Atman

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Atman (Sanskrit: आत्मन् ātman m., Nom. Sg. आत्मा ātmā) bedeutet Hauch, Seele, das Selbst, Wesen, Natur. Atman kann auch die eigene Person (im Sinne von "sich selbst"), Eigentümlichkeit, den Leib, Körper, Verstand, die Intelligenz sowie Allseele, Weltseele bezeichnen. Der Begriff Atman hat im Laufe seiner Entwicklung eine ziemliche Bedeutungsfülle erlangt (s.o.). In den Upanishaden und dem auf diesen basierenden philosophischen System des Vedanta steht der Atman als "Einzelseele" dem Brahman, der "Allseele" oder "Weltseele" gegenüber. Letztendlich gilt es jedoch, deren Wesensidentität zu erkennen bzw. zu erfahren.

Cattleya labiata, der geheime Garten der Seele.

Der Atman ist die unsichtbare Grundlage, das wirkliche Selbst, die Weltseele. Atman ist der göttliche Funken in jedem Menschen, die Wirklichkeit hinter jedem Schein. Der Atman ist frei von jeglicher Bindung. Er handelt nicht, besitzt nichts, stirbt nicht. Er ist unsterblich. Er ist das Wesen des Individuums, der Zeuge, jenseits von Zeit und Raum. Er wohnt als Geist, umgeben von fünf Hüllen (Kosha)s im menschlichen Körper und verbirgt das Geheimnis dessen, was sich physisch fassen lässt. Atman ist die wahre Antriebsfeder, die hinter den Impulsen der physischen Ebene steht. Es heißt, dass es unmöglich sei, das Selbst zu beschreiben, es enthüllt sich allein durch die Erfahrung des Selbst durch das Selbst.

"Der spirituelle Sucher [...] widmet sich der Übung der Kontemplation und meditiert über den Atman in sich selbst als dem Atman in allen Wesen. So löscht er völlig das Gefühl der Trennung aus [...] und identifiziert sich mit Brahman." (Zitat aus Shankaras Vivekacudamani)

Der "Atem" (unserer indogermanischen Sprache) steht dem, was über uns hinaus weist, besonders nahe. (Auch etwa im Lateinischen "spiritus", Atem und Geist; sowie in den Atemübungen).

"Der Atman ist unvergänglich, ohne Wandel, unendlich, nicht bedingt und ohne ein Zweites." (Swami Sivananda)

Swami Sivananda über Atman in seinem Buch Jnana Yoga

Der Atman ist verschieden von den drei Körpern

Swami Sivananda

Auszug aus dem Buch "Jnana Yoga" von Swami Sivananda (Hrsg.: Divine Life Society, 2007), S. 88-97

Der Mensch besitzt drei Körper, den grobstofflichen, den feinstofflichen und den kausalen. Die Körper und die Koshas können nicht ohne den Atman bestehen. Das was die physischen Augen sehen, das was aus Fleisch, Knochen, Fett, Haut, Nerven, Haar und Blut besteht, das ist der physische Körper. Er unterliegt sechs Veränderungen, nämlich Geburt, Leben, Wachsen, Veränderung, Verfall, Tod. Der Körper wächst in der Jugend und verfällt im Alter. Er entwickelt sich, wenn er Nahrung erhält und verfällt, wenn er keine Nahrung erhält oder eine Krankheit ihn befällt. Weil er verfällt und sich auflöst, wird er Sarira genannt. Weil er nach dem Tod verbrannt wird, wird er Deha genannt.

Der feinstoffliche Körper besteht aus siebzehn Tattvas, fünf Jnana Indriyas, fünf Karma Indriyas, fünf Pranas, Geist und Intellekt. Der feinstoffliche Körper entwickelt sich durch Abhimana, aus Egoismus und Raga Dvesha. Er verfällt, wenn Ego und Raga Dvesha vernichtet sind oder nachlassen. Er wird durch drei Arten von Tapas verbrannt, nämlich Adhyatmika, Adhibhautika und Adhidaiva. Avidya allein konstituiert das Karanasarira. Der Kausalkörper entwickelt sich durch den Gedanken ‚Ich bin der Jiva‘ und verfällt, wenn diese Vorstellung vernichtet ist, wenn ‚Ich‘ als Brahman erkannt ist. Der feinstoffliche und der Kausalkörper verstärken sich in Menschen, die dem Weltlichen verbunden sind, sie vermindern sich bei ernsthaften spirituellen Aspiranten.

Das Feuer der Weisheit (Jnanagni) zerstört den feinstofflichen und den kausalen Körper. Der feinstoffliche Körper wird Lingasarira genannt, da er uns befähigt zu hören, zu sehen, zu fühlen, zu schmecken, zu riechen und den Atman durch Meditation zu erkennen. Die Ursache des grob- und feinstofflichen Körpers ist Karanasarira, der Kausalkörper. Den physischen Körper können wir klar erkennen. Da wir den feinstofflichen Körper nicht sehen können, wird manchmal gefragt, woher man wisse, dass es ihn gibt. Die Existenz des feinstofflichen Körpers wird aus der Wirkung der siebzehn Tattvas abgeleitet. Warum können wir nicht sagen, dass diese siebzehn Tattvas durch den physischen Körper geschehen? Im Tiefschlaf, in Ohnmacht und im Tod werden diese Tattvas nicht vom physischen Körper wahrgenommen. Deshalb können wir nicht sagen, dass sie zum physischen Körper gehören. Deshalb wissen wir, dass ein feinstofflicher Körper mit den siebzehn Tattvas betraut ist und existiert, ungeachtet des physischen Körpers.

Man könnte dagegen argumentieren: ‚Der grob- und der feinstoffliche Körper funktionieren nicht getrennt. Sie nehmen gemeinsam die Aufgaben der Tattvas wahr.‘ Wenn du genau beobachtest, stellst du fest, dass der feinstoffliche Körper die Tattvas übernimmt und nicht beide zusammen. Ich will es wie folgt veranschaulichen. Das Feuer kocht die Nahrung mit Hilfe eines Brennmaterials. Dennoch ist für das Kochen das Feuer verantwortlich, nicht das Brennmaterial. Ebenso ist es zum Beispiel mit dem Sehen. Der feinstoffliche Körper ist für das Sehen verantwortlich, er hängt damit vom grobstofflichen Körper ab, das Sehen als solches ist jedoch seine Aufgabe und nicht die des grobstofflichen Körpers. Ist es nun klar? Damit kann ohne Zweifel behauptet werden, dass der feinstoffliche Körper mit seinen siebzehn Verantwortlichkeiten existiert.

Der physische Körper ist träge. Er hat einen Anfang und ein Ende. Er ist voll Unreinheiten. Er ist vergänglich. Er ist das Produkt von fünf Elementen. Er besteht aus verschiedenen Teilen. Er kann vom Auge wahrgenommen werden. Er ist endlich (Parichinna). Er unterliegt Veränderung. Deshalb kann er nicht aus sich selbst heraus bestehen, nicht aus sich selbst strahlen, nicht Satchidananda sein. Der feinstoffliche Körper ist ebenso träge. Er hat einen Anfang und ein Ende. Er ist ein Produkt der fünf Tanmatras (feinstoffliche Elemente) Er unterliegt Veränderung. Er ist vergänglich. Er ist endlich. Er kann nicht der ewig reine, intelligente Atman sein. Der Kausalkörper ist nichts weiter als Ajnana, Unwissen. Er ist ebenso träge. Der Mensch sagt: ‚Ich bin eine unwissende Person.‘ Obwohl er ohne Anfang ist, hat er ein Ende. Es ist der Tod des Kausalkörpers, wenn man das Wissen über das Selbst erlangt hat. Er kann nicht der reine, unteilbare, ewige Atman sein.

Der Atman ist komplett verschieden von den drei Körpern. Wer seinen Atman erkannt hat und erkannt hat, dass Er verschieden von den drei Körpern ist, der ist befreit. Er hat den Ozean des Samsaras überquert. Er ist Brahman selbst. Er wird in den drei Welten verehrt. Seine Herrlichkeit ist unbeschreiblich.

Der Atman ist der Zeuge der drei Bewusstseinsebenen

Meditiere über Atman

Der Mensch lebt in drei Avasthas (Bewusstseinsebenen): Jagrat (Wachen), Svapna (Träumen) und Sushupti (Tiefschlaf). Der Vedanta betont die Wichtigkeit des Studiums dieser drei Avasthas. Er besteht darauf, dass diese drei Avasthas eingehend untersucht werden, bevor man mit der Meditation auf den Atman, der der Zeuge der Avasthas ist, beginnt.

Die Mandukya Upanishade legt dar: "Das erste Viertel ist Vaisvanara, seine Sphäre ist das Wachen. Er erkennt die Objekte. Er hat sieben Glieder und siebzehn Münder. Seine Erfüllung findet er im Groben." Die sieben Glieder (Saptanga) stellen sich wie folgt dar: "Der Himmel ist sein Haupt, die Sonne sein Auge, der Wind sein Atem, das Feuer sein Mund, der Äther sein Rumpf, der Ozean seine Harnblase, die Erde seine Füße." Die siebzehn Münder (Ekonavimsathimukha) sind die fünf Erkenntnissinne, die fünf Tatsinne, die fünf Pranas, Chitta und Ahamkara. "Das zweite Viertel ist Taijasa, seine Sphäre ist der Traum. Er erkennt das Subjektive. Er hat sieben Glieder und neunzehn Münder. Seine Erfüllung findet er im Feinen." Die Bewusstseinsebene Traum wird Taijasa genannt, denn seine Essenz ist Licht, er wird der Erkenner des Geistes (bestehend aus Vasanas und sich selbst auf verschiedene Objekte projizierend) genannt, ungeachtet des Objektiven. Das dritte Viertel ist Prajna, seine Sphäre ist der Tiefschlaf. Alles geht in Eines ein, der Schlafende hat keine Empfindungen und keinen Traum. Er ist Glückseligkeit.

Jagrat ist der Wachzustand, in welchem der Jivatman die grobstofflichen Sinnesobjekte wahrnimmt. Svapna ist der Traumzustand, in dem der Jivatman, unabhängig vom Körper, seine Erfahrungen macht. Sushupti ist der Tiefschlaf, in dem der Jivatman nichts mehr wahrnimmt.

Virat, der unter der Kraft Isvaras steht und diesen mikrokosmischen Körper betritt - mit Buddhi als seinem Fahrzeug, erreicht den Zustand von Vishva. Dann nimmt er die Namen Vijnanatma, Chidabhasa, Vishva und Vyavaharika an und herrscht über den grobstofflichen Körper im Wachen und über das Karma. Sutratma (Hiranyagarbha), der unter der Kraft Isvaras steht und diesen mikrokosmischen Körper betritt - mit Manas als seinem Fahrzeug, erreicht den Zustand von Taijasa. Dann nimmt er die Namen Taijasa, Pratibhasika und Svapna Kalpita an. Avyakta, der unter der Kraft Isvaras steht und diesen mikrokosmischen Körper betritt - mit Maya als seinem Fahrzeug, erreicht den Zustand von Prajna. Dann nimmt er die Namen Prajna, Avichchhinna, Aparamatrika und Sushupti Abhimani an.

Im Jagrat-Bewusstsein ist der Sitz des Jivas das Auge. Vak ist Vaikhari. Genossen wird das Grobstoffliche. Der Jiva genießt die grobstofflichen Sinnesobjekte. Die wirkende Sakti ist Kriya Sakti. Das maßgebliche Guna ist Rajas. Abhimani ist Vishva. Im Svapna-Bewusstsein sitzt der Jiva im Nacken (Hita Nadi). Vak ist Madhyama. Der Jiva erfährt feinstofflichen Genuss durch die Vasanas. Sakti wirkt als Jnana Sakti. Das maßgebliche Guna ist Sattva. Abhimani (der sich mit dem Bewusstsein Identifizierende) ist Taijasa. Im Tiefschlaf sitzt der Jiva im Herzen. Vak ist Pashyanti. Der Jiva genießt sich selbst. Sakti ist Dravya Sakti. Das maßgebliche Guna ist Tamas. Abhimani ist Prajna. Die folgende Tabelle gibt eine Übersicht des bisher Dargestellten.

Jagrat Avastha Svapna Avastha Sushupti Avastha
1. Der Jiva weilt im Auge. Der Jiva weilt im Nacken. Der Jiva weilt im Herzen.
2. Vaikhari (Vak) Madhyama Pasyanti
3. Grobstofflicher Genuss Feinstofflicher (Vasanamaya) Genuss Ananda (Bhoga)
4. Kriya Sakti Jnana Sakti Dravya Sakti
5. Rajas Sattva Tamas
6. Abhimani ist Vishva Abhimani ist Taijasa Abhimani ist Prajna

Fülle ein Gefäß mit Meerwasser, binde eine Schnur um das Gefäß und versenke es im Meer. Obwohl das Wasser im Gefäß dasselbe ist wie das Wasser des Meeres, scheint es verschieden aufgrund des begrenzenden Attributs "Gefäß". Ziehe das Gefäß an der Schnur heraus, das Wasser im Gefäß ist nun ein anderes. Doch sowohl der Äther des Gefäßes als auch das Meer sind immer - während aller drei Zeitperioden - von gleichartiger Essenz.

Ebenso lässt sich das Gefäß des feinstofflichen Körpers (Linga Sarira des Jivas), das mit dem Wasser von Ajnana gefüllt und mit der Schnur von Adrishta (die Samskaras guter und schlechter Taten) gebunden ist, während des Tiefschlafes auf Samashti Ajnana ein, das Upadhi Isvaras, nämlich Maya. Obwohl Vyashti Ajnana (individuelle Unwissenheit), der Upadhi des Jivas, eins geworden ist mit Samashti Ajnana, was die Summe aller individueller Unwissenheit ist, scheint es getrennt zu sein aufgrund des Upadhis des Linga Shariras. Wenn der Antaryami (der innere Führer) am Seil von Adrishta zieht, wird er ‚verschieden‘ und der Jiva kommt zurück ins Wachbewusstsein. Doch Chitakasha (der Atman oder der stille Sakshi der drei Zustände), der das Gefäß des feinstofflichen Körpers unterstützt und der sowohl mit dem Wasser der individuellen Unwissenheit als auch mit dem Ozean des kollektiven Ajnana verbunden ist, ist stets - während der drei Zeitperioden Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft - die einheitliche Essenz.

Ein Zeuge beobachtet eine andere Person, wird aber von deren Handlungen nicht tangiert. Der Zuschauer eines Fußball- oder Cricketspiels ist ein Zeuge. Er ist von Gewinn oder Verlust des Spieles nicht betroffen. Er ist der Zeuge, der nur das Spiel an sich genießt.

Ramdas praktizierte Japa in einem Tempel. Herr Joshi und Herr Banerji saßen vor Ramdas und praktizierten eine Stunde lang Japa. Dann bat Herr Joshi Herrn Banerji, ihm das Geld zurückzugeben, das er ihm vor zwei Jahren geliehen hatte. Sie unterhielten sich leise, eine Stunde lang. Dann sprach Herr Joshi zu Herrn Banerji mit lauten Worten und bat ihn, ihm das Geld sofort zurückzuzahlen. Herr Banerji weigerte sich. Herr Joshi ging zur Polizei und brachte vor: ‚Herr Banerji lieh sich vor zwei Jahren Geld von mir. Ich bat ihn, es mir nun zurückzugeben. Er beleidigte und schlug mich.‘ Der Polizist fragte Herrn Joshi: ‚Haben sie einen Zeugen?‘ Herr Joshi antwortete: ‚Ja, ich habe einen Zeugen, Ramdas, der im Tempel Japa praktizierte, ist der Zeuge.‘ So wie der Zeuge zwei sich streitende Personen sieht, so sieht der Atman die drei Bewusstseinszustände Jagrat, Svapna und Sushupti, ohne von ihnen tangiert zu sein.

In dieser Darstellung stellt die Stille von Joshi und Banerji während des Japas den Tiefschlaf dar. In diesem Bewusstseinszustand ist Vyapakatraya abwesend. Joshi und Banerji sind die Avasthavasis, Ramdas ist der Zeuge. Die leise Unterhaltung stellt den Traumzustand dar. Der laute Streit stellt das [Wachzustand|[Wachbewusstsein]] dar. Beispiele sind stets Ekadesik. Messe ihnen nicht zu viel Bedeutung bei. Sie erklären nur einen Punkt. Die Vyavahara (Handlungen) sind von dreierlei Art, nämlich physisch, verbal und mental. Ramdas war Zeuge der Handlungen von Joshi und Banerji. Er war nicht im Geringsten an deren Handlungen beteiligt. Der Zeuge (Sakshi) ist der, der die drei Bewusstseinszustände beobachtet, die Handlungen in den drei Bewusstseinszuständen und den Jiva.

Der Wachzustand kann mit einer großen Stadt verglichen werden. Der Traumzustand mit der Stadtmauer. Der Tiefschlaf mit dem Palast in der Mitte der Stadt. Der Jiva ist der König. Der König kommt aus seinem Palast, fährt in seinem Wagen durch die Stadt, genießt die Gebäude der Stadt, geht zurück in seinen Palast und unterhält sich mit der Königin. Der Jiva gebietet über den grobstofflichen Körper im Wachzustand und ist mit den drei Handlungen (mental, verbal und physisch) verbunden. Er wird Vishva genannt. Er arbeitet mit dem feinstofflichen Körper und genießt den Traumzustand durch die Vasanas. Er wird Taijasa genannt. Er gebietet während des Tiefschlafs über den Kausalkörper und genießt die Glückseligkeit des Tiefschlafs. Er wird Prajna genannt. Du erinnerst dich täglich an die drei Bewusstseinszustände des vergangenen Tages. Ohne Beobachtung kann es keine Erinnerung geben.

Der Jiva unterliegt dem Wandel. Er kann nicht Zeuge genannt werden, da er sich während des Tiefschlafs verliert. Er ist nicht wirklich. Er ist mehr eine Widerspiegelung des Geistes. Wenn der Geist während des Tiefschlafs in das Mula Ajnana eingeht, scheint der aus sich selbst strahlende Atman. Er ist der Zeuge des Tiefschlafs aller Wesen. Der Atman kann nur Zeuge sein, denn Er ist unwandelbar. Die Shrutis erklären mit Nachdruck: ‚Der Atman ist der Zeuge, reine Intelligenz, Einer ohne ein Zweites, eine homogene Essenz ohne Attribute‘. Der Jiva sagt: ‚Jetzt bin ich glücklich. Ich fühle mich schlecht. Ich bin müde. Ich habe letzte Nacht geträumt. Ich bin wach. Ich bin mal so mal so.‘ Ein intelligenter Purusha, der die drei Bewusstseinszustände erkennt, kann nur als Zeuge der drei Bewusstseinszustände des Jivas gesehen werden. Dieser intelligente Purusha ist Satchidananda Atman.

In Ohnmacht ist der Mensch ohne Bewusstsein, in einem Zwischenzustand. Er ist nicht wach, denn er kann seine Sinne nicht benutzen. Wenn er aus der Ohnmacht erwacht, sagt er: ‚So lange Zeit war ich ohne Bewusstsein. Ich war in Dunkelheit gefangen‘. Der wache Mensch hält seinen Körper aufrecht, der Körper des Ohnmächtigen fällt auf den Boden. Er ist nicht tot, weil er noch atmet und noch warm ist. Wenn man kaltes Wasser auf sein Gesicht sprenkelt, kehrt das Bewusstsein zurück. Wenn der Mensch bewusstlos ist, atmet er manchmal für lange Zeit nicht. Sein Körper zittert. Seine Augen sind geöffnet und starr. Das Gesicht eines Schlafenden ist friedlich. Er atmet gleichmäßig. Seine Augen sind geschlossen, sein Körper zittert nicht. Einen Schlafenden kann man durch eine leichte Berührung aufwecken. Einen Ohnmächtigen kann man selbst durch einen Schlag nicht aufwecken. Bewusstlosigkeit ist zur einen Hälfte Tiefschlaf, zur anderen Hälfte Tod. Wenn die Seele noch ‚arbeitet‘, kommen Sprache und Geist zurück. Wenn die Seele nicht mehr ‚arbeitet‘, verlassen Atem und Wärme den Körper.

Turiya ist der Bewusstseinszustand, in dem der Atman die hier genannten drei Bewusstseinszustände beobachtet. Er ist eins mit sich, ohne deren Existenz und Nicht-Existenz. Er ist ungestörtes Chaitanya (Bewusstsein) allein. Dieses Chaitanya ist das, was zwar mit den drei Bewusstseinszuständen verbunden ist, doch ohne diese ist - es ist rein.

Du kennst den Wachzustand. Du kennst die Abwesenheit des Wachzustandes im Traum und im Tiefschlaf. Du bist nicht der Wachzustand. Er gehört nicht zu dir. Er gehört zum grobstofflichen Körper. Du bist der Beobachter des Wachzustandes, so wie du der Beobachter des Tisches und des Stuhles bist. Du bist vollkommen verschieden vom Wachzustand. Du kennst auch den Traumzustand. Du kennst die Abwesenheit des Traumzustandes im Wachzustand und im Tiefschlaf. Du bist nicht der Traumzustand. Er gehört nicht zu dir. Er gehört zum feinstofflichen Körper. Du bist der Beobachter des Traumzustandes, so wie du der Beobachter des Tisches und des Stuhles bist. Du bist vollkommen verschieden vom Traumzustand. Und du kennst den Tiefschlaf. Du kennst die Abwesenheit des Tiefschlafs im Wach- und Traumzustand. Du bist nicht der Tiefschlaf. Er gehört nicht zu dir. Er gehört zum Kausalkörper. Du bist der Beobachter des Tiefschlafs, so wie du der Beobachter des Tisches und des Stuhles bist. Du bist vollkommen verschieden vom Tiefschlaf.

Mit den folgenden segensreichen Versen beginnt Sri Shankara seinen einmaligen und meisterhaften Kommentar zur Mandukya Upanishade. Dieser beinhaltet die Essenz der Vedantischen Lehre basierend auf dem System der Avasthas: "Ich verneige mich vor Brahman. Es durchdringt alles mit Seinen Strahlen. Es ist der Zeuge des Grobstofflichen. Es ist unveränderlich und allgegenwärtig im Beweglichen und Unbeweglichen des Universums. Es löst sich auf in Seiner durch Karma und Avidya angetriebenen Schöpfung. Danach ruht Es und verursacht in uns Illusion. Es ist der vierte Zustand, in dem die drei Zustände "grobstofflich, feinstofflich und kausal" zusammengehalten werden. Es ist ewig Eines - ewige, anfangslose Glückseligkeit.‘

"Möge Es, das der vierte Zustand ist und das als Virat sowohl die gewaltigen Auswirkungen von Unwissenheit und Anhaftung erfahren hat, als auch die feinstofflichen Auswirkungen, die vom inneren Wissen ins Leben gerufen wurden, möge Es uns beschützen. Es wird durch Sein eigenes Licht erleuchtet. Es nimmt alles wieder in Sich auf. Möge dieses Eine, dieses Grenzenlose, dieses ohne Unterscheidung und ohne Attribute Seiende, uns beschützen."

Die Philosophen des Westens haben diese drei Bewusstseinszustände nicht mit einbezogen. Sie haben sich nur mit dem Wachzustand befasst, deshalb ist ihre Philosophie nicht vollkommen. Die drei Bewusstseinszustände müssen als ein Ganzes berücksichtigt werden, denn sie stellen das Bewusstsein des Menschen als Ganzes dar. Der Traumzustand ist so real wie der Wachzustand. Der Tiefschlaf ist noch realer als der Wachzustand, denn der Jiva ist in engem Kontakt mit der Glückseligkeit (Brahman) und genießt die Höchste Glückseligkeit Brahmans. Es ist kein negativer Bewusstseinszustand, wie viele glauben. Bei ihnen besteht nur ein dünner Schleier der Unwissenheit, Mula Ajnana, zwischen dem Jiva und Brahman. Wenn dieser Schleier ebenfalls fällt, folgt der höchste Bewusstseinszustand und der Aspirant erstrahlt in der ursprünglichen Herrlichkeit Brahmans.

Der vom Glück begünstigte Weise, der durch stetes Sadhana den Atman als den Zeugen der drei Bewusstseinszustände erkannt hat, ist wahrlich ein befreiter Jnani. Er muss von allen gepriesen werden, denn er ist Brahman selbst.

Atman ist Sat-Chit-Ananda

Swami Sivananda

Auszug aus dem Buch "Jnana Yoga" von Swami Sivananda (Hrsg.: Divine Life Society, 2007), S. 108-115

Atman ist Sat

Atman ist Sat. Das, was in der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft existiert, das, was keinen Anfang, keine Mitte und kein Ende hat, das, was unwandelbar ist, das, was weder von Zeit, Raum noch Ursache berührt ist, das, was während Jagrat, Svapna und Sushupti besteht, das, was eine homogene Essenz darstellt (Sada Ekarasa, Sada Ekarupa), das ist Sat. Die Shrutis erklären mit Nachdruck: ‚Sat allein war vor der Evolution dieses Universums‘.

Unsere gemeinsame Erfahrung, um genau zu sein, unser angeborenes Gefühl, dass wir nie nicht waren und wir nie aufhören werden zu sein, auch wenn unser physischer Körper vergeht, beweist klar, dass der Atman ewig ist. Auf die Frage, ob wir in dieser Welt sind oder nicht, gibt die Menschheit eine einheitliche Antwort: ‚Wir sind hier‘. Besitzen wir einen Körper oder nicht? Ja, wir haben einen Körper. Woher kam dieser Körper? Es muss einen Grund geben, dass wir diesen Körper erhalten haben. Der Grund ist Karma. Nur unser Karma lässt diesen Körper geboren werden. Das Karma des heutigen Körpers legte diesen Körper im vorherigen Leben fest, den vorherigen Körper im Leben davor, so kann man den Körper zurückverfolgen bis ins Grenzenlose. Daher, wenn wir nachforschen, finden wir heraus, dass Karma und Körper ohne Anfang sind, ein unendlicher Fluss, dessen Quelle unbekannt ist. Karma und Körper formen eine ewig zurückreichende Kette. Deshalb ist sicher, dass der Atman, der der Urgrund dieser Kette ist, ebenso ohne Anfang sein muss. Diese Schlussfolgerung beweist, dass der Atman Sat ist.

Warum können wir nicht sagen, dass der Körper aus den Taten der derzeitigen Geburt entstanden ist? Der Same, der den Baum wachsen lässt, kann nicht den Baum wachsen lassen, der der Grund für sein eigenes Vorhandensein ist. So erschaffen die Taten dieses Körpers einen neuen Körper für die nächste Geburt, doch können sie nicht diesen Körper erschaffen.

Eine weitere Frage ist, gehört das Karma, das den Körper erschafft, uns oder anderen? Natürlich ist es unseres. Wir können nicht das Karma eines anderen genießen. Wenn Krishna etwas Böses tut, muss er leiden. Es kann nicht Sadashiva betreffen. Tugend belohnt den, der die tugendhafte Tat vollbracht hat. Das ist ein unveränderliches Naturgesetz. Könnte jemand durch das Karma eines anderen in den Himmel gelangen, müsste der Diener durch das Opfer, das ein gelernter Brahmane durchgeführt hat, in den Himmel kommen. Dann hätten alle durch den Nirvikalpa Samadhi von Sri Shankara oder von Dattatreya Befreiung erlangt. Doch das ist nicht der Fall. Deshalb ist klar, dass das eigene Karma diesen uns eigenen Körper erschafft.

Das Karma, das wir in diesem Leben leisten, ist nicht umsonst. Handlungen sind unverwüstlich. Sie erzeugen neue Körper in der Zukunft. In diesen Körpern sammeln wir wieder neues Karma an, daraus entstehen wieder neue Körper bis ins Unendliche. Die Verbindung Karma und Körper wird nie enden, doch das Karma kann zum Ende gebracht werden, durch die Erkenntnis des Selbst. Karma wird komplett ausgelöscht, sobald Brahma Jnana erwacht. Dann kommt das Ende des Körpers. Selbst wenn das Karma vernichtet ist und die Geburten zum Ende kommen, der Atman vergeht nicht. Er ist ewig. Karma ist Avidya. Wenn das Karma vernichtet ist, vergeht die Ursache für Leid. Das Dasein des Jivas vergeht. Der Jiva genießt die höchste Glückseligkeit des Selbst. Atman ist ewig. Er ist in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Die Welt kommt und geht, der Atman bleibt. Pralaya, die Auflösung, gilt nur dem sichtbaren Universum, nicht jedoch dem unwandelbaren, aus sich selbst existierenden Atman. Überschwemmung und Feuer können Namen und Formen vernichten, doch können sie den unvergänglichen Atman nicht berühren. So kannst du nun verstehen, dass der Atman Sat ist.

Atman ist Chit

Der Atman ist Chit, denn Er strahlt aus sich selbst heraus - ohne Hilfe eines anderen Lichts - und erhellt das Universum durch Sein eigenes Licht. Man kann fragen, wie können wir das Universum erhellen, wenn wir unwissend sind? Das Universum ist von zweierlei Art, extern und intern. Das externe Universum umhüllt die fünf Elemente und deren Vermögen, Klang, Berührung, Form, Geschmack, Geruch, die Verbindungen verschiedener Arten, Namen, Formen, Qualitäten, Merkmale, die fünf Elemente, Brahmas Ei, die vier Arten von Lebewesen, die aus dem Ei geborenen, die aus Schweiß geborenen, die aus Samen geborenen und die aus dem Mutterleib geborenen. Das externe Universum, möge es noch so mannigfaltig und groß sich darstellen, ist nur eine träge Masse. Es kann nicht das Objekt unserer Erkenntnis sein, bevor wir es mit unserem Bewusstsein fluten - Licht; es kann uns nicht kennen. Es wird nur durch uns erhellt. Es kann niemals uns erhellen.

Das interne Universum umhüllt die fünf Koshas; die drei Körper, grob-, feinstofflich und kausal; die sechs Veränderungen, die sechs Wellen, Geburt, Tod, Hunger, Durst, Leid und Verblendung; die fünf Organe des Wissens; Die fünf Organe der Handlung; die fünf Pranas; das Vierfache Antahkarana, Sankalpa Vikalpa, Entscheidung, Selbstanmaßung und Erkundigung; die drei Bewusstseinsebenen Jagrat, Svapna und Sushupti; die Aktivitäten von Avasthas, Visva, Taijasa, Prajna; Geist, Sprache und Körper; Freundlichkeit, Barmherzigkeit, Selbstzufriedenheit und Gleichgültigkeit; Yama, Niyama, Asana, Pranayama, Pratyahara, Dharana, Dhyana und Samadhi; die acht Arten von Beweis; Hass, Eifersucht, Lust, Ärger, Stolz, Heuchelei; Sattva, Rajas und Tamas; Freude und Leid; die vier Wege zur Befreiung; die drei Arten von Leid; Gedanken, Gefühle, Emotionen, Empfindung. Diese innere Welt ist ebenso träge und kann nicht das Objekt unserer Erkenntnis sein, bevor wir sie mit unserem Bewusstsein fluten. Wir kennen sie; sie kann uns nicht kennen. Der Geist ist endlich und träge. Er hat keine unabhängige Intelligenz. Er strahlt nicht aus sich selbst heraus, er strahlt durch von der Quelle geborgtes Licht. Er unterliegt verschiedensten Beschränkungen und Veränderungen. Er ist nur ein träges Produkt der feinstofflichen Masse. Nur der Atman ist die Quelle von Chit. Der Geist wird durch Chit wahrgenommen. Der Geist hat Anfang und Ende.

Gold strahlt, wenn es im Schmelztiegel verflüssigt wird. Woher kommt dieser Glanz? Nicht das Feuer lässt das Gold glitzern. Es ist nur ein Instrument, um den Unrat vom Gold zu trennen. Wenn die Unreinheiten vom Gold getrennt sind, dann erstrahlt es in seinem wahren Glanze. Ebenso geschieht es mit dem Geist, wenn er von Ajnana befreit ist, erstrahlt der Atman in Seiner ursprünglichen Herrlichkeit. Die erhellende Kraft des Geistes ist vom Atman geliehen. Sie gehört nicht zum trägen Geist. Eine Lampe erhellt die Dunkelheit im Raum, doch das Gefäß der Lampe als solches hat nicht die Kraft, die Dunkelheit zu erhellen. Ebenso kann das Feuer allein, ohne die Hilfe von Öl, Docht und Lampenkörper, die Dunkelheit nicht erhellen. Nur wenn die vier zusammenkommen, kann von ‚dem Licht der Lampe‘, das die Dunkelheit erhellt, gesprochen werden. Die Lampe des Körpers ist mit dem Öl des Karmas gefüllt, das Feuer des Atmans entzündet den Docht - den Geist - und vertreibt die Dunkelheit - Ajnana - des Jivas. Diese Kraft steckt nur im Atman, so ist klar bewiesen, dass der Atman Chit ist.

Atman ist Ananda

Ananda ist ewige, nicht zu übertreffende Glückseligkeit, frei von jeder Ursache. Ananda ist die wahre Natur des Atmans. Die sinnliche Freude, die uns das Betrachten einer Blüte, einer Landschaft, einer Frau, einer Frucht, einer Süßigkeit oder anderer vergänglicher Objekte schenkt, resultiert aus Upadhi und kann nicht als die Glückseligkeit des Atmans verstanden werden. Die Glückseligkeit des Atmans erfahren wir täglich im Tiefschlaf. Es ist die Abwesenheit von Leid, die zweifellos Glück ist, denn wir erinnern uns, wenn wir erwachen, an einen glücklichen Schlaf. Das weist auf die Glückseligkeit des Atmans in diesem Zustand hin. Alle Objekte, die uns im Wach- und Traumzustand glücklich machen, sind im Tiefschlaf abwesend. Die Glückseligkeit im Tiefschlaf ist frei von Upadhis. Die Glückseligkeit des Tiefschlafs ist unübertroffen, denn wir sehnen uns nach ihr und wir mögen die Menschen nicht, die unserem Glück des Schlafes im Wege stehen. Wir haben weiche Betten, weiche Kissen und genießen diese Freude. Wir kennen elf Stufen der Glückseligkeit beginnend beim Menschen, endend bei Hiranyagarbha. Jede Stufe der Glückseligkeit ist hundertfach größer als die vorherige. Doch die höchste Glückseligkeit Brahmans ist stufenlos. Sie ist ewig, denn nichts steht über ihr. Die Glückseligkeit des Tiefschlafs ist stufenlos.

Es darf nicht argumentiert werden, dass die Glückseligkeit des Tiefschlafs nicht ewig sein könne, da wir sie nicht im Wach- und im Traumzustand erfahren können. Diese Glückseligkeit besteht im Wach- und im Traumzustand ebenso, doch sie kann in diesen Bewusstseinszuständen nicht genossen werden, da sie durch die inneren Organe verschleiert wird. Die Erfahrung der vergänglichen sinnlichen Freuden verhüllt die ewige Glückseligkeit des Selbst. Obwohl der Rauch scheinbar das Feuer verhüllt, der Nebel scheinbar die Sonne verschleiert, so weiß der Weise doch, dass Rauch und Nebel Feuer und Sonne niemals wirklich verhüllen können.

So weiß der Kenner des Selbst, dass die endlichen sinnlichen Freuden, erfahren durch den Anblick von Blüten, Früchten, Frauen, die ewige Glückseligkeit des Atmans zu verschleiern scheinen, ihren Ursprung jedoch dem Atman schulden. Sie sind sich voll bewusst, dass die ewige Glückseligkeit des Atmans während der drei Zeiten und der drei Bewusstseinszustände unverhüllt strahlt. Die Glückseligkeit Brahmans kann nicht in Worten ausgedrückt werden. Sie muss gefühlt und erkannt werden durch die direkte Selbstverwirklichung. Wenn wir sie erfahren, so ist dies keine Erfahrung ähnlich dem Genuss eines Objektes, denn dann sind wir die Verkörperung der Glückseligkeit selbst. Daraus wird klar, dass die Glückseligkeit des Atmans und die Glückseligkeit des Tiefschlafes, die keine andere ist als erstere, ewig sind.

Die Liebe, die der Vater für die Freunde seines Sohnes empfindet, entsteht durch die Liebe zu seinem eigenen Sohn. Die Liebe, die der Vater für seinen Sohn empfindet, entsteht nicht durch die Liebe zu dessen Freunden. Der Sohn ist ihm lieber als der Freund des Sohnes. Wohlstand und Sohn sind uns lieb aufgrund unseres Atmans. Die Liebe zum Atman resultiert nicht aus der Liebe zu Wohlstand und Sohn. Deshalb ist uns der Atman lieber als Wohlstand und Sohn.

Der Mensch hängt an seinem Wohlstand. Er überquert das Meer und geht ins Ausland, um Geld zu verdienen. Doch der Sohn ist ihm lieber als der Wohlstand. Der Vater gibt all sein Geld, um den Sohn aus dem Gefängnis zu befreien, wenn er wegen eines Vergehens inhaftiert wurde. Der Sohn ist ihm lieber als das Geld. Der Körper ist ihm lieber als der Sohn. Der Vater verkauft seinen Sohn, wenn eine Dürre herrscht, um seinen Körper zu schützen. Die Indriyas sind ihm lieber als der Körper, der Mensch schützt seine Augen, Ohren, seine Nase, wenn er angegriffen wird. Prana ist ihm lieber als die Sinne. Wenn der König einem Kriminellen zum Tode verurteilt, zieht dieser es vor, auf einen seiner Sinne zu verzichten, als sein Leben zu verlieren. Das Leben ist ihm lieber als die Sinne. Der Atman ist ihm lieber als das Leben. Wer unter einer unheilbaren Krankheit leidet, spricht: ‚Möge mein Prana diesen Körper verlassen. Ich werde froh sein.‘ Der Atman ist ihm lieber als das Leben, denn Er ist die Verkörperung von Glückseligkeit.

Satchidananda ist nur ein Behelf, um den Atman zu beschreiben. Wir sehen in diesem Universum Lüge, Gleichgültigkeit und Leid. Der Atman, der verschieden ist von Anatman, wird nur für das leichtere Verständnis von uns als Sat (wahr) - im Gegensatz zu Asat (unwirklich), Chit (Bewusstsein) - im Gegensatz zu Jada (Unbewusstsein) - und Ananda (Glückseligkeit) - im Gegensatz zu Duhkha (Leid) - bezeichnet. Doch selbst diese Bezeichnungen beschreiben nicht den Atman, kennzeichnen nur das, was jenseits der Worte liegt. Brahman kann nur durch Negation beschrieben werden.

Sat, Chit und Ananda sind keine eigenständigen Entitäten. Sie sind nicht verschieden voneinander. Sie sind gleichzeitig und nebeneinander mit Atman bestehend. So wie Wasser, Jal, Pani dasselbe beschreiben, so beschreiben Sat-Chit-Ananda den einen Atman. Sat ist Chit. Sat ist Ananda. Chit ist Sat. Chit ist Ananda. Ananda ist Sat. Ananda ist Chit. Man kann Sat-Chit-Ananda nicht in drei getrennte Entitäten teilen, so wie man Licht und Hitze nicht vom Feuer trennen kann.

Begrenzung (Parichheda) ist von dreierlei Art: (1) durch Raum (Desa), (2) durch Zeit (Kala) und (3) durch Objekte (Vastu). Der Körper wird durch den Raum begrenzt. Der Atman kennt keine Begrenzung durch Raum, da Er alldurchdringende Fülle ist. Der Atman ist ewig. Er kann nicht durch Zeit begrenzt werden. Der Körper hängt von der Zeit ab, deshalb ist er vergänglich. Die Begrenzung durch Objekte (Vastu Parichheda) ist wiederum von dreierlei Art: (1) Sajatiya, Begrenzung durch ein bestimmtes Objekt, zum Beispiel: Der Baum ist begrenzt, da ein ähnlicher Baum existiert. (2) Vijatiya, ein Baum ist begrenzt, da ein von ihm verschiedener Stein existiert. (3) Svagata, Begrenzung durch das Vorhandensein des Unterschiedes selbst, zum Beispiel: Ein Baum ist begrenzt, da man ihn in Stamm, Blätter, Äste, Blüten, Wurzeln, Früchte teilen kann. Der Mensch ist begrenzt, da man ihn in Gesicht, Korpus, Hände, Beine teilen kann. Ishvara ist Abhinna Nimittopadana Karana. Er schuf dieses Universum aus Seinem Eigenen Körper (Maya) - so wie die Spinne ihr Netz aus ihrem eigenen Körper erschafft - und wurde Selbst zu Namen und Formen. Deshalb kann es keinen Sajatiya Bheda wie den Jiva-Ishvara Bheda geben. Es gibt keinen zweiten Atman. Es gibt keine zwei Sats.

Das Universum - durchdrungen von Atman

Dieses phänomenale Universum ist nicht wirklich. Es ist eine Erscheinung, wie die Schlange im Seil und das Silber im Perlmutt. Es kennt keine unabhängige Existenz. Deshalb kann kein Vijatiya Bheda vorhanden sein.

Sat, Chit und Ananda sind eins. Der Atman ist unteilbar und homogen. Sat, Chit und Ananda sind nicht verschieden voneinander. Der Baum kann in Zweige, Blüten, Stamm usw. unterteilt werden, sie sind endlich und gehören zum Baum, doch der Atman hat keine Teile. Sat ist anwesend, wo immer Chit und Ananda sind. Sat kann durch kein anderes Sat begrenzt werden, denn es gibt keine zwei Sats, es kann auch nicht durch Asat begrenzt werden, denn Asat hat keine Existenz. Wird Chit als verschieden von Sat beschrieben, dann ist Asat das Horn des Hasen. Diese Vermutungen führen in das Dilemma der Verwirrung. Alles Leid nimmt ein Ende, wenn wir den Atman erkennen. Deshalb muss der Atman die Verkörperung von Glückseligkeit sein. Sat ist Chit und Sat ist ebenso Ananda.

Wer diesen Sat-Chit-Ananda Atman erkannt hat, ist ein befreiter Weiser. Er hat nichts mehr zu lernen, nichts mehr zu tun, nichts mehr zu erreichen. Alle Wünsche sind erfüllt. Ihm gehören alle Welten. Er ist aus den Klauen des Todes befreit. Er ist unsterblich geworden.

Die fünf Merkmale des Atmans

Vergänglichkeit - Pieter Claesz

Auszug aus dem Buch "Jnana Yoga" von Swami Sivananda (Hrsg.: Divine Life Society, 2007), S. 116-118

Im Traum arbeitet der Geist auf mysteriöse Weise. Er erschafft Fantasien, romantische Bilder, Landschaften, Ereignisse. Manchmal träumst Du, du bist tot und deine Eltern stehen weinend neben dir. Das Beeindruckende ist, dass du, obwohl du tot bist, deine Eltern siehst und hörst, wie sie weinen. Zeigt das nicht deutlich, dass das Leben auch nach dem anscheinenden Tod fortdauert? Beweist das nicht klar, dass die Seele unsterblich ist? Denke darüber nach. Du wirst verstehen, dass Unsterblichkeit das Grundlegende des Atmans ist. Das Traum-Phänomen begründet den Sat-Aspekt des Atmans.

Wenn jemand erfährt, dass er innerhalb eines Jahres sterben muss, wird er sofort ungehalten, dachte er doch, er lebe ewig, obwohl er weiß, dass die physische Hülle vergänglich ist. Dein sehnlicher Wunsch, ewig zu Leben, zeigt, dass deine wahre Natur unsterblich ist. Das ist der Sat-Aspekt des Atmans. Die Menschen bauen sich Häuser mit der Hoffnung, ewig in dieser phänomenalen Welt leben zu können. Obwohl der Intellekt durch Avidya verdunkelt ist, ist doch die Unsterblichkeit der Seele tief im Geist der Menschen verwurzelt. In ruhigen Momenten, wenn der Intellekt klar und rein wird, wird das Gefühl vermehrt.

Ein Kind fragt die Mutter ständig: ‚Mama, was ist das? Was ist das?‘ Ein Kind ist voll Neugierde. Das ist der klare Beweis, dass Wissen, und nicht Unwissenheit, die wahre Natur des Atmans ist. Wenn du zu jemandem sagst: ‚Du bist ein Idiot‘, wird er sofort aggressiv. Warum? Er fühlt intuitiv, dass er Intelligenz ist. Selbst ein Idiot glaubt, weise zu sein, denn in seiner Essenz ist er die Verkörperung von Weisheit, identisch mit dem Höchsten Selbst. So erscheint dieses in ihm weilende Gefühl ‚Ich bin ein weiser Mensch‘ in seinem Herzen. Das ist der Chit-Aspekt des Atmans.

Gesichter, Anlagen und Fähigkeiten sind verschieden von Person zu Person. Farben sind verschieden. Klänge sind verschieden. Gang und Denken sind verschieden. Meinungen und Ansichten sind verschieden. Doch eines ist in allen Menschen gleich: der Wunsch nach ewigem Glück (Nitya Sukha). Das ist der Ananda-Aspekt des Atmans. Das ist der klare Beweis, dass Glückseligkeit, nicht Leid, die wahre Natur der Seele ist.

Ein bemerkenswerter Fall trug sich vor ein paar Jahren zu. Ein französisches Mädchen litt unter einer gefährlichen Krankheit. Wochenlang lag sie im Koma. Für die Ärzte war der Fall hoffnungslos. Wie ein Wunder änderte sich ihr Zustand durch die Gnade Gottes. Sie sprach nur Französisch. Und nun geschah das Unvorstellbare. Sie vergaß ihre Muttersprache vollkommen und konnte sich in einem Dutzend Sprachen ausdrücken, die sie zuvor nicht einmal kannte. So wurde es in den führenden Zeitungen berichtet. Dies verursachte Aufmerksamkeit und Neugier unter den Lesern. Sofort untersuchten Psychologen, Ärzte und Wissenschaftlicher diesen Fall genauestens. Sie wurden überzeugt, dass die Reportage der Wahrheit entsprach. Sie erklärten dieses Phänomen wie folgt: Das vollkommene Wissen ist auf mysteriöse Weise in unserem Geist vorhanden, jedoch hinter verschiedenen ‚Toren‘ verschlossen. Diese ‚Tore‘ können nur durch einen bestimmten ‚Schlüssel‘ geöffnet werden. Sie bemerkten weiterhin, dass wir einige dieser ‚Tore‘ öffnen können, wenn wir den richtigen ‚Schlüssel‘ benutzen, den ‚Schlüssel‘ der Übung und der Disziplin, wir jedoch nicht in der Lage sind die anderen ‚Tore‘ zu öffnen, aufgrund von Unwissenheit, fehlender Übung, fehlender Disziplin und des Gebrauchs des falschen ‚Schlüssels‘. Sie fügten hinzu, dass im Fall dieses Mädchens das ‚Tor‘ Französisch sich schloss und die ‚Tore‘ für ein Dutzend anderer Sprachen sich öffneten. Hier bewies sich die Vedantische Doktrin, dass der Atman ein Speicher allen Wissens und die Verkörperung von Weisheit ist.

Jeder sehnt sich nach Freiheit. Der Gedanke an Unfreiheit löst Ärger und Leid aus. Jeder möchte die Herrschaft erlangen. Jeder möchte über andere bestimmen. Niemand möchte sich nach den Wünschen anderer richten. Im Gegenteil, jeder möchte, dass die anderen seinen Wünschen folgen. Das beweist, dass auch Herrschaft und Freiheit die dem unsterblichen Atman innewohnenden Eigenschaften sind.

Atma Svarajya- Die Freiheit des Selbst

Shankaracharya, der Verfasser der Schriften.

von Swami Sivananda

Das Unendliche ist absolute Glückseligkeit: Es ist Brahman oder Atman oder das Höchste Selbst, das Absolute, Bhuma und das Unkonditionierte jenseits von Zeit, Raum und Wirkung. Es ist Unsterblichkeit. Dort, wo man nichts sonst sieht, nichts sonst hört, nichts sonst wahrnimmt, ist Unendlichkeit. Das Unendliche ruht in seiner eigenen Größe, es ist höchster Frieden und Furchtlosigkeit, absolute Existenz und absolutwes Wissen. Unteilbar und unabhängig leuchtet und existiert das Unendliche aus sich selbst heraus, es allein besitzt Realität und existiert in den drei Zeitperioden. Du musst das Unendliche suchen, verstehen und verwirklichen.

Die “Überseele” der westlichen Philosophen ist der Brahman der Upanishaden oder der Atman der Vedantins. Die höchste Seele oder Paramatma, der das Individuum unterstützt, ist die “Überseele”: Sie ist die “Substanz” Spinozas und das “Ding-an-sich”, das Immanuel Kant beschreibt. Die Essenz des Vedanta hat die Geister von westlichen Philosophen langsam infiltriert und dadurch akzeptieren sie nun die Existenz des unendlichen Prinzips der unsterblichen Seele.

Brahman oder Atman ist die Seele des Menschen und des Universums. Brahman allein ist unendlich. Es kann keine zwei Unendlichkeiten geben. Wenn es so wäre, dann würden die zwei Unendlichkeiten miteinander kämpfen. Eine Unendlichkeit würde etwas erschaffen und die andere würde es zerstören. Es kann nur eine Unendlichkeit geben. Dieser Atman ist der eine unendliche Brahman. Alles andere ist seine Manifestation und sein Ausdruck.

Vedanta steht unter allen philosophischen Systemen an erster Stelle. Es ist das philosophische Systeme, in dem das menschliche Denken seinen Höhepunkt erreicht hat. Als wahrhaft unvergleichliches Gedankengebäude erfordert es einen feinsinnigen und scharfen Intellekt, um seine fundamentalen Prinzipien zu erfassen. Einzigartig in der Kühnheit seiner Schlußfolgerungen ist es völlig frei von Dogmatismus oder starren Doktrinen. Auch ist Vedanta sehr praktisch orientiert und predigt kein unmögliches, unerreichbares Ideal. Vamadeva, Jada Bharata, Sankara und viele andere verwirklichten die Wahrheit des Vedanta. Du kannst das auch, wenn du es wirklich willst. Dazu nötig ist eine konstante und regelmäßige Praxis. Du must vollkommenes Vertrauen in die Äußerungen der Srutis und in die Worte deines Gurusa haben. Aber zuerst musst du uneingeschränkt an dich selbst glauben.

Vedanta möchte, dass du deine Moha (selbstsüchtige Liebe) für deinen Körper aufgibst, deine Frau, deine Kinder und deinen Besitz. Es will, dass du alle weltlichen Begierden, Sehnsüchte und Wünsche hinter dir lässt. Die Sucht nach Macht und Ruhm soll völlig ausradiert werden und alle Verbindungen mit der Welt sollen im Geist zerbrochen werden. Vedanta fordert dich auf, rücksichtslos alle weltlichen Anhaftungen mit dem Schwert der Unterscheidungskraft durchzuschneiden.

Manche unwissenden Leute behaupten, das Vedanta Unmoral, Hass und Pessimismus predigt. Das ist ein sehr trauriger Irrtum. Vedanta lehrt keine Unmoral, nicht einmal Gleichgültigkeit gegenüber Moral. Für einen Unmoralischen ist die Realisation Brahmans unmöglich. Nur ein Aspirant, der ethisch perfekt und mit den vier Mitteln ausgestattet ist, kann ein Student des Vedanta werden. Oder glaubst du vielleicht, dass ein Aspirant, der Unterscheidungskraft, Sachlichkeit, Gelassenheit, Selbstbeherrschung, Duldsamkeit, Durchhaltevermögen, Glaube, einen einpünktigen Geist und ein brennendes Verlangen nach Befreiung besitzt, ein unmoralisches Leben führt? Das wäre ziemlich absurd. Vedanta will einfach Moha oder die selbstsüchtige Liebe und Leidenschaft für den Körper zerstören und eine reine, selbstlose und kosmische Liebe entwickeln, das hochherzige Prem. Es vertritt niemals Pessimismus sondern im Gegenteil den Gipfel des Optimismus: „Gib diese kleinen illusorischen Freuden auf. Du wirst ewige und unendliche Glückseligkeit erhalten. Vernichte dieses kleine ‚Ich‘. Du wirst eins mit dem Unendlichen sein, unsterblich. Wende dich ab von diesen kleinen illusorischen Freuden. Du wirst den unermesslichen Bereich des höchsten Frieden betreten, das Königreich Gottes.“ Ist das Pessimismus? Sicher nicht. Es ist wundervoller Optimismus.

Im Whirlpool der flüchtigen sinnlichen Genüsse hat du Zweck und Ziel des Lebens vergessen. Du lebst mehr für den Körper als für die Seele und in deiner Gier nach den Phantomshows weltlicher Eitelkeiten hast du ihre spirituellen Instinkte und Sehnsüchte vernichtet. Was für ein trauriger Zustand! Rätselhaft ist Maya! Mysteriös ist Moha! Öffne nun deine Augen und erwache aus dem langen Schlaf der Unwissenheit. Erkenne die ultimative Realität und genieße ewige Glückseligkeit.

Konzentration und Meditation

Du kannst nicht sterben, denn du bist nie geboren worden. Du bist der unsterbliche Atman. Geburt und Tod sind zwei unwirkliche Szenen in dem illusionären Drama von Maya. Sie betreffen nur die körperliche Hülle, ein unechtes Produkt, geformt durch die Kombination der fünf Elemente. Die Vorstellungen von Geburt und Tod sind reiner Aberglaube.

Du verehrst die Sonne, den Mond und die Sterne, die verschneiten Gipfel des Himalaya, den Jasmin, die Rose, die Niagara Fälle und den unendlichen Ozean. Du bewunderst das Luftschiff, die Dampflokomotive, den Telegraphen und den Funk. Aber der Geist, der seinen Sitz im Gehirn hat, ist noch wundervoller. In einem Augenblick wandert er von Colombo nach London, vom Himalaya zu den Alpen. Dieses größte Wunder ist der unsterbliche Brahman oder Atman, der das ganze Universum durchdringt, der die Sonne erhellt und den Mond, die Sterne und den Geist.

Du siehst deinen lieben Bruder Banerji vor dir. Was ist es, das du „Banerji“ nennst und als „Banerji“ wiedererkennst? Sicherlich ist „Banerji“ nicht seine Hände, Füße, Kopf, Brust oder Bauch. Sogar wenn seine Extremitäten amputiert würden, sogar wenn er Leukoderma oder weiße Haut bekäme, sogar wenn seine Augäpfel herausgenommen würden, hättest du dieselbe Liebe für ihn. Du würdest ihn immer noch „Banerji“ nennen. Das beweist, dass „Banerji“ nicht der physische Körper ist. Der physische Körper ist nur aus den fünf Elementen gemacht. Er hat einen Anfang und ein Ende. Du magst jetzt sagen, dass “Banerji” aus Gedanken, Ideen, Emotionen, Gefühlen, Überzeugungen usw. besteht und dass der Geist “Banerji” ist. Aber: Die Gedanken verändern sich. Der Geist ändert sich. Er ist aus subtiler Materie gemacht. Die nicht verfünffachte sattwige Portion des Tanmatras oder Wurzelelements oder feinstofflichen Elements bilden den Geist. Der Geist ist ein Effekt von Avidya oder Unwissenheit. Er hat einen Beginn und ein Ende. Doch sogar wenn sich der Charakter und die Gedanken von Banerji verändern, hältst du an ihm fest. Demzufolge ist er auch nicht in seinen Gedanken. Er ist irgendwo hinter dem Geist. Es ist Er, der den Geist bewegt, die Sinne und den Körper. Es ist Er, der dem Geist und den Sinnen das Licht des Bewusstseins spendet. Der wahre „Banerji“ ist der unsterbliche Atman, der jenseits von Geist, Rede, Zeit, Raum und Ursache weilt. Körper, Sinne und Geist sind bloß sein illusionäres Zubehör, das von Avidya kreiert wurde.

Mache dich also von niemandem abhängig. Verlass dich rein auf dein Selbst. Sei einzig und allein auf den Atman konzentriert. Die Frau verlässt ihren Mann, wenn er verarmt und heiratet einen anderen, Reicheren. Der reiche Ehemann last sich von seiner Frau scheiden, wenn sie ihre Schönheit verliert und heiratet eine andere, Jüngere. Sogar Jesus und Buddha wurden von ihren Freunden, Gefolgsleuten und Jüngern verlassen. Das ist eine seltsame Welt. Geheimnisvoll ist Maya!

Jeder möchte ein unabhängiger Gebieter sein. Keiner möchte sich nach den Wünschen anderer richten, doch jeder sehnt sich danach, dass die anderen seine Wünsche erfüllen. Ganz tief drinnen will jeder über alle anderen herrschen - wenn das irgendwie möglich wäre. Keiner erträgt einen Rivalen. Der wahre Grund dafür ist, dass in jedem die unsterbliche, selbsterfüllte Seele oder Atman wohnt, die eins ohne ein zweites ist, die keinen Konkurrenten hat und die der innere Herrscher ist, der das ganze Universum regiert. In Wahrheit bist du dieser Atman. Das ist der grund warum du solche Gefühle und ein derartiges Verlangen (zu herrschen) hast: Alleinherrschaft ist etwas ziemlich Natürliches für dich, sie ist geradezu dein Attribut als Atman. Aus Unwissenheit hast du allerdings den Körper mit dem Atman verwechselt und versuchst nun als Körper, im Geschäftsleben, im Büro, auf der Universität, im Spiel und in jedem anderen Aktivitätsbereich deine Rivalen zu unterdrücken. Du kannst absolute Alleinherrschaft aber nur erreichen, wenn du den Atman realisierst. Nur Atma Svarajya kann dich absolut unabhängig und zum höchsten Monarchen des gesamten Universums machen. Verwirkliche daher diesen Wunderbaren und werde ein wahrhaft mächtiger Potentat der drei Welten.

Sukadev über Atman

Niederschrift eines Vortragsvideos (2014) von Sukadev über Atman

Sukadev sitzt im Lotus vor Magnolien

Atman ist das Selbst. Atman hat in verschiedenen Kontexten verschiedene Bedeutungen. Zunächst einmal heißt Atman einfach von der Sprache her selbst. Dies ist so ähnlich wie auch im Deutschen das Wort "selbst". Im Deutschen kann man auch sagen: "Ich selbst" oder "mein höheres Selbst. Mein niederes Selbst." Das ist so ähnlich wie "Selbsterkenntnis". Und damit ist nicht immer nur das höchste Selbst gemeint. Atman ist Selbst, im Vedanta ist es das höchste Selbst. Atman im Vedanta, ist das Selbst, das jenseits von allen Dualitäten steht. Atman im Vedanta ist das höchste Bewusstsein.

Es wird manchmal auch zwischen Jivatman und Paramatman unterschieden. Jiva ist individuelles oder auch lebendiges Selbst, also in Entwicklung begriffen, und Param ist das "Höchste". Paramatma ist das höchste Selbst, das wahre Selbst. Und Jivatma ist das individuelle Selbst. Wenn du dich selbst auf das relative Selbst beziehst, wenn du zum Beispiel sagst: "ich bin so und so alt, so und so groß, habe die und die Eigenschaften, bin so und so", dann ist das Jivatman. Wenn du aber sagst: "Ich bin nicht beschränkt auf Körper, auf Psyche und die Attribute von Körper und Psyche, ich bin das unsterbliche Selbst", dann ist das Paramatman. Im Vedanta, wenn man über Atman spricht, dann ist immer Paramatman gemeint. Wenn es zum Beispiel in einer Upanishade heißt, "Ayam Atma Brahman", dann heißt es, "diese Selbst ist Brahman". Oder "Aham Brahmasmi" bedeutet "ich selbst bin Brahman".

In anderen Schriften, wie in der Bhagavad Gita oder auch im Yoga Sutra, wenn dort über Atman gesprochen wird, dann kann manchmal das relative Selbst gemeint sein, das Individuum, und manchmal auch das kosmische Selbst. Da gilt es, da zu unterscheiden und zu überlegen, aus dem Kontext heraus, welches Atman gemeint ist. Also ist Atman das Selbst. Und normalerweise, wenn wir im Deutschen in der Yogaliteratur das Wort "Atman" verwenden, ist es das höchste Selbst, die tiefste Seele, Atman, gleich mit der kosmischen Seele, Brahman, Atman, der göttliche Funken. Atman steckt auch im Wort Satchidananda, das Sein, Wissen und Glückseligkeit bedeutet. Atman ist deine wahre Natur. Atman ist der Beobachter, das Bewusstsein, das, was gleich bleibt, wenn Körper und Psyche durch verschiedenste Prozesse hindurchgehen.

Warum wir euch 'strahlender Atman' nennen

Von Sri Swami Chidananda

Buddha im Lotussitz

Strahlender Atman! Geliebte Kinder des Göttlichen! Tag für Tag, wenn ihr euch hier in der Samadhi Halle in der spirituellen Nähe Gurudevs versammelt, singt ihr Kirtan, wiederholt die Guru Stotra, rezitiert Santi Path und geht in die Stille. Und diese Zeit der geistigen Stille und der physischen Reglosigkeit nennen wir Meditation.

In diesem Stadium eures Yogalebens setzt sich euer Inneres während des Meditationsprozesses aus drei Faktoren zusammen: Erstens ist da das Objekt der Meditation, Gott, das Ewige, das Unendliche, das immer Reine, die Wirklichkeit hinter allen Erscheinungen, die schon existierte, als sonst noch nichts existierte. Der zweite Faktor ist der Prozess der Meditation selbst- ein ununterbrochener Strom von Aufmerksamkeit hin zu dem Objekt und von Gedanken über das Objekt. Diese zwei Faktoren sind klar. Aber der dritte Faktor, der Meditierende, ist nicht so klar. Wer meditiert? Was empfindet der Meditierende (über sich selbst in der Meditation)? Mit welchem Bewusstsein, welchem Zweck, welchem Bhava meditiert er?

Am Ende des Meditationsprozesses werdet ihr immer als die Kinder der Göttlichkeit angesprochen, immer. Warum das so ist? Hat es irgendetwas mit eurer Meditation zu tun? Was steckt hinter dieser großartigen, unerschütterlichen Praxis Gurudevs? Sie stammt aus vedischen Zeiten: srunvantu sarve amritasya putrah (Hört, ihr Kinder der Unsterblichkeit).

Ihr werdet ähnlich angesprochen, und es gibt eine Verbindung zwischen dem, wie ihr angesprochen werdet und dem, was das Ergebnis eurer Meditation sein sollte.

Indem wir euch mit Namen wie „Leuchtender Atman“ oder „Kinder des Göttlichen“ ansprechen, weisen wir auf das hin, was während der Dauer eurer Meditation erreicht werden sollte: Das Transzendieren eures Bewusstseins, über sein gegenwärtiges Stadium der Identifikation mit der vergänglichen Persönlichkeit hinaus in ein höheres Stadium, in dem ihr beginnt, in eurer wahren Identidät zu wurzeln. „Ich bin ein unsterbliches, leuchtendes, göttliches Wesen, ein Teil des kosmischen Geistes. Ich bin jenseits von Zeit und Raum. Ich habe weder Körper noch Geist(Verstand). Ich unterliege weder Geburt noch Tod.“

Gurudev pflegte zu sagen: “Nichts existiert, nichts gehört (zu) mir. Ich bin weder Körper noch Geist, ich bin das unsterbliche Selbst.“ Das war seine Formel, es war seine negierende Beschreibung. Es ist der „Neti Neti“- Weg, um die Wirklichkeit zu beschreiben. Aber Gurudev ging noch einen Schritt weiter und gab auch eine positive Beschreibung: "Chidananda hum, har hal mem satchidananda hum, ajarananda hum, amarananda hum, kaivalya kevala kutastha ananda hum, nitya suddha, siddha satchidanand hum.“( Ich bin DAS, ich bin ewig rein, ewig vollkommen.. Ich bin ewig frei und unerschütterlich, wie der Himalaya, wie der Berg Meru. Ich bin das Wesen, das fest in diesem Bewusstseinszustand ruht: Absolute Existenz, absolutes Bewusstsein, absolute Glückseligkeit. Ich bin das Unveränderbare. Ich bewege mich nicht.)

Die das Glück hatten, zu Gurudevs Zeiten zu leben, erinnern sich sicher an seine transformatorische Wirkung, wenn er aufstand und mit seiner kräftigen Stimme brüllte: "Chidananda, chidananda, chidananda hum, har hal mem almast satchidananda hum!“ (Bewusstsein und Glückseligkeit, Bewusstsein und Glückseligkeit, absolute Glückseligkeit! Unter allen Umständen bin ich absolutes Bewusstsein und absolute Glückseligkeit!)

Wie sein Gesicht leuchtete! Mit welch großer Kraft und Überzeugung das aus ihm kam! Er beabsichtigte damit, seinen Schülern den „göttlichen Atem einzuhauchen“ und so bestärkte er sie und versicherte ihnen auf positive Art und Weise, was sie waren.

Manchmal sind unsere Körper in der Meditation bewegungslos, aber in uns herrscht Aufruhr, vikshepa und chanchalatva (Ruhelosigkeit und Hin- und Herflattern des Geistes). Der Geist wandert durch das ganze Universum. Dann sind der Meditierende, das Objekt der Meditation und der Prozess der Meditation nicht mehr harmonisch in einem einzigen Zustand verbunden, als ununterbrochener Fluss vom Meditierenden zum Objekt der Meditation, so wie der Fluss Ganges zum Ozean fließt. Manchmal ist dieser Zustand einfach nicht da. Der Körper mag ruhig sein, aber der Geist ist es nicht.

Und genau das ist der Sinn eurer Anrede mit „Strahlender Atman, Kinder des Göttlichen“: Am Ende eurer Meditation wird euch damit klar gemacht, dass das Gegenteil der Fall sein sollte: Euer Körper mag ununterbrochen in hundert Aktivitäten involviert sein, aber in euch sollte ein fester, unerschütterlicher Zustand herrschen: Kutastha atma svarupa (das, was unbewegt ist).

Innerlich solltet ihr fest in eurer Selbstwahrnehmung verwurzelt sein, atma sthiti. In euch sollte diese absolut unerschütterliche, feste Verankerung in der Wirklichkeit vorherrschen, eine unveränderliche Festigkeit der Selbstwahrnehmung als ewiger, ungeborener, immer perfekter und göttlicher Geist. Wenn diese unerschütterliche Festigkeit des Verweilens im Selbst in euch vorhanden ist, dann können hundert Aktivitäten um euch herum stattfinden und ihr werdet trotzdem nicht davon berührt werden. Ihr werdet nicht um eine Haaresbreite von dem wegrücken, was ihr seid, von dem, was euer ewiger, unveränderlicher Seinszustand ist. Denn, das ist Wirklichkeit, er kann sich nicht ändern.

So verankert bewege dich durch die Welt und tue so viel Gutes, wie du kannst, zu jeder Zeit und an jedem Ort. Erhebe dein ganzes Leben auf dieselbe Ebene wie dein eigenes ewiges Wesen, und erlaube nicht, dass du hinuntergezogen wirst. Im Gegenteil, durch die Kraft deines unerschütterlichen Verweilens im Selbst erhebe alles um dich herum, in jedem einzelnen Moment deines Lebens. Essen, Trinken, Schlafen, Sitzen, Stehen, Atmen - alles sollte empor gehoben und in diesem Zustand gehalten werden.

Das ist die Vorgabe, die Bedingung: Verweilen im wahren inneren Selbst, und dem Körper, dem Geist, den Sinnen, den Händen und den Füßen erlauben, sich in Aktivität zu engagieren, ohne das fortgesetzte Verweilen im Selbst zu beeinflussen. Das sollte dein Zustand sein, dein Innenleben.

Wenn du so fest in dir verweilst, wenn du in deinem Selbst verwurzelt bist, dann werden alle Bewegungen deines Lebens verfeinert, subtil und sattwig werden - dein selbstloser Dienst, dein Dienst am Guru, dein Dienst an der Menschheit. Und schlussendlich wirst du imstande sein, dein ganzes Leben zu dieser höheren Dimension zu erheben. Du wirst alles spiritualisieren. Nichts bleibt weltlich, alles wird spirituell. Jede Aktivität wird yogisch.Dein Leben wird ein spirituelles Leben.

An das wirst du Tag für Tag erinnert: Du bist nicht dieser Geist und dieser Körper. Du bist kein Jivatman, der geboren wird und stirbt. Du bist der der Ewige, der kutashta atma, für immer frei, für immer rein, für immer vollkommen und für immer vollständig. In diesem Bewusstsein solltest du verweilen, und lass deinen Körper sich in nobler Aktivität, erhabenem selbstlosem Dienst engagieren. Und durch die Kraft deines inneren Verweilens im Selbst erhöhe sogar die äußeren Aktivitäten zu einer höheren Ebene der Göttlichkeit.

Der große Shankaracharya hat uns die Formel gegeben, um jede Aktivität in eine glorreiche Bewunderung des immer präsenten, alles durchdringenden Göttlichen zu transformieren: yadyat karma karomi tattad akhilam sambho tava aradhanam (Was immer ich tue, tue ich zu deiner Verehrung, oh Gott.)Denke darüber nach und transformiere dein Leben in Göttlichkeit. Möge Gottes Gnade und Gurudevs Kripa dich befähigen, das hier und jetzt zu tun.

Siehe auch

Literatur

Weblinks

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