Manipura Chakra

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Manipura Chakra (Sanskrit: मणिपूर maṇipūra/maṇipūracakra) Edelsteinsee, Juwelensee, Juwelenflut. "Mani" bedeutet Edelstein, Juwel. "Pura" (mit langem "a") See oder Flut. Mit kurzem "a" wäre Pura auch Stadt, weshalb manchmal gesagt wird, die "Stadt der Edelsteine", die "Region der Edelsteine". Es ist das dritte der sieben Hauptchakras und wird in der Lendenwirbelsäule lokalisiert.

Künstlerische Darstellung des Manipura Chakras von Sharada Steffens

Das Kshetra, auch Nabhi Chakra genannt, strahlt aus in den ganzen Bauchraum. Das Manipura Chakra wird daher oft auch als innere Sonne oder Sonnengeflecht, manchmal auch als Solarplexus- oder Nabelchakra bezeichnet. Es ist ein bedeutender Speicher von Sonnenenergie im menschlichen Körper und steht für Durchsetzungsvermögen, inneres Feuer, Leidenschaft und Begeisterung.

Sukadev über das Manipura Chakra

Niederschrift eines Vortragsvideos (2014) von Sukadev über Manipura Chakra

Manipura Chakra ist das Energiezentrum in der Nabelgegend, eigentlich in der Wirbelsäule, in der Lendenwirbelsäule, ausstrahlend in den ganzen Bauch bis zum Nabel. "Chakra" heißt wörtlich Rad, denn die Chakras sind kreisförmig, mindestens sieht man sie als solches, sie strahlen aus. Ähnlich wie ein Lichtrad, ein Feuerrad, von dem Licht ausstrahlt. "Mani" bedeutet Edelstein, Pura heißt Flut oder See oder eine andere Ableitung ist von Pura, das heißt Stadt. "Manipura" – Flut von Edelsteinen.

Warum heißt ausgerechnet das Manipura Chakra "Flut von Edelsteinen", "See von Edelsteinen"? Ist das Manipura Chakra offen, dann sind da alle möglichen Fähigkeiten und Besonderheiten. Anahata Chakra steht für die reine Liebe. Das Vishuddha Chakra steht für die Liebe zu Gott. Das Ajna Chakra ist die höchste Erkenntnis. Im Manipura Chakra, da ist Mut, da ist Willenskraft, da ist Begeisterung, da ist Charisma, da ist Durchsetzungsfähigkeit. All das ist im Manipura Chakra. Ist das Manipura Chakra offen, dann gibt es das Feuer der Begeisterung.

"Manipura" ist auch Feuer. Das Feuerelement ist im Manipura Chakra, der Sitz von Agni. Daher gibt es in Manipura so viele Edelsteine, so viel Wertvolles, so viel, was du bewirken kannst. Manipura Chakra ist sowohl für weltlich wertvolle Dinge wichtig. Du brauchst auch, wenn du reich werden willst, Macht haben willst und irgendwo eine Position haben willst, aufsteigen willst, dazu brauchst du Manipura-Energie, du brauchst Mut, Willenskraft, Ausstrahlung und letztlich auch einfach schlicht und ergreifend die Energie, mehr zu machen als andere, mehr auszustrahlen als andere.

Aber im Yoga wollen wir das ja nicht machen, um im Konkurrenzdenken voranzukommen. Das kann eine Nebenwirkung sein, dass, wenn du Yoga übst, du mehr Energie hast und deshalb auch beruflichen Aufstieg haben kannst und erfolgreicher sein kannst. Das ist aber eine Nebenwirkung. Eigentlich öffenen wir das Manipura Chakra, um ein begeistertes Leben zu führen, um Energie zu haben, aber nicht nur für uns selbst, sondern um Gutes zu tun. Daher muss sich die Energie des Manipura Chakra über das Anahata Chakra ausdrücken. Du hast die Energie, um uneigennützig etwas zu tun. Und die Liebe, die du von oben empfindest, strahlst du aus in Aktivität, du setzt sie um.

Es reicht nicht aus, nur in Glückseuphorie zu schwelgen, es reicht nicht aus, nur Gottesliebe zu empfinden, du musst sie ausdrücken in dieser Welt, Gutes tun, Gutes bewirken. Dafür steht das Manipura Chakra. "Manipura" heißt auch Nabel, deshalb ist es gar nicht falsch zu sagen, Manipura ist das "Nabelzentrum", auch wenn es eigentlich in der Lendenwirbelsäule den Sitz hat. Das Manipura Chakra ist das dritte Energiezentrum in der Lendenwirbelsäule, ausstrahlend über den ganzen Bauch.

Swami Saradananda über das Manipura Chakra

"An den Wurzeln des Nabels gibt es einen Lotus mit zehn Blütenblättern und der Farbe von schweren Regenwolken. Meditiere dort auf den Bereich des Feuers, der die Form eines Dreiecks hat und wie eine aufgehende Sonne strahlt. Meditiere auf Ihn (Agni, den Gott des Feuers), der auf einem Widder sitzt." (Shat Chakra Nirupana, Verse 19-20)

Die Meditation auf das Manipura Chakra begleitet dich auf dem Weg der Meisterschaft in deine Sehkraft als auch deine Fähigkeit, dich in dieser Welt fortzubewegen. Dein Geist und dein Körper werden strahlend, was deiner Haut und Augen einen besonderen Glanz gibt. Manipura ist dein Energiezentrum, wo du feinere Energien in die Materie transformieren kannst und Materie in Energie. Es erhöht das Energieniveau in all den anderen Chakren.

Deine Unfähigkeit, dich damit zu verbinden oder die Natur deiner eigenen Kraft zu verstehen, bewirkt ein Ungleichgewicht im Manipura Chakra und kann zur falschen Anwendung deiner Lebensenergie führen. Ärger, Wut, Groll und Verbitterung sind all die Ausdrücke des Ungleichgewichtes und Blockaden des Energieflusses im Manipura Chakra. Diese negativen Emotionen haben sich im Laufe von vielen Jahren in deinem Plexus-Bereich energetisch abgelagert. Es passiert unabhängig davon, ob du eine Person bist, die einfach verärgert und schon von Kleinigkeiten irritiert wird oder eine, die stoisch Widerstand zu jeder emotionalen Äußerung leisten kann.

Niederschrift eines Vortrages (2015) im Rahmen einer Weiterbildung zur Shiva Samhita

Das Manipura Chakra ist eine Energie des Feuers, der Transformation. Es ist ein Energiespeicher, wie eine Art Batterie, und gibt Feuer in die anderen Chakras. Daher ist es ein sehr wichtiges Chakra. Es bildet sich im Alter von etwa zweieinhalb Jahren. Kinder sind dann in der Trotzphase - sie merken, dass sie eine eigene Persönlichkeit sind und wollen das auch zeigen. Das Chakra steht auch im Zusammenhang mit den Augen. In der Zeit wollen die Kinder alles sehen und entdecken.

Es ist der wichtigste Sitz deines Selbstbewusstseins, Selbstvertrauens. Dort liegt auch deine Motivation, dein Charisma. Manche Menschen sind voller Charisma, sie können eine inspirierende Rede halten. Wenn man sich mit einem anderen Menschen energetisch verbindet, dann geschieht das über den Solarplexus. Wenn jemand von dir Energie saugt, dann erfolgt das auch über Manipura. Manche Menschen können das bewusst manipulieren - zum Beispiel ein Verkäufer der dir Dinge verkauft, die du gar nicht brauchst. Bei Manipura im Ungleichgewicht machst du dir außerdem zu viele Gedanken, was andere über dich denken. Mobbing, Opfermentalität, Burnout oder die Neigung zum Workaholic stehen auch in Verbindung hierzu.

Übersicht zum Manipura Chakra und seinen Entsprechungen

Yantra des Manipura Chakras

Eigenschaften und Funktionen

Das Manipura Chakra wird symbolisch als ein nach unten gerichtetes orangefarbenes gleichseitiges Dreieck dargestellt, das von einem Kreis aus zehn blauen Blütenblätter umrundet wird. Das Haupt-Bija Mantra "Ram" befindet sich innerhalb des orangefarbenen Dreiecks. In den blauen Blüttenblättern befinden sich zehn weitere Bijas: Dam, Dham, Nam, Tam, Tham, Dam, Dham, Nam, Pam, Pham.[1] Sie repräsentieren die Nadis und die verschiedenen Kräfte, die alle von dem Chakra ausgehen. Wenn diese nicht geöffnet sind, fällt der Mensch den zehn negativen Gedanken zum Opfer: spirituelle Unwissenheit, Gier, Neid, Verrat, Schamlosigkeit, Angst, Ekel, Verwirrung, Dummheit und Traurigkeit.

Trotz dieser symbolischen Darstellung in Orange und Blau kann jemand mit hellseherischen Fähigkeiten den Solarplexus wie eine Sonne Gelb in der Aura strahlen sehen. Das Manipura Chakra ist das Sonnen-Chakra, ihm entspricht alles, was mit der Sonnenenergie zu tun hat. Es steuert Pingala Nadi, den Sonnenenergie-Kanal und das wichtigste Speicherzentrum von Prana. Ein starkes Manipura Chakra gibt eine starke Ausstrahlung, Charisma, die Fähigkeit, Dinge zu bewirken.[2]

Jedes Chakra wird durch ein Tier repräsentiert, was bedeutet, dass das Chakra dessen Eigenschaften hat. Bei dem Manipura Chakra ist es der Widder. Er steht wie kein anderes Tier für explosives Verhalten. Er hat eine extrem dicke Knochenplatte auf der Stirn, mit massiven Hörnern. Mit dieser Ausstattung ist er in der Lage, Hindernisse einfach umzurennen. In alten Zeiten haben Menschen Widderköpfe auf Baumstämmen befestigt, um damit Burgtore einzurennen. Der Widder symbolisiert also unsere explosive Kraft und unseren großen Schwung, mit dem wir Projekte angehen. [3] Er steht für Durchsetzungsvermögen, inneres Feuer, Temperament, Leidenschaft, Begeisterung, Wahrhaftigkeit, Kreativität, Selbstvertrauen, Mut und Willenskraft. Mit einem gesunden Manipura Chakra kann man diese Fähigkeiten positiv für sich nutzen.

Jedem Chakra werden ein Gott und eine Göttin zugeordnet, bei dem Manipura Chakra sind es Rudra-Shiva und Lakini. Rudra-Shiva heißt „der Heulende oder Brüllende“. Rudra wird mit einer vor Zorn geröteten Haut oder mit einer weißen Haut dargestellt und mit drei Augen. Er sitzt meist auf einem Bullen. Rudra steht ebenfalls für explosive Kraft, er ist der Gott der Stürme und steht in enger Verbindung zu dem Feuergott, Agni. Seine Kräfte haben eine sehr zerstörerische Wirkung, seine Waffen sind Blitz, Gift, Fieber und Husten. Er kann Menschen und Tiere zerstören, oder aber er zerstört die Krankheit, die sie befällt. Dabei nimmt er eine duale Rolle ein innerhalb von Böse und Gut, einerseits kann er Verderben bringen andererseits Heilung.

Lakini wird schwarz, dunkelblau-zinnoberrot, blass-rot oder tiefrot dargestellt. Sie hat drei Gesichter mit jeweils drei Augen. In ihren vier Armen hält sie einen Donnerkeil, einen Pfeil oder einen Speer. Die anderen Hände hat sie frei, um Geschenke zu machen, unter anderem verleiht sie Mut. Lakini wird meist in einem gelben oder weißen Kleid dargestellt, wobei sie in einem roten Lotus sitzt. [4] Das Vorherrschen der roten Farbe zeigt auch ihre explosiven Kräfte und ihre Beziehung zum Element Feuer, das ebenfalls für das Manipura Chakra steht.

Das Nabelchakra steht in einer engen Beziehung zum Astralkörper, zur Sukshma Sharira und zur Manomaya Kosha, der geistig-emotionalen Hülle. Die wichtigsten Motivationen auf der Manipura Ebene sind Selbstausdruck, Macht, Ansehen. Ein aktives Manipura Chakra verhilft dir zu viel Energie, Ausstrahlung und Enthusiasmus. Ist das innere Feuer, die Sonnenenergie, stark, kann vieles erreicht werden. Die beschriebenen Kräfte der Götter und des Widders werden ihren Beitrag dazu leisten. Bei blockiertem Nabelchakra hast du vermutlich nur wenig Energie, bist gleichgültig, unsicher, übertrieben ehrgeizig, rücksichtslos, hast ein mangelndes Selbstbewusstsein, bekommst Wutanfälle, bist verbittert oder kannst dich nicht durchsetzen.

Auf körperlicher Ebene steuert Manipura die Verdauungsorgane und den -prozess, sowie das vegetative Nervensystem. Es ist der Sitz des Verdauungsfeuers Agni und kontrolliert auch die Energie von Samana Vayu. Das Manipura Chakra steht in Verbindung mit den Füßen und Beinen und steuert die Muskeln im Körper. Wenn es im Ungleichgewicht ist, können Störungen im Verdauungssystem auftreten, Schmerzen in der Lendenwirbelsäule, Nervenerkrankungen, Diabetes mellitus oder Gelbsucht.

Aktivierung und Harmonisierung

Das Manipura Chakra kann auf vielfältige Weise aktiviert werden:

Um immer voller Energie zu sein, sich immer wieder zu regenerieren, ist es hilfreich, das innere Feuer zu entzünden. Manipura Chakra steht für das Feuer-Element. So hilft es, etwas dafür zu tun, dein Manipura Chakra zu aktivieren. Ein einfacher Tipp hierfür: Atme tief mit dem Bauch ein und aus. Und stelle dir eine Sonne vor, die immer stärker strahlt. Manipura Chakra ist auch Sitz des Sonnengeflechts. So hilft die Konzentration auf das Manipura Chakra, Zugang zur inneren Sonne zu bekommen.

Heinz Grill über das Manipura Chakra und die Wirbelsäule

Die Energiezentren werden nach anthroposophischer Lehre der Reihe nach, von unten nach oben, dem Erdelement (mūlādhāra-cakra), dem Wasserelement (svādhiṣṭhāna cakra), dem Luftelement (maṇipūra-cakra) und dem Feuerelement (anāhata-cakra) zugeordnet.

Eine sanfte bewusstseinsanregende Berührung markiert das Manipura Cakra. Von diesem gleitet die Bewegung in die Länge nach vorne. Es strömt die Bewegung in die Länge nach außen. Der unterste Rücken wird gewissermaßen in die Länge mitgezogen und die Bandscheiben erhalten wieder Raum.

Unterschiedliche Interpretationen gibt es in Bezug auf das maṇipūra-cakra, das in den meisten orientalischen Interpretationen dem Feuer oder agni zugesprochen wird und auf das Herzzentrum, das im Gegensatz dazu dem Luftelement entspricht. Die Unterschiede entstehen, da die Erkenntnisse auf ehemals getätigten Erfahrungen beruhen und mit dem Element der Luft oder mit dem Element des Feuers unterschiedliche Wahrnehmungsprozesse verbunden waren.

Die Hand wird im Gegensatz zum Manipura Cakra nun auf das 2. Zentrum gelegt. Durch die in diesem Fall mehr füllige Berührung der Hand wird das 2. Zentrum in seiner Charakteristik des Sammelns von Prana - Kräften in das Bewusstsein gerückt. Die Bandscheiben erhalten weniger einen weiten Raum, die vegetativen Kräfte jedoch sammeln sich besser zur Beruhigung.

Allgemein können über die verschiedenen Körperübungen (āsana), je nachdem wie der Übende die Aufmerksamkeit, Spannkraft, Konzentration und das Bewusstsein lenkt, unterschiedliche Chakra angesprochen werden. Damit der Übende das maṇipūra-cakra zentral in seiner prāṇa-Energie erreicht, erscheint die Methode der Gliederung der Wirbelsäule in drei Abschnitte wertvoll. Die Schulter- und Nackenregion sollte bei allen spannkräftigen Übungen, die die Wirbelsäule betreffen, entspannt bleiben. In der Mitte, in der Lokalisation des Plexus Solaris, genau genommen des Plexus Coeliacus oder auch auf der Höhe der Nieren, erfolgt eine ausdehnende Spannung und im Becken oder auch dem Beinbereich verbleibt eine ruhende Basis. Die Dreiecksstellung (trikoṇāsana), die Kopf-Knie-Stellung (paścimottānāsana), das Kamel (uṣtrāsana), das Rad (cakrāsana) und vor allem auch das Sonnengebet (sūrya namaskāra) können diese Ausdehnung aus der Mitte bei Bewahrung eines stabilen Ruhepols und gleichzeitig entspanntem Kopf-, Schulter- und Nackenbereich veranschaulichen.

Wird das maṇipūra-cakra angesprochen, entsteht eine außerordentlich gute Versorgung der Wirbelsäule mit prāṇa-Energie. Indem Sivananda das prāṇa als Verbindung zwischen Astralleib und physischem Leib bezeichnet, nimmt das maṇipūra-cakra eine Art Mittenstellung zwischen dem Bewusstsein und dem physischen Körper ein. Tatsächlich zeigen die Erfahrungen im Aufbau der Spannungsbezüge der Wirbelsäule, wenn sie aus der Mitte dieses Zentrums tatsächlich geschehen, dass der Übende einerseits ein gutes Körpergefühl mit intensiverer Dynamik erlebt und andererseits ein sich weitendes offenes Bewusstsein. Sobald das Zentrum in der āsana günstig erreicht und akzentuiert wird, steigt die Kraft zu Interesse und schenkt im Nachhinein ein aufbauendes Lebensgefühl. Das maṇipūra-cakra setzt lichte Kräfte frei, die man als Ätherkräfte des Lichtes bezeichnen kann und diese führen im Allgemeinen zum Erleben einer Weite im Bewusstsein und zu einer wachsenden Begeisterungsfähigkeit.

Das prāṇa fließt aus dem maṇipūra-cakra nach oben zum Herzen und in die Gliedmaßen mit vyāna vayu und nach unten in die Verdauung mit samāna vayu. Das cakra ist auf der Höhe der aktiven Stoffwechselorgane, von Pankreas, Galle, Leber, Magen und auch den Nieren lokalisiert. Aus diesen Organen spendet es Stoffwechselwärme und Feuer. Es ist wichtig, dass dieses Zentrum heute durch Übungen aktiviert wird, da viele Degenerationserscheinungen, die die Wirbelsäule mit Abbauprozessen betreffen, eine Wärmeentwicklung aus diesem Zentrum benötigen.

Im Allgemeinen wirkt jede Aktivierung des maṇipūra-cakra Erschöpfungszuständen und den so häufigen Wirbelsäulenproblemen entgegen.

Heinz Grill über Paschimottanasana und die spezifische Anregung des dritten Zentrums

Im Allgemeinen interpretiert man diese Stellung so, dass sie günstig auf die oberen und auch unteren Verdauungsorgane wirkt, da diese kräftig massiert und belebt werden. Stellt man jedoch die möglichen Wirkungen der prāṇa–Energie neben die mechanische Einwirkung in den Mittelpunkt der Ausführung, gewinnt diese klassische Grundstellung eine außerordentlich wertvolle Bereicherung mit tragenden aufbauenden Heilwirkungen.

Der Übende begibt sich in eine angemessene Sitzhaltung und streckt die Arme zunächst einmal etwa in einem mehr oder weniger 45-Grad-gefälligen Winkel nach vorne. Die Arme gleiten über die Beine hinaus. Nun entspannt der Übende als erstes die Schulter-, Nacken- und Halsregion und wird in der Sitzhaltung bewusst ruhig. Nach oben befreit sich das Bewusstsein in seinen Wahrnehmungsprozessen und nach unten stabilisiert sich der Körper und bildet im Sitzen eine Basis. Die Konzentration lenkt nun der Übende nicht zu tief in die Kreuzbeinregion sondern etwa auf die Höhe der Nieren oder genau genommen zwischen Lenden- und Brustwirbelsäule. Er eruiert das dritte cakra in der Wirbelsäule, sammelt sich mit der Aufmerksamkeit beobachtend für einige Zeit, vielleicht sogar bis zu einer halben Minute, bis er schließlich den Zugang zu diesem Zentrum wahrnehmend findet und aus diesem heraus in die Länge nach vorne wachsen und vervollständigen kann.

Anders würde die Stellung wirken, wenn der Übende ohne diese Akzentuierung und ohne Spannungsaufbau aus dem Zentrum sich selbst wie in eine Art Zangenstellung hineinpresst. Die aktive Stoffwechselanregung entsteht sowohl in ästhetischer als auch in gesundheitlich förderlicher Weise am meisten, wenn der Übende aus der Mitte des Zentrums und aus der Wirbelsäule selbst in die Länge und in die Endposition gleitet.

Ein anleitender Lehrer kann dem übenden Klienten unterschiedlich Hilfestellungen geben. Er kann sanft eine Hand direkt auf das maṇipūra-cakra am Rücken legen und die zweite Hand zur Aufforderung, die Schulter-Nackenregion zu entspannen, nützen. Der Lehrer hält den Schüler in der zu frühen Bewegungsdynamik zurück, bis dieser schließlich genau den Punkt in der Wirbelsäule findet und aus diesem heraus eigenaktiv in die Länge gleitet.

Im Ashtanga Yoga wird in der Regel diese gleiche Stellung aus dem zweiten Zentrum entwickelt, indem der Übende die Beine streng an das Becken heranzieht und aus der unteren Wirbelsäule in die Länge gleitet. Auf die Wirbelsäule bezogen zeigen die Erfahrungen, dass die Sammlung der prāṇa-Energie im dritten Zentrum tendenziell eine Entlastung der Lendenwirbelsäule gibt und die Bandscheiben im unteren Rücken durch die Längsausdehnung nach oben und vorne Raum gewinnen. Das zweite Zentrum sammelt sehr stark Lebenskräfte, die jedoch nicht spezifisch der Wirbelsäule zur Verfügung gebracht werden, sondern mehr den vegetativen Systemen und dem Verdauungssystem.

Indem der Übende die Gliederung zwischen einem entspannten Schulter-Nackenbereich, einer dynamischen Mitte im maṇipūra-cakra und einer ruhigen Basis in der unteren Körperzone kennenlernt und einübt, lernt er seine Wirbelsäule sowohl energetisch als auch körperlich technisch besser zu koordinieren. Er kann Lordosen durch die Aktivierung der Mitte entgegenwirken. Die häufigen Verspannungen, die sich meist in den oberen Regionen der Halswirbelsäule und des Schultergürtels zeigen und die mit der Zeit in einer analogen Korrespondenz den unteren Rücken verausgaben, finden ihre heilsame Aufarbeitung aus der Mitte des Sonnengeflechtszentrums, das Wärme und Spannkraft spendet und auf diese Weise zu Aufbau und Entspannung gleichzeitig führt.

Heinz Grill ist Heilpraktiker, Autor spiritueller Literatur und der Begründer eines geistigen Schulungsweges, des „Yoga aus der Reinheit der Seele“, später von ihm auch als „Neuer Yogawille“ benannt.

Siehe auch

Literatur

Weblinks

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