Aitareya Upanishad

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Aitareya Upanishad:(ऐतरेय उपनिषद् Sanskrit:aitareya upaniṣad f.) ist ein Teil der indischen Heiligen Schriften, die Veda genannt werden. Die Einheit des Atman mit dem Paramatman stellt die zentrale Aussage dieser Upanishad dar. Sie beschreibt die Schöpfung anhand von Symbolen. Diese sehr bildhafte Beschreibung macht dem Leser das Kapitel über die Schöpfung leicht zugänglich und verhilft uns dazu, ein klares und logisches Verständnis über unseren Ursprung zu entwickeln. Diese Upanishad ist in 5 Kapitel unterteilt und ist ein Teil der Aitareya Aranyaka des Rigveda. Es gibt weitere Schreibweisen:

Jacob Bryant: Orphic Egg, 1774
  • Aitareyopanishad,
  • Aitareya Upanishad,
  • Aitareya Upanischad,
  • Aitareya Upanischade.

Die Essenz der Aitareya Upanishad von Swami Sivananda

Swami Sivananda

Einführung in die Aitareya Upanishad

1. Die Aitareya Upanishad stellt einen Teil der Aitareya Aranyaka des Rigveda dar. Sie ist in fünf Kapitel unterteilt, den sog. “Khandas”. Diese Upanishad hat ihren Namen von ihrem Autor Mahidasa Aitareya, dem Sohn von Itara, erhalten.

2. Sie beschreibt anhand von Symbolen die Schöpfung der Welt. Sie handelt von Atman als der einzigen Realität. Sie enthält die Aussagen des Rishis Vamadeva, der die Unsterblichkeit durch die Erkenntnis des Selbst erreichte.

3. Die zentrale Aussage dieser Upanishad ist die Einheit des Atmans mit dem Paramatman.

4. “Hari Om. Meine Rede ist in meinem Geist verwurzelt. Mein Geist ist in meiner Rede verwurzelt. Brahman, offenbare Dich mir. Du, der Geist und die Rede sollen mich in die Lage versetzen, die Wahrheit zu verstehen, die diese Texte lehren. Laß‘ das, was ich gelernt habe, nicht verloren gehen. Möge ich Tag und Nacht bei den Studien bleiben. Ich spreche die Wahrheit und die Realität. Möge dies mich beschützen. Und möge dies den Lehrer beschützen. Möge dies den Lehrer beschützen!“

Om Frieden, Frieden, Frieden!

Die Geschichte der Schöpfung gemäß Aitareya Upanishad

5. An Anfang gab es wahrlich nur den Atman allein. Es gab nichts anderes Lebendiges. Nicht irgend etwas anderes Lebendiges existierte. Es gab nichts anderes, was auch nur blinzeln konnte.

6. Er dachte: “Nun, wahrlich, ich werde die Welten erschaffen.”

7. Das Wort Atman ist abgeleitet aus der Wurzel, sie bedeutet "erhalten", "essen", "genießen" oder "alles durchdringen".

8. Er erschuf die Welten, d.h. das Wasser, die Lichtstrahlen, den Tod und die Gewässer. Das Wasser ist über den Himmeln – es trägt diese. Die Lichtstrahlen sind der Luftraum. Und die Region der Erde ist der Tod und was unterhalb der Erde ist, sind die Gewässer.

9. Er dachte nach: „Dies sind in der Tat die Welten, die ich geschaffen habe. Ich werde auch noch die Beschützer oder die Beherrscher der Welt erschaffen. Und aus dem Wasser heraus erschuf er eine Purusha und gab ihr ihre Form.

10. Dann grübelte der Atman weiter über den Erdklumpen und wünschte ihm die Form des Menschen zu geben. Eine Öffnung in dem Gebilde manifestierte sich als Mund, so wie die Schale eines Vogeleies aufbricht. Aus dem Mund kam die Rede und mit der Rede kam Feuer. Dann kam die Nase und aus der Nase kam Atem und mit dem Atem der Wind.

11. Seine Augen brachen hervor, und mit den Augen kam das Sehen und mit dem Sehen die Sonne. Dann brachen die Ohren hervor und mit den Ohren kam das Hören und mit dem Hören kamen die vier Himmelsrichtungen. Seine Haut entstand, und mit der Haut kamen die Haare, und mit den Haaren kamen die Kräuter und die großen Bäume. Sein Herz entstand, und mit dem Herz kam der Geist und mit dem Geist kam der Mond. Sein Bauchnabel entstand und mit dem Nabel kam das Apana, und mit dem Apana kam der Tod. Seine Fortpflanzungsorgane entstanden und mit ihnen kam der Samen, und über den Samen kam das Wasser.

12. Diese Götter, nachdem sie erschaffen worden waren, fielen in den großen Ozean des Samsara (der Welt). Er setzte sie dem Hunger und dem Durst aus. Sie sagten zu ihm (dem Erschaffer): „Bestimme für uns einen Platz, an dem, wenn er fertig ist, wir essen können.“

13. Er brachte einen Bullen zu Ihnen. Und sie sagten: “Dies ist nicht ausreichend für uns”. Er brachte ein Pferd zu Ihnen. Und sie sagten: “Auch dies ist nicht genug für uns.”

14. Er brachte einen Menschen zu Ihnen. Und sie sagten:” Gut gemacht, wirklich! Der Mensch ist ein Meisterwerk. Der Mensch allein ist der Aufenthaltsort aller guten Werke.” Und er antwortete Ihnen: „Nehmt nun eure entsprechenden Körper an.“

15. Das Feuer wurde zur Sprache und setzte sich im Mund fest. Die Luft wurde zu Prana, und bezog die Nase. Die Sonne wurde zum Sehen und bezog die Augen. Die Göttlichkeit bezog die vier Himmelsrichtungen und wurde zum Klang, dieser bezog die Ohren. Die Kräuter und Bäume wurden zu Haaren und bezogen die Haut. Der Mond wurde zum Geist und bezog das Herz. Der Tod wurde zu Apana und bezog den Nabel. Das Wasser wurde zu Samen und bezog die Fortpflanzungsorgane.

16. Hunger und Durst sagten zu ihm: “Bestimme für uns einen Platz”. Und er sagte zu den beiden: “Ich gebe Euch einen Platz in diesen Göttern und lasse Euch damit an Ihnen teilhaben. Wenn den Göttern ein Opfer gebracht wird, werden Hunger und Durst an Ihnen damit teilhaben können“.

17. Und er (der Herrscher) dachte weiter: “Die Welten und die Bewahrer dieser Welten sind nun erschaffen. Laß‘ mich nun Nahrung für sie erschaffen“.

18. Dann brütete er (der Herrscher) das Wasser und das Wasser, welches so von ihm verwandelt wurde, nahm dann Formen an. Und die Formen wurden zu Nahrung.

19. Nachdem die Nahrung so erschaffen worden war, wollte die Nahrung weglaufen. Und der Herrscher versuchte, sie mit der Sprache einzufangen, aber er konnte sie nicht mit der Sprache einfangen. Denn wenn er sie mit der Sprache hätte einfangen können, würde der Hunger allein mit der Rede über die Nahrung gestillt werden können.

20. Und er wünschte die Nahrung mit seinem Atem einfangen zu können. Aber er konnte sie nicht mit seinem Atem einfangen. Denn wenn er sie mit dem Atem hätte einfangen können, so würde der Hunger allein von dem Duft der Nahrung gestillt werden können.

21. Und er wünschte die Nahrung mit seinem Auge einfangen zu können. Aber er konnte sie nicht mit seinem Auge einfangen. Denn wenn er sie mit dem Auge hätte einfangen können, so würde der Hunger allein von dem Anblick der Nahrung gestillt werden können.

22. Und er wünschte die Nahrung mit seinem Ohr einfangen zu können. Aber er konnte sie nicht mit seinem Ohr einfangen. Denn wenn er sie mit dem Ohr hätte einfangen können, so würde der Hunger allein von dem Hören über die Nahrung gestillt werden können.

23. Und er wünschte die Nahrung mit seinem Tastsinn einfangen zu können. Aber er konnte sie nicht mit seinem Tastsinn einfangen. Denn wenn er sie mit dem Tastsinn hätte einfangen können, so würde der Hunger allein von dem Anfühlen der Nahrung gestillt werden können.

24. Und er wünschte die Nahrung mit seinem Geist einfangen zu können. Aber er konnte sie nicht mit seinem Geist einfangen. Denn wenn er sie mit dem Geist hätte einfangen können, so würde der Hunger allein von dem Gedanken an die Nahrung gestillt werden können.

25. Und er wünschte die Nahrung mit seinem Fortpflanzungsorgan einfangen zu können. Aber er konnte sie nicht mit seinem Fortpflanzungsorgan einfangen. Denn wenn er sie mit dem Fortpflanzungsorgan hätte einfangen können, so würde der Hunger allein von dem Ausstoß gestillt werden können.

26. Dann versuchte er die Nahrung mit dem Apana einzufangen und es gelang. Und deshalb ist es das Apana, das die Nahrung einfängt. Dieses Apana ist der Erhalter des Lebens über die Nahrung.

27. Er, der Herrscher, dachte weiter: “Wie sollen alle diese Lebewesen ohne mich leben können?“ Und er überlegte weiter: „Auf welche Weise soll ich in ihnen weilen können?“ Und er dachte wieder weiter: „ Wenn das Sprechen über die Sprache getan wird, das Riechen über die Nase, das Sehen über die Augen, das Hören über das Ohr, das Berühren über die Haut, das Denken über den Geist; das Essen über das Apana, und das Weitergeben über das Fortpflanzungsorgan, wer bin ich dann eigentlich?“

28. Dann öffnete er die Schädelnaht und drang durch diese Öffnung ein. Diese Öffnung heißt „Vidriti“. Sie ist wahrlich das „Nandana“ (der Ort der Wonne). Dieser Ort der Wonne hat drei Wohnplätze im Körper und drei Schlafzustände. Und dieser ist sein Wohnplatz, und dieser auch und dieser eben auch.

29. Das rechte Auge ist sein erster Aufenthaltsort. Der Geist ist sein zweiter. Die Herzhöhle oder der Herzensäther ist der dritte Aufenthaltsort.

30. Sobald er geboren war, (in der Form des Jivas, d.h. das höchste Selbst hat einen physischen Körper bezogen), reflektierte er über sich selbst und den Bezug zu allen anderen Wesen. Er schaute sich alle Wesen an und dachte dann: “Wie sollte jemand über jemand anderen sprechen? Was neben mir gibt es zu benennen? Es gibt nichts?“ Wie könnte er wünschen, daß irgendetwas von ihm getrennt sein könnte? Und er fand nichts außerhalb seiner eigenen Realität, der Purusha oder auch des alldurchdringenden Brahmans. Und er sagte zu sich selbst: „Oh ich habe all dies gesehen“.

31. Deshalb nannte er es „Indandra“. „Idandram“ ist wahrlich sein Name. Auch wenn er es „Idandram“ nannte, so nannte er es auch mittelbar „Indra“. Die Götter mögen es gerne, wenn sie mit indirekten Namen angesprochen werden, und so war dies auch hier.

Aitareya Upanishad - Die Geschichte der Geburt

Reinkarnation Wiedergeburt b4ea6eeb5e.jpg

32. Zu Anfang ist in der Tat der Samen des Mannes. Das, was diesen Samen ausmacht, ist die Essenz der Stärke oder die Lebenskraft, die aus allen seinen Gliedmaßen gezogen wird. Er bringt sich selbst aus sich damit hervor. Wenn er seinen Samen in einen Frauenkörper ergießt, erzeugt er damit das Leben. Dies ist seine erste Geburt.

33. Diese Saat wird eins mit dem Frauenkörper und wird dann ein Teil von ihm. Deshalb verursacht es keine Schmerzen für die Frau. Sie nährt damit das Selbst ihres Ehemanns somit in ihrem Körper.

34. Sobald sie der Ernährer seines Selbst in ihrem eigenen Körper wird, sollte sie selbst auch umsorgt werden. Die Frau gebärt dann den Sohn in ihrem Schoß. Der Vater nährt damit das Kind schon vor und auch nach der Geburt. Durch das Nähren des Kindes sowohl vor als auch nach der Geburt, umsorgt er sich selbst für das Fortbestehen der Welten. Und so wird die Nachkommenschaft in den Welten gesichert. Dies ist seine zweite Geburt.

35. Dieser Sohn, der wahrlich sein Selbst geworden ist, wird zu seinem Ersatz für die Durchführung von tugendhaften Handlungen. Damit wird sein anderes Selbst (das Selbst des Vaters), nachdem es seine Pflichten erfüllt hat und ein hohes Alter erreicht hat, diese Welt verlassen. Und dieses Selbst wird dann wiedergeboren werden, dies ist dann seine dritte Geburt.

Rishi Vamadeva

36. Es wurde von Rishi Vamadeva so erklärt: “Während ich im Mutterschoß bin, weiß ich von allen Geburten der Götter. Einhundert Eisenfesseln hielten mich fest. Aber ich zerbrach sie rasch und befreite mich so schnell wie ein Falke.“ So sprach Vamadeva sogar während er noch im Mutterschoß weilte.

37. Körper sind undurchdringbare eiserne Festungen, die den Jiva daran hindern, die Fesseln der Samsara zu sprengen.

38. Er (der Rishi Vamadeva) wurde zum Kenner des Atman, und wurde eins mit ihm. Er kam in immer höhere Sphären und nach dem Zerfall seines Körpers und dem Erreichen aller Bedürfnisse in der Himmelswelt wurde er unsterblich.

Bewusstsein ist Brahman

39. Wer ist nun der Atman, den wir verehren? Welcher von beiden ist er, der Atman, der Reale oder Sagenhafte, der „Nirupadhika“ oder der „Sopadhika“? Ist es er, durch den er sieht? Ist es er, durch den er hört? Ist es er, durch den er schmeckt? Ist es er, durch den er die Sprache hervorbringt? Ist es er, durch den er weiß, was geschmackvoll ist und was nicht?

40. Dies, welches als das Herz bekannt ist, der Geist, das Bewußtsein, das Beherrschen der Künste, das Verstehen, die Wahrnehmung, die Tapferkeit, die Reflektion, das unabhängige Denken, die Drangsal des Geistes - wie sie durch Krankheiten entsteht- , usw. und auch der Wunsch nach weiblicher Gesellschaft, all dies sind Namen des Bewußtseins.

41. Dieser Brahman; dieser Indra; dieser Schöpfer, all diese Götter, die fünf Elemente, d.h. die Erde, das Wasser, das Feuer, die Luft und der Äther; alle kleinen Lebewesen und alle anderen; alle Saaten der Schöpfer, wie aus dem Ei geboren oder aus dem Mutterschoß geboren, durch Schweiß geboren oder aus Keimen geboren, Pferde, Kühe, Menschen, Elefanten, alles, was atmet und sich bewegt und fliegt oder alles, was unbeweglich ist, all dies wird geleitet durch das Bewußtsein und geführt durch das Bewußtsein. Das Universum wird durch das Bewußtsein geleitet. Das Bewußtsein ist die Grundlage oder Basis für alle. Wahrlich das Bewußtsein (Prajnanam) ist Brahman.

42. „Prajnanam Brahma“: Reines Bewußtsein ist Brahman. Dies ist eine der Mahavakyas oder großen Aussprüche der Upanishaden.

43. Dies wird als die “Lakshana Vakya” bezeichnet, denn sie gibt eine Beschreibung der Natur von Brahman.

44. Er (Vamadeva, oder jeder andere Weise) wurde in dem Zustand der Brahmanenschaft erhöht aufgrund seiner Erkenntnis des Atman. Er verließ diese Welt und erreichte alles, was er wünschte in dieser Welt der höchsten Wonne und erreichte so Unsterblichkeit.

45. Ein befreiter Weiser kommt nicht mehr in irgendwelche Welten. Er geht in dem alldurchdringenden Brahman auf und er erkennt, daß die individuelle Seele identisch ist mit Para Brahman.

Aus Swami Sivananda: Essence of Principle Upanishads, Divine Life Society Sivananda Ashram Rishikesh

Aitareya Upanishad - Einführung nach Deussen

Artikel aus „Upanishadn. Die Geheimlehre des Veda“ in der Übersetzung von Paul Deussen, herausgegeben von Peter Michel, Marix Verlag, 2. Auflage, 2007, Wiesbaden, S. 39-40, 48-50

Die Aitareya Upanishad gehört der Schule der Aitareyins an, die das Aitareya Brahmanam und Aitareya Aranyakam besitzen, in welchem letzteren die Aitareya Upanishad enthalten ist. Über den Ursprung dieser Schule teilt Sayana im Eingang seines Kommentars zum Ait. Br. folgende Legende mit.

"Es war einmal ein großer Rishi, der hatte viele Gattinnen. Unter ihnen war eine mit Namen Itara; diese Itara hatte als Sohn einen Knaben, der hieß Mahidasa. Und so heißt es im Aranya-Teile: "Darum fürwahr [sprach] solches wissend Mahidasa Aitareya (d. h. Sohn der Itara)" (Ait. Ar. 2,1,8,2). Nun hätte aber der Vater desselben zu seinen Söhnen von den anderen Frauen größere Liebe als zu Mahidasa, so daß er einstmals bei einer Opferversammlung dem Mahidasa Verachtung bewies, indem er nur die anderen Söhne auf seinen Schoß nahm. Worauf dessen Mutter Itara, als sie Mahidasa mit betrübtem Angesicht sah, ihrer Familiengottheit, der Erde, gedachte. Da geschah es, daß die Gottheit Erde in göttlicher Gestalt vor der Opferversammlung erschien, dem Mahidasa einen himmlischen Thronsessel schenkte, ihn darauf setzte und, indem sie seine Überlegenheit an Weisheit über alle die anderen Knaben verkündigte, ihm als Gabe das geistige Schauen des vorliegenden Brahmanam verlieh. Durch ihre Gnade wurde durch den Geist des Mahidasa das aus vierzig Lektionen bestehende Brahmanam, welches anfängt: Agnir Vai Devanam Avama und aufhört mit Strinute Strinute (Ait. Br. 1,1,1 und 8,28,20), offenbart. Und ebenso wurde ihm weiter das mit Atha Mahavratam anfangende und mit Acarya Acaryah endigende (Ait. A. 1,1,1,1 und 3,2,6,9), für das Gelübde des Waldlebens bestimmte Brahmanam offenbart."

Aus dieser Erzählung ergibt sich zweierlei: 1) daß Aitareya Brahmanam und Aitareya Aranyakam als zwei Teile eines zusammengehörigen Ganzen betrachtet wurden, 2) daß dieses durch göttliche Inspiration offenbarte Ganze sich nur bis auf Ait. Ar. 3,2,6,9 erstreckte, mithin Ait. Ar. 4 und 5 nicht umfaßte. - In der Tat enthält Ait. Ar. 4 nur eine Liste der Mahanamni Verse und gilt für ein Werk des Asvalayana (Verfassers eines Sutram zum Rigveda), während Ait. Ar. 5 dem Saunaka, dem Lehrer des Asvalayana zugeschrieben wird und wiederum das Thema von Ait. Ar. 1 im Sutrastil aufnimmt. Beide Bücher, Ait. Ar. 4 und 5, gelten nicht für inspiriert und sind vielleicht nur zufällig dem Aranyakam angeschlossen worden statt den Sutras, zu denen sie gehören. Eine kurze Inhaltsangabe von Aitareya Brahmanam und Aitareya Aranyakam mag als Probe von Inhalt und Zusammenhang beider Arten von Schriften hier folgen. Ersteres zerfällt in 40 Adhyayas (die 40 Absätze unserer Übersicht), deren je 5 in eine Pancika (Fünfheit) vereinigt sind, letzteres in 18 Adhyayas, welche sich auf die 5 Aranyakas in ungleicher Weise verteilen.


Die Upanishad der Aitareyins im engeren Sinne (in drei Adhyayas, Ait. Ar. 2, 4-6) ist eine der kürzesten, und es scheint, daß diese Schule mehr Wohlgefallen an den Geheimnissen ihrer Ukthas (von denen freilich eine herrliche Sammlung in ihren Händen war) als an den Betrachtungen über den Weltgeist gefunden habe. Der Inhalt der drei Adhyayas ist kurz folgender:

I. Welt und Mensch als Schöpfung des Atman

Michelangelo: Die Erschaffung Adams, Fresco in der Sixtinischen Kapelle, zw. 1508 und 1512

Zu Anfang war nur der Atman allein vorhanden. Er beschloß, Welten zu schaffen und schuf als solche die vier Gebiete: Ambhah, "die Flut" des Himmelsozeans jenseits des Himmels; Maricir, "die Lichtatome" des Luftraums; Maram, die Erde als "das Tote", und Apas, die unterhalb der Erde dem Ganzen als Grundlage dienenden "Urwasser".

- Weiter schafft dann der Atman acht "Welthüter", indem er aus den Urwassern den Purusha (Urmenschen) hervorzieht und aus Mund, Nase, Augen, Ohren, Haut, Herz, Nabel und Zeugungsglied desselben zunächst die entsprechenden psychischen Organe (Rede, Einhauch, Gesicht, Gehör, Haare, Manas, Aushauch, Samen) und aus diesen dann Agni, Vayu, Aditya, Weltgegenden, Pflanzen, Mond, Tod und Wasser als Weltenhüter hervorbringt. Aber sofort stellt sich auch die Hinfälligkeit dieser welthütenden Götter heraus; sie fallen zurück in das Gewoge der Urwasser, welches der Schöpfer zwei bösen Mächten, dem Hunger und dem Durst, preisgibt. Von beiden gequält, bitten die Welthüter um einen festen Ort, in dem sie durch Essen von Speise sich derselben erwehren können. Als solchen bietet ihnen der Schöpfer eine Kuh, dann ein Roß und endlich, nachdem sie beide als ungenügend abgelehnt haben, einen Menschen an, in welchen die genannten Welthüter durch Mund, Nase, Auge, Ohr, Haut, Herz, Nabel und Zeugungsglied hineinfahren. Hier können sie Nahrung nehmen, doch nur indem sie dieselbe dem Hunger und Durst zugleich mit zukommen lassen, welche daher an jedem den Göttern dargebrachten Opfer ihren Anteil haben, - ein Zug, der die Bedürftigkeit der Götter veranschaulichen soll.

- Als Drittes schafft sodann der Atman die Nahrung, welche ihm, wie die Maus der Katze, zu entlaufen sucht, worauf er sie mit den übrigen Organen, Odem, Auge, Ohr usw., vergebens zu greifen strebt, bis er sie endlich mit dem Apana (hier wohl als Prinzip der Verdauung) wieder einfängt.

- Der Atman sieht ein, daß ohne ihn, ohne ein Selbst, das geschaffene Menschenwesen trotz aller seiner Organe nicht bestehen könne; ihnen und ihren Funktionen gegenüber wirft er die Frage auf: "aber wer bin denn ich?", die erst am Ende der Upanishad ihre Antwort finden wird. Er fährt sodann durch die Schädelnaht Vidriti in den Menschen ein, in welchem er drei Wohnstätten (Sinne, Manas und Herz) und ihnen entsprechend drei "Traumstände" (Wachen, Träumen, Tiefschlaf) hat. Er blickt um sich auf alle Wesen und findet, daß nichts darunter ist, was er als einen anderen bezeichnen könnte, daß aber doch der Mensch von allen am meisten Brahman ist.

Diese Darstellung knüpft (wie billig, bei einer Rigvedaschule) an das Purusha-Lied Rigv. 10,90 an. Wie dort, v. 13-14, so entstehen auch hier, nur mit einigen Variationen und Erweiterungen, aus den Körperteilen des Purusha die Götter, die dann im Menschen Wohnung nehmen. Aber der große Unterschied ist, daß in der Upanishad der Urmensch ein vom Atman abhängiges Wesen ist, welches der Atman aus den von ihm erschaffenen Urwassern herausholt, formt und bebrütet. Und so kann auch der Mensch, trotz aller in ihn eingegangenen Götter, nicht ohne den Atman bestehen ("Katham Nu Idam Mad Rite Syat?"), der daher in ihn hineinfährt und im Wachen in den Sinnen, im Traum im Manas, im Tiefschlaf im Herzen seinen Sitz hat. Die Welt als eine Schöpfung, der Mensch als höchste Erscheinung des Atman, der auch Brahman genannt wird, das ist der Grundgedanke dieses Abschnittes.

II. Die dreifache Geburt des Atman

Wie der Vergleich mit Satap. Br. 11,2,1,1 lehrt, war die Theorie von den drei Geburten ein Thema, welches öfter ventiliert wurde, ohne doch immer die gleiche Behandlung zu finden. Denn während dort die drei Geburten das Erzeugtwerden, das Opferbringen und die Neugeburt nach dem Tode sind, so zählt unsere Stelle als solche auf:

1) die Zeugung des Kindes,
2) die Pflege des Kindes vor und nach der Geburt, bis es imstande ist, den Vater in der Ausübung der heiligen Werke zu vertreten,
3) die Neugeburt des Vaters nach dem Tode.

Der Widerspruch, daß in den beiden ersten Fällen von der Seele des Kindes, im letzten von der des Vaters die Rede ist, ist auch dem Scholiasten nicht entgangen, und er löst ihn dadurch, daß er den Atman in beiden für identisch erklärt. Indes ist dieser Ausweg für den exoterischen Standpunkt, der hier maßgebend ist, streng genommen nicht statthaft, da die Seele des Kindes, wie im Mutterleibe so auch schon im väterlichen Sperma, nur als Gast weilt. Übrigens beruht die hier hervortretende Anschauung, daß im Kind nicht die Mutter, sondern der Vater steckt, auf richtiger Beobachtung und ist ein philosophisch wertvoller Gedanke. Zum Schluß wird auf die Erlösung als Ende des Geburtenkreislaufes hingewiesen, welche hier noch als ein unsterbliches Fortleben in der Himmelswelt für den, der (wie vermeintlich Vamadeva, Rigv. 4,27,1) diesen Kreislauf der Geburten durchschaut, in Aussicht gestellt wird.

III. Das Wesen des Atman

Alle Sinnesorgane und Tatorgane, alle intellektuellen und moralischen Kräfte, alle Götter, Elemente, Tiere und Pflanzen sind Prajna Netra, Prajnane Pratishthita "vom Bewußtsein geleitet, im Bewußtsein gegründet", das Bewußtsein ist Brahman.

— Diese unzählige Male in den Upanishaden wie in der abendländischen Philosophie zu Tage tretende Auffassung ist wahr, sofern sie den Schlüssel zum Welträtsel im eigenen Inneren sucht, und sie ist falsch, sofern sie bei der uns dort zunächst entgegentretenden Erscheinung, der organischen Funktion des Bewußtseins, stehen bleibt, statt von ihr zu der eigentlichen, auch sie tragenden Wurzel unseres Seins durchzudringen.

Siehe auch

Literatur

Weblinks

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