Konzentrationsübung

Aus Yogawiki
Für die Konzentration kann man auch ein Yantra benutzen

Eine Konzentrationsübung ist eine Übung, mit der du deine Konzentration stärken kannst. Konzentration kann wie jede körperliche und geistige Fähigkeit geübt und durch geeignete Übungen entwickelt werden. Konzentrationsübungen spielen gerade im Yoga eine besondere Rolle. Denn: Konzentration ist die erste Stufe zur Meditation. Konzentration im Alltag befähigt den Geist zur Meditation. Meditation befähigt den Geist für Konzentration. Konzentrationsübungen im Alltag verhelfen sowohl zur Meditation als auch zu mehr Zufriedenheit und Erfolg im Leben.

Praktische Konzentrationsübungen

Schon Kinder üben ganz natürlich Konzentration

- Auszug aus dem Buch "Konzentration und Meditation" von Swami Sivananda -

Visualisieren

Bitte einen Freund, dir ein paar Spielkarten zu zeigen und beschreibe sie dann – zum Beispiel die Zahl, die Bezeichnung der Karte, Formen, Farbe und so weiter.

Studium

Lies zwei oder drei Seiten in einem Buch und schließe es. Überlege dir den Inhalt ganz konzentriert. Du kannst assoziieren, einordnen, gruppieren, kombinieren und vergleichen. Auf diese Weise bekommst du breites Wissen und Aufschlüsse über das Thema. Unaufmerksam alles zu überfliegen macht wenig Sinn. Du wirst dich nachher nicht an die Kernaussagen erinnern. Wenn du etwas sorgfältig studierst, prägt es den Geist und du behältst es im Gedächtnis.

Uhr

Setze dich in deine gewohnte Meditationsstellung etwa einen halben Meter von einer Uhr entfernt hin und konzentriere dich langsam auf ihr Tick-Tack. Wenn die Gedanken immer wieder abschweifen, versuche wieder den Ton zu hören. Beobachte dabei, wie lange der Geist ohne Unterbrechung auf den Ton fixiert bleiben kann.

Innere Klänge

Sitze wieder in deiner bevorzugten Meditationshaltung. Schließe die Augen. Dann schließe auch die Ohren durch sanften Druck mit den Daumen oder mit Watte. Versuche, die inneren mystischen Klänge (Anahata) zu hören. Diese Klänge können sein wie die einer Flöte, Violine, Trommel, das Rauschen einer Muschel, Glocken oder das Summen einer Biene. Versuche zuerst die groben Töne zu hören, dann darin den feineren, subtileren Klang und darin wieder den noch feineren und umgekehrt. Im Allgemeinen hört man die Klänge eher im rechten Ohr, gelegentlich auch im linken. Versuche in jedem Fall, bei dem Klang in einem Ohr konzentriert zu bleiben. Dies ist eine einfache Weise, den Geist zu fesseln, denn er ist fasziniert von den lieblichen Tönen, so wie eine Schlange von den Klängen eines Schlangenbändigers hypnotisiert wird.

Kerze

Stelle eine Kerze vor dich hin und versuche, dich auf ihre Flamme zu konzentrieren. Nach einer Weile schließe die Augen und versuche, dir die Flamme geistig zu visualisieren. Beginne mit einer halben Minute und steigere allmählich auf 5-10 Minuten, je nach Wunsch, Temperament und Fähigkeit. Gelingt es dir, in tiefe Konzentration zu kommen, wirst du Visionen haben, zum Beispiel von Rishis und Devatas.

Mond

Lege dich auf den Rücken und konzentriere dich auf den Mond. Schweifen die Gedanken ab, führe deine Achtsamkeit auf das Bild des Mondes zurück. Diese Übung ist besonders gut für sehr emotinal veranlagte Menschen.

Stern

In ähnlicher Weise kannst du dir einen der Millionen Sterne herausgreifen, die am Nachthimmel erstrahlen und dich darauf konzentrieren.

Fluss

Setze dich an das Ufer eines Flusses und lausche auf sein Fließen. Höre in dem Rauschen den Laut Om. Konzentriere dich eine ganze Weile auf diesen Ton, so lange du magst. Das ist spannend und inspirierend.

Himmel

Lege dich im Freien hin und konzentriere dich auf den weiten blauen Himmel. Dein Geist wird ebenfalls sofort weit und ausgedehnt. Du fühlst dich erhaben. Der blaue Himmel erinnert dich an die unendliche Natur deines Selbst.

Mitgefühl

Setze dich in eine bequeme Stellung und konzentriere dich auf eine der unzähligen abstrakten Tugenden wie zum Beispiel Mitgefühl. Bleibe so lange wie möglich bei diesem Thema.

Der Stuhl

Sich wirklich ganz auf einen Stuhl zu konzentrieren, bedeutet, intuitive volle Kenntnis darüber zu bekommen, über seine Teile, das Holz, woraus er gefertigt ist, die Handwerksarbeit dabei, seine Stabilität, Kosten und Preis, wie bequem er für den Rücken und die Arme ist und so weiter, ob man seine Teile auseinander nehmen und wieder zusammensetzen kann, über seinen Stil, welche Politur oder Lack benutzt wurden, um ihn dauerhaft zu machen, und so weiter All dies beinhaltet die Konzentration auf einen Stuhl.

Alle Gedanken sollten um das Thema „Stuhl“ kreisen, während sie ansonsten meist aufs Geratewohl umherwandern und in Sekundenschnelle zu einem anderen Gedanken, dann zum nächsten und zum übernächsten springen. Die Konzentrationsübung besteht darin, keine anderen Gedanken zuzulassen, sondern nur eine kontinuierliche Gedankenkette.

Es sollte ein stetiger Gedankenstrom fließen wie Öl, das aus einem Behälter in einen anderen gegossen wird, oder gleichmäßig wie das Läuten von Kirchenglocken. Es mögen mehrere Ideen da sein, die alle mit dem Konzentrationsthema in Verbindung stehen. Das macht nichts. Im Laufe der Zeit kannst du die Anzahl dieser Vorstellungen reduzieren und zu einer einzigen Idee über ein einziges Thema kommen. Wenn auch diese eine Idee aufhört, kommst du in den überbewussten Zustand von samadhi. Spirituelle Praxis besteht darin, den Geist immer wieder zurückzuholen zum gleichen Gegenstand, zur gleichen Idee, wenn er abschweift. Das ist Dharana und Dhyana und führt schließlich in samadhi, dem überbewussten Zustand, zu Turiya, der vierten Dimension des Bewusstseins .

Das Vorgehen ist, dass man den Geist immer wieder auf dasselbe Konzentrationsthema zurückbringt, indem man seine Bewegungen anfangs auf den Bereich des betreffenden Themas begrenzt. Das ist zunächst die Hauptaufgabe. Irgendwann kommt dann die Zeit, wo der Geist als Ergebnis beständiger und anhaltender Praxis tatsächlich bei einem einzigen Punkt bleibt.

Zunächst kann es verschiedene Gedankengänge geben, die alle mit dem einen Thema in Zusammenhang stehen. Das macht nichts. Allmählich reduziere die Anzahl dieser Ideen und komme zu einer einpünktigen Fokussierung auf den Gegenstand. Wenn diese eine Idee dann ebenfalls aufhört, bist du in samadhi. Ist noch ein Gedanke vorhanden und jemand, der sich all dessen bewusst ist, nennt man dies Savikalpa Samadhi, den „niederen“ samadhi. Hat auch dieser Gedanke sich aufgelöst und besteht kein einziger mehr, dann ist der Geist leer von allen konkreten Inhalten, ein Zustand völliger Gedankenlosigkeit, wie ihn Patanjali in der raja-yoga Philosophie beschreibt. Dann gehe selbst über diese Leere hinaus zur vollkommenen Identifikation mit und Auflösung im höchsten Sein (Purusha), dem Absoluten (brahman). Purusha, brahman ist der stille Zeuge des Geistes, der diesem Kraft und Licht verleiht. Dann, und nur dann, ist das letzte Ziel des Lebens erreicht.

Der Weg dorthin

Konzentration ist, wie schon gesagt, für den Anfänger erst einmal unangenehm und ermüdend, obwohl es die interessanteste und segensreichste Erfahrung dieser Welt ist. Hat man erst einmal Fortschritte und erste positive Erfahrungen gemacht, mag man die Übungen nicht mehr aufgeben, nicht einmal für einen Tag. Konzentration schenkt höchste Freude, innere geistige Kraft, ungetrübte Glückseligkeit und ewigen Frieden. Sie führt zu tiefer Erkenntnis, innerer Einsicht, Intuition und Kommunion mit Gott. Man kann ihre positiven Wirkungen nicht wirklich angemessen beschreiben.

Halte dir das Sprichwort vor Augen: „Eine Sache auf einmal und gut getan, das ist eine sehr gute Regel, wie jedermann weiß.“ Wenn du dich auf den Stuhl konzentrierst, dann nur darauf. Wenn auf eine Rose, dann denke nur an die Rose und an nichts anderes. Wenn auf ein Buch, dann nur an das, was damit zusammenhängt. Erforsche das Objekt gründlich. Was immer du tust, tue es mit ganzem Herzen, deinem ganzen Fühlen und Denken. Schließe alle anderen Wahrnehmungen aus – äußere Geräusche und so weiter und lasse auch deine Augen nicht herumschweifen.

Mit Ernsthaftigkeit und Beständigkeit wirst du es erreichen. Lasse dich nicht entmutigen und mache dir keine Sorgen. Es geht nicht von heute auf morgen. Bleibe ruhig und geduldig dabei. Rom ist nicht an einem Tag erbaut worden. Alles ist eine Frage der Zeit. Lasse keinen Tag aus, selbst wenn du krank bist. Wenn es dir nicht gleich gelingt: In deinem Versagen liegt das Geheimnis deines Erfolges, in deiner Schwäche das Geheimnis deiner Kraft. Schreite kühn und mutig voran, mit Freude und Heiterkeit. Eine strahlende Zukunft erwartet dich. Praktiziere. Erfahre. Freue dich. Werde zu einem Yogi, einer Yogini, einer kosmischen Kraft. Ich kann dich dazu machen, wenn du mir in Wahrheit und Ernst folgst. Stehe auf und erwache! Das Licht ist erschienen. Geliebte Kinder des Lichts und der Unsterblichkeit, brahmamuhurta ist da, halb vier Uhr morgens – die beste Zeit, dich auf atman, das Selbst zu konzentrieren, den Willen zu stärken und den Geist zu lenken. Setze dich in Virasana und praktiziere. Verschmelze den blubbernden Geist in brahman, dem Ozean reinen Wissens und genieße höchste Wonne. Möge Erfolg und göttliche Gnade mit dir sein.

Konzentration auf Anahata-Klänge

Dharana ist die intensive Konzentration auf einen inneren oder äußeren Gegenstand, wie zum Beispiel auf die inneren Klänge oder eine abstrakte Idee, wobei die Wahrnehmung aller sonstigen äußeren Einflüsse ganz ausgeschaltet ist.

Setze dich in deine Meditationshaltung. Schließe in Yoni Mudra die Ohren mit den Daumen. Versuche, die inneren Töne mit dem rechten Ohr zu hören. Anfangs wirst du meist viele lautere Töne hören. Sie werden schrittweise in immer höherer und feinerer Tonhöhe wahrgenommen. Konzentriere dich auf die immer subtileren Töne. Der Geist geht schließlich ganz in diesem Ton auf, so wie Milch in Wasser aufgeht und wird dann sehr rasch in chidakasha, dem Raum reinen Bewusstseins, absorbiert.

Dorthin und zum höchsten Zustand Turiya kommst du, indem du diese Anahata-Konzentration kontinuierlich übst, alle anderen Eindrücke und Gedanken ausschließt und die nach außen gerichteten Leidenschaften beherrschst. Wenn du dich dann so konzentrierst, wird das chitta (Geist-Psyche-System) ganz in dem Ton absorbiert.

  • Wie eine Biene, die den Nektar trinkt, nicht am Duft der Blume interessiert ist, von dem sie zunächst angezogen wird, so strebt das chitta, das im Klang absorbiert ist, nicht nach Sinnesobjekten, da es durch den süßen Duft des Klanges (Nada) angezogen wird und seine relative Natur vergisst.
  • Der „Schlangen-Geist“ ist ganz gebändigt durch die Faszination des Nada, konzentriert sich ganz darauf und vergisst darüber alles andere.
  • Der Klang ist wie ein Seil, durch das der „Reh-Geist“ gebunden wird oder wie der Strand, an dem sich die Wellen des Geist-Ozeans auslaufen.

Alle Klänge gehen von Pranava (om) aus, dem ursprünglichen Klang, der brahman repräsentiert. Seine Natur ist reines Licht. Der Geist wird dadurch im höchsten Göttlichen, dem Sitz Vishnus, absorbiert.

Solange der Klang anhält, existiert der bewusste Geist. Sobald er aufhört (durch die völlige Absorption), ist der Klang wieder im Absoluten absorbiert. Dieser Zustand jenseits aller Klänge ist die höchste Wohnstätte und der Zustand von Turiya.

Durch die Konzentration auf Nada löst sich der Geist zusammen mit dem Prana und seinen karmischen Neigungen im makellosen Einen auf. Daran gibt es keinen Zweifel. Frei von allen relativen Bewusstseinszuständen und Geistesinhalten wirst du zu einem Mukta, einem Befreiten. Dein Körper wird weder Hitze noch Kälte, weder Vergnügen noch Schmerz empfinden. Wenn die spirituelle Vision fest ist, ohne irgendein konkretes Objekt, das wahrgenommen wird, wenn der Prana anstrengungslos still wird und das chitta fest und unbewegt bleibt, dann wirst du zu brahman – Brahma vid brahmaiva bhavati – „Der Kenner brahmans wird zu brahman selbst.“

Auf der ersten Stufe spürt der Körper die Schwingung chin-chini; auf der zweiten bricht sich der Klang im Körper; (bhanjana), auf der dritten wird er davon durchdrungen (bhedana); auf der vierten schwingt der Kopf; auf der fünften bildet sich mehr Speichel; auf der sechsten empfindet er den Geschmack von Nektar; auf der siebten erwacht die Erkenntnis der verborgenen Dinge dieser Welt; auf der achten wird das Höchste Wort (paravak) vernommen, der schöpferische Urklang; auf der neunten wird der Körper unsichtbar und die reine geistige Schau erwacht. Auf der zehnten Stufe ist der Zustand des höchsten brahman (parabrahman) erreicht. Der Schüler/die Schülerin erstrahlt als das strahlende, reine, ewige, makellose brahman. Durch die Einweihung durch einen Guru kannst du diese zehnte Stufe auch ohne die ersten neun erreichen.

Tratak, das Fixieren des Blicks

  • Schreibe Om in schwarzer Schrift auf ein Blatt Papier oder an die Wand oder nimm ein Bild mit einem Om-Zeichen und setze dich davor.
  • Schaue mit offenen Augen unverwandt darauf, bis die Augen zu tränen beginnen.
  • Dann schließe die Augen und rufe das Bild in deinem Inneren hervor. Öffne erneut die Augen und schaue ohne zu blinzeln auf das Symbol, so lange es für die Augen angenehm ist und bis wieder etwas Tränenflüssigkeit kommt.
  • Erhöhe allmählich die Zeitspanne.

Manche können eine Stunde lang unverwandt etwas fixieren. Tratak ist eine der sechs Reinigungsübungen (Shat Kriyas) im Hatha Yoga und dient auch der Reinigung der Augen.

Statt Om kannst du auch einen schwarzen Punkt an der Wand fixieren oder einen Punkt auf ein Blatt malen und es an die Wand hängen. Im Laufe der Zeit wirst du die Aura der Wand als goldenen Schein wahrnehmen.

Und du kannst Tratak auch auf ein Bild eines der göttlichen Aspekte wie Krishna, Rama, Shiva oder Vishnu ausführen. Dabei kann innere Visualisierung auch die mentale Ausführung eines Rituals sein (manasika puja), wo man sich geistig auf göttliche Eigenschaften und auf die Lilas, die Geschichten über göttliche Inkarnationen, konzentriert.

Tratak ist das Alpha-Beta, die erste Übung auf dem Weg zur Konzentration. Man beginnt Tratak mit offenen Augen. Darauf folgt die Visualisierung, wo man sich ein klares inneres Bild eines Objekts macht. Tratak in beiden Formen ist von großer Hilfe für die Konzentration.

Am ersten Tag praktiziere Tratak mit offenen Augen nur eine halbe bis eine Minute und verlängere die Dauer allmählich jede Woche. Überanstrenge die Augen nicht. Mache es sanft, so lange es angenehm für die Augen bleibt. Wiederhole dabei dein Mantra oder Hari Om, Sri Rama oder den Gayatri-Mantra. Manchmal röten sich die Augen dabei leicht. Das braucht dich nicht zu beunruhigen; es wird sich bald geben. Tratak stärkt die Augen, hilft bei vielen Augenerkrankungen und kann auch zu Siddhis führen, wie zum Beispiel Aurasehen oder Hellsehen. Praktiziere Tratak etwa sechs Monate lang. Danach kannst du zu fortgeschritteneren Konzentrations- und Meditationspraktiken übergehen.

Sei regelmäßig und systematisch in deiner Sadhana. Hast du einmal unterbrochen, dann hole es am nächsten Tag nach.

Swami Sivananda Anleitungen zu Konzentrationsübungen

Der indische Yoga Meister Swami Sivananda gab folgende Tipps für die Entwicklung der Konzentration mit Konzentrationsübungen:

Es ist leicht, die Gedanken auf äußere Gegenstände zu konzentrieren, da das Bewusstsein eine natürliche Neigung hat, sich nach außen zu wenden. Eine Form des emotional bewegten Bewusstseins, das Verlangen, ist die Kraft, die die Gedanken nach außen wendet. Richte die Gedanken auf Atman und konzentriere dein Bewusstsein auf die allesdurchdringende, reine Intelligenz, auf die Herrlichkeit, die aus sich selbst leuchtet (Swayamjyoti). Wer fest in Brahma steht, wird „Brahmasamstha“, in Brahma verwurzelt.

Bei der Konzentration kann man die Gedanken auf einen Gegenstand oder eine Idee richten. Wandern sie von ihrem Gegenstand (Lakshya) fort, muss man sie immer wieder zurückholen und anbinden. Es darf dem Bewusstsein nicht erlaubt sein, Hunderte von Gedankenformen zu bilden. Blick in dein Inneres und beobachte dein Denken sorgfältig. Bleib allein und meide Begleitung. Misch dich nicht unter die Menge. Das ist wichtig. Lass nicht zu, dass deine Gedanken ihre Kraft nutzlos in Überlegungen, Sorgen, Vorstellung, Ängsten und Vorahnungen vergeuden. Konzentriere sie eine halbe Stunde lang durch unaufhörliche Übung auf eine Gedankenform. Auf diese Weise wird dein Bewusstsein sich selbst eine Form schaffen, die zu erhalten du dich durch ständige Übung bemühen sollst.

Wenn du versuchst, deine Gedanken zu konzentrieren oder einen Gedanken herauszustellen, wirst du ganz natürlich und unvermeidbar dazu veranlasst, Gedankenbilder zu formen. Kämpfe nicht mit deinen Gedanken, während du meditierst. Es wäre ein schwerer Fehler. Am Anfang begeht man ihn leicht und wird vorschnell ermüdet. Kopfschmerzen treten auf, und durch Irritierung bestimmter Zentren der Wirbelsäule entsteht der Drang zu häufigem Harnlassen. Man sollte sich bequem in einer der klassischen Stellungen hinsetzen: im Padma-, Siddha-, Sukha- oder Swastika-Sitz. Kopf, Hals, Rumpf müssen in gleicher, vertikaler Linie bleiben. Muskeln, Nerven und Gehirn werden entspannt, das gegenständliche Bewusstsein beruhigt. Schließe deine Augen, kämpfe nicht mit deinen Gedanken, sondern lass sie in entspannter Ruhe. Stehe morgens um vier Uhr auf (Brahma Muhurta).

Wenn du dein Bewusstsein übst, wirst du es in die Hand bekommen, es deinem Willen entsprechend arbeiten zu lassen und es dazu bringen, seine Kräfte nach deinen Wünschen einzusetzen. Bei geübten Yogis kann man nicht unterscheiden, wo die Abstraktion (Pratyahara) aufhört und die Konzentration (Dharana) beginnt, wo Dhyana endet und der Zustand des Überbewusstseins (Samadhi) erwacht. Im Augenblick, in dem sie ihre Stellung (Asana) einnehmen, ereignen sich all diese Vorgänge mit blitzhafter Geschwindigkeit im gleichen Augenblick. Mit bewusstem Willen treten sie in Samadhi ein. Bei den Anfängern entsteht zuerst die Abstraktion (Pratyahara); dann folgt die Konzentration (Dharana); nun beginnt die Meditation (Dhyana). Konzentration der Gedanken, intensive geistige Disziplin (Sadhana) und leichte, aber nahrhafte Ernährung werden die Erlangung von Samadhi möglich machen.

Gleich einem geschickten Bogenschützen, der, auf einen Vogel zielend, sich seiner Bewegungen ebenso voll bewusst ist wie der Haltung des Bogens und des Pfeils, mit dem er den Vogel treffen will, soll auch der Schüler die Vorbedingungen beachten, zu denen die richtige Nahrung gehört. „Wenn ich diese Art der Ernährung wähle, einem bestimmten Menschen, in bestimmter Weise, an einem bestimmten Ort, zu einer bestimmten Zeit folge, werde ich den Zustand der Meditation und des Samadhi erreichen.“ Wie ein Koch, der seinem Herrn gut dient, sorgfältig auf die Speisen achtet, die dieser bevorzugt, und sich Verdienst erwirbt, wenn er sie von nun an immer wieder auftischt, so muss auch der Schüler auf Bedingungen wie die Ernährung achten, die Meditation und Samadhi vorbereiten. Erfüllt er sie, wird er immer wieder den Zustand der Ekstase erlangen.

Ein Hatha Yogi, der den Weg körperlicher Übungen geht, sucht seine Gedanken zu konzentrieren, indem er seinen Atem durch Pranayama beherrscht, während der Raja Yogi, der den Weg des „königlichen Yoga“ geht, die Konzentration seiner Gedanken durch „Chitta Vritti Nirodha“, durch Beschränkung der Weite des Bewusstseins, die Gegenstände unter ihren verschiedenen Formen zu betrachten, übt, aber keinen Wert auf die Beherrschung des Atems legt, der notwendigerweise von selbst unter Kontrolle kommt, wenn die Gedanken konzentriert sind. Man kann Hatha Yoga als einen Zweig des Raja Yoga ansehen.

Freuden dieser Welt verstärken das Verlangen nach immer größerem Anreiz. Deshalb treiben die Gedanken der KInder der Welt unruhig hin und her und finden weder eine Befriedigung noch den Frieden, in dem das Denken auszuruhen vermag, auch wenn sie noch so viel Anreiz erhalten. Je größer die Freuden, desto stärker das Verlangen. So werden die Menschen durch ihr eigenes Bewusstsein immer mehr beunruhigt, gequält und ermüdet. Um diese Unruhe und Belästigung auszuräumen, hielten es die großen Weisen (rishis) für das beste, alle sinnlichen Freuden vorzuenthalten. Sind die Gedanken konzentriert oder ausgelöscht, gibt es keinen Anreiz mehr zu weiteren Freuden. Alle Belästigungen und Unruhe ist vergangen, und der Schüler erlangt wahren Frieden.

Ist der Mensch dem Irdischen zugewandt, zerstreut sich der Strom der Gedanken, und die geistige Energie verzettelt sich. Um sich zu konzentrieren, ist es erforderlich, diese zerstreuten Gedanken durch Entsagung (Vairagya) und Disziplin (Abhyasa) wieder zusammenzuführen. Dann kann das Denken auf Gott (Brahman) ausgerichtet werden. Die Gedankenkräfte, die sich auf verschiedenste Gegenstände richten, gleichen zerstreuten Lichtstrahlen. Geduldig müssen sie durch Vairagya und Abhyasa, durch Verzicht (Tyaga) und Enthaltsamkeit (Tapas) gesammelt und mit unermüdlicher Energie zu Gott (Brahman) hingeführt werden. Sind die Gedankenkräfte konzentriert, beginnt die Erleuchtung. Durch Pranayama, Japa, Vichara und Bhakti muss der Schüler sich von den niederen Eigenschaften des geistigen Bewusstseins (Rajas und Tamas) befreien, die das Licht des Geistes (Sattva) verhüllen. Dann hat das Bewusstsein die Fähigkeit zur Konzentration erreicht. Wenn Sattva sich in ihm verstärkt, wenn Fröhlichkeit und Ausgeglichenheit ihn erfüllen und die Gedanken konzentriert sind, wird Fortschritt im Yoga erzielt.

Kleine Konzentrationsübungen

  • I. Bitte einen Freund, dir einige Spielkarten vorzuzeigen und beschreibe sie dann. Gib Zahl, Namen usw. an (Treffkönig, Karodame, Pique-Herzbube, usw.).
  • II. Lies zwei oder drei Seiten eines Buchs und schließe es. Überlege dir das Gelesene, befreie dich von allen zerstreuenden Gedanken und suche mit sorgfältiger Aufmerksamkeit zu assoziieren, einzuordnen, zu gruppieren, zu kombinieren und zu vergleichen. Auf diese Weise wirst du neue Erkenntnisse und Aufschlüsse über das Thema erlangen. Es ist nutzlos, beim Lesen unaufmerksam Seiten zu überspringen und ein Buch in wenigen Stunden zu lesen. Wenn man dann nach seinem Inhalt oder nach wichtigen Stellen gefragt wird, versagt man. Beschäftigt man sich mit einer Aufgabe sorgfältig, wird man zu klaren und starken Eindrücken kommen, die auch im Gedächtnis haftenbleiben.
  • III. Setze dich in eine dir angenehme Meditationsstellung etwa einen halben Meter von einer Uhr entfernt und konzentriere dich langsam auf ihr Tick-Tack. Wenn die Gedanken wieder und wieder entlaufen wollen, versuche den Ton zu hören. Beobachte dabei, wie lange deine Gedanken ohne Unterbrechung fest auf den Ton gerichtet bleiben können.
  • IV. Wieder setze dich in deine Lieblingsstellung. Schließe die Augen. Schließe auch die Ohren mit Daumen, Wachs oder Watte und suche, die mystischen Klänge (Anahata) zu hören. Du kannst verschiedene Arten von Klängen vernehmen, wie Flöte, Geige, Pauke, Donner, Glocken, das Rauschen einer Muschel oder das Summen einer Biene. Versuche zuerst die groben Töne zu hören.Wollen die Gedanken dir entlaufen, erhebe sie vom Groben zum Feinstofflichen oder führe sie umgekehrt. Im allgemeinen vernimmst du Klänge in deinem rechten Ohr, gelegentlich im linken. Versuche in jedem Fall, das Ohr nicht zu wechseln. Dies ist eine einfache Art, das Bewusstsein zu verschließen (Ekagrata) und die Gedanken im Zaum zu halten. Der liebliche Ton wird sie verzaubern, wie die Schlange von der Musik des Schlangenbändigers gebannt wird.
  • V. Stelle eine Kerze vor dich hin und versuche, dich auf ihre Flamme zu konzentrieren. Wirst du müde dabei, schließe die Augen und versuche, dir die Flamme im inneren Bild vorzustellen. Tu dies eine halbe Minute lang und steigere die Zeit bis zu fünf oder zehn Minuten, je nach Wunsch, Temperament und Fähigkeit. Gelingt er dir, in tiefe Konzentration zu versinken, wirst du Weise (Rishis) und Gottheiten (Devatas) sehen.
  • VI. Lege dich auf den Rücken und konzentriere dich auf den Mond. Abweichende Gedanken führe zum Bild des Mondes zurück. Diese Übung ist für leicht erregbare Menschen sehr wohltuend.
  • VII. In gleicher Lage kannst du dich auf einen der Millionen Sterne konzentrieren, die über deinem Haupt erstrahlen.
  • VIII. Setze dich an das Ufer eines Flusses, dessen dumpfes Brausen wie die heilige Silbe Om klingt. Konzentriere dich, solange du magst, auf diesen Ton. Dies ist reizvoll und anregend.
  • IX. Lege dich in die freie Natur und konzentriere dich auf den Himmel, dessen Blau sich über dir ausbreitet. Deine Gedanken werden sich im gleichen Augenblick ausweiten und erheben. Der blaue Himmel wird dich an die unendliche Natur deines Selbst erinnern.
  • X. Setze dich in eine bequeme Stellung und konzentriere dich auf eine der unzähligen abstrakten Tugenden wie zum Beispiel Barmherzigkeit. Verharre in dem Gedanken an diese Tugend, solange du kannst.

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Mehr von Swami Sivananda über Konzentrationsübungen in seinem Buch "Yoga im täglichen Leben"

Frau in Meditation.jpg

Fixiere deine Gedanken auf irgendeinen Gegenstand innerhalb oder außerhalb deines Körpers. Halte sie eine Weile dort fest. Das ist Konzentration. Du musst täglich üben.

Reinige zuerst deine Gedanken durch richtige Lebensführung und dann beginne mit Konzentrationsübungen. Konzentration ohne Reinheit ist zwecklos. Es gibt Okkultisten, die sich wohl konzentrieren können, aber keinen guten Charakter haben. Deshalb machen sie auch keine Fortschritte auf dem geistigen Pfad.

Wer stetige Haltung hat und durch dauernde Atemkontrolle die Nerven und die vitale Hülle reinigt, wird sich leicht konzentrieren können. Wenn man alle Ablenkungen auschaltet, wird die Konzentration sehr tief. Ein Zölibatär, der seine Energie bei sich behält, wird sich wunderbar konzentrieren können.

Manche törichten, ungeduldigen Menschen beginnen sofort mit Konzentration, ohne vorhergehende sittliche Selbsterziehung. Das ist ein sehr bedenklicher Fehler. Sittliche Vollkommenheit ist von überragender Bedeutung.

Man kann sich innerlich auf jedes der sieben Zentren geistiger Energie konzentrieren. Aufmerksamkeit spielt in der Konzentration eine wichtige Rolle. Wer seine Aufmerksamkeit zuvor entwickelt hat, wird gute Erfolge beim Konzentrieren haben. Wer von Leidenschaft und allerlei Begierden beherrscht ist, kann sich niemals, auch nicht für kurze Zeit, konzentrieren. Sein Verstand ist immer rastlos wie der eines Affen.

Ein Wissenschaftler konzentriert seine Gedanken und erfindet dann mancherlei. Durch Konzentration öffnet er die Schichten des groben Verstandes und dringt tief in die höheren Bereiche des Verstandes ein, wo er tiefere Erkenntnisse gewinnt. Er konzentriert die Energien seines Verstandes und strahlt sie auf das Material aus, das er untersucht und dessen Geheimnisse er enthüllt.

Wem Abstraktion gelungen ist, das heißt: wer die Sinne von allem Gegenständlichen abziehen kann, wird sich gut konzentrieren können. Man muss aber Schritt für Schritt, Stufe um Stufe auf dem geistigem Pfad weitergehen. Zum Beginn schaffe man sich eine feste Grundlage durch rechte Lebensführung, richtige Stellungen (Asanas), Atemkontrolle und Abstraktion. Nur dann wird der darüber errichtete Überbau der Konzentration und Meditation erfolgreich gelingen.

Man muss soweit kommen, dass man den Gegenstand der Konzentration ganz deutlich sieht, auch wenn er nicht vor uns steht. Man muss sich das Gedankenbild in einem Augenblick formen können. Wenn man sich richtig konzentriert, wird man das ohne besondere Schwierigkeiten vermögen.

Wenn man diese Übungen beginnt, kann man sich auf des Ticktack einer Uhr, auf eine Flamme einer Kerze oder irgendeinen Gegenstand, der unseren Verstand anspricht, konzentrieren. Das ist konkrete Konzentration. Es gibt keine Konzentration ohne Gegenstand, auf dem die Gedanken ruhen können. Auf irgendeinen uns ansprechenden Gegenstand sollen wir den Verstand jederzeit fixieren. Im Anfang ist es aber sehr schwer, die Gedanken auf einen missliebigen Gegenstand zu richten.

  • Sitze in Lotusstellung, Padmasana, mit gekreuzten Beinen. Fixiere deinen Blick auf die Nasenspitze. Man nennt das Nasenblick. Mache jedoch keine krampfhaften Anstrengungen. Blicke ganz gelöst auf die Nasenspitze. Übe im Anfang nicht länger als eine Minute und steigere allmählich bis zu 30 Minuten oder eine Stunde. Diese Übung stetigt den Verstand und entwickelt die Fähigkeit zur Konzentration. Übe sie auch, wenn du auf der Straße gehst.
  • Sitze mit gekreuzten Beinen in Lotusstellung (Padmasana), oder in der „vollkommenen“ Stellung (Siddhasana) in deinem Meditationsraum und übe dich, deinen Verstand für eine halbe Minute ganz leicht auf die Stelle zwischen den Augenbrauen zu fixieren. Steigere allmählich bis zu einer halben Stunde. Du darfst dich nicht im Geringsten verkrampfen. Diese Übung beseitigt die Rastlosigkeit des Verstandes und entwickelt Konzentrationsfähigkeit. Man nennt diese Übung auch Stirnblick, weil die Augen auf die Stirn gerichtet sind. Du kannst zwischen Nasenblick und Stirnblick wählen, je nach Lust, Temperament und Fähigkeit.

Wenn du deine Konzentration steigern willst, musst du deine weltlichen Tätigkeiten einschränken. Du musst jeden Tag zwei Stunden oder länger das Schweigegelübde einhalten können.

Übe Konzentration so lange, bis dein Verstand auf das Konzentrationsobjekt sicher eingestellt ist. Wenn deine Gedanken abschweifen, bringe sie wieder zu ihrem Gegenstand zurück. Während tiefer und angespannter Konzentration können die Sinne nicht arbeiten. Wer täglich drei Stunden lang sich völlig konzentriert, wird ungeheuere seelische Kräfte entfalten und einen eisernen Willen bekommen.

Es war einmal ein Arbeiter, der Pfeile herstellte. Er war eines Tages eifrig bei der Arbeit und so ein sie versunken, dass er gar nicht wahrnahm, wie ein König und sein zahlreiches Gefolge an seiner Werkstatt vorüber kam. So tief muss die Konzentration sein, wenn du deine Gedanken auf Gott richtest. Du musst dann nur an Gott denken und an nichts anderes. Zweifellos dauert es längere Zeit, bevor man vollkommene Konzentration erreicht und den Verstand nur auf eine Sache fixieren kann. Man wird sehr schwer darum kämpfen müssen, bis man die Gedanken ohne Schwanken konzentrieren kann.

Gräme dich nicht, wenn einmal dein Verstand während deiner Meditationsübung durchbrennt. Lass ihn laufen. Versuche langsam, ihn wieder zu dem Gegenstand der Konzentration zurückzuführen. Wenn du die Übung immer wiederholst, wird der Verstand zuletzt auf dein Herz, dein Selbst, den Inwohner deines Herzens, das Endziel des Lebens gerichtet sein. Im Anfang darf er noch 80 mal durchbrennen, nach sechs Monaten nur noch 70 mal, nach einen Jahr 50 mal, nach zwei Jahren 30 mal und nach fünf Jahren wird er vollkommen auf das göttliche Bewusstsein gerichtet sein. Er wird dann überhaupt nicht mehr durchbrennen, selbst wenn du versuchst, ihn hinauszutreiben. Er wird dann einem streunenden Ochsen gleichen, der bisher in die Gärten der Nachbarn ausbrach, um dort zu grasen, aber jetzt frische Körner und Baumwollsaat in seinem eigenen Stall frisst.

Copyright Divine Life Society

Siehe auch

Literatur

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Andrey Lobanov