Schmerz

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Man kann zwischen physischem, seelischem und spirituellem Schmerz unterscheiden. Akuter physischer Schmerz dient uns als Warnsignal. Chronischer physischer Schmerz ist oft das Resultat mehrerer, im Körper ablaufender Prozesse und zeigt, dass unser Organismus in weiten Teilen aus dem Gleichgewicht geraten ist. Spiritueller Schmerz kann eine Anregung dazu sein, auf seinem Lebensweg etwas zu ändern.

Physischer Schmerz

„Schmerz ist ein unangenehmes Sinnes- oder Gefühlserlebnis, das mit tatsächlicher oder potentieller Gewebsschädigung einhergeht oder von betroffenen Personen so beschrieben wird, als wäre eine solche Gewebsschädigung die Ursache.“ (International Association for the Study of Pain)

Entstehung

Physischer Schmerz entsteht durch die Reizung verschiedener, spezieller Schmerzrezeptoren, der sogenannten Nozizeptoren. Für verschiedene Reizarten gibt es verschiedene Rezeptoren und es wird unterschieden zwischen mechanischen Reizen (Druck, Zug, u.ä.), thermischen Reizen (Hitze und Kälte) sowie chemischen Reizen.

Kopfschmerzen können unangenehm sein

Weiterleitung

Die ausgelösten Reize werden dann über Nervenfasern auf zwei verschiedene Arten weitergeleitet:

  • Reflexe
Ein Teil der Nervenimpulse wird zum Rückenmark gesendet, dort direkt umgeschaltet und löst eine reflexartige Flucht- oder Abwehrbewegung aus. Hier geht es besonders um die Schnelligkeit der Reaktion, um eventuelle Schäden so klein wie möglich zu halten. Der Schmerz ist hier noch nicht bewusst; z.B. wird man beim Berühren der heißen Herdplatte die Hand automatisch wegziehen, ohne darüber nachzudenken.
  • Bewusste Schmerzwahrnehmung
Ein anderer Teil der Schmerzimpulse wird über weitere Nervenbahnen vom Rückenmark bis in die Großhirnrinde gesendet. Dieser Weg der Übertragung ist langsamer als der direkt im Rückenmark umgeschaltete Reflexbogen.
Im Gehirn gelangt der Schmerz in unser Bewusstsein, wird emotional bewertet und es entstehen Erfahrungs- und Lernprozesse.

Beurteilung von Schmerz

Da Schmerz immer subjektiv ist und derselbe Reiz von jedem Menschen unterschiedlich empfunden wird, wird versucht, Schmerz auf verschiedene Arten zu beurteilen und zu beschreiben.

  • Qualität
Die Schmerzqualität kann z.B. beschrieben werden als:
Quälend, lähmend, schrecklich, zerstörend u.ä. (emotionale Beschreibung) oder als
ziehend, stechend, brennend, drückend u.ä. (sensorische Beschreibung).
  • Quantität
Da auch die Stärke des empfundenen Schmerzes nicht von außen objektiv gemessen werden kann, haben sich auch hier verschiedene Beschreibungssysteme in Form von Skalen gebildet.
So kann Schmerz beispielsweise auf einer Skala von 0 bis 10 bewertet werden, wobei 0 keinen Schmerz und 10 den am stärksten vorstellbaren Schmerz bedeutet.

Akuter und chronischer Schmerz

Akuter Schmerz tritt relativ plötzlich / kurzfristig auf und ist von relativ kurzer Dauer (nicht länger als 14 Tage).

Chronischer Schmerz kann aus akutem Schmerz entstehen oder er entsteht langsam über einen längeren Zeitraum und dauert dann an (man spricht ab ca. 3 Monaten Dauer von chronischem Schmerz).

Seelischer Schmerz

Ein Herz kann durch Liebe schmerzen

Studien haben gezeigt, dass emotionale Verletzungen und seelischer Schmerz ähnliche Bereiche im Gehirn aktivieren wie physische Schmerzursachen.

Oftmals wird der Schmerz dann in die Areale projiziert, die wir damit verbinden.

Deshalb kann z.b. der Herzschmerz nach einer Trennung tatsächlich im Brustbereich als Schmerzempfinden wahrgenommen werden. Siehe hierzu auch Yoga und der Umgang mit Trennung und Schmerz.

Akzeptiere den Schmerz des Lebens und überwinden ihn

Zum Leben gehört Schmerz dazu. Schon der Buddha hat gesagt, alles Leben ist Leiden. So hat das Leben seine Schmerzen. Du kannst nicht ohne Schmerz leben. Zum Leben gehört auch der Tod dazu. Zum Vergnügen gehört auch das Leid dazu. Die Vorstellung, dass man sein Leid überwinden kann, indem man immer nur glücklich ist, die funktioniert nicht. Zum Leben gehört auch der Schmerz. Daher akzeptiere den Schmerz des Lebens. Jesus hat mal gesagt, „ In der Welt habt Ihr Angst, doch seid getrost, ich habe die Welt überwunden.“ Daher akzeptiere, dass das Leben schmerzhaft sein kann. Jeodch bist Du nicht gebunden an den Schmerz des Lebens. Leben auf diese Weise heißt, körperliches Leben, also verkörpertes Leben.

Seeliche und körperliche Schmerzen

Man sagt zwar mit dem Tod ist das Leben noch nicht zu Ende, aber in dieser physischen Verkörperung gibt es notwendigerweise Schmerzen. Der Körper erzeugt öfters Schmerzen. Der Körper ist etwas was ständig in Veränderung ist. Mal gelingt die Anpassung an die Umwelt, mal nicht. Du kannst zwar ein gesundes Leben führen, Yoga üben, Dich gesund ernähren, vegan ernähren. Du kannst auf Alkohol verzichten, Zucker verzichten, dies machst Du schon ne ganze Menge aus, damit man seltener Schmerzen hat. Du kannst Deine Zähne putzen usw., dann wirst Du vielleicht seltener Zahnweh haben. Du kannst achtsam sein und auf Risikosport verzichten, vielleicht wirst Du dann weniger Unfälle haben. Trotzdem (der) Körper erzeugt irgendwann Schmerzen; etwas falsches gegessen und Du hast Magendarmschmerzen. Du bekommst irgendwo eine Grippe und dann hast Du und Gliederschmerzen vermeiden. Du stolperst mal und hast eine Prellung oder sogar ein gebrochenes Bein. Schmerzen gibt es aber nicht nur auf der körperlichen Ebene, sondern auch auf der emotionalen Ebene. Mal verhalten sich Menschen so, wie Du es gerne hättest, mal anders. Und der Mensch, den Du am meisten liebst, der kann Dir am meisten weh tun, egal ob er das will oder nicht will. Schmerzen gehören zum Leben dazu. Wenn Du den Schmerz des Lebens akzeptierst, dann entwickelst Du eine größere Gelassenheit.

Unsere Seele wohnt in unserem Körper

Wie kannst Du den Schmerz des Lebens überwinden?

Indem Du Dir bewusst machst, es gibt etwas jenseits aller Schmerzen, auch jenseits des physischen Lebens. Letztlich ist Dein Körper nur ein Instrument das Fahrzeug Deiner Seele. So ähnlich wie Du vielleicht ein Hemd anhast, oder ein Tshirt, so ähnlich hast Du einen Körper. So ähnlich wie Du einen Anzug brauchst, um vielleicht zur Bank zur Arbeit zu gehen, so ähnlich brauchst Du einen Körper, um auf dieser Erde zu leben und um auf dieser Erde zu lernen und zu wachsen. Dank Deines Körpers kannst Du Deine karmischen Lektionen zu lernen, um zu bewirken was Deine Aufgaben sind. Aber so wenig wie Du der Anzug bist oder der Hosenanzug, so wenig bist Du auch dieser Körper. Und Du kannst Dich erfahren als jenseits der Körper, des Körpers. Der Körper erzeugt Schmerzen und auch angenehme Gefühle. Du kannst jenseits des Körpers gehen. Auf der emotionalen Ebene gibt es Schmerzen und Freude. Ich sage gerne Emotionen sind Informationen mit Energie. Schmerz ist Information mit Energie. Aber Du bist nicht die Emotion, Du bist nicht der Körper. Erkenne, ich bin das Bewusstsein, jenseits von Körper und Psyche. Wenn Du das erkennst, wenn Du das erfährst, dann hast Du den Schmerz des Lebens transzendiert. Sowie Jesus sagt, „ in der Welt habt Ihr Angst, aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden.“ Oder wie Buddha sagt, alles Leben ist Leiden, aber Du kannst aus der Begrenztheit und Bedingtheit des Lebens austreten und so auch das Leiden überwinden. Mehr Informationen auf unseren Internetseiten unter Yoga Vidya Dort erfährst Du auch mehr über die Philosophie des "Wer bin ich".

Vortrag von Sukadev zur Akzeptanz des Schmerzes

Schmerz im spirituellen Sinne

Allgemein

Schmerz im spirituellen Sinne von Leid bzw. leiden wird Dukha genannt.

Dukha ist das Gegenteil von Sukha (Freude, Glück, Glückseligkeit).

Ursprünglich bezeichnete Sukha eine Radnabe, in der sich die Radachse reibungslos, glatt, einfach und ohne großen Widerstand dreht.

Dukha meinte das Gegenteil davon – eine nicht rund laufende Radachse, die knirscht, in der vielleicht Kerben vorhanden sind und die bei der Drehung Reibung und Widerstand erzeugt.

Vedanta

Vedanta postuliert, dass es nur eine einzige Realität gibt – Brahman, das Absolute.

Einzig Brahman ist unerschaffen, unvergänglich, unendlich und transzendent.

Dagegen sind die Welt, in der wir leben, unser Körper und alles andere Maya (Illusion, Verblendung). Maya ist das Geschaffene, und alles, was auf irgendeine Art entstanden ist, vergeht irgendwann auch wieder. Maya bedeutet auch, dass wir die Welt durch unsere Sinne immer subjektiv gefärbt wahrnehmen und niemals so, wie sie wirklich ist.

Samkhya

Im Samkhya wird die Welt (Prakriti) neben der Urseele (Purusha) als real angesehen.

Durch Avidya (spirituelle Unwissenheit) ‚verstrickt’ sich die Seele in der Materie, vergisst ihre wahre Natur.

Leiden

Es ist egal, welchem System wir uns zugetan fühlen. Durch diese beschränkte Sichtweise, durch Maya (Illusion) oder durch Avidya (Unwissenheit) verwechseln wir das Vergängliche, Unreine, Schmerzvolle und das Nicht-Selbst mit dem Ewigen, Reinen, Guten und dem wahren Selbst (Yoga-Sutra, Vers II.5).

Wir identifizieren uns mit den falschen Dingen und hoffen, durch ein Mehr an materiellen Gütern, durch Manipulationen in der Außenwelt dauerhaftes Glück erlangen zu können.

Immer wenn wir jedoch unser Glück von äußeren, vergänglichen Dingen abhängig machen, werden wir früher oder später leiden und Schmerz empfinden.

Siehe auch

Literatur

Weblinks

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