Welt

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Der Begriff Welt - Virat - ist ein gebräuchlicher Name für die Gesamtheit der menschlichen Zivilisation, insbesondere der menschlichen Erfahrungen, Geschichte, oder die allgemeine menschliche Situation und Lage weltweit, d.h. an jedem Ort der Erde. In einem weiteren Sinn bedeutet Welt das gesamte Universum, also das Weltall. Der Ausdruck Welt wird oft gebraucht als Teil der Begriffs-Dreiheit Welt-Mensch-Gott. In Metaphysik, Religion und Theologie ist die Beziehung zwischen Welt, Mensch und Gott von entscheidender Bedeutung.

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Inhaltsverzeichnis

Allgemeines

Die Welt, Wandbild im Yoga Vidya Haus Bad Meinberg.

In einem philosophischen Kontext kann sich der Begriff Welt auf folgendes beziehen:

  • eine ontologische Welt

In einem theologischen Zusammenhang wird der Begriff Welt gewöhnlich mit der materiellen oder profanen Sphäre benutzt, im Gegensatz zu den himmlischen, spirituellen, transzendentalen, oder heiligen Sphären. „Das Ende der Welt“ bezieht sich auf Szenarien des endgültigen Untergangs der menschlichen Geschichte, gewöhnlich im religiösen Kontext.

Weltgeschichte wird üblicherweise als die zeitliche Abfolge der wichtigsten geopolitischen Entwicklungen der letzten 5 Jahrtausende verstanden, von den ersten Zivilisationen bis zur heutigen Zeit.

Weltbevölkerung ist die Summe aller menschlichen Populationen zum jeweiligen Zeitpunkt der Betrachtung; im gleichen Sinne bedeutet Weltwirtschaft die Summe aller Volkswirtschaften von allen Ländern und Gesellschaften, vor allem in Bezug auf die Globalisierung. Begriffe wie Weltmeisterschaften, Weltbruttosozialprodukt, Weltrekorde, Weltneuheit, etc. nehmen ebenfalls Bezug auf alle aktuellen unabhängigen Staaten.

In Begriffen wie Weltreligion, Weltsprache und Weltkrieg, deutet das Wort Welt internationale oder interkontinentale Maßstäbe an, ohne notwendigerweise die gesamte Welt mit einzubeziehen.

In Ausdrücken wie Weltkarte und Weltklima, wird das Wort unabhängig von der menschlichen Kultur oder Zivilisation benutzt, indem es sich auf die physikalische Erde bezieht.

Ethymologie

Das englische Wort World kommt vom altenglischen weorold (-uld), weorld, worold (-uld, -eld), eine Wortschöpfung aus wer – Mann – und eld – Alter/ Zeit – was somit ungefähr „Zeitalter des Mannes“ bedeutet. Das Altenglische entspricht dem Altgermanischen wira-aldiz, dem Althochdeutschen weralt, Altfriesischen warld und Altnorwegischen verold (Icelandic veröld).

Auf Latein heißt Welt mundus, wörtlich „sauber, elegant“, welches selbst vom griechischen Wort cosmos „geordnete Organisation/ Arrangement“ hergeleitet wird. Während das germanische Wort eine mythologische Note der „Herrschaft des Menschen“ enthält (vgl. Midgard), wahrscheinlich im Gegensatz zur göttlichen Sphäre auf der einen Seite und den niederen Sphären der Unterwelt auf der anderen Seite, drückt der griechisch-lateinische Begriff eine Auffassung der Schöpfung als einen Akt der Gründung von Ordnung aus dem Chaos aus.

„Welt“ unterscheidet den gesamten Planeten oder die Bevölkerung von jedem einzelnen Land oder Region: Welt-Affären betreffen nicht bloß einen Ort sondern die gesamte Welt, und Weltgeschichte ist ein Fachgebiet der Geschichtswissenschaften, welche Ereignisse von einem globalen Standpunkt aus analysiert (anstelle von einer nationalen oder regionalen Perspektive). „Erde“ bezieht sich auf den Planeten als ein physisches Objekt und unterscheidet ihn von anderen Planeten und physischen Objekten.

„Welt“ kann auch attributiv genutzt werden, wobei es „global“ bedeutet und Bezug auf die gesamte Erde nimmt, z.B. Weltbevölkerung, Weltgemeinschaft, etc.

„Welt“ kann im erweiterten Sinne auch jeden anderen Planeten oder himmlische Sphäre bedeuten, vor allem im Zusammenhang mit Science Fiction und Futurologie.

„Welt“, im ursprünglichen Sinne, kann ebenfalls einen speziellen Bereich menschlicher Aktivitäten und Erfahrungen umschreiben:

  • Die Arbeitswelt beschreibt bezahlte Arbeit und das Streben nach Karriere, in allen seinen sozialen Aspekten, um sie vom Privatleben und Schule/ Ausbildung zu unterscheiden.
  • Die Modewelt beschreibt die Umwelt der Modedesigner, der Modehäuser und Konsumenten welche die Mode-Industrie ausmachen.
  • Historisch wird zwischen Alter Welt und Neuer Welt unterschieden, womit die Regionen und Kontinente gemeint sind, welche während des beginnenden Industrialisierungszeitalters kolonialisiert worden sind.

Philosophie

In der Philosophie hat der Begriff Welt verschiedene Bedeutungen. In einigen Zusammenhängen nimmt er Bezug auf alles was die Realität oder das physische Universum ausmacht. In anderen kann er einfach einen ontologischen Sinn haben. Während die Darlegung und Erklärung der Welt schon immer ein wesentlicher Kernpunkt der westlichen Philosophie gewesen ist, scheint dieses Thema erst besonders im 20 Jahrhundert in den Mittelpunkt von andauernden Diskussionen und Erörterungen gerückt zu sein. Die Frage, was die Welt letzten Endes ist konnte noch nicht befriedigend erklärt werden. Nachfolgend stehen einige Beispiele zur Veranschaulichung:

Der Mond

Parmenides

Die traditionelle Interpretation von Parmenides Werk ist, dass die Alltags-Wahrnehmung der Realität der physikalischen Welt ( wie in Doxa beschrieben) falsch sei, und dass die Wirklichkeit der Welt ein großes Weltengeschöpf ist ( wie in Aletheia beschrieben): ein unveränderliches, ungeschaffenes, unzerstörbares Ganzes.

Plato

In der Allegorie der Höhle unterscheidet Plato zwischen Formen und Ideen und stellt zwei verschiedene Welten vor: die Welt der Sinne und die des Verstandes.

Hegel

In Hegels Philosophie der Geschichte, wird die Erklärung „Weltgeschichte ist Weltgericht“ benutzt um den Standpunkt zu vertreten, dass Geschichte den Menschen beurteilen soll, insbesondere seine Handlungen und Meinungen. Wissenschaft entsteht aus dem Wunsch die Welt umzuwandeln in Bezug zum Menschen, sie ihm also anzupassen; dazu benötigt der Mensch technische Anwendungen, Mittel und Maschinen.

Schopenhauer

Die Welt als Wille und Vorstellung ist das zentrale Werk von Arthur Schopenhauer. Er sah den menschlichen Willen als unser Fenster in die Welt jenseits der Vorstellung.

Freud

Sigmund Freud war der Meinung, dass wir uns nicht in einer gewöhnlichen Welt bewegen, sondern in einem allgemeinen Gedankenprozess. Er glaubte, dass alle Handlungen einer Person von einer Motivation angetrieben werden: Lust. Diese Annahme führte zu zahlreichen Theorien über reaktionsbedingte Handlungen, Wahrnehmung und Bewusstsein.

Religion und Mythologie

Mythologische Kosmologien stellen die Welt oft umgeben von einer WeltenachseAxis mundi – und eingeschränkt von Grenzen wie den Weltenozean, der Weltenschlange oder ähnlichem.

Buddhismus

Im Buddhismus wird mit dem Begriff Welt die Gesellschaft beschrieben welche verschieden ist zum klösterlichen Leben. Er nimmt Bezug auf die materielle Welt und auf weltliche Bestrebungen wie Wohlstand, Ansehen, Arbeit und Krieg. Die spirituelle Welt wäre demgegenüber der Weg zur Erleuchtung und Änderungen im Leben wären rein psychischer Natur.

Christentum

Das Christentum benutzt den Begriff Welt um damit die gefallene und korrupte Weltordnung der menschlichen Gesellschaft zu beschreiben, im Gegensatz zum „Himmelreich auf Erden“, welches noch nicht erreicht ist. Die Welt wird regelmäßig gemeinsam mit dem Fleisch (physischer Körper) und dem Teufel als Quelle der Versuchung erwähnt, welchen die Christen entsagen sollen. Mönche sprechen von dem Verlangen, „in der Welt, aber nicht von dieser Welt“ sein zu wollen – so wie Jesus es gesagt hat.

Der Begriff Welt im Yoga

Im Yoga wird der Begriff Welt unterschiedlich verwendet. Wie im Christentum wird manchmal spirituelles und weltliches Leben unterschieden. Und oft wird, in Anlehnung an die Bhagavad Gita, darauf hingewiesen, dass auch das weltliche Leben zu spiritualisieren sei, bzw. dass die Bewährung im weltlichen Leben die Prüfung der Tiefe des spirituellen Lebens sei.

Weltliches Leben und spirituelles Leben

Spirituelles Leben heißt Ausrichtung des Lebens auf die Erfahrung einer höheren Wirklichkeit.

Spirituelles Leben

Spirituelles Leben besteht aus

Weltliches Leben

Weltliches Lebens besteht aus der Erfüllung von weltlichen Wünschen und Motiven. Nach Aussage aller spirituellen und religiösen Traditionen kann ein allein auf weltliche Wünschen und Motiven ausgerichtetes Leben nicht glücklich machen. Weltliche Wünsche können sein:

Eine Zwischenposition zwischen weltlichen und spirituellen Bedürfnissen nehmen Wünsche nach Weiterentwicklung und Helfen ein:

  • Wunsch, seine Talente zu entfalten
  • Wunsch seine Persönlichkeit und geistigen Fähigkeiten zu entwickeln
  • Wunsch anderen zu helfen
  • Wunsch sich ethisch zu verhalten

Diese Wünsche können weltlich und spirituell motiviert sein.

Weltliches Leben umfasst typischerweise folgende Bereiche:

  • Arbeit, Geldverdienst etc.
  • Beziehung zu den Mitmenschen, einschließlich Partner, Kindern, Eltern, andere Verwandten, Freunde etc.
  • Wohnung/Haus, Kleidung, weltlicher Besitz, Hobby etc.

Auch hier nimmt soziales Engagement und alles was man zur Weiterentwicklung tut eine Zwischenposition ein.

Beziehung zwischen weltlichem und spirituellem Leben

In der Bhagavad Gita werden zwei Möglichkeiten der Beziehung zwischen weltlichem und spirituellem Leben diskutiert:

  • Weltliches Leben ist dem spirituellen Leben entgegengesetzt. Daher sollte man dem weltlichen Leben entsagen (Sannyas), auf die Befriedigung alle Wünsche verzichten (Tyaga) und in die Einsamkeit gehen, ein Sannyasi, Mönch, werden, und sein Leben der Kontemplation und Meditation widmen. Dies ist die Sichtweise von Sankhya.
  • Weltliches Leben sollte spiritualisiert werden. Durch die Spiritualisierung des weltlichen Lebens ist die spirituelle Entwicklung überhaupt erst möglich. Alleiniger Rückzug vom Alltag führt nicht zur Erfahrung Gottes und ist eher Flucht als spirituelle Entwicklung.

Krishna sagt in der Bhagavad Gita, dass beide Sichtweisen möglich sind. Er nennt diejenigen, welche dem weltlichen Leben entsagen und ihr Leben ganz der Meditation widmen, die Sankhyas. Und er nennt diejenigen, die das weltliche Leben spiritualisieren, die Yogis. Krishna sagt, dass für die Mehrheit der Menschen das Leben in der Welt geeignet ist, und dass durch die Spiritualisierung des weltlichen Lebens die Gotteserfahrung möglich wird. Damit das weltliche Leben zur spirituellen Erfahrung führt, empfiehlt Krishna

Jede äußere Handlung kann laut Krishna spiritualisiert werden. Dazu empfiehlt Krishna

Wenn du so lebst, ist der ganze Tag spirituelles Leben, und die Grenzen zwischen spirituellem und weltlichem Leben verschwinden.

Warum schuf Gott diese Welt – Gedicht von Swami Sivananda

Gedicht von Swami Sivananda, aus dem Buch "Samadhi Yoga"

Warum schuf Gott diese Welt ?
Das ist eine transzendente Frage,
der Intellekt kann dieses Problem nicht lösen.
Frage Gott „warum Er diese Welt erschuf.“
Warum schuf Gott diese Welt?
Lokavattu leela kevalam –
Diese Welt ist Leela, ein Spielzeug des Herrn.
Gott war allein im Anfang;
Er wollte Gesellschaft haben und reden,
Also erschuf er diese Welt.
Warum schuf Gott diese Welt?
Er wollte seine Wonne mit Vielen teilen,
Also erschuf er diese Welt.
Schöpfung ist sein Svabhava.
Die Sonne kann ohne Strahlen nicht bestehen,
Genauso kann Gott ohne Projektion nicht bestehen.
Warum schuf Gott diese Welt?
Er erschuf die Welt
Damit die Jivas sich an ihrem Prarabdha erfreuen können,
Seine Verehrer Ihm huldigen können.
Kenne das Selbst,
Dann nur wirst Du wissen, warum und wie Maya ist.

Der Begriff Welt in der Yoga Philosophie

Im Yoga gibt es verschiedene Philosophien, Darshanas. Dabei wird die Beziehung zwischen Mensch, Welt und Gott unterschiedlich gesehen - immer aber spirituell. Es gibt verschiedene Begriffe für Welt. Die verbreitetsten sind Jagad, Prakriti und Shakti.

Jagad - Die Welt als Schöpfung und Maya

Im Vedanta wird die Welt als Jagad bezeichnet. Vedanta wird von Shankara zusammengefasst werden in drei Sätzen:

  • Brahma Satyam - Brahman allein ist wirklich
  • Jagan Mithya - die erfahrene Welt, Jagad, ist Mithya, Illusion
  • Jivo Brahmaiva Napara - das Individuum, Jiva, ist nichts anderes als Brahman allein

Gemäß Vedanta gibt es keine von Brahman, dem Absoluten, dem Bewusstsein, getrennte Schöpfung. Die Welt ist letztlich nichts anderes als Brahman. So wie ein Goldring, eine Goldkette, ein Goldzahn alle aus Gold bestehen, so besteht die Welt und all ihre Teile nur aus Brahman. So wie alle Objekte in einem Traum nur aus dem Geist des Träumenden bestehen, so besteht die ganze Welt nur aus dem Geist von Ishvara, dem Schöpfungsgott. So wie in einem Traum sich eine illusionäre Welt aus Objekten, Personen, Raum und Zeit ausbreitet, so leben wir jetzt in einem Traum, den wir in Zeit, Raum, Objekten und Personen erfahren.

Allerdings ist die Welt nicht unser eigener Traum. Vielmehr träumt Brahman in seiner Manifestation als Ishwara, persönlicher Gott, diese Welt. Ishwara erschafft als Brahma, Schöpfergott, diese Welt. Als Vishnu, Erhalter, hält er sie in Gang und schützt sie. Als Shiva, Zerstörer, löst er sie wieder auf. Jiva, die Einzelseele, ist wie eine Traumgestalt im Traum von Ishwara. Und da Ishwara letztlich Brahman ist, ist jeder einzelne in Wahrheit Brahman. Mensch, Welt, Gott sind letztlich alles Ausdrucksformen des gleichen Brahmans.

Um zu erfahren, dass es keine von Brahman getrennte Welt gibt, sondern alles eine Manifestation Brahmans, gibt es zwei Hauptmöglichkeiten:

  • Neti Neti, "nicht dies, nicht dies": Die bewusste Leugung von manifesten Gestalten und Unterschieden. Die Vergegenwärtigung: Ich bin nicht der Körper, ich bin nicht die Gedanken, ich bin nicht die Persönlichkeit. Es gibt keinen Baum, keinen Himmel, etc. Alles ist Traumgestalt. Löse insbesondere in der Meditation deinen Geist von allem Relativen und erfahre Brahman als Wirklichkeit hinter allem
  • Iti Iti, dies und dies: Da alles Brahman ist, ist alles auch Ausdruck Brahmans. Da Brahman Satchidananda ist, offenbart er sich als unendliches Sein, als Bewusstheit und Freude. Wenn du deinen Geist auf irgendetwas richtest, erfährst du die dahinter liegende Wirklich, Brahman.

Prakriti - die Welt als ewiges Prinzip

Im Sankhya Philosophie System (Darshana) wird die Welt als Prakriti bezeichnet. Prakriti wird meist übersetzt als "Natur". Sankhya, welches auch die Grundlage des Yoga Darshana von Paranjali Maharishi ist, unterscheidet zwei ewige Prinzipien:

Die Prakriti ist ein ewiges Prinzip, und wird bestimmt durch die 3 Gunas Sattva, Rajas und Tamas. Ursprünglich ist die Prakriti im Gleichgewicht - so gibt es kein manifestes Weltall. Dann gibt es den ersten Spandana, Urschwingung, es entsteht Parinama, beständige Veränderung. Purusha, das Bewusstsein, die Seele, spiegelt sich in jedem Teil der Prakriti, so wie die Sonne sich in jeder Pfütze und in jeder Welle eines Ozean spiegelt. Purusha identifiziert sich mit dem Teil der Prakriti, indem er sich spiegelt. So entsteht Jiva, die individuelle Seele, welche sich mit einem Körper-Psyche-Komplex identifiziert. So macht der gespiegelte Purusha Erfahrungen. Schließlich erfährt das Individuum die Begrenzungen als Leid. Purusha strebt danach, sich wieder als reines Bewusstsein zu erfahren.

Laut Sankhya ist der Weg aus der Identifikation des Purushas mit der Welt Viveka und Tyaga. Viveka ist Unterscheidungskraft, Tyaga ist Entsagung, Verzicht.

Es gibt verschiedene Arten von Viveka:

Tyaga heißt Verzicht. Tyaga im Sankhya Sinn heißt Verzicht auf Besitz, auf Vergnügen. Tyaga und Sannyas heißt letztlich Rückzug aus der Welt.

Krishna geht in der Bhagavad Gita auf Sankhya ein. Er interpretiert Sannyas und Tyaga anders: Für Krishna heißt Sannyas Verzicht auf wunschverhaftete Handlungen, Tyaga Verzicht auf die Früchte einer Handlung. Krishna vertritt hier einen ähnlichen Standpunkt wie das Jesus-Wort: Sei in der Welt, sei aber nicht von der Welt.

Shakti - die Welt aus Manifestation der Göttlichen Mutter

Im Tantra wird die Welt als Zusammenspiel von Shiva und Shakti gesehen:

  • Shiva ist das unendliche Bewusstsein, unveränderlich, ewig, Sat - Chid - Ananda, reines Sein-Wissen-Glückseligkeit.
  • Shakti ist die Kosmische Energie, welche sich als das Universum ausbreitet. Shakti ist die Göttliche Mutter, Jagadamba, Devi, die Göttin. Die Welt ist wie der Körper der Göttlichen Mutter

Im Tantrismus ist das Verhältnis Mensch-Gott-Welt wie folgt:

  • Der Mensch ist Shiva gespiegelt in einem Teil der Shakti. Im Menschen ist Shiva als reines Bewusstsein. Shakti manifestiert sich als die Schöpfungskraft, Kundalini , und als die verschiedenen Körper: Physischer Körper, Astralkörper, Kausalkörper
  • Die Welt ist eine Manifestation von Shakti. Daher ist alles, dem der Mensch begegnet, göttlichen Ursprungs. Die Welt ist göttlich. Daher kann der Mensch in jedem Teil der Mensch die Göttin erfahren
  • Gott ist zweifach, Shiva und Shakti: Shiva ist das Bewusstseins sowohl hinter der Welt als auch hinter jedem Individuum. Shakti ist die Urmutter, die Göttin. Sie ist die Kraft hinter der Welt und offenbart sich dem Individuum in jedem Teil der Schöpfung. Sie manifestiert sich auch in jedem inneren Antrieb und jeder Fähigkeit des Individuums. Die Göttin ist auch die treibende Kraft im Individuum sich weiter zu entwickeln, seine Kräfte zu entfalten und auszudrücken - und schließlich den höchsten Bewusstseinszustand der Einheit zu erfahren. Die Göttin ist auch die evolutionäre Kraft im Universum. Sie lässt das Weltall entstehen und überall im Weltall Leben entstehen. Die Göttin ist die Kraft der Evolution in jeglicher Hinsicht.

Bhakti Yoga: Die Welt als Schöpfung und Manifestation Gottes

Bhakti Yoga ist der Weg der Hingabe. Es gibt verschiedene Bhakti Schulen. In jeder Bhakti Schule gibt es eine andere zugrunde liegende Philosophie, Theologie.

Gemeinsam ist allen Bhakti Schulen:

  • Gott bzw. die Göttin hat die Welt geschaffen
  • Gott tritt dem Menschen entgegen als die Welt
  • Gott gibt dem Menschen in der Welt Aufgaben
  • Der Mensch sollte seine Aufgaben in der Welt erfüllen, sein Dharma, seine Pflicht erfüllen, Gott verehren, seine Sehnsucht nach Gott wachsen lassen und Gott verwirklichen

Das Motto eines Bhakta ist in der Welt: "Sende mir dein Licht und deine Wahrheit, dass sie mich leiten. Oh Gott, nicht mein Wille, dein Wille geschehe."

Die Welt, in der wir leben - Eine Ansprache von Swami Venkatesananda

Durch alle Zeitalter hindurch war der Mensch bestrebt, ohne Gott oder das kosmische Wesen zu leben. Politische Philosophen, Wirtschaftler und wissenschaftliche „Weise“ haben sich selbst die göttliche Rolle zugewiesen, Frieden und Glück des Menschen zu schützen, während andere als religiöse Führungspersönlichkeiten fungieren und ihren Anhängern leicht erlangtes Heil versprechen. Doch Politik, Wissenschaft und Wirtschaft erreichten das Ziel nicht. So soll der Mensch sich nun wieder Gott zuwenden. Wenn kein spiritueller Geist unser Leben beflügelt, dann hat es keinen Wert; wird diese Spiritualität dem Leben jedoch hinzugefügt, dann können Lernprozesse, Wohlstand, soziale Stellung, politische oder wissenschaftliche Führung ihre volle Bedeutung und Zielstrebigkeit erlangen.

Das Wort ‘Dharma’ bezeichnet etwas, das stützt, trägt, schützt und zusammenbringt. Das Dharma bringt uns alle zusammen, bindet uns an einen wundervollen, göttlichen Strang der Liebe, und genau das ist Religion. Jeder, der das Dharma oder die Religion benutzt, um eine Gesellschaft in antagonistische Gruppen zu spalten, verbreitet Unglauben und fügt dem Dharma größten Schaden zu. Letztlich vereint das Dharma uns mit Gott, mit dem in allen Wesen wohnenden Gott.

So sollte unsere Religion oder unser Dharma das Wohlergehen der Menschheit fördern und auch für das Seelenheil des Menschen sorgen. Indem es uns in einem Bund der Liebe zusammenschweißt, sind wir fast verpflichtet, einander zu dienen und somit unsere gegenseitigen Interessen und unser Wohl zu fördern. Dadurch, dass wir uns mit Gott vereinen, sind wir von Kleinlichkeiten, weltlicher Gesinnung, Selbstsucht und Gier befreit. Und das ist das größte Wunder auf Erden: Die leise Verwandlung des menschlichen Herzens, die unser Dharma mit sich bringt. Es erinnert uns daran, dass wir den einen Leib Gottes bilden, untrennbar in ihm vereint. Wir mögen unsere Eigenschaften, Fähigkeiten und unser eigenes Temperament haben; wir mögen verschiedene Wege zu ihm einschlagen, doch in seiner Liebe sind wir alle vereint, und irgendwann werden wir alle zu seinen Füßen liegen. All unsere Anstrengungen, das Los der Menschheit zu verbessern, scheitern einzig, weil wir dies bisher nicht erkannt haben.

Der Religion wurde das gleiche Schicksal zuteil wie unserem gegenwärtigen Zeitalter – das der Verfälschung. Das Einfache wurde kompliziert. Doch wir sehen am Horizont das Heraufdämmern eines Zeitalters der Einfachheit und des Drangs, in einem Labyrinth von Verfälschungen nach der Wahrheit zu suchen. Selbst das Wort „Yoga“ ist verfälscht worden. Yoga hat nichts mit Wundern und Magie zu tun, doch es ist das Synonym für das phonetisch verwandte „Yoke (Joch)“, und dies ist die wesentliche Bedeutung des Wortes "Religion". Ein Joch vereinigt zwei, die Religion verbindet sie.

Auch die Religion wurde verfälscht und die Verfälschung teilte die Menschheit in gegnerische Lager von ‘deiner Religion’ und ‘meiner Religion’. Wahre Religion (Yoga) lässt diese Disharmonie außer Acht und spannt uns alle zusammen ein für das Wohl des Menschen. Die grundlegenden Schriften aller Religionen lehren uns, dass wir unseren Nächsten so lieben sollen wie uns selbst und dass wir Gott mit unserem ganzen Wesen lieben sollen. Das ist Yoga und das ist Religion. Beide müssen miteinander verknüpft werden.

Richtig verstanden, kann Yoga folglich unser Leben bereichern und seinen Zweck erfüllen. Indem Yoga uns zusammen einspannt, vereinigt und mit einem Strang der Liebe aneinander bindet, fördert Yoga indirekt Harmonie, Frieden und Wohlstand. Gott ist Liebe. Die unter Gottes Joch geneigte Seele wird von dieser Liebe eingenommen und geführt. Wir sind alle an den Strang Seiner Liebe gebunden, die die allgegenwärtige, alle erhaltende und erlösende Allmacht ist.

Soweit die Theorie, und diese Theorie gilt es in die Praxis umzusetzen. Im Grunde ist Yoga ganz einfach. Yoga verlangt von uns die Zügelung unseres Egoismus, die Zerstörung von Selbstsucht und die effektive Kontrolle unseres Geistes und unserer Sinne, damit sie ihre Funktion im Einklang mit dem Unendlichen ausüben können. In der Praxis entdecken wir jedoch, dass wir, vor dem Versuch, unser Selbst mit der Gesellschaft und mit Gott in Einklang zu bringen, danach trachten sollten, unsere Persönlichkeit zu integrieren, so dass unsere Gedanken, Worte und Taten, wie auch unser Intellekt, unsere Gefühle und unser Leben uns nicht in mehrere getrennte Persönlichkeiten spalten. Yoga integriert unsere Persönlichkeit durch die Enthüllung unserer eigenen inneren Natur, ihres Potentials und ihrer Begrenzungen.

Durch Dienst an der Gesellschaft, Gottesverehrung, nach innen gewandte Kontemplation und gesundheitsfördernde Asanas und Atemübungen können wir mit Yoga das höchste aller Wunder erreichen: die Verwandlung des menschlichen Herzens.

Verkehrte Welt

Eine indische Fabel aus „Die indische Weltmutter“ von Heinrich Zimmer

In Indien erzählt man sich von einem tugendhaften König, der mit viel Vernunft regierte. Er hielt sich von weisen Männern umgeben und hörte auf ihren verständi¬gen Rat, er setzte vernünftige Beamte über seine Lande, die das Volk zu Vernunft anleiten und in der rechten Ordnung halten sollten. Wahn und Wirrsal waren ihm ein Greuel. Aber wer kann wider das Geschick? Eines Tages trat sein Sterndeuter vor seinen Thron und vermel¬dete ihm mit allen Zeichen des Schreckens, er habe in den Sternen gelesen, alsbald werde ein giftiger Regen vom Himmel fallen und alle Brunnen und Quellen, Bäche, Flüsse und Teiche, aus denen die Menschen sich Wasser schöpften, vergiften. Ein großer Wahn werde alles Volk ergreifen, wenn es von dem Wasser tränke.

Der König war bestürzt und befahl unverweilt, den Brunnen seines Palastes abzudecken, dass kein Regen hineinfalle, und sandte reitende Boten in alle Lande, überall ein Gleiches anzubefehlen. Allein was half es? Schon fiel der giftige Regen vom Himmel und verwan¬delte das Wasser der Quellen und Bäche, Ströme und Teiche, aus denen Volk zu trinken schöpfte. Ein allgemeiner Wahn brach aus und erfüllte mit seinem Wirrsal das Reich; nur der König mit den Weisen seines Palastes blieb einstweilen nüchtern und vernünftig. Umsonst versuchte er dem unsinnigen Treiben, das von nah und weit sein Eiland der Verständigkeit umbrandete, Einhalt zu gebieten, indem er zum Volke redete und ihm zusprach, — »er ist verrückt, er ist wahnsinnig!« scholl es ihm entgegen, und des Lachens über ihn war kein Ende. Schließlich begriff er, dass ihm nicht anderes übrig bliebe, als sich dem unerforschlichen Willen des Himmels zu beugen und auch von dem Wasser zu trinken, das der Tau des Himmels verwandelt hatte. So tat er mit seinen Weisen und sie wurden alle wie die Übrigen.

Da hatte er das Zutrauen Aller wieder und der Aufruhr legte sich. Es heißt, dass seine Herrschaft auf der neugeschaffenen gemeinsamen Grundlage weiterging wie auf -der alten, vergangenen; eigentlich merkte niemand, wie sehr sich Alles verändert hatte; höchstens ein seltener Fremder, den Zufall oder Wissbegier in das Reich führte, verwunderte sich über das Treiben daselbst. (Verfasst: vermutlich Ende 1937.)

Siehe auch

Literatur

  • Die Indische Weltenmutter von Heinrich Zimmer, Insel Verlag Frankfurt am Main, 1980

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