Klang

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In der Physik ist Klang eine durch mechanische Schwingung eines flüssigen oder festen Mediums (Luft, Wasser…) erzeugte Welle, die sich dank der Umgebungselastizität in Form von Längswellen ausbreitet. Auf den Körper bezogen bezeichnet Klang auch das Hörerlebnis, das diese Schwingung hervorrufen kann.

Eine Frau spielt die Tanpura, Camatic Musik, Gemälde aus 1735

Die Wissenschaft, die sich mit Klang befasst, ist die Akustik; die Psychoakustik verbindet die Akustik mit der Physiologie und Psychologie und untersucht, wie Klänge vom Gehirn wahrgenommen und interpretiert werden. (Quelle: Wikipédia, l’encyclopédie libre) Das menschliche Ohr kann Wellen von 20 – 20.000 Hz wahrnehmen, die Wahrnehmungen von Tieren bewegen sich oft in anderen Frequenzbereichen. Doch Klang ist nicht nur ein physikalisches Phänomen; auch in unzähligen Schöpfungsmythen spielt Klang eine besondere Rolle.

Am Anfang war das Wort

Im Johannesevangelium heißt es, dass das Wort - der Klang - die gesamte Schöpfung „Fleisch“ werden lässt. Hier ist also der Klang Vermittler einer göttlichen Absicht, das Wort inkarniert sich als Schöpfung, das Wort – der Klang – ruft alles ins Leben.

Der mittlerweile verstorbene deutsche Musikredakteur und Jazz-Radiomoderator Joachim-Ernst Berendt erzählte 1983 in seinen Hörsoireen Nada Brahma – Die Welt ist Klang, Maria habe Jesus durch ihr Ohr empfangen, weil das dem Klang gewidmete Organ das reinste der Organe sei.

Tatsächlich ist das menschliche Ohr in der Lage, Klang in mathematischen Proportionen zu hören, eine Präzision, die unsere anderen Sinne nicht erreichen. Die meisten Menschen haben zwar kein absolutes Gehör im musikalischen Sinn, doch können sie sehr wohl unterscheiden, ob jemand eine saubere Intonation hat, also „falsch“ singt oder nicht. Selbst unmusikalische Menschen wissen meist, wenn sie einen Ton nicht getroffen haben.

Berendt berichtet von einer wunderbaren, vom persischen Dichter Hafez nacherzählten Legende. Er erzählt, Gott habe eine Statue aus Ton (Ton = Lehm, aber auch Klang) geschaffen und die Seele gebeten, den Körper zu bewohnen. Doch die Seele betrachtete den Körper als Gefängnis und wollte ihn nicht betreten. Erst als Gottes Engel Musik spielten, schlüpfte die Seele in den Körper, um den Klang der Musik besser hören zu können.

Nada Brahma: Die Welt ist Klang

Der berühmte Ausdruck Nada Brahma (Nada =Klang, Ton, Laut, Schall) steht für die Ursilbe Om. Nach der indischen Philosophie sind die Gunas vor der Schöpfung im Gleichgewicht. Erst durch den Urklang „Om“ entsteht das Universum, geraten die Gunas durch die Urschwingung (Spandana) in Bewegung. Das Om, auch Pranava genannt, ist eine heilige Silbe und steht für den „Klang des klanglosen Absoluten“ (Huchzermeyer, Yogalexikon), mit dem sich einige der Upanishaden befassen. Im ersten Vers der Mandukya-Upanishad heißt es, dass das Om unvergänglich und das Universum selbst ist, Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, dass es alles ist, was war, ist und sein wird (Huchzermeyer, Yogalexikon).

Die Struktur des Klanges spiegelt sich im gesamten Universum. Die Tonleiter mit ihren zwei Halbtonschritten beruht auf einer Struktur, die der des Atoms vergleichbar ist, Sterne pulsieren in einem bestimmten Rhythmus, „Sauerstoffteilchen schwingen in C-Dur“ (Joachim-Ernst Berendt), Pflanzen reagieren auf Musik, der gesamte Kosmos schwingt – wer mehr über den geheimnisvollen Klang des Universums wissen möchte, dem sei der Klassiker von Joachim Ernst-Berendt wärmstens ans Herz gelegt.

Heilende Klänge

Dass Klang Heilwirkung hat, ist heute wissenschaftlich erwiesen. Woran liegt es aber, dass wir manchen Klang als angenehm empfinden, während andere Klänge uns stören, bei uns sogar Stress auslösen und uns krank machen können? Warum mögen wir den Klang einer Trommel, nicht aber den eines Presslufthammers? Man geht davon aus, dass ein als angenehm empfundener Klang physiologisch ist, d.h. mit den natürlichen Schwingungen des Körpers in Resonanz ist.

Nicht nur Bach, Händel und Mozart und die klassiche indische Musik stimmen uns positiv ein, wirken durch die Schwingungen auf die Psyche und auf die physiologischen Vorgänge im Körper. Auch der Klang von Vogelgezwitscher, das Rauschen der Meereswellen, der Klang eines Gongs können heilend wirken, Verspannungen und Blockaden lösen. Bei der Heilung mit Stimmgabeln werden Akupunkturpunkte mit Stimmgabeln aktiviert und so Energien wieder in Fluss gebracht.

Auch Klangyoga (Nada Yoga) kann heilende Wirkung haben und es kommen dabei unterschiedliche Instrumente zum Einsatz. Doch auch durch einfaches Kirtansingen, das herzöffnende Wirkung hat, können Energien wieder zum Fließen gebracht werden.

Klang ist Wahrheit

Artikel von Bhajan Noam, erschienen im Yoga Vidya Journal Nr. 27, Herbst 2013

Wir brauchen gar nicht die Sprache eines Menschen zu verstehen. Der Klang seiner Stimme, wenn wir mit dem Herzen hinhören, offenbart uns sein Wesen, seine Ehrlichkeit, seine Sensibilität, seine Liebe, seine Verbundenheit mit dem Leben. Gottes Sprache ist Klang, und den Klang legte und verbarg er mit seinem Odem in die Stimme des Menschen. Klang seinerseits ist ein Ausdruck der ewigen universellen Schwingung, welche Galaxien in ihrer Äonen währenden Existenz unablässig kreisen lässt, Planeten um Sonnen, Elektronen um Atomkerne, wie auch Menschen miteinander und um sich selbst voller Freude tanzen lässt. Die Urbewegung allen Lebens ist ein mystisches spiralförmiges Schwingen. Es ist im Wasser sichtbar wie im Himmel (maimveschamaim) – denn Wasser und Himmel sind desselben Ursprungs – es zeigt sich im Aufbau unserer Knochen, Muskeln und Organe, es offenbart sich dem Sehenden im lichtvollen Wirbeln der Chakras, und wir üben es in etlichen Asanas: im Drehsitz, im Krokodil, im Parsvakonasana usw. Auch unser Atem wird durch die Form des Nasengangs in ein spiraliges Strömen gebracht, um so subtiles Prana im Körper zu verteilen – unhörbaren doch unglaublich wirksamen Klang!

Weil das so ist und weil dies der Mensch – nicht nur in verkörperter Form, sondern schon lange zuvor als noch gedachtes geistiges Wesen – in seiner aufblühenden Natur erkannte, übte er sich im Gesang, im klangvollen Sprechen und ebenso im sphärenhaften Spiel von Instrumenten. Die Menschen der frühen Völker hatten engelgleiche Stimmen, wie sie sich kein Mensch der unsrigen Zeit vorzustellen vermag. Sie bauten Klanginstrumente, mit denen sie Gottes heilige Chöre wundervoll nachahmten. Die Kunst der Vielstimmigkeit einzelner Saiten oder Klanglöcher, filigran geformter Hölzer oder Metalle, die sie beherrschten, würde unser heutiger verrohter Geist nicht verstehen, vielleicht nicht einmal hören – oder nicht ertragen. Sie waren der Wahrheit noch nahe, sie lebten noch ganz in Gott und wirkten und handelten aus Gott heraus nach seinen hohen und melodischen Gesetzen.

In einigen Völkern ist dieser Geist bis heute lebendig geblieben. In wenigen Traditionen, die die kalten Stürme des Materialismus und des Unglaubens dank ihres schlichten, unschuldigen Gemütes und ihrer heiligen Führer überstanden, konnte auch das Wissen um die heiligen Klänge bewahrt bleiben. Ich hole hier bewusst sehr weit aus. Ich beginne mit einer bestimmten Absicht in ältester, nicht schriftlich fixierter Geschichte. Kaum jemand denkt sich in so ferne Zeiten zurück oder er hat dabei ein sehr verschwommenes, falsch geprägtes Bild vor seinen inneren Augen. Wie kann es sein, dass wir unsere wahre Seele vergessen und verlassen haben? Es gibt vielleicht keine gerechte Antwort auf diese Frage, doch es besteht die Möglichkeit, die gefrorenen Erinnerungen wieder wachzurufen.

Ein Schamane, der polyrhythmisch seine selbstgebaute Trommel spielt, ein Gongpriester, welcher kunstfertig aus Interferenzen, aus chaotischen Schwebungen, immer neue heilsame Klänge gebären, aufstrahlen und entschwinden lässt, sie beide sind verbunden – sie sind verbunden über Zeit- und Raumgrenzen hinweg mit dem ewigen, alles durchströmenden Einheitsfeld des ersten undefinierbaren, nicht in Noten niederschreibbaren wonnevollen Schöpfungsklangs. Ihr magisches Spiel berührt uns immer neu und dringt ungehemmt in die tiefste Kammer unseres Herzens ein. Hier glimmt der Funke aus dem ersten Feuer. Hier resoniert es lachend mit der Harfe eines offenen Geistes.

Klangbehandlung

Klangschalen

Die Klangbehandlung oder Klangmassage wird zum einen mit verschiedenen Klangschalen unmittelbar auf dem Körper ausgeübt. Zum anderen kann sie genauso auf Distanz in der Aura oder über die Möglichkeit der Chakren eingesetzt werden. Ein dritter sehr spezieller Zugang sind die ca. 108 Marma-Punkte (Vitalpunkte) des Körpers. Die Klänge der obertonreichen Schalen nehmen während einer Behandlung viele Wirkwege gleichzeitig ein, den direktesten über das Hören, einen ähnlich intensiven über das Spüren, einen subtilen über das Nervensystem, einen allerfeinsten über das Energiesystem und hinzu kommt noch die unterschiedliche Ausbreitung über die diversen Gewebeformen und –strukturen unseres Körpers wie Oberhaut, Bindegewebe, Muskulatur, Knochen und Organgewebe. Klänge sind aber nicht nur ein rasch vorüber ziehendes Ereignis, der Mensch besitzt die vorteilhafte Eigenschaft, ihre Wirkung sowohl körperlich, wie auch mental und energetisch zu speichern. Unser Körper und unser Geist besitzen ein Klanggedächtnis, auch eine nur einmalige Erfahrung kann so immer wieder abgerufen werden.

Die harmonische und obertonreiche Klangwirkung tibetischer Schalen, die aus einer Legierung von bis zu zwölf Metallen hergestellt sind, reinigt unser System von negativen, destruktiven Schwingungsmustern. Sie umspielt und beseitigt Blockierungen innerhalb der Energie- und Nervenbahnen und aller Zellstrukturen. Allmählich geschieht eine Art Umprogrammierung: Störendes wird beseitigt und gegen die Erfahrung der wohltuenden Klänge ausgetauscht. So wird – bisweilen spontan, zumeist aber schrittweise – Heilung erlebt. Grundsätzlich wird keine Krankheit, kein Symptom bekämpft, sondern auf ganzheitlichem Wege die vorhandene Gesundheit gestärkt. So können Störungen zunächst integriert und, wenn möglich, nach und nach eliminiert werden.

Klangyoga

Das Begleiten von Asanas mit Klängen ist mittlerweile eine bewährte Methode, um deren Wirkungen zu intensivieren, um sie länger halten zu können, um Spannungen leichter aufzulösen und um sie tiefer zu erfahren und auszukosten. In meinem Unterricht beziehe ich zusätzlich noch einen bewusst in die jeweilige Dehnung gelenkten Atem mit ein. So haben wir immer ein zumindest dreifaches Einwirken: äußere Dehnung der Muskulatur, innere Weitung durch den Atem, das Durchschwingen der Klänge, dann aber auch den durch Klang und Atem angeregten Pranafluss. Klang-Yoga ist ein wesentlicher Bestandteil meiner Klangmassage-Ausbildung bei Yoga Yidya.

Innere Klänge

Im Yoga geht es auch darum, bei der Meditation innere Klänge (Anahata-Klänge) wahrzunehmen. Der Meditierende verschließt die Ohren mit den Daumen und konzentriert sich auf die (im rechten Ohr) hörbaren inneren Klänge aus dem Herz-Lotus. Der Meditierende kann bei fortschreitender Meditation 10 unterschiedliche Klänge wahrnehmen.

Klang - Erläuterungen von Swami Sivananda

Einfluss des Klangs auf den Geist - Erläuterungen von Swami Sivananda

Auszug aus dem Buch „Tantra Yoga, Nada Yoga and Kriya Yoga“ von Swami Sivananda, Buch II - Nada Yoga, 5. Auflage, 2000, Shivanandanagar, S. 101. Divine Life Society

Das Reh wird eingefangen von lieblichem Klang.
Die Kobra wird bezaubert von lieblicher Musik.
Raga Punnagavarali entzückt die Kobra.
Nada fängt den denkenden Geist.
Der Geist erstarrt (Laya) in lieblichem Nada.
Der Geist wird angezogen von lieblichem Nada.
Daher kannst du ohne Mühe den Geist
Durch die Praxis von Nada Yoga beherrschen.

Nada Yoga

Auszug aus dem Buch „Tantra Yoga, Nada Yoga and Kriya Yoga“ von Swami Sivananda, Buch II - Nada Yoga, 5. Auflage, 2000, Shivanandanagar, S. 102f. Divine Life Society

Makshapriya sagte: O Swamiji! Weise mich in Nada Yoga ein.

Swami Sivananda antwortete: Nada ist Klang, Brahman gewollt. Es gab einst einen Sat Sankalpa. Eine Schwingung, Vibration oder Spandana entstand. Das war die Schwingung von Om. Dies ist Nada.

Nada Yoga wird auch Laya Yoga genannt.
Kundalini Yoga wird auch Laya Yoga genannt.

Geist wird von Natur aus von lieblichen Klängen angezogen. Er wird von den süßen Klängen gefesselt und gefangen, so wie ein Reh von lieblicher Musik eingefangen wird.

Wenn der Geist in den Anahata-Klängen aufgeht, wirst du Wissen über die verborgenen Dinge erlangen. Du wirst dann Para-Vak hören. Du wirst die Gabe der Intuition entwickeln. Und nach und nach wird der Geist in Brahman (in das Absolute) aufgehen.

Sitze in der Stellung von Padmasana oder Siddhasana oder Sukhasana. Verschließe deine Ohren mit den Daumen. Dies ist Shanmukhi Mudra oder Vaishnavi Mudra. Höre die Musik der Anahata Klänge. Jetzt wirst du wunderbare Konzentration erfahren.

Führe die Japa (Ajapa Japa) von Soham mit Atem auf jedem Mantra durch. Praktiziere für ein oder zwei Monate Pranayama. Du wirst die zehn Töne deutlich hören und dich der Seelenmusik erfreuen.

Wende dich von allem weltlichen Gedankentum ab. Beherrsche deine Leidenschaft. Werde gegenüber allen Dingen indifferent. Praktiziere Yama (Selbstbeherrschung) oder Sadachara (rechtschaffenes Verhalten). Konzentriere deine Aufmerksamkeit auf den Anahata-Klang, der den denkenden Geist auslöscht.

Das Ziel des Lebens

Auszug aus dem Buch „Tantra Yoga, Nada Yoga and Kriya Yoga“ von Swami Sivananda, Buch II - Nada Yoga, 5. Auflage, 2000, Shivanandanagar, S. 103f. Divine Life Society

Das Leben im Einzelnen ist unter seinem ontologischen Aspekt nichts anderes als ein unablässiges Streben nach unendlicher, unvermischter, ewiglicher, unvergänglicher und immerwährender Glückseligkeit. Die alten Schriften haben das zweifelsohne belegt. Die Weisen und Heiligen haben seit Anbeginn der Schöpfung immer wieder zum Ausdruck gebracht, dass es möglich ist, diese Höchste Glückseligkeit in seinem eigenen Selbst zu erkennen, und dass sie jeder erfahren sollte. Daher ist die Selbstverwirklichung, die Selbsterkenntnis, die Selbsterfahrung der Gesamtheit, daher ist Aparokshanubhuti das Summum Bonum der menschlichen Existenz. Nur dies allein wird all unser Leid und Elend zu einem Ende führen. Aber wie können wir dies bestenfalls erreichen?

Atmachaitanya Samadhi oder Aparosksha Jnana ist möglich, wenn der (denkende) Geist rein und sattwig wird. Die Reinheit des Geistes wird nur erreicht, wenn das kleine "Ich", also Egoismus oder Ahamkara, gezügelt, ja ausgelöscht wird, was bedeutet, dass Ichbezogenheit und besitzanzeigendes Mein-Denken aufgegeben werden muss. Das wiederum geht einher mit Reinheit und Beherrschung der Indriyas. Solange der (denkende) Geist nicht kultiviert und beherrscht wird, gibt es keine Kontrolle über die Indriyas. Folglich kommen wir auf einem rundumlaufenden Weg wieder zurück zum denkenden Geist. Recht hatten die Weisen, als sie ausriefen: Mana Eva Manushyanam Karanam Bandha-Mokshayoh -Der (denkende) Geist allein ist der Grund für beides, des Menschen Befreiung und Knechtschaft.

Durch dahingehende praktische Untersuchungen sind die Weisen zu dem Schluss gekommen, dass Prana und Geist in ihren funktionalen Fähigkeiten voneinander abhängig sind. Solange eines von beiden unkontrolliert bleibt, kann auch das andere nicht kontrolliert werden. Wenn das eine jedoch unter Kontrolle ist, kommt auch das andere aus eigenem Antrieb unter Kontrolle. Es ist aber nicht genug, wenn sie einfach nur kontrolliert werden. Die Vasanas werden uns nicht verlassen, solange wir sie nicht auch ausgelöscht haben. Solange die Vasanas nicht zerstört sind, kann auch Chitta nicht zerstört werden. Nur die Auflösung von Chitta allein kann uns zu Jnana führen.

So bleiben uns also nur zwei Abläufe. Erstens, wir müssen Prana durch verschiedene ausdauernde yogische Prozesse unter Kontrolle bringen, dann den Geist beherrschen, ihn von äußeren Dingen abziehen und auf das Selbst fixieren. Zweitens, wir können versuchen, das Denken durch Ausführung von Mano-Laya (Einschmelzen des Gemüts in das Selbst) auszulöschen, indem wir ein höheres mächtiges Prinzip finden, dem sich der Geist natürlicherweise zuwendet und in welches er aufgeht, und daraus folgend in den Zustand von Laya eintritt. Die Weisen fanden heraus, dass Mano-Laya gefolgt von Mano-Nasa ein sichereres Mittel war, Selbstverwirklichung zu erlangen, als der anstrengende Prozess, den denkenden Geist zu kontrollieren und zu kultivieren, denn das ist immer mit der Gefahr verbunden, dass der Geist wieder in jedem Moment in die alten Muster der Vasanas (Wünsche) springen kann.

Im Verlauf weiterer praktischer Untersuchungen fanden die Weisen und Seher heraus, dass Klang die Macht hatte, den Geist sozusagen anzulocken und aufzulösen.

So wurde entdeckt, dass Mano-Laya und Mano-Nasa durch Nada Yoga (Einswerdung oder Verschmelzung mit dem Klang) ein effektives und sicheres Mittel für Selbstverwirklichung ist.

Die Macht des Klangs

Auszug aus dem Buch „Tantra Yoga, Nada Yoga and Kriya Yoga“ von Swami Sivananda, Buch II - Nada Yoga, 5. Auflage, 2000, Shivanandanagar, S. 104f. Divine Life Society

Aufgeladen mit transzendenter Seelen-Kraft ist Klang in der gesamten Schöpfung wohl das einzige mächtige Prinzip, das alle anderen Manifestationen stark beeinflusst und wirksam beherrscht. Es können viele Beispiele angeführt werden, die diesen Anspruch des Klanges belegen, ob auf der individuellen oder der kosmischen Ebene.

Wir haben gehört, wie Tansen die Fähigkeit hatte, mit Hilfe von Megha Raga Regen aufkommen zu lassen, wie er durch Singen im Deepaka Raga ein Licht entzünden konnte. Es gibt zuverlässige Berichte, wiederum Tibetische Lamas betreffend, in welchen erzählt wird, wie die Lamas Regenwolken vertrieben und auflösten, oder ein anderes Mal die Wolken zusammenzogen und sie durch das Blasen von Hörnern und Trompeten und durch das Schlagen von Trommeln zum Abregnen brachten.

Wir haben auch gesehen, wie das Reh oder die Kobra von lieblicher Musik angelockt werden. Die Reaktion dieser Tiere auf einer prärationalen Ebene zeigt uns deutlich, dass es da eine bestimmte Beziehung zwischen Klang und Geist gibt, und dass sich Geist von Natur aus Klang zuwendet und in dieser Erfahrung die äußere Welt vollkommen vergisst. Da es also in der gesamten Schöpfung eine natürliche Neigung gibt, in Klang Trost und Frieden zu finden, können wir dasselbe auf der rationalen Ebene sogar mit noch größerer Effektivität und einem besseren Resultat erreichen, und das tun wir auch.

Wieviele Menschen in der sogenannten Arbeitswelt ersticken ihr weltliches Elend und Leid in süßer rhythmischer Musik? Selbst ein unwissender Mensch, der nicht das ABC der Musik kennt, steht wie gebannt, als wäre er von einem Zauber belegt, da, wenn er liebliche, melodiöse Musik vernimmt; was eigentlich nur beweist, dass der Geist sich in der Gegenwart rhythmischen Klangs weigert, an irgendetwas anderes als Klang zu denken.

Der unwissende Mensch sagt, nachdem er schöne Musik gehört hat: "Ich habe es sehr genossen. Ich wusste überhaupt nichts mehr." Diese Aussage ist fast identisch mit der eines Menschen, der sagt: " Ich habe gut geschlafen, ich weiß von überhaupt nichts." Das belegt deutlich, dass der Geist sich einem Zustand von Einssein mit dem Klang erfreute, genau so, wie er während des Tiefschlafes in kausaler Unwissenheit Laya erlangt.

All diese Dinge zeigen uns die Überlegenheit von Klang gegenüber unserem denkenden Geist und die unerschütterliche Grundlage von Nada Yoga und die Nützlichkeit von Klang in der Erwirkung von Mano-Laya.

Klang und Brahman

Die heilige Silbe Om

Auszug aus dem Buch „Tantra Yoga, Nada Yoga and Kriya Yoga“ von Swami Sivananda, Buch II - Nada Yoga, 5. Auflage, 2000, Shivanandanagar, S. 105f. Divine Life Society

Klang oder Ton ist die erste Manifestation des Absoluten.

Wir wissen nichts über die Natur des Absoluten in seiner Existenz, außer, dass Es ist. Mit aller Freundlichkeit haben die Schriften versucht, uns alles über die Schöpfung zu erzählen und wie sie aus dem Absoluten hervorging. Sie sagen: "Brahman war eins und nicht-dual. Er dachte "Ekoham, Bahu Syam." Dies verursachte eine Schwingung, welche schließlich Klang erzeugte und dieser Klang war OM, woraus alle anderen Manifestationen stammen.

Als Rückschluss können wir daher sagen: Solange die Kraft von Brahma-Sankalpa anhält, existiert die kosmische Schwingung und der Klang oder Ton. Wenn die Schwingung aufhört, löst sich auch der Klang in die transzendentale Wesenheit auf. Während der pulsierenden, schwingenden Phase schreitet die Schöpfung voran, die Elemente und die Tanmatras entstehen der Reihe nach aus den vorangegangenen, und letztendlich findet dann eine Verfünffachung statt, und so entsteht die Welt, wie wir sie jetzt sehen. Während des Stillstands der Schwingung findet das Gegenteil statt, es gibt also eine Involution, eine Rückentwicklung, in der die ganze Welt in Klang verschwindet und Klang sich schließlich in Brahman auflöst.

Infolgedessen ist Klang nahezu die fassbare, begreifliche Grundlage für die gesamte Schöpfung. Auf natürliche Art und Weise besitzt er die Kraft, sich die anderen Manifestationen einzuverleiben.

Brahman in seinem transzendenten Aspekt ist unfassbar. Das, was Ihm am nächsten kommt, ist nur Klang, oder wir können Klang oder Ton auch als Aparam Brahma bezeichnen.

Suche Mano-Laya nur im Anahata-Klang!

Auszug aus dem Buch „Tantra Yoga, Nada Yoga and Kriya Yoga“ von Swami Sivananda, Buch II - Nada Yoga, 5. Auflage, 2000, Shivanandanagar, S. 107f. Divine Life Society

Es ist uns nicht unmöglich, Mano-Laya durch äußere Musik zu bewirken. Aber es wird uns nicht zu unserem Ziel führen. Mano-Laya ist nur ein Mittel zum Zweck, während unser Ziel unser eigenes Selbst ist. Den Geist in äußere Klänge eintauchen zu lassen, kann nur mit dem Zustand verglichen werden, den wir Tiefschlaf nennen. Es kann uns nicht bei Mano-Nasa helfen.

Mano-Laya im Anahata-Klang zu suchen, ist doppelt wirksam. Wie ein Kind automatisch zu seiner Mutter läuft, wird der denkende Geist sich dem Anahata-Ton zuwenden, da letzterer die Grundlage des Geistes darstellt. Und so wie ein Kind sehr schnell in einen Zustand von Einssein mit seiner Mutter kommt, wird auch der Geist im Anahata in den Zustand von Laya eintreten. Und wenn das geschieht, wenn wir die Einheit des Geistes mit dem Anahata-Ton bewirken, werden wir tatsächlich eines hervorrufen: nämlich, dass sich die Wirkung in der Ursache auflöst - oder mit anderen Worten - Mano-Nasa wird sich einstellen.

Wenn wir uns zuerst im Anahata einrichten und uns dann unserem eigenen Selbst zuwenden, ist das nichts anderes als eine Form von Krama Mukti.

Anahata-Klänge oder die Melodie sind die mystischen Töne, welche vom Yogi zu Beginn seines Meditations-Zyklus vernommen werden. Dies wird mit dem Begriff Nada Anusandhana umschrieben, eine Erkundung der mystischen Klänge und Töne. Dies ist ein Anzeichen dafür, dass die Nadis (astralen Ströme) schon durch Pranayama gereinigt wurden. Die Töne können auch vernommen werden, nachdem man das Ajapa Gayatri Mantra "Hamsa Soham" hunderttausend Mal rezitiert hat.

Die Töne werden mit dem rechten Ohr gehört, ganz gleich, ob man es verschließt oder nicht. Sie sind jedoch deutlicher zu vernehmen, wenn sie mit verschlossenen Ohren gehört werden. Die Ohren können verschlossen werden, indem man die zwei Daumen mittels des Yoni Mudra in die Ohren einführt. Sitze in Padma oder Siddha Asana, verschließe die Ohren mit dem rechten und linken Daumen, und dann höre diese Klänge mit größter Aufmerksamkeit. Gelegentlich kannst du die Töne auch mit dem linken Ohr wahrnehmen. Übe dich aber darin, die Klänge nur mit dem rechten Ohr zu hören. Warum hörst du den Klang nur mit dem rechten Ohr oder warum kannst du ihn deutlich mit dem rechten Ohr hören? Wegen des Einflusses von Solar Nadi, Pingala, auf der rechten Seite der Nase. Der Anahata Ton wird auch Omkara Dhvani genannt. Er beruht auf der Prana-Schwingung im Herzen.

Die zehn Arten von Klängen

Auszug aus dem Buch „Tantra Yoga, Nada Yoga and Kriya Yoga“ von Swami Sivananda, Buch II - Nada Yoga, 5. Auflage, 2000, Shivanandanagar, S. 108f. Divine Life Society

Es gibt zehn Arten von hörbarem Nada. Die erste ist Chini (wie der Klang des Wortes Chini); die zweite ist Chini Chini; die dritte ist der Glocken-Klang; die vierte ist der Konche-Klang (Muschel); die fünfte ist der Tantri-Klang (Laute); die sechste ist der Tala-Klang (Becken); die siebte ist der Flöten-Klang; die achte ist der Bheri-Klang (Trommel); die neunte ist der Mridangam-Klang (zweiseitig bespannte Trommel) und die zehnte Art ist der Klang von Wolken, d. h. der Klang von Donner.

Stimme der Stille

Auszug aus dem Buch „Tantra Yoga, Nada Yoga and Kriya Yoga“ von Swami Sivananda, Buch II - Nada Yoga, 5. Auflage, 2000, Shivanandanagar, S. 109. Divine Life Society

"Bevor du deinen Fuß auf die oberste Sprosse der Leiter, der Leiter der mystischen Klänge, setzt, musst du die Stimme deines inneren Gottes (deines Höheren Selbst) auf siebenfältige Weise hören. Die erste ist wie die liebliche Stimme einer Nachtigall, die ihrem Gefährten ein Abschiedslied singt. Die zweite kommt wie ein Silberbecken der Dhyanis daher, das die funkelnden Sterne erwecken will. Die nächste ist wie das melodiöse Wehklagen des Meergeistes, eingekerkert in seiner Muschel. Nach ihr folgt der Gesang der Vina. Die fünfte schrillt wie der Klang einer Bambusflöte in deinem Ohr. Sie verändert sich als sechste in einen Trompetenstoß. Die letzte schwingt wie das dumpfe Grollen von Gewitterwolken. Die siebte verschluckt all die anderen Klänge. Sie sterben, und sind dann nicht mehr zu hören."

Klang und Bild

Auszug aus dem Buch „Tantra Yoga, Nada Yoga and Kriya Yoga“ von Swami Sivananda, Buch II - Nada Yoga, 5. Auflage, 2000, Shivanandanagar, S. 111 - 114. Divine Life Society

Klänge sind Schwingungen. Sie bilden fest umrissene Formen. Jeder Klang erzeugt eine Form in der unsichtbaren Welt und Kombinationen von Tönen erschaffen komplexe Formen. In wissenschaftlichen Lehrbüchern werden Experimente beschrieben, die belegen, dass Töne, die von verschiedenen Instrumenten erzeugt und auf eine umrandete, mit feinem Sand bestreute Fläche geleitet werden, bestimmte Gebilde oder Figuren klar abzeichnen. Es wird folglich demonstriert, dass rhythmische Schwingungen ebenmäßige geometrische Formen verursachen.

In den hinduistischen Büchern über Musik wird uns erzählt, dass die verschiedenen Musikstücke, "Ragas" und "Raginis", jeweils eine besondere Form oder Gestalt haben, welche in diesen Büchern graphisch beschrieben wird. So soll z. B. der Megha-Raga eine majestätische Figur sein, die auf einem Elefanten thront. Der Vasanta-Raga wird als schöner, mit Blumen geschmückter Jüngling beschrieben. Dies alles bedeutet, dass ein jeweiliger Raga oder Ragini, wenn er exakt gesungen wird, feinstoffliche Schwingungen erzeugt, welche die spezifische Figur erschaffen, die die Ausprägung von ihm sein soll.

Diese Ansicht hat kürzlich durch Experimente, die Margaret Watts Hughes, die begnadete Autorin des Buches "Stimmen-Figuren" durchgeführt hat, ihre Bestätigung erfahren. Frau Watts Hughes hielt vor einer ausgewählten Zuhörerschaft in Lord Leightons Studio einen Lichtbildervortrag, um die wunderschönen wissenschaftlichen Entdeckungen zu zeigen, auf die sie als Ergebnis ihrer langjährigen, geduldigen Arbeit gestoßen war. Sie sang dabei in ein simples, von ihr entwickeltes Instrument, "Eidophon" genannt, welches aus einer Röhre, einem Sammelgefäß und einer flexiblen Membrane besteht, und fand heraus, dass jeder Ton eine klar festgelegte und unveränderliche Form annimmt, als sei sie durch ein empfindliches und bewegliches Werkzeug deutlich gemacht.

Am Anfang ihres Vortrages legte sie kleine Samen auf die flexible Membrane und die durch das Singen der Töne entstandenen Luftschwingungen tanzten die Samen in klar definierte geometrische Muster hinein. Später benutzte sie Staub unterschiedlichster Art, wobei sie herausgefunden hatte, dass Copodium-Staub besonders geeignet war. Ein Journalist, der die durch die Töne entstandenen Gebilde beschrieb, nannte sie bemerkenswerte Offenbarungen von Geometrie, Perspektive und Schattierung; "Sterne, Spiralen, Schlangen und Phantasiegebilde tummelten sich in einer Fülle von fesselnden, methodischen und systematischen Darstellungen". Dies wurde zuerst gezeigt.

Frau Hughes erzählte dann, dass sie einmal eine Note gesungen hatte, worauf ein Gänseblümchen erschien und wieder verschwand. "Ich versuchte wochenlang, es wieder zurückzusingen; schließlich gelang es mir." sagte sie. Jetzt kenne sie die exakte Tonhöhe dieser bestimmten Note, die ein Gänseblümchen ist, und es würde durch eine eigenartige Methode von Wechsel zwischen Crescendo und Diminuendo dauerhaft und klar definiert werden können. Nachdem das Publikum hingerissen eine Reihe von Gänseblümchen betrachtete hatte, einige von ihnen mit übereinander gelagerten Blütenblättern, grazil und filigran, bekam es noch andere Notentöne vorgeführt, und diese waren Gänseblümchen von atemberaubender Schönheit. Wie wunderbar! "Wie wunderschön!" erklang es laut hörbar aus Lord Leightons Studio und eine außerordentliche Form nach der anderen folgte dann auf der Leinwand. Auf Blumen folgten Meeresungeheuer, schlangenartige Gebilde mit anschwellenden Rundungen, voller Licht und Schatten, detailliert, aus einer meilenweit entfernten Perspektive dargestellt. Nach diesen Tönen kamen die, welche Bäume formten, Bäume mit fallenden Früchten, Bäume mit Felsen im Vordergrund und Bäume mit dem Meer im Hintergrund. "Wie kann das sein?" riefen die Leute im Publikum, "sie sehen ja aus wie japanische Landschaftsbilder."

Als Madam Finlang während eines Aufenthalts in Frankreich das Loblied " O Ave Marium" für die Jungfrau Maria sang, brachte ihr Gesang ein Abbild von Maria mit dem Jesuskind hervor. Und wiederum das Singen eines Lobliedes für "Bhairava", gesungen von einem Bengali-Studenten aus Benares, der in Frankreich studierte, brachte die Abbildung der Gestalt von Bhairava mit seinem "Reittier", dem Hund, zutage.

Daraus folgt also, wiederholtes Singen des Namens des Herrn baut allmählich die Form der Devata oder die spezielle Manifestation der Gottheit auf, welche wir zu verehren suchen, und dies agiert als Konzentrationsfokus für den gütigen Einfluss des Göttlichen Wesens, welches vom Zentrum her ausstrahlt und den Gläubigen durchdringt.

Wenn man in den Meditationszustand eintritt, wird der Fluss der inneren Vritti immens intensiviert. Je tiefer man in die Meditation geht, desto deutlicher ist der Effekt. Die nach oben gerichtete Konzentration des Geistes sendet eine Welle dieser Kraft durch die Krone des Kopfes und die Antwort erfolgt in einem feinen Regen von sanftem Magnetismus, das Gefühl, welches aus dieser nach unten gesandten Kraft entsteht, schickt ein wunderbares Glühen durch den Körper und man fühlt sich, als nähme man in einer Art sanfter Elektrizität ein Bad.

Klänge erzeugen Formen.

Folgende Tatsachen werden also durch die oben erwähnten Experimente demonstriert:

1. Klänge erzeugen Formen. 2. Bestimmte Töne bringen bestimmte Formen hervor. 3. Wenn du eine bestimmte Form generieren willst, musst du einen bestimmten Ton in einer bestimmten Tonlage erzeugen.

Die Wiederholung des Panchakshara-Mantra "Om Namah Shivaya" erzeugt die Form von Shiva. Die Wiederholung von "Om Namo Narayanaya", dem Ashtakshara-Mantra von Vishnu, erzeugt die Form von Vishnu. In einem Mantra sind die Schwingungen, welche durch die Töne erzeugt werden sollen, alle wichtig. Der Schwerpunkt liegt sowohl auf der Tonlage (Svara) als auch auf der Form (Varna). Varna bedeutet wörtlich Farbe. In der unsichtbaren Welt werden alle Klänge von Farben begleitet, sodass sie vielfarbige oder vielgestaltige Formen entstehen lassen. Auf dieselbe Weise sind wiederum Farben von Klängen begleitet. Um eine bestimmte Form zu erschaffen, muss ein ganz bestimmter Ton erzeugt werden. Unterschiedliche Töne in unterschiedlichen Tonlagen erschaffen unterschiedliche Formen.

In der Mantra-Wissenschaft benutzen wir unterschiedliche Mantras, um verschieden Gottheiten anzurufen. Wenn du Shiva deine Ehrerbietung erweisen möchtest, dann benutzt du "Om Namah Shivaya"; wenn du aber Vishnu oder Shakti verehren willst, wirst du das Mantra wechseln müssen. Was passiert eigentlich, wenn ein Mantra rezitiert wird? Die wiederholte Rezitation des Mantras erzeugt im Geiste die Form der Devata, die mit dem Mantra verbunden und dein Ishta ist, und diese Form wird das Zentrum deines Bewusstseins, wenn du sie direkt erkennst. Man sagt deshalb, dass das Mantra des Deva eigentlich der Deva selbst ist. Dies würde auch den oft missverstandenen Spruch der Mimamsa-Philosophen erklären, wonach die Götter außer in den Mantras nicht existieren (Mantratmako Devah). In Wirklichkeit bedeutet dies aber, dass, wenn ein bestimmtes Mantra, an einen bestimmten Gott gerichtet, angemessen rezitiert wird, die so erzeugten Schwingungen in den höheren Sphären eine spezielle Form oder Gestalt erschaffen, welche dieser Gott für die gegenwärtige Zeit dann beseelt.

Die vier Stufen von Klängen

Auszug aus dem Buch „Tantra Yoga, Nada Yoga and Kriya Yoga“ von Swami Sivananda, Buch II - Nada Yoga, 5. Auflage, 2000, Shivanandanagar, S. 114f. Divine Life Society

Die Veden formen die Klangmanifestationen des Isvara. Dieser Klang hat vier Unterteilungen: Para, der nur in Prana seine Manifestation findet, Pasyanti, der seine Manifestation im Geiste findet, Madhyama, welcher Manifestationen in den Indriyas findet und Vaikari, der in artikulierter Äußerung seine Manifestation findet.

Artikulation ist die letzte und gröbste Äußerung von göttlicher Klang-Energie. Die höchste Manifestation der Klang-Energie, die Ur-Stimme, die göttliche Stimme, ist Para. Die Para-Stimme wird zu Wurzel-Ideen oder zu Keim-Gedanken. Es ist die erste Manifestation der Stimme. In Para verbleibt der Klang in seiner undifferenzierten Form. Para, Pasyanti, Madhyama und Vaikari sind die unterschiedlichen Abstufungen von Klang. Madhyama ist der dazwischenliegende unausgedrückte Zustand von Klang. Sein Sitz ist das Herz.

Der Sitz von Pasyanti ist der Nabel oder das Manipura Chakra. Yogis mit einer subtilen inneren Wahrnehmung können die Erfahrung des Pasyanti-Zustandes eines Wortes machen, eines Wortes, das Farbe und Form hat, das in allen Sprachen üblich ist und welches die schwingungsvolle Gleichartigkeit von Klang hat. Inder, Europäer, Amerikaner Afrikaner, Japaner, Vögel und andere Tiere - alle erfahren dieselbe Bhavana einer Sache in dem Pasyanti-Zustand der Stimme oder des Klanges. Gestik ist eine Art von stummer subtiler Sprache. Sie ist für alle Menschen ein und dasselbe. Jeder Mensch egal aus welchem Land er kommt, wird dieselbe Gebärde machen, nämlich die Hand in einer bestimmten Weise vor seinen Mund halten, um anzuzeigen, dass er durstig ist. So wie ein und dieselbe Kraft von Shakti, die durch die Ohren arbeitet, zu Hören wird, die, welche durch die Augen arbeitet zu Sehen führt usw., so nimmt dasselbe Pasyanti unterschiedliche Klangformen an, wenn es materialisiert wird. Der Herr manifestiert sich durch Seine Maya-Kraft zuerst als Para Vani im Nabel, dann als Madhyama im Herzen und dann schließlich als Vaikari in Hals und Mund. Dies ist der göttliche Abstieg Seiner Stimme. Alle Vaikari ist einzig und allein Seine Stimme. Es ist die Stimme der Virat Purusha (Weltenseele).

Siehe auch

Literatur

Weblinks

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