Sattvige Ernährung

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Sattvige Ernährung ist eine Ernährungsweise, die gesund ist für Körper, Geist und Seele. Sattvige Ernährung verhilft zu Klarheit des Geistes, zu inneren Leichtigkeit und zu Tiefe der Meditation.

Andere Schreibweisen sind Sattwige Ernährung, Sattwische Ernährung, Sattvische Ernährung.

Wesen und Charakter der sattvigen Ernährung

Sattvige Ernährung ist einer Ernährungsweise, die folgenden Kriterien entspricht:

  • Gesund für den Körper
  • Stärkend und harmonisierend für Prana (Lebensenergie), Nadis und Chakras
  • Erhebend für den Geist, förderlich für die Klarheit des Geistes
  • Förderlich für die Meditation
  • Geprägt von Mitgefühl zu allen Lebewesen
  • Gut für Mutter Erde, also ökologisch verantwortbar

Eine sattvige Ernährung sollte außerdem wohlschmeckend sein und bekömmlich. Man kann sagen: Sattvige Ernährung heißt Genuss ohne Reue.

Konkret heißt sattvige Ernährung:

Weitere sattvige Zutaten sind Nüsse, Gewürze und Kräuter.

Sattvige Ernährung heißt auch bewusstes Essen mit Dankbarkeit und Gebet.

Mehr zu Sattvige Ernährung auch unter dem Hauptartikel Ernährung.

Interview Sukadev Volker Bretz zum Thema Sattvige Ernährung

In der Yoga Zeitschrift Yoga Aktuell erschien in der Januar 2013 Ausgabe ein Interview mit Sukadev Volker Bretz, Gründer und Leiter von Yoga Vidya:

Sukadevs Ernährung vor 20 Jahren

Yoga Aktuell: Wie hast Du dich vor 20 Jahren ernährt?

Sukadev: Vor über 34 Jahren bin ich zum Vegetarier geworden – aus Mitgefühl mit Tieren. Damals, im Teenager Alter, hatte ich einen Reiterkollegen, der Schlachtermeister war. So konnte ich sehen, wie Schweine und Rinder getötet wurden. Die Tiere wurden mit einem Tiertransporter zum Schlachthof gebracht. Die Tiere kamen an, z.T. mit gebrochenen Beinen, mit abgebrochenen Hörnern, z.T. blutend. Sie mussten vom Transporter runter getrieben werden, mit Seilen, mit Schlägen, mit Elektroschocker. Sie schrien und brüllten herzerreißend. Ich sagte – nicht mehr für mich. So hörte ich von einem Tag auf den anderen auf, Fleisch zu essen. Als ich dann 1 Jahr später mit Meditation und 2 Jahre später mit Hatha Yoga begann, war ich froh, dort Gleichgesinnte zu finden, die auch Vegetarier waren. Ich hielt mich dann recht bald an die Yoga Empfehlungen zur sattvischen Ernährung: Kein Fleisch, kein Fisch, kein Alkohol. Tabak und Drogen hatte ich noch nie zu mir genommen. So sah dann bis Anfang 2011 meine Ernährung aus: Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, Gemüse/Salate/Rohkost, Obst, Milchprodukte. Normalerweise auch keine Zwiebeln, Knoblauch, Pilze, Dosengemüse, Gefrorenes, Fertigkost etc. – wobei ich von davon auch Ausnahmen mache, z.B. wenn ich mal essen gehe oder auf Familienfeiern bin. Vor 2 Jahren wurde ich dann auch zum Veganer und verzichte seitdem auch auf Milchprodukte.

Ernährungsumstellung und Yogapraxis

Yoga Aktuell: Gab es eine Ernährungsumstellung bei Dir bedingt durch die Yogapraxis?

Sukadev: Ich war schon vor Beginn der Yogapraxis Vegetarier. Durch die Yogapraxis habe ich meine Ernährung weiter umgestellt und auch auf Eier verzichtet. Seit fast 33 Jahren orientiere ich mich an den Yoga Prinzipien der sattvischen Ernährung. Ich fühle mich gut dabei, mir schmeckt es, es tut meiner Gesundheit, meinem Energieniveau und meiner Meditation gut.

Sattvige Ernährung und Yogaschüler

Yoga Aktuell: Hat sich deine eigene Ernährungsumstellung auch auf deine Yogaschüler ausgewirkt?

Sukadev: Für mich gehört sattvische Ernährung zu den Grundprinzipien des Yoga Lebensstils. Daher empfehle ich meinen Yogaschülern, sich an die Grundprinzipien sattvischer Ernährung zu halten. Ich spreche gerne von den 4 sattvigen Nahrungsmittelkategorien: Vollkorngetreide, Hülsenfrüchte, Gemüse/Salate, Obst. Ich empfehle, ganz zu verzichten auf Fleisch, Fisch, Alkohol, Tabak, illegale Drogen, nach Möglichkeit auch auf Milch, Milchprodukte und Eier. Ich empfehle die anderen rajassischen und tamassischen Nahrungsmittel zu reduzieren, also weißen Zucker, Koffeingetränke etc. Wenn Menschen Yoga üben, und diese Grundsätze beachten, erwachen die natürlichen Instinkte und sie spüren, welche Nahrungsmittel genau gut für sie sind: Die einen werden dann mehr Rohköstler, die anderen essen mehr gekochte Speisen. Manchmal merkt man, dass man bestimmte Nahrungsmittel mehr braucht. Der Mensch hat die natürliche Fähigkeit, zu spüren was gut für ihn/sie ist. Er muss nur das grob Tamassige weg lassen und Yoga üben. Dann kommt vieles von selbst. Seit ich Yoga lehre, sind sicher viele meiner Yogaschüler Vegetarier geworden – und seit ich Veganer geworden bin, sind manche auch vegan geworden. Heute halte ich Veganismus, sattvigen Veganismus für die beste aller Ernährungsformen.

Umgang mit Versuchungen

Yoga Aktuell: Kommst Du schon mal in die Versuchung, z.B. wenn Du unterwegs bist, mal ein zuckersüßes Stück Kuchen zu essen oder vielleicht sogar ein Wiener Schnitzel? Wenn nein. Sind die Entscheidungen, darauf zu verzichten kopfgesteuert?

Sukadev: Wunsch auf Fleisch hatte ich seit der Ernährungsumstellung gar keinen gehabt. Die Vorstellung, Fleisch zu konsumieren, würde zu einer heftigen emotionalen Reaktion führen. Alles würde in mir rebellieren. Ein Mal war ich mal in einem Vollwertrestaurant, in dem meine Bestellung falsch aufgenommen wurde. Als ich gesehen hatte, dass da Pute statt Tofu drin war, musste ich zittern und mir wurde übel – obgleich ich noch nichts gegessen hatte. Wenn ich Fleisch sehe, muss ich an die Tiere denken, die dafür getötet werden müssen. Da fällt es mir überhaupt nicht schwer darauf zu verzichten. Das ist nicht kopfgesteuert, das kommt von ganz tief innen.

Schwerer würde es mir fallen, auf Süßes zu verzichten. Aber es gibt ja auch vegane Alternativen. Es gibt vegane Schokolade, vegane Kuchen, veganes Gebäck, veganes Eis. Das ist zwar auch nicht wirklich gesund – aber ethisch vertretbar. So genehmige ich mir öfter mal vegane Süßigkeiten. Da das mir sehr gut schmeckt, komme ich auch nicht in Versuchung, anderes zu essen.

Wichtigkeit der Sattvigen Ernährung

Yoga Aktuell: Warum ist sattvige Ernährung in deinen Augen so wichtig?

Sukadev: Es gibt vier Gründe für sattvige Ernährung: Gesundheitliche Gründe, ethische Gründe, energetische Gründe und spirituelle Gründe: Sattvige Ernährung ist gesund. Sattvige Ernährung ist ethisch in zweierlei Hinsicht: Ahimsa und Ökologie. Ahimsa heißt Nichttöten. Heutzutage können wir gut, ja sogar gesünder, leben ohne dass Tiere getötet werden müssen. Ich halte es für geradezu paradox, dass Menschen so liebevoll mit ihrer Katze, Hund, Pferd umgehen – und gleichzeitig für grenzenloses Leid für Kühe, Schweine, Hühner verantwortlich sind indem sie Fleisch essen. Vom ökologischen Standpunkt aus gilt: Die meisten Umweltprobleme könnten mit einem Schlag gelöst werden, wenn alle Menschen vegan leben würden: Man braucht nur 5-10% der Anbaufläche, wenn man den Nährstoffbedarf des Menschen über Pflanzennahrung befriedigt als über den Verzehr von Tieren. Über die Hälfte der Klimagase entsteht nach einigen Schätzungen durch die Tierhaltung zum Fleischverzehr. Ohne den Verzehr von tierischen Produkten hätte man genügend Anbaufläche für Biogas, Biosprit etc. – ohne dass man dafür Menschen in Afrika Hunger leiden lassen würde. Sattvige Ernährung gibt dem Menschen mehr Energie – und diese braucht der Mensch in der modernen Leistungsgesellschaft mit so vielen Möglichkeiten. Hatha Yoga wirkt stärker, insbesondere die subtileren Pranayama Übungen, wenn man sattvig sich ernährt. Und auch die Meditation wird tiefer wenn man sich sattvig ernährt.

Was sollte man bei der Ernährung unbedingt vermeiden?

Yoga Aktuell: Nicht jeder Mensch ist in der Lage, einen eigenen Garten auzubauen und konstant frische Sachen zu essen. Vielleicht berufsbedingt. Vielleicht hier und da aus Zeitmangel. Wenn man nicht 100% sattvig leben kann, was sind denn in deinen Augen die absoluten „no-go`s“. Was sollte man tunlichst vermeiden?

Sukadev: Am wichtigsten ist die Vermeidung von Fleisch, Fisch, Alkohol, Nikotin, illegale Drogen. Dann die Vermeidung von Milchprodukten und Eiern. Man muss sein Gemüse nicht im eigenen Garten anbauen. Obst, Salate, Gemüse, Vollkornprodukte gibt es in jedem Supermarkt. Und in fast jeder Stadt gibt es einen Naturkostladen oder Reformhaus. Und wer ausgehen will, findet in fast jedem Restaurant vegane Gerichte. Ich habe noch in jedem chinesischen, thailändischen und italienischem Restaurant gut und gesund essen können – und meinen Ernährungsgrundsätzen treu bleiben können. Schnell und gesund geht es auch in türkischen Döner Buden: Da gibt es immer auch eine vegetarische Tasche. Oft gibt es auch Falafel und oder Hummus. Man muss also keinesfalls darben. Notfalls tut es ausnahmesweise auch mal eine Pommes

Sattwige Ernährung und Zwanghaftigkeit

Yoga Aktuell: Besteht bei so strikten Vorgaben nicht die Gefahr, leicht zwanghaft im Essverhalten zu werden?

Sukadev: Es gilt tatsächlich zu vermeiden zwanghaft beim Essen zu werden. Du isst, um zu leben. Du lebst nicht um zu essen. Allerdings halte ich die Fleischesser eher für zwanghaft. Es gibt überhaupt keinen logisch nachvollziehbaren Grund Fleisch zu essen. Jeder, der sich ein bisschen informiert, weiß, dass Fleisch essen ungesund ist und so viel Leid für die Tiere und die Umwelt erzeugt. Und jeder kennt inzwischen Vegetarier/Veganer, die einem erklären, dass sie mit großem Genuss essen und dass vegetarische Ernährung Genuss und nicht Verzicht ist. Dennoch lassen Menschen nicht davon. Ist das nicht viel zwanghafter, als jemand, der sich gesund und mitfühlend ernährt und sein Essen genießt?

Kleine Sünden...

Yoga Aktuell: Und wo darf man bei aller sattwigen Ernährung schon mal die fünf gerade sein lassen?

Sukadev: Süßes und Frittiertes ist ja auch nicht gesund. Da kann man auch mal eine Ausnahme machen – also vegane Süßigkeiten, Fruchteis, vielleicht auch mal künstliche Fleischersatzprodukte, Falafel, Pommes etc. Der Mensch braucht es, auch mal über die Stränge zu schlagen. Ich meine, es ist klug, potentielle Nahrungsmittel in drei Kategorien einzuteilen: (1) Die gesunden, sattvischen Nahrungsmittel, aus denen die Normalernährung besteht (2) Die ausnahmsweise erlaubten, nicht so gesunden Nahrungsmittel, um mal "über die Stränge zu schlagen" (3) Das was man unter keinen Umständen zu sich nimmt

Bauchgefühl und Ernährung

Yoga Aktuell: Wie wichtig ist es deiner Ansicht nach, dem eigenen Bauchgefühl bei der Ernährung nachzugehen?

Sukadev: Wenn man auf das Tamassigste verzichtet hat, also auf Fleisch, Fisch, Alkohol, Tabak, Drogen, sich insgesamt sattvisch ernährt und Yoga praktiziert, erwacht das natürliche Bauchgefühl. Diesem sollte man dann nachgehen.

Geisteshaltung und Ernährung

Yoga Aktuell: Welche Rolle spielte für Dich die Aussage: Es ist nicht wichtig, was man isst, sondern wie, d.h. mit welcher Geisteshaltung man Nahrung zu sich nimmt.

Sukadev: Ich würde sagen: Es ist wichtig, was man isst und es ist wichtig, wie man isst. Beides ist wichtig. Ich empfehle, vor dem Essen sich zu sammeln, vielleicht ein Gebet oder einen Segen zu sprechen. Ich empfehle, bewusst zu essen, nach Möglichkeit ohne Email, Smartphone, Internet, Fernsehen. Ich empfehle, nach dem Essen einen Moment der Sammlung und Dankbarkeit. Ich empfehle auch, Streitgespräche nicht beim Essen zu führen. Essen kann eine heilige Handlung sein, eine spirituelle Praxis. Und die gemeinsamen Mahlzeiten in einer Familie, einer Beziehung oder einer spirituellen Gemeinschaft verbinden. Liebe geht durch den Magen – dazu braucht es heutzutage die bewusste Entscheidung für bewusstes Essen. Wer alleine isst, kann bewusst im Schweigen essen. Wer mit anderen zusammen isst, kann das Essen als Grundlage einer liebevollen Verbindung sehen. Und manchmal ist es auch wunderschön, mit der Partnerin bzw. mit anderen zusammen bewusst im Schweigen zu essen.

Genuss und Schlemmen

Yoga Aktuell: Welche Rolle spielt das Schlemmen / Genießen beim Essen bei Dir?

Sukadev: Ich bin jemand, der sehr gerne isst. Genuss beim Essen ist mir schon wichtig. Allerdings schmeckt mir so vieles sehr gut. So fällt es mir sehr leicht, Essen zu genießen. Sattvige Ernährung ist nicht wirklich ein Verzicht, sondern vielmehr höchster Genuss ohne Reue.

Lieblingsgericht von Sukadev

Yoga Aktuell: Was ist dein Lieblingsgericht? Hast Du vielleicht sogar das Rezept für unsere Leser?

Ich habe einige Lieblingsgerichte: Mango, Papaya, Erdbeeren. Der Tipp wäre: Achte darauf, dass Mango und Papaya gut schmecken. Bei der Mango riecht man es: Wenn die Mango fruchtig riecht, ist sie reif. Bei der Papaya sieht man es: Papaya muss gelb sein, dann schmeckt sie am besten. Iss aber diese Tropenfrüchte nicht zu häufig: Lass es die besondere Ausnahme sein. Und Erdbeeren schmecken ja nur im Frühsommer…

Ansonsten liebe ich chinesisch zubereitetes Gemüse: Gib in eine Pfanne mit etwas Öl Zuccini, Brokkoli, Tofu (in 1 cm große Würfel geschnitten), brate das etwas an, gieße Tamari darüber und anschließend frisch geraspelten Ingwer. Das geht schnell und schmeckt vorzüglich. Dazu Vollkornnudeln oder Vollkornreis.

Und ich bin ein Fan von Spaghetti mit Tomatensauche…

Siehe auch

Literatur

Weblinks

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