Kriya

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Kriya (Sanskrit: क्रिया kriyā f. "Tat, Ausführung, Handlung, Aktivität, Arbeit")

Lota für die Nasenreinigung

Sukadev über Kriya

Niederschrift eines Vortragsvideos (2014) von Sukadev über Kriya

Kriya, ein Wort mit vielfältiger Bedeutung. Zunächst mal heißt es Ausführung, es heißt Handlung. Kriya ist also zunächst mal das, was man tut, das, was man ausführt. Kriya hat eine ähnliche Bedeutung wie Karma. Kriya hat in unterschiedlichen Kontexten auch eine andere Bedeutung. Es kann z.B. auch heißen, religiöser Ritus oder Ritual. In manchen Bhakti Traditionen gibt es bestimmte Kriyas, die man ausführt. Und dazu gehört dann Homa oder Agnihotra, eine Feuerzeremonie, dazu gehört Puja, also eine bestimmte Gottesverehrung, dazu gehört Dana, also Spenden geben, dazu gehören bestimmte Rezitationen. Das sind dann alles Kriyas.

Dann gibt es die Kriyas auch im Hatha Yoga. Im Hatha Yoga sind die Kriyas Reinigungstechniken, die Shatkriyas, wie sie auch genannt werden. Reinigung der Nase - Neti, Reinigung der LungenKapalabhati, Reinigung der AugenTratak, Reinigung des Magens – Dhauti, Reinigung des Darms – Nauli, und Basti – Reinigung des Enddarms. Das sind erstmal die Shatkriyas. Und von diesen Shatkriyas gibt es noch viele weitere Kriyas. Dort gibt es z.B. das Shankprakshalama Kriya, die Muschel-Kriya und viele andere. Also, im Hatha Yoga sind die Kriyas zunächst mal Reinigungsübungen.

Dann gibt es aber auch im Hatha Yoga weitere Kriyas. Im weiteren Sinne sind im Hatha Yoga alle Hatha Yoga Übungen auch Kriyas. Z.B. findest du manchmal in Swami Sivanandas Büchern die Aussage, mit Hatha Yoga Kriyas alleine erreichst du nicht die Vollkommenheit. Da musst du wissen, da sind jetzt nicht die Reinigungsübungen gemeint, sondern da sind auch Asana, Pranayama usw. gemeint. Also, alle Yoga-Techniken sind auch Kriyas, das, was man tut. Dann gibt es aber auch das Prinzip Kriya als kombinierte Energie-Erweckungsübungen oder auch eine Abfolge von Energie-Übungen. All das sind Kriyas.

Die Yoga Sutras von Patanjali

प्रकाशक्रियास्थितिशीलं भूतेन्द्रियात्मकं भोगापवर्गार्थं दृश्यम् || 2.18 ||

prakāśa-kriyā-sthiti-śīlaṃ bhūtendriyātmakaṃ bhogāpavargārthaṃ dṛśyam || 2.18 ||

Das Sichtbare (Drishya) hat die Qualitäten des Lichts (prakasha), der Aktivität (Kriya]) und der Trägheit (Sthiti). Diese sind den (anorganischen) Elementen (Bhuta) und den (Wesen mit) Sinnesorganen (Indriya) zu eigen. Es (das Sichtbare) dient der Erfahrung (Bhoga) und der Erlösung (Apavarga).

Anm.: Die drei genannten Qualitäten des Lichts (Prakasha), der Aktivität (kriya) und der Trägheit (Sthiti) entsprechen hier den drei Gunas der Sankhya-Philosophie, nämlich Sattva, Rajas und Tamas.

Kriyas - Reinigungsübungen

Die Kriyas, Reinigungsübungen im Hatha Yoga helfen, den physischen Körper zu reinigen, indem sie die Ausscheidungssysteme des Körpers anregen und unterstützen. Der menschliche Körper ist keine Maschine, die man regelmäßig sauber machen muss. Der Körper ist vielmehr ein sich selbst reinigendes System. Durch Überlastung durch Schadstoffe, falsche Ernährung, Stress, Altern, Spannungen u.s.w. kann es passieren, dass der Körper nicht alle Stoffwechselprodukte, Schlacken, Fremdkörper u.s.w. ausscheiden kann. Hier sind Kriyas besonders hilfreich. Viele Autoimmunerkrankungen, Allergien etc. können auch mit nicht funktionierenden Ausscheidungs- und Abwehrsystemen des Körpers zusammenhängen.

Anwendung der Kriyas

Kriyas sind in folgenden Fällen besonders wichtig:

  • Ernährungsumstellung: Kriyas unterstützen Entgiftungsprozesse, und reduzieren Umstellungsschwierigkeiten und Entzugserscheinungen.
  • Beginn intensiver Yoga-Praxis: Die Reinigung des physischen Körpers durch die Kriyas lässt die Yoga-Übungen schneller wirken und lässt das Prana schneller fließen. Gerade zu Beginn einer intensiven Pranayama-Praxis steigert das Ausführen der Kriyas gerade während der ersten Wochen ganz beträchtlich.
  • Geistige Trägheit, Faulheit, Müdigkeit, Antriebslosigkeit, Depression: körperliche Vergiftung kann zu geistigen Problemen führen. Körperliche Entgiftung kann für mehr geistige Kraft und Positivität beitragen
  • Alle Arten von Krankheiten: Es gibt in Indien Kliniken, die hauptsächlich mit Kriyas heilen.
  • Vom Ayurveda Standpunkt aus: Ein Übermaß an Kapha Dosha kann durch Reinigungstechniken gut behoben werden. Auch ein Übermaß an irgendeinem Dosha kann durch Kriyas gesenkt werden. Durch Kriyas kommt man von der Vikriti zurück zur Ayurveda Prakriti. Kriyas bauen Amas, Unreinheiten bzw. Blockaden ab
  • Wenn man energetische Ungleichgewichte spürt, sind Kriyas sehr hilfreich
  • Auch bei ungewollten Energie-Unruhen, Zuckungen etc. können Kriyas zügig wieder erden

Shatkriyas

In der Hatha Yoga Pradipika werden sechs (“Shat”) Kriyas beschrieben. Sie sind die wichtigsten der Kriyas, von denen es aber noch unzählige weitere gibt. Die Shatkriyas werden auch als Shatkarmas bezeichnet. Diese sind die vereinfachten Variationen von Panchakarma, welches im Ayurveda eine so große Rolle spielt.

Tratak

Tratak ist in der einfachsten Variation Kerzenstarren aus ca. 1-5 m Entfernung. Ca. 1-30 Minuten lang ausbauen: Erst auf die Kerze schauen, dann Augen schließen und Nachbild beobachten. ca. 1-5 Mal wiederholen. Reinigt die Augen und entwickelt die Sehkraft. Beseitigt Müdigkeit, entwickelt die Konzentration und öffnet das dritte Auge (Trikuti; Ajna Chakra)

Vorsicht: Tratak nur ausführen, wenn auch die anderen Augenübungen regelmäßig gemacht werden. Nicht übertreiben.

Neti - Nasenreinigung

  • Jala Neti - Salzwasser-Reinigung. Mit Neti-Kännchen (Lota) lauwarmes Salzwasser (1/2 Teelöffel Salz auf 0,2 l) durch die Nase rinnen lassen. Oder Salzwasser aus irgendeinem Gefäß hochziehen. Variation: Kaltes Wasser aus hohler Hand hochziehen.
  • Sutra Neti - Faden-Reinigung. In Wachs getränkten Baumwollfaden durch die Nase schieben und aus der Kehle herausziehen. Variation: Katheter verwenden. Stimuliert Selbstreinigung und aktiviert die Reflexzonen in den Nasendurchgängen. Aktiviert Ajna Chakra.

Kapalabhati

Kapalabhati ist die Schnellatmung, wird auch Feueratmung genannt. 20-200 Mal schnell aus- und einatmen. reinigt die Lungen, löst Ablagerungen auf Alveolen. Erhöht den Sauerstoffgehalt im Blut. Reinigt damit alle Zellen des Körpers. Regeneriert, lädt auf und verjüngt. Aktiviert Sonnengeflecht, macht einen klaren Kopf.

Dhauti - Magenreinigung

Dhauti ist die Magenreinigung. Es gibt zwei Hauptformen von Dhauti:

  • Hrid Dhauti (Tuchreinigung): Mullbinde von 4-5 cm Breite und bis zu 5 m Länge schlucken und langsam wieder hinausziehen. Braucht einige Übung, um beherrscht zu werden. Reinigt Speiseröhre, beugt Erkältung und Husten vor, reinigt den Magen. Nur mit leerem Magen ausführen.
  • Kunjar Kriya (Wasser-Reinigung): 1-2 l lauwarmes Salzwasser (1 gestrichener Esslöffel auf 1 l Wasser) trinken. Zwei Finger in den Hals geben und Wasser erbrechen. Nur mit leerem Magen machen. Reinigt den Magen. Hilft allen Verdauungsorganen. Normalisiert die Funktion aller Schleimhäute.

Nauli (Darmreinigung)

  • Vorübung: Uddhiyana Bandha: Vollständig ausatmen, Hände auf die Knie legen, Gewicht über die Arme auf die Knie geben, Knie leicht ge-beugt. Oberkörper gerade und etwas höher als waagerecht. Bauch einziehen, solange wie möglich. Gut für alle Verdauungsorgane. Hilft, einen klaren Kopf zu bekommen.
  • Vorübung: Agni Sara (Feuerreinigung): Wie Uddhiyana Bandha. Aber anstatt den Bauch eingezogen zu lassen, den Bauch mit leeren Lungen abwech-seln einziehen und nach vorne drücken. Aktiviert das Sonnengeflecht, beseitigt alle Probleme im Verdauungsbe-reich. Beseitigt auch emotionelle Spannungen.
  • Nauli selbst: Wie Uddhiyana Bandha anfangen. Dann gerade Bauchmuskeln als zentrale Bauchmuskelwulst nach vorne drücken. Abwechselnd nach rechts und nach links schieben.

Basti

Basti ist die Enddarmreinigung: Eingefettetes dünnes Darmrohr in den Anus stecken. In hüfthohes Wasser gehen. Mit Uddhiyana Bandha und zentralem Nauli Wasser in den Enddarm einsaugen. Mit Agni Sara im Dickdarm verteilen. Mit Uddhiyana Bandha bei vollen Lungen Wasser wieder herauspressen (eventuell auch Kapalabhati machen). Reinigt Enddarm. Gut gegen Verstopfung.

  • Variation: Einlauf mit Einlaufgerät.


Häufigkeit der Kriyas

Es ist günstig, alle Kriyas eine Weile lang (ca. 3-6 Monate) sehr regelmäßig zu machen. Anschließend kann man sie je nach individuellem Bedarf reduzieren:

  • Tratak: Täglich.
  • Neti: Jala Neti und Sutra Neti täglich.
  • Kapalabhati: 3-5 Runden täglich.
  • Dhauti: Hrid Dhauti täglich üben, um Würg-Reflex zu überwinden. Dann auf 1 Mal pro Woche reduzieren.
  • Kunjar Kriya einmal pro Woche.
  • Uddhiyana Bandha: Täglich 3 Runden.
  • Agni Sara: Täglich drei Runden im Anschluss an Udd-hiyana Bandha.
  • Nauli: 3 Runden im Anschluss an Agni Sara. Wer Nauli vollständig beherrscht, kann Uddhiyana Bandha und Agni Sara auf 1-2 Runden reduzieren und Nauli auf 3-5 Runden steigern.
  • Basti: Echtes Basti: 1 Mal pro Woche. Oder Einlauf 1 Mal pro Monat. Wichtig: Wer Einlauf macht, sollte auch Agni Sara und Kunjar Kriya regelmäßig machen, eventuell auch Ashwini Mudra (mehrmaliges Zusammenziehen der Anus Sphincter-Muskeln), um den Darm nicht träge zu ma-chen.

Beim Fasten: Alle Kriyas täglich oder fast täglich auszuführen, erhöht die Effizienz des Fastens beträchtlich.

Nebenkriyas

Neben den Shatkriyas gibt es zahllose weitere Kriyas. Zu den einfachen gehören:

  • Zungenreinigung: Zunge schaben mit Löffel oder Zungenschaber.
  • Kehlreinigung: Mit Salzwasser gurgeln.
  • Reinigung der Zähne und des Zahnfleisches: Zähne mit Finger putzen und Zahnfleisch massieren mit einer Mischung aus Olivenöl und Salz.
  • Reinigung der Kehle und der Luftröhre: Bhramari (Biene) ist zwar hauptsächlich ein Pranayama (Atemübung), hilft aber auch Kehle und Luftröhre zu reinigen: Schnarchend einatmen und summend ausatmen.

Kriyas bei Yoga Vidya

Bei Yoga Vidya wird der Ausdruck Kriya in verschiedenen Kontexten gebraucht. Hier soll besonders über die Hatha Yoga Kriyas im Sinne von Reinigungsübungen gesprochen werden.

Bei Yoga Vidya gibt es aber auch den Ausdruck Kriya Yoga im Kundalini Yoga Sinn als kombinierte Energie- und Erweckungsübung wie in der Kriya Yoga Tradition von Paramahamsa Yogananda und auch als Bezeichnung der Raja Yoga Techniken, die am Anfang des 2. Kapitels des Yoga Sutra von Patanjali beschrieben werden. Bei Yoga Vidya wird auch das kleine Kriya Yoga und das mittlere Kriya Yoga gelehrt.

Die bei Yoga Vidya gelehrten Kriya Reinigungstechniken basieren auf den Shatkriyas der Hatha Yoga Pradipika, wie sie in den Sivananda Yoga Vedanta Ashrams auf Yogalehrer Ausbildungen gelehrt werden.

Bei Yoga Vidya hat aber auch Shank Prakshalana einen besonderen Stellenwert. Shank Prakshalana wird auf vielen Yogalehrer Weiterbildungen unterrichtet und gibt es auch als eigenes Seminar. Shank Prakshalana bei Yoga Vidya basiert auf dem Buch von André van Lysebeth „Durch Yoga zum eigenen Selbst“ sowie dem, was Sukadev und andere selbst erfahren haben oder von anderen Yogalehrern gelernt haben. Sukadev Bretz, Gründer von Yoga Vidya, selbst ist 2011 Veganer geworden und empfiehlt ausdrücklich, kein Ghee zu essen nach dem Shank Prakshalana, sondern das Khicheri eher mit etwas Olivenöl oder andere hochwertige Öle zu sich zu nehmen.

Sukadev selbst hat viel Erfahrung mit den Kriyas. Er empfiehlt ernsthaften Yoga Aspiranten sich ein Jahr lang sehr gründlich zu reinigen durch sehr sattwige Ernährung, sehr systematisch ausgeführten Kriyas und natürlich täglichen Asanas, Pranayama, Meditation, Mantrasingen. Besonders hilfreich ist es, während diesen Jahres täglich Jala Neti, Sutra Neti, Kapalabhati, Tratak und Nauli bzw. Agni Sara zu üben, ein Mal pro Woche Kunjar Kriya, ein Mal pro Monat Basti bzw. Einlauf, 2 Mal im Jahr Shank Prakshalana und zusätzlich 2 Mal im Jahr 5 Tage Fasten, wobei dort die Kriyas besonders intensiv praktiziert werden sollten. Nach diesem Jahr intensiver Reinigung können die Kriyas etwas reduziert werden. Sobald aber eine Erkältung im Anmarsch ist, kann das Ausführen der Kriyas oft dazu führen, dass die Erkältung gar nicht erst ausbricht. Auch bei Beginn einer müden oder trägen Phase bzw. bei Antriebslosigkeit können Kriyas Wunder wirken.

Verschiedene Schreibweisen für Kriya

Sanskrit Wörter werden in Indien auf Devanagari geschrieben. Damit Europäer das lesen können, wird Devanagari transkribiert in die Römische Schrift. Es gibt verschiedene Konventionen, wie Devanagari in römische Schrift transkribiert werden kann Kriya auf Devanagari wird geschrieben " क्रिया ", in IAST wissenschaftliche Transkription mit diakritischen Zeichen " kriyā ", in der Harvard-Kyoto Umschrift " kriyA ", in der Velthuis Transkription " kriyaa ", in der modernen Internet Itrans Transkription " kriyA ".

Zusammenfassung Deutsch Sanskrit - Sanskrit Deutsch

Kriya , Sanskrit क्रिया kriyā, f. tat, Handlung, Ausführung, Anfertigung, Bereitung.

Sanskrit Kriya - Deutsch tat, Handlung, Ausführung, Anfertigung, Bereitung
Deutsch tat, Handlung, Ausführung, Anfertigung, Bereitung Sanskrit Kriya

Siehe auch

Literatur

Weblinks

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