Selbsterforschung

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Selbsterforschung - das Selbst erforschen

Selbsterforschung (Atma Vichara) ist die Praxis des Raja und Jnana Yoga. Nur durch das Betrachten von "Mein" und "Ich", kann ich zur wahren Erkenntnis des Selbst gelangen.

Selbsterforschung

- Abschnitt aus dem Buch: Yoga der drei Energien von James Swartz -

WIR ZÄHLEN HINGABE nicht als einen eigenen Weg, denn alles, was ein jeder tut, ist von der Liebe motiviert. Weltliche Menschen lieben die Welt und ihr Verlangen nach Objekten. Religiöse Menschen lieben ihre persönlichen Gottheiten, karma-yogīs lieben Gott als den, der die Ergebnisse ihrer Handlungen gibt, und Selbst-Erforschende lieben die Selbst-Erforschung, weil sie zu Befreiung führt, die zu bedingungsloser Selbstliebe führt, die sie mehr als alles andere lieben.

Karma-yoga ist jedoch eine besondere Disziplin, ein formaler Weg, der ziemlich abschreckend wirken kann. Gibt es nicht vielleicht doch eine Überholspur? Warum nicht einfach karma-yoga überspringen und direkt zur Selbst-Erforschung übergehen? Weil man keine Selbst-Erkenntnis erlangen kann, wenn man viel weltliches karma hat. Wenn du nicht an dein Leben gebunden wärst, so wie es von deinen Wünschen und Ängsten strukturiert wurde, würdest du einfach sofort und ohne Bedauern in ein einfaches, reines, sattviges Leben der Selbst-Erforschung wechseln. Doch das weltliche karma macht den Geist emotional und intellektuell stumpf. Selbst-Erforschung ist eine sehr subtile Disziplin, die viel Geduld, Gleichmut und Engagement erfordert, da ihre Konzepte kontraintuitiv sind.

Ja, du kannst hier und da ein paar praktikable Ideen aufgreifen, aber solange deine Wünsche und Ängste weiter an dir zerren, wirst du für jeden Schritt, den du nach vorne machst, einen Schritt, manchmal zwei, zurück machen. Wie karma-yoga ist auch die Selbst-Erforschung eine Disziplin. Sie behält ein Auge auf das und ein Auge auf deinen Geist gerichtet, währenddessen du dein Leben führst. Selbst-Erforschung ist nur für Personen geeignet, die wenig weltliches karma haben.

Karma-yoga ist ein Einstiegskurs über Īśvara. Jnāna-yoga – Selbst-Erforschung – ist ein Studium für Fortgeschrittene. Es bedeutet Doktoranden-Wissen über Īśvara. Wenn dein Wissen über Īśvara wächst, wächst auch deine Liebe zu Īśvara. Wenn du entdeckst, dass du nicht von Īśvara getrennt bist, erkennst du, dass du die Glückseligkeit bist, die du früher in Objekten gesucht hast, was bedeutet, dass du frei von saṃsāra und für dein Glück nicht von Objekten abhängig bist.

Die Bedeutung einer Werte-Inventur

Freiheit bedeutet nicht Wünsche frei zu haben, sondern von Wünschen frei zu sein

Die erste Stufe des jnāna-yoga ist eine Werteanalyse. Wenn deine Werte deinen Zielen entsprechen, ist wenig Arbeit erforderlich, da dein primäres Instrument automatisch mit deinen höchsten Werten übereinstimmt. Selbst-Erforschung funktioniert nicht, wenn nichtkonforme Prioritäten im Spiel sind. Wenn es so ist, dann ist es harte Arbeit, deine Werte an deinen Zielen auszurichten. Wenn du zum Beispiel faul bist, einen stark rajasigen Wert für Reichtum hast aber dich an eine sattvige Ehrlichkeit gebunden fühlst, kann es ratsam sein, den Wert der Ehrlichkeit abzulegen und einen tamasigen Wert fürs Betrügerische zu kultivieren. Denn die Ehrlichkeit zwingt dich ständig, dich an die Regeln zu halten. Wenn du jedoch den Wert einer Lüge oder einer partiellen Lüge zu schätzen weißt, werden sich viel mehr Wege für schnellen Reichtum eröffnen. Das soll nicht heißen, dass die Kehrseite von Betrug, die ständige Angst vor der Enthüllung und ihre Folgen, dein Glück nicht beeinträchtigen wird, es sei denn, du bist eine wirklich soziopathische Persönlichkeit. Wenn dir aber der sattvige Wert für die Selbst-Erkenntnis viel bedeutet, weil du Freiheit willst, aber eine Neigung zum Lügen hast, musst du diesen tamasigen Wert aufgeben, weil Selbst-Erforschung rückhaltlose Integrität erfordert.

Wenn du nach Selbst-Erkenntnis strebst, weil rajasige und tamasige Werte Leiden verursachen, und du erkennst, dass du das Selbst bist, wird dir die Frucht der Selbst-Verwirklichung – vollkommene Zufriedenheit – so lange versagt bleiben, bis du deine Werte mit dem dharma in Einklang gebracht hast.

Ungeachtet dieser Tatsache behaupten viele sogenannte aufgeklärte gurus fälschlicherweise, dass sie ungestraft dharma verletzen kön⁠nen, weil sie jenseits der guṇas stehen. Doch Leiden ist für Gesetzesbrecher unvermeidlich, weil Īśvara den dharma in den feinstofflichen Körper jedes jīvas verankert, sei er erleuchtet oder nicht. Die spirituelle Welt ist voll von einst glorreichen Persönlichkeiten, die später ihre Schüler betrogen oder missbraucht haben. Sie wurden von Īśvara, dem dharma-Feld, auf bedauernswerte, gebrochene Schatten ihrer selbst zurechtgestutzt. Die tamasige Leichtgläubigkeit ihrer weltweiten Anhänger ist für die beständige Präsenz adharmischer religiöser und spiritueller Sekten verantwortlich.

Das heißt nicht, dass ein engagierter Mensch nicht gleichzeitig Selbst-Erforschung und die Anpassung der Werte praktizieren kann. Wenn die Selbst-Erforschung jedoch keine Früchte mehr trägt, müssen fehlerhafte Werte vorliegen und beseitigt werden, bevor das Wachstum weiter geht.

Selbst-Erforschung

Steige aus dem Vergnügen aus oder das Karussel dreht sich weiter

- Abschnitt aus dem Buch: Yoga der drei Energien von James Swartz -

Jeder einigermaßen intelligente Mensch hinterfragt seine Vorlieben und Abneigungen, da sie gutes und schlechtes karma verursachen. Der Wunsch, schlechtem karma zu entkommen, ist verständlich, aber warum sollte ich gutem karma entkommen wollen? Weil gutes karma, das nichts anderes ist als Situationen, die mit deinen Vorlieben übereinstimmen, keine bedingungslose Befriedigung bietet, da Vorlieben auch Abneigungen implizieren und selbst sattva Leiden hervorruft, weil es in der Dualität ist. Innerhalb dieser ist sattva allerdings dem rajas und tamas definitiv überlegen.

Deine Wünsche mehr oder weniger kontinuierlich erfüllt zu bekommen, ist natürlich nicht das Schlimmste, was dir passieren kann, aber sobald du diesen Zustand erreicht hast, wirst du dich immer mehr langweilen, eine Art privilegierte Qual, die Īśvara für die Erfolgreichen reserviert hat. Langeweile ist nichts anderes als der Wunsch nach Veränderung.

Mit anderen Worten: Rajas sorgt für Unruhe, aber es gibt keinen Ort, wohin du ausweichen kannst. Also ertappst du dich dabei, wie du versuchst, noch mehr Vergnügen aus all den Objekten herauszuquetschen, die bereits ihr größtmögliches Vergnügen geboten haben. Autsch, das tut weh!

Siehe auch

Literatur

Seminare

Yogalehrer Ausbildung

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