Swami

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1. Swami oder Svami, (Sanskrit: स्वामिन svāmin m.) Mönch, respektvolle Anrede, Ehrentite. Wenn "Swami" als Teil eines Namens verwendet wird, bezeichnet er einen Mönch. Beispiele sind Swami Sivananda, Swami Vishnu-devananda. Diese Bedeutung von Swami als Mönch ist heute besonders verbreitet. Swami ist auch ein Name von Subrahmanya, der auch als Muruga, Sharavanabhava bzw. Karttikeya bezeichnet wird. Insbesondere in der Shaiva Tradition wird auch das Tempelbild bzw. eine Götterfigur als Swami bezeichnet.

Swami Nivedananda nach einer großen Puja im Yoga Vidya Ashram in Bad Meinberg

Swami wird auch als Ehrentitel verwendet. Wenn in Indien jemand als "Swamiji" angeredet wird, muss er nicht immer Mönch sein. Auch jemand Verheiratetes kann mit "Swamiji" angeredet werden. Swami kann bedeuten

2. Swami heißt wörtlich "Meister, Herr, Prinz". Die weibliche Form ist Swamini.

3. Swami , Sanskrit स्वामिन् svāmin/-ī m., Eigentümer, Herr; gelehrter Brahmane, hervorra­gen­der Asket, Anrede für einen solchen; Bezeich­nung für verschiedene Gottheiten Swami ist eine alternative Schreibweise für Svami . Mehr Informationen zu dem Sanskrit Wort Swami findest du unter dem Hauptstichwort Svami

Sukadev über Swami

Niederschrift eines Vortragsvideos (2014) von Sukadev über Swami

Swami ist heutzutage der Name, die Bezeichnung, der Titel eines Mönches, einer Nonne. Man sagt z.B. Swami Sivananda, Swami Vishnu-devananda. Mit Swami wird ausgedrückt, dass er ein Mönch ist oder auch eine Swami Nirgunananda, dass sie eine Nonne ist, die das Sannyas-Gelübde abgelegt hat, das Gelübde der Entsagung. Swami als Sanskritwort heißt ursprünglich Herr und Eigentümer. Wenn du also in der älteren Sanskrit-Literatur das Wort "Swami" findest, dann heißt das nicht notwendigerweise Mönch oder Nonne, sondern z.B. der Eigentümer eines Hauses ist der Swami des Hauses. Oder jemand, der eine besondere Macht hat oder auch ein besonderes Ansehen hat, der ist auch Swami.

Einer der vielen Namen von Muruga ist "Shanmuga" und "Sharavanabhava", "Subrahmanya", "Karttikeya", aber einer der vielen Namen ist auch Swami, auch Swami Natha genannt, also mit der Bedeutung "Herr". Und in Indien ist es bis heute so, dass manchmal auch große spirituelle Lehrer auch als Swami bezeichnet werden. Wir hatten über viele Jahre einen Shri Kartikeyan bei uns bei Yoga Vidya. Shri Kartikeyan war ein Schüler von Swami Sivananda, und er war aber kein Swami im Sinne von Mönch.Wir haben ihn trotzdem als Swamiji angesprochen, denn so war es auch im Sivananda Ashram Rishikesh und so ist es bis heute.

Also jetzt im Mai 2014 lebt auch Shri Kartikeyan weiter im Ashram. Und wenn Menschen zu ihm sprechen, dann nennen sie ihn auch Swamiji. Und Swamiji ist also dort die liebevolle Anrede eines Swamis. Aber im Allgemeinen wird heutzutage als Swami jemand bezeichnet, der das Mönchsgelübde abgelegt hat oder das Nonnengelübde, der Sannyasa genommen hat, der das Gelübde der Entsagung auf sich genommen hat. Swami ist heutzutage normalerweise der Name eines Swamis oder der Ehrentitel eines Swamis oder auch die Anrede eines Swamis im Sinne von Mönch oder Nonne.

Swami-Orden

Sankara, Begründer des Dashanami Swami Ordens

In Indien gibt es verschiedene Mönchsorden bzw. Kategorien von Mönchen. Der allgemeinere Ausdruck für Mönch ist Sannyasi, der das Gelübde der Entsagung, "Sannyas", abgelegt hat. Ein Wandermönch wird als Sadhu bezeichnet. Von besonderem Ansehen sind die Mönche in der Tradition von Shankara, vermutlich 788-820 n. Chr. Im engeren Sinne werden nur die Mönche in der Tradition von Shankara als Swamis bezeichnet. Im weiteren Sinne sind auch Mönche anderer Traditionen Swamis.

In der Shankaracharya Tradition beginnen die Mönchsnamen heutzutage mit "Swami" und enden mit "-ananda". Manchmal wird anschließend noch der Namenszusatz des Unterordens verwendet, z.B. Saraswati, also z.B. Swami Sivananda Saraswati. Der südindische Vedanta Guru Shankara begründete Anfang des 8. Jahrhunderts den sogenannten "Dashanami Orden". Dashanami heißt "10 Namen". Die 10 Namen stehen für 10 Untergruppierungen des Shankara Swami Ordens. Shankara hatte vier Hauptschüler. Für jeden dieser Schüler errichtete er einen Math, ein Haupt-Kloster. Hier eine Übersicht der vier Hauptschüler und welche Maths und Swami-Untergliederungen zu ihnen gehören:

Die Tradition von Swami Sivananda ist also die Saraswati-Tradition und bezieht sich auf den Shankara-Schüler Sureshwara mit dem Hauptkloster Shringeri Math.

Wie lebt ein Swami?

Es gibt drei Kategorien von Swamis:

War es früher eher die Ausnahme, dass viele Swamis in einem Ashram zusammen lebten, wird das in den letzten Jahrzehnten, auch durch die höhere Bevölkerungsdichte in Indien und das Vorbild der christlichen Mönchsorden, immer mehr zur Regel. Die großen indischen Mönchs-Ashrams können mehrere Dutzend, vielleicht sogar über 100 Swamis umfassen. Heutzutage ist es auch üblich, dass die meisten Ashrams auch soziale Werke haben, also Armen-Speisungen, Schulen, Krankenhaus, Lepra-Stationen, ambulante Dienste, Hospiz etc.

Die Wandermönche bzw. die Einsiedler erbetteln ihr Essen - oder haben einen Schüler (Brahmachari), welcher das für sie übernimmt. Die Kloster-Ashrams finanzieren sich über Spenden. Da der Gebende laut Purva Mimamsa Lehre große Verdienste erwirbt, wenn er einen Swami unterstützt, sind die Inder oft großzügig gegenüber einem Swami bzw. einem Swami-Ashram, insbesondere wenn bekannt ist, dass im Ashram viel praktiziert wird bzw. der betreffende Swami eine starke spirituelle Ausstrahlung hat.

In einem Ashram gibt es verschiedene Möglichkeiten:

  • In manchen Ashrams überwiegt die gemeinsame Praxis: Die Swamis meditieren gemeinsam, essen gemeinsam, üben ihr Seva (uneigennützigen Dienst) gemeinsam.
  • In den meisten indischen Ashrams praktizieren zwar die Brahmacharis, die anderen Sadhakas und die Gäste gemeinsam, die Swamis praktizieren aber sehr viel für sich.

Sadhana des Swamis

Die wichtigste spirituelle Praxis des Swamis ist die Meditation, insbesondere die abstrakte Meditation, Nirguna Dhyana. Ein Swami hat die Hauptaufgabe, die Einheit der individuellen Seele mit der kosmischen Seele zu verwirklichen. Daher bekommt ein Swami bei seiner Sannyasa Diksha (siehe unten) die Einweihung in die abstrakten Mantras, also die vier Mahavakyas sowie das Hamsa Gayatri und das Paramahamsa Gayatri.

Klassischerweise sollte ein Swami weniger an Ritualen teilnehmen und weniger vorbereitende Sadhanas wie Asana, Pranayama, Japa, Kirtan üben und sich mehr auf die Meditation konzentrieren. Begleitend gilt das Studium der Upanishaden, der Bhagavad Gita, des Brahma Sutra und der Werke von Shankara als besonders wichtig.

De facto ist es aber üblich, dass Swamis wie alle anderen Aspiranten das Sadhana üben, dass ihnen am meisten liegt. Auch wenn für Swamis Vedanta bzw. Jnana Yoga von besonderer Wichtigkeit ist, gibt es Swamis die eher Bhakti Yoga Praktiken üben, oder mehr Hatha Yoga, Kundalini Yoga, Raja Yoga - und es gibt solche, die sich ganz besonders dem Karma Yoga widmen.

Swami Gelübde

Ein Swami gelobt:

Wie diese Gelübde konkret gelebt werden, kann ganz unterschiedlich sein:

  • Ehelosigkeit und Verzicht auf Nachkommen: Normalerweise wird darunter verstanden, dass ein Swami sexuell enthaltsam lebt, mindestens keine sexuellen Beziehungen zu anderen unterhält. In Indien werden Verstöße gegen dieses Prinzip der Keuschheit aber oft nicht ganz so tragisch gesehen wie im Westen, wobei es da starke lokale Unterschiede gibt. Es gibt in Indien auch Swamis, die mit einer Frau zusammen leben, ohne sie zu heiraten und ohne Kinder zu zeugen und dennoch weiterhin als Swamis gelten. Jedoch wird normalerweise verstanden, dass ein Swami keine sexuellen Beziehungen unterhalten sollte. Um zu testen, ob er/sie das wirklich so leben kann/will kommt normalerweise vor der Sannyas-Weihe eine längere Periode von mehreren Jahren Leben als Brahmachari.
  • Verzicht auf Wohlstand: Normalerweise wird darunter verstanden, dass ein Swami keinen persönlichen Besitz hat und auch keiner Erwerbsarbeit nachgeht. Vielmehr lebt ein Swami entweder von Spenden (Essen, Kleider, heutzutage auch Geld), oder er wird in Ashrams versorgt. In manchen Ashrams ist es aber erlaubt, dass Swamis auch etwas persönlichen Besitz und sogar ein Bankkonto unterhalten, um für ihren Lebensunterhalt zu sorgen. Das Bankkonto wird entweder gefüllt mit Spenden oder mit einer Erbschaft oder auch einem Teil des Besitzes von der Zeit vor der Sannyas-Weihe. Erwerbsarbeit gilt als etwas, was ein Swami vermeiden sollte. Heutzutage nehmen Swamis manchmal auch Gebühren für das Unterrichten von Yoga und Meditation, für Seminare, Ausbildungen und Unterweisung. Das ist in manchen Traditionen erlaubt, in anderen nicht. In jedem Fall sollte ein Swami nichts als seinen persönlichen Besitz erachten, auch wenn etwas juristisch in seinem Namen ist. Bei Yoga Vidya darf ein Swami aus seinem Leben vor der Sannyas-Weihe Geld insoweit behalten, wie es für seinen Lebensunterhalt im Alter notwendig wäre. Er darf aber keiner Erwerbsarbeit nachgehen, darf nicht selbst Geld verdienen, auch nicht für Kurse, Seminare, Ausbildungen selbst Geld erhalten. Er darf auch keine persönlichen Geldspenden annehmen. Spenden von oranger Kleidung oder andere Gegenstände für ein einfaches Leben an einen Swami sind möglich.
  • Verzicht auf Anerkennung/Ruhm (engl. "name and fame", Sanskrit Loka Eshana): Normalerweise wird darunter verstanden, dass es einem Swami nicht darum gehen sollte, Ruhm und Anerkennung zu bekommen. Das ist besonders wichtig, gerade weil Swamis in Indien besonderer Respekt entgegengebracht wird. Ein Swami sollte sich in Bescheidenheit üben und wissen, dass die Anerkennung, auf die er trifft nicht ihm als Person gilt - sondern dem Orden, der Lehre, der Kraft Gottes, deren Instrument er/sie ist.

Die Bedeutung der Farbe Orange

Swamis tragen Gewänder in der Farbe Orange, Sanskrit "Gerua". Das Farbspektrum reicht von ockerbraun über apricot zu orange-gelb bis zu rosa und grell-orange. Swamis haben also auch ein gewisses Spektrum an Farben.

Orange ist die Farbe des Feuers. Die orangene Farbe soll den Swami daran erinnern, dass alle Wünsche und Verhaftungen im Feuer der Weisheit verbrannt werden sollten. Orange erinnert den Swami auch an seine Einweihung, in der er seine Körper und seine Wünsche ins Feuer geworfen hat.

Agni, die Wesenheit des Feuers, ist auch Zeuge der Vratas, der Gelübde, die man ablegt. So erinnert die Farbe Orange auch an Agni und damit die Gelübde, die der/die Swami bei der Einweihung abgelegt hat. Orange ist auch die Farbe der Meditation. Wer mal in einem ganz orange strahlenden Raum meditiert hat, weiß, wie stark die Farbe Orange die Meditation begünstigen kann. Die Haupt-Pflicht, das Haupt-Sadhana und Dharma, des Swamis ist die Meditation. Auch daran soll die Farbe Orange erinnern.

Natürlich ist Orange auch eine starke Signalfarbe. Sie zeigt allen, welche den Swami sehen, dass dieser aus der "normalen Gesellschaft" ausgestiegen ist. Er/sie steht also nicht zur Partnerwahl bzw. als potentieller Arbeitnehmer zur Verfügung. Mit ihm/ihr sollte man keine "weltlichen" Gespräche führen. Ein Swami kann aber jederzeit von jedem um spirituellen Rat gefragt werden. Wer also einen Swami sieht, braucht sich nicht zu fragen: Ist es angemessen, den Swami um Rat zu fragen? Dazu ist ein Swami da, nämlich die spirituellen Fragen der Aspiranten zu beantworten. Ein orange gekleideter Swami erinnert alle Aspiranten, die ihn/sie sehen an die hohen spirituellen Ideale. Auch wenn die Mehrheit der Selbstverwirklichten das hohe spirituelle Ziel erreicht haben, ohne Swami zu werden, sind die orangenen Swamis für alle, die mit ihnen in Kontakt treten, eine Aufforderung intensiver nach dem Höchsten zu streben.

Verhalten gegenüber einem Swami

In Indien werden Swamis mit hohem Respekt behandelt. Menschen verneigen sich vor einem Swami, berühren seine/ihre Füße. Der Respekt gilt nicht dem konkreten Menschen, sondern dem Orden und damit dem Ideal der Verwirklichung. Im westlichen Kulturkreis würde das eigenartig wirken - weshalb die meisten Swamis im Westen ihre Schüler auffordern, sich nicht vor ihnen zu verneigen und erst recht nicht ihre Füße zu berühren. Ein einfaches "Namaste" oder "Hari Om" oder "Om Namo Narayanaya" oder "OM" in Verbindung mit Anjali Mudra reicht aus. Beim Anjali Mudra gibt man die Handflächen vor der Brust zusammen und neigt den Kopf leicht nach vorne.

Man sollte Swamis nicht in Restaurants einladen, mit ihnen keine weltlichen Gespräche führen. Man sollte auch im Westen Swamis mit Ehrerbietung behandeln. Man kann Swamis um spirituellen Rat bitten. Man kann sie bitten, einen zu segnen, das Haus zu segnen, die Partnerschaft, das Yoga Zentrum, ein Kind.

Durch die Ehrerbietung, die einem Swami entgegen gebracht wird, bekommt dieser eine besondere Aufgabe: Sich nicht zu identifizieren, keinen Stolz, keine Arroganz zu entwickeln. Daher gehört auch die bewusste Entsagung von Ehrerbietung, Ruhm und Ansehen zu den Gelübden, die ein Swami während der Einweihung ablegt.

Warum wird jemand Swami?

Jemand, der Swami werden will, macht dies normalerweise aus folgenden Gründen:

Diese vier Hauptgründe werden zusammengefasst auch als Sadhana Chatushthaya bezeichnet. Sie sind dabei spezielle Ausprägungen dieser für jeden Jnana Yoga Aspiranten geltenden Eigenschaften.

Um Swami zu werden ist die Kombination aus intensivem Verlangen nach Befreiung und der inneren Loslösung aus äußeren Wünschen und Identifikationen die Voraussetzung. Jemand, der Swami werden will, sollte keine starken Bedürfnisse nach Sexualität und Intimität haben und auch gewohnt sein, in einfachen Wohnverhältnissen und einfachem Lebensstil zufrieden zu leben.

Der Wunsch, aus Identifikationen, vorhandenen starken Verhaftungen und Wünschen rauszukommen bzw. eine gerade beendete Beziehung zu vergessen, ist nicht ausreichend. Denn die Swami-Gelübde gelten klassischerweise für das ganze Leben. Daher muss jemand, der Swami werden will, schon viele Jahre vorher wie ein Swami gelebt haben. Typischerweise nimmt er dazu eine Brahmacharya Einweihung und lebt einige Jahre als Swami.

Swami oder Leben in Familie/Beruf - was ist besser?

Es gibt so viele Wege wie es Pilger gibt, lautet ein Sprichwort. Für manche Menschen ist ein Leben in der Familie mit Kindern das Richtige, für manche eine Partnerschaft ohne Kinder, manche leben gerne das Leben eines Single, sind aber engagiert im Beruf. Andere leben in einem Yoga Ashram, als Single bzw. vorübergehender Single, in einer Partnerschaft mit und ohne Kinder. Und manche fühlen sich berufen zu einem Leben als Swami, also als Mönch oder Nonne.

Die vier Ashramas

Klassischerweise durchläuft ein spiritueller Mensch vier Lebensstadien. Die Manu Smriti wie auch die Mahabharata beschreiben diese vier Ashramas:

  • Brahmacharya, die Schülerschaft beim Lehrer, im Alter von 8/12-18/25 Jahre
  • Grihastya, Berufs- und Familienleben, im Alter von 18/25-50/60 Jahre
  • Vanaprastha, Vorruhestand (wörtlich: Leben im Wald), 50/60-75/80 Jahre
  • Sannyasa, Leben der Entsagung, 60/80 Jahre bis zum physischen Tod; häufig ab dem Ableben des Partners

In der ursprünglichen Bedeutung war also Sannyasa, das Leben eines Swamis, der Abschluss des Lebens, die Krönung der spirituellen Praktiken. In der Zeit der Vedas waren die großen Meister, die Rishis, fast alle verheiratet und hatten Kinder. Erst am Ende ihres Lebens wurden sie Sannyasins, Entsagte. Es gab jedoch auch zur vedischen Zeit die Asketen, die schon in jüngerem Alter auf Beruf und Familie verzichteten und ihr Leben hauptsächlich im Wald, in einer Höhle, auf Wanderschaft, in spiritueller Praxis und Lehre, verbrachten. Beispiele sind Sukadev, Sohn von Vyasa, Gargi und Vasishtha. Buddha im 6. Jahrhundert vor Christus machte aus dem Mönchsleben eine Massenbewegung. Gab es vorher nur einsame Asketen oder Rentner als Mönche, etablierte Buddha große Mönchsklöster mit Hunderten von Mönchen bzw. Nonnen. Dies hatte auch Einfluss auf den Hinduismus. Insbesondere seit Shankara um 800 n. Chr. wurde das Swamitum, das Mönchstum, populärer, und es entstanden Ashramas mit vielen Swamis. Vor Shankara war es üblich, dass jemand, der Swami werden wollte, die Zustimmung der Eltern bzw. des Ehepartners brauchte. Shankara hob diese Regel auf und ermöglichte so eine Stärkung der Mönchstradition.

Die Mönchstradition in der Zeit der Fremdherrschaften in Indien

Vom 10.-20. Jahrhundert standen große Teile von Indien bzw. teilweise sogar ganz Indien unter Fremdherrschaft diverser Völker nichtindischen Ursprungs. Zunächst eroberten muslimische Herrscher aus dem Norden bzw. Nordwesten Teile Indiens. Vom 17. bis zum 19. Jahrhundert eroberten die Engländer schrittweise ganz Indien. Durch diese Eroberung kam es in Indien zu einer kulturellen Wende. Die Muslimherrscher schlossen alle bestehenden Universitäten und wandelten sie in islamische Universitäten um. So wurde die hinduistische Spiritualität in die Mönchsorden und in die Familien verlagert. So gewannen die Mönchstraditionen nochmals an Bedeutung als Bewahrer der spirituellen Traditionen. So kam es auch, dass die ersten Yoga-Meister, die in den Westen kamen, hauptsächlich Swamis waren. Zu den ersten Yoga-Meistern im Westen gehören Swami Vivekananda, Swami Yogananda, nach der indischen Unabhängigkeit dann Swami Vishnu-devananda, Swami Chidananda, Swami Satchidananda, Swami Rama.

Argumente für Sannyas

Es gibt eine Reihe von Gründen, warum jemand Swami werden, sexuell enthaltsam sein und ein einfaches Leben führen will. Einige Argumente sind ähnlich wie beim Zölibat katholischer Priester bzw. Mönche, manche Argumente kommen aus dem Kundalini Yoga. Allerdings sind im Hinduismus die Priester normalerweise verheiratet, nur die Mönche bzw. Nonnen sind es nicht.

Sublimierung sexueller Energie

Im Kundalini Yoga wird jeder Wunsch, jedes Verlangen, als Prana, Lebensenergie eingestuft. Um zu spiritueller Verwirklichung zu kommen, ist eine Sublimierung der Energie notwendig. Hinter der Sexualität steht Apana Vayu. Eine der Funktionen von Apana Vayu ist Sexualität, andere Funktionen umfassen Ausscheidung, Menstruation, Geburt, aber auch Kreativität, künstlerisches Schaffen. Dieses Apana Vayu kann umgewandelt werden in Ojas, spirituelle Energie. Dies kann geschehen, indem die Wünsche sattwig, also rein und ethisch ausgelebt werden. Dies kann z.B. in einer Partnerschaftsbeziehung geschehen, welche von gegenseitigem Respekt und Liebe geprägt ist. So wird ein Teil der sexuellen Energie ausgelebt und in Liebe umgewandelt. Ein anderer Teil wird in spirituellen Praktiken in Ojas, in spirituelle Energie verwandelt.

Es ist jedoch auch möglich, sexuelle Energie durch spirituelle Praktiken vollständig bzw. weitestgehend zu sublimieren, d.h. in Ojas umzuwandeln. Dies ist der Weg von Brahmacharya und damit auch der Weg des Swamis. Damit das geschehen kann, wird Folgendes empfohlen:

  • Sehr sattwige Ernährung, also ohne rajassisge und tamassige Nahrungsmittel. Sattwige Ernährung besteht aus Obst, Salat/Gemüse, Getreide, Hülsenfrüchte. Fleisch, Alkohol, Tabak, Drogen, aber auch Zwiebeln und Knoblauch gelten als tamassig und verstärken die niedrigeren Manifestationen von Prana
  • Auch sonst ein von Sattwa geprägter Lebensstil, welcher den Geist auf höhere Ebenen hebt und die höheren Chakras aktiviert
  • Ein einfaches Leben ohne zu viele Annehmlichkeiten
  • Wenig Kontakt zum anderen Geschlecht. Traditionellerweise sollte ein Swami nicht mit einer jungen Frau (bzw. jungem Mann) alleine sein, so weit es möglich ist junge Frauen (bzw. Männer) nicht anschauen
  • Intensive spirituelle Praktiken, insbesondere Meditation, Mantra-Singen, Mantra-Rezitation, Asanas, Pranayama

Auf diese Weise sollen tiefe spirituelle Erfahrungen ermöglicht werden, welche Freude und Liebe auf höheren Ebenen herbeiführen.

Freiheit von Ablenkungen

Das Leben eines Swamis ermöglicht Spiritualität ohne Ablenkung durch weltliche Verpflichtungen und emotionale Verstrickungen. Ein Swami braucht sich nicht mit seinem Partner auseinanderzusetzen, muss sich nicht um die Erziehung seiner Kinder kümmern, nicht den Lebensunterhalt seiner Familie bestreiten. Ein Swami kann sich frei von persönlichen Verpflichtungen und emotionalen Verhaftungen ganz der spirituellen Praxis , der Erforschung des Selbst und dem uneigennützigen Dienen widmen.

Freiheit von Verhaftungen

Ein Swami hat keine Verpflichtungen gegenüber Ehepartner, Kindern, Eltern. Er ist frei von Verpflichtungen - und kann sich daher gut lösen von Verhaftungen an einzelne Personen und Dingen. Er kann sein Herz weit öffnen, und umfassende Liebe entwickeln. Er kann sich von allen Identifikationen wie Körper, Familie, Herkunft, Stellung, Besitz, Beruf, sozialem Stand lösen - und sich der Einheit mit dem Unendlichen bewusst machen.

Argumente gegen Sannyas

Brechen der Gelübde

Manche nehmen die Gelübde auf sich, ohne darauf vorbereitet zu sein. Nicht alle können ihre Gelübde halten. Im Westen geben über die Hälfte der eingeweihten Swamis innerhalb von fünf Jahren das Swami-Leben wieder auf, innerhalb von 20 Jahren sind es noch mehr. Und auch unter denjenigen, die weiterhin Orange tragen und den Swami-Namen führen, sind auch in Indien nicht wenige, die eine Partner/in haben, mit denen sie sexuelle Beziehungen unterhalten. Zwar haben die indisch geprägten Swami-Mönche beim Brechen ihrer Gelübde typischerweise weniger Schuld-Komplexe als katholische Mönche. Sie kommen aber dennoch in Gewissenskonflikte. Und gerade für die Partner von solchen Swamis, die ihren Gelübden untreu geworden sind, leiden oft in einer solchen verheimlichten Beziehung.

Inneres Austrocknen

Manche Swamis, die ihre Gelübde einhalten, kapseln sich von ihren Mitmenschen ab. Manche trocknen innerlich aus. Statt sich in Liebe zu allen Wesen zu entwickeln, werden sie hartherzig oder innerlich starr. Die meisten Swamis sind humorvoll und liebevoll - es gibt aber auch andere.

Stolz und Arroganz

Bei manchen Swamis entsteht die Gefahr der Überheblichkeit, des Stolzes oder gar der Arroganz, Swami-Abhimana nennt es Swami Sivananda. Ein Swami sollte ein konsequent spirituelles Leben führen - ohne sich besser zu fühlen als andere. Gerade in Indien ist da die Versuchung der Überheblichkeit recht groß. Denn Swamis erhalten großen Respekt.

Psychische Probleme durch unterdrückte Sexualität

Manchmal wird davon gesprochen, auch in Indien, dass unterdrückte Sexualität zu diversen psychischen Problemen führen kann. De facto lässt sich das allerdings kaum beobachten.

Sexuelle Ausbeutung

Manche Swamis missbrauchen das Prinzip der Entsagung und Verhaftungslosigkeit, um schnell wechselnde oder gar parallele sexuelle Beziehungen mit ihren Schüler/innen zu haben. Diese sexuelle Ausbeutung von Schülern widerspricht jeder Yoga Ethik.

Scheinheiligkeit

Da ein Swami hohen Respekt genießt, kann er/sie in Versuchung geraten, mehr zu sein als er/sie ist, einen höheren Verwirklichungsgrad vorgeben, eine Show abziehen. Als spiritueller Aspirant gilt es, die Augen offen zu halten - und den Verstand einzuschalten.

Trägheit, Verantwortungslosigkeit

Aus Nichtanhaftung kann Trägheit entstehen, Verantwortungslosigkeit und Gleichgültigkeit, Eigenschaften geboren aus Tamas. Es gilt, diese zu vermeiden.

Abwägen der Argumente für und gegen das Swami-Leben

"Drum prüfe wer sich ewig bindet", schreibt Schiller im Lied von der Glocke. Wer Swami-Samskaras hat, also eine Neigung zum Mönchstum aus früheren Leben, wird als Swami ein erfülltes Leben finden. Andere können aus menschlicher Liebe zu Partner, Kindern, Eltern, Familie, Freunden zu uneigennütziger Liebe wachsen, ihr Herz öffnen, in allen Gott sehen. Über das Kümmern um den anvertrauten Besitz kann das Verantwortungsbewusstsein wachsen zum Verantwortungsbewusstsein für die gesamte göttliche Schöpfung. Es gibt so viele Wege wie es Pilger gibt, ist ein altes spirituelles Sprichwort. Jeder muss seinen Weg finden.

Wie wird man Swami?

Grundsätzlich wird man Swami, indem man eine Swami-Weihe, eine Sannyas-Diksha erhält. Wie genau und unter welchen Bedingungen man Swami wird, ist in Indien nicht so genau geregelt wie in christlichen Mönchsorden. Christliche Mönche haben typischerweise sehr enge Beziehungen zu ihrem Orden und legen ja auch das Gelübde des Gehorsams ab. Ein Swami dagegen legt zwar auch die Gelübde der Enthaltsamkeit und der Armut ab, aber kein Gelübde des Gehorsams. Im Gegenteil gehört zum Leben eines Swamis die Freiheit von äußeren Gebundenheiten.

So bleibt es letztlich jedem Meister-Swami selbst überlassen, wann und wie er einen anderen Swami einweiht. Theoretisch darf jeder Swami einen anderen zum Swami einweihen. De facto geben aber nur solche Swamis Sannyas-Einweihungen, welche in besonderen Ehren gehalten werden.

Inzwischen haben sich in Indien Swami-Traditionen herausgebildet, die alle ihre eigenen Kriterien haben, welche Anforderungen sie an diejenigen stellen, welche die Swami-Weihe erhalten wollen. Besonders bekannt sind:

Swami Weihen im Westen

Seit den 1960er Jahren gibt es auch Swami Weihen im Westen. Inzwischen weihen auch westliche Swamis andere westliche Swamis ein. Zu den größeren Swami-Traditionen, welche Swami-Einweihungen im Westen geben, gehören:

Jede dieser Traditionen hat eigene Vorgehensweisen entwickelt, wie jemand zum Swami geweiht werden kann. Meistens gibt es vor der Swami-Weihe ein Noviziat als Brahmachari.

Swami Weihen bei Yoga Vidya

Yoga Vidya wurde begründet von Sukadev, der selbst nicht als Swami lebt. Sukadev ist ein Schüler von Swami Vishnu-devananda, der wiederum Schüler von Swami Sivananda ist.

Sannyas-Weihe von Swami Nirgunananda im Juli 2011

Wer bei Yoga Vidya Swami werden möchte, geht folgende Entwicklungsschritte:

  • Eigene Yoga Praxis in der Tradition
  • Sevaka in einem der Yoga Vidya Ashrams oder Stadtzentren
  • Dabei Mantra Diksha (Mantra-Weihe) und Nama Diksha (spirituelle Namensgebung)
  • Normalerweise nach einem Jahr Sevaka und mindestens 12 Monaten enthaltsamem Leben kann die Einweihung in Brahmacharya erfolgen.
  • Nach 6 Jahren als Brahmachari kann die Einweihung, Sannyas Diksha, zum Swami erfolgen.

Brahmacharya - das Noviziat

Ein Brahmachari in der Yoga Vidya Tradition legt das Gelübde der Enthaltsamkeit für mindestens drei Jahre ab. Er verpflichtet sich, täglich die spirituellen Praktiken der Yoga Vidya/Sivananda Tradition zu leben, in den Yoga Vidya Zentren bzw. Ashrams zu leben und auch bereit zu sein, in einen anderen Ashram/Zentrum versetzt zu werden. Nach mindestens drei Jahren als Brahmachari kann der Aspirant, die Aspirantin, sich entscheiden, aus dem Brahmacharya auszuscheiden und wieder eine Beziehung einzugehen - oder länger Brahmachari zu bleiben. Brahmacharis tragen die Farbe gelb, die Farbe des Lernens und Lehrens. Sie erhalten den Namenszusatz "Chaitanya" zum Zeichen, dass sie nach der Verwirklichung des höchsten Bewusstseins (Chaitanya) streben.

Brahmacharya-Weihe von Brahmachari Haridas Chaitanya im November 2011

Die Einweihung zum Brahmachari erfolgt bei Yoga Vidya durch Sukadev zusammen mit Swami Nirgunananda, oder einen von ihm dazu autorisierten Swami der Sivananda Tradition. Normalerweise finden die Brahmacharya und Sannyas Weihen an Shivaratri oder Guru Purnima statt.

Einweihung zum Brahmachari kann ein Aspirant bzw. eine Aspirantin erhalten, der/die mindestens seit 12 Monaten als Sevaka in einem der Yoga Vidya Ashrams oder Stadtzentren lebt und seit mindestens einem Jahr keine sexuelle Beziehung unterhält.

Sannyasa Diksha - die Swami-Weihe

Das Einweihungsritual für eine Swami-Weihe wird Sannyasa Diksha genannt. Es ist ein heiliges Ritual, welches eine große spirituelle Schwingung und Kraft erzeugt. Bei Yoga Vidya gab es bis 2012 nur eine Sannyas-Weihe. Sie bestand aus folgenden Teilen:

  • Einführungs-Mantras
  • Ansprachen Leiter von Yoga Vidya, Einweihender Swami
  • Spezielle Homa: Eigentlich Todes-Ritual: Für den Einzuweihenden wird das Todes-Ritual zelebriert, also das Ritual, das man normalerweise für Verstorbene ausführt, um ihnen einen guten Übergang in die Höheren Welten zu ermöglichen. Der Einzuweihende nimmt so Abschied von seinem früheren Leben. Statt dem Körper wird allerdings nur Reis etc. verbrannt...
  • Viraja Homa: Bitte um SegLink-Texten und Verwirklichung
  • Abschneiden der Haare, oder einer Haarlocke - als Symbol der Entsagung der körperlichen Schönheit
  • Sprechen der Praisha Mantras:
    • Om Bhur Sannyastam Maya: Ich entsage den Vergnügungen dieser physischen Welt.
    • Om Bhuvah Sannyastam Maya: Ich entsage den Vergnügungen der Astralwelt.
    • Om Swah Sannyastam Maya: Ich entsage den Vergnügungen der Himmelswelt.
    • Ich entsage insbesondere dem Wunsch nach Nachkommen.
    • Ich entsage insbesondere dem Wunsch nach Wohlstand.
    • Ich entsage insbesondere dem Wunsch nach Ruhm und Ehre.
    • Om Bhur Bhuvah Swah Sannyastam Maha: Ich entsage den Vergnügungen aller drei Welten.
  • Eintauchen in einen See, einen Fluss, einen Teich als Symbol der Reinigung und der geistigen Neugeburt.
  • Übergeben der orangenen neuen Gewänder durch den Einweihenden.
  • Der/die neue Swami legt diese Kleider an.
  • Einweihung in die Sannyas Mantras: Hamsa Gayatri, Paramahamsa Mantra, 4 Mahavakyas, insbesondere: Tat Twam Asi - Aham Brahamasmi
  • Ansprachen mit Ratschlägen an den/die neue/n Swami.
  • Om Tryambakam ... Mahamrityunjaya Mantra, Segenswünsche für die ganze Welt
  • Arati

Internetlink: Foto-Berichte der Swami-Weihe von Swami Nirgunananda Juli 2011

Brahmacharis und Swamis bei Yoga Vidya

Bisher gab es bei Yoga Vidya nur eine Swamini, Swami Nirgunananda. Sie hat an Guru Purnima im Juli 2011 ihre Sannyas Weihe genommen. Am 24. September 2015 wurde Brahmacharini Devani Chaitanya, Ashramleiterin Yoga Vidya Westerwald, auch zur Swamini geweiht und trägt seitdem den Namen Swami Divyananda Saraswati.

Wir haben nun noch einen Brahmachari Shivadas Chaitanya, Sevaka Yoga Vidya Bad Meinberg (Shivalaya, Zahlungsverkehr).

So gibt es seit September 2015 2 Swamini und 1 Brahmachari bei Yoga Vidya.

Swami Sivananda über Swami und Sannyasa

Swami Sivananda

Artikel entnommen aus "Göttliche Erkenntnis" von Swami Sivananda, der wiederum eine Zusammenfassung ist aus dem Buch "Necessity of Sannyas"

Sannyasa ist das Leben der Entsagung. Es ist, mit anderen Worten, das Leben der Upanishaden. Es ist der letzte der vier Ashramas. Handlung ist für den weltlichen Menschen, Weisheit ist für den Sannyasin (Swami), der sich über die Weltlichkeit erhoben hat. Nur der Entsagende, der Erkenntnis besitzt, erreicht Brahman, sonst niemand. Ohne vollkommene Entsagung ist es unmöglich, den Weg von Brahma Vidya (das Wissen des Absoluten) zu gehen. Der Swami ist für die Welt und seine Familie tot. Er entsagt in einem Zuge dem ganzen Universum und hat nichts mit irgend etwas zu tun, außer mit dem unendlichen Selbst hinter allem.

Für den Swami sind Ruhm und Ehre so viel wert wie die Exkremente eines Schweines. So zieht der Sannyasin wie eine Fliege umher und verzichtet auf Ruhm und Anerkennung. Der Swami hat drei Pflichten, nämlich Saucha (Reinheit), Bhiksha (um Almosen bitten) und Dhyana (Meditation). Für den Swami gibt es keine vierte Pflicht. Meditation ist seine Pflicht, Meditation ist seine Nahrung, Meditation ist sein Leben. Er lebt und atmet Meditation. Er ist immer auf die Verwirklichung des höchsten Brahman bedacht.

Der Swami lebt auf dem Gipfel der Weisheit wie ein Narr, wie ein Kind. Er blüht in Erkenntnis und verhält sich wie ein Verrückter. In Atman aufgegangen braucht der Swami keine Worte zu sprechen.

Eignung für Sannyasa

Sannyasa steht dem Brahmachari (Schüler) offen, dem Grihastha (Mensch im Familien- und Berufsleben) und auch dem Vanaprastha (Rentner), allen gleich. Man kann entweder direkt von Brahmacharya aus Sannyasa nehmen oder anders, so wie man es tief von innen her möchte.

Man muss sich mit Sadhana Chatushtaya (4 Eigenschaften eines Schülers) ausstatten, bevor man Sannyas nimmt. Aus Unterscheidungskraft geborene tiefe Entsagung muss vorhanden sein. Vairagya, die Leidenschaftslosigkeit bzw. Verhaftungslosigkeit und Wunschlosigkeit, darf nicht mäßig und halbherzig sein. Vairagya muss eine brennende Flamme der Losgelöstheit gegenüber allem Gesehenen und Ungesehenen sein. Nichts als das Erreichen von Kaivalya, endgültige Befreiung, sollte das angestrebte Ziel sein. Es sollte kein Wunsch vorhanden sein nach Frau bzw. Mann, nach Kind und weltlicher Aktivität und Erfolg. Ein Swami-Aspirant solle an allen Seiten von Leidenschaftslosigkeit umgeben sein.

Bindung an Zuneigung und Abneigung sollten überwunden sein. Ein Swami-Aspirant sollte sich über die Ränke und Bande von Samsara (Rad von Geburt und Tod) erheben.

Sobald sich tiefe Loslösung von allem Weltlichen im Geist erhebt, kann man ohne weiteres Zögern Sannyas nehmen.

Wenn du die Abgeschiedenheit liebst, wenn du frei bist von Raga (Gier), weltlichen Bestrebungen, karmischen Tendenzen und Anziehungen in dieser Welt, wenn du schweigsam und heiter bist, wenn du ein diszipliniertes Leben führen kannst, wenn du mit einfacher Nahrung auskommen kannst, wenn du ein einfaches Leben ertragen kannst, wenn du eine starke Konstitution hast, wenn du nicht geschwätzig bist, wenn du Einsamkeit liebst, wenn du ein meditatives Naturell und nachdenkliches Wesen hast, wenn du alle Schwierigkeiten am spirituellen Weg zu ertragen vermagst, wenn du ein hartes asketisches Leben bis zum Ende leben kannst, und wenn du auch Kränkungen und Beleidigungen ertragen kannst, dann kannst du den Weg der Entsagung einschlagen. Nur dann wird es von Nutzen sein, Sannyas zu nehmen, Swami zu werden. Man sollte vor der Swami-Weihe ein, zwei Jahre lang in der Welt wie ein Swami leben. Ansonsten wird man es sehr sehr schwer finden, diesen Weg zu gehen. Für einen Menschen mit Leidenschaftslosigkeit, Unterscheidungskraft und starkem Willen ist dieser Weg eines Swamis voll Freude und Wonne.

Ein leidenschaftlicher Mensch sollte nicht Swami werden. Ein Mensch, der Sannyas nimmt, obwohl ihn Gier und Leidenschaft überwältigt, begibt sich in die Bereiche des Leidens, der Dunkelheit und Finsternis. Ein Mensch, dessen Zunge, Zeugungsorgan, Magen und Hände richtig diszipliniert sind, ist tauglich für Sannyas, für das Leben eines Swamis.

Wenn Frauen die vier Mittel zur Befreiung (Sadhana Chatushthaya) besitzen, sind auch sie vollkommen geeignet für Sannyas. Sie sind ebenso erfolgreich auf dem Gebiet der Spiritualität wie Männer. Wenn ein Mensch mit Samskaras von Sannyas geboren wurde, kann ihn oder sie keine Kraft der Erde davon abhalten, Sannyas zu nehmen. Auch wenn man hundert Wächter hat, um einen solchen Menschen davon abzuhalten, das Haus zu verlassen, können sie ihn nicht halten. Der Vater des großen Buddha bewachte ihn auf jede erdenkliche Weise, aber sein Pferd stieg auf die Höhe der Absperrung und trug ihn in den Wald. Wer die Herrlichkeit und Freiheit von Sannyas verstanden hat, wer geistig und spirituell ein wahres Kind Shri Sankaras, Shri Dattatreyas, Sanakas, Sanandanas, Sanatanas und Sanatkumaras ist, kann auch nicht einen Augenblick lang auf Pravritti Marga, dem Weg des Berufs- und Familienlebens, bleiben.

Die Rolle des Sannyasin in der Gesellschaft

In fast jeder Religion gibt es Einsiedler, die in Zurückgezogenheit und Meditation leben. Im Buddhismus gibt es Bhikkus, im Islam Fakire, im Christentum die Mönche. Die Großartigkeit einer Religion geht verloren, wenn man sie der die Eremiten beraubt, derjenigen, die ein Leben der Entsagung und Kontemplation über das Göttliche leben. Die Swamis, Mönche, Bikkus und Fakire erhalten die Religion und bewahren die Weltreligionen. Diese Menschen bringen den Menschen in Berufs- und Familienlegen Trost, wenn sie in Schwierigkeiten und Verzweiflung sind. Swamis geben den Verzweifelten Hoffnung, den Niedergeschlagenen Freude, den Schwachen Kraft und den Furchtsamen Mut, indem sie das spirituelle Wissen von Vedanta und die Bedeutung des Mahavakyas "Tat Twam Asi”, Aham Brahamasmi, Prajnanam Brahma, Aham Atma Brahma lehren.

Sannyasins leben von ein paar Scheiben Brot. Sie gehen dafür von Tür zu Tür und verbreiten überall im Land die erhabene Lehre von Vedanta. Sie verkünden die erhabene Philosophie der Verwirklichung Brahmans. Die Welt schuldet den Swamis großen Dank. Wie kann man ihnen ausreichend danken? Die Schriften, geschrieben von den Swamis, leiten uns noch immer. Lies einige Shlokas der Avadhuta Gita von Dattatreya. Du wirst dich sofort in die wunderbaren Höhen göttlichen Glanzes und spiritueller Herrlichkeit erhoben fühlen. Du wirst ein neuer Mensch sein. Niedergeschlagenheit, Schwäche, Ängste und Kummer verschwinden augenblicklich.

Ein wirklicher Sannyasin ist ein mächtiger Potentat auf dieser Erde. Er nimmt niemandem etwas weg. Er gibt immer. Swamis vollbrachten in der Vergangenheit wunderbare Taten. Swamis wirken in der Gegenwart und auch in der Zukunft Wunder. Große Meister wie Ramakrishna Paramahamsa, Rama Tirtha, Dayananda und Vivekananda verbreiteten die erhabene Lehre der Schriften. So hielten sie die Hindureligion am Leben. Kühne Swamis, welche die Bindungen und Beziehungen gelöst haben, furchtlos sind und frei von Täuschung, Leidenschaft und Selbstsucht, können wahrhaftig der Welt dienen. Ein Swami kann wahrhaftig Loka Sangraha, Dienst an der ganzen Welt, tun. Denn er hat spirituelles Wissen und kann seine ganze Zeit dem uneigennützigen Dienst widmen! Ein einziger wirklicher Sannyasin kann das Schicksal der ganzen Welt verändern! Ein einziger mächtiger Sankara errichtete die Lehre der Kevala Adwaita Vedanta Philosophie. Er lebt in unseren Herzen weiter. Sein Name kann nie verlöschen, solange die Welt besteht.

So wie es in den Wissenschaften wie Psychologie, Biologie, Physik und Philosophie Forscher und Denker gibt, die ihr ganzes Leben ihrer jeweiligen Wissenschaft widmen, so sollte es auch Forscher und Wissenschaftler bei den Yogis geben, die ihre Zeit dem Studium und der Meditation widmen, der inneren Forschung über den Atman. Diese wissenschaftlich tätigen Yogis geben der Welt ihre Erfahrungen und Erkenntnisse auf dem Gebiet der Spiritualität, der gelebten und erfahrenen Religion. Sie bilden Schüler aus und schicken sie in die Welt, um Spiritualität weiter zu geben. Es ist die Aufgabe von Staat und Gesellschaft, für die Bedürfnisse dieser Swamis zu sorgen. Dafür sorgen diese Sannyasins für ihre Seelen. So wird sich das Rad der Welt ungehindert drehen. Es wird Frieden im Land herrschen.

Gerua und rasierter Kopf

Die orangene Farbe, Gerua, des Swamis weist darauf hin, dass er so rein ist wie Feuer. Er strahlt wie gebranntes Gold, frei von allen Unreinheiten, Wünschen und Vasanas. Sie zeigt Reinheit an. Sie steht für Reinheit. Für einen Aspiranten, der den Weg von Nirvritti Marga, den Weg von Entsagung, begonnen hat, ist sie hilfreich. Er wird von Handlungen die seinen Gelübden entgegenstehen Abstand nehmen und davor zurückschrecken. Dieses Gewand erinnert ihn daran, dass weltliches Vergnügen nicht für ihn ist. Allmählich formt sich so sein Wesen. Dieses farbige Gewand dient als äußeres Zeichen, um zum Ausdruck zu bringen, dass man ein Swami ist.

Ein Sannyasin rasiert vollständig sein Haupt. Das beseitigt seine äußere Schönheit. Er braucht sich nicht darum zu kümmern, sein Haar mit Shampoos, Duftölen usw. zu pflegen. Das Rasieren zeigt, dass ein Swami äußerer Schönheit entsagt hat und im Selbst weilt, welches die allergrößte Schönheit ist. Dieses Mundana, das Scheren aller Haare, zeigt, dass er nicht mehr von dieser Welt ist. Er hegt keine Wünsche nach Sinnesobjekten mehr. Mundana, das Rasieren des Hauptes, ist ein äußeres Symbol des geistigen Zustandes völliger Leidenschaftslosigkeit und des sich Abwendens von den Freuden der Welt.

Sannyas - ein geistiger Zustand

Sannyas ist Gerua, das Färben, des Herzens und nicht nur des Gewandes. Sannyas ist nur ein geistiger Zustand. Derjenige ist ein wahrer Sannyasin, der frei ist von Leidenschaften und Ichdenken, und der alle sattvigen Eigenschaften besitzt, auch wenn er in der Familie und der Welt lebt. Chudala war eine Königin Yogini Sannyasini, obwohl sie ein Königreich regierte. Der Sannyasin, der im Wald lebt, aber voller Leidenschaft ist, ist schlimmer als ein Familienvater und ein weltlich gesinnter Narr. Shikhidhwaja war ein weltlicher Mensch, obwohl er jahrelang nackt im Wald lebte.

Wahre Entsagung ist der Verzicht auf alle Leidenschaften, Wünsche, Ichgedanken und Vasanas. Wenn dein Geist makellos ist, frei von Verhaftung, Ichdenken und Leidenschaft, dann bist du ein Sannyasin - egal ob du im Wald lebst oder im Getriebe einer Stadt, ob du weiße Kleider trägst oder ein orangefarbenes Gewand, ob du dein Haupt rasierst oder lange Locken trägst.

Rasiere den Geist. Jemand fragte Guru Nanak: "Oh Heiliger, warum ist dein Haupt nicht geschoren? Du bist ein Sannyasin.” Guru Nanak antwortete: "Mein lieber Freund, ich habe meinen Geist geschoren.” In der Tat, der Geist muss richtig geschoren werden. Den Geist scheren bedeutet, alle möglichen Verhaftungen loszuwerden, die Leidenschaften, Ichgedanken, Moha, die Verblendung, die Lust, die Habgier, den Zorn usw. Das ist wirkliches Scheren. Äußeres Rasieren des Kopfes hat keine Bedeutung, solange inneres Sehnen, Trishna, vorliegt.

Sehr viele Menschen haben nicht begriffen, was wirkliche Entsagung ist. Der Verzicht auf physische Dinge ist keine Entsagung. Wahre Entsagung liegt in der Verneinung des Geistes. Sie besteht darin, auf alle Wünsche und Egogedanken zu verzichten und nicht auf die Weltexistenz. Dieses wirkliche Tyaga, die Entsagung, besteht im Verzicht auf Ichdenken, Ahankara. Wenn du diesem Ahankara entsagen kannst, hast du auch allem anderen auf der Welt entsagt. Wenn das subtile Ahankara aufgegeben wird, verschwindet Dehadhyasa, die Körper-Identifikation, automatisch.

Sannyas und Vedanta

Sannyas und Vedanta gehen auf die ein oder andere Weise immer zusammen. Das eine ist ohne das andere nicht vollständig. Überall, wo wirkliches Sannyas ist, ist praktische Vedanta. Überall, wo praktisches Vedanta ist, muss Sannyas der höchsten Ordnung sein. Sannyas ohne Vedanta oder Para Bhakti wird fruchtlos. Vedanta ohne Sannyas wird reiner Intellektualismus. Wenn Sannyas und Vedanta miteinander verschmelzen, erwächst daraus ein Weiser höchster Weisheit. Sannyas leert das Individuum von Ego und den negativen Dingen, und Vedanta erfüllt es mit positiver Wahrheit. Sannyas ohne Vedanta bleibt leer und dient nicht seiner Absicht. Genauso wird Vedanta ohne Sannyas sinnlos und verliert ihre Bedeutung. Vedanta kann nicht erfasst werden, wenn das Ego nicht durch Sannyas beseitigt worden ist, und Sannyas ist Verschwendung, wenn nicht durch Vedanta das Höchste Ideal erreicht wird.

Vedanta verlangt nicht von dir, dass du der Welt entsagst. Sie möchte, dass du deine Geisteshaltung änderst und dieses falsche, unwirkliche ‘Ich’ und ‘Mein’ aufgibst. Der Schlangenbeschwörer entfernt nur die beiden Giftzähne der Kobra. Die Schlange bleibt dieselbe. Sie zischt, hebt das Haupt und zeigt die Zähne. Tatsächlich tut sie dasselbe wie vorher. Der Schlangenbeschwörer hat seine Geisteshaltung der Schlange gegenüber verändert. Jetzt hat er das Gefühl, dass sie keine Giftzähne mehr hat. Genauso musst du die beiden Giftzähne des Geistes beseitigen, nämlich nur Ahanta und Mamata. Dann kannst du dem Geist gestatten, überall hinzugehen, wohin er will. Dann wirst du immer nur in Samadhi leben.

Du musst auch dem Tyaga Abhimana entsagen. Das Tyaga Abhimana ist sehr tief verwurzelt. Du musst den Gedanken aufgeben: "Ich habe allem entsagt; ich bin ein großer Tyagi.” Diese Abhimana der Sadhus ist ein größeres Übel als das Abhimana von Hausvätern: "Ich bin ein Hausherr; ich bin ein Brahmane usw.”

Nicht durch das Tragen eines Dandas, nicht durch das Rasieren des Kopfes, nicht durch das Gewand und nicht durch egoistisches Handeln kann Befreiung erreicht werden. Wer Weisheit besitzt, ist ein wahrer Sannyasin. Weisheit ist Kennzeichen eines Sannyasins. Der Holzstock macht keinen Sannyasin.

Derjenige ist der wahre Sannyasin von Weisheit, der sich seines absoluten Wesens bewusst ist, im Traum wie im Wachzustand. Er ist der größte Brahma Jnani. Er ist der größte Sannyasin.

Andere Swami Traditionen

Osho-Tradition: In den 1960er und 1970er Jahren hatte Bhagwan Shri Rajneesh, in späteren Jahren Osho genannt, viele seiner Schüler zum Swami bzw. Sannyasi geweiht. Osho hatte unter dem Begriff Swami jemanden verstanden, der Verhaftungslosigkeit und Nichtidentifikation übt, Oshos enger Schüler ist und von ihm eine Einweihung erhält. Mit der Sannyas-Weihe durch Osho war die Verleihung eines spirituellen Namens, das überreichen von orange oder roten oder lila Gewändern und einer Mala mit dem Bild von Osho verbunden. Swami-Weihe bei Osho war nicht mit sexueller Enthaltsamkeit verbunden. Im Gegenteil forderte Osho seine Swamis auf, ihre Sexualität zu leben. Diese Interpretation von Sannyas stieß in Indien auf große Ablehnung. Und im Westen führte das Tragen der außergewöhnlichen Tracht zur Erschwernis der Integration in der Gesellschaft, ja z.T. zu Anfeindungnen. In späteren Jahren hörte Osho auf, Sannyas-Weihen zu geben und forderte seine Swamis auf, ihre besondere Kleidung nicht mehr zu tragen.

Satyananda-Tradition: Swami Satyananda entwickelte verschiedene Arten von Swamis: Zum einen gibt es die "klassischen Swamis", welche die Gelübde der Entsagung einschließlich Enthaltsamkeit und Besitzlosigkeit leben. Zum anderen gibt es die "Householder-Swamis", welche sogar Swami heißen sowie orange Kleidung tragen können, aber in einer Beziehung, sogar mit Kindern leben können - aber innerlich entsagen. Dann gibt es die "Karma-Sannyasins", die innerlich entsagen, und äußerlich ein normales Leben führen.

Weblinks

Literatur

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