Mitleid

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Mitleid ist die Fähigkeit, sich in einen anderen Menschen hineinzuversetzen und mit ihm zu fühlen. Mitleid heißt das Leid des anderen zu teilen. Richtig verstandenes Mitleid hilft dem Leidenden. Geteiltes Leid ist halbes Leid, sagt der Volksmund. Mitleid veranlasst zu tätiger Nächstenliebe.

Mitleid ist evolutionsbiologisch begründet: Zum Überleben dem Menschen war es notwendig, dass andere Mitglieder des Stamms sich um die Notleidenden kümmern. Schon Kinder zucken zusammen wenn sie sehen, dass jemand anderes sich verletzt.

Sie fühlen es, wenn es jemand anderem schlecht geht. Zwar kann sich der Mensch auch abwenden vom Leiden anderer - und muss es auch, um nicht überwältigt zu werden. Dennoch ist Mitleid etwas, das was die Menschen miteinander verbindet. Der Sanskrit Ausdruck für Mitleid ist Karuna. Karuna heißt auch Mitgefühl.

Mitleid und Mitgefühl hängen eng miteinander zusammen. Mitgefühl drückt noch mehr den Aspekt der Nächstenliebe aus. Im heutigen Gebrauch von Mitleid schwingt oft die Angst vor Überheblichkeit mit. Heutzutage spricht man lieber von Mitgefühl als Mitleid. Ein leidender Mensch freut sich über Mitgefühl, mag aber nicht das Objekt des Mitleids sein. In früheren Zeiten wurde häufiger der Ausdruck "Mitleid" verwendet - und hatte auch hauptsächlich positive Konnotationen.

Mitleid ist die starke Anteilnahme am Leid eines anderen. Mitleid heißt, dass man das Leiden des anderen teilt. Mitleid ist eine besondere Fähigkeit des Menschen. Mitleid veranlasst den Menschen, sich auch um andere zu kümmern. Mitleid löst den Menschen von seiner Ichbezogenheit, seinem Ego. Mitleid muss in tätige Nächstenliebe münden. Durch Mitleid setzt sich der Mensch für andere ein und bemüht sich um eine bessere Welt.

In diesem Yoga Wiki werden über 1000 Tugenden und geistigen Eigenschaften beschrieben. Hier einige Erläuterungen, wie man die Eigenschaft von Mitleid in Beziehung zu anderen Tugenden und geistigen Eigenschaften, sowie in Bezug auf Laster sehen kann:

Mitleid - eine Tugend. Was ist Mitleid ? Woher stammt das Wort? Wozu ist Mitleid gut? Was sind ihre Grenzen? Wie kann man sie kultivieren? Was ist das Gegenteil von Mitleid ?

Swami Sivananda über Mitleid

Der indische Yogi und Yoga Meister Swami Sivananda schreibt in seinem Buch "How to Cultivate Virtues" über Compassion. Dies kann man als Mitleid übersetzen. Hier also die Worte des Meisters:

Mitleid ist das Gefühl aufgrund der Identifikation, selbst mitzuleiden, oder das vorhandene Leiden der anderen zu verstehen . Mitleid öffnet die Tür zur Freiheit und dehnt das Herz aus. Es lässt verhärtete Herzen abgeklärter Menschen auftauen und macht sie so weich wie Butter.

Das Herz eines Heiligen, eines Weisen, oder eines Yogis ist angefüllt mit Mitleid. Mitleid führt zu Erlangung des Friedens, oder Chitta-prasada ; d.h. zu reinem und klaren Geist und zu reinem und klarem Herzen. Mitleid ist Fürsorge, oder Erbarmen, mit dem Wunsch zu helfen, oder zu schonen, ausgelöst durch das Leid, oder die Not eines anderen oder anderer. Es ist die Verbundenheit mit dem Schmerz und dem Leid, das jemanden antreibt, Pein und Qual anderer zu lindern.

Der Tautropfen des Mitleides ist eine Träne die heilt. Durch Mitleid machst du das Elend eines andern zu deinem und durch deren Lindern, befreist du dich auch selbst: Erbarmen, Teilnahme, Kameradschaftsgefühl, Verbundenheit, Verständnis, Anteilnahme, Loslassschmerz, Nachsicht sind sinnverwandt mit Mitleid.

Viele Menschen sind teilnahmslos. Sie haben kein Mitleid. Sie sind selbstsüchtig. Sie schenken höchstens ihrem eigenen Kind ein teures Auto. Sie geben vielleicht viel Geld für Benzin aus. Aber sie werden nicht eine Rupie ausgeben, um das Leiden armer Menschen zu lindern. Sie haben ihre Augen und Ohren verschlossen. Sie hören die Schmerzschreie notleidender Menschen nicht. Sie sehen nicht den Tränenstrom, der bei den Nachbarn fließt. Sie verschließen ihrer Türen und laben sich sattdessen an süße Nachspeisen wie Rasagulla , Kalakand und Parottas.

Die ganze Welt ist eine Familie, Wir sind Kinder Gottes. Die ganze Welt ist dein Zuhause. Spüre es. Öffne dein Herz für Mitleid. Teile, was du hast, mit anderen. Trockne die Tränen Leidender. Gott wird dich segnen. Pflege Mitleid. Habe ein mitfühlendes, sanftes Herz. Erkenne und verstehe die Leiden anderer und sei immer bereit, ihnen zu helfen.

Mitleid ist Stärke. Mitleid gibt dir Kraft und Freude. Es bereite deinen Geist auf den Übergang des göttlichen Lichtes, zum Gotterleben vor: Möge Mitleid in deinem Herzen erwachen und wachsen. Mitleid ist das Gefühl für die Leiden anderer. Wo Mitleid wohnt, dort ist der Frieden Gottes. Es ist das Gefühl von Leid und Schmerz, wachgerufen durch Prüfungen, Missgeschicke oder Notlagen anderer, verbunden mit einem Wunsch zu helfen oder zu lindern.

Es ist Anteilnahme mit dem Leiden anderer, die Neigung, zu helfen. Anteilnahme setzt in gewissem Maße Ebenbürtigkeit, Verwandtschaft, oder Einigkeit voraus. Mitleid ist für das, was machtlos, oder beklagenswert ist und bis jetzt zumindest, uns unterlegen, folglich wird Mitleid oft übelgenommen wo Anteilnahme willkommen wäre. Wir hegen Anteilnahme mit jemand in Freude oder Trauer, in Wonne oder Schmerz, Mitleid nur für diejenigen im Leiden oder Not.

Wir können Bewunderung für Kämpfe und Siege eines Eroberers haben, wir sind von Mitgefühl für Gefangene oder Sklaven bewegt. Mitleid kann lediglich im Geist sein, aber Barmherzigkeit tut etwas für die, deren Gegenstand sie sind. Mitempfinden, genau wie Mitleid, wird nur im Hinblick auf Leid und Unglück ausgeübt, aber es verbindet mit der Güte des Mitleids, dem Respekt der Anteilnahme und der aktiven Eigenschaft der Barmherzigkeit.

Erbarmen ist genauso zart wie Mitempfinden, aber unzugänglicher und verzweifelt, Wir haben Erbarmen für Leidende, die wir nicht erreichen, oder unterstützen können. Beileid ist der Ausdruck für Anteilnahme. Barbarei, Rohheit, Unmenschlichkeit, Grausamkeit, Hartherzigkeit, Härte, Unmenschlichkeit, Mitleidlosigkeit, Unbarmherzigkeit, Rücksichtslosigkeit sind die Gegenteile von Mitleid.

Zitiert nach: Swami Sivananda: "How to Cultivate Virtues", Divine Life Society

Mitleid als hilfreiche Tugend

Auszug aus einem Vortrag von Sukadev Bretz

Sukadev Bretz, Gründer und Leiter von Yoga Vidya, Yogalehrer, Meditationslehrer, spiritueller Lehrer, Seminar- und Ausbildungsleiter, Autor mehrerer Bücher. Sukadev Volker Bretz lernte 12 Jahre bei Swami Vishnu-devananda.

Mitleid, auf Englisch ist es compassion, auf Französisch compassion, auf Lateinisch compassio. Mitleid ist die Fähigkeit, mit anderen Menschen zu fühlen, ihr Leid zu fühlen und durchaus auch mit zu leiden. Mitleid hat im Deutschen keinen allzu guten Ruf, man spricht deshalb mehr von Mitgefühl statt von Mitleid.

Aber welches Gefühl hast du, wenn jemand anderes leidet und du mit ihm fühlst? Wenn du mit ihm fühlst, dann fühlst du sein Leid, also hast du Mitleid. In diesem Sinne, - Mitgefühl, wenn jemand anders leidet, heißt Mitleid. Mitgefühl, wenn jemand sich freut, ist Mitfreude, darüber habe ich ja auch schon mal einen Vortrag gehalten.

Mitleid ist also die Fähigkeit, mit einem anderen zu fühlen, sein Leid zu teilen und das hilft oft. Oft spricht man auch von Beileid, wenn jemand gestorben ist. Der Grund, weshalb Mitleid etwas in Verruf geraten ist, sind zwei Gründe. Erstens, Mitleid kann heißen, dass man es von oben herab hat: "Ich bemitleide dich." Das heißt irgendwo, "du leidest, ich zeige dir jetzt mein Mitleid", das heißt, "ich bin groß, du bist klein und ich gehe von meinem Thron etwas herab und ich leide mit dir."

Das ist so etwas, in einer Gesellschaft, wo Gleichheit als etwas Wichtiges gilt, das auch etwas Gutes und Wichtiges ist, ist dieses Mitleid etwas in Verruf geraten. Ein zweiter Grund ist, wenn jemand leidet und der andere geht zu sehr in das Leid hinein und verliert genauso den Überblick wie der andere, dann ist auch nicht geholfen.

Und wenn nachher der, dem du das Mitleid schenkst, dich trösten muss, weil du so mitleidest, dann ist dem auch nicht geholfen, der braucht nämlich Hilfe und muss nicht irgendwo dich jetzt trösten. Das sind so zwei Gründe, weshalb das Mitleid etwas in Verruf geraten ist und durch Mitgefühl ersetzt wird und durchaus, heutzutage spricht man eher von Mitgefühl als von Mitleid und das hat auch seine guten Gründe.

Aber das Grundprinzip von Mitleid ist auch heute klar. Wenn jemand leidet, dann hilft es ihm, wenn er merkt, er liegt anderen am Herzen, der andere spürt den Schmerz, fühlt ihn etwas. Und durch dieses Mitgefühl, das er dabei bekommt, entsteht auch etwas Heilung.

Man weiß heute, dass so genannte soziale Unterstützung besonders gut ist, Social Support sagt man auf Englisch. Ist also eigentlich nicht sozial im Sinne von, dass man irgendwo Sozialhilfe bezieht, sondern hier heißt das, dass Menschen im Bekannten-, Verwandten-Kreis, im Freundeskreis da sind.

Wenn jemand einen großen Verlust hat und er hat andere Menschen, die für ihn da sind, ihm Mitgefühl zeigen und irgendwo mit einem fühlen, dann ist dieser Verlust und auch schwierige Situationen und schwierige Erfahrungen sehr viel leichter zu verarbeiten als wenn man das nicht hat.

Wenn du also jemanden siehst, dem es nicht so gut geht, dann zeige ihm dein Mitleid. Nicht von oben herab, sondern höre dir es an und du musst keine Ratschläge geben, es reicht aus, einfach nur zuzuhören, zu nicken, evtl. das Leiden des anderen anzuerkennen, evtl. einfach nur einen Moment zu schweigen, evtl. die Hand auf die Schulter zu legen, oder irgendeine andere Gesten des Mitgefühls zu machen.

Umgekehrt, wenn du irgendwo leidest, man kann auch etwas tun, damit man das Mitgefühl von anderen auch durchaus bekommt. Wenn jemand einen fragt: "Wie geht es dir?" Dann kann man es eben auch sagen. Natürlich muss man schauen, wann kann man es sagen? Wenn jemand einfach nur sagt, "wie geht es" und man sieht ihm an, er hat nur zwei Sekunden Zeit, dann sagt man, "ganz ok".

Aber wenn man sieht, er ist ehrlich interessiert, er bemerkt vielleicht sogar, dass es einem nicht so gut geht, dann ist es in den meisten Fällen gut, man sagt, was einen bedrückt und man lässt den anderen teilhaben. Wenn man den anderen teilhaben lässt an seinem Leben, wenn man offen ist bezüglich seiner eigenen Probleme, dann bekommt man das Mitgefühl der anderen und das wird einem helfen.

Wenn du deine Krankheiten, oder geistigen Probleme, psychische Probleme und deine inneren Konflikte immer nur für dich behältst, dann brauchst du dich nicht zu wundern, wenn du nicht das Mitgefühl und das Mitleid der anderen bekommst. Sogar der Partner braucht ab und zu mal Tipps, oder braucht Hinweise, auch der errät nicht alles.

Also, Menschen brauchen Mitgefühl und Mitleid, es heißt so schön: "Man respektiert andere für ihre Stärken, aber man liebt sie für ihre Schwächen." Und so kann es durchaus hilfreich sein, wenn du deine Schwächen mal zugibst, wenn du dein Leiden mal zugibst, wenn du auch darüber sprichst.

Dann bekommst du das Mitleid und Mitgefühl, das du so brauchst. Und wenn jemand sein Mitleid, seine Hilfe, sein Mitgefühl anbietet, dann nimm es auch an. Menschen, die zwei oder drei Mal angebotene Hilfe ablehnen, bekommen sie nicht nochmals angeboten. Wenn jemand aus Mitgefühl dir irgendwo helfen will, dann nimm es an. Nimm das Mitleid der anderen an, es ist meistens ernst gemeint, meistens kommt es aus Liebe. Erlaube es anderen, ihre Liebe auszudrücken, es wird dir helfen, es wird den anderen helfen, es führt zu mehr Mitgefühl zwischen euch und in der ganzen Welt.

Ähnliche Eigenschaften wie Mitleid

Ähnliche Eigenschaften wie Mitleid, also Synonyme zu Mitleid sind z.B. Barmherzigkeit, Caritas, Nächstenliebe, Menschlichkeit.

Ausgleichende Eigenschaften

Jede Eigenschaft, jede Tugend, die übertrieben wird, wird zu einer Untugend, zu einem Laster, einer nicht hilfreichen Eigenschaft. Mitleid übertrieben kann ausarten z.B. in Gefühlsduselei, Unzuverlässigkeit, Traurigkeit, Resignation. Daher braucht Mitleid als Gegenpol die Kultivierung von Entsagung, Askese, Gerechtigkeitssinn.

Gegenteil von Mitleid

Zu jeder Eigenschaft gibt es ein Gegenteil. Hier Möglichkeiten für Gegenteil von Mitleid, Antonym zu Mitleid :

Mitleid im Kontext von Tugendengruppen, Persönlichkeitsfaktoren und Temperamenten

Siehe auch

Literatur

Weblinks

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