre man. Den Hauptkrug umwickle man mit zwei neuen weißen Tüchern,

10.29 das kleine Gefäß mit einem. Man errichte den Schutz durch das Waffen-Mantra und streue entsprechend geweihte Getreide ringsum aus.

10.30 Nach Reinigung und Weihe des Feuers koche man mit Wurzel- und Gestaltenmantras die Opferspeise. [Die Vorlage wiederholt die Kochanweisung in beiden Halbversen mit geringfügig abweichendem Wortlaut.]

10.31 In den gereinigten, mit Ghee bestrichenen Topf gebe man Milch und gewaschenen Reis auf die bereitete Unterlage; man rühre um und decke zu.

10.32 Nach dem Unterlegen nehme man den Topf nach Norden vom Feuer, reinige, besprenge und verehre ihn. Daneben ziehe man mit Asche und dem achtsilbigen Mantra ein aufrechtes Stirnzeichen.

10.33 In ein schönes, mit Ghee vorbereitetes Gefäß gebe man die Speise, übergieße sie erneut und bestimme den ersten Teil für den Gott. [Ein Wort der Teilungsanweisung ist fehlerverdächtig.]

10.34 Der zweite Teil gehört ihm im Krug, der dritte ihm im Feuer. Mit Ghee getränkt opfere man drei Gaben unter dem Wurzelmantra.

10.35 Aus dem Rest gebe man Bali; zuvor trinke man unter Om die fünf Kuhprodukte. [Die Vorlage enthält hier eine teilweise wiederholte und beschädigte Formulierung.]

10.36 Den vierten Teil esse der Guru mit den Schülern zur körperlichen Reinigung. Ein siebenmal geweihtes, zwölf Finger langes Zahnreinigungshölzchen werde im Osten niedergelegt.

10.37 Es stamme unbeschädigt von einem Milchsaftbaum und werde von ihnen gekaut. Daran prüfe man das Vorzeichen; bei ungünstigem Zeichen ist ein Befriedungsopfer vorgeschrieben.

10.38 Nach Wasserschlürfen und Gliederweihe umschreite der Guru Achyuta, verneige sich, erfreue ihn und bete:

10.39 „Für die gebundenen Wesen, die im Ozean des Samsara versunken sind, bist du allein Zuflucht zur Lösung ihrer Fesseln, Gott, der du deine Verehrer stets liebst.

10.40 Gott der Götter, gib deine Zustimmung! Durch deine Gnade will ich diese Wesen von den Fesseln der Prakriti befreien.“

10.41 Nach empfangener Zustimmung reinige er die Fastenden durch Konzentrationen, besprenge sie mit dem Waffen-Mantra und verbinde ihre im feinen Leib ruhenden Selbste mit seinem eigenen.

10.42 Ihren Leib besprenge er erneut, stelle ihn durch Wind und Feuer aufgelöst als Aschehaufen vor sich vor und überflute ihn vollständig mit Wasser.

10.43 Den gesamten Daseinsbereich meditiere er als eine einzige Wassermasse; darin bilde er die Erdkraft in Gestalt des einen Welteneies.

10.44 Sie besteht aus den feinen Grundlagen, ist hell, rund und einer Wasserblase ähnlich. Nach Übertragung des feinen Leibes meditiere er den Purusha als Om.

10.45 Er stelle die Ausbildung der Organe und die Öffnung des Eies nach einem Jahr vor; seine beiden Schalen bilden Himmel und Erde, in der Mitte steht Prajapati.

10.46 Mit Om besprenge und gliedere der Lehrer den Schüler erneut. In seiner eigenen Hand meditiere er sorgfältig das vollständige Mandala.

10.47 Es ist die viertorige Stadt, beginnend an der Brahma-Stelle der Hand. In der Mitte liegt der zuvor erklärte Lotus; die Finger sind seine Blätter.

10.48 Die Handflächenmitte ist der Fruchtboden, die Fingergelenke sind Staubfäden. In der Mitte liegt die Feuerstätte, darin Keshava.

10.49 In den drei Kreisbereichen meditiere er ihn strahlend wie Millionen Sonnen und verehre ihn mit Duft und Blumen.

10.50 Gesammelt lege er diese Hand auf den Kopf des Schülers. Weil Vishnu in ihr gegenwärtig ist, heißt sie Vishnu-Hand.

10.51 Die in tausend früheren Geburten angesammelten Verfehlungen sollen durch ihre bloße Berührung vollständig vergehen.

10.52 So bringe er durch Meditation einen oder mehrere Schüler geistig neu hervor. Den auf diese Weise gereinigten Leib verehre er mit Duft und Blumen.

10.53 Mit dem Wurzelmantra reinige er seine Hände; mit dem Augen-Mantra verbinde er die Augen des Schülers mit einem schönen, neuen Tuch samt Saum.

10.54 Der Schüler trägt Blumen in gefalteten Händen und wird nach Osten gewandt eingeführt. Sind es mehrere, folgen sie in der Reihenfolge der Stände von Brahmanen an.

10.55 Zum Eintritt in den Pavillon gilt das Südtor als vorzüglich; für die Stände von Brahmanen an gelten besonders die vier Tore von Norden an.

10.56 Der Eintritt in die Mandala-Stadt erfolge entsprechend dem Wunsch des Schülers: Nachkommenschaft, Stärke, Besitz, Glück, Edelsteine, Nahrung, Sieg und Partnerschaft,

10.57 Standhaftigkeit, Befreiung, Lebensdauer, Gesundheit, Vieh, Söhne, Freude und weitere Güter werden mit den Eingängen von Osten an verbunden. Der Lehrer führe ihn an der Hand hinein.

10.58 Nach rechtsläufiger Umrundung und Verehrung der Richtungswächter führe er den Schüler vor den Gott und stelle ihn nach Osten gewandt auf.

10.59 Auf Geheiß des Gurus schweigend und in Sprache, Körper und Geist beherrscht, knie der Schüler auf beide Knie und verneige sich.

10.60 Hingebungsvoll meditiere er Hari, leuchtend wie Millionen Sonnen, mit Lakshmi vereint, mild, achtarmig und geschmückt.

10.61 Auf das Zeichen des Gurus werfe er gesammelt die Girlande. Dann löse man die Augenbinde und betrachte, wohin die Blumen gefallen sind.

10.62 Nach diesem Ort benenne man den Schüler mit dem Namen der betreffenden Gestalt. Er vollziehe dort die Verehrung der Gottesgestalten ohne Mantras.

10.63 Bei Brahmanen endet der Name auf Deva, bei Kshatriyas auf Varman, bei Vaishyas auf Gupta, bei Shudras auf Dasa.

10.64 Frauen erhalten die Endung Devi. Die betreffende Gestalt gewährt dem Schüler das Erstrebte; schon das Schauen des Mandalas soll Verfehlungen auflösen.

10.65 Nach Räucherwerk und Licht bringe man Speise dar. Von Prakriti bis Erde umfasse man die gesamte Folge mit ihren kosmischen und göttlichen Entsprechungen,

10.66 nehme sie in die innere Person zurück und setze sie der Reihe nach im Leib des Schülers ein. Dieser sitze schweigend zur Rechten und halte Darbha-Gras.

10.67 Der kundige Acharya opfere, während der Schüler mit ihm in Berührung bleibt, für jedes Prinzip hundertmal nach dem Sampata-Verfahren im Feuer.

10.68 Nach der Vollopfergabe übergebe er alles dem Herrn im Krug. Zeichenwerkzeug, Schneidewerkzeug, Farbpulver, kleines Gefäß

10.69 und sämtliche weiteren benötigten Dinge weihe er im Nordwesten durch Berührung mit dem Wurzelmantra samt Gliedern für die Nacht.

10.70 Dann schlafe er mit den Schülern auf ausgelegtem Kusha-Gras, des Gottes gedenkend. Bei bösen Träumen vollziehe man Befriedung; sonst gelingt das diesseitige Ziel nicht.

10.71 Morgens bade man, entlasse den Herrn aus der vorbereitenden Gegenwart und verehre ihn erneut im Mandala mit Korallen, Perlenschmuck und schönen goldenen Blumen.

10.72 Nach vielfältigen Speisegaben und Sättigung des Feuers rufe man die Schüler nacheinander. Wie zuvor haben sie den Gott verehrt und sitzen vorn im Lotussitz.

10.73 Man besprenge sie, vollziehe die Gliederweihe und berühre ihren Kopf mit der Vishnu-Hand. Dabei meditiere man die ganze Schöpfungsfolge von Prakriti bis Erde.

10.74 Im Schülerleib wird sie zu ihren feinen Grundlagen zurückgenommen und mit dem Lebensselbst geeint. Mit Tara verbinde man dieses mit sich selbst und meditiere die Einheit.

10.75 Das Lebensselbst werde dem Schoß der Kraft des Zeitenfeuers in seinem Leib anvertraut. Empfängnis, Geburt, Befähigung, Erfahrung und Auflösung werden durch die fünf Mantras

10.76 mit jeweils acht Opfergaben vollzogen; ebenso in den Höllen, Unterwelten und auf Erden. Man reinige die Geburten beginnend bei unbeweglichen Wesen.

10.77 In aufsteigender Umkehrfolge führe man durch Shudra-, Vaishya-, Kshatriya- und Brahmanenzustand. Mit dem Wurzelmantra reinige man die sechzehn Lebensriten und die Opfer vom Speiseopfer an

10.78 bis zum Pferdeopfer; dann stelle man das letzte Lebensstadium vor. Nach dem Totenritual führe man durch die acht Geburtsklassen von Pishachas an

10.79 bis zu den drei höchsten Göttern und vernichte die Bindung des Karma. Erneut besprenge man den Leib und vollziehe hundert Opfergaben.

10.80 Mit der Vollopfergabe stelle man ihn als über der Schöpfung stehenden Herrn vor. Mit weißem, durch das Wurzelmantra geweihtem Pulver berühre man sein Herz.

10.81 Mit dem jeweiligen Prinzip-Laut, Namen und der auf „Löse dich, Hum Phat“ endenden Formel trenne man ihn; mit Bija und „Komm hierher“ rufe man ihn herbei.

10.82 Man nehme ihn auf, führe ihn zur Gleichheit und verbinde ihn mit „Verbinde dich, Hum Phat“. Nach entsprechender Rücknahme opfere man mit der Auflösungsformel.

10.83 Der Kundige betrachte, wie der gesamte Weg der Prinzipien nacheinander im Feuer aufgeht: in Hari, dem unentfalteten Grund sämtlicher Prinzipien.

10.84 Das Gereinigte verbinde man durch höchste Wirklichkeit und Vollopfergabe. So reinige man die Prinzipien und lasse Prakriti im höchsten Selbst aufgehen.

10.85 Durch Erkenntnis-Yoga vollziehe man diese Auflösung und gebe die Vollopfergabe. Bei der Befreiungseinweihung verbrenne man Prakriti und verbinde den Schüler durch die Vollgabe mit dem Höchsten.

10.86 Bei der Befähigungseinweihung verbinde man die noch mit Prakriti verbundene Person mit Ishvara. Fehlen die Mittel, verehre man den Gott mit dem Verfügbaren,

10.87 vollziehe die vorbereitende Weihe unmittelbar und weihe am zwölften Mondtag auch auf einem Bodenaltar ein; zuvor reinige man die Prinzipien mit jeweils acht Gaben.

10.88 Die im Geist liegende Prägung ist das Hindernis der Befreiung. Wird sie rein, wird der Feldkenner rein; ist sie verdorben, wird auch er davon getrübt.

10.89 Das Abschneiden der geistigen Prägungen durch Lösung der Karmabindung, ihr Keimlosmachen, wird Reinigung genannt.

10.90 Vom Guru in den Yoga eingeführt, soll der Yogi ihn beständig üben. Ohne dies gelangt Yoga nicht zur Vollendung; daran besteht kein Zweifel.

Kapitel 11

11.1 Nun erläutere ich kurz die Weihebegießung des Eingeweihten, durch die Putraka oder Deshika zum Acharya wird.

11.2 Zuerst erfolgt die Einweihung in die Verpflichtungen, danach in die Tantrakenntnis, danach in die Verehrung. Diese drei fördern den Dharma.

11.3 Wem der Acharya das zuvor gezeichnete Mandala samt Gefolge zeigt, der heißt Samayin.

11.4 Wem er nach Verehrung der Gottheit im Mandala und Blumenopfer dessen Gestalt vorschriftsmäßig zeigt, der ist in das Tantra eingeweiht.

11.5 Wem er nach Feueropfern mit allen Mantras und Verehrung des Herrn das Mandala zeigt, gilt als Deshika und Ritualpriester.

11.6 Der Putraka studiere die Tantras, empfange auf der zweiten Stufe das Mantra und verehre auf der dritten den Gott. Dies ist die dreifache Abfolge.

11.7 Bei der Begnadung kann der Wahrheitskundige alle drei Einweihungen für Verpflichtung, Textstudium und Verehrung in einem einzigen Verfahren vollziehen.

11.8 Zuerst vollziehe der Acharya die Lebensweihen von der Empfängnis bis zur Bindung an das Gelübde mit der Formel der höchsten Wirklichkeit,

11.9 jeweils mit zehn Opfergaben. Danach nehme er die Prinzipien zurück, die durch die fünf Elemente und die Laute von Ve an bezeichnet werden.

11.10 Im Schülerleib meditiere er als sechstes den Feldkenner. Nach Reinigung durch das Feueropfer verbinde er ihn mittels Vollopfergabe mit dem Höchsten.

11.11 Dort besteht Maya in Gestalt der fünf Elemente. Das sechste ist die höchste Wirklichkeit, die in Wahrheit niemals gebunden ist.

11.12 Denn das eigene Wesen kann nicht abgeschnitten werden, so wenig wie Hitze vom Feuer. Gebundenheit gleicht daher der Begrenzung durch einen Topf; die höchste Stätte gleicht dem Raum.

11.13 So erkenne der Einsichtige das unterschiedene, makellose Selbst und vernichte durch das Feueropfer die topfartige Begrenzung.

11.14 Beginnend mit Erde reinige er die Prinzipien der Reihe nach durch die fünf Laute von Ve an und jeweils hundert Opfergaben.

11.15 Mit fünf Vollopfergaben stelle er das Abschneiden der Bindung vor. Nach hundert Opfergaben meditiere er den Feldkenner frei von Mayas Fesseln

11.16 und gebe die Vollopfergabe: Dies ist die höchste Befreiungseinweihung. Was für die jeweiligen Stufen vom Samayin an vorgeschrieben ist,

11.17 ist auch bei Wiedergutmachungsriten erneut auszuführen. Aus Gnade kann man den Schülern die Einweihung auch jährlich erteilen.

11.18 Wer durch zwölf solche Opfer eingeweiht wurde, gilt als Hari selbst. Einen mit guten Eigenschaften ausgestatteten Schüler, den man zum Acharya machen möchte,

11.19 soll der Mantrakundige nach diesem Verfahren weihebegießen. Auch für einen König gilt dieselbe Weihebegießung,

11.20 ferner für einen Übenden ohne Nachkommen, einen Armen oder Kranken. Man zeichne wie zuvor das mit allen Merkmalen ausgestattete Mandala.

11.21 Darin verehre man den Herrn und opfere ordnungsgemäß im Feuer. Vorn stelle man fehlerfreie, mit Fäden umwickelte Krüge auf,

11.22 versehen mit fünf Edelsteinen, Gold und jungen Blättern, jeweils in zwei Tücher gehüllt: vier in den Richtungen der Reihe nach,

11.23 einen fünften in der Mitte, mit Grasbündel und Deckel. Im östlichen Krug setze man Om als Wesen aller Mantras ein,

11.24 im südlichen A als Wesen aller Tantras, im westlichen die Vishnu-Gayatri als Wesen der Befähigung,

11.25 im nördlichen den allgegenwärtigen Vishnu als Erkenntnisgestalt, im mittleren das Vishnu-Bija als ewiges Klang-Brahman.

11.26 Alle verehre man der Reihe nach mit Duft, Blumen und ungebrochenem Reis, erfüllt von Yoga, Befähigung, Tantrasinn und sämtlichen Wissensformen.

11.27 Man meditiere die Lichter von Tara an im zuvor erklärten Alphabetlotus, jeweils den Gott als Mantra, Tantra und die weiteren Bereiche.

11.28 Für jeden Krug wiederhole der gesammelte Acharya die betreffende Formel tausend- oder hundertmal.

11.29 Danach vollziehe der Meister das zuvor erklärte Befreiungsopfer auf dem Weg der Rücknahme.

11.30 Nach der vorbereitenden Weihe durch dieses Yoga-Verfahren vollziehe er die ordnungsgemäße Weihebegießung des Übenden.

11.31 Nördlich des Pavillons errichte man eine schöne Opferbank, eine, zwei oder vier Ellen breit,

11.32 eine Handspanne hoch, in einem überdachten Pavillon auf vier Säulen, mit Baldachin, Tüchern, Girlanden und weiterem Schmuck.

11.33 Ringsum schmücke man ihn mit Puffreis und Krügen. In die Mitte zeichne man ein schönes quadratisches Svastika-Zeichen

11.34 aus weißem Pulver und stelle darauf einen neuen, schönen, quadratischen Sitz aus Shriparni-Holz.

11.35 Darauf verehre man Ananta mit dem Lotus und den Kräften von Dharma an. Nach Osten gewandt meditiere man den Herrn auf diesem Sitz.

11.36 Nach geistiger Verehrung trage man ihm das Vorhaben vor: „Erhabener, für den Eingeweihten ist die Weihebegießung zum Acharya vorgeschrieben.

11.37 Mit deiner Zustimmung werde ich sie zur Verwirklichung aller Ziele vollziehen.“ Nach empfangener Zustimmung führe man sie ordnungsgemäß aus.

11.38 Der Guru meditiere gesammelt die Prinzipienfolge in Schöpfungsrichtung und führe den weißgekleideten Schüler nach Osten gewandt hinein.

11.39 Er meditiere den verehrten, unvergänglichen Vishnu auf Anantas Sitz, hole die Krüge und stelle sie in ihre Richtungen.

11.40 Frauen mit wohlklingenden Stimmen singen Glückslieder; Muschelhörner und Instrumente erklingen, und eine Lichtverehrung wird vorangestellt.

11.41 Unter vedischem Gesang begieße der Lehrer den Schüler mit den bereits genannten Mantras und betrachte das Wasser als Mantragestalt.

11.42 Jeden Krug verehre und beräuchere er zuvor. Zuerst gieße er mit den vier äußeren, danach mit dem fünften, der das höchste Erkenntniswesen verkörpert.

11.43 Erneut vollziehe man die Lichtverehrung und verehre mit Duft und Blumen. Man kleide den Schüler in zwei schöne neue Gewänder.

11.44 Nachdem dieser Wasser geschlürft hat, gebe ihm der Guru einen Sitz. Der Schüler verneige sich vor dem Herrn und setze sich schweigend darauf.

11.45 Erneut vollziehe der Guru die Gliederweihe mit Mantras und verehre ihn. Er übergebe Yogaband, Turban, Diskuszeichen und Ring,

11.46 seine eigene Amtsbefugnis und die Wesenslehre; außerdem das Vishnu-Wissen, welches die Bindung des Samsara durchschneidet.

11.47 Der vorzügliche Lehrer verkünde ihm diese tantrischen Verpflichtungen: „Du sollst gut handelnde Vishnuverehrer als Schüler annehmen und ihnen Gnade erweisen,

11.48 seien sie Brahmanen, Kshatriyas, Vaishyas, Shudras oder Frauen. Wer jedoch anderen Gottheiten ausschließlich zugewandt ist oder außerhalb der vier Stände steht,

11.49 heuchelt, schlechte Taten begeht oder Götter und Brahmanen schmäht, dem sollst du nach dieser Vorschrift keine Einweihung gewähren, Vishnuverehrer.

11.50 In der Nähe des Gurus sollst du nicht eigenmächtig handeln. Wo der Acharya auch nur im Umkreis vieler Yojanas wohnt,

11.51 sollst du ohne seinen Auftrag nicht einweihen, Untadeliger. Deinen Guru sollst du verehren, wie du Vishnu verehrst.

11.52 Beim Erklären der Lehre und ähnlichen Aufgaben gedenke stets des Gurus. Niemals sollst du sein Wort für bedeutungslos halten.

11.53 Hast du einen Fehler begangen, vollziehe nach seiner Anweisung Wiedergutmachung. Versetze die Menschen niemals in Unruhe, Untadeliger.

11.54 Schmähe keine Vishnuverehrer und tue nichts, was in der Welt als verwerflich gilt. Den Älteren begegne nach der Lehre mit Achtung.

11.55 Nicht einmal im Traum sollst du überheblich sein. Die Verpflichtungen und Lebensregeln, die ich dir gelehrt habe, mein Kind,

11.56 sollst du lebenslang sorgfältig bewahren. Sei ein Acharya des Vishnu-Tantra, der den Lebewesen lieb ist.

11.57 Mögen Schüler zu dir kommen; begegne ihnen gemäß der Lehre. Handle nicht aus Geldgier, Erwartung eines Vorteils oder Furcht.

11.58 Insbesondere im Pancharatra gedenke beständig des Gottes. Zu den Sonnenwenden und weiteren Festzeiten verehre den unvergänglichen Vishnu.

11.59 Verehre die Lehrer mit Gedanken, Worten und Taten. Übe keine mutwillige Gewalt und unterstütze nach deinen Kräften

11.60 Bedürftige, Schutzlose und Blinde; ehre stets die Brahmanen. Sei jederzeit wachsam und unermüdlich in den täglichen Pflichten.

11.61 Übe täglich ein wenig Japa, bringe ein wenig im Feuer dar und widme dich ein wenig der Meditation. Dies ist das beständige Opferleben des Lehrers.“

11.62 Nach diesen Worten übergebe der Guru dem klaren, vor der Gottheit stehenden Schüler das gesamte Tantra; einem Sadhaka hingegen das Mantra.

11.63 Vor dem Gott fülle er seine hohle Hand mit Wasser, Duft, Blumen und ungebrochenem Reis und spreche das Mantra in die Hand des Schülers hinein.

11.64 Er übergebe ihm die Gabe mit den Worten: „Möge die von dir ersehnte Mantrafrucht bald reifen.“ Darauf erhebe sich der Schüler und umschreite den Acharya rechtsherum. [kaॉtvā ist beschädigt; sinngemäß wurde kṛtvā verstanden.]

11.65 Er lasse ihn auf dem Sitz Platz nehmen, wasche hingebungsvoll seine Füße und erfreue ihn mit Geld und Getreide nach Kraft und Hingabe.

11.66 Dann umfasse er mit beiden Händen seine Füße und erbitte die Erlaubnis. Der Guru gewähre sie mit den Worten: „Verehre nun den Gott.“

11.67 Nach empfangener Zustimmung darf der Schüler von da an verehren. Wer hingegen ohne diese Erlaubnis die hier beschriebene rituelle Verehrung vollzieht,

11.68 erlangt dadurch nach dem Urteil der Schrift keine Vollendung. Deshalb soll man zunächst die vom Acharya verehrte Gottheit im Mandala schauen,

11.69 die Erlaubnis des Gurus empfangen und dann Purushottama verehren. Wer die Vishnu-Einweihung so vollzieht und wer sie empfangen lässt,

11.70 beide gelangen zum Himmel; bei verkehrter Durchführung nennt der Text die Hölle. Am Ende des Opfers verehre man Vishvaksena im Nordosten.

11.71 Er hat gelbbraunen Bart, weit geöffnete Augen und vier Arme, trägt Keule, Muschelhorn und Diskus und schützt die Welt.

11.72 Mit dem linken Zeigefinger nahe der Nasenspitze bedroht er die feindlichen Kräfte. In einem Wasser-Mandala verehre man ihn samt Gliedern mit den verbliebenen Gaben.

11.73 Man entlasse Adhokshaja aus dem Mandala nach dem genannten Verfahren und übergebe Vishvaksena sämtliche abgenommenen Opfergaben.

11.74 Für seine Glieder nennt die Vorlage nacheinander Lautfolgen mit Viṃ, Vaṃ, Namah, Ṣvāṃ, Vīṃ, Svaha, Kseṃ, Vashat, Viśvaṃ, Vaiṃ und Hum.

11.75 Es folgt die beschädigte Folge „knena vaḥ phaṭ“; so werden fünf Glieder seiner Verehrung bezeichnet. [Die beiden Verse ergeben keine zuverlässig rekonstruierbare Rezitationsfolge.] Man gieße das Pranita-Wasser über das ausgelegte Gras.

11.76 Damit besprenge man sich und die Schüler und entlasse das Feuer. Nach Entlassung Vishvaksenas lasse man die ihm zuvor gegebenen Opferreste

11.77 von anderen in tiefes Wasser bringen. Nach seinen Kräften ehre man Vishnuverehrer, insbesondere Brahmanen.

11.78 Man veranstalte eine öffentliche Speisung ohne Zurückweisung. Der so zum Acharya gewordene, dem Dharma zugewandte Eingeweihte

11.79 sei seinen Standes- und Lebenspflichten treu, hingebungsvoll, bescheiden und an die Verpflichtungen gebunden. Er verehre Hari täglich ein-, zwei- oder dreimal.

11.80 Schülern erweise er durch Einweihung, Puja und Weihebegießung Gnade. Er ist nun auch befugt, als Acharya Einsetzungen und verwandte Riten zu leiten.

11.81 Nach Einweihung und Weihebegießung ehre man die Vishnuverehrer nach seinen Möglichkeiten. Am Morgen begebe man sich zum Abschlussbad an eine vorzügliche heilige Badestelle.

11.82 Dort bade und verehre man; die Brahmanen sollen Segensworte sprechen.

Kapitel 12

12.1 Nun erläutere ich kurz die Merkmale des Opfergrundes. Wer dort den Gott ordnungsgemäß verehrt, erlangt alle Vollendungen.

12.2 Boden wird als vorzüglich, mittel oder gering und entsprechend den Ständen vierfach unterschieden; weitere Namen sind Supadma, Bhadrika, Purna und Dhumra.

12.3 Vorzüglicher Boden ist erdreich, wasserhaltig, lässt Reis rasch keimen, besitzt rechtsläufiges Wasser und bleibt bei Kälte und Hitze ausgeglichen.

12.4 Wo ein Fluss ostwärts fließt, Milchsaft-, Blüten- und Fruchtbäume wachsen und Menschen und Kühe sich wohlfühlen, liegt ebener, angenehmer, bester Boden vor.

12.5 Günstig sind Klänge wie Muschelhorn oder Donner; Bodenfarbe und Stand sollen übereinstimmen. Notfalls stelle man die Eigenschaften künstlich her; ihr Gegenteil gilt als ungünstig.

12.6 Boden mit allseitigem Gefälle und gemischten günstigen und ungünstigen Merkmalen ist mittelmäßig. Die Form sei quadratisch oder um ein Achtel, Sechstel beziehungsweise Viertel verlängert,

12.7 entsprechend den Ständen von Brahmanen an; die höchste Form ist für alle zulässig. Weißer, roter, gelber und schwarzer Boden entsprechen ebenfalls diesen Ständen.

12.8 Die Geschmäcker sind süß, zusammenziehend, bitter und scharf, die Gerüche Ghee, Blut, Opferspeise und Ausscheidung. Vielfarbigen Boden meide man.

12.9 Zur Bestimmung dienen nachts in einem getreidegefüllten ungebrannten Gefäß aufgestellte Ghee-Dochte in Weiß und den weiteren Farben; man entzünde, bedecke und prüfe sie.

12.10 Ebenso prüfe man weiße und weitere Blumen nach einer Nacht in einer Grube. Boden mit Ameisenhügeln, Kies, Löchern, Spreu, Kohle, Knochen, Asche,

12.11 Haaren, Schlamm oder Ungeziefer ist zu meiden. Rauchfarbe, Trockenheit, übler Geruch und Härte gelten als ungünstig.

12.12 Ungünstig sind falsche Ausrichtung, Wassermangel, Krümmung, doppelte Länge, runde, fünf-, drei- oder sechseckige, halbmond- und worfelförmige Grundstücke,

12.13 ferner Pilu, Shleshmataka, Aksha, Bambus, Arka, Wolfsmilch und unheilvoll geltende bittere Bäume sowie Falken, Geier, Bären, Schakale, Schweine, Krähen und Affen.

12.14 Ungünstig ist Gefälle nach Südwesten, Süden, Südosten, Nordwesten oder Westen. Auch mittige Senken, verborgene Einschlüsse und entgegengesetzte Neigung sind unerwünscht.

12.15 Kusha, Shara, Durva und Kasha kennzeichnen die Böden der vier Stände. Man prüfe mit Blumen und Lampen, verneige sich vor dem Herrn und bitte:

12.16 „Gott, offenbare mir das in der Vorschrift genannte Zeichen für Brahmanen und die anderen.“ Dann richte man vier entsprechend gekennzeichnete Dochte her.

12.17 Wessen Lampe nach einem Muhurta noch brennt, dem entspricht der Boden. Brennen alle, eignet sich das gemischte Grundstück für alle.

12.18 Nyagrodha, Udumbara, Ashvattha und Plaksha sind im Osten und den folgenden Richtungen günstig, einzeln oder gemeinsam; in umgekehrter Lage erfüllen sie die Wünsche nicht.

12.19 Flusswasser ist in allen Richtungen vorzüglich; Brunnen sind im Osten, Nordosten und Norden günstig. Nur eine einzige Wasserquelle gilt nicht als günstig.

12.20 Wasser, Berge, Bäume und Gebüsche in den jeweils günstigen Richtungen sind willkommen. Shigru, Neem und ähnliche Bäume sollen im Umkreis von hundert Ellen entfernt werden.

12.21 Außerhalb dieses Bereichs schaden sie nicht; innen dürfen günstige Bäume stehen. Bei Abstand von zweimal ihrer beziehungsweise der Gebäudehöhe entsteht kein Fehler. [Die Maßbeziehung ist knapp formuliert.]

12.22 Blüten- und Fruchtbäume stehen jenseits der doppelten Gebäudehöhe: Bakula, Ashoka, Punnaga, Naga, Sandelholz, Champaka,

12.23 Bilva, Mango, Jackfrucht und Palasha sind schön. Gehölze werden vierfach unterschieden: innen hart, außen hart, ohne Kernholz und durchgehend hart.

12.24 Kernlose Gewächse gehören nicht unmittelbar vor das Haus; Bananen und ähnliche Pflanzen stelle man außen an Rückseite und Seiten.

12.25 Durchgehend hartes Holz wie Tamarinde eignet sich allgemein, ebenso innen hartes; außen hartes wird wie kernloses behandelt.

12.26 Selbst ein goldener Baum soll nicht unmittelbar am Haus stehen. Für Sträucher, Schlingpflanzen und Kräuter gilt eine solche Regel nicht ausnahmslos.

12.27 Mit Sandelholz, Aloeholz, Kampferbaum, Kadamba, Tilaka, Arjuna, Betelpalmen, Kokospalmen, Kusha und Darbha bewachsener Boden,

12.28 reich an Lotus- und Wasserlilienbeständen, Wasser, Ketaki und Zuckerrohr, nach Osten geneigt, heißt Supadma und schenkt Frieden.

12.29 Boden an Flüssen, Meer, heiligen Badestellen oder Heiligtümern, reich an Milchsaft- und Fruchtbäumen,

12.30 mit Gärten, Hainen, blühenden Sträuchern und Ranken, Opferbäumen im Westen und Reisfeldern im Süden,

12.31 heißt Bhadrika und beglückt die dort Opfernden. Boden mit Kimshuka, Ashoka, Bakula, Ankola, Neem,

12.32 Khadira, Rohita, Plaksha, Madhavi, Champaka, Asana sowie Pferdebohnen, Sesam, Bohnen und Kodrava-Hirse,

12.33 an einem Berghang oder Gipfel und mit mäßigem Wasserangebot heißt Purna und schenkt Gedeihen.

12.34 Harter, kiesiger Boden mit Pilu und Bambus, Wolfsmilch, Shleshmataka, Vibhitaka und Arka,

12.35 von Falken, Geiern, Bären, Schakalen, Schweinen und Krähen belebt, salzig-öde und mit verborgenen Einschlüssen, heißt Dhumrika und führt zu Verfall.

12.36 Nach sorgfältiger Prüfung von Geruch, Farbe und Geschmack entferne man Sträucher und pflüge mit geeigneten Pflügen.

12.37 Fünf- oder zehnmal bearbeite man den Boden, säe verschiedene Getreide, pflüge erneut und lasse Blumen und Früchte wachsen.

12.38 Für besonders beeinträchtigten Boden gilt: Man pflüge ihn vielfach und lasse eine Kuhherde darauf leben.

12.39 Nach einem Jahr pflüge man erneut und säe Sesam und anderes. Wenn die Pflanzen blühen und Früchte tragen,

12.40 pflüge man nochmals; so wird der Boden rein. Zuvor bringe der Kundige den Ortswesen eine Gabe gekochter Speise dar.

12.41 Bis zur künftigen Umfassungsmauer nehme man den Grund in Besitz: „Alle Wesen und Rakshasas, die hier wohnen,

12.42 mögen fortziehen; ich werde hier Haris Stätte errichten.“ Nach dieser Bitte vollziehe man das Verfahren.

12.43 Von Osten bis Nordosten führe man die Schnur doppelt um die Pflöcke; bei günstigen Vorzeichen spanne der Mantrakundige die Messschnüre.

12.44 Die festen Pflöcke stammen aus einem einzigen Baum mit männlichem Namen und seien makellos. Verehrt, werden sie nach Osten gewandt achtfach mit Eisenhämmern eingeschlagen.

12.45 Man grabe mannstief oder bis zu Wasser beziehungsweise Fels. In die Mitte setze man einen ordnungsgemäß gefüllten und verehrten Krug,

12.46 mit Edelsteinen versehen, auf einem Getreidehaufen, zur glückverheißenden Stunde. Man fülle die Grube mit guter Erde und danach bis zum angegebenen Ellenmaß mit Steinen.

12.47 Man wässere die Füllung, stampfe sie mit Palasha- und Ashvattha-Schlägeln und glätte den Boden fest. [Die genaue Bezugshöhe des um ein Viertel verminderten Maßes bleibt unklar.]

12.48 Am Torplatz verehre man die Gottheit auf einem Bodenaltar und sättige das Feuer. Man richte ein ebenes Quadrat her und verehre den Vastu-Purusha.

12.49 Erneut ziehe man Schnüre für einundachtzig Felder. Gleichmäßiger Vastu schenkt Glück, ungleichmäßiger nicht.

12.50 Für das Glück zeichne man zuerst rechtsherum mit Sauermilch, ungebrochenem Reis, Ghee, Blumen, Wasser, Gold und Edelsteinen, niemals bloß mit Fingern oder ähnlichen Mitteln.

12.51 Der Vastu-Purusha liegt auf dem Rücken, Kopf im Nordosten, Füße im Südwesten. Seine Gottheiten verehre man mit Kusha, Blumen, Reis, Speise, Wasser und Duft.

12.52 Brahma bewohnt die neun Mittelfelder, die Richtungsgötter je sechs, die übrigen je zwei; außen verehre man zweiunddreißig Gottheiten vom Nordosten an.

12.53 Brahma steht in der Mitte, östlich Aryaka; im Südosten Savitra und Savita in den beiden Zweierfeldern.

12.54 Vivasvan steht in den sechs Südfeldern, Jayanta und Indra in je zwei Feldern, Mitra in den sechs Westfeldern; in den nordwestlichen Zweierfeldern

12.55 stehen Rajayakshma und Rudra, in den sechs Nordfeldern Kshitibhrit, in den verbleibenden Zweierfeldern Apavatsa und Apas. Außen folgt Shiva,

12.56 dann Parjanya, Jayanta, Indra, Surya, Satya, Bhrisha und Ambara im Osten. Vom Südosten an folgen Agni, Pushan, Vitatha,

12.57 Grihakshata, Dharmaraja, Gandharva, Bhringaraja, Mriga und im Südwesten die Ahnen.

12.58 Danach verehre man Dauvarika, Sugriva, Pushpadanta, den Wasserherrn, Asura, Shosha und Papayakshman,

12.59 Vayu, Naga, Mukhya, Bhallata, Soma, Aditi, Diti und Kubera; weiter außen vom Nordosten an

12.60 Charaki, Vidari, Putana, Paparakshasi, Sharvaskanda, Aryaman, Jambhaka und Pilipinchaka. [Die Namensgliederung folgt dem vorliegenden Wortlaut.]

12.61 Man gebe ihnen Bali in ihren Richtungen, von der Mitte aus ringsum; ebenso den Ortswesen in den acht Richtungen.

12.62 Verehrt fördern die dreiundfünfzig Gottheiten im Vastu-Leib die Vollendung; unverehrt bringen sie den Bewohnern Ungemach, sagt der Text.

12.63 Nach gefasstem Fastenentschluss, gutem Bad und mit geeigneten Helfern sitze man nachts nordwärts auf sauber bestrichenem Boden.

12.64 Man wiederhole das traumgewährende Mantra bis zum Einschlafen. Der folgende Traum soll die Frucht des Grundstücks anzeigen.

12.65 Bei günstigem Traum beginne der Bau unter geeignetem Gebäudestern und Tagesbeginn. Man bereite aus guter Erde einen schönen Bodenaltar von vier Ellen.

12.66 Darauf setze man in die Mitte eines gezeichneten Lotuses einen Wasserkrug mit allen Heilkräutern, Edelsteinen und jungen Blättern,

12.67 mit weißem Sandelholz bestrichen, Lotusgirlanden geschmückt, zwei weißen Tüchern bedeckt und einem Svastika-Zeichen versehen.

12.68 Auf seiner Öffnung meditiere man unter Om einen leuchtenden Lotus. Der Mantrakundige mit Ring an der Hand stelle darin die Planeten vor.

12.69 Er verehre sie froh im Lotussitz unter ihren Namen: Sonne rot, Mond weiß, Mars rot,

12.70 Merkur golden, Saturn schwarz, Jupiter gelb und Venus weiß.

12.71 Rahu sei schwarzgelb, Ketu schwarz. Alle werden mit Blumen ihrer jeweiligen Farbe vorschriftsmäßig verehrt.

12.72 Zum Schluss folgen Feueropfer und Bali mit Gesang und Instrumenten. Nach dem Planetenlob spreche man den reinigenden Hymnus:

12.73 „Herr der Planeten, offenbare mir auf meine Frage die bedeutsamen günstigen und ungünstigen Zeichen im Himmel, Zwischenraum und auf Erden.“

12.74 So sprechend hebe man den Krug und trage ihn unter dem Shakuna-Sukta, Siegesrufen und weiteren Segensklängen sorgfältig herum.

12.75 Auch bei ungünstigem Zeichen stelle man ihn ab, verehre ihn, hebe und trage ihn erneut herum; dann soll sich ein wunderbares Himmelszeichen zeigen.

12.76 Erscheinung oder Stimme von Siddhas, Regen bei Sonnenschein sowie das Herabfallen von Edelsteinen, Blumen, Früchten, Speise, Getreide, Honig, Ghee, Kleidern,

12.77 Sauermilch, Fischen, Fröschen, Urin, Fleisch oder einer Schildkröte aus dem Himmel auf den Boden werden hier als günstig bezeichnet.

12.78 Günstig gelten auch der Anblick eines Königs, Brahmanen, Mädchens oder vollen Kruges und Klänge wie Elefant, Pferd, Pfau, Schwan, Donner, Muschelhorn oder Flöte.

12.79 Solche Zeichen sollen Kundige während der Handlung beachten. Bei ungünstiger Berührung, Geruchswahrnehmung, Gehörtem oder Gesehenem meide man den Boden.

12.80 An einem anderen Tag verfahre man erneut wie beschrieben; bei günstigem Vorzeichen lasse der Auftraggeber die Arbeit ausführen.

12.81 Nach Feuerverehrung bitte man um Vergebung und lasse Brahmanen Segensworte sprechen. Nach Bali grabe man wie zuvor und fülle den Grund wieder auf.

12.82 In der Gebäudemitte setze der Kundige den vorbereiteten günstigen Schildkrötenstein ein, auf den die Schildkröte gelegt wird.

12.83 Man setze eine silberne oder goldene Schildkröte ein und bilde wie zuvor den Lotus mit dem achtgruppigen Alphabet.

12.84 Man verehre die tragende Kraft, verneige sich und bete: „Du bist die höchste Kraft, du trägst den Sitz.

12.85 Zufriedengestellt, Göttin, bleibe stets hier.“ Ebenso meditiere man Akupura, den Schildkrötenkönig, der das All trägt,

12.86 auf dem beschriebenen Lotus und verehre ihn mit seinem Namen: „Verehrung Vishnu in Schildkrötengestalt, dem Träger des Alls!

12.87 Trage den Tempel, der hier entstehen soll.“ So bitte man hingebungsvoll und verehre dort auch Ganesha.

12.88 Rechts von der Schildkröte bilde man wie zuvor einen Lotus und verehre ihn mit seinem namensverbundenen Bija, Duft, Blumen und weiteren Gaben.

12.89 Die fünf Glieder seines Bija entstehen mit den drei langen Vokalen und den weiteren bis zum zwölften. Besonders bringe man Laddus, Kuchen und Reisflocken dar.

12.90 Man meditiere den roten Elefantengesichtigen mit großem Bauch und vier Armen, der Schlinge, Treibstachel, Speise und seinen Stoßzahn trägt.

12.91 Wo Ganesha so täglich hingebungsvoll verehrt wird, entstehen nach dieser Lehre keine Hindernisse und wächst das Wohlergehen.

Kapitel 13

Ein Vishnu-Heiligtum: der Venkateswara-Tempel in Tirupati. Das Bild dient der Anschauung; eine besondere historische Verbindung dieses Tempels mit der Vishnu Samhita wird hier nicht behauptet.

13.1 Nun erläutere ich kurz das vorzügliche Verfahren des Tempelbaus. Schon der Entschluss dazu soll sämtliche Verfehlungen tilgen.

13.2 Selbst die Frucht der Niederlegung von acht Ziegeln ist unaussprechlich; daraus lässt sich die Frucht eines ganzen Tempelbaus ermessen.

13.3 Die Frucht aller Opfer, Askesen, Gaben, Pilgerstätten und Veden erwächst dem Auftraggeber millionenfach.

13.4 Nach Material und Bauform wächst sie weiter. Nichts sei heilsamer; deshalb sollen die dazu Fähigen einen solchen Bau verwirklichen.

13.5 Der Guru pflüge ostwärts mit zwei gleichartigen braunen Rindern; Treibstock, Joch und Pflug bestehen aus Asana-Holz.

13.6 Mit dem zwölfsilbigen Mantra, neuen Kleidern und Schmuck versehen, lasse er auf dem geglätteten Boden Saat wachsen und von Kühen abweiden.

13.7 Nach erneutem Pflügen beginne die Ziegelsetzung am vorgesehenen Tor. Der erste Ziegel gehört auf dessen rechte Seite.

13.8 Auf einem nördlichen Bodenaltar vollziehe man die Riten vom Linienziehen bis zu den Ghee-Anteilen, opfere gekochte Speise mit der Vishnu-Gayatri und danach Ghee,

13.9 achtmal mit den einzelnen Silben des achtsilbigen Mantras, danach mit den Vyahritis, Indra und den weiteren Namen, für Agni, Soma und die Planeten,

13.10 für Mondhäuser, Wesen, Nagas, sämtliche Gottheiten und die Allgötter.

13.11 Zuletzt opfere man Vishnu und erneut mit den Vyahritis. Brennholz, Ghee und Opferspeise opfere man hundertachtmal mit der Gayatri.

13.12 Nach Svishtakrit und Abschluss des übrigen Opfers übertrage man das Sampata-Ghee mit dem Wurzelmantra auf die Ziegel.

13.13 Nach Osten gewandt zeichne man gesammelt mit einem Ashvattha-Pflock unter Om acht ostwärts beziehungsweise nordwärts gerichtete Linien.

13.14 Im Quadrat aus vier Feldern lege man die ostwärts gerichtete Schnur in Südost und Nordwest, die nordwärts gerichtete in Südwest und Nordost. [Die räumliche Kurzvorschrift bleibt ohne Bauzeichnung mehrdeutig.]

13.15 Dann stehe man mit gefalteten Händen, meditiere Adhokshaja und wiederhole das Wurzelmantra sowie das zwölfsilbige Mantra achthundertmal.

13.16 Das achtsilbige wiederhole der Kundige seiner Silbenzahl entsprechend. Dem Herrn verneigt und ihn betrachtend, setze er mit den acht Silben

13.17 die acht Ziegel vom Südosten bis zum Osten der Reihe nach ein, wie eine ebene Sohlenlage, ohne Vertiefungen oder Erhöhungen.

13.18 Nach dem Ziegellegen fülle man die Grube mit klarem, wohlriechendem Wasser, das Sampata, Edelsteine und Duftstoffe enthält,

13.19 aus zuvor gefüllten, verehrten und mantrageweihten Krügen. Mit Om gebe man weiße Blumen und ungebrochenen Reis hinein und beobachte den Wasserwirbel.

13.20 Rechtsläufiger und linksläufiger Wirbel gelten als günstig beziehungsweise ungünstig. Dann bedecke man die Grube mit Erde aus Reisfeldern und ähnlichen Orten.

13.21 Nach Entlassung der Handwerker lasse man erneut einen Traum prüfen. Ein guter Traum bedeutet Gewinn, ein ungünstiger Aufgabe des Vorhabens; bei ausbleibendem Traum ist Befriedung vorgeschrieben.

13.22 Nun vollziehe man die Keimeinsetzung; ohne Keim gedeiht das Heiligtum nicht. Man sammle zehn Erdarten, Wasserpflanzenwurzeln,

13.23 Mineralien, Edelsteine, Samen, Metalle und weitere vorgeschriebene Dinge. Das Keimgefäß messe acht Finger, sei halb so hoch und habe einen um ein Viertel verminderten Deckel.

13.24 Es sei aus dichtem, glattem Kupfer, schön und sicher verschlossen; seine Größe kann auch dem Mauermaß angepasst werden.

13.25 Für einen Brahmanen liegt es über dem Sockel, für einen König auf Bodenniveau, für die anderen darunter, rechts vom Tor im angegebenen Drittelbereich.

13.26 Neben der Torbasis werde die Stelle mit Kuhurin gereinigt. Das Gefäß reinige man mit den fünf Kuhprodukten.

13.27 Durch die vorgeschriebenen Konzentrationen meditiere man darin den Alphabetlotus auf dem Sitz und die auf Ananta ruhende Erde samt Bergen, Meeren und Richtungselefanten.

13.28 Innen lege man zuerst rechtsherum einen Ring aus Meereserde. Mit Gayatri setze man in Richtungen, Zwischenrichtungen und Mitte die Erdarten ein,

13.29 von Berg, Pilgerstätte, Fluss, See, Krabbenbau, Ameisenhügel, Dreschplatz, Elefantenstoßzahn und Stierhorn der Reihe nach.

13.30 Die Wurzeln von Lotus, Utpala, Kumuda und roter Wasserlilie setze der Lehrer in die vier Richtungen.

13.31 Dazu kommen Realgar, Auripigment, Augenschminke, dunkles Mineral und Blei, Saurashtri, Rochana, Ocker und Quecksilber,

13.32 Diamant, Perle, Vaidurya, Muschel, Bergkristall, Pushyaraga, Mondstein, großer Saphir und Rubin,

13.33 ausgereifter Shali- und Wildreis, Hirse, schwarze Bohnen, Pferdebohnen, Nishpava-Bohnen, Sesam, Mungbohnen und Senf.

13.34 In die Richtungen kommen Gold, Silber, Eisen und Zinn, in die Ecken goldene Darstellungen von Garuda, Schildkröte, Muschelhorn und Diskus.

13.35 Bogen, Keule und Lotus liegen in der Mitte, ebenfalls jeweils aus Gold. Alles zusammen wird in das Keimgefäß gelegt.

13.36 Man besprenge es mit den fünf Kuhprodukten und dem zwölfsilbigen Mantra, stelle es südlich des Feuers auf und opfere wie zuvor.

13.37 Ghee opfere man mit den zwölf Silben, den Richtungswächtern, Narayana und den folgenden Namen, jeweils mit Om beginnend und der Opferformel endend:

13.38 Samen, alle Mineralien, sämtliche Welten, Berge, Meere, alle Pilgerstätten, Flüsse, Seen,

13.39 Unterwelten, Nagas, Richtungselefanten und Stiere. Zuletzt opfere man mit den Vyahritis nach dem Sampata-Verfahren.

13.40 Nach Übertragung des Ghee halte der Lehrer das Gefäß vor sich in den Händen, wiederhole das Mantra und meditiere nachts ostwärts die Erde.

13.41 Zur günstigen Stunde und mit Zustimmung der Brahmanen, unter Instrumentalklängen, meditiere und verehre er die Kraft und betrachte darin diesen Keim

13.42 als helles, erdhaftes Weltenei zur Geburt des Tempelleibes. Die Erde darin wie zuvor betrachtend, spreche er leise:

13.43 „Göttin, Trägerin aller Wesen, Liebliche, mit Bergen als Brüsten geschmückt, mit den Meeren bekleidet: Nimm diesen Keim in dich auf!“

13.44 Ist der Keim so eingesetzt, entsteht überall Wohlergehen. Nach einem goldenen Ehrengeschenk lasse man den Tempel errichten.

13.45 Vor der Toreinsetzung verehre man den Vastu wie zuvor, opfere im Feuer, berühre die Stelle mit der Kraftformel und lege Edelsteine und Weiteres ein.

13.46 Das Tor werde mit Kuhprodukten gereinigt, mit zwei Tüchern bedeckt, mit Duft verehrt und von Befriedungsopfern begleitet.

13.47 Der Kundige setze es zur rechten Stunde ein, mit der vorgeschriebenen Abweichung von der Mittellinie. Unten liege das Selbstprinzip, in den Pfosten das Wissensprinzip,

13.48 in der Mitte des oberen Teils die höchste Wirklichkeit. Unter Om setze man das Tor ein und verehre es erneut der Reihe nach.

13.49 Festigkeit, Unermesslichkeit, Allgegenwart, Erkenntnis, Ewigkeit, Unvergänglichkeit und Zufriedenheit erhalten jeweils sieben Opfergaben.

13.50 Für die dort gegenwärtigen Torwächter und weiteren Gottheiten opfere man unter ihren Namen und bringe ihnen Bali dar.

13.51 Beim Setzen von Mauern und Säulen vermeide man jede Verletzung der Vastu-Linien und empfindlichen Punkte; sonst entsteht Vastu-Unheil.

13.52 Der Kundige versetze Säulen nötigenfalls etwas nach Norden oder Osten; so entsteht kein Fehler durch das Durchstoßen dieser Linien.

13.53 Ein Osttor soll dem Vrishabha-, ein Westtor dem Dhvaja-Maß entsprechen. Andere Zuordnung bewirke nach dem Text Verlust durch fehlerhafte Maßberechnung.

13.54 In Dorfmitte, Westen und Norden ist ein Osttor vorgesehen; im Süden, Osten und Südosten wird gewöhnlich ein Westtor bevorzugt.

13.55 Der schöne Tempel sei rund oder quadratisch, drei bis dreißig Ellen breit und ein- bis siebengeschossig.

13.56 Mit steigender Geschosszahl gelten Vayu, Agni, Indra, Varuna, Sonne, Mond und Vishnu als Gebäudegottheiten; weitere Gestalten gehören den einzelnen Ebenen.

13.57 Liegend, sitzend, stehend, schreitend und als die zuvor genannten Yogigestalten erscheinen deren Gottheiten; weitere stehen in Richtungen und Ecken.

13.58 Diese sind Varaha, Narasimha, Shridhara, Hayagriva, Jamadagnis Sohn, Rama, Vamana und Krishna.

13.59 Darüber stelle man in den vier Richtungen Garuda vor; in der Mitte Brahma, darüber Shiva und im Bekrönungskrug Hari selbst.

13.60 Am Ende des Kruges ist Mahavishnu, an seiner Spitze Sadavishnu. Gebäude, Innenraum und Kultbild sind als grobe, feine und höchste Formen zu verstehen.

13.61 Der untere Sockel ist Ananta, der Herr des Selbstprinzips; der weitere Unterbau ist das Wissensprinzip, darüber liegt das höchste Prinzip.

13.62 Auf der Opferbank stehen Indra und die Richtungswächter, am Abfluss Vishvaksena. Sockel und Bauglieder entsprechen Füßen, Unterschenkeln, Oberschenkeln und Hüfte. [Die zusammengedrängte Gliederzuordnung ist teilweise beschädigt.]

13.63 Die Zierleiste ist der Gürtel, der Innenraum der Bauch, Säulen sind Arme, die Mitte ist der Nabel, der Sitz das Herz, der Wasserabfluss Apana.

13.64 Die Fußgrundlage ist Ichbewusstsein, der Bildsockel Buddhi; darüber ist der Lotus Prakriti, das Bild selbst Purusha.

13.65 Glocke ist Zunge, Lampe Geist, Holz Sehne, Stein Knochen, Kalk Haut, Verputz Fleisch und die darin befindliche Flüssigkeit Blut.

13.66 Die Augen liegen an den Seiten des Turmaufbaus; die Bannerspitze ist der Haarschopf, der untere Krug die Hand, das Tor das Zeugungsorgan.

13.67 Der vorspringende Shukanasa ist die Nase, die Fenster sind Ohren, das Gesims die Schultern, der Amalasara-Abschluss der Hals.

13.68 Der Krug ist das Haupt, Ghee das Mark, Mantra die Sprache und Begießungswasser die Körperflüssigkeit. Name, Kühle, Farbe, Speise und Duft entsprechen den Sinnesgegenständen.

13.69 Öffnungen, Luftfenster, Strahlkraft, Verputz und Festigkeit entsprechen Raum und den weiteren Elementen. Fugen sind Gelenke, Metallverbindungen Nägel.

13.70 Die weißen Gras- oder Faserbüschel gelten als Haupt- und Körperhaare. Ringsum sei die Umfassungsmauer ein Viertel so hoch wie der Tempel.

13.71 Der Torbau sei um ein Viertel niedriger, der Pavillon ebenso hoch wie dieser. Garudas Pavillon habe die doppelte Breite des Bildsockels.

13.72 Ebenso groß seien die Häuser der Richtungswächter und Vishvaksenas, hinten Anantas Haus und im Südosten die Opferküche.

13.73 Die Häuser der Muttergottheiten liegen im Süden und Norden. Gebäude im Osten, Südosten und Nordosten schauen nach Westen,

13.74 jene im Südwesten, Westen und Nordwesten nach Osten; im Süden und Norden sollen sie dem Haupttempel zugewandt sein.

13.75 Acht mittelgroße, enthülste, richtig gelegte Gerstenkörner bilden den großen Fingermaßwert, sieben den mittleren, sechs den kleinen.

13.76 Vierundzwanzig solche Finger, entsprechend Gayatris Silben, bilden eine Elle. Mit diesem dreifach abgestuften Maß wird alles bemessen.

13.77 Der Tempel kann aus Stein, Ziegeln, Holz oder Erde gebaut werden; fehlerhafte Materialien sind zu meiden.

13.78 Verwitterte, unreife, als unrein eingestufte, einschlusshaltige oder aus ungeeignetem Gelände stammende Steine lasse man liegen; man wähle günstige, farblich geeignete.

13.79 Aus männlich klassifiziertem Stein fertige man das Bild, aus weiblichem den Sockel; unter der Edelsteineinlage ist neutral klassifizierter Stein vorgesehen.

13.80 Das Bild passe zum Tempel oder der Tempel zum Bild. Dasselbe Verhältnis gilt für Sockel und weitere Teile.

13.81 Aus verwitterten oder bereits verwendeten Steinen und anderem Material soll man weder Vishnutempel noch Sockel oder Bild fertigen; dies käme einem schädigenden Ritual gleich.

13.82 Alte, verfärbte oder ungenügend gebrannte Ziegel sind ungeeignet, ebenso Bäume mit Hohlräumen, von selbst vertrocknete, gefallene oder feuergeschädigte,

13.83 kernlose, aus unreinem Gelände stammende oder anderweitig verdorbene, ferner bittere, dornige, als unheilvoll geltende, kleine oder einem Heiligtum zugehörige Bäume.

13.84 Holz ehemaliger Pfähle, Nadeln, Bannerstangen, Säulen, Räder oder Stäbe verwende der Schriftkundige nicht im Gebäude; obere Teile dürfen nicht nach unten versetzt werden.

13.85 Ebenso meide man Holz von Schöpfwerken und solches aus Kapittha oder Aksha. Die Wurzelrichtung darf nicht mit der Spitze vertauscht werden; altes Oberholz füge man nicht in Neues ein. [Der zweite Halbvers ist textlich unsicher.]

13.86 Man setze Holz weder kopfüber noch südwärts ein. Bei ergänzenden Riten gelten neue Materialien als glückbringend.

13.87 Für die unteren Tempelteile verwende man günstige Steine oder andere geeignete Stoffe. Wird ein herausgenommenes Kultbild wieder eingesetzt, bleibt jedoch sein früherer Sockel erhalten.

Kapitel 14

14.1 Zum Wohl der Übenden erkläre ich nun kurz die Merkmale des Kultbildes und seine Unterschiede nach Material und Gestalt.

14.2 Bilder bestehen aus Edelstein, Metall, Stein, Mineralmasse, Erde, Holz oder Malerei: sieben Arten. Edelstein und Metall gelten als wenig fehleranfällig.

14.3 Stein kann viele Fehler besitzen; man bevorzuge Stein von heiligen Bergen. Boden wird als wasser-, Indra-, feuer- oder windgeprägt unterschieden.

14.4 Stein aus den ersten beiden Bodenarten gilt als geeignet, nicht aus den übrigen. Er sei schön, glatt, in der Erde geborgen und unbesonnt.

14.5 Einfarbig, schön gefärbt und dem Stand entsprechend sei er. Für Brahmanen nehme man mondzugehörigen, weißen lotusgleichen Stein unter Mrigashiras.

14.6 Für Kshatriyas roten, pferdebohnenfarbenen Indra-Stein unter Jyeshtha, für Vaishyas gelben oder grünen, Bhaga zugehörigen unter Phalguni.

14.7 Für Shudras schwarzen, mungbohnenähnlichen, den Ashvins zugehörigen Stein unter Ashvini. Ein breiter, nicht zu dicker Stein mit hohl-süßem Klang,

14.8 bananenblattförmig, kühl und angenehm gilt als weiblich. Tief klingender, schwerer, fester, beim Bearbeiten funkengebender Stein,

14.9 breit und dick wie Ashvattha- oder Banyanblätter, gilt als männlich. Gemischte oder unvollständige, schichtige Formen gelten als neutral.

14.10 Dicht gefügter, glatter, ruhig klingender, sehr kühler Stein mit angenehmem Geruch, Geschmack und Aussehen gilt als jugendlich und vorzüglich.

14.11 Weicher, schmieriger, instabiler Stein, der Werkzeug nicht erträgt, heißt kindlich. Was den Geist abstößt, wird als unrein oder schuppig eingestuft.

14.12 Froschfleckiger Stein gehört dazu; alter Stein ist trocken und bröckelig. Vielfarbiger, sehr blauer, rauchfarbiger und grobfaseriger,

14.13 dumpf klingender, hässlicher und warmer Stein gilt als ungeeignet. Ebenso Stein an Ameisenhügeln oder Baumwurzeln, von Feuer, Wind oder Sonne geschädigt,

14.14 nahe Scheiterhaufen oder fremden Kultstätten, äußerlich verunreinigt, rituell belastet, verfärbt, an Kreuzungen oder lange im Wasser gelegen,

14.15 für anderes bestimmt, Restmaterial, schon bearbeitet, mit Einschlüssen, Ringen, Löchern, Fugen, Keilen oder netzartigen Adern,

14.16 mit Sprüngen, Wirbeln, Adern, Knoten oder Brüchen. Der folgende Vergleich guter und schlechter Linien ist in der Vorlage beschädigt und nicht sicher übersetzbar.

14.17 Linien in der Steinfarbe oder goldfarbene Linien sind sehr schön; Formen wie Regenbogen, Banner, Wellen oder Krug erfreuen.

14.18 Sie gelten als wachstumsfördernd und heilsam für Kühe und Brahmanen. Günstig sind Shrivatsa, Muschelhorn, Diskus, Lotus, Nandyavarta und rechtsläufige Zeichen,

14.19 Torbogen, Schirm, Gewand, Stier, Mädchen, Girlande, Blume, Tempel, Svastika, Pferd, Elefant, Krug und Fisch,

14.20 Wagen, Auge, Finger, Schildkröte, Wedel, Treibstachel, Löwe, Edelstein, Schmuck, Kuh, Baum, Blatt, Mond, Sonne und Sterne,

14.21 Reinigungsring, Wassergefäß, Spiegel, Hirsch, Schwan und ähnliche Formen. Ein-, zwei- oder vielfache Unterbrechung bedeute Verlust von Sohn, Herrn oder Ehefrau.

14.22 Krumme, zu dicke oder dünne, raue und abgebrochene Linien sind ungünstig. Stein mit vermischten, vielfarbigen Zeichnungen ist unerwünscht.

14.23 Ein A-Zeichen bedeutet Wachstum, I Feindüberwindung; geschlossenes U gilt als ungünstig. Diphthonge bedeuten Zuwachs, Konsonanten von Ka bis Ma Wohlstand.

14.24 Weitere Lautzeichen bedeuten Vertreibung, bei Ra und folgenden Furcht, Gedeihen und Frieden; Zischlaute Vollendung, der letzte Laut Befreiung. Querlinien sind ungünstig. [Die Lautzuordnung des Versanfangs ist unklar.]

14.25 Stein, der beim Freilegen bricht, Einschlüsse oder lockeren Klang besitzt, ringförmig gezeichnet, warm oder verfärbt ist, soll verworfen werden.

14.26 Zeigt gewaschener Stein keine besonderen Zeichen, ist er mittelmäßig; gemischte gute und schlechte Merkmale ergeben eine geringe Eignung.

14.27 Wo der Stein glockenartig klingt und beim Behauen Funken zeigt, liegt sein Kopf. Obere und untere Fläche bestimmen Rücken und Vorderseite.

14.28 Auch die Aussage eines Brahmanen oder eines rituell vorbereiteten Mädchens kann dem Handwerker den Kopf bestimmen; davon ausgehend bilde er das Gesicht. [Die Syntax ist unsicher.]

14.29 Für ost- oder westgerichtete Tempeltore wähle man entsprechend ost- oder westgerichteten Stein; ersatzweise süd- oder nordgerichteten, nicht diagonal gerichteten.

14.30 Nach Gottesverehrung auf dem Bodenaltar und Segensworten der Brahmanen esse man an gutem Tag Sauermilchreis, begleitet von Schutz- und Glücksriten.

14.31 Die Werkzeuge werden mit dem Waffen-Mantra verehrt und Glücksworte gesprochen, nach Osten oder Norden gewandt. [Die Werkzeugverehrung wird in der Vorlage wiederholt.]

14.32 Nach Betrachtung günstiger Zeichen breche der Acharya mit den Handwerkern auf, um das Material für das Bild zu gewinnen.

14.33 Stets über die Königin der Mantraweisheit meditierend, gehe er mit Ehrenwasser voran. Bei guten Zeichen setze er den Weg fort, sonst wiederhole er die Vorbereitung.

14.34 Nach dem Aufbruch besichtige man den Stein. Von diesem Zeitpunkt bis zum Abschluss ernähre sich der Auftraggeber von reiner Opferspeise.

14.35 Findet sich im Norden, Nordosten oder Osten kein geeigneter Stein, suche man nach erneuter Richtungsverehrung einen bewährten Steinbruch auf.

14.36 Mit Waffen-Mantra, Schutz und Glücksriten betrachte man die Richtungen. Nachts vollziehe der gesammelte Acharya dort die vorbereitende Weihe.

14.37 Über dem Stein errichte man einen rings abgeschirmten Pavillon mit vierfarbigen Bannern in den vier Richtungen.

14.38 Man verehre Hari und die Richtungsgottheiten und gebe den Ortswesen Bali. Fastend und sinnesbeherrscht liege der Acharya auf Darbha vor dem Gott.

14.39 Gesammelt meditiere er Vishnu und spreche: „Verehrung Vishnu, der alle Welten umfasst und mächtig hervorbringt,

14.40 dem All, dem Allgestaltigen, dem Herrn der Träume: Verehrung!“ Nach achthundert Wiederholungen soll er einen Traum sehen.

14.41 Ein guter Traum verheißt Gelingen; andernfalls ist Befriedung nötig. Nach Prüfung des Steins bestimme man Farbe, Geschlechtsklasse und Kopf.

14.42 Mit dem „Erwache“ beginnenden Mantra markiere der Acharya die betreffenden Stellen, verwende das Waffen-Mantra und lasse den Stein von Handwerkern aufnehmen.

14.43 Nach Gottesverehrung, Bali und Segensworten lade man den Stein auf einen Wagen und bringe ihn sorgfältig herbei.

14.44 Bei Schäden an Wagen oder Schwierigkeiten der Handwerker opfere man hundertmal mit dem Waffen-Mantra. Mit Bannern und Festklängen bringe man den Stein in den nördlichen Werkraum.

14.45 Hat man in Stein oder Holz ein bestimmtes Bild beschlossen, darf daraus kein anderes gefertigt werden; andernfalls bleibt es fruchtlos.

14.46 Selbst gewonnenes Material ist das beste, gekauftes mittelmäßig; gereinigtes, erkennbar geeignetes Material aus Seen und ähnlichen Orten gilt als geringer.

14.47 Für Holz gelten dieselben Weihen wie für Stein. Geeignet sind Devadaru, Sandelholz, Shamyaka, Madhuka, Asana, Bilva,

14.48 Sarala, Spandana, Sala, Stabaka, Stambhaka, Timi, Varana, Tinduka, Ashoka, Parni, Jackfrucht und Shimshapa,

14.49 ferner andere opfertaugliche, kernholzreiche, schöne Bäume: gerade, glatt, gleichmäßig, am benötigten Stamm astfrei, aus gutem Gelände und dicht gewachsen.

14.50 Ohne Einschlüsse, Verletzungen und Löcher, fest verwurzelt, gelten sie als günstig. Südwärts geneigte, trockene, verbrannte oder von Vögeln und störenden Wesen bewohnte,

14.51 gefallene oder an Kultstätten, Ameisenhügeln und Scheiterhaufen stehende Bäume sind ungeeignet. Man reinige den unteren Stammbereich und lege Darbha ringsum aus.

14.52 Mit Gayatri-geweihtem Wasser besprenge man alles und opfere mit demselben Mantra hundert Milchsaft-Brennhölzer.

14.53 „Möge die höchste Vishnu-Wirklichkeit und alles dem Erhabenen Zugehörige vereint in diesem Leib erwachen!

14.54 Mögen Dharma, Heiligkeit und Wahrheit hier gemeinsam wohnen. Baum, gehe zum Frieden der Welt in das heilige Gotteshaus.

14.55 Dort wirst du göttlichen Rang erlangen, frei von Verbrennung und Zerschneiden. Mit Wasser, Blumen, Räucherwerk und Bali-Gaben

14.56 werden die Menschen dich verehren; danach wirst du Erlösung erlangen.“ Nach Duft-, Blumenverehrung und Bali wie zuvor

14.57 prüfe man den Traum, berichte ihn dem Brahmanen und spreche Glücksworte. Ost- oder nordwärts gewandt wiederhole man den mit „Idaṃ Viṣṇuḥ“ beginnenden Vers.

14.58 Mit einer in Honig und Ghee bestrichenen Axt beginne man unter dem Waffen-Mantra das Fällen am Tage und kontrolliere die Fallrichtung. [Die nähere Zeitangabe ist unsicher.]

14.59 Fallen nach Norden, Osten oder Nordosten ist günstig, in andere Richtungen nicht. Bei Bruch vollziehe man Befriedung durch Opfer mit den großen Vyahritis.

14.60 Den gefällten Baum reinige man mit „Agna āyāhi“, bearbeite ihn vierkantig und transportiere ihn wie den Stein auf einem Wagen.

14.61 Auch Erde hole man entsprechend herbei, farblich passend und fehlerfrei, von einem heiligen, schönen Ort, unter dem „Du bist emporgehoben“ beginnenden Mantra.

14.62 Ungebrannte Tonbilder gelten als günstig, gebrannte werden hier missbilligt. Die Erde werde mit Ghee einer braunen Kuh, Leinöl, Pflanzenabsuden und Pulvern vermischt,

14.63 ferner mit Shriveshtaka-Harz und anderen Stoffen, wiederholt geknetet und einen Monat oder einen halben Monat gelagert; daraus fertige man das Bild.

14.64 Das gereinigte innere Bildgerüst weihe man im vorderen Pavillon. Nach Edelsteineinlage setze es der Guru zur rechten Stunde ein.

14.65 Für Metallbilder forme man ein Wachsmodell und umhülle es mit Erde. Gold und weitere Metalle werden gereinigt und im Kohlenfeuer geschmolzen.

14.66 Kundige fertigen daraus sorgfältig ein vollständiges, überall dichtes Bild. Goldbilder schenken Gedeihen, Silberbilder Ruhm.

14.67 Kupferbilder dienen Vermögen und Nachkommen, Edelsteinbilder dem Glück, Holzbilder dem Wohlergehen, Tonbilder allen erwünschten Zielen.

14.68 Eine Anlage mit einem einzigen Kultbild verwendet Stein, Metall, Edelstein oder Mineralmasse; bei Ton-, Holz- und gemalten Hauptbildern ist eine Mehrbildanlage vorgesehen.

14.69 Stein-, Holz- und Tonbilder werden im Tempel eingesetzt. Andere Bilder können im Haus oder Tempel vorschriftsmäßig verehrt werden.

14.70 Im Haus setze man Bilder von Daumen- bis Spannenhöhe ein; größere bis zur Elle und darüber gehören in den Tempel. [Die Größenabstufung ist syntaktisch knapp.]

14.71 Bewegliche Bilder verehre man täglich mit Einladung und Entlassung; ein fest eingesetztes einziges Kultbild dagegen ohne diese beiden Riten.

14.72 Man fertige ein schönes metallisches Ritualbild von einem Viertel des Hauptbildmaßes, in entsprechender Gestalt, und reinige es ordnungsgemäß.

14.73 Nach Einladung und Verehrung darin führe man die Gegenwart wieder ins Hauptbild zurück. Die Bildhöhe beträgt zwei Drittel der zuvor um ein Achtel verminderten Türhöhe.

14.74 Weitere Möglichkeiten sind ein um ein Neuntel vermindertes, ein volles oder ein um ein Viertel vermindertes Maß. Für Ton gilt das größte, für Holz das mittlere Maß.

14.75 Für Edelstein gilt das kleinste; bei anderen Stoffen besteht Wahlfreiheit. Ein Bild von zehn Tala ist vorzüglich, von neun mittelmäßig,

14.76 von acht gering; Göttinnen messen acht Tala. Man teile das gewählte Maß zehn- oder neunfach und einen Teil wiederum

14.77 zwölfmal: Dies ergibt das bildinterne Fingermaß. Die Abschnitte bis Hals, Herz, Nabel und Geschlecht werden jeweils nach dem Gesichtsmaß bestimmt.

14.78 Dieses Maß verteile man weiter auf Kopf, Hals, Füße und Knie. Unter- und Oberschenkel seien doppelt so lang; die Arme reichen bis zu den Knien.

14.79 Zusätzliche Arme sind etwas kürzer. Krone, Lotus und Stiel kommen nach ihren eigenen Maßen hinzu.

14.80 Man ziehe sechzehn Quer- und sieben Längslinien. Das Gesicht wird durch Quer- und Längslinien zwölffach gegliedert.

14.81 Die Augen liegen auf der fünften Linie unter dem Haaransatz, mit einem Mittelfeld Abstand, jeweils ein Feld breit.

14.82 Dazwischen bilde man eine schöne Nase von doppelter Augenlänge. Pupillen und weitere Gesichtspunkte werden nach den Mundwinkellinien und Nasenflügeln bestimmt. [Einzelne Fachwörter sind beschädigt.]

14.83 Die Ohren liegen auf der Brauenlinie; die Augenlänge entspricht ihrem Zwischenraum. Die Iris nimmt ein Drittel, die Pupille wiederum ein Drittel davon ein.

14.84 Die Nasenspitze ragt um ein Augenmaß hervor, die Wurzel liegt halb so tief. Die Nasenlöcher sind bohnenförmig; der Brauenabstand entspricht dem Augenabstand.

14.85 Die Unterlippe entspricht diesem Maß, Oberlippe und Philtrum jeweils dessen Hälfte. Die Ohrlänge entspricht der Nase, die Ohrbreite ihrer Spitze.

14.86 Die kleinen Ohrvorsprünge liegen auf Augenhöhe und entsprechen deren Breite. Stirn- und Halsbreite betragen zweimal die Nasenlänge.

14.87 Der Abstand vom Kinn zum Ohransatz beträgt zwei Nasenlängen. Zwischen den Brustwarzen liegt ein Gesichtsmaß, zwischen den Achseln dessen Doppeltes.

14.88 Am Nabel ist der Rumpf doppelt so breit wie der Hals, an der Hüfte um ein Augenmaß breiter; der Abstand von Brustwarze zu Achsel beträgt ein Drittel.

14.89 Ebenso groß sei der Abstand von Achsel zu Schulter, die Schulter erhöht. Weitere Armabstände richten sich nach Hüft- und Nasenmaß. [Die Gelenkbezeichnungen sind nicht durchgehend eindeutig.]

14.90 Die Mittelfingerlänge entspricht Nase plus Unterlippe. Zeige- und Ringfinger sind um ein halbes Fingerglied kürzer,

14.91 Daumen und kleiner Finger wiederum um ein halbes Glied kürzer. Die Handfläche ist um ein Augenmaß länger und so breit wie der Mittelfinger lang.

14.92 Zwischen Daumen und Zeigefinger liegt ein Augenmaß; zwischen kleinem Finger und Handgelenk eine Mittelfingerlänge.

14.93 Das Handgelenk entspricht dem Nasenmaß, ebenso sein Abstand zum Daumen. Die Armbreite ist doppelt, am Ellbogen um ein Augenmaß vermindert.

14.94 Der Umfang beträgt jeweils das Dreifache der Breite. Die schönen Arme verjüngen sich wie ein Kuhschwanz. Die ersten beiden Mittelfingerglieder sind gleich, das letzte halb so lang.

14.95 Die Glieder von Zeige- und Ringfinger sind jeweils ein Achtel kürzer; beim kleinen Finger um ein Viertel, proportional angepasst.

14.96 Die beiden Daumenglieder entsprechen den entsprechenden Gliedern von Zeige- und Mittelfinger. Nägel bedecken bei allen Fingern die Hälfte des Endgliedes.

14.97 Der Daumenumfang entspricht dem Nasenmaß; die anderen sind abgestuft um ein Achtel geringer. Die Gesäßhälften seien rund und den Oberarmmaßen entsprechend.

14.98 Oberschenkelbreite entspricht dem Gesicht, Kniebreite diesem abzüglich eines Augenmaßes, Unterschenkelbreite einem halben Gesicht. Die Fußsohle ist gesichtslang, vorn so breit wie der Unterschenkel.

14.99 Der Fußrücken wölbt sich schildkrötenartig und steigt allmählich an. Die großen Zehen messen die Hälfte des Bezugmaßes, die zweiten ebenso; die übrigen werden stufenweise kürzer.

14.100 Außer den großen Zehen besitzen alle drei Glieder. Die Nägel sind rötlich und halbmondförmig. Für die Umfänge gelten Finger- und Zehenlängen als Vergleichsmaße. [Die genaue Zuordnung ist elliptisch.]

14.101 Die übrigen Maße vermindern sich jeweils um ein Achtel. Ohrschmuck, Haare, Schmuckstücke, Gewänder und Waffen

14.102 ordne der Kundige schön an. Die Augen seien groß, weiß mit leichter Rötung und von Wimpern umgeben.

14.103 Der Blick begegne allen Betrachtenden gleichmäßig, weder gesenkt noch nach oben gerichtet. Auch auf Tuch kann man das Bild so malen.

14.104 Der Übende stelle dieses Tuch an einem abgeschiedenen Ort auf und verehre es täglich ehrfürchtig. Der Sockel sei halb so hoch und so lang wie das Bildmaß.

14.105 Als weitere Bezugsmaße dienen Gesicht bis Haaransatz und Lotus; der Wasserfang entspricht dem Lotus. Bei beweglichen Bildern soll der Sockel nicht höher als sechs Finger sein,

14.106 nicht niedriger als zwei. Metallbild und Sockel bestehen aus demselben Material; sonst dient Stein, bei Edelsteinbildern jedoch Metall.

Kapitel 15

15.1 Nun erläutere ich nacheinander die fünf Einsetzungsarten, insbesondere unter Verwendung der Mantras von Parameshthin an.

15.2 Sie heißen Sthapana, Asthapana, Samsthapana, Prasthapana und Pratishthapana.

15.3 Die fünf Handlungen betreffen stehende, sitzende, liegende, fahrende und bewegliche Bilder; zusammen heißen sie Pratishtha.

15.4 Die stehende Gestalt ist mild, die sitzende mild-feurig, die liegende feurig; bei den anderen besteht Wahlfreiheit.

15.5 Entsprechend sind sie sattvig, rajasig und tamasig sowie weiß, rot und schwarz; dunkel kann jede Form gestaltet werden.

15.6 Die stehende Form des höchsten Selbst ist göttlich; die sitzende enthält menschliche Züge, die weitere wird anders eingeordnet. [Der letzte Ausdruck bleibt unbestimmt.]

15.7 Stehend ist Vishnu das Durchdringende, sitzend Durchdringendes und Durchdrungenes, liegend das Durchdrungene. Dies entspricht den drei Opferzeiten.

15.8 An seinen Seiten stehen Brahma und Rudra, nahebei Sonne und Mond; hinten Shri und Sarasvati, seitlich Shanti und Rati,

15.9 dahinter Varaha und Hayashirsha. Weitere Begleiter sind Brahma, Bhrigu, Daksha, Rudra, Agni und Manu,

15.10 Sanatkumara und Skanda sowie die Siddhis am Platz der Shri mit Wedeln in den Händen. Die sitzende Gestalt ist von zwölf Begleitern umgeben. [Die überlieferte Zählung ist nicht eindeutig auf die Namen verteilbar.]

15.11 Die liegende Gestalt begleiten Pradyumna, Aniruddha, Brahma auf dem Nabellotus sowie vorn Markandeya und die Erde: fünf.

15.12 Aus diesen drei Gruppen kann man die Begleiter der auf einem Fahrzeug befindlichen Gestalt nach Wunsch auswählen.

15.13 Als allgemeines Gefolge dienen Bogen, Keule, Diskus, Muschelhorn, Schwert, Pfeil, Pflug, Schild und Lotus.

15.14 Der stehende Gott ist vierarmig, der sitzende achtarmig. Beim liegenden Bild oder allgemein darf die Armzahl nach Wunsch bestimmt werden.

15.15 Die fünf Upanishad-Mantras sind sehr feine göttliche Kräfte, welche Vedakenner als die fünf feinen Sinnesgrundlagen bezeichnen.

15.16 Diese fünf Kräfte wirken vereint als Ursachen aller Dinge. Mit ihnen verbunden entfaltet er Schöpfung und die weiteren Wirkungen.

15.17 Obwohl selbst untätig, bewirkt der Herr Begrenzung und Begnadung. Bei allen Einsetzungen besitzt er vollständige Herrschaftskraft, niemals bloß einen Teil.

15.18 Die fünffache Unterscheidung entsteht durch das Überwiegen einzelner Eigenschaften innerhalb der vereinten Kräfte, nicht durch ihr getrenntes Bestehen.

15.19 Andere erklären Erfahrung aus den mannigfaltigen Beziehungen von Wirkungen und Werkzeugen; auch diese bestehen aus seinen Kräften.

15.20 Deshalb müssen einsetzungskundige, tantraerfahrene Acharyas die Kräfte gemeinsam einsetzen, damit die göttliche Herrschaft im Bild offenbar wird.

15.21 Auch die Stellung des Bildes begründet die Einsetzungsarten. Die verschiedenen Bezeichnungen zeigen nur das jeweilige Überwiegen an, erklären die Kundigen.

15.22 Im gemeinsamen feinen Leib aus fünf Kräften sind seine Gestalten aufgrund unterschiedlicher Wurzel- und Gliedermantras vielfältig.

15.23 Liegende Bilder gehören in länglich-runde oder rechteckige Tempel; stehende, sitzende und zur Prozession bestimmte in andere geeignete Bauformen.

15.24 Eine auf Befreiung gerichtete Einsetzung kann zu jeder Zeit geschehen; empfohlen werden der nördliche Sonnenlauf und die helle Mondhälfte.

15.25 Günstige Mondhäuser sind Punarvasu, Ashvini, Shravana, Pushya, Hasta, die drei Uttaras, Revati, Rohini, Svati und Bharani.

15.26 Günstige Mondtage sind der erste, zweite, fünfte, dreizehnte, zehnte, Vollmond und zwölfte.

15.27 Mond, Jupiter, Venus und Merkur sind die milden Planeten; ihre Wochentage, Aufgänge und Aspekte sind zu berücksichtigen.

15.28 Sieben, neun oder fünf Tage zuvor beginne an günstigem Tag das Keimen der Saat, verbunden mit dreimal täglicher Bewässerung und Verehrung.

15.29 Drei Gefäßarten dienen dem glückverheißenden Keimen: Palika-Schale, Ghatika-Krug und Sharava-Teller.

15.30 Ihre Herren sind Vishnu, Brahma und Shiva. Fehlerfrei eignen sie sich für alle Riten; man nehme jeweils zwölf oder sechzehn Palikas.

15.31 Die Palika sei fünfundzwanzig Finger hoch, ihre Öffnung sechzehn breit; der Fuß sechs breit und vier hoch, sein Verbindungsstück einen Finger.

15.32 Die Ghatika messe sechzehn oder zwölf Finger und besitze fünf je vier Finger große Öffnungen in die Richtungen und nach oben.

15.33 Ihr Fuß gleiche dem Palika-Fuß, der Hals messe vier Finger. Der Sharava sei in Öffnung und Höhe eine Spanne groß, mit vier Finger hohem Fuß.

15.34 An geschützter Stelle im Norden stelle man die Gefäße in drei Reihen sorgfältig vom Südosten bis Nordosten auf.

15.35 Sie werden nacheinander mit Erde, Sand und Kuhdung gefüllt, mit Durva geschmückt und auf Getreide und Grasbündel gesetzt.

15.36 Gerste, Mungbohnen, Sesam, Reis, schwarze Bohnen, Hülsenfrüchte, Pferdebohnen, Priyangu, Senf, Shyama-Hirse, Rajamasha und Straucherbsen

15.37 wasche man mit dem zwölfsilbigen Mantra. Zuvor lasse man Brahmanen die Reinheit des Tages und Segensworte verkünden.

15.38 Mit dem achtsilbigen Mantra streue der aufmerksame Guru die Samen rechtsherum nach der genannten Reihenfolge in die Gefäße.

15.39 „Sieg sei dir, Lotusäugiger! Verehrung dir, Hervorbringer des Alls! Verehrung dir, du dem heiligen Wissen Günstiger! Verehrung dir, ursprünglicher Purusha!“

15.40 Mit diesem Spruch, drei Om und abschließendem Namah, besprenge man dreimal täglich aus der Hand mit Grasbündel, Duft- und Kurkumawasser.

15.41 Die Gefäße verehre man mit Duft und Blumen unter ihren Götternamen. Ihre Gottheiten wurden genannt; höre nun die der Samen.

15.42 Gerste, Senf und Mungbohnen gehören Brahma, Rudra und Hari, Nishpava Vayu und Priyangu Skanda.

15.43 Schwarze Bohnen gehören Indra, Pferdebohnen Agni, Reis der Sonne, Sesam Yama, Rajamasha Varuna, Straucherbsen Shri und Shyama dem Mond.

15.44 Nach Verehrung in Mandalas mit Grasbündeln in den acht Richtungen gebe man den Herren der Nächte bis zu den Gefolgswesen Bali mit Wasser.

15.45 Zuerst gebe man den Ortswesen zur Freude eine Gabe aus Sesampaste, Kurkuma, Puffreis, Sauermilch und geröstetem Mehl.

15.46 Die zweite Gabe gehört den Ahnen und enthält Sesam und Reis. Danach gebe man den Yakshas geröstetes Korn, Udumbika-Speise und Puffreis.

15.47 Die vierte Nachtgabe gehört den Nagas: Kokosnuss, Milch, geröstetes Mehl und Reismehl vermischt.

15.48 Die fünfte ist Brahmas Gabe mit Lotus und ungebrochenem Reis; die sechste Shivas mit gekochter Opferspeise und Kuchen.

15.49 Die siebte Vishnu-Gabe ist Reis mit Rohrzucker; als achte und neunte gebe man Milchreis beziehungsweise Reis-Hülsenfruchtbrei.

15.50 Rein gekleidet, rein, selbstbeherrscht und von Opferspeise lebend gebe man jede Nacht Bali und bade danach.

15.51 Am Morgen des Haupttages gebe man die Gabe vor Arbeitsbeginn. Nur der Guru soll den geschützten Bereich betreten.

15.52 Speisereste und alles Unreine sind sorgfältig fernzuhalten. Ohne Bali darf die Handlung an den Keimgefäßen nicht erfolgen.

15.53 Da das Keimen ohne Bali als fruchtlos gilt, sollen kundige Lehrer beides stets sorgfältig verbinden.

15.54 Bei Ritualbeginn stelle man die gut gekeimten Gefäße auf Getreide an die Säulenfüße des Pavillons.

15.55 Dunkle Keimlinge bedeuten Materialverlust, rote Streit, schräg wachsende Krankheit, ausgebliebene Keimung Tod: So lautet die Vorzeichenlehre.

15.56 Gelbe, weiße, gleichmäßige, aufrechte und gerade Keimlinge gelten als günstig. Deshalb soll man sie stets aufmerksam pflegen.

15.57 Sobald sie keimen, fege man täglich die Dorfstraßen und besprenge sie ringsum.

15.58 Nach der historischen Vorschrift werden Gottesleugner, Verwirrte, Andersgläubige, Ausgestoßene, Uneingeweihte und Unreine ferngehalten; dann sammelt man die Opfermittel.

15.59 Vor dem Tempel errichte man einen quadratischen Pavillon mit vier Toren, Baldachin, Schmuck und vollständiger Ausstattung.

15.60 Dazu gehören vier Torbögen von fünf Ellen Höhe, acht Banner und ein neuntes mit Garudas Zeichen.

15.61 Die Bannermaße richten sich nach Tempelbreite und -höhe; eine weitere Angabe nennt zehn Torlängen. [Der Maßbezug ist unklar.] Man nehme neue, schöne Krüge aus Gold oder anderen Metallen beziehungsweise Ton.

15.62 Bereitzustellen sind ein großes Metallgefäß, ein Krug von einem Drona Fassungsvermögen, vier Gefäße von je einem Prastha und schöne Kochtöpfe,

15.63 Ghee- und Pranita-Gefäß, Brennholz, Darbha und Kusha sowie je ein goldenes und silbernes Gefäß von einer Handvoll Inhalt,

15.64 weitere lotusförmige Metallgefäße für Ehrenwasser und andere Gaben, ferner Waffenzeichen aus reinem Gold,

15.65 Schildkröte, Garuda, Lotus, verschiedene Edelsteine, Metalle, Mineralien, Samen und sämtliche Arten von Schöpf- und Opferlöffeln,

15.66 Erde, kleine Krüge, Schnüre, Farbpulver, Blumen, Duftstoffe, Guggulu, Öle, Sauermilch, Milch, Rohrzucker und Honig,

15.67 Ghee für das Feueropfer, Kuhdung und Kuhurin, Decken, Felle, Liegestatt und ein neues schönes Lager,

15.68 mit zwei Kissen und zwei seitlichen Polstern, weißen Decken und verschiedenen Gewändern,

15.69 eine milchgebende braune Kuh mit Kalb und vergoldeten Hörnern, vier weitere Kühe und schöne Melkgefäße,

15.70 Rinden für Absude, alle Opferstoffe, schöne Schmuckstücke, runde Zierstücke und junge Zweige,

15.71 Heilpflanzen von Durva an, süße Früchte, Wurzeln, Einreibemittel und eine goldene heilige Schnur,

15.72 die acht Glückszeichen, Kundika und Vardhani, trockenes Brennholz, Lampen, Fäden, Getreide und Reis.

15.73 Dazu kommen die vier Instrumentengruppen, Sänger, Tänzer, friedfertige Vedakenner, besonders Vishnuverehrer,

15.74 Kenner von Grammatik, Logik und Vorzeichen, vedischen Ritualen, günstigen Stunden und Zeitrechnung, Gelübdeträger und Mantrarezitierende,

15.75 Entsagende mit klarer Erkenntnis und insbesondere Handwerker. Alles Genannte und weitere für die Aufgabe Erforderliche beschaffe man.

15.76 Opfergeräte und insbesondere Sitze werden durch anderweitigen Gebrauch rituell beeinträchtigt; deshalb sollen sie neu und geeignet sein.

15.77 Bloßes Abwaschen von Schmutz bewirkt gewöhnliche Reinheit; für Gottesverehrung gilt das schriftgemäße Bad als Körperreinigung.

15.78 Die im Alltagsleben und in den Dharma-Schriften vorgeschriebenen Reinigungen soll ein einsichtiger Vishnuverehrer beachten.

15.79 Verunreinigten Boden reinigt man durch Abgraben und weitere Verfahren; auch bereits reinen Opferboden bestreiche man mit Kuhdung.

15.80 Dieser sei frisch von einer Kuh und aufgesammelt; Milch und anderes seien gut gefiltert, Ghee geschmolzen, gereinigt und wohlriechend.

15.81 Nach dem Bestreichen durchdringe man den Boden mit dem Waffen-Mantra, wasche die Hand, berühre, besprenge und bestreue ihn mit Reis und weißem Senf: die Ortsreinigung.

15.82 Kupfer reinigt man mit Wasser und saurer Paste, Gold mit Wasser, Silber mit Herdruß oder Strohkohle,

15.83 Eisen mit Asche, Muscheln mit Salz, Fruchtschalen-Gefäße mit Erde und Wasser, Holzgefäße durch Abschaben.

15.84 Tongefäße reinigt man durch Brennen oder nimmt neue. Allgemein gilt: Belag und Geruch müssen beseitigt sein.

15.85 In Wasser mit Grasbündel, Duft und Blumen, geweiht durch Om, meditiere man das Mantralicht. Besprengen damit reinigt die Gegenstände.

15.86 Für alle Riten dient reichliches, klares, wohlschmeckendes, nicht salziges und nicht verunreinigtes Wasser aus Flüssen oder anderen geeigneten Quellen.

15.87 Metallbilder reinigt man wie Gefäße, Steinbilder mit Pulvern; Holz entsprechend, Gemälde durch Entfernung des Schmutzes.

15.88 Edelsteinbilder werden abgewischt, Mineralbilder wie Stein behandelt. Nach solcher Reinigung, geistiger Auflösung, Neuerschaffung und Gliederweihe

15.89 ist das bewegliche Bild rein; das fest eingesetzte wird durch Waschungen gereinigt. Kusha und ähnliche Dinge reinigt man durch Abwischen oder Waschen.

15.90 Der Kundige sitze auf einem Darbha-Sitz unterhalb der Kultstätte, Gras in der Hand, und reinige mit grasdurchsetztem Wasser und Mantrakraft

15.91 alles durch Besprengung, sich selbst durch Konzentrationen. Nyasa, Om und Darbha gelten als Mittel der Mantrareinigung,

15.92 ebenso Wiederholungszählung, Mudra und Meditation. Die Rede wird durch wahre, freundliche, hilfreiche Worte gereinigt, der Geist durch Erkenntnis und Zufriedenheit.

15.93 Für alle ist die eine Hingabe als reinigende Kraft zu erkennen. Man bringe Landblumen wie Oleander und Wasserblumen wie Lotus dar,

15.94 sofern sie zulässig, frisch und duftend sind. In Notlagen eignen sich gelbe oder weiße, von einem reinen Menschen gesammelte Blumen,

15.95 unwelk und nicht in einem Gewand herbeigetragen. Durchlöcherte, noch geschlossene, alte, herabgefallene oder ohne Gefäß verwahrte Blumen,

15.96 benutzte Reste, geruchlose oder mit Haaren und Insekten vermischte sowie auf Arka-Blättern liegende Blumen sind selbst in Notlagen zu meiden.

15.97 Wer verbotene Blumen berührt, soll erneut baden; ist dies unmöglich, reinige er sich durch Wasserschlürfen und verehre den Herrn.

15.98 Man selbst, die Ehefrau, ein Sohn oder Schüler sammle die Blumen mit reinen Händen, lege sie in ein gutes Gefäß, bedecke sie und stelle sie schattig ab.

15.99 Nachtblumen verwendet man nachts, Tagesblumen tagsüber; in Notlagen nach Verfügbarkeit. Die passende Zeit wird bevorzugt.

15.100 Auch geruchlose, ausdrücklich gelobte Blumen wie Mandara und gelber Korandaka sind zulässig; Girikarni und andere ausgeschlossene bleiben ausgenommen.

15.101 Blätter von Durva, Apamarga, Bhadra, Tulasi, Gandhapurna, Tamala, Ashvattha, Bilva, Shami, Kusha und Palasha,

15.102 ferner Dhataki, Brahmi und Bhringa gelten wie Blumen. Keimlinge von Gerste, Priyangu, Nishpava, Mungbohnen, schwarzen Bohnen und Kichererbsen,

15.103 gut gesammelt und mit unversehrten Spitzen, können fehlende Blumen ersetzen. Gartenblumen sind am besten, wild gesammelte mittelmäßig,

15.104 gekaufte geringer. Bei geschenkten fällt die Frucht dem Geber zu. Die anschließend genannten weißen und roten Duftstoffe verwende man einzeln oder gemischt. [Die Stoffnamen sind beschädigt.]

15.105 Auch bereitete, geeignete Duftmischungen ohne tierische Körperbestandteile sind möglich. Aus Sala-, Sarja- und weiteren Harzen sowie Holzduftstoffen

15.106 bereite man mit Ghee und anderen Zutaten Räucherwerk und bringe es in einem schönen Gefäß dar. Lampen brennen mit Öl oder Ghee, notfalls mit Holzöl.

15.107 Die Lampe besitzt einen Fadendocht und wird nicht mit dem Mund angeblasen. Aus dreimal gewaschenem, sauberem, nicht ausgeschwitztem Shali-Reis

15.108 bereite man Speise mit Ghee und Beilagen; dazu bringe man reife, unverdorbene, süße Früchte dar.

15.109 Fehlen diese Mittel, verehre man allein mit Blumen, mit Wasser oder im Geist.

Kapitel 16

16.1 Nun erkläre ich kurz die Reinigung des Bildes. Zuerst wähle man einen Acharya, danach lasse man die Riten ausführen.

16.2 Die göttliche Gegenwart wird zweifach verstanden: unbeweglich und beweglich. Das Bild ist die unbewegliche, der Acharya die bewegliche Gestalt.

16.3 Der Erhabene nimmt aus Mitgefühl für seine Verehrer die mit Vorschriften und Mantras vollzogene Verehrung beider an; auf diesem Weg wird Hari verehrt.

16.4 Der Kundige handle nur mit Zustimmung des Acharya. Durch dessen Verehrung wird der Gott zum Spender der Gaben.

16.5 Der Acharya sei durch Einweihung geweiht, friedfertig, gelehrt, frei von Zorn, kräftig, seinen Verpflichtungen treu, redegewandt und den Standes- und Lebenspflichten entsprechend.

16.6 Einen solchen wähle der Opferherr für Einsetzung und weitere Riten: frei von Krankheiten, von günstigem Erscheinungsbild und einsichtig.

16.7 Ein vedakundiger Hauslebender soll den Gott zur Vollendung einsetzen. Die Träger der göttlichen Gestalten seien von guter Herkunft, rein, geschickt, eingeweiht und tantrakundig,

16.8 hingebungsvolle, tüchtige, bescheidene Brahmanen. Im Tempel, Haus, am Flussufer, Kuhstall oder Baumplatz,

16.9 oder an einem anderen guten, vor ungeeigneten Zuschauern geschützten Ort, mit Kuhdung bestrichen und mit den fünf Kuhprodukten gereinigt,

16.10 lasse man den gebetenen Guru auf einem mit Tuch und Darbha bedeckten Sitz Platz nehmen, zusammen mit vier, acht oder zwölf Gestaltenträgern.

16.11 Man verehre sie ordnungsgemäß mit Fußwaschwasser und weiteren Gaben. Im Nordosten lege man ostwärts gerichtetes Kusha aus.

16.12 Der gereinigte Auftraggeber stelle dort Opfermittel und schöne Gefäße mit Grasbündeln unter Om bereit,

16.13 dazu Gewandpaare, Ohrringe und schönen Schmuck. Alles werde der Reihe nach mit durch Gras gereinigtem Wasser besprengt und offen aufgestellt.

16.14 Unter Om stelle man die Gefäße auf Grasbündel und bereite Arghya mit Kusha-Spitzen, Gerste, weißem Senf, Sesam, schwarzen Bohnen, Früchten und ungebrochenem Reis,

16.15 ergänzt durch Milch, Duft und Blumen. Fußwasch- und Mundspülwasser bereite man in zwei weiteren Gefäßen.

16.16 Erneut weihe man diese mit Wurzel- und Gliedermantras oder den Gestaltenmantras. Schweigend gebe man den Priestern Grasbündel als Sitze.

16.17 Mit Herz-Mantra wasche man ihre Füße mit gereinigtem Wasser, mit Haupt-Mantra gebe man Mundspülwasser, mit Scheitel-Mantra Arghya.

16.18 Mit den übrigen beiden gebe man Gewandpaare und Schmuck. Nach Verneigung und Verehrung bewirte man sie mit Milchreis und Ghee.

16.19 Der Guru trage Turban und habe Wasser geschlürft; man grüße und erfreue ihn und gebe nach Vermögen Gold und Weiteres, des Gottes gedenkend.

16.20 Auch den Opferpriestern gebe man Gaben, verneige sich, benenne die Aufgabe und wähle sie; dann verehre man jeden gesondert.

16.21 Nach freundlichen Worten und Verneigung bitte man: „Von mir verehrt und mit Ehrengeschenken erfreut,

16.22 vollzieht für mich Vishnus Opfer; ich bitte euch, seid mir gnädig.“ Dabei fasse man der Reihe nach ihre rechte Hand.

16.23 Der Acharya antworte: „Om, so werde ich handeln.“ Bei allen Opfern verehre man den Guru auf diese Weise sorgfältig.

16.24 Nach Verneigung und Darbringung des Ehrenwassers wähle man die Priester: kundige Eingeweihte für Tantra und Feueropfer,

16.25 reine Vedarezitierende und Mantrasprecher. Der Auftraggeber bestimme sie unter der Leitung des Acharya.

16.26 Von der Übernahme des Baugrunds bis zum Abschlussbad lasse er alles durch diesen ausführen und verehre ihn hingebungsvoll wie Hari.

16.27 Das sorgfältig geprüfte Bild lege man zunächst auf ein Lager; man übernehme es gegen Bezahlung und ehre die Handwerker.

16.28 Die zufriedenen Handwerker sollen die Augen ordnungsgemäß öffnen. Mit Om vollziehe man die Aufnahme der Welt in das Bild.

16.29 Unter gedehntem Om berühre man seine Füße. Zuerst wasche man es mit Wasser und reibe es ringsum mit Darbha ab.

16.30 Dann berühre man es mit Kuhschweifhaaren, bestreiche es mit Ghee und wasche es erneut. Im geweihten Feuer opfere man Reis mit Shami-Blättern,

16.31 je hundertmal mit den Weltenformeln von Bhur bis Satya. Denn Vishnu besitzt nach dem Viraj-Zeugnis der Shruti auch einen groben kosmischen Leib.

16.32 Durch dieses Opfer wird Vishnus Bild vollständig. Die Brahmanen sprechen Segensworte; man rezitiere das Shakuna-Sukta.

16.33 Mit Om lege man gesammelt Durva und ungebrochenen Reis auf sein Haupt, vollziehe Lichtverehrung und zeige Glückszeichen.

16.34 Am Nachmittag gehe der Guru mit den Gestaltenträgern zu einem Fluss, Teich oder schönen heiligen Wasserbecken,

16.35 ersatzweise zu einem wassergefüllten Gefäß. Er verehre Varuna und bereite einen gereinigten, abgeschirmten Uferplatz mit Bannern.

16.36 Auf dem Auflösungsweg nehme man das Bild geistig zurück und meditiere es feurig. Mit Darbha und Tüchern bedeckt lege man es auf ein Brett.

16.37 Unter Muschelhörnern, Trommeln und Siegesrufen betrachte man den Yoga-Sitz und senke das als Licht gedachte Bild ins Wasser.

16.38 Außen meditiere man die Richtungswächter und schütze mit den fünf Mantras. Das Bild liege mit dem Kopf nach Osten im Wasser.

16.39 Stein bleibt drei Nächte, Metall eine Nacht, Edelstein eine Nacht. Danach bade man, schlürfe Wasser und kleide und schmücke sich rein.

16.40 Mit den Gestaltenträgern komme man zum Tempel, umrunde ihn rechtsherum, vollziehe Nyasa und stehe rein im Süden, ostwärts gewandt.

16.41 Den gerade von den Handwerkern fertiggestellten Tempel reinige man sorgfältig und umwinde ihn ringsum mit Schnur und Darbha-Girlande.

16.42 Mit dem Blick des Waffen-Mantras betrachte man auch den Innenraum; nach Reinigung mit Kusha und Mantra besprenge und bedufte man ihn.

16.43 Ringsum streue man Senf, Reis und Durva, besprenge erneut mit dem Waffen-Mantra und klatsche dreimal.

16.44 Mit den fünf Kräften streue man Durva, Reis und Kusha-Spitzen. Sarja, Shriveshta, Lack, Lotus und weiße Lodhra-Früchte

16.45 dienen mit dem achtsilbigen Mantra ringsum als Räucherwerk, begleitet von Licht. Man stelle vollen Krug und Getreide auf und werfe die Blumenwaffe.

16.46 Unter dem rakshasavertreibenden Sukta besprenge man alles mit den fünf Kuhprodukten und dem Diskus-Mantra; der Boden sei mit Kuhdung bestrichen.

16.47 Auf einem Bodenaltar im Südosten beginne man ordnungsgemäß das Feueropfer mit den beiden „Rakshoha“ beginnenden Mantras und opfere Speise und Ghee.

16.48 Danach folgen achtzehn Verse von „Krṇuṣva“ an, fünf von „Ye devāḥ“ an, die „Jātavedas“ beginnenden und die Vyahritis.

16.49 Hundertacht Apamarga-Hölzer opfere man mit dem Diskus-Mantra und schließe mit Speise und Ghee ab.

16.50 In einem mit Tuch herbeigebrachten Gefäß mische man Opferasche, Ghee-Rest und Wasserrest mit Apamarga-Saft.

16.51 Die Mischung weihe man hundertachtmal mit dem Diskus-Mantra und besprenge damit unter Palasha- und Ashvattha-Zweigen den ganzen Tempel.

16.52 Unter „Krṇuṣva“ und weiteren Formeln streue man Gerste und Senf, klatsche dreimal und errichte geistig eine Feuermauer.

16.53 Nach weiteren achthundert Wiederholungen verehre man Diskus und Grube. Nach dieser Abwehr speise man nachts die Brahmanen.

16.54 Dasselbe Feuer setze man im Nordosten auf einem Reisaltar ein. Östlich davon stelle man auf einen mit Tuch bedeckten Bodenaltar einen Krug,

16.55 auf einem Bündel aus Kusha, Durva und Shami-Blättern, mit Wasser gefüllt und reinem Gold versehen; darin verehre man vorschriftsmäßig die Friedenskraft.

16.56 Fußwasser und weitere Gaben begleite „Śaṃ no devīḥ“; mit den beiden Vastu-Mantras opfere man gekochte Speise und Ghee.

16.57 Danach opfere man mit sechs Versen von „Vāstoṣpate dhruvā“ an, fünf von „Jāta“ an, der „Śaṃ naḥ“-Gruppe und den Vyahritis.

16.58 Mit demselben Vers opfere man Shami-Holz, Ghee und Speise; mit dem Wurzelmantra und Durva samt Kuhprodukten schließe man ab.

16.59 Opferreste gebe man vor dem Feuer auf Kusha; mit „Namo Rudra“ und „Tvaṃ vipra“ erfolge Besprengung mit Wasser und Ghee,

16.60 verbunden mit Friedenswasser. Gemeinsam mit den Gestaltenträgern verkünde man Segen, Reinheit des Tages und „Der Baugrund sei heilvoll“.

16.61 Danach bewirte man zwölf vorzügliche Brahmanen mit Milchreis. Im gereinigten Pavillon setze man die Veden von Rigveda an in die inneren Säulen ein.

16.62 An die Tore kommen geschmückte Bögen: aus Ashvattha der „Sehr schöne“, aus Udumbara der „Sehr glückliche“,

16.63 aus Nyagrodha der „Gut wirkende“, aus Plaksha der „Gut opfernde“. Unter „Syonā pṛthivī“ streue man Sesam mit Reis.

16.64 Unter „Ucchrayasva“ richte man sie auf und verehre rechtsherum. Die Bannerfarben sind gelb, rot, dunkelgrün, schwarz, weiß, schwarzweiß,

16.65 lotusfarben und bunt, in den acht Richtungen. Ihre Gottheiten sind Kumuda, Kumudaksha, Pundarika, Vamana,

16.66 Shankukarna, Sarvanetra, Sumukha und Supratishthita; diese verehre man als Bannerherren.

16.67 Jeder ist von unzähligen Scharen von Wesen umgeben. Vor jedes Tor stelle man zwei volle Krüge und verehre sie.

16.68 In Wasser mit Rubin und Koralle verehre man im Osten Purna und Pushkara; in Vaidurya- und Pushyaraga-Wasser Ananda und Nandana,

16.69 in Saphir- und Smaragdwasser Virasena und Sushena, in Perlen- und Kristallwasser Sambhava und Prabhava.

16.70 Zuerst geschehen Vastu-Verehrung, Torbogen- und Bannerverehrung, dann Besitznahme des Bodens und Weihe des Feuers.

16.71 Für die Richtungswächterkrüge werden die mit „Trātāram“, „Yad ulūka“, „Imaṃ me“ und „Santa“ beginnenden Verse genannt.

16.72 Rigveda-, Yajurveda-, Samaveda- und Atharvaveda-Kenner, mit dem Sinn der Dharma-Schriften vertraut, rezitieren in den Richtungen.

16.73 Kenner der Itihasas und ihrer Bedeutung sowie ausgezeichnete Brahmankenner stehen in den Ecken; entsprechend werden die Gestaltenträger den Feueropfern zugeteilt.

16.74 Jeder rezitiere sein Wissensgebiet und bleibe nachts gesammelt wach. Auf einem Svastika aus wurzelmantrageweihtem Getreide mit Ziegeln und Kusha

16.75 bereite man unter dem zwölfsilbigen Mantra das Lager. Acht Krüge stelle man der Reihe nach um den Sitz,

16.76 alle mit Wasser gefüllt, auf Getreidehaufen, mit Blattbüscheln an der Öffnung, Faden und Tüchern umwickelt.

16.77 Mit den einzelnen acht Silben verehre man sie durch Duft und Blumen. Man bereite den Yoga-Sitz und verehre bis zu seinen Kräften.

16.78 Rings um den Sitz streue man alle Getreide und Blumen; ringsum sind auch die Herren des Wissens zu verehren.

16.79 Im Osten Vishnu, im Süden Madhusudana, im Westen Trivikrama, im Norden Vamana,

16.80 im Südosten Shridhara, im Südwesten Hrishikesha, im Nordwesten Padmanabha, in der verbleibenden Ecke Damodara.

16.81 Nordöstlich des Sitzes stelle man ein Wassergefäß auf. Mit Turban und Obergewand, schweigend, filtere man Wasser

16.82 durch ein neues, fusselfreies, mantrageweihtes Tuch und fülle unter Om das Gefäß mit Blumenwasser.

16.83 Gefüllt verehre man es mit dem zwölfsilbigen Mantra und schütze es ringsum durch Baldachin und Abdeckung.

16.84 Man stelle Keimgefäße und Glückszeichen auf: Muschelhorn, Diskus, Banner, Shrivatsa, Spiegel, Stier,

16.85 Fischpaar und Krug heißen die acht Glückszeichen. Im Nordosten errichte man einen quadratischen Pavillon,

16.86 vier Ellen breit, mit vier Säulen und mittigem Sitz; darin stehen die Krüge mit den verschiedenen Waschmitteln.

16.87 Mit dem achtsilbigen Mantra opfere man hundertachtmal Ghee, berühre die Krüge mit Sampata-Ghee und weihe sie.

16.88 Mit „Hiraṇyavarṇāṃ hariṇīm“ und weiteren Versen geschehe dies der Reihe nach. Bei einer Einbildanlage bringe man das Kultbild hierher und bade es.

16.89 Wird nach der Edelsteineinlage ein modelliertes Hauptbild geschaffen, fertige man zusätzlich ein Metallbild für die beweglichen Ritualhandlungen.

16.90 Einsetzung, Nyasa und Mudras gelten dem Hauptbild; Bäder und die übrigen Handlungen erfolgen am Ritualbild.

16.91 Das im Wasser verweilte Haupt- oder Ritualbild werde herausgehoben und von vier Gestaltenträgern sorgfältig gehalten.

16.92 Mit Darbha in der Hand stehe der Kundige davor und spreche: „Verehrung dir, Kultbild, Herrin der Götter, Erscheinung des Weltschöpfers!

16.93 Verehrung dir wieder und wieder, Trägerin des ganzen entfalteten Alls! In dir verehre ich den makellosen Herrn Narayana.

16.94 Sei frei von Materialfehlern und stets mit Gedeihen erfüllt.“ Danach binde man ein Glücksband aus feinem Tuch mit weißem Senf

16.95 mittels Wollfaden an die rechte Hand. Mit Daumen und Ringfinger werde es unter dem „Jitaṃ te“ beginnenden Spruch befestigt,

16.96 siebenmal mit dem achtsilbigen Mantra gegen Hindernisse geweiht. Das schön bekleidete Bild bringe man auf dem Brahma-Trägergestell weiter.

16.97 Unter dem Shakuna-Sukta, mit Baldachin und Schmuck, setze man es unter „Trīṇi“ auf den Sitz und spreche „Bhadraṃ karṇebhiḥ“.

16.98 Unter „Tejo'si“ salbe man es mit Kuhghee, reinige mit Pulver und Wasser und bade es der Reihe nach

16.99 mit Erde, Pflanzenabsuden, Heilpflanzenwasser, heiligen Wassern und Kuhprodukten, einzeln und vermischt. Die Erde stammt von beiden Flussufern, Ameisenhügel,

16.100 Krabbenbau, Feld, Hornspitze und Opferbank. Shami, Palasha, Khadira, Bilva, Ashvattha und Vikankata

16.101 sowie Udumbara und Nyagrodha liefern die Absudbestandteile. Heilpflanzen sind Shankhapushpi, Priyangu, Vishnukranti und Shatavari,

16.102 Durva, Amrita, Kurkuma und Vacha. Dazu werden der Reihe nach „Hiraṇyavarṇāḥ śucayaḥ“ und „Samudrajyeṣṭhāḥ“ verwendet.

16.103 „Idam āpaḥ“ und „Imaṃ me“ begleiten die heiligen Wasser; Gayatri den Kuhurin, „Gandhadvārā“ den Kuhdung,

16.104 „Āpyāyasva“ die Milch, „Dadhikrāvṇaḥ“ die Sauermilch, „Tejo'si śukram“ das Ghee, „Devasya tvā“ das Kusha-Wasser.

16.105 Die fünf Kuhprodukte begleitet „Payasvatī“, das Duftwasser „Yāsām“, das anschließend gereichte klare Wasser „Āpo hi ṣṭhā“.

16.106 Mit dem Mantra des höchsten Herrn und dem vollständigen Gliedermantra bade man das Bild. Unter „Madhu vātā“ mische man Honig und Ghee in einem Metallgefäß.

16.107 Dann öffne man mit einer goldenen Nadel die Augen: eines unter „Citraṃ devānām“, das andere unter „Āpyāyasva“.

16.108 Der Auftraggeber gebe eine Kuh mit den Worten „Govinda sei erfreut“. Danach bade man das Bild auch aus den vier Eckkrügen.

16.109 Der erste enthält Zweige der genannten heiligen Bäume, darunter Champaka, Milchsaftbaum, Nipa, Mango, Bakula, Arjuna und Ashoka; dazu erklingt „Haṃsaḥ śuciṣat“. [Die Anfangsglieder der Pflanzenliste sind unsicher.]

16.110 Der zweite enthält Padmaka, Rochana, Durva, Darbha, weißen Senf, die Sandelholzarten, Jati, Avarta und Kunda; dazu „Viṣṇor arāṭam“.

16.111 Der dritte enthält Gerste, Reis, Sesam, Gold, Silber, Erde von beiden Ufern und Kuhdung ohne Bodenberührung; dazu „Somaṃ rājānam“.

16.112 Der vierte enthält die genannten Heilpflanzen, darunter Amrita, Kranti, Saha, Bhringa und Shyamaka; damit bade man unter „Viśvataścakṣuḥ“. [Einzelne Pflanzennamen sind beschädigt.]

16.113 Dann lade man den gelbgekleideten Hari ein: „Komm, komm, erhabener Vishnu, der du den Welten Gnade erweist!

16.114 Empfange diesen Opferanteil, Vasudeva, dir wiederholte Verehrung!“ Mit dem Wurzelmantra gebe man Fußwasser, Mundspülwasser und Arghya.

16.115 Zwei neue Gewänder und den Reinigungsring gebe man mit dem achtsilbigen Mantra, die goldene heilige Schnur mit der Vishnu-Gayatri.

16.116 Schmuck gebe man mit dem zwölfsilbigen Mantra; danach Lichtverehrung mit Duft, Blumen und ungebrochenem Reis.

16.117 Man verehre mit Girlanden, Räucherwerk, Licht, Früchten, Rochana, Augenschminke, Sandalen, Fächer, Schirm und Honigtrank.

16.118 Mit dem Wurzelmantra gieße man einen Wasserstrom über seine Füße und reiche erneut Mundwasser, Räucherwerk, Mundduft und Spiegel,

16.119 Salbe, Girlande und eine Handvoll Blumen. Nach Samaveda-Gesängen spreche man den reinigenden Lobpreis.

16.120 Der Mantrakundige vollziehe mit Vishnuverehrern die Tagesheiligung; ihnen gebe man Sesam und vorschriftsmäßige Ehrengeschenke.

16.121 Gesammelt gedenke man hingebungsvoll Purushottamas. Danach bringe man das Bild zum Lager.

16.122 Unter dem Purusha-Sukta, Muschelhörnern und Trommeln lege man es mit dem zwölfsilbigen Mantra darauf.

16.123 Zuletzt spreche man „Dieser ist jener“ und „Herr aller Yogas, Om“, wiederhole das achtsilbige Mantra und stelle die Glückszeichen auf.

16.124 Am Kopfende stelle der Kundige ein goldenes Gefäß voll Ghee, am Fußende ein silbernes voll Honig auf,

16.125 rechts ein kupfernes mit Milch, links ein Metallgefäß mit Friedenswasser,

16.126 davor als fünftes ein Tongefäß mit den fünf Kuhprodukten. Diese berühre man nacheinander mit den Mantras von Parameshthin an.

16.127 Der kundige Guru bereite in den vier Richtungen Feuergruben: quadratisch, bogenförmig, rund und dreieckig.

16.128 Sie liegen ringsum eine Elle vom Sitz entfernt, messen je eine Elle, sind halb so tief und besitzen drei Randstufen.

16.129 Nach Linienziehen und Vorbereitung übertrage man das geweihte Feuer aus der Acharya-Grube in die übrigen.

16.130 Dort entfallen die Geburtsweihen; nach Prakriti-Nyasa und den Feueranfangsriten der jeweiligen Vedaschule opfere man Speise mit Gayatri.

16.131 Im östlichen Feuer verehre man das Herz, im südlichen das Haupt, im westlichen den Scheitel, im nördlichen den Schutzpanzer.

16.132 Für Auge und Waffe erfolgt hier kein Opfer; alternativ gelten die Gestaltenmantras. Man opfere Brennholz, Ghee, Opferspeise, Puffreis, Senf, Gerste, Sesam,

16.133 Reis und erneut Ghee in allen Gruben. Der Acharya opfere mit dem Wurzelmantra achttausendmal,

16.134 oder hundertachtmal; nach jeweils hundert Gaben gebe er eine Vollopfergabe. [Der Anschluss der beiden Zahlen ist in der Vorlage knapp; sie werden nicht zu einer einzigen Zahl zusammengezogen.]

Kapitel 17

17.1 Nun erläutere ich die vorzügliche vorbereitende Weihe, durch die Hari im Kultbild dauerhaft gegenwärtig wird.

17.2 Man stelle beide Hände durch das Waffen-Mantra verbrannt und als neue, prinzipienerfüllte Hände vor; die Daumen entsprechen Om, die Fingerglieder den Vokalen.

17.3 Die Handflächen tragen Bindu, die Rückseiten Visarga. Rechts und links setze man die Konsonanten gesondert ein, Nada in die Daumen.

17.4 Nach Ausatmen und Einatmen trete der Mantrakundige der Reihe nach in die Hülle des Wissens ein.

17.5 Den aus Elementen bestehenden, mit Verdienst und Verfehlung verbundenen Leib meditiere er durch die jeweiligen Bijas ausgetrocknet, verbrannt und überflutet.

17.6 Sich selbst stelle er als Bindu im Raum vor. Wie aus einem bewässerten Samen ein Keim hervorgeht,

17.7 so meditiere er seine göttliche Hervorbringung als Om. Die Weisen erkennen darin die dreifache Prakriti mit den acht Formen der Buddhi.

17.8 A und Ā entsprechen Buddhi, I und Ī dem Ichbewusstsein, die folgenden beiden dem Geist, die übrigen Vokale den fünf Prinzipien vom Raum an.

17.9 Selbst, Leben, Bauch, Gehör, Zunge, Nase, Auge und Haut werden den Lauten zugeordnet; Zisch- und Halbvokale, Kopf, Arme und Unterschenkel folgen gruppenweise. [Die Satzglieder sind teilweise beschädigt.]

17.10 Die Ka-Gruppe bildet sämtliche Finger: So ist der grobe Leib. Auf einem Sonnenlotus meditiere man den Herrn der Sprache mit der Göttin der Sprache,

17.11 Hari als achtarmiges, von allen Kräften erfülltes Mantra, leuchtend wie tausend Sonnen, selbst für Götter und Asuras schwer anzuschauen.

17.12 Man stelle vor, wie er durch die Scheitelöffnung in den Leib eintritt, und setze Wurzelmantra und Glieder der Reihe nach überall ein.

17.13 Sich als allgegenwärtigen, allwissenden, unvergänglichen Vishnu betrachtend, vollziehe man voller innerer Beteiligung seine vorbereitende Weihe.

17.14 Das auf das Bild bezogene Lebensprinzip, durch Tara vergegenwärtigt, hole man herbei und eine es meditativ mit sich. Erde und die übrigen Prinzipien nehme man zurück.

17.15 Ausgetrocknete, verbrannte und überflutete Erde geht in Wasser, dieses in Feuer, dieses in Luft, diese in Raum auf; das fünfelementige All meditiere man im Raum aufgelöst.

17.16 Dies führe man durch Geist, Ichbewusstsein, Buddhi und Maya zum Herrn Taras. Er ruht in seiner unentfalteten Maya und will neu erschaffen.

17.17 Als Nada erschafft er vollständig die fünf Kräfte von Parameshthin an. Vishnu selbst ist Om; in den Lauten von Na an liegen die Gestalten

17.18 Vasudeva und die weiteren schönen Formen sowie die fünf Elemente vom Raum bis zur Erde. Dies ist der grobe Leib des sechsfachen Vishnu.

17.19 Aus Aniruddhas Lotus entsteht der erdhafte Prajapati. Weil er aus dem zur Schöpfung entfalteten Vishnu hervorgeht, heißt er Aja.

17.20 Zuerst erschafft er das Wasserprinzip, danach das erdhafte Weltenei. So entsteht die Schöpfung aus vierzehn Welten.

17.21 Das Bild meditiere man als dieses helle, goldene, fünfelementige Ei; selbst als Vishnu vergegenwärtigt, übertrage man das bewahrte Lebensprinzip hinein.

17.22 Vishnu als Tara und Lebensselbst wird durch die fünf Kräfte, Alphabet-, Wurzel- und Glieder-Nyasa zur vollständigen achtarmigen Gestalt.

17.23 Man lege das Bild aufs Lager, opfere Ghee und vollziehe den sechzehnfachen Nyasa. Ohne vorausgehendes Opfer ist Nyasa hier nicht vorgesehen.

17.24 Om, Vyahritis, Alphabet, Gestirne, Zeit, Stände, Wasserbereiche, heilige Überlieferung, kosmischer Leib, Gottheiten, Opfer, Eigenschaften und Waffen,

17.25 danach Kräfte, Mantras und Leben bilden den sechzehnfachen Nyasa. Zuerst opfere man mit Om, gegliedert in seine drei Lautmaße.

17.26 Brahma, Keshava und Rudra setze man in Füße, Herz und Haupt; dazu opfere man der Reihe nach achthundert Gaben.

17.27 Mit den drei Vyahritis erfreue man die drei Welten. Danach opfere man mit dem Alphabet von A bis Ksha.

17.28 Die offenen Vokale werden Gaumen, Mund, Augen, Ohren, Zähnen, Lippen, Kopf und Zunge, die geschlossenen den Nasenöffnungen und Wangen zugeordnet. [Die Lautgruppenbenennung ist mehrdeutig.]

17.29 Weitere Zuordnungen betreffen Nabel, Herz, Hüfte, Bauch, Ohren, Zähne, Nasenspitze, Auge und Haut, ferner Kopf, Arme, Unterschenkel und Finger.

17.30 Nach Opfern für Mondhäuser, Planeten und Sterne setze man sie in die Glieder. Die Planeten gehören Augen, Brust, Geist, Sprache, Samen, Stirn, Füßen und Haaren.

17.31 Die Mondhäuser von Rohini an werden nach entsprechenden Opfern in Herz, Kopf, Haar, Stirn, Mund, Nase und Zähnen eingesetzt,

17.32 dann Ohren, Armen, Händen, Brüsten, Bauchseiten, Hüfte, Augen, Geschlecht, Hoden, After, Schenkeln und Unterschenkeln,

17.33 schließlich Füßen; die Folge endet mit Krittika. Dhruva steht im Nabel, die sieben Seher in der Kehle.

17.34 Der Kreis der Muttergottheiten liegt an der Hüfte, die drei Schritte an den Füßen; die Waldgirlande ist die himmlische Bahn.

17.35 Sternscharen sind seine Haare, Agastya der Kaustubha-Edelstein. Zuerst verehre man Hari als Zeit, dessen Leib das Jahr ist.

17.36 Die zwölf Monate von Chaitra bis Phalguna liegen in Kopf, Mund, Herz, beiden Brüsten, Bauch, Hüfte, Schenkeln, Unterschenkeln und Füßen. [Die paarigen Stellen sind in der Zählung komprimiert.]

17.37 Die vier Jahresbezeichnungen Utsara-, Anu-, Pari- und Samvatsara entsprechen seinen vier Armen. [Die erste Bildung ist in der Vorlage ungewöhnlich.]

17.38 Festtage sind seine Gelenke, Jahreszeiten seine Glieder, Tage und Nächte seine Knochen, kurze Augenblicke seine Haare.

17.39 Die vier Weltalter von Krita an liegen in Gesicht, Herz, Hüfte und Füßen; die Manvantaras verteile man auf die Arme.

17.40 Die beiden Parardhas sind die Unterschenkel, der große Kalpa das Haupt, die Sonnenhalbjahre die beiden Füße: So besteht seine Zeitgestalt.

17.41 Brahmanen und die übrigen Stände liegen in Mund, Armen, Schenkeln und Füßen; gemischte Herkunftsgruppen in den Zehen.

17.42 Die höher eingestuften gemischten Gruppen liegen in den Gelenken. Kühe gehören zum Mund, Ziegen und Schafe zu den Brüsten.

17.43 Einhufer liegen in den Füßen, Haus- und Wildtiere in den Schenkeln. Wolken entsprechen Haupt- und Körperhaaren.

17.44 Flüsse bilden seine Glieder, Meere ruhen im Bauch. Opfer sind sein Haupt, Rigveda sein rechter Arm,

17.45 Samaveda der linke, sämtliche Upanishaden sein Herz, Itihasas und Puranas seine Unterschenkel, Yajurveda seine Brust.

17.46 Atharvaveda ist sein Nabel, Kalpa-Sutras seine Füße, Lautlehre und Grammatik sein Gesicht, Logik seine Kehle.

17.47 Mimamsa und Nirukta liegen im Herzen, Metrik und Astronomie in den Augen, Garuda- und Geistertantras in den Ohren.

17.48 Bogenkunde und Ayurveda befinden sich in den Händen, Yogaschriften im Herzen, Staats- und Lebensführungsschriften in den Füßen.

17.49 Gesang ist die Rede, Tanz liegt in den Händen, Künste und Wissenschaften in den Haaren. Himmel ist das Haupt, Mond und Sonne die Augen, Lebenswind die Nase.

17.50 Raum liegt im Nabel, Meere in der Blase, die ganze Erde in den Füßen. Hiranyagarbha setze man ins Haupt, Schlangen in die Haare.

17.51 Rudra in die Stirn, den Tod in die Brauen, die Ashvins in die Ohren, Vaishvanara in den Mund, Sarasvati in die Zunge,

17.52 Rudras in die Zähne, Vasus in die Kehle, Adityas in die Augen, Indra und Bali in die Arme, Prahlada in die linke Brust,

17.53 Vishvakarman in die rechte, Narada in den Bauch, Ananta in dessen linke Seite, Varuna in die Blase,

17.54 Mitra in den After, Garuda in die Hüfte, Allgötter und Schlangen in die Schenkel, Ahnen in die Knie, Yakshas in die Unterschenkel, Rakshasas in die Knöchel,

17.55 Pishachas in den Vorderfuß, Vidyadharas in die Fersen, planetarische Mächte in die Sohlen, Jambhaka und Putana-Wesen in die Nägel.

17.56 Die Finger sind Apsaras; Karttikeya und Ganesha liegen an der Hüfte, Gandharvas an den Lippen, alle übrigen Wesen am Rücken.

17.57 Matsya setze man ins Haupt, Kurma in die Füße, Varaha in die Unterschenkel, Narasimha in die Stirn, Vamana ins Gesicht.

17.58 Die Rama-Gestalten und Krishna liegen in Nabel, Herz, Hüfte und Geschlechtsbereich, Kalkin an den Knien, Nara und Narayana an den Füßen.

17.59 Den Tausendarmigen setze man in die Arme. Das Pferdeopfer ist sein Haupt, das Menschenopfer seine Stirn,

17.60 Rajasuya sein Gesicht, Gosava seine Kehle, das zwölftägige Opfer sein Herz, Ahina sein Nabel,

17.61 Vishvajit und Vishvamedha seine Hüfte, Agnishtoma sein Geschlecht, Atiratra seine Hoden,

17.62 Aptoryama seine Schenkel, Shodashin seine Knie, Ukthya und Vajapeya seine Unterschenkel, das Feuer seine Füße.

17.63 Die Viermonatsopfer setze man in die Arme, Sautramani in die Handfläche, das Tieropfer in die Finger.

17.64 Neumond- und Vollmondopfer sind die Augen, kleinere Opfer seine Haare; Svaha und Vashat liegen an den Brüsten.

17.65 Die fünf großen Opfer sind die Finger, das Ehrengeschenk sein Herz, Darbha sein Haar, das Gewand seine Haut.

17.66 Ahavaniya-Feuer ist sein Mund, die anderen Feuer Herz und Nabel; Pravargya ist sein Schmuck, die drei Opferzeiten seine drei Bewegungen.

17.67 Speise- und Gabenopfer sind die Zehen, die Ghee-Anteile die Augen, die Opferbank die Hüfte, die Opfergabe der Mund.

17.68 Zuerst erfreue man seinen Eigenschaftsleib durch Feueropfer. Den zehnfachen Dharma setze man ins Haupt,

17.69 achtfache Erkenntnis ins Herz, neunfaches Nichtanhaften in den verborgenen Bereich, achtfache Herrschaft in die Füße: So ist sein Eigenschaftsleib.

17.70 Muschelhorn, Diskus, Keule und Lotus werden allgemein eingesetzt; besondere Waffen entsprechend den jeweiligen Gestalten und Tantra-Vorschriften.

17.71 Shanti liegt im Herzen, Shri an der Stirn, Sarasvati im Mund, Rati im Geschlechtsbereich, Priti in den Unterschenkeln, Kirti ringsum.

17.72 Tushti liegt im Bauch, Pushti im ganzen Leib: der Shakti-Nyasa. Der aus Silben und Gliedern bestehende Mantra-Nyasa wurde bereits erklärt.

17.73 Shrivatsa setze man in die Brust, Kaustubha in den Nabelbereich, die Waldgirlande um den Hals: Dies heißt Zeichen-Nyasa.

17.74 Von unterhalb des Nabels erhebe man das Lebensprinzip mit seinen Erkenntniswerkzeugen und durchdringe das Bild mit feinem Leib und den fünf Lebenskräften,

17.75 verbunden mit Herrschaft, Dharma, Erkenntnis und Nichtanhaften; sein ausstrahlendes Licht erfüllt sämtliche Richtungen.

17.76 Es leuchtet wie tausend Sonnen, steigt durch Ida zur Scheitelöffnung, verweilt kurz an der Stirn und tritt nach innen ein.

17.77 Dort ordne man die zehn Lebenskräfte zu. Durch die Öffnung des Lotuszentrums trete man in den Herzenslotus ein,

17.78 und setze nach den fünf Funktionen Prana und die übrigen ein: Prana zwischen Füßen und Nase, Apana rückwärts,

17.79 Vyana überall, Udana aufsteigend über dem Bauch, Samana in Nabel und Herz; danach die fünf Nebenwinde von Naga an.

17.80 Die achtfache feine Stadt setze man ins Herz, darin Purushottama: gnädig, mild, allwissend und allseitig gewandt.

17.81 Durch diese Meditation wird das Bild sogleich belebt. Während der vorbereitenden Weihe geschieht dies noch nicht; dort werden nur fünfzehn Nyasas vollzogen.

17.82 Die Belebung erfolgt erst, wenn Madhusudana eingesetzt ist. Wer das Verfahren des Lebens-Nyasa nicht durch Unterweisung kennt,

17.83 gilt nach diesem Text nicht als Acharya und soll wie ein unbefugter Dieb zurückgewiesen werden. Zugleich weihe man den Bildsockel für die Nacht.

17.84 Höre aufmerksam dessen Nyasa-Folge. Zuerst reinige man ihn mit Darbha, Erde, Rindenabsud, Kuhprodukten und Wasser.

17.85 Der Kundige weihe darin Prakriti als Sockelgestalt. Er setze das Alphabet ein und meditiere es als Shakti.

17.86 Om liege in der Mitte, darum die sechzehn Vokale, außen die Konsonanten rechtsherum vom Parjanya-Bereich an.

17.87 Dort setze man den Lotus und darin die Kräfte ein. Mit dieser Kraft verbunden schenkt der Herr stets Gnade.

17.88 Auf ihr ruhend wird Hari, das unvergängliche höchste Selbst, verehrt. Die Göttin verehre man mit Fußwasser, Duft und Bali,

17.89 bekleide sie mit neuen Gewändern und stelle sie als Lakshmi vor. Der Acharya vollziehe die Opferfolge bis zu den acht Kräften.

17.90 Danach folgen Sitz, Kraft und Tempel; deren Prinzipien-Nyasa wurde bereits zuvor erklärt und hier in Erinnerung gerufen.

17.91 Den Tempel gestalte man meditativ als Purusha und verehre ihn danach mit schönen Duft- und Blumengaben.

17.92 Auch den gereinigten Brahma-Stein weihe man für die Nacht. Auf dem neutral klassifizierten Stein erfolgt der Nyasa des Ananta-Sitzes.

17.93 Das grammatisch neutrale höchste Brahman heißt der Träger aller. Man zeichne hier mit fünffarbigem Reis ein Mandala,

17.94 quadratisch, mit vier Toren und Lotus in der Mitte. Zuvor vollziehe der vorzügliche Lehrer die Gliederweihe des Bildes,

17.95 nach Haupt- und Nebengliedern, wie seine eigene Ritualüberlieferung lehrt, und verehre den Gott samt Gliedern mit Duft und Blumen,

17.96 Schmuck und Speisen nach verfügbaren Mitteln. Im Mandala verehre der Kundige Adhokshaja samt Gliedern.

17.97 Er stelle dort dieselbe Gestalt vor, die im Bild eingesetzt wurde. Achyuta verehre er mit Gliedern und Gefolge,

17.98 opfere ordnungsgemäß im Feuer und gebe dem Gefolge Bali: „Die ursprünglichen und durch Karma entstandenen Wesen im Osten

17.99 mögen freundlich und zufrieden diese Gabe empfangen.“ Entsprechend verfahre man im Süden, Westen und Norden.

17.100 Duft, Blumen, Räucherwerk, Licht, Speise und Wasser gebe man der Reihe nach; ebenso Bali in den Zwischenrichtungen.

17.101 „Die in Bäumen, auf Berggipfeln und in den Zwischenrichtungen wohnen, auf Erden oder im Raum, mögen diese Gabe empfangen.

17.102 Vinayakas, Feldhüter und alle weiteren, die Bali erwarten, sowie das Gefolge in den Richtungen mögen diese Gabe annehmen.“

17.103 So bringe man die Gaben bei rechtsläufiger Umrundung dar. Nach Wasserschlürfen, Eintritt und Nyasa sei man gesammelt.

17.104 Mit den Vyahritis opfere man zur Befriedung und berühre den Gott: nach Ghee mit Bhur seine beiden Füße,

17.105 nach Sauermilch mit Bhuvah den Nabelbereich, nach Milch mit Svah das Herz,

17.106 nach Honig mit Bhur Bhuvah Svah das Haupt; zuletzt nach allen Stoffen mit dem Wurzelmantra den ganzen Leib.

17.107 Jeweils acht Gaben sind für diesen Befriedungsritus bestimmt. Die Berührung geschieht mit dem jeweiligen Stoff im kleinen Opferlöffel.

17.108 Nach jeder Stoffberührung verehre man mit Duft und Blumen; vor dem nächsten Stoff wasche man den Löffel.

17.109 Vier friedliche Kühe mit Kälbern stelle man angebunden beim Südtor mit Blick nach Norden auf.

17.110 Unter den Namen Ganga, Yamuna, Goda und Sarasvati verehre man sie der Reihe nach mit Duft und Blumen.

17.111 Mit der Vishnu-Gayatri melke man sie, koche die Opferspeise, bringe sie dar und gebe zuletzt Bali.

17.112 Nördlich des Pavillons bewirte man zwölf hingebungsvolle Brahmanen mit Milchreis; Gold dient als Ehrengeschenk.

17.113 Die Kühe schenke man dem Guru mit den Worten „Vishnu sei mir wohlgesinnt“. Danach halte man die Nachtwache.

17.114 Muschelhörner, Instrumente, Tanz, Gesang und Erzählungen aus Itihasas und Puranas sollen die Nacht erfüllen.

17.115 Am Morgen eines günstigen Tages und Wochentags, bei heilsamem Tierkreisaufgang, setze der Kundige das Bild zur vom Zeitkenner bestimmten Stunde ein.

Kapitel 18

18.1 Nun erläutere ich kurz die vorzügliche Einsetzung. Nach dem Vastu-Opfer erfolgt sie zur bestimmten Stunde.

18.2 Nach dem glückverheißenden Ahnenritus bewirte man nach Vermögen sechs, acht oder zwölf friedfertige Brahmanen, insbesondere Vishnuverehrer.

18.3 Man schenke Gewänder, Ringe und Gold nach seinen Möglichkeiten und lasse den ganzen Tempel reinigen.

18.4 Besonders das Innere reinige man sorgfältig mit Darbha-Besen und besprenge es mit wurzelmantrageweihten Kuhprodukten und Duftwasser.

18.5 Rings um den Tempel errichte man quadratische Sandaltäre für die Feueropfer.

18.6 In den acht Richtungen stelle man acht Krüge auf, mit Blumenwasser gefüllt, Deckeln und Blattbüscheln versehen.

18.7 Der Innenraum werde sieben mal sieben gegliedert. Die Felder Brahmas, der Götter, Menschen und Pishachas

18.8 liegen von der Mitte aus nacheinander ringsum. Eine weitere Maßfolge nennt für Brahma fünfzehn, für die Götter dreizehn Teile,

18.9 für die übrigen elf und neun, von hinten bemessen. Drei Verschiebungen werden unterschieden: rückwärts, nordwärts und nordostwärts. [Der Bezug beider Rastersysteme bleibt unklar.]

18.10 Nach Material und Gestalt bestimme man vorschriftsmäßig die Plätze stehender, sitzender und liegender Bilder.

18.11 Im Brahma-Bereich lasse man Mitte und zweiten rückwärtigen Platz frei; für ein einzelnes stehendes Hauptbild ist der dritte vorgesehen.

18.12 Die Türbreite werde dreifach und weiter in einundzwanzig Teile gegliedert; die Orientierungsschnur liegt um ein halbes Mittelmaß nordwärts versetzt. [Die technische Teilungsfolge ist elliptisch.]

18.13 Von der westlich-nördlichen Verbindung ziehe man eine Diagonale und verschiebe das Bild um ein oder zwei Gerstenkornmaße nach Nordosten.

18.14 Wird das stehende Bild außerhalb des Brahma-Bereichs eingesetzt, bedroht dies nach dem Text Gebietsherrn und Einsetzenden.

18.15 Auch die Handlung wäre fruchtlos; deshalb messe man sorgfältig. Die sitzende Form darf etwas in den Menschenbereich hineinreichen.

18.16 Die liegende Form umfasst Götter- und Menschenbereich. Liegt der Verehrungssockel im Brahma-Bereich und die Einsetzung im Götterbereich,

18.17 stehen die Begleiter im Menschenbereich, die Waffen im Pishacha-Bereich. Man bereite den Fußsteinplatz rund oder quadratisch.

18.18 Unter dem Fußsockel setze man den Brahma-Stein ein: „Du bist die höchste Kraft, du trägst den Sitz.

18.19 Auf Gottes Geheiß bleibe stets hier, Göttin!“ Zuvor verehre man sie mit Duft und Blumen und trage diese Bitte vor.

18.20 Die Erde meditierend setze der Lehrer den Stein in die Grube: „Du, in der Bewegliches und Unbewegliches ruht, unerschöpflicher Schatz der Edelsteine,

18.21 bleibe hier fest als Brahma-Stein, Erde!“ Nach der Einsetzung verehre man sie erneut mit Duft und Blumen.

18.22 Dann vollziehe man die Edelsteineinlage nach Vorschrift. Vier abgestufte Vertiefungsbereiche werden der Reihe nach angelegt.

18.23 In acht Richtungsstellen und der Mitte setze man Samen, Edelsteine, Mineralien, Metalle und Waffenzeichen ein.

18.24 In Brahmas Mitte werden alle Stoffe vereint. Die als acht Herrschaftskräfte bekannten Eigenschaften Vishnus

18.25 meditiere man beim Einlegen als die in den Richtungen befindlichen Edelsteine. Ihre Bijas stehen in der betreffenden Lautfolge zwischen Wind- und Raumlaut. [Die verschlüsselte Angabe bleibt unaufgelöst.]

18.26 Von Osten an folgen Herrschaft und die weiteren Kräfte. In der Mitte ist Om, der Purusha mit allen acht Eigenschaften.

18.27 Die Grube reinige man mit den fünf Kuhprodukten und dem achtsilbigen Mantra, besprenge sie mit Duftwasser und dem zwölfsilbigen.

18.28 Nördlich des Tempels vollziehe man das Feueropfer. Gewöhnliches Feuer bringe man in einer neuen Schale herbei,

18.29 weihe es als Vishnu-Feuer und opfere darin tausendmal Ghee mit dem achtsilbigen Mantra.

18.30 Danach opfere man tausend Brennhölzer mit dem zwölfsilbigen Mantra, Ghee mit Gayatri und berühre die Edelsteine.

18.31 Alternativ werden tausend oder achthundert Ghee-Gaben allein mit Gayatri genannt und als obere, mittlere und geringere Ausführung bezeichnet. [Die Zahlenabstufung ist unvollständig überliefert.]

18.32 Mit ihr berühre man die Edelsteine und lege sie in die Vertiefungen. Material und Hohlraum sollen einander entsprechen.

18.33 Nötigenfalls passe der Guru die Vertiefung dem Material an. Mit den einzelnen acht Silben setze man der Reihe nach

18.34 Gerste und die übrigen Samen in die Richtungen, weißen Senf in die Mitte; Diamant und die übrigen Edelsteine außen, Rubin in die Mitte.

18.35 Realgar und weitere Mineralien sowie Quecksilber folgen, Gold und die übrigen Metalle in die acht Richtungen, ein goldener Lotus in die Mitte.

18.36 Mit Vishnu-Gayatri berühre man die Grube samt Ehrengabe. Fehlen die vorgesehenen Samen und anderen Stoffe,

18.37 ersetze man sie entsprechend durch Reis, Perle, Auripigment und Gold. Zuvor verkünde der Mantrakundige mit Vishnuverehrern die Tagesheiligung.

18.38 Nach der Edelsteineinlage setze man den Sockel ein und bringe das Vishnu-Feuer mit dem Wurzelmantra in den Nordosten.

18.39 Man opfere tausend oder hundertacht Palasha-Hölzer, danach Ghee mit der Vishnu-Gayatri,

18.40 ferner nach Vermögen Ghee mit Gestalten-, Kraft- und Gliedermantras. Danach sammle man das Friedenswasser.

18.41 Die kundigsten Vishnu-Mantrapriester verteilen das Feuer; in den acht Richtungen opfern sie Brennholz mit dem Wurzelmantra.

18.42 Genannt werden Palasha, Khadira, Ashvattha, Plaksha, Nyagrodha, Kashmari, Rohita, Bilva und Udumbara.

18.43 Die Hölzer sind zwölf Finger lang, etwa kleinfingerdick; jeweils achttausend werden genannt.

18.44 Nach dem Richtungsopfer sammle man Friedenswasser aus allen Krügen in einem Vishnu zugehörigen Kupfergefäß.

18.45 Der Lehrer weihe es hundertmal mit dem Wurzelmantra und fülle es rechtsherum unter den einzelnen acht Silben.

18.46 Nach Verehrung mit Om, Duft und Blumen nehme er es in die Hände, bedeckt und in Tuch gehüllt.

18.47 Darin meditiere er den höchsten, lichtgestaltigen, makellosen Vishnu und gieße unter Om über den Kopf des Ritualbildes.

18.48 Nach dem Gießen des alle Pilgerstätten enthaltenden Wassers entferne man die bisherigen Gewänder und bekleide das Bild mit zwei neuen.

18.49 Nach Verehrung mit Duft und Blumen entsprechend den Mitteln erhebe man es unter „Stehe auf“ und Muschelhorn- und Trommelklang.

18.50 Mit den Gestaltenträgern bringe der Guru das Bild rechtsherum um den Tempel, begleitet vom „Ato devāḥ“ beginnenden Sukta.

18.51 Am Tor reiche man Ehrenwasser; zur günstigen Stunde führe der vorzügliche Lehrer das Bild sorgfältig hinein.

18.52 Es darf dabei weder unten noch oben anstoßen. Nach rechtsläufiger Umrundung des Sockels setze man es mit dem Sarva-Mantra ein.

18.53 Der Mantrakundige meditiere den höchsten, ungegliederten Vishnu und setze ihn zur guten Stunde als Wesen aller Prinzipien ein.

18.54 „Zum Segen der Welt werde hier fest gegenwärtig und schenke uns Glück. Lass deine Gegenwart Tag für Tag wachsen, Gott!

18.55 Möge hier keine Feindschaft unter den Menschen entstehen; möge der Auftraggeber gedeihen. Möge das Land mit seinem Herrscher frei von allen Bedrängnissen

18.56 in Sicherheit, unvergleichlichem Wachstum und unvergänglichem Glück leben.“ Danach rezitiere man vor ihm „Viśvataścakṣuḥ“.

18.57 Man vollziehe die Belebung mit den fünf Upanishad-Mantras, opfere vorschriftsmäßig zur Befriedung und begieße den Gott.

18.58 Zuerst meditiere man Vishnu ungegliedert, dann gegliedert. Raum sei seine Gestalt, Erde sein Sockel.

18.59 Aus Lichtatomen bilde man seinen Leib und meditiere ihn lichtvoll mit Muschelhorn, Diskus und Keule.

18.60 Der Mantra-Nyasa folgt nach Schöpfung, Erhaltung und Auflösung. Dann meditiere man den gegliederten Herrn aller Glieder lichtgestaltig.

18.61 Mit Om halte man seine Gegenwart fest: vollständig mit Sinnesorganen, allen Kräften und schönen Gliedern versehen,

18.62 leuchtend in gelbem Gewand, Krone und Schmuck, mit strahlenden Waffen. Nach Gliederweihe verehre man ihn samt Gliedern und Umkreisen.

18.63 Man zeige die Mudra und verneige sich ausgestreckt am Boden. Brahma und die übrigen Begleiter sowie Waffen setze man mit ihren Namen ein.

18.64 Nach Verehrung zeige man die jeweiligen Mudras und ehre die Gefolgswesen gesondert. Dem Gott verneige man sich mit Anjali.

18.65 Mit seiner Zustimmung wiederhole man das Wurzelmantra achthundertmal. Dann trete man hinaus, ihm zugewandt, mit Blumen und Wasser.

18.66 Am Tor setze man Chanda und Prachanda, die beiden göttlichen Torhüter, mit ihren Namen und Namah ein und gebe Bali.

18.67 Garuda, Ananta, Ganesha, den südlichen Herrn und die Richtungswächter setze man ein; auch Vishvaksena werde verehrt.

18.68 Bei einem modellierten Hauptbild weihe man das Ritualbild vor, bringe es in den Tempel und spreche: „Dies ist deine Gestalt, Gott, Om.“

18.69 Lebens-Nyasa und alles Weitere erfolgen wie zuvor; Bäder und entsprechende Handlungen jedoch am Ritualbild.

18.70 Prinzipien-Nyasa und die verwandten Riten gelten dem Hauptbild. Vishnus gesamtes Gefolge stelle man auf dem Bali-Sockel vor.

18.71 Nach Wasserschlürfen und Nyasa betrete der Kundige den Innenraum, wiederhole das Wurzelmantra achthundertmal und grüße den Gott.

18.72 Er preise ihn mit verschiedenen Hymnen, beginnend mit dem Mahapurusha-Lob, und verneige sich mit acht Körperteilen und der Verehrungsgeste.

18.73 Danach lasse man vielfältigen Tanz, Gesang und Instrumentalmusik ausführen und eine Speisung veranstalten, bei der niemand zurückgewiesen wird.

18.74 Den Acharya und die Gestaltenträger ehre man mit Gaben; alle beim Opfer verwendeten Gegenstände übergebe man ihm.

18.75 Danach ehre man Vishnuverehrer nach Vermögen. Für die Befestigungsmasse nennt der Text Lack, Sarja-Harz, Muschelpulver, Sand, Kuruvinda,

18.76 Pura-Harz, Zinnober und Bola, mit Pflanzenabsud gebunden. Die acht zu mahlenden Stoffe entsprechen den Kräften von Vimala an, die Flüssigkeit Anugraha.

18.77 So besteht die Verbindung von Lakshmi und Madhava aus neun Kräften. Nach Herstellung des Ashtabandha bringe man mit Ghee und den fünf Kräften

18.78 mittels Durva Gaben an Kopf, Mund, Herz, Geschlechtsbereich und Füßen dar. Nach Verehrung nehme man die Gegenwart zurück und umhülle das Bild mit Darbha und Tüchern.

18.79 Der Mantrakundige opfere für Mondtag und dessen Herrn, Mondhaus und Wochentag samt Gottheiten,

18.80 für die Gottheit der Stunde und die Planeten. Die Sampata-Gabe wird wiederholt mit dem Krug verbunden.

18.81 Guru und Gestaltenträger verehren den Krug; nach Tagesheiligung und Glücksriten nehmen sie ihn und baden den Gott.

18.82 Muschelhörner, Instrumente, Siegesrufe und Vishnu-Suktas sollen dabei erklingen.

18.83 Man verehre mit Duft, Blumen, Gewändern, Räucherwerk und Licht und bereite vier Arten von Speisegaben.

18.84 Sorgfältig verteile man Bali und lasse Brahmanen Segensworte sprechen. So sollen alle aus Mondtag, Mondhaus, Wochentag, Tierkreis und Planeten

18.85 entstandenen Fehler schwinden; deshalb ist dieses Verfahren stets auszuführen. Danach bade man den Auftraggeber mit Wasser des Vishnu-Kruges.

18.86 Der Acharya vollziehe selbst die Verehrung. Dann trete der Auftraggeber mit Guru, Ehefrau, Söhnen und jüngeren Angehörigen hinzu,

18.87 weiß gekleidet, und grüße hingebungsvoll den Gott. Sein Vermögen teile er dreifach: einen Anteil für die Gottheit,

18.88 einen für Frau, Kinder und weitere Angehörige, einen als Lehrerehrengabe; dazu gebe er freiwillige Liebesgaben und Kultgeräte.

18.89 Jede Gabe zu diesem Anlass trägt große Frucht. Nach Bereitstellung von Räucherwerk und Licht schließe man das Gotteshaus.

18.90 Drei Tage darf es danach niemand öffnen. Die Verehrung geschieht währenddessen durch Ehrengaben, Speisungen und Feueropfer.

18.91 Nach Einsetzung Purushottamas erfreue man das Mantra einmal mit Ghee, Milch, Sauermilch oder reinem Wasser.

Kapitel 19

19.1 Nun erkläre ich die Handlungen nach der Einsetzung. Wie zuvor bereite man acht Bodenaltäre für Feueropfer in den Richtungen.

19.2 Nach Linienziehen und den weiteren Vorbereitungen bringe man Vishnu-Feuer; die Eingeweihten opfern in den Richtungen.

19.3 Im Osten mit „Indrakratum“, im Südosten mit „Agniṃ dūtam“, im Süden mit dem beschädigt überlieferten „Noktasuparṇam“, im Südwesten mit „Mo ṣu naḥ parā“;

19.4 im Westen mit „Yaṃ rakṣanti“, im Nordwesten mit „Vāyav āyāhi“, im Norden mit „Somaṃ rājānam“, im Nordosten mit „Tryambakam“.

19.5 Jeweils fünf Om voranstellend, opfern die Priester mit diesen Mantras von Osten an die gekochte Speise.

19.6 Brennhölzer aus Palasha, Khadira, Ashvattha, Plaksha, Nyagrodha, Bilva, Udumbara und Kashmari opfere man jeweils achthundertmal.

19.7 Ebenso Ghee, Speise und Puffreis; danach schließe man das übrige Opfer ab. Brennholz und weitere verfügbare Stoffe opfere man auch den Waffen Indras und der übrigen Wächter.

19.8 Nach diesen Opfern in den acht Richtungen bade man die Gottheiten mit mantrageweihtem Krugwasser, das Sampata-Ghee enthält,

19.9 und verehre sie auf ihren Sockeln mit Duft. Im Osten setze man Skanda mit der Formel „Dem Sechsgesichtigen“ ein,

19.10 im Südosten Shasta mit dem Bija Bhaṃ und „Verehrung dem Herrn der Wesen“. Brahmi, Maheshvari, Kaumari, Vaishnavi,

19.11 Varahi, Aindri und Chamundi sind die sieben Mütter im Süden bei der Umfassungsmauer, gemeinsam mit Virabhadra und Ganesha.

19.12 Virabhadra entspricht den Vokalen, die sieben Mütter den sieben Lautgruppen, Ganapati dem abschließenden Lautgipfel: So ist das Alphabet zu verstehen.

19.13 Im Südwesten setze man die Sonne mit Om oder ihren eigenen Mantras ein; alternativ wird eine auf Svaha endende, beschädigt überlieferte Formel „Ghaṣotkāya“ genannt.

19.14 Im Westen Brahma mit seinem sechssilbigen Mantra oder „Tat sat“, im Nordwesten Varaha mit Bhur als Bija.

19.15 Im Norden Durga mit Hrim vor ihrem Namen; alternativ die Mütter von Vagishvari an, gemeinsam mit Shridhara und Hayagriva.

19.16 Sie heißen Vagishvari, Kriya, Kirti, Lakshmi, Srishti, Vidya und Kanti und tragen Muschelhorn, Diskus und Keule.

19.17 Ihre Laute sind vierter und sechster Vokal mit Bindu, zwölfter, dreizehnter, erster, elfter und zweiter Vokal, entsprechend der Richtungsfolge.

19.18 Im Aditi-Bereich setze man Vishvaksena ein, mit Muschelhorn, Diskus und Keule; sein linker Zeigefinger nahe der Nasenspitze vollzieht die drohende Schutzgeste.

19.19 Man verehre ihn mit Duft, Blumen und verbliebenen Opferstoffen. Sämtliche im Tempel befindlichen, vom Gott verwendeten Blumen und weiteren Gaben

19.20 übergebe man ihm zuletzt und umhülle ihn mit zwei Tüchern. Ishana setze man im Nordosten mit seinen Mantras ein.

19.21 Die Bannerherren von Kumuda an stehen außerhalb der Umfassungsmauer auf ihren Sockeln und erhalten der Reihe nach Bali.

19.22 Vorn auf dem Bali-Sockel steht Bala, der Herr der Wesen, mit seinem Gefolge. Nach Einsetzung und Verehrung bitte man alle:

19.23 „Solange der Weltenherr hier im Bild gegenwärtig bleibt, sollt auch ihr stets zu seinem Schutz hier verweilen.“

19.24 Die inneren und mittleren Umfassungen werden nach halben, ganzen und doppelten Danda-Maßen bestimmt; eine weitere Grenzmauer nach vier Danda. [Die Baubezeichnungen und Abstände sind knapp und teilweise unklar.]

19.25 Die äußere Grenzmauer wird mit sieben Danda angegeben. Weitere Abstände richten sich nach Drittel, Viertel oder Hälfte der Vorderlänge.

19.26 Die Höhe des Bali-Sockels entspreche der Sockelleiste des Innenraums oder dem Verehrungssockel, gegebenenfalls um sechs Einheiten vermindert.

19.27 Seine Breite betrage sieben Zehntel der Höhe. Für die weitere Gliederung teile man die Höhe in siebenundzwanzig Teile.

19.28 Einen Teil erhält die Fußleiste, vier die Jagati-Stufe, drei der Kumuda-Wulst, einen die flache Leiste.

19.29 Zehn Teile erhält der Hals, zwei die Kambu- und Nidra-Profile, drei das Kapota-Gesims, einen die obere Leiste,

19.30 zwei zuletzt der Lotus. So lauten die Sockelmerkmale. Große, mittlere und kleine Ausführung richte man nach dem Bild.

19.31 Zu großen Bildern gehören keine mittleren oder kleinen Sockel; auch bei mittleren und kleinen Bildern sind unpassende Sockeltypen ausgeschlossen. [Die erwähnte Zahl Acht ist hier nicht eindeutig zuzuordnen.]

19.32 Da ein vertauschtes Sockelverhältnis nach dem Text die Familie gefährdet, sollen Glücksuchende die jeweiligen Zuordnungen nicht verkehren.

19.33 Höhe und Vorsprung der Fußleiste sind gleich; an der Verbindung von Jagati und Kumbha erfolgt ein ebenso großer Rücksprung.

19.34 Oberhalb des Kumbha folgt ein Teil, danach eine Leiste von einem halben Teil; der Halsfuß wird mit einem beziehungsweise einem Drittelteil bemessen.

19.35 Der Hals springt einen halben Teil zurück, die Gürtelleiste misst ein Viertel. Die Fußbreite beträgt ein Achtel der Gesamtbreite.

19.36 Vier oder zwölf Halsstützen sind anzulegen. Die obere Halsleiste entspricht der Kumbha-Leiste.

19.37 Ein Teil springt vor; die Valabhi und deren Neigung werden halbiert. Ringsum ist ein gleichmäßiger Wasserablauf vorzusehen. [Die Profilmaße sind nicht vollständig eindeutig.]

19.38 Oben liegt eine Leiste, innen die Lotusform. Den Sockel stelle man in die Mitte eines vorschriftsmäßigen Pavillons.

19.39 Voran gehen Keimsaat, Bannerhissung, Bali und Glücksriten; dazu Fest, Speisung, Tagesheiligung und Ortsreinigung.

19.40 Rings um den Sockel zeichne man acht Bhadrakas und fülle acht Krüge mit Ghee, Getreide oder Wasser.

19.41 Einen weiteren Metall- oder Tonkrug mit allen Edelsteinen umwickle man mit zwei Tüchern und stelle ihn auf den Sockel.

19.42 Beginnend beim Herrn der Wesen verehre man rechtsherum die Wesen mit Duft, Früchten und Blumen,

19.43 Speisen und weiteren Gaben; die Krüge wie zuvor. Alle umwickle man mit neuen, haarfreien Tüchern.

19.44 Für das Feueropfer wähle man acht oder vier Brahmanen; alternativ vollziehe der Guru allein das beschriebene Verfahren.

19.45 Nachts erfolgen vedische Rezitation und Wache. Im Tempel verehre man den Gott ordnungsgemäß,

19.46 gebe Bali nach Kräften und handle wie zuvor. Für alle Gestaltenträger vollziehe man Opfer mit dem Wurzelmantra,

19.47 beziehungsweise den eigenen Namensmantras, mit Brennholz, Ghee, Speise, Puffreis, Senf, geröstetem Mehl, Gerste und Sesam,

19.48 Sauermilch, Milch, Honig, Blumen und Früchten. Alles wird mit Ghee verbunden geopfert und dient umfassender Befriedung.

19.49 Je Stoff opfere man tausendacht oder hundertachtmal und gebe jeweils eine Vollopfergabe.

19.50 Unter Muschelhorn- und Instrumentalklang gebe man den Wesen in den Richtungen Bali: „Om, Verehrung den Wesen im Osten, den Wesen des Alls! Verehrung den Allgestaltigen und den Andersgestaltigen, euch Verehrung!“

19.51 „Om, Verehrung auch den Wesen des Sharnga-Trägers im Süden! Verehrung den Hāhā-Wesen, euch allen wieder und wieder Verehrung!“

19.52 Unnummerierte Mantra-Prosa vor dem Vers: „Om, Verehrung den westlichen Wesen, den Furchterregenden, den Hütern Vishnus, die im Raum und im Innern der Gestirnsbereiche wohnen! Hum Phat Om, geht, Ṭha Ṭha! Den Scharen Vishnus bringe ich diese Gabe dar. Schenkt uns Heil, erfreut uns, Svaha! Om, Verehrung den nördlichen Vishnu-Wesen, die allen Geschöpfen Gutes tun und das All behüten; euch Verehrung, Svaha!“ [Ein Kompositum der ersten Formel ist unsicher.] Vers: Nach gutem Bad, Segensworten und Zustimmung der Brahmanen vollziehe man gesammelt und hingebungsvoll die große Gottesverehrung.

19.53 Man verehre Garuda und das Gefolge nach Kräften, danach den Herrn der Wesen und die Gestaltenträger der Reihe nach,

19.54 mit Kuchen, geröstetem Mehl, Korn, Früchten und Speisen; anschließend sättige man die Brahmanen.

19.55 Ihnen gebe man Ehrengeschenke nach Vermögen. Gesammelt verehre man den Bali-Sockel mit Duft und Blumen,

19.56 setze den Herrn der Wesen ein und begieße ihn mit Krugwasser; die übrigen Gestaltenträger begieße man entsprechend in den Richtungen.

19.57 Acharya und Auftraggeber umschreiten den Bali-Sockel rechtsherum, verehren mit Duft und Blumen und verneigen sich vor dem Herrn der Wesen.

19.58 Milchreis, Hülsenfruchtreis und Rohrzuckerreis mit Ghee, Sauermilch, Honig und Früchten dienen seiner Verehrung.

19.59 Der Acharya lasse den Gestaltenträgern Ehrengeschenke geben und vollziehe nach Kräften wie zuvor die Waschung des Gottes der Götter.

19.60 Mit dem verbliebenen Krugwasser besprengen Acharya und Gestaltenträger das Gefolge und verehren es mit Duft und weiteren Gaben.

Kapitel 20

20.1 Nun erkläre ich kurz das vorzügliche Festverfahren, ohne das Keshava selbst nach seiner Einsetzung nicht erfreut wird.

20.2 Als Zeiträume werden Jahr, Halbjahr, drei Monate, Monat oder Halbmonat genannt, ersatzweise neun, sieben oder fünf Tage; weitere Kürzung ist unerwünscht. [Ob die ersten Angaben Abstand oder Dauer bezeichnen, bleibt im Vers offen.]

20.3 Ein großes Fest veranstalte man in Magha, Margashirsha, Chaitra, Vaishakha, Pausha oder Phalguna.

20.4 Jährlich begehe man es regelmäßig nach Vermögen zur Verwirklichung aller Ziele. Nach Tagesheiligung beginne das Fest mit der Banneraufstellung.

20.5 Sieben beziehungsweise vier Tage zuvor beginne die Glückskeimung. Man bestimme Shravana als Abschluss und das heilige Bad als Endhandlung.

20.6 Ganz Vishnu hingegeben veranstalte man das Fest. Zu seinem Beginn hisse man das Banner mit Garudas Zeichen.

20.7 In den acht Richtungen stehen weitere leuchtende Banner. Nach der Bannerhissung sollen Hindernisse das Vorhaben nicht mehr überwältigen.

20.8 Gleichzeitig mit der Krugaufstellung erfolge die Bannerhissung. Wie zuvor errichte man Pavillon und abgeschirmte Opferbank.

20.9 Es folgen Feuergeburt, Krug- und Gestaltenträgerbestimmung. Die Bannerstange sei gerade, fest und unverletzt,

20.10 nicht anderweitig verwendet, nicht trocken und nicht von selbst gefallen. Unter Pushya oder anderen günstigen Sternen, gutem Aufgang und Vorzeichen werde sie gewonnen.

20.11 Nach Segensworten bade und schmücke sich der reine Guru, begleitet von ebenso vorbereiteten Brahmanen und Siegesrufen.

20.12 Ost- oder nordwärts gewandt fälle er mit honig- und gheebestrichener Axt den Bambus, bringe ihn herbei und bade ihn aus geweihten Krügen.

20.13 Mit Erde, Absuden, Kräuter- und heiligen Wassern werde er gereinigt und mit Duft und Blumen verehrt. Ein schönes weißes Banner hänge daran.

20.14 Seine Länge entspreche einem Drittel des Tempelturms; es sei mit Darbha umwunden, Glocke, Wedel und Spiegel geschmückt.

20.15 Darauf male man Garuda, Vinatas Freude, frontal: bis Knie, Nabel, Hals und Scheitel nacheinander weiß, gelb, rot und schwarz.

20.16 Für Götter und Daityas schwer anzuschauen, mit flammenden Augen, den acht Schlangenherren von Ananta an als Schmuck und dunkler Schnabelspitze,

20.17 wie tausend Sonnen leuchtend, werde er geistig eingeladen und eingesetzt. Der Mantrakundige verehre ihn mit Duft, Blumen und folgendem Mantra.

20.18 Es beginnt mit Om, enthält „dem König der Vögel“ und endet mit Svaha: acht Silben. Bei Einladung und Entlassung verwende man die Anredeform.

20.19 Man verehre ihn auf dem Lager mit Sandelholz, Girlanden, Bali und Meditation und lasse ihn dort verweilen. Das Feueropfer geschieht mit den Anfangslauten der Gruppen von Ka bis Sha,

20.20 jeweils Om voran und Svaha am Ende, mit Sesam und Reis. Vier Laute werden den Richtungen zugeteilt; die auf die Cha-Gruppe folgenden sind ausgenommen. [Die verschlüsselte Lautauswahl ist nicht eindeutig.]

20.21 Mit Vainateyas Namen opfere man tausendachtmal; alle Gaben sind mit Ghee bestrichen. Dazu kommen die vier Speisearten.

20.22 Ringsum gebe man Bali für die Wesen im Banner und die unzähligen Millionen von Gefolgswesen.

20.23 Morgens verehre man erneut und sättige die Brahmanen: „Er, Vishnus Banner und Reittier, von Vishnus Macht erfüllt,

20.24 Suparna, Vinatas Freude, sei mir wohlgesinnt!“ So sprechend ziehe man zum Gotteshaus.

20.25 Mit dem Banner und den brahmanischen Gestaltenträgern, unter Veda- und Instrumentalklang, stelle man es zur günstigen Stunde auf.

20.26 In die Grube lege man Perle, Garuda-Stein und Gold, dann richte man es auf. Mantra-Prosa: „Om, Verehrung dir, geschmückt mit den acht Schlangengeschlechtern, am Leib mit Schlangenblut bestrichen, Erschütterer der Bewohner der sieben Unterwelten, Beweger großer Berge, jüngerer Bruder Arunas, Reittier Purushottamas, Freude Vinatas, Erschütterer der drei Welten, Überwinder von Göttern, Danavas, Gandharvas und Schlangen, Erreger des Nektargeschehens, der seiner Mutter zuliebe die Schlangen täuschte! Schlage, schlage; vernichte die Hindernisse, Svaha!“ Mit diesem Festigungsmantra preise man den Vogelherrn.

20.27 Man begründe seine dauernde Gegenwart. Von da an sollen Rakshasas die Stätte nicht mehr betreten,

20.28 ebenso Pishachas und Schlangen. Deshalb ist das Banner aufzurichten. Auch eine Waschung, einschließlich des Tempels, ist vorzunehmen.

20.29 Einen reinen Krug fülle man mit guten Früchten, allen Getreiden und weißen, duftenden Blumen.

20.30 Der Prinzipien-Nyasa wurde bereits erklärt. Auftraggeber und Begleiter sollen Banner und Tempel

20.31 dreimal rechtsherum umschreiten und dann zum Abschlussbad gehen. An der guten Badestelle lade man Ganga ein:

20.32 „Göttin am Fuß Vishnus, Reine, die alle Verfehlungen hinwegnimmt! Deine Namen sind Nandini, Nalini und Malini,

20.33 Dakshas Tochter, Vihagi und Freundin aller Wesen. Ich nehme Zuflucht zu dir; befreie mich ohne Zögern von Verfehlungen!“

20.34 Meditierend und dieses Mantra wiederholend bewege man das Wasser mit der Hand und tauche ein. Alle dort Badenden sollen gereinigt werden.

20.35 Mit Wurzel- und Gliedermantras sättige man Weise, Götter, Seher und Gefolge; ihnen wird zwölfjährige Sättigung zugesprochen.

20.36 Ebenso vollziehe man das Abschlussbad nach Einweihung und Einsetzung. Seine Heiligkeit gilt als der aller Pilgerstätten gleich.

20.37 Die übrigen Banner tragen Richtungswächterzeichen; man stelle sie auf, verehre sie mit ihren Mantras und gebe allen Bali.

20.38 Dorfstraßen werden gefegt, mit Duftwasser besprengt und ringsum mit schönen, duftenden Blumen bestreut.

20.39 Dorfränder, Kreuzungen, Kultplätze, Gärten, Kuhställe und Gotteshäuser

20.40 schmücke man mit Torbögen, Bannern, Mandalas, Bananen, Kokospalmen, Zuckerrohr, Betelpalmen, Blüten- und Fruchtbäumen.

20.41 Lampengestelle und leuchtende Aufbauten schmücken alles. Zu den drei Tageszeiten gebe man Bali mit Duft und Blumen.

20.42 Besonders während des Festes verehre man ordnungsgemäß und bade den Gott mit reinem Wasser, Milch, Sauermilch, Ghee und Duftstoffen,

20.43 Kuhprodukten und Kokoswasser. Man salbe ihn mit geeigneten Düften und bekleide ihn mit neuen, schönen, beräucherten Gewändern.

20.44 Mit vielen schönen heiligen Blumen und Girlanden schmücke man ihn ringsum und räuchere mit den genannten Harzen,

20.45 verehre hingebungsvoll mit goldenen, edelsteinbesetzten Schmuckstücken und Lichtern sowie reichlichen wohlschmeckenden Speisen mit Beilagen und Ghee,

20.46 den vier Speisearten, Sauermilch, Milch, Rohrzucker und Weiterem. Gesang, gemeinsames Musizieren und Instrumente sollen die Verehrer erfreuen.

20.47 Das Fest sei reich an vielfältiger Nahrung. Nach der täglichen Bali-Gabe bringe man die besondere Festgabe dar.

20.48 Alles werde besonders feierlich und glückverheißend gestaltet. Frauen, Brahmanen, freudige Verehrer und Sänger der Siegeslieder,

20.49 die den Gott umrunden, sollen von allen Verfehlungen frei werden. Tanz und Gesang machen das Fest weit und reich.

20.50 Langsam ziehe man rechtsherum; der Lehrer verteile Bali. So verfahre man an allen festgelegten Festtagen.

20.51 Verehrer bestreuen das Festbild oder Zeitrad mit Duft, Blumen, Reis, Girlanden und schönen Früchten.

20.52 Nach sechs Tagen mit jeweils dreifacher Umrundung veranstalte man am siebten das Hari liebe Blumenopfer.

20.53 Am Vortag schlafe man auf dem Boden, sei selbstbeherrscht, lebe von Opferspeise, faste nachts und binde dem Gott das Festband.

20.54 Das Ritualbild verehre man im geschmückten Pavillon, umgeben von Keimkrügen und Schalen in Richtungen und Zwischenrichtungen.

20.55 Vishnuverehrer tragen zuerst Ghee auf; unter Glücks- und Siegesrufen zeige man den Spiegel als Glückszeichen.

20.56 Unter „Jitaṃ te“ binde man das Festband an die rechte Hand; auch der Acharya erhält ein solches Band.

20.57 Mit Wedeln und Palmfächern fächle man feierlich. Das Bild lege man auf sein Lager, begleitet von unauslöschenden Lampen.

20.58 Unter Räucherung verbringe man den Rest der Nacht. Morgens bade und verehre man und lasse Segensworte sprechen.

20.59 Nach der Dorfumrundung bereite man Mehlpulver in einem neuen, reinen, mit Durva geschmückten Mörser,

20.60 durch dienende Vishnuverehrerinnen oder Brahmanen. Man bestreiche Ritual- oder Hauptbild mit Ghee.

20.61 Mit Goldpulver und weiteren Stoffen, vermischt mit Kurkuma und Mungmehl, reibe man es ringsum ab; davon gebe man auf die Köpfe der Verehrer.

20.62 Ebenso reinige man das Bild mit Duftpulvern und bade es in der Mitte der Opferbank mit Krügen voll heiliger Wasser.

20.63 Auch Duftwasser werde auf die Köpfe der Verehrer gegeben. Nach Goldpulvergabe verehre man erneut nach Vorschrift.

20.64 Nach Bad und Wasserschlürfen bestreue man die gereinigte, mit vier Torbögen versehene Opferbank mit Senf und Reis.

20.65 Man schmücke sie mit Krügen, Keimlingen, Lichtern, Spiegeln und anderem und hänge Blumen- und Perlengirlanden ringsum auf.

20.66 Mit Haupt- und Vardhani-Krug nehme man den Boden in Besitz, ziehe die Schnüre wie zuvor und fertige ein Blumenmandala.

20.67 Dazu dienen frische, duftende Blumen in fünf Farben, Mandara, gelber Korandaka, Lotus und Bilva-Blätter,

20.68 unter Ausschluss von Japa-Blüten und anderen verbotenen Arten. In der Mitte bilde man einen schönen achtblättrigen Lotus mit Fruchtboden,

20.69 alternativ mit sechs oder zwölf Blättern. Der Fruchtboden sei gelb, die Staubfäden rot,

20.70 die Verbindungen grün, die Blätter weiß. Nach Wunsch gestalte man Bhadraka oder Rad-Lotus-Mandala.

20.71 Im äußeren Umkreis liegen acht achtblättrige Blumenlotusse für die Gestalten und Göttinnen,

20.72 in den zwei weiteren Umkreisen für göttliche Zeichen und Richtungswächter. Die Gestaltenlotusse messen die Hälfte des Hauptlotus.

20.73 Zeichen und Richtungswächter erhalten wiederum halb so große Lotusse; ebenso Garuda und Vishvaksena.

20.74 Das westliche Tor bleibt als Zugang frei, ringsum liegt ein Umgang. Die Gestaltenträger bewegen sich im Pushpadanta-Bereich.

20.75 Sämtliche Lotusse bestehen aus Blumen; Tore und alle Außenteile gestalte man schön.

20.76 Nach Verehrung des Yoga-Sitzes mit Gliedern und Ausstattung setze man das Bild auf den Fruchtboden des Hauptlotus.

20.77 Nach ordnungsgemäßem Nyasa verehre man den Gott wie zuvor, auf den übrigen Lotussen Gestalten, Kräfte, Waffen und Weltenhüter.

20.78 Nach Duft, Blumen, Räucherwerk, Licht und schönen Speisen beginne man das Feueropfer.

20.79 Rings um das Feuer stelle man vier Palikas und bereite nach Vermögen vier Opferspeisen,

20.80 oder teile eine im wie zuvor geweihten Feuer gekochte Speise vierfach. Nach der Ghee-Unterlage bringe man den ersten Teil dem Gott dar,

20.81 den zweiten mit Ghee im Feuer, den dritten dem Gefolge und als Bali,

20.82 den vierten esse man mit Ghee nach Abschluss der übrigen Riten. Gold gebe man als Ehrengeschenk und bewirte Brahmanen.

20.83 Durch Tanz, Gesang, Lobpreis, reichen Vedaklang und Ehrung der Vishnuverehrer erfreue man den Herrn aller.

20.84 Auch am zwölften Mondtag und unter Shravana vollziehe der Kundige dieses Opfer; an jedem siebten Tag begehe er unermüdlich Vishnus Opfer.

20.85 Wer dies ein Jahr lang tut, wird in Vishnus Welt geehrt. Auch zu Sonnenwenden, Tagundnachtgleichen und Mond- oder Sonnenfinsternissen,

20.86 Sonnenübergängen und Vishnu-Panchami bringt es die ersehnte Frucht. Am ersten Festtag geschehe die Dorfumrundung nachts,

20.87 an den übrigen Tagen tagsüber. Innen und außen verteile man überall Bali für die Wesen.

20.88 Während des Umzugs gebe man Bali an den Mandalas; die Gabenträger gehen vor dem Festbild.

20.89 Duft, Blumen und Wasser begleiten das Ausstreuen der Gabe; dabei zeige man die Bali-Mudra.

20.90 Die Bannerherren von Kumuda an besitzen je fünfzig Scharenführer, diese wiederum Hunderte und Tausende von Gefolgswesen.

Kapitel 21

21.1 Nun erkläre ich die günstige und die aus ungünstigem Anlass nötige Ausfahrt: die Pilgerfahrt zum Wasser und die zeitweilige Verlegung aus dem eigenen Tempel.

21.2 Am Vortag begehe man ein Fest und gebe nachts großes Bali: „Verehrung den Gefolgswesen Vishnus und den Pramathas,

21.3 den Müttern und all ihren Scharen!“ Nach ringsum verteilten Gaben trete man hinein und bete wie zuvor.

21.4 Auf einem bedeckten Sitz verehre man den mit Festband versehenen Gott unter Tagesheiligung und Segensworten; danach folgen Lobgesänge.

21.5 Morgens gebadet und geschmückt vollziehe man das zuvor beschriebene Opfer, mit sechs Versen von „Kanikradat“ und fünf von „Svasti“ an,

21.6 ferner achthundert Gaben Brennholz, Ghee und Opferspeise mit dem Wurzelmantra. Nach Prüfung der Vorzeichen beginne die Badefahrt.

21.7 Man bringe Wagen oder Elefant als Fahrzeug, kundige Musiker und zahlreiche Helfer,

21.8 Schirme, Banner, Fahnen, Schutzleute, Diener, Verehrer und Brahmanen. Zur günstigen Stunde lasse der Guru

21.9 die Tagesheiligung sprechen, empfange die Zustimmung der Brahmanen, umrunde den Gott, verneige sich und trete vor ihn.

21.10 Das Ritualbild setze er auf den Sitz und sage leise: „Hari, dieses Ritualbild wurde für deine Pilgerfahrt bereitet.

21.11 Tritt in es ein und vollziehe die Fahrt zu unserer Begnadung.“ Nach geistiger Auflösung und ordnungsgemäßer Neuschöpfung des Bildes

21.12 lade man den Gott mit den fünf Upanishad-Mantras der Reihe nach hinein, vergegenwärtige ihn, gebe Arghya und verehre ihn.

21.13 Zwei neue Tücher mit Säumen umhüllen das Bild. Mit Turban, Obergewand und vollzogenem Nyasa sei der Guru gesammelt.

21.14 Schweigend nehme er es mit der rechten Hand auf und gehe, von Schülern umgeben, in den geschmückten Pavillon.

21.15 Dort erklingen Glücksworte und alle Segenszeichen; sämtliche Brahmanen antworten: „So sei es!“

21.16 Am Pavillontor gebe man mit den Gestaltenträgern Arghya, umrunde das Gotteshaus und ziehe hinaus.

21.17 Wasserkrug, Opferspeise, Schirm, Opfergeräte und Keimgefäße werden von weiteren Brahmanen getragen.

21.18 Unter großem Festklang meditiere der schweigende Guru das Fahrzeug als Garuda, verehre es und besteige es.

21.19 Man fahre zu einem Fluss oder Wasserbecken innerhalb einer Yojana. Zuvor umrunde man mit dem Richtungsmantra die äußere Mauer.

21.20 Die Mitwirkenden seien schweigsam, mit Obergewändern und Schmuck versehen. Andere Menschen lassen unterwegs Instrumente, Gesang und Tanz erklingen

21.21 und begleiten auf verschiedenen Fahrzeugen zur Freude des Gottes. Durch einen Torbogen gelange man zum Pavillon am Wasser.

21.22 Dort richte man eine abgeschirmte Opferbank her und setze den Gott auf den Sitz. Eingeweihte kochen an geschützter Stelle Milchreis.

21.23 Nach Fußwasser und weiteren Gaben nehme man ihn mit dem Sarva-Mantra zum Fluss. Im Wasser lade man die reinigende Vishnu-Badestelle ein.

21.24 Mit dem Parameshthin-Mantra tauche man ihn dreimal ein, setze ihn auf den Sitz und gebe Arghya, Fußwasser und Mundwasser.

21.25 Unter „Āpo hi ṣṭhā“ und den fünf Mantras besprenge man gesammelt, nehme ihn erneut auf und tauche nach der Sündenreinigung ins Wasser.

21.26 Dieses Bad gilt als höchst heilig und verfehlungstilgend. Man setze das Bild auf den Sitz und lege selbst zwei neue Gewänder an.

21.27 Nach Wasserschlürfen und Nyasa verehre man erneut und bringe vorschriftsmäßig die mit Ghee versehene Speise dar.

21.28 „Purushottama, du hast an dieser heiligen Vishnu-Badestelle gebadet. Begnade uns nun durch deine Rückkehr zur eigenen Stätte.“

21.29 So bittend bringe man ihn wie zuvor zum Fahrzeug, besteige es und kehre langsam zum Tempel zurück.

21.30 Noch am Tag der Ausfahrt erreiche man das Gotteshaus und übertrage die Gegenwart ins Hauptbild; andernfalls nennt der Text einen schweren Fehler.

21.31 Im Innenraum setze man das Ritualbild gesammelt auf den Sitz und lade mit Wasser, Duft, Blumen, Mantra und geistiger Vergegenwärtigung

21.32 die Gegenwart unter dem Sarva-Mantra ordnungsgemäß ins Hauptbild zurück. Dies ist das Einladungsverfahren am Anfang und Ende der Fahrt.

21.33 Nach Gliederweihe, Verehrung, Arghya und Verneigung gehe man hinaus, schließe das Tor und bewirte Brahmanen.

21.34 Nachts gebe man Bali. So wurde die günstige Fahrt erklärt; höre nun die durch bauliche Mängel bedingte Verlegung.

21.35 Ist der Tempel baufällig oder das Ton- beziehungsweise gemalte Bild beschädigt, überführe man die Gottheit nach folgendem Verfahren in ein neues Haus.

21.36 Bei Osttor liege es im Parjanya-, Jayanta-, Diti- oder Aditi-Bereich, bei Westtor im Mriga- oder Dauvarika-Bereich, je nach Möglichkeit.

21.37 Das neue kleine Haus sei schön, eingeschossig, ohne Turmhals, aus Erde oder Holz; sein Eingang schaue zum Haupttempel.

21.38 Darin fertige man einen schönen Holzsockel mit Vertiefung und ein Metall- oder Holzbild, im Notfall ein Waffenzeichen.

21.39 Die Übertragung erfordert eine klare Zeitgrenze; genannt wird ein Zeitraum von einem Monat bis zwölf Jahren.

21.40 Man reinige das neue Haus und vollziehe alles wie zuvor, beginnend mit der Vertreibung störender Kräfte.

21.41 Nach den Einsetzungsvorschriften errichte man einen Pavillon mit Bannern, Torbögen und Keimschmuck.

21.42 Mit Kuhprodukten und Waffen-Mantra besprenge man ihn, zeichne mittig ein Svastika und bereite einen mit Tuch bedeckten Reisaltar.

21.43 Darauf kommen Reis, Decken, Kusha und Tücher; man verehre mit Blumen und Duft.

21.44 Das Ritualbild weihe man im Wasser vor und reinige es mit gutem Wasser, Erd- und Blätterwasser, Absuden und fünf Kuhprodukten.

21.45 Mit Duft und Blumen geschmückt, in Tücher gehüllt, lege man es unter Muschelhörnern und Trommeln aufs Lager.

21.46 Bis zu sieben Nächte bringe man zu den Tagesübergängen Bali dar: „Hört, alle Gottheiten, die in diesem Tempel wohnen,

21.47 und begnadet uns in dem, was wir sagen. Dieses von den Vorfahren erbaute Gotteshaus ist im Lauf der Zeit schwach geworden.

21.48 Wir haben uns vorgenommen, es wiederherzustellen. Innerhalb des bestimmten Zeitraums werden wir euch in diesen erneuerten Tempel

21.49 zurückbringen; dies ist unser wahrhaftiges Versprechen.“ Dauern die Arbeiten weniger als einen Monat, genügt eine rituelle Zusammenziehung der Gegenwart.

21.50 Sämtliche im Tempelleib liegenden Prinzipien und Gottheiten samt Gefolge nehme der erfahrene Lehrer der Reihe nach zurück,

21.51 auf dem Auflösungsweg meditierend, und vereinige alles als Lichtgestalt im Hauptbild.

21.52 Bei längerer Dauer tue man zunächst dasselbe und beginne dann die Übertragung. Der Guru betrete mit den Gestaltenträgern den Innenraum.

21.53 Nach Tagesheiligung und brahmanischen Segensworten vollziehe er hingebungsvoll die große Verehrung.

21.54 Er verneige sich und erkläre leise: „Erhabener, deine Verehrer wollen dir einen erneuerten Tempel und ein schönes Bild

21.55 schaffen. Gewähre dazu deine Zustimmung. Nimm vorübergehend mit dem beschwerlichen Aufenthalt im kleinen Haus vorlieb,

21.56 bis wir alles schön erneuert haben und dich wieder einsetzen.“ Dann stelle man einen gereinigten, mit Faden umwickelten Metallkrug

21.57 mit Reinigungsgras und Reis vor den Gott, gehe mit den Begleitern hinaus und beginne die Bildweihe.

21.58 Durch Auflösungs- und Schöpfungsmeditation betrachte man die Prinzipien und opfere sie nach der Geburtsfolge vorschriftsmäßig im Feuer.

21.59 Der Acharya frage die Auftraggeber erneut: „Wie lange soll der Herr hier in der vorläufigen Unterkunft wohnen?“

21.60 Die bestimmte Frist liegt zwischen einem Monat und zwölf Jahren; kürzeren oder längeren beschwerlichen Aufenthalt billigt Vasudeva nach dieser Vorschrift nicht.

21.61 Die Gefragten nennen eine eindeutige Frist. Erst nach öffentlicher Bekanntgabe wird die Gottheit hinausgeführt.

21.62 Gesammelt trete man ein, teile dem Gott die von den Auftraggebern genannte Frist mit und verfahre weiter wie folgt.

21.63 Zur günstigen Stunde vollziehe der Guru Ausfahrts- und Vastu-Opfer und führe danach den Gott hinaus.

21.64 Den gefüllten, mit Tuch umhüllten Krug verehre man vorn und bereite darin ordnungsgemäß den Yoga-Sitz,

21.65 mit Gold, Edelsteinen, Duftwasser und goldenem Lotus. Darin lade man den ewigen Gott der Götter ein,

21.66 mit den fünf Upanishad-Mantras und seiner Mantragestalt, gebe Arghya, Duft und Blumen und verneige sich.

21.67 Das Bild werde sorgfältig in Tücher gehüllt. Schweigend gehe der Guru mit dem Krug auf dem Kopf hinaus.

21.68 Unter Muschelhörnern, Trommeln, vielen Siegesrufen und Vedaklang umrunde man das Gotteshaus rechtsherum.

21.69 Schön bekleidet und geschmückt gehe man langsam und sorgfältig unter Shakuna-, Svasti- und „Ato devāḥ“-Sukta.

21.70 Im inneren Pavillon lege man Hari unter dem zwölfsilbigen Mantra aufs Lager und vollziehe Nyasa mit dem Wurzelmantra.

21.71 Man preise ihn mit dem Purusha-Sukta, Vishnu-Sukta, Wurzel-, zwölf- und achtsilbigen Mantra,

21.72 und bringe unter den Namen von Keshava an hingebungsvoll Blumen dar. Krüge voll Reis oder Wasser

21.73 stelle man von Osten an auf und verehre darin Keshava und die weiteren Gestalten, mit Om aus dem Gott vergegenwärtigt.

21.74 Außen verehre man die Gestaltgöttinnen, weiter außen Zeichen und Richtungswächter. Nach Lob und Zustimmung beginne die erste Befriedung.

21.75 Die Gestaltenträger setzen wie zuvor Feuer in den Richtungsgruben ein und beginnen die vorbereitenden Weiheopfer.

21.76 Nach Opfer und göttlicher Zustimmung vollziehe der Lehrer Befriedung, Berührung und Japa mit Mantras und wasche das Bild mit den fünf Kuhprodukten,

21.77 einzeln und gemeinsam, mit Absud, Amalaki-Wasser, goldversetztem Wasser und zuletzt reinem Wasser.

21.78 Nach Sukta-Lob verehre man mit Duft und Blumen und stelle die Krüge ringsum an den Torstellen auf.

21.79 Man sammle sämtliche Puja- und Opfermittel und bestelle viele kundige Instrumentalisten.

21.80 Nach Beschaffung aller Dinge, Prüfung der Vorzeichen und Bestimmung der Götterplätze

21.81 lasse man bei bösen Träumen Wiedergutmachung vollziehen: tausend oder hundert Ghee-Gaben mit dem Wurzelmantra.

21.82 Zur günstigen Stunde, unter Tagesheiligung und Siegesrufen, umrunde der Guru den Gott und empfange mit gefalteten Händen seine Zustimmung.

21.83 Nach vorschriftsmäßiger Verehrung erhebe er ihn unter Om, Glücksrufen und dem Shakuna-Sukta.

21.84 Unter dem Svasti-Sukta bringe er ihn rechtsläufig hinein und teile Vishnu erneut die vereinbarte Frist mit.

21.85 Bei der Einsetzung des Bildes spreche er: „Erhabener Hari, obwohl dieses kleine Haus dir beschwerlich ist,

21.86 bleibe hier, bis dein Haus vollendet ist, und gewähre dem Erbauer großes, segensreiches Gedeihen.

21.87 Aus Mitgefühl mit deinen Verehrern bleibe hier.“ Leicht verneigt gieße er das Krugwasser auf den Kopf des Bildes.

21.88 Die fünf Upanishad-Mantras meditierend verwende der Lehrer das Sarva-Mantra, vollziehe Schöpfungs-Nyasa und rezitiere das Purusha-Sukta.

21.89 Er verbinde die Gegenwart mit der Gestalt und verehre nach der Ritualordnung, bestimme das Gefolge und vollziehe die Richtungsopfer.

21.90 Danach gebe man Ehrengeschenke und veranstalte Speisungen. Alles nicht eigens Genannte vollziehe der Kundige nach dem Einsetzungsverfahren.

Kapitel 22

22.1 Nun werde ich kurz die geordnete Darbringung der Bali-Gaben erklären. Sie ist täglich zu den drei Tagesübergängen und besonders bei Festen vorgesehen.

22.2 Nachdem man die Gottheit nach Vorschrift mit Duftstoffen, Blumen und den weiteren Gaben verehrt hat, bringe man ihr die im geweihten Feuer zubereitete Speise dar.

22.3 Aus ihrem Rest forme man auf einer Schale den Sockel für das bei den Handlungen verwendete Bild. Auch darf man die Bali-Speise ohne Mantra auf gewöhnlichem Feuer kochen.

22.4 Den mit dem Grundmantra in den Topf gegebenen reinen Reis besprenge und wasche man dreimal; mit dem Feuer-Mantra entzünde man das Feuer.

22.5 Man koche unter Zufächeln von Luft, sodass die Opferspeise nicht überläuft. Mit Butter übergossen nehme man sie herunter und stelle sie, mit einem Gefäß bedeckt, ab.

22.6 In einem anderen Gefäß bereite man eine Unterlage, gebe die Speise hinein und übergieße sie nochmals. Einen Anteil mit Butter bringe man der Gottheit dar, einen anderen opfere man ins Feuer.

22.7 Im Nordosten bestreiche man den Boden mit Kuhdung und stelle auf Darbha-Gras eine runde Schale aus Gold, Silber oder Kupfer von einer Elle Durchmesser.

22.8 Die aufrecht bereitgestellte Schale besprenge man mit Wasser und dem achtsilbigen Mantra. Man übergieße den Speiserest und gebe ihn mit dem Herzmantra hinein.

22.9 Daraus forme man den Sockel, auf den das bewegliche Kultbild gestellt werden soll. Andernfalls glätte man die gute, mit Joghurt und Butter angefeuchtete Speise.

22.10 Daraus fertige man einen Śivaka genannten Aufbau, vier Finger breit und zwölf, acht oder auch sechs Finger hoch.

22.11 Oben lege man Gold auf und rufe darin die Kraft herbei, um sie zu verehren: in der Mitte als Parameṣṭhin, umgeben von Puruṣa und den übrigen Gestalten.

22.12 Darauf stelle man das Bild und vollziehe die Herbeirufung mit allen fünf Mantras; oder man rufe mit dem Grundmantra Hari in dem Gold herbei, umgeben von den Verkörperungen der Laute.

22.13 Man verehre ihn mit Duftstoffen und Blumen und meditiere über seine je nach Tageszeit unterschiedene Gestalt. Dann stelle man die Schale auf den Kopf eines eingeweihten Zweimalgeborenen.

22.14 Mit Turban und den weiteren Gewändern versehen, schweigend, nehme dieser sie auf und wiederhole die heiligen Weltenrufe. Vor der Gottheit stehend verneige er sich und gehe hinaus.

22.15 Muschelhörner, Pauken und zahlreiche Siegesrufe begleiten den Zug; die acht Glückszeichen, ein Baldachin und weiterer Schmuck zieren ihn.

22.16 Man stelle sich vor, dass Götter, Nāgas, Apsaras, Yakṣas, Weise, Gandharvas und Kinnaras mit ihren jeweiligen Herrlichkeiten den Zug begleiten.

22.17 Eingeweihte tragen dabei Duftstoffe, Blumen, Wasser, Räucherwerk, Licht, Schirm, Wedel, Glückszeichen, Opferspeise und Glocke.

22.18 Nach dem Hinausgehen verstumme der Klang. Mit Zustimmung der Brahmanen spreche der Guru die Segensworte; die übrigen Zweimalgeborenen antworten: „So sei es!“

22.19 „Die göttlichen Herren der Götter, die Ursache von Entstehung, Auflösung, Erhaltung und Begnadung der Welt, mögen uns Heil gewähren.

22.20 Viṣṇu, Brahmā, Rudra, Pracaṇḍa, Caṇḍa, Garuḍa und der Stier mögen uns Heil gewähren.

22.21 Indra, Agni, Yama, Nirṛti, Varuṇa, Vāyu, Vaiśravaṇa und Īśāna mögen uns Heil gewähren.

22.22 Varāha, Narasiṃha, Rāma, Śrīdhara, Vāmana, der Pferdeköpfige und Vāsudeva mögen uns Heil gewähren.

22.23 Pūru, Nirṛti, Siṃha, Nārāyaṇa, Acyuta, Aniruddha, Hari und Kṛṣṇa mögen uns Heil gewähren. [Die ersten Namen dieser Reihe sind in der Vorlage auffällig; sie bleiben unverändert.]

22.24 Kumuda, Kumudākṣa, Puṇḍarīka, Vāmana, Śaṅkukarṇa, Sarvanetra, Sumukha und Supratiṣṭhita,

22.25 diese göttlichen Torhüter, mögen uns Heil gewähren; ebenso die eintausendacht Gefährten Viṣṇus

22.26 und die weiteren Begleiter mögen uns Heil gewähren. Die sieben Welten, angefangen mit der Erdenwelt und dem Zwischenraum,

22.27 und sämtliche Ozeane mögen uns Heil gewähren; ebenso die Unterwelten und die freudvoll bewohnten Rudra-Welten,

22.28 die sich in allen Richtungen befinden, mögen uns Heil gewähren. Die Veden, die ergänzenden Wissensgebiete, die Überlieferungen und Erzählungen,

22.29 die sechs Hilfswissenschaften und die Lehrschriften mögen uns Heil gewähren. Gaṅgā, Yamunā, Godā und Sarasvatī,

22.30 Narmadā und Kāverī mögen uns Heil gewähren. Die Planeten, angefangen mit der Sonne, die Tierkreiszeichen, angefangen mit dem Widder,

22.31 und die Monate mit Viṣṇu und ihren übrigen Herrschern mögen uns Heil gewähren. Alle Herren des heiligen Wissens, die himmlischen und die menschlichen,

22.32 die im Himmel, im Zwischenraum und auf Erden weilen, mögen uns Heil gewähren. Dharā, Dhruva, Soma, Āpas, Anala und Anila,

22.33 Pratyūṣa und Prabhāsa mögen uns Heil gewähren. Die Opfer, die fünf täglichen Opfer, die gekochten Speiseopfer,

22.34 alle Opfer und die großen Opfer mögen uns Heil gewähren. Die Jungfrauen und Jünglinge, die Scharenherren und Vināyakas,

22.35 die Schlangen und Kinnaras mögen uns Heil gewähren. Mṛgavyādha, Śarva, Nirṛti, Aja Ekapād,

22.36 Ahirbudhni, Pinākin, Bhavana, Īśvara, Sthāṇu, Bhava und Pāpāri mögen uns Heil gewähren.

22.37 Dhātṛ, Aryaman, Mitra, Varuṇa, Aṃśa, Bhaga, Indra, Vivasvat, Pūṣan, Parjanya, Tvaṣṭṛ und Viṣṇu,

22.38 diese zwölf Ādityas, mögen uns Heil gewähren. Yavakrīta, Krīta, Arvāvasu, Vibhāvasu,

22.39 Kakṣīvat, Nārada und Kaṇva mögen uns Heil gewähren. Unmuci, Pramuci, Ātreya und Agastya,

22.40 Dṛḍhāyu und Idhmavāha mögen uns Heil gewähren. Dṛṣadguhya, Mahadguhya und die wandernden Asketen,

22.41 die als Eins, Zwei und Drei bezeichnet werden, mögen uns Heil gewähren. Kaśyapa, Atri, Vasiṣṭha, Bhāradvāja, Aṅgiras

22.42 und der ehrwürdige Kauśika mögen uns Heil gewähren. Āvaha, Vivaha, Udvaha, Suvaha,

22.43 Parīvaha und Vivaha mögen uns Heil gewähren. Śvetaketu, Vyāsa, Vālmīki, Suyaśas, [Vivaha steht in der Vorlage zweimal.]

22.44 Aurvaśeya, Śakti und Parāśara, diese sieben himmlischen Weisen, mögen uns Heil gewähren.“

22.45 Durch ein solches Aussprechen des Segens schenken die Gottheiten Gelingen. Bei Beginn jeder Handlung soll ein guter Segen gesprochen werden.

22.46 Am Eingang der Halle bringe man unter dem Klang von Muschelhörnern und Instrumenten den Torhütern und den übrigen Wesen Bali dar, begleitet von Duftstoffen, Blumen und weiteren Gaben.

22.47 Mit den folgenden Mantras nähere man sich ihnen und verehre sie mit ihren eigenen Mantras. An jedem entsprechenden Ort bringe man die Gabe dar, nachdem sie vom Blick der Gottheit berührt wurde.

22.48 „Verehrung dir, dem Torhüter Caṇḍa von unermesslichem Glanz, dem Sohn Narasiṃhas, dessen Haupt das Rad als Zeichen trägt!

22.49 Verehrung dir, dem Torhüter Pracaṇḍa von unermesslicher Kraft, dem Sohn Narasiṃhas, dessen Haupt die Muschel als Zeichen trägt!

22.50 Verehrung dir, Garuḍa, Träger des großen Viṣṇu, Tārkṣya von unermesslichem Glanz, Tod aller Schlangenfürsten!

22.51 Verehrung dir, Vollbringer von hundert Opfern, Vernichter des Dämonenstolzes, tausendäugiger Weiser, der den Donnerkeil in der tätigen Hand hält!

22.52 Verehrung dem Empfänger der Opferspeise, der Mund aller Götter ist, durch den das Opfer getragen wird und durch den alles in Bewegung kommt!

22.53 Verehrung dir, Herr der Verstorbenen, durch den alles eingezogen und der Dharma bewahrt wird, vor dem diese Welt sich fürchtet!

22.54 Verehrung dem Herrn der Rākṣasas in der Gestalt Nirṛtis, bei dem Rākṣasas, Yātudhānas und Piśācas Zuflucht haben!

22.55 Verehrung dem Herrn der Wasser, durch den alles beschützt wird, in dem alles gegründet ist, der die unfehlbare Schlinge in der Hand hält!

22.56 Verehrung stets dem Herrn des Windes und der Wesen, durch den die Lebenskräfte der Reihe nach aufgefüllt und fortgeführt werden!

22.57 Verehrung dir, Herr des Reichtums, Gebieter der Yakṣas und Guhyakas, durch dessen Gnade die ganze Welt mit Gütern erfüllt wird!

22.58 Verehrung dir, Sohn Brahmās, Virūpākṣa, durch dessen Zeitfeuer die Welt am Ende der Weltalter erfasst wird!

22.59 Verehrung dir, Vīrabhadra, Verehrung auch dem Herrn der Hindernisse! Wieder und wieder Verehrung den sieben Müttern, angefangen mit Brāhmī!

22.60 Verehrung dir, Śrīdhara, Verehrung dir, Pferdegesichtiger! Wieder und wieder Verehrung allen Müttern, angefangen mit Vāgīśvarī!

22.61 Verehrung dir, Viṣvaksena, der die von der Gottheit abgelegten Gaben trägt, mit Muschel, Rad und Keule in den Händen, großer Herr der göttlichen Gefährten!

22.62 Mögen alle Gefährten Viṣṇus, die die ganze Welt durchdringen und nach Bali verlangen, diese vortreffliche Gabe annehmen!“

22.63 Nach dieser Verkündigung bringe man draußen in den Richtungen Kumuda und den übrigen zusammen mit den acht Arten von Scharen Bali dar; dann trage man die Gabe zum Bali-Sockel.

22.64 Mit dem Spruch „Die Wesen, die …“ bringe man in den Richtungen und nach oben, in der Mitte dem Herrn der Wesen dar. Mit je einer Handvoll erfreue man alle Gefährten Viṣṇus.

22.65 „Die draußen weilenden Vogelgesichtigen mögen diese Gabe annehmen; die Grausamen und die von geringer Kraft, die Wesen, Totengeister und Nachtwanderer,

22.66 die Vetālas, Mātaṅgas und die niedrigen wie die nicht niedrigen Scharen: Ihnen allen bringe ich die vortreffliche Gabe dar.

22.67 Wieder und wieder Verehrung allen Wesen samt ihren Scharen!“ Dreimal rechtsherum umkreisend erfreue man die Scharen mit Bali.

22.68 Zu jeder der festgesetzten Tageszeiten begleite man dies mit Tanz, Gesang und dergleichen. Nach Duftstoffen, Blumen und weiteren Gaben übergieße man zuletzt den Bali-Rest mit Wasser

22.69 und trage ihn hinaus mit den Worten: „Oṃ, Verehrung den Gefährten Viṣṇus!“ Nach der Mundspülung kehre man gereinigt, gesammelt und Viṣṇus gedenkend zurück.

22.70 Mit dem vollständigen Mantra nehme man die Gegenwart aus diesem Bild wieder auf und vereinige sie erneut mit dem Hauptbild. Die ganze Opferspeise samt den Kränzen lasse man Viṣvaksena geben.

22.71 Ist ein Speisekloß oder die Bali-Schale gefallen oder verunreinigt worden, reinige man den Ort, bade selbst und vollziehe die rituellen Auflegungen in der vorgeschriebenen Reihenfolge.

22.72 Man grenze den Boden sogleich ab und bestreiche ihn mit Kuhdung. Dort koche man guten Milchreis, mit Butter vermischt.

22.73 Mit Reis- und Kurkumapulver zeichne man ein Svastika. Man bereite einen Altar aus Reis und breite darauf ein Tuch aus.

22.74 Mit Reis, Kuśa-Gras und Blumen besprenge man ihn gesammelt unter dem Waffenmantra. Mit dem Grundmantra stelle man die Schale auf und berühre sie dann mit Oṃ. [Die Vorlage schreibt an dieser Stelle „pravaṇena“; der Zusammenhang legt „praṇavena“ nahe.]

22.75 Erneut mit dem Waffenmantra besprengend verehre man im Süden die befriedende Kraft. Nach dem Ziehen der Linien und den weiteren Vorbereitungen weihe man das Feuer nach Vorschrift.

22.76 Man opfere Speise mit dem Grundmantra und Butter mit Oṃ, der Reihe nach einhundertacht- oder eintausendmal.

22.77 Danach gebe man den Rest der Opferspeise in die Bali-Schale. Man richte sie wie zuvor her, besprenge sie und vollziehe mit dem Grundmantra die Herbeirufung.

22.78 Man reiche Wasser für die Füße und die Ehrengabe, verehre mit Duftstoffen und Blumen, verneige sich, preise die Gottheit mit Hymnen und trage vor:

22.79 „Erhabener, dieses Sühneritual wegen des Herabfallens der Bali-Gabe habe ich vollzogen. Möge es durch deine Gnade vollständig sein und uns Frieden schenken!“

22.80 Man lasse die Brahmanen den glückverheißenden Tag und das Heil ausrufen. Mit Obergewand bekleidet, verneige man sich gesammelt und spreche Lobpreis.

22.81 Man hebe die Schale empor, wiederhole die Weltenrufe und setze sie mit Oṃ auf den Kopf. Unter Muschel- und Instrumentenklang gehe man langsam rechtsherum.

22.82 Danach bringe der Kundige sie hinein und stelle sie im Nordosten ab. Nach der Verabschiedung trage man die Speise hinaus und bestimme sie für Viṣvaksena.

22.83 Man wasche die Schale mit Wasser, vollziehe selbst die vorgeschriebene Mundspülung und stelle die Schale im Tempel ab. Danach vollziehe man ein befriedendes Ritual.

22.84 Nach der Anordnung des Tierkreises verehre der Wissende Keśava und die übrigen auf dem Radlotus in ihrer Reihenfolge, verbunden mit dem Feuerritual.

22.85 Auch den Herrn der Richtung, in der die Bali-Gabe fiel, den Herrn des betreffenden Monats sowie die Gottheiten von Mondtag, Mondhaus, Wochentag und Tierkreiszeichen stelle man durch Gaben zufrieden.

Kapitel 23

23.1 Nun erkläre ich kurz die Verehrung des Alls, die allen Segen verleiht, mit ihrer Verteilung auf die Himmelsrichtungen, zum Wohl sämtlicher Welten.

23.2 Ist die Gottheit vorschriftsmäßig aufgestellt, verehre man sie nach der rechten Ordnung. Die Verehrung aller Gottheiten soll zur Förderung des Gedeihens oder auch regelmäßig vollzogen werden.

23.3 In der Mitte verehre man Viṣṇu mit seinen Gliedern, danach die Götter in den Haupt- und Zwischenrichtungen: im Osten beginnend Puruṣa, Satya, Acyuta und Aniruddha,

23.4 ferner Viśvarūpa, Vaikuṇṭha, Sarva und Bhāvana. Diese Herren des heiligen Wissens tragen Muschel, Rad und Keule.

23.5 Als Gestalten Viṣṇus sind sie stets mit ihren jeweiligen Scharen einzeln zu verehren. Die acht schön gestalteten, alle Wünsche gewährenden Kräfte stehen auf Bhṛśa und den übrigen Feldern:

23.6 Prajñā, Buddhi, Smṛti, Kīrti, Śruti, Medhā, Dhṛti und Kṣamā. Muschel, Sudarśana-Rad, Pflug, Keule, Stößel und Schwert,

23.7 Bogen und der vortreffliche Kranz bilden die acht Zeichen außen in den Haupt- und Zwischenrichtungen. Danach folgen Donnerkeil, Stab, Dreizack und Schlinge als Waffen,

23.8 ferner Lanze und weitere Waffen, die Viṣṇu-Waffe auf Bhṛśa und den folgenden Feldern. In dieser Waffen-Einfassung verehre man auch den Spieß mit der Axt. [Die Abfolge der Waffen ist im Wortlaut nicht ganz eindeutig.]

23.9 Außerhalb stehen die acht Weltenhüter: Indra, Yama, Varuṇa, Soma, Agni, Nirṛti, Vāyu und Īśāna.

23.10 Auf Bhṛśa und den folgenden Feldern stehen Ādityas, Viśvedevas, Maruts, die Herren der Hindernisse, Skanda, Rudras, Vasus und die beiden Aśvins.

23.11 Außen verehre man die Planetenscharen, die Ahnen- und Yakṣa-Scharen, Gandharvas, alle Wesen, Ambikā und die Rākṣasas.

23.12 Vidyādharas und Siddhas sind sämtlich mit ihren eigenen Namen zu verehren; danach Apsaras, Weltenmütter, Kūṣmāṇḍas und Piśācas,

23.13 Nāgas, Kinnaras, Schlangen und die Verkörperungen der Krankheiten auf Bhṛśa und den weiteren Feldern. Nandana und Kumuda sind rechts und links die Torhüter.

23.14 Zwischen Heiligtum und Torbau verehre man das Banner; das Pferd steht im Zwischenraum zu Bhṛśa. Der Wagen steht zwischen Gṛha und Indra, der Vogelkönig zwischen Parjanya und Indra. [Die Namen bezeichnen hier Felder des Bauplans.]

23.15 Suvarcas, der Herr der Krüge, ist zwischen Puṃ und Śaṅkha zu verehren. Zwischen Umfassung und Tempel verehre man den Hallenherrn Bala.

23.16 Im Vorratshaus verehre man Akṣaya, am Wasserplatz Nara, am Versammlungsort Adbhuta und in der Küche Vṛddhikara.

23.17 Im Kochhaus verehre man Unmāda, im Speisesaal Tarpaṇa, im Blumenhaus Kundara und am Ausgang Vikṣara.

23.18 Auf dem Sockel verehre man Bala und Atibala als Wächter der Bali-Gaben. Vikaṭa und Virūpākṣa bewachen den östlichen Torbau.

23.19 Als furchterregende, keulentragende Torhüter stehen sie rechts und links. Sanātana und Sanaka bewachen das südliche Tor;

23.20 mit Schwert und Hammer versehen sind sie sorgfältig zu verehren. Im Westen stehen Śānta und Pramoda mit Stab und Schlinge,

23.21 im Norden Sarvada und Sarvadamana mit Bogen und Köcher. Außen im Nordosten steht Caraka, im Südosten Vidāra, im Südwesten Pūtana

23.22 und außen im Nordwesten der Rākṣasa Pāpacāraka. Im Osten steht der Herr des Bali-Sockels, im Süden der Gott Nandikara,

23.23 hinten Vibhīṣaṇa, im Norden Sulabha als Ortswächter. Die nicht eigens genannten Mütter, Ananta, Viṣvaksena und die Bannerherren,

23.24 Revanta und die Feldhüter sind jeweils an ihren Orten zu verehren. Für ein stehendes oder sitzendes Bild gelten vierundsechzig Felder, für ein liegendes einundachtzig.

23.25 Allgemein ist auch der Plan mit hundert Feldern vorgesehen; die Aufteilung innerhalb der Umfassungen ist dreifach. Das Heiligtum plane man auf den vier inneren Feldern und in doppelter Ausdehnung. [Die genaue Beziehung der Maßangaben bleibt im knappen Wortlaut offen.]

23.26 Rechts gestalte man den vierarmigen, keulentragenden Torhüter Nandana; ebenso links Kumuda mit Paṭṭasa-Waffe und Schlinge.

23.27 Links richte man beim Sitz einen um einen halben beziehungsweise einen viertel Finger versetzten Schrein ein. Beim Hundertfelderplan ragen die einzelnen Begleitschreine in die Felder hinein. [Die erste Maßangabe ist sprachlich unsicher.]

23.28 Wie beim Vierundsechzigfelderplan die Gottheiten einzeln an den Schnittpunkten stehen, so wird beim Hundertfelderplan die Anlage des inneren Heiligtums und der übrigen Räume beschrieben.

23.29 Am vierten Schnittpunkt von Aryaman, Vivasvat, Mitra und Bhūbhṛt errichte man die Schreine für Puruṣa und die übrigen; an den ersten Schnittpunkten von Sāvitra und den folgenden

23.30 lege man der Reihe nach die Plätze für Viśva und die anderen fest. Am dritten Schnittpunkt Aryamans, am fünften Vivasvats,

23.31 an dessen drittem, am fünften Mitras und dessen drittem, am fünften Bhūbhṛts und dessen drittem sowie am fünften Aryamans

23.32 werden in dieser Reihenfolge die Schreine Prajñās und der übrigen angegeben. Muschel und die weiteren Zeichen stehen an den ersten Schnittpunkten der vier, angefangen mit Aryaman.

23.33 Ebenso stehen die Schreine für Stößel und die übrigen an den ersten Schnittpunkten von Sāvitra und den folgenden. An den Schnittpunkten je zweier der zwölf, angefangen mit Aryaman und Savitṛ,

23.34 ordne man Donnerkeil und die übrigen Waffen mit geringem Abstand von der Achsenlinie an. Die Verkörperungen von Donnerkeil, Stab und weiteren Waffen stelle man mit ihren eigenen Waffen und den Wesenscharen auf.

23.35 An den acht Orten, angefangen mit dem Schnittpunkt von Bhānu und Indra, stehen Indra und die übrigen Weltenhüter. An den Schnittpunkten Bhṛśa–Kha und Gṛhakṣata–Vitatha,

23.36 Gandharva–Bhṛṅga, Dvāḥstha–Sugrīva, Śvāsa–Śoṣaṇa, Nāga–Mukhya, Diti–Ṛka

23.37 und Jaya–Parjanya verehre man die übrigen Gottheitenscharen. Außen vor Arka, Yama, Vārīśa und Soma stehen die Planeten und die weiteren Gruppen. [Einzelne Feldnamen in 23.35–37 sind in der Vorlage verkürzt oder ungewöhnlich.]

23.38 Außerhalb von Agni, Pitṛ, Roga und Īśa stehen Caṇḍikā und die übrigen. Außen vor Kha stehen die Apsaras; bei Pūṣan die Ahnen, Bhadras und Vināyakas. [Die Zusammensetzung der letzten Gruppe ist nicht eindeutig.]

23.39 Bei Mṛga stehen die Kūṣmāṇḍas, bei Dvāḥstha die Piśācas, bei Śoṣaṇa die Schlangenwesen, bei Mukhya die Kinnaras; Schlangen und Krankheiten bei Argaḷa und Śiva.

23.40 Auf Satya errichte der Kundige die Aufführungsstätte, auf Parjanya den Wasserplatz. Die Häuser von Caraka, Vidāra, Pūtana und dem Rākṣasa

23.41 liegen an den äußeren Ecken von Īśa, Agni, Pitṛ und Roga. Noch weiter außen steht die begrenzende Mauer mit hohen Torbauten.

23.42 Der Bali-Sockel ist nach der Baulehre außerhalb des Torbaus anzulegen. Zwischen Śakra und dem Torbau wird der Platz des Banners bestimmt.

23.43 Ringsherum liegen der Reihe nach die Räume für Pferd, Wagen und Garuḍa. Der Herr der Krüge ist zwischen Śaṅkha und dem Torbau aufzustellen.

23.44 Ebenso steht der Herr der Halle zwischen Umfassung und Tempel. Am Schnittpunkt von Bhallāṭa lege man das Vorratshaus an.

23.45 Auf Mahendra liegt der Versammlungsort, auf Satya der Speisesaal; auf Pūṣan die Küche, auf Mṛga das Blumenhaus, auf Puṣpadanta der Wasserabfluss.

23.46 Dieser kann auch auf Satya liegen. Der Brunnen ist im Bereich Aditis anzulegen, der Bali-Platz auf Asura; der Raum für Duftstoffe wird auf Roga angegeben.

23.47 Īśa, Agni, Pitṛ und Roga sind die Eckgottheiten. Auf Argaḷa liegt der Schrein des Feldhüters, auf Bhṛṅga derjenige Śāstṛs.

23.48 Dies ist die Anordnung für die universale Verehrung Haris bei einem nach Osten gerichteten Heiligtum. Bei einem westwärts gerichteten sind Banner und weitere Anlagen entsprechend umzukehren.

23.49 Dann liegt die Aufführungsstätte auf Asura, die Bali-Halle auf Satya und der Wasserabfluss auf Mahendra. Dies ist die Ordnung des Hundertfelderplans.

23.50 Vier stehen an den Schnittpunkten; die übrigen sind die Herren der weiteren Schnittpunkte. So wird hier der Unterschied beim Vierundsechzigfelderplan angegeben. [Die verkürzte Anweisung lässt die Zuordnung nicht vollständig erkennen.]

23.51 Kumuda und Karavīra sind die vierarmigen Torhüter. Vorne, am vierten Schnittpunkt Aryamans, liegt Garuḍas Schrein.

23.52 Für Subhadra, Subāhu, Vijaya, Bala, Kumuda, Muni und Viṣvaksena

23.53 sind vom Südosten an die genannten Schreine der Scharenherren anzulegen. Alle sind vierarmig darzustellen und tragen Keule, Rad und Schwert.

23.54 Ihre Farben sind Gold, Muschelweiß, Blau wie eine Wolke, Schwarz, Gelbbraun, Hell und Dunkel. Sie stehen bei Aryaman und den folgenden; auch die Weltenhüter sind dort angegeben.

23.55 Die Gottheiten an den Grenzen des Tempelgeländes sind an der Umfassung aufzustellen. Vor Bhānu steht das Rad, danach folgen Torbau und Sockel.

23.56 In den vier Ecken liegen die Plätze der Rākṣasas. Beim Einundachtzigfelderplan ist ringsum eine Anordnung in Gruppen von jeweils drei Feldern vorgesehen.

23.57 Scharenherren und Richtungsherren stehen auf ihren eigenen Feldern. Im Übrigen vollziehe man die angegebene Reihenfolge der Umgebungen Viṣṇus.

23.58 Die Häuser der Rākṣasas liegen außen an den Ecken der Umfassung. Ebenso errichte man die Torbauten und die weiteren Anlagen samt Bali-Sockel.

23.59 Wer auf diese Weise hier ein Heiligtum Viṣṇus errichtet, erlangt alle ersehnten Güter und gelangt schließlich zu Viṣṇus Stätte.

23.60 Muschel, Rad, Keule, Schwert, Stößel, Pflug, Bogen, Haken und Kranz: Auch ihre Schreine werden hier angegeben.

23.61 Die Waffen Haris gestalte man in den Farben von Milch, Gold, Luftraum, Blau, Blut, Lotus, Wolke, Feuer und Blitz; auf dem Haupt tragen sie ihr jeweiliges Zeichen.

23.62 Die früher genannten sollen unbeweglich sein, die anderen beweglich und glückverheißend. Man richte sie einander zugewandt aus, andere ebenso nach Süden und Norden. [Worauf sich „die früher genannten“ genau bezieht, ist hier nicht sicher.]

23.63 Dem bereits bestehenden Heiligtum der ortsbeherrschenden Gottheit gegenüber soll, wer keine Feindschaft hervorrufen will, kein anderes Heiligtum errichtet werden.

23.64 Wer dies aus Unwissenheit dennoch tut, dessen Ort geht samt seinem Wohlstand zugrunde. Auch sollen zwei Gotteshäuser nicht unmittelbar gegeneinander ausgerichtet werden,

23.65 ebenso wenig Rücken an Rücken; dies gilt als verderblich für König und Land. Man baue auch nicht unmittelbar hintereinander; geschieht dies, wird ein anderer eingesetzt. [Die letzte Folge ist im Wortlaut knapp und nicht eindeutig.]

23.66 Keinesfalls errichte man sie entgegengesetzt auf derselben Achse. In die Richtung, in welche die Hauptgottheit blickt, sollen auch die anderen Gottheiten blicken.

23.67 Die Begleitgottheiten aber sollen stets der Hauptgottheit zugewandt sein. Man überschreite nicht dieselbe Achsenlinie und richte sie nicht entgegengesetzt aus.

23.68 Als günstig gilt, wenn zwei einander mit dem rechten Auge sehen; die gegenseitige Sicht mit dem linken Auge gilt dagegen als ungünstig.

23.69 Auch bei der Anordnung der Begleitgottheiten überschreite man nicht die Achse. Man halte einen Fingerbreit oder ein Golaka-Maß Abstand.

23.70 Ein sitzendes Bild in der Dorfmitte soll nach Osten blicken. Ein stehendes Bild im Osten oder Westen des Dorfes sei dem Dorf zugewandt.

23.71 Ein liegendes Bild im Süden ist nach Westen auszurichten, ein liegendes Bild im Norden nach Osten.

23.72 Je nach Beschaffenheit des Geländes kann auch eine andere Blickrichtung gewählt werden. Wasserbecken liegen vor der Gottheit, südlich oder ringsum.

23.73 Man errichte Dorf oder Stadt nicht dem Blick Rudras unmittelbar gegenüber. Auch eine erhöhte Lage für Durgā und die weiteren Gottheiten ist hier nicht erwünscht.

23.74 Wo Viṣṇu tiefer steht und andere Gottheiten höher, dort, so heißt es, gehen der Ort oder das Land bald zugrunde.

23.75 Im Wald, am Berg, an einer heiligen Badestätte, am Flussufer, am Zusammenfluss oder auf heiligem Feld beschaffe man gläubig und mit Umsicht Boden und weitere Erfordernisse.

23.76 Die im Götterbereich stehende Gottheit verehre man sorgfältig, selbst in diesem Bereich stehend; die den Piśācas und Asuras zugewiesenen Bereiche meide man.

23.77 Auch den im Brahma-Bereich stehenden Gott der Götter verehre man, selbst im Götterbereich stehend, mit dort bereitgestellten Gaben.

23.78 Wer Vollendung begehrt, trete von der diagonalen Achse zurück, halte sich an die rechte Seite und verehre die Gottheit aufmerksam.

23.79 Das Japa lege man, mit umschließenden Mantras versehen, der Gottheit zur Seite nieder; oder man bringe stets unmittelbar nach der Wiederholung das vollzogene Japa dem Erhabenen dar.

23.80 Während Verehrung und Japa meide man die Brahma-Achse. So bleibt diese Ordnung von Japa und Verehrung stets frei von Hindernissen.

23.81 Wer Viṣṇu auf diese Weise voller Hingabe verehrt, genießt die ersehnten Güter und gelangt danach in dieselbe Welt wie Viṣṇu.

23.82 Hat man ihn rechtmäßig, umgeben von allen Gottheitenscharen, verehrt, vollziehe man anschließend nach den eigenen Möglichkeiten Viṣṇus rituelle Waschung.

23.83 Die Verehrung sämtlicher Gottheiten und das Feueropfer erfolgen mit ihren jeweiligen Namen: für jede einzeln mit Brennhölzern, Butter und Speise, mit Opferspeise oder auch allein mit Butter.

23.84 Den Wesen gebe man Bali-Gaben und speise nach den eigenen Möglichkeiten die Brahmanen.

Kapitel 24

24.1 Nun erkläre ich kurz die erhabene Ordnung zur Erneuerung des Verfallenen. Dabei ist gegenüber der ersten Aufstellung in jeder Hinsicht zehnfache Sorgfalt vorgeschrieben.

24.2 Ist das Bild Haris, des Selbstes aller, zerbrochen, verfallen oder aus seiner festen Stellung geraten, gilt dies als Gefahr für Dorf und Land; deshalb muss es entfernt und erneuert werden.

24.3 Wie der verkörperte Geist einen verbrauchten Leib verlässt und in einen anderen eingeht, so verlässt auch die Gottheit ein verfallenes Bild und nimmt ein neues an.

24.4 Der Herr der Götter verlässt das alte Bild wie einen verwelkten Kranz. Damit keine Unheilswesen eindringen, soll man es ohne Verzögerung entfernen.

24.5 Sogleich rufe man Brahmanen zusammen, die das Tantra kennen und in den Veden bewandert sind: hundert, tausend, zehntausend oder nach Vermögen noch mehr.

24.6 Nachdem man sie nach Kräften geehrt hat, umschreite man sie hingebungsvoll rechtsherum und verneige sich gesammelt mit dem Mantra „Verehrung dem Brahmanfreundlichen“.

24.7 Der Lehrer samt den Bildhütern lasse sie zahlreiche Segensworte sprechen. Mit „Sieg sei dir“ verneige er sich vor ihnen, erhebe sich wieder und wahre Sammlung in seiner Rede.

24.8 Im Geist über die Gottheit meditierend spreche er mit gefalteten Händen: „Dieses Kultbild Viṣṇus wurde von den früheren Weisen aufgestellt.

24.9 Nun ist es durch diesen Schaden beeinträchtigt. Die Vorschrift lautet, dass ein beschädigtes Bild entfernt werden muss.

24.10 Wir haben uns vorgenommen, diese Anordnung des Āgama auszuführen. Wenn dies hier dem Sinn der Überlieferung entsprechend geschehen soll,

24.11 so mögen die Ehrwürdigen uns ihre Zustimmung geben; wir wollen eurer Weisung folgen.“ Nachdem die besten Zweimalgeborenen ohne Bedenken „Es geschehe!“ gesagt haben,

24.12 trage er ihnen zum Wohl der Welt noch Folgendes vor: „So wie eine zunächst untadelige Gabe, etwa Blumen, im Gottesdienst verwendet wird

24.13 und danach als bereits dargebrachte Gabe nicht nochmals verwendet werden soll, so wird auch ein zunächst unbeschädigtes Bild zur Verehrung verwendet

24.14 und gilt, wenn es später beschädigt ist, als ausgedient. Deshalb sollt ihr dieses beschädigte Bild ohne Zweifel

24.15 im Bewusstsein einer bereits dargebrachten Gabe loslassen: So lautet die Weisung der Schrift.“ Dann verkünden die Brahmanen ohne Bedenken den Segen

24.16 zum Frieden des Opferherrn, des Gurus und der Priesterschaft, des Königs, dieser Landschaft, des Dorfes und der Stadt.

24.17 Danach gehe der Guru hinaus; er nehme den Herrn der Götter in sich selbst auf oder rufe ihn in einen Krug herbei und vollziehe dann die Entfernung des Bildes.

24.18 Vor dem Tempel verrichte man nach Vorschrift ein befriedendes Feueropfer mit Dūrvā-Gräsern, bestrichen mit den drei süßen Stoffen, oder mit Brennhölzern milchsaftführender Bäume.

24.19 Mit dem Sāvitrī-Mantra opfere man sie samt Butter achttausendmal. Danach lasse man mit Weltenrufen und Upaniṣad-Mantras Frieden erflehen.

24.20 „Friede sei! Wohlergehen sei! Gedeihen sei! Segen sei! Heil sei! Fülle sei! Allen mögen gute Güter zuteilwerden:

24.21 den Kühen und Brahmanen, den Kriegern, Kaufleuten und Śūdras, den Welten und allen Wesen, dem König und dem Landvolk,

24.22 besonders diesem Land, dem Dorf und der Stadt sowie diesem Opferherrn mit seinen Dienern und Angehörigen.

24.23 Möge das Ritual der Entfernung des Bildes vollständig gelingen!“ So verkünde man. Der Opferherr verneige sich vor dem Lehrer und gewinne seine Zufriedenheit.

24.24 Durch großzügige Gaben von Gold, Edelsteinen und anderem erfreue er ihn. Er bringe ihm seinen gesamten Besitz und sich selbst dar.

24.25 Gold, Kühe, Land, Pferde, Edelsteine, Kleidung, Elefanten, Schmuck, Frauen, Diener, Sitze und Lagerstätten

24.26 sowie anderes, was ihm lieb ist und was er geben kann, soll er nach dieser Vorschrift schenken. Den Bildhütern gebe er ein Viertel davon oder mehr. [Die Aufzählung in 24.25 spiegelt historische Besitz- und Abhängigkeitsverhältnisse; sie ist keine Empfehlung für heutige Praxis.]

24.27 Nach den Körperauflegungen samt innerer Auflösung und Neuentstehung schmücke der Lehrer mit seinen Helfern sorgfältig das Bild.

24.28 Nach der Segnung des Tages stehen sie gesammelt, mit gebundenem Turban, schweigend, rituell geschützt und mit Schutzbändern versehen bereit.

24.29 Der Lehrer binde mit dem Radmantra einen goldenen Armreif an die Hand des Opferherrn; ist keiner vorhanden, eine gelbe Schnur oder Girlande.

24.30 Nach Mantra-Wiederholung gebe der Lehrer auch dem Baumeister Senfkörner. Dann lasse man Instrumentenklang und Vedenrezitation in die Richtungen erschallen.

24.31 Einen geschmückten Stier oder Elefanten stelle man vorne auf. Man befestige Seile aus Haar und anderen Materialien und richte eine Hebevorrichtung ein.

24.32 Man rezitiere „Erhebe dich“, den Nāsat-Hymnus, „Nicht dir, Vater“, den Ananta-Hymnus, „Das Süßeste“ und weitere glückverheißende Texte,

24.33 ferner Yaudhājaya, Raurava, Bṛhat-Sāman, Rathantara, „Mit welcher Schönheit“, Jyeṣṭha-Sāman, Vairāja und weitere heilige Gesänge,

24.34 den vollständigen Yajuṣ-Pavitra-Text, die vorzüglichen Viṣṇu-Texte, den Puruṣa- und den Pāvamāna-Hymnus sowie die fünf Upaniṣad-Mantras,

24.35 die Mantras von Rad, Śārṅga-Bogen und Schwert, die Gestalt-Mantras, die Verkörperungen, die drei Guṇas, das Ich-Prinzip und die Elemente samt den weiteren Prinzipien. [Die Vorlage nennt überwiegend Textanfänge und Mantrabezeichnungen, keine vollständigen Rezitationstexte.]

24.36 Zusammen mit den Priestern, die diese Texte wiederholen, löse der Lehrer mit guten goldenen Hebeln die Befestigung des Sockels.

24.37 Mit dem achtsilbigen Mantra festige er die Vorstellung: „Ich bin Viṣvaksena und entferne die ausgediente Gabe.“ Mit „Erde, Zwischenraum, Himmel, Oṃ“

24.38 hebe der Ausführende das Bild mittels der Vorrichtung aus seiner Vertiefung, begleitet von Veden, Hymnen, Japa, Instrumenten und zahlreichen Siegesrufen.

24.39 Unter Tanz, Gesang und lautem Jubel bringe man das Bild hinaus, ringsum in unbenutzte, feine Gewänder gehüllt.

24.40 Mit der am Anfang und Ende von Oṃ umschlossenen Gāyatrī erweise man ihm die Ehrungen. Im Süden bereite man einen viereckigen Sandaltar.

24.41 Man streue Sesam und Darbha-Gras aus und lege das Bild darauf. Dort wasche man es mit Wasser und verehre es mit Duftstoffen und Blumen.

24.42 Dreimal umschreite man es gegen den Uhrzeigersinn und bestreue es mit Reis und Sesam. Danach bedecke man es mit weiteren feinen Gewändern und hebe es auf ein Fahrzeug. [Vor „weiteren“ ist die IAST-Vorlage durch ein fremdes Schriftzeichen beschädigt; der Zusammenhang ist dennoch verständlich.]

24.43 Geschmückt mit Schirmen, Bannern, Fahnen und Wedeln, begleitet von den Rufen vieler Menschen, bringe man es zu einem Fluss, der ins Meer mündet.

24.44 An einer tiefen Stelle meditiere man über den vierarmigen Viṣvaksena und versenke das Bild mit dessen auf „Verehrung“ endendem Mantra im Wasser.

24.45 Auch den Sockel und den Brahma-Stein betrachte man als ausgediente Gaben. Alle baden dort und kehren dann zum Tempel zurück.

24.46 Man reinige ihn, speise nach Kräften viele Brahmanen und lasse sorgfältig drei oder vier Nächte lang Kühe darin wohnen.

24.47 In diesen Nächten gebe man ihnen reichlich Gras und Wasser. Drei Tage lang lasse man auf diese Weise Speisegaben und Segensrezitation vollziehen,

24.48 das Unheil abwehrende Ritual, das Vāstu-Feueropfer und den Vortrag von Veden und Hymnen. Zuerst erkläre man den Tag für glückverheißend; dann besprenge man mit verschiedenen Mantras

24.49 außen und innen mit Wasser, Kuhprodukten und ungebrochenem Reis. Man opfere mit den fünf Durgā-Mantras, dem Grundmantra, den Upaniṣad-Mantras und weiteren Formeln,

24.50 auch mit Unheil abwehrenden Mantras, und lasse Veden und Instrumente erklingen. Mit den Bildhütern hole man das neue, zuvor im Wasser ruhende Bild herbei.

24.51 Nach ordnungsgemäßer Reinigung bette der Guru es in der Halle. Die Bildhüter opfern in den Richtungen; die Mantrakundigen wiederholen

24.52 vedische und tantrische Mantras sowie Namen tausendfach. Den Viṣṇu-Mantras stelle man Oṃ voran und rezitiere sie.

24.53 Mit Oṃ berühre man das Bild und meditiere im Herzen über Mādhava; das Herz des Gottes der Götter berühre man mit „Durch Viṣṇus Ausschreiten“.

24.54 Mit dem entsprechenden Mantra berühre man Gesicht, Augen und Nase; mit dem Hiraṇyagarbha-Mantra berühre man nochmals den ganzen Körper.

24.55 Mit dem Puruṣa-Hymnus nehme man das vorbereitete Bild auf. Nach dem Einlegen der Edelsteine und den weiteren Handlungen umschreite man wie zuvor dreimal rechtsherum

24.56 unter Vedenrezitation, Siegesrufen, Hymnen, Tanz und Gesang. Mit „Fest steht der Himmel“ stelle man es auf und spreche „Vaṣaṭ dir“.

24.57 Mit den Mantras von Parameṣṭhin und den übrigen, jeweils mit Oṃ verbunden, lege man einzeln die fünf Upaniṣad-Prinzipien auf und meditiere darüber:

24.58 der Reihe nach auf Haupt, Mund, Herz, Nabel und Füße; Oṃ lege man überall auf. Mit dem Nārāyaṇa- und dem Puruṣa-Hymnus durchdringe man das Ganze,

24.59 ebenso mit „Dessen Auge überall ist“, und vergegenwärtige so die vollständige Gestalt. Nachdem man die im Krug anwesende Gegenwart auf das neue Bild übertragen hat, verfahre man auf diese Weise.

24.60 Nach der Einsetzungsordnung vollziehe man alles bis zum abschließenden Fest. Mit der Sāvitrī und den fünf Ṛc-Versen richte man ein befriedendes Feueropfer aus. [Die Lesung der zweiten Mantrabezeichnung ist unsicher.]

24.61 Bei abgetrenntem Arm oder abgetrennter Hand ist das Bild aufzugeben. Wo ein gebrochenes Glied die Gestalt entstellt, soll man es ebenfalls aufgeben.

24.62 Sind jedoch nur ein oder zwei Finger abgebrochen, gebe man es nicht auf. Darüber hinaus ist es aufzugeben; manche verlangen dies bei drei abgetrennten Fingern.

24.63 Ebenso verfahre man bei abgebrochenen Zehen und anderen entsprechenden Schäden. Bei Rissen und Spaltungen ist das Aufgeben vorgeschrieben.

24.64 Ein abgebrochener Finger oder zwei solche Finger sind bei Metallbildern aus Gold zu ersetzen; bei einem Steinbild aus Kupfer oder Silber.

24.65 Ist eine Waffe abgebrochen, stelle man sie überall aus Gold neu her. Dies gilt auch als empfehlenswert bei Krone, Ohrringen, Gewändern und weiterem Schmuck.

24.66 Beim Aufgeben eines Bildes ist das Vorgehen wie beim Hereinbringen des beweglichen Bildes vorgesehen; Aufstellung und Verehrung gehören dazu. Ein unbeschädigter Sockel soll hier nicht übernommen werden. [Der erste Vergleich ist im Wortlaut unsicher.]

24.67 Für das anschließende Ritual verwende man neue, glückverheißende Materialien, Sockel und Steine. Dasselbe Postament für beide Bilder zu verwenden, wird missbilligt.

24.68 Ein Steinbild vergrabe man an einem abgelegenen Ort; ein Holzbild verbrenne man. Edelstein- und Metallbilder gebe man weg oder fertige aus eingeschmolzenem Metall ein neues.

24.69 Ein Erdbild versenke man im Wasser; alternativ gilt dies für jedes aus irdischem Stoff gefertigte Bild. Wo nach dem Bruch des Bildes das Heiligtum der Gottheit weiterhin besteht,

24.70 dort lasse man ein anderes Bild aus Gold, Metall oder Edelstein herstellen, stelle es vorne auf und verehre es nach Vorschrift.

24.71 Weise sagen auch, dieses sei ohne Mantras zu verehren. Bei alten Bildern und solchen, die von Göttern oder anderen höheren Wesen eingesetzt wurden,

24.72 gilt dieselbe Regel, ebenso bei einem von selbst entstandenen Bild. Im Zweifel komme man mit vielen Viṣṇu-Verehrern zusammen, die die Veden gründlich kennen.

24.73 Man vollziehe voller Hingabe eine große Verehrung der Gottheit, begleitet von heiligen Instrumenten, am zwölften Mondtag oder unter dem Mondhaus Śravaṇa.

24.74 Nach dem Fasten schlafe man auf einem Darbha-Lager nahe der Gottheit: „Gott, Herr der Götter, ich bin in deine Nähe gekommen und habe Zuflucht genommen.

24.75 Zeige uns im Traum all jene zu klärenden Aufgaben, die uns im Herzen liegen!“ Wenn man dies vorgetragen hat und schläft, soll ein entsprechender Traum erscheinen.

24.76 Nach zwei- oder dreimaliger Durchführung entscheide der Kundige über das Vorgehen. Den Tempel errichte man neu, rund oder viereckig.

24.77 Einen viereckigen baue man wie zuvor; bei einem runden bleibe es bei der runden Form, nicht anders. Weder die Grundfläche noch einzelne Bauteile sollen verkleinert werden.

24.78 Einen Ort ohne Gottheit nehmen nach dieser Vorstellung unheilvolle Wesen ein. Um dies abzuwehren, sorge man besonders für Schutz.

24.79 Kühe, Harzräucherung, Licht, geweihtes Feuer, die fünf Kuhprodukte, Brahmanen, Darbha-Gras und Senfkörner dürfen nicht fehlen.

24.80 Man wiederhole den Unheil abwehrenden Hymnus sowie die Narasiṃha- und Sudarśana-Mantras. In der Abenddämmerung rezitiere man Hymnen und spreche den Segen:

24.81 „Oṃ. Viṣṇu sei uns stets zum Heil! Der Viergesichtige sei uns zum Heil! Rudra sei uns stets zum Heil! Der Vollbringer von hundert Opfern sei uns zum Heil!

24.82 Das Feuer sei uns stets zum Heil! Yama sei uns stets zum Heil! Der als Nirṛti Bekannte sei uns zum Heil! Varuṇa sei uns stets zum Heil!

24.83 Vāyu sei uns stets zum Heil! Der Herr des Reichtums sei uns zum Heil! Īśāna sei uns stets zum Heil! Die Schar der Maruts sei uns zum Heil!

24.84 Die Vasus seien uns zum Heil, die Rudras stets zum Heil! Die Ādityas seien uns zum Heil, die Weisen stets zum Heil!

24.85 Die Gandharvas seien uns zum Heil, die Kinnaras seien uns zum Heil! Die Nāgas seien uns zum Heil, die Schlangenwesen seien uns zum Heil!

24.86 Die Herren des heiligen Wissens seien uns zum Heil, die Apsaras stets zum Heil! Die Flüsse seien uns zum Heil, die Ströme stets zum Heil!

24.87 Die Meere seien uns zum Heil, die Berge stets zum Heil! Die Brüder seien uns zum Heil, die Ahnen stets zum Heil!

24.88 Alle Gefährten der Gottheit seien uns stets zum Heil! Heil den Verehrern des Erhabenen! Heil den Erstgeborenen!

24.89 Heil den Verehrenden! Heil auch den Kühen! Heil den unbeweglichen und ebenso den beweglichen Wesen!

24.90 Heil den Mantras! Heil auch den heiligen Handlungen! Dies ist die Bali-Gabe für den Gott Viṣṇu: Ihm sei wieder und wieder Verehrung!“

24.91 Welche Handlung auch vollzogen wird, der Lehrer nenne sie jeweils ausdrücklich und spreche auf diese Weise den Segen; so wird sie glückverheißend.

24.92 Dann lasse man in den Richtungen Bali für die acht Arten von Wesen darbringen. Nachdem man das neue Bild eingesetzt hat, vollziehe man die Waschung und das Fest.

24.93 Täglich verehre man wie zuvor. Auf diese Weise wird das Werk gelingen.

Kapitel 25

25.1 Nun erkläre ich kurz die Abhilfe bei unheilvollen Erscheinungen und die Reihenfolge der Reinigung von Heiligtum und Bild.

25.2 Weil solche Erscheinungen im Voraus auftreten, heißen sie Vorzeichen; sie kündigen Gefahr an. Die Tantras unterscheiden himmlische, atmosphärische und irdische.

25.3 Tempel, innerstes Heiligtum, Sockel und Bild gelten als Leib des Bogenträgers Viṣṇu. Die Brahmanen sollen sie deshalb stets vor dem Auftreten solcher Störungen bewahren.

25.4 Sind unheilvolle Erscheinungen eingetreten, darf Haris Verehrung zunächst nicht stattfinden. Bild, Sockel und Tempel samt den zugehörigen Gottheiten dürfen nicht berührt werden.

25.5 Solange die Abhilfe nicht vollzogen ist, erzürnen die Gottheiten nach dieser Vorstellung durch Berührung oder Verehrung. Deshalb lasse man rasch und sorgfältig die Abhilfe ausführen.

25.6 Ein von solchen Störungen betroffenes Bild Viṣṇus gleicht einem Feuer im Baldachin; ehe Abhilfe erfolgt ist, dürfen Kundige es keinesfalls verehren. [Das Bildwort der ersten Vershälfte ist ungewöhnlich.]

25.7 Wird die Abhilfe verzögert, schwindet die göttliche Gegenwart. Totengeister an diesem Ort erzeugen dann, so heißt es, für Menschen Angst durch Krankheit, Kummer und anderes Leid.

25.8 Dazu zählen Fallen, Sichbewegen, Schwitzen, Lachen oder Weinen eines Bildes, gewaltsames Herausreißen, Diebstahl, Brand und gewaltsame Zerstörung,

25.9 Beschädigungen von Sockel, Tempel, Banner, Waffen, Torbögen und Begleitbildern sowie das Auftreten von Pilzen, Ameisenhügeln, Würmern und Insekten,

25.10 das Eindringen von Hunden, Dieben, Menschen außerhalb der vorgeschriebenen Lebensordnung, Andersgläubigen und anderen als unbefugt betrachteten Personen; ebenso Verehrung durch Mantraunkundige, anders Gebundene oder Uneingeweihte,

25.11 die Verbindung mit geringeren oder fremden Mantras, zeitbedingter Verfall, eine fehlerhafte Ausrichtung sowie Verehrung mit abgestandenen, kraftlosen, verdorbenen oder verbotenen Gaben, [Einzelne Ausdrücke der ersten Vershälfte sind textlich unsicher.]

25.12 das Unterlassen der Verehrung ohne rechtfertigenden Grund, fahrlässige Missachtung der Zeiten, Streit, Tod, Geburt sowie das Herabfallen von Blut, Schleim oder Tränen.

25.13 Diese und weitere Erscheinungen gelten als Vorzeichen, die viele Beeinträchtigungen bringen. Deshalb muss man mit aller Sorgfalt unverzüglich

25.14 nach Vermögen das ausgleichende Ritual vollziehen; andernfalls drohe umfassender Schaden. Bei zahlreichen und besonders schweren Zeichen sei es umfangreich,

25.15 bei kleinen Zeichen geringfügiger oder sofort durchführbar. An Bild, Sockel, Heiligtum, Vorhalle und Hof verfahre man jeweils angemessen.

25.16 Je nach Schwere des Schadens vollziehe man Ausgraben und die übrigen Verfahren: Ausgraben, Entfernen, Verbrennen, Auffüllen, Unterbringen von Kühen,

25.17 Speisereste von Brahmanen und Kuhprodukte: Dies sind die sieben Arten der Ortsreinigung. Mit einem Khadira-Holzspaten und dem Waffenmantra grabe man eine Elle tief oder nach dem erforderlichen Maß.

25.18 Die gesamte verunreinigte Erde trage man in Gefäßen hinaus. Man brenne die Stelle mit Kuśa, Darbha und anderem aus und entferne danach auch Asche und Rückstände.

25.19 Die Grube fülle man mit guter Erde, benetze sie mit Kuhurin und dem Wasser von der Fußwaschung der Brahmanen und stampfe sie mit rituellen, „Elefantenfüße“ genannten Stampfern fest.

25.20 Man lasse eine Kuh dort wohnen und speise viele Viṣṇu verehrende Brahmanen mit Milchreis. Nach Entfernung ihrer Speisereste besprenge man den Ort mit Kuhprodukten und bestreue ihn mit Streugaben.

25.21 Damit ist die Ortsreinigung erklärt. Nun folgt die Reinigung des Bildes: der Reihe nach Abwaschen, Übergießen, Baden und Abwischen beziehungsweise Besprengen,

25.22 danach Begießen mit stetigem Strahl, Eintauchen und als siebtes die Weihewaschung. Abwaschen ist die schweigende Reinigung mit Wasser, Darbha, Erde und Rinde.

25.23 Übergießen erfolgt ohne Mantras mit Wasser, dem Duftstoffe, Blumen und ungebrochener Reis beigegeben sind. Baden erfolgt mit Mantras, Grasbüscheln und Wasser samt den vorgeschriebenen Stoffen.

25.24 Man fülle nach Vorschrift Wasser in ein Gefäß und verehre es mit Mantras. Mit den Spitzen der Grasbüschel besprenge man unter Mantras das Bild: Dies heißt hier Mārjana.

25.25 Im Nordosten stelle man auf Getreide und einem Grasbüschel ein metallenes Varuṇa-Gefäß auf und fülle es mit gutem Wasser samt einem weiteren Grasbüschel.

25.26 Man gebe goldene und silberne Fische und Schildkröten hinein, ebenso eine gewaschene Lotuspflanze mit Stängeln und Blüten.

25.27 Darin verehre man Varuṇa und rufe das heilige Wasser Viṣṇus herbei. Ein metallenes Gießgefäß stehe auf einem Dreifuß aus Palāśa oder anderem geeignetem Holz.

25.28 Dieses Gefäß mit goldgefasstem Loch und Grasbüschel fülle man über dem Bild. Täglich lasse man einen ununterbrochenen Wasserstrahl während einer Nachtwache fließen.

25.29 Unter Mantras schöpfe man Wasser aus dem Varuṇa-Gefäß und fülle es hier nach. Die fünf Upaniṣad-Mantras sollen von schweigsam Gesammelten mit Darbha in den Händen wiederholt werden,

25.30 die das Gefäß berühren, unzerstreut sind und über den unvergänglichen Viṣṇu meditieren. Auch der Puruṣa-, der Pāvamāna- und andere Viṣṇu-Hymnen

25.31 oder die gesamte Saṃhitā sind zu rezitieren; die übrigen Texte am Anfang und Ende. Nach dem Ende des Wasserstrahls verehre man die Gottheit und verabschiede Varuṇa wieder.

25.32 Wo die Wiederholung drei Nächte dauert, darf das Varuṇa-Gefäß nicht bewegt werden. Nach dem Schöpfen fülle man es wieder auf und vollziehe alles wie zuvor.

25.33 Auch ein Strahl aus Duftwasser, Milch oder Butter gilt als vorzüglich. Dabei muss ebenfalls die Verehrung Varuṇas stattfinden.

25.34 Man umhülle das Bild ringsum mit guten Gewändern und Darbha-Gras und stelle ein passend bemessenes Gefäß aus Opferholz bereit.

25.35 Täglich vollziehe man ordnungsgemäß das Eintauchen der Reihe nach in die einzelnen oder vereinigten Kuhprodukte und zuletzt in Duftwasser.

25.36 Man stelle fünf Krüge mit Grasbüscheln auf, mit Schnüren umwickelt und mit Duftstoffen, Blumen, Reis und Wasser gefüllt, nach der Ordnung der Upaniṣad-Mantras.

25.37 Ihre Öffnungen versehe man mit jungen Zweigen und kleinen Schalen mit Reis. Nach der Verehrung umhülle man sie mit Stoff und weihe sie mit denselben Mantras.

25.38 Mit diesen fünf vollziehe man die Waschung: Dies ist die Weihewaschung. Sechzehn, zwölf oder acht eingeweihte, Viṣṇu verehrende Zweimalgeborene

25.39 lassen Tag und Nacht die drei oder vier Veden erklingen. Lehrer und Bildhüter tragen neue Gewänder und haben die Mundspülung vollzogen.

25.40 Nachdem sie den glückverheißenden Tag ausgerufen haben, besprengen sie gesammelt nach Vorschrift mit Unheil abwehrenden, befriedenden und nährenden Mantras,

25.41 mit vedischen und tantrischen, alle mit Darbha-Spitzen in den Händen. Mit dem übrigen Wasser besprengen sie das Haus innen und außen überall.

25.42 Mit den fünf Mantras streue man Senfkörner und ungebrochenen Reis samt Kuhprodukten aus. In der gereinigten Halle weihe man danach vorschriftsmäßig das Feuer.

25.43 Alle Bildhüter opfern gemeinsam mit dem Lehrer in den Feuergruben. Überall vollziehen sie der Reihe nach die Feuereröffnung bis zum Hauptopfer.

25.44 Unzerstreut meditieren sie über den unvergänglichen Viṣṇu mit seinen Gliedern im Feuer und bringen mit den fünf Mantras dreitausend Buttergaben in sämtlichen Feuern dar.

25.45 Danach opfern alle mit dem achtsilbigen Mantra der Reihe nach je tausend Gaben von Brennholz, Butter, Reis, Sesam und Puffreis.

25.46 Anschließend opfern sie mit den Weltenrufen einhundertzwölf mit Butter bestrichene Palāśa-Hölzer.

25.47 Zur umfassenden Befriedung opfern sie alle mit der Sāvitrī der Reihe nach einhundertacht Gaben von Milch, Joghurt, Honig und Butter.

25.48 Am Ende des Feueropfers gebe der Opferherr ihnen nach seinen Möglichkeiten Gold als Entgelt und lasse sie dann Heil ausrufen.

25.49 Er vollziehe nach Vermögen eine Waschung, jedoch nicht in der geringsten Form. Nach Fußwaschung und Verehrung gebe er dem Lehrer die Gabe.

25.50 Viṣṇu im Geist gegenwärtig, schenke er nach Kräften Gold, Land und eine Kuh. Einhundertacht Viṣṇu verehrende Brahmanen ehre er gebührend,

25.51 verneige sich und lasse zum Ausgleich von Auslassungen und Überschreitungen Wohlergehen erflehen. Bei der geringeren Form dienen vier Bildhüter, bei der mittleren acht, bei der höchsten zwölf.

25.52 Entsprechend der Schwere des Mangels setze man sie mit Gewändern und Schmuck ein. Auch die Vollzieher von Feueropfer und Rezitation sowie die beisitzenden Viṣṇu verehrenden Brahmanen

25.53 ehre man alle nach Kräften mit guten Speisen, Getränken und anderem. Bei außergewöhnlichen Erscheinungen weihe der Guru im Nordosten das Feuer nach Vorschrift.

25.54 Nach Vollendung des Hauptopfers bringe er nochmals Buttergaben dar: mit den fünf Mantras, dem zwölf- und achtsilbigen, der Gāyatrī, dem Jitaṃte- und dem Puruṣa-Text.

25.55 Vierundzwanzigmal, hundertmal oder tausendmal opfere er; ferner Brennholz von Apāmārga, Chinnā, Indrī und eine Handvoll Bhadrikā,

25.56 Dūrvā, Senfkörner, Reis, Gerste, Sesam, Opferspeise und Butter. Danach nehme man das mit Opferresten und Kuhprodukten versehene, durch die fünf Mantras geweihte

25.57 übrige Wasser und besprenge mit dem Herzmantra die Stelle, an der Honig und dergleichen unerwartet aufgetreten sind. Dann vollziehe man eine Waschung mit einhundertacht oder mehr Krügen.

25.58 Ein von einem Hund berührtes Bild reinige man vielfach mit Kuhprodukten, danach mit reinem Wasser, Rindenauszügen, Duftstoffen und Wasser heiliger Stätten. [Die Vorlage liest „svaspṛṣṭām“; die Übersetzung setzt das dem Zusammenhang entsprechende „śvaspṛṣṭām“ voraus.]

25.59 Fünf oder drei Nächte lang lasse man Kühe dort wohnen. Danach speise man Brahmanen und lasse den glückverheißenden Tag ausrufen.

25.60 Man lasse die Veden erklingen, verehre die Gottheit, bringe Speise dar und trage Bali hinaus. Unter Instrumentenklang lasse man dann Feueropfer und weitere Handlungen vollziehen.

25.61 Mit Hölzern von Aśvattha, Khadira, Plakṣa, Palāśa, Pāṭala und Vaṭa opfere man unter dem Nārāyaṇa- und dem Śrī-Hymnus,

25.62 unter „Von dort die Götter“, dem Nāsat- und dem Aṃhomuc-Hymnus, „Mit den Brennhölzern“, dem Drupāda-Text sowie „Fort, Unheil“, [Einige Textbezeichnungen sind in der Vorlage zusammengeschrieben und nicht sicher abzugrenzen.]

25.63 ferner mit der Gāyatrī und den fünf Mantras nach Vorschrift. Nach der Waschung gebe man wie zuvor das Entgelt.

25.64 Ist das Bild ohne vorgesehenen Anlass hinausgelangt, bringe man es sogleich wieder hinein und vollziehe befriedendes Feueropfer, Waschung und Segensrezitation,

25.65 Fest, Zug zur heiligen Badestätte und Speisung der Brahmanen. Haben Hunde, Schakale oder ähnliche Tiere dort Junge geboren, lasse man den Ort drei Nächte leer

25.66 und vollziehe die zuvor beschriebene Befriedung sowie eine gründliche Ortsreinigung. Nach einem Brand rufe man eine milchgebende Kuh mit dem Namen „Frieden“ herbei.

25.67 Man reiche ihr Dūrvā und anderes und melke sie auf ein Lotusblatt. Man erhitze die Milch, bereite Joghurt, buttere ihn und gewinne daraus gereinigte Butter.

25.68 Am folgenden Tag melke man ebenso und bereite Joghurt. Am dritten Tag sammle man entsprechend Dung, Urin und Milch.

25.69 Die fünf Stoffe, angefangen mit Urin, verehre man der Reihe nach auf Lotusblättern, vereinige sie aus den fünf Blättern und vermische sie mit Oṃ.

25.70 Nach der Verehrung wiederhole man die fünf Upaniṣad-Mantras achttausendmal. Mit der Mischung besprenge man alles und wasche anschließend das Bild.

25.71 Man entferne Asche und weitere Reste und übergieße alles mit Wasser. Danach vollziehe man der Reihe nach die ausgleichenden Handlungen, angefangen mit dem Unterbringen der Kühe.

25.72 Der Kundige rufe die Gottheit in einen Krug herbei und mache ein bewegliches Bild wieder fest; oder er vollziehe nach ordnungsgemäßer Vorbereitung die Erneuerung.

25.73 Oder er entferne das zerbrochene Bild und setze ein anderes ein. Die beim Entfernen übertragene Gegenwart vereinige er wieder mit dem neuen Bild.

25.74 Nach der Verabschiedung stelle man das Bild samt seinem Unterstein fest auf. Bei Berührung durch als unbefugt geltende Menschen und ähnlichen Störungen reinige man es besonders gründlich.

25.75 Alle Handlungen vom Feueropfer bis zum Fest vollziehe man vollständig. Die Entwendung durch Diebe wird als schwerste dieser Beeinträchtigungen bezeichnet.

25.76 In diesem Fall ist die Ordnung besonders sorgfältig und ausführlich zu vollziehen. Wird das von Dieben geraubte Bild nach Bemühungen wiedergefunden,

25.77 so reinige man es nach Vorschrift und stelle eben dieses wieder auf. Bleibt es verschwunden, ist es zerbrochen oder verfallen, setze man ein neues ein.

25.78 Eine geringere Ausführung hinsichtlich Grundform oder besonderer Gestalt ist dabei nicht erwünscht. Besteht der Tempel weiter, vergegenwärtige man ihn vollständig samt dem Bild.

25.79 Der Wissende ziehe die Gegenwart zusammen und rufe sie mit Mantras in einen Krug herbei. Ebenso verfahre man, wenn noch das innere Heiligtum oder der Sockel vorhanden ist.

25.80 Sind weder Sockel noch inneres Heiligtum erhalten, rufe man die Gegenwart vom früheren Standort des Bildes herbei und vollziehe das beschriebene Verfahren.

25.81 Geht auch der Träger der übertragenen Gegenwart zugrunde, verfahre man wie beim Verlust des Hauptbildes. Dasselbe gilt beim Verlust einer zugehörigen Gottheit.

25.82 Denn alle Gottheiten werden als ihrem Wesen nach aus Mantra bestehend bezeichnet. So ist auch bei ihrem Verlust die Verabschiedung vorzunehmen: Dies ist die Regel.

25.83 Wurde die Verehrung unterlassen, vollziehe man eine umfangreiche Befriedung mit den fünf Mantras, hundert Feueropfer mit dem achtsilbigen Mantra und eine Speisung von Viṣṇu-Verehrern.

25.84 Zehn von ihnen speise man mit Milchreis und gebe nach Kräften Gaben. Bis zum zwölften Tag ist dieses Verfahren mit der Zahl der versäumten Tage zu vervielfachen.

25.85 Bis zu vier Monaten kommt eine Waschung hinzu, darüber hinaus eine große Waschung; bei einem Jahr außerdem ein befriedendes Feueropfer und die Ehrung der Brahmanen.

25.86 Verschüttete Opferspeise weihe man mit dem achtsilbigen Mantra und opfere sie mit der rechten Hand; dazu hundert Buttergaben mit den fünf Mantras.

25.87 Missratene oder ungenügend gekochte Speise werfe man ins Wasser, opfere entsprechend und koche neue. Bei abgestandenen Gaben reinige man mit einer Mischung aus Wasser, Milch, Kuhprodukten, Duftstoffen und weiteren Mitteln. [Das erste Wort ist in der IAST-Datei durch ein fremdes Schriftzeichen beschädigt; „missraten oder ungenügend gekocht“ ist eine kontextuelle, nicht gesicherte Deutung.]

25.88 Man vollziehe Segensrezitation, befriedendes Feueropfer, Bali und Speisegaben.

Kapitel 26

26.1 Nun erkläre ich kurz die erhabene Ordnung der rituellen Waschung. Kundige sollen sie nach den Abstufungen der höchsten und der übrigen Formen vollziehen.

26.2 Sie ist vorgesehen am vierten Tag nach der Einsetzung, am Ende einer Prozession, bei Finsternissen, bei Bedrängnis, bei als verunreinigend geltendem Kontakt und beim Tod einer führenden Person,

26.3 nach Einweihung, Weihebegießung und Opferfeier, bei glückverheißenden Anlässen, zur Mantra-Vollendung, nach der Auflegung fremder oder geringerer Mantras und bei lange unterbrochener Verehrung,

26.4 beim Ausbleiben der göttlichen Gegenwart, bei der Königsweihe, zum Gedeihen der Könige, zur Befriedung unbekannter Mängel und jährlich nach Vorschrift.

26.5 Entsprechend Anlass und Ziel soll die Waschung hingebungsvoll vollzogen werden: am zwölften Mondtag, unter dem heiligen Śravaṇa, bei Vyatīpāta, zu den Sonnenwenden und weiteren Übergängen,

26.6 unter dem Geburtsmondhaus des Opferherrn und bei Vollmond. Wie zuvor errichte man eine Halle, geschmückt mit Torbögen und Bannern,

26.7 durchzogen von Perlenschnüren und anderem Schmuck und geziert mit vielen Blumen. In der Mitte errichte man einen Altar von zweiunddreißig Gerstenkornbreiten Höhe.

26.8 Seine Fläche richte sich nach der Zahl der benötigten Krüge. In den Richtungen lege man Feuergruben an und stelle Glückszeichen auf.

26.9 In ein im Nordosten auf Getreide stehendes Gefäß bringe man Flusswasser oder Wasser heiliger Stätten, das ein Eingeweihter durch ein neues Tuch gefiltert hat.

26.10 Der Kundige verehre es mit der Viṣṇu-Gāyatrī und weihe es, einen Reinigungsring an der Hand tragend, zusammen mit einem Grasbüschel einhundertachtmal.

26.11 „Diese Wasser mögen heilsam, glückverheißend, rein und fleckenlos sein, läuternd und kühl, gereinigt von den Strahlen der Sonne!“

26.12 Nach diesen Worten besprenge man den gereinigten Altar mit den drei Versen, beginnend „Ihr Wasser seid“, und bestreue ihn ringsum mit Duftstoffen, Reis und Kuhprodukten.

26.13 Mit dem zwölfsilbigen Mantra spanne man die Schnüre mit den Enden nach Osten und Norden. Man bilde quadratische Felder von jeweils einem Tāla Seitenlänge.

26.14 Alle Linien ziehe man gleichmäßig, weiß und einen Finger hoch; auch in die Mitte streue man gleichmäßig etwas von demselben Pulver.

26.15 Oder man fülle die Felder abwechselnd mit den fünf Farben. Vier Gänge mit östlicher Ausrichtung und ebenso die quer verlaufenden sind anzulegen.

26.16 Dies gilt, wenn Krüge mit reinem Wasser dazugehören; bei einer Waschung ausschließlich mit besonderen Substanzen gibt es keine Gänge. Das mittlere Feld ist Brahmans Bereich, der folgende der göttliche,

26.17 ringsum liegt der menschliche. Dort sind sechzehn, im göttlichen Bereich acht Plätze vorgesehen. Im Brahma-Bereich bilde man einen achtblättrigen Lotus mit leuchtendem Fruchtboden.

26.18 Überall errichte man vier Finger hohe Unterlagen aus Reisähren oder unenthülstem Reis mit Grasbüscheln; in der Mitte mit enthülstem Reis und Sesam.

26.19 Im wie zuvor geweihten Feuer opfere man mit der Gāyatrī einhundertachtmal. Danach bereite man die reinen Krüge mit den beschriebenen Merkmalen rituell vor.

26.20 Man umwickle alle im Abstand von jeweils einem Finger mit Schnur und stelle sie mit Oṃ im Westen umgekehrt auf eine Darbha-Unterlage.

26.21 Der Kundige ordne sie vom Südosten bis zum Nordosten in Reihen, lege Darbha darüber und zeige die Darbha-Handgeste.

26.22 Er besprenge alle mit Duftwasser, bestreue sie mit gutem ungebrochenem Reis, drehe sie aufrecht und hebe sie mit den fünf Mantras der Reihe nach an.

26.23 Er stelle sie in die Brahma-, Menschen- und Götterfelder. Dann lege er mit dem achtsilbigen Mantra Grasbüschel in die Krüge.

26.24 Bei befriedenden Riten weisen deren Spitzen nach unten, bei nährenden nach oben. Mit dem Grundmantra besprenge er sie erneut, den Reinigungsring an der Hand.

26.25 Gereinigt und nach Osten gewandt fülle er zuerst im Brahma-Feld das Badewasser ein; mit dem Grundmantra gedenke er Haris samt allen Gestalten, Gliedern und Begleitern.

26.26 Er verehre ihn mit Duftstoffen und Blumen und umhülle den Krug mit zwei Gewändern. Die Substanzen, angefangen mit dem Fußwasser, lasse er jeweils durch Eingeweihte herbeibringen

26.27 und fülle sie gesammelt außen und innen in den Haupt- und Zwischenrichtungen ein: Fußwasser im Osten, Ehrenwasser im Süden, Mundspülwasser im Westen,

26.28 die fünf Kuhprodukte im Norden, Butter im Südosten, Joghurt im Südwesten, Milch im Nordwesten,

26.29 Honig im Nordosten, mit dem zwölfsilbigen Mantra. Warmes Wasser stehe auf Bhṛśa, Rindenauszug auf Vitatha,

26.30 Reinigungswasser auf Bhṛṅgarāja, Fruchtwasser auf Puṣpadanta, Gerstenwasser auf Śoṣa, Edelsteinwasser auf Mukhya und Metallwasser auf Aditi.

26.31 Kuśa-Wasser stelle man ordnungsgemäß auf Parjanya. Die übrigen Krüge fülle man mit der Gāyatrī mit reinem Wasser.

26.32 Duftwasser stehe im Bereich Aryamans, Blumenwasser auf Vivasvat, Wasser mit Sinnbildern auf Mitra und duftendes Āmalaka-Wasser auf Dhara,

26.33 Reiswasser auf Sāvitra, Kokoswasser auf Indraka, Zuckerrohrsaft auf Rudradāsa und Wasser mit enthülstem Reis auf Āpa.

26.34 Alle diese Krüge des göttlichen Bereichs fülle man der Reihe nach mit dem achtsilbigen Mantra. Sobald einer gefüllt ist, schmücke man seine Öffnung mit jungen Zweigen,

26.35 lege mit dem Radmantra eine kleine Schale mit Reis darauf und umhülle alle mit neuen, von Haaren und anderen Verunreinigungen freien Gewändern.

26.36 Man lege Darbha auf und streue mit dem Grundmantra der Reihe nach ungebrochenen Reis darüber. Nach Besprengung mit dem achtsilbigen Mantra verehre der Guru sie mit ihren jeweiligen Mantras.

26.37 Er besprenge sie nochmals mit Oṃ und Duftwasser, lasse Eingeweihte in den Richtungen Feueropfer vollziehen und bereite sie so für die Feier vor.

26.38 Nach befriedenden Opfern mit den fünf Mantras lasse er Heil ausrufen: zur göttlichen Gegenwart, zum Segen und zur Befriedung des Unheils.

26.39 Der Kundige lasse Segensworte sprechen: „Möge die Handlung vollständig sein!“ Dann bringe er das Friedenswasser herbei, verbunden mit der Butter aus den Opferhandlungen.

26.40 Mit den Spitzen eines Grasbüschels besprenge der Guru nochmals alle Krüge: „Diese Krüge mit Kuśa und Deckeln mögen rein sein,

26.41 von Wind und Sonne umgeben und mit glückverheißenden Merkmalen versehen. Viṣṇus Entfaltungen, der in fünfundzwanzigfacher Unterscheidung der Prinzipien gegenwärtig ist,

26.42 mögen sich sämtlich entsprechend Art und Menge dieser Stoffe hier vereinen. Diese von der Schrift gelehrte, göttlich begründete Waschung möge gelingen.

26.43 Durch diese Waschung möge der erhabene Hari erfreut sein!“ Nach diesen Worten und der Zustimmung der anderen geht der Guru mit den Bildhütern weiter.

26.44 Mit Turban und Obergewand, nach vollzogenen Auflegungen und festlich geschmückt, ziehe er mit Lichterverehrung und den übrigen Ehren in das innerste Heiligtum.

26.45 Davor stehend wiederhole er das Grundmantra einhundertachtmal, öffne mit dem Windmantra die Tür und reiche schweigend und rein die Ehrengabe.

26.46 Mit dem Viśva-Mantra entferne er die Hülle und wasche mit Oṃ. Er meditiere über den Herrn der Götter, verbunden mit den Prinzipien in der Reihenfolge der Schöpfung.

26.47 Er vervollständige die Gestalt und reiche erneut Fuß- und Ehrenwasser mit „Sieg sei dir“ und den weiteren Texten. Mit der Gāyatrī löse er das Schutzband und gebe wieder Mundspülwasser.

26.48 Mit Oṃ streue er Reis und Dūrvā-Spitzen auf Haupt und Füße. Dreimal kreise er mit dem Licht unter dem Waffenmantra und zeige mit dem Herzmantra die Glückszeichen.

26.49 Auf einer guten Metallschale voller enthülstem Reis ordne man auf Aśvattha-Blättern Waffenzeichen aus frischem Kuhdung an,

26.50 schön und leuchtend gefärbt, mit aufsteigenden Butterdochten und hellen Flammen in der Mitte: Damit vollziehe man diese Lichterverehrung.

26.51 Die Eingeweihten bereiten die guten Verehrungsstoffe vor: Reismehl, Kurkumapulver, Gold, Edelsteine und ungebrochenen Reis.

26.52 Die Bestandteile der Badewasser sind kurz gesagt folgende: Dūrvā, Śyāmāka, Lotus und Viṣṇuparṇī bilden das Fußwasser.

26.53 Senfkörner, Duftstoff, Blumen, Früchte, Gerste, Sesam, ungebrochener Reis und Kuśa-Spitzen bilden die acht Bestandteile des Ehrenwassers.

26.54 Das Mundspülwasser bereite der Ausführende mit den vier Bestandteilen Takkola, Muskat, Kampfer und Gewürznelken.

26.55 Aus den Rinden von Aśvattha, Udumbara, Brahma-Baum, Vaṭa, Bilva, Vikaṅkata, Śamī und Khadira stelle man den Auszug her.

26.56 Sahā, Kurkuma, Sadābhadrā, Śirīṣa, Sūryavartinī und Kuśa-Spitzen werden als die sechs Bestandteile des Reinigungswassers angegeben.

26.57 Mit Banane, Kokosnuss, Mango, Āmalaka, Jackfrucht, Granatapfel, Bhavya und Bilva bereite man das achtteilige Fruchtwasser.

26.58 Diamant, Perle, Katzenauge, Rubin und Koralle bilden das fünfteilige Edelsteinwasser; Gold und die vier weiteren Metalle das Metallwasser.

26.59 Duftwasser bereite man mit Sevya und den weiteren hier genannten aromatischen Stoffen. Blumenwasser mit Jāti, Strī, Mallikā, Kunda, Nandyāvarta, Lotus, Campaka, [Die zusammengeschriebene Duftstoffliste der ersten Vershälfte ist nicht zuverlässig in einzelne Pflanzennamen aufzulösen.]

26.60 ferner Yūthikā und Bakula. Das Wasser mit Sinnbildern enthält metallene Darstellungen von Muschel, Rad, Garuḍa und Schildkröte.

26.61 Fehlen die übrigen Bestandteile von Fußwasser und den anderen Mischungen, genügt jeweils der erstgenannte. Ahnen, Śrī, Sarasvatī, Dakṣa, Viṣṇu, Uśanas und der Mond,

26.62 Indra, Sonne, Yama, Viśva, Kubera, Vāyu, Brahmā, die Vasus und Sāvitrī sind die Gottheiten der Substanzen, angefangen mit dem Fußwasser.

26.63 Danach folgen Gandharva, Varuṇa, Garuḍa, Erde, Nirṛti, Śrīdhara, Narasiṃha und der Pferdeköpfige; in der Mitte steht der höchste Puruṣa.

26.64 „Dieses hat Viṣṇu“, „Die Goldfarbene“, „Ihr Wasser seid“, „Herr der Geschöpfe“, „Glanz bist du“, „Von Dadhikrāvan“, „Schwelle an“ und „Süß“,

26.65 ferner „Mit dem Dunklen“, „Beim Aśvattha“, „Gutes mit den Ohren“, „Der Scharen“, „Vāyu, komm her“ und „Das geborene Brahman“,

26.66 „Zu dir, Agni“ und „Des Gottes dich“ werden als die äußeren Mantras angegeben. „Viṣṇus Stirn“, „Dich also“, „Guter Schutz“ und „Freundliche Erde“,

26.67 „Heil uns“, „Die Himmlischen“, „Deren“ und „Jenseits des Maßes“ gehören zum göttlichen Bereich. In der Mitte steht der Hymnus „Von dort die Götter“; überall erfolgt zum Schluss die jeweils eigene Ergänzung. [26.64–67 geben Mantra-Anfänge an; deren verkürzte Überlieferung erlaubt hier keine verlässliche Wiedergabe vollständiger Mantras.]

26.68 So ist die Waschung vom Fußwasser bis zum mittleren Krug beschrieben. Nach jeder Substanz verehre man die Gottheit, räuchere und bringe eine Gabe dar.

26.69 Mit Grund- und Gliedermantras vervollständige man die Gestalt, zeige die Handgesten richtig und verehre sie samt ihren Gliedern ordnungsgemäß mit Licht, Ehrenwasser und weiteren Gaben.

26.70 Mit denselben Stoffen wasche man auch die zugehörigen Gottheiten. Man bringe vier Arten von Speise mit Beilagen dar, reichlich mit Butter übergossen.

26.71 Überall gebe man den Wesen die alle Wünsche erfüllende Bali-Gabe. Für Menschen aller sozialen Gruppen richte man eine Speisung aus, zu der niemandem der Zugang verwehrt wird.

26.72 Der Auftraggeber ehre den Lehrer samt den Bildhütern mit Gaben, ebenso die Vollzieher von Feueropfer und Rezitation sowie die Viṣṇu verehrenden Beisitzer.

26.73 Mindestens zwölf friedvolle, Viṣṇu verehrende Brahmanen ehre er, gebe nach Kräften Gaben und lasse sie Heil ausrufen.

26.74 Dadurch werden Verwechslungen, Auslassungen, Überschreitungen und ähnliche Mängel befriedet. Die Waschung kann mit neunundvierzig, einundachtzig oder einhundertacht Krügen erfolgen,

26.75 mit einhundertsechsundfünfzig, zweihundertsiebzehn, zweihundertzweiundfünfzig, dreihundert oder fünfhundert,

26.76 bis hin zu eintausendundeinem Krug. So ist die vortreffliche Waschung Viṣṇus vollständig erklärt,

26.77 durch deren rechte Ausführung man die ersehnten Güter dieser und der jenseitigen Welt erlangt.

Kapitel 27

27.1 Nun erkläre ich kurz die Abfolge von Besprengung und weiteren Handlungen. Zur Erneuerung ist alles in geordneter Reihenfolge auszuführen.

27.2 Man fege das ganze Haus und besprenge es mit Dung und Urin einer braunen Kuh, wobei man „Heil“ spricht.

27.3 Zuerst verfahre man so in den vier Richtungen und im innersten Heiligtum. Schweigend und mit Mantras besprenge man mit reinem und mantra-geweihtem Wasser,

27.4 mit „Diese Wasser mögen heilsam sein“, mit Kuhprodukten und den fünf Upaniṣad-Mantras. Überall streue man mit dem Radmantra geweihte Senfkörner und ungebrochenen Reis aus.

27.5 Man reinige auch die mit Torbögen und Bannern geschmückte Halle davor und bereite ein gutes Lager mit zahlreichen Blumen.

27.6 Nachdem man es geschützt hat, lasse man den glückverheißenden Tag ausrufen. Man stelle das bewegliche Kultbild auf und vollziehe die Waschung mit edelsteinhaltigem Wasser und den fünf Mantras,

27.7 ferner mit Wasser heiliger Stätten und Hymnen, welche die Essenz der drei Veden bilden. Mit dem heiligen Laut umhülle man es mit zwei neuen weißen Gewändern.

27.8 Mit dem ersten Laut reiche man die heilige Schnur, mit dem mittleren die Krone, mit dem dritten das Obergewand und mit der Puruṣa-Keimsilbe den Schmuck.

27.9 Mit dem vollständigen Mantra verehre man es mit Duftstoffen, Blumen und weiteren Gaben und vollziehe die Segnung des Tages. Zur Herbeirufung beginne man mit Oṃ, dann „Erhabener, Alldurchdringender“, danach „aller“

27.10 und „Wesen Herr“, sodann „aller Veden“ und „aus der Essenz bestehender“, ferner „aller Götter Herr“.

27.11 Es folgen „Komm, komm, Puruṣa“, „großer Puruṣa“, „der du Ende, Anfang und Mitte bist“ und „über das Höchste hinaus Höchster“;

27.12 danach „Offenbarer und Unoffenbarer“, „Grober, Feiner, großer Yogin“, „Verehrung“ und abschließend „Svāhā“. Mit diesem Mantra rufe man ihn herbei. [27.9–12 beschreiben die Zusammensetzung des Mantras; sie bieten keinen durchgehend ausgeschriebenen Wortlaut.]

27.13 Mit dem Grundmantra, den Herz- und weiteren Gliedermantras sowie Oṃ vervollständige man die Gestalt. Man reiche Fuß- und Mundspülwasser und Duftsalbe.

27.14 Mit „Diese schönen Blüten“ reiche man Blumen, mit „Des Waldbaumes“ Räucherwerk, mit „Glückverheißendes Licht“ die Lampe; dann zehnteiliges Ehrenwasser.

27.15 Seine Bestandteile sind Wasser, Senfkörner, Dūrvā, ungebrochener Reis, Sesam, enthülster Reis, Milch, Gerste, schwarze Bohnen und Kuśa-Spitzen.

27.16 Das Mantra beginnt mit „Oṃ, Verehrung“, danach „dem höchsten Puruṣa“ und „dem Herrn sämtlicher Welten“, sodann „das Ehrenwasser“

27.17 und „bringe ich dar“, abschließend „Verehrung, Svāhā“. Erneut gebe man Mundspülwasser und vollziehe mit den fünf Mantras nochmals die Waschung.

27.18 Wie zuvor folgen Gewänder, Schmuck, Fuß- und Mundspülwasser und Verehrung. Dann binde man das Schutzband, verschenke eine Kuh und lasse Heil ausrufen.

27.19 So bereite man das Bild vor und lasse wie zuvor in den Richtungen Feueropfer vollziehen. Eingeweihte Kenner von Ṛg-, Yajur-, Sāma- und Atharvaveda opfern in den Richtungen,

27.20 in den Zwischenrichtungen der Reihe nach Kenner von Grammatik, Worterklärung, Versmaß und Lautlehre. Kenner von Astronomie, Ritual, Geschichte und Purāṇas bilden die Versammlung;

27.21 Kenner von Mīmāṃsā, Nyāya, Sāṃkhya und Vedānta sind Zeugen. Mit der Gāyatrī quirle man Feuer und besprenge es mit dem achtsilbigen Mantra.

27.22 Mit den damit verbundenen Mantras vollziehe man die Riten von der Empfängnis an und gebe die volle Opfergabe. Nach Verteilung des Feuers und Feuereröffnung opfern sie alle.

27.23 Brennhölzer milchsaftführender Bäume, Brahma-Holz oder Palāśa-Hölzer, mit Butter bestrichen und in der den Mantras entsprechenden Bemessung, opfere man jeweils achttausendmal.

27.24 Danach besprenge man das Bild mit Wasser und erkläre den Beisitzern: „Die Brennhölzer wurden von uns nach der Weisung der Schrift recht geopfert.

27.25 Sprecht, Ehrwürdige, hier das Heil aus! Möge Janārdana erfreut sein!“ Danach nach Vorschrift: „Oṃ, die Ehrwürdigen mögen Heil sprechen!“

27.26 Die acht Beisitzer sprechen ehrfürchtig: „Oṃ, Heil und Frieden!“ Der Guru sagt: „Oṃ, Heil und Frieden! Möge das Opfer recht dargebracht sein!“

27.27 Mit Zustimmung der Beisitzer opfern sie danach Butter und erklären: „Die Butteranteile sind geopfert. Sprecht das Heil aus!“

27.28 Die acht antworten: „Heil sei!“ Darauf sagt der Lehrer: „Oṃ, Heil! Möge das Opfer recht dargebracht sein!“

27.29 Nach dem Speiseopfer melden sie: „Das Speiseopfer ist vollzogen. Sprecht abschließend: Oṃ, Segen!“ Auch jene antworten: „Segen sei!“

27.30 Der Guru sagt: „Oṃ, Segen! Möge das Opfer recht dargebracht sein!“ Nach erneutem Butteropfer erfolgt die Mitteilung wie zuvor.

27.31 Die Beisitzer und der Guru sprechen dabei „Heil“. Mit sämtlichen Weltenrufen vollziehen sie die vorgeschriebenen Opfer.

27.32 Am Anfang und Ende erfolgt die Umsprengung, zuletzt die volle Opfergabe. Nachdem alle so geopfert haben, bringen sie das Schlussopfer dar

27.33 für Indra, Viṣṇu, die Maruts, Agni, Dharma und Netṛ, für die Sādhyas samt den Richtungshütern und allen Gottheitenscharen,

27.34 mit den Weltenrufen für Agni, Vāyu, Śakra, Varuṇa, Brahmā und Viṣṇu, für die Aśvins, Gopati, Yama, Agni, Viṣṇu, Vasus und Sonne,

27.35 für die Viśvedevas, Wesen, Richtungshüter, Nirṛti und die Rudra-Gestalten, erneut für Viṣṇu, den Dreizackträger und Yama,

27.36 für Dharma mit Kāla, den Stabträger, Tryambaka, erneut Varuṇa, Viṣṇu, Mitra und Parameṣṭhin samt Ādityas, Wesen und Meeren,

27.37 für Flüsse, Vāyu und Viṣṇu, für Maruts und Jātavedas, für Indra und alle Welten, für Brahmā und Viśvakarman,

27.38 für Soma und seine Gefährten samt Planeten, Mondhäusern, Sternenscharen, Wesen sowie irdischen und himmlischen Nāgas.

27.39 Alle Gottheiten, Viṣṇu unter den Namen Rudra und Viśvarūpa, Brahmā, die Rudras und alle Götter samt den Hindernisgottheiten und Scharenherren

27.40 sind am Anfang und Ende einzubeziehen, ebenso die einzelnen Weltenrufe. Danach fülle man den Krug mit Friedenswasser samt den Opferresten.

27.41 Der Kundige stelle ihn samt dem Ausgussgefäß nördlich der Gottheit auf: „Mit Wasser, das von allen heiligen Stätten und allen Meeren herbeigebracht wurde,

27.42 aus ostwärts fließenden Gewässern und aus Wasserbecken, mit Edelsteinen und Reinigungsmitteln, fülle ich den Krug.“

27.43 Das mit Oṃ beginnende Füllmantra verbindet zweimal „all“, ferner „durchdringender“, „aller Welten Herr“, „Verehrung“ und „Svāhā“. [Die Vorlage gibt die Wortbildung verkürzt an; ein sicherer vollständiger Wortlaut lässt sich daraus nicht ohne Ergänzung herstellen.]

27.44 Mit dieser Mantraform fülle man das Ausgussgefäß, versehe es mit einem Deckel, schmücke es und umwickle es mit Leinenstoff.

27.45 Einen anderen Krug fülle man vollständig mit dem übrigen Friedenswasser, versehe ihn mit Deckel und Schmuck und umhülle ihn mit zwei Leinengewändern.

27.46 Mit Duftstoffen und weiteren Gaben verehre man Krug und Ausgussgefäß. Der reine Besprengende nehme den ganz glückverheißenden Krug auf.

27.47 Mit allen Glückszeichen versehen und in neuen Gewändern, selbst in der inneren Gestalt Haris, gehe er langsam rechtsherum und wiederhole das Mantra.

27.48 Er halte den Krug auf der linken, mit Kuśa versehenen Hand, die rechte darüber. Ein anderer trägt das Ausgussgefäß vor ihm

27.49 und lässt mit Kuśa einen ununterbrochenen, nicht zu starken Wasserstrahl fließen. Die beiden Mantras „Heil uns, ihr Göttlichen“ und „Kleiner als das Kleine“ sind zu sprechen.

27.50 So reinige der Kundige auch das Innere des Tempels. Mit den Bildhütern lasse der Guru zweckentsprechend die Reinigung des Bildes vollziehen.

27.51 Nachdem er davor die Befriedung ausgeführt hat, vollziehe er die Waschung des beweglichen Bildes. Er stelle es auf den Sockel und lasse sein Lager von Helfern entfernen.

27.52 Das mit reinem Wasser abgewaschene Bild bade man mit Mantrawasser und danach mit dem übrigen Friedenswasser unter Oṃ.

27.53 Fußwasser, Mundspülwasser, Gewand, Schmuck, heilige Schnur und Hülle sind wie zuvor darzureichen, ebenso erneut alle Gaben bis zum Licht.

27.54 Nach vorgeschriebener Zustimmung Brahmās, Īśvaras und der Brahmanen gebe man die Zustimmungsgabe und lasse Heil ausrufen.

27.55 Ein liegendes Bild hebe man mit dem Rudra-Hymnus vom Sockel, ein stehendes mit dem Puruṣa-Hymnus, ein sitzendes mit dem Brahma-Mantra.

27.56 Oder man verwende beim Puruṣa-Bezug den König der Laute, beim Śiva-Bezug den mittleren und beim Brahmā-Bezug den letzten Laut. So vollziehe man passend und umsichtig das Anheben.

27.57 Der Wissende bringe das bewegliche Bild hinein, schweigend und innerlich Haris gedenkend; Friedenskrug und Wasserstrahl aus dem Ausgussgefäß gehen voraus.

27.58 Ein Kenner der Prinzipien trägt den Krug vorne in angemessener Höhe. Glückszeichen- und Segenshymnus sowie Siegesrufe begleiten den Zug.

27.59 Mit dem Feuer umschreite man den Tempel rechtsherum und trete wieder ein. Nach der Ehrengabe stelle man das bewegliche Bild mit dem Brahma-Mantra auf den Sockel.

27.60 Die Auflegungen erfolgen auf Haarspitze, Haupt, Gesicht, Hals, beide Arme, Herz, Nabel, Geschlechtsbereich, Oberschenkel, Hände und Füße.

27.61 Beim Indra-Mantra erfolgt die Auflegung auf den Rücken: So wird die Ordnung beschrieben. Dann besprenge der Wissende das Bild ordnungsgemäß mit dem zwölfsilbigen Mantra.

27.62 Die im beweglichen Bild anwesende Gegenwart rufe man in das Hauptbild herbei und wasche dieses mit Duft- und Blumenwasser, danach mit Friedenswasser.

27.63 Mit den entsprechenden Mantra-Endungen auf Haupt, Mund, Herz, verborgenem Bereich und Füßen bilde man den Leib; Herz- und weitere Gliedermantras lege man an ihre Stellen.

27.64 Fußwasser und die übrigen Gaben erfolgen wie zuvor; dann lasse man den glückverheißenden Tag ausrufen. Nach sorgfältiger, hingebungsvoller Verehrung mit Duftstoffen und Blumen

27.65 bringe man Milchreis, Gerstenspeise oder mit Rohzucker bereitete Speise dar, zusammen mit Gebäck, Milch, Butter und wohlschmeckenden Beilagen.

27.66 Bei Handlungen, deren Mantra hier nicht genannt ist, spreche man die Viṣṇu-Gāyatrī. Mit dem Rest bringe man danach den Gefährten der Reihe nach Bali dar.

27.67 Man vollziehe selbst die Mundspülung, reiche Mundspülwasser und entferne die Speise. Danach gebe man Gaben und richte eine Speisung ohne Zugangsbeschränkung aus.

27.68 Die Mantras für Rad und weitere Zeichen werden durch ihre jeweiligen Namen gebildet. Alles, was bei der Einsetzung vorgeschrieben wurde, lasse man danach ausführen.

27.69 Nach der Einsetzungsordnung lasse man die Waschung vollziehen, ebenso hingebungsvoll sieben Tage lang Fest und Prozession.

27.70 Oder man feiere drei Tage, in einer Notlage nur einen Tag. Das Fest zur Befriedung muss jedenfalls stattfinden.

27.71 Besonders bei Sühneriten ist die sofortige Besprengung erwünscht; die Berührung erfolgt mit dem Viṣṇu-Hymnus, verbunden mit tausend Wiederholungen des achtsilbigen Mantras.

27.72 Nach der Reinigung ist dieses Verfahren mit Butteropfern unter den fünf Mantras vorgeschrieben. Dabei bedarf es keiner Prüfung von Mondtag, Mondhaus oder Zeitpunkt.

27.73 Bei Sühneriten ist die Abhilfe sogleich zu vollziehen. Berechtigt sind Kenner von vier, drei, zwei oder einem Veda, die auch das Tantra kennen.

27.74 Muss es sofort geschehen, genügt auch ein Kenner nur eines Veda; ist Zeit vorhanden, wähle man einen Vielkundigen. Ein in allen Tantras bewanderter Lehrer ermöglicht die höchste Form.

27.75 Wer nicht mehr vermag, soll sogleich auch die geringere Form ausführen: So lautet die Regel. Mit Bildhütern, die Worte, Sätze und Erkenntnismittel kennen und in Veden, Opfern und Gelübden feststehen,

27.76 die tüchtig, sinnenbeherrscht und friedvoll sind, vollziehe der Guru nach dieser Ordnung Haris Wasserbesprengung.

27.77 Einen guten, unbeschädigten Krug, mit drei Āḍhaka gefüllt, mit Grasbüschel und Edelsteinen versehen und in zwei Gewänder gehüllt,

27.78 stelle man auf Reis und Grasbüschel und verehre ihn mit dem Puruṣa-Hymnus, dem Grundmantra, der Ordnung der Glieder und vier Gestalten sowie Ehrenwasser und weiteren Gaben.

27.79 Darin lege man Viṣṇu, Mahāviṣṇu und Sadāviṣṇu auf. Nach dem Ziehen der Linien und weiteren Vorbereitungen weihe man das Feuer und opfere.

27.80 Mit dem Puruṣa- und dem Viṣṇu-Hymnus, den Texten Cittisruk und Saptahotṛ, Caturhotṛ und Ṣaḍḍhotṛ, den fünf Upaniṣad-Mantras und dem Jitaṃte-Text,

27.81 mit Sāvitrī, Weltenrufen, „Der Schwan im Reinen“, den drei Grundmantras und der Gāyatrī opfere man in tiefer Sammlung.

27.82 Nach jeder Opfergabe berühre man Bild, Krug und Heiligtum. Am Ende des Opfers berühre man sie mit den drei Grundmantras und der ausgestreckten Handgeste.

27.83 Mit dem im Krug befindlichen, durch Opferreste geweihten Wasser gehe man ringsum; vorne lasse man einen Strahl fließen und besprenge mit Kuśa.

27.84 Nach dem Vāstu-Opfer im Innern opfere man mit den fünfzehn Vāstoṣpati-Formeln achttausend Palāśa- oder Khadira-Hölzer,

27.85 oder fünfhundert beziehungsweise einhundertacht. Ebenso viele Gaben von Butter, gekochter Speise, Puffreis, Sesam und Reis opfere man.

27.86 Für jedes einzelne Mantra verfahre man so. Je nach Verfügbarkeit opfere man auf dem von der Schrift gewiesenen Weg.

27.87 Bei den vedischen Mantras opfere man Butter, das Übrige mit dem Grundmantra. Nach dieser Durchführung binde man das Schutzband

27.88 mit dem zwölfsilbigen Mantra und einer Lotusfaserschnur. Nachts feiere man ein großes Fest unter glückverheißendem Muschel- und Instrumentenklang.

27.89 Das große Fest findet nachts statt, die Wasserbesprengung tagsüber. Am Morgen zu einer guten Stunde beginne man mit der Besprengung.

27.90 Man rufe die durch Muschel, Rad und weitere Zeichen gekennzeichnete Gottheit herbei und verehre sie mit ihren Gliedern sowie den zwölf und den zehn Gestalten,

27.91 umgeben von Ādityas, Rudras, Vasus, Kinnaras und weiteren Scharen. Mit dem vorzüglichen Mantra, das den angegebenen Laut mit Bindu verbindet und mit Verehrung endet,

27.92 das mit Oṃ beginnt, vollziehe man gesammelt die Waschung. Mit dem übrigen Wasser wasche der Mantrakundige den Herrn der Welt. [Der Lautcode in 27.91 ist in der Vorlage nicht eindeutig lesbar und wird hier nicht zu einem vermeintlich sicheren Mantra ergänzt.]

Kapitel 28

28.1 Nun erkläre ich dir kurz die ergänzenden Handlungen, durch deren Verbindung das gesamte Ritual vollständig und vorzüglich wird.

28.2 Ist das Bild durch Anstrich oder andere Stoffe beeinträchtigt, vollziehe man die beschriebene Reinigung. Vor der Weihewaschung sind auch weitere angemessene Reinigungen vorzunehmen.

28.3 Wasser heiliger Stätten vermische man mit Asche von Brahma-Baumrinde, die im Viṣṇu-Feuer verbrannt wurde, sowie mit dem Saft der fünf Blätter.

28.4 Aus einem Kuhhorn übergieße man damit das Bild und bestreiche es dann mit der zerriebenen Mischung, verbunden mit Sahā, Dūrvā, Sadābhadrā, Senfkörnern und Kurkuma.

28.5 Abreiben und Bestreichen mit Rinden milchsaftführender Bäume gilt als mängelbeseitigend; ebenso das Bestreichen mit Dūrvā- und Senfpaste samt Kuhprodukten.

28.6 Man räuchere mit Sandelholz-, Adlerholz- und Kampferpulver sowie Harz. Ringsum stelle man eine Lichterreihe mit Butter einer braunen Kuh und Dochten aus Lotusfasern auf.

28.7 Ebenso bestreiche man mit den fünf Stoffen Pippala-Rinde, Sahā, Lakṣmī, Gandhanāga und Lotusstaubfäden, zerrieben mit dem Saft milchführender Baumrinden. [Die Abgrenzung der mittleren Pflanzennamen ist unsicher.]

28.8 Diese besondere Art von Waschung, Bestreichen und Räuchern vollziehe man als vorzügliches Mittel gegen alle Beeinträchtigungen und zum Gedeihen des Heiligtums.

28.9 Dreifach wird das Auffüllen beschrieben: mit guter Speise, Blumen oder Wasser. Es gilt als nährend, siegbringend, verdienstvoll und vorzeitigem Tod entgegenwirkend.

28.10 Besonders gilt das Auffüllen mit Milchreis, verbunden mit Knollen, Butter, Zucker, Kuchen und Bananen, als Beseitigung sämtlicher Mängel.

28.11 Es dient der Reinigung, dem Gedeihen und der Sühne. Auch bei Festen sollen es diejenigen vollziehen, die ihr Wohlergehen wünschen.

28.12 Fünf wassergefüllte Krüge stelle man auf Getreide, enthülsten Reis und Stoff; sie enthalten Gold, Edelsteine und Grasbüschel und sind mit jungen Zweigen geziert.

28.13 Man bedecke sie mit Lotus und anderem, schmücke sie mit Kuśa und Blumen, hülle sie in unbenutzte Gewänder und verehre sie mit Duftstoffen und Blüten.

28.14 Mit dem vollständigen Mantra berühre man das Bild und wasche es der Reihe nach mit den fünf Mantras, ebenso mit Duftstoffen, Kuhprodukten, Milch, Joghurt, Butter und weiteren Stoffen.

28.15 Nach vorgeschriebener Verehrung und Bestreichen mit Duftstoffen verhülle man es samt Sockel mit einem duftenden, unbenutzten Gewand unter dem Rüstungsmantra.

28.16 Mit reinem Milchreis, Kurkuma-Speise, sauber bereitetem Sesam, mit Getränken, Leck- und Saugbaren, Knollen, Wurzeln und Früchten,

28.17 mit vielen köstlichen, erlesenen Speisen samt Beilagen, Joghurt, Milch, Rohzucker, Butter und natürlich gereiften Früchten fülle man den Raum ringsum auf.

28.18 Die Speise für dieses Auffüllen sei abgekühlt. Mit den heiligen Speisehymnen und weiteren Texten lasse man sie sieben Ghaṭikās stehen und Instrumente erklingen.

28.19 In den vier Richtungen bringe man der Reihe nach Milchreis und die übrigen Gaben dar. Mit den fünf Mantras und dem Brahma-Hymnus opfere man Brennholz, Butter und gekochte Speise,

28.20 jeweils einhundertachtmal, und trage in den Richtungen Bali für die Wesen hinaus. Nach eingeholter Zustimmung entferne man alles und gebe es ins Wasser.

28.21 Danach vollziehe man die Verehrung sorgfältig, ferner Speisung, Fest und Waschung. So wird umfassendes Gedeihen verheißen.

28.22 Bei Berührung durch Brahmanen aus als unzulässig betrachteten Verbindungen sind einhundertacht Opfer vorgesehen; ebenso bei den hier als „mit Gleichfarbigen Verkehrenden“ Bezeichneten, bei einem Brahmanenmörder achttausend. [Der zweite Ausdruck ist ohne zusätzlichen Überlieferungskontext nicht sicher zu deuten. Die folgenden Regeln geben historische Reinheits- und Standesvorstellungen wieder.]

28.23 Dabei ist eine Wasserbesprengung vorzunehmen, ebenso nach Kontakt mit einem, der das Lager des Lehrers verletzt hat; auch nach Kontakt mit einem Golddieb.

28.24 Dazu lasse man Zweimalgeborene speisen und eine Waschung vollziehen. Nach Berührung durch Alkoholtrinker erfolgen ebenfalls Wasserbesprengung und die weiteren Riten,

28.25 Kuhgabe, Speisung vieler Brahmanen und Waschung. Wurde Janārdanas Bild von Menschen berührt, die mit Brahmanenmord und ähnlichen Vergehen verbunden sind,

28.26 erfolgen Wasserbesprengung, Waschung, Feueropfer, Rezitation und Speisung, Gaben von Land, Gold und braunen Kühen sowie hundert vollständige Textrezitationen.

28.27 Berührt ein Brahmane, der einmal mit solchen Menschen verbunden war, aus Nachlässigkeit das Heiligtum oder das Gottesbild, erfolgt ebenfalls Wasserbesprengung.

28.28 Bei Berührung durch Brahmanen mit wiederholtem solchen Kontakt wird das Verfahren entsprechend vervielfacht. Werden Tempel, Bild

28.29 oder Verehrungsgaben von Caṇḍālas oder Śvapacas berührt, sind Wasserbesprengung und weitere Riten, fünf, sechs oder sieben Tage lang große Waschung und Ehrung von Zweimalgeborenen vorgeschrieben.

28.30 Bei Berührung von Bild oder Tempel durch Angehörige der sieben Handwerkergruppen erfolgen Wasserbesprengung, Waschung, Kuhgabe und eine umfangreiche Speisung.

28.31 Berühren Śūdras das Bild in diebischer Absicht, wird Reinigung durch Wasserbesprengung, Speisung und Waschung vorgeschrieben.

28.32 Bei Vaiśyas in diebischer Absicht lasse man gesammelt der Reihe nach Wasserbesprengung, Waschung und Speisung vollziehen.

28.33 Bei Königen, die aus Verblendung oder Habgier in diebischer Absicht handeln, erfolgt nach dieser Vorschrift die Reinigung allein durch Wasserbesprengung.

28.34 Berührt ein Angehöriger des höchsten Standes Keśava in diebischer Absicht, lasse man eine Waschung mit sechzehn Krügen vollziehen.

28.35 Berührt ein Brahmane das Bild hingebungsvoll, aber ohne Bad und ohne Mantra-Weihe, reinige man es mit den fünf Kuhprodukten.

28.36 Hat ein König den Gott Janārdana aus Hingabe berührt, erfolgt die Reinigung durch die beschriebene Waschung mit neun Krügen.

28.37 Bei hingebungsvoller Berührung durch einen Vaiśya ohne Mantra erfolgt die Reinigung durch Waschung mit fünfzig Krügen.

28.38 Bei hingebungsvoller Berührung durch einen Śūdra ohne Mantra-Weihe vollziehe man erneut eine Waschung mit einhundertacht Krügen.

28.39 Auch wenn Angehörige der sieben Handwerkergruppen Janārdana aus Hingabe berühren, erfolgt Reinigung durch Wasserbesprengung und Waschung.

28.40 Berührt ihn eine Frau aus diesen Gruppen aus Verblendung oder absichtlich, ist die zuvor beschriebene Abhilfe auszuführen; zusätzlich ehre man Brahmanen.

28.41 Außerdem gebe man eine Kuh und vollziehe angemessen eine Waschung mit Kuhprodukten. Berührt eine Brahmanin Madhusūdana in diebischer Absicht,

28.42 lasse man nach Vermögen Waschung und Brahmanenspeisung vollziehen. Bei Berührung durch eine Kṣatriya- oder Vaiśya-Frau aus Verblendung oder in diebischer Absicht

28.43 erfolgen Wasserbesprengung, Waschung und Brahmanenspeisung. Berührt eine Śūdra-Frau das Bild in diebischer Absicht oder betritt sie das innerste Heiligtum,

28.44 vollziehe man Wasserbesprengung mit großer Waschung. Kommt es im innersten Heiligtum bei einer als außerhalb der Stände geltenden Frau, einer Hündin oder einer Handwerkerfrau

28.45 zu einer Geburt, vollziehe man zwölf oder zehn Tage lang Besprengung, dazu eine große Waschung, Fest und Speisung.

28.46 Gebiert eine Angehörige der Stände versehentlich im Gotteshaus, erfolgt nach Wasserbesprengung die Reinigung durch eine große Waschung.

28.47 Gebiert dort unwissentlich eine Kṣatriya- oder Vaiśya-Frau, vollziehe man drei oder vier Tage lang Wasserbesprengung.

28.48 Bei Kontakt mit Geburt, Leichnam, Menstruation, Wöchnerin und Leichenverbrennern wird das Verfahren entsprechend verdoppelt. Auf diese Weise vollziehe der Kundige die Wasserbesprengung. [Die zusammengezogene Aufzählung der ersten Vershälfte ist textlich unsicher.]

28.49 Dazu gehören vollständige Rezitation, Studium, Kuhgabe und Speisung. Fällt während des Bali-Umgangs die Schale oder das Fahrzeug,

28.50 so opfere man mit dem Mantra der betreffenden Richtung Butter, Opferspeise und einhundertacht Palāśa-Hölzer.

28.51 Wird die tägliche Bali-Gabe von Hunden und anderen Tieren berührt, verwende man die beiden Grundmantras und die fünf Upaniṣad-Mantras,

28.52 dazu den Viṣṇu-Hymnus, und vollziehe gesammelt das Feueropfer. Bei Japa und Feueropfern sämtlicher Sühneriten wird empfohlen,

28.53 das achtsilbige oder zwölfsilbige Mantra in der jeweils zugehörigen Zahl zu verwenden. Man wasche die Schale, bade selbst und vollziehe die vorgeschriebenen Auflegungen.

28.54 Man grenze den Boden sorgfältig ab und bestreiche ihn mit Kuhdung. Der Mantrakundige koche guten Milchreis mit Butter.

28.55 Er bereite einen Reisaltar, lege darauf Stoff, enthülsten Reis, Kuśa und Blumen und besprenge gesammelt mit dem Waffenmantra.

28.56 Mit dem Grundmantra stelle er die Schale auf, berühre sie nochmals mit Oṃ und besprenge sie dann mit dem Waffenmantra. Im Süden verehre er die befriedende Kraft.

28.57 Mit dem Grundmantra opfere er Speise und mit Oṃ Butter, der Reihe nach einhundertacht- oder eintausendmal.

28.58 Danach gebe er den Rest der Opferspeise in die Bali-Schale, forme ihn wie ein heiliges Zeichen, besprenge ihn und rufe wie zuvor mit dem Grundmantra die Gegenwart herbei.

28.59 Oder er reinige das bewegliche Bild, rufe die Gegenwart darin herbei und verehre es. Nach Fuß-, Ehren- und Mundspülwasser verehre er mit Duftstoffen und Blumen.

28.60 Mit Obergewand bekleidet verneige er sich gesammelt und spreche Lobpreis. Er hebe die Schale an, wiederhole die Weltenrufe und setze sie mit Oṃ auf den Kopf.

28.61 Unter Muschel- und Instrumentenklang gehe er langsam rechtsherum. Nach dem Eintreten stelle der Kundige die Schale im Nordosten ab.

28.62 Nach der Verabschiedung wasche man sie, lege sie beiseite und beschaffe eine andere. Im anschließenden Ritual reinige man das neue Bild und bereite es vor.

28.63 Im Viṣṇu-Feuer opfere der Lehrer in tiefer Sammlung insbesondere zur Sühne mit den fünf Upaniṣad-Mantras.

28.64 Dann gebe er mit dem zwölfsilbigen Mantra die volle Opfergabe. Mit dem achtsilbigen opfere er der Reihe nach Brennholz, Butter und gekochte Speise,

28.65 tausend-, hundert- oder fünfundzwanzigmal. Er nehme einen sehr festen, mit Schnur umwickelten Metallkrug,

28.66 fülle ihn nach Vorschrift mit Edelsteinen, Gold und sämtlichen Samen und stelle ihn dort sicher auf.

28.67 Danach rufe er Hari darin herbei und verehre ihn nach Vorschrift. Alle übrigen Handlungen vollziehe er auf dem zuvor beschriebenen Weg.

28.68 Waschung und Fest vollziehe man nach der überlieferten Ordnung. Die Frucht, die ein Mensch erlangt, wenn er ein Jahr lang Janārdana hingebungsvoll verehrt,

28.69 erlangt er durch das Anlegen der heiligen Schnüre. Wer dieses Anlegen nicht nach Vorschrift vollzieht,

28.70 dessen Jahresverehrung nennen die Weisen fruchtlos. Deshalb soll Haris Fest der heiligen Schnüre alljährlich stattfinden.

28.71 Es ist am zwölften Tag der hellen Hälfte des Monats Śrāvaṇa nach Vorschrift zu vollziehen, oder wenn die Sonne im Löwen beziehungsweise in der Jungfrau steht.

28.72 Die Schnur sei von einem Mädchen gesponnen, aus Baumwolle, Lotusfasern oder Leinen; fehlt dies, fertige man sie aus Darbha.

28.73 Sie darf nicht bereits für eine andere Handlung verwendet oder durch fremde Bindung und Ähnliches beeinträchtigt sein. Dreifach gezwirnt wird sie in geringer, mittlerer oder höchster Form hergestellt.

28.74 Man verwende siebenundzwanzig, vierundfünfzig oder einhundertacht Fäden; für die Waldgirlande eintausend.

28.75 Die Früchte sind menschliches Wohlergehen, himmlisches Wohlergehen, das Leben in Gottes Welt und Befreiung. Die Schnüre reichen bis zu Nabel, Oberschenkel oder Knie; die längste entspricht der Bildhöhe.

28.76 Vorgeschrieben sind zwölf, vierundzwanzig oder sechsunddreißig Knoten. Die Waldgirlande soll stets einhundertacht Knoten haben.

28.77 Die Vorbereitungsschnur hat zwölf Knoten. Für Zweimalgeborene lautet das Mantra „Dieses hat Viṣṇu“, für andere gilt das zwölfsilbige.

28.78 So viele Knoten geknüpft wurden, so oft wiederhole man das Mantra; bei der heiligen Schnur ein-, zwei- oder dreifach.

28.79 Zwischen den Knoten bestreiche man sie mit Safran, Uśīra, Kampfer, Sandelholz und weiteren Salben und vollziehe die Auflegung der Prinzipien.

28.80 Am elften Mondtag fastend bereite man die heiligen Schnüre vor, verehre sie mit Duftstoffen und Blumen und lege sie nachts vor der Gottheit nieder.

28.81 Menschen, die der Erkenntnis der Prinzipien zugewandt sind, sollen Haris Schnurfest vollziehen. Am elften Tag verehre der Hingebungsvolle ihn mit dem Grundmantra.

28.82 Den mit Garuḍa im Banner verehre er mit Schmuck, Girlanden und Speisegaben und lasse dort eine Nachtwache mit Tanz und Gesang halten.

28.83 Fastend, rein, nach vollzogenem Japa und mit beherrschten Sinnen ehre er die besten Brahmanen hingebungsvoll und gebe ihnen Gaben, Haris gedenkend.

28.84 Am Morgen nehme er die dort vorbereitete heilige Schnur und lege sie mit dem Hymnus „Von dort die Götter“ auf Viṣṇus Haupt.

28.85 Ein Śūdra verwende das Grundmantra oder das Mantra, mit dem er Hari verehrt. Unter Vedenklang, Siegesrufen, Hymnen, Gesang und Segensklängen

28.86 vollziehe man das Anlegen der heiligen Schnüre und trage der Gottheit vor: „Mit Edelstein- und Korallengirlanden, mit Mandāra-Blüten und weiteren Gaben

28.87 sei dir diese jährliche Verehrung dargebracht, du mit Garuḍa im Banner! Was meiner Verehrung an Mantra, Handlung und Hingabe fehlt, Janārdana,

28.88 was ich dir, Gott, unvollkommen dargebracht habe, das möge vor dir vollständig sein! Wie du, Gott, die Waldgirlande und den Kaustubha stets an deinem Herzen trägst,

28.89 so trage auch die heiligen Fäden und diese Verehrung an deinem Herzen!“ Nach dieser Bitte verneige man sich hingebungsvoll vor dem Herrn der Götter und bitte um Vergebung.

28.90 Danach gebe man den Brahmanen Gaben in Haris Namen. Anschließend ehre man hingebungsvoll den Guru und ebenso die anderen.

28.91 Mit dem Grundmantra opfere man Gerstenspeise samt Butter ins Feuer. Danach ehre man die Brahmanen hingebungsvoll und gebe ihnen Gaben.

28.92 Alle Bedürftigen ehre man nach Kräften mit gekochtem Reis und anderen Speisen. Die Zahl der Fingerbreiten kann hier auch der Zahl der in die Verehrung einbezogenen Prinzipien entsprechen.

Kapitel 29

29.1 Nun erkläre ich kurz die Merkmale der verpflichtenden Lebensordnung für alle Eingeweihten, durch deren Befolgung sämtliche Vollendungen entstehen.

29.2 Die vier Stände, angefangen mit den Brahmanen, werden genannt, sodann die Eingeweihten der drei: Hingebungsvoll, sinnenbeherrscht und friedvoll heißen sie alle Samayins, Träger der Verpflichtung. [Die Beziehung zwischen „vier“ und „drei“ bleibt in diesem Vers unklar; spätere Verse behandeln auch Śūdras.]

29.3 Samayin, Dīkṣita, Cakravartin, Abhiṣekavat, Guru, Ācārya und als siebter Bhagavat werden als Stufen genannt.

29.4 Yāga, Stoma, Mahāyāga, Adhvara, Sava, Kratu und Haristoma heißen kurz gesagt die sieben Opferformen.

29.5 Für die Angehörigen der Stände ist die Einweihung der Reihe nach im Frühling, Sommer, Herbst und in der Regenzeit vorgesehen; für alle auch während des nördlichen Sonnenlaufs.

29.6 Einmal, zweimal, dreimal, viermal, siebenmal oder zwölfmal kann die Einweihung vollzogen werden, oder alljährlich.

29.7 Der Name wird bereits zuvor nach dem Fall der Blume bestimmt. Bei den Angehörigen der Stände endet er entsprechend auf Śarman, Varman, Gupta oder Dāsa.

29.8 Die Bezeichnungen Samayin und die folgenden sind für sich zu verstehen, ähnlich den Namen Keśava und den übrigen. Bei Frauen der drei Stände enden die mit Keśava und weiteren Gottesnamen gebildeten Namen auf Devī.

29.9 Bei Śūdras enden sie auf Dāsa beziehungsweise Dāsī; bei allen unterscheiden sie sich nach der Opferform. Alle recht Eingeweihten seien stets dem Guru zugewandt.

29.10 Sie bewahren die Pflichten ihres Standes und Lebensabschnitts sowie die übernommenen Verpflichtungen und dienen stets Guru, Gottheit, Brahmanen und Feuer.

29.11 Durch Gelübde, Fasten, geregeltes Leben und Hingabe streben sie nach innerem Wachstum. Ohne vorherige Gottesverehrung soll man nicht essen, ebenso wenig im Haus eines Uneingeweihten.

29.12 Bereits abgelegte Kultgaben soll man weder berühren noch weitergeben noch darüber hinwegsteigen; wie sollte man sie essen? Die abgelegten Gaben sämtlicher Gottheiten gelten hier als unrein.

29.13 Andere hingegen betrachten Blumen und weitere Gaben, die Viṣṇu angenommen hat, als rein und nehmen sie an. Man esse nicht aus einem Bronzegefäß und verehre keine andere Gottheit.

29.14 Die verbindliche Lehre offenbare man nicht Uneingeweihten oder anderen Ungeeigneten. Mit einer menstruierenden Frau, mit Caṇḍālas oder anderen außerhalb der Stände Stehenden soll man nach dieser Regel nicht sprechen.

29.15 Man wohne nicht dauerhaft in einem als ungeeignet geltenden Land oder mit Andersgläubigen zusammen. Man trage kein quer verlaufendes Stirnzeichen und vermeide die hier genannten feindlichen oder vermischenden Kennzeichen. [Die letzten beiden Ausdrücke sind nicht eindeutig überliefert.]

29.16 Śṛṅgāṭa, Knoblauch, Śigru, saures Getreidewasser, Schafsmilch, Ölkuchen, Koradūṣa-Hirse und Pilze soll man stets meiden.

29.17 Sitz, Lager oder Fahrzeug mit Radzeichen soll man nicht besteigen. In Gegenwart eines Gottesbildes soll man kein anderes Bild preisen.

29.18 Man höre keine Verleumdung an und lasse die Zeit nicht nutzlos verstreichen. Man trage das Radzeichen; Kinder, Diener und Tiere seien durch Viṣṇus Namen gekennzeichnet.

29.19 Beim Schlafen lege man den Kopf in die Richtung, in der die Sonne steht. Die Füße strecke man nicht gegen Feuer, Kuh, Guru, Brahmane, Kultbild oder Getreide aus.

29.20 Fleisch von Fisch, Schildkröte und Eber soll man nicht essen. Brahmanen, Feuer, Viṣṇu-Verehrer, Aśvattha-Bäume und Kühe umschreite man rechtsherum.

29.21 Alle Heiligtümer Viṣṇus, die man sieht, grüße man hingebungsvoll. Einen Fluss überquere man nicht schwimmend mit den Armen, nicht mithilfe einer Kuh und nicht in fremder Kleidung.

29.22 Man steige nicht nackt ins Wasser und renne nicht beim Einsetzen des Regens. Alle Menschen mit dem aufrechten Stirnzeichen ehre man nach Kräften.

29.23 Stets gebe man zuerst eine Almosengabe und den Kühen eine Handvoll Futter. Abgestandene oder aus einem fremden Haus gebrachte Speise esse man nicht.

29.24 Mit Öl, das den Kopf berührt hat, berühre man kein anderes Körperteil. Man setze sich nicht ohne Unterlage und verehre keinen Anhänger einer anderen Gottheit.

29.25 Man esse kein bloßes Salz und keine Harze oder aus unreinen Stoffen entstandenen Erzeugnisse. Mit eingeweihten, Viṣṇu verehrenden Brahmanen streite man nicht.

29.26 Einen Viṣṇu-Verehrer verachte man nicht, auch wenn er als außerhalb der Stände stehend oder als Śvapāka gilt. Alle Handlungen vergegenwärtige man sich im Geist als Handlungen um Viṣṇus willen.

29.27 Um Viṣṇus willen würde man sogar das Leben hingeben. Welche Handlung den erhabenen Herrn der Welt

29.28 erfreut, eben diese Handlung sollen Viṣṇu-Verehrer stets vollziehen. Ist der Geist auf den guten Weg gerichtet, dann bleibt auch die Rede auf dem guten Weg,

29.29 ebenso bleiben alle Sinne darauf. Deshalb schule man zuerst den Geist. Anderen zu helfen ist der höchste Dharma für alle: Dies ist die feste Überzeugung.

29.30 Deshalb wirke man mit aller Kraft zum Wohl aller. Gaben, die vor allem Ruhm einbringen sollen, sind hinsichtlich ihrer Frucht nur von mittlerem Wert.

29.31 Eine Gabe soll im Verborgenen geschehen, wenn Empfänger, Zeitpunkt und weitere Umstände angemessen sind. Ein hochgesinnter Mensch gebe einem geeigneten Empfänger alles, was zu geben ist,

29.32 allein auf Gott ausgerichtet; der Ruhm ist dabei nur eine Nebenfolge. Für den sinnenbeherrschten Hingebungsvollen ist der geistige Dharma der höchste.

29.33 Für den noch ungeschulten Menschen wird der körperliche, für den auf mittlerer Stufe der sprachliche Dharma gelehrt. Dharma hat die Gestalt des Handelns; seine höhere Gestalt ist Erkenntnis.

29.34 Durch Erkenntnis erlangt man Befreiung; die Handlung wird um der Erkenntnis willen angestrebt. Bloßes Wissen aber vermag ohne die Unterstützung des Dharma

29.35 den vom Weltendasein ergriffenen Geist nicht ohne Weiteres zu klären. Deshalb verehre man Gott, um Hindernisse zu überwinden, und erlange durch Gnade Erkenntnis.

29.36 Dann wird Befreiung für seine Hingebungsvollen erreichbar, nicht für die anderen. Die im Tempel aufgestellte Gottheit soll man nicht ständig offen zeigen,

29.37 abgesehen von der Zeit der Verehrung; nach deren Abschluss zeige man sie. Kontakt mit unreinen Stoffen und dichtes Menschengedränge

29.38 sowie weltliche Gerätschaften vermeide man stets im Heiligtum. Vedische Viṣṇu-Mantras sowie befriedende und nährende Mantras

29.39 sind jeweils passend anzuwenden, dazwischen die tantrischen Mantras. Die läuternden Mantras der Ṛg-, Yajur- und Sāma-Texte

29.40 sowie des Atharvaveda sind für Gottesverehrung und weitere Handlungen zu übernehmen. Die Mantras, die sich unmittelbar oder durch ihre Kennzeichen auf den höchsten Gott beziehen,

29.41 übernehme man einzeln samt ihren Gliedern und verwende sie nach Prüfung. Denn es gibt auf Erden kein höheres sprachliches Gut als diese.

29.42 Die vedischen Mantras gelten als wunscherfüllend und läuternd. Wer selbst in einer Familie geboren wurde, deren Lebensriten mit ihnen vollzogen werden,

29.43 soll sie nicht übergehen und ausschließlich anderen Mantras folgen. Die vedischen Vorschriften sind vorwiegend auf den Bereich rituellen Handelns ausgerichtet.

29.44 Menschen mit bestimmten Wünschen wenden sie an, indem sie sich jeweils an die entsprechende Gottheit halten. Diese vedischen Mantras sind wirksam, gemeinsam oder einzeln,

29.45 und dienen der Vollendung von Handlungen, meist mit unterschiedlichen Früchten. Viṣṇu-Verehrer, welche die Veden anerkennen, sollen sie wiederholt prüfen und auswählen.

29.46 Für seine Verehrung bildet dieses Tantra die verbindliche Grundlage. Nachdem man es verstanden und selbst die geeigneten vedischen Mantras ausgewählt hat,

29.47 verehre man, auf dieses Tantra gestützt, den höchsten Puruṣa. Wer mit diesen Mantras Japa, Lobpreis und ehrfürchtiges Hinzutreten vollzieht und dabei Haris gedenkt,

29.48 wer die Mantras rechtmäßig rezitiert, ist ein vorzüglicher Viṣṇu-Verehrer. Wer insbesondere das Opfer der Mantra-Wiederholung mit vedischen Mantras vollzieht

29.49 und die Verehrung zu den vorgeschriebenen Zeiten ausführt, an dem erfreut sich Hari. Man meditiere über Viṣṇu im Sonnenkreis, gepriesen durch vedische Mantras,

29.50 und opfere ebenso im unterhaltenen Feuer zum Gelingen des Werkes. Für die reine, von keiner Stütze abhängige Meditation, wie sie im Vedānta gelehrt wird,

29.51 ist der noch an Handlungen gebundene Mensch wegen der Unzulänglichkeit seiner Sinne nicht befähigt. Wie jemand, der die Frucht eines Baumes oben an einem Berghang begehrt,

29.52 unermüdlich ein geeignetes Mittel sucht, so soll auch er sich bemühen. Überall ist ein schrittweises Bemühen nötig, nicht bloßes Wünschen.

29.53 Durch die Verbindung von Körper, Rede und Geist strebe man daher schrittweise nach dem höchsten Ziel. Eine hingebungsvolle Verehrung oder Meditation des Formlosen

29.54 mag reizvoll erscheinen, kann für diesen Übenden jedoch zur Ursache des Verfehlens werden. Denn seine Sinne hängen von Geburt an an grobstofflichen Erscheinungen.

29.55 Selbst nach langer Zeit erfassen sie das Feine nicht leicht; wie erst nach kurzer Zeit? Ohne eine Gestalt kann niemand die Gottheit meditierend erfassen.

29.56 Wo könnte sein Denken Halt finden, wenn es von jeder Gestalt abgezogen ist? Ohne Halt ermattet der Geist oder wird vom Schlaf überwältigt.

29.57 Deshalb verehre der Wissende ihn im Geist mit einer Gestalt. Zugleich halte er sich gegenwärtig: Es gibt an ihm etwas, das der unmittelbaren Wahrnehmung entzogen ist.

29.58 Der Kundige verehre den höchsten Gott zur Befreiung oder um einer Frucht willen, ohne die gelehrte Gestalt einfach aufzugeben.

29.59 Durch die wiederholten Mantras, die an Viṣṇus Füßen Zuflucht nehmen, wird durch seine Gnade das eigene beziehungsweise göttliche Wesen im Bewusstsein erkennbar, nicht anders. [„Svarūpa“ lässt hier beide eng verbundenen Bezüge zu.]

29.60 Alle Mantras, Hymnen, Meditation und Verehrung dienen der Hingabe. In wessen Herzen diese stark ist, der gilt als Hingebungsvoller; nicht ein anderer.

29.61 Wer im Geist stets das Angenehme als Gottes Gabe und das Unangenehme als aus dem eigenen Handeln entstanden betrachtet, der ist ein Hingebungsvoller; nicht ein anderer.

29.62 Seine Gestalt erkenne man als aus Yoga bestehend und alle Dinge umfassend. Ewig ist sie, aus Mitgefühl mit den Hingebungsvollen; als Mantra-Gestalt ist er zu meditieren.

29.63 Wenn der Wissende von Handlungen zurückgetreten ist und an der Erlösung Freude findet, dann verehre er den höchsten Puruṣa in dessen feinem Leib.

29.64 Seine Kräfte sind als seine Waffen zu verstehen, seine Arme als die Richtungen. Der Himmel ist sein Haupt, die Erde seine Füße, die Sonne sein Blick und der Mond sein Geist.

29.65 Er kann nicht zerschnitten, verbrannt, durchnässt oder ausgetrocknet werden. Ewig, alldurchdringend und feststehend ist er von den Einsichtigen stets zu verehren.

29.66 Wann immer der Geist klar und ruhig ist, meditiere man über das Feine. Selbst Asketen geraten hier durch Zweifel ins Wanken und verlieren den Mut.

29.67 Der Selbstbeherrschte festige den Sinn der Überlieferung durch alle Wissensgebiete und durch reine Unterscheidung; er bewirke nicht ihre Verwirrung oder Auflösung.

29.68 Was das eigene häusliche Ritualhandbuch und die Dharma-Lehre vorschreiben, führe man stets aus; ebenso die widerspruchsfreien tantrischen Vorschriften entsprechend Familie, Stand und Lebensabschnitt.

29.69 Für Frauen und Śūdras ist hier die vedische Aufnahmezeremonie nicht vorgesehen. Ihre Aufnahme ist die Einweihung, mit einer begrenzten tantrischen Ritualordnung.

29.70 Tantrisch sind die Tantra-Mantras und die darauf beruhenden Vorschriften. Die Handlung ist dreifach: mit Grundmantras, mit Gāyatrī und mit vedischen Mantras.

29.71 Diese werden Vaiśya und Śūdra, dem König und dem Brahmanen zugeordnet; oder beim Brahmanen sind alle vorgesehen. Bei Feueropfern gelten die eigenen oder die jeweils zulässigen Mantras.

29.72 Alle aus den vier Ständen hervorgegangenen Menschen werden nach Anuloma- und Pratiloma-Verbindungen unterschieden. Erstere gelten hier als vorzuziehen, letztere als auszuschließen.

29.73 Unter den Pratiloma-Gruppen wird allein der Sūta zugelassen. Die übrigen, die außerhalb der Standes- und Lebensordnung stehen, gelten hier als nicht zur Einweihung berechtigt. [29.69–73 überliefern historische Zugangsregeln, keine allgemeine Aussage über die geistige Würde eines Menschen.]

29.74 Schüler im Zölibat, Hausvater, Waldeinsiedler und Entsagender bilden die vier Lebensstände; sie werden nochmals nach ihrer Lebensführung unterschieden.

29.75 Im ersten Stand heißen die vier Brahmacārin, Liṅgin, Śiṣya und Upāsaka. Wer Laugen und Salz meidet, von Almosen lebt, maßvoll isst

29.76 und auf dem Boden oder einem Tierfell schläft, heißt Brahmacārin. Wer entsprechend handelt, mit Rad und weiteren Zeichen gekennzeichnet ist

29.77 und sich der Gottesverehrung widmet, heißt Liṅgin. Wer ausschließlich von Almosen lebt, lernend, dienstbereit und verehrend,

29.78 ohne sich anderen Aufgaben zuzuwenden, heißt Śiṣya. Wer die Gottheit an den drei Tagesübergängen verehrt, sich keiner anderen Aufgabe widmet,

29.79 dreimal badet und stets dem Guru folgt, ist Upāsaka. Vratin, Gṛhastha, Āḍhya und Ācārya sind die vier Formen des Hausvaters,

29.80 die hier ebenfalls nach ihrer Lebensführung unterschieden werden. Wer Gelübde und Fasten hält, nachts isst, regelmäßig verehrt und die Sinne beherrscht,

29.81 nur zur vorgesehenen fruchtbaren Zeit ehelichen Verkehr hat, maßvoll isst und stets dem Grundmantra zugewandt ist, heißt Vratin. Wer Opfer, Studium, Gottesverehrung und den Unterhalt von Schülern und anderen trägt,

29.82 gilt als Gṛhastha, als Mann, der seiner eigenen Frau treu bleibt. Wer stets Gäste aufnimmt, nach Wunsch speist und in Wohlstand lebt,

29.83 sich hingebungsvoll den Gottesfesten widmet und an den Festtagen opfert, heißt Āḍhya. Wer Opfer für andere und Unterricht ausführt, im vedischen und tantrischen Ritual,

29.84 täglich opfert, den Zorn bezwungen hat und zur Begnadung bereit ist, heißt Ācārya. Vaikhānasa, Tantrin, Guru und Niṣkala

29.85 sind die vier Formen des Waldeinsiedlers in diesem Tantra. Wer Laugen und Salz meidet, die Lehre erklärt, Frau und Kinder hat,

29.86 auf Boden oder Fell schläft und stets meditiert, heißt Vaikhānasa. Wer von Walderzeugnissen lebt, dreimal täglich verehrt und sich Japa und Feueropfer widmet,

29.87 Rinde oder Fell trägt, auf Darbha schläft und stets Mantras wiederholt, heißt Tantrin. Wer dreimal badet, einen festen Wohnort hat, Rindengewand trägt und Wurzeln und Früchte isst,

29.88 an heiligen Stätten badet, verehrt, meditiert und das zwölfsilbige Mantra wiederholt, heißt Guru. Wer mit dem zufrieden ist, was sich von selbst ergibt, nachts isst und fest im Gelübde steht,

29.89 Rinde trägt, frei von Neid ist, schweigt und dreimal täglich verehrt, heißt Niṣkala. Haṃsa, Paramahaṃsa, Bhagavat und Prabhu

29.90 heißen in diesem Tantra die vier Arten des eingeweihten Entsagenden. Wer stets Muschel und Rad trägt, einen Stab führt und von einer Almosenmahlzeit lebt,

29.91 regelmäßig verehrt, die Riten kennt, meditiert und sich stets Japa widmet, heißt Haṃsa. Wer in der Nichtdualität ruht, einen Stab trägt und Erkenntnis und Meditation hingegeben ist,

29.92 friedvoll ist, ohne Haarschopf und heilige Schnur lebt, Almosen speist, im Gelübde steht und in tantrischer Praxis gefestigt ist, heißt Paramahaṃsa.

29.93 Der Bettelasket mit Muschel, Rad, Sitzmatte, Trageschnur, Wassergefäß, Reinigungsring, Dreistab, Schale und Yogagurt heißt Bhagavat.

29.94 Wer all dies stets trägt, dazu Schirm und Gottesbild, und selbstbeherrscht den Herrn der Götter durch das Radritual verehrt,

29.95 die Verehrung an den drei Tagesübergängen vollzieht, in Klarheit ruht und Japa übt, heißt Prabhu. An Tagundnachtgleichen, Sonnenwenden, Geburtstag, zwölftem Mondtag, Śravaṇa,

29.96 achtem, neuntem und fünftem Mondtag enthalte man sich des Geschlechtsverkehrs. Vor dem Essen besprenge man die Speise mit dem Grundmantra, berühre sie und trinke Wasser.

29.97 Schweigend meditiere man über den inneren Puruṣa und das leuchtende Verdauungsfeuer. Mit Oṃ bringe man dann dem fünffachen Selbst fünf Opfergaben dar.

29.98 Man nehme mundgerechte Bissen, lache nicht und lasse sich nicht erregen. Jede Unruhe gebe man auf und esse ohne Geräusch.

29.99 Erblickt man dabei Hund, menstruierende Frau, Angehörige ausgeschlossener Gruppen, Andersgläubige, Krähe, Tempeldiener, Hahn oder Handwerker, soll man nach dieser historischen Reinheitsregel die Speise verlassen und sogleich baden.

29.100 Man wiederhole die fünf Upaniṣad-Mantras und besprenge mit Oṃ. Viṣṇu, Mahāviṣṇu und Sadāviṣṇu, diese drei,

29.101 sind an den drei Tagesübergängen der Reihe nach stets mit Japa, Meditation und weiteren Übungen zu verehren. Morgens gilt die Viṣṇu-Gāyatrī, mittags das zwölfsilbige Mantra,

29.102 abends das achtsilbige; oder man wiederhole stets das Grundmantra. Nach dem Guru erhebe man sich, bade, meditiere über die Gottheit und verehre sie.

29.103 Mit dem linken Fuß zuerst gehe man hinaus und trete wieder ins Haus. Mit Erlaubnis des Gurus sammle man mit einer Schale Almosen und spreche dabei Segensworte.

29.104 Man zeige sie dem Guru und lege sie mit seiner Zustimmung ab. Nach der Mundspülung opfere man rein mit dem Grundmantra Brennhölzer ins Feuer.

29.105 Bequem auf einem Sitz sitzend, beide Füße auf dem Boden, berühre man die Schale mit der linken Hand und vollziehe die Opfergaben an die Lebenskräfte.

29.106 Steht ein Zweimalgeborener nach dem Essen ohne Mundspülung auf, ist sogleich ein Bad vorgeschrieben. Deshalb spüle er den Mund noch am selben Ort.

29.107 Nachdem er den Tagesübergang verehrt, erneut Brennholz geopfert und Hari verehrt hat, sammle er wie zuvor Almosen.

29.108 So handle er morgens und abends, der Weisung des Gurus folgend. Wenn er später mit Erlaubnis des Gurus in den Hausstand eintritt,

29.109 bade und verehre er ihn täglich; danach verrichte er seine übrigen Aufgaben.

Kapitel 30

30.1 Nun erkläre ich kurz den höchsten, dem Erhabenen zugewandten Yoga, den andere zuvor nicht gehört haben: unter allem Heilsamen das höchste Heil.

30.2 Mit angemessener Nahrung und Lebensführung, maßvoller Tätigkeit, gesammelt und selbstbeherrscht übe man täglich den Yoga des Erhabenen.

30.3 Man kenne die Einteilung in fünf Tageszeiten, rede und esse maßvoll, überwinde Begehren, Zorn und die übrigen Leidenschaften, sei hingebungsvoll und betrachte Erdklumpen, Stein und Gold mit Gleichmut.

30.4 Den übernommenen Verpflichtungen gemäß lebend, Japa und Meditation zugewandt, suche man einen abgeschiedenen, menschenleeren, windstillen und geräuschlosen Ort.

30.5 Der Yogakundige nehme einen festen Yogasitz ein und übe schweigend. Nachdem er Hari verehrt hat, bringe er die Verehrung eben ihm dar.

30.6 Mit gefalteten Händen und gesenktem Haupt vergegenwärtige man sich als seinen Diener. Man erbitte keine besondere Frucht; ist er erfreut, wird er von selbst geben.

30.7 Er kennt die rechte Zeit und die Vorzüge wie die Mängel von Hingabe und Verehrung. Er erweist Gnade aus seinem Wohlgefallen, niemals aufgrund ungeduldigen Drängens.

30.8 Doch lässt er den Hingebungsvollen auch durch Hunderte weiterer Geburten nicht ohne Gnade. Wenn die übrigen, noch reifenden Handlungen erschöpft sind,

30.9 offenbart Hari sich seinen Hingebungsvollen und schenkt ihnen Gnade. Schon zuvor wird deren Wohlergehen erkennbar.

30.10 Die Feinde schwinden, die Güter wachsen von selbst, die Frucht wird ohne Mühe reichlicher, und Krankheiten weichen von selbst.

30.11 Bedrängnis trifft ihn nirgends; Vieh und Nachkommenschaft nehmen zu. Sein Leben wird lang, und glückliche Kinder werden geboren.

30.12 Die Menschen preisen ihn, Räuber bestehlen ihn nicht, und sein ungestörter Wohlstand bleibt lange ohne Einschränkung bestehen.

30.13 Sein Denken wendet sich dem Dharma und dem Guten zu und vom Unrechten ab. Auch sein Lebensende wird friedlich zu einer heiligen Zeit eintreten.

30.14 Danach wird er in einer angesehenen Familie geboren und empfindet erneut Hingabe an Acyuta. Von Geburt zu Geburt steigt er höher.

30.15 Durch dessen Gnade erlangt er mühelos die achtfachen außergewöhnlichen Fähigkeiten. Er kann lange nach Wunsch wirken oder ebenso die Erlösung erlangen.

30.16 Auf seine Hingebungsvollen muss sich seine Gnade in jedem Fall erstrecken. Selbst ein vom Weg Abgekommener mag vielfältige Genüsse erlangen, wird dadurch jedoch noch nicht befreit.

30.17 Durch die fortwirkende Bindung an Handlungen entsteht vielmehr Leid im Weltendasein. Deshalb ist allein die Hingabe an ihn die Ursache des wahren Gedeihens.

30.18 Durch Erkenntnis seiner sollen Menschen ihre Hingabe sorgfältig wachsen lassen. Ist sie besonders gestärkt, führt sie den Menschen auf den guten Weg.

30.19 Deshalb übe man Unterscheidung und erkenne Vorzüge und Mängel, wie sie sind. In der Abgeschiedenheit betrachte man mit reinem Geist sämtliche eigenen Fehler.

30.20 Frei von Begehren, Zorn und ähnlichen Regungen wird der Geist rein. Durch beständige Übung auf dem Yogaweg entsteht die Reinigung des Geistes.

30.21 Im gereinigten Geist entsteht unerschütterliche Hingabe an ihn. Ist sie erwacht, ruht das Bewusstsein in der Wirklichkeit.

30.22 Für einen von Anhaften und Abneigung umgebenen Menschen bleibt die Schau der Wirklichkeit ohne Frucht. Wer die Wirklichkeit wahrhaft sehen will, muss deshalb zuerst beide überwinden.

30.23 Beim Anblick heiliger Orte, bei Gefahr und Tod, ebenso bei Krankheit und Demütigung kann Loslösung entstehen.

30.24 Angesichts von Tod und ähnlichen Erfahrungen sammle man sich selbst und übe mit dem Verstand stets die Unterscheidung, die zur Loslösung führt.

30.25 Aus Unterscheidung entstehen Hingabe und beständige Loslösung. Daraus erwächst ein in der Wirklichkeit gegründetes, nicht mehr abirrendes Verstehen.

30.26 Man hafte nicht an Genüssen und richte sein Denken nicht auf schwer Erlangbares. Der weise Verehrer des Erhabenen sei stets mit wenig zufrieden.

30.27 Im Angenehmen und Unangenehmen erkenne man das Reifen von Handlungen. Mit „Dies ist gerecht, dies nicht“ soll man sich nicht fortwährend in Klage verlieren.

30.28 Der Unterscheidende erkenne: „Aus mir selbst besitze ich keine unbedingte Herrschaft.“ Man stelle seine Taten nicht laut zur Schau und verfalle nirgends in aufgeregte Hast.

30.29 Aus der Verehrung des Gottes der Götter erwarte man keinen Ruhm. Wie der Geist an geliebten Dingen hängt, so richte man seine liebende Zuwendung auf Gott.

30.30 Wenn beständige Hingabe erwacht ist, entsteht die Schau der Wirklichkeit. Wer die Wirklichkeit kennt, wandere frei von Bindung, wo immer er sich befindet.

30.31 Allein suche er heilige Badestätten und heilige Orte auf. Hingebungsvoll meditiere er über die Gottheit, in ihr gegründet und ganz auf sie ausgerichtet.

30.32 Indem er auch zur Todesstunde ihrer gedenkt, erlangt er die innige Vereinigung mit ihr. Frei von Anhaften löse er alle Prinzipien im höchsten Selbst auf.

30.33 Den Geist von Gegenständen frei machend, gelassen, wird er befreit. Auch wenn der Yogi über außergewöhnliche Macht verfügt, vergesse er niemals Gott.

30.34 Andernfalls tritt im Lauf der Zeit unweigerlich ein Rückschlag ein. Die reinen Hingebungsvollen, die die innige Vereinigung erreicht haben,

30.35 werden dauerhaft unbedrängte Diener Viṣṇus. Durch ein Vergehen gegen einen Hingebungsvollen kann für sie jedoch erneut Weltendasein entstehen. [Die Vorlage liest „bhaktparādhena“; der Bezug auf ein Vergehen gegenüber einem Verehrer ist eine kontextuelle Deutung.]

30.36 Andernfalls bleibt dieser Zustand bestehen; durch völlige Loslösung kann auch Befreiung eintreten. Die von Handlungen zurückgetretenen Kenner der Wirklichkeit stehen über allen anderen.

30.37 Für sie gibt es keine erneute Geburt und kein solches Abirren mehr. Befreiung ist als das höchste aller Ziele zu erkennen.

30.38 Alle anderen Zustände sind mit der Möglichkeit des Abirrens verbunden und unbeständig. Dennoch billigen Menschen aufgrund ihrer unterschiedlichen Neigungen beide Ziele,

30.39 Herrlichkeit oder endgültige Befreiung; der eine erstrebt dieses, der andere jenes. Die auf ihn gerichtete Hingabe ist das Mittel zu beiden.

30.40 Entsprechend den unterscheidbaren Stufen zunehmender Sammlung übt man sorgfältig die Glieder des Yoga, während der Geist in Klarheit ruht.

30.41 In ihnen gefestigt gedenke man Viṣṇus mit einspitzigem Bewusstsein. Dadurch schwinden beim Selbstbeherrschten allmählich Trägheit und Getriebenheit.

30.42 So erlangt er durch zunehmend höhere Geburten Vollendung. Wenn er in Klarheit ruht und von Getriebenheit nicht mehr berührt wird,

30.43 erreicht der Hochgesinnte Befreiung oder innige Vereinigung. Deshalb suche man stets die Hingabe, welche die Ursache all dessen ist.

30.44 Wenn die Hingabe gesammelt und gestärkt wird, entsteht sein Heil, nicht anders. Die Hindernisse, welche die Yogaübung immer wieder beeinträchtigen,

30.45 überwinde man, sobald sie sich einstellen, durch Hinwendung zur Erkenntnis der Wirklichkeit. Man übe nicht übermäßig lange und quäle den Körper nicht.

30.46 Auch von den Sinnesgegenständen ziehe man sich sorgfältig und allmählich zurück. Bei der Suche nach ungewohnten Eindrücken, bei Abhängigkeit vom Gerede der Menschen

30.47 und bei der Verstrickung in nutzlose Gedanken suche der weise Mensch die Sammlung des Yoga. Wenn all dies zur Ruhe kommt, wächst seine Hingabe.

30.48 Schwer aufzugebende Genüsse mögen im Rahmen der Dharma-Lehre angenommen werden; oder man wende durch Einsicht in ihre vielen Gefahren das Verlangen beharrlich von ihnen ab.

30.49 Indem man sich von ihnen zurückzieht, wird der Geist immer reiner. Das höchste Mittel zur Loslösung ist die Reinigung des eigenen Inneren.

30.50 Wird die Reinheit gepflegt, entsteht Abkehr von den Sinnesgegenständen; man verbindet sich nicht mehr mit Unreinem.

30.51 Durch das Meiden des Unreinen wird der Geist klar und friedvoll. In dieser Klarheit entsteht beim Verlangenslosen Hingabe und daraus sichere Befreiung.

30.52 Nachdem man Klang und die übrigen Sinnesgegenstände überwunden und alle Sinnestore geschlossen hat, löse man die Sinne nach innen auf und betrachte die höchste Stätte.

30.53 Der Yogakundige sammle durch Yogaübung die fünf Lebenswinde. Mit beständig gefestigtem Geist meditiere er über jene höchste Stätte.

30.54 Er vergegenwärtige sich die Farben der fünf inneren Lebenswinde. Jeweils inmitten des zuvor genannten meditiere man der Reihe nach den nächsten.

30.55 Prāṇa ist von der Farbe des Kāśa-Grases; in seiner Mitte liegt der rote Apāna. Vyāna leuchtet wie ein aufblitzender Blitz, Udāna gleicht einer weißen Kunda-Blüte.

30.56 Samāna meditiere man danach wie reinen Bergkristall. So meditiere man und halte die fünf Lebenswinde der Reihe nach im Innern gesammelt.

30.57 Nachdem man die sechs Glieder verstanden hat, wende man sie nach Vorschrift an: zuerst Atemlenkung, dann Zurückziehen der Sinne und Konzentration,

30.58 darauf prüfende Einsicht, Sammlung und Meditation: Dies sind hier die sechs Glieder in ihrer Reihenfolge. Die von den Yogis gelehrten Einatmung, Ausatmung und Atemhaltung

30.59 gelten als Formen der Atemlenkung, jeweils nach eigenen Zeiteinheiten bemessen. Man umkreise mit der Hand das Knie, weder schnell noch langsam,

30.60 und schnippe mit den Fingern: Dies wird hier als eine Zeiteinheit bezeichnet. Wird die Einatmung über zwölf solche Einheiten ausgeführt,

30.61 dauert die Ausatmung doppelt und die Atemhaltung dreimal so lange. Diese geordnete Ausdehnung der Lebenskräfte

30.62 nennen die Schriftkundigen in allen Lehrwerken Prāṇāyāma. Eine Konzentration wird mit drei solchen Atemlenkungen bemessen.

30.63 Dunkel, gelb, rot und weiß werden die Konzentrationen der Reihe nach genannt. [Die Farbreihenfolge weicht von der anschließenden Einzelbeschreibung ab.] Zuerst mit der in der Nabelmitte befindlichen Keimsilbe, deren Wesen Puruṣa ist,

30.64 vollziehe man die dem Wind zugehörige Konzentration; sie ist dunkel und mit Einatmung verbunden. Die danach mit der roten Viśva-Keimsilbe im Herzen vollzogene

30.65 heißt Feuerkonzentration; sie gilt als zweite und gehört zur Ausatmung. Die mit der gelben Nivṛtti-Keimsilbe im Hals vollzogene

30.66 heißt Māhendrī, die erdbezogene Konzentration; sie besteht in Atemhaltung. Mit der weißen Sarvātman-Keimsilbe im Haupt, jeweils mit diesen drei Atemvorgängen,

30.67 wird die letzte Konzentration vollzogen, die als dem Wasser zugehörig bezeichnet wird. Wenn das Bewusstsein bei den so angeordneten Keimsilben gehalten wird,

30.68 vergegenwärtige man sich die ganze Welt als mit deren Eigenschaften erfüllt. Die für Nabel und die weiteren Orte angegebene Keimsilbe besteht aus den Eigenschaften der Elemente.

30.69 Die Übungen, durch die sie festgehalten wird, heißen Konzentration. Was man durch Übereinstimmung und Ausschluss erkennt,

30.70 während der Konzentration und der übrigen Übungen, heißt prüfende Einsicht. Sammlung ist entsprechend der Handlung und ihren Eigenschaften durch die betreffende Form des Bemühens zu verstehen, [Der Ausdruck für dieses Bemühen ist in der Vorlage beschädigt oder ungewöhnlich.]

30.71 und sie wird mit jeweils drei Konzentrationen bemessen. Das Erscheinen der Unterscheidung zwischen Meditierendem und Meditationsgegenstand halte man darin zurück.

30.72 Dies dauere dreimal so lange wie die Sammlung: So wird Meditation gekennzeichnet. Wenn auf diese Weise das Bewusstsein in umfassender Weise mit dem zu Erkennenden übereinstimmt,

30.73 nennen die Yogis dies aufgrund der geordneten Verbindung des Erkennens Yoga. Das Zusammenführen der Eigenschaften und des unterstützenden Geistes

30.74 durch verständiges Vergegenwärtigen ihres wahren Seins wird hier ebenfalls Yoga genannt. Nach Erkenntnis und Handlung unterscheiden die Kundigen diesen Yoga in zwei Arten.

30.75 Die durch die Tätigkeit des inneren Organs erkannte Einheit im Selbst heißt Erkenntnis-Yoga; der aus Handlungen bestehende heißt Handlungs-Yoga.

30.76 Nachdem man ihn zuerst durch Handlungs-Yoga verehrt hat, verehre man ihn durch Erkenntnis-Yoga: der Reihe nach durch körperliche, sprachliche und geistige Vollzüge.

30.77 Den zunächst im Groben gesammelten Geist richte man danach auf das Feine. Wenn er mit der höchsten Gestalt verbunden ist, wird er befreit genannt.

30.78 Wer mit klarem Verstehen das Licht schaut, das höher als das Höchste ist, von der Natur des Bewusstseins, unbeweglich und beständig, wird nicht wieder auf Erden geboren.

30.79 Deshalb sei man mit aller Kraft stets ein hingebungsvoller Yogi. Gesammelt verehre man Gott; auf diese Weise wird Vollendung entstehen.

30.80 So habe ich dir die gesamte kurze Viṣṇusaṃhitā erklärt. In einem früheren Weltalter empfing ich sie unmittelbar aus Viṣṇus Mund.

30.81 Sie ist das höchste Wissen unter den Wissensformen, das höchste Geheimnis unter den Geheimnissen und das Heilsamste unter allem Heilsamen. Deshalb sollst du sie bewahren.

30.82 Wie ich dieses gesamte Tantra früher unmittelbar aus dem Mund des Erhabenen gehört habe, so habe ich es dir mitgeteilt.

30.83 Es darf keinem Uneingeweihten, keinem, der nicht ein Jahr lang beim Lehrer gelebt hat, keinem Hingabelosen, Ungezogenen oder einer anderen Gottheit ausschließlich Verbundenen gegeben werden.

30.84 Einem dankbaren, bescheidenen, reinen und enthaltsam lebenden Schüler sollen die Lehrer es mitteilen: So lautet Viṣṇus Weisung.

30.85 Wohl behütet erhält man das Ganze; unbehütet bringt man es zum Schwinden. Deshalb sollen die Kundigen es stets mit aller Sorgfalt hüten.

30.86 Wer es täglich gesammelt liest, hört oder andere hören lässt, wird, von allen Verfehlungen befreit, in Viṣṇus Welt geehrt.

30.87 Deshalb sollen die Hingebungsvollen es täglich studieren und vortragen lassen. In Buchform niedergeschrieben soll es stets sorgfältig verehrt werden.

30.88 Wo dieses Buch von gesammelten Menschen täglich verehrt wird, entsteht nach der Verheißung des Textes keine Furcht vor Krankheiten, Dieben und ähnlichen Gefahren.

30.89 Deshalb bewahre, behüte und verehre man es zu Hause stets mit aller Sorgfalt. Dort wächst beständiges Wohlergehen.

Spiritueller Schluss

Die Vishnu Samhita führt durch eine reiche Welt der Gottesnamen, heiligen Räume und sorgfältig geordneten Handlungen. Ihr letzter Maßstab reicht über den äußeren Vollzug hinaus: Der Geist soll sich vom Groben zum Feinen wenden und das beständige Licht des Bewusstseins erkennen (30.76–78). Hingabe begleitet diesen Weg bis zuletzt (30.79).

Für den eigenen Alltag kann daraus eine schlichte Ausrichtung wachsen: aufmerksam verehren, wahrhaftig sprechen, anderen helfen und beharrlich üben. Auch wo die Mittel gering sind, bleibt die geistige Gabe möglich (4.62–63). Auch wo die Ausführung unvollkommen ist, bleibt das Gebet um Annahme: Im Jahresfest bittet der Verehrende, Gott möge das an Mantra, Handlung und Hingabe Fehlende ergänzen und die dargebrachte Gabe an seinem Herzen tragen (28.87–89).

So verbindet die Schrift Sorgfalt mit Vertrauen. Der Mensch bringt dar, was er vermag, und richtet sein Leben auf jene Wirklichkeit aus, die er als Narayana verehrt und als unvergängliches Bewusstsein erkennen möchte.

Siehe auch

Literatur

  • Viṣṇusaṃhitā. Sanskrittext in dreißig Kapiteln; Grundlage dieser Ausgabe ist der vollständige elektronische IAST-Text „Vishnu Samhita.txt“.
  • M. M. T. Ganapati Sastri: Vishnu Samhita / विष्णु संहिता. Sri Satguru Publications, eine Abteilung des Indian Books Centre, Delhi, 1990. Diese bibliographischen Angaben werden in den übernommenen Editionshinweisen der IAST-Datei genannt. Die Druckausgabe wurde für diese Übersetzung nicht vollständig kollationiert; weitergehende Angaben zu Herausgeberschaft, Erstveröffentlichung oder Textgeschichte werden daraus nicht abgeleitet.

Weblinks

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Textgrundlage

Verwendet wurde der vollständige IAST-Text „Vishnu Samhita.txt“ mit dreißig Kapiteln und 2.589 nummerierten Einheiten. Die Kapitelzählung ist vollständig; innerhalb jedes Kapitels läuft die Verszählung von 1 bis zur in der Inhaltsübersicht genannten Schlussnummer ohne Sprung oder Doppelzählung. Die nummerierten Einheiten sind nicht sämtlich streng gleich lange metrische Strophen. Unnummerierte Rezitations- und Prosapassagen, besonders bei 19.52 und 20.26, gehören zum Text und sind mitübersetzt.

Die Vorlage enthält keine gesonderten Schlusskolophone zu den einzelnen Kapiteln. Ihre Kapitelüberschriften und der abschließende Überlieferungsabschnitt 30.80–89 sind erhalten. Die Sprecherwechsel des ersten Kapitels ergeben sich aus der Erzählung und den Redeeinleitungen; erklärende Sprecherzusätze der Übersetzung stehen in eckigen Klammern. Webseiten-Navigation, „Analyze grammar“ und wiederholte Werbe- beziehungsweise Editionsblöcke sind keine Bestandteile des Sanskritwerkes und wurden entfernt.

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