Hathapradipika

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Die Hathapradipika (Sanskrit: हठप्रदिपिका haṭhapradīpikā f.) oder häufig auch Hatha Yoga Pradipika (Sanskrit: हठयोगप्रदिपिका haṭhayogapradīpikā f.)

Die Heldin

wörtl.: "die Leuchte (Pradipika) des Hatha Yoga" ist nach dem Yogasutra des Patanjali die wohl bekannteste klassische Yogaschrift. Sie wurde in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts von Svatmarama geschrieben.

Inhalt

Die Hathapradipika - so der ursprüngliche Name - beschreibt die Techniken des Hatha Yoga, die Reinigungen des physischen und subtilen Körpers, sowie deren Auswirkungen. Sie ist je nach Ausgabe in vier oder zehn Kapitel gegliedert und besteht aus 643 Versen. Obwohl der Hatha Yoga und der Kundalini Yoga beschrieben werden, betont der Autor wiederholt, dass der Raja Yoga sehr wichtig sei:

Kein Erfolg in Raja Yoga ohne Hatha Yoga und kein Erfolg in Hatha Yoga ohne Raja Yoga! Deshalb soll beides gut bis zum Ende geübt werden. Hpr. II,76

Die Hathapradipika ist stark vom Gorakshashataka beeinflußt.

I. Über Asanas

Die Hathapradipika beginnt damit, dass Shiva der Verkünder des Hatha Yogas ist, wobei ausdrücklich betont wird: der Hatha Yoga ist lediglich eine Vorstufe des Raja Yoga. Der Autor Svatmarama stellt sich in die Reihe seiner Vorgänger Matsyendra und Goraksha, die etwa 500 Jahre vor ihm gewirkt hatten.

Nach der Einleitung werden die Voraussetzungen für den Hatha Yogin beschrieben, wie die ethischen Vorlagen oder die Essvorschriften. Das Hauptmerk des ersten Kapitels gilt den Asanas, wobei 15 ausführlich beschrieben werden.

II. Über Pranayama

Das zweite Kapitel befasst sich mit den Shatkriyas und mit Pranayama.

III. Über Mudras

Im dritten Kapitel wird die Kundalini behandelt, dann mehrere Bandhas und Mudras, darunter auch sexuelle Praktiken, die aber in einigen Ausgaben weggelassen werden.

IV. Über Samadhi

Das letzte Kapitel befasst sich schließlich mit Samadhi.

Hathapradipika 3. Kapitel - Mudras und Bandhas

Im folgenden werden die Verse aus der dem 3. Kapitel der Hatha Yoga Pradipika erläutert:

In Vers 2 wird die Wichtigkeit eines Gurus betont. Es ist wichtig seinen Instruktionen mit Hingabe zu folgen, wenn man den Weg allein (nur aus Büchern) gehen möchte, kann man sich in Aberglauben und Verwirrung verlieren.

Vers 3: Wenn Prana in der Sushumna fließt, wird der Geist frei von Bewegungen und man identifiziert sich mit dem wahren Selbst. Man erlangt Unsterblichkeit, deswegen wird der Tod abgewehrt. Ab hier werden Mudras erklärt. Ein Mudra (Siegel) ist eine spezielle Körperhaltung, welche verschiedene Öffnungen verschließen und die durch Asanas und Pranayama produzierte Energie in die verschiedenen Zentren lenkt und bestimmte Geisteszustände oder –haltungen hervorruft; sie dienen zur Erweckung der Chakras und Anregung der Kundalini-Energie. Mudras können separat oder zusammen mit Asanas und Pranayama praktiziert werden.

Bandhas sind spezielle Mudras (siehe Vers 6) – Verschlüsse. Sie blockieren den Energiefluss in eine bestimmte Richtung oder in bestimmten Nadis. Hier beinhalten sie aber noch bestimmte Konzentrationen oder Kombinationen (von Bandhas), die sie zum Mudra machen.

In Vers 6 und 7 werden die 10 Mudras aufgezählt:

Balkenwaage
  1. Maha Mudra
  2. Maha Bandha
  3. Maha Vedha
  4. Khechari Mudra
  5. Uddiyana Bandha
  6. Mula Bandha
  7. Jalandhara Bandha
  8. Viparita Karani Mudra
  9. Vajroli
  10. Shakti Chalini

Sie sind Vernichter von Alter und Tod – oder besser die Furcht vor diesen, den physischen Körper betreffenden Effekten – aber auch Hinweis auf Siddhas, die jenseits der physischen Ebene existieren, sich aber manifestieren können (z.B. Babaji oder Narada).

Vers 8: Mudras verleihen die acht Siddhis – diese werden auch hier als Hindernis oder Gefahr gesehen – gibt man der Versuchung nach, sie zu nutzen, wird das Prana ausgegeben und sie verschwinden wieder, man fällt zurück in den Abgrund und muss von neuem beginnen.

Die Mudras sind eigentlich recht einfach, man sollte aber nicht sofort anfangen, sie zu praktizieren – wenn die Nadis und besonders die Sushumna gereinigt sind, spürt man sofort die Wirkung des Mudras; sonst kann man den ganzen Tag üben, ohne Effekt (und man denkt, die Techniken sind wirkungslos). Vorbereitung und Reinigung mit Asanas und Pranayama ist also notwendig.

Verse 10-18 erklären das Maha Mudra:

  • Atem durch die Sushumna ziehen = Prana in die Sushumna bringen durch Kumbhaka
  • es beinhaltet Asana, Kumbhaka, Mudra und Bandha, dass macht es energetisch sehr wirkungsvoll und es kann direkt in Meditation führen
  • wird wegen seiner großartigen Wirkungen das größte Mudra (Maha Mudra) genannt

Verse 19-24: Maha Bandha – in Siddhasana/Siddha Yoni Asana – auf beiden Seiten

  • stoppt die Aufwärtsbewegung des Pranas in Ida/Pingala, nicht aber in der Sushumna
  • wird hier nach der Einatmung (mit Jalandhara und Mula Bandha + Shambhavi Mudra) beschrieben, es kann aber auch mit leeren Lungen (mit Jalandhara, Uddiyana und Mula Bandha) ausgeführt werden (siehe Verse 74-76)

Vers 25: Maha Mudra und Maha Bandha bleiben wertlos ohne Maha Vedha.

Verse 26-31: Maha Vedha

  • in Maha Bandha Gesäß heben und senken (wird bei uns manchmal als Shakti Chalini bezeichnet, siehe weiter unten)
  • Prana verläßt Ida/Pingala und fließt durch die Sushumna

Verse 32-54: Khechari Mudra

  • Khechari – Geist und Zunge verweilen in dieser Zeit im Akasha
  • Swami Vishnu warnt vor der klassischen Form (Zungenbändchen durchtrennen) – kein sattwiges Sadhana und nicht notwendig
  • jedoch widmet die HYP Khechari den meisten Raum und sagt, es ist das wichtigste der Mudras (Vers 54)
  • das Schneiden des Zungenbändchen ruft bei vielen Unverständnis oder Abscheu hervor – aber es gibt auch Menschen, die sich die Zunge piercen
  • wir nutzen eine abgewandelte Form: Kopf nach hinten legen, Zungenspitze am Gaumen weit nach hinten geben, mit geschlossenen oder leicht geöffneten Augen durch den Punkt zwischen den Augenbrauen senkrecht nach oben schauen (Geist wandert/verweilt im Himmel/Akasha)
  • Bandhas sind Verschlüsse die durch die Kontraktion bestimmter Muskeln gesetzt werden, dadurch wird die Energie in bestimmten Zentren angesammelt und gehalten

Verse 55-60: Uddiyana Bandha

  • Uddiyana = Fliegen – Prana fliegt unausgesetzt durch die Sushumna (Vers 56)
  • Bauchorgane werden nach innen und oben gezogen, dadurch entsteht ein Aufwärtsfließen der Energie
  • Kann stehend oder sitzend ausgeführt werden
  • Kann den natürlichen Degenerations- und Alterungsprozeß verlangsamen (Verse 58-59)
  • Das wichtigste Bandha (Vers 60)

Verse 61-69: Mula Bandha

  • Bevorzugte Sitzhaltung: Siddhasana (Mann) bzw. Siddha Yoni Asana (Frau)
  • Anspannen der Muskeln im Perineum (Mann) bzw. Muttermund/Gebärmutterhals (Frau), nicht die Muskeln im Geschlechts- bzw. Anusbereich
  • Verhindert, daß Apana (eine der fünf Prana-Vayus - Energieströme) nach unten entweicht – Apana ist sehr wertvoll, es kann nur mühsam erzeugt werden

Verse 70-73: Jalandhara Bandha

  • Bevorzugte Sitzhaltung: Siddhasana (Mann) bzw. Siddha Yoni Asana (Frau)
  • Kinn wird zur Brust (besser zu den Schlüsselbeinen gebracht) – berührt die Brust
  • Verhindert, daß Prana (als eine der fünf Vayus des Pranas) über Vishudda aufsteigt
  • Energie kann nicht mehr in Ida/Pingala zwischen Körper und Kopf fließen und wird angeregt, in der Sushumna zu fließen
  • Kombination von Mula und Jalandhara Bandha zwingen Prana und Apana zur Vereinigung im Manipura Chakra _ dient zur Erweckung dieses Chakras (sehr wichtig, ist Kundalini über Manipura aufgestiegen, kann sie nicht mehr zu Muladhara zurück)
  • Am Besten Kombination aller drei Bandhas (Mahabandha) – Aktivierung der Sushumna

Verse 79-82 Viparita Karani Mudra

Kamel Skorpion Frau Meer.jpg
  • kein voller Schulterstand!! Prana fließt weiter durch den Hals, anstrengungslos!!
  • Sonne und Mond wechseln ihre Plätze --> Sonne (Feuer) vom Bauch steigt zu Muladhara und weckt Kundalini; Mond (Nektar) bleibt im Kopf
  • normalerweise tropft der Nektar ins Feuer und verbrennt

Verse 83-103: beschreiben Praktiken des roten Tantra: Vajroli, Sahajoli und Amaroli – laut HYP-Übersetzung werden diese Übungen bei sattwigem Sadhana nicht berücksichtigt (Swami Atma meinte, daß Swami Vishnu diese Verse eher aus Zeitgründen ausgelassen hat)

  • es ist letztlich nicht wichtig, alle Mudras zu praktizieren, die den Nektar bewahren – eine reicht asu (z.B. Viparita Karani Mudra)

Verse 104-111: Beschreibung der Kundalini

Vers 107: Kundalini kann sowohl als Mittel zur Befreiung (Yogi) als auch zur Ausbeutung anderer (stärkere Bindung) genutzt werden

Verse 108-110: Ganga – Ida, Yamuna – Pingala, Saraswati (unterirdischer Fluss) – Sushumna; Kundalini als Witwe – von Gatten Siva getrennt

Verse 112-118: Shakti Chalini – Kundalini am Schwanz packen und schütteln

  • eher mentaler Prozess – Visualisierung der Bewegung der Kundalini Shakti
  • bei Yoga Vidya (wahrscheinlich nicht korrekt): als eigenes Mudra (eher Variante von Maha Vedha) oder auch während Bhastrika (bei Antar Kumbhaka mit Uddiyana Bandha) möglich

Verse 119-120: tägliche Praxis erforderlich (nicht nur darüber sprechen)

Vers 127: Übungen sollen mit konzentriertem, nicht wanderndem Geist ausgeführt werden

  • Vers 128: jedes der Mudras kann Vollkommenheit schenken – es ist nicht notwendig, alle zu praktizieren  um ein Haus zu betreten, brauch man nur durch eine Tür gehen (ein Mudra auswählen und perfektionieren)

Wirkungen, Übersetzungen

Swami Yogaswarupananda immer voller Freude

Da die Hathapradipika sehr früh ins Englische übersetzt wurde und bald danach auch ins Deutsche, ist sie nach dem Yogasutra das bekannteste klassische Yogabuch, wird deswegen aber auch in seiner Bedeutung überschätzt und oft - nicht ganz korrekt - als "Hauptwerk" des Hatha Yoga bezeichnet.

Die Hathapradipika war auch in Indien gut bekannt und übte starken Einfluss auf spätere Yogawerke aus, so auf die Gherandasamhita oder die Shivasamhita. Der bekannteste Kommentar zur Hathapradipika ist die Jyotsna von Brahmananda, die in der zweiten Hälfte des 19. Jh. verfasst wurde.

Siehe auch

Literatur

  • Swami Svâtmârâma: Hatha-Yoga Pradipikâ. Neuenkirchen: Phänomen-Verlag (2007). ISBN 978-3-933321-61-9. (Aus dem Sanskrit übersetzt von Hermann Walter, 1893).
  • Swatmarama: Hatha Yoga Pradipika. München: Sivananda Yoga Vedanta Zentrum (1987). (Kommentare von Brahmananda und Swami Vishnu-devananda).

Videos zu Hathayogapradipika

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