Hindu

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Indien - erläutert vom Yoga Standpunkt aus

Hindu (Hindi: हिन्दू hindū m.) Bezeichnung der Angehörigen einer indischen Religionsform (Hinduismus), die sich auf Sanatana Dharma berufen. Der Ausdruck Hindu ist zu unterscheiden von der neuindoarischen Sprache Hindi.

Ursprünglich bezeichnete das persische Wortu Hindu (hindū) allgemein einen Inder, das heißt einen Einwohner des Landes Hindustan (wörtl.: "das Land des Indus" - Hindu ist die persische Entsprechung zu Sanskrit Sindhu).

Hindu

Was macht einen Hindu aus? Woran glaubt ein Hindu? Wie wird man zum Hindu? Wo kommt der Begriff Hindu überhaupt her?

Das Land und der Fluß

Das mögen Fragen sein, die du dir stellst. Zunächst einmal das Wort Hindu kommt aus dem Persischen und bedeutet Inder. Das kommt daher, dass es in Indien einen Fluss gibt, der heißt Sindu. Sindu heißt sowohl Meer als auch der Name für diesen großen Fluss. Und dieser Sindu wurde dann von den Griechen als Indus, Indos bezeichnet und von den Römern als Indus. Und so wurden die Inder bezeichnet als Inder weil sie um den Fluss Indus und irgendwo dahinter gelebt haben.

Der Fluss heißt auch Hindus und das Land um diesen Fluss Hindus war dann eben Hindustan. Und Hindustan ist die Bezeichnung von ganz Indien. Der Hindu war eben ein Inder.

Sanatana Dharma

So ist Hindu ursprünglich die Bezeichnung gewesen für Inder. Dann hat sich im 19. Jahrhundert heraus kristallisiert, dass man überlegt hat, wie nennen wir eigentlich diese Religion. Die den heutigen Hinduismus praktiziert hatten, hatten gar keinen speziellen Namen. Manche habe es genannt Sanatana Dharma, die ewige Ordnung, die ursprüngliche Religion. Das mochten natürlich weder die Christen noch die Moslems das jemand sagt, er habe die ewige Religion, die ewige Ordnung.

Also sagten sie es gibt eingewanderte Religionen und es gibt Hindu Religionen. Und so waren die Hindu Religionen, also die in Indien entstandenen Religionen unter anderem Buddhismus, Jainismus, Sikhismus, Vaishnavismus, Shaivismus, Shaktismus und so weiter.

Irgendwann wurden dann aber Sikhisums und Buddhismus und Jainismus als eigenständige Religionen gesehen und das hat sich dann auch ausgewirkt, dass die Angehörigen sich so empfunden haben.

Und dann blieben da noch übrig alle anderen Religionen. Und heute sagt man, ein Hindu ist jemand, der an die Glaubensinhalte glaubt einer Religion, die in Indien begonnen hat und die nicht als Sikhismus, Buddhismus, Jainismus bezeichnet werden. Und letztlich irgendwann seit dem 20. Jahrhundert haben immer mehr Teile heutigen Hindus die Bezeichnung als Hindu akzeptiert und so bezeichnen sich heute viele Menschen in Indien tatsächlich als Hindus obgleich manche den Begriff weiter ablehnen und sagen: Ich bin kein Hindu. Ich bin Shaiva, ich bin Vaishnava oder ich bin ein Anhänger von Sanatana Dharma.

Sukadev, Leiter und Gründer von Yoga Vidya

Sukadev, Leiter und Gründer von Yoga Vidya: "Ich werde ja auch manchmal gefragt: Bist du Hindu? Ich habe ein bisschen Schwierigkeiten damit denn in der Tradition wo ich herkomme, Swami Sivananda, der hat nicht davon gesprochen das wir Hindus sind. Ich bin einer aus der Yoga Vedanta Richtung."

Yoga Vedanta

Vom Standpunkt der modernen Religionswissenschaft wäre Yoga Vedanta eine Spielart des Hinduismus. Aber der Ausdruck Yoga Vedanta ist sehr viel älter als der Begriff Hinduismus, der ja erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts als Bezeichnung für eine Religion populärer wurde.

Was zeichnet heute einen Hindu aus? Es ist nicht so einfach zu beantworten. Was glauben Hindus? Im Hinduismus gibt es theistische Strömungen, atheistische Strömungen, polytheistische Strömungen und pantheistische Strömungen. Hinduismus ist da sehr unterschiedlich.

Karma und Reinkarnation

Die meisten Hindus glauben an Karma und Reinkarnation. Aber es gibt auch Spielarten des Hinduismus wo dem nicht so ist. Im Hinduismus gibt es auch so eine gewissen Kastenbezogenheit wo man sagt es gibt unterschiedliche Menschen mit unterschiedlichen Aufgaben.

Aber die Vaishnavas haben gesagt, für eine Vaishnava gibt es keine Kaste. Die Yoga Vedanta Richtung hat sich auch auf die Fahnen geschrieben, Kastentrennung ist nicht richtig. Man sollte die Kastentrennung überwinden. Insbesondere Kaste durch die Geburt ist ein Unkonzept, das unsinnig ist.

Hindus machen Hinduistische Rituale wie Puja und Homa. Hindus haben Götter wie Brahma, Vishnu und Shiva. Hindus haben verschiedene Meditationstechniken. Aber was wirklich ein Hindu ist ist nicht so einfach.

Religionswissenschaft

Es gibt eine Definition in der Religionswissenschaft, die sagt, Hinduismus ist die Sammelbezeichnung für alle in Indien entstandenen Religionen, die nicht doktrinär sind.

Also nicht doktrinär, es gibt keinen eindeutigen Glauben. Und so ist vielleicht das charakteristischste für den Glauben von Hindus: es ist eine große Freiheit da. Es ist ein großes Spektrum, eine große Weite und es gibt weniger Etwas wo man dran glauben muss. Es gibt keine Autoritäten, die für alle Hindus vor gegeben sind.

Es gibt zwar in der evangelischen Kirche größere Freiheiten als in der katholischen. Aber es gibt auch zum Beispiel in Deutschland die Evangelische Kirche Deutschlands. Und es gibt einen Weltbund. Es gibt den Evangelischen Weltbund. Es gibt den Lutherischen Weltbund. Und so gibt es halt schon auch übergreifende Institutionen. Das gibt es alles im Hinduismus nicht.

In diesem Sinne hast du jetzt vielleicht mehr eine Übersicht über das Chaos ein Hindu zu sein. Und das ist gar nicht so einfach.

Ein Hindu werden?

Vielleicht noch: Kann man Hindu werden? Da nicht so klar definiert ist, was ein Hindu ist, ist es noch schwieriger zu sagen wie kann man Hindu werden? Und in der heutigen Zeit gibt es manche die sagen, Hindu kannst du nicht werden. Zum Hindu wirst du geboren. Wenn du Hindu werden willst dann könntest du jetzt hinduistische Praktiken machen. Und dann kannst du vielleicht im nächsten Leben als Hindu geboren werden.

Bei andern ist es anders. Zum Beispiel in der Yoga Vedanta Richtung kannst du Mantra Weihen bekommen, Namensgebungen bekommen, du kannst sogar zum Swami werden und ohne, dass wir das als Hindu bezeichnen würden. In dem Moment, wo du dich an bestimmte Lebensarten und Mantras und so weiter hälst und dich in die Tradition einfügst, bist du von einem Standpunkt aus ein Hindu geworden. Aber nicht so einfach.

Dann gibt es in Indien einige Untergruppierungen, wo man tatsächlich auch zum Hindu wird. Es gibt zum Beispiel Brahmo Samaj und Aryo Samj. Das sind Reformbewegungen im Spektrum des Hinduismus seit dem 19. Jahrhundert. Und dort kannst du mit einem heiligen Ritual zum Hindu werden. Dann bekommst du auch ein Papier. Und damit kannst du in Tempel gehen, die für Hindus reserviert sind. Also du konvertierst praktisch zum Hinduismus durch ein Ritual. Dann bekommst du ein Zertifikat als Hindu. Und dann kannst du auch zu den Tempeln gehen, die für Hindus reserviert sind.

Oder auch im Vaishnavismus gibt es die Möglichkeit zum Hinduismus zu konvertieren und das auch als Konversion zum Hinduismus zu bezeichnen. Und auch dort kannst du dann ein Zertifikat bekommen, mit dem du Zugang findest zu vielen der Hinduistischen Tempeln.

Soweit ein paar Gedanken zum Thema Hindu.

Swami Sivananda über Hindus:

Bei einem Treffen der Sanatana Dharma Sabha sagte Lokamanya Tilak: “Ein Hindu ist jemand, der daran glaubt, dass die Veden selbstverständliche und unumstößliche Wahrheiten beinhalten.”

Der Hindu Maha Sabha hat eine andere Definition: “Ein Hindu ist jemand, der an eine aus Indien stammende Religion glaubt.”

“Die die Toten verbrennen sind Hindus.” Das ist eine weitere von manchen gegebene Definition. “Wer die Kühe und die Brahmanen beschützt, ist ein Hindu.” Das ist eine weitere von manchen gegebene Definition.

Manche definieren: “Ein Hindu ist jemand, der Indien als sein Vaterland und den heiligsten Ort auf Erden ansieht.”

Manche anderen definieren: “Wer sich selber Hindu nennt und sich als Hindu betrachtet ist ein Hindu.”

Manche definieren: “Wer die Veden, die Smritis, die Puranas und die Tantras als Grundlage der Religion und als Verhaltensregeln akzeptiert, und an einen höchsten Gott (Brahman), an die Gesetze des Karma oder ausgleichende Gerechtigkeit, und an Reinkarnation (Punarjanma) glaubt, ist ein Hindu.”

“Wer dem vedischen oder Sanatana Dharma folgt, ist ein Hindu.” Dies ist eine weitere Definition einiger.

“Wer der Vedanta folgt, ist ein Hindu.” Dies ist eine andere Definition.

“Wer fest an die Gesetze des Karma, die Gesetze der Reinkarnation, Avatare, Ahnenkult, Varnashrama Dharma, Veden und die Existenz Gottes glaubt, wer die Anweisungen der Veden treu und ernsthaft praktiziert, wer Sandhya, Sraaddha, Pitri Tarpana und Pancha Maha Yajnas durchführt, wer den Varnashrama Dharmas folgt, wer Avataren huldigt und die Veden studiert, ist ein Hindu.” Die ist die beste Definition.

Video Hindu

Videovortrag zum Thema Hindu :

Sprecher/Autor/Kamera/Produktion: Sukadev Bretz, Gründer von Yoga Vidya, Ausbildungsleiter zu Yoga und Meditation.

Hindu Audio Vortrag

Hier die Audiospur des oberen Videos zu Hindu :

Siehe auch


Weblinks

Hinduismus - Artikel von Swami Sivananda

Offizielle Homepage von Yoga Vidya

Divine Life Society – Swami Sivananda