Tradition

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Tradition : Was ist Tradition? Woher stammt dieser Begriff? Wozu ist Tradition hilfreich? Was sind Synonyme (ähnliche Begriffe), was sind Antonyme (Gegenteile) von Tradition? Lass dich inspirieren, denke nach, überlege. Hier zunächst ein paar Sätze zur Einleitung: Tradition bedeutet Überlieferung, Brauch, Gewohnheit, Gepflogenheit.

Tradition kommt vom Lateinischen traditio, was bedeutet "weitergegebene Meinung, Überlieferung, Übergabe, Auslieferung". Tradition ist normalerweise etwas, das seit vielen Generationen weitergegeben wurde und daher als kultureller Wert gilt. Aber auch schon eine Kleinfamilie kann ihre eigenen Traditionen entwickeln. Tradition wird manchmal als positiv gesehen, manchmal auch als negativ. Es ist gut, sich an Traditionen zu halten: So beachtet man das Bewährte und achtet die Menschen, die diese Traditionen befolgen. Man sollte sich aber auch nicht von Traditionen versklaven lassen. Eine gewisse Vorurteilslosigkeit, manchmal auch Respektlosigkeit gegenüber Traditionen kann ganz erfrischen sein.

Eine Tradition ist ein Glaube oder ein Verhalten, das innerhalb einer Gruppe oder einer Gesellschaft weitergegeben wird. Dabei spielt auch die symbolische Bedeutung, deren Ursprung in der Vergangenheit liegt, eine große Rolle. Traditionen können über Jahrtausende bestehen und sich weiterentwickeln. Das Wort "Tradition" selbst stammt vom Lateinischen "tradere" oder "traderer", was wörtlich so viel bedeutet wie "übermitteln, weitergeben, weiterreichen". Das Konzept der Tradition als Idee, an einer vorausgegangenen Zeit festzuhalten, wird auch im politischen und philosophischen Diskurs gefunden.

Swami Sivananda

Unzählige Faktoren können den Verlust der Tradition beschleunigen – so zum Beispiel die Industrialisierung, die Globalisierung, die Assimilation und die Marginalisierung bestimmter kultureller Gruppen. Die Tradition steht in der Regel im Kontrast zu dem Ziel der Moderne und sollte getrennt von Bräuchen, Konventionen, Gesetzen, Normen, Routinen und ähnlichen Konzepten betrachtet werden.

Die Tradition von Yoga (Vidya)

Schon seit tausenden von Jahren wird die göttliche Wissenschaft des Yoga in Indien praktiziert. Yoga bringt Körper und Geist sanft in Einklang mit den Naturgesetzen und entspricht der Suche nach höheren Werten im Leben. Jeder kann Yoga praktizieren, unabhängig von kulturellen, religiösen und materiellen Umständen. Yoga wird das erste Mal in den Veden erwähnt, den ältesten Schriften, die bisher entdeckt wurden. Der letzte Teil der Veden, die Upanishaden, liefern das philosophische Fundament der Yogalehre.

Vishnu-devananda und Sukadev

Das Ziel des Yoga wird als Wiedervereinigung des individuellen Selbst oder Bewusstseins (Jiva) mit der höchsten Seele oder reinem Bewusstsein (Brahman) beschrieben. Die Vereinigung mit dieser unveränderlichen Wirklichkeit befreit die Seele von jeglichem Gefühl des Getrennt-Seins sowie der Illusion von Zeit und Raum, und führt zur Erkenntnis unserer wahren Natur. Das Wort "Yoga" bedeutet wörtlich "Vereinigung". Unzählige Yoga-Praktizierende und Yoga-Lehrer auf der ganzen Welt haben die Dynamik dieser Tradition am Leben erhalten und sehen die klassische Lehre in ihren eigenen Erfahrungen bestätigt.

Yoga ist eine Synthese von vier Pfaden: Jnana Yoga – philosophisches Hinterfragen; Bhakti Yoga – die Übung der Hingabe; Karma Yoga – selbstloses Handeln; und Hatha oder Raja Yoga – die Kontrolle von Körper und Geist. Einfacher ausgedrückt entsprechen diese Pfade der perfekten Harmonie von Kopf (Jnana), Herz (Bhakti), Händen (Karma) und dem menschlichen Geist (Hatha oder Raja).

Große Meister

Die vorbeugenden und heilenden Wirkungen von Yoga sind mittlerweile allgemein bekannt. Der Pionierarbeit vieler Yogameister ist es zu verdanken, dass Yoga heute eine derart große Anerkennung in der Welt genießt.

Eine inspirierende Verkörperung der Yogalehre im 20. Jahrhundert war Swami Sivananda (1887-1963). Obwohl er Yoga in Indien praktizierte und lehrte, hatte er die Vision, dass die ganze Welt von Yoga profitieren sollte. Bevor er sein Leben dem Pfad des Yoga widmete, war Swami Sivananda Arzt. Dadurch war er imstande, Yoga auf der Basis eines naturwissenschaftlichen Hintergrundes zu vermitteln. Komplizierte philosophische Sachverhalte erklärte er auf einfache und leicht verständliche Weise. Er schrieb viele maßgebende Bücher über alle Aspekte des Yoga und gründete 1935 die Divine Life Society, Ashram und Yoga-Akademie in einem, die sich den Idealen der Wahrheit, der Reinheit, der Gewaltlosigkeit, der Selbsterkenntnis und des Weltfriedens widmet.

Swami Sivananda machte Yoga auch Frauen zugänglich – ein mutiger Schritt in einer Zeit, in der die Yogapraxis Indiens hauptsächlich Männern vorbehalten war. Diese Weitsicht wird durch die heutige Beliebtheit des Yoga bestätigt, in der die meisten Praktizierenden Frauen sind.

Swami Sivananda schickte 1957 einen seiner herausragendsten Schüler, Swami Vishnudevananda (1927-1993), in den Westen, wo jener 35 Jahre lang Yoga lebte und lehrte. Swami Vishnudevanandas persönliches Engagement und enthusiastischer Unterricht hat in Amerika und Europa wie auch in Indien selbst viele Menschen zur Yogapraxis inspiriert. Unter dem Motto "Klarheit und Einfachheit" unterrichtete er Yoga nach fünf Grundprinzipien in einer gut strukturierten Übungsabfolge. Entsprechend der Vision seines Meisters gründete er die Internationalen Sivananda Yoga Zentren und rief die erste Yogalehrer-Ausbildung im Westen ins Leben. Swami Vishnu-devananda legte Wert darauf, dass Yogalehrer die Yogapraxis in erster Linie als einen Beitrag zum Weltfrieden vermitteln.

Yoga heute

Der große technologische Fortschritt der letzten Jahrzehnte hat das Leben stark beschleunigt. Daher ist Stressabbau heute ein Hauptbeweggrund, um Yoga zu praktizieren. In aller Einfachheit auf einer Matte auf dem Boden Yoga zu üben stellt einen willkommenen Kontrast zur Komplexität des modernen Lebens dar. Dabei kommen Körper und Geist allmählich wieder in Einklang. Obwohl viele Menschen mit Yoga beginnen, um Stress abzubauen, den Körper fit und flexibel zu halten oder Verspannungen im Rücken zu lösen, führen die Yoga-Erfahrungen von Tiefenentspannung und innerer Ausgeglichenheit oft auch zu einer positiveren Lebenseinstellung.

Anfänger erleben die Vorteile von Yoga hauptsächlich in Form von mechanischen Veränderungen in Muskeln und Gelenken, einer verbesserten Durchblutung, einer Regulierung der Körpertemperatur und einer besseren Kontrolle des Nervensystems durch bewusstere Atmung. Laut Yoga sind dies eigentlich Veränderungen des Pranaflusses (Vitalenergie), die mit fortschreitender Praxis sowohl auf körperlicher wie geistiger Ebene erfahren werden. Prana verstehen und kontrollieren ist der Schlüssel zu einem gesunden Gleichgewicht zwischen Körper und Geist.

Vom Wert einer Tradition

Aus einem Vortrag von Sukadev Bretz

Chinmayananda Sivananda Rishikesh Ganga.jpg

Im Yoga sprechen wir gerne von der spirituellen Tradition, die Sampradaya, auch Guru Parampara genannt. Spirituelles Wissen wird in Traditionslinien weitergegeben. Eine spirituelle Tradition hat einen spirituellen Lehrer, einen Meister oder eine Meisterin, die Begründerin, der Begründer dieser spirituellen Tradition. Und dann geht es darum, dass diese spirituelle Tradition weitergegeben wird von einem Lehrer auf einen Schüler.

In einer Traditionslinie gibt es eine Einweihungsenergie, Diksha genannt, das heißt Einweihung, und wo auch immer es Einweihungen gibt, gibt es das typischerweise in einer Traditionslinie. Jemand ist eingeweiht worden von seinem spirituellen Meister, hat von ihm die Autorisierung bekommen, selbst Einweihungen zu geben und dann kann er auch dem würdigen Schüler wieder eine Autorisierung geben, um Einweihungen zu geben. Bei Yoga Vidya z.B. gibt es in unserer Tradition die Mantra Einweihung als wichtigste Einweihung und ich selbst wurde von Swami Vishnudevananda dazu ermächtigt, Einweihungen zu geben, er hat diese bekommen von seinem Meister Swami Sivananda und Swami Sivananda ist in der Sannyas-Tradition, wo jeder Swami eben in dieser Shankaracharya-Tradition in bestimmte Mantras einweihen kann.

Und ich habe auch wieder Menschen dazu autorisiert, Mantra-Weihen zu geben. Auch spirituelle Namen vergeben wir in einer Tradition und es gibt in unserer Tradition eben auch Sannyasa-Weihen, Mönchs-Weihen, Nonnen-Weihen, und Brahmacharya-Weihen, also die, man könnte sagen, Novizen-Einweihungen. Das sind alles Einweihungsrituale, die in einer bestimmten Tradition sind. Und in dieser Tradition entsteht ein Energiefeld, Sheldrake würde es morphogenetisches Feld nennen. Im Yoga sprechen wir von spiritueller Kraft, wir sprechen von Gedankenkraft, wir sprechen einfach von der Guru Parampara Shakti, die Kraft der Lehrer-Schüler-Nachfolge.

Und wenn man sich an eine bestimmte Tradition anschließt, dann bekommt man diese besondere Energie dieser Tradition, man kann sie spüren, man kann sie fühlen, man kann sich daran anschließen. Das ist so ähnlich wie, man kann einen Stecker in eine Steckdose reingeben und das Licht brennt. Woher kommt das Licht? Das Licht kommt natürlich von der elektrischen Leitung, da kommt die Elektrizität her, die geht dann weiter zu Transformatoren und irgendwo gibt es vielleicht ein Windkraftwerk, von dem der Strom erzeugt wurde. In diesem Sinne, die Sampradaya oder die Guru Parampara Shakti, die transportiert diese Kraft.

Jetzt kannst du selbst überlegen, steckst du in einer bestimmten spirituellen Tradition oder gehörst du zu den Freigeistern? Es gibt auch Freigeister, die keiner spirituellen Tradition angehören, und es gibt auch spirituelle Meister, die die Gottverwirklichung erreicht haben, ohne einer Tradition anzugehören, manche davon haben dann eine eigene Tradition begründet. Aber im Allgemeinen ist es gut, in einer bestimmten Tradition zu sein und sich an diese spirituelle Kraft und die Lehren der Tradition irgendwo anzuschließen, es macht den spirituellen Fortschritt leichter und es hilft, dass man mehr Prana, mehr Energie, hat, mehr Sicherheit, mehr Licht und Freude.

Traditionsbewusstheit - Antonyme und Synonyme

In diesem Yoga Wiki werden über 1000 Tugenden und Persönlichkeitsmerkmale beschrieben. Hier einige Erläuterungen, wie man die Eigenschaft der Traditionsbewusstheit in Beziehung zu anderen Fähigkeiten und Verhaltensweisen sowie in Bezug auf Laster sehen kann:

Ähnliche Wörter wie Tradition - Synonyme

Ähnliche Eigenschaften wie Tradition bzw. Traditionsbewusstheit, also Synonyme zu Tradition sind z.B. Brauch, Vermächtnis, Fortbestand, Gepflogenheit, Brauchtum, Ritual.

Ausgleichende Eigenschaften

Jede Eigenschaft, jede Tugend, die übertrieben wird, wird zu einer Untugend, zu einem Laster, einer nicht hilfreichen Eigenschaft. Traditionsbewusstheit übertrieben kann ausarten z.B. in Starrheit, Unbeugsamkeit, das Festhalten an Überholtem. Daher braucht Traditionsbewusstheit als Gegenpol die Kultivierung von Spontaneität, Wandel, Veränderung, Bewegung.

Gegenteil von Tradition - Antonyme

Zu jeder Eigenschaft gibt es ein Gegenteil. Hier Möglichkeiten für Gegenteil von Traditionsbewusstheit, Antonyme zu Tradition :

Tradition Antonyme

Antonyme Tradition sind Spontaneität, Wandel, Veränderung, Bewegung, Orientierungslosigkeit, Anarchie, Chaos, Durcheinander.

Tradition im Kontext von Big Five, Ayurveda Doshas und DISG


Siehe auch

Eigenschaften im Alphabet vor Tradition

Eigenschaften im Alphabet nach Tradition


Weblinks

Literatur

  • Swami Sivananda: Die Kraft der Gedanken; Books. ISBN 3-922477-94-1
  • Swami Sivananda: Shrimad Bhagavad Gita, Erläuternder Text und Kommentar von Swami Sivananda; Mangalam Books. ISBN 3-922477-06-2
  • Swami Sivananda: Hatha-Yoga / Der sichere Weg zu guter Gesundheit, langem Leben und Erweckung der höheren Kräfte; Heinrich Schwab Verlag. ISBN 3-7964-0097-3
  • Swami Sivananda: Göttliche Erkenntnis; Mangalam Books. ISBN 3-922477-00-3
  • Swami Sivananda: Sadhana; Mangalam Books. ISBN 3-922477-07-0
  • Swami Sivananda: Autobiographie von Swami Sivananda; Bad Mainberg 1999. ISBN 3-931854-24-8

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