Bhagavad Gita Einführung

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Die Bhagavad Gita (Sanskrit, f., भगवद्गीता, gītā – Lied, Gesang, Gedicht; bhagavan – Gott), „der Gesang Gottes“, „der glanzvolle Gesang des Erhabenen“ ist eins der meistgelesenen Bücher in Indien. Viele Inder tragen sie immer bei sich, um darin zu lesen, und die Wahrheit zu verinnerlichen. Es ist die „Bibel der Hindus“. Sie gilt als eine der wichtigsten Schriften im Yoga und hilft uns besonders, den Alltag bewusst zu leben und zu spiritualisieren.

Die Rahmenhandlung: das Mahabharata

Die Bhagavad Gita ist Teil eines großen Epos, des Mahabharata. Das Mahabharata (Sanskrit, महाभारत, n., mahābhārata „die große [Geschichte] der Nachkommen König Bharatas“) und die Ramayana sind die 2 bekanntesten indischen Epen. Das Mahabharata wurde westlichen Forschern nach ca. 400 v. Chr. bis 400 n. Chr. niedergeschrieben, beruht aber auf Überlieferungen aus vedischer Zeit, d.h. ca. 3000 v.Chr.. Als Autor des Mahabharata gilt der erleuchtete Weise Vyasa, der in der Geschichte selbst eine Rolle spielt, und der auch viele andere Schriften, u.a. die Veden (Vedavyasa), niedergeschrieben hat. Der Legende nach soll er es komponiert und Ganesha diktiert haben.

Es umfasst etwa 100.000 Doppelverse und ist damit eines der umfangreichsten literarischen Werke der Welt. Als Epos mit vielen Helden- und Göttergeschickten zählt es zu den Itihasas. Der philosophisch bedeutendste Teil des Mahabharata, die Bhagavad Gita, wird aber auch zu den Shrutis, den Offenbarungsschriften, gezählt. Er enthält in einer poetischen Sprache tiefe zeitlose spirituelle Weisheit. Auch viele westliche Gelehrte und Philosophen waren begeistert von dem spirituellen Reichtum und Tiefsinn, der darin enthalten ist.

Die Mahabharata ist in achtzehn Kapitel und einen Anhang über das Leben Krishnas unterteilt und enthält neben der Hauptgeschichte hunderte von Nebengeschichten und kleinere Episoden. Grundsätzlich beschäftigt sich das umfangreiche Epos mit allen Themengebieten, die für ein spirituelles Leben von Bedeutung sind: Mit dem Leben der Geschöpfe, mit Tod und Wiedergeburt, mit Karma und Dharma (Rechtschaffenheit), es beschreibt Glück und Leid, die Ergebnisse der guten und der schlechten Taten, das Opfer, sowie die verschiedenen Zeitalter, es beschäftigt sich mit den Göttern und überliefert uralte Hymnen.

Obwohl an der Oberfläche betrachtet religiöse Vorstellungen der Hindus prägend sind, ist die spirituelle Tiefenbedeutung, vor allem in Essenz in der Bhagavad Gita, unabhängig von bestimmten Glaubensrichtungen. Deshalb gilt es als eines der wichtigsten Dharma-Bücher: Es erläutert die Pflichten - das Swadharma - eines Individuums, die Herausforderungen des Lebens, denen es sich stellen muss, um im Einklang mit der kosmischen Ordnung - Dharma - zu leben, zu lernen, zu wachsen. Hierfür werden insbesondere in der Bhagavad Gita die verschiedenen Yogawege als Ansatzpunkte für Menschen verschiedener Temperamente und Naturelle dargelegt: Karma Yoga, Bhakti Yoga, Jnana Yoga.

Bevor die Bhagavad Gita erklärt wird, werden die wichtigsten Charaktere der Mahabharata, die in der Gita eine große Rolle spielen, vorgestellt.

Die wichtigsten Charaktere im Mahabharata

Das Mahabharata erzählt die Geschichte der Nachkommen König Bharatas, der Pandavas und der Kauravas. Sie waren Cousins ersten Grades, und ihr Streit um das Königreich war die Ursache des schrecklichen Krieges auf dem Schlachtfeld Kurukshetra (nördlich von Delhi). Es ist sehr wahrscheinlich, dass es sich im Kern um ein historisches Geschehen handelt, für viele Inder sind die Begebenheiten eine unumstrittene Tatsache.

Handschrift mit einer Darstellung von Kurukshetra

Die Bhagavad Gita als Teil der Mahabharata setzt genau in dem Augenblick vor Beginn der Schlacht ein: Sie ist ein Zwiegespräch zwischen Krishna - einem weltlichen König und Verwandten der Pandavas zugleich Inkarnation Gottes, und seinem Freund, dem Pandava-Prinzen Arjuna und Anführer der Pandavas in der Schlacht. Die Erzählung der Mahabharata beginnt drei Generationen vor Krishna und Arjuna, als König Shantanu regierte. Seine erste Gemahlin war Ganga, eine Göttin, die Personifizierung des heiligen Flusses Ganges. Sie gebar ihm den Sohn Bhisma, zog sich jedoch danach sofort in die heiligen Wasser des Ganges zurück. Da Shantanu nochmal heiraten wollte, dabei aber die Nachkommen seiner neuen Frau Satyavati nicht benachteiligt werden würden, verzichtete der gewaltige Bishma auf den Königsthron und schwor, kinderlos zu bleiben.

Shantanu zeugte also mit Satyavati die beiden Söhne Chitragada und Vichitravirya. Beide starben aber bevor sie Kinder zeugen konnten, woraufhin die Königinmutter, Satyavati, anordnete, der Weise Vyasa solle den Witwen Vichitraviryas Ambika und Ambalika stellvertretend Kinder zeugen.

Vyasa war nämlich der Halbbruder der beiden, der erste Sohn Satyavatis: Bevor Satyavati mit Shantanu vermählt wurde war sie eine Fischerstochter. Sie war mit einem Fluch belegt gewesen, nach fauligem Fisch zu stinken, so dass niemand sich mit ihr vermählen wollte. Der Weise Parashara segnete sie mit einem Sohn, strahlender Schönheit und einem feinen Lotosduft. Der Sohn war: Vyasa, der auch ein Weiser wurde. Da damals das Landesgestz herrschte, ein Bruder solle kinderlos Verstorbenen Nachkommen zeugen, berief sich Satyavati also darauf.

Die daraufhin geborenen Söhne waren als Sohn der Ambika Dhritarashtra, der blind zur Welt kam, und als Sohn der Ambalika Pandu. Dhritarastra, der ältere der beiden Brüder, musste zugunsten Pandus auf den Thron verzichten, weil er blind zur Welt gekommen war. Pandu gelang es in zahlreichen Kriegen seine Herrschaft bis an die Grenzen der Welt auszudehnen.

Dhritarashtra nahm Gandhari zur Frau, die aus Ehrfurcht vor ihrem blinden Gemahl ihre eigenen Augen verband, um gemeinsam mit ihm ein Leben der Dunkelheit zu ertragen. Sie hatten hundert Söhne. Der älteste und spätere Anführer der Kauravas Duryodhana, wurde später zum Prinzregenten für seinen blinden Vater.

Pandu hatte zwei Gemahlinnen: Kunti und Madri. Über Pandu war aber ein Fluch ausgesprochen worden, da er während einer Jagd versehentlich einen Weisen getötet hatte. Dieser Fluch besagte, dass er sterben müssen sobald er eine Frau umarme. Es schien also zunächst so, als ob er kinderlos bleiben müsse. Da verriet ihm seine Frau Kunti, dass sie vor ihrer Vermählung mit einer übernatürlichen Kraft gesegnet worden war: Ein Weiser, der tief beeindruckt war von ihrer Rechtschaffenheit und Tüchtigkeit, hatte ihr Mantras geschenkt, durch deren Anwendung sie mit irgendeinem Gott, den sie anrief, Nachkommen zeugen konnte. Pandu beschwor Kunti, von diesen Mantras Gebrauch zu machen. Daraufhin rief sie nacheinander die Devas Dharma, Vayu und Indra an und gebar drei Söhne: Yudhisthira, Bhima und Arjuna. Ihr ältester Sohn Yuddhisthira stammte von Dharma, dem Gott der Tugend und des Todes ab; Bhima von Vayu, dem Gott des Windes und der Stürme (=Lebenskraft) und Arjuna von Indra, dem König der Götter. Pandu wünschte sich, dass auch Madri Kinder haben könne, und so schenkte Kunti ihr das letzte heilige Mantra. Madri rief daraufhin die Zwillingsdevas Ashwini Kumaras, die göttlichen Ärzte, an und empfing Zwillingssöhne: Nakula und Sahadeva.

Pandu starb bevor seine Söhne ein regierungsfähiges Alter erreicht hatten. Daher wurde Dhritarashtra stellvertretend als Regent eingesetzt. Die fünf Pandava-Prinzen und die hundert Kaurava-Prinzen wurden zusammen erzogen und von ihrem Lehrer Drona unterrichtet.

Arjuna übertraf alle an Tapferkeit und in der Kriegskunst, keiner kam ihm gleich. Allmählich kamen bei den Kauravas eifersüchtige und feindselige Gefühle gegen die Pandavas auf. Duryodhana lehnte sich dagegen auf, dass Yudhisthira der rechtmäßige Thronerbe war und stiftete häufig aber erfolglos Verschwörungen an, um die Pandavas zu vernichten.

Da wurde von König Drupada ein Swayamvara veranstaltet - das war ein prachtvolles Fest, auf dem seine Tochter Draupadi ein Ehemann gewählt werden sollte. Drupada hatte die Bedingung gestellt, dass er seine Tochter nur einem Prinzen geben wollte, der einen gigantischen Bogen spannen konnte - den man eigens für diesen Anlass besorgt hatte und damit in das Zentrum einer verhüllten Zielscheibe traf. Viele Prinzen kamen herbei, konnten den Bogen aber noch nicht einmal heben. Arjuna aber schaffte alles mühelos und gewann Draupadi zur Frau. Als die fünf Brüder zu ihrer Mutter Kunti nach Hause kamen, meinte diese, da sie ihren Jubel hörte, sie hätten einen Preis gewonnen und rief ihnen zu, sie sollten ihren Gewinn gleichmäßig miteinander teilen. Da ein Wort der Mutter in Ehren gehalten werden muss, heiratete Draupadi alle fünf Söhne.

Inzwischen hatte der Konflikt zwischen Pandavas und Kauravas den Höhepunkt erreicht. Duryodhana ersann einen hinterlistigen Plan: Yudhisthira und seine Brüder wurden zu einem unehrlichen Würfelspiel an ihren Königshof eingeladen. Yudhisthira wurde bei jedem Wurf besiegt, wobei der Einsatz der beiden Schwindel erregende Ausmaße annahm, bis Yudhisthira schließlich all seine Schätze und sein gesamtes Königreich verspielte. Dem Spielfieber verfallen, setzt er sogar seine vier Brüder und sich selbst als Pfand und verlor. Als allerletzten Einsatz verliert er seine Frau Draupadi, die schließlich von Dushasana - dem Bruder Duryodhanas - als Sklavin an den Haaren vor den König gezogen wird. Die Pandavas und Draupadi müssen daraufhin 12 Jahre lang als Asketen in den Wäldern leben und ein 13. Jahr in die Verbannung gehen, wo sie nicht erkannt werden dürfen. Nach dieser Zeit erhalten sie ihr Reich und alle ihre Schätze wieder zurück. Werden sie vor dieser Zeit erkannt, müssten sie weitere 12 Jahre Verbannung auf sich nehmen. Doch nach diesen dreizehn Jahren verweigern die Kauravas unter der Führung von Duryodhana die Rechte der Pandavas, wobei sich auch der regierende blinde König Dhritarashtra mit seinem Beraterstab auf die Seite seiner Söhne stellt.

So kommt es zum großen Krieg, bei dem elf Stämme auf der Seite der Kauravas gegen sieben auf der Seite der Pandavas kämpfen. Als der Krieg unvermeidlich geworden war, bat Arjuna Krishna um Hilfe für die Pandus und Duryodhana bat Krishna um Hilfe für die Kauravas (Krishna war als Sohn des Bruders von Kunti ein Verwandter und befreundet mit Arjuna). Krishna erwiderte, dass die eine Kriegspartei sein gewaltiges Heer und die andere ihn als persönlichen Berater haben könne, dass er jedoch nicht bewaffnet am Kampf teilnehmen werde. Arjuna durfte als erster wählen und wählte ohne zu zögern weise Krishna. Duryodhana war überglücklich, dass er das gesamte Heer Krishnas auf seiner Seite hatte. Krishna fragte Arjuna: „Du hast mich gewählt, was hast Du nun davon, da ich nicht kämpfen werde?“ Arjuna bat: „Oh Gott, wenn es Dir nichts ausmacht, werde mein Wagenlenker, dann bist Du immer bei mir.“ Dies ist symbolisch zu verstehen: Gott ist bereit, unser Wagenlenker zu sein. Krishna wurde Arjunas Wagenlenker, Arjuna stand als geschicktester Krieger unter der Führung von Bhima in vorderster Front der Pandavas für seinen König Yudhisthira.

Bhagavad Gita

Die Bhagavad Gita ("der Gesang Gottes") zählt als Teil der Mahabharata zu den Itihasas (Heldenepen) und gehört neben den Upanishaden (Vedanta), der Hatha Yoga Pradipika und den Yoga Sutras von Patanjali zu den wichtigsten Yogaschriften. In ihr werden Karma-, Bhakti- und Jnana Yoga betont und ist somit eine besondere Stütze im bewussten spirituellen Leben des Alltags.

Mahatma Gandhi schreibt über die Bhagavad Gita: „Die Gita (Kurzname) ist mir stets eine Quelle des Trostes gewesen. Wenn mich kein Lichtstrahl mehr erreicht, schlage ich die Gita auf, und ein Vers, den ich zufällig finde, gibt mir mein Lächeln zurück. Wer über die Gita meditiert, wird jeden Tag neue Freude aus ihr ziehen und neue Bedeutungen entdecken.“ (Dhoti, Brille, Esschale, Bhagavad Gita)

Fakten über die Bhagavad Gita

  • wird seit Jahrhunderten immer wieder neu interpretiert
  • besteht aus 700 / 701 (Kap. 13/1 nicht nummeriert) Versen in 18 Kapiteln - Teil des 6. Buches des Mahabharata (18 Bücher), steht im Bhishma Parva
  • der gesamte Text der Gita ist ein Dialog zwischen Arjuna und Krishna in den Momenten kurz vor dem Beginn der Schlacht auf Kurukshetra. Arjuna stellt seinem Lehrer Krishna immer wieder praktische und philosophische Fragen zum Yoga und zum Leben
  • Krishnas Antworten: Unterweisungen in die Wissenschaft der Selbstverwirklichung
  • ewige Fragen der Menschheit werden thematisiert: Vorstellung von Pflicht, Wahrheit, Leben und Tod
  • Gita kann als Werzeug genutzt werden, um Schwierigkeiten des Lebens zu verstehen und zu meistern. Es richtet sich an Menschen, die mitten im Leben stehen, wie Arjuna, der Krieger auf dem Schlachtfeld
  • die Verse selbst sind nicht leicht in ihrer vollen Bedeutung zu verstehen. Sie können sehr vielschichtig gedeutet werden: Psychologisch wie auch handlungsbezogen im Äußeren. Hilfreich ist es, einen Lehrer zu haben, oder einen ausführlichen Kommentar
  1. Karma Yoga: Kap. 1-6 das Individuum TVAM
  2. Bhakti Yoga: Kap. 7-12 das Universale TAT
  3. Jnana Yoga: Kap. 13-18 die Vereinigung der beiden ASI
  • Die Essenz lautet "TAT TVAM ASI" und bedeutet: "Das bist du".
  • Die Gita enthält:
  1. Yoga Shastra: Wissen, welches ein reifes Individuum, frei von Konflikten, Furcht, Erregung und Kränkung hervorbringt
  2. Brahma Vidya: Wissen über das Ganze, das zu Moksha, Selbstverwirklichung führt

Die wichtigeste Aussagen der Bhagavad Gita

  1. Verhaftungslosigkeit (Vairagya)
  2. Pflichterfüllung (Swadharma)
  3. Selbstkontrolle (Atmavinigraha) als Mittel zum Erreichen der Selbstverwirklichung

Siehe auch

Literatur

Weblinks

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Chandra Cohen,Kay Hadamietz,