Begierde

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Begierde oder Begehren bezeichnet den seelischen Antrieb zur Behebung eines subjektiven Mangelerlebens mit einem damit verbundenen Aneignungswunsch eines Gegenstandes oder Zustandes, welcher geeignet erscheint, diesen Mangel zu beheben. Richtungsgebend für den seelischen Antrieb sind beim Begehren mehr die damit verbundenen geistigen Faktoren (Emotionen, Phantasie, Wünsche bzw. Ausgleich der dazugehörigen Bedürfnisse), bei der Begierde dagegen mehr die körperlichen (Triebe, Schmerz, Sucht, Hunger, Durst bzw. Ausgleich der dazugehörigen Bedürfnisse). Das zugehörige Verb ist in beiden Fällen begehren.

Sehnsucht nach Schönheit, ein Grund für Begierde

Umgang mit Begierde anderer

Vortrag von Sukadev

Wenn Menschen Begierden haben, dann kannst du dir überlegen, ob du sie dabei unterstützen willst oder auch nicht. Es den Einfluß de 3 Gunas (Satva,Rajas,Tamas) auf die Gier eines Menschen. Im Yoga teilen wir alles ein in Satva, was rein ist, was gut ist und erheben, in Rajas, was in die Aktivität mündet und eher etwas mit Ego und der eigenen Befriedigung zu tun hat und in Tamas, was unethisch, nicht sattwig ist und den Geist grob macht. Wenn du mit Menschen zu tun hast, die tamassige Begierden haben, also zum Beispiel nach Alkohol, Zigaretten oder anderem, was nicht angemessen ist, dann gilt es dort kein Öl ins Feuer zu gießen und die Menschen dazu zu inspirieren und zu motivieren dem eben nicht nachzugeben. Vielleicht indem du ihnen Möglichkeiten gibst zu entspannen und sich besser zu fühlen. Zum Beispiel mit Yoga und Meditation.

Wenn Menschen rajassige Begierden haben, also zum Beispiel viel Zucker wollen oder anderes, was ethisch in Ordnung ist, weder schädlich ist noch besonders gut, dann halte dich da am besten raus. Wenn Menschen sattwige Bedürfnisse haben, nach etwas begehren, wie zum Beispiel viel zu bewirken oder gesund zu leben oder anderen Menschen in größerem Maße zu helfen oder anderen Gefallen zu tun, dann bestärke sie darin. Gib ihnen Unterstützung, zeige ihnen Wertschätzung und spüre auch innerlich, wie schön es ist mit Menschen zu sein, die Anderen Gutes tun wollen.


Der Begriff „Begierde“ wird in Sprache, Dichtung und Literatur häufig als Metapher für die sexuelle Lust verwendet, während „Begehren“ unter anderem durch die Begriffsprägung Jacques Lacans („désir“) vor allem in den Wortschatz der Wissenschaft, v.a. der Psychoanalyse und der feministischen Philosophie (etwa bei Judith Butler) Eingang gefunden hat. Gabriel Tarde hat das Begehren zu einem Ausgangspunkt soziologischer Theorie genutzt.

Begierde und wahre Liebe

Ein Vortrag von Sukadev Bretz 2016

Liebe auf den ersten Blick ist oft bloß Begierde

Das Begierde und Liebe etwas anderes sind, dass weiß vermutlich jeder Mensch. Es gibt unterschiedliche Formen von Begierden, es gibt unterschiedliche Formen von Liebe. Wenn Du von Partnerliebe sprichst, also Liebe zwischen Mann und Frau oder zwischen Mann und Mann oder Frau und Frau, dann gibt es Begierde und es gibt wahre Liebe. Müssen die entgegen gesetzt sein? Nein. In einer typischen Partnerbeziehung zumindest zu Anfang der Beziehung gehören ja beides zusammen. Manchmal ist die Begierde zuerst da und daraus entwickelt sich wahre Liebe. Manchmal ist auch erst die wahre Liebe da und dann entwickelt sich Begierde. Z.B. es gibt einen Menschen, und auf dem ersten Blick ist dort Liebe. Du spürst ein inneres Begehren. Wenn Du auf den ersten Blick verliebt bist, dann ist es höchstwahrscheinlich erstmal nicht wahre Liebe, sondern es ist erstmal Begierde. Da ist irgendetwas, was auf der Hormonebene passiert, irgendetwas auf der Geruchsebene passiert, irgendetwas, was dort geschieht. Dann gibt es eben den Wunsch, die Begierde, mit den anderen zusammen zu sein, in den Armen zu halten, Zärtlichkeiten auszutauschen und mehr. Das nennt man Begierde.

Aus Eros kann Agape werden

Begierde und Liebe

Diese Begierde kann auch vorbei gehen. Und angenommen Du bist in einer festen Beziehung, und Du hast plötzlich Begierde nach jemand anderen, dann wäre der gute Tipp und wichtige Tipp, widerstehe der Begierde. Sie geht vorüber, sie geht vorbei. Die wahre Liebe, die Du vielleicht zu Deinem festen Partner hast, ist viel wichtiger. Wenn Du nicht in einer festen Partnerschaft bist. Müsstest Du Dir überlegen: Seid ihr kompatibel? Habt ihr ähnliche Interessen, sind Eure Lebensstile, so dass sie zusammen funktionieren, zusammen passen. Langfristig werden diese Begierden verschwinden, oder schwächer werden zumindest. Dann werdet ihr zusammen leben, und dann sind andere Dinge wichtig. Es kann auch umgekehrt sein, dass wahre Liebe erst da ist. Da sind Kollege mit dem verstehst Du Dich sehr gut, und Du willst ihm oder ihr helfen, und er oder sie hilft Dir, da ist ein intuitives Verständnis und ihr habt irgendwo das Gefühl, ihr kennt Euch beide aus früheren Leben. Aber es ist keine Begierde da. Manchmal geschieht es, dass durch längeres Zusammensein auch die Begierden erwachen und vielleicht entsteht dann aus einer gewissen Liebe - im griechischen würde man sagen aus Filia oder aus Storge, also einer freundschaftlichen Liebe – entsteht auch eros, die sinnliche Liebe. Und beides zusammen wird dann vielleicht zur Agape, zur reinen Liebe, zur Gottesliebe, zur Nächstenliebe.

Wie Liebe sich aus Begierde entwickeln kann

In diesem Sinne kann man ja auch unterscheiden, wenn wir das jetzt in einen philosophischen Kontext rücken wollen, dort gibt es ja den Philosoph Platon, der hat etwa im vierten Jahrhundert vor Christus darüber gesprochen von den drei Arten von Liebe: Eros, Agape und Filia. Filia ist die freundschaftliche Liebe. Agape ist die reine Liebe, die uneigennützige Liebe. Und Eros ist die sinnliche Liebe. Das sind drei Arten von Liebe. Manchmal entsteht aus der sinnlichen Liebe die freundschaftliche Liebe und idealerweise die wahre Liebe, die uneigennützige Liebe, die Liebe um der Liebe willen. Eine Partnerschaft, wenn sie dauerhaft werden will, muss irgendwann in Richtung Agape gehen. Man liebt den anderen, ohne etwas von ihm zu wollen. Man weiß aber auch, der andere liebt einen auch, ohne etwas von ihm zu wollen. Wenn’s dem anderen schlecht geht, ist man für ihn da. Wenn’s dem anderen gut geht, freut man sich mit dem. Man kann sich mit ihm oder ihr austauschen, das ist Filia. Man will alles tun, dass es dem anderen gut geht, und dass er sich entwickelt, dass der andere auf dem spirituellen Weg voran kommt, das ist Agape. Man freut sich über Berührungen des anderen, man freut sich über Zärtlichkeiten, man genießt den Sex, das ist Eros. Aus Eros wird Filia, aus Filia wird Agape. Aus Filia – freundschaftliche Liebe – kann auch Eros werden – sinnliche, erotische Liebe – und das kann zu Agape werden.

Ein Lehrer sollte seine Position niemals ausnutzen

Aus Apage kann aber auch Eros werden. Und dann kann es manchmal auch gefährlich werden, z.B. in einer Lehrer- Schüler Beziehung. Ein Schüler liebt den Lehrer, also der spirituelle Schüler liebt den spirituellen Lehrer, einfach weil er etwas ausstrahlt, etwas Göttliches ausstrahlt. Er sieht in dem Lehrer die Manifestation des Göttlichen, er will ihm oder ihr dienen. Der Lehrer am Anfang will auch dienen und strahlt uneigennützige Liebe aus, wahre Liebe. Aber dann mischt sich das plötzlich mit eros, mit erotischer Liebe, angezogen sein zur Schülerin oder zum Schüler. Der Schüler spürt das auch. Und dann wird aus wahrer Liebe erotische Liebe. Dieser Schritt ist meistens problematisch. Wenn aus dieser spirituellen Liebe erotische Liebe wird, ist es oft nicht so einfach. Trotzdem ist auch dieser Schritt möglich, aber er ist schwierig. Er ist sehr schwierig, wenn sich diese wahre Liebe, die sich ja auf viele Menschen richten kann, in erotischer Liebe zu vielen Menschen wandelt. Dann wird es sehr kompliziert und sehr schwierig und dann spricht man auch von Missbrauch der Lehrer – Schüler Beziehung durch den Lehrer. Umgekehrt auch, wenn der Lehrer konfrontiert wird von erotischen Angeboten seitens seiner Schüler und Schülerinnen, dann wird’s auch schwierig. Natürlich muss der Lehrer sagen, nein, ich empfinde diese Art von Liebe nicht. Meine Liebe gilt vielen Menschen und letztlich ist es göttliche Kraft, die ich versuche durch mich hindurch zu lassen. Aber auf einer menschlichen Ebene möchte ich mit Dir nichts direkt zu tun haben. Also man muss klare Grenzen dort setzten. Also hier sind wir in ein schwieriges Terrain geraten, und ich will es auch nicht weiter ausbauen.

Aber einfach nochmal diese drei Arten von Liebe: sinnliche Liebe, Eros, freundschaftliche Liebe, Filia und uneigennützige Liebe, Agape. Aus Eros kann Filia werden und beide werden hoffentlich zur Agape. Aus Filia kann Eros werden und beide werden hoffentlich zur Agape. Agape kann mit Filia zusammen hängen. Aus Agape Eros werden zu lassen wird schwierig. In diesem Sinne wünsche ich Dir viel Inspiration, viel Liebe, uneigennützige Liebe zu vielen Menschen und eine tiefe allumfassende Liebe zu Deinem Partner / Deiner Partnerin. Und überwinde vor rüber gehende Begierden, die eventuell Deine Partnerschaft in Schwierigkeiten bringen können. Und auch wenn in Deiner festen Partnerschaft vor rüber gehend Deine Begierden nicht befriedigt werden können, die wahre Liebe ist letztlich am Wichtigsten.

Begierde in Beziehung zu anderen Persönlichkeitsmerkmalen

Begierde ist die Bezeichnung für einen starken sinnlichen Wunsch, für ein intensives Verlangen. Heutzutage spricht man häufiger von Trieben als von Begierden. Triebe bzw. Begierden werden als unwillkürliches Verlangen angesehen, die man aber unter die Kontrolle des bewussten Wollens stellen kann - und nach Ansicht der meisten philosophischen und spirituellen Richtungen auch stellen sollte. Man spricht von sexueller Begierde, von sinnlichen Begierden. Im Buddhismus und im Yoga wird oft davon gesprochen, dass man seine sinnlichen Begierden unter Kontrolle bringen soll. Wer denkt, durch die Befriedigung von sinnlichen Begierden glücklich zu werden, irrt. Begierden kann man deuten wie alle Wünsche als Handlungsempfehlung des Unterbewusstseins verbunden mit Energie. Der bewusste Geist kann dieser Handlungsempfehlung folgen oder auch nicht.

Begierde gehört zur Gruppe der Persönlichkeitsmerkmale, Schattenseiten, Laster und Tugenden. Um dieses Charaktermerkmal besser zu verstehen, wollen wir es in Beziehung setzen mit anderen:

Synonyme Begierde - ähnliche Eigenschaften

Synonyme Begierde sind zum Beispiel Verführbarkeit, Sucht, Besessenheit, Habsucht, Begeisterung, Antrieb, Leidenschaft .

Man kann die Synonyme in zwei Gruppen einteilen, solche mit positiver Konnotation und solche mit negativer Konnotation:

Synonyme mit negativer Konnotation

Synonyme, die gemeinhin als negativ gedeutet werden, sind zum Beispiel

Synonyme mit positiver Konnotation

Synonyme mit positiver Konnation können helfen, eine scheinbare Schattenseite auch positiv zu sehen. Synonyme mit positiver Konnotation sind zum Beispiel

Antonyme Begierde - Gegenteile

Antonyme sind Gegenteile. Antonyme, also Gegenteile, von Begierde sind zum Beispiel Beständigkeit, Treue, Zufriedenheit, Gleichgültigkeit, Gefühllosigkeit, Abgestumpftheit . Man kann auch die Antonyme, die Gegenteile, einteilen in solche mit positiver Konnotation und solche mit negativer Konnotation.

Antonyme mit positiver Konnotation

Antonyme, also Gegenteile, zu einem Laster, einer Schattenseite, einer negativen Persönlichkeitseigenschaft, werden gemeinhin als Gegenpol interpretiert. Diese kann man kultivieren, um das Laster, die Schattenseite zu überwinden. Hier also einige Gegenpole zu Begierde, die eine positive Konnotation haben:

Antonyme mit negativer Konnotation

Nicht immer ist das Gegenteil einer Schattenseite, eines Lasters, gleich positiv. Hier einige Beispiele von Antonymen zu Begierde, die aber auch nicht als so vorteilhaft angesehen werden:

Eigenschaften im Alphabet davor oder danach

Hier einige Eigenschaften, die im Alphabet vor oder nach Begierde stehen:

Eigenschaftsgruppe

Begierde kann gezählt werden zu folgenden beiden Eigenschaftsgruppen:

Verwandte Wörter

Verwandte Wörter zu Begierde sind zum Beispiel das Adjektiv gierig, das Verb begehren, sowie das Substantiv Begehrender.

Wer Begierde hat, der ist gierig beziehungsweise ein Begehrender.

Literatur

  • Meyers Enzyklopädisches Lexikon in 25 Bänden, Bibliographisches Institut Verlag, Mannheim 1973, Band 7, Seite 461.
  • Yogalehrer/innen Handbuch, 11. Auflage 2011, Berufsverband der Yoga Vidya Lehrer/innen e. V. (BYV), Seite 55.
  • Bhagavad Gita, Shrimad, Text und Erläuterungen von Swami Sivananda, deutsche Ausgabe 2012, Mangalam Books Verlag, Kapitel 12, S. 247 - 257.

Siehe auch

Seminare

Seminare zum Thema Energiearbeit:

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Swami Divyananda,

Bhakti Yoga

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Swami Mangalananda und Swami Gurusharanananda führen dich auf eine Reise nach innen und oben zu einer neuen tiefen spirituellen Erfahrung. Mit Kirtan, Swakriya Yoga, angeleiteten Meditationen und…
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Devadas Mark Janku,

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Zusammenfassung

Das Gefühl der Begierde beschreibt meist die erotische Liebe, also Eros. Es kann sich positiv ausdrücken, aber auch aus einem Mangel herraus entstehen. Aus ihm kann sich jedes Gefühl entwickeln. Die wahre Liebe ist hierbei am Meisten erstrebenswert.