Brihadaranyaka Upanishad

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Brihadaranyaka Upanishad und Brihadaranyakopanishad (Sanskrit बृहदारण्यकोपनिषद् bṛhadāraṇyakopaniṣad f.) wörtl.: "die große (Brihat) zum Wald gehörige (Aranyaka) Upanishad"; Name einer wichtigen Upanishad, ein Teil der indischen Heiligen Schriften, die Veda genannt werden. Wörtlich übersetzt heißt diese Upanishad "die große Wald Upanishad". Die Brihadaranyaka Upanishad ist eine der älteren, der ursprünglichen Upanishaden. Sie entstammt dem Shukla Yajurveda. Sie gehört zu den elf wichtigsten, den klassischen Upanishaden, die alle von Shankara kommentiert wurden.

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Die Brihadaranyaka Upanishad gehört zusammen mit der Chandogya Upanishad zu den längeren Upanishaden. Sie gehört zu den wichtigsten Grundlagen von Vedanta, insbesondere von Advaita Vedanta. Brihadaranyaka heißt "Wald, Wildnis". Dies steht dafür, dass in der Brihadaranyaka Upanishad ein großer Wald des Wissens enthalten ist. Und es steht dafür, dass die Lehrreden der Brihadaranyaka Upanishad im Wald stattfanden. In der Brihadaranyaka Upanishad unterrichtet der Heilige Yajnavalkya seine Frau Maitreyi über die Identifikation des Selbst mit Brahman, sowie über das Selbst an sich. Der Begriff Atman wird erklärt und Hintergründe zu Karma und Reinkarnation werden preisgegeben.

Inhalt der Brihadaranyaka Upanishad

Die Brihadaranyaka Upanishad wird Yajnavalkya zugeschrieben. Sie ist eine besonders philosophische Upanishade. Sie besteht aus 3 Teilen, Kandas:

In der Brihadaranyaka Upanishad wird die Neti Neti Lehre und Methode beschrieben. "Neti" heißt hier "nicht dies, nicht dies": "Na" heißt "nicht", "Iti" heißt dies: Das Selbst kann nicht beschränkt werden auf "dies", sondern ist unbeschreiblich. Auch ein bekanntes Gedicht bzw. Gebet stammt aus der Brihadaranyaka Upanishad:

  • Asato Ma Sat Gamaya
  • Tamaso Ma Jyotir Gamaya
  • Mrityor Maamritam Gamaya

Übersetzung:

Essenz der Brihadaranyaka Upanishad von Swami Sivananda

Swami Sivananda

Swami Sivananda hat die Brihadaranyaka Upanishad zusammengefasst. Er hat einige Verse ins Englische übersetzt, und andere Teile in eigene Worte in Versform gefasst. So bekommst du einen guten Überblick und Verständnis darüber, worum es in der Brihadaranyaka Upanishad geht:

Shanti Mantra

1. Das Ganze ist all „Dies“. Das Ganze ist all “Das”. Das Ganze wurde aus dem Ganzen geboren. Wenn das Ganze von dem Ganzen genommen wird, ist das, was bleibt das Ganze.

Om Frieden, Frieden, Frieden!

Yajnavalkya-Maitreyi Samvada - Das Zwiegespräch zwischen Yajnavalkya und seiner Frau Maitreyi

2. “Maitreyi”, sagte Yajnavalkya, “Wahrlich, ich werde mein Haus verlassen und in den Wald gehen, um eine neue Phase meines Lebens einzuläuten. Dazu möchte ich meinen Besitz zwischen Dir und Katyayani aufteilen”.

3. Maitreyi fragte: “Mein ehrwürdiger Herrscher, wenn die gesamte Welt mit all ihren Reichtümern mir gehören würde, könnte ich damit die Unsterblichkeit erreichen?

4. “Nein”, antwortete Yajnavalkya, “Dein Leben wäre dann zwar wie das Leben der reichen Leute, jedoch hättest du dennoch damit keine Möglichkeit erhalten, die Unsterblichkeit zu erreichen.

5. Maitreyi sagte: “Welchen Zweck hätte dann der gesamte Reichtum, wenn ich damit keine Unsterblichkeit erreichen könnte? Nenne Du mir, oh verehrungswürdiger Herr, Wege, von denen Du weißt, um die Unsterblichkeit zu Erlangen?“

6. Yajnavalkya antwortete: “Du bist mir lieb und deshalb setze Dich nieder, ich werde Dir die Wege zur Unsterblichkeit offenbaren.”

7. “Wahrlich nicht um Deines Ehemanns willens ist dieser Dir lieb, sondern um des Selbst willens ist dieser Ehemann Dir lieb.“

8. “Wahrlich nicht um des Universums willens ist dieses Dir lieb, sondern um des Selbst willens ist dieses Universum Dir lieb”

9. “Wahrlich, das Selbst (Atman) ist das, was gesehen und gehört werden sollte. Über dieses Selbst sollte reflektiert und meditiert werden. Wenn jemand dieses Selbst sieht, hört und darüber reflektiert sowie meditiert – dann ist dies alles bekannt.“

10. “Der Brahmane würde sich von einer Person abwenden, die die Brahmanen-Kaste als etwas von dem Selbst getrenntes ansehen würde. Die Welt würde sich ebenso von einer Person abwenden, die die Welt als etwas von dem Selbst getrenntes ansehen würde. Die Brahmanen-Kaste, die Krieger-Kaste, diese Welten, die Götter, die Elemente, alles ist letztlich das Selbst.”

11. “Wenn eine Trommel geschlagen wird, kannst Du die einzelnen Töne nicht unterscheiden, aber sie alle sind in dem gesamten Klang der Trommel enthalten, genauso wie die einzelnen Trommelschläge. Die einzelnen Töne selbst sind keine getrennte Erscheinung von dem Klang. Genau so gibt es keinerlei von dem reinen und intelligenten Selbst getrennte Existenzen. Alles ist in dem Selbst inherent und innewohnend. In jedem Ding gibt es eine innewohnende Intelligenz. Damit ist letzlich alles das Selbst allein. Alles sollte als nicht existent, falls vom Selbst oder der reinen Intelligenz getrennt, gesehen werden.“

12. “Wenn ein Muschelhorn geblasen wird oder eine Laute gespielt wird, kannst Du ebenfalls wieder nicht die einzelnen Töne unterscheiden. Aber diese einzelnen Töne sind alle in dem speziellen Klang des Muschelhorns, der Laute oder jedes anderen Musikinstrumentes enthalten. Die einzelnen Töne des Muschelhorns oder der Laute haben selbst keine Existenz, die getrennt von dem gesamten Klang des Muschelhorns oder der Laute. Genau so kann nichts als getrennt von dem Reinen, Intelligenten Selbst angesehen werden. Jedes Instrument, z.B. eine Trommel, ein Muschelhorn oder eine Laute hat seine speziellen einzelnen Töne, und diese sind alle in dem jeweiligen Klang enthalten. Analog sind alle Objekte in dem Absoluten oder Brahman enthalten und die Vielfalt der Gattungen und Einzelheiten sind nicht unterscheidbar von Ihm.“

13. “So wie sich ein Klumpen Salz auflöst, wenn er in das Wasser geworfen wird, und nicht mehr aus dem Wasser herausgelöst werden kann (oder so die Wahrnehmung ist), wir aber immer den salzigen Geschmack dieses Wassers wahrnehmen können, genau so tut dies das Große Bewusstsein, das Unendliche und das Unabhängige – es besteht aus nichts anderem als Bewusstsein selbst. Es entsteht aus diesen Elementen und löst sich wieder in diese auf. Nach dem Tod gibt es kein Wissen mehr (es gibt auch kein objektives Bewußtsein mehr, wenn es keine Individualität mehr gibt)”.

14. Maitreyi sagte: “Du hast mich verwirrt durch Deine Aussage 'Nach dem Tod gibt es kein Wissen mehr'. Und Yajnavalkya antwortete: „Ich sage nichts, was verwirren soll. Da, wo es Dualität gibt, sieht der Eine das Andere, der Eine riecht das Andere, der Eine schmeckt das Andere, der Eine grüßt das Andere, der Eine spricht zu dem Anderen, der Eine hört den Anderen, der Eine denkt an den Anderen und der Eine kennt den Anderen“.

15. ”Aber, wenn das Selbst allein dies alles ist, wie soll dann der Eine das Andere sehen, wie soll Er das Andere riechen, wie soll Er Es schmecken, wie soll Er Es grüßen, wie soll Er mit Ihm sprechen, wie soll Er Es hören und wie soll Er von Ihm wissen?“

16. “Wie soll der Eine Ihn kennen, durch den der Eine all dies weiß?”

17. „Dieses Selbst ist zu beschreiben als „Nicht-Dies“ und „Nicht-Das“.“

18. “Es ist nicht verstehbar, unvergänglich, ungebunden, frei und nicht an Schmerz oder Untergang gebunden“.

Der Innere Herrscher

Saraswati erscheint Yajnavalkya, devotionale Illustration, frühes 20. Jh.

“Wie sollte man den Kenner kennen?”

19. Gautama fragte: “O Yajnavalkya, sag’ mir, wer ist der innere Herrscher?“

20. Yajnavalkya antwortete: “Der, der in der Erde weilt und von dem die Erde nichts weiß, dessen Körper aus Erde ist und der von innen heraus über die Erde herrscht, das ist Dein Selbst, der innere Herrscher und das Unsterbliche.“

21. “Der, der in dem Wasser weilt, der in dem Feuer weilt, im Himmel, in der Luft, in den Quartieren, im Mond und in den Sternen, im Äther, in der Dunkelheit und im Licht. Dessen Körper all dieses ist und der diese Dinge von innen heraus beherrscht, den jedoch diese Dinge nicht erkennen, der ist Dein Selbst, der innere Herrscher und das Unsterbliche.”

22. “Der, der in allen Wesen weilt und Ihnen innewohnt, den jedoch diese Wesen nicht erkennen und der doch diese Wesen von innen heraus beherrscht, der ist Dein Selbst, der innere Herrscher und das Unsterbliche.”

23. “Der in dem Atem innewohnt, der Sprache, dem Auge, dem Ohr, der Haut, dem Wissen und der Saat, den alle diese Dinge nicht erkennen, der ist Dein Selbst, der innere Herrscher und das Unsterbliche.”

24. “Ungesehen - sieht Er; ungehört - hört Er; ungedacht - denkt Er und ungewußt - weiß Er.”

25. “Und es gibt keinen Seher als Ihn, es gibt keinen Hörer als Ihn und es gibt keinen Wissenden als Ihn.”

26. “Und Er ist Dein Selbst, der innere Herrscher und das Unsterbliche.”

27. “Was auch immer unterschiedlich ist zu Ihm, ist vergänglich.“

Das unzerstörbare Wesen

28. Gargi sagte: “O Yajnavalkya, das von dem Du sagst, das es oberhalb des Himmels und unterhalb der Erde ist, das sowohl Himmel als auch Erde umfasst, und das sowohl die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft umfasst, sag‘ mir, wie ist aus (aus Kette und Schuss) gewebt?“

29. Yajnavalkya antwortete: „Es ist im Äther gewebt.“ (Akasha)

30. Gargi sagte: “Und aus was ist der Äther gewebt?“

31. Yajnavalkya antwortete: “O Gargi, die Brahmanen nennen dies das Akshara (das Unzerstörbare).“

32. “Es ist weder grob noch fein, es ist weder lang noch kurz, es ist weder rot noch weiß. Es ist nicht Schatten, es ist nicht Dunkelheit, es ist nicht Luft noch Äther. Es ist ohne Haftung, ohne Geruch, ohne Geschmack, ohne Augen, ohne Ohren, ohne Geschwindigkeit, ohne Verstand/Geist, ohne Licht, ohne Atem, es hat keinen Mund und keine Öffnungen, es hat kein Ausmaß, es hat kein Innen und kein ohne. Es verbraucht nichts und nichts verbraucht es.”

33. "Durch die Herrschaft dieses Unzerstörbaren, sind die Sonne und der Mond getrennt.“

34. “Durch die Herrschaft dieses Wesens, stehen die Erde und der Himmel an ihren Plätzen.”

35. “Durch die Herrschaft dieses Wesens sind die Minuten, die Stunden, die Tage und die Nächte, die Monate, die Jahreszeiten und die Jahre getrennt.“

36. “Durch die Herrschaft dieses Wesens, fließen einige der Flüsse nach Osten von den Schnee bedeckten Bergen und einige nach Westen sowie andere zu den Zielen, die für sie bestimmt sind.“

37. “Durch die Herrschaft dieses Wesens, lobpreisen Menschen diejenigen, die geben, die Götter nehmen die Opfer wahr und Vorväter die Opfergaben.“

38. “Derjenige, der unwissend über das Unzerstörbare ist, jedoch der Opfergaben dieser Welt bringt, der opferbereit ist, der die Götter anbetet und der Entbehrungen auf sich nimmt und selbst, wenn er dies 1000 Jahre lang tut, dessen Werk wird ein Ende haben.“

39. “Derjenige, der ohne, daß er das Unzerstörbare kennt, diese Welt verläßt, wird erbärmlich.”

40. ”Aber derjenige, der diese Welt verläßt und das Unzerstörbare kennt, der ist ein wahrer Brahmane.“

Das leitende Licht

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41. Janaka sagte: “Yajnavalkya, was ist das Licht dieser Purusha?“

42. Yajnavalkya antwortete: “Die Sonne, o König, denn durch die Sonne setzt sich der Mensch hin, es bewegt sich durch sie und tut seine Arbeit und geht dann nach Hause zurück“.

43. “Und wenn die Sonne untergegangen ist, was ist dann das Licht der Menschheit?“

44. “Dann ist der Mond das Licht, denn durch das Licht des Mondes setzt sich der Mensch hin, er bewegt sich durch es und tut seine Arbeit und geht dann nach Hause zurück.“

45. “Und wenn sowohl die Sonne als auch der Mond untergegangen sind, was ist dann das Licht der Menschheit?“

46. “Dann ist das Feuer eben deren Licht, denn durch das Licht des Feuers, setzt sich der Mensch hin, er bewegt sich durch das Licht des Feuers und er tut seine Arbeit und geht dann nach Hause zurück.“

47. „Und wenn sowohl die Sonne als auch der Mond untergegangen sind und auch das Feuer erloschen ist, was ist dann das Licht der Menschheit?“

48. “Dann ist der Klang (die Sprache) das Licht der Menschheit, durch es setzt sich der Mensch hin, er bewegt sich durch das Licht des Klangs und er tut seine Arbeit und geht dann nach Hause zurück. Deshalb, wenn jemand nicht einmal seine eigene Hand vor Augen sehen kann, dann sucht er Zuflucht, wo Klang ist.“

49. „Und wenn sowohl die Sonne als auch der Mond untergegangen sind und auch das Feuer erloschen ist sowie auch kein Klang mehr existiert, was ist dann das Licht der Menschheit?“

50. “Dann ist wahrlich das Selbst sein Licht. Dann durch das Licht seines Selbst setzt sich der Mensch hin, er bewegt sich durch das Licht des Feuers und er tut seine Arbeit und geht dann nach Hause zurück.“

51. “Und was ist nun dieses Selbst?”

52. “Dies, welches im Herzen ist, umgeben von den Pranas, der Purusha, welches Licht ist und welches die Natur des Wissens ist.”

53. “Dies, welches gleich bleibt, wandert in den beiden Welten.“

54. “Dies, welches war, denkt. Dieses, welches war, bewegt sich. In Träumen verläßt es diese Welt und die Arten des Todes, d.h. all das, was vergänglich ist.”

55. “Dieser Purusha, wenn er geboren wird, nimmt einen Körper an, und wird mit allen Übeln vereinigt. Wenn er den Köper verläßt und stirbt, läßt er alle diese Übel zurück.“

Wachen und Träumen

56. „Es gibt zwei Zustände für jede Person: Einer ist hier in dieser Welt, und der andere ist in der anderen Welt. Und es gibt einen dritten Zustand dazwischen, der Zustand des Träumens.“

57. “Wenn die Person schläft, dann nimmt sie die Eindrücke von dieser Welt mit. Wenn sie träumt, zerlegt sie selbst diese Eindrücke und setzt sie dann neu zusammen in ihrem eigenen Licht. In diesem Zustand ist Purusha dann selbst erleuchtet.”

58. “Es gibt dort keine Streitwagen, keine Pferde, keine Wege, aber die Person selbst erschafft diese Streitwagen, Pferde und Wege. Sie selbst ist der Schöpfer.“

59. “Ihre Spielwiese kann gesehen werden, sie selbst ist jedoch darauf nicht erkennbar. Deshalb: Lasst uns vorsichtig Träumende aufwecken, denn wenn die Person nicht richtig zurückkommt, kann es schwierig für sie werden, sich zurecht zu finden in dieser Welt.”

60. “Diese Person, nachdem sie die Wonne erfahren hat (Samprasada, Tiefschlaf), und durchwandert und gesehen hat, was heilig und was sündenvoll ist, hastet dann zurück zu dem Platz, von dem aus sie gestartet ist. Was auch immer sie gesehen haben mag, sie ist davon nicht geschädigt, da sie nicht daran verhaftet ist.”

61. “Diese Person, nachdem sie die Wonne im Wachzustand erfahren hat, diesen durchwandert und gesehen hat, was gut und böse ist, hastet dann zurück zu dem Traumzustand.”

62. “So wie sich ein großer Fisch zwischen den beiden Ufern eines Flusses, rechts und links, bewegt, so bewegt sich eine Person zwischen den beiden Zuständen – Traumzustand- und Wachzustand.”

Tiefschlaf

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63. “So wie ein Adler, nachdem er durch die Lüfte geschwebt ist, müde wird und seine Flügel zusammenfaltet, damit er in seinen Adlerhorst zurückkehren kann, so kommt auch ein Mensch in den Tiefschlaf. Darin hat er keine Wünsche und er träumt keinen Traum.“

64. “Es gibt in seinem Körper Venen, die Hita genannt werden. Sie sind so fein wie ein Tausendstel Haar und voller weißem, blauem, gelbem, grünem und rotem Saft.”

65. “Dies ist seine wahre Natur, die frei von Verlangen, von Sünde und Angst ist. Wenn er von dem intelligenten Selbst (Prajna) umarmt wird, weiß er nichts, ob innerhalb oder außerhalb von ihm. Dies ist seine wahre Natur, in dieser sind alle Begehrlichkeiten erfüllt und das Selbst ist sein einziger Wunsch, in diesem gibt es keine weiteren Wünsche oder keinen Kummer mehr.“

66. “Dann ist der Vater kein Vater, die Mutter ist keine Mutter und die Welten sind keine Welten mehr.”

67. “Er wird auch nicht mehr von Gut oder Böse berührt und er ist jenseits aller Sorgen seines Herzens.”

68. “Wenn er im Tiefschlaf ist, weiß er es nicht, dennoch weiß er, denn Wissen ist unabhängig vom Wissenden, denn es ist unzerstörbar. Dennoch gibt es dann kein zweites Ding, denn es gibt nichts von ihm Getrenntes, das er wissen könnte.“

69. “Wie ein Ozean ist dieser eine Sehende, ohne irgendeine Dualität. Dies ist die Brahma-Welt.“

70. “Dies ist sein höchstes Ziel, sein größter Erfolg, seine höchste Welt und sein größtes Glück. Von diesem Glück genießen alle anderen Wesen nur einen Teil.“

71. “Wenn der Körper schwach wird infolge von Alter oder Krankheit, wird zu dieser Zeit die Person, nachdem sie sich von allen Teilen getrennt hat, zurückgehen zu dem Platz, von dem sie gekommen ist und sie wird wieder ein neues Leben annehmen (auch um einen neuen Körper zu erhalten).“

Das Phänomen des Todes

Arnold Böcklin: Die Toteninsel, Dritte Version, Öl auf Holz, 1883

72. “Wenn die Seele, nachdem sie in den Zustand der Wachheit gekommen ist, herab sinkt in den Zustand der Unbewußtheit, dann ist dies so, wie es war, als sich die Organe und die Seele gefunden haben.“

73. “Nachdem die Seele die Organe durchdrungen hat, und diese dann entsprechend strahlen, zieht sich die Seele in das Herz zurück.”

74. “Wenn die Purusha in das Auge zurückkehrt, dann ist die Seele nicht mehr in der Lage, Farben (in welcher Form auch immer) wahrzunehmen. Sie ist zu jemandem geworden, der nicht mehr sieht.”

75. “Der Eingang zu dem Herz wird strahlend und durch dieses Licht verläßt die Seele den Körper, entweder durch ein Auge, durch den Schädel oder eine andere Stelle des Körpers.”

76. “Wenn die Seele geht, verschwindet auch das Leben aus dem Körper und alle Organe beginnen danach zu vergehen.“

77. “Sie ist bewußt und sich dessen bewußt, und damit folgt und verschwindet sie. Danach nehmen Wissen und sein Werk sowie sein Wissen um das frühere Leben Besitz von der Seele.”

78. “Wie eine Raupe, die einen neuen Panzer erhalten hat, nachdem sie den alten abgeworfen hat, danach wieder weiter krabbelt, so zieht das Selbst, sobald es einen Körper verlassen hat, und danach einen neuen Körper hat, wieder weiter.“

79. “Ebenso wie ein Goldschmied, der ein Stück Gold nimmt und dieses in eine andere, neuere und schönere Form bringt, so macht dies auch das Selbst. Nachdem es einen Körper abgeworfen hat und den Zustand des Wissens erreicht hat, formt es einen neuen und schöneren Körper. Dieser ist geeignet für die Welt der Vorväter, oder der Gandharvas, oder der Devas, oder der Prajapati, oder für Brahmanen oder andere Wesensformen.“

80. “Dieses Selbst ist in der Tat Brahman, es besteht aus Wissen, Geist, Leben, Auge, Ohr, Erde, Wasser, Luft, Äther, Licht und Dunkelheit, Wunsch und Wunschlosigkeit, Ärger und Nicht-Ärger, Stärke und Nicht-Stärke und allen anderen Dingen.”

81. “So wie nun ein Mensch ist, so wie dieses oder jenes, im Einklang damit ist, wie er handelt oder sich verhält, so wird er werden. Ein Mensch der guten Taten wird gut, ein Mensch der schlechten Taten wird schlecht.“

82. “So wie seine Wünsche, so wird seine Entschlossenheit, so wie sein Wille, so wird seine Tat, und so wie seine Tat, so wird sein Lohn.”

83. “Er, der seinen Geist an weltliche Dinge geheftet hat, erhält durch seine Handlungen diese Objekte. Und nachdem er diese weltlichen Dinge erreicht hat, wird er durch deren Besitz immer wieder in diese Welt der Handlungen zurückkommen.“

84. “Deshalb wandert der, der Wünsche hat, von der Welt und zu der Welt. Derjenige, der nicht wünscht, der keine Wünsche hat, der jenseits aller Wünsche ist, dessen Wünsche alle erfüllt sind, der nur das Selbst zu sein wünscht, dessen Lebensenergie verläßt die Welt nicht irgendwohin, sondern er geht in Brahman auf.“

85. “So wie die abgelegte Haut einer Schlange selbst tot ist und auf einem Ameisenhügel liegt, so liegt der Körper, wenn er verlassen worden ist. Das unsterbliche Selbst hingegen ist Brahman, und es besteht nur aus Licht.”

86. „Sobald jemand das höhere Selbst versteht und sein eigenes Selbst darin erkennt, warum sollte er dann das Verlangen nach den Leiden eines Körpers haben und wozu?“

87. “Er, der das Selbst gefunden und verstanden hat, er ist wahrlich der Schöpfer von allem, er ist der Herrscher über alles und sein ist die Welt, er ist das Nein und er selbst ist die Welt.“

88. “Während wir auf dieser Welt sind, müssen wir Brahman kennen. Wenn wir ihn nicht kennen, ist dies ein großer Verlust. Die die Brahman kennen, erreichen die Unsterblichkeit, während die anderen wahrlich Schmerzen erleiden.“

89. “Wenn eine Person sein eigenes Selbst als Gott erblickt, als den wahren Herrscher über alles, dann wird sie auch nicht mehr Angst haben.”

90. “In Ihm gibt es keine Mannigfaltigkeit mehr. Und wer in Ihm noch Vielfalt sieht, geht weiterhin von Tod zu Tod.“

91. “Laß‘ den weisen Brahmana, nachdem er sein Selbst gefunden hat, Weisheit weitergeben. Laß‘ ihn nicht mehr viele Worte suchen, denn die Worte sind verwirrend.“

92. “Derjenige, der weiß, der seine Sinne gebändigt hat, der ruhig ist, der frei von Wünschen ist, der beständig ist, der im Geistigen ist, der sein selbst im Selbst hält, der sieht alles als das Selbst.“

93. “Sünde überwältigt ihn nicht, er hat die Sünde bezwungen. Frei von Sünden, frei von Unreinheiten, frei von Zweifeln, wird er ein wahrer Brahmana.“

94. “Das Selbst ist großartig, ungeboren, die Stärke und die Quelle des Reichtums. Und der, der dies versteht, erlangt Reichtum.”

95. “Brahman ist wahrlich frei von Angst, und der, der dies weiß, wird wahrlich der angstfreie Brahman.“

DA, DA, DA

96. Die dreifaltige Brut des Prajapati; Devas (Götter), Menschen und Asuras (Dämonen) hausen als Brahmacharins bei ihrem Vater, Prajapati.

97. Die Devas, nachdem sie ihre Studien beendet hatten, sagten zu Prajapati: „Nenne uns nun unsere Aufgabe“. Prajapati nannte ihnen die Silbe “Da” und danach “Habt Ihr dies verstanden?” Und sie antworteten: „Ja – wir verstehen. Du hast uns gesagt: Damyata sei selbstbeherrscht”.

98. “Dann fragten die Menschen: “Sage auch uns unsere Aufgabe”. Und auch Ihnen nannte Prajapati die Silbe “Da”. Und er fragte: „Habt auch Ihr verstanden?“ Und sie antworteten: „Ja – wir verstehen. Du hast uns gesagt: Datta – Gib“.

99. Dann fragten die Asuras: “Sage auch uns unsere Aufgabe”. Und auch Ihnen nannte Prajapati die Silbe “Da”. Und er fragte: „Habt auch Ihr verstanden?“ Und sie antworteten: „Ja – wir verstehen. Du hast uns gesagt: Dayadhvam – sei gnädig”.

100. “Das Gleiche wird mit einer höheren Stimme wiederholt mit der Kraft des Donners, nämlich die Silben Da, Da, Da, mit der Bedeutung 'Seid selbstbeherrscht, gebt und seid gnädig'.“

101. „Deshalb laßt uns den Dreiklang aus Zurückhaltung, Großzügigkeit und Barmherzigkeit lernen.“

Von Swami Sivananda: Essence of Principle Upanishads, Divine Life Society Sivananda Ashram Rishikesh

Die Brihadaranyaka Upanishad des weißen Yajurveda - Erläuterungen nach Paul Deussen

Artikel aus „Upanishaden. Die Geheimlehre des Veda“ in der Übersetzung von Paul Deussen, herausgegeben von Peter Michel, Marix Verlag, 2. Auflage, 2007, Wiesbaden, S. 465 - 466, 468 - 472.

Einleitung

Lehrer und Schüler

Die erste Entstehung des Yajurveda wird wohl so zu denken sein, daß zunächst nur das Material an Mantras (Versen und Opfersprüchen), welche für den Adhvaryu-Dienst erforderlich waren, festgestellt und dem Gedächtnis des Schülers eingeprägt wurde. Unter dieser Einschränkung war es dann möglich, in zwölf Jahren "alle (drei) Veden durchzustudieren" (Chand. 6,1,2; bei dem späteren Umfang erforderte jeder Veda zwölf Jahre Studiums), und dem entsprechend wird Svetaketu Chand. 6,7,2 von seinem Vater unter anderem nur aufgefordert, "die Opfersprüche (Yajunshi) herzusagen". Die Anweisung (Vidhi) zum Gebrauch dieses Materials und die nötige Sacherklärung (Arthavada) desselben wurde daneben ursprünglich wohl nur in freier Rede dem Schüler übermittelt. Nach und nach fixierte sich in der Tradition auch diese "auf die rechte Bet- und Opferweise bezügliche" (Brahmanam) Belehrung und wurde (als die älteste indische Prosa) dem Schüler zum wörtlichen Auswendiglernen vorgesagt. Hierbei war naturgemäß, ebenso wie in jener älteren, freieren Form, jeder Mantra von seinem Brahmanam (Vidhi und Arthavada) begleitet.

In dieser Gestalt haben den Yajurveda im wesentlichen die Schulen des schwarzen Yajurveda erhalten, wiewohl auch bei ihnen schon eine Scheidung der beiden Elemente in der Bildung begriffen ist, indem namentlich die auf den Soma und andere Opfer bezüglichen Mantras und Brahmanas nicht nur gesondert, sondern auch, in allen drei Hauptschulen, durch Zwischeneinschiebung der, gleichfalls nach Mantras und Brahmanas geschiedenen, Agniciti (Taitt. Samh. 4-5; Maitr. Samh. 2,7-13. 3,1-5; Kathakam 16-18. 19-22) weit voneinander getrennt werden (oben, S. 212. 312. 261). Es ist dies um so merkwürdiger, als auch im Satapathabrahmanam der auf das Agnicayanam bezügliche Sandilya-Teil (VI-X) sich an manchen, von Weber nachgewiesenen, Anzeichen als eine Einschiebung zwischen die Yajnavalkya-Teile (I-V und XI-XIV) zu erkennen gibt.

Es war nur ein Schritt weiter in dieser Richtung, wenn der, durch die Schule der Vajasaneyins (d. h. der Anhänger des Yajnavalkya Vajasaneya) vertretene weiße Yajurveda das Mantra- und Brahmana-Material vollständig (wiewohl nicht ganz vollständig, vgl. Vaj. Samh. 16. 17. 18. 19. 24) sondert und in zwei verschiedene Werke verweist, die Vajasaneyi-Samhita und das auf dieselbe Bezug nehmende Satapatha Brahmanam. Das Motiv zu dieser Trennung mag einerseits das Vorangehen der Rigveda- und Samaveda-Schulen in derselben gewesen sein, andererseits in Schulzwecken gelegen haben, bei denen auf die größere Leichtigkeit des Memorierens (fortlaufender rhythmischer und wiederum prosaischer Texte) mehr Gewicht gelegt wurde, als auf das unmittelbare (durch Zerreißung des Zusammengehörigen erschwerte) Verständnis. Jedenfalls tun sich die Vajasaneyins auf ihre Neuerung viel zugute; sie nennen ihre Sammlung (Satap. Br. 14,9,4,33) Suklani, Yajunshi "weiße (von ungehörigen Zutaten gereinigte) Opfersprüche", wollen dieselben von dem Sonnengott, als dem Prototyp aller Klarheit, erhalten haben und sind auf ihre "vagabundierenden" Brüder vom schwarzen Yajus (die Caraka Adhvaryus) übel zu sprechen.

Die Brihadaranyaka Upanishad

Schon bei der Chandogya Upanishad zogen wir aus dem Umstande, daß am Ende der einzelnen Prapathakas sich vielfach vereinzelte Fragmente finden, den Schluß, daß diese Prapathakas, vor ihrer Vereinigung zu einem Ganzen, als selbständige Werke bestanden zu haben scheinen. - Noch deutlicher zeigt diesen Charakter eines Konglomerates die Brihadaranyaka Upanishad. Von den drei Teilen, in welche sie zerfällt, bezeichnet schon die Tradition der Kommentare den letzten (Adhy. 5-6) als Khilakandam (Nachtragteil), und sein Inhalt rechtfertigt diese Benennung vollkommen. Aber auch die beiden ersten Teile, das Madhukandam (Adhy. 1-2) und das Yajnavalkiyam Kandam (Adhy. 3-4) müssen ursprünglich unabhängig voneinander bestanden haben, wie mit Sicherheit schon daraus hervorgeht, daß dieselbe Erzählung (von Yajnavalkya und seinen beiden Frauen) fast durchweg mit denselben Worten in beiden Teilen (2,4 und 4,5) sich vorfindet. Zum Glück gibt uns aber hier die Überlieferung noch einen weiteren Aufschluß (wenn es nur gelingt, ihn richtig zu benutzen) in Gestalt der den drei Kandas angehängten Vansas oder Lehrerlisten. Ein weiterer Vansa findet sich noch am Schluß des Sandilya-Teiles, Satap. Br. 10,6,5,9 (wie Brih. 6,5,4). Wir wollen diese vier Vansas im folgenden der Kürze halber mit M1, M2, M3, M4 und K1, K2, K3, K4 bezeichnen:

Madhyandina-Rezension. Kanva-Rezension.

M1 : Satap. Br. 10,6,5,9 K1 : Brih. 6,5,4
M2 : Satap. Br. 14,5,5,20-22 K2 : Brih. 2,6
M3 : Satap. Br. 14,7,3,26-28 K3 : Brih. 4,6
M4 : Satap. Br. 14,9,4,30-33 K4 : Brih. 6,5,1-3.

Zunächst ist zu bemerken, daß K1, statt, wie M1, am Schluß des Sandilya-Teiles zu stehen, zu dem es gehört, sehr unpassend an K4 angeklebt ist und dadurch zu den wunderlichsten Mißverständnissen der Kommentatoren (Shankara, Anandajnana, Suresvara) Anlaß gegeben hat. Daß im übrigen K4 und M4 sich nicht etwa auf das Khilakandam, sondern auf die ganze Samhita nebst Brahmanam beziehen, sagt ja der Text selbst (Imani Suklani Yajunshi) und ist auch von den Kommentatoren richtig gesehen worden. Ebenso unzweifelhaft ist, daß die Anfangsworte des Vansa K1 M1: Samanam A Sanjiviputrad, eine Vorausbeziehung auf den vollständigen Vansa K4 M4 enthalten und besagen: "von dem jüngsten Glied (in K4 Pautimashiputra, in M4 der Redaktor selbst, Vayam) bis hinauf zu Sanjiviputra (d. h. nach K4 bis zum vierunddreißigsten, nach M4 bis zum vierzigsten Lehr-Ahnherrn) ist die Reihe dieselbe (wie in K4 M4)". Von da an weiter aufwärts aber sind sie (bis auf den beiden gemeinsamen Namen Kusri) völlig verschieden, indem K1 M1 in zwölf weiteren Gliedern, und zwar durch Sandilya, bis zu Brahman, hingegen K4 M4 in siebzehn (M4 achtzehn) weiteren Gliedern, und zwar durch Yajnavalkya, bis zu Aditya als oberstem Urheber und Offenbarer der Lehre hinaufsteigen. Hiernach wird die von Weber geäußerte Vermutung in hohem Grade wahrscheinlich, daß wir in K1 M1 den Vansa der Sandilyabücher (des Agnicayanam, Satap. Br. VI—X), hingegen in K4 M4 den Vansa der Yajnavalkyabücher (Satap. Br. I—V. XI—XIV) besitzen; und wenn wir auch nicht mit diesen Vansas Sandilya und Yajnavalka in die Urzeit verlegen werden, so ist historisch doch wohl das in ihnen sich ausdrückende Bewußtsein, daß der Altarschichtungskultus (Sandilya) und der gewöhnliche Opferkultus (Yajnavalkya) zwei ursprünglich verschiedene Arten der Gottverehrung waren, welche sodann sekundär miteinander verschmolzen wurden. Wann diese Verschmelzung zuerst stattgefunden, das wird sich aus den Vansas wohl schwerlich feststellen lassen. Rechnet man zwischen Lehrer und Schüler im Durchschnitt einen Altersunterschied von zwanzig Jahren, so würde der Zeitpunkt der ersten Verknüpfung beider Rituale (Sanjiviputra) von dem Redaktor des Satapathabrahmanam um achthundert Jahre rückwärts liegen. In den Namen stimmen beide Rezensionen K1 K4 und M1 M4 von Brahman und Aditya abwärts (von einigen Umstellungen und zwei Einschiebungen abgesehen) bis auf Atreyiputra vollständig überein; von da an aber scheinen Kanvas und Madhyandinas sich getrennt zu haben; dieser Zeitpunkt würde vom Redaktor des Satapathabrahmanam an um zwanzig Glieder, also, nach obiger Berechnung, um vierhundert Jahre zurück liegen. — Schließlich möchten wir noch der Vermutung Raum geben, daß die Metronymika doch wohl nicht auf die leiblichen Mütter, sondern auf die Vidya als Gattin (oder Tochter) des Lehrers zu beziehen sind, aus welcher, durch Einwirkung des Lehrers, der Schüler seine (geistige) Geburt empfängt. Der Lehrer gebiert den Schüler (Atharvav. 11,5,3), nachdem er mit demselben vermöge seines Wissens schwanger gegangen ist (Jnanair Bibharti, Svet. 5,2). Hiernach könnte auch Pautimashiputra (letzter Name in K4) der Schüler des Pautimashya (letzter Name in K2 K3), oder auch allenfalls, in einer durch die Analogie bedingten Ungenauigkeit, dieser selbst sein.[1]

Wenden wir uns nun von dieser, auf Samhita und Brahmanam als Ganzes bezüglichen Lehrerliste K1 M1 K4 M4 zu den Vansas K2 M2 am Ende des Madhukandam und K3 M3 am Ende des Yajnavalkiyam Kandam, so bemerken wir zunächst die auffallende Erscheinung, daß diese vier philosophischen Listen K2 M2 K3 M3 in den Namen zwar untereinander eine weitgehende Übereinstimmung zeigen, hingegen, verglichen mit der die Tradition des Rituals (Imani Suklani Yajunshi; Brih. 6,5,3) betreffenden Liste K1 M1 K4 M4, von Brahman als gemeinsamem Anfang an bis zu Ende fast durchweg verschiedene Namen 378 enthalten. Hieraus folgt erstlich (was ja auch schon aus ihrer Stellung hervorgeht), daß diese Philosophenlisten K2 M2 K3 M3 sich nur auf die mit ihnen abschließenden Upanishadteile beziehen, K2 M2 auf Brih. 1-2, K3 M3 auf Brih. 3-4, zweitens aber die überraschende, und doch sehr natürliche Tatsache, daß innerhalb derselben Sakha, also zunächst der der Vajasaneyins, die Hauptträger der rituellen und der philosophischen Tradition (Brahmanas und Upanishaden) voneinander verschieden waren. Natürlich gilt dies nur von den großen "Spezialisten"; der gewöhnliche Guru mochte den bei ihm wohnenden Brahmacarins sein Brahmanam und hinterher seine Upanishad dozieren, ohne an dem widersprechenden Geist beider Urkunden sonderlichen Anstoß zu nehmen.

Vergleichen wir weiter die beiden Philosophenlisten K2 M2 am Schluß des Madhukandam und K3 M3 am Schluß des Yajnavalkiyakandam miteinander, so stimmen die Namen von Brahma Svayambhu an bis zum vierzigsten Glied (von zweimaliger Auslassung des Namens Bharadvaja in K2 K3 abgesehen) in allen vier Listen vollkommen überein; vom vierzigsten Glied aber (Vaijapayana in K2 M2, Sayakayana in K3 M3) gehen sie sehr auseinander.

Zwar in der Madhyandina-Rezension liegt der ganze Unterschied darin, daß M3, statt des einen Vaijapayana in M2, sechs andere Namen und später nochmals zwei Namen (die Aurnavabhah d.h. "Wollweber", im Plural, und die Kaundinyau) zwischen einschiebt. Dies kann natürlich nicht richtig sein (der Schüler kann von des Lehrers Lehrer nicht anderseits durch sechs Lehrergenerationen getrennt sein), sieht nach Überarbeitung aus, und es ist damit wohl nichts weiter anzufangen.

Um so interessanter liegen die Verhältnisse in der Kanva-Rezension, indem die Madhu-Liste K2 und die Yajnavalkya-Liste K3 in den achtunddreißig Namen der Urzeit übereinstimmen (dies mag spätere Konstruktion sein), dann aber in den elf (K3 zwölf) Namen der älteren Zeit fast völlig auseinandergehen und wiederum in den neun Namen der jüngeren Zeit von Agnivesya bis Pautimashya vollkommen übereinstimmen. Dies läßt wohl keine andere Erklärung zu, als daß bis neun Generationen (etwa 200 Jahre) vor Pautimashya das Madhukandam und das Yajnavalkiyakandam als selbständige Upanishadwerke innerhalb der Sakha der Vajasaneyins bestanden, sodann (durch Agnivesya) verbunden wurden, und daß ihnen im weiteren Verlauf das aus allerlei Nachträgen bestehende Khilakandam angeschlossen wurde.

Fußnoten

  1. Die Namen sind vielfach, etymologisch betrachtet, sehr drollig; wahrscheinlich sind manche derselben Spitznamen, wie sie den Lehrern, nicht sowohl von Gegnern als, unbeschadet der Pietät, von den eigenen Schülern beigelegt wurden und in der Tradition fester hafteten als die wirklichen Namen. - Wenn wir ehemaligen Pförtner zusammenkommen und über die alte Herrlichkeit der alma mater uns unterhalten, so wird der alten Lehrer oft und in großen Ehren gedacht, aber die Erwähnung derselben geschieht, bei den populäreren Gestalten, vorwiegend nach den Spitznamen.

Siehe auch

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