Gegenwart

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Gegenwart kann unterschiedlich definiert werden. Altertümlich wurde die Bedeutung mit Anwesenheit gleichgesetzt. In der modernen wissenschaftlichen Betrachtung wurde das Verständnis um viele Facetten erweitert, was im Wesentlichen auf zwei Richtungen aufbaut. Einerseits wird Zeit als eine lineare Abfolge verstanden, zum anderen, als ein gleichzeitiges Phänomen. Nimmt man Zeit als einen linearen Prozess wahr, wie z. B. in der klassischen Physik üblich, der nach dem Prinzip der Kausalität die materielle Welt evolutionär prägt, ist die Gegenwart in Vergangenheit und Zukunft eingebettet. Jede reflektierende, analysierende Betrachtungsweise wird den Menschen zu einem linearen Verständnis von Zeit führen, wobei sich die Gegenwart durch die Vergangenheit und Zukunft definiert.

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Zu allen Zeiten, im Altertum sogar noch mehr als Heute, gab es aber auch ein anderes Verständnis von dem Phänomen Gegenwart. Denn aus philosophischer, religiöser, spiritueller Sichtweise verschiedener Quellen, wie auch nach den Erkenntnissen der neuen Physik, gemäß Einsteins Relativitätstheorie oder Heisenbergs Unschärferelation, ist Zeit eine flexible Größe, die in eine andere Dimension führen kann. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft können hier in der Gleichzeitigkeit aufgelöst werden und sind nicht mehr auf das lineare Kausalitätsprinzip reduzierbar. Da dieses Verständnis dem yogischen Ansatz entspricht, versucht dieser Artikel etwas expliziter und bildlicher diesen Gedanken zu vermitteln:

Beispielsweise benötigt ein Sonnenstrahl ca. 8 min. 20 sec., um sein Licht auf die Erde zu scheinen, was man mit der großen räumlichen Distanz der Sonne zur Erde begründen kann. Entsprechend sind alle unsere sinnlichen Wahrnehmungen zeitversetzt. Alles was wir hören, fühlen, sehen etc. ist in der Vergangenheit – es mögen Nanosekunden sein, die es uns von der Jetzt-Zeit trennt – doch es ist bereits Vergangenheit. Der Mensch ist mit seinen Körpersinnen ein komplett unbegabtes Wesen das Phänomen „Jetzt“ wahrzunehmen. Unser einziger Zugang zur Jetzt-Zeit ist die Intuition, und darin kennen wir uns alle besser, als unsere Sinne es vermitteln. In der yogischen Betrachtungsweise geht es darum, mit der Intuition sehen zu lernen, wofür das dritte Auge symbolisch steht. Buddha gebrauchte die Metapher von der Lotusblüte, um den Zustand zu erklären: eine Lotusblüte, die im Wasser ist, aber gleichzeitig unberührt vom Wasser. Jesus benutzte die Ausdrucksweise: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt.“ Aus dem 20. Jahrhundert stammt die Metapher, von einer Kinoleinwand, auf der ein Film abgespielt wird. Wobei der abgespielte Film für die linear verlaufende Zeit steht, die ohne Substanz Illusionen erscheinen lässt. Die Leinwand symbolisiert die Gegenwart, die unberührt von diesen Bildern, die zu Grunde liegende Substanz bildet, welche über die Zeit hinausgeht. Diese Bilder der spirituellen Meister wurden ursprünglich gebraucht, um Realität und Täuschung dazustellen, doch ist dies auch ganz eng mit der Zeit zusammenhängend.

Die Gegenwart ist eine unabhängige Größe. Es gibt eigentlich keine Berührung, keine Schnittstelle zu den Projektionen der Vergangenheit und Zukunft.

In dem Zusammenhang soll noch auf die Verbindung der Gegenwart mit Licht hingewiesen werden, so als wäre die Gegenwart der Altar Gottes, auf dem man alles Karma, alle Verhaftung an die Welt verbrennen kann. Philosophische, spirituelle Quellen sprechen von Lichterfahrungen, z.B. bedeutet das Sanskrit Wort Dhyana (eine Vorstufe der Meditation) „brennen oder glühen“; im christlichen Kontext wurde sehr oft ein Heiligenschein verwendet, um auszudrücken, dass ein Mensch mit Gott verbunden ist. Oder umgekehrter Weise verwendet die Psychologie, die einen reflektierenden Ansatz hat, beispielsweise terminologische Ausdrücke wie „psychologischen Schatten“, was besagt, dass ein Mensch durch Traumas in der Vergangenheit gefangen ist und somit das Licht der Gegenwart verdunkelt. (Quelle: Dt. Wikipedia)

Siehe auch

Literatur