Kaushitaki Upanishad: Unterschied zwischen den Versionen

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'''Kaushitaki Upanishad''' ([[Sanskrit]]: kauṣītāki upaniṣad) eine der [[Upanishad]]en ([[indien|indische]] Heilige Schriften). Sie stammt aus dem [[Rigveda]].
'''Kaushitaki Upanishad''', auch geschrieben'''Kaushitakyupanishad''' ([[Sanskrit]]: कौषीतक्युपनिषद् kauṣītaky-upaniṣad f. ) eine der älteren [[Upanishad]]en ([[indien|indische]] Heilige [https://www.yoga-vidya.de/seminare/interessengebiet/indische-schriften/ Schriften]). Sie stammt aus dem [[Rigveda]] und ist als sogenannte [[Samanya]] Upanishad allen [[Vedanta]]-Schulen gemein. Sie zählt als fünfundzwanzigste der [[einhundertacht]] Upanishaden im [[Muktika]]-Kanon und beschreibt den [[Weg]] der [[Seele]]n nach dem [[Tod]] und ihre Durchquerung von Himmelsregionen.


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[[Kaushitaki]] ist ein [[Shakha]] des [[Rigveda]]. Auch ist Kaushitaki der Name eines [[Brahmana]]s, eines [[Aranyaka]]s und einer [[Upanishad]]e. Diese Brahmana wurde mit einer Übersetzung von Professor Cowell in der [[Bibliotheca Indica]] veröffentlicht.
Die Kaushitaki Upanishad wird auch genannt '''Kaushitaki Brahmana Upanishad'''. In vier Kapiteln führt sie von der Frage nach dem Weg des Menschen nach dem Tod zur Untersuchung von [[Prana]], [[Prajna|Erkenntnis]] und [[Atman]]. Ihre Gespräche verbinden die Sprache des vedischen Rituals mit der Suche nach dem erkennenden Selbst.
[[Datei:Vedanta-medit.jpg|thumb|Die Kaushitaki lenkt die Untersuchung von den Sinnesgegenständen auf das erkennende [[Selbst]].]]
Die Schrift zählt zu den älteren Upanishaden und wird in erweiterten Zusammenstellungen der Hauptupanishaden mitgeführt. Die Bezeichnung [[Samanya Upanishaden|Samanya Upanishad]] bezeichnet ihre allgemeine vedantische Ausrichtung. Sie ist von dem eigenständigen, dreißig Kapitel umfassenden ''Kaushitaki Brahmana'' zu unterscheiden. Ein Leitgedanke lautet: Frage nach dem, der sieht, hört und denkt – nach dem Subjekt aller Erfahrung.
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== Kaushitaki Upanishad कौषीतकि उपनिषद् Kauṣītaki-Upaniṣad Aussprache==
Hier kannst du hören, wie das Sanskritwort Kaushitaki Upanishad, कौषीतकि उपनिषद्, Kauṣītaki-Upaniṣad ausgesprochen wird:
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== Kaushitaki Brahmana Upanishad – Sanskrit (IAST), Übersetzung und Wort-für-Wort-Erläuterung ==
Grundlage des vollständigen Sanskrittexts ist die von '''Mislav Ježic''' herausgegebene Fassung, ''R̥gvedske upanišadi'' (1999), in der öffentlichen TITUS-Wiedergabe. Die wissenschaftliche Umschrift wurde in einheitliches IAST übertragen. Eingeklammerte Sanskritpassagen werden mit aufgenommen und ihr Status an der Stelle erläutert; offensichtliche Übertragungsfehler sind berichtigt. Die deutsche Übersetzung wurde für diesen Artikel neu erarbeitet; Paul Deussens ältere Übersetzung dient als Vergleich.
Die verwendete Edition ordnet einzelne Passagen anders an und zählt das zweite Kapitel mit 14 Abschnitten, darunter 8a–8c. In der verbreiteten Zählung sind es 15. Insbesondere entspricht hier 2.8b dem dortigen 2.10, und hier 2.10–14 entsprechen dort 2.11–15. Kapitel 3 hat hier acht Abschnitte. Inhaltliche Wiederholungen sind vollständig erhalten. Die zusätzlichen Buchstaben und ausgeschriebenen Zwischenlabels teilen längere Prosa zur besseren Lesbarkeit. Friedensgebet und Kapitelkolophone bilden den traditionellen Rahmen.
'''Shanti-Mantra'''<br>
oṃ vāṅme manasi pratiṣṭhitā |<br>
mano me vāci pratiṣṭhitam |<br>
āvirāvīrma edhi |<br>
vedasya ma āṇīsthaḥ |<br>
śrutaṃ me mā prahāsīḥ |<br>
anenādhītenāhorātrānsandadhāmi |<br>
ṛtaṃ vadiṣyāmi |<br>
satyaṃ vadiṣyāmi |<br>
tanmāmavatu |<br>
tadvaktāramavatu |<br>
avatu māmavatu vaktāramavatu vaktāram ||<br>
'''Om. Meine Rede sei im Geist gegründet, mein Geist in der Rede. Offenbare dich mir, du Offenbares! Möget ihr beide mir den Veda erschließen. Möge das von mir Gehörte mich nicht verlassen. Durch dieses Studium verbinde ich Tage und Nächte. Ich werde das Rechte sprechen; ich werde die Wahrheit sprechen. Möge jenes mich beschützen, möge es den Lehrenden beschützen. Möge es mich beschützen; möge es den Lehrenden beschützen, den Lehrenden beschützen.'''
'''Wort-für-Wort-Übersetzung''': ''oṃ'' – Om; ''vāk'' – Rede; ''me'' – meine; ''manasi'' – im Geist; ''pratiṣṭhitā'' – gegründet; ''manaḥ'' – Geist; ''vāci'' – in der Rede; ''pratiṣṭhitam'' – gegründet; ''āviḥ āviḥ'' – offen, offenbar; ''me'' – mir; ''edhi'' – werde, sei; ''vedasya'' – des Veda; ''me'' – mir, vedisch auch ma; ''āṇīsthaḥ'' – möget ihr beide heranführen, auf Rede und Geist bezogen; ''śrutam'' – Gehörtes; ''me'' – von mir; ''mā'' – nicht; ''prahāsīḥ'' – verlasse; ''anena adhītena'' – durch dieses Studium; ''ahaḥ-rātrān'' – Tage und Nächte; ''sandadhāmi'' – ich verbinde; ''ṛtam'' – das Rechte; ''vadiṣyāmi'' – ich werde sprechen; ''satyam'' – Wahrheit; ''tat'' – jenes; ''mām'' – mich; ''avatu'' – möge beschützen; ''vaktāram'' – den Sprechenden, Lehrenden.
'''Friedensruf'''<br>
oṃ śāntiḥ śāntiḥ śāntiḥ ||<br>
'''Om. Frieden, Frieden, Frieden.'''
'''Wort-für-Wort-Übersetzung''': ''oṃ'' – Om; ''śāntiḥ'' – Frieden, dreimal.
=== Erster Adhyaya – Der Weg zu Brahman ===
'''1.1'''<br>
citro ha vai gārgyāyaṇir yakṣyamāṇa āruṇiṃ vavre |<br>
sa ha putraṃ śvetaketuṃ prajighāya yājayeti |<br>
taṃ hāsīnaṃ papraccha |<br>
gautamasya putrāsti saṃvṛtaṃ loke yasmin mā dhāsyasy anyatamo vādhvā tasya |<br>
māloke dhāsyasīti |<br>
sa hovāca nāham etad veda |<br>
hantācāryaṃ pṛcchānīti |<br>
sa ha pitaram āsādya papracchetīti māprākṣīt kathaṃ pratibravāṇīti |<br>
sa hovācāham apy etan na veda |<br>
sadasy eva vayaṃ svādhyāyam adhītya harāmahe yan naḥ pare dadati |<br>
ehy ubhau gamiṣyāva iti |<br>
sa ha samitpāṇiś citraṃ gārgyāyaṇiṃ praticakrama |<br>
upāyānīti taṃ hovāca |<br>
brahmārgho 'si gautama yo na mānam upāgāḥ |<br>
ehi vy eva tvā jñapayiṣyāmīti ||1||<br>
'''Citra Gargyayani wollte ein Opfer veranstalten und wählte Aruni zum Priester. Dieser sandte seinen Sohn Shvetaketu: „Vollziehe das Opfer!“ Als er dort saß, fragte Citra ihn: „Sohn Gautamas, gibt es in jener Welt einen abgeschlossenen Ort, an den du mich setzen wirst, oder einen bestimmten Weg dorthin? Wirst du mich in diese Welt bringen?“ Er antwortete: „Das weiß ich nicht. Ich will meinen Lehrer fragen.“ Er ging zu seinem Vater und fragte: „So hat er mich gefragt. Was soll ich antworten?“ Dieser sagte: „Auch ich weiß es nicht. Wir halten lediglich unsere Veda-Rezitation in der Opferhalle ab und nehmen dafür, was andere uns geben. Komm, wir wollen beide hingehen!“ Mit Brennholz in der Hand trat er zu Citra Gargyayani und sagte: „Ich möchte dein Schüler werden.“ Citra antwortete: „Gautama, du bist der Brahman-Unterweisung würdig, weil du dich nicht dem Stolz ergeben hast. Komm, ich werde dich unterrichten.“'''
'''Wort-für-Wort-Übersetzung''': ''citraḥ gārgyāyaṇiḥ'' – Citra Gargyayani; ''yakṣyamāṇaḥ'' – opfern wollend; ''āruṇim vavre'' – wählte Aruni; ''saḥ ha putram śvetaketum prajighāya'' – er sandte seinen Sohn Shvetaketu; ''yājaya iti'' – vollziehe das Opfer; ''tam āsīnam papraccha'' – fragte den dort Sitzenden; ''gautamasya putra'' – Sohn Gautamas; ''asti saṃvṛtam loke'' – gibt es einen abgeschlossenen Ort in jener Welt; ''yasmin mā dhāsyasi'' – an den du mich setzen wirst; ''anyatamaḥ vā adhvā'' – oder ein bestimmter Weg; ''tasya'' – zu diesem; ''mā loke dhāsyasi'' – wirst du mich in die Welt setzen; ''saḥ uvāca'' – er sagte; ''na aham etat veda'' – ich weiß dieses nicht; ''hanta ācāryam pṛcchāni'' – ich will den Lehrer fragen; ''pitaram āsādya'' – zum Vater gelangt; ''iti mā aprākṣīt'' – so fragte er mich; ''katham pratibravāṇi'' – wie soll ich antworten; ''aham api etat na veda'' – auch ich weiß es nicht; ''sadasi eva'' – in der Opferhalle allein; ''vayam svādhyāyam adhītya'' – wir die Veda-Rezitation vollziehend; ''harāmahe'' – nehmen an; ''yat naḥ pare dadati'' – was andere uns geben; ''ehi ubhau gamiṣyāva'' – komm, wir wollen beide gehen; ''samit-pāṇiḥ'' – mit Brennholz in der Hand; ''praticakrama'' – trat hinzu; ''upāyāni'' – ich möchte Schüler werden; ''brahma-arghaḥ asi'' – du bist der Brahman-Unterweisung würdig; ''yaḥ na mānam upāgāḥ'' – weil du dich nicht dem Stolz ergeben hast; ''vy eva tvā jñapayiṣyāmi'' – ich werde dich unterrichten.
'''Textanmerkung:''' Die Frage nach saṃvṛta ist in den Textzeugen verschieden überliefert und unterschiedlich gedeutet worden. Gemeint ist hier die Kenntnis des jenseitigen Ziels beziehungsweise des Weges dorthin. Die Namenform Gargyayani folgt der benutzten Sanskritausgabe; Gangyayani ist eine verbreitete Variante.
'''1.2a – Der Mond als Tor'''<br>
sa hovāca ye vai ke cāsmāl lokāt prayanti candramasam eva te sarve gacchanti |<br>
teṣāṃ prāṇaiḥ pūrvapakṣa āpyāyate |<br>
tān aparapakṣeṇa prajanayati |<br>
etad vai svargasya lokasya dvāraṃ yac candramāḥ |<br>
taṃ yaḥ pratyāha tam atisṛjate |<br>
atha ya enam na pratyāha tam iha vṛṣṭir bhūtvā varṣati |<br>
sa iha kīṭo vā pataṅgo vā matsyo vā śakunir vā siṃho vā varāho vā parasvān vā śārdūlo vā puruṣo vānyo vā teṣu teṣu sthāneṣu pratyājāyate yathākarma yathāvidyam |<br>
tam āgataṃ pṛcchati ko'sīti |<br>
taṃ pratibrūyād |<br>
'''Er sprach: „Alle, die aus dieser Welt abscheiden, gehen zum Mond. Durch ihre Lebenskräfte wächst seine helle Hälfte; in der dunklen Hälfte lässt er sie wieder geboren werden. Der Mond ist das Tor zur Himmelswelt. Wer ihm antwortet, den lässt er hindurch. Wer ihm nicht antwortet, den lässt er als Regen hier herabregnen. Hier wird er wieder geboren: als Wurm, Insekt, Fisch, Vogel, Löwe, Eber, Beißtier, Tiger, Mensch oder sonst etwas, an den jeweiligen Orten, gemäß seinem Handeln und seiner Erkenntnis. Den Ankommenden fragt er: ‚Wer bist du?‘ Darauf soll dieser antworten:“'''
'''Wort-für-Wort-Übersetzung''': ''saḥ uvāca'' – er sprach; ''ye vai ke ca'' – alle, die; ''asmāt lokāt prayanti'' – aus dieser Welt abscheiden; ''candramasam eva te sarve gacchanti'' – sie alle gehen zum Mond; ''teṣām prāṇaiḥ'' – durch ihre Lebenskräfte; ''pūrva-pakṣaḥ āpyāyate'' – die helle Monatshälfte wächst; ''tān apara-pakṣeṇa prajanayati'' – lässt sie in der dunklen Hälfte geboren werden; ''etat svargasya lokasya dvāram'' – das Tor zur Himmelswelt; ''yat candramāḥ'' – welches der Mond ist; ''tam yaḥ pratyāha'' – wer ihm antwortet; ''tam atisṛjate'' – den lässt er hindurch; ''atha yaḥ enam na pratyāha'' – wer ihm aber nicht antwortet; ''tam iha vṛṣṭiḥ bhūtvā varṣati'' – den lässt er als Regen hier herabregnen; ''kīṭaḥ'' – Wurm; ''pataṅgaḥ'' – fliegendes Insekt; ''matsyaḥ'' – Fisch; ''śakuniḥ'' – Vogel; ''siṃhaḥ'' – Löwe; ''varāhaḥ'' – Eber; ''parasvān'' – Beißtier; ''śārdūlaḥ'' – Tiger; ''puruṣaḥ'' – Mensch; ''anyaḥ vā'' – oder sonst etwas; ''teṣu teṣu sthāneṣu'' – an den jeweiligen Orten; ''pratyājāyate'' – wird wieder geboren; ''yathā-karma'' – gemäß dem Handeln; ''yathā-vidyam'' – gemäß der Erkenntnis; ''tam āgatam pṛcchati'' – fragt den Ankommenden; ''kaḥ asi'' – wer bist du; ''tam pratibrūyāt'' – ihm soll man antworten.
'''1.2b – Antwort des Ankommenden'''<br>
vicakṣaṇād ṛtavo reta ābhṛtam<br>
pañcadaśāt prasūtāt pitryāvatas |<br>
tan mā puṃsi kartary erayadhvaṃ<br>
puṃsā kartrā mātari māsiṣikta ||<br>
sa upajāya upajāyamāno<br>
dvādaśena trayodaśopamāsaḥ |<br>
dvādaśatrayodaśena pitrā<br>
saṃ tad vide 'haṃ prati tad vide 'haṃ<br>
tan ma ṛtavo 'mṛtyava ābharadhvam ||<br>
tena satyena tena tapasā ṛtur<br>
asmy ārtavo 'smi ko 'smi tvam asmi |<br>
'''„Vom weithin Sehenden, ihr Jahreszeiten, wurde ich als Same herbeigetragen, vom fünfzehnfachen, hervorgebrachten, väterlichen Bereich. Mich führtet ihr in den zeugenden Mann; durch den zeugenden Mann wurde ich in die Mutter eingesät. Geboren und wieder geboren, als der zum dreizehnten Monat werdende aus dem zwölffachen [Jahr], [durch den zwölf- und dreizehnfachen Vater], erkenne ich dieses insgesamt und erkenne es im Gegenüber. Dieses habt mir, ihr unsterblichen Jahreszeiten, zugetragen! Durch diese Wahrheit, durch diese Askese bin ich Jahreszeit, bin ich Kind der Jahreszeiten. Wer bin ich? Ich bin du.“'''
'''Wort-für-Wort-Übersetzung''': ''vicakṣaṇāt'' – vom weithin Sehenden; ''ṛtavaḥ'' – ihr Jahreszeiten; ''retaḥ ābhṛtam'' – Same herbeigetragen; ''pañcadaśāt'' – vom fünfzehnfachen; ''prasūtāt'' – hervorgebrachten; ''pitryāvataḥ'' – väterlichen Bereich; ''tat mām'' – mich; ''puṃsi kartari'' – in den zeugenden Mann; ''erayadhvam'' – führtet ihr; ''puṃsā kartrā'' – durch den zeugenden Mann; ''mātari'' – in die Mutter; ''mā asiṣikta'' – mich eingesät; ''saḥ upajāya upajāyamānaḥ'' – geboren und wieder geboren; ''dvādaśena'' – durch den zwölffachen; ''trayodaśa-upamāsaḥ'' – zum dreizehnten Monat werdend; ''dvādaśa-trayodaśena pitrā'' – durch den zwölf- und dreizehnfachen Vater; ''sam tat vide aham'' – ich erkenne dieses insgesamt; ''prati tat vide aham'' – ich erkenne dieses im Gegenüber; ''tat me'' – dieses mir; ''ṛtavaḥ amṛtyavaḥ'' – ihr unsterblichen Jahreszeiten; ''ābharadhvam'' – habt zugetragen; ''tena satyena'' – durch diese Wahrheit; ''tena tapasā'' – durch diese Askese; ''ṛtuḥ asmi'' – ich bin Jahreszeit; ''ārtavaḥ asmi'' – ich bin Kind der Jahreszeiten; ''kaḥ asmi'' – wer bin ich; ''tvam asmi'' – ich bin du.
'''Textanmerkung:''' Diese metrisch und sprachlich schwierige Antwort wird in den Ausgaben unterschiedlich hergestellt. Die eckig gekennzeichnete Sanskritzeile dvādaśatrayodaśena pitrā ist in der verwendeten Edition als verdächtiger Zusatz markiert; sie wird hier mitübersetzt. Die Aussage verbindet Geburt, Mond und Jahreskreis mit der Identität des Ankommenden und des befragenden Wesens.
'''1.2c – Durchgang'''<br>
iti tam atisṛjate ||2||<br>
'''Wenn er so antwortet, lässt er ihn hindurch.'''
'''Wort-für-Wort-Übersetzung''': ''iti'' – so; ''tam atisṛjate'' – lässt ihn hindurch.
'''1.3'''<br>
sa etaṃ devayānaṃ panthānam āpadyāgnilokam āgacchati |<br>
sa vāyulokam |<br>
sa ādityalokam |<br>
sa varuṇalokam |<br>
sa indralokam |<br>
sa prajāpatilokam |<br>
sa brahmalokam |<br>
tasya ha vā etasya lokasyāro hradaḥ |<br>
muhūrtā yaṣṭihāḥ |<br>
vijarā nadī |<br>
ilyo vṛkṣaḥ |<br>
sālajyaṃ saṃsthānam |<br>
aparājitam āyatanam |<br>
indraprajāpatī dvāragopau |<br>
vibhu pramitam |<br>
vicakṣaṇāsandī |<br>
amitaujāḥ paryaṅkaḥ |<br>
priyā ca mānasī |<br>
pratirūpā ca cākṣuṣī |<br>
puṣpāṇy ādāyāvayato vai ca jagāni |<br>
ambāścāmbāyavīścāpsarasaḥ |<br>
āmbayā nadyaḥ ||3||<br>
'''Er betritt den Weg der Götter und gelangt zur Welt des Feuers, zur Welt des Windes, zur Sonnenwelt, zur Welt Varunas, zur Welt Indras, zur Welt Prajapatis und zur Brahmanwelt. In dieser Welt befinden sich der See Ara, die Stunden Yashtiha, der Fluss Vijara, der Baum Ilya, die Stadt Salajya, die unüberwindliche Wohnstätte Aparajita, Indra und Prajapati als Torwächter, die Halle Vibhu, der Thron Vicakshana und das Lager Amitaujas. Dort sind auch die Geliebte Manasi und ihr Gegenbild Cakshushi; mit Blumen versehen weben sie die Welten. Dort sind die Apsaras Ambas und Ambayavis und die Flüsse Ambayas.'''
'''Wort-für-Wort-Übersetzung''': ''saḥ'' – er; ''etam deva-yānam panthānam āpadya'' – diesen Götterweg betretend; ''agni-lokam āgacchati'' – gelangt zur Feuerwelt; ''vāyu-lokam'' – Windwelt; ''āditya-lokam'' – Sonnenwelt; ''varuṇa-lokam'' – Varunas Welt; ''indra-lokam'' – Indras Welt; ''prajāpati-lokam'' – Prajapatis Welt; ''brahma-lokam'' – Brahmanwelt; ''tasya etasya lokasya'' – in dieser Welt; ''āraḥ hradaḥ'' – See Ara; ''muhūrtāḥ yaṣṭihāḥ'' – Stunden Yashtiha; ''vijarā nadī'' – Fluss Vijara, alterslos; ''ilyaḥ vṛkṣaḥ'' – Baum Ilya; ''sālajyam saṃsthānam'' – Stadt Salajya; ''aparājitam āyatanam'' – unüberwindliche Wohnstätte; ''indra-prajāpatī dvāra-gopau'' – Indra und Prajapati als Torwächter; ''vibhu pramitam'' – Halle Vibhu; ''vicakṣaṇā āsandī'' – Thron Vicakshana; ''amitaujāḥ paryaṅkaḥ'' – Lager Amitaujas, unermessliche Kraft; ''priyā ca mānasī'' – Geliebte Manasi; ''pratirūpā ca cākṣuṣī'' – Gegenbild Cakshushi; ''puṣpāṇi ādāya'' – Blumen aufnehmend; ''avayataḥ'' – die beiden weben; ''vai ca jagāni'' – die Welten; ''ambāḥ ca ambāyavīḥ ca apsarasaḥ'' – Apsaras Ambas und Ambayavis; ''āmbayāḥ nadyaḥ'' – Flüsse Ambayas.
'''1.4'''<br>
sa āgacchaty āraṃ hradam |<br>
taṃ manasātyeti |<br>
tam ṛtvāsamprativido majjanti |<br>
sa āgacchati muhūrtān yaṣṭihān |<br>
te'smād apadravanti |<br>
sa āgacchati vijarāṃ nadīm |<br>
tāṃ manasaivātyeti |<br>
tat sukṛtaduṣkṛte dhunute |<br>
tasya priyā jñātayaḥ sukṛtam upayanti |<br>
apriyā duṣkṛtam |<br>
tad yathā rathena dhāvayan rathacakre paryavekṣetaivam ahorātre paryavekṣata evaṃ sukṛtaduṣkṛte sarvāṇi ca dvandvāni |<br>
sa eṣa visukṛto viduṣkṛto brahma vidvān brahmaivābhipraiti |<br>
tam itthaṃvid āgacchati |<br>
taṃ brahmāha abhidhāvata mama yaśasā |<br>
vijarāṃ vā ayaṃ nadīṃ prāpat |<br>
na vā ayaṃ jarayiṣyatīti |<br>
taṃ pañcaśatāny apsarasāṃ pratiyanti śataṃ mālyahastāḥ śatam āñjanahastāḥ śataṃ cūrṇahastāḥ śataṃ vāsohastāḥ śataṃ phalahastāḥ |<br>
taṃ brahmālaṅkāreṇālaṅkurvanti |<br>
sa brahmālaṅkāreṇālaṅkṛto vidvān brahmābhipraiti ||4||<br>
'''Er kommt zum See Ara und überschreitet ihn mit dem Geist; wer dort ohne die entsprechende Erkenntnis eintrifft, versinkt. Er kommt zu den Stunden Yashtiha, die vor ihm davonlaufen. Er kommt zum Fluss Vijara und überschreitet ihn allein mit dem Geist. Dort schüttelt er gutes und schlechtes Handeln ab. Seine ihm lieben Verwandten übernehmen das Gute, die ihm nicht lieben das Schlechte. Wie jemand, der mit einem Wagen dahinfährt, auf die Wagenräder hinabblickt, so blickt er auf Tag und Nacht, gutes und schlechtes Handeln und alle Gegensatzpaare hinab. Frei von Gutem und Schlechtem geht er, der Brahman kennt, zu Brahman. Wer so weiß, kommt dorthin. Brahman sagt: „Lauft ihm entgegen, in meiner Herrlichkeit! Er hat den Fluss Vijara erreicht; er wird nicht altern.“ Fünfhundert Apsaras gehen ihm entgegen: hundert mit Kränzen, hundert mit Salben, hundert mit duftendem Pulver, hundert mit Kleidern und hundert mit Früchten. Sie schmücken ihn mit Brahmans Schmuck. Mit Brahmans Schmuck geschmückt, tritt der Wissende zu Brahman.'''
'''Wort-für-Wort-Übersetzung''': ''saḥ āgacchati'' – er kommt; ''āram hradam'' – zum See Ara; ''tam manasā atyeti'' – überschreitet ihn mit dem Geist; ''tam ṛtvā'' – ihn erreicht habend; ''asampratividaḥ majjanti'' – die nicht entsprechend Wissenden versinken; ''muhūrtān yaṣṭihān'' – zu den Stunden Yashtiha; ''te asmāt apadravanti'' – sie laufen vor ihm davon; ''vijarām nadīm'' – zum Fluss Vijara; ''tām manasā eva atyeti'' – überschreitet ihn allein mit dem Geist; ''tat sukṛta-duṣkṛte dhunute'' – dort schüttelt er gutes und schlechtes Handeln ab; ''tasya priyāḥ jñātayaḥ'' – seine lieben Verwandten; ''sukṛtam upayanti'' – übernehmen das Gute; ''apriyāḥ duṣkṛtam'' – die nicht lieben das Schlechte; ''tat yathā'' – wie; ''rathena dhāvayan'' – mit einem Wagen dahinfahrend; ''ratha-cakre paryavekṣeta'' – auf die Wagenräder hinabblickt; ''evam'' – so; ''aho-rātre'' – Tag und Nacht; ''sarvāṇi ca dvandvāni'' – alle Gegensatzpaare; ''visukṛtaḥ viduṣkṛtaḥ'' – frei von Gutem und Schlechtem; ''brahma vidvān brahma eva abhipraiti'' – Brahman kennend geht er zu Brahman; ''tam itthaṃ-vit āgacchati'' – wer so weiß, kommt dorthin; ''tam brahmā āha'' – Brahman sagt; ''abhidhāvata'' – lauft entgegen; ''mama yaśasā'' – in meiner Herrlichkeit; ''vijarām nadīm prāpat'' – hat Vijara erreicht; ''na jarayiṣyati'' – wird nicht altern; ''pañca-śatāni apsarasām'' – fünfhundert Apsaras; ''pratiyanti'' – gehen entgegen; ''śatam'' – hundert; ''mālya-hastāḥ'' – mit Kränzen in den Händen; ''āñjana-hastāḥ'' – mit Salben; ''cūrṇa-hastāḥ'' – mit duftendem Pulver; ''vāso-hastāḥ'' – mit Kleidern; ''phala-hastāḥ'' – mit Früchten; ''brahma-alaṅkāreṇa alaṅkurvanti'' – schmücken mit Brahmans Schmuck; ''alaṅkṛtaḥ vidvān brahma abhipraiti'' – der geschmückte Wissende tritt zu Brahman.
'''Textanmerkung:''' Die Ausgabe Ježic ordnet die Abschnitte am Fluss und den Empfang durch die Apsaras anders als viele Druckfassungen. Hier wird ihre Reihenfolge vollständig beibehalten.
'''1.5'''<br>
sa āgacchatīlyaṃ vṛkṣam |<br>
taṃ brahmagandhaḥ praviśati |<br>
sa āgacchati sālajyaṃ saṃsthānam |<br>
taṃ brahmarasaḥ praviśati |<br>
sa āgacchaty aparājitam āyatanam |<br>
taṃ brahmatejaḥ praviśati |<br>
sa āgacchatīndraprajāpatī dvāragopau |<br>
tāv asmād apadravataḥ |<br>
sa āgacchati vibhu pramitam |<br>
taṃ brahmayaśaḥ praviśati |<br>
sā āgacchati vicakṣaṇām āsandīm |<br>
bṛhadrathantare sāmanī pūrvau pādau |<br>
śyaitanaudhase cāparau pādau |<br>
vairūpavairāje anūcye |<br>
śākvararaivate tiraścī |<br>
sā prajñā |<br>
prajñayā hi vipaśyati |<br>
sa āgacchaty amitaujasaṃ paryaṅkam |<br>
sa prāṇaḥ |<br>
tasya bhūtañ ca bhaviṣyac ca pūrvau pādau |<br>
śrīś cerā cāparau |<br>
bṛhadrathantare anūcye | bhadrayajñāyajñīye śīrṣaṇye |<br>
ṛcaś ca sāmāni ca prācīnātānāni |<br>
yajūṃṣi tiraścīnāni |<br>
somāṃśava upastaraṇam |<br>
udgītho 'paśrayaḥ |<br>
śrīr upabarhaṇam |<br>
tasmin brahmāste |<br>
tam itthaṃvit pādenaivāgra ārohati |<br>
taṃ brahmāha ko 'sīti |<br>
taṃ pratibrūyāt ||5||<br>
'''Er kommt zum Baum Ilya; Brahmans Duft dringt in ihn ein. Er kommt zur Stadt Salajya; Brahmans Geschmack dringt in ihn ein. Er kommt zur Wohnstätte Aparajita; Brahmans Glanz dringt in ihn ein. Er kommt zu den Torwächtern Indra und Prajapati; beide laufen vor ihm davon. Er kommt zur Halle Vibhu; Brahmans Herrlichkeit dringt in ihn ein. Er kommt zum Thron Vicakshana. Die Samans Brihat und Rathantara sind dessen vordere Füße, Shyaita und Naudhasa die hinteren, Vairupa und Vairaja die Längsleisten, Shakvara und Raivata die Querleisten. Er ist Erkenntnis; denn durch Erkenntnis sieht man klar. Er kommt zum Lager Amitaujas. Dieses ist Prana. Vergangenheit und Zukunft sind seine vorderen Füße, Wohlergehen und Nahrung die hinteren; Brihat und Rathantara sind die Längsleisten, Bhadra und Yajnayajniya die Kopfleisten. Rigverse und Samagesänge sind die längs gespannten Stränge, Yajusformeln die quer verlaufenden; Somastängel sind die Unterlage, Udgitha die Lehne und Wohlergehen das Kissen. Darauf sitzt Brahman. Wer so weiß, steigt mit dem Fuß voran hinauf. Brahman fragt ihn: „Wer bist du?“ Darauf soll er antworten:'''
'''Wort-für-Wort-Übersetzung''': ''saḥ āgacchati'' – er kommt; ''ilyam vṛkṣam'' – zum Baum Ilya; ''tam brahma-gandhaḥ praviśati'' – Brahmans Duft dringt in ihn ein; ''sālajyam saṃsthānam'' – Stadt Salajya; ''brahma-rasaḥ'' – Brahmans Geschmack; ''aparājitam āyatanam'' – Wohnstätte Aparajita; ''brahma-tejaḥ'' – Brahmans Glanz; ''indra-prajāpatī dvāra-gopau'' – Torwächter Indra und Prajapati; ''tau asmāt apadravataḥ'' – beide laufen vor ihm davon; ''vibhu pramitam'' – Halle Vibhu; ''brahma-yaśaḥ'' – Brahmans Herrlichkeit; ''vicakṣaṇām āsandīm'' – Thron Vicakshana; ''bṛhat-rathantare sāmanī'' – Samans Brihat und Rathantara; ''pūrvau pādau'' – vordere Füße; ''śyaita-naudhase'' – Shyaita und Naudhasa; ''aparau'' – hintere; ''vairūpa-vairāje'' – Vairupa und Vairaja; ''anūcye'' – Längsleisten; ''śākvara-raivate'' – Shakvara und Raivata; ''tiraścī'' – Querleisten; ''sā prajñā'' – er ist Erkenntnis; ''prajñayā hi vipaśyati'' – denn durch Erkenntnis sieht man klar; ''amitaujasam paryaṅkam'' – Lager Amitaujas; ''saḥ prāṇaḥ'' – es ist Prana; ''tasya bhūtam ca bhaviṣyat ca'' – dessen Vergangenheit und Zukunft; ''śrīḥ ca irā ca'' – Wohlergehen und Nahrung; ''bhadra-yajñāyajñīye'' – Bhadra und Yajnayajniya; ''śīrṣaṇye'' – Kopfleisten; ''ṛcaḥ ca sāmāni ca'' – Rigverse und Samagesänge; ''prācīna-ātānāni'' – längs gespannte Stränge; ''yajūṃṣi tiraścīnāni'' – Yajusformeln als Querstränge; ''soma-aṃśavaḥ upastaraṇam'' – Somastängel als Unterlage; ''udgīthaḥ apaśrayaḥ'' – Udgitha als Lehne; ''śrīḥ upabarhaṇam'' – Wohlergehen als Kissen; ''tasmin brahma āste'' – darauf sitzt Brahman; ''tam itthaṃ-vit pādena eva agre ārohati'' – wer so weiß, steigt mit dem Fuß voran hinauf; ''tam brahma āha'' – Brahman fragt ihn; ''kaḥ asi'' – wer bist du; ''tam pratibrūyāt'' – ihm soll man antworten.
'''Textanmerkung:''' Bṛhadrathantare anūcye ist in der Edition eingeklammert, wird hier aber als überlieferter Satzteil mit wiedergegeben. Die Samans sind Namen bestimmter Melodien beziehungsweise Gesänge. Das Bettbild stellt eine Verbindung von Veda, Kosmos und Leben her.
'''1.6'''<br>
ṛtur asmi |<br>
ārtavo 'smi |<br>
ākāśād yoneḥ sambhūto bhāyai retaḥ |<br>
saṃvatsarasya tejo bhūtasya bhūtasyātmā |<br>
bhūtasya bhūtasya tvam ātmāsi |<br>
yas tvam asi so 'ham asmīti |<br>
tam āha ko 'ham asmīti |<br>
satyam iti brūyāt |<br>
kiṃ tad yat satyam iti |<br>
yad anyad devebhyaś ca prāṇebhyaś ca tat sat |<br>
atha yad devāś ca prāṇāś ca tat tyaṃ |<br>
tad ekayā vācābhivyāhriyate sattyam iti |<br>
etāvad idaṃ sarvam |<br>
idaṃ sarvam asi |<br>
ity evainaṃ tad āha |<br>
tad etad ṛkślokenābhyuktam ||6||<br>
'''„Ich bin Jahreszeit, ich bin Kind der Jahreszeiten, aus dem Mutterschoß des Raumes entstanden, Same für die Gattin, Glanz des Jahres, Selbst eines jeden Wesens. Du bist das Selbst eines jeden Wesens. Was du bist, das bin ich.“ Er fragt ihn: „Wer bin ich?“ Er soll antworten: „Wahrheit.“ – „Was ist diese Wahrheit?“ – „Was von den Göttern und den Lebenskräften verschieden ist, ist sat; die Götter und Lebenskräfte sind tyam. Beides wird in dem einen Wort sattyam, Wahrheit, ausgesprochen. So umfassend ist dieses All; dieses All bist du.“ So sagt er zu ihm. Dies wird auch in einem Rigvers ausgedrückt:'''
'''Wort-für-Wort-Übersetzung''': ''ṛtuḥ asmi'' – ich bin Jahreszeit; ''ārtavaḥ asmi'' – ich bin Kind der Jahreszeiten; ''ākāśāt yoneḥ sambhūtaḥ'' – aus dem Mutterschoß des Raumes entstanden; ''bhāyai retaḥ'' – Same für die Gattin; ''saṃvatsarasya tejaḥ'' – Glanz des Jahres; ''bhūtasya bhūtasya ātmā'' – Selbst eines jeden Wesens; ''tvam ātmā asi'' – du bist das Selbst; ''yaḥ tvam asi saḥ aham asmi'' – was du bist, das bin ich; ''tam āha'' – er fragt ihn; ''kaḥ aham asmi'' – wer bin ich; ''satyam iti brūyāt'' – er soll Wahrheit sagen; ''kim tat yat satyam'' – was ist diese Wahrheit; ''yat anyat devebhyaḥ ca prāṇebhyaḥ ca'' – was von Göttern und Lebenskräften verschieden ist; ''tat sat'' – das ist sat; ''atha yat devāḥ ca prāṇāḥ ca'' – was die Götter und Lebenskräfte sind; ''tat tyam'' – das ist tyam; ''tat ekayā vācā abhivyāhriyate'' – das wird mit einem Wort ausgesprochen; ''sattyam iti'' – als Wahrheit; ''etāvat idam sarvam'' – so umfassend ist dieses All; ''idam sarvam asi'' – du bist dieses All; ''iti evam enam tat āha'' – so sagt er zu ihm; ''tat etat ṛk-ślokena abhyuktam'' – dies ist durch einen Rigvers ausgedrückt.
'''Textanmerkung:''' Die Silbendeutung sat + tyam ist eine religiöse Deutung, keine historische Wortableitung. Sattyam mit doppeltem t folgt hier der Ausgabe. Bhāyai ist eine seltene beziehungsweise schwierige Lesung gegenüber bhāryāyai in anderen Fassungen.
'''1.7a – Die Gestalt aus Veda'''<br>
yajūdaraḥ sāmaśirā asāv ṛṅmūrtir avyayaḥ |<br>
sa brahmeti sa vijñeya ṛṣir brahmamayo mahān || iti<br>
'''Der Yajur ist sein Bauch, der Sama sein Haupt, der Rig seine Gestalt; er ist unvergänglich. Man erkenne ihn als Brahman, den großen Seher, ganz von Brahman erfüllt.'''
'''Wort-für-Wort-Übersetzung''': ''yajūdaraḥ'' – Yajur als Bauch habend; ''sāma-śirāḥ'' – Sama als Haupt habend; ''asau'' – jener; ''ṛṅ-mūrtiḥ'' – Rig als Gestalt habend; ''avyayaḥ'' – unvergänglich; ''saḥ brahma iti saḥ vijñeyaḥ'' – er ist als Brahman zu erkennen; ''ṛṣiḥ'' – Seher; ''brahma-mayaḥ'' – von Brahman erfüllt; ''mahān'' – groß; ''iti'' – so.
'''Textanmerkung:''' Die Edition kennzeichnet diesen Vers samt seiner Einleitung als eingeklammerten Textbestand. Er wird vollständig mit wiedergegeben.
'''1.7b – Sinne und Erkenntnis'''<br>
tam āha |<br>
kena me pauṃsnāni nāmāny āpnoṣīti |<br>
prāṇeneti brūyāt |<br>
kena napuṃsakānīti |<br>
manaseti |<br>
kena strīnāmānīti |<br>
vāceti |<br>
kena gandhān iti |<br>
ghrāṇeneti |<br>
kena rūpāṇīti |<br>
cakṣuṣeti |<br>
kena śabdān iti |<br>
śrotreṇeti |<br>
kenānnarasān iti |<br>
jihvayeti |<br>
kena karmāṇīti |<br>
hastābhyām iti |<br>
kena sukhaduḥkhe iti |<br>
śarīreṇeti |<br>
kenānandaṃ ratiṃ prajātim ity |<br>
upastheneti |<br>
kenetyā iti |<br>
pādābhyām iti |<br>
kena dhiyo vijñātavyaṃ kāmān iti |<br>
prajñayaiveti brūyāt |<br>
tam āha āpo vai khalu me lokam |<br>
ayaṃ te 'sāv iti |<br>
sā yā brahmaṇo jitir yā vyaṣṭis tāṃ jitiṃ jayati tāṃ vyaṣṭiṃ vyaśnute ya evaṃ veda ya evaṃ veda ||7||<br>
'''Er fragt: „Wodurch erfasst du meine männlichen Namen?“ – „Durch Prana“, soll er antworten. „Wodurch die sächlichen?“ – „Durch den Geist.“ „Wodurch die weiblichen?“ – „Durch die Rede.“ „Wodurch Gerüche?“ – „Durch das Riechorgan.“ „Wodurch Gestalten?“ – „Durch das Auge.“ „Wodurch Töne?“ – „Durch das Ohr.“ „Wodurch Nahrungsgeschmäcke?“ – „Durch die Zunge.“ „Wodurch Handlungen?“ – „Durch die Hände.“ „Wodurch Lust und Leid?“ – „Durch den Körper.“ „Wodurch Wonne, Liebeslust und Zeugung?“ – „Durch das Geschlechtsorgan.“ „Wodurch Bewegung?“ – „Durch die Füße.“ „Wodurch Gedanken, das zu Erkennende und Wünsche?“ – „Durch Erkenntnis“, soll er antworten. Er sagt zu ihm: „Die Wasser sind meine Welt; jene Welt ist nun dein.“ Welche Errungenschaft und Ausbreitung Brahmans es gibt, diese Errungenschaft gewinnt und diese Ausbreitung erreicht, wer so weiß, wer so weiß.'''
'''Wort-für-Wort-Übersetzung''': ''tam āha'' – er fragt ihn; ''kena'' – durch was; ''me'' – meine; ''pauṃsnāni nāmāni'' – männliche Namen; ''āpnoṣi'' – erfasst du; ''prāṇena'' – durch Prana; ''iti brūyāt'' – so soll er antworten; ''napuṃsakāni'' – sächliche; ''manasā'' – durch den Geist; ''strī-nāmāni'' – weibliche Namen; ''vācā'' – durch die Rede; ''gandhān'' – Gerüche; ''ghrāṇena'' – durch das Riechorgan; ''rūpāṇi'' – Gestalten; ''cakṣuṣā'' – durch das Auge; ''śabdān'' – Töne; ''śrotreṇa'' – durch das Ohr; ''anna-rasān'' – Nahrungsgeschmäcke; ''jihvayā'' – durch die Zunge; ''karmāṇi'' – Handlungen; ''hastābhyām'' – durch die Hände; ''sukha-duḥkhe'' – Lust und Leid; ''śarīreṇa'' – durch den Körper; ''ānandam'' – Wonne; ''ratim'' – Liebeslust; ''prajātim'' – Zeugung; ''upasthena'' – durch das Geschlechtsorgan; ''ityāḥ'' – Bewegungen; ''pādābhyām'' – durch die Füße; ''dhiyaḥ'' – Gedanken; ''vijñātavyam'' – das zu Erkennende; ''kāmān'' – Wünsche; ''prajñayā eva'' – durch Erkenntnis; ''āpaḥ vai khalu'' – Wasser wahrlich; ''me lokam'' – meine Welt; ''ayam te asau'' – jene ist dein; ''sā yā brahmaṇaḥ jitiḥ'' – welche Errungenschaft Brahmans; ''yā vyaṣṭiḥ'' – welche Ausbreitung; ''tām jitim jayati'' – diese Errungenschaft gewinnt er; ''tām vyaṣṭim vyaśnute'' – diese Ausbreitung erreicht er; ''yaḥ evam veda'' – wer so weiß.
'''Textanmerkung:''' Die Schlussantwort über die Wasser ist syntaktisch auffällig; die Wiedergabe folgt dem in den Übersetzungen erkennbaren Zusammenhang. Pauṃsnāni ist die von der Edition gebotene Form.
'''Abschluss des ersten Adhyaya'''<br>
iti ṛgvedāntargatakauṣītakibrāhmaṇāraṇyakopaniṣadi prathamo'dhyāyaḥ ||<br>
'''Hier endet das erste Kapitel der zum Rigveda gehörenden Kaushitaki-Brahmana-Aranyaka-Upanishad.'''
'''Wort-für-Wort-Übersetzung''': ''iti'' – hiermit; ''ṛgveda-antargata'' – zum Rigveda gehörend; ''kauṣītaki-brāhmaṇa-āraṇyaka-upaniṣadi'' – in der Kaushitaki-Brahmana-Aranyaka-Upanishad; ''prathamaḥ adhyāyaḥ'' – erstes Kapitel.
=== Zweiter Adhyaya – Prana, Verehrung und inneres Opfer ===
'''2.1'''<br>
prāṇo brahmeti ha smāha kauṣītakiḥ |<br>
tasya ha vā etasya prāṇasya brahmaṇo mano dūtam |<br>
cakṣur goptṛ |<br>
śrotraṃ saṃśrāvayitṛ |<br>
vāk pariveṣṭrī sa yo ha vā etasya prāṇasya brahmaṇo mano dūtam veda dūtavān bhavati |<br>
yaś cakṣur goptṛ goptṛmān bhavati |<br>
yaḥ śrotraṃ saṃśrāvayitṛ saṃśrāvayitṛmān bhavati |<br>
yo vācaṃ pariveṣṭrīm pariveṣṭrīmān bhavati tasmai vā etasmai prāṇāya brahmaṇa etāḥ sarvā devatā ayācamānāya baliṃ haranti |<br>
evaṃ haivāsmai sarvāṇi bhūtāny ayācamānāyaiva baliṃ haranti ya evaṃ veda |<br>
tasyopaniṣan na yāced iti |<br>
tad yathā grāmaṃ bhikṣitvā 'labdhvopaviśen nāham ato dattam aśnīyām iti |<br>
ya evainaṃ purastāt pratyācakṣīraṃsta evainam upamantrayante dadāma ta iti |<br>
eṣa dharmo 'yācato bhavati |<br>
annadās tv evainam upamantrayante dadāma ta iti ||1||<br>
'''„Prana ist Brahman“, lehrte Kaushitaki. Dieses Prana-Brahman hat den Geist als Boten, das Auge als Wächter, das Ohr als Anmelder und die Rede als Aufwärterin. Wer den Geist als seinen Boten kennt, hat einen Boten; wer das Auge als Wächter kennt, hat einen Wächter; wer das Ohr als Anmelder kennt, hat einen Anmelder; wer die Rede als Aufwärterin kennt, hat eine Aufwärterin. Alle diese Gottheiten bringen diesem Prana-Brahman Gaben, ohne dass es darum bittet. Ebenso bringen alle Wesen dem, der so weiß, unaufgefordert Gaben. Seine geheime Unterweisung lautet: Er soll nicht bitten. Wenn er in einem Dorf Almosen gesucht und nichts erhalten hat, setze er sich mit dem Entschluss: „Ich werde nichts essen, was hier gegeben wird.“ Gerade diejenigen, die ihn vorher abgewiesen haben, laden ihn nun ein: „Wir wollen dir geben.“ Dies ist die Ordnung für den Nichtbittenden: Die Nahrungsspender selbst laden ihn ein: „Wir wollen dir geben.“'''
'''Wort-für-Wort-Übersetzung''': ''prāṇaḥ brahma'' – Prana ist Brahman; ''iti ha sma āha kauṣītakiḥ'' – so lehrte Kaushitaki; ''tasya etasya prāṇasya brahmaṇaḥ'' – dieses Prana-Brahman; ''manaḥ dūtam'' – Geist als Bote; ''cakṣuḥ goptṛ'' – Auge als Wächter; ''śrotram saṃśrāvayitṛ'' – Ohr als Anmelder; ''vāk pariveṣṭrī'' – Rede als Aufwärterin; ''yaḥ veda'' – wer kennt; ''dūtavān bhavati'' – hat einen Boten; ''goptṛmān'' – hat einen Wächter; ''saṃśrāvayitṛmān'' – hat einen Anmelder; ''pariveṣṭrīmān'' – hat eine Aufwärterin; ''tasmai prāṇāya brahmaṇe'' – diesem Prana-Brahman; ''etāḥ sarvāḥ devatāḥ'' – alle diese Gottheiten; ''ayācamānāya'' – dem Nichtbittenden; ''balim haranti'' – bringen Gaben; ''evam ha eva'' – ebenso; ''asmai sarvāṇi bhūtāni'' – ihm alle Wesen; ''yaḥ evam veda'' – wer so weiß; ''tasya upaniṣat'' – seine geheime Unterweisung; ''na yācet'' – er soll nicht bitten; ''grāmam bhikṣitvā'' – im Dorf Almosen gesucht habend; ''alabdhvā'' – nichts erlangt habend; ''upaviśet'' – er setze sich; ''na aham ataḥ dattam aśnīyām'' – ich werde nichts hier Gegebenes essen; ''ye enam purastāt pratyācakṣīran'' – die ihn vorher abgewiesen haben; ''te enam upamantrayante'' – sie laden ihn ein; ''dadāma te'' – wir wollen dir geben; ''eṣaḥ dharmaḥ ayācataḥ bhavati'' – dies ist die Ordnung des Nichtbittenden; ''anna-dāḥ'' – Nahrungsspender.
'''2.2'''<br>
prāṇo brahmeti ha smāha paiṅgyaḥ |<br>
tasya vā etasya brahmaṇo vākparastāc cakṣur ārunddhe |<br>
cakṣuḥparastāc chrotram ārunddhe |<br>
śrotraparastān mana ārunddhe |<br>
manaḥparastāt prāṇa ārunddhe |<br>
tasmai vā etasmai prāṇāya brahmaṇa etāḥ sarvā devatā ayācamānāyaiva baliṃ haranti |<br>
evaṃ haivāsmai sarvāṇi bhūtāny ayācamānāyaiva baliṃ haranti ya evaṃ veda |<br>
tasyopaniṣan na yāced iti |<br>
tad yathā grāmaṃ bhikṣitvā 'labdhvopaviśen nāham ato dattam aśnīyām iti |<br>
ya evainaṃ purastāt pratyācakṣīraṃsta evainam upamantrayante dadāma ta iti |<br>
eṣa dharmo 'yācato bhavati |<br>
annadās tv evainam upamantrayante dadāma ta iti ||2||<br>
'''„Prana ist Brahman“, lehrte Paingya. Bei diesem Brahman schließt das Auge die Rede von außen ein, das Ohr schließt das Auge ein, der Geist schließt das Ohr ein, und Prana schließt den Geist ein. Alle diese Gottheiten bringen diesem Prana-Brahman unaufgefordert Gaben. Ebenso bringen alle Wesen dem, der so weiß, unaufgefordert Gaben. Seine geheime Unterweisung lautet: Er soll nicht bitten. Wenn er in einem Dorf Almosen gesucht und nichts erhalten hat, setze er sich mit dem Entschluss: „Ich werde nichts essen, was hier gegeben wird.“ Gerade diejenigen, die ihn vorher abgewiesen haben, laden ihn ein: „Wir wollen dir geben.“ Dies ist die Ordnung des Nichtbittenden: Die Nahrungsspender selbst laden ihn ein: „Wir wollen dir geben.“'''
'''Wort-für-Wort-Übersetzung''': ''prāṇaḥ brahma'' – Prana ist Brahman; ''iti ha sma āha paiṅgyaḥ'' – so lehrte Paingya; ''tasya etasya brahmaṇaḥ'' – bei diesem Brahman; ''vāk-parastāt'' – außerhalb der Rede; ''cakṣuḥ ārunddhe'' – das Auge schließt ein; ''cakṣuḥ-parastāt'' – außerhalb des Auges; ''śrotram ārunddhe'' – das Ohr schließt ein; ''śrotra-parastāt'' – außerhalb des Ohres; ''manaḥ ārunddhe'' – der Geist schließt ein; ''manaḥ-parastāt'' – außerhalb des Geistes; ''prāṇaḥ ārunddhe'' – Prana schließt ein; ''tasmai prāṇāya brahmaṇe'' – diesem Prana-Brahman; ''etāḥ sarvāḥ devatāḥ'' – alle diese Gottheiten; ''ayācamānāya eva'' – gerade dem Nichtbittenden; ''balim haranti'' – bringen Gaben; ''evam asmai sarvāṇi bhūtāni'' – ebenso ihm alle Wesen; ''yaḥ evam veda'' – wer so weiß; ''tasya upaniṣat'' – seine geheime Unterweisung; ''na yācet'' – er soll nicht bitten; ''grāmam bhikṣitvā'' – im Dorf Almosen gesucht habend; ''alabdhvā'' – nichts erlangt habend; ''upaviśet'' – er setze sich; ''na aham ataḥ dattam aśnīyām'' – ich werde nichts hier Gegebenes essen; ''ye enam purastāt pratyācakṣīran'' – die ihn vorher abgewiesen haben; ''te enam upamantrayante'' – sie laden ihn ein; ''dadāma te'' – wir wollen dir geben; ''eṣaḥ dharmaḥ ayācataḥ bhavati'' – dies ist die Ordnung des Nichtbittenden; ''anna-dāḥ'' – Nahrungsspender.
'''Textanmerkung:''' Dieser vollständige Abschnitt fehlt in der verbreiteten Sanskrit-Documents-Fassung. Er ist in der hier verwendeten Edition enthalten. Ārunddhe bezeichnet das Umfassen oder Einschließen der jeweils vorangehenden Kraft.
'''2.3a – Erlangen eines bestimmten Gutes'''<br>
athāta ekadhanāvarodhanam |<br>
yad ekadhanam abhidhyāyāt paurṇamāsyāṃ vāmāvāsyāṃ vā śuddhapakṣe vā puṇye nakṣatre 'gnim upasamādhāya parisamūhya paristīrya paryukṣya utpūya dakṣiṇaṃ jānv ācya sruveṇa vā camasena vā kaṃsena vaitā ājyāhutīr juhoti |<br>
'''Nun das Erlangen eines bestimmten Gutes. Wenn man ein bestimmtes Gut begehrt, entzünde man bei Vollmond, Neumond oder in der hellen Monatshälfte unter einem günstigen Mondhaus das Feuer, reinige ringsum, streue Gras aus, besprenge, läutere, beuge das rechte Knie und bringe mit Opferlöffel, Becher oder Metallgefäß diese Ghee-Opfer dar:'''
'''Wort-für-Wort-Übersetzung''': ''atha ataḥ'' – nun; ''eka-dhana-avarodhanam'' – Erlangen eines bestimmten Gutes; ''yat eka-dhanam abhidhyāyāt'' – wenn man ein bestimmtes Gut begehrt; ''paurṇamāsyām'' – bei Vollmond; ''amāvāsyām'' – bei Neumond; ''śuddha-pakṣe'' – in der hellen Monatshälfte; ''vā'' – oder; ''puṇye nakṣatre'' – unter einem günstigen Mondhaus; ''agnim upasamādhāya'' – Feuer entzündend; ''parisamūhya'' – ringsum reinigend; ''paristīrya'' – Gras ausstreuend; ''paryukṣya'' – besprengend; ''utpūya'' – läuternd; ''dakṣiṇam jānu ācya'' – das rechte Knie beugend; ''sruveṇa'' – mit Opferlöffel; ''camasena'' – mit Becher; ''kaṃsena'' – mit Metallgefäß; ''etāḥ ājya-āhutīḥ juhoti'' – bringt diese Ghee-Opfer dar.
'''2.3b – Die sechs Opferformeln'''<br>
vāṅ nāma devatāvarodhanī sā me 'muṣmād idam avarundhyāt tasyai svāhā |<br>
prāṇo nāma devatāvarodhanī sā me 'muṣmād idam avarundhyāt tasyai svāhā |<br>
cakṣur nāma devatāvarodhanī sā me 'muṣmād idam avarundhyāt tasyai svāhā |<br>
śrotraṃ nāma devatāvarodhanī sā me 'muṣmād idam avarundhyāt tasyai svāhā |<br>
mano nāma devatāvarodhanī sā me 'muṣmād idam avarundhyāt tasyai svāhā |<br>
prajñā nāma devatāvarodhanī sā me 'muṣmād idam avarundhyāt tasyai svāhā |<br>
'''„Rede heißt die gewinnende Gottheit; sie möge mir dieses von jenem verschaffen. Ihr: Svaha! Prana heißt die gewinnende Gottheit; sie möge mir dieses von jenem verschaffen. Ihr: Svaha! Auge heißt die gewinnende Gottheit; sie möge mir dieses von jenem verschaffen. Ihr: Svaha! Ohr heißt die gewinnende Gottheit; sie möge mir dieses von jenem verschaffen. Ihr: Svaha! Geist heißt die gewinnende Gottheit; sie möge mir dieses von jenem verschaffen. Ihr: Svaha! Erkenntnis heißt die gewinnende Gottheit; sie möge mir dieses von jenem verschaffen. Ihr: Svaha!“'''
'''Wort-für-Wort-Übersetzung''': ''vāk'' – Rede; ''prāṇaḥ'' – Prana; ''cakṣuḥ'' – Auge; ''śrotram'' – Ohr; ''manaḥ'' – Geist; ''prajñā'' – Erkenntnis; ''nāma'' – namens, heißt; ''devatā avarodhanī'' – gewinnende Gottheit; ''sā'' – sie; ''me'' – mir; ''amuṣmāt'' – von jenem; ''idam'' – dieses; ''avarundhyāt'' – möge verschaffen; ''tasyai'' – ihr; ''svāhā'' – Opferruf Svaha.
'''Textanmerkung:''' Die sechs Formeln folgen demselben Satzbau. „Dieses“ und „jener“ beziehen sich auf den begehrten Gegenstand und dessen Besitzer; der Text setzt hier keine Eigennamen ein.
'''2.3c – Abschluss der Handlung'''<br>
ity atha dhūmagandhaṃ prajighrāyājyalepenāṅgāny anuvimṛjya vācaṃyamo 'bhipravrajyārthaṃ brūyād dūtaṃ vā prahiṇuyāt |<br>
labhate haiva ||3||<br>
'''Dann rieche er den Rauchduft, bestreiche die Glieder mit Ghee, gehe schweigend hin und trage sein Anliegen vor oder sende einen Boten. Er erlangt es, so lautet die Verheißung.'''
'''Wort-für-Wort-Übersetzung''': ''iti atha'' – dann; ''dhūma-gandham prajighrāya'' – Rauchduft riechend; ''ājya-lepena aṅgāni anuvimṛjya'' – Glieder mit Ghee bestreichend; ''vācaṃ-yamaḥ'' – schweigend; ''abhipravrajya'' – hingehend; ''artham brūyāt'' – er trage sein Anliegen vor; ''dūtam vā prahiṇuyāt'' – oder sende einen Boten; ''labhate ha eva'' – er erlangt es.
'''2.4'''<br>
athāto daivaḥ smaraḥ |<br>
yasya priyo bubhūṣed yasyai vā yeṣāṃ vā yāsāṃ vaiteṣām evaikasmin parvaṇy agnim upasamādhāyaitayaivāvṛtaitā ājyāhutīr juhoti |<br>
vācam te mayi juhomy asau svāhā |<br>
prāṇaṃ te mayi juhomy asau svāhā |<br>
cakṣus te mayi juhomy asau svāhā |<br>
śrotraṃ te mayi juhomy asau svāhā |<br>
manas te mayi juhomy asau svāhā |<br>
prajñāṃ te mayi juhomy asau svāhā |<br>
ityatha dhūmagandhaṃ prajighrāyājyalepenāṅgāny anuvimṛjya vācaṃyamo 'bhipravrajya saṃsparśaṃ jigamiṣet |<br>
api vātād vā tiṣṭhet sambhāṣamāṇaḥ |<br>
priyo haiva bhavati smaranti haivāsya ||4||<br>
'''Nun die durch die Gottheiten bewirkte Zuneigung. Wenn man einem Mann, einer Frau, Männern oder Frauen lieb werden möchte, entzünde man zu einem der genannten Zeitpunkte das Feuer und bringe in derselben Weise diese Ghee-Opfer dar: „Deine Rede opfere ich in mich, du da, Svaha! Deinen Prana opfere ich in mich, du da, Svaha! Dein Auge opfere ich in mich, du da, Svaha! Dein Ohr opfere ich in mich, du da, Svaha! Deinen Geist opfere ich in mich, du da, Svaha! Deine Erkenntnis opfere ich in mich, du da, Svaha!“ Dann rieche man den Rauchduft, bestreiche die Glieder mit Ghee, gehe schweigend hin und suche Berührung; oder man stehe sprechend auf der Windseite. Man wird lieb und sie gedenken seiner, so die Verheißung.'''
'''Wort-für-Wort-Übersetzung''': ''atha ataḥ'' – nun; ''daivaḥ smaraḥ'' – durch Gottheiten bewirkte Zuneigung; ''yasya priyaḥ bubhūṣet'' – wem man lieb werden möchte; ''yasyai vā'' – oder welcher Frau; ''yeṣām vā'' – oder welchen Männern; ''yāsām vā'' – oder welchen Frauen; ''eteṣām ekasmin parvaṇi'' – zu einem dieser Zeitpunkte; ''agnim upasamādhāya'' – Feuer entzündend; ''etayā eva āvṛtā'' – in derselben Weise; ''etāḥ ājya-āhutīḥ juhoti'' – bringt diese Ghee-Opfer dar; ''vācam'' – Rede; ''prāṇam'' – Prana; ''cakṣuḥ'' – Auge; ''śrotram'' – Ohr; ''manaḥ'' – Geist; ''prajñām'' – Erkenntnis; ''te'' – deine; ''mayi juhomi'' – opfere ich in mich; ''asau'' – du da, Stelle für den Namen; ''svāhā'' – Opferruf; ''dhūma-gandham prajighrāya'' – Rauchduft riechend; ''ājya-lepena aṅgāni anuvimṛjya'' – Glieder mit Ghee bestreichend; ''vācaṃ-yamaḥ'' – schweigend; ''abhipravrajya'' – hingehend; ''saṃsparśam jigamiṣet'' – suche Berührung; ''api vātāt vā tiṣṭhet sambhāṣamāṇaḥ'' – oder stehe sprechend auf der Windseite; ''priyaḥ ha eva bhavati'' – wird lieb; ''smaranti ha eva asya'' – sie gedenken seiner.
'''Textanmerkung:''' Dieser Abschnitt beschreibt ein historisches Anziehungsritual. Für heutige Beziehungen sind freiwillige Zuwendung und die Grenzen der anderen Person maßgeblich.
'''2.5'''<br>
athātaḥ saṃyamanaṃ prātardanam āntaram agnihotram iti cācakṣate |<br>
yāvad vai puruṣo bhāṣate na tāvat prāṇituṃ śaknoti |<br>
prāṇaṃ tadā vāci juhoti |<br>
yāvad vai puruṣaḥ prāṇiti na tāvad bhāṣituṃ śaknoti |<br>
vācaṃ tadā prāṇe juhoti |<br>
ete anante amṛte āhutī jāgrac ca svapaṃś ca santataṃ avyavacchinnaṃ juhoti |<br>
atha yā anyā āhutayo 'ntavatyas tāḥ karmamayyo hi bhavanti |<br>
etad dha vai pūrve vidvāṃso 'gnihotraṃ na juhavāñ cakruḥ ||5||<br>
'''Nun die Sammlung nach Pratardana, die man auch das innere Agnihotra nennt. Solange ein Mensch spricht, kann er nicht einatmen; dann opfert er Prana in die Rede. Solange er atmet, kann er nicht sprechen; dann opfert er die Rede in Prana. Diese beiden unbegrenzten, unvergänglichen Opfer bringt er wachend und schlafend fortwährend und ohne Unterbrechung dar. Die anderen Opfer hingegen sind begrenzt, denn sie bestehen aus vollzogenen Handlungen. Deshalb brachten die früheren Wissenden das [äußere] Agnihotra nicht dar.'''
'''Wort-für-Wort-Übersetzung''': ''atha ataḥ'' – nun; ''saṃyamanam'' – Sammlung; ''prātardanam'' – nach Pratardana; ''āntaram agnihotram'' – inneres Agnihotra; ''iti ca ācakṣate'' – so nennt man es auch; ''yāvat vai puruṣaḥ bhāṣate'' – solange der Mensch spricht; ''na tāvat prāṇitum śaknoti'' – kann er nicht einatmen; ''prāṇam tadā vāci juhoti'' – dann opfert er Prana in die Rede; ''yāvat puruṣaḥ prāṇiti'' – solange der Mensch atmet; ''na tāvat bhāṣitum śaknoti'' – kann er nicht sprechen; ''vācam tadā prāṇe juhoti'' – dann opfert er Rede in Prana; ''ete anante amṛte āhutī'' – diese beiden unbegrenzten unvergänglichen Opfer; ''jāgrat ca svapan ca'' – wachend und schlafend; ''santatam avyavacchinnam'' – fortwährend ununterbrochen; ''juhoti'' – opfert; ''atha yāḥ anyāḥ āhutayaḥ'' – die anderen Opfer; ''antavatyaḥ'' – begrenzt; ''tāḥ karma-mayyaḥ hi bhavanti'' – denn sie bestehen aus Handlungen; ''etat ha vai'' – deshalb; ''pūrve vidvāṃsaḥ'' – die früheren Wissenden; ''agnihotram na juhavāñ cakruḥ'' – brachten das Agnihotra nicht dar.
'''Textanmerkung:''' Das ausdrücklich überlieferte na im letzten Satz ist wichtig: Die innere Opferdeutung begründet hier das Unterlassen des äußeren Agnihotra. Die Beschreibung der Atembewegung ist eine rituelle Betrachtung, keine genaue moderne Sprechphysiologie.
'''2.6'''<br>
ukthaṃ brahmeti ha smāha śuṣkabhṛṅgāraḥ |<br>
tad ṛg ity upāsīta |<br>
sarvāṇi hāsmai bhūtāni śraiṣṭhyāyābhyarcante |<br>
tad yajur ity upāsīta |<br>
sarvāṇi hāsmai bhūtāni śraiṣṭhyāya yujyante |<br>
tat sāmety upāsīta |<br>
sarvāṇi hāsmai bhūtāni śraiṣṭhyāya sannamante |<br>
tac chrīr ity upāsīta |<br>
tad yaśa ity upāsīta |<br>
tat teja ity upāsīta |<br>
tad yathaitac chastrāṇāṃ śrīmattamaṃ yaśasvitamaṃ tejasvitamaṃ bhavati tatho evaivaṃ vidvān sarveṣāṃ bhūtānāṃ śrīmattamo yaśasvitamas tejasvitamo bhavati |<br>
tad etad aiṣṭikaṃ karmamayam ātmānam adhvaryuḥ saṃskaroti |<br>
tasmin yajurmayaṃ pravayati |<br>
yajurmaya ṛṅmayaṃ hotā |<br>
ṛṅmaye sāmamayam udgātā |<br>
sa eṣa trayyai vidyāyā ātmā |<br>
eṣa u evaitad indrasyātmā bhavati ya evaṃ veda ||6||<br>
'''„Das Uktha ist Brahman“, lehrte Shushkabhringara. Man verehre es als Rig: Alle Wesen ehren einen zu höchstem Rang. Man verehre es als Yajur: Alle Wesen verbinden sich einem zu höchstem Rang. Man verehre es als Saman: Alle Wesen neigen sich einem zu höchstem Rang. Man verehre es als Wohlergehen, Ruhm und Glanz. Wie dieses unter den Rezitationen das reichste an Wohlergehen, Ruhm und Glanz ist, so wird der so Wissende unter allen Wesen der reichste an Wohlergehen, Ruhm und Glanz. Der Adhvaryu bereitet dieses aus Ziegeln und Handlung bestehende Selbst. In dieses webt er das aus Yajus Bestehende; in das aus Yajus Bestehende webt der Hotar das aus Rig Bestehende; in das aus Rig Bestehende der Udgatar das aus Saman Bestehende. Dies ist das Selbst der dreifachen Veda-Erkenntnis. Dieses wird Indras Selbst für den, der so weiß.'''
'''Wort-für-Wort-Übersetzung''': ''uktham brahma'' – Uktha ist Brahman; ''iti ha sma āha śuṣkabhṛṅgāraḥ'' – so lehrte Shushkabhringara; ''tat ṛk iti upāsīta'' – man verehre es als Rig; ''sarvāṇi asmai bhūtāni'' – ihm alle Wesen; ''śraiṣṭhyāya'' – zu höchstem Rang; ''abhyarcante'' – ehren; ''tat yajuḥ iti upāsīta'' – man verehre es als Yajur; ''yujyante'' – verbinden sich; ''tat sāma iti upāsīta'' – man verehre es als Saman; ''sannamante'' – neigen sich; ''śrīḥ'' – Wohlergehen; ''yaśaḥ'' – Ruhm; ''tejaḥ'' – Glanz; ''tat yathā'' – wie dieses; ''śastrāṇām'' – unter den Rezitationen; ''śrīmattamam'' – am reichsten an Wohlergehen; ''yaśasvitamam'' – am ruhmreichsten; ''tejasvitamam'' – am glanzvollsten; ''bhavati'' – ist, wird; ''tathā eva evam vidvān'' – so der so Wissende; ''sarveṣām bhūtānām'' – unter allen Wesen; ''tat etat aiṣṭikam karma-mayam ātmānam'' – dieses aus Ziegeln und Handlung bestehende Selbst; ''adhvaryuḥ saṃskaroti'' – der Adhvaryu bereitet; ''tasmin yajur-mayam pravayati'' – in dieses webt er das aus Yajus Bestehende; ''yajur-maye ṛṅ-mayam hotā'' – in das aus Yajus Bestehende der Hotar das aus Rig Bestehende; ''ṛṅ-maye sāma-mayam udgātā'' – in das aus Rig Bestehende der Udgatar das aus Saman Bestehende; ''saḥ eṣaḥ trayyai vidyāyāḥ ātmā'' – das ist das Selbst der dreifachen Erkenntnis; ''eṣaḥ u eva etat indrasya ātmā bhavati'' – dieses wird Indras Selbst; ''yaḥ evam veda'' – wer so weiß.
'''Textanmerkung:''' Die Deutungen von Rig, Yajur und Saman spielen mit den Verben arc, yuj und nam. Die Form yajurmaya steht in der Vorlage vor ṛṅmayam; der Zusammenhang verlangt eine lokale Zuordnung zu yajurmaye.
'''2.7'''<br>
athātaḥ sarvajitaḥ kauṣītakes trīṇy upāsanāni bhavanti |<br>
sarvajid dha sma kauṣītakir udyantam ādityam upatiṣṭhate yajñopavītaṃ kṛtvodakam ānīya triḥ prasicyodapātraṃ |<br>
vargo 'si pāpmānaṃ me vṛṅdhīti |<br>
etayaivāvṛtā madhye santam udvargo 'si pāpmānaṃ ma udvṛṅdhīti |<br>
etayaivāvṛtāstaṃ yantaṃ saṃvargo 'si pāpmānaṃ me saṃvṛṅdhīti |<br>
tad yad ahorātrābhyāṃ pāpam akarot saṃ sma tad vṛṅkte |<br>
tatho evaivaṃ vidvān etayaivāvṛtādityam upatiṣṭheta |<br>
yad ahorātrābhyāṃ pāpaṃ karoti saṃ tad vṛṅkte ||7||<br>
'''Nun die drei Verehrungen des allbezwingenden Kaushitaki. Sarvajit Kaushitaki verehrte die aufgehende Sonne, nachdem er die Opferschnur angelegt, Wasser gebracht und dreimal das Wassergefäß besprengt hatte: „Du bist der Entferner; entferne mein Unheilsames!“ Ebenso verehrte er sie in der Mitte des Tages: „Du bist der Hinaufentferner; entferne mein Unheilsames hinauf!“ Ebenso die untergehende: „Du bist der Zusammenentferner; entferne mein Unheilsames vollständig!“ Was er bei Tag und Nacht an Unheilsamem getan hatte, entfernte er so. Ebenso soll der so Wissende die Sonne auf diese Weise verehren. Was er bei Tag und Nacht an Unheilsamem tut, entfernt er damit.'''
'''Wort-für-Wort-Übersetzung''': ''atha ataḥ'' – nun; ''sarvajitaḥ kauṣītakeḥ'' – des allbezwingenden Kaushitaki; ''trīṇi upāsanāni bhavanti'' – es gibt drei Verehrungen; ''sarvajit kauṣītakiḥ'' – Sarvajit Kaushitaki; ''udyantam ādityam upatiṣṭhate'' – verehrt die aufgehende Sonne; ''yajñopavītam kṛtvā'' – die Opferschnur anlegend; ''udakam ānīya'' – Wasser bringend; ''triḥ prasicya uda-pātram'' – dreimal das Wassergefäß besprengend; ''vargaḥ asi'' – du bist der Entferner; ''pāpmānam me vṛṅdhi'' – entferne mein Unheilsames; ''etayā eva āvṛtā'' – auf dieselbe Weise; ''madhye santam'' – in der Mitte des Tages befindlich; ''udvargaḥ asi'' – du bist der Hinaufentferner; ''udvṛṅdhi'' – entferne hinauf; ''astam yantam'' – die untergehende; ''saṃvargaḥ asi'' – du bist der Zusammenentferner; ''saṃvṛṅdhi'' – entferne vollständig; ''yat aho-rātrābhyām pāpam akarot'' – was er bei Tag und Nacht an Unheilsamem tat; ''sam sma tat vṛṅkte'' – entfernte er so; ''tathā eva evam vidvān'' – ebenso der so Wissende; ''ādityam upatiṣṭheta'' – soll die Sonne verehren; ''karoti'' – tut; ''sam tat vṛṅkte'' – entfernt dieses.
'''Textanmerkung:''' Sma ist in der Edition als Ergänzung markiert und hier mit wiedergegeben. Die Wortwahl der drei Anrufungen bildet bewusst eine Reihe aus demselben Verbstamm.
'''2.8a – Verehrung bei Neumond'''<br>
atha māsi māsy amāvāsyāyāṃ paścāc candramasaṃ dṛśyamānam upatiṣṭhetaitayaivāvṛtā haritatṛṇe vā pratyasyati |<br>
'''Monat für Monat verehre man bei Neumond den im Westen sichtbaren Mond in derselben Weise; oder man werfe ihm zwei grüne Grashalme entgegen.'''
'''Wort-für-Wort-Übersetzung''': ''atha'' – ferner; ''māsi māsi'' – Monat für Monat; ''amāvāsyāyām'' – bei Neumond; ''paścāt'' – im Westen; ''candramasam dṛśyamānam'' – den sichtbaren Mond; ''upatiṣṭhet'' – man verehre; ''etayā eva āvṛtā'' – in derselben Weise; ''harita-tṛṇe vā'' – oder zwei grüne Grashalme; ''pratyasyati'' – wirft entgegen.
'''2.8a – Die Bitte für die Kinder'''<br>
yan me susamid hṛdayam adhi candramasi śritaṃ |<br>
manye 'haṃ māṃ tad vidvāṃsaṃ māhaṃ putryam aghaṃ rudam ||<br>
'''„Mein gut entflammtes Herz, das im Mond ruht, dieses glaube ich zu kennen. Möge ich kein Leid um ein Kind beweinen!“'''
'''Wort-für-Wort-Übersetzung''': ''yat me susamit hṛdayam'' – mein gut entflammtes Herz; ''adhi candramasi śritam'' – das im Mond ruht; ''manye aham mām tat vidvāṃsam'' – ich glaube mich dieses kennend; ''mā aham putryam agham rudam'' – möge ich kein Leid um ein Kind beweinen.
'''Textanmerkung:''' Die Lesung susamid wird als „gut entflammt“ aufgefasst. Andere Fassungen und Übersetzungen bieten hier andere Wortgestalten.
'''2.8a – Verheißung'''<br>
iti na hy asmāt pūrvā prajāḥ praitīti ||8a||<br>
'''Seine Kinder scheiden dann nicht vor ihm dahin, so heißt es.'''
'''Wort-für-Wort-Übersetzung''': ''iti'' – so; ''na hi asmāt pūrvāḥ prajāḥ praiti'' – die Kinder scheiden nicht vor ihm dahin.
'''2.8b – Die Gattin'''<br>
atha saṃvekṣyañ jāyāyai hṛdayam abhimṛśet |<br>
'''Wenn er mit seiner Gattin zusammenliegen will, berühre er ihr Herz:'''
'''Wort-für-Wort-Übersetzung''': ''atha'' – ferner; ''saṃvekṣyan'' – zusammenliegen wollend; ''jāyāyai'' – der Gattin; ''hṛdayam abhimṛśet'' – er berühre das Herz.
'''2.8b – Bitte für die Mutter'''<br>
yat te suśīme hṛdayaṃ śritam antaḥ prajāpatau |<br>
tenāmṛtatvasyeśāne mā tvaṃ putryam aghaṃ nigāḥ ||<br>
'''„Dein Herz, Schönhaarige, das in Prajapati ruht: Durch dieses mögest du, Herrin der Unsterblichkeit, kein Leid um ein Kind erfahren!“'''
'''Wort-für-Wort-Übersetzung''': ''yat te hṛdayam'' – dein Herz, das; ''suśīme'' – Schönhaarige; ''śritam antaḥ prajāpatau'' – in Prajapati ruht; ''tena'' – durch dieses; ''amṛtatvasya īśāne'' – Herrin der Unsterblichkeit; ''mā tvam putryam agham nigāḥ'' – mögest du kein Leid um ein Kind erfahren.
'''2.8b – Verheißung'''<br>
iti na hy asyāḥ pūrvā prajāḥ praitīti ||8b||<br>
'''Ihre Kinder scheiden dann nicht vor ihr dahin, so heißt es.'''
'''Wort-für-Wort-Übersetzung''': ''iti'' – so; ''na hi asyāḥ pūrvāḥ prajāḥ praiti'' – ihre Kinder scheiden nicht vor ihr dahin.
'''Textanmerkung:''' Dieser Abschnitt entspricht 2.10 in vielen anderen Ausgaben; Ježic stellt ihn als 2.8b zu der vorausgehenden Bitte.
'''2.8c_(8)'''<br>
iti nu jātaputrasya ||<br>
athājātaputrasya |<br>
ā pyāyasva sam etu te |<br>
saṃ te payāṃsi sam u yantu vājāḥ |<br>
yam ādityā aṃśum āpyāyayanti |<br>
iti |<br>
etās tisra ṛco japitvā māsmākaṃ prāṇena prajayā paśubhir āpyāyiṣṭhāḥ |<br>
yo 'smān dveṣṭi yaṃ ca vayaṃ dviṣmas tasya prāṇena prajayā paśubhir āpyāyasveti |<br>
aindrīm āvṛtam āvarte |<br>
ādityasyāvṛtam anvāvarte |<br>
iti dakṣiṇaṃ bāhum anvāvartate ||8c||<br>
'''So gilt es für den, dem bereits ein Sohn geboren ist. Nun für den, dem noch kein Sohn geboren ist: Er rezitiere die drei Rigverse, beginnend „Schwelle an, es möge sich dir vereinen“, „Dir mögen Milch und Kräfte gemeinsam zukommen“ und „Den Strahl, den die Adityas anschwellen lassen“. Dann spreche er: „Schwelle nicht durch unser Leben, unsere Kinder und unser Vieh an! Wer uns hasst und wen wir hassen, durch dessen Leben, Kinder und Vieh schwelle an! Ich vollziehe Indras Wendung; ich folge der Wendung der Sonne.“ Dabei dreht er sich nach rechts.'''
'''Wort-für-Wort-Übersetzung''': ''iti nu'' – so nun; ''jāta-putrasya'' – für den, dem ein Sohn geboren ist; ''atha ajāta-putrasya'' – nun für den ohne geborenen Sohn; ''ā pyāyasva'' – schwelle an; ''sam etu te'' – es möge sich dir vereinen; ''sam te payāṃsi sam u yantu vājāḥ'' – dir mögen Milch und Kräfte gemeinsam zukommen; ''yam ādityāḥ aṃśum āpyāyayanti'' – den Strahl, den die Adityas anschwellen lassen; ''etāḥ tisraḥ ṛcaḥ japitvā'' – diese drei Rigverse rezitierend; ''mā asmākam prāṇena prajayā paśubhiḥ āpyāyiṣṭhāḥ'' – schwelle nicht durch unser Leben, Kinder und Vieh an; ''yaḥ asmān dveṣṭi'' – wer uns hasst; ''yam ca vayam dviṣmaḥ'' – und wen wir hassen; ''tasya prāṇena prajayā paśubhiḥ āpyāyasva'' – durch dessen Leben, Kinder und Vieh schwelle an; ''aindrīm āvṛtam āvarte'' – ich vollziehe Indras Wendung; ''ādityasya āvṛtam anvāvarte'' – ich folge der Sonnenwendung; ''iti'' – so; ''dakṣiṇam bāhum anvāvartate'' – dreht sich zum rechten Arm.
'''Textanmerkung:''' Die drei Verse sind im Sanskrit nur durch ihre Anfangsworte bezeichnet, nicht vollständig ausgeschrieben. Die Übersetzung ergänzt keine unüberlieferten Vershälften. Die gegen Feinde gerichtete Bitte ist Bestandteil des historischen Rituals.
'''2.9'''<br>
atha paurṇamāsyāṃ purastāc candramasaṃ dṛśyamānam upatiṣṭhetaitayaivāvṛtā |<br>
somo rājāsi vicakṣaṇaḥ |<br>
pañcamukho 'si prajāpatiḥ |<br>
brāhmaṇas ta ekaṃ mukhaṃ tena mukhena rājño 'tsi |<br>
tena mukhena mām annādaṃ kuru |<br>
rājā ta ekaṃ mukhaṃ tena mukhena viśo 'tsi |<br>
tena mukhena mām annādaṃ kuru |<br>
śyenas ta ekaṃ mukhaṃ tena mukhena pakṣiṇo 'tsi |<br>
tena mukhena mām annādaṃ kuru |<br>
agniṣ ṭa ekaṃ mukhaṃ tena mukhenemaṃ lokam atsi |<br>
tena mukhena mām annādaṃ kuru |<br>
tvayi pañcamaṃ mukhaṃ tena mukhena sarvāṇi bhūtāny atsi |<br>
tena mukhena mām annādaṃ kuru |<br>
māsmākaṃ prāṇena prajayā paśubhir apakṣeṣṭhāḥ |<br>
yo 'smān dveṣṭi yaṃ ca vayaṃ dviṣmas tasya prāṇena prajayā paśubhir apakṣīyasva |<br>
iti daivīm āvṛtam āvarte |<br>
ādityasyāvṛtam anvāvarte |<br>
iti dakṣiṇaṃ bāhum anvāvartate ||9||<br>
'''Bei Vollmond verehre man den im Osten sichtbaren Mond in derselben Weise: „Du bist König Soma, der weithin Sehende; du bist der fünfgesichtige Prajapati. Der Brahmane ist ein Mund von dir; mit diesem Mund verzehrst du die Könige. Mit diesem Mund mache mich zum Esser der Nahrung! Der König ist ein Mund von dir; mit diesem Mund verzehrst du das Volk. Mit diesem Mund mache mich zum Esser der Nahrung! Der Falke ist ein Mund von dir; mit diesem Mund verzehrst du die Vögel. Mit diesem Mund mache mich zum Esser der Nahrung! Das Feuer ist ein Mund von dir; mit diesem Mund verzehrst du diese Welt. Mit diesem Mund mache mich zum Esser der Nahrung! In dir ist der fünfte Mund; mit ihm verzehrst du alle Wesen. Mit diesem Mund mache mich zum Esser der Nahrung! Nimm nicht durch unser Leben, unsere Kinder und unser Vieh ab! Wer uns hasst und wen wir hassen, durch dessen Leben, Kinder und Vieh nimm ab! Ich vollziehe die göttliche Wendung; ich folge der Wendung der Sonne.“ Dabei dreht er sich nach rechts.'''
'''Wort-für-Wort-Übersetzung''': ''atha'' – ferner; ''paurṇamāsyām'' – bei Vollmond; ''purastāt'' – im Osten; ''candramasam dṛśyamānam upatiṣṭhet'' – man verehre den sichtbaren Mond; ''etayā eva āvṛtā'' – in derselben Weise; ''somaḥ rājā asi'' – du bist König Soma; ''vicakṣaṇaḥ'' – weithin sehend; ''pañca-mukhaḥ asi prajāpatiḥ'' – du bist der fünfgesichtige Prajapati; ''brāhmaṇaḥ'' – Brahmane; ''te ekam mukham'' – ein Mund von dir; ''tena mukhena'' – mit diesem Mund; ''rājñaḥ atsi'' – verzehrst du die Könige; ''mām anna-adam kuru'' – mache mich zum Esser der Nahrung; ''rājā'' – König; ''viśaḥ atsi'' – verzehrst das Volk; ''śyenaḥ'' – Falke; ''pakṣiṇaḥ atsi'' – verzehrst Vögel; ''agniḥ'' – Feuer; ''imam lokam atsi'' – verzehrst diese Welt; ''tvayi pañcamam mukham'' – in dir der fünfte Mund; ''sarvāṇi bhūtāni atsi'' – verzehrst alle Wesen; ''mā asmākam prāṇena prajayā paśubhiḥ apakṣeṣṭhāḥ'' – nimm nicht durch unser Leben, Kinder und Vieh ab; ''yaḥ asmān dveṣṭi'' – wer uns hasst; ''yam ca vayam dviṣmaḥ'' – und wen wir hassen; ''tasya prāṇena prajayā paśubhiḥ apakṣīyasva'' – durch dessen Leben, Kinder und Vieh nimm ab; ''daivīm āvṛtam āvarte'' – ich vollziehe die göttliche Wendung; ''ādityasya āvṛtam anvāvarte'' – ich folge der Sonnenwendung; ''dakṣiṇam bāhum anvāvartate'' – dreht sich nach rechts.
'''2.10a – Heimkehr zum Sohn'''<br>
atha proṣyāyan putrasya mūrdhānam abhijighret |<br>
'''Wenn er von einer Reise heimkehrt, küsse er das Haupt seines Sohnes.'''
'''Wort-für-Wort-Übersetzung''': ''atha'' – ferner; ''proṣya āyan'' – von einer Reise heimkehrend; ''putrasya mūrdhānam abhijighret'' – er küsse, wörtlich berieche, das Haupt des Sohnes.
'''2.10b – Segen des Lebens'''<br>
aṅgād aṅgāt sambhavasi hṛdayād adhijāyase |<br>
ātmā tvaṃ putra māvitha sa jīva śaradaḥ śatam ||<br>
'''„Aus Glied um Glied entstehst du, aus dem Herzen wirst du geboren. Du bist mein Selbst, Sohn; du hast mich bewahrt. So lebe hundert Herbste!“'''
'''Wort-für-Wort-Übersetzung''': ''aṅgāt aṅgāt sambhavasi'' – aus Glied um Glied entstehst du; ''hṛdayāt adhijāyase'' – aus dem Herzen wirst du geboren; ''ātmā tvam'' – du bist das Selbst; ''putra'' – Sohn; ''mā avitha'' – du hast mich bewahrt; ''saḥ jīva'' – so lebe; ''śaradaḥ śatam'' – hundert Herbste.
'''2.10c – Nennung des Namens'''<br>
asau |<br>
iti nāmāsya gṛhṇāti |<br>
'''„Du da!“ Dabei nennt er seinen Namen.'''
'''Wort-für-Wort-Übersetzung''': ''asau'' – du da; ''iti nāma asya gṛhṇāti'' – dabei nennt er seinen Namen.
'''2.10d – Segen der Festigkeit'''<br>
aśmā bhava paraśur bhava hiraṇyam astṛtaṃ bhava |<br>
tejo vai putra nāmāsi sa jīva śaradaḥ śatam ||<br>
'''„Sei ein Stein, sei eine Axt, sei unversehrtes Gold! Du bist wahrlich mein Glanz, Sohn. So lebe hundert Herbste!“'''
'''Wort-für-Wort-Übersetzung''': ''aśmā bhava'' – sei ein Stein; ''paraśuḥ bhava'' – sei eine Axt; ''hiraṇyam astṛtam bhava'' – sei unversehrtes Gold; ''tejaḥ vai putra nāma asi'' – du bist wahrlich Glanz, Sohn; ''saḥ jīva'' – so lebe; ''śaradaḥ śatam'' – hundert Herbste.
'''2.10e – Umarmung'''<br>
asau |<br>
iti nāmāsya gṛhṇāti |<br>
athainaṃ parigṛhṇāti |<br>
'''„Du da!“ Dabei nennt er seinen Namen. Dann umarmt er ihn.'''
'''Wort-für-Wort-Übersetzung''': ''asau'' – du da; ''iti nāma asya gṛhṇāti'' – dabei nennt er seinen Namen; ''atha enam parigṛhṇāti'' – dann umarmt er ihn.
'''2.10f – Schutzsegen'''<br>
yena prajāpatiḥ prajāḥ paryagṛhṇāt tadariṣṭyai |<br>
tena tvā parigṛhṇāmi ||<br>
'''„Womit Prajapati die Geschöpfe zu ihrer Unversehrtheit umfing, damit umfange ich dich.“'''
'''Wort-für-Wort-Übersetzung''': ''yena'' – womit; ''prajāpatiḥ'' – Prajapati; ''prajāḥ paryagṛhṇāt'' – die Geschöpfe umfing; ''tat ariṣṭyai'' – zu deren Unversehrtheit; ''tena tvā parigṛhṇāmi'' – damit umfange ich dich.
'''2.10g – Die Anrufungen Indras'''<br>
asau |<br>
iti nāmāsya gṛhṇāti |<br>
athāsya dakṣiṇe karṇe japati |<br>
asmai prayandhi maghavann ṛjīṣin |<br>
iti |<br>
indra śreṣṭhāni draviṇāni dhehi |<br>
iti savye |<br>
'''„Du da!“ Dabei nennt er seinen Namen. Dann flüstert er ihm ins rechte Ohr: „Reiche ihm dar, Gabenreicher, kraftvoller Indra!“ Ins linke: „Indra, gib die besten Güter!“'''
'''Wort-für-Wort-Übersetzung''': ''asau'' – du da; ''iti nāma asya gṛhṇāti'' – dabei nennt er seinen Namen; ''atha asya dakṣiṇe karṇe japati'' – dann flüstert er in sein rechtes Ohr; ''asmai prayandhi'' – reiche ihm dar; ''maghavan'' – Gabenreicher; ''ṛjīṣin'' – kraftvoller, Beiname Indras; ''iti'' – so; ''indra'' – Indra; ''śreṣṭhāni draviṇāni dhehi'' – gib die besten Güter; ''savye'' – im linken.
'''Textanmerkung:''' Die beiden Rigveda-Anrufungen werden als Anfangszeilen zitiert; ṛjīṣin ist ein vedischer Beiname mit nicht völlig sicherer Wortableitung.
'''2.10h – Abschließender Lebenssegen'''<br>
mā chitthā mā vyathiṣṭhāḥ śataṃ śarada āyuṣaḥ |<br>
jīvasva putra te nāmnā mūrdhānam abhijighrāmi ||<br>
'''„Zerbrich nicht, wanke nicht! Lebe hundert Herbste Lebenszeit, Sohn! Bei deinem Namen küsse ich dein Haupt.“'''
'''Wort-für-Wort-Übersetzung''': ''mā chitthāḥ'' – zerbrich nicht; ''mā vyathiṣṭhāḥ'' – wanke nicht; ''śatam śaradaḥ āyuṣaḥ'' – hundert Herbste Lebenszeit; ''jīvasva'' – lebe; ''putra'' – Sohn; ''te nāmnā'' – bei deinem Namen; ''mūrdhānam abhijighrāmi'' – ich küsse dein Haupt.
'''2.10i – Der Ruf der Kühe'''<br>
asau |<br>
iti trir mūrdhānam abhijighret |<br>
gavām tvā hiṅkāreṇābhihiṅkaromīti trir mūrdhānam abhihiṅkuryāt ||10||<br>
'''„Du da!“ So küsse er dreimal das Haupt. „Mit dem Hin-Ruf der Kühe rufe ich dich an!“ So lasse er dreimal den Hin-Ruf gegen dessen Haupt ertönen.'''
'''Wort-für-Wort-Übersetzung''': ''asau'' – du da; ''iti'' – so; ''triḥ mūrdhānam abhijighret'' – er küsse dreimal das Haupt; ''gavām hiṅkāreṇa'' – mit dem Hin-Ruf der Kühe; ''tvā abhihiṅkaromi'' – ich rufe dich mit Hin an; ''triḥ mūrdhānam abhihiṅkuryāt'' – er lasse dreimal Hin gegen das Haupt ertönen.
'''2.11'''<br>
athāto daivaḥ parimaraḥ |<br>
etad vai brahma dīpyate yad agnir jvalaty athaitan mriyate yan na jvalati |<br>
tasyādityam eva tejo gacchati vāyuṃ prāṇaḥ |<br>
etad vai brahma dīpyate yad ādityo dṛśyate 'thaitan mriyate yan na dṛśyate |<br>
tasya candramasam eva tejo gacchati vāyuṃ prāṇaḥ |<br>
etad vai brahma dīpyate yac candramā dṛśyate 'thaitan mriyate yan na dṛśyate |<br>
tasya vidyutam eva tejo gacchati vāyuṃ prāṇaḥ |<br>
etad vai brahma dīpyate yad vidyud vidyotate 'thaitan mriyate yan na vidyotate |<br>
tasya vāyum eva tejo gacchati vāyuṃ prāṇaḥ |<br>
tā vā etāḥ sarvā devatā vāyum eva praviśya vāyau mṛtvā na mūrchante |<br>
tasmād eva punar udīrate |<br>
ity adhidaivatam ||<br>
athādhyātmam ||11||<br>
'''Nun das Dahinsterben der Gottheiten. Dieses Brahman leuchtet, wenn Feuer brennt, und stirbt, wenn es nicht brennt; sein Glanz geht in die Sonne ein, sein Lebenshauch in den Wind. Dieses Brahman leuchtet, wenn die Sonne sichtbar ist, und stirbt, wenn sie nicht sichtbar ist; ihr Glanz geht in den Mond ein, ihr Lebenshauch in den Wind. Dieses Brahman leuchtet, wenn der Mond sichtbar ist, und stirbt, wenn er nicht sichtbar ist; sein Glanz geht in den Blitz ein, sein Lebenshauch in den Wind. Dieses Brahman leuchtet, wenn der Blitz zuckt, und stirbt, wenn er nicht zuckt; sein Glanz geht in den Wind ein, sein Lebenshauch in den Wind. Alle diese Gottheiten gehen in den Wind ein; im Wind gestorben, vergehen sie nicht, sondern erheben sich aus ihm wieder. So hinsichtlich der Gottheiten. Nun hinsichtlich des eigenen Selbst.'''
'''Wort-für-Wort-Übersetzung''': ''atha ataḥ'' – nun; ''daivaḥ parimaraḥ'' – Dahinsterben der Gottheiten; ''etat vai brahma dīpyate'' – dieses Brahman leuchtet; ''yat agniḥ jvalati'' – wenn Feuer brennt; ''atha etat mriyate'' – dann stirbt dieses; ''yat na jvalati'' – wenn es nicht brennt; ''tasya ādityam eva tejaḥ gacchati'' – sein Glanz geht in die Sonne; ''vāyum prāṇaḥ'' – der Lebenshauch in den Wind; ''yat ādityaḥ dṛśyate'' – wenn die Sonne sichtbar ist; ''yat na dṛśyate'' – wenn sie nicht sichtbar ist; ''candramasam tejaḥ gacchati'' – der Glanz geht in den Mond; ''yat candramāḥ dṛśyate'' – wenn der Mond sichtbar ist; ''vidyutam tejaḥ gacchati'' – der Glanz geht in den Blitz; ''yat vidyut vidyotate'' – wenn der Blitz zuckt; ''yat na vidyotate'' – wenn er nicht zuckt; ''vāyum tejaḥ gacchati'' – der Glanz geht in den Wind; ''tāḥ etāḥ sarvāḥ devatāḥ'' – alle diese Gottheiten; ''vāyum eva praviśya'' – in den Wind eingehend; ''vāyau mṛtvā'' – im Wind gestorben; ''na mūrchante'' – vergehen nicht; ''tasmāt eva punaḥ udīrate'' – erheben sich wieder aus ihm; ''iti adhidaivatam'' – so hinsichtlich der Gottheiten; ''atha adhyātmam'' – nun hinsichtlich des Selbst.
'''Textanmerkung:''' Dieser Abschnitt entspricht 2.12 in der verbreiteten Zählung. Anders als Deussens Übersetzung nennt die hier benutzte Sanskritfassung beim Erlöschen des Blitzes Vayu, nicht die Himmelsrichtungen.
'''2.12'''<br>
etad vai brahma dīpyate yad vācā vadaty athaitan mriyate yan na vadati |<br>
tasya cakṣur eva tejo gacchati prāṇaṃ prāṇaḥ |<br>
etad vai brahma dīpyate yac cakṣuṣā paśyaty athaitan mriyate yan na paśyati |<br>
tasya śrotram eva tejo gacchati prāṇaṃ prāṇaḥ |<br>
etad vai brahma dīpyate yac chrotreṇa śṛṇoty athaitan mriyate yan na śṛṇoti |<br>
tasya mana eva tejo gacchati prāṇaṃ prāṇaḥ |<br>
etad vai brahma dīpyate yan manasā dhyāyaty athaitan mriyate yan na dhyāyati |<br>
tasya prāṇam eva tejo gacchati prāṇaṃ prāṇaḥ |<br>
tā vā etāḥ sarvā devatāḥ prāṇam eva praviśya prāṇe mṛtvā na mūrchante |<br>
tasmād eva punar udīrate |<br>
tad yadi ha vā evaṃ vidvāṃsam ubhau parvatāv abhipravarteyātāṃ dakṣiṇaś cottaraś ca tustūrṣamānau na hainaṃ stṛṇvīyātām |<br>
atha ya enaṃ dviṣanti yāṃś ca svayaṃ dveṣṭi ta evainaṃ parimriyante ||12||<br>
'''Dieses Brahman leuchtet, wenn man mit der Rede spricht, und stirbt, wenn man nicht spricht; ihr Glanz geht in das Auge ein, ihr Lebenshauch in Prana. Dieses Brahman leuchtet, wenn man mit dem Auge sieht, und stirbt, wenn man nicht sieht; sein Glanz geht in das Ohr ein, sein Lebenshauch in Prana. Dieses Brahman leuchtet, wenn man mit dem Ohr hört, und stirbt, wenn man nicht hört; sein Glanz geht in den Geist ein, sein Lebenshauch in Prana. Dieses Brahman leuchtet, wenn man mit dem Geist denkt, und stirbt, wenn man nicht denkt; sein Glanz geht in Prana ein, sein Lebenshauch in Prana. Alle diese Gottheiten gehen in Prana ein; in Prana gestorben, vergehen sie nicht, sondern erheben sich aus ihm wieder. Selbst wenn beide Gebirge, das südliche und das nördliche, auf den so Wissenden einstürzten, um ihn zu begraben, könnten sie ihn nicht begraben. Die aber, die ihn hassen und die er selbst hasst, sterben rings um ihn dahin.'''
'''Wort-für-Wort-Übersetzung''': ''etat vai brahma dīpyate'' – dieses Brahman leuchtet; ''yat vācā vadati'' – wenn man mit der Rede spricht; ''atha etat mriyate'' – dann stirbt dieses; ''yat na vadati'' – wenn man nicht spricht; ''tasya cakṣuḥ eva tejaḥ gacchati'' – ihr Glanz geht ins Auge; ''prāṇam prāṇaḥ'' – Lebenshauch in Prana; ''yat cakṣuṣā paśyati'' – wenn man mit dem Auge sieht; ''yat na paśyati'' – wenn man nicht sieht; ''śrotram tejaḥ gacchati'' – Glanz geht ins Ohr; ''yat śrotreṇa śṛṇoti'' – wenn man mit dem Ohr hört; ''yat na śṛṇoti'' – wenn man nicht hört; ''manaḥ tejaḥ gacchati'' – Glanz geht in den Geist; ''yat manasā dhyāyati'' – wenn man mit dem Geist denkt; ''yat na dhyāyati'' – wenn man nicht denkt; ''prāṇam tejaḥ gacchati'' – Glanz geht in Prana; ''tāḥ etāḥ sarvāḥ devatāḥ'' – alle diese Gottheiten; ''prāṇam eva praviśya'' – in Prana eingehend; ''prāṇe mṛtvā'' – in Prana gestorben; ''na mūrchante'' – vergehen nicht; ''tasmāt eva punaḥ udīrate'' – erheben sich wieder aus ihm; ''tat yadi'' – selbst wenn; ''evam vidvāṃsam'' – auf den so Wissenden; ''ubhau parvatau'' – beide Gebirge; ''abhipravarteyātām'' – einstürzten; ''dakṣiṇaḥ ca uttaraḥ ca'' – das südliche und das nördliche; ''tustūrṣamāṇau'' – begraben wollend; ''na enam stṛṇvīyātām'' – könnten ihn nicht begraben; ''ye enam dviṣanti'' – die ihn hassen; ''yān ca svayam dveṣṭi'' – und die er selbst hasst; ''te enam parimriyante'' – sterben rings um ihn dahin.
'''Textanmerkung:''' Die abschließenden Aussagen preisen die Macht der Erkenntnis in der Sprache von Schutz und Feindesüberwindung.
'''2.13'''<br>
athāto niḥśreyasādānam |<br>
etā ha vai devatā ahaṃśreyase vivadamānā asmāc charīrād uccakramuḥ |<br>
tad dhāprāṇat śuṣkaṃ dārubhūtaṃ śiṣye |<br>
athainad vāk praviveśa |<br>
tad vācā vadac chiṣya eva |<br>
athainac cakṣuḥ praviveśa |<br>
tad vācā vadac cakṣuṣā paśyac chiṣya eva |<br>
athainac chrotraṃ praviveśa |<br>
tad vācā vadac cakṣuṣā paśyac chrotreṇa śṛṇvac chiṣya eva |<br>
athainan manaḥ praviveśa |<br>
tad vācā vadac cakṣuṣā paśyac chrotreṇa śṛṇvan manasā dhyāyac chiṣya eva |<br>
athainat prāṇaḥ praviveśa |<br>
tat tata eva samuttasthau |<br>
tā vā etāḥ sarvā devatāḥ prāṇe niḥśreyasaṃ viditvā prāṇam eva prajñātmānam abhisambhūya sahaivaite sarve 'smāc charīrād uccakramuḥ |<br>
te vāyupraviṣṭā ākāśātmānaḥ svar īyuḥ |<br>
tatho evaivaṃ vidvān prāṇe niḥśreyasaṃ viditvā sarveṣāṃ bhūtānāṃ prāṇam eva prajñātmānam abhisambhūya sahaivaitaiḥ sarvair asmāc charīrād utkrāmati |<br>
sa vāyupraviṣṭa ākāśātmā svar eti |<br>
sa tad gacchati yatraite devāḥ |<br>
tat prāpya yad amṛtā devās tad amṛto bhavati ya evaṃ veda ||13||<br>
'''Nun das Gewinnen des Vorrangs. Die Gottheiten stritten: „Ich bin der Beste“, und zogen aus diesem Körper aus. Ohne Atem lag er trocken wie Holz da. Die Rede trat hinein; er sprach, blieb aber liegen. Das Auge trat hinein; er sprach und sah, blieb aber liegen. Das Ohr trat hinein; er sprach, sah und hörte, blieb aber liegen. Der Geist trat hinein; er sprach, sah, hörte und dachte, blieb aber liegen. Prana trat hinein; sofort stand er auf. Da erkannten alle diese Gottheiten Pranas Vorrang. Sie vereinigten sich mit Prana als dem Erkenntnis-Selbst und zogen alle gemeinsam aus diesem Körper aus. In den Wind eingegangen und von Raumesnatur geworden, gelangten sie zum Himmel. Ebenso erkennt der so Wissende Pranas Vorrang, vereinigt sich mit Prana als dem Erkenntnis-Selbst aller Wesen und zieht mit all diesen aus dem Körper aus. In den Wind eingegangen und von Raumesnatur geworden, gelangt er zum Himmel. Er geht dorthin, wo diese Götter sind. Dort angekommen, wird er unsterblich, wie die Götter unsterblich sind, wenn er so weiß.'''
'''Wort-für-Wort-Übersetzung''': ''atha ataḥ'' – nun; ''niḥśreyasa-ādānam'' – Gewinnen des Vorrangs; ''etāḥ devatāḥ'' – diese Gottheiten; ''ahaṃ-śreyase vivadamānāḥ'' – um den eigenen Vorrang streitend; ''asmāt śarīrāt uccakramuḥ'' – zogen aus diesem Körper aus; ''tat aprāṇat śuṣkam dāru-bhūtam śiṣye'' – er lag atemlos trocken wie Holz; ''atha enat vāk praviveśa'' – die Rede trat hinein; ''vācā vadat śiṣye eva'' – sprechend blieb er liegen; ''cakṣuḥ praviveśa'' – das Auge trat hinein; ''cakṣuṣā paśyat'' – mit dem Auge sehend; ''śrotram praviveśa'' – das Ohr trat hinein; ''śrotreṇa śṛṇvat'' – mit dem Ohr hörend; ''manaḥ praviveśa'' – der Geist trat hinein; ''manasā dhyāyat'' – mit dem Geist denkend; ''prāṇaḥ praviveśa'' – Prana trat hinein; ''tat tataḥ eva samuttasthau'' – sofort stand er auf; ''prāṇe niḥśreyasam viditvā'' – Pranas Vorrang erkennend; ''prāṇam eva prajñātmānam abhisambhūya'' – mit Prana als Erkenntnis-Selbst vereinigt; ''saha eva ete sarve'' – alle diese gemeinsam; ''vāyu-praviṣṭāḥ'' – in den Wind eingegangen; ''ākāśa-ātmānaḥ'' – von Raumesnatur; ''svar īyuḥ'' – gelangten zum Himmel; ''tathā eva evam vidvān'' – ebenso der so Wissende; ''sarveṣām bhūtānām'' – aller Wesen; ''saha etaiḥ sarvaiḥ'' – mit all diesen; ''asmāt śarīrāt utkrāmati'' – zieht aus diesem Körper aus; ''svar eti'' – geht zum Himmel; ''saḥ tat gacchati yatra ete devāḥ'' – geht dorthin, wo diese Götter sind; ''tat prāpya'' – dort angekommen; ''yat amṛtāḥ devāḥ'' – wie die Götter unsterblich sind; ''tat amṛtaḥ bhavati'' – so wird er unsterblich; ''yaḥ evam veda'' – wer so weiß.
'''2.14a – Das Vermächtnis'''<br>
athātaḥ pitāputrīyaṃ sampradānam iti cācakṣate |<br>
pitā putraṃ preṣyann āhvayati navais tṛṇair agāraṃ saṃstīryāgnim upasamādhāyodakumbhaṃ sapātram upanidhāyāhatena vāsasā sampracchannaḥ pitā śete |<br>
etya putra upariṣṭād abhinipadyata indriyair indriyāṇi saṃspṛśya |<br>
api vāsmā āsīnāyābhimukhāyaiva sampradadyāt | athāsmai samprayacchati |<br>
'''Nun die Vater-Sohn-Zeremonie, auch Übergabe genannt. Der Vater, der sich zum Abschied anschickt, ruft den Sohn. Er lässt das Haus mit frischem Gras ausstreuen, das Feuer entzünden und einen Wasserkrug mit Schale bereitstellen. Mit einem neuen Gewand bedeckt liegt der Vater da. Der Sohn kommt, beugt sich von oben über ihn und berührt dessen Sinnesorgane mit den eigenen. Oder der Vater übergibt dem ihm gegenübersitzenden Sohn sein Vermächtnis. Er übergibt es ihm so:'''
'''Wort-für-Wort-Übersetzung''': ''atha ataḥ'' – nun; ''pitā-putrīyam'' – Vater-Sohn-Zeremonie; ''sampradānam iti ca ācakṣate'' – auch Übergabe genannt; ''pitā putram preṣyan āhvayati'' – der zum Abschied bereite Vater ruft den Sohn; ''navaiḥ tṛṇaiḥ agāram saṃstīrya'' – Haus mit frischem Gras ausstreuend; ''agnim upasamādhāya'' – Feuer entzündend; ''uda-kumbham sa-pātram upanidhāya'' – Wasserkrug mit Schale bereitstellend; ''ahatena vāsasā sampracchannaḥ'' – mit neuem Gewand bedeckt; ''pitā śete'' – der Vater liegt; ''etya putraḥ upariṣṭāt abhinipadyate'' – der Sohn kommt und beugt sich von oben über ihn; ''indriyaiḥ indriyāṇi saṃspṛśya'' – Sinnesorgane mit den eigenen berührend; ''api vā'' – oder; ''asmai āsīnāya abhimukhāya'' – dem ihm gegenübersitzenden; ''sampradadyāt'' – er übergebe; ''atha asmai samprayacchati'' – er übergibt ihm so.
'''2.14b – Die Übertragung der Kräfte'''<br>
vācaṃ me tvayi dadhānīti pitā |<br>
vācaṃ te mayi dadha iti putraḥ |<br>
prāṇaṃ me tvayi dadhānīti pitā |<br>
prāṇaṃ te mayi dadha iti putraḥ |<br>
cakṣur me tvayi dadhānīti pitā |<br>
cakṣus te mayi dadha iti putraḥ |<br>
śrotraṃ me tvayi dadhānīti pitā |<br>
śrotraṃ te mayi dadha iti putraḥ |<br>
annarasān me tvayi dadhānīti pitā |<br>
annarasāṃs te mayi dadha iti putraḥ |<br>
karmāṇi me tvayi dadhānīti pitā |<br>
karmāṇi te mayi dadha iti putraḥ |<br>
sukhaduḥkhe me tvayi dadhānīti pitā |<br>
sukhaduḥkhe te mayi dadha iti putraḥ |<br>
ānandaṃ ratiṃ prajātiṃ me tvayi dadhānīti pitā |<br>
ānandaṃ ratiṃ prajātiṃ te mayi dadha iti putraḥ |<br>
ityā me tvayi dadhānīti pitā |<br>
ityās te mayi dadha iti putraḥ |<br>
mano me tvayi dadhānīti pitā |<br>
manas te mayi dadha iti putraḥ |<br>
prajñāṃ me tvayi dadhānīti pitā |<br>
prajñāṃ te mayi dadha iti putraḥ |<br>
'''Der Vater: „Ich möchte dir meine Rede übertragen.“ Der Sohn: „Ich nehme deine Rede in mich auf.“ Der Vater: „Ich möchte dir meinen Lebenshauch übertragen.“ Der Sohn: „Ich nehme deinen Lebenshauch in mich auf.“ Der Vater: „Ich möchte dir meine Sehkraft übertragen.“ Der Sohn: „Ich nehme deine Sehkraft in mich auf.“ Der Vater: „Ich möchte dir meine Hörkraft übertragen.“ Der Sohn: „Ich nehme deine Hörkraft in mich auf.“ Der Vater: „Ich möchte dir meine Nahrungsgeschmäcke übertragen.“ Der Sohn: „Ich nehme deine Nahrungsgeschmäcke in mich auf.“ Der Vater: „Ich möchte dir meine Handlungen übertragen.“ Der Sohn: „Ich nehme deine Handlungen in mich auf.“ Der Vater: „Ich möchte dir meine Lust und Leid übertragen.“ Der Sohn: „Ich nehme deine Lust und Leid in mich auf.“ Der Vater: „Ich möchte dir meine Wonne, Liebeslust und Zeugung übertragen.“ Der Sohn: „Ich nehme deine Wonne, Liebeslust und Zeugung in mich auf.“ Der Vater: „Ich möchte dir meine Bewegungen übertragen.“ Der Sohn: „Ich nehme deine Bewegungen in mich auf.“ Der Vater: „Ich möchte dir meinen Geist übertragen.“ Der Sohn: „Ich nehme deinen Geist in mich auf.“ Der Vater: „Ich möchte dir meine Erkenntnis übertragen.“ Der Sohn: „Ich nehme deine Erkenntnis in mich auf.“'''
'''Wort-für-Wort-Übersetzung''': ''iti pitā'' – so der Vater; ''iti putraḥ'' – so der Sohn; ''me'' – meine; ''te'' – deine; ''tvayi dadhāni'' – ich möchte in dich legen; ''mayi dadhe'' – ich nehme in mich auf; ''vācam'' – Rede; ''prāṇam'' – Lebenshauch; ''cakṣuḥ'' – Sehkraft; ''śrotram'' – Hörkraft; ''anna-rasān'' – Nahrungsgeschmäcke; ''karmāṇi'' – Handlungen; ''sukha-duḥkhe'' – Lust und Leid; ''ānandam ratim prajātim'' – Wonne, Liebeslust und Zeugung; ''ityāḥ'' – Bewegungen; ''manaḥ'' – Geist; ''prajñām'' – Erkenntnis.
'''2.14c – Die zusammengefasste Formel'''<br>
yady u vā upābhigadaḥ syāt samāsenaiva brūyāt prāṇān me tvayi dadhānīti pitā |<br>
prāṇāṃs te mayi dadha iti putraḥ |<br>
'''Wenn der Vater nur noch mit Mühe sprechen kann, sage er zusammenfassend: „Meine Lebenskräfte möchte ich in dich legen.“ Der Sohn: „Deine Lebenskräfte nehme ich in mich auf.“'''
'''Wort-für-Wort-Übersetzung''': ''yadi u vā'' – wenn aber; ''upābhigadaḥ syāt'' – nur noch aus der Nähe hörbar, mit Mühe sprechend; ''samāsena eva brūyāt'' – er sage zusammenfassend; ''prāṇān me tvayi dadhāni'' – meine Lebenskräfte möchte ich in dich legen; ''iti pitā'' – so der Vater; ''prāṇān te mayi dadhe'' – deine Lebenskräfte nehme ich in mich auf; ''iti putraḥ'' – so der Sohn.
'''2.14d – Abschied und weiterer Lebensweg'''<br>
atha dakṣiṇāvṛt prāṅ upaniṣkrāmati |<br>
taṃ pitānumantrayate yaśo brahmavarcasaṃ kīrtis tvā juṣatām iti |<br>
athetaraḥ savyam anv aṃsam abhyavekṣate pāṇināntardhāya vasanāntena vā pracchādya svargān lokān kāmān āpnuhīti |<br>
sa yady agadaḥ syāt putrasyaiśvarye pitā vaset pari vā vrajet |<br>
yady u vai preyāt tathaivainaṃ samāpayeyur yathā samāpayitavyo bhavati yathā samāpayitavyo bhavati ||14||<br>
'''Dann geht der Sohn nach rechts herum nach Osten hinaus. Der Vater spricht ihm den Segen nach: „Herrlichkeit, Brahmanenglanz und Ruhm mögen dich erfreuen!“ Der Sohn schaut über die linke Schulter zurück, hält die Hand davor oder bedeckt sich mit dem Gewandende und spricht: „Erlange himmlische Welten und Freuden!“ Wenn der Vater wieder gesund wird, lebe er unter der Hausherrschaft des Sohnes oder ziehe als Entsagender umher. Wenn er aber stirbt, vollziehe man seinen Abschluss so, wie er zu vollziehen ist, wie er zu vollziehen ist.'''
'''Wort-für-Wort-Übersetzung''': ''atha'' – dann; ''dakṣiṇa-āvṛt'' – nach rechts herum; ''prāṅ upaniṣkrāmati'' – geht nach Osten hinaus; ''tam pitā anumantrayate'' – der Vater spricht ihm den Segen nach; ''yaśaḥ'' – Herrlichkeit; ''brahma-varcasam'' – Brahmanenglanz; ''kīrtiḥ'' – Ruhm; ''tvā juṣatām'' – mögen dich erfreuen; ''atha itaraḥ'' – dann der andere, Sohn; ''savyam anu aṃsam abhyavekṣate'' – schaut über die linke Schulter; ''pāṇinā antardhāya'' – die Hand davorhaltend; ''vasana-antena vā pracchādya'' – oder mit dem Gewandende bedeckend; ''svargān lokān kāmān āpnuhi'' – erlange himmlische Welten und Freuden; ''saḥ yadi agadaḥ syāt'' – wenn er wieder gesund wird; ''putrasya aiśvarye pitā vaset'' – der Vater lebe unter der Hausherrschaft des Sohnes; ''pari vā vrajet'' – oder ziehe als Entsagender umher; ''yadi u vai preyāt'' – wenn er aber stirbt; ''tathā eva enam samāpayeyuḥ'' – so vollziehe man seinen Abschluss; ''yathā samāpayitavyaḥ bhavati'' – wie er zu vollziehen ist.
'''Textanmerkung:''' Samāpayeyuḥ bezieht sich im Zusammenhang auf den rituellen Abschluss nach dem Tod. Hier endet Adhyaya 2 in der Zählung der benutzten Ausgabe; dieser Abschnitt entspricht 2.15 in vielen anderen Fassungen.
'''Abschluss des zweiten Adhyaya'''<br>
iti kauṣītakibrāhmaṇopaniṣadi dvitīyo'dhyāyaḥ ||<br>
'''Hier endet das zweite Kapitel der Kaushitaki Brahmana Upanishad.'''
'''Wort-für-Wort-Übersetzung''': ''iti'' – hiermit; ''kauṣītaki-brāhmaṇa-upaniṣadi'' – in der Kaushitaki Brahmana Upanishad; ''dvitīyaḥ adhyāyaḥ'' – zweites Kapitel.
=== Dritter Adhyaya – Prana und das erkennende Selbst ===
'''3.1'''<br>
pratardano ha vai daivodāsir indrasya priyaṃ dhāmopajagāma yuddhena ca pauruṣeṇa ca |<br>
taṃ hendra uvāca pratardana varaṃ vṛṇīṣveti |<br>
sa hovāca pratardanas tvam eva me vṛṇīṣva yaṃ tvaṃ manuṣyāya hitatamaṃ manyasa iti |<br>
taṃ hendra uvāca na vai varaṃ paro parasmai vṛṇīte |<br>
tvam eva vṛṇīṣveti |<br>
avaro vai kila ma iti hovāca pratardanaḥ |<br>
atho khalv indraḥ satyād eva neyāya |<br>
satyaṃ hīndraḥ |<br>
taṃ hendra uvāca mām eva vijānīhi |<br>
etad evāhaṃ manuṣyāya hitatamaṃ manye yan māṃ vijānīyāt |<br>
triśīrṣāṇaṃ tvāṣṭram ahanam |<br>
arurmaghān ahanam |<br>
yatīn sālāvṛkebhyaḥ prāyaccham |<br>
bahvīḥ sandhā atikramya divi prahlādīyān atṛṇaham antarikṣe paulomān pṛthivyāṃ kālakāñjān |<br>
tasya me tatra na loma canāmīyata |<br>
sa yo māṃ veda na ha vai tasya kena cana karmaṇā loma mīyate na steyena na bhrūṇahatyayā na mātṛvadhena na pitṛvadhena |<br>
nāsya pāpaṃ cakruṣo mukhān nīlaṃ vyetīti ||1||<br>
'''Pratardana, Divodasas Sohn, gelangte durch Kampf und Manneskraft zu Indras geliebter Wohnstätte. Indra sagte: „Pratardana, wähle einen Wunsch!“ Pratardana erwiderte: „Wähle du für mich, was du für den Menschen als am heilsamsten ansiehst.“ Indra sagte: „Einer wählt nicht für einen anderen einen Wunsch. Wähle selbst!“ Pratardana sagte: „Dann wäre es für mich ja kein Wunschgeschenk.“ Indra wich nicht von der Wahrheit ab; denn Indra ist Wahrheit. Er sprach: „Erkenne mich! Dies halte ich für den Menschen für das Heilsamste: dass er mich erkenne. Ich erschlug den dreiköpfigen Sohn Tvashtris. Ich erschlug die Arurmaghas. Die Yatis warf ich den wilden Hunden vor. Viele Bündnisse brechend, zerschlug ich im Himmel die Prahladiyas, im Zwischenraum die Paulomas, auf der Erde die Kalakanjas. Dabei wurde mir kein Haar gekrümmt. Wer mich kennt, dem wird durch kein Werk ein Haar gekrümmt: weder durch Diebstahl noch durch Tötung eines Ungeborenen, Muttertötung oder Vatertötung. Selbst wenn er Unheilsames getan hat, weicht die dunkle Farbe nicht aus seinem Gesicht.“'''
'''Wort-für-Wort-Übersetzung''': ''pratardanaḥ daivodāsiḥ'' – Pratardana, Divodasas Sohn; ''indrasya priyam dhāma upajagāma'' – gelangte zu Indras geliebter Wohnstätte; ''yuddhena ca pauruṣeṇa ca'' – durch Kampf und Manneskraft; ''tam indraḥ uvāca'' – Indra sagte zu ihm; ''varam vṛṇīṣva'' – wähle einen Wunsch; ''tvam eva me vṛṇīṣva'' – wähle du für mich; ''yam manuṣyāya hitatamam manyase'' – was du für den Menschen am heilsamsten hältst; ''na varam paraḥ parasmai vṛṇīte'' – einer wählt nicht für einen anderen einen Wunsch; ''avaraḥ vai kila me'' – es wäre für mich kein Wunschgeschenk; ''satyāt eva na iyāya'' – wich nicht von der Wahrheit; ''satyam hi indraḥ'' – denn Indra ist Wahrheit; ''mām eva vijānīhi'' – erkenne mich; ''etat aham hitatamam manye'' – dies halte ich für das Heilsamste; ''yat mām vijānīyāt'' – dass er mich erkenne; ''tri-śīrṣāṇam tvāṣṭram ahanam'' – ich erschlug den dreiköpfigen Sohn Tvashtris; ''arurmaghān ahanam'' – ich erschlug die Arurmaghas; ''yatīn sālāvṛkebhyaḥ prāyaccham'' – ich warf die Yatis wilden Hunden vor; ''bahvīḥ sandhāḥ atikramya'' – viele Bündnisse brechend; ''divi prahlādīyān'' – im Himmel die Prahladiyas; ''atṛṇaham'' – ich zerschlug; ''antarikṣe paulomān'' – im Zwischenraum die Paulomas; ''pṛthivyām kālakāñjān'' – auf der Erde die Kalakanjas; ''tasya me tatra na loma cana amīyata'' – dabei wurde mir kein Haar gekrümmt; ''yaḥ mām veda'' – wer mich kennt; ''na tasya kena cana karmaṇā loma mīyate'' – dem wird durch kein Werk ein Haar gekrümmt; ''na steyena'' – nicht durch Diebstahl; ''na bhrūṇa-hatyayā'' – nicht durch Tötung eines Ungeborenen; ''na mātṛ-vadhena'' – nicht durch Muttertötung; ''na pitṛ-vadhena'' – nicht durch Vatertötung; ''na asya pāpam cakruṣaḥ mukhāt nīlam vyeti'' – auch nach Unheilsamem weicht die dunkle Farbe nicht aus seinem Gesicht.
'''Textanmerkung:''' Ahanam nach arurmaghān ist eine gekennzeichnete Ergänzung der Edition. Der letzte Satz wird traditionell als Nicht-Erbleichen vor Furcht verstanden. Die drastische Erzählung preist die Macht der Erkenntnis; sie ist keine Aufforderung zu den genannten Taten.
'''3.2'''<br>
sa hovāca prāṇo 'smi prajñātmā |<br>
taṃ mām āyur amṛtam ity upāssva |<br>
āyuḥ prāṇaḥ |<br>
prāṇo vā āyuḥ |<br>
yāvad dhy asmiñ charīre prāṇo vasati tāvad āyuḥ |<br>
prāṇena hy evāsmiṃl loke 'mṛtatvam āpnoti |<br>
prajñayā satyaṃ saṅkalpam |<br>
sa yo mām āyur amṛtam ity upāste sarvam āyur asmiṃl loka eti |<br>
āpnoty amṛtatvam akṣitiṃ svarge loke |<br>
tad dhaika āhur ekabhūyaṃ vai prāṇā gacchantīti |<br>
na hi kaścana śaknuyāt sakṛd vācā nāma prajñāpayituṃ cakṣuṣā rūpaṃ śrotreṇa śabdaṃ manasā dhyānam |<br>
ekabhūyaṃ vai prāṇā bhūtvaikaikam etāni sarvāṇi prajñāpayantīti |<br>
vācaṃ vadantīṃ sarve prāṇā anuvadanti |<br>
cakṣuḥ paśyat sarve prāṇā anupaśyanti |śrotraṃ śṛṇvat sarve prāṇā anuśṛṇvanti |<br>
mano dhyāyat sarve prāṇā anudhyāyanti |<br>
prāṇaṃ prāṇantaṃ sarve prāṇā anuprāṇanti |<br>
evam u haitad iti hendra uvāca |<br>
asti tv eva prāṇānāṃ niḥśreyasam iti ||2||<br>
'''Er sprach: „Ich bin Prana, das Erkenntnis-Selbst. Verehre mich als Leben und als Unsterbliches. Leben ist Prana und Prana ist Leben. Solange Prana in diesem Körper wohnt, so lange besteht das Leben. Durch Prana erlangt man in dieser Welt Nichtsterben, durch Erkenntnis die wahre Absicht. Wer mich als Leben und Unsterbliches verehrt, erreicht in dieser Welt die volle Lebensdauer und erlangt Unsterblichkeit, Unvergänglichkeit in der Himmelswelt.“ Einige sagen, die Lebenskräfte gingen in eine Einheit ein: Niemand könne gleichzeitig mit der Rede einen Namen, mit dem Auge eine Gestalt, mit dem Ohr einen Ton und mit dem Geist einen Gedanken bewusst machen. Erst indem die Lebenskräfte eine Einheit bilden, machen sie dieses alles nacheinander bewusst. Wenn die Rede spricht, sprechen alle Lebenskräfte mit; wenn das Auge sieht, sehen alle mit; wenn das Ohr hört, hören alle mit; wenn der Geist denkt, denken alle mit; wenn Prana atmet, atmen alle mit. „So ist es“, sagte Indra. „Doch gibt es unter den Lebenskräften einen Vorrang.“'''
'''Wort-für-Wort-Übersetzung''': ''saḥ uvāca'' – er sprach; ''prāṇaḥ asmi prajñātmā'' – ich bin Prana, Erkenntnis-Selbst; ''tam mām āyuḥ amṛtam iti upāssva'' – verehre mich als Leben und Unsterbliches; ''āyuḥ prāṇaḥ'' – Leben ist Prana; ''prāṇaḥ vā āyuḥ'' – Prana ist Leben; ''yāvat asmin śarīre prāṇaḥ vasati'' – solange Prana in diesem Körper wohnt; ''tāvat āyuḥ'' – so lange Leben; ''prāṇena asmin loke amṛtatvam āpnoti'' – durch Prana erlangt man hier Nichtsterben; ''prajñayā satyam saṅkalpam'' – durch Erkenntnis wahre Absicht; ''saḥ yaḥ mām upāste'' – wer mich verehrt; ''sarvam āyuḥ asmin loke eti'' – erreicht hier die volle Lebensdauer; ''āpnoti amṛtatvam akṣitim svarge loke'' – erlangt Unsterblichkeit und Unvergänglichkeit im Himmel; ''tat ha eke āhuḥ'' – einige sagen dazu; ''eka-bhūyam prāṇāḥ gacchanti'' – Lebenskräfte gehen in eine Einheit ein; ''na kaścana śaknuyāt sakṛt'' – niemand könnte gleichzeitig; ''vācā nāma'' – mit der Rede einen Namen; ''cakṣuṣā rūpam'' – mit dem Auge eine Gestalt; ''śrotreṇa śabdam'' – mit dem Ohr einen Ton; ''manasā dhyānam'' – mit dem Geist einen Gedanken; ''prajñāpayitum'' – bewusst machen; ''eka-bhūyam bhūtvā'' – eine Einheit bildend; ''ekaikam etāni sarvāṇi prajñāpayanti'' – machen all dieses nacheinander bewusst; ''vācam vadantīm sarve prāṇāḥ anuvadanti'' – der sprechenden Rede sprechen alle Lebenskräfte nach; ''cakṣuḥ paśyat anupaśyanti'' – dem sehenden Auge sehen sie nach; ''śrotram śṛṇvat anuśṛṇvanti'' – dem hörenden Ohr hören sie nach; ''manaḥ dhyāyat anudhyāyanti'' – dem denkenden Geist denken sie nach; ''prāṇam prāṇantam anuprāṇanti'' – dem atmenden Prana atmen sie nach; ''evam u etat'' – so ist es; ''indraḥ uvāca'' – Indra sagte; ''asti tu eva prāṇānām niḥśreyasam'' – es gibt aber einen Vorrang unter den Lebenskräften.
'''3.3a – Das Tragende im Leben'''<br>
jīvati vāgapetaḥ |<br>
mūkān hi paśyāmaḥ |<br>
jīvati cakṣurapetaḥ |<br>
andhān hi paśyāmaḥ |<br>
jīvati śrotrāpetaḥ |<br>
badhirān hi paśyāmaḥ |<br>
jīvati mano'petaḥ |<br>
bālān hi paśyāmaḥ |<br>
jīvati bāhuchinnaḥ |<br>
jīvaty ūrucchinna iti |<br>
evaṃ hi paśyāma iti |<br>
atha khalu prāṇa eva prajñātmā idaṃ śarīraṃ parigṛhyotthāpayati |<br>
tasmād etad evoktham upāsīteti |<br>
saiṣā prāṇe sarvāptir yo vai prāṇaḥ sā prajñā |<br>
yā vai prajñā sa prāṇaḥ |<br>
'''Man lebt ohne Rede; wir sehen Menschen ohne Sprechvermögen. Man lebt ohne Sehen; wir sehen Blinde. Man lebt ohne Hören; wir sehen Gehörlose. Man lebt ohne ausgebildetes Denken; wir sehen Unmündige. Man lebt mit abgetrenntem Arm, man lebt mit abgetrenntem Schenkel: So sehen wir es. Prana aber, das Erkenntnis-Selbst, umfasst diesen Körper und richtet ihn auf. Deshalb verehre man es als Uktha. Dies ist das völlige Zusammenkommen in Prana. Was Prana ist, das ist Erkenntnis; was Erkenntnis ist, das ist Prana.'''
'''Wort-für-Wort-Übersetzung''': ''jīvati vāg-apetaḥ'' – man lebt ohne Rede; ''mūkān hi paśyāmaḥ'' – denn wir sehen Menschen ohne Sprechvermögen; ''jīvati cakṣur-apetaḥ'' – man lebt ohne Sehen; ''andhān hi paśyāmaḥ'' – denn wir sehen Blinde; ''jīvati śrotra-apetaḥ'' – man lebt ohne Hören; ''badhirān hi paśyāmaḥ'' – denn wir sehen Gehörlose; ''jīvati mano-apetaḥ'' – man lebt ohne ausgebildetes Denken; ''bālān hi paśyāmaḥ'' – denn wir sehen Unmündige; ''jīvati bāhu-chinnaḥ'' – man lebt mit abgetrenntem Arm; ''jīvati ūru-cchinnaḥ'' – man lebt mit abgetrenntem Schenkel; ''evam hi paśyāmaḥ'' – so sehen wir es; ''atha khalu'' – aber; ''prāṇaḥ eva prajñātmā'' – Prana als Erkenntnis-Selbst; ''idam śarīram parigṛhya utthāpayati'' – umfasst und richtet diesen Körper auf; ''tasmāt'' – deshalb; ''etat eva uktham upāsīta'' – man verehre es als Uktha; ''sā eṣā prāṇe sarva-āptiḥ'' – dies ist das völlige Zusammenkommen in Prana; ''yaḥ vai prāṇaḥ sā prajñā'' – was Prana ist, ist Erkenntnis; ''yā vai prajñā saḥ prāṇaḥ'' – was Erkenntnis ist, ist Prana.
'''Textanmerkung:''' Uktha, ein Rezitations- oder Lobpreistext, wird hier mit dem Aufrichten, utthāpayati, verbunden. Die Beispiele begründen die Abhängigkeit einzelner Fähigkeiten vom Leben, keine geringere Würde von Menschen mit Behinderungen.
'''3.3b – Tiefschlaf und Erwachen'''<br>
tasyaiṣaiva dṛṣṭir etad vijñānam |<br>
yatraitat puruṣaḥ suptaḥ svapnaṃ na kañcana paśyaty athāsmin prāṇa evaikadhā bhavanti |<br>
tad enaṃ vāk sarvair nāmabhiḥ sahāpyeti |<br>
cakṣuḥ sarvaiḥ rūpaiḥ sahāpyeti |<br>
śrotraṃ sarvaiḥ śabdaiḥ sahāpyeti |<br>
manaḥ sarvair dhyānaiḥ sahāpyeti |<br>
sa yadā pratibudhyate yathāgner jvalataḥ sarvā diśo viṣphuliṅgā vipratiṣṭherann evam evaitasmād ātmanaḥ prāṇā yathāyatanaṃ vipratiṣṭhante |<br>
prāṇebhyo devāḥ |<br>
devebhyo lokāḥ |<br>
sa eṣa prāṇa eva prajñātmedaṃ śarīraṃ parigṛhyotthāpayati |<br>
tasmād etad evoktham upāsīteti |<br>
saiṣā prāṇe sarvāptiḥ |<br>
yo vai prāṇaḥ sā prajñā |<br>
yā vai prajñā sa prāṇaḥ |<br>
'''Daran lässt es sich sehen und erkennen: Wenn ein Mensch schläft und keinen Traum sieht, werden die Kräfte in diesem Prana eins. Die Rede geht mit allen Namen in ihn ein, das Auge mit allen Gestalten, das Ohr mit allen Tönen, der Geist mit allen Gedanken. Wenn er erwacht, treten aus diesem Selbst die Lebenskräfte zu ihren jeweiligen Orten hervor, wie Funken eines brennenden Feuers in alle Richtungen auseinanderfliegen. Aus den Lebenskräften die Götter, aus den Göttern die Welten. Dieses Prana, das Erkenntnis-Selbst, umfasst den Körper und richtet ihn auf. Deshalb verehre man es als Uktha. Dies ist das völlige Zusammenkommen in Prana. Was Prana ist, ist Erkenntnis; was Erkenntnis ist, ist Prana.'''
'''Wort-für-Wort-Übersetzung''': ''tasya eṣā eva dṛṣṭiḥ etat vijñānam'' – daran lässt es sich sehen und erkennen; ''yatra puruṣaḥ suptaḥ svapnam na kañcana paśyati'' – wenn der Mensch schlafend keinen Traum sieht; ''atha asmin prāṇe eva ekadhā bhavanti'' – werden die Kräfte in diesem Prana eins; ''tat enam vāk sarvaiḥ nāmabhiḥ saha apyeti'' – die Rede geht mit allen Namen in ihn ein; ''cakṣuḥ sarvaiḥ rūpaiḥ saha apyeti'' – das Auge mit allen Gestalten; ''śrotram sarvaiḥ śabdaiḥ saha apyeti'' – das Ohr mit allen Tönen; ''manaḥ sarvaiḥ dhyānaiḥ saha apyeti'' – der Geist mit allen Gedanken; ''saḥ yadā pratibudhyate'' – wenn er erwacht; ''yathā agneḥ jvalataḥ'' – wie aus brennendem Feuer; ''sarvāḥ diśaḥ viṣphuliṅgāḥ vipratiṣṭheran'' – Funken in alle Richtungen auseinanderfliegen; ''evam etasmāt ātmanaḥ'' – so aus diesem Selbst; ''prāṇāḥ yathā-āyatanam vipratiṣṭhante'' – Lebenskräfte treten an ihre Orte hervor; ''prāṇebhyaḥ devāḥ'' – aus Lebenskräften die Götter; ''devebhyaḥ lokāḥ'' – aus Göttern die Welten; ''saḥ eṣaḥ prāṇaḥ eva prajñātmā'' – dieses Prana als Erkenntnis-Selbst; ''idam śarīram parigṛhya utthāpayati'' – umfasst und richtet diesen Körper auf; ''tasmāt etat uktham upāsīta'' – deshalb als Uktha verehren; ''sā eṣā prāṇe sarva-āptiḥ'' – dies ist das völlige Zusammenkommen in Prana; ''yaḥ prāṇaḥ sā prajñā'' – Prana ist Erkenntnis; ''yā prajñā saḥ prāṇaḥ'' – Erkenntnis ist Prana.
'''3.3c – Sterben'''<br>
tasyaiṣaiva siddhir etad vijñānam |<br>
yatraitat puruṣa ārto mariṣyan ābalyaṃ nītya sammohaṃ nyeti tad āhur udakramīc cid iti |<br>
tan na śṛṇoti na paśyati na vācā vadati na dhyāyati |<br>
athāsmin prāṇa evaikadhā bhavanti |<br>
tad enaṃ vāk sarvair nāmabhiḥ sahāpyeti |<br>
cakṣuḥ sarvaiḥ rūpaiḥ sahāpyeti |<br>
śrotraṃ sarvaiḥ śabdaiḥ sahāpyeti |<br>
manaḥ sarvair dhyānaiḥ sahāpyeti |<br>
sa yadāsmāc charīrād utkrāmati sahaivaitaiḥ sarvair utkrāmati ||3||<br>
'''Daran lässt es sich erweisen und erkennen: Wenn ein Mensch krank ist und sterben wird, kraftlos wird und in Bewusstlosigkeit versinkt, sagt man: „Sein Bewusstsein ist fortgegangen.“ Er hört nicht, sieht nicht, spricht nicht und denkt nicht. Dann werden die Kräfte in diesem Prana eins. Die Rede geht mit allen Namen in ihn ein, das Auge mit allen Gestalten, das Ohr mit allen Tönen, der Geist mit allen Gedanken. Wenn er aus diesem Körper auszieht, zieht er mit all diesen gemeinsam aus.'''
'''Wort-für-Wort-Übersetzung''': ''tasya eṣā eva siddhiḥ etat vijñānam'' – daran lässt es sich erweisen und erkennen; ''yatra puruṣaḥ ārtaḥ mariṣyan'' – wenn ein kranker Mensch sterben wird; ''ābalyam nītvā'' – kraftlos geworden; ''sammoham nyeti'' – in Bewusstlosigkeit versinkt; ''tat āhuḥ'' – dann sagt man; ''udakramīt cit'' – das Bewusstsein ging fort; ''na śṛṇoti'' – hört nicht; ''na paśyati'' – sieht nicht; ''na vācā vadati'' – spricht nicht; ''na dhyāyati'' – denkt nicht; ''atha asmin prāṇe eva ekadhā bhavanti'' – dann werden die Kräfte in diesem Prana eins; ''vāk sarvaiḥ nāmabhiḥ saha apyeti'' – Rede geht mit allen Namen hinein; ''cakṣuḥ sarvaiḥ rūpaiḥ saha apyeti'' – Auge mit allen Gestalten; ''śrotram sarvaiḥ śabdaiḥ saha apyeti'' – Ohr mit allen Tönen; ''manaḥ sarvaiḥ dhyānaiḥ saha apyeti'' – Geist mit allen Gedanken; ''yadā asmāt śarīrāt utkrāmati'' – wenn er aus diesem Körper auszieht; ''saha eva etaiḥ sarvaiḥ utkrāmati'' – zieht er mit all diesen gemeinsam aus.
'''Textanmerkung:''' Die Ausgabe bietet nītya; die in der Worterklärung verwendete reguläre Form nītvā macht den gemeinten Satzanschluss deutlich.
'''3.4'''<br>
vāg asmāt sarvāṇi nāmāny abhivisṛjate |<br>
vācā sarvāṇi nāmāny āpnoti |<br>
prāṇo 'smāt sarvān gandhān abhivisṛjate |<br>
prāṇena sarvān gandhān āpnoti |<br>
cakṣur asmāt sarvāṇi rūpāṇy abhivisṛjate |<br>
cakṣuṣā sarvāṇi rūpāṇy āpnoti |<br>
śrotram asmāt sarvāñ chabdān abhivisṛjate |<br>
śrotreṇa sarvāñ chabdān āpnoti |<br>
mano 'smāt sarvāṇi dhyānāny abhivisṛjate |<br>
manasā sarvāṇi dhyānāny āpnoti |<br>
saiṣā prāṇe sarvāptiḥ |<br>
yo vai prāṇaḥ sā prajñā |<br>
yā vai prajñā sa prāṇaḥ |<br>
saha hy etāv asmiñ charīre vasataḥ sahotkrāmataḥ |<br>
atha khalu yathāsyai prajñāyai sarvāṇi bhūtāny ekaṃ bhavanti tad vyākhyāsyāmaḥ ||4||<br>
'''Die Rede entlässt aus ihm alle Namen; mit der Rede erlangt er alle Namen. Der Atem entlässt aus ihm alle Gerüche; mit dem Atem erlangt er alle Gerüche. Das Auge entlässt aus ihm alle Gestalten; mit dem Auge erlangt er alle Gestalten. Das Ohr entlässt aus ihm alle Töne; mit dem Ohr erlangt er alle Töne. Der Geist entlässt aus ihm alle Gedanken; mit dem Geist erlangt er alle Gedanken. Dies ist das völlige Zusammenkommen in Prana. Was Prana ist, ist Erkenntnis; was Erkenntnis ist, ist Prana. Beide wohnen gemeinsam in diesem Körper und ziehen gemeinsam aus. Nun wollen wir erklären, wie alle Wesen für diese Erkenntnis eins werden.'''
'''Wort-für-Wort-Übersetzung''': ''vāk'' – Rede; ''asmāt'' – aus ihm; ''sarvāṇi nāmāni abhivisṛjate'' – entlässt alle Namen; ''vācā sarvāṇi nāmāni āpnoti'' – mit der Rede erlangt er alle Namen; ''prāṇaḥ'' – Atem; ''sarvān gandhān'' – alle Gerüche; ''prāṇena'' – mit dem Atem; ''cakṣuḥ'' – Auge; ''sarvāṇi rūpāṇi'' – alle Gestalten; ''cakṣuṣā'' – mit dem Auge; ''śrotram'' – Ohr; ''sarvān śabdān'' – alle Töne; ''śrotreṇa'' – mit dem Ohr; ''manaḥ'' – Geist; ''sarvāṇi dhyānāni'' – alle Gedanken; ''manasā'' – mit dem Geist; ''sā eṣā prāṇe sarva-āptiḥ'' – dies ist das völlige Zusammenkommen in Prana; ''yaḥ prāṇaḥ sā prajñā'' – Prana ist Erkenntnis; ''yā prajñā saḥ prāṇaḥ'' – Erkenntnis ist Prana; ''saha hi etau asmin śarīre vasataḥ'' – beide wohnen gemeinsam in diesem Körper; ''saha utkrāmataḥ'' – ziehen gemeinsam aus; ''atha khalu'' – nun; ''yathā asyai prajñāyai sarvāṇi bhūtāni ekam bhavanti'' – wie alle Wesen für diese Erkenntnis eins werden; ''tat vyākhyāsyāmaḥ'' – das wollen wir erklären.
'''Textanmerkung:''' Abhivisṛjate wird in Übersetzungen sowohl als Hervortretenlassen als auch im Zusammenhang als Zurückführen der Sinnesgegenstände verstanden. Hier bleibt die sprachlich naheliegende Bewegungsrichtung „aus ihm“ erhalten.
'''3.5'''<br>
vāg evāsyā ekam aṅgam udūḍham |<br>
tasyai nāma parastāt prativihitā bhūtamātrā |<br>
ghrāṇa evāsyā ekam aṅgam udūḍham |<br>
tasya gandhaḥ parastāt prativihitā bhūtamātrā |<br>
cakṣur evāsyā ekam aṅgam udūḍham |<br>
tasya rūpaṃ parastāt prativihitā bhūtamātrā |<br>
śrotram evāsyā ekam aṅgam udūḍham |<br>
tasya śabdaḥ parastāt prativihitā bhūtamātrā |<br>
jihvaivāsyā ekam aṅgam udūḍham |<br>
tasya annarasaḥ parastāt prativihitā bhūtamātrā |<br>
hastāv evāsyā ekam aṅgam udūḍham |<br>
tayoḥ karma parastāt prativihitā bhūtamātrā |<br>
śarīram evāsyā ekam aṅgam udūḍham |<br>
tasya sukhaduḥkhe parastāt prativihitā bhūtamātrā |<br>
upastha evāsyā ekam aṅgam udūḍham |<br>
tasyānando ratiḥ prajātiḥ parastāt prativihitā bhūtamātrā |<br>
pādāv evāsyā ekam aṅgam udūḍham |<br>
tayor ityāḥ parastāt prativihitā bhūtamātrā |<br>
prajñaivāsyā ekam aṅgam udūḍham |<br>
tasyai dhiyo vijñātavyaṃ kāmāḥ parastāt prativihitā bhūtamātrā ||5||<br>
'''Rede ist eine aus ihr hervorgetretene Funktion; Namen ist ihr außen zugeordneter gegenständlicher Bereich. Riechorgan ist eine aus ihr hervorgetretene Funktion; Geruch ist ihr außen zugeordneter gegenständlicher Bereich. Auge ist eine aus ihr hervorgetretene Funktion; Gestalt ist ihr außen zugeordneter gegenständlicher Bereich. Ohr ist eine aus ihr hervorgetretene Funktion; Ton ist ihr außen zugeordneter gegenständlicher Bereich. Zunge ist eine aus ihr hervorgetretene Funktion; Nahrungsgeschmack ist ihr außen zugeordneter gegenständlicher Bereich. Die Hände sind eine aus ihr hervorgetretene Funktion; Handlung ist ihr außen zugeordneter gegenständlicher Bereich. Körper ist eine aus ihr hervorgetretene Funktion; Lust und Leid ist ihr außen zugeordneter gegenständlicher Bereich. Geschlechtsorgan ist eine aus ihr hervorgetretene Funktion; Wonne, Liebeslust und Zeugung ist ihr außen zugeordneter gegenständlicher Bereich. Die Füße sind eine aus ihr hervorgetretene Funktion; Bewegung ist ihr außen zugeordneter gegenständlicher Bereich. Erkenntnisvermögen ist eine aus ihr hervorgetretene Funktion; Gedanken, das zu Erkennende und Wünsche ist ihr außen zugeordneter gegenständlicher Bereich.'''
'''Wort-für-Wort-Übersetzung''': ''asyāḥ'' – aus dieser Erkenntnis; ''ekam aṅgam udūḍham'' – eine herausgetretene Funktion; ''tasyai, tasya, tayoḥ'' – ihr, ihm, ihnen; ''parastāt prativihitā'' – außen zugeordnet; ''bhūta-mātrā'' – gegenständlicher Bereich; ''vāk'' – Rede; ''nāma'' – Namen; ''ghrāṇaḥ'' – Riechorgan; ''gandhaḥ'' – Geruch; ''cakṣuḥ'' – Auge; ''rūpam'' – Gestalt; ''śrotram'' – Ohr; ''śabdaḥ'' – Ton; ''jihvā'' – Zunge; ''anna-rasaḥ'' – Nahrungsgeschmack; ''hastau'' – Hände; ''karma'' – Handlung; ''śarīram'' – Körper; ''sukha-duḥkhe'' – Lust und Leid; ''upasthaḥ'' – Geschlechtsorgan; ''ānandaḥ ratiḥ prajātiḥ'' – Wonne, Liebeslust und Zeugung; ''pādau'' – Füße; ''ityāḥ'' – Bewegung; ''prajñā'' – Erkenntnisvermögen; ''dhiyaḥ vijñātavyam kāmāḥ'' – Gedanken, das zu Erkennende und Wünsche.
'''Textanmerkung:''' „Ihr“ bezieht sich auf Prajna, die Erkenntnis. Die grammatische Parallelform der Sanskritsätze wird bewahrt; „Funktion“ gibt hier aṅga, Glied, wieder.
'''3.6'''<br>
prajñayā vācaṃ samāruhya vācā sarvāṇi nāmāny āpnoti |<br>
prajñayā ghrāṇaṃ samāruhya ghrāṇena sarvān gandhān āpnoti |<br>
prajñayā cakṣuḥ samāruhya cakṣuṣā sarvāṇi rūpāṇy āpnoti |<br>
prajñayā śrotraṃ samāruhya śrotreṇa sarvāñ chabdān āpnoti |<br>
prajñayā jihvāṃ samāruhya jihvayā sarvān annarasān āpnoti |<br>
prajñayā hastau samāruhya hastābhyāṃ sarvāṇi karmāṇy āpnoti |<br>
prajñayā śarīraṃ samāruhya śarīreṇa sukhaduḥkhe āpnoti |<br>
prajñayopasthaṃ samāruhyopasthenānandaṃ ratiṃ prajātim āpnoti |<br>
prajñayā pādau samāruhya pādābhyāṃ sarvā ityā āpnoti |<br>
prajñayaiva dhiyaṃ samāruhya prajñayaiva dhiyo vijñātavyaṃ kāmān āpnoti ||6||<br>
'''Indem man mit Erkenntnis die Rede betritt, erlangt man mit der Rede alle Namen. Indem man mit Erkenntnis das Riechorgan betritt, erlangt man mit dem Riechorgan alle Gerüche. Indem man mit Erkenntnis das Auge betritt, erlangt man mit dem Auge alle Gestalten. Indem man mit Erkenntnis das Ohr betritt, erlangt man mit dem Ohr alle Töne. Indem man mit Erkenntnis die Zunge betritt, erlangt man mit der Zunge alle Nahrungsgeschmäcke. Indem man mit Erkenntnis die Hände betritt, erlangt man mit den Händen alle Handlungen. Indem man mit Erkenntnis den Körper betritt, erlangt man mit dem Körper Lust und Leid. Indem man mit Erkenntnis das Geschlechtsorgan betritt, erlangt man mit dem Geschlechtsorgan Wonne, Liebeslust und Zeugung. Indem man mit Erkenntnis die Füße betritt, erlangt man mit den Füßen alle Bewegungen. Indem man mit Erkenntnis das Denken betritt, erlangt man mit der Erkenntnis Gedanken, das zu Erkennende und Wünsche.'''
'''Wort-für-Wort-Übersetzung''': ''prajñayā'' – mit Erkenntnis; ''samāruhya'' – betretend, sich aufstützend; ''āpnoti'' – erlangt; ''sarvāṇi, sarvān, sarvāḥ'' – alle; ''vācam, vācā'' – Rede, durch Rede; ''nāmāni'' – Namen; ''ghrāṇam, ghrāṇena'' – Riechorgan, durch Riechorgan; ''gandhān'' – Gerüche; ''cakṣuḥ, cakṣuṣā'' – Auge, durch Auge; ''rūpāṇi'' – Gestalten; ''śrotram, śrotreṇa'' – Ohr, durch Ohr; ''śabdān'' – Töne; ''jihvām, jihvayā'' – Zunge, durch Zunge; ''anna-rasān'' – Nahrungsgeschmäcke; ''hastau, hastābhyām'' – Hände, durch Hände; ''karmāṇi'' – Handlungen; ''śarīram, śarīreṇa'' – Körper, durch Körper; ''sukha-duḥkhe'' – Lust und Leid; ''upastham, upasthena'' – Geschlechtsorgan, durch Geschlechtsorgan; ''ānandam'' – Wonne; ''ratim'' – Liebeslust; ''prajātim'' – Zeugung; ''pādau, pādābhyām'' – Füße, durch Füße; ''ityāḥ'' – Bewegungen; ''dhiyam'' – Denken; ''prajñayā eva'' – durch Erkenntnis allein; ''dhiyaḥ'' – Gedanken; ''vijñātavyam'' – das zu Erkennende; ''kāmān'' – Wünsche.
'''3.7'''<br>
na hi prajñāpetā vāṅ nāma kiñcana prajñāpayet |<br>
anyatra me mano 'bhūd ity āha |<br>
nāham etan nāma prājñāsiṣam iti |<br>
na hi prajñāpetaḥ ghrāṇo gandhaṃ kañcana prajñāpayet |<br>
anyatra me mano 'bhūd ity āha |<br>
nāham etaṃ gandhaṃ prājñāsiṣam iti |<br>
na hi prajñāpetaṃ cakṣū rūpaṃ kiñcana prajñāpayet |<br>
anyatra me mano 'bhūd ity āha |<br>
nāham etad rūpaṃ prājñāsiṣam iti |<br>
na hi prajñāpetaṃ śrotraṃ śabdaṃ kañcana prajñāpayet |<br>
anyatra me mano 'bhūd ity āha |<br>
nāham etaṃ śabdaṃ prājñāsiṣam iti |<br>
na prajñāpetā jihvānnarasaṃ kañcana prajñāpayet |<br>
anyatra me mano 'bhūd ity āha |<br>
nāham etam annarasaṃ prājñāsiṣam iti |<br>
na hi prajñāpetau hastau karma kiñcana prajñāpayeyātām |<br>
anyatra me mano 'bhūd ity āha |<br>
nāham etat karma prājñāsiṣam iti |<br>
na hi prajñāpetaṃ śarīraṃ sukhaduḥkhaṃ kiñcana prajñāpayet |<br>
anyatra me mano 'bhūd ity āha |<br>
nāham etat sukhaduḥkhaṃ prājñāsiṣam iti |<br>
na hi prajñāpeta upastha ānandaṃ ratiṃ prajātiṃ kāñcana prajñāpayet |<br>
anyatra me mano 'bhūd ity āha |<br>
nāham etam ānandaṃ na ratiṃ na prajātiṃ prājñāsiṣam iti |<br>
na hi prajñāpetau pādāv ityāṃ kāñcana prajñāpayeyātām |<br>
anyatra me mano 'bhūd ity āha |<br>
nāham etām ityāṃ prājñāsiṣam |<br>
iti na hi prajñāpetā dhīḥ kācana sidhyen na prajñātavyaṃ prajñāyeta ||7||<br>
'''Ohne Erkenntnis kann die Rede einen Namen nicht bewusst machen. Man sagt: „Mein Geist war anderswo; ich habe diesen Namen nicht wahrgenommen.“ Ohne Erkenntnis kann das Riechorgan einen Geruch nicht bewusst machen. Man sagt: „Mein Geist war anderswo; ich habe diesen Geruch nicht wahrgenommen.“ Ohne Erkenntnis kann das Auge eine Gestalt nicht bewusst machen. Man sagt: „Mein Geist war anderswo; ich habe diese Gestalt nicht wahrgenommen.“ Ohne Erkenntnis kann das Ohr einen Ton nicht bewusst machen. Man sagt: „Mein Geist war anderswo; ich habe diesen Ton nicht wahrgenommen.“ Ohne Erkenntnis kann die Zunge einen Nahrungsgeschmack nicht bewusst machen. Man sagt: „Mein Geist war anderswo; ich habe diesen Nahrungsgeschmack nicht wahrgenommen.“ Ohne Erkenntnis können die Hände eine Handlung nicht bewusst machen. Man sagt: „Mein Geist war anderswo; ich habe diese Handlung nicht wahrgenommen.“ Ohne Erkenntnis kann der Körper Lust oder Leid nicht bewusst machen. Man sagt: „Mein Geist war anderswo; ich habe diese Lust oder dieses Leid nicht wahrgenommen.“ Ohne Erkenntnis kann das Geschlechtsorgan Wonne, Liebeslust oder Zeugung nicht bewusst machen. Man sagt: „Mein Geist war anderswo; ich habe diese Wonne, Liebeslust oder Zeugung nicht wahrgenommen.“ Ohne Erkenntnis können die Füße eine Bewegung nicht bewusst machen. Man sagt: „Mein Geist war anderswo; ich habe diese Bewegung nicht wahrgenommen.“ Ohne Erkenntnis kann kein Gedanke gelingen und nichts zu Erkennendes erkannt werden.'''
'''Wort-für-Wort-Übersetzung''': ''na hi'' – denn nicht; ''prajñā-apetā, prajñā-apetaḥ, prajñā-apetam'' – ohne Erkenntnis; ''vāk'' – Rede; ''nāma kiñcana'' – irgendeinen Namen; ''prajñāpayet'' – könnte bewusst machen; ''anyatra me manaḥ abhūt'' – mein Geist war anderswo; ''iti āha'' – so sagt man; ''na aham etat prājñāsiṣam'' – ich habe dieses nicht wahrgenommen; ''ghrāṇaḥ'' – Riechorgan; ''gandham kañcana'' – irgendeinen Geruch; ''cakṣuḥ'' – Auge; ''rūpam kiñcana'' – irgendeine Gestalt; ''śrotram'' – Ohr; ''śabdam kañcana'' – irgendeinen Ton; ''jihvā'' – Zunge; ''anna-rasam kañcana'' – irgendeinen Nahrungsgeschmack; ''hastau'' – Hände; ''karma kiñcana'' – irgendeine Handlung; ''prajñāpayeyātām'' – könnten bewusst machen; ''śarīram'' – Körper; ''sukha-duḥkham kiñcana'' – irgendeine Lust oder irgendein Leid; ''upasthaḥ'' – Geschlechtsorgan; ''ānandam ratim prajātim'' – Wonne, Liebeslust und Zeugung; ''pādau'' – Füße; ''ityām kāñcana'' – irgendeine Bewegung; ''dhīḥ kācana sidhyet'' – irgendein Gedanke könnte gelingen; ''na prajñātavyam prajñāyeta'' – nichts zu Erkennendes würde erkannt.
'''Textanmerkung:''' Die Wiederholung der Aussage über den abgelenkten Geist ist Bestandteil des Textes und wird vollständig wiedergegeben.
'''3.8a – Suche den Erkennenden'''<br>
na vācaṃ vijijñāsīta |<br>
vaktāraṃ vidyāt |<br>
na gandhaṃ vijijñāsīta |<br>
ghrātāraṃ vidyāt |<br>
na rūpaṃ vijijñāsīta |<br>
draṣṭāraṃ vidyāt |<br>
na śabdaṃ vijijñāsīta |<br>
śrotāraṃ vidyāt |<br>
nānnarasaṃ vijijñāsīta |<br>
annarasasya vijñātāraṃ vidyāt |<br>
na karma vijijñāsīta |<br>
kartāraṃ vidyāt |<br>
na sukhaduḥkhe vijijñāsīta |<br>
sukhaduḥkhayor vijñātāraṃ vidyāt |<br>
nānandaṃ na ratiṃ na prajātiṃ vijijñāsīta |<br>
ānandasya rateḥ prajāter vijñātāraṃ vidyāt |<br>
netyāṃ vijijñāsīta |<br>
etāraṃ vidyāt |<br>
na mano vijijñāsīta |<br>
mantāraṃ vidyāt |<br>
'''Man suche nicht die Rede zu erkennen, sondern erkenne den Sprecher. Man suche nicht den Geruch zu erkennen, sondern erkenne den Riechenden. Man suche nicht die Gestalt zu erkennen, sondern erkenne den Sehenden. Man suche nicht den Ton zu erkennen, sondern erkenne den Hörenden. Man suche nicht den Nahrungsgeschmack zu erkennen, sondern erkenne den Kenner des Nahrungsgeschmacks. Man suche nicht die Handlung zu erkennen, sondern erkenne den Handelnden. Man suche nicht Lust und Leid zu erkennen, sondern ihren Erkenner. Man suche nicht Wonne, Liebeslust und Zeugung zu erkennen, sondern ihren Erkenner. Man suche nicht die Bewegung zu erkennen, sondern den Gehenden. Man suche nicht den Geist zu erkennen, sondern den Denkenden.'''
'''Wort-für-Wort-Übersetzung''': ''na vijijñāsīta'' – man suche nicht zu erkennen; ''vidyāt'' – man erkenne; ''vācam'' – Rede; ''vaktāram'' – Sprecher; ''gandham'' – Geruch; ''ghrātāram'' – Riechenden; ''rūpam'' – Gestalt; ''draṣṭāram'' – Sehenden; ''śabdam'' – Ton; ''śrotāram'' – Hörenden; ''anna-rasam'' – Nahrungsgeschmack; ''anna-rasasya vijñātāram'' – Kenner des Nahrungsgeschmacks; ''karma'' – Handlung; ''kartāram'' – Handelnden; ''sukha-duḥkhe'' – Lust und Leid; ''sukha-duḥkhayoḥ vijñātāram'' – Erkenner von Lust und Leid; ''ānandam'' – Wonne; ''ratim'' – Liebeslust; ''prajātim'' – Zeugung; ''ānandasya rateḥ prajāteḥ vijñātāram'' – Erkenner von Wonne, Liebeslust und Zeugung; ''ityām'' – Bewegung; ''etāram'' – Gehenden; ''manaḥ'' – Geist; ''mantāram'' – Denkenden.
'''3.8b – Speichen und Nabe'''<br>
tā vā etā daśaiva bhūtamātrā adhiprajñam |<br>
daśa prajñāmātrā adhibhūtam |<br>
yad dhi bhūtamātrā na syur na prajñāmātrāḥ syuḥ |<br>
yad vā prajñāmātrā na syur na bhūtamātrāḥ syuḥ |<br>
na hy anyatarato rūpaṃ kiñcana sidhyet |<br>
no etan nānā |<br>
tad yathā rathasyāreṣu nemir arpitā |<br>
nābhāv arā arpitā |<br>
evam evaitā bhūtamātrāḥ prajñāmātrāsv arpitāḥ |<br>
prajñāmātrāḥ prāṇe 'rpitāḥ |<br>
'''Diese zehn gegenständlichen Bereiche beziehen sich auf Erkenntnis; die zehn Erkenntnisbereiche beziehen sich auf die Gegenstände. Gäbe es keine Gegenstandsbereiche, gäbe es keine Erkenntnisbereiche; gäbe es keine Erkenntnisbereiche, gäbe es keine Gegenstandsbereiche. Aus nur einer der beiden Seiten könnte keine Gestalt zustande kommen. Sie sind nicht voneinander getrennt. Wie beim Wagen der Radkranz auf den Speichen und die Speichen in der Nabe ruhen, so ruhen diese Gegenstandsbereiche in den Erkenntnisbereichen und die Erkenntnisbereiche in Prana.'''
'''Wort-für-Wort-Übersetzung''': ''tāḥ etāḥ daśa eva bhūta-mātrāḥ'' – diese zehn gegenständlichen Bereiche; ''adhi-prajñam'' – auf Erkenntnis bezogen; ''daśa prajñā-mātrāḥ'' – zehn Erkenntnisbereiche; ''adhi-bhūtam'' – auf Gegenstände bezogen; ''yat hi bhūta-mātrāḥ na syuḥ'' – wenn es keine Gegenstandsbereiche gäbe; ''na prajñā-mātrāḥ syuḥ'' – gäbe es keine Erkenntnisbereiche; ''yat vā prajñā-mātrāḥ na syuḥ'' – wenn es keine Erkenntnisbereiche gäbe; ''na bhūta-mātrāḥ syuḥ'' – gäbe es keine Gegenstandsbereiche; ''na hi anyatarataḥ rūpam kiñcana sidhyet'' – aus nur einer Seite könnte keine Gestalt zustande kommen; ''na u etat nānā'' – dies ist nicht getrennt; ''tat yathā rathasya'' – wie beim Wagen; ''areṣu nemiḥ arpitā'' – Radkranz auf den Speichen ruht; ''nābhau arāḥ arpitāḥ'' – Speichen in der Nabe ruhen; ''evam eva'' – ebenso; ''etāḥ bhūta-mātrāḥ prajñā-mātrāsu arpitāḥ'' – Gegenstandsbereiche in Erkenntnisbereichen ruhen; ''prajñā-mātrāḥ prāṇe arpitāḥ'' – Erkenntnisbereiche in Prana ruhen.
'''3.8c – Das Selbst'''<br>
sa eṣa prāṇa eva prajñātmānanto 'jaro 'mṛtaḥ |<br>
na sādhunā karmaṇā bhūyān bhavati no evāsādhunā kanīyān |<br>
eṣa hy eva sādhu karma kārayati taṃ yam ebhyo lokebhya unninīṣate |<br>
eṣa u evāsādhu karma kārayati taṃ yam adho ninīṣate |<br>
eṣa lokapālaḥ |<br>
eṣa lokādhipatiḥ |<br>
eṣa lokeśaḥ |<br>
sa ma ātmeti vidyāt |<br>
sa ma ātmeti vidyāt ||8||<br>
'''Dieses Prana, das Erkenntnis-Selbst, ist unbegrenzt, alterslos und unsterblich. Es wird durch gutes Handeln nicht größer und durch schlechtes nicht geringer. Es lässt den gutes Handeln tun, den es aus diesen Welten hinaufführen will; es lässt den schlechtes Handeln tun, den es hinabführen will. Es ist der Weltenhüter, der Weltenherrscher, der Herr der Welten. „Es ist mein Selbst“, so soll man erkennen. „Es ist mein Selbst“, so soll man erkennen.'''
'''Wort-für-Wort-Übersetzung''': ''saḥ eṣaḥ prāṇaḥ eva prajñātmā'' – dieses Prana als Erkenntnis-Selbst; ''anantaḥ'' – unbegrenzt; ''ajaraḥ'' – alterslos; ''amṛtaḥ'' – unsterblich; ''na sādhunā karmaṇā bhūyān bhavati'' – wird durch gutes Handeln nicht größer; ''na u eva asādhunā kanīyān'' – auch durch schlechtes nicht geringer; ''eṣaḥ hi eva sādhu karma kārayati'' – es lässt gutes Handeln tun; ''tam yam ebhyaḥ lokebhyaḥ unninīṣate'' – den, den es aus diesen Welten hinaufführen will; ''eṣaḥ u eva asādhu karma kārayati'' – es lässt schlechtes Handeln tun; ''tam yam adhaḥ ninīṣate'' – den, den es hinabführen will; ''eṣaḥ loka-pālaḥ'' – es ist der Weltenhüter; ''eṣaḥ loka-adhipatiḥ'' – es ist der Weltenherrscher; ''eṣaḥ loka-īśaḥ'' – es ist der Herr der Welten; ''saḥ me ātmā iti vidyāt'' – es ist mein Selbst, so soll man erkennen.
'''Textanmerkung:''' Die benutzte Edition liest ananta, „unbegrenzt“; verbreitet ist auch ānanda, „Wonne“. Die Aussagen über das Veranlassen guten und schlechten Handelns sind Teil der hier vertretenen Herrschaftslehre und dürfen nicht als Aufhebung persönlicher Verantwortung missverstanden werden.
'''Abschluss des dritten Adhyaya'''<br>
iti kauṣītakibrāhmaṇopaniṣadi tṛtīyo'dhyāyaḥ ||<br>
'''Hier endet das dritte Kapitel der Kaushitaki Brahmana Upanishad.'''
'''Wort-für-Wort-Übersetzung''': ''iti'' – hiermit; ''kauṣītaki-brāhmaṇa-upaniṣadi'' – in der Kaushitaki Brahmana Upanishad; ''tṛtīyaḥ adhyāyaḥ'' – drittes Kapitel.
=== Vierter Adhyaya – Balaki und Ajatashatru ===
'''4.1'''<br>
atha ha vai gārgyo bālākir anūcānaḥ saṃspaṣṭa āsa |<br>
so 'vasad uśinareṣu satvanmatsyeṣu kurupañcāleṣu kāśivideheṣv iti |<br>
sa hājātaśatruṃ kāśyam āvrajyovāca brahma te bravāṇīti |<br>
taṃ hovācājātaśatruḥ sahasraṃ dadmas ta iti |<br>
etasyāṃ vāci janako janaka iti vā u janā dhāvantīti ||1||<br>
'''Gargya Balaki war ein bekannter Schriftgelehrter. Er hatte unter den Ushinaras, Satvan-Matsyas, Kuru-Pancalas und Kashi-Videhas gelebt. Er ging zu Ajatashatru, dem König von Kashi, und sagte: „Ich will dir Brahman erklären.“ Ajatashatru antwortete: „Wir geben dir dafür tausend [Kühe]. Denn bei einer solchen Rede laufen die Menschen gewöhnlich mit dem Ruf ‚Janaka! Janaka!‘ zu ihm.“'''
'''Wort-für-Wort-Übersetzung''': ''atha ha vai'' – es war nun; ''gārgyaḥ bālākiḥ'' – Gargya Balaki; ''anūcānaḥ'' – Schriftgelehrter; ''saṃspaṣṭaḥ āsa'' – war bekannt; ''saḥ avasat'' – er lebte; ''uśinareṣu'' – unter den Ushinaras; ''satvan-matsyeṣu'' – unter den Satvan-Matsyas; ''kuru-pañcāleṣu'' – unter den Kuru-Pancalas; ''kāśi-videheṣu'' – unter den Kashi-Videhas; ''saḥ ajātaśatrum kāśyam āvrajya'' – zu Ajatashatru von Kashi gehend; ''uvāca'' – sagte; ''brahma te bravāṇi'' – ich will dir Brahman erklären; ''tam uvāca ajātaśatruḥ'' – Ajatashatru antwortete ihm; ''sahasram dadmaḥ te'' – wir geben dir tausend; ''etasyām vāci'' – bei dieser Rede; ''janakaḥ janakaḥ iti'' – mit dem Ruf Janaka, Janaka; ''janāḥ dhāvanti'' – die Menschen laufen.
'''Textanmerkung:''' Die Kühe sind aus dem Zusammenhang ergänztes Objekt der Gabe. Ajatashatru spielt auf Janakas Ruhm als Förderer geistiger Gespräche an.
'''4.2'''<br>
āditye bṛhan |<br>
candramasy annam |<br>
vidyuti tejaḥ |<br>
stanayitnau śabdaḥ |<br>
vāyāv indro vaikuṇṭhaḥ |<br>
ākāśe pūrṇam |<br>
agnau viṣāsahir iti |<br>
apsu satyam |<br>
ity adhidaivatam |<br>
athādhyātmam |<br>
ādarśe pratirūpaḥ |<br>
chāyāyāṃ dvitīyaḥ |<br>
pratiśrutkāyām asur iti |<br>
śabde mṛtyuḥ |<br>
svapne yamaḥ |<br>
śarīre prajāpatiḥ |<br>
dakṣiṇe 'kṣiṇi vācaḥ |<br>
savye 'kṣiṇi satyasya ||2||<br>
'''In der Sonne: das Große. Im Mond: Nahrung. Im Blitz: Glanz. Im Donner: Ton. Im Wind: Indra Vaikuntha. Im Raum: Fülle. Im Feuer: der Überwältiger. Im Wasser: Wahrheit. So hinsichtlich der Gottheiten. Nun hinsichtlich des eigenen Selbst: Im Spiegel: das Ebenbild. Im Schatten: der Zweite. Im Echo: Lebenskraft. Im Ton: Tod. Im Traum: Yama. Im Körper: Prajapati. Im rechten Auge: das der Rede. Im linken Auge: das der Wahrheit.'''
'''Wort-für-Wort-Übersetzung''': ''āditye bṛhat'' – in der Sonne das Große; ''candramasi annam'' – im Mond Nahrung; ''vidyuti tejaḥ'' – im Blitz Glanz; ''stanayitnau śabdaḥ'' – im Donner Ton; ''vāyau indraḥ vaikuṇṭhaḥ'' – im Wind Indra Vaikuntha; ''ākāśe pūrṇam'' – im Raum Fülle; ''agnau viṣāsahiḥ'' – im Feuer der Überwältiger; ''apsu satyam'' – im Wasser Wahrheit; ''iti adhidaivatam'' – so hinsichtlich der Gottheiten; ''atha adhyātmam'' – nun hinsichtlich des Selbst; ''ādarśe pratirūpaḥ'' – im Spiegel Ebenbild; ''chāyāyām dvitīyaḥ'' – im Schatten der Zweite; ''pratiśrutkāyām asuḥ'' – im Echo Lebenskraft; ''śabde mṛtyuḥ'' – im Ton Tod; ''svapne yamaḥ'' – im Traum Yama; ''śarīre prajāpatiḥ'' – im Körper Prajapati; ''dakṣiṇe akṣiṇi vācaḥ'' – im rechten Auge das der Rede; ''savye akṣiṇi satyasya'' – im linken Auge das der Wahrheit.
'''Textanmerkung:''' Diese knappe Übersicht nimmt die folgenden Gespräche vorweg. Die letzten beiden Genitive werden erst dort ausdrücklich als „Selbst der Rede“ und „Selbst der Wahrheit“ entfaltet. Vaikuntha ist hier ein Beiname Indras.
'''4.3'''<br>
sa hovāca bālākir ya evaiṣa āditye puruṣas tam evāham upāsa iti |<br>
taṃ hovācājātaśatrur mā maitasmin saṃvādayiṣṭhāḥ |<br>
atiṣṭhāḥ sarveṣāṃ bhūtānāṃ mūrdheti vā aham etam upāsa iti |<br>
sa yo haitam evam upāste 'tiṣṭhāḥ sarveṣāṃ bhūtānāṃ mūrdhā bhavati ||3||<br>
'''Balaki sprach: „Ich verehre den Purusha in der Sonne.“ Ajatashatru antwortete: „Sprich mir davon nicht als etwas Neuem! Ich verehre ihn als den alles Überragenden, das Haupt aller Wesen.“ Wer ihn so verehrt, wird der alles Überragende, das Haupt aller Wesen.'''
'''Wort-für-Wort-Übersetzung''': ''saḥ uvāca bālākiḥ'' – Balaki sprach; ''yaḥ eva eṣaḥ puruṣaḥ'' – jener Purusha; ''āditye'' – in der Sonne; ''tam eva aham upāse'' – eben ihn verehre ich; ''tam uvāca ajātaśatruḥ'' – Ajatashatru antwortete ihm; ''mā mā etasmin saṃvādayiṣṭhāḥ'' – sprich mir davon nicht als etwas Neuem; ''aham etam upāse'' – ich verehre ihn; ''atiṣṭhāḥ'' – alles überragend; ''sarveṣām bhūtānām mūrdhā'' – Haupt aller Wesen; ''saḥ yaḥ etam evam upāste'' – wer ihn so verehrt; ''atiṣṭhāḥ sarveṣām bhūtānām mūrdhā bhavati'' – wird der alles Überragende, das Haupt aller Wesen.
'''Textanmerkung:''' Die wiederkehrende Antwort weist Balakis Deutung als dem König bereits bekannt zurück.
'''4.4'''<br>
sa hovāca bālākir ya evaiṣa candramasi puruṣas tam evāham upāsa iti |<br>
taṃ hovācājātaśatrur mā maitasmin saṃvādayiṣṭhāḥ |<br>
bṛhan pāṇḍaravāsāḥ somo rājānnasyātmeti vā aham etam upāsa iti |<br>
sa yo haitam evam upāste'nnasyātmā bhavati ||4||<br>
'''Balaki sprach: „Ich verehre den Purusha im Mond.“ Ajatashatru antwortete: „Sprich mir davon nicht als etwas Neuem! Ich verehre ihn als den Großen, Weißgekleideten, König Soma, das Selbst der Nahrung.“ Wer ihn so verehrt, wird das Selbst der Nahrung.'''
'''Wort-für-Wort-Übersetzung''': ''saḥ uvāca bālākiḥ'' – Balaki sprach; ''yaḥ eva eṣaḥ puruṣaḥ'' – jener Purusha; ''candramasi'' – im Mond; ''tam eva aham upāse'' – eben ihn verehre ich; ''tam uvāca ajātaśatruḥ'' – Ajatashatru antwortete ihm; ''mā mā etasmin saṃvādayiṣṭhāḥ'' – sprich mir davon nicht als etwas Neuem; ''aham etam upāse'' – ich verehre ihn; ''bṛhat'' – groß; ''pāṇḍara-vāsāḥ'' – weißgekleidet; ''somaḥ rājā'' – König Soma; ''annasya ātmā'' – Selbst der Nahrung; ''saḥ yaḥ etam evam upāste'' – wer ihn so verehrt; ''annasya ātmā bhavati'' – wird das Selbst der Nahrung.
'''4.5'''<br>
sa hovāca bālākir ya evaiṣa vidyuti puruṣas tam evāham upāsa iti |<br>
taṃ hovācājātaśatrur mā maitasmin saṃvādayiṣṭhāḥ |<br>
tejasa ātmeti vā aham etam upāsa iti |<br>
sa yo haitam evam upāste tejasa ātmā bhavati ||5||<br>
'''Balaki sprach: „Ich verehre den Purusha im Blitz.“ Ajatashatru antwortete: „Sprich mir davon nicht als etwas Neuem! Ich verehre ihn als das Selbst des Glanzes.“ Wer ihn so verehrt, wird das Selbst des Glanzes.'''
'''Wort-für-Wort-Übersetzung''': ''saḥ uvāca bālākiḥ'' – Balaki sprach; ''yaḥ eva eṣaḥ puruṣaḥ'' – jener Purusha; ''vidyuti'' – im Blitz; ''tam eva aham upāse'' – eben ihn verehre ich; ''tam uvāca ajātaśatruḥ'' – Ajatashatru antwortete ihm; ''mā mā etasmin saṃvādayiṣṭhāḥ'' – sprich mir davon nicht als etwas Neuem; ''aham etam upāse'' – ich verehre ihn; ''tejasaḥ ātmā'' – Selbst des Glanzes; ''saḥ yaḥ etam evam upāste'' – wer ihn so verehrt; ''tejasaḥ ātmā bhavati'' – wird das Selbst des Glanzes.
'''4.6'''<br>
sa hovāca bālākir ya evaiṣa stanayitnau puruṣas tam evāham upāsa iti |<br>
taṃ hovācājātaśatrur mā maitasmin saṃvādayiṣṭhāḥ |<br>
śabdasyātmeti vā aham etam upāsa iti |<br>
sa yo haitam evam upāste śabdasyātmā bhavati ||6||<br>
'''Balaki sprach: „Ich verehre den Purusha im Donner.“ Ajatashatru antwortete: „Sprich mir davon nicht als etwas Neuem! Ich verehre ihn als das Selbst des Tones.“ Wer ihn so verehrt, wird das Selbst des Tones.'''
'''Wort-für-Wort-Übersetzung''': ''saḥ uvāca bālākiḥ'' – Balaki sprach; ''yaḥ eva eṣaḥ puruṣaḥ'' – jener Purusha; ''stanayitnau'' – im Donner; ''tam eva aham upāse'' – eben ihn verehre ich; ''tam uvāca ajātaśatruḥ'' – Ajatashatru antwortete ihm; ''mā mā etasmin saṃvādayiṣṭhāḥ'' – sprich mir davon nicht als etwas Neuem; ''aham etam upāse'' – ich verehre ihn; ''śabdasya ātmā'' – Selbst des Tones; ''saḥ yaḥ etam evam upāste'' – wer ihn so verehrt; ''śabdasya ātmā bhavati'' – wird das Selbst des Tones.
'''4.7'''<br>
sa hovāca bālākir ya evaiṣa ākāśe puruṣas tam evāham upāsa iti |<br>
taṃ hovācājātaśatrur mā maitasmin saṃvādayiṣṭhāḥ |<br>
pūrṇam apravarti brahmeti vā aham etam upāsa iti |<br>
sa yo haitam evam upāste pūryate prajayā paśubhir yaśasā brahmavarcasena svargeṇa lokena |<br>
sarvam āyur eti ||7||<br>
'''Balaki sprach: „Ich verehre den Purusha im Raum.“ Ajatashatru antwortete: „Sprich mir davon nicht als etwas Neuem! Ich verehre ihn als das volle, unbewegte Brahman.“ Wer ihn so verehrt, wird mit Nachkommen, Vieh, Ruhm, Brahmanenglanz und der Himmelswelt erfüllt; er erreicht die volle Lebensdauer.'''
'''Wort-für-Wort-Übersetzung''': ''saḥ uvāca bālākiḥ'' – Balaki sprach; ''yaḥ eva eṣaḥ puruṣaḥ'' – jener Purusha; ''ākāśe'' – im Raum; ''tam eva aham upāse'' – eben ihn verehre ich; ''tam uvāca ajātaśatruḥ'' – Ajatashatru antwortete ihm; ''mā mā etasmin saṃvādayiṣṭhāḥ'' – sprich mir davon nicht als etwas Neuem; ''aham etam upāse'' – ich verehre ihn; ''pūrṇam'' – voll; ''apravarti'' – unbewegt; ''brahma'' – Brahman; ''saḥ yaḥ etam evam upāste'' – wer ihn so verehrt; ''pūryate'' – wird erfüllt; ''prajayā'' – mit Nachkommen; ''paśubhiḥ'' – mit Vieh; ''yaśasā'' – mit Ruhm; ''brahma-varcasena'' – mit Brahmanenglanz; ''svargeṇa lokena'' – mit der Himmelswelt; ''sarvam āyuḥ eti'' – erreicht die volle Lebensdauer.
'''4.8'''<br>
sa hovāca bālākir ya evaiṣa vāyau puruṣas tam evāham upāsa iti |<br>
taṃ hovācājātaśatrur mā maitasmin saṃvādayiṣṭhāḥ |<br>
indro vaikuṇṭho 'parājitā seneti vā aham etam upāsa iti |<br>
sa yo haitam evam upāste jiṣṇur ha vā aparājayiṣṇur anyatastyajāyī bhavati ||8||<br>
'''Balaki sprach: „Ich verehre den Purusha im Wind.“ Ajatashatru antwortete: „Sprich mir davon nicht als etwas Neuem! Ich verehre ihn als Indra Vaikuntha, das unbesiegte Heer.“ Wer ihn so verehrt, wird siegreich, unbesiegbar und Bezwinger anderer.'''
'''Wort-für-Wort-Übersetzung''': ''saḥ uvāca bālākiḥ'' – Balaki sprach; ''yaḥ eva eṣaḥ puruṣaḥ'' – jener Purusha; ''vāyau'' – im Wind; ''tam eva aham upāse'' – eben ihn verehre ich; ''tam uvāca ajātaśatruḥ'' – Ajatashatru antwortete ihm; ''mā mā etasmin saṃvādayiṣṭhāḥ'' – sprich mir davon nicht als etwas Neuem; ''aham etam upāse'' – ich verehre ihn; ''indraḥ vaikuṇṭhaḥ'' – Indra Vaikuntha; ''aparājitā senā'' – unbesiegtes Heer; ''saḥ yaḥ etam evam upāste'' – wer ihn so verehrt; ''jiṣṇuḥ'' – siegreich; ''aparājayiṣṇuḥ'' – unbesiegbar; ''anyatastya-jāyī'' – Bezwinger anderer; ''bhavati'' – wird.
'''4.9'''<br>
sa hovāca bālākir ya evaiṣa 'gnau puruṣas tam evāham upāsa iti |<br>
taṃ hovācājātaśatrur mā maitasmin saṃvādayiṣṭhāḥ |<br>
viṣāsahir iti vā aham etam upāsa iti |<br>
sa yo haitam evam upāste viṣāsahir ha vā anyeṣu bhavati ||9||<br>
'''Balaki sprach: „Ich verehre den Purusha im Feuer.“ Ajatashatru antwortete: „Sprich mir davon nicht als etwas Neuem! Ich verehre ihn als den Überwältiger.“ Wer ihn so verehrt, wird zum Überwältiger anderer.'''
'''Wort-für-Wort-Übersetzung''': ''saḥ uvāca bālākiḥ'' – Balaki sprach; ''yaḥ eva eṣaḥ puruṣaḥ'' – jener Purusha; ''agnau'' – im Feuer; ''tam eva aham upāse'' – eben ihn verehre ich; ''tam uvāca ajātaśatruḥ'' – Ajatashatru antwortete ihm; ''mā mā etasmin saṃvādayiṣṭhāḥ'' – sprich mir davon nicht als etwas Neuem; ''aham etam upāse'' – ich verehre ihn; ''viṣāsahiḥ'' – Überwältiger; ''saḥ yaḥ etam evam upāste'' – wer ihn so verehrt; ''viṣāsahiḥ anyeṣu bhavati'' – wird zum Überwältiger anderer.
'''4.10'''<br>
sa hovāca bālākir ya evaiṣo 'psu puruṣas tam evāham upāsa iti |<br>
taṃ hovācājātaśatrur mā maitasmin saṃvādayiṣṭhāḥ |<br>
satyasyātmeti vā aham etam upāsa iti |<br>
sa yo haitam evam upāste satyasyātmā bhavati |<br>
ity adhidaivatam ||<br>
athādhyātmam ||10||<br>
'''Balaki sprach: „Ich verehre den Purusha im Wasser.“ Ajatashatru antwortete: „Sprich mir davon nicht als etwas Neuem! Ich verehre ihn als das Selbst der Wahrheit.“ Wer ihn so verehrt, wird das Selbst der Wahrheit. So hinsichtlich der Gottheiten. Nun hinsichtlich des eigenen Selbst.'''
'''Wort-für-Wort-Übersetzung''': ''saḥ uvāca bālākiḥ'' – Balaki sprach; ''yaḥ eva eṣaḥ puruṣaḥ'' – jener Purusha; ''apsu'' – im Wasser; ''tam eva aham upāse'' – eben ihn verehre ich; ''tam uvāca ajātaśatruḥ'' – Ajatashatru antwortete ihm; ''mā mā etasmin saṃvādayiṣṭhāḥ'' – sprich mir davon nicht als etwas Neuem; ''aham etam upāse'' – ich verehre ihn; ''satyasya ātmā'' – Selbst der Wahrheit; ''saḥ yaḥ etam evam upāste'' – wer ihn so verehrt; ''satyasya ātmā bhavati'' – wird das Selbst der Wahrheit; ''iti adhidaivatam'' – so hinsichtlich der Gottheiten; ''atha adhyātmam'' – nun hinsichtlich des Selbst.
'''4.11'''<br>
sa hovāca bālākir ya evaiṣa ādarśe puruṣas tam evāham upāsa iti |<br>
taṃ hovācājātaśatrur mā maitasmin saṃvādayiṣṭhāḥ |<br>
pratirūpa iti vā aham etam upāsa iti |<br>
sa yo haitam evam upāste pratirūpo haivāsya prajāyām ājāyate nāpratirūpaḥ ||11||<br>
'''Balaki sprach: „Ich verehre den Purusha im Spiegel.“ Ajatashatru antwortete: „Sprich mir davon nicht als etwas Neuem! Ich verehre ihn als das Ebenbild.“ Wer ihn so verehrt, dem wird ein ebenbildlicher Nachkomme geboren, kein unähnlicher.'''
'''Wort-für-Wort-Übersetzung''': ''saḥ uvāca bālākiḥ'' – Balaki sprach; ''yaḥ eva eṣaḥ puruṣaḥ'' – jener Purusha; ''ādarśe'' – im Spiegel; ''tam eva aham upāse'' – eben ihn verehre ich; ''tam uvāca ajātaśatruḥ'' – Ajatashatru antwortete ihm; ''mā mā etasmin saṃvādayiṣṭhāḥ'' – sprich mir davon nicht als etwas Neuem; ''aham etam upāse'' – ich verehre ihn; ''pratirūpaḥ'' – Ebenbild; ''saḥ yaḥ etam evam upāste'' – wer ihn so verehrt; ''pratirūpaḥ asya prajāyām ājāyate'' – ein Ebenbild wird unter seinen Nachkommen geboren; ''na apratirūpaḥ'' – kein unähnlicher.
'''4.12'''<br>
sa hovāca bālākir ya evaiṣa chāyāyāṃ puruṣas tam evāham upāsa iti |<br>
taṃ hovācājātaśatrur mā maitasmin saṃvādayiṣṭhāḥ |<br>
dvitīyo 'napaga iti vā aham etam upāsa iti |<br>
sa yo haitam evam upāste vindate dvitīyaṃ dvitīyavān hi bhavati ||12||<br>
'''Balaki sprach: „Ich verehre den Purusha im Schatten.“ Ajatashatru antwortete: „Sprich mir davon nicht als etwas Neuem! Ich verehre ihn als den Zweiten, der nicht weicht.“ Wer ihn so verehrt, findet einen Gefährten und besitzt einen Gefährten.'''
'''Wort-für-Wort-Übersetzung''': ''saḥ uvāca bālākiḥ'' – Balaki sprach; ''yaḥ eva eṣaḥ puruṣaḥ'' – jener Purusha; ''chāyāyām'' – im Schatten; ''tam eva aham upāse'' – eben ihn verehre ich; ''tam uvāca ajātaśatruḥ'' – Ajatashatru antwortete ihm; ''mā mā etasmin saṃvādayiṣṭhāḥ'' – sprich mir davon nicht als etwas Neuem; ''aham etam upāse'' – ich verehre ihn; ''dvitīyaḥ'' – der Zweite; ''anapagaḥ'' – nicht weichend; ''saḥ yaḥ etam evam upāste'' – wer ihn so verehrt; ''vindate dvitīyam'' – findet einen Zweiten, Gefährten; ''dvitīyavān hi bhavati'' – besitzt einen Gefährten.
'''4.13'''<br>
sa hovāca bālākir ya evaiṣa pratiśrutkāyāṃ puruṣas tam evāham upāsa iti |<br>
taṃ hovācājātaśatrur mā maitasmin saṃvādayiṣṭhāḥ |<br>
asur iti vā aham etam upāsa iti |<br>
sa yo haitam evam upāste na purā kālāt sammoham eti ||13||<br>
'''Balaki sprach: „Ich verehre den Purusha im Echo.“ Ajatashatru antwortete: „Sprich mir davon nicht als etwas Neuem! Ich verehre ihn als Lebenskraft.“ Wer ihn so verehrt, gerät nicht vor der Zeit in Bewusstlosigkeit.'''
'''Wort-für-Wort-Übersetzung''': ''saḥ uvāca bālākiḥ'' – Balaki sprach; ''yaḥ eva eṣaḥ puruṣaḥ'' – jener Purusha; ''pratiśrutkāyām'' – im Echo; ''tam eva aham upāse'' – eben ihn verehre ich; ''tam uvāca ajātaśatruḥ'' – Ajatashatru antwortete ihm; ''mā mā etasmin saṃvādayiṣṭhāḥ'' – sprich mir davon nicht als etwas Neuem; ''aham etam upāse'' – ich verehre ihn; ''asuḥ'' – Lebenskraft; ''saḥ yaḥ etam evam upāste'' – wer ihn so verehrt; ''na purā kālāt sammoham eti'' – gerät nicht vor der Zeit in Bewusstlosigkeit.
'''4.14'''<br>
sa hovāca bālākir ya evaiṣa śabde puruṣas tam evāham upāsa iti |<br>
taṃ hovācājātaśatrur mā maitasmin saṃvādayiṣṭhāḥ |<br>
mṛtyur iti vā aham etam upāsa iti |<br>
sa yo haitam evam upāste na purā kālāt praitīti ||14||<br>
'''Balaki sprach: „Ich verehre den Purusha im Ton.“ Ajatashatru antwortete: „Sprich mir davon nicht als etwas Neuem! Ich verehre ihn als Tod.“ Wer ihn so verehrt, scheidet nicht vor der Zeit dahin.'''
'''Wort-für-Wort-Übersetzung''': ''saḥ uvāca bālākiḥ'' – Balaki sprach; ''yaḥ eva eṣaḥ puruṣaḥ'' – jener Purusha; ''śabde'' – im Ton; ''tam eva aham upāse'' – eben ihn verehre ich; ''tam uvāca ajātaśatruḥ'' – Ajatashatru antwortete ihm; ''mā mā etasmin saṃvādayiṣṭhāḥ'' – sprich mir davon nicht als etwas Neuem; ''aham etam upāse'' – ich verehre ihn; ''mṛtyuḥ'' – Tod; ''saḥ yaḥ etam evam upāste'' – wer ihn so verehrt; ''na purā kālāt praiti'' – scheidet nicht vor der Zeit dahin.
'''4.15'''<br>
sa hovāca bālākir ya evaitat puruṣaḥ suptaḥ svapnayā carati tam evāham upāsa iti |<br>
taṃ hovācājātaśatrur mā maitasmin saṃvādayiṣṭhāḥ |<br>
yamo rājeti vā aham etam upāsa iti |<br>
sa yo haitam evam upāste sarvaṃ hāsmā idaṃ śraiṣṭhyāya yamyate ||15||<br>
'''Balaki sprach: „Ich verehre jenen Purusha, der schlafend im Traum umherwandert.“ Ajatashatru antwortete: „Sprich mir davon nicht als etwas Neuem! Ich verehre ihn als König Yama.“ Wer ihn so verehrt, dem wird dieses All zu seinem Vorrang gebändigt.'''
'''Wort-für-Wort-Übersetzung''': ''saḥ uvāca bālākiḥ'' – Balaki sprach; ''yaḥ eva eṣaḥ puruṣaḥ'' – jener Purusha; ''svapnayā'' – im Traum; ''tam eva aham upāse'' – eben ihn verehre ich; ''tam uvāca ajātaśatruḥ'' – Ajatashatru antwortete ihm; ''mā mā etasmin saṃvādayiṣṭhāḥ'' – sprich mir davon nicht als etwas Neuem; ''aham etam upāse'' – ich verehre ihn; ''yamaḥ rājā'' – König Yama; ''saḥ yaḥ etam evam upāste'' – wer ihn so verehrt; ''sarvam asmai idam śraiṣṭhyāya yamyate'' – ihm wird dieses All zu seinem Vorrang gebändigt; ''puruṣaḥ suptaḥ svapnayā carati'' – der Purusha wandert schlafend im Traum.
'''4.16'''<br>
sa hovāca bālākir ya evaiṣa śarīre puruṣas tam evāham upāsa iti |<br>
taṃ hovācājātaśatrur mā maitasmin saṃvādayiṣṭhāḥ |<br>
prajāpatir iti vā aham etam upāsa iti |<br>
sa yo haitam evam upāste prajāyate prajayā paśubhir yaśasā brahmavarcasena svargeṇa lokena |<br>
sarvam āyur eti ||16||<br>
'''Balaki sprach: „Ich verehre den Purusha im Körper.“ Ajatashatru antwortete: „Sprich mir davon nicht als etwas Neuem! Ich verehre ihn als Prajapati.“ Wer ihn so verehrt, wird reich an Nachkommen, Vieh, Ruhm, Brahmanenglanz und der Himmelswelt; er erreicht die volle Lebensdauer.'''
'''Wort-für-Wort-Übersetzung''': ''saḥ uvāca bālākiḥ'' – Balaki sprach; ''yaḥ eva eṣaḥ puruṣaḥ'' – jener Purusha; ''śarīre'' – im Körper; ''tam eva aham upāse'' – eben ihn verehre ich; ''tam uvāca ajātaśatruḥ'' – Ajatashatru antwortete ihm; ''mā mā etasmin saṃvādayiṣṭhāḥ'' – sprich mir davon nicht als etwas Neuem; ''aham etam upāse'' – ich verehre ihn; ''prajāpatiḥ'' – Prajapati; ''saḥ yaḥ etam evam upāste'' – wer ihn so verehrt; ''prajāyate'' – vermehrt sich, wird reich; ''prajayā'' – an Nachkommen; ''paśubhiḥ'' – an Vieh; ''yaśasā'' – an Ruhm; ''brahma-varcasena'' – an Brahmanenglanz; ''svargeṇa lokena'' – an der Himmelswelt; ''sarvam āyuḥ eti'' – erreicht die volle Lebensdauer.
'''4.17'''<br>
sa hovāca bālākir ya evaiṣa dakṣiṇe 'kṣiṇi puruṣas tam evāham upāsa iti |<br>
taṃ hovācājātaśatrur mā maitasmin saṃvādayiṣṭhāḥ |<br>
vāca ātmāgner ātmā jyotiṣa ātmeti vā aham etam upāsa iti |<br>
sa yo haitam evam upāsta eteṣāṃ sarveṣāṃ ātmā bhavati ||17||<br>
'''Balaki sprach: „Ich verehre den Purusha im rechten Auge.“ Ajatashatru antwortete: „Sprich mir davon nicht als etwas Neuem! Ich verehre ihn als das Selbst der Rede, das Selbst des Feuers und das Selbst des Lichtes.“ Wer ihn so verehrt, wird das Selbst all dieser.'''
'''Wort-für-Wort-Übersetzung''': ''saḥ uvāca bālākiḥ'' – Balaki sprach; ''yaḥ eva eṣaḥ puruṣaḥ'' – jener Purusha; ''dakṣiṇe akṣiṇi'' – im rechten Auge; ''tam eva aham upāse'' – eben ihn verehre ich; ''tam uvāca ajātaśatruḥ'' – Ajatashatru antwortete ihm; ''mā mā etasmin saṃvādayiṣṭhāḥ'' – sprich mir davon nicht als etwas Neuem; ''aham etam upāse'' – ich verehre ihn; ''vācaḥ ātmā'' – Selbst der Rede; ''agneḥ ātmā'' – Selbst des Feuers; ''jyotiṣaḥ ātmā'' – Selbst des Lichtes; ''saḥ yaḥ etam evam upāste'' – wer ihn so verehrt; ''eteṣām sarveṣām ātmā bhavati'' – wird das Selbst all dieser.
'''4.18'''<br>
sa hovāca bālākir ya evaiṣa savye 'kṣiṇi puruṣas tam evāham upāsa iti |<br>
taṃ hovācājātaśatrur mā maitasmin saṃvādayiṣṭhāḥ |<br>
satyasyātmā vidyuta ātmā tejasa ātmeti vā aham etam upāsa iti |<br>
sa yo haitam evam upāsta eteṣāṃ sarveṣām ātmā bhavati ||18||<br>
'''Balaki sprach: „Ich verehre den Purusha im linken Auge.“ Ajatashatru antwortete: „Sprich mir davon nicht als etwas Neuem! Ich verehre ihn als das Selbst der Wahrheit, das Selbst des Blitzes und das Selbst des Glanzes.“ Wer ihn so verehrt, wird das Selbst all dieser.'''
'''Wort-für-Wort-Übersetzung''': ''saḥ uvāca bālākiḥ'' – Balaki sprach; ''yaḥ eva eṣaḥ puruṣaḥ'' – jener Purusha; ''savye akṣiṇi'' – im linken Auge; ''tam eva aham upāse'' – eben ihn verehre ich; ''tam uvāca ajātaśatruḥ'' – Ajatashatru antwortete ihm; ''mā mā etasmin saṃvādayiṣṭhāḥ'' – sprich mir davon nicht als etwas Neuem; ''aham etam upāse'' – ich verehre ihn; ''satyasya ātmā'' – Selbst der Wahrheit; ''vidyutaḥ ātmā'' – Selbst des Blitzes; ''tejasaḥ ātmā'' – Selbst des Glanzes; ''saḥ yaḥ etam evam upāste'' – wer ihn so verehrt; ''eteṣām sarveṣām ātmā bhavati'' – wird das Selbst all dieser.
'''4.19a – Balaki wird Schüler'''<br>
tata u ha bālākis tūṣṇīm āsa |<br>
taṃ hovācājātaśatrur etāvan nu bālākā3 iti |<br>
etāvad iti hovāca bālākiḥ |<br>
taṃ hovācajātaśatrur mṛṣā vai khalu mā samavādayiṣṭhā brahma te bravāṇīti |<br>
yo vai bālāka eteṣāṃ puruṣāṇāṃ kartā yasya vai tat karma sa vai veditavya iti |<br>
tata u ha bālākiḥ samitpāṇiḥ praticakrama upāyānīti |<br>
taṃ hovācājātaśatruḥ pratilomarūpam eva tan manye yat kṣatriyo brāhmaṇam upanayet |<br>
ehi vy eva tvā jñapayiṣyāmīti |<br>
'''Da schwieg Balaki. Ajatashatru fragte: „Ist das alles, Balaki?“ – „Das ist alles“, antwortete Balaki. Ajatashatru sprach: „Du hast mir voreilig versprochen: ‚Ich will dir Brahman erklären.‘ Wer der Schöpfer dieser Purushas ist, wessen Werk dieses ist: Den muss man erkennen.“ Da trat Balaki mit Brennholz in der Hand heran: „Ich möchte dein Schüler werden.“ Ajatashatru sagte: „Es scheint mir gegen die übliche Ordnung, wenn ein Kshatriya einen Brahmanen einweiht. Komm, ich werde dich dennoch unterrichten.“'''
'''Wort-für-Wort-Übersetzung''': ''tataḥ bālākiḥ tūṣṇīm āsa'' – da schwieg Balaki; ''tam uvāca ajātaśatruḥ'' – Ajatashatru sprach zu ihm; ''etāvat nu bālāka'' – ist das alles, Balaki; ''etāvat'' – so viel, alles; ''mṛṣā vai khalu mā samavādayiṣṭhāḥ'' – du hast mir voreilig, unwahrhaftig versprochen; ''brahma te bravāṇi'' – ich will dir Brahman erklären; ''yaḥ eteṣām puruṣāṇām kartā'' – wer der Schöpfer dieser Purushas ist; ''yasya tat karma'' – wessen Werk dieses ist; ''saḥ veditavyaḥ'' – der muss erkannt werden; ''samit-pāṇiḥ praticakrama'' – trat mit Brennholz in der Hand heran; ''upāyāni'' – ich möchte Schüler werden; ''pratiloma-rūpam etat manye'' – ich halte dies für gegen die übliche Ordnung; ''yat kṣatriyaḥ brāhmaṇam upanayet'' – dass ein Kshatriya einen Brahmanen einweiht; ''ehi vy eva tvā jñapayiṣyāmi'' – komm, ich werde dich unterrichten.
'''Textanmerkung:''' Die verlängerte Vokalnotation bālākā3 der Vorlage wird im Sanskrit erhalten. Die soziale Rollenverteilung ist eine historische Voraussetzung der Erzählung; entscheidend für die Unterweisung ist hier das tatsächliche Wissen.
'''4.19b – Der Schlafende'''<br>
taṃ ha pāṇāv abhipadya pravavrāja |<br>
tau ha suptaṃ puruṣam ājagmatuḥ |<br>
taṃ hājātaśatrur āmantrayāñ cakre |<br>
bṛhan pāṇḍaravāsaḥ soma rājann iti |<br>
sa u ha śiśya eva |<br>
tata u hainaṃ yaṣṭyā vicikṣepa |<br>
sa tata eva samuttasthau |<br>
'''Er nahm ihn bei der Hand und ging mit ihm fort. Beide kamen zu einem schlafenden Menschen. Ajatashatru rief ihn an: „Großer, Weißgekleideter, König Soma!“ Der Schlafende blieb liegen. Dann stieß er ihn mit einem Stab an. Sofort stand er auf.'''
'''Wort-für-Wort-Übersetzung''': ''tam pāṇau abhipadya'' – ihn bei der Hand nehmend; ''pravavrāja'' – ging fort; ''tau suptam puruṣam ājagmatuḥ'' – beide kamen zu einem schlafenden Menschen; ''tam ajātaśatruḥ āmantrayāñ cakre'' – Ajatashatru rief ihn an; ''bṛhan'' – Großer; ''pāṇḍara-vāsaḥ'' – Weißgekleideter; ''soma rājan'' – König Soma; ''saḥ śiśye eva'' – er blieb liegen; ''tataḥ enam yaṣṭyā vicikṣepa'' – dann stieß er ihn mit einem Stab an; ''saḥ tataḥ eva samuttasthau'' – sofort stand er auf.
'''4.19c – Die Frage nach dem Selbst'''<br>
taṃ hovācājātaśatruḥ kvaiṣa etad bālāke puruṣo'śayiṣṭa |<br>
kvaitad abhūt |<br>
kuta etad āgā3d iti |<br>
tata u ha bālākir na vijajñe |<br>
'''Ajatashatru fragte: „Wo lag dieser Purusha währenddessen, Balaki? Wo war er? Woher ist er zurückgekommen?“ Balaki wusste es nicht.'''
'''Wort-für-Wort-Übersetzung''': ''tam uvāca ajātaśatruḥ'' – Ajatashatru fragte ihn; ''kva eṣaḥ etat bālāke puruṣaḥ aśayiṣṭa'' – wo lag dieser Purusha währenddessen, Balaki; ''kva etat abhūt'' – wo war er; ''kutaḥ etat āgāt'' – woher kam er zurück; ''tataḥ bālākiḥ na vijajñe'' – Balaki wusste es nicht.
'''4.19d – Die feinen Bahnen'''<br>
taṃ hovācājātaśatrur yatraiṣa etad bālāke puruṣo 'śayiṣṭa yatraitad abhūd yata etad āgād iti hitā nāma puruṣasya nāḍyo hṛdayāt purītatam abhipratanvanti |<br>
tad yathā sahasradhā keśo vipāṭitas tāvad aṇvyaḥ piṅgalasyāṇimnā tiṣṭhanti śuklasya kṛṣṇasya pītasya lohitasya ca |<br>
tāsu tadā bhavati yadā suptaḥ svapnaṃ na kañcana paśyati ||19||<br>
'''Ajatashatru sprach: „Wo dieser Purusha währenddessen lag, wo er war und woher er kam: Im Menschen erstrecken sich die Hita genannten Bahnen vom Herzen bis zur Herzhülle. So fein wie ein tausendfach gespaltenes Haar sind sie; sie bestehen in der Feinheit von Gelbbraunem, Weißem, Schwarzem, Gelbem und Rotem. In ihnen befindet er sich, wenn er schläft und keinen Traum sieht.“'''
'''Wort-für-Wort-Übersetzung''': ''tam uvāca ajātaśatruḥ'' – Ajatashatru sprach zu ihm; ''yatra eṣaḥ puruṣaḥ aśayiṣṭa'' – wo dieser Purusha lag; ''yatra etat abhūt'' – wo er war; ''yataḥ etat āgāt'' – woher er kam; ''hitāḥ nāma puruṣasya nāḍyaḥ'' – die im Menschen Hita genannten Bahnen; ''hṛdayāt purītatam abhipratanvanti'' – erstrecken sich vom Herzen zur Herzhülle; ''tat yathā sahasradhā keśaḥ vipāṭitaḥ'' – wie ein tausendfach gespaltenes Haar; ''tāvat aṇvyaḥ'' – so fein; ''piṅgalasya aṇimnā tiṣṭhanti'' – bestehen in der Feinheit von Gelbbraunem; ''śuklasya kṛṣṇasya pītasya lohitasya ca'' – von Weißem, Schwarzem, Gelbem und Rotem; ''tāsu tadā bhavati'' – in ihnen befindet er sich dann; ''yadā suptaḥ svapnam na kañcana paśyati'' – wenn er schlafend keinen Traum sieht.
'''Textanmerkung:''' Purītat ist eine traditionelle Herzumhüllung; ihre Gleichsetzung mit einem bestimmten modernen anatomischen Organ ist nicht gesichert. Auch die Farbreihe gehört zur vedischen Körpervorstellung.
'''4.20a – Das Erwachen der Kräfte'''<br>
athāsmin prāṇa evaikadhā bhavanti |<br>
tad enaṃ vāk sarvair nāmabhiḥ sahāpyeti |<br>
cakṣuḥ sarvaiḥ rūpaiḥ sahāpyeti |<br>
śrotraṃ sarvaiḥ śabdaiḥ sahāpyeti |<br>
manaḥ sarvair dhyānaiḥ sahāpyeti |<br>
sa yadā pratibudhyate yathāgner jvalataḥ sarvā diśo visphuliṅgā vipratiṣṭherann evam evaitasmād ātmanaḥ prāṇā yathāyatanaṃ vipratiṣṭhante |<br>
prāṇebhyo devāḥ |<br>
devebhyo lokāḥ |<br>
'''Dann werden die Kräfte in diesem Prana eins. Die Rede geht mit allen Namen in ihn ein, das Auge mit allen Gestalten, das Ohr mit allen Tönen, der Geist mit allen Gedanken. Wenn er erwacht, treten aus diesem Selbst die Lebenskräfte zu ihren jeweiligen Orten hervor, wie Funken aus brennendem Feuer in alle Richtungen auseinanderfliegen; aus den Lebenskräften die Götter, aus den Göttern die Welten.'''
'''Wort-für-Wort-Übersetzung''': ''atha asmin prāṇe eva ekadhā bhavanti'' – dann werden die Kräfte in diesem Prana eins; ''tat enam vāk sarvaiḥ nāmabhiḥ saha apyeti'' – die Rede geht mit allen Namen in ihn ein; ''cakṣuḥ sarvaiḥ rūpaiḥ saha apyeti'' – das Auge mit allen Gestalten; ''śrotram sarvaiḥ śabdaiḥ saha apyeti'' – das Ohr mit allen Tönen; ''manaḥ sarvaiḥ dhyānaiḥ saha apyeti'' – der Geist mit allen Gedanken; ''saḥ yadā pratibudhyate'' – wenn er erwacht; ''yathā agneḥ jvalataḥ'' – wie aus brennendem Feuer; ''sarvāḥ diśaḥ visphuliṅgāḥ vipratiṣṭheran'' – Funken in alle Richtungen auseinanderfliegen; ''evam etasmāt ātmanaḥ prāṇāḥ yathā-āyatanam vipratiṣṭhante'' – so treten aus diesem Selbst die Lebenskräfte an ihre Orte; ''prāṇebhyaḥ devāḥ'' – aus Lebenskräften die Götter; ''devebhyaḥ lokāḥ'' – aus Göttern die Welten.
'''4.20b – Das Selbst im Körper'''<br>
sa eṣa prāṇa eva prajñātmedaṃ śarīram ātmānam anupraviṣṭa ā lomabhya ā nakhebhyas |<br>
tad yathā kṣuraḥ kṣuradhāne 'vopahito viśvambharo vā viśvambharakulāya evam evaiṣa prajñātmedaṃ śarīram ātmānam anupraviṣṭa ā lomabhya ā nakhebhyaḥ |<br>
tam etam ātmānam eta ātmāno 'nvavasyante yathā śreṣṭhinaṃ svāḥ |<br>
tad yathā śreṣṭhī svair bhuṅkte yathā vā svāḥ śreṣṭhinaṃ bhuñjanty evam evaiṣa prajñātmaitair ātmabhir bhuṅkta evam evaita ātmāna etam ātmānaṃ bhuñjanti |<br>
'''Dieses Prana, das Erkenntnis-Selbst, ist in diesen Körper, dieses Selbst, eingegangen bis zu den Haaren und bis zu den Nägeln. Wie ein Rasiermesser in seinem Behälter oder ein Allernährer in seinem Nest liegt, so ist dieses Erkenntnis-Selbst in den Körper eingegangen bis zu den Haaren und Nägeln. Die einzelnen Kräfte folgen diesem Selbst wie die Angehörigen ihrem Oberhaupt. Wie das Oberhaupt mit seinen Angehörigen genießt und die Angehörigen an ihrem Oberhaupt teilhaben, so genießt dieses Erkenntnis-Selbst mit diesen einzelnen Kräften, und diese Kräfte haben an diesem Selbst teil.'''
'''Wort-für-Wort-Übersetzung''': ''saḥ eṣaḥ prāṇaḥ eva prajñātmā'' – dieses Prana als Erkenntnis-Selbst; ''idam śarīram ātmānam anupraviṣṭaḥ'' – in diesen Körper, dieses Selbst, eingegangen; ''ā lomabhyaḥ ā nakhebhyaḥ'' – bis zu den Haaren und Nägeln; ''tat yathā'' – wie; ''kṣuraḥ kṣura-dhāne avopahitaḥ'' – Rasiermesser im Behälter liegend; ''viśvambharaḥ vā viśvambhara-kulāye'' – Allernährer in seinem Nest; ''evam eva'' – ebenso; ''tam etam ātmānam'' – diesem Selbst; ''ete ātmānaḥ anvavasyante'' – diese einzelnen Kräfte folgen; ''yathā śreṣṭhinam svāḥ'' – wie Angehörige ihrem Oberhaupt; ''śreṣṭhī svaiḥ bhuṅkte'' – Oberhaupt genießt mit den Angehörigen; ''svāḥ śreṣṭhinam bhuñjanti'' – Angehörige genießen, nutzen das Oberhaupt; ''prajñātmā etaiḥ ātmabhiḥ bhuṅkte'' – Erkenntnis-Selbst genießt mit diesen Kräften; ''ete ātmānaḥ etam ātmānam bhuñjanti'' – diese Kräfte haben an diesem Selbst teil.
'''Textanmerkung:''' Viśvambhara, „Allernährer“, wird verschieden gedeutet, etwa als Feuer in seiner Grundlage oder als Vogel in seinem Nest. Eine einzige sachliche Deutung ist nicht gesichert. Ātman bezeichnet im selben Absatz sowohl das leitende Selbst als auch abhängige Teilkräfte; bhuñjanti umfasst Genießen, Nutzen und Teilhaben.
'''4.20c – Erkenntnis und Selbstherrschaft'''<br>
sa yāvad dha vā indra etam ātmānaṃ na vijajñe tāvad enam asurā abhibabhūvuḥ |<br>
sa yadā vijajñe 'tha hatvāsurān vijitya sarveṣāṃ devānāṃ śraiṣṭhyaṃ svārājyam ādhipatyaṃ paryait |<br>
tatho evaivaṃ vidvān sarvān pāpmano 'pahatya sarveṣāṃ ca bhūtānāṃ śraiṣṭhyaṃ svarājyam ādhipatyaṃ paryeti ya evaṃ veda ya evaṃ veda ||20||<br>
'''Solange Indra dieses Selbst nicht erkannte, überwältigten ihn die Asuras. Als er es erkannte, erschlug und besiegte er die Asuras und erlangte unter allen Göttern Vorrang, Selbstherrschaft und Oberhoheit. Ebenso vertreibt der so Wissende alles Unheilsame und erlangt unter allen Wesen Vorrang, Selbstherrschaft und Oberhoheit, wer so weiß, wer so weiß.'''
'''Wort-für-Wort-Übersetzung''': ''saḥ yāvat indraḥ etam ātmānam na vijajñe'' – solange Indra dieses Selbst nicht erkannte; ''tāvat enam asurāḥ abhibabhūvuḥ'' – solange überwältigten ihn die Asuras; ''saḥ yadā vijajñe'' – als er es erkannte; ''atha hatvā asurān vijitya'' – dann die Asuras erschlagen und besiegt habend; ''sarveṣām devānām'' – unter allen Göttern; ''śraiṣṭhyam'' – Vorrang; ''svārājyam'' – Selbstherrschaft; ''ādhipatyam'' – Oberhoheit; ''paryait'' – erlangte; ''tathā eva evam vidvān'' – ebenso der so Wissende; ''sarvān pāpmanaḥ apahatya'' – alles Unheilsame vertreibend; ''sarveṣām ca bhūtānām'' – unter allen Wesen; ''śraiṣṭhyam svarājyam ādhipatyam paryeti'' – erlangt Vorrang, Selbstherrschaft und Oberhoheit; ''yaḥ evam veda'' – wer so weiß.
'''Abschluss des vierten Adhyaya'''<br>
iti kauṣītakibrāhmaṇopaniṣadi caturtho'dhyāyaḥ ||<br>
'''Hier endet das vierte Kapitel der Kaushitaki Brahmana Upanishad.'''
'''Wort-für-Wort-Übersetzung''': ''iti'' – hiermit; ''kauṣītaki-brāhmaṇa-upaniṣadi'' – in der Kaushitaki Brahmana Upanishad; ''caturthaḥ adhyāyaḥ'' – viertes Kapitel.
'''Schluss – Shanti-Mantra'''<br>
oṃ vāṅme manasi pratiṣṭhitā |<br>
mano me vāci pratiṣṭhitam |<br>
āvirāvīrma edhi |<br>
vedasya ma āṇīsthaḥ |<br>
śrutaṃ me mā prahāsīḥ |<br>
anenādhītenāhorātrānsandadhāmi |<br>
ṛtaṃ vadiṣyāmi |<br>
satyaṃ vadiṣyāmi |<br>
tanmāmavatu |<br>
tadvaktāramavatu |<br>
avatu māmavatu vaktāramavatu vaktāram ||<br>
'''Om. Meine Rede sei im Geist gegründet, mein Geist in der Rede. Offenbare dich mir, du Offenbares! Möget ihr beide mir den Veda erschließen. Möge das von mir Gehörte mich nicht verlassen. Durch dieses Studium verbinde ich Tage und Nächte. Ich werde das Rechte sprechen; ich werde die Wahrheit sprechen. Möge jenes mich beschützen, möge es den Lehrenden beschützen. Möge es mich beschützen; möge es den Lehrenden beschützen, den Lehrenden beschützen.'''
'''Wort-für-Wort-Übersetzung''': ''oṃ'' – Om; ''vāk'' – Rede; ''me'' – meine; ''manasi'' – im Geist; ''pratiṣṭhitā'' – gegründet; ''manaḥ'' – Geist; ''vāci'' – in der Rede; ''pratiṣṭhitam'' – gegründet; ''āviḥ āviḥ'' – offen, offenbar; ''me'' – mir; ''edhi'' – werde, sei; ''vedasya'' – des Veda; ''me'' – mir, vedisch auch ma; ''āṇīsthaḥ'' – möget ihr beide heranführen, auf Rede und Geist bezogen; ''śrutam'' – Gehörtes; ''me'' – von mir; ''mā'' – nicht; ''prahāsīḥ'' – verlasse; ''anena adhītena'' – durch dieses Studium; ''ahaḥ-rātrān'' – Tage und Nächte; ''sandadhāmi'' – ich verbinde; ''ṛtam'' – das Rechte; ''vadiṣyāmi'' – ich werde sprechen; ''satyam'' – Wahrheit; ''tat'' – jenes; ''mām'' – mich; ''avatu'' – möge beschützen; ''vaktāram'' – den Sprechenden, Lehrenden.
'''Schluss – Friedensruf'''<br>
oṃ śāntiḥ śāntiḥ śāntiḥ ||<br>
'''Om. Frieden, Frieden, Frieden.'''
'''Wort-für-Wort-Übersetzung''': ''oṃ'' – Om; ''śāntiḥ'' – Frieden, dreimal.
== Kaushitaki Brahmana Upanishad – Datierung, Inhalt und Bedeutung ==
'''Überlieferung und Datierung'''
Die Kaushitaki Brahmana Upanishad ist mit der Kaushitaki- beziehungsweise Shankhayana-Schule des Rigveda verbunden und gehört zur Überlieferung ihres [[Aranyaka]]. Sie steht damit in einem anderen historischen Zusammenhang als die viel später entstandenen sektenspezifischen Upanishaden. Üblicherweise wird sie der älteren Prosaliteratur der Upanishaden im ersten Jahrtausend vor unserer Zeitrechnung zugeordnet. Eine genaue Jahreszahl ist nicht feststellbar. Die verschiedenen Lehrgespräche und rituellen Stücke müssen nicht gleichzeitig entstanden sein; auch ihre Anordnung hat eine Überlieferungsgeschichte.
Die vier Kapitel ergeben einen erkennbaren Lehrweg, ohne eine überall einheitliche Terminologie zu besitzen. [[Brahman]] erscheint zunächst in einer bildhaft dargestellten Himmelswelt, dann in der Lebensmacht Prana und schließlich als das erkennende Selbst. Der Kommentar Shankaranandas, auf den Deussen in seiner Einleitung eingeht, versteht diese Folge als schrittweise Hinführung zur Erkenntnis des Atman. Diese traditionelle Auslegung erklärt die Anordnung; sie beweist keine einheitliche ursprüngliche Abfassung.
'''Erstes Kapitel: Wohin führt das Opfer?'''
Die Anfangserzählung korrigiert einen bloß ererbten Anspruch auf Wissen. [[Shvetaketu]] kann Citras Frage nach dem Ziel des Opfers nicht beantworten. Auch sein Vater weiß es nicht. Er nimmt die Rolle des Schülers an und erscheint mit Brennholz als Zeichen seiner Lernbereitschaft. Die Anerkennung des eigenen Nichtwissens wird so zu einer Voraussetzung echter Unterweisung.
Der anschließende [[Devayana]], der Weg der Götter, schildert den Aufstieg zur Brahmanwelt. Mond, Jahreszeiten und Geburt werden miteinander verknüpft. Der Ankommende muss seine Identität erkennen und ausdrücken. Am Fluss Vijara fällt die Bindung an gute und schlechte Werke ab. Thron, Lager und Schmuck Brahmans werden aus Elementen von [[Veda]], Leben und Erkenntnis gedeutet. Die Antwort „Was du bist, das bin ich“ überführt die zunächst äußere Reise in eine Aussage über Identität. Diese Bilder sind eine religiöse Darstellung der Befreiung, keine kartographische Beschreibung des Weltraums.
'''Zweites Kapitel: Leben als inneres Opfer'''
[[Kaushitaki]] und [[Paingya]] lehren „Prana ist Brahman“. Die Sinnes- und Geisteskräfte dienen Prana oder werden von ihm umfasst. Neben diesem Grundgedanken stehen konkrete Rituale für Besitz, Zuneigung, Reinigung, Kinder und den Übergang zwischen den Generationen. Der vollständige Text lässt erkennen, dass philosophische Unterweisung und vedische Lebenspraxis nebeneinander überliefert wurden.
Besonders bedeutsam ist das ''innere Agnihotra'' in 2.5. Rede und Atem werden als gegenseitige Opfergaben betrachtet. Die äußere Opferhandlung wird zu einer fortwährenden inneren Betrachtung. Der Schluss der benutzten Fassung sagt ausdrücklich, dass frühere Wissende deshalb das äußere [[Agnihotra]] nicht vollzogen. Das ist eine konkrete Textaussage; andere Abschnitte kennen weiterhin äußere Opfer. Man sollte diese Spannung weder übergehen noch zu einer pauschalen Verwerfung aller Rituale vereinfachen.
Die Familienrituale drücken den Wunsch nach langem Leben und dem Fortbestehen der Nachkommenschaft aus. Das Vater-Sohn-Vermächtnis überträgt symbolisch Rede, Sinne und geistige Kräfte. Es zeigt eine Vorstellung von Fortsetzung über die Generationen, die neben der Lehre von Wiedergeburt steht. Gegen Feinde gerichtete Wünsche und rituelle Zuneigungszauber gehören ebenfalls zur historischen Textgestalt. Die heutigen Empfehlungen am Ende des Artikels übertragen diese nicht unverändert in zwischenmenschliches Handeln.
'''Drittes Kapitel: Das erkennende Selbst'''
[[Indra]] erklärt [[Pratardana]], was er für das Heilvollste hält: die Erkenntnis seiner selbst als [[Prana]] und ''Prajnatman'', Erkenntnis-Selbst. Das Kapitel untersucht die Abhängigkeit der Sinne von Leben und Bewusstsein. Tiefschlaf, Erwachen und Sterben dienen als Beispiele dafür, dass einzelne Funktionen zurücktreten können und dennoch ein gemeinsamer Zusammenhang besteht.
Die berühmte Anweisung in 3.8 lenkt von den Gegenständen auf das erkennende Subjekt. Zu untersuchen sind nicht nur Ton, Gestalt und Gedanke, sondern der Hörende, Sehende und Denkende. Das Radbild führt die Sinnesgegenstände auf die Erkenntnisfunktionen und diese auf Prana zurück: Radkranz, Speichen und Nabe bilden eine Einheit. [[Prana]] bedeutet hier deshalb mehr als den messbaren Luftstrom der Atmung. Es bezeichnet die tragende Lebenswirklichkeit, die eng mit [[Prajna]] verbunden wird.
Der Text formuliert zugleich eine starke göttliche Herrschaft über gutes und schlechtes Handeln. Diese Aussage muss im Zusammenhang der damaligen Lehre gelesen werden. Sie ist nicht mit einer modernen psychologischen Beschreibung gleichzusetzen und hebt die praktische Bedeutung von [[Dharma]] nicht einfach auf.
'''Viertes Kapitel: Vom Teilbild zur Quelle'''
[[Gargya Balaki]] bietet König [[Ajatashatru]] eine Reihe von Betrachtungen Brahmans in Sonne, Mond, Blitz, Raum, Spiegel und Körper an. Der König kennt sie bereits und kann ihre jeweilige Bedeutung nennen. Schließlich fragt er nach dem, der all diese Erscheinungsformen hervorbringt. Die vielen zutreffenden Teilbetrachtungen ersetzen noch nicht die Erkenntnis ihres Grundes.
Am schlafenden Menschen zeigt Ajatashatru, dass bloßes Anrufen einzelner kosmischer Namen das innere Subjekt nicht erschließt. Die Untersuchung führt zu den feinen [[Nadi|Bahnen]], zum Tiefschlaf und zum erneut hervortretenden Bewusstsein. Die abschließende Selbstherrschaft ist mit der Erkenntnis des Selbst verbunden. Für die spirituelle Praxis lässt sie sich als Freiheit von blinder Abhängigkeit und als innere Sammlung verstehen, nicht als Herrschaftsanspruch über andere Menschen.
'''Verbindungen und Bedeutung heute'''
Die [[Brihadaranyaka Upanishad]] enthält einen verwandten Dialog zwischen Balaki und Ajatashatru. Die [[Chandogya Upanishad]] behandelt ebenfalls die Wege nach dem Tod, das Zusammenwirken der Sinne und die führende Stellung Pranas. Die [[Prashna Upanishad]] entfaltet ähnliche Fragen nach Lebenskräften und Bewusstseinszuständen. Die Kaushitaki besitzt dabei eine eigene Verbindung aus Ritual, Kosmologie und Untersuchung des Erkennens.
Für heutige Aspiranten sind Lernbereitschaft, Sammlung und [[Atma Vichara|Selbsterforschung]] besonders ergiebig. Im Geist [[Swami Sivananda]]s kann die Frage „Wer nimmt wahr?“ mit [[Meditation]], [[Japa]], ethischem Leben und [[Seva]] verbunden werden. Eine solche Übung muss den Alltag nicht verlassen: Gerade beim Sprechen, Hören und Handeln kann die Erinnerung an die tragende Bewusstheit lebendig werden.
[[Datei:Swami-Sivananda-Konzentration-und-Meditation.jpg|thumb|[[Konzentration]], [[Meditation]] und selbstloses Handeln können das Studium des [[Vedanta]] begleiten.]]
'''Video zur Vertiefung: Yoga, Samkhya und Vedanta'''
Der Vortrag erläutert philosophische Hintergründe der Yogatradition und ergänzt das Studium der Upanishad.
{{#ev:youtube|0yMke29x-t8}}


==Die Kaushitaki Upanishad des Rigveda nach Deussen==
==Die Kaushitaki Upanishad des Rigveda nach Deussen==
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===Einleitung===
===Einleitung===
Die Kaushitaki Upanishad (auch Kaushitaki Brahmana Upanishad genannt) gehört dem [[Brahmana]]bestand der Schule der Kaushitakins oder, wie sie auch heißen, der Saiikhayanas an, welche ein [[Brahmanam]] und im Anschluß daran ein die Upanishad einschließendes [[Aranyakam]] besitzen, ersteres aus 30, letzteres aus 15 [[Adhyaya]]s bestehend.
Die Kaushitaki Upanishad (auch Kaushitaki Brahmana Upanishad genannt) gehört dem [[Brahmana]]bestand der Schule der Kaushitakins oder, wie sie auch heißen, der [[Sankhayana]]s an, welche ein [[Brahmana]]m und im Anschluß daran ein die Upanishad einschließendes [[Aranyaka]]m besitzen, ersteres aus 30, letzteres aus 15 [[Adhyaya]]s bestehend.


Über den Zusammenhang der vier Teile unserer Upanishad äußert sich der Kommentator [[Saiikarananda]] in der Einleitung wie folgt:
Über den Zusammenhang der vier Teile unserer Upanishad äußert sich der Kommentator [[Sankarananda]] in der Einleitung wie folgt:
"Die mit den Worten ''Citro Ha Vai Gangyayanir'' anfangende und mit ''Ya Evam Veda'' endigende, aus vier [[Adhyaya]]s bestehende Kaushitaki Brahmana Upanishad enthält:
"Die mit den Worten ''Citro Ha Vai Gangyayanir'' anfangende und mit ''Ya Evam Veda'' endigende, aus vier [[Adhyaya]]s bestehende Kaushitaki Brahmana Upanishad enthält:


:im '''ersten Adhyaya''' die [[Paryanka]] [[Vidya]] [Ruhebettlehre, weil darin die ins [[Jenseits]] gelangende [[Seele]] vor das Ruhebett des [[Brahman]] tritt, um von ihm geprüft zu werden] zugleich mit den Endpunkten des südlichen Weges [des [[Pitriyana]], der zur [[Erde]] zurückführt] und des nördlichen [des zu Brahman führenden [[Devaydna]]];
:im '''ersten Adhyaya''' die [[Paryanka]] [[Vidya]] [Ruhebettlehre, weil darin die ins [[Jenseits]] gelangende [[Seele]] vor das Ruhebett des [[Brahman]] tritt, um von ihm geprüft zu werden] zugleich mit den Endpunkten des südlichen Weges [des [[Pitriyana]], der zur [[Erde]] zurückführt] und des nördlichen [des zu Brahman führenden [[Devayana]]];
:im '''zweiten Adhyaya''' die [[Prana]] Vidya [Lehre vom Prana, [[Leben]], als Symbol des [[Atman]]], und für den, der sie kennt, gewisse, auf andere und das eigene [[Ich]] bezügliche und zur Erreichung bestimmter [[Frucht|Früchte]] dienliche Werke;
:im '''zweiten Adhyaya''' die [https://www.yoga-vidya.de/prana/ Prana] Vidya [Lehre vom Prana, [[Leben]], als Symbol des [[Atman]]], und für den, der sie kennt, gewisse, auf andere und das eigene [[Ich]] bezügliche und zur Erreichung bestimmter [[Frucht|Früchte]] dienliche Werke;
:im '''dritten''' und '''vierten Adhyaya''' die [[Atma]] Vidya [Lehre vom Atman].
:im '''dritten''' und '''vierten Adhyaya''' die [[Atma]] Vidya [Lehre vom Atman].


Wenn auch der Abschnitt ''Pratardano Ha'' usw. [d. h. die esoterische Lehre in Adhyaya 3-4] in erster Linie zu studieren ist, so könnte es doch geschehen, daß selbst ein reines Gemüt vor dem attributlosen [[Brahman]], so wenig dasselbe zu fürchten ist, zu Anfang und solange man die Wesenheit des Brahman noch nicht kennt, [[Furcht]] empfände, ähnlich wie ein tugendhafter Jüngling, dessen [[Vater]] vor seiner [[Geburt]] in die Ferne gezogen ist, wenn er seinen Vater zum ersten Mal sieht. Darum, um diese Furcht zu beseitigen, schildert die [[Schrift]] vorher [in Adhyaya 1] das als [[Ziel]] des nördlichen Weges gleichwie ein irdischer [[König]] in der Brahmanwelt thronende attributhafte Brahman. Hierbei heißt es: "Dann kommt er zu dem Ruhebette ''Amitaujas'', das ist der [[Prana]]." So wird der Prana als ein Ruhebett im ersten Adhyaya geschildert. In betreff dieses Prana entsteht dann bei dem Zuhörer die [[Frage]], ob derselbe der bloße Odem ist, oder ob er nicht vielmehr sich mannigfacher Machtvollkommenheiten erfreut. Um diese Frage zu lösen, wird im zweiten Adhyaya die verehrende Betrachtung des Prana unternommen. Und so bahnt sich in trefflicher Weise die Schrift den [[Weg]], um weiterhin [in Adhyaya 3-4] die [[Brahmavidya]] zu lehren. Wenn aber auch die attributhafte Brahmanlehre selbst von so großen [[Mann|Männern]] wie [[Gautama]] und [[Svetaketu]] in aller [[Demut]] aus dem [[Mund]] des [[Lehrer]]s angenommen wurde, so müssen auch heute noch die dazu Berufenen in aller Demut die attributhafte wie die attributlose Brahmanlehre annehmen, - dies zu lehren dient die Erzählung."
Wenn auch der Abschnitt ''Pratardano Ha'' usw. [d. h. die esoterische Lehre in Adhyaya 3-4] in erster Linie zu studieren ist, so könnte es doch geschehen, daß selbst ein reines Gemüt vor dem attributlosen [[Brahman]], so wenig dasselbe zu fürchten ist, zu Anfang und solange man die Wesenheit des Brahman noch nicht kennt, [[Furcht]] empfände, ähnlich wie ein tugendhafter Jüngling, dessen [[Vater]] vor seiner [[Geburt]] in die Ferne gezogen ist, wenn er seinen Vater zum ersten Mal sieht. Darum, um diese Furcht zu beseitigen, schildert die [[Schrift]] vorher [in Adhyaya 1] das als [[Ziel]] des nördlichen Weges gleichwie ein irdischer [[König]] in der Brahmanwelt thronende attributhafte Brahman. Hierbei heißt es: "Dann kommt er zu dem Ruhebette ''Amitaujas'', das ist der [https://www.yoga-vidya.de/prana/ Prana]." So wird der Prana als ein Ruhebett im ersten Adhyaya geschildert. In betreff dieses Prana entsteht dann bei dem Zuhörer die [[Frage]], ob derselbe der bloße Odem ist, oder ob er nicht vielmehr sich mannigfacher Machtvollkommenheiten erfreut. Um diese Frage zu lösen, wird im zweiten Adhyaya die verehrende Betrachtung des Prana unternommen. Und so bahnt sich in trefflicher Weise die Schrift den [[Weg]], um weiterhin [in Adhyaya 3-4] die [[Brahmavidya]] zu lehren. Wenn aber auch die attributhafte Brahmanlehre selbst von so großen [[Mann|Männern]] wie [[Gautama]] und [[Svetaketu]] in aller [[Demut]] aus dem [[Mund]] des [[Lehrer]]s angenommen wurde, so müssen auch heute noch die dazu Berufenen in aller Demut die attributhafte wie die attributlose Brahmanlehre annehmen, - dies zu lehren dient die Erzählung."


Die hier vom Kommentator hervorgehobene Absicht, den Leser von dem Exoterischen zum Esoterischen, vom persönlichen [[Brahma]] zum Prana und von diesem zum [[Atman]] stufenweise emporzuführen, scheint in der Tat, wenn auch nicht bei der ursprünglichen Abfassung, so doch bei der Anordnung der Adhyayas 1,2,3-4 der Kaushitaki Upanishad zugrunde gelegen zu haben.
Die hier vom Kommentator hervorgehobene Absicht, den Leser von dem Exoterischen zum Esoterischen, vom persönlichen [[Brahma]] zum Prana und von diesem zum [[Atman]] stufenweise emporzuführen, scheint in der Tat, wenn auch nicht bei der ursprünglichen Abfassung, so doch bei der Anordnung der Adhyayas 1,2,3-4 der Kaushitaki Upanishad zugrunde gelegen zu haben.
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Über die hier auftretende [[Entwicklungsstufe]] des [[Seelenwanderung]]sglaubens vgl. die Vorbemerkungen zu Chand. 5,3-10.
Über die hier auftretende [[Entwicklungsstufe]] des [[Seelenwanderung]]sglaubens vgl. die Vorbemerkungen zu Chand. 5,3-10.


1. Es geschah einmal, daß [[Citra]], der Sproß des [[Gaiigya]], opfern wollte und den [[Aruni]] zum [[Priester]] wählte. Der aber sandte seinen [[Sohn]] [[Svetaketu]] hin, für ihn Priester zu sein. Ihn, da er ankam, fragte Citra: "Also du bist [[Gautama]]s Sohn! Gibt es
1. Es geschah einmal, daß [[Citra]], der Sproß des [[Gangya]], opfern wollte und den [[Aruni]] zum [[Priester]] wählte. Der aber sandte seinen [[Sohn]] [[Svetaketu]] hin, für ihn Priester zu sein. Ihn, da er ankam, fragte Citra: "Also du bist [[Gautama]]s Sohn! Gibt es
einen Abschluß [der Seelenwanderung] in der [[Welt]], zu dem du mich befördern kannst? Oder ist sonstwie ein [[Weg]], und du willst mich in die Welt, zu der er führt, befördern?" - Er antwortete: "Das weiß ich nicht. Ich will doch meinen [[Lehrer]] darum befragen!" Damit ging er zu seinem [[Vater]] und befragte ihn: "So und so hat er mich gefragt; was soll ich antworten?" - Der Vater sprach: "Das weiß ich auch nicht. Laß uns in seiner Opferhalle die [[Veda]]-Lektion abhalten und dafür empfangen, was Bessere als wir geben! Komm, wir wollen beide gehen!" - So kam er mit dem Brennholz in der [[Hand]] zu Citra, dem Sproß des Gaiigya, und sprach: "Laß mich dein [[Schüler]] sein!" - Der sprach zu ihm: "Du bist der Priester Anführer (lies ''Agranir''), o Gautama, und hast doch keinen [[Stolz]] gezeigt; komm, ich will es dir lehren!"
einen Abschluß [der Seelenwanderung] in der [[Welt]], zu dem du mich befördern kannst? Oder ist sonstwie ein [[Weg]], und du willst mich in die Welt, zu der er führt, befördern?" - Er antwortete: "Das weiß ich nicht. Ich will doch meinen [[Lehrer]] darum befragen!" Damit ging er zu seinem [[Vater]] und befragte ihn: "So und so hat er mich gefragt; was soll ich antworten?" - Der Vater sprach: "Das weiß ich auch nicht. Laß uns in seiner Opferhalle die [[Veda]]-Lektion abhalten und dafür empfangen, was Bessere als wir geben! Komm, wir wollen beide gehen!" - So kam er mit dem Brennholz in der [[Hand]] zu Citra, dem Sproß des Gaiigya, und sprach: "Laß mich dein [[Schüler]] sein!" - Der sprach zu ihm: "Du bist der Priester Anführer (lies ''Agranir''), o Gautama, und hast doch keinen [[Stolz]] gezeigt; komm, ich will es dir lehren!"


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:das Ruhebett [[Amitauja]]s (unermeßlich kraftvoll),
:das Ruhebett [[Amitauja]]s (unermeßlich kraftvoll),
:und die Geliebte [[Manasi]] (Verstandgenie)
:und die Geliebte [[Manasi]] (Verstandgenie)
:und ihr Gegenbild [[Cakshushi]] (Augengenie), die halten [[Blume]]n in [[Hand|Händen]], und sie sind es, die [als [[Nama]] und [[Rupam]]] die [[Welt]]en weben;
:und ihr Gegenbild [[Cakshushi]] (Augengenie), die halten [[Blume]]n in [[Hand|Händen]], und sie sind es, die [als [[Nama]] und [[Rupa]]m] die [[Welt]]en weben;
:und die [[Apsara]]s [[Ambas]] und [[Ambayavis]] (Mütter und Ammen),
:und die [[Apsara]]s [[Amba]]s und [[Ambayavis]] (Mütter und Ammen),
:und die Ströme [[Ambayah]] (etwa: Mutterheiten).
:und die Ströme [[Ambayah]] (etwa: Mutterheiten).


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:dann kommt er zum Thron Vicakshana; der hat als Vorderfüße die [[Saman]]s [[Brihad]] und [[Rathantaram]], und als Hinterfüße [die Samans] [[Syaitam]] und [[Naudhasam]], und als Längeleisten [[Vairupam]] und [[Vairajam]], und als Querleisten [[Sakvaram]] und [[Raivatam]], und ist [seinem [[Wesen]] nach] [[Erkenntnis]]; denn durch die Erkenntnis wird man [zu dem Thron gelangend] weitsehend;
:dann kommt er zum Thron Vicakshana; der hat als Vorderfüße die [[Saman]]s [[Brihad]] und [[Rathantaram]], und als Hinterfüße [die Samans] [[Syaitam]] und [[Naudhasam]], und als Längeleisten [[Vairupam]] und [[Vairajam]], und als Querleisten [[Sakvaram]] und [[Raivatam]], und ist [seinem [[Wesen]] nach] [[Erkenntnis]]; denn durch die Erkenntnis wird man [zu dem Thron gelangend] weitsehend;


:dann kommt er zu dem Ruhebett Amitaujas, das ist der [[Prana]] (das Leben); [[Vergangenheit]] und [[Zukunft]], sind seine Vorderfüße, [[Glück]] und Labung seine Hinterfüße, [die Samans] [[Bhadram]] und [[Yajnayajniyam]] seine Kopfleisten, Brihad und Rathantaram seine Längeleisten, [[Rics]] und Samans seine Längsborten, [[Yaju]]s' seine Querborten, [[Soma]]fasern seine Polsterung, [[Udgitha]] sein Überzug, [[Schönheit]] sein Kopfkissen;
:dann kommt er zu dem Ruhebett Amitaujas, das ist der [https://www.yoga-vidya.de/prana/ Prana] (das Leben); [[Vergangenheit]] und [[Zukunft]], sind seine Vorderfüße, [[Glück]] und Labung seine Hinterfüße, [die Samans] [[Bhadra]]m und [[Yajnayajniyam]] seine Kopfleisten, Brihad und Rathantaram seine Längeleisten, [[Ric]]s und Samans seine Längsborten, [[Yajus]]' seine Querborten, [[Soma]]fasern seine Polsterung, [[Udgitha]] sein Überzug, [[Schönheit]] sein Kopfkissen;


:darauf sitzt Brahman; zu ihm steigt, wer solches weiß, den [[Fuß]] vorsetzend [nicht kriechend] hinan. Dann fragt ihn Brahma: "Wer bist du?" -
:darauf sitzt Brahman; zu ihm steigt, wer solches weiß, den [[Fuß]] vorsetzend [nicht kriechend] hinan. Dann fragt ihn Brahma: "Wer bist du?" -
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- Dann soll er sagen: "Die [[Wahrheit]]!"
- Dann soll er sagen: "Die [[Wahrheit]]!"
"Wieso die Wahrheit?"
"Wieso die Wahrheit?"
- "Was verschieden von den [[Götter]]n und den [ihnen entsprechenden] Lebensorganen, das ist "Wahr-", was aber die Götter und Lebensorgane sind, das ist "-heit"; das wird ausgedrückt durch dies eine Wort "Wahrheit". Dieses befaßt die ganze [[Welt]]; und die ganze Welt bist du."
- "Was verschieden von den [[Götter Namen Liste von A-Z|Götter]]n und den [ihnen entsprechenden] Lebensorganen, das ist "Wahr-", was aber die Götter und Lebensorgane sind, das ist "-heit"; das wird ausgedrückt durch dies eine Wort "Wahrheit". Dieses befaßt die ganze [[Welt]]; und die ganze Welt bist du."
Also wird er dann sprechen.
Also wird er dann sprechen.
Das besagt auch der Vers:
Das besagt auch der Vers:
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Und er fragt ihn: "Wodurch erfassest du meine männlichen [[Name]]n?"
Und er fragt ihn: "Wodurch erfassest du meine männlichen [[Name]]n?"
- "Durch den [[Prana]]", soll er antworten.
- "Durch den [https://www.yoga-vidya.de/prana/ Prana]", soll er antworten.
"Wodurch meine sächlichen?"
"Wodurch meine sächlichen?"
- "Durch das [[Manas]]."
- "Durch das [[Manas]]."
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===Zweiter Adhyaya===
===Zweiter Adhyaya===
[[Datei:Lotus wasser.jpg|thumb|Lotos - pranadurchdrungen]]
'''1.''' Der Prana (das Leben) als Brahman nach der Lehre des Kaushitaki.
'''1.''' Der Prana (das Leben) als Brahman nach der Lehre des Kaushitaki.
Wer sein [[Leben]] als identisch mit dem allbefassenden [[Brahman]] weiß, dem dienen (ähnlich wie dem Leben die Lebensorgane), sofern er dieses Brahman ist, alle Geschöpfe, auch ohne daß er sie darum bittet.
Wer sein [[Leben]] als identisch mit dem allbefassenden [[Brahman]] weiß, dem dienen (ähnlich wie dem Leben die Lebensorgane), sofern er dieses Brahman ist, alle Geschöpfe, auch ohne daß er sie darum bittet.
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Seine Upanishad (geheime Losung) ist, nicht zu bitten: Denn wie wenn einer, der das Dorf durchbettelt und nichts erhalten hat, sich hinsetzt und denkt: "Jetzt möchte ich von denen, auch wenn sie mir gäben, nicht essen", und dann kommen sie und sprechen ihn an, die ihn vorher abgewiesen hatten<ref>Der [[Mensch]] vor und nach Erlangung der [[Erkenntnis]] entspRicht dem [[Bettler]], der zuerst nicht durch [[Bitte]]n erlangen konnte, was ihm, nachdem er resigniert hat, ungebeten zuteil wird.</ref>, - so ist das [[Verhalten]] jenes, der nicht bittet. Ihn sprechen vielmehr [statt daß er, wie vordem, erst bittet] Nahrungbringende an und sagen: "Erlaube uns, dir zu geben!"
Seine Upanishad (geheime Losung) ist, nicht zu bitten: Denn wie wenn einer, der das Dorf durchbettelt und nichts erhalten hat, sich hinsetzt und denkt: "Jetzt möchte ich von denen, auch wenn sie mir gäben, nicht essen", und dann kommen sie und sprechen ihn an, die ihn vorher abgewiesen hatten<ref>Der [[Mensch]] vor und nach Erlangung der [[Erkenntnis]] entspRicht dem [[Bettler]], der zuerst nicht durch [[Bitte]]n erlangen konnte, was ihm, nachdem er resigniert hat, ungebeten zuteil wird.</ref>, - so ist das [[Verhalten]] jenes, der nicht bittet. Ihn sprechen vielmehr [statt daß er, wie vordem, erst bittet] Nahrungbringende an und sagen: "Erlaube uns, dir zu geben!"


'''2.''' Der [[Prana]] als [[Brahman]] nach der Lehre des [[Paingya]]. [[Manas]], [[Ohr]], [[Auge]], [[Rede]], die vorher [[Diener]] des Prana waren, erscheinen hier als umeinander gelagerte Schichten (vgl. die vier [[Hülle]]n Taitt. Up. 2), die den Prana, wie dieser wieder den [[Atman]], schützend umgeben.
'''2.''' Der [https://www.yoga-vidya.de/prana/ Prana] als [[Brahman]] nach der Lehre des [[Paingya]]. [[Manas]], [[Ohr]], [[Auge]], [[Rede]], die vorher [[Diener]] des Prana waren, erscheinen hier als umeinander gelagerte Schichten (vgl. die vier [[Hülle]]n Taitt. Up. 2), die den Prana, wie dieser wieder den [[Atman]], schützend umgeben.


Der Prana ist das Brahman, also sprach Paingya. Um diesen Prana als Brahman ist über die Rede hinaus [nach innen zu] das Auge gelagert; über das Auge hinaus das Ohr gelagert, über das Ohr hinaus das Manas gelagert; über das Manas hinaus ist [um das eigentliche Brahman, den Atman] der Prana gelagert.
Der Prana ist das Brahman, also sprach Paingya. Um diesen Prana als Brahman ist über die Rede hinaus [nach innen zu] das Auge gelagert; über das Auge hinaus das Ohr gelagert, über das Ohr hinaus das Manas gelagert; über das Manas hinaus ist [um das eigentliche Brahman, den Atman] der Prana gelagert.
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Seine Upanishad (geheime Losung) ist, nicht zu bitten. Denn wie wenn einer, der das Dorf durchbettelt und nichts erhalten hat, sich hinsetzt und denkt: "Jetzt möchte ich von denen, auch wenn sie mir gäben, nicht essen", und dann kommen sie und sprechen ihn an, die ihn vorher abgewiesen hatten, - so ist das Verhalten jenes, der nicht bittet. Ihn sprechen vielmehr [statt daß er, wie vordem, erst bittet] Nahrungbringende an und sagen: "Erlaube uns; dir zu geben!"
Seine Upanishad (geheime Losung) ist, nicht zu bitten. Denn wie wenn einer, der das Dorf durchbettelt und nichts erhalten hat, sich hinsetzt und denkt: "Jetzt möchte ich von denen, auch wenn sie mir gäben, nicht essen", und dann kommen sie und sprechen ihn an, die ihn vorher abgewiesen hatten, - so ist das Verhalten jenes, der nicht bittet. Ihn sprechen vielmehr [statt daß er, wie vordem, erst bittet] Nahrungbringende an und sagen: "Erlaube uns; dir zu geben!"


'''3.''' Dem exoterischen, noch nicht völlig geläuterten [[Charakter]] der [[Verehrung]] des Prana als Brahman entspRicht es, daß hier und im folgenden diese Lehre (ähnlich wie der [[Theismus]] in einigen P[[salm]]en) zum Mittel wird, um irdische Zwecke der [[Habsucht]] und Rachgier zu befriedigen.
'''3.''' Dem exoterischen, noch nicht völlig geläuterten [[Charakter]] der [[Verehrung]] des Prana als Brahman entspRicht es, daß hier und im folgenden diese Lehre (ähnlich wie der [[Theismus]] in einigen [[Psalm]]en) zum Mittel wird, um irdische Zwecke der [[Habsucht]] und Rachgier zu befriedigen.


Nunmehr daher die Einheimsung eines bestimmten Gutes.
Nunmehr daher die Einheimsung eines bestimmten Gutes.
Wenn man auf ein bestimmtes Gut [[Absicht]]en hat, so soll man in der [[Vollmond]]snacht, oder in der [[Neumond]]snacht, oder während der hellen Monatshälfte bei einer günstigen Konstellation, - an einem dieser Zeitpunkte ein [[Feuer]] anlegen, um dasselbe herum kehren, streuen, sprengen, das rechte [[Knie]] beugen, mit dem Löffel die [[Butter]]spenden opfern und dabei sprechen: "[[Rede]] heißt die [[Gottheit]] der Einheimsung; die möge mir von dem da dieses da einheimsen, ihr sei [[Svaha]]; - Odem heißt die Gottheit der Einheimsung; die möge mir von dem da dieses da einheimsen, ihr sei Svaha; - Auge heißt die Gottheit der Einheimsung; die möge mir von dem da dieses da einheimsen; ihr sei Svaha; - Ohr heißt die Gottheit der Einheimsung; die möge mir von dem da dieses da einheimsen; ihr sei Svaha; - Manas heißt die Gottheit der Einheimsung; die möge mir von dem da dieses da einheimsen; ihr sei Svaha; - Erkenntnis (Prajna) heißt die Gottheit der Einheimsung; die möge mir von dem da dieses da einheimsen; ihr sei Svaha. - Sodann soll er den [[Geruch]] des [[Rauch]]es einziehen, mit Buttersalbung seine Glieder bestreichen und schweigend zu dem Betreffenden hingehen und die Sache nennen, oder er kann auch einen Boten danach senden, denn erhalten wird er sie sicherlich.
Wenn man auf ein bestimmtes Gut [[Absicht]]en hat, so soll man in der Vollmondsnacht, oder in der Neumondsnacht, oder während der hellen Monatshälfte bei einer günstigen Konstellation, - an einem dieser Zeitpunkte ein [[Feuer]] anlegen, um dasselbe herum kehren, streuen, sprengen, das rechte [[Knie]] beugen, mit dem Löffel die [[Butter]]spenden opfern und dabei sprechen: "[[Rede]] heißt die [[Gottheit]] der Einheimsung; die möge mir von dem da dieses da einheimsen, ihr sei [[Svaha]]; - Odem heißt die Gottheit der Einheimsung; die möge mir von dem da dieses da einheimsen, ihr sei Svaha; - Auge heißt die Gottheit der Einheimsung; die möge mir von dem da dieses da einheimsen; ihr sei Svaha; - Ohr heißt die Gottheit der Einheimsung; die möge mir von dem da dieses da einheimsen; ihr sei Svaha; - Manas heißt die Gottheit der Einheimsung; die möge mir von dem da dieses da einheimsen; ihr sei Svaha; - Erkenntnis (Prajna) heißt die Gottheit der Einheimsung; die möge mir von dem da dieses da einheimsen; ihr sei Svaha. - Sodann soll er den [[Geruch]] des [[Rauch]]es einziehen, mit Buttersalbung seine Glieder bestreichen und schweigend zu dem Betreffenden hingehen und die Sache nennen, oder er kann auch einen Boten danach senden, denn erhalten wird er sie sicherlich.


'''4.''' Die neue Lehre weiß sich dadurch zu empfehlen, daß sie auch zu den so vielfach beliebten [[Liebeszauber]]n die Mittel an die Hand gibt.
'''4.''' Die neue Lehre weiß sich dadurch zu empfehlen, daß sie auch zu den so vielfach beliebten [[Liebeszauber]]n die Mittel an die Hand gibt.
Nunmehr daher die von den [[Götter]]n [[[Rede]], Odem, [[Auge]], [[Ohr]], [[Manas]], [[Erkenntnis]]] erregte Liebessehnsucht ([[Daivah]] [[Smarah]]).
Nunmehr daher die von den [[Götter Namen Liste von A-Z|Götter]]n Rede, Odem, [[Auge]], [[Ohr]], [[Manas]], [[Erkenntnis]]] erregte Liebessehnsucht ([[Daiva|Daivah]] [[Smara|Smarah]]).
Wenn man einem [[Mann]] oder einer [[Frau]], oder Männern oder Frauen lieb zu werden wünscht, so soll man den erwähnten [Göttern] an einem der [erwähnten] Zeitpunkte in der erwähnten Art und Weise dieselben [[Butter]]spenden opfern und dabei sprechen: "Deine Rede opfere ich in mir, du da [[Svaha]]; deinen [[Prana]] opfere ich in mir, du da Svaha; dein Auge opfere ich in mir, du da Svaha; dein Ohr opfere ich in mir, du da Svaha; dein Manas opfere ich in mir, du da Svaha; deine Erkenntnis opfere ich in mir, du da Svaha." - Sodann soll er den Geruch des Rauches einziehen, mit Buttersalbung seine Glieder bestreichen und schweigend zu den Betreffenden hingehen und versuchen, sie zu berühren, oder auch er mag von der Windseite stehen und so mit ihnen reden; sicherlich wird er ihnen lieb werden, sicherlich werden sie an ihn mit [[Sehnsucht]] denken.
Wenn man einem [[Mann]] oder einer [[Frau]], oder Männern oder Frauen lieb zu werden wünscht, so soll man den erwähnten [Göttern] an einem der [erwähnten] Zeitpunkte in der erwähnten Art und Weise dieselben [[Butter]]spenden opfern und dabei sprechen: "Deine Rede opfere ich in mir, du da [[Svaha]]; deinen [https://www.yoga-vidya.de/prana/ Prana] opfere ich in mir, du da Svaha; dein Auge opfere ich in mir, du da Svaha; dein Ohr opfere ich in mir, du da Svaha; dein Manas opfere ich in mir, du da Svaha; deine Erkenntnis opfere ich in mir, du da Svaha." - Sodann soll er den Geruch des Rauches einziehen, mit Buttersalbung seine Glieder bestreichen und schweigend zu den Betreffenden hingehen und versuchen, sie zu berühren, oder auch er mag von der Windseite stehen und so mit ihnen reden; sicherlich wird er ihnen lieb werden, sicherlich werden sie an ihn mit [[Sehnsucht]] denken.


'''5.''' Die [[Gewohnheit]], zu opfern, war zu tief eingewurzelt, als daß man sie ohne Ersatz hätte beseitigen können. Hier tritt an Stelle des täglich am [[Morgen]] und [[Abend]] zu bringenden [[Agnihotram]] der ununterbrochen fortgehende Prozeß des [[Einatmen]]s (Prana) und des [[Ausatmen]]s beim Reden ([[Vac]]). Ersteres ist eine Opferung der Vac im Prana, letzteres eine solche des Prana in der Vac. - Nicht in äußerem Kultus soll die [[Religion]] bestehen, sondern darin, daß man das ganze [[Leben]] mit jedem Atemzuge in ihren [[Dienst]] stellt. (s. 1. Kor. 10, 31.)
'''5.''' Die [[Gewohnheit]], zu opfern, war zu tief eingewurzelt, als daß man sie ohne Ersatz hätte beseitigen können. Hier tritt an Stelle des täglich am [[Morgen]] und [[Abend]] zu bringenden [[Agnihotra]]m der ununterbrochen fortgehende Prozeß des [[Einatmen]]s (Prana) und des [[Ausatmen]]s beim Reden ([[Vac]]). Ersteres ist eine Opferung der Vac im Prana, letzteres eine solche des Prana in der Vac. - Nicht in äußerem Kultus soll die [[Religion]] bestehen, sondern darin, daß man das ganze [[Leben]] mit jedem Atemzuge in ihren [[Dienst]] stellt. (s. 1. Kor. 10, 31.)
   
   
Nunmehr daher die Selbstzwingung des [[Pratardana]] ([[Samyamanam]] [[Pratardanam]]), oder, wie es auch genannt wird, das innerliche [[Agnihotram]].
Nunmehr daher die Selbstzwingung des [[Pratardana]] ([[Samyamanam]] Pratardanam), oder, wie es auch genannt wird, das innerliche [[Agnihotra]]m.
Solange nämlich ein [[Mensch]] redet, solange kann er nicht einatmen; dann opfert er den Odem in der Rede; - und solange ein Mensch einatmet, solange kann er nicht reden; dann opfert er die Rede in dem Odem. Diese beiden [[Opferung]]en sind unendlich, unsterblich; denn man bringt sie dar ohne Unterlaß im [[Wachen]] wie im [[Schlaf]]. Hingegen die anderen Opferungen sind endlich, denn sie bestehen aus Werken. Darum haben die alten [[Weise]]n das Agnihotram nicht geopfert.
Solange nämlich ein [[Mensch]] redet, solange kann er nicht einatmen; dann opfert er den Odem in der Rede; - und solange ein Mensch einatmet, solange kann er nicht reden; dann opfert er die Rede in dem Odem. Diese beiden [[Opfer]]ungen sind unendlich, unsterblich; denn man bringt sie dar ohne Unterlaß im [[Wachen]] wie im [[Schlaf]]. Hingegen die anderen Opferungen sind endlich, denn sie bestehen aus Werken. Darum haben die alten [[Weise]]n das Agnihotram nicht geopfert.


'''6.''' Wie Ait. Ar. 2, 1-3 das [[Uktham]] (d. h. das beim [[Mahavrata]] gebrauchte [[Nishkevalya]] [[Sastram]]) mit dem Prana, so wird es hier mit dem [[Brahman]] (d. h. mit dem aus [[Ric]], [[Yajus]], [[Saman]] bestehenden Prinzip der Dinge) identifiziert. - Um den Schlußabschnitt zu verstehen, muß man sich an die Vorstellung erinnern, daß der funktionierende [[Priester]] ([[Hotar]], [[Udgatar]], [[Adhvaryu]]) sein [[Selbst]] so weiht ([[Atmanam]] [[Samskaroti]]), daß es nur noch aus Ric, Saman, Yajus besteht (vgl. die Stellen in meiner Allgemeinen Geschichte der [[Philosophie]] I, 328): Hier weiht zunächst der [[Adhvaryu]] sein Selbst so, daß es ganz opferhandlungsartig ([[Aishtikam]], oder backsteinartig, wenn man [[Aishtakam]] liest), ganz werkartig wird, dem dann das übrige, aus Yajus bestehende Selbst des Adhvaryu, sowie das aus Ric bestehende Selbst des Hotar und das aus Saman bestehende Selbst des Udgatar angewoben werden.
{{#ev:youtube|Jee_MzfyEto}}


Das Uktham ist Brahman, so sprach [[Sushkabhringara]]. Man soll es (das Uktham) als Ric verehren, denn ihm zu seiner Oberhoheit werden alle [[Wesen]] zujauchzen gemacht ([[Abhyarcyante]], Wortspiel mit Ric), als Yajus verehren, denn ihm zu seiner Oberhoheit werden alle Wesen angeschlossen ([[Yujyante]]), als Saman verehren, denn ihm zu seiner Oberhoheit neigen sich alle Wesen zu ([[samnamante]]). Als [[Schönheit]] soll man es
'''6.''' Wie Ait. Ar. 2, 1-3 das [[Uktha]]m (d. h. das beim [[Mahavrata]] gebrauchte [[Nishkevalya]] [[Sastra]]m) mit dem Prana, so wird es hier mit dem [[Brahman]] (d. h. mit dem aus [[Ric]], [[Yajus]], [[Saman]] bestehenden Prinzip der Dinge) identifiziert. - Um den Schlußabschnitt zu verstehen, muß man sich an die Vorstellung erinnern, daß der funktionierende [[Priester]] ([[Hotar]], [[Udgatar]], [[Adhvaryu]]) sein [[Selbst]] so weiht ([[Atmanam]] [[Samskaroti]]), daß es nur noch aus Ric, Saman, Yajus besteht (vgl. die Stellen in meiner Allgemeinen Geschichte der [[Philosophie]] I, 328): Hier weiht zunächst der [[Adhvaryu]] sein Selbst so, daß es ganz opferhandlungsartig ([[Aishtikam]], oder backsteinartig, wenn man [[Aishtakam]] liest), ganz werkartig wird, dem dann das übrige, aus Yajus bestehende Selbst des Adhvaryu, sowie das aus Ric bestehende Selbst des Hotar und das aus Saman bestehende Selbst des Udgatar angewoben werden.
 
Das Uktham ist Brahman, so sprach [[Sushkabhringara]]. Man soll es (das Uktham) als Ric verehren, denn ihm zu seiner Oberhoheit werden alle [[Wesen]] zujauchzen gemacht ([[Abhyarcyante]], Wortspiel mit Ric), als Yajus verehren, denn ihm zu seiner Oberhoheit werden alle Wesen angeschlossen ([[Yujyante]]), als Saman verehren, denn ihm zu seiner Oberhoheit neigen sich alle Wesen zu ([[Samnamante]]). Als [[Schönheit]] soll man es
(das Uktham) verehren, als [[Ruhm]], als [[Kraft]]. Und so wie dieses (Uktham) das schönste, ruhmvollste, kraftvollste unter den Sastras<ref>Unter den Anrufungen, die der Hotar und seine Gehilfen zu rezitieren haben. Cowell und M. Müller übersetzen nach Sankarananda: "unter den Waffen" (!).</ref> ist, also ist auch der unter allen [[Wesen]] der schönste, ruhmvollste, kraftvollste, wer solches weiß.
(das Uktham) verehren, als [[Ruhm]], als [[Kraft]]. Und so wie dieses (Uktham) das schönste, ruhmvollste, kraftvollste unter den Sastras<ref>Unter den Anrufungen, die der Hotar und seine Gehilfen zu rezitieren haben. Cowell und M. Müller übersetzen nach Sankarananda: "unter den Waffen" (!).</ref> ist, also ist auch der unter allen [[Wesen]] der schönste, ruhmvollste, kraftvollste, wer solches weiß.


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Also, der Allsieger Kaushitaki pflegte die aufgehende Sonne zu verehren, mit der [[Opferschnur]] angetan und [[Wasser]] herbeibringend, und, indem er dreimal davon in ein Gefäß goß, zu ihr zu sprechen: "Du bist der Heber, hebe meine Sünde!" Und in derselben Weise zu der Mittagssonne: "Du bist der Aufheber, hebe meine Sünde auf!" Und in derselben Weise zu der untergehenden Sonne: "Du bist der Wegheber, hebe meine Sünde weg!" Dann hob die Sonne alle Sünde, die er bei [[Tag]]e und bei [[Nacht]] begangen. Und ebenso, wer solches weiß und in dieser Weise die Sonne verehrt, dem hebt sie alle Sünde, die er bei Tage und bei Nacht begeht.
Also, der Allsieger Kaushitaki pflegte die aufgehende Sonne zu verehren, mit der [[Opferschnur]] angetan und [[Wasser]] herbeibringend, und, indem er dreimal davon in ein Gefäß goß, zu ihr zu sprechen: "Du bist der Heber, hebe meine Sünde!" Und in derselben Weise zu der Mittagssonne: "Du bist der Aufheber, hebe meine Sünde auf!" Und in derselben Weise zu der untergehenden Sonne: "Du bist der Wegheber, hebe meine Sünde weg!" Dann hob die Sonne alle Sünde, die er bei [[Tag]]e und bei [[Nacht]] begangen. Und ebenso, wer solches weiß und in dieser Weise die Sonne verehrt, dem hebt sie alle Sünde, die er bei Tage und bei Nacht begeht.


'''8.''' Nach Kaush. 1,2, oben S. 24, ist das Zunehmen des [[Mond]]es bedingt durch abscheidende und zu ihm gelangende [[Seele]]n. Daher hier am [[Neumond]]stage die Bitte an den Mond geRichtet wird, sein Anschwellen nicht durch die [[Kind]]er des Bittenden, sondern durch die seiner [[Feind]]e zu bewirken.
'''8.''' Nach Kaush. 1,2, oben S. 24, ist das Zunehmen des [[Mond]]es bedingt durch abscheidende und zu ihm gelangende [[Seele]]n. Daher hier am Neumondstage die Bitte an den Mond geRichtet wird, sein Anschwellen nicht durch die [[Kind]]er des Bittenden, sondern durch die seiner [[Feind]]e zu bewirken.


Nun weiter in jedem [[Monat]], wenn die Neumondsnacht kommt, soll er den im Westen erscheinenden Mond verehren in der vorher (2,7) beschriebenen Weise, oder auch er mag ihm zwei grüne Grashalme entgegenwerfen und sprechen:
Nun weiter in jedem [[Monat]], wenn die Neumondsnacht kommt, soll er den im Westen erscheinenden Mond verehren in der vorher (2,7) beschriebenen Weise, oder auch er mag ihm zwei grüne Grashalme entgegenwerfen und sprechen:


:"Mein [[Herz]], schönscheitlige [s]<ref>[[Susimam]] [[Hridayam]], wahrscheinlich ist hier und anderweit [[Susime]] "schönscheitlige" als Anrede an die Gattin zu lesen (vgl. Asval. grihyas. 1, 13, 7).</ref>, welches  
:"Mein [[Herz]], schönscheitlige [s]<ref>[[Susimam]] [[Hridaya]]m, wahrscheinlich ist hier und anderweit [[Susime]] "schönscheitlige" als Anrede an die Gattin zu lesen (vgl. Asval. grihyas. 1, 13, 7).</ref>, welches  
:"Im [[Himmel]], in dem Mond ruht,  
:"Im [[Himmel]], in dem Mond ruht,  
:"Des glaub' ich kundig mich, möge  
:"Des glaub' ich kundig mich, möge  
:"Nicht Sohnesleid beweinen ich!"
:"Nicht Sohnesleid beweinen ich!"


Von ihm werden seine Kinder nicht [abscheiden], ehe er abscheidet. So, wenn ihm schon ein [[Sohn]] geboren ist.
Von ihm werden seine [https://www.yoga-vidya.de/kinderyoga/ Kinder] nicht [abscheiden], ehe er abscheidet. So, wenn ihm schon ein [[Sohn]] geboren ist.


Ist ihm aber noch kein Sohn geboren, so soll er folgende drei Verse murmeln:
Ist ihm aber noch kein Sohn geboren, so soll er folgende drei Verse murmeln:
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der Sonne wende ich mich herum." Damit wendet er sich nach seinem rechten [[Arm]] hin herum.<ref>Der Beter schaut nach Westen und wendet sich sodann rechts herum, wie die Sonne in der Nacht, nach Osten, der Himmelsgegend des Indra, hin. Die in der Nacht von Westen nach Osten zurückkehrende Sonne scheint hier ein Symbol des in den Nachkommen sich wieder erneuernden Lebens des Vaters zu sein.</ref>
der Sonne wende ich mich herum." Damit wendet er sich nach seinem rechten [[Arm]] hin herum.<ref>Der Beter schaut nach Westen und wendet sich sodann rechts herum, wie die Sonne in der Nacht, nach Osten, der Himmelsgegend des Indra, hin. Die in der Nacht von Westen nach Osten zurückkehrende Sonne scheint hier ein Symbol des in den Nachkommen sich wieder erneuernden Lebens des Vaters zu sein.</ref>


'''9.''' Es folgt nun eine analoge Zeremonie für den [[Vollmond]]sabend, bei der jedoch die Verhältnisse mehrfach anders liegen als vorher. Das bevorstehende Abnehmen des Mondes wird nämlich nicht (wie man, nach 1,2 und 2,8 erwarten sollte) als ein Herabsteigen der [[Seele]] zum neuen Erdenleben aufgefaßt, sondern das Schwinden des Mondes bedeutet hier, im geraden Gegenteil, ein Schwinden des Erdenlebens, dessen Abwehr die Zeremonie bezweckt. Auch die zum Schluß ausgeführte Drehung nach rechts herum, also hier von Osten nach Westen,läßt sich nicht wie im vorigen Abschnitt erklären, es sei denn, daß man dort eine halbe, hier eine ganze Drehung annähme, wozu auch die [[Daivi]] [[Avrit]] als eine Rückkehr zu den beiden Göttern, [[Varuna]] im Westen und sodann [[Indra]] im Osten, passen würde. - Der Mond ist [[Prajapati]], sofern auf ihm die [[Geburt]]en beruhen; aber sofern auch das Sterben durch ihn bedingt ist, ist er [[Pancamukkah]] [[Prajapatih]] und Prinzip alles Vertilgens, wie es vom [[Brahmane]]n, [[Kshatriya]], [[Falke]]n, [[Feuer]] und schließlich vom Mond selbst geübt wird, - eine [[Eigenschaft]], welche der Betende auf sich übertragen sehen möchte.
'''9.''' Es folgt nun eine analoge Zeremonie für den Vollmondsabend, bei der jedoch die Verhältnisse mehrfach anders liegen als vorher. Das bevorstehende Abnehmen des Mondes wird nämlich nicht (wie man, nach 1,2 und 2,8 erwarten sollte) als ein Herabsteigen der [[Seele]] zum neuen Erdenleben aufgefaßt, sondern das Schwinden des Mondes bedeutet hier, im geraden Gegenteil, ein Schwinden des Erdenlebens, dessen Abwehr die Zeremonie bezweckt. Auch die zum Schluß ausgeführte Drehung nach rechts herum, also hier von Osten nach Westen,läßt sich nicht wie im vorigen Abschnitt erklären, es sei denn, daß man dort eine halbe, hier eine ganze Drehung annähme, wozu auch die [[Daivi]] [[Avrit]] als eine Rückkehr zu den beiden Göttern, [[Varuna]] im Westen und sodann [[Indra]] im Osten, passen würde. - Der Mond ist [[Prajapati]], sofern auf ihm die [[Geburt]]en beruhen; aber sofern auch das Sterben durch ihn bedingt ist, ist er [[Pancamukkah]] [[Prajapatih]] und Prinzip alles Vertilgens, wie es vom [[Brahmane]]n, [[Kshatriya]], [[Falke]]n, [[Feuer]] und schließlich vom Mond selbst geübt wird, - eine [[Eigenschaft]], welche der Betende auf sich übertragen sehen möchte.
 
[[Datei:Vollmond.jpg|thumb|Vollmond]]


Nunmehr in der Vollmondsnacht soll er den im Osten aufgehenden Mond verehren und, in der vorerwähnten Weise verfahrend, sprechen: "Du bist der König [[Soma]], der weitschauende; du bist der fünfmundige Prajapati;
Nunmehr in der Vollmondsnacht soll er den im Osten aufgehenden Mond verehren und, in der vorerwähnten Weise verfahrend, sprechen: "Du bist der König [[Soma]], der weitschauende; du bist der fünfmundige Prajapati;
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'''10.''' Daß die [[Kind]]er nicht vor dem [[Vater]] sterben, soll durch die beiden vorhergehenden [[Zeremonie]]n, daß sie auch nicht vor der [[Mutter]] sterben, durch die nun folgende verhütet werden.
'''10.''' Daß die [[Kind]]er nicht vor dem [[Vater]] sterben, soll durch die beiden vorhergehenden [[Zeremonie]]n, daß sie auch nicht vor der [[Mutter]] sterben, durch die nun folgende verhütet werden.


Nunmehr, wenn er seiner Gattin beiwohnen will (lies [[Sam]] [[Vekshyan]]), so soll er ihr [[Herz]] berühren und dazu sprechen:
Nunmehr, wenn er seiner Gattin beiwohnen will (lies [[Sam]] [[Vekshyan]]), so soll er ihr [https://www.yoga-vidya.de/seminarsuche/herz Herz] berühren und dazu sprechen:


:"Dein Herz (lies [[Hridaya]]m), Schönscheitlige, welches
:"Dein Herz (lies [[Hridaya]]m), Schönscheitlige, welches
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wobei er dessen Namen erwähnt.
wobei er dessen Namen erwähnt.


Sodann umarmt er ihn und spRicht: "Womit Prajapati die Geschöpfe umarmte, damit sie unversehrt blieben, damit umarme ich dich, du da" [hier nennt er wieder seinen Namen].
Sodann umarmt er ihn und spricht: "Womit Prajapati die Geschöpfe umarmte, damit sie unversehrt blieben, damit umarme ich dich, du da" [hier nennt er wieder seinen Namen].


Sodann flüstert er ihm ins rechte [[Ohr]]:
Sodann flüstert er ihm ins rechte [[Ohr]]:
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Hier küßt er dreimal sein Haupt. - "Mit dem Rufe [[Hin]], wie die [[Kuh|Kühe]] [ihre Kälber], rufe ich dich an!" Hierbei stößt er dreimal den Ruf ''Hin'' gegen sein Haupt aus.
Hier küßt er dreimal sein Haupt. - "Mit dem Rufe [[Hin]], wie die [[Kuh|Kühe]] [ihre Kälber], rufe ich dich an!" Hierbei stößt er dreimal den Ruf ''Hin'' gegen sein Haupt aus.


'''12.-13.''' Nun folgt der [[Daivah]] [[Parimarah]], das Sterben der [[Gottheit]]en ([[Agni]], [[Aditya]], [[Candramas]], [[Vidyut]], und analog [[Vac]], [[Cakshus]], [[Srotram]], [[Manas]]) in dem [[Vayu]] [[Prana]], aus dem sie wieder auferstehen. Eine ähnliche, nur viel einfachere Anschauung liegt dem [[brahmanah]] Parimarah, Ait. Br. 8,28, zugrunde. Dort gehen Vidyut, [[Vrishti]], Candramas, Aditya, Agni in Vayu ein und wieder aus ihm hervor, in der Weise, daß der Blitz im [[Regen]], dieser im [[Mond]], dieser in der [[Sonne]], diese im [[Feuer]], dieses im [[Wind]] erlischt, worauf sodann wiederum aus dem Wind das Feuer, aus diesem die Sonne, aus dieser der Mond, aus diesem der Regen, aus diesem der Blitz hervorgehen. Das Hauptgewicht fällt dabei auf die an diese einfache Naturanschauung sich knüpfende [[Zauberformel]] zur Vernichtung der [[Feind]]e. - In unserer Stelle tritt dieser praktische Zweck in den Hintergrund, indem nur die Verheißung am Schluß an ihn erinnert, wohingegen die Naturanschauung in eigentümlicher Weise fortentwickelt erscheint, zunächst, sofern neben die kosmischen [[Götter]] (Agni, Aditya, Candramas, Vidyut) die entsprechenden psychischen "Götter" (Vac, Cakshus, Srotram, Manas) treten, welche im Prana aufgehen wie jene im Vayu, - sodann, sofern mit diesem Vayu-Prana das kosmische und psychische [[Brahman]] identisch oder nahezu identisch ist. Das kosmische Brahman, d.h. das in der [[Welt]] verwirklichte [[Veda]]-Wort, manifestiert sich in Agni, Aditya, Candramas, Vidyut und scheint mit dem Aufhören dieser [[Manifestation]]en zu sterben. In Wahrheit aber sterben dieselben (und mit ihnen das Brahman) nicht; ihren Glanz ([[tejas]]) geben sie an andere Erscheinungen ab; ihr Leben (Prana) aber kehrt in den Vayu zurück. In analoger Weise manifestiert sich das psychische Brahman, d.h, das im Menschen als Gebet erwachende Veda Wort, in Vac, Cakshus, Srotram, Manas; auch sie (und mit ihnen das Brahman) sterben nicht, sondern geben ihren Glanz (Tejas) an andere psychische [[Kraft|Kräfte]] ab, während sie selbst im Prana, dem psychischen Äquivalent des Vayu, fortbestehen. - Der Grundgedanke ist sonach: der Vayu Prana als Prinzip des kosmischen und psychischen [[Leben]]s, von welchem hier das Brahman noch abhängig ist, jedoch so, daß es in undeutlicher Weise als identisch mit ihm behandelt wird.
'''12.-13.''' Nun folgt der [[Daiva|Daivah]] [[Parimarah]], das Sterben der [[Gottheit]]en ([[Agni]], [[Aditya]], [[Candramas]], [[Vidyut]], und analog [[Vac]], [[Cakshus]], [[Srotra]]m, [[Manas]]) in dem [[Vayu]] [https://www.yoga-vidya.de/prana/ Prana], aus dem sie wieder auferstehen. Eine ähnliche, nur viel einfachere Anschauung liegt dem [[Brahmanah]] Parimarah, Ait. Br. 8,28, zugrunde. Dort gehen Vidyut, [[Vrishti]], Candramas, Aditya, Agni in Vayu ein und wieder aus ihm hervor, in der Weise, daß der Blitz im [[Regen]], dieser im [[Mond]], dieser in der [[Sonne]], diese im [[Feuer]], dieses im [[Wind]] erlischt, worauf sodann wiederum aus dem Wind das Feuer, aus diesem die Sonne, aus dieser der Mond, aus diesem der Regen, aus diesem der Blitz hervorgehen. Das Hauptgewicht fällt dabei auf die an diese einfache Naturanschauung sich knüpfende [[Zauberformel]] zur Vernichtung der [[Feind]]e. - In unserer Stelle tritt dieser praktische Zweck in den Hintergrund, indem nur die Verheißung am Schluß an ihn erinnert, wohingegen die Naturanschauung in eigentümlicher Weise fortentwickelt erscheint, zunächst, sofern neben die kosmischen [[Götter Namen Liste von A-Z|Götter]] (Agni, Aditya, Candramas, Vidyut) die entsprechenden psychischen "Götter" (Vac, Cakshus, Srotram, Manas) treten, welche im Prana aufgehen wie jene im Vayu, - sodann, sofern mit diesem Vayu-Prana das kosmische und psychische [[Brahman]] identisch oder nahezu identisch ist. Das kosmische Brahman, d.h. das in der [[Welt]] verwirklichte [[Veda]]-Wort, manifestiert sich in Agni, Aditya, Candramas, Vidyut und scheint mit dem Aufhören dieser [[Manifestation]]en zu sterben. In Wahrheit aber sterben dieselben (und mit ihnen das Brahman) nicht; ihren Glanz ([[tejas]]) geben sie an andere Erscheinungen ab; ihr Leben (Prana) aber kehrt in den Vayu zurück. In analoger Weise manifestiert sich das psychische Brahman, d.h, das im Menschen als Gebet erwachende Veda Wort, in Vac, Cakshus, Srotram, Manas; auch sie (und mit ihnen das Brahman) sterben nicht, sondern geben ihren Glanz (Tejas) an andere psychische [[Kraft|Kräfte]] ab, während sie selbst im Prana, dem psychischen Äquivalent des Vayu, fortbestehen. - Der Grundgedanke ist sonach: der Vayu Prana als Prinzip des kosmischen und psychischen [[Leben]]s, von welchem hier das Brahman noch abhängig ist, jedoch so, daß es in undeutlicher Weise als identisch mit ihm behandelt wird.


'''12.''' Nunmehr daher das [um den [[Prana]]] Herumsterben der [[Götter]].
'''12.''' Nunmehr daher das [um den [https://www.yoga-vidya.de/prana/ Prana]] Herumsterben der [[Götter Namen Liste von A-Z|Götter]].


Fürwahr, dieses [[Brahman]] entbrennt, wenn das [[Feuer]] flammt, und es stirbt, wenn es nicht flammt; alsdann geht dessen [[Glanz]] ein in die [[Sonne]], sein Lebenshauch in den [[Wind]];
Fürwahr, dieses [[Brahman]] entbrennt, wenn das [[Feuer]] flammt, und es stirbt, wenn es nicht flammt; alsdann geht dessen [[Glanz]] ein in die [[Sonne]], sein Lebenshauch in den [[Wind]];
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Nun in bezug auf das [[Selbst]].
Nun in bezug auf das [[Selbst]].


'''13.''' Fürwahr, dieses [[Brahman]] entbrennt, wenn man mit der [[Rede]] redet, und es stirbt, wenn man nicht redet; alsdann geht deren (lies [[Tasyas]]) Glanz ein in das [[Auge]], ihr Lebenshauch in den Lebenshauch ([[Prana]]);
'''13.''' Fürwahr, dieses [[Brahman]] entbrennt, wenn man mit der [[Rede]] redet, und es stirbt, wenn man nicht redet; alsdann geht deren (lies [[Tasyas]]) Glanz ein in das [[Auge]], ihr Lebenshauch in den Lebenshauch ([https://www.yoga-vidya.de/prana/ Prana]);


fürwahr, dieses Brahman entbrennt, wenn man mit dem Auge schaut, und es stirbt, wenn man nicht schaut; alsdann geht dessen Glanz ein in das [[Ohr]], sein Lebenshauch in den Lebenshauch;
fürwahr, dieses Brahman entbrennt, wenn man mit dem Auge schaut, und es stirbt, wenn man nicht schaut; alsdann geht dessen Glanz ein in das [[Ohr]], sein Lebenshauch in den Lebenshauch;
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Also gehen alle diese Gottheiten ein in den Lebenshauch (Prana), ersterben in dem Lebenshauch; aber sie gehen darum nicht verloren, sondern aus ihm erheben sie sich wieder. Wahrlich, wenn auf den, der solches weiß, die beiden Gebirge, das südliche und das nördliche [der [[Vindhya]] und der [[Himalaya]]] sich zubewegten, um ihn zu verschütten, so würden sie ihn doch nicht verschütten können! - Aber die, welche ihn hassen, und die er haßt, die alle sterben rings um ihn im Kreise.
Also gehen alle diese Gottheiten ein in den Lebenshauch (Prana), ersterben in dem Lebenshauch; aber sie gehen darum nicht verloren, sondern aus ihm erheben sie sich wieder. Wahrlich, wenn auf den, der solches weiß, die beiden Gebirge, das südliche und das nördliche [der [[Vindhya]] und der [[Himalaya]]] sich zubewegten, um ihn zu verschütten, so würden sie ihn doch nicht verschütten können! - Aber die, welche ihn hassen, und die er haßt, die alle sterben rings um ihn im Kreise.
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'''14.''' Der Rangstreit der Organe und der Sieg des Prana oder Lebensodems, der mit dem kosmischen [[Vayu]] gleichgesetzt wird, über die übrigen, ist hier, wie so oft, das Thema der exoterischen, im Prana Vayu das Prinzip der Dinge anschauenden [[Upanishad]] Lehre.
'''14.''' Der Rangstreit der Organe und der Sieg des Prana oder Lebensodems, der mit dem kosmischen [[Vayu]] gleichgesetzt wird, über die übrigen, ist hier, wie so oft, das Thema der exoterischen, im Prana Vayu das Prinzip der Dinge anschauenden [[Upanishad]] Lehre.
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Da ging das [[Manas]] in ihn ein; aber obgleich er mit der Rede redete, mit dem Auge sah, mit dem Ohre hörte und mit dem Manas dachte, blieb er doch liegen.
Da ging das [[Manas]] in ihn ein; aber obgleich er mit der Rede redete, mit dem Auge sah, mit dem Ohre hörte und mit dem Manas dachte, blieb er doch liegen.


Da ging der Prana in ihn ein; da stand er alsobald auf. Da erkannten alle jene Gottheiten die Oberhoheit des Prana an, und indem sie des Prana, des [[Erkenntnis]]-Selbstes ([[Prajnatman]]), teilhaftig wurden, zogen sie mit allen jenen [Verzweigungen des Prana, [[Prana]], [[Apana]], [[Vyana]], [[Samana]], [[Udana]]] aus diesem [[Körper]] aus, und indem sie in den [[Wind]] eingingen, gelangten sie, zum [[Äther]] geworden, in den [[Himmel]].
Da ging der Prana in ihn ein; da stand er alsobald auf. Da erkannten alle jene Gottheiten die Oberhoheit des Prana an, und indem sie des Prana, des [[Erkenntnis]]-Selbstes ([[Prajnatman]]), teilhaftig wurden, zogen sie mit allen jenen [Verzweigungen des Prana, [https://www.yoga-vidya.de/prana/ Prana], [[Apana]], [[Vyana]], [[Samana]], [[Udana]]] aus diesem [[Körper]] aus, und indem sie in den [[Wind]] eingingen, gelangten sie, zum [[Äther]] geworden, in den [[Himmel]].


Und ebenso auch, wer solches weiß, die Oberhoheit des Prana anerkennt und, indem er des Prana, des Erkenntnis-Selbstes teilhaftig wird, mit allen jenen aus diesem Körper auszieht und in den Wind eingeht, der gelangt, zum Äther geworden, in den Himmel. So gelangt er dorthin, wohin jene Götter gelangten, nachdem sie dies erkannt, und sofern jene Götter unsterblich sind, sofern wird auch der unsterblich, der solches weiß.
Und ebenso auch, wer solches weiß, die Oberhoheit des Prana anerkennt und, indem er des Prana, des Erkenntnis-Selbstes teilhaftig wird, mit allen jenen aus diesem Körper auszieht und in den Wind eingeht, der gelangt, zum Äther geworden, in den Himmel. So gelangt er dorthin, wohin jene Götter gelangten, nachdem sie dies erkannt, und sofern jene Götter unsterblich sind, sofern wird auch der unsterblich, der solches weiß.


'''15.''' Neben dem [[Seelenwanderung]]sglauben, der die [[Wohlfahrt]] im [[Jenseits]] und im abermaligen Erdenleben von dem rituellen und moralischen [[Verhalten]] des einzelnen [[Mensch]]en abhängig machte, bestand auch der [[Manen]]kultus noch weiter fort, welchem die Vorstellung zugrunde liegt, daß die Werke der Nachkommen den im Jenseits weilenden Vorfahren zugute kommen. Daher erscheint die Zeugung eines [[Sohn]]es als eine [[Schuld]] ([[rinam]]), die man an die Väter abträgt; daher auch der sterbende Vater den Sohn feierlich als Fortsetzer seiner Werke einsetzt, worauf sich, ähnlich wie Brih. Up. 1,5,17-20, auch der vorliegende Abschnitt bezieht.
'''15.''' Neben dem [[Seelenwanderung]]sglauben, der die [[Wohlfahrt]] im [[Jenseits]] und im abermaligen Erdenleben von dem rituellen und moralischen [[Verhalten]] des einzelnen [[Mensch]]en abhängig machte, bestand auch der [[Manen]]kultus noch weiter fort, welchem die Vorstellung zugrunde liegt, daß die Werke der Nachkommen den im Jenseits weilenden Vorfahren zugute kommen. Daher erscheint die Zeugung eines [[Sohn]]es als eine [[Schuld]] ([[Rina]]m), die man an die Väter abträgt; daher auch der sterbende Vater den Sohn feierlich als Fortsetzer seiner Werke einsetzt, worauf sich, ähnlich wie Brih. Up. 1,5,17-20, auch der vorliegende Abschnitt bezieht.


Nunmehr daher die Vater-Sohn-[[Zeremonie]], oder, wie sie auch heißt, die Vermachung ([[Sampradanam]]).
Nunmehr daher die Vater-Sohn-[[Zeremonie]], oder, wie sie auch heißt, die Vermachung ([[Sampradana]]m).


Wenn der Vater fühlt, daß er sterben wird, so bescheidet er den Sohn zu sich, und nachdem er das Haus mit frischem Gras hat streuen, das [[Feuer]] bei sich anlegen und Wasserkrug nebst Schüssel hinzu setzen lassen, so liegt mit einem noch nicht gewaschenen Gewand angetan der Vater da. Der Sohn tritt hinzu und neigt sich vom Kopfende her über ihn, indem er seine [[Sinnesorgane]] mit denen des Vaters in Berührung bringt, - oder auch kann dieser ihm, indem er ihm zugewandt sitzt, das Vermächtnis machen. Dieses übergibt er ihm dann in folgender Weise.
Wenn der Vater fühlt, daß er sterben wird, so bescheidet er den Sohn zu sich, und nachdem er das Haus mit frischem Gras hat streuen, das [[Feuer]] bei sich anlegen und Wasserkrug nebst Schüssel hinzu setzen lassen, so liegt mit einem noch nicht gewaschenen Gewand angetan der Vater da. Der Sohn tritt hinzu und neigt sich vom Kopfende her über ihn, indem er seine [[Sinnesorgane]] mit denen des Vaters in Berührung bringt, - oder auch kann dieser ihm, indem er ihm zugewandt sitzt, das Vermächtnis machen. Dieses übergibt er ihm dann in folgender Weise.


:Der Vater spRicht: "Meine [[Rede]] möge ich in dich legen."
:Der Vater spricht: "Meine [[Rede]] möge ich in dich legen."
:Der Sohn spRicht: "Deine Rede nehme ich in mich auf."
:Der Sohn spricht: "Deine Rede nehme ich in mich auf."
:Der Vater: "Meinen Odem möge ich in dich legen."
:Der Vater: "Meinen Odem möge ich in dich legen."
:Der Sohn: "Deinen Odem nehme ich in mich auf."
:Der Sohn: "Deinen Odem nehme ich in mich auf."
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:Der Sohn: "Dein Bewußtsein nehme ich in mich auf."
:Der Sohn: "Dein Bewußtsein nehme ich in mich auf."


Sollte jedoch der Vater nur noch mit Mühe (wörtlich: aus der Nähe) sprechen können, so mag er zusammenfassend sagen: "Meine Lebenskräfte ([[Pranan]]) möge ich in dich legen", und der Sohn soll antworten: "Deine Lebenskräfte nehme ich in mich auf."
Sollte jedoch der Vater nur noch mit Mühe (wörtlich: aus der Nähe) sprechen können, so mag er zusammenfassend sagen: "Meine Lebenskräfte ([https://www.yoga-vidya.de/prana/ Prana]n) möge ich in dich legen", und der Sohn soll antworten: "Deine Lebenskräfte nehme ich in mich auf."


Dann geht er, den Vater rechts behaltend, auf den Ausgang zu, und der Vater ruft ihm die Worte nach: "Möge Glanz, [[Brahmane]]nwürde und [[Ruhm]] dir einwohnen!" worauf der Sohn über die linke [[Schulter]] nach ihm zurückblickt und, indem er durch Vorhalten der [[Hand]] oder mit dem Ende des Gewandes [sein [[Gesicht]]] bedeckt hält, die Worte spricht: "Mögest du himmlische [[Welt]]en und [[Freude]]n erlangen!"
Dann geht er, den Vater rechts behaltend, auf den Ausgang zu, und der Vater ruft ihm die Worte nach: "Möge Glanz, [[Brahmane]]nwürde und [[Ruhm]] dir einwohnen!" worauf der Sohn über die linke [[Schulter]] nach ihm zurückblickt und, indem er durch Vorhalten der [[Hand]] oder mit dem Ende des Gewandes [sein [[Gesicht]]] bedeckt hält, die Worte spricht: "Mögest du himmlische [[Welt]]en und [[Freude]]n erlangen!"
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===Dritter Adhyaya===
===Dritter Adhyaya===
Nach den mehr exoterischen und vorbereitenden Betrachtungen des [[Atman]] als personifizierten [[Gott]]es und als [[Prana]] im ersten und zweiten [[Adhyaya]] folgt nun im dritten Adhyaya als der eigentliche Kern der [[Upanishad]] die philosophische Lehre vom Atman. Nur die Einkleidung ist mythisch, sofern der Gott [[Indra]] (der auch sonst als [[Personifikation]] des Atman erscheint, Ait. Ar. 2,2. Ait. Up. 1,3,14. Kaush. 2,6) die [[Erkenntnis]] seiner als des Atman dem [[Pratardana]] mitteilt, nachdem dieser der [[Versuchung]], selbst zu wählen und dadurch schlechter zu wählen (wie [[Naciketas]] in Kath. Up. 1 anderen Versuchungen), glücklich widerstanden hat. — Es folgt sodann eine auf im wesentlichen Richtige psychologische Anschauungen gegründete, wohlgeordnete und vortrefflich durchgeführte Betrachtung über die Abhängigkeit der Sinnesobjekte von den [[Sinnesorgan]]en und dieser wiederum von dem Prana (Lebenshauch) oder [[Prajnatman]] ([[Bewußtsein]]-[[Selbst]]), d. h. dem Prinzip des unbewußten und des bewußten [[Leben]]s, welche beide hier, weil sie "zusammen in dem Leibe wohnen und zusammen aus ihm herausziehen", für identisch erklärt werden und es auch im tiefsten Grunde sind, wiewohl nur ihrer Wurzel nach, aus der sie als zwei verschiedenartige Stämme hervorgehen (siehe meine Elemente der [[Metaphysik]], T1. II, Kap. 4: "Der bewußte und der unbewußte [[Wille]]"). Das Resultat dieser nachgewiesenen Abhängigkeit aller Sinnesobjekte und Sinnesorgane vom Bewußtsein-Selbst ist die Ermahnung, daß der nach der erlösenden Erkenntnis Trachtende nicht die Objekte, auch nicht die subjektiven psychischen [[Kraft|Kräfte]], sondern allein das Subjekt des Erkennens und Handelns zu suchen hat, welches in herrlicher Schilderung als der höchste Gott und zugleich als der Atman in uns gefeiert wird.
Nach den mehr exoterischen und vorbereitenden Betrachtungen des [[Atman]] als personifizierten [[Gott]]es und als [https://www.yoga-vidya.de/prana/ Prana] im ersten und zweiten [[Adhyaya]] folgt nun im dritten Adhyaya als der eigentliche Kern der [[Upanishad]] die philosophische Lehre vom Atman. Nur die Einkleidung ist mythisch, sofern der Gott [[Indra]] (der auch sonst als [[Personifikation]] des Atman erscheint, Ait. Ar. 2,2. Ait. Up. 1,3,14. Kaush. 2,6) die [[Erkenntnis]] seiner als des Atman dem [[Pratardana]] mitteilt, nachdem dieser der [[Versuchung]], selbst zu wählen und dadurch schlechter zu wählen (wie [[Naciketas]] in Kath. Up. 1 anderen Versuchungen), glücklich widerstanden hat. — Es folgt sodann eine auf im wesentlichen Richtige psychologische Anschauungen gegründete, wohlgeordnete und vortrefflich durchgeführte Betrachtung über die Abhängigkeit der Sinnesobjekte von den [[Sinnesorgan]]en und dieser wiederum von dem Prana (Lebenshauch) oder [[Prajnatman]] ([[Bewußtsein]]-[[Selbst]]), d. h. dem Prinzip des unbewußten und des bewußten [[Leben]]s, welche beide hier, weil sie "zusammen in dem Leibe wohnen und zusammen aus ihm herausziehen", für identisch erklärt werden und es auch im tiefsten Grunde sind, wiewohl nur ihrer Wurzel nach, aus der sie als zwei verschiedenartige Stämme hervorgehen (siehe meine Elemente der [[Metaphysik]], T1. II, Kap. 4: "Der bewußte und der unbewußte [[Wille]]"). Das Resultat dieser nachgewiesenen Abhängigkeit aller Sinnesobjekte und Sinnesorgane vom Bewußtsein-Selbst ist die Ermahnung, daß der nach der erlösenden Erkenntnis Trachtende nicht die Objekte, auch nicht die subjektiven psychischen [[Kraft|Kräfte]], sondern allein das Subjekt des Erkennens und Handelns zu suchen hat, welches in herrlicher Schilderung als der höchste Gott und zugleich als der Atman in uns gefeiert wird.


Zur leichteren Übersicht mag hier noch eine Disposition des ganzen Abschnittes folgen.
Zur leichteren Übersicht mag hier noch eine Disposition des ganzen Abschnittes folgen.
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1. Die [[Organ]]e laufen in einer Einheit zusammen ([[Ekabhuyam]] [[Gacchanti]]), welche, als die Gesamtheit der Organe, in jedem einzelnen derselben wirksam ist (§2).
1. Die [[Organ]]e laufen in einer Einheit zusammen ([[Ekabhuyam]] [[Gacchanti]]), welche, als die Gesamtheit der Organe, in jedem einzelnen derselben wirksam ist (§2).
2. Diese Einheit liegt nicht außerhalb der Organe oder [[Pranah]], sondern in demjenigen unter ihnen, welches über alle anderen den Vorrang ([[Nihsreyasam]]) hat, d. h. in dem Prana oder Prajnatman. Sein Vorrang aber beruht auf folgenden Gründen:
2. Diese Einheit liegt nicht außerhalb der Organe oder [[Pranah]], sondern in demjenigen unter ihnen, welches über alle anderen den Vorrang ([[Nihsreyasa]]m) hat, d. h. in dem Prana oder Prajnatman. Sein Vorrang aber beruht auf folgenden Gründen:
:a. Entbehrlichkeit der anderen Organe;
:a. Entbehrlichkeit der anderen Organe;
:b. Unentbehrlichkeit des Prana;
:b. Unentbehrlichkeit des Prana;
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Da sprach Indra zu ihm:
Da sprach Indra zu ihm:


"So erkenne mich! Denn dieses erachte ich für den Menschen als das Heilsamste, daß er mich erkenne. Denn obgleich ich den dreiköpfigen [[Sohn]] des [[Tvashtar]] erschlagen habe und die [[Arunmukha]]s [die 'Wundmäuligen', entstellt aus Arurmaghan, die 'Knauserigen', Ait. Br. 7,28] und die Streber [oder. Büßer, [[Yatin]]] den wilden [[Hund]]en vorgeworfen habe, obgleich ich, viele Verträge brechend, im [[Himmel]] die [[Prahladi]] (die Polterer), im Luftraume die [[Pauloma]] (etwa: Dickwänste), auf der [[Erde]] die [[Kalakanja]] (Schwarzköpfe) durchbohrt habe ([[Atrinam]] = [[Atrinadam]]?), so wurde mir dafür auch nicht ein Haar ([[Loma]]) gekrümmt ([[Amiyata]]), — und so auch, wer mich kennt, dem wird fürwahr durch kein Werk seine Welt [sein Platz im Himmel] geschmälert ([[Loko]] [[Miyate]]), nicht durch Diebstahl, nicht durch Tötung der Leibesfrucht, nicht durch Muttermord, nicht durch Vatermord<ref>Wer die [[Erkenntnis]] des [[Atman]] und seiner [[Einheit]] mit ihm erlangt und dadurch der [[Illusion]] der individuellen [[Existenz]] enthoben ist, dessen gute und böse Werke werden zunichte; sie sind nicht mehr seine Werke, eben weil er nicht mehr [[Individuum]] ist. (In der Sprechweise des [[Christentum]]s: wer den [[Glauben]] hat, dem werden seine [[Sünde]]n vergeben.) - Wie wahr, und doch wie gefährlich, wenn sie nur halb verstanden wird, ist diese Lehre!</ref>, und hat er auch Böses vollbracht (lies [[Cakrusho]]), so entflieht doch nicht die dunkle [[Farbe]] von seinem Angesicht [keine [[Furcht]] macht ihn erblassen]."
"So erkenne mich! Denn dieses erachte ich für den Menschen als das Heilsamste, daß er mich erkenne. Denn obgleich ich den dreiköpfigen [[Sohn]] des [[Tvashta|Tvashtar]] erschlagen habe und die [[Arunmukha]]s [die 'Wundmäuligen', entstellt aus Arurmaghan, die 'Knauserigen', Ait. Br. 7,28] und die Streber [oder. Büßer, [[Yatin]]] den wilden [[Hund]]en vorgeworfen habe, obgleich ich, viele Verträge brechend, im [[Himmel]] die [[Prahladi]] (die Polterer), im Luftraume die [[Pauloma]] (etwa: Dickwänste), auf der [[Erde]] die [[Kalakanja]] (Schwarzköpfe) durchbohrt habe ([[Atrinam]] = [[Atrinadam]]?), so wurde mir dafür auch nicht ein Haar ([[Loma]]) gekrümmt ([[Amiyata]]), — und so auch, wer mich kennt, dem wird fürwahr durch kein Werk seine Welt [sein Platz im Himmel] geschmälert ([[Loko]] [[Miyate]]), nicht durch Diebstahl, nicht durch Tötung der Leibesfrucht, nicht durch Muttermord, nicht durch Vatermord<ref>Wer die [[Erkenntnis]] des [[Atman]] und seiner [[Einheit]] mit ihm erlangt und dadurch der [[Illusion]] der individuellen [[Existenz]] enthoben ist, dessen gute und böse Werke werden zunichte; sie sind nicht mehr seine Werke, eben weil er nicht mehr [[Individuum]] ist. (In der Sprechweise des [[Christentum]]s: wer den [[Glauben]] hat, dem werden seine [[Sünde]]n vergeben.) - Wie wahr, und doch wie gefährlich, wenn sie nur halb verstanden wird, ist diese Lehre!</ref>, und hat er auch Böses vollbracht (lies [[Cakrusho]]), so entflieht doch nicht die dunkle [[Farbe]] von seinem Angesicht [keine [[Furcht]] macht ihn erblassen]."


'''2.''' Und er (Indra) sprach:
'''2.''' Und er (Indra) sprach:


"Ich bin der Lebenshauch ([[Prana]]); als das [[Bewußtsein]]-[[Selbst]] ([[Prajnatman]]), als [[Leben]], als Unsterbliches verehre mich. Der Prana ist Leben, und das Leben ist Prana. Denn solange in diesem Leibe der Prana weilt, so lange weilt auch das Leben; denn durch den Prana erlangt man in dieser Welt das Nichttotsein, und durch das Bewußtsein ([[Prajna]]) die wahre [[Erkenntnis]]. Wer mich als Leben, als Unsterbliches verehrt, der gelangt in dieser Welt zur vollen Lebensdauer, und er erlangt [[Unsterblichkeit]], [[Unvergänglichkeit]] in der himmlischen [[Welt]]."
[[Datei:535px-Indra deva.jpg|thumb|Zeichnung von Indra auf seinem Elefantenberg, Airavata, ca. 1820]]
 
"Ich bin der Lebenshauch ([https://www.yoga-vidya.de/prana/ Prana]); als das [[Bewußtsein]]-[[Selbst]] ([[Prajnatman]]), als [[Leben]], als Unsterbliches verehre mich. Der Prana ist Leben, und das Leben ist Prana. Denn solange in diesem Leibe der Prana weilt, so lange weilt auch das Leben; denn durch den Prana erlangt man in dieser Welt das Nichttotsein, und durch das Bewußtsein ([[Prajna]]) die wahre [[Erkenntnis]]. Wer mich als Leben, als Unsterbliches verehrt, der gelangt in dieser Welt zur vollen Lebensdauer, und er erlangt [[Unsterblichkeit]], [[Unvergänglichkeit]] in der himmlischen [[Welt]]."


[[[Pratardana]] sprach]: "Einige lehren, daß die [Lebenskraft|[Lebenskräfte]] in eine Einheit zusammenlaufen ([[Ekabhuyam]] [[Gacchanti]]); denn niemand kann doch zugleich miteinander durch die [[Rede]] den [[Name]]n, durch das [[Auge]] die Gestalt, durch das [[Ohr]] den [[Ton]] und durch das [[Manas]] den [[Gedanke]]n zum [[Bewußtsein]] bringen; sondern indem vielmehr die Lebenskräfte in eine Einheit zusammenlaufen, so bringen sie nacheinander alles dieses zum Bewußtsein; und wenn die Rede redet, so reden alle Lebenskräfte ihr nach [d. h. mit ihr], und wenn das Auge sieht, so
[[[Pratardana]] sprach]: "Einige lehren, daß die [Lebenskraft|[Lebenskräfte]] in eine Einheit zusammenlaufen ([[Ekabhuyam]] [[Gacchanti]]); denn niemand kann doch zugleich miteinander durch die [[Rede]] den [[Name]]n, durch das [[Auge]] die Gestalt, durch das [[Ohr]] den [[Ton]] und durch das [[Manas]] den [[Gedanke]]n zum [[Bewußtsein]] bringen; sondern indem vielmehr die Lebenskräfte in eine Einheit zusammenlaufen, so bringen sie nacheinander alles dieses zum Bewußtsein; und wenn die Rede redet, so reden alle Lebenskräfte ihr nach [d. h. mit ihr], und wenn das Auge sieht, so
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:man lebt auch mit abgeschnittenen [[Arme]]n,  
:man lebt auch mit abgeschnittenen [[Arme]]n,  
:man lebt auch mit abgeschnittenen [[Bein]]en,  
:man lebt auch mit abgeschnittenen [[Bein]]en,  
denn also sehen wir es, aber der Prana ist es, der [[Prajnatman]], welcher diesen [[Körper|Leib]] umspannt und aufRichtet ([[Ut thapayati]]), darum soll man ihn als das [[Uktham]] (vgl. Ait. Ar. 2,1, oben S. 10) verehren.
denn also sehen wir es, aber der Prana ist es, der [[Prajnatman]], welcher diesen [[Körper|Leib]] umspannt und aufRichtet ([[Ut thapayati]]), darum soll man ihn als das [[Uktha]]m (vgl. Ait. Ar. 2,1, oben S. 10) verehren.


Dieses ist die Durchdringung aller [Lebenskräfte] im Prana. Was aber der Prana ist, das ist die [[Prajna]] (das Bewußtsein), und was die Prajna ist, das ist der Prana.
Dieses ist die Durchdringung aller [Lebenskräfte] im Prana. Was aber der Prana ist, das ist die [[Prajna]] (das Bewußtsein), und was die Prajna ist, das ist der Prana.
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:das Manas mit allen Gedanken ein.
:das Manas mit allen Gedanken ein.


Und wenn einer erwacht, dann geschieht es, gleichwie aus einem flammenden [[Feuer]] nach allen Seiten die Funken auseinanderstieben, daß also aus diesem Atman alle Lebenskräfte, je nach ihrem Standort, heraustreten, aus den Lebenskräften [Rede, Auge, Ohr, Manas] die [[Götter]] [[[Agni]], [[Surya]], [[Disah]], [[Candramah]]], aus den Göttern die Welten [Namen, Gestalten, Töne, Gedanken].
Und wenn einer erwacht, dann geschieht es, gleichwie aus einem flammenden [[Feuer]] nach allen Seiten die Funken auseinanderstieben, daß also aus diesem Atman alle Lebenskräfte, je nach ihrem Standort, heraustreten, aus den Lebenskräften [Rede, Auge, Ohr, Manas] die [[Götter Namen Liste von A-Z|Götter]] [[[Agni]], [[Surya]], [[Disah]], [[Candramah]]], aus den Göttern die Welten [Namen, Gestalten, Töne, Gedanken].


Das ist der Prana, der Prajnatman, welcher diesen Leib umspannt und aufRichtet, darum soll man ihn als das Uktham verehren.
Das ist der Prana, der Prajnatman, welcher diesen Leib umspannt und aufRichtet, darum soll man ihn als das Uktham verehren.
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durch das [[Bewußtsein]] die [[Fuß|Füße]] besteigend, gelangt man durch die Füße zu allen Gehbewegungen;
durch das [[Bewußtsein]] die [[Fuß|Füße]] besteigend, gelangt man durch die Füße zu allen Gehbewegungen;
durch das Bewußtsein das [[Manas]] besteigend, gelangt man durch das Manas zu allen [[Gedanke]]n [und [[Begierde]]n erregenden Objekten].
durch das Bewußtsein das [[Manas]] besteigend, gelangt man durch das Manas zu allen [[Gedanke]]n [und [[Begierde]]n erregenden Objekten].
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'''7.''' Denn nicht vermag, vom Bewußtsein verlassen, die [[Rede]] irgendeinen [[Name]]n zum Bewußtsein zu bringen; denn man sagt: mein [[Geist]] war anderswo, darum bin ich mir jenes Namens nicht bewußt geworden;
'''7.''' Denn nicht vermag, vom Bewußtsein verlassen, die [[Rede]] irgendeinen [[Name]]n zum Bewußtsein zu bringen; denn man sagt: mein [[Geist]] war anderswo, darum bin ich mir jenes Namens nicht bewußt geworden;
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nicht nach dem Manas soll man fragen, sondern den erkennen, der da denkt.
nicht nach dem Manas soll man fragen, sondern den erkennen, der da denkt.


Denn alle diese zehn Wesenselemente sind abhängig vom [[Bewußtsein]], und die zehn Bewußtseinselemente sind abhängig von den [[Wesen]]; denn wenn die Wesenselemente nicht wären, so würden auch die Bewußtseinselemente nicht sein, und wenn die Bewußtseinselemente nicht wären, so würden auch die Wesenselemente nicht sein, denn nicht kommt durch die einen ohne die anderen irgendeine Erscheinung ([[Rupam]]) zustande.
Denn alle diese zehn Wesenselemente sind abhängig vom [[Bewußtsein]], und die zehn Bewußtseinselemente sind abhängig von den [[Wesen]]; denn wenn die Wesenselemente nicht wären, so würden auch die Bewußtseinselemente nicht sein, und wenn die Bewußtseinselemente nicht wären, so würden auch die Wesenselemente nicht sein, denn nicht kommt durch die einen ohne die anderen irgendeine Erscheinung ([[Rupa]]m) zustande.


Noch auch ist dieses eine Vielheit: sondern gleichwie der Kranz des Rades an den Speichen befestigt ist und die Speichen an der Nabe befestigt sind, also sind auch jene Wesenselemente an den Bewußtseinselementen befestigt und die Bewußtseinselemente an dem [[Prana]] befestigt, denn dieser Prana ist eben das Bewußtsein-Selbst (Prajnatman), ist Wonne, ist nicht alternd, ist unsterblich!
Noch auch ist dieses eine Vielheit: sondern gleichwie der Kranz des Rades an den Speichen befestigt ist und die Speichen an der Nabe befestigt sind, also sind auch jene Wesenselemente an den Bewußtseinselementen befestigt und die Bewußtseinselemente an dem [https://www.yoga-vidya.de/prana/ Prana] befestigt, denn dieser Prana ist eben das Bewußtsein-Selbst (Prajnatman), ist Wonne, ist nicht alternd, ist unsterblich!


Er wird nicht höher durch gute Werke und wird nicht geringer durch böse Werke,
Er wird nicht höher durch gute Werke und wird nicht geringer durch böse Werke,
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===Vierter Adhyaya===
===Vierter Adhyaya===
Dieser Abschnitt läßt sich als ein erweiterender Nachtrag des vorhergehenden betrachten<ref>Die Meinung des Scholiasten, daß hier eine Steigerung von dem esoterischen [[Prana]] zu dem [[Esoterik|esoterischen]] [[Caitanya]] beabsichtigt sei (Pranat [[Sushuptavasthad]] [[Apagatacaitanyat]] [[Param]] [[Cetanam]] [[Ananda]] [[Atmanam]] [[Vivakshur]]), hat in dem Text der [[Upanishad]] keinen Halt.</ref>, sofern die [[Gedanke]]n vom Eingehen der Lebensorgane in den [[Prana]] oder [[Prajnatman]] im [[Tiefschlaf]] und Wiederhervorgehen aus ihm, von seiner Durchdringung des ganzen [[Körper|Leibes]] und von seiner Oberhoheit über die Lebensorgane, welche dort [[Indra]] dem [[Pratardana]] mitteilte, hier in Form einer Belehrung erscheinen, welche [[Ajatasatru]], der König von [[Kasi]] ([[Benares]]), dem [[Brahmane]]n Balaki Gargya (d. h. dem [[Sohn]]e des Balaka aus der [[Familie]] Garga) erteilt, nachdem dieser sich erboten hatte, das [[Brahman]] zu erklären und dieses in einer Reihe von Definitionen versuchte, welche von dem König als unzulänglich zurückgewiesen wurden; worauf der Brahmane, seines Nichtwissens überführt, den König um Belehrung bittet, die dieser an dem Beispiel eines vom Tiefschlaf Erwachenden entwickelt. — Dieselbe Erzählung findet sich in kürzerer Form und zumeist mit denselben Redewendungen wieder Brih. Up. 2,1, wo Gargya nur zwölf Definitionen aufstellt, welche mit einer Auslassung ([[Dikshu]]) und fünf neu hinzukommenden ([[Stanayitnau]], [[Pratisrutkayam]], [[Svapnaya]], [[Dakshine]] und [[Savye]] [[Akshini]]) in Kaush. Up. zu sechzehn werden. Auch in der Reihenfolge und den Gegenerklärungen des [[Ajatasatru]] finden sich mehrfache Differenzen zwischen beiden Rezensionen. Dieselben scheinen nicht voneinander, sondern von einer als beiderseitige Quelle dienenden Erzählung abhängig zu sein, welche mündlich umlief und von den Redaktoren der beiden [[Upanishad]]en in Anpassung an Anschauung und Darstellungsweise ihrer Schule schriftlich fixiert wurde. Ganz passend als Rahmen für die von Ajatasatru zu erteilende Belehrung ist die Erzählung in keiner von beiden Rezensionen. Denn nach der Erzählung würde man eine Auseinandersetzung über das Verhältnis des Brahman (Prana, Prajnatman) zu den zwölf oder sechzehn [[Purusha]]s erwarten, während in der folgenden Belehrung diese Frage in Brih. Up. gar nicht berührt, in Kaush. Up. durch die kurze Bemerkung, daß diese Purushas nur [[Karman]] (erschaffen) seien, und daß man nach ihrem [[Kartar]] ([[Schöpfer]]) zu suchen habe, abgefertigt wird, worauf dann Ajatasatru in seiner am Tiefschlafenden exemplifizierten Auseinandersetzung nur das Verhältnis des [[Brahman]] (Prana, Prajnatman) zu den Lebensorganen ([[Prana]], [[Vac]], [[Cakshuh]], [[Srotram]], [[Manas]]) erörtert. Die Lehre von dem Eingehen dieser Organe in den Prana im Tiefschlaf und dem Wiederhervorgehen aus ihm beim Erwachen ist beiden Rezensionen gemeinsam. Hieran schließt sich, nur in Kaush. Up., eine Darlegung von der Durchdringung des Leibes durch den Prana, welche schon durch die sarvapti, Kaush. 3,3-4, oben S. 45-46, vorbereitet war, in der Ausführung jedoch mit Brih. Up. 1,4,7 parallel ist. Zum Schluß wird das Verhältnis des [[Prana]] zu den Organen, wie Kaush. 3,8 durch den Vergleich mit Radnabe und Speichen, so hier durch den zwischen dem Prinzipal und seinen Leuten, erläutert. Ein Hinweis auf den Wert der hier erteilten Belehrung, durch welche erst auch [[Indra]] seine Übermacht über die [[Dämon]]en erlangt habe, beschließt den Abschnitt, als dessen Grundgedanken man, so wie er vorliegt, die Superiorität des Prana Brahman über die [[Kraft|Kräfte]] und Erscheinungen der [[Natur]] (die [[Purusha]]s des [[Gargya]]) und über die psychischen Organe im [[Mensch]]en bezeichnen kann.
Dieser Abschnitt läßt sich als ein erweiterender Nachtrag des vorhergehenden betrachten<ref>Die Meinung des Scholiasten, daß hier eine Steigerung von dem esoterischen [https://www.yoga-vidya.de/prana/ Prana] zu dem [[Esoterik|esoterischen]] [[Caitanya]] beabsichtigt sei (Pranat [[Sushuptavasthad]] [[Apagatacaitanyat]] [[Param]] [[Cetanam]] [[Ananda]] [[Atmanam]] [[Vivakshur]]), hat in dem Text der [[Upanishad]] keinen Halt.</ref>, sofern die [[Gedanke]]n vom Eingehen der Lebensorgane in den [https://www.yoga-vidya.de/prana/ Prana] oder [[Prajnatman]] im [[Tiefschlaf]] und Wiederhervorgehen aus ihm, von seiner Durchdringung des ganzen [[Körper|Leibes]] und von seiner Oberhoheit über die Lebensorgane, welche dort [[Indra]] dem [[Pratardana]] mitteilte, hier in Form einer Belehrung erscheinen, welche [[Ajatasatru]], der König von [[Kasi]] ([[Benares]]), dem [[Brahmane]]n Balaki Gargya (d. h. dem [[Sohn]]e des Balaka aus der [[Familie]] Garga) erteilt, nachdem dieser sich erboten hatte, das [[Brahman]] zu erklären und dieses in einer Reihe von Definitionen versuchte, welche von dem König als unzulänglich zurückgewiesen wurden; worauf der Brahmane, seines Nichtwissens überführt, den König um Belehrung bittet, die dieser an dem Beispiel eines vom Tiefschlaf Erwachenden entwickelt. — Dieselbe Erzählung findet sich in kürzerer Form und zumeist mit denselben Redewendungen wieder Brih. Up. 2,1, wo Gargya nur zwölf Definitionen aufstellt, welche mit einer Auslassung ([[Dikshu]]) und fünf neu hinzukommenden ([[Stanayitnau]], [[Pratisrutkayam]], [[Svapnaya]], [[Dakshine]] und [[Savye]] [[Akshini]]) in Kaush. Up. zu sechzehn werden. Auch in der Reihenfolge und den Gegenerklärungen des [[Ajatasatru]] finden sich mehrfache Differenzen zwischen beiden Rezensionen. Dieselben scheinen nicht voneinander, sondern von einer als beiderseitige Quelle dienenden Erzählung abhängig zu sein, welche mündlich umlief und von den Redaktoren der beiden [[Upanishad]]en in Anpassung an Anschauung und Darstellungsweise ihrer Schule schriftlich fixiert wurde. Ganz passend als Rahmen für die von Ajatasatru zu erteilende Belehrung ist die Erzählung in keiner von beiden Rezensionen. Denn nach der Erzählung würde man eine Auseinandersetzung über das Verhältnis des Brahman (Prana, Prajnatman) zu den zwölf oder sechzehn [[Purusha]]s erwarten, während in der folgenden Belehrung diese Frage in Brih. Up. gar nicht berührt, in Kaush. Up. durch die kurze Bemerkung, daß diese Purushas nur [[Karman]] (erschaffen) seien, und daß man nach ihrem [[Kartar]] ([[Schöpfer]]) zu suchen habe, abgefertigt wird, worauf dann Ajatasatru in seiner am Tiefschlafenden exemplifizierten Auseinandersetzung nur das Verhältnis des [[Brahman]] (Prana, Prajnatman) zu den Lebensorganen ([https://www.yoga-vidya.de/prana/ Prana], [[Vac]], [[Cakshuh]], [[Shrotra]]m, [[Manas]]) erörtert. Die Lehre von dem Eingehen dieser Organe in den Prana im Tiefschlaf und dem Wiederhervorgehen aus ihm beim Erwachen ist beiden Rezensionen gemeinsam. Hieran schließt sich, nur in Kaush. Up., eine Darlegung von der Durchdringung des Leibes durch den Prana, welche schon durch die sarvapti, Kaush. 3,3-4, oben S. 45-46, vorbereitet war, in der Ausführung jedoch mit Brih. Up. 1,4,7 parallel ist. Zum Schluß wird das Verhältnis des [https://www.yoga-vidya.de/prana/ Prana] zu den Organen, wie Kaush. 3,8 durch den Vergleich mit Radnabe und Speichen, so hier durch den zwischen dem Prinzipal und seinen Leuten, erläutert. Ein Hinweis auf den Wert der hier erteilten Belehrung, durch welche erst auch [[Indra]] seine Übermacht über die [[Dämon]]en erlangt habe, beschließt den Abschnitt, als dessen Grundgedanken man, so wie er vorliegt, die Superiorität des Prana Brahman über die [[Kraft|Kräfte]] und Erscheinungen der [[Natur]] (die [[Purusha]]s des [[Gargya]]) und über die psychischen Organe im [[Mensch]]en bezeichnen kann.
 
[[Datei:Guru-schueler.jpg|thumb|Lehrer und Schüler]]


'''1.''' Nun war einstmals [[Gargya Balaki]] als [[Veda]]-Gelehrter berühmt; er wohnte bei den [[Usinara]]s, bei den [[Satvan]]s und [[Matsya]]s, bei den [[Kuru]]s und [[Pancala]]s, bei den [[Kasi]]s und [[Videha]]s.
'''1.''' Nun war einstmals [[Gargya Balaki]] als [[Veda]]-Gelehrter berühmt; er wohnte bei den [[Usinara]]s, bei den [[Satvan]]s und [[Matsya]]s, bei den [[Kuru]]s und [[Pancala]]s, bei den [[Kasi]]s und [[Videha]]s.
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'''2.''' [Der Erzähler vergegenwärtigt sich, ehe er fortfährt, die Hauptpunkte des nun folgenden Gespräches:]
'''2.''' [Der Erzähler vergegenwärtigt sich, ehe er fortfährt, die Hauptpunkte des nun folgenden Gespräches:]
[[Datei:Guru-schueler.jpg|thumb|Lehrer und Schüler]]


:in der [[Sonne]] - groß
:in der [[Sonne]] - groß
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:im rechten [[Auge]] - der [[Rede]] [Selbst]
:im rechten [[Auge]] - der [[Rede]] [Selbst]
:im linken Auge - der Wahrheit [Selbst].
:im linken Auge - der Wahrheit [Selbst].
[[Datei:Sonnengebet-Sonne.jpg|thumb|Geist der Sonne - Sonnengebet]]


'''3.''' Balaki sprach: "Der [[Geist]], der in der Sonne ist, den verehre ich."
'''3.''' Balaki sprach: "Der [[Geist]], der in der Sonne ist, den verehre ich."
Da sprach Ajatasatru: "Wegen dessen hättest du mich nicht zur Unterredung herausfordern sollen ([[Samvadayishthas]], oder Text B: [[Samavadayishthas]] 'dürftest du meine Zustimmung, [[Samavada]], nicht erlangen'), als Großes, als Hellgekleideten, als Obersten, als Haupt aller [[Wesen]] verehre ich den."
Da sprach Ajatasatru: "Wegen dessen hättest du mich nicht zur Unterredung herausfordern sollen ([[Samvadayishthas]], oder Text B: [[Samavadayishthas]] 'dürftest du meine Zustimmung, [[Samavada]], nicht erlangen'), als Großes, als Hellgekleideten, als Obersten, als Haupt aller [[Wesen]] verehre ich den."


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Wer diesen also verehrt, der wird erfüllt mit Nachkommen, Vieh, Ruhm, [[Brahmane]]nwürde und Himmelswelt, und kommt zu vollem Leben.
Wer diesen also verehrt, der wird erfüllt mit Nachkommen, Vieh, Ruhm, [[Brahmane]]nwürde und Himmelswelt, und kommt zu vollem Leben.
[[Datei:Feuer2.jpg|thumb|Geist des Feuers]]


'''9.''' Balaki sprach: "Der Geist, der in dem Feuer ist, den verehre ich."
'''9.''' Balaki sprach: "Der Geist, der in dem Feuer ist, den verehre ich."
Da sprach Ajatasatru: "Wegen dessen hättest du mich nicht zur Unterredung herausfordern sollen; als Überwältiger verehre ich den."
Da sprach Ajatasatru: "Wegen dessen hättest du mich nicht zur Unterredung herausfordern sollen; als Überwältiger verehre ich den."


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'''10.''' Balaki sprach: "Der Geist, der in dem Wasser ist, den verehre ich."
'''10.''' Balaki sprach: "Der Geist, der in dem Wasser ist, den verehre ich."
[[Datei:SonneWildwasserfluss.jpg|thumb|Geist des Wassers]]


Da sprach Ajatasatru: "Wegen dessen hättest du mich nicht zur Unterredung herausfordern sollen; als Selbst des Glanzes verehre ich den."
Da sprach Ajatasatru: "Wegen dessen hättest du mich nicht zur Unterredung herausfordern sollen; als Selbst des Glanzes verehre ich den."
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Da sprach Ajatasatru: "Wegen dessen hättest du mich nicht zur Unterredung herausfordern sollen; als unzertrennlichen Gefährten verehre ich den."
Da sprach Ajatasatru: "Wegen dessen hättest du mich nicht zur Unterredung herausfordern sollen; als unzertrennlichen Gefährten verehre ich den."


Wer diesen also verehrt, der findet Gefährten (lies [[Dvitiyan]]), denn Gefährten sind ihm beschieden.
Wer diesen also verehrt, der findet Gefährten (lies [[Dvitiya]]n), denn Gefährten sind ihm beschieden.


'''13.''' Balaki sprach: "Der Geist, der in dem Echo ist, den verehre ich."
'''13.''' Balaki sprach: "Der Geist, der in dem Echo ist, den verehre ich."
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Im Menschen sind [[Ader]]n, die heißen [[Hita]] (die Wohltätigen), welche, vom [[Herz]]en ausgehend, sich um den Herzbeutel herumziehen. Diese, so fein wie ein tausendfach gespaltenes [[Haar]], finden sich [erfüllt] von der Feinheit eines braunen, weißen, schwarzen, gelben und roten [Saftes]. In diesen weilt einer dann, wenn er so eingeschlafen ist, daß er kein Traumbild schaut.
Im Menschen sind [[Ader]]n, die heißen [[Hita]] (die Wohltätigen), welche, vom [[Herz]]en ausgehend, sich um den Herzbeutel herumziehen. Diese, so fein wie ein tausendfach gespaltenes [[Haar]], finden sich [erfüllt] von der Feinheit eines braunen, weißen, schwarzen, gelben und roten [Saftes]. In diesen weilt einer dann, wenn er so eingeschlafen ist, daß er kein Traumbild schaut.


'''20.''' Dann wird er in diesem [[Prana]] zur [[Einheit]]; dann geht in ihn  
'''20.''' Dann wird er in diesem [https://www.yoga-vidya.de/prana/ Prana] zur [[Einheit]]; dann geht in ihn  
:die [[Rede]] mit allen [[Name]]n ein,
:die [[Rede]] mit allen [[Name]]n ein,
:das [[Auge]] mit allen [[Form|Gestalten]] ein,
:das [[Auge]] mit allen [[Form|Gestalten]] ein,
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:das [[Manas]] mit allen [[Gedanke]]n ein.
:das [[Manas]] mit allen [[Gedanke]]n ein.


Und wenn einer erwacht, dann geschieht es, gleichwie aus einem flammenden [[Feuer]] nach allen Seiten die Funken auseinanderstieben, daß also aus diesem [[Atman]] alle Lebenskräfte, je nach ihrem Standort, heraustreten, aus den Lebenskräften [Rede, Auge, Ohr, Manas] die [[Götter]] [[[Agni]], [[Surya]], [[Disah]], Candramah], aus den Göttern die Welten [Namen, Gestalten, Töne, Gedanken].
Und wenn einer erwacht, dann geschieht es, gleichwie aus einem flammenden [[Feuer]] nach allen Seiten die Funken auseinanderstieben, daß also aus diesem [[Atman]] alle Lebenskräfte, je nach ihrem Standort, heraustreten, aus den Lebenskräften [Rede, Auge, Ohr, Manas] die [[Götter Namen Liste von A-Z|Götter]] [[[Agni]], [[Surya]], [[Disah]], Candramah], aus den Göttern die Welten [Namen, Gestalten, Töne, Gedanken].


Das ist der Prana, der [[Prajnatman]], welcher in diesen [[Körper|Leib]] als [[Selbst]] eingegangen ist bis zu den Haaren, bis zu den Nägeln. Darum, gleichwie ein Schermesser in der Schermesserscheide geborgen ist oder das Feuer in der Feuerheimstatt [dem Holze], also ist auch dieser Prajnatman in diesen Leib als Selbst eingegangen bis zu den Haaren, bis zu den Nägeln.
Das ist der Prana, der [[Prajnatman]], welcher in diesen [[Körper|Leib]] als [[Selbst]] eingegangen ist bis zu den Haaren, bis zu den Nägeln. Darum, gleichwie ein Schermesser in der Schermesserscheide geborgen ist oder das Feuer in der Feuerheimstatt [dem Holze], also ist auch dieser Prajnatman in diesen Leib als Selbst eingegangen bis zu den Haaren, bis zu den Nägeln.
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===Fußnoten===
===Fußnoten===
<references/>
<references/>
== Vollständiger Text in Devanagari ==
'''Shanti-Mantra'''<br>
ॐ वाङ्मे मनसि प्रतिष्ठिता ।<br>
मनो मे वाचि प्रतिष्ठितम् ।<br>
आविरावीर्म एधि ।<br>
वेदस्य म आणीस्थः ।<br>
श्रुतं मे मा प्रहासीः ।<br>
अनेनाधीतेनाहोरात्रान्सन्दधामि ।<br>
ऋतं वदिष्यामि ।<br>
सत्यं वदिष्यामि ।<br>
तन्मामवतु ।<br>
तद्वक्तारमवतु ।<br>
अवतु मामवतु वक्तारमवतु वक्तारम् ॥<br>
'''Friedensruf'''<br>
ॐ शान्तिः शान्तिः शान्तिः ॥<br>
'''१.१'''<br>
चित्रो ह वै गार्ग्यायणिर् यक्ष्यमाण आरुणिं वव्रे ।<br>
स ह पुत्रं श्वेतकेतुं प्रजिघाय याजयेति ।<br>
तं हासीनं पप्रच्छ ।<br>
गौतमस्य पुत्रास्ति संवृतं लोके यस्मिन् मा धास्यस्य् अन्यतमो वाध्वा तस्य ।<br>
मालोके धास्यसीति ।<br>
स होवाच नाहम् एतद् वेद ।<br>
हन्ताचार्यं पृच्छानीति ।<br>
स ह पितरम् आसाद्य पप्रच्छेतीति माप्राक्षीत् कथं प्रतिब्रवाणीति ।<br>
स होवाचाहम् अप्य् एतन् न वेद ।<br>
सदस्य् एव वयं स्वाध्यायम् अधीत्य हरामहे यन् नः परे ददति ।<br>
एह्य् उभौ गमिष्याव इति ।<br>
स ह समित्पाणिश् चित्रं गार्ग्यायणिं प्रतिचक्रम ।<br>
उपायानीति तं होवाच ।<br>
ब्रह्मार्घो ऽसि गौतम यो न मानम् उपागाः ।<br>
एहि व्य् एव त्वा ज्ञपयिष्यामीति ॥१॥<br>
'''१.२a – Der Mond als Tor'''<br>
स होवाच ये वै के चास्माल् लोकात् प्रयन्ति चन्द्रमसम् एव ते सर्वे गच्छन्ति ।<br>
तेषां प्राणैः पूर्वपक्ष आप्यायते ।<br>
तान् अपरपक्षेण प्रजनयति ।<br>
एतद् वै स्वर्गस्य लोकस्य द्वारं यच् चन्द्रमाः ।<br>
तं यः प्रत्याह तम् अतिसृजते ।<br>
अथ य एनम् न प्रत्याह तम् इह वृष्टिर् भूत्वा वर्षति ।<br>
स इह कीटो वा पतङ्गो वा मत्स्यो वा शकुनिर् वा सिंहो वा वराहो वा परस्वान् वा शार्दूलो वा पुरुषो वान्यो वा तेषु तेषु स्थानेषु प्रत्याजायते यथाकर्म यथाविद्यम् ।<br>
तम् आगतं पृच्छति कोऽसीति ।<br>
तं प्रतिब्रूयाद् ।<br>
'''१.२b – Antwort des Ankommenden'''<br>
विचक्षणाद् ऋतवो रेत आभृतम्<br>
पञ्चदशात् प्रसूतात् पित्र्यावतस् ।<br>
तन् मा पुंसि कर्तर्य् एरयध्वं<br>
पुंसा कर्त्रा मातरि मासिषिक्त ॥<br>
स उपजाय उपजायमानो<br>
द्वादशेन त्रयोदशोपमासः ।<br>
द्वादशत्रयोदशेन पित्रा<br>
सं तद् विदे ऽहं प्रति तद् विदे ऽहं<br>
तन् म ऋतवो ऽमृत्यव आभरध्वम् ॥<br>
तेन सत्येन तेन तपसा ऋतुर्<br>
अस्म्य् आर्तवो ऽस्मि को ऽस्मि त्वम् अस्मि ।<br>
'''१.२c – Durchgang'''<br>
इति तम् अतिसृजते ॥२॥<br>
'''१.३'''<br>
स एतं देवयानं पन्थानम् आपद्याग्निलोकम् आगच्छति ।<br>
स वायुलोकम् ।<br>
स आदित्यलोकम् ।<br>
स वरुणलोकम् ।<br>
स इन्द्रलोकम् ।<br>
स प्रजापतिलोकम् ।<br>
स ब्रह्मलोकम् ।<br>
तस्य ह वा एतस्य लोकस्यारो ह्रदः ।<br>
मुहूर्ता यष्टिहाः ।<br>
विजरा नदी ।<br>
इल्यो वृक्षः ।<br>
सालज्यं संस्थानम् ।<br>
अपराजितम् आयतनम् ।<br>
इन्द्रप्रजापती द्वारगोपौ ।<br>
विभु प्रमितम् ।<br>
विचक्षणासन्दी ।<br>
अमितौजाः पर्यङ्कः ।<br>
प्रिया च मानसी ।<br>
प्रतिरूपा च चाक्षुषी ।<br>
पुष्पाण्य् आदायावयतो वै च जगानि ।<br>
अम्बाश्चाम्बायवीश्चाप्सरसः ।<br>
आम्बया नद्यः ॥३॥<br>
'''१.४'''<br>
स आगच्छत्य् आरं ह्रदम् ।<br>
तं मनसात्येति ।<br>
तम् ऋत्वासम्प्रतिविदो मज्जन्ति ।<br>
स आगच्छति मुहूर्तान् यष्टिहान् ।<br>
तेऽस्माद् अपद्रवन्ति ।<br>
स आगच्छति विजरां नदीम् ।<br>
तां मनसैवात्येति ।<br>
तत् सुकृतदुष्कृते धुनुते ।<br>
तस्य प्रिया ज्ञातयः सुकृतम् उपयन्ति ।<br>
अप्रिया दुष्कृतम् ।<br>
तद् यथा रथेन धावयन् रथचक्रे पर्यवेक्षेतैवम् अहोरात्रे पर्यवेक्षत एवं सुकृतदुष्कृते सर्वाणि च द्वन्द्वानि ।<br>
स एष विसुकृतो विदुष्कृतो ब्रह्म विद्वान् ब्रह्मैवाभिप्रैति ।<br>
तम् इत्थंविद् आगच्छति ।<br>
तं ब्रह्माह अभिधावत मम यशसा ।<br>
विजरां वा अयं नदीं प्रापत् ।<br>
न वा अयं जरयिष्यतीति ।<br>
तं पञ्चशतान्य् अप्सरसां प्रतियन्ति शतं माल्यहस्ताः शतम् आञ्जनहस्ताः शतं चूर्णहस्ताः शतं वासोहस्ताः शतं फलहस्ताः ।<br>
तं ब्रह्मालङ्कारेणालङ्कुर्वन्ति ।<br>
स ब्रह्मालङ्कारेणालङ्कृतो विद्वान् ब्रह्माभिप्रैति ॥४॥<br>
'''१.५'''<br>
स आगच्छतील्यं वृक्षम् ।<br>
तं ब्रह्मगन्धः प्रविशति ।<br>
स आगच्छति सालज्यं संस्थानम् ।<br>
तं ब्रह्मरसः प्रविशति ।<br>
स आगच्छत्य् अपराजितम् आयतनम् ।<br>
तं ब्रह्मतेजः प्रविशति ।<br>
स आगच्छतीन्द्रप्रजापती द्वारगोपौ ।<br>
ताव् अस्माद् अपद्रवतः ।<br>
स आगच्छति विभु प्रमितम् ।<br>
तं ब्रह्मयशः प्रविशति ।<br>
सा आगच्छति विचक्षणाम् आसन्दीम् ।<br>
बृहद्रथन्तरे सामनी पूर्वौ पादौ ।<br>
श्यैतनौधसे चापरौ पादौ ।<br>
वैरूपवैराजे अनूच्ये ।<br>
शाक्वररैवते तिरश्ची ।<br>
सा प्रज्ञा ।<br>
प्रज्ञया हि विपश्यति ।<br>
स आगच्छत्य् अमितौजसं पर्यङ्कम् ।<br>
स प्राणः ।<br>
तस्य भूतञ् च भविष्यच् च पूर्वौ पादौ ।<br>
श्रीश् चेरा चापरौ ।<br>
बृहद्रथन्तरे अनूच्ये । भद्रयज्ञायज्ञीये शीर्षण्ये ।<br>
ऋचश् च सामानि च प्राचीनातानानि ।<br>
यजूंषि तिरश्चीनानि ।<br>
सोमांशव उपस्तरणम् ।<br>
उद्गीथो ऽपश्रयः ।<br>
श्रीर् उपबर्हणम् ।<br>
तस्मिन् ब्रह्मास्ते ।<br>
तम् इत्थंवित् पादेनैवाग्र आरोहति ।<br>
तं ब्रह्माह को ऽसीति ।<br>
तं प्रतिब्रूयात् ॥५॥<br>
'''१.६'''<br>
ऋतुर् अस्मि ।<br>
आर्तवो ऽस्मि ।<br>
आकाशाद् योनेः सम्भूतो भायै रेतः ।<br>
संवत्सरस्य तेजो भूतस्य भूतस्यात्मा ।<br>
भूतस्य भूतस्य त्वम् आत्मासि ।<br>
यस् त्वम् असि सो ऽहम् अस्मीति ।<br>
तम् आह को ऽहम् अस्मीति ।<br>
सत्यम् इति ब्रूयात् ।<br>
किं तद् यत् सत्यम् इति ।<br>
यद् अन्यद् देवेभ्यश् च प्राणेभ्यश् च तत् सत् ।<br>
अथ यद् देवाश् च प्राणाश् च तत् त्यं ।<br>
तद् एकया वाचाभिव्याह्रियते सत्त्यम् इति ।<br>
एतावद् इदं सर्वम् ।<br>
इदं सर्वम् असि ।<br>
इत्य् एवैनं तद् आह ।<br>
तद् एतद् ऋक्श्लोकेनाभ्युक्तम् ॥६॥<br>
'''१.७a – Die Gestalt aus Veda'''<br>
यजूदरः सामशिरा असाव् ऋङ्मूर्तिर् अव्ययः ।<br>
स ब्रह्मेति स विज्ञेय ऋषिर् ब्रह्ममयो महान् ॥ इति<br>
'''१.७b – Sinne und Erkenntnis'''<br>
तम् आह ।<br>
केन मे पौंस्नानि नामान्य् आप्नोषीति ।<br>
प्राणेनेति ब्रूयात् ।<br>
केन नपुंसकानीति ।<br>
मनसेति ।<br>
केन स्त्रीनामानीति ।<br>
वाचेति ।<br>
केन गन्धान् इति ।<br>
घ्राणेनेति ।<br>
केन रूपाणीति ।<br>
चक्षुषेति ।<br>
केन शब्दान् इति ।<br>
श्रोत्रेणेति ।<br>
केनान्नरसान् इति ।<br>
जिह्वयेति ।<br>
केन कर्माणीति ।<br>
हस्ताभ्याम् इति ।<br>
केन सुखदुःखे इति ।<br>
शरीरेणेति ।<br>
केनानन्दं रतिं प्रजातिम् इत्य् ।<br>
उपस्थेनेति ।<br>
केनेत्या इति ।<br>
पादाभ्याम् इति ।<br>
केन धियो विज्ञातव्यं कामान् इति ।<br>
प्रज्ञयैवेति ब्रूयात् ।<br>
तम् आह आपो वै खलु मे लोकम् ।<br>
अयं ते ऽसाव् इति ।<br>
सा या ब्रह्मणो जितिर् या व्यष्टिस् तां जितिं जयति तां व्यष्टिं व्यश्नुते य एवं वेद य एवं वेद ॥७॥<br>
'''Abschluss des ersten Adhyaya'''<br>
इति ऋग्वेदान्तर्गतकौषीतकिब्राह्मणारण्यकोपनिषदि प्रथमोऽध्यायः ॥<br>
'''२.१'''<br>
प्राणो ब्रह्मेति ह स्माह कौषीतकिः ।<br>
तस्य ह वा एतस्य प्राणस्य ब्रह्मणो मनो दूतम् ।<br>
चक्षुर् गोप्तृ ।<br>
श्रोत्रं संश्रावयितृ ।<br>
वाक् परिवेष्ट्री स यो ह वा एतस्य प्राणस्य ब्रह्मणो मनो दूतम् वेद दूतवान् भवति ।<br>
यश् चक्षुर् गोप्तृ गोप्तृमान् भवति ।<br>
यः श्रोत्रं संश्रावयितृ संश्रावयितृमान् भवति ।<br>
यो वाचं परिवेष्ट्रीम् परिवेष्ट्रीमान् भवति तस्मै वा एतस्मै प्राणाय ब्रह्मण एताः सर्वा देवता अयाचमानाय बलिं हरन्ति ।<br>
एवं हैवास्मै सर्वाणि भूतान्य् अयाचमानायैव बलिं हरन्ति य एवं वेद ।<br>
तस्योपनिषन् न याचेद् इति ।<br>
तद् यथा ग्रामं भिक्षित्वा ऽलब्ध्वोपविशेन् नाहम् अतो दत्तम् अश्नीयाम् इति ।<br>
य एवैनं पुरस्तात् प्रत्याचक्षीरंस्त एवैनम् उपमन्त्रयन्ते ददाम त इति ।<br>
एष धर्मो ऽयाचतो भवति ।<br>
अन्नदास् त्व् एवैनम् उपमन्त्रयन्ते ददाम त इति ॥१॥<br>
'''२.२'''<br>
प्राणो ब्रह्मेति ह स्माह पैङ्ग्यः ।<br>
तस्य वा एतस्य ब्रह्मणो वाक्परस्ताच् चक्षुर् आरुन्द्धे ।<br>
चक्षुःपरस्ताच् छ्रोत्रम् आरुन्द्धे ।<br>
श्रोत्रपरस्तान् मन आरुन्द्धे ।<br>
मनःपरस्तात् प्राण आरुन्द्धे ।<br>
तस्मै वा एतस्मै प्राणाय ब्रह्मण एताः सर्वा देवता अयाचमानायैव बलिं हरन्ति ।<br>
एवं हैवास्मै सर्वाणि भूतान्य् अयाचमानायैव बलिं हरन्ति य एवं वेद ।<br>
तस्योपनिषन् न याचेद् इति ।<br>
तद् यथा ग्रामं भिक्षित्वा ऽलब्ध्वोपविशेन् नाहम् अतो दत्तम् अश्नीयाम् इति ।<br>
य एवैनं पुरस्तात् प्रत्याचक्षीरंस्त एवैनम् उपमन्त्रयन्ते ददाम त इति ।<br>
एष धर्मो ऽयाचतो भवति ।<br>
अन्नदास् त्व् एवैनम् उपमन्त्रयन्ते ददाम त इति ॥२॥<br>
'''२.३a – Erlangen eines bestimmten Gutes'''<br>
अथात एकधनावरोधनम् ।<br>
यद् एकधनम् अभिध्यायात् पौर्णमास्यां वामावास्यां वा शुद्धपक्षे वा पुण्ये नक्षत्रे ऽग्निम् उपसमाधाय परिसमूह्य परिस्तीर्य पर्युक्ष्य उत्पूय दक्षिणं जान्व् आच्य स्रुवेण वा चमसेन वा कंसेन वैता आज्याहुतीर् जुहोति ।<br>
'''२.३b – Die sechs Opferformeln'''<br>
वाङ् नाम देवतावरोधनी सा मे ऽमुष्माद् इदम् अवरुन्ध्यात् तस्यै स्वाहा ।<br>
प्राणो नाम देवतावरोधनी सा मे ऽमुष्माद् इदम् अवरुन्ध्यात् तस्यै स्वाहा ।<br>
चक्षुर् नाम देवतावरोधनी सा मे ऽमुष्माद् इदम् अवरुन्ध्यात् तस्यै स्वाहा ।<br>
श्रोत्रं नाम देवतावरोधनी सा मे ऽमुष्माद् इदम् अवरुन्ध्यात् तस्यै स्वाहा ।<br>
मनो नाम देवतावरोधनी सा मे ऽमुष्माद् इदम् अवरुन्ध्यात् तस्यै स्वाहा ।<br>
प्रज्ञा नाम देवतावरोधनी सा मे ऽमुष्माद् इदम् अवरुन्ध्यात् तस्यै स्वाहा ।<br>
'''२.३c – Abschluss der Handlung'''<br>
इत्य् अथ धूमगन्धं प्रजिघ्रायाज्यलेपेनाङ्गान्य् अनुविमृज्य वाचंयमो ऽभिप्रव्रज्यार्थं ब्रूयाद् दूतं वा प्रहिणुयात् ।<br>
लभते हैव ॥३॥<br>
'''२.४'''<br>
अथातो दैवः स्मरः ।<br>
यस्य प्रियो बुभूषेद् यस्यै वा येषां वा यासां वैतेषाम् एवैकस्मिन् पर्वण्य् अग्निम् उपसमाधायैतयैवावृतैता आज्याहुतीर् जुहोति ।<br>
वाचम् ते मयि जुहोम्य् असौ स्वाहा ।<br>
प्राणं ते मयि जुहोम्य् असौ स्वाहा ।<br>
चक्षुस् ते मयि जुहोम्य् असौ स्वाहा ।<br>
श्रोत्रं ते मयि जुहोम्य् असौ स्वाहा ।<br>
मनस् ते मयि जुहोम्य् असौ स्वाहा ।<br>
प्रज्ञां ते मयि जुहोम्य् असौ स्वाहा ।<br>
इत्यथ धूमगन्धं प्रजिघ्रायाज्यलेपेनाङ्गान्य् अनुविमृज्य वाचंयमो ऽभिप्रव्रज्य संस्पर्शं जिगमिषेत् ।<br>
अपि वाताद् वा तिष्ठेत् सम्भाषमाणः ।<br>
प्रियो हैव भवति स्मरन्ति हैवास्य ॥४॥<br>
'''२.५'''<br>
अथातः संयमनं प्रातर्दनम् आन्तरम् अग्निहोत्रम् इति चाचक्षते ।<br>
यावद् वै पुरुषो भाषते न तावत् प्राणितुं शक्नोति ।<br>
प्राणं तदा वाचि जुहोति ।<br>
यावद् वै पुरुषः प्राणिति न तावद् भाषितुं शक्नोति ।<br>
वाचं तदा प्राणे जुहोति ।<br>
एते अनन्ते अमृते आहुती जाग्रच् च स्वपंश् च सन्ततं अव्यवच्छिन्नं जुहोति ।<br>
अथ या अन्या आहुतयो ऽन्तवत्यस् ताः कर्ममय्यो हि भवन्ति ।<br>
एतद् ध वै पूर्वे विद्वांसो ऽग्निहोत्रं न जुहवाञ् चक्रुः ॥५॥<br>
'''२.६'''<br>
उक्थं ब्रह्मेति ह स्माह शुष्कभृङ्गारः ।<br>
तद् ऋग् इत्य् उपासीत ।<br>
सर्वाणि हास्मै भूतानि श्रैष्ठ्यायाभ्यर्चन्ते ।<br>
तद् यजुर् इत्य् उपासीत ।<br>
सर्वाणि हास्मै भूतानि श्रैष्ठ्याय युज्यन्ते ।<br>
तत् सामेत्य् उपासीत ।<br>
सर्वाणि हास्मै भूतानि श्रैष्ठ्याय सन्नमन्ते ।<br>
तच् छ्रीर् इत्य् उपासीत ।<br>
तद् यश इत्य् उपासीत ।<br>
तत् तेज इत्य् उपासीत ।<br>
तद् यथैतच् छस्त्राणां श्रीमत्तमं यशस्वितमं तेजस्वितमं भवति तथो एवैवं विद्वान् सर्वेषां भूतानां श्रीमत्तमो यशस्वितमस् तेजस्वितमो भवति ।<br>
तद् एतद् ऐष्टिकं कर्ममयम् आत्मानम् अध्वर्युः संस्करोति ।<br>
तस्मिन् यजुर्मयं प्रवयति ।<br>
यजुर्मय ऋङ्मयं होता ।<br>
ऋङ्मये साममयम् उद्गाता ।<br>
स एष त्रय्यै विद्याया आत्मा ।<br>
एष उ एवैतद् इन्द्रस्यात्मा भवति य एवं वेद ॥६॥<br>
'''२.७'''<br>
अथातः सर्वजितः कौषीतकेस् त्रीण्य् उपासनानि भवन्ति ।<br>
सर्वजिद् ध स्म कौषीतकिर् उद्यन्तम् आदित्यम् उपतिष्ठते यज्ञोपवीतं कृत्वोदकम् आनीय त्रिः प्रसिच्योदपात्रं ।<br>
वर्गो ऽसि पाप्मानं मे वृङ्धीति ।<br>
एतयैवावृता मध्ये सन्तम् उद्वर्गो ऽसि पाप्मानं म उद्वृङ्धीति ।<br>
एतयैवावृतास्तं यन्तं संवर्गो ऽसि पाप्मानं मे संवृङ्धीति ।<br>
तद् यद् अहोरात्राभ्यां पापम् अकरोत् सं स्म तद् वृङ्क्ते ।<br>
तथो एवैवं विद्वान् एतयैवावृतादित्यम् उपतिष्ठेत ।<br>
यद् अहोरात्राभ्यां पापं करोति सं तद् वृङ्क्ते ॥७॥<br>
'''२.८a – Verehrung bei Neumond'''<br>
अथ मासि मास्य् अमावास्यायां पश्चाच् चन्द्रमसं दृश्यमानम् उपतिष्ठेतैतयैवावृता हरिततृणे वा प्रत्यस्यति ।<br>
'''२.८a – Die Bitte für die Kinder'''<br>
यन् मे सुसमिद् हृदयम् अधि चन्द्रमसि श्रितं ।<br>
मन्ये ऽहं मां तद् विद्वांसं माहं पुत्र्यम् अघं रुदम् ॥<br>
'''२.८a – Verheißung'''<br>
इति न ह्य् अस्मात् पूर्वा प्रजाः प्रैतीति ॥८अ॥<br>
'''२.८b – Die Gattin'''<br>
अथ संवेक्ष्यञ् जायायै हृदयम् अभिमृशेत् ।<br>
'''२.८b – Bitte für die Mutter'''<br>
यत् ते सुशीमे हृदयं श्रितम् अन्तः प्रजापतौ ।<br>
तेनामृतत्वस्येशाने मा त्वं पुत्र्यम् अघं निगाः ॥<br>
'''२.८b – Verheißung'''<br>
इति न ह्य् अस्याः पूर्वा प्रजाः प्रैतीति ॥८ब्॥<br>
'''२.८c_(८)'''<br>
इति नु जातपुत्रस्य ॥<br>
अथाजातपुत्रस्य ।<br>
आ प्यायस्व सम् एतु ते ।<br>
सं ते पयांसि सम् उ यन्तु वाजाः ।<br>
यम् आदित्या अंशुम् आप्याययन्ति ।<br>
इति ।<br>
एतास् तिस्र ऋचो जपित्वा मास्माकं प्राणेन प्रजया पशुभिर् आप्यायिष्ठाः ।<br>
यो ऽस्मान् द्वेष्टि यं च वयं द्विष्मस् तस्य प्राणेन प्रजया पशुभिर् आप्यायस्वेति ।<br>
ऐन्द्रीम् आवृतम् आवर्ते ।<br>
आदित्यस्यावृतम् अन्वावर्ते ।<br>
इति दक्षिणं बाहुम् अन्वावर्तते ॥८च्॥<br>
'''२.९'''<br>
अथ पौर्णमास्यां पुरस्ताच् चन्द्रमसं दृश्यमानम् उपतिष्ठेतैतयैवावृता ।<br>
सोमो राजासि विचक्षणः ।<br>
पञ्चमुखो ऽसि प्रजापतिः ।<br>
ब्राह्मणस् त एकं मुखं तेन मुखेन राज्ञो ऽत्सि ।<br>
तेन मुखेन माम् अन्नादं कुरु ।<br>
राजा त एकं मुखं तेन मुखेन विशो ऽत्सि ।<br>
तेन मुखेन माम् अन्नादं कुरु ।<br>
श्येनस् त एकं मुखं तेन मुखेन पक्षिणो ऽत्सि ।<br>
तेन मुखेन माम् अन्नादं कुरु ।<br>
अग्निष् ट एकं मुखं तेन मुखेनेमं लोकम् अत्सि ।<br>
तेन मुखेन माम् अन्नादं कुरु ।<br>
त्वयि पञ्चमं मुखं तेन मुखेन सर्वाणि भूतान्य् अत्सि ।<br>
तेन मुखेन माम् अन्नादं कुरु ।<br>
मास्माकं प्राणेन प्रजया पशुभिर् अपक्षेष्ठाः ।<br>
यो ऽस्मान् द्वेष्टि यं च वयं द्विष्मस् तस्य प्राणेन प्रजया पशुभिर् अपक्षीयस्व ।<br>
इति दैवीम् आवृतम् आवर्ते ।<br>
आदित्यस्यावृतम् अन्वावर्ते ।<br>
इति दक्षिणं बाहुम् अन्वावर्तते ॥९॥<br>
'''२.१०a – Heimkehr zum Sohn'''<br>
अथ प्रोष्यायन् पुत्रस्य मूर्धानम् अभिजिघ्रेत् ।<br>
'''२.१०b – Segen des Lebens'''<br>
अङ्गाद् अङ्गात् सम्भवसि हृदयाद् अधिजायसे ।<br>
आत्मा त्वं पुत्र माविथ स जीव शरदः शतम् ॥<br>
'''२.१०c – Nennung des Namens'''<br>
असौ ।<br>
इति नामास्य गृह्णाति ।<br>
'''२.१०d – Segen der Festigkeit'''<br>
अश्मा भव परशुर् भव हिरण्यम् अस्तृतं भव ।<br>
तेजो वै पुत्र नामासि स जीव शरदः शतम् ॥<br>
'''२.१०e – Umarmung'''<br>
असौ ।<br>
इति नामास्य गृह्णाति ।<br>
अथैनं परिगृह्णाति ।<br>
'''२.१०f – Schutzsegen'''<br>
येन प्रजापतिः प्रजाः पर्यगृह्णात् तदरिष्ट्यै ।<br>
तेन त्वा परिगृह्णामि ॥<br>
'''२.१०g – Die Anrufungen Indras'''<br>
असौ ।<br>
इति नामास्य गृह्णाति ।<br>
अथास्य दक्षिणे कर्णे जपति ।<br>
अस्मै प्रयन्धि मघवन्न् ऋजीषिन् ।<br>
इति ।<br>
इन्द्र श्रेष्ठानि द्रविणानि धेहि ।<br>
इति सव्ये ।<br>
'''२.१०h – Abschließender Lebenssegen'''<br>
मा छित्था मा व्यथिष्ठाः शतं शरद आयुषः ।<br>
जीवस्व पुत्र ते नाम्ना मूर्धानम् अभिजिघ्रामि ॥<br>
'''२.१०i – Der Ruf der Kühe'''<br>
असौ ।<br>
इति त्रिर् मूर्धानम् अभिजिघ्रेत् ।<br>
गवाम् त्वा हिङ्कारेणाभिहिङ्करोमीति त्रिर् मूर्धानम् अभिहिङ्कुर्यात् ॥१०॥<br>
'''२.११'''<br>
अथातो दैवः परिमरः ।<br>
एतद् वै ब्रह्म दीप्यते यद् अग्निर् ज्वलत्य् अथैतन् म्रियते यन् न ज्वलति ।<br>
तस्यादित्यम् एव तेजो गच्छति वायुं प्राणः ।<br>
एतद् वै ब्रह्म दीप्यते यद् आदित्यो दृश्यते ऽथैतन् म्रियते यन् न दृश्यते ।<br>
तस्य चन्द्रमसम् एव तेजो गच्छति वायुं प्राणः ।<br>
एतद् वै ब्रह्म दीप्यते यच् चन्द्रमा दृश्यते ऽथैतन् म्रियते यन् न दृश्यते ।<br>
तस्य विद्युतम् एव तेजो गच्छति वायुं प्राणः ।<br>
एतद् वै ब्रह्म दीप्यते यद् विद्युद् विद्योतते ऽथैतन् म्रियते यन् न विद्योतते ।<br>
तस्य वायुम् एव तेजो गच्छति वायुं प्राणः ।<br>
ता वा एताः सर्वा देवता वायुम् एव प्रविश्य वायौ मृत्वा न मूर्छन्ते ।<br>
तस्माद् एव पुनर् उदीरते ।<br>
इत्य् अधिदैवतम् ॥<br>
अथाध्यात्मम् ॥११॥<br>
'''२.१२'''<br>
एतद् वै ब्रह्म दीप्यते यद् वाचा वदत्य् अथैतन् म्रियते यन् न वदति ।<br>
तस्य चक्षुर् एव तेजो गच्छति प्राणं प्राणः ।<br>
एतद् वै ब्रह्म दीप्यते यच् चक्षुषा पश्यत्य् अथैतन् म्रियते यन् न पश्यति ।<br>
तस्य श्रोत्रम् एव तेजो गच्छति प्राणं प्राणः ।<br>
एतद् वै ब्रह्म दीप्यते यच् छ्रोत्रेण शृणोत्य् अथैतन् म्रियते यन् न शृणोति ।<br>
तस्य मन एव तेजो गच्छति प्राणं प्राणः ।<br>
एतद् वै ब्रह्म दीप्यते यन् मनसा ध्यायत्य् अथैतन् म्रियते यन् न ध्यायति ।<br>
तस्य प्राणम् एव तेजो गच्छति प्राणं प्राणः ।<br>
ता वा एताः सर्वा देवताः प्राणम् एव प्रविश्य प्राणे मृत्वा न मूर्छन्ते ।<br>
तस्माद् एव पुनर् उदीरते ।<br>
तद् यदि ह वा एवं विद्वांसम् उभौ पर्वताव् अभिप्रवर्तेयातां दक्षिणश् चोत्तरश् च तुस्तूर्षमानौ न हैनं स्तृण्वीयाताम् ।<br>
अथ य एनं द्विषन्ति यांश् च स्वयं द्वेष्टि त एवैनं परिम्रियन्ते ॥१२॥<br>
'''२.१३'''<br>
अथातो निःश्रेयसादानम् ।<br>
एता ह वै देवता अहंश्रेयसे विवदमाना अस्माच् छरीराद् उच्चक्रमुः ।<br>
तद् धाप्राणत् शुष्कं दारुभूतं शिष्ये ।<br>
अथैनद् वाक् प्रविवेश ।<br>
तद् वाचा वदच् छिष्य एव ।<br>
अथैनच् चक्षुः प्रविवेश ।<br>
तद् वाचा वदच् चक्षुषा पश्यच् छिष्य एव ।<br>
अथैनच् छ्रोत्रं प्रविवेश ।<br>
तद् वाचा वदच् चक्षुषा पश्यच् छ्रोत्रेण शृण्वच् छिष्य एव ।<br>
अथैनन् मनः प्रविवेश ।<br>
तद् वाचा वदच् चक्षुषा पश्यच् छ्रोत्रेण शृण्वन् मनसा ध्यायच् छिष्य एव ।<br>
अथैनत् प्राणः प्रविवेश ।<br>
तत् तत एव समुत्तस्थौ ।<br>
ता वा एताः सर्वा देवताः प्राणे निःश्रेयसं विदित्वा प्राणम् एव प्रज्ञात्मानम् अभिसम्भूय सहैवैते सर्वे ऽस्माच् छरीराद् उच्चक्रमुः ।<br>
ते वायुप्रविष्टा आकाशात्मानः स्वर् ईयुः ।<br>
तथो एवैवं विद्वान् प्राणे निःश्रेयसं विदित्वा सर्वेषां भूतानां प्राणम् एव प्रज्ञात्मानम् अभिसम्भूय सहैवैतैः सर्वैर् अस्माच् छरीराद् उत्क्रामति ।<br>
स वायुप्रविष्ट आकाशात्मा स्वर् एति ।<br>
स तद् गच्छति यत्रैते देवाः ।<br>
तत् प्राप्य यद् अमृता देवास् तद् अमृतो भवति य एवं वेद ॥१३॥<br>
'''२.१४a – Das Vermächtnis'''<br>
अथातः पितापुत्रीयं सम्प्रदानम् इति चाचक्षते ।<br>
पिता पुत्रं प्रेष्यन्न् आह्वयति नवैस् तृणैर् अगारं संस्तीर्याग्निम् उपसमाधायोदकुम्भं सपात्रम् उपनिधायाहतेन वाससा सम्प्रच्छन्नः पिता शेते ।<br>
एत्य पुत्र उपरिष्टाद् अभिनिपद्यत इन्द्रियैर् इन्द्रियाणि संस्पृश्य ।<br>
अपि वास्मा आसीनायाभिमुखायैव सम्प्रदद्यात् । अथास्मै सम्प्रयच्छति ।<br>
'''२.१४b – Die Übertragung der Kräfte'''<br>
वाचं मे त्वयि दधानीति पिता ।<br>
वाचं ते मयि दध इति पुत्रः ।<br>
प्राणं मे त्वयि दधानीति पिता ।<br>
प्राणं ते मयि दध इति पुत्रः ।<br>
चक्षुर् मे त्वयि दधानीति पिता ।<br>
चक्षुस् ते मयि दध इति पुत्रः ।<br>
श्रोत्रं मे त्वयि दधानीति पिता ।<br>
श्रोत्रं ते मयि दध इति पुत्रः ।<br>
अन्नरसान् मे त्वयि दधानीति पिता ।<br>
अन्नरसांस् ते मयि दध इति पुत्रः ।<br>
कर्माणि मे त्वयि दधानीति पिता ।<br>
कर्माणि ते मयि दध इति पुत्रः ।<br>
सुखदुःखे मे त्वयि दधानीति पिता ।<br>
सुखदुःखे ते मयि दध इति पुत्रः ।<br>
आनन्दं रतिं प्रजातिं मे त्वयि दधानीति पिता ।<br>
आनन्दं रतिं प्रजातिं ते मयि दध इति पुत्रः ।<br>
इत्या मे त्वयि दधानीति पिता ।<br>
इत्यास् ते मयि दध इति पुत्रः ।<br>
मनो मे त्वयि दधानीति पिता ।<br>
मनस् ते मयि दध इति पुत्रः ।<br>
प्रज्ञां मे त्वयि दधानीति पिता ।<br>
प्रज्ञां ते मयि दध इति पुत्रः ।<br>
'''२.१४c – Die zusammengefasste Formel'''<br>
यद्य् उ वा उपाभिगदः स्यात् समासेनैव ब्रूयात् प्राणान् मे त्वयि दधानीति पिता ।<br>
प्राणांस् ते मयि दध इति पुत्रः ।<br>
'''२.१४d – Abschied und weiterer Lebensweg'''<br>
अथ दक्षिणावृत् प्राङ् उपनिष्क्रामति ।<br>
तं पितानुमन्त्रयते यशो ब्रह्मवर्चसं कीर्तिस् त्वा जुषताम् इति ।<br>
अथेतरः सव्यम् अन्व् अंसम् अभ्यवेक्षते पाणिनान्तर्धाय वसनान्तेन वा प्रच्छाद्य स्वर्गान् लोकान् कामान् आप्नुहीति ।<br>
स यद्य् अगदः स्यात् पुत्रस्यैश्वर्ये पिता वसेत् परि वा व्रजेत् ।<br>
यद्य् उ वै प्रेयात् तथैवैनं समापयेयुर् यथा समापयितव्यो भवति यथा समापयितव्यो भवति ॥१४॥<br>
'''Abschluss des zweiten Adhyaya'''<br>
इति कौषीतकिब्राह्मणोपनिषदि द्वितीयोऽध्यायः ॥<br>
'''३.१'''<br>
प्रतर्दनो ह वै दैवोदासिर् इन्द्रस्य प्रियं धामोपजगाम युद्धेन च पौरुषेण च ।<br>
तं हेन्द्र उवाच प्रतर्दन वरं वृणीष्वेति ।<br>
स होवाच प्रतर्दनस् त्वम् एव मे वृणीष्व यं त्वं मनुष्याय हिततमं मन्यस इति ।<br>
तं हेन्द्र उवाच न वै वरं परो परस्मै वृणीते ।<br>
त्वम् एव वृणीष्वेति ।<br>
अवरो वै किल म इति होवाच प्रतर्दनः ।<br>
अथो खल्व् इन्द्रः सत्याद् एव नेयाय ।<br>
सत्यं हीन्द्रः ।<br>
तं हेन्द्र उवाच माम् एव विजानीहि ।<br>
एतद् एवाहं मनुष्याय हिततमं मन्ये यन् मां विजानीयात् ।<br>
त्रिशीर्षाणं त्वाष्ट्रम् अहनम् ।<br>
अरुर्मघान् अहनम् ।<br>
यतीन् सालावृकेभ्यः प्रायच्छम् ।<br>
बह्वीः सन्धा अतिक्रम्य दिवि प्रह्लादीयान् अतृणहम् अन्तरिक्षे पौलोमान् पृथिव्यां कालकाञ्जान् ।<br>
तस्य मे तत्र न लोम चनामीयत ।<br>
स यो मां वेद न ह वै तस्य केन चन कर्मणा लोम मीयते न स्तेयेन न भ्रूणहत्यया न मातृवधेन न पितृवधेन ।<br>
नास्य पापं चक्रुषो मुखान् नीलं व्येतीति ॥१॥<br>
'''३.२'''<br>
स होवाच प्राणो ऽस्मि प्रज्ञात्मा ।<br>
तं माम् आयुर् अमृतम् इत्य् उपास्स्व ।<br>
आयुः प्राणः ।<br>
प्राणो वा आयुः ।<br>
यावद् ध्य् अस्मिञ् छरीरे प्राणो वसति तावद् आयुः ।<br>
प्राणेन ह्य् एवास्मिंल् लोके ऽमृतत्वम् आप्नोति ।<br>
प्रज्ञया सत्यं सङ्कल्पम् ।<br>
स यो माम् आयुर् अमृतम् इत्य् उपास्ते सर्वम् आयुर् अस्मिंल् लोक एति ।<br>
आप्नोत्य् अमृतत्वम् अक्षितिं स्वर्गे लोके ।<br>
तद् धैक आहुर् एकभूयं वै प्राणा गच्छन्तीति ।<br>
न हि कश्चन शक्नुयात् सकृद् वाचा नाम प्रज्ञापयितुं चक्षुषा रूपं श्रोत्रेण शब्दं मनसा ध्यानम् ।<br>
एकभूयं वै प्राणा भूत्वैकैकम् एतानि सर्वाणि प्रज्ञापयन्तीति ।<br>
वाचं वदन्तीं सर्वे प्राणा अनुवदन्ति ।<br>
चक्षुः पश्यत् सर्वे प्राणा अनुपश्यन्ति ।श्रोत्रं शृण्वत् सर्वे प्राणा अनुशृण्वन्ति ।<br>
मनो ध्यायत् सर्वे प्राणा अनुध्यायन्ति ।<br>
प्राणं प्राणन्तं सर्वे प्राणा अनुप्राणन्ति ।<br>
एवम् उ हैतद् इति हेन्द्र उवाच ।<br>
अस्ति त्व् एव प्राणानां निःश्रेयसम् इति ॥२॥<br>
'''३.३a – Das Tragende im Leben'''<br>
जीवति वागपेतः ।<br>
मूकान् हि पश्यामः ।<br>
जीवति चक्षुरपेतः ।<br>
अन्धान् हि पश्यामः ।<br>
जीवति श्रोत्रापेतः ।<br>
बधिरान् हि पश्यामः ।<br>
जीवति मनोऽपेतः ।<br>
बालान् हि पश्यामः ।<br>
जीवति बाहुछिन्नः ।<br>
जीवत्य् ऊरुच्छिन्न इति ।<br>
एवं हि पश्याम इति ।<br>
अथ खलु प्राण एव प्रज्ञात्मा इदं शरीरं परिगृह्योत्थापयति ।<br>
तस्माद् एतद् एवोक्थम् उपासीतेति ।<br>
सैषा प्राणे सर्वाप्तिर् यो वै प्राणः सा प्रज्ञा ।<br>
या वै प्रज्ञा स प्राणः ।<br>
'''३.३b – Tiefschlaf und Erwachen'''<br>
तस्यैषैव दृष्टिर् एतद् विज्ञानम् ।<br>
यत्रैतत् पुरुषः सुप्तः स्वप्नं न कञ्चन पश्यत्य् अथास्मिन् प्राण एवैकधा भवन्ति ।<br>
तद् एनं वाक् सर्वैर् नामभिः सहाप्येति ।<br>
चक्षुः सर्वैः रूपैः सहाप्येति ।<br>
श्रोत्रं सर्वैः शब्दैः सहाप्येति ।<br>
मनः सर्वैर् ध्यानैः सहाप्येति ।<br>
स यदा प्रतिबुध्यते यथाग्नेर् ज्वलतः सर्वा दिशो विष्फुलिङ्गा विप्रतिष्ठेरन्न् एवम् एवैतस्माद् आत्मनः प्राणा यथायतनं विप्रतिष्ठन्ते ।<br>
प्राणेभ्यो देवाः ।<br>
देवेभ्यो लोकाः ।<br>
स एष प्राण एव प्रज्ञात्मेदं शरीरं परिगृह्योत्थापयति ।<br>
तस्माद् एतद् एवोक्थम् उपासीतेति ।<br>
सैषा प्राणे सर्वाप्तिः ।<br>
यो वै प्राणः सा प्रज्ञा ।<br>
या वै प्रज्ञा स प्राणः ।<br>
'''३.३c – Sterben'''<br>
तस्यैषैव सिद्धिर् एतद् विज्ञानम् ।<br>
यत्रैतत् पुरुष आर्तो मरिष्यन् आबल्यं नीत्य सम्मोहं न्येति तद् आहुर् उदक्रमीच् चिद् इति ।<br>
तन् न शृणोति न पश्यति न वाचा वदति न ध्यायति ।<br>
अथास्मिन् प्राण एवैकधा भवन्ति ।<br>
तद् एनं वाक् सर्वैर् नामभिः सहाप्येति ।<br>
चक्षुः सर्वैः रूपैः सहाप्येति ।<br>
श्रोत्रं सर्वैः शब्दैः सहाप्येति ।<br>
मनः सर्वैर् ध्यानैः सहाप्येति ।<br>
स यदास्माच् छरीराद् उत्क्रामति सहैवैतैः सर्वैर् उत्क्रामति ॥३॥<br>
'''३.४'''<br>
वाग् अस्मात् सर्वाणि नामान्य् अभिविसृजते ।<br>
वाचा सर्वाणि नामान्य् आप्नोति ।<br>
प्राणो ऽस्मात् सर्वान् गन्धान् अभिविसृजते ।<br>
प्राणेन सर्वान् गन्धान् आप्नोति ।<br>
चक्षुर् अस्मात् सर्वाणि रूपाण्य् अभिविसृजते ।<br>
चक्षुषा सर्वाणि रूपाण्य् आप्नोति ।<br>
श्रोत्रम् अस्मात् सर्वाञ् छब्दान् अभिविसृजते ।<br>
श्रोत्रेण सर्वाञ् छब्दान् आप्नोति ।<br>
मनो ऽस्मात् सर्वाणि ध्यानान्य् अभिविसृजते ।<br>
मनसा सर्वाणि ध्यानान्य् आप्नोति ।<br>
सैषा प्राणे सर्वाप्तिः ।<br>
यो वै प्राणः सा प्रज्ञा ।<br>
या वै प्रज्ञा स प्राणः ।<br>
सह ह्य् एताव् अस्मिञ् छरीरे वसतः सहोत्क्रामतः ।<br>
अथ खलु यथास्यै प्रज्ञायै सर्वाणि भूतान्य् एकं भवन्ति तद् व्याख्यास्यामः ॥४॥<br>
'''३.५'''<br>
वाग् एवास्या एकम् अङ्गम् उदूढम् ।<br>
तस्यै नाम परस्तात् प्रतिविहिता भूतमात्रा ।<br>
घ्राण एवास्या एकम् अङ्गम् उदूढम् ।<br>
तस्य गन्धः परस्तात् प्रतिविहिता भूतमात्रा ।<br>
चक्षुर् एवास्या एकम् अङ्गम् उदूढम् ।<br>
तस्य रूपं परस्तात् प्रतिविहिता भूतमात्रा ।<br>
श्रोत्रम् एवास्या एकम् अङ्गम् उदूढम् ।<br>
तस्य शब्दः परस्तात् प्रतिविहिता भूतमात्रा ।<br>
जिह्वैवास्या एकम् अङ्गम् उदूढम् ।<br>
तस्य अन्नरसः परस्तात् प्रतिविहिता भूतमात्रा ।<br>
हस्ताव् एवास्या एकम् अङ्गम् उदूढम् ।<br>
तयोः कर्म परस्तात् प्रतिविहिता भूतमात्रा ।<br>
शरीरम् एवास्या एकम् अङ्गम् उदूढम् ।<br>
तस्य सुखदुःखे परस्तात् प्रतिविहिता भूतमात्रा ।<br>
उपस्थ एवास्या एकम् अङ्गम् उदूढम् ।<br>
तस्यानन्दो रतिः प्रजातिः परस्तात् प्रतिविहिता भूतमात्रा ।<br>
पादाव् एवास्या एकम् अङ्गम् उदूढम् ।<br>
तयोर् इत्याः परस्तात् प्रतिविहिता भूतमात्रा ।<br>
प्रज्ञैवास्या एकम् अङ्गम् उदूढम् ।<br>
तस्यै धियो विज्ञातव्यं कामाः परस्तात् प्रतिविहिता भूतमात्रा ॥५॥<br>
'''३.६'''<br>
प्रज्ञया वाचं समारुह्य वाचा सर्वाणि नामान्य् आप्नोति ।<br>
प्रज्ञया घ्राणं समारुह्य घ्राणेन सर्वान् गन्धान् आप्नोति ।<br>
प्रज्ञया चक्षुः समारुह्य चक्षुषा सर्वाणि रूपाण्य् आप्नोति ।<br>
प्रज्ञया श्रोत्रं समारुह्य श्रोत्रेण सर्वाञ् छब्दान् आप्नोति ।<br>
प्रज्ञया जिह्वां समारुह्य जिह्वया सर्वान् अन्नरसान् आप्नोति ।<br>
प्रज्ञया हस्तौ समारुह्य हस्ताभ्यां सर्वाणि कर्माण्य् आप्नोति ।<br>
प्रज्ञया शरीरं समारुह्य शरीरेण सुखदुःखे आप्नोति ।<br>
प्रज्ञयोपस्थं समारुह्योपस्थेनानन्दं रतिं प्रजातिम् आप्नोति ।<br>
प्रज्ञया पादौ समारुह्य पादाभ्यां सर्वा इत्या आप्नोति ।<br>
प्रज्ञयैव धियं समारुह्य प्रज्ञयैव धियो विज्ञातव्यं कामान् आप्नोति ॥६॥<br>
'''३.७'''<br>
न हि प्रज्ञापेता वाङ् नाम किञ्चन प्रज्ञापयेत् ।<br>
अन्यत्र मे मनो ऽभूद् इत्य् आह ।<br>
नाहम् एतन् नाम प्राज्ञासिषम् इति ।<br>
न हि प्रज्ञापेतः घ्राणो गन्धं कञ्चन प्रज्ञापयेत् ।<br>
अन्यत्र मे मनो ऽभूद् इत्य् आह ।<br>
नाहम् एतं गन्धं प्राज्ञासिषम् इति ।<br>
न हि प्रज्ञापेतं चक्षू रूपं किञ्चन प्रज्ञापयेत् ।<br>
अन्यत्र मे मनो ऽभूद् इत्य् आह ।<br>
नाहम् एतद् रूपं प्राज्ञासिषम् इति ।<br>
न हि प्रज्ञापेतं श्रोत्रं शब्दं कञ्चन प्रज्ञापयेत् ।<br>
अन्यत्र मे मनो ऽभूद् इत्य् आह ।<br>
नाहम् एतं शब्दं प्राज्ञासिषम् इति ।<br>
न प्रज्ञापेता जिह्वान्नरसं कञ्चन प्रज्ञापयेत् ।<br>
अन्यत्र मे मनो ऽभूद् इत्य् आह ।<br>
नाहम् एतम् अन्नरसं प्राज्ञासिषम् इति ।<br>
न हि प्रज्ञापेतौ हस्तौ कर्म किञ्चन प्रज्ञापयेयाताम् ।<br>
अन्यत्र मे मनो ऽभूद् इत्य् आह ।<br>
नाहम् एतत् कर्म प्राज्ञासिषम् इति ।<br>
न हि प्रज्ञापेतं शरीरं सुखदुःखं किञ्चन प्रज्ञापयेत् ।<br>
अन्यत्र मे मनो ऽभूद् इत्य् आह ।<br>
नाहम् एतत् सुखदुःखं प्राज्ञासिषम् इति ।<br>
न हि प्रज्ञापेत उपस्थ आनन्दं रतिं प्रजातिं काञ्चन प्रज्ञापयेत् ।<br>
अन्यत्र मे मनो ऽभूद् इत्य् आह ।<br>
नाहम् एतम् आनन्दं न रतिं न प्रजातिं प्राज्ञासिषम् इति ।<br>
न हि प्रज्ञापेतौ पादाव् इत्यां काञ्चन प्रज्ञापयेयाताम् ।<br>
अन्यत्र मे मनो ऽभूद् इत्य् आह ।<br>
नाहम् एताम् इत्यां प्राज्ञासिषम् ।<br>
इति न हि प्रज्ञापेता धीः काचन सिध्येन् न प्रज्ञातव्यं प्रज्ञायेत ॥७॥<br>
'''३.८a – Suche den Erkennenden'''<br>
न वाचं विजिज्ञासीत ।<br>
वक्तारं विद्यात् ।<br>
न गन्धं विजिज्ञासीत ।<br>
घ्रातारं विद्यात् ।<br>
न रूपं विजिज्ञासीत ।<br>
द्रष्टारं विद्यात् ।<br>
न शब्दं विजिज्ञासीत ।<br>
श्रोतारं विद्यात् ।<br>
नान्नरसं विजिज्ञासीत ।<br>
अन्नरसस्य विज्ञातारं विद्यात् ।<br>
न कर्म विजिज्ञासीत ।<br>
कर्तारं विद्यात् ।<br>
न सुखदुःखे विजिज्ञासीत ।<br>
सुखदुःखयोर् विज्ञातारं विद्यात् ।<br>
नानन्दं न रतिं न प्रजातिं विजिज्ञासीत ।<br>
आनन्दस्य रतेः प्रजातेर् विज्ञातारं विद्यात् ।<br>
नेत्यां विजिज्ञासीत ।<br>
एतारं विद्यात् ।<br>
न मनो विजिज्ञासीत ।<br>
मन्तारं विद्यात् ।<br>
'''३.८b – Speichen und Nabe'''<br>
ता वा एता दशैव भूतमात्रा अधिप्रज्ञम् ।<br>
दश प्रज्ञामात्रा अधिभूतम् ।<br>
यद् धि भूतमात्रा न स्युर् न प्रज्ञामात्राः स्युः ।<br>
यद् वा प्रज्ञामात्रा न स्युर् न भूतमात्राः स्युः ।<br>
न ह्य् अन्यतरतो रूपं किञ्चन सिध्येत् ।<br>
नो एतन् नाना ।<br>
तद् यथा रथस्यारेषु नेमिर् अर्पिता ।<br>
नाभाव् अरा अर्पिता ।<br>
एवम् एवैता भूतमात्राः प्रज्ञामात्रास्व् अर्पिताः ।<br>
प्रज्ञामात्राः प्राणे ऽर्पिताः ।<br>
'''३.८c – Das Selbst'''<br>
स एष प्राण एव प्रज्ञात्मानन्तो ऽजरो ऽमृतः ।<br>
न साधुना कर्मणा भूयान् भवति नो एवासाधुना कनीयान् ।<br>
एष ह्य् एव साधु कर्म कारयति तं यम् एभ्यो लोकेभ्य उन्निनीषते ।<br>
एष उ एवासाधु कर्म कारयति तं यम् अधो निनीषते ।<br>
एष लोकपालः ।<br>
एष लोकाधिपतिः ।<br>
एष लोकेशः ।<br>
स म आत्मेति विद्यात् ।<br>
स म आत्मेति विद्यात् ॥८॥<br>
'''Abschluss des dritten Adhyaya'''<br>
इति कौषीतकिब्राह्मणोपनिषदि तृतीयोऽध्यायः ॥<br>
'''४.१'''<br>
अथ ह वै गार्ग्यो बालाकिर् अनूचानः संस्पष्ट आस ।<br>
सो ऽवसद् उशिनरेषु सत्वन्मत्स्येषु कुरुपञ्चालेषु काशिविदेहेष्व् इति ।<br>
स हाजातशत्रुं काश्यम् आव्रज्योवाच ब्रह्म ते ब्रवाणीति ।<br>
तं होवाचाजातशत्रुः सहस्रं दद्मस् त इति ।<br>
एतस्यां वाचि जनको जनक इति वा उ जना धावन्तीति ॥१॥<br>
'''४.२'''<br>
आदित्ये बृहन् ।<br>
चन्द्रमस्य् अन्नम् ।<br>
विद्युति तेजः ।<br>
स्तनयित्नौ शब्दः ।<br>
वायाव् इन्द्रो वैकुण्ठः ।<br>
आकाशे पूर्णम् ।<br>
अग्नौ विषासहिर् इति ।<br>
अप्सु सत्यम् ।<br>
इत्य् अधिदैवतम् ।<br>
अथाध्यात्मम् ।<br>
आदर्शे प्रतिरूपः ।<br>
छायायां द्वितीयः ।<br>
प्रतिश्रुत्कायाम् असुर् इति ।<br>
शब्दे मृत्युः ।<br>
स्वप्ने यमः ।<br>
शरीरे प्रजापतिः ।<br>
दक्षिणे ऽक्षिणि वाचः ।<br>
सव्ये ऽक्षिणि सत्यस्य ॥२॥<br>
'''४.३'''<br>
स होवाच बालाकिर् य एवैष आदित्ये पुरुषस् तम् एवाहम् उपास इति ।<br>
तं होवाचाजातशत्रुर् मा मैतस्मिन् संवादयिष्ठाः ।<br>
अतिष्ठाः सर्वेषां भूतानां मूर्धेति वा अहम् एतम् उपास इति ।<br>
स यो हैतम् एवम् उपास्ते ऽतिष्ठाः सर्वेषां भूतानां मूर्धा भवति ॥३॥<br>
'''४.४'''<br>
स होवाच बालाकिर् य एवैष चन्द्रमसि पुरुषस् तम् एवाहम् उपास इति ।<br>
तं होवाचाजातशत्रुर् मा मैतस्मिन् संवादयिष्ठाः ।<br>
बृहन् पाण्डरवासाः सोमो राजान्नस्यात्मेति वा अहम् एतम् उपास इति ।<br>
स यो हैतम् एवम् उपास्तेऽन्नस्यात्मा भवति ॥४॥<br>
'''४.५'''<br>
स होवाच बालाकिर् य एवैष विद्युति पुरुषस् तम् एवाहम् उपास इति ।<br>
तं होवाचाजातशत्रुर् मा मैतस्मिन् संवादयिष्ठाः ।<br>
तेजस आत्मेति वा अहम् एतम् उपास इति ।<br>
स यो हैतम् एवम् उपास्ते तेजस आत्मा भवति ॥५॥<br>
'''४.६'''<br>
स होवाच बालाकिर् य एवैष स्तनयित्नौ पुरुषस् तम् एवाहम् उपास इति ।<br>
तं होवाचाजातशत्रुर् मा मैतस्मिन् संवादयिष्ठाः ।<br>
शब्दस्यात्मेति वा अहम् एतम् उपास इति ।<br>
स यो हैतम् एवम् उपास्ते शब्दस्यात्मा भवति ॥६॥<br>
'''४.७'''<br>
स होवाच बालाकिर् य एवैष आकाशे पुरुषस् तम् एवाहम् उपास इति ।<br>
तं होवाचाजातशत्रुर् मा मैतस्मिन् संवादयिष्ठाः ।<br>
पूर्णम् अप्रवर्ति ब्रह्मेति वा अहम् एतम् उपास इति ।<br>
स यो हैतम् एवम् उपास्ते पूर्यते प्रजया पशुभिर् यशसा ब्रह्मवर्चसेन स्वर्गेण लोकेन ।<br>
सर्वम् आयुर् एति ॥७॥<br>
'''४.८'''<br>
स होवाच बालाकिर् य एवैष वायौ पुरुषस् तम् एवाहम् उपास इति ।<br>
तं होवाचाजातशत्रुर् मा मैतस्मिन् संवादयिष्ठाः ।<br>
इन्द्रो वैकुण्ठो ऽपराजिता सेनेति वा अहम् एतम् उपास इति ।<br>
स यो हैतम् एवम् उपास्ते जिष्णुर् ह वा अपराजयिष्णुर् अन्यतस्त्यजायी भवति ॥८॥<br>
'''४.९'''<br>
स होवाच बालाकिर् य एवैष ऽग्नौ पुरुषस् तम् एवाहम् उपास इति ।<br>
तं होवाचाजातशत्रुर् मा मैतस्मिन् संवादयिष्ठाः ।<br>
विषासहिर् इति वा अहम् एतम् उपास इति ।<br>
स यो हैतम् एवम् उपास्ते विषासहिर् ह वा अन्येषु भवति ॥९॥<br>
'''४.१०'''<br>
स होवाच बालाकिर् य एवैषो ऽप्सु पुरुषस् तम् एवाहम् उपास इति ।<br>
तं होवाचाजातशत्रुर् मा मैतस्मिन् संवादयिष्ठाः ।<br>
सत्यस्यात्मेति वा अहम् एतम् उपास इति ।<br>
स यो हैतम् एवम् उपास्ते सत्यस्यात्मा भवति ।<br>
इत्य् अधिदैवतम् ॥<br>
अथाध्यात्मम् ॥१०॥<br>
'''४.११'''<br>
स होवाच बालाकिर् य एवैष आदर्शे पुरुषस् तम् एवाहम् उपास इति ।<br>
तं होवाचाजातशत्रुर् मा मैतस्मिन् संवादयिष्ठाः ।<br>
प्रतिरूप इति वा अहम् एतम् उपास इति ।<br>
स यो हैतम् एवम् उपास्ते प्रतिरूपो हैवास्य प्रजायाम् आजायते नाप्रतिरूपः ॥११॥<br>
'''४.१२'''<br>
स होवाच बालाकिर् य एवैष छायायां पुरुषस् तम् एवाहम् उपास इति ।<br>
तं होवाचाजातशत्रुर् मा मैतस्मिन् संवादयिष्ठाः ।<br>
द्वितीयो ऽनपग इति वा अहम् एतम् उपास इति ।<br>
स यो हैतम् एवम् उपास्ते विन्दते द्वितीयं द्वितीयवान् हि भवति ॥१२॥<br>
'''४.१३'''<br>
स होवाच बालाकिर् य एवैष प्रतिश्रुत्कायां पुरुषस् तम् एवाहम् उपास इति ।<br>
तं होवाचाजातशत्रुर् मा मैतस्मिन् संवादयिष्ठाः ।<br>
असुर् इति वा अहम् एतम् उपास इति ।<br>
स यो हैतम् एवम् उपास्ते न पुरा कालात् सम्मोहम् एति ॥१३॥<br>
'''४.१४'''<br>
स होवाच बालाकिर् य एवैष शब्दे पुरुषस् तम् एवाहम् उपास इति ।<br>
तं होवाचाजातशत्रुर् मा मैतस्मिन् संवादयिष्ठाः ।<br>
मृत्युर् इति वा अहम् एतम् उपास इति ।<br>
स यो हैतम् एवम् उपास्ते न पुरा कालात् प्रैतीति ॥१४॥<br>
'''४.१५'''<br>
स होवाच बालाकिर् य एवैतत् पुरुषः सुप्तः स्वप्नया चरति तम् एवाहम् उपास इति ।<br>
तं होवाचाजातशत्रुर् मा मैतस्मिन् संवादयिष्ठाः ।<br>
यमो राजेति वा अहम् एतम् उपास इति ।<br>
स यो हैतम् एवम् उपास्ते सर्वं हास्मा इदं श्रैष्ठ्याय यम्यते ॥१५॥<br>
'''४.१६'''<br>
स होवाच बालाकिर् य एवैष शरीरे पुरुषस् तम् एवाहम् उपास इति ।<br>
तं होवाचाजातशत्रुर् मा मैतस्मिन् संवादयिष्ठाः ।<br>
प्रजापतिर् इति वा अहम् एतम् उपास इति ।<br>
स यो हैतम् एवम् उपास्ते प्रजायते प्रजया पशुभिर् यशसा ब्रह्मवर्चसेन स्वर्गेण लोकेन ।<br>
सर्वम् आयुर् एति ॥१६॥<br>
'''४.१७'''<br>
स होवाच बालाकिर् य एवैष दक्षिणे ऽक्षिणि पुरुषस् तम् एवाहम् उपास इति ।<br>
तं होवाचाजातशत्रुर् मा मैतस्मिन् संवादयिष्ठाः ।<br>
वाच आत्माग्नेर् आत्मा ज्योतिष आत्मेति वा अहम् एतम् उपास इति ।<br>
स यो हैतम् एवम् उपास्त एतेषां सर्वेषां आत्मा भवति ॥१७॥<br>
'''४.१८'''<br>
स होवाच बालाकिर् य एवैष सव्ये ऽक्षिणि पुरुषस् तम् एवाहम् उपास इति ।<br>
तं होवाचाजातशत्रुर् मा मैतस्मिन् संवादयिष्ठाः ।<br>
सत्यस्यात्मा विद्युत आत्मा तेजस आत्मेति वा अहम् एतम् उपास इति ।<br>
स यो हैतम् एवम् उपास्त एतेषां सर्वेषाम् आत्मा भवति ॥१८॥<br>
'''४.१९a – Balaki wird Schüler'''<br>
तत उ ह बालाकिस् तूष्णीम् आस ।<br>
तं होवाचाजातशत्रुर् एतावन् नु बालाका३ इति ।<br>
एतावद् इति होवाच बालाकिः ।<br>
तं होवाचजातशत्रुर् मृषा वै खलु मा समवादयिष्ठा ब्रह्म ते ब्रवाणीति ।<br>
यो वै बालाक एतेषां पुरुषाणां कर्ता यस्य वै तत् कर्म स वै वेदितव्य इति ।<br>
तत उ ह बालाकिः समित्पाणिः प्रतिचक्रम उपायानीति ।<br>
तं होवाचाजातशत्रुः प्रतिलोमरूपम् एव तन् मन्ये यत् क्षत्रियो ब्राह्मणम् उपनयेत् ।<br>
एहि व्य् एव त्वा ज्ञपयिष्यामीति ।<br>
'''४.१९b – Der Schlafende'''<br>
तं ह पाणाव् अभिपद्य प्रवव्राज ।<br>
तौ ह सुप्तं पुरुषम् आजग्मतुः ।<br>
तं हाजातशत्रुर् आमन्त्रयाञ् चक्रे ।<br>
बृहन् पाण्डरवासः सोम राजन्न् इति ।<br>
स उ ह शिश्य एव ।<br>
तत उ हैनं यष्ट्या विचिक्षेप ।<br>
स तत एव समुत्तस्थौ ।<br>
'''४.१९c – Die Frage nach dem Selbst'''<br>
तं होवाचाजातशत्रुः क्वैष एतद् बालाके पुरुषोऽशयिष्ट ।<br>
क्वैतद् अभूत् ।<br>
कुत एतद् आगा३द् इति ।<br>
तत उ ह बालाकिर् न विजज्ञे ।<br>
'''४.१९d – Die feinen Bahnen'''<br>
तं होवाचाजातशत्रुर् यत्रैष एतद् बालाके पुरुषो ऽशयिष्ट यत्रैतद् अभूद् यत एतद् आगाद् इति हिता नाम पुरुषस्य नाड्यो हृदयात् पुरीततम् अभिप्रतन्वन्ति ।<br>
तद् यथा सहस्रधा केशो विपाटितस् तावद् अण्व्यः पिङ्गलस्याणिम्ना तिष्ठन्ति शुक्लस्य कृष्णस्य पीतस्य लोहितस्य च ।<br>
तासु तदा भवति यदा सुप्तः स्वप्नं न कञ्चन पश्यति ॥१९॥<br>
'''४.२०a – Das Erwachen der Kräfte'''<br>
अथास्मिन् प्राण एवैकधा भवन्ति ।<br>
तद् एनं वाक् सर्वैर् नामभिः सहाप्येति ।<br>
चक्षुः सर्वैः रूपैः सहाप्येति ।<br>
श्रोत्रं सर्वैः शब्दैः सहाप्येति ।<br>
मनः सर्वैर् ध्यानैः सहाप्येति ।<br>
स यदा प्रतिबुध्यते यथाग्नेर् ज्वलतः सर्वा दिशो विस्फुलिङ्गा विप्रतिष्ठेरन्न् एवम् एवैतस्माद् आत्मनः प्राणा यथायतनं विप्रतिष्ठन्ते ।<br>
प्राणेभ्यो देवाः ।<br>
देवेभ्यो लोकाः ।<br>
'''४.२०b – Das Selbst im Körper'''<br>
स एष प्राण एव प्रज्ञात्मेदं शरीरम् आत्मानम् अनुप्रविष्ट आ लोमभ्य आ नखेभ्यस् ।<br>
तद् यथा क्षुरः क्षुरधाने ऽवोपहितो विश्वम्भरो वा विश्वम्भरकुलाय एवम् एवैष प्रज्ञात्मेदं शरीरम् आत्मानम् अनुप्रविष्ट आ लोमभ्य आ नखेभ्यः ।<br>
तम् एतम् आत्मानम् एत आत्मानो ऽन्ववस्यन्ते यथा श्रेष्ठिनं स्वाः ।<br>
तद् यथा श्रेष्ठी स्वैर् भुङ्क्ते यथा वा स्वाः श्रेष्ठिनं भुञ्जन्त्य् एवम् एवैष प्रज्ञात्मैतैर् आत्मभिर् भुङ्क्त एवम् एवैत आत्मान एतम् आत्मानं भुञ्जन्ति ।<br>
'''४.२०c – Erkenntnis und Selbstherrschaft'''<br>
स यावद् ध वा इन्द्र एतम् आत्मानं न विजज्ञे तावद् एनम् असुरा अभिबभूवुः ।<br>
स यदा विजज्ञे ऽथ हत्वासुरान् विजित्य सर्वेषां देवानां श्रैष्ठ्यं स्वाराज्यम् आधिपत्यं पर्यैत् ।<br>
तथो एवैवं विद्वान् सर्वान् पाप्मनो ऽपहत्य सर्वेषां च भूतानां श्रैष्ठ्यं स्वराज्यम् आधिपत्यं पर्येति य एवं वेद य एवं वेद ॥२०॥<br>
'''Abschluss des vierten Adhyaya'''<br>
इति कौषीतकिब्राह्मणोपनिषदि चतुर्थोऽध्यायः ॥<br>
'''Schluss – Shanti-Mantra'''<br>
ॐ वाङ्मे मनसि प्रतिष्ठिता ।<br>
मनो मे वाचि प्रतिष्ठितम् ।<br>
आविरावीर्म एधि ।<br>
वेदस्य म आणीस्थः ।<br>
श्रुतं मे मा प्रहासीः ।<br>
अनेनाधीतेनाहोरात्रान्सन्दधामि ।<br>
ऋतं वदिष्यामि ।<br>
सत्यं वदिष्यामि ।<br>
तन्मामवतु ।<br>
तद्वक्तारमवतु ।<br>
अवतु मामवतु वक्तारमवतु वक्तारम् ॥<br>
'''Schluss – Friedensruf'''<br>
ॐ शान्तिः शान्तिः शान्तिः ॥<br>
== Vollständiger Text in IAST ==
'''Shanti-Mantra'''<br>
oṃ vāṅme manasi pratiṣṭhitā |<br>
mano me vāci pratiṣṭhitam |<br>
āvirāvīrma edhi |<br>
vedasya ma āṇīsthaḥ |<br>
śrutaṃ me mā prahāsīḥ |<br>
anenādhītenāhorātrānsandadhāmi |<br>
ṛtaṃ vadiṣyāmi |<br>
satyaṃ vadiṣyāmi |<br>
tanmāmavatu |<br>
tadvaktāramavatu |<br>
avatu māmavatu vaktāramavatu vaktāram ||<br>
'''Friedensruf'''<br>
oṃ śāntiḥ śāntiḥ śāntiḥ ||<br>
'''1.1'''<br>
citro ha vai gārgyāyaṇir yakṣyamāṇa āruṇiṃ vavre |<br>
sa ha putraṃ śvetaketuṃ prajighāya yājayeti |<br>
taṃ hāsīnaṃ papraccha |<br>
gautamasya putrāsti saṃvṛtaṃ loke yasmin mā dhāsyasy anyatamo vādhvā tasya |<br>
māloke dhāsyasīti |<br>
sa hovāca nāham etad veda |<br>
hantācāryaṃ pṛcchānīti |<br>
sa ha pitaram āsādya papracchetīti māprākṣīt kathaṃ pratibravāṇīti |<br>
sa hovācāham apy etan na veda |<br>
sadasy eva vayaṃ svādhyāyam adhītya harāmahe yan naḥ pare dadati |<br>
ehy ubhau gamiṣyāva iti |<br>
sa ha samitpāṇiś citraṃ gārgyāyaṇiṃ praticakrama |<br>
upāyānīti taṃ hovāca |<br>
brahmārgho 'si gautama yo na mānam upāgāḥ |<br>
ehi vy eva tvā jñapayiṣyāmīti ||1||<br>
'''1.2a – Der Mond als Tor'''<br>
sa hovāca ye vai ke cāsmāl lokāt prayanti candramasam eva te sarve gacchanti |<br>
teṣāṃ prāṇaiḥ pūrvapakṣa āpyāyate |<br>
tān aparapakṣeṇa prajanayati |<br>
etad vai svargasya lokasya dvāraṃ yac candramāḥ |<br>
taṃ yaḥ pratyāha tam atisṛjate |<br>
atha ya enam na pratyāha tam iha vṛṣṭir bhūtvā varṣati |<br>
sa iha kīṭo vā pataṅgo vā matsyo vā śakunir vā siṃho vā varāho vā parasvān vā śārdūlo vā puruṣo vānyo vā teṣu teṣu sthāneṣu pratyājāyate yathākarma yathāvidyam |<br>
tam āgataṃ pṛcchati ko'sīti |<br>
taṃ pratibrūyād |<br>
'''1.2b – Antwort des Ankommenden'''<br>
vicakṣaṇād ṛtavo reta ābhṛtam<br>
pañcadaśāt prasūtāt pitryāvatas |<br>
tan mā puṃsi kartary erayadhvaṃ<br>
puṃsā kartrā mātari māsiṣikta ||<br>
sa upajāya upajāyamāno<br>
dvādaśena trayodaśopamāsaḥ |<br>
dvādaśatrayodaśena pitrā<br>
saṃ tad vide 'haṃ prati tad vide 'haṃ<br>
tan ma ṛtavo 'mṛtyava ābharadhvam ||<br>
tena satyena tena tapasā ṛtur<br>
asmy ārtavo 'smi ko 'smi tvam asmi |<br>
'''1.2c – Durchgang'''<br>
iti tam atisṛjate ||2||<br>
'''1.3'''<br>
sa etaṃ devayānaṃ panthānam āpadyāgnilokam āgacchati |<br>
sa vāyulokam |<br>
sa ādityalokam |<br>
sa varuṇalokam |<br>
sa indralokam |<br>
sa prajāpatilokam |<br>
sa brahmalokam |<br>
tasya ha vā etasya lokasyāro hradaḥ |<br>
muhūrtā yaṣṭihāḥ |<br>
vijarā nadī |<br>
ilyo vṛkṣaḥ |<br>
sālajyaṃ saṃsthānam |<br>
aparājitam āyatanam |<br>
indraprajāpatī dvāragopau |<br>
vibhu pramitam |<br>
vicakṣaṇāsandī |<br>
amitaujāḥ paryaṅkaḥ |<br>
priyā ca mānasī |<br>
pratirūpā ca cākṣuṣī |<br>
puṣpāṇy ādāyāvayato vai ca jagāni |<br>
ambāścāmbāyavīścāpsarasaḥ |<br>
āmbayā nadyaḥ ||3||<br>
'''1.4'''<br>
sa āgacchaty āraṃ hradam |<br>
taṃ manasātyeti |<br>
tam ṛtvāsamprativido majjanti |<br>
sa āgacchati muhūrtān yaṣṭihān |<br>
te'smād apadravanti |<br>
sa āgacchati vijarāṃ nadīm |<br>
tāṃ manasaivātyeti |<br>
tat sukṛtaduṣkṛte dhunute |<br>
tasya priyā jñātayaḥ sukṛtam upayanti |<br>
apriyā duṣkṛtam |<br>
tad yathā rathena dhāvayan rathacakre paryavekṣetaivam ahorātre paryavekṣata evaṃ sukṛtaduṣkṛte sarvāṇi ca dvandvāni |<br>
sa eṣa visukṛto viduṣkṛto brahma vidvān brahmaivābhipraiti |<br>
tam itthaṃvid āgacchati |<br>
taṃ brahmāha abhidhāvata mama yaśasā |<br>
vijarāṃ vā ayaṃ nadīṃ prāpat |<br>
na vā ayaṃ jarayiṣyatīti |<br>
taṃ pañcaśatāny apsarasāṃ pratiyanti śataṃ mālyahastāḥ śatam āñjanahastāḥ śataṃ cūrṇahastāḥ śataṃ vāsohastāḥ śataṃ phalahastāḥ |<br>
taṃ brahmālaṅkāreṇālaṅkurvanti |<br>
sa brahmālaṅkāreṇālaṅkṛto vidvān brahmābhipraiti ||4||<br>
'''1.5'''<br>
sa āgacchatīlyaṃ vṛkṣam |<br>
taṃ brahmagandhaḥ praviśati |<br>
sa āgacchati sālajyaṃ saṃsthānam |<br>
taṃ brahmarasaḥ praviśati |<br>
sa āgacchaty aparājitam āyatanam |<br>
taṃ brahmatejaḥ praviśati |<br>
sa āgacchatīndraprajāpatī dvāragopau |<br>
tāv asmād apadravataḥ |<br>
sa āgacchati vibhu pramitam |<br>
taṃ brahmayaśaḥ praviśati |<br>
sā āgacchati vicakṣaṇām āsandīm |<br>
bṛhadrathantare sāmanī pūrvau pādau |<br>
śyaitanaudhase cāparau pādau |<br>
vairūpavairāje anūcye |<br>
śākvararaivate tiraścī |<br>
sā prajñā |<br>
prajñayā hi vipaśyati |<br>
sa āgacchaty amitaujasaṃ paryaṅkam |<br>
sa prāṇaḥ |<br>
tasya bhūtañ ca bhaviṣyac ca pūrvau pādau |<br>
śrīś cerā cāparau |<br>
bṛhadrathantare anūcye | bhadrayajñāyajñīye śīrṣaṇye |<br>
ṛcaś ca sāmāni ca prācīnātānāni |<br>
yajūṃṣi tiraścīnāni |<br>
somāṃśava upastaraṇam |<br>
udgītho 'paśrayaḥ |<br>
śrīr upabarhaṇam |<br>
tasmin brahmāste |<br>
tam itthaṃvit pādenaivāgra ārohati |<br>
taṃ brahmāha ko 'sīti |<br>
taṃ pratibrūyāt ||5||<br>
'''1.6'''<br>
ṛtur asmi |<br>
ārtavo 'smi |<br>
ākāśād yoneḥ sambhūto bhāyai retaḥ |<br>
saṃvatsarasya tejo bhūtasya bhūtasyātmā |<br>
bhūtasya bhūtasya tvam ātmāsi |<br>
yas tvam asi so 'ham asmīti |<br>
tam āha ko 'ham asmīti |<br>
satyam iti brūyāt |<br>
kiṃ tad yat satyam iti |<br>
yad anyad devebhyaś ca prāṇebhyaś ca tat sat |<br>
atha yad devāś ca prāṇāś ca tat tyaṃ |<br>
tad ekayā vācābhivyāhriyate sattyam iti |<br>
etāvad idaṃ sarvam |<br>
idaṃ sarvam asi |<br>
ity evainaṃ tad āha |<br>
tad etad ṛkślokenābhyuktam ||6||<br>
'''1.7a – Die Gestalt aus Veda'''<br>
yajūdaraḥ sāmaśirā asāv ṛṅmūrtir avyayaḥ |<br>
sa brahmeti sa vijñeya ṛṣir brahmamayo mahān || iti<br>
'''1.7b – Sinne und Erkenntnis'''<br>
tam āha |<br>
kena me pauṃsnāni nāmāny āpnoṣīti |<br>
prāṇeneti brūyāt |<br>
kena napuṃsakānīti |<br>
manaseti |<br>
kena strīnāmānīti |<br>
vāceti |<br>
kena gandhān iti |<br>
ghrāṇeneti |<br>
kena rūpāṇīti |<br>
cakṣuṣeti |<br>
kena śabdān iti |<br>
śrotreṇeti |<br>
kenānnarasān iti |<br>
jihvayeti |<br>
kena karmāṇīti |<br>
hastābhyām iti |<br>
kena sukhaduḥkhe iti |<br>
śarīreṇeti |<br>
kenānandaṃ ratiṃ prajātim ity |<br>
upastheneti |<br>
kenetyā iti |<br>
pādābhyām iti |<br>
kena dhiyo vijñātavyaṃ kāmān iti |<br>
prajñayaiveti brūyāt |<br>
tam āha āpo vai khalu me lokam |<br>
ayaṃ te 'sāv iti |<br>
sā yā brahmaṇo jitir yā vyaṣṭis tāṃ jitiṃ jayati tāṃ vyaṣṭiṃ vyaśnute ya evaṃ veda ya evaṃ veda ||7||<br>
'''Abschluss des ersten Adhyaya'''<br>
iti ṛgvedāntargatakauṣītakibrāhmaṇāraṇyakopaniṣadi prathamo'dhyāyaḥ ||<br>
'''2.1'''<br>
prāṇo brahmeti ha smāha kauṣītakiḥ |<br>
tasya ha vā etasya prāṇasya brahmaṇo mano dūtam |<br>
cakṣur goptṛ |<br>
śrotraṃ saṃśrāvayitṛ |<br>
vāk pariveṣṭrī sa yo ha vā etasya prāṇasya brahmaṇo mano dūtam veda dūtavān bhavati |<br>
yaś cakṣur goptṛ goptṛmān bhavati |<br>
yaḥ śrotraṃ saṃśrāvayitṛ saṃśrāvayitṛmān bhavati |<br>
yo vācaṃ pariveṣṭrīm pariveṣṭrīmān bhavati tasmai vā etasmai prāṇāya brahmaṇa etāḥ sarvā devatā ayācamānāya baliṃ haranti |<br>
evaṃ haivāsmai sarvāṇi bhūtāny ayācamānāyaiva baliṃ haranti ya evaṃ veda |<br>
tasyopaniṣan na yāced iti |<br>
tad yathā grāmaṃ bhikṣitvā 'labdhvopaviśen nāham ato dattam aśnīyām iti |<br>
ya evainaṃ purastāt pratyācakṣīraṃsta evainam upamantrayante dadāma ta iti |<br>
eṣa dharmo 'yācato bhavati |<br>
annadās tv evainam upamantrayante dadāma ta iti ||1||<br>
'''2.2'''<br>
prāṇo brahmeti ha smāha paiṅgyaḥ |<br>
tasya vā etasya brahmaṇo vākparastāc cakṣur ārunddhe |<br>
cakṣuḥparastāc chrotram ārunddhe |<br>
śrotraparastān mana ārunddhe |<br>
manaḥparastāt prāṇa ārunddhe |<br>
tasmai vā etasmai prāṇāya brahmaṇa etāḥ sarvā devatā ayācamānāyaiva baliṃ haranti |<br>
evaṃ haivāsmai sarvāṇi bhūtāny ayācamānāyaiva baliṃ haranti ya evaṃ veda |<br>
tasyopaniṣan na yāced iti |<br>
tad yathā grāmaṃ bhikṣitvā 'labdhvopaviśen nāham ato dattam aśnīyām iti |<br>
ya evainaṃ purastāt pratyācakṣīraṃsta evainam upamantrayante dadāma ta iti |<br>
eṣa dharmo 'yācato bhavati |<br>
annadās tv evainam upamantrayante dadāma ta iti ||2||<br>
'''2.3a – Erlangen eines bestimmten Gutes'''<br>
athāta ekadhanāvarodhanam |<br>
yad ekadhanam abhidhyāyāt paurṇamāsyāṃ vāmāvāsyāṃ vā śuddhapakṣe vā puṇye nakṣatre 'gnim upasamādhāya parisamūhya paristīrya paryukṣya utpūya dakṣiṇaṃ jānv ācya sruveṇa vā camasena vā kaṃsena vaitā ājyāhutīr juhoti |<br>
'''2.3b – Die sechs Opferformeln'''<br>
vāṅ nāma devatāvarodhanī sā me 'muṣmād idam avarundhyāt tasyai svāhā |<br>
prāṇo nāma devatāvarodhanī sā me 'muṣmād idam avarundhyāt tasyai svāhā |<br>
cakṣur nāma devatāvarodhanī sā me 'muṣmād idam avarundhyāt tasyai svāhā |<br>
śrotraṃ nāma devatāvarodhanī sā me 'muṣmād idam avarundhyāt tasyai svāhā |<br>
mano nāma devatāvarodhanī sā me 'muṣmād idam avarundhyāt tasyai svāhā |<br>
prajñā nāma devatāvarodhanī sā me 'muṣmād idam avarundhyāt tasyai svāhā |<br>
'''2.3c – Abschluss der Handlung'''<br>
ity atha dhūmagandhaṃ prajighrāyājyalepenāṅgāny anuvimṛjya vācaṃyamo 'bhipravrajyārthaṃ brūyād dūtaṃ vā prahiṇuyāt |<br>
labhate haiva ||3||<br>
'''2.4'''<br>
athāto daivaḥ smaraḥ |<br>
yasya priyo bubhūṣed yasyai vā yeṣāṃ vā yāsāṃ vaiteṣām evaikasmin parvaṇy agnim upasamādhāyaitayaivāvṛtaitā ājyāhutīr juhoti |<br>
vācam te mayi juhomy asau svāhā |<br>
prāṇaṃ te mayi juhomy asau svāhā |<br>
cakṣus te mayi juhomy asau svāhā |<br>
śrotraṃ te mayi juhomy asau svāhā |<br>
manas te mayi juhomy asau svāhā |<br>
prajñāṃ te mayi juhomy asau svāhā |<br>
ityatha dhūmagandhaṃ prajighrāyājyalepenāṅgāny anuvimṛjya vācaṃyamo 'bhipravrajya saṃsparśaṃ jigamiṣet |<br>
api vātād vā tiṣṭhet sambhāṣamāṇaḥ |<br>
priyo haiva bhavati smaranti haivāsya ||4||<br>
'''2.5'''<br>
athātaḥ saṃyamanaṃ prātardanam āntaram agnihotram iti cācakṣate |<br>
yāvad vai puruṣo bhāṣate na tāvat prāṇituṃ śaknoti |<br>
prāṇaṃ tadā vāci juhoti |<br>
yāvad vai puruṣaḥ prāṇiti na tāvad bhāṣituṃ śaknoti |<br>
vācaṃ tadā prāṇe juhoti |<br>
ete anante amṛte āhutī jāgrac ca svapaṃś ca santataṃ avyavacchinnaṃ juhoti |<br>
atha yā anyā āhutayo 'ntavatyas tāḥ karmamayyo hi bhavanti |<br>
etad dha vai pūrve vidvāṃso 'gnihotraṃ na juhavāñ cakruḥ ||5||<br>
'''2.6'''<br>
ukthaṃ brahmeti ha smāha śuṣkabhṛṅgāraḥ |<br>
tad ṛg ity upāsīta |<br>
sarvāṇi hāsmai bhūtāni śraiṣṭhyāyābhyarcante |<br>
tad yajur ity upāsīta |<br>
sarvāṇi hāsmai bhūtāni śraiṣṭhyāya yujyante |<br>
tat sāmety upāsīta |<br>
sarvāṇi hāsmai bhūtāni śraiṣṭhyāya sannamante |<br>
tac chrīr ity upāsīta |<br>
tad yaśa ity upāsīta |<br>
tat teja ity upāsīta |<br>
tad yathaitac chastrāṇāṃ śrīmattamaṃ yaśasvitamaṃ tejasvitamaṃ bhavati tatho evaivaṃ vidvān sarveṣāṃ bhūtānāṃ śrīmattamo yaśasvitamas tejasvitamo bhavati |<br>
tad etad aiṣṭikaṃ karmamayam ātmānam adhvaryuḥ saṃskaroti |<br>
tasmin yajurmayaṃ pravayati |<br>
yajurmaya ṛṅmayaṃ hotā |<br>
ṛṅmaye sāmamayam udgātā |<br>
sa eṣa trayyai vidyāyā ātmā |<br>
eṣa u evaitad indrasyātmā bhavati ya evaṃ veda ||6||<br>
'''2.7'''<br>
athātaḥ sarvajitaḥ kauṣītakes trīṇy upāsanāni bhavanti |<br>
sarvajid dha sma kauṣītakir udyantam ādityam upatiṣṭhate yajñopavītaṃ kṛtvodakam ānīya triḥ prasicyodapātraṃ |<br>
vargo 'si pāpmānaṃ me vṛṅdhīti |<br>
etayaivāvṛtā madhye santam udvargo 'si pāpmānaṃ ma udvṛṅdhīti |<br>
etayaivāvṛtāstaṃ yantaṃ saṃvargo 'si pāpmānaṃ me saṃvṛṅdhīti |<br>
tad yad ahorātrābhyāṃ pāpam akarot saṃ sma tad vṛṅkte |<br>
tatho evaivaṃ vidvān etayaivāvṛtādityam upatiṣṭheta |<br>
yad ahorātrābhyāṃ pāpaṃ karoti saṃ tad vṛṅkte ||7||<br>
'''2.8a – Verehrung bei Neumond'''<br>
atha māsi māsy amāvāsyāyāṃ paścāc candramasaṃ dṛśyamānam upatiṣṭhetaitayaivāvṛtā haritatṛṇe vā pratyasyati |<br>
'''2.8a – Die Bitte für die Kinder'''<br>
yan me susamid hṛdayam adhi candramasi śritaṃ |<br>
manye 'haṃ māṃ tad vidvāṃsaṃ māhaṃ putryam aghaṃ rudam ||<br>
'''2.8a – Verheißung'''<br>
iti na hy asmāt pūrvā prajāḥ praitīti ||8a||<br>
'''2.8b – Die Gattin'''<br>
atha saṃvekṣyañ jāyāyai hṛdayam abhimṛśet |<br>
'''2.8b – Bitte für die Mutter'''<br>
yat te suśīme hṛdayaṃ śritam antaḥ prajāpatau |<br>
tenāmṛtatvasyeśāne mā tvaṃ putryam aghaṃ nigāḥ ||<br>
'''2.8b – Verheißung'''<br>
iti na hy asyāḥ pūrvā prajāḥ praitīti ||8b||<br>
'''2.8c_(8)'''<br>
iti nu jātaputrasya ||<br>
athājātaputrasya |<br>
ā pyāyasva sam etu te |<br>
saṃ te payāṃsi sam u yantu vājāḥ |<br>
yam ādityā aṃśum āpyāyayanti |<br>
iti |<br>
etās tisra ṛco japitvā māsmākaṃ prāṇena prajayā paśubhir āpyāyiṣṭhāḥ |<br>
yo 'smān dveṣṭi yaṃ ca vayaṃ dviṣmas tasya prāṇena prajayā paśubhir āpyāyasveti |<br>
aindrīm āvṛtam āvarte |<br>
ādityasyāvṛtam anvāvarte |<br>
iti dakṣiṇaṃ bāhum anvāvartate ||8c||<br>
'''2.9'''<br>
atha paurṇamāsyāṃ purastāc candramasaṃ dṛśyamānam upatiṣṭhetaitayaivāvṛtā |<br>
somo rājāsi vicakṣaṇaḥ |<br>
pañcamukho 'si prajāpatiḥ |<br>
brāhmaṇas ta ekaṃ mukhaṃ tena mukhena rājño 'tsi |<br>
tena mukhena mām annādaṃ kuru |<br>
rājā ta ekaṃ mukhaṃ tena mukhena viśo 'tsi |<br>
tena mukhena mām annādaṃ kuru |<br>
śyenas ta ekaṃ mukhaṃ tena mukhena pakṣiṇo 'tsi |<br>
tena mukhena mām annādaṃ kuru |<br>
agniṣ ṭa ekaṃ mukhaṃ tena mukhenemaṃ lokam atsi |<br>
tena mukhena mām annādaṃ kuru |<br>
tvayi pañcamaṃ mukhaṃ tena mukhena sarvāṇi bhūtāny atsi |<br>
tena mukhena mām annādaṃ kuru |<br>
māsmākaṃ prāṇena prajayā paśubhir apakṣeṣṭhāḥ |<br>
yo 'smān dveṣṭi yaṃ ca vayaṃ dviṣmas tasya prāṇena prajayā paśubhir apakṣīyasva |<br>
iti daivīm āvṛtam āvarte |<br>
ādityasyāvṛtam anvāvarte |<br>
iti dakṣiṇaṃ bāhum anvāvartate ||9||<br>
'''2.10a – Heimkehr zum Sohn'''<br>
atha proṣyāyan putrasya mūrdhānam abhijighret |<br>
'''2.10b – Segen des Lebens'''<br>
aṅgād aṅgāt sambhavasi hṛdayād adhijāyase |<br>
ātmā tvaṃ putra māvitha sa jīva śaradaḥ śatam ||<br>
'''2.10c – Nennung des Namens'''<br>
asau |<br>
iti nāmāsya gṛhṇāti |<br>
'''2.10d – Segen der Festigkeit'''<br>
aśmā bhava paraśur bhava hiraṇyam astṛtaṃ bhava |<br>
tejo vai putra nāmāsi sa jīva śaradaḥ śatam ||<br>
'''2.10e – Umarmung'''<br>
asau |<br>
iti nāmāsya gṛhṇāti |<br>
athainaṃ parigṛhṇāti |<br>
'''2.10f – Schutzsegen'''<br>
yena prajāpatiḥ prajāḥ paryagṛhṇāt tadariṣṭyai |<br>
tena tvā parigṛhṇāmi ||<br>
'''2.10g – Die Anrufungen Indras'''<br>
asau |<br>
iti nāmāsya gṛhṇāti |<br>
athāsya dakṣiṇe karṇe japati |<br>
asmai prayandhi maghavann ṛjīṣin |<br>
iti |<br>
indra śreṣṭhāni draviṇāni dhehi |<br>
iti savye |<br>
'''2.10h – Abschließender Lebenssegen'''<br>
mā chitthā mā vyathiṣṭhāḥ śataṃ śarada āyuṣaḥ |<br>
jīvasva putra te nāmnā mūrdhānam abhijighrāmi ||<br>
'''2.10i – Der Ruf der Kühe'''<br>
asau |<br>
iti trir mūrdhānam abhijighret |<br>
gavām tvā hiṅkāreṇābhihiṅkaromīti trir mūrdhānam abhihiṅkuryāt ||10||<br>
'''2.11'''<br>
athāto daivaḥ parimaraḥ |<br>
etad vai brahma dīpyate yad agnir jvalaty athaitan mriyate yan na jvalati |<br>
tasyādityam eva tejo gacchati vāyuṃ prāṇaḥ |<br>
etad vai brahma dīpyate yad ādityo dṛśyate 'thaitan mriyate yan na dṛśyate |<br>
tasya candramasam eva tejo gacchati vāyuṃ prāṇaḥ |<br>
etad vai brahma dīpyate yac candramā dṛśyate 'thaitan mriyate yan na dṛśyate |<br>
tasya vidyutam eva tejo gacchati vāyuṃ prāṇaḥ |<br>
etad vai brahma dīpyate yad vidyud vidyotate 'thaitan mriyate yan na vidyotate |<br>
tasya vāyum eva tejo gacchati vāyuṃ prāṇaḥ |<br>
tā vā etāḥ sarvā devatā vāyum eva praviśya vāyau mṛtvā na mūrchante |<br>
tasmād eva punar udīrate |<br>
ity adhidaivatam ||<br>
athādhyātmam ||11||<br>
'''2.12'''<br>
etad vai brahma dīpyate yad vācā vadaty athaitan mriyate yan na vadati |<br>
tasya cakṣur eva tejo gacchati prāṇaṃ prāṇaḥ |<br>
etad vai brahma dīpyate yac cakṣuṣā paśyaty athaitan mriyate yan na paśyati |<br>
tasya śrotram eva tejo gacchati prāṇaṃ prāṇaḥ |<br>
etad vai brahma dīpyate yac chrotreṇa śṛṇoty athaitan mriyate yan na śṛṇoti |<br>
tasya mana eva tejo gacchati prāṇaṃ prāṇaḥ |<br>
etad vai brahma dīpyate yan manasā dhyāyaty athaitan mriyate yan na dhyāyati |<br>
tasya prāṇam eva tejo gacchati prāṇaṃ prāṇaḥ |<br>
tā vā etāḥ sarvā devatāḥ prāṇam eva praviśya prāṇe mṛtvā na mūrchante |<br>
tasmād eva punar udīrate |<br>
tad yadi ha vā evaṃ vidvāṃsam ubhau parvatāv abhipravarteyātāṃ dakṣiṇaś cottaraś ca tustūrṣamānau na hainaṃ stṛṇvīyātām |<br>
atha ya enaṃ dviṣanti yāṃś ca svayaṃ dveṣṭi ta evainaṃ parimriyante ||12||<br>
'''2.13'''<br>
athāto niḥśreyasādānam |<br>
etā ha vai devatā ahaṃśreyase vivadamānā asmāc charīrād uccakramuḥ |<br>
tad dhāprāṇat śuṣkaṃ dārubhūtaṃ śiṣye |<br>
athainad vāk praviveśa |<br>
tad vācā vadac chiṣya eva |<br>
athainac cakṣuḥ praviveśa |<br>
tad vācā vadac cakṣuṣā paśyac chiṣya eva |<br>
athainac chrotraṃ praviveśa |<br>
tad vācā vadac cakṣuṣā paśyac chrotreṇa śṛṇvac chiṣya eva |<br>
athainan manaḥ praviveśa |<br>
tad vācā vadac cakṣuṣā paśyac chrotreṇa śṛṇvan manasā dhyāyac chiṣya eva |<br>
athainat prāṇaḥ praviveśa |<br>
tat tata eva samuttasthau |<br>
tā vā etāḥ sarvā devatāḥ prāṇe niḥśreyasaṃ viditvā prāṇam eva prajñātmānam abhisambhūya sahaivaite sarve 'smāc charīrād uccakramuḥ |<br>
te vāyupraviṣṭā ākāśātmānaḥ svar īyuḥ |<br>
tatho evaivaṃ vidvān prāṇe niḥśreyasaṃ viditvā sarveṣāṃ bhūtānāṃ prāṇam eva prajñātmānam abhisambhūya sahaivaitaiḥ sarvair asmāc charīrād utkrāmati |<br>
sa vāyupraviṣṭa ākāśātmā svar eti |<br>
sa tad gacchati yatraite devāḥ |<br>
tat prāpya yad amṛtā devās tad amṛto bhavati ya evaṃ veda ||13||<br>
'''2.14a – Das Vermächtnis'''<br>
athātaḥ pitāputrīyaṃ sampradānam iti cācakṣate |<br>
pitā putraṃ preṣyann āhvayati navais tṛṇair agāraṃ saṃstīryāgnim upasamādhāyodakumbhaṃ sapātram upanidhāyāhatena vāsasā sampracchannaḥ pitā śete |<br>
etya putra upariṣṭād abhinipadyata indriyair indriyāṇi saṃspṛśya |<br>
api vāsmā āsīnāyābhimukhāyaiva sampradadyāt | athāsmai samprayacchati |<br>
'''2.14b – Die Übertragung der Kräfte'''<br>
vācaṃ me tvayi dadhānīti pitā |<br>
vācaṃ te mayi dadha iti putraḥ |<br>
prāṇaṃ me tvayi dadhānīti pitā |<br>
prāṇaṃ te mayi dadha iti putraḥ |<br>
cakṣur me tvayi dadhānīti pitā |<br>
cakṣus te mayi dadha iti putraḥ |<br>
śrotraṃ me tvayi dadhānīti pitā |<br>
śrotraṃ te mayi dadha iti putraḥ |<br>
annarasān me tvayi dadhānīti pitā |<br>
annarasāṃs te mayi dadha iti putraḥ |<br>
karmāṇi me tvayi dadhānīti pitā |<br>
karmāṇi te mayi dadha iti putraḥ |<br>
sukhaduḥkhe me tvayi dadhānīti pitā |<br>
sukhaduḥkhe te mayi dadha iti putraḥ |<br>
ānandaṃ ratiṃ prajātiṃ me tvayi dadhānīti pitā |<br>
ānandaṃ ratiṃ prajātiṃ te mayi dadha iti putraḥ |<br>
ityā me tvayi dadhānīti pitā |<br>
ityās te mayi dadha iti putraḥ |<br>
mano me tvayi dadhānīti pitā |<br>
manas te mayi dadha iti putraḥ |<br>
prajñāṃ me tvayi dadhānīti pitā |<br>
prajñāṃ te mayi dadha iti putraḥ |<br>
'''2.14c – Die zusammengefasste Formel'''<br>
yady u vā upābhigadaḥ syāt samāsenaiva brūyāt prāṇān me tvayi dadhānīti pitā |<br>
prāṇāṃs te mayi dadha iti putraḥ |<br>
'''2.14d – Abschied und weiterer Lebensweg'''<br>
atha dakṣiṇāvṛt prāṅ upaniṣkrāmati |<br>
taṃ pitānumantrayate yaśo brahmavarcasaṃ kīrtis tvā juṣatām iti |<br>
athetaraḥ savyam anv aṃsam abhyavekṣate pāṇināntardhāya vasanāntena vā pracchādya svargān lokān kāmān āpnuhīti |<br>
sa yady agadaḥ syāt putrasyaiśvarye pitā vaset pari vā vrajet |<br>
yady u vai preyāt tathaivainaṃ samāpayeyur yathā samāpayitavyo bhavati yathā samāpayitavyo bhavati ||14||<br>
'''Abschluss des zweiten Adhyaya'''<br>
iti kauṣītakibrāhmaṇopaniṣadi dvitīyo'dhyāyaḥ ||<br>
'''3.1'''<br>
pratardano ha vai daivodāsir indrasya priyaṃ dhāmopajagāma yuddhena ca pauruṣeṇa ca |<br>
taṃ hendra uvāca pratardana varaṃ vṛṇīṣveti |<br>
sa hovāca pratardanas tvam eva me vṛṇīṣva yaṃ tvaṃ manuṣyāya hitatamaṃ manyasa iti |<br>
taṃ hendra uvāca na vai varaṃ paro parasmai vṛṇīte |<br>
tvam eva vṛṇīṣveti |<br>
avaro vai kila ma iti hovāca pratardanaḥ |<br>
atho khalv indraḥ satyād eva neyāya |<br>
satyaṃ hīndraḥ |<br>
taṃ hendra uvāca mām eva vijānīhi |<br>
etad evāhaṃ manuṣyāya hitatamaṃ manye yan māṃ vijānīyāt |<br>
triśīrṣāṇaṃ tvāṣṭram ahanam |<br>
arurmaghān ahanam |<br>
yatīn sālāvṛkebhyaḥ prāyaccham |<br>
bahvīḥ sandhā atikramya divi prahlādīyān atṛṇaham antarikṣe paulomān pṛthivyāṃ kālakāñjān |<br>
tasya me tatra na loma canāmīyata |<br>
sa yo māṃ veda na ha vai tasya kena cana karmaṇā loma mīyate na steyena na bhrūṇahatyayā na mātṛvadhena na pitṛvadhena |<br>
nāsya pāpaṃ cakruṣo mukhān nīlaṃ vyetīti ||1||<br>
'''3.2'''<br>
sa hovāca prāṇo 'smi prajñātmā |<br>
taṃ mām āyur amṛtam ity upāssva |<br>
āyuḥ prāṇaḥ |<br>
prāṇo vā āyuḥ |<br>
yāvad dhy asmiñ charīre prāṇo vasati tāvad āyuḥ |<br>
prāṇena hy evāsmiṃl loke 'mṛtatvam āpnoti |<br>
prajñayā satyaṃ saṅkalpam |<br>
sa yo mām āyur amṛtam ity upāste sarvam āyur asmiṃl loka eti |<br>
āpnoty amṛtatvam akṣitiṃ svarge loke |<br>
tad dhaika āhur ekabhūyaṃ vai prāṇā gacchantīti |<br>
na hi kaścana śaknuyāt sakṛd vācā nāma prajñāpayituṃ cakṣuṣā rūpaṃ śrotreṇa śabdaṃ manasā dhyānam |<br>
ekabhūyaṃ vai prāṇā bhūtvaikaikam etāni sarvāṇi prajñāpayantīti |<br>
vācaṃ vadantīṃ sarve prāṇā anuvadanti |<br>
cakṣuḥ paśyat sarve prāṇā anupaśyanti |śrotraṃ śṛṇvat sarve prāṇā anuśṛṇvanti |<br>
mano dhyāyat sarve prāṇā anudhyāyanti |<br>
prāṇaṃ prāṇantaṃ sarve prāṇā anuprāṇanti |<br>
evam u haitad iti hendra uvāca |<br>
asti tv eva prāṇānāṃ niḥśreyasam iti ||2||<br>
'''3.3a – Das Tragende im Leben'''<br>
jīvati vāgapetaḥ |<br>
mūkān hi paśyāmaḥ |<br>
jīvati cakṣurapetaḥ |<br>
andhān hi paśyāmaḥ |<br>
jīvati śrotrāpetaḥ |<br>
badhirān hi paśyāmaḥ |<br>
jīvati mano'petaḥ |<br>
bālān hi paśyāmaḥ |<br>
jīvati bāhuchinnaḥ |<br>
jīvaty ūrucchinna iti |<br>
evaṃ hi paśyāma iti |<br>
atha khalu prāṇa eva prajñātmā idaṃ śarīraṃ parigṛhyotthāpayati |<br>
tasmād etad evoktham upāsīteti |<br>
saiṣā prāṇe sarvāptir yo vai prāṇaḥ sā prajñā |<br>
yā vai prajñā sa prāṇaḥ |<br>
'''3.3b – Tiefschlaf und Erwachen'''<br>
tasyaiṣaiva dṛṣṭir etad vijñānam |<br>
yatraitat puruṣaḥ suptaḥ svapnaṃ na kañcana paśyaty athāsmin prāṇa evaikadhā bhavanti |<br>
tad enaṃ vāk sarvair nāmabhiḥ sahāpyeti |<br>
cakṣuḥ sarvaiḥ rūpaiḥ sahāpyeti |<br>
śrotraṃ sarvaiḥ śabdaiḥ sahāpyeti |<br>
manaḥ sarvair dhyānaiḥ sahāpyeti |<br>
sa yadā pratibudhyate yathāgner jvalataḥ sarvā diśo viṣphuliṅgā vipratiṣṭherann evam evaitasmād ātmanaḥ prāṇā yathāyatanaṃ vipratiṣṭhante |<br>
prāṇebhyo devāḥ |<br>
devebhyo lokāḥ |<br>
sa eṣa prāṇa eva prajñātmedaṃ śarīraṃ parigṛhyotthāpayati |<br>
tasmād etad evoktham upāsīteti |<br>
saiṣā prāṇe sarvāptiḥ |<br>
yo vai prāṇaḥ sā prajñā |<br>
yā vai prajñā sa prāṇaḥ |<br>
'''3.3c – Sterben'''<br>
tasyaiṣaiva siddhir etad vijñānam |<br>
yatraitat puruṣa ārto mariṣyan ābalyaṃ nītya sammohaṃ nyeti tad āhur udakramīc cid iti |<br>
tan na śṛṇoti na paśyati na vācā vadati na dhyāyati |<br>
athāsmin prāṇa evaikadhā bhavanti |<br>
tad enaṃ vāk sarvair nāmabhiḥ sahāpyeti |<br>
cakṣuḥ sarvaiḥ rūpaiḥ sahāpyeti |<br>
śrotraṃ sarvaiḥ śabdaiḥ sahāpyeti |<br>
manaḥ sarvair dhyānaiḥ sahāpyeti |<br>
sa yadāsmāc charīrād utkrāmati sahaivaitaiḥ sarvair utkrāmati ||3||<br>
'''3.4'''<br>
vāg asmāt sarvāṇi nāmāny abhivisṛjate |<br>
vācā sarvāṇi nāmāny āpnoti |<br>
prāṇo 'smāt sarvān gandhān abhivisṛjate |<br>
prāṇena sarvān gandhān āpnoti |<br>
cakṣur asmāt sarvāṇi rūpāṇy abhivisṛjate |<br>
cakṣuṣā sarvāṇi rūpāṇy āpnoti |<br>
śrotram asmāt sarvāñ chabdān abhivisṛjate |<br>
śrotreṇa sarvāñ chabdān āpnoti |<br>
mano 'smāt sarvāṇi dhyānāny abhivisṛjate |<br>
manasā sarvāṇi dhyānāny āpnoti |<br>
saiṣā prāṇe sarvāptiḥ |<br>
yo vai prāṇaḥ sā prajñā |<br>
yā vai prajñā sa prāṇaḥ |<br>
saha hy etāv asmiñ charīre vasataḥ sahotkrāmataḥ |<br>
atha khalu yathāsyai prajñāyai sarvāṇi bhūtāny ekaṃ bhavanti tad vyākhyāsyāmaḥ ||4||<br>
'''3.5'''<br>
vāg evāsyā ekam aṅgam udūḍham |<br>
tasyai nāma parastāt prativihitā bhūtamātrā |<br>
ghrāṇa evāsyā ekam aṅgam udūḍham |<br>
tasya gandhaḥ parastāt prativihitā bhūtamātrā |<br>
cakṣur evāsyā ekam aṅgam udūḍham |<br>
tasya rūpaṃ parastāt prativihitā bhūtamātrā |<br>
śrotram evāsyā ekam aṅgam udūḍham |<br>
tasya śabdaḥ parastāt prativihitā bhūtamātrā |<br>
jihvaivāsyā ekam aṅgam udūḍham |<br>
tasya annarasaḥ parastāt prativihitā bhūtamātrā |<br>
hastāv evāsyā ekam aṅgam udūḍham |<br>
tayoḥ karma parastāt prativihitā bhūtamātrā |<br>
śarīram evāsyā ekam aṅgam udūḍham |<br>
tasya sukhaduḥkhe parastāt prativihitā bhūtamātrā |<br>
upastha evāsyā ekam aṅgam udūḍham |<br>
tasyānando ratiḥ prajātiḥ parastāt prativihitā bhūtamātrā |<br>
pādāv evāsyā ekam aṅgam udūḍham |<br>
tayor ityāḥ parastāt prativihitā bhūtamātrā |<br>
prajñaivāsyā ekam aṅgam udūḍham |<br>
tasyai dhiyo vijñātavyaṃ kāmāḥ parastāt prativihitā bhūtamātrā ||5||<br>
'''3.6'''<br>
prajñayā vācaṃ samāruhya vācā sarvāṇi nāmāny āpnoti |<br>
prajñayā ghrāṇaṃ samāruhya ghrāṇena sarvān gandhān āpnoti |<br>
prajñayā cakṣuḥ samāruhya cakṣuṣā sarvāṇi rūpāṇy āpnoti |<br>
prajñayā śrotraṃ samāruhya śrotreṇa sarvāñ chabdān āpnoti |<br>
prajñayā jihvāṃ samāruhya jihvayā sarvān annarasān āpnoti |<br>
prajñayā hastau samāruhya hastābhyāṃ sarvāṇi karmāṇy āpnoti |<br>
prajñayā śarīraṃ samāruhya śarīreṇa sukhaduḥkhe āpnoti |<br>
prajñayopasthaṃ samāruhyopasthenānandaṃ ratiṃ prajātim āpnoti |<br>
prajñayā pādau samāruhya pādābhyāṃ sarvā ityā āpnoti |<br>
prajñayaiva dhiyaṃ samāruhya prajñayaiva dhiyo vijñātavyaṃ kāmān āpnoti ||6||<br>
'''3.7'''<br>
na hi prajñāpetā vāṅ nāma kiñcana prajñāpayet |<br>
anyatra me mano 'bhūd ity āha |<br>
nāham etan nāma prājñāsiṣam iti |<br>
na hi prajñāpetaḥ ghrāṇo gandhaṃ kañcana prajñāpayet |<br>
anyatra me mano 'bhūd ity āha |<br>
nāham etaṃ gandhaṃ prājñāsiṣam iti |<br>
na hi prajñāpetaṃ cakṣū rūpaṃ kiñcana prajñāpayet |<br>
anyatra me mano 'bhūd ity āha |<br>
nāham etad rūpaṃ prājñāsiṣam iti |<br>
na hi prajñāpetaṃ śrotraṃ śabdaṃ kañcana prajñāpayet |<br>
anyatra me mano 'bhūd ity āha |<br>
nāham etaṃ śabdaṃ prājñāsiṣam iti |<br>
na prajñāpetā jihvānnarasaṃ kañcana prajñāpayet |<br>
anyatra me mano 'bhūd ity āha |<br>
nāham etam annarasaṃ prājñāsiṣam iti |<br>
na hi prajñāpetau hastau karma kiñcana prajñāpayeyātām |<br>
anyatra me mano 'bhūd ity āha |<br>
nāham etat karma prājñāsiṣam iti |<br>
na hi prajñāpetaṃ śarīraṃ sukhaduḥkhaṃ kiñcana prajñāpayet |<br>
anyatra me mano 'bhūd ity āha |<br>
nāham etat sukhaduḥkhaṃ prājñāsiṣam iti |<br>
na hi prajñāpeta upastha ānandaṃ ratiṃ prajātiṃ kāñcana prajñāpayet |<br>
anyatra me mano 'bhūd ity āha |<br>
nāham etam ānandaṃ na ratiṃ na prajātiṃ prājñāsiṣam iti |<br>
na hi prajñāpetau pādāv ityāṃ kāñcana prajñāpayeyātām |<br>
anyatra me mano 'bhūd ity āha |<br>
nāham etām ityāṃ prājñāsiṣam |<br>
iti na hi prajñāpetā dhīḥ kācana sidhyen na prajñātavyaṃ prajñāyeta ||7||<br>
'''3.8a – Suche den Erkennenden'''<br>
na vācaṃ vijijñāsīta |<br>
vaktāraṃ vidyāt |<br>
na gandhaṃ vijijñāsīta |<br>
ghrātāraṃ vidyāt |<br>
na rūpaṃ vijijñāsīta |<br>
draṣṭāraṃ vidyāt |<br>
na śabdaṃ vijijñāsīta |<br>
śrotāraṃ vidyāt |<br>
nānnarasaṃ vijijñāsīta |<br>
annarasasya vijñātāraṃ vidyāt |<br>
na karma vijijñāsīta |<br>
kartāraṃ vidyāt |<br>
na sukhaduḥkhe vijijñāsīta |<br>
sukhaduḥkhayor vijñātāraṃ vidyāt |<br>
nānandaṃ na ratiṃ na prajātiṃ vijijñāsīta |<br>
ānandasya rateḥ prajāter vijñātāraṃ vidyāt |<br>
netyāṃ vijijñāsīta |<br>
etāraṃ vidyāt |<br>
na mano vijijñāsīta |<br>
mantāraṃ vidyāt |<br>
'''3.8b – Speichen und Nabe'''<br>
tā vā etā daśaiva bhūtamātrā adhiprajñam |<br>
daśa prajñāmātrā adhibhūtam |<br>
yad dhi bhūtamātrā na syur na prajñāmātrāḥ syuḥ |<br>
yad vā prajñāmātrā na syur na bhūtamātrāḥ syuḥ |<br>
na hy anyatarato rūpaṃ kiñcana sidhyet |<br>
no etan nānā |<br>
tad yathā rathasyāreṣu nemir arpitā |<br>
nābhāv arā arpitā |<br>
evam evaitā bhūtamātrāḥ prajñāmātrāsv arpitāḥ |<br>
prajñāmātrāḥ prāṇe 'rpitāḥ |<br>
'''3.8c – Das Selbst'''<br>
sa eṣa prāṇa eva prajñātmānanto 'jaro 'mṛtaḥ |<br>
na sādhunā karmaṇā bhūyān bhavati no evāsādhunā kanīyān |<br>
eṣa hy eva sādhu karma kārayati taṃ yam ebhyo lokebhya unninīṣate |<br>
eṣa u evāsādhu karma kārayati taṃ yam adho ninīṣate |<br>
eṣa lokapālaḥ |<br>
eṣa lokādhipatiḥ |<br>
eṣa lokeśaḥ |<br>
sa ma ātmeti vidyāt |<br>
sa ma ātmeti vidyāt ||8||<br>
'''Abschluss des dritten Adhyaya'''<br>
iti kauṣītakibrāhmaṇopaniṣadi tṛtīyo'dhyāyaḥ ||<br>
'''4.1'''<br>
atha ha vai gārgyo bālākir anūcānaḥ saṃspaṣṭa āsa |<br>
so 'vasad uśinareṣu satvanmatsyeṣu kurupañcāleṣu kāśivideheṣv iti |<br>
sa hājātaśatruṃ kāśyam āvrajyovāca brahma te bravāṇīti |<br>
taṃ hovācājātaśatruḥ sahasraṃ dadmas ta iti |<br>
etasyāṃ vāci janako janaka iti vā u janā dhāvantīti ||1||<br>
'''4.2'''<br>
āditye bṛhan |<br>
candramasy annam |<br>
vidyuti tejaḥ |<br>
stanayitnau śabdaḥ |<br>
vāyāv indro vaikuṇṭhaḥ |<br>
ākāśe pūrṇam |<br>
agnau viṣāsahir iti |<br>
apsu satyam |<br>
ity adhidaivatam |<br>
athādhyātmam |<br>
ādarśe pratirūpaḥ |<br>
chāyāyāṃ dvitīyaḥ |<br>
pratiśrutkāyām asur iti |<br>
śabde mṛtyuḥ |<br>
svapne yamaḥ |<br>
śarīre prajāpatiḥ |<br>
dakṣiṇe 'kṣiṇi vācaḥ |<br>
savye 'kṣiṇi satyasya ||2||<br>
'''4.3'''<br>
sa hovāca bālākir ya evaiṣa āditye puruṣas tam evāham upāsa iti |<br>
taṃ hovācājātaśatrur mā maitasmin saṃvādayiṣṭhāḥ |<br>
atiṣṭhāḥ sarveṣāṃ bhūtānāṃ mūrdheti vā aham etam upāsa iti |<br>
sa yo haitam evam upāste 'tiṣṭhāḥ sarveṣāṃ bhūtānāṃ mūrdhā bhavati ||3||<br>
'''4.4'''<br>
sa hovāca bālākir ya evaiṣa candramasi puruṣas tam evāham upāsa iti |<br>
taṃ hovācājātaśatrur mā maitasmin saṃvādayiṣṭhāḥ |<br>
bṛhan pāṇḍaravāsāḥ somo rājānnasyātmeti vā aham etam upāsa iti |<br>
sa yo haitam evam upāste'nnasyātmā bhavati ||4||<br>
'''4.5'''<br>
sa hovāca bālākir ya evaiṣa vidyuti puruṣas tam evāham upāsa iti |<br>
taṃ hovācājātaśatrur mā maitasmin saṃvādayiṣṭhāḥ |<br>
tejasa ātmeti vā aham etam upāsa iti |<br>
sa yo haitam evam upāste tejasa ātmā bhavati ||5||<br>
'''4.6'''<br>
sa hovāca bālākir ya evaiṣa stanayitnau puruṣas tam evāham upāsa iti |<br>
taṃ hovācājātaśatrur mā maitasmin saṃvādayiṣṭhāḥ |<br>
śabdasyātmeti vā aham etam upāsa iti |<br>
sa yo haitam evam upāste śabdasyātmā bhavati ||6||<br>
'''4.7'''<br>
sa hovāca bālākir ya evaiṣa ākāśe puruṣas tam evāham upāsa iti |<br>
taṃ hovācājātaśatrur mā maitasmin saṃvādayiṣṭhāḥ |<br>
pūrṇam apravarti brahmeti vā aham etam upāsa iti |<br>
sa yo haitam evam upāste pūryate prajayā paśubhir yaśasā brahmavarcasena svargeṇa lokena |<br>
sarvam āyur eti ||7||<br>
'''4.8'''<br>
sa hovāca bālākir ya evaiṣa vāyau puruṣas tam evāham upāsa iti |<br>
taṃ hovācājātaśatrur mā maitasmin saṃvādayiṣṭhāḥ |<br>
indro vaikuṇṭho 'parājitā seneti vā aham etam upāsa iti |<br>
sa yo haitam evam upāste jiṣṇur ha vā aparājayiṣṇur anyatastyajāyī bhavati ||8||<br>
'''4.9'''<br>
sa hovāca bālākir ya evaiṣa 'gnau puruṣas tam evāham upāsa iti |<br>
taṃ hovācājātaśatrur mā maitasmin saṃvādayiṣṭhāḥ |<br>
viṣāsahir iti vā aham etam upāsa iti |<br>
sa yo haitam evam upāste viṣāsahir ha vā anyeṣu bhavati ||9||<br>
'''4.10'''<br>
sa hovāca bālākir ya evaiṣo 'psu puruṣas tam evāham upāsa iti |<br>
taṃ hovācājātaśatrur mā maitasmin saṃvādayiṣṭhāḥ |<br>
satyasyātmeti vā aham etam upāsa iti |<br>
sa yo haitam evam upāste satyasyātmā bhavati |<br>
ity adhidaivatam ||<br>
athādhyātmam ||10||<br>
'''4.11'''<br>
sa hovāca bālākir ya evaiṣa ādarśe puruṣas tam evāham upāsa iti |<br>
taṃ hovācājātaśatrur mā maitasmin saṃvādayiṣṭhāḥ |<br>
pratirūpa iti vā aham etam upāsa iti |<br>
sa yo haitam evam upāste pratirūpo haivāsya prajāyām ājāyate nāpratirūpaḥ ||11||<br>
'''4.12'''<br>
sa hovāca bālākir ya evaiṣa chāyāyāṃ puruṣas tam evāham upāsa iti |<br>
taṃ hovācājātaśatrur mā maitasmin saṃvādayiṣṭhāḥ |<br>
dvitīyo 'napaga iti vā aham etam upāsa iti |<br>
sa yo haitam evam upāste vindate dvitīyaṃ dvitīyavān hi bhavati ||12||<br>
'''4.13'''<br>
sa hovāca bālākir ya evaiṣa pratiśrutkāyāṃ puruṣas tam evāham upāsa iti |<br>
taṃ hovācājātaśatrur mā maitasmin saṃvādayiṣṭhāḥ |<br>
asur iti vā aham etam upāsa iti |<br>
sa yo haitam evam upāste na purā kālāt sammoham eti ||13||<br>
'''4.14'''<br>
sa hovāca bālākir ya evaiṣa śabde puruṣas tam evāham upāsa iti |<br>
taṃ hovācājātaśatrur mā maitasmin saṃvādayiṣṭhāḥ |<br>
mṛtyur iti vā aham etam upāsa iti |<br>
sa yo haitam evam upāste na purā kālāt praitīti ||14||<br>
'''4.15'''<br>
sa hovāca bālākir ya evaitat puruṣaḥ suptaḥ svapnayā carati tam evāham upāsa iti |<br>
taṃ hovācājātaśatrur mā maitasmin saṃvādayiṣṭhāḥ |<br>
yamo rājeti vā aham etam upāsa iti |<br>
sa yo haitam evam upāste sarvaṃ hāsmā idaṃ śraiṣṭhyāya yamyate ||15||<br>
'''4.16'''<br>
sa hovāca bālākir ya evaiṣa śarīre puruṣas tam evāham upāsa iti |<br>
taṃ hovācājātaśatrur mā maitasmin saṃvādayiṣṭhāḥ |<br>
prajāpatir iti vā aham etam upāsa iti |<br>
sa yo haitam evam upāste prajāyate prajayā paśubhir yaśasā brahmavarcasena svargeṇa lokena |<br>
sarvam āyur eti ||16||<br>
'''4.17'''<br>
sa hovāca bālākir ya evaiṣa dakṣiṇe 'kṣiṇi puruṣas tam evāham upāsa iti |<br>
taṃ hovācājātaśatrur mā maitasmin saṃvādayiṣṭhāḥ |<br>
vāca ātmāgner ātmā jyotiṣa ātmeti vā aham etam upāsa iti |<br>
sa yo haitam evam upāsta eteṣāṃ sarveṣāṃ ātmā bhavati ||17||<br>
'''4.18'''<br>
sa hovāca bālākir ya evaiṣa savye 'kṣiṇi puruṣas tam evāham upāsa iti |<br>
taṃ hovācājātaśatrur mā maitasmin saṃvādayiṣṭhāḥ |<br>
satyasyātmā vidyuta ātmā tejasa ātmeti vā aham etam upāsa iti |<br>
sa yo haitam evam upāsta eteṣāṃ sarveṣām ātmā bhavati ||18||<br>
'''4.19a – Balaki wird Schüler'''<br>
tata u ha bālākis tūṣṇīm āsa |<br>
taṃ hovācājātaśatrur etāvan nu bālākā3 iti |<br>
etāvad iti hovāca bālākiḥ |<br>
taṃ hovācajātaśatrur mṛṣā vai khalu mā samavādayiṣṭhā brahma te bravāṇīti |<br>
yo vai bālāka eteṣāṃ puruṣāṇāṃ kartā yasya vai tat karma sa vai veditavya iti |<br>
tata u ha bālākiḥ samitpāṇiḥ praticakrama upāyānīti |<br>
taṃ hovācājātaśatruḥ pratilomarūpam eva tan manye yat kṣatriyo brāhmaṇam upanayet |<br>
ehi vy eva tvā jñapayiṣyāmīti |<br>
'''4.19b – Der Schlafende'''<br>
taṃ ha pāṇāv abhipadya pravavrāja |<br>
tau ha suptaṃ puruṣam ājagmatuḥ |<br>
taṃ hājātaśatrur āmantrayāñ cakre |<br>
bṛhan pāṇḍaravāsaḥ soma rājann iti |<br>
sa u ha śiśya eva |<br>
tata u hainaṃ yaṣṭyā vicikṣepa |<br>
sa tata eva samuttasthau |<br>
'''4.19c – Die Frage nach dem Selbst'''<br>
taṃ hovācājātaśatruḥ kvaiṣa etad bālāke puruṣo'śayiṣṭa |<br>
kvaitad abhūt |<br>
kuta etad āgā3d iti |<br>
tata u ha bālākir na vijajñe |<br>
'''4.19d – Die feinen Bahnen'''<br>
taṃ hovācājātaśatrur yatraiṣa etad bālāke puruṣo 'śayiṣṭa yatraitad abhūd yata etad āgād iti hitā nāma puruṣasya nāḍyo hṛdayāt purītatam abhipratanvanti |<br>
tad yathā sahasradhā keśo vipāṭitas tāvad aṇvyaḥ piṅgalasyāṇimnā tiṣṭhanti śuklasya kṛṣṇasya pītasya lohitasya ca |<br>
tāsu tadā bhavati yadā suptaḥ svapnaṃ na kañcana paśyati ||19||<br>
'''4.20a – Das Erwachen der Kräfte'''<br>
athāsmin prāṇa evaikadhā bhavanti |<br>
tad enaṃ vāk sarvair nāmabhiḥ sahāpyeti |<br>
cakṣuḥ sarvaiḥ rūpaiḥ sahāpyeti |<br>
śrotraṃ sarvaiḥ śabdaiḥ sahāpyeti |<br>
manaḥ sarvair dhyānaiḥ sahāpyeti |<br>
sa yadā pratibudhyate yathāgner jvalataḥ sarvā diśo visphuliṅgā vipratiṣṭherann evam evaitasmād ātmanaḥ prāṇā yathāyatanaṃ vipratiṣṭhante |<br>
prāṇebhyo devāḥ |<br>
devebhyo lokāḥ |<br>
'''4.20b – Das Selbst im Körper'''<br>
sa eṣa prāṇa eva prajñātmedaṃ śarīram ātmānam anupraviṣṭa ā lomabhya ā nakhebhyas |<br>
tad yathā kṣuraḥ kṣuradhāne 'vopahito viśvambharo vā viśvambharakulāya evam evaiṣa prajñātmedaṃ śarīram ātmānam anupraviṣṭa ā lomabhya ā nakhebhyaḥ |<br>
tam etam ātmānam eta ātmāno 'nvavasyante yathā śreṣṭhinaṃ svāḥ |<br>
tad yathā śreṣṭhī svair bhuṅkte yathā vā svāḥ śreṣṭhinaṃ bhuñjanty evam evaiṣa prajñātmaitair ātmabhir bhuṅkta evam evaita ātmāna etam ātmānaṃ bhuñjanti |<br>
'''4.20c – Erkenntnis und Selbstherrschaft'''<br>
sa yāvad dha vā indra etam ātmānaṃ na vijajñe tāvad enam asurā abhibabhūvuḥ |<br>
sa yadā vijajñe 'tha hatvāsurān vijitya sarveṣāṃ devānāṃ śraiṣṭhyaṃ svārājyam ādhipatyaṃ paryait |<br>
tatho evaivaṃ vidvān sarvān pāpmano 'pahatya sarveṣāṃ ca bhūtānāṃ śraiṣṭhyaṃ svarājyam ādhipatyaṃ paryeti ya evaṃ veda ya evaṃ veda ||20||<br>
'''Abschluss des vierten Adhyaya'''<br>
iti kauṣītakibrāhmaṇopaniṣadi caturtho'dhyāyaḥ ||<br>
'''Schluss – Shanti-Mantra'''<br>
oṃ vāṅme manasi pratiṣṭhitā |<br>
mano me vāci pratiṣṭhitam |<br>
āvirāvīrma edhi |<br>
vedasya ma āṇīsthaḥ |<br>
śrutaṃ me mā prahāsīḥ |<br>
anenādhītenāhorātrānsandadhāmi |<br>
ṛtaṃ vadiṣyāmi |<br>
satyaṃ vadiṣyāmi |<br>
tanmāmavatu |<br>
tadvaktāramavatu |<br>
avatu māmavatu vaktāramavatu vaktāram ||<br>
'''Schluss – Friedensruf'''<br>
oṃ śāntiḥ śāntiḥ śāntiḥ ||<br>
== Vollständige deutsche Übersetzung ==
'''Shanti-Mantra'''
Om. Meine Rede sei im Geist gegründet, mein Geist in der Rede. Offenbare dich mir, du Offenbares! Möget ihr beide mir den Veda erschließen. Möge das von mir Gehörte mich nicht verlassen. Durch dieses Studium verbinde ich Tage und Nächte. Ich werde das Rechte sprechen; ich werde die Wahrheit sprechen. Möge jenes mich beschützen, möge es den Lehrenden beschützen. Möge es mich beschützen; möge es den Lehrenden beschützen, den Lehrenden beschützen.
'''Friedensruf'''
Om. Frieden, Frieden, Frieden.
'''1.1'''
Citra Gargyayani wollte ein Opfer veranstalten und wählte Aruni zum Priester. Dieser sandte seinen Sohn Shvetaketu: „Vollziehe das Opfer!“ Als er dort saß, fragte Citra ihn: „Sohn Gautamas, gibt es in jener Welt einen abgeschlossenen Ort, an den du mich setzen wirst, oder einen bestimmten Weg dorthin? Wirst du mich in diese Welt bringen?“ Er antwortete: „Das weiß ich nicht. Ich will meinen Lehrer fragen.“ Er ging zu seinem Vater und fragte: „So hat er mich gefragt. Was soll ich antworten?“ Dieser sagte: „Auch ich weiß es nicht. Wir halten lediglich unsere Veda-Rezitation in der Opferhalle ab und nehmen dafür, was andere uns geben. Komm, wir wollen beide hingehen!“ Mit Brennholz in der Hand trat er zu Citra Gargyayani und sagte: „Ich möchte dein Schüler werden.“ Citra antwortete: „Gautama, du bist der Brahman-Unterweisung würdig, weil du dich nicht dem Stolz ergeben hast. Komm, ich werde dich unterrichten.“
'''1.2a – Der Mond als Tor'''
Er sprach: „Alle, die aus dieser Welt abscheiden, gehen zum Mond. Durch ihre Lebenskräfte wächst seine helle Hälfte; in der dunklen Hälfte lässt er sie wieder geboren werden. Der Mond ist das Tor zur Himmelswelt. Wer ihm antwortet, den lässt er hindurch. Wer ihm nicht antwortet, den lässt er als Regen hier herabregnen. Hier wird er wieder geboren: als Wurm, Insekt, Fisch, Vogel, Löwe, Eber, Beißtier, Tiger, Mensch oder sonst etwas, an den jeweiligen Orten, gemäß seinem Handeln und seiner Erkenntnis. Den Ankommenden fragt er: ‚Wer bist du?‘ Darauf soll dieser antworten:“
'''1.2b – Antwort des Ankommenden'''
„Vom weithin Sehenden, ihr Jahreszeiten, wurde ich als Same herbeigetragen, vom fünfzehnfachen, hervorgebrachten, väterlichen Bereich. Mich führtet ihr in den zeugenden Mann; durch den zeugenden Mann wurde ich in die Mutter eingesät. Geboren und wieder geboren, als der zum dreizehnten Monat werdende aus dem zwölffachen [Jahr], [durch den zwölf- und dreizehnfachen Vater], erkenne ich dieses insgesamt und erkenne es im Gegenüber. Dieses habt mir, ihr unsterblichen Jahreszeiten, zugetragen! Durch diese Wahrheit, durch diese Askese bin ich Jahreszeit, bin ich Kind der Jahreszeiten. Wer bin ich? Ich bin du.“
'''1.2c – Durchgang'''
Wenn er so antwortet, lässt er ihn hindurch.
'''1.3'''
Er betritt den Weg der Götter und gelangt zur Welt des Feuers, zur Welt des Windes, zur Sonnenwelt, zur Welt Varunas, zur Welt Indras, zur Welt Prajapatis und zur Brahmanwelt. In dieser Welt befinden sich der See Ara, die Stunden Yashtiha, der Fluss Vijara, der Baum Ilya, die Stadt Salajya, die unüberwindliche Wohnstätte Aparajita, Indra und Prajapati als Torwächter, die Halle Vibhu, der Thron Vicakshana und das Lager Amitaujas. Dort sind auch die Geliebte Manasi und ihr Gegenbild Cakshushi; mit Blumen versehen weben sie die Welten. Dort sind die Apsaras Ambas und Ambayavis und die Flüsse Ambayas.
'''1.4'''
Er kommt zum See Ara und überschreitet ihn mit dem Geist; wer dort ohne die entsprechende Erkenntnis eintrifft, versinkt. Er kommt zu den Stunden Yashtiha, die vor ihm davonlaufen. Er kommt zum Fluss Vijara und überschreitet ihn allein mit dem Geist. Dort schüttelt er gutes und schlechtes Handeln ab. Seine ihm lieben Verwandten übernehmen das Gute, die ihm nicht lieben das Schlechte. Wie jemand, der mit einem Wagen dahinfährt, auf die Wagenräder hinabblickt, so blickt er auf Tag und Nacht, gutes und schlechtes Handeln und alle Gegensatzpaare hinab. Frei von Gutem und Schlechtem geht er, der Brahman kennt, zu Brahman. Wer so weiß, kommt dorthin. Brahman sagt: „Lauft ihm entgegen, in meiner Herrlichkeit! Er hat den Fluss Vijara erreicht; er wird nicht altern.“ Fünfhundert Apsaras gehen ihm entgegen: hundert mit Kränzen, hundert mit Salben, hundert mit duftendem Pulver, hundert mit Kleidern und hundert mit Früchten. Sie schmücken ihn mit Brahmans Schmuck. Mit Brahmans Schmuck geschmückt, tritt der Wissende zu Brahman.
'''1.5'''
Er kommt zum Baum Ilya; Brahmans Duft dringt in ihn ein. Er kommt zur Stadt Salajya; Brahmans Geschmack dringt in ihn ein. Er kommt zur Wohnstätte Aparajita; Brahmans Glanz dringt in ihn ein. Er kommt zu den Torwächtern Indra und Prajapati; beide laufen vor ihm davon. Er kommt zur Halle Vibhu; Brahmans Herrlichkeit dringt in ihn ein. Er kommt zum Thron Vicakshana. Die Samans Brihat und Rathantara sind dessen vordere Füße, Shyaita und Naudhasa die hinteren, Vairupa und Vairaja die Längsleisten, Shakvara und Raivata die Querleisten. Er ist Erkenntnis; denn durch Erkenntnis sieht man klar. Er kommt zum Lager Amitaujas. Dieses ist Prana. Vergangenheit und Zukunft sind seine vorderen Füße, Wohlergehen und Nahrung die hinteren; Brihat und Rathantara sind die Längsleisten, Bhadra und Yajnayajniya die Kopfleisten. Rigverse und Samagesänge sind die längs gespannten Stränge, Yajusformeln die quer verlaufenden; Somastängel sind die Unterlage, Udgitha die Lehne und Wohlergehen das Kissen. Darauf sitzt Brahman. Wer so weiß, steigt mit dem Fuß voran hinauf. Brahman fragt ihn: „Wer bist du?“ Darauf soll er antworten:
'''1.6'''
„Ich bin Jahreszeit, ich bin Kind der Jahreszeiten, aus dem Mutterschoß des Raumes entstanden, Same für die Gattin, Glanz des Jahres, Selbst eines jeden Wesens. Du bist das Selbst eines jeden Wesens. Was du bist, das bin ich.“ Er fragt ihn: „Wer bin ich?“ Er soll antworten: „Wahrheit.“ – „Was ist diese Wahrheit?“ – „Was von den Göttern und den Lebenskräften verschieden ist, ist sat; die Götter und Lebenskräfte sind tyam. Beides wird in dem einen Wort sattyam, Wahrheit, ausgesprochen. So umfassend ist dieses All; dieses All bist du.“ So sagt er zu ihm. Dies wird auch in einem Rigvers ausgedrückt:
'''1.7a – Die Gestalt aus Veda'''
Der Yajur ist sein Bauch, der Sama sein Haupt, der Rig seine Gestalt; er ist unvergänglich. Man erkenne ihn als Brahman, den großen Seher, ganz von Brahman erfüllt.
'''1.7b – Sinne und Erkenntnis'''
Er fragt: „Wodurch erfasst du meine männlichen Namen?“ – „Durch Prana“, soll er antworten. „Wodurch die sächlichen?“ – „Durch den Geist.“ „Wodurch die weiblichen?“ – „Durch die Rede.“ „Wodurch Gerüche?“ – „Durch das Riechorgan.“ „Wodurch Gestalten?“ – „Durch das Auge.“ „Wodurch Töne?“ – „Durch das Ohr.“ „Wodurch Nahrungsgeschmäcke?“ – „Durch die Zunge.“ „Wodurch Handlungen?“ – „Durch die Hände.“ „Wodurch Lust und Leid?“ – „Durch den Körper.“ „Wodurch Wonne, Liebeslust und Zeugung?“ – „Durch das Geschlechtsorgan.“ „Wodurch Bewegung?“ – „Durch die Füße.“ „Wodurch Gedanken, das zu Erkennende und Wünsche?“ – „Durch Erkenntnis“, soll er antworten. Er sagt zu ihm: „Die Wasser sind meine Welt; jene Welt ist nun dein.“ Welche Errungenschaft und Ausbreitung Brahmans es gibt, diese Errungenschaft gewinnt und diese Ausbreitung erreicht, wer so weiß, wer so weiß.
'''Abschluss des ersten Adhyaya'''
Hier endet das erste Kapitel der zum Rigveda gehörenden Kaushitaki-Brahmana-Aranyaka-Upanishad.
'''2.1'''
„Prana ist Brahman“, lehrte Kaushitaki. Dieses Prana-Brahman hat den Geist als Boten, das Auge als Wächter, das Ohr als Anmelder und die Rede als Aufwärterin. Wer den Geist als seinen Boten kennt, hat einen Boten; wer das Auge als Wächter kennt, hat einen Wächter; wer das Ohr als Anmelder kennt, hat einen Anmelder; wer die Rede als Aufwärterin kennt, hat eine Aufwärterin. Alle diese Gottheiten bringen diesem Prana-Brahman Gaben, ohne dass es darum bittet. Ebenso bringen alle Wesen dem, der so weiß, unaufgefordert Gaben. Seine geheime Unterweisung lautet: Er soll nicht bitten. Wenn er in einem Dorf Almosen gesucht und nichts erhalten hat, setze er sich mit dem Entschluss: „Ich werde nichts essen, was hier gegeben wird.“ Gerade diejenigen, die ihn vorher abgewiesen haben, laden ihn nun ein: „Wir wollen dir geben.“ Dies ist die Ordnung für den Nichtbittenden: Die Nahrungsspender selbst laden ihn ein: „Wir wollen dir geben.“
'''2.2'''
„Prana ist Brahman“, lehrte Paingya. Bei diesem Brahman schließt das Auge die Rede von außen ein, das Ohr schließt das Auge ein, der Geist schließt das Ohr ein, und Prana schließt den Geist ein. Alle diese Gottheiten bringen diesem Prana-Brahman unaufgefordert Gaben. Ebenso bringen alle Wesen dem, der so weiß, unaufgefordert Gaben. Seine geheime Unterweisung lautet: Er soll nicht bitten. Wenn er in einem Dorf Almosen gesucht und nichts erhalten hat, setze er sich mit dem Entschluss: „Ich werde nichts essen, was hier gegeben wird.“ Gerade diejenigen, die ihn vorher abgewiesen haben, laden ihn ein: „Wir wollen dir geben.“ Dies ist die Ordnung des Nichtbittenden: Die Nahrungsspender selbst laden ihn ein: „Wir wollen dir geben.“
'''2.3a – Erlangen eines bestimmten Gutes'''
Nun das Erlangen eines bestimmten Gutes. Wenn man ein bestimmtes Gut begehrt, entzünde man bei Vollmond, Neumond oder in der hellen Monatshälfte unter einem günstigen Mondhaus das Feuer, reinige ringsum, streue Gras aus, besprenge, läutere, beuge das rechte Knie und bringe mit Opferlöffel, Becher oder Metallgefäß diese Ghee-Opfer dar:
'''2.3b – Die sechs Opferformeln'''
„Rede heißt die gewinnende Gottheit; sie möge mir dieses von jenem verschaffen. Ihr: Svaha! Prana heißt die gewinnende Gottheit; sie möge mir dieses von jenem verschaffen. Ihr: Svaha! Auge heißt die gewinnende Gottheit; sie möge mir dieses von jenem verschaffen. Ihr: Svaha! Ohr heißt die gewinnende Gottheit; sie möge mir dieses von jenem verschaffen. Ihr: Svaha! Geist heißt die gewinnende Gottheit; sie möge mir dieses von jenem verschaffen. Ihr: Svaha! Erkenntnis heißt die gewinnende Gottheit; sie möge mir dieses von jenem verschaffen. Ihr: Svaha!“
'''2.3c – Abschluss der Handlung'''
Dann rieche er den Rauchduft, bestreiche die Glieder mit Ghee, gehe schweigend hin und trage sein Anliegen vor oder sende einen Boten. Er erlangt es, so lautet die Verheißung.
'''2.4'''
Nun die durch die Gottheiten bewirkte Zuneigung. Wenn man einem Mann, einer Frau, Männern oder Frauen lieb werden möchte, entzünde man zu einem der genannten Zeitpunkte das Feuer und bringe in derselben Weise diese Ghee-Opfer dar: „Deine Rede opfere ich in mich, du da, Svaha! Deinen Prana opfere ich in mich, du da, Svaha! Dein Auge opfere ich in mich, du da, Svaha! Dein Ohr opfere ich in mich, du da, Svaha! Deinen Geist opfere ich in mich, du da, Svaha! Deine Erkenntnis opfere ich in mich, du da, Svaha!“ Dann rieche man den Rauchduft, bestreiche die Glieder mit Ghee, gehe schweigend hin und suche Berührung; oder man stehe sprechend auf der Windseite. Man wird lieb und sie gedenken seiner, so die Verheißung.
'''2.5'''
Nun die Sammlung nach Pratardana, die man auch das innere Agnihotra nennt. Solange ein Mensch spricht, kann er nicht einatmen; dann opfert er Prana in die Rede. Solange er atmet, kann er nicht sprechen; dann opfert er die Rede in Prana. Diese beiden unbegrenzten, unvergänglichen Opfer bringt er wachend und schlafend fortwährend und ohne Unterbrechung dar. Die anderen Opfer hingegen sind begrenzt, denn sie bestehen aus vollzogenen Handlungen. Deshalb brachten die früheren Wissenden das [äußere] Agnihotra nicht dar.
'''2.6'''
„Das Uktha ist Brahman“, lehrte Shushkabhringara. Man verehre es als Rig: Alle Wesen ehren einen zu höchstem Rang. Man verehre es als Yajur: Alle Wesen verbinden sich einem zu höchstem Rang. Man verehre es als Saman: Alle Wesen neigen sich einem zu höchstem Rang. Man verehre es als Wohlergehen, Ruhm und Glanz. Wie dieses unter den Rezitationen das reichste an Wohlergehen, Ruhm und Glanz ist, so wird der so Wissende unter allen Wesen der reichste an Wohlergehen, Ruhm und Glanz. Der Adhvaryu bereitet dieses aus Ziegeln und Handlung bestehende Selbst. In dieses webt er das aus Yajus Bestehende; in das aus Yajus Bestehende webt der Hotar das aus Rig Bestehende; in das aus Rig Bestehende der Udgatar das aus Saman Bestehende. Dies ist das Selbst der dreifachen Veda-Erkenntnis. Dieses wird Indras Selbst für den, der so weiß.
'''2.7'''
Nun die drei Verehrungen des allbezwingenden Kaushitaki. Sarvajit Kaushitaki verehrte die aufgehende Sonne, nachdem er die Opferschnur angelegt, Wasser gebracht und dreimal das Wassergefäß besprengt hatte: „Du bist der Entferner; entferne mein Unheilsames!“ Ebenso verehrte er sie in der Mitte des Tages: „Du bist der Hinaufentferner; entferne mein Unheilsames hinauf!“ Ebenso die untergehende: „Du bist der Zusammenentferner; entferne mein Unheilsames vollständig!“ Was er bei Tag und Nacht an Unheilsamem getan hatte, entfernte er so. Ebenso soll der so Wissende die Sonne auf diese Weise verehren. Was er bei Tag und Nacht an Unheilsamem tut, entfernt er damit.
'''2.8a – Verehrung bei Neumond'''
Monat für Monat verehre man bei Neumond den im Westen sichtbaren Mond in derselben Weise; oder man werfe ihm zwei grüne Grashalme entgegen.
'''2.8a – Die Bitte für die Kinder'''
„Mein gut entflammtes Herz, das im Mond ruht, dieses glaube ich zu kennen. Möge ich kein Leid um ein Kind beweinen!“
'''2.8a – Verheißung'''
Seine Kinder scheiden dann nicht vor ihm dahin, so heißt es.
'''2.8b – Die Gattin'''
Wenn er mit seiner Gattin zusammenliegen will, berühre er ihr Herz:
'''2.8b – Bitte für die Mutter'''
„Dein Herz, Schönhaarige, das in Prajapati ruht: Durch dieses mögest du, Herrin der Unsterblichkeit, kein Leid um ein Kind erfahren!“
'''2.8b – Verheißung'''
Ihre Kinder scheiden dann nicht vor ihr dahin, so heißt es.
'''2.8c_(8)'''
So gilt es für den, dem bereits ein Sohn geboren ist. Nun für den, dem noch kein Sohn geboren ist: Er rezitiere die drei Rigverse, beginnend „Schwelle an, es möge sich dir vereinen“, „Dir mögen Milch und Kräfte gemeinsam zukommen“ und „Den Strahl, den die Adityas anschwellen lassen“. Dann spreche er: „Schwelle nicht durch unser Leben, unsere Kinder und unser Vieh an! Wer uns hasst und wen wir hassen, durch dessen Leben, Kinder und Vieh schwelle an! Ich vollziehe Indras Wendung; ich folge der Wendung der Sonne.“ Dabei dreht er sich nach rechts.
'''2.9'''
Bei Vollmond verehre man den im Osten sichtbaren Mond in derselben Weise: „Du bist König Soma, der weithin Sehende; du bist der fünfgesichtige Prajapati. Der Brahmane ist ein Mund von dir; mit diesem Mund verzehrst du die Könige. Mit diesem Mund mache mich zum Esser der Nahrung! Der König ist ein Mund von dir; mit diesem Mund verzehrst du das Volk. Mit diesem Mund mache mich zum Esser der Nahrung! Der Falke ist ein Mund von dir; mit diesem Mund verzehrst du die Vögel. Mit diesem Mund mache mich zum Esser der Nahrung! Das Feuer ist ein Mund von dir; mit diesem Mund verzehrst du diese Welt. Mit diesem Mund mache mich zum Esser der Nahrung! In dir ist der fünfte Mund; mit ihm verzehrst du alle Wesen. Mit diesem Mund mache mich zum Esser der Nahrung! Nimm nicht durch unser Leben, unsere Kinder und unser Vieh ab! Wer uns hasst und wen wir hassen, durch dessen Leben, Kinder und Vieh nimm ab! Ich vollziehe die göttliche Wendung; ich folge der Wendung der Sonne.“ Dabei dreht er sich nach rechts.
'''2.10a – Heimkehr zum Sohn'''
Wenn er von einer Reise heimkehrt, küsse er das Haupt seines Sohnes.
'''2.10b – Segen des Lebens'''
„Aus Glied um Glied entstehst du, aus dem Herzen wirst du geboren. Du bist mein Selbst, Sohn; du hast mich bewahrt. So lebe hundert Herbste!“
'''2.10c – Nennung des Namens'''
„Du da!“ Dabei nennt er seinen Namen.
'''2.10d – Segen der Festigkeit'''
„Sei ein Stein, sei eine Axt, sei unversehrtes Gold! Du bist wahrlich mein Glanz, Sohn. So lebe hundert Herbste!“
'''2.10e – Umarmung'''
„Du da!“ Dabei nennt er seinen Namen. Dann umarmt er ihn.
'''2.10f – Schutzsegen'''
„Womit Prajapati die Geschöpfe zu ihrer Unversehrtheit umfing, damit umfange ich dich.“
'''2.10g – Die Anrufungen Indras'''
„Du da!“ Dabei nennt er seinen Namen. Dann flüstert er ihm ins rechte Ohr: „Reiche ihm dar, Gabenreicher, kraftvoller Indra!“ Ins linke: „Indra, gib die besten Güter!“
'''2.10h – Abschließender Lebenssegen'''
„Zerbrich nicht, wanke nicht! Lebe hundert Herbste Lebenszeit, Sohn! Bei deinem Namen küsse ich dein Haupt.“
'''2.10i – Der Ruf der Kühe'''
„Du da!“ So küsse er dreimal das Haupt. „Mit dem Hin-Ruf der Kühe rufe ich dich an!“ So lasse er dreimal den Hin-Ruf gegen dessen Haupt ertönen.
'''2.11'''
Nun das Dahinsterben der Gottheiten. Dieses Brahman leuchtet, wenn Feuer brennt, und stirbt, wenn es nicht brennt; sein Glanz geht in die Sonne ein, sein Lebenshauch in den Wind. Dieses Brahman leuchtet, wenn die Sonne sichtbar ist, und stirbt, wenn sie nicht sichtbar ist; ihr Glanz geht in den Mond ein, ihr Lebenshauch in den Wind. Dieses Brahman leuchtet, wenn der Mond sichtbar ist, und stirbt, wenn er nicht sichtbar ist; sein Glanz geht in den Blitz ein, sein Lebenshauch in den Wind. Dieses Brahman leuchtet, wenn der Blitz zuckt, und stirbt, wenn er nicht zuckt; sein Glanz geht in den Wind ein, sein Lebenshauch in den Wind. Alle diese Gottheiten gehen in den Wind ein; im Wind gestorben, vergehen sie nicht, sondern erheben sich aus ihm wieder. So hinsichtlich der Gottheiten. Nun hinsichtlich des eigenen Selbst.
'''2.12'''
Dieses Brahman leuchtet, wenn man mit der Rede spricht, und stirbt, wenn man nicht spricht; ihr Glanz geht in das Auge ein, ihr Lebenshauch in Prana. Dieses Brahman leuchtet, wenn man mit dem Auge sieht, und stirbt, wenn man nicht sieht; sein Glanz geht in das Ohr ein, sein Lebenshauch in Prana. Dieses Brahman leuchtet, wenn man mit dem Ohr hört, und stirbt, wenn man nicht hört; sein Glanz geht in den Geist ein, sein Lebenshauch in Prana. Dieses Brahman leuchtet, wenn man mit dem Geist denkt, und stirbt, wenn man nicht denkt; sein Glanz geht in Prana ein, sein Lebenshauch in Prana. Alle diese Gottheiten gehen in Prana ein; in Prana gestorben, vergehen sie nicht, sondern erheben sich aus ihm wieder. Selbst wenn beide Gebirge, das südliche und das nördliche, auf den so Wissenden einstürzten, um ihn zu begraben, könnten sie ihn nicht begraben. Die aber, die ihn hassen und die er selbst hasst, sterben rings um ihn dahin.
'''2.13'''
Nun das Gewinnen des Vorrangs. Die Gottheiten stritten: „Ich bin der Beste“, und zogen aus diesem Körper aus. Ohne Atem lag er trocken wie Holz da. Die Rede trat hinein; er sprach, blieb aber liegen. Das Auge trat hinein; er sprach und sah, blieb aber liegen. Das Ohr trat hinein; er sprach, sah und hörte, blieb aber liegen. Der Geist trat hinein; er sprach, sah, hörte und dachte, blieb aber liegen. Prana trat hinein; sofort stand er auf. Da erkannten alle diese Gottheiten Pranas Vorrang. Sie vereinigten sich mit Prana als dem Erkenntnis-Selbst und zogen alle gemeinsam aus diesem Körper aus. In den Wind eingegangen und von Raumesnatur geworden, gelangten sie zum Himmel. Ebenso erkennt der so Wissende Pranas Vorrang, vereinigt sich mit Prana als dem Erkenntnis-Selbst aller Wesen und zieht mit all diesen aus dem Körper aus. In den Wind eingegangen und von Raumesnatur geworden, gelangt er zum Himmel. Er geht dorthin, wo diese Götter sind. Dort angekommen, wird er unsterblich, wie die Götter unsterblich sind, wenn er so weiß.
'''2.14a – Das Vermächtnis'''
Nun die Vater-Sohn-Zeremonie, auch Übergabe genannt. Der Vater, der sich zum Abschied anschickt, ruft den Sohn. Er lässt das Haus mit frischem Gras ausstreuen, das Feuer entzünden und einen Wasserkrug mit Schale bereitstellen. Mit einem neuen Gewand bedeckt liegt der Vater da. Der Sohn kommt, beugt sich von oben über ihn und berührt dessen Sinnesorgane mit den eigenen. Oder der Vater übergibt dem ihm gegenübersitzenden Sohn sein Vermächtnis. Er übergibt es ihm so:
'''2.14b – Die Übertragung der Kräfte'''
Der Vater: „Ich möchte dir meine Rede übertragen.“ Der Sohn: „Ich nehme deine Rede in mich auf.“ Der Vater: „Ich möchte dir meinen Lebenshauch übertragen.“ Der Sohn: „Ich nehme deinen Lebenshauch in mich auf.“ Der Vater: „Ich möchte dir meine Sehkraft übertragen.“ Der Sohn: „Ich nehme deine Sehkraft in mich auf.“ Der Vater: „Ich möchte dir meine Hörkraft übertragen.“ Der Sohn: „Ich nehme deine Hörkraft in mich auf.“ Der Vater: „Ich möchte dir meine Nahrungsgeschmäcke übertragen.“ Der Sohn: „Ich nehme deine Nahrungsgeschmäcke in mich auf.“ Der Vater: „Ich möchte dir meine Handlungen übertragen.“ Der Sohn: „Ich nehme deine Handlungen in mich auf.“ Der Vater: „Ich möchte dir meine Lust und Leid übertragen.“ Der Sohn: „Ich nehme deine Lust und Leid in mich auf.“ Der Vater: „Ich möchte dir meine Wonne, Liebeslust und Zeugung übertragen.“ Der Sohn: „Ich nehme deine Wonne, Liebeslust und Zeugung in mich auf.“ Der Vater: „Ich möchte dir meine Bewegungen übertragen.“ Der Sohn: „Ich nehme deine Bewegungen in mich auf.“ Der Vater: „Ich möchte dir meinen Geist übertragen.“ Der Sohn: „Ich nehme deinen Geist in mich auf.“ Der Vater: „Ich möchte dir meine Erkenntnis übertragen.“ Der Sohn: „Ich nehme deine Erkenntnis in mich auf.“
'''2.14c – Die zusammengefasste Formel'''
Wenn der Vater nur noch mit Mühe sprechen kann, sage er zusammenfassend: „Meine Lebenskräfte möchte ich in dich legen.“ Der Sohn: „Deine Lebenskräfte nehme ich in mich auf.“
'''2.14d – Abschied und weiterer Lebensweg'''
Dann geht der Sohn nach rechts herum nach Osten hinaus. Der Vater spricht ihm den Segen nach: „Herrlichkeit, Brahmanenglanz und Ruhm mögen dich erfreuen!“ Der Sohn schaut über die linke Schulter zurück, hält die Hand davor oder bedeckt sich mit dem Gewandende und spricht: „Erlange himmlische Welten und Freuden!“ Wenn der Vater wieder gesund wird, lebe er unter der Hausherrschaft des Sohnes oder ziehe als Entsagender umher. Wenn er aber stirbt, vollziehe man seinen Abschluss so, wie er zu vollziehen ist, wie er zu vollziehen ist.
'''Abschluss des zweiten Adhyaya'''
Hier endet das zweite Kapitel der Kaushitaki Brahmana Upanishad.
'''3.1'''
Pratardana, Divodasas Sohn, gelangte durch Kampf und Manneskraft zu Indras geliebter Wohnstätte. Indra sagte: „Pratardana, wähle einen Wunsch!“ Pratardana erwiderte: „Wähle du für mich, was du für den Menschen als am heilsamsten ansiehst.“ Indra sagte: „Einer wählt nicht für einen anderen einen Wunsch. Wähle selbst!“ Pratardana sagte: „Dann wäre es für mich ja kein Wunschgeschenk.“ Indra wich nicht von der Wahrheit ab; denn Indra ist Wahrheit. Er sprach: „Erkenne mich! Dies halte ich für den Menschen für das Heilsamste: dass er mich erkenne. Ich erschlug den dreiköpfigen Sohn Tvashtris. Ich erschlug die Arurmaghas. Die Yatis warf ich den wilden Hunden vor. Viele Bündnisse brechend, zerschlug ich im Himmel die Prahladiyas, im Zwischenraum die Paulomas, auf der Erde die Kalakanjas. Dabei wurde mir kein Haar gekrümmt. Wer mich kennt, dem wird durch kein Werk ein Haar gekrümmt: weder durch Diebstahl noch durch Tötung eines Ungeborenen, Muttertötung oder Vatertötung. Selbst wenn er Unheilsames getan hat, weicht die dunkle Farbe nicht aus seinem Gesicht.“
'''3.2'''
Er sprach: „Ich bin Prana, das Erkenntnis-Selbst. Verehre mich als Leben und als Unsterbliches. Leben ist Prana und Prana ist Leben. Solange Prana in diesem Körper wohnt, so lange besteht das Leben. Durch Prana erlangt man in dieser Welt Nichtsterben, durch Erkenntnis die wahre Absicht. Wer mich als Leben und Unsterbliches verehrt, erreicht in dieser Welt die volle Lebensdauer und erlangt Unsterblichkeit, Unvergänglichkeit in der Himmelswelt.“ Einige sagen, die Lebenskräfte gingen in eine Einheit ein: Niemand könne gleichzeitig mit der Rede einen Namen, mit dem Auge eine Gestalt, mit dem Ohr einen Ton und mit dem Geist einen Gedanken bewusst machen. Erst indem die Lebenskräfte eine Einheit bilden, machen sie dieses alles nacheinander bewusst. Wenn die Rede spricht, sprechen alle Lebenskräfte mit; wenn das Auge sieht, sehen alle mit; wenn das Ohr hört, hören alle mit; wenn der Geist denkt, denken alle mit; wenn Prana atmet, atmen alle mit. „So ist es“, sagte Indra. „Doch gibt es unter den Lebenskräften einen Vorrang.“
'''3.3a – Das Tragende im Leben'''
Man lebt ohne Rede; wir sehen Menschen ohne Sprechvermögen. Man lebt ohne Sehen; wir sehen Blinde. Man lebt ohne Hören; wir sehen Gehörlose. Man lebt ohne ausgebildetes Denken; wir sehen Unmündige. Man lebt mit abgetrenntem Arm, man lebt mit abgetrenntem Schenkel: So sehen wir es. Prana aber, das Erkenntnis-Selbst, umfasst diesen Körper und richtet ihn auf. Deshalb verehre man es als Uktha. Dies ist das völlige Zusammenkommen in Prana. Was Prana ist, das ist Erkenntnis; was Erkenntnis ist, das ist Prana.
'''3.3b – Tiefschlaf und Erwachen'''
Daran lässt es sich sehen und erkennen: Wenn ein Mensch schläft und keinen Traum sieht, werden die Kräfte in diesem Prana eins. Die Rede geht mit allen Namen in ihn ein, das Auge mit allen Gestalten, das Ohr mit allen Tönen, der Geist mit allen Gedanken. Wenn er erwacht, treten aus diesem Selbst die Lebenskräfte zu ihren jeweiligen Orten hervor, wie Funken eines brennenden Feuers in alle Richtungen auseinanderfliegen. Aus den Lebenskräften die Götter, aus den Göttern die Welten. Dieses Prana, das Erkenntnis-Selbst, umfasst den Körper und richtet ihn auf. Deshalb verehre man es als Uktha. Dies ist das völlige Zusammenkommen in Prana. Was Prana ist, ist Erkenntnis; was Erkenntnis ist, ist Prana.
'''3.3c – Sterben'''
Daran lässt es sich erweisen und erkennen: Wenn ein Mensch krank ist und sterben wird, kraftlos wird und in Bewusstlosigkeit versinkt, sagt man: „Sein Bewusstsein ist fortgegangen.“ Er hört nicht, sieht nicht, spricht nicht und denkt nicht. Dann werden die Kräfte in diesem Prana eins. Die Rede geht mit allen Namen in ihn ein, das Auge mit allen Gestalten, das Ohr mit allen Tönen, der Geist mit allen Gedanken. Wenn er aus diesem Körper auszieht, zieht er mit all diesen gemeinsam aus.
'''3.4'''
Die Rede entlässt aus ihm alle Namen; mit der Rede erlangt er alle Namen. Der Atem entlässt aus ihm alle Gerüche; mit dem Atem erlangt er alle Gerüche. Das Auge entlässt aus ihm alle Gestalten; mit dem Auge erlangt er alle Gestalten. Das Ohr entlässt aus ihm alle Töne; mit dem Ohr erlangt er alle Töne. Der Geist entlässt aus ihm alle Gedanken; mit dem Geist erlangt er alle Gedanken. Dies ist das völlige Zusammenkommen in Prana. Was Prana ist, ist Erkenntnis; was Erkenntnis ist, ist Prana. Beide wohnen gemeinsam in diesem Körper und ziehen gemeinsam aus. Nun wollen wir erklären, wie alle Wesen für diese Erkenntnis eins werden.
'''3.5'''
Rede ist eine aus ihr hervorgetretene Funktion; Namen ist ihr außen zugeordneter gegenständlicher Bereich. Riechorgan ist eine aus ihr hervorgetretene Funktion; Geruch ist ihr außen zugeordneter gegenständlicher Bereich. Auge ist eine aus ihr hervorgetretene Funktion; Gestalt ist ihr außen zugeordneter gegenständlicher Bereich. Ohr ist eine aus ihr hervorgetretene Funktion; Ton ist ihr außen zugeordneter gegenständlicher Bereich. Zunge ist eine aus ihr hervorgetretene Funktion; Nahrungsgeschmack ist ihr außen zugeordneter gegenständlicher Bereich. Die Hände sind eine aus ihr hervorgetretene Funktion; Handlung ist ihr außen zugeordneter gegenständlicher Bereich. Körper ist eine aus ihr hervorgetretene Funktion; Lust und Leid ist ihr außen zugeordneter gegenständlicher Bereich. Geschlechtsorgan ist eine aus ihr hervorgetretene Funktion; Wonne, Liebeslust und Zeugung ist ihr außen zugeordneter gegenständlicher Bereich. Die Füße sind eine aus ihr hervorgetretene Funktion; Bewegung ist ihr außen zugeordneter gegenständlicher Bereich. Erkenntnisvermögen ist eine aus ihr hervorgetretene Funktion; Gedanken, das zu Erkennende und Wünsche ist ihr außen zugeordneter gegenständlicher Bereich.
'''3.6'''
Indem man mit Erkenntnis die Rede betritt, erlangt man mit der Rede alle Namen. Indem man mit Erkenntnis das Riechorgan betritt, erlangt man mit dem Riechorgan alle Gerüche. Indem man mit Erkenntnis das Auge betritt, erlangt man mit dem Auge alle Gestalten. Indem man mit Erkenntnis das Ohr betritt, erlangt man mit dem Ohr alle Töne. Indem man mit Erkenntnis die Zunge betritt, erlangt man mit der Zunge alle Nahrungsgeschmäcke. Indem man mit Erkenntnis die Hände betritt, erlangt man mit den Händen alle Handlungen. Indem man mit Erkenntnis den Körper betritt, erlangt man mit dem Körper Lust und Leid. Indem man mit Erkenntnis das Geschlechtsorgan betritt, erlangt man mit dem Geschlechtsorgan Wonne, Liebeslust und Zeugung. Indem man mit Erkenntnis die Füße betritt, erlangt man mit den Füßen alle Bewegungen. Indem man mit Erkenntnis das Denken betritt, erlangt man mit der Erkenntnis Gedanken, das zu Erkennende und Wünsche.
'''3.7'''
Ohne Erkenntnis kann die Rede einen Namen nicht bewusst machen. Man sagt: „Mein Geist war anderswo; ich habe diesen Namen nicht wahrgenommen.“ Ohne Erkenntnis kann das Riechorgan einen Geruch nicht bewusst machen. Man sagt: „Mein Geist war anderswo; ich habe diesen Geruch nicht wahrgenommen.“ Ohne Erkenntnis kann das Auge eine Gestalt nicht bewusst machen. Man sagt: „Mein Geist war anderswo; ich habe diese Gestalt nicht wahrgenommen.“ Ohne Erkenntnis kann das Ohr einen Ton nicht bewusst machen. Man sagt: „Mein Geist war anderswo; ich habe diesen Ton nicht wahrgenommen.“ Ohne Erkenntnis kann die Zunge einen Nahrungsgeschmack nicht bewusst machen. Man sagt: „Mein Geist war anderswo; ich habe diesen Nahrungsgeschmack nicht wahrgenommen.“ Ohne Erkenntnis können die Hände eine Handlung nicht bewusst machen. Man sagt: „Mein Geist war anderswo; ich habe diese Handlung nicht wahrgenommen.“ Ohne Erkenntnis kann der Körper Lust oder Leid nicht bewusst machen. Man sagt: „Mein Geist war anderswo; ich habe diese Lust oder dieses Leid nicht wahrgenommen.“ Ohne Erkenntnis kann das Geschlechtsorgan Wonne, Liebeslust oder Zeugung nicht bewusst machen. Man sagt: „Mein Geist war anderswo; ich habe diese Wonne, Liebeslust oder Zeugung nicht wahrgenommen.“ Ohne Erkenntnis können die Füße eine Bewegung nicht bewusst machen. Man sagt: „Mein Geist war anderswo; ich habe diese Bewegung nicht wahrgenommen.“ Ohne Erkenntnis kann kein Gedanke gelingen und nichts zu Erkennendes erkannt werden.
'''3.8a – Suche den Erkennenden'''
Man suche nicht die Rede zu erkennen, sondern erkenne den Sprecher. Man suche nicht den Geruch zu erkennen, sondern erkenne den Riechenden. Man suche nicht die Gestalt zu erkennen, sondern erkenne den Sehenden. Man suche nicht den Ton zu erkennen, sondern erkenne den Hörenden. Man suche nicht den Nahrungsgeschmack zu erkennen, sondern erkenne den Kenner des Nahrungsgeschmacks. Man suche nicht die Handlung zu erkennen, sondern erkenne den Handelnden. Man suche nicht Lust und Leid zu erkennen, sondern ihren Erkenner. Man suche nicht Wonne, Liebeslust und Zeugung zu erkennen, sondern ihren Erkenner. Man suche nicht die Bewegung zu erkennen, sondern den Gehenden. Man suche nicht den Geist zu erkennen, sondern den Denkenden.
'''3.8b – Speichen und Nabe'''
Diese zehn gegenständlichen Bereiche beziehen sich auf Erkenntnis; die zehn Erkenntnisbereiche beziehen sich auf die Gegenstände. Gäbe es keine Gegenstandsbereiche, gäbe es keine Erkenntnisbereiche; gäbe es keine Erkenntnisbereiche, gäbe es keine Gegenstandsbereiche. Aus nur einer der beiden Seiten könnte keine Gestalt zustande kommen. Sie sind nicht voneinander getrennt. Wie beim Wagen der Radkranz auf den Speichen und die Speichen in der Nabe ruhen, so ruhen diese Gegenstandsbereiche in den Erkenntnisbereichen und die Erkenntnisbereiche in Prana.
'''3.8c – Das Selbst'''
Dieses Prana, das Erkenntnis-Selbst, ist unbegrenzt, alterslos und unsterblich. Es wird durch gutes Handeln nicht größer und durch schlechtes nicht geringer. Es lässt den gutes Handeln tun, den es aus diesen Welten hinaufführen will; es lässt den schlechtes Handeln tun, den es hinabführen will. Es ist der Weltenhüter, der Weltenherrscher, der Herr der Welten. „Es ist mein Selbst“, so soll man erkennen. „Es ist mein Selbst“, so soll man erkennen.
'''Abschluss des dritten Adhyaya'''
Hier endet das dritte Kapitel der Kaushitaki Brahmana Upanishad.
'''4.1'''
Gargya Balaki war ein bekannter Schriftgelehrter. Er hatte unter den Ushinaras, Satvan-Matsyas, Kuru-Pancalas und Kashi-Videhas gelebt. Er ging zu Ajatashatru, dem König von Kashi, und sagte: „Ich will dir Brahman erklären.“ Ajatashatru antwortete: „Wir geben dir dafür tausend [Kühe]. Denn bei einer solchen Rede laufen die Menschen gewöhnlich mit dem Ruf ‚Janaka! Janaka!‘ zu ihm.“
'''4.2'''
In der Sonne: das Große. Im Mond: Nahrung. Im Blitz: Glanz. Im Donner: Ton. Im Wind: Indra Vaikuntha. Im Raum: Fülle. Im Feuer: der Überwältiger. Im Wasser: Wahrheit. So hinsichtlich der Gottheiten. Nun hinsichtlich des eigenen Selbst: Im Spiegel: das Ebenbild. Im Schatten: der Zweite. Im Echo: Lebenskraft. Im Ton: Tod. Im Traum: Yama. Im Körper: Prajapati. Im rechten Auge: das der Rede. Im linken Auge: das der Wahrheit.
'''4.3'''
Balaki sprach: „Ich verehre den Purusha in der Sonne.“ Ajatashatru antwortete: „Sprich mir davon nicht als etwas Neuem! Ich verehre ihn als den alles Überragenden, das Haupt aller Wesen.“ Wer ihn so verehrt, wird der alles Überragende, das Haupt aller Wesen.
'''4.4'''
Balaki sprach: „Ich verehre den Purusha im Mond.“ Ajatashatru antwortete: „Sprich mir davon nicht als etwas Neuem! Ich verehre ihn als den Großen, Weißgekleideten, König Soma, das Selbst der Nahrung.“ Wer ihn so verehrt, wird das Selbst der Nahrung.
'''4.5'''
Balaki sprach: „Ich verehre den Purusha im Blitz.“ Ajatashatru antwortete: „Sprich mir davon nicht als etwas Neuem! Ich verehre ihn als das Selbst des Glanzes.“ Wer ihn so verehrt, wird das Selbst des Glanzes.
'''4.6'''
Balaki sprach: „Ich verehre den Purusha im Donner.“ Ajatashatru antwortete: „Sprich mir davon nicht als etwas Neuem! Ich verehre ihn als das Selbst des Tones.“ Wer ihn so verehrt, wird das Selbst des Tones.
'''4.7'''
Balaki sprach: „Ich verehre den Purusha im Raum.“ Ajatashatru antwortete: „Sprich mir davon nicht als etwas Neuem! Ich verehre ihn als das volle, unbewegte Brahman.“ Wer ihn so verehrt, wird mit Nachkommen, Vieh, Ruhm, Brahmanenglanz und der Himmelswelt erfüllt; er erreicht die volle Lebensdauer.
'''4.8'''
Balaki sprach: „Ich verehre den Purusha im Wind.“ Ajatashatru antwortete: „Sprich mir davon nicht als etwas Neuem! Ich verehre ihn als Indra Vaikuntha, das unbesiegte Heer.“ Wer ihn so verehrt, wird siegreich, unbesiegbar und Bezwinger anderer.
'''4.9'''
Balaki sprach: „Ich verehre den Purusha im Feuer.“ Ajatashatru antwortete: „Sprich mir davon nicht als etwas Neuem! Ich verehre ihn als den Überwältiger.“ Wer ihn so verehrt, wird zum Überwältiger anderer.
'''4.10'''
Balaki sprach: „Ich verehre den Purusha im Wasser.“ Ajatashatru antwortete: „Sprich mir davon nicht als etwas Neuem! Ich verehre ihn als das Selbst der Wahrheit.“ Wer ihn so verehrt, wird das Selbst der Wahrheit. So hinsichtlich der Gottheiten. Nun hinsichtlich des eigenen Selbst.
'''4.11'''
Balaki sprach: „Ich verehre den Purusha im Spiegel.“ Ajatashatru antwortete: „Sprich mir davon nicht als etwas Neuem! Ich verehre ihn als das Ebenbild.“ Wer ihn so verehrt, dem wird ein ebenbildlicher Nachkomme geboren, kein unähnlicher.
'''4.12'''
Balaki sprach: „Ich verehre den Purusha im Schatten.“ Ajatashatru antwortete: „Sprich mir davon nicht als etwas Neuem! Ich verehre ihn als den Zweiten, der nicht weicht.“ Wer ihn so verehrt, findet einen Gefährten und besitzt einen Gefährten.
'''4.13'''
Balaki sprach: „Ich verehre den Purusha im Echo.“ Ajatashatru antwortete: „Sprich mir davon nicht als etwas Neuem! Ich verehre ihn als Lebenskraft.“ Wer ihn so verehrt, gerät nicht vor der Zeit in Bewusstlosigkeit.
'''4.14'''
Balaki sprach: „Ich verehre den Purusha im Ton.“ Ajatashatru antwortete: „Sprich mir davon nicht als etwas Neuem! Ich verehre ihn als Tod.“ Wer ihn so verehrt, scheidet nicht vor der Zeit dahin.
'''4.15'''
Balaki sprach: „Ich verehre jenen Purusha, der schlafend im Traum umherwandert.“ Ajatashatru antwortete: „Sprich mir davon nicht als etwas Neuem! Ich verehre ihn als König Yama.“ Wer ihn so verehrt, dem wird dieses All zu seinem Vorrang gebändigt.
'''4.16'''
Balaki sprach: „Ich verehre den Purusha im Körper.“ Ajatashatru antwortete: „Sprich mir davon nicht als etwas Neuem! Ich verehre ihn als Prajapati.“ Wer ihn so verehrt, wird reich an Nachkommen, Vieh, Ruhm, Brahmanenglanz und der Himmelswelt; er erreicht die volle Lebensdauer.
'''4.17'''
Balaki sprach: „Ich verehre den Purusha im rechten Auge.“ Ajatashatru antwortete: „Sprich mir davon nicht als etwas Neuem! Ich verehre ihn als das Selbst der Rede, das Selbst des Feuers und das Selbst des Lichtes.“ Wer ihn so verehrt, wird das Selbst all dieser.
'''4.18'''
Balaki sprach: „Ich verehre den Purusha im linken Auge.“ Ajatashatru antwortete: „Sprich mir davon nicht als etwas Neuem! Ich verehre ihn als das Selbst der Wahrheit, das Selbst des Blitzes und das Selbst des Glanzes.“ Wer ihn so verehrt, wird das Selbst all dieser.
'''4.19a – Balaki wird Schüler'''
Da schwieg Balaki. Ajatashatru fragte: „Ist das alles, Balaki?“ – „Das ist alles“, antwortete Balaki. Ajatashatru sprach: „Du hast mir voreilig versprochen: ‚Ich will dir Brahman erklären.‘ Wer der Schöpfer dieser Purushas ist, wessen Werk dieses ist: Den muss man erkennen.“ Da trat Balaki mit Brennholz in der Hand heran: „Ich möchte dein Schüler werden.“ Ajatashatru sagte: „Es scheint mir gegen die übliche Ordnung, wenn ein Kshatriya einen Brahmanen einweiht. Komm, ich werde dich dennoch unterrichten.“
'''4.19b – Der Schlafende'''
Er nahm ihn bei der Hand und ging mit ihm fort. Beide kamen zu einem schlafenden Menschen. Ajatashatru rief ihn an: „Großer, Weißgekleideter, König Soma!“ Der Schlafende blieb liegen. Dann stieß er ihn mit einem Stab an. Sofort stand er auf.
'''4.19c – Die Frage nach dem Selbst'''
Ajatashatru fragte: „Wo lag dieser Purusha währenddessen, Balaki? Wo war er? Woher ist er zurückgekommen?“ Balaki wusste es nicht.
'''4.19d – Die feinen Bahnen'''
Ajatashatru sprach: „Wo dieser Purusha währenddessen lag, wo er war und woher er kam: Im Menschen erstrecken sich die Hita genannten Bahnen vom Herzen bis zur Herzhülle. So fein wie ein tausendfach gespaltenes Haar sind sie; sie bestehen in der Feinheit von Gelbbraunem, Weißem, Schwarzem, Gelbem und Rotem. In ihnen befindet er sich, wenn er schläft und keinen Traum sieht.“
'''4.20a – Das Erwachen der Kräfte'''
Dann werden die Kräfte in diesem Prana eins. Die Rede geht mit allen Namen in ihn ein, das Auge mit allen Gestalten, das Ohr mit allen Tönen, der Geist mit allen Gedanken. Wenn er erwacht, treten aus diesem Selbst die Lebenskräfte zu ihren jeweiligen Orten hervor, wie Funken aus brennendem Feuer in alle Richtungen auseinanderfliegen; aus den Lebenskräften die Götter, aus den Göttern die Welten.
'''4.20b – Das Selbst im Körper'''
Dieses Prana, das Erkenntnis-Selbst, ist in diesen Körper, dieses Selbst, eingegangen bis zu den Haaren und bis zu den Nägeln. Wie ein Rasiermesser in seinem Behälter oder ein Allernährer in seinem Nest liegt, so ist dieses Erkenntnis-Selbst in den Körper eingegangen bis zu den Haaren und Nägeln. Die einzelnen Kräfte folgen diesem Selbst wie die Angehörigen ihrem Oberhaupt. Wie das Oberhaupt mit seinen Angehörigen genießt und die Angehörigen an ihrem Oberhaupt teilhaben, so genießt dieses Erkenntnis-Selbst mit diesen einzelnen Kräften, und diese Kräfte haben an diesem Selbst teil.
'''4.20c – Erkenntnis und Selbstherrschaft'''
Solange Indra dieses Selbst nicht erkannte, überwältigten ihn die Asuras. Als er es erkannte, erschlug und besiegte er die Asuras und erlangte unter allen Göttern Vorrang, Selbstherrschaft und Oberhoheit. Ebenso vertreibt der so Wissende alles Unheilsame und erlangt unter allen Wesen Vorrang, Selbstherrschaft und Oberhoheit, wer so weiß, wer so weiß.
'''Abschluss des vierten Adhyaya'''
Hier endet das vierte Kapitel der Kaushitaki Brahmana Upanishad.
'''Schluss – Shanti-Mantra'''
Om. Meine Rede sei im Geist gegründet, mein Geist in der Rede. Offenbare dich mir, du Offenbares! Möget ihr beide mir den Veda erschließen. Möge das von mir Gehörte mich nicht verlassen. Durch dieses Studium verbinde ich Tage und Nächte. Ich werde das Rechte sprechen; ich werde die Wahrheit sprechen. Möge jenes mich beschützen, möge es den Lehrenden beschützen. Möge es mich beschützen; möge es den Lehrenden beschützen, den Lehrenden beschützen.
'''Schluss – Friedensruf'''
Om. Frieden, Frieden, Frieden.
== Fünf Empfehlungen für die spirituelle Praxis ==
# '''Beginne mit ehrlichem Nichtwissen.''' Wie Aruni kannst du offen anerkennen, was du noch nicht verstanden hast. Suche Unterweisung und prüfe die Bedeutung im eigenen Leben.
# '''Betrachte Atem und Rede bewusst.''' Nimm vor dem Sprechen einen ruhigen Augenblick. Lass die Vorstellung des inneren Opfers deine Worte wahrhaftig und hilfreich werden.
# '''Frage nach dem Erkennenden.''' Beobachte einen Ton, einen Gedanken oder eine Empfindung und frage: Wer nimmt dies wahr? Verbinde diese [[Atma Vichara]] mit ruhiger [[Meditation]].
# '''Unterscheide Teilbilder und Grund.''' Ein Bild oder Begriff kann die Betrachtung unterstützen. Prüfe zugleich, ob du damit bereits die ganze Wirklichkeit zu erfassen glaubst.
# '''Übe Selbstherrschaft durch Dienst und Besonnenheit.''' Setze die gewonnene Sammlung in verantwortliches Handeln, [[Ahimsa]] und [[Seva]] um. Achte die Freiheit anderer Menschen.


==Siehe auch==
==Siehe auch==
*[[Kaushitaka]]
*[[Kushitaka]]
*[[Upanishaden]]
*[[Upanishaden]]
*[[Aitareya Upanishad]]
*[[Aitareya Upanishad]]
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*[[Leben]]
*[[Leben]]
*[[Erkenntnis]]
*[[Erkenntnis]]
*[[Meditation]]
*[https://www.yoga-vidya.de/meditation/ Meditation]
*[[Shankara]]
*[[Shankara]]
*[[Amrita Siddhi Sanskrittext und Übersetzung]]
*[[HYP Jahresgruppe]] 
*[[Sanskrit Kurs Lektion 1]] 


==Literatur==
==Literatur==
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*[https://www.yoga-vidya.de/shop/product_info.php?info=p927_Vedanta-fuer-Anfaenger/ Vedanta für Anfänger von Swami Sivananda]
*[https://www.yoga-vidya.de/shop/product_info.php?info=p927_Vedanta-fuer-Anfaenger/ Vedanta für Anfänger von Swami Sivananda]
*Heinrich Zimmer: Philosophie und Religion Indiens, Suhrkamp, 2001
*Heinrich Zimmer: Philosophie und Religion Indiens, Suhrkamp, 2001
*[https://www.yoga-vidya.de/shop/product_info.php?info=p848_Das-Yoga-Lexikon/ ''Das Yoga-Lexikon'' von Huchzermeyer, Wilfried]
*Dowson, John: A Classical Dictionary of Hindu Mythology and Religion – Geography, History and Religion; D.K.Printworld Ltd., New Delhi, India, 2005


==Weblinks==
==Weblinks==
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==Seminare==
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===Indische Schriften===
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Aktuelle Version vom 2. September 2026, 19:38 Uhr

Kaushitaki Upanishad, auch geschriebenKaushitakyupanishad (Sanskrit: कौषीतक्युपनिषद् kauṣītaky-upaniṣad f. ) eine der älteren Upanishaden (indische Heilige Schriften). Sie stammt aus dem Rigveda und ist als sogenannte Samanya Upanishad allen Vedanta-Schulen gemein. Sie zählt als fünfundzwanzigste der einhundertacht Upanishaden im Muktika-Kanon und beschreibt den Weg der Seelen nach dem Tod und ihre Durchquerung von Himmelsregionen.

Kaushitaki ist ein Shakha des Rigveda. Auch ist Kaushitaki der Name eines Brahmanas, eines Aranyakas und einer Upanishade. Diese Brahmana wurde mit einer Übersetzung von Professor Cowell in der Bibliotheca Indica veröffentlicht.

Die Kaushitaki Upanishad wird auch genannt Kaushitaki Brahmana Upanishad. In vier Kapiteln führt sie von der Frage nach dem Weg des Menschen nach dem Tod zur Untersuchung von Prana, Erkenntnis und Atman. Ihre Gespräche verbinden die Sprache des vedischen Rituals mit der Suche nach dem erkennenden Selbst.

Die Kaushitaki lenkt die Untersuchung von den Sinnesgegenständen auf das erkennende Selbst.

Die Schrift zählt zu den älteren Upanishaden und wird in erweiterten Zusammenstellungen der Hauptupanishaden mitgeführt. Die Bezeichnung Samanya Upanishad bezeichnet ihre allgemeine vedantische Ausrichtung. Sie ist von dem eigenständigen, dreißig Kapitel umfassenden Kaushitaki Brahmana zu unterscheiden. Ein Leitgedanke lautet: Frage nach dem, der sieht, hört und denkt – nach dem Subjekt aller Erfahrung.

Kaushitaki Upanishad कौषीतकि उपनिषद् Kauṣītaki-Upaniṣad Aussprache

Hier kannst du hören, wie das Sanskritwort Kaushitaki Upanishad, कौषीतकि उपनिषद्, Kauṣītaki-Upaniṣad ausgesprochen wird:

Kaushitaki Brahmana Upanishad – Sanskrit (IAST), Übersetzung und Wort-für-Wort-Erläuterung

Grundlage des vollständigen Sanskrittexts ist die von Mislav Ježic herausgegebene Fassung, R̥gvedske upanišadi (1999), in der öffentlichen TITUS-Wiedergabe. Die wissenschaftliche Umschrift wurde in einheitliches IAST übertragen. Eingeklammerte Sanskritpassagen werden mit aufgenommen und ihr Status an der Stelle erläutert; offensichtliche Übertragungsfehler sind berichtigt. Die deutsche Übersetzung wurde für diesen Artikel neu erarbeitet; Paul Deussens ältere Übersetzung dient als Vergleich.

Die verwendete Edition ordnet einzelne Passagen anders an und zählt das zweite Kapitel mit 14 Abschnitten, darunter 8a–8c. In der verbreiteten Zählung sind es 15. Insbesondere entspricht hier 2.8b dem dortigen 2.10, und hier 2.10–14 entsprechen dort 2.11–15. Kapitel 3 hat hier acht Abschnitte. Inhaltliche Wiederholungen sind vollständig erhalten. Die zusätzlichen Buchstaben und ausgeschriebenen Zwischenlabels teilen längere Prosa zur besseren Lesbarkeit. Friedensgebet und Kapitelkolophone bilden den traditionellen Rahmen.

Shanti-Mantra
oṃ vāṅme manasi pratiṣṭhitā |
mano me vāci pratiṣṭhitam |
āvirāvīrma edhi |
vedasya ma āṇīsthaḥ |
śrutaṃ me mā prahāsīḥ |
anenādhītenāhorātrānsandadhāmi |
ṛtaṃ vadiṣyāmi |
satyaṃ vadiṣyāmi |
tanmāmavatu |
tadvaktāramavatu |
avatu māmavatu vaktāramavatu vaktāram ||

Om. Meine Rede sei im Geist gegründet, mein Geist in der Rede. Offenbare dich mir, du Offenbares! Möget ihr beide mir den Veda erschließen. Möge das von mir Gehörte mich nicht verlassen. Durch dieses Studium verbinde ich Tage und Nächte. Ich werde das Rechte sprechen; ich werde die Wahrheit sprechen. Möge jenes mich beschützen, möge es den Lehrenden beschützen. Möge es mich beschützen; möge es den Lehrenden beschützen, den Lehrenden beschützen.

Wort-für-Wort-Übersetzung: oṃ – Om; vāk – Rede; me – meine; manasi – im Geist; pratiṣṭhitā – gegründet; manaḥ – Geist; vāci – in der Rede; pratiṣṭhitam – gegründet; āviḥ āviḥ – offen, offenbar; me – mir; edhi – werde, sei; vedasya – des Veda; me – mir, vedisch auch ma; āṇīsthaḥ – möget ihr beide heranführen, auf Rede und Geist bezogen; śrutam – Gehörtes; me – von mir; – nicht; prahāsīḥ – verlasse; anena adhītena – durch dieses Studium; ahaḥ-rātrān – Tage und Nächte; sandadhāmi – ich verbinde; ṛtam – das Rechte; vadiṣyāmi – ich werde sprechen; satyam – Wahrheit; tat – jenes; mām – mich; avatu – möge beschützen; vaktāram – den Sprechenden, Lehrenden.

Friedensruf
oṃ śāntiḥ śāntiḥ śāntiḥ ||

Om. Frieden, Frieden, Frieden.

Wort-für-Wort-Übersetzung: oṃ – Om; śāntiḥ – Frieden, dreimal.

Erster Adhyaya – Der Weg zu Brahman

1.1
citro ha vai gārgyāyaṇir yakṣyamāṇa āruṇiṃ vavre |
sa ha putraṃ śvetaketuṃ prajighāya yājayeti |
taṃ hāsīnaṃ papraccha |
gautamasya putrāsti saṃvṛtaṃ loke yasmin mā dhāsyasy anyatamo vādhvā tasya |
māloke dhāsyasīti |
sa hovāca nāham etad veda |
hantācāryaṃ pṛcchānīti |
sa ha pitaram āsādya papracchetīti māprākṣīt kathaṃ pratibravāṇīti |
sa hovācāham apy etan na veda |
sadasy eva vayaṃ svādhyāyam adhītya harāmahe yan naḥ pare dadati |
ehy ubhau gamiṣyāva iti |
sa ha samitpāṇiś citraṃ gārgyāyaṇiṃ praticakrama |
upāyānīti taṃ hovāca |
brahmārgho 'si gautama yo na mānam upāgāḥ |
ehi vy eva tvā jñapayiṣyāmīti ||1||

Citra Gargyayani wollte ein Opfer veranstalten und wählte Aruni zum Priester. Dieser sandte seinen Sohn Shvetaketu: „Vollziehe das Opfer!“ Als er dort saß, fragte Citra ihn: „Sohn Gautamas, gibt es in jener Welt einen abgeschlossenen Ort, an den du mich setzen wirst, oder einen bestimmten Weg dorthin? Wirst du mich in diese Welt bringen?“ Er antwortete: „Das weiß ich nicht. Ich will meinen Lehrer fragen.“ Er ging zu seinem Vater und fragte: „So hat er mich gefragt. Was soll ich antworten?“ Dieser sagte: „Auch ich weiß es nicht. Wir halten lediglich unsere Veda-Rezitation in der Opferhalle ab und nehmen dafür, was andere uns geben. Komm, wir wollen beide hingehen!“ Mit Brennholz in der Hand trat er zu Citra Gargyayani und sagte: „Ich möchte dein Schüler werden.“ Citra antwortete: „Gautama, du bist der Brahman-Unterweisung würdig, weil du dich nicht dem Stolz ergeben hast. Komm, ich werde dich unterrichten.“

Wort-für-Wort-Übersetzung: citraḥ gārgyāyaṇiḥ – Citra Gargyayani; yakṣyamāṇaḥ – opfern wollend; āruṇim vavre – wählte Aruni; saḥ ha putram śvetaketum prajighāya – er sandte seinen Sohn Shvetaketu; yājaya iti – vollziehe das Opfer; tam āsīnam papraccha – fragte den dort Sitzenden; gautamasya putra – Sohn Gautamas; asti saṃvṛtam loke – gibt es einen abgeschlossenen Ort in jener Welt; yasmin mā dhāsyasi – an den du mich setzen wirst; anyatamaḥ vā adhvā – oder ein bestimmter Weg; tasya – zu diesem; mā loke dhāsyasi – wirst du mich in die Welt setzen; saḥ uvāca – er sagte; na aham etat veda – ich weiß dieses nicht; hanta ācāryam pṛcchāni – ich will den Lehrer fragen; pitaram āsādya – zum Vater gelangt; iti mā aprākṣīt – so fragte er mich; katham pratibravāṇi – wie soll ich antworten; aham api etat na veda – auch ich weiß es nicht; sadasi eva – in der Opferhalle allein; vayam svādhyāyam adhītya – wir die Veda-Rezitation vollziehend; harāmahe – nehmen an; yat naḥ pare dadati – was andere uns geben; ehi ubhau gamiṣyāva – komm, wir wollen beide gehen; samit-pāṇiḥ – mit Brennholz in der Hand; praticakrama – trat hinzu; upāyāni – ich möchte Schüler werden; brahma-arghaḥ asi – du bist der Brahman-Unterweisung würdig; yaḥ na mānam upāgāḥ – weil du dich nicht dem Stolz ergeben hast; vy eva tvā jñapayiṣyāmi – ich werde dich unterrichten.

Textanmerkung: Die Frage nach saṃvṛta ist in den Textzeugen verschieden überliefert und unterschiedlich gedeutet worden. Gemeint ist hier die Kenntnis des jenseitigen Ziels beziehungsweise des Weges dorthin. Die Namenform Gargyayani folgt der benutzten Sanskritausgabe; Gangyayani ist eine verbreitete Variante.

1.2a – Der Mond als Tor
sa hovāca ye vai ke cāsmāl lokāt prayanti candramasam eva te sarve gacchanti |
teṣāṃ prāṇaiḥ pūrvapakṣa āpyāyate |
tān aparapakṣeṇa prajanayati |
etad vai svargasya lokasya dvāraṃ yac candramāḥ |
taṃ yaḥ pratyāha tam atisṛjate |
atha ya enam na pratyāha tam iha vṛṣṭir bhūtvā varṣati |
sa iha kīṭo vā pataṅgo vā matsyo vā śakunir vā siṃho vā varāho vā parasvān vā śārdūlo vā puruṣo vānyo vā teṣu teṣu sthāneṣu pratyājāyate yathākarma yathāvidyam |
tam āgataṃ pṛcchati ko'sīti |
taṃ pratibrūyād |

Er sprach: „Alle, die aus dieser Welt abscheiden, gehen zum Mond. Durch ihre Lebenskräfte wächst seine helle Hälfte; in der dunklen Hälfte lässt er sie wieder geboren werden. Der Mond ist das Tor zur Himmelswelt. Wer ihm antwortet, den lässt er hindurch. Wer ihm nicht antwortet, den lässt er als Regen hier herabregnen. Hier wird er wieder geboren: als Wurm, Insekt, Fisch, Vogel, Löwe, Eber, Beißtier, Tiger, Mensch oder sonst etwas, an den jeweiligen Orten, gemäß seinem Handeln und seiner Erkenntnis. Den Ankommenden fragt er: ‚Wer bist du?‘ Darauf soll dieser antworten:“

Wort-für-Wort-Übersetzung: saḥ uvāca – er sprach; ye vai ke ca – alle, die; asmāt lokāt prayanti – aus dieser Welt abscheiden; candramasam eva te sarve gacchanti – sie alle gehen zum Mond; teṣām prāṇaiḥ – durch ihre Lebenskräfte; pūrva-pakṣaḥ āpyāyate – die helle Monatshälfte wächst; tān apara-pakṣeṇa prajanayati – lässt sie in der dunklen Hälfte geboren werden; etat svargasya lokasya dvāram – das Tor zur Himmelswelt; yat candramāḥ – welches der Mond ist; tam yaḥ pratyāha – wer ihm antwortet; tam atisṛjate – den lässt er hindurch; atha yaḥ enam na pratyāha – wer ihm aber nicht antwortet; tam iha vṛṣṭiḥ bhūtvā varṣati – den lässt er als Regen hier herabregnen; kīṭaḥ – Wurm; pataṅgaḥ – fliegendes Insekt; matsyaḥ – Fisch; śakuniḥ – Vogel; siṃhaḥ – Löwe; varāhaḥ – Eber; parasvān – Beißtier; śārdūlaḥ – Tiger; puruṣaḥ – Mensch; anyaḥ vā – oder sonst etwas; teṣu teṣu sthāneṣu – an den jeweiligen Orten; pratyājāyate – wird wieder geboren; yathā-karma – gemäß dem Handeln; yathā-vidyam – gemäß der Erkenntnis; tam āgatam pṛcchati – fragt den Ankommenden; kaḥ asi – wer bist du; tam pratibrūyāt – ihm soll man antworten.

1.2b – Antwort des Ankommenden
vicakṣaṇād ṛtavo reta ābhṛtam
pañcadaśāt prasūtāt pitryāvatas |
tan mā puṃsi kartary erayadhvaṃ
puṃsā kartrā mātari māsiṣikta ||
sa upajāya upajāyamāno
dvādaśena trayodaśopamāsaḥ |
dvādaśatrayodaśena pitrā
saṃ tad vide 'haṃ prati tad vide 'haṃ
tan ma ṛtavo 'mṛtyava ābharadhvam ||
tena satyena tena tapasā ṛtur
asmy ārtavo 'smi ko 'smi tvam asmi |

„Vom weithin Sehenden, ihr Jahreszeiten, wurde ich als Same herbeigetragen, vom fünfzehnfachen, hervorgebrachten, väterlichen Bereich. Mich führtet ihr in den zeugenden Mann; durch den zeugenden Mann wurde ich in die Mutter eingesät. Geboren und wieder geboren, als der zum dreizehnten Monat werdende aus dem zwölffachen [Jahr], [durch den zwölf- und dreizehnfachen Vater], erkenne ich dieses insgesamt und erkenne es im Gegenüber. Dieses habt mir, ihr unsterblichen Jahreszeiten, zugetragen! Durch diese Wahrheit, durch diese Askese bin ich Jahreszeit, bin ich Kind der Jahreszeiten. Wer bin ich? Ich bin du.“

Wort-für-Wort-Übersetzung: vicakṣaṇāt – vom weithin Sehenden; ṛtavaḥ – ihr Jahreszeiten; retaḥ ābhṛtam – Same herbeigetragen; pañcadaśāt – vom fünfzehnfachen; prasūtāt – hervorgebrachten; pitryāvataḥ – väterlichen Bereich; tat mām – mich; puṃsi kartari – in den zeugenden Mann; erayadhvam – führtet ihr; puṃsā kartrā – durch den zeugenden Mann; mātari – in die Mutter; mā asiṣikta – mich eingesät; saḥ upajāya upajāyamānaḥ – geboren und wieder geboren; dvādaśena – durch den zwölffachen; trayodaśa-upamāsaḥ – zum dreizehnten Monat werdend; dvādaśa-trayodaśena pitrā – durch den zwölf- und dreizehnfachen Vater; sam tat vide aham – ich erkenne dieses insgesamt; prati tat vide aham – ich erkenne dieses im Gegenüber; tat me – dieses mir; ṛtavaḥ amṛtyavaḥ – ihr unsterblichen Jahreszeiten; ābharadhvam – habt zugetragen; tena satyena – durch diese Wahrheit; tena tapasā – durch diese Askese; ṛtuḥ asmi – ich bin Jahreszeit; ārtavaḥ asmi – ich bin Kind der Jahreszeiten; kaḥ asmi – wer bin ich; tvam asmi – ich bin du.

Textanmerkung: Diese metrisch und sprachlich schwierige Antwort wird in den Ausgaben unterschiedlich hergestellt. Die eckig gekennzeichnete Sanskritzeile dvādaśatrayodaśena pitrā ist in der verwendeten Edition als verdächtiger Zusatz markiert; sie wird hier mitübersetzt. Die Aussage verbindet Geburt, Mond und Jahreskreis mit der Identität des Ankommenden und des befragenden Wesens.

1.2c – Durchgang
iti tam atisṛjate ||2||

Wenn er so antwortet, lässt er ihn hindurch.

Wort-für-Wort-Übersetzung: iti – so; tam atisṛjate – lässt ihn hindurch.

1.3
sa etaṃ devayānaṃ panthānam āpadyāgnilokam āgacchati |
sa vāyulokam |
sa ādityalokam |
sa varuṇalokam |
sa indralokam |
sa prajāpatilokam |
sa brahmalokam |
tasya ha vā etasya lokasyāro hradaḥ |
muhūrtā yaṣṭihāḥ |
vijarā nadī |
ilyo vṛkṣaḥ |
sālajyaṃ saṃsthānam |
aparājitam āyatanam |
indraprajāpatī dvāragopau |
vibhu pramitam |
vicakṣaṇāsandī |
amitaujāḥ paryaṅkaḥ |
priyā ca mānasī |
pratirūpā ca cākṣuṣī |
puṣpāṇy ādāyāvayato vai ca jagāni |
ambāścāmbāyavīścāpsarasaḥ |
āmbayā nadyaḥ ||3||

Er betritt den Weg der Götter und gelangt zur Welt des Feuers, zur Welt des Windes, zur Sonnenwelt, zur Welt Varunas, zur Welt Indras, zur Welt Prajapatis und zur Brahmanwelt. In dieser Welt befinden sich der See Ara, die Stunden Yashtiha, der Fluss Vijara, der Baum Ilya, die Stadt Salajya, die unüberwindliche Wohnstätte Aparajita, Indra und Prajapati als Torwächter, die Halle Vibhu, der Thron Vicakshana und das Lager Amitaujas. Dort sind auch die Geliebte Manasi und ihr Gegenbild Cakshushi; mit Blumen versehen weben sie die Welten. Dort sind die Apsaras Ambas und Ambayavis und die Flüsse Ambayas.

Wort-für-Wort-Übersetzung: saḥ – er; etam deva-yānam panthānam āpadya – diesen Götterweg betretend; agni-lokam āgacchati – gelangt zur Feuerwelt; vāyu-lokam – Windwelt; āditya-lokam – Sonnenwelt; varuṇa-lokam – Varunas Welt; indra-lokam – Indras Welt; prajāpati-lokam – Prajapatis Welt; brahma-lokam – Brahmanwelt; tasya etasya lokasya – in dieser Welt; āraḥ hradaḥ – See Ara; muhūrtāḥ yaṣṭihāḥ – Stunden Yashtiha; vijarā nadī – Fluss Vijara, alterslos; ilyaḥ vṛkṣaḥ – Baum Ilya; sālajyam saṃsthānam – Stadt Salajya; aparājitam āyatanam – unüberwindliche Wohnstätte; indra-prajāpatī dvāra-gopau – Indra und Prajapati als Torwächter; vibhu pramitam – Halle Vibhu; vicakṣaṇā āsandī – Thron Vicakshana; amitaujāḥ paryaṅkaḥ – Lager Amitaujas, unermessliche Kraft; priyā ca mānasī – Geliebte Manasi; pratirūpā ca cākṣuṣī – Gegenbild Cakshushi; puṣpāṇi ādāya – Blumen aufnehmend; avayataḥ – die beiden weben; vai ca jagāni – die Welten; ambāḥ ca ambāyavīḥ ca apsarasaḥ – Apsaras Ambas und Ambayavis; āmbayāḥ nadyaḥ – Flüsse Ambayas.

1.4
sa āgacchaty āraṃ hradam |
taṃ manasātyeti |
tam ṛtvāsamprativido majjanti |
sa āgacchati muhūrtān yaṣṭihān |
te'smād apadravanti |
sa āgacchati vijarāṃ nadīm |
tāṃ manasaivātyeti |
tat sukṛtaduṣkṛte dhunute |
tasya priyā jñātayaḥ sukṛtam upayanti |
apriyā duṣkṛtam |
tad yathā rathena dhāvayan rathacakre paryavekṣetaivam ahorātre paryavekṣata evaṃ sukṛtaduṣkṛte sarvāṇi ca dvandvāni |
sa eṣa visukṛto viduṣkṛto brahma vidvān brahmaivābhipraiti |
tam itthaṃvid āgacchati |
taṃ brahmāha abhidhāvata mama yaśasā |
vijarāṃ vā ayaṃ nadīṃ prāpat |
na vā ayaṃ jarayiṣyatīti |
taṃ pañcaśatāny apsarasāṃ pratiyanti śataṃ mālyahastāḥ śatam āñjanahastāḥ śataṃ cūrṇahastāḥ śataṃ vāsohastāḥ śataṃ phalahastāḥ |
taṃ brahmālaṅkāreṇālaṅkurvanti |
sa brahmālaṅkāreṇālaṅkṛto vidvān brahmābhipraiti ||4||

Er kommt zum See Ara und überschreitet ihn mit dem Geist; wer dort ohne die entsprechende Erkenntnis eintrifft, versinkt. Er kommt zu den Stunden Yashtiha, die vor ihm davonlaufen. Er kommt zum Fluss Vijara und überschreitet ihn allein mit dem Geist. Dort schüttelt er gutes und schlechtes Handeln ab. Seine ihm lieben Verwandten übernehmen das Gute, die ihm nicht lieben das Schlechte. Wie jemand, der mit einem Wagen dahinfährt, auf die Wagenräder hinabblickt, so blickt er auf Tag und Nacht, gutes und schlechtes Handeln und alle Gegensatzpaare hinab. Frei von Gutem und Schlechtem geht er, der Brahman kennt, zu Brahman. Wer so weiß, kommt dorthin. Brahman sagt: „Lauft ihm entgegen, in meiner Herrlichkeit! Er hat den Fluss Vijara erreicht; er wird nicht altern.“ Fünfhundert Apsaras gehen ihm entgegen: hundert mit Kränzen, hundert mit Salben, hundert mit duftendem Pulver, hundert mit Kleidern und hundert mit Früchten. Sie schmücken ihn mit Brahmans Schmuck. Mit Brahmans Schmuck geschmückt, tritt der Wissende zu Brahman.

Wort-für-Wort-Übersetzung: saḥ āgacchati – er kommt; āram hradam – zum See Ara; tam manasā atyeti – überschreitet ihn mit dem Geist; tam ṛtvā – ihn erreicht habend; asampratividaḥ majjanti – die nicht entsprechend Wissenden versinken; muhūrtān yaṣṭihān – zu den Stunden Yashtiha; te asmāt apadravanti – sie laufen vor ihm davon; vijarām nadīm – zum Fluss Vijara; tām manasā eva atyeti – überschreitet ihn allein mit dem Geist; tat sukṛta-duṣkṛte dhunute – dort schüttelt er gutes und schlechtes Handeln ab; tasya priyāḥ jñātayaḥ – seine lieben Verwandten; sukṛtam upayanti – übernehmen das Gute; apriyāḥ duṣkṛtam – die nicht lieben das Schlechte; tat yathā – wie; rathena dhāvayan – mit einem Wagen dahinfahrend; ratha-cakre paryavekṣeta – auf die Wagenräder hinabblickt; evam – so; aho-rātre – Tag und Nacht; sarvāṇi ca dvandvāni – alle Gegensatzpaare; visukṛtaḥ viduṣkṛtaḥ – frei von Gutem und Schlechtem; brahma vidvān brahma eva abhipraiti – Brahman kennend geht er zu Brahman; tam itthaṃ-vit āgacchati – wer so weiß, kommt dorthin; tam brahmā āha – Brahman sagt; abhidhāvata – lauft entgegen; mama yaśasā – in meiner Herrlichkeit; vijarām nadīm prāpat – hat Vijara erreicht; na jarayiṣyati – wird nicht altern; pañca-śatāni apsarasām – fünfhundert Apsaras; pratiyanti – gehen entgegen; śatam – hundert; mālya-hastāḥ – mit Kränzen in den Händen; āñjana-hastāḥ – mit Salben; cūrṇa-hastāḥ – mit duftendem Pulver; vāso-hastāḥ – mit Kleidern; phala-hastāḥ – mit Früchten; brahma-alaṅkāreṇa alaṅkurvanti – schmücken mit Brahmans Schmuck; alaṅkṛtaḥ vidvān brahma abhipraiti – der geschmückte Wissende tritt zu Brahman.

Textanmerkung: Die Ausgabe Ježic ordnet die Abschnitte am Fluss und den Empfang durch die Apsaras anders als viele Druckfassungen. Hier wird ihre Reihenfolge vollständig beibehalten.

1.5
sa āgacchatīlyaṃ vṛkṣam |
taṃ brahmagandhaḥ praviśati |
sa āgacchati sālajyaṃ saṃsthānam |
taṃ brahmarasaḥ praviśati |
sa āgacchaty aparājitam āyatanam |
taṃ brahmatejaḥ praviśati |
sa āgacchatīndraprajāpatī dvāragopau |
tāv asmād apadravataḥ |
sa āgacchati vibhu pramitam |
taṃ brahmayaśaḥ praviśati |
sā āgacchati vicakṣaṇām āsandīm |
bṛhadrathantare sāmanī pūrvau pādau |
śyaitanaudhase cāparau pādau |
vairūpavairāje anūcye |
śākvararaivate tiraścī |
sā prajñā |
prajñayā hi vipaśyati |
sa āgacchaty amitaujasaṃ paryaṅkam |
sa prāṇaḥ |
tasya bhūtañ ca bhaviṣyac ca pūrvau pādau |
śrīś cerā cāparau |
bṛhadrathantare anūcye | bhadrayajñāyajñīye śīrṣaṇye |
ṛcaś ca sāmāni ca prācīnātānāni |
yajūṃṣi tiraścīnāni |
somāṃśava upastaraṇam |
udgītho 'paśrayaḥ |
śrīr upabarhaṇam |
tasmin brahmāste |
tam itthaṃvit pādenaivāgra ārohati |
taṃ brahmāha ko 'sīti |
taṃ pratibrūyāt ||5||

Er kommt zum Baum Ilya; Brahmans Duft dringt in ihn ein. Er kommt zur Stadt Salajya; Brahmans Geschmack dringt in ihn ein. Er kommt zur Wohnstätte Aparajita; Brahmans Glanz dringt in ihn ein. Er kommt zu den Torwächtern Indra und Prajapati; beide laufen vor ihm davon. Er kommt zur Halle Vibhu; Brahmans Herrlichkeit dringt in ihn ein. Er kommt zum Thron Vicakshana. Die Samans Brihat und Rathantara sind dessen vordere Füße, Shyaita und Naudhasa die hinteren, Vairupa und Vairaja die Längsleisten, Shakvara und Raivata die Querleisten. Er ist Erkenntnis; denn durch Erkenntnis sieht man klar. Er kommt zum Lager Amitaujas. Dieses ist Prana. Vergangenheit und Zukunft sind seine vorderen Füße, Wohlergehen und Nahrung die hinteren; Brihat und Rathantara sind die Längsleisten, Bhadra und Yajnayajniya die Kopfleisten. Rigverse und Samagesänge sind die längs gespannten Stränge, Yajusformeln die quer verlaufenden; Somastängel sind die Unterlage, Udgitha die Lehne und Wohlergehen das Kissen. Darauf sitzt Brahman. Wer so weiß, steigt mit dem Fuß voran hinauf. Brahman fragt ihn: „Wer bist du?“ Darauf soll er antworten:

Wort-für-Wort-Übersetzung: saḥ āgacchati – er kommt; ilyam vṛkṣam – zum Baum Ilya; tam brahma-gandhaḥ praviśati – Brahmans Duft dringt in ihn ein; sālajyam saṃsthānam – Stadt Salajya; brahma-rasaḥ – Brahmans Geschmack; aparājitam āyatanam – Wohnstätte Aparajita; brahma-tejaḥ – Brahmans Glanz; indra-prajāpatī dvāra-gopau – Torwächter Indra und Prajapati; tau asmāt apadravataḥ – beide laufen vor ihm davon; vibhu pramitam – Halle Vibhu; brahma-yaśaḥ – Brahmans Herrlichkeit; vicakṣaṇām āsandīm – Thron Vicakshana; bṛhat-rathantare sāmanī – Samans Brihat und Rathantara; pūrvau pādau – vordere Füße; śyaita-naudhase – Shyaita und Naudhasa; aparau – hintere; vairūpa-vairāje – Vairupa und Vairaja; anūcye – Längsleisten; śākvara-raivate – Shakvara und Raivata; tiraścī – Querleisten; sā prajñā – er ist Erkenntnis; prajñayā hi vipaśyati – denn durch Erkenntnis sieht man klar; amitaujasam paryaṅkam – Lager Amitaujas; saḥ prāṇaḥ – es ist Prana; tasya bhūtam ca bhaviṣyat ca – dessen Vergangenheit und Zukunft; śrīḥ ca irā ca – Wohlergehen und Nahrung; bhadra-yajñāyajñīye – Bhadra und Yajnayajniya; śīrṣaṇye – Kopfleisten; ṛcaḥ ca sāmāni ca – Rigverse und Samagesänge; prācīna-ātānāni – längs gespannte Stränge; yajūṃṣi tiraścīnāni – Yajusformeln als Querstränge; soma-aṃśavaḥ upastaraṇam – Somastängel als Unterlage; udgīthaḥ apaśrayaḥ – Udgitha als Lehne; śrīḥ upabarhaṇam – Wohlergehen als Kissen; tasmin brahma āste – darauf sitzt Brahman; tam itthaṃ-vit pādena eva agre ārohati – wer so weiß, steigt mit dem Fuß voran hinauf; tam brahma āha – Brahman fragt ihn; kaḥ asi – wer bist du; tam pratibrūyāt – ihm soll man antworten.

Textanmerkung: Bṛhadrathantare anūcye ist in der Edition eingeklammert, wird hier aber als überlieferter Satzteil mit wiedergegeben. Die Samans sind Namen bestimmter Melodien beziehungsweise Gesänge. Das Bettbild stellt eine Verbindung von Veda, Kosmos und Leben her.

1.6
ṛtur asmi |
ārtavo 'smi |
ākāśād yoneḥ sambhūto bhāyai retaḥ |
saṃvatsarasya tejo bhūtasya bhūtasyātmā |
bhūtasya bhūtasya tvam ātmāsi |
yas tvam asi so 'ham asmīti |
tam āha ko 'ham asmīti |
satyam iti brūyāt |
kiṃ tad yat satyam iti |
yad anyad devebhyaś ca prāṇebhyaś ca tat sat |
atha yad devāś ca prāṇāś ca tat tyaṃ |
tad ekayā vācābhivyāhriyate sattyam iti |
etāvad idaṃ sarvam |
idaṃ sarvam asi |
ity evainaṃ tad āha |
tad etad ṛkślokenābhyuktam ||6||

„Ich bin Jahreszeit, ich bin Kind der Jahreszeiten, aus dem Mutterschoß des Raumes entstanden, Same für die Gattin, Glanz des Jahres, Selbst eines jeden Wesens. Du bist das Selbst eines jeden Wesens. Was du bist, das bin ich.“ Er fragt ihn: „Wer bin ich?“ Er soll antworten: „Wahrheit.“ – „Was ist diese Wahrheit?“ – „Was von den Göttern und den Lebenskräften verschieden ist, ist sat; die Götter und Lebenskräfte sind tyam. Beides wird in dem einen Wort sattyam, Wahrheit, ausgesprochen. So umfassend ist dieses All; dieses All bist du.“ So sagt er zu ihm. Dies wird auch in einem Rigvers ausgedrückt:

Wort-für-Wort-Übersetzung: ṛtuḥ asmi – ich bin Jahreszeit; ārtavaḥ asmi – ich bin Kind der Jahreszeiten; ākāśāt yoneḥ sambhūtaḥ – aus dem Mutterschoß des Raumes entstanden; bhāyai retaḥ – Same für die Gattin; saṃvatsarasya tejaḥ – Glanz des Jahres; bhūtasya bhūtasya ātmā – Selbst eines jeden Wesens; tvam ātmā asi – du bist das Selbst; yaḥ tvam asi saḥ aham asmi – was du bist, das bin ich; tam āha – er fragt ihn; kaḥ aham asmi – wer bin ich; satyam iti brūyāt – er soll Wahrheit sagen; kim tat yat satyam – was ist diese Wahrheit; yat anyat devebhyaḥ ca prāṇebhyaḥ ca – was von Göttern und Lebenskräften verschieden ist; tat sat – das ist sat; atha yat devāḥ ca prāṇāḥ ca – was die Götter und Lebenskräfte sind; tat tyam – das ist tyam; tat ekayā vācā abhivyāhriyate – das wird mit einem Wort ausgesprochen; sattyam iti – als Wahrheit; etāvat idam sarvam – so umfassend ist dieses All; idam sarvam asi – du bist dieses All; iti evam enam tat āha – so sagt er zu ihm; tat etat ṛk-ślokena abhyuktam – dies ist durch einen Rigvers ausgedrückt.

Textanmerkung: Die Silbendeutung sat + tyam ist eine religiöse Deutung, keine historische Wortableitung. Sattyam mit doppeltem t folgt hier der Ausgabe. Bhāyai ist eine seltene beziehungsweise schwierige Lesung gegenüber bhāryāyai in anderen Fassungen.

1.7a – Die Gestalt aus Veda
yajūdaraḥ sāmaśirā asāv ṛṅmūrtir avyayaḥ |
sa brahmeti sa vijñeya ṛṣir brahmamayo mahān || iti

Der Yajur ist sein Bauch, der Sama sein Haupt, der Rig seine Gestalt; er ist unvergänglich. Man erkenne ihn als Brahman, den großen Seher, ganz von Brahman erfüllt.

Wort-für-Wort-Übersetzung: yajūdaraḥ – Yajur als Bauch habend; sāma-śirāḥ – Sama als Haupt habend; asau – jener; ṛṅ-mūrtiḥ – Rig als Gestalt habend; avyayaḥ – unvergänglich; saḥ brahma iti saḥ vijñeyaḥ – er ist als Brahman zu erkennen; ṛṣiḥ – Seher; brahma-mayaḥ – von Brahman erfüllt; mahān – groß; iti – so.

Textanmerkung: Die Edition kennzeichnet diesen Vers samt seiner Einleitung als eingeklammerten Textbestand. Er wird vollständig mit wiedergegeben.

1.7b – Sinne und Erkenntnis
tam āha |
kena me pauṃsnāni nāmāny āpnoṣīti |
prāṇeneti brūyāt |
kena napuṃsakānīti |
manaseti |
kena strīnāmānīti |
vāceti |
kena gandhān iti |
ghrāṇeneti |
kena rūpāṇīti |
cakṣuṣeti |
kena śabdān iti |
śrotreṇeti |
kenānnarasān iti |
jihvayeti |
kena karmāṇīti |
hastābhyām iti |
kena sukhaduḥkhe iti |
śarīreṇeti |
kenānandaṃ ratiṃ prajātim ity |
upastheneti |
kenetyā iti |
pādābhyām iti |
kena dhiyo vijñātavyaṃ kāmān iti |
prajñayaiveti brūyāt |
tam āha āpo vai khalu me lokam |
ayaṃ te 'sāv iti |
sā yā brahmaṇo jitir yā vyaṣṭis tāṃ jitiṃ jayati tāṃ vyaṣṭiṃ vyaśnute ya evaṃ veda ya evaṃ veda ||7||

Er fragt: „Wodurch erfasst du meine männlichen Namen?“ – „Durch Prana“, soll er antworten. „Wodurch die sächlichen?“ – „Durch den Geist.“ „Wodurch die weiblichen?“ – „Durch die Rede.“ „Wodurch Gerüche?“ – „Durch das Riechorgan.“ „Wodurch Gestalten?“ – „Durch das Auge.“ „Wodurch Töne?“ – „Durch das Ohr.“ „Wodurch Nahrungsgeschmäcke?“ – „Durch die Zunge.“ „Wodurch Handlungen?“ – „Durch die Hände.“ „Wodurch Lust und Leid?“ – „Durch den Körper.“ „Wodurch Wonne, Liebeslust und Zeugung?“ – „Durch das Geschlechtsorgan.“ „Wodurch Bewegung?“ – „Durch die Füße.“ „Wodurch Gedanken, das zu Erkennende und Wünsche?“ – „Durch Erkenntnis“, soll er antworten. Er sagt zu ihm: „Die Wasser sind meine Welt; jene Welt ist nun dein.“ Welche Errungenschaft und Ausbreitung Brahmans es gibt, diese Errungenschaft gewinnt und diese Ausbreitung erreicht, wer so weiß, wer so weiß.

Wort-für-Wort-Übersetzung: tam āha – er fragt ihn; kena – durch was; me – meine; pauṃsnāni nāmāni – männliche Namen; āpnoṣi – erfasst du; prāṇena – durch Prana; iti brūyāt – so soll er antworten; napuṃsakāni – sächliche; manasā – durch den Geist; strī-nāmāni – weibliche Namen; vācā – durch die Rede; gandhān – Gerüche; ghrāṇena – durch das Riechorgan; rūpāṇi – Gestalten; cakṣuṣā – durch das Auge; śabdān – Töne; śrotreṇa – durch das Ohr; anna-rasān – Nahrungsgeschmäcke; jihvayā – durch die Zunge; karmāṇi – Handlungen; hastābhyām – durch die Hände; sukha-duḥkhe – Lust und Leid; śarīreṇa – durch den Körper; ānandam – Wonne; ratim – Liebeslust; prajātim – Zeugung; upasthena – durch das Geschlechtsorgan; ityāḥ – Bewegungen; pādābhyām – durch die Füße; dhiyaḥ – Gedanken; vijñātavyam – das zu Erkennende; kāmān – Wünsche; prajñayā eva – durch Erkenntnis; āpaḥ vai khalu – Wasser wahrlich; me lokam – meine Welt; ayam te asau – jene ist dein; sā yā brahmaṇaḥ jitiḥ – welche Errungenschaft Brahmans; yā vyaṣṭiḥ – welche Ausbreitung; tām jitim jayati – diese Errungenschaft gewinnt er; tām vyaṣṭim vyaśnute – diese Ausbreitung erreicht er; yaḥ evam veda – wer so weiß.

Textanmerkung: Die Schlussantwort über die Wasser ist syntaktisch auffällig; die Wiedergabe folgt dem in den Übersetzungen erkennbaren Zusammenhang. Pauṃsnāni ist die von der Edition gebotene Form.

Abschluss des ersten Adhyaya
iti ṛgvedāntargatakauṣītakibrāhmaṇāraṇyakopaniṣadi prathamo'dhyāyaḥ ||

Hier endet das erste Kapitel der zum Rigveda gehörenden Kaushitaki-Brahmana-Aranyaka-Upanishad.

Wort-für-Wort-Übersetzung: iti – hiermit; ṛgveda-antargata – zum Rigveda gehörend; kauṣītaki-brāhmaṇa-āraṇyaka-upaniṣadi – in der Kaushitaki-Brahmana-Aranyaka-Upanishad; prathamaḥ adhyāyaḥ – erstes Kapitel.

Zweiter Adhyaya – Prana, Verehrung und inneres Opfer

2.1
prāṇo brahmeti ha smāha kauṣītakiḥ |
tasya ha vā etasya prāṇasya brahmaṇo mano dūtam |
cakṣur goptṛ |
śrotraṃ saṃśrāvayitṛ |
vāk pariveṣṭrī sa yo ha vā etasya prāṇasya brahmaṇo mano dūtam veda dūtavān bhavati |
yaś cakṣur goptṛ goptṛmān bhavati |
yaḥ śrotraṃ saṃśrāvayitṛ saṃśrāvayitṛmān bhavati |
yo vācaṃ pariveṣṭrīm pariveṣṭrīmān bhavati tasmai vā etasmai prāṇāya brahmaṇa etāḥ sarvā devatā ayācamānāya baliṃ haranti |
evaṃ haivāsmai sarvāṇi bhūtāny ayācamānāyaiva baliṃ haranti ya evaṃ veda |
tasyopaniṣan na yāced iti |
tad yathā grāmaṃ bhikṣitvā 'labdhvopaviśen nāham ato dattam aśnīyām iti |
ya evainaṃ purastāt pratyācakṣīraṃsta evainam upamantrayante dadāma ta iti |
eṣa dharmo 'yācato bhavati |
annadās tv evainam upamantrayante dadāma ta iti ||1||

„Prana ist Brahman“, lehrte Kaushitaki. Dieses Prana-Brahman hat den Geist als Boten, das Auge als Wächter, das Ohr als Anmelder und die Rede als Aufwärterin. Wer den Geist als seinen Boten kennt, hat einen Boten; wer das Auge als Wächter kennt, hat einen Wächter; wer das Ohr als Anmelder kennt, hat einen Anmelder; wer die Rede als Aufwärterin kennt, hat eine Aufwärterin. Alle diese Gottheiten bringen diesem Prana-Brahman Gaben, ohne dass es darum bittet. Ebenso bringen alle Wesen dem, der so weiß, unaufgefordert Gaben. Seine geheime Unterweisung lautet: Er soll nicht bitten. Wenn er in einem Dorf Almosen gesucht und nichts erhalten hat, setze er sich mit dem Entschluss: „Ich werde nichts essen, was hier gegeben wird.“ Gerade diejenigen, die ihn vorher abgewiesen haben, laden ihn nun ein: „Wir wollen dir geben.“ Dies ist die Ordnung für den Nichtbittenden: Die Nahrungsspender selbst laden ihn ein: „Wir wollen dir geben.“

Wort-für-Wort-Übersetzung: prāṇaḥ brahma – Prana ist Brahman; iti ha sma āha kauṣītakiḥ – so lehrte Kaushitaki; tasya etasya prāṇasya brahmaṇaḥ – dieses Prana-Brahman; manaḥ dūtam – Geist als Bote; cakṣuḥ goptṛ – Auge als Wächter; śrotram saṃśrāvayitṛ – Ohr als Anmelder; vāk pariveṣṭrī – Rede als Aufwärterin; yaḥ veda – wer kennt; dūtavān bhavati – hat einen Boten; goptṛmān – hat einen Wächter; saṃśrāvayitṛmān – hat einen Anmelder; pariveṣṭrīmān – hat eine Aufwärterin; tasmai prāṇāya brahmaṇe – diesem Prana-Brahman; etāḥ sarvāḥ devatāḥ – alle diese Gottheiten; ayācamānāya – dem Nichtbittenden; balim haranti – bringen Gaben; evam ha eva – ebenso; asmai sarvāṇi bhūtāni – ihm alle Wesen; yaḥ evam veda – wer so weiß; tasya upaniṣat – seine geheime Unterweisung; na yācet – er soll nicht bitten; grāmam bhikṣitvā – im Dorf Almosen gesucht habend; alabdhvā – nichts erlangt habend; upaviśet – er setze sich; na aham ataḥ dattam aśnīyām – ich werde nichts hier Gegebenes essen; ye enam purastāt pratyācakṣīran – die ihn vorher abgewiesen haben; te enam upamantrayante – sie laden ihn ein; dadāma te – wir wollen dir geben; eṣaḥ dharmaḥ ayācataḥ bhavati – dies ist die Ordnung des Nichtbittenden; anna-dāḥ – Nahrungsspender.

2.2
prāṇo brahmeti ha smāha paiṅgyaḥ |
tasya vā etasya brahmaṇo vākparastāc cakṣur ārunddhe |
cakṣuḥparastāc chrotram ārunddhe |
śrotraparastān mana ārunddhe |
manaḥparastāt prāṇa ārunddhe |
tasmai vā etasmai prāṇāya brahmaṇa etāḥ sarvā devatā ayācamānāyaiva baliṃ haranti |
evaṃ haivāsmai sarvāṇi bhūtāny ayācamānāyaiva baliṃ haranti ya evaṃ veda |
tasyopaniṣan na yāced iti |
tad yathā grāmaṃ bhikṣitvā 'labdhvopaviśen nāham ato dattam aśnīyām iti |
ya evainaṃ purastāt pratyācakṣīraṃsta evainam upamantrayante dadāma ta iti |
eṣa dharmo 'yācato bhavati |
annadās tv evainam upamantrayante dadāma ta iti ||2||

„Prana ist Brahman“, lehrte Paingya. Bei diesem Brahman schließt das Auge die Rede von außen ein, das Ohr schließt das Auge ein, der Geist schließt das Ohr ein, und Prana schließt den Geist ein. Alle diese Gottheiten bringen diesem Prana-Brahman unaufgefordert Gaben. Ebenso bringen alle Wesen dem, der so weiß, unaufgefordert Gaben. Seine geheime Unterweisung lautet: Er soll nicht bitten. Wenn er in einem Dorf Almosen gesucht und nichts erhalten hat, setze er sich mit dem Entschluss: „Ich werde nichts essen, was hier gegeben wird.“ Gerade diejenigen, die ihn vorher abgewiesen haben, laden ihn ein: „Wir wollen dir geben.“ Dies ist die Ordnung des Nichtbittenden: Die Nahrungsspender selbst laden ihn ein: „Wir wollen dir geben.“

Wort-für-Wort-Übersetzung: prāṇaḥ brahma – Prana ist Brahman; iti ha sma āha paiṅgyaḥ – so lehrte Paingya; tasya etasya brahmaṇaḥ – bei diesem Brahman; vāk-parastāt – außerhalb der Rede; cakṣuḥ ārunddhe – das Auge schließt ein; cakṣuḥ-parastāt – außerhalb des Auges; śrotram ārunddhe – das Ohr schließt ein; śrotra-parastāt – außerhalb des Ohres; manaḥ ārunddhe – der Geist schließt ein; manaḥ-parastāt – außerhalb des Geistes; prāṇaḥ ārunddhe – Prana schließt ein; tasmai prāṇāya brahmaṇe – diesem Prana-Brahman; etāḥ sarvāḥ devatāḥ – alle diese Gottheiten; ayācamānāya eva – gerade dem Nichtbittenden; balim haranti – bringen Gaben; evam asmai sarvāṇi bhūtāni – ebenso ihm alle Wesen; yaḥ evam veda – wer so weiß; tasya upaniṣat – seine geheime Unterweisung; na yācet – er soll nicht bitten; grāmam bhikṣitvā – im Dorf Almosen gesucht habend; alabdhvā – nichts erlangt habend; upaviśet – er setze sich; na aham ataḥ dattam aśnīyām – ich werde nichts hier Gegebenes essen; ye enam purastāt pratyācakṣīran – die ihn vorher abgewiesen haben; te enam upamantrayante – sie laden ihn ein; dadāma te – wir wollen dir geben; eṣaḥ dharmaḥ ayācataḥ bhavati – dies ist die Ordnung des Nichtbittenden; anna-dāḥ – Nahrungsspender.

Textanmerkung: Dieser vollständige Abschnitt fehlt in der verbreiteten Sanskrit-Documents-Fassung. Er ist in der hier verwendeten Edition enthalten. Ārunddhe bezeichnet das Umfassen oder Einschließen der jeweils vorangehenden Kraft.

2.3a – Erlangen eines bestimmten Gutes
athāta ekadhanāvarodhanam |
yad ekadhanam abhidhyāyāt paurṇamāsyāṃ vāmāvāsyāṃ vā śuddhapakṣe vā puṇye nakṣatre 'gnim upasamādhāya parisamūhya paristīrya paryukṣya utpūya dakṣiṇaṃ jānv ācya sruveṇa vā camasena vā kaṃsena vaitā ājyāhutīr juhoti |

Nun das Erlangen eines bestimmten Gutes. Wenn man ein bestimmtes Gut begehrt, entzünde man bei Vollmond, Neumond oder in der hellen Monatshälfte unter einem günstigen Mondhaus das Feuer, reinige ringsum, streue Gras aus, besprenge, läutere, beuge das rechte Knie und bringe mit Opferlöffel, Becher oder Metallgefäß diese Ghee-Opfer dar:

Wort-für-Wort-Übersetzung: atha ataḥ – nun; eka-dhana-avarodhanam – Erlangen eines bestimmten Gutes; yat eka-dhanam abhidhyāyāt – wenn man ein bestimmtes Gut begehrt; paurṇamāsyām – bei Vollmond; amāvāsyām – bei Neumond; śuddha-pakṣe – in der hellen Monatshälfte; – oder; puṇye nakṣatre – unter einem günstigen Mondhaus; agnim upasamādhāya – Feuer entzündend; parisamūhya – ringsum reinigend; paristīrya – Gras ausstreuend; paryukṣya – besprengend; utpūya – läuternd; dakṣiṇam jānu ācya – das rechte Knie beugend; sruveṇa – mit Opferlöffel; camasena – mit Becher; kaṃsena – mit Metallgefäß; etāḥ ājya-āhutīḥ juhoti – bringt diese Ghee-Opfer dar.

2.3b – Die sechs Opferformeln
vāṅ nāma devatāvarodhanī sā me 'muṣmād idam avarundhyāt tasyai svāhā |
prāṇo nāma devatāvarodhanī sā me 'muṣmād idam avarundhyāt tasyai svāhā |
cakṣur nāma devatāvarodhanī sā me 'muṣmād idam avarundhyāt tasyai svāhā |
śrotraṃ nāma devatāvarodhanī sā me 'muṣmād idam avarundhyāt tasyai svāhā |
mano nāma devatāvarodhanī sā me 'muṣmād idam avarundhyāt tasyai svāhā |
prajñā nāma devatāvarodhanī sā me 'muṣmād idam avarundhyāt tasyai svāhā |

„Rede heißt die gewinnende Gottheit; sie möge mir dieses von jenem verschaffen. Ihr: Svaha! Prana heißt die gewinnende Gottheit; sie möge mir dieses von jenem verschaffen. Ihr: Svaha! Auge heißt die gewinnende Gottheit; sie möge mir dieses von jenem verschaffen. Ihr: Svaha! Ohr heißt die gewinnende Gottheit; sie möge mir dieses von jenem verschaffen. Ihr: Svaha! Geist heißt die gewinnende Gottheit; sie möge mir dieses von jenem verschaffen. Ihr: Svaha! Erkenntnis heißt die gewinnende Gottheit; sie möge mir dieses von jenem verschaffen. Ihr: Svaha!“

Wort-für-Wort-Übersetzung: vāk – Rede; prāṇaḥ – Prana; cakṣuḥ – Auge; śrotram – Ohr; manaḥ – Geist; prajñā – Erkenntnis; nāma – namens, heißt; devatā avarodhanī – gewinnende Gottheit; – sie; me – mir; amuṣmāt – von jenem; idam – dieses; avarundhyāt – möge verschaffen; tasyai – ihr; svāhā – Opferruf Svaha.

Textanmerkung: Die sechs Formeln folgen demselben Satzbau. „Dieses“ und „jener“ beziehen sich auf den begehrten Gegenstand und dessen Besitzer; der Text setzt hier keine Eigennamen ein.

2.3c – Abschluss der Handlung
ity atha dhūmagandhaṃ prajighrāyājyalepenāṅgāny anuvimṛjya vācaṃyamo 'bhipravrajyārthaṃ brūyād dūtaṃ vā prahiṇuyāt |
labhate haiva ||3||

Dann rieche er den Rauchduft, bestreiche die Glieder mit Ghee, gehe schweigend hin und trage sein Anliegen vor oder sende einen Boten. Er erlangt es, so lautet die Verheißung.

Wort-für-Wort-Übersetzung: iti atha – dann; dhūma-gandham prajighrāya – Rauchduft riechend; ājya-lepena aṅgāni anuvimṛjya – Glieder mit Ghee bestreichend; vācaṃ-yamaḥ – schweigend; abhipravrajya – hingehend; artham brūyāt – er trage sein Anliegen vor; dūtam vā prahiṇuyāt – oder sende einen Boten; labhate ha eva – er erlangt es.

2.4
athāto daivaḥ smaraḥ |
yasya priyo bubhūṣed yasyai vā yeṣāṃ vā yāsāṃ vaiteṣām evaikasmin parvaṇy agnim upasamādhāyaitayaivāvṛtaitā ājyāhutīr juhoti |
vācam te mayi juhomy asau svāhā |
prāṇaṃ te mayi juhomy asau svāhā |
cakṣus te mayi juhomy asau svāhā |
śrotraṃ te mayi juhomy asau svāhā |
manas te mayi juhomy asau svāhā |
prajñāṃ te mayi juhomy asau svāhā |
ityatha dhūmagandhaṃ prajighrāyājyalepenāṅgāny anuvimṛjya vācaṃyamo 'bhipravrajya saṃsparśaṃ jigamiṣet |
api vātād vā tiṣṭhet sambhāṣamāṇaḥ |
priyo haiva bhavati smaranti haivāsya ||4||

Nun die durch die Gottheiten bewirkte Zuneigung. Wenn man einem Mann, einer Frau, Männern oder Frauen lieb werden möchte, entzünde man zu einem der genannten Zeitpunkte das Feuer und bringe in derselben Weise diese Ghee-Opfer dar: „Deine Rede opfere ich in mich, du da, Svaha! Deinen Prana opfere ich in mich, du da, Svaha! Dein Auge opfere ich in mich, du da, Svaha! Dein Ohr opfere ich in mich, du da, Svaha! Deinen Geist opfere ich in mich, du da, Svaha! Deine Erkenntnis opfere ich in mich, du da, Svaha!“ Dann rieche man den Rauchduft, bestreiche die Glieder mit Ghee, gehe schweigend hin und suche Berührung; oder man stehe sprechend auf der Windseite. Man wird lieb und sie gedenken seiner, so die Verheißung.

Wort-für-Wort-Übersetzung: atha ataḥ – nun; daivaḥ smaraḥ – durch Gottheiten bewirkte Zuneigung; yasya priyaḥ bubhūṣet – wem man lieb werden möchte; yasyai vā – oder welcher Frau; yeṣām vā – oder welchen Männern; yāsām vā – oder welchen Frauen; eteṣām ekasmin parvaṇi – zu einem dieser Zeitpunkte; agnim upasamādhāya – Feuer entzündend; etayā eva āvṛtā – in derselben Weise; etāḥ ājya-āhutīḥ juhoti – bringt diese Ghee-Opfer dar; vācam – Rede; prāṇam – Prana; cakṣuḥ – Auge; śrotram – Ohr; manaḥ – Geist; prajñām – Erkenntnis; te – deine; mayi juhomi – opfere ich in mich; asau – du da, Stelle für den Namen; svāhā – Opferruf; dhūma-gandham prajighrāya – Rauchduft riechend; ājya-lepena aṅgāni anuvimṛjya – Glieder mit Ghee bestreichend; vācaṃ-yamaḥ – schweigend; abhipravrajya – hingehend; saṃsparśam jigamiṣet – suche Berührung; api vātāt vā tiṣṭhet sambhāṣamāṇaḥ – oder stehe sprechend auf der Windseite; priyaḥ ha eva bhavati – wird lieb; smaranti ha eva asya – sie gedenken seiner.

Textanmerkung: Dieser Abschnitt beschreibt ein historisches Anziehungsritual. Für heutige Beziehungen sind freiwillige Zuwendung und die Grenzen der anderen Person maßgeblich.

2.5
athātaḥ saṃyamanaṃ prātardanam āntaram agnihotram iti cācakṣate |
yāvad vai puruṣo bhāṣate na tāvat prāṇituṃ śaknoti |
prāṇaṃ tadā vāci juhoti |
yāvad vai puruṣaḥ prāṇiti na tāvad bhāṣituṃ śaknoti |
vācaṃ tadā prāṇe juhoti |
ete anante amṛte āhutī jāgrac ca svapaṃś ca santataṃ avyavacchinnaṃ juhoti |
atha yā anyā āhutayo 'ntavatyas tāḥ karmamayyo hi bhavanti |
etad dha vai pūrve vidvāṃso 'gnihotraṃ na juhavāñ cakruḥ ||5||

Nun die Sammlung nach Pratardana, die man auch das innere Agnihotra nennt. Solange ein Mensch spricht, kann er nicht einatmen; dann opfert er Prana in die Rede. Solange er atmet, kann er nicht sprechen; dann opfert er die Rede in Prana. Diese beiden unbegrenzten, unvergänglichen Opfer bringt er wachend und schlafend fortwährend und ohne Unterbrechung dar. Die anderen Opfer hingegen sind begrenzt, denn sie bestehen aus vollzogenen Handlungen. Deshalb brachten die früheren Wissenden das [äußere] Agnihotra nicht dar.

Wort-für-Wort-Übersetzung: atha ataḥ – nun; saṃyamanam – Sammlung; prātardanam – nach Pratardana; āntaram agnihotram – inneres Agnihotra; iti ca ācakṣate – so nennt man es auch; yāvat vai puruṣaḥ bhāṣate – solange der Mensch spricht; na tāvat prāṇitum śaknoti – kann er nicht einatmen; prāṇam tadā vāci juhoti – dann opfert er Prana in die Rede; yāvat puruṣaḥ prāṇiti – solange der Mensch atmet; na tāvat bhāṣitum śaknoti – kann er nicht sprechen; vācam tadā prāṇe juhoti – dann opfert er Rede in Prana; ete anante amṛte āhutī – diese beiden unbegrenzten unvergänglichen Opfer; jāgrat ca svapan ca – wachend und schlafend; santatam avyavacchinnam – fortwährend ununterbrochen; juhoti – opfert; atha yāḥ anyāḥ āhutayaḥ – die anderen Opfer; antavatyaḥ – begrenzt; tāḥ karma-mayyaḥ hi bhavanti – denn sie bestehen aus Handlungen; etat ha vai – deshalb; pūrve vidvāṃsaḥ – die früheren Wissenden; agnihotram na juhavāñ cakruḥ – brachten das Agnihotra nicht dar.

Textanmerkung: Das ausdrücklich überlieferte na im letzten Satz ist wichtig: Die innere Opferdeutung begründet hier das Unterlassen des äußeren Agnihotra. Die Beschreibung der Atembewegung ist eine rituelle Betrachtung, keine genaue moderne Sprechphysiologie.

2.6
ukthaṃ brahmeti ha smāha śuṣkabhṛṅgāraḥ |
tad ṛg ity upāsīta |
sarvāṇi hāsmai bhūtāni śraiṣṭhyāyābhyarcante |
tad yajur ity upāsīta |
sarvāṇi hāsmai bhūtāni śraiṣṭhyāya yujyante |
tat sāmety upāsīta |
sarvāṇi hāsmai bhūtāni śraiṣṭhyāya sannamante |
tac chrīr ity upāsīta |
tad yaśa ity upāsīta |
tat teja ity upāsīta |
tad yathaitac chastrāṇāṃ śrīmattamaṃ yaśasvitamaṃ tejasvitamaṃ bhavati tatho evaivaṃ vidvān sarveṣāṃ bhūtānāṃ śrīmattamo yaśasvitamas tejasvitamo bhavati |
tad etad aiṣṭikaṃ karmamayam ātmānam adhvaryuḥ saṃskaroti |
tasmin yajurmayaṃ pravayati |
yajurmaya ṛṅmayaṃ hotā |
ṛṅmaye sāmamayam udgātā |
sa eṣa trayyai vidyāyā ātmā |
eṣa u evaitad indrasyātmā bhavati ya evaṃ veda ||6||

„Das Uktha ist Brahman“, lehrte Shushkabhringara. Man verehre es als Rig: Alle Wesen ehren einen zu höchstem Rang. Man verehre es als Yajur: Alle Wesen verbinden sich einem zu höchstem Rang. Man verehre es als Saman: Alle Wesen neigen sich einem zu höchstem Rang. Man verehre es als Wohlergehen, Ruhm und Glanz. Wie dieses unter den Rezitationen das reichste an Wohlergehen, Ruhm und Glanz ist, so wird der so Wissende unter allen Wesen der reichste an Wohlergehen, Ruhm und Glanz. Der Adhvaryu bereitet dieses aus Ziegeln und Handlung bestehende Selbst. In dieses webt er das aus Yajus Bestehende; in das aus Yajus Bestehende webt der Hotar das aus Rig Bestehende; in das aus Rig Bestehende der Udgatar das aus Saman Bestehende. Dies ist das Selbst der dreifachen Veda-Erkenntnis. Dieses wird Indras Selbst für den, der so weiß.

Wort-für-Wort-Übersetzung: uktham brahma – Uktha ist Brahman; iti ha sma āha śuṣkabhṛṅgāraḥ – so lehrte Shushkabhringara; tat ṛk iti upāsīta – man verehre es als Rig; sarvāṇi asmai bhūtāni – ihm alle Wesen; śraiṣṭhyāya – zu höchstem Rang; abhyarcante – ehren; tat yajuḥ iti upāsīta – man verehre es als Yajur; yujyante – verbinden sich; tat sāma iti upāsīta – man verehre es als Saman; sannamante – neigen sich; śrīḥ – Wohlergehen; yaśaḥ – Ruhm; tejaḥ – Glanz; tat yathā – wie dieses; śastrāṇām – unter den Rezitationen; śrīmattamam – am reichsten an Wohlergehen; yaśasvitamam – am ruhmreichsten; tejasvitamam – am glanzvollsten; bhavati – ist, wird; tathā eva evam vidvān – so der so Wissende; sarveṣām bhūtānām – unter allen Wesen; tat etat aiṣṭikam karma-mayam ātmānam – dieses aus Ziegeln und Handlung bestehende Selbst; adhvaryuḥ saṃskaroti – der Adhvaryu bereitet; tasmin yajur-mayam pravayati – in dieses webt er das aus Yajus Bestehende; yajur-maye ṛṅ-mayam hotā – in das aus Yajus Bestehende der Hotar das aus Rig Bestehende; ṛṅ-maye sāma-mayam udgātā – in das aus Rig Bestehende der Udgatar das aus Saman Bestehende; saḥ eṣaḥ trayyai vidyāyāḥ ātmā – das ist das Selbst der dreifachen Erkenntnis; eṣaḥ u eva etat indrasya ātmā bhavati – dieses wird Indras Selbst; yaḥ evam veda – wer so weiß.

Textanmerkung: Die Deutungen von Rig, Yajur und Saman spielen mit den Verben arc, yuj und nam. Die Form yajurmaya steht in der Vorlage vor ṛṅmayam; der Zusammenhang verlangt eine lokale Zuordnung zu yajurmaye.

2.7
athātaḥ sarvajitaḥ kauṣītakes trīṇy upāsanāni bhavanti |
sarvajid dha sma kauṣītakir udyantam ādityam upatiṣṭhate yajñopavītaṃ kṛtvodakam ānīya triḥ prasicyodapātraṃ |
vargo 'si pāpmānaṃ me vṛṅdhīti |
etayaivāvṛtā madhye santam udvargo 'si pāpmānaṃ ma udvṛṅdhīti |
etayaivāvṛtāstaṃ yantaṃ saṃvargo 'si pāpmānaṃ me saṃvṛṅdhīti |
tad yad ahorātrābhyāṃ pāpam akarot saṃ sma tad vṛṅkte |
tatho evaivaṃ vidvān etayaivāvṛtādityam upatiṣṭheta |
yad ahorātrābhyāṃ pāpaṃ karoti saṃ tad vṛṅkte ||7||

Nun die drei Verehrungen des allbezwingenden Kaushitaki. Sarvajit Kaushitaki verehrte die aufgehende Sonne, nachdem er die Opferschnur angelegt, Wasser gebracht und dreimal das Wassergefäß besprengt hatte: „Du bist der Entferner; entferne mein Unheilsames!“ Ebenso verehrte er sie in der Mitte des Tages: „Du bist der Hinaufentferner; entferne mein Unheilsames hinauf!“ Ebenso die untergehende: „Du bist der Zusammenentferner; entferne mein Unheilsames vollständig!“ Was er bei Tag und Nacht an Unheilsamem getan hatte, entfernte er so. Ebenso soll der so Wissende die Sonne auf diese Weise verehren. Was er bei Tag und Nacht an Unheilsamem tut, entfernt er damit.

Wort-für-Wort-Übersetzung: atha ataḥ – nun; sarvajitaḥ kauṣītakeḥ – des allbezwingenden Kaushitaki; trīṇi upāsanāni bhavanti – es gibt drei Verehrungen; sarvajit kauṣītakiḥ – Sarvajit Kaushitaki; udyantam ādityam upatiṣṭhate – verehrt die aufgehende Sonne; yajñopavītam kṛtvā – die Opferschnur anlegend; udakam ānīya – Wasser bringend; triḥ prasicya uda-pātram – dreimal das Wassergefäß besprengend; vargaḥ asi – du bist der Entferner; pāpmānam me vṛṅdhi – entferne mein Unheilsames; etayā eva āvṛtā – auf dieselbe Weise; madhye santam – in der Mitte des Tages befindlich; udvargaḥ asi – du bist der Hinaufentferner; udvṛṅdhi – entferne hinauf; astam yantam – die untergehende; saṃvargaḥ asi – du bist der Zusammenentferner; saṃvṛṅdhi – entferne vollständig; yat aho-rātrābhyām pāpam akarot – was er bei Tag und Nacht an Unheilsamem tat; sam sma tat vṛṅkte – entfernte er so; tathā eva evam vidvān – ebenso der so Wissende; ādityam upatiṣṭheta – soll die Sonne verehren; karoti – tut; sam tat vṛṅkte – entfernt dieses.

Textanmerkung: Sma ist in der Edition als Ergänzung markiert und hier mit wiedergegeben. Die Wortwahl der drei Anrufungen bildet bewusst eine Reihe aus demselben Verbstamm.

2.8a – Verehrung bei Neumond
atha māsi māsy amāvāsyāyāṃ paścāc candramasaṃ dṛśyamānam upatiṣṭhetaitayaivāvṛtā haritatṛṇe vā pratyasyati |

Monat für Monat verehre man bei Neumond den im Westen sichtbaren Mond in derselben Weise; oder man werfe ihm zwei grüne Grashalme entgegen.

Wort-für-Wort-Übersetzung: atha – ferner; māsi māsi – Monat für Monat; amāvāsyāyām – bei Neumond; paścāt – im Westen; candramasam dṛśyamānam – den sichtbaren Mond; upatiṣṭhet – man verehre; etayā eva āvṛtā – in derselben Weise; harita-tṛṇe vā – oder zwei grüne Grashalme; pratyasyati – wirft entgegen.

2.8a – Die Bitte für die Kinder
yan me susamid hṛdayam adhi candramasi śritaṃ |
manye 'haṃ māṃ tad vidvāṃsaṃ māhaṃ putryam aghaṃ rudam ||

„Mein gut entflammtes Herz, das im Mond ruht, dieses glaube ich zu kennen. Möge ich kein Leid um ein Kind beweinen!“

Wort-für-Wort-Übersetzung: yat me susamit hṛdayam – mein gut entflammtes Herz; adhi candramasi śritam – das im Mond ruht; manye aham mām tat vidvāṃsam – ich glaube mich dieses kennend; mā aham putryam agham rudam – möge ich kein Leid um ein Kind beweinen.

Textanmerkung: Die Lesung susamid wird als „gut entflammt“ aufgefasst. Andere Fassungen und Übersetzungen bieten hier andere Wortgestalten.

2.8a – Verheißung
iti na hy asmāt pūrvā prajāḥ praitīti ||8a||

Seine Kinder scheiden dann nicht vor ihm dahin, so heißt es.

Wort-für-Wort-Übersetzung: iti – so; na hi asmāt pūrvāḥ prajāḥ praiti – die Kinder scheiden nicht vor ihm dahin.

2.8b – Die Gattin
atha saṃvekṣyañ jāyāyai hṛdayam abhimṛśet |

Wenn er mit seiner Gattin zusammenliegen will, berühre er ihr Herz:

Wort-für-Wort-Übersetzung: atha – ferner; saṃvekṣyan – zusammenliegen wollend; jāyāyai – der Gattin; hṛdayam abhimṛśet – er berühre das Herz.

2.8b – Bitte für die Mutter
yat te suśīme hṛdayaṃ śritam antaḥ prajāpatau |
tenāmṛtatvasyeśāne mā tvaṃ putryam aghaṃ nigāḥ ||

„Dein Herz, Schönhaarige, das in Prajapati ruht: Durch dieses mögest du, Herrin der Unsterblichkeit, kein Leid um ein Kind erfahren!“

Wort-für-Wort-Übersetzung: yat te hṛdayam – dein Herz, das; suśīme – Schönhaarige; śritam antaḥ prajāpatau – in Prajapati ruht; tena – durch dieses; amṛtatvasya īśāne – Herrin der Unsterblichkeit; mā tvam putryam agham nigāḥ – mögest du kein Leid um ein Kind erfahren.

2.8b – Verheißung
iti na hy asyāḥ pūrvā prajāḥ praitīti ||8b||

Ihre Kinder scheiden dann nicht vor ihr dahin, so heißt es.

Wort-für-Wort-Übersetzung: iti – so; na hi asyāḥ pūrvāḥ prajāḥ praiti – ihre Kinder scheiden nicht vor ihr dahin.

Textanmerkung: Dieser Abschnitt entspricht 2.10 in vielen anderen Ausgaben; Ježic stellt ihn als 2.8b zu der vorausgehenden Bitte.

2.8c_(8)
iti nu jātaputrasya ||
athājātaputrasya |
ā pyāyasva sam etu te |
saṃ te payāṃsi sam u yantu vājāḥ |
yam ādityā aṃśum āpyāyayanti |
iti |
etās tisra ṛco japitvā māsmākaṃ prāṇena prajayā paśubhir āpyāyiṣṭhāḥ |
yo 'smān dveṣṭi yaṃ ca vayaṃ dviṣmas tasya prāṇena prajayā paśubhir āpyāyasveti |
aindrīm āvṛtam āvarte |
ādityasyāvṛtam anvāvarte |
iti dakṣiṇaṃ bāhum anvāvartate ||8c||

So gilt es für den, dem bereits ein Sohn geboren ist. Nun für den, dem noch kein Sohn geboren ist: Er rezitiere die drei Rigverse, beginnend „Schwelle an, es möge sich dir vereinen“, „Dir mögen Milch und Kräfte gemeinsam zukommen“ und „Den Strahl, den die Adityas anschwellen lassen“. Dann spreche er: „Schwelle nicht durch unser Leben, unsere Kinder und unser Vieh an! Wer uns hasst und wen wir hassen, durch dessen Leben, Kinder und Vieh schwelle an! Ich vollziehe Indras Wendung; ich folge der Wendung der Sonne.“ Dabei dreht er sich nach rechts.

Wort-für-Wort-Übersetzung: iti nu – so nun; jāta-putrasya – für den, dem ein Sohn geboren ist; atha ajāta-putrasya – nun für den ohne geborenen Sohn; ā pyāyasva – schwelle an; sam etu te – es möge sich dir vereinen; sam te payāṃsi sam u yantu vājāḥ – dir mögen Milch und Kräfte gemeinsam zukommen; yam ādityāḥ aṃśum āpyāyayanti – den Strahl, den die Adityas anschwellen lassen; etāḥ tisraḥ ṛcaḥ japitvā – diese drei Rigverse rezitierend; mā asmākam prāṇena prajayā paśubhiḥ āpyāyiṣṭhāḥ – schwelle nicht durch unser Leben, Kinder und Vieh an; yaḥ asmān dveṣṭi – wer uns hasst; yam ca vayam dviṣmaḥ – und wen wir hassen; tasya prāṇena prajayā paśubhiḥ āpyāyasva – durch dessen Leben, Kinder und Vieh schwelle an; aindrīm āvṛtam āvarte – ich vollziehe Indras Wendung; ādityasya āvṛtam anvāvarte – ich folge der Sonnenwendung; iti – so; dakṣiṇam bāhum anvāvartate – dreht sich zum rechten Arm.

Textanmerkung: Die drei Verse sind im Sanskrit nur durch ihre Anfangsworte bezeichnet, nicht vollständig ausgeschrieben. Die Übersetzung ergänzt keine unüberlieferten Vershälften. Die gegen Feinde gerichtete Bitte ist Bestandteil des historischen Rituals.

2.9
atha paurṇamāsyāṃ purastāc candramasaṃ dṛśyamānam upatiṣṭhetaitayaivāvṛtā |
somo rājāsi vicakṣaṇaḥ |
pañcamukho 'si prajāpatiḥ |
brāhmaṇas ta ekaṃ mukhaṃ tena mukhena rājño 'tsi |
tena mukhena mām annādaṃ kuru |
rājā ta ekaṃ mukhaṃ tena mukhena viśo 'tsi |
tena mukhena mām annādaṃ kuru |
śyenas ta ekaṃ mukhaṃ tena mukhena pakṣiṇo 'tsi |
tena mukhena mām annādaṃ kuru |
agniṣ ṭa ekaṃ mukhaṃ tena mukhenemaṃ lokam atsi |
tena mukhena mām annādaṃ kuru |
tvayi pañcamaṃ mukhaṃ tena mukhena sarvāṇi bhūtāny atsi |
tena mukhena mām annādaṃ kuru |
māsmākaṃ prāṇena prajayā paśubhir apakṣeṣṭhāḥ |
yo 'smān dveṣṭi yaṃ ca vayaṃ dviṣmas tasya prāṇena prajayā paśubhir apakṣīyasva |
iti daivīm āvṛtam āvarte |
ādityasyāvṛtam anvāvarte |
iti dakṣiṇaṃ bāhum anvāvartate ||9||

Bei Vollmond verehre man den im Osten sichtbaren Mond in derselben Weise: „Du bist König Soma, der weithin Sehende; du bist der fünfgesichtige Prajapati. Der Brahmane ist ein Mund von dir; mit diesem Mund verzehrst du die Könige. Mit diesem Mund mache mich zum Esser der Nahrung! Der König ist ein Mund von dir; mit diesem Mund verzehrst du das Volk. Mit diesem Mund mache mich zum Esser der Nahrung! Der Falke ist ein Mund von dir; mit diesem Mund verzehrst du die Vögel. Mit diesem Mund mache mich zum Esser der Nahrung! Das Feuer ist ein Mund von dir; mit diesem Mund verzehrst du diese Welt. Mit diesem Mund mache mich zum Esser der Nahrung! In dir ist der fünfte Mund; mit ihm verzehrst du alle Wesen. Mit diesem Mund mache mich zum Esser der Nahrung! Nimm nicht durch unser Leben, unsere Kinder und unser Vieh ab! Wer uns hasst und wen wir hassen, durch dessen Leben, Kinder und Vieh nimm ab! Ich vollziehe die göttliche Wendung; ich folge der Wendung der Sonne.“ Dabei dreht er sich nach rechts.

Wort-für-Wort-Übersetzung: atha – ferner; paurṇamāsyām – bei Vollmond; purastāt – im Osten; candramasam dṛśyamānam upatiṣṭhet – man verehre den sichtbaren Mond; etayā eva āvṛtā – in derselben Weise; somaḥ rājā asi – du bist König Soma; vicakṣaṇaḥ – weithin sehend; pañca-mukhaḥ asi prajāpatiḥ – du bist der fünfgesichtige Prajapati; brāhmaṇaḥ – Brahmane; te ekam mukham – ein Mund von dir; tena mukhena – mit diesem Mund; rājñaḥ atsi – verzehrst du die Könige; mām anna-adam kuru – mache mich zum Esser der Nahrung; rājā – König; viśaḥ atsi – verzehrst das Volk; śyenaḥ – Falke; pakṣiṇaḥ atsi – verzehrst Vögel; agniḥ – Feuer; imam lokam atsi – verzehrst diese Welt; tvayi pañcamam mukham – in dir der fünfte Mund; sarvāṇi bhūtāni atsi – verzehrst alle Wesen; mā asmākam prāṇena prajayā paśubhiḥ apakṣeṣṭhāḥ – nimm nicht durch unser Leben, Kinder und Vieh ab; yaḥ asmān dveṣṭi – wer uns hasst; yam ca vayam dviṣmaḥ – und wen wir hassen; tasya prāṇena prajayā paśubhiḥ apakṣīyasva – durch dessen Leben, Kinder und Vieh nimm ab; daivīm āvṛtam āvarte – ich vollziehe die göttliche Wendung; ādityasya āvṛtam anvāvarte – ich folge der Sonnenwendung; dakṣiṇam bāhum anvāvartate – dreht sich nach rechts.

2.10a – Heimkehr zum Sohn
atha proṣyāyan putrasya mūrdhānam abhijighret |

Wenn er von einer Reise heimkehrt, küsse er das Haupt seines Sohnes.

Wort-für-Wort-Übersetzung: atha – ferner; proṣya āyan – von einer Reise heimkehrend; putrasya mūrdhānam abhijighret – er küsse, wörtlich berieche, das Haupt des Sohnes.

2.10b – Segen des Lebens
aṅgād aṅgāt sambhavasi hṛdayād adhijāyase |
ātmā tvaṃ putra māvitha sa jīva śaradaḥ śatam ||

„Aus Glied um Glied entstehst du, aus dem Herzen wirst du geboren. Du bist mein Selbst, Sohn; du hast mich bewahrt. So lebe hundert Herbste!“

Wort-für-Wort-Übersetzung: aṅgāt aṅgāt sambhavasi – aus Glied um Glied entstehst du; hṛdayāt adhijāyase – aus dem Herzen wirst du geboren; ātmā tvam – du bist das Selbst; putra – Sohn; mā avitha – du hast mich bewahrt; saḥ jīva – so lebe; śaradaḥ śatam – hundert Herbste.

2.10c – Nennung des Namens
asau |
iti nāmāsya gṛhṇāti |

„Du da!“ Dabei nennt er seinen Namen.

Wort-für-Wort-Übersetzung: asau – du da; iti nāma asya gṛhṇāti – dabei nennt er seinen Namen.

2.10d – Segen der Festigkeit
aśmā bhava paraśur bhava hiraṇyam astṛtaṃ bhava |
tejo vai putra nāmāsi sa jīva śaradaḥ śatam ||

„Sei ein Stein, sei eine Axt, sei unversehrtes Gold! Du bist wahrlich mein Glanz, Sohn. So lebe hundert Herbste!“

Wort-für-Wort-Übersetzung: aśmā bhava – sei ein Stein; paraśuḥ bhava – sei eine Axt; hiraṇyam astṛtam bhava – sei unversehrtes Gold; tejaḥ vai putra nāma asi – du bist wahrlich Glanz, Sohn; saḥ jīva – so lebe; śaradaḥ śatam – hundert Herbste.

2.10e – Umarmung
asau |
iti nāmāsya gṛhṇāti |
athainaṃ parigṛhṇāti |

„Du da!“ Dabei nennt er seinen Namen. Dann umarmt er ihn.

Wort-für-Wort-Übersetzung: asau – du da; iti nāma asya gṛhṇāti – dabei nennt er seinen Namen; atha enam parigṛhṇāti – dann umarmt er ihn.

2.10f – Schutzsegen
yena prajāpatiḥ prajāḥ paryagṛhṇāt tadariṣṭyai |
tena tvā parigṛhṇāmi ||

„Womit Prajapati die Geschöpfe zu ihrer Unversehrtheit umfing, damit umfange ich dich.“

Wort-für-Wort-Übersetzung: yena – womit; prajāpatiḥ – Prajapati; prajāḥ paryagṛhṇāt – die Geschöpfe umfing; tat ariṣṭyai – zu deren Unversehrtheit; tena tvā parigṛhṇāmi – damit umfange ich dich.

2.10g – Die Anrufungen Indras
asau |
iti nāmāsya gṛhṇāti |
athāsya dakṣiṇe karṇe japati |
asmai prayandhi maghavann ṛjīṣin |
iti |
indra śreṣṭhāni draviṇāni dhehi |
iti savye |

„Du da!“ Dabei nennt er seinen Namen. Dann flüstert er ihm ins rechte Ohr: „Reiche ihm dar, Gabenreicher, kraftvoller Indra!“ Ins linke: „Indra, gib die besten Güter!“

Wort-für-Wort-Übersetzung: asau – du da; iti nāma asya gṛhṇāti – dabei nennt er seinen Namen; atha asya dakṣiṇe karṇe japati – dann flüstert er in sein rechtes Ohr; asmai prayandhi – reiche ihm dar; maghavan – Gabenreicher; ṛjīṣin – kraftvoller, Beiname Indras; iti – so; indra – Indra; śreṣṭhāni draviṇāni dhehi – gib die besten Güter; savye – im linken.

Textanmerkung: Die beiden Rigveda-Anrufungen werden als Anfangszeilen zitiert; ṛjīṣin ist ein vedischer Beiname mit nicht völlig sicherer Wortableitung.

2.10h – Abschließender Lebenssegen
mā chitthā mā vyathiṣṭhāḥ śataṃ śarada āyuṣaḥ |
jīvasva putra te nāmnā mūrdhānam abhijighrāmi ||

„Zerbrich nicht, wanke nicht! Lebe hundert Herbste Lebenszeit, Sohn! Bei deinem Namen küsse ich dein Haupt.“

Wort-für-Wort-Übersetzung: mā chitthāḥ – zerbrich nicht; mā vyathiṣṭhāḥ – wanke nicht; śatam śaradaḥ āyuṣaḥ – hundert Herbste Lebenszeit; jīvasva – lebe; putra – Sohn; te nāmnā – bei deinem Namen; mūrdhānam abhijighrāmi – ich küsse dein Haupt.

2.10i – Der Ruf der Kühe
asau |
iti trir mūrdhānam abhijighret |
gavām tvā hiṅkāreṇābhihiṅkaromīti trir mūrdhānam abhihiṅkuryāt ||10||

„Du da!“ So küsse er dreimal das Haupt. „Mit dem Hin-Ruf der Kühe rufe ich dich an!“ So lasse er dreimal den Hin-Ruf gegen dessen Haupt ertönen.

Wort-für-Wort-Übersetzung: asau – du da; iti – so; triḥ mūrdhānam abhijighret – er küsse dreimal das Haupt; gavām hiṅkāreṇa – mit dem Hin-Ruf der Kühe; tvā abhihiṅkaromi – ich rufe dich mit Hin an; triḥ mūrdhānam abhihiṅkuryāt – er lasse dreimal Hin gegen das Haupt ertönen.

2.11
athāto daivaḥ parimaraḥ |
etad vai brahma dīpyate yad agnir jvalaty athaitan mriyate yan na jvalati |
tasyādityam eva tejo gacchati vāyuṃ prāṇaḥ |
etad vai brahma dīpyate yad ādityo dṛśyate 'thaitan mriyate yan na dṛśyate |
tasya candramasam eva tejo gacchati vāyuṃ prāṇaḥ |
etad vai brahma dīpyate yac candramā dṛśyate 'thaitan mriyate yan na dṛśyate |
tasya vidyutam eva tejo gacchati vāyuṃ prāṇaḥ |
etad vai brahma dīpyate yad vidyud vidyotate 'thaitan mriyate yan na vidyotate |
tasya vāyum eva tejo gacchati vāyuṃ prāṇaḥ |
tā vā etāḥ sarvā devatā vāyum eva praviśya vāyau mṛtvā na mūrchante |
tasmād eva punar udīrate |
ity adhidaivatam ||
athādhyātmam ||11||

Nun das Dahinsterben der Gottheiten. Dieses Brahman leuchtet, wenn Feuer brennt, und stirbt, wenn es nicht brennt; sein Glanz geht in die Sonne ein, sein Lebenshauch in den Wind. Dieses Brahman leuchtet, wenn die Sonne sichtbar ist, und stirbt, wenn sie nicht sichtbar ist; ihr Glanz geht in den Mond ein, ihr Lebenshauch in den Wind. Dieses Brahman leuchtet, wenn der Mond sichtbar ist, und stirbt, wenn er nicht sichtbar ist; sein Glanz geht in den Blitz ein, sein Lebenshauch in den Wind. Dieses Brahman leuchtet, wenn der Blitz zuckt, und stirbt, wenn er nicht zuckt; sein Glanz geht in den Wind ein, sein Lebenshauch in den Wind. Alle diese Gottheiten gehen in den Wind ein; im Wind gestorben, vergehen sie nicht, sondern erheben sich aus ihm wieder. So hinsichtlich der Gottheiten. Nun hinsichtlich des eigenen Selbst.

Wort-für-Wort-Übersetzung: atha ataḥ – nun; daivaḥ parimaraḥ – Dahinsterben der Gottheiten; etat vai brahma dīpyate – dieses Brahman leuchtet; yat agniḥ jvalati – wenn Feuer brennt; atha etat mriyate – dann stirbt dieses; yat na jvalati – wenn es nicht brennt; tasya ādityam eva tejaḥ gacchati – sein Glanz geht in die Sonne; vāyum prāṇaḥ – der Lebenshauch in den Wind; yat ādityaḥ dṛśyate – wenn die Sonne sichtbar ist; yat na dṛśyate – wenn sie nicht sichtbar ist; candramasam tejaḥ gacchati – der Glanz geht in den Mond; yat candramāḥ dṛśyate – wenn der Mond sichtbar ist; vidyutam tejaḥ gacchati – der Glanz geht in den Blitz; yat vidyut vidyotate – wenn der Blitz zuckt; yat na vidyotate – wenn er nicht zuckt; vāyum tejaḥ gacchati – der Glanz geht in den Wind; tāḥ etāḥ sarvāḥ devatāḥ – alle diese Gottheiten; vāyum eva praviśya – in den Wind eingehend; vāyau mṛtvā – im Wind gestorben; na mūrchante – vergehen nicht; tasmāt eva punaḥ udīrate – erheben sich wieder aus ihm; iti adhidaivatam – so hinsichtlich der Gottheiten; atha adhyātmam – nun hinsichtlich des Selbst.

Textanmerkung: Dieser Abschnitt entspricht 2.12 in der verbreiteten Zählung. Anders als Deussens Übersetzung nennt die hier benutzte Sanskritfassung beim Erlöschen des Blitzes Vayu, nicht die Himmelsrichtungen.

2.12
etad vai brahma dīpyate yad vācā vadaty athaitan mriyate yan na vadati |
tasya cakṣur eva tejo gacchati prāṇaṃ prāṇaḥ |
etad vai brahma dīpyate yac cakṣuṣā paśyaty athaitan mriyate yan na paśyati |
tasya śrotram eva tejo gacchati prāṇaṃ prāṇaḥ |
etad vai brahma dīpyate yac chrotreṇa śṛṇoty athaitan mriyate yan na śṛṇoti |
tasya mana eva tejo gacchati prāṇaṃ prāṇaḥ |
etad vai brahma dīpyate yan manasā dhyāyaty athaitan mriyate yan na dhyāyati |
tasya prāṇam eva tejo gacchati prāṇaṃ prāṇaḥ |
tā vā etāḥ sarvā devatāḥ prāṇam eva praviśya prāṇe mṛtvā na mūrchante |
tasmād eva punar udīrate |
tad yadi ha vā evaṃ vidvāṃsam ubhau parvatāv abhipravarteyātāṃ dakṣiṇaś cottaraś ca tustūrṣamānau na hainaṃ stṛṇvīyātām |
atha ya enaṃ dviṣanti yāṃś ca svayaṃ dveṣṭi ta evainaṃ parimriyante ||12||

Dieses Brahman leuchtet, wenn man mit der Rede spricht, und stirbt, wenn man nicht spricht; ihr Glanz geht in das Auge ein, ihr Lebenshauch in Prana. Dieses Brahman leuchtet, wenn man mit dem Auge sieht, und stirbt, wenn man nicht sieht; sein Glanz geht in das Ohr ein, sein Lebenshauch in Prana. Dieses Brahman leuchtet, wenn man mit dem Ohr hört, und stirbt, wenn man nicht hört; sein Glanz geht in den Geist ein, sein Lebenshauch in Prana. Dieses Brahman leuchtet, wenn man mit dem Geist denkt, und stirbt, wenn man nicht denkt; sein Glanz geht in Prana ein, sein Lebenshauch in Prana. Alle diese Gottheiten gehen in Prana ein; in Prana gestorben, vergehen sie nicht, sondern erheben sich aus ihm wieder. Selbst wenn beide Gebirge, das südliche und das nördliche, auf den so Wissenden einstürzten, um ihn zu begraben, könnten sie ihn nicht begraben. Die aber, die ihn hassen und die er selbst hasst, sterben rings um ihn dahin.

Wort-für-Wort-Übersetzung: etat vai brahma dīpyate – dieses Brahman leuchtet; yat vācā vadati – wenn man mit der Rede spricht; atha etat mriyate – dann stirbt dieses; yat na vadati – wenn man nicht spricht; tasya cakṣuḥ eva tejaḥ gacchati – ihr Glanz geht ins Auge; prāṇam prāṇaḥ – Lebenshauch in Prana; yat cakṣuṣā paśyati – wenn man mit dem Auge sieht; yat na paśyati – wenn man nicht sieht; śrotram tejaḥ gacchati – Glanz geht ins Ohr; yat śrotreṇa śṛṇoti – wenn man mit dem Ohr hört; yat na śṛṇoti – wenn man nicht hört; manaḥ tejaḥ gacchati – Glanz geht in den Geist; yat manasā dhyāyati – wenn man mit dem Geist denkt; yat na dhyāyati – wenn man nicht denkt; prāṇam tejaḥ gacchati – Glanz geht in Prana; tāḥ etāḥ sarvāḥ devatāḥ – alle diese Gottheiten; prāṇam eva praviśya – in Prana eingehend; prāṇe mṛtvā – in Prana gestorben; na mūrchante – vergehen nicht; tasmāt eva punaḥ udīrate – erheben sich wieder aus ihm; tat yadi – selbst wenn; evam vidvāṃsam – auf den so Wissenden; ubhau parvatau – beide Gebirge; abhipravarteyātām – einstürzten; dakṣiṇaḥ ca uttaraḥ ca – das südliche und das nördliche; tustūrṣamāṇau – begraben wollend; na enam stṛṇvīyātām – könnten ihn nicht begraben; ye enam dviṣanti – die ihn hassen; yān ca svayam dveṣṭi – und die er selbst hasst; te enam parimriyante – sterben rings um ihn dahin.

Textanmerkung: Die abschließenden Aussagen preisen die Macht der Erkenntnis in der Sprache von Schutz und Feindesüberwindung.

2.13
athāto niḥśreyasādānam |
etā ha vai devatā ahaṃśreyase vivadamānā asmāc charīrād uccakramuḥ |
tad dhāprāṇat śuṣkaṃ dārubhūtaṃ śiṣye |
athainad vāk praviveśa |
tad vācā vadac chiṣya eva |
athainac cakṣuḥ praviveśa |
tad vācā vadac cakṣuṣā paśyac chiṣya eva |
athainac chrotraṃ praviveśa |
tad vācā vadac cakṣuṣā paśyac chrotreṇa śṛṇvac chiṣya eva |
athainan manaḥ praviveśa |
tad vācā vadac cakṣuṣā paśyac chrotreṇa śṛṇvan manasā dhyāyac chiṣya eva |
athainat prāṇaḥ praviveśa |
tat tata eva samuttasthau |
tā vā etāḥ sarvā devatāḥ prāṇe niḥśreyasaṃ viditvā prāṇam eva prajñātmānam abhisambhūya sahaivaite sarve 'smāc charīrād uccakramuḥ |
te vāyupraviṣṭā ākāśātmānaḥ svar īyuḥ |
tatho evaivaṃ vidvān prāṇe niḥśreyasaṃ viditvā sarveṣāṃ bhūtānāṃ prāṇam eva prajñātmānam abhisambhūya sahaivaitaiḥ sarvair asmāc charīrād utkrāmati |
sa vāyupraviṣṭa ākāśātmā svar eti |
sa tad gacchati yatraite devāḥ |
tat prāpya yad amṛtā devās tad amṛto bhavati ya evaṃ veda ||13||

Nun das Gewinnen des Vorrangs. Die Gottheiten stritten: „Ich bin der Beste“, und zogen aus diesem Körper aus. Ohne Atem lag er trocken wie Holz da. Die Rede trat hinein; er sprach, blieb aber liegen. Das Auge trat hinein; er sprach und sah, blieb aber liegen. Das Ohr trat hinein; er sprach, sah und hörte, blieb aber liegen. Der Geist trat hinein; er sprach, sah, hörte und dachte, blieb aber liegen. Prana trat hinein; sofort stand er auf. Da erkannten alle diese Gottheiten Pranas Vorrang. Sie vereinigten sich mit Prana als dem Erkenntnis-Selbst und zogen alle gemeinsam aus diesem Körper aus. In den Wind eingegangen und von Raumesnatur geworden, gelangten sie zum Himmel. Ebenso erkennt der so Wissende Pranas Vorrang, vereinigt sich mit Prana als dem Erkenntnis-Selbst aller Wesen und zieht mit all diesen aus dem Körper aus. In den Wind eingegangen und von Raumesnatur geworden, gelangt er zum Himmel. Er geht dorthin, wo diese Götter sind. Dort angekommen, wird er unsterblich, wie die Götter unsterblich sind, wenn er so weiß.

Wort-für-Wort-Übersetzung: atha ataḥ – nun; niḥśreyasa-ādānam – Gewinnen des Vorrangs; etāḥ devatāḥ – diese Gottheiten; ahaṃ-śreyase vivadamānāḥ – um den eigenen Vorrang streitend; asmāt śarīrāt uccakramuḥ – zogen aus diesem Körper aus; tat aprāṇat śuṣkam dāru-bhūtam śiṣye – er lag atemlos trocken wie Holz; atha enat vāk praviveśa – die Rede trat hinein; vācā vadat śiṣye eva – sprechend blieb er liegen; cakṣuḥ praviveśa – das Auge trat hinein; cakṣuṣā paśyat – mit dem Auge sehend; śrotram praviveśa – das Ohr trat hinein; śrotreṇa śṛṇvat – mit dem Ohr hörend; manaḥ praviveśa – der Geist trat hinein; manasā dhyāyat – mit dem Geist denkend; prāṇaḥ praviveśa – Prana trat hinein; tat tataḥ eva samuttasthau – sofort stand er auf; prāṇe niḥśreyasam viditvā – Pranas Vorrang erkennend; prāṇam eva prajñātmānam abhisambhūya – mit Prana als Erkenntnis-Selbst vereinigt; saha eva ete sarve – alle diese gemeinsam; vāyu-praviṣṭāḥ – in den Wind eingegangen; ākāśa-ātmānaḥ – von Raumesnatur; svar īyuḥ – gelangten zum Himmel; tathā eva evam vidvān – ebenso der so Wissende; sarveṣām bhūtānām – aller Wesen; saha etaiḥ sarvaiḥ – mit all diesen; asmāt śarīrāt utkrāmati – zieht aus diesem Körper aus; svar eti – geht zum Himmel; saḥ tat gacchati yatra ete devāḥ – geht dorthin, wo diese Götter sind; tat prāpya – dort angekommen; yat amṛtāḥ devāḥ – wie die Götter unsterblich sind; tat amṛtaḥ bhavati – so wird er unsterblich; yaḥ evam veda – wer so weiß.

2.14a – Das Vermächtnis
athātaḥ pitāputrīyaṃ sampradānam iti cācakṣate |
pitā putraṃ preṣyann āhvayati navais tṛṇair agāraṃ saṃstīryāgnim upasamādhāyodakumbhaṃ sapātram upanidhāyāhatena vāsasā sampracchannaḥ pitā śete |
etya putra upariṣṭād abhinipadyata indriyair indriyāṇi saṃspṛśya |

api vāsmā āsīnāyābhimukhāyaiva sampradadyāt | athāsmai samprayacchati |

Nun die Vater-Sohn-Zeremonie, auch Übergabe genannt. Der Vater, der sich zum Abschied anschickt, ruft den Sohn. Er lässt das Haus mit frischem Gras ausstreuen, das Feuer entzünden und einen Wasserkrug mit Schale bereitstellen. Mit einem neuen Gewand bedeckt liegt der Vater da. Der Sohn kommt, beugt sich von oben über ihn und berührt dessen Sinnesorgane mit den eigenen. Oder der Vater übergibt dem ihm gegenübersitzenden Sohn sein Vermächtnis. Er übergibt es ihm so:

Wort-für-Wort-Übersetzung: atha ataḥ – nun; pitā-putrīyam – Vater-Sohn-Zeremonie; sampradānam iti ca ācakṣate – auch Übergabe genannt; pitā putram preṣyan āhvayati – der zum Abschied bereite Vater ruft den Sohn; navaiḥ tṛṇaiḥ agāram saṃstīrya – Haus mit frischem Gras ausstreuend; agnim upasamādhāya – Feuer entzündend; uda-kumbham sa-pātram upanidhāya – Wasserkrug mit Schale bereitstellend; ahatena vāsasā sampracchannaḥ – mit neuem Gewand bedeckt; pitā śete – der Vater liegt; etya putraḥ upariṣṭāt abhinipadyate – der Sohn kommt und beugt sich von oben über ihn; indriyaiḥ indriyāṇi saṃspṛśya – Sinnesorgane mit den eigenen berührend; api vā – oder; asmai āsīnāya abhimukhāya – dem ihm gegenübersitzenden; sampradadyāt – er übergebe; atha asmai samprayacchati – er übergibt ihm so.

2.14b – Die Übertragung der Kräfte
vācaṃ me tvayi dadhānīti pitā |
vācaṃ te mayi dadha iti putraḥ |
prāṇaṃ me tvayi dadhānīti pitā |
prāṇaṃ te mayi dadha iti putraḥ |
cakṣur me tvayi dadhānīti pitā |
cakṣus te mayi dadha iti putraḥ |
śrotraṃ me tvayi dadhānīti pitā |
śrotraṃ te mayi dadha iti putraḥ |
annarasān me tvayi dadhānīti pitā |
annarasāṃs te mayi dadha iti putraḥ |
karmāṇi me tvayi dadhānīti pitā |
karmāṇi te mayi dadha iti putraḥ |
sukhaduḥkhe me tvayi dadhānīti pitā |
sukhaduḥkhe te mayi dadha iti putraḥ |
ānandaṃ ratiṃ prajātiṃ me tvayi dadhānīti pitā |
ānandaṃ ratiṃ prajātiṃ te mayi dadha iti putraḥ |
ityā me tvayi dadhānīti pitā |
ityās te mayi dadha iti putraḥ |
mano me tvayi dadhānīti pitā |
manas te mayi dadha iti putraḥ |
prajñāṃ me tvayi dadhānīti pitā |
prajñāṃ te mayi dadha iti putraḥ |

Der Vater: „Ich möchte dir meine Rede übertragen.“ Der Sohn: „Ich nehme deine Rede in mich auf.“ Der Vater: „Ich möchte dir meinen Lebenshauch übertragen.“ Der Sohn: „Ich nehme deinen Lebenshauch in mich auf.“ Der Vater: „Ich möchte dir meine Sehkraft übertragen.“ Der Sohn: „Ich nehme deine Sehkraft in mich auf.“ Der Vater: „Ich möchte dir meine Hörkraft übertragen.“ Der Sohn: „Ich nehme deine Hörkraft in mich auf.“ Der Vater: „Ich möchte dir meine Nahrungsgeschmäcke übertragen.“ Der Sohn: „Ich nehme deine Nahrungsgeschmäcke in mich auf.“ Der Vater: „Ich möchte dir meine Handlungen übertragen.“ Der Sohn: „Ich nehme deine Handlungen in mich auf.“ Der Vater: „Ich möchte dir meine Lust und Leid übertragen.“ Der Sohn: „Ich nehme deine Lust und Leid in mich auf.“ Der Vater: „Ich möchte dir meine Wonne, Liebeslust und Zeugung übertragen.“ Der Sohn: „Ich nehme deine Wonne, Liebeslust und Zeugung in mich auf.“ Der Vater: „Ich möchte dir meine Bewegungen übertragen.“ Der Sohn: „Ich nehme deine Bewegungen in mich auf.“ Der Vater: „Ich möchte dir meinen Geist übertragen.“ Der Sohn: „Ich nehme deinen Geist in mich auf.“ Der Vater: „Ich möchte dir meine Erkenntnis übertragen.“ Der Sohn: „Ich nehme deine Erkenntnis in mich auf.“

Wort-für-Wort-Übersetzung: iti pitā – so der Vater; iti putraḥ – so der Sohn; me – meine; te – deine; tvayi dadhāni – ich möchte in dich legen; mayi dadhe – ich nehme in mich auf; vācam – Rede; prāṇam – Lebenshauch; cakṣuḥ – Sehkraft; śrotram – Hörkraft; anna-rasān – Nahrungsgeschmäcke; karmāṇi – Handlungen; sukha-duḥkhe – Lust und Leid; ānandam ratim prajātim – Wonne, Liebeslust und Zeugung; ityāḥ – Bewegungen; manaḥ – Geist; prajñām – Erkenntnis.

2.14c – Die zusammengefasste Formel
yady u vā upābhigadaḥ syāt samāsenaiva brūyāt prāṇān me tvayi dadhānīti pitā |
prāṇāṃs te mayi dadha iti putraḥ |

Wenn der Vater nur noch mit Mühe sprechen kann, sage er zusammenfassend: „Meine Lebenskräfte möchte ich in dich legen.“ Der Sohn: „Deine Lebenskräfte nehme ich in mich auf.“

Wort-für-Wort-Übersetzung: yadi u vā – wenn aber; upābhigadaḥ syāt – nur noch aus der Nähe hörbar, mit Mühe sprechend; samāsena eva brūyāt – er sage zusammenfassend; prāṇān me tvayi dadhāni – meine Lebenskräfte möchte ich in dich legen; iti pitā – so der Vater; prāṇān te mayi dadhe – deine Lebenskräfte nehme ich in mich auf; iti putraḥ – so der Sohn.

2.14d – Abschied und weiterer Lebensweg
atha dakṣiṇāvṛt prāṅ upaniṣkrāmati |
taṃ pitānumantrayate yaśo brahmavarcasaṃ kīrtis tvā juṣatām iti |
athetaraḥ savyam anv aṃsam abhyavekṣate pāṇināntardhāya vasanāntena vā pracchādya svargān lokān kāmān āpnuhīti |
sa yady agadaḥ syāt putrasyaiśvarye pitā vaset pari vā vrajet |
yady u vai preyāt tathaivainaṃ samāpayeyur yathā samāpayitavyo bhavati yathā samāpayitavyo bhavati ||14||

Dann geht der Sohn nach rechts herum nach Osten hinaus. Der Vater spricht ihm den Segen nach: „Herrlichkeit, Brahmanenglanz und Ruhm mögen dich erfreuen!“ Der Sohn schaut über die linke Schulter zurück, hält die Hand davor oder bedeckt sich mit dem Gewandende und spricht: „Erlange himmlische Welten und Freuden!“ Wenn der Vater wieder gesund wird, lebe er unter der Hausherrschaft des Sohnes oder ziehe als Entsagender umher. Wenn er aber stirbt, vollziehe man seinen Abschluss so, wie er zu vollziehen ist, wie er zu vollziehen ist.

Wort-für-Wort-Übersetzung: atha – dann; dakṣiṇa-āvṛt – nach rechts herum; prāṅ upaniṣkrāmati – geht nach Osten hinaus; tam pitā anumantrayate – der Vater spricht ihm den Segen nach; yaśaḥ – Herrlichkeit; brahma-varcasam – Brahmanenglanz; kīrtiḥ – Ruhm; tvā juṣatām – mögen dich erfreuen; atha itaraḥ – dann der andere, Sohn; savyam anu aṃsam abhyavekṣate – schaut über die linke Schulter; pāṇinā antardhāya – die Hand davorhaltend; vasana-antena vā pracchādya – oder mit dem Gewandende bedeckend; svargān lokān kāmān āpnuhi – erlange himmlische Welten und Freuden; saḥ yadi agadaḥ syāt – wenn er wieder gesund wird; putrasya aiśvarye pitā vaset – der Vater lebe unter der Hausherrschaft des Sohnes; pari vā vrajet – oder ziehe als Entsagender umher; yadi u vai preyāt – wenn er aber stirbt; tathā eva enam samāpayeyuḥ – so vollziehe man seinen Abschluss; yathā samāpayitavyaḥ bhavati – wie er zu vollziehen ist.

Textanmerkung: Samāpayeyuḥ bezieht sich im Zusammenhang auf den rituellen Abschluss nach dem Tod. Hier endet Adhyaya 2 in der Zählung der benutzten Ausgabe; dieser Abschnitt entspricht 2.15 in vielen anderen Fassungen.

Abschluss des zweiten Adhyaya
iti kauṣītakibrāhmaṇopaniṣadi dvitīyo'dhyāyaḥ ||

Hier endet das zweite Kapitel der Kaushitaki Brahmana Upanishad.

Wort-für-Wort-Übersetzung: iti – hiermit; kauṣītaki-brāhmaṇa-upaniṣadi – in der Kaushitaki Brahmana Upanishad; dvitīyaḥ adhyāyaḥ – zweites Kapitel.

Dritter Adhyaya – Prana und das erkennende Selbst

3.1
pratardano ha vai daivodāsir indrasya priyaṃ dhāmopajagāma yuddhena ca pauruṣeṇa ca |
taṃ hendra uvāca pratardana varaṃ vṛṇīṣveti |
sa hovāca pratardanas tvam eva me vṛṇīṣva yaṃ tvaṃ manuṣyāya hitatamaṃ manyasa iti |
taṃ hendra uvāca na vai varaṃ paro parasmai vṛṇīte |
tvam eva vṛṇīṣveti |
avaro vai kila ma iti hovāca pratardanaḥ |
atho khalv indraḥ satyād eva neyāya |
satyaṃ hīndraḥ |
taṃ hendra uvāca mām eva vijānīhi |
etad evāhaṃ manuṣyāya hitatamaṃ manye yan māṃ vijānīyāt |
triśīrṣāṇaṃ tvāṣṭram ahanam |
arurmaghān ahanam |
yatīn sālāvṛkebhyaḥ prāyaccham |
bahvīḥ sandhā atikramya divi prahlādīyān atṛṇaham antarikṣe paulomān pṛthivyāṃ kālakāñjān |
tasya me tatra na loma canāmīyata |
sa yo māṃ veda na ha vai tasya kena cana karmaṇā loma mīyate na steyena na bhrūṇahatyayā na mātṛvadhena na pitṛvadhena |
nāsya pāpaṃ cakruṣo mukhān nīlaṃ vyetīti ||1||

Pratardana, Divodasas Sohn, gelangte durch Kampf und Manneskraft zu Indras geliebter Wohnstätte. Indra sagte: „Pratardana, wähle einen Wunsch!“ Pratardana erwiderte: „Wähle du für mich, was du für den Menschen als am heilsamsten ansiehst.“ Indra sagte: „Einer wählt nicht für einen anderen einen Wunsch. Wähle selbst!“ Pratardana sagte: „Dann wäre es für mich ja kein Wunschgeschenk.“ Indra wich nicht von der Wahrheit ab; denn Indra ist Wahrheit. Er sprach: „Erkenne mich! Dies halte ich für den Menschen für das Heilsamste: dass er mich erkenne. Ich erschlug den dreiköpfigen Sohn Tvashtris. Ich erschlug die Arurmaghas. Die Yatis warf ich den wilden Hunden vor. Viele Bündnisse brechend, zerschlug ich im Himmel die Prahladiyas, im Zwischenraum die Paulomas, auf der Erde die Kalakanjas. Dabei wurde mir kein Haar gekrümmt. Wer mich kennt, dem wird durch kein Werk ein Haar gekrümmt: weder durch Diebstahl noch durch Tötung eines Ungeborenen, Muttertötung oder Vatertötung. Selbst wenn er Unheilsames getan hat, weicht die dunkle Farbe nicht aus seinem Gesicht.“

Wort-für-Wort-Übersetzung: pratardanaḥ daivodāsiḥ – Pratardana, Divodasas Sohn; indrasya priyam dhāma upajagāma – gelangte zu Indras geliebter Wohnstätte; yuddhena ca pauruṣeṇa ca – durch Kampf und Manneskraft; tam indraḥ uvāca – Indra sagte zu ihm; varam vṛṇīṣva – wähle einen Wunsch; tvam eva me vṛṇīṣva – wähle du für mich; yam manuṣyāya hitatamam manyase – was du für den Menschen am heilsamsten hältst; na varam paraḥ parasmai vṛṇīte – einer wählt nicht für einen anderen einen Wunsch; avaraḥ vai kila me – es wäre für mich kein Wunschgeschenk; satyāt eva na iyāya – wich nicht von der Wahrheit; satyam hi indraḥ – denn Indra ist Wahrheit; mām eva vijānīhi – erkenne mich; etat aham hitatamam manye – dies halte ich für das Heilsamste; yat mām vijānīyāt – dass er mich erkenne; tri-śīrṣāṇam tvāṣṭram ahanam – ich erschlug den dreiköpfigen Sohn Tvashtris; arurmaghān ahanam – ich erschlug die Arurmaghas; yatīn sālāvṛkebhyaḥ prāyaccham – ich warf die Yatis wilden Hunden vor; bahvīḥ sandhāḥ atikramya – viele Bündnisse brechend; divi prahlādīyān – im Himmel die Prahladiyas; atṛṇaham – ich zerschlug; antarikṣe paulomān – im Zwischenraum die Paulomas; pṛthivyām kālakāñjān – auf der Erde die Kalakanjas; tasya me tatra na loma cana amīyata – dabei wurde mir kein Haar gekrümmt; yaḥ mām veda – wer mich kennt; na tasya kena cana karmaṇā loma mīyate – dem wird durch kein Werk ein Haar gekrümmt; na steyena – nicht durch Diebstahl; na bhrūṇa-hatyayā – nicht durch Tötung eines Ungeborenen; na mātṛ-vadhena – nicht durch Muttertötung; na pitṛ-vadhena – nicht durch Vatertötung; na asya pāpam cakruṣaḥ mukhāt nīlam vyeti – auch nach Unheilsamem weicht die dunkle Farbe nicht aus seinem Gesicht.

Textanmerkung: Ahanam nach arurmaghān ist eine gekennzeichnete Ergänzung der Edition. Der letzte Satz wird traditionell als Nicht-Erbleichen vor Furcht verstanden. Die drastische Erzählung preist die Macht der Erkenntnis; sie ist keine Aufforderung zu den genannten Taten.

3.2
sa hovāca prāṇo 'smi prajñātmā |
taṃ mām āyur amṛtam ity upāssva |
āyuḥ prāṇaḥ |
prāṇo vā āyuḥ |
yāvad dhy asmiñ charīre prāṇo vasati tāvad āyuḥ |
prāṇena hy evāsmiṃl loke 'mṛtatvam āpnoti |
prajñayā satyaṃ saṅkalpam |
sa yo mām āyur amṛtam ity upāste sarvam āyur asmiṃl loka eti |
āpnoty amṛtatvam akṣitiṃ svarge loke |
tad dhaika āhur ekabhūyaṃ vai prāṇā gacchantīti |
na hi kaścana śaknuyāt sakṛd vācā nāma prajñāpayituṃ cakṣuṣā rūpaṃ śrotreṇa śabdaṃ manasā dhyānam |
ekabhūyaṃ vai prāṇā bhūtvaikaikam etāni sarvāṇi prajñāpayantīti |
vācaṃ vadantīṃ sarve prāṇā anuvadanti |
cakṣuḥ paśyat sarve prāṇā anupaśyanti |śrotraṃ śṛṇvat sarve prāṇā anuśṛṇvanti |
mano dhyāyat sarve prāṇā anudhyāyanti |
prāṇaṃ prāṇantaṃ sarve prāṇā anuprāṇanti |
evam u haitad iti hendra uvāca |
asti tv eva prāṇānāṃ niḥśreyasam iti ||2||

Er sprach: „Ich bin Prana, das Erkenntnis-Selbst. Verehre mich als Leben und als Unsterbliches. Leben ist Prana und Prana ist Leben. Solange Prana in diesem Körper wohnt, so lange besteht das Leben. Durch Prana erlangt man in dieser Welt Nichtsterben, durch Erkenntnis die wahre Absicht. Wer mich als Leben und Unsterbliches verehrt, erreicht in dieser Welt die volle Lebensdauer und erlangt Unsterblichkeit, Unvergänglichkeit in der Himmelswelt.“ Einige sagen, die Lebenskräfte gingen in eine Einheit ein: Niemand könne gleichzeitig mit der Rede einen Namen, mit dem Auge eine Gestalt, mit dem Ohr einen Ton und mit dem Geist einen Gedanken bewusst machen. Erst indem die Lebenskräfte eine Einheit bilden, machen sie dieses alles nacheinander bewusst. Wenn die Rede spricht, sprechen alle Lebenskräfte mit; wenn das Auge sieht, sehen alle mit; wenn das Ohr hört, hören alle mit; wenn der Geist denkt, denken alle mit; wenn Prana atmet, atmen alle mit. „So ist es“, sagte Indra. „Doch gibt es unter den Lebenskräften einen Vorrang.“

Wort-für-Wort-Übersetzung: saḥ uvāca – er sprach; prāṇaḥ asmi prajñātmā – ich bin Prana, Erkenntnis-Selbst; tam mām āyuḥ amṛtam iti upāssva – verehre mich als Leben und Unsterbliches; āyuḥ prāṇaḥ – Leben ist Prana; prāṇaḥ vā āyuḥ – Prana ist Leben; yāvat asmin śarīre prāṇaḥ vasati – solange Prana in diesem Körper wohnt; tāvat āyuḥ – so lange Leben; prāṇena asmin loke amṛtatvam āpnoti – durch Prana erlangt man hier Nichtsterben; prajñayā satyam saṅkalpam – durch Erkenntnis wahre Absicht; saḥ yaḥ mām upāste – wer mich verehrt; sarvam āyuḥ asmin loke eti – erreicht hier die volle Lebensdauer; āpnoti amṛtatvam akṣitim svarge loke – erlangt Unsterblichkeit und Unvergänglichkeit im Himmel; tat ha eke āhuḥ – einige sagen dazu; eka-bhūyam prāṇāḥ gacchanti – Lebenskräfte gehen in eine Einheit ein; na kaścana śaknuyāt sakṛt – niemand könnte gleichzeitig; vācā nāma – mit der Rede einen Namen; cakṣuṣā rūpam – mit dem Auge eine Gestalt; śrotreṇa śabdam – mit dem Ohr einen Ton; manasā dhyānam – mit dem Geist einen Gedanken; prajñāpayitum – bewusst machen; eka-bhūyam bhūtvā – eine Einheit bildend; ekaikam etāni sarvāṇi prajñāpayanti – machen all dieses nacheinander bewusst; vācam vadantīm sarve prāṇāḥ anuvadanti – der sprechenden Rede sprechen alle Lebenskräfte nach; cakṣuḥ paśyat anupaśyanti – dem sehenden Auge sehen sie nach; śrotram śṛṇvat anuśṛṇvanti – dem hörenden Ohr hören sie nach; manaḥ dhyāyat anudhyāyanti – dem denkenden Geist denken sie nach; prāṇam prāṇantam anuprāṇanti – dem atmenden Prana atmen sie nach; evam u etat – so ist es; indraḥ uvāca – Indra sagte; asti tu eva prāṇānām niḥśreyasam – es gibt aber einen Vorrang unter den Lebenskräften.

3.3a – Das Tragende im Leben
jīvati vāgapetaḥ |
mūkān hi paśyāmaḥ |
jīvati cakṣurapetaḥ |
andhān hi paśyāmaḥ |
jīvati śrotrāpetaḥ |
badhirān hi paśyāmaḥ |
jīvati mano'petaḥ |
bālān hi paśyāmaḥ |
jīvati bāhuchinnaḥ |
jīvaty ūrucchinna iti |
evaṃ hi paśyāma iti |
atha khalu prāṇa eva prajñātmā idaṃ śarīraṃ parigṛhyotthāpayati |
tasmād etad evoktham upāsīteti |
saiṣā prāṇe sarvāptir yo vai prāṇaḥ sā prajñā |
yā vai prajñā sa prāṇaḥ |

Man lebt ohne Rede; wir sehen Menschen ohne Sprechvermögen. Man lebt ohne Sehen; wir sehen Blinde. Man lebt ohne Hören; wir sehen Gehörlose. Man lebt ohne ausgebildetes Denken; wir sehen Unmündige. Man lebt mit abgetrenntem Arm, man lebt mit abgetrenntem Schenkel: So sehen wir es. Prana aber, das Erkenntnis-Selbst, umfasst diesen Körper und richtet ihn auf. Deshalb verehre man es als Uktha. Dies ist das völlige Zusammenkommen in Prana. Was Prana ist, das ist Erkenntnis; was Erkenntnis ist, das ist Prana.

Wort-für-Wort-Übersetzung: jīvati vāg-apetaḥ – man lebt ohne Rede; mūkān hi paśyāmaḥ – denn wir sehen Menschen ohne Sprechvermögen; jīvati cakṣur-apetaḥ – man lebt ohne Sehen; andhān hi paśyāmaḥ – denn wir sehen Blinde; jīvati śrotra-apetaḥ – man lebt ohne Hören; badhirān hi paśyāmaḥ – denn wir sehen Gehörlose; jīvati mano-apetaḥ – man lebt ohne ausgebildetes Denken; bālān hi paśyāmaḥ – denn wir sehen Unmündige; jīvati bāhu-chinnaḥ – man lebt mit abgetrenntem Arm; jīvati ūru-cchinnaḥ – man lebt mit abgetrenntem Schenkel; evam hi paśyāmaḥ – so sehen wir es; atha khalu – aber; prāṇaḥ eva prajñātmā – Prana als Erkenntnis-Selbst; idam śarīram parigṛhya utthāpayati – umfasst und richtet diesen Körper auf; tasmāt – deshalb; etat eva uktham upāsīta – man verehre es als Uktha; sā eṣā prāṇe sarva-āptiḥ – dies ist das völlige Zusammenkommen in Prana; yaḥ vai prāṇaḥ sā prajñā – was Prana ist, ist Erkenntnis; yā vai prajñā saḥ prāṇaḥ – was Erkenntnis ist, ist Prana.

Textanmerkung: Uktha, ein Rezitations- oder Lobpreistext, wird hier mit dem Aufrichten, utthāpayati, verbunden. Die Beispiele begründen die Abhängigkeit einzelner Fähigkeiten vom Leben, keine geringere Würde von Menschen mit Behinderungen.

3.3b – Tiefschlaf und Erwachen
tasyaiṣaiva dṛṣṭir etad vijñānam |
yatraitat puruṣaḥ suptaḥ svapnaṃ na kañcana paśyaty athāsmin prāṇa evaikadhā bhavanti |
tad enaṃ vāk sarvair nāmabhiḥ sahāpyeti |
cakṣuḥ sarvaiḥ rūpaiḥ sahāpyeti |
śrotraṃ sarvaiḥ śabdaiḥ sahāpyeti |
manaḥ sarvair dhyānaiḥ sahāpyeti |
sa yadā pratibudhyate yathāgner jvalataḥ sarvā diśo viṣphuliṅgā vipratiṣṭherann evam evaitasmād ātmanaḥ prāṇā yathāyatanaṃ vipratiṣṭhante |
prāṇebhyo devāḥ |
devebhyo lokāḥ |
sa eṣa prāṇa eva prajñātmedaṃ śarīraṃ parigṛhyotthāpayati |
tasmād etad evoktham upāsīteti |
saiṣā prāṇe sarvāptiḥ |
yo vai prāṇaḥ sā prajñā |
yā vai prajñā sa prāṇaḥ |

Daran lässt es sich sehen und erkennen: Wenn ein Mensch schläft und keinen Traum sieht, werden die Kräfte in diesem Prana eins. Die Rede geht mit allen Namen in ihn ein, das Auge mit allen Gestalten, das Ohr mit allen Tönen, der Geist mit allen Gedanken. Wenn er erwacht, treten aus diesem Selbst die Lebenskräfte zu ihren jeweiligen Orten hervor, wie Funken eines brennenden Feuers in alle Richtungen auseinanderfliegen. Aus den Lebenskräften die Götter, aus den Göttern die Welten. Dieses Prana, das Erkenntnis-Selbst, umfasst den Körper und richtet ihn auf. Deshalb verehre man es als Uktha. Dies ist das völlige Zusammenkommen in Prana. Was Prana ist, ist Erkenntnis; was Erkenntnis ist, ist Prana.

Wort-für-Wort-Übersetzung: tasya eṣā eva dṛṣṭiḥ etat vijñānam – daran lässt es sich sehen und erkennen; yatra puruṣaḥ suptaḥ svapnam na kañcana paśyati – wenn der Mensch schlafend keinen Traum sieht; atha asmin prāṇe eva ekadhā bhavanti – werden die Kräfte in diesem Prana eins; tat enam vāk sarvaiḥ nāmabhiḥ saha apyeti – die Rede geht mit allen Namen in ihn ein; cakṣuḥ sarvaiḥ rūpaiḥ saha apyeti – das Auge mit allen Gestalten; śrotram sarvaiḥ śabdaiḥ saha apyeti – das Ohr mit allen Tönen; manaḥ sarvaiḥ dhyānaiḥ saha apyeti – der Geist mit allen Gedanken; saḥ yadā pratibudhyate – wenn er erwacht; yathā agneḥ jvalataḥ – wie aus brennendem Feuer; sarvāḥ diśaḥ viṣphuliṅgāḥ vipratiṣṭheran – Funken in alle Richtungen auseinanderfliegen; evam etasmāt ātmanaḥ – so aus diesem Selbst; prāṇāḥ yathā-āyatanam vipratiṣṭhante – Lebenskräfte treten an ihre Orte hervor; prāṇebhyaḥ devāḥ – aus Lebenskräften die Götter; devebhyaḥ lokāḥ – aus Göttern die Welten; saḥ eṣaḥ prāṇaḥ eva prajñātmā – dieses Prana als Erkenntnis-Selbst; idam śarīram parigṛhya utthāpayati – umfasst und richtet diesen Körper auf; tasmāt etat uktham upāsīta – deshalb als Uktha verehren; sā eṣā prāṇe sarva-āptiḥ – dies ist das völlige Zusammenkommen in Prana; yaḥ prāṇaḥ sā prajñā – Prana ist Erkenntnis; yā prajñā saḥ prāṇaḥ – Erkenntnis ist Prana.

3.3c – Sterben
tasyaiṣaiva siddhir etad vijñānam |
yatraitat puruṣa ārto mariṣyan ābalyaṃ nītya sammohaṃ nyeti tad āhur udakramīc cid iti |
tan na śṛṇoti na paśyati na vācā vadati na dhyāyati |
athāsmin prāṇa evaikadhā bhavanti |
tad enaṃ vāk sarvair nāmabhiḥ sahāpyeti |
cakṣuḥ sarvaiḥ rūpaiḥ sahāpyeti |
śrotraṃ sarvaiḥ śabdaiḥ sahāpyeti |
manaḥ sarvair dhyānaiḥ sahāpyeti |
sa yadāsmāc charīrād utkrāmati sahaivaitaiḥ sarvair utkrāmati ||3||

Daran lässt es sich erweisen und erkennen: Wenn ein Mensch krank ist und sterben wird, kraftlos wird und in Bewusstlosigkeit versinkt, sagt man: „Sein Bewusstsein ist fortgegangen.“ Er hört nicht, sieht nicht, spricht nicht und denkt nicht. Dann werden die Kräfte in diesem Prana eins. Die Rede geht mit allen Namen in ihn ein, das Auge mit allen Gestalten, das Ohr mit allen Tönen, der Geist mit allen Gedanken. Wenn er aus diesem Körper auszieht, zieht er mit all diesen gemeinsam aus.

Wort-für-Wort-Übersetzung: tasya eṣā eva siddhiḥ etat vijñānam – daran lässt es sich erweisen und erkennen; yatra puruṣaḥ ārtaḥ mariṣyan – wenn ein kranker Mensch sterben wird; ābalyam nītvā – kraftlos geworden; sammoham nyeti – in Bewusstlosigkeit versinkt; tat āhuḥ – dann sagt man; udakramīt cit – das Bewusstsein ging fort; na śṛṇoti – hört nicht; na paśyati – sieht nicht; na vācā vadati – spricht nicht; na dhyāyati – denkt nicht; atha asmin prāṇe eva ekadhā bhavanti – dann werden die Kräfte in diesem Prana eins; vāk sarvaiḥ nāmabhiḥ saha apyeti – Rede geht mit allen Namen hinein; cakṣuḥ sarvaiḥ rūpaiḥ saha apyeti – Auge mit allen Gestalten; śrotram sarvaiḥ śabdaiḥ saha apyeti – Ohr mit allen Tönen; manaḥ sarvaiḥ dhyānaiḥ saha apyeti – Geist mit allen Gedanken; yadā asmāt śarīrāt utkrāmati – wenn er aus diesem Körper auszieht; saha eva etaiḥ sarvaiḥ utkrāmati – zieht er mit all diesen gemeinsam aus.

Textanmerkung: Die Ausgabe bietet nītya; die in der Worterklärung verwendete reguläre Form nītvā macht den gemeinten Satzanschluss deutlich.

3.4
vāg asmāt sarvāṇi nāmāny abhivisṛjate |
vācā sarvāṇi nāmāny āpnoti |
prāṇo 'smāt sarvān gandhān abhivisṛjate |
prāṇena sarvān gandhān āpnoti |
cakṣur asmāt sarvāṇi rūpāṇy abhivisṛjate |
cakṣuṣā sarvāṇi rūpāṇy āpnoti |
śrotram asmāt sarvāñ chabdān abhivisṛjate |
śrotreṇa sarvāñ chabdān āpnoti |
mano 'smāt sarvāṇi dhyānāny abhivisṛjate |
manasā sarvāṇi dhyānāny āpnoti |
saiṣā prāṇe sarvāptiḥ |
yo vai prāṇaḥ sā prajñā |
yā vai prajñā sa prāṇaḥ |
saha hy etāv asmiñ charīre vasataḥ sahotkrāmataḥ |
atha khalu yathāsyai prajñāyai sarvāṇi bhūtāny ekaṃ bhavanti tad vyākhyāsyāmaḥ ||4||

Die Rede entlässt aus ihm alle Namen; mit der Rede erlangt er alle Namen. Der Atem entlässt aus ihm alle Gerüche; mit dem Atem erlangt er alle Gerüche. Das Auge entlässt aus ihm alle Gestalten; mit dem Auge erlangt er alle Gestalten. Das Ohr entlässt aus ihm alle Töne; mit dem Ohr erlangt er alle Töne. Der Geist entlässt aus ihm alle Gedanken; mit dem Geist erlangt er alle Gedanken. Dies ist das völlige Zusammenkommen in Prana. Was Prana ist, ist Erkenntnis; was Erkenntnis ist, ist Prana. Beide wohnen gemeinsam in diesem Körper und ziehen gemeinsam aus. Nun wollen wir erklären, wie alle Wesen für diese Erkenntnis eins werden.

Wort-für-Wort-Übersetzung: vāk – Rede; asmāt – aus ihm; sarvāṇi nāmāni abhivisṛjate – entlässt alle Namen; vācā sarvāṇi nāmāni āpnoti – mit der Rede erlangt er alle Namen; prāṇaḥ – Atem; sarvān gandhān – alle Gerüche; prāṇena – mit dem Atem; cakṣuḥ – Auge; sarvāṇi rūpāṇi – alle Gestalten; cakṣuṣā – mit dem Auge; śrotram – Ohr; sarvān śabdān – alle Töne; śrotreṇa – mit dem Ohr; manaḥ – Geist; sarvāṇi dhyānāni – alle Gedanken; manasā – mit dem Geist; sā eṣā prāṇe sarva-āptiḥ – dies ist das völlige Zusammenkommen in Prana; yaḥ prāṇaḥ sā prajñā – Prana ist Erkenntnis; yā prajñā saḥ prāṇaḥ – Erkenntnis ist Prana; saha hi etau asmin śarīre vasataḥ – beide wohnen gemeinsam in diesem Körper; saha utkrāmataḥ – ziehen gemeinsam aus; atha khalu – nun; yathā asyai prajñāyai sarvāṇi bhūtāni ekam bhavanti – wie alle Wesen für diese Erkenntnis eins werden; tat vyākhyāsyāmaḥ – das wollen wir erklären.

Textanmerkung: Abhivisṛjate wird in Übersetzungen sowohl als Hervortretenlassen als auch im Zusammenhang als Zurückführen der Sinnesgegenstände verstanden. Hier bleibt die sprachlich naheliegende Bewegungsrichtung „aus ihm“ erhalten.

3.5
vāg evāsyā ekam aṅgam udūḍham |
tasyai nāma parastāt prativihitā bhūtamātrā |
ghrāṇa evāsyā ekam aṅgam udūḍham |
tasya gandhaḥ parastāt prativihitā bhūtamātrā |
cakṣur evāsyā ekam aṅgam udūḍham |
tasya rūpaṃ parastāt prativihitā bhūtamātrā |
śrotram evāsyā ekam aṅgam udūḍham |
tasya śabdaḥ parastāt prativihitā bhūtamātrā |
jihvaivāsyā ekam aṅgam udūḍham |
tasya annarasaḥ parastāt prativihitā bhūtamātrā |
hastāv evāsyā ekam aṅgam udūḍham |
tayoḥ karma parastāt prativihitā bhūtamātrā |
śarīram evāsyā ekam aṅgam udūḍham |
tasya sukhaduḥkhe parastāt prativihitā bhūtamātrā |
upastha evāsyā ekam aṅgam udūḍham |
tasyānando ratiḥ prajātiḥ parastāt prativihitā bhūtamātrā |
pādāv evāsyā ekam aṅgam udūḍham |
tayor ityāḥ parastāt prativihitā bhūtamātrā |
prajñaivāsyā ekam aṅgam udūḍham |
tasyai dhiyo vijñātavyaṃ kāmāḥ parastāt prativihitā bhūtamātrā ||5||

Rede ist eine aus ihr hervorgetretene Funktion; Namen ist ihr außen zugeordneter gegenständlicher Bereich. Riechorgan ist eine aus ihr hervorgetretene Funktion; Geruch ist ihr außen zugeordneter gegenständlicher Bereich. Auge ist eine aus ihr hervorgetretene Funktion; Gestalt ist ihr außen zugeordneter gegenständlicher Bereich. Ohr ist eine aus ihr hervorgetretene Funktion; Ton ist ihr außen zugeordneter gegenständlicher Bereich. Zunge ist eine aus ihr hervorgetretene Funktion; Nahrungsgeschmack ist ihr außen zugeordneter gegenständlicher Bereich. Die Hände sind eine aus ihr hervorgetretene Funktion; Handlung ist ihr außen zugeordneter gegenständlicher Bereich. Körper ist eine aus ihr hervorgetretene Funktion; Lust und Leid ist ihr außen zugeordneter gegenständlicher Bereich. Geschlechtsorgan ist eine aus ihr hervorgetretene Funktion; Wonne, Liebeslust und Zeugung ist ihr außen zugeordneter gegenständlicher Bereich. Die Füße sind eine aus ihr hervorgetretene Funktion; Bewegung ist ihr außen zugeordneter gegenständlicher Bereich. Erkenntnisvermögen ist eine aus ihr hervorgetretene Funktion; Gedanken, das zu Erkennende und Wünsche ist ihr außen zugeordneter gegenständlicher Bereich.

Wort-für-Wort-Übersetzung: asyāḥ – aus dieser Erkenntnis; ekam aṅgam udūḍham – eine herausgetretene Funktion; tasyai, tasya, tayoḥ – ihr, ihm, ihnen; parastāt prativihitā – außen zugeordnet; bhūta-mātrā – gegenständlicher Bereich; vāk – Rede; nāma – Namen; ghrāṇaḥ – Riechorgan; gandhaḥ – Geruch; cakṣuḥ – Auge; rūpam – Gestalt; śrotram – Ohr; śabdaḥ – Ton; jihvā – Zunge; anna-rasaḥ – Nahrungsgeschmack; hastau – Hände; karma – Handlung; śarīram – Körper; sukha-duḥkhe – Lust und Leid; upasthaḥ – Geschlechtsorgan; ānandaḥ ratiḥ prajātiḥ – Wonne, Liebeslust und Zeugung; pādau – Füße; ityāḥ – Bewegung; prajñā – Erkenntnisvermögen; dhiyaḥ vijñātavyam kāmāḥ – Gedanken, das zu Erkennende und Wünsche.

Textanmerkung: „Ihr“ bezieht sich auf Prajna, die Erkenntnis. Die grammatische Parallelform der Sanskritsätze wird bewahrt; „Funktion“ gibt hier aṅga, Glied, wieder.

3.6
prajñayā vācaṃ samāruhya vācā sarvāṇi nāmāny āpnoti |
prajñayā ghrāṇaṃ samāruhya ghrāṇena sarvān gandhān āpnoti |
prajñayā cakṣuḥ samāruhya cakṣuṣā sarvāṇi rūpāṇy āpnoti |
prajñayā śrotraṃ samāruhya śrotreṇa sarvāñ chabdān āpnoti |
prajñayā jihvāṃ samāruhya jihvayā sarvān annarasān āpnoti |
prajñayā hastau samāruhya hastābhyāṃ sarvāṇi karmāṇy āpnoti |
prajñayā śarīraṃ samāruhya śarīreṇa sukhaduḥkhe āpnoti |
prajñayopasthaṃ samāruhyopasthenānandaṃ ratiṃ prajātim āpnoti |
prajñayā pādau samāruhya pādābhyāṃ sarvā ityā āpnoti |
prajñayaiva dhiyaṃ samāruhya prajñayaiva dhiyo vijñātavyaṃ kāmān āpnoti ||6||

Indem man mit Erkenntnis die Rede betritt, erlangt man mit der Rede alle Namen. Indem man mit Erkenntnis das Riechorgan betritt, erlangt man mit dem Riechorgan alle Gerüche. Indem man mit Erkenntnis das Auge betritt, erlangt man mit dem Auge alle Gestalten. Indem man mit Erkenntnis das Ohr betritt, erlangt man mit dem Ohr alle Töne. Indem man mit Erkenntnis die Zunge betritt, erlangt man mit der Zunge alle Nahrungsgeschmäcke. Indem man mit Erkenntnis die Hände betritt, erlangt man mit den Händen alle Handlungen. Indem man mit Erkenntnis den Körper betritt, erlangt man mit dem Körper Lust und Leid. Indem man mit Erkenntnis das Geschlechtsorgan betritt, erlangt man mit dem Geschlechtsorgan Wonne, Liebeslust und Zeugung. Indem man mit Erkenntnis die Füße betritt, erlangt man mit den Füßen alle Bewegungen. Indem man mit Erkenntnis das Denken betritt, erlangt man mit der Erkenntnis Gedanken, das zu Erkennende und Wünsche.

Wort-für-Wort-Übersetzung: prajñayā – mit Erkenntnis; samāruhya – betretend, sich aufstützend; āpnoti – erlangt; sarvāṇi, sarvān, sarvāḥ – alle; vācam, vācā – Rede, durch Rede; nāmāni – Namen; ghrāṇam, ghrāṇena – Riechorgan, durch Riechorgan; gandhān – Gerüche; cakṣuḥ, cakṣuṣā – Auge, durch Auge; rūpāṇi – Gestalten; śrotram, śrotreṇa – Ohr, durch Ohr; śabdān – Töne; jihvām, jihvayā – Zunge, durch Zunge; anna-rasān – Nahrungsgeschmäcke; hastau, hastābhyām – Hände, durch Hände; karmāṇi – Handlungen; śarīram, śarīreṇa – Körper, durch Körper; sukha-duḥkhe – Lust und Leid; upastham, upasthena – Geschlechtsorgan, durch Geschlechtsorgan; ānandam – Wonne; ratim – Liebeslust; prajātim – Zeugung; pādau, pādābhyām – Füße, durch Füße; ityāḥ – Bewegungen; dhiyam – Denken; prajñayā eva – durch Erkenntnis allein; dhiyaḥ – Gedanken; vijñātavyam – das zu Erkennende; kāmān – Wünsche.

3.7
na hi prajñāpetā vāṅ nāma kiñcana prajñāpayet |
anyatra me mano 'bhūd ity āha |
nāham etan nāma prājñāsiṣam iti |
na hi prajñāpetaḥ ghrāṇo gandhaṃ kañcana prajñāpayet |
anyatra me mano 'bhūd ity āha |
nāham etaṃ gandhaṃ prājñāsiṣam iti |
na hi prajñāpetaṃ cakṣū rūpaṃ kiñcana prajñāpayet |
anyatra me mano 'bhūd ity āha |
nāham etad rūpaṃ prājñāsiṣam iti |
na hi prajñāpetaṃ śrotraṃ śabdaṃ kañcana prajñāpayet |
anyatra me mano 'bhūd ity āha |
nāham etaṃ śabdaṃ prājñāsiṣam iti |
na prajñāpetā jihvānnarasaṃ kañcana prajñāpayet |
anyatra me mano 'bhūd ity āha |
nāham etam annarasaṃ prājñāsiṣam iti |
na hi prajñāpetau hastau karma kiñcana prajñāpayeyātām |
anyatra me mano 'bhūd ity āha |
nāham etat karma prājñāsiṣam iti |
na hi prajñāpetaṃ śarīraṃ sukhaduḥkhaṃ kiñcana prajñāpayet |
anyatra me mano 'bhūd ity āha |
nāham etat sukhaduḥkhaṃ prājñāsiṣam iti |
na hi prajñāpeta upastha ānandaṃ ratiṃ prajātiṃ kāñcana prajñāpayet |
anyatra me mano 'bhūd ity āha |
nāham etam ānandaṃ na ratiṃ na prajātiṃ prājñāsiṣam iti |
na hi prajñāpetau pādāv ityāṃ kāñcana prajñāpayeyātām |
anyatra me mano 'bhūd ity āha |
nāham etām ityāṃ prājñāsiṣam |
iti na hi prajñāpetā dhīḥ kācana sidhyen na prajñātavyaṃ prajñāyeta ||7||

Ohne Erkenntnis kann die Rede einen Namen nicht bewusst machen. Man sagt: „Mein Geist war anderswo; ich habe diesen Namen nicht wahrgenommen.“ Ohne Erkenntnis kann das Riechorgan einen Geruch nicht bewusst machen. Man sagt: „Mein Geist war anderswo; ich habe diesen Geruch nicht wahrgenommen.“ Ohne Erkenntnis kann das Auge eine Gestalt nicht bewusst machen. Man sagt: „Mein Geist war anderswo; ich habe diese Gestalt nicht wahrgenommen.“ Ohne Erkenntnis kann das Ohr einen Ton nicht bewusst machen. Man sagt: „Mein Geist war anderswo; ich habe diesen Ton nicht wahrgenommen.“ Ohne Erkenntnis kann die Zunge einen Nahrungsgeschmack nicht bewusst machen. Man sagt: „Mein Geist war anderswo; ich habe diesen Nahrungsgeschmack nicht wahrgenommen.“ Ohne Erkenntnis können die Hände eine Handlung nicht bewusst machen. Man sagt: „Mein Geist war anderswo; ich habe diese Handlung nicht wahrgenommen.“ Ohne Erkenntnis kann der Körper Lust oder Leid nicht bewusst machen. Man sagt: „Mein Geist war anderswo; ich habe diese Lust oder dieses Leid nicht wahrgenommen.“ Ohne Erkenntnis kann das Geschlechtsorgan Wonne, Liebeslust oder Zeugung nicht bewusst machen. Man sagt: „Mein Geist war anderswo; ich habe diese Wonne, Liebeslust oder Zeugung nicht wahrgenommen.“ Ohne Erkenntnis können die Füße eine Bewegung nicht bewusst machen. Man sagt: „Mein Geist war anderswo; ich habe diese Bewegung nicht wahrgenommen.“ Ohne Erkenntnis kann kein Gedanke gelingen und nichts zu Erkennendes erkannt werden.

Wort-für-Wort-Übersetzung: na hi – denn nicht; prajñā-apetā, prajñā-apetaḥ, prajñā-apetam – ohne Erkenntnis; vāk – Rede; nāma kiñcana – irgendeinen Namen; prajñāpayet – könnte bewusst machen; anyatra me manaḥ abhūt – mein Geist war anderswo; iti āha – so sagt man; na aham etat prājñāsiṣam – ich habe dieses nicht wahrgenommen; ghrāṇaḥ – Riechorgan; gandham kañcana – irgendeinen Geruch; cakṣuḥ – Auge; rūpam kiñcana – irgendeine Gestalt; śrotram – Ohr; śabdam kañcana – irgendeinen Ton; jihvā – Zunge; anna-rasam kañcana – irgendeinen Nahrungsgeschmack; hastau – Hände; karma kiñcana – irgendeine Handlung; prajñāpayeyātām – könnten bewusst machen; śarīram – Körper; sukha-duḥkham kiñcana – irgendeine Lust oder irgendein Leid; upasthaḥ – Geschlechtsorgan; ānandam ratim prajātim – Wonne, Liebeslust und Zeugung; pādau – Füße; ityām kāñcana – irgendeine Bewegung; dhīḥ kācana sidhyet – irgendein Gedanke könnte gelingen; na prajñātavyam prajñāyeta – nichts zu Erkennendes würde erkannt.

Textanmerkung: Die Wiederholung der Aussage über den abgelenkten Geist ist Bestandteil des Textes und wird vollständig wiedergegeben.

3.8a – Suche den Erkennenden
na vācaṃ vijijñāsīta |
vaktāraṃ vidyāt |
na gandhaṃ vijijñāsīta |
ghrātāraṃ vidyāt |
na rūpaṃ vijijñāsīta |
draṣṭāraṃ vidyāt |
na śabdaṃ vijijñāsīta |
śrotāraṃ vidyāt |
nānnarasaṃ vijijñāsīta |
annarasasya vijñātāraṃ vidyāt |
na karma vijijñāsīta |
kartāraṃ vidyāt |
na sukhaduḥkhe vijijñāsīta |
sukhaduḥkhayor vijñātāraṃ vidyāt |
nānandaṃ na ratiṃ na prajātiṃ vijijñāsīta |
ānandasya rateḥ prajāter vijñātāraṃ vidyāt |
netyāṃ vijijñāsīta |
etāraṃ vidyāt |
na mano vijijñāsīta |
mantāraṃ vidyāt |

Man suche nicht die Rede zu erkennen, sondern erkenne den Sprecher. Man suche nicht den Geruch zu erkennen, sondern erkenne den Riechenden. Man suche nicht die Gestalt zu erkennen, sondern erkenne den Sehenden. Man suche nicht den Ton zu erkennen, sondern erkenne den Hörenden. Man suche nicht den Nahrungsgeschmack zu erkennen, sondern erkenne den Kenner des Nahrungsgeschmacks. Man suche nicht die Handlung zu erkennen, sondern erkenne den Handelnden. Man suche nicht Lust und Leid zu erkennen, sondern ihren Erkenner. Man suche nicht Wonne, Liebeslust und Zeugung zu erkennen, sondern ihren Erkenner. Man suche nicht die Bewegung zu erkennen, sondern den Gehenden. Man suche nicht den Geist zu erkennen, sondern den Denkenden.

Wort-für-Wort-Übersetzung: na vijijñāsīta – man suche nicht zu erkennen; vidyāt – man erkenne; vācam – Rede; vaktāram – Sprecher; gandham – Geruch; ghrātāram – Riechenden; rūpam – Gestalt; draṣṭāram – Sehenden; śabdam – Ton; śrotāram – Hörenden; anna-rasam – Nahrungsgeschmack; anna-rasasya vijñātāram – Kenner des Nahrungsgeschmacks; karma – Handlung; kartāram – Handelnden; sukha-duḥkhe – Lust und Leid; sukha-duḥkhayoḥ vijñātāram – Erkenner von Lust und Leid; ānandam – Wonne; ratim – Liebeslust; prajātim – Zeugung; ānandasya rateḥ prajāteḥ vijñātāram – Erkenner von Wonne, Liebeslust und Zeugung; ityām – Bewegung; etāram – Gehenden; manaḥ – Geist; mantāram – Denkenden.

3.8b – Speichen und Nabe
tā vā etā daśaiva bhūtamātrā adhiprajñam |
daśa prajñāmātrā adhibhūtam |
yad dhi bhūtamātrā na syur na prajñāmātrāḥ syuḥ |
yad vā prajñāmātrā na syur na bhūtamātrāḥ syuḥ |
na hy anyatarato rūpaṃ kiñcana sidhyet |
no etan nānā |
tad yathā rathasyāreṣu nemir arpitā |
nābhāv arā arpitā |
evam evaitā bhūtamātrāḥ prajñāmātrāsv arpitāḥ |
prajñāmātrāḥ prāṇe 'rpitāḥ |

Diese zehn gegenständlichen Bereiche beziehen sich auf Erkenntnis; die zehn Erkenntnisbereiche beziehen sich auf die Gegenstände. Gäbe es keine Gegenstandsbereiche, gäbe es keine Erkenntnisbereiche; gäbe es keine Erkenntnisbereiche, gäbe es keine Gegenstandsbereiche. Aus nur einer der beiden Seiten könnte keine Gestalt zustande kommen. Sie sind nicht voneinander getrennt. Wie beim Wagen der Radkranz auf den Speichen und die Speichen in der Nabe ruhen, so ruhen diese Gegenstandsbereiche in den Erkenntnisbereichen und die Erkenntnisbereiche in Prana.

Wort-für-Wort-Übersetzung: tāḥ etāḥ daśa eva bhūta-mātrāḥ – diese zehn gegenständlichen Bereiche; adhi-prajñam – auf Erkenntnis bezogen; daśa prajñā-mātrāḥ – zehn Erkenntnisbereiche; adhi-bhūtam – auf Gegenstände bezogen; yat hi bhūta-mātrāḥ na syuḥ – wenn es keine Gegenstandsbereiche gäbe; na prajñā-mātrāḥ syuḥ – gäbe es keine Erkenntnisbereiche; yat vā prajñā-mātrāḥ na syuḥ – wenn es keine Erkenntnisbereiche gäbe; na bhūta-mātrāḥ syuḥ – gäbe es keine Gegenstandsbereiche; na hi anyatarataḥ rūpam kiñcana sidhyet – aus nur einer Seite könnte keine Gestalt zustande kommen; na u etat nānā – dies ist nicht getrennt; tat yathā rathasya – wie beim Wagen; areṣu nemiḥ arpitā – Radkranz auf den Speichen ruht; nābhau arāḥ arpitāḥ – Speichen in der Nabe ruhen; evam eva – ebenso; etāḥ bhūta-mātrāḥ prajñā-mātrāsu arpitāḥ – Gegenstandsbereiche in Erkenntnisbereichen ruhen; prajñā-mātrāḥ prāṇe arpitāḥ – Erkenntnisbereiche in Prana ruhen.

3.8c – Das Selbst
sa eṣa prāṇa eva prajñātmānanto 'jaro 'mṛtaḥ |
na sādhunā karmaṇā bhūyān bhavati no evāsādhunā kanīyān |
eṣa hy eva sādhu karma kārayati taṃ yam ebhyo lokebhya unninīṣate |
eṣa u evāsādhu karma kārayati taṃ yam adho ninīṣate |
eṣa lokapālaḥ |
eṣa lokādhipatiḥ |
eṣa lokeśaḥ |
sa ma ātmeti vidyāt |
sa ma ātmeti vidyāt ||8||

Dieses Prana, das Erkenntnis-Selbst, ist unbegrenzt, alterslos und unsterblich. Es wird durch gutes Handeln nicht größer und durch schlechtes nicht geringer. Es lässt den gutes Handeln tun, den es aus diesen Welten hinaufführen will; es lässt den schlechtes Handeln tun, den es hinabführen will. Es ist der Weltenhüter, der Weltenherrscher, der Herr der Welten. „Es ist mein Selbst“, so soll man erkennen. „Es ist mein Selbst“, so soll man erkennen.

Wort-für-Wort-Übersetzung: saḥ eṣaḥ prāṇaḥ eva prajñātmā – dieses Prana als Erkenntnis-Selbst; anantaḥ – unbegrenzt; ajaraḥ – alterslos; amṛtaḥ – unsterblich; na sādhunā karmaṇā bhūyān bhavati – wird durch gutes Handeln nicht größer; na u eva asādhunā kanīyān – auch durch schlechtes nicht geringer; eṣaḥ hi eva sādhu karma kārayati – es lässt gutes Handeln tun; tam yam ebhyaḥ lokebhyaḥ unninīṣate – den, den es aus diesen Welten hinaufführen will; eṣaḥ u eva asādhu karma kārayati – es lässt schlechtes Handeln tun; tam yam adhaḥ ninīṣate – den, den es hinabführen will; eṣaḥ loka-pālaḥ – es ist der Weltenhüter; eṣaḥ loka-adhipatiḥ – es ist der Weltenherrscher; eṣaḥ loka-īśaḥ – es ist der Herr der Welten; saḥ me ātmā iti vidyāt – es ist mein Selbst, so soll man erkennen.

Textanmerkung: Die benutzte Edition liest ananta, „unbegrenzt“; verbreitet ist auch ānanda, „Wonne“. Die Aussagen über das Veranlassen guten und schlechten Handelns sind Teil der hier vertretenen Herrschaftslehre und dürfen nicht als Aufhebung persönlicher Verantwortung missverstanden werden.

Abschluss des dritten Adhyaya
iti kauṣītakibrāhmaṇopaniṣadi tṛtīyo'dhyāyaḥ ||

Hier endet das dritte Kapitel der Kaushitaki Brahmana Upanishad.

Wort-für-Wort-Übersetzung: iti – hiermit; kauṣītaki-brāhmaṇa-upaniṣadi – in der Kaushitaki Brahmana Upanishad; tṛtīyaḥ adhyāyaḥ – drittes Kapitel.

Vierter Adhyaya – Balaki und Ajatashatru

4.1
atha ha vai gārgyo bālākir anūcānaḥ saṃspaṣṭa āsa |
so 'vasad uśinareṣu satvanmatsyeṣu kurupañcāleṣu kāśivideheṣv iti |
sa hājātaśatruṃ kāśyam āvrajyovāca brahma te bravāṇīti |
taṃ hovācājātaśatruḥ sahasraṃ dadmas ta iti |
etasyāṃ vāci janako janaka iti vā u janā dhāvantīti ||1||

Gargya Balaki war ein bekannter Schriftgelehrter. Er hatte unter den Ushinaras, Satvan-Matsyas, Kuru-Pancalas und Kashi-Videhas gelebt. Er ging zu Ajatashatru, dem König von Kashi, und sagte: „Ich will dir Brahman erklären.“ Ajatashatru antwortete: „Wir geben dir dafür tausend [Kühe]. Denn bei einer solchen Rede laufen die Menschen gewöhnlich mit dem Ruf ‚Janaka! Janaka!‘ zu ihm.“

Wort-für-Wort-Übersetzung: atha ha vai – es war nun; gārgyaḥ bālākiḥ – Gargya Balaki; anūcānaḥ – Schriftgelehrter; saṃspaṣṭaḥ āsa – war bekannt; saḥ avasat – er lebte; uśinareṣu – unter den Ushinaras; satvan-matsyeṣu – unter den Satvan-Matsyas; kuru-pañcāleṣu – unter den Kuru-Pancalas; kāśi-videheṣu – unter den Kashi-Videhas; saḥ ajātaśatrum kāśyam āvrajya – zu Ajatashatru von Kashi gehend; uvāca – sagte; brahma te bravāṇi – ich will dir Brahman erklären; tam uvāca ajātaśatruḥ – Ajatashatru antwortete ihm; sahasram dadmaḥ te – wir geben dir tausend; etasyām vāci – bei dieser Rede; janakaḥ janakaḥ iti – mit dem Ruf Janaka, Janaka; janāḥ dhāvanti – die Menschen laufen.

Textanmerkung: Die Kühe sind aus dem Zusammenhang ergänztes Objekt der Gabe. Ajatashatru spielt auf Janakas Ruhm als Förderer geistiger Gespräche an.

4.2
āditye bṛhan |
candramasy annam |
vidyuti tejaḥ |
stanayitnau śabdaḥ |
vāyāv indro vaikuṇṭhaḥ |
ākāśe pūrṇam |
agnau viṣāsahir iti |
apsu satyam |
ity adhidaivatam |
athādhyātmam |
ādarśe pratirūpaḥ |
chāyāyāṃ dvitīyaḥ |
pratiśrutkāyām asur iti |
śabde mṛtyuḥ |
svapne yamaḥ |
śarīre prajāpatiḥ |
dakṣiṇe 'kṣiṇi vācaḥ |
savye 'kṣiṇi satyasya ||2||

In der Sonne: das Große. Im Mond: Nahrung. Im Blitz: Glanz. Im Donner: Ton. Im Wind: Indra Vaikuntha. Im Raum: Fülle. Im Feuer: der Überwältiger. Im Wasser: Wahrheit. So hinsichtlich der Gottheiten. Nun hinsichtlich des eigenen Selbst: Im Spiegel: das Ebenbild. Im Schatten: der Zweite. Im Echo: Lebenskraft. Im Ton: Tod. Im Traum: Yama. Im Körper: Prajapati. Im rechten Auge: das der Rede. Im linken Auge: das der Wahrheit.

Wort-für-Wort-Übersetzung: āditye bṛhat – in der Sonne das Große; candramasi annam – im Mond Nahrung; vidyuti tejaḥ – im Blitz Glanz; stanayitnau śabdaḥ – im Donner Ton; vāyau indraḥ vaikuṇṭhaḥ – im Wind Indra Vaikuntha; ākāśe pūrṇam – im Raum Fülle; agnau viṣāsahiḥ – im Feuer der Überwältiger; apsu satyam – im Wasser Wahrheit; iti adhidaivatam – so hinsichtlich der Gottheiten; atha adhyātmam – nun hinsichtlich des Selbst; ādarśe pratirūpaḥ – im Spiegel Ebenbild; chāyāyām dvitīyaḥ – im Schatten der Zweite; pratiśrutkāyām asuḥ – im Echo Lebenskraft; śabde mṛtyuḥ – im Ton Tod; svapne yamaḥ – im Traum Yama; śarīre prajāpatiḥ – im Körper Prajapati; dakṣiṇe akṣiṇi vācaḥ – im rechten Auge das der Rede; savye akṣiṇi satyasya – im linken Auge das der Wahrheit.

Textanmerkung: Diese knappe Übersicht nimmt die folgenden Gespräche vorweg. Die letzten beiden Genitive werden erst dort ausdrücklich als „Selbst der Rede“ und „Selbst der Wahrheit“ entfaltet. Vaikuntha ist hier ein Beiname Indras.

4.3
sa hovāca bālākir ya evaiṣa āditye puruṣas tam evāham upāsa iti |
taṃ hovācājātaśatrur mā maitasmin saṃvādayiṣṭhāḥ |
atiṣṭhāḥ sarveṣāṃ bhūtānāṃ mūrdheti vā aham etam upāsa iti |
sa yo haitam evam upāste 'tiṣṭhāḥ sarveṣāṃ bhūtānāṃ mūrdhā bhavati ||3||

Balaki sprach: „Ich verehre den Purusha in der Sonne.“ Ajatashatru antwortete: „Sprich mir davon nicht als etwas Neuem! Ich verehre ihn als den alles Überragenden, das Haupt aller Wesen.“ Wer ihn so verehrt, wird der alles Überragende, das Haupt aller Wesen.

Wort-für-Wort-Übersetzung: saḥ uvāca bālākiḥ – Balaki sprach; yaḥ eva eṣaḥ puruṣaḥ – jener Purusha; āditye – in der Sonne; tam eva aham upāse – eben ihn verehre ich; tam uvāca ajātaśatruḥ – Ajatashatru antwortete ihm; mā mā etasmin saṃvādayiṣṭhāḥ – sprich mir davon nicht als etwas Neuem; aham etam upāse – ich verehre ihn; atiṣṭhāḥ – alles überragend; sarveṣām bhūtānām mūrdhā – Haupt aller Wesen; saḥ yaḥ etam evam upāste – wer ihn so verehrt; atiṣṭhāḥ sarveṣām bhūtānām mūrdhā bhavati – wird der alles Überragende, das Haupt aller Wesen.

Textanmerkung: Die wiederkehrende Antwort weist Balakis Deutung als dem König bereits bekannt zurück.

4.4
sa hovāca bālākir ya evaiṣa candramasi puruṣas tam evāham upāsa iti |
taṃ hovācājātaśatrur mā maitasmin saṃvādayiṣṭhāḥ |
bṛhan pāṇḍaravāsāḥ somo rājānnasyātmeti vā aham etam upāsa iti |
sa yo haitam evam upāste'nnasyātmā bhavati ||4||

Balaki sprach: „Ich verehre den Purusha im Mond.“ Ajatashatru antwortete: „Sprich mir davon nicht als etwas Neuem! Ich verehre ihn als den Großen, Weißgekleideten, König Soma, das Selbst der Nahrung.“ Wer ihn so verehrt, wird das Selbst der Nahrung.

Wort-für-Wort-Übersetzung: saḥ uvāca bālākiḥ – Balaki sprach; yaḥ eva eṣaḥ puruṣaḥ – jener Purusha; candramasi – im Mond; tam eva aham upāse – eben ihn verehre ich; tam uvāca ajātaśatruḥ – Ajatashatru antwortete ihm; mā mā etasmin saṃvādayiṣṭhāḥ – sprich mir davon nicht als etwas Neuem; aham etam upāse – ich verehre ihn; bṛhat – groß; pāṇḍara-vāsāḥ – weißgekleidet; somaḥ rājā – König Soma; annasya ātmā – Selbst der Nahrung; saḥ yaḥ etam evam upāste – wer ihn so verehrt; annasya ātmā bhavati – wird das Selbst der Nahrung.

4.5
sa hovāca bālākir ya evaiṣa vidyuti puruṣas tam evāham upāsa iti |
taṃ hovācājātaśatrur mā maitasmin saṃvādayiṣṭhāḥ |
tejasa ātmeti vā aham etam upāsa iti |
sa yo haitam evam upāste tejasa ātmā bhavati ||5||

Balaki sprach: „Ich verehre den Purusha im Blitz.“ Ajatashatru antwortete: „Sprich mir davon nicht als etwas Neuem! Ich verehre ihn als das Selbst des Glanzes.“ Wer ihn so verehrt, wird das Selbst des Glanzes.

Wort-für-Wort-Übersetzung: saḥ uvāca bālākiḥ – Balaki sprach; yaḥ eva eṣaḥ puruṣaḥ – jener Purusha; vidyuti – im Blitz; tam eva aham upāse – eben ihn verehre ich; tam uvāca ajātaśatruḥ – Ajatashatru antwortete ihm; mā mā etasmin saṃvādayiṣṭhāḥ – sprich mir davon nicht als etwas Neuem; aham etam upāse – ich verehre ihn; tejasaḥ ātmā – Selbst des Glanzes; saḥ yaḥ etam evam upāste – wer ihn so verehrt; tejasaḥ ātmā bhavati – wird das Selbst des Glanzes.

4.6
sa hovāca bālākir ya evaiṣa stanayitnau puruṣas tam evāham upāsa iti |
taṃ hovācājātaśatrur mā maitasmin saṃvādayiṣṭhāḥ |
śabdasyātmeti vā aham etam upāsa iti |
sa yo haitam evam upāste śabdasyātmā bhavati ||6||

Balaki sprach: „Ich verehre den Purusha im Donner.“ Ajatashatru antwortete: „Sprich mir davon nicht als etwas Neuem! Ich verehre ihn als das Selbst des Tones.“ Wer ihn so verehrt, wird das Selbst des Tones.

Wort-für-Wort-Übersetzung: saḥ uvāca bālākiḥ – Balaki sprach; yaḥ eva eṣaḥ puruṣaḥ – jener Purusha; stanayitnau – im Donner; tam eva aham upāse – eben ihn verehre ich; tam uvāca ajātaśatruḥ – Ajatashatru antwortete ihm; mā mā etasmin saṃvādayiṣṭhāḥ – sprich mir davon nicht als etwas Neuem; aham etam upāse – ich verehre ihn; śabdasya ātmā – Selbst des Tones; saḥ yaḥ etam evam upāste – wer ihn so verehrt; śabdasya ātmā bhavati – wird das Selbst des Tones.

4.7
sa hovāca bālākir ya evaiṣa ākāśe puruṣas tam evāham upāsa iti |
taṃ hovācājātaśatrur mā maitasmin saṃvādayiṣṭhāḥ |
pūrṇam apravarti brahmeti vā aham etam upāsa iti |
sa yo haitam evam upāste pūryate prajayā paśubhir yaśasā brahmavarcasena svargeṇa lokena |
sarvam āyur eti ||7||

Balaki sprach: „Ich verehre den Purusha im Raum.“ Ajatashatru antwortete: „Sprich mir davon nicht als etwas Neuem! Ich verehre ihn als das volle, unbewegte Brahman.“ Wer ihn so verehrt, wird mit Nachkommen, Vieh, Ruhm, Brahmanenglanz und der Himmelswelt erfüllt; er erreicht die volle Lebensdauer.

Wort-für-Wort-Übersetzung: saḥ uvāca bālākiḥ – Balaki sprach; yaḥ eva eṣaḥ puruṣaḥ – jener Purusha; ākāśe – im Raum; tam eva aham upāse – eben ihn verehre ich; tam uvāca ajātaśatruḥ – Ajatashatru antwortete ihm; mā mā etasmin saṃvādayiṣṭhāḥ – sprich mir davon nicht als etwas Neuem; aham etam upāse – ich verehre ihn; pūrṇam – voll; apravarti – unbewegt; brahma – Brahman; saḥ yaḥ etam evam upāste – wer ihn so verehrt; pūryate – wird erfüllt; prajayā – mit Nachkommen; paśubhiḥ – mit Vieh; yaśasā – mit Ruhm; brahma-varcasena – mit Brahmanenglanz; svargeṇa lokena – mit der Himmelswelt; sarvam āyuḥ eti – erreicht die volle Lebensdauer.

4.8
sa hovāca bālākir ya evaiṣa vāyau puruṣas tam evāham upāsa iti |
taṃ hovācājātaśatrur mā maitasmin saṃvādayiṣṭhāḥ |
indro vaikuṇṭho 'parājitā seneti vā aham etam upāsa iti |
sa yo haitam evam upāste jiṣṇur ha vā aparājayiṣṇur anyatastyajāyī bhavati ||8||

Balaki sprach: „Ich verehre den Purusha im Wind.“ Ajatashatru antwortete: „Sprich mir davon nicht als etwas Neuem! Ich verehre ihn als Indra Vaikuntha, das unbesiegte Heer.“ Wer ihn so verehrt, wird siegreich, unbesiegbar und Bezwinger anderer.

Wort-für-Wort-Übersetzung: saḥ uvāca bālākiḥ – Balaki sprach; yaḥ eva eṣaḥ puruṣaḥ – jener Purusha; vāyau – im Wind; tam eva aham upāse – eben ihn verehre ich; tam uvāca ajātaśatruḥ – Ajatashatru antwortete ihm; mā mā etasmin saṃvādayiṣṭhāḥ – sprich mir davon nicht als etwas Neuem; aham etam upāse – ich verehre ihn; indraḥ vaikuṇṭhaḥ – Indra Vaikuntha; aparājitā senā – unbesiegtes Heer; saḥ yaḥ etam evam upāste – wer ihn so verehrt; jiṣṇuḥ – siegreich; aparājayiṣṇuḥ – unbesiegbar; anyatastya-jāyī – Bezwinger anderer; bhavati – wird.

4.9
sa hovāca bālākir ya evaiṣa 'gnau puruṣas tam evāham upāsa iti |
taṃ hovācājātaśatrur mā maitasmin saṃvādayiṣṭhāḥ |
viṣāsahir iti vā aham etam upāsa iti |
sa yo haitam evam upāste viṣāsahir ha vā anyeṣu bhavati ||9||

Balaki sprach: „Ich verehre den Purusha im Feuer.“ Ajatashatru antwortete: „Sprich mir davon nicht als etwas Neuem! Ich verehre ihn als den Überwältiger.“ Wer ihn so verehrt, wird zum Überwältiger anderer.

Wort-für-Wort-Übersetzung: saḥ uvāca bālākiḥ – Balaki sprach; yaḥ eva eṣaḥ puruṣaḥ – jener Purusha; agnau – im Feuer; tam eva aham upāse – eben ihn verehre ich; tam uvāca ajātaśatruḥ – Ajatashatru antwortete ihm; mā mā etasmin saṃvādayiṣṭhāḥ – sprich mir davon nicht als etwas Neuem; aham etam upāse – ich verehre ihn; viṣāsahiḥ – Überwältiger; saḥ yaḥ etam evam upāste – wer ihn so verehrt; viṣāsahiḥ anyeṣu bhavati – wird zum Überwältiger anderer.

4.10
sa hovāca bālākir ya evaiṣo 'psu puruṣas tam evāham upāsa iti |
taṃ hovācājātaśatrur mā maitasmin saṃvādayiṣṭhāḥ |
satyasyātmeti vā aham etam upāsa iti |
sa yo haitam evam upāste satyasyātmā bhavati |
ity adhidaivatam ||
athādhyātmam ||10||

Balaki sprach: „Ich verehre den Purusha im Wasser.“ Ajatashatru antwortete: „Sprich mir davon nicht als etwas Neuem! Ich verehre ihn als das Selbst der Wahrheit.“ Wer ihn so verehrt, wird das Selbst der Wahrheit. So hinsichtlich der Gottheiten. Nun hinsichtlich des eigenen Selbst.

Wort-für-Wort-Übersetzung: saḥ uvāca bālākiḥ – Balaki sprach; yaḥ eva eṣaḥ puruṣaḥ – jener Purusha; apsu – im Wasser; tam eva aham upāse – eben ihn verehre ich; tam uvāca ajātaśatruḥ – Ajatashatru antwortete ihm; mā mā etasmin saṃvādayiṣṭhāḥ – sprich mir davon nicht als etwas Neuem; aham etam upāse – ich verehre ihn; satyasya ātmā – Selbst der Wahrheit; saḥ yaḥ etam evam upāste – wer ihn so verehrt; satyasya ātmā bhavati – wird das Selbst der Wahrheit; iti adhidaivatam – so hinsichtlich der Gottheiten; atha adhyātmam – nun hinsichtlich des Selbst.

4.11
sa hovāca bālākir ya evaiṣa ādarśe puruṣas tam evāham upāsa iti |
taṃ hovācājātaśatrur mā maitasmin saṃvādayiṣṭhāḥ |
pratirūpa iti vā aham etam upāsa iti |
sa yo haitam evam upāste pratirūpo haivāsya prajāyām ājāyate nāpratirūpaḥ ||11||

Balaki sprach: „Ich verehre den Purusha im Spiegel.“ Ajatashatru antwortete: „Sprich mir davon nicht als etwas Neuem! Ich verehre ihn als das Ebenbild.“ Wer ihn so verehrt, dem wird ein ebenbildlicher Nachkomme geboren, kein unähnlicher.

Wort-für-Wort-Übersetzung: saḥ uvāca bālākiḥ – Balaki sprach; yaḥ eva eṣaḥ puruṣaḥ – jener Purusha; ādarśe – im Spiegel; tam eva aham upāse – eben ihn verehre ich; tam uvāca ajātaśatruḥ – Ajatashatru antwortete ihm; mā mā etasmin saṃvādayiṣṭhāḥ – sprich mir davon nicht als etwas Neuem; aham etam upāse – ich verehre ihn; pratirūpaḥ – Ebenbild; saḥ yaḥ etam evam upāste – wer ihn so verehrt; pratirūpaḥ asya prajāyām ājāyate – ein Ebenbild wird unter seinen Nachkommen geboren; na apratirūpaḥ – kein unähnlicher.

4.12
sa hovāca bālākir ya evaiṣa chāyāyāṃ puruṣas tam evāham upāsa iti |
taṃ hovācājātaśatrur mā maitasmin saṃvādayiṣṭhāḥ |
dvitīyo 'napaga iti vā aham etam upāsa iti |
sa yo haitam evam upāste vindate dvitīyaṃ dvitīyavān hi bhavati ||12||

Balaki sprach: „Ich verehre den Purusha im Schatten.“ Ajatashatru antwortete: „Sprich mir davon nicht als etwas Neuem! Ich verehre ihn als den Zweiten, der nicht weicht.“ Wer ihn so verehrt, findet einen Gefährten und besitzt einen Gefährten.

Wort-für-Wort-Übersetzung: saḥ uvāca bālākiḥ – Balaki sprach; yaḥ eva eṣaḥ puruṣaḥ – jener Purusha; chāyāyām – im Schatten; tam eva aham upāse – eben ihn verehre ich; tam uvāca ajātaśatruḥ – Ajatashatru antwortete ihm; mā mā etasmin saṃvādayiṣṭhāḥ – sprich mir davon nicht als etwas Neuem; aham etam upāse – ich verehre ihn; dvitīyaḥ – der Zweite; anapagaḥ – nicht weichend; saḥ yaḥ etam evam upāste – wer ihn so verehrt; vindate dvitīyam – findet einen Zweiten, Gefährten; dvitīyavān hi bhavati – besitzt einen Gefährten.

4.13
sa hovāca bālākir ya evaiṣa pratiśrutkāyāṃ puruṣas tam evāham upāsa iti |
taṃ hovācājātaśatrur mā maitasmin saṃvādayiṣṭhāḥ |
asur iti vā aham etam upāsa iti |
sa yo haitam evam upāste na purā kālāt sammoham eti ||13||

Balaki sprach: „Ich verehre den Purusha im Echo.“ Ajatashatru antwortete: „Sprich mir davon nicht als etwas Neuem! Ich verehre ihn als Lebenskraft.“ Wer ihn so verehrt, gerät nicht vor der Zeit in Bewusstlosigkeit.

Wort-für-Wort-Übersetzung: saḥ uvāca bālākiḥ – Balaki sprach; yaḥ eva eṣaḥ puruṣaḥ – jener Purusha; pratiśrutkāyām – im Echo; tam eva aham upāse – eben ihn verehre ich; tam uvāca ajātaśatruḥ – Ajatashatru antwortete ihm; mā mā etasmin saṃvādayiṣṭhāḥ – sprich mir davon nicht als etwas Neuem; aham etam upāse – ich verehre ihn; asuḥ – Lebenskraft; saḥ yaḥ etam evam upāste – wer ihn so verehrt; na purā kālāt sammoham eti – gerät nicht vor der Zeit in Bewusstlosigkeit.

4.14
sa hovāca bālākir ya evaiṣa śabde puruṣas tam evāham upāsa iti |
taṃ hovācājātaśatrur mā maitasmin saṃvādayiṣṭhāḥ |
mṛtyur iti vā aham etam upāsa iti |
sa yo haitam evam upāste na purā kālāt praitīti ||14||

Balaki sprach: „Ich verehre den Purusha im Ton.“ Ajatashatru antwortete: „Sprich mir davon nicht als etwas Neuem! Ich verehre ihn als Tod.“ Wer ihn so verehrt, scheidet nicht vor der Zeit dahin.

Wort-für-Wort-Übersetzung: saḥ uvāca bālākiḥ – Balaki sprach; yaḥ eva eṣaḥ puruṣaḥ – jener Purusha; śabde – im Ton; tam eva aham upāse – eben ihn verehre ich; tam uvāca ajātaśatruḥ – Ajatashatru antwortete ihm; mā mā etasmin saṃvādayiṣṭhāḥ – sprich mir davon nicht als etwas Neuem; aham etam upāse – ich verehre ihn; mṛtyuḥ – Tod; saḥ yaḥ etam evam upāste – wer ihn so verehrt; na purā kālāt praiti – scheidet nicht vor der Zeit dahin.

4.15
sa hovāca bālākir ya evaitat puruṣaḥ suptaḥ svapnayā carati tam evāham upāsa iti |
taṃ hovācājātaśatrur mā maitasmin saṃvādayiṣṭhāḥ |
yamo rājeti vā aham etam upāsa iti |
sa yo haitam evam upāste sarvaṃ hāsmā idaṃ śraiṣṭhyāya yamyate ||15||

Balaki sprach: „Ich verehre jenen Purusha, der schlafend im Traum umherwandert.“ Ajatashatru antwortete: „Sprich mir davon nicht als etwas Neuem! Ich verehre ihn als König Yama.“ Wer ihn so verehrt, dem wird dieses All zu seinem Vorrang gebändigt.

Wort-für-Wort-Übersetzung: saḥ uvāca bālākiḥ – Balaki sprach; yaḥ eva eṣaḥ puruṣaḥ – jener Purusha; svapnayā – im Traum; tam eva aham upāse – eben ihn verehre ich; tam uvāca ajātaśatruḥ – Ajatashatru antwortete ihm; mā mā etasmin saṃvādayiṣṭhāḥ – sprich mir davon nicht als etwas Neuem; aham etam upāse – ich verehre ihn; yamaḥ rājā – König Yama; saḥ yaḥ etam evam upāste – wer ihn so verehrt; sarvam asmai idam śraiṣṭhyāya yamyate – ihm wird dieses All zu seinem Vorrang gebändigt; puruṣaḥ suptaḥ svapnayā carati – der Purusha wandert schlafend im Traum.

4.16
sa hovāca bālākir ya evaiṣa śarīre puruṣas tam evāham upāsa iti |
taṃ hovācājātaśatrur mā maitasmin saṃvādayiṣṭhāḥ |
prajāpatir iti vā aham etam upāsa iti |
sa yo haitam evam upāste prajāyate prajayā paśubhir yaśasā brahmavarcasena svargeṇa lokena |
sarvam āyur eti ||16||

Balaki sprach: „Ich verehre den Purusha im Körper.“ Ajatashatru antwortete: „Sprich mir davon nicht als etwas Neuem! Ich verehre ihn als Prajapati.“ Wer ihn so verehrt, wird reich an Nachkommen, Vieh, Ruhm, Brahmanenglanz und der Himmelswelt; er erreicht die volle Lebensdauer.

Wort-für-Wort-Übersetzung: saḥ uvāca bālākiḥ – Balaki sprach; yaḥ eva eṣaḥ puruṣaḥ – jener Purusha; śarīre – im Körper; tam eva aham upāse – eben ihn verehre ich; tam uvāca ajātaśatruḥ – Ajatashatru antwortete ihm; mā mā etasmin saṃvādayiṣṭhāḥ – sprich mir davon nicht als etwas Neuem; aham etam upāse – ich verehre ihn; prajāpatiḥ – Prajapati; saḥ yaḥ etam evam upāste – wer ihn so verehrt; prajāyate – vermehrt sich, wird reich; prajayā – an Nachkommen; paśubhiḥ – an Vieh; yaśasā – an Ruhm; brahma-varcasena – an Brahmanenglanz; svargeṇa lokena – an der Himmelswelt; sarvam āyuḥ eti – erreicht die volle Lebensdauer.

4.17
sa hovāca bālākir ya evaiṣa dakṣiṇe 'kṣiṇi puruṣas tam evāham upāsa iti |
taṃ hovācājātaśatrur mā maitasmin saṃvādayiṣṭhāḥ |
vāca ātmāgner ātmā jyotiṣa ātmeti vā aham etam upāsa iti |
sa yo haitam evam upāsta eteṣāṃ sarveṣāṃ ātmā bhavati ||17||

Balaki sprach: „Ich verehre den Purusha im rechten Auge.“ Ajatashatru antwortete: „Sprich mir davon nicht als etwas Neuem! Ich verehre ihn als das Selbst der Rede, das Selbst des Feuers und das Selbst des Lichtes.“ Wer ihn so verehrt, wird das Selbst all dieser.

Wort-für-Wort-Übersetzung: saḥ uvāca bālākiḥ – Balaki sprach; yaḥ eva eṣaḥ puruṣaḥ – jener Purusha; dakṣiṇe akṣiṇi – im rechten Auge; tam eva aham upāse – eben ihn verehre ich; tam uvāca ajātaśatruḥ – Ajatashatru antwortete ihm; mā mā etasmin saṃvādayiṣṭhāḥ – sprich mir davon nicht als etwas Neuem; aham etam upāse – ich verehre ihn; vācaḥ ātmā – Selbst der Rede; agneḥ ātmā – Selbst des Feuers; jyotiṣaḥ ātmā – Selbst des Lichtes; saḥ yaḥ etam evam upāste – wer ihn so verehrt; eteṣām sarveṣām ātmā bhavati – wird das Selbst all dieser.

4.18
sa hovāca bālākir ya evaiṣa savye 'kṣiṇi puruṣas tam evāham upāsa iti |
taṃ hovācājātaśatrur mā maitasmin saṃvādayiṣṭhāḥ |
satyasyātmā vidyuta ātmā tejasa ātmeti vā aham etam upāsa iti |
sa yo haitam evam upāsta eteṣāṃ sarveṣām ātmā bhavati ||18||

Balaki sprach: „Ich verehre den Purusha im linken Auge.“ Ajatashatru antwortete: „Sprich mir davon nicht als etwas Neuem! Ich verehre ihn als das Selbst der Wahrheit, das Selbst des Blitzes und das Selbst des Glanzes.“ Wer ihn so verehrt, wird das Selbst all dieser.

Wort-für-Wort-Übersetzung: saḥ uvāca bālākiḥ – Balaki sprach; yaḥ eva eṣaḥ puruṣaḥ – jener Purusha; savye akṣiṇi – im linken Auge; tam eva aham upāse – eben ihn verehre ich; tam uvāca ajātaśatruḥ – Ajatashatru antwortete ihm; mā mā etasmin saṃvādayiṣṭhāḥ – sprich mir davon nicht als etwas Neuem; aham etam upāse – ich verehre ihn; satyasya ātmā – Selbst der Wahrheit; vidyutaḥ ātmā – Selbst des Blitzes; tejasaḥ ātmā – Selbst des Glanzes; saḥ yaḥ etam evam upāste – wer ihn so verehrt; eteṣām sarveṣām ātmā bhavati – wird das Selbst all dieser.

4.19a – Balaki wird Schüler
tata u ha bālākis tūṣṇīm āsa |
taṃ hovācājātaśatrur etāvan nu bālākā3 iti |
etāvad iti hovāca bālākiḥ |
taṃ hovācajātaśatrur mṛṣā vai khalu mā samavādayiṣṭhā brahma te bravāṇīti |
yo vai bālāka eteṣāṃ puruṣāṇāṃ kartā yasya vai tat karma sa vai veditavya iti |
tata u ha bālākiḥ samitpāṇiḥ praticakrama upāyānīti |
taṃ hovācājātaśatruḥ pratilomarūpam eva tan manye yat kṣatriyo brāhmaṇam upanayet |
ehi vy eva tvā jñapayiṣyāmīti |

Da schwieg Balaki. Ajatashatru fragte: „Ist das alles, Balaki?“ – „Das ist alles“, antwortete Balaki. Ajatashatru sprach: „Du hast mir voreilig versprochen: ‚Ich will dir Brahman erklären.‘ Wer der Schöpfer dieser Purushas ist, wessen Werk dieses ist: Den muss man erkennen.“ Da trat Balaki mit Brennholz in der Hand heran: „Ich möchte dein Schüler werden.“ Ajatashatru sagte: „Es scheint mir gegen die übliche Ordnung, wenn ein Kshatriya einen Brahmanen einweiht. Komm, ich werde dich dennoch unterrichten.“

Wort-für-Wort-Übersetzung: tataḥ bālākiḥ tūṣṇīm āsa – da schwieg Balaki; tam uvāca ajātaśatruḥ – Ajatashatru sprach zu ihm; etāvat nu bālāka – ist das alles, Balaki; etāvat – so viel, alles; mṛṣā vai khalu mā samavādayiṣṭhāḥ – du hast mir voreilig, unwahrhaftig versprochen; brahma te bravāṇi – ich will dir Brahman erklären; yaḥ eteṣām puruṣāṇām kartā – wer der Schöpfer dieser Purushas ist; yasya tat karma – wessen Werk dieses ist; saḥ veditavyaḥ – der muss erkannt werden; samit-pāṇiḥ praticakrama – trat mit Brennholz in der Hand heran; upāyāni – ich möchte Schüler werden; pratiloma-rūpam etat manye – ich halte dies für gegen die übliche Ordnung; yat kṣatriyaḥ brāhmaṇam upanayet – dass ein Kshatriya einen Brahmanen einweiht; ehi vy eva tvā jñapayiṣyāmi – komm, ich werde dich unterrichten.

Textanmerkung: Die verlängerte Vokalnotation bālākā3 der Vorlage wird im Sanskrit erhalten. Die soziale Rollenverteilung ist eine historische Voraussetzung der Erzählung; entscheidend für die Unterweisung ist hier das tatsächliche Wissen.

4.19b – Der Schlafende
taṃ ha pāṇāv abhipadya pravavrāja |
tau ha suptaṃ puruṣam ājagmatuḥ |
taṃ hājātaśatrur āmantrayāñ cakre |
bṛhan pāṇḍaravāsaḥ soma rājann iti |
sa u ha śiśya eva |
tata u hainaṃ yaṣṭyā vicikṣepa |
sa tata eva samuttasthau |

Er nahm ihn bei der Hand und ging mit ihm fort. Beide kamen zu einem schlafenden Menschen. Ajatashatru rief ihn an: „Großer, Weißgekleideter, König Soma!“ Der Schlafende blieb liegen. Dann stieß er ihn mit einem Stab an. Sofort stand er auf.

Wort-für-Wort-Übersetzung: tam pāṇau abhipadya – ihn bei der Hand nehmend; pravavrāja – ging fort; tau suptam puruṣam ājagmatuḥ – beide kamen zu einem schlafenden Menschen; tam ajātaśatruḥ āmantrayāñ cakre – Ajatashatru rief ihn an; bṛhan – Großer; pāṇḍara-vāsaḥ – Weißgekleideter; soma rājan – König Soma; saḥ śiśye eva – er blieb liegen; tataḥ enam yaṣṭyā vicikṣepa – dann stieß er ihn mit einem Stab an; saḥ tataḥ eva samuttasthau – sofort stand er auf.

4.19c – Die Frage nach dem Selbst
taṃ hovācājātaśatruḥ kvaiṣa etad bālāke puruṣo'śayiṣṭa |
kvaitad abhūt |
kuta etad āgā3d iti |
tata u ha bālākir na vijajñe |

Ajatashatru fragte: „Wo lag dieser Purusha währenddessen, Balaki? Wo war er? Woher ist er zurückgekommen?“ Balaki wusste es nicht.

Wort-für-Wort-Übersetzung: tam uvāca ajātaśatruḥ – Ajatashatru fragte ihn; kva eṣaḥ etat bālāke puruṣaḥ aśayiṣṭa – wo lag dieser Purusha währenddessen, Balaki; kva etat abhūt – wo war er; kutaḥ etat āgāt – woher kam er zurück; tataḥ bālākiḥ na vijajñe – Balaki wusste es nicht.

4.19d – Die feinen Bahnen
taṃ hovācājātaśatrur yatraiṣa etad bālāke puruṣo 'śayiṣṭa yatraitad abhūd yata etad āgād iti hitā nāma puruṣasya nāḍyo hṛdayāt purītatam abhipratanvanti |
tad yathā sahasradhā keśo vipāṭitas tāvad aṇvyaḥ piṅgalasyāṇimnā tiṣṭhanti śuklasya kṛṣṇasya pītasya lohitasya ca |
tāsu tadā bhavati yadā suptaḥ svapnaṃ na kañcana paśyati ||19||

Ajatashatru sprach: „Wo dieser Purusha währenddessen lag, wo er war und woher er kam: Im Menschen erstrecken sich die Hita genannten Bahnen vom Herzen bis zur Herzhülle. So fein wie ein tausendfach gespaltenes Haar sind sie; sie bestehen in der Feinheit von Gelbbraunem, Weißem, Schwarzem, Gelbem und Rotem. In ihnen befindet er sich, wenn er schläft und keinen Traum sieht.“

Wort-für-Wort-Übersetzung: tam uvāca ajātaśatruḥ – Ajatashatru sprach zu ihm; yatra eṣaḥ puruṣaḥ aśayiṣṭa – wo dieser Purusha lag; yatra etat abhūt – wo er war; yataḥ etat āgāt – woher er kam; hitāḥ nāma puruṣasya nāḍyaḥ – die im Menschen Hita genannten Bahnen; hṛdayāt purītatam abhipratanvanti – erstrecken sich vom Herzen zur Herzhülle; tat yathā sahasradhā keśaḥ vipāṭitaḥ – wie ein tausendfach gespaltenes Haar; tāvat aṇvyaḥ – so fein; piṅgalasya aṇimnā tiṣṭhanti – bestehen in der Feinheit von Gelbbraunem; śuklasya kṛṣṇasya pītasya lohitasya ca – von Weißem, Schwarzem, Gelbem und Rotem; tāsu tadā bhavati – in ihnen befindet er sich dann; yadā suptaḥ svapnam na kañcana paśyati – wenn er schlafend keinen Traum sieht.

Textanmerkung: Purītat ist eine traditionelle Herzumhüllung; ihre Gleichsetzung mit einem bestimmten modernen anatomischen Organ ist nicht gesichert. Auch die Farbreihe gehört zur vedischen Körpervorstellung.

4.20a – Das Erwachen der Kräfte
athāsmin prāṇa evaikadhā bhavanti |
tad enaṃ vāk sarvair nāmabhiḥ sahāpyeti |
cakṣuḥ sarvaiḥ rūpaiḥ sahāpyeti |
śrotraṃ sarvaiḥ śabdaiḥ sahāpyeti |
manaḥ sarvair dhyānaiḥ sahāpyeti |
sa yadā pratibudhyate yathāgner jvalataḥ sarvā diśo visphuliṅgā vipratiṣṭherann evam evaitasmād ātmanaḥ prāṇā yathāyatanaṃ vipratiṣṭhante |
prāṇebhyo devāḥ |
devebhyo lokāḥ |

Dann werden die Kräfte in diesem Prana eins. Die Rede geht mit allen Namen in ihn ein, das Auge mit allen Gestalten, das Ohr mit allen Tönen, der Geist mit allen Gedanken. Wenn er erwacht, treten aus diesem Selbst die Lebenskräfte zu ihren jeweiligen Orten hervor, wie Funken aus brennendem Feuer in alle Richtungen auseinanderfliegen; aus den Lebenskräften die Götter, aus den Göttern die Welten.

Wort-für-Wort-Übersetzung: atha asmin prāṇe eva ekadhā bhavanti – dann werden die Kräfte in diesem Prana eins; tat enam vāk sarvaiḥ nāmabhiḥ saha apyeti – die Rede geht mit allen Namen in ihn ein; cakṣuḥ sarvaiḥ rūpaiḥ saha apyeti – das Auge mit allen Gestalten; śrotram sarvaiḥ śabdaiḥ saha apyeti – das Ohr mit allen Tönen; manaḥ sarvaiḥ dhyānaiḥ saha apyeti – der Geist mit allen Gedanken; saḥ yadā pratibudhyate – wenn er erwacht; yathā agneḥ jvalataḥ – wie aus brennendem Feuer; sarvāḥ diśaḥ visphuliṅgāḥ vipratiṣṭheran – Funken in alle Richtungen auseinanderfliegen; evam etasmāt ātmanaḥ prāṇāḥ yathā-āyatanam vipratiṣṭhante – so treten aus diesem Selbst die Lebenskräfte an ihre Orte; prāṇebhyaḥ devāḥ – aus Lebenskräften die Götter; devebhyaḥ lokāḥ – aus Göttern die Welten.

4.20b – Das Selbst im Körper
sa eṣa prāṇa eva prajñātmedaṃ śarīram ātmānam anupraviṣṭa ā lomabhya ā nakhebhyas |
tad yathā kṣuraḥ kṣuradhāne 'vopahito viśvambharo vā viśvambharakulāya evam evaiṣa prajñātmedaṃ śarīram ātmānam anupraviṣṭa ā lomabhya ā nakhebhyaḥ |
tam etam ātmānam eta ātmāno 'nvavasyante yathā śreṣṭhinaṃ svāḥ |
tad yathā śreṣṭhī svair bhuṅkte yathā vā svāḥ śreṣṭhinaṃ bhuñjanty evam evaiṣa prajñātmaitair ātmabhir bhuṅkta evam evaita ātmāna etam ātmānaṃ bhuñjanti |

Dieses Prana, das Erkenntnis-Selbst, ist in diesen Körper, dieses Selbst, eingegangen bis zu den Haaren und bis zu den Nägeln. Wie ein Rasiermesser in seinem Behälter oder ein Allernährer in seinem Nest liegt, so ist dieses Erkenntnis-Selbst in den Körper eingegangen bis zu den Haaren und Nägeln. Die einzelnen Kräfte folgen diesem Selbst wie die Angehörigen ihrem Oberhaupt. Wie das Oberhaupt mit seinen Angehörigen genießt und die Angehörigen an ihrem Oberhaupt teilhaben, so genießt dieses Erkenntnis-Selbst mit diesen einzelnen Kräften, und diese Kräfte haben an diesem Selbst teil.

Wort-für-Wort-Übersetzung: saḥ eṣaḥ prāṇaḥ eva prajñātmā – dieses Prana als Erkenntnis-Selbst; idam śarīram ātmānam anupraviṣṭaḥ – in diesen Körper, dieses Selbst, eingegangen; ā lomabhyaḥ ā nakhebhyaḥ – bis zu den Haaren und Nägeln; tat yathā – wie; kṣuraḥ kṣura-dhāne avopahitaḥ – Rasiermesser im Behälter liegend; viśvambharaḥ vā viśvambhara-kulāye – Allernährer in seinem Nest; evam eva – ebenso; tam etam ātmānam – diesem Selbst; ete ātmānaḥ anvavasyante – diese einzelnen Kräfte folgen; yathā śreṣṭhinam svāḥ – wie Angehörige ihrem Oberhaupt; śreṣṭhī svaiḥ bhuṅkte – Oberhaupt genießt mit den Angehörigen; svāḥ śreṣṭhinam bhuñjanti – Angehörige genießen, nutzen das Oberhaupt; prajñātmā etaiḥ ātmabhiḥ bhuṅkte – Erkenntnis-Selbst genießt mit diesen Kräften; ete ātmānaḥ etam ātmānam bhuñjanti – diese Kräfte haben an diesem Selbst teil.

Textanmerkung: Viśvambhara, „Allernährer“, wird verschieden gedeutet, etwa als Feuer in seiner Grundlage oder als Vogel in seinem Nest. Eine einzige sachliche Deutung ist nicht gesichert. Ātman bezeichnet im selben Absatz sowohl das leitende Selbst als auch abhängige Teilkräfte; bhuñjanti umfasst Genießen, Nutzen und Teilhaben.

4.20c – Erkenntnis und Selbstherrschaft
sa yāvad dha vā indra etam ātmānaṃ na vijajñe tāvad enam asurā abhibabhūvuḥ |
sa yadā vijajñe 'tha hatvāsurān vijitya sarveṣāṃ devānāṃ śraiṣṭhyaṃ svārājyam ādhipatyaṃ paryait |
tatho evaivaṃ vidvān sarvān pāpmano 'pahatya sarveṣāṃ ca bhūtānāṃ śraiṣṭhyaṃ svarājyam ādhipatyaṃ paryeti ya evaṃ veda ya evaṃ veda ||20||

Solange Indra dieses Selbst nicht erkannte, überwältigten ihn die Asuras. Als er es erkannte, erschlug und besiegte er die Asuras und erlangte unter allen Göttern Vorrang, Selbstherrschaft und Oberhoheit. Ebenso vertreibt der so Wissende alles Unheilsame und erlangt unter allen Wesen Vorrang, Selbstherrschaft und Oberhoheit, wer so weiß, wer so weiß.

Wort-für-Wort-Übersetzung: saḥ yāvat indraḥ etam ātmānam na vijajñe – solange Indra dieses Selbst nicht erkannte; tāvat enam asurāḥ abhibabhūvuḥ – solange überwältigten ihn die Asuras; saḥ yadā vijajñe – als er es erkannte; atha hatvā asurān vijitya – dann die Asuras erschlagen und besiegt habend; sarveṣām devānām – unter allen Göttern; śraiṣṭhyam – Vorrang; svārājyam – Selbstherrschaft; ādhipatyam – Oberhoheit; paryait – erlangte; tathā eva evam vidvān – ebenso der so Wissende; sarvān pāpmanaḥ apahatya – alles Unheilsame vertreibend; sarveṣām ca bhūtānām – unter allen Wesen; śraiṣṭhyam svarājyam ādhipatyam paryeti – erlangt Vorrang, Selbstherrschaft und Oberhoheit; yaḥ evam veda – wer so weiß.

Abschluss des vierten Adhyaya
iti kauṣītakibrāhmaṇopaniṣadi caturtho'dhyāyaḥ ||

Hier endet das vierte Kapitel der Kaushitaki Brahmana Upanishad.

Wort-für-Wort-Übersetzung: iti – hiermit; kauṣītaki-brāhmaṇa-upaniṣadi – in der Kaushitaki Brahmana Upanishad; caturthaḥ adhyāyaḥ – viertes Kapitel.

Schluss – Shanti-Mantra
oṃ vāṅme manasi pratiṣṭhitā |
mano me vāci pratiṣṭhitam |
āvirāvīrma edhi |
vedasya ma āṇīsthaḥ |
śrutaṃ me mā prahāsīḥ |
anenādhītenāhorātrānsandadhāmi |
ṛtaṃ vadiṣyāmi |
satyaṃ vadiṣyāmi |
tanmāmavatu |
tadvaktāramavatu |
avatu māmavatu vaktāramavatu vaktāram ||

Om. Meine Rede sei im Geist gegründet, mein Geist in der Rede. Offenbare dich mir, du Offenbares! Möget ihr beide mir den Veda erschließen. Möge das von mir Gehörte mich nicht verlassen. Durch dieses Studium verbinde ich Tage und Nächte. Ich werde das Rechte sprechen; ich werde die Wahrheit sprechen. Möge jenes mich beschützen, möge es den Lehrenden beschützen. Möge es mich beschützen; möge es den Lehrenden beschützen, den Lehrenden beschützen.

Wort-für-Wort-Übersetzung: oṃ – Om; vāk – Rede; me – meine; manasi – im Geist; pratiṣṭhitā – gegründet; manaḥ – Geist; vāci – in der Rede; pratiṣṭhitam – gegründet; āviḥ āviḥ – offen, offenbar; me – mir; edhi – werde, sei; vedasya – des Veda; me – mir, vedisch auch ma; āṇīsthaḥ – möget ihr beide heranführen, auf Rede und Geist bezogen; śrutam – Gehörtes; me – von mir; – nicht; prahāsīḥ – verlasse; anena adhītena – durch dieses Studium; ahaḥ-rātrān – Tage und Nächte; sandadhāmi – ich verbinde; ṛtam – das Rechte; vadiṣyāmi – ich werde sprechen; satyam – Wahrheit; tat – jenes; mām – mich; avatu – möge beschützen; vaktāram – den Sprechenden, Lehrenden.

Schluss – Friedensruf
oṃ śāntiḥ śāntiḥ śāntiḥ ||

Om. Frieden, Frieden, Frieden.

Wort-für-Wort-Übersetzung: oṃ – Om; śāntiḥ – Frieden, dreimal.

Kaushitaki Brahmana Upanishad – Datierung, Inhalt und Bedeutung

Überlieferung und Datierung

Die Kaushitaki Brahmana Upanishad ist mit der Kaushitaki- beziehungsweise Shankhayana-Schule des Rigveda verbunden und gehört zur Überlieferung ihres Aranyaka. Sie steht damit in einem anderen historischen Zusammenhang als die viel später entstandenen sektenspezifischen Upanishaden. Üblicherweise wird sie der älteren Prosaliteratur der Upanishaden im ersten Jahrtausend vor unserer Zeitrechnung zugeordnet. Eine genaue Jahreszahl ist nicht feststellbar. Die verschiedenen Lehrgespräche und rituellen Stücke müssen nicht gleichzeitig entstanden sein; auch ihre Anordnung hat eine Überlieferungsgeschichte.

Die vier Kapitel ergeben einen erkennbaren Lehrweg, ohne eine überall einheitliche Terminologie zu besitzen. Brahman erscheint zunächst in einer bildhaft dargestellten Himmelswelt, dann in der Lebensmacht Prana und schließlich als das erkennende Selbst. Der Kommentar Shankaranandas, auf den Deussen in seiner Einleitung eingeht, versteht diese Folge als schrittweise Hinführung zur Erkenntnis des Atman. Diese traditionelle Auslegung erklärt die Anordnung; sie beweist keine einheitliche ursprüngliche Abfassung.

Erstes Kapitel: Wohin führt das Opfer?

Die Anfangserzählung korrigiert einen bloß ererbten Anspruch auf Wissen. Shvetaketu kann Citras Frage nach dem Ziel des Opfers nicht beantworten. Auch sein Vater weiß es nicht. Er nimmt die Rolle des Schülers an und erscheint mit Brennholz als Zeichen seiner Lernbereitschaft. Die Anerkennung des eigenen Nichtwissens wird so zu einer Voraussetzung echter Unterweisung.

Der anschließende Devayana, der Weg der Götter, schildert den Aufstieg zur Brahmanwelt. Mond, Jahreszeiten und Geburt werden miteinander verknüpft. Der Ankommende muss seine Identität erkennen und ausdrücken. Am Fluss Vijara fällt die Bindung an gute und schlechte Werke ab. Thron, Lager und Schmuck Brahmans werden aus Elementen von Veda, Leben und Erkenntnis gedeutet. Die Antwort „Was du bist, das bin ich“ überführt die zunächst äußere Reise in eine Aussage über Identität. Diese Bilder sind eine religiöse Darstellung der Befreiung, keine kartographische Beschreibung des Weltraums.

Zweites Kapitel: Leben als inneres Opfer

Kaushitaki und Paingya lehren „Prana ist Brahman“. Die Sinnes- und Geisteskräfte dienen Prana oder werden von ihm umfasst. Neben diesem Grundgedanken stehen konkrete Rituale für Besitz, Zuneigung, Reinigung, Kinder und den Übergang zwischen den Generationen. Der vollständige Text lässt erkennen, dass philosophische Unterweisung und vedische Lebenspraxis nebeneinander überliefert wurden.

Besonders bedeutsam ist das innere Agnihotra in 2.5. Rede und Atem werden als gegenseitige Opfergaben betrachtet. Die äußere Opferhandlung wird zu einer fortwährenden inneren Betrachtung. Der Schluss der benutzten Fassung sagt ausdrücklich, dass frühere Wissende deshalb das äußere Agnihotra nicht vollzogen. Das ist eine konkrete Textaussage; andere Abschnitte kennen weiterhin äußere Opfer. Man sollte diese Spannung weder übergehen noch zu einer pauschalen Verwerfung aller Rituale vereinfachen.

Die Familienrituale drücken den Wunsch nach langem Leben und dem Fortbestehen der Nachkommenschaft aus. Das Vater-Sohn-Vermächtnis überträgt symbolisch Rede, Sinne und geistige Kräfte. Es zeigt eine Vorstellung von Fortsetzung über die Generationen, die neben der Lehre von Wiedergeburt steht. Gegen Feinde gerichtete Wünsche und rituelle Zuneigungszauber gehören ebenfalls zur historischen Textgestalt. Die heutigen Empfehlungen am Ende des Artikels übertragen diese nicht unverändert in zwischenmenschliches Handeln.

Drittes Kapitel: Das erkennende Selbst

Indra erklärt Pratardana, was er für das Heilvollste hält: die Erkenntnis seiner selbst als Prana und Prajnatman, Erkenntnis-Selbst. Das Kapitel untersucht die Abhängigkeit der Sinne von Leben und Bewusstsein. Tiefschlaf, Erwachen und Sterben dienen als Beispiele dafür, dass einzelne Funktionen zurücktreten können und dennoch ein gemeinsamer Zusammenhang besteht.

Die berühmte Anweisung in 3.8 lenkt von den Gegenständen auf das erkennende Subjekt. Zu untersuchen sind nicht nur Ton, Gestalt und Gedanke, sondern der Hörende, Sehende und Denkende. Das Radbild führt die Sinnesgegenstände auf die Erkenntnisfunktionen und diese auf Prana zurück: Radkranz, Speichen und Nabe bilden eine Einheit. Prana bedeutet hier deshalb mehr als den messbaren Luftstrom der Atmung. Es bezeichnet die tragende Lebenswirklichkeit, die eng mit Prajna verbunden wird.

Der Text formuliert zugleich eine starke göttliche Herrschaft über gutes und schlechtes Handeln. Diese Aussage muss im Zusammenhang der damaligen Lehre gelesen werden. Sie ist nicht mit einer modernen psychologischen Beschreibung gleichzusetzen und hebt die praktische Bedeutung von Dharma nicht einfach auf.

Viertes Kapitel: Vom Teilbild zur Quelle

Gargya Balaki bietet König Ajatashatru eine Reihe von Betrachtungen Brahmans in Sonne, Mond, Blitz, Raum, Spiegel und Körper an. Der König kennt sie bereits und kann ihre jeweilige Bedeutung nennen. Schließlich fragt er nach dem, der all diese Erscheinungsformen hervorbringt. Die vielen zutreffenden Teilbetrachtungen ersetzen noch nicht die Erkenntnis ihres Grundes.

Am schlafenden Menschen zeigt Ajatashatru, dass bloßes Anrufen einzelner kosmischer Namen das innere Subjekt nicht erschließt. Die Untersuchung führt zu den feinen Bahnen, zum Tiefschlaf und zum erneut hervortretenden Bewusstsein. Die abschließende Selbstherrschaft ist mit der Erkenntnis des Selbst verbunden. Für die spirituelle Praxis lässt sie sich als Freiheit von blinder Abhängigkeit und als innere Sammlung verstehen, nicht als Herrschaftsanspruch über andere Menschen.

Verbindungen und Bedeutung heute

Die Brihadaranyaka Upanishad enthält einen verwandten Dialog zwischen Balaki und Ajatashatru. Die Chandogya Upanishad behandelt ebenfalls die Wege nach dem Tod, das Zusammenwirken der Sinne und die führende Stellung Pranas. Die Prashna Upanishad entfaltet ähnliche Fragen nach Lebenskräften und Bewusstseinszuständen. Die Kaushitaki besitzt dabei eine eigene Verbindung aus Ritual, Kosmologie und Untersuchung des Erkennens.

Für heutige Aspiranten sind Lernbereitschaft, Sammlung und Selbsterforschung besonders ergiebig. Im Geist Swami Sivanandas kann die Frage „Wer nimmt wahr?“ mit Meditation, Japa, ethischem Leben und Seva verbunden werden. Eine solche Übung muss den Alltag nicht verlassen: Gerade beim Sprechen, Hören und Handeln kann die Erinnerung an die tragende Bewusstheit lebendig werden.

Konzentration, Meditation und selbstloses Handeln können das Studium des Vedanta begleiten.

Video zur Vertiefung: Yoga, Samkhya und Vedanta

Der Vortrag erläutert philosophische Hintergründe der Yogatradition und ergänzt das Studium der Upanishad.

Die Kaushitaki Upanishad des Rigveda nach Deussen

Artikel aus „Upanishaden. Die Geheimlehre des Veda“ in der Übersetzung von Paul Deussen, herausgegeben von Peter Michel, Marix Verlag, 2. Auflage, 2007, Wiesbaden, S. 57, 59-99

Einleitung

Die Kaushitaki Upanishad (auch Kaushitaki Brahmana Upanishad genannt) gehört dem Brahmanabestand der Schule der Kaushitakins oder, wie sie auch heißen, der Sankhayanas an, welche ein Brahmanam und im Anschluß daran ein die Upanishad einschließendes Aranyakam besitzen, ersteres aus 30, letzteres aus 15 Adhyayas bestehend.

Über den Zusammenhang der vier Teile unserer Upanishad äußert sich der Kommentator Sankarananda in der Einleitung wie folgt: "Die mit den Worten Citro Ha Vai Gangyayanir anfangende und mit Ya Evam Veda endigende, aus vier Adhyayas bestehende Kaushitaki Brahmana Upanishad enthält:

im ersten Adhyaya die Paryanka Vidya [Ruhebettlehre, weil darin die ins Jenseits gelangende Seele vor das Ruhebett des Brahman tritt, um von ihm geprüft zu werden] zugleich mit den Endpunkten des südlichen Weges [des Pitriyana, der zur Erde zurückführt] und des nördlichen [des zu Brahman führenden Devayana];
im zweiten Adhyaya die Prana Vidya [Lehre vom Prana, Leben, als Symbol des Atman], und für den, der sie kennt, gewisse, auf andere und das eigene Ich bezügliche und zur Erreichung bestimmter Früchte dienliche Werke;
im dritten und vierten Adhyaya die Atma Vidya [Lehre vom Atman].

Wenn auch der Abschnitt Pratardano Ha usw. [d. h. die esoterische Lehre in Adhyaya 3-4] in erster Linie zu studieren ist, so könnte es doch geschehen, daß selbst ein reines Gemüt vor dem attributlosen Brahman, so wenig dasselbe zu fürchten ist, zu Anfang und solange man die Wesenheit des Brahman noch nicht kennt, Furcht empfände, ähnlich wie ein tugendhafter Jüngling, dessen Vater vor seiner Geburt in die Ferne gezogen ist, wenn er seinen Vater zum ersten Mal sieht. Darum, um diese Furcht zu beseitigen, schildert die Schrift vorher [in Adhyaya 1] das als Ziel des nördlichen Weges gleichwie ein irdischer König in der Brahmanwelt thronende attributhafte Brahman. Hierbei heißt es: "Dann kommt er zu dem Ruhebette Amitaujas, das ist der Prana." So wird der Prana als ein Ruhebett im ersten Adhyaya geschildert. In betreff dieses Prana entsteht dann bei dem Zuhörer die Frage, ob derselbe der bloße Odem ist, oder ob er nicht vielmehr sich mannigfacher Machtvollkommenheiten erfreut. Um diese Frage zu lösen, wird im zweiten Adhyaya die verehrende Betrachtung des Prana unternommen. Und so bahnt sich in trefflicher Weise die Schrift den Weg, um weiterhin [in Adhyaya 3-4] die Brahmavidya zu lehren. Wenn aber auch die attributhafte Brahmanlehre selbst von so großen Männern wie Gautama und Svetaketu in aller Demut aus dem Mund des Lehrers angenommen wurde, so müssen auch heute noch die dazu Berufenen in aller Demut die attributhafte wie die attributlose Brahmanlehre annehmen, - dies zu lehren dient die Erzählung."

Die hier vom Kommentator hervorgehobene Absicht, den Leser von dem Exoterischen zum Esoterischen, vom persönlichen Brahma zum Prana und von diesem zum Atman stufenweise emporzuführen, scheint in der Tat, wenn auch nicht bei der ursprünglichen Abfassung, so doch bei der Anordnung der Adhyayas 1,2,3-4 der Kaushitaki Upanishad zugrunde gelegen zu haben.

Erster Adhyaya

Über die hier auftretende Entwicklungsstufe des Seelenwanderungsglaubens vgl. die Vorbemerkungen zu Chand. 5,3-10.

1. Es geschah einmal, daß Citra, der Sproß des Gangya, opfern wollte und den Aruni zum Priester wählte. Der aber sandte seinen Sohn Svetaketu hin, für ihn Priester zu sein. Ihn, da er ankam, fragte Citra: "Also du bist Gautamas Sohn! Gibt es einen Abschluß [der Seelenwanderung] in der Welt, zu dem du mich befördern kannst? Oder ist sonstwie ein Weg, und du willst mich in die Welt, zu der er führt, befördern?" - Er antwortete: "Das weiß ich nicht. Ich will doch meinen Lehrer darum befragen!" Damit ging er zu seinem Vater und befragte ihn: "So und so hat er mich gefragt; was soll ich antworten?" - Der Vater sprach: "Das weiß ich auch nicht. Laß uns in seiner Opferhalle die Veda-Lektion abhalten und dafür empfangen, was Bessere als wir geben! Komm, wir wollen beide gehen!" - So kam er mit dem Brennholz in der Hand zu Citra, dem Sproß des Gaiigya, und sprach: "Laß mich dein Schüler sein!" - Der sprach zu ihm: "Du bist der Priester Anführer (lies Agranir), o Gautama, und hast doch keinen Stolz gezeigt; komm, ich will es dir lehren!"

2. Und er sprach: "Alle, die aus dieser Welt abscheiden, gehen [zunächst] sämtlich zum Mond; durch ihre Leben wird seine zunehmende Hälfte angeschwellt, und vermöge seiner abnehmenden Hälfte befördert er sie [auf dem Pitriyana] zu einer [abermaligen] Geburt. - Aber der Mond ist auch die Pforte zur Himmelswelt [auch der Devayana führt über den Mond]; und wer ihm auf seine Fragen antworten kann[1], den läßt er über sich hinaus gelangen. - Hingegen wer ihm nicht antworten kann, den läßt er [in dem schwindenden, aus zurückkehrenden Seelen bestehenden Teil], zu Regen geworden, herabregnen. Der wird hienieden, sei es als Wurm, oder als Fliege, oder als Fisch, oder als Vogel, oder als Löwe, oder als Eber, oder als Beißtier, oder als Tiger, oder als Mensch, oder als sonst etwas, an diesem oder jenem Orte wiederum geboren, je nach seinem Werk, je nach seinem Wissen. - Nämlich, wenn einer zum Mond kommt, so fragt dieser ihn: "Wer bist du?" Dann soll er antworten:

"Vom Lichten[2], o Jahrzeiten! kam als Same ich,
"Vom fünfzehnfachgezeugten Väterheimat-Land[3] -
"Ihr habt mich eingezwängt[4]im Mann als Schöpfer,
"Durch Mann als Schöpfer eingesprengt[5] der Mutter.
"Geboren ich (lies Jayamana) und wiederum geboren,
"Als zwölffach Jahr[6], als dreizehnt-über-Mond'ges[7],
"Vom zwölffachen[8], vom dreizehnfachen[9] Vater,
"Das Dies[10] und auch das Gegendies[11] zu Wissen; -
"Bis ihr, Jahrzeiten, mich (lies Ma 'rtavo) zum Tod geleitet, -

vermöge dieser Wahrheit, vermöge dieser Kasteiung bin ich Jahreszeit[12], bin ich der Jahreszeiten Kind[13]!" - "Wer bist du[14]?" - "Du bin ich!" -

Wenn er so [zum Mond] spRicht, dann läßt er ihn über sich hinaus [zum Devayana] gelangen.

3. Wenn er nun diesen Devayana genannten Weg antritt, so gelangt er zur Feuerwelt, dann zur Windwelt, dann zur Varunawelt, dann zur Indrawelt, dann zur Prajapatiwelt, dann zur Brahmanwelt. In dieser Welt fürwahr ist

der See Ara (etwa: Sturmflut),
die Stunden Yeshtiha (angeblich: Opfersäumig),
der Strom Vijara (Alterlos),
der Baum Ilya (etwa: Labungsreich),
die Stadt Salajya (etwa: durch Bogensehnen, so dick wie Sala-Bäume, beschützt),
der Palast Aparajita (Unüberwindlich),
als Türhüter Indra und Prajapati,
die Halle Vibhu (die weite),
der Thron Vicakshana (weit sichtbar),
das Ruhebett Amitaujas (unermeßlich kraftvoll),
und die Geliebte Manasi (Verstandgenie)
und ihr Gegenbild Cakshushi (Augengenie), die halten Blumen in Händen, und sie sind es, die [als Nama und Rupam] die Welten weben;
und die Apsaras Ambas und Ambayavis (Mütter und Ammen),
und die Ströme Ambayah (etwa: Mutterheiten).

In diese Welt gelangt, wer solches weiß. Und Brahman spRicht: "Lauft ihm entgegen! Denn durch meine Herrlichkeit ist er zum Strome Vijard (Alterlos) gelangt, und nimmer, wahrlich, wird er altern!.

4. Dann gehen ihm fünfhundert Apsaras entgegen, hundert mit Früchten in den Händen, hundert mit Salben, hundert mit Kränzen, hundert mit Gewändern, hundert mit wohlriechendem Pulver; die schmücken ihn aus mit dem Schmuck des Brahman; und nachdem er mit dem Schmuck des Brahman ausgeschmückt ist, geht er, der Brahmanwisser, hin zu Brahman;

zuerst kommt er zu dem See Ara, den überschreitet er mit dem Manas; die aber nur die Gegenwart kennend sich in ihn begeben, die gehen unter;
dann kommt er zu den Stunden Yeshtiha, die laufen vor ihm davon;
dann kommt er zu dem Strom Vijara, auch den überschreitet er mit dem Manas;
daselbst schüttelt er ab gute Werke und böse Werke; dann übernehmen seine Bekannten, die ihm freund sind, sein gutes Werk, und die ihm nicht freund sind, sein böses Werk;
gleichwie einer, auf einem Wagen schnell fahrend, auf die Wagenräder hinabblickt [deren Speichen ihm verschwimmen], so blickt er hinab auf Tag und Nacht, so auf gute und böse Werke und auf alle Gegensätze: er aber, frei von guten und bösen Werken, als Brahmanwisser, geht zu dem Brahman ein.

5. Dann kommt er zu dem Baum Ilya, da erfüllt ihn der Brahmanduft;

dann kommt er zu der Stadt Salajya, da erfüllt ihn der Brahmangeschmack;
dann kommt er zum Palaste Aparajita, da erfüllt ihn der Brahmanglanz;
dann kommt er zu den Türhütern Indra und Prajapati, die laufen vor ihm davon;
dann kommt er zur Halle Vibhu, da erfüllt ihn die Brahmanherrlichkeit;
dann kommt er zum Thron Vicakshana; der hat als Vorderfüße die Samans Brihad und Rathantaram, und als Hinterfüße [die Samans] Syaitam und Naudhasam, und als Längeleisten Vairupam und Vairajam, und als Querleisten Sakvaram und Raivatam, und ist [seinem Wesen nach] Erkenntnis; denn durch die Erkenntnis wird man [zu dem Thron gelangend] weitsehend;
dann kommt er zu dem Ruhebett Amitaujas, das ist der Prana (das Leben); Vergangenheit und Zukunft, sind seine Vorderfüße, Glück und Labung seine Hinterfüße, [die Samans] Bhadram und Yajnayajniyam seine Kopfleisten, Brihad und Rathantaram seine Längeleisten, Rics und Samans seine Längsborten, Yajus' seine Querborten, Somafasern seine Polsterung, Udgitha sein Überzug, Schönheit sein Kopfkissen;
darauf sitzt Brahman; zu ihm steigt, wer solches weiß, den Fuß vorsetzend [nicht kriechend] hinan. Dann fragt ihn Brahma: "Wer bist du?" -

Dann soll er antworten:

6. "Jahreszeit bin ich, jahreszeitentsprossen bin ich, aus dem Äther als Wiege geboren, als Same des Weibes, als Kraft des Jahres, als eines jeglichen Wesens Selbst. Eines jeglichen Wesens Selbst bist du; und was du bist, das bin ich." Und er fragt ihn: "Wer bin denn ich?" - Dann soll er sagen: "Die Wahrheit!" "Wieso die Wahrheit?" - "Was verschieden von den Göttern und den [ihnen entsprechenden] Lebensorganen, das ist "Wahr-", was aber die Götter und Lebensorgane sind, das ist "-heit"; das wird ausgedrückt durch dies eine Wort "Wahrheit". Dieses befaßt die ganze Welt; und die ganze Welt bist du." Also wird er dann sprechen. Das besagt auch der Vers:

7. Des Bauch Yajus, des Haupt Saman,

Des Körper Ric, als ewig der
Ist anzusehen, als Brahman,
Der große Weise, brahmanvoll[15].

Und er fragt ihn: "Wodurch erfassest du meine männlichen Namen?" - "Durch den Prana", soll er antworten. "Wodurch meine sächlichen?" - "Durch das Manas." "Wodurch meine weiblichen?" - "Durch die Vac (Rede)." "Wodurch meine Gerüche?" - "Durch den Odem." "Wodurch meine Gestalten?" - "Durch das Auge." "Wodurch meine Töne?" - "Durch das Ohr." "Wodurch meine Nahrungssäfte?" - "Durch die Zunge." "Wodurch meine Handlungen?" - "Durch die Hände." "Wodurch meine Lust und Unlust?" - "Durch den Leib." "Wodurch meine Wonne, Geschlechtslust, Zeugung?" - "Durch das Zeugungsglied." "Wodurch meine Ortsbewegungen?" - "Durch die Füße." "Wodurch meine Gedanken, mein Erkanntes, meine Wünsche?" - "Durch die Erkenntnis (Prajna)",

also soll er dann antworten. Dann wird er zu ihm sagen: "Die Urwasser fürwahr sind meine Welt [als Hiranyagarbha], und sie ist dein!" Wahrlich, jede Eroberung des Brahman, jede Entfaltung des Brahman, diese Eroberung erobert, mit dieser Entfaltung entfaltet sich, wer solches weiß, - wer solches weiß.

Zweiter Adhyaya

Lotos - pranadurchdrungen

1. Der Prana (das Leben) als Brahman nach der Lehre des Kaushitaki. Wer sein Leben als identisch mit dem allbefassenden Brahman weiß, dem dienen (ähnlich wie dem Leben die Lebensorgane), sofern er dieses Brahman ist, alle Geschöpfe, auch ohne daß er sie darum bittet.

Der Prana ist das Brahman, also sprach Kaushitaki. Diesem Prana als Brahman dient das Manas als Bote, das Auge als Wächter, das Ohr als Anmelder, die Rede als Aufwärterin.

Fürwahr, wer da weiß, wie diesem Prana als Brahman das Manas als Bote dient, dem fehlt nicht der Bote; wie ihm das Auge als Wächter dient, dem fehlt nicht der Wächter; wie ihm das Ohr als Anmelder dient, dem fehlt nicht der Anmelder; wie ihm die Rede als Aufwärterin dient, dem fehlt nicht die Aufwärterin.

Diesem Prana als Brahman bringen alle jene Gottheiten [Manas, Auge, Ohr, Rede], ohne daß er darum bittet, Spende dar. Also bringen demjenigen alle Wesen, auch ohne daß er darum bittet, Spende dar, der solches weiß.

Seine Upanishad (geheime Losung) ist, nicht zu bitten: Denn wie wenn einer, der das Dorf durchbettelt und nichts erhalten hat, sich hinsetzt und denkt: "Jetzt möchte ich von denen, auch wenn sie mir gäben, nicht essen", und dann kommen sie und sprechen ihn an, die ihn vorher abgewiesen hatten[16], - so ist das Verhalten jenes, der nicht bittet. Ihn sprechen vielmehr [statt daß er, wie vordem, erst bittet] Nahrungbringende an und sagen: "Erlaube uns, dir zu geben!"

2. Der Prana als Brahman nach der Lehre des Paingya. Manas, Ohr, Auge, Rede, die vorher Diener des Prana waren, erscheinen hier als umeinander gelagerte Schichten (vgl. die vier Hüllen Taitt. Up. 2), die den Prana, wie dieser wieder den Atman, schützend umgeben.

Der Prana ist das Brahman, also sprach Paingya. Um diesen Prana als Brahman ist über die Rede hinaus [nach innen zu] das Auge gelagert; über das Auge hinaus das Ohr gelagert, über das Ohr hinaus das Manas gelagert; über das Manas hinaus ist [um das eigentliche Brahman, den Atman] der Prana gelagert.

Diesem Prana als Brahman bringen alle jene Gottheiten [Manas, Auge, Ohr, Rede], ohne daß er darum bittet, Spende dar. Also bringen demjenigen alle Wesen, auch ohne daß er darum bittet, Spende dar, der solches weiß.

Seine Upanishad (geheime Losung) ist, nicht zu bitten. Denn wie wenn einer, der das Dorf durchbettelt und nichts erhalten hat, sich hinsetzt und denkt: "Jetzt möchte ich von denen, auch wenn sie mir gäben, nicht essen", und dann kommen sie und sprechen ihn an, die ihn vorher abgewiesen hatten, - so ist das Verhalten jenes, der nicht bittet. Ihn sprechen vielmehr [statt daß er, wie vordem, erst bittet] Nahrungbringende an und sagen: "Erlaube uns; dir zu geben!"

3. Dem exoterischen, noch nicht völlig geläuterten Charakter der Verehrung des Prana als Brahman entspRicht es, daß hier und im folgenden diese Lehre (ähnlich wie der Theismus in einigen Psalmen) zum Mittel wird, um irdische Zwecke der Habsucht und Rachgier zu befriedigen.

Nunmehr daher die Einheimsung eines bestimmten Gutes. Wenn man auf ein bestimmtes Gut Absichten hat, so soll man in der Vollmondsnacht, oder in der Neumondsnacht, oder während der hellen Monatshälfte bei einer günstigen Konstellation, - an einem dieser Zeitpunkte ein Feuer anlegen, um dasselbe herum kehren, streuen, sprengen, das rechte Knie beugen, mit dem Löffel die Butterspenden opfern und dabei sprechen: "Rede heißt die Gottheit der Einheimsung; die möge mir von dem da dieses da einheimsen, ihr sei Svaha; - Odem heißt die Gottheit der Einheimsung; die möge mir von dem da dieses da einheimsen, ihr sei Svaha; - Auge heißt die Gottheit der Einheimsung; die möge mir von dem da dieses da einheimsen; ihr sei Svaha; - Ohr heißt die Gottheit der Einheimsung; die möge mir von dem da dieses da einheimsen; ihr sei Svaha; - Manas heißt die Gottheit der Einheimsung; die möge mir von dem da dieses da einheimsen; ihr sei Svaha; - Erkenntnis (Prajna) heißt die Gottheit der Einheimsung; die möge mir von dem da dieses da einheimsen; ihr sei Svaha. - Sodann soll er den Geruch des Rauches einziehen, mit Buttersalbung seine Glieder bestreichen und schweigend zu dem Betreffenden hingehen und die Sache nennen, oder er kann auch einen Boten danach senden, denn erhalten wird er sie sicherlich.

4. Die neue Lehre weiß sich dadurch zu empfehlen, daß sie auch zu den so vielfach beliebten Liebeszaubern die Mittel an die Hand gibt. Nunmehr daher die von den Göttern Rede, Odem, Auge, Ohr, Manas, Erkenntnis] erregte Liebessehnsucht (Daivah Smarah). Wenn man einem Mann oder einer Frau, oder Männern oder Frauen lieb zu werden wünscht, so soll man den erwähnten [Göttern] an einem der [erwähnten] Zeitpunkte in der erwähnten Art und Weise dieselben Butterspenden opfern und dabei sprechen: "Deine Rede opfere ich in mir, du da Svaha; deinen Prana opfere ich in mir, du da Svaha; dein Auge opfere ich in mir, du da Svaha; dein Ohr opfere ich in mir, du da Svaha; dein Manas opfere ich in mir, du da Svaha; deine Erkenntnis opfere ich in mir, du da Svaha." - Sodann soll er den Geruch des Rauches einziehen, mit Buttersalbung seine Glieder bestreichen und schweigend zu den Betreffenden hingehen und versuchen, sie zu berühren, oder auch er mag von der Windseite stehen und so mit ihnen reden; sicherlich wird er ihnen lieb werden, sicherlich werden sie an ihn mit Sehnsucht denken.

5. Die Gewohnheit, zu opfern, war zu tief eingewurzelt, als daß man sie ohne Ersatz hätte beseitigen können. Hier tritt an Stelle des täglich am Morgen und Abend zu bringenden Agnihotram der ununterbrochen fortgehende Prozeß des Einatmens (Prana) und des Ausatmens beim Reden (Vac). Ersteres ist eine Opferung der Vac im Prana, letzteres eine solche des Prana in der Vac. - Nicht in äußerem Kultus soll die Religion bestehen, sondern darin, daß man das ganze Leben mit jedem Atemzuge in ihren Dienst stellt. (s. 1. Kor. 10, 31.)

Nunmehr daher die Selbstzwingung des Pratardana (Samyamanam Pratardanam), oder, wie es auch genannt wird, das innerliche Agnihotram. Solange nämlich ein Mensch redet, solange kann er nicht einatmen; dann opfert er den Odem in der Rede; - und solange ein Mensch einatmet, solange kann er nicht reden; dann opfert er die Rede in dem Odem. Diese beiden Opferungen sind unendlich, unsterblich; denn man bringt sie dar ohne Unterlaß im Wachen wie im Schlaf. Hingegen die anderen Opferungen sind endlich, denn sie bestehen aus Werken. Darum haben die alten Weisen das Agnihotram nicht geopfert.

6. Wie Ait. Ar. 2, 1-3 das Uktham (d. h. das beim Mahavrata gebrauchte Nishkevalya Sastram) mit dem Prana, so wird es hier mit dem Brahman (d. h. mit dem aus Ric, Yajus, Saman bestehenden Prinzip der Dinge) identifiziert. - Um den Schlußabschnitt zu verstehen, muß man sich an die Vorstellung erinnern, daß der funktionierende Priester (Hotar, Udgatar, Adhvaryu) sein Selbst so weiht (Atmanam Samskaroti), daß es nur noch aus Ric, Saman, Yajus besteht (vgl. die Stellen in meiner Allgemeinen Geschichte der Philosophie I, 328): Hier weiht zunächst der Adhvaryu sein Selbst so, daß es ganz opferhandlungsartig (Aishtikam, oder backsteinartig, wenn man Aishtakam liest), ganz werkartig wird, dem dann das übrige, aus Yajus bestehende Selbst des Adhvaryu, sowie das aus Ric bestehende Selbst des Hotar und das aus Saman bestehende Selbst des Udgatar angewoben werden.

Das Uktham ist Brahman, so sprach Sushkabhringara. Man soll es (das Uktham) als Ric verehren, denn ihm zu seiner Oberhoheit werden alle Wesen zujauchzen gemacht (Abhyarcyante, Wortspiel mit Ric), als Yajus verehren, denn ihm zu seiner Oberhoheit werden alle Wesen angeschlossen (Yujyante), als Saman verehren, denn ihm zu seiner Oberhoheit neigen sich alle Wesen zu (Samnamante). Als Schönheit soll man es (das Uktham) verehren, als Ruhm, als Kraft. Und so wie dieses (Uktham) das schönste, ruhmvollste, kraftvollste unter den Sastras[17] ist, also ist auch der unter allen Wesen der schönste, ruhmvollste, kraftvollste, wer solches weiß.

Hierbei weiht der Adhvaryu sein Selbst so, daß es opferhandlungsartig, werkartig wird; an dieses webt er sein Yajus-artiges (Selbst) an, an das Yajus-artige der Hotar sein Ric-artiges, an das Ric-artige der Udgatar sein Saman-artiges; dieses ist dann das Selbst der dreifachen Wissenschaft [d. h. das Brahman]. Und der wird so zu dem Selbst des Indra [vgl. Ait. Ar. 2,3,7,1],wer solches weiß! -

7. Zeremonie, um nach dem Vorgange des Kaushitaki durch täglich dreimalige Verehrung der Sonne sich von der Sünde zu reinigen.

Nunmehr daher folgen die drei Verehrungen des Allsiegers Kaushitaki.

Also, der Allsieger Kaushitaki pflegte die aufgehende Sonne zu verehren, mit der Opferschnur angetan und Wasser herbeibringend, und, indem er dreimal davon in ein Gefäß goß, zu ihr zu sprechen: "Du bist der Heber, hebe meine Sünde!" Und in derselben Weise zu der Mittagssonne: "Du bist der Aufheber, hebe meine Sünde auf!" Und in derselben Weise zu der untergehenden Sonne: "Du bist der Wegheber, hebe meine Sünde weg!" Dann hob die Sonne alle Sünde, die er bei Tage und bei Nacht begangen. Und ebenso, wer solches weiß und in dieser Weise die Sonne verehrt, dem hebt sie alle Sünde, die er bei Tage und bei Nacht begeht.

8. Nach Kaush. 1,2, oben S. 24, ist das Zunehmen des Mondes bedingt durch abscheidende und zu ihm gelangende Seelen. Daher hier am Neumondstage die Bitte an den Mond geRichtet wird, sein Anschwellen nicht durch die Kinder des Bittenden, sondern durch die seiner Feinde zu bewirken.

Nun weiter in jedem Monat, wenn die Neumondsnacht kommt, soll er den im Westen erscheinenden Mond verehren in der vorher (2,7) beschriebenen Weise, oder auch er mag ihm zwei grüne Grashalme entgegenwerfen und sprechen:

"Mein Herz, schönscheitlige [s][18], welches
"Im Himmel, in dem Mond ruht,
"Des glaub' ich kundig mich, möge
"Nicht Sohnesleid beweinen ich!"

Von ihm werden seine Kinder nicht [abscheiden], ehe er abscheidet. So, wenn ihm schon ein Sohn geboren ist.

Ist ihm aber noch kein Sohn geboren, so soll er folgende drei Verse murmeln:

"Anschwelle! In dich gehe ein ..." (Rigv. 1,91,16);
"Dir mögen Tränke, dir zugehen Kräfte" (Rigv. 1,91,18);
"Den Strahl, den die Adityas schwellen machen" (vgl. Atharvav.7,81,6);

und dazu sprechen: "Mögest du nicht durch mein Leben, meine Nachkommenschaft, mein Vieh anschwellen, sondern wer uns haßt, und den wir hassen, mit dessen Leben, Nachkommenschaft und Vieh mögest du anschwellen (vgl. Atharvav. 7,81,5)! Hiermit wende ich mich zur Rückkehr zu Indra, zur Rückkehr der Sonne wende ich mich herum." Damit wendet er sich nach seinem rechten Arm hin herum.[19]

9. Es folgt nun eine analoge Zeremonie für den Vollmondsabend, bei der jedoch die Verhältnisse mehrfach anders liegen als vorher. Das bevorstehende Abnehmen des Mondes wird nämlich nicht (wie man, nach 1,2 und 2,8 erwarten sollte) als ein Herabsteigen der Seele zum neuen Erdenleben aufgefaßt, sondern das Schwinden des Mondes bedeutet hier, im geraden Gegenteil, ein Schwinden des Erdenlebens, dessen Abwehr die Zeremonie bezweckt. Auch die zum Schluß ausgeführte Drehung nach rechts herum, also hier von Osten nach Westen,läßt sich nicht wie im vorigen Abschnitt erklären, es sei denn, daß man dort eine halbe, hier eine ganze Drehung annähme, wozu auch die Daivi Avrit als eine Rückkehr zu den beiden Göttern, Varuna im Westen und sodann Indra im Osten, passen würde. - Der Mond ist Prajapati, sofern auf ihm die Geburten beruhen; aber sofern auch das Sterben durch ihn bedingt ist, ist er Pancamukkah Prajapatih und Prinzip alles Vertilgens, wie es vom Brahmanen, Kshatriya, Falken, Feuer und schließlich vom Mond selbst geübt wird, - eine Eigenschaft, welche der Betende auf sich übertragen sehen möchte.

Vollmond

Nunmehr in der Vollmondsnacht soll er den im Osten aufgehenden Mond verehren und, in der vorerwähnten Weise verfahrend, sprechen: "Du bist der König Soma, der weitschauende; du bist der fünfmundige Prajapati;

der Brahmane ist ein Mund an dir, mit diesem Munde issest du die Könige: mit diesem Munde mache mich zum Nahrungsesser:

der König ist ein Mund an dir; mit diesem Munde issest du die Vaisyas; mit diesem Munde mache mich zum Nahrungsesser;

der Falke ist ein Mund an dir; mit diesem Munde issest du die Vögel; mit diesem Munde mache mich zum Nahrungsesser;

das Feuer ist ein Mund an dir: mit dem issest du diese Welt; mit diesem Munde mache mich zum Nahrungsesser;

in dir ist der fünfte Mund; mit diesem Munde issest du alle Wesen, mit diesem Munde mache mich zum Nahrungsesser!

Mögest du nicht durch mein Leben, meine Nachkommen, mein Vieh abnehmen, sondern wer uns haßt, und den wir hassen, mit dessen Leben, Nachkommenschaft und Vieh mögest du abnehmen! Hiermit wende ich mich zur Rückkehr zu den Göttern [Varuna im Westen und sodann Indra im Osten]; zur Rückkehr der Sonne wende ich mich herum." Damit wendet er sich nach seinem rechten Arm hin herum.

10. Daß die Kinder nicht vor dem Vater sterben, soll durch die beiden vorhergehenden Zeremonien, daß sie auch nicht vor der Mutter sterben, durch die nun folgende verhütet werden.

Nunmehr, wenn er seiner Gattin beiwohnen will (lies Sam Vekshyan), so soll er ihr Herz berühren und dazu sprechen:

"Dein Herz (lies Hridayam), Schönscheitlige, welches
"Innen ruht in Prajapati[20],
"Mit dem, Unsterblichkeitsherrin,
"Nicht Sohnesleid erfahre du!"

Von ihr werden ihre Kinder nicht [abscheiden], ehe sie abscheidet.

11. Zeremonie, mit welcher der von der Reise zurückkehrende Vater den Sohn begrüßt, um ihm die volle Dauer des Lebens zu sichern. Ferner, wenn er von einer Reise zurückkehrt, so soll er das Haupt seines Sohnes küssen und sprechen:

"Aus meinen Gliedern dein Werden,
"Aus meinem Herzen dein Entsteh'n,
"Mein Selbst bist du, o Sohn, wahrlich,
"So lebe hundert Herbste lang!"

wobei er dessen Namen hinzufügt.

"Sei fest wie Stein, wie Beil schneidig,
"Wie Goldeshort sei unzerstreut,
"Mein Glanz bist du, o Sohn, wahrlich,
"So lebe hundert Herbste lang!"

wobei er dessen Namen erwähnt.

Sodann umarmt er ihn und spricht: "Womit Prajapati die Geschöpfe umarmte, damit sie unversehrt blieben, damit umarme ich dich, du da" [hier nennt er wieder seinen Namen].

Sodann flüstert er ihm ins rechte Ohr:

"Ihm reiche dar, o Gabenreicher, Dränger" (vgl. Rigv 3,36,10),

und ins linke:

"0 Indra, schenke was der Güter Bestes" (Rigv. 2,21,6),

und spricht: "Nicht breche und nicht wanke! Hundert Lebensherbste lebe! Oh Sohn, mit deinem Namen küsse ich dein Haupt!"

Hier küßt er dreimal sein Haupt. - "Mit dem Rufe Hin, wie die Kühe [ihre Kälber], rufe ich dich an!" Hierbei stößt er dreimal den Ruf Hin gegen sein Haupt aus.

12.-13. Nun folgt der Daivah Parimarah, das Sterben der Gottheiten (Agni, Aditya, Candramas, Vidyut, und analog Vac, Cakshus, Srotram, Manas) in dem Vayu Prana, aus dem sie wieder auferstehen. Eine ähnliche, nur viel einfachere Anschauung liegt dem Brahmanah Parimarah, Ait. Br. 8,28, zugrunde. Dort gehen Vidyut, Vrishti, Candramas, Aditya, Agni in Vayu ein und wieder aus ihm hervor, in der Weise, daß der Blitz im Regen, dieser im Mond, dieser in der Sonne, diese im Feuer, dieses im Wind erlischt, worauf sodann wiederum aus dem Wind das Feuer, aus diesem die Sonne, aus dieser der Mond, aus diesem der Regen, aus diesem der Blitz hervorgehen. Das Hauptgewicht fällt dabei auf die an diese einfache Naturanschauung sich knüpfende Zauberformel zur Vernichtung der Feinde. - In unserer Stelle tritt dieser praktische Zweck in den Hintergrund, indem nur die Verheißung am Schluß an ihn erinnert, wohingegen die Naturanschauung in eigentümlicher Weise fortentwickelt erscheint, zunächst, sofern neben die kosmischen Götter (Agni, Aditya, Candramas, Vidyut) die entsprechenden psychischen "Götter" (Vac, Cakshus, Srotram, Manas) treten, welche im Prana aufgehen wie jene im Vayu, - sodann, sofern mit diesem Vayu-Prana das kosmische und psychische Brahman identisch oder nahezu identisch ist. Das kosmische Brahman, d.h. das in der Welt verwirklichte Veda-Wort, manifestiert sich in Agni, Aditya, Candramas, Vidyut und scheint mit dem Aufhören dieser Manifestationen zu sterben. In Wahrheit aber sterben dieselben (und mit ihnen das Brahman) nicht; ihren Glanz (tejas) geben sie an andere Erscheinungen ab; ihr Leben (Prana) aber kehrt in den Vayu zurück. In analoger Weise manifestiert sich das psychische Brahman, d.h, das im Menschen als Gebet erwachende Veda Wort, in Vac, Cakshus, Srotram, Manas; auch sie (und mit ihnen das Brahman) sterben nicht, sondern geben ihren Glanz (Tejas) an andere psychische Kräfte ab, während sie selbst im Prana, dem psychischen Äquivalent des Vayu, fortbestehen. - Der Grundgedanke ist sonach: der Vayu Prana als Prinzip des kosmischen und psychischen Lebens, von welchem hier das Brahman noch abhängig ist, jedoch so, daß es in undeutlicher Weise als identisch mit ihm behandelt wird.

12. Nunmehr daher das [um den Prana] Herumsterben der Götter.

Fürwahr, dieses Brahman entbrennt, wenn das Feuer flammt, und es stirbt, wenn es nicht flammt; alsdann geht dessen Glanz ein in die Sonne, sein Lebenshauch in den Wind;

fürwahr, dieses Brahman entbrennt, wenn die Sonne scheint, und es stirbt, wenn sie nicht scheint; alsdann geht deren Glanz ein in den Mond, ihr Lebenshauch in den Wind;

fürwahr, dieses Brahman entbrennt, wenn der Mond scheint, und es stirbt, wenn er nicht scheint; alsdann geht dessen Glanz ein in den Blitz, sein Lebenshauch in den Wind;

fürwahr, dieses Brahman entbrennt, wenn der Blitz zuckt, und es stirbt, wenn er nicht zuckt; alsdann geht dessen Glanz ein in die Himmelsgegenden[21], sein Lebenshauch in den Wind.

Also gehen alle diese Gottheiten ein in den Wind, ersterben in dem Wind; aber sie gehen darum nicht verloren, sondern aus ihm erheben sie sich wieder.

Soweit in bezug auf die Götter.

Nun in bezug auf das Selbst.

13. Fürwahr, dieses Brahman entbrennt, wenn man mit der Rede redet, und es stirbt, wenn man nicht redet; alsdann geht deren (lies Tasyas) Glanz ein in das Auge, ihr Lebenshauch in den Lebenshauch (Prana);

fürwahr, dieses Brahman entbrennt, wenn man mit dem Auge schaut, und es stirbt, wenn man nicht schaut; alsdann geht dessen Glanz ein in das Ohr, sein Lebenshauch in den Lebenshauch;

fürwahr, dieses Brahman entbrennt, wenn man mit dem Ohr hört, und es stirbt, wenn man nicht hört; alsdann geht dessen Glanz ein in das Manas, sein Lebenshauch in den Lebenshauch;

fürwahr, dieses Brahman entbrennt, wenn man mit dem Manas denkt, und es stirbt, wenn man nicht denkt; alsdann geht dessen Glanz ein in den Lebenshauch, sein Lebenshauch in den Lebenshauch.

Also gehen alle diese Gottheiten ein in den Lebenshauch (Prana), ersterben in dem Lebenshauch; aber sie gehen darum nicht verloren, sondern aus ihm erheben sie sich wieder. Wahrlich, wenn auf den, der solches weiß, die beiden Gebirge, das südliche und das nördliche [der Vindhya und der Himalaya] sich zubewegten, um ihn zu verschütten, so würden sie ihn doch nicht verschütten können! - Aber die, welche ihn hassen, und die er haßt, die alle sterben rings um ihn im Kreise.

14. Der Rangstreit der Organe und der Sieg des Prana oder Lebensodems, der mit dem kosmischen Vayu gleichgesetzt wird, über die übrigen, ist hier, wie so oft, das Thema der exoterischen, im Prana Vayu das Prinzip der Dinge anschauenden Upanishad Lehre.

Nunmehr daher die Aneignung der Oberhoheit.

Nämlich jene [vorher erwähnten] Gottheiten, da sie sich um den Vorrang stritten, wanderten aus diesem Leibe aus; da lag er ohne Odem, vertrocknet wie ein Stück Holz.

Da ging die Rede in ihn ein; aber obgleich er mit der Rede redete, blieb er doch liegen.

Da ging das Auge in ihn ein; aber obgleich er mit der Rede redete und mit dem Auge sah, blieb er doch liegen. Da ging das Ohr in ihn ein; aber obgleich er mit der Rede redete, mit dem Auge sah und mit dem Ohre hörte, blieb er doch liegen.

Da ging das Manas in ihn ein; aber obgleich er mit der Rede redete, mit dem Auge sah, mit dem Ohre hörte und mit dem Manas dachte, blieb er doch liegen.

Da ging der Prana in ihn ein; da stand er alsobald auf. Da erkannten alle jene Gottheiten die Oberhoheit des Prana an, und indem sie des Prana, des Erkenntnis-Selbstes (Prajnatman), teilhaftig wurden, zogen sie mit allen jenen [Verzweigungen des Prana, Prana, Apana, Vyana, Samana, Udana] aus diesem Körper aus, und indem sie in den Wind eingingen, gelangten sie, zum Äther geworden, in den Himmel.

Und ebenso auch, wer solches weiß, die Oberhoheit des Prana anerkennt und, indem er des Prana, des Erkenntnis-Selbstes teilhaftig wird, mit allen jenen aus diesem Körper auszieht und in den Wind eingeht, der gelangt, zum Äther geworden, in den Himmel. So gelangt er dorthin, wohin jene Götter gelangten, nachdem sie dies erkannt, und sofern jene Götter unsterblich sind, sofern wird auch der unsterblich, der solches weiß.

15. Neben dem Seelenwanderungsglauben, der die Wohlfahrt im Jenseits und im abermaligen Erdenleben von dem rituellen und moralischen Verhalten des einzelnen Menschen abhängig machte, bestand auch der Manenkultus noch weiter fort, welchem die Vorstellung zugrunde liegt, daß die Werke der Nachkommen den im Jenseits weilenden Vorfahren zugute kommen. Daher erscheint die Zeugung eines Sohnes als eine Schuld (Rinam), die man an die Väter abträgt; daher auch der sterbende Vater den Sohn feierlich als Fortsetzer seiner Werke einsetzt, worauf sich, ähnlich wie Brih. Up. 1,5,17-20, auch der vorliegende Abschnitt bezieht.

Nunmehr daher die Vater-Sohn-Zeremonie, oder, wie sie auch heißt, die Vermachung (Sampradanam).

Wenn der Vater fühlt, daß er sterben wird, so bescheidet er den Sohn zu sich, und nachdem er das Haus mit frischem Gras hat streuen, das Feuer bei sich anlegen und Wasserkrug nebst Schüssel hinzu setzen lassen, so liegt mit einem noch nicht gewaschenen Gewand angetan der Vater da. Der Sohn tritt hinzu und neigt sich vom Kopfende her über ihn, indem er seine Sinnesorgane mit denen des Vaters in Berührung bringt, - oder auch kann dieser ihm, indem er ihm zugewandt sitzt, das Vermächtnis machen. Dieses übergibt er ihm dann in folgender Weise.

Der Vater spricht: "Meine Rede möge ich in dich legen."
Der Sohn spricht: "Deine Rede nehme ich in mich auf."
Der Vater: "Meinen Odem möge ich in dich legen."
Der Sohn: "Deinen Odem nehme ich in mich auf."
Der Vater: "Mein Auge möge ich in dich legen."
Der Sohn: "Dein Auge nehme ich in mich auf."
Der Vater: "Mein Ohr möge ich in dich legen."
Der Sohn: "Dein Ohr nehme ich in mich auf."
Der Vater: "Meinen Geschmack möge ich in dich legen."
Der Sohn: "Deinen Geschmack nehme ich in mich auf."
Der Vater: "Meine Werke möge ich in dich legen."
Der Sohn: "Deine Werke nehme ich in mich auf."
Der Vater: "Meine Lust und Unlust möge ich in dich legen."
Der Sohn: "Deine Lust und Unlust nehme ich in mich auf."
Der Vater: "Meine Geschlechtslust, Liebeslust, Zeugungskraft möge ich in dich legen."
Der Sohn: "Deine Geschlechtslust, Liebeslust, Zeugungskraft nehme ich in mich auf."
Der Vater: "Meinen Gang möge ich in dich legen."
Der Sohn: "Deinen Gang nehme ich in mich auf."
Der Vater: "Mein Manas möge ich in dich legen."
Der Sohn: "Dein Manas nehme ich in mich auf."
Der Vater: "Mein Bewußtsein möge ich in dich legen."
Der Sohn: "Dein Bewußtsein nehme ich in mich auf."

Sollte jedoch der Vater nur noch mit Mühe (wörtlich: aus der Nähe) sprechen können, so mag er zusammenfassend sagen: "Meine Lebenskräfte (Pranan) möge ich in dich legen", und der Sohn soll antworten: "Deine Lebenskräfte nehme ich in mich auf."

Dann geht er, den Vater rechts behaltend, auf den Ausgang zu, und der Vater ruft ihm die Worte nach: "Möge Glanz, Brahmanenwürde und Ruhm dir einwohnen!" worauf der Sohn über die linke Schulter nach ihm zurückblickt und, indem er durch Vorhalten der Hand oder mit dem Ende des Gewandes [sein Gesicht] bedeckt hält, die Worte spricht: "Mögest du himmlische Welten und Freuden erlangen!"

Sollte der Vater wieder gesund werden, so muß er unter der Herrschaft des Sohnes wohnen, oder auch er mag als Pilger (Parivrajaka) umherziehen. Stirbt er hingegen, so nehmen in der erwähnten Weise [die Lebenskräfte des Vaters] von dem Sohn Besitz, so wie es sich gehört, — so wie es sich gehört.

Dritter Adhyaya

Nach den mehr exoterischen und vorbereitenden Betrachtungen des Atman als personifizierten Gottes und als Prana im ersten und zweiten Adhyaya folgt nun im dritten Adhyaya als der eigentliche Kern der Upanishad die philosophische Lehre vom Atman. Nur die Einkleidung ist mythisch, sofern der Gott Indra (der auch sonst als Personifikation des Atman erscheint, Ait. Ar. 2,2. Ait. Up. 1,3,14. Kaush. 2,6) die Erkenntnis seiner als des Atman dem Pratardana mitteilt, nachdem dieser der Versuchung, selbst zu wählen und dadurch schlechter zu wählen (wie Naciketas in Kath. Up. 1 anderen Versuchungen), glücklich widerstanden hat. — Es folgt sodann eine auf im wesentlichen Richtige psychologische Anschauungen gegründete, wohlgeordnete und vortrefflich durchgeführte Betrachtung über die Abhängigkeit der Sinnesobjekte von den Sinnesorganen und dieser wiederum von dem Prana (Lebenshauch) oder Prajnatman (Bewußtsein-Selbst), d. h. dem Prinzip des unbewußten und des bewußten Lebens, welche beide hier, weil sie "zusammen in dem Leibe wohnen und zusammen aus ihm herausziehen", für identisch erklärt werden und es auch im tiefsten Grunde sind, wiewohl nur ihrer Wurzel nach, aus der sie als zwei verschiedenartige Stämme hervorgehen (siehe meine Elemente der Metaphysik, T1. II, Kap. 4: "Der bewußte und der unbewußte Wille"). Das Resultat dieser nachgewiesenen Abhängigkeit aller Sinnesobjekte und Sinnesorgane vom Bewußtsein-Selbst ist die Ermahnung, daß der nach der erlösenden Erkenntnis Trachtende nicht die Objekte, auch nicht die subjektiven psychischen Kräfte, sondern allein das Subjekt des Erkennens und Handelns zu suchen hat, welches in herrlicher Schilderung als der höchste Gott und zugleich als der Atman in uns gefeiert wird.

Zur leichteren Übersicht mag hier noch eine Disposition des ganzen Abschnittes folgen.

Einleitung (§ 1).

A. Der Prajnatman und die Sinnesorgane.

1. Die Organe laufen in einer Einheit zusammen (Ekabhuyam Gacchanti), welche, als die Gesamtheit der Organe, in jedem einzelnen derselben wirksam ist (§2). 2. Diese Einheit liegt nicht außerhalb der Organe oder Pranah, sondern in demjenigen unter ihnen, welches über alle anderen den Vorrang (Nihsreyasam) hat, d. h. in dem Prana oder Prajnatman. Sein Vorrang aber beruht auf folgenden Gründen:

a. Entbehrlichkeit der anderen Organe;
b. Unentbehrlichkeit des Prana;
c. Sein Fortbestehen im Tiefschlaf und
d. im Tod (§3).

B. Der Prajnatman und die Sinnesobjekte.

1. Die Sinnesobjekte werden als die Organe (d. h. mittels derselben) in den Prajnatman hineingeschüttet (Abhivisrijyante), so daß er durch die Organe die Objekte erlangt (§4). 2. Aus dem Prajnatmanwerden die Organe herausgezogen ([[Udulham]]), aus ihnen wiederum die betreffenden Objekte nach außen projiziert (Parastat Prativihita, § 5), daher die Prajna durch die Organe die Objekte erlangt (§6). 3. Unmöglichkeit, ohne die Prajna und durch die Organe allein die Objekte zu erkennen (§7).

C. Das Subjekt des Erkennens.

1. Nicht die Objekte, sondern das Subjekt soll man suchen zu erkennen. 2. Keine Objekte (Bhutamatrah) ohne subjektive Organe (Prajnamatrah), keine subjektiven Organe ohne Objekte. 3. Beide laufen im Subjekt zusammen wie die Radkreisteile und Felgen in der Radnabe. 4. Das Subjekt ist der ewige, selige Gott, der allmächtig zum Guten und Bösen, zum Heil und Verderben prädestiniert. 5. Und dieser Herr aller Welten ist meine Seele, mein Atman (§8).

1. Es begab sich, daß Pratardana, der Sohn des Divodasa, zu der lieben Wohnung des Indra gelangte, durch Kampf und durch Mannhaftigkeit.

Zu ihm sprach Indra: "Pratardana, wähle dir einen Wunsch!" -

Und Pratardana sprach: "Wähle du selbst für mich, was du für den Menschen als das Heilsamste erachtest!" -

Aber Indra sprach: "Der Höhere wählt doch nicht für den Niederen! Wähle du nur selbst; denn du bist doch niederer als ich." Also sprach Indra.[22]

Aber Pratardana[23] ließ sich nicht abbringen von der Wahrheit; denn die Wahrheit ist Indra.

Da sprach Indra zu ihm:

"So erkenne mich! Denn dieses erachte ich für den Menschen als das Heilsamste, daß er mich erkenne. Denn obgleich ich den dreiköpfigen Sohn des Tvashtar erschlagen habe und die Arunmukhas [die 'Wundmäuligen', entstellt aus Arurmaghan, die 'Knauserigen', Ait. Br. 7,28] und die Streber [oder. Büßer, Yatin] den wilden Hunden vorgeworfen habe, obgleich ich, viele Verträge brechend, im Himmel die Prahladi (die Polterer), im Luftraume die Pauloma (etwa: Dickwänste), auf der Erde die Kalakanja (Schwarzköpfe) durchbohrt habe (Atrinam = Atrinadam?), so wurde mir dafür auch nicht ein Haar (Loma) gekrümmt (Amiyata), — und so auch, wer mich kennt, dem wird fürwahr durch kein Werk seine Welt [sein Platz im Himmel] geschmälert (Loko Miyate), nicht durch Diebstahl, nicht durch Tötung der Leibesfrucht, nicht durch Muttermord, nicht durch Vatermord[24], und hat er auch Böses vollbracht (lies Cakrusho), so entflieht doch nicht die dunkle Farbe von seinem Angesicht [keine Furcht macht ihn erblassen]."

2. Und er (Indra) sprach:

Zeichnung von Indra auf seinem Elefantenberg, Airavata, ca. 1820

"Ich bin der Lebenshauch (Prana); als das Bewußtsein-Selbst (Prajnatman), als Leben, als Unsterbliches verehre mich. Der Prana ist Leben, und das Leben ist Prana. Denn solange in diesem Leibe der Prana weilt, so lange weilt auch das Leben; denn durch den Prana erlangt man in dieser Welt das Nichttotsein, und durch das Bewußtsein (Prajna) die wahre Erkenntnis. Wer mich als Leben, als Unsterbliches verehrt, der gelangt in dieser Welt zur vollen Lebensdauer, und er erlangt Unsterblichkeit, Unvergänglichkeit in der himmlischen Welt."

[[[Pratardana]] sprach]: "Einige lehren, daß die [Lebenskraft|[Lebenskräfte]] in eine Einheit zusammenlaufen (Ekabhuyam Gacchanti); denn niemand kann doch zugleich miteinander durch die Rede den Namen, durch das Auge die Gestalt, durch das Ohr den Ton und durch das Manas den Gedanken zum Bewußtsein bringen; sondern indem vielmehr die Lebenskräfte in eine Einheit zusammenlaufen, so bringen sie nacheinander alles dieses zum Bewußtsein; und wenn die Rede redet, so reden alle Lebenskräfte ihr nach [d. h. mit ihr], und wenn das Auge sieht, so sehen alle Lebenskräfte ihm nach, und wenn das Ohr hört, so hören alle Lebenskräfte ihm nach, und wenn das Manas denkt, so denken alle Lebenskräfte ihm nach, und wenn der Odem atmet, so atmen alle Lebenskräfte ihm nach."

"Allerdings ist es so", sprach Indra.

"Aber doch", fuhr er fort, "besteht unter den Lebenskräften eine Rangordnung. 3. Nämlich,

man lebt auch ohne Rede, denn wir sehen Stumme,
man lebt auch ohne Gesicht, denn wir sehen Blinde,
man lebt auch ohne Gehör, denn wir sehen Taube,
man lebt auch ohne Manas, denn wir sehen Narren,
man lebt auch mit abgeschnittenen Armen,
man lebt auch mit abgeschnittenen Beinen,

denn also sehen wir es, aber der Prana ist es, der Prajnatman, welcher diesen Leib umspannt und aufRichtet (Ut thapayati), darum soll man ihn als das Uktham (vgl. Ait. Ar. 2,1, oben S. 10) verehren.

Dieses ist die Durchdringung aller [Lebenskräfte] im Prana. Was aber der Prana ist, das ist die Prajna (das Bewußtsein), und was die Prajna ist, das ist der Prana.

Und dieses ist seine Anschauung, dieses seine Erkenntnis: wenn ein Mensch so eingeschlafen ist, daß er kein Traumbild schaut, dann ist er eben in diesem Prana zur Einheit geworden; dann geht in ihn

die Rede mit allen Namen ein,
das Auge mit allen Gestalten ein,
das Ohr mit allen Tönen ein,
das Manas mit allen Gedanken ein.

Und wenn einer erwacht, dann geschieht es, gleichwie aus einem flammenden Feuer nach allen Seiten die Funken auseinanderstieben, daß also aus diesem Atman alle Lebenskräfte, je nach ihrem Standort, heraustreten, aus den Lebenskräften [Rede, Auge, Ohr, Manas] die Götter [[[Agni]], Surya, Disah, Candramah], aus den Göttern die Welten [Namen, Gestalten, Töne, Gedanken].

Das ist der Prana, der Prajnatman, welcher diesen Leib umspannt und aufRichtet, darum soll man ihn als das Uktham verehren. Dieses ist die Durchdringung aller [Lebenskräfte] im Prana. Was aber der Prana ist, das ist die Prajna (das Bewußtsein), und was die Prajna ist, das ist der Prana.

Und dieses ist sein Beweis, dieses seine Erkenntnis: wenn der Mensch, leidend und im Begriffe zu sterben, von Schwäche überkommen, in Bewußtlosigkeit verfällt, und die Leute sagen, sein Geist ist entflohen, er hört nicht, sieht nicht, redet nicht, denkt nicht, — dann ist er eben in diesem Prana zur Einheit geworden; dann geht in ihn

die Rede mit allen Namen ein,
das Auge mit allen Gestalten ein,
das Ohr mit allen Tönen ein,
das Manas mit allen Gedanken ein,

und wenn er aus diesem Leibe auszieht, so zieht er mit ihnen allen aus.[25]

4. Als Rede werden in ihn alle Namen hineingeschüttet (Abhivisrijyante, viel besser als Abhivisrijate = Parityajati, wie der Komm. liest), durch die Rede erlangt er alle Namen,

als Odem werden in ihn alle Gerüche hineingeschüttet, durch den Odem erlangt er alle Gerüche,
als Auge werden in ihn alle Gestalten hineingeschüttet, durch das Auge erlangt er alle Gestalten,
als Ohr werden in ihn alle Töne hineingeschüttet, durch das Ohr erlangt er alle Töne,
als Manas werden in ihn alle Gedanken hineingeschüttet, durch das Manas erlangt er alle Gedanken;

dieses ist die Durchdringung aller im Prana.

Was aber der Prana ist, das ist die Prajna, und was die Prajna ist, das ist der Prana; denn beide wohnen vereint im Körper und ziehen vereint aus ihm aus.

Nun wollen wir auseinandersetzen, wie auch alle Wesen mit dieser Prajna (dem Bewußtsein) eine Einheit bilden:

5. Die Rede ist als ein Teil von ihm (dem Bewußtsein) aus ihm herausgezogen (lies Udulham); von dieser ist der Name das nach außen versetzte Wesenselement;

der Odem ist als ein Teil von ihm aus ihm herausgezogen; von diesem ist der Geruch das nach außen versetzte Wesenselement;
das Auge ist als ein Teil von ihm aus ihm herausgezogen; von diesem ist die Gestalt das nach außen versetzte Wesenselement;
das Ohr ist als ein Teil von ihm aus ihm herausgezogen; von diesem ist der Ton das nach außen versetzte Wesenselement;
die Zunge ist als ein Teil von ihm aus ihm herausgezogen; von dieser ist der Nahrungssaft das nach außen versetzte Wesenselement;
die Hände sind als ein Teil von ihm aus ihm herausgezogen; von diesen ist das Werk das nach außen versetzte Wesenselement;
der Leib ist als ein Teil von ihm aus ihm herausgezogen; von diesem ist Lust und Unlust [Erregendes] das nach außen versetzte Wesenselement;
das Zeugungsglied ist als ein Teil von ihm aus ihm herausgezogen; von diesem ist Geschlechtslust, Liebeslust und Zeugungskraft [nämlich das sie Erregende] das nach außen versetzte Wesenselement;
die Füße sind als ein Teil von ihm aus ihm herausgezogen; von diesen sind die Gehbewegungen das nach außen versetzte Wesenselement;
das Manas ist als ein Teil von ihm aus ihm herausgezogen; von diesem sind Gedanken und Begierden [das sie Erregende] das nach außen versetzte Wesenselement.

6. Durch das Bewußtsein (Prajna) die Rede besteigend, gelangt man durch die Rede zu allen Namen[26];

durch das Bewußtsein den Odem besteigend, gelangt man durch den Odem zu allen Gerüchen;
durch das Bewußtsein das Auge besteigend, gelangt man durch das Auge zu allen Gestalten;
durch das Bewußtsein das Ohr besteigend, gelangt man durch das Ohr zu allen Tönen;
durch das Bewußtsein die Zunge besteigend, gelangt man durch die Zunge zu allen Nahrungssäften,
durch das Bewußtsein die Hände besteigend, gelangt man durch die Hände zu allen Werken;
durch das Bewußtsein den Leib besteigend, gelangt man durch den Leib zu Lust und Schmerz [dem sie Erregenden] ;
durch das Bewußtsein das Zeugungsglied besteigend, gelangt man durch das Zeugungsglied zu Geschlechtslust, Liebeslust und Zeugungskraft [dem sie Erregenden];

durch das Bewußtsein die Füße besteigend, gelangt man durch die Füße zu allen Gehbewegungen; durch das Bewußtsein das Manas besteigend, gelangt man durch das Manas zu allen Gedanken [und Begierden erregenden Objekten].

7. Denn nicht vermag, vom Bewußtsein verlassen, die Rede irgendeinen Namen zum Bewußtsein zu bringen; denn man sagt: mein Geist war anderswo, darum bin ich mir jenes Namens nicht bewußt geworden; und nicht vermag, vom Bewußtsein verlassen, der Odem irgendeinen Geruch zum Bewußtsein zu bringen; denn man sagt: mein Geist war anderswo, darum bin ich mir jenes Geruches nicht bewußt geworden; und nicht vermag, vom Bewußtsein verlassen, das Auge irgendeine Gestalt zum Bewußtsein zu bringen; denn man sagt: mein Geist war anderswo, darum bin ich mir jener Gestalt nicht bewußt geworden; und nicht vermag, vom Bewußtsein verlassen, das Ohr irgendeinen Ton zum Bewußtsein zu bringen; denn man sagt: mein Geist war anderswo, darum bin ich mir jenes Tones nicht bewußt geworden; und nicht vermag, vom Bewußtsein verlassen, die Zunge irgendeinen Nahrungssaft zum Bewußtsein zu bringen; denn man sagt: mein Geist war anderswo, darum bin ich mir jenes Nahrungssaftes nicht bewußt geworden; und nicht vermögen, vom Bewußtsein verlassen, die Hände irgendein Werk zum Bewußtsein zu bringen; denn man sagt (nicht Ahatus etc. zu lesen): mein Geist war anderswo, darum bin ich mir jenes Werkes nicht bewußt geworden; und nicht vermag, vom Bewußtsein verlassen, der Leib irgendeine Lust oder Unlust zum Bewußtsein zu bringen; denn man sagt: mein Geist war anderswo, darum bin ich mir jener Lust und Unlust nicht bewußt geworden; und nicht vermag, vom Bewußtsein verlassen, das Zeugungsglied irgendeine Geschlechtslust, Liebeslust und Zeugungskraft zum Bewußtsein zu bringen; denn man sagt: mein Geist war anderswo, darum bin ich mir jener Geschlechtslust, Liebeslust und Zeugungskraft nicht bewußt geworden; und nicht vermögen, vom Bewußtsein verlassen, die Füße irgendwelche Gehbewegungen zum Bewußtsein zu bringen; denn man sagt: mein Geist war anderswo, darum bin ich mir jener Gehbewegungen nicht bewußt geworden; und nicht vermag, vom Bewußtsein verlassen, irgendein Gedanke zustande zu kommen, oder irgendein Erkenntnisobjekt zum Bewußtsein zu kommen.

8. Nicht nach der Rede soll man fragen, sondern den erkennen, der da redet[27], nicht nach dem Geruch soll man fragen, sondern den erkennen, der da riecht, nicht nach der Gestalt soll man fragen, sondern den erkennen, der da sieht, nicht nach dem Ton soll man fragen, sondern den erkennen, der da hört, nicht nach dem Nahrungssaft soll man fragen, sondern den erkennen, der den Nahrungssaft schmeckt, nicht nach dem Werk soll man fragen, sondern den erkennen, der da wirkt, nicht nach Lust und Unlust [Erregendem] soll man fragen, sondern den erkennen, der Lust und Unlust fühlt, nicht nach Geschlechtslust, Liebeslust und Zeugungskraft soll man fragen, sondern den erkennen, der die Geschlechtslust, Liebeslust und Zeugungskraft empfindet, nicht nach den Gehbewegungen soll man fragen, sondern den erkennen, der da geht, nicht nach dem Manas soll man fragen, sondern den erkennen, der da denkt.

Denn alle diese zehn Wesenselemente sind abhängig vom Bewußtsein, und die zehn Bewußtseinselemente sind abhängig von den Wesen; denn wenn die Wesenselemente nicht wären, so würden auch die Bewußtseinselemente nicht sein, und wenn die Bewußtseinselemente nicht wären, so würden auch die Wesenselemente nicht sein, denn nicht kommt durch die einen ohne die anderen irgendeine Erscheinung (Rupam) zustande.

Noch auch ist dieses eine Vielheit: sondern gleichwie der Kranz des Rades an den Speichen befestigt ist und die Speichen an der Nabe befestigt sind, also sind auch jene Wesenselemente an den Bewußtseinselementen befestigt und die Bewußtseinselemente an dem Prana befestigt, denn dieser Prana ist eben das Bewußtsein-Selbst (Prajnatman), ist Wonne, ist nicht alternd, ist unsterblich!

Er wird nicht höher durch gute Werke und wird nicht geringer durch böse Werke, sondern er ist es, der das gute Werk den tun macht, welchen er aus diesen Welten emporführen will, und er ist es, der das böse Werk den tun macht, welchen er abwärts führen will. Er ist der Hüter der Welt, er ist der Gebieter der Welt, er ist der Weltenherr, und dieser ist meine Seele ((Atman), das soll man wissen, - dieser ist meine Seele, das soll man wissen!"

Vierter Adhyaya

Dieser Abschnitt läßt sich als ein erweiterender Nachtrag des vorhergehenden betrachten[28], sofern die Gedanken vom Eingehen der Lebensorgane in den Prana oder Prajnatman im Tiefschlaf und Wiederhervorgehen aus ihm, von seiner Durchdringung des ganzen Leibes und von seiner Oberhoheit über die Lebensorgane, welche dort Indra dem Pratardana mitteilte, hier in Form einer Belehrung erscheinen, welche Ajatasatru, der König von Kasi (Benares), dem Brahmanen Balaki Gargya (d. h. dem Sohne des Balaka aus der Familie Garga) erteilt, nachdem dieser sich erboten hatte, das Brahman zu erklären und dieses in einer Reihe von Definitionen versuchte, welche von dem König als unzulänglich zurückgewiesen wurden; worauf der Brahmane, seines Nichtwissens überführt, den König um Belehrung bittet, die dieser an dem Beispiel eines vom Tiefschlaf Erwachenden entwickelt. — Dieselbe Erzählung findet sich in kürzerer Form und zumeist mit denselben Redewendungen wieder Brih. Up. 2,1, wo Gargya nur zwölf Definitionen aufstellt, welche mit einer Auslassung (Dikshu) und fünf neu hinzukommenden (Stanayitnau, Pratisrutkayam, Svapnaya, Dakshine und Savye Akshini) in Kaush. Up. zu sechzehn werden. Auch in der Reihenfolge und den Gegenerklärungen des Ajatasatru finden sich mehrfache Differenzen zwischen beiden Rezensionen. Dieselben scheinen nicht voneinander, sondern von einer als beiderseitige Quelle dienenden Erzählung abhängig zu sein, welche mündlich umlief und von den Redaktoren der beiden Upanishaden in Anpassung an Anschauung und Darstellungsweise ihrer Schule schriftlich fixiert wurde. Ganz passend als Rahmen für die von Ajatasatru zu erteilende Belehrung ist die Erzählung in keiner von beiden Rezensionen. Denn nach der Erzählung würde man eine Auseinandersetzung über das Verhältnis des Brahman (Prana, Prajnatman) zu den zwölf oder sechzehn Purushas erwarten, während in der folgenden Belehrung diese Frage in Brih. Up. gar nicht berührt, in Kaush. Up. durch die kurze Bemerkung, daß diese Purushas nur Karman (erschaffen) seien, und daß man nach ihrem Kartar (Schöpfer) zu suchen habe, abgefertigt wird, worauf dann Ajatasatru in seiner am Tiefschlafenden exemplifizierten Auseinandersetzung nur das Verhältnis des Brahman (Prana, Prajnatman) zu den Lebensorganen (Prana, Vac, Cakshuh, Shrotram, Manas) erörtert. Die Lehre von dem Eingehen dieser Organe in den Prana im Tiefschlaf und dem Wiederhervorgehen aus ihm beim Erwachen ist beiden Rezensionen gemeinsam. Hieran schließt sich, nur in Kaush. Up., eine Darlegung von der Durchdringung des Leibes durch den Prana, welche schon durch die sarvapti, Kaush. 3,3-4, oben S. 45-46, vorbereitet war, in der Ausführung jedoch mit Brih. Up. 1,4,7 parallel ist. Zum Schluß wird das Verhältnis des Prana zu den Organen, wie Kaush. 3,8 durch den Vergleich mit Radnabe und Speichen, so hier durch den zwischen dem Prinzipal und seinen Leuten, erläutert. Ein Hinweis auf den Wert der hier erteilten Belehrung, durch welche erst auch Indra seine Übermacht über die Dämonen erlangt habe, beschließt den Abschnitt, als dessen Grundgedanken man, so wie er vorliegt, die Superiorität des Prana Brahman über die Kräfte und Erscheinungen der Natur (die Purushas des Gargya) und über die psychischen Organe im Menschen bezeichnen kann.

Lehrer und Schüler

1. Nun war einstmals Gargya Balaki als Veda-Gelehrter berühmt; er wohnte bei den Usinaras, bei den Satvans und Matsyas, bei den Kurus und Pancalas, bei den Kasis und Videhas.

Der kam einmal zu Ajatasatru, dem König von Kasi, und sprach: "Möge ich dir das Brahman lehren!" Zu ihm sprach Ajatasatru: "Tausend Kühe gebe ich dafür; wenn man so spricht, kommen ja die Leute mit dem Rufe: 'Ein Janaka, ein Janaka!( [ein wegen seiner Freigebigkeit sprichwörtlich gewordener König von Videha] gelaufen."

2. [Der Erzähler vergegenwärtigt sich, ehe er fortfährt, die Hauptpunkte des nun folgenden Gespräches:]

in der Sonne - groß
im Mond - Nahrung
im Blitz - Wahrheit
im Donner - Schall
im Wind - Indra Vaikuntha
im Äther - erfüllt
im Feuer - Überwältiger
im Wasser - Glanz,

soviel in bezug auf die Gottheiten. Nun in bezug auf das Selbst:

im Spiegel - Ebenbild
im Schatten - Gefährte
im Echo - Leben
im Ton - Tod
im Traum - Yama
im Leib - Prajapati
im rechten Auge - der Rede [Selbst]
im linken Auge - der Wahrheit [Selbst].
Geist der Sonne - Sonnengebet

3. Balaki sprach: "Der Geist, der in der Sonne ist, den verehre ich." Da sprach Ajatasatru: "Wegen dessen hättest du mich nicht zur Unterredung herausfordern sollen (Samvadayishthas, oder Text B: Samavadayishthas 'dürftest du meine Zustimmung, Samavada, nicht erlangen'), als Großes, als Hellgekleideten, als Obersten, als Haupt aller Wesen verehre ich den."

Wer diesen also verehrt, der wird zum Obersten, zum Haupt aller Wesen.[29]

4. Balaki sprach: "Der Geist, der in dem Mond ist, den verehre ich."

Da sprach Ajatasatru: "Wegen dessen hättest du mich nicht zur Unterredung herausfordern sollen; als König Soma, als Selbst der Nahrung[30] verehre ich den."

Wer diesen also verehrt, der wird zum Selbst der Nahrung.

5. Balaki sprach: "Der Geist, der in dem Blitz ist, den verehre ich."

Da sprach Ajatasatru: "Wegen dessen hättest du mich nicht zur Unterredung herausfordern sollen; als Selbst der Wahrheit [die wie der Blitz das Dunkel des Nichtwissens erhellt] verehre ich den."

Wer diesen also verehrt, der wird zum Selbst der Wahrheit.

6. Balaki sprach: "Der Geist, der in dem Donner ist, den verehre ich."

Da sprach Ajatasatru: "Wegen dessen hättest du mich nicht zur Unterredung herausfordern sollen; als Selbst des Schalles verehre ich den."

Wer diesen also verehrt, der wird zum Selbst des Schalles.

7. Balaki sprach: "Der Geist, der in dem Wind ist, den verehre ich."

Da sprach Ajatasatru: "Wegen dessen hättest du mich nicht zur Unterredung herausfordern sollen; als Indra Vaikuntha, als unbesiegliches Heer verehre ich den."

Wer diesen also verehrt, der wird siegreich, unbesieglich, die Widersacher überwindend.

8. Balaki sprach: "Der Geist, der in dem Äther (Raum) ist, den verehre ich."

Da sprach Ajatasatru: "Wegen dessen hättest du mich nicht zur Unterredung herausfordern sollen; als das erfüllte, unbewegte Brahman verehre ich den."

Wer diesen also verehrt, der wird erfüllt mit Nachkommen, Vieh, Ruhm, Brahmanenwürde und Himmelswelt, und kommt zu vollem Leben.

Geist des Feuers

9. Balaki sprach: "Der Geist, der in dem Feuer ist, den verehre ich." Da sprach Ajatasatru: "Wegen dessen hättest du mich nicht zur Unterredung herausfordern sollen; als Überwältiger verehre ich den."

Wer diesen also verehrt, der wird zu einem Überwältiger unter den anderen.

10. Balaki sprach: "Der Geist, der in dem Wasser ist, den verehre ich."

Geist des Wassers

Da sprach Ajatasatru: "Wegen dessen hättest du mich nicht zur Unterredung herausfordern sollen; als Selbst des Glanzes verehre ich den."

Wer diesen also verehrt, der wird zum Selbst des Glanzes.

Soviel in bezug auf die Gottheiten. - Nun in bezug auf das Selbst.

11. Balaki sprach: "Der Geist, der in dem Spiegel ist, den verehre ich."

Da sprach Ajatasatru: "Wegen dessen hättest du mich nicht zur Unterredung herausfordern sollen; als Ebenbild verehre ich den."

Wer diesen also verehrt, dem wird sein Ebenbild in seiner Nachkommenschaft erstehen, nicht was ihm unähnlich wäre.

12. Balaki sprach: "Der Geist, der in dem Schatten ist, den verehre ich."

Da sprach Ajatasatru: "Wegen dessen hättest du mich nicht zur Unterredung herausfordern sollen; als unzertrennlichen Gefährten verehre ich den."

Wer diesen also verehrt, der findet Gefährten (lies Dvitiyan), denn Gefährten sind ihm beschieden.

13. Balaki sprach: "Der Geist, der in dem Echo ist, den verehre ich."

Da sprach. Ajatasatru: "Wegen dessen hättest du mich nicht zur Unterredung herausfordern sollen; als Leben[31] (Asu) verehre ich den."

Wer diesen also verehrt, der verfällt nicht vor der Zeit der Bewußtlosigkeit.

14. Balaki sprach: "Der Geist, der in dem Tone[32] ist, den verehre ich."

Da sprach Ajatasatru: "Wegen dessen hättest du mich nicht zur Unterredung herausfordern sollen; als Tod verehre ich den."

Wer diesen also verehrt, der scheidet nicht vor der Zeit dahin.

15. Balaki sprach: "Der Geist der, so eingeschlafen, im Traume wandelt, den verehre ich."

Da sprach Ajatasatru: "Wegen dessen hättest du mich nicht zur Unterredung herausfordern sollen; als König Yama[33] verehre ich den."

Wer diesen also verehrt, dem fügt sich (Yamyate) alles hier zum besten.

16. Balaki sprach: "Der Geist, der in dem Leib ist, den verehre ich."

Da sprach Ajatasatru: "Wegen dessen hättest du mich nicht zur Unterredung herausfordern sollen; als Prajapati[34] verehre ich den."

Wer diesen also verehrt, der wird fortgepflanzt (Prajayate) durch Nachkommen, Vieh, Ruhm, Brahmanenwürde und Himmelswelt und kommt zu vollem Leben.

17. Balaki sprach: "Der Geist, der in dem rechten Auge ist, den verehre ich."

Da sprach Ajatasatru: "Wegen dessen hättest du mich nicht zur Unterredung herausfordern sollen; als der Rede Selbst, des Feuers Selbst, des Lichtes Selbst[35] verehre ich den."

Wer diesen also verehrt, der wird zu dieser aller Selbst.

18. Balaki sprach: "Der Geist, der in dem linken Auge ist, den verehre ich."

Da sprach Ajatasatru: "Wegen dessen hättest du mich nicht zur Unterredung herausfordern sollen; als der Wahrheit Selbst, des Blitzes Selbst, des Glanzes Selbst verehre ich den."

Wer diesen also verehrt, der wird zu dieser aller Selbst.

19. Da schwieg Balaki stille. Zu ihm sprach Ajatasatru: "Ist das alles, Balaki?" - "Das ist alles", erwiderte Balaki. Da sprach Ajatasatru zu ihm: "Nun, dann dürftest du mich wohl ohne Grund zur Unterredung herausgefordert haben, als du dich anbotest, mir das Brahman zu erklären! Denn, o Balaki, er, der der Schöpfer aller jener Geister ist, er, dessen Werk diese Welt ist, der fürwahr ist es, den man kennen muß!"

Da nahm Balaki das Brennholz [das Zeichen der Schülerschaft] in die Hand, trat zum König und sprach: "Nimm mich als Schüler an!" Und Ajatasatru sprach zu ihm: "Das geht doch, so meine ich, gegen den Strich, daß ein Kshatriya einen Brahmanen als Schüler annimmt! - Aber komm! ich will dich darüber belehren."

Mit diesen Worten faßte er ihn an der Hand und ging hinaus mit ihm. Da kamen sie zu einem Menschen, der schlief. Und Ajatasatru redete ihn an: "0 Großer! O Hellgekleideter! o König Soma!" Er aber blieb liegen. Da trieb er ihn mit seinem Stock auf, da erst stand er auf.[36] Da sprach Ajatasatru zu ihm [Balaki]: "0 Balaki, wo weilte soeben dieser Mann? Wo hat sich dies begeben? Und woher ist er so gekommen?"

Aber Balaki wußte es nicht. Und Ajatasatru sprach zu ihm: "0 Balaki, wo dieser Mann soeben weilte, wo sich dies begeben hat, woher er so gekommen ist, willst du das wissen (Iti)?

Im Menschen sind Adern, die heißen Hita (die Wohltätigen), welche, vom Herzen ausgehend, sich um den Herzbeutel herumziehen. Diese, so fein wie ein tausendfach gespaltenes Haar, finden sich [erfüllt] von der Feinheit eines braunen, weißen, schwarzen, gelben und roten [Saftes]. In diesen weilt einer dann, wenn er so eingeschlafen ist, daß er kein Traumbild schaut.

20. Dann wird er in diesem Prana zur Einheit; dann geht in ihn

die Rede mit allen Namen ein,
das Auge mit allen Gestalten ein,
das Ohr mit allen Tönen ein,
das Manas mit allen Gedanken ein.

Und wenn einer erwacht, dann geschieht es, gleichwie aus einem flammenden Feuer nach allen Seiten die Funken auseinanderstieben, daß also aus diesem Atman alle Lebenskräfte, je nach ihrem Standort, heraustreten, aus den Lebenskräften [Rede, Auge, Ohr, Manas] die Götter [[[Agni]], Surya, Disah, Candramah], aus den Göttern die Welten [Namen, Gestalten, Töne, Gedanken].

Das ist der Prana, der Prajnatman, welcher in diesen Leib als Selbst eingegangen ist bis zu den Haaren, bis zu den Nägeln. Darum, gleichwie ein Schermesser in der Schermesserscheide geborgen ist oder das Feuer in der Feuerheimstatt [dem Holze], also ist auch dieser Prajnatman in diesen Leib als Selbst eingegangen bis zu den Haaren, bis zu den Nägeln.

Von diesem Selbst sind jene Selbst [der Organe] abhängig wie von einem Prinzipal seine Leute. Denn gleichwie der Prinzipal sich zusammen mit seinen Leuten ernährt und wie die Leute an dem Prinzipal sich ernähren, also ernährt sich dieses Bewußtsein-Selbst (prajnatman) zusammen mit jenen anderen Selbsten, und also ernähren sich jene anderen Selbst an diesem Selbst.

Solange Indra diesen Atman (Selbst) nicht erkannt hatte, so lange waren ihm die Asuras überlegen; aber nachdem er ihn erkannt hatte, schlug er die Asuras und erlangte dadurch, daß er sie besiegte, über alle Götter und alle Wesen die Prinzipalität, Autonomie, Oberherrlichkeit.

Und ebenso auch der solches Wissende schlägt alle Übel ab und erlangt über alle Wesen die Prinzipalität, Autonomie, Oberherrlichkeit, wenn er solches weiß, - wenn er solches weiß!"

Fußnoten

  1. Wie nachher Brahman, so examiniert hier der Mond die aufsteigenden Seelen über ihr Wissen. Wer die Prüfung besteht, geht den Devayana, wer nicht, den Pitriyana. - Meine Auffassung hier und in der entsprechenden Stelle nachher weicht vom Kommentar und allen Übersetzern (Anquetil, Weber, Cowell, M. Müller) ab. Ich darf aber hoffen, daß man mir zustimmen werde.
  2. Vom Mond.
  3. Vom Mond.
  4. Lies Airayadhvam und vielleicht (mit B. C. E.) Ma Asishikta (vgl. z. B. Amumuktam).
  5. Lies Airayadhvam und vielleicht (mit B. C. E.) Ma Asishikta (vgl. z. B. Amumuktam).
  6. Die Seele kommt vom Mond, ist Mond und als solcher Jahr und Jahreszeit, die beide vom Mond abhängen.
  7. Die Seele kommt vom Mond, ist Mond und als solcher Jahr und Jahreszeit, die beide vom Mond abhängen.
  8. Die Seele kommt vom Mond, ist Mond und als solcher Jahr und Jahreszeit, die beide vom Mond abhängen.
  9. Die Seele kommt vom Mond, ist Mond und als solcher Jahr und Jahreszeit, die beide vom Mond abhängen.
  10. Den Devayana und Pitriyana.
  11. Den Devayana und Pitriyana.
  12. Die Seele kommt vom Mond, ist Mond und als solcher Jahr und Jahreszeit, die beide vom Mond abhängen.
  13. Lies Airayadhvam und vielleicht (mit B. C. E.) Ma Asishikta (vgl. z. B. Amumuktam).
  14. Zwischenfrage des Mondes.
  15. Yajus, Saman, Ric sind der Inbegriff des Brahman (des Gebets in der Form des Veda). Der Rishi, indem er ganz in Yajus, Saman, Ric aufgeht, wird zu Brahman. - Brahman ist das Weltall, mit welchem das im Individuum erscheinende Brahman durch die verschiedenen Organe desselben verbunden ist. Dies ist der Sinn der folgenden Prüfung.
  16. Der Mensch vor und nach Erlangung der Erkenntnis entspRicht dem Bettler, der zuerst nicht durch Bitten erlangen konnte, was ihm, nachdem er resigniert hat, ungebeten zuteil wird.
  17. Unter den Anrufungen, die der Hotar und seine Gehilfen zu rezitieren haben. Cowell und M. Müller übersetzen nach Sankarananda: "unter den Waffen" (!).
  18. Susimam Hridayam, wahrscheinlich ist hier und anderweit Susime "schönscheitlige" als Anrede an die Gattin zu lesen (vgl. Asval. grihyas. 1, 13, 7).
  19. Der Beter schaut nach Westen und wendet sich sodann rechts herum, wie die Sonne in der Nacht, nach Osten, der Himmelsgegend des Indra, hin. Die in der Nacht von Westen nach Osten zurückkehrende Sonne scheint hier ein Symbol des in den Nachkommen sich wieder erneuernden Lebens des Vaters zu sein.
  20. Dem Mond, wie §9, oben S. 35.
  21. Besser mit dem Komm. "in den Wind", in welchem auch Ait. Br. 8,28 der Übergang der Erscheinungen ineinander sein Ende erreicht.
  22. Irgendein Abschreiber, der die Worte Satyan Na Iyaya verstand als "er erfüllte sein Versprechen", scheint p. 75,1, die beiden Namen vertauscht zu haben, was dann weiter die Korrektur von Ma' iti in Maiti zur Folge hatte. - Will man hingegen am überlieferten Text festhalten, so muß man avara beide Male in ganz verschiedenem Sinne nehmen und übersetzen: "Aber Indra sprach: 'Der Höhere wählt doch nicht für den Niedern (Avarasmai)! Wähle nur du selbst!' - 'Dann wird mir also kein Geschenk (Avaro) zuteil, so sprach Pratardana. - Aber Indra ging nicht ab von der Wahrheit (von dem Halten seines Versprechens); denn die Wahrheit ist Indra."
  23. Irgendein Abschreiber, der die Worte Satyan Na Iyaya verstand als "er erfüllte sein Versprechen", scheint p. 75,1, die beiden Namen vertauscht zu haben, was dann weiter die Korrektur von Ma' iti in Maiti zur Folge hatte. - Will man hingegen am überlieferten Text festhalten, so muß man avara beide Male in ganz verschiedenem Sinne nehmen und übersetzen: "Aber Indra sprach: 'Der Höhere wählt doch nicht für den Niedern (Avarasmai)! Wähle nur du selbst!' - 'Dann wird mir also kein Geschenk (Avaro) zuteil, so sprach Pratardana. - Aber Indra ging nicht ab von der Wahrheit (von dem Halten seines Versprechens); denn die Wahrheit ist Indra."
  24. Wer die Erkenntnis des Atman und seiner Einheit mit ihm erlangt und dadurch der Illusion der individuellen Existenz enthoben ist, dessen gute und böse Werke werden zunichte; sie sind nicht mehr seine Werke, eben weil er nicht mehr Individuum ist. (In der Sprechweise des Christentums: wer den Glauben hat, dem werden seine Sünden vergeben.) - Wie wahr, und doch wie gefährlich, wenn sie nur halb verstanden wird, ist diese Lehre!
  25. Der Hauptzweck dieser Betrachtung über Tiefschlaf und Ohnmacht ist der, die Identität des Prana (des Lebenshauches) und der Prajna (des Bewußtseins) zu beweisen. In Tiefschlaf und Ohnmacht besteht der Prana fort, während die Prajna erloschen zu sein scheint. In Wahrheit aber ist sie nicht erloschen, sondern nur mit dem Prana eins geworden, aus dem sie beim Erwachen wieder hervorgeht. Somit ist die Prajna nur vorübergehend, im Wachen, vom Prana verschieden, und bildet im übrigen mit diesem eine Einheit. - Mit der Prajna tauchen aber auch die Sinnesorgane, mit diesen die Sinnesobjekte im Tiefschlaf in den Prana ein; somit gehen auch sie im Prana zur Einheit zusammen, wie das nun Folgende näher ausführt.
  26. Der Kommentator Sankarananda bemerkt hierzu: "Der Sinn ist folgender: Nicht ist ohne Bewußtsein (Prajna) das betreffende Organ (Indriyam), und nicht ist ohne das betreffende Organ des betreffenden Objektes (Vishaya) Erlangung. Folglich, da, wenn etwas ohne ein anderes nicht existiert oder doch nicht perzipiert wird, es mit ihm wesenseins ist, - wie das Gewebe, weil es ohne die Fäden nicht perzipiert wird, wesenseins mit den Fäden ist, - oder wie das Silber, weil es ohne den Perlmutterglanz nicht perzipiert wird, wesenseins mit dem Perlmutterglanz ist, - so ist auch das Objekt, da es ohne das betreffende Organ nicht existiert, d. h. nicht perzipiert wird, wesenseins mit dem betreffenden Organ, und das betreffende Organ, da es ohne das Bewußtsein nicht perzipiert wird, wesenseins mit dem Bewußtsein."
  27. In summa: Nicht nach der empirischen Erkenntnis der Vielheit (nach Avidya), sondern nach der metaphysischen Erkenntnis der Einheit (Vidya) soll man trachten.
  28. Die Meinung des Scholiasten, daß hier eine Steigerung von dem esoterischen Prana zu dem esoterischen Caitanya beabsichtigt sei (Pranat Sushuptavasthad Apagatacaitanyat Param Cetanam Ananda Atmanam Vivakshur), hat in dem Text der Upanishad keinen Halt.
  29. Diese Worte gehören, wie die Stellung des Iti beweist, nicht dem König, wie Cowell und M. Müller annehmen, sondern dem Erzähler.
  30. Die Worte "als König Soma" wurden aus Text B aufgenommen, da sie, wegen ihrer Wiederkehr in § 19, nicht entbehrt werden können. - Der Mond ist annasya atma, Selbst der Nahrung, sofern er, vermöge sei¬nes Zunehmens durch Aufzehren von Seelen und seines Abnehmens durch Aufgezehrtwerden infolge ihres Herabsteigens, der Prototyp dessen, was ißt und gegessen wird, ist.
  31. Das (bewußte) Leben besteht darin, daß die Eindrücke der Dinge in uns, wie die Töne im Echo, einen Widerhall finden.
  32. Der Ton, Sabdan, könnte hier die Nachrede sein, Yah Sabdah Purusham Anveti, wie Text B, freilich in verändertem Zusammenhang, hat.
  33. Wie der Tiefschlaf ein Weilen bei Brahman ist, so scheint der Traumschlaf hier als ein vorübergehendes Weilen bei Yama, dem Todesgott, aufgefaßt zu werden. Im Gegensatz zum Tiefschlaf heißen Brih. Up. 4,3,7 die Erscheinungen des Wachens und des Traumes Mrityo Rupani "Gestalten des Todes".
  34. Prajapati als Prinzip der Leiblichkeit. Vgl, Vaj. Samh. 31,19 (cf. Athar vav. 10,8,13): "Prajapati wirkt im Mutterleib, "Der Ungeborene vielfach wird geboren."
  35. Das Auge als Symbol des physischen wie des geistigen Lichtes ist verständlich; ebenso, daß dem rechten Auge das Ursprünglichere (Rede, Feuer, Licht), dem linken das davon Abgeleitete (Wahrheit, Blitz, Glanz) zugeteilt wird.
  36. Der Tiefschlafende ist bei Brahman. Wäre nun einer der von Balaki genannten Geister das Brahman, so würde, mit deren Namen angerufen, der Schlafende erwachen. Aber er schläft weiter und erwacht erst, nachdem das gewöhnliche Mittel angewandt wurde, ihn mit dem Stock aufzutreiben.

Vollständiger Text in Devanagari

Shanti-Mantra
ॐ वाङ्मे मनसि प्रतिष्ठिता ।
मनो मे वाचि प्रतिष्ठितम् ।
आविरावीर्म एधि ।
वेदस्य म आणीस्थः ।
श्रुतं मे मा प्रहासीः ।
अनेनाधीतेनाहोरात्रान्सन्दधामि ।
ऋतं वदिष्यामि ।
सत्यं वदिष्यामि ।
तन्मामवतु ।
तद्वक्तारमवतु ।
अवतु मामवतु वक्तारमवतु वक्तारम् ॥

Friedensruf
ॐ शान्तिः शान्तिः शान्तिः ॥

१.१
चित्रो ह वै गार्ग्यायणिर् यक्ष्यमाण आरुणिं वव्रे ।
स ह पुत्रं श्वेतकेतुं प्रजिघाय याजयेति ।
तं हासीनं पप्रच्छ ।
गौतमस्य पुत्रास्ति संवृतं लोके यस्मिन् मा धास्यस्य् अन्यतमो वाध्वा तस्य ।
मालोके धास्यसीति ।
स होवाच नाहम् एतद् वेद ।
हन्ताचार्यं पृच्छानीति ।
स ह पितरम् आसाद्य पप्रच्छेतीति माप्राक्षीत् कथं प्रतिब्रवाणीति ।
स होवाचाहम् अप्य् एतन् न वेद ।
सदस्य् एव वयं स्वाध्यायम् अधीत्य हरामहे यन् नः परे ददति ।
एह्य् उभौ गमिष्याव इति ।
स ह समित्पाणिश् चित्रं गार्ग्यायणिं प्रतिचक्रम ।
उपायानीति तं होवाच ।
ब्रह्मार्घो ऽसि गौतम यो न मानम् उपागाः ।
एहि व्य् एव त्वा ज्ञपयिष्यामीति ॥१॥

१.२a – Der Mond als Tor
स होवाच ये वै के चास्माल् लोकात् प्रयन्ति चन्द्रमसम् एव ते सर्वे गच्छन्ति ।
तेषां प्राणैः पूर्वपक्ष आप्यायते ।
तान् अपरपक्षेण प्रजनयति ।
एतद् वै स्वर्गस्य लोकस्य द्वारं यच् चन्द्रमाः ।
तं यः प्रत्याह तम् अतिसृजते ।
अथ य एनम् न प्रत्याह तम् इह वृष्टिर् भूत्वा वर्षति ।
स इह कीटो वा पतङ्गो वा मत्स्यो वा शकुनिर् वा सिंहो वा वराहो वा परस्वान् वा शार्दूलो वा पुरुषो वान्यो वा तेषु तेषु स्थानेषु प्रत्याजायते यथाकर्म यथाविद्यम् ।
तम् आगतं पृच्छति कोऽसीति ।
तं प्रतिब्रूयाद् ।

१.२b – Antwort des Ankommenden
विचक्षणाद् ऋतवो रेत आभृतम्
पञ्चदशात् प्रसूतात् पित्र्यावतस् ।
तन् मा पुंसि कर्तर्य् एरयध्वं
पुंसा कर्त्रा मातरि मासिषिक्त ॥
स उपजाय उपजायमानो
द्वादशेन त्रयोदशोपमासः ।
द्वादशत्रयोदशेन पित्रा
सं तद् विदे ऽहं प्रति तद् विदे ऽहं
तन् म ऋतवो ऽमृत्यव आभरध्वम् ॥
तेन सत्येन तेन तपसा ऋतुर्
अस्म्य् आर्तवो ऽस्मि को ऽस्मि त्वम् अस्मि ।

१.२c – Durchgang
इति तम् अतिसृजते ॥२॥

१.३
स एतं देवयानं पन्थानम् आपद्याग्निलोकम् आगच्छति ।
स वायुलोकम् ।
स आदित्यलोकम् ।
स वरुणलोकम् ।
स इन्द्रलोकम् ।
स प्रजापतिलोकम् ।
स ब्रह्मलोकम् ।
तस्य ह वा एतस्य लोकस्यारो ह्रदः ।
मुहूर्ता यष्टिहाः ।
विजरा नदी ।
इल्यो वृक्षः ।
सालज्यं संस्थानम् ।
अपराजितम् आयतनम् ।
इन्द्रप्रजापती द्वारगोपौ ।
विभु प्रमितम् ।
विचक्षणासन्दी ।
अमितौजाः पर्यङ्कः ।
प्रिया च मानसी ।
प्रतिरूपा च चाक्षुषी ।
पुष्पाण्य् आदायावयतो वै च जगानि ।
अम्बाश्चाम्बायवीश्चाप्सरसः ।
आम्बया नद्यः ॥३॥

१.४
स आगच्छत्य् आरं ह्रदम् ।
तं मनसात्येति ।
तम् ऋत्वासम्प्रतिविदो मज्जन्ति ।
स आगच्छति मुहूर्तान् यष्टिहान् ।
तेऽस्माद् अपद्रवन्ति ।
स आगच्छति विजरां नदीम् ।
तां मनसैवात्येति ।
तत् सुकृतदुष्कृते धुनुते ।
तस्य प्रिया ज्ञातयः सुकृतम् उपयन्ति ।
अप्रिया दुष्कृतम् ।
तद् यथा रथेन धावयन् रथचक्रे पर्यवेक्षेतैवम् अहोरात्रे पर्यवेक्षत एवं सुकृतदुष्कृते सर्वाणि च द्वन्द्वानि ।
स एष विसुकृतो विदुष्कृतो ब्रह्म विद्वान् ब्रह्मैवाभिप्रैति ।
तम् इत्थंविद् आगच्छति ।
तं ब्रह्माह अभिधावत मम यशसा ।
विजरां वा अयं नदीं प्रापत् ।
न वा अयं जरयिष्यतीति ।
तं पञ्चशतान्य् अप्सरसां प्रतियन्ति शतं माल्यहस्ताः शतम् आञ्जनहस्ताः शतं चूर्णहस्ताः शतं वासोहस्ताः शतं फलहस्ताः ।
तं ब्रह्मालङ्कारेणालङ्कुर्वन्ति ।
स ब्रह्मालङ्कारेणालङ्कृतो विद्वान् ब्रह्माभिप्रैति ॥४॥

१.५
स आगच्छतील्यं वृक्षम् ।
तं ब्रह्मगन्धः प्रविशति ।
स आगच्छति सालज्यं संस्थानम् ।
तं ब्रह्मरसः प्रविशति ।
स आगच्छत्य् अपराजितम् आयतनम् ।
तं ब्रह्मतेजः प्रविशति ।
स आगच्छतीन्द्रप्रजापती द्वारगोपौ ।
ताव् अस्माद् अपद्रवतः ।
स आगच्छति विभु प्रमितम् ।
तं ब्रह्मयशः प्रविशति ।
सा आगच्छति विचक्षणाम् आसन्दीम् ।
बृहद्रथन्तरे सामनी पूर्वौ पादौ ।
श्यैतनौधसे चापरौ पादौ ।
वैरूपवैराजे अनूच्ये ।
शाक्वररैवते तिरश्ची ।
सा प्रज्ञा ।
प्रज्ञया हि विपश्यति ।
स आगच्छत्य् अमितौजसं पर्यङ्कम् ।
स प्राणः ।
तस्य भूतञ् च भविष्यच् च पूर्वौ पादौ ।
श्रीश् चेरा चापरौ ।
बृहद्रथन्तरे अनूच्ये । भद्रयज्ञायज्ञीये शीर्षण्ये ।
ऋचश् च सामानि च प्राचीनातानानि ।
यजूंषि तिरश्चीनानि ।
सोमांशव उपस्तरणम् ।
उद्गीथो ऽपश्रयः ।
श्रीर् उपबर्हणम् ।
तस्मिन् ब्रह्मास्ते ।
तम् इत्थंवित् पादेनैवाग्र आरोहति ।
तं ब्रह्माह को ऽसीति ।
तं प्रतिब्रूयात् ॥५॥

१.६
ऋतुर् अस्मि ।
आर्तवो ऽस्मि ।
आकाशाद् योनेः सम्भूतो भायै रेतः ।
संवत्सरस्य तेजो भूतस्य भूतस्यात्मा ।
भूतस्य भूतस्य त्वम् आत्मासि ।
यस् त्वम् असि सो ऽहम् अस्मीति ।
तम् आह को ऽहम् अस्मीति ।
सत्यम् इति ब्रूयात् ।
किं तद् यत् सत्यम् इति ।
यद् अन्यद् देवेभ्यश् च प्राणेभ्यश् च तत् सत् ।
अथ यद् देवाश् च प्राणाश् च तत् त्यं ।
तद् एकया वाचाभिव्याह्रियते सत्त्यम् इति ।
एतावद् इदं सर्वम् ।
इदं सर्वम् असि ।
इत्य् एवैनं तद् आह ।
तद् एतद् ऋक्श्लोकेनाभ्युक्तम् ॥६॥

१.७a – Die Gestalt aus Veda
यजूदरः सामशिरा असाव् ऋङ्मूर्तिर् अव्ययः ।
स ब्रह्मेति स विज्ञेय ऋषिर् ब्रह्ममयो महान् ॥ इति

१.७b – Sinne und Erkenntnis
तम् आह ।
केन मे पौंस्नानि नामान्य् आप्नोषीति ।
प्राणेनेति ब्रूयात् ।
केन नपुंसकानीति ।
मनसेति ।
केन स्त्रीनामानीति ।
वाचेति ।
केन गन्धान् इति ।
घ्राणेनेति ।
केन रूपाणीति ।
चक्षुषेति ।
केन शब्दान् इति ।
श्रोत्रेणेति ।
केनान्नरसान् इति ।
जिह्वयेति ।
केन कर्माणीति ।
हस्ताभ्याम् इति ।
केन सुखदुःखे इति ।
शरीरेणेति ।
केनानन्दं रतिं प्रजातिम् इत्य् ।
उपस्थेनेति ।
केनेत्या इति ।
पादाभ्याम् इति ।
केन धियो विज्ञातव्यं कामान् इति ।
प्रज्ञयैवेति ब्रूयात् ।
तम् आह आपो वै खलु मे लोकम् ।
अयं ते ऽसाव् इति ।
सा या ब्रह्मणो जितिर् या व्यष्टिस् तां जितिं जयति तां व्यष्टिं व्यश्नुते य एवं वेद य एवं वेद ॥७॥

Abschluss des ersten Adhyaya
इति ऋग्वेदान्तर्गतकौषीतकिब्राह्मणारण्यकोपनिषदि प्रथमोऽध्यायः ॥

२.१
प्राणो ब्रह्मेति ह स्माह कौषीतकिः ।
तस्य ह वा एतस्य प्राणस्य ब्रह्मणो मनो दूतम् ।
चक्षुर् गोप्तृ ।
श्रोत्रं संश्रावयितृ ।
वाक् परिवेष्ट्री स यो ह वा एतस्य प्राणस्य ब्रह्मणो मनो दूतम् वेद दूतवान् भवति ।
यश् चक्षुर् गोप्तृ गोप्तृमान् भवति ।
यः श्रोत्रं संश्रावयितृ संश्रावयितृमान् भवति ।
यो वाचं परिवेष्ट्रीम् परिवेष्ट्रीमान् भवति तस्मै वा एतस्मै प्राणाय ब्रह्मण एताः सर्वा देवता अयाचमानाय बलिं हरन्ति ।
एवं हैवास्मै सर्वाणि भूतान्य् अयाचमानायैव बलिं हरन्ति य एवं वेद ।
तस्योपनिषन् न याचेद् इति ।
तद् यथा ग्रामं भिक्षित्वा ऽलब्ध्वोपविशेन् नाहम् अतो दत्तम् अश्नीयाम् इति ।
य एवैनं पुरस्तात् प्रत्याचक्षीरंस्त एवैनम् उपमन्त्रयन्ते ददाम त इति ।
एष धर्मो ऽयाचतो भवति ।
अन्नदास् त्व् एवैनम् उपमन्त्रयन्ते ददाम त इति ॥१॥

२.२
प्राणो ब्रह्मेति ह स्माह पैङ्ग्यः ।
तस्य वा एतस्य ब्रह्मणो वाक्परस्ताच् चक्षुर् आरुन्द्धे ।
चक्षुःपरस्ताच् छ्रोत्रम् आरुन्द्धे ।
श्रोत्रपरस्तान् मन आरुन्द्धे ।
मनःपरस्तात् प्राण आरुन्द्धे ।
तस्मै वा एतस्मै प्राणाय ब्रह्मण एताः सर्वा देवता अयाचमानायैव बलिं हरन्ति ।
एवं हैवास्मै सर्वाणि भूतान्य् अयाचमानायैव बलिं हरन्ति य एवं वेद ।
तस्योपनिषन् न याचेद् इति ।
तद् यथा ग्रामं भिक्षित्वा ऽलब्ध्वोपविशेन् नाहम् अतो दत्तम् अश्नीयाम् इति ।
य एवैनं पुरस्तात् प्रत्याचक्षीरंस्त एवैनम् उपमन्त्रयन्ते ददाम त इति ।
एष धर्मो ऽयाचतो भवति ।
अन्नदास् त्व् एवैनम् उपमन्त्रयन्ते ददाम त इति ॥२॥

२.३a – Erlangen eines bestimmten Gutes
अथात एकधनावरोधनम् ।
यद् एकधनम् अभिध्यायात् पौर्णमास्यां वामावास्यां वा शुद्धपक्षे वा पुण्ये नक्षत्रे ऽग्निम् उपसमाधाय परिसमूह्य परिस्तीर्य पर्युक्ष्य उत्पूय दक्षिणं जान्व् आच्य स्रुवेण वा चमसेन वा कंसेन वैता आज्याहुतीर् जुहोति ।

२.३b – Die sechs Opferformeln
वाङ् नाम देवतावरोधनी सा मे ऽमुष्माद् इदम् अवरुन्ध्यात् तस्यै स्वाहा ।
प्राणो नाम देवतावरोधनी सा मे ऽमुष्माद् इदम् अवरुन्ध्यात् तस्यै स्वाहा ।
चक्षुर् नाम देवतावरोधनी सा मे ऽमुष्माद् इदम् अवरुन्ध्यात् तस्यै स्वाहा ।
श्रोत्रं नाम देवतावरोधनी सा मे ऽमुष्माद् इदम् अवरुन्ध्यात् तस्यै स्वाहा ।
मनो नाम देवतावरोधनी सा मे ऽमुष्माद् इदम् अवरुन्ध्यात् तस्यै स्वाहा ।
प्रज्ञा नाम देवतावरोधनी सा मे ऽमुष्माद् इदम् अवरुन्ध्यात् तस्यै स्वाहा ।

२.३c – Abschluss der Handlung
इत्य् अथ धूमगन्धं प्रजिघ्रायाज्यलेपेनाङ्गान्य् अनुविमृज्य वाचंयमो ऽभिप्रव्रज्यार्थं ब्रूयाद् दूतं वा प्रहिणुयात् ।
लभते हैव ॥३॥

२.४
अथातो दैवः स्मरः ।
यस्य प्रियो बुभूषेद् यस्यै वा येषां वा यासां वैतेषाम् एवैकस्मिन् पर्वण्य् अग्निम् उपसमाधायैतयैवावृतैता आज्याहुतीर् जुहोति ।
वाचम् ते मयि जुहोम्य् असौ स्वाहा ।
प्राणं ते मयि जुहोम्य् असौ स्वाहा ।
चक्षुस् ते मयि जुहोम्य् असौ स्वाहा ।
श्रोत्रं ते मयि जुहोम्य् असौ स्वाहा ।
मनस् ते मयि जुहोम्य् असौ स्वाहा ।
प्रज्ञां ते मयि जुहोम्य् असौ स्वाहा ।
इत्यथ धूमगन्धं प्रजिघ्रायाज्यलेपेनाङ्गान्य् अनुविमृज्य वाचंयमो ऽभिप्रव्रज्य संस्पर्शं जिगमिषेत् ।
अपि वाताद् वा तिष्ठेत् सम्भाषमाणः ।
प्रियो हैव भवति स्मरन्ति हैवास्य ॥४॥

२.५
अथातः संयमनं प्रातर्दनम् आन्तरम् अग्निहोत्रम् इति चाचक्षते ।
यावद् वै पुरुषो भाषते न तावत् प्राणितुं शक्नोति ।
प्राणं तदा वाचि जुहोति ।
यावद् वै पुरुषः प्राणिति न तावद् भाषितुं शक्नोति ।
वाचं तदा प्राणे जुहोति ।
एते अनन्ते अमृते आहुती जाग्रच् च स्वपंश् च सन्ततं अव्यवच्छिन्नं जुहोति ।
अथ या अन्या आहुतयो ऽन्तवत्यस् ताः कर्ममय्यो हि भवन्ति ।
एतद् ध वै पूर्वे विद्वांसो ऽग्निहोत्रं न जुहवाञ् चक्रुः ॥५॥

२.६
उक्थं ब्रह्मेति ह स्माह शुष्कभृङ्गारः ।
तद् ऋग् इत्य् उपासीत ।
सर्वाणि हास्मै भूतानि श्रैष्ठ्यायाभ्यर्चन्ते ।
तद् यजुर् इत्य् उपासीत ।
सर्वाणि हास्मै भूतानि श्रैष्ठ्याय युज्यन्ते ।
तत् सामेत्य् उपासीत ।
सर्वाणि हास्मै भूतानि श्रैष्ठ्याय सन्नमन्ते ।
तच् छ्रीर् इत्य् उपासीत ।
तद् यश इत्य् उपासीत ।
तत् तेज इत्य् उपासीत ।
तद् यथैतच् छस्त्राणां श्रीमत्तमं यशस्वितमं तेजस्वितमं भवति तथो एवैवं विद्वान् सर्वेषां भूतानां श्रीमत्तमो यशस्वितमस् तेजस्वितमो भवति ।
तद् एतद् ऐष्टिकं कर्ममयम् आत्मानम् अध्वर्युः संस्करोति ।
तस्मिन् यजुर्मयं प्रवयति ।
यजुर्मय ऋङ्मयं होता ।
ऋङ्मये साममयम् उद्गाता ।
स एष त्रय्यै विद्याया आत्मा ।
एष उ एवैतद् इन्द्रस्यात्मा भवति य एवं वेद ॥६॥

२.७
अथातः सर्वजितः कौषीतकेस् त्रीण्य् उपासनानि भवन्ति ।
सर्वजिद् ध स्म कौषीतकिर् उद्यन्तम् आदित्यम् उपतिष्ठते यज्ञोपवीतं कृत्वोदकम् आनीय त्रिः प्रसिच्योदपात्रं ।
वर्गो ऽसि पाप्मानं मे वृङ्धीति ।
एतयैवावृता मध्ये सन्तम् उद्वर्गो ऽसि पाप्मानं म उद्वृङ्धीति ।
एतयैवावृतास्तं यन्तं संवर्गो ऽसि पाप्मानं मे संवृङ्धीति ।
तद् यद् अहोरात्राभ्यां पापम् अकरोत् सं स्म तद् वृङ्क्ते ।
तथो एवैवं विद्वान् एतयैवावृतादित्यम् उपतिष्ठेत ।
यद् अहोरात्राभ्यां पापं करोति सं तद् वृङ्क्ते ॥७॥

२.८a – Verehrung bei Neumond
अथ मासि मास्य् अमावास्यायां पश्चाच् चन्द्रमसं दृश्यमानम् उपतिष्ठेतैतयैवावृता हरिततृणे वा प्रत्यस्यति ।

२.८a – Die Bitte für die Kinder
यन् मे सुसमिद् हृदयम् अधि चन्द्रमसि श्रितं ।
मन्ये ऽहं मां तद् विद्वांसं माहं पुत्र्यम् अघं रुदम् ॥

२.८a – Verheißung
इति न ह्य् अस्मात् पूर्वा प्रजाः प्रैतीति ॥८अ॥

२.८b – Die Gattin
अथ संवेक्ष्यञ् जायायै हृदयम् अभिमृशेत् ।

२.८b – Bitte für die Mutter
यत् ते सुशीमे हृदयं श्रितम् अन्तः प्रजापतौ ।
तेनामृतत्वस्येशाने मा त्वं पुत्र्यम् अघं निगाः ॥

२.८b – Verheißung
इति न ह्य् अस्याः पूर्वा प्रजाः प्रैतीति ॥८ब्॥

२.८c_(८)
इति नु जातपुत्रस्य ॥
अथाजातपुत्रस्य ।
आ प्यायस्व सम् एतु ते ।
सं ते पयांसि सम् उ यन्तु वाजाः ।
यम् आदित्या अंशुम् आप्याययन्ति ।
इति ।
एतास् तिस्र ऋचो जपित्वा मास्माकं प्राणेन प्रजया पशुभिर् आप्यायिष्ठाः ।
यो ऽस्मान् द्वेष्टि यं च वयं द्विष्मस् तस्य प्राणेन प्रजया पशुभिर् आप्यायस्वेति ।
ऐन्द्रीम् आवृतम् आवर्ते ।
आदित्यस्यावृतम् अन्वावर्ते ।
इति दक्षिणं बाहुम् अन्वावर्तते ॥८च्॥

२.९
अथ पौर्णमास्यां पुरस्ताच् चन्द्रमसं दृश्यमानम् उपतिष्ठेतैतयैवावृता ।
सोमो राजासि विचक्षणः ।
पञ्चमुखो ऽसि प्रजापतिः ।
ब्राह्मणस् त एकं मुखं तेन मुखेन राज्ञो ऽत्सि ।
तेन मुखेन माम् अन्नादं कुरु ।
राजा त एकं मुखं तेन मुखेन विशो ऽत्सि ।
तेन मुखेन माम् अन्नादं कुरु ।
श्येनस् त एकं मुखं तेन मुखेन पक्षिणो ऽत्सि ।
तेन मुखेन माम् अन्नादं कुरु ।
अग्निष् ट एकं मुखं तेन मुखेनेमं लोकम् अत्सि ।
तेन मुखेन माम् अन्नादं कुरु ।
त्वयि पञ्चमं मुखं तेन मुखेन सर्वाणि भूतान्य् अत्सि ।
तेन मुखेन माम् अन्नादं कुरु ।
मास्माकं प्राणेन प्रजया पशुभिर् अपक्षेष्ठाः ।
यो ऽस्मान् द्वेष्टि यं च वयं द्विष्मस् तस्य प्राणेन प्रजया पशुभिर् अपक्षीयस्व ।
इति दैवीम् आवृतम् आवर्ते ।
आदित्यस्यावृतम् अन्वावर्ते ।
इति दक्षिणं बाहुम् अन्वावर्तते ॥९॥

२.१०a – Heimkehr zum Sohn
अथ प्रोष्यायन् पुत्रस्य मूर्धानम् अभिजिघ्रेत् ।

२.१०b – Segen des Lebens
अङ्गाद् अङ्गात् सम्भवसि हृदयाद् अधिजायसे ।
आत्मा त्वं पुत्र माविथ स जीव शरदः शतम् ॥

२.१०c – Nennung des Namens
असौ ।
इति नामास्य गृह्णाति ।

२.१०d – Segen der Festigkeit
अश्मा भव परशुर् भव हिरण्यम् अस्तृतं भव ।
तेजो वै पुत्र नामासि स जीव शरदः शतम् ॥

२.१०e – Umarmung
असौ ।
इति नामास्य गृह्णाति ।
अथैनं परिगृह्णाति ।

२.१०f – Schutzsegen
येन प्रजापतिः प्रजाः पर्यगृह्णात् तदरिष्ट्यै ।
तेन त्वा परिगृह्णामि ॥

२.१०g – Die Anrufungen Indras
असौ ।
इति नामास्य गृह्णाति ।
अथास्य दक्षिणे कर्णे जपति ।
अस्मै प्रयन्धि मघवन्न् ऋजीषिन् ।
इति ।
इन्द्र श्रेष्ठानि द्रविणानि धेहि ।
इति सव्ये ।

२.१०h – Abschließender Lebenssegen
मा छित्था मा व्यथिष्ठाः शतं शरद आयुषः ।
जीवस्व पुत्र ते नाम्ना मूर्धानम् अभिजिघ्रामि ॥

२.१०i – Der Ruf der Kühe
असौ ।
इति त्रिर् मूर्धानम् अभिजिघ्रेत् ।
गवाम् त्वा हिङ्कारेणाभिहिङ्करोमीति त्रिर् मूर्धानम् अभिहिङ्कुर्यात् ॥१०॥

२.११
अथातो दैवः परिमरः ।
एतद् वै ब्रह्म दीप्यते यद् अग्निर् ज्वलत्य् अथैतन् म्रियते यन् न ज्वलति ।
तस्यादित्यम् एव तेजो गच्छति वायुं प्राणः ।
एतद् वै ब्रह्म दीप्यते यद् आदित्यो दृश्यते ऽथैतन् म्रियते यन् न दृश्यते ।
तस्य चन्द्रमसम् एव तेजो गच्छति वायुं प्राणः ।
एतद् वै ब्रह्म दीप्यते यच् चन्द्रमा दृश्यते ऽथैतन् म्रियते यन् न दृश्यते ।
तस्य विद्युतम् एव तेजो गच्छति वायुं प्राणः ।
एतद् वै ब्रह्म दीप्यते यद् विद्युद् विद्योतते ऽथैतन् म्रियते यन् न विद्योतते ।
तस्य वायुम् एव तेजो गच्छति वायुं प्राणः ।
ता वा एताः सर्वा देवता वायुम् एव प्रविश्य वायौ मृत्वा न मूर्छन्ते ।
तस्माद् एव पुनर् उदीरते ।
इत्य् अधिदैवतम् ॥
अथाध्यात्मम् ॥११॥

२.१२
एतद् वै ब्रह्म दीप्यते यद् वाचा वदत्य् अथैतन् म्रियते यन् न वदति ।
तस्य चक्षुर् एव तेजो गच्छति प्राणं प्राणः ।
एतद् वै ब्रह्म दीप्यते यच् चक्षुषा पश्यत्य् अथैतन् म्रियते यन् न पश्यति ।
तस्य श्रोत्रम् एव तेजो गच्छति प्राणं प्राणः ।
एतद् वै ब्रह्म दीप्यते यच् छ्रोत्रेण शृणोत्य् अथैतन् म्रियते यन् न शृणोति ।
तस्य मन एव तेजो गच्छति प्राणं प्राणः ।
एतद् वै ब्रह्म दीप्यते यन् मनसा ध्यायत्य् अथैतन् म्रियते यन् न ध्यायति ।
तस्य प्राणम् एव तेजो गच्छति प्राणं प्राणः ।
ता वा एताः सर्वा देवताः प्राणम् एव प्रविश्य प्राणे मृत्वा न मूर्छन्ते ।
तस्माद् एव पुनर् उदीरते ।
तद् यदि ह वा एवं विद्वांसम् उभौ पर्वताव् अभिप्रवर्तेयातां दक्षिणश् चोत्तरश् च तुस्तूर्षमानौ न हैनं स्तृण्वीयाताम् ।
अथ य एनं द्विषन्ति यांश् च स्वयं द्वेष्टि त एवैनं परिम्रियन्ते ॥१२॥

२.१३
अथातो निःश्रेयसादानम् ।
एता ह वै देवता अहंश्रेयसे विवदमाना अस्माच् छरीराद् उच्चक्रमुः ।
तद् धाप्राणत् शुष्कं दारुभूतं शिष्ये ।
अथैनद् वाक् प्रविवेश ।
तद् वाचा वदच् छिष्य एव ।
अथैनच् चक्षुः प्रविवेश ।
तद् वाचा वदच् चक्षुषा पश्यच् छिष्य एव ।
अथैनच् छ्रोत्रं प्रविवेश ।
तद् वाचा वदच् चक्षुषा पश्यच् छ्रोत्रेण शृण्वच् छिष्य एव ।
अथैनन् मनः प्रविवेश ।
तद् वाचा वदच् चक्षुषा पश्यच् छ्रोत्रेण शृण्वन् मनसा ध्यायच् छिष्य एव ।
अथैनत् प्राणः प्रविवेश ।
तत् तत एव समुत्तस्थौ ।
ता वा एताः सर्वा देवताः प्राणे निःश्रेयसं विदित्वा प्राणम् एव प्रज्ञात्मानम् अभिसम्भूय सहैवैते सर्वे ऽस्माच् छरीराद् उच्चक्रमुः ।
ते वायुप्रविष्टा आकाशात्मानः स्वर् ईयुः ।
तथो एवैवं विद्वान् प्राणे निःश्रेयसं विदित्वा सर्वेषां भूतानां प्राणम् एव प्रज्ञात्मानम् अभिसम्भूय सहैवैतैः सर्वैर् अस्माच् छरीराद् उत्क्रामति ।
स वायुप्रविष्ट आकाशात्मा स्वर् एति ।
स तद् गच्छति यत्रैते देवाः ।
तत् प्राप्य यद् अमृता देवास् तद् अमृतो भवति य एवं वेद ॥१३॥

२.१४a – Das Vermächtnis
अथातः पितापुत्रीयं सम्प्रदानम् इति चाचक्षते ।
पिता पुत्रं प्रेष्यन्न् आह्वयति नवैस् तृणैर् अगारं संस्तीर्याग्निम् उपसमाधायोदकुम्भं सपात्रम् उपनिधायाहतेन वाससा सम्प्रच्छन्नः पिता शेते ।
एत्य पुत्र उपरिष्टाद् अभिनिपद्यत इन्द्रियैर् इन्द्रियाणि संस्पृश्य ।

अपि वास्मा आसीनायाभिमुखायैव सम्प्रदद्यात् । अथास्मै सम्प्रयच्छति ।

२.१४b – Die Übertragung der Kräfte
वाचं मे त्वयि दधानीति पिता ।
वाचं ते मयि दध इति पुत्रः ।
प्राणं मे त्वयि दधानीति पिता ।
प्राणं ते मयि दध इति पुत्रः ।
चक्षुर् मे त्वयि दधानीति पिता ।
चक्षुस् ते मयि दध इति पुत्रः ।
श्रोत्रं मे त्वयि दधानीति पिता ।
श्रोत्रं ते मयि दध इति पुत्रः ।
अन्नरसान् मे त्वयि दधानीति पिता ।
अन्नरसांस् ते मयि दध इति पुत्रः ।
कर्माणि मे त्वयि दधानीति पिता ।
कर्माणि ते मयि दध इति पुत्रः ।
सुखदुःखे मे त्वयि दधानीति पिता ।
सुखदुःखे ते मयि दध इति पुत्रः ।
आनन्दं रतिं प्रजातिं मे त्वयि दधानीति पिता ।
आनन्दं रतिं प्रजातिं ते मयि दध इति पुत्रः ।
इत्या मे त्वयि दधानीति पिता ।
इत्यास् ते मयि दध इति पुत्रः ।
मनो मे त्वयि दधानीति पिता ।
मनस् ते मयि दध इति पुत्रः ।
प्रज्ञां मे त्वयि दधानीति पिता ।
प्रज्ञां ते मयि दध इति पुत्रः ।

२.१४c – Die zusammengefasste Formel
यद्य् उ वा उपाभिगदः स्यात् समासेनैव ब्रूयात् प्राणान् मे त्वयि दधानीति पिता ।
प्राणांस् ते मयि दध इति पुत्रः ।

२.१४d – Abschied und weiterer Lebensweg
अथ दक्षिणावृत् प्राङ् उपनिष्क्रामति ।
तं पितानुमन्त्रयते यशो ब्रह्मवर्चसं कीर्तिस् त्वा जुषताम् इति ।
अथेतरः सव्यम् अन्व् अंसम् अभ्यवेक्षते पाणिनान्तर्धाय वसनान्तेन वा प्रच्छाद्य स्वर्गान् लोकान् कामान् आप्नुहीति ।
स यद्य् अगदः स्यात् पुत्रस्यैश्वर्ये पिता वसेत् परि वा व्रजेत् ।
यद्य् उ वै प्रेयात् तथैवैनं समापयेयुर् यथा समापयितव्यो भवति यथा समापयितव्यो भवति ॥१४॥

Abschluss des zweiten Adhyaya
इति कौषीतकिब्राह्मणोपनिषदि द्वितीयोऽध्यायः ॥

३.१
प्रतर्दनो ह वै दैवोदासिर् इन्द्रस्य प्रियं धामोपजगाम युद्धेन च पौरुषेण च ।
तं हेन्द्र उवाच प्रतर्दन वरं वृणीष्वेति ।
स होवाच प्रतर्दनस् त्वम् एव मे वृणीष्व यं त्वं मनुष्याय हिततमं मन्यस इति ।
तं हेन्द्र उवाच न वै वरं परो परस्मै वृणीते ।
त्वम् एव वृणीष्वेति ।
अवरो वै किल म इति होवाच प्रतर्दनः ।
अथो खल्व् इन्द्रः सत्याद् एव नेयाय ।
सत्यं हीन्द्रः ।
तं हेन्द्र उवाच माम् एव विजानीहि ।
एतद् एवाहं मनुष्याय हिततमं मन्ये यन् मां विजानीयात् ।
त्रिशीर्षाणं त्वाष्ट्रम् अहनम् ।
अरुर्मघान् अहनम् ।
यतीन् सालावृकेभ्यः प्रायच्छम् ।
बह्वीः सन्धा अतिक्रम्य दिवि प्रह्लादीयान् अतृणहम् अन्तरिक्षे पौलोमान् पृथिव्यां कालकाञ्जान् ।
तस्य मे तत्र न लोम चनामीयत ।
स यो मां वेद न ह वै तस्य केन चन कर्मणा लोम मीयते न स्तेयेन न भ्रूणहत्यया न मातृवधेन न पितृवधेन ।
नास्य पापं चक्रुषो मुखान् नीलं व्येतीति ॥१॥

३.२
स होवाच प्राणो ऽस्मि प्रज्ञात्मा ।
तं माम् आयुर् अमृतम् इत्य् उपास्स्व ।
आयुः प्राणः ।
प्राणो वा आयुः ।
यावद् ध्य् अस्मिञ् छरीरे प्राणो वसति तावद् आयुः ।
प्राणेन ह्य् एवास्मिंल् लोके ऽमृतत्वम् आप्नोति ।
प्रज्ञया सत्यं सङ्कल्पम् ।
स यो माम् आयुर् अमृतम् इत्य् उपास्ते सर्वम् आयुर् अस्मिंल् लोक एति ।
आप्नोत्य् अमृतत्वम् अक्षितिं स्वर्गे लोके ।
तद् धैक आहुर् एकभूयं वै प्राणा गच्छन्तीति ।
न हि कश्चन शक्नुयात् सकृद् वाचा नाम प्रज्ञापयितुं चक्षुषा रूपं श्रोत्रेण शब्दं मनसा ध्यानम् ।
एकभूयं वै प्राणा भूत्वैकैकम् एतानि सर्वाणि प्रज्ञापयन्तीति ।
वाचं वदन्तीं सर्वे प्राणा अनुवदन्ति ।
चक्षुः पश्यत् सर्वे प्राणा अनुपश्यन्ति ।श्रोत्रं शृण्वत् सर्वे प्राणा अनुशृण्वन्ति ।
मनो ध्यायत् सर्वे प्राणा अनुध्यायन्ति ।
प्राणं प्राणन्तं सर्वे प्राणा अनुप्राणन्ति ।
एवम् उ हैतद् इति हेन्द्र उवाच ।
अस्ति त्व् एव प्राणानां निःश्रेयसम् इति ॥२॥

३.३a – Das Tragende im Leben
जीवति वागपेतः ।
मूकान् हि पश्यामः ।
जीवति चक्षुरपेतः ।
अन्धान् हि पश्यामः ।
जीवति श्रोत्रापेतः ।
बधिरान् हि पश्यामः ।
जीवति मनोऽपेतः ।
बालान् हि पश्यामः ।
जीवति बाहुछिन्नः ।
जीवत्य् ऊरुच्छिन्न इति ।
एवं हि पश्याम इति ।
अथ खलु प्राण एव प्रज्ञात्मा इदं शरीरं परिगृह्योत्थापयति ।
तस्माद् एतद् एवोक्थम् उपासीतेति ।
सैषा प्राणे सर्वाप्तिर् यो वै प्राणः सा प्रज्ञा ।
या वै प्रज्ञा स प्राणः ।

३.३b – Tiefschlaf und Erwachen
तस्यैषैव दृष्टिर् एतद् विज्ञानम् ।
यत्रैतत् पुरुषः सुप्तः स्वप्नं न कञ्चन पश्यत्य् अथास्मिन् प्राण एवैकधा भवन्ति ।
तद् एनं वाक् सर्वैर् नामभिः सहाप्येति ।
चक्षुः सर्वैः रूपैः सहाप्येति ।
श्रोत्रं सर्वैः शब्दैः सहाप्येति ।
मनः सर्वैर् ध्यानैः सहाप्येति ।
स यदा प्रतिबुध्यते यथाग्नेर् ज्वलतः सर्वा दिशो विष्फुलिङ्गा विप्रतिष्ठेरन्न् एवम् एवैतस्माद् आत्मनः प्राणा यथायतनं विप्रतिष्ठन्ते ।
प्राणेभ्यो देवाः ।
देवेभ्यो लोकाः ।
स एष प्राण एव प्रज्ञात्मेदं शरीरं परिगृह्योत्थापयति ।
तस्माद् एतद् एवोक्थम् उपासीतेति ।
सैषा प्राणे सर्वाप्तिः ।
यो वै प्राणः सा प्रज्ञा ।
या वै प्रज्ञा स प्राणः ।

३.३c – Sterben
तस्यैषैव सिद्धिर् एतद् विज्ञानम् ।
यत्रैतत् पुरुष आर्तो मरिष्यन् आबल्यं नीत्य सम्मोहं न्येति तद् आहुर् उदक्रमीच् चिद् इति ।
तन् न शृणोति न पश्यति न वाचा वदति न ध्यायति ।
अथास्मिन् प्राण एवैकधा भवन्ति ।
तद् एनं वाक् सर्वैर् नामभिः सहाप्येति ।
चक्षुः सर्वैः रूपैः सहाप्येति ।
श्रोत्रं सर्वैः शब्दैः सहाप्येति ।
मनः सर्वैर् ध्यानैः सहाप्येति ।
स यदास्माच् छरीराद् उत्क्रामति सहैवैतैः सर्वैर् उत्क्रामति ॥३॥

३.४
वाग् अस्मात् सर्वाणि नामान्य् अभिविसृजते ।
वाचा सर्वाणि नामान्य् आप्नोति ।
प्राणो ऽस्मात् सर्वान् गन्धान् अभिविसृजते ।
प्राणेन सर्वान् गन्धान् आप्नोति ।
चक्षुर् अस्मात् सर्वाणि रूपाण्य् अभिविसृजते ।
चक्षुषा सर्वाणि रूपाण्य् आप्नोति ।
श्रोत्रम् अस्मात् सर्वाञ् छब्दान् अभिविसृजते ।
श्रोत्रेण सर्वाञ् छब्दान् आप्नोति ।
मनो ऽस्मात् सर्वाणि ध्यानान्य् अभिविसृजते ।
मनसा सर्वाणि ध्यानान्य् आप्नोति ।
सैषा प्राणे सर्वाप्तिः ।
यो वै प्राणः सा प्रज्ञा ।
या वै प्रज्ञा स प्राणः ।
सह ह्य् एताव् अस्मिञ् छरीरे वसतः सहोत्क्रामतः ।
अथ खलु यथास्यै प्रज्ञायै सर्वाणि भूतान्य् एकं भवन्ति तद् व्याख्यास्यामः ॥४॥

३.५
वाग् एवास्या एकम् अङ्गम् उदूढम् ।
तस्यै नाम परस्तात् प्रतिविहिता भूतमात्रा ।
घ्राण एवास्या एकम् अङ्गम् उदूढम् ।
तस्य गन्धः परस्तात् प्रतिविहिता भूतमात्रा ।
चक्षुर् एवास्या एकम् अङ्गम् उदूढम् ।
तस्य रूपं परस्तात् प्रतिविहिता भूतमात्रा ।
श्रोत्रम् एवास्या एकम् अङ्गम् उदूढम् ।
तस्य शब्दः परस्तात् प्रतिविहिता भूतमात्रा ।
जिह्वैवास्या एकम् अङ्गम् उदूढम् ।
तस्य अन्नरसः परस्तात् प्रतिविहिता भूतमात्रा ।
हस्ताव् एवास्या एकम् अङ्गम् उदूढम् ।
तयोः कर्म परस्तात् प्रतिविहिता भूतमात्रा ।
शरीरम् एवास्या एकम् अङ्गम् उदूढम् ।
तस्य सुखदुःखे परस्तात् प्रतिविहिता भूतमात्रा ।
उपस्थ एवास्या एकम् अङ्गम् उदूढम् ।
तस्यानन्दो रतिः प्रजातिः परस्तात् प्रतिविहिता भूतमात्रा ।
पादाव् एवास्या एकम् अङ्गम् उदूढम् ।
तयोर् इत्याः परस्तात् प्रतिविहिता भूतमात्रा ।
प्रज्ञैवास्या एकम् अङ्गम् उदूढम् ।
तस्यै धियो विज्ञातव्यं कामाः परस्तात् प्रतिविहिता भूतमात्रा ॥५॥

३.६
प्रज्ञया वाचं समारुह्य वाचा सर्वाणि नामान्य् आप्नोति ।
प्रज्ञया घ्राणं समारुह्य घ्राणेन सर्वान् गन्धान् आप्नोति ।
प्रज्ञया चक्षुः समारुह्य चक्षुषा सर्वाणि रूपाण्य् आप्नोति ।
प्रज्ञया श्रोत्रं समारुह्य श्रोत्रेण सर्वाञ् छब्दान् आप्नोति ।
प्रज्ञया जिह्वां समारुह्य जिह्वया सर्वान् अन्नरसान् आप्नोति ।
प्रज्ञया हस्तौ समारुह्य हस्ताभ्यां सर्वाणि कर्माण्य् आप्नोति ।
प्रज्ञया शरीरं समारुह्य शरीरेण सुखदुःखे आप्नोति ।
प्रज्ञयोपस्थं समारुह्योपस्थेनानन्दं रतिं प्रजातिम् आप्नोति ।
प्रज्ञया पादौ समारुह्य पादाभ्यां सर्वा इत्या आप्नोति ।
प्रज्ञयैव धियं समारुह्य प्रज्ञयैव धियो विज्ञातव्यं कामान् आप्नोति ॥६॥

३.७
न हि प्रज्ञापेता वाङ् नाम किञ्चन प्रज्ञापयेत् ।
अन्यत्र मे मनो ऽभूद् इत्य् आह ।
नाहम् एतन् नाम प्राज्ञासिषम् इति ।
न हि प्रज्ञापेतः घ्राणो गन्धं कञ्चन प्रज्ञापयेत् ।
अन्यत्र मे मनो ऽभूद् इत्य् आह ।
नाहम् एतं गन्धं प्राज्ञासिषम् इति ।
न हि प्रज्ञापेतं चक्षू रूपं किञ्चन प्रज्ञापयेत् ।
अन्यत्र मे मनो ऽभूद् इत्य् आह ।
नाहम् एतद् रूपं प्राज्ञासिषम् इति ।
न हि प्रज्ञापेतं श्रोत्रं शब्दं कञ्चन प्रज्ञापयेत् ।
अन्यत्र मे मनो ऽभूद् इत्य् आह ।
नाहम् एतं शब्दं प्राज्ञासिषम् इति ।
न प्रज्ञापेता जिह्वान्नरसं कञ्चन प्रज्ञापयेत् ।
अन्यत्र मे मनो ऽभूद् इत्य् आह ।
नाहम् एतम् अन्नरसं प्राज्ञासिषम् इति ।
न हि प्रज्ञापेतौ हस्तौ कर्म किञ्चन प्रज्ञापयेयाताम् ।
अन्यत्र मे मनो ऽभूद् इत्य् आह ।
नाहम् एतत् कर्म प्राज्ञासिषम् इति ।
न हि प्रज्ञापेतं शरीरं सुखदुःखं किञ्चन प्रज्ञापयेत् ।
अन्यत्र मे मनो ऽभूद् इत्य् आह ।
नाहम् एतत् सुखदुःखं प्राज्ञासिषम् इति ।
न हि प्रज्ञापेत उपस्थ आनन्दं रतिं प्रजातिं काञ्चन प्रज्ञापयेत् ।
अन्यत्र मे मनो ऽभूद् इत्य् आह ।
नाहम् एतम् आनन्दं न रतिं न प्रजातिं प्राज्ञासिषम् इति ।
न हि प्रज्ञापेतौ पादाव् इत्यां काञ्चन प्रज्ञापयेयाताम् ।
अन्यत्र मे मनो ऽभूद् इत्य् आह ।
नाहम् एताम् इत्यां प्राज्ञासिषम् ।
इति न हि प्रज्ञापेता धीः काचन सिध्येन् न प्रज्ञातव्यं प्रज्ञायेत ॥७॥

३.८a – Suche den Erkennenden
न वाचं विजिज्ञासीत ।
वक्तारं विद्यात् ।
न गन्धं विजिज्ञासीत ।
घ्रातारं विद्यात् ।
न रूपं विजिज्ञासीत ।
द्रष्टारं विद्यात् ।
न शब्दं विजिज्ञासीत ।
श्रोतारं विद्यात् ।
नान्नरसं विजिज्ञासीत ।
अन्नरसस्य विज्ञातारं विद्यात् ।
न कर्म विजिज्ञासीत ।
कर्तारं विद्यात् ।
न सुखदुःखे विजिज्ञासीत ।
सुखदुःखयोर् विज्ञातारं विद्यात् ।
नानन्दं न रतिं न प्रजातिं विजिज्ञासीत ।
आनन्दस्य रतेः प्रजातेर् विज्ञातारं विद्यात् ।
नेत्यां विजिज्ञासीत ।
एतारं विद्यात् ।
न मनो विजिज्ञासीत ।
मन्तारं विद्यात् ।

३.८b – Speichen und Nabe
ता वा एता दशैव भूतमात्रा अधिप्रज्ञम् ।
दश प्रज्ञामात्रा अधिभूतम् ।
यद् धि भूतमात्रा न स्युर् न प्रज्ञामात्राः स्युः ।
यद् वा प्रज्ञामात्रा न स्युर् न भूतमात्राः स्युः ।
न ह्य् अन्यतरतो रूपं किञ्चन सिध्येत् ।
नो एतन् नाना ।
तद् यथा रथस्यारेषु नेमिर् अर्पिता ।
नाभाव् अरा अर्पिता ।
एवम् एवैता भूतमात्राः प्रज्ञामात्रास्व् अर्पिताः ।
प्रज्ञामात्राः प्राणे ऽर्पिताः ।

३.८c – Das Selbst
स एष प्राण एव प्रज्ञात्मानन्तो ऽजरो ऽमृतः ।
न साधुना कर्मणा भूयान् भवति नो एवासाधुना कनीयान् ।
एष ह्य् एव साधु कर्म कारयति तं यम् एभ्यो लोकेभ्य उन्निनीषते ।
एष उ एवासाधु कर्म कारयति तं यम् अधो निनीषते ।
एष लोकपालः ।
एष लोकाधिपतिः ।
एष लोकेशः ।
स म आत्मेति विद्यात् ।
स म आत्मेति विद्यात् ॥८॥

Abschluss des dritten Adhyaya
इति कौषीतकिब्राह्मणोपनिषदि तृतीयोऽध्यायः ॥

४.१
अथ ह वै गार्ग्यो बालाकिर् अनूचानः संस्पष्ट आस ।
सो ऽवसद् उशिनरेषु सत्वन्मत्स्येषु कुरुपञ्चालेषु काशिविदेहेष्व् इति ।
स हाजातशत्रुं काश्यम् आव्रज्योवाच ब्रह्म ते ब्रवाणीति ।
तं होवाचाजातशत्रुः सहस्रं दद्मस् त इति ।
एतस्यां वाचि जनको जनक इति वा उ जना धावन्तीति ॥१॥

४.२
आदित्ये बृहन् ।
चन्द्रमस्य् अन्नम् ।
विद्युति तेजः ।
स्तनयित्नौ शब्दः ।
वायाव् इन्द्रो वैकुण्ठः ।
आकाशे पूर्णम् ।
अग्नौ विषासहिर् इति ।
अप्सु सत्यम् ।
इत्य् अधिदैवतम् ।
अथाध्यात्मम् ।
आदर्शे प्रतिरूपः ।
छायायां द्वितीयः ।
प्रतिश्रुत्कायाम् असुर् इति ।
शब्दे मृत्युः ।
स्वप्ने यमः ।
शरीरे प्रजापतिः ।
दक्षिणे ऽक्षिणि वाचः ।
सव्ये ऽक्षिणि सत्यस्य ॥२॥

४.३
स होवाच बालाकिर् य एवैष आदित्ये पुरुषस् तम् एवाहम् उपास इति ।
तं होवाचाजातशत्रुर् मा मैतस्मिन् संवादयिष्ठाः ।
अतिष्ठाः सर्वेषां भूतानां मूर्धेति वा अहम् एतम् उपास इति ।
स यो हैतम् एवम् उपास्ते ऽतिष्ठाः सर्वेषां भूतानां मूर्धा भवति ॥३॥

४.४
स होवाच बालाकिर् य एवैष चन्द्रमसि पुरुषस् तम् एवाहम् उपास इति ।
तं होवाचाजातशत्रुर् मा मैतस्मिन् संवादयिष्ठाः ।
बृहन् पाण्डरवासाः सोमो राजान्नस्यात्मेति वा अहम् एतम् उपास इति ।
स यो हैतम् एवम् उपास्तेऽन्नस्यात्मा भवति ॥४॥

४.५
स होवाच बालाकिर् य एवैष विद्युति पुरुषस् तम् एवाहम् उपास इति ।
तं होवाचाजातशत्रुर् मा मैतस्मिन् संवादयिष्ठाः ।
तेजस आत्मेति वा अहम् एतम् उपास इति ।
स यो हैतम् एवम् उपास्ते तेजस आत्मा भवति ॥५॥

४.६
स होवाच बालाकिर् य एवैष स्तनयित्नौ पुरुषस् तम् एवाहम् उपास इति ।
तं होवाचाजातशत्रुर् मा मैतस्मिन् संवादयिष्ठाः ।
शब्दस्यात्मेति वा अहम् एतम् उपास इति ।
स यो हैतम् एवम् उपास्ते शब्दस्यात्मा भवति ॥६॥

४.७
स होवाच बालाकिर् य एवैष आकाशे पुरुषस् तम् एवाहम् उपास इति ।
तं होवाचाजातशत्रुर् मा मैतस्मिन् संवादयिष्ठाः ।
पूर्णम् अप्रवर्ति ब्रह्मेति वा अहम् एतम् उपास इति ।
स यो हैतम् एवम् उपास्ते पूर्यते प्रजया पशुभिर् यशसा ब्रह्मवर्चसेन स्वर्गेण लोकेन ।
सर्वम् आयुर् एति ॥७॥

४.८
स होवाच बालाकिर् य एवैष वायौ पुरुषस् तम् एवाहम् उपास इति ।
तं होवाचाजातशत्रुर् मा मैतस्मिन् संवादयिष्ठाः ।
इन्द्रो वैकुण्ठो ऽपराजिता सेनेति वा अहम् एतम् उपास इति ।
स यो हैतम् एवम् उपास्ते जिष्णुर् ह वा अपराजयिष्णुर् अन्यतस्त्यजायी भवति ॥८॥

४.९
स होवाच बालाकिर् य एवैष ऽग्नौ पुरुषस् तम् एवाहम् उपास इति ।
तं होवाचाजातशत्रुर् मा मैतस्मिन् संवादयिष्ठाः ।
विषासहिर् इति वा अहम् एतम् उपास इति ।
स यो हैतम् एवम् उपास्ते विषासहिर् ह वा अन्येषु भवति ॥९॥

४.१०
स होवाच बालाकिर् य एवैषो ऽप्सु पुरुषस् तम् एवाहम् उपास इति ।
तं होवाचाजातशत्रुर् मा मैतस्मिन् संवादयिष्ठाः ।
सत्यस्यात्मेति वा अहम् एतम् उपास इति ।
स यो हैतम् एवम् उपास्ते सत्यस्यात्मा भवति ।
इत्य् अधिदैवतम् ॥
अथाध्यात्मम् ॥१०॥

४.११
स होवाच बालाकिर् य एवैष आदर्शे पुरुषस् तम् एवाहम् उपास इति ।
तं होवाचाजातशत्रुर् मा मैतस्मिन् संवादयिष्ठाः ।
प्रतिरूप इति वा अहम् एतम् उपास इति ।
स यो हैतम् एवम् उपास्ते प्रतिरूपो हैवास्य प्रजायाम् आजायते नाप्रतिरूपः ॥११॥

४.१२
स होवाच बालाकिर् य एवैष छायायां पुरुषस् तम् एवाहम् उपास इति ।
तं होवाचाजातशत्रुर् मा मैतस्मिन् संवादयिष्ठाः ।
द्वितीयो ऽनपग इति वा अहम् एतम् उपास इति ।
स यो हैतम् एवम् उपास्ते विन्दते द्वितीयं द्वितीयवान् हि भवति ॥१२॥

४.१३
स होवाच बालाकिर् य एवैष प्रतिश्रुत्कायां पुरुषस् तम् एवाहम् उपास इति ।
तं होवाचाजातशत्रुर् मा मैतस्मिन् संवादयिष्ठाः ।
असुर् इति वा अहम् एतम् उपास इति ।
स यो हैतम् एवम् उपास्ते न पुरा कालात् सम्मोहम् एति ॥१३॥

४.१४
स होवाच बालाकिर् य एवैष शब्दे पुरुषस् तम् एवाहम् उपास इति ।
तं होवाचाजातशत्रुर् मा मैतस्मिन् संवादयिष्ठाः ।
मृत्युर् इति वा अहम् एतम् उपास इति ।
स यो हैतम् एवम् उपास्ते न पुरा कालात् प्रैतीति ॥१४॥

४.१५
स होवाच बालाकिर् य एवैतत् पुरुषः सुप्तः स्वप्नया चरति तम् एवाहम् उपास इति ।
तं होवाचाजातशत्रुर् मा मैतस्मिन् संवादयिष्ठाः ।
यमो राजेति वा अहम् एतम् उपास इति ।
स यो हैतम् एवम् उपास्ते सर्वं हास्मा इदं श्रैष्ठ्याय यम्यते ॥१५॥

४.१६
स होवाच बालाकिर् य एवैष शरीरे पुरुषस् तम् एवाहम् उपास इति ।
तं होवाचाजातशत्रुर् मा मैतस्मिन् संवादयिष्ठाः ।
प्रजापतिर् इति वा अहम् एतम् उपास इति ।
स यो हैतम् एवम् उपास्ते प्रजायते प्रजया पशुभिर् यशसा ब्रह्मवर्चसेन स्वर्गेण लोकेन ।
सर्वम् आयुर् एति ॥१६॥

४.१७
स होवाच बालाकिर् य एवैष दक्षिणे ऽक्षिणि पुरुषस् तम् एवाहम् उपास इति ।
तं होवाचाजातशत्रुर् मा मैतस्मिन् संवादयिष्ठाः ।
वाच आत्माग्नेर् आत्मा ज्योतिष आत्मेति वा अहम् एतम् उपास इति ।
स यो हैतम् एवम् उपास्त एतेषां सर्वेषां आत्मा भवति ॥१७॥

४.१८
स होवाच बालाकिर् य एवैष सव्ये ऽक्षिणि पुरुषस् तम् एवाहम् उपास इति ।
तं होवाचाजातशत्रुर् मा मैतस्मिन् संवादयिष्ठाः ।
सत्यस्यात्मा विद्युत आत्मा तेजस आत्मेति वा अहम् एतम् उपास इति ।
स यो हैतम् एवम् उपास्त एतेषां सर्वेषाम् आत्मा भवति ॥१८॥

४.१९a – Balaki wird Schüler
तत उ ह बालाकिस् तूष्णीम् आस ।
तं होवाचाजातशत्रुर् एतावन् नु बालाका३ इति ।
एतावद् इति होवाच बालाकिः ।
तं होवाचजातशत्रुर् मृषा वै खलु मा समवादयिष्ठा ब्रह्म ते ब्रवाणीति ।
यो वै बालाक एतेषां पुरुषाणां कर्ता यस्य वै तत् कर्म स वै वेदितव्य इति ।
तत उ ह बालाकिः समित्पाणिः प्रतिचक्रम उपायानीति ।
तं होवाचाजातशत्रुः प्रतिलोमरूपम् एव तन् मन्ये यत् क्षत्रियो ब्राह्मणम् उपनयेत् ।
एहि व्य् एव त्वा ज्ञपयिष्यामीति ।

४.१९b – Der Schlafende
तं ह पाणाव् अभिपद्य प्रवव्राज ।
तौ ह सुप्तं पुरुषम् आजग्मतुः ।
तं हाजातशत्रुर् आमन्त्रयाञ् चक्रे ।
बृहन् पाण्डरवासः सोम राजन्न् इति ।
स उ ह शिश्य एव ।
तत उ हैनं यष्ट्या विचिक्षेप ।
स तत एव समुत्तस्थौ ।

४.१९c – Die Frage nach dem Selbst
तं होवाचाजातशत्रुः क्वैष एतद् बालाके पुरुषोऽशयिष्ट ।
क्वैतद् अभूत् ।
कुत एतद् आगा३द् इति ।
तत उ ह बालाकिर् न विजज्ञे ।

४.१९d – Die feinen Bahnen
तं होवाचाजातशत्रुर् यत्रैष एतद् बालाके पुरुषो ऽशयिष्ट यत्रैतद् अभूद् यत एतद् आगाद् इति हिता नाम पुरुषस्य नाड्यो हृदयात् पुरीततम् अभिप्रतन्वन्ति ।
तद् यथा सहस्रधा केशो विपाटितस् तावद् अण्व्यः पिङ्गलस्याणिम्ना तिष्ठन्ति शुक्लस्य कृष्णस्य पीतस्य लोहितस्य च ।
तासु तदा भवति यदा सुप्तः स्वप्नं न कञ्चन पश्यति ॥१९॥

४.२०a – Das Erwachen der Kräfte
अथास्मिन् प्राण एवैकधा भवन्ति ।
तद् एनं वाक् सर्वैर् नामभिः सहाप्येति ।
चक्षुः सर्वैः रूपैः सहाप्येति ।
श्रोत्रं सर्वैः शब्दैः सहाप्येति ।
मनः सर्वैर् ध्यानैः सहाप्येति ।
स यदा प्रतिबुध्यते यथाग्नेर् ज्वलतः सर्वा दिशो विस्फुलिङ्गा विप्रतिष्ठेरन्न् एवम् एवैतस्माद् आत्मनः प्राणा यथायतनं विप्रतिष्ठन्ते ।
प्राणेभ्यो देवाः ।
देवेभ्यो लोकाः ।

४.२०b – Das Selbst im Körper
स एष प्राण एव प्रज्ञात्मेदं शरीरम् आत्मानम् अनुप्रविष्ट आ लोमभ्य आ नखेभ्यस् ।
तद् यथा क्षुरः क्षुरधाने ऽवोपहितो विश्वम्भरो वा विश्वम्भरकुलाय एवम् एवैष प्रज्ञात्मेदं शरीरम् आत्मानम् अनुप्रविष्ट आ लोमभ्य आ नखेभ्यः ।
तम् एतम् आत्मानम् एत आत्मानो ऽन्ववस्यन्ते यथा श्रेष्ठिनं स्वाः ।
तद् यथा श्रेष्ठी स्वैर् भुङ्क्ते यथा वा स्वाः श्रेष्ठिनं भुञ्जन्त्य् एवम् एवैष प्रज्ञात्मैतैर् आत्मभिर् भुङ्क्त एवम् एवैत आत्मान एतम् आत्मानं भुञ्जन्ति ।

४.२०c – Erkenntnis und Selbstherrschaft
स यावद् ध वा इन्द्र एतम् आत्मानं न विजज्ञे तावद् एनम् असुरा अभिबभूवुः ।
स यदा विजज्ञे ऽथ हत्वासुरान् विजित्य सर्वेषां देवानां श्रैष्ठ्यं स्वाराज्यम् आधिपत्यं पर्यैत् ।
तथो एवैवं विद्वान् सर्वान् पाप्मनो ऽपहत्य सर्वेषां च भूतानां श्रैष्ठ्यं स्वराज्यम् आधिपत्यं पर्येति य एवं वेद य एवं वेद ॥२०॥

Abschluss des vierten Adhyaya
इति कौषीतकिब्राह्मणोपनिषदि चतुर्थोऽध्यायः ॥

Schluss – Shanti-Mantra
ॐ वाङ्मे मनसि प्रतिष्ठिता ।
मनो मे वाचि प्रतिष्ठितम् ।
आविरावीर्म एधि ।
वेदस्य म आणीस्थः ।
श्रुतं मे मा प्रहासीः ।
अनेनाधीतेनाहोरात्रान्सन्दधामि ।
ऋतं वदिष्यामि ।
सत्यं वदिष्यामि ।
तन्मामवतु ।
तद्वक्तारमवतु ।
अवतु मामवतु वक्तारमवतु वक्तारम् ॥

Schluss – Friedensruf
ॐ शान्तिः शान्तिः शान्तिः ॥

Vollständiger Text in IAST

Shanti-Mantra
oṃ vāṅme manasi pratiṣṭhitā |
mano me vāci pratiṣṭhitam |
āvirāvīrma edhi |
vedasya ma āṇīsthaḥ |
śrutaṃ me mā prahāsīḥ |
anenādhītenāhorātrānsandadhāmi |
ṛtaṃ vadiṣyāmi |
satyaṃ vadiṣyāmi |
tanmāmavatu |
tadvaktāramavatu |
avatu māmavatu vaktāramavatu vaktāram ||

Friedensruf
oṃ śāntiḥ śāntiḥ śāntiḥ ||

1.1
citro ha vai gārgyāyaṇir yakṣyamāṇa āruṇiṃ vavre |
sa ha putraṃ śvetaketuṃ prajighāya yājayeti |
taṃ hāsīnaṃ papraccha |
gautamasya putrāsti saṃvṛtaṃ loke yasmin mā dhāsyasy anyatamo vādhvā tasya |
māloke dhāsyasīti |
sa hovāca nāham etad veda |
hantācāryaṃ pṛcchānīti |
sa ha pitaram āsādya papracchetīti māprākṣīt kathaṃ pratibravāṇīti |
sa hovācāham apy etan na veda |
sadasy eva vayaṃ svādhyāyam adhītya harāmahe yan naḥ pare dadati |
ehy ubhau gamiṣyāva iti |
sa ha samitpāṇiś citraṃ gārgyāyaṇiṃ praticakrama |
upāyānīti taṃ hovāca |
brahmārgho 'si gautama yo na mānam upāgāḥ |
ehi vy eva tvā jñapayiṣyāmīti ||1||

1.2a – Der Mond als Tor
sa hovāca ye vai ke cāsmāl lokāt prayanti candramasam eva te sarve gacchanti |
teṣāṃ prāṇaiḥ pūrvapakṣa āpyāyate |
tān aparapakṣeṇa prajanayati |
etad vai svargasya lokasya dvāraṃ yac candramāḥ |
taṃ yaḥ pratyāha tam atisṛjate |
atha ya enam na pratyāha tam iha vṛṣṭir bhūtvā varṣati |
sa iha kīṭo vā pataṅgo vā matsyo vā śakunir vā siṃho vā varāho vā parasvān vā śārdūlo vā puruṣo vānyo vā teṣu teṣu sthāneṣu pratyājāyate yathākarma yathāvidyam |
tam āgataṃ pṛcchati ko'sīti |
taṃ pratibrūyād |

1.2b – Antwort des Ankommenden
vicakṣaṇād ṛtavo reta ābhṛtam
pañcadaśāt prasūtāt pitryāvatas |
tan mā puṃsi kartary erayadhvaṃ
puṃsā kartrā mātari māsiṣikta ||
sa upajāya upajāyamāno
dvādaśena trayodaśopamāsaḥ |
dvādaśatrayodaśena pitrā
saṃ tad vide 'haṃ prati tad vide 'haṃ
tan ma ṛtavo 'mṛtyava ābharadhvam ||
tena satyena tena tapasā ṛtur
asmy ārtavo 'smi ko 'smi tvam asmi |

1.2c – Durchgang
iti tam atisṛjate ||2||

1.3
sa etaṃ devayānaṃ panthānam āpadyāgnilokam āgacchati |
sa vāyulokam |
sa ādityalokam |
sa varuṇalokam |
sa indralokam |
sa prajāpatilokam |
sa brahmalokam |
tasya ha vā etasya lokasyāro hradaḥ |
muhūrtā yaṣṭihāḥ |
vijarā nadī |
ilyo vṛkṣaḥ |
sālajyaṃ saṃsthānam |
aparājitam āyatanam |
indraprajāpatī dvāragopau |
vibhu pramitam |
vicakṣaṇāsandī |
amitaujāḥ paryaṅkaḥ |
priyā ca mānasī |
pratirūpā ca cākṣuṣī |
puṣpāṇy ādāyāvayato vai ca jagāni |
ambāścāmbāyavīścāpsarasaḥ |
āmbayā nadyaḥ ||3||

1.4
sa āgacchaty āraṃ hradam |
taṃ manasātyeti |
tam ṛtvāsamprativido majjanti |
sa āgacchati muhūrtān yaṣṭihān |
te'smād apadravanti |
sa āgacchati vijarāṃ nadīm |
tāṃ manasaivātyeti |
tat sukṛtaduṣkṛte dhunute |
tasya priyā jñātayaḥ sukṛtam upayanti |
apriyā duṣkṛtam |
tad yathā rathena dhāvayan rathacakre paryavekṣetaivam ahorātre paryavekṣata evaṃ sukṛtaduṣkṛte sarvāṇi ca dvandvāni |
sa eṣa visukṛto viduṣkṛto brahma vidvān brahmaivābhipraiti |
tam itthaṃvid āgacchati |
taṃ brahmāha abhidhāvata mama yaśasā |
vijarāṃ vā ayaṃ nadīṃ prāpat |
na vā ayaṃ jarayiṣyatīti |
taṃ pañcaśatāny apsarasāṃ pratiyanti śataṃ mālyahastāḥ śatam āñjanahastāḥ śataṃ cūrṇahastāḥ śataṃ vāsohastāḥ śataṃ phalahastāḥ |
taṃ brahmālaṅkāreṇālaṅkurvanti |
sa brahmālaṅkāreṇālaṅkṛto vidvān brahmābhipraiti ||4||

1.5
sa āgacchatīlyaṃ vṛkṣam |
taṃ brahmagandhaḥ praviśati |
sa āgacchati sālajyaṃ saṃsthānam |
taṃ brahmarasaḥ praviśati |
sa āgacchaty aparājitam āyatanam |
taṃ brahmatejaḥ praviśati |
sa āgacchatīndraprajāpatī dvāragopau |
tāv asmād apadravataḥ |
sa āgacchati vibhu pramitam |
taṃ brahmayaśaḥ praviśati |
sā āgacchati vicakṣaṇām āsandīm |
bṛhadrathantare sāmanī pūrvau pādau |
śyaitanaudhase cāparau pādau |
vairūpavairāje anūcye |
śākvararaivate tiraścī |
sā prajñā |
prajñayā hi vipaśyati |
sa āgacchaty amitaujasaṃ paryaṅkam |
sa prāṇaḥ |
tasya bhūtañ ca bhaviṣyac ca pūrvau pādau |
śrīś cerā cāparau |
bṛhadrathantare anūcye | bhadrayajñāyajñīye śīrṣaṇye |
ṛcaś ca sāmāni ca prācīnātānāni |
yajūṃṣi tiraścīnāni |
somāṃśava upastaraṇam |
udgītho 'paśrayaḥ |
śrīr upabarhaṇam |
tasmin brahmāste |
tam itthaṃvit pādenaivāgra ārohati |
taṃ brahmāha ko 'sīti |
taṃ pratibrūyāt ||5||

1.6
ṛtur asmi |
ārtavo 'smi |
ākāśād yoneḥ sambhūto bhāyai retaḥ |
saṃvatsarasya tejo bhūtasya bhūtasyātmā |
bhūtasya bhūtasya tvam ātmāsi |
yas tvam asi so 'ham asmīti |
tam āha ko 'ham asmīti |
satyam iti brūyāt |
kiṃ tad yat satyam iti |
yad anyad devebhyaś ca prāṇebhyaś ca tat sat |
atha yad devāś ca prāṇāś ca tat tyaṃ |
tad ekayā vācābhivyāhriyate sattyam iti |
etāvad idaṃ sarvam |
idaṃ sarvam asi |
ity evainaṃ tad āha |
tad etad ṛkślokenābhyuktam ||6||

1.7a – Die Gestalt aus Veda
yajūdaraḥ sāmaśirā asāv ṛṅmūrtir avyayaḥ |
sa brahmeti sa vijñeya ṛṣir brahmamayo mahān || iti

1.7b – Sinne und Erkenntnis
tam āha |
kena me pauṃsnāni nāmāny āpnoṣīti |
prāṇeneti brūyāt |
kena napuṃsakānīti |
manaseti |
kena strīnāmānīti |
vāceti |
kena gandhān iti |
ghrāṇeneti |
kena rūpāṇīti |
cakṣuṣeti |
kena śabdān iti |
śrotreṇeti |
kenānnarasān iti |
jihvayeti |
kena karmāṇīti |
hastābhyām iti |
kena sukhaduḥkhe iti |
śarīreṇeti |
kenānandaṃ ratiṃ prajātim ity |
upastheneti |
kenetyā iti |
pādābhyām iti |
kena dhiyo vijñātavyaṃ kāmān iti |
prajñayaiveti brūyāt |
tam āha āpo vai khalu me lokam |
ayaṃ te 'sāv iti |
sā yā brahmaṇo jitir yā vyaṣṭis tāṃ jitiṃ jayati tāṃ vyaṣṭiṃ vyaśnute ya evaṃ veda ya evaṃ veda ||7||

Abschluss des ersten Adhyaya
iti ṛgvedāntargatakauṣītakibrāhmaṇāraṇyakopaniṣadi prathamo'dhyāyaḥ ||

2.1
prāṇo brahmeti ha smāha kauṣītakiḥ |
tasya ha vā etasya prāṇasya brahmaṇo mano dūtam |
cakṣur goptṛ |
śrotraṃ saṃśrāvayitṛ |
vāk pariveṣṭrī sa yo ha vā etasya prāṇasya brahmaṇo mano dūtam veda dūtavān bhavati |
yaś cakṣur goptṛ goptṛmān bhavati |
yaḥ śrotraṃ saṃśrāvayitṛ saṃśrāvayitṛmān bhavati |
yo vācaṃ pariveṣṭrīm pariveṣṭrīmān bhavati tasmai vā etasmai prāṇāya brahmaṇa etāḥ sarvā devatā ayācamānāya baliṃ haranti |
evaṃ haivāsmai sarvāṇi bhūtāny ayācamānāyaiva baliṃ haranti ya evaṃ veda |
tasyopaniṣan na yāced iti |
tad yathā grāmaṃ bhikṣitvā 'labdhvopaviśen nāham ato dattam aśnīyām iti |
ya evainaṃ purastāt pratyācakṣīraṃsta evainam upamantrayante dadāma ta iti |
eṣa dharmo 'yācato bhavati |
annadās tv evainam upamantrayante dadāma ta iti ||1||

2.2
prāṇo brahmeti ha smāha paiṅgyaḥ |
tasya vā etasya brahmaṇo vākparastāc cakṣur ārunddhe |
cakṣuḥparastāc chrotram ārunddhe |
śrotraparastān mana ārunddhe |
manaḥparastāt prāṇa ārunddhe |
tasmai vā etasmai prāṇāya brahmaṇa etāḥ sarvā devatā ayācamānāyaiva baliṃ haranti |
evaṃ haivāsmai sarvāṇi bhūtāny ayācamānāyaiva baliṃ haranti ya evaṃ veda |
tasyopaniṣan na yāced iti |
tad yathā grāmaṃ bhikṣitvā 'labdhvopaviśen nāham ato dattam aśnīyām iti |
ya evainaṃ purastāt pratyācakṣīraṃsta evainam upamantrayante dadāma ta iti |
eṣa dharmo 'yācato bhavati |
annadās tv evainam upamantrayante dadāma ta iti ||2||

2.3a – Erlangen eines bestimmten Gutes
athāta ekadhanāvarodhanam |
yad ekadhanam abhidhyāyāt paurṇamāsyāṃ vāmāvāsyāṃ vā śuddhapakṣe vā puṇye nakṣatre 'gnim upasamādhāya parisamūhya paristīrya paryukṣya utpūya dakṣiṇaṃ jānv ācya sruveṇa vā camasena vā kaṃsena vaitā ājyāhutīr juhoti |

2.3b – Die sechs Opferformeln
vāṅ nāma devatāvarodhanī sā me 'muṣmād idam avarundhyāt tasyai svāhā |
prāṇo nāma devatāvarodhanī sā me 'muṣmād idam avarundhyāt tasyai svāhā |
cakṣur nāma devatāvarodhanī sā me 'muṣmād idam avarundhyāt tasyai svāhā |
śrotraṃ nāma devatāvarodhanī sā me 'muṣmād idam avarundhyāt tasyai svāhā |
mano nāma devatāvarodhanī sā me 'muṣmād idam avarundhyāt tasyai svāhā |
prajñā nāma devatāvarodhanī sā me 'muṣmād idam avarundhyāt tasyai svāhā |

2.3c – Abschluss der Handlung
ity atha dhūmagandhaṃ prajighrāyājyalepenāṅgāny anuvimṛjya vācaṃyamo 'bhipravrajyārthaṃ brūyād dūtaṃ vā prahiṇuyāt |
labhate haiva ||3||

2.4
athāto daivaḥ smaraḥ |
yasya priyo bubhūṣed yasyai vā yeṣāṃ vā yāsāṃ vaiteṣām evaikasmin parvaṇy agnim upasamādhāyaitayaivāvṛtaitā ājyāhutīr juhoti |
vācam te mayi juhomy asau svāhā |
prāṇaṃ te mayi juhomy asau svāhā |
cakṣus te mayi juhomy asau svāhā |
śrotraṃ te mayi juhomy asau svāhā |
manas te mayi juhomy asau svāhā |
prajñāṃ te mayi juhomy asau svāhā |
ityatha dhūmagandhaṃ prajighrāyājyalepenāṅgāny anuvimṛjya vācaṃyamo 'bhipravrajya saṃsparśaṃ jigamiṣet |
api vātād vā tiṣṭhet sambhāṣamāṇaḥ |
priyo haiva bhavati smaranti haivāsya ||4||

2.5
athātaḥ saṃyamanaṃ prātardanam āntaram agnihotram iti cācakṣate |
yāvad vai puruṣo bhāṣate na tāvat prāṇituṃ śaknoti |
prāṇaṃ tadā vāci juhoti |
yāvad vai puruṣaḥ prāṇiti na tāvad bhāṣituṃ śaknoti |
vācaṃ tadā prāṇe juhoti |
ete anante amṛte āhutī jāgrac ca svapaṃś ca santataṃ avyavacchinnaṃ juhoti |
atha yā anyā āhutayo 'ntavatyas tāḥ karmamayyo hi bhavanti |
etad dha vai pūrve vidvāṃso 'gnihotraṃ na juhavāñ cakruḥ ||5||

2.6
ukthaṃ brahmeti ha smāha śuṣkabhṛṅgāraḥ |
tad ṛg ity upāsīta |
sarvāṇi hāsmai bhūtāni śraiṣṭhyāyābhyarcante |
tad yajur ity upāsīta |
sarvāṇi hāsmai bhūtāni śraiṣṭhyāya yujyante |
tat sāmety upāsīta |
sarvāṇi hāsmai bhūtāni śraiṣṭhyāya sannamante |
tac chrīr ity upāsīta |
tad yaśa ity upāsīta |
tat teja ity upāsīta |
tad yathaitac chastrāṇāṃ śrīmattamaṃ yaśasvitamaṃ tejasvitamaṃ bhavati tatho evaivaṃ vidvān sarveṣāṃ bhūtānāṃ śrīmattamo yaśasvitamas tejasvitamo bhavati |
tad etad aiṣṭikaṃ karmamayam ātmānam adhvaryuḥ saṃskaroti |
tasmin yajurmayaṃ pravayati |
yajurmaya ṛṅmayaṃ hotā |
ṛṅmaye sāmamayam udgātā |
sa eṣa trayyai vidyāyā ātmā |
eṣa u evaitad indrasyātmā bhavati ya evaṃ veda ||6||

2.7
athātaḥ sarvajitaḥ kauṣītakes trīṇy upāsanāni bhavanti |
sarvajid dha sma kauṣītakir udyantam ādityam upatiṣṭhate yajñopavītaṃ kṛtvodakam ānīya triḥ prasicyodapātraṃ |
vargo 'si pāpmānaṃ me vṛṅdhīti |
etayaivāvṛtā madhye santam udvargo 'si pāpmānaṃ ma udvṛṅdhīti |
etayaivāvṛtāstaṃ yantaṃ saṃvargo 'si pāpmānaṃ me saṃvṛṅdhīti |
tad yad ahorātrābhyāṃ pāpam akarot saṃ sma tad vṛṅkte |
tatho evaivaṃ vidvān etayaivāvṛtādityam upatiṣṭheta |
yad ahorātrābhyāṃ pāpaṃ karoti saṃ tad vṛṅkte ||7||

2.8a – Verehrung bei Neumond
atha māsi māsy amāvāsyāyāṃ paścāc candramasaṃ dṛśyamānam upatiṣṭhetaitayaivāvṛtā haritatṛṇe vā pratyasyati |

2.8a – Die Bitte für die Kinder
yan me susamid hṛdayam adhi candramasi śritaṃ |
manye 'haṃ māṃ tad vidvāṃsaṃ māhaṃ putryam aghaṃ rudam ||

2.8a – Verheißung
iti na hy asmāt pūrvā prajāḥ praitīti ||8a||

2.8b – Die Gattin
atha saṃvekṣyañ jāyāyai hṛdayam abhimṛśet |

2.8b – Bitte für die Mutter
yat te suśīme hṛdayaṃ śritam antaḥ prajāpatau |
tenāmṛtatvasyeśāne mā tvaṃ putryam aghaṃ nigāḥ ||

2.8b – Verheißung
iti na hy asyāḥ pūrvā prajāḥ praitīti ||8b||

2.8c_(8)
iti nu jātaputrasya ||
athājātaputrasya |
ā pyāyasva sam etu te |
saṃ te payāṃsi sam u yantu vājāḥ |
yam ādityā aṃśum āpyāyayanti |
iti |
etās tisra ṛco japitvā māsmākaṃ prāṇena prajayā paśubhir āpyāyiṣṭhāḥ |
yo 'smān dveṣṭi yaṃ ca vayaṃ dviṣmas tasya prāṇena prajayā paśubhir āpyāyasveti |
aindrīm āvṛtam āvarte |
ādityasyāvṛtam anvāvarte |
iti dakṣiṇaṃ bāhum anvāvartate ||8c||

2.9
atha paurṇamāsyāṃ purastāc candramasaṃ dṛśyamānam upatiṣṭhetaitayaivāvṛtā |
somo rājāsi vicakṣaṇaḥ |
pañcamukho 'si prajāpatiḥ |
brāhmaṇas ta ekaṃ mukhaṃ tena mukhena rājño 'tsi |
tena mukhena mām annādaṃ kuru |
rājā ta ekaṃ mukhaṃ tena mukhena viśo 'tsi |
tena mukhena mām annādaṃ kuru |
śyenas ta ekaṃ mukhaṃ tena mukhena pakṣiṇo 'tsi |
tena mukhena mām annādaṃ kuru |
agniṣ ṭa ekaṃ mukhaṃ tena mukhenemaṃ lokam atsi |
tena mukhena mām annādaṃ kuru |
tvayi pañcamaṃ mukhaṃ tena mukhena sarvāṇi bhūtāny atsi |
tena mukhena mām annādaṃ kuru |
māsmākaṃ prāṇena prajayā paśubhir apakṣeṣṭhāḥ |
yo 'smān dveṣṭi yaṃ ca vayaṃ dviṣmas tasya prāṇena prajayā paśubhir apakṣīyasva |
iti daivīm āvṛtam āvarte |
ādityasyāvṛtam anvāvarte |
iti dakṣiṇaṃ bāhum anvāvartate ||9||

2.10a – Heimkehr zum Sohn
atha proṣyāyan putrasya mūrdhānam abhijighret |

2.10b – Segen des Lebens
aṅgād aṅgāt sambhavasi hṛdayād adhijāyase |
ātmā tvaṃ putra māvitha sa jīva śaradaḥ śatam ||

2.10c – Nennung des Namens
asau |
iti nāmāsya gṛhṇāti |

2.10d – Segen der Festigkeit
aśmā bhava paraśur bhava hiraṇyam astṛtaṃ bhava |
tejo vai putra nāmāsi sa jīva śaradaḥ śatam ||

2.10e – Umarmung
asau |
iti nāmāsya gṛhṇāti |
athainaṃ parigṛhṇāti |

2.10f – Schutzsegen
yena prajāpatiḥ prajāḥ paryagṛhṇāt tadariṣṭyai |
tena tvā parigṛhṇāmi ||

2.10g – Die Anrufungen Indras
asau |
iti nāmāsya gṛhṇāti |
athāsya dakṣiṇe karṇe japati |
asmai prayandhi maghavann ṛjīṣin |
iti |
indra śreṣṭhāni draviṇāni dhehi |
iti savye |

2.10h – Abschließender Lebenssegen
mā chitthā mā vyathiṣṭhāḥ śataṃ śarada āyuṣaḥ |
jīvasva putra te nāmnā mūrdhānam abhijighrāmi ||

2.10i – Der Ruf der Kühe
asau |
iti trir mūrdhānam abhijighret |
gavām tvā hiṅkāreṇābhihiṅkaromīti trir mūrdhānam abhihiṅkuryāt ||10||

2.11
athāto daivaḥ parimaraḥ |
etad vai brahma dīpyate yad agnir jvalaty athaitan mriyate yan na jvalati |
tasyādityam eva tejo gacchati vāyuṃ prāṇaḥ |
etad vai brahma dīpyate yad ādityo dṛśyate 'thaitan mriyate yan na dṛśyate |
tasya candramasam eva tejo gacchati vāyuṃ prāṇaḥ |
etad vai brahma dīpyate yac candramā dṛśyate 'thaitan mriyate yan na dṛśyate |
tasya vidyutam eva tejo gacchati vāyuṃ prāṇaḥ |
etad vai brahma dīpyate yad vidyud vidyotate 'thaitan mriyate yan na vidyotate |
tasya vāyum eva tejo gacchati vāyuṃ prāṇaḥ |
tā vā etāḥ sarvā devatā vāyum eva praviśya vāyau mṛtvā na mūrchante |
tasmād eva punar udīrate |
ity adhidaivatam ||
athādhyātmam ||11||

2.12
etad vai brahma dīpyate yad vācā vadaty athaitan mriyate yan na vadati |
tasya cakṣur eva tejo gacchati prāṇaṃ prāṇaḥ |
etad vai brahma dīpyate yac cakṣuṣā paśyaty athaitan mriyate yan na paśyati |
tasya śrotram eva tejo gacchati prāṇaṃ prāṇaḥ |
etad vai brahma dīpyate yac chrotreṇa śṛṇoty athaitan mriyate yan na śṛṇoti |
tasya mana eva tejo gacchati prāṇaṃ prāṇaḥ |
etad vai brahma dīpyate yan manasā dhyāyaty athaitan mriyate yan na dhyāyati |
tasya prāṇam eva tejo gacchati prāṇaṃ prāṇaḥ |
tā vā etāḥ sarvā devatāḥ prāṇam eva praviśya prāṇe mṛtvā na mūrchante |
tasmād eva punar udīrate |
tad yadi ha vā evaṃ vidvāṃsam ubhau parvatāv abhipravarteyātāṃ dakṣiṇaś cottaraś ca tustūrṣamānau na hainaṃ stṛṇvīyātām |
atha ya enaṃ dviṣanti yāṃś ca svayaṃ dveṣṭi ta evainaṃ parimriyante ||12||

2.13
athāto niḥśreyasādānam |
etā ha vai devatā ahaṃśreyase vivadamānā asmāc charīrād uccakramuḥ |
tad dhāprāṇat śuṣkaṃ dārubhūtaṃ śiṣye |
athainad vāk praviveśa |
tad vācā vadac chiṣya eva |
athainac cakṣuḥ praviveśa |
tad vācā vadac cakṣuṣā paśyac chiṣya eva |
athainac chrotraṃ praviveśa |
tad vācā vadac cakṣuṣā paśyac chrotreṇa śṛṇvac chiṣya eva |
athainan manaḥ praviveśa |
tad vācā vadac cakṣuṣā paśyac chrotreṇa śṛṇvan manasā dhyāyac chiṣya eva |
athainat prāṇaḥ praviveśa |
tat tata eva samuttasthau |
tā vā etāḥ sarvā devatāḥ prāṇe niḥśreyasaṃ viditvā prāṇam eva prajñātmānam abhisambhūya sahaivaite sarve 'smāc charīrād uccakramuḥ |
te vāyupraviṣṭā ākāśātmānaḥ svar īyuḥ |
tatho evaivaṃ vidvān prāṇe niḥśreyasaṃ viditvā sarveṣāṃ bhūtānāṃ prāṇam eva prajñātmānam abhisambhūya sahaivaitaiḥ sarvair asmāc charīrād utkrāmati |
sa vāyupraviṣṭa ākāśātmā svar eti |
sa tad gacchati yatraite devāḥ |
tat prāpya yad amṛtā devās tad amṛto bhavati ya evaṃ veda ||13||

2.14a – Das Vermächtnis
athātaḥ pitāputrīyaṃ sampradānam iti cācakṣate |
pitā putraṃ preṣyann āhvayati navais tṛṇair agāraṃ saṃstīryāgnim upasamādhāyodakumbhaṃ sapātram upanidhāyāhatena vāsasā sampracchannaḥ pitā śete |
etya putra upariṣṭād abhinipadyata indriyair indriyāṇi saṃspṛśya |

api vāsmā āsīnāyābhimukhāyaiva sampradadyāt | athāsmai samprayacchati |

2.14b – Die Übertragung der Kräfte
vācaṃ me tvayi dadhānīti pitā |
vācaṃ te mayi dadha iti putraḥ |
prāṇaṃ me tvayi dadhānīti pitā |
prāṇaṃ te mayi dadha iti putraḥ |
cakṣur me tvayi dadhānīti pitā |
cakṣus te mayi dadha iti putraḥ |
śrotraṃ me tvayi dadhānīti pitā |
śrotraṃ te mayi dadha iti putraḥ |
annarasān me tvayi dadhānīti pitā |
annarasāṃs te mayi dadha iti putraḥ |
karmāṇi me tvayi dadhānīti pitā |
karmāṇi te mayi dadha iti putraḥ |
sukhaduḥkhe me tvayi dadhānīti pitā |
sukhaduḥkhe te mayi dadha iti putraḥ |
ānandaṃ ratiṃ prajātiṃ me tvayi dadhānīti pitā |
ānandaṃ ratiṃ prajātiṃ te mayi dadha iti putraḥ |
ityā me tvayi dadhānīti pitā |
ityās te mayi dadha iti putraḥ |
mano me tvayi dadhānīti pitā |
manas te mayi dadha iti putraḥ |
prajñāṃ me tvayi dadhānīti pitā |
prajñāṃ te mayi dadha iti putraḥ |

2.14c – Die zusammengefasste Formel
yady u vā upābhigadaḥ syāt samāsenaiva brūyāt prāṇān me tvayi dadhānīti pitā |
prāṇāṃs te mayi dadha iti putraḥ |

2.14d – Abschied und weiterer Lebensweg
atha dakṣiṇāvṛt prāṅ upaniṣkrāmati |
taṃ pitānumantrayate yaśo brahmavarcasaṃ kīrtis tvā juṣatām iti |
athetaraḥ savyam anv aṃsam abhyavekṣate pāṇināntardhāya vasanāntena vā pracchādya svargān lokān kāmān āpnuhīti |
sa yady agadaḥ syāt putrasyaiśvarye pitā vaset pari vā vrajet |
yady u vai preyāt tathaivainaṃ samāpayeyur yathā samāpayitavyo bhavati yathā samāpayitavyo bhavati ||14||

Abschluss des zweiten Adhyaya
iti kauṣītakibrāhmaṇopaniṣadi dvitīyo'dhyāyaḥ ||

3.1
pratardano ha vai daivodāsir indrasya priyaṃ dhāmopajagāma yuddhena ca pauruṣeṇa ca |
taṃ hendra uvāca pratardana varaṃ vṛṇīṣveti |
sa hovāca pratardanas tvam eva me vṛṇīṣva yaṃ tvaṃ manuṣyāya hitatamaṃ manyasa iti |
taṃ hendra uvāca na vai varaṃ paro parasmai vṛṇīte |
tvam eva vṛṇīṣveti |
avaro vai kila ma iti hovāca pratardanaḥ |
atho khalv indraḥ satyād eva neyāya |
satyaṃ hīndraḥ |
taṃ hendra uvāca mām eva vijānīhi |
etad evāhaṃ manuṣyāya hitatamaṃ manye yan māṃ vijānīyāt |
triśīrṣāṇaṃ tvāṣṭram ahanam |
arurmaghān ahanam |
yatīn sālāvṛkebhyaḥ prāyaccham |
bahvīḥ sandhā atikramya divi prahlādīyān atṛṇaham antarikṣe paulomān pṛthivyāṃ kālakāñjān |
tasya me tatra na loma canāmīyata |
sa yo māṃ veda na ha vai tasya kena cana karmaṇā loma mīyate na steyena na bhrūṇahatyayā na mātṛvadhena na pitṛvadhena |
nāsya pāpaṃ cakruṣo mukhān nīlaṃ vyetīti ||1||

3.2
sa hovāca prāṇo 'smi prajñātmā |
taṃ mām āyur amṛtam ity upāssva |
āyuḥ prāṇaḥ |
prāṇo vā āyuḥ |
yāvad dhy asmiñ charīre prāṇo vasati tāvad āyuḥ |
prāṇena hy evāsmiṃl loke 'mṛtatvam āpnoti |
prajñayā satyaṃ saṅkalpam |
sa yo mām āyur amṛtam ity upāste sarvam āyur asmiṃl loka eti |
āpnoty amṛtatvam akṣitiṃ svarge loke |
tad dhaika āhur ekabhūyaṃ vai prāṇā gacchantīti |
na hi kaścana śaknuyāt sakṛd vācā nāma prajñāpayituṃ cakṣuṣā rūpaṃ śrotreṇa śabdaṃ manasā dhyānam |
ekabhūyaṃ vai prāṇā bhūtvaikaikam etāni sarvāṇi prajñāpayantīti |
vācaṃ vadantīṃ sarve prāṇā anuvadanti |
cakṣuḥ paśyat sarve prāṇā anupaśyanti |śrotraṃ śṛṇvat sarve prāṇā anuśṛṇvanti |
mano dhyāyat sarve prāṇā anudhyāyanti |
prāṇaṃ prāṇantaṃ sarve prāṇā anuprāṇanti |
evam u haitad iti hendra uvāca |
asti tv eva prāṇānāṃ niḥśreyasam iti ||2||

3.3a – Das Tragende im Leben
jīvati vāgapetaḥ |
mūkān hi paśyāmaḥ |
jīvati cakṣurapetaḥ |
andhān hi paśyāmaḥ |
jīvati śrotrāpetaḥ |
badhirān hi paśyāmaḥ |
jīvati mano'petaḥ |
bālān hi paśyāmaḥ |
jīvati bāhuchinnaḥ |
jīvaty ūrucchinna iti |
evaṃ hi paśyāma iti |
atha khalu prāṇa eva prajñātmā idaṃ śarīraṃ parigṛhyotthāpayati |
tasmād etad evoktham upāsīteti |
saiṣā prāṇe sarvāptir yo vai prāṇaḥ sā prajñā |
yā vai prajñā sa prāṇaḥ |

3.3b – Tiefschlaf und Erwachen
tasyaiṣaiva dṛṣṭir etad vijñānam |
yatraitat puruṣaḥ suptaḥ svapnaṃ na kañcana paśyaty athāsmin prāṇa evaikadhā bhavanti |
tad enaṃ vāk sarvair nāmabhiḥ sahāpyeti |
cakṣuḥ sarvaiḥ rūpaiḥ sahāpyeti |
śrotraṃ sarvaiḥ śabdaiḥ sahāpyeti |
manaḥ sarvair dhyānaiḥ sahāpyeti |
sa yadā pratibudhyate yathāgner jvalataḥ sarvā diśo viṣphuliṅgā vipratiṣṭherann evam evaitasmād ātmanaḥ prāṇā yathāyatanaṃ vipratiṣṭhante |
prāṇebhyo devāḥ |
devebhyo lokāḥ |
sa eṣa prāṇa eva prajñātmedaṃ śarīraṃ parigṛhyotthāpayati |
tasmād etad evoktham upāsīteti |
saiṣā prāṇe sarvāptiḥ |
yo vai prāṇaḥ sā prajñā |
yā vai prajñā sa prāṇaḥ |

3.3c – Sterben
tasyaiṣaiva siddhir etad vijñānam |
yatraitat puruṣa ārto mariṣyan ābalyaṃ nītya sammohaṃ nyeti tad āhur udakramīc cid iti |
tan na śṛṇoti na paśyati na vācā vadati na dhyāyati |
athāsmin prāṇa evaikadhā bhavanti |
tad enaṃ vāk sarvair nāmabhiḥ sahāpyeti |
cakṣuḥ sarvaiḥ rūpaiḥ sahāpyeti |
śrotraṃ sarvaiḥ śabdaiḥ sahāpyeti |
manaḥ sarvair dhyānaiḥ sahāpyeti |
sa yadāsmāc charīrād utkrāmati sahaivaitaiḥ sarvair utkrāmati ||3||

3.4
vāg asmāt sarvāṇi nāmāny abhivisṛjate |
vācā sarvāṇi nāmāny āpnoti |
prāṇo 'smāt sarvān gandhān abhivisṛjate |
prāṇena sarvān gandhān āpnoti |
cakṣur asmāt sarvāṇi rūpāṇy abhivisṛjate |
cakṣuṣā sarvāṇi rūpāṇy āpnoti |
śrotram asmāt sarvāñ chabdān abhivisṛjate |
śrotreṇa sarvāñ chabdān āpnoti |
mano 'smāt sarvāṇi dhyānāny abhivisṛjate |
manasā sarvāṇi dhyānāny āpnoti |
saiṣā prāṇe sarvāptiḥ |
yo vai prāṇaḥ sā prajñā |
yā vai prajñā sa prāṇaḥ |
saha hy etāv asmiñ charīre vasataḥ sahotkrāmataḥ |
atha khalu yathāsyai prajñāyai sarvāṇi bhūtāny ekaṃ bhavanti tad vyākhyāsyāmaḥ ||4||

3.5
vāg evāsyā ekam aṅgam udūḍham |
tasyai nāma parastāt prativihitā bhūtamātrā |
ghrāṇa evāsyā ekam aṅgam udūḍham |
tasya gandhaḥ parastāt prativihitā bhūtamātrā |
cakṣur evāsyā ekam aṅgam udūḍham |
tasya rūpaṃ parastāt prativihitā bhūtamātrā |
śrotram evāsyā ekam aṅgam udūḍham |
tasya śabdaḥ parastāt prativihitā bhūtamātrā |
jihvaivāsyā ekam aṅgam udūḍham |
tasya annarasaḥ parastāt prativihitā bhūtamātrā |
hastāv evāsyā ekam aṅgam udūḍham |
tayoḥ karma parastāt prativihitā bhūtamātrā |
śarīram evāsyā ekam aṅgam udūḍham |
tasya sukhaduḥkhe parastāt prativihitā bhūtamātrā |
upastha evāsyā ekam aṅgam udūḍham |
tasyānando ratiḥ prajātiḥ parastāt prativihitā bhūtamātrā |
pādāv evāsyā ekam aṅgam udūḍham |
tayor ityāḥ parastāt prativihitā bhūtamātrā |
prajñaivāsyā ekam aṅgam udūḍham |
tasyai dhiyo vijñātavyaṃ kāmāḥ parastāt prativihitā bhūtamātrā ||5||

3.6
prajñayā vācaṃ samāruhya vācā sarvāṇi nāmāny āpnoti |
prajñayā ghrāṇaṃ samāruhya ghrāṇena sarvān gandhān āpnoti |
prajñayā cakṣuḥ samāruhya cakṣuṣā sarvāṇi rūpāṇy āpnoti |
prajñayā śrotraṃ samāruhya śrotreṇa sarvāñ chabdān āpnoti |
prajñayā jihvāṃ samāruhya jihvayā sarvān annarasān āpnoti |
prajñayā hastau samāruhya hastābhyāṃ sarvāṇi karmāṇy āpnoti |
prajñayā śarīraṃ samāruhya śarīreṇa sukhaduḥkhe āpnoti |
prajñayopasthaṃ samāruhyopasthenānandaṃ ratiṃ prajātim āpnoti |
prajñayā pādau samāruhya pādābhyāṃ sarvā ityā āpnoti |
prajñayaiva dhiyaṃ samāruhya prajñayaiva dhiyo vijñātavyaṃ kāmān āpnoti ||6||

3.7
na hi prajñāpetā vāṅ nāma kiñcana prajñāpayet |
anyatra me mano 'bhūd ity āha |
nāham etan nāma prājñāsiṣam iti |
na hi prajñāpetaḥ ghrāṇo gandhaṃ kañcana prajñāpayet |
anyatra me mano 'bhūd ity āha |
nāham etaṃ gandhaṃ prājñāsiṣam iti |
na hi prajñāpetaṃ cakṣū rūpaṃ kiñcana prajñāpayet |
anyatra me mano 'bhūd ity āha |
nāham etad rūpaṃ prājñāsiṣam iti |
na hi prajñāpetaṃ śrotraṃ śabdaṃ kañcana prajñāpayet |
anyatra me mano 'bhūd ity āha |
nāham etaṃ śabdaṃ prājñāsiṣam iti |
na prajñāpetā jihvānnarasaṃ kañcana prajñāpayet |
anyatra me mano 'bhūd ity āha |
nāham etam annarasaṃ prājñāsiṣam iti |
na hi prajñāpetau hastau karma kiñcana prajñāpayeyātām |
anyatra me mano 'bhūd ity āha |
nāham etat karma prājñāsiṣam iti |
na hi prajñāpetaṃ śarīraṃ sukhaduḥkhaṃ kiñcana prajñāpayet |
anyatra me mano 'bhūd ity āha |
nāham etat sukhaduḥkhaṃ prājñāsiṣam iti |
na hi prajñāpeta upastha ānandaṃ ratiṃ prajātiṃ kāñcana prajñāpayet |
anyatra me mano 'bhūd ity āha |
nāham etam ānandaṃ na ratiṃ na prajātiṃ prājñāsiṣam iti |
na hi prajñāpetau pādāv ityāṃ kāñcana prajñāpayeyātām |
anyatra me mano 'bhūd ity āha |
nāham etām ityāṃ prājñāsiṣam |
iti na hi prajñāpetā dhīḥ kācana sidhyen na prajñātavyaṃ prajñāyeta ||7||

3.8a – Suche den Erkennenden
na vācaṃ vijijñāsīta |
vaktāraṃ vidyāt |
na gandhaṃ vijijñāsīta |
ghrātāraṃ vidyāt |
na rūpaṃ vijijñāsīta |
draṣṭāraṃ vidyāt |
na śabdaṃ vijijñāsīta |
śrotāraṃ vidyāt |
nānnarasaṃ vijijñāsīta |
annarasasya vijñātāraṃ vidyāt |
na karma vijijñāsīta |
kartāraṃ vidyāt |
na sukhaduḥkhe vijijñāsīta |
sukhaduḥkhayor vijñātāraṃ vidyāt |
nānandaṃ na ratiṃ na prajātiṃ vijijñāsīta |
ānandasya rateḥ prajāter vijñātāraṃ vidyāt |
netyāṃ vijijñāsīta |
etāraṃ vidyāt |
na mano vijijñāsīta |
mantāraṃ vidyāt |

3.8b – Speichen und Nabe
tā vā etā daśaiva bhūtamātrā adhiprajñam |
daśa prajñāmātrā adhibhūtam |
yad dhi bhūtamātrā na syur na prajñāmātrāḥ syuḥ |
yad vā prajñāmātrā na syur na bhūtamātrāḥ syuḥ |
na hy anyatarato rūpaṃ kiñcana sidhyet |
no etan nānā |
tad yathā rathasyāreṣu nemir arpitā |
nābhāv arā arpitā |
evam evaitā bhūtamātrāḥ prajñāmātrāsv arpitāḥ |
prajñāmātrāḥ prāṇe 'rpitāḥ |

3.8c – Das Selbst
sa eṣa prāṇa eva prajñātmānanto 'jaro 'mṛtaḥ |
na sādhunā karmaṇā bhūyān bhavati no evāsādhunā kanīyān |
eṣa hy eva sādhu karma kārayati taṃ yam ebhyo lokebhya unninīṣate |
eṣa u evāsādhu karma kārayati taṃ yam adho ninīṣate |
eṣa lokapālaḥ |
eṣa lokādhipatiḥ |
eṣa lokeśaḥ |
sa ma ātmeti vidyāt |
sa ma ātmeti vidyāt ||8||

Abschluss des dritten Adhyaya
iti kauṣītakibrāhmaṇopaniṣadi tṛtīyo'dhyāyaḥ ||

4.1
atha ha vai gārgyo bālākir anūcānaḥ saṃspaṣṭa āsa |
so 'vasad uśinareṣu satvanmatsyeṣu kurupañcāleṣu kāśivideheṣv iti |
sa hājātaśatruṃ kāśyam āvrajyovāca brahma te bravāṇīti |
taṃ hovācājātaśatruḥ sahasraṃ dadmas ta iti |
etasyāṃ vāci janako janaka iti vā u janā dhāvantīti ||1||

4.2
āditye bṛhan |
candramasy annam |
vidyuti tejaḥ |
stanayitnau śabdaḥ |
vāyāv indro vaikuṇṭhaḥ |
ākāśe pūrṇam |
agnau viṣāsahir iti |
apsu satyam |
ity adhidaivatam |
athādhyātmam |
ādarśe pratirūpaḥ |
chāyāyāṃ dvitīyaḥ |
pratiśrutkāyām asur iti |
śabde mṛtyuḥ |
svapne yamaḥ |
śarīre prajāpatiḥ |
dakṣiṇe 'kṣiṇi vācaḥ |
savye 'kṣiṇi satyasya ||2||

4.3
sa hovāca bālākir ya evaiṣa āditye puruṣas tam evāham upāsa iti |
taṃ hovācājātaśatrur mā maitasmin saṃvādayiṣṭhāḥ |
atiṣṭhāḥ sarveṣāṃ bhūtānāṃ mūrdheti vā aham etam upāsa iti |
sa yo haitam evam upāste 'tiṣṭhāḥ sarveṣāṃ bhūtānāṃ mūrdhā bhavati ||3||

4.4
sa hovāca bālākir ya evaiṣa candramasi puruṣas tam evāham upāsa iti |
taṃ hovācājātaśatrur mā maitasmin saṃvādayiṣṭhāḥ |
bṛhan pāṇḍaravāsāḥ somo rājānnasyātmeti vā aham etam upāsa iti |
sa yo haitam evam upāste'nnasyātmā bhavati ||4||

4.5
sa hovāca bālākir ya evaiṣa vidyuti puruṣas tam evāham upāsa iti |
taṃ hovācājātaśatrur mā maitasmin saṃvādayiṣṭhāḥ |
tejasa ātmeti vā aham etam upāsa iti |
sa yo haitam evam upāste tejasa ātmā bhavati ||5||

4.6
sa hovāca bālākir ya evaiṣa stanayitnau puruṣas tam evāham upāsa iti |
taṃ hovācājātaśatrur mā maitasmin saṃvādayiṣṭhāḥ |
śabdasyātmeti vā aham etam upāsa iti |
sa yo haitam evam upāste śabdasyātmā bhavati ||6||

4.7
sa hovāca bālākir ya evaiṣa ākāśe puruṣas tam evāham upāsa iti |
taṃ hovācājātaśatrur mā maitasmin saṃvādayiṣṭhāḥ |
pūrṇam apravarti brahmeti vā aham etam upāsa iti |
sa yo haitam evam upāste pūryate prajayā paśubhir yaśasā brahmavarcasena svargeṇa lokena |
sarvam āyur eti ||7||

4.8
sa hovāca bālākir ya evaiṣa vāyau puruṣas tam evāham upāsa iti |
taṃ hovācājātaśatrur mā maitasmin saṃvādayiṣṭhāḥ |
indro vaikuṇṭho 'parājitā seneti vā aham etam upāsa iti |
sa yo haitam evam upāste jiṣṇur ha vā aparājayiṣṇur anyatastyajāyī bhavati ||8||

4.9
sa hovāca bālākir ya evaiṣa 'gnau puruṣas tam evāham upāsa iti |
taṃ hovācājātaśatrur mā maitasmin saṃvādayiṣṭhāḥ |
viṣāsahir iti vā aham etam upāsa iti |
sa yo haitam evam upāste viṣāsahir ha vā anyeṣu bhavati ||9||

4.10
sa hovāca bālākir ya evaiṣo 'psu puruṣas tam evāham upāsa iti |
taṃ hovācājātaśatrur mā maitasmin saṃvādayiṣṭhāḥ |
satyasyātmeti vā aham etam upāsa iti |
sa yo haitam evam upāste satyasyātmā bhavati |
ity adhidaivatam ||
athādhyātmam ||10||

4.11
sa hovāca bālākir ya evaiṣa ādarśe puruṣas tam evāham upāsa iti |
taṃ hovācājātaśatrur mā maitasmin saṃvādayiṣṭhāḥ |
pratirūpa iti vā aham etam upāsa iti |
sa yo haitam evam upāste pratirūpo haivāsya prajāyām ājāyate nāpratirūpaḥ ||11||

4.12
sa hovāca bālākir ya evaiṣa chāyāyāṃ puruṣas tam evāham upāsa iti |
taṃ hovācājātaśatrur mā maitasmin saṃvādayiṣṭhāḥ |
dvitīyo 'napaga iti vā aham etam upāsa iti |
sa yo haitam evam upāste vindate dvitīyaṃ dvitīyavān hi bhavati ||12||

4.13
sa hovāca bālākir ya evaiṣa pratiśrutkāyāṃ puruṣas tam evāham upāsa iti |
taṃ hovācājātaśatrur mā maitasmin saṃvādayiṣṭhāḥ |
asur iti vā aham etam upāsa iti |
sa yo haitam evam upāste na purā kālāt sammoham eti ||13||

4.14
sa hovāca bālākir ya evaiṣa śabde puruṣas tam evāham upāsa iti |
taṃ hovācājātaśatrur mā maitasmin saṃvādayiṣṭhāḥ |
mṛtyur iti vā aham etam upāsa iti |
sa yo haitam evam upāste na purā kālāt praitīti ||14||

4.15
sa hovāca bālākir ya evaitat puruṣaḥ suptaḥ svapnayā carati tam evāham upāsa iti |
taṃ hovācājātaśatrur mā maitasmin saṃvādayiṣṭhāḥ |
yamo rājeti vā aham etam upāsa iti |
sa yo haitam evam upāste sarvaṃ hāsmā idaṃ śraiṣṭhyāya yamyate ||15||

4.16
sa hovāca bālākir ya evaiṣa śarīre puruṣas tam evāham upāsa iti |
taṃ hovācājātaśatrur mā maitasmin saṃvādayiṣṭhāḥ |
prajāpatir iti vā aham etam upāsa iti |
sa yo haitam evam upāste prajāyate prajayā paśubhir yaśasā brahmavarcasena svargeṇa lokena |
sarvam āyur eti ||16||

4.17
sa hovāca bālākir ya evaiṣa dakṣiṇe 'kṣiṇi puruṣas tam evāham upāsa iti |
taṃ hovācājātaśatrur mā maitasmin saṃvādayiṣṭhāḥ |
vāca ātmāgner ātmā jyotiṣa ātmeti vā aham etam upāsa iti |
sa yo haitam evam upāsta eteṣāṃ sarveṣāṃ ātmā bhavati ||17||

4.18
sa hovāca bālākir ya evaiṣa savye 'kṣiṇi puruṣas tam evāham upāsa iti |
taṃ hovācājātaśatrur mā maitasmin saṃvādayiṣṭhāḥ |
satyasyātmā vidyuta ātmā tejasa ātmeti vā aham etam upāsa iti |
sa yo haitam evam upāsta eteṣāṃ sarveṣām ātmā bhavati ||18||

4.19a – Balaki wird Schüler
tata u ha bālākis tūṣṇīm āsa |
taṃ hovācājātaśatrur etāvan nu bālākā3 iti |
etāvad iti hovāca bālākiḥ |
taṃ hovācajātaśatrur mṛṣā vai khalu mā samavādayiṣṭhā brahma te bravāṇīti |
yo vai bālāka eteṣāṃ puruṣāṇāṃ kartā yasya vai tat karma sa vai veditavya iti |
tata u ha bālākiḥ samitpāṇiḥ praticakrama upāyānīti |
taṃ hovācājātaśatruḥ pratilomarūpam eva tan manye yat kṣatriyo brāhmaṇam upanayet |
ehi vy eva tvā jñapayiṣyāmīti |

4.19b – Der Schlafende
taṃ ha pāṇāv abhipadya pravavrāja |
tau ha suptaṃ puruṣam ājagmatuḥ |
taṃ hājātaśatrur āmantrayāñ cakre |
bṛhan pāṇḍaravāsaḥ soma rājann iti |
sa u ha śiśya eva |
tata u hainaṃ yaṣṭyā vicikṣepa |
sa tata eva samuttasthau |

4.19c – Die Frage nach dem Selbst
taṃ hovācājātaśatruḥ kvaiṣa etad bālāke puruṣo'śayiṣṭa |
kvaitad abhūt |
kuta etad āgā3d iti |
tata u ha bālākir na vijajñe |

4.19d – Die feinen Bahnen
taṃ hovācājātaśatrur yatraiṣa etad bālāke puruṣo 'śayiṣṭa yatraitad abhūd yata etad āgād iti hitā nāma puruṣasya nāḍyo hṛdayāt purītatam abhipratanvanti |
tad yathā sahasradhā keśo vipāṭitas tāvad aṇvyaḥ piṅgalasyāṇimnā tiṣṭhanti śuklasya kṛṣṇasya pītasya lohitasya ca |
tāsu tadā bhavati yadā suptaḥ svapnaṃ na kañcana paśyati ||19||

4.20a – Das Erwachen der Kräfte
athāsmin prāṇa evaikadhā bhavanti |
tad enaṃ vāk sarvair nāmabhiḥ sahāpyeti |
cakṣuḥ sarvaiḥ rūpaiḥ sahāpyeti |
śrotraṃ sarvaiḥ śabdaiḥ sahāpyeti |
manaḥ sarvair dhyānaiḥ sahāpyeti |
sa yadā pratibudhyate yathāgner jvalataḥ sarvā diśo visphuliṅgā vipratiṣṭherann evam evaitasmād ātmanaḥ prāṇā yathāyatanaṃ vipratiṣṭhante |
prāṇebhyo devāḥ |
devebhyo lokāḥ |

4.20b – Das Selbst im Körper
sa eṣa prāṇa eva prajñātmedaṃ śarīram ātmānam anupraviṣṭa ā lomabhya ā nakhebhyas |
tad yathā kṣuraḥ kṣuradhāne 'vopahito viśvambharo vā viśvambharakulāya evam evaiṣa prajñātmedaṃ śarīram ātmānam anupraviṣṭa ā lomabhya ā nakhebhyaḥ |
tam etam ātmānam eta ātmāno 'nvavasyante yathā śreṣṭhinaṃ svāḥ |
tad yathā śreṣṭhī svair bhuṅkte yathā vā svāḥ śreṣṭhinaṃ bhuñjanty evam evaiṣa prajñātmaitair ātmabhir bhuṅkta evam evaita ātmāna etam ātmānaṃ bhuñjanti |

4.20c – Erkenntnis und Selbstherrschaft
sa yāvad dha vā indra etam ātmānaṃ na vijajñe tāvad enam asurā abhibabhūvuḥ |
sa yadā vijajñe 'tha hatvāsurān vijitya sarveṣāṃ devānāṃ śraiṣṭhyaṃ svārājyam ādhipatyaṃ paryait |
tatho evaivaṃ vidvān sarvān pāpmano 'pahatya sarveṣāṃ ca bhūtānāṃ śraiṣṭhyaṃ svarājyam ādhipatyaṃ paryeti ya evaṃ veda ya evaṃ veda ||20||

Abschluss des vierten Adhyaya
iti kauṣītakibrāhmaṇopaniṣadi caturtho'dhyāyaḥ ||

Schluss – Shanti-Mantra
oṃ vāṅme manasi pratiṣṭhitā |
mano me vāci pratiṣṭhitam |
āvirāvīrma edhi |
vedasya ma āṇīsthaḥ |
śrutaṃ me mā prahāsīḥ |
anenādhītenāhorātrānsandadhāmi |
ṛtaṃ vadiṣyāmi |
satyaṃ vadiṣyāmi |
tanmāmavatu |
tadvaktāramavatu |
avatu māmavatu vaktāramavatu vaktāram ||

Schluss – Friedensruf
oṃ śāntiḥ śāntiḥ śāntiḥ ||

Vollständige deutsche Übersetzung

Shanti-Mantra

Om. Meine Rede sei im Geist gegründet, mein Geist in der Rede. Offenbare dich mir, du Offenbares! Möget ihr beide mir den Veda erschließen. Möge das von mir Gehörte mich nicht verlassen. Durch dieses Studium verbinde ich Tage und Nächte. Ich werde das Rechte sprechen; ich werde die Wahrheit sprechen. Möge jenes mich beschützen, möge es den Lehrenden beschützen. Möge es mich beschützen; möge es den Lehrenden beschützen, den Lehrenden beschützen.

Friedensruf

Om. Frieden, Frieden, Frieden.

1.1

Citra Gargyayani wollte ein Opfer veranstalten und wählte Aruni zum Priester. Dieser sandte seinen Sohn Shvetaketu: „Vollziehe das Opfer!“ Als er dort saß, fragte Citra ihn: „Sohn Gautamas, gibt es in jener Welt einen abgeschlossenen Ort, an den du mich setzen wirst, oder einen bestimmten Weg dorthin? Wirst du mich in diese Welt bringen?“ Er antwortete: „Das weiß ich nicht. Ich will meinen Lehrer fragen.“ Er ging zu seinem Vater und fragte: „So hat er mich gefragt. Was soll ich antworten?“ Dieser sagte: „Auch ich weiß es nicht. Wir halten lediglich unsere Veda-Rezitation in der Opferhalle ab und nehmen dafür, was andere uns geben. Komm, wir wollen beide hingehen!“ Mit Brennholz in der Hand trat er zu Citra Gargyayani und sagte: „Ich möchte dein Schüler werden.“ Citra antwortete: „Gautama, du bist der Brahman-Unterweisung würdig, weil du dich nicht dem Stolz ergeben hast. Komm, ich werde dich unterrichten.“

1.2a – Der Mond als Tor

Er sprach: „Alle, die aus dieser Welt abscheiden, gehen zum Mond. Durch ihre Lebenskräfte wächst seine helle Hälfte; in der dunklen Hälfte lässt er sie wieder geboren werden. Der Mond ist das Tor zur Himmelswelt. Wer ihm antwortet, den lässt er hindurch. Wer ihm nicht antwortet, den lässt er als Regen hier herabregnen. Hier wird er wieder geboren: als Wurm, Insekt, Fisch, Vogel, Löwe, Eber, Beißtier, Tiger, Mensch oder sonst etwas, an den jeweiligen Orten, gemäß seinem Handeln und seiner Erkenntnis. Den Ankommenden fragt er: ‚Wer bist du?‘ Darauf soll dieser antworten:“

1.2b – Antwort des Ankommenden

„Vom weithin Sehenden, ihr Jahreszeiten, wurde ich als Same herbeigetragen, vom fünfzehnfachen, hervorgebrachten, väterlichen Bereich. Mich führtet ihr in den zeugenden Mann; durch den zeugenden Mann wurde ich in die Mutter eingesät. Geboren und wieder geboren, als der zum dreizehnten Monat werdende aus dem zwölffachen [Jahr], [durch den zwölf- und dreizehnfachen Vater], erkenne ich dieses insgesamt und erkenne es im Gegenüber. Dieses habt mir, ihr unsterblichen Jahreszeiten, zugetragen! Durch diese Wahrheit, durch diese Askese bin ich Jahreszeit, bin ich Kind der Jahreszeiten. Wer bin ich? Ich bin du.“

1.2c – Durchgang

Wenn er so antwortet, lässt er ihn hindurch.

1.3

Er betritt den Weg der Götter und gelangt zur Welt des Feuers, zur Welt des Windes, zur Sonnenwelt, zur Welt Varunas, zur Welt Indras, zur Welt Prajapatis und zur Brahmanwelt. In dieser Welt befinden sich der See Ara, die Stunden Yashtiha, der Fluss Vijara, der Baum Ilya, die Stadt Salajya, die unüberwindliche Wohnstätte Aparajita, Indra und Prajapati als Torwächter, die Halle Vibhu, der Thron Vicakshana und das Lager Amitaujas. Dort sind auch die Geliebte Manasi und ihr Gegenbild Cakshushi; mit Blumen versehen weben sie die Welten. Dort sind die Apsaras Ambas und Ambayavis und die Flüsse Ambayas.

1.4

Er kommt zum See Ara und überschreitet ihn mit dem Geist; wer dort ohne die entsprechende Erkenntnis eintrifft, versinkt. Er kommt zu den Stunden Yashtiha, die vor ihm davonlaufen. Er kommt zum Fluss Vijara und überschreitet ihn allein mit dem Geist. Dort schüttelt er gutes und schlechtes Handeln ab. Seine ihm lieben Verwandten übernehmen das Gute, die ihm nicht lieben das Schlechte. Wie jemand, der mit einem Wagen dahinfährt, auf die Wagenräder hinabblickt, so blickt er auf Tag und Nacht, gutes und schlechtes Handeln und alle Gegensatzpaare hinab. Frei von Gutem und Schlechtem geht er, der Brahman kennt, zu Brahman. Wer so weiß, kommt dorthin. Brahman sagt: „Lauft ihm entgegen, in meiner Herrlichkeit! Er hat den Fluss Vijara erreicht; er wird nicht altern.“ Fünfhundert Apsaras gehen ihm entgegen: hundert mit Kränzen, hundert mit Salben, hundert mit duftendem Pulver, hundert mit Kleidern und hundert mit Früchten. Sie schmücken ihn mit Brahmans Schmuck. Mit Brahmans Schmuck geschmückt, tritt der Wissende zu Brahman.

1.5

Er kommt zum Baum Ilya; Brahmans Duft dringt in ihn ein. Er kommt zur Stadt Salajya; Brahmans Geschmack dringt in ihn ein. Er kommt zur Wohnstätte Aparajita; Brahmans Glanz dringt in ihn ein. Er kommt zu den Torwächtern Indra und Prajapati; beide laufen vor ihm davon. Er kommt zur Halle Vibhu; Brahmans Herrlichkeit dringt in ihn ein. Er kommt zum Thron Vicakshana. Die Samans Brihat und Rathantara sind dessen vordere Füße, Shyaita und Naudhasa die hinteren, Vairupa und Vairaja die Längsleisten, Shakvara und Raivata die Querleisten. Er ist Erkenntnis; denn durch Erkenntnis sieht man klar. Er kommt zum Lager Amitaujas. Dieses ist Prana. Vergangenheit und Zukunft sind seine vorderen Füße, Wohlergehen und Nahrung die hinteren; Brihat und Rathantara sind die Längsleisten, Bhadra und Yajnayajniya die Kopfleisten. Rigverse und Samagesänge sind die längs gespannten Stränge, Yajusformeln die quer verlaufenden; Somastängel sind die Unterlage, Udgitha die Lehne und Wohlergehen das Kissen. Darauf sitzt Brahman. Wer so weiß, steigt mit dem Fuß voran hinauf. Brahman fragt ihn: „Wer bist du?“ Darauf soll er antworten:

1.6

„Ich bin Jahreszeit, ich bin Kind der Jahreszeiten, aus dem Mutterschoß des Raumes entstanden, Same für die Gattin, Glanz des Jahres, Selbst eines jeden Wesens. Du bist das Selbst eines jeden Wesens. Was du bist, das bin ich.“ Er fragt ihn: „Wer bin ich?“ Er soll antworten: „Wahrheit.“ – „Was ist diese Wahrheit?“ – „Was von den Göttern und den Lebenskräften verschieden ist, ist sat; die Götter und Lebenskräfte sind tyam. Beides wird in dem einen Wort sattyam, Wahrheit, ausgesprochen. So umfassend ist dieses All; dieses All bist du.“ So sagt er zu ihm. Dies wird auch in einem Rigvers ausgedrückt:

1.7a – Die Gestalt aus Veda

Der Yajur ist sein Bauch, der Sama sein Haupt, der Rig seine Gestalt; er ist unvergänglich. Man erkenne ihn als Brahman, den großen Seher, ganz von Brahman erfüllt.

1.7b – Sinne und Erkenntnis

Er fragt: „Wodurch erfasst du meine männlichen Namen?“ – „Durch Prana“, soll er antworten. „Wodurch die sächlichen?“ – „Durch den Geist.“ „Wodurch die weiblichen?“ – „Durch die Rede.“ „Wodurch Gerüche?“ – „Durch das Riechorgan.“ „Wodurch Gestalten?“ – „Durch das Auge.“ „Wodurch Töne?“ – „Durch das Ohr.“ „Wodurch Nahrungsgeschmäcke?“ – „Durch die Zunge.“ „Wodurch Handlungen?“ – „Durch die Hände.“ „Wodurch Lust und Leid?“ – „Durch den Körper.“ „Wodurch Wonne, Liebeslust und Zeugung?“ – „Durch das Geschlechtsorgan.“ „Wodurch Bewegung?“ – „Durch die Füße.“ „Wodurch Gedanken, das zu Erkennende und Wünsche?“ – „Durch Erkenntnis“, soll er antworten. Er sagt zu ihm: „Die Wasser sind meine Welt; jene Welt ist nun dein.“ Welche Errungenschaft und Ausbreitung Brahmans es gibt, diese Errungenschaft gewinnt und diese Ausbreitung erreicht, wer so weiß, wer so weiß.

Abschluss des ersten Adhyaya

Hier endet das erste Kapitel der zum Rigveda gehörenden Kaushitaki-Brahmana-Aranyaka-Upanishad.

2.1

„Prana ist Brahman“, lehrte Kaushitaki. Dieses Prana-Brahman hat den Geist als Boten, das Auge als Wächter, das Ohr als Anmelder und die Rede als Aufwärterin. Wer den Geist als seinen Boten kennt, hat einen Boten; wer das Auge als Wächter kennt, hat einen Wächter; wer das Ohr als Anmelder kennt, hat einen Anmelder; wer die Rede als Aufwärterin kennt, hat eine Aufwärterin. Alle diese Gottheiten bringen diesem Prana-Brahman Gaben, ohne dass es darum bittet. Ebenso bringen alle Wesen dem, der so weiß, unaufgefordert Gaben. Seine geheime Unterweisung lautet: Er soll nicht bitten. Wenn er in einem Dorf Almosen gesucht und nichts erhalten hat, setze er sich mit dem Entschluss: „Ich werde nichts essen, was hier gegeben wird.“ Gerade diejenigen, die ihn vorher abgewiesen haben, laden ihn nun ein: „Wir wollen dir geben.“ Dies ist die Ordnung für den Nichtbittenden: Die Nahrungsspender selbst laden ihn ein: „Wir wollen dir geben.“

2.2

„Prana ist Brahman“, lehrte Paingya. Bei diesem Brahman schließt das Auge die Rede von außen ein, das Ohr schließt das Auge ein, der Geist schließt das Ohr ein, und Prana schließt den Geist ein. Alle diese Gottheiten bringen diesem Prana-Brahman unaufgefordert Gaben. Ebenso bringen alle Wesen dem, der so weiß, unaufgefordert Gaben. Seine geheime Unterweisung lautet: Er soll nicht bitten. Wenn er in einem Dorf Almosen gesucht und nichts erhalten hat, setze er sich mit dem Entschluss: „Ich werde nichts essen, was hier gegeben wird.“ Gerade diejenigen, die ihn vorher abgewiesen haben, laden ihn ein: „Wir wollen dir geben.“ Dies ist die Ordnung des Nichtbittenden: Die Nahrungsspender selbst laden ihn ein: „Wir wollen dir geben.“

2.3a – Erlangen eines bestimmten Gutes

Nun das Erlangen eines bestimmten Gutes. Wenn man ein bestimmtes Gut begehrt, entzünde man bei Vollmond, Neumond oder in der hellen Monatshälfte unter einem günstigen Mondhaus das Feuer, reinige ringsum, streue Gras aus, besprenge, läutere, beuge das rechte Knie und bringe mit Opferlöffel, Becher oder Metallgefäß diese Ghee-Opfer dar:

2.3b – Die sechs Opferformeln

„Rede heißt die gewinnende Gottheit; sie möge mir dieses von jenem verschaffen. Ihr: Svaha! Prana heißt die gewinnende Gottheit; sie möge mir dieses von jenem verschaffen. Ihr: Svaha! Auge heißt die gewinnende Gottheit; sie möge mir dieses von jenem verschaffen. Ihr: Svaha! Ohr heißt die gewinnende Gottheit; sie möge mir dieses von jenem verschaffen. Ihr: Svaha! Geist heißt die gewinnende Gottheit; sie möge mir dieses von jenem verschaffen. Ihr: Svaha! Erkenntnis heißt die gewinnende Gottheit; sie möge mir dieses von jenem verschaffen. Ihr: Svaha!“

2.3c – Abschluss der Handlung

Dann rieche er den Rauchduft, bestreiche die Glieder mit Ghee, gehe schweigend hin und trage sein Anliegen vor oder sende einen Boten. Er erlangt es, so lautet die Verheißung.

2.4

Nun die durch die Gottheiten bewirkte Zuneigung. Wenn man einem Mann, einer Frau, Männern oder Frauen lieb werden möchte, entzünde man zu einem der genannten Zeitpunkte das Feuer und bringe in derselben Weise diese Ghee-Opfer dar: „Deine Rede opfere ich in mich, du da, Svaha! Deinen Prana opfere ich in mich, du da, Svaha! Dein Auge opfere ich in mich, du da, Svaha! Dein Ohr opfere ich in mich, du da, Svaha! Deinen Geist opfere ich in mich, du da, Svaha! Deine Erkenntnis opfere ich in mich, du da, Svaha!“ Dann rieche man den Rauchduft, bestreiche die Glieder mit Ghee, gehe schweigend hin und suche Berührung; oder man stehe sprechend auf der Windseite. Man wird lieb und sie gedenken seiner, so die Verheißung.

2.5

Nun die Sammlung nach Pratardana, die man auch das innere Agnihotra nennt. Solange ein Mensch spricht, kann er nicht einatmen; dann opfert er Prana in die Rede. Solange er atmet, kann er nicht sprechen; dann opfert er die Rede in Prana. Diese beiden unbegrenzten, unvergänglichen Opfer bringt er wachend und schlafend fortwährend und ohne Unterbrechung dar. Die anderen Opfer hingegen sind begrenzt, denn sie bestehen aus vollzogenen Handlungen. Deshalb brachten die früheren Wissenden das [äußere] Agnihotra nicht dar.

2.6

„Das Uktha ist Brahman“, lehrte Shushkabhringara. Man verehre es als Rig: Alle Wesen ehren einen zu höchstem Rang. Man verehre es als Yajur: Alle Wesen verbinden sich einem zu höchstem Rang. Man verehre es als Saman: Alle Wesen neigen sich einem zu höchstem Rang. Man verehre es als Wohlergehen, Ruhm und Glanz. Wie dieses unter den Rezitationen das reichste an Wohlergehen, Ruhm und Glanz ist, so wird der so Wissende unter allen Wesen der reichste an Wohlergehen, Ruhm und Glanz. Der Adhvaryu bereitet dieses aus Ziegeln und Handlung bestehende Selbst. In dieses webt er das aus Yajus Bestehende; in das aus Yajus Bestehende webt der Hotar das aus Rig Bestehende; in das aus Rig Bestehende der Udgatar das aus Saman Bestehende. Dies ist das Selbst der dreifachen Veda-Erkenntnis. Dieses wird Indras Selbst für den, der so weiß.

2.7

Nun die drei Verehrungen des allbezwingenden Kaushitaki. Sarvajit Kaushitaki verehrte die aufgehende Sonne, nachdem er die Opferschnur angelegt, Wasser gebracht und dreimal das Wassergefäß besprengt hatte: „Du bist der Entferner; entferne mein Unheilsames!“ Ebenso verehrte er sie in der Mitte des Tages: „Du bist der Hinaufentferner; entferne mein Unheilsames hinauf!“ Ebenso die untergehende: „Du bist der Zusammenentferner; entferne mein Unheilsames vollständig!“ Was er bei Tag und Nacht an Unheilsamem getan hatte, entfernte er so. Ebenso soll der so Wissende die Sonne auf diese Weise verehren. Was er bei Tag und Nacht an Unheilsamem tut, entfernt er damit.

2.8a – Verehrung bei Neumond

Monat für Monat verehre man bei Neumond den im Westen sichtbaren Mond in derselben Weise; oder man werfe ihm zwei grüne Grashalme entgegen.

2.8a – Die Bitte für die Kinder

„Mein gut entflammtes Herz, das im Mond ruht, dieses glaube ich zu kennen. Möge ich kein Leid um ein Kind beweinen!“

2.8a – Verheißung

Seine Kinder scheiden dann nicht vor ihm dahin, so heißt es.

2.8b – Die Gattin

Wenn er mit seiner Gattin zusammenliegen will, berühre er ihr Herz:

2.8b – Bitte für die Mutter

„Dein Herz, Schönhaarige, das in Prajapati ruht: Durch dieses mögest du, Herrin der Unsterblichkeit, kein Leid um ein Kind erfahren!“

2.8b – Verheißung

Ihre Kinder scheiden dann nicht vor ihr dahin, so heißt es.

2.8c_(8)

So gilt es für den, dem bereits ein Sohn geboren ist. Nun für den, dem noch kein Sohn geboren ist: Er rezitiere die drei Rigverse, beginnend „Schwelle an, es möge sich dir vereinen“, „Dir mögen Milch und Kräfte gemeinsam zukommen“ und „Den Strahl, den die Adityas anschwellen lassen“. Dann spreche er: „Schwelle nicht durch unser Leben, unsere Kinder und unser Vieh an! Wer uns hasst und wen wir hassen, durch dessen Leben, Kinder und Vieh schwelle an! Ich vollziehe Indras Wendung; ich folge der Wendung der Sonne.“ Dabei dreht er sich nach rechts.

2.9

Bei Vollmond verehre man den im Osten sichtbaren Mond in derselben Weise: „Du bist König Soma, der weithin Sehende; du bist der fünfgesichtige Prajapati. Der Brahmane ist ein Mund von dir; mit diesem Mund verzehrst du die Könige. Mit diesem Mund mache mich zum Esser der Nahrung! Der König ist ein Mund von dir; mit diesem Mund verzehrst du das Volk. Mit diesem Mund mache mich zum Esser der Nahrung! Der Falke ist ein Mund von dir; mit diesem Mund verzehrst du die Vögel. Mit diesem Mund mache mich zum Esser der Nahrung! Das Feuer ist ein Mund von dir; mit diesem Mund verzehrst du diese Welt. Mit diesem Mund mache mich zum Esser der Nahrung! In dir ist der fünfte Mund; mit ihm verzehrst du alle Wesen. Mit diesem Mund mache mich zum Esser der Nahrung! Nimm nicht durch unser Leben, unsere Kinder und unser Vieh ab! Wer uns hasst und wen wir hassen, durch dessen Leben, Kinder und Vieh nimm ab! Ich vollziehe die göttliche Wendung; ich folge der Wendung der Sonne.“ Dabei dreht er sich nach rechts.

2.10a – Heimkehr zum Sohn

Wenn er von einer Reise heimkehrt, küsse er das Haupt seines Sohnes.

2.10b – Segen des Lebens

„Aus Glied um Glied entstehst du, aus dem Herzen wirst du geboren. Du bist mein Selbst, Sohn; du hast mich bewahrt. So lebe hundert Herbste!“

2.10c – Nennung des Namens

„Du da!“ Dabei nennt er seinen Namen.

2.10d – Segen der Festigkeit

„Sei ein Stein, sei eine Axt, sei unversehrtes Gold! Du bist wahrlich mein Glanz, Sohn. So lebe hundert Herbste!“

2.10e – Umarmung

„Du da!“ Dabei nennt er seinen Namen. Dann umarmt er ihn.

2.10f – Schutzsegen

„Womit Prajapati die Geschöpfe zu ihrer Unversehrtheit umfing, damit umfange ich dich.“

2.10g – Die Anrufungen Indras

„Du da!“ Dabei nennt er seinen Namen. Dann flüstert er ihm ins rechte Ohr: „Reiche ihm dar, Gabenreicher, kraftvoller Indra!“ Ins linke: „Indra, gib die besten Güter!“

2.10h – Abschließender Lebenssegen

„Zerbrich nicht, wanke nicht! Lebe hundert Herbste Lebenszeit, Sohn! Bei deinem Namen küsse ich dein Haupt.“

2.10i – Der Ruf der Kühe

„Du da!“ So küsse er dreimal das Haupt. „Mit dem Hin-Ruf der Kühe rufe ich dich an!“ So lasse er dreimal den Hin-Ruf gegen dessen Haupt ertönen.

2.11

Nun das Dahinsterben der Gottheiten. Dieses Brahman leuchtet, wenn Feuer brennt, und stirbt, wenn es nicht brennt; sein Glanz geht in die Sonne ein, sein Lebenshauch in den Wind. Dieses Brahman leuchtet, wenn die Sonne sichtbar ist, und stirbt, wenn sie nicht sichtbar ist; ihr Glanz geht in den Mond ein, ihr Lebenshauch in den Wind. Dieses Brahman leuchtet, wenn der Mond sichtbar ist, und stirbt, wenn er nicht sichtbar ist; sein Glanz geht in den Blitz ein, sein Lebenshauch in den Wind. Dieses Brahman leuchtet, wenn der Blitz zuckt, und stirbt, wenn er nicht zuckt; sein Glanz geht in den Wind ein, sein Lebenshauch in den Wind. Alle diese Gottheiten gehen in den Wind ein; im Wind gestorben, vergehen sie nicht, sondern erheben sich aus ihm wieder. So hinsichtlich der Gottheiten. Nun hinsichtlich des eigenen Selbst.

2.12

Dieses Brahman leuchtet, wenn man mit der Rede spricht, und stirbt, wenn man nicht spricht; ihr Glanz geht in das Auge ein, ihr Lebenshauch in Prana. Dieses Brahman leuchtet, wenn man mit dem Auge sieht, und stirbt, wenn man nicht sieht; sein Glanz geht in das Ohr ein, sein Lebenshauch in Prana. Dieses Brahman leuchtet, wenn man mit dem Ohr hört, und stirbt, wenn man nicht hört; sein Glanz geht in den Geist ein, sein Lebenshauch in Prana. Dieses Brahman leuchtet, wenn man mit dem Geist denkt, und stirbt, wenn man nicht denkt; sein Glanz geht in Prana ein, sein Lebenshauch in Prana. Alle diese Gottheiten gehen in Prana ein; in Prana gestorben, vergehen sie nicht, sondern erheben sich aus ihm wieder. Selbst wenn beide Gebirge, das südliche und das nördliche, auf den so Wissenden einstürzten, um ihn zu begraben, könnten sie ihn nicht begraben. Die aber, die ihn hassen und die er selbst hasst, sterben rings um ihn dahin.

2.13

Nun das Gewinnen des Vorrangs. Die Gottheiten stritten: „Ich bin der Beste“, und zogen aus diesem Körper aus. Ohne Atem lag er trocken wie Holz da. Die Rede trat hinein; er sprach, blieb aber liegen. Das Auge trat hinein; er sprach und sah, blieb aber liegen. Das Ohr trat hinein; er sprach, sah und hörte, blieb aber liegen. Der Geist trat hinein; er sprach, sah, hörte und dachte, blieb aber liegen. Prana trat hinein; sofort stand er auf. Da erkannten alle diese Gottheiten Pranas Vorrang. Sie vereinigten sich mit Prana als dem Erkenntnis-Selbst und zogen alle gemeinsam aus diesem Körper aus. In den Wind eingegangen und von Raumesnatur geworden, gelangten sie zum Himmel. Ebenso erkennt der so Wissende Pranas Vorrang, vereinigt sich mit Prana als dem Erkenntnis-Selbst aller Wesen und zieht mit all diesen aus dem Körper aus. In den Wind eingegangen und von Raumesnatur geworden, gelangt er zum Himmel. Er geht dorthin, wo diese Götter sind. Dort angekommen, wird er unsterblich, wie die Götter unsterblich sind, wenn er so weiß.

2.14a – Das Vermächtnis

Nun die Vater-Sohn-Zeremonie, auch Übergabe genannt. Der Vater, der sich zum Abschied anschickt, ruft den Sohn. Er lässt das Haus mit frischem Gras ausstreuen, das Feuer entzünden und einen Wasserkrug mit Schale bereitstellen. Mit einem neuen Gewand bedeckt liegt der Vater da. Der Sohn kommt, beugt sich von oben über ihn und berührt dessen Sinnesorgane mit den eigenen. Oder der Vater übergibt dem ihm gegenübersitzenden Sohn sein Vermächtnis. Er übergibt es ihm so:

2.14b – Die Übertragung der Kräfte

Der Vater: „Ich möchte dir meine Rede übertragen.“ Der Sohn: „Ich nehme deine Rede in mich auf.“ Der Vater: „Ich möchte dir meinen Lebenshauch übertragen.“ Der Sohn: „Ich nehme deinen Lebenshauch in mich auf.“ Der Vater: „Ich möchte dir meine Sehkraft übertragen.“ Der Sohn: „Ich nehme deine Sehkraft in mich auf.“ Der Vater: „Ich möchte dir meine Hörkraft übertragen.“ Der Sohn: „Ich nehme deine Hörkraft in mich auf.“ Der Vater: „Ich möchte dir meine Nahrungsgeschmäcke übertragen.“ Der Sohn: „Ich nehme deine Nahrungsgeschmäcke in mich auf.“ Der Vater: „Ich möchte dir meine Handlungen übertragen.“ Der Sohn: „Ich nehme deine Handlungen in mich auf.“ Der Vater: „Ich möchte dir meine Lust und Leid übertragen.“ Der Sohn: „Ich nehme deine Lust und Leid in mich auf.“ Der Vater: „Ich möchte dir meine Wonne, Liebeslust und Zeugung übertragen.“ Der Sohn: „Ich nehme deine Wonne, Liebeslust und Zeugung in mich auf.“ Der Vater: „Ich möchte dir meine Bewegungen übertragen.“ Der Sohn: „Ich nehme deine Bewegungen in mich auf.“ Der Vater: „Ich möchte dir meinen Geist übertragen.“ Der Sohn: „Ich nehme deinen Geist in mich auf.“ Der Vater: „Ich möchte dir meine Erkenntnis übertragen.“ Der Sohn: „Ich nehme deine Erkenntnis in mich auf.“

2.14c – Die zusammengefasste Formel

Wenn der Vater nur noch mit Mühe sprechen kann, sage er zusammenfassend: „Meine Lebenskräfte möchte ich in dich legen.“ Der Sohn: „Deine Lebenskräfte nehme ich in mich auf.“

2.14d – Abschied und weiterer Lebensweg

Dann geht der Sohn nach rechts herum nach Osten hinaus. Der Vater spricht ihm den Segen nach: „Herrlichkeit, Brahmanenglanz und Ruhm mögen dich erfreuen!“ Der Sohn schaut über die linke Schulter zurück, hält die Hand davor oder bedeckt sich mit dem Gewandende und spricht: „Erlange himmlische Welten und Freuden!“ Wenn der Vater wieder gesund wird, lebe er unter der Hausherrschaft des Sohnes oder ziehe als Entsagender umher. Wenn er aber stirbt, vollziehe man seinen Abschluss so, wie er zu vollziehen ist, wie er zu vollziehen ist.

Abschluss des zweiten Adhyaya

Hier endet das zweite Kapitel der Kaushitaki Brahmana Upanishad.

3.1

Pratardana, Divodasas Sohn, gelangte durch Kampf und Manneskraft zu Indras geliebter Wohnstätte. Indra sagte: „Pratardana, wähle einen Wunsch!“ Pratardana erwiderte: „Wähle du für mich, was du für den Menschen als am heilsamsten ansiehst.“ Indra sagte: „Einer wählt nicht für einen anderen einen Wunsch. Wähle selbst!“ Pratardana sagte: „Dann wäre es für mich ja kein Wunschgeschenk.“ Indra wich nicht von der Wahrheit ab; denn Indra ist Wahrheit. Er sprach: „Erkenne mich! Dies halte ich für den Menschen für das Heilsamste: dass er mich erkenne. Ich erschlug den dreiköpfigen Sohn Tvashtris. Ich erschlug die Arurmaghas. Die Yatis warf ich den wilden Hunden vor. Viele Bündnisse brechend, zerschlug ich im Himmel die Prahladiyas, im Zwischenraum die Paulomas, auf der Erde die Kalakanjas. Dabei wurde mir kein Haar gekrümmt. Wer mich kennt, dem wird durch kein Werk ein Haar gekrümmt: weder durch Diebstahl noch durch Tötung eines Ungeborenen, Muttertötung oder Vatertötung. Selbst wenn er Unheilsames getan hat, weicht die dunkle Farbe nicht aus seinem Gesicht.“

3.2

Er sprach: „Ich bin Prana, das Erkenntnis-Selbst. Verehre mich als Leben und als Unsterbliches. Leben ist Prana und Prana ist Leben. Solange Prana in diesem Körper wohnt, so lange besteht das Leben. Durch Prana erlangt man in dieser Welt Nichtsterben, durch Erkenntnis die wahre Absicht. Wer mich als Leben und Unsterbliches verehrt, erreicht in dieser Welt die volle Lebensdauer und erlangt Unsterblichkeit, Unvergänglichkeit in der Himmelswelt.“ Einige sagen, die Lebenskräfte gingen in eine Einheit ein: Niemand könne gleichzeitig mit der Rede einen Namen, mit dem Auge eine Gestalt, mit dem Ohr einen Ton und mit dem Geist einen Gedanken bewusst machen. Erst indem die Lebenskräfte eine Einheit bilden, machen sie dieses alles nacheinander bewusst. Wenn die Rede spricht, sprechen alle Lebenskräfte mit; wenn das Auge sieht, sehen alle mit; wenn das Ohr hört, hören alle mit; wenn der Geist denkt, denken alle mit; wenn Prana atmet, atmen alle mit. „So ist es“, sagte Indra. „Doch gibt es unter den Lebenskräften einen Vorrang.“

3.3a – Das Tragende im Leben

Man lebt ohne Rede; wir sehen Menschen ohne Sprechvermögen. Man lebt ohne Sehen; wir sehen Blinde. Man lebt ohne Hören; wir sehen Gehörlose. Man lebt ohne ausgebildetes Denken; wir sehen Unmündige. Man lebt mit abgetrenntem Arm, man lebt mit abgetrenntem Schenkel: So sehen wir es. Prana aber, das Erkenntnis-Selbst, umfasst diesen Körper und richtet ihn auf. Deshalb verehre man es als Uktha. Dies ist das völlige Zusammenkommen in Prana. Was Prana ist, das ist Erkenntnis; was Erkenntnis ist, das ist Prana.

3.3b – Tiefschlaf und Erwachen

Daran lässt es sich sehen und erkennen: Wenn ein Mensch schläft und keinen Traum sieht, werden die Kräfte in diesem Prana eins. Die Rede geht mit allen Namen in ihn ein, das Auge mit allen Gestalten, das Ohr mit allen Tönen, der Geist mit allen Gedanken. Wenn er erwacht, treten aus diesem Selbst die Lebenskräfte zu ihren jeweiligen Orten hervor, wie Funken eines brennenden Feuers in alle Richtungen auseinanderfliegen. Aus den Lebenskräften die Götter, aus den Göttern die Welten. Dieses Prana, das Erkenntnis-Selbst, umfasst den Körper und richtet ihn auf. Deshalb verehre man es als Uktha. Dies ist das völlige Zusammenkommen in Prana. Was Prana ist, ist Erkenntnis; was Erkenntnis ist, ist Prana.

3.3c – Sterben

Daran lässt es sich erweisen und erkennen: Wenn ein Mensch krank ist und sterben wird, kraftlos wird und in Bewusstlosigkeit versinkt, sagt man: „Sein Bewusstsein ist fortgegangen.“ Er hört nicht, sieht nicht, spricht nicht und denkt nicht. Dann werden die Kräfte in diesem Prana eins. Die Rede geht mit allen Namen in ihn ein, das Auge mit allen Gestalten, das Ohr mit allen Tönen, der Geist mit allen Gedanken. Wenn er aus diesem Körper auszieht, zieht er mit all diesen gemeinsam aus.

3.4

Die Rede entlässt aus ihm alle Namen; mit der Rede erlangt er alle Namen. Der Atem entlässt aus ihm alle Gerüche; mit dem Atem erlangt er alle Gerüche. Das Auge entlässt aus ihm alle Gestalten; mit dem Auge erlangt er alle Gestalten. Das Ohr entlässt aus ihm alle Töne; mit dem Ohr erlangt er alle Töne. Der Geist entlässt aus ihm alle Gedanken; mit dem Geist erlangt er alle Gedanken. Dies ist das völlige Zusammenkommen in Prana. Was Prana ist, ist Erkenntnis; was Erkenntnis ist, ist Prana. Beide wohnen gemeinsam in diesem Körper und ziehen gemeinsam aus. Nun wollen wir erklären, wie alle Wesen für diese Erkenntnis eins werden.

3.5

Rede ist eine aus ihr hervorgetretene Funktion; Namen ist ihr außen zugeordneter gegenständlicher Bereich. Riechorgan ist eine aus ihr hervorgetretene Funktion; Geruch ist ihr außen zugeordneter gegenständlicher Bereich. Auge ist eine aus ihr hervorgetretene Funktion; Gestalt ist ihr außen zugeordneter gegenständlicher Bereich. Ohr ist eine aus ihr hervorgetretene Funktion; Ton ist ihr außen zugeordneter gegenständlicher Bereich. Zunge ist eine aus ihr hervorgetretene Funktion; Nahrungsgeschmack ist ihr außen zugeordneter gegenständlicher Bereich. Die Hände sind eine aus ihr hervorgetretene Funktion; Handlung ist ihr außen zugeordneter gegenständlicher Bereich. Körper ist eine aus ihr hervorgetretene Funktion; Lust und Leid ist ihr außen zugeordneter gegenständlicher Bereich. Geschlechtsorgan ist eine aus ihr hervorgetretene Funktion; Wonne, Liebeslust und Zeugung ist ihr außen zugeordneter gegenständlicher Bereich. Die Füße sind eine aus ihr hervorgetretene Funktion; Bewegung ist ihr außen zugeordneter gegenständlicher Bereich. Erkenntnisvermögen ist eine aus ihr hervorgetretene Funktion; Gedanken, das zu Erkennende und Wünsche ist ihr außen zugeordneter gegenständlicher Bereich.

3.6

Indem man mit Erkenntnis die Rede betritt, erlangt man mit der Rede alle Namen. Indem man mit Erkenntnis das Riechorgan betritt, erlangt man mit dem Riechorgan alle Gerüche. Indem man mit Erkenntnis das Auge betritt, erlangt man mit dem Auge alle Gestalten. Indem man mit Erkenntnis das Ohr betritt, erlangt man mit dem Ohr alle Töne. Indem man mit Erkenntnis die Zunge betritt, erlangt man mit der Zunge alle Nahrungsgeschmäcke. Indem man mit Erkenntnis die Hände betritt, erlangt man mit den Händen alle Handlungen. Indem man mit Erkenntnis den Körper betritt, erlangt man mit dem Körper Lust und Leid. Indem man mit Erkenntnis das Geschlechtsorgan betritt, erlangt man mit dem Geschlechtsorgan Wonne, Liebeslust und Zeugung. Indem man mit Erkenntnis die Füße betritt, erlangt man mit den Füßen alle Bewegungen. Indem man mit Erkenntnis das Denken betritt, erlangt man mit der Erkenntnis Gedanken, das zu Erkennende und Wünsche.

3.7

Ohne Erkenntnis kann die Rede einen Namen nicht bewusst machen. Man sagt: „Mein Geist war anderswo; ich habe diesen Namen nicht wahrgenommen.“ Ohne Erkenntnis kann das Riechorgan einen Geruch nicht bewusst machen. Man sagt: „Mein Geist war anderswo; ich habe diesen Geruch nicht wahrgenommen.“ Ohne Erkenntnis kann das Auge eine Gestalt nicht bewusst machen. Man sagt: „Mein Geist war anderswo; ich habe diese Gestalt nicht wahrgenommen.“ Ohne Erkenntnis kann das Ohr einen Ton nicht bewusst machen. Man sagt: „Mein Geist war anderswo; ich habe diesen Ton nicht wahrgenommen.“ Ohne Erkenntnis kann die Zunge einen Nahrungsgeschmack nicht bewusst machen. Man sagt: „Mein Geist war anderswo; ich habe diesen Nahrungsgeschmack nicht wahrgenommen.“ Ohne Erkenntnis können die Hände eine Handlung nicht bewusst machen. Man sagt: „Mein Geist war anderswo; ich habe diese Handlung nicht wahrgenommen.“ Ohne Erkenntnis kann der Körper Lust oder Leid nicht bewusst machen. Man sagt: „Mein Geist war anderswo; ich habe diese Lust oder dieses Leid nicht wahrgenommen.“ Ohne Erkenntnis kann das Geschlechtsorgan Wonne, Liebeslust oder Zeugung nicht bewusst machen. Man sagt: „Mein Geist war anderswo; ich habe diese Wonne, Liebeslust oder Zeugung nicht wahrgenommen.“ Ohne Erkenntnis können die Füße eine Bewegung nicht bewusst machen. Man sagt: „Mein Geist war anderswo; ich habe diese Bewegung nicht wahrgenommen.“ Ohne Erkenntnis kann kein Gedanke gelingen und nichts zu Erkennendes erkannt werden.

3.8a – Suche den Erkennenden

Man suche nicht die Rede zu erkennen, sondern erkenne den Sprecher. Man suche nicht den Geruch zu erkennen, sondern erkenne den Riechenden. Man suche nicht die Gestalt zu erkennen, sondern erkenne den Sehenden. Man suche nicht den Ton zu erkennen, sondern erkenne den Hörenden. Man suche nicht den Nahrungsgeschmack zu erkennen, sondern erkenne den Kenner des Nahrungsgeschmacks. Man suche nicht die Handlung zu erkennen, sondern erkenne den Handelnden. Man suche nicht Lust und Leid zu erkennen, sondern ihren Erkenner. Man suche nicht Wonne, Liebeslust und Zeugung zu erkennen, sondern ihren Erkenner. Man suche nicht die Bewegung zu erkennen, sondern den Gehenden. Man suche nicht den Geist zu erkennen, sondern den Denkenden.

3.8b – Speichen und Nabe

Diese zehn gegenständlichen Bereiche beziehen sich auf Erkenntnis; die zehn Erkenntnisbereiche beziehen sich auf die Gegenstände. Gäbe es keine Gegenstandsbereiche, gäbe es keine Erkenntnisbereiche; gäbe es keine Erkenntnisbereiche, gäbe es keine Gegenstandsbereiche. Aus nur einer der beiden Seiten könnte keine Gestalt zustande kommen. Sie sind nicht voneinander getrennt. Wie beim Wagen der Radkranz auf den Speichen und die Speichen in der Nabe ruhen, so ruhen diese Gegenstandsbereiche in den Erkenntnisbereichen und die Erkenntnisbereiche in Prana.

3.8c – Das Selbst

Dieses Prana, das Erkenntnis-Selbst, ist unbegrenzt, alterslos und unsterblich. Es wird durch gutes Handeln nicht größer und durch schlechtes nicht geringer. Es lässt den gutes Handeln tun, den es aus diesen Welten hinaufführen will; es lässt den schlechtes Handeln tun, den es hinabführen will. Es ist der Weltenhüter, der Weltenherrscher, der Herr der Welten. „Es ist mein Selbst“, so soll man erkennen. „Es ist mein Selbst“, so soll man erkennen.

Abschluss des dritten Adhyaya

Hier endet das dritte Kapitel der Kaushitaki Brahmana Upanishad.

4.1

Gargya Balaki war ein bekannter Schriftgelehrter. Er hatte unter den Ushinaras, Satvan-Matsyas, Kuru-Pancalas und Kashi-Videhas gelebt. Er ging zu Ajatashatru, dem König von Kashi, und sagte: „Ich will dir Brahman erklären.“ Ajatashatru antwortete: „Wir geben dir dafür tausend [Kühe]. Denn bei einer solchen Rede laufen die Menschen gewöhnlich mit dem Ruf ‚Janaka! Janaka!‘ zu ihm.“

4.2

In der Sonne: das Große. Im Mond: Nahrung. Im Blitz: Glanz. Im Donner: Ton. Im Wind: Indra Vaikuntha. Im Raum: Fülle. Im Feuer: der Überwältiger. Im Wasser: Wahrheit. So hinsichtlich der Gottheiten. Nun hinsichtlich des eigenen Selbst: Im Spiegel: das Ebenbild. Im Schatten: der Zweite. Im Echo: Lebenskraft. Im Ton: Tod. Im Traum: Yama. Im Körper: Prajapati. Im rechten Auge: das der Rede. Im linken Auge: das der Wahrheit.

4.3

Balaki sprach: „Ich verehre den Purusha in der Sonne.“ Ajatashatru antwortete: „Sprich mir davon nicht als etwas Neuem! Ich verehre ihn als den alles Überragenden, das Haupt aller Wesen.“ Wer ihn so verehrt, wird der alles Überragende, das Haupt aller Wesen.

4.4

Balaki sprach: „Ich verehre den Purusha im Mond.“ Ajatashatru antwortete: „Sprich mir davon nicht als etwas Neuem! Ich verehre ihn als den Großen, Weißgekleideten, König Soma, das Selbst der Nahrung.“ Wer ihn so verehrt, wird das Selbst der Nahrung.

4.5

Balaki sprach: „Ich verehre den Purusha im Blitz.“ Ajatashatru antwortete: „Sprich mir davon nicht als etwas Neuem! Ich verehre ihn als das Selbst des Glanzes.“ Wer ihn so verehrt, wird das Selbst des Glanzes.

4.6

Balaki sprach: „Ich verehre den Purusha im Donner.“ Ajatashatru antwortete: „Sprich mir davon nicht als etwas Neuem! Ich verehre ihn als das Selbst des Tones.“ Wer ihn so verehrt, wird das Selbst des Tones.

4.7

Balaki sprach: „Ich verehre den Purusha im Raum.“ Ajatashatru antwortete: „Sprich mir davon nicht als etwas Neuem! Ich verehre ihn als das volle, unbewegte Brahman.“ Wer ihn so verehrt, wird mit Nachkommen, Vieh, Ruhm, Brahmanenglanz und der Himmelswelt erfüllt; er erreicht die volle Lebensdauer.

4.8

Balaki sprach: „Ich verehre den Purusha im Wind.“ Ajatashatru antwortete: „Sprich mir davon nicht als etwas Neuem! Ich verehre ihn als Indra Vaikuntha, das unbesiegte Heer.“ Wer ihn so verehrt, wird siegreich, unbesiegbar und Bezwinger anderer.

4.9

Balaki sprach: „Ich verehre den Purusha im Feuer.“ Ajatashatru antwortete: „Sprich mir davon nicht als etwas Neuem! Ich verehre ihn als den Überwältiger.“ Wer ihn so verehrt, wird zum Überwältiger anderer.

4.10

Balaki sprach: „Ich verehre den Purusha im Wasser.“ Ajatashatru antwortete: „Sprich mir davon nicht als etwas Neuem! Ich verehre ihn als das Selbst der Wahrheit.“ Wer ihn so verehrt, wird das Selbst der Wahrheit. So hinsichtlich der Gottheiten. Nun hinsichtlich des eigenen Selbst.

4.11

Balaki sprach: „Ich verehre den Purusha im Spiegel.“ Ajatashatru antwortete: „Sprich mir davon nicht als etwas Neuem! Ich verehre ihn als das Ebenbild.“ Wer ihn so verehrt, dem wird ein ebenbildlicher Nachkomme geboren, kein unähnlicher.

4.12

Balaki sprach: „Ich verehre den Purusha im Schatten.“ Ajatashatru antwortete: „Sprich mir davon nicht als etwas Neuem! Ich verehre ihn als den Zweiten, der nicht weicht.“ Wer ihn so verehrt, findet einen Gefährten und besitzt einen Gefährten.

4.13

Balaki sprach: „Ich verehre den Purusha im Echo.“ Ajatashatru antwortete: „Sprich mir davon nicht als etwas Neuem! Ich verehre ihn als Lebenskraft.“ Wer ihn so verehrt, gerät nicht vor der Zeit in Bewusstlosigkeit.

4.14

Balaki sprach: „Ich verehre den Purusha im Ton.“ Ajatashatru antwortete: „Sprich mir davon nicht als etwas Neuem! Ich verehre ihn als Tod.“ Wer ihn so verehrt, scheidet nicht vor der Zeit dahin.

4.15

Balaki sprach: „Ich verehre jenen Purusha, der schlafend im Traum umherwandert.“ Ajatashatru antwortete: „Sprich mir davon nicht als etwas Neuem! Ich verehre ihn als König Yama.“ Wer ihn so verehrt, dem wird dieses All zu seinem Vorrang gebändigt.

4.16

Balaki sprach: „Ich verehre den Purusha im Körper.“ Ajatashatru antwortete: „Sprich mir davon nicht als etwas Neuem! Ich verehre ihn als Prajapati.“ Wer ihn so verehrt, wird reich an Nachkommen, Vieh, Ruhm, Brahmanenglanz und der Himmelswelt; er erreicht die volle Lebensdauer.

4.17

Balaki sprach: „Ich verehre den Purusha im rechten Auge.“ Ajatashatru antwortete: „Sprich mir davon nicht als etwas Neuem! Ich verehre ihn als das Selbst der Rede, das Selbst des Feuers und das Selbst des Lichtes.“ Wer ihn so verehrt, wird das Selbst all dieser.

4.18

Balaki sprach: „Ich verehre den Purusha im linken Auge.“ Ajatashatru antwortete: „Sprich mir davon nicht als etwas Neuem! Ich verehre ihn als das Selbst der Wahrheit, das Selbst des Blitzes und das Selbst des Glanzes.“ Wer ihn so verehrt, wird das Selbst all dieser.

4.19a – Balaki wird Schüler

Da schwieg Balaki. Ajatashatru fragte: „Ist das alles, Balaki?“ – „Das ist alles“, antwortete Balaki. Ajatashatru sprach: „Du hast mir voreilig versprochen: ‚Ich will dir Brahman erklären.‘ Wer der Schöpfer dieser Purushas ist, wessen Werk dieses ist: Den muss man erkennen.“ Da trat Balaki mit Brennholz in der Hand heran: „Ich möchte dein Schüler werden.“ Ajatashatru sagte: „Es scheint mir gegen die übliche Ordnung, wenn ein Kshatriya einen Brahmanen einweiht. Komm, ich werde dich dennoch unterrichten.“

4.19b – Der Schlafende

Er nahm ihn bei der Hand und ging mit ihm fort. Beide kamen zu einem schlafenden Menschen. Ajatashatru rief ihn an: „Großer, Weißgekleideter, König Soma!“ Der Schlafende blieb liegen. Dann stieß er ihn mit einem Stab an. Sofort stand er auf.

4.19c – Die Frage nach dem Selbst

Ajatashatru fragte: „Wo lag dieser Purusha währenddessen, Balaki? Wo war er? Woher ist er zurückgekommen?“ Balaki wusste es nicht.

4.19d – Die feinen Bahnen

Ajatashatru sprach: „Wo dieser Purusha währenddessen lag, wo er war und woher er kam: Im Menschen erstrecken sich die Hita genannten Bahnen vom Herzen bis zur Herzhülle. So fein wie ein tausendfach gespaltenes Haar sind sie; sie bestehen in der Feinheit von Gelbbraunem, Weißem, Schwarzem, Gelbem und Rotem. In ihnen befindet er sich, wenn er schläft und keinen Traum sieht.“

4.20a – Das Erwachen der Kräfte

Dann werden die Kräfte in diesem Prana eins. Die Rede geht mit allen Namen in ihn ein, das Auge mit allen Gestalten, das Ohr mit allen Tönen, der Geist mit allen Gedanken. Wenn er erwacht, treten aus diesem Selbst die Lebenskräfte zu ihren jeweiligen Orten hervor, wie Funken aus brennendem Feuer in alle Richtungen auseinanderfliegen; aus den Lebenskräften die Götter, aus den Göttern die Welten.

4.20b – Das Selbst im Körper

Dieses Prana, das Erkenntnis-Selbst, ist in diesen Körper, dieses Selbst, eingegangen bis zu den Haaren und bis zu den Nägeln. Wie ein Rasiermesser in seinem Behälter oder ein Allernährer in seinem Nest liegt, so ist dieses Erkenntnis-Selbst in den Körper eingegangen bis zu den Haaren und Nägeln. Die einzelnen Kräfte folgen diesem Selbst wie die Angehörigen ihrem Oberhaupt. Wie das Oberhaupt mit seinen Angehörigen genießt und die Angehörigen an ihrem Oberhaupt teilhaben, so genießt dieses Erkenntnis-Selbst mit diesen einzelnen Kräften, und diese Kräfte haben an diesem Selbst teil.

4.20c – Erkenntnis und Selbstherrschaft

Solange Indra dieses Selbst nicht erkannte, überwältigten ihn die Asuras. Als er es erkannte, erschlug und besiegte er die Asuras und erlangte unter allen Göttern Vorrang, Selbstherrschaft und Oberhoheit. Ebenso vertreibt der so Wissende alles Unheilsame und erlangt unter allen Wesen Vorrang, Selbstherrschaft und Oberhoheit, wer so weiß, wer so weiß.

Abschluss des vierten Adhyaya

Hier endet das vierte Kapitel der Kaushitaki Brahmana Upanishad.

Schluss – Shanti-Mantra

Om. Meine Rede sei im Geist gegründet, mein Geist in der Rede. Offenbare dich mir, du Offenbares! Möget ihr beide mir den Veda erschließen. Möge das von mir Gehörte mich nicht verlassen. Durch dieses Studium verbinde ich Tage und Nächte. Ich werde das Rechte sprechen; ich werde die Wahrheit sprechen. Möge jenes mich beschützen, möge es den Lehrenden beschützen. Möge es mich beschützen; möge es den Lehrenden beschützen, den Lehrenden beschützen.

Schluss – Friedensruf

Om. Frieden, Frieden, Frieden.

Fünf Empfehlungen für die spirituelle Praxis

  1. Beginne mit ehrlichem Nichtwissen. Wie Aruni kannst du offen anerkennen, was du noch nicht verstanden hast. Suche Unterweisung und prüfe die Bedeutung im eigenen Leben.
  2. Betrachte Atem und Rede bewusst. Nimm vor dem Sprechen einen ruhigen Augenblick. Lass die Vorstellung des inneren Opfers deine Worte wahrhaftig und hilfreich werden.
  3. Frage nach dem Erkennenden. Beobachte einen Ton, einen Gedanken oder eine Empfindung und frage: Wer nimmt dies wahr? Verbinde diese Atma Vichara mit ruhiger Meditation.
  4. Unterscheide Teilbilder und Grund. Ein Bild oder Begriff kann die Betrachtung unterstützen. Prüfe zugleich, ob du damit bereits die ganze Wirklichkeit zu erfassen glaubst.
  5. Übe Selbstherrschaft durch Dienst und Besonnenheit. Setze die gewonnene Sammlung in verantwortliches Handeln, Ahimsa und Seva um. Achte die Freiheit anderer Menschen.

Siehe auch

Literatur

Weblinks

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