Ashtanga

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Asana - Glied des Raja Yoga

Ashtanga (Sanskrit: अष्टाङ्ग aṣṭāṅga adj): Ashtanga besteht aus zwei Worten: Ashta ist acht, Anga heißt Glied, Teil. Ashtanga sind die acht Glieder, acht Teile. Ashtanga ist natürlich besonders bekannt im Sinne von Ashtanga Yoga. Ashtanga kann aber auch anderes sein. Alles, was aus acht Teilen besteht, alles, was aus acht Gliedern besteht, ist Ashtanga. Ashtanga bedeutet also achtgliedrig.

Die Acht Stufen des Raja Yoga

Patanjali beschreibt im Yoga Sutra die Acht Stufen des Yoga:

  1. Yama - zwischenmenschliche Ethik
  2. Niyama - persönliche Lebensführung
  3. Asana- Haltung, Stellung
  4. Pranayama - Atmung, Kontrolle der Lebensenergie
  5. Pratyahara - Entspannung, Rückzug der Sinne
  6. Dharana - Konzentration
  7. Dhyana - Meditation
  8. Samadhi - Überbewusstsein

Ashtanga - Die acht Stufen des Yoga

- Ein Vortrag von Sukadev Bretz 2020 -

Einleitung

Dies ist Teil 12 der Reihe über den ganzheitlichen Yoga in der Yoga Vidya Tradition. Mit dieser Lektion beginnt die erste der Lektionen über Raja Yoga. Raja Yoga ist der Yoga der Geisteskontrolle, der psychologische Yoga, der Yoga des geschickten Umgangs mit deiner Psyche. In den vorigen Vorträgen ging es um:

In dieser und den folgenden Lektionen geht es nun um Raja Yoga Techniken, dazu wird eingegangen auf:

Einführung ins Raja Yoga

Das verbreitetste Konzept im spirituellen Yoga ist sicher das Konzept des Ashtanga Yoga, die acht Stufen. ‚Anga‘ heißt Stufe, Teil, Glied und ‚Ashta‘ heißt acht, also sind ‚Ashtanga‘ die acht Glieder, Teile des Raja Yoga. ‚Raj‘ heißt herrschen, so ist Raja Yoga der Yoga, der dir helfen will, zum Herrscher über deinen Geist zu werden. Er will dir helfen geschickt mit deinem Geist umzugehen.

Ein Konzept des Raja Yoga ist, dass du viele Mitarbeiter in dir hast und du hast viele Fähigkeiten, viele Talente, viele Möglichkeiten. Im Raja Yoga wird auch gesagt, dass alles, was in dir drin steckt irgendwo ursprünglich gut meinend ist. Selbst Emotionen wie Ärger, Angst oder Depressivität haben alle irgendwo ihren Sinn. Auch die verschiedensten geistigen Fähigkeiten, die du hast, all die haben einen Sinn. Es gilt, geschickt mit ihnen umzugehen und dich nicht von ihnen beherrschen zu lassen. Raja Yoga heißt also, du willst dich selbst zur Führungspersönlichkeit machen. ‚Raja‘ heißt auch König, Fürst, Herrscher, Führungspersönlichkeit. Du willst raus aus der Opferhaltung, wo du immer denkst Opfer verschiedener Umstände zu sein, du willst raus aus der Passivität, sondern du willst lernen selbst zu gestalten und selbst geschickt mit deinen psychischen Fähigkeiten umzugehen.

Raja Yoga wird auch als Ashtanga Yoga bezeichnet, denn im Raja Yoga gibt es acht Glieder, diese sind:

1. Yama: Ethik oder ethische Empfehlungen im Umgang mit anderen.
2. Niyama: Empfehlungen für die persönliche Lebensführung.
3. Asana: Stellungen.
4. Pranayama: oft übersetzt als Atemübungen
5. Pratyahara: Zurückziehen der Sinne
6. Dharana: Konzentration
7. Dhyana: tiefe Meditation, auch Absorption genannt
8. Samadhi: Überbewusstein

Das sind die acht Glieder des Yoga, man könnte sagen, die ersten sechs übst du parallel und in die siebte und achte fällst du hinein, wenn du dafür bereit bist.

Was heißt Meditation?

Es wurde bereits etwas auf die Meditation eingegangen und Meditation heißt:

  • Hinsetzen: Asana
  • Kontrolle des Prana durch bewusste Atmung: Pranayama
  • Technik üben, um sich in einen meditativen Gemütszustand zu versetzen, zum Beispiel: Affirmation, Gebet, Gedanken des Wohlwollens, innere Rezitation eines inspirierenden Verses oder eine andere Entspannungstechnik: Pratyahara
  • Entscheidung für ein Meditationsthema, eine Technik: Dharana
  • Dann fällt man irgendwann in Dhyana, die tiefe Meditation, Absorption und später Samadhi.

Die ersten sechs Glieder als eigene Praktiken

Man kann auch sagen, dass die ersten sechs, bzw. die vier Glieder Asana, Pranayama, Pratyahara und Dharana eigene Praktiken sind:

  • Asana ist zum einen die Sitzhaltung für die Meditation, Asanas sind aber auch die Körperübungen im Hatha Yoga.
  • Pranayama ist zum einen die Atmung in der Meditation und auch im Alltag, es sind aber auch die Übungen, die man macht um Prana, die Lebensenergie, zu beherrschen.
  • Pratyahara ist zum einen eine Technik in der Meditation um den Geist in einen meditativen Zustand zu bringen, ist im Alltag die Fähigkeit, seine Gedanken zurück zu ziehen und nicht einfach Reiz-Reaktions-Ketten zu folgen und ist zum anderen eine Bezeichnung für die Tiefenentspannung im Yoga.
  • Dharana ist zum einen die Meditationstechnik, zum anderen die Fähigkeit sich im Alltag zu konzentrieren.

Die Ashtangas im Einzelnen

Yama

Yama sind die ethischen Empfehlungen im Umgang mit anderen. Man wird feststellen, diese fünf Yama sind universelle Prinzipien, die man in allen ethischen Empfehlungen in der einen oder anderen Form findet. Diese fünf entsprechen in etwas der zweiten Hälfte der zehn Gebote in der christlichen und auch der jüdischen Religion.

1) Ahimsa heißt Nichtverletzen, Nicht-Töten.
2) Satya heißt Wahrhaftigkeit.
3) Asteya heißt Nichtstehlen.
4) Brahmacharya heißt Vermeiden von sexuellem Fehlverhalten.
5) Aparigraha heißt Unbestechlichkeit und auch Abwesenheit von Gier.

Das sind die Empfehlungen im Umgang mit anderen. Das kannst du auch dir selbst zur Richtschnur deines Handelns machen.

Ahimsa

Du kannst sagen, dass du so handeln möchtest, dass du kein Leid erzeugst, dass du weder aus Gekränktheit, noch aus Verletztheit, Rache, Gier oder Unachtsamkeit andere Menschen, Tiere, Pflanzen oder die Natur verletzten willst. Umgekehrt ausgedrückt heißt Ahimsa aus einem Geist der Liebe und des Mitgefühls zu handeln. Natürlich ist bedingungsloses Ahimsa nicht möglich, schon die Mutter muss manchmal ihr Kind zurechtweisen, wenn zum Beispiel das Kind auf dem Balkon ist und über die Balustrade klettern will. Dann wird etwas Himsa genutzt, um größeres Himsa zu vermeiden.

Ahimsa ist auch eine Frage großer Achtsamkeit, es ist immer wieder das Bedenken der Auswirkungen eigener Worte und eigener Handlungen. Es wird sogar gesagt, sich auch um die Auswirkungen der eigenen Gedanken zu kümmern, denn auch die eigenen Gedanken sind Kräfte. Und so ist Ahimsa Nicht-verletzen in Gedanken, Worten und Taten. Da hast du gleich eine Beschäftigung für die nächsten Jahre, daran bewusst zu arbeiten.

Satya

Satya, als zweites Prinzip, heißt zunächst keine Lügen zu erzählen, so wie es auch heißt „Du sollst nicht lügen“. Satya heißt also, dass du nicht lügst um eigene Vorteile zu bekommen. Manchmal widersprechen sich vielleicht Satya und Ahimsa, zum Beispiel wenn die Wahrheit jemand anderen schwer kränken würde. Angenommen jemand ist dabei sich von langer Krankheit zu erholen und fragt dich „Wie sehe ich denn aus?“ und du sagst: „Grässlich, du siehst noch immer krank aus“, das mag zwar korrekt sein, aber es ist eine negative Affirmation. Vielleicht denkt der Mensch, dass es ihm jetzt gerade besser geht und wenn du dann sagst: „Du siehst schon viel besser aus, ich sehe, du bist auf einem Weg der Heilung, wenn du so weiter machst, bist du bald gesund“, mag das vielleicht nicht ganz Satya sein, aber man könnte sagen, es ist wie Satya in der Zukunft. Deine Worte haben Wirkung und sie sind wie Affirmationen. So wirst du manchmal Satya vielleicht etwas dehnen ohne Lügen zu erzählen, um das Gute zu bewirken. Du wirst natürlich nicht sagen, wenn jemand noch halb-krank aussieht „Du siehst absolut gesund aus, du bist das blühende Leben“, das weiß der andere ja auch, er würde sich dann eher auf den Arm genommen fühlen. Aber es heißt „Ahimsa Paramo Dharma“ – das heißt Ahimsa ist am Wichtigsten. Wenn Satya und Ahimsa sich widersprechen, ist Ahimsa zunächst wichtiger.

Es gibt auch die Aussage:

  • Bevor du etwas sagst, überprüfe zunächst einmal ist es wahr, wenn es nicht wahr ist sage es nicht.
  • Als zweites überprüfe, ob es hilfreich ist und Gutes bewirkt. Wenn es nicht hilfreich ist oder Gutes bewirkt, im Gegenteil jemanden kränkt und schädigt, dann sage es nicht.
  • Als drittes überlege ist es wirklich notwendig? Nur dann wenn es wahr ist, nicht schadet, hilfreich und notwendig ist, dann sage es, ansonsten schweige.

So ist manchmal Reden Silber und Schweigen Gold.

Asteya

Asteya heißt Nicht-Stehlen, es heißt, dass du niemanden überfällst, dass du keinen Taschendiebstahl begehst. Allgemeiner, dass du nicht nimmst, was dir nicht gehört, das geht schon etwas weiter: Angenommen man ist Erbe eines größeren Vermögens, wenn man das jetzt nur für sich selbst verwendet, ist das vielleicht auch eine Form von Stehlen. Sollte man vielleicht nicht sagen wenn man erbt und in einer Gesellschaft lebt, wo man erben kann, was ja nicht in allen Gesellschaften früher so war, „Das steht mir in dieser Menge gar nicht zu, ich will es nutzen um Gutes zu bewirken, es zu teilen“?

Oder in unserer Gesellschaft sind auch Ungleichheiten sehr verbreitet, es gibt Menschen, die verdienen 10.000 mal mehr als andere in der gleichen Zeit, das ist auch nicht gerecht, da könnte man auch sagen, dass es einem nicht wirklich zusteht. Dann könnte man, anstatt den Aktiengesellschaften oder den Besitzern des Unternehmens das ganze Geld zu lassen, es nutzen um Gutes zu bewirken.

Asteya kann also viele Bedeutungen haben und man kann auch überlegen, dass Lügen auf Steuererklärungen usw. auch eine Form Asatya und Steya sind, so geht Asteya relativ weit, wörtlich ist es nicht klauen und zusätzlich mit anderen teilen, was man hat.

Brahmacharya

Brahmacharya, das vierte Prinzip, hat viele verschiedene Bedeutungen und im Laufe der Vorträge wird darauf noch tiefer eingegangen. Im Kontext der fünf Yamas, als allgemeine Ethik für alle, steht es für die Vermeidung sexuellen Fehlverhaltens. Das ist allgemein gefasst, denn was sexuelles Fehlverhalten ist, ist in unterschiedlichen Kulturen unterschiedlich gefasst, auch zu unterschiedlichen historischen Zeiten unterschiedlich gefasst gewesen. Unsere heutige Sexualethik ist eine andere als vor hundert Jahren und Sexualethik in unterschiedlichen Kulturen ist auch unterschiedlich.

Bei Brahmacharya würde man sicherlich sagen, es gilt Ahimsa als Leit-Prinzip. Es wird darauf noch weiter eingegangen in dem Vortrag über sexuelle Ethik vom Standpunkt des ganzheitlichen Yoga.

Aparigraha

Aparigraha heißt Unbestechlichkeit, eigentlich heißt es wörtlich Abwesenheit von Gier, es heißt auch Abwesenheit des Wunsches immer mehr zu bekommen, aber konkret heißt es Unbestechlichkeit. Manchmal wird es auch übersetzt als Nicht-Annehmen von Geschenken, das trifft es aber nicht. Angenommen, du würdest nach Indien gehen, dann wirst du sehen, dass Menschen sich gerne Geschenke geben, dass sie immer etwas mitbringen, wenn sie einander besuchen, das gehört fast dazu in Indien, auch in Ashrams ist es üblich, dass man etwas mitbringt.

Aparigraha heißt also nicht keine Geschenke zu geben oder anzunehmen, sondern hat eigentlich zwei Aspekte:

  • Der eine Aspekt ist, du nimmst keine Geschenke an, die dir gegeben werden, damit du Dinge tust, die du nicht tun willst, die unethisch sind. Du solltest keine Geschenke annehmen, die dich nachher so verpflichten, dass du unethisches tun musst oder manipuliert werden kannst. Man sagt manchmal „Jeder Mensch hat seinen Preis“, was heißen soll, man könnte jeden bestechen, wenn man weiß, wie. Ein spiritueller Aspirant sollte sagen: „Nein, ich möchte nicht bestechlich sein, Aparigraha“.
  • Der zweite Aspekt von Aparigraha heißt, keine Geschenke für sich persönlich anzunehmen, um deshalb im Namen seiner Verantwortungsposition, im Rahmen einer Organisation für die man verantwortlich ist, den Menschen oder der Firma übermäßigen Vorteil zu geben. Als Beispiel: Angenommen, du bist Leiter einer Bauabteilung in einer Stadt, dann solltest du natürlich nicht von einer Baufirma annehmen, dass sie dein Haus renoviert und du dafür für diese Firma eine Baugenehmigung zügiger erteilst. Dann hast du persönlich einen Vorteil und du hast im Namen der Stadt dieser Firma einen Vorteil gegeben. Oder angenommen, du bist der Einkäufer in einem Unternehmen, dann gibt es immer wieder Firmen, die dir vielleicht anbieten, eine Reise zu bezahlen, wo du mit der Familie in den Urlaub fahren kannst, und du musst dann nur die Produkte dieser Firma ins Sortiment aufnehmen. Du persönlich hast einen Vorteil bekommen und du gibst dann dieser Firma typischerweise einen sehr höheren Vorteil im Namen deiner eigenen Firma.

Aparigraha ist auch etwas, worauf wir im Yoga Vidya Ashram immer wieder achten: Wir sagen zum Beispiel dass Sevakas keine persönlichen Trinkgelder annehmen sollen. Wenn Trinkgelder gegeben werden, geht es in die Sevaka-Kasse und die kann dann für besonderen Sevaka-Bedarf verwendet werden, da gibt es ein Gremium, das darüber entscheidet oder es könnte auch eine Kasse für einen Teamausflug geben. Auch diejenigen, die in der Boutique sind, sollen keine übermäßigen Geschenke von Lieferanten annehmen, die ihnen vielleicht Kleidung unter anderem schenken wollen. Auch Kücheneinkäufer sollten nicht außergewöhnliche Mengen an tollen speziellen Nahrungsmitteln für sich persönlich annehmen um vielleicht dieses Lieferanten zu bevorzugen. Es ist immer wieder eine Schwierigkeit zu schauen, wie weit man geht. Wenn zum Beispiel ein Gast einem Mitarbeiter den Urlaub bezahlen will, kann man sagen, wenn er es aus Liebe macht, ist es ok, wenn es so weit geht, dass das Gerechtigkeits-Gefüge durcheinander gerät, ist es nicht ok. Wenn der betreffende Sevaka an der Rezeption arbeitet und demjenigen, der den Urlaub bezahlt hat, künftig immer die besseren Zimmer geben soll, oder ihm ein Einzelzimmer gibt, obgleich nur ein Mehrbettzimmer bezahlt wurde, dann wäre das ein Verstoß gegen Aparigraha. Aber wenn jemand einfach nur aus Dankbarkeit etwas gibt, oder wenn man sich gegenseitig mal Geschenke als Ausdruck von Liebe und Wertschätzung gibt, ist das ok.

Niyama

‚Niyama‘ heißt Ethik oder auch Lebensführung im individuellen, nach welchen Grundsätzen du deine private Lebensführung ausrichtest. Da gibt es:

1) Saucha, das heißt Reinheit.
2) Santosha heißt Zufriedenheit.
3) Tapas heißt Askese oder Disziplin.
4) Svadhyaya heißt Selbststudium.
5) Ishvarapranidhana heißt Hingabe an Gott.

Saucha

Saucha, Reinheit, bedeutet, dass du eine reine Lebensführung hast, da würde man zum Beispiel auch die reine Ernährung dazu zählen, auch die vielen Sattwa-Regeln: Sattwige Ernährung, Kleidung, Wohnungseinrichtung, Sprache, Musik. Letztlich bei allem, was du tust, schaust du, dass es rein, erhebend und natürlich auch ethisch ist. Saucha heißt auch Sauberkeit, auch dass du Körperpflege betreibst, dass dein Zimmer sauber ist. Sauber heißt dabei nicht unbedingt hyper-ordentlich, es gibt auch das kreative Chaos, aber es soll eine gewisse Sauberkeit da sein.

Saucha kann auch heißen, Reinigungsübungen zu machen. Im Yoga gibt es ja auch die verschiedenen Kriyas, die Reinigungstechniken, um innerlich sauber zu sein. Man könnte sagen, dazu gehören auch die Ayurveda-Techniken, wie Panchakarma oder Rasayana, die ja auch den Körper von innen heraus reinigen wollen. Wenn ein Stadium der Reinheit erreicht ist, kannst du das Göttliche leichter erfahren, du fühlst dich glücklicher und besser.

Santosha

Santosha heißt Zufriedenheit, eine sattwige Zufriedenheit – das Beste aus allem zu machen. Santosha heißt nicht Antriebslosigkeit und zu sagen, dass eh alles keinen Sinn hat, sondern, dass man davon ausgeht, dass das, was man erfährt, das Richtige ist, die Aufgaben, die das Leben gibt, die richtigen sind und die richtigen Fähigkeiten dafür vorhanden sind.

Santosha ist das Gegenteil des Sich-Beklagens über andere, über Umwelt, über Karma usw. Santosha heißt davon auszugehen, dass das, was kommt, das Richtige für einen ist und dass man die Fähigkeiten hat, das zu tun, was zu tun ist; also das Beste aus allem zu machen und einen gewissen inneren Frieden dabei zu haben. Santosha kann auch beinhalten, zum einen Vergebung zu haben, Liebe zu haben, auch Selbstvergebung zu haben, Santosha heißt auch, wieder zur Zufriedenheit zu kommen, wenn man feststellt, einen Fehler gemacht zu haben. Man kann sogar davon ausgehen, dass auch eigene Fehler neue Chancen sind, sich weiter zu entwickeln. Jeder bekommt in jedem Moment eine neue Chance. All das gehört zu Santosha, manche sagen auch Santosha heißt auch Schicksals-Akzeptanz, Akzeptanz der Mitmenschen, Akzeptanz von sich selbst, in Santosha ist damit die Selbstliebe, die Nächstenliebe, die Schicksalsliebe, Naturliebe alles irgendwo mit inbegriffen.

Tapas

Tapas heißt wörtlich Hitze, heißt auch Disziplin und auch regelmäßige spirituelle Praxis. Tapas heißt auch die Bereitschaft etwas zu tun, was du nicht magst. Tapas heißt auch, das was du tust mit einer gewissen Intensität zu tun, mit einem gewissen Engagement zu tun. Tapas heißt auch bewusst Dinge zu tun, die du nicht magst. So wie man auch bei Santosha sagen kann, heißt es auch, manchmal Dinge nicht zu tun, die du magst.

Im Raja Yoga geht es ja darum, Herrschaft über den Geist zu bekommen und die erreichst du auch, indem du manchmal bewusst Dinge nicht tust, die du magst und bewusst Dinge tust, die du nicht magst.

Svadhyaya

Svadhyaya heißt Selbststudium, Svadhyaya hat mehrere Bedeutungen, unter anderem heißt Svadhyaya eigenes Studium von spirituellen Schriften, zum Beispiel des Yoga Sutra oder der Hatha Yoga Pradipika, der Upanishaden oder der Bhagavad Gita. Das sind Schriften, die man studiert, an denen man sich selbst studiert und nicht nur den Interpretationen anderer lauscht, so kann man selbst zu Erkenntnissen kommen.

Svadhyaya heißt auch Introspektion, sich bewusst machen, was in einem so alles drin ist, um zu schauen, wo man an sich selbst arbeiten kann.

Ishvarapranidhana

Ishvarapranidhana ist die Hingabe zu Gott. Raja Yoga ist zwar der psychologische Yoga Weg, Raja Yoga erkennt aber auch an, dass es eine höhere Wirklichkeit gibt und dass wir uns auf diese ausrichten können. Man könnte auch sagen, Ishvarapranidhana kann konkret Gottesverehrung heißen, es kann auch heißen, dass man sich hingibt an ein höheres Ziel, das man sich ausrichtet auf eine höhere Wirklichkeit und das mit Liebe und Hingabe tut.

Asana

Asana heißt zum einen Sitzhaltung, Sitzhaltung für die Meditation. Es gibt eine Menge von Videos über Asana, über Sitzhaltungen in der Meditation, den Lotussitz, den halben Lotussitz, den Sitz des Vollkommenen, es gibt den einfachen kreuzbeinigen Sitz, den Stuhlsitz, den Kniesitz usw. Also es geht darum, eine gute Asana für die Meditation zu finden.

Asanas sind zum anderen aber auch Körperübungen, das heißt insbesondere auch, dass du die Yogastellungen regelmäßig übst. Und die Yoga-Übungen wirken auf die Gesundheit für den Körper, sie entwickeln Muskelkraft, Muskelflexibilität und Koordination. Sie sind sehr gut für die Durchblutung, sie sind gut für die inneren Organe, sie sind gut für die Entspannung.

Weiterhin sind Asanas auch sehr gut für das Prana, für die Lebensenergien, sie wirken auf die Chakras, die Nadis, die Energiezentren und die Energiekanäle und die Asanas helfen auch der Psyche: Angenommen, du gehst in eine Rückbeuge, das ist herzöffnend, wenn du in eine Vorwärtsbeuge gehst, ist es für die Demut da, und das Üben eines Kopfstandes ist ein Training von Konzentration, Mut, Willenskraft und auch Gleichgewicht. Wenn du einen Drehsitz übst, zeigt es auch deine Bereitschaft, dich zu drehen und einen anderen Blickwinkel einzunehmen. Die Asanas haben viele Wirkungen auf die Psyche und so spielen sie im Raja Yoga eine große Rolle.

Asana heißt auch eine Körperhaltung im Alltag. Viele Menschen laufen mit leicht hochgezogenen, nach vorne gezogenen Schultern, eingesunkenem Brustkorb und Bauch und wundern sich dann, dass sie nicht ernst genommen werden, kein Selbstbewusstsein und keine Energie haben. Es ist gut auch im Alltag immer wieder aufgerichtet zu sein und es ist auch gut, sich zu öffnen und weit zu werden.

Manchmal ist es auch gut, etwas demütig zu sein. Wenn dein Chef dich gerade kritisiert, wirst du vielleicht ein bisschen eingesunken sein, nicht lächeln usw., nachher bist du wieder aufgerichtet. Wenn du im Alltag etwas deprimiert bist, kannst du dir auch vornehmen, mal bewusst aufgerichtet nach oben zu schauen oder wenn du annimmst, diese depressive Stimmung sei angemessen, kannst du sie auch etwas betonen, indem du eine körperliche Haltung einnimmst. Danach bist du wieder aufgerichtet. Du kannst einiges tun im Alltag.

Asana heißt auch eine innere Haltung im Alltag zu haben, die wiederum von Yama und Niyama geprägt ist.

Pranayama

Pranayama ist die vierte Stufe der Ashtangas. Pranayama – Herrschaft über das Prana – heißt zum einen die Atmung in der Meditation, Pranayama sind die Atemübungen im Hatha Yoga. Pranayama hilft Prana, Lebensenergie zu aktivieren, zu konzentrieren, subtiler zu machen und dann mehr Ausstrahlung zu haben. Wenn du merkst, dir fehlt Energie, dann übe mehr Pranayama. Wenn du merkst, dass du gestresst bist, übe mehr Pranayama. Wenn du öfters mal niedergeschlagen bist, übe mehr Pranayama. Wenn du Ängste hast und Mangel an Selbstbewusstsein, mach mehr Pranayama. Pranayama kann dir in all diesen Ebenen sehr gut helfen. Pranayamas sind sehr sehr machtvolle Atemübungen und ich bin ein großer Fan von intensivem, zumindest täglichem Pranayama.

Pranayama ist darüber hinaus die Atmung im Alltag. Du kannst mit Atmung im Alltag eine Auswirkung auf die Psyche haben. Darauf wird an anderen Stellen noch ausführlicher gesprochen, es gibt auch bei Yoga Vidya einen Atemkurs für Anfänger, den Pranayama-Kurs Mittelstufe und es gibt den mehrwöchigen Kurs Fortgeschrittenes Pranayama und Kundalini Yoga, dort werden eine Menge von tiefen Pranayama-Übungen angeleitet. Im Atemkurs für Anfänger und im Mittelstufen-Kurs werden viele Tipps für den Alltag gegeben.

Pratyahara

Pratyahara heißt wörtlich sich zurückziehen, Rückzug, Pratyahara heißt zum einen die Fähigkeit Sinne und Geist nach innen zu ziehen, das kann verschiedenes heißen. Angenommen du gehst die Straße entlang und plötzlich siehst du deinen Lieblingskuchen in einer Konditorei. Anstatt gleich rein zu rennen, gehst du einfach weiter und anstatt dich dann frustriert zu fühlen atmest du ruhig und ziehst deine Gedanken ins Hier und Jetzt. Oder angenommen du bist in irgendeiner Besprechung und einer deiner Kollegen sagt etwas, was dich aufregt und du würdest am liebsten gleich reagieren – Pratyahara würde heißen, du sagst einen Moment „Stopp, ich reagiere nicht“, vielleicht atmest du ruhig, vielleicht kommst du einen Moment in die Mitte und handelst dann vielleicht aus deiner Mitte heraus.

Pratyahara ist zum anderen die Fähigkeit deinen Gemütszustand bewusst zu beeinflussen, wo auch immer du bist, ein Zurückziehen aus dem automatisierten Reiz-Reaktions-Schema und bewusst zu gestalten.

Pratyahara ist auch die Tiefenentspannung im Hatha Yoga, wo du praktisch grundlos entspannst und grundlos ein gewisses Glücksgefühl entwickelst.

Dharana

Dharana ist die Fähigkeit, dich zu konzentrieren. Dharana ist auch ein Prinzip im Alltag, dass du sagst: Was auch immer ich tue, tue ich konzentriert. Es gibt auch die Aussage „Was du machst, mach es richtig“, was nicht heißen muss, dass du alles 100 Prozent vollkommen machen musst, es gibt ja auch das sogenannte Pareto-Prinzip, was in seiner Anwendung sagt, dass in 80 Prozent der Fälle eine 80 prozentige Genauigkeit reicht, die nur 20 Prozent der Zeit braucht. Manchmal musst du 100 Prozent Genauigkeit erstreben, aber manchmal musst du nicht alles 100-prozentig machen. Aber wenn du etwas machst, dann mache es mit voller Konzentration. Das ist auch eine Übung im Alltag, denn Konzentriertheit heißt auch glücklich zu sein.

Dharana ist die Meditationstechnik und bedeutet auch im Alltag bewusst Konzentrationsübungen zu machen. Vielleicht magst du dir jetzt auch vornehmen, wenn du dich das nächste Mal unterhältst, ganz präsent zu sein und ganz bei dem Menschen, mit dem du dich unterhältst. Wenn du das nächste mal deine Arbeit machst oder deine Aufgaben erledigst, mache sie mit ganzer Konzentration, vielleicht auch wenn du spazieren gehst, sei dort auch ganz bewusst und konzentriert.

Es ist nicht notwendig, den ganzen Tag von morgens bis abends konzentriert zu sein, so wenig, wie du den ganzen Tag Asanas übst. Es wird auch mal Zeiten geben, wo du schnell hintereinander verschiedenes machen musst und vielleicht hörst du bei der Hausarbeit oder bei der Autofahrt von oder zur Arbeit einer Audio-Lektion. Das ist dann kein Dharana, du machst zwei Sachen gleichzeitig und das ist auch ok. Aber schaffe dir immer wieder am Tag Gelegenheiten, wo du voll konzentriert bist.

Dhyana

Wenn die Konzentration tiefer wird, dann wird es Dhyana, das heißt Absorption, es wird manchmal auch übersetzt als Vorstufe zur Verschmelzung, manchmal wird auch gesagt, es sei das Flow-Erlebnis: Man hat das Gefühl es fließt, es ist ein anstrengungsloses Tun, ein Aufgehen im Moment, es fließt durch dich hindurch. Man kann es in der Meditation erfahren, manchmal hat man in den Asanas eine Dhyana-Erfahrung, wenn sie besonders schön werden. Manche Menschen haben während ihrer Arbeit Dhyana-Erfahrungen, wenn sie ganz absorbiert sind in ihrer Tätigkeit, sie haben Energie und Freude und es fließt durch sie hindurch. Manche Künstler haben das, Tänzer, Sportler, usw. Manche haben diesen Dhyana-Zustand beim "Frisch verliebt sein" im Zusammensein mit dem Partner oder der Partnerin. Vor allen Dingen kann man es in der Meditation erleben und man kann es üben regelmäßig in der Meditation in Dhyana zu fallen.

Samadhi

Wenn Dhyana tiefer wird, kommt man in Samadhi, das Überbewusstsein, das Verschmelzen. Es gibt auch nochmals verschiedene Stufen von Samadhi, Patanjali spricht von sieben Stufen in Samadhi bis zur höchsten Befreiung, das ist aber ein anderes Thema für eine weitere Lektion. Patanjali ist der Autor des Yoga Sutra, die Schrift in der das Raja Yoga genauer beschrieben wird.  

Anregungen für den Alltag

  • Überprüfe im Alltag insbesondere Ahimsa und Satya. Nimm dir vor, dich so zu verhalten, dass du kein Leid erzeugst und sei wahrhaftig (Yamas).

Im Niyama möchte ich dir besonders ans Herz legen:

  • Saucha – überprüfe deine Lebensführung, ob sie sattwig ist.
  • Santosha - bist du zufrieden mit dem, was das Leben dir bringt, im Sinne von machst du das Beste daraus?
  • Tapas, eine gewisse Intensität, bei dem, was du tust und auch die Bereitschaft eine Disziplin zu haben, selbst wenn du es nicht magst.
  • Übe regelmäßig deine Asanas, überprüfe öfters deine Haltung im Alltag.
  • Übe dein Pranayama, deine Atemübungen regelmäßig und achte auf deine Atmung im Alltag.
  • Pratyahara: Lerne es nicht sofort zu reagieren, wenn Wünsche und Emotionen kommen, lerne deinen Gemütszustand selbst zu beeinflussen.
  • Dharana: Konzentriere dich immer wieder, meditiere mindestens ein paar Minuten jeden Tag, konzentriere dich zwischendurch, auf das was anliegt und vielleicht machst du zwischendurch Dhyana, die Erfahrung des Absorbiert-Seins, eine wunderschöne, freudevolle Erfahrung.

Soweit zu den Ashtangas, die acht Stufen des Yoga, wie im Yoga Sutra von Patanjali beschrieben. Wenn du mehr über all das wissen willst und noch keine Yogalehrer-Ausbildung bei Yoga Vidya gemacht hast, kann ich dir diese wärmstens empfehlen. Dort lernst du über all das. Du lernst auch praktische Übungen und hast die Möglichkeit des Austauschs darüber. In der zweijährigen Yogalehrer-Ausbildung gibt es einmal pro Woche ein wöchentliches Treffen, wo du mehr darüber hörst, Anregungen für die Alltagspraxis bekommst und dann die Gelegenheit hast, dich darüber mit anderen auszutauschen, die auch an sich arbeiten. In der 4-wöchigen Intensiv-Ausbildung lernst du das Ganze besonders intensiv und machst besonders hohe und spirituelle Erfahrungen.

Video - Ashtanga - Die acht Stufen des Yoga

Ashtanga Video

Hier zwei Vortragsvideos von und mit Sukadev über die Ashtangas, die acht Stufen des Raja Yoga, des Hatha Yoga und des Kundalini Yoga.

Raja Yoga - Konzentration im Alltag - ein Vortrag von Sukadev Bretz 2018

Heute soll es um etwas gehen, was du hoffentlich schon kennst, nämlich um die acht Ashtangas und ganz praktisch um die Frage: Wie kannst du Raja Yoga im Alltag leben mit Konzentration?

Zunächst eine kurze Wiederholung

Raja Yoga wird oft als „königlicher Yoga“ übersetzt, Raja Yoga ist letztlich der Yoga der Selbstbeherrschung. Raja heißt auch Herrscher, Raja ist auch derjenige, der eine Führungspersönlichkeit ist. Raja Yoga heißt, dass du nicht einfach Sklave deiner Emotionen und Gefühle bist, dass du dich nicht einfach von dem, was kommt, treiben lässt, sondern dass du, modern ausgedrückt, Selbstwirksamkeit, Verantwortung, Selbstverantwortung entwickelst und auch Selbstverantwortung für das übernimmst, was in deinem Geist vorgeht.

Im Raja Yoga gibt es die Ashtangas. „Ashta“ heißt „acht“, „Anga“ heißt „Teile“. Ashtangas sind die acht Teile, im Deutschen meist übersetzt als die acht Stufen. Aber „Anga“ heißt eigentlich nicht Stufe, sondern Teil oder Glied, so werden zum Beispiel: deine Arme und Beine auch als „Angas“ bezeichnet. Du hast vier Körperglieder, und auf ähnliche Weise hat Raja Yoga eben acht Ashtangas: Yama, Niyama, Asana, Pranayama, Pratyahara, Dharana, Dhyana und Samadhi.

Es gibt viele Interpretationen dieser Ashtangas, man kann sie aber auch alle unter das Thema der Konzentration bringen. Und das will ich heute tun.

Yama

Zum Wohle aller handeln

Yama gibt dir letztlich eine bestimmte Klarheit im Geist. Yamas sind ja der Umgang mit anderen Menschen. Yamas sind auch Einschränkungen. Yama heißt tatsächlich Einschränkung. In einer gewissen Weise heißt Yama, du schränkst dich in deinem Verhalten ein.

Du überlegst nicht, soll ich jetzt lügen oder die Wahrheit sagen, sondern du machst das Unethische nicht, du sagst eher die Wahrheit. Soll ich jetzt, um etwas zu erreichen, dem anderen eins auswischen oder soll ich freundlich sein? Du bist freundlich.

Ahimsa - soll ich jetzt, wo es eine neue Möglichkeit einer sexuellen Erfahrung gibt, obgleich ich eine feste Beziehung habe, soll ich das machen oder nicht? Raja Yoga sagt „nein“. Halte dich an die Treue.

Aparigraha - Soll ich jetzt, um schneller voranzukommen, jemand anderen bestechen? Raja Yoga sagt „nein“, Unbestechlichkeit.

Satya - Die Ethik im Raja Yoga soll dir helfen, auch Klarheit des Geistes zu erhalten. Angenommen, du lügst jemanden an, da musst du nachher überlegen: Wie kann ich das Lügengeflecht aufrechterhalten? Und angenommen, jemand anderes findet die Wahrheit raus, wie gehst du damit um? Der eine weiß die Wahrheit, der andere weiß die Wahrheit nicht? Dein Leben wird kompliziert und voller Sorgen. Bleibe wahrhaftig. Und es heißt natürlich auch, verhalte dich so, dass dein Leben auch offen sein kann.

Natürlich müssen nicht alle alles von dir wissen, und du musst nicht deine Schwächen herumposaunen. Aber im Grunde genommen verhalte dich so, dass, wenn Verschiedenes über dich rauskommt, es dich nicht in Probleme führt. Sei wahrhaftig oder schweige - in jedem Fall: Lüge nicht. Das Aufrechterhalten von Lügen führt zu ständigen Sorgen. Wenn du irgendwelche Dinge gemacht hast, die nicht gut sind, dann wirst du immer unter der Angst stehen, dass es irgendwann mal hochkommt. Im Zweifelsfall kann es oft sogar klüger sein, offen zu deinen Fehlern zu stehen. Es mag da viele einzelne Gesichtspunkte geben, und was ich dir jetzt hier sage, ist kein Ratschlag für jede ethische Situation. Aber Yama heißt eine gewisse Klarheit, und das hilft dir auch bei der Konzentration, und letztlich hilft es dir, zum Glück zu kommen.

Niyama

Auch Niyama läuft darauf hinaus, einen konzentrierten Geisteszustand zu haben. Niyama heißt:

Saucha ist hilfreich für die Konzentration des Geistes. Wenn du in einer Umgebung lebst, die total unaufgeräumt ist, wenn es dort überall verdreckt ist und du nichts findest, ist keine Klarheit des Geistes da. Deshalb ist es gut, eine Umgebung so zu gestalten, dass Klarheit ist.

Oder auch Santosha, entwickle Zufriedenheit, anstatt zu überlegen, dies und das brauche ich noch, und dies und das muss ich unbedingt noch machen. Santosha führt zu Shanti, zu Frieden.

Tapas heißt u. a. Weitermachen, auch wenn es schwerfällt, dich nicht gleich wieder in Frage stellen. Du hast etwas beschlossen, du willst etwas tun, es wird schwer. Tapas heißt auch, deinen Geist zu disziplinieren, auch mal bewusst Dinge zu tun, die dein Geist nicht mag. Erziehe deinen Geist, Dinge zu tun, die er nicht mag, noch besser: Dinge zu mögen, die er bisher nicht mochte.

Tun, was der Geist nicht mag

Ich habe ja bei einem Meister studiert, Swami Vishnu-devananda, und der hatte mir mal den Tipp gegeben, wenn es irgendetwas gibt, was du nicht magst, dann überlege erst mal: Ist das ethisch oder nicht? Wenn es ethisch ist, dann mache es so lange, bis du es magst. Versuche nicht dein Verhalten von deinem Mögen und Nicht-Mögen steuern zu lassen, sondern steuere dein Mögen und Nicht-Mögen.

Ich muss zugeben, das war eine sehr wichtige Lektion von Swami Vishnu. Und ich habe das tatsächlich umgesetzt. Ich hab immer wieder geschaut, was mag ich nicht? Dann habe ich mich gefragt, ist es ethisch oder nicht ethisch? Wenn es nicht ethisch war, habe ich es dann als etwas diagnostiziert, um meine Intuition wirksam einzusetzen, und wenn es ethisch war, habe ich daran gearbeitet und versucht es zu machen, so lange, bis ich es gemocht habe.

Wenn man das eine Weile lang macht, bewusst alles macht, was man nicht mag, bis man es mag, wird das Leben so viel einfacher. Nicht mehr Angst haben: Oh, ich muss das unbedingt machen, warum muss ich machen, was ich nicht mag, warum gibt mir mein Chef dies und das zu tun, warum ist meine Partnerschaft so, usw.

Du weißt, im Grunde genommen kannst du glücklich sein, was auch immer du tust. So viele Sorgen verschwinden.

Wenn du nachher noch Ishwara Pranidhana übst, also alles Gott darbringst, dann brauchst du dir noch weniger Gedanken zu machen. Du könntest dir sogar sagen: Letztlich wirkt Gott sogar durch meine Fehler. Ich bringe Gott alles dar.

Asana

Dann folgt Asana. In der „Hatha Yoga Pradipika“ heißt es, Asana und Pranayama helfen der Konzentration des Geistes. Übe die Hatha-Yoga-Techniken, und du wirst konzentrierter sein. Da gibt es inzwischen sogar einige empirische Studien. Menschen, die mit der Hatha-Yoga-Praxis beginnen, steigern ihre Konzentrationsfähigkeit, steigern sogar ihr Merkvermögen. Sogar der IQ steigt, wenn du Asanas und Pranayama übst. Wenn du also deine geistigen Fähigkeiten entwickeln willst, übe Asana und Pranayama. Asana heißt aber auch Haltung, man kann sagen, eine Grundhaltung, dass du im Hier und Jetzt konzentriert sein willst. Das ist auch eine Form von Asana. Asana ist auch das bewusste Einnehmen einer Haltung im Alltag - du kannst natürlich auch „eingesunken“ sein, aber du kannst auch aufgerichtet sein. Habe die Haltung der Aufrichtigkeit und der Klarheit und der Konzentration.

Pranayama

Übe auch mit dem Atem, tiefe Bauchatmung. Steuere dein Prana, richte dein Prana aus. Du kannst zum Beispiel auch sagen, ich freue mich darauf, das und das zu tun oder zu erledigen. Da geht zum einen dein Geist hin, aber auch deine Energie.

Pratyahara

Pratyahara heißt letztlich, den Geist zurückziehen auf das, was getan werden muss. Pratyahara ist auch immer wieder der Entschluss: Ich lasse meinen Geist jetzt nicht weggehen.

Dharana

Und Dharana hat etwas mit Festhalten zu tun. Es gibt eine Definition von Dharana im 3. Kapitel des „Yoga Sutra“, die sagt, den Geist in einem bestimmten Feld zu halten. Das ist Dharana, letztlich also auch eine gewisse „Bandha“, ein Festhalten. Dharana ist also der Entschluss: Ich halte meinen Geist dort. Und das ist auch eine gewisse Einstellung.

Dhyana

Und diese Einstellung führt dann irgendwann zu Dhyana, d. h. dem vollkommenen Absorbiertsein, und Samadhi, Überbewusstsein.

Raja als Entschluss unbeeinflusst zu bleiben

Konzentration auf das was ansteht

Raja Yoga ist auch zuerst mal ein Entschluss. Ich will mich nicht von allen möglichen Stimmungen beeinflussen lassen, ich will mich nicht von dem, was ständig kommt und geht, beeinflussen lassen, ich will mir nicht ständig Sorgen machen. Ich konzentriere mich auf das, was ansteht. Ein Entschluss – und dann setze ihn um.

Wenn du zum Beispiel morgens aufstehst und sagst, jetzt will ich meditieren, da kannst du auch sagen: „Atha Meditation“. Jetzt Meditation. Während der Meditation wird dein Geist dir den Vorschlag machen:

  • Denk mal drüber nach, was heute am Tag alles zu tun ist.
  • Denk mal drüber nach, wie deine Beziehung ist,
  • denk mal drüber nach, was dein Chef von dir hält,
  • denk mal drüber nach, was die Kunden von dir wollen.
  • Denk mal über deine Kollegen nach.

Dann sag deinem Geist: Atha Meditation. Du kannst auch sagen: Danke, lieber Geist, für den Vorschlag, darüber nachzudenken, aber: nein, danke! Atha Meditation. Jetzt Meditation.

Genauso verhält es sich, wenn du deine Asanas und Pranayama machst. Wenn du dich zum Essen hinsetzt, iss bewusst. Wenn du dich vielleicht beim Essen mit deinem Partner, deiner Partnerin unterhältst, dann machst du zwei Sachen, du isst und du sprichst. Aber dann sprich wenigstens konzentriert mit deinem Partner, deiner Partnerin. Denk nicht über den Tag nach und sprich gleichzeitig und iss gleichzeitig und schau vielleicht noch die neusten WhatsApp-Nachrichten auf deinem Handy an.

Konzentration ist Raja Yoga

Konzentration ist Raja Yoga. Wenn du dich mit jemandem unterhältst, schaffe eine Herz-zu-Herz-Verbindung, höre dem anderen bewusst zu. Und wenn du sprichst, sprich bewusst. Sei konzentriert.

Baue den Tag über immer wieder Momente der Konzentration ein, zum Beispiel bei deiner Arbeit. Angenommen, du arbeitest im Büro, dann stelle alle Benachrichtigungen ab. Da sollte nichts aufpoppen, wenn eine neue Email oder Facebook-/WhatsApp-Nachricht oder ähnliches kommt.

Wenn du etwas tust, konzentriere dich darauf. Und sorge immer dafür, dass du 20 Minuten am Stück auf etwas konzentriert bist. Wenn du plötzlich hörst, dein Kollege unterhält sich mit jemand anderem, mische dich dort nicht ein. Wenn du mitbekommst, draußen im Flur unterhalten sich zwei Leute, renne nicht gleich raus. Sei konzentriert bei dem, was du tust.

Zwischendurch sind kleine Achtsamkeitsübungen hilfreich. Wenn du zum Beispiel von einem Büro zum anderen gehst, gehe bewusst. Wenn du zur U-Bahn gehst, gehe bewusst dorthin. Wenn du staubsaugst, dann staubsauge bewusst. Wenn du Hemden bügelst, sei konzentriert dabei.

Zwei Formen von Konzentration - aktiv und passiv

Man kann auch sagen, es gibt zwei Formen von Konzentration, die sogenannte aktive und die passive Konzentration.

Aktive Konzentration heißt, du leitest deine Gedanken bewusst auf etwas, zum Beispiel auf die Erledigung einer Aufgabe. So bin ich jetzt beispielsweise ganz konzentriert dabei, den Vortrag zu geben.

Die passive Konzentration ist, wenn du das, was sowieso abläuft, bewusst wahrnimmst. Zum Beispiel gehst du sowieso von hier nach dort, und du beobachtest. Oder du hörst einfach einem anderen Menschen zu und spürst ihn.

Aktiv wäre, du überlegst, was du dem anderen sagen willst, und wie du es ihm sagen willst, und was du dir von ihm erhoffst, und dann bist du ganz konzentriert und überlegst und sprichst es dann das aus.

Es braucht aktive und passive Momente der Konzentration, die auch als Achtsamkeit bezeichnet werden. Und es braucht auch Momente, wo du deinen Geist mal freien Lauf lassen musst und wo der Geist über Dinge nachdenkt und reflektiert.

Bei bewusster Konzentration kommen höhere Bewusstseinsstufen

Die höheren Stufen des Bewusstseins, Dhyana und Samadhi, kommen dann, wenn du Dharana kultivierst, wenn du dich bewusst auf bestimmte Sachen konzentrierst. So wie Patanjali im 3. Kapitel Dharana definiert: „Desha Bandha Dharana“. Konzentration heißt, den Geist auf einen bestimmten Ort zu beschränken. Und die Probleme kommen immer, wenn du kein Desha Bandha hast.

Zum Beispiel willst du dich eigentlich mit einem Menschen unterhalten. Desha, der Ort, ist also Unterhaltung und Gemeinsamkeit. Wenn du dann während der Unterhaltung ständig überlegst, was dein Chef noch denkt und was du heute Abend noch machen musst, entsteht keine Verbindung. Wenn du aber Desha Bandha schaffst, einen Ort des Gesprächs, und dort den Geist hältst, wird es ein gutes Gespräch werden.

Oder angenommen, du willst irgendetwas entscheiden. Desha Bandha – du beschränkst deinen Geist auf diese Entscheidung. So gilt es immer wieder zu überlegen, was ist jetzt Desha? Der Raum der Konzentration und wo mein Bewusstsein hin soll und dort schaffe Desha Bandha, die Grenzen, innerhalb derer der Geist ist.

Daraus entsteht dann Dharana, Konzentration. Aus Konzentration entsteht Energie, Freude, Intuition, Wissen und Meisterschaft. Das baut Patanjali im 3. Kapitel des Yoga Sutra noch weiter aus. Und auch das wird ein Teil dieser Yoga-Vidya-Schulung sein, noch weiter über diese fortgeschrittenen Konzentrationstechniken zu sprechen. Und so geht es weiter zu Dhyana und Samadhi.

Jetzt kannst du vielleicht den nächsten Tag oder die nächste Woche Konzentration und Bewusstsein üben. Nimm dir Momente der Konzentration. Sei konzentriert bei deiner spirituellen Praxis. Sei konzentriert bei Gesprächen. Sei konzentriert bei bestimmten Aufgaben. Aber sei dir auch bewusst, es braucht auch mal Loslassen, Momente, wo du dem Geist freie Bahn lässt. Manchmal musst du reflektieren oder planen, und manchmal gilt es auch, spontan zu sein.

Raja Yoga heißt du steuerst deinen Geist

Selbststeuerung

Raja Yoga heißt, du steuerst selbst. Du wartest nicht, bis die Situation deinen Geist fasziniert, und du rennst nicht jedem externen Reiz hinterher. Raja, du steuerst es selbst. Und du steuerst anhand von ethischen Prinzipien. Du steuerst mit einer Haltung, du steuerst dein Prana, du ziehst dich zurück auf das, worauf es sich zu konzentrieren gilt, du hältst bewusst den Geist am Ort der Konzentration, und dann gehst du in die Tiefe.

Was hältst du von diesen Konzepten der aktiven und der passiven Konzentration? Schreib doch etwas. Wenn du diesen Vortrag als Video siehst, gibt es die Möglichkeit, einen Kommentar dazu zu schreiben. Schreib einen Kommentar. Auch wenn du es als Audio hörst, vielleicht über iTunes oder den Yoga Vidya Blog oder irgendwo als Podcast, dann schreib auch dort einen Kommentar dazu. Wenn es dir gefällt, klick auf „Daumen hoch“ oder „Gefällt mir“. Oder teile es auf Facebook, WhatsApp oder irgendwo sonst. Ich würde mich freuen. So können auch andere Menschen davon profitieren. Aber das soll nicht heißen, dass du ständig auf WhatsApp etc. sein solltest, erinnere dich daran: Desha Bandha. Halte deinen Geist in einer Region.

Tipp zum Umgang mit Emails

Hier ist noch ein Tipp zum Umgang mit Emails: Habe bestimmte Zeiten, wo du Emails beantwortest. Menschen mit viel Email-Aufkommen drei Mal am Tag eine halbe Stunde, morgens, mittags und abends. Übe Disziplin, tu es zu keinem anderen Zeitpunkt. Ähnlich kannst du es auch mit WhatsApp, Facebook und anderen Messages halten. Nicht ständig schauen, dich nicht ständig ablenken lassen, sondern auch hier: Desha Bandha. Alles hat seine Zeit, alles hat seinen Ort. Wenn du so umgehst, hast du einen starken Geist, einen konzentrierten Geist. Du kannst effektiv Dinge tun, deine Beziehungen zu anderen Menschen werden tiefer sein, du wirst mehr Freude erfahren, du wirst nicht so schnell erschöpft sein. Ständig abgelenkt zu sein kostet Energie. Aber konzentriert zu sein gibt Energie.

Ziel des Raja Yoga ist Befreiung

Im Raja Yoga geht es ja auch um Kaivalya, Erleuchtung und Befreiung. Und diese kommt, wenn der Geist in Samadhi fällt. Und Samadhi ist nichts anderes als immer tiefere Konzentration.

Video - Raja Yoga - Ashtanga - Konzentration im Alltag

ein Video von und mit Sukadev Bretz im Rahmen der Reihe Yoga Vidya Schulung

Ashtanga अष्टाङ्ग aṣṭāṅga Aussprache

Hier kannst du hören, wie das Sanskritwort Ashtanga, अष्टाङ्ग, aṣṭāṅga ausgesprochen wird:

Siehe auch

Seminare

Raja Yoga, positives Denken, Gedankenkraft

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Asana Intensivseminare

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Multimedia

Sukadev über Ashtanga

Literatur

Zusammenfassung

Bei Yoga Vidya gibt es viele Videos zu Raja Yoga und zu den Ashtangas, den acht Stufen. Wir haben natürlich dazu auch viele Seminare. In der Yogalehrer-Ausbildung wird Raja Yoga behandelt, bei unseren Yoga-Ferienwochen und beim „Yoga und Meditation Einführungsseminar“ werden die Ashtangas behandelt. Am meisten erfährst du natürlich, wenn du eine 9-tägige Yogalehrer-Weiterbildung zum Thema Raja Yoga mitmachst. Ich habe auch einen Kommentar zum „Yoga Sutra“ geschrieben, der sich „Die Yoga-Weisheit des Patanjali für Menschen von heute“ nennt. Und es gibt auch eine ganze Internetseite über Raja Yoga, wo alle meine Kommentare zu den knapp 200 Versen des „Yoga Sutra“ stehen. Es gibt sie als Text, Audio und zum Teil als Video. Dort findest du auch die Sanskrit-Texte sowie Wort-für-Wort-Übersetzungen der Verse.