Sinne

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Sinne sind die „Organe“ des Menschen, mit denen er die Umwelt wahrnimmt. Es gibt fünf Sinne: das Sehen über die Augen, das Hören über die Ohren, das Fühlen über die Haut, das Schmecken über die Zunge, das Riechen über die Nase. Diese Sinne sind entscheidend für die Wahrnehmung der physischen Welt. Die Sinnesorgane werden auch als Wahrnehmungsorgane, Jnana Indriyas oder Buddhi Indriyas bezeichnet.

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Man unterscheidet zwischen Nah- und Fernsinnen. Ein naher Sinneseindruck ist was man aus der Nähe wahrnimmt: Man schmeckt das Essen erst, wenn es mit der Zunge in Berührung kommt. Man fühlt erst dann, wenn die Haut berührt wird. Man riecht erst, wenn ein Geruch in die Nase eindringt. Sehen und Hören werden zu den Fernsinnen gezählt, der Mensch kann damit auch Dinge aus der Ferne wahrnehmen. Wenn die Fernsinne beeinträchtigt sind, spricht man von „Sinnesbehinderung“.

Yoga und die Sinne

Die Wissenschaft weiß, dass der Mensch nicht über die Augen sieht und dass das Bewusstsein ein Bild aus dem Gehirn hinausprojiziert. Das ist ein interessanter Punkt, an dem Yoga ansetzt. Wenn das, was wir sehen ein hinausprojiziertes Bild ist, was ist dann Realität? Wir können im Grunde jedes beliebige Bild hinausprojizieren, und das tun wir sicherlich auch auf einer unbewussten Ebene. Wir projizieren Traumbilder im Schlafzustand, wir phantasieren auch tagsüber und erschaffen dabei Tagtraumbilder. Im Gegensatz zur physischen Welt schätzen wir diese Traumbilder als weniger real ein, in Wirklichkeit existieren sie auch „nur“ auf einer astralen Ebene. Auf astraler Ebene sind sie allerdings wahr und die Empfindungen, die wir dabei haben, sind genauso „real“. Wenn man sich selbst bei Tag- oder Nachtträumen beobachtet, wird man feststellen, dass das Fühlen genauso echt ist wie in der normalen physischen Welt. Der Unterschied liegt einzig darin, dass wir die physische Welt als real ansehen und die astralen Welten nicht.

Pratyahara“, das Zurückziehen der Sinne ist eine wichtige Stufe auf dem Weg des Raja Yoga, den Patanjali in seinen Yoga Sutras beschreibt. Der Weg erläutert, wie man auf acht Stufen den Weg zu seinem Höheren Selbst, zu Atman und schließlich zu Brahman finden kann. Dabei ist es wichtig, sich zunächst an bestimmte ethische Grundregeln zu halten, an Yama und Niyama. Während man dann Asanas und Pranayama übt, lernt man, seine Sinne zurückzuziehen (Pratyahara), sich zu konzentrieren (Dharana), zu meditieren (Dhyana) und schließlich in Samadhi, dem Überbewusstsein aufzugehen. Ein Yogi sollte seine Sinne von den äußeren Objekten zurückziehen, damit er nach innen gehen kann, um das Wesentliche zu entdecken, seinen wahren Kern, sein wahres Sein.

Tasten

Der Tastsinn schließt Druck, Temperatur und Schmerz mit ein, die über Millionen von Nervenrezeptoren in der Haut, den inneren Organen und den Muskeln entstehen. Somit ist der Tastsinn für einen Großteil des allgemeinen Körperbewusstseins verantwortlich. Wenn man eine Asana oder Stellung übt, werden Empfindung von Druck, Temperatur und manchmal auch Dehnschmerz stimuliert, die alle den Tastsinn aktivieren. Um all diese Sinneseindrücke wahrzunehmen, wird Prana in den Körper projiziert. Sowohl in der Zwischenentspannung wie auch in der Endentspannung verschmelzen diese Empfindungen von Druck, Temperatur und Dehnschmerz zu einem harmonischen Gefühl von Wohlbefinden – das Prana bleibt dabei erhalten. Diese Wahrnehmungen innerhalb des Körpers verfeinern den Tastsinn in Bezug auf Gegenstände und Mitmenschen.

Sehen

Viele Yogaübungen verbessern die Vitalität der Augen. Tratak, oder festes Starren, reinigt zum Beispiel die Augen durch Stimulierung von Tränen. Augenübungen entspannen und stärken die Augenmuskeln. Umkehrstellungen wie der Schulterstand und Kopfstand verbessern die Durchblutung der Augen. Wenn die Augen überanstrengt sind, kann die Entspannungsstellung im Liegen große Erleichterung schaffen. Eine noch tiefere Entspannung der Augen kann über die entspannte Kontemplation eines geistigen Bildes errreicht werden, denn hier wird nur das innere, feinstoffliche Sehen stimuliert.

Hören

Yogaübungen verfeinern das Gehör. Zu den Übungsstunden im ersten Kapitel gehört die Wiederholung des universellen Klanges "Om". Der Unterschied in der Klangwahrnehmung am Anfang und am Ende einer Yogastunde ist erstaunlich. Wenn man nach der Endentspannung "Om" singt, wird der Klang tatsächlich über den ganzen Körper als feine Schwingung wahrgenommen. Neben dem Hören ist das innere Ohr auch für den Gleichgewichtssinn verantwortlich. Die Gleichgewichtsübungen im Yoga wie die Krähe, der Baum und der Pfau können den Gleichgewichtssinn wie auch das allgemeine Körperempfinden verbessern.

Schmecken

Yoga empfiehlt eine vegetarische Ernährung. Frische Bio-Lebensmittel, mit frischen Kräutern gewürzt, ermöglichen eine völlig neue Bandbreite subtilerer Geschmacksempfindungen. Zu stark gewürzte Speisen sind schwer verdaulich – sie verbrauchen außerdem viel Prana. Mild gewürzte Gerichte dagegen sind leichter verdaulich – das Prana bleibt erhalten. Wenn man sich einmal an den subtileren Geschmack einer vegetarischen Ernährung gewöhnt hat, hat man einen doppelten Vorteil: Das Essen macht rundum zufrieden und erhält darüber hinaus Prana.

Riechen

Yogische Reinigungstechniken (genannt "Kriyas"), wie z. B. Jala Neti, beseitigen überschüssigen Schleim aus den Nasenhöhlen, was den Geruchssinn verbessert. Der Geruchsnerv ist Teil des Limbischen Systems, das oft auch „emotionales Gehirn“ genannt wird. Dies weist auf eine direkte Verbindung zwischen Gehirn und Atmung hin. Die Techniken des Pranayama (Atemübungen) vermehren nicht nur die Prana-Aufnahme im Körper, sie wirken auch ausgleichend auf die Emotionen und verbessern die Konzentrationsfähigkeit.

Swami Sivananda über die Sinne

Zitiert aus dem Buch “All about Hinduism” von Swami Sivananda:

"Keine Wahrnehmung oder Erinnerung ist ohne eine Seele möglich. Das Auge kann keine Objekte sehen und das Ohr keine Töne hören, ohne eine Seele. Es muss eine Kraft geben, die diese Instrumente (Sinne) benutzt. Diese Kraft ist die Seele. Wenn ein Objekt einmal gesehen wurde, selbst wenn beide Augen zerstört wurden, bleibt das Wissen, dass man gesehen hat. Dieses Wissen ist keine Qualität eines der Objekte oder der Sinne. Der Geist ist nicht die Seele. Er ist nur ein Instrument der Seele, mit dem sie denkt. Das Selbst ist das Subjekt. Die Seele existiert, selbst wenn der Körper verfällt, die Sinne abgeschnitten werden und der Geist unkontrolliert ist."

Die Sinne wie eine Schildkröte nach innen gerichtet Teil I.26

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Gott waltet über Sinne und Geist – BG.XVI 9

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Gleichgültigkeit gegenüber der Sinne – Bh.G. XIII 8

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Beherrsche deine Sinne – Bh. G. III 41

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Was Herrschaft über die Sinne heißt

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Der sechste Sinn

Der Ausdruck „der sechste Sinn“ wird gerne mit einem Augenzwinkern betrachtet und meint umgangssprachlich eine Situation, in der man etwas bestimmtes wahrnimmt, man es nicht in Worte fassen kann, aber dennoch danach handelt, weil es einem wichtig erscheint. Die Wahrnehmung an sich ist dabei nicht so klar, dass man sie als „außersinnlich“ bezeichnen würde, da man ja nicht sicher ist, wie man wahrgenommen hat. Es besteht ja durchaus die Möglichkeit, dass man etwas mit den normalen Sinnen bemerkt hat.

Der Ausdruck „der sechste Sinn“ wird aber auch verwendet, wenn jemand eine echte außersinnliche Wahrnehmung erlebt. Das kann eine telepathische Erfahrung sein, Hellsehen oder sonst eine psychische Fähigkeit meinen. Man meint damit die Wahrnehmung dessen, was sich jenseits der physischen Welt befindet, die Wahrnehmung feinstofflicher Welten mit ihren Geistwesenheiten.

Die Wissenschaft versucht, diese Art der Wahrnehmung zu erklären. Wissenschaftler der Universität in St. Louis (USA) haben mit Hilfe eines Magnetresonanztomographen nachgewiesen, dass eine bestimmte Region im Frontallappen des menschlichen Gehirns gibt, der Menschen vor Gefahren warnt. Dieser hat dann genügend Zeit, um auf eine Situation zu reagieren und die Gefahr abzuwenden, indem er zum Beispiel einfach weggeht.

Die Physiologie erwähnt auch noch weitere Sinne: das Körperempfinden, den Gleichgewichtssinn, das Schmerzempfinden, den Temperatursinn. Diese Sinne sind bei Tieren besonders ausgeprägt.

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Sinne bei Tieren

Mit Hilfe des Magnetsinns können Tiere das Erdmagnetfeld wahrnehmen und zum Beispiel Erdbeben oder sonstige Naturkatastrophen voraussagen. Spinnen zum Beispiel erkennen durch einen Schwingungssinn jede Bewegung ihres gesponnenen Netzes und wissen so, ob sie vielleicht Beute gemacht haben. Klapperschlangen können durch einen Wärmesinn auch ihre Beute leicht finden. Zitteraale haben einen Sinn für elektrische Felder. Sie senden sie aus und erkennen dann eine Veränderung darin, so dass sie zum Beispiel auf der Hut vor ihren Feinden sind. Zitterrochen nehmen die Körperelektrizität ihrer Beutefische wahr.

Siehe auch

Literatur

  • Swami Sivananda: All about Hinduism

Weblinks

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