Gerecht

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Gerecht: Was ist gerecht? Wie ist es zu verstehen, gerecht zu sein? Woher stammt dieses Adjektiv? In diesem Artikel erfährst du einiges zur Eigenschaft gerecht, in welchem Kontext es verwendet wird. Du bekommst auch Wortbildungen, die mit gerecht etwas gemeinsam haben, Synonyme (ähnliche Wörter) zu gerecht. Unten findest du auch Antonyme, also Gegenteile, zu gerecht. Der Begriff gerecht ist die Bezeichnung für eine Eigenschaft, die du auch in dir trägst. Wenn du diese Eigenschaft in dir stärken willst, dann können die Affirmationen und Autosuggestionen am Ende dieses htts://www.yoga-vidya.de Yoga Wiki Artikels für dich besonders interessant sein. Hier also einige Gedanken zu gerecht und weitere Tipps zur Entwicklung dieser Tugend. Gerecht ist ein Adjektiv, also ein Eigenschaftswort, zu Gerechtigkeit. Mehr Denkanstöße und Überlegungen zu gerecht findest unter dem Haupteintrag, Stichwort Gerechtigkeit. Hier also nur ein paar Anmerkungen zum Adjektiv gerecht.

Erklärung Gerecht

Gerecht zu sein kann bedeuten, sich unvoreingenommen, sachlich und objektiv für Recht und Ordnung einzusetzen. Diese Eigenschaft hängt auch eng mit Ethik und Moral zusammen und orientiert sich an den hohen Werten des Menschseins. Der Ausdruck „gerecht“ kommt von „recht, richtig, Rechtschaffenheit“. Wenn man das rechte tut, das richtige tut und rechtschaffend handelt, dann ist man gerecht.

Gerechtes behandeln

„Gerecht“ heißt insbesondere, dass man gegenüber verschiedenen Menschen aus dem gleichen Geist heraus handelt.

  • Wenn man beispielsweise Vater oder Mutter ist, dann ist es wichtig, dass man all seine Kinder gleichmäßig liebt und sie gleich behandelt. Wenn man ein Kind anders behandelt als das andere, muss es einen objektiv nachvollziehbaren Grund geben. Beispielsweise wird ein zwei Jahre älteres Kind ein anderes Taschengeld bekommen als das jüngere Kind.
  • Oder wenn jemand besonders gute Noten schreibt, gibt es vielleicht einen objektiven Grund, dieses Kind leicht anders zu behandeln.
  • Oder wer besonders musikalisch ist, wird vielleicht im Musikunterricht besonders gefördert – und derjenige, der besonders gern Fußball spielt, wird dort gefördert. Aber es muss in jedem Fall gerecht zugehen, so dass die Kinder das Gefühl haben, es sei gut so.
  • Angenommen, du bist Chef und hast mehrere Mitarbeiter – dann solltest du keinen besonderen Liebling haben. Wenn du einen Mitarbeiter bevorzugst, ohne, dass dieser objektivierbar bessere Leistungen vollbringt, dann wird dies als ungerecht empfunden, und das zersetzt ein Gemeinschaftswesen.

Natürlicher Gerechtigkeitssinn

Der Mensch hat von Natur aus einen Wunsch nach Gerechtigkeit. Schon kleine Kinder stört es, wenn etwas ungerecht zugeht. Es gibt dazu viele Experimente. Wenn ein Kind mehr bekommt als das andere und die Kinder sich kennen und das sehen, dann ärgert sie das sehr. Selbst wenn sie alle Süßigkeiten bekommen – wenn ein Kind mehr bekommt als die anderen, dann sind alle Kinder unzufriedener als wenn keiner Süßigkeiten bekommen hätte. Es gibt sogar Experimente, wo man den Kindern gesagt hat: „Ihr könnt alle eine Süßigkeit bekommen, aber der Peter bekommt drei – oder: "Keiner von euch kriegt eine Süßigkeit." - in sehr vielen Fällen würden dann alle Kinder dafür votieren, dass keiner eine Süßigkeit kriegt. Der Gerechtigkeitssinn ist sehr stark!

== Gerechter Vergleich Interessanterweise misst sich der Mensch vor allem mit gleichartigen, also mit Menschen die er als ihm ebenbürtig interpretiert oder mit denen er zu tun hat.

Gehaltsunterschiede im Beruf

So macht es zum Beispiel Transportmitarbeitern nicht so viel aus, wenn in einer anderen Branche ein Computer-Informatiker das 100-fache Gehalt hat. Aber wenn zwei Menschen beide in einer Firma Transportmitarbeiter sind und einer bekommt mehr als der andere, ohne dass es dafür einen Grund gibt, dann nervt den das furchtbar. So kann es in unserer westlichen Gesellschaften sehr große Unterschiede geben ohne, dass es soziale Unruhen gibt, die es gäbe, wenn Menschen in der gleichen Firma für die gleiche Arbeit unterschiedlich bezahlt werden. Du magst jetzt sagen: „Das passiert ja schon, Frauen bekommen typischerweise weniger als Männer für die gleiche Arbeit“ - das stimmt nicht überall, aber es gibt eine gewisse Neigung hierzu – aber auch hier gilt, dass das objektivierbar ist: Frauen sind anders als Männer und es hat jahrzehntelang den Frauen nicht so viel ausgemacht. Heutzutage, wo Männer und Frauen als gleich betrachtet werden, ist es natürlich wichtig, dass man sich dafür einsetzt. Ansonsten: Die Empfindung von Ungerechtigkeit zersetzt ein Gemeinwesen.

Mitgefühl und Mitleid

Gerecht geht aber auch nicht immer. Manchmal muss man Gnade vor Recht ergehen lassen. Jede Gerechtigkeit muss auch ausgeglichen werden mit Mitgefühl und Herzlichkeit. Zwar ist es durchaus wichtig, dass es gerecht zugeht, zum Beispiel in der Finanzverwaltung und Steuereintreibung, im Strafrecht und so weiter. Wenn Menschen das Gefühl haben, es ist nicht so, dann wird ein Staatswesen zersetzt, es entsteht Korruption, und die wahrgenommene Korruption bringt viele Probleme. Deshalb muss es insgesamt gerecht zugehen. Aber manchmal ist auch ein Mensch besonders schlecht dran. Manchmal braucht es Gnade, manchmal braucht es auch Gnade vor Recht, braucht es Mitgefühl und Mitleid. Wenn das in besonderen Situationen ist, wo ein Mensch besonders leidet, dann erträgt das auch der Gerechtigkeitssinn der Menschen.

Gerecht in der Bibel und in der christlichen Theologie

In der Bibel, insbesondere in den Luther-Übersetzungen und damit auch in den von diesen Übersetzungen geprägten christlichen Theologien, hat „gerecht“ noch einmal einen besonderen Ausdruck.

Rechtschaffend handeln

„Gerecht“ ist dort nicht nur jemand, der gegenüber seinen Schutzbefohlenen aus dem gleichen Geist heraus handelt, der alle gleich behandelt. Sondern wenn es heißt „Die Gerechten unter Israel“, dann sind es diejenigen, die das Rechte tun. In der Bibel wird der Ausdruck „gerecht“ manchmal verwendet wie „rechtschaffen“, also die Gerechten sind diejenigen, die rechtschaffen handeln.

Gerecht werden vor Gott

Und dann gibt es auch noch den Ausdruck „Die Gerechten vor Gott“, das heißt diejenigen, die keine Sünde begangen haben oder ihre Sünden ausgeglichen bekommen haben. Es gibt zum Beispiel diesen Ausdruck, dass „der Mensch gerechtfertigt sein will vor Gott“. Dazu gibt es die Aussage von Luther „Der Mensch ist böse von Kindesbeinen an“. Warum? - Weil es die Erbsünde, die Ursünde gibt. Der Mensch schafft es nicht, den Geboten Gottes zu entsprechen, deshalb kann der Mensch nicht aus sich selbst heraus gerechtfertigt sein. Über Jahrhunderte war es eine große Diskussion zwischen den Evangelischen und den Katholischen, dass die Evangelischen zumindest dachten, dass die Katholischen meinten, dass der Mensch durch Mildtätigkeit, Askeseübungen, Gottesdienstbesuche und religiöse Praktiken sich vor Gott rechtfertigen (also seine Sünden ablegen) kann, dass er so vor Gott gerecht wird und so ins Paradies kommt. Luther sagte dagegen, dass nur durch den Glauben, dass Jesus für unsere Sünden gestorben ist, der Mensch gerechtfertigt werden kann. Indem er sein Unvermögen eingesteht und sich ganz an Gott wendet, wird er gerechtfertigt vor Gott durch den Opfertod von Jesus Christus.

Gerecht im Sinne des Yoga

In diesem Sinne ist „gerecht“ auch etwas, was man im Yoga Sinn überlegen könnte. Im Yoga Sinn würde man sagen, dass es verschiedene Weisen gibt, um vor Gott gerecht zu werden.

Es ist hier also gar nicht so unterschiedlich. Im klassischen Yoga ist die Art, wie man seine Papa (Sünden, negative Handlungen) überwindet durchaus ähnlich zum katholischen Christentum, wo Praktiken und Wohltätigkeitsrituale eine Rolle spielen, aber doch die Gnade Gottes besonders wichtig ist.

Karma als Gerechtigkeit

Im Yoga gehen wir davon aus, dass man nicht nur ein Leben hat, sondern viele Leben, denn ansonsten würde man sagen, dass es in der Welt ungerecht zugeht. Manche leben im wohlhabenden Mitteleuropa und sind dort geboren, jetzt in einer Friedenszeit – andere werden in Afghanistan oder Syrien geboren, wo jetzt (im Jahr 2018) Bürgerkrieg und Armut herrschen. Menschen sterben dort und fliehen aus diesen Gegenden. Ist das gerecht?

Herausforderung zum wachsen

Von einem Leben her gesehen ist das nicht gerecht. Das yogische Verständnis des Karma ist aber, dass Menschen verschiedene Situationen brauchen, um zu wachsen. Man könnte auch sagen: Angenommen du gehst heute in eine Schule, dann wirst du feststellen dass in einer Klasse gerade eine Mathearbeit geschrieben wird, in der nächsten wird der Geburtstag eines Kindes gefeiert, und in der nächsten Klasse gibt es gerade Sportunterricht. Ist das gerecht, dass die einen Sportunterricht haben, die nächsten feiern und die dritten eine Mathearbeit schreiben? Und die nächsten vielleicht gerade trockene Vokabeln lernen müssen? Vom Standpunkt dieser einen Stunde ist das ungerecht. Aber vom Standpunkt der gesamten Schulzeit macht das alles seinen Sinn, dass die Kinder so lernen.

In diesem Sinne: Vom Standpunkt eines Lebens scheint es in dieser Welt ungerecht zuzugehen. Aber wenn wir es vom Standpunkt vieler Leben aus sehen und eben auch Schmerz und Leid als wertvolle Lernlektionen ansehen, ist die Welt sehr wohl gerecht – wir brauchen nur eine größere Perspektive.

Das waren ein paar Gedanken zum Thema „gerecht und Gerechtigkeit“. Was meinst du über „Recht, Gerechtigkeit und Rechtschaffenheit“? Welche Ideen hast du? Das Bewusst-Leben-Lexikon ist ein Projekt, wo über viele Begriffe von einem spirituellen Standpunkt aus ein paar Gedanken veröffentlicht werden sollen.

Video Gerecht

Videovortrag mit dem Thema Gerecht :

Autor/Sprecher/Kamera: Sukadev Bretz, Gründer von Yoga Vidya.

Gerecht Audio Vortrag

Hier die Audiospur des oberen Videos zu Gerecht :

Gerecht - Verwandte Begriffe

Hier ein paar Wörter, die mit gerecht im Zusammenhang stehen. Zunächst ein paar Wörter, die den gleichen Wortstamm haben:

  • Das Substantiv zu gerecht ist Gerechtigkeit.
  • Das Substantivus Agens, also das Wort, das den Handelnden bezeichnet, ist Gerechter.
  • Ein Verb dazu ist richten.

Gegenteil von gerecht - Antonyme

Ein Antonym ist ein Gegenteil. Manchmal versteht man Tugenden am besten, indem man sie in Verbindung setzt mit ihrem Gegenteil. Manchmal ist das Gegenteil einer Tugend auch eine Tugend, manchmal auch ein Laster bzw. eine Untugend. Hier also einige Gegenteile von gerecht, also Antonyme:

Ausgleichende Tugenden

Vieles, was ins Extrem geführt wird, wird zur Untugend. So braucht auch gerecht einen Gegenpol. Hier einige Gegenpole, also positive Antonyme zu gerecht:

Antonyme, negative Eigenschaften

Hier einige Beispiele von Gegenteilen, Antonymen, von gerecht, die man als Laster, bzw. negative Eigenschaften ansehen kann:

Ähnliche Wörter wie gerecht - Synonyme

Synonyme sind Wörter mit ähnlicher Bedeutung. Hier einige Synonyme zu gerecht. Manche der Synonyme haben positive Bedeutung. Allerdings gilt auch: Eine Tugend in einem anderen Kontext, oder auch eine Tugend, die übertrieben wird, kann auch negative Bedeutung haben.

Positive Synonyme zu gerecht

Hier also einige Beispiele von positiven Synonymen zu gerecht:

Negative Synonyme zu gerecht

Eine eigentlich positive Eigenschaft übertrieben oder in einem anderen Kontext kann negativ sein. Man kann auch die gleiche Eigenschaft sowohl positiv als auch negativ sehen. Hier einige Beispiele von negativen Synonymen zu gerecht:

Gerechtigkeit Affirmationen

Willst du die Eigenschaft Gerechtigkeit in dir entwickeln, stärker werden lassen, kultivieren? Hier findest du ein paar Tipps dazu:

  • Klassische Autosuggestion: Ich bin gerecht.
  • Entwicklungsbezogene Affirmation: Ich entwickle Gerechtigkeit.
  • Wunder-Affirmation: Angenommen, ich wäre gerecht, wie würde sich das anfühlen, was würde sich ändern, wie würde ich reagieren?

Hilfreich ist natürlich auch eine Meditation, in welcher du diese Eigenschaft in dir stärker werden lassen kannst. Mehr Infos findest du dazu unter dem Stichwort Eigenschaftsmeditation. Schaue auch nach unter dem Stichwort Kultivierung positiver Eigenschaften.

Hier ein Video mit Tipps zur Kultivierung von Tugenden, Eigenschaften:

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Siehe auch

Eigenschaften im Alphabet vor und nach gerecht

Hier einige Eigenschaften, die im Alphabet vor oder nach gerecht kommen:

Hier einige Eigenschaften als Substantive mit ähnlichem Anfangsbuchstaben:

Entwicklung von Positivem Denken Yoga Vidya Seminare

Seminare zum Thema Positives Denken, Raja Yoga und Gedankenkraft:

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Charry Devi Ruiz,
03.07.2020 - 05.07.2020 - Die Kunst Entscheidungen zu treffen und die "Psychologie der Wahl"
Wie treffe ich (richtige) Entscheidungen inmitten einer sich ständig verändernden Welt, mit ihrer Vielzahl von Wahlmöglichkeiten? Normalerweise schwankt unser Geist – in einem Zustand der Verw…
Damodari Dasi Wloka,


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