Wirklichkeit

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Wirklichkeit : Was versteht man unter Wirklichkeit? Was will man mit diesem Wort sagen? Wirklichkeit ist das was existiert. Das was tatsächlich ist, wird als Wirklichkeit bezeichnet. Im Yoga spricht man von relativer und absoluter Wirklichkeit. Die absolute Wirklichkeit ist das, was immer wirklich ist. Die relative Wirklichkeit ist das, was man jetzt für wirklich hält. Im Vedanta Philosophie wird gesagt: Brahman Satyam - Das Absolute allein ist wirklich. Und was ist das Absolute, Brahman? Prajnanam Brahman - Bewusstsein ist das Absolute. Damit wird gesagt: Nur Bewusstsein ist absolute Wirklichkeit. Alles andere ist relative Wirklichkeit, die man auch als Täuschung bezeichnen (Jagan Mithya - die wahrgenommen Weg ist Trug).

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Alle Verehrung richtet sich auf die Eine Wirklichkeit - Von Swami Chidananda

Unter allen spirituellen Lehrern des 20. Jahrhunderts war Swami Sivananda eine einmalige Erscheinung. Es gab viele Lehrer, die waren Sektierer, die ihre jeweilige Philosophie, Religion, ihren Glauben, ihr Credo oder ihre Doktrine lehrten, so wie sich alles über Jahrhunderte entwickelt hatte. Ihre religiösen Anschauungen und Praktiken mündeten in einer bestimmten Theologie, die manchmal nicht davor zurückschreckte, diese als die allgemeingültige zu postulieren. Nur dies ist der richtige Weg. Menschen, die einem anderen Weg folgen, sind mit Blindheit geschlagen. Sie tappen im Dunklen, kommen vom Weg ab und werden nie das Ziel erreichen.

In krassem Gegensatz zu dieser Art von ausgrenzendem Dogmatismus vertrat Meister Sivananda die Ansicht, dass es gerade in der heutigen Zeit wichtig war, die leidende Menschheit von dem Trauma vieler Kriege, die aufgrund von religiösen Ansichten geführt wurden, zu befreien. Die vedische Religion betrachtete all diese verschiedenen Glauben und Ansichten als mögliche Pfade zu der Einen Wirklichkeit. Denn jede Vorstellung von Einer Wirklichkeit, die die Quelle, der Ursprung ist von allem, das existiert, muss einzig wahr und wirklich sein.

Es kann keine zwei Wahrheiten geben. Die Wirklichkeit kann nicht zweierlei sein. Sie kann nur Eins sein.

Die Wahrheit ist ungeteilt. Die Gelehrten können sich auf verschiedene Weise auf die Wahrheit beziehen. Das führt nicht dazu, dass die Wahrheit geteilt wird. Das vervielfältigt nicht das Höchste Sein. Es mag viele Wege geben, aber das höchste Ziel ist letztendlich eins.

Swami Sivananda verkündete diese Wahrheit in liebenswürdigen Worten, auf seine eigene überzeugende Weise: "Warum unnötig kämpfen und streiten. Fühlt die zugrunde liegende Einheit in dieser offensichtlichen Vielfalt von Ansichten und Glaubensrichtungen." Er verkündete, lehrte und praktizierte dies in seinem alltäglichen Leben, indem er alle großen Festtage anderer Religionen einschließlich Weihnachten, Buddhas Geburtstag usw. beachtete.

Dies tat er so konsequent, dass die engstirnigen Vertreter des Hinduismus daran Anstoß nahmen. Sie argumentierten: "Warum machst Du das? Du bist ein Sannyasin (hinduistischer Mönch) der Shankara Advaita Vedanta parampara (parampara = Reihe spiritueller Führer) Linie, Du darfst nur einzig und allein Advaita Vedanta lehren." Swami Sivanandas Antwort darauf war: "Nun, was Ihr sagt, ist ziemlich richtig, und wie ich handle, ist nicht falsch." Dies war Swami Sivanandas Art.

In beschränktem Umfang war dies auch die Botschaft der mittelalterlichen Heiligen aus Maharastra. Obwohl ihre Hingabe sich auf einen Aspekt Gottes oder auf eine Gottheit in einem Heiligtum richtete, wussten sie in der Tiefe ihres Herzens, dass durch all die verschiedenen Arten von Verehrung doch nur die Höchste Wirklichkeit, das Höchste Wesen und nichts anderes erreicht wird. Alle Flüsse haben verschiedene Quellen, fließen in verschiedene Richtungen und erreichen letztendlich den Ozean.

In Maharastra lebten im 13. Jahrhundert die 4 weisen Brüder (Nivrittinath, Jnaneswar, Sopandev und Muktabai), und Nivrittinath, der älteste, sagte: "Oh Herr, Du bist unsere Mutter, Du bist unser Vater, Du bist unsere Verwandten und engen Freunde. Du bist der einzige Rückhalt in unserem Leben – mata pita bandhu tuhi ho hamare, Jeevana sahare Krishna pyare – Oh geliebter Herr Krishna."

"Wenn wir Dich als unser Allereinziges haben, brauchen wir uns um Glück oder Unglück im Leben nicht zu sorgen. Wir betrachten beides als gleichwertig. Wir haben zu Deinen Füßen Zuflucht gesucht, und dort finden wir alles. Wir bekommen Unterstützung, wir erhalten Kraft, Stärke und Trost, und daher spielt es keine Rolle, welche Erfahrung auf und zukommt. Es kümmert uns nicht. Sukha dukha dono hame ekasa hai, sharana me aye bhakta tumhare. Manchmal gibt es eine Abweichung: charan aye sharan me aye." "Wir finden Dich überall. Deshalb sind wir ständig bei Dir. In unserem Geist, in der Meditation, auf der Erde und im Himmel gibt es nur Eins: und das ist Krishna. In unserem Körper durchdringt Er uns vom Scheitel bis zur Sohle. Unseren Geist bewohnt und durchdringt Er. Mana me hai Krishna, tana me hai Krishna, bhuvana gagan me Krishna Krishna."

"Was erblickte Nivritti mit seinem geistigen Auge? Wenn er etwas, das er in der Außenwelt suchte, nicht finden konnte, fand er es aufbewahrt in dem Altar seines Geistes, seiner Innenwelt. Es öffnete sich das Tor zu Nivrittis Geist, und als er durch das geöffnete Tor schaute, was fand er? Da fand er den Liebsten von Nanda (Pflegevater von Krishna) dort sitzen. Nivrittike manake khule hain kivade usame basa hai Nanda dulare."

Auf diese Weise erfährt der Anhänger Gott und erfährt sich selbst in Beziehung zu Gott – näher als der Nächste, inniger als der Innigste, lieber als der Liebste – Alles in Einem!

Vorspruch
Gibt es ein Wissen, das nicht Sein ist?
Das höchste Sein hat seinen Stand im Herzen
Jenseits der Zwiespältigkeit des Denkens.
Es ist das Herz. — Wie kann man darum wissen?
Es wissen heißt: es sein im Herzen innen.
Wer vorm Tode bangt, flieht zu den Füßen
des Höchsten Wesens jenseits von Geburt und Tod.
Wer sich selbst und seinen Belangen abgestorben ist,
kann ihm der Gedanke an den Tod begegnen?
Er ist todlos wie das Höchste Wesen.
1.
Da wir uns selbst und die Welt gewahren, müssen alle ein Höchstes Eines anerkennen
mit Kräften, vielfältig zu erscheinen,
Die Bilder und der sie schaut, — benennbar und gestaltig beide, —
der Hintergrund und die Lichter, die auf ihn fallen:
Alles ist das Eine allein.
2.
Gott, die Welt und die Seelen, — damit hebt alle heilige Lehre an. Daß die drei nur Eines sind oder immer eben drei seien, sagt man solange das Ich besteht.
Das Ich auflösend dem Selbst inne werden, ist der höchste Stand.
3.
Was frommt es zu erörtern, ob die Welt wirklich sei oder Schein?
Ob nur ein Gebild des Gemüts oder nicht?
Ob uns zur Freude geschaffen oder nicht?
Denn allen steht frei, sie hinter sich zu lassen
und die Wirklichkeit des Selbst zu erleben
im Stande jenseits von Einheit und Zwiespalt,
im Auslöschen des Ich.
4.
Bist du selbst Gestalt, gewahrst du Gott und Welt gestaltig.
Aber wer ist es, der ihre Gestalt gewahrt?
Und wie ist es, wenn Du gestaltlos bist?
Gibt es Sehen und Gesichte ohne ein Auge?
Das Selbst ist das Auge
und ist gestaltlos grenzenlos.
5.
Fünf Schichteng bilden den Leib, alle fünf umgreift das eine Wort
»Leib«.
Ist die Welt da, wenn kein Leib da ist?
Oder sag: ist einer, der die Welt gewahrt hat,
ohne einen Leib zu haben?
6.
Die Welt ist nichts anderes als die Offenbarung der fünf »Wesen¬heiten«2 der Sinnesbereiche,
Und diese Wesenheiten werden Gegenstände der fünf Sinnes-erfahrungen.
Sag mir: wenn wir die Welt rein im Gemüt dank den fünf Sinnen gewahren,
ist die Welt etwas jenseits unseres Gemüts?
7.
Die Welt und ihr Gewahrwerden gehen miteinander auf und unter,
nur im Gewahrwerden erscheint die Welt.
Jenes Vollkommene, aus dem die Welt und ihr Gewahrwerden
aufgehen
und in dem sie untergehen,
und das ohne Aufgang und Untergang strahlt,
ist das einzig Wirkliche.
8.
Unter welchem Namen immer und welcher Gestalt
du ES verehrst, das ohne Name und Gestalt ist
und allem innewohnt, —: sie sind dir eine Hilfe, ES zu erleben,
Aber seine Wirklichkeit wahrhaft erleben
meint: das eigene Sein in SEINEM Sein auffinden
und zu ihm eingehen und eines mit ihm sein.
9.
Alle Paare von Gegensätzen (wie Erkennen und Nichtwissen)
und alle Dreiheiten (wie Erkennender, Erkanntes und Erkenntnisvorgang)
entspringen einem Einzigen: der Vorstellung »Ich«,
Erkennst du die Wesenheit des Einzigen in deinem Herzen,
fallen alle anderen Vorstellungen dahin,
Nur wer diese Wirklichkeit erfahren hat,
weiß was wirklich ist,
Ihn macht nichts irre.
10.
Erkennen und Nichtwissen hängen aneinander, bedingen einander. Wahres Erkennen ist allein, das Selbst zu erkennen, den Ursprung von Erkennen und Nichtwissen,
dessen Wandlungsform beide sind.
11.
Ist es wirklich Erkenntnis und nicht vielmehr Nichtwissen,
um die Dinge außen zu wissen, aber das Selbst nicht zu gewahren,
das der Erkennende ist? — Wer das Selbst erkennt,
den Ursprung des Erkennens und seiner Gegenstände,
dem sagen das Erkennen und seine Gegenstände,
dem sagen Erkenntnis und Nichtwissen
nichts mehr.
12.
Wahre Erkenntnis ist allein,
wo weder Wissen noch Nichtwissen ist.
Wissen ist nicht wahre Erkenntnis,
das Selbst ist Erkenntnis,
es leuchtet all-einsam,
und da ist nichts zu erkennen noch erkannt zu geben,
und doch ist es nicht bares Nichts.
13.
Das Selbst ist Erkenntnis und ist das einzig Wirkliche.
Das Gewahren des Mannigfaltigen ist Nichtwissen.
Doch auch dieses trügende Wissen ist nicht verschieden
vom Selbst, das wahres Erkennen ist.
Schmuck aus Gold geformt, ist Schein in seinen mannigfaltigen
Gestalten;
aber gäbe es seine Formen ohne das Gold, das in ihnen erscheint?
Solange die Idee »Ich« besteht, gibt es auch ein »Du« und »Er«, Ergründest du die Wirklichkeit des Ich und löst es dabei auf, verschwinden auch das »Du« und »Er«, und übrig bleibt :der reine Stand des Selbst, in dem die Drei sich als Eines enthüllt,
15.
Vergangenes und Künftiges sind nur im Hinblick auf Gegenwärtiges.
Geschehen sie, sind sie ein Gegenwärtiges.
So ist nur das Gegenwärtige wirklich.
Vermißt sich einer, um Vergangenes und Künftiges zu wissen,
ohne um die Wirklichkeit des Ewig Gegenwärtigen zu wissen,
ist er wie einer, der zählen will
und weiß nicht um die Eins.
16.
Sind Raum und Zeit außer uns, wenn wir sie betrachten?
Als Leiber sind wir in Raum und Zeit verstrickt,
aber sind wir Leiber? — Wandellos bleiben wir
heute wie einst und allerwegen:
nirgendwo sind wir und nirgendwann sind wir
und immerdar sind wir und allerwegen.
17.
Wer das Selbst nicht kennt und wer es erkennt:
für beide ist ihr Leib das Ich.
Wer das Selbst nicht kennt, dem ist das Ich von seinem Leib
begrenzt,
wer das Selbst erkennt, das im Leibe steckt,
dem strahlt ein Ich, das keine Grenzen hat.
Das ist der ganze Unterschied zwischen beiden.
18.
Wer keine Erkenntnis hat und wer Erkenntnis hat: beiden ist die Welt wirklich.
Wer keine Erkenntnis hat, dem sind die Maße der Welt die Grenzen des Wirklichen.
Wer Erkenntnis hat, dem ist wirklich, was der Welt zugrunde liegt, gestaltlos und grenzenlos.
Das ist der ganze Unterschied zwischen beiden.
19.
Der Streit um Willensfreiheit und Schicksalszwang gilt nur für den, der um den Grund nicht weiß, der beider Wurzel ist. — Wer das Selbst erkannt hat, einzig Wurzel und Grund von :Freiheit und Schicksal, ist jenseits beider. Wie sollte er um sie streiten?
20.
Schaut einer Gott und schaut nicht das Selbst,
so schaut er nur ein geistiges Bild.
Gott ist nichts anderes als das Selbst. Nur wer
sein Eigen-Ich verliert und dessen Grund erschaut: das Selbst,
hat wahrhaft Gott gefunden.
21.
Die heiligen Schriften künden vom »Schauen des Selbst« und vom »Schauen Gottes«,
aber wie kann einer »das Selbst schauen«? — es ist
Eines ohne ein Zweites, — Wie kann einer da »Gott schauen«? — Das ich muß sich in ihm verlieren.
22.
Gott ist es, der das Gemüt als reines Innesein erhellt, er gibt ihm sein Licht, Wie willst du ihn mit dem Gemüt erkennen, es sei denn, du wendest es einwärts
und tauchst es in ihn?
23.
Es ist nicht der Leib, der »Ich« sagt. Und keiner, der
sein Ich an traumlos tiefen Schlaf verlor,
behauptet, er habe derweil nicht existiert.
Nur wenn dies eine Ding: das »Ich«, in die Erscheinung tritt,
erscheint alles andere, — Sammle dein Gemüt
in eine einzige Spitze und ergründe:
Woher steigt dieses »Ich« auf?
24.
Der Leib hat kein Bewußtsein, »Ich« zu sagen.
Das einzige und höchste Wirkliche ist reines Innesein,
es äußert sich nicht, es sagt auch nicht »Ich«.
Doch zwischen den beiden, umgrenzt vom Leibe,
erscheint ein Ding als »Ich«, das ist der Knoten;
er verknüpft die stille Helle des Inneseins mit dem dunkel Bewußt
losen,
»Bindung« und »Seele« (jîva), »Ich« und »geistiger Leib«,
»Sansâra« und »Gemüt« sind seine vielen Namen.
25.
Gestalt ergreifend tritt es ins Dasein,
Gestalt festhaltend behält es sein Dasein,
von Gestalt sich nährend wird es groß.
Gestalt vertauscht es um Gestalt in ständigem Wechsel,
und willst du es haschen, entflieht es dir.
So ist das Ich wie ein gespenstiger Kobold: ohne Eigengestalt.
26.
Wenn das Ich erscheint, tritt alles Andere in Erscheinung. Wenn kein Ich da ist, ist auch sonst nichts da. Das Ich allein ist Alles, — das Ich allein ergründen, was es wahrhaft ist, :heißt aller Dinge ledig werden.
27.
Der Stand, in dem das Ich nicht in Erscheinung tritt,
ist der Stand, in dem wir ES sind.
Es sei denn, du fändest den Stand, in dem das Ich
seinen Urstand hat, — wie willst du den Stand erwerben,
darin dein Einzelwesen sich verliert und nie ein Ich erscheint?
— Und erwirbst du ihn nicht, wie willst du zu unserem wahrhaften
Stand
eingehen, in dem wir ES sind?
28.
Wie ein Taucher, der finden will, was ins Wasser fiel, mußt du gesammelten Gemütes einwärts tauchen, mußt Atem, Rede und jede Regung hemmen, um die Stätte zu finden, aus der das :Ich, das aufsteigt, seinen Urstand nimmt.
29.
Der Weg der Erkenntnis ist: einwärts tauchen mit dem Gemüt,
nicht Ich sagen, aber im Gemüt fragen,
woher es als »Ich« aufsteigt.
Dabei denken »dies ist nicht Ich« oder »dies bin Ich«
kann dabei eine Hilfe sein, aber nie Gegenstand des Fragens.
30.
Wenn das Gemüt, einwärts forschend »Wer bin ich?«, ans Herz gelangt, offenbart sich von selbst ein »ICH-ICH«, vor dessen Gegenwart das Ich sich neigt und auslöscht. Trotzdem es sich :so offenbart, hat es keine Ichnatur, es ist Vollkommenheit und nichts anderes als das Selbst.
31.
Wessen seliges Glück, seit ihm sein Ich erlosch,
rein im Wesen des Selbst besteht,
— was bliebe ihm zu vollbringen?
Er kennt nichts außer dem Selbst.
Wie kann man sein Wesen begreifen?
32.
Bei dem Gedanken stehen bleiben: »dies bin ich, jenes nicht«, wo doch die heiligen Schriften deutlich sagen:
»Du bist ES« (tat tvam asi), ist reine Schwäche des Gemüts. In Wahrheit sind wir nie etwas anderes als ES,
33.
Zu sagen: »ich habe mich nicht erkannt«, oder zu sagen: »Ich habe mich erkannt«, ist lächerlich.
Sind da zwei Selbste, die einander Gegenstand sein mögen? — Aller Erfahrung ist: das Selbst ist Eines.
34.
Nicht anerkennen was für alle allzeit wahrhaft wirklich ist,
und standhaft stehen in seinem Stand: im Herzen,
aber streiten: »es ist« — »es ist nicht« — »ist gestaltig«,
»ist gestaltlos« — »ist eins« — »ist zwei« — »ist keines von beiden«,
das heißt von Mâyâ umfangen sein.
35.
Das einzig wahrhaft Wirkliche erkennen und ihm inne sein,
heißt die wahrhaftige Meisterschaft vollenden.
Meisterschaft über Wunderkräf te bleibt wie im Traum Geschenktes,
— ist es noch wahr, wenn der Schläfer erwacht?
Wer im Stand des wahrhaft Wirklichen gegründet steht,
befreit vom Wesenlosen, soll er sich um solche Meisterschaften
mühen?
36.
Wenn einer meint, er sei sein Leib, so wäre der Gedanke: »das bin ich nicht, ich bin ES« ihm eine gute Hilfe, seinen Stand im ES zu finden.
Aber warum sollen wir immerfort denken: »ich bin ES«, da wir IHM allein inne sind.
Denkt ein Mann immerfort: »ich bin ein Mann«?
37.
»Zwiefältigkeit: Lehrer und Schüler, Welt und Ich, Ich und Selbst,
herrscht, solange wir unterwegs zum Selbst sind,
im Erlebnis des Selbst aber ist dann Einheit«,
dieser Gedanke ist auch nicht richtig. Mit ihm geht es wie bei
den Toren,
Zehn Toren durchwateten einen reißenden Fluß,
am andern Ufer zählten sie sich und fanden, sie seien nur neun,
denn jeder vergaß beim Zählen sich selber.
Ein fremder Wanderer half ihnen aus ihrem Wahn:
er hieß sie alle an sich vorübergehen,
gab jedem einen kräftigen Schlag, daß er schrie,
und hieß sie die Schreie zählen. Da fanden sie sich.
Jeder der Zehn hatte angstvoll nach dem Zehnten gesucht
und war es selber. War er nicht gerade so der Zehnte schon damals,
als er den Zehnten vermißte, als da er ihn fand?
Sind wir Täter unseres Tuns, müssen wir seine Früchte ernten. Aber forschen wir: »wer ist der Täter?« und erleben wir das Selbst, verschwindet unsere Täterschaft und ihre :dreifältige Frucht an
Karman: »Angesponnen«, »Aufgespeichert«, »Künftig nahend« schwindetl, und der Stand der Freiheit tut sich auf:
zeitlos wie von jeher er bestand.
38.
Nur solange du wähnst, du seiest gebunden,
gelten dir die Gedanken »Bindung« und »Befreiung«, Betrachte dich und forsche: »wer ist gebunden?«, und der Gedanke »Bindung« wird zerstieben.
Nur das ewig Freie ist zeitlos wirklich,
— kann da der Gedanke »Befreiung« weiterbestehen?
40.
Es wird gelehrt, die letzte Befreiung sei von dreierlei Art: gestaltig, gestaltlos und beides zugleich in Wahl,
Laß dir sagen: wenn das Ich vergeht, das danach fragt, ob das Selbst in seiner Freiheit Gestalt oder keine oder beides hat, — das ist die wahre Befreiung.

Relative und absolute Wirklichkeit

Aus einem Vortrag von Sukadev Bretz

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Wirklichkeit,- was ist wirklich und was ist unwirklich, das gilt als eine der wichtigen Unterscheidungen, die Shankaracharya, der große Yogameister, z.B. im Viveka Chudamani empfiehlt, das Nachdenken darüber. Auch Patanjali sagt im Yoga Sutra, man soll Viveka üben und man soll lernen, sich vom Unwirklichen zu lösen und das Wirkliche zu erfahren. Aber was ist Wirklichkeit? Dort gibt es verschiedene Definitionen.

In einem seiner Werke sagt Shankaracharya: "Das, was in allen drei Zeitperioden gleich bleibt, das ist Wirklichkeit, alles andere ist innerhalb von Zeit und Raum in Veränderung und da Zeit und Raum Konstrukte sind, kann es nicht wirklich sein." Also, was in der Vergangenheit, im Jetzt und in der Zukunft gleich bleibt, das ist Wirklichkeit, das, was sich in der Zeit verändert, das ist keine Wirklichkeit. Damit kann man argumentieren, stimmt das oder stimmt das nicht.

Man kann auch sagen, das ist wirklich, das auch nach dem Aufwachen weiter wirklich bleibt. Angenommen, du träumst und du wachst auf, dann sagst du: "Ah, der Tiger, der mich gerade verfolgt hat, war nur ein Traum, er war nicht wirklich - wirklich." Oder angenommen, du denkst, dein Chef hat was gegen dich und dann am nächsten Tag kommst du irgendwo mit etwas Befürchtung, dass du geschimpft wirst ins Büro und statt dass du geschimpft wirst, lobt er dich oder gibt dir eine Auszeichnung als Mitarbeiter des Monats. Da weißt du, deine Vorstellung, dass da irgendwo Spannung ist, das war nicht wirklich.

Also, wenn du irgendwo aus einem Irrtum aufwachst, dann weißt du, es war nicht wirklich. Also, wirklich - wirklich ist das, was bleibt, wenn du ein höheres Wissen bekommst. Vom Yoga-Standpunkt aus, Jnana Yoga Standpunkt aus, ist alles Relative relativ. Das soll heißen: "Brahma Satyam." - Brahman, das Absolute allein ist wirklich, "Jagan Mithya." - Die Welt, wie wir sie wahrnehmen, ist unwirklich,- wir können nämlich aufwachen aus diesem Weltentraum, wir können das Unendliche und Ewige erfahren. Und so ähnlich wie, wenn wir aus einem Traum aufwachen, die Traumwelt als unwirklich erfahren, so ähnlich ist es auch, wenn wir aus dem Wachbewusstsein ins Überbewusstsein hinein aufwachen, dann erkennen wir, alles, was wir bisher wahrgenommen haben, war Unwirklichkeit.

Jetzt gibt es auch in der Unwirklichkeit verschiedene Grade, deshalb gibt es auch die relative Wirklichkeit. Man könnte sagen, die relative Wirklichkeit ist eine Wirklichkeit, die etwas wirklicher ist als die reine Unwirklichkeit. Das klingt jetzt ein bisschen eigenartig, aber eben z.B., angenommen, du siehst einen Menschen und denkst, der macht sich gerade komische Gedanken über dich und in Wahrheit überlegt der gerade, wie er nach Hause fahren kann. Die Vorstellung, dass er jetzt gerade über dich nachdenkt, ist dort eine noch unwirklichere Wirklichkeit, als wenn du weißt, er denkt daran, wie er nach Hause kommt. Vom Absoluten her ist auch das unwirklich, von einem relativen Standpunkt könnte man sagen, das ist etwas wirklicher, was mehrere Menschen gemein haben. Was nur du dir ausdenkst, das ist unwirklicher als das, was verschiedene Menschen wahrnehmen.

Und sei dir bewusst, die ganze Welt hat eine relative Wirklichkeit und du bist ständig im Irrtum begriffen. Swami Vishnudevananda hat gerne gesagt: "Aus der Erkenntnis, dass die ganze Welt unwirklich ist, kannst du große Heiterkeit ziehen. Du weißt, es gibt nicht etwas das, wirklich wirklich in dieser relativen Welt ist, es ist nur die Frage, wieweit bildest du dir etwas so ein, dass es andere sich auch so einbilden, dann kann man kommunizieren, und wie viel bildest du dir ein, was andere sich nicht so einbilden, dann ist es schwieriger." Und so,- in der relativen Welt ist es oft gut, wenn man diese Dinge für wirklich hält, die andere auch für wirklich halten. Bist du jetzt verwirrt? Hoffentlich, denn dann kannst du jetzt nochmal darüber nachdenken was relative und absolute Wirklichkeit ist, und letztlich, was heißt das im Alltag?

Wirklichkeit - Antonyme und Synonyme

Swami Chidananda

Hier einige Erläuterungen, wie man Wirklichkeit in Beziehung zu anderen Wörtern sehen kann:

Ähnliche Eigenschaften wie Wirklichkeit - Synonyme

Ähnliche Wörter wie Wirklichkeit, also Synonyme zu Wirklichkeit sind z.B. Realität, Dasein, Tatsache, Unwiderlegbarkeit, Wahrheit, Existenz.

Gegenteil von Wirklichkeit - Antonyme

Zu fast allem gibt es ein Gegenteil. Hier Möglichkeiten für Gegenteil von Wirklichkeit, Antonyme zu Wirklichkeit :

Wirklichkeit Antonyme

Antonyme Wirklichkeit, also Gegenteile, sind Schwärmerei, Idealismus, Hochherzigkeit, Unwirklichkeit, Realitätsferne, Traumwelt, Irrealität, Luftschloss, Einbildung.

Heinrich Zimmer über Wirklichkeit

Vierzig Verse (Ulladu narpadu) zum Thema Wirklichkeit vom Indologen Heinrich Zimmer aus seinem Buch "Der Weg zum Selbst" 1944 erschienen im Rascher Verlag Zürich


Siehe auch

Die Silbe Om bzw. AUM - dies ist der heilige Klang

Eigenschaften im Alphabet vor Wirklichkeit

Eigenschaften im Alphabet nach Wirklichkeit

Weblinks

Literatur

Seminare

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