Sampradaya

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Sampradaya (Sanskrit: सम्प्रदाय sampradāya m.) Verleiher, Schenker, Geber; mündliche Überlieferung, Tradition, das mündliche Weitergeben von Wissen vom Lehrer an seine Schüler über viele Generationen hinweg. Sampradaya ist die Traditionslinie, die Einweihungstradition. Wörtlich ist Sampradaya auch der Verleiher, der Geber, die mündliche Tradition. Vor allem aber ist Sampradaya die Traditionslinie, in der spirituelles Wissen weitergegeben wird.

Shankaracharya mit den vier Schülern des Dashanami Ordens

Yoga Vidya z.B. ist eine Shankaracharya Sampradaya, die wiederum eine Vishnu Sampradaya ist. In einer Sampradaya gibt es meistens eine Guru Parampara Stotram, in welcher die wichtigsten Gurus der Tradition angerufen werden.

Sukadev über Sampradaya

Niederschrift eines Vortragsvideos (2014) von Sukadev über Sampradaya

Swami Sivananda

Sampradaya ist eine Traditionslinie, eine Tradition, innerhalb derer spirituelle Weisheit weitergegeben wird. Sampradaya kommt aus den Ausdrücken „Sam“, das heißt „ganz“, „Pra“ heißt „nach vorne“, „weiter“ und „Da“ – „geben“. Sampradaya ist also das Ganze, was man nach vorne weitergibt. Also, im Sampradaya ist nicht nur Tradition im Sinne von Altem, sondern da steckt auch das Weitergeben drinnen. In Indien heißt es, dass das Weitergeben von Yoga nicht nur eine Frage der Techniken ist, es ist nicht nur eine Frage der Unterrichtsdidaktik, es ist nicht nur eine Frage des intellektuellen Weitergebens, sondern es ist ein Übertragen und Übergeben von spiritueller Kraft aus einer Traditionslinie.

Swami Vishnudevananda, der Meister, bei dem ich gelernt habe, hat gerne gesagt: „Yoga heißt auch Guru Parampara Shakti.“ Das heißt, die Kraft der Weitergabe von den Gurus. Wenn du Yoga praktizierst, praktizierst du nicht nur für dich selbst, sondern du wirst Träger dieser spirituellen Kraft, die seit Jahrtausenden durch die Praxis von Yoga entwickelt wurde. Ein Meister wie Swami Sivananda hat seine Kraft hineingegeben in die Lehren des Yoga. Swami Vishnudevananda hat seine Kraft ins Yoga weitergegeben. Und die vielen anderen Meister auch.

Wenn du also Yoga praktizierst, und du das große Glück hast, dich auf eine Sampradaya beziehen zu können, dann ist der Fortschritt schneller und zügiger. In einer Tradition Yoga zu praktizieren, heißt, spirituelle Kraft zu bekommen. Spirituelle Kraft ist hier die Kraft der Traditionslinie. Es gibt verschiedene Sampradayas in Indien. Yoga Vidya ist die Sivananda Sampradaya. Der Lehrer von Yoga Vidya ist Swami Vishnudevananda, sein Lehrer ist Swami Sivananda. Und auf eine gewisse Weise ist es die Shankaracharya Sampradaya. Linien gehen nämlich weiter zurück und immer wieder an bestimmten Stellen verzweigen sie sich.

Und so gibt es Shankaracharya, der irgendwann vermutlich um 800 n.Chr. gelebt hat. Andere sagen, er hat etwas vorher gelebt, aber jedenfalls um die Zeit. Er hat eine Sampradaya begründet, steckt aber selbst in einer Sampradaya drin. Sein Guru war Govinda, dessen Guru Gaudapada, und dieser hat wieder einen Guru gehabt usw. An manchen Stellen zweigen sich die Sampradayas ab, und die meisten Sampradayas sind an irgendeiner Stelle verbunden. Bei Yoga Vidya haben wir eine Sampradaya und das ist jetzt auch Sivananda Tradition, die zu Shankaracharya weitergeht.

Swami Vishnu-devananda und Sukadev

Dann gibt es die Kriya Yoga Tradition von Paramahamsa Yogananda, die sich auch auf Shankaracharya bezieht, ist aber von einem anderen Schüler von Shankaracharya weitergegeben worden. Shankaracharya hatte vier Schüler, und so gibt es Sampradayas, die sich bei Shankara wieder treffen, andere treffen sich weiter vorne. Es gibt auch die Gaudapadiya Vaishnava Tradition, die sich auf einen Gauranga Mahaprabhu bezieht, Shri Chaitanya Mahaprabhu genannt, er lebte im 15. Jahrhundert. Und die Sampradaya dieser Vaishnava Tradition hat Überschneidungen z.B. mit unserer Tradition. Die ersten Gurus sind identisch. Erst nach den klassischen Gurus gibt es wiederum eine Trennung oder eine Abzweigung, ist vielleicht besser als Trennung.

Oder es gibt einige Gurulinien in Indien, die sich auf Dattatreya beziehen. Es gibt die Dattatreya Sampradayas, und diese können sich auch wieder in verschiedene Linien aufteilen. Oder es gibt die tantrischen Sampradayas, die sich dann auf Shiva und Parvati beziehen. Und dann gibt es Traditionslinien, die sich auf Dakshinamurti beziehen, auch ein Avatar von Shiva. Und dann geht es zu den vier Kumaras. Wenn du so überlegst und nachdenkst und etwas nachforschst, wirst du feststellen, dass es ein paar Grund-Sampradayas gibt.

Es gibt die Sampradayas, die sich auf Vishnu beziehen. Letztlich, gehört auch die Yoga Vidya Linie dazu, auch wenn in der Sampradaya auch Shiva- und Shakti-Verehrer sind. Es gibt solche, die beziehen sich auf die göttlichen Mutter, solche, die beziehen sich auf Devi, die göttliche Mutter, solche die beziehen sich auf Shiva und solche, die sich auf Dattatreya beziehen. Damit hat man die wichtigsten Sampradayas. Und aus diesen Sampradayas gibt es dann die verschiedenen Unter-Sampradayas, die Unter-Traditionslinien. Ich werde jetzt zum Abschluss dieses Vortrages die Guru Parampara Stotram unserer Sampradaya rezitieren, das sind die Namen der großen Lehrer unserer Tradition, die so genannte Guru Parampara Stotram:

Nārāyanam Padmabhavam Vasishtham,
Shaktim Cha Tatputra Parāsharam Cha
Vyāsam Shukam Gaudapādam Mahāntam
Govinda Yogindra Mathāsya Shishyam.
Shrī Shankarāchārya Mathāsya,
Padmapādam Cha
Hastāmalakamcha Shishyam.
Tam Totakam
Vārtikakāramanyān,
Asmad Gurūn,
Santatamānatosmi.
Shruti Smriti Purānānām
Ālayam Karunālayam,
Namāmi Bhagavadpādam
Shankaram Lokashankaram.
Shankaram Shankarāchāryam
Keshavam Bādarāyanam,
Sūtrabhāshyakritau,
Vande Bhagavantau Punah
Punah.
Ishvaro Gururātmeti,
Mūrtibhedavibhāgine,
Vyomavad Vyāptadehāya
Shrī Dakshināmūrtaye Namah.
Shrī Sivānandāya Te Namah.
Shrī Vishnu-devānandāya Te Namah.

Vaishnava Sampradayas

Lakshmi Sampradaya

Die Lakshmi Sampradaya ist gemäß der Padma Purana, einer der vier Haupt-Puranas, eine von vier Sampradayas, der Linien des Vaishnavismus. Diese Richtung ist auch verehrt und volkstümlich als Sri Sampradaya oder Sri Vaishnavismus. Ihr Ursprung kann etwa ins 10. Jh. zurückdatiert werden. Die Bildung der Lakshmi Sampradaya geht auf eine Sammlung devotionaler Hymnen und Gesänge der Alvars zurück, die von Nathamuni zusammengestellt wurde. Nathamuni gilt hier als der erste Guru dieser wichtigsten Vaishnava Sampradaya. Yamunacharya, ein ausgezeichneter und erhabener Lehrer Ramanujacharyas, folgte ihm.

Die Lakshmi Sampradaya glaubt, dass Vishnu die Basis aller Avatare ist. Der Name dieser Tradition kommt von Sri, ein anderer Name der Göttin Lakshmi. Zwei verschiedene Tilakas (Markierungen) oder Pundras (U-Symbol mit rotem Punkt in der Mitte) werden von den Repräsentanten der zwei verschiedenen Sekten im Sri Sampradaya, Ramanujacharya folgend, getragen. Tengalais und Vadagalais sind die zwei verschiedenen Zeichen, beide schreiben die Zeichen dem Fußabdruck Vishnus auf der Stirn zu.

Die Anhänger des Lakshmi Sampradaya verehren gewöhnlich als Vishnuiten Vishnu als höchsten Gott. Die Silbe "Sri" wird benutzt, da diese Sekte besonderen Nachdruck auf die Verehrung der Göttin Lakshmi legt, der Gefährtin Vishnus. Man glaubt, dass die Göttin als Vermittler zwischen Gott und Mensch handelt. Ein großer Teil der Sri Vaishnava Theologie beruht auf dieser Grundlage. Die Iyengars, eine Subkaste Tamilischer Brahmanen, halten sich auch an diese Tradition.

Brahma Sampradaya

Brahma Sampradaya ist das zweite der vier Vaishnava Sampradayas und bezieht sich auf die disziplinäre Nachfolge (Sampradaya) der Gurus, die mit Brahma begann. Der Begriff wird meist verwendet, um vom Glauben und den Lehren des Madhvacharya und seiner Dvaita-Philosophie zu sprechen. Er bezieht sich jedoch auch auf die Darlegungen von Chaitanya Mahaprabhu und dessen Gaudiya-Theologie.

Eine Anzahl weltweiter religiöser Bewegungen lässt sich von dieser Denkrichtung leiten, darunter die als Hare Krishna Bewegung bekannte ISKCON, ein Zweig des Gaudiya Vaishnavismus. Anhänger des Brahma Sampradaya glauben, dass das vedische Wissen vollkommen von Brahma abstammt. In der vedischen Schöpfungstheorie haben diese Sampradayas bei der Schöpfung des Universums begonnen und bis zum gegenwärtigen Augenblick in der Person des Schülers überdauert. Aufgrund der absolut gleichförmigen Weitergabe des Wissens sind alle früheren Gurus in den Darlegungen des zeitgenössischen geistigen Meisters anwesend. Durch die Sicherstellung der Qualifikation des Übermittlers gewährleistet das vedische Verfahren, dass die Weitergabe unverfälscht bleibt.

Rudra Sampradaya

Rudra Sampradaya ist das dritte der vier Vaishnava Sampradayas. Als Begründer der Rudra Sampradaya gilt der Asket Vishnuswami. Es wird allerdings angenommen, dass der Ursprung der Linie auf Shiva zurückverfolgt werden kann, der auch unter dem Namen Rudra bekannt ist. Dem Vaishnavismus zufolge ist Shiva, den der Shaivismus als höchsten Gott verehrt, der direkte und wichtigste Nachfolger Vishnus. Shiva gab sein Wissen an die Menschheit weiter, das er selbst von Vishnu (bzw. Krishna) vermittelt bekommen hatte.

Gemäß der Rudra Sampradaya war Vishnuswami an fünzehnter Stelle in der Linie der Wissensübertragung von Lehrer (Guru) zu Schüler (Shishya). Allerdings wird der Ursprung der Sampradaya oft unterschiedlich datiert: Während manche Historiker Vishnuswami zwischen dem 13.-15. Jahrhundert ansiedeln, behaupten Anhänger der Sampradaya, dass er bereits 4500 Jahre vorher gelebt hatte. Über den historischen Vishnuswami ist nicht viel bekannt; man nimmt an, dass alle seine Werke im Laufe der Zeit verloren gegangen sind. Die frühesten Anhänger der Rudra Sampradaya kamen aus Gujarat in Westindien. Die Lehren dieser Vaishnava Sampradaya wurden später auch von Vallabha Acharya (1479-1531) verbreitet.

Die Rudra Sampradaya ist in zwei Hauptströmungen unterteilt: Vishnuswamis, oder Anhänger von Vishnuswami, sowie Vallabhas, oder die von Vallabha begründete Pushtimarg Sekte.

Kumara Sampradaya

Kumara Sampradaya ist das vierte und vielleicht bekannteste der vier Vaishnava Sampradayas. Es ist auch manchmal unter anderer Bezeichnung zu finden: Nimbarka Sampradaya, Hamsa Sampradaya, Catuh Sana Sampradaya und Sanakadi Sampradaya.

Der Begründer der Kumara Smapradaya ist Sri Hamsa Bhagvan. Diese Untergruppe oder Sekte hat auch andere Bezeichnungen wie z.B. Hamsa Sampradaya, Kumara Sampradaya, Catuh Sana Sampradaya oder Sanakadi Sampradaya.

Hamsa Bhagwan ist eine der Inkarnationen von Vishnu. Gemäß der Nimbarka Sampradaya soll er sich zu Beginn des Satya Yuga inkarniert haben. Seine Gestalt in dieser Inkarnation war dabei ein Schwan. Der eigentliche Zweck dieser edlen Inkarnation war dabei, das Sri Nimbarka Sampradaya zu starten und das berühmte Sri Gopala Mantra zu offenbaren.

Die vier Kumaras sind Sanaka, Sanandana, Sanatana und Sanat Kumara, dies sind die vier aus dem Geist geborenen Söhne von Brahma. Sie sind alle vier berühmte Yogis, die ihren Vater um den Segen gebeten hatten, immer im Alter von fünf Jahren zu verbleiben. Sie wurden erschaffen, um die Schöpfung weiter zu entwickeln. Dennoch wählten sie das Gelöbnis des lebenslangen Brahmacharya. Nachdem sie die Einweihung in das Sri Gopala Mantra erhielten, erkannten sie, dass die Wahrheit jenseits des Unpersönlichen der höchsten Person oder Gottes liegt. Nachdem sie dessen Gnade empfangen hatten und in die Vaishnava Tradition eingeweiht worden waren, verbreiteten sie die Lehren dieses Weges des Verzichtes und der Entsagung.

Siehe auch

Literatur

Weblinks

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