Macht

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Alles ist Gottes Machtentfaltung, aus ihm stammt alles Schöne und Kräftige

Ausschnitt aus dem Buch "Der Gesang des Heiligen. Eine philosophische Episode des Mahabharatam". Eine Übersetzung der Bhagavadgita von Paul Deussen. Leipzig. F.a. Brockhaus. 1911. S. 68-74. So lautet in der Bhagavadgita die Zauberkunst der Machtentfaltung (Vibhuti - Yoga).

Krishna und Arjuna mit dem Streitwagen

Der Heilige sprach:

1. (1205.) Noch weiter, o Großarmiger, vernimm meine allerhöchste Rede, welche ich dir, den ich liebe, mitteilen will aus Wohlwollen für dich.
2. (1206.) Nicht die Scharen der Götter, nicht die großen Weisen kennen meinen Ursprung, denn ich bin der Anfang der Götter und der großen Weisen allüberall.
3. (1207.) Wer mich weiß als den Ungeborenen, den Anfanglosen, als den großen Herrn der Welt, der lebt unter den Menschen ohne Verblendung und wird von allem Bösen erlöst.
4. (1208.) Verstand, Wissen, Besonnenheit, Geduld , Wahrhaftigkeit, Bezähmung, Ruhe, Lust, Schmerz, Entstehen und Nichtsein, Furcht und Furchtlosigkeit,
5. (1209.) Schonung, Gleichmut, Zufriedenheit, Askese, Freigebigkeit, Ehre und Schande, alle diese einzelnen Zustände (Bhavah) der Wesen entspringen aus mir.
6. (1210.) Meines Wesens sind die sieben vorweltlichen großen Weisen und die vier Manus, sie sind meine geistigen Söhne, deren Weltschöpfung diese Wesen sind.
7. (1211.) Wer diese meine Machtentfaltung und Zauberkunst (Yoga) in Wahrheit erkennt, der wird mit unerschütterlichem Yoga angetan, daran ist kein Zweifel.
8. (1212.) Ich bin der Ursprung des Weltalls, aus mir entwickelt sich das Weltall, das wissen die Weisen und verehren mich, in Liebe nur hingegeben.
9. (1213.) An mich denkend und mir das Leben hingebend, ermahnen sie sich gegenseitig, rühmen mich fort und fort und finden in mir ihre Befriedigung und Freude.
10. (1214.) Solchen Menschen, wenn sie, auf Grund ihrer Liebe zu mir, mir immerfort hingegeben und anhänglich sind, verleihe ich jene Vertiefung der Erkenntnis, durch welche sie zu mir gelangen.
11. (1215.) Und aus Mitleid mit ihnen gehe ich in ihr Wesen ein und vernichte die aus dem Nichtwissen entsprungene Finsternis durch die leuchtende Fackel der Erkenntnis.

Arjuna sprach:

12. (1216.) Das höchste Brahman, die höchste Stätte, das höchste Läuterungsmittel bist du, o Herr; für den ewigen, himmlischen Purusha, für den Urgott, den ungeborenen, alldurchdringenden,
13. (1217.) erklären dich alle die Weisen und der Götterweise Narada nebst Asita, Devala und Vyasa, und auch du selber sagst es mir.
14. (1218.) Alles das nehme ich als wahr an, was du mir sagst, o Vollhaariger, denn weder Götter noch Dämonen, o Heiliger, kennen deine Entstehung.
15. (1219.) Nur du allein kennst dich selbst durch dich selbst, o höchster Geist, du Wesenbildner, du Wesenherr, du Göttergott, du Weltgebieter.
16. (1220.) So sage es mir ohne Vorbehalt, denn himmlisch sind deine Machtentfaltungen, durch welche Machtentfaltungen du, die Welten durchdringend, dastehst.
17. (1221.) Wie kann ich als Yogin dich erkennen, darüber sinnend für und für, und in welcherlei Wesensformen bist du, o Heiliger, von mir zu überdenken?
18. (1222.) Erkläre mir noch mehr, 0 Janardana, in Ausführlichkeit deine Zauberkunst (Yoga) und Machtentfaltung, denn wenn ich dir zuhören darf, bietet mir selbst Ambrosia kein Genüge mehr.

Der Heilige sprach:

19. (1223.) Wohlan! Ich will sie dir verkünden, denn himmlisch sind meine Entfaltungen, im Ganzen und Großen, o Bester der Kurus, denn meiner Ausbreitung ist kein Ende.
20. (1224.) Ich bin, o Lockiger, die Seele, die in der Tiefe aller Wesen weilt, ich bin der Anfang der Wesen, bin ihre Mitte und ihr Ende.
21. (1225.) Ich bin Vishnu unter den Adityas, bin unter den Lichtern die strahlende Sonne, bin Marici unter den Maruts, ich bin unter den Gestirnen der Mond.
22. (1226.) Ich bin der Samaveda unter den Veden, bin Vasava (Indra) unter den Göttern, das Manas unter den Sinnesorganen, der Geist in den Wesen.
23. (1227.) Ich bin Shankara (Shiva) unter den Rudras, bin der Schätzeherr (Kubera) unter den Yakshas und Rakshas, der Gott des Feuers unter den Vasus, der Götterberg Meru unter den Bergen.
24. (1228.) Unter den Hauspriestern, o Prithasohn, wisse, bin ich Brihaspati, unter den Heerführern Skanda (Kriegsgott), unter den Wassern der Ozean.
25. (1229.) Ich bin Bhrigu unter den großen Weisen, bin die eine Silbe (Om) unter den Worten, unter den Opfern bin ich das Opfer des Murmelns, unter den Bergen bin ich der Himalaya.
26. (1230.) Unter allen Bäumen bin ich der Ashvattha(Ficus religiosa), unter den Götterweisen Narada, unter Gandharvas Citraratha, unter den Seligen der rote Weise [Kapilo Munih, vgl. Cvet. Up. 5,2; der rote Weise ist Hiranyagarbha)
27. (1231.) Unter den Rossen wisse mich als Uccaihshravas, der zugleich mit dem Amritam entstand, unter den edelsten Elefanten als Airavata, unter den Menschen als König.
28. (1232.) Unter den Waffen bin ich der Donnerkeil, unter den Kühen die himmlische Wunschkuh, ich bin der zeugende Liebesgott, bin Vasuki unter den Reptilien.
29. (1233.) Unter den Schlangen bin ich Ananta (Schlange des Vishnu), unter den Seeungeheuern Varuna, unter den abgeschiedenen Vätern bin ich Aryaman, unter den Zwingherren Yama (der Höllenfürst).
30. (1234.) Unter den Daityas bin ich Prahlada, für die Zählenden bin ich die Zeit, unter den Waldtieren der Löwe, unter den Vögeln der Vogel des Vishnu.
31. (1235.) Ich bin der Wind unter den Luftreinigern, Rama unter den Waffenträgern, unter den Meertieren bin ich der Delphin, unter den Flüssen die Ganga,
32. (1236.) Ich bin Anfang, Mitte und Ende der Schöpfungen, unter den Wissenschaften bin ich das Wissen vom höchsten Atman, ich bin die These der Disputierenden.
33. (1237.) Unter den Lauten bin ich der A-Laut, unter den zusammengesetzten Wörtern die kopulative Zusammensetzung (Dvandva), ich bin die unvergängliche Zeit, ich bin der Schöpfer mit Angesichtern nach allen Seiten.
34. (1238.) Ich bin der alles dahinraffende Tod, ich bin die Entstehung dessen, was entsteht, ich bin unter den weiblichen Götterwesen die Ehre, die Schönheit und die Rede, die Erinnerung, die Weisheit, die Festigkeit und die Geduld.
35. (1239.) Unter den Samans bin ich das Brihatsaman, unter den Metren die Gayatri, unter den Monaten der Margashirsha (der erste Monat im Jahre), unter den Jahreszeiten bin ich die Blumenreiche.
36. (1240.) Unter dem, was trügt, bin ich das Würfelspiel, ich bin der Glanz der glänzenden Dinge, ich bin den Sieg, die Entschlossenheit, die Güte (Sattvam) der Guten.
37. (1241.) Unter den Vrishnusöhnen bin ich Vasudeva (Krishna), unter den Pandavas bin ich der Beutemacher (Arjuna), unter den Weisen bin ich Vyasa, unter den Meistern bin ich der Meister Ucanas.
38. (1242.) Ich bin die Rute der Züchtigenden, bin die Staatsklugheit der nach Sieg Strebenden, das Schweigen der Geheimnisse, bin das Wissen der Wissenden.
39. (1213.) Und was bei allen lebenden Wesen der Same ist, das bin ich, o Arjuna; es gibt kein Wesen, beweglich oder unbeweglich, welches ohne mich wäre.
40. (1244.) Kein Ende ist meiner himmlischen Machtentfaltungen, o Feindbezwinger, und nur andeutungsweise habe ich dir diese Auseinandersetzung meiner Machtentfaltung mitgeteilt.
41. (1245.) Alles, was mächtig und gut, alles, was schön und kraftvoll ist, das alles, sollst du wissen, entsteht als ein Teil aus meiner Kraft.
42. (1246.) Aber was soll dir dieses vielerlei Wissen, o Arjuna! Ich beharre und trage mit einem Teile von mir die ganze Welt der Lebenden.

Siehe auch

Literatur

  • Paul Deussen: "Der Gesang des Heiligen. Eine philosophische Episode des Mahabharatam". Übersetzung der Bhagavadgita. Leipzig. F.a. Brockhaus. 1911.

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