Karma

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Karma (Sanskrit: कर्मन् karman n. Nom. Sg. कर्म karma) Handlung, Gesetz von Ursache und Wirkung, Schicksal; Tätigkeit, Arbeit; heiliges Werk, Opferhandlung, Ritual; logisches Objekt, ein Handlungsfaktor (Karaka).

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Karma ist die Gesamtsumme unserer Handlungen aus beiden, unserem gegenwärtigen Leben und allen vorhergegangenen Leben.

Das Gesetz des Karma besagt:

  • Wir haben das, was uns geschieht, selbst erschaffen.
  • Wir sind verantwortlich für das, was uns in Zukunft geschieht.
  • Wir wachsen anhand der Erfahrung. Ereignisse sind nicht als Belohung oder Bestrafung zu sehen, sondern als Möglichkeit zum Wachsen.

Die Yoga Sutras von Patanjali

कर्माशुक्लाकृष्णं योगिनस्त्रिविधमितरेषाम् || 4.7 ||

karmāśuklākṛṣṇaṃ yoginas trividham itareṣām || 4.7 ||

Das Werk (Karman) des Yogi ist weder weiß (Shukla) noch schwarz (Krishna), aber die Werke der anderen Menschen sind dreifach (weiß, schwarz und gemischt).

Drei Arten von Karma

Fünf Untergesetze des Karma

  • 1. Direkte Gesetze: alle physikalischen Naturgesetze
  • 2. Gesetz der Gedankenkraft: vom Gedanken zur Manifestation
  • 3. Gesetz der Kompensation: "Was du nicht willst, das man dir tut, das füg´ auch keinem andern zu."
  • 4. Gesetz der Evolution: Manche Dinge passieren, ohne vorherige Tat, als Aufgabe des Lebens.
  • 5. Gesetz der Gnade Gottes: Gott kann Ereignisse schicken, die die persönliche Entwicklung vorantreiben.

Swami Sivananda über Karma

Swami Sivananda

Ein Artikel von Swami Sivananda aus http://www.sivanandaonline.org

Was ist Karma?

Karma bedeutet zu handeln, bedeutet aber auch das Ergebnis einer Handlung. Das Ergebnis oder die Folge einer Handlung ist Bestandteil dieser Handlung und kann so nicht von dieser abgetrennt werden. Atmen, reden, sehen, hören, essen und mehr sind Karmas. Denken ist geistiges Karma. Karma ist die Gesamtsumme unserer Handlungen aus beiden, unserem gegenwärtigen Leben und allen vorhergegangenen.

Jede Tat, jeder Gedanke, der Ausdruck findet, nennt man Karma. Das Verursacherprinzip ist das Gesetz des Karma. Wo immer eine Ursache genannt werden kann, muss eine Wirkung kommen. Ein Samen ist Ursache für einen Baum, der die Wirkung darstellt. Der Baum produziert Samen und wird zur Ursache der Samen.

Wie Karma geformt ist

Der Mensch ist von dreifacher Natur. Er besteht aus Ichha (Wunsch, Gefühl), Jnana (Wissen) und Kriya (Willen). Diese drei Naturen formen sein Karma. Der Mensch kennt Objekte wie einen Stuhl oder einen Baum. Er empfindet Freude und Sorge. Er hat den Willen dieses oder jenes zu tun – oder zu lassen.

Hinter Handlungen stehen Wunsch und Überlegung. Ein Wunsch nach einer Sache erscheint im Bewusstsein. Dann denkst du darüber nach, wie du diese bekommst. Danach bemühst du dich um den Besitz. Wunsch, Gedanken und Handlung gehen immer einher. Es ist tatsächlich so, daß dies die drei Fäden sind, zusammengeflochten zum Band des Karmas.

Der Wunsch produziert Karma. Du arbeitest dafür, das Objekt deines Wunsches in deinen Besitz zu bringen. Früchte des Karma sind Schmerz und Freude. Du wirst Geburt über Geburt benötigen, um die Früchte deines Karmas reifen zu lassen. Das ist das Gesetz des Karmas.

Wie das Gesetz sich auswirkt

Das Gesetz des Karma ist einer der fundamentalen Leitsätze nicht nur im Hinduismus, sondern auch im Buddhismus, und im Jainismus. Wie der Mensch säat, so wird er ernten. Das ist das Gesetz des Karmas. Wenn du eine böse Tat begehst, wirst du dafür leiden müssen. Wenn du eine gute Tat begehst, wird zwangsläufig Freude die Folge sein. Keine Macht der Erde kann die Handlungen daran hindern, ihre Früchte zu ernten. Jeder Gedanke, jedes Wort, jede Tat wird so aufgewogen nach Masstäben einer ewigen, göttlichen Gerechtigkeit. Das Gesetz des Karma ist unaufhaltsam.

In diesem Universum passieren Dinge nicht aus Versehen oder zufällig in ungeordneter Art und Weise. Sie geschehen in einem geregelten Ablauf; das Eine folgt aus dem Anderen. Es exisitiert eine sicher bestimmte Verbindung zwischen dem, was von dir jetzt getan wird und dem, was in der Zukunft passieren wird.

Jede Handlung hat eine dreifache Wirkung. Sie gibt dir eine angemessene Belohnung oder Frucht. Sie beeinflusst auch deinen Charakter, hinterlässt einen Fusstapfen in deinem Bewusstsein. Dieser wird dich drängen, diese Handlung zu wiederholen. Als Eindruck wird er im Geist entweder aufgrund eines inneren oder eines äusseren Reizes die Gestalt einer Gedankenwelle annehmen. Ebenso hat eine Handlung ihre Auswirkung in der Welt.

So wie du säst, wirst du ernten

Wenn du einen Samen in die Erde steckst, schickt dieser einen kleinen Stamm nach oben. Dann treiben Blätter aus dem Stamm. Dann kommen Blüten und Früchte. In den Früchten stecken wieder Samen. Mango-Samen produzieren nur Mango-Bäume. Wenn du Reis aussäast, kannst Du keinen Bündel Weizen erwarten. Die gleiche Sorte Samen produziert die gleiche Art Pflanzen. Ein Mensch kann nur dem Schosse einer Frau entspringen, ein Pferd einem Pferd und ein Hund einem Hund. Genau so, wenn du den Samen einer bösen Tat ausäast, wirst du Schmerz und Leiden ernten. Wenn du den Samen einer rechtschaffenen Tat ausäast, wirst du Freude ernten. Das ist das Gesetz des Karmas.

Was immer du durch deine Handlungen säest, kommt zu dir zurück. Wenn du anderen Freude bereitest durch Dienstbarkeit, Wohltätigkeit und freundliche Handlungen, dann säest du Freude wie einen Samen; und das wird dir Freude als Frucht einbringen. Betrübst du andere durch harsche Worte, Beleidigungen, schlechtes Behandeln, grausame Taten, Unterdrückung und so fort, dann säest du Unzufriedenheit wie einen Samen; und das wird dir als Frucht Schmerz, Leiden, Not und Elend einbringen. Das ist das unveränderliche Gesetz des Karmas.

Deine Handlungen der Vergangenheit sind verantwortlich für deine Verfassung in der Gegenwart. Deine gegenwärtigen Handlungen werden deine Zukunft ausformen, gestalten. Es gibt nicht chaotisches oder launenhaftes in dieser Welt. Du wirst gut durch deine guten Taten, und schlecht durch deine schlechten Taten.

Wenn du böse Gedanken hegst, musst du die Konsequenzen erleiden. Du wirst in Schwierigkeiten stecken. Du wirst umgeben sein von ungünstigen Umständen. Du wirst deine Umgebung und die Umstände beschuldigen. Verstehe das Gesetz und lebe weise. Pflege vornehme Gedanken. Du wirst immer glücklich sein.

Tat - Gewohnheit - Charakter - Schicksal

Der Gedanke formt deinen Charakter. Unterhältst du edle Gedanken, wirst du einen edlen Charakter entwickeln; und wenn du üble Gedanken unterhältst, wirst du einen niedrigen Charakter entwickeln. Das ist das unveränderliche Gesetz der Natur. Daher kannst du deinen Charakter ganz bewusst formen, indem du erhabene Gedanken pflegst. Der Gedanke materialisiert und wird zu einer Tat. Erlaubst du dem Geist, sich in guten, erhebenden Gedanken zu ergehen, wirst du naturgemäß gute und lobenswerte Taten begehen.

Gebaren und Verhalten enthüllt deinen Charakter. Benehmen formt auch deinen Charakter. Die Kultivierung guten Benehmens erfordert strenge Disziplin und gleichbleibende Wachsamkeit. Du wirst jeden Gedanken, jedes Wort und jede Tat beobachten müssen. Du musst sehr vorsichtig sein, wenn du dich mit anderen abgibst. Mit all deinen guten Absichten im Sinn wirst du davongetragen von der Kraft deiner vorhergegangenen falschen Impressionen, Instinkte und Impulse. Auch hoch gebildete Leute lassen es an Benehmen mangeln. Gutes Benehmen zeigt, daß du einen feinen oder polierten, disziplinierten Geist und eine wahre und gute Spiritualität besitzt. Die Ausübung von Japa, Pranayama und Mauna (oder dem Schweigegelübde) wird dir helfen, unter anderem deine Impulse zu kontrollieren.

Du säest eine Tat und erntest ein Verhalten. Du säast ein Verhalten und erntest einen Charakter. Du säast einen Charakter und erntest dein Schicksal. Somit ist dein Schicksal dein eigenes Werk. Du musst es aufbauen. Du kannst es zurückbauen indem du edle Gedanken unterhältst, rechtschaffene Taten vollbringst und deine Art zu denken änderst. Jetzt denkst du, du bist der Körper, du bist der Herr Soundso. Jetzt starte den Gegenstrom der Gedanken. Denke, du bist das alldurchdringende, unsterbliche Brahman. Du wirst zu Brahman werden. Das ist ein unveränderliches Gesetz.

Die drei Arten des Karmas : Sanchita, Prarabdha und Agami

Es gibt drei Arten von Karma, nämlich Sanchita (angesammelte Arbeiten), Prarabdha (befruchtende Arbeiten) und Kriyamana oder Agami ( jetzige Arbeiten). Sanchita Karma ist das angesammelte Karma der Vergangenheit. Ein Teil davon scheint durch im Charakter eines Menschen, in seinen Absichten und Begabungen, Fähigkeiten, Neigungen und Wünschen. Veranlagungen entstehen dadurch. Prarabdha ist der Anteil des Karmas der Vergangenheit, welches verantwortlich ist für den gegenwärtigen Körper. Derjenige Anteil des Sanchita Karmas, welches das menschliche Leben in der gegenwärtigen Inkarnation beeinflusst, wird Prarabdha genannt. Es ist reif zur Ernte. Es kann nicht vermieden oder abgeändert werden. Es wird nur verbraucht, indem es erfahren wird. Du zahlst die Rechnung für deine Vergangenheit. Prarabdha Karma ist das begonnene und nun Früchte tragende. Es ist ausgewählter Anteil aus der Masse von Sanchita Karma. Kriyamana ist das Karma, welches jetzt für die Zukunft gemacht wird. Es wird auch Agami Karma oder Vartamana genannt.

In den Vedischen Schriften gibt es eine schöne Analogie. Der Bogenschütze hat bereits einen Pfeil abgeschossen und der hat seine Hände verlassen. Er kann ihn nicht zurückrufen. Er ist dabei, einen weiteren Pfeil abzuschiessen. Das Bündel Pfeile auf seinem Rücken im Köcher ist das Sanchita; der Pfeil, den er abgeschossen hat, ist Prarabdha; und der Pfeil, den er im Begriff ist, mit seinem Bogen abzuschiessen ist Agami. So betrachtet hat er die perfekte Kontrolle über das Sanchita und das Agami, jedoch gewiss muss er sein Prarabdha ausbaden. Die Vergangenheit, die begonnen hat zu wirken, muss er erfahren.

Es gibt eine weitere schöne Analogie. Die Kornkammer repräsentiert das Sanchita Karma; der Anteil, der aus der Kornkammer genommen und in den Laden zum zukünftigen täglichen Verkauf gelegt wird, ist Agami; das, was täglich verkauft wird ist Prarabdha.

Das gesamte Sanchita Karma wird vernichtet mit Erlangen des Wissens von Brahman oder dem Ewigen. Es kann stark verbessert werden durch die Erwägung erhabener, göttlicher Gedanken und dem Tun rechtschaffener Handlungen. Agami Karma kann zerstört werden durch Sühne-Rituale oder Prayaschitta; und durch das Loslassen sowohl von der Idee des ausführenden Organs Nimitta Bhava (der Einstellung, daß man ein Instrument in der Hand Gottes ist) als auch Sakshi Bhava (jener Einstellung, daß man stiller Zeuge der Bekundungen der Sinne und des Geistes ist).

Die Herrschaft des freien Willens

Du bist der Herr über dein eigens Schicksal. Du bist der Architekt deines eigenen Glückes. Du bist verantwortlich für das, woran du leidest. Du bist verantwortlich für den augenblicklichen Zustand. Wenn du voller Freude bist, hast du das selbst geschafft. Wenn du unglücklich bist, hast du das ebenfalls selbst geschafft. Jede Handlung gebiert eine Frucht, früher oder später. Eine rechtschaffene Tat erzeugt Freude als ihre Wirkung. Eine böse Tat verursacht Schmerz. Du hast kein Bhoga Svatantrya (die Freiheit, das Ergebnis einer Handlung selbst zu bestimmen), aber du hast Karma Svatantrya (die Freiheit, die Zielrichtung deiner Taten zu bestimmen).

Das ist der Grund, warum Krishna sagt: “Karmanyeva Adhikaraste Ma Phaleshu Kadachana — Deine Angelegenheit sind nur deine Taten, niemals deren Früchte.” Janaka und andere erreichten Perfektion durch Taten. Du kannst deinen Charakter ändern, deine Gedanken und Wünsche. Des Menschen Wille ist immer frei. Durch Selbstsucht wird sein Wille unrein. Er kann seinen Willen rein machen, stark und beweglich indem er seine niederen Wünsche, und sein Mögen und Nicht-Mögen aufgibt. Jede Seele ist wie ein Mann, der ein Stück Land besitzt. Die Grösse, die Beschaffenheit der Erde, die Bedingungen des Wetters sind alle vorgegeben. Aber dieser Mann ist weitgehend frei, die Erde zu pflügen, zu düngen und guten Ertrag zu haben oder aber es Ödland bleiben zu lassen.

Was du nun in der Gegenwart bist, ist das Ergebnis von was du in der Vergangenheit gedacht und getan hast. Was du in der Zukunft sein wirst, wird das Ergebnis sein von was du jetzt denkst und tust. Du findest eine Umgebung vor, die am besten zu den Neigungen, die du dir in einem früheren Leben angeeignet hast, passt. Du kannst bessere Bedingungen schaffen für die Zukunft. Du hast die Wahl, dir dein Karma auszusuchen. Du kannst heraufsteigen zu einem sehr hohen Grad der Vollkommenheit. Du kannst ein Indra werden oder ein perfekter Yogin. Du kannst deinen Charakter ändern, deine Gedanken und deine Taten. Daher haben Bhishma und Vasishtha das Purushartha oder die Anstrengung über das Schicksal gestellt.

Ein Bootsmann ohne Riemen, Ruder und Segel wird hilflos von den Winden und der Strömung davongetragen; aber ein gewitzter Bootsmann mit Riemen, Ruder und Segel richtet das Boot mit Können in jede Richtung, die er mag und erreicht sicher das andere Ufer. Genau in dieser Weise, kann der, der die Gesetze der Natur kennt — das Gesetz des Gedankens, das Gesetz des Karmas, das Gesetz von Ursache und Wirkung — furchtlos den Ozean von Samsara befahren und das andere Ufer der Furchtlosigkeit und Unsterblichkeit sehr sicher erreichen. Er wird sich die hilfreichen Kräfte zu seinem besten Vorteil dienstbar machen und die entgegenstehenden Kräfte geschickt neutralisieren mit Hilfe des Wissens über die Gesetze. Wissen ist eine leuchtende Fackel. Daher ist Wissen absolut unverzichtbar.

Die Herrlichkeit der selbstlosen Arbeit

Selbstsüchtiges Karma führt dich von Wiedergeburt zu Wiedergeburt und erzeugt neues Karma, während du das alte abarbeitest. Entledige dich des Karmas, wenn du dir wünschst, dem Jammer der Wiedergeburt zu entgehen. Selbstlose Arbeit wird dich nicht binden. Sie wird dein Herz reinigen und führt zu der Quelle des göttlichen Lichtes und Gnade. Begreife das Gesetz von Karma und das Gesetz von Ursache und Wirkung. Denke richtig. Handle vornehm. Meditiere regelmässig und erlange ewiges Glück und Unsterblichkeit. Karta bzw. Kartri (Sanskrit: कर्ता kartā m. Nom. Sg.., कर्तृ kartṛ m.) der Handelnde, der Täter, das Subjekt, ); der Wohltäter, der Anspornende; der Schöpfer

Sukadev über Karma

Niederschrift eines Vortragsvideos (2014) von Sukadev über Karma

Karma – Ausführung, Handlung, Ritual, Schicksal. Karma ist einer der vielfältigsten Begriffe. Karma ist kaum ins Deutsche übersetzbar. Die Bhagavad Gita, also das Zwiegespräch zwischen Krishna und Arjuna, ist voll von Wortspielen mit Karma. Und ich habe ja auch ein ganzes Buch geschrieben über Karma und Reinkarnation, deshalb kann ich jetzt nicht alles über Karma erzählen. Auch auf den Yoga Vidya Internetseiten, www.yoga-vidya.de, findest du viele Vorträge über Karma und viele Internetseiten über Karma.

Hier will ich einfach erwähnen, dass Karma viele verschiedene Bedeutungen hat. Karma heißt zum einen Handlung. Wenn du etwas tust, ist das Karma. Karma heißt aber auch Reinigungshandlung. Also z.B., vielleicht kennst du Panchakarma, das sind fünf Reinigungshandlungen im Ayurveda. Vielleicht hast du gehört von den Shatkriyas - sie werden auch Shatkarmas genannt - den sechs Reinigungshandlungen im Hatha Yoga. Karmas sind aber auch Rituale, die der eigenen Reinigung dienen.

Letztlich kannst du sagen, der Grund, weshalb die Hatha Yoga Kriyas auch als Karmas bezeichnet werden, ist, dass Karmas, insbesondere im Mimamsa-System, auch Reinigungshandlungen sind, um Papas, also begangene Sünden zu sühnen. Und angenommen, jemand hätte etwas Schlechtes getan, dann macht er Karmas, rituelle Handlungen, um diese Papas zu sühnen, um Punyas anzusammeln und auf diese Weise wieder zur Erlösung zu kommen. Ähnlich mag es Unreinheiten im physischen Körper geben und die kannst du mit Shatkarmas reinigen, den sechs Reinigungstechniken oder auch mit einer Panchakarma-Kur im Ayurveda.

Karma ist aber auch das Gesetz von Ursache und Wirkung. Karma ist auch das Resultat der Handlung und damit dein Schicksal. So hast du viele verschiedene Bedeutungen des Begriffs „Karma“. Karma heißt also Handlung, Karma heißt Ausführung, Karma heißt Ausführen von Ritualen, Karma ist Reinigungshandlung und Karma heißt Schicksal.


Karma, Gelassenheit gegenüber dem Schicksal Niederschrift eines Podcasts (2014) von Sukadev The media player is loading...

Karmalehre und Gelassenheit. Ich möchte dir heute etwas erzählen über Karma, das Gesetz von Ursache und Wirkung. Verständnis des Karmas hilft dir, gelassen zu sein gegenüber dem Schicksal. Schicksal ist das, was dir geschickt worden ist. Schicksal ist Schule. Karma, wörtlich übersetzt, heißt Handlung, Tat. Das Gesetz von Karma ist also das Gesetz von Handlungen. Das Wort „Karma“ beinhaltet aber nicht nur die Handlung selbst, sondern auch die Konsequenz der Handlung. So kann man auch sagen, das Gesetz von Karma ist das Gesetz von Ursache und Wirkung. Das Gesetz von Karma besagt, alles, was man jetzt tut, ist die Ursache für eine zukünftige Wirkung, alles, was jetzt geschieht, ist die Wirkung einer früheren Ursache. Anders formuliert, alles, was du tust, hat eine Konsequenz, die auf dich zurückfällt.

Alles, was dir geschieht, hast du irgendwann selbst verursacht oder ist dir geschickt worden, damit du daran wächst. Grundlage des Karma ist, dass du einen freien Willen hast. Du kannst durch dein jetziges Tun die Zukunft beeinflussen. Das Gesetz des Karma ist dabei sehr komplex. Karma ist nicht einfach nur Lohn oder Strafe für frühere Handlungen. Karma hat auch einen tieferen Sinn. Schicksal ist das, was auf geschickte Weise die Lektionen gibt, die dir helfen, dich zu entwickeln. Schicksal ist also eine Chance. Leben ist eine Schule. Der Mensch wächst durch die Aufgaben, die ihm von seinem Karma gestellt werden. Was auch immer geschieht, ist genau das, was du brauchst, um zu wachsen.

Karma und Reinkarnation gehören philosophisch zusammen. Was die Abläufe der verschiedenen Leben bestimmt, ist das Karma. Und Karma kann sich nur über verschiedene Leben entfalten. Grundlage für ein Verständnis von Karma ist der fünffache Sinn des Lebens. Der fünffache Sinn des Lebens besteht darin: Erstens, Erfahrungen zu machen, zweitens, Kräfte und Fähigkeiten entfalten, drittens, Lernen und Wachsen, viertens, etwas bewirken in der Welt, deine Mission, Aufgabe erfüllen, fünftens, spirituelle Verwirklichung zu erreichen. Das Gesetz des Karmas hilft, dass du diesen fünffachen Sinn gerecht wirst. Das, was kommt, soll dir also helfen, den fünffachen Sinn des Lebens zu erfahren. Ich gehe nochmals durch diese fünf Aspekte hindurch.

Erster Sinn des Lebens, Erfahrungen machen. Das Karma gibt dir die Erfahrungen, die du brauchst. Es gibt eine Art Lehrplan für jeden Menschen. Es heißt, dass du über die Abfolge aller Leben jede wichtige menschliche Erfahrung machen musst. Manche Ereignisse kommen also einfach, damit du diese Erfahrung machst. Die Frage, „warum ich“, führt also häufig nicht weiter. Oder: „Warum geschieht das mir, wo ich so ein freundlicher Mensch bin?“ Eine Analogie ist, ein Kind in Deutschland muss in die Schule gehen, lesen, schreiben, rechnen usw. Wenn ein Kind quengelt und sagt: „Warum muss ich das lesen und schreiben? Wofür sind die Rechenaufgaben Bestrafung?“ Da muss man sagen, gar nicht, im Gegenteil, wenn das Kind besser ist in der Schule, klüger ist, seine Aufgaben besser macht, dann muss es sogar noch mehr Mathe machen und noch mehr andere Fächer. Also, was auch immer auf dich zukommt, kann einfach deshalb kommen, weil es wichtige menschliche Erfahrungen sind.

Zweiter Sinn des Lebens, Kräfte und Fähigkeiten, Talente entfalten. Das Schicksal stellt dich immer wieder vor neue Herausforderungen. Es gilt, diese Herausforderungen anzunehmen. Wenn du dich vor Herausforderungen drückst, kommen diese so lange auf dich zu, bis du sie annimmst. Du musst nicht alle Herausforderungen gleich annehmen, manches kannst du auch verschieben. Ein gelassenes Leben kann kein faules Leben sein, viel mehr muss es ein engagiertes Leben sein. Du kannst auch hier überlegen: „Zu welchen Kräften und Fähigkeiten will mich meine momentane Situation bringen? Neige ich vielleicht dazu, zu früh aufzugeben? Will ich mich zurückziehen? Oder sollte ich mich engagieren? Fordert mich das Schicksal heraus, meine Fähigkeiten zu entfalten?“

Krishna erklärt Arjuna auch Karma, Szene aus der Bhagavad Gita

Eng zusammenhängend damit, dritter Sinn des Lebens, Lernen und Wachsen. Du lernst durch die Ereignisse, die kommen. Wenn dir etwas geschieht, kannst du dich auch fragen: „Was habe ich durch diese Erfahrung gelernt?“ Ich war mal vor vielen Jahren zwei Wochen im Krankenhaus. Es war für mich eine sehr wichtige Erfahrung. Ich habe gelernt, andere sich um mich sorgen zu lassen, andere für mich sorgen zu lassen. Ich habe gelernt, wie es ist, im Krankenhaus zu sein. Ich habe auch gelernt, wie liebevoll Krankenschwestern sein können. Das war für mich alles gar nicht so einfach, wo ich eher gekannt habe, ich kümmere mich um andere und bin für andere da. So musste ich lernen, andere für mich wirken zu lassen. Eine wichtige Lernlektion. Lernen und Wachsen heißt auch, dass du lernst, aus Liebe heraus zu handeln. Dazu gibt es etwas Wichtiges. Wenn du gegen das Gesetz der Liebe verstößt, aus Egoismus heraus anderen schadest, dann greift das Karmagesetz der Kompensation. Was du nicht willst, das man dir tu, das füge auch keinem anderen zu. Wenn du erfährst, wie es ist, zu leiden, fügst du hoffentlich anderen dieses Leiden nicht zu. Z.B. hast du vielleicht mal gelästert über faule Arbeitslose und erfährst dann selbst, wie es ist, arbeitslos zu sein. Oder du hast jemanden ohne Rücksicht und ohne Notwendigkeit gekündigt und später machst du einen größeren finanziellen Verlust. Dieses Gesetz der Kompensation wird manchmal als Gesetz des Karmas bezeichnet. Ich verstehe hier, ähnlich wie Swami Sivananda und wie Patanjali im Yoga Sutra oder Krishna in der Bhagavad Gita, das Gesetz des Karmas sehr viel weiter.

Vierter Sinn des Lebens ist, etwas bewirken in dieser Welt. Du bist auch hier, um etwas zu bewirken. Das Schicksal braucht deine Mithilfe für das Drama der Welt. Finde heraus, was deine Aufgabe ist und erfülle sie. Und woher weißt du, was deine Aufgabe ist? Das wäre das Thema eines eigenen Buches. Z.B. in meiner Buchreihe „Die Yogaweisheit der Bhagavad Gita“ ist das ein Dauerthema oder ein Hauptthema. Ich werde an anderer Stelle darauf eingehen.

Fünfter Punkt, spirituelle Verwirklichung erreichen. Was auch immer du erlebst, es hilft dir, irgendwann deine wahre Natur zu erfahren, die Einheit mit dem kosmischen Bewusstsein. Was auch immer du erfährst, will dich aufwecken und aufrütteln, will dich dazu bringen, dich zu lösen von allen Identifikationen, das Ewige zu erfahren.

Wenn du also erkennst, dass Leben einen Sinn hat, dann kannst du gelassen mit Schicksalsschlägen umgehen. Und wenn du davon ausgehst, dass du viele Leben hast, dann brauchst du auch nichts und niemandem hinterher zu trauern. Wenn etwas nicht abgeschlossen ist, kannst du es nochmals erleben. Und wenn du noch Karma mit einer bestimmten Person hast, werdet ihr euch nochmals begegnen.

Ein banales Beispiel: Du bekommst eine Erkältung und die trifft dich so stark, dass du nicht mehr richtig sprechen kannst, deine Nase ist zu und du kriegst nichts mehr gebacken. Du kannst jetzt fragen: Warum bekommst du diese Erkältung? Was ist der Sinn dieser Erkältung? Alle fünf Aspekte könnten berührt sein. Wichtige Erfahrung, erstens. Gefühl der Hilflosigkeit, der Kraftlosigkeit, der Hilfsbedürftigkeit. Eventuell auch die Erfahrung, mit halber Kraft etwas angehen zu müssen. Demut kommt. Zweitens, Kräfte, Fähigkeiten entfalten. Vielleicht ist das auch ein Zeichen, dass du künftig etwas mehr auf deine Gesundheit achtest, vielleicht kalt duscht, vielleicht dich gesünder ernährst, häufiger an die frische Luft gehst, deine Hände öfter wäscht usw. Drittens, Lernen, Wachsen. Demut ist immer eine wichtige Lektion. Vielleicht hast du vor kurzem gelästert über Menschen, die sich wegen ein bisschen Erkältung so anstellen, vielleicht etwas anderes. Viertens, etwas bewirken. Durch die Erfahrung der Erkältung wirst du vielleicht mitfühlender und kannst künftig einige Tipps geben für Menschen mit Erkältung.

Oder vielleicht warst du dabei, etwas zu tun, was nicht unbedingt deine Aufgabe ist. Die Erkältung hält dich davon ab. Vielleicht soll jemand anderes wirken. Oder vielleicht sollst du bewirken, dass andere Menschen sich mehr engagieren. Und das geht vielleicht, indem du jetzt irgendwo ausgeschaltet bist. Fünftens, spirituelle Verwirklichung erreichen. Vielleicht sollst du lernen, dich weniger mit dem Körper zu identifizieren. Körperliche Gesundheit ist nicht alles. Krankheit muss kein Zeichen sein, dass du etwas falsch machst, aber vielleicht ein Zeichen, dass du dich weniger identifizieren sollst. Vielleicht auch eine wichtige Erfahrung, die dir zeigt, wie sehr du dich mit dem Körper noch identifizierst und wie viel du daran arbeiten kannst. Selbsterkenntnis ist der erste Schritt zur Besserung.

Ein weiteres Beispiel: Finanzieller Verlust bei Finanzinvestitionen. Du hast irgendwo Geld investiert, etwas, was vielleicht in den letzten Jahren gar nicht mal so wenige Menschen gemacht haben, und du verlierst alles oder doch einen großen Teil. Warum geschieht dir das? Was lernst du daraus? Erstens, Erfahrungen machen. Finanzieller Verlust ist oft eine wichtige Erfahrung, mit vielen Emotionen verknüpft. Es ist menschlich wichtig und wertvoll, einfach Verlust an sich. Zweitens, Kräfte, Fähigkeiten entfalten. Statt dich auf deinen Ersparnissen auszuruhen, musst du dich jetzt weiter bemühen, du musst jetzt anders aktiv werden. Vielleicht war es auch eine wichtige Erfahrung, dass du dich eine Weile mit Finanzen beschäftigt hast, jetzt hast du nichts mehr, jetzt ist was anderes dran. Lernen, wachsen. Du kannst lernen, es gibt keine wirkliche materielle Sicherheit. Alles, was einen Anfang hat, hat auch ein Ende. Vielleicht hast du auch mal jemanden übervorteilt. Jetzt erfährst du, wie das ist, etwas scheinbar ohne eigene Schuld zu verlieren. Viertens, etwas bewirken. Vielleicht wolltest du dich zur Ruhe setzen mit deinen Ersparnissen und vielleicht ist das noch nicht dran. Vielleicht wolltest du das investieren in deine Selbständigkeit, vielleicht solltest du das anders angehen. Vielleicht musst du etwas kreativer sein. Fünftens, spirituelle Verwirklichung erreichen. So kannst du vielleicht erkennen, du bist nicht der materielle Besitz. Etwas zu verlieren, hilft der Nichtidentifikation. Manchmal ist es aber auch der erste Schritt der Selbsterkenntnis als Schritt zur Verbesserung. Du erkennst, dass du viel mehr am Geld gehangen hast als dir bewusst war.

Überlege selbst, was deine momentane Situation von diesem Verständnis des Karmas her zu bedeuten hat. Welche Erfahrungen machst du? Welche Kräfte, Fähigkeiten sollst du entfalten? Was lernst du? Wie wächst du? Was gibt es, was du tun sollst, bewirken sollst? Welche Aufgabe hast du, welche Mission? Und was sagt das alles vom Standpunkt der Spiritualität, der spirituellen Verwirklichung her? Ja, einiges an Aufgaben, Wichtiges an Aufgaben. Übrigens, wenn du das Thema stark vertiefen willst, dann lies doch mein Buch „Karma und Reinkarnation“. Sei dir bewusst, was auch immer auf dich zukommt, es hat einen Sinn. Du kannst gelassen mit dem Schicksal umgehen, selbst wenn auch Trauer, Ärger, Wut ihren Platz haben. Wenn du tief im Inneren weißt, es gibt einen Sinn hinter allem, dann kannst du gelassen sein gegenüber dem Schicksal.

Weitere Bedeutungen Wortes Karma

Yoga in der Natur

Karman in der altindischen Sanskrit Grammatik (Vyakarana)

Das karman ist ein sogenannter "Handlungsfaktor" (karaka). Alles dazu findest du unter dem Stichwort Karman.

Karma im Hatha Yoga

In der Hatha Yoga Schrift Gheranda Samhita werden die Reinigungstechniken als Karmas bezeichnet. Gheranda Samhita und Hatha Yoga sprechen von den Shatkarmas, den sechs Reinigungstechniken, die auch als Shatkriyas bezeichnet werden.

Karma im Bhakti Yoga bzw. im Purva Mimamsa

Karmas im Bhakti Yoga und im Purva Mimamsa Philosophie System sind Rituale, Zeremonien.

Karma in der Sanskritgrammatik (Vyakarana)

In der Sanskritgrammatik bezeichnet das Karman im Sinne eines Handlungsfaktors (Karaka) das logische Objekt.

Karma in anderen Religionen

Karma ist im Sikhismus das Gesetz von Ursache und Wirkung. Im Sikhismus bezeichnet Karma das Gesetz von Ursache und Wirkung: Wenn du jemand anderem Schaden zufügst, wird das dir selbst Leiden schaffen. Im Sikhismus hat Karma also ähnliche Bedeutung wie im Buddhismus.

Siehe auch

Literatur

Weblinks

Karma-Portal Swami Sivananda über Karma Karma Konsum

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Ausarbeitung von Karma

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